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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis

19 6 4

Nr. 1 Die Gewerkschaften und ihr Beitrag zur amerikanischen
Gesellschaftsordnung
Hat das Kollektiwerhandlungswesen noch Zukunft?
1963 brachte neuen Stil im Tarifverhandlungswesen
Betrieblich geförderte Freizeitprogramme
US-Eisenbahnen können "zweiten Mann" auf Dieselloks
abbauen

+
i

Nr. 2

Gewährleistung gleicher Berufschancen für Amerikas
Minderheiten
Die wirtschaftlichen Ziele der amerikanischen
Gewerkschaften
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 3

Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen in den USA (I)
Neue Möglichkeiten des Kollekt vverhandlungswesens
Gewerkschaftliche Kurznachrichten:
Lohnpolitischer Rundblick

+
Nr. 4 Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen in den USA (II)
Druckereifachschule in Colorado Springs
Die Firma zahlt den Doktorhut
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+

�Nr. 5

Gewerkschaft und Automation - Dreimal Waffenstillstand
an der amerikanischen Westküste
Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den
USA (I)
US-Eisenbahnerstreik endgültig gebannt

+
Nr. 6

Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den
USA (II)
Die amerikanischen Gewerkschaften und die Präsidentschaftswahlen
Ende der Monotonie am Fließband?
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 7

Arbeitsmarkt- und Automationsforschung in den USA:
Ziele und Aufgaben
Die Automationsforschung:
Untersuchungen über technische Neuheiten
Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation
Künftige Forschungsreihen

'

Die Gewerkschaften und das öffentliche Interesse
Gewerkschaft1iche Kurznachrichten
+

Nr.

/9 Bezahlter Urlaub als Bestandteil von Kollektivverträgen
Die Rolle der Gewerkschaften in der modernen Wirtschaft
"Haben Sie s hon einen Job?"
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+

- 2-

�10

Die Mitgliederbewegungen der amerikanischen
Gewerkschaften
Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (I)

+
Gezielte Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die
Pensionierung
Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (II)
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Technologische Betriebsumstellungen und die Auswirkungen
auf die Arbeitnehmer
Probleme des technischen Wandels müssen fortschrittlich
gelöst werden
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+ + + + +

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" Ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1964

INHALTSVERZEICHNIS
Die Gewerkschaften und ihr Beitrag zur amerikanischen
Gesellschaftsordnung

Seite

1

Hat das Kollektivverhandlungswesen noch Zukunft?

Seite

7

1965 brachte neuen Stil im Tarifverhandlungswesen

Seite 11

Betrieblich geförderte Preizeitprogramme

Seite 13

US-Eisenbahnen können "zweiten Mann" auf
Dieselloks abbauen

Seite 14

George LIeany, Präsident des amerikanischen
Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO:
Die Gewerkschaften und ihr Beitrag zur amerikanischen
Gesellschaftsordnung
Der Beitrag der US-Gewerkschaften zur amerikanischen Demokratie
tritt so gut v;ie in allen Lebensbereichen zutage.
Wirtschaftliche Vorteile - in Form von höheren Löhnen, kürzeren
Arbeitszeiten, bezahltem Urlaub, bezahlten Feiertagen und Kranken-,
Altersversorgung^- und Wohlfahrtsplänen -, die von den Gewerkschaften
für ihre Mitglieder errungen wurden, sind auch für die meisten nichtorganisierten Arbeitnehmer zu Bestandteilen ihrer Beschäftigungsverträge geworden. Überall zeigt sich sozialer Fortschritt als Ergebnis
gewerkschaftlicher Arbeit. Freie und allgemeine Bildungsmöglichkeiten,
Sozial- und Invaliditätsversicherungssysteme, öffentliche Wohnbauprogramme, Gewährung voller Bürgerrechte an alle Amerikaner sind Dinge, die
in beträchtlichem Maße von der Gewerkschaftsbewegung mit durchgesetzt
wurden.
(
Der

�Der unmitteibarsteund ureigenste Beitrag der Gewerkschaften zur
amerikanischen Gesellschaftsordnung ist das System des Zusammenspiels
der Sozialpartner auf industriellem Gebiet. Arbeitnehmer erkämpften
sich zunächst das gesetzlich verankerte Koalitionsrecht. Dann trugen
sie durch ihre Gewerkschaften zur Entwicklung eines ordnungsgemäßen
Verfahrens in Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen bei.
TarifVerhandlungen, zu denen sich Vertreter der Arbeitnehmer und Arbeitgeber freiwillig zusammenfinden, um gemeinsam eine Regelung von
Lohn- und Arbeitsfragen auszuhandeln, galten einmal als eine kaum
erreichbare, fast revolutionäre Zukunftsvision. Trotzdem gibt es
nur ganz wenige rückständige Industrien und Gebiete, in denen dies
noch nicht zu einem festen Bestandteil ihrer Lebensordnung geworden
ist.
Pragmatismus in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
Im Zuge dieser Entwicklung haben die amerikanischen Gewerkschaften das Hauptgewicht mehr auf praktische als auf ideologische Fragen
gelegt. In den Vereinigten Staaten gab es keine Generalstreiks oder
andere Arbeitseinstellungen mit politischen Zielen. Auseinandersetzungen zwischen den Sozialpartnern drehen sich um Arbeitsplatzprobleme
und sind in ihrer Mehrzahl von parteipolitischen Einflüssen freigeblieben.
Viele dieser praktischen Verhandlungserfolge können nicht in
Dollar und Cent ausgedrückt werden. Menschliche Würde und Selbstachtung lassen sich ebensowenig wie der Wirkungsgrad demokratischer Grundsätze, der durch gesunde TarifVerhandlungen innerhalb der Industrie
erreicht wurde, mit einem Preisschild auszeichnen. Gewerkschaften haben für menschenwürdige und demokratische Arbeitsverhältnisse gesorgt,
die auch für Millionen nichtorganisierter Arbeitnehmer Gültigkeit erhielten .
Diese Erfolge sind nicht Geschenke an die Gewerkschaften, sondern Geschenke der Gewerkschaften an die Allgemeinheit. Niemand sonst
hielt kürzere Arbeitszeiten für vernünftig, Beschwerdeverfahren für
durchführbar, bezahlten Urlaub für zweckmäßig, Alters- und Gesundheitsfürsorge für erreichbar.
Die Gewerkschaften bewiesen nicht
nur das Gegenteil, sondern ihre Erfolge kamen darüber hinaus der ganzen Nation zugute.
Höhere Löhne durch Tarifverhandlungen
Einige dieser Erfolge sind meßbar. Der Reallohn für Fabrikarbeiter beispielsweise hat sich in der letzten Generation verdoppelt.
Diese Lohnerhöhungen stießen damals wie heute auf Widerstand. Dennoch
haben sich die gewerkschaftlichen Bemühungen um eine Hebung des Lebensstandards für Amerika reichlich ausgezahlt. Im Jahre 1962 betrug
das amerikanische Bruttosozialprodukt 555 Milliarden Dollar und die
Gesamtzahl der Beschäftigten über 68 Millionen. Ohne ein kräftiges
Ansteigen der Kaufkraft breiter Schichten wäre eine Erhaltung oder
Ausweitung der auf Massenproduktion gegründeten US-Wirtschaft unmöglich gewesen.
Ei nige

2

�Einige Wirtschaftswissenschaftler streiten jeden Beitrag der
Gewerkschaften zur Anhebung der allgemeinen Kaufkraft ah. Sie behaupten, daß sich die Löhne ohnedies erhöht hätten und eine Auswirkung gewerkschaftlicher Bemühungen hier nicht nachweisbar sei. Diese
Behauptung ist absurd. Jeder, der glaubt, daß die amerikanischen Gewerkschaften für Lohngewinne und eine steigende Kaufkraft nicht mitverantwortlich sind, hat noch nie am Verhandlungstisch gesessen und
auch nichts vom Wesen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen begriffen. Auch die Verbesserung der Löhne und Lohnnebenleistungen
hat wesentlich dazu beigetragen, daß die USA heute das höchste Produktivitätsniveau der Welt besitzen. Die Forderung nach höheren Löhnen hat die Betriebsleitungen gezwungen, neue und bessere Produktionsmethoden einzuführen. Und das Ergebnis ist eine beständige und rasche
Zunahme der Produktion pro Mann und Arbeitsstunde.
Trotzdem haben die Gewerkschaften niemals ihr Blickfeld nur auf
Dollar und Cent eingeengt. "Brot und Butter" ist das Ziel aller Gewerkschaften - wichtig war aber auch stets die Schaffung besserer
Arbeitsbedingungen. Niemand kann bestreiten, daß die Gewerkschaftsbewegung wesentliche Beiträge zur Einführung ordnungsgemäßer Beschwerdeverfahren, zur Ausarbeitung von Sicherheitsnormen und zur Anerkennung
des Anciennitätsprinzips, um nur einiges zu nennen, geleistet haben.
Der Kampf um soziale Würde
Mehr Freizeit ist das Ergebnis des gewerkschaftlichen Kampfes
um anständige Lebensverhältnisse. Nur die Gewerkschaften sorgten für
eine Verkürzung der Sonnenauf- und Sonnenuntergangs-Arbeitszeit auf
eine 60-Stunden-Woche Ende des 19« Jahrhunderts. Nur die Gewerkschaften sorgten für eine weitere Einschränkung der Arbeitswoche auf 40
Stunden, die seit 1940 in den Vereinigten Staaten die allgemeine Norm
sind. Auch heute drängen die Gewerkschaften im Rahmen ihrer Vollbeschäftigungspolitik wieder auf kürzere Arbeitszeiten und treffen auf
den üblichen Widerstand. Ihr Ziel dabei ist nicht noch mehr Freizeit,
sondern eine gesündere Wirtschaft; aber dieser Unterschied zählt bei
denjenigen nicht, die in jeder Änderung Gefahr wittern.
Diese Ergebnisse haben in ihrer Vielfalt eine gesündere,
und entspanntere Atmosphäre geschaffen und Amerika zu größerem Wohlstand geführt, denn TarifVerhandlungen bilden ein ausgezeichnetes
demokratisches Mittel zur Erreichung industrieller Macht und industriel
len Friedens.
Gewerkschaften kümmern «ich nicht nur um Fragen des Arbeitsplatzes. Jeder Seite im Leben des Arbeitenden gilt ihre Aufmerksamkeit.
Schon früh in der amerikanischen Geschichte haben sich die Gewerkschaften darum bemüht, Demokratie für die Gesamtheit des Volkes,
und nicht nur für eine privilegierte Minderheit zur Realität werden zu lassen. Seit hundertfünzig Jahren haben sie nationale Ziele
aufgestellt, die oft unerreichbar zu sein schienen und trotzdem
erreicht wurden.
Eine s

-

3 -

�Eines der «raten Ziele der amerikanischen Arbeiterschaft
waren freie und allgemeine Bildungsmöglichkeiten für alle, weil
man erkannte, daß eine funktionsfähige Demokratie ein allgemeines
Wahlrecht und eine gebildete Wählerschaft voraussetzt. Parteien und
politische Gruppen, zu denen sich die Arbeiterschaft zusammenschloß,
sowie die ersten Gewerkschaften bildeten die Avantgarde im Kampf
um Bildungsmöglichkeiten für jedes Kind. Bis auf den heutigen Tag
haben die US-Gewerkschaften in ihren Bemühungen um die Ausdehnung
und Verstärkung des amerikanischen Erziehungswesens nicht nachgelassen .
Auch Kinderarbeit ist in den USA nicht mehr üblich, vor allem
weil sich die Gewerkschaften für ihre Beendigung eingesetzt haben.
Gesetzliche Gesundheits- und Sicherheitsvorschriften haben dazu bei- '
getragen, daß in den Fabriken, Bergwerken und Werkstätten der Vereinigten Staaten menschenwürdige Verhältnisse herrschen. Mindestlohn- und Arbeitszeitgesetze, Invalidität«-, Arbeitslosen- und Sozialversicherung sowie öffentliche Wohnbauprogramme sind einige der
Hauptpunkte des gewerkschaftlichen Gesetzgebungsprogramms.
Die Wirkung der Gewerkschaften auf nichtorganisierte Arbeitnehmer
Selbstverständlich haben nicht die Gewerkschaften allein die ganze
Arbeit geleistet. Aber gibt es eine andere Organisation, die je so
viel für einen so großen Teil ihrer Mitbürger zu erreichen gesucht
und auch durchgesetzt hat? Die geltenden Arbeitsgesetze schreiben
nicht vor, daß nur Gewerkschaftsmitglieder Anspruch auf geregelte
Arbeitszeiten und anständige Arbeitsbedingungen oder bessere Wohnungen und sozialen Schutz haben. Das von den Gewerkschaften geförderte
Gesetzgebungsprogramm kommt allen Amerikanern zugute.
Die Gewerkschaften haben sich für die Vereinigten Staaten eine
Wirtschaft der Vollbeschäftigung zum Ziel gesetzt. Mit Inkrafttreten
des Beschäftigungsgesetzes von 1946 wurde der US-Regierung die gesetzliche Auflage erteilt, für ein Höchstmaß an Beschäftigung, Produktion und Kaufkraft zu sorgen. Um diesem Gesetz Wirkung zu - geben,
haben die Gewerkschaften Maßnahmen unterstützt, die die beste
Nutzung der vorhandenen Industrieanlagen, Betriebsauatüstung und
Arbeitskräfte gewährleisten. Der Erzielung einer höheren Zuwachsrate und einer produktiven Nutzung aller Hilfsquellen gilt seit Jahren schon ein wichtiger Teil der gewerkschaftlichen Arbeit. In den
fünfziger Jahren haben die Gewerkschaften Maßnahmen ausgearbeitet,
die zur Lösung der Probleme in Notstandsgebieten beitragen sollten,
mit dem Ergebnis, daß 1961 das Gesetz zur Beseitigung wirtschaftlicher
Notstandsgebiete (Area Redevelopment Act) in Kraft trat. Das Gesetz
über die Umschulung und Fortbildung von Arbeitskräften (Manpower
Development and Training Act) aus dem Jahr 1962 hat zusammen mit anderen Gesetzgebungsmaßnahmen auf diesem Gebiet den Boden für neue
staatliche Hilfe an Arbeitnehmer bereitet, durch die ihnen die Überwindung von Anpassungsschwierigkeiten infolge der Arbeitsumschichtungen unseres Jahrhunderts erleichtert werden soll.
Die

�Die Herausforderung der Automation
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Diese Gesetzgebungsarbeit und der in langen Jahren von den
Gewerkschaften unternommene Versuch, die Nation an die Probleme der
Automation heranzuführen, greifen ineinander über. Im Verlauf ihrer
Geschichte haben die Gewerkschaften immer wieder sozial, wirtschaftlich und menschlich vernünftige Wege zur Anpassung an neue Entwicklungen in Wissenschaft und Technik angestrebt. Der Gewerkschaftsverband AFL-CIO akzeptiert und begrüßt sogar den Wandel auf technologischem Gebiet, der so viel Aussicht auf Befreiung von Plackerei und
auf Wohlstand für alle in sich trägt. Dennoch versuchen die Gewerkschaften sicherzustellen, daß die neuen Wunder der Wissenschaft dem
Volk als Ganzem zugute kommen. Aber dieses Ziel ist noch nicht erreicht.
Und solange eine sozial vertretbare Anpassung an die Automation noch
nicht vollzogen ist, werden auch die Gewerkschaften in ihren Bemühungen nicht nachlassen.
Die Gewerkschaften sind auch mit an erster Stelle für eine AltersKrankenfürsorge im Rahmen der Sozialversicherung als notwendige Maßnahme zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der älteren Menschen eingetreten. Viele von ihnen waren in ihrem Kampf allein und ohne viel
Unterstützung, bis sich nach Jahren intensiver Gewerkschaftsarbeit
solche Erfolge als möglich und solche Ziele als erstrebenswert herausstellten.
Die politische Arbeit der Gewerkschaften und ihre Bedeutung
Die Gewerkschaften haben sich stets aktiv am politischen Leben
der Vereinigten Staaten beteiligt und auf eine Ausdehnung und sinnvollere Gestaltung des Wahlrechts hingearbeitet. Sie geben ihre Unterstützung den Kandidaten beider großen Parteien, ihre Opposition richtet
sich gegen jeden, dessen Ansichten in den Augen der Gewerkschaften den
besten Interessen der Nation zuwiderlaufen. In jüngster Zeit haben die
Gewerkschaften ihre Bemühungen um die Ausweitung des Wahlrechts intensiviert. Ihre Unterstützung galt sowohl der Überwindung von Registrierungsschwierigkeiten wie auch der Beseitigung aller Einschränkungen des Stimmrechts bestimmter Bevölkerungsgruppen.
Eine politische Demokratie kann in unserer Welt nicht ohne die
Entfaltungsmöglichkeit starker, freier und demokratischer Gewerkschaften gedeihen. Diese Wahrheit sollte jedem in den letzten dreißig Jahren
klargeworden sein. Totalitäre Systeme haben dies längst begriffen. In
allen Diktaturen wurden freie Gewerkschaften unterdrückt, angefangen
von der Sowjetunion über das nationalsozialistische Deutschland bis
zu Kuba, wo Castro das jüngste Beispiel hierfür liefert.
Die amerikanischen Gewerkschaften arbeiten mit den Gewerkschaftsorganisationen anderer Länder zusammen, um der Gewerkschaftsbewegung
zu größerer Verbreitung zu verhelfen. Die AFL-CIO wendet nahezu ein
Viertel ihrer Einnahmen für internationale Programme auf, ohne davon
auch nur einen Pfennig an materiellen Nutzen zu erhoffen oder zu erwarten. Ihr Ziel ist die Verbreitung und Stärkung demokratischer Lebensprinzipien, zum Teil aus Gründen der Humanität,uzum Teil aber auch
aus der Überzeugung, daß dies für die Sicherheit Amerikas wesentlich

-

5 -

�So oberflächlich dieser Überblick über die Leistungen der Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten auch sein mag, mir scheint
er bereits alle diejenigen zu widerlegen, die in den Gewerkschaften
eine Gefahr für die Nation sehen.
Die Rolle der Gewerkschaften im Wandel Amerikas
Gewerkschaften sind ein organischer und unentbehrlicher Bestandteil der amerikanischen Gesellschaftsordnung. Am Verhandlungstisch,
im Parlament und in der politischen Arena haben sie bewiesen, daß
Visionen von heute zu Realitäten von morgen werden können. Sie haben
das Unmögliche gefordert - und seine Verwirklichung erlebt.
Für mich ist dies ein wesentlicher Bestandteil des demokratischen
Prozesses. Mit Recht ehren wir unsere Gründerväter, die vor zwei Jahrhunderten die Vereinigten Staaten geschaffen haben. Aber genauso wie
sie in ihrer Zeit über die fest verwurzelten und ofJlr bewunderungswürdigen
Traditionen Westeuropas hinaus gingen, um eine den Realitäten der Neuen
Welt angemessenere Regierungsform zu schaffen, müssen auch wir als ihre
Nachfahren ihr Erbe den Forderungen der Gegenwart anpassen.
Und hier liegt der Kern aller gewerkschaftlichen Arbeit. Sie wird
ebensowenig ein Ende finden, wie der Wandel selbst ohne Ende ist.
Um es anders auszudrücken: Gewerkschaften sind die Antithese zu
Reaktion. Gewerkschaften sind ihrem Wesen nach der Erkenntnis verpflichtet, daß die Nation niemals in ihre Vergangenheit zurückschreiten kann,
nicht einmal in eine Zeit, die in der Rückschau besser erscheint als
die Gegenwart. Gewerkschaften kämpfen für eine bessere Gegenwart
und eine bessere Zukunft, und zwar nicht nur im Interesse ihrer eigenen
Mitglieder, sondern auch im Interesse Amerikas und der Welt.
Um ein wohlbekanntes Wort abzuwandeln: Wenn es keine Gewerkschaften gäbe, müßten sie erfunden werden. Denn sie sorgen dafür, daß das
amerikanische Gesellschaftssystem mit dem Wandel in der Welt Schritt
hält.

Bei Nachdruck sind Angabe des Verfassers
und folgender Vermerk erforderlich:
"Nachdruck mit Genehmigung der Zeitschrift 'Yale Political1' (März 1965)
(c) 1965 Yale Political Publishing Co."

* * * * *

- 6 -

�W. Willard Wirtz, US-Arbeitsminister:
Hat das Kollektivverhandlungswesen noch Zukunft?
Unternehmer und Gewerkschaften der Vereinigten Staaten stehen
heute in ihren gegenseitigen Beziehungen an einem wichtigen Scheideweg. Das traditionelle Verfahren der Kollektivverhandlungen und auch
die gegenwärtige Arbeitsgesetzgebung vermögen die Öffentlichkeit
hinsichtlich ihrer Wirksamkeit nicht mehr länger voll zu überzeugen zumindest nicht bei ernsteren Meinungsverschiedenheiten zwischen den
Sozialpartnern .•
Es geht heute bei solchen Arbeitsstreitigkeiten gar nicht mehr so
sehr darum, inwieweit eine Schädigung der Wirtschaft tatsächlich oder
nur angeblich «ingetreten ist. Es gilt längst als entschieden: können
sich die Kontrahenten in einem Streitfall nicht friedlich einigen, so
trifft der Staat eine entsprechende Regelung von sich aus. Ich persönlich billige diese Entscheidung ausdrücklich, wenn im Interesse
de« Allgemeinwohls die Paralysierung von Schlüsselindustrien vermieden werden muß, die eine Schädigung der gesamten Wirtschaft zur Folge
hätte.
Der Staat muß aber auch darauf bedacht sein, seinen Bürgern die
Entscheidungsfreiheit zu erhalten, soweit dies nur irgendwie vertretbar ist. Nach meiner Überzeugung läßt sich das Verfahren frei zu
vereinbarender Tarifabmachungen durchaus so gestalten und handhaben,
daß es dieser Forderung voll genügt.
Der Fortbestand des Kollejctivverhandlungswesens hängt heute von
zwei Faktoren ab, von denen einer völlig außerhalb seines Bereichs zu
liegen scheint, nämlich die Gesunderhaltung unserer Gesamtwirtschaft.
Es sei daran erinnert, daß es bei den meisten größeren Auseinandersetzungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften in jüngerer
Zeit vornehmlich um-das sehr ernste Problem der Verdrängung - oder
drohenden Verdrängung - von Arbeitskräften von ihren Arbeitsplätzen
durch Maschinen oder neue Produktionsmethoden ging. Es ist eine offene
Frage, ob Kollektiwerhandlungen die geeignete Methode zur Regelung
von Streitfällen sind, sollte es zu ernsthaften diesbezüglichen Schwierigkeiten in den Massenbeschäftigungsindustrien kommen. Sie dürfte
nur so lange mit "ja" zu beantworten sein, wie die Gesamtwirtschaft
eine Expansionsrate aufweist, die so hoch ist, daß die verdrängten
Arbeitskräfte eine reelle Chance haben, eine neue Beschäftigung zu
finden. Ist dies nicht der Fall, werden sie ihren Vertretern am
Verhandlungstisch mit großer Wahrscheinlichkeit die Vollmacht verweigern, in ihrem Namen ihrer Entlassung zuzustimmen.
Mithin dürfte die Zukunft des Tarifverhandlungswesens in seiner
derzeitigen Gestalt - d.h. ohne zusätzliche gesetzliche Eingriffsmöglichkeiten - engstens mit der künftigen Entwicklung der Arbeitslosen- bzw. Beschäftigtenrate verknüpft sein.
Darüber hinaus dürfte sie - unter der Voraussetzung, daß das
Verhandlungsklima nicht durch eine gesetzliche Schlichtung von Grund
auf verändert wird - von der Entwicklung von Verfahrensweisen abhängen,
die die Regelung auch ernster Arbeitsstreitigkeiten in den lebens-

-

7 -

�lebenswichtige» Wirtschaftszweigen ohne wirtschaftsschädigende Stillegungen gestatten, wenn nicht sogar garantieren.
Vieles deutet darauf hin, daß sich diese Entwicklung bereits
anbahnt und bald schon immer rascher vollziehen wird.
Fast alle größeren Arbeitsstreitigkeiten, die einen nationalen
Notstand heraufzubeschwören drohten, wiesen eine Gemeinsamkeit auf, die
bisher kaum die ihr gebührende Beachtung gefunden hat: nahezu alle
getroffenen Regelungen erstrecken sich von vornherein auch auf die Beilegung oder gänzliche Vermeidung jeder denkbaren künftigen Krise.
Dies gilt sowohl für die Einigung im Stahlarbeiterstreik von 1959/60
als auch für die Beilegung des Streiks des Bodenpersonals der Fluglinien im vergangenen Jahr und des Hafenarbeiterstreiks von Anfang
1963. Eine ähnliche Regelung kam auch im New Yorker Zeitungsstreik
zustande, die neue Kollektivverhandlungen unter Beteiligung sämtlicher Zeitungen und Gewerkschaften nach Ablauf von zwei Jahren vorsieht.
Im Augenblick macht man sich praktisch in fast allen Industriezweigen auf beiden Seiten des Verhandlungstischs ernsthafte Gedanken
darüber, wie sich die zu erwartenden Schwierigkeiten auf eine beide
Teile befriedigende Weise regeln lassen. In einer Reihe von Fällen
ist man aus solchen Erwägungen heraus dazu übergegangen, Vertreter der
"Öffentlichkeit" zu den Verhandlungen zuzuziehen. Die Beteiligung der
Arbeitnehmer am Produktivitätsgewinn, wie sie zwischen der Kaiser
Steel Company und der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft (United
Steelworkers) vereinbart wurde, gibt eine Vorstellung davon, welche
Ergebnisse ein derartiges Vorgehen zeitigen kann.
Im Baugewerbe, im Kohlenbergbau, in der Flachglasindustrie, in
der Fleischkonservenindustrie und in den Raketenversuchsanstalten
wurden ähnliche Vereinbarungen zwischen Vertretern des Managements
und der Gewerkschaften getroffen.
Was sich hier anbahnt, ist etwas ganz anderes als Kollektivverhandlungen im traditionellen Sinne. Ich möchte es "konstruktives" oder
vielleicht noch besser "schöpferisches Verhandeln" nennen. Wenngleich
sich die in Rede stehenden Tarifverträge in vielen Einzelheiten unterscheiden, weisen sie doch drei wichtige Gemeinsamkeiten auf:
1. Vorkehrungen für die Behandlung vielschichtiger Probleme wie etwa der Anpassung an die Automatisierung - schon während der
Laufzeit des Vertrages und nicht erst bei den Verhandlungen kurz
vor Ablauf der Geltungsdauer des Vertrages und damit unter Zeitdruck.
Auf diese Weise ist Zeit und Gelegenheit gegeben, neue Ideen zu entwickeln, deren wir dringend bedürfen, um die Probleme einer in Bewegung geratenen Arbeiter- und Angestelltenschaft bewältigen zu können Ideen, die das Gegenstück zu Neuerungen bilden, wie sie beispielsweise
General Motors und die Automobilarbeitergewerkschaft vor einem Jahrzehnt mit der Einführung der Lohngleitklausel (die Koppelung der Lohnsätze an den Lebenshaltungskostenindex und die Produktivitätszuwachsrate)entwickelt haben;
2.

8

�2. Einschaltung eines "neutralen" oder "dritten" Gesprächspartners, sei es, um die Streitpartüien zu beraten, Vorschläge auszuarbeiten oder den Sachverhalt unvoreingenommen darzustellen. Es wäre weitgehend illusorisch, ein "öffentliches Interesse" postulieren zu wollen,
das sich auch nur im geringsten von den Interessen unterscheidet, um
die es bei einem ehrlichen Wechselspiel in den Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen geht. Die Teilnahme dritter, in jeder Hinsicht unabhängiger
Personen an derartigen Verhandlungen bietet aber die beste Gewähr dafür,
daß die "öffentlichen Interessen" gewahrt bleiben;
3. besondere Vorkehrungen für einen möglichst reibungslosen Verlauf der Verhandlungen gegen Ende der Laufzeit eines Tarifvertrages.
Zum Teil ist eine Schlichtung vorgesehen - die freiwillige Unterordnung
unter ein den jeweiligen Umständen angemessenes Schlichtungsverfahren.
Eine Reihe von Verträgen trägt dem dringenden Bedürfnis Rechnung, bei
industrieweiten Verhandlungen sowohl auf der Unternehmer- wie auf der
Gewerkschaftsseite zu zweckmäßigeren und von größerem Verantwortungsbewußtsein getragenen Absprachen innerhalb der Verhandlungsgruppen zu
gelangen. Die diesbezüglichen Schwierigkeiten rühren zum Teil daher,
daß sich mehr und mehr eine Form von "Gruppenverhandlungen" herausbildet und die Gruppen es vielfach versäumen, vor den Verhandlungen für
einen entsprechenden Ausgleich in ihren eigenen Reihen zu sorgen.
Neben den beachtenswerten Anzeichen für ein zunehmendes Interesse
der privaten Wirtschaft an neuen und gesünderen Formen des Tarifverhandlungswesens gibt es ermutigende Hinweise auf eine rasche Anpassung
der einschlägigen Regierungspolitik an die sich abzeichnende Entwicklung
mit dem Ziel, sie zu fördern.
Sowohl der Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst (Federal
Mediation and Conciliation Service - FMGS) als auch der Bundesschlichtungsausschuß für Arbeitsstreitigkeiten im Transportwesen (National Mediation
Board - NMB) nehmen heute vielfach schon Fühlung mit den beiden Verhandlungspartnern auf, noch ehe das Näherrücken des Auslaufdatums eines Tarifvertrages eine Krisensituation entstehen läßt. Das US-Arbeitsministerium
sowie das ihm angegliederte US-Bundesamt für Arbeitsstatistik und sein
Amt für Fragen des Arbeitspotentials, der Automation und der Schulung
sind bestrebt, ihre bisher mehr generelle Untersuchungstätigkeit auf
spezifische Probleme bestimmter Industriezweige auszudehnen. Es wäre
zu überlegen, ob man nicht einen eigenen Beratungsdienst für Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen einrichten sollte, dem Aufklärungsdienst
des Landwirtschaftsministeriums (Extension Service) vergleichbar, der
den Sozialpartnern mit Rat und Tat zur Seite stehen könnte. Es wäre
ferner zu überlegen, ob nicht die Vergabe von Regierungsaufträgen an
die Bedingung geknüpft werden sollte, daß die Firmen von sich aus alles
tun, um Unterbrechungen der Produktion auszuschließen, so wie der Zuschlag heute schon u.a. davon abhängig gemacht wird, daß der Betrieb in
seiner Personalpolitik auf diskriminierende Maßnahmen gegen Farbige
verzichtet. Der Ausschuß für Arbeitsfragen auf Raketenabschußbasen ist
ein anderes Beispiel für die Mitwirkung der Regierung an Arbeitsregelungen, die ihrem Grundcharakter nach dennoch rein privatwirtschaftlich
sind und auf Verhandlungen über einen Streikverzicht als Gegenleistung
für den Verzicht auf Aussperrung beruhen.
Die

�Die Bedeutung dieser Formen des "konstruktiven" oder "schöpferischen Verhandeins" ist heute noch gar nicht voll abzusehen. Ein« solche
Weiterentwicklung des Kollektiwerhandlungswesens ist aber unerläßlich, soll es auch in Zukunft allen Anforderungen genügen. Meiner Auffassung nach kommt dieser Entwicklung heute schon eine Bedeutung zu,
wie sie gegen Ende der vierziger Jahre die ziemlich plötzlich zu verzeichnende Bereitschaft beider Sozialpartner hatte, sich mit der bindenden Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten einverstanden zu erklären nicht nur dem Diktat der Vernunft, sondern auch den Forderungen der
Praxis folgend.
Soll diese sich anbahnende Entwicklung erfolgreich verlaufen, so
können wir auf die Dienste erfahrener, weitblickender und einfallsreicher "Dritter" nicht verzichten. Sie müssen noch dazu viel Geduld
aufbringen, sich ein selbständiges Urteil
bilden können und ansonsten durchaus die Qualitäten besitzen, die bei einem Schlichter immer
schon vorausgesetzt werden. Die Auslegung eines Tarifvertrags ist eine
handwerkliche Tätigkeit im Vergleich zu der Tätigkeit der "Architekten"
neuer Tarifverträge, wie sie uns vorschweben. Im einen Fall kann man
die Dinge nehmen, wie sie sind, im anderen Falle gilt es, selbst etwas
Neues, bisher nicht Dagewesenes zu schaffen, neue Antworten zu geben,
neue Ideen zu entwickeln.
Es liegt mir fern, hier den Eindruck zu erwecken, wir seien uns
selbst genau darüber im klaren, wie dieses "konstruktive" oder "schöpferi
sehe Tarifverhandlungswesen" der Zukunft eigentlich aussehen soll. Wir
sind es nicht. Die Erkenntnis der dringenden Notwendigkeit neuer Anstrengungen wie auch die Erfahrung der Vergangenheit werden die künftige Gestalt des Kollektivverhandlungswesens bestimmen. Es ist durchaus denkbar, daß sich eine ganz andere Formel oder ein ganz anderer Vorschlag
als die beste unter den denkbaren Lösungen herauskristallisiert. Den
Fachleuten im Bereich des Schlichtungswesens stellt sich die Aufgabe,
sich maßgeblich an der Suche nach einer solchen Formel oder einem solchen Vorschlag zu beteiligen.
Die allgemein anerkannte Institution der freien Kollektivverhandlungen sieht sich heute vor eine Bewährungsprobe gestellt, die ihr zu
einem guten Teil aus den jüngsten Ergebnissen der Forschung und Technik erwächst. Es ist in diesem Zusammenhang auch angebracht, sich erneut
Gedanken darüber zu machen, warum der wissenschaftliche Fortschritt ein
so offenkundiges und in gewisser Hinsicht bedrohliches Übergewicht über
den Fortschritt in der Entwicklung unserer demokratischen Institutionen
hat.
Sicherlich ist der Wissenschaftler nicht weiser als der Politiker.
Ist er etwa freier und unbefangener, wenn es darum geht, etwas in Zweifel zu ziehen, zu erproben und für Ideen einzutreten, die von herkömmlichen Vorstellungen abweichen? Erleben wir vielleicht - wenn auch mit
umgekehrten Vorzeichen - eine Zeit, die dem Mittelalter vergleichbar
wäre, als man Naturwissenschaftler wegen ihrer Entdeckungen als Ketzer
verdammte, während die Politiker mehr oder weniger unangefochten den
Boden für den Aufbau demokratischer Institutionen bereiten konnten?
Steht die Demokratie hier vielleicht vor ihrer entscheidenden Bewährungsprobe, in der sie an einer sich eben erst dunkel abzeichnenden Gesellschaft gemessen werden wird - in einem Bereich, in dem jeder diktatorische Zwang ohnehin versagt?
_
-

10

-

�Der amerikanische Botschafter bei den Vereinten Nationen,
Adlai Stevenson, hat in New York einmal erklärt: "Wir haben erfahren,
daß die moderne Technik die Faust des Despoten und den Zugriff des
Diktators zu stärken vermag - und nicht zuletzt aus diesem Grunde
wissen wir, daß wir die Demokratie heute mehr als je zuvor brauchen.
Die Demokratie aber ist kein Automatismus, der aus sich selbst heraus
funktioniert. Es liegt an uns, ihr Leben einzuhauchen."
Kollektivverhandlungen aber sind Wirtschaftsdemokratie in ihrer
praktischen Verwirklichung. Es ist an uns, ihr Leben einzuhauchen.

* * * * *

196$ brachte neuen Stil im Tarifverhandlungswesen
In lohn- und sozialpolitischer Hinsicht war das Jahr 19&amp;2 eines
der ruhigsten und erfolgreichsten in der Geschichte der Vereinigten
Staaten. Alle, Regierung, Unternehmer, Gewerkschaften und Arbeitnehmer, können mit dem Gesamtverlauf insofern mehr als zufrieden sein,
als sie alle ihre Absichten und Ziele weitgehend realisieren konnten.
Der Regierung war es auf Grund ihrer gezielten wirtschaftspolitischen Maßnahmen möglich, die gute Konjunktur zu erhalten, die Gesamtbeschäftigtenzahl um rund eine Million (auf fast 70 Mio.) zu erhöhen,
die Zahl der Arbeitslosen auf 3,5 Millionen herabzudrücken und die
Preise weitgehend stabil zu halten - ein Erfolg, an dem auch die Gewerkschaften insofern großen Anteil haben, als sie sich mit Lohnerhöhungen von im Durchschnitt 3,1 Prozent (in den ersten 9 Monaten) zufriedengaben. Da jedoch gleichzeitig auch die Lohnnebenleistungen verbessert
und die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohnsätze für etwa 2,6 Millionen Arbeitnehmer von 1,15 Dollar auf 1,25 Dollar pro Stunde angehoben
wurden, dürften die Arbeitnehmer 1963 mit den erreichten materiellen
Verbesserungen zufrieden gewesen sein.
Daß das abgelaufene Jahr weder industrieweite, das Wirtschaftsleben des gesamten Landes lähmende Streiks noch lautstarke lohn- und
sozialpolitische Auseinandersetzungen brachte, ist wohl der erfreulichste Aspekt überhaupt. Es ist durchaus möglich, daß man später einmal das Jahr 19^5 als den großen Wendepunkt in den Beziehungen zwischen
Management und Gewerkschaften bezeichnet. Der sich bereits 1 962 abzeichnende Trend nämlich, die wichtigsten tarifpolitischen Streitpunkte
zwischen den Sozialpartnern schon lange vor Beginn der eigentlichen
Verhandlungen in einem gemeinsamen Beratungsausschuß zu klären,so daß
für die vertragschließenden Parteien lediglich die Paraphierung des
Abkommens übrigbleibt, hat sich im abgelaufenen Jahr ganz wesentlich
verstärkt. Nach dem Beispiel der Stahlarbeitergewerkschaft, die im
Frühjahr nach diesem-Verfahren ihren neuen Vertrag mit den großen
Stahlunternehmen - ganz im Gegensatz zu früheren Jahren - lautlos über
die Bühne brachte, haben sich 1963 auch die Gewerkschaften der Automobil-, Gummi-, Elektro- und Ölarbeiter mit der Schaffung gemeinsamer
tarifpolitischer Studienausschüsse zum neuen Stil im amerikanische»
Tarifverhandlungswesen bekannt,
,
-

11

-

�Auch ein anderer Trend, der sich in jüngster Zeit immer deutlicher
abzeichnete, hat wesentlich zur Beruhigung des gesamten lohn- und tarifpolitischen Klimas in den Vereinigten Staaten beigetragen: der Abschluß von langfristigen Tarifverträge» mit einer Laufzeit von zwei
bis fünf Jahren. Die Tatsache, daß im vergangenen Jahr bereits 3,5
Millionen von Großtarifverträgen erfaßte Arbeitnehmer automatisch eine
Lohnaufbesserung auf Grund von in den Vorjahren abgeschlossenen Verträgen erhielten, zeigt, welch eine große wirtschaftliche und lohnpolitische Bedeutung diese langfristigen Verträge in den USA bereits
gewonnen haben.
Durch die Abkehr von der bisherigen Praxis der jährlichen Lohnverhandlungen und durch den Abschluß von Verträgen mit festen und terminierten Lohn-Steigerungsraten ist es einerseits den Unternehmern möglich, die auf sie zukommenden Lohnkosten über einen längeren Zeitraum
abzuschätzen und sich auf die Belastungen einzustellen, während sich
anderseits die Gewerkschaften intensiver als bisher mit anderen brennenden Fragen befassen können.
Daß die Lohnfragen in Anbetracht der durch die Automation ausgelösten großen Umwälzungen auf dem Beschäftigungssektor immer mehr in den
Hintergrund und die Sicherung der Arbeitsplätze und verwandte Probleme
viel stärker in den Vordergrund treten, beweisen die Forderungen, die
die amerikanischen Gewerkschaften im letzten Jahr am Verhandlungstisch
stellten. Hierzu gehören in erster Linie: die kostenlose Umschulung
von freigesetzten Arbeitskräften auf Zukunftsberufe oder ihre Umsetzung
an verwandte Arbeitsplätze im gleichen Betrieb, die Zahlung von Entlassungsgeldern, die Gewährung von Umschulungs- und Umzugsbeihilfen
und die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze durch die Gewährung eines
längeren Urlaubs an langjährige Mitarbeiter.
In fast allen im vergangenen Jahr abgeschlossenen Großtarifverträgen (mehr als 1000 Arbeitnehmer) wurde diesen Forderungen der Gewerkschaften von den Unternehmern ganz oder teilweise entsprochen. Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das neue Abkommen zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft und den Stahlwerken, das für sämtliche Mitarbeiter mit mehr als 10 Dienstjähren alle fünf Jahre einen
bezahlten Sonderurlaub von 13 Wochen vorsieht.
Auch im Jahr 1964 dürften diese gewerkschaftlichen Forderungen
die Tarifverhandlungen weitgehend bestimmen, während sich die Lohnforderungen wahrscheinlich im Rahmen der vergangenen Jahre halten und
in etwa dem zu erwartenden Produktivitätszuwachs entsprechen werden.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

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12

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�Betrieblich geförderte Freizeitprogramme
Betriebs-Erholungsprogramme haben sich in der amerikanischen
Industrie immer deutlicher als wesentlicher Faktor eines gesunden
Betriebsklimas herausgestellt. Denn nicht nur wirtschaftliche Erwägungen veranlassen Arbeitnehmer zu Bestleistungen; Zufriedenheit am
Arbeitsplatz, die aus Anregungen und der Gelegenheit zur Selbstbestätigung in interessant gestalteter Freizeit erwächst, trägt ebenso
dazu bei .
Eine ganze Reihe amerikanischer Großbetriebe verfügt heute über
großzügig und zweckmäßig angelegte Parks und Klubhäuser, in denen Belegschaftsmitglieder und ihre Familienangehörigen jede Art von Sport
betreiben können. Firmen mit begrenzteren Mitteln haben die Gründung
von Sportvereinen und Freiseitklubs gefördert und ihnen finanzielle
Zuschüsse zur Beschaffung der notwendigen Einrichtungen und Räumlichkeiten gewährt. In den meisten Betrieben koordiniert ein aus jährlichen Belegschaftswahlen hervorgegangenes Arbeitnehmergremium die
verschiedenen Programme. Besonders beliebt sind Kegeln, Ballspiele
und Tischtennis; und auch die zahlreichen Klubs der Briefmarken- und
Photofreunde, Schachvereine, Chorgruppen, Mal- und Bastelgemeinschaften
bestätigen die Vielfalt der Entspannungsmöglichkeiten, die amerikanische Betriebe ihren Mitarbeitern heute zu bieten versuchen.
Bei der Ford Motor Company erreicht man dieses Ziel durch ein
reich gegliedertes Angebot von sportlichen,gesellschaftlichen, kulturellen und unterhaltenden Programmen, wobei Veranstaltungen mit besonders
großer Beteiligung der Belegschaft und ihrer Familienangehörigen stark
gefördert werden. Jede Freizeit-Gruppe erhält größtmögliche Freiheit
bei der Regelung ihrer internen Angelegenheiten. Beauftragte des Betriebs sorgen für eine Koordinierung der einzelnen Programme; und auch
hierbei stehen notwendige finanzielle Zuschüsse und Hilfe für anfallende
Verwaltungsarbeiten zur Verfügung.
Am umfangreichsten ist das Betriebs-Erholungsprogramm des FordWerkes "River Rouge" in Dearborn (Michigan), an dessen einzelnen Phasen
im Jahr 1962 über 1,2 Millionen Personen aus der Umgebung Detroits teilgenommen haben. Das Detroiter Programm selbst umfaßt mehr als 60 verschiedene Freizeitbetätigungen. Es gibt 30 in Ligen zusammengeschlossene
Korbballmannschaften, 130 Kegelgruppen, 160 Softball- und 8 VolleyballMannschaften. Unter den 23 Klubvereinigungen ist der "Ford Archers
Club" der Bogenschützen mit seinen rund 100 Mitgliedern einer der ältesten Betriebsvereine im Gebiet von Detroit. Daneben gibt es den 90
Stimmen starken Ford-Chor, der sehr häufig zu öffentlichen und betriebsinternen Veranstaltungen herangezogen wird. Schließlich bietet
ein "Gourmet Club" den Mitarbeitern der Ford-Werke Gelegenheit zum Besuch von Theaterabenden, Konzerten und zur Teilnahme an Sonderfahrten.
Selbstverständlich gibt es auch, wie es einem solchen Klub ansteht,
gutes Essen und Geselligkeit.
Für die Kinder der Betriebsangehörigen werden in den Sommermonaten Tageslager veranstaltet, wo sie unter Aufsicht schwimmen, Sport
treiben und basteln können . Zweimal im Jahr finden Festbanketts mit

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13

-

�mit Siegerehrungen für die aus den Klubwettbewerben und Liga-Ausscheidungskämpfen hervorgegangenen Einzelsieger und Siegermannschaften
statt. Für die jährliche Kunstausstellung der Ford-Werke (Ford Employees
Art Show) wurden 1962
652 Werke der verschiedensten Maltechniken angenommen .
Auch Betriebsausflüge fehlen nicht. Rechnet man ihre Teilnehmerzahlen zusammen, so ergibt sich für 1962 die stattliche Summe von
40 000 Menschen, die dabei Freude und Entspannung fanden.

(Quelle: Eigenbericht)

•

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US-Eisenbahnen können"zweiten Mann" auf Dieselloks abbauen
In der seit über zwei Jahren zwischen der Gewerkschaft der Lokomotivführer und Heizer und den US-Eisenbahngesellschaften schwelenden
Auseinandersetzung über die Besetzung der Fahrstände von Diesellokomotiven und die Stärke des Zugbegleitpersonals hat jetzt der im Herbst
1962 vom amerikanischen Kongreß eingesetzte Sonderausschuß einen
Schiedsspruch gefällt. Danach wird den Eisenbahngesellschaften das Recht
eingeräumt, 90 Prozent der insgesamt 40 000 im Fracht- und Rangierdienst
auf Dieselloks eingesetzten "Heizer" abzubauen. Gleichzeitig wird den
Gesellschaften jedoch zur Auflage gemacht, den Abbau der "zweiten Männer"
auf den Dieselloks allmählich vorzunehmen und Entlassungen auf ein Minimum zu beschränken.
Allen Heizern mit mehr als 10 Dienstjahren - das sind rund zwei Drittel aller Betroffenen - muß nach dem Schiedsspruch eine Beschäftigungsgarantie auf Lebenszeit gewährt werden; desgleichen haben die Eisenbahngesellschaften dafür zu sorgen, daß mindestens 10 Prozent der von dieser
Beschäftigungsgarantie nicht betroffenen Arbeitnehmer ein anderer Arbeitsplatz nachgewiesen wird.
Alle jene Heizer, die eine Dienstzeit von 2 bis 10 Jahren haben,
müssen nach dem Schiedsspruch an ihren derzeitigen Arbeitsplätzen weiterbeschäftigt oder aber - bei Fortzahlung der bisherigen Löhne - auf
andere Arbeitsplätze umgesetzt werden.
Die rund 2000 Heizer, die eine geringere Dienstzeit als zwei Jahre
aufweisen, können dagegen entlassen werden. Sie haben jedoch Anspruch
auf ein angemessenes Entlassungsgeld.
Ob mit diesem Schiedsspruch die Auseinandersetzung, die in den
vergangenen Jahren immer wieder zu Streikandrohungen der verschiedenen Eisenbahnergewerkschaften - vor allem der "Brotherhood of Locomotive Firemen and Enginemen" - führte und die Regierung schließlich zum
Eingreifen zwang, endgültig beigelegt ist, bleibt abzuwarten. Zwei

-

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-

�Zwei der von dem Schiedsspruch betroffenen und als Tarifpartner der
Eisenbahnen anerkannten Gewerkschaften haben sofort nach Bekanntwerden des Spruches mitgeteilt, daß sie diesen Entscheid beim Obersten
Bundesgericht anfechten wollen.
Ob diese Anfechtungsklage jedoch zugelassen wird, ist zweifelhaft. Die vom Kongreß am 29. August 1963 gebilligte Resolution über
eine Zwangsschlichtung, durch die der Eisenbahnerstreik bekanntlich
in letzter Minute abgewendet wurde, bestimmt nämlich, daß der von
dem siebenköpfigen Sonderausschuß zu fällende Schiedsspruch für zwei
Jahre bindend sein soll.
Der seinerzeit eingesetzte Schiedsausschuß, der unter dem Vorsitz
des bekannten Schlichters Ralph T. Seward stend, setzte sich aus je
zwei Vertretern der Sozialpartner und drei Vertretern der Öffentlichkeit zusammen, die von Präsident Kennedy ernannt worden waren. Aufgabe
des Ausschusses war es, lediglich die beiden strittigen Hauptpunkte
in der Auseinandersetzung zwischen den Gewerkschaften und den Eisenbahnen - Besetzung der Fahrstände von Dieselloks und Stärke des Zugbegleitpersonals - durch einen Schiedsspruch zu regeln.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

'

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material Über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Gewährleistung gleicher Berufschancen für
Amerikas Minderheiten
Die wirtschaftliche Lage der amerikanischen
Gewerkschaften
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Sonderbeilage: Präsident Lyndon B. Johnsons
Botschaft über die Lage der Nation (8. Januar 1964)

Seite 1
Seite 5
Seite 11

Robert Taylor jr., Stellvertretender Vorsitzender und Geschäftsführer des Präsidialausschusses zur Sicherung
gleicher Beschäftigungsbedingungen:
Gewährleistung gleicher Berufschancen für Amerikas Minderheiten
"Diskriminierung auf Grund von Rasse, Glauben,
Hautfarbe und nationaler Herkunft widerspricht
den Grundsätzen unserer Verfassung und der Politik der Vereinigten Staaten. Es ist die klare
und eindeutige Verpflichtung der US-Regierung,
ohne Rücksicht auf Rasse, Glauben, Hautfarbe
oder nationale Herkunft gleiche Beschäftigungsbedingungen für alle qualifizierten Personen, die im Bundesdienst oder im Rahmen von
Regierungsaufträgen beschäftigt sind oder um
Beschäftigung nachsuchen, zu fördern und zu
siehern,"
Präambel des Präsidialerlasses Nr. 10 925
vom 6. März 1961)
Eine Welt voller Hoffnungen öffnete
als er im vergangenen Sommer eines Tages
blechwerker fand. Und dann brachen seine
men: die Gewerkschaft bestand auf seiner
reguläre Lehrzeit nachweisen konnte,,

sich für Wynnand Normand,
endlich Arbeit als WalzHoffnungen wieder zusamEntlassung, weil er keine
Doch

�Doch Normand fühlte sich unfair behandelt. Den Grund hierfür
glaubte er in seiner Rassenzugehörigkeit zu erkennen - in der Tatsache also, daß er zu den 19 Millionen Negern der USA zählt. Ärger
und Schmerz mischten sich mit seiner Sorge um Frau und vier Kinder,
um sein Haus und seine Zukunft. Glücklicherweise wurde Normands
Fall vor den Präsidialausschuß zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen gebracht, der seiner Klage stattgab und dafür sorgte, daß
Normand nicht nur seinen Arbeitsplatz wiederbekam, sondern auch als
gelernter Walzblechwerker mit einem Stundenlohn von 4,65 Dollar eingestellt wurde, da ihn seine Berufserfahrung voll für diese Tätigkeit
qualifizierte.
Normands Fall war einer von 4000, die bisher vor dem Präsidialausschuß verhandelt wurden. In 75 Prozent der Fälle wurden Diskriminierungen bei der Einstellung, Ausbildung, Beförderung oder Entlassung
von Arbeitnehmern festgestellt und gerechte Regelungen herbeigeführt.
Wo liegen die Gründe für die Schaffung dieses einzigartigen
Präsidialausschusses und wie ist seine Arbeitsweise?
In den Vereinigten Staaten hat es - wie in vielen anderen Ländern - seit über hundert Jahren Diskriminierungen gegeben. Viele
Amerikaner sind allein oder in Gemeinschaft mit anderen erfolgreich
gegen destruktive Praktiken dieser Art vorgegangen . Ein Wandel vollzieht sich oft jedoch nur recht langsam, und Minderheiten, gegen die
Diskriminierungen gerichtet sind,tragen schwer an der Last wirtschaftlicher und sozialer Unsicherheit und Entbehrungen.
In der Vergangenheit lag die Arbeitslosigkeit unter den Minderheitengruppen zweieinhalbmal so hoch wie bei den übrigen Arbeitnehmern, und das Durchschnittseinkommen betrug weniger als 60 Prozent
des Einkommens weißer Amerikaner. Historische wie aktuelle Ereignisse
lassen erkennen, daß sich diese Verhältnisse nur überaus langsam ändern, wenn nicht der Staat eine entscheidende Rolle in der Gewährleistung gleicher Berufschancen übernimmt.
Am 6. März 1961 unterzeichnete Präsident John F. Kennedy den
Präsidialerlaß Nr. 10 925, eines der wichtigsten Dokumente der letzten
Jahre, in dem er die Richtlinien zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen festlegte. Den gleichzeitig geschaffenen Präsidialausschuß
stattete er mit weitgehenden Vollmachten aus und erteilte ihm den Auftrag, für die Beseitigung von Diskriminierungen im Bundesdienst, im
Rahmen von Regierungsverträgen und allen von der Bundesregierung
geförderten Straßenbau-, Krankenhausbau-, kommunalen und ähnlichen
Bauprojekten zu sorgen. Den Vorsitz übernahm Lyndon B. Johnson, damals Vizepräsident der Vereinigten Staaten; sein Stellvertreter wurde
später US-Arbeitsminister W. Willard Wirtz, der in dieses Amt nicht
nur seine reiche Erfahrung auf arbeitsrechtlichem Gebiet mitbrachte,
sondern bereits in seinem Ministerium beträchtliche Mittel zur Sicherung gleicher Berufschancen eingesetzt hatte,
"Vollstreckung" und "Überredung" sind die beiden notwendigen
und unerläßlichen Werkzeuge, mit denen der Ausschuß sein Ziel zu
erreichen sucht, sowohl bei Regierungsbehörden wie bei Privatunternehmen. Ein Verbot jeglicher Diskriminierung wird als Sonderklausel

2

�Sonderklausel in alle mit Privatfirmen abgeschlossene Regierungsverträge aufgenommen. Verstöße gegen diese Klausel können eine
Annullierung des Vertrags oder andere Strafen nach sich ziehen.
Man war sich im klaren, daß greifbare Beweise für die Erfüllung
der Vertragsklausel vorgelegt werden müssen. Deshalb wurde ein Berichtssystem ausgearbeitet, demzufolge Privatfirmen, die mit der USRegierung Geschäfte im Wert von über 50 000 Dollar jährlich tätigen
und mehr als 50 Angestellte beschäftigen, zur Vorlage von Belegschaf ts-Erstberichten und anschließenden Belegschafts-Jahresberichten verpflichtet sind. Sie sollen zeigen, welche positiven Maßnahmen zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen ergriffen wurden,
und dokumentieren, daß alle Einstellungen auf gleichberechtigter
Basis erfolgten,und zwar nicht nur bei ungelernten Kräften, sondern
für alle Positionen, sofern die erforderlichen Qualifikationen nachgewiesen wurden. Darüber hinaus sind die Firmen verpflichtet, positive
Programme zur Anwerbung von Stellungsuchenden und Ausbildung von Belegschaftsmitgliedern aus den Minderheitengruppen zu entwickeln.
Die vertragschließenden Regierungsbehörden sind für die Einhaltung des Diskriminierungsverbots verantwortlich. Jede Behörde ordnet
eigene Beamte zu den wichtigsten Beschaffungszentralen ab mit dem Auftrag, die Personalpolitik der Vertragsfirmen zu überprüfen und ihnen
verwaltungstechnische Hilfe bei der Ausarbeitung neuer Personal-Programme zur Verfügung zu stellen. Die Beamten kontrollieren, ob die einzelnen Betriebe ihren vertraglichen Verpflichtungen nachkommen. Sie
interviewen leitende Angestellte und Belegschaftsmitglieder und überwachen ganz allgemein alle betrieblichen Antidiskriminierungsmaßnahmen. Lassen sich Beweise für einen bewußten Verstoß gegen die Vorschriften des Präsidialerlasses oder die Vertragsklausel feststellen,
dann sind die Behörden und der Präsidialausschuß zur Annullierung des
Vertrags oder zur Ausschließung des Vertragsbrüchigen Unternehmens
von der Vergabe künftiger Regierungsaufträge befugt.
Man schätzt, daß dem Präsididialausschuß Erfüllungsberichte von
38 000 Unternehmen mit 50 000 Betrieben und über 20 Millionen Beschäftigten aus allen Teilen der USA zugehen werden. Unter ihnen
dürften sich die meisten amerikanischen Industriewerke befinden.
Als nicht weniger wichtig für den Erfolg des Präsidialerlasses
hat sich Überredung erwiesen. Hunderte von Unternehmen haben sich von
ihrer Verantwortung überzeugen lassen und damit begonnen, bessere
Berufschancen zu schaffen und in ihrem Einflußbereich eine Haltungsänderung gegenüber den Minderheiten zu bewirken. Um sie darin zu
unterstützen und andere Unternehmen zu Ähnlichem anzuspornen, wurde
vom Präsidialausschuß ein Programm "Pläne für den Fortschritt" ins
Leben gerufen, an dem sich Firmen, die nicht Vertragspartner der USRegierung sind, beteiligen können. Über 120 Unternehmen haben Einzelpläne dieser Art unterzeichnet und vorausschauende Einstellungs-,
Ausbildungs-, Einstufungs- und ßeförderungsrichtlinien für Angehörige
der Minderheitengruppen entworfen. Ihre Arbeit gilt auch der Überwindung veralteter Verhaltensweisen, die den freien Fluß von Arbeitskräften und Arbeitsinformationen hemmen.
Ein

-

3 -

�Ein 19 Mitglieder umfassender Beirat wurde -von einigen der
bedeutendsten amerikanischen Gesellschaften gebildet, um diesem
kooperativen Programm zu größtmöglicher Wirkung zu verhelfen.
Seine Vorschläge erleichtern den am Programm beteiligten Firmen die
Erfüllung ihrer Verpflichtungen. Und hier liegt die entscheidende
Rolle des Beirats. Fünf Großunternehmen haben ihm Personalexperten
zur Verfügung gestellt, die neue Methoden zur Erschließung von
Arbeitsplätzen in der Industrie ausarbeiten.
Auch auf dem zweiten Tätigkeitsgebiet des Präsidialausschusses
haben sich vielversprechende Ergebnisse eingestellt: Im Bundesdienst
erhielten im Zeitraum Juli 1961 bis Juni 1962 Neger, die größte Minder
heitengruppe der USA, 10 737 - oder 17 Prozent - der 62 653 offenen
Stellen. In den mittleren Gehaltsstufen mit Jahresgehältern von
4565 bis 10 165 Dollar ist die Zahl der Neger um 19 Prozent gestiegen, obwohl die Gesamtstellenzunahme in diesen Gruppen nur 5,9 Prozent betrug. Im allgemeinen finden hier Juristen, Techniker und
Wissenschaftler ihre Anfangsstellungen.
In den oberen Gehaltsstufen, die ein hohes Maß fachlicher Qualifikation voraussetzen und Jahresgehälter zwischen 9475 und 20 000
Dollar bieten, ist die Zahl der Neger um 35»6 Prozent gestiegen,
obwohl die Gesamtstellenzünahme nur 9»5 Prozent betrug.
Statistische Angaben über den Personalstand der im Regierungsauftrag arbeitenden Vertragsfirmen lassen ähnliche Fortschritte erkennen. Eine Übersicht der 50 größten Vertragsfirmen zeigt, daß
in einer Sechsmonatsperiode bei einer Gesamtzunahme von 37 807 neuen
Arbeitsplätzen farbige Arbeitnehmer 9308 oder 24*6 Prozent der Stellen
erhielten. Als die Programme des Präsidialausschusses anliefen, waren
in diesen Firmen nur 3,8 Prozent der Arbeitsplätze von Farbigen besetz
Am größten war die Zunahme in den leitenden Positionen, im Verkauf
und in der-Technik, nämlich 13,3 Prozent, 44»2 Prozent und 11,2 Prozent .
Die Erfolge des Präsidialausschusses sind unverkennbar. So eindrucksvoll die bisherigen Statistiken auch sein mögen, seine Mitglieder und sein hauptamtlicher Mitarbeiterstab sind sich darüber im
klaren, daß sie erst am Anfang ihrer Arbeit stehen. In gemeinsamer
Anstrengung mit der Industrie bemüht sich die amerikanische Regierung,
jene sozialen Schranken zu beseitigen, die in der Vergangenheit Diskriminierungen zugelassen haben. Dies geschieht zum Nutzen aller
Amerikaner, und nicht zum ganz besonderen Vorteil einer einzelnen
Bevölkerungsgruppe. Denn jeder einzelne sollte auf Grund seines
inneren Wertes, seines Charakters, seiner Redlichkeit und seiner
Leistungen beurteilt werden - und nicht auf Grund von Äußerlichkeiten
wie die Farbe seiner Haut.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

4

-

�James B. Carey, Vorsitzender der Elektro-, Radio- und
Maschinenmechanikergewerkschaf t (IUE):
Die wirtschaftlichen Ziele der amerikanischen Gewerkschaften
Seit 1956 ist trotz eines Anstiegs des Bruttosozialprodukts
der USA um 80 Milliarden Dollar die Zahl der Arbeitnehmer in der
amerikanischen Fertigungsindustrie um annähernd 500 000 zurückgegangen. Noch wichtiger ist die Tatsache, daß heute für Produktions- und Wartungspersonal eine Million Arbeitsplätze weniger
vorhanden sind als damals.
Dieser Beschäftigungsrückgang vollzog sich, obwohl die Gesamt-Industrieproduktion seit 1956 um 18 Prozent zunahm und im
Jahr 1962 eine Rekordhöhe erreichte - das Ergebnis einer beträchtlichen Produktivität ssteigerung der amerikanischen Wirtschaft.
In den Industriearbeiterberufen wurde damit ein Umschichtungsprozeß eingeleitet, der zum Abbau von Arbeitsplätzen in der Produktion und zu einem größeren Bedarf an Technikern führte. Diese Entwicklung stellt die meisten amerikanischen Gewerkschaften, die sich
bisher vor allem um die Industriearbeiterschaft bemüht haben, vor
neue Aufgaben und Probleme.
Es überrascht nicht, daß angesichts der starken Arbeitslosigkeit in der Industrie der amerikanische Gewerkschaftsverband AFLCI0, dem vor allem Industriearbeiter angehören, in vorderster Front
im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit steht. Seine Hitglieder und
ihre Familien haben am meisten unter mangelnder Vollbeschäftigung
zu leiden.
Trotz anhaltender beträchtlicher Arbeitslosigkeit ist das
Bruttosozialprodukt, bei Zugrundelegung eines festen Dollarwertes,
auch seit 1958 weiter angestiegen. Unter diesen Umständen ist es
schwierig, für volkswirtschaftliche Reformen und ein Programm der
Vollbeschäftigung volle politische Unterstützung zu gewinnen.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind infolgedessen zum Umdenken und Umformulieren ihrer wirtschaftlichen Ziele und Programme gezwungen. Nur auf Arbeitslosigkeit hinzuweisen, genügt nicht
mehr, wenn so viele Bevölkerungsteile von ihr kaum betroffen werden. Konservative Kreise können auf das - wenn auch bescheidene Ansteigen des Bruttosozialproduktes in jedem Jahr verweisen.
Aus diesen Gründen pochen der amerikanische Gewerkschaftsverband AFL-CI0 und seine Mitgliedgewerkschaften immer wieder auf die
Notwendigkeit einer wirtschaftlichen Wachstumsrate, die mit dem
wachsenden Arbeitskräftepotential und den technischen Fortschritten in den Vereinigten Staaten in Einklang steht. Obwohl 1962 das
US-Bruttosozialprodukt gegenüber 1959 um 51 Milliarden Dollar höher lag, gab es keinen Rückgang der Arbeitslosigkeit, die 1962
stärker war als 1959 - ein Ergebnis des wachsenden Arbeitskräftepotentials und der Verbesserungen in Technik und Ausbildung, die
zur Steigerung der individuellen Produktivitätsraten geführt haben.
Auf

- 5 -

�Auf dem Gebiet der Technik wird sich in den vor uns liegenden Jahren ein noch stärkerer Wandel vollziehen. Experten rechnen
für die Zeit zwischen 1960 und 1970 mit einem Arbeitskräftezuwachs
von jährlich annähernd 1,3 Millionen neuen Arbeitsuchenden, einer
Zunahme, wie sie in den USA bisher in diesem Ausmaß nicht erlebt
wurde.
Angesichts dieser Tatsachen besteht die AFL-CIO auf einer
schnelleren Wachstumsrate als wesentlicher Voraussetzung eines
echten wirtschaftlichen Fortschritts in den Vereinigten Staaten,
der nicht Hillionen Arbeitslose und Teilbeschäftigte von wahrem
Wohlstand ausschließt.
Bei Zugrundelegung des bisherigen Produktivitätstrends und
der zu erwartenden Arbeitskräftezunahme wird nach Schätzungen der
AFL-CIO nur eine reale Steigerung des Bruttosozialprodukts von
jährlich nicht weniger als viereinhalb bis fünf Prozent die amerikanische Wirtschaftskraft erhalten können. Diesen Zahlen liegt
ein jährlicher Produktivitätszuwachs von drei bis dreieinhalb Prozent und eine Zunahme der Arbeitskräfte von eineinhalb Prozent
zugrunde.
Selbst bei diesen Angaben handelt es sich um vorsichtige Schätzungen; denn die Vereinigten Staaten stehen zunächst einmal vor der
unmittelbaren Aufgabe, einen Berg von Arbeitslosigkeit abzutragen,
ehe sie eine jährliche Zuwachsrate von fünf Prozent als Grundlage
ihrer Wirtschaftsentwicklung akzeptieren können. Für die nächsten
Jahre ist deshalb eine Zuwachsrate von acht oder neun Prozent erforderlich, um Millionen von Arbeitslosen erst einmal wieder produktiver Arbeit zuzuführen. Eine solche Zuwachsrate läßt sich bei
ernsthafter Planung ohne weiteres erreichen und für ein Jahr oder
länger beibehalten.
Statt auf einer Höhe von fünf Prozent lag in den vergangenen
zehn Jahren der Anstieg des amerikanischen Bruttosozialprodukts bei
jährlich etwa zweieinhalb Prozent. Wenn wir gegen die Stagnation
der letzten Jahre auch weiterhin nichts unternehmen, werden sich
unsere ohnehin schweren Arbeitslosenprobleme nur noch verschärfen.
Die Einbußen infolge dieser anhaltenden Stagnation sind gewaltig. Eine vorsichtige Schätzung des Wirtschaftsbeirats des US-Präsidenten veranschlagt die Verluste, die sich seit 1958 als Folge
mangelnder Beschäftigung ergeben haben, auf 170 Milliarden Dollar.
Es gibt in Fülle Beweise dafür, daß die wirtschaftlichen Stok- ,
kungen der vergangenen Jahre hauptsächlich auf eine Schwächung der
Konsumkapazität der Vereinigten Staaten zurückzuführensind. Wir
vertreten diese Ansicht trotz des von konservativen Kreisen vorgebrachten traditionellen Arguments, daß nur größere Investitionsanreize und Chancen für das Großkapital noch aus den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der letzten Zeit herausführen.
Zur Verdeutlichung der Milchmädchenrechnung, die diesem Argument zugrunde liegt, genügt der Hinweis, daß seit fünf Jahren Amerikas Industrie weit unter ihrer vollen Betriebskapazität arbeitet.
Selbst 1962, in einem Jahr verhältnismäßig hoher Auslastung, erreichte sie nur knapp 85 Prozent.
Zwar

�Zwar begrüßen die amerikanischen Gewerkschaften jede erhöhte
Investitionstätigkeit zur Stützung der Wirtschaft - gleichviel, ob
dies in den Vereinigten Staaten, in England oder sonstwo geschieht -,
hinsichtlich der Produktionskapazität besteht in den USA jedoch ganz
offensichtlich kein größerer Fehlbedarf. Andererseits kann, wie der
Chefberater des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des US-Kongresses
feststellte, der größte Teil des Froduktions- und Beschäftigungsrückgangs bis zu 75 Prozent "unmittelbar der niedrigen Wachfrage
nach Verbrauchsgütern und nichtlandwirtschaftlichen Wohnbauten zugeschrieben werden".
Für die amerikanischen Gewerkschaften sind die Konsequenzen
einer Analyse dieser Art ebenso klar wie die eigenen Erfahrungen
der letzten zehn Jahre. Soll die amerikanische Wirtschaft aus ihrer
Lethargie zu voller Erholung und Expansion geführt werden, dann
müssen Mittel und Wege zur Belebung der Verbrauchernachfrage gefunden werden.
Leider hnt die amerikanische Wirtschaftspolitik der vergangenen zehn Jahre nicht diese Richtung oinges^hlagav. Die Steuerreformen von 1954 und I962 haben der amerikanischen Geschäftswelt
Sonderkonzessionen in Form von günstigen Abschreibungsbedingungen
und besonderen Investitionskredit-Anreizen eingeräumt.
Mit Blick auf die ernsten Probleme der Arbeitslosigkeit und
eines mangelhaften Wirtschaftswachstums haben die amerikanischen
Gewerkschaften ein Programm zur Ankurbelung der US-Wirtschaft ausgearbeitet. Größtes Gewicht legen sie dabei auf Maßnahmen, die zu
einer raschen Erholung zum jetzigen Zeitpunkt und nicht erst in
ferner Zukunft führen. Deshalb treten sie für eine sofortige Steuersenkung in Höhe von 10 Milliarden Dollar ein, die sich vor allem
auf die unteren Einkommensschichten konzentrieren soll. Die sich
hieraus ergebende Erhöhung der Nettolöhne und -gehälter würde ihren
unmittelbaren Niederschlag in größeren Einzelhandelsumsätzen finden.
Dies würde sich seinerseits auf die Gesamtwirtschaft der USA auswirken und zu umfangreichen Neueinstellungen in der Industrie führen.
Ziel der gewerkschaftlichen Steuervorschläge ist eine Korrektur
des amerikanischen Wirtschaftsproblems Nummer eins: unzureichende
Konsumkapazität.
Neben Steuersenkungen fordern die Gewerkschaften auch eine beträchtliche Erhöhung der Ausgaben für öffentliche Arbeiten. Soziale
wie ökonomische Erwägungen liegen dieser Forderung zugrunde.
Schon einige Jahrzehnte haben die Vereinigten Staaten als Folge
von Depressionen, Weltkrieg und Kaltem Krieg ihre öffentlichen Dienst
und Bauten vernachlässigt. Dieser Rückstand hat sich durch den seit
dem zweiten Weltkrieg zu verzeichnenden raschen Bevölkerungszuwachs
noch deutlicher ausgeprägt. Bundesausgaben auf dem zivilen Sektor
sanken, bei Zugrundelegung eines konstanten Dollarwertes, von 227
Dollar pro Kopf der Bevölkerung im Jahre 1947 auf schätzungsweise
150 Dollar im Jahre 1963 ab und machen somit nur noch 4»9 Prozent
des Bruttosozialprodukts aus gegenüber 8,9 Prozent im Jahr 1947•

Die

�Die folgenden Zahlen lassen den gewaltigen Rückstand auf dem
öffentlichen Sektor der amerikanischen Wirtschaft deutlich werden:
1. Erziehung: Die Bundesregierung schätzt, daß in den zehn
Jahren zwischen i960 und 1970 308 000 neue Klassenräume
benötigt werden. Infolge niedriger Gehälter und ungünstiger
Arbeitsbedingungen existiert auch eine ernst zu nehmende
Knappheit an qualifizierten Lehrern. Bundeszuschüsse auf
dem Gebiet des öffentlichen Bildungswesens sind dringend
notwendig.
2. Wohnungsbau: Die Vereinigten Staaten haben in der Nachkriegszeit gegenüber den davor liegenden 20 Jp.hren eine
vergleichsweise hohe Wohnbaurate eingehalten; die starke
Bevölkerungszunahme, verbunden mit den niedrigen Wohnbauziffern in den dreissiger Jahren und zu Beginn der vierziger Jahre, hat einen Restbestand von rund 15 Millionen
unter der Norm liegenden Wohnungseinheiten verursacht.
Unsere Aufgabe ist es, den gegenwärtigen Jahresdurchschnitt
von 1,3 Millionen Neubau-Wohnungseinheiten auf mindestens
2 Millionen zu erhöhen.
3. Städtische Erneuerung: Die Übervölkerung der Städte stellt
für das Wohl des amerikanischen Volkes eine soziale und
ökonomische Bedrohung dar. Schätzungen von Studiengruppen
wie z. B. die Rockefeller-Stiftung heben die Notwendigkeit
von öffentlichen und privaten Ausgaben in Höhe von rund
100 Milliarden Dollar hervor, um diese Probleme in den
nächsten beiden Jahrzehnten zu bewältigen. Es ist klar,
daß zur Ankurbelung der wichtigsten Städteplanungsprogramme Bundesmittel erforderlich sind.
Zu diesen Rückständen kommen große Lücken im amerikanischen
Straßen- und Flughafenbau sowie im Krankenhauswesen und der Gesundheitspflege.
Aus all diesen Gründen wenden sich die amerikanischen Gewerkschaften mit Nachdruck gegen alle Kreise, die nach wie vor Kürzungen im Staatshaushalt befürworten, und zwar zu einem .Zeitpunkt, an
dem ganz offensichtlich eine Erhöhung der öffentlichen Ausgaben
notwendig ist. Die Gewerkschaften betonen, daß eine starke Expansion
auf dem öffentlichen Sektor schon um seiner selbst willen vorgenommen
werden sollte. Darüber hinaus glauben sie, daß erhöhte öffentliche
Ausgaben als Bestandteil eines Vollbeschäftigungsprogramms unerläßlich sind. Die Vereinigten Staaten können sich eine Vernachlässigung
ihrer Investitionsstruktur auf dem öffentlichen Sektor ebensowenig
leisten wie die Privatindustrie ein Veralten ihrer Werksanlagen und
ihrer Maschinenparks.
Mit der Stagnation der letzten Jahre hängt noch ein weiterer
volkswirtschaftlicher Aspekt zusammen. Immer stärker hat sich die
Erkenntnis durchgesetzt, daß die Verbrauchernachfrage für eine
Aufrechterhaltung der Vollbeschäftigung unzureichend ist, weshalb
von den Gewerkschaften die Notwendigkeit einer Neubewertung der
Lohnbewegung und Lohnpolitik hervorgehoben wird.
Seit
- 8 -

�Seit I956 hat sich der Normalstundenlohn für Fertigungsund Wartungspersonal in der Industrie etwa um zehn Prozent erhöht.
Dem steht eine Produktivitätssteigerung von 18 Prozent gegenüber.
In den vergangenen beiden Jahren sind die Reallöhne noch weit
stärker hinter der Produktivitätszunahme zurückgeblieben: die Löhne
stiegen um 2,7 Prozent, während die Produktivität in der Fertigungsindustrie um 6 Prozent zunahm.
Diese wachsende Lücke zwischen Reallöhnen und Produktivität hat
die Konsum-Ausgaben in der amerikanischen Wirtschaft nur noch weiter
absinken lassen. Zum Teil ist dies ein Ergebnis der Kampagne, die
sich in den letzten Jahren ganz bewußt gegen die Gewerkschaften und
ihr Kollektivverhandlungswesen richtete. Ende der fünfziger und
Anfang der sechziger Jahre kam das Argument einer inneramerikaniachen Inflation ins Spiel, und die Gewerkschaften sahen sich neuen
Vorwürfen ausgesetzt, da Lohnerhöhungen eine Verteuerung amerikanischer Waren nach sich ziehen und sie für den Weltmarkt konkurrenzunfähig machen würden . Jede vernünftige Untersuchung des Lohnund Preisniveaus und des Außenhandelsflusses widerlegt im Handumdrehen diese wenig durchdachte Management-Propaganda.

1

Cb man des gesamte Warenangebot oder nur industrielle Fertigwarenprodukte als Beurteilungsgrundlage heranzieht - und für einen
Kostenvergleich sind Industriegüter wahrscheinlich von größerer
Relevanz -, die Exportposition der amerikanischen Industrie ist unbestreitbar stark.
In der Nachkriegsära konnten sich die Vereinigten Staaten
durchweg einer günstigen Handelsbilanz erfreuen. Ferner besteht keine
Gefahr, daß sich das Übergewicht des Exports zugunsten des Imports
verlagern wird. Im Gegenteil: die Außenhandelsbilanz war in den
letzten Jahren besonders günstig. Tatsächlich leg der Gesamtanteil
Amerikas am Welthandel durchweg höher als vor dem Krieg. Im Jahr
1958 betrug der amerikanische Anteil am Weltexport 14 Prozent gegenüber 17,4 Prozent im Jahr i960 und einem Durchschnitt von mehr als
17 Prozent während der fünfziger Jahre.
Unter Berücksichtigung der Preis- und Lohnkostenfaktoren
schneiden die Vereinigten Staaten bei einem Vergleich mit ihren
Hauptkonkurrenten in Europa ziemlich gut ab. Der Vorwurf, von den
amerikanischen Gewerkschaften seien die Löhne auf eine Höhe hinaufgetrieben worden, auf der sie sich als eine Bedrohung der amerikanischen Welthandelsposition auswirken, ist Unsinn, wie sich an Hand
der angeführten Zahlen und anderer statistischer Unterlagen nachweisen läßt.
Gelegentlich neigte man dazu, die Schwierigkeiten in der USZahlungsbilanzposition mit der US-Außenhandelsposition zu verwechseln. Die Lasten der Wirtschefts- und Militärhilfe haben unsere
Zahlungsbilanz ziemlich strapaziert, trotzdem ist unsere Außenhandelsposition stark geblieben.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben an den sogenannten LohnPreis-Richtlinien der Regierung Kennedy Kritik geübt. Dies geschah
nicht, weil sie den Gedanken, daß Lohnerhöhungen in einem bestimmten
Verhältnis zu Produktivitätssteigerungen stehen müssen, zurückwei sen.

- 9-

�zurückweisen. Ihre Bedenken galten vielmehr dem Zeitpunkt der Bekanntgabe dieser Richtlinien sowie der weitverbreiteten Fehlinterpretation, die sie in Presse und Industrie erfuhren. Die Reallöhne
lagen bereits hinter der Produktivität zurück, zudem hatte die
Anti-Gewerkschafts-Kampagne über Fragen der Löhne und der Konkurrenzfähigkeit auf den Auslandsmärkten bereits vielerorts zu Schwierigkeiten in den Kollektivverhandlungen geführt, als sich der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten zur Veröffentlichung der Richtlinien
entschloß. Presse und Industrie griffen sie auf und verlangten
Lohnstopps - ein Vorschlag in dieser Richtung war vom Beirat aber
nie gemacht worden. Als Ergebnis drohten die Lohnerhöhungen, die
sowieso schon nachhinkten, ganz zum Erliegen zu kommen.
Die Gewerkschaften haben die amerikanische Regierung aufgefordert, Kollektiwerhandlungen zu voller Wirkkraft zu verhelfen,
damit sie einen geeigneten Beitrag zur Ausweitung der Verbrauchernachfrage leisten können. Weniger würde die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft nur noch mehr aufhalten.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind nicht naiv genug zu
glauben, daß durch kräftigere steuerliche Maßnahmen zugunsten einer
Vollbeschäftigung alle Mängel einer zu geringen Verbrauchernachfrage in der US-Wirtschaft behoben werden können. Dagegen wird ihrer
Ansicht nach eine positive Lohnpolitik für ein abgerundetes, den
Anforderungen der sechziger Jahre entsprechendes Wirtschaftsprogramm
unerläßlich sein.
Es ist schwierig, die Zukunftsaussichten der US-Wirtschaft
exakt zu beurteilen. Die konservative Geisteshaltung, die allem
Anschein nach einen großen Teil der amerikanischen Bevölkerung
in den fünfziger Jahren ergriffen hat, bildet nach wie vor das
Haupthindernis für eine energische Wirtschafts- und Sozialpolitik,
die für eine Vollbeschäftigung so notwendig ist. Von wesentlicher
Bedeutung ist jedoch die Grundhaltung des Präsidenten und seiner
Berater diesen Problemen gegenüber; und sie wirkt sich bereits
zugunsten einer solchen Politik aus. (Gekürzt)

(Quelle: "Free Labor World", Sept. I963.
Bei Nachdruck Angabe der Quelle und des
Verfassers erforderlich)

-

10

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Entwicklung der Löhne und Lohnnebenleistungen in den USA
Die Lohnveränderungen auf Grund von Tarifverträgen zeigten in
den letzten Jahren eine deutliche Verflachungstendenz. Im Rezessionsjahr 1954 waren die ausgehandelten Lohnerhöhungen mit
(durchschnittlich) 5 l/2 Cent pro Stunde relativ niedrig, während
sie in den drei folgenden Jahien auf über zehn Cent anstiegen.
In den darauf folgenden drei Jahren, von 1958 bis i960, variierten
die durchschnittlichen Steigerungsbeträge zwischen 8 l/2 und 9
Cent pro Stunde, um I96I auf durchschnittlich 7 Cent abzusinken.
Im Jahr 1962 war ein leichter Anstieg auf 8 Cent zu verzeichnen.
Legt man die I96I und 1962 erzielten Lohnerhöhungen auf sämtliche Beschäftigte um, die in diesem Zeitraum in irgendeiner Form
von Tarifverhandlungen berührt wurden - unter Einschluß also auch der
Arbeiter und Angestellten, deren Löhne unverändert gleichgeblieben
sind -, so errechnet sich für die beiden Jahre ein Durchschnitt von
7 Cent.
Verflachungstendenzen auch bei stufenweisen Lohnerhöhungen
Auch die Lohnveränderungen, die auf Grund älterer Tarifverträge
wirksam wurden - Erhöhungen in Anpassung an den steigenden Lebenshaltungskostenindex auf Grund einer Lohngleitklausel und inzwischen
in Kraft getretene stufenweise Lohnerhöhungen -, sind geringer ausgefallen. Soweit Arbeiter und Angestellte tatsächliche Lohnaufbesserungen erhielten, bewegten sie sich in den Jahren von 1956 bis 1958
zwischen 11 und 15 Cent die Stunde, von 1959 bis 1962 zwischen 8 und
9 l/4 Cent.
Dieser Verflachungstrend war in den Fertigungsindustrien ausgeprägter als in der übrigen Wirtschaft. Langfristige Tarifverträge,
die Lohnverhandlungen in manchen Industriezweigen nur alle zwei oder
drei Jahre zulassen, und die unterschiedliche Höhe der ausgehandelten Lohnaufschläge in den einzelnen Jahren beeinflussen diese Entwicklung.
Ähnliche Entwicklung im Baugewerbe
Parallel zur Entwicklung in der übrigen Wirtschaft verlief die
Lohnentwicklung im Bau- und Bauhilfsgewerbe. Während die Erhöhungen
in der Zeit vor 1954 zwischen J und 10 Prozent schwankten, beliefen
sie sich 1954 und 1955 auf durchschnittlich 3,5 Prozent, stiegen dann
in der Zeit von 1956 bis 1959 vorübergehend auf 4&gt;5 bis 4,9 Prozent
an, um in den folgenden Jahren auf 4 Prozent und darunter abzusinken.
Weiterer Ausbau der Lohnnebenleistungen
Neben reinen Lohnerhöhungen konnten die Arbeitnehmer auch wesentliche Verbesserungen der Lohnnebenleistungen aushandeln. Die ohnehin
sehr ausgeprägte Tendenz der Gewerkschaften, bei TarifVerhandlungen
auf Verbesserungen der Lohnnebenleistungen zu dringen, findet in der
Tatsache ihren Niederschlag, daß eine oder mehrere derartige Verbesserungen in den Jahren 1954 und 1955 in rund zwei Dritteln und I962 in
fast drei Vierteln aller Verträge vereinbart worden sind.
Was die Zahl und den Prozentsatz der von derartigen Regelungen
betroffenen Produktionsarbeiter angeht, ergibt sich ein etwas anderes
-

11

-

�Was die Zahl und den Prozentsatz der von derartigen Regelungen
betroffenen Produktionsarbeiter angeht, ergibt sich ein etwas anderes
Bild. Der Prozentsatz der betroffenen Arbeitnehmer weist größere
Schwankungen auf als der Prozentanteil der Tarifverträge mit Verbesserungen der Lohnnebenloistungen. Der eingetretene anteilmäßige Rückgang
für 1962 erklärt sich aus der Tatsache, daß Lohnvereinbarungen für
rund 4ÖO 000 nicht im Fahrdienst beschäftigte Eisenbahner und über
300 000 Telephonarbeiter getroffen wurden, bei denen Lohnnebenleistungen nicht Verhandlungsgegenstand waren.
Bei den Verbesserungen dieser Leistungen stand fast in jedem
Jahr der Ausbau der Krankenversicherungs- und Pensionskassen im
Vordergrund. Mindestens ein Drittel aller abgeschlossenen Tarifverträge enthielt diesbezügliche Bestimmungen; i960 waren es sogar 50 Prozent. Eine günstigere Pensionsregelung brachten 1957
etwa ein Sechstel der Tarifverträge und 1962 etwa ein Drittel.
Mehr Urlaub wurde, von 1954 abgesehen, jeweils in mindestens einem Viertel aller Tarifverträge vereinbart.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

AFL-CIO für Schaffung eines Bundesamtes für Automation
Die von den beiden Häusern des Kongresses kürzlich in einer
gemeinsames Resolution geforderte Schaffung eines Bundesamtes für
/ Fragen der Automation wird von den amerikanischen Gewerkschaften
voll unterstützt. Dies erklärte der Abteilungsdirektor der AFL-CIO
für Gesetzesangelegenheiten, Andrew J. Biemiller, vor dem Unter'&lt; ausschuß des Senats für Beschäftigungs- und Arbeitsfragen, der
gegenwärtig "hearings" über die Zweckmäßigkeit einer solchen Einrichtung durchführt.
Biemiller betonte, der Bundeskongreß der AFL-CIO habe in Anbetracht der Tatsache, daß sich "im amerikanischen Leben gegenwärtig
eine neue und revolutionäre Entwicklung" vollziehe, vor kurzem bereits eine ähnliche Resolution angenommen. "Inzwischen sollte es allen vollkommen klargeworden sein, daß es sich bei den derzeitigen
technologischen Veränderungen nicht lediglich um eine Fortsetzung
des Mechanisierungsprozesses handelt, der seit jenen Tagen andauert, in denen die ersten Maschinen die Muskelkraft zu ersetzen begannen..., sondern um eine völlig neue Entwicklung."
Der gegenwärtigen technologischen Revolution dürfe man keinen
freien Lauf lassen, da sie sonst die gleichen "sozialen Verwüstungen"
anrichten werde wie die erste industrielle Revolution. Ein Bundesamt
für Fragen der Automation könne nach Ansicht der Gewerkschaften wesentlich dazu beitragen, die möglichen Folgen abzuwenden, indem es
; sämtliche wichtigen diesbezüglichen Daten und Unterlagen sammle
und auswerte, als "technologische Clearingstelle" fungiere, ein
"Frühwarnsystem" für bevorstehende Veränderungen entwickle und
; Vorschläge zu den zu treffenden wirtschaftspolitischen und öffentlichen Maßnahmen mache, damit die Automation mit den Zielen des

1o

�die Bundesregierung, "Wirtschaftsbedingungen zu schaffen und aufrechtzuerhalten", die eine "maximale Beschäftigung, Produktion und Kaufkraft" gewährleisten).
Die wichtigste Aufgabe des vorgeschlagenen Bundesamtes für Automation könnte nach Ansicht Biemillers darin bestehen, "Pionierarbeit in der Meisterung der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Aspekte der Automation zu leisten". In diesem Sinne habe auch
Präsident Kennedy die Aufgaben und Tätigkeiten des vorgeschlagenen
Amtes für Automation verstanden wissen wollen, und Bemühungen in dieser Richtung würden der Arbeit dieses Amtes vor allem anderen Bedeutung verleihen.
Der amerikanische Kongreß hat in den vergangenen Wochen zahlreiche "hearings" in den verschiedenen Ausschüssen durchgeführt, um
die zahlreichen Vorschläge zu überprüfen, die für die Behandlung der
Probleme der Automation eingereicht worden sind. Eine endgültige Entscheidung in dieser Frage ist aber erst dann zu erwarten, wenn diese
Ausschüsse ihre Befragungen abgeschlossen, das Informationsmaterial
ausgewertet und ihre Vorschläge formuliert haben.

(Quelle» Eigenbericht)

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XYII

-

3

Bad Godesberg, den 1. März 1964

INHALTSVERZEICHNIS
Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der
Arbeitslosen in den USA (i)
Neue Möglichkeiten des Kollektivverhandlungswesens
Gewerkschaftliche Kurznachrichten»
Lohnpolitischer Rundblick

Robert L. Stein, Mitarbeiter des Bundesamtes für Arbeitsstatistik im
US-Arbeitsministeriums
Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen
in den USA (i)
Im April 1962 wurde in den Vereinigten Staaten eine detaillierte Untersuchung der persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Arbeitslosen durchgeführt. Zur Klärung strittiger Fragen
zu Art und Auswirkung der Arbeitslosigkeit in den USA steht damit
nunmehr erstmals statistisches Beweismaterial zur Verfügung. Zwar
läßt es immer noch weit voneinander abweichende Deutungen zu,
trotzdem dürften die in diesem Bericht zusammengetragenen neuen
Fakten extreme Stellungnahmen erschweren. Arbeitslose sind eine
sehr heterogene Arbeitnehmergruppe, in der sich hinsichtlich der
Finanzkraft, der Notwendigkeit der Erwerbstätigkeit, der Teilnahme
am Erwerbsleben, der beruflichen Qualifikationen und der Aussichten auf eine zukünftige Dauerstellung des einzelnen starke Unterschiede ergeben. Es handelt sich bei ihnen im allgemeinen nicht um
Menschen, die für ihre Schwierigkeiten persönlich verantwortlich
gemacht werden können, passende Arbeitsangebote ausschlagen, mehr
oder weniger freiwillig arbeitslos sind und sich nur nebenbei für
Gelegenheitsarbeiten interessieren.
Dieser

�Dieser allgemeinen Schlußfolgerung liegt eine Untersuchung des USAmtes für Arbeitsstatistik über die Lage der schätzungsweise 9,6
Millionen Personen im Alter von 18 und mehr Jahren, die 1961 insgesamt mindestens 5 volle Wochen arbeitslos waren, zugrunde^. Sie umfaßte alle amerikanischen Bundesstaaten und erbrachte neben Daten,
die aus den regulären Monatsstatistiken über die Beschäftigungslage
nicht so ohne weiteres zu erschließen sind, auch Angaben zur Arbeitsvorgeschichte der einzelnen Arbeitslosen während der fünf Jahre zwischen 1957 und 1961 .
Fast 70 Prozent der 9,6 Millionen Arbeitslosen waren Männer die meisten im besten Berufsalter von 20 bis 64 Jahren (vgl. Tabelle 1 ) . Bei drei Fünfteln der Arbeitslosen handelte es sich um Familienoberhäupter, bei einem Fünftel um Farbige. Ein Viertel der Betroffenen war 1961 über 6 Monate lang arbeitslos. Nur 33 Prozent der
Arbeitslosen - gegenüber mehr als 50 Prozent aller Zivilbeschäftigten
waren Mittelschulabsolventen.
Arbeitsvorgeschichte
Teilnahme am Erwerbsleben; Im April 1962 waren 67 Prozent der
9,6 Millionen Erwerbspersonen, die 1961 fünf Wochen oder länger arbeitslos waren, wieder beschäftigt, während sich weitere 26 Prozent
auf Arbeitsuche befanden. Nur 7 Prozent waren aus dem Erwerbsleben
ausgeschieden. Die nachfolgende Aufstellung läß:t erkennen, daß der
Prozentsatz derjenigen, die nicht mehr arbeiteten bzw. nach Arbeit
suchtBjn,, bei Frauen höher lag als bei Männern - nämlich 15 Prozent
gegenüber 3 Prozent.
Beschäftigungsstand im April 1962

Arbeitskräfte des -.zivilen Sektors
Beschäftigt
Arbeitslos
Aus dem Erwerbsleben ausgeschieden
Insgesamt
Zahl", der Arbeitnehmer (in Millionen,

P r o z e n t s a t z der
Ar beitnehmer
Gesamt Männer Frauen
93,2
97,1
84,7
66,9
71,0
58,2
26,3
26,1
26,5
6,8
15,3
2,9
100,0
106,0
100,0
6,606
3,011
9,617

Anm.: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise zu 100.

* Berücksichtigt wurden arbeitsfähige Personen mit 5 oder mehr
Wochen Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1961 , die im April 1962 achtzehn Jahre oder älter waren, sich nicht in Schulausbildung befanden
und früher bereits im Erwerbsleben gestanden haben. In einer Repräsentativbefragung wurden rund 3000 Interviews ausschließlich mit
solchen Arbeitnehmern durchgeführt, die persönlich von Arbeitslosigkeit betroffen waren.
Tabelle 1

�Tabelle 1
Prozentmäßige Aufgliederung der Arbeitnehmer mit 5 und
mehr Wochen Arbeitslosigkeit im Jahr 1961*, nach
Altersgruppen, Geschlecht, Hautfarbe und Arbeitslosigkeitsdauer aufgeschlüsselt
(Stand/April 1962)

Gesamtzahl (in Millionen)

9,617

Prozent

100,0
Altersgruppe und Geschlecht

Männer

.

68,7

18 und 19 Jahre

4,2

20 bis 24 Jahre

10,7

25 bis 34 Jahre

16,0

35 bis 44 Jahre

14,9

45 bis 54 Jahre

12,6

55 bis 64 Jahre

7,7

65 Jahre und älter

2,6

Frauen

31»3

18 und 19 Jahre

3,0

2o bis 24 Jahre

4,9

25 bis 34 Jahre

6,2

35 bis 44 Jahre

7,1

45 bis 54 Jahre

5,9

55 bis 64 Jahre

3,6

65 Jahre und älter

0,6

Hautfarbe
Weiße

79,8

Farbige

20,2
Dauer der Arbeitslosigkeit 1961

5 bis 26 Wochen

76,4

27 Wochen oder mehr

23,6

* berücksichtigt wurden Personen, die im April 1962 achtzehn Jahre
oder älter und arbeitsfähig waren, sich nicht in Schulausbildung
befanden und früher bereits im Erwerbsleben gestanden haben.
*: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise zu 100.

�Selbst bei Männern der Altersgruppen von 45 Jahren und älter
mit mehr als 6 Monaten Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1961 waren
nur 6 Prozent zum Zeitpunkt der Untersuchung (April 1962) aus dem
Erwerbsleben ausgeschieden.
Von den 65O 000 aus dem Erwerbsleben ausgeschiedenen Arbeitnehmern gaben 50 Prozent an, sie wollten wieder auf Arbeitsuche gehen, und zwar die meisten innerhalb eines Monats nach dem Befragungsdatum. Bei 36 Prozent bestand - meist aus familiären oder gesundheitlichen Gründen - nicht die Absicht hierzu. Der Prozentsatz
derjenigen, die sich nicht mehr nach einer Beschäftigung umsehen
wollten, weil es ihrer Ansicht nach keine Arbeit für sie gab, betrug
lediglich 3 Prozent der im April 1962 nicht mehr im Erwerbsleben
stehenden Personen und bildete nur einen unbedeutenden Bruchteil
(0,2 Prozent) der Gesamtzahl der Arbeitnehmer mit ein- oder mehrmonatiger Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1 961 .
Um entscheiden zu können, ob der jeweils befragte Arbeitnehmer
regelmäßig oder nur gelegentlich zur Erwerbsbevölkerung* zu zählen
sei, wurden Angaben über seine Arbeitsvorgeschichte in den fünf
Jahren von 1957 bis 19&amp;1 erbeten. Die gewonnenen Daten lassen erkennen, daß die Gruppe der Arbeitslosen im allgemeinen sehr intensiv am Erwerbsleben beteiligt war. Fast 80 Prozent waren 19&amp;1 das
ganze Jahr über (d.h. 50 bis 52 Wochen) beschäftigt oder auf Arbeitsuche gewesen (vgl. Tabelle 2). Während der gesamten Fünfjahresperio
de hatten fast 50 Prozent der Befragten jedes Jahr das ganze Jahr
über zur Erwerbsbevölkerung gezählt. Diese Zahlen sind jedoch nur
Näherungswerte, da sich viele Befragte nur noch ungenau an Einzelheiten ihrer Beschäftigung und Arbeitslosigkeit während dieses Zeitraumes erinnern konnten, im besonderen diejenigen, die unregelmäßig
beschäftigt waren und immer wieder aus dem Erwerbsleben ausgeschiede
sind. Ferner waren einige Arbeitslose 1961 noch zu jung, um während
des untersuchten Zeitraumes in einem Arbeitsverhältnis gestanden zu
haben; 23 Prozent waren jünger als 25 Jahre, 8 Prozent jünger als
20 Jahre.
Rund 55 Prozent der Männer zählten jedes Jahr das ganze Jahr
über zur Erwerbsbevölkerung, während dies nur bei 28 Prozent der
Frauen der Fall war. Umgekehrt waren nur 21 Prozent der Männer, gegenüber 42 Prozent der Frauen,während eines oder mehrerer Jahre der
berücksichtigten Fünfjahresperiode vollständig aus dem Erwerbsleben
ausgeschieden. Gesonderte Daten über Männer, die im April 1962 im
Alter von 45 oder mehr Jahren standen (2,2 Millionen der 9»6 Millionen untersuchten Arbeitnehmer) und dementsprechend im Januar 1957
mindestens 39 Jahre alt waren, zeigen, daß zwei Drittel von ihnen
jedes Jahr das ganze Jahr über der Erwerbsbevölkerung angehörten.
Nur 8 Prozent waren ein ganzes Jahr oder länger vollkommen aus dem
Erwerbsleben ausgeschieden.
* Gesamtzahl der Erwerbstätigen und Arbeitsuchenden
Tabelle 2

�Tabelle 2
Zugehörigkeit zur Erwerbsbevölkerung zwischen 1957
und 1961 von Erwerbspersonen mit 5 und mehr Wochen
Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1961*, nach Geschlecht
und Beschäftigungsdauer 1 961

[
'
\
1
j

Dauer der Arbeitslosi gkeit 1961

Zugehörigkeit
zur Erwerbsbevölkerung

Insgesamt

Männer

Gesamtzahl
(in Millionen)

9,617

6,606

3,011

7,345

2,272

Prozent

100,0

100,0

100,0

100,0

100,0

77,9

84,0

64,2

74,4

89,8

60,4

68,9

41,2

58,3

67,5

46,9

55,3

28,1

46,0

50,2

8,9

9,8

6,9

8,1

11 ,6

4,6

3,8

6,2

4,2

Das ganze Jahr Arbeitnehmer, 1961**
Jedes Jahr Arbeitnehmer, 1957-60
das ganze Jahr über
in jedem Jahr

Frauen

5-26
?/ochen

2"Ji u • mehr
lochen

)

(
'

/

das ganze Jahn-über
in drei Jahren
das ganze Jahr über
in zwei* oder weniger Jahreh

5,7
/

Aus dem Erwerbsleben
1 Jahr lang ausgeschieden, 1957-6o

5,8

5,0

7,6

5,6

6,7

Aus dem Erwerbsleben
2 Jahre oder länger
ausgeschieden,
1957-60

11,7

1o,1

15,3

10,5

15,7

22,1

16,0

35,8

25,6

10,2

12,0

9,9

16,6

13,6

6,5

Ein Teil des Jahres
Arbeitnehmer, 1961
Jedes Jahr Arbeitnehmer, 1957-6o

{
i
l

Aus dem Erwerbsleben
1 Jahr lang ausgeschieden, 1957-60

2,2

1,6

3,6

2,5

1,3

K

Aus dem Erwerbsleben
2 Jahre oder länger
ausgeschieden,
1957-6o

7,9

4,4

15,7

9,5

2,4

I

i
* siehe Tabelle 1, Anmerkung *
)
** "das ganze Jahr" entspricht 50 bis 52 '.Yochen
Anm.: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
zu 100.
R

"

5

"

Zu

�Zu "beachten ist, daß die vorliegende Untersuchung nur den zivilen Beschäftigungssektor berücksichtigt) Militärdienstzeiten wurden unter der Kategorie "aus dem Erwerbsleben ausgeschieden" registriert. Bei älteren Männern war Krankheit oder Invalidität wahrscheinlich ein wichtigerer Faktor für ihr Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. In Institutionen oder im Ausland verbrachte Zeiten
wurden ebenfalls unter der Kategorie "aus dem Erwerbsleben ausgeschieden" registriert.
Frühere Arbeitslosigkeit: Arbeitslosigkeit war für die meisten
Befragten offensichtlich nichts Neues. Kur rund ein Drittel gab für
die Zeit zwischen 1957 und 1960 keine Arbeitslosigkeit an. Dagegen
hatte über ein Fünftel der befragten Arbeitnehmer in jedem Jahr Arbeitslosigkeit erlebt. Für nahezu die Hälfte aller Arbeitnehmer hatte
es darüber hinaus Arbeitslosigkeit in der Kehrzahl der untersuchten
Jahre gegeben (mit berücksichtigt sind alle, die einen Teil jeden
Jahres ohne Arbeit waren). Zum Teil wegen ihres stärkeren Anteils
an der Erwerbsbevölkerung wurden Männer mehr von Arbeitslosigkeit
betroffen als Frauen. Die folgende Aufstellung zeigt, daß 25 Prozent
der Männer, gegenüber nur 15 Prozent der Frauen, Arbeitslosigkeit
für jedes Jahr angaben:

Prozentsatz der Erwerbspersonen
mit Arbeitslosigkeit
angegebener Häufigkeit
zwischen 1957 und 1 960
Gesam

Männer

Frauen

31 ,0

39,9

Ohne Arbeitslosigkeit
In nur 1 Jahr arbeitslos
In 2 Jahren arbeitslos
In 3 Jahren arbeitslos
In jedem Jahr arbeitslos

21 ,0
15 ,8
10 ,5
21 . "

27,1
19,9
16,8
11,5
24,7

23,4
13,6
8,0
15,0

Insgesamt

100 , 0

100,0

100,0

9,^17

6,606

3,011

Zahl der Arbeitnehmer (in Millionen/

Anm.: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise zu 100.
Arbeitnehmer mit langen Arbeitslosigkeitsperioden im Jahr 1961
hatten in den vorhergehenden Jahren etwas mehr Arbeitslosigkeit aufzuweisen; zudem waren sie, im Vergleich mit den übrigen Arbeitnehmern,
im April 1962 mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit von Arbeitslosigkeit betroffen: Nahezu die Hälfte der Personen mit 6 Monaten Arbeitslosigkeit im Jahr 1961 war
auch im April 1962 arbeitslos.
Rund 3,2 Millionen der 9,6 Millionen Arbeitslosen des Jahres 1961
waren auch im April 1962 ohne Beschäftigung; 30 Prozent von ihnen befanden sich auf Arbeitsuche, und nur 20 Prozent - zumeist Frauen hatten jede Arbeitsuche aufgegeben.
Tabelle 3

- 6 -

�Tabelle 5
Gründe für das Ausscheiden aus dem letzten Arbeitsverhältnis
nach Angaben von Erwerbspersonen, die 1 961 für 5 Wochen oder
länger arbeitslos und im April 1962 ebenfalls arbeitslos oder
vorübergehend entlassen waren*, nach Geschlecht und Arbeitslosigkeitsdauer 1 961

\

„,..
Manner
Gründe

ns gesamt

Frauen
18 bis
44 Jahre alt

45 Jahre
und
älter
0,861

\ Zahl d e r P e r s o [ nen ( i n M i l l . )

3,175

1,058

\ Prozent

1

10O,O_

Wirtschaftliche
Gründe

l
I

.100-0

1,256
1

5 bis
26 Wochen

27 und
mehr
Wochen

2,o23

1,152

2 2 * ° , =122i2=-

=

1Q2A9-

72,6

78,3

80,5

62,8

71,3

74,9

zu geringer,
fehlender Arbeitsanfall
saisonbedingte

22,4

27,8

21,9

18,4

24,6

18,7

A r b e i t zu Ende

24,0

26,4

3o,1

17,9

23,4

24,9

sonstige
Sachen

26,3

24,2

28,4

26,5

23,3

31,3

27,4

21,7

19,5

37,2

28,7

25,1

Ur-

Kichtwirtschaftl i c h e Gründe

[
,
J

°°l2-

Dauer
. .der
. .Arbeits,1961
. r.c.
losigkeit

Gesundheit
sonstige Ursechen

9,4

3,6

7,5

15,4

9,9

8,6

17,9

18,1

12,0

21,8

18,8

16,5

/

/ * siehe Tabelle 1, Anm.*
pi.; Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
i
zu 100.
Von

- 7-

�!

Von den 3,2 Killionen Arbeitnehmern, die im April 1962 arbeitslos waren, nannten 73 Prozent zu geringen oder fehlenden Arbeitsanfall oder das Auslaufen eines Arbeitsauftrages als Hauptgründe für
ihr Ausscheiden aus dem letzten Arbeitsverhältnis (vgl. Tabelle 3 ) .
Anteilmäßig wirkten sich diese wirtschaftlichen Bedingungen mehr
auf den Beschäftigungsstand der Männer aus als auf den der Frauen
(80 Prozent gegenüber 63 Prozent).
Berufserfahrung; Die 9,6 Millionen Erwerbspersonen der vorliegenden Untersuchung wechselten verhältnismäßig häufig in andere Berufsgruppen und Wirtschaftszweige über. Ein Vergleich zwischen ihrem
ersten und ihrem letzten Arbeitsplatz (d.h. dem Arbeitsplatz zur Zeit
der Befragung) läßt erkennen, daß rund 40 Prozent von ihnen am Ende
der Fünfjahresperiode in einer anderen Hauptberufsgruppe (und 40 Prozent in einem anderen Wirtschaftszweig) tätig waren als zuvor. Etwa
20 Prozent der Arbeitnehmer bezeichneten - nach eigener Definition als beste Arbeit einen anderen als den zuletzt innegehabten Beruf.
Ahnliche Zahlen ergaben sich für die Wirtschaftszweige.
Trotz dieser großen Fluktuation zwischen den einzelnen Berufsgruppen und Wirtschaftszweigen bestand hinsichtlich des ersten, des
besten und des letzten Arbeitsplatzes eine bemerkenswerte Übereinstimmung (vgl. Tabelle 4)« Bei den meisten Arbeitsplatzwechseln handelte
es sich offenbar nicht um eine Bewegung in eine bestimmte Richtung,
sondern mehrum .ein Sich-Anpassen an die Verhältnisse. Zwischen dem
besten und dem letzten Arbeitsplatz konnte ein leichtes Abgleiten beobachtet werden - eine Bewegung aus Büro-, Facharbeiter- und Faschinenarbeiterberufen in Handarbeiter- und Dienstleistungsberufe. In ähnlicher Weise ließ sich auch eine leichte Tendenz zum überwechseln aus
dem Baugewerbe und der Fertigungsindustrie in den Handel und die Dienstleistungszweige feststellen. Vor allem diese Bewegungen waren wahrscheinlich für den Rückgang des durchschnittlichen Wochenverdienstes
von 76 Dollar am besten Arbeitsplatz auf 68 Dollar am letzten Arbeitsplatz verantwortlich während eines Zeitraumes, in dem das Einkommen
praktisch aller Arbeitnehmerkategorien anstiegt.
Aus der Arbeitsplatzverteilung nach Berufsgruppen wird ein Aspekt
des Arbeitslosenproblems besonders deutlich. Selbst als besten Arbeitsplatz gaben einen Angeatelltenberuf nur 22 Frozent der 9»6 Millionen
Arbeitnehmer an, obwohl zwischen 1957 und 1962 in jedem Jahr 40 Prozent
aller Beschäftigten zu dieser Berufsgruppe zählten. Mehr noch: unter
den 9»6 Millionen Arbeitnehmern unserer Untersuchung nahm zwischen dem
ersten und dem letzten Arbeitsplatz der Anteil der Angestellten nicht
zu, obwohl er im Gesamtbild des Beschäftigungsstarües immer größer wurde.
Reaktion auf Arbeitslosigkeit
Methoden der Arbeitsuche: Wieviel Aktivität ein -Arbeitsloser entfaltet, um neue Arbeit zu finden, wird gelegentlich als Indiz für die
Intensität und den Ernst seiner Stellungsuche gewertet. Alle Befragten
gaben an, mindestens eine der üblichen Methoden angewandt zu haben;
87 Frozent hatten es mit zwei oder mehr Möglichkeiten versucht. Über
75 Prozent aller Arbeitslosen wandten sich an ein staatliches Arbeitsamt und an örtliche Arbeitgeber - die beiden üblichsten Methoden .
Weniger häufig wurden Stellengesuche aufgegeben, Stellenanzeigen beantwortet oder Bewerbungen eingereicht. Freunde, Gewerkschaften oder private Arbeitsvermittlungen wurden selten bemüht.
Tabelle 4
- 8 -

�Tabelle 4
Verteilung nach Berufsgruppen und Wirtschaftszweigen von
Personen mit 5 oder mehr Wochen Arbeitslosigkeitsdauer im
Jahr 1961*, nach ausgewählten Berufen, 1957-62
„
„
,
Berufsgruppe und
1 *1
•
Wirtschaftszweig

Erster
., . .
Arbeitsplatz

Bester
,. . .
Arbeitsplatz

Derzeitiger &amp;
, ., , ,
oder letzter
Arbeitsplatz

20,0

21,8

2o,4

2,2

2,9

2,8

2,6
10,2
4,9

3,8
11,9
5,2

3,2
10,9
5,5

60,2

63,7

61,6

15,5
31,7

13,2
33,3

16,7
31,8

13,1

12,2

13,0

14,5

11,5

15,7

3,6
10,9

2,4
9,1

3,4
1o,5

5_j_Q

/],2

Berufsgruppe
Angestelltenberufe
Akadem., techn. u. verwandte Berufe
Manager, ö f f e n t l . Angestellte
und Selbständige (außer Landw.)
Bürokräfte u . a .
Verkaufspersonal
Arbeiterberufe
Facharbeiter, Vorarbeiter u . a .
Maschinisten u . a .
Handarbeiter (außer Landw.
und Bergbau)
Dienstleistungspersonal
Hausangestellte
Sonstige Dienstleistungsberufe
Landarbeiter

5 ,5

Insgesamt

•

100,0

100,0

100,0

55,9

58,5

56,1

6,5
2,5
15,7
55,4

4,2
2,1
16,8
55,1

5»4
2,0
15,5
55,5

44,1

41,7

45,9

•Vir t schaftszweig
Gütererzeugung
Land- und Porstwirtschaft
und Fischerei
Bergbau
Baugewerbe
Fertigungsindustrie
Dienstleistungen
Verkehr u . öffentl. Versorgungsbetriebe
Handel
Geld, Versicher, u . Immobilien
Dienstleistungsgewerbe
Öffentliche Verwaltung

5,7
18,8

2,4
15,5
1.8

6,5
16,6
2,5
14,2
2,5

5,0
17,6
2,4
16,7
2.1

Insgesamt

100,0

100,0

100,0

Zahl der Personen (in Millionen)

9,617

9,617

9,617

* siehe Tabelle 1, Anm.*
Anm.; Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
zu 100.
Aussichten

- 9 -

�Aussichten auf eine Wiedereinstellung: Von den 3,2 Millionen
Erwerbspersonen, die zum Zeitpunkt der Untersuchung ohne Beschäftigung waren, erklärtei eine Million, sie erwarte eine Wiedereinstellung auf ihren alten Arbeitsplatz. Die Hälfte der Arbeitnehmer rechnete mit oeiner Rückberufung innerhalb eines Monats, ein weiteres
Drittel innerhalb 1 bis 3 Monaten. 83 Prozent gaben an, dies hänge
von einer gesteigerten Geschäftstätigkeit ab; bei der Hälfte handelte es sich um Saisonarbeiter., die auf ihre jahreszeitlich bedingte
Wiedereinstellung warteten. Die Dauer der Arbeitslosigkeit wirkte
sich offensichtlich nur in geringem Maße auf die Wiedereinstellungschancen aus. Der Prozentsatz der Arbeitnehmer mit mehr als 6 Monaten
Arbeitslosigkeit, die eine 7/iedereinstellung erwarteten (28 Prozent),
lag fast ebenso hoch wie der Prozentsatz der Arbeitnehmer mit kürzeren
Arbeitslosigkeitsperioden (34 Prozent) .
Art der gesuchten Arbeit: Ein sehr hoher Prozentsatz der Arbeitslosen - einschließlich mehr als vier Fünftel der jenigen:-, die mit einer
Wiedereinstellung rechneten - war auf der Suche nach anderer Arbeit in fast allen Fällen nach Ganztagsarbeit. Bei nahezu der Hälfte der
Arbeitnehmer, die sich nicht nach anderer Arbeit umsahen, handelte es
sich um Frauen, von denen die meisten aus dem Erwerbsleben ausgeschieden waren.
Im großen und ganzen wurden von den Arbeitslosen Stellen gesucht,
für die relativ wenig Fachkenntnisse erforderlich sind. Rund zwei Drittel gaben ?ls gesuchte Arbeitsplätze solche der Kategorie angelernte
Maschinisten, angelerntes Bedienungspersonal oder ungelernte Hilfsarbeiter (einschließlich "allgemeine Fabrikarbeit" oder "Arbeit jeder Art")
an. Nur 12 Prozent wünschten Facharbeiterstellungen, während 20 Prozent
Beschäftigung als Angestellte (zumeist in Büroberufen) suchten. Die beiden letzten Zahlen entsprechen ziemlich genau den Prozentsätzen für Arbeitnehmer, deren letzter Arbeitsplatz in eben diesen Berufsgruppen zu
finden war, wie aus folgender Aufstellung hervorgeht:

Beruf

Erwünschter Arbeitsplatz von
arbeitsuchenden
Arbeitslosen,
April 1962

Letzter Arbeitsplatz aller im
April 1962 Arbeitslosen

(in Prozent
Akadem., techn. u. verw. Berufe
Manager, öffentl. Bedienstete u.
Selbständige
Bürokräfte u.a.
Verk^ufspersonal
Hausangestellte
Sonstiges Dienstleistungspersonal
Facharbeiter, Vorarbeiter u.a.
Maschinenarbeiter u.a.
Handarbeit (außer Bergbau)*
Allgemeine Fabrikarbeit
Arbeit jeder Art
Insgesamt
Zahl der Arbeitnehmer (in Millionen)

2,1

1,4

0,9
13,0
3,7
4,3
10,5
12,3
18,9
11,5
2,6
20,1
100,0
2,869

2,8
1o,9
-4,7
4,4
13,7
13,7
29,5
18,9"

100,0
3,175

* einschließlich eines kleinen Anteils von Landarbeitern
abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
,j_ Die abg
zu 100.
- 10 -

�Obwohl sich diese Daten nur auf Hauptberufsgruppen beziehen,
lassen sie dennoch erkennen, daß zwischen der gesuchten Arbeit
und den Berufserfahrungen und Qualifikationen des einzelnen Arbeitslosen ein vernünftiges Verhältnis bestand. Die Zahlen lassen
ebenso eine leichte Tendenz zu anspruchsloseren Arbeitsplätzen erkennen. Beispielsweise hatten 34»4 Prozent in der Vergangenheit
Stellungen in Angestellten- und Facharbeiterberufen; gesucht wurden solche Arbeitsplätze jedoch nur von 32,0 Prozent. Bei ehemaligen angelernten Maschinenarbeitern schien auch eine Bereitschaft
vorhanden zu sein, sich mit weniger günstigen Möglichkeiten zufriedenzugeben, obwohl diese Tendenz infolge der Ungenauigkeit vieler
Antworten auf die Frage nach der Art der gesuchten Arbeit mehr oder
weniger ungewiß bleibt.
Die Lohnerwartungen der Arbeitslosen bewegten sich in bescheidenem Rahmen. Der Mittelwert lag bei etwas mehr als 60 Dollar pro
Woche, was ungefähr dem Betrag entspricht, der in den letzten Arbeitsplätzen verdient wurde. Arbeitslose, die nicht mit einer Wiedereinstellung rechneten, erwarteten Wochenlöhne von weniger als
60 Dollar; durchschnittlich suchten diejenigen, die mit einer Wiedereinstellung rechneten, Wochenverdienste von 70 Dollar, was etwa
dem Betrag entspricht, der zum Zeitpunkt der Untersuchung von
6,4 Millionen der erfaßten Beschäftigten erreicht wurde, (leicht gekürzt; wird fortgesetzt)

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Dezember 1965, Vol. 86, Nr. 12)
*

•

*

*

•

*

*

William E. Simkin, Direktor des Bundesvermittlungs- und
Öchlichtungsdlienstes der USA?
Neue Möglichkeiten des Kollektivverhandlungswesens
Als Regierungsbehörde, in deren Aufgabenbereich die Beilegung
und Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten fällt, hat der Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst (Federal Mediation and Conciliation
Service) der USA engen Kontakt mit den Vorgängen und Entwicklungen im
amerikanischen Kollektivverhandlungswesen. An Hand der einlaufenden
Berichte unserer 24O Vermittler, die sich jährlich in mehr als 7000
Arbeitsstreitigkeiten einschalten, ergibt sich, vom günstigen Blickpunkt meines Amtes her gesehen, ein recht genaues Bild der tatsächlichen Leistungen und Mängel im Bereich der Beziehungen zwischen den
Sozialpartnern. Dies berechtigt mich zu der nachdrücklichen Feststellung, daß Gewerkschaften und eine aufgeklärte Gewerkschaftsführung
heute so nötig sind wie eh und je.
Einige

- 11 -

�Einige "Propheten des Untergangs" behaupten das Gegenteil.
Ihrer Ansicht nach lag die Blütezeit der amerikanischen Gewerkschaften in den dreißiger und den beginnenden vierziger Jahren,
der Periode großer gewerkschaftlicher Zusammenschlüsse. In den
folgenden Jahren seien mit den beträchtlichen Lohnerhöhungen und
Verbesserungen in den Arbeitsbedingungen auch die letzten Möglichkeiten ausgeschöpft worden, und nur noch wenig bleibe zu tun.
Im Grunde genommen heißt das nichts anderes, als daß sich die Gewerkschaften eigentlich aus dem Geschäft zurückziehen und die Regelung aller anstehenden Probleme den Betriebsleitungen überlassen
sollten. Zudem wird den Gewerkschaftsführungen Neigung zu Behäbigkeit und - aus Gründen der Sicherung ihrer Positionen - allzu starkes Festhalten am Kollektivverhandlungswesen vorgeworfen.
Es liegt mir fern, die in den vergangenen Jahren erreichten
großartigen Leistungen der Gewerkschaften zu schmälern. Allerdings
wäre es auch nicht ganz ehrlich, behaupten zu wollen, die Gewerkschaftsleitungen unserer Tage seien frei von Fehlern. Mir scheint
das Tarifverhandlungswesen jedoch neue Möglichkeiten zu besitzen,
die zu realistischeren, wenn auch vielleicht weniger spektakulären
Ergebnissen führen könnten als bisher. Auch sollten wir nicht darauf vertrauen, daß die Betriebsleitungen von sich aus die gleichen
Ziele zu erreichen suchen. Vielmehr sind demokratische Verfahrensweisen in Form von vernünftigen und reifen Kollektivverhandlungen
in der Industrie nötiger denn je.
Auf welchen Gebieten liegen\ die Aufgaben der amerikanischen
Gewerkschaftsleitungen?
Noch vor ein paar Jahren stellten Vermittler und Tarifpartner
nahezu einhellig fest, sobald eine Einigung über die allgemeine
Lohnerhöhung erreicht sei, erledige sich alles andere wie von
selbst. So einfach verlaufen heute nur noch die wenigsten wichtigen Verhandlungen.
Selbst Lohnfragen waren in der Nachkriegszeit, als sich die
meisten Lohnerhöhungen in Gestalt höherer Preise auf den Verbraucher
abwälzen ließen, relativ einfach zu lösen. Die Entscheidungen*, die
unter den gegenwärtigen,weit schwierigeren innenpolitischen und
internationalen Gegebenheiten zu treffen sind, drehen sich um die
Frage, wieviel zusätzliche Lohnerhöhungen und Lohnnebenleistungen
vertretbar sind, um Arbeitnehmern einen gerechten Anteil an den
Früchten der Produktion zu sichern, ohne dabei eine Inflation heraufzubeschwören.
Das Ausmaß einer allgemeinen Lohnerhöhung ist nach wie vor von
Bedeutung, aber es steht hinter anderen Fragen zurück. Auch sogenannte Nebenleistungen rechnen in der Industrie zu den Lohnkosten; doch
sind sie für den Arbeitnehmer von größerem Y/ert als ein entsprechende
Barbetrag in seiner Lohntüte. Ein moderner Gewerkschaftsführer muß
die Bedürfnisse der von ihm vertretenen Arbeitnehmer und den relativen Wert der wahlweise gebotenen Vorteile unter Berücksichtigung gemeinsamer nationaler Interessen und Zielsetzungen abwägen.
Er

�Er muß sich zum Beispiel darüber im klaren sein, welche Versicherungspläne für seine Gewerkschaftsmitglieder in Frage kommen
und wie hoch ihre Kosten sind. Er muß prüfen, was sich beispielsweise in Gestalt von Pensionen, Pensionen bei vorzeitigem Ausscheiden, Urlaub, Wochenendurlaub, zusätzlichen Arbeitslosenversicherungsleistungen, Arbeitszeitgarantien und ähnlichem erreichen läßt.
Es genügt nicht, nur die Wünsche der Arbeitnehmer im Auge zu behaltend Ein Gewerkschaftsführer muß darüber hinaus Phantasie und Geschick besitzen, um seine Gewerkschaft auf gangbare Wege zu lenken.
Die raschen Wandlungen auf technischem Gebiet haben eine ganze'
Reihe von neuen Problemen aufgeworfen, und wir stehen mit unseren
Versuchen, Mittel und Wege zu ihrer Lösung ausfindig zu machen,
erst am Anfang. Ein Gewerkschaftsführer muß heute imstande sein,
zwischen jenen Aspekten des technischen Fortschritts zu unterscheiden, die sich durch Kollektivverhandlungen regeln lassen, und jenen,
für die umfassende Regierungsmaßnahmen erforderlich sind.
Häufig müssen bestehende Anciennitätsregelungen den neuen Problemen angepaßt werden, wird doch der Ausgleich zwischen dem Recht
des Arbeitnehmers auf größtmögliche Arbeitsplatzsicherung und den
Erfordernissen einer leistungsfähigen Produktion immer komplizierter.
Vier Jahre hintereinander hielten sich die durch Streiks verursachten Arbeitszeitverluste in den USA auf einem sehr niedrigen
Stand: einem Streiktag standen 700 Arbeitstage gegenüber. Diese
außerordentlich günstige Streikbilanz ist ein Verdienst der amerikanischen Gewerkschaftsleitungen. Las gelegentliche Mißlingen von
Kollektivverhandlungen führt in der Öffentlichkeit zu hysterischen
Reaktionen, die nach dem Stand der Dinge nicht gerechtfertigt sind.
Wo ein Maximum an Freiheit erhalten bleiben soll, sind einige Streiks
(und Aussperrungen) einfach unvermeidlich.
Als einen der wichtigsten Vorzüge bieten Kollektivverhandlungen
die Möglichkeit, Tarifverträge jeweils den besonderen Erfordernissen
anzupassen. Manche Regelung, die sich für einen bestimmten Industriezweig oder ein bestimmtes Unternehmen;, günstig auswirkt, kann anderswo von geringem Nutzen oder ganz wertlos sein. Die Gewerkschaften
und ihre Verhandlungspartner aus der Industrie verfügen über die
notwendige"Sachkenntnis, Phantasie, Erfindungsgabe und Erfahrung,
um zufriedenstellende Lösungen für die mannigfaltigen Gegenwartsund Zukunftsprobleme auszuarbeiten.
Die Gewerkschaften legen dieser Aufgabe gegenüber Tatkraft und
Umsicht an den Tag. Zwar gibt es bei Gewerkschaften und Industrie
noch manche Unzulänglichkeit und manches menschliche Versagen, die
vermieden werden müssen. Dennoch möchte ich behaupten, daß Kollektivverhandlungen heute bessere Ergebnisse zeitigen, als sie die meisten
ihrer Kritiker zustande brächten, würde ihnen die Entscheidungsvollmacht übertragen.
Es ist die Folitik der amerikanischen Regierung.,, ihre Einflußnahme im Bereich der Kollektivverhandlungen fast ausschließlich auf
Vermittlungsdienste zu beschränken. Diese Aufgabe obliegt dem Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst, der für alle Wirtschaftszweige

- 13 -

�Wirtschaftszweige außer Eisenbahnen und Luftfahrtgesellschaften
zuständig ist. Auch von ihm wird die Zukunft Tatkraft, Einfallsreichtum und Anpassungsfähigkeit fordern, um den größeren Aufgaben gerecht zu werden.
Über seine Rolle in Verhandlungskrisen hinausgehend, kann
der Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst Gewerkschaften und
Arbeitgeber in der Erschließung neuer Methoden einer Zusammenarbeit
zwischen den Sozialpartnern unterstützen, die eine gemeinsame Untersuchung und Regelung anstehender Probleme lange vor Einsetzen der
letzten hektischen Phase unmittelbar vor Ablauf eines Tarifvertrags
ermöglichen.
Immer häufiger geschieht es, daß Verhandlungspartner mit der
Regelung komplizierter Fragen nicht mehr bis zur letzten Stunde
warten. Nur das reifliche und ruhige Durchdenken der Tatsachen und
Kostenfaktoren in einer entspannten Atmosphäre, frei vom Druck
letzter Verhandlungsfristen, führt zu beide Seiten befriedigenden
Lösungen. Zukünftige Kollektivverhandlungen werden aller Wahrscheinlichkeit nach noch stärker als bisher diese Form ständiger Beratungen und Fühlungnahmen während der gesamten Laufzeit von Tarifverträgen annehmen.
So halten Baugewerkschaften schon seit Jahren mit ihren Tarifpartnern aus der Bauwirtschaft regelmäßig Konferenzen ab, auf denen
nicht nur Arbeitsfragen, sondern auch Fachprobleme erörtert werden.
Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschüsse dieser Art stecken noch in den
Kinderschuhen. Sie werden von den Gewerkschaftsleitungen gefördert.
In einigen besonderen Fällen wurden auf diesem Gebiet bereits wichtige Ergebnisse erzielt. Eine Reihe von Ausschüssen befinden sich
mitten in ihrer Planung, andere stehen vor ihrer Gründung. Und die
Zeichen dieser neuen Reife im Verhandlungswesen sind nicht nur in
der Stahl-, Automobil-, Elektrogeräte-, Luft- und Raumfahrtindustrie
und Seeschiffahrt zu finden, sondern auch in zahlreichen kleineren
Betrieben und Konzernen überall in den Vereinigten Staaten»
Ein ermutigender Aspekt des Kollektivverhandlungswesens, der bei
den beharrlichen Kritikern der Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen
niemals Erwähnung findet, ist die beträchtliche Zunahme freiwilliger
Schlichtungsverfahren in Meinungsverschiedenheiten zwischen den Sozialpartnern. Der Bundesvermittlungs- und Schlichtungsdienst zählt zu
seinen Mitarbeitern eine Reihe qualifizierter Schiedsmänner, deren
Dienste von den streitenden Parteien angefordert werden können und
immer häufiger angefordert werden.

(Quelle: Eigenbericht)

- 14 -

�Sewerka haftliche Kurznachrichten
Lohnpolitischpr Rundhlick
Die durchschnittlichen Stunden- und Wochenlöhne für Industriearbeiter (Bruttolöhne) haben sich auch im November 1963 weiter erhöht und mit 2,49 Dollar bzw. 101,09 Dollar neue Spitzenstände erreicht, wie aus der neuesten Lohnübersicht des US-Arbeitsministeriums
hervorgeht.
Während die Stundenlöhne gegenüber dem Vormonat um 2 Cent und
Li Vergleich zum November 1962 um 8 Cent anstiegen, beliefen sich
die Zunahmen beim durchschnittlichen Wochenlohn auf 56 Cent bzw.
3,73 Dollar.
Nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern vom Bruttolohn ergab
sich für einen Industriearbeiter mit drei Angehörigen dabei ein Wochenlohn von 88,77 Dollar (plus 46 Cent) und für einen Unverheirateten ein Nettoeinkommen von 80,93 Dollar. In beiden Fällen trat gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres ein Anstieg des NettoWochenlohnes um 2,50 Dollar ein.
Da sich die Lebenshaltungskosten im November erneut geringfü- (plus 0,2 Prozent) erhöhten, stieg der Reallohn nicht im gleichen
Umfang an wie der Nettolohn. Im Vergleich zum November 1962 ist nach
Angaben des Arbeitsministeriums ein Kaufkraftanstieg der industriellen V/ochenlöhne um rund 2 Prozent zu verzeichnen.
Die Lage am Arbeitsmarkt war im November 1963 durch einen geringen Rückgang (100 000) der Zahl der Industriearbeiter auf insgesamt
58,3 Ilillionen gekennzeichnet. Im Vergleich zum November 1962 liegt
diese Ziffer um 1,5 Ilillionen höher'. Die stärksten Rückgänge in der
Zahl der Arbeitskräfte verzeichneten das Baugewerbe und die Zweige
der Fertigungsindustrie. Wie das US-Arbeitsministeriura jedoch betont,
sind diese Rückgänge allgemein jahreszeitlich bedingt gewesen.
Der allgemeine Anstieg der Arbeitslöhne in den Vereinigten Staaten dürfte sich auch in diesem Jahr im bisherigen Rahmen fortsetzen.
Legt man die 1964 auf Grund der in den Vorjahren abgeschlossenen Tarifverträge wirksam werdenden Lohnerhöhungen als Maßstab an, so werden sich für alle Wirtschaftszweige durchschnittliche Aufbesserungen
um 7»1 Cent, für die Fertigungsindustrie um 6,3 Cent und für die nichtindustriellen Branchen um 9&gt;9 Cent, ergeben. Da jedoch zahlreiche Tarifverträge Lohngleitklauseln enthalten, dürften sich diese Sätze bei einem Anstieg des Lebenshaltungskostenindex noch um einige Cent erhöhen.
Durch die in diesem Jahr wirksam werdenden Verbesserungen auf dem
Gebiet der Lohnnebenleistungen werden außerdem zahlreiche tarifvertraglich erfaßte Arbeitnehmer in den Genuß weiterer materieller Vorteile
kommen. Nach einer Analyse des US-Arbeitsministeriums sind es vor
allem erhöhte oder zusätzliche Versicherungsleistungen, längerer Urlaub und verbesserte Altersrenten, die hier 1964 irc Vordergrund stehen. Wesentlich verbesserte Urlaubspläne sind bereits am 1. Januar in
der Stahl-, der Aluminium- und der Blechbehälterindustrie sowie in
einigen anderen Fertigungszweigen wirksam geworden.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 4

Bad Godesberg, den 1. April 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der
Arbeitslosen in den USA (il)
Druckereifachschule in Colorado Springs
Die Firma zahlt den Doktorhut
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 1
Seite 9
Seite 10
Seite 12

Robert L. Stein, Mitarbeiter des Bundesamtes für Arbeitsstatistik im
US-Arbeitsministerium:
Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen
in den USA (II)
Einkommen und Lebensstandard
Amtliche Arbeitslosigkeitsstatistiken sind ein Index der in
einer Volkswirtschaft brachliegenden und sofort verfügbaren Arbeitskräfte; ihr Zweck ist es nicht, etwas über finanzielle Härten und
die Not «der Betroffenen auszusagen. Arbeitslosigkeit wirkt sich
auf die wirtschaftliche Gesaratlage des Betroffenen und seiner Familie, je nach der Stellung des Arbeitslosen im Familienverband, der
Dauer seiner Arbeitslosigkeit und seinem Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung, sehr unterschiedlich aus. Sie beeinflußt in jedem
Falle das Wohl des Betroffenen und seiner Familie. Im Rahmen der
im April 1962 durchgeführten Untersuchung der wirtschaftlichen
und persönlichen Verhältnisse der Arbeitslosen* wurde versucht,
* Berücksichtigt wurden arbeitsfähige Personen mit 5 oder mehr Wochen Arbeitslosigkeitsdauer im Jahr 1961, die im April 1962 achtzehn Jahre oder älter waren, sich nicht in Schulausbildung befanden und früher bereits im Erwerbsleben gestanden haben. In einer
Repräsentativbefragung wurden rund 3000 Interviews ausschließlich mit solchen Arbeitnehmern durchgeführt, die persönlich von
Arbeitslosigkeit betroffen waren.

- 1-

�die Auswirkungen einer Arbeitslosigkeit auf Einkommen und Lebensstandard zu messen. In den Einzelinterviews wurden Fragen nach
Personal- und Familieneinkommen, Zahl der abhängigen Familienmitglieder und Methoden der Bestreitung des Lebensunterhalts während
der Arbeitslosigkeit gestellt.
Persönliches Einkommen: Bei den 9»6 Millionen Arbeitnehmern
mit fünf- oder mehrwöchiger Arbeitslosigkeit im Jahr 1961 betrug
das durchschnittliche Jahreseinkommen aus allen Einkommensquellen
2300 Dollar und lag damit um 40 Prozent niedriger als das von allen
übrigen Erwerbspersonen* erzielte durchschnittliche Jahreseinkommen
in Höhe von 3700 Dollar. Wäre es möglich gewesen, alle Schüler, Studenten, Jugendlichen unter 18 Jahren und gerade arbeitsunfähigen Personen, die in der vorliegenden Untersuchung der Arbeitslosen nicht
berücksichtigt wurden, auch aus der Zahl der übrigen Erwerbspersonen
auszusondern, läge der letztgenannte Durchschnittswert noch über
3700 Dollar.
Erwartungsgemäß wirkte sich die Dauer der Arbeitslosigkeit sehr
stark auf das persönliche Einkommen aus. Das durchschnittliche Jahreseinkommen eines langfristig Arbeitslosen betrug nur rund 1400 Dollar oder etwas mehr als die Hälfte des Einkommens der Arbeitnehmer
mit nur ein- bis sechsmonatiger Arbeitslosigkeitsdauer (vgl. Tabelle 5 ) .
Arbeitnehmer, die das ganze Jahr über überwiegend einer Ganztagsbeschäftigung nachgegangen waren, erreichten einen Jahresdurchschnitt von 5000 Dollar; demgegenüber konnte nur einer von acht Arbeitslosen ein gleich hohes oder höheres Einkommen nachweisen. Trotzdem ist diese Differenz nur teilweise die unmittelbare Folge von Arbeitslosigkeit; ausschlaggebend ist auch die Tatsache, daß die Arbeitslosen selbst im Falle einer Beschäftigung durchschnittlich weit niedrigere Wochenverdienste hatten als Arbeitnehmer, die ganzjährig beschäftigt waren. An ihrem derzeitigen oder letzten Arbeitsplatz verdienten
die 9»6 Millionen Arbeitslosen rund 7° Dollar pro Woche; der vergleichbare Wochenlohn oder das vergleichbare Wochengehalt betrug bei Arbeitnehmern, die 1961 das Jahr über ganztägig beschäftigt waren, rund
95 Dollar. Diese Diskrepanz ist eine Folge des niedrigeren Bildungsstandes der Arbeitslosen, ihrer stärkeren Konzentration in weniger anspruchsvollen und schlechter bezahlten Berufen und der bei ihnen häufiger anzutreffenden Teilzeitbeschäftigung.
Trotz Arbeitslosigkeit stammten die Einkünfte der Arbeitslosen
zu 80 Prozent aus eigenen Löhnen und Gehältern. Eine weitere wichtige,
wenn auch kleinere Einkommensquelle bildeten die Zahlungen aus der
Arbeitslosenversicherung, die 12 Prozent ausmachten. Die restlichen
8 Prozent kamen aus allen übrigen Quellen zusammengenommen, vor allem
aus gesetzlichen oder tarifvertraglichen Sozial- und Pensionsfonds.
Einkünfte aus Löhnen und Gehältern; Im Jahr 1961 betrugen die
Lohn- und Gehaltseinkünfte der 9»6 Millionen Arbeitslosen im Durchschnitt
rund 1900 Dollar, gegenüber fast 5000 Dollar bei Arbeitnehmern, die das •
Jahr über ganztägig beschäftigt waren. Trotzdem bildeten Löhne und
* d.h. Personen, die im Laufe des Jahres kurz- oder langfristig beschäftigt waren
Tabelle 5
_ 2 -

�Tabelle 5
Einkommen von Erwerbspersonen mit 5- oder mehrwöchiger
Arbeitslosigkeit 1961*, nach Dauer der
Arbeitslosigkeit (in Prozent)

Dauer der Arbeitslosigkeit
Jahreseinkommen

Insgesamt

Insgesamt

27 -und, mehr
Wochen

_122i2

±oqtq

22,4

18,5

36 ,1

21,9

19,4

30 7

19,0

20,0

15, 7

13,4

14,6

9, 2

4000 bis 4999
5000 bis 5999

10,7

12,3

5, ,1

6,4

7,8

1, 8

6000 und mehr

6,1

7,4

1 4

Unter 1000
Dollar
1000 bis 1999
2000 bis 2999
3000 bis 3999

oo1o__

e
*.c Wochen
w L.
5-26

Anzahl der Personen mit
Einkommen (in Millionen)

9,430

7,267

2,163

Durchschnittseinkommen
(in Dollar)

2300

26o7

1443

* berücksichtigt wurden Personen, die im April 1962 achtzehn Jahre
oder älter und arbeitsfähig waren, sich nicht in Schulausbildung
befanden und früher bereits im Erwerbsleben gestanden haben.
Ann.: Die abgerundeten Prozentangaben ergänzen sich nicht notwendigerweise zu 100.

_ * _

�und Gehälter auch für Arbeitslose die wichtigste Einkommensquelle;
95 Prozent waren 1961 zumindest zeitweise Empfänger von Arbeitsentgelt, während nur 69 Prozent Einkünfte aus anderen Quellen bezogen. Durchschnittlich lagen die Arbeitseinkünfte dreieinhalbmal
höher als die anderweitigen Einkünfte.
Umgekehrt: Obwohl fast 90 Prozent der langfristig Arbeitslosen
während des Jahres zumindest zeitweise Löhne und Gehälter bezogen,
lagen diese niedriger als der Durchschnittsbetrag aller anderweitigen
Einkünfte- in Höhe von 950 Dollar, der von 75 Prozent der langfristig
Arbeitslosen mit solchen anderweitigen Einkünften erreicht wurde. Insgesamt stammte etwas mehr als die Hälfte der Gesamteinkünfte der
langfristig Arbeitslosen aus Löhnen und Gehältern.
Arbeitslosenversicherung: Die Arbeitslosenversicherung stellte
einen wichtigen, wenn auch nur partiellen Ausgleich der 1961 eingetretenen Lohneinbußen dar. Etwas mehr als die Hälfte (5*5 Millionen)
der Arbeitslosen gab an, Zahlungen aus der Arbeitslosenversicherung
erhalten zu haben. Diejenigen, die keine Arbeitslosenunterstützung
empfingen, hatten sie zumeist - wahrscheinlich weil kein Anspruch
bestand - auch nicht beantragt. Im Durchschnitt betrugen die Leistungen 36 Dollar pro Woche; Arbeitslosenunterstützung wurde durchschnittlich 14 Wochen lang bezogen, was der Hälfte der in den meisten amerikanischen Einzelstaaten gültigen maximalen Zahlungsdauer (unter Ausschluß vorübergehender Verlängerungen, wie sie in den Jahren 1958
und 1961 wirksam wurden) entspricht. Die meisten Arbeitslosen fanden
offensichtlich vor Erlöschen ihres Anspruches auf reguläre und verlängerte UnterstützungsZahlungen eine neue Beschäftigung; ein Fünftel
jedoch nahm die Unterstützung 1961 voll in Anspruch.
Für Arbeitnehmer mit 27 und mehr Wochen Arbeitslosigkeit im
Jahr 1961 spielten die Unterstützungszahlungen eine bedeutende Rolle:
im Durchschnitt lagen sie um 10 Prozent höher als ihre Lohn- und Gehaltseinkünfte. Immerhin hatte einer unter neun langfristig Arbeitslosen 1961 keine Lohn- und Gehaltseinkünfte, gegenüber nur einem
unter 40 Arbeitnehmern mit 5 his 26 Wochen Arbeitslosigkeit.
Einkünfte aus anderen Quellen: Die Einkünfte aus allen übrigen
Quellen zusammengenommen trugen weniger zum Gesamteinkommen der Arbeitslosen bei als die Arbeitslosenunterstützung allein. Der Anteil
der Arbeitslosen mit anderweitigen Einkünften dieser Art bewegte sich
zwischen acht und eineinhalb Prozent: 8 Prozent erhielten eine zusätzliche Arbeitslosenunterstützung, 1 1/2 Prozent Zahlungen aus privaten
Pensionsfonds. Rund 4 1/2 Prozent der 9»6 Millionen Arbeitslosen bezogen Einkünfte aus der Sozialversicherung in Höhe von durchschnittlich
knapp 700 Dollar im Jahr - der größte Betrag aus einer einzelnen Einkommensquelle, bei der es sich nicht um Löhne oder Gehälter handelte.
Tatsächlich betrugen alle anderweitigen Einkünfte neben Löhnen und Gehältern im Jahr 1961 durchschnittlich nur etwas mehr als 500 Dollar.
Sie lagen damit nicht nur verhältnismäßig niedrig, bei Berechnung
dieses Durchschnittswertes wurden darüber hinaus nur Arbeitnehmer mit
Einkünften von mindestens einem Dollar berücksichtigt. 30 Prozent
hatten überhaupt keine Einkünfte dieser Art.
Selbst für die langfristig Arbeitslosen stellten Arbeitsentgelt
und Arbeitslosenunterstützung die weitaus wichtigste - Einkommensquellen

- 4 -

�^inkommgnsque11en dar. Zahlungen aus der Sozialversicherung und
der öffentlichen Fürsorge waren für sie jedoch von größerer Bedeutung als für Arbeitnehmer mit kürzeren Arbeitslosigkeitsperioden.
Abhängige Familienmitglieder: Obwohl sich aus der Arbeitslosigkeit eines Haushaltsangehörigen stets Probleme für das Wohl der ganzen Familie ergeben, wird die Situation besonders schwierig, wo ein
Arbeitsloser für Angehörige zu sorgen hat. Bei der Mehrzahl (55 Prozent) der Arbeitslosen handelte es sich um Haushaltsvorstände, die
für andere Personen die finanzielle Verantwortung trugen. V/eitere
25 Prozent waren Personen ohne Familienanhang oder Haushaltsmitglieder, die für ihren Lebensunterhalt selbst aufkamen. In den übrigen
Fällen handelte es sich zumeist um Ehefrauen von Haushaltsvorständen
(17 Prozent); ein sehr kleiner Prozentsatz (nur rund 3 Prozent) waren
Angehörige, die nicht für ihren Lebensunterhalt aufkamen (vgl. Tabelle 6 ) . Etwa drei Fünftel der 1,6 Millionen arbeitslosen verheirateten
Frauen hatten Kinder unter 18 Jahren; in den Schätzzahlen für Arbeitslose mit Angehörigen wurden diese Frauen nicht eingeschlossen, obwohl
die Einkünfte der Mütter einleuchtenderweise auch den Kindern zugute
kamen.
Die Folgen einer Arbeitslosigkeit des Haushaltsvorstandes wurden
in jenen Familien etwas abgemildert, in denen auch andere Familienmitglieder einen Arbeitsplatz innehatten. In einem Drittel der
4,8 Millionen Familien, in denen eine Ehefrau oder ein anderer Verwandter im Alter von mindestens 18 Jahren zum Haushalt zählte, stand
ein anderes Familienmitglied in Arbeit, als das Familienoberhaupt
1961 seine erste Arbeitslosigkeitsperiode erlebte; in den meisten
Fällen war es die Ehefrau. Nur in wenigen Fällen veranlaßte die Arbeitslosigkeit des Familienoberhauptes andere Familienmitglieder zur
Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. In 12 Prozent der Familien begab
sich - als unmittelbares Ergebnis der Arbeitslosigkeit des Familienoberhauptes - ein anderes Familienmitglied, gewöhnlich die Ehefrau,
auf Stellensuche oder nahm eine Arbeit auf.
Haush-lts einkommen und Lebensstandard: Im Jahr 1961 betrug das
durchschnittliche Haushaltseinkommen der 8,8 Millionen Arbeitslosen
mit Familie 4400 Dollar. Hinzu kamen 800 000 Arbeitslose ohne Familienanhang mit einem Durchschnittseinkommen von rund 1800 Dollar. Unter den
8,8 Millionen Arbeitslosen mit Familie gab es 5»3 Millionen Familienoberhäupter - fast zu 90 Prozent verheiratete und von ihrer Ehefrau
nicht getrennt lebende Männer. Der größte Teil der folgenden Darlegung befaßt sich mit Familien, deren Oberhaupt arbeitslos war.
Das Durchschnitts-Jahreseinkomnen dieser Haushalte betrug 4100 Dollar, gegenüber 5700 Dollar 'im Durchschnitt aller Haushalte bzw. 6900
Dollar bei Haushalten, deren Vorstand das Jahr über ganztägig beschäftigt war. Zwar sind diese Zahlen auch ein Maß für die Unterschiede im
Lebensstandard zwischen Familien, die von Arbeitslosigkeit betroffen
wurden, und Familien, deren Oberhaupt einer Dauerbeschäftigung nachging;
diese Differenzen sind jedoch nicht allein als Auswirkung einer Arbeitslosigkeit des Haushaltsvorstandes aufzufassen. Wie bereits festgestellt,
lag der Wochenverdienst aller Arbeitslosen (als sie 1961 beschäftigt
waren) um 25 Dollar niedriger als derjenige ganzjährig Beschäftigter.
Setzt man einen ähnlichen Unterschied auch für Haushaltsvorstände voraus,
würde dies - ohne Berücksichtigung der Folgen einer Arbeitslosigkeit -

- 5-

�Tabelle 6
Familienstand von Arbeitnehmern mit 5 oder mehr Wochen
Arbeitslosigkeit im Jahr 1961*, nach Geschlecht und
Dauer der Arbeitslosigkeit 1961; Stand: April 1962
(in Prozent)

Familienstand

Insgesamt

Männer
18-44 45 Jahre
Jahre
und
alt
älter

Dauer der Arbeitslosigkeit 1961
Frauen
5-26
27 und mehr
Wochen
Wochen

Zahl der Arbeitnehmer
(in Millionen)

9,617

3,011

7,345 2,272

Prozent

122i2_ _!92»2_ _loo1o_ _]_oq,q_

_ioo,o_ 100,0

Familienoberhaupt,
mit Ehefrau**
Familienoberhaupt,
sonstiger Familienstand
Ehefrauen

4,404

2,202

48,8

66,3

80,5

6,3
16,8

1,9

3,7

Andere Verwandte
19,5
für eigenen Lebensunterhalt aufkommend
16,7
nicht für eigenen
Lebensunterhalt
aufkommend
2,8
Arbeitnehmer ohne
Anhang
8,5

26,5

4,6

22,9

4,3

3,6
5,3

0,4
11,2

14,8
53,8

51,0

41,8

5,9

7,8

17.3

15,2

18.4

23,1

20,3
15,8

19,7

2,6

3,4

16,8

3,5
11,1

7,4

12,1

* siehe Tabelle 5, Anm.*
** einschließlich der Haushaltsvorstände von Unterhaushalten
Anm^Lüt abgerundeten Prozentmgaben ergänzen sich nicht notwendigerweise
zu 100.

- 6-

�Arbeitslosigkeit - eine Jahresdifferenz von 1300 Dollar bedeuten.
Setzt man ferner voraus, daß der V/ochenverdienst von arbeitslosen
Haushaltsvorständen mit 75-80 Dollar etwas höher lag als der wöchentliche Durchschnittsverdienst aller Arbeitslosen, dann können bei Zugrundelegung einer durchschnittlichen Arbeitslosigkeit von 15-16 Wochen die durch sie verursachten Einbußen an potentiellem Einkommen
mit durchschnittlich 1100 bis 1300 Dollar veranschlagt werden. Rund
zwei Fünftel dieser Einbußen wurden für 3 »4 Millionen Familienoberhäupter durch Zahlungen aus der Arbeitslosenversicherung ausgeglichen.
Trotz dieser Verdienstausfälle stellten die Lohneinkünfte des
Haushaltsvorstandes den wichtigsten Bestandteil des Haushaltseinkommens dar. Im Jahr 1961 machten die Lohneinkünfte des Familienoberhaupts (2700 Dollar) nahezu drei Fünftel des Gesamteinkommens der
5,3 Millionen betroffenen Familien aus. Zugleich bildeten jedoch
seine sonstigen Einkünfte, hauptsächlich aus der Arbeitslosenversicherung, zusammen mit dem Verdienst anderer Familienangehöriger mit zwei
Fünfteln einen wichtigen Beitrag zum Haushaltseinkommen.
Da die Erwerbsfähigkeit des Familienoberhaupts diejenige anderer
Familienmitglieder zu übertreffen pflegt, wirkt sich dessen Arbeitslosigkeit auf die Zahlungsfähigkeit seiner Familie abträglicher aus
als die Arbeitslosigkeit eines anderen Familienmitglieds. In den 3»5
Millionen Familien, in denen die Ehefrau oder ein anderer Verwandter
arbeitslos war, lag das Haushaltseinkommen im Durchschnitt um 800 Dollar
höher als in den 5»3 Millionen Familien, deren Oberhaupt arbeitslos war.
Offensichtlich arbeitete in vielen Familien das Oberhaupt auch dann
weiter und bezog sein reguläres Einkommen, wenn sich andere Familienmitglieder auf Stellensuche befanden, sonst könnte das persönliche
Einkommen von arbeitslosen Ehefrauen und Verwandten im Durchschnitt
nicht lediglich knapp ein Drittel des Gesamthaushaltseinkommens ausmachen. Allerdings war dieser niedrige Anteil zum Teil auch das Ergebnis ihrer Arbeitslosigkeit.
In etwa einem Viertel der 3*5 Millionen Familien, in denen die
Ehefrau oder ein anderer Verwandter arbeitslos war, steuerten dagegen
gerade diese Familienmitglieder immer noch mehr als die Hälfte zu den
Gesamteinkünften aus Löhnen und Gehältern bei. Ihre während der Arbeitslosigkeit erlittenen Einkommensverluste wirkten sich auf die Finanzkraft der Familie selbstverständlich recht ungünstig aus.
Zahl der Fafliilienangehörigen:,tfaMfrJGesfmteinkommen aller Haushalte,
deren Vorstand arbeitslos war, Ineugefr. schätzungsweise 19 Millionen
Personen (über 10 Prozent der amerikanischen Gesamtbevölkerung im
April 1962) bei. Dabei handelte es sich um 5»3 Millionen Familienoberhäupter, 4»7 Millionen Ehefrauen, 8,5 Killionen Kinder unter 18 Jahren
und 0,6 Millionen sonstige Angehörige und andere Personen. Haushalte,
deren Vorstand arbeitslos war, hatten nicht nur um ein Viertel niedrigere Durchschnittseinkünfte als der Durchschnitt aller Hauchalte und um
zwei Fünftel niedrigere Durchschnittseinkünfte als die Haushalte, deren
Vorstand einer Dauerbeschäftigung nachging, sondern standen auch vor der
Notwendigkeit, ihr niedrigeres Einkommen auf eine größere Zahl von Verbrauchern aufzuteilen. Beispielsweise hatten 26 Prozent der Familien,
deren Oberhaupt von Arbeitslosigkeit betroffen wurde, 3 oder mehr Kinder
unter 18 Jahren (eingeschlossen sind 14 Prozent Familien mit 4 und mehr
Tabelle 7

- 7-

�Tabelle 7
Bestreitung der Lebenshaltungskosten in Haushalten,
die von Arbeitslosigkeit betroffen wurden, nach Stellung
des Arbeitslosen* in der Familie und Dauer
der Arbeitslosigkeit 1961
(in Prozent)

Methode

Abheben von Ersparnissen
Durchschn.-Betrag (in Dollar)
Borgen von Geld
Durchsehn.-Betrag (in Dollar)

Insgesamt

Familienstand des
Arbeitslosen
Oberhaupt

Ehefrau Personen
ohne
u.sonst.
Verwandte Anhang

Dauer der Arbeitslosigkeit
5-26
Wochen

27 oder
mehr
Wochen

46,9

51,0

36,9

52,5

49,1

39,9

396

441

261

356

378

22,6

26,9

16,8

12,7

23,7

443
18,8

308

347

288

195

315

281

Umzug in billige
Wohnungen

9,5

11,2

6,6

8,5

8,8

12,0

Verkauf von Eigentum

4,3

4,3

4,7

3,4

4,3

4,5

H i l f e von Freunden
unverwandten a u ß e r halb des Uaru-uhalts 19,1

19,8

15,3

27,5

18,0

22,5

Barzuschüsse öffentl.u.private r
Wohlfahrtseinrichtungen

7,4

7,7

7,2

6,8

5,6

13,2

Sonstige öffentl.
Unterstützung

11,4

13,9

8,0

5,5

9,1

18,7

* siehe Tabelle 5, Anm.*

�mehr Kindern), während von den übrigen Familien 22 Prozent 3 und mehr
Kinder (eingeschlossen sind 11 Prozent Familien mit 4 und mehr Kindern)
besaßen. Anders gefaßt: Während 36 Prozent der von Arbeitslosigkeit
betroffenen Familien keine Kinder im angegebenen Alter hatten, waren
es bei den übrigen Familien 41 Prozent.
In Haushalten mit bis zu fünf Personen stieg das verfügbare Gesamteinkommen mit der Größe der Familie des arbeitslosen Vorstandes
an - eine Folge des Umstands, daß andere Familienmitglieder mitverdienen und das Familienoberhaupt zwischen Ende dreißig und Anfang
vierzig einen Höhepunkt der Erwerbsfähigkeit erreicht. Allerdings
nahm in Familien mit mehr als fünf Personen das Einkommen nur geringfügig zu und das Pro-Kopf-Einkommen stark ab.
Wie die Lebenshaltungskosten bestritten wurden: In sehr vielen
Haushalten reichte das Gesamteinkommen offensichtlich nicht aus, um
den Lebensstandard aufrechtzuerhalten. Andere Mittel, wie Ersparnisse,
Kredite oder Hilfe von Freunden und Verwandten, mußten einen Ausgleich
schaffen. Auf solche Mittel wurde am ehesten dort zurückgegriffen, wo
das Familienoberhaupt arbeitslos war oder die Arbeitslosigkeit länger als
ein halbes Jahr andauerte.
Fehlende Einkünfte wurden in den meisten Fällen durch Ersparnisse
ausgeglichen. Fast 50 Prozent der Familien hoben Sparbeträge von durchschnittlich 400 Dollar ab (vgl. Tabelle 7)« Nahezu 25 Prozent der Familien borgten Geld, die Hälfte von ihnen 300 Dollar und mehr. Andere
Wege, die Lebenshaltungskosten während einer Arbeitslosigkeit zu bestreiten, schlössen Barzuschüsse und Lebensmittelzuwendungen öffentlicher
und privater Wohlfahrtseinrichtungen und den Umzug in billigere Wohnungen ein. Solche Auswege wurden am ehesten von jenen Familien gesucht,
in denen der Arbeitslose länger als 26 Wochen beschäftigungslos blieb.
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Dezember 1963, Vol. 86, Nr. 12)
* * * * *

Druckereifachschule in Colorado Springs
Der technische Fortschritt hat seine Schattenseiten: Wo Arbeitnehmer nur unzureichend auf neue Produktionsmethoden vorbereitet sind,
bringt er Entlassungen. Auch die amerikanische Buchdruckergewerkschaft
ITU sah dieses Problem auf ihre Mitglieder zukommen. Deshalb gründete
sie bereits 1956 in Indianapolis (Indiana) ihre zentrale Druckereifachschule, die vor zwei Jahren nach Colorado Springs verlegt wurde.
Lehrgänge in moderner Druckereitechnik
Im Druckereiwesen vollzieht sich gegenwärtig ein Übergang von
konventionellen Setzmaschinen und Umbruchmethoden zu modernen Lichtsetzmaschinen und Klebeumbruchverfahren. In Colorado Springs können sich
ITU-1'.iitglieder an neuen Maschinen und in neuen Techniken ausbilden lassen. Einige technische Neuerungen und Erfindungen - z.B. die "ITU Ruling

- 9-

�Ruling Machine", mit der sich komplizierte Linienmatrizen und geometrische Formen in mikrometrischer Präzision herstellen lassen entstanden in der Gewerkschafts-Fachschule, deren Lehrkräfte anerkannte Experten ihres Fachgebietes sind.
Etwa 200 Gewerkschaftsmitglieder werden jährlich in Colorado
Springs ausgebildet. Diese Zahl vervielfacht sich in ihrer Wirkung,
da Absolventen der Fachschule später oft als Lehrer in örtlichen
ITU-Kursen tätig werden. Der Lehrplan ist sehr vielseitig und umfaßt
Kurse in Klebeumbruchtechnik, Layout, Photographie, Phototypie, Teletypie, Druckereielektronik, Druckplatten- und Klischeeherstellung
sowie Offset- und Farbdruck.
Im Mittelpunkt des Phototypie-Lehrganges steht die Ausbildung am
Fotosetter (Licht-Setzmaschine), der den Drucksatz photomechanisch
auf sensibilisiertem Papier oder auf Filmmaterial herstellt. Der Arbeitsablauf ähnelt dem der Zeilensetzmaschine, nur daß an die Stelle
des traditionellen Gießkessels eine Projektionseinrichtung tritt. Zum
Unterrichtspensum gehören auch der Umgang mit belichtetem Filmmaterial,
Korrekturlesen, Zurichten und sonstige Vorbereitungen für den Klebeumbruch.
Vorbild für Druckereifachschulen im Ausland
Die meisten Lehrgänge dauern drei Wochen bei täglich sieben Stunden Unterricht, von neun bis siebzehn Uhr mit einer Stunde Mittagspause. Auch zweiwöchige Auffrischungskurse für ehemalige Lehrgangsteilnehmer und Fachlehrer an örtlichen ITU-Schulen werden geboten .
Da Datenverarbeitungsanlagen auch im Druckereigewerbe immer größere
Bedeutung gewinnen, bereitet die Anstalt zur Zeit Kurse im Programmieren und in der Computer-Wartung vor.
Besucher aus aller Welt haben sich in den vergangenen Jahren
über die Unterrichtsprogramme und technischen Einrichtungen der ITUFachschule informiert. Zum Teil suchten sie Rat und Anregung für die
Gründung ähnlicher Schulen in ihren eigenen Ländern. Auch mancher
Druckereibesitzer hat sich hier über neue Drucktechniken beraten
lassen oder Mitarbeiter zum Studium neuer Verfahren, die in der eigenen Druckerei angewendet werden sollen, nach Colorado Springs geschickt .
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
Die Firma zahlt den Doktorhut
Als Teilnehmer am betrieblichen Studienförderungsprogramm der bekannten Flugzeugwerke North American Aviation in El Segundo (Kalifornien) bemühen sich gegenwärtig über 5000 Mitarbeiter der Firma in Fernkursen zu Hause, in Abendkursen an Oberschulen und technischen Lehranstalten oder als Vollstudenten an Universitäten und Colleges um ihre
berufliche und allgemeine Weiterbildung. Der Betrieb vergütet den bildungsbeflissenen Mitarbeitern jeweils zwei Drittel der Studiengebühren
und erstattet auch das letzte Drittel, wenn sie den entsprechenden
Lehrgang oder das Studium mit Erfolg abschließen.
FirmenZuschüsse

. 10 -

�Firmenzuschüsse werden frühestens nach einjähriger Betriebszugehörigkeit gewährt und reichen von geringfügigen Beiträgen zu
brieflichen Fernkursen bis zu Summen, die bei Doktoranden in die
Tausende gehen. Zusätzlich zu den Finanzbeihilfen gewährt die Firma
gegebenenfalls Bildungsurlaub bis zu drei Jahren im Falle eines
Hochschulstudiums und ermöglicht Kursteilnehmern Teilzeit- oder
Schichtarbeit.
Das Studienförderungsprogramm geht auf das Jahr 1950 zurück,
als erstmals 133 Betriebsangehörige Studien- und Ausbildungsbeihilfen zugesprochen bekamen, eine Zahl, die sich bis 1963 auf rund
11 500 erhöht hat. Zunächst beschränkte sich das Programm mehr auf
die praktische Ausbildung, doch wurde es schon bald auf das CollegeStudium bis zum akademischen Grad eines Bachelor und 1956 schließlich auf das Universitätsstudium, einschließlich des Magister- und
Doktorexamens, ausgedehnt. Der Erfolg dieser Maßnahme spricht für
sich selbst, haben doch inzwischen 502 Mitarbeiter der North American
Aviation den Bachelor-Grad, 276 den eines Magisters und neun den
Doktortitel erworben.
Die Geschäftsführung hat eine eigene Bildungsabteilung eingerichtet, die die Anträge auf Studienförderung bearbeitet, die vorgeschlagenen Kurse oder Studien begutachtet und die Mittel bewilligt. Generelle Zustimmung besteht für die Ingenieurfächer sowie für Mathematik,
Physik, Elektronik und Betriebswissenschaften.
Nimmt man das Jahr 1954 als Indexjahr, so ist die Beteiligung am
Studienförderungsprogramm heute 441 Prozent, eine Tatsache, die nicht
zuletzt darauf zurückzuführen ist, daß sich das Tätigkeitsgebiet der
Firma in den letzten Jahren auf den Bau von Raketentriebwerken und
die Reaktorentwicklung ausgedehnt hat. Die Aufwendungen der Firma
stiegen im gleichen Zeitraum von 84 500 Dollar auf 467 000 Dollar.
Die Empfänger der Studienbeihilfe verteilen sich auf eine große
Zahl von Anstalten, die von kommunalen Oberschulen am Arbeitsort bis
zu den besten Universitäten des Landes reichen. Die 150 Werksangehörigen,
die gegenwärtig auf Bildungsurlaub sind, studieren an 27 Colleges und
•Universitäten in 12 verschiedenen Bundesstaaten der USA, darunter so
bekannten Instituten wie der Stanford-Universität, dem California Institute of Technology in Pasadena, der Universität von Illinois in Urbana
und dem Polytechnic Institute in Brooklyn (New xork City).
"Die Förderung strebsamer Mitarbeiter durch Studienbeihilfen hat
uns die Möglichkeit gegeben, nicht nur einen Stamm von hervorragend
c.ualifizierten Fachkräften heranzuziehen, sondern auch das gesamte
Leistungsniveau in unseren Werken anzuheben", erklärte der Leiter
des Stipendien- und Erziehungsprogramms der.Firma, F.G. Rizzardi.
"Für den Mitarbeiter bedeutet erfolgreiche Beteiligung am Bildungsprogramm in der Regel eine Höhereirsbufung im Betrieb und für die
Firma einen Leistungszuwachs." Mr. Rizzardi sieht in dem Programm
eine Bestätigung seiner Überzeugung, daß der Leistungsstand der amerikanischen Industrie nicht zuletzt der Fähigkeit der Männer und Frauen
in den Werkshallen und Büros zu danken ist, sich neuen technischen
Entwicklungen und Ideen unverzüglich anzupassen.
(quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 11 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Schlichtungsbestirnmungen sollen Festliegen von Schiffen verhindern
Das Festliegen von Schiffen sollen künftig die Schlichtungsbestimmungen eines neuen Arbeitsvertrages verhindern, der im Januar
zwischen der Amerikanischen Seeleutegewerkschaft (National Maritime
Union - NMU) und dem Versorgungswerk der Schiffsingenieure (Marine
Engineers Beneficial Association - MEBA) auf der einen Seite und den
Schiffahrtslinien im Ost- und Golfküstenverkehr ausgehandelt worden
ist. Er beendete die Arbeitsstreitigkeiten, die u.a. zu einem viermonatigen Festliegen des Passagierschiffes "America" geführt hatten.
Arbeitsstreitigkeiten, in die Mitglieder der beiden Verbände verwickelt sind, sollen nach der neuen Regelung zwei Schiedsleuten, Theodore W. Kheel von der NMU und Donald Shoughnessy von der MEBA, unterbreitet werden, die zunächst als Vermittler fungieren und gegebenenfalls die Schlichtung betreiben. Sind die beiden Schiedsleute in der
Beurteilung eines Falles unterschiedlicher Auffassung, so sind sie
gehalten, einen dritten Schiedsmann hinzuzuziehen.
Bei dieser Form der Schlichtungsvereinbarung handelt es sich um
eine völlig neue Regelung, die nach Ansicht der Beteiligten geeignet
sein dürfte, bei Arbeitsstreitigkeiten auch in anderen Gewerbezweigen
Streiks zu verhindern.
*
New Yorker Transportarbeiter erhalten 35 Cent pro Stunde mehr
Einen neuen ZweiJahresvertrag mit dem New Yorker Verkehrsamt, der
rückwirkend ab 1. Januar in Kraft tritt, hat die Mitgliedschaft der
Transportarbeitergewerkschaft im Bereich New York ratifiziert. Der
Vertrag sieht eine Lohnerhöhung von insgesamt 35 Cent pro Stunde in
zwei Stufen vor. Hiervon sind 11 Cent ab Jahresbeginn zu zahlen, die
restlichen 24 Cent vom 1. Januar 1965 an.
Eine wesentliche Verbesserung erfuhr auch die Urlaubs- und
Feiertagsregelung. Transportarbeiter erhalten künftig nach fünfjähriger Dienstzeit vier und nach 25jähriger Dienstzeit fünf Yv'ochen bezahlten Urlaub. Es wurde ihnen ferner ein neunter bezahlter Feiertag
im Jahr sowie die Übernahme der Beiträge zur Krankenversicherung nach
der Pensionierung zugestanden.
*
Berufstätige im Alter von 75 Jahren und darüber
Die Zahl der Berufstätigen im Alter von 75 Jahren und darüber
betrug in den Vereinigten Staaten i960 nach Angaben des Statistischen
Bundesamtes der USA insgesamt 468 000. Von 340 000 berufstätigen Männern dieser Altersgruppe war der größte Teil in der Landwirtschaft, in
den akademischen Berufen und im Handwerk beschäftigt, während die
127 000 weiblichen älteren Beschäftigten größtenteils in Berufen tätig
waren, die mit Haushaltsführung und Kinderpflege und -erziehung in
einem engen Zusammenhang stehen.
Bei

12 -

�Bei den Männdern ergibt sich folgende Aufschlüsselung in einzelnen Berufen: Landwirte und -arbeiter rund 148 000, davon 69 000 als
Besitzer oder Pächter und 79 000 als Landarbeiter; Juristen, Anwälte
oder Richter 6000; praktische Ärzte und Chirurgen 46OO; Geistliche
3200; Immobilienhändler und -makler 5000; festangestellte Führungskräfte von Wirtschaftsunternehmen oder Eigentümer 3700; Zimmerleute,
Mechaniker und Gärtner jeweils 6000.

Zunahme der Bauarbeiterlöhne im Jahr 1965 um 3,5 Prozent
Eine Erhöhung der Stundenlöhne der Arbeiter im Bau- und Bauhilfsgewerbe um durchschnittlich 1,9 Cent bewirkte ein Steigen der tarifvertraglich vereinbarten Sätze per 2. Januar 1964 au? einen Durchschnitt von 4»13 Dollar; das sind 3&gt;5 Prozent mehr als per 2. Januar
des Vorjahres, wie das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik (Bureau of
Labor Statistics) in der soeben veröffentlichten letzten Vierteljahresübersicht 1963 über die Lage in sieben Beruf s'sparten im Bau- und
Bauhilfsgewerbe in 100 Großstädten nachweist.
Am günstigsten schnitten die Elektriker ab, die ihre Durchschnittsstundenlöhne um 3»2 Cent auf 4*60 Dollar aufbessern konnten. Sie waren
gefolgt von den Zimmerleuten mit einer Zunahme um 2,3 Cent auf 4»26
Dollar pro Stunde und den Malern mit einer Steigerung um 2 Cent auf
4,00 Dollar pro Stunde.
Nach Angaben des Bundesamtes für Arbeitsstatistik ist diese Zunahme der Durchschnittslöhne auf die im Laufe des Jahres in Kraft getretenen Erhöhungen der Lohnsätze zurückzuführen, von denen jeder
fünfte Arbeiter auf dem Bausektor profitierte. Im Falle der Elektriker erfolgte eine Anhebung in 24 der 100 Städte, bei den Maurern in 18,
bei den Zimmerleuten in 17 und in anderen Sparten in mindestens 12
Städten.
«

Erster Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschuß in der US-Bekleidungsindustrie
Als erste Gewerkschaft der amerikanischen Bekleidungsindustrie hat
sich die Gewerkschaft der Beschäftigten in der Damenoberbekleidungsindustrie (international Ladies' Garment Workers Union - ILGWU) zur Bildung eines Gemeinsamen Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschusses bereit erklärt, in dem Arbeitsprobleme vor Beginn der üblichen TarifVerhandlungen
- d.h. rechtzeitig vor Ablauf des Tarifvertrages - besprochen werden sol
len. Sie erweitert damit den Kreis zahlreicher bereits bestehender Gremien dieser Art, die als bestes Mittel zur Verhinderung von Streiks
gelten. Beratungspartner der ILGWU ist die Firma Bobbie Brooks, Inc.,
Ausschußvorsitzender David L. Cole, ein bekannter Arbeitsschlichter.
Die Geschichte dieser gemeinsamen Beratungsausschüsse beginnt mit
dem Jahr 1949» &amp; ls sich nach einer Serie heftiger Streiks die amerikanische Bergarbeitergewerkschaft (United Mine Workers of America)
mit ihren Tarifpartnern aus der Bergbauindustrie bereits vor Beginn
von Kollektivverhandlungen zu Besprechungen zusammensetzte. Rund zehn

- 13 -

�zehn Jahre später wurde in der Stahlindustrie nach Beendigung des
1l6tägigen Streiks von 1959 mit der Gründung des Geraeinsamen Ausschusses für zwischenmenschliche Beziehungen (Joint Human Relations
Comraittee) aus Vertretern der Industrie und der Stahlarbeitergewerkschaft (United Steelworkers of America) ein weiterer wichtiger
Schritt auf diesem Gebiet getan. Im Haushaltjahr 1964» das am
30. Juni endet, sind bisher etwa 300 solche Ausschüsse neu gebildet
worden, gegenüber 213 im Haushaltjähr 19&amp;3 u n d 79 im Jahre davor.
Zwar liegt ihre Gesamtzahl noch immer verhältnismäßig niedrig, trotzdem ist der im vergangenen Jahr verzeichnete Streikrückgang nach Ansicht von Gewerkschaftsführern der APL-CIO wenigstens teilweise auf
die Arbeit dieser Beratungsgremien zurückzuführen. Im Jahr 19^3 wurden kaum mehr als eine Million Beschäftigte von Streiks betroffen;
das sind 16 Prozent weniger als 1962. Damit erreichte diese Ziffer
den niedrigsten Stand der letzten zwei Jahrzehnte.

(Quelle: Eigenbericht)
* * # * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung;. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai 1964

INHALTSVERZEICHNIS
Gewerkschaft und Automation - Dreimal Waffenstillstand
an der amerikanischen Westküste
Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten
in den USA (i)
US-Eisenbahnerstreik endgültig gebannt

Seite 1
Seite 10
Seite 13

Bruce Bliven, Dozent für Zeitungswissenschaft an der
Stanford-Universität in Kalifornien»
Gewerkschaft und Automation - Dreimal Waffenstillstand an der
amerikanischen Westküste*
Drei an der Westküste der Vereinigten Staaten abgeschlossene
Tarifverträge scheinen einen klaren und gangbaren Weg zu einem
freiwilligen Friedensschluß zwischen den Sozialpartnern in der
wichtigsten Einzelfrage, die sie trennt, aufzuzeigen - in der Frage der Automation. Jeder dieser Verträge enthält den Verzicht der
Gewerkschaft auf ihren Widerstand gegen arbeitsparende Neuerungen;
in jedem der Verträge zahlt der Arbeitgeber für diese Konzession
einen hohen Preis einschließlich der langjährigen Garantie, daß
kein Belegschaftsmitglied Härten in Kauf zu nehmen braucht, weil
ihn Maschinen von seinem Arbeitsplatz verdrängten. Prophezeiungen
sind immer etwas gewagt» mit Streiks dürfte jedoch während der
Laufzeit der Verträge kaum zu rechnen sein. Und zu einem Zeitpunkt,
zu dem der US-Kongreß angesichts des ganz Amerika berührenden Konflikts zwischen den Eisenbahngesellschaften und ihrem Personal
erstmals in Friedenszeiten ein Zwangsschlichtungsgesetz erlassen
hat, kommt den neuen,freiwillig geschlossenen Tarifvereinbarungen
besondere Bedeutung zu.

* (c) 1963 by The Reporter Magazine Company
- 1-

�\

Vereinbart wurden diese Neuregelungen zwischen der Unternehmensleitung und den Angestellten der Southern-Pacific-Eisenbahn, den Reedern und Hafenarbeitern an der Pazifikküste und auf Hawaii und der
Kaiser Steel Corporation und der Belegschaft ihres Stahlwerks in Fontana (Kalifornien).
Diese Vereinbarungen tragen die persönliche Handschrift von drei
Männern, die am Dreieckstisch, der für Kollektivverhandlungen immer
kennzeichnender wird, jeweils eine andere Seite repräsentierten. Im
Falle des Eisenbahnerkonflikts war es die überragende Persönlichkeit
Professor J. Keith Manns von der juristischen Fakultät der StanfordUniversität; der Hafenarbeiter-Vertrag ist in erster Linie das Werk
des Gewerkschaftsvorsitzenden Harry Bridges; und der Kaiser-Plan entsprang den Vorstellungen Edgar Kaisers, des Spiritus rector der Stahlwerke und fast aller übrigen von seinem Vater Henry J. Kaiser gegründeten Unternehmen.
Die drei Tarifabkommen wurden an nicht weit voneinander gelegenen
Orten erarbeitet - die beiden ersteren in San Francisco, das letztere
jenseits der Bucht von San Francisco im Kaiser-Hauptquartier in Oakland (Kalifornien). Dies beruht nur teilweise auf Zufall; denn der
Westen der USA scheint nicht so sehr wie der Osten an starre konservative Traditionen gebunden und eher zu kühnen Experimenten bereit zu
sein.
Zwar stimmen die Verträge in wesentlichen Zügen überein; andererseits weisen sie genug Unterschiede auf, die eine gesonderte Darstellung rechtfertigen.
Automation
_
_ ^ _ — ^ und
. ^ Schiedsverfahren
_ ^ ^ _ _ — _ _ —bei
_ _der
_ ^Southern
_ _ ^ _ Pacific
_ — _
Donald J. Russell, der energische 64jährige Präsident der Southern-Pacif ic-Eisenbahn, hat seine Gesellschaft zu einer der reichsten
Amerikas entwickelt. Dabei kam ihm die Tatsache zu Hilfe, daß ihr Strekkennetz von rund 12 900 km Gesamtlänge sieben Weststaaten der USA durchzieht, in "denen es kaum Konkurrenz für sie gibt. Russell ist seit Beendigung seines Studiums an der Stanford-Universität für die Southern
Pacific tätig. Kostensenkende und leistungssteigernde technische Neuerungen, einschließlich der Verwendung von Elektronenrechnern und anderen Geräten zur Reduzierung der Büroarbeiten, sind sein besonderes
Steckenpferd. In den fünf Jahren zwischen 1958 un d 1962 gelang es ihm,
40 Prozent seiner Büroangestellten - ungefähr 4500 Beschäftigte - einzusparen, obwohl die Transportleistung seiner Bahn um 11 Prozent zunahm.

(

Kein Wunder, daß die Gewerkschaft der Angestellten im Transportgewerbe (Brotherhood of Railway and Steamship Clerks, Freight Handlers,
Express and Station Employees) nicht besonders begeistert davon war und
dies auch zun Ausdruck brachte. James E. Weaver, Vorsitzender der Gewerkschaftsgruppe Southern Pacific und einer der härtesten Tarifverhandlungspartner, erhob nachdrücklichen Protest. Unterstützt wurde er
dabei von George M. Harrison, dem Präsidenten seiner Gewerkschaft, einem nicht minder energischen Mann am Verhandlungstisch. Die Klagen wurden so lautstark, daß Präsident Kennedy schließlich einen Sonderuntersuchungsausschuß unter Professor Mann einsetzte. Professor Mann beschäftigt sich fast seit dem Tag, an dem er 1949 sein juristisches Bakkalaureat (LL.B.) an der Universität Indiana ablegte, mit Arbeitsfragen. Während des Koreakrieges war er Vorsitzender des Prüfungs- und Berufungsausschusses (Review and Appeals Committee) des Lohnstabilisierungsamtes (Wage Stabilization Board); später befaßte er sich mit
- 2 -

�mit Arbeitsfragen der Atomenergiekommission (Atoraic Energy Commission),
war 1961 Mitglied der Präsidialkommission zur Regelung des Konflikts
zwischen den amerikanischen Plugingenieuren und ihren Luftfahrtgesellschaften und leitete die Schlichtungsverhandlungen in zwei Arbeitsstreitigkeiten bei Eisenbahngesellschaften.
Der Southern-Pacific-Ausschuß wurde im August 1962 gebildet. Am
31. Dezember unterbreitete Mann einen Bericht mit einigen weitreichenden Vorschlägen, die sich für beide Seiten als unannehmbar erwiesen.
Während noch weitere Untersuchungen im Gange waren, beraumte Weaver
mehrmals Streiks an, die er erst in letzter Minute verschob.
Die Gewerkschaft lehnte Personalkürzungen als Folge von Automation
nicht grundsätzlich ab. Umstritten war die Frage, wie rasch solche Kürzungen vorgenommen werden sollten. Der Gesellschaft wäre es, wenigstens
theoretisch, am liebsten gewesen, wenn jeder erwiesenermaßen überflüssige Arbeitsplatz möglichst schnell hätte freigemacht werden können. Die
Gewerkschaft hingegen wollte die Kürzungen auf möglichst niedrigem Niveau, etwa von zwei Prozent pro Jahr, halten, wie dies zwei Jahre zuvor
in einem gesonderten Tarifvertrag mit der Gewerkschaft der EisenbahnFernmeldetechniker (Order of Railroad Telegraphers) ausgehandelt worden war.
Im März 1963 war in einer Reihe von Fragen Einigung erzielt worden. Präsident Kennedy schlug daraufhin vor, Professor Manns Ausschuß
zu Schiedssprüchen in den ungelösten Fragen zu bevollmächtigen, zu deren Annahme sich beide Parteien im voraus verpflichten sollten. Dies
geschah, und innerhalb zehn Tagen war der Arbeitskonflikt endgültig bereinigt .
Wichtigster Vertragsgrundsatz war die Vereinbarung, den Abbau von
Arbeitsplätzen möglichst im Rahmen des "natürlichen Ausscheidens" von
Belegschaftsmitgliedern - durch Kündigung, Pensionierung, Beförderung,
Krankheit, fristlose Entlassung oder Tod - zu halten. Bei der Southern
Pacific erreicht der Personalrückgang auf diese Weise fünf bis sechs
Prozent im Jahr. Höchst selten ist in der amerikanischen Industrie bisher ein ähnlicher Vorschlag gemacht, geschweige denn akzeptiert worden.
Professor Manns Ausschuß formulierte mit seiner Erklärung, kein
Tarifvertrag dürfe die Finanzbasis des Arbeitgebers gefährden, einen
weiteren richtungweisenden Grundsatz:
"Unser Ausschuß kann keiner Regelung zustimmen, die die Konkurrenzfähigkeit eines Transportunternehmens beeinträchtigen würde. Nur
wenn es den Eisenbahngesellschaften freigestellt bleibt, kostensparende Neuerungen einzuführen, werden die Vereinigten Staaten auch in Zukunft über ein angemessenes und leistungsfähiges Transportsystem verfügen ... Eine sinnvolle Arbeitsplatzsicherung läßt sich nicht auf Kosten des Fortschritts erreichen."
Beim Abbau eines Arbeitsplatzes wird alles unternommen, um das betroffene Belegschaftsmitglied auf eine andere Tätigkeit im Betrieb umzuschulen. Alle zuständigen Regierungsstellen werden eingeschaltet, vor
allem jene. Behörden, die mit der Durchführung des Gesetzes zu Fragen
der Berufsförderung und Arbeitsmarktexpansion (Federal Manpower Development and Training Act) beauftragt sind, da Staat wie Privatwirtschaft
zur Hilfeleistung gegenüber den Opfern des stürmischen technischen Fortschritts verpflichtet sind.
Wird

�Wird jemand niedriger eingestuft als bisher, so findet ein Lohnausgleich zu seinen Gunsten statt. Lohnnebenleistungen, z.B. Krankenhausgelder, werden je nach Dienstalter auf einer bestimmten Höhe gehalten. Bei Versetzung in eine andere Stadt werden alle Unkosten,
einschließlich etwaiger durch den Verkauf des eigenen Hauses entstehender Verluste, ersetzt. Starre gewerkschaftliche Arbeitsplatzklassifizierungen wurden in vielen Fällen gelockert, um Belegschaftsmitglieder leichter in andere Arbeitsplätze einweisen zu können.
Ben wenigen tatsächlich freigesetzten Arbeitnehmern werden Wartegelder ausgezahlt, die teilweise aus Mitteln der Southern Pacific
und teilweise aus der Eisenbahner-Arbeitslosenversicherung stammen
und je nach Dienstalter maximal ein Jahr lang 70 Prozent und maximal
weitere vier Jahre lang 60 Prozent der bisherigen Bezüge betragen.
Don Russell hat allen Grund, mit dem neuen Tarifvertrag zufrieden zu sein. Ohne mit großen Schwierigkeiten bei seinen Angestellten
rechnen zu müssen, kann er so viel arbeitsparende Geräte einsetzen,
wie erfunden werden, und das Forschungsinstitut der Stanford-Universität arbeitet für ihn mit Hochdruck an Neuentwicklungen. Bei einem
Personalrückgang von jährlich fünf Prozent wird die Zahl seiner Angestellten in absehbarer Zeit so weit absinken, wie es mit der Betriebssicherheit zu vereinbaren ist. ,(Der abgebaute Arbeitsplatz
braucht, solange das Verhältnis eins zu eins zwischen natürlichem
Personalschwund und Arbeitsplatzabbau bestehen bleibt, nicht unbedingt mit demjenigen eines ausscheidenden Arbeitnehmers identisch zu
sein.)
James Weaver und George Harrison haben ebenfalls handfeste Gründe, zufrieden zu sein. So gut wie alle bei der Southern Pacific beschäftigten Gewerkschaftsmitglieder verfügen jetzt über garantierte
Arbeitsplätze. Und die wenigen, für die eine solche Garantie nicht
besteht, erhalten auf der Suche nach neuen Arbeitsplätzen jede erdenkliche Unterstützung.
Automation und Arbeitsfriede in den Pazifikhäfen
Die Pazifikküste und Hawaii, Domänen der Gewerkschaft der Hafenarbeiter und Lageristen (international Longshoremen's and V/arehousemen's Union - ILWU), erlebten in der Vergangenheit eine Reihe
hitziger Arbeitskonflikte. Hafenarbeit ist - oder war bisher - fast
ausschließlich mit schwerer körperlicher Anstrengung verbunden, die
zähe und kräftige Männer erfordert. Auch Reeder sind ein zäher, eigenwilliger Menschenschlag, vom V/ert persönlicher Initiative zutiefst
überzeugt, und dies, obwohl die amerikanische Handelsschiffahrt sehr
stark auf die Unterstützung der US-Regierung angewiesen ist. Reedern
behagt es nicht, Anordnungen entgegenzunehmen, schon gar nicht, wenn
sie von Gewerkschaftsfunktionären ausgehen. Immer wieder war es in
den vergangenen Jahren zu Ausständen gekommen: 1934 wuchs sich ein
Hafenarbeiter-Konflikt zu einem Generalstreik aus, in dessen Verlauf
drei Tote und zahlreiche Verletzte zu beklagen waren.
Zu ähnlichen Ausschreitungen ist es später nicht mehr gekommen,
aber die Spannungen zwischen beiden Seiten blieben bestehen. Die
Schwierigkeiten waren so groß, daß Reedereien ihre Frachten umzuleiten begannen, um ILWU-beherrschte Häfen möglichst zu umgehen.

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�Der Automation lieferte die Gewerkschaft ständige Rückzugsgefechte, in dem Versuch» ihren Mitgliedern einen möglichst hohen Beschäftigungsstand zu erhalten, selbst wenn dies nur durch "featherbedding",
d.h. durch die Schaffung bzw. Beibehaltung eigentlich überflüssiger
Arbeitsplätze, möglich war. "Vor Inkrafttreten des neuen Tarifvertrags
sah man auf den Kais gewöhnlich Trupps von Schauerleuten, von denen
nur die Hälfte arbeitete. Es konnte geschehen, daß Frachtgut aus den
Schiffsladeräumen direkt neben einem wartenden Lastkraftwagen abgesetzt und nicht weiterverladen wurde, weil erst einmal die gesamte Ladung gelöscht sein mußte. Obwohl moderne Kräne ungeheure Lasten heben
können, mußte jedes Kollo über 19 Zentner in leichtere Einzelstücke
aufgeteilt werden. Beschwerdefälle lösten zahlreiche Kurzstreiks aus.
Chef der ILWU-Gewerkschaft ist seit Jahrzehnten Alfred Renton
Bridges, der sich den Vornamen Harry zugelegt hat. Jahrelang versuchte
die amerikanische Regierung vergeblich, ihn auf Grund der Tatsache,
daß er bei seiner Einwanderung Kommunist gewesen und folglich illegal
ins Land gekommen sei, in seine Heimat Australien abzuschieben. Heute besitzt Bridges die amerikanische Staatsbürgerschaft und bezeichnet
sich als Republikaner. V/elcher politischen Richtung er auch zuneigen
mag, er hat sich als einer der fähigsten und umsichtigsten Gewerkschaftsführer der USA erwiesen.
Vor einigen Jahren begann Bridges am Sinn gewerkschaftlicher
Kampfmaßnahmen gegen die Automation zu zweifeln. Trotz aller Opposition war der Portschritt eine unabänderliche Tatsache; und wenn es in
Konflikten, in denen auch technische Probleme eine Rolle spielten, zu
Schiedssprüchen kam, zog die Gewerkschaft oft den kürzeren. Die Öffentlichkeit war gegen "featherbedding" eingestellt, und jeder weitere Widerstand schien einfach töricht. Seine Ansicht kam in einem Sonderbericht eines Gewerkschaftsausschusses zum Ausdruck, der an Hand einer
Fülle von Fakten und Ziffern nachwies, daß die Automation Arbeitsplätze nicht in dem Maße überflüssig macht wie gemeinhin angenommen. Dort
hieß es weiter:
"Unsere derzeitige Politik läßt sich als ein nur gelegentlich unterbrochener Partisanenkrieg gegen alle Wandlungen beschreiben, von
denen wir annehmen, daß sie den Bedarf an Menschen herabsetzen ...
Wollen wir an ihr festhalten oder eine flexiblere Politik einschlagen,
um mit ihrer Hilfe bestimmte Vorteile einzuhandeln?"
Die Reeder sind im Pazifik-Seeschiffahrts-Verband (Pacific Maritime Association) unter dem Vorsitz ihres betont höflichen, sehr eleganten und energischen Präsidenten J. Paul St.Sure zusammengeschlossen.
Als wieder einmal Arbeitsniederlegungen bevorstanden, soll Bridges mit
den Worten zu St.Sure gekommen sein: "Ein Streik wird Sie 70 Millionen
Dollar kosten. Geben Sie uns die Hälfte der eingesparten Kosten als
unseren Anteil, und wir werden gegen die Automation nichts mehr einwenden und die nächsten fünf Jahre auf Streiks verzichten." (Wie jeder
vernünftige Berichterstatter habe ich allerdings auf eine Überprüfung
dieser Geschichte tunlichst verzichtet, damit sie sich nicht als falsch
herausstellt; immerhin entsprach der endgültige Tarifvertrag ziemlich
genau diesen Bedingungen.)
Bridges wie St.Sure hatten jahrelang mit Starrköpfen in ihren eigenen Reihen zu kämpfen. Schauerleute werden gewöhnlich von Subkontraktoren beschäftigt, die ihre Arbeitskräfte auf der Basis Lohnaufwand

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�Lohnaufwand plus Unternehmerzuschlag vermieten. In der Praxis geben
jedoch die Reeder den Ton an, und einige von ihnen waren über die Zumutung empört, das Recht zu Verbesserungen der Lade- und Löschvorgänge im Hafen jemandem erst abkaufen zu müssen. Viele Gewerkschaftsmitglieder wetterten gegen den Gedanken, auf Kosten der Schauerleute mehr
Maschinen einzusetzen; und die Ortsgewerkschaft Los Angeles stimmte
schließlich auch gegen den Plan.
Trotzdem wurde er 1961 schließlich angenommen. Die Vereinbarungen
Sehen im Verlauf von fünfeinhalb Jahren Zahlungen in einer Gesamthöhe
von 29 Millionen Dollar vor, die in einen von Gewerkschaft und Reedereien gemeinsam kontrollierten Sonderfonds fließen. Er garantiert jedem Hafenarbeiter, ob es für ihn Arbeit gibt oder nicht, einen Hindestwochenlohn, dem als Rechnungseinheit zur Zeit 35 Arbeitsstunden
bei einem Stundenlohn von mehr als vier Dollar zugrunde liegen. Jeder
Hafenarbeiter wird mit 65 Jahren pensioniert; bei seinem Ausscheiden
erhält er ungeachtet irgendwelcher sonstiger Rentenansprüche eine einmalige Abfindung in Höhe von 7920 Dollar. Wahlweise ist auch eine Pensionierung mit 62 Jahren möglich; die Abfindung wird in diesem Falle
in monatlichen Raten von 220 Dollar ausgezahlt.
Bei Unterzeichnung des Tarifvertrags rechnete man mit einer Pensionierung von vier Prozent der Hafenarbeiter pro Jahr. In Wirklichkeit lag die Zahl doppelt so hoch. Obwohl bei uneingeschränkter Automatisierung der einzelne Arbeiter weit mehr leistet als früher, führte eine starke Geschäftsbelebung zu Arbeitskräftemangel. Bridges hat
seine Leute in letzter Zeit wegen ihres Widerstands gegen die Neuaufnahme von Mitgliedern kritisiert, und seine Gewerkschaft ist zur Zeit
dabei, ihre Reihen mit tausend Arbeitern, die einige Hafenerfahrung
besitzen, aufzufüllen.
St.Sure und seine Reeder haben guten Grund, mit dem Tarifvertrag
zufrieden zu sein. Frachtgut wird jetzt vielfach in riesigen plombierten Behältern umgeschlagen, so daß Schiffe oft nur noch 24 Stunden
statt acht Tage im Hafen zu liegen brauchen, wodurch sich täglich Tausende von Dollar einsparen lassen. Die zahlreichen Kurzstreiks früherer Tage konnten ebenfalls eingedämmt werden. Schlichter stehen zu jeder Stunde bereit, um Arbeitskonflikte umgehend an Ort und Stelle zu
bereinigen. Diebstähle, die Plage aller Hafenstädte, haben stark abgenommen.
Die Lohnkosten sind gesunken; schon ein Rückgang um nur fünf Prozent gleicht die jährlich fälligen Zahlungen an den Sonderfonds aus,
und diese fünf Prozent sind längst überschritten. Wenn die Zahl der
Beschäftigten um ein Drittel reduziert werden kann - bei Lage der Dinge eine wohlbegründete Erwartung -, dürften sich für die Reeder Einsparungen in Höhe von 40 Millionen Dollar pro Jahr ergeben.
Aber auch die Vorteile für die Gewerkschaft sind nicht zu verachten. Unregelmäßige Beschäftigung gehört der Vergangenheit an. Jeder
Arbeitnehmer erhält seinen Lohn, ob Arbeit für ihn vorhanden ist oder
nicht, und wird mit 65 bzw. 62 Jahren pensioniert.
Automation und Erfolgsbeteiliffunp; im Kaiser-Werk Fontana
Das neue Tarifabkommen im Kaiser-Stahlwerk in Fontana, einige Kilometer östlich von Los Angeles gelegen, ist in mancher Hinsicht der

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�der bemerkenswerteste der drei Kollektivverträge.* Sein Zustandekommen verdankt es Edgar Kaiser, dem liebenswürdigen und unermüdlich
arbeitenden 55jährigen Sohn des berühmten Henry J. Kaiser. Im zweiten V/eltkrieg baute Kaiser, der Ältere, mit solcher Geschwindigkeit
Schiffe, daß man sich, wie es hieß, beim Stapellauf des einen schon
vor dem nächstfolgenden in acht nehmen mußte. Mit 81 Jahren durchstreift Henry J. Kaiser heute die Hawaii-Inseln und hinterläßt beinahe auf Schritt und Tritt einen neuen Hotelgroßbau. Edgar hat die
Gesamtleitung des Kaiser-Imperiums übernommen, das neben Stahlwerken auch Ingenieurfirmen, Automobil-, Zement-, Gips-, Aluminium-,
Chemie-, Plugzeug-, Elektronik- und andere Werk« umfaßt. Von seinem
Vater wurde er in eine harte Schule genommen. Mit 22 Jahren arbeitete er an einer Erdgasleitung, die zwischen Kansas und Texas verlegt wurde; danach war er am Bau der Boulder-, Bonneville- und GrandCoulee-Staudämme beteiligt, ehe er sich in Portland (Oregon) mit dem
Bau von Kriegsschiffen befaßte.
Fontana ist ein ultramodernes Drei-Millionen-Tonnen-Stahlwerk.
Trotz seiner Leistungsfähigkeit wies seine Jahresbilanz gewöhnlich
rote Zahlen auf, und es wurde von den übrigen Kaiser-Werken mitgetragen. Zum Teil lag dies an der ausländischen Konkurrenz, zum Teil
auch an der Tatsache, daß sich Aufträge für Fertigstahl aus dem Inlandsmarkt normalerweise in bescheidenem Rahmen bewegen und kostspielige Umstellungen im Maschinenpark notwendig machen. Edgar Kaiser unterhielt stets gute Beziehungen zu seiner Belegschaft, und
1959 war er im amerikanischen Stahlarbeiterstreik der erste, der aus
der Front der Stahlfirmen ausscherte und mit der amerikanischen Stahlarbeitergewerkschaft (United Steelworkers of America) eine Sonderregelung traf.
V/ie vielen anderen Unternehmern waren ihm die ermüdenden, unter
dem Druck drohender Streiks sich tage- und nächtelang hinziehenden
Tarifverhandlungen im Laufe der Jahre zuwider geworden. Er rief ein
Gremium von Arbeitssachverständigen und Vertretern der Stahlarbeitergewerkschaft zusammen, mit denen er gemeinsam überlegte, was zu
unternehmen sei. Nach monatelangen Beratungen legten sie den heute
gültigen Vertrag vor, der von den Arbeitern der Fontana-Stahlwerke
am 1. März 1963 angenommen wurde. Nach Edgar Kaisers Vorstellungen
sollte eine Lösung gefunden werden, die "die Chance bietet, in Wirt«
schaftsfragen Tarifvertragsfristen vollkommen zu eliminieren".
Dem neuen Plan zufolge werden alle Betriebskosteneinsparungen,
die sich gegenüber der Berechnungsgrundlage des Jahres 1961 ergeben,
im Verhältnis zwei zu eins zwischen dem Unternehmen und der Belegschaft aufgeteilt. Da ungefähr 50 Prozent der Unternehmensgewinne sofern solche erzielt werden - als Steuern abzuführen sind, spricht
das Management der Kaiser-Werke gerne von einer Dreiteilung - zugunsten des Unternehmens, der Belegschaft und der Öffentlichkeit.
Bei Abbau eines Arbeitsplatzes wird der betroffene Arbeitnehmer
einer Arbeitsreserve zugeteilt. Ein Jahr lang bleibt sein Normalstundenlohn garantiert und bis zu seiner Einweisung in einen neuen
* vgl. auch Internationale Arbeitsmitteilungen XVI-6, 1. Juni 1963,
Seite 1-2

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�neuen Arbeitsplatz auch sein Anstellungsvertrag. Stahlarbeit bedeutet wie Hafenarbeit auch bei den heutigen technischen Hilfsmitteln Schwerarbeit. In Fontana beträgt die normale Personalabgangsrate acht Prozent pro Jahr, und die Unternehmensleitung rechnet damit, daß der Arbeitsreserve niemand im Durchschnitt länger
als fünf bis sechs Monate angehören wird. Kaiser gibt auch die Garantie, die Stundenlöhne und Lohnnebenleistungen auf dem Niveau
zu halten, das von der Stahlarbeitergewerkschaft in künftigen, die
gesamte Stahlindustrie umfassenden Kollektivverhandlungen ausgehandelt wird.
Wie andere Stahlwerke zahlte auch Kaiser bestimmten Facharbeitern besondere Lohnanreizprämien. Diese Belegschaftsmitglieder
konnten wählen, ob sie unter den alten Bedingungen oder mit Zustimmung der Mehrheit ihrer Betriebsgruppe im Rahmen des neuen Tarifvertrags weiterarbeiten wollten. Wenn sie sich für das neue System entschieden, erhielten sie eine Ablösungssumme bis zu 5000
Dollar.
Für das Unternehmen selbst enthält der neue Plan mehrere wichtige Vorzüge. Er bietet der Belegschaft einen sehr realen Anreiz
zur Ausarbeitung zeit- und kostensparender Neuerungen. Kurzstreiks
sind ebenso wie die vollständige Arbeitsniederlegung nach Ablauf
des Tarifvertrags ziemlich unwahrscheinlich geworden.
Nicht minder bedeutend sind die Vorteile für die Belegschaft.
Ihre Arbeitsplätze sind gegen alles abgesichert, außer gegen die
Folgen einer ernsten Wirtschaftsdepression', in der so gut wie jede
Arbeitsplatzgarantie hinfällig wird. Wenn ein Belegschaftsmitglied
neue ertragssteigernde Verfahren entwickelt, wird sich dies auf seinem Lohnscheck - und dem seiner Kollegen - niederschlagen. In den
beiden ersten Monaten nach Inkrafttreten des Kaiser-Plans betrugen
die Betriebskosteneinsparungen im Vergleich zum gleichen Zeitraum
des Jahres 1961 insgesamt 2 158 000 Dollar, wobei sich der Belegschaftsanteil auf 700 000 Dollar oder 25 Prozent des Gesamtlohnbetrags der beteiligten Arbeitnehmer belief.
Auch für die Kunden des Stahlwerks bringt der neue Plan einen
entscheidenden Vorteil: Da Streiks kaum zu befürchten sind, dürfte
es sich für sie erübrigen, größere Lager anzulegen und das Risiko
einer Qualitätsminderung einzugehen.
Das Problem der "Ungeborenen"
Die drei Tarifabkommen verdeutlichen eine Reihe von Schlußfolgerungen, die sich hinsichtlich der Beziehungen zwischen den Sozialpartnern in der amerikanischen Wirtschaft ziehen lassen.
Klar scheint zu sein, daß keine Gewerkschaft ohne Kampfmaßnahmen irgendwelche Regelungen akzeptieren dürfte, die für einen großen
Teil ihrer Mitglieder den Verlust des Arbeitsplatzes ohne eine angemessene Absicherung ihrer Zukunft nach sich zieht. Sie werden dies,
solange kein gesetzliches Verbot besteht, ohne Rücksicht auf gesamtwirtschaftliche Auswirkungen durch Streiks zu verhindern suchen» Sind
sie erbittert genug, dann werden sie auch Wege zur Umgehung bestehender Gesetze finden. Denn auch heute gilt noch das Wort, das John L.
Lewis einmal prägte: Kohle kann man nicht mit Bajonetten graben.
Klar

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�Klar ist aber auch, daß nur wenige Arbeitgeber ein "featherbedding" größeren Ausmaßes hinnehmen werden, es sei denn unter Zwang.
Die öffentliche Meinung wird, sobald sie die Tatsachen kennt, auf
ihrer Seite stehen.
Da Lohnfragen und Beschäftigungsbedingungen mehr und mehr an
Bedeutung verlieren und sich Tarifverhandlungen stärker auf Fragen
der Arbeitsplatzgarantie und Pensionsrechte konzentrieren, gibt es
immer mehr Gebiete, auf denen die Interessen von Gewerkschaften und
Unternehmen identisch sind oder parallel laufen. Die Vorstellungen,
die man von einander hat, sind auf beiden Seiten vielfach etwas überholt. Einige Gewerkschaften übersehen die Tatsache, daß die meisten
Firmen heute von Gehaltsempfängern geleitet werden, die, wenn überhaupt, nur einen kleinen Teil der Firmenaktien besitzen und in betriebswirtschaftlichen Fragen, einschließlich der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen, bestens versiert sind. Auch die Arbeitgeber zögern, eine neue Generation von Gewerkschaftsführern anzuerkennen, die
von Wirtschaft und Finanzen ebenso viel verstehen wie ihre Partner
am Verhandlungstisch und deren Ziel die wirtschaftliche Blüte des Unternehmens und ihres Landes ist.
Vereinbarungen wie die drei beschriebenen können unmöglich in
einer Krisenatmosphäre, unter dem Druck drohender Streiks, erzielt
werden. Sie geben daher jener Bewegung Auftrieb, die überall an Bedeutung gewinnt und fortgesetzte Verhandlungen zwischen den Tarifpartnern im Rahmen ständiger Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Ausschüsse über
das ganze Jahr hin fordert.
Mehr und mehr wird man bei Kollektivverhandlungen mit einer Hinzuziehung neutraler dritter Parteien rechnen können, geschulter Sachverständiger, die ihre am Verhandlungstisch gesammelten Erfahrungen
von Industrie zu Industrie weitergeben werden.
Schließlich sollte man auch nicht übersehen, daß diese und ähnliche Tarifverträge nur für die bereits vorhandenen oder als unmittelbarer Ersatz einzustellenden Gewerkschaftsmitglieder Gültigkeit besitzen. Unberücksichtigt bleiben jene - wie Gewerkschaftsexperten sie
bezeichnen - "Ungeborenen", die jetzt erst heranwachsen und den Gewerkschaften später einmal beigetreten wären. Ihr Problem bleibt bestehen, und es wird nicht leicht zu lösen sein.
(Unwesentlich gekürzt)
(Quelle: "The Reporter", 7« Nov. 1963)
Nachdruck nur mit Angabe des Verfassers,
der Quelle und dem Vermerk "(c) 196} by
The Reporter Magazine Company" auf der
ersten Seite des Abdrucks gestattet.

* * * * *

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�Harry E. Davis, Mitarbeiter der Abteilung Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen im US-Arbeitsministerium:
Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den USA
Die in die vorliegende Untersuchung einbezogenen 50 Betriebe hatten größtenteils getrennte Pensionskassen für Arbeiter und Angestellte;
die Mitgliederzahl der Angestelltenkassen reichte von 1000 bis zu einigen hunderttausend. Nur einige wenige Firmen (z.B. die U.S. Steel
Corporation) hatten eine einzige, gemeinsame Kasse für Lohn- und Gehaltsempfänger. Andererseits gab es bei neun Unternehmen jeweils zwei
Pensionskassen für Angestellte, von denen die eine als beitragsfreie
Grundkasse und die andere als beitragspflichtige Zusatzkasse für solche Angestellte eingerichtet wurde, die besonderen Spezifikationen
genügen. Mitarbeiter der Union Carbide Corporation werden beispielsweise mit der Einstellung automatisch Mitglied der Grundkasse und können nach Beendigung des ersten Dienstjahres der Zusatzkasse beitreten,
sofern ihr Gehalt 3000 Dollar pro Jahr übersteigt.
Von den 50 untersuchten Sozialkassen gewähren 31 zusätzlich zu
Leistungen der Altersversicherung auch sämtliche der anderen drei Leistungsformen moderner betrieblicher Sozialversicherungen: vorgezogene
Altersrente, Invaliditätsrente und beitragsfreie Aufrechterhaltung der
Ansprüche bei Ausscheiden aus dem Betrieb. Von diesen 31 Kassen gewähren 14 ein Sterbegeld im Falle des Ablebens des Versicherten während
seiner Betriebszugehörigkeit oder nach der Versetzung in den Ruhestand,
und zehn zahlen überhöhte Altersrenten für den Fall, daß der Angestellte
auf Wunsch der Gesellschaft in beiderseitigem Einvernehmen vor Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand tritt.
Die Mitgliedschaft bei einer Angestelltenpensionskasse ist nicht
in jedem Betrieb zwangsweise oder zwangsläufig mit der Einstellung gekoppelt. Sehr häufig wird dem Angestellten eine gewisse Betriebszugehörigkeitsdauer, die Erreichung eines bestimmten Alters, ein bestimmtes Mindestgehalt oder eine Kombination dieser Erfordernisse für den
Beitritt zur Bedingung gemacht. Die Kriterien für die Aufnahmefähigkeit liegen bei einem Alter zwischen 25 und 35 Jahren, einer Betriebszugehörigkeitsdauer von 6 Monaten bis zu 5 Jahren und einem Hindestjahresgehalt von 4200 bis zu 4800 Dollar.
Bei einigen Kassen kommt die Forderung nach Ableistung einer bestimmten anrechnungsfähigen Dienstzeit als Voraussetzung für den Beitritt einem Ausschluß neueingestellter Personen höheren Alters gleich.
Dies geschieht dergestalt, daß die Betriebszugehörigkeitsdauer nach
Erreichung eines bestimmten Lebensalters nicht mehr auf die 'dienstzeitmäßigen Voraussetzungen für den Beitritt zur Pensionskasse angerechnet wird, oder auch in der V/eise, daß alle Mitarbeiter bei Erreichung einer bestimmten Altersgrenze ohne Rücksichtnahme auf etwaige
Dienstzeiterfordernisse als Voraussetzung für die Erlangung einer Rente aus der betrieblichen Pensionskasse zwangsweise in den Ruhestand
versetzt werden. Die Sozialkasse der Douglas Aircraft Company verlangt
beispielsweise eine zehnjährige Betriebszugehörigkeit als Voraussetzung für die Gewährung von Altersrente, rechnet aber über das 65. Lebensjahr hinaus geleistete Dienstjahre auf die Wartefrist nicht an;
das bedeutet, daß allen Personen, die im Alter von 55 und darüber neu
eingestellt werden, die Erlangung einer Rente aus der betrieblichen
Pensionskasse unmöglich ist.
„,,
Altersrente
10 -

�Altersrente
Fast bei sämtlichen betrieblichen Pensionskassen der Angestellten gilt das 65« Lebensjahr für männliche und weibliche Angestellte
ebenso wie bei den Sozialkassen der Arbeiter als normale Altersgrenze. Zwei Pensionskassen, die die Altersgrenze mit 60 Jahren angesetzt
haben, rechnen auch über dieses Alter hinaus geleistete Dienstzeit
auf die Rente an. In 39 Pensionskassen sind gewisse Voraussetzungen
bezüglich der Betriebszugehörigkeitsdauer und des Lebensalters zu erfüllen. Y/enngleich die geforderte Betriebszugehörigkeitsdauer zwischen
einem'und dreißig Jahren schwankt, sind bei 21 der Kassen fünf Jahre
und weniger erforderlich. Bei 32 Betriebskassen gibt es eine Bestimmung bezüglich eines Zwangspensionierungsalters, nach dessen Erreichung der Arbeitgeber den Arbeitnehmer zwangsweise in den Ruhestand
versetzen kann. Etwa ein Drittel der Kassen sieht eine automatische
Pensionierung nach Erreichnung einer bestimmten Altersgrenze vor,
über die hinaus keiner der Angestellten arbeiten darf. Die Altersgrenze für die Zwangspensionierung liegt in den meisten Fällen bei
65 Jahren, die für die automatische Pensionierung zwischen 65 und 70
Jahren.
Die Höhe der Leistungen der Pensionskassen hängt im allgemeinen
vom Gehalt und vom Dienstalter ab, jedoch besteht nur bei drei Kassen
ein Unterschied in der Rentenhöhe allein auf Grund der Betriebszugehörigkeitsdauer. Eine Kasse, die der North American Aviation, kombiniert beide Elemente, indem sie für jedes Dienstjahr eine Monatsrente von 2,50 Dollar zuzüglich 1,5 Prozent des Monatsgehaltsanteils
auszahlt, der 350 Dollar übersteigt.
Viele Pensionskassen gewähren Angestellten, die lediglich den
Mindesterfordernissen genügen, eine Rente, die nach einer für sie
günstigeren Formel als der zur Bestimmung der normalen Rentenansprüche errechnet wird. Im allgemeinen begünstigt diese Formel die Angestellten der niedrigeren Gehaltsgruppen, und in manchen Fällen findet sie überhaupt nur auf Angestellte mit niedrigen Gehältern oder
kurzer Dienstzeit oder beidem Anwendung.
Die Leistungen der betrieblichen Sozialkassen können gegen die
der staatlichen Sozialversicherung nach der sogenannten Verdrängungsmethode oder auf Grund der sogenannten Anteile-Rechnung aufgerechnet
w.erden. Die Verdrängungsmethode, derzufolge die Grundleistungen aus
der staatlichen Sozialversicherung teilweise oder ganz von den Leistungen der betrieblichen Sozialkasse abgerechnet werden,findet bei
neun der untersuchten Pensionskassen Anwendung. Bei der Mehrzahl der
Kassen bedient man sich der Anteile-Rechnung, bei der zwischen dem
Gehaltsanteil, der im Zeitpunkt der Aufstellung oder Revision der
Rentenformel der Sozialversicherungssteuer unterlag, und dem Gehaltsanteil unterschieden wird, der die Besteuerungsgrenze übersteigt; für
beide Gehaltsanteile werden gewisse Prozentsätze festgesetzt, mit denen sie bei der Rentenberechnung der Pensionskasse zu berücksichtigen
sind. So gewährt beispielsweise die Pensionskasse der Firma Hart,
Schaffner and Marx eine Monatsrente pro Dienstjahr in Höhe von 0,75
Prozent jenes Teils des Monatsgehalts, der unter 350 Dollar liegt,
und von 1,75 Prozent des darüber hinausgehenden Betrags. Andere Pensionskassen wiederum richten sich bei der Aufgliederung der Arbeitseinkünfte nach der jeweiligen Grenze der SozialVersicherungsteuer.

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�Sozialversicherungssteuer, so daß ihre Formeln den jeweiligen Stand
der Sozialversicherungsgrenze einbeziehen. So sieht z.B. die Pensionskasse der American Airlines die Berechnung der Leistungen nach
einer Formel vor, der zufolge die Monatsrente pro Dienstjahr 1,25
Prozent des Gehaltsanteils beträgt, der der Sozialversicherungssteuer unterliegt, und 2 Prozent des Teils, der diesen Betrag übersteigt .
Von den Pensionskassen mit variablen Leistungen wurde lediglich
eine, die des Zeitschriftenverlages "Time", in die Untersuchung einbezogen. Die Rente setzt sich aus der nach der Rentenformel errechneten Grundrente und einer veränderlichen Zusatzrente zusammen, die
sich nach den Erträgen der investierten Rücklagen des Fonds richtet.
Um Vergleiche der Leistungen der Kassen zu ermöglichen, wurden
sie durch das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik für die hypothetischen Fälle von Angestellten berechnet, die im Alter von 65 Jahren
nach 20- oder 30jähriger Betriebszugehörigkeit in den Ruhestand treten und Jahresgehälter von 4800, 10 000 bzw. 15 000 Dollar bezogen
haben. Bei der Berechnung wurde des weiteren von der Hypothese ausgegangen, die Angestellten hätten die betreffenden Gehälter während
ihrer ganzen Dienstzeit in gleicher Höhe bezogen, um auf diese Weise die (bei 18 Kassen große) Differenz zwischen den Leistungen auszugleichen, die auf der Basis des "Schlußverdienstes" (des Gehalts
in den letzten oder bestbezahlten fünf oder zehn Jahren) berechnet
werden, und denen, die auf dem echten Durchschnittsgehalt während
der ganzen Beschäftigungsdauer beruhen. Auf Grund dieser hjrpothetischen Annahme betrug die monatliche Rente bei der Hälfte der Kassen
bei Angestellten mit einem durchschnittlichen Jahresverdienst von
4800 Dollar und 20 anrechnungsfähigen Dienstjahren 80 Dollar und
mehr. Rechnet man diesen Betrag zur maximalen Grundrente aus der
staatlichen Sozialversicherung in Höhe von 127 Dollar hinzu, so gewährleisten die betriebliche und die staatliche Rentenversicherung
den Ruhegeldempfängern im Regelfall ein Einkommen in Höhe von mehr
als 50 Prozent ihres letzten Gehalts. Angestellten der gleichen Gehaltsstufe mit 30 Dienstjahren gewähren die Pensionskassen normalerweise eine Rente von 120 Dollar pro Monat, abgesehen von der staatlichen Sozialrente.
Die Leistungen der Pensionskassen an Angestellte mit Jahresgehältern von 10 000 bzw. 15 000 Dollar sind bei dieser Art der Berechnung mehr als zwei- bzw. dreimal so hoch wie die an Angestellte
der Gehaltsklasse von 4800 Dollar. So bezieht ein Angestellter mit
einem Jahresgehalt von 10 000 Dollar und 20 oder 30 Dienstjahren im
Hypothesefall eine Monatsrente von 190 bzw. 289 Dollar, das ist etwa das 2,4fache des Betrags, den ein Angestellter mit 4800 Dollar
Jahresgehalt bei gleichem Dienstalter erhalten würde. Die verhältnismäßig hohen Leistungen im Falle der hochbezahlten Angestellten rühren aus der Addition der Leistungen aus der betrieblichen Sozialkasse und der Renten aus der staatlichen Sozialversicherung her. Da aber
die Pensionskassen in praxi meist einen Leistungsausschluß in Höhe
der Rente der staatlichen Sozialversicherung oder eines Teils derselben kennen, lag die Gesamtrente aus der privaten und der staatlichen
Altersversicherung bei Angestellten mit 10 000 und 15 000 Dollar im
Jahr in Wahrheit unter dem Zwei- bzw. Dreifachen der Gesamtrente&lt; der

�der Angestellten der Gehaltsklasse von 4800 Dollar. Die Gesamtrente eines Angestellten mit 10 000 Dollar im Jahr und 30 Dienstjahren
beträgt im Mittel der Pensionskassen 416 Dollar pro Monat - das
entspricht der Hälfte seines Gehalts - gegenüber 247 Dollar im Falle eines Angestellten mit 4800 Dollar im Jahr und gleichem Dienstalter. Die Rente eines Angestellten mit 15 000 Dollar pro Jahr ist
im allgemeinen um 50 Prozent höher als die eines Angestellten mit
10 000 Dollar pro Jahr, (wird fortgesetzt)
(unwesentlich gekürzt)
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Januar 1964, Vol. 87,
Nr. 1)

* * * * *

US-Eisenbahnerstreik endgültig gebannt
Der drohende Streik der amerikanischen Eisenbahner mit allen
seinen Konsequenzen für die US-Y/irtschaf t und letztlich das ganze
amerikanische Volk ist abgewendet. Präsident Johnson, der sich persönlich für eine friedliche Einigung zwischen den Bahnen und den
fünf Eisenbahnergewerkschaften eingesetzt hatte, ließ es sich nicht
nehmen, diese Nachricht dem amerikanischen Volk in einer Fernsehsendung am späten Abend des 22. April - rund 48 Stunden vor Ablauf des
kürzlich auf seine Initiative hin vereinbarten 15tägigen Stillhalteabkommens - selbst mitzuteilen.
Konzessionen auf beiden Seiten
Beide Parteien mußten natürlich Zugeständnisse machen, damit
eine dauerhafte Lösung zustande kommen konnte, die nunmehr noch in
eine vertragliche Form zu bringen ist und der - als sicher geltenden - Ratifizierung durch die Gewerkschaftsmitglieder bedarf.
Die Gewerkschaften handelten folgende Verbesserungen ein: sieben
bezahlte Feiertage jährlich für praktisch sämtliche im Stundenlohn
beschäftigte Eisenbahnbedienstete; Spesenvergütung für Nachtaufenthalte zuzüglich eines Essenbonus bei einer Überstundendauer von mehr
als vier Stunden über die normale Arbeitszeit hinaus; Erhöhung der
Stundenlöhne des Rangierpersonals um 12 Cent für Vorarbeiter und um
8 Cent für Arbeiter auf insgesamt 3,10 Dollar bzw. 2,90 Dollar.
Die Eisenbahngesellschaften konnten ihrerseits folgende Konzessionen durchsetzen: die Zustimmung zum Einsatz von Fahrpersonal
in gewissen Sparten des Rangierdienstes und zur Verringerung des
Streckenpersonals an automatisch gesicherten Strecken; die Beibehaltung der Oberstundenbezahlung nach Zeit statt nach Fahrkilometern
und gleicher Lohnsätze für Tag- und Nachtarbeit.
Die Eisenbahngesellschaften verzichteten auf eine Erhöhung der
arbeitstäglichen Fahrtstrecke von Lokomotivführern und Heizern über
- 13 -

�über den derzeitigen Satz von 160 km hinaus und erklärten sich damit einverstanden, den vom Abbau des Fahrpersonals betroffenen Bediensteten 60 Prozent ihrer derzeitigen Bezüge vier Jahre lang
weiterzugewähren.
Es begann vor fünf Jahren
Dam± hat die sich über fast fünf Jahre hinziehende Auseinandersetzung um die sogenannten "Arbeitsregeln" ihren Abschluß gefunden,
bei der es um die Frage des Abbaus bzw. der Y/eiterbeschäf tigung der
durch die fortschreitende Technisierung und Automatisierung des Bahnbetriebs von ihrem Arbeitsplatz verdrängten Bahnbediensteten ging.
Die Eisenbahngesellschaften hielten seit langem schon zur Wiederherstellung der Rentabilität den Abbau nicht mehr benötigten Personals - vor allem der durch die Verdieselung überflüssig gewordenen
Heizer sowie des überzähligen Zugbegleitpersonals - für unerläßlich.
Sie beschuldigten die Gewerkschaften, die auf der Besetzung der
Führerstände der Dieselloks mit einem zweiten Mann anstelle des Heizers bestanden, des "featherbedding", d.h. des Versuchs, ihren Mitgliedern Sinekuren zu verschaffen. Die Gewerkschaften aber argumentierten, die Automatisierung der Bahnen dürfe nicht zu Entlassungen
führen und somit das Recht des Menschen auf Arbeit schmälern.
Drei Präsidenten vermittelten
Im Verlauf dieser Auseinandersetzung haben drei Präsidenten Eisenhower, Kennedy und Johnson - ihren Einfluß zur Besänftigung der
Streitpartner geltend gemacht und besondere Ausschüsse zur Untersuchung und Regelung der Streitfrage eingesetzt. Es sind zwei Schiedssprüche ergangen: der eine wurde vom Obersten Bundesgericht der Vereinigten Staaten als Berufungsinstanz ausdrücklich bestätigt, der
andere von ihm durch die Zurückweisung der Berufungsklage ohne Angabe von Gründen am 27- April 1964 indirekt bestätigt .
Eine weitere Komplikation ergab sich in jüngster Zeit aus gewissen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der bislang geschlossenen
Front der Gewerkschaften über die Führung der Auseinandersetzung: die
eine Richtung wollte, genau wie die Gesellschaften, die Verhandlungen
nur als Gesamtverhandlurgei - mit allen Bahnen gleichzeitig - führen;
eine andere Richtung trat dafür ein, mit den Eisenbahngesellschaften
einzeln zu verhandeln. Die von den Gewerkschaften erhobenen neuen Forderungen nach einer Erhöhung der Löhne und Sozialleistungen verschärften die Situation ebenfalls.
* Ä * d e n beiden Schiedssprüchen und einer älteren Vereinbarung zwischen
Gewerkschaften und Bahnen stünde es den Gesellschaften juristisch frei,
die umstrittenen neuen Arbeitsregeln in der ersten Llaiwoche in Kraft zu
setzen und mit dem Abbau der "Dieselheizer" zu beginnen, sofern sie allen Betroffenen mit 10 und mehr Dienstjahren - das sind rund 24 000 von
ihnen - eine lebenslange Beschäftigungsgarantie geben. Die Gewerkschaften können umgekehrt nach dem Schiedsspruch gegen derartige Schritte
Kampfmaßnahmen ergreifen, also auch streiken. Soweit die Rechtslage;
in praxi sind natürlich nunmehr beide Seiten an die Regelung vom 22.
April gebunden.

- 14 -

�Die akute Krise
In ein akutes Stadium trat die Auseinandersetzung aber, als die
Angestellten der Illinois Central Railroad am 8. April in den Ausstand traten und den gesamten Streckenverkehr lahmlegten. Daraufhin
kündigten die Eisenhahngesellschaften an, daß sie ihrerseits von
ihrem Recht auf Änderung der Arbeitsregeln am 10. April Gebrauch
machen werden, was die Gewerkschaften mit einer allgemeinen Streikdrohung beantworteten.
In dieser Krisensituation schaltete sich Präsident Johnson ein
und bat am 9» April die Vertreter der Gewerkschaften und Eisenbahnen
zu sich ins Weiße Haus. In vierstündigen Verhandlungen konnte er
wenige Stunden vor dem angesetzten Streikbeginn - 10. April Mitternacht - den beiden Kontrahenten die Zustimmung zu einem 15tägigen
Verzicht auf irgendwelche weiteren Handlungen abringen. Damit war
die Streikgefahr fürs erste abgewendet und Raum für Verhandlungen
gewonnen.
Der Präsident zog Arbeitsminister W. Willard Wirtz, dessen
Stellvertreter, James J. Reynolds, den Leiter des Bundesschlichtungsdienstes für Arbeitsstreitigkeiten im Transportwesen, Francis A.
O'Neill, sowie die Schiedsleute Theodore W« Kheel und George W.
Taylor zu den anschließenden Schlichtungsgesprächen im Weißen Haus
hinzu. Johnson beauftragte sie, gemeinsam mit den beiden Streitparteien den Versuch einer Lösung des Konflikts zu unternehmen. Und
dann begann ein zwölftägiges hartnäckiges Ringen, in dem, wie der
Präsident es ausdrückte, "eine gerechte und faire Übereinkunft erzielt wurde, die der für den Portbestand und die Rentabilität der
Bahnen erforderlichen Modernisierung ebenso wie den Bedürfnissen und
Wünschen der Menschen Rechnung trägt, die vom technischen Portschritt
unmittelbar betroffen werden".
Die Beilegung des Streites zwischen den Eisenbahngewerkschaften
und den Eisenbahngesellschaften wird in Amerika als ein Beweis für
die Zweckmäßigkeit des Verfahrens der Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten durch Kollektivverhandlungen gefeiert. Innenpolitisch gilt
sie als ein Sieg Präsident Johnsons.

(Quelle: Eigenbericht)

# * * * #

- 15 -

�Berichtigung
Wir bitten, in der April-Nummer der "Internationalen Arbeitsmitteilungen" (Jahrgang XVII, Nummer 4) auf Seite 7 den ersten Satz
des letzten Absatzes wie folgt zu berichtigen:
Zahl der Familienangehörigen: Das Gesamteinkommen aller Haushalte, deren Vorstand arbeitslos war, verteilte sich auf schätzungsweise 19 Hillionen Personen (über 10 Prozent der amerikanischen
Gesamtbevölkerung im April 1962). Dabei ...

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Die betrieblichen Sozialkaeeen der Angestellten
in den USA (II)
Die amerikanischen Gewerkschaften und die
Präsidentschaftsirahlen
Ende der Monotonie am Fließband?
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

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Harry E. Davis, Mitarbeiter der Abteilung Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen im US-Arbeitsministeriumt
Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den USA (II)
Vorgezogene Alterarente
Die Bestimmungen über die vorgezogene Altersrente von 49 Sozialkaasen gestatten dem Angestellten, vor Erreichung der normalen Altersgrenze
in den Ruhestand zu treten, und sichern ihm eine sogleioh fällige, aber
fast in jedem Pall verringerte Rente zu. Das Mindestalter für die vorgezogene Altersrente schwankt, liegt aber dooh bei 31 Kassen bei 55 Jahren
und bei 11 bei 60 Jahren. Als weitere Voraussetzung wird zumeist die
Vollendung von zehn oder mehr DienstJahren gefordert.
Ausgangspunkt ist bei allen Kassen die normale Rente, von der in
den meisten Fällen für jeden Monat, der zur Erreichung der normalen
Altersgrenze fehlt, ein Betrag von 0,5 oder 0,33 Prozent abgezogen wird,
was entweder in den Vertragsbedingungen niedergelegt ist oder sich aus
den versicherungsmathematischen Tabellen ergibt. So gewährt z.B. die
Pacific Gas and Electric Company einem Angestellten mit 4800 Dollar Jahresgehalt nach 20jähriger Dienstzeit eine Rente von 140 Dollar im Monat
bei Erreichung der Altersgrenze von 65 Jahrenj bei vorzeitiger Pensionierung erfolgt ein Abschlag von 0,33 Prozent pro Monat der Vorzugszeit,
so daß ein Angestellter mit 4800 Dollar im Jahr und 20 Dienstjahren im
Falle der Pensionierung im Alter von 60 Jahren eine Rente von monatlioh
112,28 Dollar auf Lebenszeit erhält.
Eine

�Eine kleine Zahl von Pensionskassen gewährt einen Zuschlag zur
vorgezogenen Altersrente, der nur bis zur Erreichung des 65« Lebensjahres oder bis zu dem Zeitpunkt gezahlt wird, an dem der Empfänger
den Anspruch auf eine ungekürzte Rente aus der staatlichen Sozialversicherung realisieren kann. Die Goodyear Tire and Rubber Company
wendet auf die vorgezogene Altersrente beispielsweise eine Formel an,
die einen Abschlag von 0,4 Frozent pro fehlenden Monat von der normalen
Altersrente und einen Zuschlag von 0,5 Prozent des der Sozialversicherungssteuer unterliegenden Teils des durchschnittlichen Monatsgehaltes pro Dienstjahr vorsieht, der bis zum Einsetzen der Leistungspflicht der staatlichen Sozialversicherung gewährt wird. Die vorgezogene Altersrente wird nach den Bestimmungen aller Lassen mit der
Antragstellung fällig; eine große Zahl der Kassen gestattet den Angestellten allerdings, die Annahme der Leistungen bis zur Erreichung
des normalen Pensionsalters aufzuschieben, wodurch der Angestellte
Anspruch auf die volle Pension erlangt. Als Dienstalter wird dabei
die bis zum tatsächlichen Ausscheiden aus dem Betrieb zurückgelegte
Eeschäftigungszeit gewertet.
Bei der Eälfte der lensionskassen haben die Angestellten die
Möglichkeit, wahlweise statt der vollen vorgezogenen Rente eine nivellierte Rente zu beziehen, vielfach auch Einkommensausgleichungsrente
genannt. Hierbei wird bis zur Fälligkeit der Rente aus der staatlichen
Sozialversicherung'gegenüber der normalerweise fälligen vorgezogenen
Rente ein höherer Satz und in der Zeit danach ein unter dem Normalsatz liegender Satz gezahlt, so daß das Monatseinkommen während der
gesamten Dauer des Bezugs von Alterspension unverändert bleibt.
Neben der regulären vorgezogenen Rente werden von zehn Pensionskassen noch besondere Leistungen in dieser Rentensparte gewährt.
Hiervon betroffen sind, wie auch bei den Pensionskassen der Arbeiter,
Rentner, die von ihrem Betrieb zwangspensioniert werden oder auf
dessen V/unsch im gegenseitigen Einvernehmen vorzeitig in den Ruhestand
treten. In einem solchen Fall werden erheblich höhere Leistungen gewährt als bei Inanspruchnahme der normalen vorgezogenen Rente. Die
Pensionskasse von Swift und Company gewährt, um ein Beispiel zu geben,
den auf eigenen .Vunsch vorzeitig in den Ruhestand tretenden Betriebsangehörigen das versicherungsmathematische Äquivalent der normalen
Leistung, den auf V/unsch der Gesellschaft pensionierten Angestellten
aber die volle Normalleistung unter Anrechnung des zum Zeitpunkt des
Ausscheidens erreichten Dienstalters.
Invaliditätsrente
Eine Invaliditätsregelung findet sich bei 38 Pensionskassen. Sie
zahlen an lCOprozentig und ständig arbeitsunfähige Angestellte ein
mit dem Eintritt des Versicherungsfalles fällig werdendes Ruhegeld.
Die meisten Pensionskassen machen die Gewährung einer Rente wegen Erwerbsunfähigkeit nicht von irgendwelchen altersmäßigen Voraussetzungen
abhängig, während eine gewisse Betriybszugehörigkeitsdauer - gewöhnlich zehn oder fünfzehn Jehre - bei allen Kassen mit nur einer
Ausnahme als Voraussetzung erforderlich ist.
Die Formeln für die Errechnung der Invaliditätsrente weisen
starke Unterschiede von Kesse zu Kasse auf. Es gewähren 16 von den
36 in Frage kommenden Kassen die volle Normalrente und 12 die Normalrente mit einem bestimmten Abschlag. Darüber hinaus wird bei 9 Fensions-

- 2 -

�Pensionskassen die Rente auf der Grundlege der normalen Rente neu berechnet, sobald der Empfänger das 65. Lebensjahr erreicht oder die
Leistungspflicht der staatlichen Sozialversicherung einsetzt. In Anerkennung der Tatsache, daß keineswegs sämtliche Erwerbsunfähige, die
Anspruch auf Invaliditätsrente aus der betrieblichen Pensionskasse
haben, gleichzeitig Anspruch auf die Invaliditätsrente aus der staatlichen Sozialversicherung erheben können, sehen einige Kassen für
solche Rentenempfänger Zusatzleistungen zur Invaliditätsrente vor, die
so lange gewährt werden, bis die Leistungspflicht der staatlichen
Sozialversicherung einsetzt oder der Empfänger das 65. Lebensjahr
vollendet hat. Ein Beispiel: Nach der Formel, die die betriebliche
Pensionskasse der General I.'.otors Corporation anwendet, erhält der vorzeitig wegen Invalidität pensionierte Angestellte bis zum Eintritt
eines der beiden genannten Ereignisse die normale Rente zuzüglich
eines Zuschlags von 2,80 Dollar pro Dienstjahr. Einige Kassen gewähren
auch eine monatliche I.iindestinvaliditätsrente. Die Bestimmungen bezüglich der Invaliditätsrente sind im allgemeiner, großzügiger gefaßt
als die bezüglich der vorgezogenen Altersrente.
Beitragsfreier Fortbestand der Rentenversicherung Entlassener
Von den 5G Sozirlkassen gestatten 37 den beitrsgsf rei.en Fortbestand der Versicherung von Entlassenen, die die sonstigen Voraussetzungen einer Rentengewährung erfüllen. Von diesen Kassen wenden
30 das Verfahren der sogenannten aufgeschobenen vollen Rentengewährung
an, dem zufolge der Angestellte bei Erreichung des normalen Pensionsalters Anspruch auf Rente in Höhe der bis zu seinem Ausscheiden erworbenen Ansprüche hat. Nach dem Verfahren der aufgeschobenen verminderten Rentengewährung, da3 von 6 Sozialkassen angewandt wird, hat
der Angestellte bei Erreichung des normalen Fensionsalters Anspruch
auf einen bestimmten Prozentsatz des erworbenen Rentenanspruchs,
wiederum abhängig vom Alter und von der Betriebszugehörigkeitsdauer.
Als Beispiel möge die Pensionskasse der International Business Machines
Corporation dienen, die nach 15 Dienstjahren entlassenen Angestellten
einen Anspruch auf 5G Prozent der vollen Leistungen zugesteht, der
sich mit jedem weiteren Dienstjahr um 10 Prozent erhöht und somit bei
Angestellten mit 20 Dienstjahren der vollen Höhe entspricht.
Die Voraussetzungen für den Fortbestand der Versicherung beim
Ausscheiden aus dem Betrieb sind bei den einzelnen Kassen unterschiedlich. Ein I.'indestalter, das zwischen 40 und 60 Jahren schwankt, wird
von 17 und eine zehn- oder fuenfzehnjährige, wenn nicht sogar noch
längere Betriebszugehörigkeitsdauer wird von den meisten Kassen gefordert. Lediglich zwei Kassen machen den beitragsfreien Fortbestand
überhaupt nicht von der Betriebszu.ehörigkeitsdauer abhängig; die
eine setzt aber die Erreichung des 55« Lebensjahrs voraus, die andere
macht selbst diesbezüglich keine Einschränkungen* Die meisten Kassen
gestatten, sofern alle sonstigen Voraussetzungen erfüllt sind, die
beitragsfreie Fortführung unabhängig vom Grund des Ausscheidens aus
dem Betrieb. Einige aber beschränken sie auf ehemalige Betriebsangehörige, denen unter ganz bestimmten Bedingungen - Persoualeinschränkung, Betriebsschließung oder vorübergehende Ausstellung - gekündigt worden ist.
Hinterbliebenenrente
Hinterbliebenenrente im Falle 4ea Todes des versicherten Angestellten wird von 15 Sozialkassen gewährt. Sie ist fällig bei sechs

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�sechs Kassen im Todesfall sowohl vor als auch nach Erreichung des
Pensionsalters, bei weiteren sechs Kassen nur bei Eintritt des Todes
nach und bei dreien nur im Todesfall vor Erreichung der .Altersgrenze..
Die Leistungen an die Hinterbliebenen sind recht unterschiedlichen
Charakters. Einige Sozialkassen garantieren die Zahlung der monatlichen
Altersrente auf eine Mindestzeit und setzen die Zahlungen, sofern der
Empfänger innerhalb dieses Zeitraums stirbt, an den von ihm namhaft
gemachten Begünstigten für den Rest der Laufzeit fort. Andere Kassen
gewähren die Altersrente über den Tod des Empfängers hinaus grundsätzlich auf eine bestimmte Zeit - gewöhnlich 12 Monate -,einige
zahlen eine Barabfindung.
Fast alle Pensionskassen kennen die wahlweise Gewährung einer
gekoppelten Hinterbliebenenrente, bei der sich der Versicherte mit
einer verminderten Rente begnügt und dafür die Garantie erhält, daß
der überlebende Begünstigte eine Rente auf Lebenszeit in gleichbleibender Höhe empfängt. Der zur Auszahlung gelangende Betrag ist in
manchen Fällen mit der Altersrente identisch oder beläuft sich auf
die Hälfte oder einen anderen, spezifizierten Prozentsatz der Altersrente. Bei lj Pensionskassen haben die Teilnahme_berechtigten die
Wahl zwischen einer Festzeitrente und der erwähnten gekoppelten
Hinterbliebenenrente. Bei der Festzeitrente erfährt die Altersrente
gewöhnlich eine geringere Kürzung als bei der gekoppelten Hinterbliebenenrente; stirbt der Empfänger vorzeitig, so wird die Rente
bis zum Auslaufen der Zahlungspflicht an die Hinterbliebenen weitergezahlt .
Finanzierung
Die Beiträge werden in 34 Betrieben an einen Sonderfonds abgeführt, aus dem entweder die Leistungen selbst oder die Beiträge für
entsprechende Versicherungen bei einer kommerziellen Versicherungsgesellschaft entnommen werden. Diese Sonderfonds werden im allgemeinen
von einer Treuhandfirma (Bank oder Treuhandgesellschaft) verwaltet,
einige wenige durch ein von der Firma bestelltes Kuratorium
oder einen einzigen Treuhänder.
Sechs der Pensionskassen sind bei einem Versicherungsunternehmen
rückversichert. Mischformen mit Leistungen aus dem Fondsvermögen und
Versicherungsbeitragszahlungen aus diesem sind bei acht Pensionskassen zu beobachten. In einem Fall werden die Leistungen aus Gesellschaftsmitteln bestritten (und sind damit vom Geschäftsgang abhängig), in einem anderen Fall werden die normale und die vorgezogene
Altersrente aus einem Treuhandfonds gezahlt, die Invaliditätsrente
und das Sterbegeld aber aus dem Firmenvermögen.
Ein Beitrag des Arbeitnehmers wird von 14 Kassen für die Grundversicherung und von 9 für die Zusatzversicherung gefordert. Bei
allen diesen beitragspflichtigen betrieblichen Pensionskassen führt
der Arbeitnehmer einen festen Prozentsatz seines Gehalts ab, während
der Unternehmer die gesamten nicht durch Beiträge gedeckten Kosten
aufzubringen hat. Bei 12 der 14 durch Arbeitnehmerbeiträge gespeisten
Pensionskassen führen die Angestellten an die Kasse einen geringeren
Prozentsatz (0 bis 3 Prozent) vom sozialversicherungssteuerpflichtigen
Gehaltsanteil und einen höheren (3 bis 6 Prozent) vom darüber liegenden
Gehaltsanteil ab.
Der

�Der Jahresbeitrag der Arbeitnehmer ist sehr unterschiedlich.
Er beläuft sich, soweit er erhoben wird, auf 72 bis 192 Dollar für
Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen von 48OC Dollar, auf I56 bis
456 Dollar bei einem Jahreseinkommen von 10 000 Dollar und auf 306
bis 756 Dollar bei einem Jahreseinkommen von 15 000 Dollar.

(unwesentlich gekürzt)
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Januar I964, Vol. 87, Kr. 1)
* * * * *

Die amerikanischen Gewerkschaften und die Präsidentschaftswahlen
"Deine Stimme gibt den Ausschlag - Wähle!" mahnt ein Plakat der
American Federation of Labor and Congress of Industrial Organizations
(AFL-CIO), des Dachverbandes der amerikanischen Gewerkschaften, mit
dem sie ihre Mitglieder im ganzen Land zur Teilnahme an den Präsidentschafts- und Kongreßwahlen am 3« November dieses Jahres aufruft. Für
den verantwortungsbewußten Gewerkschafter - das will das Plakat besagen - bedeutet das demokratische Wahlrecht gleichzeitig auch individuelle Wahlpflicht.
COPE berät 13,5 Millionen Hitglieder
Die dreizehneinhalb Millionen Gewerkschaftsmitglieder bei der Ausübung des Wahlrechts zu beraten, unternimmt der AFL-CIO-Aussch uß für
politische Bildung (Committee on Political Education - COPE) mit Sitz
in Washington, dem je ein Regionalausschuß in jedem der 50 Einzelstaaten
und kleinere Untergruppen' in Städten, Kreisen und Ortskartellen angegliedert sind. Die Regionalausschüsse wiederum sind in Arbeitsausschüsse mit
den Sachgebieten Y/ahllisten, Öffentlichkeitsarbeit, Parlamentsbeobachtung,
Frauenfragen und Finanzen unterteilt.
Für COPE begannen die Vorbereitungen auf die diesjährigen Novemberwahlen schon im Januar, als der Ausschuß erstmals auf die zur Neubesetzung
ausgeschriebenen Wahlämter und die, aus gewerkschaftlicher Sicht betrachtet,
mit den Wahlen verbundenen Probleme hinwies. Der Gewerkschafter soll als
Bürger vor der Wahlurne wissen, worin seine Wahl besteht, wen er wählt und
wie die Bewerber um die höchsten Staatsämter, die Parlamentssitze und die
übrigen Wahlämter zu den wichtigsten innen- und außenpolitischen Fragen
stehen.
Aufforderung zur Einschreibung in die Wahllisten
Da die Ausübung des Wahlrechts von der Eintragung des Wahlberechtigten
in die Wahlliste und diese wiederum von seiner diesbezüglichen Willenserklärung abhängt, beginnen die Gewerkschaften ihre Wahlaktivität mit dem
Aufruf an alle Mitglieder, sich und ihre Familienangehörigen in die

- 5-

�die Wahlliste einzuschreiben, sich "registrieren" zu lassen. Das
Pegistrierungsverfahren selbst unterließt einzelstaatlichen und
daher mitunter abweichenden Regelungen, so daß der diesbezüglichen
Beratung durch die mit der örtlichen Praxis vertrauten Regional«
ausschüsse bei der großen Unzugsfreudigkeit der Amerikaner erhebliche
Bedeutung zukommt.
Beobachtungsausschuß registriert Stimmabgabe der Parlamentarier
Eine nicht minder wichtige Punktion üben die Parlamentsbeobachtun.^sausschüsse im Wahljahr aus. Sie führen "Punktkarten" für alle Angehörigen dos Kongresses und der einzelstaatlichen Parlamente, auf denen
deren Stimmabgabe zu den - in Stichworten skizzierten - bedeutenderen
Gesetzesvorlagen vermerkt wird. Diese Punkt karten Verden in den Gewerkschaftsblättern abgedruckt, damit die Hitglieder sich informieren
können, wie dieser und jener Senator oder Abgeordnete nicht nur bei
Vorlagen aus dem Bereich der Arbeitsgesetzgebung, sondern auch aus dem
der Innen- und Außenpolitik und der Schul- und Sozialgesetzgebung gestimmt hat.
Der Ausschuß für politische Bildung umreißt in seinen Veröffentlichungen ferner die Eineteilung der Gewerkschaften zu diesen gesetzgeberischen Maßnahmen} und so ist es nicht zuletzt seiner Tätigkeit und
dem Virken der Ausschüsse für Gesetzgebungsfragen der Mitgliedgewerkschaften der AFL-CIO zu danken, wenn jeder Gewerkschafter heute, sein Interesse vorausgesetzt, über den Stand einer Auslandshilfegesetzesvorlage
nicht weniger gut informiert ist als beispielsweise rber einen Gesetzesvorschlag zur Anhebung der Hindestlöhne.
Politische Bildung durch Spenden finanziert
Da die Verwendung von Gewerkschoftsgeldern strengen gesetzlichen Beschränkungen unterliegt, muß COPE die für die politische Bildungsarbeit
erforderlichen Mittel, einschließlich der Verwaltungskosten und der Auslagen für Druck und Versand,aus Spenden bestreiten. Das gilt erst recht
für etwaige Zuschüsse zur "Vahlkampfkasse" eines von den Gewerkschaften
geförderten Kandidaten.
Ks ist schon zur ständigen Pegel geworden, daß die AFL-CIO im Sommer
und Herbst eines jeden Präsidentschaftswahljahr.es ( wenn die beiden großen
Parteien die Kandidaten für das Amt des Präsidenten und des Vizepräsidenten nominiert haben, ihre Mitglieder über die innen- und außenpolitischen
Hintergründe des Wahlkampfes informiert. Sie veröffentlicht deshalb die
Parteiprogramme und die Wahlversprechen der Kandidaten.
Mahnung per Telephon
Rüokt die Wahl näher, fragen "Telephon-Teams" der Gewerkschaften
fernmündlich bei den Mitgliedern an, ob sie sich in die Wahllisten eingetragen und - am Wahltag - schon von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht haben. Die örtlichen Gruppen organisieren einen "Hilfsdienst", um Körperbehind rte und alte Leute im Kraftwagen zum Wahllokal zu bringen, und
stellen Hüttern mit mehreren Kindern einen Babysitter zur Verfügung,
damit sie in aller Ruhe wählen gehen können«
Der

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�Der Y/ähler entscheidet
Bei alledem wissen und respektieren die Gewerkschaften aber
eines» Jede gewerkschaftliche politische Schulung und jeder Versuch, einem den Gewerkschaften genehmen Kandidaten zum Sieg zu
verhelfen, endet an der Tür des Wahllokals. Die eigentliche Wahl
trifft der Gewerkschafter wie jeder andere Bürger in der Abgeschiedenheit der Wahlzelle für sich allein. Er weiß aber dank
der Schulungsarbeit, daß die Arbeiterschaft am Wahltag Gelegenheit hat,
"Freunde zu belohnen und Feinde zu bestrafen", wie Samuel lompers,
der Mitbegründer der ersten großen - 1886 entstandenen - amerikanischen Sammelgewerkschaft, der American Federation of Labor, es ausgedrückt hat.
(quelle: Eigenbericht)
* * * * *

H.F. Jones:
Ende der Monotonie am Fließband?
Henry Ford revolutionierte vor Jahrzehnten seine Produktionsmethoden durch die Einführung des Fließbands, an dem "viele Arbeiter
einfache Handgriffe tun". Im General-Motors-Werk in Flint (Michigan)
ist man dabei, sich alte Handwerkertradition in der modern abgewandelten Form der "Ein-Mann-Montage" wieder zunutze zu machen. Entsprechende
Versuche haben uisher zu günstigen Ergebnissen geführt: es wird weniger Ausschuß produziert, und die Arbeitsmoral ist gestiegen.
Treibende Kraft hinter diesem Versuchsprogramm ist Joseph A. Anderson, Vizepräsident bei General Motors und Generaldirektor der "AC Spark
Plug Division" in Flint. "Mit unserer Ein-Hann-Montage", erklärte er,
"zielen wir darauf ab, die ständige Wiederholung am Fließband auszuschalten und jeden Arbeiter am einzelnen Werkstück Fertigungsarbeit
i'ber mehrere Montagestufen'hinweg ausführen zu lassen. In der industriel
len Massenfertigung herrscht ein Zug zur Arbeitsvereinfachung. Andererseits steigt das Bildungsniveau unserer Arbeitnehmer. Beides zusammen
führte zu dem Ergebnis, daß sich mancher Beschäftigte eher für seine
Arbeit entschuldigt, statt auf sie stolz zu sein."
Um die Arbeit für seine Belegschaft interessanter und sinnvoller
zu gestalten, läßt Anderson seine Arbeiter nach Möglichkeit mehr als
einen einzigen Handgriff - umfangreiche Teilmontagen und bisweilen
sogar Gesamtmontagen - ausführen.
Benzinpumpen z.B. werden in Serienfertigung normalerweise von Jü
bis 40 Mann am Fließband zusammengesetzt. Bei Versuchen in Flint ließ
man sie statt dessen jeweils von einem einzigen Arbeiter komplett montieren. Denn die Ausführung einer ganzen Serie von Arbeitsgängen, so
überlegte man, durchbricht die Monotonie am Fließband und verhindert
das Aufkommen von Langeweile. Der einzelne Arbeiter sieht sein Werkstück "wachsen" und lernt, Sinn und Zweck seiner Arbeit besser zu beurteilen. Das Ergebnis: Er geht sorgfältiger zu Werke, und seine Fertigkeiten nehmen zu.
»Für

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�"Pur manchen ist Fließbandarbeit gerade das nichtige", erläuterte
Anderson, "aber bei dem steigenden Ausbildungsniveau unserer Arbeitnehmer sollten wir diese Art Beschäftigung so stark wie möglich einschränken. In einigen Betrieben wird dies selbstverständlich schwierig,
wenn nicht sogar undurchführbar sein."
Anderson wies darauf hin, daß sich Ein-Männ-Montagen unter laufender Kontrolle, wie sie bei der Benzinpumpen-Fertigung erprobt wurden,
als sehr erfolgreich erwiesen haben. Auch die Montage von Armaturenbrettern wurde getestet. Ferner wurden Luftfilter und zahlreiche andere
Autozubehörteile in die Versuche mit einbezogen. Die beteiligten Arbeiter waren begeistert.
Das Werk stellt vor allem Kraftwagenteile und -Zubehör her. Aber
auch Zündkerzen, Düsen-Anlasser, Geschwindigkeits- und Streckenmesser,
Armaturenbretter und sonstige Geräte für den Flugzeugbau gehören zum
Fabrikationsprogramm, das den Werk durch seine Vielfalt mehr als anderen
Unternehmen Spielraum für die Beteiligung der Belegschaft an dieser
neuen Produktionsform läßt.
Nach Anderson steckt sie jedoch noch zu sehr im Experimentierstadium,
als daß sich heute schon entscheiden ließe, ob sie bei Berücksichtigung
aller Kostenfaktoren mit der üblichen Fließbandfertigung konkurrieren
kann. "Sie scheint jedoch Zukunft zu haben. Y.:enn am Band etwas schiefgeht, wird die Ausfallzeit zum Faktor. Bei Zwischenstationen oder EinMann-Montagen wirkt sich technisches und menschliches Versagen normalerweise nicht auf den Gesan.tbetrieb aus. Zudem bringen sie größere Bewegungsfreiheit bei einer Umstellung von Fabrikat zu Fabrikat oder für Konstruktionsänderungen am Grundfabrikat."
Gray H. Bernard jr., Planungsexperte in der Abteilung Arbeit- und
Zeitstudien, beurteilt die Einrichtung von Zwischenstationen und Ein-MannLiontagen sehr positiv. Diese Produktionsform "ist flexibel, Ausfallzeiten
spielen keine Rolle, und die Arbeiter sind von ihr begeistert. An einigen
Fließstrecken machen selbst kleinste Umstellungen bedeutende Umgruppierungen und Änderungen erforderlich. Bei einer Montage in Zwischenstationen
gibt es dieses Problem nicht mehr."
Einen weiteren Pluspunkt sieht Bernard in der Möglichkeit, I.IontageZwischenstationen zunächst laboratoriumsmäßig aufzubauen, um sie dann bei
einem Minimum an Produktionsunterbrechung direkt in die Verkshallen zu verlegen. Dies ist besonders wichtig bei Umstellungen auf neue Modelle.
Darüber hinaus kann die Zahl der Haltevorrichtungen beträchtlich herabgesetzt werden. Statt einer Vielzahl ähnlicher Vorrichtungen, die längs
der Fließstrecke vorhanden sein müssen, sind nur einige wenige erforderlich
Auch die Materialnutzung wird günstig beeinflußt. Bei Armaturenbrettern
würde sich der Übergang zu Neukonstruktionen ohne die sonst am Fließband
vorzunehmenden ausgedehnten Umstellungen vollziehen lassen.
Bernard hob des weiteren den positiven Einfluß auf die Belegschaft
hervor: "Bei einem Test erklärten 26 von 30 Beschäftigten, daß sie die EinMann-Montage vorziehen." Als Gründe wurden u.a. angeführ*: Die Zeit geht
schneller vorbei, man hat mehr Freiheit. Ich habe das Gefühl) mehr zu
leisten. Es macht Spaß, jedesmal ein ganzes Stück fertigzustellen.
Ferner ließ sich feststellen, daß jeder Arbeiter sein Verkstück von si
aus einer eigenen Kontrolle unterzog. Denn man wollte erstklassige und
ganze Arbeit leisten. Es gab weniger Ausschuß. Keu eingestellte Kräfte

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�Kräfte konnten ihre Arbeit in aller Ruhe lernen, ohne gleichzeitig
mit dem Fließhand Schritt halten zu müssen - ein weiterer Vorzug, der
sich vom ersten Augenblick an günstig auf ihre Arbeitsmoral auswirkte.
Unbeantwortet bleibt bisher allerdings die Frage, wieviel verschiedene Ilontagestufen ein Arbeiter bewältigen kann, ohne seine normale Leistungsfähigkeit einzubüßen. Es könnte geschehen, daß jemand so viel
Zeit zum Erlernen einer Anzahl verschiedener Hontagegriffe benötigt,
daß er sich bei seiner Arbeit nie besonders glücklich fühlt. Hierdurch
würde sein Leistungsniveau beeinträchtigt. Bernard und seine Mitarbeiter
versuchen dies zu verhindern.
Jedes Unternehmen ist an höherem Gewinn, steigender Produktivität,
einwandfreier Fabrikation und besserer Arbeitsmoral interessiert. Sollten Ein-Mann-Montagen diesen Effekt haben, wird General Motors weitere
Versuche unternehmen, um die Idealkombination des richtigen Mannes mit
dem richtigen Werkstück am richtigen Platz der Verwirklichung näherzubringen.
Der Kachdruck dieses Artikels, den wir in
gekürzter Form veröffentlichen, ist nur mit
Angabe des Verfassers, der ijielle "Iron Age"
und dem Vermerk "(c) 1964 ^y Chilton Company"
auf der ersten Seite des Abdrucks gestattet.

* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Der Einfluß der technologischen Veränderungen auf die Beschäftigungsstruktur
Auf Grund der technologischen Veränderungen, die sich gegenwärtig
in der amerikanischen Wirtschaft vollziehen, wird sich die Zahl der Beschäftigten in 18 der wichtigsten Industriezweige bis zum Jahr 1970 zum
Teil erheblich verringern, während in 14 anderen Industrien mit einer
Zunahme der Beschäftigtenzahl gerechnet werden kann.
Dies sind die Ergebnisse umfassender gemeinsamer Untersuchungen des
amerikanischen Arbeits- und des Handelsministeriums, die im vergangenen
Jahr durchgeführt und die jetzt in einem Bericht unter dem Titel "Technological Trends in 56 Major American Industries" veröffentlicht wurden.
Zu denjenigen Industrien, die in den nächsten Jahren einen (proportional zur Gesamtbeschäftigtenziffer) stark rückläufigen Beschäftigungstrend
aufweisen werden, gehören dem Bericht zufolge all jene Branchen, die sich
mit der Verarbeitung oder Herstellung von Nahrungsmitteln und Bekleidung
befassen. Auch der Kohlebergbau, die Erdölindustrie, die Eisenbahnen und
die Telephongesellschaften werden im Jahre 1970 weniger Arbeitnehmer beschäftigen als heute.
Die Wirtschaftszweige dagegen, die auf Grund einer stark zunehmenden
Bedarfsnachfrage mit einer beträchtlichen Zunahme der Beschäftigung rechnen können, sind der Groß- und Einzelhandel; das Bank- und Versicherungsgewerbe, der Güter-Straßentransport, der Luftverkehr, die Elektronik- und die
Kunststoffindustrien. In diesen Wirtschaftszweigen wird gegenwärtig rund
die Hälfte der insgesamt 29,1 Millionen Arbeitnehmer beschäftigt, die von
der Untersuchung erfaßt wurden.
*

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�Viertel Jahresurlaub für Stahlarbeiter
Jedes fünfte Jahr dreizehn Wochen bezahlten Urlaub können seit
Januar 1964 insgesamt 600 000 Arbeiter der amerikanischen Metallund metallverarbeitenden Industrie nach 15jähriger Dienstzeit beanspruchen. Diese Vergünstigung ist Teil einer neuen Urlaubsregelung,
die die amerikanische Stahlarbeitergewerkschaft (ünited Steelworkers
of America) für ihre Mitglieder ausgehandelt hat. Die ersten Urlauber
sind bereits zur Erholung in den wärmeren Süden und Westen der USA
abgereist, während andere ihren Vier Lei Jahresurlaub zu Hause verbringen, um längst fällige Hausreparaturen vorzunehmen, sich weiterzubilden oder sich daheim zu entspannen.

Lohnerhöhungen im amerikanischen Einzelhandel
Für Arbeitnehmer im amerikanischen Einzelhandel wurden von den
Gewerkschaften im vergangenen Jahr Lohnerhöhungen von durchschnittlich
10,1 Cent (im Lebensmitteleinzelhandel 10,2 Cent) pro Stunde, gegenüber 9»7 Cent I962 bzw. 9&gt;9 Cent 1961, erzielt. Die neu abgeschlossenen
Tarifverträge haben im allgemeinen eine zwei- bis dreijährige Laufzeit.
Auch auf dem Gebiet der Lohnnebenleistungen wurden Regelungen ausgehandelt, die verbesserte Krankenversicherungs- und Pensionsleistungen
bringen. Rund 53 Prozent der Krankenversicherungspläne (gegenüber 31
Prozent im Jahr 1962) und 21 Prozent der Pensionspläne (14 Prozent)
wurden revidiert und verbessert.

161 750 Wohlfahrts- und Pensionspläne mit einem Gesamtvermögen von
66 Mrd. Dollar
Beim US-Arbeitsministerium waren am 1. Juli I963 insgesamt
161 750 Sozial- und Pensionspläne für Betriebsangehörige amerikanischer
Unternehmen registriert. Die meisten Pläne bieten zwei oder mehr Versicherungsleistungen, über die Hälfte eine kombinierte Krankenhaus-,
Operationskosten- und Lebensversicherung. Bei vier Fünfteln der Pläne
handelt es sich um Sozialkassen, bei den übrigen um Pensionspläne
oder eine Kombination beider.
Krankenhauskosten-Versicherungen stehen an der Spitze der
128 340 Sozialpläne, gefolgt von Operationskosten- und Lebensversicherungen. Praktisch sämtliche der 32 610 Pensionspläne sehen die
Gewährung von Altersrenten, die meisten auch Renten bei Eintritt der
Invalidität und die Zahlung von Sterbegeldern vor. Die Versicherungsbeiträge werden im allgemeinen von den Arbeitgebern oder von Arbeitgebern und Versicherten gemeinsam geleistet.
Das Gesamtvermögen der Pensions- und Sozialfonds belief sich im
Vorjahr auf rund 66 Mrd. Dollar gegenüber 52,2 Mrd. Dollar im Jahr
1962. In dieser Ziffer sind die Vermögenswerte aller privaten (von
Arbeitgebern und Arbeitnehmern bzw. Gewerkschaften gemeinsam verwalteten) Kranken-, Krankenhaus- und Operationskosten-, Unfall-,
Invaliditätsrenten-und Arbeitslosenversicherungspläne eingeschlossen,

- 10 -

�eingeschlossen, die der Meldepflicht gemäß dem Gesetz über die
Offenlegung der Sozial- und Pensionspläne unterliegen, nicht eher
die Rücklagen der Pensionskassen des Bundes und der staatlichen
Sozialversicherung.
Nach den neuesten Unterlegen werden durch derartige Fonds insgesamt 22 Millionen Arbeitnehmer - das ist rund ein Drittel ihrer
Gesamtzahl - erfaßt, zu denen noch die mitversicherten Familienangehörigen dazuzuzählen sind.

AFL-CIO plant KypotheR'en-Treuhs.ndfonds zur Anlage der Pensionskassenmittel
. .
Die Schaffung eines Hypotheken-Treuhandfonds bereitet der
amerikanische Gewerkschaftsverband AFL-CIO gegenwärtig in Ausführung eines im Februar auf der Tagung des Vorstanues in Bai
Karbour (Florida) gefaßten Beschlusses vor. Hauptaufgabe des Fonds
wird es sein, für die wertbeständige Anlage der Mittel der angeschlossenen Gewerkschaften und der Reserven der von Arbeitnehmern
und Gewerkschaften gemeinsam verwalteten Sozialkassen Sorge zu
tragen. Dem Fonds soll eine Wohnbaufinanzierungsgesellschaft angegliedert werden, die Kapitalm.ttel für die Teilfinanzierung von
Projekten des sozialen Wohnungsbaus bereitstellt, um dadurch weitere
gemeinnützige Bauträger für diese Vorhaben zu gewinnen. Der Fonds
wird Hypotheken nur dann vergeben, wenn sie innerhalb der von der .
Bundeswohnbauverwaltung festgesetzten Beleihungsgrenzen liegen und
bei dieser versichert sind.

Drei.-jahresvertrag beendet New Yorker Schleppbon ^streik
Ein neuer Dreijahresvertrag, der zwischen dem Ortskartell
New York der amerikanischen Seeleutegewerkschaft (National Maritime
Union) und dem Verband der Arbeitgeber im Seeschlepp- und Transportgewerbe vereinbart wurde und den dreiunddreißigtägigen Streik der
Schlepperbesatzungen im New Yorker Hafen von Februar bis März dieses
Jnhres beendete, sichert den Schlepperkapitänen 50 Cent und den Besatzungsmitgliedern 35 Cent Lohnerhöhung pro Stunde zu.
Die Arbeitgeber heben sich in dem Kontrakt darüber hinaus zur
Abführung von zusätzlich 18,75 Cent pro Stunde an den Fensions- und
Versicherungsfonds der Seeleute verpflichtet. In früheren Vereinbarungen hstten sie sich bereit erklärt, pro Arbeitnehmer monatlich
15 Dollar an den Versicherungsfonds, 8,68 Dollar an eine Grundrentenkaose und 6 Dollar an einen Zusatzversicherungsfonds abzuführen,
sofern der Arbeitnehmer seinerseits den gleichen Betrag einzahlt.

- 11 -

�Tarifverhandlungen in der US-Autoindustrie beginnen am 1. Juli
Die allgemein mit großer Spannung erwarteten TarifVerhandlungen
in der amerikanischen Automobilindustrie v/erden, wie verlautet, von
den beiden Sozialpartnern voraussichtlich am 1. Juli aufgenommen
werden.
Die diesjährigen Verhandlungen finden im Vergleich zu 1961,
als die wirtschaftliche Erholung nach der Rezession der Jahre 1959/60
noch im Anfangs'stadium steckte und die Arbeitslosigkeit in der Autoindustrie weitverbreitet war, in einer völlig anderen Atmosph re
statt. General Motors, Chrysler und Ford - die "Großen Drei" - verzeichneten im vergangenen und in diesem Jahr hohe Gewinne, aber auch
American Motors, deren Absatz etwas schleppender war, weisen beträchtliche Gewinne auf.
Nach Ansicht der Experten dürfte die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UA',7) bei den Verhandlungen ihre Aufmerksamkeit auf
ßeschäftigungsfragen konzentrieren, wobei Probleme der Sicherung der
Arbeitsplätze im Vordergrund stehen werden. Ebenso dürfte
V/alter Reuther, der Präsident der UA.7, höhere Lohnnebenleistungen und
Maßnahmen zur Schaffung von mehr Arbeitsplätzen - möglicherweise durch
Herabsetzung des 1ensionsalters - am Verhandlungstisch fordern. Mit
dem Argument, daß die Arbeitsproduktivität in der amerikanischen
Automobilindustrie seit 1957 jährlich im Durchschnitt mit 4»9 Prozent
stärker angestiegen ist als in der Fertigungsindustrie als Ganzes
(3»2 Prozent), dürften jedoch auch die Lohnforderungen mit Nachdruck
vertreten werden.

12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
————____—_—_____——__________—————————__———_——————————————___.___——_______

XVII - 7

,

Bad Godesberg, den 1. Juli 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Arbeitsmarkt- und Automationsforschung in. den USA
Ziele und Aufgaben
Die Automationsforschung
Untersuchungen über technische Neuheiten
Untersuchungen über die Auswirkungen der
Automation
Künftige Forschungsreihen

Seite 1
Seite 4

Die Gewerkschaften und das öffentliche Interesse

Seite 10

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

Arbeitsmarkt- und Automationsforschung in den USA
I» Ziele und Aufgaben
Die Untersuchungen des US-Arbeitsministeriums im Bereich der Arbeitsmarktentwicklung dienen dem Zweck, Verständnis für die auf diesem Gebiet gegebenen nationalen Problemstellungen zu wecken und Hilfsmittel aufzuzeigen, die zur Lösung der Probleme geeignet erscheinen.
Unsere dynamische Wirtschaft produziert fortgesetzt neue Paktoren,
die das bestehende Gleichgewicht stören. Eine unerläßliche Voraussetzung für das wirtschaftliche Wachstum des Landes aber ist die Wiederherstellung des Gleichgewichts. Paradoxerweise kann sich ein Mißverhältnis am Arbeitsmarkt in einem Nebeneinander von hohen Arbeitslosenziffern und einem ausgesprochenen Mangel an Fachkräften ausdrücken.
Das Forschungsprogramm des Arbeitsministeriums sucht daher beiden
Aspekten dieser Frage nachzugehen.
Angesichts der Mannigfaltigkeit der Arbeitsmarktprobleme und im
Hinblick auf die Tatsache, daß die Entwicklung und Nutzung des Arbeitspotentials unlöslich mit dem Menschen und seinem Verhältnis zur Arbeit
verbunden ist, muß die Arbeitsmarktforschung alle jene Faktoren in
Rechnung stellen, die den arbeitenden Menschen als Individuum berühren,
und dabei gleichzeitig das nationale Interesse und die Auswirkungen der
verschiedenen arbeitsmarktpolitischen Programme auf die Wirtschaft gebührend berücksichtigen.
In
- 1 -

�In den Gründerjahren unseres Staates drückten sich Arbeitsmarktprobleme in erster Linie in einem chronischen Mangel an Handarbeitern aller Art aus, der aber durch die Eingliederung von Arbeitskräften mit relativ geringen Kenntnissen und Fähigkeiten aus
der großen Schar der Einwanderer meist behoben werden konnte. In
jüngerer Zeit jedoch haben der schnelle technische Fortschritt,
der Wandel in der Verbrauchernachfrage, die Veränderungen in der
Bevölkerungsstruktur und die Standortverlagerungen der Industrie
weit vielschichtigere Arbeitsmarktprobleme aufgeworfen, die neue
Methoden zu ihrer Lösung erfordern. Das Gesetz für Fragen der Beruf sförderung und Arbeitsraarktexpansion (Manpower Development and
Training Act) von 1962 in der Fassung von 1963 definiert die Forschung als ein Mittel, um Einblick in diese Probleme zu gewinnen
und ihre Lösung zu erleichtern.
Seit dem Inkrafttreten dieses Gesetzes hat die Forschungstätigkeit des Arbeitsministeriums auf dem Gebiet der Arbeitsmarktprobleme
neuen Auftrieb erhalten und an Zielstrebigkeit gewonnen. Das Ministerium bemüht sich um die Lösung gerade der schwierigeren Arbeitsmarktprobleme durch eigene Forschungstätigkeit, unterstützt von einigen
der fähigsten Forschungsorganisationen des Landes. Der Angriff auf
diese Probleme konzentriert sich auf zwei der Hauptziele des genannten Gesetzes: die Verringerung der Arbeitslosigkeit und die Deckung
des Arbeitskräftebedarfs einer im steten Wandel begriffenen Wirtschaft .
Ein streng koordiniertes und in all seinen Teilen integriertes
Arbeitsraarktforschungsprogramm wird gegenwärtig entwickelt. Gemeinsame Ausschüsse der verschiedenen Abteilungen wurden inzwischen geschaffen, um der Forschungsarbeit innerhalb des Ministeriums Führung
und Richtung zu geben. Der Koordinierungsausschuß für Fragen der Arbeitsmarktforschung mit.seinen zwei beigeordneten Ausschüssen für Fragen der Automation und des technischen Wandels sowie für Fragen des
Arbeitspotentials, der Beschäftigung und der Arbeitslosigkeit hat bereits einen wichtigen Beitrag zur besseren Nutzung der Forschungseinrichtungen und -möglichkeiten des Ministeriums geleistet.
Der Unterausschuß für Forschung des Beratungsausschusses für
Fragen der Arbeitsmarktpolitik ist gegenwärtig noch immer dabei, das
im Aufbau begriffene Forschungsprogramm zu überprüfen und brauchbare
Empfehlungen für seine künftige Weiterentwicklung auszuarbeiten. Dem
Unterausschuß gehören an: Dr. Richard A. Lester, Präsident der Princeton-Universität; Dr. C.E. Bishop vom North Carolina State College of
Agriculture and Engineering; Dr. James R. Bright von der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Harvard-Universität; Dr. Rupert N. Evans
und Robben W. Fleming, beide Universität Illinois; Marvin Friedman,
AFL-CIO; Dr. Varden Füller, Universität Kalifornien; Dr. Charles C.
Killingsworth, Staatsuniversität Michigan; Dr. William H. Miernyk aus
Colorado; und Dr. Eli Gihzberg, Vorsitzender des Beratungsausschusses
für Fragen der Arbeitsmarktpolitik und als solcher Ex-offic.io-Mitglied,
von der Columbia-Universität.
Kontrakti'orschung
Im vergangenen Jahr hat das Ministerium verstärkte Anstrengungen
unternommen, um das Interesse an der Arbeitsmarktforschung und die

- 2

�die Mitarbeit seitens der Colleges und Universitäten und anderer Einrichtungen, die neue Ideen und Ansatzpunkte zur Lösung von
Arbeitsmarktproblemen beizutragen vermögen, zu beleben. Im Laufe
des Jahres 1963 wurden rund 200 Vorschläge von Forschungsstellen
und V.rissenschaftlern, die nicht im Regierungsdienst stehen, durch
das Arbeitsministerium überprüft. Bei über 30 derartigen Projekten,
die sich auf besonders dringende Probleme der Arbeitsmarktforschung
beziehen, wurde eine vertragliche Regelung getroffen.
Das Programm zur Förderung der Kontraktforschung entspricht
einem ausdrücklichen Auftrag des Kongresses, der im Arbeitsmarktgesetz ausgesprochen wurde. Die unter Vertrag benommenen Institute
und Wissenschaftler beschäftigen sich mit Fragen der Automation, der
Arbeitsmobilität, der Entwicklung und Nutzung des Arbeitspotentials
und des Arbeitskräftebedarfs. Einige von ihnen haben bereits wichtige
Teilbeiträge zum Verständnis der Arbeitsmarkt- und Arbeitspolitik
beigesteuert, die ihren Niederschlag in Aktionsprogrammen und arbeitspolitischen Richtlinien fanden.
Der arbeitsmarkt- und arbeitspolitische Bericht des Präsidenten
Da das Arbeitsmarktforschungsprogramm des US-Arbeitsministeriums
die Lösung der gegenwärtigen und künftigen Probleme der Arbeitslosigkeit und Beschaffung der für die Virtschaft erforderlichen Arbeitskräfte zum Ziele hat, ist es dringend notwendig, von Zeit zu Zeit
eine Bestandsaufnahme bezüglich der gesamten Arbeitsmarktsituation
vorzunehmen, die eine sichere Basis für die Ilanung der Arbeitsmarktforschung abgeben kann. Der Jahresbericht des Präsidenten zu Arbeitsmarktfragen und Arbeitsmarktpolitik und der ihn begleitende Bericht
des Arbeitsministers, die beide im Gesetz für Fragen der Berufsförderung und Arbeitsmarktexpansion vorgeschrieben sind, geben eine solche
Basis ab. Sie stellen u.a. ferner ein Instrument dar, das es dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Arbeitsminister in regelmäßiger
Folge erlaubt, dem Kongreß und der gesamten Nation ihre Beurteilung
der Arbeitsmarkt- und arbeitspolitischen Probleme zu unterbreiten
und Programme zu ihrer Lösung vorzuschlagen.
Der erste Bericht, der im Ilärz 1963 veröffentlicht wurde, enthielt eine Übersicht über die Entwicklung auf dem Arbeitssektor in
der Zeit nach Beendigung des zweiten Veitkriegs. Er vereinte in sich
eine Fülle von einschlägigem Material bezüglich der Gesamtsituation
auf diesem Gebiet, das früher nur in Form separater Unterlagen verfügbar war.
Der zweite Arbeitsmarktbericht, der dem Kongreß kürzlich zugegangen ist, stützte sich auf noch umfangreicheres Material und stellte
insbesondere wichtige Aspekte der gegenwärtigen Arbeitsmarktsituation
in den Mittelpunkt der Erörterung. Die Ergebnisse der vom US-Arbeitsministerium durchgeführten und in Auftrag gegebenen Forschungsarbeiten
wurden in den Bericht eingearbeitet. Er stellt eine Lokumentation
der Probleme der Arbeitslosigkeit dar und bringt Empfehlungen bezüglich der Möglichkeiten zur Erreichung der Vollbeschäftigung. Er analysiert die gegenwärtige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, die Beschäftigungslage verschiedener in unserer Gesellschaft benachteiligter
Gruppen und die Auswirkungen staatlicher Maßnahmen und technischer
Fortschritte auf Wirtschaft und Gesaratbeschäftigung. Die Darlegungen

- 3-

�Darlegungen werden durch einen umfassenden und in die Einzelheiten gehenden statistischen Anhang belegt, der an sich schon ein
wertvolles Hilfsmittel für die Arbeitsmarktforschung darstellt.
Er bietet eine Fülle'von historischen und laufenden Statistiken
und ist gegenüber dem letzten Bericht wesentlich erweitert worden.
II. Die Autnrnati cnsforschung
Auf Grund eines Kongreßbeschlusses hat das amerikanische Arbeitsministerium ein nationales Forschungsprogramm zur Untersuchung
der Auswirkungen der Automation und der technologischen Veränderungen auf das Arbeitspotential ausgearbeitet und in Kraft gesetzt.
Die Ziele dieses umfassenden Forschungsprogramms sind im einzelnen:
1. Untersuchung und Auswertung der gegenwärtigen und sich für
die Zukunft abzeichnenden Auswirkungen der Automation und der tech: olo•ischen Veränderungen auf den Arbeitsmarkt und den einzelnen Arbeitnehmer;
2. Lenkung und Koordinierung sämtlicher auf dem Gebiet der Automatisierung von der Regierung und den privaten Organisationen durchgeführten Forschungen;
3. Feststellung der im einzelnen zu treffenden I.laßnahmen, um die
Auswirkungen der technologischen Veränderungen auf die Arbeitnehmer
zu mindern und eine Anpassung des gesamten Arbeitspotentials an die
Veränderungen zu erleichtern.
Die bisherigen Erfahrungen haben eindeutig gezeigt, daß das derzeitig verfügbare Wissen über die Auswirkungen der Automation auf den
Arbeitsmarkt alles andere als ausreichend ist. Um diesen Mangel abzustellen, hat das Arbeitsministerium unter Berücksichtigung der von den
fünf an den Forschungen beteiligten Bundesämtern entwickelten Programme
einen allgemeinen Forschungsplan aufgestellt.
Gegenwärtig stehen den Fachleuten nur sehr dürftige Informationen
über solche wichtigen Fragen wie Umfang, Einführungsrate und Auswirkung der technologischen Veränderungen auf die Beschäftigung zur Verfügung. Dennoch haben vorbereitende Untersuchungen, die während des vergangenen Jahres durchgeführt wurden, dazu beigetragen, viele Probleme
in ihrem Umfang zu umreißen, die aus den technologischen Veränderungen
resultieren. Zu denjenigen Gebieten, die noch besser erforscht werden
müssen, zählen unter anderem:
1. Art und Umfang der Automation und anderer technischer Veränderungen in den verschiedenen Industriezweigen;
2. die Auswirkungen der Automation und anderer technischer Veränderungen auf die Beschäftigung - und zwar nach Wirtschaftszweig und
Tätigkeit gegliedert -, unter Berücksichtigung der Arbeitsplätze schaffenden und Arbeitsplätze vermindernden Faktoren;
/
3- die wahrscheinlichen Durchsetzungsraten und die künftigen Arbeitsmarkt-Auswirkungen sich bereits abzeichnender technologischer
Neuerungen;
4« die Auswirkungen der Automation auf die funktionellen Tätigkeiten am Arbeitsplatz sowie die beruflichen Anforderungen und damit auch
auf die Erziehung und die berufliche Ausbildung;

)

- 4-

�5« der Einfluß der Automation auf Arbeitsbedingungen, Einkoramen und die Lohnzahlungsverfahren sowie auf das Betriebsklima;
6. die Auswirkungen der Automation auf einzelne Arbeitnehmergruppen unter Berücksichtigung von Alter, Beruf und anderen Kriterien ;
7» die Auswirkungen technologischer Veränderungen auf die institutionellen Einrichtungen des Arbeitsmarktes und auf das Tarifverhandlungswesen;
8. die von den Arbeitnehmern, Unternehmern, Gemeinden und der
Regierung bereits getroffanen oder zu treffenden IJaßnahmen, um die
Auswirkungen der Automation auf den einzelnen Arbeitnehmer zu mindern.
Untersuchungen über technische Neuheiten
Einer der ersten Forschungsaufträge, die das US-Arbeitsministerium zur Feststellung von Art und Umfang der Automation in den Vereinigten Staaten vergeben hat, wurde von der "Diebold Group,' Inc.y
im Februar 1 963 abgewickelt. Ihr Untersuchungsbericht enthält neben
detaillierten Schätzungen über die Zunahme und" Verteilung von Elektronenrechnern in den einzelnen Wirtschaftszweigen auch vorläufige
Begriffsbestimmungen der Automation und ein Hilfssystem zur Klassifizierung der verschiedenen automatischen Ausrüstu.
• '.,'ie aus der
Übersicht hervorgeht, waren in den USA im Jahre 1962 insgesamt 11 000
elektronische Digitalrechner in Betrieb - das sind rund doppelt soviel wie im Jahr i960. Diese und andere Untersuchungsergebnisse werden bei der Planung weiterer Analysen über derzeitige und künftige
Beschäftigungstrends in solchen datenverarbeitender
i'en wie Pr grammierer und lektronenrechneroperateur ausgewert
rden. Das
gleichzeitig geschaffene Klassifizierungssystem für automatische Betriebsausrüstungen stellt, eine Pionierarbeit auf diesem 'Gebiet dar
und bildet einen wertvollen Rahmen für Detailänaly^
Das US-Arbeitsninisterium veröffentlichte im Juni 1963 e i n e n Bericht über die gegenwärtigen und künftigen Auswirkungen auf die Beschäftigung von sogenannten Lesemaschinen füiv die Datenverarbeitu;
V/enn auch diese Geräte zur Zeit erst in geringem Umfang Verwende
finden, so ist doch für die Zukunft mit einer erheblichen Zunahme
zu rechnen. Dadurch wird sich die Zahl der Arbeitsplätze, insbesondere
bei den Locherinnen, verringern. Diese Untersuchung darf als Vorläufer
eines "Frühwarnsystems" für' vorstehende technologische Neuerungen und
ihre möglichen Auswirkungen auf die Beschäftigung angesehen werden.
Ein Bericht über die technologischen Veränderungen in den wichsten Industriezweigen wurde inzwischen ebenfalls fertiggestellt. In ihm
werde im einzelnen die zur Zeit ablaufenden und die unmittelbar bevorstehenden technischen Entwicklungen in 36 Industriezweigen beschr
ben und ihre möglichen Auswirkungen auf Produktivität und Beschäftig
aufgezeigt.
Einen weiteren Forschungsbericht hat das Arbeitsministerium von
der Auerbach Corporation über den Arbeits!
bedarf erhalten, der
sich durch den steigenden Anfall von Blaupausen, technischen Papieren
und Listen der verschiedensten Art in Industriebetrieben ergibt« Obwohl

�Obwohl dieser "Papierlawine" auf dem Gebiet der Wissenschaft und
Technik bereits erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet wird, so ist doch
immer noch nur sehr wenig über die Zahl und die Art der Arbeitnehmer
bekannt, die zur Bearbeitung und Verteilung dieser technischen Dokumente benötigt werden. Von gleicher Bedeutung ist auch die Frage, wie
lange sich die entsprechenden Tätigkeiten in Anbetracht der technologischen Entwicklung werden behaupten können und Inwieweit sie sich
automatisieren lassen.
Gegenstand spezieller Untersuchungen der Auerbach Corporation war
insbesondere die Punktion dieser Tätigkeiten in der Nachrichten : -dustrie. Analysiert wurden unter anderem die Verarbeitung und
Dokumentation der aus der technischen Arbeit eines Betriebes anfallenden Informationen und umgekehrt die Weiterleitung der aus anderen
Quellen kommenden entsprechenden Informationen an die Ingenieur- und
Technikergruppen. Durch diese Untersuchungen, die in acht Firmen dieses Industriezweiges durchgeführt wurden, war es möglich, sechs spezifische Gebiete klar abzugrenzen, die mit diesen Tätigkeiten weitgehend übereinstimmen» Technisches Schreiben, Technisches Zeichnen,
Unterlagenreproduktion, Archiv (Informationszentrum), $ormen,und Ersatzteilbeschaffung. Der Arbeitskräftebedarf in diesen sechs Gruppen
dürfte, v;ie die Untersuchungen ergaben, etwa bis 1970 i n demselben
Umfang ansteigen wie der gesamte Arbeitskräftebedarf dieses Industriezweiges, während ab 1970 die Kategorie "Technisches Zeichnen", die
bei weitem d? i g &lt;5ßte Anzahl von Arbei splätzen aufweist, einen geringeren Anteil an der Ges.atzahl der Arbeitsplätze in den sechs Gruppen
verzeichnen wird« Dies wird in erster Linie durch technologische Veränderungen bedingt.sein, die sowohl den Bedarf an Zeichnungen als auch
die Herstellungsniethoden beeinflussen werden.
Aus der Untersuchung ist ferner ein Zusammenhang zwischen dem
Anv. .chsen der Zahl der beschäftigten Techniker und dem der Zahl der
für die Bearbeitung der technischen Informationen erforderlichen Arbeitskräfte ersichtlich. Dagegen waren die erarbeiteten Unterlagen nicht
ausreichen!,um im einzelnen den Einfluß der technischen Inforr• ationsfunktionen auf den Gesamtbedarf an Ingenieuren und Technikern zu spezifizieren.
Zwei andere Berichte über spezielle technische Neuerungen, die
sich auf Untersuchungen stützen, die vom US-Arbeitsministerium durchgeführt wurden, sollen noch 1964 veröffentlicht werden. Der eine Bericht
untersucht dabei die Verwendung von numerischen Ivont roll Systemen in
der Fertigung von Werkzeugmaschinen und ihre Auswirkungen auf den Arbeitskräftebedarf des Industriezweigs, der andere dagegen analysiert
den Einfluß der Elektronenrechner auf den Arbeitskräftebedarf in der
Versicherungswirtschaft. Die Verwendung numerischer Kontrollsysteme
bei der Werkzeugmaschinenherstellung ist in der metallverarbeitenden
Industrie eine der bedeutendsten Neuerungen der letzten Jahre. Desgleichen hat die zunehmende Verwendung von Elektronenrechnern die Bürotät
keiten in de Versicherungsunternehmen, die heute etwa 800 000 Anges"
te beschäftigen, wesentlich beeinflußt. Jeder dieser Berichte wird über
solche Fragen Auskunft geben wie Anzahl der installierten Einrichtung
Ausnutzungsgrad der Anlagen in der gesamten Industrie, Einfluß auf die
Produktivität, die Beschäftigung, die berufliche Ausbildung, die Umschulung, die beruflichen Fertigkeiten und die innerbetrieb1ichen

�innerbetrieblichen Beziehungen.
Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation
Im Jahre 19^3 ^a.t das US-Arbeitsministerium zahlreiche Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation und technologischer
Veränderungen auf den Arbeitskräftebedarf veröffentlicht. Eine der
bedeutendsten Analysen befaßte sich dabei mit den Auswirkungen der
Büroautomatisierung iei der Bundesfinanzverwaltung (internal Revenue
Service). In dem Bericht werden im einzelnen die Planungstechniken
zur Ermittlung des Arbeitskräftebedarfs und die personalpolitischen
Entscheidungen erläutert, die die Verwaltung zur Verminderung der
Auswirkungen auf die Beschäftigten bei der Umstellung auf automatische
Datenverarbeitung traf. Gleichzeitig werden die Ausbildungs- und Umschulungspraktiken beschrieben, die zur Erleichterung der Umstellung
angewendet wurden.
Ebenso hat das Arbeitsministerium eine Reihe von Einzeluntersuchungen über die Erfahrungen mit Gruppen von Arbeitskräften durchgeführt, die auf Grund technologischer Veränderungen aus ihren angestammten Tätigkeitsbereichen verdrängt worden waren. Die Ergebnisse dieser
Studien werden ebenfalls Mitte 19^4 veröffentlicht werden. Bei diesen
Untersuchungen wurde insbesondere versucht, die besonderen Merkmal«
all jener Arbeitnehmer aufzuzeigen, die sich einen neuen Arbeitsplatz
sichern konnten, und all derer, die arbeitslos blieben. Desgleichen
sind solche Faktoren untersucht worden wie Einkommensminderung, Belastung der Arbeitslosenunterstützungsfonds, Nutzungsgrad beruflicher
Kenntnisse und Fähigkeiten, Veränderungen in der Mitgliederstruktur
der Gewerkschaften, Methoden der Arbeitsuche und Interesse der Arbeitnehmer an Umschulungskursen.
Eine Analyse über die Art der automatisierten Arbeitsplätze und
die bildungs- und berufsmäßigen Anforderungen führt zur Zeit die Human
Sciences Research, Inc., im Auftrag des Arbeitsministeriums durch.
Diese Untersuchung ist in Anbetracht der zahlreichen einander widersprechenden Ansichten über die beruflichen und bildungsmäßigen Voraussetzungen hinsichtlich der Umschulung von Arbeitnehmern auf automatisierte
Tätigkeiten insofern von großem Nutzen, als auf Grund der Ergebnisse
eine wirksame 9 Ausbildungspolitik für die Zukunft festgelegt werden
kann. 'Jährend nämlich eine Gruppe von Experten behauptet, daß die automatisierten Arbeitsplätze eine bessere schulische und berufliche Ausbildung erfordern, ist eine andere der Ansicht, daß die bildungsmäßigen und beruflichen Anforderungen nicht größer sind als bei den nicht
automatisierten Tätigkeiten.
Zahlreiche Forschungsprojekte sind in jüngster Zeit auch mit dem
Ziel durchgeführt worden, größere Klarheit über die Auswirkungen technologischer Veränderungen auf die Beschäftigung weiblicher Arbeitskräfte
zu gewinnen. Ein im November 1963 veröffentlichter Bericht befaßt sich
mit den Veränderungen in der Zahl der Arbeitsplätze und in den Aufgaben
und Tätigkeiten an den verschiedenen Arbeitsplätzen in der Telefonvermittlung seit Einführung des Fernwähldienstes und anderer technischer
Neuerungen. Eine in Kürzebeginnende Untersuchung hat die besonderen
Probleme zum Gegenstand, denen sich weibliche Arbeitskräfte von Fertigungsbetrieben bei einem Verlust ihres Arbeitsplatzes auf Grund der

-7

�der Einführung automatischer Maschinen gegenüber sehen. Daneben
wird eine Überprüfung der gesamten Autoraationsliteratur durchgeführt, um all das zusammenzufassen, was bis jetzt über die Auswirkungen technologischer Veränderungen auf weibliche Arbeitskräfte und
typische Frauenberufe bekannt ist. Die Ergebnisse sollen in künftige
Veröffentlichungen dieser Art eingebaut werden.
Um das künftige Tempo und den künftigen Einfluß der Automation
und anderer technischer Entwicklungen besser abschätzen zu können,
ist eine genaue Kenntnis all jener Faktoren nötig, die die Entscheidungen des Managements in dieser Hinsicht beeinflussen. Das Stanford
Research Institute führt gegenwärtig diesbezügliche Untersuchungen im
Auftrag der US-Arbeitsministeriums durch. Dabei soll im einzelnen die
Automatisierung in Lagerhausbetrieben, bei Banken, in der Nahrungsmittel- und Geräteindustrie untersucht sowie ermittelt werden, von
welchen Faktoren die Entscheidungen der Unternehmensführungen, die
Betriebe zu automatisieren, beeinflußt wurden. Desgleichen sollen die
tatsächlich erzielten wirtschaftlichen Vorteile mit den vom Management
errechneten V/erten verglichen v/erden. Auch diese Ergebnisse dürften
Mitte 1964 veröffentlicht werden.
Eine ganze Serie von Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation und anderer technologischer Veränderungen führt das US-Arbeitsministerium gegenwärtig in der Stahl- und Textilindustrie sowie in
Gießereien, Elektrizitätswerken und im Transportgewerbe durch. Diese
Analysen umfassen sowohl augenblicklich.ablaufende als auch bevorstehende technologische Entwicklungen und beziehen sich auf solche Faktoren
wie Auswirkungen auf die Produktivität, Produktion, Beschäftigung, Beschäftigungsstruktur, Ausbildung und innerbetriebliche Beziehungen.
Mit der Einführung der Automation in Industriebetrieben, die über
keine eigene Maschinenreparatur- oder Elektrowerkstatt verfügen, ergibt
sich für diese Unternehmen ein ganz spezielles Problem: die Deckung des
Bedarfs an qualifizierten Arbeitskräften zur Wartung und Reparatur der
neuen automatischen Produktionseinrichtungen. Tiefere Einsicht in dieses
Problem zu gewinnen,ist das Ziel eines gemeinsam durchgeführten Projekts
des US-Arbeitsministeriums und des Internationalen Arbeitsamts. Im einzelnen sollen dabei - durch eine Auswertung der Erfahrungen anderer
Länder -Möglichkeiten zur Rekrutierung dieses Y/artungs- und Instandhaltungspersonals aufgezeigt werden.
Künftige Forschungsreihen
Die Ermittlung der wahrscheinlichen Auswirkungen künftiger technologischer Entwicklungen auf den Arbeitsmarkt und den Arbeitskräftebedarf stellt einen der bedeutendsten Aspekte der Automationsforschung
dar. Zu den zahlreichen geplanten Untersuchungen auf diesem Gebiet gehört auch eine Serie von Analysen, die weitere Aufschlüsse über Art und
Umfang der Automation in der amerikanischen Industrie von heute geben
sollen. Die erste Erhebung im Rahmen dieser Serie wird sich dabei auf
die Elektronenrechner konzentrieren.
Zahlreichen Forschungsprojekte sind ferner geplant, die Aufschlüsse
über spezifische technische Entwicklungen geben sollen, die sich noch
in den Anfangsstadien befinden. Ziel der Untersuchungen ist es, die
wahrscheinliche Einführungsrate und die Auswirkungen auf die Beschäftigung zu ermitteln. Eine weitere Forschungsreihe wird sich ferner mit

- 8 -

�mit der Feststellung all jener wirtschaftlichen Faktoren beschäftigen, die die technologische Entwicklung beeinflussen und charakteristisch für die Veränderungsrate sind. In diesem Zusammenhang sollen
dabei die Einflüsse von Veränderungen auf die Güter- und Dienstleistungsnachfrage sowie auch auf die Beschäftigung - nach Industriezweigen und Tätigkeiten unterteilt - in. Vergangenheit und Zukunft ermittelt
werden. Statistische Analysen der wirtschaftlichen Determinanten und
über die Auswirkungen der Automation und der technologischen Veränderungen werden weiter fortgesetzt und darüber hinaus noch ausgeweitet
werden, wobei der Schwerpunkt bei Zukunftstrends liegen wird. Zu den
zu untersuchenden Faktoren gehören unter anderem: Forschungs- und Entwicklungsausgaben; .Kapitalbedarf; Kassenbestandsveränderungen; Arbeitsund andere Kosten; und Produktionskapazität.
Umfangreiche Studien bei einzelnen Unternehmen und Industriezweigen werden in solchen Branchen durchgeführt werden, die entweder ständig niedrige
oder ständig hohe Y.'achstumsraten aufweisen. Ziel dieser
Analysen ist es, die Beziehungen zwischen technologischen Veränderungen
und gegenläufigen Beschäftigungstrends und anderen Virtschaftsfaktoren
aufzuzeigen. Desgleichen sind Unternehmensgruppenuntersuchungen vorgesehen, um all jene Faktoren zu ermitteln, die die Verbreitungsrate technologischer Veränderungen beeinflussen und über die möglichen Auswirkungen auf die Beschäftigung Aufschluß geben. Auch sind Untersuchungen
über jene Faktoren beabsichtigt, die mit den Entscheidungen des Managements im Zusammenhang stehen, Investitionen in automatische Produktionsausrüstungen vorzunehmen. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die
Auswirkungen solcher Entscheidungen auf die Beschäftigungsstruktur gerichtet sein, wobei die gegenwärtig vom Stanford Research Institute
durchgeführten Analysen mit als Grundlage dienen werden.
Eine weitere Serie von Forschungen schließlich wird sich mit
solchen Fragen befassen wie Einfluß der Automation auf die einzelnen
Berufe, berufliche Qualifikationen der Arbeitnehmer, schulische und
berufliche Ausbildungsanforderungen,und Arbeitsbedingungen und Betriebsklima. Eingeschlossen hierin sind auch die Untersuchungen über die Auswirkung der Automation auf die innerbetrieblichen Beziehungen und die Maßnahmen, die von Management und Gewerkschaften getroffen wurden oder getroffen werden sollten, um die Einflüsse auf die Arbeitnehmer zu mildern.

(Aus "Report of the Secretary of Labor on Manpower Research and
Training", März 1964)
* * * * #

- 9-

�AI J. Hayes, I

n

der* der Maschinenbauerge\"er:-3C%- ft 'IAM):

Die Gewerkschaften und das öffentliche Interesse

Decken sich die gewerkschaftlichen Interessen weitgehend mit denen der Öffentlichkeit, oder verfolgen die Arbeitnehmerverbände ausschließlich eigene, engbegrenzte
und nicht dem Gemeinwohl dier ande Ziele?
Zu diesen Fragen nimmt der Präsident der
Maschinenbauergewerkschaft, AI J. Hayes,
in dem folgenden Artikel Stellung.

Zunächst ist festzustellen, daß die in Verhandlungen mit den
Unternehmern erzielten gewerkschaftlichen Erfolge nicht allein den
17 Millionen Gewerkschaftern und ihren Familienangehörigen zugute
kommen, sondern auch allen nicht organisierten Arbeitnehmern der
Betriebe, mit denen die Gewerkschaften Tarifverträge abgeschlossen
haben. Darüber hinaus lösen neue Vereinbarungen erfahrungsgemäß auch
Verbesserungen in bezug auf Gehalt, Urlaub, Pensions- sowie andere
Sozialleistungen zugunsten der Ingenieure, Techniker und Angehörigen
anderer Angestelltengruppen eines Betriebs aus.
Was aber liegt nun im öffentlichen Interesse? Auf Grund meiner
praktischen Erfahrungen wage ich die Definition, daß dem öffentlichen
Interesse dient, was für die Mehrheit von Vorteil ist, ohne daß es der
Minderheit schadet. Und es ist meine feste Überzeugung, daß die Erfolge,
das Handeln und die Ziele der amerikanischen Gewerkschaften einen Test
entsprechend dieser Definition standhalten. Natürlich haben die Gewerkschaften Fehler gemacht, was übrigens für alle übrigen Institutionen
unserer Gesellschaft ebenfalls gilt. Indes hat man den Gewerkschaften
daraus einen größeren Vorwurf gemacht als den anderen Gruppen, so etwa,
wenn man das wichtigste und nächstliegende Ziel aller Gewerkschaftspolitik, nämlich dem Arbeitnehmer einen angemessenen Anteil am Wohlstand
zu sichern, immer wieder heftig angegriffen hat. Demgegenüber muß festgehalten werden, daß dieses Ziel durchaus dem allgemeinen Interesse entspricht. Denn höhere Löhne bedeuten nicht nur höheren Lebensstandard
für mehr Menschen, sondern auch eine breitere Konsurabasis. Ohne gute
Löhne und Massenkaufkraft aber gäbe es keinen Markt für Güter der
Massenproduktion.
Sicherlich war die geographische Größe des Landes ein wesentlicher
Faktor für die Entwicklung der Massenproduktion in Amerika. Aber das
allein erklärt diese Entwicklung nicht. Denn sonst gehörten ja Indien
und China gewiß zu den hervorragendsten Wirtschaftsnationen. Ein wesentliches Element der Entwicklung ist vielmehr eine gut bezahlte Arbeiterschaft, die nicht nur in der Lage ist, zu produzieren, sondern auch zu
konsumieren. Mehr noch, die fortschreitende Lohnentwicklung bewirkte
auch eine dynamische Entwicklung der Technik in Amerika. Kurz, die
Politik der Gewerkschaften hat die Industrie dazu gebracht, die Arbeitskraft zu konservieren, sie in Verbindung mit neuen Maschinen, Verfahren
und Techniken so nutzbringend wie möglich einzusetzen.
Es
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�Es gibt keinen automatischen Fortschritt, und es gäbe keine
Lohnerhöhung und keine Arbeitszeitverkürzung, wenn sie die Gewerkschaften nicht am Verhandlungstisch durchgesetzt hätten. Die Theorie
vom automatischen Portschritt hat sich nie deutlicher als falsch erwiesen als in jenen Jahren, da die Gewerkschaften den Kampf um die
Verkürzung der täglichen Arbeitszeit von 16 Stunden auf 10 und
schließlich 8 Stunden führten. Glücklicherweise haben sich die Gewerkschaften auch nie das Argument jener selbsternannten Anwälte
des öffentlichen Interesses zu eigen gemacht, demzufolge die Arbeitszeitverkürzung gegen das Allgemeinwohl gerichtet sei, die
Profitchancen zunicht mache, die Kosten steigere, die Harkte zerstöre, die Löhne verringere und die Arbeitnehmerschaft auf den Weg
des Müßiggangs, des Lasters und der Sünde führen werde. Das Ergebnis
der Gewerkschaftspolitik sieht anders aus: Die Ilehrheit des Volkes
- die Lohnempfänger - kam in den Genuß höherer Löhne und kürzerer
Arbeitszeit, während die Minderheit - Unternehmer, Aktionäre und die
investierende Schicht - eine Stabilisierung ihrer Profiterwartungen
de.für eintauschte.
Ebenfalls im Sinne des öffentlichen Interesses ist die Erkenntnis der Gewerkschaften, daß für das Wohlbefinden eines Arbeiters
nicht allein der Job ausschlaggebend ist, sondern daß Fragen des
Krankenschutzes, der sozialen Sicherheit, der Bildung, der angemessenen Wohnung, des Ruhestandes, die in den Bereich der Gesetzgebung gehören, eine ebenso bedeutende Rolle spielen. In Wahrung ihrer
eigenen Interessen, aber ebensosehr im Interesse des Allgemeinwohls
handelnd, haben die organisierten Arbeitnehmer Amerikas den Kampf für
folgende Ziele geführt:
kostenlose Grundschulbildung mit dem Ziel einer maximalen Bildung
der Bürger;
Verbot der Kinderarbeit, um die Kinder aus den Arbeitsstätten in
die Schulen zu bringen;
geregelte Ausbildung und vermehrte Möglichkeiten der Weiterbildung
im Beruf, um den wachsenden Bedarf der Industrie an Facharbeitern befriedigen zu können;
soziale Sicherheit, einschließlich der medizinischen Versorgung
alter Menschen, um den im Ruhestand lebenden Arbeitern die Angst vor
den Risiken des Alters zu nehmen;
eine allgemeine Ausweitung der Möglichkeiten der medizinischen
Versorgung, so daß alle Menschen in den Genuß schneller und angemessener Behandlung entsprechend ihren Bedürfnissen gelangen;
Unterstützung im Falle technologischer Arbeitslosigkeit, um die
Arbeiter gegen das Hauptrisiko einer sich schnell wandelnden Technik
zu schützen;
eine gesetzliche Regelung des Mindestlohns mit dem Ziel, Arbeitgeber und Arbeitnehmer vor den Folgen eines bedingungslosen Kampfes
um den Arbeitsplatz zu bewahren;
andere gesetzgeberische Maßnahmen zur Verbesserung des Krankheitsschutzes, der Bildung und Erziehung, der sozialen Sicherheit und der
allgemeinen Wohlfahrt.
Mit

- 11 -

�i.Iit der Durchsetzung dieser Ziele am Arbeitsplatz und in den
gesetzgebenden Körperschaften hat die Arbeiterbewegung auch ganz
entschieden im.Sinne des allgemeinen Interesses gehandelt.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliehe Kurznachrichten
Vordringen der Negerinnen in höherqualifizierte Berufe
Dem Trend der farbigen männlichen Arbeitnehmer folgend,hat sich
in den vergangenen Jahren auch die Beschäftigungsstruktur für Negerinnen ganz beträchtlich gewandelt. Während Negerinnen früher fast
ausschließlich in ungelernten, keine speziellen geistigen und bildungsmäßigen Anforderungen stellenden Berufen tätig waren, sind sie
heute in praktisch allen Tätigkeitsbereichen anzutreffen. Dies ist in
erster Linie auf das steigende Bildungsniveau, aber auch auf die zunehmende Durchsetzung gleicher Berufschancen für Parbige zurückzuführen.
'jypisch für den sich hier abzeichnenden Wandel ist vor allem der
starke Rückgang der Zahl der weiblichen farbigen Arbeitskräfte in den
Haushaltsberufen - neben der Landwirtschaft und den Fabriken die einstige Domäne dieser Arbeitnehmerinnen. Wie aus einer Untersuchung des
US-Arbeitsministeriums, die unter dem Titel "Negro Y/omen Y/orkers in
1960" veröffentlicht wurde, hervorgeht, sank die Zahl der in privaten
Haushalten beschäftigten Negerinnen bis 1950 von 60 Prozent auf 41 Prozent der Gesamtbeschäftigtenziffer und zwischen 1950 und 1960 auf
36 Prozent ab. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, daß sich in
dem Zeitraum von 1950 bis 1 96O die Gesamtzahl der werktätigen Negerinnen um 31 Prozent auf insgesamt 2,5 Hillionen erhöhte.
Dem starken Rückgang in den "traditionellen" Negerinnen-Berufen
steht eine kräftige Zunahme der Zahl von farbigen weiblichen Arbeitskräften in den akademischen, Angestellten- und Dienstleistungsberufen
(außer Haushalten) gegenüber. Nach dem Bericht erhöhte sich der Anteil
der Negerinnen an den Angestelltenberufen zwischen 1940 und 1950 von
1 Prozent auf 5 Prozent und bis i960 auf 9 Prozent, während in den
verschiedenen Dienstleistungszweigen zwischen 1940 und 1950 ein Anstieg von 10 auf 19 Prozent und bis 196O auf 21 Prozent zu verzeichnen
war.
Zu den anderen Wirtschaftszweigen und Institutionen, in denen eine
ständig wachsende Zahl von Negerinnen beschäftigt wird, gehören auch
das Bank- und Versicherungsgewerbe, der Einzelhandel, der öffentliche
Gesundheitsdienst und die öffentliche Verwaltung.
*
(Quelle: Eigenbericht)
lütgliederkurve zeigt wieder nach oben
Die Lütgliederkurve der amerikanischen Gewerkschaften, die seit 1957»
nach Erreichung eines absoluten Spitzenstandes von 17*5 Millionen, ständigen Schwankungen unterworfen war, zeigt seit 1961 wieder nach oben.
, Dies

- 12 -

�Dies seht aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriuns hervor, die
sich hauptsächlich auf Angaben der Gewerkschaften stützt und die
Jahre 1960-1962 umfaßt.
Die Zahl der in den nationalen und internationalen amerikanischen Gewerkschaften (mit Mitgliedern in anderen amerikanischen Ländern) organisierten Arbeitnehmer ging bekanntlich zwischen 1957 und
1961 um 1,2 Millionen auf 16,3 Millionen zurück. Uine kurze Trendumkehx gab es nur in den Jahren 1952/59» als 88 000 neue Mitglieder
gewonnen werden konnten. Der erneute Anstieg der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder be ann dem Bericht zufolge Unde 1961 und setzte sich
auch 1962 fort. Die Zunahme um insgesamt 283 000 auf 16 586 000 ist
jedoch weitgehend auf einen Präsidialerlaß zurückzuführen, durch
den 1961 die llegierungsangestellten aufgefordert wurden, Arbeitnehmerorganisationen beizutreten. Insgesamt 155 000 Angestellte traten
seinerzeit einer Gewerkschaft bei.

('.„uelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 13 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII -8/9

Bad Godesberg, den 1. September 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Bezahlter Urlaub als Bestandteil von Kollektiv
vertragen

Seite 1

Die Rolle der Gewerkschaften in der modernen
Wirtschaft
"Haben Sie schon einen Job?"

Seite 5
Seite 10

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

Robert B. Cooney:
Bezahlter Urlaub als Bestandteil von Kollektivverträgen
Der amerikanische Gewerkschafter ist dabei, eine neue Freiheit zu entdecken - den längeren bezahlten Urlaub.
Eine bemerkenswerte Illustration dieser neuen Freiheit von
der Arbeitsroutine bildet der 13-Wochen- oder sogenannte "Sabbat-Urlaub" (eine Bezeichnung, die dem jüdischen Brauch entlehnt
ist, nach sieben Jahren in der Felderbewirtschaftung jeweils eine einjährige Ruhepause eintreten zu lassen). Diese neue Regelung trat mit Beginn dieses Jahres für Angehörige der Stahlarbeitergewerkschaft in Kraft. Ähnliche Regelungen mit alle fünf
Jahre eingeschobenen verlängerten Urlaubsperioden erlangten davor schon in der Behälter- und Aluminiumindustrie, vor allem
aber in der Stahl- und stahlverarbeitenden Industrie Geltung.
Seit mehr als einem Jahrzehnt besteht ein starker Trend
zur Gewährung längerer bezahlter Urlaubsperioden. Der Drei- oder
Vierwochenurlaub für Belegschaftsangehörige mit langjähriger Betriebszugehörigkeit ist bereits eine Selbstverständlichkeit, und
für neu eingestellte Arbeiter hat man die Urlaubsregelungen liberalisiert und auch die Bestimmungen über die erforderliche
Dienstzeit ständig gelockert.
Die
- 1 -

�Die Pläne selbst sind unterschiedlich, aber sie sind Ausdruck
des aggressiven und pra
tischen Herangehens der :.:
ten
an die Probleme. Eine Art Richtschnur liefert der Vertrag, der unlängst von der Bauarbeitergewerkschaft in Milwaukee für 4500 ihrer
Mitglieder ausgehandelt wurde« Ei" sieht fünf Wochen Urlaub für Arbeiter mit 17jähriger Dienstzeit und sechs Wochen Urlaub für solche
J.t 20jähriger Dienstzeit vor. Ahnliche Vereinbarungen wurden mit
Brauereien in New fork und 5t. Louis schon früher ausgehandelt.
Der Trend zu verlängerten Urlaubszeiten hat die verschiedensten Ursachen. Zunächst: ei zunehmender Vertrautheit mit den Problemen der Freizeit nimmt auch das Verlangen nach noch mehr Freizi
zu. Die weite Verbreitung des Automobils und die ständige Ausdehnung
des Autobahnnetzes haben den Wunsch nach lungeren Urlaubszeiten als
Voraussetzung für weitere Urlaubsreisen entstehen lassen.
Die Aufnahmefähigkeit der Erholungsgebiete des Landes winde bis
zum'äußersten strapaziert. Ein zusammen.
ler Bericht der "Outdoor
Recreation Resources Review Commission" an den Präsidenten und den
Kongreß wies folgende Rekordbesucherzahlen in Erholungsgebieten des
Bundes für das Jahr 196O aus: egenüber 1950 meldete der "National
Park Service" eine Verdoppelung auf 12 Millionen Besucher, der "Forest
Service" eine Verdreifachung auf 93 Millionen, die "Tennessee Valley
Authority" eine Verdreifachung auf 42 Millionen, das "Corps of Engileers' Recreational Dams" eine Steigerung von 16 Millionen auf 106
Millionen. Auf Grund der Untersuchungen der Kommission schlug der verstorbene Präsident Kennedy eine nationale Erholungspolitik vor.
Durch die Verbilligung der Plugreisen sind auch entlegene Gebiete
der USA und sogar fremde Länder für den amerikanischen Arbeiter erreichbar geworden, sofern er über einen entsprechend langen bezahlten Urlaub verfügt. Eine Reihe von Gewerkschaften bietet seit Jahren Reisen
über die "American Travel Associati n", ein ge\
schaftseigenes Unternehmen •.. Die Zeitung der Stahlarbeitergewerkschaft hat speziell für
1 ^-'"Ochen-Urlaüber eine Gruppenreise durch sieben europäische Länder
angekündigt. Und die Gewerkschaft der Elektriker, Radio- und Maschinenmechaniker (IUE) organisiert im Rahmen ihres Programms "Verständigungsreise 1964" Reisen ihrer*Mitglieder nach Europa, Israel, Mexiko,
Hawaii und zur New lorker Veitausstellung.
Ferienreisen ins Ausland erfreuen sich besonderer Beliebtheit bei
den amerikanischen Arbeitern bieten sie den Werktätigen doch Gelegenheit, das Land ihrer Geburt, hier gebliebene Verwandte oder die Quellen ihres kulturellen und religiösen Erbes aufzusuchen. Die Gewerkschaften, die solche Auslandsreisen unterstützen, waren immer bestrebt,
dabei den Bildungseffekt zu betonen.
So erklärte lUE-Prasident James B. Carey: "In den letzten Jahren
haben Mitglieder von IUE-Reisegruppen Sitzungen des englischen Parlaments verfolgt und mit führenden Vertretern der britischen Labour Party
diskutiert. Sie sind durch den Louvre geschlendert, haben den Eiffelturm erstiegen und haben mit französischen Gewerkschaftsvertretern und
Politikern über die gegenseitigen Handelsbeziehungen diskutiert. S i 9

�Sie sind durch die Straßen Jerusalems und Nazareths gega:
,
haben mit Kibbuz-Farmern und Arbeitern in gewerkschaftseigenen
Fabrikationsstätten gesprochen. Sie haben auf der Tokioter Hauptgeschäftsstraße Einkäufe gemacht, Fabriken der Rundfunk- und Ferneräteindustrie besichtigt und über Importe, Zölle und vergleichende Lohnskalen mit Vertretern der aufstrebenden japanischen
Elektrikergewerkschaften debattiert."
Verlängerte Urlaubsperioden bieten älteren Arbeitern die Mo'
lichkeit, sich frühzeitig mit den Verhältnissen des Ruhestandsdaseins vertraut zu machen. Höhere Lebenserwartung und der wachsende Anteil der alten Menschen an der Bevölkerung - etwa 13 Millionen Amerikaner sind 65 Jahre alt oder älter - lassen den langen
Urlaub als willkommene Übergangsperiode erscheinen«
Nach Auffassung der Gewerkschaften wäre die Einführung längerer Urlaubsperioden außerdem ein konstruktiver Beitrag zur Vermehrung der Arbeitsplätze. Der in der Stahlindustrie verwirklichte
Plan ist das Resultat von Überlegungen des "Human Relations Committee", das von der Gewerkschaft und elf Stahlfirmen nach dem /16e-Streik im Jahre 1959 gebildet wurde, Es gehört zu den Funktionen des Ausschusses, unbeeinflußt von schwebenden Lohnverhandlungen
diese Fragen grundsätzlich zu diskutieren.
In diesem Falle hatten neue technische Erfindungen wie das
Sauerstoff-Gebläseverfahren die Produktivität der Stahlindustrie erhöht und zugleich den Bedarf an Arbeitskräften herabgesetzt. Um den
Arbeitern ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Arbeitsprozeß zu ermöglichen und damit Platz für entlassene Arbeiter zu schaffen, handelte die Stahlarbeitergewerkschaft 1962 mit den elf Stahlfirmen
einen Spar- und Urlaubsplan aus. 1963 kam ein Übereinkommen zustande,
in dem zusätzlicher Urlaub, der durch Beiträge jeder Firma in Höhe
von 12,5 Cent je Arbeitsstunde und Arbeitnehi •
.anziert wird,
vorgesehen ist. Der dafür jährlich aufzuwendende Betrag
Lrd auf,
100 Millionen Dollar geschätzt. Die obere Hälfte der Alterspyramide
der Belegschaft wird Seniorgruppe genannt. Diese Gruppe älterer
Arbeiter hat alle fünf Jahre Anspruch auf den auf 1J Wochen erweiterten Urlaub, worin der normale Urlaub enthalten ist.
Verträge mit zwei bedeutenden Konservendos
steuern räumen
die gleiohen Rechte Arbeitern ein, die 15 Jahre der Firma angehören.
In der Aluminiumindustrie gibt es einen zusätzlichen Erholungsurlaub
von 10 '..ochen Dauer für Arbeiter mit zwei- oder
DJ Istzeit; für weitere drei Wochen wird zusätzlicher Lohn gezahlt. Beide
Pläne unterscheiden eich von der in der S
en
R
Der Spar- und Urlaubsplan wird, so hofft die Gewerkschaft,
neue Arbeitsplätze Bchaffen, aber diese Wirkung kann man noch nicht
enau abschätzen. Die Anwendung des Plans enthüllte im übrigen
ein neues Problem: die Verwirrung oder die Langeweile, welche solche
Arbeiter überkam, die sich noch nie in ihrem Leben einer längeren
bezahlten Periode des Nichtstuns gegenüber sahen.
Lne Reihe

- 3 -

�Reihe von Stahlarbeitern durchaus fähig war, die Zeit für die Verwirklichung alter Wunschträume zu nutzen - nämlich zu reisen, Besichtigungen vorzunehmen, sich einem Hobby zu widmen, ein Wochenendhaus zu bauen -, war eine andere Gruppe von Arbeitnehmern nur
durch Anregung und Überredung zu bewegen, sich vom Einerlei der
jahrelangen Routine freizumachen.
Die besten Übersichten über die bestehenden Urlaubsklauseln
stammen aus dem amerikanischen Arbeitsininisterium. Das dem Ministerium unterstellende Bundesamt für Arbeitsstatistik führt regelmäßig
eine Analyse der wichtigsten Tarifverträge durch.
Der Bericht des Ministeriums aus dem Jahr 1 962 gibt einen
Überblick über 1698 Großtarifvertr;&gt;e (die jeweils mehr als 1 00 Arbeitnehmer umfassen) für insgesamt 7,4 Millionen Arbeiter, al-o et*
Vd d"&gt;e Half+e aller unter .' rifverträgen arbeitenden Personen.
Etwa 92 Prozent der 1693 Verträge schließen Bestimmungen über
bezahlten Urlaub ein. Verträge, die solche Regelungen nicht enthalten, sind vor allem in der Bauindustrie, also einer Saison-Industrie,
anzutreffen. Aber selbst in der Bauindustrie ist ein bemerkenswerter
Trend festzustellen: Von 167 abgeschlossenen Verträgen enthalten
26 Prozent Urlaubsregelungen; 1957 waren es nur 20 Prozent. Und in
vielen von diesen Verträgen sind Unternehmerbeiträge an einen zentralen' Urlaubsfonds vorgesehen - ein Verfahren, das auch in anderen
Saison-Industrien, etwa der Bekleidungsindustrie, oder in der Schiff"
fahrt angewandt wird. Die Auszahlungen richten sich entweder nach
der im Fonds vorhandenen Summe oder nach der Zahl der Arbeitete .
Die Grundkonzeption für die Ermittlung der Urlaubszeit - angewandt bei über 90 Prozent aller Pläne - ist der sog. Stufenplan, .der
den Urlaubsanspruch von der Beschäftigungsdauer abhängig macht. Ein
verschwindend geringer Teil der Verträge sieht zwei andere Verfahren
vor, und zwar einheitlichen Urlaub für alle sowie eine von der jährlichen Arbeitsdauer abhängige Regelung wie z.B. im Druckereigewerbe,
wo für je 16 Arbeitstage im vorausgegangenen Jahr ein Urlaubstag
gewährt wird, die Gesamturlaubszeit aber drei Wochen nicht überschreiten darf.
Eine Analyse der jüngsten Angaben, die die Forschungsabteilung
des GewerksohaftsVerbandes AFL-CIO durchgeführt hat, läßt den Trend
zu längerem Urlaub klar erkennen.
Noch 1952 betrug der Höchsturlaub bei 5° Prozent aller nach dem
Stufenverfahren getroffenen Urlaubsvereinbarungen zwei Wochen oder
weniger; 46 Prozent der Pläne wiesen drei oder dreieinhalb Wochen
als Maximum auf, 4 Prozent vier oder mehr Wochen* 1961 sahen 40 Prozent der Pläne drei oder dreieinhalb Wochen Urlaub und 43 Prozent
vier Wochen oder einen noch längeren Urlaub vor.
Nach 1961 wurden die UrlaubeheStimmungen weiter verbessert:
Der Vier-Wochen-Urlaub ist in der Mehrzahl der Vereinbarungen nunmehr enthalten, wie die AFD-CIO feststell'". Der Gewerkschaftsverband
wies darauf hin, daß 1957 noch 68 Prozent der auf der Stufenregelung

- 4-

�Stufenregelung basierenden Verträge eine 25jährige Berufstätigkeit
zur Vorbedingung für den Anspruch auf vierwöchigen Urlaub machten;
bis 1961 hatte sich dieser Prozentsatz auf 52 Prozent vermindert.
Und seit der Veröffentlichung von 1962 ist auch die erforderliche
Berufstätigkeitsdauer in der Fleischkonserven-, Backwaren- und
Papierindustrie von 25 Jahren auf 20 Jahre herabgesetzt worden. In
der Gumniibranche ist die Anspruchsberechtigungsgrenze auf 22 Jahre
festgelegt worden. Wie der Bericht von 1962 zeigt, gil± in 60 Prozent der Verträge bereits die Bestimmung, daß auch bei weniger als
15 Jahren Berufstätigkeit bereits Anspruch auf einen Tiindesturlaub
von drei V/ochen besteht. Neu eingestellte Kräfte sollten, wie der
\Trend erkennen läßt, bald einen Mindesturlaub von zwei Wochen erhalten.
Die APL-CIO stellte weitere bemerkenswerte Entwicklungen bezüglich der Urlaubsgewährung fest:
Urlaubsgeld wird in der Regel so bemessen, daß es dem normalen
Lohn des Arbeitnehmers entspricht; das bedeutet, daß Anreizlohn,
Schichtausgleichslohn und Zeitlohn sowie Überstunden berücksichtigt
werden.
Bezahlter Urlaub stellt erworbenes Recht dar, das abgegolten
werden kann, wenn es nicht in Anspruch genommen wurde, oder das auf
die Angehörigen eines Arbeiters bei dessen Tod übergehen kann.
Neu eingestellte Arbeitnehmer erhalten während ihres ersten Arbeitsjahres in der Regel Urlaub, und zwar meistens eine Woche oder
mehrere Tage nach halbjähriger Beschäi'tigungsdauer.

(quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Die Rolle der Gewerkschaften in der modernen Wirtschaft
Vorausschauendes Planen ist eine wesentliche Voraussetzung für
die Gewährleistung von Vollbeschäftigung, 'höheren Lebensstandard und
eine bestmögliche Hilfeleistung an Entwicklungsländer. Zu dieser gemeinsamen Auffassung gelangten führende Gewerkschaftsvertreter aus
Großbritannien, Kanada und den Vereinigten Staaten im Verlauf von Gesprächen im Rahmen der zweiten Ditchley-Konferenz (Bitchley Park, England ).
In der Präge der nationalen Einkommenspolitik vertraten die Konferenzteilnehmer die Auffassung, daß eine solche Politik nur unter
Berücksichtigung aller eingeschlossenen wirtschaftlichen Faktoren entwickelt werden könne, daß es jedenfalls falsch wäre, diese Frage isoliert zu betrachten.
Die

- 5-

�Die Konferenz stand unter der Leitung von Lord V,rilliamson,
dem früheren Vorsitzenden des britischen Gewerkschaftskongresses
(TUC) und derzeitigen Generalsekretär der Gewerkschaft der Kommunalarbeiter» An der Konferenz nahmen Vertreter des britischen
Gewerkschaftskongresses, des Amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO sowie des Kanadischen Gewerkschaftskongresses (JLC)
teil.
Die Beschlüsse der Konferenz zu Planungs- und Einkommensfragen
wurden in zwei Dokumenten veröffentlicht.
Dokument A: Beteiligung an Planung und praktischer Durchführung der
'•;' i rt s chaf t s po li t ik
M i t g l i e d e r d e r G e w e r k s c h a f t s b e w e g u n g e n d e r drei t e i l n e h m e n d e n
L ä n d e r e r z i e l t e n E i n i g u n g d a r ü b e r , d a ß die g r o ß e n Z i e l e d e r V o l l b e schäftigung, der Anhebung des Lebensstandards und der Verbesserung
d e r L e b e n s b e d i n g u n g e n s o w i e e i n e s H ö c h s t m a ß e s an w i r t s c h a f t l i c h e r
H i l f e f ü r d i e E n t w i c k l u n g s l ä n d e r k e i n e s f a l l s dem S p i e l d e r a u f d e m
Markt herrschenden Kräfte überlassen bleiben dürfen.
V i e l m e h r sind p l a n e r i s c h e M a ß n a h m e n v o n n ö t e n , u m d i e s e Z i e l e
zu e r r e i c h e n . D i e P l a n u n g m u ß d e m W e s e n n a c h d e m d e m o k r a t i s c h e n

Prozeß der Überzeugung statt des Zwanges folgen und muß die Mitwirkung der Gewerkschaften als konstituierende Mitglieder einschließen.
Ohne Beteiligung der Gewerkschaften ist der Planungsprozeß undemokratisch und unrealistisch.
Die Annahme des Prinzips der wirtschaftlichen Planung wird
neue Belastungen und neue Verantwortung für die Gewerkschaften mit
sich bringen. So werden die Gewerkschaften in einer geplanten dauerhaften Vollbeschäftigungswirtschaft sicherlich ein weitaus größeres
Maß an Selbstdisziplin aufbringen müssen. Außerdem werden sie mehr
Verantwortung in der Ausbildung und Umschulung von Arbeitern übernehmen sowie entsprechend vorgebildetes Personal bereithalten müssen, das in der Lage ist, an planerischen Maßnahmen aktiv mitzuarbeiten.
Alle drei Gewerkschaftsverbände stimm en darin überein, daß die
Steuer- und Geldpolitik die allgemeine Nachfrage auf einem Kiveau
halten muß, das die Vollbeschäftigung in den betreffenden Volkswirtschaften garantiert. Unterschiede in der historischen Entwicklung«
in den Hilfsquellen und in den Institutionen bedingen, daß die drei
Gewerkschaftsverbände unterschiedliche Auffassungen bezüglich des
Grads und der Methoden wirtschaftlicher Planung vertreten.
Britischer Gewerkschaftsverband TUC:
Die sozialistische Tradition der britischen Gewerkschaftsbewegung und die besonderen wirtschaftlichen Verhältnisse Großbritanniens lassen es verständlich erscheinen, daß der britische Gewerkschaftsverband (TUC) ein höheres Maß an wirtschaftlicher Planung
befürwortet als die beiden anderen Gewerkschaftsverbände.
«
Die

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�Die Sicherung gesunder wirtschaftlicher Verhältnisse und
eines hohen Lebensstandards hängt weitgehend von LJrfolg des britischen Exporthandels ah. Der Verband glaubt, daß eine progressive
Steuer- und Geldpolitik zwar notwendig, aber allein nicht ausreichend ist, um Produktivitätssteigerungsraten zu erreichen, die die
Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes auf dem Weltmarkt
gewährleisten. Bei fortdauerndem Interesse an einer angemessenen
Verteilung des Sozialprodukts befaßt sich der Verband in wachsendem Haße mit den Möglichkeiten der wirtschaftlichen Expansion, die
man am ehesten durch die Kombinierung von Vollbeschäftigung und
höheren Produktivitätsraten für erreichbar hält.
Der britische Gewerkschaftsverband setzt sich für eine bessere
Aufteilung der verfügbaren Hilfsquellen ein und ist auch Mitglied
des Nationalrates für Wirtschaftliche Entwicklung (NEDC). Der Verband ist sich der damit verbundenen Verpflichtungen bewußt. Er gibt
z.B. Empfehlungen über benötigte Investitionssummen, Arbeitskräftebedarf je Industriezweig usw. heraus. Er ist der Auffassung, daß
Industrieplanung in diesem Stil notwendig ist, um eine ausgewogene
Expansion entsprechend den Erfordernissen Großbritanniens zu erreichen.
Der Gewerkschaftsverband vertritt die Auffassung, daß die zentrale Planungsbehörde, der NEDC, einen unabhängigen Status und einen
eigenen Stab besitzen muß, wenn er in der Lage sein soll, sinnvolle
Empfehlungen an Regierung und Industrie abzugeben.
APL-CIO:
Der amerikanische Gewerksch^ftsverband APL-CIO unterstützt das
Beschäftigungsgesetz aus dem Jahre 1946 (lümployment Act), das den Rahmen für die wirtschaftspolitische Betätigung in den Vereinigten Staaten absteckt. So hat der Verband den Beirat des Präsidenten für Wirtschaftsfragen, der unter diesem Gesetz gebildet wurde, mit Nachdruck
aufgefordert, detailliertere jährliche Voraussagen über die Beschäftigungslage in der amerikanischen Wirtschaft zu machen und über geplante Maßnahmen zur Erreichung der Vollbeschäftigung zu berichten.
Die APL-CIO hat außerdem die Einrichtung einer neuen Planungsbehörde
gefordert, die mit der Ermittlung der Hilfsquellen sowie des Bedarfs
der Nation beauftragt werden soll, damit eine sinnvolle Verwendung
gewährleistet ist. Gewerkschaften, Arbeitgeber und Vertreter der
Farmer sollen an der Arbeit dieser neuen Behörde beteiligt werden.
Nach dem zweiten Veitkrieg erfreute sich die amerikanische Wirtschaft durchgehend einer Rekord-Arbeitsproduktivitätsrate in der Industrie. Dies hat dazu beigetragen, daß die Vereinigten Staaten eine
starke Position auf den Weltmärkten (im Gegensatz zur Position Großbritanniens) behaupten konnten, wie der ständige jährliche Überschuß
im Außenhandel beweist.
Während des vergangenen Jahrzehnts haben sich die Vereinigten
Staaten jedoch nicht in vollem Umfang der Vorteile zu bedienen gewußt, die mit der wachsenden Produktivität und der wachsenden Zahl
der Arbeitskräfte verbunden sind. Die Folge: das Land hinkt beträchtlich hinter seiner wirtschaftlichen Kapazität her.
Um

- 7-

�Um diesen Zustand der unzureichenden Ausnutzung des Potentials
zu beenden, legt die AFL-CIO größten Nachdruck auf die Anwendung
energischer steuerpolitischer Maßnahmen« Vo • allem verweist sie
dabei auf die Möglichkeiten, die in einer verbesserten Steuerpolitik zur Stärkung der Kaufkraft der unteren und mittleren Einkommensschichten liegen. Außerdem wird die Ausweitung des staatlichen Bereichs der Wirtschaft einschließlich des Bauwesens und sozialer
Hilfsprogramme befürwortet.
l.'ährend die AFL-CIO einerseits mit Nachdruck fiskalische Maßnahmen zur Sicherung der Vollbeschäftigung fordert, wird andererseits
nicht übersehen, daß die Nation mitten in einem technischen Wandel
steht, der zu wirtschaftlicher Rückstandigkeit in vielen Teilen des
Landes führt und Industriezweige wirtschaftlich veralten und einige
Berufe aussterben lassen wird. Der Gewerkschaftsverband ist Mitglied
einer Reihe von Behörden, die für die wirtschaftliche Neustrukturierung rückständiger Gebiete und die Ausarbeitung wirksamer Arbeitsbeschaffungsprogramme verantwortlich sind. Die APL-CIO befürwortet
darüber hinaus die Errichtung einer ständigen Kommission zum Studium
der Polgen des technischen './andeis, einschließlich einer möglichen
Verkürzung der Arbeitszeit.
Die APL-CIO identifiziert sich zwar nicht mit irgendeiner politischen Partei, wie es der britische (TUC) und der kanadische Gewerkschaftsverband (CLC) tun. Nichtsdestoweniger setzt der amerikanische
Gewerkschaftsverband seine Mittel ein, um die Politik der amerikanischen Regierung im Sinne seiner Ziele zu beeinflussen.
Canadian Labour Congress:
Der kanadische Gewerkschaftsverband hat sich voll und ganz dem
Prinzip der Planung verschrieben. Dabei geht der Gewerkschaftsverband davon aus, daß Kanadas Situation durch Elemente der britischen
und der amerikanischen Volkswirtschaft charakterisiert ist.
Ähnlich wie der TUC ist der CLC davon überzeugt, daß es erforderlich ist, sich direkt mit einem politischen Instrument zu verbinden.
Aber die kanadische Wirtschaft weist auch eine Reihe von eigenständigen Zügen auf. Dazu gehört insbesondere die Tatsache, daß in
der kanadischen Wirtschaft in starkem Hafie amerikanisches Geld investiert ist. Der CLC glaubt, daß die wirksame Kontrolle dieses
Kapitals eine wesentliche Voraussetzung jeder kanadischen Wirtschaftsplanung ist.
Seit einigen Jahren gehört Arbeitslosigkeit zu den ernsten Problemen der kanadischen Wirtschaft, und sie lieferte auch primär das
Motiv für die weitverbreitete Bereitschaft, die Notwendigkeit wirtschaftlicher Planung anzuerkennen. Zugleich muß der ^xportbedarf Kanadas einschließlich einer mit Kachdruck betriebenen Expansion des Fertigwarenexports bei der Planung der Vollbeschäftigung und des wachsenden Lebensstandards sorgfältig beobachtet werden.
Um

- 8 -

�Um diese Ziele zu erreichen und um ein dauerhaftes wirtschaftliches Wachstum zu sichern, hat sich der CLC voll und ganz
in die Arbeit des Kanadischen Wirtschaftsrates eingeschaltet. Der
Wirtschaftsrat erteilt der Regierung Ratschläge und Empfehlungen
in allen wirtschaftspolitischen Fragen. Steuer- und geldpolitische Maßnahmen, die Kapitalschöpfung und die Kanalisierung der
Ivlittel, das Verhältnis der privaten Investitionen zu denen der
öffentlichen Hand, der Investitionsbedarf der einzelnen Industriezweige, wirtschaftliche Stimulationsmaßnahmen, die Bedeutung und
der Grad von TransferZahlungen, die Verbesserung der Arbeitsmarktpolitik und der Ausbildung, die Sicherung guter Arbeitsverhältnisse in den Betrieben und andere verwandte 'Aspekte der Wirtschaftspolitik gehören zu den Beratungsgegenständen des Wirtschaftsrates.
Schlußbemerkungen:
Die drei Spitzenverbände vertreten die Auffassung, daß in
zunehmendem Maße das Mittel demokratischer Wirtschaftsplanung angewandt werden muß, um ein ausgewogenes wirtschaftliches Wachstum
und damit die gesellschaftspolitischen Ziele zu erreichen. Die Konferenz hat bei allen Teilnehmern zu einem besseren Verständnis für
die Haltung anderer gewerkschaftlicher Spitzenverbände in der Frage
der Wirtschaftsplanung geführt.
Dokument B: Nationale Einkommenspolitik
Bei der Behandlung der Frage, welche Politik in der Einkommensfrage verfolgt werden soll, traten zwar unterschiedliche Auffassungen
zutage, trotzdem gelang es, in einer Reihe von Punkten Übereinstimmung
zu erzielen.
1. Die Einkommenspolitik kann nicht isoliert von Kosten, Preisen
und Profit, Investitionen, Dividendenausschüttung und einer allumfassenden Politik der Vollbeschäftigung, herbeigeführt durch planerische
Maßnahmen, betrachtet werden. Einseitig formulierte sogenannte Leitlinien sind unannehmbar.
2. Eine solche Politik muß mit der vollem Mobilisierung aller
nationalen wirtschaftlichen und menschlichen Hilfsquellen verbunden
sein, nicht mit einem Restriktionsprogramra.
3« Ziel der Planung muß sein, schnelleres wirtschaftliches Waohstum über eine schnellere Einkommenssteigerung herbeizuführen.
4« Zugleich wird anerkannt, daß ein exzessives Ansteigen der
Profite und Preise das Programm des geplanten Wachstums unterminieren
und daß eine sinnvolle Preis- und Einkommenspolitik nur dann Erfolg
haben kann, wenn alle Betroffenen davon überzeugt sind, daß nicht
einzelne Gruppen der Gemeinschaft auf Kosten anderer Vorteile erlangen dürfen.
5« Die Mitarbeit der Gewerkschaften auf dieser Basis ist eine
wesentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche Planung des wirtschaftlichen Wachstums. Kur durch diese Mittel kann der Lebensstandard

- 9-

�Lebensstandard der Gemeinschaft verbessert und Vollbeschäftigung
gesichert werden.
6. Eine starke und lebensfähige Gewerkschaftsbewegung, die eine
dynamische Politik fortgesetzter Expansion verfolgt, ist für die
Durchsetzung dieser Ziele unentbehrlich.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

"Haben Sie schon einen Job?"
"Brauchen S\e einen Job?" Unter dieser Rubrik findet man in den
amerikanischen Universitätszeitschriften laufend Hinweise darauf,
wann und wo auf dem Universitätsgelände welches Wirtschaftsunternehmen Gespräche mit den angehenden Akademikern über eine mögliche spätere Beschäftigung führen wird.
Die jungen amerikanischen Akademiker, ja selbst schon die Studenten der letzten Semester, werden heute von Industrie und Wirtschaft,
nach allen Regeln der Kunst hofiert. Der große Ilangel an jungen Wissenschaftlern zwingt die Firmen, sich rechtzeitig hochqualifizierte
Nachwuchskräfte zu sichern und dabei schneller zu sein als die Konkurrenz. Wie umworben der amerikanische Student ist, mag allein schon die
Tatsache demonstrieren, daß im vergangenen Jahr an der Universität von
Pennsylvanien z.B. sich insgesamt 677 Personalchefs oder Einstellungskommissionen der Wirtschaft und der Regierung die Tür in die Hand gaben und über 8000 Interviews mit rund 1000 Studenten durchführten.
Allgemein werden diese Einstellungsgespräche in den Räumen des Vermittlungsbüros der Universität geführt, das auch die Interviews arrangiert und den Studenten mit Rat und Tat zur Seite steht.
Diese Stellenvermittlungsbüros gibt es heute fast an allen amerikanischen Universitäten. Die Erfahrung hat gezeigt, daß der junge
Akademiker doch noch ziemlich hilflos ist, wenn es darum geht,wichtige
berufliche Entscheidungen fürs Leben zu treffen und Anstellungaverträge
auszuhandeln, die seinen Interessen ebenso entsprechen wie denen seines
künftigen Arbeitgebers.
Seit dem Jahre 1957 sind diese Vermittlungsbüros der amerikanischen Universitäten unter einer koordinierenden Dachorganisation, dem
sogenannten "College Placement Council", zusammengeschlossen, deren
Hauptaufgabe darin besteht, allgemein verbindliche Richtlinien auszuarbeiten, um die Vermittlung junger Akademiker in geordnete Bahnen
zu lenken und damit Auswüchse zu vermeiden. In 8 Regionalverbänden

- 10 -

�Regionalverbänden gegliedert, gehören ihr heute mehr als 1000
Universitäten in den USA und in Kanada sowie rund 2000 Wirtschaftsunternehmen an.
Ein gutes Beispiel für die vielseitige praktische Arbeit dieser Vermittlungsbüros ist die Iowa State University, die bereits
auf eine langjährige Erfahrung zurückblicken kann.
Schon mit Semesterbeginn setzt hier ihre beratende und aufklä- .
rende Tätigkeit ein. Broschüren über Berufswege, Verdienstmöglichkeiten und alle anderen interessierenden Fragen werden ausgegeben,
ein Terminkalender für entsprechende informatorische Zusammenkünfte
wird veröffentlicht, die Möglichkeiten zur persönlichen Beratung
der Studenten bekanntgegeben und ein "Stellenanzeiger", der die
offenen Stellen in 1750 Unternehmen enthält, an die angehenden Absolventen verteilt.
Die Beratung der Studenten erstreckt sich praktisch auf alle
Fragen, die für einen erfolgreichen Eintritt ins Berufsleben von Bedeutung sind, wie Führung eines Interviews, Schreiben von Bewerbun^sbriefen, Zusammenstellen von Zeugnissen und Urkunden, Ausfüllen spezieller Fragebogen; aber auch Kleidungs- und Forrafragen werden in
diesbezüglichen Referaten behandelt.
Die Studenten sind also in jeder Beziehung gut vorbereitet,
wenn die "'tferber" der großen Firmen kommen, um sie als Kachwuchskräfte zu engagieren. Die meisten Unternehmen ziehen es dabei vor,
zuerst einen großen Kreis von Studenten mit der Struktur ihres Betriebs bekannt zu machen sowie die dort bestehenden beruflichen Möglichkeiten und Entwicklungschancen aufzuzeigen, ehe sie in Einzelinterviews ihre Angebote konkretisieren.
Den angehenden Lehrern und Universitätsdozenten steht in den
USA eine besondere Stellenvermittlungsorganisation (Association for
School, College and University Staffing) zur Verfügung, die 250 von
den führenden Colleges und Universitäten des Landes zu Mitgliedern
hat. Rund 75 Prozent aller Volks- und Oberschullehrer und mehr als
80 Prozent aller Doktoranden, die ins Lehrfach gehen wollen, werden
jährlich an den Colleges und Universitäten ausgebildet, die diesem
Verband angehören.
Die Stellenvermittlung geschieht hier im nationalen Rahmen, so
daß die Lehramtskandidaten, die sich beim Vermittlungsbüro ihrer
Universität registrieren lassen, ein Lehramt in praktisch allen
Bundesstaaten erhalten können. Die beim Vermittlungsbüro eingehenden Hinweise auf offene Stellen an Schulen und Universitäten werden
eingehend geprüft, nach Fachgebieten und geforderten Qualifikationen geordnet und die für das ausgeschriebene Lehramt in Frage kommenden Studenten auf eine Nominierungsliste gesetzt.
V/enn auch die Praxis der offiziellen Stellenvermittlung über
die Büros der Universitäten sich als außerordentlich erfolgreich erwiesen hat und ihre Dienste von immer mehr Studenten in Anspruch genommen werden, so gibt es für den amerikanischen Studenten von heute

- 11 -

�heute doch noch zahlreiche andere Möglichkeiten, um Kontakt zu
Firmen aufzunehmen und sich ein Bild über die Arbeitsbedingungen
und beruflichen Erfolgsaussichten zu machen. Eine gute Gelegenheit hierzu bietet die praktische Arbeit während der Semesterferien, die nicht nur durch die Industrie- und Wirtschaftsunternehmen, sondern auch von Regierungsdienststellen in jeder Hinsicht
gefördert wird« Die große Zahl der "Werkstudenten" in jedem Sommer
beweist, daß Amerikas Studenten, bevor sie einen Arbeitskontrakt
abschließen, sich gerne erst mit eigenen Augen von dem überzeugen
wollen, was ihnen von den "Werbern" an den Universitäten oft in
den rosigsten Farben ausgemalt worden ist.
Natürlich gibt es auch noch den guten alten Weg, sich einen
Arbeitsplatz zu verschaffen, und viele Studenten folgen noch immer
dieser alten Tradition. Mit Zeugnissen und Referenzen unter dem
Arm klopfen sie an die Tür des Personalchefs und fragen nach dem
üblichen How do you do?: "Wie sieht es bei Ihnen mit einem Job für
mich aus?"
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Gesamtvermögen der privaten Wohlfahrtsf onds
gestiegen

auf 66 Mrd. Dollar

Der Vermögensstand der über 120 000 melde- und offenlegungspflichtigen privaten amerikanischen Wohlfahrts- und Pensionsfonds
bei?ef sich Ende vorigen Jahres nach einer Aufstellung des US-Arbeitsministeriums auf rund 66 Krd. Dollar, während die Fondsreserven der staatlichen Altersversorgung 1963 einen Stand von 40,0 Lird.
Dollar und die der staatlichen Hinterbliebenen- und Invaliditätsversicherung 20,0 Lird. Dollar erreichten. Bei Beibehaltung der derzeitigen jährlichen Wachstumsrate dürften die privaten Sozialfonds
bis zum Jahre 1970 über Reserven in Höhe von 100 Mrd. Dollar verfügen.
Von den rund 70 Millionen amerikanischen Arbeitnehmern kommen
der gleichen Übersicht zufolge gegenwärtig über 22 Millionen in den
Genuß zusätzlicher Sozialleistungen (bei Krankheit, Krankenhausaufenthalt, Operation, Unfall, Arbeitslosigkeit, Invalidität), die in
den meisten Fällen auch die Familienangehörigen der Versicherten
mit einschließen.
Wie aus der Übersicht weiter hervorgeht, sehen zwei Drittel
aller Wohlfahrtspläne Leistungen bei Krankenhausbehandlung, drei
Fünftel Leistungen bei Operationen oder Tod des Versicherten und

- 12 -

�und die Hälfte eine allgemeine Krankenversicherung vor. Zu den
anderen, weniger stark vertretenen Leistungen der privaten Wohlfahrtspläne zählen die Hinterbliebenenbeihilfen sowie Invalidenund Krankengelder. Fast in allen Plänen enthalten sind dagegen
Altersversicherungsleistungen. Auch Sterbegelder (4/5 aller Pläne)
und Versorgungsbeihilfen bei Vorliegen einer Vollinvalidität
(3/4 aller Pläne) gehören mit zu den häufigsten Leistungen.
Wenn sich auch die privaten Wohlfahrts- und Sozialpläne in den
vergangenen Jahren in praktisch allen Wirtschaftszweigen und in
allen Teilen des Landes mehr und mehr durchsetzen konnten, so ergaben sich doch die stärksten Zunahmen und die größten Leistungsverbesserungen in der Industrie und in Großstädten. In den kleineren
Gemeinden und Städten dagegen haben die privaten Sozialpläne genauso wie in den gewerkschaftlich relativ schwach organisierten Wirtschaftszweigen (Einzelhandel, Dienstleistungsindustrien) bislang
noch nicht recht Fuß fassen können. In den Haushalts- und in Landarbeiterberufen sind sie praktisch überhaupt nicht anzutreffen.
(Quelle: Eigenbericht)
*

Neuer Arbeitsvertrag bei Chrysler
Als erster der"Großen Drei" der amerikanischen Aufcomobilindustrie hat die "Chrysler Corporation" Anfang September einen neuen
Tarifvertrag mit der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschait (UAW)
abgeschlossen. Der neue Dreijahresvertrag bringt den Arbeitnehmern
dieses Unternehmens neben einer Herabsetzung der Pensionierungsgrenze
bei beträchtlich erhöhten Pensionslei stungen eine erheblich« Verbesse
rung der Arbeitsbedingungen, mehr Urlaub und mehr bezahlte Feiertage
sowie Lohnerhöhungen zwischen 14 und 24 Cent pro Stunde.
Der neue Arbeitsvertrag, der als Modell für die noch auezuhandelnden Verträge mit General Hotors, Ford sowie den übrigen Betrieben der Autoindustrie gilt, sei, wie UAW-Prüsident WalterBReuther
betonte, das bedeutendste derartige Abkommen in der Geschichte der
Gewerkschaftsbewegung. Es beweise, daß freie Gewerkschaften und freie
Arbeitgeber erfolgreiche Kollektivverhandlungen führen können. Der
Vizepräsident der Chrysler Corporation, John D. Leary, bezeichnete
die neue Übereinkunft als fair für alle Betroffenen - die Aktionäre,
die Arbeitnehmer und die Öffentlichkeit.
Der neue Vertrag, der vorerst nur für die 74 000 Arbeiter der
Chrysler-Werke gilt und erst kurz vor dem angekündigten Streikbeginn bekanntgegeben wurde, sieht eine Erhöhung des Pensionsgrundbetrags von monatlich 2,80 Dollar auf 4,25 Dollar für jedes abgeleistete Dienstjähr bis zu maximal 30 Jahren.vor. Die sich so ergebende Pension von 127*50 Dollar soll aus einem von-den beiden Sozial-

- 13 -

�Sozialpartnern errichteten Fonds auf bis zu 400 Dollar im Monat
aufgestockt werden. Die auf diese V/eise aufgestockte Pension soll
bis zum 65» Lebensjahr gezahlt werden. Danach soll - neben der dann
einsetzenden Rente aus der staatlichen Sozialversicherung - lediglich die Grundrente von 127»50 Dollar gezahlt werden.
Der leitende Vertreter der UAW bei Chrysler, Douglas Fräser,
betonte, daß die Arbeiter durch den neuen Arbeitsvertrag ermutigt
werden sollten, sich bereits mit 60 Jahren pensionieren zu lassen.
Auch schon im Alter von 55 «Jahren sei eine Pensionierung möglich.
Der Arbeiter könne dann an Pensionsbezügen bis zu JO Prozent seines
Grundlohns erhalten. Die durchschnittliche Pension für einen Arbeiter, der sich nach ^Ojähriger Betriebszugehörigkeit mit 60 Jahren
pen;Monieren lasse, belaufe sich auf etwa 381 Dollar im Llonat.
Auch für die rund 14 000 bereits pensionierten Arbeiter der
Chrysler-Werke sieht der neue Arbeitsvertrag eine Aufbesserung der
Bezüge vor. So wird die Gesellschaft für diese Arbeiter die gesamten Kosten für Krankenhaus- und Krankenversicherung tragen. Als weitere wichtige Bestimmung sieht der neue Vertrag neben der normalen
Mittagspause eine Verlängerung der sonstigen Arbeitspausen für die
am Fließband beschäftigten Arbeiter um 50 Prozent, und zwar von
bisher 24 Minuten auf nunmehr 36 Minuten pro Arbeitstag vor. Ferner
werden die Grundlöhne um 14 bis 24 Cent pro Stunde angehoben, die
Zahl der bezahlten Feiertage wird um zwei auf neun pro Jahr und der
Jahresurlaub um eine V/oche auf drei Wochen erhöht. Außerdem wird
die Hinterb lieb enenver .- orgung verbessert.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 10

Bad Godesberg, den 1. Oktober 1964
INHALTSVERZEICHNIS

Die Mitgliederbewegungen der amerikanischen
Gewerkschaften
Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (i)

Seite 1
Seite 14

Die Mitgliederbewegungen der amerikanischen Gewerkschaften
Die Untersuchungsergebnisse in Kürze
Die Gesamtmitgliederzahl aller nationalen ' und internationalen^ Gewerkschaften der USA ist nach der jüngsten Erhebung des
"Amtes für Arbeitsstatistik" des US-Arbeitsministeriums zwischen
i960 und 1962 um 487 000 zurückgegangen. Damit hat sich der rückläufige Trend, der nach der stetigen Zunahme der Mitgliederzahl
seit den dreißiger Jahren von 1956 an festzustellen ist, weiter
fortgesetzt. Er hat bisher insgesamt einen Verlust von 847 000
Mitgliedern gebracht. Der Hauptanteil entfällt dabei auf die Fertigungsindustrie, wo die Gesamtbeschäftigtenzahl in einzelnen Industriezweigen während der vergangenen Jahre stark abgenommen
hat; dennoch läßt sich der Mitgliederschwund auf keinen Einzelfaktor zurückführen. Der geringe Anstieg der Mitgliederzahl zwischen
1961 und 1962 könnte jedoch auf eine Trendumkehr hindeuten.
Während die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer in der Privatindustrie zwischen 1960 und 1962 allgemein
zurückging, nahm sie im öffentlichen Dienst beträchtlich (um
154 000) zu, was in erster Linie auf den 1962 veröffentlichten
Präsidialerlaß zurückzuführen ist, in dem das Koalitionsrecht der
öffentlichen Bediensteten ausdrücklich anerkannt wurde und die
Beamten und Angestellten zum Gewerkschaftsbeitritt ermutigt
wurden.
Im

l Tätigkeit nur auf die USA beschränkt
' Mit Mitgliedern in anderen amerikanischen Staaten,
vor allem in Kanada
- 1-

�Im Jahre 1962 betrug die Gesamtmitgliederzahl aller 181 nationalen und internationalen amerikanischen Gewerkschaften 17»6 Millionen. In dieser Ziffer eingeschlossen sind rund 1 Million kanadische
Gewerkschaftsmitglieder. Von diesen 17»6 Millionen Mitgliedern gehörten 14*8 Millionen (- 237 000) Gewerkschaften an, die im Verband der
AFL-CIO zusammengeschlossen sind, während 2,8 Millionen (- 250 000)
unabhängigen Gewerkschaften angehörten.
Von den 181 Gewerkschaften wiederum waren 130, die rund 84 Prozent
aller Mitglieder auf sich vereinigten, der AFL-CIO angeschlossen. Dieser Anteil war seit dem Ausschluß der Transportarbeitergewerkschaft
(Teamsters) sowie zweier kleinerer Arbeitnehmerverbände im Jahre 1957
praktisch konstant geblieben. Die Zahl der Ortsverbände der AFL-CIOGewerkschaften belief sich im Zeitpunkt der Erhebung auf insgesamt
62 000, die der Ortsverbände unabhängiger Gewerkschaften auf rund
12 000. Etwa 465O "local unions" hatten ihren Sitz außerhalb der Vereinigten Staaten, davon allein 4400 in Kanada.
Auch die Mitgliederstruktur hat sich im Vergleich zur letzten
Erhebung (i960) nur unwesentlich verändert. Die Zahl der weiblichen
Gewerkschaftsmitglieder ging um rund 53 000 auf 5 272 000 zurück, die
der organisierten Angestellten stieg um 93 000 auf 2 285 000 an. Trotz
des nicht unerheblichen Rückgangs der Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft blieb das Mitgliederverhältnis zwischen Fertigungsindustrie und den anderen Wirtschaftszweigen praktisch ausgeglichen. Die Masse der organisierten Arbeitnehmerschaft in den USA entfällt weiterhin auf die großen Gewerkschaften.
Art und Durchführung der Erhebung
Die in diesem Artikel benutzten Angaben wurden dem in Kürze erscheinenden "Directory of National and International Labor Unions in
the United States, 1963" entnommen, das vom "Amt für ,rbeitss.tatistik"
des US-Arbeitsministeriums nach Auswertung der an alle Gewerkschaften
verschickten Fragebögen zusammengestellt wurde. In den wenigen Fällen,
in denen die Gewerkschaften die Fragebögen nicht.an das Amt zurückschickten, wurden die hier verwendeten Angaben aus anderen Informationsquellen der Arbeitnehmerorganisationen und aus den im Archiv des Amtes
aufbewahrten Tarifverträgen entnommen.
Eine präzise Ermittlung der Kitgliederzahlen der Gewerkschaften
ist aus verschiedenen Gründen nicht möglich,,einmal, weil einige Gewerkschaften - aus Prestigegründen oder um einen Mitgliederrückgang zu verschleiern - dazu neigen, höhere Ziffern anzugeben, andere wiederum es
für zweckmäßiger und vorteilhafter halten, tiefzustapeln und niedrigere
Ziffern einzusetzen. Die Hauptschwierigkeit besteht jedoch in der unterschiedlichen Auslegung des Begriffs "Mitglied" innerhalb der einzelnen Gewerkschaften. Um n zdton zu einer einheitlichen Berichterstattung
zu gelangen, hat das "Amt für Arbeitsstatistik" die Gewerkschaften jeweils gebeten, in die.Fragebögen die durchschnittliche Zahl der in dem
Berichtsjahr Beitrag zahlenden Mitglieder einzusetzen. Wie jedoch eine
genaue Analyse der beantworteten Fragebögen ergab, haben sich nicht
alle Gewerkschaften an diese Norm gehalten, und in einigen Fällen wurden auch von der Beitragsleistung befreite (arbeitslose, im Streik

- 2 -

�Streik befindliche us»») Arbeitnehmer mit aufgeführt« Trotz solcher gewisser Unzulänglichkeiten auf einigen Gebieten dürfte die
übersieht über die Mitgliederbewegungen in den amerikanischen Gewerkschaften dennoch ein ziemlich genaues Bild von dem derzeitigen Stand geben.
Die Gesamtmitgliederzahl
Diese Mitgliederübersicht (s. Seite 4) wurde nach Berichten von
169 Gewerkschaften und auf Grund von Schätzungen der Mitgliederbewegungen in 12 Arbeitnehmerorganisationen aufgestellt. Sie gibt Aufschluß über die llitgliederzahl sämtlicher nationaler und internationaler Gewerkschaften, die ihren Sitz in den Vereinigten Staa.ten
haben. Sicht eingeschlossen jedoch sind einzelne Betriebsgewerkschaften sowie größeren Gewerkschaften oder Verbänden nicht angeschlossene Ortsvereine, die zusammen etwa 450 000 Mitglieder aufweisen
dürften.
Wie daraus hervorgeht, verteilen sich die seit i960 eingetretenen Mitgliederverluste ziemlich gleichmäßig auf die AFL-CIC und
die unabhängigen Gewerkschaften. Beide Gruppen hatten es sehr schwer,
ihren Mitgliederbestand insbesondere in jenen Industriezweigen zu
halten, in denen sich die größten technologischen Veränderungen vollzogen und in denen sich die Beschäftigungsstruktur erheblich wandelte .
Von den insgesamt 181 nationalen und internationalen amerikanischen Gewerkschaften haben 128 Sektionen und Ortsvereine mit einer Gesamtmitgliederzahl von 1,1 Millionen im Ausland, was einer Zunahme
gegenüber 196O um 10 000 und einem Anteil an der Gesamtmitgliederzahl
aller Gewerkschaften von rund 6 Prozent entspricht.
Mitgliedertrends und Veränderungen
Nach einer spektakulären Zunahme der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in den USA zwischen 1936 und 1944 flachte die ansteigende
Mitgliederkurve - bei ziemlich konstanter Zuwachsrate - in den nächsten Jahren etwas ab und erreichte 1956 mit 17»5 Millionen (ohne 1
den bisherigen Gipfelpunkt. Seit diesem Zeitpunkt ist ein kuckgang
der Mitgliederzahl um rund 900 000 eingetreten. Im Jahre 1962 lag sie
etwas unter dem Niveau des Jahres 1955» und der Abwärtstrend scheint
in diesem Jahr (1962) seinen Tiefpunkt überschritten zu haben, wie
der Anstieg der Mitgliederzahl gegenüber 1961 um 300 000 andeutet«
Die amerikanischen Gewerkschaften haben aber nicht nur einen erheblichen Mitgliederschwund hinnehmen müssen, auch ihre relative
Stärke, gemessen am Verhältnis der Gesamtzahl der organisierten Merktätigen zur Gesamtbeschäftigtenz'iffer (Tabelle 1 ) , hat seither abgenommen. Seit 1956 hat sich dieses Verhältnis ständig zuungunsten
der Gewerkschaften verändert} es ist z.Z. etwa 1; 4. Selbst in denjenigen Dienstleistungs- und Industriezweigen, die seit je eine Do li ne der Gewerkschaften waren und den höchsten Prozentsatz an organisierten Arbeitnehmern aufweisen, ist der Trend rückläufig gewesen.
Das Verhältnis beträgt hier gegenwärtig 3;".
Mitgliederzahlen 1961

- 3

�Litgliederzahlen 1 961

AFL-CIO - nach Angaben von
121 Gewerkschaften
AFL-CIO - nach Schätzungen für
10 Gewerkschaften

13 332 642
1 168 250

AFL-CIO - direkt angeschlossene
Ortsvereine und Betriebsgewerkschaften

71 000

Gesamt AFL-CIO

14 571 892

Unabhängige - nach Angaben von
43 Gewerkschaften

2 598 464

Unabhängige - nach Schätzungen für
10 Gewerkschaften

157 906

Gesamt Unabhängige

2 756 370

Gesamtmitglied &lt;.. rzahl
aller Gewerkschaften

17 328 262

Mitgliederzahlen 1962

AFL-CIO - nach Angaben von
125 Gewerkschaften
AFL-CIO - nach Schätzungen für
5 Gewerkschaften
AFL-CIO - direkt angeschlossene Ortsvereine und Betriebsgewerkschaften

13 736 363
1 033 207

65 819

Gesamt AFL-CIO
Unabhängige - nach Angaben .von
44 Gewerkschaften
Unabhängige - nach Schätzungen für
7 Gewerkschaften
Gesamt Unabhängige
Gesamtmitgliederzahl
aller Gewerkschaften

14 835 389
2 704 600
89 665
2 794 265

17 629 654

�Tabelle 1
Zahl der organisierten Arbeitnehmer und ihr Anteil
am Arbeitspotential

Arbeitspotential
Jahr

Gesantmtglied- •
schaft ;

Zahl

Anteil der
Gewerkschaften
i n &lt;f&gt;

1956

17 490 000

70 387 000

24,8

1957
1958

17 369 000
17 029 000

70 744 000
71 204 000

24,6

1959
i960

17 117 000

71 946 000
75 126 000
74 175 000
74 681 000

1961
1962

17 049 000
16 303 000
16 586 000

23,9
23,8
25,3
22,0
22,2

Gesamtbeschäftigung
(ohne Landwirtschaft)
Zahl
Anteil der
Gewerkschaften
in #
52 408 000
52 904 000

33,4
32,8

51 423 000
53 404 000
54 370 000

33,1
32,1

54 224 000
55 841 000

31,4
30,1
29,7

1) ohne kanadische Mitglieder

Trotz des Mitgliederrückgangs seit 1956 neideten rund 3/5 aller
Gewerkschaften für die Periode 196O-62 entweder Zunahmen oder keine Veränderungen in der Zahl ihrer Mitglieder. Auf der anderen Seite neidete
jede 7» Gewerkschaft einen Mitgliederverlust von 10 Prozent und nehr
im ErhebungsZeitraum» Geringere Veränderungen (weniger als 5 Prozent)
ergaben sich 1961/62 bei nehr als 2/3 dieser Gewerkschaften. Zwischen
1951 und 1962 verzeichneten 4/5 aller amerikanischen Gewerkschaften Gewinne oder Verluste von 10 Prozent oder mehr.
Zu denjenigen Arbeitnehmerorganisationen, die in diesem Zeitraum
Mitgliederverluste aufwiesen, gehören vor allem die Gewerkschaften der
Eisenbahner, der Bergarbeiter, der textil- und metallverarbeitenden Industrien sowie des Nachrichtenwesens. Zu den Organisationen, die die.
Zahl ihrer Mitglieder erhöhen konnten, zählen die Gewerkschaften der
Angestellten in öffentlichen Dienst, des Luft- und Seetransports sowie
des Einzelhandels und anderer.Dienstleistungszweige.
Von

- 5-

�Von den sechs größten amerikanischen Gewerkschaften, die jährlich Berichte über Mi.tgliederfcewegungen veröffentlichen, hat nur die
International Brotherhood of Electrical Workers (iBEff) zwischen 1951
und 1962 ihre l.Iitgliederzahl ständig erhöhen können: um 293 0^0 baw«
um 59 Prozent. Der größte jährliche Zuwachs wurde dabei 1958 (250 000)
erzielt.

Tabelle 2
Struktur der amerikanischen Gewerkschaften auf Grund von
l.Iitgliederzahl und Verbandszugehörigkeit

Sämtliche Gewerkschaften

Verbands Zugehörigkeit
'"
APL-CIO
Unabhängig

Zahl der Mitglieder
Zahl Prozent Mitglieder
in 1000
Sämtliche
schaften

Gewerk181

100,0

17 564

15

8,2

6

1000-4999

29

16,0

134

5000-9999

14

7,7

10 0 0 0 - 2 4 999

27

25 0 0 0 - 4 9 999
59 0 0 0 - 9 9 999

bis

in

1000

1 00,0

130

51

5

10

0,8

13

16

95

0,6

8

6

14,9

411

2,3

24

5

26

14,4

5,5

17

9

26

14,4

959
1 762

10,0

22

4

3 354
1 917
1 575

19,0

22

1

10,9

7

-

7,8

4

-

10,0

1

18,7

3
4

14,4

1

1

•7

100 0 0 0 - 1 9 9 999

23

12,7

200 0 0 0 - 2 9 9 999

7

3,9

300 0 0 0 - 3 9 9 999

4

2,2

400 OOO-499 999

4

2,2

500 OOO-999 999

4

2,2

1 765
3 278

ü b e r 1 000 000

2

1,1

2 551

2)
' weniger als 0,05 Prozent

- 6-

2)

-

�Die Transportarbeitergewerkschaft, die ab 1951 einen stetigen
Anstieg ihrer Mitgliederzahl verzeichnete und 1 %0 fast die 1,5Hillionen-Harke erreichte, hat seit 1961 einen geringen Rückgang
aufzuweisen» In der Periode 1951-62 ergibt sich für die "Teamsters"
trotzdem noch.ein Mitgliederzuwachs von 457 000» Das ist.der stärkste Anstieg unter diesen sechs größten Gewerkschaften, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die stärkste Zunahme in den Jahren
1951-57 (417 000) erfolgte.
Sowohl bei der Stahl- (USA) als auch bei der Autonobilarbeitergewerkschaft (UAYf) deckt sich die I.Iitgliederkurve weitgehend mit dem
konjunkturellen Trend, d.h., beide verzeichneten in der Rezessionsperiode 1957/58 erhebliche Rückgänge, während in der nachfolgenden
Aufschwungsperiode die Kurve wieder einem Aufwärtstrend folgte. Die
Automobilarbeitergewerkschaft hat seither, von geringeren Schwankungen abgesehen, einen stetigen Ilitgliederzuwachs zu verzeichnen gehabt,
wobei die Gesamtzahl auf etwas über 1 Million anstieg. Dennoch hat
diese einst stärkste amerikanische Gewerkschaft ihre 1953 erzielte
Ilitgliederspitze (1 418 000) nicht wieder erreichen können. Die Stahl»
arbeitergewerkschaft dagegen weist seit 1959 - 1'-"^" Spitzenjahr mit
1 250 000 Mitgliedern - einen beträchtlichen Rückgang auf, ••• i.ei
die hier vorgenommene Umstellung in der Mitgliedererfassung und -Zählung den Hauptfaktor bilden dürfte. Donn während in den früheren
Jahren auch sämtliche Mitglieder, die keine bzw. «mäßigte Beiträge
zahlten, als Vollmitglieder gezählt wurden* sind in den Aufstellungen der Jahre 1961 und 1962 nur die den vollen Beitrag entrichtenden
Mitglieder aufgeführt.
Auch bei den Gewerkschaften der Maschinenbauer und der Zimmerleute sind die Mitgliederzählen in den vergangenen Jahren stark rückläufig gewesen. So hat z.B. die IAM-Gewerkschaft seit 1958 rund 125 000
Mitglieder» die Zimmerleutegewerkschaft seit 1956 110 000 Mitglieder
verloren.
Größe und Struktur der Gewerkschaften
Im Vergleich zu den früheren Erhebungen hat sich die Größe der
einzelnen Gewerkschaften und die zahlenmäßige Rangfolge bei den nationalen und internationalen amerikanischen Gewerkschaften kann verändert!
Zu den 43 Gewerkschaften» die bei der letzten Erhebung mehr als
100 000 Mit lieder zählten, sind drei weitere, die Gewerkschaften der
Feuerwehrleute» der Regierungsangestellten und der Postbedlens äten,
hinzugekommen» während zwei Arbeitnehmerorganisationen» die Geverksohaft
der Pleisohkonservenarbeiter (98 000) und die der Berg- und Hüttenarbeiter (75 000), aus diesem Kreis ausgeschieden sind. (Tabelle 5)
Geringere Verschiebungen haben sich auch in der Rangordnung der
sechs größten Gewerkschaften ergeben, die jeweils mehr als 700 000
Mitglieder aufweisen« Die jetzt hinter der Iransportarbeitergewerksohaft
an zweiter Stelle stehende Autömobilarhsitergewerksohaft hat sich um
einen Platz verbessern und die Stahlarbeitergewerkschaft auf den dritten Platz verwei en können. Der vierte Bang wird immer noch von den
Maschinenbauern verteidigt» während die lektriker (iBLTf) sich auf
den fünften Platz vorschieben und damit die jetzt an sechster Stelle

- 7

�Tabelle 3
National« und internationale Gewerkschaften
mit mehr als 100 000 Mitgliedern
(Stand 1?62)
Gewerkschaft

Mitglieder

Gewerkschaft

Mitglieder

Transportarbeiter
1 457 252
(Teansters) (unabh.)

Zugbegleiter

196 000

Autoraobilarbeiter
(UAV)

Textilarbeiter (TVHJA)

183 000

878 516
867 759
793 000

Holzschliffarbeiter

174 062

Ölarbeiter

168 1 90

739 207
450 000
445 000

Groß- und Einzelhandel

159 356

Gummiarbeiter

1 58 344

Straßenarbeiter

152 691

Damenoberbekleidung
(iLGYnj)

441 000

Maurer

151 000

Steinträger
Bekleidungsarbeiter

429 279
376 000

Briefträger

1 50 114

Verkäufer
Fleischer

363 983

Postan-estellte
Sisenarbeiter

145 000
138 789

1 073 547

Stahlarbeiter (USA)
Mas chinenbauer
Elektriker (IBM)
Zimmerleute
Bergarbeiter (unabh.)
Hotelangestellte

Elektriker (UE) (unabh.) 163 000

333 023
Eisenbahn- und Schiff- 300 000
fahrtsangestellte
Betriebstechniker
296 503

Transportarbeiter
Straßenbahner

135 000
134 000

Papierarbeiter

130 125

Elektriker (IUE)

295 000

Rangierer

126 000

Gebäude-Dienstleistungsarbeiter

294 359

Kesselschmiede

125 000

Musiker

281 949
278 678

Drucker

11 5 604

Valzwerkarbeiter

110 87O

250 531

Feuerwehrleute

109 035

Öffentlicher Dienst

220 000

Kegierungsar.£e4teilte
(AFGE)

1 06 042

Anstreicher

196 487

Typographen

106 001

Telephon-,Telegraphenarbeiter
Klempner

- 8 -

�Stelle rangierende Zimmerleutegewerkscha. t überflügeln konnten.
Weibliche Mitglieder
Die Gesamtzahl der gewerkschaftlich organisierten weiblichen
amerikanischen Arbeitnehmer belief sich nach den beim "Amt für
Arbeitsstatistik" eingegangenen Berichten von 145 Gewerkschaften
und nach Schätzungen über den Mitgliederbestand von 56 weiteren
Organisationen auf annähernd 3,3 Millionen. Dttcit ist gegenüber
1960 ein Rückgang um 55 000 eingetreten, der jedoch das bisherige
Verhältnis zwischen weiblichen und männlichen Gewerkschaftsmit liedern (etwa 1»5) nicht veränderte. Infolge der erheblichen Zunahme
der Zahl weiblicher Arbeitskräfte hat sich jedoch das Verhältnis
zwischen gewerkschaftlich organisierten und nicht organisierten
weiblichen Arbeitnehmern von 1 J 6 (i960) auf 1*7 verschoben. Bei
den Männern dürfte das Verhältnis etwa 1*3 betragen, was ebenfalls
einem leichten Rückgang entspricht.
Tabelle 4
Anteil der weiblichen Mitglieder an der Gesamtmitgliederzahl

Gruppe

Sämtliche Gewerkschaften
Keine weiblichen Mitglieder
Unter 10 Prozent
Zwischen 10 u. 19,9 Prozent
Zwischen 20 u. 29,9 Prozent
Zwischen 30 u. 39,9 Prozent
Zwi chen 40 u. 49,9 Prozent
Zwischen 50 u. 59,9 Prozent
Zwischen 60 u. 69,9 Prozent
Zwischen 70 u. 79,9 Prozent
Zwischen 80 u. 89,9 Prozent
über 90 Prozent

Sämtliche Gewerkschaften
Anzahl der weibZahl
Prozent
liehen Mitglieder
in 1000

in $
100,0

181

100,0

5272

48

26,5
52,0

-

168

5,1

11 ,6

620

18,9

12

6,6

9,5

8 •
12

4,4 •
6,6

505
458

13,4

425

12,9

459
195

13,4

659
50

19,5

58
21

8

4,4

7
4

3,9
2,2

3

1,7

_

_

m

-

5,9
1,5
_

Während

�Während in 22 Gewerkschaften - auf die rund 2/5 aller weiblichen organisierten Arbeitnehmer entfallen - die weiblichen Mitglieder die Mehrheit bilden, liegt der Anteil der Frauen an der
Gesamtmitgliederzahl in 106 Gewerkschaften (rund 3/5 aller Gewerkschaften) zwischen 0 (48 Organisationen) und 10 Prozent. In den
drei Gewerkschaften, in denen die Frauen 80 und mehr Prozent der
Gesamtmitgliederzahl ausmachen, beläuft sich ihre Zahl insgesamt
auf rund 50 000.
Der überwiegende "Blue-collar"-Charakter der amerikanischen
Gewerkschaften kommt auch in der Arbeitsplatzstruktur der weiblichen
Mitgliedschaft zum Ausdruck. So entfallen zum Beispiel auf zwei Gewerkschaften der Bekleidungsindustrie (Amalgamated Clothing V.rorkers"
und "International Ladies' Garment Workers Union") allein etwa
17 Prozent aller weiblichen Gewerkschaftsmitglieder. Zu den anderen
Gewerkschaften mit einer großen Zahl weiblicher Mitglieder gehören
ferner die Elektrikergewerkschaft (IBEW), die Gewerkschaf en der
Hotel- und Restaurantangestellten, Verkäufer, Automobilarbeiter und
Telephon- und Telegraphenarbeiter.
Mitglieder aus den Angestelltenberufen
Die Zahl der in den Angestelltenberufen tätigen Arbeitnehmer
ist in den USA erstmals 1956 größer gewesen als die Zahl der in Industrie und Handwerk Beschäftigten. In dem Maße, wie sich die "Whitecollar"-Berufe in den folgenden Jahren ausweiteten, nahm auch der
Anteil dieser Beschäftigtengruppe an der Gesamtzahl aller verfügbaren Arbeitskräfte weiter zu, während die Zahl der "blue-collar1
workers" im gleichen Verhältnis zurückging. Die amerikanischen Gewerkschaftsführer haben in den vergangenen Jahren immer wieder darauf hingewiesen, daß die Arbeitnehmerorganisationen sich aus ihrer traditionellen "Blue-collar"-Orientierung lösen und sich in verstärktem Maße
um die Organisierung der Angestellten bemühen müßten, wenn sie nicht
künftig an Einfluß verlieren wollten. Dennoch haben sich die Mitgliederziffern für Angestellte seit 1956 nur unwesentlich geändert.
Mitglieder aus den
Angestelltenberufen

Anteil an der Gesamtmitgliedschaft

1956

2 463 000

13,6 i»

1958

2 184 000

12,2 fo

1960

2 192 000

12,2 °/o

1962

2 285 000

13,0 fo

Obwohl die 1962 für Gewerkschaftsmitglieder in Angestelltenberufen registrierte Ziffer von rund 2,3 Mio. im Vergleich zu 1 -60 um
93 000 höher liegt, so ist diese Zunahme doch relativ gering, wenn
man berücksichtigt, daß es heute rund 22 Millionen organisationsfähige
Arbeitnehmer in diesen Berufszweigen gibt. Au erdem entfallen etwa
2/5 dieser Zunahme allein auf zwei Gewerkschaften des öffentlichen

- 10 -

�öffentlichen Dienstes, die hier zum ersten Mal in einer Mitgliedererhebung in Erscheinung treten. Man kann also sagen, daß auf diesem
Sektor seit 1956 praktisch ein Stillstand eingetreten ist.
Mitgliedergewinne unter den Angestellten wurden 1962 bei den
Gewerkschaften für die Angestellten im öffentlichen Dienst, der Dienstleistungszweige und des Einzelhandels festgestellt, während Mitgliederrückgänge in zahlreichen führenden Gewerkschaften verzeichnet wurden, die ihre Mitglieder in erster Linie aus Wirtschaftszweigen mit
einer überwiegenden "Blue-collar"-Struktur rekrutieren.
Fast 2/3 aller Gewerkschaftsmitglieder aus den Angestelltenberufen ( 1 447 000) waren zum Zeitpunkt der Erhebung in nichtindustriellen Betrieben beschäftigt, während sich der Rest auf die öffentliche
Verwaltung (521 000) und die Fertigungsindustrie (317 000) verteilte.
Die Zugänge in der Verwaltung betrugen seit i960 rund 112 000 und in
den nichtindustriellen Zweigen der Wirtschaft 30 000. Diesen Zugängen
stehen Abgänge in der Fertigungsindustrie in Höhe von 49 000 Mitgliedern gegenüber.
Die Mitgliederstruktur in der Industrie
Seit der ersten Erhebung dieser Art im Jahre 1956 ist ein starker
Rückgang in der Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer
in der Industrie, ein geringerer in den nichtindustriellen Zweigen
der US-Wirtschaft eingetreten, denen ein geringer, aber stetiger Anstieg im öffentlichen Dienst gegenübersteht.
Verteilung der Gewerkschaftsmitglieder auf
die einzelnen Wirtschaftszweige

Jahr

Industrie

1956

8 839 000 48,8

8 350 000

46,1

1958

8 359 000 46,5
8 591 000 47,6
8 050 000 45,8

8 574 000

47,7
46,6

1960
1962

in Ja

Übrige Wirtschaft

8 375 000
8 289 000

in Ja

47,2

Öffentlicher
Dienst
915
1 035
1 070
1 225

000
000
000
000

in Ja

5,1
5,8

5,9
7,0

Der hohe Mitgliederverlust in der Industrie (800 000 seit 1956)
erklärt sich durch die erhebliche Einbuße an industriellen Arbeitsplätzen in diesem Zeitr&gt; um. Der Rückgang der Mitgliederzahl um 541 000 seit
1960 schließt einen Verlust von 308 000 Arbeitsplätzen in der Metallindustrie und von 136 000 Arbeitsplätzen in der Waggon- und Fahrzeugbauindustrie ein.
Drei große Wirtschaftszweige - Metall und Maschinenbau, Transportwesen, Hoch- und Tiefbau - vereinigen auch weiterhin die Masse der organisierten Arbeitnehmer der USA auf sich (mehr als 2/5). Zu den anderen Industriezweigen, in denen die Gewerkschaften über mehr als 1 Million Mitglieder verfügen, gehören« Nahrungsmittel und Tabak, Bekleidung und Leder, Waggon- und Fahrzeugbau, Gro - und Einzelhandel.
Tabelle 5
- 11 -

�Tabelle 5
M i t g l i e d e r s t r u k t u r d e r US-Gewerkschaften nach W i r t s c h a f t s z w e i g e n

Sämtliche
Wirtschaftszweig

Gewerkschaften
Mitglieder

Zahl

i n 1000

in

Sämtliche Gewerkschaften

181

Fertigungsindustrie

107

8 050

45,8

Nahrungsmittel, Getränke, Tabak

28

6,0

Textil, Bekleidung, Leder

24

1 045
1 226

7,0

Möbel, Holz, Papier

23

766

4,4

Druckerei und Verlag

559

2,0

Erdöl, Chemie, Gummi

15
20

491

2,8

Stein, Ton, Glas

18

269

1,5

Metall, Maschinenbau

58

2 585

Trans po rtaus rüs tungen

16

1 187

14,7
6,8

Verschiedene

25

123

0,7

103

8 289

47,2

Bergbau, Steinbrüche

11

552

2,0

Bauwirtschaft

28

15,8

Transport und Verkehr

47

2 417
2 572.

6

416

2,4

Öffentliche Versorgung

16

327

1,9

Handel

19

1 129

6,4

5

31

0,2

55

996

Landwirtschaft und Fischerei

7

36

5,7
0,2

Verschiedene

8

14

0,1

41

1 225

7,0

Andere Wirtschaftszweige

Fernmeldewesen

Finanz und Versicherung
Dienstleistung^ zweige

Öffentlicher Dienst

- 12 -

._1Z_5_64_

_!Q0 1 o_ ;

14,6

�Verbands Zugehörigkeit
Unabhängig

AFL-CIO
Firtschaftszweig

Mitglieder

Zahl

Mitglieder
i n 1000

i n &lt;$&gt;

i n 1000

in i

130

14 770

100.0

51

78

7 141

48,4

29

909

32,5

N a h r u n g s m i t t e l , Get r ä n k e , Tabak

18

596

4,0

10

449

16,1

Textil,Bekle idung,Leder

17

1 211

8,2

15

0,5

Möbel,Holz,Papier

18

735

5,0

31

1,1

Druckerei u.

11

312

2,1

47

1,7

Erdöl,Chemie,Gummi

16

382

2,6

7
5
4
4

5,9

Stein,

16

257

1,7

2

109
12

0,4

Metall, Maschinenbai

25

2 346

15,9

Transp ortausrüstungen

14

1 187

8,0

15
2

237
1)

8,5
1)

Versdi iedene

15

114

0,8

8

9

0,3

76

6 680

45,2

27

1 609

57,6

8

51

0,5

10,8

2 339

15,8

5
7

301

rv&gt;

Zahl

78

2,8

35

1 678

11,4

12

895

32,0

4

354

2,5

2

82

2,9

37

1,3

159

5,7

Sämtliche Gewerkschaften

Fertigungsindustrie

Ton,

Verlag
Glas

Andere Wirtschaftszweige
Bergbau, Steinbrüche
Sauwirtschaft
Transport und Verkehr
Fernmeldewesen

._2_Z9_4_ ..IQO^Q

Öffentl. Versorgung

11

291

2,0

Handel

14

970

6,6

5
5

3

28

0,2

2

3

0,1

28

975

6,6

5

21

0,7

Landwirtschaft u.Fischerei 4
Verschiedene
4

10

0,1

3

26

0,9

1)

4

8

0,3

14

277

9,9

Finanz und Versicherung
Dienstieistungszweige

Öffentlicher

0 weniger

Dienst

a l s 0,05

27

6
948

Prozent

6,4

( Q u e l l e : Monthly Labor Review,
Mai 1964, V o l . 8 7 , N r . 5 )
- 15 -

�Lawrence Rogin, Leiter der Abteilung Erziehung der AFL-CIO:
Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (i)
Vor etwa 1 50 Jahren begannen die jungen amerikanischen Gewerkschaften, auf örtlicher Ebene lose Zusammenschlüsse zu bilden und
ihre Kräfte zusammenzufassen, um die wirtschaftlichen Interessen
des Arbeiters - dauerhafte Beschäftigung, angemessene Löhne und Arbeitsbedingungen - besser vertreten zu können.
Diese Entwicklung war Teil des Vfachstumsprozesses der amerikanischen Demokratie. Und die amerikanischen Arbeiter waren weitsichtig genug, um zu erkennen, daß es die Demokratie über den Bereich
des Arbeitsplatzes hinaus auszudehnen galt. Die frühen zentralen
Gewerkschaftsbünde setzten sich sowohl politische als auch wirtschaftliche Ziele. Sie waren entschlossen, dafür zu sorgen, daß sich die
Verheißung der amerikanischen Demokratie auch unter den Bedingungen
der entstehenden Industriegesellschaft erfüllte. Das aber bedeutete,
daß man für Gleichheit der Chancen und für die Abschaffung der Klassenprivilegien einzutreten hatte.
Es war daher auch ganz selbstverständlich, daß sich die damaligen
Gewerkschafter die Forderungen der bekannten Pädagogen Horace Mann
und Henry Bernard zu eigen machten und ihren Kampf um ein allgemeingültiges, umfassendes öffentliches Erziehungssystem mit Nachdruck
unterstützten. SLer konnten ihre Auffassung schließlich gegen diejenigen durchsetzen, die Bildung als ein Privileg der Vermögenden verstanden wissen wollten und die in der Forderung nach freier, umfassender und gleicher Erziehung einen gefährlichen Angriff auf das
amerikanische System erblickten.
Seitdem haben die amerikanischen Gewerkschaften unablässig die
Forderung nach einem Höchstmaß an Chancen für alle auf dem Gebiet der
Bildung erhoben. Sie setzten sich für Schulpflicht und Schulgeldfreiheit, für die Einbeziehung des höheren Schulwesens in das öffentliche
Schulsystem, für die Einrichtung von Berufsschulen und akademische:
Berufsausbildung ein und forderten, daß das Einkommen der Eltern
niemals ein Hindernis für das Universitätsstudium sein dürfe.
Aber zwischen Absicht und Verwirklichung liegt ein weiter Weg.
Zwar ist die Gelegenheit zum Studium an Colleges und Universitäten
in den USA noch nie so günstig gewesen wie heute, nichtsdestoweniger
ist die wirtschaftliche Barriere für viele noch ein beträchtliches
Hindernis.
Erst kürzlich hat Francis Keppel, der Beauftragte der amerikanischen Regierung für das Erziehungswesen, dargelegt, daß jedes Jahr
zirka 100 000 bis 200 000 Oberschulabsolventen mit Hochschulbefähigung
meist aus finanziellen Gründen ihren Bildungsgang abbrechen müssen.
Und dabei steigen die Studienkosten weiter an, und zwar schneller als
die Einkommen der Arbeiter. Sowohl die öffentlichen als auch die privaten höheren Lehranstalten sahen sich in den vergangenen Jahren immer
wieder gezwungen, die Gebührensätze zu erhöhen, und alles spricht dafür, daß sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetzen wird.
Natürlich

- 14 -

�Natürlich nimmt die Zahl der Stipendiaten zu. Eine halbe Million Dollar wenden allein die Gewerkschaften für Stipendien auf,
die rund 1000 Studierenden zugute kommt. Aber alles in allem decken
Stipendien nur fünf Prozent der Gesamtaufwendungen aller Studierenden ab. Hinzu kommt noch, daß das durchschnittliche Jahresstipendium nicht einmal 200 Dollar ausmacht.
Als problematisch wird außerdem empfunden, daß die Stipendien
nur den hervorragendsten Begabungen zugute kommen. Davon ausgeschlossen bleiben jene Absolventen der High Schoala, die durch ihre
schulischen Leistungen klar den Kachweis erbracht haben, daß die
Fortsetzung ihrer Ausbildung sinnvoll wäre, und denen aus finanziellen Gründen das Studium verwehrt ist. Für sie muß eine andere
Losung gefunden werden.
Zur Kostenfrage kommt die Raumfrage hinzu. Mit anderen Worten:
es ist fraglich, ob Colleges und Universitäten über genügend Einrichtungen verfügen werden, um alle jungen Menschen aufzunehmen, die sich
zu immatrikulieren wünschen. Der US-Beauftragte für das ErziehungSwesen, Keppel, schätzt, daß die amerikanischen höheren Bildungsanstalten in den nächsten sieben Jahren Platz für zusätzliche 3 Millionen
Studenten schaffen müssen} das bedeutet mehr Hörsäle, mehr Laboratorien, mehr Büchereien u n d - das schwierigste Problem - mehr Dozenten!
Wachsende Kosten und verschärfte Aufnahmeverfahren erschweren
dem "guten" Studenten aus einer Familie mit niedrigem Einkommen den
Zugang zur College-Erziehung, während Studenten aus Familien mit hohem
Einkommen immer in der Lage sind, einen Studienplatz zu finden. Die
amerikanischen Gewerkschaften sind jedoch nicht bereit, Universitätsbildung als ein Vorrecht der Gutsituierten und Hochbegabten anzuerkennen. Sie betrachten die Gleichheit der Chancen auf dem Erziehungssektor
als wesentliches Kennzeichen einer demokratischen Gesellschaft, und im
Lauf der Zeit hat sich die amerikanische Gesellschaft diesen Grundsatz
auch mehr und mehr zu eigen gemacht. Die Gewerkschaften aber sind der
Meinung, daß jetzt die Zeit gekommen ist, einen Schritt weiter zu gehen.
Die Gewerkschaften haben sich fiti eine wesentliche Erhöhung des
Finanzaufwands für Bildungszwecke ausgesprochen. Ein Teil des Geldes
wird aus privaten Quellen fließen, und zwar in Gestalt der schon erwähnten Stipendien oder nennenswerter Beiträge von Stiftungen, Firmen,
und Einzelpersonen. Aber die Masse der Mittel wird durch den Staat aufgebracht werden müssen, und zwar vor allem durch Steuern der Einzelstaaten und des Bundes.
Wegen der unterschiedlichen Höhe des Steueraufkommens in den einzelnen Staaten haben sich die Gewerkschaften für ein stärkeres Engagement
des Bundes ausgesprochen. Sie sind der Meinung, daß der Zufall der Geburt an diesem oder jenem Ort für niemanden ein Hindernis sein darf,
sich der Erziehungseinrichtungen zu bedienen, die er für seine Person als
angemessen erachtet. Und es ist bekannt, daß das durchschnittliche ProKopf-Einkommen in unseren ärmsten Staaten weniger als die Hälfte des
Durchschnittseinkommens pro Kopf in unseren reichsten ausmacht.
Die

�Die Gewerkschaften halten es für richtig, daß den Universitäten und Colleges der größte Teil dieser Hilfe direkt gegeben wird,
falls überhaupt so etwas wie Chancengleichheit zustande kommen soll.
Nur auf diese Weise wird es gelingen, die Kosten so niedrig wie möglich zu halten. Vertreter der Gewerkschaften haben vor dem Kongreß und
in den Parlamenten der Einzelstaaten die Erweiterung der akademischen
Einrichtungen und eine angemessene Besoldung der Hochschullehrer gefordert. Außerdem bestehen sie weiter darauf, daß höhere Bildung gänzlich oder zum größten Teil kostenlos sein sollte und daß alle in Frage
kommenden Amerikaner einen rechtlich fixierten Anspruch darauf haben
sollten.
Die Gewerkschaften haben sich besonders damit befaßt, die Einrichtungen der höheren Bildung in den Arbeitergemeinden zu verbessern,
Das Campus-Leben ist sicherlich für den Bildungsprozeß von großer Bedeutung. Für Studenten, die sich das nicht leisten können und die nicht
zu den Stipendiaten gehören, muß man aber andere Möglichkeiten schaffen. Erfahrungsgemäß immatrikulieren sich Kinder aus Familien mit niedrigem Einkommen in bedeutend stärkerem Maße an Colleges, wenn sich
solche Anstalten im Wohnort des Studenten befinden.
Man hat darauf hingewiesen, daß die höhere Bildung in den Vereinigten Staateh unter zwei Gesichtspunkten betrachtet wird: Höhere Bildung
sei in erster Linie ein individuelles Vorrecht; der einzelne Student
sollte ein Maximum an Studienkosten selber tragen} und ziemlich strenge
Zulassungsbestimmungen sollten die Zahl der Studierenden klein halten.
Der zweite Gesichtspunkt betont primär den gesellschaftlichen
^
Wert höherer Bildung als Mittel zur Herbeiführung der Chancengleichheit für alle. Demnach wird es im Interesse des Fortschritts zwar für
richtig und notwendig gehalten, die Hochbegabten zu fördern, dennoch
wird die Erziehung der großen Zahl der weniger Begabten als nicht minder wichtig erachtet. Verfechter dieses Standpunktes pflegen niedrige
Studienkosten sowie eine großzügige Handhabung der Immatrikulation zu
empfehlen.
In dieser Diskussion stehen die Gewerkschaften eindeutig auf der
Seite der Befürworter möglichst großzügiger und umfassender Regelungen des Hochschulstudiums. Sie blieben damit ihrer seit 150 Jahren gepflegten Tradition treu.
Allerdings sollte das eine klar sein. Die Vertreter der Arbeiterbewegung sind keineswegs der Ansicht, daß jedes Kind aufs College gehen
sollte. Auch unter den besten Bedingungen wird es immer noch Millionen
von jungen Menschen geben, die nicht aufs College gehen v/ollen und es
auch nicht sollten. Unter diesen, das dürfte sicher sein, werden sich
viele begabte Schüler befinden. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil.
Die Arbeit, die in der Welt getan werden muß, verlangt Fähigkeiten aller Art, und diese jungen Menschen können ihren Beitrag für die Gesellschaft auf vielen Gebieten leisten, die keine College-Ausbildung voraussetzen. Die Gewerkschaften hoffen, daß viele von ihnen sich zu den
Facharbeiterberufen hingezogen fühlen, die so viele Gewerkschaftsmitglieder heute ausüben, (wird fortgesetzt)
(Quellet Eigenbericht)

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enth&amp;lt Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
I S I S Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 11

Bad Godesberg, den 1. November 1964

INHALTSVERZEICHNIS
Gezielte Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die
Pensionierung

Seite 1

Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (il)

Seite

8

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 11

Gezielte Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die Pensionierung
Die nachfolgenden Auszüge aus einem Bericht
des "National Industrial Conference Board"
über Programme der amerikanischen Industrie
zur Erleichterung des Übergangs aus dem
Berufsleben in den Ruhestand befassen sich
mit einem Thema, das auch in den anderen
Industrieländern immer mehr an Bedeutung
gewinnt: die psychologische Vorbereitung
der Arbeitnehmer auf die Zeit nach ihrer
Pensionierung. Welche V/ege in dieser Hinsicht von einigen amerikanischen Unternehmen beschritten wurden, sei hier an einigen Beispielen erläutert.
Graduelle Pensionierung
Die von der Industrie entwickelten Programme zur Vorbereitung
des Arbeitnehmers auf die bevorstehende Pensionierung gehen im
wesentlichen von der Annahne aus, daß ständige Hinweise auf die

- 1 -

�die Pensionierung und die laufende Unterrichtung über die sich
für ihn ergebenden Probleme eine gewisse Aktivität bei dem angehenden Pensionär auslösen und ihn veranlassen, eigene feste
Pläne für die Zeit nach seiner Pensionierung zu machen. Auf diese
Weise - so argumentiert man - wird sich die gesamte Umstellung
viel leichter vollziehen und v/eniger Schwierigkeiten für die einzelnen Arbeitnehmer mit sich bringen.
Eine Anzahl amerikanischer Industrieunternehmen haben nun diese
Logik noch einen Schritt weitergeführt! sie haben bereits praktische
Haßnahmen getroffen und die Arbeitszeit ihrer der Pensionierung entgegensehenden Mitarbeiter verkürzt, damit diese gewisse praktische
Erfahrungen mit vermehrter Freizeit sammeln und vielleicht auch Gelegenheit finden können, bestimmte Pläne für die Zeit nach der Pensionierung zu ventilieren.
Wenn auch die hier untersuchten Programme für eine graduelle
Gewöhnung an die Pensionierung im Detail etwas voneinander abweichen,
so verfolgen doch alle die gleichen Ziele.
Bei einem Teil dieser Unternehmen - einer Gruppe von insgesamt
16 Firmen, bei denen die Pensionierung bei Erreichen der Altersgrenze von 65 Jahren, obligatorisch ist - beginnt das "Gewöhnungsprogramm" vor dem normalen Pensionsalter. 15 dieser Unternehmen betrachten
dabei ihren Pensions-Vorbereitungsplan als einen festen Bestandteil
ihrer Sozialprogramme, denn mit einer Ausnahme zahlen alle den Mitarbeitern den vollen Lohn während der zusätzlichen Freizeit.
Bei den anderen fünf Unternehmen dagegen, wo die Pensionierungsgrenze bei 70 Jahren liegt oder überhaupt nicht festgelegt ist, setzt
die Vorbereitung erst nach Überschreiten der normalen Pensionierungsgrenze - also nach Erreichen des 65. Lebensjahres - ein, wobei die zusätzlich gewährte Freizeit nicht vergütet wird.
Die häufip;sten Programme

,

Die gebräuchlichste Form der Gewährung zusätzlicher Freizeit ist
bei den 16 Unternehmen mit einer -Pensionierungsgrenze von 65 Jahren
ein verlängerter Jahresurlaub, der entweder in voller Höhe im letzten
Jahr vor der Pensionierung genommen oder aber auf die letzten 2 oder
3 Jahre aufgeteilt werden kann. Eine weitere Möglichkeit ist uie Verteilung der zusätzlichen Urlaubstage auf einen Zeitraum von 3 bis 5
Jahren auf progressiver Basis. Der Plan eines Unternehmens sieht eine
Verkürzung der jährlichen Arbeitszeit für den angehenden Pensionär in
den letzten drei Jahren vor} allerdings wird hier nur ein Urlaub ohne
Bezahlung gewährt. Weitere vier Unternehmen nehmen dagegen eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit vor, wobei der Programmbeginn
zwischen einem Jahr und drei Monaten vor Erreichung der Altersgrenze
liegt.

&lt;L

-

�Tabelle 1
Regelungen durch Verlängerung der Freizeit

zu

Unternehmen

Erfaßte
Arbeitnehmergruppen

Urlaub mit
Bezahlun S
Sonder- Gesamt
urlaub
(NiDrmalvor der u.laonderPensio- ur laub)
nierung

Versicherung

v .Aufsichtspersonal
aufwärts

2 Monate 3 !üionate

im letzten Jahr

die 3 Mon.
sind auf
einmal zu
nehmen

Versicherung

alle mit 20
u. mehr
Dienstjahren

2 Monate keine

in den
letzten
zwei
Jahren

nu r 1 Mo n .
darf bis
z . letzten
Vierteljahr
aufgespart
werden

Versicherung

alle

6 Wochen 10 ''lochen

im letzten Jahr

keine

Versi cherung

alle mit 10
u. mehr
Dienstjahren

6 Wochen
£&lt;sstaffeit nach 7 Wochen
D:Lenst0 Wochen
zeit

im 63 • &gt;
im 64 •»
im 65 .
Lebensjahr

keine

Versicherung

alle

2 Monate

3 Monate

in den
letzten
drei
Jahren

keine

2 Wochen

6 Wochen

4 Wochen

8 Wochen

im 61 . u.
62.,
im 65 . 65.Lebens
Jahr

mind. 4 Wochen im 61 .
u. 62 .Lebensjan:, der
Rest auf zwei
mal

1 Woche
2 Wochen

4 Wochen
5 Wochen
6 Wochen
7 Wochen

im 61 .,
im 62 .,
im 63•j
im 64•,
im 65 •
Lebensjahr

Gesamter Sonderurlaub ist
anschl. an
Jahresurlaub
zu nehmen

Angaben

f
Fertigungsbetrieb

Angestellte

Fertigungsbetrieb

v.Vorarbeiter
aufwärts

3 Wochen
4 Wochen
5 Wochen

8 7'ochen

nenmen

Einschränkungen

�Unternehmen

Erfaßte
Arbeitnehmergruppen

Urlaub mit
Bezahlung
SonderGesamt
(Normalurlaub
u .Sondervor der
urlaub)
Pensionierung

Fertigungsbetrieb

Konzernverw.
u. ein Produktionsbetrieb

3-4
6-8
Wochen*
Wochen*

im letzten Jahr

Sonderurlaub ist
auf einmal
zu nehmen

Fertigung sbetrieb

v. Vorarbeiter aufw är t s

1
2
3
4
5

Sonderurlaub ist
auf einmal
zu nehmen

Fertigungsbetrieb

Angestellte
u. J0&gt;i der
Produktionsarbeiter

3-4
Wochen

im 61.,
im 62 .,
im 63•,
im 64 • &gt;
im 65 •
Lebensjahr
im letzten Jahr

Woche
Wochen
Wochen
Wochen
Wochen

5
6
7
8
9

Wochen
Wochen
Wochen
Wochen
Wochen

6-8
Wochen

zu
nehmen

Einschrän
kungen

nach Vereinbarung

* Für leitende Angestellte bis zu 6 Wochen Sonder- und 12 Wochen
Gesamturlaub

�Die meisten Pläne dieser Unternehmen sehen keine Geldleistungen
anstelle des zusätzlichen Urlaubs oder eines Teils desselben vorl).
"Entweder der ältere Mitarbeiter nimmt den zusätzlichen Urlaub, oder
aber er verliert ihn", ist hier die Einstellung der Unternehmen.
Diese Praxis entspricht auch ganz den Absichten solcher Programme,
denn wenn ein angehender Pensionär seine zusätzliche Freizeit nicht
in Anspruch nimmt, können auch die beiden Hauptziele nicht erreicht
werden: Er selbst erhält keinen Vorgeschmack von der größeren Muße,
und sein Nachfolger hat keine Gelegenheit, sich mit den Funktionen
und Pflichten seines neuen Postens vertraut zu machen.
Diese harte Alternative des "Nimm oder verliere es !" ist Ausdruck
der Erfahrungen mit einem Programm, bei dem nicht genommener Urlaub
automatisch vergütet wird. Im Rahmen dieses Programmes nämlich wählten
95 Prozent aller Mitarbeiter das Geld anstelle des Urlaubs. Allerdings
ging es dem Unternehmen dabei weniger um die hier angesprochenen Ziele
als vielmehr darum, seinen älteren Mitarbeitern eine Möglichkeit zu
geben, sich einmal diejenigen Plätze im Land anzusehen, die als Wohnsitz für die Zeit nach ihrer Pensionierung in Frage kommen.
Die anderen Pläne
Die Pensionierungsprogramme der Unternehmen, bei denen das Pensionsalter über 65 Jahren liegt oder nicht festgesetzt ist, sehen ebenfalls eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit bzw. des Arbeitsjahres vor. Die drei Unternehmen in dieser Gruppe, die einen allmählichen Abbau der jährlichen Gesamtarbeitszeit durch die Gewährung eines
unbezahlten Urlaubs vornehmen, beginnen damit ab 66. Lebensjahr. Die
Herabsetzung der Arbeitswoche geschieht dagegen in der Regel dadurch,
daß der betreffende Arbeitnehmer auf Teilarbeitszeit (pro Arbeitstag
oder pro Arbeitswoche) gesetzt wird. Die Zahl der Wochenstunden wird
aber so bemessen, daß er in dem Genuß der ihm sonst zustehenden staatlichen Sozialleistungen bleibt.
Ein anderes stark beachtetes Pensionierungsprogramm wiederum verbindet die "Peitsche" des Zwanges mit dem "Zuckerbrot" des finanziellen
Anreizes. Die "Peitsche" ist dabei der "Zwangsurlaub" ohne Bezahlung 1 Monat Urlaub ohne Bezahlung im ersten Jahr, 2 Monate im zweiten Jahr das "Zuckerbrot" ist die höhere Pension, die alle Mitarbeiter erhalten,
die über das 65. Lebensjahr hinaus weiterbeschäftigt werden - 8 Prozent
mehr bei einer Pensionierung im Alter von 66 Jahren, 17 Prozent mehr
bei 67, 2'6 Prozent mehr bei 68. 37 Prozent mehr bei 69 und 48 Prozent
mehr bei 70 un(l mehr Jahren 2 ' .
1/ Nur in solchen Fällen, in denen der Betreffende aus bestimmten Gründe
nicht in der Lage ist, den Urlaub zu nehmen, oder das Unternehmen ihn
ersucht, darauf zu verzichten, erfolgt bei den meisten Plänen eine
finanzielle Ablösung.
2) Diese Steigerung entspricht etwa der Pensionssumme, die normalerweise
ab 65. Lebensjahr zur Auszahlung gekommen wäre.

�In einem weiteren Unternehmen erstreckt sich das Programm der
zwangsweisen graduellen Pensionierung nur auf die leitenden Angestellten. Hier erhalten diejenigen Mitarbeiter, die die Altersgrenze
von 65 Jahren erreichen, eine Pension - ob sie in den Ruhestand
treten oder nicht. Entscheidet sich ein leitender Angestellter für
die Weiterarbeit, dann muß er jährlich einen zusätzlichen Monat unbezahlten Urlaubs nehmen und nach Erreichen des 70. Lebensjahres
ganz ausscheiden.
In einem anderen Unternehmen dieser Gruppe beträgt das Pensionsalter für männliche Mitarbeiter 65 und für weibliche 60 Jahre. Es
kann jedoch um jeweils fünf Jahre überschritten v/erden. Nach Angaben
dieser Firma haben rund 90 Prozent ihrer Mitarbeiter nach Erreichen
der Pensionierungsgrenze den Wunsch, weiterzuarbeiten - die meisten
sogar bei voller Arbeitszeit. Ist die Geschäftsleitung jedoch der
Ansicht, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit im Interesse des betreffenden Mitarbeiters liegt, dann ist dieser gehalten, in der Fünfjahresperiode jedes Jahr zusätzlich unbezahlten Urlaub zu nehmen.
Anscheinend ist dieses Programm der zwangsweisen Verkürzung der
Arbeitszeit bei den älteren Mitarbeitern nicht sehr populär, denn die
meisten würden es vorziehen, mit voller Kraft bis zu ihrer Pensionierung zu arbeiten. Ein Grund für diese Einstellung mag darin zu sehen
sein, daß dieses Unternehmen statt der sonst üblichen privaten Pensionspläne für seine Mitarbeiter einen Gewinnbeteiligungsplan durchführt, der aber nur Eonus Zahlungen bis zum Ausscheiden des jeweiligen
Mitarbeiters vorsieht.
Die beiden restlichen Programme in dieser Gruppe sind eher als
Teilarbeitszeitpläne denn als Pensionierungspläne anzusprechen. Sie
sehen Teilarbeitszeit für die Pensionsberechtigten vor, um diesen Gelegenheit zu geben, sich ein zusätzliches Einkommen pro Jahr bis zu
1200 Dollar zu verdienen.
Bei dem einen Programm haben die Produktionsarbeiter und das Wartungspersonal im Alter von 65 die Wahl zwischen drei Möglichkeiten*
Pensionierung, Weiterbeschäftigung bei voller Arbeitszeit, Übergang
auf Teilarbeitszeit (Die normale Arbeitszeit beträgt in diesem Fall
2 Tage pro Woche) . Weitere Sozialleistungen werden ihnen in Form einer
Lehensversicherung in Höhe von 1000 Dollar sowie einer allgemeinen
Krankenversicherung gewährt. Diese Leistungen erlöschen jedoch nach
Erreichung der Zwangspensionierungsgrenze, die hier ebenfalls bei 70
Jahren liegt.
Bei dem anderen Programm schließlich bemüht sich das Unternehmen
in der Zeit kurz vor dem Erreichen des durchschnittlichen normalen
Pensionsalters (Männer 65, Frauen 62;, die betreffenden Arbeitnehmer
im Betrieb um- und so einzusetzen, daß sie bei Teilarbeit in der Lage
sind, zusätzlich zu ihrer staatlichen Altersrente pro Jahr bis zu
1200 Dollar (Steuerfreigrenze) zu verdienen. Gleichzeitig werden sie
ermuntert, diese Tätigkeit beizubehalten. Zwangspensionierungsvorschriften bestehen bei diesem Programm indessen nichtj rund 70 Prozent
aller Arbeitnehmer dieses Betriebs bleiben über das normale Pensionsalter hinaus berufstätig.

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�Tabelle 2
Regelungen durch Verkürzung der Arbeitswoche

Unternehmen

Erfaßte
Mitarbeiter
im Pensionsalter

Anzahl der
freien
Wochentage

Finanz

alle

in den
nur Freitag oder
letzten
Montag
6 Monaten

Versicherung

alle

im letzten nur Freitag oder
Jahr
Montag

Fertigungsbetrieb

alle

im viertletzten
Monat
im drittletzten
Monat

gültig

Einschränkungen

.keine

im vorletzten
Monat
im letzten
Monat
Fertigungsbetrieb

im drittletzten
Monat

ausgewählte
Angestellte

keine

im vorletzten
Monat
im letzten
Monat
Individuallösungen
Um die in leitenden Positionen tätigen Angestellten auf die vermehrte Freizeit nach ihrer Pensionierung vorzubereiten, haben zahlreiche Unternehmen individuelle, auf die besonderen Verhältnisse und
Probleme des angehenden Pensionärs abgestimmte Übergangs Programme entwickelt, die in der Regel keine starre Form aufweisen, sondern recht
flexibel und informell gestaltet sind. So ist man bei einigen Unternehmen dazu übergegangen, den Nachfolger des betreffenden leitenden
Angestellten 1 bis 2 Jahre vor dessen Pensionierung einzuarbeiten, wo-

- 7-

�wobei nach einer gewissen Periode der Zusammenarbeit und Einarbeitung sukzessive immer mehr Verantwortungen auf den Nachfolger übergehen. Zu den anderen Möglichkeiten zählen: Übertragung gewisser ziviler Projekte des Unternehmens an den zur
Pensionierung anstehenden leitenden Angestellten} Gewährung
eines Urlaubs während der letzten Monate vor dem Ausscheiden;
Einfrieren des Gehalts auf einem bestimmten Niveau bei gleichzeitiger Gewährung von längerem Urlaub} Verminderung des Jahreseinkommens durch Zwangsurlaub ohne Bezahlung} und Umsetzen auf
Teilarbeit.

(Quelle; Monthly Labor Review,
Juli 1964, Vol. 87, Nr. 7)

Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (II)
Amerikanische Gewerkschafter machen nur allzu oft die Erfahrung,
daß der gebildete Lurchschnittsamerikaner keine Vorstellung von der
Rolle der Gewerkschaften in der industriellen Gesellschaft besitzt.
So sind etwa Lehrer - um nur ein Beispiel zu nennen - in der Regel
kaum oder nur mangelhaft über den Beitrag der amerikanischen Gewerkschaften zur Entwicklung des öffentlichen Erziehungswesens in den USA
orientiert.
Die Gewerkschaften haben nun keineswegs die Absicht, von den Universitäten zu verlangen, daß sie ihre Studenten zu überzeugten Anhängern der Gewerkschaftsbewegung machen. Aber sie glauben doch erwarten zu dürfen, daß jeder gebildete Amerikaner eine gewisse Vorstellung von einer der bedeutendsten demokratischen Institutionen
der Gesellschaft, in der er lebt, besitzt und daß er somit in der
Lage ist, sich ein auf Wissen gegründetes Urteil in gewerkschaftlichen Fragen zu bilden. Sicherlich gibt es Universitäten, die in
der Verbreitung von Kenntnissen über die amerikanische Industriegesellschaft Beachtliches leisten. Aber viel zu groß ist noch die
Zahl der Universitäten, denen das Thema Gewerkschaften zu heikel
erscheint, als daß sie es für objektiv darstellbar halten könnten.
Der Auftrag der Universitäten erstreckt sich jedoch nicht allein
auf die Lehre, sondern auch auf die Forschung, und die Gewerkschaften
hoffen und würden es begrüßen, wenn sich ein Teil der Forschung auf
Probleme konzentrieren würde, die für Millionen amerikanischer Arbeiter
unmittelbar von Interesse sind, wie zum Beispiel das Phänomen der
Arbeitslosigkeit im allgemeinen oder das Sonderproblem der technologischen, im Gefolge der Automatisierung auftretenden Arbeitslosigkeit.
In gewissem Sinne wurde diese Arbeitslosigkeit ja unter Mitwirkung
der Universitäten geschaffen; Es steht außer Frage, daß die Auto-

- 8-

�Automation in ihren mannigfachen Spielarten das Ergebnis der
Anstrengungen hochqualifizierter Wissenschaftler und Techniker ist,
die ihr Wissen an den Universitäten erwarben und die heute zumeist
in deren Auftrag tätig sind. Wichtig und unbestritten ist der Beitrag der Universitäten in der Schaffung der Arbeitsvoraussetzungen
für die Wissenschaftler. Kur - es ist mindestens ebenso wichtig,
daß dieselben Universitäten auch die Voraussetzungen für die Erforschung sozialer Tatbestände schaffen, die die unmittelbare Folge
des von ihnen mitbewirkten technischen Wandels sind.
Die amerikanischen Hochschulen haben schon immer eine Verpflichtung darin gesehen, ihre Erziehungstätigkeit über ihren eigenen Bereich
hinaus auf die Gemeinschaft auszudehnen. So betrachteten hervorragende
Universitätslehrer ihre Institutionen als dynamische Instrumente, die
im Dienste der Gesellschaft deren materielle und soziale Probleme lösen
helfen sollten. Das setzte allerdings voraus, daß sich die Hochschulen
in die Gesellschaft einfügten, und es setzte eine Organisation voraus,
mit deren Hilfe die Ergebnisse der Forschung in der Praxis anwendbar
wurden.
Aus dieser Erkenntnis entstanden Erwachsenenbildungsprogramme.
Dabei wurden Unterrichtsmethoden entwickelt, durch die praktisch alle
Gruppen mit einem breiten Themenkreis bekannt gemacht werden konnten,
und die Wahl der Themen richtete sich wiederum nach den Bedürfnissen
dieser Gruppen.
Historisch gesehen, wurde dieses Verfahren zunächst auf die Landwirtschaft angewandt, weil sie zu jener Zeit unbestrittenen Vorrang in
der amerikanischen Wirtschaft besaß. So hat sich zwischen Landwirtschaft
und Universitäten schließlich eine Verbindung entwickelt, die sich als
Modell in der ganzen Welt bewährt hat.
Aber die Hochschulen stehen auch im Dienst anderer Gruppen der
amerikanischen Gesellschaft. Es gibt kaum eine bedeutende Universität,
die sich nicht auch den Bedürfnissen der Industrie und der Geschäftswelt angepaßt hat. Dagegen erkannten die Universitäten erst ziemlich
spät, daß sie auch für die Arbeiterschaft einen Bildungsauftrag zu
erfüllen hatten.
Für eine Reihe von Universitäten waren die Gewerkschaften zu umstritten. Andererseits war man sich in akademischen Kreisen auch nicht
ganz sicher, ob man von den Gewerkschaften akzeptiert werden oder über
die geeigneten Lehrmethoden verfügen würde. Denn schließlich besaßen
zahlreiche Gewerkschafter nicht einmal eine abgeschlossene überschulgeschweige denn eine College-Ausbildung. Viele Universitäten hatten
sich um die Probleme der Arbeiter einfach nicht gekümmert} sie verfügten
daher auch nicht über die iiittel, um sich Arbeitern gegenüber verständlich zu machen.
Das beträchtliche Anwachsen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
zwischen 1935 un&lt;l 1945 hatte u.a. die Beseitigung dieser Unklarheiten
zur Folge. Die Gewerkschaften waren ein solch bedeutender Faktor der amerikanischen Gesellschaft geworden, daß man schlechterdings nicht umhin
konnte, sie zum Studienobjekt zu machen. Und die Gewerkschaften wandten

- 9-

�wandten sich nun auch von sich aus besonders an die in den Industrieregionen liegenden Universitäten und baten um Unterstützung. Die Folge
davon war, daß die Universitäten in den vergangenen 20 Jahren langsam
dazu übergingen, besondere BildungsProgramme für Gewerkschafter einzurichten. Heute sind bereits 25 Hochschulen an diesem Projekt beteiligt und jedes Jahr stoßen weitere hinzu. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Institute, die ihren Standort in Industriezentren
haben. Aber auch solche berühmte private Universitäten wie Harvard,
die Universität Chicago und die Roosevelt-Universität gehören dazu.
Die von den Universitäten eingerichteten Lehrprogramme für Gewerkschafter unterscheiden sich zwar nach Umfang, Thematik und Form, aber
man kann noch von keinem behaupten, daß es den Standard der für andere
Zweige der amerikanischen Gesellschaft geltenden Programme erreicht.
Einige Hochschulen benötigten zudem viel Zeit, um zu der Erkenntnis
zu kommen, daß man in der Arbeiterbildung - ebenso wie in der kaufmännischen und in der landwirtschaftlichen Ausbildung - Spezialisten
braucht. Darüber hinaus waren anfänglich erhebliche Mängel in der Zusammenarbeit und gegenseitigen Beratung von Universitäten und Gewerkschaften festzustellen, so daß es nicht zu einem fruchtbaren Erfahrungsaustausch kommen konnte. Außerdem wurde nur in seltenen Fällen soviel
Geld für diese Programme aufgebracht wie erforderlich gewesen wäre, um
überhaupt einen nennenswerten Effekt zu erzielen.
Die Universitäten richteten in der Hauptsache ein- bis zweiwöchige
Sonderkurse ein, aber man hat auch schon mit Kursen von bis zu 13
Wochen Dauer experimentiert. Teilnehmer waren Gewerkschaftsführer sowie
einfache Mitglieder. Die Lehrer kamen von den Fakultäten der Universitäten oder waren Fachleute oder Angehörige der Gewerkschaften. Die
Thematik bildeten Tagesfragen, 7/irtschaftsfragen, Fragen des internationalen Handels oder Probleme grundsätzlicher Art.
Zwar bleibt noch viel zu tun, aber man kann doch sagen, daß die
Erfahrungen im ganzen positiv sind, und zwar sowohl für die Gewerkschaften als auch für die Universitäten. Der Effekt dieser Bildungsprogramme kommt der Gesamtgesellschaft zugute. Universitäten und Gewerkschaften aber haben ihre Auffassung bekräftigt, daß höhere Bildung
nicht nur für Gelehrte,• sondern für alle Menschen da ist. Und George
Meany, Präsident der AFL-CIO, hat kürzlich die gewerkschaftlichen
Erwartungen in der Frage der höheren Bildung wie folgt zusammengefaßt*
"Die Gewerkschaften erwarten, daß die höhere Bildung allen zugänglich
gemacht wird - den jungen Menschen, ungeachtet des Einkommens oder der
Intelligenz, der Gesellschaft als Mittel zur Ausbildung einer Führungselite als Garanten des wirtschaftlichen und sozialen Fortschritts, den
arbeitenden Mensohen als Hilfe in ihrem Streben nach höheren Leistungen
am Arbeitsplatz und im öffentlichen und gewerkschaftlichen Leben."

(Quelle» Eigenbericht)

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Beschäftigungs- und Einkommensgarantie auf Lebenszeit
Eine Beschäftigungs- und Einkommensgarantie auf Lebenszeit sowie
höhere allgemeine Sozialleistungen - das sind die wesentlichen lohnpolitischen Forderungen des Jahreskongresses der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft (USA), der kürzlich in Atlantic City abgehalten
wurde.
In der von den Delegierten mit überwältigender Mehrheit angenommenen sozialpolitischen Resolution wird darauf hingewiesen, daß sich
auf Grund der geringeren Beschäftigungsmöglichkeiten in der Industrie
immer stärker die Forderung nach weniger strengen Pensionierungsvorschriften und höheren Pensionsleistungen erhebe. Die Auswirkungen der
Automation auf einen immer größeren Arbeitnehmerkreis unterstreichen
die Notwendigkeit des Ausbaus der Arbeitslosen- und anderer Verdienstfortfall Versicherungen.
Von den rund 900 000 Stahlarbeitern werden nach dem letzten Stand
etwa 800 000 durch private Pensionspläne erfaßt: nur 79 000 Arbeitnehmer
der Stahlindustrie arbeiten dagegen in Betrieben, in denen keine zusätzlichen Sozialleistungen gewährt werden.
In verschiedenen Referaten unterstrichen die Delegierten des Kongresses ihre Entschlossenheit, um höhere Löhne, mehr Freizeit zu Muße
und Erholung sowie bessere berufliche Entwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für ihre Mitglieder zu kämpfen. Wörtlich heißt es in der
Resolution: "Vor allem müssen wir uns für die Verwirklichung des Prinzips einsetzen, daß ein Stahlarbeiter ein Mensch ist, der nicht nur
ein Recht auf diesen oder jenen sozialen Schutz oder auf diese oder
jene Sozialleistung hat, sondern auf den totalen Schutz seines Einkommens, seiner Würde, ja seiner beruflichen Karriere."
David I. McDonald, der 1. Vorsitzende der Stahlarbeitergewerkschaft,
erklärte in diesem Zusammenhang, daß die "totale"Arbeitsplatzsicherheit
nicht über Nacht erreicht werden könne. Neue Ideen wie diese brauchten
Zeit, um sich durchzusetzen. Sie werden-aber mit Sicherheit bei künftigen
Tarifverhandlungen eine immer größere Rolle spielen.
Neue Vertragsverhandlungen in der amerikanischen Stahlindustrie
werden allgemein für Anfang nächsten Jahres erwartet, da das derzeitig
gültige Abkommen eine Wiederaufnahmeklausel enthält, die es der Gewerkschaft ab 1. Januar 1965 gestattet, nach einer Ankündigungsfrist von
120 Tagen erneut über die Tarife zu verhandeln.
(Quelle: Eigenbericht)
#

- 11

�Kaiser-Gewinnbeteiligungsplan sehr erfolgreich
Seit Unterzeichnung des zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft
und der "Kaiser Steel Corporation" abgeschlossenen Gewinnbeteiligungsplanes vor 18 Monaten haben die Arbeitnehmer des Unternehmens schon
Prämien in Höhe von 5 Mio« Dollar ausgezahlt bekommen. Da das Abkommen
vorsieht, daß sämtliche durch Rationalisierung erzielten Produktionsgewinne zwischen Unternehmen und Arbeitnehmern im Verhältnis 2:1 aufgeteilt v/erden, ergibt sich somit auch ein zusätzlicher Gewinn für
Kaiser in Höhe von 10 Mio. Dollar.
Die Bonusentwicklung ist in den vergangenen eineinhalb Jahren
recht unterschiedlich gewesen. Nach relativ hohen Prämienzahlungen
in den ersten Monaten - mit 100 Dollar wurde im Juni 1963 die bisherige Spitze erklommen - ergab sich ein stetiger Rückgang, wobei im
April 1964 mit 9 Cent pro Arbeitsstunde der niedrigste Stand erreicht
wurde. Seit diesem Zeitpunkt jedoch folgten die Bonusse wieder einem
Aufwärtstrend. Mit 47 Dollar erreichten sie im Juli den bisher höchsten
Stand in diesem Jahr.
Der Prämienrückgang ist nach Angaben des Unternehmens durch umfassende - von Zeit zu Zeit notwendige - Reparaturarbeiten sowie, in
Verbindung damit, durch die geringere Kapazitätsausnutzung bedingt
gewesen.
Sowohl die Stahlarbeitergewerkschaft als auch die Unternehmensleitung zeigten sich über die bisherigen Erfahrungen mit dem neuartigen Gewinnbeteiligungsplan sehr befriedigt.
So wurden nach Angaben der Unternehmensleitung bisher über 100
Produktionsarbeiter-Ausschüsse mit dem Ziel gebildet, die Produktivität in den einzelnen Abteilungen zu erhöhen, und über 400 Verbesserungsvorschläge von Mitarbeitern eingereicht, von denen 94 angenommen wurden. Auch durch eine sorgfältige Pflege der Produktionseinrichtungen und Maschinen konnten beträchtliche Einsparungen erzielt
und die Ausfallzeiten wesentlich vermindert werden.
Äußerte sich Edgar F. Kaiser, der Präsident des Unternehmens, zu
dem Gewinnbeteiligungsplan: "Die bisherigen Erfahrungen sowohl als
auch die Einstellung der Mitarbeiter sind sehr positiv. Die monatlich
erzielten Einsparungen haben uns und auch die Gewerkschaft überrascht."

(Quelle: Eigenbericht)

»

Bergarbeiter-Wohlfahrtsfonds zahlte fast 2 Mrd. Dollar aus
Seit der Errichtung ihres Wohlfahrtsfonds (1946) hat die Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft fast 2 Mrd. Dollar an ihre im Stein-

- 12 -

�Steinkohlenbergbau tätigen Mitglieder und deren Familienangehörigen in Form verschiedener Sozialleistungen ausgezahlt.
Den größten Posten stellen mit fast 1,0 Mrd. Dollar die
Pensionsleistungen dar, während sich die Unterstützungsleistungen
bei Krankenhausaufenthalt oder Krankheit auf über 750 Hillionen
Dollar belaufen.
Wie aus den kürzlich veröffentlichten Jahresbericht des Fonds
weiter hervorgeht, kamen seit Leistungsaufnahme (1948) bisher
106 542 Bergarbeiter in den Genuß von zusätzlichen Pensionsleistungen,
die bis zum 50« Juni 1964 eine Gesamthöhe von 960,5 Mio. Dollar erreichten - was einer täglichen Auszahlung von 175 747 Dollar entspricht. Am Ende des Berichtsjahrs 1965/64 bezogen insgesamt 64 658
Bergarbeiter Pensionen, mehrere tausend von ihnen bereits seit 1948.
Ein amerikanischer Bergarbeiter, der diese Pension von September 1948
bis Juni 1964 bezog, erhielt den Bericht zufolge eine Gesamtsumme von
17 175 Dollar.

(Quelle: Eigenbericht)

* * # . &lt; *

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material Über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeltsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVII - 12

Bad Godesberg, den 1. Dezember 1964

INHALTSVERZEICHNIS

Technologische Betriebsumstellungen und die
Auswirkungen auf die Arbeitnehmer

Seite

1

Probleme des technischen Wandels müssen
fortschrittlich gelöst werden

Seite

14

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

18

Technologische Betriebsumstellungen und die Auswirkungen auf die
Arbeitnehmer

Die Ergebnisse einer Untersuchung in fünf Industrieunternehmungen
Vorbemerkungen

Es besteht in den USA allgemein Übereinstimmung darüber, daß die
mannigfaltigen Auswirkungen der technologischen Veränderungen, langfristig gesehen, positiv sind und sich unter anderem in einer höheren
Arbeitsproduktivität, einer größeren wirtschaftlichen Wachstumsrate,
mehr Arbeitsplätzen sowie höheren Löhnen und Sozialleistungen niederschlagen. Über die kurzfristigen Auswirkungen, insbesondere jedoch
über den Preis, den der einzelne durch die Technik von seinem Arbeitsplatz verdrängte Arbeitnehmer hierbei zu zahlen hat, sind die Vorstellungen im allgemeinen weniger klar und bestimmt.
Um die Auswirkungen der Automation auf die Arbeitsplatzstruktur
und auf den beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Status der einzelnen Arbeitnehmer näher zu erforschen, hat das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik zwischen April 1962 und Mai 1963 fünf verschiedene

- 1 -

�verschiedene Analysen in solchen Unternehmen durchgeführt, in denen die
technische Umstellung entweder eine Stillegung einzelner Werke oder aber
Massenentlassungen zur Folge hatte. Dabei zeigte sich allgemein, daß es
vielen von ihren Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitnehmern selbst in jenen Teilen der USA sehr schwerfiel, einen neuen Arbeitsplatz zu bekommen,
wo die Arbeitsmarktlage relativ günstig war. Andere wiederum mußten beträchtliche wirtschaftliche Härten und eine lange Zeit der Arbeitslosigkeit in Kauf nehmen. Diese Feststellungen gelten insbesondere für die älteren Arbeitnehmer, die Frauen und die Arbeiter mit dem niedrigsten Bildungsniveau und dem niedrigsten beruflichen Leistungsstandard. In den meisten Fällen wurden die Arbeitsplatzverdringten bei der Arbeitsuche von
ihren ehemaligen Arbeitgebern nur wenig unterstützt, so daß sie weitgehend
auf persönliche Beziehungen und Kontakte zu Freunden und Verwandten angewiesen waren.
Eine beträchtliche Anzahl der Automationsverdrängten gab die Suche
nach einer neuen Beschäftigung auf, während die meisten von denen, die
einen neuen Arbeitsplatz fanden, weniger verdienten - zum Teil sogar sehr
viel weniger - und auch erhebliche Einbußen an Sozialleistungen und den
Verlust ihrer Senioritätsansprüche hinnehmen mußten.
Umsetzungen innerhalb des Unternehmens wurden den betroffenen Arbeitnehmern nur in zwei der fünf Unternehmen angeboten, wobei die Umsetzung
auf Grund einer tarifvertraglichen Vereinbarung erfolgte. Selbst in dem
einen Fall, in dem eine Transferierung bei Erhaltung der Senioritätsansprüche angeboten wurde,, machten nur 20 Prozent der Arbeitnehmer von dieser Möglichkeit Gebrauch. Die wichtigsten Gründe für die Ablehnung des
Angebots durch die Arbeitnehmer waren: hohe Umzugskosten, Eigenheimbesitz,
Arbeitsplatz der Ehefrau, Schulbesuch.der Kinder, familiäre und gesellschaftliche Bindungen, Furcht vor künftigen Entlassungen.
Die einzelnen Fälle
Die durchgeführte Untersuchung erstreckte sich auf fünf verschiedene
Industriebetriebe (Erdölraffinerie, Automobilzulieferungswerk, Glasbehälterfabrik, Bodenbelaghersteller, Eisenhütte), in denen zwischen Juli 1960
und Juni 1962 insgesamt 3000 Arbeitnehmer entlassen worden sind. .Die meisten dieser Betriebe waren im Mittelwerten der USA ansässig, in einem Gebiet
also, das starke industrielle Schwerpunkte ut}d «jine vielschichtige Wirtschaftsstruktur aufweist. Das kleinste Imfernahman hatte eine Gcftantbtschftf«
tigtenzahl von knapp 50 00Q, das größte eine von rund 500 000. Im Zeitpunkt
der Erhebung betrug die Erwerbslosenrate in diesen Gebieten etwas über sechs
Prozent. In allen fünf Fällen waren es technologische Veränderungen, die direkt oder indirekt - zur Betriebsschließung oder zu Massenentlassungen
führten: in einem Betrieb waren arbeitsparende Produktionsverfahren eingeführt worden; in einem anderen war es ein Absatzrückgang, der durch eine
Veränderung in der Verbrauchernachfrage und die Hinwendung der Konsumenten
zu einem Produkt ausgelöst wurde, das aus einem anderen Material hergestellt
war.
In allen Fällen - mit lediglich einer Ausnahme - spielten auch noch
andere Faktoren eine ebenso bedeutende Rolle: erheblicher Rückgang in der
Verbrauchernachfrage nach einem bestimmten Erzeugnis, Stornierung langfristiger Aufträge durch einen Hauptkunden und Umstellung auf kurzfristige kleinere

- 2-

�kleinere Aufträge von mehreren Auftraggebern, Arbeitskonflikte zwischen
Gewerkschaften und Unternehmen.
Die Untersuchungen des "Amtes für Arbeitsstatistik" haben gezeigt,
wie schwierig es ist, spezielle Fälle auszuwählen, in denen Arbeitnehmer
ausschließlich auf Grund technologischer Veränderungen entlassen wurden,
denn in der Regel sind es mehrere Faktoren gewesen, die letztlich die
Entscheidung der Betriebsführung beeinflußt haben, den Betrieb zu schließen. Ebenso war es äußerst schwierig, genau zu ermitteln, welche Faktoren
im einzelnen Fall ausschlaggebend waren.
Maßnahmen zur Abwendung von Entlassungen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die notwendig werdenden Entlassungen zu verhindern oder zumindest einzuschränken - so unter anderem durch
Verhängen von generellen Einstellungssperren, so daß die infolge von Pensionierung oder Kündigung frei werdenden Arbeitsplätze unbesetzt bleiben;
durch die frühzeitige Pensionierung älterer Arbeitnehmer, die gleichmäßige Verteilung der vorhandenen Arbeit unter Ausschaltung von Überstundenarbeit, Verlegung der Umstellung - soweit dies möglich ist - in eine Zeit der
wirtschaftlichen Expansion. Von den hier untersuchten Unternehmen hatte nur
eines - die Raffinerie - den Versuch unternommen, durch langfristige Planung die Entlassungen auf ein absolutes Minimum zu beschranken. Durch die
Verhängung einer Einstellungssperre konnte hier die Zahl der zur .Entlassung
kommenden Arbeitnehmer um mehr als die Hälfte reduziert werden. Drei Jahre
vor Beginn der Umstellung wurden bei diesem Unternehmen keine neuen Arbeitskräfte mehr eingestellt. Ebenso bemühte sich die Geschäftsleitung, allen Mitarbeitern im Alter von über 51 Jahren, die nicht zur Entlassung anstanden,
eine vorzeitige Pensionierung nahezulegen, indem sie ihnen ein relativ hohes
"Altersgeld" zusätzlich zu dem ihnen normalerweise zustehenden allgemeinen
Entlassungsgeld und den Sozialleistungen anbot. Eine Summe von maximal
4800 Dollar als "Altersgeld" wurde dabei den 58jährigen offeriert, während
die älteren (bis.65 Jahre) und die jüngeren Arbeitnehmer entsprechend niedrigere Abfindungen erhielten. Rund 1/6 der zur Entlassung kommenden Arbeitnehmer gehörten dieser Kategorie an. .
Hilfe bei der Arbeitsplatzsuche
Die Unterstützung, die den entlassenen Arbeitnehmern durch ihre Arbeitgeber bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen zuteil wurde, ist sehr unterschiedlich gewesen. Sie schwankt in Umfang und Leistung von Betrieb zu Betrieb, wobei die allgemeine Einstellung des Unternehmens, die Beziehungen
zwischen den Sozialpartnern und die in Tarifverträgen verankerten Abmachungen eine Rolle spielten. In vier Fällen, wurden die Arbeitnehmer von Gewerkschaften vertreten, die der "AFL-G10" angeschlossen waren; bei dem fünften
Unternehmen war eine unabhängige Arbeitnehmerorganisation der Tarifpartner.
Zu den häufigsten Maßnahmen gehörten unter anderen: rechtzeitige Benachrichtigung der Betroffenen von der beabsichtigten Entlassung; Einrichtung eines
Vermittlungsdienstes; Umsetzungen innerhalb des Unternehmens oder des Betriebes; Durchführung von Umschulungsprogrammen, die vom Unternehmen finanziert
wurden. Die Erfolge all dieser Maßnahmen waren jedoch im allgemeinen nur begrenzt. .
Rechtzeitige

�Rechtzeitige Benachrichtigung
Eines der fünf Unternehmen stoppte bereits drei Jahre vor Durchführung der ersten Entlassungen die Neueinstellungen, setzte die in Frage
kommenden Mitarbeiter rechtzeitig von der beabsichtigten Entlassung in
Kenntnis und dehnte die Entlassungen selbst über einen Zeitraum von einem
Jahr aus; in allen anderen Fällen war die Kündigung wesentlich kürzer terminiert. Die längste Kündigungsfrist betrug sechs, die geringste etwas
über zwei.Monate.
Arbeitsplatzvermittlung
Als bei weitem wirksamste Hilfe bei der Suche nach neuen Arbeitsplätzen
erwiesen sich die persönlichen Kontakte. Zwischen 50 und 66 Prozent der in
neue Arbeitsplätze Vermittelten, gaben an, ihren neuen Arbeitsplatz durch Hinweise und Beziehuifcei vcn Freunden imd \fewandten erhalten zu haben.
Die einzige wirksame Hilfe, die den entlassenen Arbeitnehmern von anderer Seite zuteil wurde, leistete in einem Falle das Unternehmen (Raffinerie), in einem anderen die Gewerkschaft. Die Ölfirma schaltete zu diesem
Zweck ihren eigenen Arbeitsplatzvermittlungsdienst ein, durch den Kontakte
zu insgesamt 600 Firmen hergestellt wurden. Sie erklärte sich darüber hinaus
bereit, die Gebühren für zwei private Arbeitsvermittlungsbüros zu bezahlen.
Nach Angaben des Unternehmens konnten durch diese Bemühungen rund 1/3 aller
neu eingestellten Arbeitnehmer vermittelt werden. . .
,.
•„
Im Falle des Automobilzulieferungswerkes forderte die Gewerkschaft alle
zur Entlassung anstehenden Arbeitnehmer auf, einen beruflichen Fragebogen
auszufüllen, der dann den Personalabteilungen all jener Unternehmen zugeleitet wurde, zu denen die Gewerkschaft Kontakte hatte. Auf diese Weise konnten
rund 200 der insgesamt 1000 entlassenen Arbeitnehmer Arbeitsplätze in Firmen
erhalten, in denen die Gewerkschaft Tarifpartner ist.
. ,
Die meisten konnten dabei in einem stark expandierenden Unternehmen untergebracht werden, das Arbeitnehmer bis zu einem Alter von 55 Jahren einstellte. Diese hohe Altersgrenze liegt erheblich über dem festgestellten
allgemeinen Durchschnitt, ist aber dadurch bedingt, daß das Unternehmen qualifizierte "fertige" Arbeiter suchte, die ohne Umschulung an den neuen Arbeitsplätzen eingesetzt werden konnten. Praktisch unmöglich war es der Gewerkschaft
dagegen, männlichen Arbeitskraft«» im Alter von über 55 Jahren und Frauen jeglichen Alters neue Arbeitsplätze zu vermitteln.
Umsetzungen innerhalb des Unternehmens
Obwohl es sich bei allen fünf Firmen um Unternehmen mit zahlreichen
Zweigbetrieben handelt, machten nur zwei ihren zur Entlassung vorgesehenen
Mitarbeitern ein Transferangebot, und zwar, weil die entsprechenden Tarifverträge Klauseln enthielten, die eine derartige Umsetzung innerhalb des Unternehmens vorsahen. In beiden Fällen wurden jedoch keinerlei Umzugsbeihilfen
gewährt. Im Falle des Autanobilzulieferungswerks sah der Tarifvertrag mit der
stärksten.im.Betrieb vertretenen Gewerkschaft vor, daß den Mitarbeitern
(Produktionsarbeitern und Wartungspersonal) bei Schließung eines Zweigwerks
und Verlagerung der Produktion in ein anderes Werk, die Möglichkeit geboten
werden muß, in das andere Werk samt ihrem Arbeitsplatz überzusiedeln. Desgleichen bleiben ihnen in einem solchen Fall sämtliche Senioritätsrechte im

- 4 -

�im Hinblick auf Entlassungen sowie ihre Ansprüche auf verschiedene Sozialleistungen im vollen Umfang erhalten. Auf Grund dieser Vereinbarungen entschlossen sich etwa 1/5 aller in Frage kommenden Arbeitnehmer,
einen neuen Arbeitsplatz in einem anderen Werk des Unternehmens in einem
angrenzenden Bundesstaat anzunehmen. Eine weitere Regelung sah die bevorzugte Wiedereinstellung in einem der übrigen Zweigwerke vor. Allerdings
waren solche Arbeitnehmer, die von dieser Option Gebrauch machten, dann
wie "Neueingestellte".zu behandeln, das heißt, sie verloren ihre Senioritätsrechte hinsichtlich einer,Entlassung, konnten ihre Sozialleistungsansprüche jedoch behalten. Auf Grund dieser Vereinbarung wurden insgesamt
3 Prozent der betroffenen Arbeitnehmer an andere . Arbeitsplätze in Zweigwerken transferiert.
Im zweiten Fall - der Bodenbelagsfabrik - sah der Tarifvertrag eine
Überführung der sozialen Ansprüche vor, nicht aber der Arbeitsplatzrechte,
die sich aus der Länge der Betriebszugehörigkeit herleiten. Nur 1/8 aller
entlassenen Arbeitnehmer machten hier von dem Angebot einer Transferierung
Gebrauch.
Umschulungsprogramme der Unternehmen
Spezielle Programme für die Umschulung der zur Entlassung anstehenden
Arbeitnehmer auf andere Tätigkeiten in anderen Branchen wurden von den fünf
Unternehmen nicht durchgeführt. Die Automobilzulieferungsfirma gab zwar bei
der Verkündung der Betriebsstillegung gleichzeitig die Errichtung eines Umschulungsfonds in Höhe von 100 000 Dollar bekannt - wonach sich auch rund
30 Prozent der entlassenen Arbeiter.für eine Umschulung registrieren ließen -,
aber dennoch mußte das Vorhaben aus verschiedenen Gründen - Alter, unzureichende Schulungsmöglichkeiten, geringe Punktzahl der Umschüler bei Intelligenztests - wieder aufgegeben werden. Das Unternehmen war bei den Vorbereitungsarbeiten zu der Überzeugung gelangt, daß auf Grund der verschiedenen
negativen Faktoren nur geringe Aussichten auf Unterbringung der Entlassenen
in anderen-Berufszweigen bestanden. Nach Angaben der Firma waren viele der
Entlassenen, nicht willens, sich auf schlechter bezahlte Dienstleistungstätigkeiten umschulen zu lassen, während nur wenige auf die Arbeitslosenunterstützung umd die zusätzlichen Unterstützungsleistungen verzichten wollten, auf die
sie ala- Teilnehmer an ganztägigen Umschulungskursen keinen Anspruch hatten.
V«jn den entlassenen Raffineriearbeitern erklärten 10 Prozent, daß ihnen
eine früher, durchgeführte betriebliche Umschulung wesentlich bei der Sicherung eines neuen Arbeitsplatzes geholfen habe. Im Zeitpunkt der Erhebung
waren alle von ihnen wiederbeschäftigt.
Maßnahmen zur Sicherung des Einkommens
a. Arbeitslosenunterstützung
Die bedeutendste Einkommensquelle für die Entlassenen war die Arbeitslosenunterstützung. In vier von den fünf Fällen schwankte der Prozentsatz derjenigen, die diese Bezüge erhielten, zwischen 69 und 94 Prozent, wobei die
durchschnittliche Bezugsdauer zwischen 18 und 27 Wochen lag. Selbst im fünften Fall, in dem die Zahl der Entlassenen relativ klein war, empfing rund
die Hälfte der freigesetzten Arbeitskräfte solche Bezüge.

b.

�b. Zusätzliche Arbeitslosenunterstützung
Eine zusätzliche Arbeitslosenunterstützung (auf Grund von tarifver.traglichen Abmachungen zwischen Unternehmen und Gewerkschaften) erhielten
nur die Arbeitnehmer des Automobilzulieferungswerks. Im Zeitpunkt der Erhebung hatten rund 2/3 aller Entlassenen derartige Bezüge für eine durchschnittliche Dauer von 22 Wochen erhalten.
c. Entlassungsgeld
Entlassungsgeld in irgendeiner Form erhielten die entlassenen Arbeitnehmer in vier der fünf Unternehmen, wobei jedoch nur in einem Fall die
Summe so hoch war, daß sie eine wesentliche Hilfe bei längerer Arbeitslosigkeit dargestellt hätte. Auf Grund dieses Planes wurde den Entlassenen
eine "Betriebszugehörigkeitsprämie" gezahlt,"die sich,aus dem bisherigen
Durchschnittslohn und der Länge det Dienstzeit errechnete. Der geringste
nach der Berechnungsformel.ausgezahlte Betrag belief sich auf etwas über
600 Dollar.
d. Vorgezogene Pensionsleistungen
Obwohl sämtliche Pensionierungsprogramme der betreffenden Firmen eine
vorzeitige Pensionierung im Alter von 60 Jahren und darunter vorsahen, kam
nur in zwei Fällen mehr als ein Bruchteil .der entlassenen Arbeitnehmer in
den Genuß dieser traifvertraglichen Vereinbarung. Im Automobilzulieferungswerk war ein sehr hoher Prozentsatz älterer Arbeitnehmer betroffen, von
denen - nach einer Mitteilung des Unternehmens - innerhalb 14 Monaten nach
Ankündigung der Entlassungen 375 eine Pension erhielten. Da sich herausstellte, daß das Kapital des privaten Pensionsfonds wegen.des hohen Neuzugangs an Pensionären nicht ausreichte, um sämtliche Pensionen in voller
Höhe auszuzahlen, beschloß man im Einklang mit den Kontraktbestimmungen,
die vorgezogenen Pensionen der 50-_bis 59jährigen wesentlich zu kürzen und
die für die noch Jüngeren ganz zu streichen. Bei der Raffinerie erhielten
90 Prozent sämtlicher entlassenen Arbeitnehmer über 55 Jahre volle Pensionsleistungen, fünf Prozent verminderte. Ferner erhielt je.einer von drei Entlassenen unter 55 die volle oder die verminderte Pension. In allen anderen
Fällen verloren die Entlassenen - viele davon mit langer Dienstzeit - ihre
Pensionsansprüche gänzlich.
Charakteristika der Arbeitsplatzverdrängten
Der "typische" Arbeitsplatzverdrängte dieser Untersuchung ist ein Endvierziger männlichen Geschlechts und weißer Hautfarbe, der verheiratet ist,
zwei Familienangehörige, etwas Oberschulbildung und ein Eigenheim hat.
Der Anteil der weiblichen Arbeitnehmer beträgt in einem Fall 40%, im
zweiten 207» und ist in den restlichen drei Fällen unbedeutend. Der Anteil
der Farbigen unter den Entlassenen überstieg in keinem Fall die .7-ProzentGrenze. Die meisten Arbeitnehmer waren 45 Jahre alt und .älter, wobei der
Anteil dieser Altersgruppe an der Gesamtzahl in einem Fall 21 und im
höchsten Fall 94 Prozent betrug. In allen Fällen war die Mehrzahl der Betroff enen .verheiratet und Besitzer eines Eigenheims. Die Zahl der Familienangehörigen war mit zunehmendem Lebensalter rückläufig. Während in .vier
Fällen die überwiegende Mehrheit.der Entlassenen eine nicht abgeschlossene
Oberschulausbildung aufwies, war der Anteil derjenigen mit Abschlußzeugnis - bis auf einen Fall - relativ gering.
Die

�Die Arbeitsplatzsuche
Für viele der entlassenen Arbeitnehmer war die Arbeitsplatzsuche äußerst mühsam und beschwerlich und für eine große Anzahl auch erfolglos .
Die meisten Arbeitsplatzverdrängten konnten auf eine langjährige Tätigkeit
an einem bestimmten Arbeitsplatz zurückblicken, und vielt von ihnen waren
den Anstrengungen der Arbeitsplatzjagd nicht gewachsen.
Wiederbeschäftigte und Erwerbslose
Im Zeitpunkt der Erhebung waren von den entlassenen Arbeitnehmern der
fünf analysierten Firmen rund 66 Prozent wieder an anderen Arbeitsplätzen
beschäftigt. Weitere 10 Prozent waren entweder pensioniert worden oder betrübter sich aus anderen Gründen um keine neue Beschäftigung. 25 Prozent
schließlich waren immer noch unbeschäftigt und hielten nach einem Arbeitsplatz Ausschau. Die Erwerbslosenrate der freigesetzten Arbeitskräfte schwankte - je nach Unternehmen - zwischen 8 und 39 Prozent. Wie aus der folgenden
Übersicht hervorgeht, war sie erheblich höher als die durchschnittliche Arbeitslosenrate im Tätigkeitsbereich des jeweiligen Unternehmens.

Unternehmen

Prozentsatz der Unbeschäftigten
Spanne zwischen ZeitUnter den
Am regionalen Arbeitsmarkt
punkt der
freigesetzEntlassung
ten ArbeitsIm Zeitpunkt
Im Zeitpunkt
und Durchkräften
der Entlassung der Erhebung
führung der
(Erhebung)
Erhebung
(in Monaten)

Erdölraffinerie

6-18

4,6 - 9,9

4.7

8

Automobilzulieferungswerk

10

6,8

4,9

27

8

7,5

5,1

39

16

5,9

3,0

17

Glasbehälterfabrik
Bodenbelagshersteller
Eisenhütte

21 u.13

l)

2,8 u.6,9

1}

3,1 u.3,6

1}

28

2)

1) Spanne für die beiden in zwei verschiedenen Bundesstaaten stillgelegten
Hüttenwerke
2)
Mittel der Erwerbslosenrate in den beiden Bundesstaaten
Mit einer Ausnahme war die Arbeitslosenrate unter den Arbeitsplatzverdrängten mindestens fünfmal so groß wie die allgemeine Durchschnittrate in
dem betreffenden Arbeitsmarktgebiet.
Die Zahl der langfristigen Erwerblosen war erheblich. In vier Fällen
waren mehr als 50 Prozent der freigesetzten Arbeitskräfte mindestens 16 Wochen lang arbeitslos; in zwei dieser Fälle waren es sogar mehr als 66 Prozent,
Ebenso

�Ebenso lag der Prozentsatz derjenigen, die länger als ein halbes Jahr
ohne Arbeit blieben, in diesen vier Fällen zwischen über 40 und mehr als
50 Prozent.
Ferner hatte eine erhebliche Anzahl bis zum Zeitpunkt der Erhebung
überhaupt noch keinen neuen Arbeitsplatz gefunden. Auf der anderen Seite
hatten zwischen 12,5 und 37,5 Prozent der in den einzelnen Unternehmen
freigesetzten Arbeitskräfte bis dahin schon mehr als einen Arbeitsplatz
gehabt.
Lebensalter und Wiederbeschäftigung
Die Aussichten auf Wiederbeschäftigung waren bei den jüngeren Arbeitnehmern (bis 45) erheblich besser als bei den älteren. In vier der in der
nachstehenden Übersicht aufgezeigten Fälle war der Anteil der älteren Erwerbslosen und.noch Arbeit Suchenden erheblich höher als der anderer Altersgruppen. Bei dem fünften Unternehmen hatte sich eine überwiegende Zahl der
älteren Arbeitnehmer mit ihrer vorzeitigen Pensionierung einverstanden erklärt, dennoch waren im Zeitpunkt der Erhebung viele von ihnen wiederbeschäftigt, während einige von ihnen nach Arbeitsmöglichkeiten Ausschau hielten. Bei allen fünf untersuchten Unternehmen bemühte sich jedoch ein größerer
Prozentsatz der älteren Arbeitnehmer nicht um einen neuen Arbeitsplatz.

Zahl der im Zeitpunkt der Erhebung nuch Arbeit Suchenden
. .
Betrieb

(in %)
erwerbslos
unter 45 Jahren

Erdölraffinierie
Automobilzulieferungswerk
Glasbehälterfabrik
Bodenbelagshersteller
Eisenhütte

nicht auf Arbeitssuche
unter 45
über 45
über 45 Jahren

unter 45

1

39

8

5

12

14

10
35

29
41

3

16

12
25

19
32

0
0

15
19

Bei zwei Unternehmen, wo es auf Grund umfassender statistischer Unterlagen möglich war, die Altersgruppen enger zu fassen, zeigte sich, daß die
bei weitem höchste Erwerbslosenrate die Gruppe der 55- bis 59jährigen aufzuweisen hatte. Die überwiegende Mehrheit der Arbeitnehmer über 60 Jahre und
in noch höheren Altersgruppen (über 65) bemühte sich um keine neue Beschäftigung. Obwohl eine beträchtliche Zahl von ihnen von der Möglichkeit einer vorzeitigen Pensionierung Gebrauch gemacht hatte, so dürften doch viele andere
in Erkenntnis der Altersbarriere von der Suche nach einer neuen Beschäftigung
abgeschreckt worden sein.
Schulbildung und Wiederbeschäftigungschancen
Arbeitsplatzverdrängte mit einer abgeschlossenen Oberschulausbildung

- 8-

�1

Ob«rschulausbildung wiesen eine wesentlich niedrigere Arbeitslosenrate
auf als jene, die keinen Abschluß hatten. In drei Fällen war die Erwerbslosenrate der Arbeitnehmer mit Reifezeugnis nur halb so groß wie die derjenigen ohne Abschlußzeugnis. Die Unterschiede in den Erwerbslosenraten
zwischen "Volksschülern" und Oberschülern ohne Abschlußzeugnis waren
dagegen sehr viel geringer.
Auch bei den älteren Arbeitnehmern mit Oberschulabschluß waren die
Wiederbeschäftigungsaussichten weit günstiger als bei jenen, die nur eine
geringe oder unvollständige schulische Ausbildung genossen hatten. Zu den
freigesetzten Arbeitnehmern, die sich um keinen neuen Arbeitsplatz bemühten,
zählten vor allem solche mit einer unzureichenden schulischen Ausbildung.
In Anbetracht des doppelten Handikaps - hohes Lebensalter, geringe Schulkenntnisse - zogen es viele Arbeitnehmer, die normalerweise noch werktätig
geblieben wären, vor, sich vorzeitig pensionieren zu lassen.
Frauen und Wiederbeschäftigung
Die Erwerbslosenrate bei den freigesetzten weiblichen Arbeitskräften
bewegte sich in den fünf untersuchten Fällen zwischen 56 und 61 Prozent das ist eine fast dreimal so hohe Rate„wie bei den Männern in jenen beiden
Firmen, wo eine genauere Analyse möglich war. Nur 25 Prozent der Frauen
waren in allen Fällen wiederbeschäftigt, während sich die restlichen um
keinen neuen Arbeitsplatz bemühten. In einem Fall waren fast 7 von 8 entlassenen weiblichen Arbeitskräften länger als.ein halbes Jahr ohne Arbeit,
während es bei den Männern nur 1 von 3 war. In einem anderen Betrieb ergaben sich entsprechende Verhältniszahlen von 2:1 bzw. 1:3. Wie aus der
folgenden Übersicht hervorgeht, wiesen die Frauen sämtlicher Altersgruppen
unter 60 Jahren und auf allen Bildungsniveaus höhere Erwerbslosenraten auf
als die Männer.
Erwerbslose in Prozent

Altersgruppe

Automobilzulief? v ungswerk

Glasbehält erfabrik

Männer

Frauen

Männer

Frauen

unter 35 Jahren

5

22

10

58

3 5 - 4 4 Jahre

7

25

22

63

4 5 - 5 4 Jahre

17

67

19

70

5 5 - 5 9 Jahre

32

62

51

71

67

32

65

Schulbildung
keine Oberschule

26

•

Oberschule ohne
Abschluß

25

64

23

59

Oberschule mit
Abschluß

11

31

11

65

Der

- 9

�Der Altersfaktor scheint sich bei den Frauen im Hinblick auf die
Beschäftigungsmöglichkeiten also früher auszuwirken als bei den Männern.
Die höchste Arbeitslosenrate ergab sich bei den Männern in beiden Fällen
in der Gruppe von 55 Tis 59 Jahren, während bei den weiblichen Arbeitskräften in einem Fall die Spitze in der Gruppe von 45 bis 54 Jahren lag
und im anderen Fall fast gleichhohe Spitzen in zwei Altersgruppen (45 54 und 55 - 59 Jahre) erreicht wurden.
Ausbildungsstand und Wiederbeschäftigung
Bei der Überprüfung sämtlicher Fälle stellte sich heraus, daß die
höhere Erwerbslosenrate stets die Arbeitnehmer mit den geringeren beruflichen Kenntnissen aufwiesen. Die Rate lag z.B. beim Wartungspersonal
zwischen 0 und 33 Prozent, bei .den Maschinenoperateuren zwischen 8 und
39 Prozent und bei den Hilfsarbeitern zwischen 20 und 59 Prozent. Ein ähnliches Bild ergab sich auch, wenn man die Stundenlöhne als Maßstab für
die beruflichen Fähigkeiten anlegte. Auch hier zeigte sich, daß die höchste Erwerbslosenrate die Arbeitnehmer mit den niedrigsten Stundenlöhnen
aufwiesen.
Die nachstehende Tabelle gibt einen Überblick über die Industriezweige, in denen die freigesetzten Arbeitskräfte einen neuen Arbeitsplatz fanden. Sie zeigt ganz eindeutig, daß es für die Betreffenden sehr schwierig
war, einen neuen Arbeitsplatz im gleichen Industriezweig zu finden.

Prozentsatz der Wiederbeschäftigten in
der gleichen
Industrie
Ölraffinerie

47

Glasbehälterfabrik

21

Eisenhütte

nichtgewerblichen
Zweigen

57

36

7

Automobilzulieferungs
werk

Bodenbelagshersteller

anderen Fertigungszweigen

17

1J

2)

8

28

25

32

47

46

37

34

58

Schließt 33 Prozent an Arbeitnehmern mit ein, die auf Grund tarifvertraglicher Abmachungen in ein anderes Werk des Unternehmens in einem anderen
Bundesstaat transferiert wurdenj die restlichen 147» fanden Arbeitsplätze
in anderen Unternehmen.
Die 17 Prozent stellen alle Arbeitnehmer dar, die auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarungen in ein anderes Werk des gleichen Unternehmens in
einem anderen Bundesstaat kamen.
Mobilität

- 10 -

�Mobilität und Wiederbeschäftigung
Welche Rolle die Mobilität bei der Arbeitsplatzsuche spielt, erhellt
schon allein aus der Tatsache, daß ein weit höherer Prozentsatz der Wiederbeschäftigten als der Arbeitslosen sich um Arbeit außerhalb des Wohnortes bemüht hatte. Außerdem hatten - außer in einem Fall - doppelt soviel
Wiederbeschäftigte wie Erwerbslose ihre Arbeitssuche über den 50-KeilenRadius hinaus ausgedehnt.
Welche Anreize und Hindernisse für die Arbeitnehmer bei einer Umsetzung innerhalb des Unternehmens - in ein anderes Werk - bestehen, läßt
sich- an den beiden Fällen ablesen, in denen auf Grund der tarifvertraglichen Vereinbarungen eine solche Möglichkeit gegeben war. Erst die volle
Garantie für die Erhaltung der Senioritäts- r . nderen Ansp üche war
in beiden Fällen für eine Anzahl der Entlassenen Anreiz genug, um einen
Ortswechsel vorzunehmen. Aber selbst in diesem Fall machten nur 20 Prozent von dem Angebot Gebrauch. Nur relativ wenige Arbeitnehmer waren dagegen bereit, einen Arbeitsplatz in einem Zweigwerk des Unternehmens anzunehmen, wenn lediglich die aufgelaufenen sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche, nicht aber die Senioritätsrechte, garantiert wurden. Wie eine genaue
Faktenanalyse bei den transferierten Arbeitnehmern zeigte, zählten neben
dem Zwang zur Sicherung der im Laufe eines langen Arbeitslebens aufgelaufenen Sozialleistungen zu den Antriebsmomenten vor allem die Furcht, aus. Altersgründen keinen neuen Arbeitsplatz mehr zu bekommen, sowie - bei den
großen Familien - der Druck den wirtschaftlichen Verhältnisse.
Hemmende und einem Ortswechsel entgegenstehende Faktoren waren dagegen:
Rücksichtnahme auf den Arbeitsplatz der Frau, Eigenheimbesitz, familiäre
und soziale Bindungen, der Schulbesuch der Kinder, die Furcht vor abermaliger Kündigung und die hohen Umzugskosten.
Umschulung und Wiederbeschäftigung
Von den freigesetzten Arbeitnehmern haben nur wenige - zwischen 2 und
7 Prozent - an einem Umschulung6kursus nach ihrer Entlassung teilgenommen.
Dennoch gaben die meisten von den Betroffenen zu erkennen, daß sie an derartigen Umschulungskursen interessiert seien, sofern ihnen dadurch keine Nachteile entstehen. Ihre beruflichen Interessen erstreckten sich dabei auf eine
Vielzahl von Tätigkeiten, in erster Linie auf die Erlernung von Fachberufen
wie Schweißer, Elektrotechniker, Automobil- und Maschinenmechaniker. Bei den
Berufswünschen der weiblichen Arbeitskräfte standen Büro- und Pflegeberufe im
Vordergrund.
Die Auswirkungen auf die Einkommen
Eine Analyse der Einkommen der Wiederbeschäftigten zeigte, daß die meisten freigesetzten Arbeitnehmer an ihrem neuen Arbeitsplatz weniger verdienten. In allen fünf Fällen wiesen mehr als die Hälfte geringere Einkommen auf,
wobei in einem Fall fast ein Verhältnis von 4 i 1 erreicht wurde. Bei vielen
belief sich der.Einkommensverlust auf 20 Prozent und mehr. Das Verhältnis betrug dabei durchschnittlich 1 : 3, in einem Fall sogar 1 : 1. Im Gegensatz
dazu konnten nur wenige Wiederbeschäftigte eine Einkommensaufbesserung erzielen. In zwei Fällen dagegen, in denen eine Umsetzung innerhalb des Unternehmens stattfand (Automobilzulieferungswerk und Bodenbelagshersteller) konnte
ein relativ hoher Prozentsatz der Arbeitnehmer.(32% bzw. 187») sein bisheriges
Einkommen beibehalten.
Wenn
- 11 -

�Wenn ältere Arbeitnehmer einen neuen Arbeitsplatz bekommen konnten,
so mußten sie in der Regel weitaus größere Stundenlohnverluste hinnehmen
als jüngere Kollegen. Die folgende Tabelle zeigt, welcher Prozentsatz
an Arbeitnehmern in den einzelnen Altersgruppen Stundenlohneinbußen von
mehr als 20 Prozent hinnehmen mußte.

unter
35 Jahren

35-44 Jahre

45-54 Jahre

über
55 Jahre

Erdölraffinerie

24

35

31 +

+

Automobilzulieferungswerk

17

18

30

33

Glasbehilterfabrik

31

35

74

Bodenbelagshersteller

11

13

72
35

+

57

iber 45 Jahr«

In drei von vier Fällen, wo eine genaue diesbezügliche Aufschlüsselung
möglich war, ergab sich, daß die Zahl derjenigen Arbeitnehmer, die Einkommensverluste von 20 und mehr Prozent hinnehmen mußten, ab 45. Lebensjahr
besonders stark ansteigt. Das gleiche Gefälle tritt auch bei Anlegung des
Bildungsmaßstabes auf: Diejenigen Arbeitnehmer mit der geringsten Schulbildung wiesen auch die stärksten Einkommensverluste auf.

Arbeitnehmer» die Einkc—nenjsve.irl-ii.ste v m ro"hr als 20% aufwiesen,
nach Bildungsniveau aufgefeilt: (in %)

Grundschule

Erdölraffinerie

Einige Jahre
Oberschule

Abschluß
Oberschule

43

31

Automobilzulieferungvwerk

39

28

23

Glasbehälterfabrik

70

55

32

Bodenbelagshersteller

31

18

22

Die Auswirkungen auf die Sozialleistungen
Viele der durch die technologischen Veränderungen freigesetzten Arbeitskräfte beklagten sich darüber - häufig sehr verbittert - daß sie mit der

- 12 -

�der Entlassung auch sämtliche aufgelaufenen privaten Sozialleistungsansprüche verloren haben. Dieser Verlust war für die meisten Entlassenen in
wirtschaftlicher Hinsicht der härteste, da diese zusätzlichen, die soziale
Sicherheit der Familie wesentlich stärkenden Leistungen einen nicht unwesentlichen Bestandteil der langfristigen Einkommensplanung der Betroffenen darstellten. Hinzu kommt noch, daß die Höhe dieser Sozialleistungen von der
Dauer der Betriebszugehörigkeit abhängig war und daher die Entlassenen an
ihrem neuen Arbeitsplatz mit dem Aufbau ihrer Sozialansprüche von vorn zu
beginnen hatten. Die meisten wieder in Arbeit Stehenden erklärten, daß die
Lohnnebenleistungen an ihren neuen Arbeitsplätzen weniger liberal seien als
die an den alten.
Die Arbeitsplatzveränderungen
Die meisten der entlassenen Arbeiter mußten eine berufliche Zurückstufung
bei ihrem neuen Arbeitgeber hinnehmen; das heißt, die an ihrem neuen Arbeitsplatz von ihnen geforderten beruflichen Qualifikationen lagen unter denen ihres
alten Arbeitsplatzes. Dies war bei den angelernten Arbeitern im stärkeren Maße
der Fall als bei den Facharbeitern. Während die meisten der höherqualifizierten Wartungsarbeiter durch den Arbeitsplatzwechsel nicht aus ihrer Beschäftigungsgruppe herausgedrängt wurden, konnteivon den Maschinenoperateuren nur
etwas mehr als 307» einen gleichwertigen Arbeitsplatz im neuen Betrieb finden.
Ein hoher Prozentsatz der entlassenen Maschinenoperateure, die. einen neuen
Arbeitsplatz gefunden hatten, war als Hilfsarbeiter oder Wachpersonal beschäftigt.
Die Auswirkungen auf die Gewerkschaften
Auf die Mitgliederzahl der Gewerkschaften hatten die Entlassungen einen
sehr erheblichen Einfluß. Während vor den Entlassungen rund 9/10 aller hier
untersuchten Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert waren,.war das Verhältnis
zwischen Organisierten und Unorganisierten im Zeitpunkt der Erhebung in zwei
Fällen nur noch 1:2 und in keinem Fall besser als 2:1. Der höchste Prozentsatz
gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer wurde im Falle des Automobilzulieferungswerks festgestellt, in dem jedoch eine nicht unwesentliche Zahl entweder
in andere Zweigwerke transferiert worden war oder durch die Gewerkschaft neue
Arbeitsplätze erhalten hatte. Selbst wenn man nur diejenigen Arbeitnehmer berücksichtigt', die neue Arbeitsplätze gefunden haben, ergeben sich erhebliche
Rückgänge in der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder - zwischen 2/5 und 3/5 gemessen an der Gesamtzahl. Zum Teil erklärt sich dieser Rückgang aus der Tatsache,
daß viele neue Arbeitsplätze sich in Betrieben befinden, die gewerkschaftlich
nicht organisiert sind.
Der Einfluß auf die Seniorität
In den meisten von den Gewerkschaften mit Unternehmen abgeschlossenen Tarifverträgen sind sogenannte Senioritätsklauseln enthalten, die den Arbeitnehmern
mit einer längeren Dienstzeit einen größeren Schutz bei Entlassungen garantieren sollen - Bestimmungen, die auch für die Gewährung zusätzlicher betrieblicher
Sozialleistungen von Bedeutung sind. Mit dem Verlust der'Senioritätsrechte hat
ein Arbeitnehmer in seinem neuen Betrieb in jeder Hinsicht (Sicherheit des Arbeitsplatzes, Höhe der Sozialleistungen) wieder von vorn anzufangen. Die überwiegende Mehrheit, der in den untersuchten fünf Betrieben entlassenen Arbeitnehmer
wies eine Betriebszugehörigkeit von mehr als. 10 Jahren euf. In einigen Unternehmen hatten zahlreiche Entlassene sogar erheblich längere Dienstzeiten. In
einem Betrieb waren es rund 25 Prozent, die mehr als 20 Dienstjähre nachweisen

- 13 -

�nachweisen konnten, während es in einem anderen 33 Prozent und in einem
dritten sogar 90 Prozent waren.
Vorzeitiges Ausscheiden aus dem Berufsleben
Eine beträchtliche Anzahl der entlassenen Arbeitnehmer - zwischen 9
und 14 Prozent - gab zu erkennen, daß sie sich nicht mehr um einen neuen
Arbeitsplatz bemühen würde. Besonders hoch war der Prozentsatz dieser
freiwillig vorzeitig aus dem Berufsleben Ausscheidenden natürlich in der
Altersgruppe der 60- bis 64jährigen. Im günstigsten Fall bedeutete dieser
Schritt für sie eine frühzeitige Pensionierung bei reduzierten Rentenleistungen und einem niedrigeren Lebensstandard als ursprünglich für diesen
Lebensabschnitt erwartet. In zahlreichen Fällen zogen sich ältere Arbeitnehmer ohne Aussicht auf eine Pension aus _dem Berufsleben zurück, weil sie
einsahen, daß es für sie einfach unmöglich war* einen anderen Arbeitsplatz
zu bekommen. Diese Ftststellung trifft besonders für die weiblichen Arbeitnehmer zu.
(Aus "Monthly Labor Review'», Vol. 87, Nr. 6,
Juni 1964. Originaltitel der Untersuchung:
"Five Case Studies of Displaced Workers"..
Autor: Herbert Hammerman, US-Bundesamt für
Arbeitsstatistik, Abteilung für Technologische Studien)

+ + + + 4-

Dr. Louis T. Rader:
Probleme des technischen Wandels müssen fortschrittlich gelöst werden
In zunehmendem Maße rückt das Thema Automation in
den Vordergrund wirtschaftlicher und sozialpolitischer Diskussionen. Man spricht von einer:tzweiten
industriellen Revolution", deren Folgen noch nicht
zu übersehen seien. Sind.sie es wirklich nicht? Dr.
Louis T. Rader untersucht im folgenden die Chancen,
die die Automation in der modernen Wirtschaft bietet.

Was ist Automation und was bedeutet sie? Man unterscheidet vier Formen
der Automation:
1. Vorgänge, bei denen automatische Transportmaschinen und elektrische
Energie Werkstücke oder Güter mittels eines laufenden Bandes von Arbeitsstelle zu Arbeitsstelle befördern. Diese Methode wird bei der Produktion von
Automobilen und langlebigen Verbrauchsgütern angewandt.
2. die Anwendung des sogenannten "Feedback"'-Verfahrens - die laufende
"Meldung" von wichtigen Produktionsdaten de_ Meß- oder Kontrollgeräte an einen Elektronenrechner, der sie auswertet und die einzelnen Maschinen etc.
dann selbsttätig reguliert - zur Kontrolle und Regelung der Arbeitsweise von

�von Maschinen und Produktionsvorfänpen, das bei kontinuierlichen Herstellungsprozessen in Frage kommt, also vor allem in der Erdölchemie, in der
Energiewirtschaft oder auch in dev '^.-Thlprociuktion. Man spricht hier vielfach auch von "Cybernation" oder demC PC-System (Computer Production Control);
3. das numerische KontrollverfaV.ren, das auf der Speicherung mathematischer Werte auf Lochstreifen, Lochkarten oder Magnetbändern in Form eines "Programms" beruht, das jeweils einer bestimmten Fertigungsphase entspricht, die
je Bandablauf "identisch" ausgeführt wird;
4. der Einsatz von elektronischen Rechenautomaten, die in der Lage sind,
im Zeitraum von millionstel Sekunden Informationen zu verarbeiten, zu analysieren, zu vergleichen und zu speichern. Anlagen dieser Art zeichnen sich durch
außerordentlich hohe Arbeitsgeschwindigkeit und einen kaum zu übertreffenden
Grad an Präzision aus. Sie vermögen sogar menschliche oder eigene Fehler zu
erkennen und zu korrigieren.
Faßt man den Einsatz automatischer Vorrichtungen dieser Art ausschließlich als Mittel zur Einsparung von Arbeitskraft auf, so geht man ganz sicher
an dem sehr viel wichtigeren sozialen und wirtschaftlichen Aspekt der Verwendungsmöglichkeiten von "Automaten" vorbei. Es stimmt, daß der Einsatz solcher
Geräte etwa in der Buchhaltung oder der Lagerkontrolle zunächst mit Kostensenkung motiviert wurde. Aber immer mehr setzte sich die Erkenntnis durch, daß
Automaten im Management moderner Industriebetriebe bei der Entscheidungsvorbereitung eine eminente Rolle zu spielen vermögen: Die von Automaten entwickelten
und geprüften Alternativen einer möglichen Entscheidung zeichnen sich durch ein
bedeutend größeres Maß an konkreter Information und durch einen unvergleichlich
höheren Grad an IVr^z ision aus.
Indes hängt der Einsatz von Automaten nicht allein von den Einsatzmöglichkeiten ab, denn Automation ist nicht billig, und sie erfordert Zeit, viel Zeit
- Monate und häufig sogar Jahre. Sie bedingt hohe Kapitalinvestitionen, zumindest aber die Entrichtung hoher Leihgebühren bei der Inanspruchnahme der Dienste
nicht-betriebseigener «'Rechenzentren". Der Anstoß zur Einführung der Automation
muß also vom "Markt" her kommen; sie.wird gewissermaßen aus der Preiskonkurrenz
hervorgehen, beispielsweise, wenn etwa die Marktchancen für ein Produkt verbessert werden können oder wenn sich Chancen zur Erweiterung eines Absatzmarktes auf Grund niedrigerer Preise ergeben. In jedem Falle müssen Maßnahmen zur
Einführung der Automation ökonomisch vertretbar sein.
Die Einführung der Automation ist eine Entscheidung mit sozialpolitischen
Konsequenzen, und insbesondere von Arbeitnehmerseite wird auf den Zusammenhang
zwischen Arbeitsplatzschwund und Automation aufmerksam gemacht. Man darf dem
jedoch mit gleichem Recht entgegenhalten^, daß etwa die relativ hohe Zahl der
Arbeitslosen in den USA, wie;e'inef der fuhrenden Wissenschaftler auf dem Gebiete der Produktivitätsforschung, Professor John W. Kendrick von der GeorgeWashington-Universität, betont, im wesentlichen auf die geringen Produktivitätssteigerungsraten der letzten Jahre zurückzuführen ist. Diese These läßt sich
mit der Beobachtung untermauern, daß gerade die Industrien mit überdurchschnittlichen Produktivitatssteigerungsraten auch die Tendenz zur überdurchschnittlichen Vergrößerung ihrer Beschäftigtenzahl aufwiesen. Die Behauptung, die Automation mache in den USA pro Woche 40 000, mithin im Jahr 2 Millionen Menschen,
arbeitslos, kann man andererseits mit dem Hinweis auf. die Tatsache begegnen,
daß in den vergangenen zwölf Monaten eine Million Menschen in den USA in den
Arbeitsprozeß eingeschaltet werden konnten und daß die Arbeitslosigkeit keineswegs zugenommen hat. Von 1947 bis 1963 wurden in den USA 11,3 Millionen Arbeitsplätze neu geschaffen, und das, obwohl in dieser Periode eine verstärkte Ab-

- 15 -

�Abwanderung aus der Landwirtschaft in die Industrie zu verzeichnen war.
Hier besteht offenbar ein wichtiger Zusammenhang: Diese Arbeitsplätze
entstanden zu einer Zeit, da in Amerika mehr Geld für neue Industrieanlagen, für neue und bessere Maschinen und für kostensenkende Ausrüstungen
ausgegeben wurde als je zuvor. Der entscheidende Punkt in der ganzen Diskussion um das soziale Für und Wider der Automation liegt, wie mir scheint,
in folgenden: Der Trend, neue Maschinen einzusetzen, neue und vermehrte
Kapitalinvestitionen vorzunehmen, neue Fabrikationsanlagen zu schaffen wie überhaupt das ständige Bemühen um eine Verbesserung der Produktivität -.
schafft neue Arbeitsplätze.. Die Wechselwirkung zwischen Mechanisierung und
verbesserter Produktivität ist unbestreitbar.
Ganz offenbar besteht auch ein Zusammenhang zwischen der Nutzung der
Arbeitskraft und dem An- und Abstieg der Beschäftigtenziffer. Ein Vergleich
zwischen den Industriezweigen mit der höchsten und der geringsten Produktivitätsrate in.den USA zeigt, daß der Bedarf an Arbeitskräften bei den Industrien mit Spitzenwerten in der Ausnutzung der Arbeitskraft zunehmende
Tendenz aufweist, während die Industrien mit der geringsten Leistung je Arbeitskraft ein Nachlassen des Arbeitskräftebedarfs verzeichnen: Von 1947/49
(Durchschnitt) bis 1961 vergrößerten die ersteren Industrien ihre Beschäftigtenziffer um 236 000, während die Beschäftigtenzahl der Industrien, mit schlechter Arbeitskraftnutzung um 609 000. zurückging.
Die Ursache dieses Phänomens ist darin zu erblicken, daß Industrien,
die mechanisieren und automatisieren, wettbewerbsfähig sind, neue und bessere
Güter zu niedrigeren Preisen herstellen, ihr Produktionsvolumen erweitern
können und Profite zu erzielen vermögen, die wiederum zur Produktion von
Gütern verwandt werden können, die der Kunde kaufen will und die er sich wegen der niedrigeren Preise auch leisten, kann.
Ein Unternehmer, der Profite erzielt und sein Kapital in extensivem
Sinne einsetzt, ist ein wahrer Freund der Arbeitnehmer. Ein Unternehmer dagegen, der am Rande des Bankrotts wirtschaftet und der sich weigert, moderne
Fertigungsmethoden einzusetzen, ist es sicherlich nicht.
Wirtschaftswissenschaftler haben immer wieder versucht, die Faktoren
wirtschaftlichen Wachstums zu ermitteln. Vollständig gelang ihnen das nie.
Die Veränderlichkeit der Qualität der menschlichen Komponente scheint die
unbekannte Größe in ihrer Berechnung zu sein. Wenn man dies berücksichtigt,
kommt man zu dem überraschenden Ergebnis, daß etwa 21 Prozent oder knapp
ein Fünftel unserer wirtschaftlichen Wachstumsrate allein auf den menschlichen Bildungsfaktor zurückgeht.
Man darf daraus wohl den Schluß ziehen, daß in den nächsten zehn oder 20
Jahren der Qualität und Art der Ausbildung menschlicher Arbeitskräfte in
erhöhtem Maße Beachtung geschenkt werden muß. Die Automation verringert den
Bedarf an ungelernten Arbeitskräften und erhöht den Bedarf an Fachkräften.
So wurden vom US-Arbeitsministerium nicht weniger als 37 Berufssparten als
Mangelberufe klassifiziert. Darunter fallen Farbensetzer, Elektroniktechniker, Feinmechaniker, Ingenieure, Maschinisten, Mathematiker, Krankenschwestern, Büro- und kaufmännisches Personal und natürlich zahlreiche Lehrberufe.
Sicherlich erfordern nicht alle diese Berufe ein abgeschlossenes Hochschulstudium, aber sie setzen doch zumindest eine spezielle Ausbildung voraus.
Ausbildung, Umschulung, Arbeitermobilität, Expansion der Wirtschaft das sind die Themen des technologischen Zeitalters, und es ist nicht nur

- 16 -

�I

nur Sache der Regierung, sondern auch der Wirtschaft, der Gewerkschaften,
des BildüngsWesens und nicht zuletzt des einzelnen Arbeitnehmers, die mit
dem technologischen Wandel verbundenen Härten weitgehend abzumildern und aus
Technologie und Automation den größtmöglichen Nutzen zu ziehen.
Nicht selten wird die Ansicht vertreten, der fortschreitende technologische Wandel, die zunehmende Übernahme menschlicher Funktionen durch Rechenautomaten sowie die rapide Bevölkerungsr;unt/ " 2 würden den Menschen schließlich zum bloßen manipulierbaren Objekt degtadteren. Ich bin anderer Ansicht.
Für den Menschen gibt es immer genug zu tun. Projekte wie die Entsalzung des
Meerwassers, die Bewässerung der Wüsten, die Beseitigung der Luftverschmutzung
über den industriellen Ballungsräumen, die Beseitigung der Verkehrsengpässe
und die Herstellung von. unbegrenzt haltbaren Gebrauchsgütern erscheinen zwar
vorerst aus wirtschaftlichen Gründen nicht realisierbar. Es müssen aber Wege
gefunden werden, die einen Einsatz von Kapital, Arbeit und Material zur Lösung dieser Probleme in einer Weise erlauben, die im monet ren Sinne die.
Kosten rechtfertigt. Dabei kann die Automation helfen.
Die eigentliche Macht des menschlichen Intellekts besteht in der Fähigkeit, über seine Umwelt zu triumphieren. Der.Mensch ist unsere entscheidende
Hilfsquelle, die Automation nur ein Werkzeug der menschlichen Rasse, allerdings ein gutes und brauchbares Instrument, wie man betonen sollte.

(stark gekürzt)
(Nachdruck mit Angabe des Autors und
Vermerk
"Courtesy of Sperryscope Sperry Rand Corporation"
gestattet.)

+ ++++

17 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Bessere Schulungs- und Aufstiegsmöglichkeiten für farbige Hotelangestellte
Bessere Ausbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten sichert den farbigen
und puertoricanischen Hotelangestellten New Yorks eine zwischen dem "Hotel
and Motel Trades Council" und dem Hotelierverband getroffene Vereinbarung,
an deren Zustandekommen auch vier der bedeutendsten Vereinigungen zur Förderung der Interessen Farbiger beteiligt waren.
Wie der Präsident des Trades Council, der die Interessen von insgesamt
neun Fachgewerkschaften des Hotelgewerbes vertritt,.zu dem neuen Abkommen
erklärte, sollen in Zukunft bei der Neubesetzung höher eingestufter Arbeitsplätze zuerst solche Arbeitnehmer berücksichtigt werden, die bereits seit
langem im Hotelfach tätig sind und sich beruflich durch gute Leistungen
hervorgetan haben. Die Nominierung der Kandidaten für die berufliehenFortbildungs- und Umschulungsprogramme soll, dabei künftig ohne Rücksicht auf
Rasse, Hautfarbe oder Religion erfolgen.
Zur schnelleren Erreichung dieser Ziele kündigte der Council u.a.
folgende Sofortmaßnahmen an: Ernennung einer qualifizierten Persönlichkeit
zum Leiter der gesamten Ausbildungsarbeit; Abfassung einer Eingabe an die
New Yorker Stadtverwaltung, in der diese aufgefordert wird, Spezialklassen
für Lesen, Schreiben und freie Rede einzurichten, damit dieeiner Beförderung in der Regel im Wege stehenden Sprachschwierigkeiten beseitigt werden;
Verstärkung der Bemühungen, Neger und Puertoricaner in Angestelltenpositionen zu bringen.
Der "Hotel and Motel Trades Council" vertritt in New York insgesamt
33 000 Hotelangestellte in 180 Hotels. Rund 40 Prozent aller in den New Yorker Hotels Tätigen sind Neger und Puertoricaner, wovon der größte Teil in
den untersten Arbeitsplatzkategorien anzutreffen ist.
(Quelle: Eigenbericht)

+
Erhebliche Gehaltsaufbesserung für New Yorks Polizeibeamte
Rund 20 500 New Yorker Polizeibeamte werden auf Grund eines nach mehrwöchigen Verhandlungen zwischen der Polizeigewerkschaft und der Stadtverwaltung abgeschlossenen neuen Tarifvertrages eine wesentliche Aufbesserung
ihrer Gehälter und Lohnnebenleistungen erhalten. In den nächsten zwei Jahren
(Vertragsdauer) sollen die Polizeibeamten dabei insgesamt 900 Dollar mehr "
bekommen - 400 Dollar im ersten und 500 Dollar im zweiten Jahr*
Diese Regelung, die vorläufig nur für die Mannschaftsdienstgrade der
New Yorker Polizei gilt, soll bei den nächsten TarifVerhandlungen auch auf
die rund 5000 Offiziere ausgedehnt werden.
Nach

- 18 -

�Nach Mitteilung des Gewerkschaftsvorsitzenden, John J. Cassese,
dürfte das Gehalt eines Streifenbeamten einschließlich der Kleiderzulagen
und Feiertagszuschläge künftig rund 9020 Dollar (8260 Dollar bisher) im
Jahr betragen.
Zu den in den Tarifverhandlungen erreichten Verbesserungen zählen ferner: Gewährung eines zusätzlichen bezahlten Feiertages (jetzt insgesamt 11)J
Erhöhung des Kleidergeldes um 15 Dollar in diesem und um weitere 15 Dollar
im nächsten Jahr (Gesamthöhe dann.185 Dollar pro Jahr); Anhebung der.Sozialbeiträge der Stadt für die Krankenversicherungs- und Wohlfahrtsfonds der
Polizei um 25 Dollar pro Polizist und Jahr; freie Wahl der angebotenen Krankenhauskosten- Yersicherungspläne; Zahlung von 3/4 der Krankenhauskosten, durch
die Stadtverwaltung ab 1. Januar 1965 und Übernahme der Gesamtkosten ab
1. Januar 1966.
(Quelle: Eigenbericht)

+++++

�</text>
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                <text>Internationale Arbeitsmitteilungen 1964</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und ihr Beitrag zur amerikanischen Gesellschaftsordnung&lt;br /&gt;Hat das Kollektivverhandlungswesen noch Zukunft?&lt;br /&gt;1963 brachte neuen Stil im Tarifverhandlungen&lt;br /&gt;Betrieblich geförderte Freizeitprogramme&lt;br /&gt;US-Eisenbahnen können "zweiten Mann" auf Dieselloks abbauen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gewährleistung gleicher Berufschancen für Amerikas Minderheiten&lt;br /&gt;Die wirtschaftlichen Ziele der amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen in den USA (I)&lt;br /&gt;Neue Möglichkeiten des Kollektivverhandlungswesens&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten: Lohnpolitischer Rundblick&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsvorgeschichte, Haltung und Einkommen der Arbeitslosen in den USA (II)&lt;br /&gt;Druckereifachschule in Colorado Springs&lt;br /&gt;Die Firma zahlt den Doktorhut&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaft und Automation - Dreimal Waffenstillstand an der amerikanischen Westküste&lt;br /&gt;Die betrieblichen Sozialklassen der Angestellten in den USA (I)&lt;br /&gt;US-Eisenbahnerstreik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die betrieblichen Sozialkassen der Angestellten in den USA (II)&lt;br /&gt;Die amerikanischen Gewerkschaften und die Präsidentschaftswahlen&lt;br /&gt;Ende der Monotonie am Fließband?&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arbeitsmarkt- und Automationsforschung in den USA: Ziele und Aufgaben&lt;br /&gt;Die Automationsforschung:&lt;br /&gt;Untersuchungen über technische Neuheiten&lt;br /&gt;Untersuchungen über die Auswirkungen der Automation&lt;br /&gt;Künftige Forschungsreihen&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und das öffentliche Interesse&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 8/9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Bezahlter Urlaub als Bestandteil von Kollektivverträgen&lt;br /&gt;Die Rolle der Gewerkschaften in der modernen Wirtschaft&lt;br /&gt;"Haben Sie schon einen Job?"&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Mitgliederbewegungen der amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gezielte Vorbereitung der Arbeitnehmer auf die Pensionierung&lt;br /&gt;Die Gewerkschaften und das höhere Bildungswesen (II)&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technologische Betriebsumstellungen und die Auswirkungen auf die Arbeitnehmer&lt;br /&gt;Probleme des technischen Wandels müssen fortschrittlich gelöst werden&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis

19 6 5

Nr. 1

Die Lohnentvicklung in der US-Wirtschaft 1957-1963
Die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt
1962-1964
Das Ende der freien Gewerkschaften Kubas
Gewerkschaft1iche Kurznachrichten

+
Nr. 2

Tarifvertragliche Möglichkeiten einer vorzeitigen
Pensionierung in der US-Wirtschaft
Verbesserung der Volksgesundheit durch gezielte
Maßnahmen
Entlassungsbestimmungen in US-Tarifverträgen

+
Nr. 3

Ausgabentrends von Stadtfamilien 1950-1961
Arbeits- und Lohngarantiebestimmungen in
Großtarifverträgen
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 4

Die Entwicklung der Lohnnebenleistungen in der
US-Industrie
UAW - eine junge aber mächtige Gewerkschaft
Stahlarbeitergewerkschaft schloß Modellvertrag
Umschulungs- und Berufsförderungsprogramme wurden verstärkt
SunnyhillsJ Rassenfragen unbekannt

+

�Nr. 5

Die Entwicklung des US-Arbeitspotentials zwischen
1964 und 1980
Die Entwicklung der Einkommen im Polizei- und
Feuerwehrdienst
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 6

Art, Umfang und Problematik der Doppelbeschäftigung
Gezielte Maßnahmen zur Vorbereitung auf das
Automationszeitalter
Hilfe für die älteren Menschen

+
Nr. 7/8

Eine Einkommenskala der USA unter Berücksichtigung
von 321 Berufen
Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt
US-Industrie bietet Führungspositionen für Farbige
Chrysler startete bemerkenswertes Umschulungsprogramm
600 000 US-Regierungsangestellte sind Gewerkschaftsmitglieder

+
Nr. 9

Automation in zehn Großunternehmen
Gleiche Arbeitschancen für alle
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 10

Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen
seit Kriegsende
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+

2 -

�11 Automation und Gesellschaft
Beschäftigungstrends in der Fertigungsindustrie
Der neue Tarifvertrag der US-Stahlarbeiter
Arbeitslosigkeit erreichte neuen Tiefstand

+
12

Automation und Gesellschaft

(II)

Gewerkschaftliche Mitsprache bei Personalentscheidungen
Arbeitnehmer auf der Schulbank

+ + + + +

- 3-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1965

INHALTSVERZEICHNIS

Die Lohnentwicklung in der US-Wirtschaft 1957-1963

Seite

1

Die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt 1962-1964

Seite

9

Das Ende der freien Gewerkschaften Kubas

Seite 14

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 17

J. Ross Wetzel, Mitarbeiter des US-Bundesamtes für Arbeitsstatistik,
Abteilung Beschäftigungsanalysen:
Die Lohnentwicklung in der US-Wirtschaft 1957-1963
Zusammenfassung
Trotz zweier Rezessionen und einer relativ hohen Erwerbslosenzahl haben sich die durchschnittlichen Arbeitseinkommen von fast 30
Millionen amerikanischen Lohnempfängern 1) zwischen 1957 und 1963 um
über 20 Prozent erhöht. Diese Aufwärtsbewegung, die auch 1964 andauerte, vollzog sich auf einer relativ breiten Basis und in verhältnismäßig ruhigen Bahnen. Zwar sind auch die Lebenshaltungskosten in diesem
Zeitraum angestiegen, aber nicht in dem Maße wie die Einkommen. Eie
Realeinkommen folgten daher beständig einem Aufwärtstrend.
Wenn
1) Zu'den 30 Millionen Arbeitnehmern, die von dieser Analyse des USBundesamtes für Arbeitsstatistik erfaßt werden, gehören die Bauarbeiter, die Produktionsarbeiter der Industrie und des Bergbaues
sowie die Angestellten des Handels, der "anken und Versicherungen,
der verschiedenen Tienstleistungszweige und des Transportwesens
mit Ausnahme der leitenden Angestellten.
- 1

�Wenn auch alle Industriezweige, für die auswertbare statistische
Unterlagen zur Verfügung standen, Lohnanstiege aufweisen, so hat sich
dennoch die Kluft zwischen den Industrien mit hohen und mit niedrigen
Löhnen erweitert - und zwar sowohl in absoluten (Geld-) als auch in
Prozentwerten. Die Einkommenszunahmen sind in erster Linie das Ergebnis höherer Stundenlöhne und nicht die Folge wesentlicher Arbeitszeitverlängerungen.
Die Wochenlöhne
Umfassende, nach Wirtschaftszweigen gegliederte Einkommensunterlagen standen bei dieser Einkommensanalyse für insgesamt 25 Millionen
im Handel, in der Fertigungsindustrie, dem Baugewerbe und de» Bergbau
beschäftigte Arbeitnehmer zur Verfügung. Die Verdienstunterlagen für
weitere 5 Millionen dagegen beziehen sich .nur auf einzelne Sektoren
von Wirtschaftszweigen. Sie werden am Ende dieses Abschnitts gesondert
behandelt. Insgesamt gesehen, bestehen zwischen den Lohnanstiegen in
den einzelnen Wirtschaftszweigen nur geringfügige Unterschiede. Sie
liegen allgemein im Bereich von 20 bis 22 Prozent. Etwa 22 Millionen in
Industrie und Handel.Beschäftigte wiesen zwischen 1957 und 1963 eine
Lohnaufbesserung dieser Größenordnung auf. An der Spitze der Skala
stehen die Bauarbeiter mit Lohnerhöhungen von 27 Prozent, am Ende rangieren die Bergarbeiter mit.Zunahmen von lediglich 16 Prozent. Wenn auch
eine auffällige Parallelentwicklung der Einkommen in Industrie und Handel
festzustellen ist, so darf doch in diesem Zusammenhang nicht übersehen
wer«en, daß die Zuwachsraten in den einzelnen Wirtschaftssektoren sehr
unterschiedlich waren.
Wie schon einleitend betont wurde, resultieren die Lohngewinne in
erster Linie aus höheren Stu denlöhnen und nur zu einem geringen Teil
aus vermehrter Arbeitszeit. Im Handel und in der Fertigungsindustrie
belaufen sich die Lohnerhöhungen auf 20-22 Prozent; im Bergbau auf 12
nd im Baugewerbe auf 26 Prozent. Die durchschnittlich»- Arbeitswoche
war 1963 in den einzelnen Wirtschaftszweigen etwas länger als 1957.
Dennoch trug die verlängerte Arbeitszeit nur mit weniger als einem Achtel
zur Gesamterhöhung der wöchentlichen Einkommen bei. Die einzige Ausnahme
bildete der Bergbau, wo sich die durchschnittliche Arbeitswoche um 1 1/2
Stunden erhöhte - was rund 1/4 der Lohnerhöhungen bewirkte.
Zwischen den einzelnen Industriezweigen bestehen - wie auch aus der
Tabelle 1 zu ersehen ist - erhebliche Lohnunterschiede, die sich zwischen
1957 und 1963 noch stärker ausgeprägt.haben. Als Beispiel seien hier die
Lohnentwicklungen bei den Bauarbeitern und den im Einzelhandel Beschäftigten angeführt. Während das. Einkommensverhältnis zwischen diesen, beiden
Arbeitnehmergruppen 1957 noch 1,0 zu 1,8 betrug, stellte es sich 1963 auf
1,0 zu 1,9. Wenn man außerdem die wöchentlichen Durchschnittseinkommen
der einzelnen Industriezweige (ohne Bergbau) .^'.Jteinander vergleicht, so
zeigt sich, daß die Kluft zwischen den Industrien mit hohem und mit niedrigem Lohnniveau sowohl absolut als auch relativ größer geworden ist.
Tabelle 1

�Tabelle 1

Wochenlöhne in ausgewählten Industriezweigen
Jahresdurchschnitte 1957 (1958) und 1963
(Angaben in Dollar)
Industriezweig

Bruttowochenlöhne
1963

1957

Zuna

Bruttostundenlöhne

Jme

1963

1957

Zunahme
in 7.

in /o

Bergbau

114,40

98,65

16

2,75

2,46

12

Baugewerbe

127,57

100,27

27

3,42

2,71

26

108,09

88,26

22

2,63

2,19

20

87,91

72,52

21

2,22

1,85

20

Großhandel

99,47

81,41

22

2,45

2,02

21

Einzelhandel

68,04

56,89

20

1,80

1,47

22

Banken

74,97

61,44

22

(2)

(2)

Versicherungen

96,28

80,83

19

(2)

(2)

Fertigungsindustrie
Dauergüter
Verbrauchsgüter
Handel

Bank- und Versicherungsgewerbe

Dienstleistungsgewerbe

(1958)

-

(1958)

Hotels und Motels

47, S8

40,89

16

1,22

1,03

18

Wäschereien

51,87

45,28

15

1,33

1,17

14

Eisenbahnen

118,40

101,50

17

2,76

2,44

13

Straßentransport

117,31

96,33

22

2,82

2,31

Telefon

22

102,40

78,72

30

2,56

2,05

25

Elektrizität, Gas u.a.

121,13

98,57

23

2,94

2,41

22

Transport, öffentliche
Versorgung

Tabelle 2

�Tabelle 2

Wöchentliche Arbeitszeit und Beschäf tigtenzah1
(Jahresdurchschnitte 1957 und 1963)

Industrie

Beschäftigtenzahl
(in 1000)

Durchschnittliche Arbeitszeit
pro Woche (in Stunden)
1963

1957

Veränderung
•

Ol

1963

1957

in k

Veränderung
in %

Bergbau

41,6

40,1

+ 1,5

497

695

Baugewerbe

37,3

37,0

+ 0,3

2578

2537

+ 1,6

- 28,5

Industrie
Dauergüter

41,1

40,3

+ 0,8

7059

7550

- 6,5

Verbrauchsgüter

39,6

39,2

+ 0,4

5526

5638

- 2,0

Großhandel

40,6

40,3

+ 0,3

2690

2541

+ 5,9

Einzelhandel

37,8

38,7

- 0,9

6303

5933

+ 6,2

Handel

Der durchschnittliche Wochenlohn der Bauarbeiter stieg zwischen 1957
und 1963 von 100,00 Dollar auf 128,00 Dollar an. Dies entspricht der größten absoluten und prozentualen Zunahme .überhaupt. .Im Bergbau, der in der
industriellen Lohnskala an zweiter Stelle steht, trat, eine Erhöhung der
Wochenlöhne von 99,00 Dollar auf 114,00 Dollar ein. Die Einkommenskluft
zwischen der Dauer- und der Verbrauchsgüterindustrie.vergrößerte sich erneut (von 16 auf 20 Dollar), obwohl prozentual gesehen die Anstiege der
Wochenlöhne zwischen.1957 und 1963 gleich hoch waren. Im Handel betrugen
die prozentualen Zunahmen der Wochenlöhne 22 (Großhandel), bzw. 20 Prozent
(Einzelhandel). Auf Grund der zunehmenden Beschäftigung yon Teilzeitarbeitskräften im Einzelhandel trat in diesem Wirtschaftszweig ein starker Rückgang
der wöchentlichen Arbeitszeit ein, prozentual aber nahmen die Stundenlöhne
hier etwas stärker zu als im Großhandel.
Auch

�Auch für Arbeitnehmergruppen der restlichen Dienstleistungszweige
wurden Einkommensunterlagen ausgewertet. Aus der Finanz-, Versicherungsund Immobilienwirtschaft standen dabei Angaben über insgesamt 1,5 Millionen bei Banken, Versicherungen, Wertpapier- und Börsenir a K 1 B ^ Beschäftigte zur Verfügung. Daraus ergibt sich, daß diese Arbeitnehmerkreise
zwischen 1957 und 1963 einen Anstieg ihrer Wochenbezüge um 19 bis 22 Prozent verzeichneten. Bei anderen Dienstleistungszweigen wurden die Einkommensunterlagen - z.B. der in Hotels, Motels und Wäschereien Beschäftigten - seit 1958 analysiert. Aus einer Zusammenstellung ergibt sich
daß die Wochenlöhne in diesen beiden Teilbereichen des Dienstleistungsgewerbes in diesem Zeitraum um 16,4 bzw. 14,5 Prozent angestiegen sind.
Aus dem Transportgewerbe und den öffentlichen Versorgungsbetrieben standen für diesen Einkommensvergleich Unterlagen von über 2 Millionen Arbeitnehmern zur Verfügung. Es handelte sich dabei um Beschäftigte der
Eisenbahnen, des Straßengüterverkehrs, der Telephongesellschaften sowie
der Elektrizitäts- und Gaswerke. Wie aus Tabelle 1 zu ersehen ist, traten hier erhebliche Lohnerhöhungen ein, die hauptsächlich aus den höheren
Stundenlöhnen resultieren. .
Die Entwicklung der Netto- und Realeinkommen
Die Erhöhung der Bruttobezüge der einzelnen Arbeitnehmer spiegelt
sich in den Nettoeinkommen deshalb nicht voll wider, weil verschiedene
Sozialabgaben sowie die Steuern einen festen prozentualen Anteil an den
Bruttoeinkommen ausmachen. Auch wegen der Erhöhung der Lebenshaltungskosten konnten sich die Realeinkommen nicht im gleichen.Verhältnis entwickeln wie die Bruttoeinkommen. Aus den beiden nachstehenden Tabellen
sind im einzelnen die Veränderungen der Netto- und Realeinkommen zu ersehen.
Tabelle 3
Vergleich der Brutto- und Netto-Wocheneinkommen 1957-1963
(Die angegebenen Werte stellen den Jahresdurchschnitt dar)

Wirtschafts- Juli
zweig
1964
Bergbau

1963

1962
1961
1960
1959
1958
(Brutto-Wocheneinkommen in Dollar)

117,32 114,40

110,70

106,92

105,44

103,68

Baugewerbe 134,87 127,57

122,47

118,08

113,04

108,41 103,78 100,27

Industrie
Handel

96,08

1957
98,65

102,97

99,38

96,56

92,34

89,72

88,26

82,71

81,59.

81,33

77,59

75,08

72,56

70,77

69,17

66,47' 64,29

Durchschnittliches

In dieser periodisch erscheinenden Einkommensübersicht des US-Bundesamtes
für Arbeitsstatistik, die rund 10 Prozent aller in Dienstleistungs- und
verwandten Zweigen Tätigen umschließt, 3i.id die AngelteUt-w mr IfeMr&amp;tKi der Regierungsbehörden nicht erfaßt. In beiden Fällen handelt es sich um schnell
wachsende Wirtschaftszweige..
5

�Durchschnittliches Netto-Wocheneinkommen eines
Arbeitnehmers mit 3 Angehörigen
(in Nominal-Dollar)

1964

1963

1962

1961

1960

1959

1958

1957

Bergbau

104,04

99,69

97,12

94,13

92,92

91,94

86,20

88,30

Baugewerbe

118,75

110,49

106,78

103,29

99,15

95,82

92,51

89,63

Industrie

92,18

87,37

85,53

82,18

80,11

79,40

75,23

74,31

Handel

74,58

70,04

68,45

66,55

65,14

64,22

62,24

60,50

90,10
91,46

(in konstanten Dollars- Basis 1957-59)
Bergbau

96,07

93,43

92,14

90,34

90,13

90,58

Baugewerbe

109,65

103,55

101,31

99,13

96,17

94,40

85,60
91,87

Industrie

85,12

81,88

81,15

78,87

77,70

78,23

74,71

75,83

Handel

68,86

65,64

64,94

63,87

63,18

63,27

61,81

61,73

Im Jahre 1963 verdiente der Industriearbeiter im Durchschnitt 99,00 Dollar
-io
Woche.
Bei Abzügen für die Sozialversicherung und die Lohnsteuer in Höhe
t
von 1? T-^lar verblieben einem Arbeitnehmer mit 3 Familienangehörigen insgesamt 87,00 Dollar. Unter Berücksichtigung der gegenüber 1957 eingetretenen
Preisveränderungen entsprachen diese 87 Dollar einer Kaufkraft von 82 Dollar,
wenn man den durchschnittlichen Dollarwert der Jahre 1957-59 zugrunde legt.
Im Jahre 1957 behielt der gleiche Arbeitnehmer von einem Wochenverdienst von
82 Dollar 74 Dollar zurück. Sein Realeinkommen belief sich damals auf 76 Dollar, (in 1957-59er Dollar). Obwohl also ein amerikanischer Industriearbeiter
mit 3 Angehörigen zwischen 1957 und 1963 einen Anstieg seiner Bruttobezüge
um 22 Prozent verzeichnete, erhöhte sich sein Realeinkommen um. weniger als
10 Prozent. Zum Teil ist dieser relativ geringe"Anstieg auch auf die Anhebung
der Sozialversicherungssätze von 2 1/4 Prozent der ersten 4200 Dollar des Jahreseinkommens auf 3 5/8 Prozent von 4800 Dollar im Jahre 1963 zurückzuführen.
Der Einfluß der Konjunkturschwankungen auf die Einkommen
Die Veränderungen der Wachstumsrate der Wocheneinkommen zwischen 1957
und 1963 standen in einem engen Zusammenhang mit den Schwankungen der wirtschaftlichen Aktivität. Der wichtigste Einflußfaktor war in dieser Hinsicht
die durchschnittliche ^änge der Arbeitswoche, während die andere Komponente die durchschnittlichen Stundenlöhne - unabhängig von der jeweiligen Konjunkturlage einer stetigen Aufwärtskurve folgte. Diese Feststellungen gelten für alle
Wirtschaftszweige, wenngleich die Reaktion.auf die Veränderungen in der wirtschaftlichen Aktivität innerhalb der einzelnen Branchen recht unterschiedlich

- 6-

�unterschiedlich war. So schwankten die jährlichen Lohnzuwachsraten im
Handel zwischen 2,3 und 4,1 Prozent, in der Industrie dagegen zwischen
1,4 und 6,7 Prozent.
Wenn auch die Trends der einzelnen Wirtschaftszweige verhältnismäßig
gleichlaufend sind, so zeigen sich doch die Auswirkungen der wirtschaftlichen Schwankungen auf die Einkommensentwicklung bei den Industriearbeitern
am deutlicheten. Die wichtigsten Einflüsse, die zwischen 1957 und 1963
den Einkommenstrend dieser Arbeitnehmer bestimmten, I önnen wie folgt beschrieben werden:
1. Den in Rezessionsperioden vorgenommenen Entlassungen ging jeweils
ein schneller und wesentlicher Rückgang der wöchentlichen Arbeitszeit voraus. Durch das Absinken der wöchentlichen Arbeitszeit wurden die Einkommen
der Beschäftigten nicht unerheblich beeinflußt. Sowohl während der 195758er Rezession als auch während der wirtschaftlichen Flaute in den Jahren
1960-61 ging die wöchentliche Arbeitszeit im Vergleich zum Vor-RezessLonsstand um 1 1/2 Stunden zurück. Der Rückgang war dabei in der Dauergüterindustrie - insbesondere in der Metall- und metallverarbeitenden Indu rie,
wo die Einkommen relativ hoch liegen - etwas stärker. Außerdem entfiel e:
großer Teil der Arbeitszeitkürzung auf Überstundenarbeit, wodurch die ohne
also in zweifacher Hinsicht beeinflußt wurden.
2. Trotz der beträchtlichen Abnahme der durchschnittlichen Arbeitswoche wiesen die wöchentlichen Bruttolöhne keine erheblichen zyklischen
Rückgänge auf. Zu Beginn der beiden Rezessionsperioden bl eben sie vielmehr
auf ihrem bisherigen Stand und sanken erst unmittelbar vor Einsetzen des
neuen wirtschaftlichen Aufschwungs für kurze Zeit ab.
3. Nach Überwindung des Rezessionstiefpunktes schnellten die Wochenlöhne
wieder in die.Höhe, wobei der größte Teil der Zunahmen aus der verlängerten
Arbeitswoche resultierte. Zwischen 1958 und 1959 z.B. zogen die Wochenlöhne
um 5,50 Dollar an, während gleich. tig die durchschnittliche wöchentliche
Arbeitszeit um 1,1 Stunden zunahm.
-4. Sowohl die Löhne (unter Zugrundelegung des durchschnittlichen Stundenlohns ohne Berücksichtigung der Überstunden1 als auch die Verbraucherpreisestiegen während der beiden Rezessionen an, wobei die Zuwachsrate
der Lv. hne „rund doppelt so groß war wie die der 'Verbraucherpreise. Die nachst«c.^:.^ä Übersicht macht den relativ gleichmäßigen Anstieg dei Stundenlöhne
und Preise im Vergleich zu den abrupten Bewegungen der Wochenlchne deutlich.

Tabelle 3
Bruttowochenlohn, Stundenlohn
1963
Bruttowochenlohn
in Dollar

und Verbraucherpreisinde) 1957-1963

1962

1961

1960

1959

1958

1957

99,38

96,56

92,34

89,72

88,26

82,71

81,59

Stundenlohn in
Dollar (ohne Überst.) 2,37

2,31

2,25

2,19

2,12

2,o5

1,99

Verbraucherpreisindex (1957-59=100)

106,7

105,4

104,2

Durchschnittslohn der Industriearbeiter

- 7-

103,1

101,5

100,7

98,0
Die

�Die Lohnentwicklungen in der Fertigungsindustrie
Die Übersicht über die Lohnentwicklungen in den einzelnen Zweigen der
FertigungsIndustrie (Tabelle 4) unterstreicht und erhärtet all das, was
bisher über die Trends in den Groß-Wirtschaftszweigen gesagt worden ist.
Die beträchtlichen Unterschiede im Lohnniveau und die allgemeine Ausweitungstendenz kommen in der Übersicht der 21 Branchen der FertigungsIndustrie noch klarer zum Ausdruck als in der Aufstellung nach Wirtschaftszweigen. So waren zum Beispiel im Jahre 1957 die durchschnittlichen Wocheneinkommen der Arbeitnehmer der Ölindustrie um 55 Dollar (oder um 100 Prozent)
größer als d e der Bekleidungsarbeiter; 1963 dagegen hatten sich diese Unterschiede bereits auf 70 Dollar bzw. auf 110 Prozent erhöht. Die Einkommensunterschiede innerhalb .der Dauergüterindustrie sind dagegen nicht so
ausgeprägt, aber dennoch nicht unerheblich. So be rüg zum Beispiel die
Differenz zwischen den durchschnittlichen Wochenlöhnen der. Grundmetallindustrie (die an der Spitze der Lohnskala rangiert) und der an unterster
Stelle stehenden Holzindustrie 1957 noch 32 Dollar oder 49 Prozent, 1963
dagegen 43 Dollar, bzw. 52 Prozent.
Tabelle 4
Wocheneinkommen und Stundenlöhne i n der F e r t i f i u n g s i n d u s t r l e 1957
und 1963
(Jahresdurchschnitte in Dollar)
Industriezweig

Wochenlöh

1963

in Dollar

A

1957

"st^e8

Stundenlöhne in Dollar
(ohne Überstunden)
1963

1957

Dauergüterindustrie
HolzMöbelElektroSteine-, Erden-,GlasApparatebau- ,
KetallMaschinenbauRüstungsWaggonbauHütten-Industrie
Verschiedene

81,80
81,39
99,38
102,42
101,59
108,0"
116,20
119,60
126,42
124,64
80,39

66,64
69,83
81,80
82,82
83,22

88,
94,12
95,58
97,51
99,00
69,48

23
17
21
24
22
22
23
25
30
26
16

1,96
1,92
2,40
2,37
2,42
2,52
2,68
2,82
2,89
2,95
1,97

1,69
1,71
1,99
1,98
2, 1
2,09
2,21
2,31
2,32
2,44
1,70

16
12
21
20
20
21
2,
22
25
21
16

Verbrauchsgüterindustrie

- 8 -

�1963

A

1957

"st'eg
i n /o

1963

1957

*»•"•«
i n /&lt;,

Verbrauchsgüterindustrie
BekleidungsLederTextilTabakNahrungsmittelGummiPapierChemieDruckereiErdöl-Industrie

62,09
66,00
69,43
73,73
94,48
100,78
105,90
112,88
110,30
131,77

53,91
56,85
57,96
58,75
75,48
85,67
85,45
89,98
92,64
108,53

15
16
20
25
25
18
24
25
19
21

1,69
1,73
1,65
1,88
2,22
2,39
2,35
2.64
3,07

1,49
1,50
1,45
1,53
1,79
2,o6
1,92

M5
2,60

13
15
14
23
24
16
22
23
18

keine zuverlässig? Angaben vorhanden, da Überstundenbezahlung weit
über dem Normalsatz (1 l/2fach) liegt.

(Quelle: Monthly Report on the
Labor Force,
Sept. 64, S. 17)

+ ++++
Die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt 1962-1964
Allgemeines
Zwischen 1963 und 1964 hat sich die Arbeitsmarktlage in den USA wesentlich gebessert. Die Zahl der Beschäftigten nahm in diesem Zeitraum stärker
zu als die Gesamtzahl der verfügbaren Arbeitskräfte, und die Erwerbslosigkeit
konnte weiter eingedämmt werden. Die Erwerbslosenrate ging vom 3. Quartal
1963 an sowohl bei den männlichen und weiblichen Arbeitskräften als auch
bei den Jugendlichen unter zwanzig Jahren zurück.
Die Beschäftigungslage
Zum ersten Mal überstieg die Gesamtbeschäftigtenzahl der USA im Juli
und August 1964 die 72-Millionen-Grenze und erreichte während des 3. Quartals einen Durchschnitt von 71,8 Millionen. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres ergab sich damit eine Zunahme der Beschäftigten um
1,5 Millionen, der Anstiege von nur jeweils einer Million in den Jahren

- 9-

�Jahren 1962 und 1963 gegenüberstehen. Der Anstieg der Zahl der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätze war dabei etwas größer als die Zunahme der Gesaratbeschäftigung - 1,6 Millionen gegenüber 1,2 Millionen
zwischen 1962 und 1963. Die Zahl der in der Landwirtschaft tätigen Arbeitnehmer ging auch 1964 weiter zurück, wenngleich nicht ganz so stark
wie 1963. Mit 5,5 Millionen im 3. Quartal 1964 war die Zahl der Arbeitsplätze des Agrarsektors im Vergleich zum 3. Quartal 1963 um 100 000 niedriger. Zwischen 1962 und 1963 hatte der Rückgang noch 200 000 betragen.
Der Zuwachs an nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätzen in Höhe von
1,6 Millionen verteilt sich dabei auf folgende Arbeitnehmergruppen:
600 000 Männer; 650 000 Frauen; 300 000 männliche und weibliche Teenager.
Bei den Erwachsenen-Gruppen waren die Zunahmen etwa ebenso groß wie zwischen 1962 und 1963. Den stärksten Anstieg während der vergangenen zwei
Jahre verzeichnete die Gruppe der 20- bis 24jährigen, auf die 900 000 oder
40 Prozent der Gesamtzunahme der Arbeitskräfte über 20 Jahre entfielen.
In der Gruppe der Teenager war 1964 die Zunahme im Vergleich zu 1962/63,
als keinerlei Anstiege zu verzeichnen waren, ganz beträchtlich.
Die Nachfrage nach Vollzeit-Arbeitskräften hat sich zwischen den
3. Quartalen 1963 und 1964 verstärkt. Von den 1,6 Millionen neuen Arbeitsplätzen in Industrie und Handel waren 1,5 Millionen Vollzeit-Arbeitsplätze,
während im Vorjahr das Verhältnis 1,2 Millionen zu 900 000 betragen hatte.
Das allgemein günstigere Bild bei den Vollzeit-Arbeitsplätzen wird auch
noch durch die Tatsache unterstrichen, daß die Zahl der Kurzarbeiter in
den vergangenen 12 Monaten um 200 000 abgenommen hat. Gleichzeitig aber
erhöhte sich die Zahl der Halbtagsbeschäftigten seit dem 3. Quartal 1963
um 300 000.
Die Beschäftigungslage in Industrie und Handel
Auf Grund der von den Arbeitgebern eingereichten Beschäftigungsstatistiken ergibt sich für den Gesamtzeitraum 3. Quartal 1963 - 3. Quartal 1964
eine Gesamtzunahme der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitskräfte um 1,6 Millionen. Mit Ausnahme des Bergbaues und der Behörden wiesen dabei sämtliche
Industrie- und Wirtschaftszweige erhebliche. Zunahmen in der Zahl der Beschäftigten auf. Auf Grund der erhöhten wirtschaftlichen Aktivität in. der
Industrie und eines etwas stärkeren Aufwärtstrends im Handel ist im vergangenen Jahr eine im Vergleich zu 1962/63 erheblich größere Zunahme der Zahl
der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätze (+ 300 000) festzustellen gewesen. Bei den drei wichtigsten Dienstleistungszweigen - Händel, Dienstleistungsgewerbe, öffentliche Verwaltung - trat genauso wie im Vorjahr eine
Erhöhung der Zahl der Arbeitsplätze um rund 1 Million ein. Damit entfallen
auf diese Wirtschaftszweige etwa 2/3 aller in den beiden vergangenen Jahren
geschaffenen neuen Arbeitsplätze, obwohl sie nur knapp 50 Prozent aller
nichtlandwirtschaftlichen Arbeitskräfte auf sich vereinigen.
In der Finanz-, Versicherungs- und Immobilienwirtschaft folgte der
Beschäftigungstrend in den beiden vergangenen Jahren einer gleichmäßigen
Aufwärtskurve (Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze um jeweils 70 000 pro
Jahr), während.im Transportwesen und bei den öffentlichen Versorgungsbetrieben nach einer schon mehrere Jahre andauernden Stagnation erstmals wieder
eine leichte Zunahme (seit 1962 + 100 000) eingetreten ist. Der er''-«• V iche Beschäftigungsrückgang .bei den Eisenbahnen..während der letzten Jahre hat sich
inzwischen abgeschwächt. Er wird seit kurzem durch einen laufenden Ai stieg
der Zahl der Beschäftigten im Straßen-und Luftverkehr sowie bei den öffentlichen Versorgungsunternehmen sogar mehr als ausgeglichen.
Der
- 10 -

�Der einzige Di. nstleistungszweig, der einen nicht unerheblichen
Rückgang in der Beschäftigung seit 1962 aufweist, sind die Bundesbehörden, die trotz einer kürzlichen geringen Zunahme im Jahre 1963 in
der ZweiJahresperiode einen Gesamtrückgang um 8000 verzeichnen.
Obwohl die Dienstleistungszweige auch in den beiden letzten Jahren
dem langfristigen stetigen Aufwärtstrend folgten, so verzeichnet doch die
Fertigungsindustrie seit dem 3. Quartal 1963 die stärkste Zunahme an neuen
Arbeitsplätzen. Die Zahl der Fabrikarbeiter nahm nämlich um 350 000 zu,
was im Vergleich.zur Periode 1962/63 einen doppelt so großen Anstieg bedeutet. Dadurch konnte die Industriebeschäftigung wieder den Spitzenstand
des Jahres 1957 (1. Quartal) erreichen. Von besonderer Bedeutung ist in
diesem Zusammenhang noch, daß die Arbeitsplatzzunahme in der Fertigungsindustrie vor allem auf dem Produktionssektor erfolgte. Mit einem Zuwachs
von 300 000 zwischen 1963 und 1964 entfielen auf diese Arbeitnehmergruppe
(Produktionsarbeiter) rund 85 Prozent der Gesamtzunahme. Im Gegensatz dazu
betrug der Zuwachs an Produktionsarbeitern zwischen 1962 und 1963 nur
85 000, was einem Anteil von etwa 50 Prozent entsprach. Der erhöhte Bedarf an Fabrikarbeitern spiegelt sich auch in der durchschnittlichen. Länge
der Arbeitswoche und der geleisteten Überstundenarbeit wider, die um 0,1
bzw. 0,2 Stunden zunahmen und damit den bisher höchsten 3. Quartals-Stand
erzielten.
Die erhöhte Produktion der Automobil-, der Stall- und Schwermaschinenindustrie kommt auch in der Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze in der metallerzeugenden und -verarbeitenden Industrie zum Ausdruck, wo ein Beschäftigung s anstieg um mehr als fünf Prozent eintrat
eine Zuwachsrate,, die
selbst von der schnell expandierenden Dienstleistungszweigen nicht erreicht
wurde. Auf der anderen Seite wi«s die Verbrauchs üterindustrie nur eine Gesamtzunahme um 75 000 Arbeitsplätze in den letzten zwei Jahren auf (das
sind rund 157» der Gesamtzunahme in der Fertigungsindustrie), obwohl,die
Bekleidungsindustrie in den beiden vergangenen Jahren und die Gummiindustrie
im letzten Jahr beträchtliche Anstiege verzeichneten.
In den anderen Güter erzeugenden Industriezweigen ergibt sich folgendes
Bild: Im Bergbau kam der langanhaltende Rückgang in der Zahl der Arbeitsplätze zum Stillstand; das Baugewerbe wies im 3 Quartal i ^ einen neuen "Rekordstand der Beschäftigung auf,
Arbeitslosigkeit
Zwischen 1963 und 1964 (jeweils 3. Quartal) ging die Erwerbslosenrate
von 5,6 auf 5,1 Prozent des Arbeitspotentials zurück. Gegenüber der Vergleichsperiode 1962/63, in der die Arbeitslosenrate zwischen 5,5 und 5,8
Prozent schwankte, ist damit eine erhebliche Besserung eingetreten. Auch an
der absoluten Zahl der Arbeitsuchenden wird dies deutlich. Im Juli-SeptemberQuartal 1964 betrug die durchschnittliche Arbe tslosenzahl 3,6 .Millionen.
Gegenüber dem Vorjahr stellt das einen Rückgang um 300 000 dar, der insofern von besonderer Bedeutung ist, a s er sich fast ausschließlich auf jene
Arbeitslosen konzentriert, die eine ganztätige Beschäftigung suchen. Die
Zahl derjenigen Arbeitslosen, die sich um eine Hai tagsbeschäftigung bemühten, war dagegen mit 650 000 im Vergleich zu. 1963 konstant. Insgesamt
erhöhte sich der Anteil der eine Halbtagsbeschäftigung suchenden Personen
im Erhebungszeitraum von 16 auf 18 Prozent.
Erhebliche

- 11 -

�Erhebliche Rückgänge in der Arbeitslosenrate während der vergangenen
12 Monate waren insbesondere bei den über 20 Jahre alten männlichen Arbeitnehmern sowie bei den Verheirateten festzustellen. Bei den erwachsenen Männern ging sie von 4,2 auf 3,8 Prozent zurück und. erreichte damit den
niedrigsten Stand seit dem 3. Quartal 1957. Die E werbslosenrate der verheirateten männlichen Arbeitskräfte lag in der Juli-September-Pericde 1964
bei 2,7 Prozent. Sie folgte dem gleichen Trend wie die Rate der über 20
Jahre alten Erwerbslosen. Das Absinken der Erwerbslosenrate in diesen beiden Arbeitnehmergruppen ist weitgehend durch die erhebliche Nachfrage nach
Arbeitskräften in der Industrie und im Baugewerbe bedingt gewesen.
Bei den erwachsenen Frauen (über 20 Jahre) ging die Erwerbslosenrate,
die zwischen 1962 und 1963 (jeweils 3. Quartal) keinerlei Veränderung aufwies, in den ersten neun Monaten 1964 zurück. Sie erreichte im 3. Quartal
einen Stand von 5,0 Prozent - das ist gleichzeitig der niedrigste Stand
seit Mitte 1960. Auf der anderen Seite blieb die Erwerbslosenrate für
Teenager, die ebenfalls leicht absank, immer noch erheblich über dem Niveau des Jahres 1962.
Der Rückgang der Erwerbslosenrate seit dem 3. Quartal 1963 erfolgte
sowohl bei den weißen als auch bei farbigen Arbeitnehmern. Der starke Rückgang in der Zahl der erwerbslosen Industrie- und Bauarbeiter resultierte
aus dem größeren Arbeitskräftebedarf dieser Wirtschaftszweige. Aber auch
im Handel, im Transportgewerbe und bei den öffentlichen Versorgungsbetrieben, verstärkte, sich der Arbeitskräftebedarf, durch den ein weiteres Absinken der Arbeitslosenziffern herbeigeführt wurde. Wenn auch die Zahl der
Arbeitslosen zurückging, die sich um eine Beschäftigung in den Dienstleistungszweigen, dem Finanzgewerbe und der öffentlichen Verwaltung bemühten,
so waren die Abnahmen doch wesentlich geringer als in den Güter erEeugenden
Zweigen.
Langfristige Arbeitslosigkeit
Unter dem Einfluß der nun seit mehr als 3 1/2 Jahren andauernden wirtschaftlichen Expansion hat sich die Lage der längerfristigen Arbeitslosen
(länger als 15 Wochen) in letzter Zeit etwas günstiger gestaltet. Am Ende
des 3. Quartals 1964 war die Zahl dieser Arbeitslosen bis auf 800 000 abgesunken. Sie hat damit den tiefsten 3. Quartalsstand seit 1960 erreicht.
Gegenüber 1956 und 1957 jedoch ist die Zahl der langfristigen Arbeitslosen
immer noch fast doppelt so hoch. Besonders bemerkenswert ist in diesem
Zusammenhang die erhebliche Abnahme der Zahl derjenigen Erwerbslosen, die
läneer.als sechs Monate ohne Arbeit sind. Binnen zwei Jahren ging sie von
550 000 auf 480 000 zurück.
Gerade diese Rückgänge bei den länger- und langfristigen Arbeitslosen
zeigen recht deutlich, daß sich die Arbeitsmarktlage in letzter Zeit doch
erheblich gebessert hat. Dennoch kann diese Tatsache nicht darüber hinwegtäuschen, daß diese Dauerarbeitslosen auch weiterhin ein sehr hartnäckiges
Problem bilden werden. Im 3. Quartal 1964 z.B. hatten diese Arbeitslosen
immer noch einen Anteil.von rund 25 Prozent an der Gesamtarbeitslosenzahl,
wobei sich die hartnäckigsten Fälle auf bestimmte Arbeitnehmergruppen konzentrierten. Dazu gehören die älteren (über 45 Jahre alten) Arbeitnehmer,
die Farbigen, .die angelernten und Hilfsarbeiter ebenso wie zuletzt im Bergtau, im
Baugewerbe und in der Industrie beschäftigte Arbeitnehmer. Auch die Gruppe
der 14- bis 24jährigen.Arbeitnehmer ohne jegliche Berufserfahrung stellt
tuen relativ hohen Anteil an Dauerarbeitslosen. .
_

- 12 -

�Das Arbeitspotential
Die Gesamtzahl der zivilen Arbeitskräfte stieg 1964 sehr schnell an.
Unter Zugrundelegung der Durchschnittswerte für die ersten neun Monate 1964
ergibt sich ein Arbeitspotential von 74,3 Millionen - das sind 1,3 Millionen mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gegenüber der Vergleichsperiode 1962/63 (Anstieg um 1,1 Millionen) war der Gesa.tzuwachs also um
200 000 größer. In den letzten Monaten jedoch hat sich die Wachstumsrate
erheblich verringert.
Zwischen den 3. Quartalen 1963 und 1964 erhöhte sich die Gesamtzahl
der zur Verfügung stehenden zivilen Arbeitskräfte um 1 150 000. Die Zunahme
war damit nur unwesentlich größer als zwischen 1962 und 1963. Während Anfang
der sechziger Jahre die erwachsenen Frauen der am schnellsten wachsende
Arbeitskräftesektor waren, ist es 1964 die Gruppe der jüngeren - 14 bis 24
Jahre alten - Personen gewesen. Obwohl der Anteil dieser Gruppe am Arbeitspotential im 3. Quartal 1964 nur 20 Prozent ausmachte, vereinigte sie 3/5
der Gesamtzunahme in diesem Jahr auf sich. Diese jungen, in den vierziger
Jahren geborenen Arbeitnehmer werden auch in den nächsten Jahren am stärksten
zur Ausweitung des Arbeitspotentials beitragen.

Arbeitslosenraten der männlichen 20- bis 24 Jahre und über 25 Jahre
alten Arbeitskräfte (Jan. 1957 - Sept. 1964)

Jahr

Jan.

Feb.

März

Apr.l

Mai

Juni

20-24 Jahre
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

6,9

7,2

5,8

6,9

7,3

8,5

11.5
10,2

12,7
10,3

13,1

13,5

13,8

13,8

8,5

8,3

9,4
8,9

7,6
8,7

6,8
8,3

8,4
7,8

10,9

11,2

11,0

12,4

11,3

10,9

9,1
9,0
8,9

8,6
8,9
8,9

8,5
8,7
7,4

8,5
8,6
7,4

8,9
8,4
7,4

8,6
9,2
8,7

',1

2,9
5,1
4,8
3,6
5,3
4,0
4,5
3,6

2,8
5,5
4,3
4,1
5,3
4,1
4,1
3,5

3,0
6,1
3,9
4,0
5,4
4,2
4,0
3,4

2,9
6,2
3,9
3,9
5,7
4,1
4,0
3,2

3,0
6,3
3,8
4,2
5,3
4,2
^,8
3,4

•ber 25 Jahre
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

4:, 6

4,8
4,0
5,3
4,2
4,3
3,7

Jahr

- 13 -

�Jahr

Juli

Aug.

Sept.

Okt.

Nov.

Dez.

6,7
14,7
7,9
8,7
10,9
8,9
8,8
7,9

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4,2
4,1

4,2
5,1
3,9
5,2
4,5
4,2
3,8

20-24 Jahre
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

9.3
9,0
10,2
8,6
9,6
-9,0

über 25 Jahre
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

(Quelle: "The Labor Force», U.S. Department of Labor)

+++++

Nicolas Rivero 1)
Das Ende der freien Gewerkschaften Kubas
Kubas freie Gewerkschaften gehören der Vergangenheit an. Wie in allen
c-ren kommunistisch beherrschten Ländern tr^t ein
tlich dirigiertes
System an ihre Stelle, in dem die sogenannten Gewerkschaften led glich die
untergeordnete Rolle staatlicher Vollzugsorgane zu spielen haben. Das entspricht genau dem von den Sowjets aufgestellten Modell.
i: • taufgabe der kubanischen Gewerkschaften ist es daser auch nicht
mehr,: dl« wirtschaftlichen und sozialen Interessen ihrer Mitglieder zu
schützen, sondern vielmehr die staatlichen Forderungen nach Steigerung der
Arbeitsleistung bei Niedrighaltung des Lohnniveaus brutal durchzusetzen.
Uideripruch vpn Seiten der Arbeitnehmer-wird nicht nur nicht gedul-'et, sondern z.Lt härtesten Strafen geahndet.
Dies
Der Verfasser de;. Artikels war während der ersten 18 Monate des CastroRegimes Leiter der Informationsabteilung des kubanischen Außenministeriums.
Im Jahre 1960 setzte er sich in die USA ab.

- 14 -

�Dies ist die Situation. Aber man muß der Gerechtigkeit halber hinzufügen, daß Gastro die Gleichschaltung der freien kubanischen Gewerkschaftsbewegung alles andere ..ls leicht gemacht wurde. Die Kommunisten vermochten
die Kubanische Arbeiter-Konföderation (CTC) erst .nach einer ausgedehnten
Kampagne der Verleumdung., der Gewaltandrohung und hinterhältiger Täuschungsver unter ihre Kontrolle zu bringen, und sie konnten dabei in.jeder
Phase
r vollen Unter .tutzung durch das Castro-Regime sicher sein.
Sehen wahrend ieines ven den Bergen der Sierra Maestra aus gegen seinen
Vorgänger Batista geführten Kampfes verfolgte Castro der kubanischen Arbeiterbewegung gegenüber eine TaX-ik typisch kommunistischer Prägung: Er ließ
k. •. :n eine Gelegenheit aus, sich als Freund der Arbeiter aufzuspielen. Kennzeichnend dafür mag eine Erklärung sein, die er im Juli 1957 über meinen
Geheimsender verbreiten ließ und in der es hieß, daß seine "Bewegung des
26. Juli" gegen "jede staatliche Einmischung in die Angelegenheiten der
Gewerkschaften sei" und "... für eine freie und demokr.at . sehe Gewerkschaftsbewegung" eintrete,
Castros sogenannte "Bewegung des 26. Juli" setzte sich - von einigen
Ausnahmen abgesehen - in der Hauptsache aus demokratisch gesinnten Gegnern
des Diktators Batista zusammen. Allerdings gehörten zu den Ausnahmen Leute
wie Raoul Castro, Ernesto "Che" Guevara - und Fidel Castro selber.
Zahlreiche Kubaner brachten die offizielle kommunistische Partei Kubas
mit dem Diktator. Batista in Verbindung, zumal sie dessen Regime unterstützte
und erst eine Annäherung an Castro vollzog, als der Sturz Batistas für alle
Welt als unvermeidlich galt.
»
Als Castro im Januar 1959 seinen Einzug in Havanna hielt, verfügten
die Kommunisten über den schlagkräftigsten und . - besten organisierten Parteiapparat auf der Insel. Sie gingen unverzüglich daran, die Unterwanderung der
Gewerkschaften, die sie noch zu Batistas Zeiten eingeleitet hatten, zu verstärken. Die Marschroute war klar: Es galt, junge, als Mitglieder der'Bewegung des 26. Juli" getarnte kommunistische Agenten in gewerkschaftliche
Schlüsselpositionen einzuschleusen. Zugleich setzte hinter den Kulissen eine
intensive kommunistische Agitation gegen antikommunistische Arbeiterführer
ein, die als Batista-Anhänger diffamiert wurden.
Der erste direkte Versuch der Kommunisten, sich der Gewerkschaften z i
bemächtigen, schlug allerdings fehl.. In den Gewerkschaftswahlen vom April
und Mai 1959 behaupteten die antikommunistischen Mitglieder der "Bewegung
des 26. Juli"
rrain. Und auch - . den folgenden drei Monaten, zeitigte
die kommuniütische Strategie nicht die erhoftten Erfolge. Bei den Wahlen
der Delegationen für den im November 1959 angesetzten 10. Kongreß der
Kubanischen Arbeiter-Konföderation wählten 28 der der CTC angehörenden 33
Gewerkschaften rein antikommunistisch zusammengesetzte Delegationen; nur
zwei Delegationen waren mit Kommunisten durchsetzt.
Wie ablehnend die kubanischen Arbeiter den Kommunisten gegenüberstanden,
wurde anläßlich der Vorstandswahlen deutlich, die von der größten der CTC
angeschlossenen Gewerkschaft, de NFTA (Gewerkschaft der Arbeiter der Zucke-industrie), abgehalten wurden, die 40 Prozent aller Mitglieder auf sich vereinigte. Die kommunistische Tageszeitung "Hoy" hatte die Gewerkschattsi
rung vor der Wahl scharf angegriffen und sie als "Gegenrevolutionäre" bezeichnet. Die Wähler liexien sich indes nicht beeinflussen, denn als das Ergebnis der.Wahl vorlag, hatten die Kommunisten eine weitere Schlappe erlitten: Nur acht der 243 Ortsvereine der NFTA hatten kommunistisch gewählt..
Damit nicht genug: Die Gewerkschaftsversammlung warf der Zeitung vor.

- 15 -

�vor, '»unfundierte und diffamierende Behauptungen" über die der "Bewegung
des 26. Juli" angehörenden Gewerkschaftsführer verbreitet zu haben.
Inzwischen hatten Castro und seine Mitarbeiter sich auch offen zum
Kommunismus bekannt oder sich als dessen Anhänger zu erkennen gegeben.
Im September und Oktober 1959 beschuldigte das Regime zahlreiche .Gewerkschaftsführer, die zugleich der Castro-Bewegung des 26. Juli angehörten,
"konterrevolutionärer Umtriebe". Man enthob sie ihrer Posten und entfernte
sie schließlich vollständig. Sie hatten das unverzeihliche '^erbrechen begangen, gegen die kommunistische Machtübernahme in den Gewerkschaften
Einwände zu erheben.
Ich nahm an dem 10. Kongreß der CTC im November 1959 als Verbindungsmann zur ausländischen Presse teil. Die Mehrzahl der anwesenden Journalisten
vertrat Zeitungen des Ostblocks. Außerdem waren drei Vertreter der Gewerkschaftsbewegung der Sowjetunion zugegen - offensichtlich mit dem Auftrag,
die Vorgänge zu überwachen. Wie sich herausstellte, war der sie begleitende
Dolmetscher, ein Herr Vadim Kotehergin, Agent des sowjetischen Nachrichtenund Spionagebüros. KGB.
"Der Kongreß verlief zunächst nicht zur Zufriedenheit der Kommunisten.
Die erste, bis in die Nacht hinein dauernde Sitzung endete mit einem Tumult,
als die Delegierten von der Kandidatur dreier wohlbekannter Kommunisten für
das 13köpfige Exekutivkomitee vernahmen. Zahlreiche Delegierte forderten
dabei die Kommunisten heraus, indem sie Wassermelonen hochhielten und dabei
"Melonen, Melonen!" ausriefen, was besagen sollte, daß manche Castro-Anhänger äußerlich zwar "grün", innerlich aber "rot" seien. Die Demonstration
bezog sich auf eine Erklärung Castros, wonach.seine Bewegung nicht rot,
sondern olivgrün sei.
Castro selber mußte erscheinen, um die Ordnung wiererherzustellen.
Nach einer seiner üblichen Mammutreden wies er den Generalsekretär der CTC,
David Salvador, an, eine aus Kommunisten und Anhängern der "Bewegung des
26. Juli" gebildete Einheitsliste durchzusetzen. Salvador hatte eine Unterredung mit Raoul Castro, der in dieser Besprechung von Lazatö Pena, einem
Veteran der kommunistischen Gewerkschaftsbewegungj beraten wurde. Das:Ergebnis war eine revidierte Liste, in der die Namen der drei kommunistischen
Kandidaten nicht mehr enthalten waren. Als die Liste am folgenden Tage bekanntgegeben wurde, verließen Jie .Kommunisten aus Protest den Kongreß.
Die Liste wurde angenommen, aber es stellte sich sehr schnell heraus,
daß man einem kommunistischen Täuschungsmanöver unterlegen war: Die Mehrheit der für das Exekutiv-Komitee benannten Kandidaten bestand.nunmehr aus
verkappten Kommunisten oder Sympatisierenden.
Damit war die Entscheidung gefallen. Die Kommunisten beherrschten
das Exekutiv-Komitee und setzten als erstes eine Entschließung über den
Austritt des CTC aus dem antikommunistischen Internationalen Bund freier
Gewerkschaften und aus dessen interamerikanischem Regionalverband durch.
Einem schnell gebildeten Säuberungsausschuß fiel die Aufgabe zu, alle im
kommunistischen Sinne unzuverlässigen Gewerkschaftsfunktionäre ihrer Ämter
zu entheben. Bis April i960 waren bereits 20 Führer der 33 Einzelgewerkschaften durch Kommunisten ersetzt worden.
Im August wurde der Generalsekretär, David Salvador, der Castro mehr
als anderthalb Jahre lang treu gedient hatte, aus der CTC entfernt, weil
er nicht den von Lazaro'Pena abgesteckten Kurs verfolgt hatte. Salvador
ging in den Untergrund und wurde im November 1960 bei dem Versuch, Kuba zu
verlassen, gefangengenommen. Er verschwand in den Kerkern der La CatjanaFestung.
.
.
.
Mit

- 16 -

�Mit der Ausschaltung Salvadors hatten die Kommunisten ihre Ziele in
vollem Umfang erreicht. Die kubanische Gewerkschaftsbewegung, die zu den
fortschrittlichsten der amerikanischen Hemisphäre gehörte, existierte
nicht mehr. Mit ihr verschwanden die von ihr erkämpften sozialen Errungenschaften: garantierter Mindestlohn, Kranken- und Altersversicherungen,
Sicherheit des Arbeitsplatzes, garantierter bezahlter Urlaub - und das
Streikrecht.

+ ++++
US-Arb e i t smarkt
1964 - Arbeitsfriede und sozialer Fortschritt
Trotz zeitweilig aufziehender Streikwolken, die im Falle des Eisenbahner- und des Hafenarbeiterkonflikts sogar katastrophale gesamtwirtschaftliche Auswirkungen anzukündigen schienen, ist das Jahr 1964 schließlich
doch in arbeits- und sozialpolitischer Hinsicht für alle Beteiligten weitaus harmonischer und glatter verlaufen,als ursprünglich erwartet werden
durfte. Das gilt sowohl für Arbeitgeber und Gewerkschaften als auch für Arbeitnehmer und Regierung.
So wurde im Frühjahr der schon seit über drei Jahren schwelende Arbeitskonflikt bei den Eisenbahnen, der die gesamte Wirtschaft zu lähmen drohte,
in letzter Minute, und zwar durch die persönliche Initiative Präsident Johnsons und durch einsichtiges Einlenken beider Sozialpartner, beigelegt und
der ähnliche wirtschaftliche Folgen nach sich ziehende Ha/enarbeiterstreik
an der Ostküste - wenn auch nur durch Anwendung des Teft-Hartley-Gesetzes
- vorläufig entschärft und für die Dauer von 80 Tagen ausgesetzt.
Auch der dritte große Unsicherheitsfaktor auf dem Sektor der Arbeitgeber- Arbeitnehmerbeziehungen, die für den Herbst anstehenden Tarifverhandlungen in der Automobilindustrie, brachte nicht den von allen befürchteten langwierigen Arbeitskampf. Im Gegenteil, trotz der "maßlosen Forderungen" der
Automobilarbeitergewerkschaft - wie es Vizepräsident Seaton von General
Motors formulierte - konnte der neue, für die künftige tarifpolitiscne Entwicklung in der US-Wirtschaft so bedeutsame Kollektivvertrag, den Walter
Reuther einen neuen Meilenstein nannte, relativ schnell unter Dach und Fach
gebracht werden. Wesentlich dazu beigetragen haben die vorbereitenden Besprechungen im gemeinsamen ständigen tarifpolitischen Beratungsausschuß eine Einrichtung, durch die die Tarifverhandlungen wesentlich versachlicht
wurden. Daß es dennoch anschließend zu einigen kürzeren Streiks bei einigen
Automobilproduzenten kam, lag daran, daß im industrieweiten Rahmen nur die
Lohn- und Sozialfragen geregelt wurden, einige der seit langem anstehenden
strittigen internen arbeitstechnischen Probleme dagegen auf der betrieblichen
Ebene zu lösen waren.
Alles in allem läßt sich also auf Grund der Entwicklungen im vergangenen
Jahr feststellen, daß sich das Klima der Arbeitnehmer- Arbeitgeberbeziehungen
1964 weiter verbesserte, keine industrieweiten und die gesamte wirtschaftliche
Aktivität lähmenden Streiks stattfanden und die amerikanischen Arbeitnehmer
durch die neu abgeschlossenen Tarifverträge wesentliche Fortschritte auf dem
Gebiet der Löhne und Sozialleistungen erzielen konnten. .
Als

- 17 -

�Als Beispiel hierfür mag der neue Vertrag der Automobilarbeiter dienen, der - wenn er auch nicht in jeder Beziehung typisch für Tarifabkommen
ist - den allgemeinen derzeitigen Trend auf lohnpolitischem Gebiet wohl
am besten charakterisiert. Hier die wichtigsten Verbesserungen: Herabsetzung
der Fensionsgrenze bei ganz, beträchtlich erhöhten Pensionsleistungen (von
2,80 Dollar auf 4,25 Dollar pro Dienstjähr), mehr Urlaub (plus 1 Woche),
mehr bezahlte Feiertage (plus 2), verbesserte Arbeitsbedingungen (50% mehr
Arbeitspause) und schließlich Lohnerhöhungen zwischen 14 und 24 Cent,pro
Stunde.
Auf Grund der neu abgeschlossenen Tarifverträge, der 1964 fällig gewordenen automatischen Lohnerhöhungen aus älteren Verträgen sowie der im Juni
wirksam gewordenen Gesetzesbestimmungen über die gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit und die Anhebung der Mindestlohnsätze ist das Einkommensniveau
der amerikanischen Arbeitnehmer im vergangenen Jahr weiter angestiegen. Während der durchschnittliche Wochenlohn eines Industriearbeiters von 99,38
Dollar auf etwa lo3,oo Dollar und der Stundenlohn von 2,46 Dollar auf 2,53
Dollar kletterten, erhöhten sich die freiwilligen Sozialleistungen infolge
zahlreicher Verbesserungen (Erhöhung der privaten Pensionsleistungen, Liberalisiei|Sing der Krankenversicherungspläne, Gewährung von mehr Urlaub und bezahlten'Feiertagen) etwa im Rahmen der Vorjahre.
Die "im Vergleich zu 1963 allgemein günstigere wirtschaftliche und soziale
Lage des amerikanischen Arbeiters erhellt auch daraus, daß die Beschäftigtenzahl sich zwischen Oktober 1963 und Oktober 1964 um 1,6 Millionen auf insgesamt 70,6 Millionen erhöhte und gleichzeitig die Erwerbslosenziffer von 4,1
auf 3,2 Millionen zurückging, so daß die Erwerbslosenrate z.Z. nur noch
5,0 Prozent beträgt.
Wenn damit auch der niedrigste Stand seit 1959 erreicht wurde, so darf
doch nicht übersehen werden, daß die Erwerbslosenrate bei den Farbigen immer
noch fast doppelt so hoch liegt wie bei den Weißen und weiterhin ein hartnäckiger Kern von Dauerarbeitslosen (länger als 15 Wochen) das durchweg günstige Bild trübt.
Aber auch in dieser Hinsicht brachte das Jahr 1964 wesentliche Fortschritte. Mit der Verabschiedung des Bürgerrechtsgesetzes dürfte auch der
letzte Rest diskriminierender Praktiken bei der Einstellung von Arbeitskräften nach und nach verschwinden und auf die Dauer ein wesentlicher Rückgang der
Arbeitslosenrate bei den Farbigen eintreten; und mit der Forcierüng des "Gesetzes über die Ausbildung und Umschulung von Arbeitskräften»' (Manpower Development and Training Act of 1962) sollte ein großer Teil all'jener Arbeitslosen
in nächster Zeit bessere Beschäftigungschancen"erhalten, denen es auf Grund
ihres Bildungsniveaus und. ihrer geringen beruflichen Fähigkeiten bisher nicht
möglich war, einen Arbeitsplatz in der modernen Industriegesellschaft zu finden.
Es bleibt also festzustellen, daß das Jahr 1964 sowohl für die US-Gewerkschaften als auch für die Arbeitnehmer überaus günstig verlaufen ist und daß
sehr solide Ausgangspositionen für weitere Fortschritte im kommenden Jahr geschaffen wurden.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Berichtigung
In unserer Ausgabe XVII - 12 vom 1. Dezember 1964 hat sich in dem Artikel
"Technologische Betriebsumstellungen und die Auswirkungen auf die Arbeitnehmer»
auf Seite 2, vierter Absatz ein sinnentstellender Druckfehler eingeschlichen.
Der 3. Satz muß richtig heißen: Das kle inste Gebiet (anstelle von Unternehmen)
hatte eine Gesamtbeschäftigtenzabl von knapp 50 000,,das größte eine von rund
500 000.
•*.

- 18 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Tarifvertragliche Möglichkeiten einer vorzeitigen Pensionierung
in der US-Wirtschaft

Seite

Verbesserung der Volksgesundheit durch gezielte Maßnahmen

Seite 13

Entlassungsbestimmungen in US-Tarifverträgen

Seite 15

1

Walter W. Kolodrubetz, Abteilung Arbeitsbeziehungen
im US-Amt für Arbeitsstatistik:
Tarifvertragliche Möglichkeiten einer vorzeitigen Pensionierung in der USWirtschaft
Auf Grund der umfassenden technologischen Veränderungen in den vergangenen zehn Jahren hat sich die
Beschäftigungsstruktur in den Vereinigten Staaten
ganz beträchtlich gewandelt. Viele alte handwerkliche und Fachberufe sind in der Industrie durch die
neuen automatischen Produktionseinrichtungen ausgelöscht worden. Gleichzeitig wurden jedoch auch zahlreiche neue, in der Regel höherqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Die Folge dieser Entwicklung war
einerseits ein Überfluß an Arbeitskräften für nicht
mehr gefragte Berufe, zum anderen ein nicht unerheblicher Mangel an höherqualifizierten Kräften. Wenn
auch die beruflichen Umstellungsprobleme bei den
jüngeren und Facharbeitern weniger schwierig waren,
so hatten doch die älteren - meist über 50 Jahre
alten - Arbeitnehmer in der Regel erhebliche Schwierigkeiten, einen neuen Arbeitsplatz zu finden: teils

�teils auf Grund ihrer mangelnden beruflichen
Qualifikationen, vor allem aber wegen ihres
relativ hohen Lebensalters. Eine überdurchschnittlich hohe Erwerbslosenrate und eine
große Zahl von Dauerarbeitslosen in diesen
Altersgruppen kennzeichneten den Umstellungsprozeß.
In dem Bestreben, diesen Automationsverdrängten zu einem wirtschaftlich gesicherten Absprung aus dem Erwerbsleben zu verhelfen, haben
die amerikanischen Gewerkschaften in den vergangenen Jahren versucht, in die Kollektivverträge Klauseln einzubauen, die eine vorzeitige
Pensionierung dieser Arbeitnehmergruppen ohne
größere wirtschaftliche Benachteiligung gestatten. Der folgende Artikel gibt einen Überblick über entsprechende von den Gewerkschaften
mit den Unternehmen ausgehandelte Pläne in der
amerikanischen Wirtschaft.
Vorbemerkungen
Durch die Aufnahme von Bestimmungen über eine vorzeitige Pensionierung in die privaten Pensionspläne der amerikanischen Wirtschaft ist das
gesamte Pensionierungsschema in den vergangenen Jahren - da auch die
staatliche Altersversicherung (seit 1961) eine vorzeitige Pensionierung
nach Erreichen des 62. Lebensjahres vorsieht - variantenreicher und umfassender, gleichzeitig aber auch unübersichtlicher geworden.
Das "vorzeitige Pensionsalter" ist in allen privaten Pensionsplänen
ebenso wie das "normale Pensionsalter" speziell definiert. Die technische
Definition des "vorzeitigen Pensionsalters" weicht von der allgemein vorherrschenden Vorstellung, daß jede Pensionierung vor Erreichen des 65.
Lebensjahres eine "vorzeitige Pensionierung" darstellt, insofern ab, als
in den Pensionsplänen (wie auch im weiteren.Verlauf dieses Artikels) dieser Begriff eine Pensionierung vor Erreichen des in den einzelnen Plänen
festgesetzten "normalen Pensionsalters" bezeichnet. Das "normale Pensionsalter" stellt daher den frühestmöglichen Zeitpunkt dar, zu dem ein Arbeitnehmer bei Erhalt der vollen aufgelaufenen Bezüge in den Ruhestand
treten kann. Gewöhnlich ist das "normale Pensionsalter" 65 Jahre, es kann
aber ebenso bei 60 oder 62 wie bei 68 oder 70 Jahren liegen,
Zusammenfassung der Untersuchungsergebnisse
In über 100 der untersuchten privaten Pensionspläne., die 1,6 Millionen Arbeitnehmer erfassen, lag das normale Pensionsalter unter 65, gewöhnlich bei 60 Jahren. Eingeschlossen sind fast eine Million Arbeitnehmer, die von Plänen - wie denen des Bell Telephone System - erfasst werden, die auch eine vorzeitige Pensionierung vorsehen. Bei einigen von
diesen Plänen, zu denen auch die der Telefonindustrie gehören, können die
Arbeitnehmer mit Einwilligung des Unternehmens bereits mit Erreichen des
55. Lebensjahres bei Gewährung der vollen Bezüge in den Ruhestand treten;
bei anderen dagegen ist eine Pensionierung, nur bei reduzierten Leistungen

- 2-

�Leistungen möglich. Zu den restlichen Pensionsplänen, bei denen das
normale Pensionierungsalter zwar unter 65 Jahren liegt, die aber keine
vorzeitige Pensionierung vorsehen, zählen u.a. die der Gewerkschaften
der Elektroarbeiter (IBEW), der Bergarbeiter und der Transportarbeiter.
Das amerikanische Sozialversicherungsgesetz (Social Security Act),
das das normale Pensionierungsalter für alle Sozialversicherungspflichtigen auf 65 Jahre festsetzt, wurde im Jahre 1956 erstmalig liberalisiert. Seinerzeit wurde die Bestimmung aufgenommen, daß sich Frauen bereits ab 62. Lebensjahr bei verminderten Bezügen pensionieren lassen
können - eine Option, die auf die männlichen Arbeitskräfte 1961 ausgedehnt wurde. Da die meisten privaten Pensionspläne zu diesem Zeitpunkt
bereits Bestimmungen über eine vorzeitige Pensionierung - in einem
meist noch niedrigeren Lebensalter - enthielten, dürfte der Einfluß dieser Gesetzesänderung auf die Gestaltung der privaten Pläne nur gering
gewesen sein, wenngleich sie zweifellos dazu beigetragen hat, das tatsächliche "vorzeitige Pensionsalter" allgemein herabzudrücken.
Auf Grund der Bestimmungen dieser privaten Pensionspläne ist es
den Arbeitnehmern, die die erforderlichen Voraussetzungen in bezug auf
Lebensalter und Dienstjähre erfüllen, möglich, sich bei verminderten Bezügen vorzeitig pensionieren zu lassen.
Obwohl allgemein bestimmt ist, daß die Pensionsleistungen in solchen
Fällen sofort fällig sind, bieten einige Pläne den Versicherten die Möglichkeit, die Auszahlung bis zur Erreichung des normalen Pensionsalters
aussetzen zu lassen, damit sie dann in den Genuß der vollen Pension
kommen.
Zu den in jüngster Zeit neu eingeführten Bestimmungen gehören auch
jene, die es den Unternehmern gestatten, die vorzeitige Pensionierung
eines Arbeitnehmers zu erzwingen oder den Betreffenden zu "beiderseits
annehmbaren Bedingungen" (d.h. bei Einvernehmen von Unternehmer, Gewerkschaft und Arbeitnehmer) zu pensionieren. In diesen Fällen kommen die
"Zwangspensionierten" in der Regel in den Genuß wesentlich höherer Pens-ionsle istungen, die.bei einigen Plänen sogar über den Pensionen liegen,
die bei Erreichen der normalen Altersgrenze zu zahlen sind. Wie bei
allen anderen Pensionierungsvorschriften müssen natürlich auch hier
gewisse Voraussetzungen hinsichtlich der Dauer der Betriebszugehörigkeit und des Lebensalters erfüllt sein.
Vorzeitige Pensionierung
Bestimmungen über eine vorzeitige Pensionierung enthielten rund 75
Prozent aller untersuchten privaten Pensionspläne. Bemerkenswert ist dabei, daß derartige Bestimmungen weitaus häufiger in jenen Plänen verankert sind, die sich lediglich auf ein einzelnes Unternehmen beziehen,
(in der Folge als Einzelpläne bezeichnet), als in solchen, die von mehreren Arbeitgebern (Sammelpläne) getragen werden. Das Verhältnis ist hier
4:1 bzw. 2:3. Bei den Einzelplänen, die keine derartigen Klauseln enthielten, handelte es sich in der Regel um Pläne, die ausschließlich durch
Unternehmerbeiträge gespeist werden und hauptsächlich auf Unternehmen des
Handels, der Dienstleistungszweige und der Fertigungsindustrie beschränkt
sind. Bestimmungen über eine vorzeitige Bansionierung (bei reduzierten
Bezügen) oder eine normale Pensionierung vor dem 65. Lebensjahr (bei
Tabelle 1

- 3-

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�(bei vollen Bezügen) sind bei Sammelplänen vor allem in jenen Industriezweigen anzutreffen, in denen die Arbeiter besonders schwierige
und körperlich harte Arbeit zu leisten haben, wie im Bergbau, im
Straßentransportgewerbe und in der Schiffahrt.
Eine ganze Reihe von privaten Pensionsplänen, die etwa eine
Million Arbeitnehmer umschließen, sehen nur für weibliche Arbeitskräfte eine vorzeitige Pensionierung, gewöhnlich ab 62. Lebensjahr,
vor. Viele dieser Pensionspläne existieren in der Bekleidungsindustrie - einem Industriezweig mit einem sehr hohen Anteil an weiblichen
Arbeitskräften. Die meisten Arbeitnehmer gehören dabei Sammelplänen an,
die von den Gewerkschaften der Bekleidungsarbeiter und der Damenoberbekleidungsindustrie zentral verwaltet werden.
Voraussetzungen für eine vorzeitige Pensionierung
Voraussetzung für eine vorzeitige Pensionierung ist in der Regel
eine Mindestdienstzeit von 15 Jahren. Diese Bestimmung ist in 25 Prozent aller untersuchten Pläne mit derartigen Klauseln verankert, die
etwa ein Viertel aller erfaßten Arbeitnehmer umschließen. Eine Betriebszugehörigkeit von 10 Jahren war dagegen lediglich bei. sechs
Pensionsplänen erforderlich; allerdings wurden von diesen rund 25 Prozent aller Arbeitnehmer erfaßt. Weniger als 10 Dienstjähre als Mindestvoraussetzung für eine vorzeitige Pensionierung schreiben schließlich rund 33 Prozent aller Pläne vor, die jedoch nur ein Fünftel aller
durch diese Untersuchung erfaßten Arbeitnehmer umschließen, während
ein weiteres Viertel aller Arbeitnehmer Pensionsplänen angehörte, bei
denen die erforderliche Mindestdienstzeit 20 Jahre und mehr betrug.
Was das Mindestalter betrifft, so ermöglichen zwei Drittel dieser
Pläne, die rund die Hälfte aller Arbeitnehmer erfassen, eine Pensionierung ab 55. Lebensjahr, während weitere zwei Fünftel aller Arbeitnehmer
Plänen angehörten, die das 60. Lebensjahr als Mindestalter vorschreiben.
Schließlich sehen weniger als 5 Prozent dieser privaten Pensionspläne
eine vorzeitige Pensionierung vor Erreichen des 55. Lebensjahrs vor.
Für über 50 Prozent aller von diesen Plänen erfaßten:Arbeitnehmer gilt
als Voraussetzung für eine vorzeitige Pensionierung eine kombinierte
Formel von Lebensalter und Dienstzeit - bei etwa 20 Prozent waren es
55 Lebens- und 10 bis 15 Dienstjahre, bei 30 Prozent 60 Lebens- und 10
bis 15 Dienstjahre.
In allen Pensionsplänen mit sogenannten "vesting rights" - Anspruchsberechtigung auch bei Entlassung oder Betriebswechsel - lag das
Mindestalter allgemein höher als bei Plänen ohne derartige Rechtsanspruchssicherungen. So bestehen zum Beispiel für rund 25 Prozent aller
Arbeitnehmer, die von Plänen erfaßt werden, die keine Sicherungsbestimmungen enthalten, keinerlei Begrenzungen hinsichtlich des Lebensalters, während von Arbeitnehmern unter Garantieplänen fast ausschließlichderartige Kriteria zu erfüllen sind. Auf der anderen Seite war die
Zahl der vorgeschriebenen Dienstjahre in Garantieplänen mit Bestimmungen
über eine vorzeitige Pensionierung geringer als in Plänen ohne eine
Garantie.
Bestimmungen darüber, daß ein Arbeitnehmer inur dann eine vorzeitige Pensionierung beantragen kann, wenn der Unternehmer einverstanden ist oder
Tabelle 2

�TABELLE 2

BESTIMMUNGEN ÜBER EINE VORZEITIGE PENSIONIERUNG IN PRIVATEN PENSIONSPLÄNEN
(Nach Industriezweigen gegliedert, Stand: Winter 1962/63)

Alle Pläne
Industriezweig
Arbeitnehmer
(in 1000)

Zahl

Mit dera rti|»en
Klauseln
Pläne

Ohne derartige
Klauseln

Arbeitnehmer
(in 1000)

Pläne

Arbeitnehmer
(in 1000)

3T719

3r835

Zahl der untersuchten Pläne

15 .818

13 621

12.099

11 ,786

Landwirtschaft,
Forsten,
Fischerei

75

26

75

26

Bergbau

316

327

312

119

4

208

Baugewerbe

449

1 072

156

343

293

729

9 257

9 678

7 409

7 981

1 848

1 697

Transport

673

1 286

496

644

177

642

Nachrichtenwesen, Öffentl.
Versorgung

849

1 270

600

1 184

249

87

Groß-, Einzelhandel

1 627

920

1 271

690

. 356

230

Finanz,
Vers icherungen

1 853

733

1 439

660

414

73

719

308

341

140

378

168

Fertigungsindustrie

Dienstleistungszweige

- 6-

�oder den Arbeitnehmer ausdrücklich auffordert, sind in etwa der Hälfte
aller Pläne verankert, durch die etwa 40 Prozent aller Arbeitnehmer
erfaßt werden.
Während die Sammelpläne nur in Ausnahmefällen derartige Bestimmungen enthielten, waren sie in Einzelplänen, insbesondere in der Fertigungsindustrie, die Regel. Außerdem bezogen sich diese Bestimmungen
weitaus häufiger auf die Angestellten eines Betriebes als auf die Produktionsarbeiter.
Pensionsleistungen
Die Leistungen bei vorzeitiger Pensionierung setzen in allen Fällen
unmittelbar nach Beendigung der Erwerbstätigkeit ein; bei einigen Pensionsplänen, durch die etwa die Hälfte aller anspruchsberechtigten Arbeitnehmer erfaßt wird, steht es jedoch den Betreffenden frei, den
Zeitpunkt der Leistungsaufnahme bis zum Beginn des normalen Pensionsalters hinauszuschieben.
Die monatlichen Pensionen entsprechen bei einer Pensionierung im
60. Lebensjahr in der Regel (2/3 aller Pläne) einem versicheTiingsmathematisch genau errechneten verminderten Anteil des Grundbetrags, der bei
Erreichen des normalen Pensionsalters (von 65 Jahren) fällig wäre. Auf
Grund dieser reduzierten Leistungen kommt der bei Erreichen des 60.
Lebensjahres in Pension gehende Arbeitnehmer allgemein in den Genuß von
2/3 des Grundbetrages. Läßt er seine Rente bis zum 65. Lebensjahr weiter auflaufen, so kann er eine Erhöhung seiner Bezüge um rund die Hälfte erreichen. Bei den meisten der restlichen Pläne werden dagegen andere Bemessungsfaktoren zugrunde gelegt. Das am häufigsten angewendete
Verfahren sieht dabei eine Minderung des Rentengrundbetrages um bestimmte, meist auf Monatsbasis bezogene prozentuale Anteile vor, die
zwischen 1/4 und 3/4 Prozent pro Monat liegen. Gezählt werden alle
Monate, die zwischen dem Zeitpunkt der vorzeitigen Pensionierung und
dem normalen Pensionsalter liegen. Dadurch ergeben sich vielfach größere Abschläge für den Versicherten als bei Anlegung versicherungstechnischer Maßstäbe. Mehr als 10 Prozent aller Arbeitnehmer werden
z.B. von Pensionsplänen erfaßt, die monatliche Abzüge in Höhe von 6/10
eines Prozents vorsehen (was bei einer Pensionierung mit 60 Jahren .
einer Rentenminderung um 36 Prozent entspricht), während andererseits
1 Million Arbeitnehmer privaten Pensionsplänen r-gehören, die um 30
Prozent verminderte Leistungen (bei 0,5 Prozent Abzug pro Monat) für
Versicherte festsetzen, deren normales Pensionsalter 65 Jahre ist und
die sich mit 60 pe~ ionieren lassen.
Allerdings gibt es auch zahlreiche Pläne, die keinerlei Abzüge
von der Grundrente bei einer vorzeitigen Pensionierung kennen. So
fallen rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer unter Pläne, die keine Leistungsminderung ab 60 Jahre vorsehen, während für eine weitere.Million
Arbeitnehmer das normale Pensionsalter bei 60 Jahren liegt und 200 000
von Pensionsplänen erfaßt werden, die bei einer vorzeitigen Pensionierung mit 60 Jahren bereits die gleichen Leistungsbeträge vorsehen wie
mit 65 Jahren.
Die Reduzierung der Leistungen bei Plänen, die eine noch frühere
Pensionierung (meist ab 55 Jahre) ermöglichen, erfolgt in der Regel
nach dem Berechnungsschema von Planen, bei denen das vorgezogene PensionsTabelle 3

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�Pensionsalter 60 Jahre beträgt. Da die tatsächlich gezahlten Pensionen
in diesen Fällen jedoch beträchtlich unter den Normalleistungen liegen
(Abschläge von meist über 50 Prozent), kann man darauf schließen, daß
eine vorzeitige Pensionierung zu einem so frühen Zeitpunkt meist nur
für außergewöhnliche Umstände (Betriebsstillegung etc.) vorgesehen ist.
Dennoch gehörte eine nicht unbeträchtliche Zahl von Versicherten Pensionsplänen an, die eine Pensionierung ab 55. Lebensjahr bei vollen
Bezügen ermöglichen. Die meisten dieser Arbeitnehmer sind bei den Telefongesellschaften beschäftigt, deren Pläne als Mindestvoraussetzung für
die Zahlung der vollen Pension 25 Dienstjahre und die Zustimmung des
Unternehmens vorschreiben. Die normale Pensionierungsgrenze liegt hier
allerdings schon bei 60 Jahren.

TABELLE 4
EINSCHRANKENDE BESTIMMUNGEN BEI EINER VORZEITIGEN PENSIONIERUNG
(Stand: Winter 1962/63)

Arbeitnehmer

Pläne

Art der
Konditionen

Prozent

Zahl
in 1000

Prozent

12 099

100,0

11 786

100,0

Nur auf Antrag des
Arbeitnehmers

6 327

52,3

7 133

60,5

Nur nach Zustimmung oder
Forderung des Unternehme s

5 772

47,7

4 653

39,5

Nach Zustimmung des
Unternehmers

5 369

44,4

3 729

31,6

Nach Forderung des Unternehmers

89

0,7

273

2,3

Entweder nach Zustimmung
oder Forderung des Unternehmers

247

2,0

389

3,3

In beiderseitigem Einvernehmen

55

0,5

219

1,8

Andere

12

0,1

43

0,4

Zahl
Sämtliche Pläne mit Bestimmungen über eine vorzeitige
Pensionierung

Da all diese privaten Pensionspläne einen Eintritt in den Ruhestand zu
einem Zeitpunkt ermöglichen, der vor dem der Leistungsaufnahme der staatlichen Altersversicherung liegt, müssen die meisten dieser frühzeitig in Pension gehenden Arbeitnehmer in der Regel für einige Jahre erhebliche Einkom-

- 9 -

�Einkommenseinbußen hinnehmen, ehe sie, sobald die staatlichen Pensionsleistungen einsetzen, eine ganz wesentliche Aufbesserung ihrer Ruhegelder erfahren. Um die beträchtlichen Einkomraenschwankungen auszugleichen, bieten mehr als 25 Prozent aller privaten Pensionspläne dem Versicherten eine Option auf einen sogenannten Sozialversicherungsausgleich.
Bei Inanspruchnahme dieser Option erhält der Versicherte eine erhöhte
Rente aus dem privaten Pensionsfonds bis zum Einsetzen der Leistungen
aus der staatlichen Altersversicherung. Nach Erreichung dieses Zeitpunktes
erfolgt dann eine entsprechende Reduzierung.

TABELLE 5
RENTENABZUGSFAKTOREN BEI EINER VORZEITIGEN PENSIONIERUNG MIT 60 JAHREN )
Pläne

Arbeitnehmer

Faktor
Zahl

Prozent

12 099

100,0

11 786

100,0

169

1,4

1 162

9,9

Verminderung des Grundbetrages
nach versicherungsmathematischen Formeln
8 067

66,7

5 821

49,4

Prozentuale Minderung des
Grundbetrages pro Monat vor
dem normalen Pensionsalter
(65 Jahre)

2 837

23,4

4 193

35,6

1/4 eines Prozents

32

0,3

108

0,9

1/3 eines Prozents

52

0,4

545

4,6

4/10 eines Prozents

62

0,5

193

1,6

1/2 eines Prozents

934

7,7

1 245

10,6

5/9 eines Prozents

179

1,5

710

6,0

1 006

8,3

1 290

10,9

5/8 eines Prozents

520

4,3

71

0,6

3/4 eines Prozents

52

0,4

31

0,3

Leistungstabellen mit verschiedenartigen Minderungsfaktoren

836

6,9

419

3,6

Leistungstabellen mit reduzierten Leistungen

31

0,3

91

0,8

159

1,3

102

0,9

Sämtliche Pläne mit derartigen Bestimmungen
Ohne jeglichen Abzug

6/10 eines Prozents

Andere
X)

Zahl in
1000

Prozent

Sonder-

Stand: Winter 196?/*^
10

�Sonderregelungen für eine vorzeitige Pensionierung
In zahlreiche private Pensionspläne, vor allem der Fertigungsindustrie,
ist in den vergangenen Jahren eine ganze Anzahl von Sonderbestimmungen für
eine vorzeitige Pensionierung aufgenommen worden. Es handelt sich hierbei
vor allem um Klauseln obligatorischen Charakters (Zwangspensionierung), an
die Leistungen geknüpft sind, die allgemein wesentlich über die hinausgehen,
die der Versicherte bei einer normalen vorzeitigen Pensionierung zu erwarten hätte. Diese Bestimmungen wurden gemeinsam von Gewerkschaften und Unternehmern mit.dem Ziel ausgehandelt, spezielle wirtschaftliche und soziale
Härten bei Eintritt außergewöhnlicher Umstände (Massenentlassungen, Betriebsstillegungen usw.) auszuschalten. Viele dieser Bestimmungen sind inzwischen
auch auf jene Arbeitnehmer und Angestellte eines Betriebes ausgedehnt worden, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind..

TABELLE 6
SONDERBESTIMMUNGEN BEI EINER VORZEITIGEN PENSIONIERUNG'&gt;
(nach Industri.ezweigen)
All e Pläne
Industriezweig

Mit Sonderklauseln

Arbeitnehmer
in 1000

Pläne

Arbeitnehmer
in 1000

15 818

15 621

1 051

2 674

75

26

Bergbau

316

327

34

Baugewerbe

449

1 072

9 257

Transport

Pläne

Arbeitnehmer
in 1000

14 767

12 947

75

26

18

282

310

2

7

447

1 065

9 678

992

2 551

8 265

7 128

673

1 286

2

38

671

1 248

Nachrichtenwesen,
Öffentl. Versorgung

849

1 270

4

11

845

1 260

Groß-, Einzelhandel

1 627

920

7

24

1 620

895

Finanzen, Versicherung, Immobilien

1 853

733

5

17

1 848

716

308

5

8

714

300

Zahl der untersuchten Pläne
Landwirtschaft,
Forsten, Fischerei

FertigungsIndustrie

Dienstleistungszweige

Zahl

Ohne Sonderklauseln

1

719

Im Zeitpunkt der Erhebung enthielten fast sieben Prozent aller untersuchten privaten Pensionspläne, durch die 17 Prozent der Arbeitnehmer erfaßt
wurden, derartige Sonderbestimmungen. Sie waren vor allem in der FertigunRs1) 9f-.r&gt;H- T-Mnt-PT- 1 0 f t ? / f
- 11 -

�I
Fertigungsindustrie (Stahl-, Automobil-, Gummi-, Konservenindustrie)
anzutreffen und hauptsächlich in Einzelplänen verankert, die allein
durch Unternehmerbeiträge gespeist wurden. Pläne,die in ihren Grundzügen denen der Stahlindustrie entsprechen und rund ein Viertel dieser Arbeitnehmer einschließen, sehen unter anderem vor, daß die Versicherten bei 60 Lebens- und 15 Dienstjahren Fensionsleistungen erhalten können, wenn das Ausscheiden aus dem Erwerbsleben in beiderseitigem Einvernehmen erfolgt, oder bei einem Lebensalter von 55 Jahren und 20 Dienstjahren, wenn die vorzeitige Pensionierung auf Grund
einer Betriebsstillegung, Massenentlassung oder wegen Teilinvalidität
beantragt wird, wobei die Teilinvalidität nicht für den Bezug staatlicher Invalidenrente ausreichen würde. Die Pensionsleistungen sind
in diesen Fällen sofort fällig.
Außerdem gibt es in der Stahlindustrie noch einige Varianten zu
diesen Plänen - Pläne, die schon eine spezielle vorzeitige Pensionierung mit 50 Lebens- und 15 Dienstjahren unter "beiderseitig annehmbaren Bedingungen" oder bei Entlassung gestatten - sowie mit 55 Lebens- und 15 Dienstjahren im Falle einer Betriebsstillegung oder.Teilinvalidität oder mit 60 Lebens- und 30 Dienstjahren zu für beide Seiten annehmbaren Bedingungen.
Generell ergibt sich nach Auswertung sämtlicher Pensionspläne mit
derartigen Sonderbestimmungen folgendes Bild hinsichtlich der Mindestvoraussetzungen: 55 Lebens- und 20 Dienstjahre für 1/3 aller erfaßten
Arbeitnehmer; 60 Lebens- und 10 Dienstjahre für 2/5 der Arbeitnehmer;
55 Lebens- und 10.oder 15 Dienstjähre für 1/10.
Was die Leistungen betrifft, so gehören 50 Prozent aller versicherten Arbeitnehmer Pensionsplänen an, die die gleichen Leistungen
vorsehen wie bei einer normalen Pensionierung, während ein fast gleich
hoher Prozentsatz bis zum Erreichen der normalen Pensionierungsgrenze
oder Einsetzen der Leistungen aus der staatlichen Altersversicherung
Pensionen erhält, die mehr als doppelt so hoch sind wie die gewöhnlichen Leistungen. Der Rest entfällt auf Pläne, die nur geringfügig
über dem Normalsatz .liegende Renten für die Versicherten vorsehen.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 87, Nr. 10, Oktober 1964).

+ ++++

- 12 -

�Verbesserung der Volksgesundheit durch gezielte Maßnahmen
In seiner Sonderbotschaft vom 7. Januar unterbreitete Präsident
Johnson dem amerikanischen Kongreß ein umfassendes Volksgesundheitsprogramm, das neben einer angemessenen kostenlosen ärztlichen Betreuung und Krankenhausfürsorge für die älteren, nicht sozialversicherten
Menschen vor allem die Errichtung von medizinischen Regionalzentren
für die Bekämpfung der bedrohlichsten Volkskrankheiten sowie die Bereitstellung von Bundesmitteln zur Betreuung von geistig Zurückgebliebenen, geistig Erkrankten und Invaliden vorsieht. Alles in allem forderte der Präsident für die Durchführung dieser Einzelprogramme im
ersten Jahr Mittel in Höhe von 262 Millionen Dollar an.
Präsident Johnson hob in seiner Sonderbotschaft insbesondere die
große Bedeutung einer den neuesten Erkenntnissen und Techniken der
modernen Medizin entsprechenden Gesundheitsfürsorge für das gesamte
amerikanische Volk hervor und betonte, daß die besten Diagnose- und
Therapiemethoden unserer Zeit allen Amerikanern zugänglich gemacht
werden müßten. Alter und wirtschaftlicher Status dürften hierbei keine
hemmenden Schranken bilden.
In Verfolg dieses Zieles forderte der Präsident als zeitgemäße
Ergänzung der vor nunmehr 30 Jahren eingeführten Sozialgesetzgebung die
Ausdehnung der staatlichen Sozialfürsorge auch auf das Gebiet der Krankenversicherung für ältere Menschen. Die Bedeutung einer derartigen Versicherung für die 65jährigen und älteren unterstrich Präsident Johnson
mit den Hinweisen, daß
- 80 Prozent aller über 65 Jahre alten Menschen irgendwelche körperlichen Gebrechen oder chronische Krankheiten aufweisen;
- diese älteren Menschen sehr viel häufiger das Krankenhaus aufsuchen
müssen als Angehörige anderer Altersgruppen der Bevölkerung und in der
Regel doppelt so lange im Hospital bleiben als jüngere Menschen;
- die von ihnen aufzubringenden Kosten für Ärzte, Medizin und Krankenhaus doppelt so hoch sind wie bei den Jüngeren; .
- fast die Hälfte dieser alten Menschen überhaupt keine Krankenversicherung hat;
- ältere, nicht mehr erwerbstätige Ehepaare heute nicht in der Lage
sind, die Mittel für eine ausreichende Krankenfürsorge im Rahmen der
privaten Krankenversicherung aufzubringen.
Nach den Vorschlägen des Präsidenten soll dieses spezielle Krankenversicherungsprogramm in die staatliche Sozialgesetzgebung einbezogen und
durch geringfügig erhöhte Beitragsleistungen der Versicherten finanziert
werden. Im einzelnen soll sich dabei die Krankenversicherung auf die
Deckung der gesamten Krankenhaus- und Nachbehandlüngskosten erstrecken
sowie auf die Heimpflege- und Diagnosekosten. Der gleiche Versicherungsschutz soll auch auf alle jene Personenkreise ausgedehnt werden, die
tegenwärtig noch nicht durch die Sozialversicherung erlaßt "werden, wobei
ie entstehenden Kosten in das administrative Budget autgenommen werden
sollen. Ebenso soll das vom Kongreß zu verabschiedende Krankenversicherungsgesetz für die älteren Menschen und die sozial Schwachen sicherstellen, daß die freie Arzt- und Krankenhauswahl der Versicherten erhalten

bleibt.

.

"..

- 13 -

Ml

�Bei Verabschiedung eines derartigen Gesetzes durch den Kongreß
würden rund 18 Millionen Amerikaner in den Genuß eines Krankenversicherungsschutzes kommen. Von diesen sind gegenwärtig nur rund 2
Millionen durch die Sozialversicherung erfaßt. Zur Deckung der damit
entstehenden Kosten sollen nach den Vorschlägen des .Präsidenten die
Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer bis zum
Jahre 1971 nach und nach von derzeitig 4,25 Prozent des Einkommens
auf 5,2 Prozent erhöht werden.
Während für das erste Jahr eine Gesamtsumme von 262 Mio. Dollar
zur Finanzierung des Volksgesundheitsprogramms Präsident Johnsons veranschlagt wird, rechnet man bereits im zweiten Jahr mit einem Betrag
von 801,6 Mio. Dollar - eine Summe, die in den nächsten fünf Jahren
auf mehrere Milliarden ansteigen dürfte.
Zu den weiteren Vorschlägen Präsident Johnsons für einen verbesserten Krankenversicherungsschutz, eine umfassendere vorbeugende medizinische Betreuung weitester Volkskreise und eine allgemeine Hebung der
Volksgesundheit in den Vereinigten Staaten gehört auch die Errichtung
von 32 über das gesamte Land verteilten medizinischen Regionalzentren
zur Bekämpfung und Behandlung von Herzkrankheiten, Krebs und Kreislaufkrankheiten - Leiden, die in der Liste der Krankheiten in. den USA
an der Spitze stehen.
Durch diese Regionalzentren, die in der Nähe großer und medizinisch
hervorragender Universitätskliniken geschaffen werden sollen, will man
die in vielen Fällen über Tod und Leben entscheidenden Kenntnisse und
Fertigkeiten namhafter Kliniker und bekannter Chirurgen, einem möglichst
großen Teil der Bevölkerung zugänglich machen. Zur Durchführung dieses
Programmpunktes sollen im Verlauf von fünf Jahren rund 1,2 Mrd. Dollar
(50 Mio. Dollar im ersten Jahr) aufgebracht werden. Dabei würde der
Bund Zuschüsse für die Heranziehung von Spezialisten .und Stipendien
für die Grundlagenforschung auf dem Gebiet dieser Krankheiten zur Verfügung stellen.
Für die restlichen Schwerpunktprogramme Präsident Johnsons zur
Verbesserung der Krankenfürsorge, der vorbeugenden medizinischen Betreuung und der Bekämpfung der Volkskrankheiten sind schließlich noch folgende Beträge vorgesehen:
125 Millionen Dollar für die medizinische Betreuung von Kindern und
Jugendlichen;
19,5 Millionen Dollar für das Personal der kommunalen Heil- und
Pflegeanstalten;
20 Millionen Dollar als Beihilfen und Stipendien für medizinische
und zahnmedizinische Ausbildungsstätten;
5 Millionen Dollar für die medizinische Grundlagenforschung;
7 Millionen Dollar für Gesundheitsbetreuung der Wanderarbeiter;
8 Millionen Dollar an Beihilfen für Impfprogramme;
10 Millionen Dollar für Umschulungsprogramme; und
10 Millionen Dollar für Krankenhausbetreuung nicht krankenversicherter alter Menschen.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
- 14 -

�Entlassungsbestimmungen in US-Tarifverträgen
Eine Repräsentativuntersuchung von 400 Tarifverträgen der amerikanischen Industrie ergab, daß in 99 Prozent aller Verträge die Frage der
Entlassung von Arbeitnehmern generell geregelt ist. Dies teilte kürzlich das Bureau of National Affairs (BNA), ein privates statistisches
Institut, mit.
In 90 Prozent aller Tarifverträge sind Gründe, die zu einer Entlassung führen können, aufgeführt. Die Formel "begründet" oder "aus berechtigtem Anlaß" erscheint in 73 Prozent aller Verträge. Zahlreiche
Verträge geben spezifizierte Gründe der Entlassung an. Darunter wird
"Verletzung der vertraglichen Abmachungen" (einschließlich Streikaktionen)
am häufigsten, nämlich in 27 Prozent aller Verträge, genannt. "Mißachtung der Werksanordnungen" erscheint in 18 Prozent, "mangelhafte Leistungen" oder "Versagen" in 14 Prozent, "Trunkenheit!1 ebenfalls in 14
Prozent, "betrügerisches Verhalten" oder."Diebstahl".in zwölf Prozent
und "unerlaubtes oder ungewöhnlich.häufiges Fernbleiben von der Arbeit"
in elf Prozent aller Verträge.
Die Generalklausel "aus berechtigtem Anlaß" findet sich in mindestens
der Hälfte aller Tarifverträge. Detaillierte Begründungen werden in Verträgen der Fertigungsindustrie häufiger als in den anderen Wirtschaftszweigen angetroffen; das Verhältnis ist 65 Prozent zu 54 Prozent.
"Verletzung vertraglicher Abmachungen" (einschließlich Teilnahme an
Bummel- oder an wilden Streiks) gilt in 32.Prozent aller Verträge der
Fertigungsindustrie gegenüber 17 Prozent der anderen Wirtschaftszweige
als Entlassungsgrund. Bei "Mißachtung der Werksanordnungen" ist die Relation 21 zu 14 Prozent, bei. "mangelhaften Leistungen" oder '.«Versagen" ist
das Verhältnis 13 zu 18 Prozent, bei "Trunkenheit" 11 zu 21.Prozent.„
In der Fertigungsindustrie sind"in 64 von 100 Verträgen genaue Entlassungsverfahren bezeichnet gegenüber 41 von 100 in den übrigen Wirtschaftszweigen. 24 Prozent der Verträge schreiben vor, daß dem Arbeitnehmer die Entlassung anzukündigen ist. In 14 Prozent der Verträge ist eine
vorherige Verständigung der Gewerkschaft, in 23 von 100 Verträgen ihre
nachträgliche Benachrichtigung vorgesehen. 16 Prozent der Verträge machen
die Verständigung von Arbeitnehmer und Gewerkschaft obligatorisch.
In 15 von 100 Verträgen wird bestimmt, daß der Arbeitnehmer auf seine
mögliche Entlassung aufmerksam gemacht werden muß. Neun Prozent der Verträge sehen die Suspendierung als eine der Entlassung vorausgehende Maßnahme vor. Ebenfalls neun Prozent der Verträge schreiben das Anhörverfahren vor einer Entlassung vor, und in mehr als der Hälfte dieser Verträge ist wiederum die Anwesenheit von Gewerkschaftsvertretern bei solchen
Anhörverfahren als erforderlich bezeichnet.
Berufungsverfahren bei Entlassungen sind in 80 v.H. der für die Fertigangsindustrie geltenden Verträge genannt, dagegen nur in 47 v.H. aller
in der übrigen Wirtschaft gültigen Verträge.
In den meisten Fällen ist ein normales Beschwerdeverfahren anwendbar,
allerdings müssen Einsprüche gegen Entlassungen fristgerecht - meist binnen
vier bis sieben Tagen - erhoben werden.
Andere

- 15 -

�Andere, nicht zur Entlassung führende Disziplinarmaßnahmen sind
in 71 Prozent der Verträge der Fertigungsindustrie erwähnt, dagegen
nur in 44 Prozent der Verträge der übrigen Wirtschaft. Die meisten
Klauseln beschränken sich allerdings auf die ausdrückliche Feststellung, daß Suspendierung oder vorübergehende Entlassung als zulässige
Maßnahmen gelten. Zehn Prozent der Verträge erwähnen die niedrigere
Einstufung als erlaubte Form der Maßregelung, sechs Prozent führen
die Versetzung als solche an.

(Quelle: Eigenbericht)

+++++

- 16

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters In der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme Irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
-

XVIII - 3

Bad Godesberg, den 1. März 1965

INHALTSVERZEICHNIS

Ausgabentrends von Stadtfamilien 1950-1961

Seite

1

Arbeits- und Lohngarantiebestimmungen in
Großtarifverträgen

Seite

7

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 14

Kathryn R. Murphy, Mitarbeiterin im US-Amt für Arbeitsstatistik:
Ausgabentrends von Stadtfamilien 1950-1961
Einleitung
Die "Erhebung über die Verbraucherausgaben in den Jahren 1960/61"
bietet eine gute Möglichkeit, die Ausgabengewohnheiten amerikanischer
FamilienD erneut zu untersuchen. Die unzähligen individuellen Verbraucherkäufe hatten 1960/61 einen Anteil am Bruttosozialprodukt von
65 Prozent. Während der gesamten Nachkriegsperiode haben sie ständig
mehr als 3/5 des Sozialprodukts ausgemacht. Zeitpunkt, Umfang und Art
dieser Käufe sind volkswirtschaftliche Faktoren, denen man in den USA
seit den Depressions jähren verstärkte Aufmerksamkeit schenkt.
Die Erhebung der Jahre 1960/61 setzt die bereits im Jahre 1888
vom "Amt für Arbeitsstatistik" begonnene Serie über die Familienausgaben fort. Die wirtschaftlichen Indikatoren, die Auskunft über die
Kaufkraft der Verbraucher geben, zeigten eindeutig, daß in den fünfziger Jahren mehrere Rezessionen dadurch wesentlich abgeschwächt wurden, daß die Verbraucherausgaben - im Gegensatz zu den reduzierten

Die Bezeichnungen "Familie" und "Verbrauchereinheit" werden in
diesem Artikel wechselweise verwendet und umschließen sowohl
alleinstehende Personen als auch Familien mit zwei und mehr
Personen.
- 1-

�reduzierten Käufen der öffentlichen Hand - im ganzen gesehen unverändert blieben. Einzelangaben über die Ausgabenstruktur der Familien
waren jedoch seit dem Jahre 1950 - seit Durchführung einer umfassenden Untersuchung durch das US-Amt für Arbeitsstatistik - nicht systematisch gesammelt worden. Im Zuge der Überarbeitung des Verbraucherpreisindex führte das Amt i960 und 1961 in allen Teilen der USA Interviews in der Absicht durch, zuverlässige Angaben über die Einkommen und Ausgaben der Verbraucher zu erhalten. Diese Angaben lassen
im Vergleich zu 1950 beträchtliche Unterschiede sowohl in der Einkommensstruktur als auch in der Einkommenshöhe erkennen. S?e sind ein
Fundus neuer Daten, die in eine ganze Reihe von Erhebungen zur Ermittlung der Verbrauchergewohnheiten eingebaut werden können. Der folgende Artikel befaßt sich mit den Entwicklungstrends bei Einkommen, Ausgaben und Spareinlagen seit 1950.
Einkommen und Ausgaben
In der Dekade 1950-1960 haben sich die durchschnittlichen Ausgaben einer amerikanischen Stadtfamilie zur Deckung des laufenden
Bedarfs um 42 Prozent auf 5390 Dollar pro Jahr erhöht (si he Tabelle).
Im gleichen Zeitraum stiegen die Preise (gemessen am Verbraucherpreisindex) für Güter und Dienstleistungen nur um 24 Prozent an. Das Bruttoeinkommen (vor Abzug der Steuern) dieser Familieneinheiten nahm um
58 Prozent.zu und erreichte 1960/61 eine jährliche Durchschnittssumme
von 6691 Dollar. Die Personalsteuern (vor allem die.Einkommensteuern
des Bundes, der Einzelstaaten und Gemeinden sowie die Vermögenssteuer)
stiegen proportional stärker an als die Einkommen. Der durchschnitt- .
liehe Steuerjahresbetrag pro Familie war mit 785 Dollar 1960/61 um
140 Prozent höher als der des Jahres 1950. Dennoch verzeichnete das
durchschnittliche Familieneinkommen zwischen 1950 und 1960/61 einen
Anstieg von ' 910 auf 5906 Dollar. Im Schnitt gaben 1960/61.die Familien 91 Prozent ihres verfügbaren Einkommens zur Deckung des laufenden
Bedarfs aus, im Vergleich zu 9 7 Prozent im Jahre 1950.
Spareinlagen, Geschenke und Versicherungen
Auf Grund der vergrößerten Spanne zwischen Einkommen und laufenden
Ausgaben ist es den Familien 1960/61 möglich gewesen, mehr Geld für Geschenke, Spenden aller Art und für Versicherungen auszugeben als 1950.
Geschenke für Freunde und Verwandte sowie Spenden an religiöse, wohltätige und andere Organisationen machten 1960/61 durchschnittlich
303 Dollar pro Familie aus; gegenüber 1950 ist das fast die doppelte
Summe.
In den letzten Jahren ist es immer schwieriger geworden, eine
exakte Trennungslinie zwischen Ausgaben und Sparbeiträgen zu ziehen.
Bereits im Jahre 1950 war es klar, daß der Begriff "finanzielle Sicherheit", der sich früher im Bankkonto ausdrückte, mit.der Ausdehnung des
langfristigen Kreditgeschäfts, dem Ausbau der Sozialversicherung und der
privaten Versicherungsprogramme eine neue Dimension erhalten hatte. Die
sich bereits 1950 schwach abzeichnenden Trends waren ein Jahrzehnt später
sehr viel ausgeprägter. Als Beispiel hierfür seien nur die Aufwendungen
für persönliche Versicherungen angeführt (in der Erhebung des Amtes für
Arbeitsstatistik als "Auslagen" klassifiziert und weder den Ausgaben
noch den Spareinlagen.zugerechnet), die von 177 Dollar (1950) auf

- 2-

�auf 324 Dollar und damit um 83 Prozent an
^enDie Hauptaufwendungen konzentrierten sich dabei auf die Sozialversicherung und andere
Pensionspläne - Ausgaben, die 1960/61 bereits 53 Prozent der Gesamtaufwendungen für persönliche Versicherungen auf sich vereinigten und
1950 lediglich einen Anteil von 31 Prozent hatten. In diesen Umschichtungen drücken sich zwei Entwicklungen der jüngsten.Zeit aus. Die höheren Beiträge für die Sozialversicherung resultieren aus der Ausdehnung
dieser Versicherung auf weitere Personenkreise, aus der Erhöhung der
Beitragssätze und der Bemessungsgrundlage sowie den höheren Einkommen.
Auf der anderen Seite hat die immer mehr verbreitete Praxis, Lebensversicherungen als Teil der freiwilligen Sozialleistungen der Unternehmer
anzusehen (wobei.vielfach die Beiträge allein vom Unternehmer geleistet
werden), zu einer beträchtlichen Erhöhung des Versicherungsschutzes geführt, ohne daß dabei Belastungen für die Familien in Erscheinung treten.
In dem Maße, wie diese, und ähnliche zusätzliche wirtschaftliche Sicherungen an Umfang gewonnen haben, hat sich auch der Zwang verm
Bar- oder andere flüssige Mittel für Notzeiten zurückzulegen. Außerdem
ist noch zu berücksichtigen, daß - mit der steigenden Zahl der Eigenheimbesitzer - die Eigenanteile der Familien an Haus- und Grundbesitz
sowie an Einrichtungsgegenständen einen immer größeren Teil ihrer Rücklagen ausmachen.
Die Erhebungsgrundlage des Amtes für Arbeitsstatistik zur Ermittlung der Spareinlagen pro Verbrauchereinheit bilden die im Erhebungsjahr bei Guthaben und Verpflichtungen eingetretenen Netto-Veränderungen.
Bei Anwendung dieser Bemessungsgrundlage ergibt sich für die Periode
1960/61 eine durchschnittliche Sparsumme von 177 Dollar pro Familie,
verglichen mit einer Netto-Zunahme der Verpflichtungen gegenüber den
Spareinlagen von 74 Dollar im Jahre 1950. Der Entwicklungstrend bei den
Spareinlagen wird noch deutlicher, wenn man einmal die zyklischen Schwankungen bei Einkommen und Ausgaben während der Nachkriegsperiode betrachtet. Nach der 1948/49er Rezession war eine Erhöhung der Erwerbsrate für
Häuser, Haushaltseinrich.ungen, Automobile und andere Dauergüter festzustellen . - Güter, für die sich in den dreißiger und den Kriegsjähren
ein erheblicher Nachholbedarf angestaut hatte. Während des Konjunkturaufschwungs im Jahre 1950 bauten die Verbraucher dabei ihre. Spareinlagen
so stark ab und.nahmen darüber hinaus Kredite in einem solchen Umfang
auf, daß der Bundesbankrat im September 1950 einschneidende Bestimmungen
erlassen mußte, um einer weiteren Ausweitung der Kredite für. den Erwerb
von Automobilen und einer ganzen Reihe von Haushaltsgütern entgegenzuwirken. Im folgenden Monat gab der Bundesbankrat weitere restriktive Maßnahmen bekannt, um den sich immer stärker bemerkbar machenden inflationistischen Druck zu mir :ern und den Wohnungsbau durch Begrenzung der dem
Hypothekenmarkt zufließenden Gelder vor einer weiteren. Überhitzung zu
bewahren.
Die in den Jahren 1960/61 durchgeführte Erhebung fiel dagegen in
eine Rezessionsperiode, die im 1. Quartal 1960 begann und ihren Tiefpunkt
im Februar 1961 erreichte. Die Verbraucherpreise waren in dieser Zeit relativ stabil, der große Nachholbedarf der ersten Nachkriegsjähre war weitgehend befriedigt, und die Verbraucher bemühten sich, entweder ihre Spareinlagen zu erhöhen oder aber ihre Schulden abzutragen anstatt neue Kredite aufzunehmen.
Die

- 3 -

�Die derzeitigen Lebenshaltungskosten
Bei allen wichtigen Güter- und Dienstleistungskategorien lagen
die Aufwendungen einer städtischen "Durchschnittsfamilie" 1961 im
Vergleich zu 1950 wesentlich höher..Gleichzeitig hatte sich auch der
Anteil der einzelnen Posten am Gesamtbudget erheblich verändert.
Posten wie Nahrungsmittel, Bekleidung, Haushalts- und Einrichtungsgegenstände und Freizeitausgaben wiesen dabei einen geringeren Anteil
auf als 1950, andere dagegen, wie Miete, Heizung, Gas, Elektrizität,
Wasser, allgemeine Haushaltsaufwendungen, Gesundheitsfürsorge, persönliche Ausgaben, Automobilkauf und -unterhalt sowie Erziehung, einen
höheren Prozentsatz. Diese Veränderungen resultierten in erster Linie
aus den unterschiedlichen Preis- und Kostenbewegungen bei den einzelnen Gütern und Dienstleistungen.
Die wichtigste Veränderung ergab sich in der Periode 1950-1961
bei den Aufwendungen für Nahrungsmittel, die in diesem Zeitraum - gemessen am Gesaratbudget der Familie - rückläufig waren. Der Rückgang
von rund 30 Prozent des durchschnittlichen Familienbudgets im Jahre
1950 auf 24 Prozent im Erhebungszeitraum 1960/61 entspricht einem langfristigen, seit Beginn dieses Jahrhunderts wirksamen Trend.
Die größte prozentuale Zunahme dagegen trat bei den Mieten (bzw.
Unterhaltungskosten für Eigenheime) ein. Beigetragen zu diesem Anstieg hat zweifellos der riesige Nachkriegsboom im privaten Wohnungsbau, durch den immer mehr Familien in die Lage versetzt wurden, modernere,
qualitativ bessere - aber auch teuerere - Wohnungen und Häuser zu bewohnen. Auch der Anteil der Eigenheimbesitzer hat sich in der fünfziger
Dekade weiter erhöht, und gleichzeitig der Durchschnittswert und die durchschnittlichen Belastungen pro Eigenheim. Parallel dazu stiegen die
Hypotheken- und Versicherungskosten sowie die Aufwendungen für Unterhalts- und Reparaturarbeiten an.
Auf der anderen Seite jedoch gingen die Ausgaben für Einrichtungsstücke und Möbel zwischen 1950 und 1960/61 relativ stark zurück. Wie
schon erwähnt, waren die Ausgaben für Gegenstände dieser Art im Jahre
1950 infolge von "Angstkäufen" außergewöhnlich hoch. So waren die Preise
für Haushaltsgeräte im Gegensatz zu den Preisen der meisten anderen
Güter und Dienstleistungen 1960/61 geringer als 1950. Darüber hinaus
hat der allgemeine Trend im Wohnungsbau, zahlreiche Einrichtungsgegenstände wie Eisschränke, Öfen, Klimaanlagen usw. zu festen Bestandteilen
von Wohnungen und Miethäusern zu machen, dazu geführt, daß die Aufwendungen dafür in den Familienbudgets ihren Niederschlag heute in verstärktem Maße in den Mieten und Kaufpreisen von Häusern und weniger stark,
in eigenen Ausgaben finden. Der Rückgang des Ausgabenanteils für Haushaltseinrichtungen und Möbel wurde jedoch zum größten Teil wieder durch
die steigenden Haushaltsaufwendungen (Ausgaben für Telefon, Hausgehilfinnen, Wäscherei, Reinigung usw.) absorbiert.
Der Rückgang bei den Ausgaben für Freizeit und Erholung von 4,4 auf
4,0 Prozent ist in Anbetracht des starken Anstiegs der Realeinkommen
zwischen 1950 und 1960/61 an sich ungewöhnlich. In ihm kommen jedoch
Schwerpunktverlagerungen bei den Freizeitbetätigungen zum Ausdruck, die
in dieser Übersicht allerdings nicht alle erfaßt sind. So gaben die
Familien z.B. 1960/61 weniger für Eintrittsgelder (Film, Sport, Konzert,
Theater) aus, während sie wie 1950 praktisch den gleichen Anteil ihres

Tabelle

�TABELLE
EINKOMMENS- UND ANDERE ANGABEN ÜBER DIE AMERIKANISCHE STADTFAMILIE
(1960/61 und 1950)

Art der Angaben

Durchschnitt pro Familie Zunahme in Prozent
1950-1960/61
1950
1960/61

Angaben über die Finanzen
Gesamteinkommen
Arbeitseinkommen vor Abzug der Steuern
Andere Geldeinnahmen

6773 Dollar
6691
82

Verwendung der ver ügbaren
Mittel, gesamt
6979
Ausgabun des laufenden
Bedarfs
5390
Persönl. Versicherungen
324
Staatl. u. private
1
Altersversicherungsbeiträge
171
Lebens- u. a. Vers.
153
Geschenke u. Spenden
303
Steuern (Einkommens-,
Vermögens- u. Kopfsteuer)
785
Spareinlagen
177
Saldo von Einkommen und
Ausgaben
Anteil der Ausgaben am Arbeitseinkommen nach Abzug
der Steuern
In 1960/61er Dollar
Arbeitseinkommen nach
Abzug sämtl. Steuern
und Abgaben
Ausgaben des laufenden
Bedarfs

tt
ii

4286 Dollar
4237
49

tt

M
II

II

4403

II

59

3808
177

-

II
II

42
83

.

II
II
II

55
122
165

II
II

ti

II

327
- 74

II
II

140
-

- 117

n

-

211
25
84

„

ll

II

97,4 Prozent

-

5906 Dollar

4848 Dollar

22

5390

4721

14

91,3 Prozent

Andere Angaben
Familiengröße
(Zahl der Personen)
3,1
Alter des Familienvorstands
4/
Bildungsniveau des Familienvorstands (Zahl der Schuljahre) 11
Familien mit
Eigenheim
53 Prozent
73
»
Automobil
12 »
Farbige Familien
Zahl der von der Erhebung
erfaßten Familien

58
67

-

- 207

•t

58

9476

3,0
-47
10
45 Prozent
59
"
10 »*

12 489

�ihres Einkommens für den Erwerb von Radio- und Fernsehgeräten sowie
von Musikinstrumenten aufwendeten und erhöhte Ausgaben für Sportausrüstungen, Hobbys und andere Freizeitbetätigungen aufzuweisen hatten.
Insgesamt gab die in einer Stadt lebende amerikanische "Durchschnittsfamilie" in der Erhebungsperiode 1960/61 rund 217 Dollar pro Jahr für
Freizeitbeschäftigungen aus. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen,
daß in dieser Erhebung - der allgemeinen Praxis der Mehrheit folgend die Ausgaben für Urlaubs- und Freizeitreisen auf die Posten Unterhaltskosten für das Automobil, Fahrgelder sowie Ernährung und Unterkunft außer
Hause aufgeteilt sind. Eine gewisse Vorstellung über Art und Umfang der
MFreizeitausgaben" gibt jedoch eine kürzlich vom "Survey Research Center"
veröffentlichte Studie, aus der hervorgeht, daß 27 Prozent aller '»Fami- .
lien" im Jahre 1961 mindestens 100 Dollar für Urlaubsreisen (reine.Reisekosten) ausgaben und ihre durchschnittlichen Ausgaben auf Urlaubsreisen
380 Dollar betrugen.
Die beträchtliche Erhöhung der Aufwendungen für Kraftwagenkäufe
und -unterhalt in der vergangenen Dekade ist zu einem großen Teil auf
derartige Urlaubsreisen zurückzuführen, während andererseits die Erhöhung der Verkaufspreise, der Finanzierungs- und Versicherungskosten
in den fünfziger Jahren ebenso zu einer Kostensteigerung beitrug wie
die verstärkte Abhängigkeit der Familien, vom Automobil auf Grund der
Verlagerung der Wohngebiete an die Stadtränder und in di* Vororte.

(Quelle: "Monthly Labor Review»»,
Vol.87, Nr.11, November 1964)
+ -H- + +

- 6-

�Arne H. Anderson, Abteilung Industrielle und Arbeitsbeziehungen
im Amt für Arbeitsstatistik:
Arbeits- und Lohngarantiebestimmungen in Großtarifverträgen
Zusammenfassung
Von den insgesamt 1773 vom "Amt für Arbeitsstatistik" im Jahre 1963
untersuchten Großtarifverträgen (Verträge, die jeweils für mehr als
1000 Arbeitnehmer gelten) enthielten nur weniger als 10 Prozent Bestimmungen über Arbeits- und Lohngarantien. Auch die Zahl der von solchen
Bestimmungen erfaßten Arbeitnehmer lag im gleichen Größenbereich (unter
10 Prozent). Die meisten dieser in Tarifverträgen verankerten Klauseln
bezogen sich dabei fast ausschließlich auf wöchentliche Arbeitszeit- und
Einkommensgarantien; nur 6 Verträge sahen Jahresgarantien vor (siehe Tabelle). Nicht nur hinsichtlich der Länge der Garantieperiode bestanden
zwischen den einzelnen Abkommen erhebliche Unterschiede, sondern auch in
bezug auf Faktoren wie Höhe des Garantielohnes und Zahl der garantierten
Arbeitsstunden, Anspruchsberechtigung, Arbeitsbedingungen, Aufhetzung
oder Einschränkung der Garantie.
Wöchentliche Garantie
Bestimmungen über wöchentliche Arbeits- oder Einkommensgarantien,
durch die 513 000 Arbeitnehmer erfaßt wurden, enthielten insgesamt 117
der untersuchten Tarifverträge. Die meisten dieser Abkommen (81) entfielen dabei auf die nichtindustriellen Wirtschaftszweige, in erster
Linie auf das Straßentransportgewerbe, die kommunalen Verkehrsbetriebe
und den Einzelhandel, die übrigen (36) auf die Nahrungsmittelindustrie mit Schwerpunkt fleischverarbeitende Industrie (19) und Milchwirtschaft
(12).
Rund die Hälfte aller Tarifverträge mit Garantieklauseln sind von
der Transportarbeitergewerkschaft (Teamsters) ausgehandelt worden, während
die restlichen Abkommen fast alle auf die Fleischer-, Einzelhandels-,
Lagerarbeiter-, Straßenarbeiter-, Straßenbahner- und Maschinistengewerkschaft entfallen.
Wöchentliche Arbeitszeit- und Einkommensgarantien finden sich weitaus häufiger in Verträgen, die mit mehreren Unternehmen abgeschlossen
wurden, als in Einzelabkommen. Sowohl in der Nahrungsmittelindustrie als
auch im Einzelhandel verteilten sich die Garantieabkommen ungefähr je
zur Hälfte auf Einzel- und auf Sammelverträge, während in der Transportindustrie 7/10 aller Garantien in Sammelverträgen verankert waren.
Voraussetzungen für die Gewährung von Garantien
In den Genuß wöchentlicher Arbeitzeit- oder Einkommensgarantien kamen
in der Regel sämtliche - oder fast alle - von diesen Tarifverträgen erfaßten Arbeitnehmer. Einige Abkommen beziehen die Garantien auf "sämtliche
Arbeitnehmer", andere nur auf die "fest Angestellten", die "regulär Beschäftigten", oder etwa auf die "regulär Vollzeit-Beschäftigten".
Für gewöhnlich haben die Arbeitnehmer mit vollzogener Einstellung
Anspruch auf eine derartige Garantie, sonst nach Ablauf der Probezeit.
Wie aus der nachstehenden Übersicht hervorgeht, wurde nur in 16 Abkommen
eine Mindestdienstzeit als.Voraussetzung für die Gewährung der Garantie
gefordert.
Erforderliche

- 7-

�Erforderliche Mindestdienstzeit

Zahl der Abkommen

Arbeitnehmerzahl

2 Monate

1

1200

3 Monate

1

1000

12 Monate

2

3900

18 Monate

1

2000

24 Monate

11

11 000

16

19 200

Insgesamt

Die geforderte Mindestdienstzeit war im allgemeinen die einzige
Voraussetzung für die Gewährung einer Einkommens- oder Arbeitszeitgarantie. Der Senioritätsgrad der einzelnen Arbeitnehmer spielte so gut wie
keine .Rolle. Nur in neun der 117 Abkommen mit Garantieklausein wurden die
Arbeitnehmer der niedrigsten Senioritätsgruppen von der Garantie ausgeschlossen. In dem Abkommen zwischen der "Central Motor Freight Association"
und den Teamsters zum Beispiel bezog sich.die Garantie lediglich auf die
oberen 80 Prozent in der Senioritätsskala.
Als selbstverständliche Voraussetzung gilt in allen Abkommen, daß
der Arbeitnehmer jederzeit verfügbar ist, und, wenn Arbeit für ihn vorhanden ist, auch gewillt sein muß, zu arbeiten. In 85 Prozent aller Garantieabkommen werden die Voraussetzungen für die Gewährung der Einkommensund Arbeitszeitgarantie speziell aufgeführt..So gilt zum Beispiel in
3/10 aller Abkommen die Garantie nur für jene Arbeitnehmer, die in der
betreffenden Woche gearbeitet haben. Eine Mindestarbeitszeit, die ein Arbeitnehmer zu erfüllen hat, um sich für die Garantie zu qualifizieren,
ist nur in einem einzigen Vertrag fixiert.
Bei 1/4 aller Abkommen war die Meldung zur Arbeit die entscheidende
Voraussetzung dafür, ob ein Arbeitnehmer Anspruch auf die Garantie hat
oder nicht. Dagegen wurde in 17 Abkommen die Zubilligung der garantierten
Ansprüche davon abhängig gemacht, ob der Arbeitnehmer verfügbar war oder
den Wunsch hatte, zu arbeiten. Bei den meisten der restlichen (13) Abkommen hing die Gewährung der Garantie davon ab, ob der betreffende Arbeitnehmer zur Arbeit in der entsprechenden Woche eingeteilt war.
Berechnungsgrundlagen und umfang der Garantieleistungen
Die meisten der wöchentlichen Lohn- und Arbeitsgarantieabkommen
sichern den anspruchsberechtigten Arbeitnehmern die Vollbeschäftigung
während des Garantiezeitraumes zu, andere wiederum einen vollen Wochenlohn oder "Arbeit" oder Bezahlung anstelle von Beschäftigung. In den meisten Fällen wird die Garantie in Arbeitsstunden, pro Woche ausgedrückt. In
einigen Abkommen jedoch ist die Garantie auf eine pro Tag zu leistende .
Mindestzahl von Arbeitsstunden bzw. Mindestzahl von Arbeitstagen pro Woche
bezogen. Nur in neun Abkommen wird die wöchentliche Garantieleistung mit
einem Geldbetrag angegeben. Im allgemeinen wird den Arbeitnehmern die
normale Arbeitswoche, die sich in den meisten Fällen auf 40 Stunden beläuft, garantiert. Eine Ausnahme bildet das Abkommen der Gewerkschaft der
Fleischkonservenarbeiter, bei denen die Normalarbeitswoche zwar 40 Stunden
beträgt, die Garantie sich aber nur auf 36 Stunden bezieht.

In

�In der überwiegenden Mehrzahl der Garantieabkommen wird allen
anspruchsberechtigten Arbeitnehmern einheitlich eine bestimmte Zahl
von Arbeitsstunden oder eine bestimmte Einkommenshöhe garantiert. Etwa
3 von 10 Wochen-Garantieabkommen machen die Höhe der Garantieleistungen
jedoch von solchen Faktoren abhängig wie Arbeitsplatzeinstufung und
Seniorität. In einigen wenigen Abkommen werden außerdem Unterschiede
hinsichtlich.der Leistungsgarantie zwischen männlichen und weiblichen
Arbeitskräften gemacht. In einem Tarifvertrag zum Beispiel werden den
Männern 4 Stunden pro Woche mehr garantiert als den Frauen.
Anrechnung nicht geleisteter Arbeitszeit
In den meisten Garantiebestimmungen werden all jene nicht geleisteten Arbeitsstunden pro Garantieperiode besonders spezifiziert, die angerechnet werden können oder durch die sich die Leistungspflicht des Unternehmers vermindert. Alle diese Spezifikationen sind in erster Linie
in solchen Garantieplänen enthalten, die sowieso bestimmte Voraussetzungen
für die Gewährung der Garantie vorschreiben. Aus der folgenden Übersicht
sind die verschiedenen Arten von Ausfallzeiten aufgeführt, durch die die
Garantieleistung beeinflußt wird:
Zahl der
Abkommen

Zahl der Arbeitnehmer

Voll angerechnet werden:
Bezahlter Urlaub
Bezahlte Feiertage

3

9 000

32

284 800

42

118 600

30

81 000

13

14 800

15

63 800

4

6 400

63

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In Abzug gebracht werden:
Fehlzeiten auf Grund von unentschuldigtem
Fehlen
Fehlzeiten auf Grund von Verspätungen
Fehlzeiten, die durch Entlassung oder
Kündigung entstehen
Fehlzeiten, die durch Wiedereinstellung
oder Zurücknahme einer Entlassung nach
Beginn der Arbeitswoche entstehen
Sonstige
Gesamtzahl der Abkommen mit Minderungsklauseln

Etwa ein Drittel aller Garantiebestimmungen sieht vor, daß der Unternehmer dann von der Garantieleistung entbunden ist, wenn sich im Laufe
der Arbeitswoche bestimmte »außergewöhnliche Umstände" ergeben, die in
rund der Hälfte der Abkommen als Ereignisse spezifiziert werden, welche
»sich der. Einflußnahme des Unternehmens entziehen": höhere Gewalt, Produktionsstörungen, Streiks, nationaler Notstand, Entlassung, freiwilliges
Fernbleiben. In einigen Abkommen wird durch unentschuldigtes Fehlen' die
Garantie sogar aufgehoben und entschuldigtes Fernbleiben von 4er Arbeit
mit Abzug bestraft.
Jahresgarantien

�Jahresgarantien
Von sämtlichen untersuchten Großtarifverträgen enthielten lediglich sechs Bestimmungen über einen garantierten Jahreslohn, d.h. eine
Einkommens- oder Arbeitsgarantie für sämtliche oder bestimmte Arbeitnehmer für einen Zeitraum von mehr als 10 Monaten. Die folgenden Abschnitte gehen näher auf diese Abkommen ein.
1. Das Abkommen mit der Geo. A. Hormel Company
Das zwischen der Gewerkschaft der Fleischkonservenarbeiter und der
Hormel Company abgeschlossene Abkommen über einen garantierten Jahreslohn sieht vor, daß sämtliche Arbeitnehmer des Werks in Austin (Minnesota) mit dem Tag ihrer Einstellung einen Anspruch auf ein garantiertes Jahreseinkommen haben. Ausgeschlossen von dieser Regelung sind
lediglich die Teilzeitarbeiter und die Aushilfskräfte. Den an Dauerarbeitsplätzen Beschäftigten werden eine Beschäftigung während.des
ganzen Jahres w i e 52 Wochenlohnschecks garantiert, deren Höhe dem in
den einzelnen Abteilungen gezahlten normalen Wochenlohn entspricht.
Berechnungseinheit ist die 40-Stunden-Woche (Normalarbeitszeit) eine Basis, die jedoch jährlich neu in Verhandlungen zwischen Gewerkschaft und Unternehmen festzulegen ist. In dem am 1. April 1963 beginnenden Vertragsjahr betrug das wöchentliche Garantieminimum in
allen Abteilungen des Werkes 36 Stunden, d.h. ob die Arbeitnehmer 40
Wochenstunden oder nur 30 arbeiten mußten, sie hatten auf alle fälle Anspruch auf das Minimum (36 Stunden). Überstundenarbeit war in der Garantieperiode nicht untersagt Überstundenzuschläge erhielten alle Arbeitnehmer, die entweder länger.als 8 Stunden täglich oder aber mehr
als 40 Stunden wöchentlich oder an Sonn- und Feiertagen arbeiteten.Ebenso wie die normalen Überstunden wurde auch die Feiertagsarbeit auf
die Garantie angerechnet. Am Ende des Jahres erhalten die Arbeitnehmer
einen Bonus für sämtliche abgeleisteten Arbeitsstunden, die über die
Garantienorm von 2080 Stunden hinausgehen. Arbeitete ein Arbeitnehmer
während des GarantieJahres weniger als 1872 Stunden, so wurde ihm die
fehlende Zahl von nicht geleisteten, aber bezahlten Arbeitsstunden erlassen.
2. Das Abkommen mit der "Michigan Sugar Company"
Im Gegensatz zu den meisten anderen Jahreslohn-Garantieabkommen,
durch die praktisch jeder Arbeitnehmer erfaßt wird, erstreckt sich die
Arbeits- und Lohngarantie bei diesem Unternehmen (in allen Werken) nur
auf eine spezielle Gruppe von Mitarbeitern - im Durchschnitt nur auf
27 bis 30. Die Garantie ist noch dazu insofern eingeschränkt, als sie
nur für die .Zeit Gültigkeit hat, in der die Fabriken produzieren. Wenn
jedoch ein Werk stillgelegt wird, hat das Unternehmen die Option, entweder die von der Garantie erfaßten Arbeitnehmer in ein anderes „Werk
zu transferieren oder ihnen ein Entlassungsgeld zu zahlen, dessen Hohe
von der Länge der Dienstzeit abhängt.
3. Das Abkommen mit dem Verband der Bekleidungseinzelhändler
Nach dem von der Bekleidungsarbeitergewerkschaft mit der "Retail
Apparel Merchants Association» in New York City abgeschlossenen Garantie
abkommen erhält das Verkaufspersonal zum Teil höhere Garantien als zum
Beispiel die Repasseure, Bügler und Fertigmacher. Das für drei Jahre
gültige Garantieabkommen für das Verkaufspersonal garantiert allen Festangestellten eine ständige Beschäftigung während der Laufzeit des Kontraktes. Allerdings kommen r tt bestimmte, namentlich aufgeführte Mjtar-

- 10 -

�Mitarbeiter in den Genuß dieser Vergünstigung. Alle anderen Beschäftigten dagegen gelten dem Abkommen zufolge als "Arbeitskräfte auf Zeit",
die jederzeit entlassen werden können.
Für die Bügler, Fertigmacher und andere Hilfskräfte erstreckt sich
die Einkommensgarantie lediglich auf 10 Monate pro Jahr, wobei für 8
Monate die volle Arbeitszeit und für 4 Mengte nur eine Teilarbeitszeit
garantiert wird. In Perioden, in denen nicht voll gearbeitet wird, ist
eine Verteilung der Arbeit auf die vorhandenen Arbeitskräfte gestattet.
Weder Überstundenarbeit noch "Nachholarbeit" werden auf die Garantie
angerechnet.
4. Das Abkommen mit der Schuhwaren-Einzelhandelsliga
Der Kontrakt dieses Firmenverbandes mit der Gewerkschaft der Groß-,
Einzelhandels- und Kaufhausangestellten garantiert allen Festangestellten
während der Laufzeit des Abkommens (2 Jahre) pro Jahr eine Beschäftigung
von 52 Wochen. Während die leitenden Angestellten eine Arbeitsgarantie
von 44 Wochenstunden haben, gilt für sämtliche anderen Mitarbeiter des
Unternehmen, ue 40-Stunden-Woche als Garantiebasis.
5. Die Garantiebestimmungen der "Wisconsin Public Service Corporation"
Auf Grund eines Abkommens mit der Gewerkschaft der Betriebstechniker
erhalten alle Arbeitnehmer mit mindestens fünfjähriger Dienstzeit eine
Arbeitsgarantie von 2080 Stunden pro Jahr, abzüglich der Urlaubstage und
der bezahlten Feiertage, an denen sie nicht gearbeitet haben. Der Vertrag
hat eine Laufzeit von zwei Jahren. Obwohl die von der Garantie.erfaßten
Arbeitnehmer nicht entlassen werden können, dürien sie bei Arbeitsuungel
an andere Arbeitsplätze umgesetzt werden. Werden sie umgesetzt, so erhalten sie - wenn eine Einkommensminderung mit dem Transfer verbunden ist
- für die Dauer von sechs Monaten ihre bisherigen Bezüge weitergezahlt.
Andere Garantieformen
Weitere acht Tarifabkommen - sechs davon in der Film- und Theaterindustrie - enthielten andere als die eben beschriebenen Garantien. Im
einzelnen handelte es sich dabei um folgende Formen:
Verband der Baustoffhändler in Cleveland
Ein Abkommen zwischen diesem Unternehmerverband und der TeamsterGewerkschaft garantiert 50 Prozent der am 1. Dezember eines jeden Jahres
beschäftigten Arbeitnehmer eine Beschäftigung.über einen Zeitraum von 17
Wochen - beginnend mit der Woche, die mit oder nach dem 10. Dezember anfängt. Die Garantie deckt hier also einen Zeitraum ab, der außerhalb der
Bausaison liegt. Allerdings haben die Arbeitgeber auf Grund dieses Vertrages das Recht, die Beschäftigtenzahl vor dem 1. Dezember noch auf einen
Stand zu reduzieren, der nach ihrer Ansicht für die .Garantieperiode ausreichend ist.
Ähnlich wie bei den wöchentlichen Arbeits- und Einkommensgarantien
werden auch hier unentschuldigtes Fehlen und Nichtmeldung zur eingeteilten
Arbeit in Anrechnung gebracht und Ereignisse, die außerhalb der Kontrolle
des Unternehmens liegen und zur Stillegung des Betriebes führen (Feuer,
Explosionen, Streiks), als garantieaufhebend betrachtet. Überstundenarbeit,
bezahlter Urlaub und. bezahlte Feiertage, die vom Arbeitnehmer in der

- 11 -

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�der Garantiezeit genommen werden, werden dagegen auf die Garantieleistung angerechnet.
Seehafenbetriebe der Pazifikküste
Die "Pacific Maritime Association" hat mit der Hafen- und Lagerhausgewerkschaft ein völlig aus dem Rahmen fallendes Garantieabkommen
geschlossen, das Bestandteil des "Automationsabkommens" ist und den
Arbeitnehmern in den Häfen der amerikanischen Westküste eine Beschäftigungs- oder Einkommensgarantie in solchen Perioden sichert, in denen neue Umschlageinrichtungen installiert oder neue Löschgngs- und
Beladungsverfahren eingeführt werden, durch die die Arbeitsmöglichkeiten drastisch reduziert werden.
Aufgrund des sehr detaillierten Garantieabkommens, das von dem
Verband und der Gewerkschaft nach Abschluß des Tarifvertrages ausgehandelt wurde, sind Entlassungen nicht statthaft. Um jedoch die Zahl
der Arbeitskräfte in ein vernünftiges Verhältnis zur anfallenden Arbeit
zu bringen, zielt das Abkommen darauf ab, die Arbeitnehmer für eine
normale oder vorzeitige Pensionierung zu interessieren, und in einigen
Fällen ist sogar eine Zwangspensionierung möglich. Den qualifizierten
Hafenarbeitern wird eine wöchentliche Beschäftigung von 35 Stunden oder
der entsprechende Lohn dafür garantiert.
Für jede 4-Wochen-Periode gilt die Garantie für solche Hafenarbeiter, die
1. schon drei Jahre lang als reguläre Hafenarbeiter registriert
sind;
2. Anspruch auf einen bezahlten Urlaub von zwei Wochen haben;
3. sich regelmäßig zur Arbeitsaufnahme gemeldet und angebotene
Arbeit nicht verweigert haben;
4. weniger als 5359 Dollar in den aufeinanderfolgenden 48 Wochen
verdient haben, die der vierwöchigen Garantieperiode vorangingen;
5. entweder 93 Prozent der im Gruppendurchschnitt in der laufenden Garantieperiode geleisteten Arbeit tatsächlich abgeleistet oder
aber auf Grund des Garantieabkommens dafür eine Gutschrift erhalten
haben.
Film- und Theaterindustrie
Die in insgesamt sechs Tarifabkommen der Filmindustrie verankerten
Garantiebestimmungen sind Ausdruck der in diesem Wirtschaftszweig völlig
anders gelagerten Beschäftigungs- und Tarifvertragsbedingungen. Für die
meisten der von diesen Verträgen Betroffenen werden in den Grundabkommen
lediglich die Mindestvoraussetzungen einer Beschäftigung, einschließlich
der Mindestgarantien, aufgeführt. Tatsächliche Beschäftigungs- und Einkommensgarantien sind - wie auch andere Konditionen - Gegenstand von individuellen Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nur die
Anfangsperiode der Beschäftigung wurde auf Grund dieser Verträge garantiert. Die Garantiedauer war entweder gleich (d.h. eine Woche) oder richtete sich nach dem Budget der Filmgesellschaft, nach der Zahl der Auftritte
oder der Länge der Fernsehserien„
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 87, Nr. 11, November 1964)

+ ++++
- 13 -

�Gewerkschaft1iche Kurznachrichten
Automatische Lohnerhöhungen für 3,7 Mio. Arbeitnehmer 1965
Rund 3,7 Millionen amerikanische Arbeitnehmer, deren Arbeitsverhältnisse durch Großtarifverträge (mit jeweils mehr als 1000 Arbeitnehmern) geregelt sind, werden 1965 auf Grund von in den Vorjahren abgeschlossenen Tarifverträgen automatische Lohnaufbesserungen erhalten.
Gegenüber dem Vorjahr sind das rund 1,3 Millionen Arbeitnehmer mehr,
und für die letzten sechs Jahre ist es die überhaupt höchste Zahl.
Der größte Teil der Arbeitnehmer ist, wie aus einer Übersicht des
US-Arbeitätninisteriums hervorgeht, in der Industrie beschäftigt (1,7 Mio.),
während 600 000 im Baugewerbe tätig sind und der Rest (1,4 Mio.) sich auf
die anderen Wirtschaftszweige verteilt.
Automatische Lohnerhöhungen auf Grund der Lohngleitklausel werden
dagegen in diesem Jahr rund 2 Millionen Arbeitnehmer erhalten, also die
gleiche Anzahl wie im Vorjahr.
Die Gesamtzahl der von automatischen Lohnerhöhungen erfaßten Arbeitnehmer ist 1965 deshalb wesentlich höher als 1964, weil die meisten
der im Vorjahr in der Automobil-, Automobilzubehör-, Bau- und Landmaschinenindustrie sowie im Straßentransportgewerbe abgeschlossenen Tarifverträge einerseits sämtlich eine sehr große Zahl von Arbeitnehmern umschließen und andererseits ausnahmslos automatische Lohnerhöhungen in den folgenden Jahren vorsehen.
Außerdem stehen 1965 noch Lohnaufbesserungen für 355 000 Eisenbahner
an, die im vergangenen Jahr keinerlei Lohnerhöhungen oder Lebenshaltungskostenausgleich erhalten haben.
"ILGWU" bildete nationalen Pensionsfonds
Die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie ILGWU hat mit
Wirkung vom 1. Januar 1965 ihre insgesamt 41 betrieblichen und regionalen
Pensionsfonds in einen "Nationalfonds" (National Retirement Fund) übergeführt, aus dem die 400 000 Mitglieder-der Gewerkschaft künftig ihre
Leistungen erhalten werden.
Der Aufbau der verschiedenen Sozialfonds der ILGWU-Gewerkschaft
erfolgt ausschließlich durch Unternehmerbeiträge, die gegenwärtig zwischen
zwei und sechs Prozent der Lohnsumme liegen und den anspruchsberechtigten
Leistungsempfängem monatliche Pensionszahlungen von etwa 50 Dollar (New
Yorker Mantelschneider 65 Dollar) sichern.
Die Gesamteinnahmen sämtlicher 41 Pensionsfonds der Gewerkschaft
beliefen sich 1963 auf 37,7 Millionen Dollar. Der Auszahlungen stellten
sich dagegen im gleichen Jahr auf über .20 Millionen Dollar. In den Genuß
dieser zusätzlichen Pensionen (neben denen der staatlichen Sozialversicherung) kamen insgesamt 31 644 Mitglieder der ILGWU.
Außer zusätzlicher Altersversorgung sowie Entlassungsgeldern erhalten
die Mitglieder der Damenoberbekleidungsgewerkschaft auch noch Leistungen
aus verschiedenen anderen (insgesamt 71) Sozial- und Wohlfahrtsfonds.
26

- 14 -

�26 Mio. Amerikaner beziehen Pensionen aus zwei Quellen
Die meisten im Ruhestand lebenden Amerikaner erhalten heute Pension
aus zwei verschiedenen Quellen: aus der staatlichen Sozialversicherung
und aus den zahlreichen privaten Pensionsplänen. Während die staatlichen
Altersrenten für Einzelpersonen 40 bis 127 Dollar im Monat und für Familien 60 bis 254 Dollar betragen, sind die privaten Pensionsleistungen
sehr unterschiedlich, wenngleich sie in einigen Fällen bis zu 100 Dollar
pro Monat ausmachen können.
Gegenwärtig werden über 26 Millionen (von insgesamt 71 Mio.) Arbeitnehmer in den USA durch private, zwischen Gewerkschaften und Unternehmen
ausgehandelte und häufig allein vom Arbeitgeber finanzierte Pensionspläne
erfaßt, die z.Z. ein Gesamtvermögen von rund 67 Mrd. Dollar aufweisen.
Gegenüber 1945 hat sich damit das Fondsvermögen um das 22fache erhöht,
während die Zahl der Leistungsberechtigten im gleichen Zeitraum von 5,6
Millionen auf 26 Millionen angestiegen ist.
Pensionierung jetzt mit 55 Jahren möglich
Die Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft (United Mine Workers) hat
als Treuhänder des Bergarbeiterwohlfahrtsfonds mit Wirkung vom 1. Februar
1965 das Pensionsalter herabgesetzt und die Pensionsleistungen weiter verbessert.
Im einzelnen sehen die neuen Bestimmungen vor, daß ein Bergarbeiter
künftig schon mit 55 Jahren (bisher 60 Jahre) bei vollen Bezügen in Pension gehen kann, die monatlichen maximalen Rentenleistungen (zusätzlich
zu den Leistungen der staatlichen Altersversicherung) von gegenwärtig 75
auf 85 Dollar angehoben werden und die Dienstzeitbestimmungen (20 Jahre)
gelockert werden.
. . . .
Gerade der letzte Punkt ist für die Bergarbeiter insofern von großer
edeutung, als künftig jeder Bergarbeiter, der seinen Beruf vorzeitig aufgibt, seine vollen Rentenansprüche dann behält, wenn er eine Gesamttätigkeit im Bergbau von 20 Jahren nachweisen kann. Bisher bestand die Vorschrift, daß die 20 im Bergbau abgeleisteten Dienstjähre in die 30-JahrPeriode fallen müssen, die vor dem Pensionierungszeitpunkt liegt.
Betroffen von dieser Liberalisierung der Pensionierungsvorschriften
sind rund 64 000 bereits im Ruhestand lebende sowie zur Pensionierung anstehende Bergleute, die künftig außer den Altersrenten auch Leistungen
aus der Krankenhaus- und Krankenversicherung des Wohlfahrtsfonds der UMWGewerkschaft erhalten.
(Quelle: Eigenberichte)

+++++

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Information»! Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 4

Bad Godesberg, den 1. April 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Die Entwicklung der Lohnnebenleistungen in
der US-Industrie

Seite

1

UAW - eine junge aber mächtige Gewerkschaft

Seite

8

Stahlarbeitergewerkschaft schloß Modellvertrag

Seite 10

Umschulungs- und Berufsförderungsprograrame
wurden verstärkt

Seite 12

Sunnyhills: Rassenfragen unbekannt

Seite 13

Arnold Strasser, Abteilung Löhne und Gehälter im US-Amt
für Arbeitsstatistik:
Die Entwicklung der Lohnnebenleistungen in der US-Industrie
Einleitung
Im Jahre 1962 beliefen sich die Unternehmeraufwendungen für bestimmte Lohnnebenleistungen auf rund 57 Cent pro Arbeitsstunde und
Produktionsarbeiter. Im Vergleich zu 1959 (48 Cent) bedeutet das eine
Zunahme um 9 Cent.
Dieser 18prozentige Anstieg der Aufwendungen bei den für diese
Untersuchung ausgewählten Lohnnebenleistungsarten ist wesentlich
größer als die relativen Zunahmen der Stundenlöhne für Produktionsarbeiter im gleichen Zeitraum 1'. Ähnliche Unterschiede zwischen
den Unternehmeraufwendungen für Lohnnebenleistungen und denen für
Grundlöhne sind in allen Wirtschaftszweigen festzustellen, für die
auswertbare Unterlagen zur Verfügung stehen. Diese unterschiedliche
Entwicklung läßt ganz klar die wachsende Bedeutung der zusätzlichen
Leistungen in der Lohnstruktur der amerikanischen Industrie erkennen.

Der durchschnittliche Stundenlohn für Produktionsarbeiter der
Industrie stieg zwischen 1959 und 1962 um 9,1 Prozent, und
zwar von 2,19 Dollar auf 2,39 Dollar an.
- 1 -

�Zwischen 1959 und 1962 hat sich die Struktur der Unternehmeraufwendungen für Zuschläge aller Axt und Lohnnebenleistungen erheblich verändert. Während im Jahre 1959 die. in der Lohnsumme zum Ausdruck kommenden Zuschläge (Urlaub, Überstunden, Bonusse) über die
Hälfte dieser AufWendungen.ausmachten, entfiel im Jahre.1962 mehr
als die Hälfte dieser zusätzlichen Aufwendungen auf die gesetzlichen
und freiwilligen Sozialleistungen wie Lebens-, Kranken-, Unfallversicherung, zusätzliche Pensionen und Arbeitslosenunterstützung usw.
Umfang und Art der Erhebung
Die für diese Analyse verwendeten Informationen wurden mittels
sehr zuverlässiger Repräsentativerhebungen in Industrieunternehmen
gesammelt. Die Einzelangaben wurden dabei in erster Linie durch eine
Fragebogen-Aktion zusammengestellt und dann unter Berücksichtigung
der derartigen Umfragen zugrunde liegenden Faktoren, die für die
Auswahl des betreffenden Betriebs maßgeblich waren, ausgewertet. Die
Daten der Erhebung des Jahres 1962 sind aus den Angaben von insge-:
samt 5194 Unternehmen zusammengestellt; die des Jahres 1959 stammten
von 4400 Unternehmen.
Die Aufwendungen im Jahre 1962
Die Aufwendungen der Industrieunternehmen für nicht geleistete,
aber vergütungspflichtige Arbeitszeiten (Urlaub, Feiertage usw.) sowie
für Sonderzuschläge (Überstunden, Wochenend- oder Nachtarbeit) und
Prämien aller Art machten im Jahre 1962 insgesamt 10,9 Prozent der
Bruttolohnsumme bzw. 11,3 Prozent der Normallohnsumme aus, die Aufwendungen für gesetzlich vorgeschriebene Sozialversicherungsbeiträge und
freiwillige Sozialleistungen weitere 11,2 bzw. 11,7 Prozent.
Die Lohnzuschläge für Urlaub, Überstunden und Prämien beliefen
sich 1962.auf 26,4 Cent pro Arbeitsstunde, die Aufwendungen für die
gesetzlich vorgeschriebenen Sozialleistungen und die zusätzlichen
privaten Sozialleistungen aller Art auf weitere 27,0 Gent pro Arbeitsstunde.
Allgemein ist festzustellen, daß die Unternehmeraufwendungen für
die in dieser Studie untersuchten Arten von Lohnnebenleistungen am
höchsten in Industriezweigen mit hohem Lohnniveau und starker gewerkschaftlicher Organisation waren - wobei.innerhalb eines jeden Industriezweiges die Leistungen proportional zur Unternehmensgröße und zum durchschnittlichen Lohnniveau zunehmen. Dennoch weisen die Industriezweige
mit niedrigerem Lohnniveau einen im.Vergleich zur Gesamtlohnsumme höheren Ausgabenanteil bei den gesetzlich vorgeschriebenen Sozialleistungen
auf, während sie, wenn man die Leistungen in Cent pro Arbeitsstunde ausdrückt, einen niedrigeren Ausgabenstand im Vergleich zu Industriezweigen
mit hohem Lohnniveau aufweisen. Die Bonuszahlungen dagegen scheinen
nicht von der industriellen Lohnstruktur abhängig zu sein. Die Unternehmen z.B., die an der Spitze und am Ende der Lohnskala stehen, weisen
relativ geringere Bonusleistungen auf, während einige in der Mitte rangierende Industriezweige relativ hohe Aufwendungen dieser Art verzeich-

2 -

�Alle im Jahre 1962 in der Fertigungsindustrie beschäftigten
Produktionsarbeiter wurden durch die staatliche Altersversicherung
erfaßt, während fast alle gegen Arbeitslosigkeit und Unfall versichert waren. Außerdem war die überwiegende Mehrheit dieser Arbeitnehmer in Unternehmen beschäftigt, die zusätzlich Leistungen
für bestimmte Arten von privaten Sozialplänen erbrachten - hauptsächlich für Lebens-, Unfall- und Krankenversicherungen (90 Prozent) sowie für Pensions- und Altersversorgungspläne (rund 60
Prozent).
Bezahlte Freizeit
- in erster Linie Urlaub und Feiertage wurde von Unternehmen zugestanden, die rund 96 Prozent aller Produktionsarbeiter beschäftigten] Zuschläge für Überstunden-, Wochenend- und Feiertagsarbeit wurden von Unternehmen gewährt, die etwa
93 Prozent der erfaßten Arbeitnehmer auf sich vereinigten. Rund
1/3 der Arbeitnehmer war ferner bei Firmen tätig, die ihren Arbeitnehmern Weihnachtsgeld und andere nicht-regelmäßige Bonusse zahlten,
Vergleich der Aufwendungen von 1959 und 1962
Die Aufwendungen der Unternehmer pro Arbeitsstunde für bestimmte Lohnnebenleistungen nahmen in allen Industriezweigen, von denen
auswertbare Unterlagen für 1959 und 1962 zur Verfügung standen, zu.
Die größte Zunahme (um mehr als 50% oder über 16 Cent) verzeichnete
die Tabakindustrie,.während die Textil- und die Bekleidungsindustrie
mit Zunahmen von lediglich fünf Cent - oder weniger als 20 Prozent den geringsten Anstieg aufwiesen. Die Industriezweige mit den höchsten Aufwendungen für Lohnnebenleistungen pro Arbeitsstunde im Jahre
1962 - Grundmetall- und Transportausrüstungsindustrie - hatten im
Vergleich zu 1959 um 12 bis 15 Cent (16-24 Prozent) höhere Aufwendungen pro Stunde zu machen.
Die relativ stärksten Anstiege wurden ferner - bei einer speziellen Auswertung besonderer Charakteristika - in Betrieben registriert, die gewerkschaftlich organisiert sind, nicht in Großstadtgebieten ansässig sind, zwischen 100 und 500 Beschäftigte haben und
deren Stundenlohnniveau im unteren Drittel der Gesamtlohnskala der
Fertigungsindustrie liegt.
Die höchsten Aufwendungen für Lohnnebenleistungen pro Arbeitsstunde verzeichneten jedoch wie auch schon 1959 jene Unternehmen,
die Gewerkschaften zum Tarifpartner und ihren Firmensitz in Großstädten haben, mehr als.500 Mitarbeiter beschäftigen und deren Lohnniveau im oberen Drittel der industriellen Lohnskala liegt.
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Tabelle 1
l) Neben direkten Zahlungen an die Arbeitnehmer für Freizeit erbringen zahlreiche Unternehmen auch noch Zuwendungen für Urlaubs- und
Freizeitfonds, aus denen dann die Arbeitnehmer zusätzliche Leistungen erhalten.

- 3 -

�TABELLE 1
UNTERNEHMERAUFWENDUNGEN FÜR LOHNNEBENLEISTUNGEN IN DER US-INDUSTRIE
(Stand

Leistungsart

1962)

Anteil an der
Anteil an der
Gesamt lohnsumme Normallohnsumme
in Proz ent
in Prozent

Aufwendungen pro
Arbeitsstunde
in Cent

Bezahlte Freizeit
Urlaub
Feiertage
Krankenurlaub
Andere

6,0
3,6
2,1
0,3
1)

6,2
3,7
2,2
0,3
1)

14,5
8,6
5,1
0,6
0,1

Zuschläge
Überstunden-,
Wochenend-,
Feiertagsarbeit
Schichtausgleich

4,2

4,4

10,2

3,3
0,9

3,5
0,9

8,1
2,1

Weihnachtsgeld u.a.
Bonusse

0,7

0,7

1,7

Gesetzliche Sozialabgaben
Altersversorgung
Arbeitslosenvers.
Unfallversicherung
Andere

5,8
2,6
2,1
1,0
1)

6,0
2,7
2,2
1,0
1)

13,9
6,3
5,1
2,4
0,1

5,4

5,7

13,1

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2,8
2,5
1)

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0,3

0,3

0,6

0,1

0,1

0,1

Freiwillige Sozial-.
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Lebens-, Unfall-,
Krankenversicherung
Pensionspläne
Urlaubsfonds
Entlassungsgeld,
Sus. Arbeitslosenversicherung
Spar-, Aktienerwerbspläne usw.

weniger als 0,05 Prozent

Tabelle 2

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�Was die einzelnen Leistungen betrifft, so ist der stärkste Anstieg der Aufwendungen pro Arbeitsstunde bei den gesetzlich vorgeschriebenen Sozialleistungen (38,3 Prozent) zu verzeichnen, der
zweitstärkste bei den privaten Wohlfahrtsplänen (18,8 Prozent). Die
Aufwendungen der Unternehmen für Überstunden-, Wochenend- und Feiertagszuschläge weisen dagegen mit 4,9 Prozent die geringste Zunahme
auf (Urlaubszahlungen: plus 7,7%).
Die erhebliche Zunahme der gesetzlichen Sozialleistungen ist
in erster Linie auf die Anhebung der Beitragssätze zurückzuführen.
Die Beiträge für die Sozialversicherung wurden von 2,5 Prozent der
ersten 4800 Dollar des Einkommens auf einen Satz von 3,125 Prozent
angehoben und die an den Bund abzuführenden Beiträge zur Arbeitslosenversicherung von 0,3. Prozent der ersten. 3000 Dollar des Einkommens auf 0,8 Prozent. Außerdem stiegen die Abgaben an die Bundesstaaten zur Arbeitslosenversicherung infolge hoher Arbeitslosigkeit
und neuer gesetzlicher Vorschriften erheblich an.
Bei den freiwilligen Sozialleistungen, bei denen zwischen 1959
und 1962 eine Zunahme um 6,9 Cent pro Arbeitsstunde bzw. um 38 Prozent eintrat, konzentrierten sich die Mehrleistungen der Unternehmen
vor allem auf die Lebensversicherungs-, Krankenversicherungs- und
Unfallversicherungspläne.

(Quelle: Monthly Labor Review,
Nov. 1964, Vol. 87, Nr. 11 )

+++++

- 7-

�UAW - eine junge aber mächtige Gewerkschaft
Zwei Faktoren waren es, die zur Gründung des heute wohl einflußreichsten amerikanischen Arbeitnehmerverbandes, der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft (UAW), führten: die wirtschaftliche Depression der dreißiger Jahre und die vertikale, ganz auf die handwerklichen
Fachberufe ausgerichtete Gewerkschaftsstruktur in den USA.
Die organisatorischen Nachteile einer solchen Gliederung - die
geringe Macht der Gewerkschaften auf Grund ihrer Zersplitterung -, die
schon mit der Entwicklung von Großindustrien zutage traten, wurden den
Arbeitnehmern in den Depressionsjähren zum erstenmal mit aller Deutlichkeit vor Augen geführt, in denen sie - was Löhne, Arbeitszeit, Beschäftigungsbedingungen usw. betraf - Spielball.der Unternehmerinteressen waren.
Da der immer stärker werdende Ruf nach einer Neugliederung der
Gewerkschaftsstruktur und einem horizontalen, industrieweiten Aufbau
bei der "AFL" ungehört verhallte, begannen in den Jahre 1933 bis 1935
verschiedene Facharbeitergruppen der Automobilindustrie, eigene gewerkschaftliche Interessenverbände aufzubauen (u.a. "Associated Automobile
Workers", "Automotive Industrial Workers Association", "Auto Workers
Union"), die sich im Jahre 1935, mit einer einzigen Ausnahme, zu den
"United Auto Workers" zusammenschlössen.
Im April 1936 fand dann die Gründungsversammlung der UAW-Gewerkschaft in South Bend (Indiana) statt. Die Automobilindustrie, die diesem Zusammenschluß keine große Bedeutung beimaß, sollte jedoch sehr
schnell spüren, welche entschlossene Männer auf der Kommandobrücke dieser zahlenmäßig noch schwachen (nur 7500 Mitglieder). Gewerkschaft standen, die als Tarifpartner noch nicht anerkannt und auf Grund ihrer leeren
Kassen auch nicht in der Lage war, längere Arbeitskämpfe durchzustehen.
Aber schon im Juni 1936 konnte die Bendix-UAW-Betriebsgruppe den
ersten bemerkenswerten UAW-Vertrag abschließen, der. dem "Local" die Vertretungsrechte sicherte und dein Arbeitnehmern 'Lohnerhöhungen einbrachte
- ein Vorgang, der die Aufmerksamkeit der Automobilarbeiter auf die neue
Gewerkschaft lenkte und ihre Mitgliederzahl schnell ansteigen ließ.
Bereits ein Jahr später konnte die UAW zum großen Schlag ausholen
und in die Phalanx der Automobilfirmen einbrechen: Mit einem für alle
Werke der "General Motors Corporation" (GM) ausgerufenen Sitzstreik
gelang es ihr in kürzester Zeit, den größten und mächtigsten Industriegiganten in die Knie zu zwingen. Zwar war der erste Vertrag, den die UAW
mit GM am Hauptsitz des Unternehmens in Flint (Michigan) im März 1936
abschloß, ein Dokument von knapp einer Seite, aber er enthielt doch
sämtliche Hauptforderungen der Gewerkschaft: Anerkennung als Tarifpartner; Verhandlungen über Löhne, Seniorität und.Beschwerdeführung; keine
Diskriminierung Streikender.
Nachdem erst einmal das größte Unternehmen der Branche an die Kette
gelegt war, hatte die UAW nur noch wenig Mühe, auch kleineren Firmen die
Anerkennung als Tarifpartner abzuringen. Schon im Herbst 1937 hatte sie
mit rund 400 Unternehmen Verträge abgeschlossen.
Interne

�Interne Streitigkeiten in der Gewerkschaftsspitze brachten der
UAW in den folgenden zwei Jahren jedoch einen gewissen Prestigeverlust, so daß der große Gegenspieler, die "General Motors Corporation",
erneut hoffte, sich der gewerkschaftlichen Fesseln wieder entledigen,
zu können. Die für 1939 anstehenden Tarifverhandlungen schienen hierfür die geeignete Kraftprobe zu sein.
Walter Reuther jedoch, der seinerzeit die GM-Abteilung der Gewerkschaft leitete, wählte der schlechten Kassenlage wegen nicht wieder den
Frontalangriff, der zur Anerkennung als Tarifpartner geführt hatte, sondern die "Aushungerungstaktik11, die Lahmlegung des gesamten Unternehmens
allein durch den Streik der Werkzeugmacher und Former. Insgesamt 29 Tage
dauerte dieser Teilstreik, ehe GM kapitulierte und die UAW erneut als
alleinigen Sprecher der Automobilarbeiter anerkannte.
Aber noch standen die anderen großen Bastionen der AutomobilIndustrie: Chrysler und Ford. Chrysler entschloß sich erst nach einem 54tägigen Streik zur Kapitulation, und der Kampf gegen Ford dauerte sogar
bis zum Juni 1941, als die UAW nach einem kurzen Streik (10 Tage) den
ersten Tarifvertrag auch mit diesem Giganten der Autoindustrie abschließen konnte. Damit war praktisch der Boden für den weiteren schnellen
Aufstieg der UAW-Gewerkschaft in den nächsten (Kriegs-) Jahren und für
die Gewerkschaftsgeschichte machende Nachkriegszeit bereitet.
Mit der Übernahme der Gewerkschaftsführung durch Walter Reuther im
Jahre 1946 setzte sich dann auch ein neuer, von langfristigen lohn- und
sozialpolitischen Zielsetzungen getragener Tarifverhandlungsstil durch,
der die UAW-Gewerkschaft zum tarifpolitischen Avantgardisten unter den
amerikanischen Gewerkschaften machen sollte.
Die ersten Tarifverhandlungen der Nachkriegszeit brachten den Automobilarbeitern eine Lohnerhöhung von 18 1/2 Cent pro Stunde - in der
Erinnerung jedoch sind diese Verhandlungen weniger mit der bis dahin
größten Einkommensaufbesserung als mit dem Angebot Walter Reuthers an
General Motors verknüpft, auf jede Lohnerhöhung zu verzichten, die zu
Preiserhöhungen führe, und nur das zu nehmen, was GM für vertretbar
erachte, wenn das Unternehmen bereit sei, der Gewerkschaft seine Geschäftsbücher offenzulegen.
Der nächste Kontrakt (1948), der den Arbeitnehmern zum ersten Mal
eine Beteiligung an den Produktionsgewinnen (annual improvement factor)
und einen Ausgleich für die gestiegenen Lebenshaltungskosten (escalator
clause) sicherte, konnte ohne Streik nnter Dach und Fach gebracht werden, ebenso das erste private Pensionsabkommen (allein vom Unternehmer
finanziert) in der amerikanischen Massengüterindustrie (1949 mit Ford),
durch das die Arbeitnehmer in den Genuß zusätzlicher Pensionsleistungen
kamen.
Die nächsten wichtigen Stationen der UAW auf tarifpolitischem Gebiet
waren.folgende:
1955: Durchsetzung des "Garantierten Jahreslohns" in der Kompromißform einer zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung, die dem arbeitslosen
Automobilarbeiter zusammen mit dew staatlichen Arbeitslosenunterstützung
bis zu 3/4 seines bisherigen Einkommens sichert]
1958: Zahlung von Entlassungsgeldern;
1961: Gewinnbeteiligung; Umzugsbeihilfen bei Entlassung oder Umsetzung
des Arbeitnehmers in einen anderen Betrieb des Unternehmens; sowie voll-

- 9-

�vollständige Krankenversicherung aller Arbeitnehmer einschließlich
ihrer Familienangehörigen.
1964: Vorzeitige Pensionierung (ab 60) bei vollen (wie mit 65
Jahren) Bezügen; Anhebung.der Pensionsleistungen; mehr bezahlte
Feier- und Urlaubstage; Erhöhung der Entlassungsgelder.
Diese mehr als eindrucksvolle Erfolgsbilanz ist letztlich das
Ergebnis der inzwischen auch von einigen anderen Gewerkschaften
kopierten Verhandlungstaktik der UAW - des "pattern bargaining".
Das tarifpolitische Spiel ist immer das gleiche. Ein "Mustervertrag"
wird zuerst mit einem (dem "anfälligsten" ) Unternehmen der "Großen,
Drei" - General Motors, Chrysler oder Ford- ausgehandelt und der
gleiche Vertrag anschließend gegen die beiden anderen - je nach Lage
der Dinge, mit oder ohne Streik - durchgeboxt!. Das Musterabkommen
bei den zahlreichen kleineren Firmen durchzusetzen, ist dann nur
noch Formsache.
Mit ihren 1,2 Mio. Mitgliedern und 1300 Ortsverbänden ist die
UAW heute die einflußreichste und wohl auch mächtigste und reichste
amerikanische Gewerkschaft. Allein an Mitgliedsbeiträgen (5 Dollar
pro Monat) dürften monatlich rund 6 Mio. Dollar eingehen, und wie
der "größte Streikfonds der Welt" (65 Mio« Dollar) zeigt, bedeuten
heute selbst Streiks keine Durststrecke mehr für diese Gewerkschaft,
die ihren Hauptsitz im "Solidarity House" in Detroit hat und neben
450 Sekretärinnen einen.Stab von 750 Funktionären beschäftigt.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Stahlarbeitergewerkschaft schloß Modellvertrag
In Verfolg ihres tarifpolitischen Hauptzieles, die vertraglich
geregelte Arbeitsplatz- und Beschäftigungsgarantie, hat die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft (USA) jetzt ein Abkommen mit der "Alan
Wood Steel Company" geschlossen, das David J. McDonald, der 1..Vorsitzende der Gewerkschaft, als einen '.'ersten, wesentlichen Durchbruch"
in dieser Richtung bezeichnete.
Im Mittelpunkt dieses Abkommens stehen verschiedene tarifvertragliche Leistungen (zusätzliche Arbeitslosenunterstützung, garantiertes
Jahreseinkommen und garantierte jährliche Mindestarbeitszeit), die
zwar direkt auf eine bessere wirtschaftliche und soziale Absicherung
der Beschäftigten abzielen, indirekt jedoch zur Sicherung der Arbeitsplätze beitragen.
Damit hat die Stahlarbeitergewerkschaft einen neuen großen tarifpolitischen Erfolg erzielen können, der von ebenso weitreichender Bedeutung ist wie der vor zwei Jahren mit der "Kaiser Steel Company", abgeschlossene Vertrag über eine Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer, das
zuerst in der Behälterindustrie.durchgesetzte Abkommen über die Aus-

- 10 -

�Ausdehnung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung auf 52 Wochen
und das Musterabkommen in der stahlerzeugenden Industrie über die
Gewährung von zusätzlichen 13 Urlaubswochen alle fünf Jahre.
Im einzelnen sieht das neue Abkommen folgendes vor:
1. Erhöhung der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung (in Ergänzung der staatlichen Leistungen) auf 85 Prozent (z.Z. maximal 60%)
des zuvor bezogenen Lohnes, wobei jüngere Arbeitnehmer über einen
Zeitraum von zwei Jahren (z.Z. ein Jahr) in den Genuß dieser Zahlungen
kommen, während der Bezug.bei einer Dienstzeit von zehn Jahren nicht
mehr terminiert ist;.
2. Verbesserung der Leistungen der privaten Kranken- und Unfallversicherung bei den gleichen Bedingungen - bisher wurden über einen
Zeitraum von sechs Monaten 60 Prozent des Wochenlohnes gezahlt, künftig
werden es 85 Prozent sein;
3. Einführung einer Lohngarantie, die den Arbeitnehmern in jedem
Quartal des Jahres mindestens 95 Prozent des normalen Stundenlohnes
(ohne Überstundenzuschläge) sichert, den sie im letzten Quartal des
Vorjahres bezogen haben;
4. Verlängerung der garantierten Arbeitswoche von gegenwärtig
32 auf künftig 38 Stunden. Diese Regelung besagt, daß ein Arbeitnehmer
den vollen Lohn für 38 Wochenstunden erhält, ganz gleich, ob er voll
gearbeitet hat oder wegen Auftragsmangels diese Norm nicht erfüllen
konnte.
Außerdem hat sich das Unternehmen verpflichtet, eine besondere
Arbeitsreserve - ähnlich wie beim Kaiser-Abkommen - zu bilden. Auf
Grund der diesbezüglichen Bestimmungen hat der vorübergehend Entlassene nach 13 Wochen die Wahl, zwischen der Fortzahlung seiner zusätzlichen
Arbeitslosenunterstützung und der Rückkehr ins Werk. Allerdings hat er
hier dann die durch Krankheit entstandenen Lücken auszufüllen, hat
also keinen festen Arbeitsplatz. Gegenwärtig werden die Arbeitsplätze
von kranken Arbeitern durch solche Leute besetzt, die auf anderen,
weniger wichtigen Posten eingesetzt.sind. Die Arbeitsreserve umfaßt
mindestens 2 Prozent der Belegschaft.
Wie der 1. Vorsitzende der Stahlarbeitergewerkschaft zu dem
neuen Abkommen weiter erklärte, sollen die in diesem Vertrag mit der
"Alan Wood Steel Company" erreichten Verbesserungen für die in diesem
Jahr anstehenden Tarifverhandlungen zur Verhandlungsgrundlage gemacht
werden. Ein ähnlicher Plan ist bereits sämtlichen Großunternehmen der
Stahlindustrie bei Wiederaufnahme der Tarifgespräche am 15. Februar un
terbreitet worden.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 11 -

�Umschulungs- und Berufsförderungsprogramme wurden verstärkt
Von beträchtlichem Erfolg gekrönt waren im vergangenen Jahr die
Bemühungen der amerikanischen Regierung, solche Arbeitskräfte wieder
produktiv in den Arbeitsprozeß einzugliedern, die entweder auf Grund
der technologischen Veränderungen ihre Beschäftigung verloren haben
oder aber wegen ihrer nur mangelhaften schulischen und beruflichen
Ausbildung ohne Umschulung nicht in der Lage gewesen wären, einen
Dauerarbeitsplatz oder einen Zukunftsberuf auszufüllen.
Während einerseits im Rahmen des Gesetzes über die Fort- und Ausbildung von Arbeitskräften (Manpower Development and Training Act)
im Finanzjahr 1964 die doppelte Anzahl vnn Dauerarbeitslosen -insgesamt 115 000 - auf neue Zukunftsberufe umgeschult wurde, konnte ande
rerseits in bisher 31 Städten mit den Planungsarbeiten für die Errichtung von sogenannten "Youth Opportunity Centers" begonnen werden, in
denen arbeitslosen Jugendlichen eine entsprechende Starthilfe fürs
Berufsleben gegeben werden soll.
Daß das Umschulungsprogramm für Arbeitsplatzverdrängte nach
Überwindung der anfänglichen Schwierigkeiten im vergangenen Jahr den
entscheidenden Auftrieb erhielt, ist nach Meinung von Arbeitsminister
Wirtz darauf zurückzuführen, daß immer mehr Amerikaner die wirkliche
Bedeutung der beruflichen Umschulung und Fortbildung als Mittel zur
Herabsetzung der Arbeitslosigkeit erkannt.haben - eine Tatsache, die
durch die steigende Zahl der Anmeldungen zu den Umschulungskursen
noch unterstrichen wird.
Aber auch in anderer Beziehung kommt der Erfolg dieses Umschulungsprogrammes zum Ausdruck: in der Zahl der nach Abschluß entsprechender
Kurse in neue Berufe vermittelten Arbeitnehmer. Während nämlich im
ersten Jahr (1962/63) lediglich 70 Prozent der Umschüler sofort einen
neuen Arbeit$platz erhielten, waren es 1963/64 bereits 75 Prozent, und
im laufenden Finanzjahr ist mit einer noch höheren Vermittlungsquote
zu rechnen.
Interessant ist auch die Tatsache, daß 60 Prozent aller Umschüler
die Ernährer ihrer Familien sind, der Anteil der farbigen Arbeitnehmer
von 23 auf 28 Prozent, der der Jugendlichen von 25 auf rund 33 Prozent
und der der Frauen von 36 auf 41 Prozent anstieg.
Im Rahmen des staatlich geförderten Umschulungsprogramms können
die Teilnehmer gegenwärtig auf insgesamt 500 Zukunftsberufe - in erster
Linie Fachberufe - vorbereitet werden, wobei sich der Schwerpunkt in
Zukunft immer mehr auf höherqualifizierte Tätigkeiten - technische,
halbwissenschaftliche und Dienstleistungsberufe - verlagern dürfte,
wie auch der Rückgang der Anlernberufe von 27 auf 18 Prozent (1963/64)
andeutet.

105 Jugendförderungszentren sollen entstehen
Ziel der 105 im ganzen Land entstehenden sogenannten "Youth
Opportunity Centers" (Jugendförderungszentren) ist es dagegen, den arbeitslosen Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren die entsprechenden

- 12 -

�'

entsprechenden bildungsmäßigen und beruflichen Kenntnisse zu vermitteln, damit sie später sowohl im Leben als auch im Beruf ihren
Mann stehen können. Die von ausgesuchten Fachleuten geleiteten Zentren sollen im Rahmen der "Kampf gegen die Armut"-Programme der
Städte und Gemeinden dabei.so etwas wie Kontaktstellen für alle
jene Jugendlichen werden, die Hilfe benötigen oder Hilfe suchen.
Im einzelnen stehen den hilfesuchenden Jugendlichen verschiedene Möglichkeiten offen, entweder die schulische Ausbildung zu
vollenden oder einen zukunftssicheren Beruf zu erlernen. So kann
der Jugendliche unter anderem dem sogenannten "Nachbarschafts-Jugendkorps" beitreten, das ihm eine Beschäftigung bietet, damit er seine
schulische Ausbildung fortsetzen oder wieder an. die Schule zurückgehen kann. Alle Jugendlichen, die an Projekten des Nachbarschaftskorps mitarbeiten, erhalten dabei einen Mindestlohn von 1,25 Dollar
die Stunde (der offizielle Mindestlohnsatz).
Alle anderen Jugendlichen, die nicht mehr die Schule besuchen,
und arbeitslos sind, können dagegen dem sogenannten "Job Corps" beitreten, das ihnen sowohl die Möglichkeit bietet, ihre schulische
Ausbildung zu ergänzen,als auch einen Beruf in Ausbildungslagern zu
erlernen.
Wie groß das Interesse der Jugendlichen für das "Job Corps" ist,
geht allein schon aus der Tatsache hervor, daß im ersten Monat nach
Anlaufen der Werbekampa^gne bereits 50 000 Jugendliche ihre Registrierung beantragten.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

Sunnyhills: Rassenfragen unbekannt
Zu Beginn der fünfziger Jahre bot das am Südrand der Bucht von
San Francisco gelegene Milpitas das Bild einer verschlafenen Streusiedlung von vielleicht 600 Einwohnern. 1963 dagegen wohnten in Milpitas 10 000 Menschen, und die Stadtväter rechnen damit, daß sich
die Einwohnerzahl im Laufe dieses Jahres auf 18 000 erhöhen wird»
Hervorragend beteiligt an dieser sprunghaften Entwicklung ist
Sunnyhills, ein von der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft
flUAW) gefördertes Siedlungsprojekt in Milpitas. Diese Siedlung ist
aber noch in anderer Hinsicht bemerkenswert. Hier leben Angehörige
verschiedener Rassen im Rahmen eines funktionsfähigen Gemeinwesens
miteinander. Sunnyhills gilt daher als Beweis dafür, daß Rassengegensätze im praktischen Alltag überwunden werden können.
Als die Ford Motor Company im Januar 1954 die Schließung ihres
Montagewerkes in dem am Ostrand der Bucht von San Francisco gelegenen
Richmond und die Errichtung eines neuen Werkes in dem 130 Kilometer
weit entfernten Milpitas bekanntgab, schienen die Ford-Arbeiter keine

- 13 -

�keine andere Wahl zu haben, als entweder ihre Arbeit aufzugeben oder
aber von Richmond aus täglich nach Milpitas zu fahren. Die dritte Alternative, nach Milpitas umzuziehen, mußte problematisch erscheinen.
Denn Milpitas verfügte weder über ausreichenden noch geeigneten Wohnraum für die 2100 vom Standortwechsel betroffenen Belegschaftsmitglieder des Werkes.
An diesem Punkt schaltete sich der Ortsverein 560 der Vereinigten
Automobilarbeitergewerkschaft ein und sorgte für Abhilfe: Die Gewerkschaft kam zu der Überzeugung, daß die Errichtung einer Siedlung in der
Nähe von Milpitas die einzige praktikable Lösung sei.
Mit Unterstützung.der Bundesgeschäftsstelle der Automobilarbeitergewerkschaft erwarb der Ortsverein Baugelände, löste die Frage der Finanzierung durch Einschaltung der Metropolitan Life Insurance Company
und begann unverzüglich mit der Verwirklichung des Projektes. Die Einzelheime wurden bei niedrigen Anzahlungen zu Preisen (10 700 bis 12 500
Dollar) angeboten, die durchweg um 2000 Dollar niedriger lagen als die
ortsüblichen Preise für vergleichbare Häuser.
Da das Zweigwerk der Ford Motor Company Arbeiter unterschiedlicher
Herkunft und Rassenzugehörigkeit beschäftigt, entwickelte sich der Wohnkomplex Sunnyhills zu einem "offenen", in sich lebensfähigen Gemeinwesen,
in dem Menschen, die sich täglich an.der Arbeitsstätte sehen, sich auch
nach der Schicht begegnen.
Zwei Soziologen urteilten nach dem Studium der Verhältnisse in Sunnyhills und Milpitas: "Sunnyhills und die in Sunnyhills verwirklichten Gedanken dürften sich auch anderenorts auswirken." Und: "Etwa ein halbes
Dutzend anderer Siedlungskomplexe im Bereich von Milpitas wie in der Santa
Clara County überhaupt zählen heute Neger zu ihren Bürgern."
Und die Behörden in Milpitas selber erklärten, die übrige Bevölkerung
habe das Experiment der Automobilarbeitergewerkschaft zwar zunächst mit
Skepsis verfolgt, äußere sich aber mittlerweile uneingeschränkt in positivem Sinne. Vor allem, so wird betont, habe das Projekt Sunnyhills zweierlei erreicht: Es seien gute und preisgünstige Wohnungen für Angehörige
der niedrigen Einkommsklassen geschaffen worden, und es sei der Beweis
erbracht worden, daß "offene" Siedlungen die Immobilienwerte in einem Gebiet nicht unbedingt beeinträchtigen müssen.
Was aber in Sunnyhills möglich war, müsse auch in anderen Orten durchgeführt werden können.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai 1965

INHALTSVERZEICHNIS
Die Entwicklung des US-Arbeitspotentials
zwischen 1964 und 1980
Die Entwicklung der Einkommen im Polizeiund Feuerwehrdienst
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

1

Seite

8

Seite 13

Sophia Cooper und Denis F. Johnston, Abt. Bevölkerungs- und Arbeitspotentialstudien im US-Amt für Arbeitsstatistik:
Die Entwicklung des US-Arbeitspotentials zwischen 1964 und 1980
Einleitung
Wie aus den jüngsten Untersuchungen des "Amtes für Arbeitsstatistik" über die Entwicklung des amerikanischen Arbeitspotentials in
den nächsten 15 Jahren hervorgeht, kann in diesem Zeitraum mit einem
Anstieg der Gesamtzahl der Arbeitskräfte von gegenwärtig (1964) 77
Millionen auf 86 Millionen im Jahre 1970 und 101 Millionen im Jahre
1980 gerechnet werden. Diese Zunahme der arbeitsfähigen Bevölkerung
um 24 Millionen innerhalb 16 Jahren bedeutet, daß pro Jahr rund
1 1/2 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, um allein die Neuzugänge am Arbeitsmarkt einer produktiven Beschäftigung
zuführen zu können. Die darüber hinaus auf Grund der steigenden Produktivität (Automation) notwendig werdenden neuen Arbeitsplätze sind
in dieser Ziffer ebensowenig berücksichtigt wie all jene Arbeitsplätze, die erforderlich wären, um die Arbeitslosenrate (z.Z. 5,0 7.)
weiter herabzudrücken.
Die
- 1-

�Die Prognosen für 1970
Die Auswirkungen des sogenannten "Babybooms" der Nachkriegs jähre
auf den Arbeitsmarkt sind bereits seit einigen Jahren stärker zu spüren. Seit dem Jahr 1960 hat sich die Gesamtzahl der Teenager im Rahmen
des Arbeitspotentials um 800 000 erhöht, während die Gruppe der 20-24jährigen sogar um 1,4 Millionen angewachsen ist.
In den nächsten Jahren ist mit einer dramatischen Entwicklung in
diesen Arbeitnehmergruppen und mit einer ungemein kräftigen Zunahme der
Zahl der Arbeitnehmer unter 25 Jahren zu rechnen. Bis zum Jahre 1970
dürften sich dabei die Zahl der arbeitsfähigen Teenager (um 1 1/2 Millionen) und die der 20-24jährigen (um 2 3/4 Millionen) auf insgesamt mehr
als 20 Millionen erhöhen. Diese jungen Menschen werden dann rund 24 Prozent des gesamten Arbeitspotentials ausmachen im Vergleich zu 21 Prozent im Jahre 1964. Rund 6 Millionen von ihnen dürften dabei sowohl
arbeiten als auch die Schule besuchen. Die Zahl der erwachsenen (25
Jahre alten und älteren) männlichen Arbeitnehmer wird im gleichen Zeitpunkt gegenüber 1964 um etwa 2 Millionen und die der weiblichen sogar
um 2 1/2 Millionen höher liegen.
Die erhebliche Zunahme der Zahl der jugendlichen Arbeitskräfte ist
größtenteils und die bei den älteren männlichen Arbeitnehmern ausschließlich durch die Bevölkerungszunahme bedingt. Bei den weiblichen Arbeitnehmern werden die steigenden Beschäftigungsraten zu etwas mehr als 50
Prozent zur Erhöhung des Gesamtarbeitspotentials beitragen.
Die Prognosen für 1980
Für das Jahr 1980 kann mit einer Gesamtzahl an Arbeitskräften von
101,4 Millionen gerechnet werden; das ist ein gegenüber 1964 um 24,4
Millionen größeres Arbeitspotential. Der größte Teil des Zuwachses (87
Prozent) ergibt sich durch die Bevölkerungszunahme, die restlichen 13
Prozent resultieren aus höheren Erwerbstätigkeitsraten bei erwachsenen
Frauen.
Obwohl der Zuwachs an Arbeitskräften zwischen 1970 und 1980 mit
15,4 Millionen beziffert wird (im Vergleich zu den 12,9 Millionen zwischen 1960 und 1970), wird der prozentuale Anstieg mit 17,9 Prozent
praktisch genau so groß sein wie in der laufenden Dekade (17,7%). Die
dramatischsten Veränderungen vollzogen bzw. vollziehen sich in den.
Dekaden 1950-60 und 1960-70 in der Gruppe der Arbeitnehmer unter 25
Jahren. In der Dekade 1970-80 wird es die nächsthöhere Altersgruppe
(25-34 Jahre) sein, die die stärksten Veränderungen aufweist. Zwischen
1960 und 1970 wird die Altersgruppe der 35-44jährigen Arbeitnehmer einen Rückgang aufweisen, um dann in der darauffolgenden Dekade wieder
in dem Maße an Zahl zuzunahmen, wie die "Babyboom"-Welle diese Altersgruppe erreicht.
Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt
Ein erheblicher Teil der zwischen 1964 und 1980 zu erwartenden
Neuzugänge am Arbeitsmarkt wird sich auf die Gruppen der jüngeren
Arbeitnehmer und der erwachsenen Frauen konzentrieren. Da es sich hierbei jedoch um Gruppen handelt, die eine sehr höhe Teilarbeitszeitrateaufweisen, ist damit zu rechnen, daß sich die Zahl der Halbtagsbeschäftigten

- 2-

�Halbtagsbeschäftigten stark erhöhen wird. Außerdem wird es sich bei
vielen von diesen Neuzugängen um Arbeitnehmer ohne Berufserfahrung
handeln, die sich um jene Arbeitsplätze bewerben werden, die die
untere Sprosse der Berufsskala bilden. Die Folge wird ein verschärfter Kampf um die vorhandenen Arbeitsplätze zwischen den Jugendlichen
selbst und zwischen den Jugendlichen und den älteren Frauen sein.
Wenn es nicht gelingt, eine ausreichende Zahl von Teilzeitarbeitsplätzen sowie solche Arbeitsplätze zu schaffen, die nur geringere
berufliche oder fachliche Qualifikationen verlangen, so ist es durchaus möglich, daß die Zahl der erwerbstätigen verheirateten Frauen
hinter den Erwartungen zurückbleibt, da die Erwerbstätigkeitsrate
dieser Arbeitnehmergruppe im gewissen Umfang von der Verfügbarkeit
der gewünschten Arbeitsplätze abhängig ist. Die gleiche Situation
ist auch für die jüngeren Menschen gegeben, die noch die Schule besuchen.
Es mag in dieser Hinsicht von Bedeutung sein, daß in der Nachkriegsperiode, als sich die Zahl der erwerbstätigen Frauen ganz beträchtlich erhöhte, die Zahl der jungen Arbeitnehmer, von den letzten paar Jahren abgesehen, relativ klein war. So ging zum Beispiel
die Zahl der 18 und 19 Jahre alten Arbeitnehmer von 4,6 Millionen
im Jahre 1947 auf 4,1 Millionen im Jahre 1952 und die Zahl der 2024jährigen von 12,1 Millionen im Jahre 1947 auf 10,7 Millionen im
Jahre 1957 zurück. Im Gegensatz dazu wird es 1970 rund 7,3 Millionen
Arbeitnehmer im Alter von 18 und 19 Jahren geben und 17,1 Millionen
in der Altersgruppe 20-24 Jahre. Eine Zunahme in dieser Größenordnung
könnte sich dabei durchaus auf die Neuzugangsrate bei den verheirateten Frauen hemmend auswirken.
Methodik und Voraussetzungen
Die in dem vorhergehenden Abschnitt gemachten Voraussagen sind
das Ergebnis einer eingehenden Analyse beider Autoren über die wahrscheinlichen Entwicklungen auf dem Arbeit^markt unter Berücksichtigung
sämtlicher Einflüsse. Es muß in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß es sich hier um langfristige Voraussagen handelt, in
denen sich zu erwartende demographische Umschichtungen und mögliche
Veränderungen in der Erwerbstätigkeit-srateo der verschiedenen Altersund Geschlechtsgruppen der Bevölkerung widerspiegeln. So gibt es
zum Beispiel zahlreiche Faktoren, die in den einzelnen Arbeitnehmergruppen die Entscheidung .beeinflussen, einer Erwerb»tätigkeit nachzugehen oder nicht. Das trifft vor allem für die verheirateten Frauen,
die noch im Schulalter stehenden Erwerbspersonen und- die zurPensionierung Anstehenden zu. Nicht alle diese Faktoren lassen sich hinsichtlich ihrer möglichen Auswirkungen auf die Erwerbstätigkeitsrate
auf lange Sicht spezifizieren. Aus diesem Grunde lassen sich die Prognosen auch nicht als präziser Maßstab zur Beurteilung der jährlichen
Zunahme des Arbeitspotentials verwenden.
Der generelle Zweck dieser Untersuchung war es, die Erwerbstätigkeitsraten für jede Alters-Geschlechts-Gruppe vorauszubestimmen, diese
Raten in Beziehung zur künftigen Bevölkerungszahl zu setzen und dabei
die Gesamtzahl der Arbeitskräfte,, nach Geschlecht und Altersgruppen
getrennt, zu ermitteln. Die Prognosen hängen weitgehend von der

- 3 -

�der künftigen Größe und Altersstruktur der Bevölkerung und weniger
von dem Geburtenfaktor ab, da die Arbeitnehmer des Jahres 1980
bereits heute leben. Dennoch besteht zwischen dem künftigen Arbeitskräfteangebot und dem.Geburtenfaktor insofern eine indirekte Beziehung, als kleine Kinder im Hause einen hemmenden Effekt auf die
Erwerbstätigkeitsrate für junge Frauen ausüben können.
Die Erwerbstätigkeitsraten für männliche Arbeitnehmer im Alter
zwischen 25 und 59 Jahren wiesen in der Nachkriegsperiode nur geringfügige Schwankungen auf. Sie bewegten sich konstant auf dem Durchschnittsniveau der Jahre 1955-57, in denen die Erwerbslosenrate 4
Prozent ausmachte.
Für die anderen Altersgruppen, bei denen verschiedene Veränderungen offenkundig waren, sind bei der Erstellung dieser Analyse bestimmte soziale und demotraphische Faktoren, die die Teilnahme am Erwerbsleben entweder einschränken oder begünstigen, mit berücksichtigt
worden.
Weibliche Arbeitskräfte
Die Erwerbstätigkeitsrate für erwachsene Frauen hat, insbesondere
in den Altersgruppen über 35, stetig zugenommen. Bei den jüngeren
Altersgruppen dagegen waren die Anstiege nicht ganz so stark. Dies
liegt zum größten Teil daran, daß ein hoher Prozentsatz dieser .Frauen
kleine Kinder hat - ein Faktor, durch den die Erwerbstätigkeit stark
eingeschränkt wird. Um diesen Faktor in seinen Auswirkungen genau abzuschätzen, wurden separate Prognosen über die Zahl der verheirateten
Frauen zwischen 22 und 44 mit Kindern unter fünf und ohne Kinder unter
fünf Jahren erstellt, und zwar, im Rahmen der vom Zensusbüro erarbeiteten
Voraussagen über die altersspezifische Fruchtbarkeit und über die Zahl
der Frauen in jeder der einzelnen Altersgruppen. Die Erwerbstätigkeitsraten für Frauen mit kleinen Kindern und solche ohne Kleinkinder haben
sich beide erhöht, aber von verschiedenen Basen aus. Diese Raten wurden zur zahlenmäßigen Stärke jeder Altersgruppe in Beziehung gesetzt
und den Prognosen zugrunde gelegt.
Bei Frauen im Alter von über 44 Jahren ist der Familienstatus der
wichtigste demographische Faktor, der die Erwerbstätigkeitsrate beeinflußt. Die Erwerbstätigkeitsrate der verheirateten Frauen ist niedriger
als die Rate für ledige, verwitwete, geschiedene oder von ihren Mannern
getrennt lebende Frauen. Dennoch ist sie auch bei dieser Gruppe merklich angestiegen. -Separate Prognosen wurden für diese Gruppen - nach
Lebensalter - unter Berücksichtigung der Familienstands-Bevölkerungsvoraussagen aufgestellt.
Jugendliche Arbeitskräfte
Für die jugendlichen Arbeitskräfte im Alter unter 25 Jahren wurden
zwei verschiedene Prognosen der Erwerbstätigkeitsraten erstellt, und zwar
eine für diejenigen, die nebenher noch eine Schule besuchen, und eine für
die Schulabsolventen. Die Erwerbstätigkeitsraten für einige TeenagerGruppen von Schulabsolventen sind in den vergangenen Jahren in Anbetracht
der begrenzten Zahl von Erstarbeitsplätzen zurückgegangen. Die derzeitigen Voraussagen gehen jedoch von der Annahme aus, daß genügend Arbeitsplätze für alle, die arbeiten wollen,_zur Verfügung stehen werden und

- 4-

�und die Erwerbstätigkeitsrate der schulentlassenen Jugendlichen
die Durchschnittsrate der Jahre 1955-57 erreichen wird.
Auch die Erwerbstätigkeitsrate der Jugendlichen, die noch
eine Schule besuchen, ist in den letzten Jahren zurückgegangen,
- wobei jedoch die Erwerbstätigkeitsraten' der 18- und 19jährigen sowie der Jugendlichen der Altersgruppe 20-24 Jahre zugenommen haben. Eine Fortdauer der bisherigen Trends in diesen beiden Gruppen wurde für die nächsten Jahre als wahrscheinlich vorausgesetzt.
Ältere Arbeitnehmer
Die Erwerbstätigkeitsrate der männlichen Arbeitnehmer im
Alter von 60 bis 64 Jahren ist in den letzten Jahren rückläufig
gewesen. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, daß immer mehr
ältere Arbeitnehmer die Möglichkeit haben, sich vorzeitig, d.h.
vor Erreichen der normalen Altersgrenze, pensionieren zu lassen.
Die Zahl der Tarifverträge, die solche Möglichkeiten vorsehen,
ist in den letzten Jahren beträchtlich angestiegen, und auch im
Rahmen der staatlichen Sozialversicherung ist es jetzt diesen
Arbeitnehmern möglich, ab einem Alter von 62 bei reduzierten Rentenleistungen in Pension zu gehen. Die Erwerbstätigkeitsraten
der über 65 Jahre alten männlichen Arbeitskräfte sind seit Ende
des letzten Krieges stetig zurückgegangen, und zwar sowohl in
Jahren mit hoher Beschäftigung als auch in Zeiten wirtschaftlicher
Rezession. Ein Teil des Rückganges in der Erwerbstätigkeitsrate
bei den männlichen Arbeitskräften über 60 Jahre erklärt sich wohl
auch aus der Tatsache, daß es vielen älteren, aus ihren angestammten Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitnehmern nicht gelang, einen
neuen Arbeitsplatz zu bekommen, so daß sie sich aus dem Berufsleben zurückziehen mußten.
Wie in diesem Zusammenhang aus einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung des Ministeriums für Gesundheits-, Erziehungsund Sozialfragen hervorgeht, dürften rund 20 Prozent aller männlichen Arbeitnehmer über 62 Jahre, die sich zwischen 195/ und 1962
aus dem Erwerbsleben zurückzogen, unfreiwillig ausgeschieden sein,
dementsprechend wurde der Rückgang seit 1957 in der Erwerbstätigkeitsrate für die männlichen Arbeitskräfte im Alter von über 60'
Jahren um 20 Prozent reduziert, ehe der Trend extrapoliert wurde.
Ebenso wurde noch ein weiterer Faktor bei der Erstellung der
Beschäftigungsprognosen für die Altersgruppen 60-64, 65-69 und 70
und mehr Jahre berücksichtigt: Die Landwirtschaft ist für die Erwerbstätigkeitsrate der männlichen Arbeitskräfte in diesen Altersgruppen immer noch ein relativ bedeutender Faktor, wobei sich der
Trend in der Landwirtschaft von dem in den nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der Wirtschaft stark unterscheidet. Dementsprechend
wurde der Anteil an der Gesamtbevölkerung für jede dieser Altersgruppen nach Landwirtschaft und übriger Wirtschaft getrennt extrapoliert. Diese Anteile wurden dann der zu erwartenden Bevölkerungsziffer gegenübergestellt, um die Gesamt-Erwerbstätigkeitsrate für
jede Altersgruppe zu erhalten.
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�Im allgemeinen gehen die Voraussagen davon aus, daß die seit
1948 auftretenden Veränderungstrends in den Erwerbstätigkeitsraten
weniger ausgeprägt sein werden. Für die Periode 1964-1980 wurde
die Annahme zugrunde gelegt, daß die Veränderungen nur halb so groß
sind wie die der vergangenen 16 Jahre.
Die Zahl der in der Armee Dienst tuenden Soldaten wurde auf
der bisherigen Höhe von 2,7 Millionen belassen; und ebenso geht
diese Untersuchung von der Annahme aus, daß sich der Trend in Richtung auf einen verstärkten Schulbesuch nach Beendigung der Oberschule weiter fortsetzen und verstärken wird. Was die Erwerbslosigkeit betrifft, so wurde hier eine Rate von 4 Prozent zugrunde gelegt.

(Quelle: Monthly Labor Review,
Feb. 1965, Vol. 88, Nr. 2)

+ ++++
Arthur Sackley, Mitarbeiter des Amtes für Arbeitsstatistik:
Die Entwicklung der Einkommen im Polizei- und Feuerwehrdienst
Die historische Hintergrund
Die erste Berufsfeuerwehr in den Vereinigten Staaten wurde im
Jahre 1853 in Cincinnati, Ohio, gebildet. Der Brandmeister und das
Bedienungspersonal der Dampfspritzen erhielten ein Gehalt, während
die restlichen Bedienungskräfte sich aus Freiwilligen zusammensetzten. In den letzten Dekaden des vorigen Jahrhundert erkannte man
auch in den anderen Großstädten der USA mehr und mehr, wie notwendig
die Aufstellung einer jederzeit einsatzbereiten und aus ausgebildeten Männern bestehenden Berufsfeuerwehr war, und ging nach und nach
dazu über, die Freiwilligen durch festangestellte Feuerwehrleute zu
ersetzen. Schon in dieser Zeit bildeten sich zahlreiche Berufsvereinigungen und Berufsvertretungen mit gewerkschaftlichem. Charakter
heraus, die sich für eine Verbesserung der wirtschaftlichen und
sozialen Lage der Feuerwehrmänner einsetzten und die sich später der
"American Federation of Labor" anschlössen.
Als Arbeitnehmerorganisationen von im öffentlichen Dienst Beschäftigten, deren Tätigkeit zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit beiträgt, besitzen die Feuerwehrmänner-Organisationen in den
USA nicht die üblichen gewerkschaftlichen Rechte, die den Arbeitnehmehrverbänden des privaten Sektors der Wirtschaft gesetzlich zuerkannt werden. Sowohl die Gehälter als auch die Arbeitsbedingungen der
Feuerwehrleute - und Polizeiangehörigen - werden gesetzlich, und zwar
auf bundesstaatlicher oder kommunaler Ebene, festgelegt. Und obwohl
Streiks nicht für illegal erklärt wurden, benutzen die Feuerwehrgewerkschaften diese Waffe des Arbeitskampfes - aus grundsätzlichen

- 8-

�grundsätzlichen tarifpolitischen Erwägungen - nicht als Mittel
zur Durchsetzung ihrer Forderungen. Sie versuchen vielmehr, auf
dem Wege von Verhandlungen mit den örtlichen Behörden die wirtschaftliche und soziale Lage ihrer Mitglieder zu verbessern deren Ergebnisse ihren Niederschlag in Resolutionen und Verwaltungsanordnungen finden.
Das schnelle Wachstum der Städte gegen Ende des vorigen und
zu Beginn dieses Jahrhunderts stellte die Behörden, was die Aufrechterhaltung und Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und
Sicherheit betraf, vor vollkommen neue Probleme, die eine bessere
Organisation und die Ausweitung der Ordnungs- und Sicherheitskräfte bedingten. Der Dorfpolizist und der städtische Polizeihauptmann mußten weichen. Sie wurden durch die Bezirksreviere und
Polizeipräsidien ersetzt.
Obwohl die Polizeiangehörigen in den USA als Beamte des Öffentlichen Dienstes auf eine längere Tradition zurückblicken können,
hatten sie größere Schwierigkeiten als die Feuerwehrleute, sich gewerkschaftlich zu organisieren.
Die Höhe der Einkommen und die Art der Arbeitsbedingungen der
Polizisten waren weitgehend von der Fähigkeit der Polizeichefs abhängig, die örtlichen Behörden von der Notwendigkeit der Verabschiedung entsprechender Besoldungsgesetze zu überzeugen. Da dieser Weg
jedoch in der Regel mit zahlreichen Hindernissen und Schwierigkeiten
gepflastert war, schlössen sich schon damals Polizeibeamte einiger
Reviere zu "Bruderschaften" zusammen, die später dann die Sprecher
der Polizeibeamten in Arbeitsfragen wurden. Dennoch hat die gewerkschaftliche Organisation bei den Polizisten nicht den Grad der Organisation der Feuerwehrmänner erreicht. Gesetzliche Beschränkungen
und die allgemeine Abneigung der Öffentlichkeit gegen. Polizeigewerkschaften waren hier die wesentlichen Hindernisse. Wenn auch die
Polizeiberufsvertretungen heute gewisse gewerkschaftliche Funktionen ausüben, so haben sie sich doch bisher noch keinem Gewerkschafts verband angeschlossen.
Beschäftigungs- und Einkommenstrends 1954-1964
In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Zahl der in Städten
von über 100 000 Einwohnern beschäftigten Polizisten und Feuerwehrleute um fast 1/5 auf 193 000 erhöht. Der stärkste Zugang war dabei
in den letzten drei Jahren festzustellen.
Wenn auch die Wachstumsrate der öffentlichen Sicherheitskräfte
zwischen 1954 und 1964 fast doppelt so hoch war wie die für das gesamte Arbeitspotential, so war die relative Zunahme im Vergleich zu
den Verwaltungsangestellten jedoch nur 1/3 so groß. Der zahlenmäßige
Anstieg bei Polizisten und Feuerwehrleuten deckte sich zwar weitgehend mit dem BevöLkerungsanstieg in den Großstädten (ausgenommen
Millionenstädte), war aber stärker als der Gesamtbevölkerungszuwachs.
Diejenigen amerikanischen Städte und Gemeinden, die zwischen
1954 und 1964 die Gehälter der Polizeibeamten und Feuerwehrleute um
60 bis 70 Prozent erhöhten, beschäftigten rund 1/3 aller Sicherheitskräfte; weitere 2/5 waren in solchen Kommunen tätig, die die Gehälter
um 40 bis 60 Prozent anhoben. Die Bezüge- von etwa 25 Prozent aller

- 9-

�aller Polizeibeamten und Feuerwehrleute wurden in diesem Zeitraum
um 1400 bis 1800 Dollar erhöht; weitere 25 Prozent erhielten Gehaltsaufbesserungen zwischen 3000 und 3200 Dollar, während 5 Prozent aller Beamten Lohnanstiege von über 3200 Dollar verzeichneten.
Im Gegensatz dazu erhielten nur 0,1 Prozent aller Sicherheitskräfte zwischen 1954 und 1964 Gehaltserhöhungen von weniger als 800
Dollar.
Die Einkommensveränderungen in Städten verschiedener Größe
In den größeren Städten waren die Gehaltsaufbesserungen - sowohl prozentual als auch in Dollar - höher als in den kleineren.
Rund 38 Prozent der 1964 in den Millionenstädten gültigen Gehaltsgruppen sind in den vergangenen zehn Jahren neu geschaffen worden.
Die Tatsache, daß mehr als 3/5 der Arbeitnehmer in den Millionenstädten zwischen 1954 und 1964 Gehaltsaufbesserungen zwischen 60
und 70 Prozent - was Erhöhungen zwischen 3000 und 3200 Dollar entspricht - erhielten, erklärt sich daraus, daß sich diese Gruppe zu
fast 50 Prozent aus New Yorker Polizisten und Feuerwehrleuten zusammensetzt.
In der Gruppe der Städte mit einer Einwohnerzahl zwischen
100 000 und 1 000 000 waren die Erhöhungen dagegen nicht so stark
ausgeprägt. Etwa 63 Prozent der in Städten mit 500 000 bis 1 000 000
Einwohnern beschäftigten Polizisten und Feuerwehrleute erhielten in
den vergangenen zehn Jahren Gehaltsaufbesseuungen zwischen 30 und
50 Prozent, während ein ähnlich hoher Prozentsatz in den Städten
mit 250 000 bis 500 000 Einwohnern Erhöhungen von 40 bis 60 Prozent
verzeichnete. In Großstädten mit einer Einwohnerzahl zwischen
100 000 und 250 000 sind größere Schwankungen - sowohl prozentual
als auch nominell - festzustellen, aber auch hier erhielt rund 1/3
aller Polizisten und Feuerwehrleute Gehaltserhöhungen zwischen 30
und 40 Prozent.
Die Entwicklung der Gehälter zwischen 1961 und 1964
Die Gehälter der Polizisten und Feuerwehrleute in Großstädten
(über 100 000 Einwohner) erhöhten sich zwischen Januar 1961 und
Januar 1964 im gleichen Verhältnis wie in der vorangegangenen
Dreijahresperiode. Für beide Berufsgruppen zusammen belief sich
die durchschnittliche Zunahme, der Gehälter auf 757 Dollar, verglichen mit 639 Dollar in dem Erhebungszeitraum 1958-61. In erster
Linie auf Grund der Aufbesserung der Gehälter für die New Yorker
Polizisten und Feuerwehrleute um 10 Prozent ergaben sich 1962 stärkere prozentuale Gesamtzunahmen (5%) als 1961 (47.) und 1963 (3,5%).
Während 1963 etwa 75 Prozent aller.Arbeitnehmer Gehaltserhöhungen
erhielten, waren es 1961 und 1962 nur rund 66 Prozent gewesen.
Keine Änderung der Spitzengehälter erfolgte zwischen 1961 und
1963 dn drei Städten, die 2,3 Prozent aller Feuerwehrleute sowie
in vier Städten, die 3,2 Prozent aller Polizisten beschäftigen. Am
unteren Ende der Gehaltsskala dagegen wurden die Mindestgehälter
für Polizisten in zwei Städten um 25 Prozent angehoben, während in
einer Stadt die Feuerwehrleute eine gleich hohe Aufbesserung erhielten. Die meisten Städte - sechs von zehn - hoben die Gehälter
der Polizisten und drei von fünf die der Feuerwehrleute um 5 bis

- 10 -

�bis 15 Prozent an, wobei der Mittelwert für beide Gruppen bei 11
Prozent liegt. Etwa 3/5 aller Großstädte erhöhten die Gehälter
dieser Arbeitnehmergruppen mindestens zweimal in der Dreijahresperiode.
Rund 3/10 aller Arbeitnehmer waren in Städten tätig, die die
Gehälter um 17,5 bis 20 Prozent heraufsetzten; weitere 2/10 in
Kommunen, die Aufbesserungen zwischen 7,5 und 10
Prozent vornahmen. Die meisten Gehaltserhöhungen lagen bei 1200 Dollar und
mehr und bei 400 bis 500 Dollar. Die größten Gehaltserhöhungen
wurden u.a. in New York -.mit über 1200 Dollar - registriert.
Sowohl im Erhebungszeitraum 1958-61 'als auch in der Periode
1961-64 waren die Gehaltserhöhungen für die im Streifendienst
eingesetzten Polizisten etwas größer als die für Feuerwehrleute.
Während die Polizistengehälter zwischen 1961 und 1964 um 13 Prozent anzogen, verzeichneten die Feuerwehrleute einen Anstieg um
12,7 Prozent. In Dollar ausgedrückt beliefen sich die Erhöhungen
auf 780 bzw. 726 Dollar.
Die Veränderungen in Städten verschiedener Größe
Die Gehälter für Polizisten und Feuerwehrleute stiegen in
den Millionenstädten während der DreiJahresperiode (1961-64) am
stärksten an. Die durchschnittliche Erhöhung betrug in der Gruppe
der kleinsten Großstädte (100 000 - 250 000 Einwohner) 11,5 Prozent oder 584 Dollar, in den Millionenstädten dagegen.14,3 Prozent bzw. 915 Dollar. Die Unterschiede in den Gehaltserhöhungen
bei Polizisten .und Feuerwehrleuten waren nur in Städten mit einer
Einwohnerzahl zwischen 500 000 und 1 Million von Bedeutung: sie
sind durch eine wesentliche Aufbesserung der Bezüge für Polizisten in einigen Städten des Südens bedingt,, wo die Feuerwehrleute leer ausgingen.
Die Gehälter im Jahre 1964
Die Gehaltsskala für Polizisten und Feuerwehrleute, die in
amerikanischen Großstädten tätig sind, bewegte sich im Januar
1964 zwischen 8316 Dollar (Polizisten in San Francisco und Berkeley, Kalifornien).und 4080 Dollar (Feuerwehrleute in Wichita
Falls, Texas). Die.Durchschnittsgehälter für beide Berufsgruppen
lagen im gleichen Zeitpunkt bei 6587 Dollar.
In den Großstädten und Ballungszentren waren die Gehälter
allgemein höher als in kleineren Städten. Die höchsten Gehälter
wurden in den Weststaaten, die niedrigsten in den Südstaaten gezahlt, wo sieben der zehn Städte mit den niedrigsten Gehältern
für Feuerwehrleute und acht der zehn mit den niedrigsten Polizeidienstgehältern anzutreffen sind. Von den zehn Städten, die die
höchsten Gehälter sowohl für Polizisten als auch für Feuerwehrleute zahlen, liegen allein neun in Kalifornien.
Vergleich mit anderen Arbeitnehmergruppen
In den vergangenen 25 Jahren (zwischen 1939 und 1964) stiegen die Gehälter der Polizisten und Feuerwehrleute um 184 Prozent.
Sie zogen damit weitaus stärker an als der Verbraucherpreisindex
in diesem Zeitraum und hatten höhere Zuwachsraten aufzuweisen als

- 11 -

�als z.B. die Bundesangestellten. Gegenüber dem durchschnittlichen
Anstieg der Lehrergehälter in öffentlichen Schulen und der durchschnittlichen Wochenlöhne der Industriearbeiter jedoch war dieser
Anstieg geringer.
EINKOMMENSZUNAHMEN IN PROZENT
1939-1964

Berufsgruppe

1954-1964

1961-1964

Polizisten, Feuerwehrleute
(Höchstgehälter)

184

51

13

Volksschu Hehrer
(durchschn. Jahresgehälter)

192

49

1)

Bundesangestellte
(Durchschnittsgehälter)

253

76

22

(durchschn. Stundenlohn)

301

41

10

(durchschn. Wochenlohn)

336

42

12

Verbraucherpreisindex
(Anstieg in Prozent)

121

15

Industriearbeiter

1) keine Angaben für 1964
INDEX DER SPITZENGEHÄLTER 1924 BIS 1964
(1957-59 = 100)
Jahr

Polizisten
u. Feuerwehrleute

1924
1929
1932
1934
1938
1939
1940
1941
1942
1943
1944
1945
1946
1947
1948
1949

38
42
43
42
45
45
45
45
46
47
49
52
53
57
61
66

Feuerwehrleute
39
43
44
41
44
44
44
44
46
47
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58
62
66

Polizisten
37
42
42
42
45
45
45
45
46
46
49
52
55
57
61
66

Jahr
1950
1951
1952
1953
1954
1955
1956
1957
1958
1959
1960
1961
1962
1963
1964

Polizisten
u. Feuerwehrleute
68
72
77
82
85
87
91
96
101
104
108
113
118
124
128

Feuerwehrleute

Polizisten

68
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(Quelle: Monthly Labor Review,
Feb. 1965, Vol. 88, Nr. 2)

+ ++++
- 12 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Lohnpolitischer Rundblick
Die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft (USA) hat den Vertretern der amerikanischen Stahlindustrie bereits einen Monat vor Auslaufen der alten Tarifverträge ihre detaillierten Forderungen übermittelt, die sie bei den in Kürze beginnenden Tarifverhandlungen in
diesem wichtigen Zweig der amerikanischen Industrie durchzusetzen
gewillt ist.
Wenn auch beide Tarifpartner bisher keine näheren Angaben über
die Art der Forderungen und die daraus resultierenden Kosten gemacht
haben, so hat doch die USA-Gewerkschaft recht deutlich zu verstehen
gegeben, daß sie keine Lohnerhöhungen von weniger als 4 Prozent pro
Jahr akzeptieren werde. Allgemein wird wieder mit dem Abschluß eines Drei Jahresvertrages gerechnet. Die jährliche Steigerung der Löhne
um 4 Prozent entspricht nach Angaben der Gewerkschaft der jährlichen
durchschnittlichen Zunahme der Produktivität in diesem Industriezweig.
In der amerikanischen Stahlindustrie werden gegenwärtig rund
450 000 Arbeitnehmer beschäftigt, die einen durchschnittlichen Stundenlohn (einschließlich der Lohnnebenleistungen) von 4,40 Dollar erhalten. Eine Erhöhung der tariflichen Leistungen um 4 Prozent pro
Jahr würde einer zusätzlichen Kostenbelastung von etwa 52 Cent pro
Stunde während der DreiJahresperiode entsprechen. Die Industrie hat
jedoch bereits öffentlich erklärt, daß sie keinen Tarifvertrag unterschreiben werde, der zusätzliche Leistungen von mehr als 26 Cent
pro Stunde bringt.
Welcher Art die Forderungen sind, die die Stahlarbeitergewerkschaft gestellt hat, läßt sich in etwa aus dem kürzlich mit der American und der Continental Can Company abgeschlossenen Tarifvertrag ablesen. Dieses Abkommen sieht für die Arbeitnehmer der insgesamt 71
Betriebe der beiden Unternehmen Leistungserhöhungen (Löhne und Sozialleistungen) von 45,7 Cent pro Stunde in einem Zeitraum von 40 Monaten
vor. Das entspricht einer jährlichen Zunahme um 3,5 Prozent.
Im einzelnen wurden die Löhne im Durchschnitt um 12 Cent - rückwirkend ab 1. Oktober 1964 - angehoben (das Abkommen wurde erst nach
einem Warnstreik abgeschlossen). Weitere Erhöhungen um 7 bis 11 Cent
werden am 1. Dezember 1966 fällig.
Auch bei den Sozialleistungen konnte die Stahlarbeitergewerkschaft wesentliche Verbesserungen durchsetzen. So wurden die Pensionsleistungen von 2,25 Dollar pro Monat für jedes Dienstjahr auf
5,50 Dollar angehoben, und gleichzeitig wurde eine Pensionsformel im
Tarifvertrag verankert, die eine Pensionierung bereits ab 50. Lebensjahr nach 30 Dienstjähren ermöglicht. Außerdem werden künftig sämtliche Arbeiter der Unternehmen eine zusätzliche Pensionszahlung in
Höhe von 100 Dollar monatlich erhalten, wenn sie bereits vor Erreichen
des 63. Lebensjahres (Normale Pensionierungsgrenze bei vollen Bezügen)
in den Ruhestand treten.
Auch die neben der staatlichen Arbeitslosenversicherung gezahlten
zusätzlichen Ausgleichsbeträge (SUB) wurden erhöht. Arbeitslose Arbeiter der Weißblech- und Behälterindustrie werden künftig 70 Prozent

- 13 -

�70 Prozent (bisher 60%) ihres vorherigen Einkommens als Unterstützung
erhalten. Allen Arbeitnehmern, die innerbetrieblich auf Grund von Rationalisierungsmaßnahmen an einen niedriger eingestuften Arbeitsplatz
umgesetzt werden müssen, wird künftig 95 Prozent ihres bisherigen Jahreseinkommens am neuen Arbeitsplatz garantiert.
Zu den weiteren Verbesserungen gegenüber dem alten Abkommen zählen
höhere Versicherungsleistungen bei Krankenhausaufenthalt, gleichzeitige
Ausdehnung des Versicherungszeitrauras (bis zu 2 Jahren) und Einbeziehung
sämtlicher Familienangehöriger bei Arbeitnehmern mit 10 Dienstjähren.
In bezug auf technologische Umstellungen im Betrieb (Automation)
kamen Gewerkschaft und Unternehmen überein, daß bei einer Zusammenlegung von Arbeitsplätzen die Arbeitnehmer, die in die neuen Positionen
aufrücken, mindestens um eine Gehaltsgruppe, höchstens jedoch um zwei
Gruppen aufgestuft werden.

(Quelle: Eigenbericht)

+++++

Kaiser-Gewinnbeteiligungsplan ein großer Erfolg für die Arbeitnehmer
Auf Grund des vor zwei Jahren zwischen der Stahlarbeitergewerkschaft und der "Kaiser Steel Company" ausgehandelten Gewinnbeteiligungsplanes haben die Arbeitnehmer dieses.Unternehmens bisher 24 monatliche
Gewinnanteile in ununterbrochener Folge erhalten und insgesamt 7,6
Millionen Dollar gutgeschrieben bekommen. Im Durchschnitt erhielten die
anspruchsberechtigten Arbeitnehmer 52 Dollar pro Monat in Form von Bonussen ausgezahlt, was, auf die normalen Tarifleistungen übertragen,
einer zusätzlichen Leistung von 46 Cent pro Arbeitsstunde entspricht.
Von der im 'Februar zur Auszahlung gelangten Summe in Höhe von
251 579 Dollar wurden 92 628 Dollar in bar ausgezahlt (das entspricht
einem Betrag von 13 Cent pro Arbeitsstunde) und 158 951 Dollar (22
Cent pro Arbeitsstunde) in einen Reservefonds übergeführt, aus dem zusätzliche Sozialleistungen bestritten werden sollen.
Während im ersten Jahr nach Unterzeichnung des Gewinnbeteiligungsabkommens monatlich Beträge zwischen 205 000 und 518 000 Dollar zur
Verteilung gelangten und die Barauszahlungen zwischen 199 000 und 482 000
Dollar schwankten, wurden im zweiten Jahr mit 469 000 Dollar die Spitzensumme und mit 206 000 Dollar der Mindestbetrag erreicht. Die Barauszahlungen bewegten sich dabei zwischen 92 000 und 360 000 Dollar, Die
Zahl der anspruchsberechtigten Arbeitnehmer erhöhte sich seit Januar
1963 von 3500 auf 5000.

(Quelle: Eigenbericht)

+ + + + -I- 14 -

�Zusätzliche Sozialleistungen in der US-Industrie
Wie aus einer Repräsentativerhebung des "National Industri.il
Conference Board", einer privaten Forschungsorganisation, hervorgeht, haben heute praktisch sämtliche Industrieunternehmen GruppenLebensversicherungen für ihre Mitarbeiter abgeschlossen. Etwa 80
Prozent von den Unternehmen unterhalten ferner Unfall- und Krankenversicherungen, rund 78 Prozent von ihnen Krankengeldversicherungen,
die in der Regel jedoch nur für die Angestellten abgeschlossen wurden. Die Beiträge zu den Versicherungen werden im allgemeinen von
den Arbeitgebern allein aufgebracht.
Wie aus der Erhebung weiter zu entnehmen ist, gewähren die
Unternehmen ihren Mitarbeitern zum Teil noch folgende Sozialleistungen und Vergünstigungen: 78 Prozent: Pensionen; 44 Prozent: Entlassungsgeld; 33 Prozent: Weihnachtsgeld oder Jahresbonus; 25 Prozent:
Gewinnbeteiligung; 50 Prozent: innerbetriebliche berufliche Fortbildung; 87 Prozent: Kaffeepause.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Pensionäre als Büroaushilfskräfte
Um den erheblichen Mangel an Büroaushilfskräften auszugleichen,
hat jetzt die Arbeitsbehörde der New Yorker Stadtverwaltung ein Arbeitsvermittlungsbüro für solche Pensionäre eingerichtet, die sich
um einen zusätzlichen Verdienst (bis zu 1200 Dollar pro Jahr steuerfrei) bemühen und für Büroarbeiten geeignet sind.
In Zusammenarbeit mit verschiedenen privaten Wirtschaftsverbänden will die Stadtverwaltung ihre Bemühungen vorerst nur auf solche
Rentner beschränken, die bereits Erfahrung in Büroarbeiten besitzen.
Später jedoch will man versuchen, auch branchenfremde Kräfte zu vermitteln, und entsprechende Umschulungsprogramme durchführen. Insgesamt werden gegenwärtig in New York pro Jahr rund 40 000 bis 60 000
Büroaushilfskräfte benötigt.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1965

INHALTSVERZEICHNIS
Art, Umfang und Problematik der Doppelbeschäftigung

Seite

Gezielte Maßnahmen zur Vorbereitung auf das
Automationszeitalter

Seite 12

Hilfe für die älteren Menschen

Seite 14

1

Harvey R. Hamel und Forrest A. Bogan, Abt. Bevölkerungs- und arbeitspolitische Forschungen im US-Amt für Arbeitsstatistikt
Art, Umfang und Problematik der Doppelbeschäftigung
Einleitung
Die Doppelbeschäftigung oder das sogenannte "moonlighting" ist
für die Experten für bevölkerungspolitische und Arbeitsfragen aus
zweierlei Gründen von besonderem Interesse. Einmal interessiert sie,
was der Arbeitnehmer von heute mit seiner Freizeit anfängt und wie
er sie ausnutzt, und zum anderen, welche Auswirkungen die Doppelbeschäftigung angesichts einer relativ hohen Zahl von Arbeitslosen auf
den Arbeitsmarkt und das Arbeitsplatzangebot hat. Während einige Interessengruppen, vor allem die Gewerkschaften, sich für eine Verkürzung der normalen Arbeitswoche auf etwa 35 Stunden einsetzen, um mehr
Arbeitsplätze für die Erwerbslosen zur Verfügung zu haben, vertreten
andere die Ansicht, daß durch eine Verkürzung der Arbeitswoche das Arbeitslosenproblem nicht zu beseitigen sei, da die Arbeitnehmer mit einer kürzeren Arbeitszeit bestrebt sein würden, sich einen zweiten
Arbeitsplatz zu verschaffen. Gerade in Anbetracht dieser gegensätzlichen Standpunkte ist es von großer Bedeutung, sich einen Überblick
über den Umfang der Doppelbeschäftigung zu verschaffen und neben anderen Grundfakten vor allem herauszufinden, welche Arbeitnehmergruppen hierbei insbesondere berührt werden. In diesem Artikel sind die
wichtigsten Ergebnisse einer Analyse zusammengefaßt, die im Mai 1964
durchgeführt wurde.
KurzZusammenfassung

- 1 -

�KurzZusammenfassung
Im Mai 1964 hatten insgesamt 3,7 Millionen Personen in den Vereinigten Staaten mehr als einen Arbeitsplatz: das sind 5,2 Prozent
aller Beschäftigten. Von diesen 3,7 Millionen Personen hatten rund
2,1 Millionen in der Erhebungswoche zwei Arbeitsplätze als Lohn- oder
Gehaltsempfänger, während 1,6 Millionen neben einer selbständigen
Tätigkeit einen Beruf ausübten, der ihnen einen festen Lohn oder ein
festes Gehalt einbrachte. Als Beispiel für die erste Gruppe kann der
Postbeamte angesehen werden, der in seiner Freizeit in einem Kaufhaus
arbeitet, oder der Bankkassierer, der an den Wochenenden an der Kasse
eines Supermarktes sitzt, während zur zweiten Gruppe solche Personen
zählen wie die Fabrikarbeiter, die nach der Arbeit noch ihre Farm
bewirtschaften, oder Maurer, die in ihrer Freizeit Arbeiten auf eigene Rechnung durchführen.
Der Trend der letzten Jahre
Die Zahl der Personen mit einer Doppelbeschäftigung ging - gemessen an der Gesamtbeschäftigtenzahl - zwischen Mai 1963 und Mai
1964 von 5,7 auf 5,2 Prozent zurück. Sie näherte sich damit wieder
dem langjährigen Durchschnitt. Wie schon bei früheren Untersuchungen
ließ sich kein klarer Trend hinsichtlich der die Doppelbeschäftigung
beeinflussenden Faktoren erkennen. Wenn man die Entwicklung der vergangenen acht Jahre eingehend analysiert, zeigt sich, daß sowohl die
Zahl der Beschäftigten mit einem zweiten Arbeitsplatz als auch die
Doppelbeschäftigungsrate sich in diesem Zeitraum in relativ engen
Grenzen hielt. Irgendwelche besonderen Beziehungen zu Konjunkturverläufen und jahreszeitlichen Schwankungen in der Beschäftigung ließen
sich nicht ermitteln.
Seit der im Jahre 1956 durchgeführten Erhebung hat sich die Zahl
der Beschäftigten mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen ungeachtet der
beiden Rezessionsperioden lediglich zwischen 3 und 4 Millionen bewegt,
während die Doppelbeschäftigungsrate zwischen 4,5 und 5,7 Prozent in
einer Zeit schwankte, in der die Arbeitslosenrate zwischen 4,2 und
7,5 Prozent (jahreszeitlich bedingt) lag.
Charakteristika der Doppelbeschäftigung
Die meisten Zweitarbeitsplätze wurden im Zeitpunkt der Erhebung
(Mai 1964) von Männern ausgefüllt. Während 6,9 Prozent aller tätigen
männlichen Arbeitskräfte einen zweiten Arbeitsplatz hatten, waren es
bei den Frauen lediglich 2,1 Prozent.
Die folgende Übersicht zeigt insbesondere die auffallend große
Zahl von 25 bis 44 Jahre alten Personen mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen. Ihr Anteil von 8,3 Prozent liegt um mehr als 50 Prozent über
der Durchschnittsrate. Die Zahl der weißen und die der farbigen Arbeitnehmer halten sich hier .die Waage.
Tabelle 1

�TABELLE 1
PERSONEN MIT ZWEI ODER MEHR ARBEITSPLÄTZEN

Männer

Gru

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Frauen

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Anteil in Prozent
in 1000
an der Gesamtbeschäftigtenzahl
der Gruppe

Zahl
Anteil in Prozent
in 1000
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der Gruppe

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14 Jahre und älter

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6,9

511

2,1

14-19 Jahre

154

4,7

37

1,8

20-24 Jahre

229

5,3

25-44 Jahre

1700

8,3

53
219

1,8
2,3

45-64 Jahre

1056

6,5
3,6

185
17

2,1
1,7

65 Jahre und älter

76

Die Entscheidung, einen zweiten Arbeitsplatz zu übernehmen, dürfte
hauptsächlich von wirtschaftlichen Gesichtspunkten bestimmt sein. Denn die
verheirateten Männer, die 9/10 aller Personen mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen ausmachen, vlesen mit einem Anteil von 7,6 Prozent eine relativ hohe
Doppelbeschäftigungsrate auf. Bei den Junggesellen dagegen belief sich der
Anteil der Doppelbeschäftigten, an der Gruppen Gesamtbeschäftigtenzahl lediglich auf 4,5 Prozent. Bei den Teenagern und den älteren - über 65 Jahre alten - Arbeitskräften war die Doppelbeschäftigung dagegen relativ gering.
Der Einfluß der Arbeitszeit auf die Doppelbeschäftigung
Verleitet eine kurze Arbeitswoche die Arbeitnehmer dazu, einer weiteren Erwerbstätigkeit nachzugehen? Im Mai 1964 betrug die durchschnittliche
wöchtenliche Arbeitszeit von Personen mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen an
ihrem Hauptarbeitsplatz 39 Stunden. Sie war damit ebenso lang wie die durchschnittliche Arbeitswoche der nur an einem Arbeitsplatz Tätigen. Auch bei
den Kurzzeitarbeitern (weniger als 35 Wochenstunden) ergibt sich praktisch
das gleiche Verhältnis. Nur bei den in der Landwirtschaft und im Baugewerbe
tätigen Lohn- und Gehaltsempfängern war ein.erheblicher Teil der Doppelbeschäftigten am ersten Arbeitsplatz weniger als eine volle (Normal«)Arbeitswoche tätig.
Eine

�Eine Beziehung zwichen den Doppelbeschäftigungsraten der einzelnen Wirtschaftszweige und dem Anteil der Teilzeitbeschäftigten in
diesen Branchen läßt sich nicht feststellen. Ein großer Prozentsatz
der im Handel Beschäftigten z.B. bestand im Zeitpunkt der Erhebung
aus Teilzeitarbeitern, aber die Doppelbeschäftigungsrate in diesem
Wirtschaftszweig war die niedrigste von allen. Auf der anderen Seite
war der Anteil der Kurzzeitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung
und im Transportwesen relativ gering, die Doppelbeschäftigungsrate
hier jedoch hoch.
Wie schon einleitend erwähnt, fordern in den USA verschiedene
Interessengruppen eine Verkürzung der normalen Arbeitswoche (bei Fortzahlung der bisherigen Bezüge), um mehr Arbeitsplätze für die Erwerbslosen zu schaffen. Ein in diesem Zusammenhang immer wieder gehörtes
Gegenargument ist, daß durch eine Verkürzung der Arbeitswoche die Zahl
der "moonlighter's" zunehmen würde. Wie aus den verfügbaren Unterlagen
jedoch hervorgeht, scheint diese Behauptung nicht ganz stichhaltig
zu sein, denn die Doppelbeschäftigungsrate ist bei Personen, die 41
und mehr Wochenstunden tätig sind, sogar etwas höher als bei jenen,
die nur durchschnittlich 35 bis 40 Stunden arbeiten.

TABELLE 2

Wirtschaftszweig

Doppelbeschäftigungsraten unter Berücksichtigung der am ersten Arbeitsplatz
geleisteten wöchentlichen Arbeitszeit
(Stand Mai i960
1-34 Std.

Nichtlandwirtschaftliche
Arbeitnehmer, gesamt

35-40 Std.

41 u.mehr Std

5,7 X

4,8 7.

6,2 X

10,0 X

4,8 7.

6,1 X

6,0 X

4,6 X

5,5 X

10,1 X

5,5 X

6,4 X

Groß- und Einzelhandel

4,1 X

2,9 X

5,0 X

Dienstleistungszweige

5,1 X

4,7 X

5,9 X

10,9 %

8,0 X

17,9 X

Baugewerbe
Fert igungs indus trie
Transportgewerbe

Öffentl. Verwaltung

Es besteht Grund zu der Annahme, daß Arbeitnehmer, die an ihrem
Hauptarbeitsplatz keine volle Arbeitswoche ableisten, sich in der Regel
um einen zweiten Arbeitsplatz bemühen - vor allem, wenn sie verheiratet
sind. Aus dieser Untersuchung ergibt sich, daß die in nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen in Teilzeitarbeit stehenden Lohn- und Gehaltsempfänger eher geneigt sind, einen zweiten Arbeitsplatz zu übernehmen,
als jene, die 35 bis 40 Wochenstunden tätig sind. So ist zum Beispiel die

- 4 -

�dl« Doppelbeschäftigungsrate unter den Teilzeitarbeitern des Baugewerbes etwa zweimal so hoch wie die für Vollzeitbeschäftigte.
Wie aus der Übersicht weiter zu entnehmen ist, waren rund 70
Prozent aller Doppelbeschäftigten an einem Arbeitsplatz vollbeschäftigt, während sie ihren zweiten Arbeitsplatz als Teilzeitarbeiter ausfüllten (Tabelle 3). Mit Ausnahme einer kleinen Minderheit (7 Prozent, die zwei Arbeitsplätze voll ausfüllten), waren die
übrigen (23-Prozent) an beiden Arbeitsplätzen nur halbtagsbeschäftigt.
Doppelbeschäftigte, die ihren Hauptarbeitsplatz in der Industrie, im Transportgewerbe, in den öffentlichen Versorgungsbetrieben und in der öffentlichen Verwaltung haben, gehen in der Regel
einer Vollbeschäftigung nach. Im Baugewerbe, im Handel und in den
Dienstleistungszweigen (in denen sehr viele Frauen beschäftigt
werden) sind dagegen Vollarbeitsplätze von Doppelbeschäftigten
weniger zahlreich. Die Teilzeitarbeit war am stärksten bei den Lohaund Gehaltsempfängern in der Landwirtschaft ausgeprägt, wo etwa die
Hälfte aller Doppelbeschäftigten zwei Teilzeitarbeitsplätze hatte gegenüber knapp 25 Prozent in den nichtlandwirtschaftlichen Zweigen.
Wie erwartet, war die Gesamtarbeitszeit der Doppelbeschäftigten
länger als die der Arbeitnehmer mit nur einem Arbeitsplatz. Im Erhebungszeitraum waren über 3/4 aller "moonlighters" mehr als.40
Stunden in der Woche tätig (von den Arbeitnehmern mit nur einer Beschäftigung dagegen rand 1/3). Sie machten allerdings nur 12 Prozent
aller Personen aus, die eine wöchentliche Arbeitszeit von 41 und
mehr Stunden aufwiesen. Die durchschnittliche Zahl der geleisteten
wöchentlichen Arbeitsstunden betrug bei den Doppelbeschäftigten 53.
Die selbständigen Farmer unter ihnen brachten es dagegen im Durchschnitt auf 60 Wochenstunden. Die Spanne der wöchentlichen Arbeitszeit der Doppelbeschäftigten mit einer nichtlandwirtschaftlichen
Haupttätigkeit lag zwischen 47 Stunden (Bauhandwerk) und 56 Stunden
(Angestellte der öffentlichen Verwaltung).
An ihrem zweiten Arbeitsplatz arbeiteten die Männer im Durchschnitt pro Woche 13, die Frauen dagegen nur acht Stunden.
Doppelbeschäftigung und Wirtschaftszweig
Selbständige Farmer und Landarbeiter wiesen auch weiterhin
höhere Doppelbeschäftigungsraten auf als die Arbeitnehmer in den
meisten nichtlandwirtschaftlichen Zweigen der amerikanischen Wirtschaft (Tabelle 4). Die Zahl der Doppelbeschäftigten mit landwirtschaftlichem Hauptberuf entsprach.bei dieser letzten Erhebung der
in den beiden, vorhergehenden Untersuchungen festgestellten. Während jedoch die Gesamtbeschäftigung in der Landwirtschaft zwischen
Mai 1962 und Mai 1964 zurückging, stieg die.Doppelbeschäftigungsrate von 6,7 auf 8,1 Prozent an. Der Anteil der Doppelbeschäftigten
mit mindestens einem Arbeitsplätzen der Landwirtschaft (mehr als
25 Prozent) ist in den vergangenen Jahren.relativ stabil geblieben,
obwohl die Landwirtschaft heute nur noch einen Anteil an der Gesaratbeschäftigtenziffer von 7 Prozent aufweist. Da die Arbeit in der
Landwirtschaft verhältnismäßig fletibel gestaltet werden kann, ist es
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�TABELLE 4
PERSONEN MIT ZWEI UND MEHR ARBEITSPLÄTZEN, NACH
WIRTSCHAFTSZWEIG UND BERUFSGRUPPE, 1957-64

Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl des
Wirtschaftszweiges des 1. Arbeitsplatzes
(in Prozent)

Wirtschaftszweig
und
Berufsgruppe

Mai 1964 Mai 1962 Dezember 1960 Juli 1958

Juli 1957

Gesamtwirtschaft

5,2

4,9

4,6

4,8

5,3

Landwirtschaft

8,1

6,7

6,7

9,3

11,0

Lohn- und Gehaltsempfänger

8,8

6,2

6,7

13,2

12,1

Selbständige

9,3

7,5

7,6

8,1

10,7

Unbezahlte Familienmitglieder

3,7

5,2

3,6

6,9

10,0

5,0

4,7

4,4

4,2

4,6

5,3

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5,6

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7,7

3,9
7,1

8,4

Selbständige,

2,7

3,0

2,8

3,1

3,7

Unbezahlte Familienmitglieder

1,9

2,9

1,1

2,2

3,9

Handel.Gewerbe»
Industrie
Lohn- und Gehaltsempfänger
Forstwirtschaft,
Fischerei, Bergbau
Baugewerbe
FertigungsIndustrie
Transport, öffentl.
Versorgung
Groß- U.Einzelhandel
Dienstleistungszweige, Finanz
Öffentl.Verwaltung

- 7-

3,9
4,6

�es auch einer großen Zahl von Farmern möglich, einer Arbeit in
einem anderen Wirtschaftszweig nachzugehen. Die meisten der rund
1 Million Doppelbeschäftigten mit einem Arbeitsplatz in der Landwirtschaft waren Farmer im Nebenberuf. Für viele dieser Arbeitskräfte ist die Landwirtschaft früher zweifellos die Haupterwerbsquelle gewesen. Auf Grund ihrer geringen Einkünfte aus ihren Randbetrieben hatte sich jedoch auch bei ihnen der Wunsch, einen weiteren Arbeitsplatz zu übernehmen, immer mehr verstärkt. Hinzu kam,
daß mit dem Vordringen der Industrie in die Agrargebiete. sich
zwangsläufig zahlreiche neue Beschäftigungsmöglichkeiten für die
Farmer ergaben.
Diejenigen Arbeitnehmer, die man allgemein als die eigentlichen
'•moonlighters" bezeichnet - Personen mit zwei oder mehreren nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsplätzen -, machen mit 1,9 Millionen rund
die Hälfte aller Doppelbeschäftigten aus. Zu den Berufsgruppen mit
einem hohen Hundertsatz an Doppelbeschäftigten zählen die öffentlichen Verwaltungs- und Behördenangestellten. Besonders stark ausgeprägt ist die Doppeltätigkeit bei den Festangestellten (14 Prozent).
Die hohen Raten bei Postangestellten, Feuerwehrleuten, Polizisten
und anderen Behördenangestellten resultieren- vielleicht daraas, daß
diese Personenkreise Arbeitszeiten und Dienstpläne haben, durch die
ihnen die Ausübung einer weiteren Tätigkeit erleichtert wird. Auch
auf Grund ihrer Schulbildung, ihrer speziellen beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen ist es vielen aus diesen Berufsgruppen leichter möglich, einen zweiten Arbeitsplatz zu übernehmen, als Angehörigen anderer Arbeitnehmergruppen.
Zu den anderen Arbeitnehmern, die auf Grund ihrer Haupttätigkeit für eine Doppelbeschäftigung prädestiniert erscheinen, gehören
die Lehrer sowie die in der Fischerei, im Forstwesen, im Bergbau,
im Bauhandwerk, im Transportgewerbe, in der Unterhaitungsr und Freizeitindustrie und in den öffentlichen Versorgungsbetrieben Tätigen.
Diese Wirtschaftszweige umschließen sowohl Arbeitnehmer mit. umfassenden als auch mit geringen beruflichen Kenntnissen sowie solche mit
hohem als auch mit niedrigem Einkommen. Obwohl der Wunsch nach einem
höheren Einkommen der Hauptgrund für die Übernahme eines zweiten
Arbeitsplatzes ist, so hängt doch das Ausmaß der Doppelbeschäftigung
auch von den besonderen Verhältnissen und Gegebenheiten in den einzelnen Wirtschaftszweigen ab. Die höhe Rate in den Lehrberufen zum
Beispiel resultiert zweifellos.einerseits aus der Fähigkeit der Lehrer, ihre speziellen Kenntnisse auch in anderen Berufen nutzbringend
einzusetzen, zum anderen aber aus dem Wunsch, einen ihrem sozialen
Status entsprechenden Lebensstandard zu erreichen. Ein weiterer Faktor ist die relativ geringe Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden.
Die meisten Doppelbeschäftigten arbeiteten jeweils in zwei verschiedenen Wirtschaftszweigen. Von den 25 Prozent der Doppelverdiener
zum Beispiel, die ihren ersten Arbeitsplatz in einem Fertigungsbetrieb
hatten, arbeiteten nur 6 Prozent wiederum in einer Fabrik. Das große
Angebot an Teilzeitarbeitsplätzen im Einzelhandel ist zweifellos mitverantwortlich dafür, daß in diesem Wirtschaftszweig der Anteil der
Zweitarbeitsplätze größer ist als der der Erstarbeitsplätze.
Über

8 -

�Über die Hälfte (52 Prozent) aller Zweitarbeitsplätze stellten
im Mai 1964 der Handel und die Dienstleistungszweige; 40 Prozent
schlössen eine unselbständige und 12 Prozent eine selbständige Tätigkeit ein.
Ein wesentlich größerer Teil aller Doppelbeschäftigten als am
ersten Arbeitsplatz war am zweiten Arbeitsplatz selbständig - 32 Prozent gegenüber 11 Prozent.
Während die überwiegende Mehrheit der Doppelbeschäftigten (2,1
Mio.) Lohn- oder Gehaltsempfänger an beiden Arbeitsplätzen war, hatten
1,6 Millionen jeweils ein selbständiges und ein unselbständiges Beschäftigungsverhältnis. Rund die Hälfte der letzten Gruppe war Farmer.
Berufsgruppen und Doppelbeschäftigung
Wie schon die vorhergehenden Untersuchungen, zeigt auch die Erhebung vom Mai 1964, daß die Farmer und die in den Fachberufen Tätigen
die größten Doppelbeschäftigungsraten aufweisen, nämlich 10 bzw.. 7
Prozent. Beide Gruppen zusammen haben einen Anteil an der Gesamtzahl
der Doppelbeschäftigten von 25 Prozent und an der Gesamtzahl der Arbeitnehmer mit nur einem Arbeitsplatz von über 15 Prozent.
Die männlichen Arbeitskräfte weisen auch weiterhin höhere Doppelbeschäftigungsraten auf als die Frauen. In einigen Berufsgruppen sind
die Unterschiede relativ stark ausgeprägt. Bei den Volks- und Ober
schullehrern zum Beispiel wiesen die Männer, eine Doppelbeschäftigungsrate von 16,5 Prozent auf, das ist im Vergleich zu den weiblichen
Lehrkräften mit zwei Tätigkeiten eine rund fünfmal so große Rate.
Die meisten Erwerbspersonen, die zwei Beschäftigungen nachgingen,
arbeiteten an ihrem Zweitarbeitsplatz nicht, im gleichen Beruf. Mit 80
Prozent war der Prozentsatz der in zwei verschiedenen Berufen Tätigen
beim Verkaufspersonal und bei den Mechanikern am größten; am niedrigsten (50 Prozent) war er bei den Fach- und technischen Berufen (Tabelle
5). Etwa 75 Prozent aller Betriebsleiter und Unternehmensinhaber, der
Handwerker und des Dienstleistungspersonals (ohne die im Haushalt Beschäftigten) sowie dar landwirtschaftlichen und nichtlandwirtschaft
liehen Hilfsarbeiter arbeiteten an ihrem zweiten Arbeitsplatz nicht im
gleichen Beruf. Die selbständigen Farmer wurden nur dann zu den Doppelbeschäftigten gezählt, wenn sie an.ihrem zweiten Arbeitsplatz Lohnoder Gehalt erhielten. Ein Viertel aller Farmer zum Beispiel waren an
ihrem zweiten Arbeitsplatz als Landarbeiter und etwa, ein gleicher Prozentsatz als "Operatives" tätig. In fast allen anderen Berufsgruppen
waren mindestens 10 Prozent aller.Personen mit mehr als. einem Arbeitsplatz Farmer in ihrer Zweittätigkeit, wobei der Anteil bei den,Handwerkern und Mechanikern sogar 27 Prozent ausmachte (21 Prozent bei den
Landarbeitern). Von den Angehörigen der Fach- und technischen Berufe
waren nur relativ wenige Personen am zweiten Arbeitsplatz als ."Arbeiter"
(blue-collar worker) oder Arbeitnehmer eines Dienstleistungszweiges
tätig, während andererseits rund 40 Prozent der Doppelbeschäftigten des
Verkaufs- und Büropersonals solche Arbeitsplätze .innehatten. Demgegenüber wurdenrausgeprochene "White-collar"=Nebenberufe von fast .25 Pro~
zent der Handwerker, Mechaniker und Dienstleistungsarbeiter ausgefüllt.
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Tabelle 5

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�Di«, folgende Übersicht zeigt, wie hoch der Anteil der Doppelbeschäftigten in den einzelnen Berufsgruppen war, die als Zweitarbeit eine selbständige Tätigkeit ausführten.

Selbständig am 2. Arbeitsplatz

Berufsgruppe
Alle Berufsgruppen

31,5 Prozent

Farmer und Verwalter

98,7

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Manager, Geschäftsinhaber (ohne Farm)

57,9

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Facharbeiter, Vorarbeiter u.a.

29,6

ii

Fach- und techn. Berufe

24,4

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6,0

n

Sämtliche anderen Berufsgruppen

Wie erklärt es sich nun, daß 3,7 Millionen Arbeitnehmer einen zweiten Arbeitsplatz ausfüllten, während gleichzeitig 2,9 Millionen Personen mit Arbeitserfahrung im Erhebungszeitraum ohne Arbeit waren? Verschiedene Faktoren erklären diese augenscheinliche Anomalie. Rund 1/3
aller Zweitarbeitsplätze werden nämlich von Selbständigen ausgefüllt,
die diese Arbeitsplätze aus wirtschaftlichen Gründen selbst geschaffen
haben. Nur relativ wenige Arbeitslose besitzen aber die erforderlichen
beruflichen Fähigkeiten, die Berufserfahrungen und auch die Neigung,
solche Tätigkeiten zu übernehmen, ganz zu schweigen von den finanziellen Mitteln, die vielfach vorausgesetzt werden. Ebenso zeigt ein Vergleich der Berufe der berufserfahrenen Erwerbslosen mit den Zweitarbeitsplätzen der Doppelbeschäftigten, daß in einigen Berufsgruppen die Zahl
der Arbeitslosen die Zahl der Lohn- und Gehaltsempfänger, die "moonlighters" in diesen Tätigkeitsbereichen waren, weit übersteigt. Außerdem
suchen die Erwerbslosen in erster Linie einen Vollzeitarbeitsplatz, während die eine Zweittätigkeit Suchenden eine Teilarbeit anstreben, wie
auch die Tatsache zeigt, daß sie im Durchschnitt nur 13 Stunden pro
Woche an ihrem zweiten Arbeitsplatz tätig sind.
Außerdem sollte in diesem Zusammenhang beachtet werden, daß die Erwerbslosigkeitsraten bei den Männern in jenen Altersgruppen am niedrigsten sind, in denen die Doppelbeschäftigungsraten am höchsten liegen.
In der Männer-Altersgruppe 35 bis 44 Jahre zum Beispiel ist die Doppelbeschäftigungsrate die höchste (8,4%) und die Erwerbslosigkeitsrate (2,4%)
gleichzeitig die niedrigste von.allen. Auf der anderen Seite liegen die
Erwerbslosigkeitsraten bei den Jugendlichen und den älteren Personen weit
über dem Durchschnitt, während die Doppelbeschäftigungsraten hier die niedrigsten sind.
Diese Untersuchung zeigt, daß durch die Doppelbeschäftigung den Erwerbslosen im allgemeinen keine Beschäftigungsmöglichkeiten vorenthalten
werden, denn nur relativ wenige Arbeitslose würden oder könnten die Zweitarbeitsplätze übernehmen, die von den Personen mit zwei Arbeitsplätzen
ausgefüllt werden.
(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 88, Nr. 3, März 1965)

+ ++++
- 11 -

�Gezielte Maßnahmen zur Vorbereitung auf das Automationszeltalter
Obwohl die Vereinigten Staaten gegenwärtig ihre längste Prosperitätsperiode in Friedenszeiten erleben, sehen sie sich in Anbetracht
der stark ansteigenden Bevölkerungsziffer und der verstärkten Auswirkungen der Automation auf das Arbeitspotential nicht unerheblichen
Anpassungsproblemen gegenüber - Problemen, die in den nächsten Jahren
wichtige wirtschafts- und arbeitspolitische Entscheidungen erfordern
werden.
Die sich auf dem Beschäftigungssektor abzeichnenden Zukunftsprobleme sind von zweierlei Art. Einmal gilt es, bis 1970 jährlich rund
1,5 Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen, und zum anderen müssen
die weniger qualifizierten Arbeitskräfte wissensmäßig und beruflich
so gefördert und weitergebildet werden, daß sie sich im Zeitalter einer wissenschaftlichen und technischen Revolution in ihrem Beruf behaupten können.
In den vergangenen 51 Monaten der wirtschaftlichen Expansion konnten insgesamt 6,6 Millionen Amerikaner in neue Arbeitsplätze vermittelt werden. Gegenwärtig stehen rund 72 Millionen Personen in Arbeit.
Die stärkste Beschäftigungszunahme wurde 1964 verzeichnet, als 1,5
Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.
Im vergangenen Monat belief sich die Erwerbslosenrate (gemessen
an der Zahl der Beschäftigten) nur noch auf 4,6 Prozent; das ist der
niedrigste Stand seit Oktober 1957. Die Zahl der Arbeitslosen beläuft
sich gegenwärtig zwar nur auf 3,3 Millionen, aber mit Beginn der Universitäts- und Schulferien im Juni ist für die Sommermonate mit einer
leichten Zunahme zu rechnen.
Während aber die Gesamtbeschäftigtenzahl in den vergangenen Jahren ständig angestiegen ist, hat sich der Bedarf an ungelernten Arbeitern von Jahr zu Jahr verringert. Und in dem Maße, wie die Maschinen
die Muskelkraft weiter verdrängen, werden sich auch die bildungsmäßigen Anforderungen erhöhen, die an die Arbeitnehmer gestellt werden.
Entscheidend für die künftige wirtschaftliche Gesamtentwicklung wird
dabei sein, ob die bildungsmäßige Anpassung an die neuen Gegebenheiten
am Arbeitsmarkt reibungslos und glatt vollzogen werden kann.
Denn es kommt nicht nur darauf an, daß die zum Arbeitsmarkt drängenden Jugendlichen alle bildungsmäßigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche berufliche Laufbahn mitbringen, sondern auch,, daß die Farbigen in der Lage sind, die ihnen jetzt gebotenen Berufschancen zu
nutzen, und daß die älteren, aus ihren angestammten Berufen herausgerissenen Menschen wieder auf produktive Aufgaben in der Wirtschaft
vorbereitet und in den Arbeitsprozeß eingegliedert werden.
Wie weit die technische Revolution in der
bereits vorgeschritten ist, zeigt allein schon
schen 1950 und 1960 die Zahl der Ingenieure um
hat und damit viermal so stark angestiegen ist
tenzahl.

amerikanischen Wirtschaft
die Tatsache, daß zwi64 Prozent zugenommen
wie die Gesamtbeschäftig-

Auch die Beschäftigungsstruktur hat sich in den vergangenen 18 Jahren beträchtlich verändert. Während zwischen 1947 und 1964 der Anteil
der "Arbeiter", der "blue-collar workers", an der Gesamtbeschäftigten-

- 12 -

�Gesamtbeschäftigtenzahl von 41 auf 36 Prozent zurückging, erhöhte sich
der Anteil der Angestellten, der "white-collar workers", von 35 auf
44 Prozent. In der Landwirtschaft ist sogar ein Rückgang der Zahl
der Arbeitskräfte in knapp einer Generation um 60 Prozent - von 14
auf 6 Prozent des Gesamtarbeitspotentials - eingetreten.
Ein ebenso bedeutsamer Trend, der sich in den Nachkriegs jähren
immer stärker ausprägte, drückt sich in dem steigenden Arbeitskräftebedarf der öffentlichen Verwaltungen aller Ebenen aus. Jeder dritte
seit 1947 neu entstandene Arbeitsplatz auf dem nichtlandwirtschaftlichen Sektor entfällt auf die Behörden des Bundes, der Einzelstaaten
oder Gemeinden. Im Jahre 1962 wurden insgesamt 9,2 Millionen Personen
in der öffentlichen Verwaltung beschäftigt, davon 6,7 Millionen in den
einzelstaatlichen und kommunalen Behörden.
Der Bedarf an Arbeitskräften allein auf diesen beiden Verwaltungsebenen wird sich nach zuverlässigen Schätzungen bis 1975 um 50 Prozent
erhöhen. Auslösende Faktoren sind hier der zu erwartende Anstieg der
Bevölkerungszahl von gegenwärtig 192 Millionen auf 230 Millionen (1975)
und 250 Mi lionen (1980) sowie die steigenden Anforderungen auf den
Gebieten der Gesundheitsfürsorge und der Medizin, des Erziehungswesens
und der Sozialfürsorge. Damit wird ein erheblicher Mehrbedarf an Ärzten, Wissenschaftlern aller Art, Ingeni«"J^in,, Lehrern und Professoren
sowie an Sozialwissenschaftlern und Juristen verbunden sein.
Die US-Regierung ist schon seit einigen Jahren intensiv bemüht,
durch umfassende, staatlich geförderte Programme auf dem Gebiet der
Erziehung und der Berufsausbildung diesen künftigen Problemen Rechnung
zu tragen. In Zusammenarbeit mit den Schulverwaltungen der Einzelstaaten und Gemeinden strebt sie dabei nicht nur eine intensivere, berufsnahe Ausbildung in den Oberschulen an, sondern auch eine berufliche
Fortbildung von Schulentlassenen und bereits im Beruf stehenden Personen, damit diese in höhere Positionen aufrücken oder neue Arbeitsplätze
übernehmen können. Im Jahre 1963 nahmen insgesamt 4,2 Millionen Amerikaner an solchen berufsfördernden Kursen teil.
Auch die Lehrlingsausbildungsprogramme (finanzielle Beihilfen für
den Lehrbetrieb) und die Umschulungsprogramme für ältere - aus ihren
Arbeitsplätzen verdrängte - Arbeitnehmer werden von der Bundesregierung
intensiv gefördert. Bisher konnten über 50 000 ältere Personen, darunter
40 000 Arbeitsplatzverdrängte in Notstandsgebieten (Gewährung von Unterhaltsbeihilfen während der Umschulung), auf neue Berufe umgeschult werden.
Weitere Schwerpunktmaßnahmen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit
und Verbesserung der allgemeinen Berufschancen sind: das Strukturprogramm für das Appalachengebiet, wo zwischen 1950 und 1960 insgesamt
641 000 Bergleute und Landarbeiter ihre Arbeitsplätze verloren; die
Schaffung eines Jugendaufbaukorps und eines Nationalen Hilfskorps Einrichtungen, die die Jugendlichen bzw. älteren Arbeitnehmer bei Ausübung einer praktischen Tätigkeit auf einen Beruf vorbereiten sollen sowie die im vergangenen Jahr vom Kongreß verabschiedeten Gesetze über
die finanzielle Unterstützung durch den Bund bei der Errichtung neuer
Bildungseinrichtungen aller Ebenen.
Alle

- 13 -

�Alle diese gezielten Programme und Maßnahmen dürften zweifellos
wesentlich dazu beitragen, daß die sich auf dem Beschäftigungssektor
abzeichnenden Zukunftsprobleme mit Erfolg gemeistert werden und der
amerikanischen Wirtschaft damit ein kontinuierliches Wachstum gesichert
wird.
(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Hilfe für die älteren Menschen
Man kann sich als Europäer nur schwer vorstellen, daß ein 95jähriger Amerikaner - und es gibt nicht wenige davon - Zeuge einer Epoche
ist, die mehr als die Hälfte der amerikanischen Geschichte umfaßt. Die
Vereinigten Staaten sind eben noch ein relativ junges Land, und diese
Tatsache mag vielleicht auch die Vitalität auf vielen Gebieten des
amerikanischen Lebens erklären, ganz zu schweigen von den harten geistigen Auseinandersetzungen; und sie erklärt vielleicht auch, warum
die speziellen Probleme der älteren Menschen erst in jüngster Zeit
mehr und mehr in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses gerückt
sind und auch die Regierung sich in zunehmendem Maße - ausgelöst durch
die öffentliche Diskussion - mit den sozialen und wirtschaftlichen Problemen der älteren Bürger auseinandersetzt.
Der unmittelbare Anlaß hierfür ist darin zu sehen, daß sich die
Zahl der älteren Menschen - also der 65jährigen und älteren - sowohl
absolut als auch im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung in den letzten
Jahren ganz wesentlich erhöht hat: Gegenwärtig fällt fast 1/10 der Gesamtbevölkerung - das sind mehr als 18 Millionen Menschen -.in diese
Altersgruppe, und im Jahre 1980 werden es - bei einem noch höheren Anteil - sogar mehr als .23 Millionen sein.
Selbstverständlich gibt es auch in den USA schon seit längerem
zahlreiche Regierungsprogramme zur Unterstützung der älteren Menschen das Sozialversicherungsgesetz und die Sozialhilfepro,.ramme sind Beispiele
hierfür -, wenngleich eine gezielte Sozialpolitik in dieser Hinsicht erst
seit 1962 von der Regierung verfolgt wird. Damals begann die. US-Regierung damit, insgesamt 45 Einzel Programme zu.koordinieren und zusammenzufassen, und rief einen Präsidialausschuß für Altersfragen ins Leben,
der sich aus den Leitern von insgesamt acht Ministerien und Regierungsbehörden zusammensetzt.
In Erinnerung an dieses Ereignis und in Würdigung der verstärkten
Bemühungen um das Wohl der älteren Menschen hat Präsident Johnson den
Mai zum '•Monat der älteren Bürger11 erklärt und die Sozialarbeit auf diesem Sektor in diesem Jahr unter das Motto "Kommunale Hilfsaktionen für
die älteren Menschen" gestellt.
Gleichzeitig konnte der Präsidialausschuß in seinem letzten Jahresbericht auf zahlreiche Erfolge hinweisen, die 1964 in der Altershilfe
erzielt werden konnten. So wurden im vergangenen Jahr unter anderen 11

- 14 -

�11 verschiedene Gesetze vom Kongreß verabschiedet, die sich auch
mit der Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der älteren Menschen befassen, und über 19 Mrd. Dollar (die Aufwendungen der
Einzelstaaten und Gemeinden nicht gerechnet) für die verschiedensten
sozialen Zwecke allein vom Bund ausgegeben.. Als wichtigster Punkt für
dieses Jahr steht das Krankenversicherungsprogramm für ältere Menschen
zur Verabschiedung Im Kongreß an, das als ein wesentlicher Schritt zur
Verbesserung Ihrer Lage angesehen wird.
Der Krankheitsfall ist für die älteren Menschen in den Vereinigten Staaten insofern problematisch, als es dort keine staatliche Krankenversicherung nach europäischen Vorbildern gibt, sondern jeder Arbeitnehmer sich gegen Wechselfälle nach eigenem Ermessen privat versichern
muß. Hinzu kommt noch, daß zahlreiche über 65 Jahre alte
Menschen nur eine geringe Rente erhalten, da die Altersversicherung
in den USA erst im Jahre 1935 eingeführt wurde.
Nach dem letzten Stand beziehen mehr als 13,4 Millionen Personen
im Alter von 65 Jahren und darüber eine Rente aus der staatlichen Sozialversicherung. Die jährlichen Rentenleistungen betragen dabei 11,5
Mrd. Dollar. Hinzu kommen noch Renten in Höhe von 1,3 Mrd. Dollar, die
an Anspruchsberechtigte ausgezahlt werden., die sich vorzeitig - im Alter von 62-64 Jahren - pensionieren ließen.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 7/8

Bad Godesberg, den 1. Juli 1955

INHALTSVERZEICHNIS

Eine Einkommenskala der USA unter Berücksichtigung
von 321 Berufen

Seite

1

Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt

Seite

9

US-Industrie bietet Führungspositionen für Farbige

Seite 10

Chrysler startete bemerkenswertes Uraschulungsprogramm
600 000 US-Regierungsangestellte sind Gewerkschaftsmitglieder

Seite 11
Seite 12

Eine Einkommenskala der US^ unter Berücksichtigung von 321 Berufen
Die durchschnittlichen Jahreseinkommen männlicher Arbeitnehmer in
insgesamt 321 für diese Erhebung speziell ausgewählten Berufen bewegten sich im Jahre 19591) zwischen 14 561 (Arzte) und 550 Dollar (Zeitungsjungen). Klammert man die oberen und die unteren 10 Prozent der
Einkommenskala (je 31 Berufe) aus, so ergeben sich Jahresverdienste
für die restlichen Berufsgruppen zwischen 7780 und 2857 Dollar.
Erwartungsgemäß liegen Berufe, die Universitätsbildung oder eine
ähnliche Fachausbildung voraussetzen, an der Spitze der Einkommenskala
(26 der ersten 32 gehören zu den sogenannten "professions"). Einige
akademische Berufe dagegen rangieren in dieser Einkommenskala ziemlich
weit unten. Ein Grund dafür mag darin zu suchen sein, daß es sich bei
diesen Berufen vielfach um solche handelt, in denen mehr Frauen tätig
sind (Lehrer, Bibliothekar usw.).
Di
Die in dieser Untersuchung verwendeten Angaben wurden aus den Unterlagen der 1960 durchgeführten Volkszählung gewonnen. Durch Hinzurechnung von etwa 10 Prozent erhält man in etwa die derzeitigen Verdienste in den einzelnen Berufsgruppen.

- 1-

�Die zahlreichen Faktoren, die die Einkommen der einzelnen
Berufssparten bestimmen, begünstigen die Bildung einer Einkommensstruktur, die relativ "geschlossen" ist. In den Einkommensunterschieden zwischen den einzelnen Berufen spiegeln sich Tausende unabhängiger Lohn- und Gehaltsentscheidungen von Arbeitgebern und
Arbeitnehmern wider, und ebenso kommen in ihnen zahlreiche andere
Formen des Leistungsentgelte - so etwa die Honorare der Ärzte zum Ausdruck. In außergewöhnlichen Perioden, wie etwa in. Eriegszeiten, können bedeutende Veränderungen und Umschichtungen in den
Beziehungen der Berufsgruppen zueinander eintreten, und für einige
Berufsgruppen, insbesondere für Ingenieure und Wissenschaftler, hat
die erhebliche Ausweitung der Elektronik« und Raumfahrtindustrie
ganz wesentliche Auswirkungen auf ihre Einkommensposition gehabt.
Methodik der Untersuchung
Aus den über 500 Berufen, von denen Einkommensunterlagen zur
Verfügung standen, wurde eine Liste von insgesamt 321 Berufen zusammengestellt. Die nicht berücksichtigten Berufe gehören hauptsächlich
zu denjenigen der einzelnen Wirtschaftszweige, die kein oder nur ein
ganz geringes Fachwissen erfordern. Die Einstufung der einzelnen Berufe in der Einkommenskala - von den niedrigsten bis zu den höchsten
Einkommen - erfolgte unter Berücksichtigung des Hittelwerts. Die Bezeichnung der Berufe entspricht den allgemein üblichen Definitionen.
Der in der Einkommenskala aufgeführte "Einkommensindex" basiert auf
dem Durchschnittseinkommen (3052 Dollar = 100) zahlreicher Gruppen
von "Arbeitern".
Die Einkommensunterschiede
Wie aus der Einkommensübersicht auf den Seiten 5 bis 8 hervorgeht, weisen die akademischen und die Manager-Berufe die höchsten und
die ungelernten Arbeiter die geringsten Einkommen auf. An der Spitze
der Einkommenskala stehen die Ärzte (14 561 Dollar), das Schlußlicht
bilden die Zeitungsjungen mit einem Jahreseinkommen von 550 Dollar.
In der Mitte, in der sich die meisten Berufe konzentrieren, gibt es
zahlreiche Überschneidungen. Legt man die Zahl der Schul- und Ausbildungsjahre zugrunde, so zeigt sich, daß mit der Länge der Ausbildungszeit auch die Einkommen ansteigen. Dennoch gibt es hier einige bemerkenswerte Ausnahmen. Eine der Ursachen dafür, daß die Einkommen der
männlichen Akademiker in einigen Berufen relativ niedrig erscheinen,
dürfte mit darin liegen, daß in diesen Berufen ein sehr hoher Prozentsatz Frauen tätig ist, die vielfach geringere Gehälter beziehen als
die Männer. Ein anderer Grund scheint zu sein, daß in einer Berufsgruppe ein erheblicher Teil der Arbeitnehmer eine jährliche Beschäftigungsdauer von weniger als 50 Wochen aufweist. Auch bei einigen Handwerkerberufen fallen die relativ niedrigen Jahreseinkommen - trotz
hoher Stundenlöhne - auf, die darauf zurückgeführt werden könnten, daß
es sich hier in den meisten Fällen um ausgesprochene Saisontätigkeiten
handelt. Wenn auch die ersten 10 Berufe der Einkommenskala, mit einer
einzigen Ausnahme, der traditionellen Berufshierarchie entsprechen,
so sind doch die nächsten 10 Ränge typisch für unsere Zeit: 5 davon
sind technische und 2 sind wissenschaftliche Berufe.
Die

- 2 -

�Die akademischen Berufe
Die meisten akademischen Berufe stehen in der Einkommenskala mit
an der Spitze. Von den 32 bestbezahlten Berufen gehören 26 zu dieser
Kategorie. Anderseits gibt es auch zahlreiche akademische Berufe, die
eine ähnliche Ausbildung voraussetzen wie die besser bezahlten, die
aber verhältnismäßig niedrigere mittlere Einkommen aufweisen. Zu diesen Berufen zählen vor allem die kirchlich-geistlichen Berufe, die Lehrer und Bibliothekare - Gruppen, in denen (mit Ausnahme von Geistlichen)
der Anteil der weiblichen Berufstätigen ziemlich groß ist. Bei einigen
dieser Berufe war außerdem der Anteil derjenigen Arbeitnehmer verhältnismäßig hoch, die weniger als 50 Wochen pro Jahr beschäftigt waren.
Zu den besser bezahlten Berufen gehören auch die Gruppen der
Manager, der wirtschaftlichen Führungs- und Spitzenkräfte. Drei dieser
Gruppen - Selbständige im Bankgewerbe, Selbständige in der Versicherungswirtschaft und im Maklergewerbe sowie Angestellte der Industrie - sind
auf den 10 höchsten Rängen der Einkommenskala zu finden. Spitzenkräfte
in Führungspositionen des Einzelhandels dagegen rangieren erst in der
unteren Hälfte der Skala. Der Bildungsweg der Berufstätigen in der Gruppe
der wirtschaftlichen Führungskräfte ist erheblich kürzer als der der
Akademiker in vergleichbaren Einkommenskategorien.
Verkaufs- und Büropersonal
Die Jahreseinkommen der in dieser Kategorie aufgeführten Arbeitnehmer gehen weit auseinander. Die Aktien- und Wertpapierverkaufer und
das Verkaufspersonal industrieller Unternehmen führen hier die Einkommensliste an. Die schulische Ausbildung und der Bildungsweg der Industrievertreter ist erheblich länger, ihr Bildungsniveau höher als das
des Verkaufspersonals im Einzelhandel.
Die meisten Berufe der Gruppe "Büroangestellte" sind in der unteren
Hälfte der Einkommenskala anzutreffen. Von den insgesamt 32 verschiedenen Berufen lag nur einer einkommensmäßig (Schadensregler bei Versicherungen) in der oberen Hälfte der Einkommenskala. Das Bildungsniveau dieser Versicherungsangestellten ist höher als das der anderen Bürokräfte.
Der Einkommensindex (Basis • Mittelwert der Einkommen zahlreicher
Arbeitergruppen) für die restlichen 31 Berufe der Büroangestellten bewegt sich zwischen 195 und 36.
Handwerkliche und Fachberufe
Der Einkommensindex dieser Gruppe von Arbeitnehmern weist sehr
große Ausschläge auf - von 249 (Lokomotivführer) bis 92 (Schuhmacher).
Die Indexziffern lassen erkennen, daß die häufig zitierten hohen Stundenlöhne der Handwerker keinen geeigneten Maßstab für die Jahreseinkommen darstellen. Im Jahre 1959 hatten sowohl die Maurer, Gipser und Betonmischer als auch die Möbeltischler, Automechaniker und Radio- und
Fernsehmechaniker einen Einkommensindex, der unter 160 Funkten lag, was
einem mittleren Einkommen von weniger als 4900 Dollar im Jahr entspricht.
Diese Diskrepanz zwischen den hohen Stundenlöhnen und den niedrigen Jahreseinkommen ist darauf zurückzuführen, daß ein großer Teil dieser Facharbeiter in ausgesprochenen Saisonberufen tätig ist.
Die

- 3 -

�Die höchsten Jahreseinkommen in diesen Berufsgruppen weisen die
Lokomotivführer, Meister, Photograveure, Lithographen und die Formund Werkzeugmacher auf. Meister mit größeren Weisungsbefugnissen
nähern sich mit ihrem Jahreseinkommen vielfach dem unteren Ende der
Gruppe der industriellen Führungskräfte.
Da die meisten Arbeitnehmer in diesen Berufen lediglich eine
rein handwerkliche Ausbildung benötigen, stehen Schulbildung und Einkommen in keiner so direkten Beziehung wie bei den anderen Berufsgruppen.
Angelernte Arbeiter und Hilfskräfte
Von den 41 aufgeführten Berufen dieser Gruppe sind 35 in der
unteren Hälfte der Einkommenskala anzutreffen. Der Einkommensindex
liegt hier zwischen 203 (Operateure von Schaltstationen in Kraftwerken)
und 63 (Frucht- und Gemüsesortierer und Packer). Generell sind die
bildungs- und berufsmäßigen Anforderungen, die an diese Arbeitnehmer
gestellt werden, geringer als die bei Facharbeitern. Die Jahreseinkommen werden gerade in dieser Gruppe von Schwankungen in der Beschäftigung beeinflußt. Eine relativ große Anzahl Arbeitnehmer in dieser
Gruppe weist eine Jahresbeschäftigung von weniger als 50 Wochen auf.
Die Hilfsarbeiter sind gewöhnlich die am schlechtesten bezahlten
Arbeitskräfte der Wirtschaft. Die von ihnen ausgeübten Tätigkeiten erfordern in der Regel nur geringe schulische und berufliche Kenntnisse.
Dennoch bestehen auch hier verhältnismäßig große Unterschiede in den
Jahreseinkommen. Die Hafenarbeiter zum Beispiel weisen einen Einkommensindex von 154 auf - in dem sich ohne Zweifel ein gewisses Maß an beruflichen Fähigkeiten und eine starke gewerkschaftliche Bindung ausdrücken.
Die Hilfsarbeiter der Industrie weisen allgemein höhere Einkommen auf
als die anderer Wirtschaftszweige.
Arbeitnehmer der Dienstleistungszweige
Die breite Einkommensstreuung bei den Beschäftigten des Dienstleistungsgewerbes spiegelt gleichzeitig die Vielzahl der Tätigkeiten
wider. Die Schutzkräfte - Feuerwehrleute, Polizisten, Sheriffs - stehen
an der Spitze der Einkommenskala in dieser Gruppe. Sie weisen auch das
höchste Bildungsniveau auf. Da sie meist im öffentlichen Dienst stehen,
müssen sie schon bei der Einstellung gewisse Anforderungen erfüllen.
Eine andere starke Gruppe ist die der Pförtner, Fahrkartenkontrolleure,
Schuhputzer und Hausangestellten. Sie weist allgemein ein sehr niedriges Bildungsniveau und eine geringe Gesamtarbeitszeit - bei häufigem
Stellenwechsel - auf. Sie rangiert auf der untersten Stufe der Einkommenskala.

TABELLE

�TABELLE

DIE EINKOMMENSKALA VON 321 AUSGEWÄHLTEN BERUFEN1' (AUSZUG)

Rang

Berufsgruppe

Mittl.Jahreseinkoramen
(in Dollar)

Durchschn. Anteil der
Schulzeit
Frauen im Beruf
(in Jahren)
(in Prozent)

14 561

477

17,5

6,8

Manager, selbst.
(Banken,Finanz) 12 757

418

14,3

5,2

1. Arzte
2.

Einkommens--^
index

3.

Zahnärzte

11 858

389

17,3

2,3

4.

Professoren
(Mediziner)

11 666

382

17,5

17,2

5. Richter,
Anwälte

10 587

347

17,4

3,5

6.

Piloten

10 274

337

13,5

0,6

11.

Physiker

9 043

296

17,2

4,2

16. Architekten

8 651

283

16,8

2,5

17.

Volkswirte

8 649

283

16,8

14,5

18.

Elektro-Ing.

8 553

280

16,2

0,8

8 534

280

16,3

1,0

Geologen und
Geophysiker

8 409

276

16,9

2,3

22.

Bergbauing.

8 359

274

16,5

0,3

29.

Professoren
(Techn.Hochsch.) 7 841

257

17,4

2,2

30.

Publ.Rel.Manager

7 826

256

16,1

23,1

32.

Mathematiker

7 780

255

17,1

26,5

34.

Psychologen

7 726

253

17,5

31,1

42.

Professoren
(Wirtschaftsw.)

7 447

244

17,

b,6

55.

Pharmazeuten

7 176

235

16,2

7,7

57.

Chemiker

7 120

233

16,6

8,6

61.

Photograveure,
Lithographen

7 026

230

12,2

5,2

Meister
(Industrie)

6 932

227

11,8

7,7

Redakteure und
Reporter

6 832

224

16,0

37,2

19. Metallurgen
20.

63.
67.

72,
5 -

�72. Buchprüfer
76. Werkzeugmacher

6 591

216

15,3

16,8

u.a.

6 503

213

11,7

0,6

83. Biologen
98. Verkäufer

6 383

209

17,2

26,7

(Großhandel)

6 011

197

12,6

4,1

Lokomotivführer

5 969

196

11,7

0,3

5 954

195

11,8

0,7

113. Flugzeugmechaniker
5 904

194

12,2

1,5

Inspektoren
(Öffentl.Verw.) 5 888

193

12,4

3,9

104.

106. Elektriker

116.
117.

Oberschullehrer

5 827

191

17,2

47,0

118.

Zugschaffner
(Elsenbahn)

5 803

190

10,8

0,2

120. Schriftsetzer

5 763

189

12,1

8,5

131. Klempner

5 590

183

10,2

0,3

138.

5 485

180

12,1

0,2

151. Postangestellte

5 364

176

12,5

18,2

154.

Lehrer,sonstige

5 329

175

16,4

61,6

156.

Sekretäre

5 315

174

12,8

97,2

161.

Polizisten

5 272

173

12,2

2,7

163. Kranführer u.a.

5 260

172

8,9

0,5

168.

Volksschullehrer 5 201

170

17,0

85,7

170.

Optiker,
Linsenschleifer

5 191

170

12,0

15,0

172.

Buchbinder

5 170

169

10,7

55,6

177.

Hochofenarbeiter 5 073

166

8,9

1,7

Feuerwehrleute

185. Maurer

4 864

159

9,7

0,4

188. Gipser,
Verputzer

4 806

157

9,0

0,3

190.

Förster

4 783

157

12,8

2,4

197.

Hafenarbeiter

4 715

154

8,4

0,5

199. Metzger (außer
Schlachthofpers.)4 677

153

10,7

3,0

200.

Dekorateure

4 665

153

12,3

46,4

204.

Bäcker

4 558

149

9,2

16,2

213.

Buchhalter

4 443

146

12,7

83,7
218.

6 -

�218.

Busfahrer

4 362

143

9,8

10,1

220. Möbeltischler

4 351

143

10,0

1,4

225. Krankenpfleger

4 295

141

13,0

97,5

227.

4 272

140

12,7

69,3

4 255

130

9,3

0,7

4 231

139

12,0

88,7

Gebäudemaler)

4 213

138

9,2

9,5

237.

Schmiede

4 189

137

8,5

0,5

239.

Zimmerleut«

4 155

136

9,3

0,3

240. Polsterer

4 116

135

9,7

9,5

245.

Geistliche

4 008

131

17,1

2,3

249.

Schneider

3 925

129

8,4

21,8

253.

Farmverwalter

3 847

126

11,5

2,9

255.

Friseure

3 751

123

9,2

3,1

(Landw.)

3 724

122

9,0

2,1

261.

Stenotyplsten

3 666

120

12,5

95,1

264.

Dachdecker

3 654

120

8,9

0,2

266. Weber (Textilind.) 3 623

119

8,4

41,4

274.

Köche

3 424

112

9,4

64,4

275.

Fahrstuhlführer

3 389

111

8,6

32,0

276.

Packer

3 347

110

9,5

60,0

278.

Taxifahrer

3 270

107

9,2

2,7

284.

Tapezierer

3 039

100

8,8

14,3

286. Kasslerer

3 010

99

12,0

78,5

287. Wäschereiarbeiter

2 969

97

9,4

71,7

289.

Schiankenwärter u.a. 2 922

96

8,5

46,0

291.

Suhuhmacher

2 800

92

8,4

3,7

298.

Reinigungspersonal 2 539

83

8,9

68,3

Bankkassierer

228. Matrosen
231.

Friseure
(Kosmetiker)
233. Maler (außer

258. Vorarbeiter

301. Fischer

2 441

80

8,3

1,3

304.

Kellner

2 144

70

10,7

86,6

305.

Transportarbeiter

1 957

64

7,8

0,4

308.

Gärtner

1 829

60

8,5

1,5

310.

Holzfäller,Flößer

1 758

58

7,9

0,8
313,

- 7

�313.

Telegrammboten

316.

Landarbeiter

317.

Hausangestellte

318.

Schuhputzer

319. Platzanweiser
(Vergnügungsbetriebe)
321.

Ze itungs jungen

1 539
1 080
1 058
847

50
35
35

10,4

5,4

7,9

10,5

8,6

96,4

28

8,2

4,1

837
550

27
18

9,9
9,0

12,9

4,4

Berücksichtigt sind nur männliche Arbeitnehmer bzw. Selbständige
2

' Basis: 3052 Dollar - 100

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 88, Nr. 3, März 1965)

+++++

- 8 -

�Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt
Zu den bemerkenswertesten Entwicklungen auf dem amerikanischen
Arbeitsmarkt während der vergangenen Monate gehört ohne Zweifel die
erhebliche Zunahme der Zahl der Fabrikarbeiter, die im Vergleich zum
Vorjahr gegenwärtig um rund 600 000 größer ist.
Dieser Trend ist insofern von Bedeutung, als die industrielle
Beschäftigung während der letzten zwölf Jahre in Anbetracht der verstärkten Automatisierung der Produktionsanlagen praktisch stagnierte
und ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl sogar stark rückläufig
war. Mit über 17,5 Millionen Industriearbeitern wurde jedoch inzwischen der 1953 erzielte bisherige maximale Beschäftigungsstand übertreffen.
Zwar hat die amerikanische Industrie in den letzten Jahren ihre
Produktionsanlagen im gleichen Rahmen automatisiert wie bisher (bei
praktisch konstanter Beschäftigtenzahl konnte die Produktion seit
1953 um 45 Prozent gesteigert werden), aber der seit März 1961 andauernde konjunkturelle Auftrieb hat inzwischen einen solchen Umfang
erreicht,daß die Rationalisierungsmaßnahmen mit dem Arbeitskräftebedarf nicht mehr Schritt halten und der industrielle Arbeitsmarkt
daher jetzt die Auswirkungen der Konjunktur immer stärker zu spüren
bekommt.
Die zunehmende Anspannung des amerikanischen Arbeitsmarktes
drückt sich aber nicht nur in den rückläufigen Arbeitslosenziffern,
den zahlreichen offenen Stellen und der gesteigerten allgemeinen
Nachfrage nach Arbeitskräften aus (die Stellenanzeigen der Zeitungen
weisen das bisher größte Volumen auf), sondern auch in einer außerordentlichen Verknappung von Facharbeitern. Nach einer Übersicht des
US-Arbeitsministeriums sind es rund 70 Berufe, für die gegenwärtig
und auch in Zukunft ein sehr großer Bedarf besteht.
Diese Übersicht weist übrigens auch indirekt auf die Gründe
hin, warum gegenwärtig ein so erheblicher Mangel an Arbeitskräften
in einigen Fachberufen besteht. Sie führt nämlich auch die für jeden der 70 Berufe erforderlichen schulischen und beruflichen Qualifikationen an, und aus dieser Aufstellung ist unschwer zu ersehen,
daß sich die Anforderungen an die Arbeitnehmer in der jüngsten
Zeit doch ganz erheblich erhöht haben. Kräftige Muskeln, geringe
Schulbildung und kurze Lehrzeit genügen heute nicht mehr, um sich
in der Wirtschaft einen Dauerarbeitsplatz zu sichern.
Insgesamt 27 der in der Übersicht aufgeführten "Zukunftsberufe"
setzen für die meisten Bewerber das Abschlußzeugnis einer "High
School" (etwa dem Realschulzeugnis entsprechend) sowie eine Mindestlehrzeit von einem Jahr voraus. Zu diesen Berufen zählen unter anderen: Bäcker, Maurer, Klempner, Elektriker, Maschinenbauer, Schneider
und Sekretär. Bei weiteren 24 Berufen wird das Abschlußzeugnis eines
College sowie eine zusätzliche Spezialausbildung verlangt. In diese
Berufskategorie fallen unter anderem die Lehrer, Bibliothekare,
Sozialhelfer, Psychologen, Metallurgen, Veterinäre und Agronomen.
Nur für 4 der 70 Berufe (darunter Schweißer und Krankenschwester)
wird kein Oberschul-Abschlußzeugnis verlangt, aber doch mindestens der

- 9 -

�der zweijährige Besuch einer Oberschule und eine bestimmte Spezialausbildung.
Diese 70 Berufe, in denen schon jetzt ein großer Bedarf besteht,
sind nach Ansicht der Wirtschaftsexperten für das künftige wirtschaftliche Wachstum in den USA von entscheidender Bedeutung. Nach ihrer
Meinung könnte nämlich ein erheblicher Mangel an diesen Arbeitskräften
sogar zu einem gefährlichen Absinken der jährlichen wirtschaftlichen
Wachstumsrate führen.
Das ist eine sehr deutliche Warnung. Sie bedeutet, da3 das künftige
wirtschaftliche Wohlergehen des Landes im großen Maße von dem abhängen
wird, was der Jugend heute an schulischen und beruflichen Ausbildungsmöglichkeiten geboten wird. Daher auch der große Nachdruck, der sowohl
von der Wirtschaft als auch von der Regierung auf die Verbesserung des
allgemeinen Schulniveaus in den USA gelegt wird - denn nur ein hoher
Bildungsstand und eine umfassende berufliche Ausbildung können die USA
letzten Endes in die Lage versetzen, das von Präsident Johnson angestrebte Ziel einer "Great Society" zu erreichen.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

US-Industrie bietet Führungspositionen für Farbige
Das Berufsbild des amerikanischen Farbigen beginnt sich zu wandeln.
Der traditionelle Weg in gehobene Berufe führte bisher über ein akademisches Studium, und Farbige strebten vornehmlich Positionen auf den
Gebieten der Rechtspflege, der Medizin, der Pädagogik oder der Seelsorge
an. Neuerdings bieten sich in zunehmendem Maße auch in der Industrie
entsprechende Chancen.
Der sich abzeichnende Wandel in der Berufsstruktur der amerikanischen
Farbigen ist also vor allem durch eine stärkere Hinwendung zu den höheren
Angestelltenberufen gekennzeichnet. Das alte Schema, wonach Farbige überwiegend in den selbständigen Berufen zu Erfolg zu kommen trachteten, dürfte damit im Laufe der Entwicklung abgebaut werden. Dieser Vorgang steht
im Einklang mit den Bestrebungen des Präsidialausschusses zur Sicherung
gleicher Beschäftigungsbedingungen; er wird von bedeutenden Firmen der
amerikanischen Industrie tatkräftig gefördert.
Im Rahmen des 1961 eingeführten Programms "Plans for Progress"
haben sich 279 amerikanische Industriefirmen zur Ausschaltung jeglicher
rassebedingter Diskriminierung bei Einstellungs- und Beförderungsvorgängen in ihren Betrieben verpflichtet. Und eine 1964 angefertigte Studie
ermittelte, daß Farbige mehr als 12 Prozent aller neugeschaffenen Angestelltenarbeitsplätze innehaben. Als frühere Vergleichszahl werden 1,5
Prozent angegeben. Wie Hobart Taylor jr., der stellvertretende Vorsitzende des Präsidialausschusses, erklärte, bietet die amerikanische

- 10 -

�amerikanische Industrie derzeit mehr gehobene Positionen für Farbige
an als qualifizierte Bewerber vorhanden sind.
Ähnlich wie in den akademischen Berufssparten ist auch in der
Industrie die bildungsmäßige Qualifikation die entscheidende Voraussetzung. Und Farbige, die sich für die Industrielaufbahn entscheiden,
stellen sehr schnell fest, daß ihre Bewerbungen nicht unter dem Gesichtspunkt der Rassenzugehörigkeit beurteilt werden, sondern daß
man allein auf Grund der Befähigung des einzelnen Bewerbers entscheidet.
Angesichts dieser Entwicklung wird die Frage der qualifizierten
beruflichen Vorbildung immer wichtiger. Eine Reihe von großen amerikanischen Firmen, wie etwa der General-Electric-Konzern, hat besondere berufliche Aus- und Weiterbildungsprogramme eingeführt. Betriebsinterne Lehrgänge, aber auch Pläne zur Übernahme der Ausbildungskosten durch die Firma gehören dazu. Außerdem wird die Möglichkeit
der Xeilzeitarbeit neben dem Studium eingeräumt.
Der Teilnebmerkreis dieser beruflichen Fortbildungsprogramme
umfaßt Angehörige aller Bildungsgrade - vom Hochschulabsolventen bis
zum vorzeitigen Grundschulabgänger.
Ein typisches Beispiel für einen vorzeitigen Grundschulabgänger,
der bei General Electric als ungelernte Hilfskraft begann und heute
die Position einer gut bezahlten Fachkraft einnimmt, ist Thomas Carter
aus Philadelphia. In der Haushaltsartikelabteilung von General Electric
fing er als Lastwagenwäscher an. In den folgenden 17 Jahren erwarb er
auf Lehrgängen umfassende Kenntnisse im Kraftfahrzeug- und im Elektrohandwerk. So vermochte er nach und nach seine Position zu verbessern.
Farbige werden heute selbst für betriebliche Führungsaufgaben
herangezogen. Samuel H. Howard war Doktorand der Volkswirtschaft an
der Stanford University in Kalifornien, ehe er ein Angebot von General
Electric annahm. Seit 1962 absolviert er eine Spezialausbildung als
Nachwuchs-Führungskraft mit glänzendem Erfolg. General Electric schätzt
sich glücklich, die hervorragenden Fähigkeiten des jungen Hannes erkannt zu haben. Zweifellos wird - er.nach Abschluß seines Ausbildungsprogramms in der Lage sein, eine wichtige und hoch dotierte Führungsposition in dem großen amerikanischen Konzern einzunehmen.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Chrysler startete bemerkenswertes Umschulungsprogramm
Zur Behebung des chronischen Hangels an Automobilfacharbeitern
in ihren Vertragswerkstätten hat die Chrysler Corporation jetzt ein
umfassendes Umschulungsprogramm gestartet, in dessen erster Phase insgesamt 1000 Dauerarbeitslose oder chronisch unterbeschäftigte Arbeitnehmer zu Automechanikern und Karosserieschlossern ausgebildet werden
sollen.

- 11 -

�r
Da dieses vom drittgrößten Automobilhersteller der USA entwickelte
Programm auch gleichzeitig den Bemühungen der US-Regierung zur Beseitigung der Dauerarbeitslosigkeit Rechnung trägt, haben das Arbeits- und
das Handelsministerium sich vertraglich verpflichtet, die Umschulungskurse finanziell zu unterstützen und die entsprechenden staatlichen
Einrichtungen hierfür kostenlos zur Verfügung zu stellen.
Das Programm, das sich zunächst über einen Zeitraum von drei Jahren
erstrecken und in der zweiten Phase weitere 1000 Arbeitslose einer produktiven Beschäftigung zuführen soll, wird nach Angaben der Chrysler
Corporation insgesamt 7,85 Millionen Dollar erfordern. Davon wird das
Unternehmen selbst 6,463 Millionen Dollar aufbringen, den Rest (1,387
Mio. Dollar) die Bundesregierung.
Das neue Umschulungsprogramm wird auf lokaler Ebene in Zusammenarbeit mit örtlichen Stellen durchgeführt und zuerst bei Vertragshändlern in vier Großstädten entwickelt. Vorgesehen ist, daß die Bewerber
von Vertretern der Arbeitsämter geprüft und ausgewählt und den einzelnen Werkstätten zugeteilt werden. Die Umschüler sollen tagsüber während
der normalen Arbeitszeit in den Betrieben von den Meistern Unterweisung
in der praktischen Arbeit und abends, nach Feierabend, in den Berufsschulen theoretischen Unterricht in Kraftfahrzeugmechanik erhalten.
Der Anfangslohn für die Umschüler beträgt etwa 1,50 Dollar pro
Stunde, das ist rund die Hälfte des durchschnittlichen Stundenlohns für
einen ausgebildeten Kraftfahrzeugmechaniker. Die Chrysler Corporation
unterhält in den Vereinigten Staaten insgesamt 6300 Vertragswerkstätten.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
600 000 US-Regierungsangestellte sind Gewerkschaftsmitglieder
Rund 600 000 der 2,5 Millionen im Dienste der amerikanischen Bundesregierung beschäftigten Personen genießen tarifvertraglichen Schutz. Insgesamt sind gegenwärtig 205 unter den Rahmenbestimmungen der von Präsident Kennedy 1962 erlassenen Regierungsverordnung Nr. 10988 ausgehandelte
Tarifverträge für den Bereich der amerikanischen Bundesregierung in Kraft.
Auf Grund des Präsidialerlasses gelten Gewerkschaften im Bereich der. Bundesregierung als anerkannt, sofern sie von der Mehrheit der Beschäftigten
unterstützt werden.
Aus einer Anfang des Jahres vom US-Arbeitsministerium veröffentlichten Studie geht hervor, daß rund 470 000 von nur sechs Gewerkschaften
vertretene Postangestellte den Hauptanteil der durch Tarifverträge gesicherten Beschäftigten stellen. Drei Gewerkschaften, nämlich die Vereinigte
Föderation der Postangestellten und die Nationale Briefträgergewerkschaft,
beide der AFL-CIO angeschlossen, sowie die unabhängige Nationale Landbriefträgergewerkschaft, vereinigen 75 Prozent der 593 000 gewerkschaftlich organisierten Bundesbediensteten auf sich. Weitere 55 000 Beschäftigte sind von der Gewerkschaft der amerikanischen Regierungs- und Verwaltungsangestellten (AFL-CIO) organisiert. Für diese Gruppe sind 108

- 12 -

�108 Tarifverträge in Kraft. Zehn Verträge gelten für 37 000 in der
AFL-CIO-Gewerkschaftsabteilung für das Metallgewerbe organisierte
Arbeitnehmer. 8700 Arbeiter gehören der Maschinistengewerkschaft
(AFL-CIO) an. Hinzu kommt eine Reihe von unabhängigen Gewerkschaften,
zu deren Mitgliedern Bundesbedienstete der verschiedensten Sparten
gehören.
Von den nicht im Postdienst tätigen Gewerkschaftsangehörigen
stellt die Gruppe der Angestellten 23 000, die Gruppe der Lohnempfänger 57 000, während 42' 000 weitere gemischten Gruppen angehören.
Im Gegensatz zu anderen Gewerkschaftsmitgliedern ist den im
Dienste der amerikanischen Bundesregierung stehenden Personen das
Streikrecht durch Gesetz und durch den oben erwähnten Präsidialerlaß
verwehrt.
US-Arbeitsminister W. Willard Wirtz wies im Zusammenhang mit den
Ergebnissen der Untersuchung darauf hin, daß "im Bereich der amerikanischen Bundesregierung die Grundsätze guter Beziehungen zwischen
Arbeitgeber und Arbeitnehmer erfüllt" sind.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 13 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
ISIS l'.onn Ha.l Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 9

1. September 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Automation in zehn Großunternehmen

Seite 1

Gleiche Arbeitschancen für alle

Seite

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 10

7

Andrew Juvinall:
Automation in zehn Großunternehmen
Ergebnisse einer Umfrage über die Auswirkungen der Automatisierung auf
den Belegschaftssektor
AUS "The Christian Century".
Nachdruck ist mit Angabe des Verfassers und dem Vermerk
(c) 1965 by The Christian Century
Foundation
gestattet.
Die Auswirkungen der Automation auf Belegschaftsstärke und -Zusammensetzung großer Firmen sind langfristig empirisch noch nicht genügend
erforscht. Um den Mangel an verläßlicher Information zu beheben, führte
die Kommission für Gemeinde- und Wirtschaftsleben des Northern California-Nevada Council of Churches kürzlich eine Befragung der 20 größten
Unternehmen in Kalifornien durch.
Unter den zehn Firmen, deren Antworten berücksichtigt wurden, befanden sich sieben mit einer nicht ausschließlich auf den Bundesstaat
Kalifornien beschränkten Geschäftstätigkeit. Es handelte sich um folgende zehn Firmen: die Bank of America, das größte Bankunternehmen der Welt;
United Airlines, die größte Fluggesellschaft der Welt; Pacific Telephone
and Telegraph, die Firma mit der größten Beschäftigtenzahl in Kalifornien; die Atchison, Topeka and Santa Fe Railway; die Pacific Gas and
Electric Co., das größte öffentliche Versorgungsunternehmen seiner Art
in den USA; Shell Oil Co.; Douglas Aircraft Co.; Aerojet; Rohr Aircraft
Corp.; North American Aviation, das zweitgrößte Luft- und RaumfahrtUnternehmen in den USA.
Die

- 1-

�Die erste Frage lautete: "In welchem Maße ist Ihre Firma automatisiert?»
Zunächst ergab sich, daß sich alle Firmen fortschrittlicher technischer Einrichtungen und Verfahren bedienen. Die Bank of America hat
fast alle bedeutenden
Routinebuchungsvorgänge auf elektronische
Rechen- und Buchungsmaschinen umgestellt. Die Santa-Fe-Eisenbahngesellschaft arbeitet mit zentral gesteuerten Signalsystemen, verfügt
über elektronisch gesteuerte automatische Verschiebebahnhöte, hat die
Wartung der Ausrüstungen weitgehend mechanisiert und setzt elektronische
Datenverarbeitungsanlagen ein. Shell betonte, die Erdölindustrie könne
als die am weitesten durchautomatisierte Branche gelten. In dem weiteren
Sinne der Übertragung menschlicher Fertigkeiten auf Maschinen sind alle
diese Firmen von Anfang an irgendwie mit "Automation" befaßt gewesen;
neuere Entwicklungen trugen nur zur Beschleunigung des Automatisierungstempos bei.
Die zweite Frage lautete: "Welche Probleme wurden durch die Einführung der Automation aufgeworfen?"
United Airlines antwortete: "Keine". Die Bank of America berichtete
von geringfügigen Planungs- und Verfahrensschwierigkeiten. Pacific Gas
and Electric bezeichnete die aufgetretenen Probleme als keineswegs unlösbar. Man habe die Umstellungen langfristig geplant und daher die betroffenen Arbeitnehmer rechtzeitig auf die neuen Verfahren umschulen
oder sie an anderen Arbeitsplätzen unterbringen können. Pacific Telephone and. Telegraph bezeichnete die Anpassung an den rapiden Wandel als
das umfassends'i Problem, betonte jedoch, dieses Problem könne durch langfristige Vorausplanung bewältigt werden. Santa Fe berichtete, daß die
Automatisierung zahlreiche untergeordnete Tätigkeiten überflüssig gemacht
und außerdem die Abwicklung des Schienenverkehrs beschleunigt habe. Freilich seien Personalkürzungen unumgänglich geworden. Douglas teilte mit,
die Automation sowie die Schwerpunktverlagerung von der Flugzeugfertigung auf den Lenkwaffen- und Raumfahrzeugbau hätten zu einer erheblichen
Personalverminderung geführt. Die Firma sei jedoch in der Lage, viele
der automationsverdrängten Arbeitnehmer in anderen Abteilungen weiterzubeschäftigen oder umzuschulen.
Die dritte Frage lautete: "Nehmen Sie an, daß sich bei weiterer
Automatisierung die Belegschaftsstärke weiter verringern wird?"
Hier wurde ein einstimmiges Nein verzeichnet. Santa Fe äußerte sich
zuversichtlich hinsichtlich einer Steigerung der Geschäftstätigkeit im
Zuge der Automation. Die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze bei erhöhter Arbeitsplatzsicherheit werde möglich sein. Pacific Gas and Electric
berichtete, daß sich die Neueinstellungschancen durch die Automation nicht
verringert hätten, während sich die Zahl der Arbeitsplätze durch die Expansion der Firma sogar in bescheidenem Umfang vermehrt habe. Pacific
Telephone erklärte: "Um die stark ansteigenden Anforderungen an unseren
Dienstleistungsbetrieb erfüllen zu können, benötigten wir mehr Mitarbeiter
trotz der Automatisierung. Solange das dynamische Wachstum in Nevada und
Kalifornien anhält, sind Arbeitsplatzstreichungen unwahrscheinlich." Rohr
Aircraft meinte: "Unsere langfristige Planung sieht keine Verminderung der
Gesamtstärke unserer Belegschaft vor." North American ist, wie viele andere
Firmen der Luft- und Raumfahrtindustrie, technisch höchst fortschrittlich
ausgerüstet. Die Firma ist auf eine geradezu enzyklopädische Vielfalt von

- 2-

�von Produkten nach Kundenwunsch spezialisiert. Massenproduktion spielt
fast gar keine Rolle. Aufgrund dieser breiten Streuung der Fertigungsbereiche, aber auch wegen einer nicht unerheblichen Absatzverlagerung
auf den nicht-nilitärischen Sektor der Raumfahrt und Atomenergie war
die Firma suvaraichtlich, einen hohen Beschäftigtenstand aufrechterhalten zu können.
Die vierte Frage lautete: "Wie stark ist Ihre Belegschaft heute
im Vergleich zu der Zeit vor der Automatisierung bestimmter Betriebsabläufe in Ihrem Unternehmen?M
Hier wurden sehr unterschiedliche Antworten gegeben. Die Pacific
Telephone hat ihre Belegschaft seit 1945 trotz fortschreitender Automatisierung um 55 Prozent vergrößert. Rohr und Aerojet verzeichneten einen
Rückgang der Belegschaftsstärke, was auf einen Rückgang der Verteidigungsauf träge, zurückgeführt wird. Die Bank of America teilte mit, sie
habe die Zahl ihrer Mitarbeiter während der FünfJahresperiode der Umstellung auf automatische Buchungsanlagen um.15 Prozent erhöht.United
Airlines hat ihre iFinanzbuchhaltung kürzlich auf elektronische Rechenmaschinen umgestellt; in den letzten drei Jahren jedoch ist die Zahl
ihrer Beschäftigten leicht angestiegen. Znnächst hatte die Firma angenommen, daß die Umstellung auf Düsenflugzeuge eine Verringerung der
Ingenieur- und Mechanikerstellen ermöglichen werde; die starke Zunahme
des Reiseflugverkehrs machte statt dessen eine Erhöhung der Stellenzahl
um rund 10 Prozent erforderlich. Santa Fe berichtete, daß die in den
vergangenen 20 Jahren schrittweise vorgenommene Verdieselung sowie der
Schiedsspruch in der Frage der Weiterbeschäftigung der Heizer auf Dieselloks aus dem Jahre 1963 eine Streichung der meisten Heizerstellen auf
Güter- und Rangierlokomotiven ermöglicht habe. Pacific Gas and Electric
teilte mit, die Belegschaft des Unternehmens habe sich seit 1957 um
etwas über 8,5 Prozent vergrößert. Shell meldete eine Verringerung der
Beschäftigtenzahl von 39 000 im Jahr 1955 auf 32 500 im Jahr 1964. Die
Reduzierung sei das Ergebnis eines normalen Schrumpfungsprozesses - .Ausscheiden aus Altersgründen, Kündigungen seitens der Arbeitnehmer und Einführung eines attraktiven Systems zur Förderung der vorzeitigen Pensionierung. Bis 1955 hatte das Unternehmen trotz einer 20jährigen stetigen
Automatisierung ein Ansteigen der Beschäftigtenzahl zu verzeichnen.
Die fünfte Frage lautete: "In'welcher Hinsicht hat die Automatisierung zu einer .Veränderung der Anforderungen an die fachlichen Qualifikationen der Arbeitnehmer geführt?"
Übereinstimmend stellten alle Unternehmen zunächst einmal fest,
daß die Anforderungen tatsächlich gestiegen seien. Rohr und Aerojet wiesen jedoch darauf hin, daß die Bedienung einer Reihe von numerisch kontrollierten Maschinen praktisch, keine besonderen Fachkenntnisse voraussetze, in diesem Falle also eine Steigerung der QualifikäMonsanforderungen nicht eingetreten sei. Die Bank of America führte aus: "Abgesehen von
der Tatsache, daß sich neue .Laufbahnen eröffnet haben - so. zum Beispiel
in der Forschung und in anderen Tätigkeitsbereichen, die mit den neuen
Systemen verbunden sind -, ist heute ein weitaus größerer
Leil unserer
Mitarbeiter weniger mit Routinearbeiten als mit der höhere Anforderungen
stellenden Kundenberatung befaßt." Santa Fe teilte mit, daß die fachlichen
Anforderungen praktisch in allen Bereichen des Unternehmens gestiegen
seien. Pacific Gas and Electric bestätigte, daß als Folge der Automatisie-

�Automatisierung eine Zunahme der Facharbeiter- und eine Abnahme der
Hilfsarbeiterstellen eingetreten und daß mit den erhöhten fachlichen
Anforderungen zahlreiche neuartige Facharbeiterstellen hinzugekommen
sind. Sowohl Shell als auch Douglas berichteten, daß der herkömmliche
Fließbandarbeiter immer mehr .durch den hochqualifizierten gebildeten
Facharbeiter verdrängt wird. Während bei Douglas 1940 noch 90 Prozent
aller Arbeitnehmer am Fertigungsband standen, sind es heute bereits
weniger als 50 Prozent.
Die sechste Frage lautete: "Welche Vorkehrungen treffen Sie zum
Schutz Ihrer Belegschaft gegenüber weiteren Automatisierungsmaßnahmen?"
Pacific Telephone verständigt seine Mitarbeiter rechtzeitig im
voraus von geplanten Veränderungen, richtet Umschulungslehrgänge ein
und paßt die Tätigkeitsspezifizierungen jeweils den neuen Gegebenheiten
an. Die Bank of America veranstaltet für ihre Angestellten eine Reihe
von Fortbildungskursen und hat ein Trainingsprogramm zur Umschulung am
Arbeitsplatz eingerichtet. Ähnliche.Programme bestehen auch bei der
Santa Fe. Hier wird jedoch gelegentlich Klage geführt, daß bestimmte
Gewerkschaften gegen Umschulungsmaßnahmen opponieren. Shell Oil sowie
Pacific Gas and Electric bieten ihren Belegschaften ebenfalls Umschulungsprogramme. Douglas stellte 1962/63 insgesamt 1563 Belegschaftsmitgliedern College-: und Fachschulstipendien zur Verfügung, und arbeitete
bei der Zusammenstellung von entsprechenden Fortbildungskursen eng mit
den Hochschulen zusammen.
. „Mitarbeiter der North American absolvierten 1963 insgesamt 28 000
Fachprüfunger im Rahmen der betriebsinternen Schulung. Ähnlichen Fortbildungsprogrammen der vorangegangenen zwei Jahre wird es zugeschrieben,
daß mittlerweile rund 3000 Belegschaftsmitglieder den Sprung in Angestelltenberufe schafften. 465 Firmenangehörige studieren gegenwärtig
mit Firmenunterstützung und streben das Magisterexamen an, weitere 112
Firmenangehörige arbeiten im Rahmen der Studienförderungsprogramme der
Firma auf die Promotion zum Doktor hin. North American trägt dabei die
Studienkosten und gewährt in.einer Reihe von Fällen auch Unterhaltsbeihilfen. North American beschäftigt in seinen in 21 amerikanischen Bundesstaaten bestehenden Niederlassungen mehrere tausend Farbige. 181 Angehörige dieser Belegschaftsgruppe sind als aufsichtführende Personen tätig.
Bezeichnend für die Fortkommenschancen, die die Firma bietet, ist das
Beispiel eines Farbigen, der 1946 als Pförtner eingestellt wurde und der
es,nach einem zwischenzeitlichen Studium mit Unterstützung der Firma,
erst zum Laborangestellten brachte und heute für Gesundheits- und Arbeitsschutzfragen in der Atomics International Division von North American
zuständig ist. Ihm sind 50 Mitarbeiter unterstellt.
Eine weitere Frage lautete: "Verfügen Sie über Pläne zur Beteiligung
der Aktionäre, Belegschaftsmitglieder und Verbraucher an den Automationsgewinnen ?"
Die Bank of America teilte mit, die Automation habe zu einer Stabilisierung der Betriebskosten beigetragen und es damit ermöglicht, eine
Erhöhung der Kundendienstgebühren abzuwenden. Zugleich konnten höhere
Dividenden gezahlt und eine Anhebung der Angestelltengehälter vorgenommen

- 4 -

�vorgenommen werden. Die technische Modernisierung verschaffte den
United-Kunden direkte Vorteile: Noch 1940 kostete der 17 Stunden dauernde und durch sechs Zwischenlandungen unterbrochene Flug San Francisco-New York 149,95 Dollar. Heute zahlt der Fluggast für den nur
noch fünf Stunden dauernden Nonstopflug mit einer modernen DC-8-Düsenmaschine 145810 Dollar. Von ähnlichen Verbesserungen berichtete Pacific Telephone: 1920 kostete ein dreiminütiges Ferngespräch quer über
den amerikanischen Kontinent 16,50 Dollar, und.es dauerte durchschnittlich zehn Minuten, ehe es zustande kam. Heute läßt sich das Gespräch
binnen Sekunden durch Selbstwählvermittlung zustande bringen und es
kostet nur noch 1 Dollar (Nachttarif).
Santa Fe wies darauf hin, daß der Rückgang im Güterverkehr, die
geringe Zunahme der Personenbeförderung sowie die erheblich gestiegenen Kosten für Material, Brennstoff und Arbeitskräfte (50 Prozent in
zehn Jahren) eine Weitergabe von Automationsgewinnen illusorisch machen. Die Investitionsgewinne nach Abschreibung hätten für 1963 nur
4,17 Prozent betragen. Pacific Gas and Electric teilte mit, die Automationsgewinne hätten sich in den Kundentarifen niedergeschlagen. Shell
gab an, trotz verstärkter Bemühungen um die Qualitätsverbesserung der
Treibstoffe sei es der Gesellschaft aufgrund technischer Modernisierung
möglich, ihre Produkte gegenwärtig zu dem niedrigsten Großhandelspreis
seit 15 Jahren zu offerieren.
Das Ergebnis der Umfrage macht deutlich, daß die Automatisierung
für den Kunden vorteilhaft ist: Sie trägt zur Kostensenkung oder Stabilisierung eines gegebenen Kostenniveaus bei, das unter anderen Umständen hätte heraufgesetzt werden müssen. Sämtliche befragten Großfirmen
unternehmen erhebliche Anstrengungen, um die Leistungsfähigkeit ihrer
Belegschaften den neuen Erfordernissen anzupassen und die potentielle
AutomationsVerdrängung durch Umschulung zu kompensieren. Die Automatisierung führte außerdem zu einer deutlichen Steigerung der Ansprüche
an die Fachkenntnisse der Beschäftigten. Bemerkenswert ist, daß zahlreiche Arbeitnehmer der Automatisierung nicht tatenlos gegenüberstehen,
sondern regen Gebrauch von den Umschulungs- und Fortbildungsprogrammen
ihrer Firmen machen. Die Automation wirkte sich lohnsteigerrid eis*. In
den Dienstleistungsbereichen stieg der Personalbestand entweder an.
oder er blieb konstant. Dagegen war im Bereich der Fertigungsindustrien
eine Tendenz zur Senkung.des Personalbestandes erkennbar - eine Feststellung, die für die ganzen Vereinigten Staaten gilt. In Fällen jedoch,
in denen die Belegschaften kalifornischer Zweigwerke vergrößert wurden,
hielt die Zunahme nicht mit dem Bevölkerungszuwachs Schritt. Keine der
befragten Firmen verfügte über spezifische Pläne zur Beteiligung von
Aktionären, Arbeitnehmern und Konsumenten an den Automationsgewinnen,
etwa nach dem Modell, das die Firma Kaiser Steel Co. 1959 einführte.
Kaiser Steel bildete damals eine Sonderkommission zur Lösung dieses
Probl ems. Viele der befragten Firmen betonten jedoch, man werde nennenswerte Automationsgewinne '•automatisch" an die Aktionäre, Arbeitnehmer
und Konsumenten weitergeben.
Die Angaben dieser Firmen, die von Männern mit sozialem Weitblick
geleitet werden, legen den Schluß nahe, daß angesichts der Zahl von 3,8
Millionen Arbeitslosen die Nation nur in ihrer Gesamtheit in der Lage

- 5 -

�Lage sein wird, die bedrohlichen Folgen künftiger umfassenderer Automatisierungsmaßnahmen abzuwenden. Vorzeitiges Ausscheiden aus dem
Arbeitsprozeß wie auch der normale Schrumpfungsprozeß mögen den "Automa tions schock" für die Belegschaften von Shell, Santa Fe oder Douglas
zunächst mildern. Auf der anderen Seite besteht jedoch die Notwendigkeit, den stellungslosen Jugendlichen sowie den aus automationsintensiven Branchen wie dem Bergbau, der Stahl- oder der Automobilindustrie
ausscheidenden Arbeitnehmern Arbeitsplätze zu verschaffen. Mit der Verabschiedung des Gesetzes zur Regelung der Berufsförderung und Arbeitsmarktexpansion (Manpower Development and Training Act) hat der Kongreß
diesem Problem bereits 1962 Rechnung getragen.
Als sehr nützlich erwiese sich eine Umzugsbeihilfe der Bundesregierung für entlassene Arbeitnehmer, die in anderen Gebieten Arbeit
erhalten können. Zur Beseitigung sozialer Härten wie auch zur Schließung gewisser Beschäftigungslücken sind darüber hinaus umfangreiche
staatliche und. private Projekte wie etwa Maßnahmen zur Bodenkonservierung und Urbarmachung, Verkehrsbauten sowie Projekte zur städtebaulichen Sanierung geeignet.Schließlich müßten sich Staat und privates
Unternehmertum ernsthaft Gedanken über die Verwendung der Automationsgewinne machen. Mehr Freizeit, längerer bezahlter Urlaub sind Möglichkeiten, die sich anbieten. Unternehmen, die am Wohlergehen ihrer Arbeitnehmer interessiert sind, werden sich darüber hinaus rechtzeitig
mit den Gewerkschaften über geeignete Maßnahmen zur Milderung der mit
der automationsbedingten Arbeitslosigkeit unvermeidlich verbundenen
Härten verständigen. In den TarifVerhandlungen kommen in zunehmenden
Maße bereits auch diese Fragen zur Sprache.
.'Die Automation ist generell zu bejahen. Es muß nur gewährleistet
sein, daß sie allen zum Segen gereicht. Von Unternehmern, Gewerkschaften,
aber auch vom Staat ist daher ein hohes Maß an Einsicht und Verantwortungsbewußtsein zu fordern, soll die Automation schließlich die in sie
gesetzten Erwartungen erfüllen...

(Aus "The Christian Century")

+++ * +

- 6-

�Donald Slaiman, Direktor der Abteilung Bürgerrechte der AFL-CIO:
Gleiche Arbeitschancen für alle
Der Kampf der Gewerkschaften gegen die Diskriminierung
Es ist eines der Grundprinzipien und Ziele der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung, für alle Arbeitnehmer die gleichen Vorteile gewerkschaftlicher Organisierung anzustreben - ohne Bücksicht darauf, welcher
Volksgruppe oder Religion sie angehören, welcher Herkunft sie sind oder
welche Hautfarbe sie haben. Bereits vor dem Zusammenschluß von AFL und
CIO bemühten sich die Gewerkschaften darum, ihre Aktivität auf dieses
Ziel abzustimmen. Aus diesem Grund ist es auch leicht verständlich, daß
die (Gewerkschaften bei der Erörterung und Verabschiedung des Bürgerrechtsgesetzes von 1964 eine so wichtige Rolle spielten. Ihr Verhalten bedeutete
in der Tat eine Stärkung der Position der zahlreichen Organisationen, die
für die Bürgerrechte, für konfessionelle und kommunale Interessen eintreten und in der Leadership Conference on Civil Rights, einer ständigen
Konferenz führender Bürgerschaftsvertreter, zusammengeschlossen sind.
In der ursprünglichen Fassung des Gesetzes fehlte der Passus, der
bei einer Diskriminierung am Arbeitsplatz eine Entschädigung vorsieht.
Viele Befürworter des Bürgerrechtsgesetzes fürchteten die Aufnahme einer
solchen Bestimmung in den Gesetzestext, weil damit ihrer Ansicht nach
die Annahme der ganzen Vorlage in Frage gestellt worden wäre. Aber die
Gewerkschaften erkannten die Bedeutung gerade dieser Bestimmung für ihre
eigenen Programme und kämpften energisch für den Abschnitt VII, der "gleiche Beschäftigungsbedingungen für alle'1 vorsieht.
Wenn auch das Hauptaugenmerk der Gewerkschaften dem Abschnitt VII
gilt, so ist ihr Interesse an dem Gesetz damit doch nicht erschöpft..
Denn Erziehungswesen, Sozialwesen und Wahlrecht sind ebenfalls wirksame
Instrumente zur Erzielung voller Gleichberechtigung und müssen deshalb
nachdrücklich gefördert werden. Nach Ansicht der meisten amerikanischen
Gewerkschaftsführer k«nn eine echte Gleichberechtigung der farbigen Bevölkerung auf dem Arbeitssektor nicht"durch kleine Schritte erreicht, werden. Vielmehr bedarf es eines massiven Programms, das alle Punkte des
Gesetzes durchzusetzen sucht und alle Bavölkerungsteile zur Mitarbeit heranzieht, um das angestrebte Ziel zu erreichen.
Die Aufgaben der Gewerkschaften sind dabei überaus vielschichtig
und weitreichend. Komplizierte Probleme gilt es zu lösen - Probleme, die
nicht einfach durch Beseitigung der Diskriminierung aus der Welt zu schaffen sind. So brauchen beispielsweise die Neger besonders gute Bildungsmöglichkeiten, damit die Versäumnisse von Jahrzehnten nachgeholt werden
können. Amerika steht inmitten einer technischen Revolution, die die gesamte Struktur des Arbeitsmarktes verändert. Im ganzen gesehen verlieren zu
viele Neger und andere Farbige infolge der Streichung von Arbeitsplätzen
für ungelernte und angelernte Arbeiter ihre Stellung &lt;= Beschäftigungen also,
in denen überwiegend Farbige tätig sind. Das Gewerkschaftsprogramm wurde
angesichts der oben erwähnten Probleme formuliert und hat bereits auf vielen Gebieten zu konkreten Ergebnissen geführt.
Was

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�Was ist der gegenwärtige Kurs der Gewerkschaften?
Am 4. August 1964 forderte der Exekutivrat der AFL-CIO die freiwillige Befolgung des Gesetzes auf breitester Basis. Abschnitt VII
des Gesetzes wurde jedoch ausdrücklich hervorgehoben, weil die Gewerkschaften in dieser Hinsicht besondere Verantwortung tragen. Der Rat
berief eine nationale Konferenz von Gewerkschaftsführern aller Funktionsbereiche für den 2. September 1964 ein. Die Delegierten wurden
aufgefordert, ein Fünf-Punkte-Programm auszuarbeiten und seine Verwirklichung in die Wege zu leiten.
Punkt 1 drang auf eine beschleunigte Unterrichtung der Gewerkschaftsmitglieder über Ziele und Bestimmungen des Gesetzes. Alle zuständigen Stellen der AFL-CIO und. maßgebliche Persönlichkeiten der angeschlossenen internationalen (amerikanisch-kanadischen) Gewerkschaften
koordinierten ihre Anstrengungen zur Vorbereitung geeigneter Literatur
und Handbücher für diese Aufgabe. In zwei Broschüren wurde der Gewerkschaftsstandpunkt in der Frage der.Bürgerrechte klar umrissen. In der
im September 1964 herausgegebenen Broschüre »Bürgerrechtes Tatsechen
und Fiktion'* wurde mit den Gerüchten über die. Forderungen.der Neger aufgeräumt, die Rassenfanatiker ausgestreut hatten. Schließlich wurde ein
Handbuch für kommunale Gewerkschaftsführer zusammengestellt, das als
Leitfaden zur Aufstellung von Aktionsprogrammen auf kommunaler Basis
dienen konnte.
Punkt 2 forderte die Schaffung von mehr AFL-CIO-Arbeitsgruppen
auf kommunaler Ebene - ein Versuch, örtliche Gewerkschaftsbewegungen
zu mobilisieren, die gemeinsam mit anderen Gruppen örtliche Aktionsprogramme zur Förderung der Bürgerrechte unterstützen.
Punkt 3, ein Grundsatzprogramm, forderte die freiwillige Befolgung
der Bestimmungen von Abschnitt VII des Bürgerrechtsgesetzes. Die Gewerkschaften wurden angehalten, auf die Praktiken gewerkschaftlich gebundener und nicht gebundener Arbeitgeber zu achten und bei solchen Arbeitgebern, die sich nicht an das Gesetz hielten, die Einhaltung der Bestimmungen durchzusetzen.
Punkt 4 verlangte von den Gewerkschaften ständige Wachsamkeit.
Jede sollte in ihrem Gebiet beobachten, wie in der Praxis das Gesetz gehandhabt wird. Auch wurden die Gewerkschaften aufgerufen, die Durchsetzung der gesetzlichen Bestimmungen wirksam zu unterstützen..
Punkt 5 forderte alle Angehörigen der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu kritischer Beurteilung des Gesetzes in seiner jetzigen Form
auf. Unzulänglichkeiten, sollten aufgedeckt werden, um sie auf dem Gesetzeswege korrigieren zu können.
Am 5. Oktober 1964 ersuchte George Meany, Präsident der AFL-CIO, die
Führer aller nationalen und internationalen Gewerkschaften, zur Unterstützung der lokalen Kampagnen für die Gleichberechtigung maßgebliche
Vertreter zu benennen« Anschließend sollte jeweils ein Spitzenfunktionär
bestimmt werden, der für die Ausarbeitung und Durchsetzung eines Programms

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�Programms zur Erzielung gleicher Beschäftigungsbedingungen für alle
in den einzelnen gewerblichen oder Industriegewerkschaften verantwortlich
zu sein habe-' Inzwischen haben 75 nationale Gewerkschaften - in Kürze
wird ihre Zahl.auf 100 gestiegen sein - diese Funktionäre bestimmt; die
Programme sind eingeleitet.
Zwei in diesem Jahr abgehaltene Konferenzen hatten ebenfalls eine
intensivere Durchsetzung von Abschnitt VII zum Ziel, vornehmlich in
Städten, die als Schlüsselpositionen zu betrachten sind. Darüber hinaus
sollen die Gewerkschaftsführer - bei der zweiten Konferenz waren 74 internationale Gewerkschaften mit einer Gessratmitgliedschaft von 10,2 Millionen Arbeitnehmern vertreten - die Funktion von Verbindungsleuten zu der
neugeschaffenen "Bundeskommission zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen", zu.anderen Seglerungsbehörden und der Bürgerrechtsabteilung
*•* AFL~ CIO.ausüben. Bei der Aufstellung von Gewerkschaftsprogrammen zur
Ausschaltung diskriminierender Verhaltensweisen werden sie sich mit Problemen zu befassen haben, die die Praktiken sowohl der Arbeitgeber als
auch der Gewerkschaften selbst betreffen» Sie bemühen sich u.a. um die
Aufnahme von Klauseln über Nicht-Diskrlnr nierung in Tarifverträge, und
sie arbeiten Programme aus, die den örtlichen Gewerkschaften die Möglichkeit zur Durchsetzung dieser Klauseln verschaffen und sie befähigen, das
gesamte Tarifvertragswesen auf die Gleichstellung von Arbeitnehmern aus
Minderheitengruppen abzustimmen. Davon werden nicht zuletzt der berufliche Aufstieg und die Zulassung zur Lehrlingsausbildung betroffen.
Zahllose Beispiele gibt es dafür,,daß Neger in den Gewerkschaften
immer mehr in führende Positionen aufrücken» Die AFL-CIO führt keine nach
Rassenzugehörigkeit gegliederte Statistiken, aber man schätzt, daß die
AFL-CIO-Gewerkschaften 1,5 bis 1,7 Millionen farbige Mitglieder zählen.
Früher nach rassischen Gesichtspunkten getrennte örtliche Gewerkschaften
werden jetzt vereinigt. Bemerkenswerte Beispiele hierfür gibt es in den
Südstaaten in der Tabak-« Papier- und Textilindustrie und bei den Eisenbahnen .
Die Gewerkschaften ergreifen JctSt die Initiative im Ausfindigmachen
von Möglichkeiten, um den Angehörig«•« von Minderheitengruppen zu einer
besseren Einstufung im Betrieb zu verhelfen. In einigen Fällen werden
versuchsweise Prüfungen, für Jugendliche aus Minderheitengruppen beim Eintritt in den Betrieb durchgeführt, um ihnen eine Chance zu geben, zum
Facharbeiter aufzusteigen. Ein Beispiel hierfür ist das DemonstratIonsprojekt der Bezirksgruppe 9 der. Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft
in New York.. Unter gemeinsamer Förderung von gewerkschaftlicher und bundesbehördlicher Seite werden ungelernte Arbeiter zu Facharbeitern ausgebildet.
Ähnliche Bestrebungen gibt es im Hinblick auf die-Annahme jugendlicher
Neger als. Lehrlinge im Baugewerbe, Bildungsmäßig bringen sie nicht immer
die notwendigen Voraussetzungen mit. - jetzt wurden Vereinbarungen getroffen, sie trotzdem anzunehmen und entsprechend auizubl 1&lt;#«ni.

Sofern

�Sofern den Gewerkschaften die Durchsetzung des Prinzips der
Gleichbererhtigung am Arbeitsplatz bei Arbeitgebern, die Regierungsaufträge erhalten, nicht gelang, wurde Beschwerde beim "Präsidialausschuß zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen" eingereicht.
Das neue Gesetz ist gut, aber es wird nicht automatisch befolgt.
Jeder Bevölkerungsteil muß die größtmöglichen Anstrengungen unternehmen, um die Einhaltung der Gesetzesbestimmungen auf freiwilliger Basis zu erreichen. Die Gewerkschaften haben im Hinblick auf die Ziele
des Bürgerrechtsgesetzes die Verpflichtung, Diskriminierung am Arbeitsplatz zu beseitigen, wo immer sie auftritt.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Neue Tarifverträge in der Gummiindustrie
Die kürzlich zwischen der "Vereinigten Gummiarbeitergewerkschaft"
(URW) und den "großen Drei" der amerikanischen Gummiindustrie (Firestone, Goodyear, Goodrich) abgeschlossenen neuen Tarifverträge bringen
insgesamt 51 500 Beschäftigte dieser drei Unternehmen in den Genuß höherer Löhne und Lohnnebenleistungen.
Im einzelnen sehen die drei sich in den Grundzügen ähnelnden und
für zwei Jahre abgeschlossenen Abkommen im ersten Jahr Lohnerhöhungen
von 7,5 Cent pro Stunde für Arbeiter in der Reifenproduktion und von
6,5 Cent für alle anderen Arbeitnehmer vor. Im zweiten Jahr dagegen
werden alle Arbeitnehmergruppen Lohnaufbesserungen von 9 Cent pro Stunde erhalten.
Von den zahlreichen verbesserten Lohnnebenleistungen sind vor allem
zu nennen: Gewährung von vier Wochen bezahltem Urlaub nach 15 (bisher 22)
und einer weiteren Woche nach 25 Dienstjähren; Gewährung eines neunten
bezahlten Feiertages pro Jahr; Erhöhung der zusätzlichen Unterstützungsleistungen bei Erwerbslosigkeit.
Auf Grund der neuen Regelung werden die maximalen Ausgleichsbeträge
zur staatlichen Arbeitslosenunterstützung allen Mitarbeitern mit einer
Betriebszugehörigkeit zwischen einem und fünf Jahren für die Dauer eines
Jahres gewährt, während sie bei einer Dienstzeit von über fünf bis zu
zehn Jahren 18 Monate, zwischen zehn und 15 Jahren 24 Monate, 15 und 25

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�25 Dienstjahren 30 Monate und über 25 Dienstjahren 48 Monate gezahlt
werden.
Die durchschnittlichen Stundenlöhne der Produktionsarbeiter beliefen sich bei den drei Unternehmen bisher auf: 3,43 Dollar (Firestone), 3,41 Dollar (Goodyear) und 3,16 Dollar (Goodrich).

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

ILGWU-Gewerkschaft schloß Mustervertrag ab
Die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie (ILGWU) hat
kürzlich mit dem größten Unternehmen dieser Branche, der Jonathan
Logan, Inc., einen neuen Tarifvertrag abgeschlossen, der für rund
7000 Arbeitnehmer gilt, die in insgesamt 75 Betrieben in 16 verschiedenen Bundesstaaten beschäftigt sind.
Durch den Abschluß dieses allgemein verbindlichen Tarifvertrages
(bisher wurde mit jedem einzelnen Betrieb ein Vertrag abgeschlossen)
soll verhindert werden, daß es künftig zu Betriebsstillegungen kommt,
solange die TarifVerhandlungen noch im Gange sind. Zur Schlichtung
von Streitfragen soll in Zukunft ein unparteiischer Schiedsmann eingesetzt werden, auf den sich beide Vertragsparteien geeinigt haben.
Das neue Tarifwerk ist in zwei Abschnitten gegliedert. Während im
Rahmenvertrag alle allgemeingültigen Grundsätze und Verfahrensfragen
aufgeführt sind, enthält Abschnitt 2 eine Reihe von Zusatzabkommen, die
auf die speziellen Gegebenheiten der einzelnen Betriebe abgestellt sind.
Neben diesen Regelungen bringt der neue Tarifvertrag den Beschäftigten eine zehnprozentige Lohnerhöhung, die in zwei Stufen (jeweils
fünf Prozent) vorgenommen wird, sowie höhere Ecklöhne für Stückarbeit
und verbesserte Zuschläge für Facharbeiter.

(Quelle: Eigenbericht;

+ ++++

- 11

�"GM" zahlte 7 Mio. Dollar für Verbesserungsvorschläge
Eine Rekordsumme von 7 868 184 Dollar hat die "General Motors Corporation" im vergangenen Jahr an ihre Mitarbeiter für Verbesserungsvorschläge ausgezahlt, die zur Arbeitserleichterung, Verminderung der Zahl
der Unfälle am Arbeitsplatz sowie zur Vereinfachung der Produktion und
Steigerung der Produktivität beitrugen.
Die im Vorjahr zur Auszahlung gelangte Summe ist höher als die in
den ersten zehn Jahren nach Einführung des betrieblichen Vorschlagswesens bei General Motors insgesamt ausgezahlten Beträge.
Die höchste Einzelsumme erhielt im vergangenen Jahr ein Mitarbeiter, der 142 Verbesserungsvorschläge eingereicht hatte, von denen 36
angenommen und mit insgesamt 45 905 Dollar prämiert wurden.

(Quelle: Eigenbericht)

+++++
Der Übergang von der Industrie- zur "Dienstleistungswirtschaft"
Was die Fachleute schon seit längerem vermuteten und die Statistiken anzudeuten schienen, ist jetzt durch eine Wirtschaftsanalyse weitgehend bestätigt worden: der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Aktivität
in den USA liegt nicht mehr auf dem industriellen, sondern auf dem
Dienstleistungssektor.
Wie aus der von Dr. Victor R. Fuchs für das "National Bureau of
Economic Research" durchgeführten Untersuchung hervorgeht, ist heute
mehr als die Hälfte der werktätigen Bevölkerung der Vereinigten Staaten
in den zahlreichen Dienstleistungszweigen der Wirtschaft tätig. Die güterproduzierenden Zweige dagegen, die seit der industriellen Revolution
Mitte des vorigen Jahrhunderts die dominierende Rolle in der amerikanischen Wirtschaft spielten und zeitweilig rund 2/3 aller Arbeitnehmer beschäftigten, dürften auch weiterhin an Boden verlieren.
Dieser Wandlungsprozeß dauert zwar schon seit einigen Jahrzehnten
an, aber der eigentliche Durchbruch erfolgte erst Mitte der fünfziger
Jahre, als die Automation ihren Einzug in der Industrie hielt.
Im Jahre 1929 zum Beispiel waren noch 27,5 Millionen Amerikaner in
der Güterproduktion und nur 18,6 Millionen in den Dienstleistungszweigen
beschäftigt; im Jahr 1963 dagegen belief sich die Zahl der Dienstleistungen erbringenden Amerikaner auf 37,9 Millionen, die der Industriearbeiter
nur noch auf 31,4 Millionen.
Dieser Wandel in der Beschäftigungsstruktur hat bereits weitreichende wirtschaftliche und soziale Auswirkungen im Gefolge gehabt - Auswirkungen, die sich in Zukunft noch verstärken dürften.
Was

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�Was sind nun die spezifischen Auswirkungen? Einmal bedeutet dieser
Wandel, daß die Frauen künftig im Berufsleben weitaus besser mit den
Männern zu konkurrieren vermögen, da die meisten Tätigkeiten in den
Dienstleistungszweigen keinerlei große physische Anstrenuungen erfordern.
Schon heute nehmen die Frauen 46 Prozent aller Arbeitsplätze in diesem
Wirtschaftssektor ein, während ihr Anteil in der Industrie nur rund 19
Prozent beträgt. Auch die Berufschancen der älteren Menschen dürften sich
gegenüber denen der jüngeren, physisch kräftigeren Arbeitnehmer nicht unerheblich verbessern.
Der zweite wichtige Einfluß, der sich durch diesen Strukturwandel
ergibt, ist wirtschaftlicher Art. Da die Konjunkturschwankungen in den
Dienstleistungszweigen allgemein weniger stark in Erscheinung treten als
im industriellen Bereich, dürften hieraus konjunkturelle Stabilisierungseffekte resultieren. Es ist in diesem Zusammenhang nicht uninteressant zu
erfahren, daß zum Beispiel die Erwerbslosenrate in den Dienstleistungszweigen während der gesamten Nachkriegsperiode erheblich geringer gewesen
ist als die der Industrie.
Außerdem ist die "Dienstleistungswirtschaftu stark verbraucherorientiert. Sie wird von dem einzelnen in vielerlei Hinsicht beeinflußt, sei
es, daß er in einem Geschäft etwas kauft, eine Schule besucht oder einen
Arzt konsultiert.
Allerdings läßt sich die Produktivität in einer Dienstleistungswirtschaft sehr viel schwerer ermitteln als etwa in der Industrie. Wie kann
man z.B. die Arbeitsleistung eines Arztes, eines Lehrers oder Verkäufers
pro Zeiteinheit in festen Werten wie in der Güterproduktion ausdrücken?
Das gleiche gilt auch hinsichtlich der Qualität der geleisteten Arbeit.
Aber dies sind technische Zukunftsfragen, die mit den großen soziologischen Auswirkungen nur in losem Zusammenhang stehen. Nach Ansicht von
Dr. Fuchs wird dieser Strukturwandel zu einer Dienstleistungswirtschaft
ähnlich große Auswirkungen auf das gesamte Leben in den USA haben wie die
großen Übergänge in der Geschichte der Menschheit von einer Wirtschaftsstufe zur nächsthöheren.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++

- 13 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 10

Oktober 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Entwicklung der Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen seit Kriegsende

Seite

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 14

1

Joseph P. Goldberg, Sonderberater im US-Bundesamt
für Arbeitsstatistik:
Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen seit Kriegsende

Nachdruck ist mit Angabe des Verfassers und dem Vermerk
(c) 1965 by Current History, Inc.
gestattet.
Die breite Öffentlichkeit ist sich in den Vereinigten Staaten sehr
wohl bewußt, daß das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
in den zwei NachkriegsJahrzehnten manche Krise durchgemacht hat; wie es
aber heute um dieses Verhältnis bestellt ist, davon haben leider die
wenigsten eine klare Vorstellung. Dies erklärt sich zum Teil aus dem
Wesen und der Praxis der Kollektiwerhandlungen zwischen Arbeitgebern
und Arbeitnehmern. Das System der Kollektiwerhandlungen erstreckt sich
auf einen Bereich, in dem gegenwärtig und voraussichtlich auch in Zukunft widerstreitende Kräfte aufeinanderstoßen. Diese wiederum unterliegen dem Einfluß wechselnder Machtrelationen und veränderlichen wirtschaftlichen Drucks sowie der Einflußnahme des Staats.
Hauptfiguren der Kollektiwerhandlungspraxis sind nicht lediglich
die Vertreter der Unternehmer- und der Arbeitnehmerseite, sondern vielmehr auch Repräsentanten zahlreicher anderer Gruppen: Wirtschaftswissenschaftler, Intellektuelle, die zu irgendeinem Zeitpunkt mit der Gewerkschaftsbewegung liiert waren,Schiedsleute und, in einem weiteren
Sinne, auch die Öffentlichkeit. Hieraus auch erklärt sich die große
Fülle der Literatur über Fragen des Kollektiwerhandlungswesens, in
der es von vorgefaßten Meinungen über seine Ziele nur so wimmelt, während man nur selten auf Versuche einer objektiven Beurteilung stößt.
Vertreter

�Vertreter der Industrie und der Verbände verweisen nach wie vor
gern auf die Stärke der Gewerkschaften, um dann fortzufahren, daß
Kollektivverhandlungen auf industrieweiter Basis häufig zu Streiks
mit verheerenden Folgen führen. Die Gewerkschaften dagegen stellen die
negativen Auswirkungen des Taft-Hartley-Gesetzes von 1947 (Labor-Management Relations Act - Gesetz zur Regelung der Arbeitgeber-ArbeitnehmerBeziehungen) und des Landrum-Griffin-Gesetzes von 1959 (Labor Management
Reporting and Disclosure Act - Gesetz über die Berichterstattungs- und
Offenlegungspflicht der Gewerkschaften und Unternehmen) heraus, die sie
als Zwangsjacke empfinden. Manche Intellektuelle, die sich der Ideologie
der Arbeiterbewegung aus der Zeit der großen Wirtschaftskrise verbunden
fühlen, schreiben jedes noch so geringfügige Versagen der Gewerkschaften
und des Kollektivverhandlungswesens dem Fehlen einer straffen Organisation der Arbeiterschaft und der - angesichts der technischen Revolution fortgesetzt sehr großen Arbeitslosigkeit zu. Auch die Rolle des Staates
wird vielfach stark kritisiert: Man bezichtigt ihn einer übermäßigen
Bereitwilligkeit zum Eingreifen in Arbeitsstreitigkeiten und argumentiert, je nach der eigenen arbeitgeber- oder arbeitnehmerfreundlichen
Haltung, die staatlich festgelegten Lohn-Preis-Richtwerte wirken sich
lohnkostensteigernd aus oder dienen lediglich dem Zweck, eine Verhandlungsbasis unterhalb der Forderungen der Gewerkschaften abzugeben.
Dabei ist natürlich der Rahmen, in dem sich Kollektiwerhandlungen
abspielen, selbst wieder nur das Produkt vielfältiger Einflüsse, deren
Auswirkungen zu erfassen äußerst schwierig ist. Zu einem Teil sind sie
eine Folge der widerstreitenden Positionen der Arbeitnehmer und des
Managements, zu einem anderen Teil der Besorgnis des Staates, wie sie
ihren Ausdruck in legislativen Maßnahmen wie dem Taft-Hartley- und dem
Landrum-Griffin-Gesetz fand. Selbstverständlich sind die wirtschaftlichen
Einflüsse auf das Kollektivverhandlungswesen mindestens genauso wichtig,
wurden doch die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern in der gesamten
Nachkriegszeit durch eine kaleidoskopartige Fülle von wirtschaftlichen
Entwicklungen berührt. Zu diesen zählen der Übergang von der Kriegs- auf
die Friedenswirtschaft, periodisch wiederkehrende Rezessionen., der wachsende internationale Wettbewerb und Standortsveränderungen und andere
Entwicklungen innerhalb der eigenen Wirtschaft.
Um zu einem tieferen Verständnis der gegenwärtigen Situation des
Kollektiwerhandlungswesens und der Haltung des Staates zu den Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen zu gelangen, muß man auch andere in Erscheinung tretende Einflüsse in Betracht ziehen, wie z.B. die tiefgreifenden technischen Veränderungen, (insbesondere in Gestalt der Automation),
die Entwicklung neuer Produkte und die Zunahme des Arbeitspotentials.
Die Arbeitspolitik der Regierung ist in ihren Grundzügen nach wie
vor auf das Ziel ausgerichtet, jedem Arbeitnehmer das Recht zu gewährleisten, sich nach eigenem freien Willen der von ihm bevorzugten Gewerkschaft
anzuschließen und die Fortentwicklung des Systems der Kollektivverhandlungen zu fördern. Wenngleich die Gewerkschaften im letzten Jahrzehnt generell einen Mitgliederschwund zu verzeichnen hatten, konnten sie ihre
Position in Kollektivverhandlungen durchaus bewahren und ihre Mitwirkung
im Bereich des staatlichen Lebens und ihren Einfluß auf dieses noch steigern. In einer Reihe von großen Industrien zeigt sich immer deutlicher,

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�deutlicher, daß das Kollektivverhandlungswesen einen hohen Grad der
Reife erreicht hat. Wie sehr die Regierung die Privatinitiative im
Bereich der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen zu wecken bemüht
ist, läßt sich an der gesamten Tätigkeit des Beratungsausschusses
des Präsidenten zu Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen
seit 1961 ablesen. Die Arbeitslosigkeit als Folge der raschen Expansion des Arbeitspotentials ist angesichts komplizierender Faktoren wie des technischen
Wandels und des zunehmenden ausländischen Wettbewerbs eine Angelegenheit, auf die Kollektivverhandlungen nur einen begrenzten Einfluß ausüben. Rier war die Regierung bemüht, die Verhandlungspartner bei ihrer
Suche nach Lösungen zu unterstützen, die eine Anpassung an die veränderte wirtschaftliche Situation erleichtern helfen. Gewerkschaften,
Unternehmer und Regierung haben sich zusammengefunden, um gemeinsam
Maßnahmen zur Entwicklung des Arbeitsmarktes zu treffen und durchzuführen. Ziel dieser Bemühungen ist es, mit den Problemen der Arbeitsplatzverdrängung und der Arbeitsplatzbeschaffung für jugendliche Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt fertig zu werden.
Die Regierung ist in der Formulierung ihrer Arbeitspolitik in
bezug auf das Kollektivverhandlungswesen darauf bedacht, den jeweiligen Verhältnissen Rechnung zu tragen. Das Taft-Hartley- und das LandrumGriff in-Gesetz fügten dem Verbot unfairer Arbeitspraktiken, das das
Wagner-Gesetz von 1935 (National Labor Relations Act - Gesetz zur Sicherung der Arbeitnehmerrechte) für die Unternehmerseite gebracht hatte,
ein solches für die Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsseite hinzu und setzten feste Normen für die Tätigkeit der Gewerkschaften. Das Bürgerrechtsgesetz von 1964 schließlich dehnte den Grundsatz der Gleichheit aller
auch auf die Aufnahme in eine Gewerkschaft und die Einstellungspolitik
der Betriebe aus. Der bereits genannte Präsidialausschuß war darüber
hinaus auch außerhalb des Bereichs der Legislative bestrebt, das Kollektivverhandlungswesen weiter zu festigen. Um einer inflatorischen Entwicklung vorzubeugen, setzte der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten die LohnPreis-Richtwerte fest.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß sich im Bereich des Kollektivverhandlungswesens alle Beteiligten nach Kräften bemüht haben, den Erfordernissen einer im raschen Wandel begriffenen Wirtschaft gerecht zu
werden; und vieles deutet darauf hin, daß diese Bemühungen auch erfolgreich waren. Die Arbeitspolitik der Regierung ist geeignet, sowohl die
Interessen der Allgemeinheit zu wahren als auch das Kollektiwerhandlungswesen und den damit verbundenen Drang der Gewerkschaften zur Bildung fester Institutionen zu sanktionieren. Nunmehr gilt es, durch, die
fortgesetzte.Beobachtung der Entwicklung sicherzustellen, daß der Staat
nicht Aufgaben privater Institutionen an sich zieht, was einem Eingtiff
in unser demokratisches System gleichkäme.
Das Taft-Hartley-Gesetz
Der Gang der Ereignisse nach Kriegsende zeigte bereits, daß das
Kollektivverhandlungswesen - im Gegensatz zur Lage nach dem ersten Weltkrieg - als fest verankert gelten konnte. Die Arbeitsprobleme des Jahres

�Jahres 1946 waren die Folge einer uneinheitlichen Entwicklung, in
deren Verlauf den Sozialpartnern in ihren Kollektiwerhandlungen die
Aufgabe zufiel, ausgehend von einer staatlichen Lohn-Preis-Politik
mit begrenzten Zielen im Bereich der Löhne und Arbeitsbedingungen
den Übergang auf die Friedenswirtschaft zu vollziehen. Die zahlreichen Streiks jener Zeit hatten wirtschaftliche Fragen zum Anlaß und
nicht,wie in einer früheren Umstellungsphase, grundsätzliche Dinge.
Je mehr die wirtschaftliche Anpassung zur Sache der Sozialpartner wurde, um so heftiger wurden die Angriffe gegen das Wagner-Gesetz.
Die zahlreichen Arbeitseinstellungen in dieser Übergangsperiode und
die gegen John L. Lewis erhobene Beschuldigung,.die Gewerkschaft zu
dominieren, bereiteten den Boden für das Taft-Hartley-Gesetz. Es wurde
im Jahr 1947 durch einen von den Republikanern, beherrschten Kongreß
erlassen, der das ausdrückliche Veto Präsident Trumans überstimmte.
Das Wagner-Gesetz hatte die Organisation der Gewerkschaften gefördert und ihren Tätigkeitsdrang auf das Gebiet der Kollektivverhandlungen gelenkt. Einer der Väter des neuen Gesetzes, Senator Robert
A. Taft, sprach von der Absicht, "ein gewisses Maß an Gleichheit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer herzustellen, damit es zu freien
Kollektiwereinbarungen zwischen den beiden komme". Das Taft-HartleyGesetz bekräftigte mithin den Grundsatz freier Kollektivverhandlungen,
das Organisierungsrecht der Arbeiterschaft, bejahte jedoch gleichzeitig auch das ^et'nt des einzelnen Arbeitnehmers, den Gewerkschaften
fernzubleiben. Es fügte der Liste der unfairen Arbeitspraktiken auf
selten der Unternehmer eine solche auf seiten der Gewerkschaften hinzu.
Das Taft-Hartley-Gesetz verbot sekundäre Boykottmaßnahmen ebenso
wie Streiks wegen Differenzen über die gewerkschaftliche Zuständigkeit
(Vertretungsbefugnis). Der Bereich der Kollektivverhandlungen wurde
insofern eingeschränkt,als das Gesetz ein Verbot des Closed Shop (Gewerkschaftsbetrieb mit Mitgliedzwang als Anstellungsvoraussetzung)
brachte; der Union Shop (Gewerkschaftsbetrieb mit Mitgliedzwang nach
Einstellung) blieb auch weiterhin erlaubt. Abschnitt 14 (b) räumte
jedoch den Einzelstaaten das Recht ein, für ihren Bereich den Union
Shop zu untersagen. Einen Eingriff in die Geschäftsführung der Gewerkschaften - ein Novum - stellten jene Bestimmungen dar, die sich auf die
Frage überhöhter oder diskriminierender Beitrittsgebühren bezogen und
es den Gewerkschaftsfunktionären zur Pflicht machten, Aufbau und Finanzen ihrer Organisationen in regelmäßigen Berichten offenzulegen und
eidesstattlich zu versichern, daß ihre Organisation nicht kommunistisch
ist.
Das Taft-Hartley-Gesetz enthielt ferner Bestimmungen bezüglich der
Regelung von Streitfragen, die geeignet sind, "einen nationalen Notstand" hervorzurufen,
nach Auffassung des Präsidenten "die Volksgesundheit und die nationale Sicherheit zu gefährden". Das Gesetz bot
die Handhabe, eine 80tägige Stillhaltefrist zu verfügen, um einen Streik
hinauszuzögern und einem Untersuchungsausschuß Gelegenheit zu geben, den
Sachverhalt zu klären und über ihn, wenngleich ohne Vorlage von Empfehlungen, zu berichten.
Die

- 4 -

�Die Gewerkschaften nannten das Taft-Hartley-Gesetz ein "Zwangsgesetz" und forderten seine Widerrufung. Obwohl sich Befürworter wie
Gegner darin einig waren, daß das Gesetz einer Revision bedurfte,
blieb diese Einigkeit fruchtlos. (Eine Reform erfolgte 1951 insofern,
als im Anschluß an eine Abstimmung, in der das Prinzip des Union Shop
fast einmütige Zustimmung gefunden hatte, die Vorschrift bezüglich der
Stimmenmehrheit als Voraussetzung für das Inkrafttreten eines Vertrags
zur Errichtung eines Gewerkschaftsbetriebs zu Fall gebracht wurde.)
Hier sind auch noch weitere Entwicklungen zu nennen, die dem Erlaß der nächsten einschlägigen Gesetzesbestimmungen in den Jahren 1958
und 1959 vorausgingen. Die gesetzliche Sanktionierung der Gewerkschaften und des Gewerkschaftsbetriebs zog die Forderung nach einer Beobachtung und Überwachung der gewerkschaftlichen Tätigkeit durch den
Staat nach sich. Kenner der Verhältnisse im Bereich der ArbeitgeberArbeitnehmer- Beziehungen wie auch unparteiliche Schiedsleute wiesen
mit Nachdruck auf die Notwendigkeit einer solchen Überwachung hin.
Prof. Sumner Slichter von der Harvard-Universität forderte 1947 in
einer Arbeit über das Verhalten der Gewerkschaften, deren Tätigkeit
nationale Interessen berührt, eine staatliche Überwachung der AufnahmebestImmungen und der gewerkschaftlichen Disziplinarordnung sowie
eine Überprüfung der treuhänderischen Tätigkeit der örtlichen Gewerkschaften. Im Jahr 1952 kritisierte die. amerikanische Bürgerrechtsvereinigung (American Civil Liberties Union) die Ehrengerichtsbarkeit
der Gewerkschaften und wies mit besonderem Nachdruck auf das Fehlen
unparteiischer Richter hin. Kritik an den einengenden Bestluuuungen
über die Aufnahme neuer Gewerkschaftsmitglieder, inäbimundere *&gt;n Negern,
war bereits 1930 in Untersuchungen der Liga zur Förderung der städtischen Negerbevölkerung (National Urban League) geübt worden.
Die Notwendigkeit einer Überwachung der Gewerkschaften
Die AFL-CIO selbst erkannte die Notwendigkeit der Abhilfe in Fällen von Gesetzwidrigkeiten und Korruption durchaus an. Anläßlich des
Zusammenschlusses der beiden Organisationen im Jahr 1955 wurden die
sogenannten Ehrenordnungen erlassen und ein Ausschuß zur Untersuchung
ehrenrühriger Gewerkschaftspraktiken eingesetzt. Dieser Schritt führte
im Jahr 1957 zum Ausschluß der Transportarbeitergewerkschaft und zweier
anderer Organisationen«, Daß ein solcher Ausschluß notwendig wurde, war
als Zeichen des tatsächlichen Bestehens von Mißbräuchen zu werten.
Gewerkschaftliche Mißbräuche bildeten den Gegenstand von Untersuchungen eines Senatsausschusses in den Jahren 1954-56, der sich mit
der Tätigkeit der Sozialkassen befaßte, sowie auch der 270 Tage währenden Informationssitzungen des McClellan-Ausschusses in den Jahren 1957
bis 1959. Bei diesen Untersuchungen kam zutage, daß sich Funktionäre
einiger weniger Gewerkschaften der Korruption schuldig gemacht und geheime Absprachen mit Vertretern der Management-Seite getroffen hatten.
Damals wurde unter anderem auch der Vorwurf erhoben, die Stärke der
Gewerkschaften trage zur Förderung inflationistischer Tendenzen bei
und schwäche die Wettbewerbsposition der amerikanischen Produzenten
auf den Weltmärkten. Die genannten Untersuchungen führten zum Erlaß

- 5-

�Erlaß zweier neuer Gesetze. Das erste aus dem Jahr 1958 war das Gesetz über die Offenlegungspflicht der Sozial- und Pensionskassen
(Weifare and Pension Plans Disclosure Act), das im Hinblick auf das
Wachstum dieser Kassen und die damit verbundene Anhäufung gewaltiger
Beträge erlassen wurde. Während das Gesetz zunächst lediglich eine
jährliche Berichterstattung dieser Institutionen vorsah, wurde es
1962 mit Unterstützung der AFL-CIO um Strafbestimmungen im Falle von
Mißbräuchen erweitert.
. -*..
Das Landrum-Griffin-Gesetz, das im Jahr 1959 in Kraft trat, bekräftigte das Recht der Arbeitnehmer auf gewerkschaftlichen Zusammenschluß und Wahl eigener Vertreter bei Kollektivverhandlungen. Es verkündete jedoch gleichzeitig neue Richtlinien für die Geschäftsführung
der Gewerkschaften, und bezeichnete es als "von entscheidender Wtcfctigkeit, daß die Gewerkschaften die Unternehmer und ihre Vertreter den
höchsten Anforderungen in bezug auf Verantwortung und Moral bei der
Verwaltung der Angelegenheiten ihrer Organisation, insbesondere soweit diese die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen betreffen, genügen".
Eine Erklärung der Gewerkschafterrechte setzte feste Normen bezüglich des Schutzes der neuen Rechte des einzelnen innerhalb der Gewerkschaft, der Erhebung von Gebühren und Beiträgen, des Rechts, gegen eine Gewerkschaft und ihre Funktionäre zu klagen und gegen diese
auszusagen, und des Schutzes vor ungerechtfertigten disziplinarischen
Maßnahmen. Die Achtung dieser Rechte kann durch Klage vor einem Bundesdistriktsgericht erzwungen werden.
Die Pflicht zur Offenlegung wurde auf die Gewerkschaften und ihre
Funktionäre und festangestellten Mitarbeiter sowie die Unternehmen ausgedehnt, um unerlaubte Verbindungen wie im Fall von Investitionen und
Interessenkonflikten aufzudecken. Es wurden ferner Vorkehrungen getroffen, um den Mißbrauch der Treuhänderschaft der großen Dachverbände
über die örtlichen Gewerkschaften zu unterbinden. Weitere Bestimmungen betreffen die Gewerkschaftswahlen und die Qualifikationen der Gewerkschaftsfunktionäre. Sie sollen die Gewerkschaften vor unerwünschter Beeinflussung bewahren.
Ein Abschnitt des Gesetzes änderte das Taft-Hartley-Gesetz in
der Absicht ab, die Bestimmungen bezüglich der Durchführung von sekundären Boykotten, der Aufstellung von Streikposten und der Vertragsklauseln über den Ausschluß gewisser Güter vom Transport zu verschärfen.
Das Gesetz befaßte sich ferner ausdrücklich.mit den besonderen Verhältnissen im Baugewerbe und in der Bekleidungsindustrie.
--er.
Die Auswirkungen des neuen Gesetzes lassen sich ebensowenig wie
die des früheren direkt erfassen. Fest steht, daß es Anlaß zu großer
Unzufriedenheit schuf. Die AFL-CIO hat auf ihrem Jahrestag 1963 gegen
das Taft-Hartley-Gesetz .erneut den Vorwurf erhoben, es sei unfair. Sie
wies darauf hin, daß das Landrum-Griffin-Gesetz und insbesondere die
darin enthaltene "Erklärung der Rechte der Gewerkschaftsmitglieder" viel
dazu beitragen, "unerhebliche oder ungerechtfertigte, kostspielige.und
lästige Streitfälle heraufzubeschwören, die von den Gerichten sehr sorgfältig bearbeitet werden müssen, damit die Gewerkschaften in ihrem traditionellen und demokratischen Aufbau und Wirken keinen Schaden erleiden".

Eine

�Eine unparteiische Analyse der Erfahrungen mit dem Gesetz gipfelt in
dem Schluß 1 ) :
"Alles in allem können die Gewerkschaften und ihre Führer die
Berichte des Bundesamtes für die Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Berichterstattung (Bureau of Labor-Management Reports) mit Genugtuung und in
dem sicheren Bewußtsein zur Kenntnis nehmen, daß die Gewerkschaften,
was die Demokratie und die Rechte ihrer Mitglieder angeht, mindestens
ebenso hohen Normen gerecht werden wie andere Institutionen unserer
Gesellschaft."
In diesem Zusammenhang sei auch auf die Bestimmungen des Bürgerrechtsgesetzes von 1964 verwiesen, das die Schaffung einer Kommission
zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen (Equal Employment
Opportunity Commission) vorsieht, der die Aufgabe gestellt ist, die
Durchführung der Gesetzesbestimmungen zur Verhütung von Diskriminierung aufgrund der Rasse, Hautfarbe, Religion, des Geschlechts und der
nationalen Herkunft zu überwachen. Das entschlossene Eintreten der
AFL-CIO für die Bestimmungen zur Sicherung gleicher Beschäftigungsbedingungen bildet gewissermaßen den Höhepunkt der langjährigen Bemühungen dieser Organisation um die Verbesserung der Beschäftigungsaussichten der Neger.
Auf dem Gewerkschaftskongreß von 1963 wurde berichtet, daß 111 von
insgesamt 130 in den Vereinigten Staaten und in Kanada tätigen Gewerkschaften keine nach Hautfarbe getrennten Ortsvereinigungen unterhielten,
während bei den restlichen 19 AFL-CIO-Gewerkschaften von insgesamt 15 000
Ortsverbänden lediglich 172 bisher an der Rassentrennung festgehalten
haben. In einer Entschließung der Tagung wurden sämtliche Mitgliedgewerkschaften aufgefordert, "mit großem Nachdruck auf die Entwicklung eines
eigenen Bürgerrechtsprogramms hinzuarbeiten, das die Ächtung jeglicher
Form der Diskriminierung aufgrund der Rassenzugehörigkeit, des Glaubens
oder der Hautfarbe in ihren eigenen Reihen zum Ziel hat", und "auf den
Einbau wirksamer Bestimmungen zur Verhinderung von Diskriminierungen in
sämtliche Kollektivverträge zu drängen". Im Anschluß an den Kongreß
startete die AFL-CIO in verschiedenen Städten ein Modellprogramm, in
dessen Rahmen die Abteilung Bürgerrechte der AFL-CIO-Zentrale Vertreter
tu den Ortsverbänden mit dem Auftrag entsandte, bei der Beseitigung der
Diskriminierung auf unterster Ebene beratend zu helfen.
Die Rolle des Staates bei Arbeitsstreitigkeiten
Das Gesetz zur Regelung der Arbeitsbedingungen bei den Eisenbahnen
(Railway Labor Act) und das Taft-Hartley-Gesetz enthalten Bestimmungen
über die Behandlung von Arbeitsstreitigkeiten auf Bundesebene. Gegen das
erstere Gesetz, das für die Eisenbahnen ebenso wie für den Flugverkehr
gilt, wird seit Jahren schon der Vorwurf erhoben, es habe die Durchführung von Kollektiwerhandlungen unmöglich gemacht und zur ausschließlichen Zufluchtnahme zu staatlicher Regulierung geführt. Als absoluter
Tiefpunkt des Funktionierens des Eisenbahngesetzes ist der im August
1963 notwendig gewordene Erlaß eines Gesetzes anzusehen, das eine
zwangsweise Schlichtung des vielschichtigen und sich lange hinziehenden
Streits über die Arbeitsbedingungen verfügte, der zwischen den führenden Eisenbahngesellschaften und den Gewerkschaften des Eisenbahnbetriebs-

Industrial Relations Research Association, Regulating Union Government,
Publication No. 31, 1964
- 7 -

�Eisenbahnbetriebspersonals ausgebrochen war. Jene geradezu traumatische Erfahrung dürfte noch lange in die Zukunft wirken. Der
damalige Arbeitsminister Wirtz erklärte hierzu: '»Anhand jener Erfahrung wurde deutlich, wie weitverbreitet das Gefühl ist, daß
'Eingriffe des Staates* in Kollektiwerhandlungen beinahe um jeden
Preis zu vermeiden sind." ./
Es wurde bereits auf die Notstandsbestimmungen des Taft-HartleyGesetzes für den Fall von Streiks auf Bundesebene verwiesen. Die Durchführung dieser begrenzten Bestimmungen hat viel Unmut erregt. Sie wurden in der Zeit von 1947 bis 1964 in 24 Fällen angewandt, wobei in 19
Fällen der entsprechende Apparat noch vor oder kurz nach Streikbeginn
eingeschaltet wurde: in 7 Fällen kam es zu einem Streik, nachdem die
verfügte Stillhaltefrist abgelaufen war.
Die Bemühungen der Regierung um eine Verbesserung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen ohne Inanspruchnahme dieser gesetzlichen
Bestimmungen sind unabdingbarer Bestandteil der Arbeitspolitik. Die
Berichte des Beratungsausschusses des Präsidenten zu Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Politik (President's Advisory Coramittee on LaborManagement Policy) seit 1962 fanden weitgehend Zustimmung bei den
beteiligten Vertretern der Öffentlichkeit, der Gewerkschaften und der
Unternehmer. "Die volle Einmütigkeit darüber, daß Kollektivverhandlungen ein wesentliches Element der Wirtschaftsdemokratie darstellen",
wie Präsident John F. Kennedy in dem Bericht dieses Ausschusses über,
"freie und verantwortungsbewußte Kollektiwerhandlungen und Arbeitsfrieden" erklärte, "ist ein Zeichen unseres Fortschritts als Nation
gegenüber der Uneinigkeit in dieser Frage noch in jüngster Vergangenheit."
Wichtige Empfehlungen betrafen Fragen der Schlichtung, die Freiheit in der Wahl der Vertreter für Kollektiwerhandlungen, die Verantwortung des Staates in Kollektiwerhandlungen, die Mithilfe dritter
Parteien und die Verbesserung der Verfahrensregelung im Falle eines
Streiks, der einen nationalen Notstand hervorzurufen geeignet ist. Die
Berichte des Ausschusses haben sich auch mit so vielschichtigen Themen
befaßt wie "Vorteile und Problematik der Automation und anderer technischer Fortschritte", "Maßnahmen zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit
amerikanischer Waren auf den Weltmärkten" und "Erklärungen zur Steuerund Währungspolitik". Das soll nicht besagen, daß es in dem Ausschuß zu
keinerlei Differenzen gekommen wäre, trafen doch einige Mitglieder die
Feststellung, die Konzentration von Macht bei den Gewerkschaften wirke
sirh nachteilig *ä£ die Kollektiwerhandlungen aus, während die Gewerkschaftsvertreter im Ausschuß dem entgegenhielten, wenn überhaupt eine
Bedrvjh''^»" gegeben sei, dann rühre sie von der Machtkonzentration in den
großen Unternehmen her. Die Behandlung der gemeinsamen Probleme war

W. Willard Wirtz, Labor and the Public Interest, New York, 1964

- 8 -

�war dennoch beispielhaft und zeigte, daß sich eine nationale Basis
für die fortgesetzte Beratung jener vielschichtigen Fragen finden
läßt, wie sie in zunehmendem Maße bei Verhandlungen zwischen Betrieben, Gesellschaften und Gewerkschaftsverbänden angestrebt wird.
Fragen der Wirtschaftspolitik
Auf seiten des Staates ist jedoch eine zunehmende Besorgnis über
die Verhandlungsergebnisse zu verzeichnen. Die Sorge um die Aufrechterhaltung stabiler Preise angesichts des wachsenden Wettbewerbsdrucks
aus dem Ausland und der Bemühungen um den Ausgleich der Zahlungsbilanz
war mit Ausschlaggebend für die Festsetzung der Lohn-Preis-Richtwerte
durch den Wirtschaftsbeirat des Präsidenten. Ausgangspunkt war die im
Wirtschaftsbericht des Präsidenten von 1959 enthaltene Ermahnung, daß
"die einschlägigen Maßnahmen der Regierung ihre Ergänzung in geeigneten privaten Maßnahmen, insbesondere im Hinblick auf Gewinne und Löhne,
finden müssen1*. D*.r Bericht von 1962 brachte dann die erwähnte Festsetzung spezifischer. Richtwerte für Löhne und Preise.
Die Aufstellung von Richtwerten beweist, daß das Kollekfiwerhandlungswesen integraler Bestandteil der US-Wirtschaftspolitik ist. Hierin
ist man sich wohl grundsätzlich einig. Über die Handhabung allerdings
dieser Richtwerte bestehen weitgehende Meinungsunterschiede. Auf seiten
der Wirtschaftswissenschaft begrüßte Professor J.K. Galbraith kürzlich
die Richtwerte als "wichtigstes Mittel zur Verteidigung des Dollars.
Sie sind von größter Bedeutung auch für die Ruhe im Innern und für den
guten Ruf unseres wirtschaftlichen Managements1*. Im Gegensatz hierzu
erklärte Professor Arthur Bums: "Wenn sich die Regierung erst einmal
darin auf Gewerkschaften und Betriebe verläßt, daß sie eine Inflation
abwehren, besteht die Gefahr,, daß sie ihrer traditionellen Verantwortung
für die Überwachung des Geldumlaufs und die Aufrechterhaltung des Wettbewerbsklimas nicht gerecht wird.1*
Sowohl auf Gewerkschafts- wie auf Unternehmerseite macht sich eine
gewisse Unsicherheit bemerkbar. Walter Reuther von der Vereinigten
Automobilarbeitergewerkschaft erklärte kürzlich, die Richtwerte seien
"ihrem Wesen nach gefährlich negativ", und er kritisierte den Wirtschaftsbeirat wegen der rigorosen Anwendung.der Richtwerte und beschuldigte ihn,
die störenden Auswirkungen steigender Preise auf das Gleichgewicht zwischen Löhnen und Kaufkraft außer acht zu lassen. 3) Handelsminister John
T. Connor, der die Richtwerte an sich befürwortet,-erklärte hingegen:
"Zahl reiche Geschäftsleute beklagen sich in privaten Gesprächen
darüber, daß der Lohn-Richtwert einer durchschnittlichen jährlichen
Steigerung von 3,2 Prozent in Wirklichkeit zum Minimum geworden ist,
das die Gewerkschaftsführer in ihren Verhandlungen erstreben... Sie
erklären, kein vernünftiger Unternehmer werde die Preise aufgrund der
Gewinne der Vergangenheit* herabsetzen, er werde vielmehr zu erfahren
wünschen, welche Lorin- und anderen Kosten ihm voraussichtlich in najier
Zukunft erwachsen und wie die Marktlage für seine Produkte zu beurteilen

Vgl. Report of the President (89. Congress, Ist Session) und Hearings
Before the Joint Economic Committee on the January, 1965
- 9-

�Auswirkungen der staatlichen Arbeitspolitik
Welche Auswirkungen hat nun die Haltung der Regierung gegenüber
den Gewerkschaften und dem System der Kollektiwerhandlungen gezeitigt?
Eine direkte Antwort auf diese Frage ist unmöglich, weil die staatliche Politik, wie bereits ausgeführt, mit einer ganzen Reihe anderer
Einflüsse in Wechselwirkung steht. Dennoch sei hier auf einige Trends
verwiesen, die geeignet zu sein scheinen, die einzelnen Elemente der
staatlichen Arbeitspolitik in eine vernünftige Perspektive zu rücken.
Alles in allem war das Wirtschaftsklima seit 1947 für Kollektivverhandlungen günstig. Die Wirtschaftstätigkeit nahm in der Zeit nach
1947 fast unablässig zu, und es gab nur relativ wenige Rückschläge,
von denen das Einkommens- und das Preisniveau weitgehend unberührt
blieben. Das Fortbestehen einer hohen, wenngleich abnehmenden Arbeitslosigkeitsrate, die von einem Maximum von 6,8 Prozent im Jahr 1958
auf 5,2 Prozent im Jahr 1964 zurückging, war ein störender Faktor. Er
erschwerte insbesondere die Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten, die
sich aus den Rückwirkungen technischer Veränderungen auf die bisherigen
Arbeitsregelungen und Einstellungsvereinbarungen ergaben. Die Zahl der
Streiks hingegen war relativ niedrig, und der Arbeitsausfall machte
nach 1947 bei den bestreikten Betrieben im Bereich der gewerblichen
und industriellen Fertigung nur einen kleinen Bruchteil der Gesamtarbeitszeit aus (im allgemeinen weniger als 0,5%).
Stabile Verhältnisse im Bereich der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen werden nicht lediglich durch das Fehlen von Streiks bestimmt.
Die beiden letzten Jahrzehnte waren gleichzeitig ein Zeitraum, in dem
die Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen veränderten Erfordernissen angepaßt werden mußten. Trotz einer Verhärtung des Standpunktes der Arbeitgeber - eine Folge des zunehmenden Wettbewerbs auf den Inlandsund Auslandsmärkten - funktionierte das System der Kollektivverhandlungen in fast allen Fällen reibungslos.
Die Zahl der gegenwärtig in den Vereinigten Staaten rechtswirksamen Kollektivverträge wird auf 150 000 geschätzt. Die rund 1800 Verträge, von denen jeder mehr als 1000 Arbeitnehmer erfaßt, erstrecken
sich im allgemeinen auf mehrere Werke ein und derselben Gesellschaft
oder auf ganze Branchen. Diese Verträge lassen deutlich erkennen, daß
das Kollektiwerhandlungswesen noch im Stadium der Evolution ist:
Tarifverträge werden immer vielschichtiger.
Alle Entwicklungen im Bereich des Kollektivverhandlungswesen
hier aufzeigen zu wollen, wäre unmöglich. Es sind neben allgemeinen
Entwicklungstrends auch zahlreiche Einzelexperimente zu beobachten. Die privaten Pensions- und Versicherungskassen sind ein hervorragendes
Beispiel für eine Entwicklung, die ihren Anfang in Kollektiwerhandlungen nahm und durch eine zweckdienliche Steuerpolitik gefördert wurde.
Sie zeigt aber auch, daß die Leistungen der staatlichen Sozialversicherung nicht mit den Lebenshaltungskosten Schritt gehalten haben. Auch
die Verbesserung der Urlaubsregelung und die Gewährung bezahlter
Feiertage sind Entwicklungen mit weitreichenden Folgen.
Aus

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�Aus TarifVerhandlungen sind bemerkenswerte Neuerungen hervorgegangen. Im Bereich der Automobilindustrie handelten die Vereinigte
Automobilarbeitergewerkschaft (United Automobile Workers - UAW) und
General Motors 1948 erstmals eine Lohnvereinbarung aus, die Lohnerhöhungen in Relation zur Produktivitätssteigerung und in Angleichung
an den Lebenshaltungskostenindex des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
vorsah. Im Jahr 1953 wurde in der gleichen Industrie ein Abkommen
über die Einführung einer zusätzlichen, privaten Arbeitslosenversicherung abgeschlossen. Und erst in jüngerer Zeit, im Jahr 1963, stimmte
die Stahlindustrie in Kollektiwerhandlungen der Gewährung von zusätzlichem Urlaub für langjährige Mitarbeiter zc drei Monate für je fünf
Jahre Betriebszugehörigkeit. Eine weitere Neuentwicklung spiegelt sich
auch im Tarifabkommen mit der Automobilindustrie vom Jahr 1963, nämlich der zunehmende Trend, Arbeitnehmer durch Vergünstigungen dazu zu
veranlassen, vorzeitig in den Ruhestand zu treten.
Die wachsende Vielschichtigkeit der Fragen, denen sich beide
Seiten in Kollektiwerhandlungen gegenübersehen, hat in den sechziger
Jahren den Anstoß dazu gegeben, neue Verhandlungspraktiken zu entwickeln. Der Ausschuß für zwischenmenschliche Beziehungen in der Stahlindustrie ist ein hervorragendes Beispiel hierfür. Aus langwierigen
Erörterungen solcher Probleme resultierten der sogenannte Armour-Plan,
die TarifVereinbarung der Hafenarbeiter an der Westküste, die Vereinbarung mit der amerikanischen Seeleutegewerkschaft (National Maritime
Union of America - NMU) über die Errichtung von Mechanisierungs- oder
Automatisierungsfonds sowie der Kosteneinsparungsplan der Kaiser Steel
Company.
Zumindestens gestreift sei hier auch die Lage der Gewerkschaften
selbst und deren Auswirkung auf ihre Position in Kollektivverhandlungen.
Die Gewerkschaften machen das Taft-Hartley-Gesetz und die einzelstaatlichen Gesetze zur Sicherung des Rechtes auf Arbeit für das geringe
Wachstum der Gewerkschaftsbewegung in der Nachkriegszeit verantwortlich. Das Bundesamt für Arbeitsstatistik verzeichnete zwischen 1945
und 1950 eine durchschnittliche Mitgliederzahl der Gewerkschaften von
14,3 Millionen, einen Anstieg auf 17,5 Millionen bis 1956, einen allmählichen Rückgang bis auf 16,3 Millionen (1961) und dann einen erneuten
Anstieg auf 16,6 Millionen im Jahr 1962, der die stärkste Zunahme seit
1956 darstellt. Noch schwerer als der absolute Rückgang der Mitgliederziffern wiegt die Tatsache, daß die Migliederzahlen der Gewerkschaften
nicht mit der Zunahme des Arbeitspotentials Schritt halten konnten:
Der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder verringerte sich von 24,8 Prozent des zivilen Arbeitspotentials im Jahre 1956 auf 22,2 Prozent
1962. Ebenso deutlich ist der Rückgang, legt man nur die gewerbliche
und industrielle Wirtschaft (außer Landwirtschaft) zugrunde: von 33,4
Prozent der Gesamtzahl der Beschäftigten im Jahre 1956 auf 29,7 Prozent
1962.
Will man diesen Trend analysieren, so muß man dabei zwei gegensätzliche Erwägungen anstellen. 1. Der Einfluß der Gewerkschaften hat
in diesem Zeitabschnitt zugenommen und wurde in vielen Streitfragen,
die sich auf die heimische Wirtschaft ebenso wie auf unsere Außen-

- 11 -

�Außenpolitik ausgewirkt haben, deutlich spürbar. 2. Die retartierenden
Einflüsse auf das Wachstum der Mitgliederzahlen der Gewerkschaften
waren sehr zahlreich. Während der Fortbestand der einzelstaatlichen
Gesetze zur Sicherung des Rechts auf Arbeit gemäß Abschnitt 14 (b) des
Taft-Hartley-Gesetzes unter Umständen tatsächlich das Wachstum der
Gewerkschaften in den bisher weniger durchorganisierten Wirtschaftszweigen beeinträchtigt haben mag, haben sich auch andere Einflüsse
dahin gehend ausgewirkt. Die wirtschaftliche Position einzelner Industriezweige, wie beispielsweise des Bergbaus und auch der Eisenbahnen,
und deren Einfluß auf die Beschäftigungsentwicklung gehören hierzu.
Technische Veränderungen, die die negativen Auswirkungen einer verringerten Nachfrage auf die Beschäftigung - insbesondere in den Arbeiterberufen - verstärkten, gehören gleichfalls hierher. Ähnliches gilt für
die Umsiedlung von Industrien in Gebiete, in denen die Gewerkschaften
nicht sehr stark, und für das Wachstum der Beschäftigung in Berufen, die
gewerkschaftlich weniger gut durchorganisiert sind.
Vielleicht ist das Problem des Wachstums der Gewerkschaften mehr
noch als manch anderes eine Frage zunehmender Beschäftigungsmöglichkeiten. Das Bruttosozialprodukt erhöhte sich zwischen 1947 und 1964 um
80 Prozent; die 70prozentige Erhöhung des Warenausstoßes der privaten
Wirtschaft pro Mann und Arbeitsstunde war einer der wichtigsten Faktoren in dieser Entwicklung. Die Gesamtzahl der Zivilbeschäftigten erhöhte sich in diesem Zeitraum um 23 Prozent, während die Beschäftigung
im Bereich der FertigungsIndustrie um lediglich 12 Prozent zunahm.
Übrigens entfällt der größte Teil der Zunahme auch in der letzteren
Gruppe auf die nicht in der Produktion eingesetzten Beschäftigten auf Techniker, wissenschaftliche Mitarbeiter, Verkaufspersonal und
Verwaltungskräfte.
Der Strukturwandel und Verschiebungen im Tätigkeitsbereich einzelner Industrien im Verein mit Veränderungen in der Gliederung der
Gesamtbeschäftigung bei gleichzeitiger Zunahme des zivilen Arbeitspotentials stellen die Gewerkschaften, das Unternehmertum und auch
den Staat vor neue Aufgaben. Die Gewerkschaften müssen unter anderem
bei der Vertretung der Interessen ihrer Mitglieder ein Gegengewicht
zum Einfluß der Unternehmer und Unternehmensleitungen auf die Wirtschaft schaffen. Ihr Erfolg in dieser Vertretung wird allgemein als
ein Beitrag angesehen, der dem Wohl des ganzen Landes dient.
Die Bemühungen der Gewerkschaften, Arbeiter und Angestellte zu
organisieren, haben manchen Erfolg gezeitigt. Das gilt vor allem für
eine Reihe von Beschäftigungszweigen und Berufsgruppen, die bisher
keineswegs als gewerkschaftliche Schwerpunkte gelten konnten: Frauenberufe, der öffentliche Dienst und der Einzelhandel. Zum Teil dürfte
dies auf die wachsende Einsicht der Gewerkschaften und ihrer Führer
zurückzuführen sein, daß andere Verhältnisse andere Methoden erfordern. Das Bewußtsein, daß die Stärke der Gewerkschaften weitgehend
von der wirtschaftlichen und sozialen Stärke des ganzen Staates abhängt, ist weitverbreitet. Die AFL-CIO tritt nachdrücklich für eine
Anhebung der Leistungen der Arbeitslosenversicherung, die Unter-

- 12 -

�Unterstützung von Notstandsgebieten und notleidenden Bevölkerungsgruppen und ein Programm zur Beschaffung von Arbeitsplätzen auf der
Basis entsprechender Gesetze ein. Die Schaffung besserer Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche wird allgemein als eine Aufgabe
der Gesellschaft insgesamt und somit auch der Gewerkschaftsbewegung
anerkannt. Tragen die Gewerkschaften zur Stärkung des allgemeinen
wirtschaftlichen Wachstums bei, so helfen sie damit auch das Wachstum und die Lebenskraft der Gewerkschaftsbewegung mehren.
Die Sorge der Regierung um eine gesunde Wirtschaft tritt nicht
weniger deutlich zutage. Der hier gegebene Rahmen reicht nicht aus,
alle neu erlassenen einschlägigen Gesetze einzeln anzuführen. Das
Gesetz, mit dem die Grundlagen zur Bekämpfung der Armut geschaffen
wurden, fand die Unterstützung sowohl der Gewerkschaften als auch
der Unternehmer und zeigt, wie weit die Sorge des Staates in dieser
Frage geht. Wirtschaftliche Gesundheit setzt aber auf selten der
Allgemeinheit das Wissen um die Notwendigkeit einer von Störungen
freien Wechselwirkung zwischen den wirtschaftlichen und sozialen
Gruppen voraus, die unerläßlich ist, soll eine demokratische Gesellschaft fortbestehen. Es ist zu hoffen, daß Gewerkschaften und Unternehmer aus eigenem Antrieb über Kollektiwerhandlungen Wechselbeziehungen anstreben, die sich auf die Gesamtbeschäftigung wie ihre
strukturelle Gliederung nach Beschäftigungszweigen, Berufsgruppen,
und Standorten erstrecken müssen. Gelangen sie nicht dahin oder
sollten gesetzliche Bestimmungen einer solchen Entwicklung entgegenstehen, dann wäre es an der Zeit, die Rolle der Regierung auf diesem
Gebiet im Hinblick auf mögliche Störungen des sozialen Gleichgewichts
neu zu durchdenken.

(Aus "Current History1*)

+ ++++

- 13 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Organisiertenanteil weiter rückläufig
Die Zahl der Mitglieder amerikanischer Gewerkschaften (einschl. der
in Kanada vertretenen Gewerkschaften) stieg zwischen 1962 und 1964 um
346 000 auf 17 976 000 an. Der Anteil der kanadischen Arbeitnehmer beläuft sich auf mehr als 1,1 Millionen. In den USA erhöhte sich die Zahl
der organisierten Arbeitnehmer um 255 000 auf insgesamt 16 841 000, wie
das Bundesamt für Arbeitsstatistik des amerikanischen Arbeitsministeriums
bekanntgab. Trotz der zunehmenden Organisiertenzahlen nimmt der Anteil
der Gewerkschaftsmitglieder an der Gesamtzahl der nicht im Farmbereich
beschäftigten Personen weiterhin ab, heißt es in der Verlautbarung des
Amtes.

+
UAW gründete Institut für Sozialforschung
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) hat ein Institut
für Sozialforschung (Michigan Health and Social Security Research Institute, Inc.) in Detroit gegründet. Nach Angaben des UAW-Präsidenten Walter
P. Reuther wird sich das Institut vor allem mit der Erforschung von Gesundheits-, Wohlfahrts- und Sozialversicherungsfragen befassen. In einer ersten Untersuchunp soll die Verwendung der Renten- und Sozialleistungen verstorbener Automobilarbeiter, die deren Angehörige erhalten, durchleuchtet
werden.

+
Lehrgänge für Lehrlingsanwärter
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) führt in Zusammenarbeit mit dem Detroit Board of Education ein Vor-Lehrlingsausbildungsprogramm für beschäftigungslose Jugendliche aus einkommensschwachen
Familien durch. Das Ziel eines solchen auf 14 Wochen angesetzten Lehrgangs besteht darin, den Jugendlichen das für die Teilnahme an den Lehrlingsprogrammen der Detroiter Betriebe nötige elementare Fachwissen zu
vermitteln. UAW-Präsident Walter P. Reuther vertrat die Ansicht, die bestehenden Lehrlings-Testverfahren der Industrie seien unzulänglich. Das
neue Vor-Ausbildungsprogramm soll zur Vermeidung ungerechtfertigter
Härten beitragen.

+
US-

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�US-Arbeitslosigkeit erreichte Tiefstand
Mit 2,9 Millionen Beschäftigungslosen erreichte die Arbeitslosigkeit im September in den USA ihren tiefsten Stand seit Oktober 1957.
Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums sank die Zahl der Beschäftigungslosen gegenüber dem Vormonat um 383 000 auf 2 850 000. Die Arbeitslosigkeitsrate sank auf 4,4 Prozent gegenüber 4,5 Prozent im
August. Im September verringerte sich die Zahl der Beschäftigten um
1,8 Millionen auf 72,4 Millionen. Dieser Vorgang ist im wesentlichen
auf die Rückkehr der in den Ferien berufstätigen Schüler und Studenten
in die Schulen zurückzuführen.

(Quelle: Eigenberichte)

+ + + ++

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XVIII - 11

November 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Automation und Gesellschaft

Seite

1

Beschäftigungstrends in der Fertigungsindustrie

Seite

4

Der neue Tarifvertrag der US-Stahlarbeiter

Seite

8

Arbeitslosigkeit erreichte neuen Tiefstand

Seite

10

G. Randolph Corastock, Mitarbeiter im Stab des Präsidialausschusses für Arbeitsmarktfragen:
Automation und Gesellschaft
Der technische Wandel als Aufgabe für Arbeitgeber und Arbeitnehmer
Der technische Wandel ist nichts Neues. Die erste Anwendung des
Hebels, Erfindungen wie das Rad und die Dampfmaschine, die Nutzung der
Elektrizität - sie alle hatten Rückwirkungen auf die Gesellschaft, die
denen der augenfälligsten technischen Fortschritte in unserem Jahrhundert kaum nachstehen. Da die Mechanisierung und die fortschreitende
Technisierung stets Veränderungen in den verschiedensten Lebensbereichen mit sich bringen, stellen sie für die Gesellschaft sowohl eine
Aufgabe wie auch eine Chance dar. Das gilt zumindest für die Zeit seit
Beginn der industriellen Revolution.
Nach Auffassung mancher Fachleute erleben wir gegenwärtig eine
"zweite industrielle Revolution", die sich weitgehend von der ersten
unterscheidet. Die an sie geknüpften Besorgnisse, daß sich nämlich
die Technik in ihren Dimensionen verändert oder das Tempo des Wandels
beschleunigt habe, sind zum Teil der Popularisierung von Begriffen wie
"Automation" als Sammelworte für praktisch alle Formen technischer
Neuentwicklungen zuzuschreiben. Dem Wort in der ursprünglichen Bedeutung haftet nichts Revolutionäres an.*' Diese ging jedoch rasch jLn

1) Der Begriff Automation wurde 1947 von D.S. Härder geprägt, dem
Leiter der Fertigungsabteilung der Ford Motor Company, um die Mechanisierung "ä la Detroit" zu charakterisieren: die Verbindung
verschiedener Fertigungsstationen durch automatische Transferstraßen oder Transportvorrichtungen. Offensichtlich wurde der gleiche
Begriff etwa zur gleichen Zeit und unabhängig hiervon auch von John
Diebold definiert, wenngleich in einem noch umfassenderen Sinne.
- 1 -

�in dem oftmals von emotionellen Gesichtspunkten diktierten Bemühen
verloren, diesen Begriff um der Anwendbarkeit auf die verschiedensten
Bedürfnisse und Befürchtungen willen jeweils neu zu definieren. Das
Ergebnis war eine nicht unbeträchtliche Verwirrung, die bis heute
spürbar ist.
Die gleichzeitig mit dieser Entwicklung sich einstellende Neigung
auf selten der Wirtschaftstheoretiker, Unternehmer, Gewerkschaftsführer und Journalisten, Begriffe wie technischer Wandel, Mechanisierung,
Automation, Kybernation und Produktivität bald als Synonyme, bald in
unterschiedlicher Bedeutung zu benutzen, hat die Verwirrung noch gesteigert. Um der Einheitlichkeit und Klarheit willen werden diese Begriffe im folgenden ausschließlich nach ihrer ••technischen«» Bedeutung
angewandt werden.
"Technisierung" ist für den Wirtschaftler die Gesamtheit des Wissens und der Verfahren, mit deren Hilfe alle verfügbaren wirtschaftlichen Hilfsquellen zusammengefaßt und in Waren und Dienstleistungen
zur Befriedigung menschlicher Bedürfnisse umgesetzt werden können.
Technisierung ist somit eindeutig ein dynamischer Prozeß. Ein "technischer Wandel", der den Wirkungsgrad der Umsetzung von Hilfsquellen
in Waren und Dienstleistungen erhöht, kann vielfältige Formen annehmen: Verwendung neuer Rohstoffe, Anwendung neuer Verfahren, Veränderung der organisatorischen Struktur eines Unternehmens, Einführung von
Ersatz- oder neuen Produkten, Standortveränderung mit Rücksicht auf
Rohstoffvorkommen und Märkte, Spezialisierung und Aufteilung der Arbeit
und der unternehmerischen Entscheidungsbefugnisse.
"Mechanisierung" läßt sich exakt nur auf eine ganz spezifische
Entwicklung in der Technik anwenden: den Ersatz menschlicher oder tierischer Arbeitskraft durch Maschinen. "Automation" bedeutet den Ersatz
des Menschen an der Maschine durch automatisch arbeitende Kontrollund Steuerorgane. "Kybernation" stellt eine Verfeinerung dieser Technik
dar, insofern als automatisierte Prozesse durch elektronische Steuergeräte . mit der Fähigkeit, gewisse Entscheidungen zu treffen, kontrolliert
werden. "Produktivität" wird gewöhnlich als Leistung pro Mann und Arbeltsstunde 2 ) definiert und dient als Meßgröße für die meisten, wenn
auch nicht sämtliche Auswirkungen des technischen Wandels auf die Beschäftigung.
Wenn sich die Begriffe der Technik relativ leicht definieren lassen, warum geben dann zwei unter ihnen - Automation und Kybernation Anlaß zu einem so heftigen Bedeutungsstreit, daß man sie am besten gesondert behandelt? Die Antwort liegt offensichtlich in den unterschiedlichen Auffassungen über die möglichen Auswirkungen der Automation und
Kybernation auf die Beschäftigung, die Einkommensentwicklung und die
Freizeit der Menschen begründet. Und in diesem Bereich vorwiegend persönlicher Besorgnisse, in dem sich jeder als Fachmann fühlt, haben die
Literatur und unzählige Vorträge über die Automation (in ihrer umfassendsten Bedeutung) einen heftigen Meinungsstreit ausgelöst.

2)

*2l

—

Die Leistung bzw. der Ausstoß pro Mann und Arbeitsstunde ist der Quotient aus der jährlichen Wertschöpfung der Wirtschaft, eines Industriezweiges oder eines Betriebs (in konstanten Preisen) und der Gesamtzahl
der geleisteten Arbeitsstunden. Die Produktivität wird in Geld ausgedrückt, ihre Zunahme in Prozenten.

- 2 -

�Auf diesen Meinungsstreit näher einzugehen, reicht der verfügbare
Raum nicht aus. Dennoch sei hier als wichtig angemerkt, daß das Spektrum der Meinungen sehr weit ist, halten die einen die Automation und
Kybernation doch lediglich für Varianten anderer technischer Veränderungen unserer Geschichte, während die anderen im Hinblick auf Art und
Umfang ihrer Auswirkungen befürchten, sie werden die Welt von Grund auf
verändern: Von einigen Ausnahmen abgesehen, werden Maschinen die menschliche Arbeitskraft überflüssig machen3), und
computergesteuerte
Maschinen werden sämtliche Arbeiten verrichten,die nötig sind, um die
Menschen mit Waren zu versorgen sowie ihre Freizeitbedürfnisse zu befriedigen. Der Mensch wird dann (nach dieser Auffassung) ein Einkommen
nicht als Gegenwert für aufgewandte Mühe beziehen, sondern dank eines
bestehenden Rechtsanspruchs.
Die pragmatische Erprobung solcher "utopischen" Hypothesen ist
nicht möglich. Sie sind bestenfalls subjektive Beurteilungen der Zukunft
und basieren schlimmstenfalls auf der Annahme, wir lebten in einer Zeit,
in der die Geschichte zum Stillstand kommt. Bis heute fehlt noch jeder
einigermaßen stichhaltige Beweis, daß die Automation oder irgendeine
andere Form des allgemeinen technischen Wandels einen klaren "Bruch mit
der Geschichte" darstellt.
Das Vernünftigste ist demnach, davon auszugehen, der technische
Wandel - die Mechanisierung wie auch die Automatisierung - haben heute,
und mehr noch in der Zukunft, einen gewissen Einfluß auf die Gesellschaft.
Diesen Einfluß auf die Beschäftigung, die Einkommensentwicklung und
überhaupt unser gesamtes Leben aber können und sollten wir in die gewünschte Richtung lenken. Wie sich Gesellschaft, Unternehmer und Arbeitnehmer der Aufgabe entledigen, die ihnen aus der neuen technischen Entwicklung erwächst, ist weitgehend in ihre Hand gelegt.
Auswirkungen technischer Veränderungen
Ein Blick auf die Geschichte offenbart, was die Zukunft angeht, so
gut wie nichts. Es haben viele - zum Teil schmerzlich - erfahren müssen,
daß die Vergangenheit nicht zwangsläufig Prolog der Zukunft ist. Dennoch
tun wir gut daran, die Auswirkungen der technischen Veränderungen.in den
vergangenen Jahren eingehend zu studieren.
Das meist gebräuchliche Maß des technischen Fortschritts ist, wie
schon erwähnt, die Arbeitsproduktivität. Bei seiner Anwendung ist jedoch
einige Vorsicht geboten, weil es sich hierbei nicht um einen Meßwert für
Größen aus dem Bereich der Technik, sondern für die wirtschaftlichen Auswirkungen technischer Veränderungen handelt. In den Angaben über die Leistung pro Mann und Arbeitsstunde spiegeln sich auch andere Veränderungen
Vgl. "The Triple Revolution" (Erklärung des Ad Hoc Committee on the
Triple Revolution vom März 1964, in Briefform weitergeleitet an den
Präsidenten der Vereinigten Staaten, den Arbeitsminister und die Fraktionsvorsitzenden beider Parteien im Senat und Repräsentantenhaus).
Siehe ferner "Cybernation: The Silent Conquest" von Donald N. Michael
(Santa Barbara: Center for the Study of Democratic Institutions, 1962)
sowie die Gegendarstellung «The Automation Hysteria" von George Terborgh
(Washington, D.C.: Machinery and Allied Products Institute, 1965).

- 3 -

�Veränderungen wider (z.B. Änderungen in der Investitionsrate, in Ausmaß und Intensität der Wirtschaftstätigkeit, im Niveau der Bildung und
des fachlichen Könnens der Beschäftigten), die den Arbeitsaufwand pro
Stück zu beeinflussen vermögen; über die. Tragweite solcher Veränderungen
sagen diese Angaben jedoch nichts aus.
Dennoch darf man darüber nicht aus dem Auge verlieren, daß es eben
der technische Wandel ist, der erst Leistungssteigerungen in der Produktion von Waren und Dienstleistungen auf der Basis der vorhandenen
Hilfsquellen ermöglicht. Es sei ferner daran erinnert, daß die Produktivitätsziffern lediglich die Jahr für Jahr auftretenden Veränderungen
registrieren, die es gestatten, ein Stück dank der Verringerung des erforderlichen Arbeitsaufwands mit größerem Wirkungsgrad herzustellen.
Unter diesen Gesichtspunkten lassen sich Produktivitätsvergleiche tatsächlich als Maß für die Auswirkungen technischer Veränderungen über
einen größeren Zeitraum hinweg benutzen.
Für die Beurteilung der Auswirkungen eines technischen Wandels
auf die Beschäftigung erweist sich die Produktivität als ein hervorragendes Hilfsmittel. Jede Veränderung in der Beschäftigung zieht eine
Veränderung der Relation zwischen Produktion, und Produktion pro Arbeitsstunde nach sich. Natürlich wird der Beschäftigungsstand auch durch
andere variable Größen beeinflußt. Solange die Produktion schneller
wächst als die Produktivität, steigt die Beschäftigtenzahl;wenn jedoch
der Ausstoß pro Mann und Arbeitsstunde schneller als die Produktion zunimmt, geht die Beschäftigung zurück. (Wird fortgesetzt).
Nachdruck ist mit Angabe des Verfassers und dem Vermerk
(c) 1965 by Current History, Inc.
gestattet.

+ ++++

Beschäftigungstrends in der Fertigungsindustrie
Rückgang der Arbeitslosigkeit in den Arbeiterberufen
Die Situation auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt hat sich von
August 1964 bis August 1965 ständig verbessert. Innerhalb dieses Zeitraumes sank die Arbeitslosigkeit von 5,1 Prozent.auf 4,5 Prozent (Oktober 1965: 4,3 Prozent, niedrigster Stand seit acht Jahren). Ausschlaggebend für den Rückgang der Arbeitslosigkeit war neben anderen Faktoren
vor allem der Aufschwung in der gütererzeugenden Wirtschaft.
Während dieser zwölf Monate ließ insbesondere der Beschäftigungsstand in der Fertigungsindustrie eine starke Aufwärtstendenz erkennen.
Im März übertraf hier die Beschäftigung den Höchststand des Jahres 1956
und erreichte im August 1965 eine neue Rekordhöhe. Das Arbeitsplatzangebot in der Fertigungsindustrie hat sich im Vergleich zu früheren Perioden entschieden verbessert: Während es sich zum Beispiel in der Zeit von
August 1963 bis August 1964 monatlich nur um durchschnittlich 28 000
Arbeitsplätze erhöhte, betrug der Zuwachs in der folgenden Vergleichsperiode durchschnittlich 65 000 Arbeitsplätze pro Monat. Der Schwerpunkt
dieser Entwicklung lag in der Metall- und metallverarbeitenden Industrie.
Gleichzeitig wurden auf diesem Industriesektor längere
- 4 -

�längere Arbeitswochen, erhebliche Überstundenleistungen sowie sehr
hohe Stunden- und Wochenlöhne verzeichnet. Dem Aufschwung in der
Industriearbeiterbeschäftigung gingen erhebliche Zunahmen im Baugewerbe voraus, wo im übrigen der Anstieg weiter anhält.
Das wachsende Arbeitsplatzangebot schlug sich im Beschäftigungsstand der Arbeiter nieder. Diese Beschäftigtengruppe verzeichnete in den beiden letzten Jahren erhebliche Zunahmen, wobei das
Schwergewicht bei den weniger hoch qualifizierten Arbeitskräften lag.
Schon im Frühjahr 1962 war der Rückgang, der während der Rezession der Jahre 1960 und 1961 im Beschäftigungsstand der Arbeiter eingetreten war, mehr als wettgemacht. In den folgenden zwei Jahren stieg
die Zahl der Beschäftigten ständig, wobei der Schwerpunkt der Entwicklung auf dem Dienstleistungssektor lag, während die gütererzeugende
Industrie und verwandte Industriezweige wegen ihrer- Rezessionanfälligkeit zunächst nicht Schritt zu halten vermochten. Erst im Februar 1964
übertraf die Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze in diesen Industrien
den Höchststand vom Frühjahr 1960. Und im August 1964 schließlich
schnellten die Zuwachsraten im Arbeitsplatzangebot in der gütererzeugenden Industrie»und da vor allem im Fertigungsbereich, schlagartig
nach oben. In schneller Folge wurden die früheren Rekordmarken der
Jahre 1956, 1953 und 1943 übertroffen. Während des Aufschwungs wurden
gewisse langfristige Wandlungsprozesse in der Struktur der gütererzeugenden Industrie sichtbar, während andere Nachkriegsentwicklungen
zum Stillstand kamen. Der neue in der FertigungsIndustrie erreichte
Höchststand der Beschäftigtenzahlen im August 1965 ist kennzeichnend
für die veränderte Situation.
Einer der dauerhaftesten Trends der Nachkriegszeit bestand darin,
daß die nicht in der Produktion tätigen Arbeitskräfte in ständig wachsendem Maße ihren Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl in der Fertigungsindustrie zu vergrößern vermochten. Noch 1947 zum Beispiel.übte
jeder sechste in der Fertigungsindustrie Tätige eine nicht-produktive
Beschäftigung aus. 1960 war bereits jeder vierte Arbeitnehmer nicht
in der Produktion beschäftigt. Im Zuge de* jüngsten wirtschaftlichen
Aufschwungs erfuhr diese Entwicklung allerdings eine Unterbrechung.
Soweit man dies heute bereits übersehen kann, ist sie sogar wieder
rückläufig. Obgleich das Verhältnis auch schon während früherer wirtschaftlicher Aufschwünge konstant geblieben ist, ist es immerhin bemerkenswert, daß in dieser Relation nunmehr seit vier Jahren kaum
Schwankungen aufgetreten sind. Es ist freilich noch zu früh, um beurteilen zu können, ob der Trend nun zum Stillstand gekommen ist.
Zunächst jedoch erreicht der Beschäftigungsstand der nicht-produktiven
Arbeitnehmer neue Höchstwerte,; gemessen an den zwischen 1947 und 1961
erreichten Spitzenwerten, während der Beschäftigungsstand bei den Produktionsarbeitern immer noch etwas unterhalb der Rekordmarken früherer
Jahre liegt.
Der Gesamtanstieg der Beschäftigung in der FertigungsIndustrie
ist das Ergebnis einer starken Beschäftigungszunahme in einer Reihe
von Branchen, während andere Zweige Einbußen erlitten. Drei Branchen
des kurzlebigen Güter-Bereichs - Chemie, Druckereigewerbe und Bekleidungsindustrie - sowie drei Branchen des langlebigen Güter Bereichs -

5 -

�Güter-Bereichs - Metallverarbeitung, elektrische Ausrüstungen und
Maschinenbau - haben einen erheblichen Zuwachs an Arbeitsplätzen
über den Höchststand von 1957 hinaus zu verzeichnen. Von den Branchen, die gegenwärtig unter dem Höchststand von 1957 bleiben, hat
die Transportausrüstungsbranche, die zwischen 1957 und 1960 infolge
des Rückgangs der Flugzeugproduktion erhebliche Verluste hinnehmen
mußte, vor allem durch den nun schon vier Jahre andauernden Boom in
der AutomobilIndustrie mittlerweile ihre Einbußen nahezu wieder wettmachen können. Metall- und Textilindustrie haben jüngst aufgeholt,
jedoch ihre früheren Verluste noch keineswegs ausgeglichen. Auf der
anderen Seite verzeichnet die Lebensmittelindustrie seit 1956 einen
mäßig starken, aber doch beständigen Abwärtstrend.
Von erheblicher Bedeutung ist die Tatsache, daß in den sechs
größten Wachstumsbranchen die Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze
zwischen 1960 und 1965 nur geringfügig stärker war als die Zunahme
in der Produktionsarbeiter-Beschäftigung. Etwa das gleiche gilt für
die Metallindustrie, wo die. Gesamtbeschäftigung leicht zurückging,
während der Anteil der Produktionsarbeiter an der Gesamtbeschäftigung 1964 - im Gegensatz zu den sechs vorausgegangenen Jahren mit
gleichbleibendem Anteil - leicht anstieg.
Beschäftigungsstand und Arbeitslosigkeit von Arbeitern
Die jüngste erhöhte Zunahme des Arbeitsplatzangebots für Arbeiter schlägt sich auch in den Beschäftigtenzahlen nieder. Wie die
Tabelle (unten) erkennen läßt, sind die laufenden Zunwachsraten für
gelernte u.a. Arbeiter und für ungelernte Arbeiter (ohne Landwirtschaft) erheblich höher als die für die Gesamtbeschäftigung geltende
Zuwachsrate.
TABELLE 1
DURCHSCHNITTLICHER BESCHAFTIGUNGSSTAND, JANUAR-AUGUST, 1963-1965
(in 1000)
Berufe

Prozentuale Zunahme
1965

. .1964

1963

Gesamtbeschäftigung

71 865

70 149

Gelernte u.a.
Arbeiter

13 290
3 926

Ungelernte
Arbeiter
(ohne Landw.)

64-65

63-64

68 542

2,4

2,3

12 832

12 407

3,6

3,4

3 675

3 555

6,8

3,4

Dieser deutliche Beschäftigtenzuwachs hat ein merkliches Absinken der Arbeiter-Erwerbslosigkeitsrate bewirkt. Obwohl der seit vier
Jahren andauernde Trend in der Entwicklung der Arbeitslosenziffern für

- 6 -

�für alle Arbeitergruppen rückläufig war, verdient der letzthin eingetretene Rückgang in der Arbeiter-Rate besondere Aufmerksamkeit. Die
Beschäftigungslosigkeit dieser Arbeitnehmerkategorie erreichte im
zweiten Quartal des Jahres 1961 mit 9,8 Prozent ihren Gipfel, innerhalb eines Jahres sank sie jedoch auf 7,4 Prozent. Dieses schnelle
Absinken stand in Einklang mit der allgemeinen Entwicklung nach der
Rezession von 1960 und 1961. In den Jahren 1962 und 1963 schwankte
die Beschäftigungslosigkeit in den einzelnen Berufsgruppen, jedenfalls war kein Trend auszumachen. Von dem vierten Quartal des Jahres
1963 an sank jedoch die Beschäftigungslosigkeit bei den Arbeitern besonders bei gelernten Arbeitern - schneller als in anderen Berufsgruppen. In der Zeit von Ende 1963 bis Mitte 1965 sank die Arbeitslosigkeit bei gelernten Arbeitern von 7,5 Proeent auf 6 Prozent. Zu
dem allgemeinen Absinken der Arbeiter-Erwerbslosigkeit trug jedoch
auch der Rückgang bei den übrigen Arbeitern (außer Landwirtschaft)
bei. Hier setzte eine stärkere rückläufige Bewegung, im zweiten Quartal 1963 ein, die im zweiten Quartal 1965 bei 8 Prozent einen Tiefpunkt erreichte. Die Arbeitslosigkeit war zu diesem Zeitpunkt nur
noch halb so hoch wie im Frühjahr 1961. Diese günstige Entwicklung
hielt während des Sommers an und führte dazu, daß sich die Arbeitslosigkeit der Arbeiter auf den sehr niedrigen Stand der Zeit vor
1957 einpendelte.
TABELLE 2
ARBEITSLOSIGKEIT BEI ARBEITERN UND ANGESTELLTEN Ausgewählte saisonal korrigierte Quartalsdurchschnitte zwischen 1957
und 1965

Berufszweig

3. Quartal
19651)

2. Quartal
1963 1962

1965

1964

5,3

5,6

6,2

7,3

7,4

9,8

5,9

Facharbeiter und
Vorarbeiter

3,6

3,9

4,0

4,6

5,3

7,0

3,6

Gelernte u.a.
Arbeiter

5,6

6,0

6,5

7,6

7,2

10,0

6,3

Ungelernte Arbeiter
(ohne Landwirtschaft)

7,6

8,0

10,2

12,2

12,7

15,7

9,6

2,2

2,3

2,7

2,9

2,6

3,4

1,9

Akademiker,
techn. Angestellte

1,4

1,5

1,8

2,1

1,7

2,1

1,4

Manager, öffentl.
Angest., Selbständige

1,2

1,1

1,2

1,5

1,4

1,9

0,8

Arbeiter

Angestellte

1961

19572)

Büroangestellte
7 -

�Berufszweig

3. Quartal
19651)

1965

1964

2. Quartal
1963 1962

1961

1957

Büroangestellte

3,0

3,4

3,9

3,8

3,6

5,0

2,9

Verkaufspersonal

3,2

3,3

3,8

4,2

3,9

4,4

2,2

Vorläufige Schätzung nach Angaben für Juli und August
Geschätzt

(Aus "The Monthly Report on
the Labor Force11)

•+++++
Der neue Tarifvertrag der US-Stahlarbeiter
Der neue Stahlarbeiter-Tarifvertrag, der am 1. September in Kraft
trat, brachte für rund 350 000 Beschäftigte der "großen Zehn" unter den
US-Stahlproduzenten neben einer stufenweisen Erhöhung der Stundenlöhne
innerhalb rund drei Jahren um durchschnittlich 21,5 Cent ganz erhebliche
Verbesserungen der sozialen Nebenleistungen. Rechnet man den Wert dieser
Sozialleistungen zu den absoluten Lohnerhöhungen hinzu, so wird nach den
Berechnungen der Stahlarbeitergewerkschaft eine effektive Lohnsteigerung
von 47,3 Cent erreicht, nach Angaben der Industrie sogar von mehr als 50
Cent.
Die neue Regelung gilt vom 1. September 1965 bis 1. August 1968 und
kann frühestens am 1. Juni 1968 mit 60tägiger Frist gekündigt werden.
Dem Abschluß dieses Vertrags waren neunmonatige schwierige Verhandlungen
vorausgegangen. Als eine Regelung daran zu scheitern drohte, daß die Gewerkschaften eine Erhöhung der Stundenlöhne (einschließlich sozialer Nebenleistungen) um 50 Cent forderten, während.die Arbeitgeber lediglich
40 Cent gewähren wollten, schaltete sich am 30. August Präsident Johnson
ein. Seinem Eingreifen ist es zu danken, daß dann doch noch eine Einigung vor dem für den 1. September 0 Uhr angedrohten Streik zustande kam,
der sicherlich größte Schäden für die Gesamtwirtschaft mit sich gebracht
hätte.
Im ersten Jahr der Gültigkeit des neuen Tarifvertrags werden die
Löhne in den einzelnen Lohngruppen um 10 bis 19 Cent pro Stunde oder um
durchschnittlich 16,2 Cent angehoben. Hit Wirkung vom 1. Januar 1966
werden sämtliche Facharbeiter innerhalb ihrer jeweiligen Beschäftigungs-

- 8 -

�Beschäftigungskategorien um zwei Stufen höher klassifiziert, was einer
Lohnerhöhung von rund 14,6 Cent über die Erhöhung vom September 1965
hinaus gleichkommt. Im dritten Jahr, d.h. ab 1. August 1967, werden
die Löhne wiederum um sechs bis zwölf Cent bzw. durchschnittlich um
8,5 Cent erhöht. Alles in allem ergibt sich daraus über die ganze Laufzeit des Vertrages hinweg die schon erwähnte durchschnittliche Erhöhung
der Stundenlöhne von 21,5 Cent.
Ein noch stärkerer Anstieg als bei den Löhnen ist bei den sozialen
Leistungen zu verzeichnen. In der betrieblichen Altersversicherung wird
es ab 1. August 1966 für Arbeitnehmer mit 30 und mehr Dienstjähren
keine untere Pensionierungsgrenze mehr geben. Gleichzeitig wird der Rentensatz von 2,50 Dollar auf 5 Dollar monatlich je Dienstjahr angehoben.
Die Mindestrente beträgt demnach künftig 150 Dollar monatlich, der
Höchstsatz (nach 35 Dienstjähren) 175 Dollar. Die bestehenden Altrenten
werden sämtlich um 15 Dollar pro Monat erhöht. .
Im Falle der Invalidität, der Pensionierung wegen Werksstillegung
oder nach zweijähriger Arbeitslosigkeit wird eine Zusatzrente in Höhe
von 75 Dollar zu der Rente gezahlt, auf die der Betroffene aufgrund
seiner Dienstjahre Anspruch hat. Diese Zusatzrente erlischt bei Einsetzen der vollen Leistungspflicht der staatlichen Sozialversicherung.
Der Einbehaltungssatz bei gleichzeitigem Empfang von Rente aus
der Sozialversicherung wird von 80 Dollar auf 60 Dollar im Monat gesenkt, was einer Rentenerhöhung um den Differenzbetrag gleichkommt.
Vom 1. August 1967 an wird die Leistungsdauer der Kranken- und
Unfallversicherung für Mitarbeiter mit zwei und mehr Dienstjahren von
26 auf 52 Wochen ausgedehnt bei gleichzeitiger Anhebung des durchschnittlichen Wochensatzes von 67,50 Dollar auf 80 Dollar. Arztkosten
werden vom gleichen Zeitpunkt an restlos statt wie bisher nur teilweise erstattet. Im Falle der Entlassung oder Arbeitsunfähigkeit nach
zehn DienstJahren wird die Leistungspflicht der Behandlungskostenversicherung gleichfalls von 26 auf 52 Wochen verlängert. Dieser Versicherungsschutz wird auch auf unterhaltsberechtigte Kinder ausgedehnt;
er reicht bei Studierenden bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres,
bei arbeitsunfähigen Kindern ist er unbegrenzt.
Daneben brachte der neue Tarifvertrag noch Vereinbarungen zu
Fragen der Lehrlingsausbildung, des Arbeitsschutzes und der Abgeltung
von Urlaubsansprüchen durch einmalige Zahlungen.
Die neuen Vergünstigungen werden schon bald auch den rund 100 000
Mitarbeitern der kleineren, unabhängigen Stahlbetriebe zugute kommen.
Die für sie derzeitig gültigen Tarifverträge wurden fast sämtlich in
jüngerer Zeit unter der Bedingung verlängert, daß die Firmen den Belegschaftsangehörigen die gleichen Leistungen gewähren wie die "großen
Zehn".

(Quelle:

+++++

- 9-

Eigenbericht)

�Arbeitslosigkeit erreichte neuen Tiefstand
Die Zahl der Erwerbslosen in den USA ist seit Monaten rückläufig
und erreichte in Oktober ihren niedrigsten Stand seit acht Jahren:
Nach Angaben des US-Arbeitsministeriums wurden im Oktober 2,8 Millionen Erwerbspersonen als arbeitslos registriert. Diese Zahl entspricht
einer Arbeitslosigkeit von 4,3 Prozent.
Trotz des starken Rückganges der Arbeitslosenziffer wird der derzeitige Stand von amerikanischen Experten als immer noch viel zu hoch
bezeichnet; die Anstrengungen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dauern denn auch unvermindert an. Indes läßt ein Vergleich der gegenwärtigen Situation mit der Lage im Oktober 1964 doch erhebliche Fortschritte in Richtung auf die Beseitigung des Problems der Erwerbslosigkeit erkennen.
Im Oktober 1964 belief sich die Zahl der Erwerbslosen auf 3,3
Millionen Personen, das waren 500 000 Arbeitslose mehr als im Oktober
1965. Die Arbeitslosigkeit betrug 5,2 Prozent. Der Fortschritt wird
aber noch deutlicher an der Zunahme der Zahl der erwerbstätigen Amerikaner gegenüber dem Vorjahr um 2 Millionen auf insgesamt 73 196 000.
Die binnen Jahresfrist eingetretenen günstigen Veränderungen
macht folgende Aufschlüsselung der statistischen Globalzahlen sichtbar: Die Arbeitslosigkeit sank gegenüber Oktober 1964 in der Altersgruppe der 20- bis 24jährigen männlichen Erwerbspersonen von 4 Prozent
auf 2,9 Prozent, in den Altersgruppen darüber von 3,4 Prozent auf 2,6
Prozent, bei verheirateten männlichen Erwerbspersonen von 2,9 Prozent
auf 2,1 Prozent, bei nicht-weißen Erwerbspersonen von 9,8 Prozent auf
7,9 Prozent und bei weiblichen Erwerbspertfonen in den Altersgruppen
von 20 Jahren und darüber von 5,1 Prozent auf 4,2 Prozent,
Diese bemerkenswerte Entwicklung ist im wesentlichen auf das erfolgreiche Zusammenwirken von Bundesregierung, lokalen Behörden, Privatwirtschaft und Gewerkschaften in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zurückzuführen. Dieser Feldzug spielt sich an vielen Fronten ab.
Da sind einmal steuerpolitische Maßnahmen wie die Senkung der Einkommen- und Körperschaftssteuern um 6,7 Mrd. Dollar vor zwei Jahren, die
zu einem nicht unerheblichen Teil dem Wirtschaftskreislauf in Form von
Konsumaufwand zuflössen, oder die VerbrauchesteuerSenkung vom vergangenen Jahr. Beide fiskalpolitische Maßnahmen trugen zur Erhöhung der
wirtschaftlichen Aktivität und damit zur Schaffung neuer Arbeitsplätze
bei.
Parallel zu den steuerpolitischen Maßnahmen wurde die Ausbildung
und Umschulung von stellungslosen Arbeitnehmern vorangetrieben. Programme dieser Art basieren auf den Gesetzen zur Entwicklung des Arbeitsmarktes und zur Sicherung des wirtschaftlichen Fortkommens. Darüber hinaus sind örtliche Behörden wie auch die Gewerkschaften mit eigenen Beruf sbildungsprogrammen hervorgetreten.
Rund 550 000 Amerikaner erhielten auf Grund dieser Gesetzgebung
inzwischen eine Fachausbildung in Mangelberufen, und weitere 200 000
Amerikaner werden bis Mitte nächsten Jahres eine solche Ausbildung ab-

- 10 -

�abgeschlossen haben, die sie in die Lage versetzt, auf den freien
Stellenmarkt erfolgreich zu konkurrieren.
Diese Fachausbildungsprogramme werden von staatlichen Erziehungsbehörden in Zusammenarbeit mit örtlichen Berufsschulen und
beratenden Bürgerausschüssen durchgeführt, wobei die Kommunen lediglich 10 Prozent der Aasbildungskosten zu tragen haben. Besonderes Gewicht kommt der Ausbildung am Arbeitsplatz zu, wobei der
Staat die Ausbildungskosten trägt, während die Wirtschaft die Lohnkosten übernimmt. Dieses Programm ist außerordentlich erfolgreich:
75 Prozent der Fachbildungsabsolventen nehmen inzwischen entsprechende Stellen in der Industrie ein.
Ein weiteres erfolgreiches Programm - das Neighborhood Youth
Corps Program - bemüht sich um jene Gruppe von Jugendlichen zwischen 16 und 22 Jahren, die aus finanziellen Gründen vorzeitig die
Schule verlassen mußten. Für sie bietet das Programm Möglichkeiten
der Teilzeitbeschäftigung. Das Programm ist auf die Unterstützung
von über 300 000 Jungen und Mädchen zugeschnitten.

(Quelle: Eigenbericht)

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

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Dezember 1965
INHALTSVERZEICHNIS

Automation und Gesellschaft

(II)

Seite 1

Gewerkschaftliche Mitsprache bei
Personalentscheidungen

Seite 9

Arbeitnehmer auf der Schulbank

Seite 11

G. Randolph Comstock, Mitarbeiter im Stab des Präsidialausschusses für Arbeitsmarktfragen:
Automation und Gesellschaft (II und Schluß)
Historisch betrachtet ist die Wertschöpfung der amerikanischen
Wirtschaft in einem Umfang gewachsen, der mehr als ausreichend war, um
die Auswirkungen des Produktivitätszuwachses wettzumachen. Die Folge
war ein kontinuierlicher Anstieg in der Gesamtbeschäftigung.
Da die Produktivität4) dem Einfluß von vielen variablen Größen unterworfen ist, muß man kurzfristige Veränderungen mit einer gewissen
Vorsicht betrachten. Je mehr Variable von Einfluß sind, um so länger muß
man mit der Beurteilung von Trends warten, damit sich größere Schwankungen in der generellen Entwicklungslinie durch die wechselseitige Beeinflussung dieser Faktoren untereinander auspendeln. Ein Zeitraum von fünf
Jahren dürfte unter diesem Gesichtspunkt ausreichen, gewisse typische
Entwicklungstendenzen aufzuzeigen, während ein wirklich zuverlässiges
Bild vom Ausmaß und von der Tragweite technischer Veränderungen erst
bei Betrachtung eines Zehnjahreszeitraums zu gewinnen sein wird.
Die Landwirtschaft ist sicherlich ein hervorragendes Beispiel dafür, welche Auswirkungen Produktivitätssteigerungen über einen größeren
Zeltabschnitt hinweg haben können. Anfang des 19. Jahrhunderts waren
Da sich die Produktivität der Beschäftigten im Öffentlichen Dienst
nicht messen läßt - kann man deren "Produkt" doch nicht als Ware verkaufen -, beziehen sich Angaben über die Produktivität gewöhnlich
lediglich auf die private Wirtschaft.

- 1-

�waren rund 75 Prozent aller Erwerbspersonen in der Landwirtschaft tätig.
Diese Ziffer fing bis zur Jahrhundertwende auf 40 Prozent zurück und erreichte in jüngster Zeit mit nur 5 Prozent ihren absolut tiefsten Stand.
Das ganze amerikanische Volk - einschließlich der Farmer - erfreut sich
heute eines höheren Lebensstandards, was keineswegs der Fall wäre, wenn
der Großteil der Bevölkerung noch immer in der Landwirtschaft tätig sein
müßte. Der Farmer kann heute mehr Industrieprodukte als je zuvor erwerben, größtenteils deshalb, weil er umgekehrt heute mehr Industriearbeiter
als in der Vergangenheit zu versorgen vermag.
Der Anstieg des Lebensstandards in den Vereinigten Staaten ist vor
allem technischen Veränderungen zu verdanken. Das jährliche verfügbare
Personaleinkommen stieg von 1180 Dollar im Jahre 1930 auf 2248 Dollar
im Jahre 1964 (in Preisen von 1964 ausgedrückt). Der Anstieg der Einkommen war begleitet von einer Zunahme der Freizeit, .ging doch die durchschnittliche jährliche Arbeitszeit pro Kopf der Bevölkerung von 2600
Stunden im Jahr 1900 auf 1600 Stunden im Jahr 1960 zurück. Die langfristigen Vorteile des Produktivitätsanstiegs - mit anderen Horten, eines
höheren Grades der Technisierung - lassen sich am deutlichsten an der
Tatsache ablesen, daß das Bruttosozialprodukt von 1929 mit den heutigen
Methoden von nur 26 Millionen Arbeitskräften bei Einhaltung der 40-Stunden-Woche erwirtschaftet werden könnte, während umgekehrt ein Bruttosozialprodukt von 600 Milliarden Dollar (im Jahre 1964) mit den technischen Möglichkeiten von 1929 nur durch den Einsatz der. Gesamtzahl von
70 Millionen Beschäftigten bei 90 Wochenstunden zu schaffen wäre.
Es wäre müßig, sich die Folgen künftiger technischer Fortschritte
nach Zelt und Ausmaß ausmalen zu wollen; fest steht dagegen, daß im
Jahre 1965 - fünfzehn Jahre nach den ersten düsteren Prophezeiungen
über die rasche Verdrängung der menschlichen Arbeitskraft in der Industrie als Folge der Automation und Kybernation - noch nicht einmal ein
einziges Produkt in der gesamten amerikanischen Industrie^) in einem
einsigen lückenlos durchautomatisierten Prozeß erzeugt wird. Und es
sieht auch keineswegs so aus, als ob sich daran in naher Zukunft etwas
ändern würde"'. Die moderne Technik bietet uns die einzig praktikable
Methode zur Aufrechterhaltung unseres gegenwärtigen hohen Lebensstandards und verspricht uns noch weitere große Fortschritte für die Zukunft. Wir müssen deshalb diese Entwicklung verstehen und beherrschen
lernen und sie in Bahnen leiten, die die Gewähr bieten, daß sie zur
Verbesserung des Loses der Menschen beiträgt.
Der Wandel als Aufgabe
Zweifellos kulminieren die Besorgnisse über die Auswirkungen der
Automation auf die Wirtschaft in der Vorstellung, die Verdrängung vom
Arbeitsplatz durch automatisch gesteuerte Maschinen laufe auf «ine

Siehe Herbert Wiener "The Human Use of Human Belüge" (Boston, Houghton
Mlfflin Company, 1950).
Siehe Charles E. Silbernen "The Real News About Automation1* in der
Januarausgabe 1965 dar Zeitschrift "Fortune**.

- 2 -

�eine ständig« Verdrängung hinaus, d.h. auf dauernde Arbeitslosigkeit.
Selche Befürchtungen werden sowohl durch logische Argumente als auch
durch die gesamte wirtschaftliche Erfahrung widerlegt. Die Erfindung
und Herstellung «ahlreicher Produkte, wie sie für den heutigen Markt
typisch sind, geht auf Kosten anderer Produkte, Verfahren und auch
Personen. Sicherlich ist die Beschäftigungszunähme, die aus technischen Heuerungen oder neuen Produkten herrührt, manchmal geringer als
dl« durch sie bedingte Arbeitslosigkeit. Dennoch ist in der Mehrzahl
der Fälle ein völlig gegenteiliger Effekt zu beobachten, weil wirklich
erfolgreiche technische Veränderungen zu expandierenden Märkten führen; in solchen Pillen (man vergleiche nur Entwicklungen wie das Auto,
Telefon, Fernsehen) findet das Produkt eine rasch zunehmende Verwendung, so daß für seine Herstellung immer mehr Personal benötigt wird.
Die Erdölraffination und das Fernsprechwesen sind Wirtschaftszweige, in denen die Automation seit vielen Jahren schon intensiv vorangetrieben wird. Im Bereich der Erdölverarbeitung nahm die Beschäftigung seit 1920 um über 175 Prozent und im Fernsprechwesen um über 130
Prozent zu. In beiden Fällen übersteigt die Beschäftigungszunahme den
Durchschnitt der Gesamtwirtschaft erheblich.
Innerhalb der letzten 35 Jahre stieg die Gesamtzahl der Erwerbspersonen von 50 auf 75 Millionen, d.h. um 50 Prozent, bei gleichzeitiger
Zunahme der Gesamtbeschäftigung um 23 Millionen. Die Eingliederung einer
so großen Zahl von neuen Arbeitskräften in den Wirtschaftsprozeß ist
teils der Schaffung neuer Arbeitsplätze, teils der Umverteilung der
Arbeitskraft« zu verdanken, die der technische Wandel mit sich brachte.
Ohne die technischen Fortschritte der beiden letzten Jahrzehnte würde
die Arbeitslosigkeit weit größer und angesichts des derzeitigen Lohnniveaus auch weit schlimmer sein als die zu Beginn der dreißiger.Jahre.
Verdrängte Arbeltskräfte
Bei der Betrachtung der Vorteile eines Wirtschaftssystems, das
durch das Absterben seiner schwächsten Elemente an Stärke und Umfang
wächst, darf man jedoch die Probleme nicht übersehen, vor die sich der
einzelne gestellt sieht. Den von ihren Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitskräften ist es ziemlich gleichgültig, ob sie wegen der Automatisierung oder auf Grund der schwindenden Nachfrage nach den bisher von
ihnen erzeugten Produkten arbeitslos werden. Es wird ihnen schwer klarzumachen sein, daß durch den Gewinn, der der Gesellschaft letztlich
aus diesem Vorgang erwächst, ihr persönlicher Verlust und ihr persönliches Ungemach kompensiert werden.
Den einzelnen wie die Gesellschaft zu der Erkenntnis zu führen,
daß der Wandel lebenswichtige Voraussetzung einer dynamischen Wirtschaft ist, scheint deshalb eine vordringliche Aufgabe.
Die Automation bringt eine Umschichtung in den Arbeitsmöglichkeiten mit sich, ja sie soll sie sogar mit sich bringen. Arbeitskräfte
geben Berufe auf, die nicht mehr länger gefragt sind, und übernehmen
andere, oftmals bessere Arbeitsplätze, um auf diese Weise zur Befriedigung der Bedürfnisse der Gesellschaft beizutragen. Unglücklicherweise
besitzen die verdrängten Arbeitskräfte oft nicht die beruflichen

- 3 -

�beruflichen Qualifikationen, die für die im Zuge des technischen Fortschritts neu entstehenden Arbeitsplätze gefordert werden, und verschiedentlich sind auch gar keine anderen Arbeitsplätze verfügbar.
Die Anerkannung dieser Tatsache führt zu einer Reihe von Schlußfolgerungan. Erstens und allem voran bedarf es selbstverständlich
größerer Anstrengungen, den Bildungs- und Fertigkeitsgrad der Bevölkerung im ganzen Lande zu heben. Besondere Berücksichtigung verdienen
hierbei alle diejenigen, die unter den Folgen des technischen Fortschritts su leiden haben. Die derzeitige Debatte über die Auswirkungen
dar Automation und Kybernation auf den Bildungs- und Fertigkeitsgrad
richtet sich vornehmlich auf jene Beschäftigungssparten, in denen diese
am weitesten vorgedrungen sind. Dia Debatte ist damit tragischerweise
in gewisser Hinsicht in die falsche Richtung gegangen. Die Zahl der
Arbeitsplätze dürfte im Zuge der Entwicklung zu durchautomatisierten
Arbeitsvorgängen so gut wie in jedem Falle zurückgehen. Es muß deshalb
vielmehr die Frage gestellt werden: Welche Fertigkeiten und welche Qualifikationen sind für die verbleibenden und die wegen der Produktionserweiterungen neu zu schaffenden Arbeitsplätze erforderlich?
Es gibt sahireiche Beweise dafür, daß die Anforderungen an die Beschäftigten hinsichtlich, des Bildungs- und Fertigkeitsgrads seit dem
Ende des zweiten Weltkriegs ständig gestiegen sind. Das gilt auch für
die Jagendlichen, die sich neu in den Arbeitsprozeß eingliedern. Zum
Teil handalt es sich bei diesem Vorgang um eine natürliche Auslesemaßnahme seitens der Unternehmen. Für eine große Zahl von Erwerbspersonen Jagendliche mit nicht abgeschlossener Mittelschulbildung, Arbeitsplatzverdrängte älterer Jahrgänge, jugendliche Farbige usw. - hat sich die
Kluft zwischen erworbener Bildung und geforderten Qualifikationen sogar
ständig erweitert. Statistisch läßt sich diese Entwicklung an dem unverhältnismäßig großen Anteil dieser Personengruppen an dar sogenannten
langfristigen Arbeitslosigkeit nachweisen.
Auf dar Suche nach einer Lösung für die Probleme in solchen schwerwiegenden Fällen bietet sich nur ein Weg an: entschlossene Bemühungen
auf nationaler Ebene, gebildetere, kenntnisreichere und anpassungsfähigere
Menschen heranzubilden, die die Belastungen des technischen Fortschritts
zu tragen imstande sind. Die Verfechter des Gedankens, die Fortbildung
mindestens zwei Jahre über den Mittelschulabschluß hinaus für alle Jugendlichen möglich, wenn nicht sogar obligatorisch zu machen, suchen die
formale Bildung wie die berufliche Schulung zu einem verläßlicheren
Mittel das Eintritts in die Arbeitswelt weiterzuentwickeln. Die in jüngerer
Zelt su beobachtende Tendenz zur Verbesserung der Lehrpläne an den Grundund Mittelschulen wie auch das Projekt "Starthilfe" (Project Headstart)
für Kinder Im Vorschulalter dürften hier von größtem Wert sein. Die Verbesserung das Erziehungswesens wird wesentlich dazu beitragen, die vielfach gehörte Behauptung zu widerlegen, daß einem Teil dar Bevölkerung die
natürliche Fähigkeit oder der Wunsch abgeht, sich das Maß an Bildung und
Fertigkeiten anzueignen, das unerläßlich ist, um in einer äußerst komplizierten und technisch orientierten Gesellschaft produktiv mitzuarbeiten.
Diese zweifelhafte Annahme wird so lange nicht durch stichhaltige Beweise
widerlegt, wie nicht überall wirklich umfassende Bildungsmöglichkeiten
gegeben sind.
Eine
- 4 -

�Ein« nicht weniger dringend« nationale Aufgabe ist es, will man
die Voraussetzungen für ein« selch« maximale Anpassung an di« Automation
und Kybernatlou sowie an alle anderen Formen des technischen Wandels
schaffen, eine dynamische und expandierende Wirtschaft b«i gleichzeitiger Vollbeschäftigung anzustreben, in der jeder arbeitsfähig« und
arbeitswillig« M«n«ch «ln«n Arbeitsplatz finden kann. Die Behauptung,
Maschinen werden die Arbeitskraft des Menschen in einem solchen Ausmaß
überflüssig machen, daß sich nicht mehr länger für alle Arbeitsuchenden
ein geeigneter Arbeltsplatz finden läßt, stimmt einfach nicht. Sie
basiert auf dar irrigen Annahm«, di« Nachfrage nach Waren und Dienstlelstungen habe in unserer Überflußgesellschaft den Sättigungsgrad erreicht oder sich ihm schon stark genähert* Ganz im Gegenteilt Noch ein
Fünftel aller amerikanischen Haushalte haben ein Einkommen von weniger
als 3000 Dollar im Jahr, und nur einer unter vierzehn Haushalten hat
• in Einkommen von mehr als 15 000 Dollar. .,
Angesichts einer Gesamtzahl von rund 60 Millionen Beschäftigten
(ohne.Landwirtschaft und Selbständige) und einer Produktivitätssteigerung
von jährlich 3 Prozent muß das Bruttosozialprodukt in einem Maße wachsen,
das die Schaffung von jährlich 1,8 Millionen Arbeitsplätzen gestattet,
um eine Zunahme der Arbeitslosigkeit als Folg« technischer Neuerungen
zu verhüten. Oder um es anders auszudrücken: Bei einer Produktivitätssteigerung von jährlich 3 Prozent würde bei.gleichbleibender Wertschöpfung der Wirtschaft die Arbeitslosenziffer um jährlich 1,8 Millionen
steigen.
Über die wirtschaftliche Expansion hinaus, die einen Ausgleich für
den Produktivitätsanstieg schafft, muß die Wertschöpfung in einem Maße
zunehmen, das die Wirtschaft in die Lage versetzt, die jährlichen Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt - durchschnittlich 1,4 Millionen bis 1970 unterzubringen. Um sowohl die jährliche Produktivitätssteigerung zu
kompensieren als auch die N«uzugäng« in den Arbeitsprozeß einzugliedern,
muß die Wirtschaft, soll ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit vermieden
werden, jährlich 3,2 Millionen neue Arbeitsplätze schaffen. Die fiskalischen und währungstechnischen Hilfsmittel der Bundesregierung sind
geeignet, die Aufrechterhaltung einer so großen Nachfrage zu gewährleisten, daß die Voraussetzungen für eine steigende Wertschöpfung gegeben sind. Das Beharren der Arbeitslosenziffer im Bereich von 3 bis 4
Millionen Ist «in deutlicher Beweis, daß wir unsere Hilfsquellen noch
nicht genügend auf diese Aufgabe ausgerichtet haben..
Um eine Anpassung an'den technischen Wandel im großen Stil zu ermöglichen, müssen alle die Freizügigkeit hemmenden Faktoren ausgeschaltet werden. Zu diesem Zweck müßten öffentliche Informationsstellen im
ganzen Land« errichtet werden, die Informationen über neue Beschäftigungs-

Siehe "Toward Füll Employmenti Proposais for a Comprehensive Employment and Manpower Policy in tbe United States", Subcommittee on
Employment and Manpower of the Senate Committee on Labor and Public
Weifare (Unterausschuß für Beschäftigung»- und Arbeitsmarktfragen des
Senatsausschusses für Arbeits- und Sozialfragen} April 1964.

- 5-

�Beschäftigungsraöglichkeiten verbreiten helfen.Es müßten ferner finanzielle Mittel bereitgestellt werden, um Umzugsbeihilfen zu gewähren
und Beratungsstellen für Umzugswillige einzurichten, die ohne Hilfe von
außen einen solchen Ortswechsel nicht vornehmen können. Bei allen
solchen Haßnahmen wäre größte Rücksicht auf die Würde und die Befürchtungen der Betroffenen zu nehmen.
Die Rolle der Gewerkschaft
Des weiteren gilt es das Vertrauen in den privaten Anpassungsmechanismus des Kollektlwerhandlungswesens zu stärken, ist es doch eine der
Grundlagen der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung einer freien Gesellschaft. Das wirtschaftliche Wohl ihrer Mitglieder wiederum ist das Hauptanliegen .der Gewerkschaften. Sie müssen deshalb die künftige Entwicklung
der Technik verstehen und ihren Mitgliedern bei allen aus ihr erwachsenden
Problemen Hilfestellung leisten, indem sie beispielsweise in Tarifverhandlungen, auf die Bereitstellung der Mittel drängen, die für.Anpassungsmaßnahmen bei Verlust des Arbeitsplatzes, Fortfall gewisser Beschäftigungssparten oder Standortveränderung von Betrieben erforderlich werden.
Im großen und ganzen widersetzen' sich die amerikanischen Gewerkschaften dem technischen Wandel keineswegs. Sie sind jedoch bemüht, den noch
verbleibenden Arbeitskräften einen Teil der zusätzlichen Erträge aus der
steigenden Produktivität in Form höherer Löhne und Lohnnebenleistungen
zu sichern. Während weite Kreise eine Weitergabe dieser Erträge an die
Allgemeinheit in Form von Preissenkungen befürworten, lehrt die Praxis,
daß der Zusatzertrag unter die Arbeitnehmer (in Gestalt höherer Löhne)
und Unternehmer (in Form steigender Gewinne),aufgeteilt wird. Allerdings
wird auch immer häufiger argumentiert, die aus der technischen Arbeitsplatz Verdrängung resultierenden Lasten sollten in erster Linie von denen
getragen werden, die am meisten yom technischen Wandel profitieren; es
müsse deshalb ein Teil der Zusatzerträge aus der steigenden Produktivität
auf Maßnahmen verwandt werden, die den Anpassungsprozeß erleichtern helfen. Diese Entwicklung findet ihren Niederschlag in der steigenden Zahl
der Verträge, die eine Verkürzung der Arbeitszeit, die Herabsetzung des
Pensionsalters, die Übertragbarkeit der Anciennitätsrechte bei Arbeitsplatzwechsel, die Gewährung von Entlassungsgeld, Umzugsbeihilfen, laufenden Unterstützungsleistungen zur Erzielung des garantierten Jahreslohnes
und von Renten zum Gegenstand haben.
In dem Versuch, das gewerkschaftliche Denken angesichts des zunehmenden Tempos des technischen Fortschritts auf die Erfordernisse der Industrie von heute auszurichten, haben die Gewerkschaften ihre Position im
Kollektiwerhandlungswesen teilweise von Grund auf geändert. Dieser Wandel
wird auch in dem Nachdruck deutlich, mit dem führende Gewerkschafter auf
die neue Verantwortung des Managements verweisen, die Belegschaftsangehörigen rechtzeitig auf mögliche Auswirkungen geplanter technischer Veränderungen aufmerksam zu machen. Mit großem Nachdruck wird heute ferner
die Auffassung vertreten, der Arbeitnehmer erwerbe auch ein gewisses
Eigentumsrecht in bezug auf seinen Arbeitsplatz und habe daher bei drohender technischer Arbeitslosigkeit Anspruch auf einen neuen Arbeitsplatz oder ;
aber auf seine Umschulung8^.
'
Die
8)
Vgl. Walter P. Reuther, "Congressional Testimony", wiedergegeben in
"Automation, Implications for the Future" (New York, Vintage Books, 1962).
- 6-

�Die Roll« der Unternehmer
Auf der anderen Seite des Verhandlungstisches sehen sich die
Unternehmer in Zeitalter der Automation und des allgemeinen technischen
Wandels vor drei wichtige Aufgaben gestellt. Erstens zwingt der ständige wirtschaftliche Druck, die Wettbewerbsposition des Unternehmens zu
erhalten oder zu verbessern, die Unternehmensleitung zur Entwicklung
«ad Anwendung immer neuer Verfahren. Der Porschungs- und Entwicklungsaufwand wird mithin weiter steigen, da jeder Industriezweig, jedes Werk
«ad jeder Manager fortgesetzt nach wirksameren Herstellungsmethoden und
neuen Produkten für künftige Märkte sucht. Zweitens müssen sich die
Unternehmer auf die neuen technischen Verfahren innerhalb ihrer eigenen
Betriebe einstellen. Drittens müssen die Unternehmer, da ja nun einmal
Arbeitskräfte langfristig von ihren Arbeitsplätzen verdrängt und von
Arbeitslosigkeit bedroht werden, ihre Verantwortung gegenüber den Betroffenen, sofern eine solche besteht, definieren.
Punkt zwei und drei berühren die Frage der veränderten Rollen der
Führungskräfte im Zeitalter der Datenspeicher- und-Verarbeitungsanlagen
und der damit verbundenen Möglichkeiten, Entscheidungen auf der Grundlage
mathematischer Berechnungen zu treffen. Sie rühren ferner an Fragen der
Ausbildung und Umschulung von Arbeitskräften, der selbständigen wie auch
der mit den Gewerkschaften im Rahmen von Kollektiwerhandlungen koordinierten Unternehmensvorausplanungen, der Standortveränderungen und der
Änderungen von Produkten und Herstellungsverfahren, die ihrerseits den
Arbeitsaufwand beeinflußen.
Man darf implizieren,daß das Management bei der Bewältigung der
Aufgaben, die der Wandel stellt, künftig ein gewichtiges Wort mitreden
wird. Für die berufliche Fortbildung und Umschulung der großen Masse der
Erwerbstätigen sorgt in den Vereinigten Staaten vor allem die Industrie.
Die von privater Seite unternommenen Anstrengungen werden, falls nötig,
durch entsprechende Programme des Bundes gefördert, wie sie beispielsweise im Rahmen des Gesetzes zur Entwicklung des Arbeitsmarktes, des
Gesetzes zur Sicherung des wirtschaftlichen Fortkommens und anderer einschlägiger Vorschriften vorgesehen sind. Aufgabe der Unternehmungsleitung
kann es auch sein, den durch technische Veränderungen von ihrem Arbeitsplatz verdrängten Personen nach ihrem Ausscheiden aus der Firma den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern oder ihnen anderweitige wirtschaftliehe Garantien oder Entschädigungsleistungen zu gewähren''.
Und schließlich muß der technische Fortschritt auch eine Wandlung
des Wlrtschaftsgefüges hervorbringen - eine Wandlung, die nicht nur unvermeidbar, sondern auch wünschenswert ist. Willkürliche Versuche, diese
Wandlung zu unterbinden, sind nur geeignet, dort Probleme zu schaffen,
wo an sich keine bestehen.
'
Die
Vgl. "The Contribution of Collective Bargaining" von Arnold R. Weber
«KCD-Konferenz zu Fragen der Auswirkungen der Automation auf den
Arbeitsraakkt, Washington, 8.-10. Dezember 1964).

- 7 -

�Sie dienende Funktion der Technik
Im Amerika unserer Tage ist zum ersten Mal die Möglichkeit gegeben,
den Besitz des einen zu mehren, ohne den des anderen zu schmälern. Läßt
sich die derzeitige Produktivitätszuwachsrate bis Ende dieses Jahrhunderts aufrechterhalten, wird sich das durchschnittliche Haushaltseinkommen einem Betrag von 18 000 Dollar im Jahr nähern. Die wissenschaftliche
und private Forschung versetzt immer mehr Bürger in die Lage, nicht nur
einen Zweitwagen und ein Zweitfernsehgerät anzuschaffen, sie gewährleistet auch ein höheres Maß an Sicherheit, ein längeres und gesünderes
Leben und mehr Freizeit. Das alles ist heute für viele Amerikaner erreichbar - aber nicht für alle.
Noch immer wächst eine große Zahl junger Menschen heran, die nicht
genügend schulisch vorgebildet sind, um in der Welt von heute bestehen
zu können. Unsere Städte sind übervölkert und drohen im Verkehr und in
verpesteter Luft zu ersticken. Zehntausende leben in völlig unzureichenden Behausungen. Weite Teile unseres Landes sind von Wasserknappheit
bedreht, andere von verheerenden Flutkatastrophen. Der Bürger klagt über
die Zunahme der Verbrechen und die steigende Jugendkriminalität. Manche
Gemeinden werden durch die zunehmende Verschmutzung der Gewässer, eine
Flut von Abfall und Müll und das Absterben bzw. die Verlagerung ganzer
Industrien von völliger Vernichtung bedroht.
Wenn die Vereinigten Staaten die von Präsident Johnson geforderte
Große Gesellschaft aufbauen wollen, müssen sie sich zur Lösung dieser
kritischen sozialen Probleme der Technik bedienen. An Aufgaben und
Chancen ist kein Mangel. Die Technik ist das größte Reservoir, aus dem
wir die Mittel schöpfen können, um jedem Kind eine gute Erziehung zuteil werden zu lassen, bessere Wohnungen zu bauen, die Einrichtungen
des Gesundheitsdienstes zu vervollkommnen, ausreichende Verkehrseinrichtungen zu schaffen, für angemessene Erholungsmöglichkeiten zu sorgen und schließlich jedem einzelnen mehr Freizeit zu gewährleisten,
damit er alle diese Segnungen genießen kann.
Ein Volk, das bemannte Satelliten auf eine Kreisbahn um die Erde
schickt, Expeditionen unter den Eismantel der Nordpols entsendet und
tief in die Geheimnisse des Aufbaus der Atome und Moleküle eindringt,
••Ute nicht verzweifeln, wenn es darum geht, die vom technischen
Fortschritt aufgeworfenen Probleme zu meistern.

(unwesentlich gekürzt)
Nachdruck ist mit Angabe des Verfassers und dem Vermerk
(c) 1965 by Current History. Inc.
gestattet.

+ ++++

- 8 -

�Gewerkschaftlicht Mitspräche bti Personalentscheidungen
Fortschreitende Automation und Ihr« Folgen für Arbeitnehmer als
Gegenstand von TarifVerhandlungen in den USA
Salt geraumer Zeit widmet der amerikanische Gewerkschaftsverband AFL£10 den mit dam raschen Vordringen dar Automation in den USA zusammenhängenden Fragen verstärkt« Aufmerksamkeit. Das Interesse der Gewerkschaften ist eindeutig: Es gilt, die bei der .Eliminierung von Arbeitsplätzen für die Arbeitnehmer entstehenden Härten so weit wie möglich zu
mildern.
Dabei bietet sich den Gewerkschaften unter anderem die Einflußnahme
auf die unternehmerische Personalpolitik über die tarifvertragliche
Fixierung sogenannter Personalschrumpfungsklauseln ("attrition clauses")
an. In solchen Klauseln wird generell festgelegt, daß ein Unternehmen
bei Einführung neuer personalkostensenkender technischer Verfahren nicht
einfach die entbehrlich gewordenen Arbeitsplätze aufhebt.sondern sich
auf die Streichung solcher Arbeitsplätze beschränkt, deren Inhaber wegen
Kündigung, Pensionierung, Invalidität oder mit ihrem Tod - also aus
"natürlichen Gründen" - aus dem betrieblichen Arbeitsprozeß ausscheiden.
Bereits in den dreißiger Jahren wurden in-den USA Personalschrumpfungsklauseln zwischen Gewerkschaften und Unternehmen ausgehandelt, aber
erat in jüngerer Zeit haben sie - vor allem im Druckereigewerbe und im
Eisenbahnbetrieb - größere Aktualität erlangt...Bestimmungen dieser Art
haben aich als geeignetes Mittel zur Erhöhung der Sicherheit des Arbeitsplatzes erwiesen. Darüber hinaus bleibt ein gewisser kostensparender
Effekt erhalten: Eine hohe Arbeitsplatzmobilität trägt zur Verringerung
der durch den natürlichen Personalschwund verursachten Kosten bei.
In den Kollektivverhandlungen mit den Unternehmen führen die Gewerkschaften im Hinblick auf die Verankerung von Personalschrumpfungsklauseln
folgende Argumente an: Das Unternehmen möge bei etwaigen Personaldispositionen im Auge behalten, daß von einer Reduzierung der Zahl der Arbeitsplatz« Arbeitnehmer betroffen werden könnten, die durch ihre jahrelange
Mitarbeit nicht unerheblich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen
haben. Darüber hinaus müsse es für den Unternehmer vorteilhafter sein,
wenn er .sich auf eine möglichst ^wenig durch Fluktuation veränderte Belegschaft stützen könne, die ihre Leistungsfähigkeit bereits bewiesen hebe.
Di« tarifvertragliehe Fixierung von Personalschrumpfungsklauseln
stellt allerdings nicht das einzige Mittel zur gewerkschaftlichen Einflußnahme auf die unternehmerische Personalpolitik dar, ein Recht im
übrigen, das sowohl die Rechtsprechung als auch die Exekutive ausdrücklich bestätigt haben. Weitere Einwirkungsmöglichkeiten besitzen die
Gewerkschaften bei der Aushandlung der tarifvertraglichen Regelung der
vorzeitigen Pensionierung sowie bei Vereinbarungen über den Wechsel der
Arbeitsstelle oder des Arbeitsorts.
Es liegt auf der Hand, daß der natürliche PersonalSchwund durch
entsprechende Vereinbarungen auf diesen Gebieten erheblich beschleunigt
werden kann. Allerdings wären solche Maßnahmen ohne die Berücksichtigung
der Einkommenssituation der Arbeitnehmer unrealistisch. Eine Einkommens-

- 9-

�Einkonmensgarantie ist daher «In weiterer wichtiger Funkt, der in den
Tarifgesprächen zwischen Gewerkschaften und Unternehmen berührt wird.
Und nur die Kombination all dieser Maßnahmen kann dem Arbeitnehmer
Jenen Schutz vor des Felgen des technischen Wandels gewähren, auf den
er sich eis Anrecht erwerben hat.
Die Voraussetzungen, unter denen die Anwendung der Personalschrumpfungsklausel möglich wird, sind keineswegs einheitlich. Im allgemeinen ist der Nachweis einer feststehenden Zahl von Dienstjähren
erforderlich, ehe der Anspruch auf volle Vergünstigungen gemäß den Bestimmungen der Klausel geltend gemacht werden kann.
Die Gewerkschaften haben hauptsächlich im Eisenbahnwesen eine Reihe
von Personalschrumpfungsklauseln tarifvertraglich vereinbart. Dia erste
Abmacheng dieser Axt wurde 1961 mit der Southern Pacific Railroad getroffen. In jüngerer Zelt wurde eine derartige Regelung für insgesamt
300 000 der nicht zur Kategorie "Bahnbetriebspersonal" gehörenden Bahnarbeiter vereinbart»
Ähnliche Klauseln haben inzwischen in Verträge mit Zeitungsverlegern, Druckereibesitzern, Transportunternehmen, Versorgungsbetrieben,
Fernsprechgesellschaften und für Hafenarbeiter Eingang gefunden. In
einer Reihe von weiteren Branchen, wird noch verhandelt.
Schrumpfungsklauseln' sind nicht nur ein Mittel zum Schutz der
Arbeitnehmer vor der Verdrängung durch die Automation, sie können auch
bei Firmeazuaammenschlüssen wirksam werden, so zum Beispiel, wenn eine
Firmenfusion die Reduzierung der beiden zusammengeführten Belegschaften
möglich macht. Bedeutung erlangten sie außerdem bei geschäftsbedingten
Personalkürzungen im Eisenbahnwesen.
Nun sind solche Personalschrumpfungsklauseln sicherlich kein Allheilmittel gegen die Arbeitslosigkeit. Sie dienen dem Schutz der Arbeitnehmer, aber sie schaffen keine neuen Arbeitsplätze. Dieser Fragenkomplex,
wie überhaupt das Problem der Vollbeschäftigung, erfordert mehrere
Lösungswege, die der Gewerkschaftsverband AFL-GIO in einer Reihe von
Programmen entwickelt hat: Umschulung, Verkürzung der Arbeitszeit,
Steigerung des Arbeitnehmereinkommens als Mittel zur Vermehrung der
Kaufkraft und damit der Erhöhung der Zuwachsrate des Volkseinkommens.
Im Zusammenhang mit unternehmerischen Dispositionen auf dem Personalsektor legen die Gewerkschaften größten Wert auf die rechtzeitige Bekanntgabe von geplanten Entlassungen, sofern sie durch technologische Umstellungen bedingt sind. Die Gewerkschaften wollen auf diese Weise sicherstellen, daß sie bei der Feststellung der Rechte des einzelnen betroffenen Arbeitnehmers mitwirken können. Bislang hat vor allem das Druckereigewerbe dieser gewerkschaftlichen Forderung Rechnung getragen. .
Zwar liegen den Gewerkschaften noch keine Statistiken über die Einbeziehung von Personalschrumpfungsklauseln in Tarifverträge oder über
die Zahl der von solchen Klauseln betroffenen Arbeitnehmer vor, aber
aufgrund der bisherigen Erfahrungen kann festgestellt werden, daß diese
Klauseln in weit höherer Zahl in die Tarifverträge mit den Eisenbahngesellschaften Eingang fanden als in die Verträge mit der übrigen
Industrie. Generell gilt, daß sich derartige Abmachungen als ein wertvolles Hilfsmittel zum Schutze der Arbeitnehmerrechte erwiesen haben. Sie
dürften, nach und nach auch in anderen Branchen akzeptiert werden.
(Quelle: Eigenbericht)
- 10 -

�Arbeitnehmer auf der Schulbank
In den USA machen nicht wenige Hochschulabsolventen beim Übergang ins Berufsleben die Erfahrung, daß die moderne Arbeitswelt eine
überraschende Parallele zum Studienbetrieb aufweist: Der Prozeß des
Studierens, des Lernens, setzt sich praktisch auch im Berufsleben
fort. Auf diese Tatsache wies jüngst noch George Melloan in einem
Artikel in der angesehenen Zeitung "The Wallstreet Journal1' hin.
So muß zum Beispiel ein College-Absolvent, der bei der International Business Machines Corporation (IBM) eintritt, damit rechnen,
während der ersten fünf Jahre seiner Laufbahn 33 Wochen die IBMSchulbank zu drücken. Auch später noch werden durchweg 10 bis 15 Prozent seiner Arbeitszeit für die Teilnahme an IBM-Lehrgängen vorgemerkt
sein, auf denen er mit neuen Firmenerzeugnissen vertraut gemacht wird.
Irgendwann einmal wird man dem vielversprechenden jungen Mann dann von
selten der Firma vielleicht sogar nahelegen, er möge seine Ausbildung
ergänzen, eine Management-Schule besuchen oder seinen philosophischen
Doktorgrad erwerben - wohlgemerkt, alles auf Kosten der Firma.
Das Beispiel IBM steht durchaus nicht vereinzelt da. Zwar sind
nur wenige Firmen in der Lage, so großzügig wie IBM zu verfahren, deren Instruktionspersonal 1800 Personen umfaßt, die jährlich 10 Millionen Unterrichtsstunden erteilen. Aber die Einsicht in die Notwendigkeit einer Erweiterung der Ausbildungsprogramme setzt sich in allen
Branchen und bei Firmen aller Größenordnungen immer mehr durch.
Vorsichtigen Schätzungen zufolge werden sich die Ausbildungsaufwendungen der amerikanischen Industrie - eine jährliche Steigerungsrate von 5 bis 6 Prozent einkalkuliert - 1965 auf insgesamt 4,5 Mrd.
Dollar oder die Hälfte jener Summe belaufen, die Amerikas H0chschulen
jährlich kosten. Zwar entfällt der Hauptanteil dieser Aufwendungen
immer noch auf die HinformelleM Ausbildung am Arbeitsplatz, aber die
"formelle1* Schulung gewinnt - auch kostenmäßig - zunehmend an Gewicht.
Das Spektrum solcher "formellen" Unterweisung reicht von Kursen, auf
denen Sekretärinnen in korrektem Verhalten geschult werden, bis zu
Auffrischungskursen in höherer Mathematik für Fertigungsdirektoren.
Die zunehmende Komplexität des Wirtschaftsgeschehens zwinge die Industrie zu einer Verstärkung ihrer firmeneigenen Ausbildungsprogramme,
meinte Gerald L. Phillippe, Vorsitzer von General Electric.
Besonders deutlich sind diese Anstrengungen inder Automobil- und in
der Geräteindustrie bemerkbar. Beide Branchen kümmern sich intensiv
um die Schalung ihres Verkaufs- und Service-Personals. So unterhält
beispielsweise General Motors allein 30 regionale Ausbildungszentren
für das Personal ihrer Vertragshändler. Die Radio Corporation of
America betreibt Schulen für den Absatz von Elektronik-Erzeugnissen
in Los Angeles und New York. Aber auch in anderen Branchen ist man
nicht untätig. Im übrigen dürfte bemerkenswert sein, daß sich die
Schulungsprogramme der Firmen keineswegs ausschließlich auf die Verbesserung der Job-Orientierung erstrecken. Eine Reihe von Großfirmen
hält es für richtig, den Gesichtskreis ihrer Führungskräfte in philosophische Bereiche zu erweitern.
Ein

- 11 -

�Ein willkommene! Nebenprodukt des verstärkten Engagements von
Industriefinnen auf dem Gebiet des Lehrens und Lernens besteht in
der Erarbeitung und Prüfung neuer Methoden. Die programmierte Unterweisung, ein Verfahren, das auf den sogenannten Lernmaschinen basiert,
bat sich für die Zwecke des Firmenunterrichts als besonders geeignet
erwiesen. Die Maschine ersetzt nicht nur hoch bezahltes Lehrpersonal,
sie ermöglicht es dem Lernenden auch, seine Fortbildung la die Feierabendstunden zu verlegen. Die American Telephone and Telegraph Company führt die 27prozentige Zeitersparnis bei der Ausbildung ihrer
Telephonistinnen auf den Einsatz von Lernmaschinen zurück. Kosteneinsparungen meldet auch IBM: Die Maschine macht kostspielige Ausbildungszentren überflüssig.
Zusätzlich zur Lernmaschine bedient sich die Industrie mehr und
mehr der Simulatoren. Die Techrep-Abteilung der Firma Philco, Hersteller solcher Übungsgeräte, berichtet von einer 30prozentigen Erhöhung
ihrer Kapazität im Werk Charleston (Südkarolina). Die Nachfrage nach
Techrep-Erzeugnissen und -Dienstleistungen, zu denen auch die Ausarbeitung und Durchführung von Schulungsprogrammen gehört, hat in jüngster Zeit jährlich um jeweils 50 Prozent zugenommen. Bekannt ist die
Verwendung von Simulatoren für die Ausbildung von Verkehrspiloten.
Zu den Neuerungen zählt auch der Einsatz von Hausfernseh- und Tonübertragungsanlagen.
Nichtsdestoweniger vertrauen zahlreiche Firmen weiterhin herkömmlichen Methoden. So berichtet ein Unternehmensberater, daß z.Z. 54
Universitäten zwei- bis sechzehnwöchige Fortbildungskurse für Führungskräfte anbieten. Die Kosten eines solchen Kurses liegen zwischen 300
und 3500 Dollar je Teilnehmer.
Der durch den technischen Wandel bedingte Zwang zur Umschulung von
Angehörigen ihres Ingenieurpersonals läßt zahlreiche Firmen Arrangements
mit normalen Hochschulen treffen. Die Lehranstalten richten Sonderkurse
ein, die auf die Erfordernisse dieser Kategorie von Studenten zugeschnitten sind. So hat die American Telephone and Telegraph Company Vereinbarungen mit acht Universitäten getroffen. Sperry Gyroscope schickt 1350
ihrer Ingenieure nach Feierabend für anderthalb Stunden auf die Schulbank. Stetig im Steigen begriffen sind auch die Firmensubventionen für
studierende Belegschaftsmitglieder sowie die direkte finanzielle Unterstützung von Colleges und Universitäten. 1962-1963 wurden von amerikanischen Firmen direkte Zuwendungen an Hochschulen in Höhe von schätzungsweise 200 Mio. bis 225 Mio. Dollar gemacht. Die jährliche Steigerungsrate wird auf 15 Prozent beziffert.
Im Jahre 1965 unterzogen, sich insgesamt 2,7 Millionen Amerikaner
einer "formellen" Zusatzausbildung. Der Kostenaufwand dafür betrug
1,5 Mrd. Dollar. 1956 wurden für den gleichen Zweck nur 800 Mio. Dollar
ausgegeben.

Nachdruck ist mit dem Vermerk
(c) 1965 by Dow Jones &amp;
Company, Inc.
gestattet.

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                <text>&lt;strong&gt;Nr. 1&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Lohnentwicklung in der US-Wirtschaft 1957-1963&lt;br /&gt;Die Entwicklungen am amerikanischen Arbeitsmarkt 1962-1964&lt;br /&gt;Das Ende der freien Gewerkschaften Kubas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tarifvertragliche Möglichkeiten einer vorzeitigen Pensionierung in der US-Wirtschaft&lt;br /&gt;Verbesserung der Volksgesundheit durch gezielte Maßnahmen&lt;br /&gt;Entlassungsbestimmungen in US-Tarifverträgen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ausgabetrends von Stadtfamilien 1950-1961&lt;br /&gt;Arbeits- und Lohngarantiebestimmungen in Großtarifverträgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Entwicklung der Lohnnebenleistungen in der US-Industrie&lt;br /&gt;UAW - eine junge aber mächtige Gewerkschaft&lt;br /&gt;Stahlarbeitergewerkschaft schloss Modellvertrag&lt;br /&gt;Umschulungs- und Berufsförderungsprogramme wurden verstärkt&lt;br /&gt;Sunnyhills: Rassenfragen unbekannt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nr. 5&lt;br /&gt;Die Entwicklung des US-Arbeitspotentials zwischen 1964 und 1980&lt;br /&gt;Die Entwicklung der Einkommen im Polizei- und Feuerwehrdienst&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Art, Umfang und Problematik der Doppelbeschäftigung&lt;br /&gt;Gezielte Maßnahmen zur Vorbereitung auf das Automationszeitalter&lt;br /&gt;Hilfe für die älteren Menschen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7/8&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eine Einkommenskala der USA unter Berücksichtigung von 321 Berufen&lt;br /&gt;Bemerkenswerte Entwicklungen auf dem US-Arbeitsmarkt&lt;br /&gt;US-Industrie bietet Führungspositionen für Farbige&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Chrysler startete bemerkenswertes Umschulungsprogramm&lt;br /&gt;600 000 US-Regierungsangestellte sind Gewerkschaftsmitglieder&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Automation in zehn Großunternehmen&lt;br /&gt;Gleiche Arbeitschancen für alle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen seit Kriegsende&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Automation und Gesellschaft&lt;br /&gt;Beschäftigungstrends in der Fertigungsindustrie&lt;br /&gt;Der neue Tarifvertrag der US-Stahlarbeiter&lt;br /&gt;Arbeitslosigkeit erreichte neuen Tiefstand&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Automation und Gesellschaft (II)&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Mitsprache bei Personalentscheidungen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Arbeitnehmer auf der Schulbank</text>
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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis

19 6 6

Nr. 1

Privatinitiative verhindert Massenarbeitslosigkeit bei Betriebsstillegung
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr. 2/3

Der amerikanische Arbeitsmarkt heute
+

Nr. 4/5

Die Erschließung brachliegender Arbeitsreserven
+

Nr. 6/7

Die Großtarifverträge des Jahres 1965
Die Verantwortung der Gesellschaft für die Opfer der Automation
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

+
Nr.8/9/10
Beiträge zur Diskussion um die Lohn- und Preisstabilität
Der Wirtschaftsbeirat des US-Präsidenten - ein Organ zur
informellen Lenkung der Konjunktur
Grundlagen und Probleme der Richtwertpolitik
Arbeitskurznachrichten

+
- 1-

�Nr. 11/12

Lohnrichtwerte, Löhne und TarifVerhandlungen
Die US-Gewerkschaften im Jahr 1966
Stahlarbeitergewerkschaft setzt neue Verhandlungsziele
Arbeitskurznachrichten

+++++

- 2 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme Irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIX - 1

Januar 1966
INHALTSVERZEICHNIS

Privatinitiative verhindert Massenarbeitslosigkeit bei Betriebsstillegung

Seite

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 11

1

Eaton H. Conant, a.o. Professor an der wirtschaftswissenschaftlichen
Fakultät der Universität Chicago:
Privatinitiative verhindert Massenarbeitslosigkeit bei
Betriebsstillegung
Bericht über das Sioux-City-Projekt
Im Zuge der Automatisierung der Fleischverarbeitung sah sich die Arraour &amp; Co.,
einer der großen Fleischkonservenkonzerne
der USA, gezwungen, Zweigbetriebe in Oklahoma City, Fort Worth, Texas, und zuletzt
in Sioux City zu schließen. Der ArmourAutomations-Fonds, eine private Institution aus Vertretern der Firma, der Gewerkschaften und der Öffentlichkeit, startete,
gestützt auf die Erfahrungen bei früheren
Betriebsstillegungen, in Sioux City ein
Programm zur Vermittlung der entlassenen
Arbeitnehmer in neue Stellungen. Der nachstehende Bericht zeigt Erfolg und Grenzen
solcher privater Bemühungen auf.
Als die Firma Armour &amp; Co. im Juni 1963 ihre Fleischkonservenfabrik
in Sioux City in Iowa stillegte, wurden mit einem Schlag 1150 Arbeitskräfte im Bereich von Produktion und Wartung entlassen. Kurz vor dem

- 1 -

�dem Entlassungsterrain leitete der Armour-Automations-Fonds über einen
besonderen, aus Vertretern der Gewerkschaften, der Firma und der
Öffentlichkeit gebildeten Ausschuß, ein Programm ein, das die Unterbringung der von der Entlassung betroffenen gewerkschaftlich organisierten Arbeitskräfte in anderen Betrieben und Berufen zum Ziel hatte.
Der Ausschuß handelte aufgrund umfassender Vollmachten, die ihm nach
einer Vereinbarung zwischen Armour &amp; Co. und den AFL-CIO-Gewerkschaften der Fleischwarenindustriearbeiter und der Packer und Lagerarbeiter
in der Nahrungsmittelindustrie ausdrücklich übertragen worden waren.
Vor und während der Durchführung des Projektes in Sioux City
stand der Ausschuß in ständiger enger Verbindung mit dem Arbeitsvermittlungsdienst des Staates Iowa und arbeitete mit dessen örtlicher
Außenstelle zusammen. Er vermochte auf diese Weise sicherzustellen,
daß die hinsichtlich der Umschulung und Neuvermittlung gesteckten
Ziele in einem Umfang erreicht wurden, der die aufgrund früherer Erfolge bei ähnlichen Projekten berechtigten Erwartungen weit übertraf.
Das Projekt von Sioux City hat den Beweis geliefert, daß private Einrichtungen und Behörden in dem Bemühen, verdrängte Arbeitskräfte wieder in den Arbeitsprozeß einzugliedern, erfolgreich zusammenarbeiten,
sich gegenseitig ergänzen und einen Ersatz für nicht vorhandene einschlägige Institutionen und Geldmittel bieten können.
Das erklärte Ziel des Projektes von Sioux City war es, den gewerkschaftlich organisierten Arbeitskräften, die durch die automationsbedingte Schließung des dortigen Armour-Zweigbetriebs ihren
Arbeitsplatz verloren hatten, durch Umschulungsmaßnahmen oder Stellennachweis wieder zu einem einträglichen Arbeitsplatz zu verhelfen. Im
wesentlichen erstreckte sich die Tätigkeit des Ausschusses zunächst
auf zwei Bereiche: die Einrichtung von Umschulungskursen und die Beratung ehemaliger Arbeitnehmer des Betriebs über die Möglichkeiten auf
dem Arbeitsmarkt und die Tätigkeit des staatlichen Arbeitsvermittlungsdienstes, der ein besonderes Programm für die Arbeitsplatzverdrängten in Sioux City geschaffen hatte. Der Ausschuß kam schon frühzeitig zu der Überzeugung, daß die Umschulungsbestimmungen des Gesetzes über die Entwicklung des Arbeitsmarktes (Manpower Training and
Development Act) wie auch die Einrichtungen des örtlichen Arbeitsvermittlungsdienstes eine ausgezeichnete Handhabe zur Entfaltung seiner
Tätigkeit boten.
Die Wirtschaft von Sioux City
Sioux City ist vornehmlich Handels- und Umschlagplatz für Waren
und Dienstleistungen von und nach den umliegenden Landwirtschaftsgebieten. Die Gesamtzähl der Berufstätigen (einschließlich der Arbeitslosen) hat sich in den beiden letzten Jahrzehnten mit 40 000 etwa
konstant gehalten. Die Zahl der Beschäftigten in Fertigungsbetrieben
betrug bisher rund 7000 u_nd_ginst ui früherer ZeLr durch die Betriebsstillegung bei Armour und Entlassungen in anderen örtlichen Fleischkonservenfabriken sogar noch zurück. Im Umkreis von rund 150 km um die

- 2 -

�die Stadt existieren so gut wie keine Beschäftigungsmöglichkeiten in
der Fertigungsindsutrie.
Während der ganzen Dauer der Abwicklung des Projektes stieg der
Anteil der Arbeitslosen an der örtlichen Gesamtbeschäftigung selten
über fünf Prozent, andererseits waren die Aussichten auf eine baldige
wesentliche Zunahme der Nachfrage nach Arbeitskräften alles andere
als gut. Obwohl der Arbeitslosenanteil relativ niedrig blieb, wurde
er doch so gut wie ausschließlich von ehemaligen Mitarbeitern der
Armour &amp; Co. gestellt. Diese beiden Faktoren - die mangelnde Nachfrage
nach Arbeitskräften und der ohnehin geringe Anteil der Beschäftigung
in den Fertigungsindustrien an der Gesamtbeschäftigung in diesem Raum
- bestimmten Anlage und Durchführung des Projektes. Aus diesem Grund
mußte auch die ins Auge gefaßte Umschulung auf andere Berufe, wie sie
innerhalb der Fertigungsindustrien gefragt sind, mit Skepsis beurteilt
werden. Besondere Bedeutung gewannen angesichts eines so engen Arbeitsmarktes die Versuche, die Mobilität der Arbeitskräfte mit Hilfe der
im gültigen Tarifvertrag enthaltenen Versetzungsbestimmungen und mit
anderen Mitteln zu erhöhen.
Die verdrängten Arbeitskräfte
Die beruflichen Qualifikationen der in Sioux City von ihren Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitskräfte unterschieden sich im wesentlichen
nicht von denen anderer Mitarbeiter der Armour, die von früheren Entlassungsaktionen betroffen worden waren. Das Durchschnittsalter der Entlassenen war 49 Jahre, und sie hatten einen durchschnittlichen Schulbesuch von 8,7 Jahren aufzuweisen. Über 75 Prozent von ihnen übten bei
Armour eine Tätigkeit aus, die entsprechend der Klassifizierung des
Arbeitsvermittlungsdienstes ihre Einstufung als ungelernte Arbeitskräfte
bedingte. Das Projekt betraf mithin vorwiegend Personen mit relativ geringer Bildung, die in einem Alter standen, in dem die Aussichten auf
Unterbringung in einer neuen Stellung ebenso wie auf eine erfolgreiche
Umschulung nicht sehr günstig sind. Ihre beruflichen Fertigkeiten waren
im allgemeinen gering und, was die Überstellung an einen anderen Arbeitsplatz anging, kaum von Nutzen.
Von den rund 1150 im Zuge der Betriebsstillegung entlassenen Arbeitskräften traten aufgrund einer im Tarifvertrag getroffenen Pensionsregelung 110 in den Ruhestand, während 212 dank seiner Versetzungsbestimmungen in anderen Betrieben der Gesellschaft unmittelbar untergebracht oder dort neu eingestellt wurden. Die Arbeit des Ausschusses
konzentrierte sich mithin auf die verbleibenden 850 Entlassenen. Während der zweijährigen Laufzeit des Projektes suchten über 600 der Entlassenen beim Ausschuß und beim Arbeitsvermittlungsdienst um Rat und
Hilfe nach. 157 Arbeitskräfte beteiligten sich an den eingerichteten
Umschulungskursen, und 450 Personen konnten über den Arbeitsvermittlungsdienst in eine neue Stellung vermittelt werden. Über 900 der insgesamt 1150 entlassenen Arbeitskräfte erhielten vor der Pensionierung,
Versetzung und Neueinstellung oder vor und während der Umschulung

- 3 -

�Umschulung finanzielle Unterstützung in Gestalt von Unterhaltsbeihilfen
bzw. anderweitige Hilfe.
Als das Projekt zwei Jahre nach der Schließung des Armour-Betriebs
eingestellt wurde, waren 750 aus der Gesamtzahl von 1150 Entlassenen
wieder in den Arbeitsprozeß eingegliedert; 100 Arbeitskräfte waren nach
wie vor arbeitslos und auf der Suche nach einem Arbeitsplatz; und die
restlichen 300 waren entweder in den Ruhestand getreten, aus dem Raum
Sioux Gity verzogen oder ganz aus dem Erwerbsleben ausgeschieden.
Die Richtlinien und Maßnahmen zur Durchführung des Sioux-CityFrojekts mußten den Beschränkungen des örtlichen Arbeitsmarktes und
dem Mangel an geeigneten Räumlichkeiten für die Umschulung Rechnung
tragen. Eine wichtige Rolle spielten in der Gesamtplanung die Erfahrungen mit früheren, ähnlichen Programmen.
Richtlinien und Verfahrensweisen
Anläßlich früherer Betriebsstillegungen in Oklahoma City und in \
Fort Worth hatte sich gezeigt, daß eine private Aktion zur Beschaffung
von Arbeitsplätzen auf sehr viele Schwierigkeiten stößt, besitzen Einrichtungen wie der Ausschuß doch zunächst einmal keinerlei Renommee,
keine ausreichenden einschlägigen Informationen über den Arbeitsmarkt
und nicht die erforderlichen Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern;
alles das muß erst erarbeitet werden. Was die Umschulung angeht, ist
der Mangel an finanziellen Hilfsquellen ein hemmender Faktor, wenn es
darum geht, gegebenenfalls einigen hundert Arbeitsplatzverdrängten zu
helfen. Die Entscheidung, dennoch einen solchen Ausschuß zu gründen,
um die Arbeitsplatzbeschaffung durch den Arbeitsvermittlungsdienst und
die Maßnahmen aufgrund des Gesetzes über die Arbeitsmarktentwicklung
zu ergänzen, wurde durch die Tatsache erleichtert, daß Aussicht auf
eine Bereitstellung öffentlicher Mittel für Zwecke der Arbeitsvermittlung und Umschulung bestand.
Die Bestimmung des Tarifvertrags, die eine 90-Tage-Frist für die
Kündigung im Falle der Betriebsstillegung vorsieht, verschaffte dem
Ausschuß einen gewissen zeitlichen Vorsprung, den er im Verein mit dem
Arbeitsvermittlungsdienst zur Planung entsprechender Maßnahmen nutzen
konnte. So liefen bereits verschiedene Programme, noch ehe der Betrieb
die Tore schloß. Der Ausschuß richtete in Sioux City eine eigene Dienststelle mit einem Stab ganztägig beschäftigter Mitarbeiter ein. Es war
auch genügend Zeit, eine vernünftige Zusammenarbeit zwischen diesem
Büro und der örtlichen Dienststelle des Arbeitsvermittlungsdienstes in
die Wege zu leiten. Der Ausschuß setzte sich das Ziel, die auf der Entlassungsliste stehenden Arbeitskräfte in seinem Büro bezüglich aller
Beschäftigungsmöglichkeiten und anderer Alternativen zu beraten und sie
zur Inanspruchnahme des Arbeitsvermittlungsdienstes zu veranlassen, der
zu Auskünften über die Umschulungsgelegenheiten und die Aussichten auf
Vermittlung eines Arbeitsplatzes im Rahmen des Gesetzes über die Entwicklung des Arbeitsmarktes bereit war.
Noch

- 4-

�Noch vor der Schließung des Armour-Betriebs gelang es Vertretern
des Ausschusses und des Vermittlungsdienstes, auch andere örtliche
Organisationen, Presse und Öffentlichkeit für die Schwierigkeiten der
zur Entlassung vorgesehenen Arbeitskräfte zu interessieren: Es fanden
u.a. Besprechungen mit dem Stadtdirektor und anderen Kommunalbeamten
statt. Ein Bürgerausschuß zur Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten
aus Vertretern der örtlichen Geschäftswelt und der Gewerkschaften wurde
gebildet. Vertreter des Arbeitsvermittlungsdienstes und des Ausschusses
arbeiteten eng zusammen, um die Öffentlichkeit über die bevorstehende
Stillegung zu informieren, auf die besondere Lage der betroffenen Arbeitnehmer hinzuweisen und Einzelheiten über das geplante Programm zur
Umschulung und Beschaffung von Arbeitsplätzen publik zu machen.
Des weiteren wurden noch vor Schließung des Betriebs Belegschaftsversammlungen abgehalten, um alle Interessenten über die Umschulungsund Arbeitsplatzbeschaffungsprogramme zu unterrichten. Die befristete
Kündigung gestattete es dem Arbeitsvermittlungsdienst, innerhalb des
Betriebs Interviews und Tests mit den Betroffenen durchzuführen.* Der
Arbeitsvermittlungsdienst setzte einen Sonderstab ein, der beratend und
helfend eingriff.
Der Ausschuß und der Arbeitsvermittlungsdienst kamen schließlich
noch über den Austausch von Personalunterlagen und Arbeitsplatzinformationen überein, und Vertreter beider Stellen waren gemeinsam bemüht,
Einrichtungen für die Umschulung zu organisieren und die für die Einleitung von Maßnahmen gemäß dem Gesetz über die Entwicklung des Arbeitsmarktes erforderlichen Unterlagen zusammenzustellen.
Mehrere Alternativen
Den entlassenen Arbeitskräften standen verschiedene Programme zur
Wiedereingliederung in den Arbeitsprozeß und zur Einkommensstützung zur
Verfügung. Über die Umschulung und den Nachweis eines Arbeitsplatzes
durch den Arbeitsvermittlungsdienst hinaus,hatte eine große Zahl der
Entlassenen ein Anrecht auf die Versetzung in einen anderen Betrieb der
Armour &amp; Co., da 1961 im Tarifvertrag Bestimmungen über den sogenannten
zwischenbetrieblichen Arbeitskräfteausgleich verankert worden waren.
Diese Bestimmungen sehen vor, daß arbeitsplatzverdrängte Arbeitnehmer
mit genau definierten Anciennitätsrechten und Altersvoraussetzungen in
andere Zweigbetriebe der Firma versetzt werden müssen, sofern dort unbesetzte Stellen vorhanden sind. Der Tarifvertrag sichert ihnen für diesen
einen festen Anspruch auf eine "technische Anpassungshilfe": Zahlungen
der Gesellschaft für die Dauer von 26 bis zu 39 Wochen, die sich als der
Differenzbetrag zwischen den Leistungen der Arbeitslosenversicherung und
einem angenommenen Wochenlohn von 65 Dollar errechnen. Lehnt ein Arbeitnehmer die Versetzung ab, hat die Gesellschaft das Recht, die gewährte
"technische Anpassungshilfe" von dem tariflich fixierten Entlassungsgeld
abzuziehen. Den Versetzten bleiben sämtliche Ansprüche aus ihrem früheren Arbeitsverhältnis erhalten, mit der Einschränkung, daß Anciennitätsrechte im neuen Betrieb lediglich rückwirkend bis August 1961 geltend

5-

�geltend gemacht werden können. Der Ausschuß betrachtete seine Tätigkeit
in bezug auf die Umschulung und Arbeitsplatzbeschaffung als eine Ergänzung des zwischenbetrieblichen Arbeitskräfteausgleichs und stimmte seine
Projekte auf die besondere Lage jener Entlassenen ab, die nicht am zwischenbetrieblichen Arbeitskräfteausgleich teilnehmen mochten oder konnten.
Der zwischenbetriebliche Arbeitskräfteausgleich erwies sich im
Falle Sioux City als eine segensreiche Einrichtung, weil einmal der örtliche Arbeitskräftebedarf sehr gering war und weil zum anderen Beschäftigungsaussichten für die Anspruchsberechtigten größtenteils in Betrieben der Armour &amp; Co. in einem Umkreis von rund 400 km geboten werden
konnten. Dar Ausschuß beschritt in Sioux City verschiedentlich neue Wege
in der Absicht, das Maß der Unsicherheit und Ungewißheit auf seiten der
Arbeiter im Falle einer Versetzung auf ein Mindestmaß zu verringern.
So wurde auf Anregung des Ausschusses ein sogenanntes Rücktrittsrecht in das Programm eingebaut, das versetzten Arbeitnehmern die Möglichkeit offen hielt, innerhalb einer bestimmten Frist nach Versetzung
in einen anderen Betrieb in ihre Heimatstadt zurückzukehren, ohne den
Anspruch auf Entlassungsgeld zu verlieren. Das Risiko des Arbeitnehmers
beschränkte sich demgemäß auf den Abzug der gewährten technischen Anpassungshilfe und evtl. gewährter Umzugsbeihilfen vom Entlassungsgeld.
Über 200 Personen fanden über den tarifvertraglichen zwischenbetrieblichen Arbeitskräfteausgleich einen Arbeitsplatz in einem anderen
Betrieb der Armour &amp; Co. Im Juni 1965 waren 183 noch an dem zugewiesenen neuen Arbeitsplatz tätig. Weitere 29 Personen aus Sioux City, die
keinen Anspruch auf Einbeziehung in den zwischenbetrieblichen Arbeitskräfteausgleich hatten, bewarben sich um Stellungen in anderen Betrieben
der Armour &amp; Co. und wurden dort neu angestellt.
Da die Arbeitsplatzverdrängten unter verschiedenen Alternativen zu
wählen hatten, war es unerläßlich, sie eingehend über die gebotenen
Möglichkeiten zu informieren. Anläßlich der Betriebsschließung wurden
deshalb erneut Belegschaftsversammlungen abgehalten; in der Zeit danach
war das Büro des Ausschusses für die Arbeitnehmer die wichtigste Informationsquelle. Den Betroffenen wurde somit der gesamte Bereich der sich
bietenden Möglichkeiten mehrmals klar vor Augen geführt.
Eine vom Ausschuß angeregte Untersuchung der Faktoren, die von Einfluß auf die endgültige Entscheidung der Arbeitnehmer und die Arbeitsmobilität insgesamt waren, erbrachte interessante Aufschlüsse. Einige
Ergebnisse dieser Untersuchung seien im folgenden wiedergegeben:
"Zur Zeit der Betriebsstillegung waren 80 Prozent der Arbeitnehmer
bereit, unter gewissen Voraussetzungen einer Versetzung zuzustimmen,
20 Prozent waren unter keinen Umständen willens. 40 Prozent ließen sich
für eine Versetzung vormerken, 25 Prozent akzeptierten später das Versetzungsangebot der Firma auf der Basis der getroffenen Vereinbarung.
21 Prozent

- 6 -

�21 Prozent der Versetzten hatten den zugewiesenen Arbeitsplatz ein halbes
Jahr nach der Versetzung noch inne.
Der wichtigste Grund, der Arbeitnehmer zur Einwilligung in die Kündigung als Alternative zur Versetzung bestimmte, waren Befürchtungen hinsichtlich der Unsicherheit des neuen Arbeitsplatzes und insbesondere die
angesichts der Anciennitätsregelung verständliche Angst vor einer möglichen Entlassung im Falle neuer Kündigungen.
Die bestimmenden Faktoren für die Zustimmung der Arbeitnehmer zu
ihrer Versetzung waren die generell schlechten Aussichten auf einen neuen
Arbeitsplatz in Sioux City und das ihnen zugestandene Recht, innerhalb
sechs Monaten nach Sioux City zurückzukehren, ohne den Anspruch auf Entlassungsgeld zu verlieren.
Das System des zwischenbetrieblichen Arbeitskräfteausgleichs hat
sich im wesentlichen bewährt. Es fanden sich weit mehr Arbeitskräfte zur
weiteren Mitarbeit bei Armour &amp; Co. bereit, als dies bei früheren Betriebsstillegungen der Fall war.11
Die wichtigste Folgerung aus der Untersuchung besagt, daß die Sicherheit des Arbeitsplatzes der wichtigste Faktor überhaupt ist, der über Erfolg oder Mißerfolg eines Versetzungsplanes entscheidet. Im Fall Fort
Worth (wo ein "Rückkehr"-Recht nicht gegeben war) ließen sich nur 20 von
800 anspruchsberechtigten Mitarbeitern für eine Versetzung vormerken, und
nur 3 machten von dem Versetzungsangebot tatsächlich Gebrauch und arbeiteten weiterhin für Armour &amp; Co.
Die Vermittlung eines neuen Arbeitsplatzes
Trotz der beschränkten Möglichkeiten auf dem örtlichen Arbeitsmarkt
erwies sich das Arbeitsvermittlungsprogramm doch als recht erfolgreich.
Von Mai 1963 bis Mai 1965 konnte die Außenstelle des Arbeitsvermittlungsdienstes 450 Arbeitsplatzverdrängten einen neuen Arbeitsplatz vermitteln.
In einigen Fällen handelte es sich lediglich um vorübergehende Einstellungen, in Ausnahmefällen auch um Zweitvermittlungen von Personen, die einen
Arbeitsplatz gefunden hatten und dann wieder entlassen worden waren. Läßt
man die Arbeitnehmer außer Betracht, die in den Ruhestand traten oder.über
den zwischenbetrieblichen Arbeitskräfteausgleich innerhalb der Firma weiterbeschäftigt wurden, so konnte fast die Hälfte der von der Betriebsschließung betroffenen Arbeitnehmer in neue Stellen vermittelt werden.
Bei der Durchführung dieses Programmes bestätigte sich der Wert einer
engen Zusammenarbeit zwischen Behörden und privaten Institutionen. Das
Büro ermutigte die Entlassenen ausdrücklich, sich an den einzelstaatlichen
Arbeitsvermittlungsdienst zu wenden. Zwischen beiden Stellen fand ein fortgesetzter Austausch von Informationen statt, der insbesondere den "schwierigen Fällen" zugute kam. Behörden haben gewisse Schwierigkeiten, wenn es
darum geht, einem Arbeitsuchenden beispielsweise klarzumachen, daß vieles
von seinem äußeren Erscheinungsbild abhängt, daß er sich zur Teilnahme an

- 7 -

�an Rehabilitationsmaßnahmen melden sollte, oder daß eine Änderung seiner ganzen Verhaltensweise seine Aussichten auf einen neuen Arbeitsplatz wesentlich erhöhen würde. Den Mitarbeitern des Ausschusses sind
in dieser Hinsicht angesichts ihrer Mittlerrolle weniger enge Grenzen
gesetzt.
Aus einer ganzen Reihe von Gründen fällt es schwer, Wert und Erfolg dieser Art der Arbeitsvermittlung genau festzustellen. Iti jedem
Falle ist die Unterbringung von 450 Arbeitsuchenden eine Leistung.
Noch schwieriger ist es, günstige Nebenwirkungen zu beurteilen.
Viele der Entlassenen, die mit Informationen über den Arbeitsmarkt
versorgt wurden, fanden in der Folge dank eigener Bemühungen einen neuen Arbeitsplatz. Manche von ihnen meldeten sich jedoch nicht mehr im
Büro des Ausschusses oder beim Arbeitsvermittlungsdienst. Von besonderem Wert dürften die Informationen über offene Stellen gewesen sein,
wie sich an zahlreichen generellen Beobachtungen ablesen läßt.
Die Wirksamkeit eines Programmes zur Unterbringung von Arbeitskräften wird gewöhnlich nach den statistischen Angaben über die Löhne
beurteilt, zu denen die vermittelten Arbeitskräfte eingestellt wurden.
Die Antworten auf die diesbezüglichen Fragen einer Erhebung des Büros
lassen erkennen, daß 54 Prozent der Entlassenen, die innerhalb eines
Jahres nach Betriebsschließung wieder Arbeit fanden, nur die Hälfte oder
weniger als die Hälfte von dem verdienten, was sie zuvor bei Armour &amp;
Co. verdient hatten. Diese Beobachtung zeigt, daß die Unterbringung an
einem neuen Arbeitsplatz die Stabilität des Einkommens der betreffenden
Arbeitskräfte nicht zu gewährleisten vermochte.
Angesichts der relativ schlechten Unterbringungsmöglichkeiten auf
dem örtlichen Arbeitsmarkt war diese Entwicklung leider vorauszusehen.
Andererseits war eine neue Beschäftigung bei geringerem Lohn einer fortgesetzten Arbeitslosigkeit vorzuziehen.
Die Umschulung
In der zweijährigen Laufzeit des Projektes beteiligten sich insgesamt 156 Personen an Umschulungsmaßnahmen. 124 Personen schlössen die
Kurse mit Erfolg ab und 32 schieden vorzeitig aus. Zur Zeit der Fertigstellung dieses Berichts standen 80 Prozent der erfolgreichen Absolventen der Umschulungslehrgänge in Arbeit. Von diesen hatten 94 an Kursen
im Rahmen von Maßnahmen des Gesetzes über die Entwicklung des Arbeitsmarktes und 30 an Kursen des Ausschusses teilgenommen.
Die Kurse aufgrund des Gesetzes über die Entwicklung des Arbeitsmarktes erstreckten sich auf 17 verschiedene Berufssparten, angefangen
von technischem Zeichnen über Elektroreparatur bis zur Ausbildung in
der Landwirtschaft. Die Kurse des Ausschusses dienten vor allem der Ausbildung von kleinen Gruppen und auch Einzelpersonen und sollten die
Lücken im erstgenannten Programm füllen.
Die

- 8 -

�Die Organisierung der Umschulungsprogramme im Rahmen des Gesetzes
über die Entwicklung des Arbeitsmarktes kostete die Vertreter des Ausschusses wie auch der örtlichen Dienststelle des Arbeitsvermittlungsdienstes sehr viel Zeit. Örtliche Schulungseinrichtungen außer den normalen öffentlichen Schulen bestanden nicht; diese wiederum bedurften der
Erweiterung und Modernisierung, um den Anforderungen des Gesetzes über
die Entwicklung des Arbeitsmarktes zu entsprechen. Sowohl der Arbeitsvermittlungsdienst als auch der Ausschuß schlugen deshalb den örtlichen
Schulbehörden schon zeitig vor, die unter dem Gesetz erhältlichen Mittel
dazu zu benutzen, die Schuleinrichtungen zu verbessern und dann die erforderlichen Umschulungskurse einzurichten und durchzuführen.
Die Schulbehörden weigerten sich jedoch im ersten Vierteljahr nach
der Betriebsstillegung, Bundesmittel anzunehmen und an dem Gesamtprojekt
mitzuarbeiten. Nach mehreren abschlägigen Bescheiden erklärte sich die
Schulbehörde schließlich nach einer erneuten Abstimmung unter ihren Mitgliedern bereit, die Schuleinrichtungen, so wie sie waren, den Organen
des Staates Iowa für das Umschulungsprogramm zur Verfügung zu stellen.
Die bestehenden Einrichtungen konnten somit nicht erweitert und modernisiert werden, und die Durchführung der Kurse wurde dem Staat Iowa übertragen. Diese Entscheidung hatte eine starke Verzögerung der Vorbereitung des Programms zur Folge, die durch die räumliche Entfernung zwischen
einzelstaatlichen und kommunalen Dienststellen bedingt war. Trotz fortgesetzten Drängens seitens der Vertreter des Arbeitsvermittlungsdienstes
und des Ausschusses vollzog sich der Aufbau des Umschulungsprogramms nur
sehr langsam. Drei Monate nach der Betriebsstillegung waren 200 Anträge
auf Zulassung zu Umschulungskursen genehmigt. Ein Jahr nach der Betriebsstillegung hatte erst für rund 90 Antragsteller die Umschulung gemäß
Arbeitsmarktgesetz begonnen.
Diese Tatsachen beeinflußten die späteren Bemühungen im Bereich der
Umschulung ganz entscheidend. Die Vertreter des Ausschusses und der örtlichen Dienststelle des Arbeitsvermittlungsdienstes sahen sich vor die
Notwendigkeit gestellt, die für die Umschulung aufgrund des Gesetzes vorgesehenen Maßnahmen von Fall zu Fall zu entwickeln. So wurde schließlich
der größte Teil der Umschüler in Einrichtungen unterrichtet, die ihnen
vom Ausschuß oder vom Arbeitsvermittlungsdienst nachgewiesen worden waren.
Das Umschulungsprogramm des Ausschusses wurde unter folgenden Richtlinien abgewickelt: 1. Es sollte keinem Antragsteller von vornherein die
Beteiligung verweigert werden; deshalb wurden lediglich einige wenige Personen mit außerordentlich geringen Fähigkeiten und Fertigkeiten, die sich
noch dazu überhaupt keine Vorstellung von einer neuen Tätigkeit machen
konnten, von der Teilnahme ausgeschlossen. 2. Alle Teilnehmer wurden angeregt, früher erworbene Fertigkeiten zu pflegen und womöglich weiterzuentwickeln. 3. Hinsichtlich der Zulassung zu den einzelnen Fachkursen
wurde jede Diskriminierung aufgrund der Rassenzugehörigkeit oder des
Alters, wie sie eventuell örtlich verschiedentlich noch geübt wird, von
vornherein ausgeschlossen; die Bewerber wurden auf die sich hieraus ergebenden Probleme hingewiesen. Die Wahl der Fachrichtung wurde ihnen freigestellt. Und schließlich wurden bezüglich der von Fall zu Fall zu gewährenden finanziellen Unterstützung keinerlei Höchstgrenzen festgesetzt.
Der
- 9-

�Der Ausschuß gewährte bei diesem Projekt erstmals Unterhaltsbeihilfen in Höhe der einzelstaatlichen Zuschüsse nach dem Gesetz über die
Entwicklung des Arbeitsmarktes sowie Fahrgeldzuschüsse an Personen, die
an Umschulungsmaßnahmen außerhalb Sioux Gity teilnehmen mußten. Der Ausschuß richtete ferner über eine örtliche Bank ein Kreditprogramm ein, um
den in der Umschulung befindlichen Arbeitnehmern zusätzliche Finanzhilfe
gewähren zu können.
Die Kredite waren bis drei Monate nach Abschluß der Umschulungsmaßnahmen tilgungsfrei, und der Zinssatz lag wesentlich unter der marktüblichen Höhe. Kredite wurden von 14 Personen in Anspruch genommen. Die
Schuldner sind den ihnen hieraus erwachsenen Verpflichtungen voll und
ganz nachgekommen. Dieses Programm versetzte die betreffenden Teilnehmer
an Umschulungslehrgängen in die Lage, die Ausbildung normal abzuschließen
und nicht wegen finanzieller Schwierigkeiten abzubrechen. Die Bereitstellung von Kreditmitteln dürfte sich auch bei künftigen Umschulungsprogrammen empfehlen.
Bei der Beurteilung der Erfolgsaussichten eines Umschulungsprogrammes
muß man sich der Schwierigkeiten bewußt sein, die die Beschaffung der
erforderlichen schulischen Einrichtungen, die starke Differenzierung des
Kreises der zu schulenden Personen und die Lage auf dem Arbeitsmarkt,
soweit sie von Einfluß auf die Wiederbeschäftigungsmöglichkeiten der
Auszubildenden ist, bereiten. Was den Anteil derjenigen angeht, die die
Umschulung zwar begonnen aber nicht abgeschlossen haben, wie auch den Anteil derer, die schließlich an einen Arbeitsplatz vermittelt werden
konnten, braucht das Programm von Sioux Gity den Vergleich mit Maßnahmen
aufgrund des Gesetzes über die Entwicklung des Arbeitsmarktes in anderen
Teilen der Vereinigten Staaten nicht zu scheuen, insbesondere wenn man
bedenkt, daß die in Sioux Gity vermittelten Arbeitskräfte nicht gerade
die günstigsten Aussichten auf Wiederbeschäftigung hatten. Von allen
denen, die wieder einen Arbeitsplatz fanden, übten allerdings nur 55 Prozent einen Beruf aus, der in unmittelbarem Zusammenhang mit der Umschulung stand. Die eingehende Beobachtung des Programmes rechtfertigt das
Urteil, daß verdrängte Arbeitskräfte auch der älteren Jahrgänge bereit
sind, während der Zeit der Umschulung zahlreiche Härten auf sich zu
nehmen, um so gewissermaßen den Nachweis ihrer Befähigung zur Übernahme
eines neuen Arbeitsplatzes zu erbringen.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 88, Nr. 11, November 1965)

+ +++ +

- 10 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Amerikanische Gewerkschaft hilft Automobilarbeitern im Ausland
Um die Automobilarbeiter in vielen Ländern der Erde bei ihren Lohnverhandlungen (speziell auch mit US-Unternehmen) zu unterstützen, hat
die Gewerkschaft der United Automobile Workers of America (UAW) ein
Expertenteam gebildet, das die ausländischen Gewerkschaften nicht nur
berät, sondern sich auf Wunsch auch in die Verhandlungen einschaltet.
So ist kürzlich ein UAW-Vertreter vor der Australian Arbitration
Commission für eine Erhöhung der Arbeitslöhne eingetreten. Es war das
erste Mal, daß ein Ausländer an einem australischen Lohnstreit aktiv
beteiligt war.
Bereits seit einem Jahr bestehen vier Ausschüsse bei der UAW, die
in Lohnverhandlungen mit internationalen Unternehmen der AutomobilIndustrie eine beratende Funktion ausüben.

+
Bildungsprogramm Regen Automationsfolgen
Das wirksamste Mittel gegen die negativen Auswirkungen der Automation ist nach Auffassung des Dachverbandes der amerikanischen Gewerkschaften, der AFL-CIO, ein möglichst breit angelegtes und kostenloses
Bildungsprogramm, das alle Bildungsstufen vom Kindergarten bis zur
Hochschule umfaßt. Die Gewerkschaften, so wurde erklärt, seien nicht
grundsätzlich gegen die Automation; man müsse jedoch nach Mitteln suchen, um alle an ihren Vorteilen zu beteiligen. Befürwortet wurde weiterhin die Bildung eines Wirtschaftsplanungsinstituts aus führenden
Vertretern der Industrie, der Gewerkschaften, der freien Berufe und
der Universitäten, das durch seine Arbeit die wirtschaftlichen Zusammenhänge klären helfen und somit einen günstigen Einfluß auf die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft ausüben könne.

+
Umschulung für Körperbehinderte
Von den insgesamt 206 000 Arbeitslosen, die in den letzten drei
Jahren im Rahmen des Gesetzes zur Entwicklung des Arbeitsmarktes
(Manpower Development and Training Act) ausgebildet oder umgeschult
wurden, sind 14 350 - rund sieben Prozent - Körperbehinderte. Mehr als
ein Drittel von ihnen, nämlich 37 Prozent, wurden auf Fachberufe, wie
Kraftfahrzeugmechaniker, Schweißer oder Karosserieschlosser, vorbereitet.
Annähernd

- 11 -

�Annähernd 20 Prozent wurden zum Fabrikarbeiter oder Tankwart ausgebildet, während über 14 Prozent eine kaufmännische Schulung, insbesondere als Stenograph oder Büroangestellter, erhielten. Ahnliche
Trainingsprogramme wurden auch für geistig Zurückgebliebene durchgeführt, die als Hilfskräfte in der Textil-, in der Schuhindustrie
oder im Haushalt eingesetzt werden können.

+
Arbeitslose werden zu Tankwarten ausgebildet
Um der langfristigen Arbeitslosigkeit ungelernter Arbeiter abzuhelfen und gleichzeitig den Tankstellenservice in den Vereinigten
Staaten zu verbessern, befürwortete das US-Arbeitsministerium ein Programm zur Ausbildung von Arbeitslosen und Hilfsarbeitern zu Tankwarten.
Zunächst ist die Unterrichtung von 4160 Personen vorgesehen: 3000 werden durch einzelstaatliche Arbeitsämter ausgewählt, während der Rest
aus Hilfskräften besteht, die bereits bei einer Tankstelle beschäftigt
sind. Das Arbeitsministerium hat insgesamt 1,7 Millionen Dollar für
das Trainingsprogramm bereitgestellt. Die Ausbildungskurse sollen zehn
Wochen dauern.

4
Arbeitskräftemangel in der US-Luftfahrtindustrie
Hochspezialisierte Fachkräfte der Luftfahrtindustrie in New York
anzuwerben und sie samt ihren Familien nach Long Beach (Kalifornien)
umzusiedeln, versucht die Douglas Aircraft Company, eine der führenden
Flugzeug-Herstellerfirmen Amerikas. Die Gesellschaft sieht sich zu
diesem ungewöhnlichen Schritt gezwungen, da die Reserven an Luftfahrtingenieuren und Facharbeitern im Westen der Vereinigten Staaten erschöpft sind. In Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt des Staates New York
und dem US-Arbeitsministerium plant die Douglas Aircraft Company, in
den nächsten Monaten insgesamt 1500 Arbeitskräfte an der Ostküste anzuwerben.

(Quelle: Eigenberichte)

+ ++++

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enth&amp;lt Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIX - 2/3

Februar/März 1966

INHALT
Der amerikanische Arbeitsmarkt heute

Seite 1

Der amerikanische Arbeitsmarkt heute
Aus "Manpower Report of the President and A Report on Manpower
Requirements, Resources, Utilization, and Training by the
United States Department of
Labor", März 1966
Tendenzen der Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
Das Jahr 1965 war für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten eine
Periode hervorragender Leistungen. Die Gesamterzeugung an Waren und
Dienstleistungen, wie sie ihren Niederschlag im Bruttosozialprodukt
findet, erhöhte sich um 5,5 Prozent - eine Rate, die den Durchschnitt
der letzten beiden Jahrzehnte erneut um knapp die Hälfte überstieg.
Die Gesamtbeschäftigung erhöhte sich im abgelaufenen Jahr um die fast
einen Rekord darstellende Zahl von 1,8 Millionen und übertraf damit
den Zuwachs der Zahl der Erwerbspersonen um 1,4 Millionen ganz beträchtlich (siehe Tafel 1). Die Ausweitung der Wirtschaft, die größtenteils der zeitgerechten Anwendung der Handhaben der allgemeinen Wirtschaftspolitik zuzuschreiben ist, trug im Verein mit den besonderen
Regierungsprogrammen im Bereich der Arbeitsmarktpolitik und dem Krieg
ge^en die Armut wesentlich zur Verringerung der Arbeitslosigkeit im
Jahre 1965 auf durchschnittlich 4,5 Prozent - den geringsten Jahressatz seit 1957 - bei.
Bezeichnenderweise hielt der rasche Anstieg der Beschäftigung und
Produktion sowie die Abnahme der Arbeitslosigkeit das ganze Jahr 1965
über unvermindert an und setzte sich auch in den ersten Monaten des

- 1-

�Tafel 1
Arbeitsbevölkerung, Beschäftigung; und Arbeitslosigke:Lt
1964-65
(Personen 14 Jahre und darüber; in 1000)
1964

Erwerbspersonen
Erwerbspersonen
außer Streitkräfte
Gesamtbeschäftigung
Landwirtschaft
Industrie und Gewerbe
Arbeitslosigkeit
Arbeitslosigkeitsrate
(in Prozent)

1965

Veränderung
1964-65
Zahl

Prozent

76 971

78 357

1386

1,8

74 233

75 635

1402

1,9

70 357

72 179

1822

2,6

4 761

4 585

-176

-3,7

65 596

67 594

1998

3,0

3 876

3 456

-420

-10,8

5,2

4,6

Anm.: Die Einzelangaben addieren sich wegen Ab- und Aufrundung nicht
notwendig zu den Gesamtziffern.
des Jahres 1966 fort. Damit steht Amerika am Anfang des sechsten Jahres
eines ununterbrochenen wirtschaftlichen Wachstums seit der letzten Rezession von 1961. Im Januar 1966 sank die Arbeitslosenrate auf 4 Prozent
ab - abgesehen von der Zeit des Koreakrieges in etwa der niedrigste Satz
seit Ende des zweiten Weltkriegs - und die Wirtschaft befand sich, was
noch wichtiger ist, nach wie vor in rascher Expansion.
Ebenso wichtig wie der Umfang der Zunahme der Gesamtbeschäftigung
im Jahre 1965 waren auch die Trends, die sich in der Verteilung des Beschäftigtenzuwachses auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche und Beschäftigungssparten offenbarten. Auf dem privaten Sektor der Wirtschaft im
allgemeinen und in der Fertigungsindustrie und den mit ihr verbundenen
Wirtschaftszweigen im besonderen war der Beschäftigungszuwachs außerordentlich stark. Die Zahl der Arbeitsplätze in der Fertigungsindustrie
übertraf erstmals den Stand in den Jahren des zweiten Weltkriegs; sämtliche Sparten der Dauergüterindustrie und fast alle Zweige der Herstellung von kurzlebigen Gütern meldeten eine Zunahme der Beschäftigtenziffern. Die Erhöhung der Zahl der Arbeitsplätze brachte eine beträchtliche Verbesserung der Beschäftigungsaussichten einer Anzahl von bisher

�bisher benachteiligten Bevölkerungsgruppen, einschließlich der Neger
und der ungelernten Arbeitskräfte, mit sich. Der Beschäftigungszuwachs
erstreckte sich auf weite Teile der Vereinigten Staaten.
Die rascheste Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten war 1965 in
den Arbeiterberufen - besonders im Bereich der ungelernten Arbeitskräfte - sowie unter den Jugendlichen und Farbigen zu beobachten, d.h.
bei den Gruppen, die zumindest während des letzten Jahrzehnts ernste
Beschäftigungsschwierigkeiten hatten. Besonders eindrucksvoll war die
Eingliederung einer Rekordzahl von 850 000 jugendlichen Arbeitern im
Alter von 18 bis 24 Jahren in den Arbeitsprozeß; diese Zahl entspricht
mehr als dem Doppelten der jährlichen Neuzugänge dieser Altersgruppe
auf dem Arbeitsmarkt während der vorausgegangenen vier Jahre.
Die gesamte Zunahme des Beschäftigtenstandes im Jahre 1965 entfällt wie schon im Jahre 1964 auf Ganztagsbeschäftigte. Die Zahl der
Teilzeitbeschäftigten (außer Landwirtschaft), die meist aufgrund wirtschaftlicher Gesichtspunkte dieser Form der Arbeit den Vorzug gaben,
nahm weiterhin ab und erreichte den niedrigsten Stand, der seit der
Einführung diesbezüglicher Statistiken im Jahr 1956 zu verzeichnen war.
Die starke Nachfrage nach Arbeitskräften spiegelt sich auch in der
wesentlichen Verlängerung der Wochenarbeitszeit in den Fertigungsbetrieben wider, die 1965 um 24 Minuten oder fast ein Prozent auf den
Nachkriegsrekord von 41 Stunden 6 Minuten zunahm. Die Zahl der geleisteten Überstunden der Produktionsarbeiter erreichte den höchsten Stand
in den 10 Jahren der Führung diesbezüglicher Statistiken und betrug im
Durchschnitt im Bereich der Fertigung langlebiger Güter 3,9 Stunden
und im Bereich der Fertigung kurzlebiger Güter 3,1 Stunden.
Auch die langfristige Arbeitslosigkeit, die sich in den vorausgegangenen kürzeren Perioden des Konjunkturaufschwungs als sehr hartnäckig erwiesen hatte, nahm beträchtlich ab. Die Zahl der Arbeiter, die
15 Wochen und länger arbeitslos waren, verringerte sich 1965 um 200 000,
d.h. um etwa das Doppelte der Abnahme im vorausgegangenen Jahr. Die
größte Abnahme der langfristigen Arbeitslosigkeit betraf Arbeitskräfte,
die sechs Monate oder länger arbeitslos waren; ihre Zahl ging um 130 000
zurück. Diese günstige Entwicklung war unter zwei Gruppen besonders
ausgeprägt, die bisher am stärksten unter langfristiger Arbeitslosigkeit
zu leiden hatten: ungelernte und ältere Arbeiter.
Trotz dieser bedeutsamen Fortschritte blieben manche ernste Arbeitsmarktprobleme bisher ungelöst. Die durchschnittliche Arbeitslosenrate
von 4 Prozent im Dezember spiegelt unter anderem weit höhere Arbeitslosenraten unter den Jugendlichen im Alter bis zu 20 Jahren (13 Prozent)
und unter den Farbigen (7,5 Prozent insgesamt und über 25 Prozent bei
Jugendlichen unter 20 Jahren) wider. Jedes achte der größeren Industriegebiete in den Vereinigten Staaten registrierte eine Arbeitslosenrate
von über 6 Prozent, da man dort die Probleme der Arbeitslosigkeit,
die Strukturveränderungen in der Industrie heraufbeschworen haben, bisher nicht zu lösen vermochte. Von den Arbeitslosen im ganzen Land war

- 3 -

�war jeder fünfte über 15 Wochen oder länger arbeitslos, und von denen,
die in einem Beschäftigungsverhältnis standen, übten viele ihre Tätigkeit zu einem Lohn aus, der ihnen nur das Existenzminimum sicherte.
Auf der anderen Seite war die Arbeitslosenrate zum Jahresende für
die meisten der gelernten und erfahrenen Arbeitskräfte sehr niedrig 2,3 Prozent für Männer im Alter von 25 Jahren und darüber. Gewisse Anzeichen deuten darauf hin, daß in manchen Regionen und Beschäftigungszweigen eine ernsthafte Verknappung von Arbeitskräften droht. Die
Nachfrage nach Material und Arbeitskräften, die der Vietnamkonflikt
bedingt, beginnt das Problem der Aufrechterhaltung der Preis- und
Kostenstabilität zu erschweren, wenngleich es den Fortschritt in Richtung auf die Vollbeschäftigung beschleunigt.
Von grundlegender Bedeutung ist jedoch die Tatsache, daß die Wirtschaft nach einer bisher einmalig langen Periode der beschleunigten
Expansion mit bemerkenswert wenigen Strukturverzerrungen, und sogar
um viele ältere Verzerrungen erleichtert, in das Jahr 1966 eintreten
konnte. Eine von Einfallsreichtum und sozialer Verantwortung getragene
Handhabung der Steuer- und Arbeitsmarktpolitik seitens des Staates ermöglichte es der freien Wirtschaft, die Arbeitslosenrate auf 4 Prozent
herabzudrücken, ohne daß es zu Gleichgewichtsstörungen gekommen ist,
die den Bestand der Wirtschaft gefährden könnten.
Die Wirtschaft betritt nunmehr auf ihrem Wege zur Vollbeschäftigung
unbekanntes Neuland. Die staatliche Politik wie auch die Planung und
Initiative der privaten Wirtschaft stehen vor einer ernsten Bewährungsprobe, versuchen wir doch, inflatorische Tendenzen und Gleichgewichtsstörungen jener Art zu vermeiden, die später zu einer Rezession führen
könnten, und gleichzeitig die Arbeiter soweit zu fördern, daß sie sich
die für die verfügbaren Arbeitsplätze erforderlichen Qualifikationen
aneignen. Die Leistungen des Jahres 1965 zeigten, daß sich die Expansion
der Wirtschaft ohne di* Auswüchse vorantreiben läßt, die eine Rezession
begünstigen. Nunmehr gilt es zu beweisen, daß es möglich ist, jedem
Mitglied unserer Gesellschaft einen gerechten Anteil an der fortgesetzten Expansion zu verschaffen und genügend Arbeitskräfte mit ausreichenden Fachkenntnissen bereitzustellen, um die vorhandenen Arbeitsplätze
zu füllen. Nur so kann unsere Nation ihre Aufgaben im eigenen Land und
in der Welt erfüllen und weiterhin Arbeitsplätze für alle schaffen, die
arbeitswillig sind.
Das Wirtschaftswachstum der jüngsten Zeit in Perspektive
Der Beschäftigungszuwachs in der derzeitigen Periode der Prosperität ist größtenteils der Länge und dem Ausmaß der wirtschaftlichen
Expansion zu verdanken.
Der wirtschaftliche Aufschwung ist hinsichtlich seiner Stärke, d.h.
der durchschnittlichen Wachstumsrate, im Vergleich zu anderen Perioden
zunehmender Wirtschaftstätigkeit in der Nachkriegszeit nicht außerordentlich. Was die derzeitige Expansion jedoch von anderen unterscheidet, ist

- 4 -

�ist nicht ihre Wachstumsrate, sondern ihre Dauer. Die derzeitige Konjunktur hält bereits länger an, als die Expansion von 1958-60 und 1954-57.
Sie währt nunmehr, im ersten Quartal 1966, bereits ein ganzes Jahr länger
als die Hochkonjunktur während des Koreakriegs, die sich über 16 Quartale
erstreckte. Hinsichtlich Dauer und Gesamtwachstum übertrifft sie alles,
was die US-Wirtschaft in Friedenszeiten innerhalb des halben Jahrhunderts
der Führung diesbezüglicher Statistiken geleistet hat.
Das amerikanische Bruttosozialprodukt erreichte Ende 1965 eine Jahresrate von 697 Milliarden Dollar, das entspricht einer Zunahme um beinahe
195 Milliarden Dollar oder um etwa zwei Fünftel seit dem Tiefpunkt der
•»letzten Rezession Anfang 1961. Unter Berücksichtigung der relativ bescheidenen Preissteigerungen bedeutet dies einen tatsächlichen Zuwachs
des Produktionsvolumens um 30 Prozent. Er übertrifft die Ergebnisse in
den beiden gemäßigten Hochkonjunkturperioden Mitte und Ende der fünfziger Jahre bereits um über das Doppelte.
Diese fünf Jahre anhaltender und durchgehender Beschleunigung der
Wirtschaftstätigkeit wirkten sich einschneidend auf die Beschäftigungslage aus und zeitigten einen kumulativen Effekt. Die Gesamtbeschäftigtenzahl stieg von 66,75 Millionen Anfang 1961 auf den neuen Höchststand
von fast 73 Millionen zu Ende 1965. Obwohl die Zahl der Erwerbspersonen
im gleichen Zeitraum um 4,5 Millionen zunahm, das sind im Durchschnitt
über 1 Million
je Jahr, bewirkte die rasche Ausweitung der Beschäftigungsmöglichkeiten eine Senkung der Arbeitslosenziffer um ein Drittel
(siehe Tafel 2).
Die derzeitige Expansion ist des weiteren charakterisiert durch die
fortgesetzte Beschleunigung der Zuwachsrate der Beschäftigung und Produktion in ihrem gesamten Verlauf. Der Beschäftigungszuwachs war 1964
wesentlich höher als 1963 und 1965 wiederum höher als 1964. Mit über
2,5 Prozent war die Zuwachsrate von 1965 die höchste seit 1956.
Die Vereinigten Staaten entgingen somit dem Trend, der in den fünfziger Jahren vorherrschte, als die Expansion jeweils kurz vor einer
echten Erholung bei steigenden Arbeitslosenziffern stagnierte.
Die entscheidende Rolle des Staates
Die fortgesetzte Expansion der Wirtschaft und der damit verbundene
rasche Produktions- und Beschäftigungszuwachs sind kein Zufall. Sie sind
vielmehr das Ergebnis der entschlossenen Handhabung des politischen
Instrumentariums, das der Bundesregierung, zur Verfügung steht, um das
Wachstum aufrecht zu erhalten und eine volle Ausschöpfung sowohl des
Arbeitskräftepotentials als auch der Produktionskapazität zu erreichen.
Zahlreiche der langfristigen Maßnahmen im Bereich der Steuer-, Geld- und
Arbeitsmarktpolitik der Regierung stellten insofern etwas völlig neues
dar, als sie auf den erarbeiteten Prognosen bezüglich künftiger Probleme
und auf gezielten und integrierten Programmen 8 U ihrer Vermeidung beö
ruhten.
Tafel 2

�Tafel 2
Konlunktururaschwung und nachfolgende Expansion
1. Quartal 1961 bis 4. Quartal 1965
(Quartaisdurchschnitte)
T

Prozentuale
Veränderung

1961

1965
1)

Absolute
Veränderung

503,6
402,7

697,2
o24,4

1^3,6
141,7

38,4
29,4

6,9
5,4

71 653

76 175

4 522

6,3

1,3

66
23
29
8

72
26
32
9

6
3
2
1

189
441
950
128

9,3
14,7
10,0
13,2

1,9
2,9
2,0
2,6

Insge- Jahresdurchsamt
2)
schnitt

Bruttosozialprodukt
(Mrd. Dollar)
Zu Tagespreisen
In Preisen 1958
Erwerbspersonen insg.
(in 1000)
Beschäftigte insg.(in 1000)
Arbeiter
Angestellte
Dienstleistungsbeschäftigte
Nichtlandwirtschaftliche
Beschäftigte (in 1000)
Fertigungsindustrien (einschl.
Transport-u.Versorgungsbetriebe)
Dienstleistungsgewerbe
Arbeitslosigkeit insg.
(in 1000)
Arbeitslosenrate insg. (in %)
Männer (25 Jahre und älter)
Frauen (25 Jahre und älter)
Jugendliche (bis 20 Jahre)
Farbige
Arbeiter
Angestellte
Durchschnittswochenlohn in
Fertigungsbetrieben (Dollar)
1)

783
394
428
514

972
835
378
642

53 465

61 409

7 944

14,9

2,9

23 505
29 960

26 294
35 116

2 789
5 156

11,9
17,2

2,4
3,4

4 870
6,8
5,3
5,8
15,6
12,4
9,7
3,2

3 203
4,2
2,5
3,7
12,8
7,8
4,6
2,2

-1 667
-2,6
-2,8
-2,1
-2,8
-4,6
-5,1
-1,0

-34,2
-38,2
-52,8
-36,2
-17,9
-37,1
-52,6
-31,2

-8,9

109,75

20,57

23,1

4,4

89,18

Vorläufige Angaben

2)
Vierteljährlich ermittelt und zu Jahresdurchschnitten vereint
Anm.: Die Einzelangaben addieren sich wegen Ab- und Aufrundung nicht
notwendig zu den Gesaratziffern.

- 6 -

-_
__
—

„

mm

__
--

�Die Bundesregierung leitete Anfang 1961 eine Reihe eng koordinierter Maßnahmen ein, die dazu beitrugen, den Anfang 1960 eingetretenen
Konjunkturrückgang in das Gegenteil zu verkehren. Eine neue Phase der
Expansion der Wirtschaft begann. Es wurden die Leistungsgrenzen der Arbeitslosenversicherung vorübergehend über die normale Anspruchsdauer
hinaus verlängert; die Leistungen der Sozialversicherung erweitert;
andere Überbrückungsleistungen erhöht; und die Regierungskäufe und die
staatlichen Beschaffungsprogramme ebenso wie die Aufwendungen für den
Straßenbau verstärkt. Diese Maßnahmen trugen entscheidend zu der späteren raschen Belebung der Wirtschaftstätigkeit wie auch zur Ausweitung
der Beschäftigungsmöglichkeiten bei, wenngleich sich das Tempo des Aufschwungs im Verlauf des Jahres 1962 zunächst ganz beträchtlich verlangsamte. Im zweiten Halbjahr 1962 war nur eine bescheidene Zunahme der
Zahl der Arbeitsplätze zu verzeichnen, und die Arbeitslosenrate hielt
sich unverändert auf dem Stand von 5,5 Prozent, auf den sie im ersten
Quartal abgesunken war. Es wurde offenbar, daß die Wirtschaft nicht
rasch genug expandierte, um genügend Arbeitsplätze für die große Zahl der
Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen, geschweige denn, den Prozentsatz der Arbeitslosigkeit zu verringern.
Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde eine Reihe von Steuer- und
kreditpolitischen Maßnahmen eingeleitet, deren wichtigste eine durchgreifende Senkung der Einkommens- und Körperschaftssteuer Anfang 1964
war. Diese Steuersenkung gab der Produktion und Beschäftigung ganz erheblich Auftrieb und hat sich in der Zwischenzeit als einer der wichtigsten Faktoren der anhaltenden beträchtlichen Beschleunigung der Wirtschaftstätigkeit während der letzten beiden Jahre erwiesen (siehe
Tafel 3 ) .
Die Arbeitsmarktpolitik
Die Bemühungen, die Nachfrage durch Steuersenkungen, Investitionsanreize und ähnliche Maßnahmen zu beleben, wurden durch eine neue aktivere Arbeitsmarktpolitik gefördert. Sie fand ihren Niederschlag in den
Programmen zur Schulung und Höherqualifizierung von Arbeitskräften, die
den Arbeitsuchenden die Anpassung an die gegebenen Arbeitsmöglichkeiten
erleichtern sollen. Diese bahnbrechenden Programme wurden als notwendige
Ergänzung der Steuer-: und Geldpolitik angesehen, sollte eine Ausweitung
der Beschäftigung und eine Verringerung der Arbeitslosigkeit bei dem
optimalen Wirtschaftswachstum erreicht werden, das mit der gebotenen Aufrechterhaltung der Preisstabilität vereinbar ist.
Das Gesetz zur Entwicklung des Arbeitsmarktes von 1962 (Manpower
Development and Training Act - MDTA), das Gesetz zur Sicherung des wirtschaftlichen Fortkommens von 1964 (Economic Opportunity Act) und andere
gesetzgeberischen Maßnahmen, die auf den gleichen Grundsätzen beruhen,
haben sich sehr günstig auf die Beschäftigungsmöglichkeiten ausgewirkt
und mitgeholfen, die für ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum erforderlichen und hinreichend qualifizierten Arbeitskräfte heranzubilden.
Tafel 3

�Tafel 3
Das Wirtschaftswachstum vor und nach der Steuersenkung von 1964
(Jahreszeitlich angeglichen)

IV. Quartal

1961

Erwerbspersonen (in Mio.)
Beschäftigte
Arbeitslose
Arbeitslosenrate (in %)

1963

1965

73,4

76,2

67,1 69,3
. 4,4 4,1

73,0

71,6

Absolute
Veränderg.

Durchschn.
jährliche .»
Veränderg.

IV

IV

IV

IV

1961

1963

1961

1963

-63

-65

-63

-65

1,8

2,8

2,1

3,7

1,3
1.6

1,9
2,6
-13,1

3,2
4,2

-0,3 -0,9
-0,6 -1,4

-3,5
—

—

Bruttosozialprodukt
(Mrd. Dollar zu Tagespreisen)
Verbraucherausgaben
Kapitalgüterinvestitionen
Übrige Posten

537,7 603,6 697,2
343,1 379,5 441,0
48,6 56,5 73,0
146,0 167,6 183,2

65,9 93,6
36,4 61,5
7,9 16,5
21,6 15,6

5,8
5,1
7,6
7,0

7,3
7,6

Bruttosozialprodukt
(Mrd. Dollar in
Preisen von 1958)

511,9 560,0 624,4

48,1

64,4

4,5

6,2

5,6

13,0

4,5

5,5

1) Vierteljährlich ermittelt und auf Jahresdurchschnitt umgelegt
Anm.: Die Einzelangaben addieren sich wegen Ab- und Aufrundung nicht notwendig zu den Gesamtziffern.

Der Erfolg dieser Maßnahmen wurde 1965 auf eindrucksvolle Weise deutlich.
Wenn auch die wichtigsten Impulse zur Schaffung einer so großen Zahl neuer
Arbeitsplätze von der durch die Steuer- und Geldpolitik der Bundesregierung
geförderten Expansion ausgingen, so ist der Rückgang der Arbeitslosigkeit doch
auch zu einem guten Teil den staatlichen Schulungs- und Ausbildungsprogrammen
zu verdanken. Insgesamt beteiligten sich Ende 1965 rund 300 000 Personen an den
Ausbildungsprogrammen aufgrund des Gesetzes zur Sicherung des wirtschaftlichen
Fortkommens. Darüber hinaus nahmen im Dezember 1965 über 60 000 Arbeitslose
an Schulungskursen teil, die der Vorbereitung auf einen künftigen Arbeitsplatz
gemäß dem Gesetz zur Entwicklung des Arbeitsmarktes dienten.
Die Programme zur Verwirklichung der Großen Gesellschaft sind in erster
Linie auf die Jugend zugeschnitten. Ende 1965 beteiligten sich über 150 000
Jungen und Mädchen im Alter von 16 bis 21 Jahren am Nachbarschafts-Jugendkorps (Neighborhood Youth Corps), das Schülern eine lohnende Teilzeitbeschäftigung.und schulentlassenen und. beschäftigungslosen Jugendlichen auch Ganz-

- 8 -

�Ganztagsbeschäftigung verschafft. Weitere 17 000 Jungen und Mädchen, die
fast alle arbeitslos waren, erhielten im Nationalen Aufbaukorps (Job
Corps) eine Ausbildung. Rund 100 000 Collegestudenten bedienten sich der
Einrichtungen des Werkstudiumprogramms (Work Study Program), um ihr Studium, das sie andernfalls aus wirtschaftlichen Gründen nicht hätten beginnen oder fortführen können, durch eine Teilzeitbeschäftigung zu finanzieren.
Die Programme aufgrund des Gesetzes zur Entwicklung des Arbeitsmarktes
und im Zuge der Maßnahmen zur Bekämpfung der Armut trugen merklich zur Verringerung der Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen bei. Die Zahl der
Arbeitslosen im Alter von 16 bis 21 Jahren (die Jahrgänge, die für eine
Beteiligung an den Jugendhilfsprogrammen in,Frage kommen) war im Dezember
1965 trotz 650 000 Neuzugängen «uf dem Arbeitsmarkt um 175 000 niedriger
als im Dezember 1964. Man schätzt, daß mindestens 90 000 der jugendlichen
Teilnehmer an den Programmen im Rahmen des Gesetzes zur Sicherung des
wirtschaftlichen Fortkommens und an den Arbeitsplatzschulungsprogrammen
aufgrund des Gesetzes zur Entwicklung des Arbeitsmarktes ohne diese Förderung arbeitslos geblieben wären.
Die Auswirkungen dieser Programme aber lediglich an den Erfolgen eines
einzelnen Jahres messen zu wollen, hieße ihren Einfluß auf die Arbeitslosigkeit unterschätzen. Indem diese Programme jungen Menschen den regulären
Schulabschluß ermöglichen und Arbeitslosen - Jugendlichen ebenso wie Erwachsenen - eine berufliche Ausbildung bieten, die sie für einen Arbeitsplatz qualifiziert, versetzen sie ihre Teilnehmer in die Lage, sich langfristig ins Erwerbsleben einzugliedern.
Der Beschäftigungszuwachs in den einzelnen Wirtschaftszweigen
Industrie und Gewerbe
Die starke Zunahme der Beschäftigung in fast allen Sparten der Industrie, in den verwandten Wirtschaftszweigen und im Dienstleistungsgewerbe
war eines der wichtigsten Charakteristiken der Wirtschaftsexpansion des
Jahres 1965. Die erhöhte Geschäftstätigkeit in den FertigungsIndustrien
stand in scharfem Gegensatz zu der Stagnation gegen Ende der fünfziger
Jahre und dem geringen Wachstum zu Beginn des Wirtschaftsaufschwungs in
den sechziger Jahren.
Die furtgesetzte Expansion im Verlauf des Jahres 1965 brachte die
Beschäftigung im Baugewerbe, in den FertigungsIndustrien, im Handel, im
Finanzwesen, im Dienstleistungsgewerbe und im Dienst der Einzelstaaten
und Gemeinden auf einen Rekordstand, wobei also lediglich der Bergbau,
das Transportgewerbe und der Bundesdienst Ausnahmen bildeten. Doch selbst
im Bergbau verlangsamte sich der seit langem zu beobachtende Beschäftigungsschwund, und im Transportgewerbe setzte sich nach langen Jahren
eines geringen Wachstums oder gänzlicher Stagnation erstmals wieder eine
Aufwärtstendenz durch.
Fünf

- 9-

�Fünf Jahre einer kontinuierlichen Erholung und Expansion waren
notwendig, um im industriellen und gewerblichen Bereich der Beschäftigung die Verluste der Jahre von 1957 bis 1961 wettzumachen und ein
Wachstum über den früheren Beschäftigungshöchststand hinaus zu erzielen. Trotz eines Zuwachses von 6 Prozent gegenüber 1960 lag die Zahl
der Beschäftigten in diesem Wirtschaftssektor 1965 nur um eine halbe
Million oder 2 Prozent über dem vor rund einem Dutzend Jahre, 1953,
erreichten bisherigen Höchststand.
Industrie und Gewerbe - Bergbau, Baugewerbe, Fertigungsindustrien,
und die eng damit verknüpften Transport- und Versorgungsbetriebe - verzeichneten 1965 eine Zunahme von fast einer Million Beschäftigten; es
entfielen auf sie zwei Fünftel des gesamten Beschäftigungszuwachses
außerhalb der Landwirtschaft (siehe Tafel 4). Damit setzte sich die
steigende Tendenz, die sich in diesen Wirtschaftszweigen Anfang 1964
herausgebildet hatte, konsequent fort.
Tafel 4
Beschäftigungsentwicklung in den Wirtschaftszweigen
(außer Landwirtschaft)

(in 1000 bzw. Prozent)
1964
Insgesamt
Industrie und Gewerbe

2)

Bergbau
Baugewerbe
FertigungsIndustrien
Dauergüter
Kurzlebige Güter
Transport- und Versorgungsbetriebe
Dienstleistungsgewerbe
Groß- und Einzelhandel
Geld- und Versicherungswesen
nebst Immobilienhandel
Allg. Dienstleistungen
Öffentlicher Dienst
Bund
Einzelstaaten und Gemeinden

IT Angaben
2)

58 156
24 895
3
17
9
7
3

633
056
259
813
446
947
947

,\ Veränderung
1965i;
1964-65D
Zahl
Prozent
60 432 2276
25 854 959
628 - 5
3 211 155
17 984 725
10 379
566
7 604 158
4 031
84

3,9
3,9
-0,8
5,1
4,2
5,8
2,1
2,1

33 260

34 577

1317

4,0

12 132

12 585

453

3,7

3 043
8 903
10 046
2 379
7 667

79
334
451
31
419

2,7
3,9
4,7
1,3
5,8

2
8
9
2
7

964
569
595
348
248

für 1965 vorläufig

Transport- und Versorgungswirtschaft sind zum Zweck der Analysierung
hier unter Industrie und Gewerbe erfaßt, da die Beschäftigung in diesen
Wirtschaftszweigen im allgemeinen sich als weitgehend von der Entwicklung in Industrie und Gewerbe abhängig erwiesen hat.
Anm.: Die Einzelangaben addieren sich wegen Ab- und Aufrundung nicht notwendig zu den Gesamtziffern.
- 10 -

�Besonders ausgeprägt war der Beschäftigungszuwachs im Bereich der
Fertigungsindustrien. 1965 belief sich dieser Zuwachs auf 725 000 oder
etwa das Dreifache der Ziffer von 1964; das entspricht etwa einem Drittel
des gesamten nicht-landwirtschaftlichen Beschäftigungszuwachses von 1965.
Dank dieser Entwicklung erreichte der Beschäftigtenstand in den Fertigungsindustrien im Jahr 1965 mit 18 Millionen seinen absoluten Höchststand und
übertraf erstmals die Rekordbeschäftigung im Jahr 1943, mitten im zweiten
Weltkrieg.
Rund 600 000 der Neuzugänge entfallen auf Produktionsarbeiter eine Ziffer, die fast dem Gesamtzuwachs der vorausgegangenen vier Jahre
gleichkommt. In den DauergüterIndustrien allerdings blieb die Zahl der
Produktionsarbeiter hinter der Rekordziffer in der Zeit des zweiten Weltkriegs zurück, so daß der dennoch erreichte neue Höchststand der Beschäftigung in der Fertigungsindustrie auf die starke Zunahme bei den Angestelltenberufen zurückzuführen ist.
Beschäftigung in der Fertigung von Dauergütern
Wie in den vergangenen fünf Jahren lag der Schwerpunkt des Beschäftigungszuwachses in den Fertigungsindustrien auch 1965 im Bereich der
Fabrikation langlebiger Güter. Er steigerte sich in den drei Jahren fortgesetzt, betrug die Zunahme doch 1963 noch 1,4 Prozent, 1964 schon 2 Prozent und im vergangenen Jahr sogar 5,8 Prozent. Der Beschäftigungszuwachs
des Jahres 1965 in den FeitigungsIndustrien war nicht nur wegen der außergewöhnlichen Zunahme gegenüber 1964 bemerkenswert, sondern auch hinsichtlich
seiner weiten Streuung. Im Jahr 1964 entfielen 90 Prozent des Zuwachses
dieser Industrien auf drei ihrer Zweige: Rohmetalle, MetallVeredlung und
Maschinenbau. Diese Entwicklung setzte sich 1965 in den genannten Industrien
fort und erfaßte auch die Fertigung von Elektrogeräten und Transportmitteln,
wo eine verstärkte Verbrauchernachfrage, insbesondere nach Automobilen,
zahlreiche Neueinstellungen erforderlich machte. Diese fünf Industriezweige
zusammen errichteten 1965 500 000 neue Arbeitsplätze, das entspricht dem
Dreifachen der Jahre 1963 und 1964.
Die Produktions- und Absatzrekorde der Automobil- und Transportmittelindustrie wirkten sich nachhaltig auf die gesamte Beschäftigungslage aus.
Die Kraftfahrzeugindustrie und ihre Zulieferer beschäftigten 1965 rund
850 000 Menschen, das sind fast 100 000 oder 13 Prozent mehr als im vorausgegangenen Jahr.
Verteidigungswirtschaft
Wenngleich die steigende zivile Nachfrage der ausschlaggebende Faktor
für die Ausweitung der Beschäftigung im Jahr 1965 war, so trug gegen Ende
des Jahres doch auch das verstärkte Engagement der USA in Vietnam zu dieser
Entwicklung bei. In fünf der wichtigsten Zweige der Verteidigungswirtschaft
- Flugzeugindustrie und Zulieferer, Schiffsbau und -reparatur, Nachrichteu-

- 11 -

�Nachrichtenmittel, Elektronik und Waffen und Zubehör
- erhöhte sich
der Personalstand in der zweiten Hälfte 1965 ganz beträchtlich. Im
Dezember 1965 betrug die Zahl der Beschäftigten in diesen Industriezweigen 1,86 Millionen und erreichte bei einer gleichzeitigen Zunahme
von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr ihren bisherigen absoluten Höchststand. Hier war der Zuwachs etwa doppelt so hoch wie im Durchschnitt
aller Fertigungsindustrien.
Beschäftigung in der Fertigung kurzlebiger Güter
Die Zahl der Beschäftigten in den Industrien, die sich mit der Herstellung kurzlebiger Güter befassen, erhöhte sich 1965 um 150 000. Die
Zunahme wie auch die Streuung war geringer als im Bereich der Dauergüter.
Die Hälfte des Zuwachses entfiel auf nur zwei Industriezweige, die Bekleidungsindustrie und ihre Zulieferer und die Kautschuk- und Kunststoffindustrie.
Das Baugewerbe, wo die Investitionen in Anlagen und Maschinen einen
neuen Höchststand erreichten, beschäftigte im Berichtsjahr 150 000 Arbeitskräfte mehr als im Jahr davor und registrierte eine Beschleunigung
der Zuwachsrate. Damit übertraf der Zuwachs in drei aufeinander folgenden
Jahren den Zuwachs des jeweiligen Vorjahres. Dies ist insofern ein besonderer Glücksfall, als der Zuwachs im Baugewerbe ebenso wie in den Fertigungsindustrien nach mehreren Jahren einer relativen Stagnierung auf ein
weiteres stetiges Wachstum hinzuweisen scheint.
Die Ausweitung der Beschäftigungsmöglichkeiten in der Industrie löste
im Transportgewerbe und in der Versorgungswirtschaft eine ähnliche Entwicklung aus. Wenngleich die Beschäftigungszunahme in diesen Wirtschaftszweigen 1965 nur zwei Prozent betrug, setzte sich doch der bereits 1964
beobachtete Aufwärtstrend fort und bewirkte einen Tendenzumschwung gegenüber der Zeit Mitte der fünfziger Jahre, als nur ein geringes Wachstum
bzw. eine gänzliche Stagnation zu verzeichnen war.
Gewerbliche Dienstleistungen
Obwohl der Beschäftigungszuwachs 1964 und 1965 auch in den güterproduzierenden Industrien besonders ausgeprägt war, hatten das Dienstleistungsgewerbe und die damit verbünd enen Wirtschaftssparten wie schon die ganze
Nachkriegszeit hindurch den größten Anteil an der Ausweitung der Gesamtbeschäftigung. Insgesamt entfielen auf diese Wirtschaftszweige - das Dienst1)

In diesen fünf Industriezweigen, auf die etwa 10 Prozent der Gesamtbeschäftigung in den Fertigungsindustrien entfallen, sind schätzungsweise
etwa 50 Prozent aller Mitarbeiter für die Verteidigungsproduktion tätig.
In zwei dieser Industrien, im Flugzeugbau und in der Waffenfertigung,
stehen etwa 90 Prozent der Belegschaften in der verteidigungswichtigen
Fertigung, wenngleich exakte Statistiken über die Aufteilung der Produktion auf den Verteidigungs- und Zivilbedarf nicht vorliegen.

- 12 -

�Dienstleistungsgewerbe im engeren Sinn, den Handel, das Geld- und Versicherungswesen und den Immobilienhandel - 60 Prozent des nicht-landwirtschaftlichen Beschäftigungszuwachses der Jahre 1964 und 1965.
Die Beschäftigung im Dienstleistungsgewerbe stieg 1965 um 1,3 Millionen und erreichte damit ihren bisher absoluten Höchststand. Hinzu
kommt, daß dieser Zuwachs eine Tendenz fortsetzt, die schon seit Jahren
anhält. Zwischen 1960 und 1965 nahm die Beschäftigung im Dienstleistungsgewerbe im Durchschnitt um jährlich 950 000 zu, 1947 bis 1960 dagegen
nur um jährlich 650 000. Auf die gesamte Nachkriegszeit umgelegt, beläuft sich der Anteil dieses Wirtschaftszweiges an der Gesamtzahl der
neugeschaffenen Arbeitsplätze auf 80 Prozent.
Die Entwicklung in den einzelnen Zweigen des Dienstleistungsgewerbes verlief 1965 unterschiedlich. Auf dem privaten Sektor war ein im
Verhältnis zu 1964 größerer Zuwachs lediglich im Groß- und Einzelhandel
eingetreten. Ein langsameres Wachstum als 1964 war im Bereich der persönlichen Dienstleistungen und der Dienstleistungen für die Wirtschaft,
für Zwecke der Erholung und Freizeitgestaltung wie auch im Geld- und
Versicherungswesen und im Immobilienhandel zu beobachten.
Öffentlicher Dienst
Eine wesentliche Zunahme dagegen trat im öffentlichen Dienst ein.
Wie in den meisten vorausgegangenen Jahren entfiel der weitaus größte
Teil der zusätzlich geschaffenen Arbeitsplätze, über 90 Prozent, auf
die Einzelstaaten und Gemeinden. Der Bundesdienst hat dagegen in den
vergangenen fünf Jahren mit weniger als 1 Prozent im Jahr ein nur geringes Wachstum erfahren.
Die öffentliche Hand, von den Gemeinden bis hinauf zu dem riesigen
Verteidigungsapparat der Bundesregierung, gab 1965 insgesamt schätzungsweise etwa 19,7 Millionen Menschen Arbeit und Brot (siehe Tafel 5).
Diese Arbeitskräfte, insgesamt über ein Viertel aller Berufstätigen,
standen zum Teil unmittelbar im Behördendienst (so die Angehörigen der
Streitkräfte), zum Teil auch im Dienst der privaten Wirtschaft, die
öffentliche Aufträge ausführt.
Wenngleich der Großteil der Beschäftigungsmöglichkeiten, die aus
den Aufwendungen der öffentlichen Hand resultieren, auf den öffentlichen
Dienst selbst entfällt, so hat doch auch die private Wirtschaft mit
einem Drittel - 6,5 Millionen Beschäftigte alles in allem - einen beträchtlichen Anteil. Diese Arbeitskräfte produzieren auf Rechnung öffentlicher Auftraggeber eine Vielzahl von Waren und Dienstleistungen - von
den kompliziertesten technischen Apparaten für die Raumfahrt- und Verteidigungsprogramme bis zu so simplen Dingen wie Bleistifte und Papier.
Wie in den meisten Nachkriegsjähren lag der Schwerpunkt der Personalausweitung im öffentlichen Dienst bei den Einzelstaaten und Gemeinden.
Sie schufen im vergangenen Jahr fast 550 000 neue Stellen und gaben

- 13 -

�Tafel 5
Die öffentliche Hand
als mittelbarer und unmittelbarer Arbeitgeber
(in Millionen)

1)

mittelbar und unmittelbar
(ohne Wirtschaftsunternehmen
der öffentlichen Hand)

Unternehmen
d.öff..v
Hand

ings
insg.

»

uiimitl

mittelbjir

insg.

Zivil

Militär

Öffentliche Hand
insgesamt

3)

18,6
19,0
19,3
19,7

17,5
17,9
18,1
18,5

6,5
6,6
6,5
6,5

11,1
11,3
11,6
12,0

8,3
8,6
8,9
9,3

2,8
2,7
2,7
2,7

1,1
1,1
1,2
1,2

3)

9,2
9,2
9,0
8,9

8,5
8,4
8,3
8,1

3,9
3,9
3,7
3,6

4,6
4,5
4,5
4,6

1,8
1,8
1,8
1,8

2,8
2,7
2,7
2,7

0,7
0,7
0,7
0,8

7,0
6,8
6,6
—

6,9
6,7
6,4
—

3,1
2,9
2,7
—

3,8
3,8
3,8
—

1,0
1,0
1,0
—

2,8
2,7
2,7
2,7

0,1
0,1
0,1

Andere als Vertei
digungsprogramme
einschl.Raumfahrt
1962
2,1
1963
2,3
1964
2,4
1965 4)
—

1,6
1,7
1,8
—

0,8
0,9
1,1
—

0,8
0,8
0,8
—

0,8
0,8
0,8
—

9,1
9,4
9,8

2,6
2,7
2,8
2,9

6,5
6,7
7,0

6,5
6,7
7,0
7.4

1962
1963
1964
1965
Bund
1962
1963
1964
1965

Verteidigung u.
Atomenergie
1962
1963
1964
1965

4)

-

-

•

—
-

'

-

•

—

•«

0,6
0,6
0,6
•»••

Einzelstaaten
und Gemeinden
1962
1963
1964
1965

9,4
9,8
3)

10,3
10,8

10,4

M

__
--—

0,4
0,4
0,4
0,4

1) Aus der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung abgeleitet
2) Einschließlich aller Güter- und Dienstleistungsverkaufsunternehmen wie
Post, gemeindeeigene Versorgungsbetriebe und dergleichen,
3) vorläufig
4) nicht verfügbar
Ann».: Die Einzelangaben addieren sich wegen Auf- und Abrundung nicht
notwendig zu den Gesamtziffern.
- 14 -

�gaben insgesamt 68,4 Milliarden Dollar
aus, das sind 3,5 Milliarden
Dollar mehr als 1964 (ausschließlich der Personalaufwendungen in Wirtschaftsunternehmen der öffentlichen Hand).
Von der Gesamtzahl der im vergangenen Jahr dank der Aufwendungen
der Einzelstaaten und Gemeinden neugeschaffenen Arbeitsplätze entfielen
400 000 auf Neuzugänge im Dienste dieser Behörden. Die Ausweitung und
Verbesserung des Erziehungswesens und des. Gesundheitsdienstes sowie die
Verstärkung der Polizei und Feuerwehr, die Errichtung neuer Straßenmeistereien, die Erschließung von Bodenschätzen sowie die Pflege und
der Unterhalt von Park- und Erholungsgebieten machten diese Neueinstellungen erforderlich.
Im Gegensatz hierzu nahm die Gesamtzahl der Beschäftigten, die
mittelbar oder unmittelbar für den Bund tätig waren, trotz einer Zunahme
der Regierungskäufe um 1,4 Milliarden Dollar (ausschließlich der Persona lauf Wendungen regierungseigener Wirtschaftsbetriebe) um 120 000 ab.
Diese Abnahme spiegelt zwei gegensätzliche Trends wider: eine leichte
Zunahme der Gesamtzahl der Bundesbediensteten, die durch eine Verringerung der Zahl der Arbeitnehmer überkompensiert wurde, die in der privaten Wirtschaft für die Abwicklung direkter Käufe der Bundesregierung
eingesetzt waren.
Beschäftigungsentwicklung und Arbeitslosigkeit in den
Arbeiter- und Angestelltenberufen
Die Beschäftigungstendenzen im Jahr 1965 in den einzelnen Industriezweigen waren insofern besonders wichtig, als Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur eine Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten
in zahlreichen Berufssparten bewirkten, deren Angehörige früher von der
allgemeinen Prosperität des Landes nicht profitieren konnten.
Im ersten Jahr des derzeitigen Konjunkturaufschwungs nahmen die
Beschäftigungsaussichten für ungelernte Arbeiter nur sehr geringfügig
zu. Im weiteren Verlauf der Konjunktur aber verstärkte sich die Nachfrage nach höher qualifizierten Facharbeitern und erfaßte schließlich
mit der Beschleunigung der Beschäftigungszunahme auch die Sparten der
weniger qualifizierten Angestellten- und Arbeiterberufe. Erst 1965, im
fünften Jahre der fortgesetzten Wirtschaftsexpansion, konnten auch die
Angehörigen der Hilfsarbeiterberufe, die Kräfte mit den geringsten Qualifikationen, an der Beschäftigungsausweitung im beträchtlichen Umfang
partizipieren (siehe Tafel 6).
Tafel 6
In der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung werden die Bundesbeihilfen,
wie beispielsweise die Zuschüsse für das zwischenstaatliche Fernstraßennetz, als Aufwendung der Einzelstaaten und Gemeinden ausgewiesen,
sie bezifferten sich 1965 auf 11,4 Milliarden.

- 15 -

�Tafel 6
Angestellten- und Arbeiterbeschäftigung 1964-65
(in 1000)

1964

1965

Veränderung
1964-65
Zahl

Insgesamt
Angestellte
Akademische, technische u.verw. Berufe
Leitende Angestellte und Selbständige 1)
Büroangestellte und ähnliche
Verkaufsangestellte
Arbeiter
Facharbeiter, Vorarbeiter u. ähnliche
angelernte Arbeiter
Hilfsarbeiter 2)

70 357

72 179

1 822

2,6

31 125
8 550
7 452
10 667
4 456
25 534
8 986
12 924
3 624

32
88
7
11
4
26
9
13
3

104
883
340
166
715
466
221
391
855

979
333
-112
499
259
932
235
466
231

3,1
3,9
-1,5
4,7
5,8
3,7
2,6
3,6
6,4

9 342
2 251
7 091
4 265
2 244
2 021

86
-71
157
-179
-76
-103

0,9
-3,1
2,3
-4,0
-3,3
-4,8

9
2
6
4
2
2

Dienstleistungsbeschäftigte
Private Haushaltungen
gewerbliche Dienstleistungen
Landarbeiter
Farmer und Farmverwalter
Landarbeiter

Prozent

256
322
934
444
320
124

1) außer Landwirtschaft
2) außer Landwirtschaft und Bergbau
Anm.: Die Einzelangaben addieren sich wegen Auf- und Abrundung nicht
notwendig zu den Gesamtziffern

Die Zahl der beschäftigten Arbeiter erhöhte sich 1965 um 930 000, das
entspricht der stärksten Zunahme seit der Hochkonjunktur von 1950-51 während
des Koreakonflikts. Die Zahl der beschäftigten Angestellten stieg 1965 sogar
noch, mehr, um 980 00Q, so daß sich der in der gesamten Nachkriegszeit beobachtete Trend weiter verstärkte. Die größte Zunahme war hier bei den Büro- und
Verkaufsangestellten, die relativ geringste in den Dienstleistungsberufen zu
verzeichnen, da eine kleine Erhöhung der Zahl der Dienstleistungsbeschäftigten außer Haushaltangestellten zum Teil durch das Absinken der Zahl der
Haushaltangestellten wettgemacht wurde.
Arbeiterberufe

- 16

�Arbelterberufe
Während die Beschäftigtenzahl in den Arbeiterberufen seit 1960 um
2,3 Millionen stieg und damit zum Gesamtwachstum der nicht-landwirtschaftlichen Beschäftigung zu etwa einem Drittel beitrug, entfiel 1965
auf diese Berufe sogar etwa die Hälfte der gesamten Beschäftigungszunahme ohne Landwirtschaft. Im Gegensatz hierzu nahm die Beschäftigung
in den Arbeiterberufen zwischen 1957 und 1960 insgesamt um über 600 000
ab. Die derzeitige jährliche Wachstumsrate, 1,8 Prozent im Durchschnitt
der Jahre seit 1960, sticht sehr günstig von der Wachstumsrate von knapp
1 Prozent (bei durchschnittlich jährlich 130 000 Neuzugängen) im Durchschnitt der ersten zehn Jahre des Konjunkturaufschwungs nach, dem zweiten
Weltkrieg ab.
Das eindrucksvollste Merkmal der Beschäftigungszunahme von 1965 war
der mit 6,4 Prozent unerwartet starke Zuwachs bei den ungelernten nichtlandwirtschaftlichen Arbeitern, der die ohnehin hohe Wachstumsrate der
gesamten nicht-landwirtschaftlichen Beschäftigung noch erheblich übertraf. Nach der über ein Jahrzehnt anhaltenden Stagnation der Beschäftigung ungelernter Arbeitskräfte nahm diese 1964 um 75 000 und 1965 um
230 000 auf insgesamt 3,9 Millionen zu und erreichte damit fast den
bisherigen höchsten Stand von 1951.
Diese Zunahme ist auch insofern besonders bedeutungsvoll, als es
sich hier vor allem um Anfängerberufe für junge ungelernte Arbeitskräfte
handelt. Sie kommt besonders gelegen, da auf dem Arbeitsmarkt in jüngster
Zeit verstärkte Neuzugänge gerade in den Altersklassen unter 20 Jahren
zu verzeichnen waren. Die Bedeutung dieser Beschäftigungssparte für
jugendliche Arbeitskräfte läßt sich auch an. der Tatsache ablesen, daß
fast ein Viertel aller männlichen Jugendlichen unter 20 Jahren solche
Berufe ausüben.
Dank der starken Ausweitung der Produktion im Bereich der Fertigungsindustrien haben sich auch die Beschäftigungsmöglichkeiten in den
anderen Arbeiterberufen 1965 wesentlich verbessert, wurden doch über
460 000 angelernte Arbeiter und 235 000 gelernte und Facharbeiter neu
eingestellt.
Die Arbeitslosigkeit unter den Angehörigen der Arbeiterberufe ging
1965 gegenüber 1964 stark zurück. Die Gesamtzahl der arbeitslosen ungelernten Arbeiter verringerte sich um 250 000 auf 1,5 Millionen und die
durchschnittliche Arbeitslosenrate fiel in dieser Sparte von 6,3 auf
5,3 Prozent. Die schärfste Abnahme war bei den Kräften zu beobachten,
die die geringste Qualifikation besitzen: die ungelernten und angelernten Arbeiter.
Angestellte
Die Angestelltenbeschäftigung nahm von 1964 auf 1965 um fast eine
Million zu, was einer Zuwachsrate von 3,1 Prozent gegenüber einem Jahresdurchschnitt von 2 Prozent für die Zeit von 1960 bis 1965 gleichkommt.
Die

- 17 -

�Die Zahl der Angestellten ist fast in der gesamten Nachkriegszeit
sowohl in Zeiten der raschen als auch der langsameren Wirtschaftsexpansion gestiegen. In dem konjunkturbegünstigten Zeitraum von 1947 bis
1957 betrug die jährliche Zuwachsrate 2,7 Prozent. Dieser Satz konnte
selbst in den Jahren von 1957 bis 1960, einer Zeit relativer Stagnation,
aufrecht erhalten werden, während die Beschäftigtenzahl in den Arbeiterberufen damals rückläufig war. Seit 1960 hat sich der Aufwärtstrend bei
den Angestelltenberufen weiter gefestigt, so daß eine zahlenmäßige Zunahme um 3,4 Millionen erreicht wurde, das ist eine Million mehr als
der Beschäftigungszuwachs in den Arbeiterberufen.
Wie bei den Arbeitern war im vergangenen Jahr auch bei den Angestellten der stärkste Zuwachs in den Sparten mit den geringsten Qualifikationen zu verzeichnen, bei den Büro- und Verkaufsangestellten. Mit
der zunehmenden Dauer und Beschleunigung der wirtschaftlichen Expansion
und der damit verbundenen zunehmenden Arbeitsmarktenge erhöhte sich die
Nachfrage nach ungelernten Kräften. Der Beschäftigungszuwachs in den
Angestelltenberufen war von. einem Absinken der Arbeitslosenrate von
2,6 Prozent in 1964 auf 2,3 Prozent in 1965 begleitet.
(Quelle: "Manpower Report of the President
and A Report on Manpower Requirements,
Resources, Utilization, and Training by the
United States Department of Labor", März 1966)
+ + + + +

- 18 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIX - 4/5

April/Mai 1966

INHALT

Die Erschließung brachliegender Arbeitsreserven

Seite 1

Die Erschließung brachliegender Arbeitsreserven

Aus "Manpower Report of the President and A Report on Manpower
Requirements, Resources, Utilization, and Training by the
United States Department of
Labor», März 1966 (gekürzt)

Im gegenwärtigen Zeitabschnitt einer sehr hohen und ständig expandierenden Beschäftigung weisen noch immer zahlreiche Arbeitsfähige und
Arbeitswillige die Qualifikationen nicht auf, die für den Fall einer Einstellung gefordert werden - infolge mangelnder Schulbildung oder beruflicher Schulung, kultureller und sozialer Benachteiligung, persönlicher
Unzulänglichkeiten oder sonstigen Unvermögens. Ein solches Brachliegen
von Arbeitskraft ist für die Gesellschaft untragbar und schädigt die Betroffenen selbst auf das schwerste. Was immer es kosten mag, diese Menschen auf eine künftige Tätigkeit vorzubereiten - die Kosten werden mit
Sicherheit weit geringer sein als die im Falle der Unterlassung einer
entsprechenden Schulung aufzubringenden Mittel für die Sozialhilfe, den
Strafvollzug, die notwendige Wiedereingliederung Straffälliger in die
Gesellschaft und andere Maßnahmen der Sozialpflege. Außerdem trägt jeder
einzelne, der einer produktiven Tätigkeit zugeführt werden kann, dazu
bei, den steigenden Bedarf an Arbeitskräften zu decken...
Brachliegende

- 1 -

�\

Brachliegende Arbeitsreserven
Die bemerkenswerten Fortschritte, die im Jahr 1965 in bezug auf
die Verringerung der Gesamtrate der Arbeitslosigkeit gemacht wurden,
sind aus dem zweiten Kapitel des vorliegenden Berichts 1) zu ersehen.
Trotz dieser Fortschritte waren Ende 1965 noch, immer fast drei Millionen
Männer und Frauen als Arbeitsuchende gemeldet, 600 000 davon seit 15
oder mehr Wochen. Die Zahl der Arbeitskräfte, die im Verlauf des Jahres
1965 einmal oder öfter vorübergehend arbeitslos waren^ bezifferte .sich
schätzungsweise auf über 12 Millionen.
Abgesehen von der volkswirtschaftlichen Verschwendung, die sich
hinter diesen Ziffern verbirgt, sind es die sozialen Folgen der langfristigen Arbeitslosigkeit in bestimmten Personengruppen, die besondere
Aufmerksamkeit verdienen: für Jugendliche, ältere Arbeitskräfte, solche
ohne entsprechende Schulbildung und fachliche Schulung, Farbige und
Behinderte.
Jugendliche: Die Arbeitslosenrate unter den Jugendlichen im
Alter von 16 bis 21 Jahren betrug 1965 beinahe das Dreifache der
Durchschnittsrate.
Farbige: Die Arbeitslosenrate bei den Farbigen war mit 8,3 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die bei weißen Arbeitskräften.
Arbeitskräfte mit ungenügender Bildung und Ausbildung: Die
Arbeitslosenrate in dieser Kategorie war ungewöhnlich hoch. Im
März 1965 zum Beispiel lag die Arbeitslosenrate für Arbeitskräfte,
die weniger als 12 Schuljahre (ohne High School-Abschluß) absolviert haben, bei 6,6 Prozent und damit fast doppelt so hoch wie
in der Gruppe derer, die einen 12jährigen (High School-Abschluß)
oder längeren Schulbesuch aufzuweisen haben. Bei den ungelernten
landwirtschaftlichen Hilfskräften betrug die Arbeitslosenrate
10,9 Prozent.
Geistig und körperlich Behinderte: Die Arbeitslosenrate der
Behinderten übersteigt den Durchschnitt. Hinzu kommt, daß die Rate
der Erwerbstätigkeit bei den Behinderten ohnehin niedriger ist als
bei den übrigen Erwerbspersonen.
Entlassene Straffällige: Unter allen Gruppen, die mit gewissen
Erschwernissen bei der Arbeitsuche rechnen müssen, hat es diese
Gruppe vielleicht am schwersten. Eine Untersuchung ergab kürzlich,
daß jeder fünfte Haftentlassene drei Monate nach der Entlassung aus
der Strafanstalt noch keinen Arbeitsplatz gefunden hatte, und daß
zwei von fünf während dieser Zeit nur zu 80 Prozent in Arbeit standen,
Indianer:
Siehe Internationale Arbeitsmitteilungen Nr. XIX-2/3, Februar/März 1966
"Der amerikanische Arbeitsmarkt heute", S. 1 ff

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�Indianer; Die Arbeitslosenrate unter den Indianern war im
Jahr 1960 fast dreimal so hoch wie die Gesamtrate der Arbeitslosigkeit und lag auch beträchtlich höher als die Arbeitslosenrate der Neger.
Im übrigen wird aus den Arbeitslosenstatistiken das Brachliegen von
Arbeitskräften bzw. die ungenügende Nutzung des Gesamtarbeitspotentials
keineswegs voll ersichtlich. Neben den nahezu drei Millionen Arbeitslosen
gab es Ende 1965 weitere 2,2 Millionen Arbeitskräfte, die aus wirtschaftlichen Gründen unfreiwillig eine Teilzeitbeschäftigung hatten annehmen
müssen. Und es gibt eine beträchtliche Anzahl von potentiellen Arbeitskräften - insbesondere Farbige, schulentlassene Jugendliche und ältere
Menschen -, die weder arbeiten noch als Arbeitsuchende gemeldet sind
und demnach nicht in den Arbeitslosenstatistiken geführt werden.
Wie viele aus diesen Gruppen sich entmutigt durch irgendwelche Diskriminierung, eine geistige oder körperliche Behinderung, kulturelle
oder soziale Benachteiligung oder aus anderen. Gründen davon abhalten
lassen, eine Arbeit zu suchen, ist schwer feststellbar. Soweit diesbezügliches Zahlenmaterial verfügbar ist, läßt es erkennen, daß sich die
Zahl der erwachsenen männlichen Arbeitskräfte beträchtlich erhöhen ließe,
wenn man diesen Menschen Arbeitsmöglichkeiten böte, die sie zu nutzen
vermögen. Die Zahl der Frauen, die arbeiten könnten und möchten, läßt
sich noch weit schwerer .abschätzen. Es gibt aber sicherlich eine große
Zahl von Frauen, die Arbeit brauchen und sich dennoch nicht um eine Arbeit
bemühen, weil sie glauben, es gäbe für sie keine Möglichkeiten, d.h.{ nur
schlecht bezahlte Stellen oder Arbeit unter ungünstigen Einstellungsbedingungen.
Die Liste brachliegender Arbeitskräfte ist durch die unbekannte, aber
höchstwahrscheinlich sehr große Zahl der Behinderten zu ergänzen, die von
den Rehabilitationsmaßnahmen der hierfür zuständigen Stellen noch nicht
erfaßt werden, die sich bei ausreichender Hilfestellung aber durchaus in
den Produktionsprozeß eingliedern ließen. Hier sei auch auf die sicher
noch weit größere Zahl der Arbeitskräfte verwiesen, die nicht ihren
potentiellen Fähigkeiten entsprechend eingesetzt sind - berufstätige
Männer und Frauen, die wegen einer ungenügenden Vorbildung oder beruflichen Schulung oder aus anderen Gründen nicht das leisten, was sie an
sich leisten könnten.
Eines der Ziele der Arbeitsmarktforschung muß es deshalb sein, Ausmaß und Zusammensetzung dieser Gruppen sowie die Faktoren zu untersuchen,
die ihre Unterbringung an einem Arbeitsplatz verhindern oder erschweren.
Selbst das wenige, das wir heute über diese Dinge wissen, läßt die Größe
der Einbuße, die eine ungenügende Nutzung von Arbeitskraftreserven für
die Volkswirtschaft wie auch für den einzelnen mit sich bringt, erkennen
und unterstreicht nur, wie wichtig koordinierte Programme zur Erschließung
dieser Reserven und Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten heute sind.
Arbeitsplatzbeschaffung

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�Arbeitsplatzbeschaffung für Benachteiligte
Die Bundesregierung führt bereits seit längerem Programme zur Unterbringung der Angehörigen bestimmter Gruppen durch, die wegen mangelnder
Bildung, Körperschäden oder anderer Behinderungen nur schwer an einen
Arbeitsplatz zu vermitteln sind. Eines der ersten diesbezüglichen Programme erstreckte sich auf die Schwerkriegsbeschädigten des zweiten Weltkrieges und wurde zum Schulbeispiel für Rehabilitationsmaßnahmen auch für
Zivilgeschädigte.
Im Zuge des "Krieg» gegen die Armut" wurde die Hilfe für all diejenigen, deren Unterhalt nicht gesichert.ist, zur Sache des Bundes erklärt. Die großen Unterschiede von Gruppe zu Gruppe zwingen indes zu
differenzierten Maßnahmen. Aus diesem Grunde bestehen heute im Rahmen
dieser Kampagne u.a. mehrere besondere Programme für Jugendliche und für
Landarbeiter,
Das Programm zur Schulung am Arbeitsplatz, ebenfalls Teil des Krieges
gegen die Armut, konzentriert sich vornehmlich auf die berufliche Schulung
Erwachsener aus ärmeren Schichten und die Schaffung von Arbeitsplätzen für
diese.
Unterstützungsempfänger
Im Laufe des Jahres 1966 sollen im Rahmen des Programms zur Schulung
am Arbeitsplatz über 100 000 arbeitslose Familienvorstände und andere
Unterstützungsempfänger an einem Arbeitsplatz ausgebildet werden. Dieses
Programm, das auf dem Gesetz zur Sicherung des wirtschaftlichen Fortkommens (Economic Opportunity Act) beruht und vom Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen durchgeführt wird, ist als Ergänzung
zu den Arbeits- und Schulungsprogrammen der Gemeinden gedacht, die auf
Grund einer 1962 angenommenen Novelle zum Sozialversicherungsgesetz eingerichtet wurden.
Wesen des Programms! Die Projekte des Programms zur Schulung am
Arbeitsplatz werden von einzelstaatlichen und kommunalen Behörden in Zusammenarbeit mit Schulen, Bibliotheken, Straßenbauämtern und anderen
Stellen durchgeführt und vpm Bund finanziert. Die meisten Teilnehmer gehören zur Gruppe der langfristig Arbeitslosen;.manche sind.seit Jahren
Unterstützungsempfänger. Die Erziehung zu einer vernünftigen Einstellung
zur Arbeit und die Entwicklung der Bereitschaft, einen Arbeitsplatz anzunehmen oder sich für einen solchen schulen zu lassen, stehen im Mittelpunkt
dieser Projekte, die vielfach mit Gesundheits- und Rehabilitationsmaßnahmen verbunden sind. Analphabeten erhalten Gelegenheit, sich die fehlenden Grundschulkenntnisse anzueignen, ehe die eigentliche Schulung für
einen bestimmten Beruf beginnt. Hilfsbibliothekarin, Arzthelferin, Kosmetikerin, Schwesternhelferin*- Serviererin, Wäscherin und Hilfsköchin, waren
bisher bei Frauen und Taxifahrer, Tankwart, Zimmermann, Maler, Zementmixer, Landschaftsgärtner und Hausgärtner bei den Männern die bevorzugten
Berufe.
Die

�Die Teilnehmer an diesem Ausbildungsprogramm erhalten einen der
Familiengröße angepaßten angemessenen Unterhaltszuschuß. Die Kosten
für Arbeitskleidung, die Fahrt zur Arbeitsstätte und andere Aufwendungen, die im Zusammenhang mit der Teilnahme entstehen, können erstattet werden.
Die Dauer der Ausbildung schwankt zwischen zwei Monaten und einem
Jahr und beträgt im Durchschnitt neun Monate. Nach Abschluß der Schulung werden die Kursteilnehmer entweder direkt an Arbeitsplätze vermittelt, die auf Grund des Gesetzes über die Entwicklung des Arbeitsmarktes (Manpower Development and Training Act - MDTA) geschaffen werden, oder notfalls an die öffentliche Wohlfahrt zurückverwiesen. Die
Mitarbeiter und Schulungskräfte geben sich alle Mühe, Arbeitsgelegenheiten aufzuspüren und interessierte Unternehmer zur Einstellung der
Absolventen der Schulungslehrgänge zu bewegen.
Ausmaß und Erfolg des Programms: Ende 1965 waren insgesamt 160
derartige Projekte in 43 Staaten grundsätzlich gebilligt, in 35 Staaten
Projekte bereits angelaufen. Die Mittel, die für das am 30. Juni 1965
zu Ende gegangene Haushaltsjahr 1965 bewilligt worden waren, gestatteten die Schulung von insgesamt 89 000 Arbeitskräften. Die Zahl der Personen, die im Zuge dieses Programms indirekt unterstützt werden, liegt
naturgemäß wesentlich höher, da auf jeden Teilnehmer im Durchschnitt
drei unterhaltsberechtigte Angehörige entfallen (1964/65: 275 000).
Dank der inzwischen bereitgestellten Mittel kann die Zahl der Teilnehmer im laufenden Haushaltjahr 1966 auf 109 000 erhöht werden; die
Zahl der Familienangehörigen dürfte wiederum das Dreifache der Zahl der
Kursteilnehmer betragen. Dennoch erfaßt das Programm nach wie vor lediglich einen Bruchteil aller Erwachsenen, die an sich teilnahmeberechtigt
sind und für die die Teilnahme eine große Hilfe darstellen würde.
Ein Ergänzungsgesetz von 1965 zum Gesetz über die Sicherung des
wirtschaftlichen Fortkommens, die Nelson-Novelle, dient dem Zweck, die
Ausbildungsprogramme für Erwachsene auf einen ähnlichen Umfang zu erweitern wie die Schulung von Jugendlichen. Es ist vorgesehen, langfristig Arbeitslosen aus ärmeren Schichten mit geringen Beschäftigungschancen Ausbildungsmöglichkeiten am Arbeitsplatz zu sichern und ihnen
auf diese Weise Gelegenheit zu bieten, sich für einen Beruf zu qualifizieren und ihre schulische Bildung wiederaufzunehmen oder fortzusetzen.
Für dieses neue Programm sind 10 Millionen Dollar für das Haushaltjahr
1967 eingeplant.
Die Aufwendungen für die Eingliederung von Unterstützungsempfängern
in den Arbeitsprozeß sind auch rein kommerziell betrachtet eine gute Investition, von den psychologischen Auswirkungen auf den einzelnen und
seine Familie einmal ganz abgesehen. Fast 12 000 Teilnehmer an den Programm zur Schulung am Arbeitsplatz, die vor Kursbeginn Wohlfahrtsunterstützung oder Familienbeihilfe erhalten hatten, konnten zwischen Oktober
1963 und Dezember 1964 entweder unmittelbar nach Kursusende oder nach Beendigung einer daran anschließenden Schulung auf Grund des Gesetzes über
die Entwicklung des Arbeitsmarktes oder des Strukturverbesserungsgesetzes
(Area

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�(Area Redevelopment Act - ÄRA) an einen Arbeitsplatz vermittelt werden
und fortan ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten. Die öffentlichen
Mittel, die andernfalls für die Unterstützung dieser .Arbeitnehmer und
ihrer etwa 60 000 Angehörigen hätten aufgebracht werden müssen, beziffern sich auf monatlich nahezu 1,8 Millionen Dollar.
Ältere Arbeitskräfte
Wenngleich die Suche nach Beschäftigungsmöglichkeiten für ältere
Arbeitskräfte Teil des größeren Problems der Verwirklichung der Vollbeschäftigung ist, hat sie doch, wie aus einem Bericht des Arbeitsministers an den Kongreß aus dem Jahr 1965 hervorgeht, einige besondere
Aspekte.
Diskriminierende Einstellungspraktiken gehören mit zu den bestimmenden Faktoren der relativ hohen Arbeitslosigkeitsrate unter Arbeitskräften
im Alter von 45 Jahren und darüber. Sie sind insbesondere auch für die
Häufigkeit der langfristigen Arbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe verantwortlich. Ältere Menschen zeigen - auf Grund langjähriger Erfahrungen
und erworbener Anciennitätsrechte - einerseits eine geringere Tendenz zum
Wechseln des Arbeitsplatzes, haben jedoch andererseits im Falle ihrer
Entlassung größere Schwierigkeiten, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.
Darüber hinaus nimmt die Zahl der älteren Menschen und damit auch die Zahl
der älteren Arbeitskräfte ständig zu. Während es im Jahr 1965 insgesamt
29 Millionen Arbeiter und Angestellte im Alter von 45 Jahren und darüber
gab, unter ihnen 900 000 Arbeitslose, dürfte die Zahl der Arbeitskräfte
in dieser Altersgruppe im Jahre 1975 über 34 Millionen betragen. Der
Arbeitsminister empfahl daher in dem genannten Bericht: 1. die willkürliche Diskriminierung von Arbeitskräften auf Grund ihres Alters zu unterbinden; 2. institutionelle Praktiken, die sich zum Nachteil älterer Arbeitskräfte auswirken, zu beseitigen; 3. mehr Arbeitsmöglichkeiten für
ältere Arbeitskräfte zu schaffen; 4. neue Vorstellungen bezüglich der
Weiterbildung älterer Arbeitskräfte zu entwickeln und Bildungseinrichtungen zu schaffen, die ihren besonderen Bedürfnissen und Möglichkeiten
angepaßt sind.
Unter den vielen diesbezüglichen Detailvorschlägen betrifft einer die
Ausweitung der Ausbildungsmöglichkeiten für ältere Arbeitskräfte unter dem
Gesetz zur Entwicklung des Arbeitsmarktes. Vorgesehen sind insbesondere
eine entsprechende Erweiterung des Programms zur Ausbildung am Arbeitsplatz, die Entwicklung neuer Methoden der Ausbildung Erwachsener und die
Schaffung von Möglichkeiten zum Nachholen versäumter Grundschulausbildung
einschließlich der Gewährung von Unterhaltsbeihilfen.
Der Arbeitsvermittlungsdienst des Bundes und der Einzelstaaten soll
die Beratung älterer Arbeitskräfte intensivieren und Unternehmer und
Bürgervereinigungen dazu anhalten, sich stärker um die Ermittlung freier
Stellen zu bemühen, wie dies im Bericht des Arbeitsministers empfohlen
wird. Der Arbeitsvermittlungsdienst berät bereits heute im Rahmen seines
laufenden Programms ältere Arbeitskräfte und beteiligt sich aktiv an' der
Schaffung von Arbeitsplätzen. Angehörige des Arbeitsvermittlungsdienstes
wenden sich direkt an Arbeitgeber, um sie für die Einstellung älterer

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�älterer Arbeitskräfte und anderer, schwer zu vermittelnder Personen zu
gewinnen und das Gespräch zwischen Arbeitsuchenden und Unternehmern in
Gang zu bringen. Allerdings macht sich die Knappheit an Personal und
Geldmitteln stark bemerkbar, die es nicht gestattet, in allen Fällen,
in denen es angebracht wäre, tätig zu werden.
Das Gesetz für die Betreuung älterer Amerikaner (Older American Act)
von 1965 brachte auf diesem Gebiet einen entscheidenden Fortschritt. Es
ermöglicht eine erstmalige genaue Feststellung der besonderen Bedürfnisse
älterer Menschen und bietet die Handhabe, ihnen gerecht zu werden. Wenngleich das Gesetz auf die Lösung, der Gesamtprobleme der älteren Bevölkerungsgruppen zugeschnitten.ist, postuliert es doch ausdrücklich als eines
seiner Ziele das Recht dieses Personenkreises auf "Beschäftigungsmöglichkeiten ohne diskriminierende Einstellungspraktiken.auf Grund des Lebensalters". Geeignete Wege zur Verwirklichung dieses Zieles zu finden, ist
eine der Aufgaben der Gemeinschaftsplanung und der diesbezüglichen Forschungs- und Modellprogramme, für die das Gesetz die Mittel verfügbar
macht.
Das Arbeitsministerium bemüht sich, soweit seine Haushaltmittel
dies erlauben, die Entwicklung in dieser Richtung voranzutreiben. Im
Jahre 1965 erhielten über 10 000 Personen im Alter von 45 Jahren und
darüber auf Grund des Gesetzes über die Entwicklung des Arbeitsmarktes
eine Schulung in besonders hierfür eingerichteten Heimen; weitere tausend
Personen beteiligten sich am Programm zur Schulung, am Arbeitsplatz. Bei
Männern waren Kraftfahrzeugmechaniker, Schweißer, Koch, Zimmermann und
Elektromonteur, und bei Frauen Krankenschwester, Stenotypistin, Schwesternhelferin, Köchin und Verkäuferin die bevorzugten Schulungsberufe.
Der enge Zusammenhang zwischen den Maßnahmen zum Nachweis bzw. zur
Schaffung von Arbeitsplätzen und diesen Programmen wird aus der Tatsache
ersichtlich, daß über zwei Drittel der 17 000 älteren Arbeitskräfte, die
solche Heim-Schulungskurse seit Anlaufen der Programme im Rahmen des
Gesetzes über die Entwicklung des Arbeitsmarktes absolviert haben, eine
Arbeit finden konnten, für die sie sich in den Kursen qualifiziert
hatten. Das gleiche gilt für die große Mehrheit, der Teilnehmer am Programm zur Schulung am Arbeitsplatz. Im übrigen waren 90 Prozent aller
Schulungsteilnehmer dieser Altersgruppe zur Zeit des Kursusbeginns
arbeitslos.
Der eigentliche Schlüssel zur Lösung der Beschäftigungsprobleme
älterer Menschen liegt jedoch in den Händen der Unternehmer. Von ihrem
Verständnis der dringenden Bedürfnisse der Arbeitsuchenden dieser Altersgruppe und von ihrem Vertrauen in deren Leistungskraft und -willen hängt
so gut wie alles ab. Daß die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer auch für
den Arbeitgeber zweckmäßig sein kann, geht aus einer kürzlich vom
Arbeitsministerium veröffentlichten Studie hervor. So wird beispielsweise, rein statistisch gesehen, ein neu eingestellter 55jähriger Arbeiter seine Stelle im Durchschnitt erst nach sieben Jahren aufgeben, d.h.
in der Regel mit Erreichung des Pensionsalters. Ein junger Mensch, der
im Alter von 25 Jahren einen neuen Arbeitsplatz übernimmt, bleibt dagegen
statistisch gesehen nur 6 1/2 Jahre in seiner Stelle. Somit kann ein

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�ein Arbeitgeber bei Ausbildung eines 55jährigen Arbeitnehmers für einen
bestimmten Arbeitsplatz mit einer längeren Beschäftigungsdauer rechnen
als bei Einstellung eines jungen Mannes.
Behinderte
In den Vereinigten Staaten gibt es über 8,5 Millionen geistig und
körperlich Behinderte im Arbeitsalter, wie aus einer Anfang der sechziger
Jahre durchgeführten Erhebung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hervorgeht. 2) Von diesen werden viele gegenwärtig in der Arbeitsstatistik
nicht als Erwerbspersonen geführt, wären aber dennoch nach Durchführung
entsprechender Rehabilitationsmaßnahmen arbeitsfähig. Sofern Behinderte
berufstätig sind, wird ihre Arbeitskraft vielfach nicht ihrem Können
gemäß eingesetzt, und so beziehen viele unter ihnen ein Arbeitseinkommen,
das gerade noch als Existenzminimum bezeichnet werden kann. Diese Tatsache unterstreicht die Notwendigkeit einer entsprechenden medizinischen
Behandlung, der Schulung und der Beschaffung geeigneter Arbeitsplätze.
Die Anstrengungen seitens des Staates, den Beschädigten bei der Erlangung eines geeigneten Arbeitsplatzes behilflich zu sein, erstrecken
sich auf drei Teilbereiche: 1. Das Programm für Kriegsversehrte, das zum
Vorbild der Hilfe für Zivilgeschädigte wurde. 2.. Die mit den zuständigen
einzelstaatlichen Stellen koordinierte Tätigkeit der Abteilung Soziale
Rehabilitation (Vocational Rehabilitation Administration), im Ministerium
für Gesundheitsr, Erziehungs- und Sozialfragen, die sowohl geistig wie
körperlich Behinderten zugute kommt. 3. Die Programme zur Beschaffung von
Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst und in der privaten Wirtschaft.
Programme für Kriegsversehrte; In Ausübung der besonderen Fürsorgepflicht des Staates gegenüber Menschen, die im Dienst der Streitkräfte
zu Schaden gekommen sind, gewährt das Bundesamt für Kriegsteilnehmerversorgung (Veterans Administration) ehemaligen Kriegsteilnehmern und Angehörigen der Streitkräfte im Bedarfsfall Rehabilitationshilfe mit dem Ziel
einer Wiedereingliederung in das Berufsleben. Der erste Schritt hierzu
ist eine Berufsberatung, die vielfach schon im Lazarett oder im Krankenhaus einsetzt und während der gesamten .Ausbildungszeit wie auch später
am Arbeitsplatz fortgesetzt wird. Das Bundesamt arbeitet eng mit dem
Arbeitsministerium zusammen, um sicherzustellen, daß Kriegsversehrte und
ihnen gleichgestellte Personen bei der Vermittlung durch die örtlichen
Organe des Arbeitsvermittlungsdienstes oder bei Umschulungsprogrammen
vor anderen berücksichtigt werden.
Bis Ende des HaushaltJahres 1965 wurden 619 000 Versehrte des zweiten Weltkrieges, 73 000 Versehrte des Koreakrieges und 11 000 andere
Versehrte ehemalige Soldaten im Rahmen von Rehabilitationsmaßnahmen betreut, mit dem Erfolg, daß drei von fünf wiedereingegliedert werden konnten. Im Haushaltjahr 1965 allein meldeten sich 11 000 Kriegsversehrte oder

Als Behinderte werden Personen mit chronischen Leiden oder Gesundheitsschäden geführt, die eine Erschwernis bei der Ausübung eines Berufs bedeuten. Die hier angeführte Zahl schließt lediglich Behinderte im Alter
von 17 bis 64 Jahren ein, die nicht in Anstalten untergebracht sind.

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�oder Gleichgestellte für Schulungskurse im Rahmen der Rehabilitationsprogramme, und 2300 Versehrte konnten als wiederhergestellt entlassen
werden.
Ein besonderes Programm des Bundesamtes für Kriegsteilnehmerversorgung, das sich ausschließlich an pflegebedürftige Kriegsversehrte
wendet, beweist, was intensives Training selbst bei stärksten Schädigungen vermag, und daß eine Rehabilitation auch in solchen Fällen möglich ist. Dieses Programm ist besonders auf Versehrte zugeschnitten,
bei denen eine Ausbildung nur innerhalb der Familie möglich ist (mit
Tetraplegie, Hirnverletzungen und anderen schweren Schädigungen). Um
diese besonders schwer betroffenen Menschen zur Teilnahme an Rehabilitationsmaßnahmen zu bewegen, bemüht sich das Bundesamt ständig, Kontrakt mit ihnen zu halten und ihnen Auftrieb zu geben. Es mobilisiert
gegebenenfalls ein Fachleuteteam aus verschiedenen einschlägigen Gebieten, die sich gemeinsam um eine Lösung der Probleme des Betroffenen
bemühen.
Rehabilitationsmaßnahmen des Bundes und der Einzelstaaten: Die Rehabilitationsmaßnahmen des Bundes und der Einzelstaaten erstrecken sich
sowohl auf geistig wie auf körperlich Behinderte und zielen darauf ab,
diese auf die Übernahme eines vollwertigen Arbeitsplatzes vorzubereiten.
Das Programm selbst wird von den Einzelstaaten durchgeführt und vom Bund
mitfinanziert (in Einzelfällen bis zu 75 Prozent der Gesamtaufwendungen).
Über die Beratung hinaus werden den Versehrten die erforderlichen
medizinischen, psychologischen und anderweitigen Hilfen gewährt. Ein
geschulter Berufsberater unterstützt den Versehrten bei der Auswahl
möglicher Berufsziele. Steht das Berufsziel fest, wird ein genauer Rehabilitationsplan aufgestellt und Vorsorge für die Bereitstellung der
erforderlichen Fachkräfte zur Durchführung der Rehabilitationsmaßnahmen
getroffen. Die Betreuung endet nicht mit der Vermittlung an einen geeigneten Arbeitsplatz, die - wie alle anderen Rehabilitationsmaßnahmen
- völlig individuell erfolgt.
Etwa 135 000 Personen wurden im Rahmen dieses Programms im Haushalt Jahr 1965 vollständig rehabilitiert (d.h. so weit wiederhergestellt,
daß sie am Arbeitsplatz oder zu Hause zurechtkommen. Weitere drei- bis
viertausend Versehrte wurden im Rahmen besonderer Forschungs- und
Musterungsprogramme rehabilitiert. Diese Ziffern entsprechen einer
13prozentigen Steigerung gegenüber 1964 und einer 46prozentigen gegenüber 1961. Die Mehrzahl der Teilnehmer an Rehabilitationsmaßnahmen
hatten orthopädische Schäden aufzuweisen oder waren amputiert; die
nächstgrößere Gruppe war die der geistig Geschädigten. Etwa 10 Prozent
litten an einer Beeinträchtigung der Sehfähigkeit.
Dieses Programm zur Vorbereitung von Versehrten auf die Übernahme
eines regulären Arbeitsplatzes hat sich als ein durchschlagender Erfolg
erwiesen. Etwa 75 Prozent der Teilnehmer an Rehabilitationsmaßnahmen im
Jahr 1965 standen bei Schließung ihrer Akten in Arbeit; vor der Rehabilitation hatten dagegen nur 15 Prozent einen festen Arbeitsplatz. Weitere

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�Weitere 6 Prozent machten sich selbständig oder traten eine Stellung in
Wirtschaftsbetrieben an, die von zuständigen Stellen der Einzelstaaten
für Versehrte organisiert wurden, und 3 Prozent arbeiteten in Betrieben,
die von dritter Seite bezuschußt werden. Die restlichen 16 Prozent, zum
größten Teil Hausfrauen, leisteten unbezahlte Arbeit im Haushalt.
Die durchschnittlichen Wochenlöhne der Teilnehmer an Rehabilitationsmaßnahmen erhöhten sich von 7 Dollar vor auf 44 Dollar nach der Rehabilitation. Im Gegensatz zu anderen Behinderten, die größtenteils Arbeitsplätze ausfüllen, die nur ein relativ geringes fachliches Können voraussetzen, kommen die Kriegsversehrten häufig in Dienstleistungs- und Angestelltenberufen (freie Berufe, Büro- und Verkaufstätigkeit) unter, wo
die Beschäftigungsaussichten und die Aufstiegsmöglichkeiten günstiger
sind.
Wenn auch die Zahl der Jahr für Jahr Rehabilitierten sehr eindrucksvoll ist, so bleibt doch immer noch sehr viel zu tun übrig. Die Abteilung
Soziale Rehabilitation schätzt die Zahl der Versehrten in den Vereinigten
Staaten auf 3,5 Millionen, die Anspruch auf Wiedereingliederung haben und
für die eine Teilnahme an Rehabilitationsprogrammen sicher sehr nützlich
wäre. Jahr für Jahr erleiden weitere 450 000 Menschen so große Körperschäden, daß sie anspruchsberechtigt werden.
Während private Stellen auch weiterhin bemüht bleiben dürften, bestehende Lücken zu schließen, werden doch auch in Zukunft der Bund und
die Einzelstaaten die Hauptverantwortung tragen müssen. Unter dem gegenwärtigen System, das zum Teil die Bundeszuschüsse in ihrer Höhe auf die
diesbezüglichen Aufwendungen des betreffenden Staates beschränkt, weisen
die Maßnahmen in den einzelnen Staaten hinsichtlich Umfang und Wirksamkeit große Unterschiede auf. Die Rehabilitationsrate, auf je 100 000 Einwohner bezogen, bezifferte sich im Haushaltjahr 1965 für die gesamten
Vereinigten Staaten auf 70, schwankte aber unter den einzelnen Staaten
sehr stark; in Kalifornien betrug sie 19 und in West-Virginia 218.
Die Änderungsnovelle zum Rehabilitationsgesetz, die im vergangenen
Jahr Gesetzeskraft erlangte, gestattet im Laufe der nächsten drei Jahre
eine erhebliche Erhöhung der Bundeszuschüsse an die Einzelstaaten. Sie
sieht ferner den Bau von Rehabilitationszentren und Werkstätten sowie
die Verbesserung vorhandener Schulungseinrichtungen vor...
Arbeitsplatzbeschaffung; Über die Rehabilitation hinaus ist die Bundesregierung auch um die Beschaffung von Arbeitsplätzen für Versehrte und
Behinderte bemüht. So wurden verschiedene Hindernisse für die Beschäftigung Behinderter im Bundesdienst beseitigt, um ihre Anstellung zu erleichtern. Allein im Jahr 1964 stellte der Bund 9000 Körperbehinderte
ein; das entspricht etwa 2 Prozent der Neueinstellungen dieses Jahres.
Seit Anfang 1964 läuft ein besonderes Programm, das die Beschäftigung von geistig Zurückgebliebenen mit Routinearbeiten im Büro, Lager und
an Arbeitsplätzen ermöglicht, für die sie trotz gegebener fachlicher
Eignung normalerweise nicht in Frage kämen, da nach den Bestimmungen über

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�über die Beschäftigung im Bundesdienst jeweils der bestqualifizierte
Bewerber eingestellt werden muß. Die Zahl der neu eingestellten geistig
Behinderten stieg von durchschnittlich 30 pro Monat im Jahr 1964 auf
66 Mitte 1965.
Die große Mehrheit der 839 geistig Behinderten, die im Zuge dieses
besonderen Bundesprogramms eingestellt wurden, war das ganze Jahr 1965
über tätig. Die Fluktuation ist bei ihnen nicht höher als im Regierungsdienst insgesamt und vielleicht sogar etwas geringer als in den Sparten
rein manueller Tätigkeit, denen sie angehören. Der Erfolg dieses Programms ist größtenteils den vermittelnden Organen zu danken, die sich
jedes Falles gesondert annehmen. Die Erfahrungen mit diesem Programm
zeigen, wieviel von der Auswahl eines wirklich geeigneten Arbeitsplatzes
abhängt. Selbstverständlich ist eine solche individuelle Betreuung
schwieriger und zeitraubender als das normale Einstellungsverfahren.
Der Arbeitsvermittlungsdienst des Bundes und der Einzelstaaten ist
aktiv um die Beschaffung von Arbeitsplätzen für Kriegsversehrte und
andere schwer zu vermittelnde Arbeitskräfte bemüht: durch die Vornahme
von Eignungsprüfungen, eine eingehende Beratung und den eigentlichen
Stellennachweis. Im Verlauf des Jahres 1965 konnten insgesamt 288 000
Behinderte, darunter 100 000 Kriegsversehrte, an einen Arbeitsplatz vermittelt werden. Die örtlichen Dienststellen des Arbeitsvermittlungsdienstes sind gesetzlich verpflichtet, einen Mitarbeiter speziell für
die Betreuung Versehrter zu benennen. Leider wird der betreffende Mitarbeiter häufig auch noch mit anderen Aufgaben betraut und kann somit
seine Kraft nicht ausschließlich in den Dienst der Versehrten stellen.
Eine örtliche Außenstelle berichtete beispielsweise, daß die Zahl der
vermittelten Körperbehinderten in einem Jahr um 70 Prozent anstieg, nachdem ein spezieller Mitarbeiter ganztätig für die Betreuung dieses Personenkreises eingesetzt worden war.
Durch Versuchsprojekte, die von der Abteilung Soziale Rehabilitation
im Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen und anderen
Stellen durchgeführt werden, soll der Bereich der Berufe, die für Behinderte als geeignet gelten, erweitert werden. Andere Programme haben eine
Reorganisation verschiedener Tätigkeiten oder die Umstellung gewisser
Arbeitsprozesse zum Ziel, um auf diese Weise Körperbeschädigten neue
Arbeitsbereiche zu erschließen. Besonderes Augenmerk richtet man auch
auf die Einstellung der Gemeinschaft und der Unternehmer zu den Versehrten
und dem Umgang mit ihnen. Weitere Versuchsprojekte erstrecken sich auf
organisatorische Verbesserungen mit dem Ziel, eine möglichst weitgehende
Adoption dieser Arbeitskräfte an die Arbeitsplätze sicherzustellen. Ein
Beispiel hierfür bieten Übergangsheime, die den Betroffenen - vor allem
geistig Behinderten und Wiedergenesenen - den Übergang von der Anstalt
in die Arbeitswelt erleichtern helfen, und die Entwicklung detaillierter
Spezifikationen für Arbeitsplätze, die für solche Personen vorgesehen
sind. Das Bundesamt für Kriegsteilnehmerversorgung hat darüber hinaus
eine umfassende Untersuchung durchführen lassen, um Klarheit über Grenzen
und Möglichkeiten der Anpassung von Kriegsversehrten mit psychischen
Schäden an die Arbeitsumwelt zu gewinnen. Das Ergebnis zeigte, daß die

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�die überwiegende Mehrheit der wiederhergestellten Versehrten dieser
Kategorie heute Stellungen einnimmt, die alle Berufsbereiche umfassen
und Positionen mit hoher Verantwortung nicht ausschließen. Diese Untersuchung hat den intensiven Anstrengungen zur Rehabilitation geistig
Behinderter neuen Auftrieb gegeben.
Das Arbeitsministerium hat gleichzeitig mehrere Forschungs- und
Musterprojekte auf diesem Gebiet auf Grund des Gesetzes über die Entwicklung des Arbeitsmarktes gefördert. Eines dieser Projekte, an denen mehrere
Bundesbehörden und mehrere Großwäschereien im ganzen Land mitwirken, ermöglicht die Schulung von 1000 geistig Behinderten direkt an einem
Arbeitsplatz.
Darueber hinaus arbeitet der Präsidialausschuß für die Beschäftigung
körperlich Behinderter, der sich aus Vertretern der Wirtschaft, der
Gewerkschaften und anderer interessierter Institutionen zusammensetzt,
auf die freiwillige Beseitigung der Schranken und Vorurteile hin, die der
Beschäftigung solcher Personen im Wege stehen, und bemüht sich, die Unternehmer über die Leistungsfähigkeit körperlich behinderter Arbeitskräfte
aufzuklären. Durch Veröffentlichungen, Vorträge, Konferenzen und die
Durchführung einer Wochenkampagne unter dem Motto "Beschäftigt Behinderte"
sucht der Ausschuß ein Klima zu schaffen, das Behinderten gleiche Beschäftigungsmöglichkeiten garantiert...
Entlassene Strafgefangene
Besondere Anstrengungen sind auch erforderlich, um entlassene Strafgefangene an einen festen Arbeitsplatz zu vermitteln, zumal ihnen Vertrauensstellungen meist verschlossen bleiben und sie sich auf der Arbeitsuche
zahlreichen Beschränkungen und Vorurteilen gegenüber sehen. Bislang erhielten sie sehr wenig gezielte Hilfe. Sie werden meist an den Arbeitsmarkt verwiesen, ohne daß man ihnen vorher Gelegenheit bot, ihre Qualifikationen für eine entsprechende Tätigkeit zu verbessern. Bei manchen von
ihnen tritt während der Haft ein Rückgang der beruflichen Fähigkeiten
und Fachkenntnisse ein, denn allzu häufig sind Arbeit und Schulung in den
Gefängnissen mehr auf die wirtschaftlichen Erfordernisse der Anstalt und
des Staates als auf eine Unterweisung in den Fertigkeiten ausgerichtet,
die auf dem Arbeitsmarkt gefragt sind.
Um hier Abhilfe zu schaffen, wurden mehrere Bundesgesetze und
Erlasse der Bundesregierung 1965 in verschiedenen Punkten geändert.
Strafgefangenen kann nunmehr für die Suche nach einem Arbeitsplatz, die
Vorstellung bei Arbeitgebern und kurze Schulungskurse bis zu 30 Tage
Urlaub gewährt werden. Entsprechend qualifizierte Häftlinge in Strafanstalten des Bundes können auch tagsüber stundenweise beurlaubt werden,
um in Betrieben gegen regulären Lohn zu arbeiten oder sich an Schulungsmaßnahmen aufgrund des Gesetzes über die Entwicklung des Arbeitsmarktes
oder an den Programmen zur Schulung am Arbeitsplatz zu beteiligen.
In 26 Justizbezirken in 19 Staaten wurden ebenfalls gesetzliche Möglichkeiten zur Freistellung bestimmter Häftlinge für einen Arbeitsurlaub
geschaffen. Die meisten dieser Gesetze, 7 von 10, wurden nach 1959

- 12 -

�1959 erlassen. Die Möglichkeit der Freistellung von Strafgefangenen erlaubt es den Anstalten, ihre Insassen durch Weiterentwicklung ihrer
beruflichen Fertigkeiten, die Gewöhnung an eine reguläre Arbeit und die
Erhöhung der Anpassungsfähigkeit an ihre soziale Umwelt besser auf die
spätere Entlassung vorzubereiten. Die Arbeitgeber ihrerseits haben den
Vorteil, daß sie Arbeitskräfte mit den jeweils gefragten Fachkenntnissen
erhalten können. Diese Programme ermöglichen es den Häftlingen, sich die
jüngsten Praktiken und Methoden anzueignen und sich in dem betreffenden
Betrieb einen guten Namen zu machen, was ihnen die spätere Suche nach
einem festen Arbeitsplatz wesentlich erleichtert. Die Arbeitserfahrung,
die sie auf diese Weise erwerben, sichert ihnen oft genug eine feste
Anstellung unmittelbar nach der Entlassung.
Die Einstellungschancen entlassener Strafgefangener werden auch
durch die Einrichtung von Übergangsheimen verbessert. Es handelt sich
hierbei um halboffene Anstalten, die außerhalb der Gefängnisse im Zentrum großer Städte gelegen sind. Sie sollen den Haftentlassenen den
Übergang ins normale Leben erleichtern. Zu ihrem festen Mitarbeiterstab
gehören Sozialhelfer und Arbeitsvermittlungsspezialisten, die den Haftentlassenen mit Rat und Hilfe, beispielsweise bei der Arbeitsuche, zur
Seite stehen. Die Gefangenen leben in den letzten Monaten vor ihrer Entlassung in diesen Heimen und arbeiten während des Tages bereits an
Arbeitsstätten außerhalb des Heimes. In den Jahren nach 1961 wurden fünf
bundeseigene Vorentlassungsheime für Jugendliche eröffnet, zwei weitere
stehen vor ihrer Fertigstellung. Inzwischen wurde die Errichtung solcher
Institute für erwachsene Straffällige grundsätzlich gebilligt.
Um die Gefahr der Rückfälligkeit zu verringern und um sicherzustellen, daß die Arbeitskraft dieser Menschen zum Nutzen der Gesellschaft
eingesetzt wird, sind noch weitere Schritte erforderlich. Unnötige willkürliche Beschränkungen, beispielsweise hinsichtlich der Art von Arbeitsplätzen, an denen man entlassene Häftlinge einsetzen kann, sollten beseitigt werden. Auch hinsichtlich der Auswahl der Strafgefangenen, die
für eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung in Frage kommen, wäre eine
größere Flexibilität angebracht. Nach der Entlassung müssen die Strafgefangenen größere Hilfe bei der Arbeitsuche erhalten und zur sozialen
Eingliederung tatkräftig unterstützt werden; heute gibt es im gesamten
Strafvollzugssystem des Bundes lediglich 12 Arbeitsverraittlungsspezialisten, von denen fünf in den Vorentlassungsheimen tätig sind.
Freiwillige Bürgerausschüsse können den Strafgefangenen durch Mitarbeit im Rahmen der Ausbildungsprogramme während der Zeit im Vorentlassungsheim nützliche Hilfestellung geben. Ihre Mitglieder können
darüberhinaus die Haftentlassenen bei der Stellensuche unterstützen und
für die auf Bewährung entlassenen Häftlinge als Bewährungshelfer fungieren. Abgesehen von der direkten Hilfe sollten sich solche Gruppen
darum bemühen, sowohl die betroffenen Häftlinge als auch die Gemeinschaft, in die diese zurückkehren, zu einer vernünftigen Einstellung
zur Problematik der sozialen Eingliederung zu erziehen.
Ein

- 13 -

�Ein neues Programm, das das Justizministerium in Zusammenarbeit
mit dem Ministerium für Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen
durchführt, scheint ebenfalls sehr vielversprechend: die Anwendung der
Methoden der sozialen Rehabilitation Behinderter auf die soziale Eingliederung der Strafgefangenen. In seiner Anfangsphase sollen Zuschüsse
für Forschungs- und Musterprojekte in ausgewählten Städten bereitgestellt werden. Des weiteren soll den Strafgefangenen auf individueller
Basis die Möglichkeit gegeben werden, sich Rat zu holen, Schulungslehrgänge mitzumachen und sich ärztlich behandeln zu lassen. Darüber hinaus
sollen sie eine ähnliche Betreuung erfahren, wie sie die Abteilung
Soziale Rehabilitation den Behinderten angedeihen läßt, einschließlich
der Hilfe bei der Suche nach einem Arbeitsplatz.

(Quelle: "Manpower Report of the President
and A Report on Manpower Requirements,
Resources, Utilization, and Training by
the United States Department of Labor",
März 1966)

+ ++++

14

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeltsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIX - 6/7

Juni/Juli 1966

INHALTSVERZEICHNIS
Die Großtarifverträge des Jahres 1965

Seite 1

Die Verantwortung der Gesellschaft für die
Opfer der Automation

Seite 11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 14

Lily Mary David, US-Bundesamt für
Arbeitsstatistik
Die Großtarifverträge des Jahres 1965
WASHINGTON - Von den rund acht Millionen Arbeitskräften, die von
Großtarifverträgenl) erfaßt werden, kamen 1965 rund 3,6 Millionen in
den Genuß neuausgehandelter tariflicher Vereinbarungen. Diese Anzahl
ist wesentlich geringer als im Jahr 1964, entspricht aber etwa der des

1) Die vorstehende Untersuchung bezieht sich auf Großtarifverträge im
Bereich der Fertigungsindustrie und anderer Wirtschaftszweige, von
denen mehr als tausend Arbeitskräfte erfaßt werden. Ausgenommen sind
das Dienstleistungsgewerbe, das Geldwesen, der öffentliche Dienst
und teilweise auch (vergl. Fußnote 7) das Baugewerbe. Die Untersuchung betrifft nicht nur Betriebe mit einer Belegschaft von 1000
Mann und darüber, sondern auch solche Tarifverträge, die für ganze
Wirtschaftszweige verbindlich sind, sofern sie auf mehr als tausend
Arbeitskräfte Anwendung finden.

�des Jahres 1963 . Weitere 3,6 Millionen Arbeitnehmer erhielten 1965
Lohnerhöhungen aufgrund früher ausgehandelter stufenweiser Lohnerhöhungen oder in Anpassung der Löhne an die gestiegenen Lebenshaltungskosten.
Die restlichen 800 000 Arbeitnehmer unterlagen Tarifverträgen, die keine
Lohnerhöhungen für 1965 vorsahen oder deren Laufzeit über 1965 hinausgingen; eine geringere Anzahl von Arbeitskräften fiel unter Tarifverträge,
die gegen Jahresende Gegenstand von Verhandlungen bildeten.
Die ausgehandelten Lohnerhöhungen
Im Mittelwert 3) betrugen die ausgehandelten Lohnanpassungen während
des ersten Jahres der Laufzeit der 1965 geschlossenen Tarifverträge 3,8
Prozent (sieiu Tafel 1). Die Vergleichswerte für 1963 und 1964 sind 3,0
bzw. 3,2 Prozent. Die 1965 ausgehandelten Lohnerhöhungen waren die höchsten seit 1957, dem letzten Jahr, in dem die Arbeitslosigkeit sich auf
vergleichbarer niedriger Höhe gehalten hatte. Sie waren allerdings noch
immer erheblich geringer als die in jenem Jahr ausgehandelten durchschnittlichen Lohnsteigerungen.
Zieht man nur die Arbeitskräfte in Betracht, deren Löhne tatsächlich gestiegen sind, ergibt sich eine Erhöhung um 3,9 Prozent im Mittelwert, die mithin praktisch dem Wert für sämtliche •rfaBttl Arbeitskräfte
gleichkommt, da so gut wie sämtliche neugeschlossenen Tarifverträge
effektiv Lohnerhöhungen brachten. Sowohl 1964 als auch 1965 waren 19 von
20 Arbeitnehmern, die unter solche Großtarifverträge fallen, in Betrieben
beschäftigt, die eine Lohnerhöhung zugestanden hatten; in den Jahren 1962
und 1963 war das Verhältnis 15 zu 20. Lediglich 1956 und 1959 war der Anteil der Arbeitnehmer, die Lohnerhöhungen erhielten, höher als 1965.
Die Lohnsteigerungen waren im allgemeinen im Bereich der Fertigungsindustrie geringfügig höher als in den anderen Wirtschaftszweigen. In der
Fertigungsindustrie betrugen die für das erste Jahr der Geltungsdauer aller
neuen Tarifverträge ausgehandelten Lohnerhöhungen 4 Prozent und im Falle
der Verträge, die eine Lohnerhöhung einschlössen 4,1 Prozent. In den übrigen Wirtschaftszweigen beziffern sich die Lohnerhöhungen im Mittelwert
generell wie auch für die Verträge, die ausdrücklich Lohnerhöhungen vorsahen, auf 3,7 Prozent. Sowohl in der Fertigungsindustrie wie in den übrigen Wirtschaftszweigen erhielten 7 von 10 Arbeitnehmern im ersten Jahr
Tafel 1
Die großen Unterschiede von Jahr zu Jahr erklären sich aus den unterschiedlichen Auslaufterminen langfristiger Großtarifverträge. So standen beispielsweise im Jahr 1964 die Tarifverträge in der Stahlindustrie
nicht zur Verhandlung, wurden aber 1965 erneuert. Umgekehr wurden die
Tarifverträge mit der Automobilindustrie und mit den Eisenbahnen zuletzt 1964 erneuert, so daß 1965 keine Lohnverhandlungen stattfanden.
3) Mit Ausnahme der im folgenden noch zu besprechenden Tarifverträge im
Baugewerbe stellen die hier angegebenen Mittelwerte den Satz dar, um
den die ausgehandelten Lohnerhöhungen je zur Hälfte nach oben bzw.
unten schwanken.

- 2 -

�Tafel 1
Lohnänderungen im ersten Jahr der Wirksamkeit ausgewählter
Großtarifverträge, die 1965 zustande kamen

A H ,.„i mtl.. i..
Art und llone üei
, , „ ,
Lohnanderungen
•
Total
Unverändert
Kürzungen
Erhöhungen

Prozent der Produktions-- und
verwandten Arbeiter
FertigungsAusgewählte
B__. , .—r
Samtliehe
industrie
andere
,
D
Branchen
Branchen
100

100

100

6

4

--•

1
H

M

96

94

1
4
19
26
27
10
6
3
2

1
4
24
15
2
11
6
1
1

1
3
6
22
21
17
17
4
2
4

1
4
7
21
21
14
21
4
1
2

5
23
20
24
8
4
3
10

Zahl der erfaßten Arbeitnehmer (in 1000) 3590
Mittelwert der Veränderung
in Prozent^)
3,8
in Cent4^
10,0

248 1

1109

4,0
10,0

3,7
11,0

4,1
10,0

3.7
11,0

99

Prozent des Stundenlohns
Weniger als 1 Prozent
Zwischen 1 und 2 Prozent
Zwischen 2 und 3 Prozent
Zwischen 3 und 4 Prozent
Zwischen 4 und 5 Prozent
Zwischen 5 und 6 Prozent
Zwischen 6 und 7 Prozent
Zwischen 7 und 8 Prozent
Über 8 Prozent

• •

2
8
50
16

2

Cent pro Stunde
Weniger als 3 Cent
Zwischen 3 und 5 Cent
Zwischen 5 und 7 Cent
Zwischen 7 und 9 Cent
Zwischen 9 und 11 Cent
Zwischen 11 und 13 Cent
Zwischen 13 und 15 Cent
Zwischen 15 und 17 Cent
Zwischen 17 und 19 Cent
Über 19 Cent

in Prozent
in Cent5^

3,9
10,0

1) Lohnänderungen aufgrund von Tarifverträgen, die im Laufe des Jahres 1965
ausgehandelt wurden und spätestens innerhalb von 12 Monaten nach Abschluß
in Kraft treten. Ausgeklammert wurden Lohnänderungen, die aus vor 1965

�1965 abgeschlossenen Tarifverträgen herrühren, Lohnerhöhungen aufgrund einer Anpassung an den Lebenshaltungskostenindex und Erhöhungen, die erst in späteren Jahren rechtskräftig werden; ausgenommen
wurden ferner die in Textfußnote 1) genannten Beschäftigungszweige,
Tarifverträge, bei denen von der Kündigungsklausel kein Gebrauch
gemacht wurde, und der Geldwert der ausgehandelten Lohnnebenleistungen.
2) Einschließlich der Hafenarbeiter an der Ost- und Golfküste, die im
ersten Jahr der Laufzeit neuer Tarifverträge zwei Lohnerhöhungen erhielten.
3) Einschließlich einer beschränkten Anzahl von Eisenbahnarbeitern und
Verkaufsangestellten in Chicago, die im ersten Jahr der Laufzeit
neuer Tarifverträge zwei Lohnerhöhungen erhielten.
4) Einschließlich der Arbeitskräfte, die neuausgehandelten Tarifverträgen
ohne Lohnerhöhungsklauseln unterliegen.
5) Beschränkt auf Arbeitskräfte, die neuausgehandelten Tarifverträgen mit
Lohnerhöhungeklauseln unterliegen.
Arm.: Aufgrund von Auf- und Abrundungen addieren sich die Teilangaben
nicht notwendigerweise zu den Gesamtziffern.

Jahr Lohnerhöhungen zwischen 2 und 5 Prozent; die Hälfte der Arbeitnehmer
in der Nichtfertigungsindustrie erhielten Lohnerhöhungen zwischen 3 und 4
Prozent.
Eine Analyse sämtlicher Lohnerhöhungen, die während der Gesamtgeltungsdauer der neuausgehandelten Tarifverträge wirksam werden, zeigt - im Unterschied zu den Lohnerhöhungen im ersten Jahr ihrer Geltungsdauer -, daß die
1965 ausgehandelten Tarifverträge generelle Lohnveränderungen in Höhe von
3,3 Prozent pro Jahr bewirken werden. Demgegenüber lag der Vergleichswert
1963 bei 2,3 und. 1964 bei 3 Prozent4) (siehe Tafel 2).
Die 1965 gegenüber 1964 geringere Differenz zwischen den Lohnänderungen während der Gesamtgeltungsdauer der Kontrakte und denen des ersten
Jahres ihrer Laufzeit, spiegelt zwei Faktoren wider: 1. Die ungewöhnlich
große Zahl von Tarifregelungen, die an sich bereits 1964 anstanden aber
Tafel 2
4)
Die Analyse der Lohnerhöhungen über die Gesamtgeltungsdauer der ausgehandelten Tarifverträge beschränkt sich auf solche Abmachungen, die
10 000 oder mehr Arbeitnehmer betreffen. Von ihnen wird etwa die Hälfte
aller Großtarifverträgen unterliegenden Arbeitnehmer erfaßt.

�Tafel 2
Übersicht über die Lohnveränderungen aufgrund der 1963-65
ausgehandelten Großtarifverträge

Mittelwert
(in Prozent)
1965

1964

1963

Ausgehandelte Lohnerhöhungen
Im ersten Jahr der Laufzeit
In der gesamten Laufzeit
(Jahresdurchschnitt)1)

3,8

3,2

3,0

3,3

3,0

2,3

In Kraft getretene Lohnerhöhungen,
unabhängig vom Zeitpunkt, zu dem
sie ausgehandelt wurden

3,5

3,2

3,4

Beschränkt auf Tarifverträge, die auf 10 000 und mehr Arbeitnehmer Anwendung finden.

aber erst 1965 zum Abschluß kamen und deshalb zwei Lohnerhöhungen innerhalb eines Zeitraums von 12 Monaten vorsahen, von denen die eine rückwirkend zum Auslaufdatum des vorausgegangenen Tarifvertrags in Kraft
trat; und 2. Unterschiede im Fälligkeitsdatum der Lohnerhöhungen während
der Geltungsdauer einiger wichtiger Schlüsselverträge. Die aus dem Vorjahr überfälligen und deshalb doppelten Lohnerhöhungen im Verlauf von
12 Monaten schlössen unter anderem einen Tarifvertrag für 60 000 nichtbdhnbetriebstechnische Eisenbahnangestellte ein, der eine Lohnerhöhung
rückwirkend per 1. Januar 1964 verfügte.(dem Tag des Inkrafttretens der
von anderen Eisenbahngewerkschaften für solches Personal 1964 ausgehandelten neuen Tarife) und eine weitere Lohnerhöhung per 1. Januar 1965 (um
zuSft&amp;ii&amp;«u 7 Prozent) vorsah. Sie schlössen ferner doppelte Gehaltserhöhungen von zusammen 6 Prozent für rund 30 000 Hafenarbeiter in Häfen
der Golf- und Ostküste (mit Ausnahme New Yorks) und von zusammen 7 Prozent für 18 000 Verkäufer im Einzelhandel ein..
Die im Jahr 1964 im Bereich der Automobil-, Landmaschinen- und Zubehörindustrie beschlossenen Tarifverträge sahen zum Teil für das erste
Jahr der Laufzeit keine oder nur geringfügige Lohnerhöhungen vor. Im
Gegensatz hierzu brachten die 1965 mit der stahlverarbeitenden und der
Aluminiumindustrie geschlossenen Tarifverträge sehr umfangreiche Lohnerhöhungen im ersten Jahr, dagegen keine generellen Lohnerhöhungen für
das zweite Jahr.
In

- 5 -

�In den Abweichungen hinsichtlich der zeitlichen Verteilung der
Lohnerhöhungen aus den Tarifverträgen für die Stahl- und die Automobilindustrie kommt der Unterschied zum Ausdruck, den man bisher in
beiden Industrien zwischen Lohnverbesserungen und Maßnahmen zur Erhöhung der sozialen Sicherheit der Arbeitnehmer gemacht hat. Auch
dürfte die hohe Zahl der geleisteten Überstunden vor Abschluß der
Lohnvereinbarungen eine gewisse Rolle gespielt haben. Die Lohnerhöhung
aufgrund des 1965 ausgehandelten Tarifvertrags i der Stahlindustrie
war die erste nach Abschluß des letzten Tarifvertrags von Anfang 1960,
der eine Anhebung der Lohnsätze für Oktober 1961 vorgesehen hatte. In
den Jahren 1962 und 1963 verzichtete die Stahlarbeitergewerkschaft dann
auf Lohnerhöhungen zugunsten anderer Maßnahmen, die darauf abzielten,
den Arbeitnehmern ein höheres Einkommen und größere soziale Sicherheit zu gewährleisten. Das gleiche gilt für die Aluminium- und Blechverpackungsmittelindustrie, wo die 1965 ausgehandelten Lohnerhöhungen
die ersten nach dem 1961 in Kraft gesetzten stufenweisen Aufbesserungen
waren. Im Gegensatz hierzu handelte die Automobilarbeitergewerkschaft
1964 statt größerer Lohnerhöhungen im ersten Jahr
eine erhebliche
Verbesserung der Rentenleistungen und umfangreichere Lohnerhöhungen im
dritten Jahr der Laufzeit des Vertrags ein. Ihre Bereitschaft zum Verzicht auf Lohnerhöhungen im ersten Jahr zugunsten der genannten Leistungen wurde wahrscheinlich durch die Tatsache bestimmt, daß in.den
vorausgegangenen Jahren Lohnerhöhungen, aber kaum nennenswerte Verbesserungen der Lohnnebenleistungen zu verzeichnen waren. Zudem war der
Wunsch, direkte Lofinerhöhungen zu erhalte; angesichts der hohen Überstundenbezüge der Jahre 1964 und 1963 bei den Automobilarbeitern relativ schwach.
Als Folge des generellen Optimismus der Wirtschaft und der verbesserten Zukunftsaussichten in einer Reihe von Industriesparten, die
mehrere Jahre hindurch mit einer relativ ungünstigen Geschäftsentwicklung hatten rechnen müssen, wurden 1965 vielfach Lohnerhöhungen
gewährt, die nach der generellen Praxis der letzten Jahre noch mindestens ein Jahr hinausgezögert worden wären. In den meisten Industrien
sind Lohnerhöhungen bestenfalls alle zwei oder drei Jahre fällig. In
der Herrenbekleidungsindustrie beispielsweise wurden.die Löhne 1965
nach einer zweijährigen Pause erhöht im Gegensatz zu den bisher üblichen
Dreijahresintervallen. Die Baumwollindustrie im Norden des Landes fand
sich zu einer zweiten Lohnerhöhung innerhalb zwei Jahren bereit, statt
wie früher ehestens nach drei Jahren-*/.
Die Lohnerhöhungen des Jahres 1965
Über die Arbeitnehmer hinaus, die in den Genuß der 1965 getroffenen
Lohnregelungen gelangten, erhielten weitere 3,6 Millionen Arbeitskräfte
Lohnerhöhungen, die auf ältere Tarifverträge zurückgehen - sei es in
Die BaumwolltextilIndustrie im Süden, deren Arbeitnehmer im großen
und ganzen nicht organisiert sind und deshalb vor dieser Untersuchung
nicht berücksichtigt wurden, gewährte 1965 ihre dritte Lohnerhöhung
innerhalb von 18 Monaten, obwohl Lohnerhöhungen früher im allgemeinen
nur alle 2 oder 3 Jahre zugestanden worden waren.

- 6 -

�in Form stufenweiser Lohnerhöhungen oder dank einer Bindung der Lohnsätze an den Lebenshaltungskostenindex oder auch aufgrund einer Kombination beider Möglichkeiten. Diese Lohnerhöhungen bezifferten sich im
Durchschnitt auf 2,9 Prozent.
Unter den betroffenen Arbeitnehmern waren schätzungsweise 600 000
in der Kraftfahrzeug- und Kraftfahrzeugzubehörindustrie beschäftigt;
sie erhielten stufenweise Lohnerhöhung in Höhe von 2,5 Prozent (bei
einer Mindesterhöhung von 6 Cent) zuzüglich einer 4prozentigen Anpassung aufgrund der Bindung an den Lebenshaltungskostenindex. Weitere
Nutznießer solcher Lohnerhöhungen sind zahlreiche Eisenbahnbedienstete,
die nicht im Fahrdienst beschäftigt sind und größtenteils eine 9prozentige stufenweise Lohnerhöhung verzeichnen konnten. Ähnliches gilt
für die Beschäftigren in den Fleischkonservenfabriken, die eine öprozentige Lohnerhöhung und eine 4prozentige Anpassung an den Lebenshaltungskostenindex realisieren konnten. Etwa 350 000 Beschäftige im Kraftfahrzeugnah- und Fernverkehr erzielten eine stufenweise Erhöhung der Stundenlöhne um generell 8 oder 9 Prozent bzw. eine Erhöhung der Kilometergelder.
Die den Großtarifverträgen unterliegenden 7 Millionen Arbeitnehmern
1965 gewährten Lohnsteigerungen aus neuausgehandelten und alten Verträgen bezifferten sich im Durchschnitt auf 3,5 Prozent gegenüber 3,4 Prozent in 1963 und 3,2 Prozent in 1964.
Rechnen wir zu diesen 7 Millionen Arbeitnehmern noch jene Million^)
hinzu, die 1965 keine Lohnerhöhungen erhielten, weil die entsprechenden
Tarifverträge entweder keine Lohnerhöhungen vorsahen oder Lohnverhandlungen 1965 nicht anstanden oder nicht zum Abschluß kamen, so beziffert
sich die durchschnittliche Lohnangleichung für 1965 auf 3,4 Prozent.
Die Vergleichsziffern für 1963 und 1964 waren 2,9 bzw. 2,7 Prozent.
Baugewerbe

Von dieser Million Arbeitskräfte wurden etwa 600 000 von Tarifverträgen erfaßt, die entweder Lohnverhandlungen ausschlössen oder ausdrücklich keine Lohnerhöhungen für 1965 vorsahen. Zu diesem Personenkreis zählte der größte Teil der Mitglieder der Gewerkschaften des
Eisenbahnbetriebspersonals sowie des Damenoberbekleidungsgewerbes in
New York. Weitere 125 000 Arbeitnehmer waren in Betrieben beschäftigt,
in denen die Lohnverhandlungen bis Ende 1965 nicht zum Abschluß kamen.
TarifVerhandlungen schwebten u.a. zwischen der Eisenbahnstückgutzentrale und der Transportarbeitergewerkschaft sowie zwei Gewerkschaften
der Seeleute an der Westküste. Für 100 000 Beschäftigte waren bei Abschluß dieser Untersuchung entsprechende Informationen noch nicht verfügbar. Weitere 100 000 Arbeitnehmer unterlagen Tarifverträgen, die
für 1965 - dem ersten Jahr iher Laufzeit - keine Lohnerhöhungen vorsahen.

- 7-

�Baugewerbe
Soweit Informationen aus dem Baugewerbe vorliegen, geht daraus hervor, daß die Tariflöhne in 7 der wichtigsten Zweige des Bauhaupt- und
Nebengewerbes in 100 Stidten um durchschnittlich 3,9 Prozent stiegen.
Hierin sind alle Lohnerhöhungen enthalten, die 1965 in Kraft traten,
unabhängig davon, wann die entsprechenden Verträge abgeschlossen worden waren; diese Lohnerhöhungen sind deshalb der vorstehend angeführten Lohnerhöhung von durchschnittlich 3,4 Prozent vergleichbar.
Lohnnebenleistungen
Über die aufgeführten Lohnerhöhungen hinaus brachten die Tarifverträge für 80 Prozent aller Arbeitnehmer, die von den 1965 ausgehandelten
Großtarifverträgen erfaßt werden, eine oder mehrere Verbesserungen der
Lohnnebenleistungen. Eine Verringerung oder Streichung irgendwelcher
Lohnnebenleistungen war 1965 nicht zu verzeichnen.
Die verbesserten oder neueingeführten Lohnnebenleistungen betrafen
vor allem die betrieblichen Kranken- und Sozialkassen, die RentenleistunRen die Urlaubs- und Feiertagsregelung und Maßnahmen zur Sicherung des
Arbeitsplatzes (siehe Tafel 3). Die Regelung im Bereich der Stahlindustrie
brachte verbesserte Leistungen in allen genannten Sparten mit Ausnahme
der bezahlten Feiertage.
Was die 2,25 Millionen Arbeitnehmer angeht, für die eine Anhebung
der Leistungen der Kranken- und Sozialkassen erzielt wurde - übrigens
die häufigste Form der Verbesserung - fiel vor allem die Verbesserung
der Krankenhaus- und der Arzt- und Operationskostenversicherung oder
beider für 1,89 Millionen Arbeitskräfte; der Krankengeld- und Unfallversicherung für 1,04 Millionen Arbeitnehmer und der Lebensversicherung für
850-0n.~&gt; Arbeitnehmer ins Gewicht.
Die Pensionskassenregelung wurde für 2 Millionen Arbeitnehmer verbessert oder neu eingeführt. Die Verbesserungen betrafen vor allem die
Rentenleistungen bei Erreichung der normalen Pensionsgrenze (davon betroffen 1,825 Millionen Arbeitnehmer) und höhere oder neu eingeführte
Rentenleistungen im Invaliditätsfalle oder beide (davon betroffen 1,3
Millionen Arbeitskräfte).
Die Urlaubsregelung wurde in Betrieben mit insgesamt 2 Millionen
Beschäftigten verbessert. Die häufigste Veränderung betraf die Gewährung
einer vierten Woche bezahlten Urlaubs für 390 000 Arbeitnehmer. Weitere
275 000 Arbeitnehmer kommen neu in den Genuß einer noch großzügigeren
Urlaubsregelung (mindestens fünf Wochen Jahresurlaub); etwa 90 000 der
Betroffenen sind.in der Gummi-Industrie beschäftigt,.wo gleichzeitig
die Betriebszugehörigkeitsdauer als Voraussetzung zur Gewährung eines
vierwöchigen Urlaubs herabgesetzt wurde. Eine solche Herabsetzung der
Betriebszugehörigkeitsdauer als Voraussetzung für die. Gewährung von 4
Wochen Urlaub wurde in Tarifverträgen vereinbart, die mindestens 175 000
Arbeitnehmer erfassen.
LohnTafel 3
- 8 -

�Tafel 3
Prozentsatz der von ausgewählten Großtarifverträgen erfaßten
Arbeitnehmer, für die in den Jahren 1963-65 Verbesserungen
der Lohnnebenleistungen ausgehandelt wurden

Art der Lohnnebenleistung

Prozent der Arbeitnehmer
1965

Verträge, die eine oder mehrere
Formen verbesserter Lohnnebenleistungen brachten .

1964

1963

80,1

85,

87,4

5,8
56,8
35,1
6,5
57,0
62,7

9,
67,
44,9
16,2
67,8
62,1

5,9
43,4
14,7
2,9
37,2
72,8

13,1
27,3
12,2
8,0
24,2

18,
28,8
20,7
3,6
21,3

3,5
10,9
8,7
3,4
27,8

Verträge, die keine Verbesserung der
Lohnnebenleistungen brachten

19,9

14,3

12,4

Verträge, die eine Verschlechterung
der Lohnnebenleistungen brachten

-_—

Zahl der Arbeitnehmer, in deren
Namen Lohnverhandlungen geführt
wurden (in tausend)

3590

Schichtarbeiterzuschläge
Bezahlter Urlaub
Bezahlte Feiertage
Leistungsprämien
Pensionsleistungen
Krankenhaus- und. SgzJLalkftasap.
Lohnfortzahlung bei Inanspruchnahme als Geschworener
Sicherung des Arbeitsplatzes
Bezahlter Begräbnisurlaub
Bezahlter Krankenurlaub
Andere

0,2

4305

3370

Anm.: Aufgrund von Auf- und Abrundungen addieren sich die Teilangaben
nicht notwendigerweise zu den Gesamtziffern.
Lohnkbstenanteil der Lohnnebenleistungen
Die in den Tafeln 1 und 2 aufgeführten Ziffern schließen den Gegenwert der verbesserten Lohnnebenleistungen nicht ein. Bei Einschluß dieser
Zusatzleistungen sind Lohnerhöhungen in Cent pro Stunde höher, während
sich die Prozentziffern im Falle einiger Tarifverträge erhöhen und in
anderen verringern, da die Prozentziffern die eingetretenen Veränderungen
in Beziehung zu den gezahlten Gesamtstundenlöhnen, nicht aber zu den
Tarifsätzen für die reguläre Arbeitszeit setzen.
Exakte

�Exakte Angaben über Mehraufwand für die verbesserten Lohnnebenleistungen sind für den größten Teil der Großtarifverträge nicht verfügbar. Es wurden aber überschlägige Schätzungen der diesbezüglichen
Lohnkostensteigerungen aus etwa einem Dutzend Tarifverträge in Schlüsselindustrien erstellt, von denen 1,5 Millionen Arbeitskräfte erfaßt
werden?). Von den hiervon betroffenen Arbeitskräften war die Mehrzahl
(fast drei Fünftel) in Betrieben beschäftigt, die eine Erhöhung der
Lohn- und Lohnnebenkosten um drei bis maximal 3,5 Prozent im Jahr zu
verzeichnen hatten. Etwa 15 Prozent gehören Betrieben an, wo die entsprechenden Tarifverträge den Aufwand für Lohn- und Lohnnebenleistungen
um 3,5 bis maximal 4 Prozent steigen ließen. Etwas über 15 Prozent
arbeiteten in Betrieben, die eine entsprechende Kostensteigerung um 4
bis 4,5 Prozent im Jahr einkalkulierten; und 10 Prozent in Betrieben,
wo dieser Satz überstiegen wurde. Wertet man diese Gruppe von Tarifverträgen als Ganzes, so beläuft sich die durchschnittliche Erhöhung
des Lohn- und Lohnnebenkostenaufwands auf 3,3 Prozent im Jahr8). Hierbei ist zu beachten, daß die Lohnerhöhungen in jenen Tarifverträgen,
aus denen die vorstehenden Schätzungen abgeleitet wurden, über den
Durchschnitt aller Großtarifverträge hinausgehen. Die Lohnerhöhungen
im ersten Jahr beziffern sich in dieser Gruppe der Tarifverträge auf
durchschnittlich 4,4 Prozent, und die Lohnerhöhungen auf die gesamte
Geltungsdauer des Vertrages berechnet, auf 3,5 Prozent.

Die Kostensteigerungen zu Ende des Vertragszeitraums wurden geschätzt
und die so erhaltenen Werte auf Jahresbasis umgerechnet. Eventuelle
Lohnerhöhungen, die aus der Anpassung an den Lebenshaltungskostenindex resultieren, blieben außer Ansatz. Die Schätzwerte geben natürlich keinen Aufschluß darüber, inwieweit sie die Stückkosten in der
Fertigung erhöhen, die ihrerseits wiederum von der Arbeitsproduktivität, der Leistung pro Arbeitskraft und Arbeitsstunde, beeinflußt wer-den. In diese Schätzwerte wurden keine Tarifverträge des Baugewerbes
einbezogen. Bei 16 Verträgen aus dem Bereich dieses Wirtschaftszweiges,
die 1965 abgeschlossen wurden und rund 340 000 Arbeitnehmer erfassen,
bezifferte sich die Steigerung der Lohn- und Lohnnebenkosten auf 4,3
bis 8,3 Prozent.
Ebenso wie andere hier angeführte Mittelwerte, wurde dieser Satz durch
Aufrechnung der betroffenen Arbeitnehmer gemäß den ausgehandelten
durchschnittlichen Erhöhungen ermittelt und nicht einfach durch Zusammenrechnen der Tarifverträge nach der Höhe der erzielten Steigerungen.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 89, Nr. 4, April 1966)

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�Die Verantwortung der Gesellschaft für die Opfer der Automation
Zum Bericht des Ausschusses für Fragen der Technik, der Automation
und des wirtschaftlichen Fortschritts
Die Gesellschaft als Ganzes ist Nutznießer des technischen Fortschritts und hat deshalb auch die Verpflichtung, für neue Beschäftigungsmöglichkeiten der Opfer von arbeitsparenden Maschinen und Verfahren zu sorgen. Das ist eine der wesentlichsten Folgerungen des
Berichts "Die Technik und die amerikanische Wirtschaft", den der Ausschuß für.Fragen der Technik, der Automation und des wirtschaftlichen
Fortschritts im Januar 1966 dem Präsidenten und dem Kongreß der Vereinigten Staaten zugeleitet hat.
Der Ausschuß aus Professoren, Wirtschaftlern und Gewerkschaftlern
wurde im Dezember 1964 von Präsident Johnson gebildet und beauftragt,
die Zusammenhänge zwischen dem technischen Fortschritt und der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu untersuchen. Vorsitzender des
aus 14 Mitgliedern bestehenden Gremiums war Prof. Dr. Howard R. Bowen,
der. Präsident der Universität von Iowa. Zu den prominentesten Mitgliedern gehörten Walter P. Reuther, der Präsident der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft der USA, und Thomas J. Watson, Aufsichtsratsvorsitzer der International Business Machines Corporation. Der Ausschuß
tagte das ganze Jahr 1965 über jeweils zweimal im Monat.
Ein Aktionsprogramm
Die drei Gewerkschaftler und zwei weitere Mitglieder des Ausschusses
stimmten den Folgerungen aus der Untersuchung zwar grundsätzlich zu, bedauerten aber, daß "der Bericht der Dringlichkeit ermangelt, die bei diesem Themenkreis geboten scheint". Sie sprachen die Hoffnung aus, man
werde den Bericht "als ein Aktionsprogramm lesen und auffassen - einen
Appell zur restlosen Mobilisierung der Hilfsquellen Amerikas für den Aufbau einer wahrhaft Großen Gesellschaft".
Soweit einzelne Mitglieder hinsichtlich der Feststellungen des Berichtes in irgendeinem Punkt anderer Meinung waren, kam dies in den beigefügten Fußnoten zum Ausdruck.
Der Bericht ist an sich nicht als Vorentwurf für einschlägige gesetzgeberische Maßnahmen gedacht, legt aber dennoch in seinen Schlußbetrachtungen den Gedanken nahe, die Sozial- und Arbeitsgesetzgebung sowie
die Beschäftigungsbedingungen im öffentlichen Dienst im Sinne der unterbreiteten Empfehlungen zu revidieren.
Erziehung und Arbeit
Die Anpassung an die sich wandelnden Verhältnisse macht nach Auffassung des Ausschusses auf vielen Gebieten neue Maßnahmen erforderlich.
Der Ausschuß erörterte beispielsweise die Zusammenhänge zwischen Erziehung und Arbeit. Unter Hinweis auf die Notwendigkeit, die Erziehung mit

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�mit den im Berufsleben geforderten Qualifikationen in Einklang zu
bringen, verwies der Kommission auf die Tatsache, daß sich der Anteil
der Angehörigen der technischen und akademischen Berufe an der Gesamtbeschäftigtenzahl zwischen 1947 und 1964 von 6,6 auf 12,2 Prozent erhöht hat. Die Beschäftigungsstruktur ist mithin einem Wandel unterworfen, der auch in Zukunft andauern wird. Als Grund hierfür nennt der
Bericht "das rasche Wachstum von Industrie und Beschäftigungszweigen
wie dem Erziehungswesen, dem Geld- und Versicherungsgewerbe, dem Gesundheitsdienst und dem Dienstleistungsgewerbe, die in erster Linie
Angehörige der freien Berufe und Angestellte beschäftigen. Ein weiterer
Grund ist der rasche Anstieg des Bildungsniveaus selbst'*.
Die Ausdehnung der allgemeinen Schulpflicht auf 14 Klassen, bis
zum zweiten College-Jahr einschließlich - ein Vorschlag, den die Gewerkschaften schon vor Jahren gemacht haben - wird im Hinblick auf die steigenden Ansprüche an die Qualifikationen der Berufstätigen vom Ausschuß
befürwortet. Die Kommission zeigte sich "von der umfassenden und sich
verstärkenden Erziehungs- und Schulungsarbeit innerhalb der private
Wirtschaft beeindruckt". Sie schlägt vor, weitere Anreize für Arbeitnehmer zu schaffen, sich in ihrer Freizeit an Schulungsprogrammen zu
beteiligen.
Gegen einheitliche Pensionsaltersgrenze
Was die Aufstellung fester Arbeitszeitnormen angeht, waren die Mitglieder des Ausschusses außerstande, sich auf "sinnvolle Empfehlungen"
zu einigen. Sie verwiesen lediglich auf die Zunahme der Freizeit der
Arbeitnehmer gewisser Industriezweige in Gestalt längeren Urlaubs, zusätzlicher Feiertage, der Vorverlegung des Pensionsalters (einschließlich der "gestaffelten Pensionierung", der. allmählichen Verringerung
der Arbeitszeit schon einige Jahre vor Erreichung der eigentlichen
Altersgrenze), der Gewährung eines langfristigen Gesundheits- fcder
Bildungsurlaubs nach mehrjähriger Beschäftigung und der Verringerung
der wöchentlichen Arbeitszeit. Die Festsetzung einer einheitlichen
Pensionsgrenze wird von dem Ausschuß als wenig sinnvoll angesehen. " I n
bestimmten Beschäftigungszweigen", so heißt es in dem Bericht, "insbesondere in den geistigen Berufen, sind Alter und Erfahrung ein Plus,
auf das man nicht verzichten sollte; in manchen Beschäftigungssparten,
vor allem dort, wo schwere körperliche Arbeit gefordert wird, kann sich
dagegen eine Überalterung der Belegschaft produktionshemmend auswirken.
Es bedarf deshalb in der Frage der Pensionierung größerer Flexibilität."
Monatsgehalt für Arbeiter
Der Ausschuß empfiehlt den Übergang von den Stück- oder Stundenlöhnen der Arbeiter zu Monatslöhnen. Eine solche Regelung würde die
Arbeitsfluktuation verringern, die Angleichung der Lohnnebenleistungen
von Arbeitern und Angestellten begünstigen und Klassenunterschiede innerhalb der Betriebe abbauen helfen.

Für

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�Für Menschen, die aus dem einen oder anderen Grund nicht am
Erwerbsleben teilhaben können, sollte "ausreichende Vorsorge" getroffen werden, um ihnen ein angemessenes Mindesteinkommen zu sichern.
Alle Personen, die ein bestimmtes Mindesteinkommen nicht erreichen,
sollen Steuerfreiheit genießen und notfalls selbst Barzuwendungen erhalten.
Die Unterbringung von Opfern der Automation
Bezüglich der Beschäftigung der aufgrund technischer Neuerungen
von ihren Arbeitsplätzen verdrängten Arbeitskräfte schlägt der Bericht
vor, die Arbeitgeber sollten gefährdeten Arbeitnehmern rechtzeitig
Gelegenheit bieten, sich ohne Preisgabe ihres Anrechts auf den bisherigen Arbeitsplatz an einem anderen Arbeitsplatz zu versuchen. "Wenn
man den Arbeitnehmern die Wahl unter mehreren Alternativen läßt, würde
damit eines der wesentlichsten Hindernisse fallen, die eine Anpassung
an die sich verändernde Arbeitswelt erschweren".
In dem Bericht heißt es hier zu weiten "Da entlassene Arbeitnehmer
eine gewisse Zeit brauchen, um sich über gegebene Beschäftigungsmöglichkeiten zu informieren und sie zu erproben, unterstreichen staatliche
Stellen, die Gewerkschaften und andere Kreise in zunehmendem Maße die
Notwendigkeit einer rechtzeitigen 'Vorwarnung1, um die Beschäftigten auf
mögliche oder unvermeidbare berufliche Veränderungen aufmerksam zu machen."
Wahrung von Pensionsansprüchen
Für Arbeitskräfte, die den Arbeitsplatz wechseln, fordert der
Bericht dag Recht, erworbene Ansprüche an die betriebliche Pensionskasse auf die neue Stelle zu transferieren. Nach amtlichen Statistiken
enthalten bereits heute zwei Drittel der Vereinbarungen über eine Zusatz-Altersversicherung bei Betriebskassen Bestimmungen über einen solchen
Transfer. Die Kommission gab der Hoffnung Ausdruck, daß weitere Pensionskassen diesem Beispiel folgen werden.
Um zu gewährleisten, daß möglichst alle Arbeitnehmer den ihren Fähigkeiten entsprechenden Arbeitsplatz finden, wird in dem Bericht die Schaffung einer Zentralkartei der Arbeitsuchenden und offenen Stellen vorgeschlagen, die mit Hilfe elektronischer Datenverarbeitungsanlagen Stellenbewerbern geeignete Positionen nachweisen soll.
Jahrhundertealtes Unrecht gutmachen
Zur Frage der Beschäftigungsmöglichkeiten für Neger heißt es in dem
Bericht: "Um das Arbeitspotential voll auszunutzen, bedarf es besonderer
Programme für Neger - Programme, die einen systematischen Versuch darstellen müssen, das ihnen in dreihundert Jahren zugefügte Unrecht so
rasch wie möglich wieder gutzumachen."
Was

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�Was die Einstellung der Mitglieder des Ausschusses zu dem gesamten
Fragenkomplex angeht, heißt es in dem Bericht: "Keiner unter uns ist,
wie wir feststellen konnten, für doktrinäre Lösungen. Ausgangspunkt ist
für uns das Eintreten für eine freie Wirtschaft und Gesellschaft. Wir
sehen aber auch, daß überall dort, wo die Marktwirtschaft bestimmte
Dienste nicht zu leisten vermag, öffentliche Stellen und Behörden die
diesbezüglichen Funktionen übernehmen müssen... Es gilt neue Mittel und
Wege zu finden, um unsere demokratischen Institutionen flexibler und
anpassungsfähiger zu machen, und dabei gleichzeitig den Mechanismus der
freien Entscheidung und demokratischen Mitwirkung beizubehalten.••

(Quelle: Eigenbericht)

+ +-•-+ +
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Amerikanische Streikbilanz 1965
Die Streiks, von denen die amerikanische Industrie im Jahre 1965 betroffen wurde, waren im Durchschnitt von kürzerer Dauer als die des Vorjahres, wie aus einer Mitteilung des US-Arbeitsministeriums hervorgeht.
Während die Zahl der Streiks gegenüber 1964 um 205 auf insgesamt 3680 anstieg und damit die höchste der letzten zehn Jahre war, ging die Zahl der
Streikenden von 1 640 000 auf 1 480 000 zurück. Dank der kürzeren Streikdauer erhöhte sich der Arbeitsausfall durch Ausstände gegenüber 1964 nur
geringfügig von rund 22,9 Mio. Arbeitstagen auf 23,1 Mio. Arbeitstage.

+
US-Sozialversicherung zahlt ins Ausland
Rund 165 000 außerhalb der USA lebende Rentner sind gegenwärtig
Empfänger von Bezügen aus der amerikanischen Sozialversicherung in Höhe
von insgesamt 11 Mio. Dollar monatlich. Nur etwas mehr als die Hälfte
dieser Personen sind amerikanische Staatsbürger.
Mit 35 000 Empfängern steht Italien an der Spitze der Liste. Es folgen Kanada mit 23 000, Griechenland mit 15 OOü, die Philippinen mit 13 000
und Mexiko mit 10 000 Empfängern vor der Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien, Spanien, Jugoslawien, Japan, Portugal, Schweden, Norwegen,
Irland und Frankreich.
(Quelle: Eigenberichte)

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIX - 6/9/10

August/September/Oktober 1966

INHALTSVERZEICHNIS
Beiträge zur Diskussion um die Lohn- und Preisstabilität:
Der Wirtschaftsbeirat des US-Präsidenten - ein Organ
zur informellen Lenkung der Konjunktur

Seite

2

Grundlagen und Probleme der Richtwertpolitik

Seite

4

Arbeitskurznachrichten

Seite 13

Beiträge zur Diskussion um die Lohn- und Preisstabilität
In allen Industriestaaten befaßt man sich gegenwärtig mit der
Frage nach den Auswirkungen des Lohn- und Preisauftriebs auf die wirtschaftliche Entwicklung.
Die Amerikaner lehnen aus ihrer freiheitlichen Tradition heraus
staatliche Eingriffe in die Wirtschaft ab. Die US-Regierung appeliert
statt dessen an Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sich bei Entscheidungen,
die Löhne und Preise berühren, von ihrer Verantwortung gegenüber der
Gesamtheit leiten zu lassen. Zur Orientierung der Sozialpartner setzt
der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten sog. Richtwerte für Lohn- und
Preiserhöhungen fest, die jedoch lediglich als Empfehlungen, nicht aber
als Anordnungen gedacht sind.
Ob die Politik der Richtwerte das geeignete Mittel zur Sicherung
der Wirtschaftsstabilität ist, darüber wird in den Vereinigten Staaten
heute heftig diskutiert. Die "Internationalen Arbeitsmitteilungen" bringen in der vorliegenden Ausgabe eine kurze Darstellung der Tätigkeit des
Wirtschaftsbeirats und einen Grundsatzartikel zur Theorie der Richtwertpolitik und in der nächsten eine Untersuchung der Zusammenhänge zwischen
Richtwerten, Löhnen und Kollektiwerhandlungen.
Die beiden letztgenannten Beiträge standen als Hauptreferate im
Mittelpunkt einer Diskussion der Richtwertpolitik, die am 27. und 28.
April 1966 in Chicago unter den Auspizien der dortigen Universität veranstaltet wurde.
- 1-

�Henry W. Martin:
Der Wirtschaftsbeirat des US-Präsidenten - ein Organ zur informellen
Lenkung der Konjunktur
Die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft kontinuierlich zu
beobachten und durch geeignete Maßnahmen ein ständiges Wirtschaftswachstum frei von inflatorischem oder deflatorischem Druck sicherzustellen, lautet der Auftrag des aufgrund des Beschäftigungsgesetzes
von 1946 (Employment Act) gegründeten und dem. Präsidialamt angegliederten Wirtschaftsbeirats des amerikanischen Präsidenten. Er besteht
aus drei vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannten Wirtschaftssachverständigen und einer beschränkten Zahl von Wirtschaftswissenschaftlern, die jeweils auf kürzere Z«it für ganz bestimmte Aufgaben
nach Washington geholt werden und datm wieder an ihre Universitäten
zurückkehren.
Die Tätigkeit des Wirtschaftsbeirats unterscheidet sich grundsätzlich von der der Wirtschaftsplanungsgremien anderer Staaten. Er
stellt weder einen detaillierten Plan für die Gesamtwirtschaft im Stile
der Ostblockstaaten auf, noch legt er einen Rahmenplan vor, d«*r die Verwirklichung gewisser Produktions- und Investitionaziele durch die Privatwirtschaft vorsieht, wie dies in Frankreich der Fall ist. Dennoch
spielt er eine entscheidende R/»lle in d*»r Vorausplanung ds-r Wirtschaftstätigkeit in den USA. Das mag wie ein Paradoxon erscheinet., aber Amerika
ist ein Land, in dem die Wirtschaftsplanung Sache der privaten Wirtschaft ist.
Der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten schlägt der Regierung eine
Wirtschafts-, Steuer- und Ausgabenpolitik vor, die gMigaat scheint,
das Wachstum der Gesamtwirtschaft bei gleichzeitiger Rücksichtnahme
auf die jeweiligen sozialen Erfordernisse zu gewährleisten, und erstellt laufend möglichst genaue Analysen der derzeitigen und künftigen
Wirtschaftsentwicklung, die der Regierung und der privaten Wirtschaft
alS Planungsgrundlage für die Zukunft dienen können.
Der Wandel der amerikanischen Wirtschaftspolitik zu Beginn der sechziger Jahre, den man vielfach als echte Revolution des wirtschaftlichen
Denkens bezeichnet hat, ist nicht zuletzt ein Verdienst des Wirtschaftsbeirats. Die "neue WlrtschaftslehreM befürwortet vor allem eine flexiblere Steuer-.und Haushaltspolitik der Regierung als Mittel zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums. Eine solche Wirtschaftspolitik erstrebt
nicht lediglich ein stetiges Wirtschaftswachstum, sondern eine Wachstumsrate, die dem vollen Potential des Landes entspricht.
Der Wirtschaftsbeirat stand schon häufig im Mittelpunkt tiefschürfender Debatten über die amerikanische Wirtschaftspolitik. Die von ihm
aufgestellten "Richtwerte" für Lohn- und Preiserhöhungen wurden vielfach sowohl von den Gewerkschaften als auch von den Unternehmern heftig
angegriffen, obgleich ihre Befolgung ohnehin in das Ermessen der Wirtschaftspartner gestellt ist. Daß die Richtwerte wesentlich zur Aufrecht-

�Aufrechterhaltung der Freisstabilität in einer Zeit zügiger Wirtschaftsexpansion beigetragen haben, wird aber kaum je bestritten.
Bei der Analysierung des Wirtschaftsablaufs stützt sich der Beirat
vor allem auf das statistische Material, das ihm das Statistische Bundesamt (Bureau of the Census) und das US-Amt für Arbeitsstatistik (Bureau of
Labor Statistics) im US-Arbeitsministerium zur Verfügung stellen.
Im Januar jeden Jahres veröffentlicht der Wirtschaftsbeirat im Rahmen des Wirtschaftsberichts des Präsidenten an den US-Kongreß einen
Rückblick auf die Entwicklung det US-Wirtschaft im vorausgegangenen Jahr
und Empfehlungen für den wirtschaftspolitischen Kurs der Regierung während der folgenden zwölf Monate. Dieser umfassende Bericht über die Wirtschaftslage der Vereinigten Staaten wird nicht nur von Regierungsstellen,
sondern darüber hinaus auch von der Wirtschaft und den Gewerkschaften
stärkstens beachtet. In Kreisen der Wirtschaftswissenschaft des In- und
Auslands weiß man den.Bericht gleichfalls als eine wohlfundierte und dokumentarisch belegte Analyse des Wirtschaftsgeschehens in den USA sehr zu
schätzen.
Der Einfluß des Beirats auf das Wirtschaftsgeschehen und die gesellschaftliche Entwicklung hängt weitgehend vom Können und Ansehen seiner
Mitglieder ab, da er kein Wirtschaftsprogramm im eigentlichen Sinne aufstellt und auch keinerlei Weisungsbefugnisse hat. Es steht dem Präsidenten, dem Kongreß, und der amerikanischen Wirtschaft vollkommen frei, wie
weit sie den Empfehlungen des Wirtschaftsbeirats folgen wollen. Daß sie
seinen Empfehlungen häufig folgen, ist der Tatsache zu danken, daß sich
der Rat in den 20 Jahren seines Bestehens ein sehr hohes Maß an Achtung
und Ansehen erringen konnte.

(Quelle: Eigenbericht)

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�Arthur M. Ross, Leiter des US-Bundesamtes für
Arbeitsstatistik:
Grundlagen und Probleme der Richtwertpolitik
Die restriktive Lohn- und Preispolitik in Westeuropa und in den Vereinigten Staaten wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten häufig scharf
kritisiert. Sie wurde als eine Weigerung interpretiert, notwendige Entscheidungen zu treffen, als Ausdruck des Wunsches auch, sich das Beste
aus zwei verschiedenen Welten zu eigen zu machen. Eine solche rein moralische Betrachtungsweise 'ist jedoch sicher nicht in jedem Falle die geeignete Richtschnur für die Wirtschaftspolitik. Die beharrliche Fortsetzung restriktiver Bestrebungen angesichts ihrer allgemeinen Ablehnung
durch Gewerkschaften und Unternehmer und der negativen Beurteilung solcher
Eingriffe durch die Wirtschaftsexperten stützt sich auf. die These, daß es
gar nicht notwendig sei, eine Wahl zwischen übermäßiger Arbeitslosigkeit,
einer untragbaren Inflation und einer lästigen Reglementierung privater
Entscheidungen zu treffen. Es sei hier auch auf die wiederholten Versuche
seit Erscheinen des Buches "Vollbeschäftigung in einer freien Gesellschaft"
(Füll Employment in a Free Society) von Sir William Henry Beveridge vor 25.
Jahren verwiesen, die Quadratur des Kreises zu verwirklichen, d.h. die
anscheinend unvereinbaren Zielsetzungen der Vollbeschäftigung, Preisstabilität und wirtschaftlichen Freiheit miteinander in Einklang zu bringen.
Kritische Variable
Das Fehlen klarer Begriffsbestimmungen im theoretischen Bereich und
die Ungewißheit des Ausgangs jedes unternehmerischen Wagnisses in der
Praxis, sind bekannt, aber man sollte sie nicht ausschließlich den Unternehmern zur Last legen. Bei der Untersuchung der Frage der Zweckmäßigkeit
staatlicher Eingriffe in die Lohn- und Preisentwicklung darf man diese
Tatsachen nicht unberücksichtigt lassen.
Das Beschäftigungsziel. Was ist Vollbeschäftigung und was Preisstabilität, die man miteinander in Einklang bringen möchte?
Die klassische Definition von Sir William Beveridge besagt, Vollbeschäftigung sei in einem Land dann gegeben, wenn die Zahl der offenen
Stellen der Zahl der Arbeitslosen gleichkommt oder sie übertrifft. Das ist
eine allzu große Vereinfachung, da Art und Charakter der offenen Stellen
und Arbeitslosen ausgeklammert werden. Zehn offene Stellen für Bauarbeiter
lassen sich nicht mit zehn arbeitslosen Frauen mittleren Alters gleichsetzen. Allerdings haben Untersuchungen der Relation zwischen Stellenangebot und Stellennachfrage in den Vereinigten Staaten gezeigt, daß sich
offene Stellen und Arbeitslosigkeit in Teilbereichen des Arbeitsmarkts
auf 2 bis 2,5 Prozent des Arbeitspotentials in diesen Teilbereichen nahekommen.
Eine andere, amerikanischen Wirtschaftlern vertrautere Definition besagt, Vollbeschäftigung sei gegeben, wenn auf dem Arbeitsmarkt eine effektive Nachfrage besteht. In diesem Falle spiegelt die verbleibende Rest-

�Restarbeitslosigkeit nur die Arbeitsmobilität wider, d.h. das übliche
Maß an Stellenwechseln, jahreszeitlich bedingten Schwankungen und langfristiger Arbeitslosigkeit, die Arbeitskräfte betrifft, die wegen persönlicher Handikaps selbst bei einer Verknappung der Arbeitskräfte von
Arbeitgebern als ungeeignet zurückgewiesen werden. Fundierte Berechnungen anhand amerikanischer Statistiken zeigen, daß bei Vorliegen einer
effektiven Nachfrage eine Arbeitslosenrate von 2,5 bis 2,8 Prozent als
untere Schwelle der Vollbeschäftigung anzusehen ist.
In Wirklichkeit ist diese Definition nicht s&gt;, «ar,.g begrenzt, wie es
zunächst scheinen mag. Saisonal bedingte Schwankungen der Produktion
wirken sich zweifellos auf die effektive Nachfrage aus. Das gleiche
gilt für die Arbeitsfluktuation sowie auch die Zeit, die.notwendig ist,
um nach Aufgabe eines Arbeitsplatzes einen anderen zu finden. Es gibt
keine exakte Trennungslinie zwischen anstellungsfähig und nicht anstellungsfähig; Anstellungsfähigkeit und schließliche Einstellung eines Bewerbers werden vielmehr weitgehend von den Alternativen bestimmt, die
ein potentieller Arbeitgeber im fraglichen Augenblick zu haben glaubt.
Darüber hinaus hängt die "nicht zu beseitigende Restarbeitslosigkeit1*
auch von dem Ausmaß der staatlichen Hilfe und der Eingriffe in den
Arbeitsmarkt ab. Während des zweiten. Weltkrieges fiel beispielsweise die
Arbeitslosenrate auf 1 Prozent, eine Folge der Zwangskontrolle bei Neueinstellungen und Entlassungen. Deutschland und Schweden, die außerordentlich hochentwickelte Institutionen zur Arbeitsmarktlenkung besitzen, wiesen lange Jahre hindurch eine Arbeitslosenrate von weniger als 2 Prozent
auf, und dennoch trat keine übermäßige Erhöhung der Lohnkosten ein.
Eine dritte Definition des Begriffs Vollbeschäftigung ist vom Praktischen her für die Vereinigten Staaten wohl die wichtigste: nach ihr
ist die Vollbeschäftigung dann erreicht, wenn zunehmende inflationistische Tendenzen fiskalische und monetäre Eingriffe erforderlich machen,
um die Konjunktur zu dämpfen. Die Regierung Eisenhower sah 1957, als die
Arbeitslosenrate auf etwa 4 Prozent zurückging,eine Überhitzung der Konjunktur als gegeben an. Dies betrachtet man heute ganz allgemein als. eine
Fehleinschätzung; dennoch erklärten konservative Wirtschaftsexperten im
Februar 1966, die Gefahr einer Inflation wäre zu groß, wenn die Arbeitslosigkeit längere Zeit unter dem Stand von 4 Prozent bleibe, den sie gerade
mit 3,7 Prozent unterschritten hatte. Die "praktische Grenze" spielt in
den Vorstellungen des Wirtschaftsbeirats des Präsidenten von.einem "Interimsziel" eine gewisse Rolle, das im Wirtschaftsbericht 1966 des Präsidenten
mit etwa 3,5 Prozent aufgenommen wurde.
Das Preisniveau. Es fehlt ferner eine objektive Definition des Begriffs Preisstabilität; statt ihrer begegnet man einer ganzen Reihe politisch bestimmter Vorstellungen von dem,was als Preisstabilität zu gelten
habe. Natürlich gibt es konservative Kreise, die die Preisstabilität wörtlich ausgelegt wissen wollen, und vielleicht sogar einige Romantiker, die
da glauben, die Früchte des wirtschaftlichen Fortschritts sollten in Gestalt niedrigerer Preise bei stabilen Einkommen weitergegeben werden. Doch
erst dann, wenn man offen oder stillschweigend Modifikationen vornimmt,
wird eine vernünftige, wesentliche oder völlige Preisstabilität zum

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�zum erklärten Ziel. Im Verlauf der Debatte über die "schleichende Inflation" der fünfziger Jahre sahen Sumner Slichter und ihm gleichgesinnte
Wirtschaftsexperten einen Freisanstieg von 2 oder 3 Prozent im Jahr als
vertretbar an. Nach einer allgemeinen Daumenregel gelten heute 2 Prozent
als annehmbar, 3 Prozent jedoch als nicht akzeptabel.In Wirklichkeit aber
läßt sich ein prozentualer Preisanstieg nur dann wirklich beurteilen,
wenn man zwei weitere Faktoren berücksichtigt: Ob die Preise schneller
oder langsamer als in anderen Ländern steigen,und ob Verbraucher und Wirtschaft mit einer Beschleunigung oder Verlangsamung der Preisbewegung rechnen. Ersteres ist wichtig unter dem Aspekt der internationalen Zahlungsbilanz, letzteres im Hinblick auf das künftige spekulative Marktverhalten.
Hieraus folgt, daß eine gültige Entscheidung darüber, ob eine Preisanstiegsrate annehmbar ist oder nicht, von der Lage des jeweiligen Landes zu einem
gegebenen Zeitpunkt abhängt.
Relation zwischen Beschäftigung und Preisniveau. Daß eine zunehmende
Wirtschaftstätigkeit preissteigernd wirkt, auch wenn Arbeitspotential und
Produktionskapazität nicht voll ausgeschöpft sind, wird allgemein als
sicher angenommen. Es ist aber schwierig, sich ein klares Bild von der
Relation zwischen beiden zu machen. A.W. Phillips*' kam einmal in einem
Artikel zu dem Schluß: "Ließe sich die gesamte Nachfrage auf genau der Höhe
halten, die ein stabiles.Preisniveau zu gewährleisten vermag, dann würde
die Arbeitslosenrate knapp unter 2,5 Prozent liegen ... und ließe sich die
Nachfrage auf einer Höhe halten, die stabile Löhne gewährleistet, dann
würde die Arbeitslosenrate etwa 5,5 Prozent betragen." Obwohl Phillips
einen Produktivitätszuwachs von lediglich 2 Prozent pro Jahr zugrunde
legte, liegen seine Schätzwerte erheblich unter dem, was für heutige Verhältnisse gilt. In der berühmt gewordenen Schrift "Studie Nr. 1" (Study
Paper No. 1) gelangte Charles L. Schultze \ zu dem Ergebnis: "Eine 4prozentige Arbeitslosenrate ... hatte während der Nachkriegszeit.jährliche
Lohnsteigerungen von rund 5 Prozent zur Folge ... Diese enge Beziehung
zwischen Löhnen und Arbeitslosigkeit hört jedoch auf, sobald die Arbeitslosigkeit, unter einen Satz von 5 Prozent fällt." Samuelson und Solow^'
ordneten einer Arbeitslosigkeit von 3 Prozent Preiserhöhungen von 4 bis 5
Prozent zu. Fast die Hälfte aller Kandidaten der Volkswirtschaftslehre .
in jüngerer Zeit hat sich mit dem Problem der sog. Phillipsschen Kurven
auseinandergesetzt, es selbst aber ist nach wie vor ungelöst.
KostenA.W. Phillips: "The Relation Between Unemployment and the Rate of Change
of Money Wage Rates in the United Kingdom, 1861-1957" (Die Relation zwischen der Arbeitslosigkeit und den Veränderungen der.Geldlöhne in Großbritannien von 1861-1957), Economica, November 1958, S. 299
Charles L. Schultze (seit 1965 Leiter des Amtes für Haushaltplanung im
US-Präsidialamt): "Recent Inflation in the United States" (Die jüngste
Inflation in den Vereinigten Staaten), Joint Economic Committee (Gemeinsamer Wirtschaftsausschuß des Kongresses), 1959, S. 61-62
Paul A. Samuelson und Robert M. Solow: "Analytical Aspects of Anti-Inflation Policy" (Analytische Aspekte der Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation), Jahrestagung 1959 der American Economic Association

�Kostenauftrieb und inflatorische Tendenzen. Nach der traditionellen
Mengentheorie wird das Freisniveau vom Geldumlauf bestimmt. Keynes' Lehre
postuliert einen Nachfragedruck, wenngleich mehr von den Gesamtausgaben
als vom Geldumlauf her. Bedingt durch die inflationistischen Tendenzen in
den Vereinigten Staaten während der Jahre von 1955 bis 1957, als die Preise
ohne erkennbare Anzeichen eines Nachfrageüberhangs beträchtlich anzogen,
wurde die Theorie vom Kostendruck etwa um 1960 salonfähig und gewann immer
größeren Einfluß. A.P.. Lerner*' stellte die These von der "Verkäuferinflation" auf, die sich aus.einem breiteren Spektrum mangelnder Marktflexibilität ergibt: "Wir haben es mit einer Situation zu tun, in der die Preise
trotz mangelnder Nachfrage nicht nur nicht fallen, sondern steigen, solange die Nachfrage groß genug ist, um eine befriedigende Gesamtbeschäftigung zu gewährleisten. Die Preise sind somit nur dann stabil, wenn
eine größere Arbeitslosigkeit gegeben ist. Wird ein gewisser Grad der Depression nicht erreicht, steigen die Löhne und Preise während einer Verkäuferinflation, wobei Arbeiter und Gewerkschaften die Schuld an den Lohnerhöhungen auf den Preisanstieg, und die Unternehmer die Schuld an Preiserhöhungen auf die Lohnsteigerungen schieben." Die vielleicht plausibelste
Erklärung findet sich in einer Studie unter dem Titel "Das Problem steigender Preise" (The Problem of Rising Prices), die William Fellner und
Mitarbeiter5'.für die OEEC erstellten. Darin heißt es: "Wo Kollektiwerhandlungen zu größeren Lohnerhöhungen führen, als die Kräfte von Angebot
und Nachfrage allein sie ausgelöst hätten, und die Lohnerhöhungen den
Zuwachs der Arbeitsproduktivität der Gesamtwirtschaft übersteigen, sind
sie als ein selbständiger Faktor anzusehen, der preiserhöhend wirkt."
Die Verfasser kommen zu folgenden Schlüssen: die Nachkriegsinflation.in
Frankreich sei vornehmlich durch den Nachfrageüberhang bewirkt worden;
die Lohnerhöhungen in Belgien, Deutschland, Italien, Österreich und der
Schweiz hielten sich in den Grenzen des Produktivitätszuwachses; und die
"übermäßigen Lohnerhöhungen seien eine selbständige treibende inflatorische Kraft" in Norwegen, Schweden, Dänemark, Großbritannien und in den
Vereinigten Staaten, vor allem aber.in den drei letztgenannten Ländern^).
Es liegen eindrucksvolle Beweise vor, die die Konzeption von einer
kostengetriebenen Inflation zu bestätigen scheinen, wenngleich manche
Wirtschaftswissenschaftler, wie beispielsweise Prof. Milton Friedman,
ihre Gültigkeit nach wie vor bestreiten. Demnach besteht noch immer große
Ungewißheit in diesem Punkt.
Es gibt keine empirische Testmethode, um festzustellen, inwieweit der
Kostenauftrieb bei Auftreten inflatorischer Tendenzen der dominierende Faktor ist.Wie Samuelson und Solow unterstreichen, beweist die Tatsache, daß
die Geldlöhne rascher als die Produktivität steigen, so gut wie nichts,
steigen sie doch auch bei einer ausschließlich nachfragebedingten Inflation.
Daß
A.P. Lerner: "On Generalizing the General Theory" (Über die Verallgemeinerung der allgemeinen Wirtschaftstheorie), American Economic Review,
März 1960, S. 135
Fellner et al.: "The Problem of Rising Prices" (Das Problem steigender
Preise), Paris, OEEC, 1961, S. 45
Ebenda, S. 46
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�Daß die Ausgaben rascher steigen als die Produktion, liegt im Wesen jeder
Inflation. Die zeitliche Folge von Lohn- und Preisänderungen ist kein
Kriterium, da es keine Null-Zeit gibt, von der an man rechnen kann7'.
Es ist daher schwer, die näheren Umstände zu definieren, unter denen
Lohn- und Preisbeschränkungen als Gegenstück zur Regulierung der effektiven Nachfrage zur entscheidenden Variablen der Wirtschaftspolitik werden.
Ein Kostendruck entsteht erst dann, wenn ein sehr hoher Grad der Ausschöpfung des Arbeitspotentials und der industriellen Kapazitäten erreicht
wird. Schrumpfen die Reserven noch weiter, dann wird der nac.hfragebedingte
Druck verzerrend wirken, und der Kostenauftrieb mündet in einen kumulativen Prozeß ein, der zum circulus vitiosus wird. Ein« Wirtschaftspolitik,
die auf der Festsetzung von Richtwerten beruht, ist bis zu einem gewissen
Punkt fehl am Platze und wird wirkungslos» wenn die Entwicklung noch einen
Schritt weiter geht. Das Spektrum der Anwendbarkeit von Richtwerten variiert von Land zu Land und in jedem Land wiederum von Zeit zu Zeit. Es ist
daher kein Wunder, daß solche Richtwerte heftig umstritten sind, und es
ist genauso wenig verwunderlich, daß die Meinungen über die Wirksamkeit
einer Politik der Lohn- und Preisbeschränkungen weit auseinander gehen.
Was die Geschichte lehrt
Hauptzweck von Lohn- und Preisrestriktionen ist es, der Erhöhung des
Lohnanteils an den Stückkosten und den Preisen Grenzen zu setzen. Es ist
jedoch sehr schwierig, eine klare Beziehung zwischen der Lohn- und Preispolitik einerseits und dem Grad der Kosten- und Preisstabilität andererseits festzustellen. Auch scheint die Existenz besonderer Gremien aus
Vertretern der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite - eventuell auch des
Staates - das Ergebnis in keiner bestimmten Richtung zu beeinflussen. Notstandsmaßnahmen mit ZwangsCharakter, wie beispielsweise der Preisstopp der
letzten Jahre in Frankreich, schlagen sich wohl in der Statistik nieder;
die Auswirkungen nichtmandatorischer Maßnahmen im Stile der Richtwertpolitik lassen sich aber nicht isolieren. Unter den europäischen Ländern
haben zum Beispiel Großbritannien und die Niederlande ein sehr gründlich
ausgebildetes System zur Einkommenslenkung. Sie haben aber auch, sieht
man von Frankreich ab, den höchsten Arbeitskostenindex (auf der Basis von
1953) und gehören zu den Ländern mit den höchsten Verbraucherpreisindizes.
Italien, Deutschland und Japan waren in der Zeit vor 1960 die Länder
mit den konstantesten Arbeitskosten und Großhandelspreisen. In keinem dieser Länder gab es damals eine echte Einkommenspolitik, auch wenn beispielsweise die deutsche Regierung in jüngerer Zeit mehrere wirkungslos gebliebene diesbezügliche Verlautbarungen herausgegeben hat.
Die Schwierigkeit der Interpretation entsprechender Statistiken beweißt jedoch nicht die Wirkungslosigkeit der Einkommenspolitik. Als eine
Erklärung bietet sich an, daß deren Auswirkungen von anderen Einflüssen
auf Kosten und Preise überschattet oder aufgehoben werden. Zu diesen Einflüssen zählen:
Arbeitslosigkeit.
Samuelson and Solow, op. cit., S. 177-194

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�Arbeitslosigkeit. Seit 1958 erfreuen sich die Vereinigten Staaten
einer Stabilität der Arbeitskosten, wie kein anderes Land. Vergleiche
sind natürlich wegen der in den USA bis in das Jahr 1965 hinein bestehenden relativ hohen Arbeitslosigkeit sehr schwierig. Hinzu kommt, daß
die Relation zwischen Einkommenspolitik und Kosten- und Preisstabilität
auch in Ländern mit vergleichbarer Arbeitslosigkeitsrate unklar ist.
Schweden und Japan haben (bei Angleichung an amerikanische Definitionen
und Verhältnisse) eine Arbeitslosenrate von 1 bis 2 Prozent. In Schweden
ist viel von Einkommenspolitik die Rede, dennoch sind die Kosten und
Preise in Japan niedriger.
Produktivitätszuwachs. Vergleichende internationale Produktivitätsstatistiken gibt es nicht. Bekannt ist aber, daß der prozentuale Anstieg
der Arbeitsproduktivität in Italien, Deutschland und Japan in der Nachkriegszeit besonders hoch war, nicht zuletzt deshalb, weil diese Länder
nach ihrer militärischen Niederlage im zweiten Weltkrieg von einem ganz
niedrigen Stand aus neu beginnen mußten. Die Indexziffern der Stundenlöhne und des Realeinkommens gehören - aus dem gleichen Grund - gleichfalls zu den höchsten. Es ist daher kein Zufall, daß sich in diesen Ländern während der ersten 15 Nachkriegsjähre eine niedrige Arbeitslosenrate
mit verhältnismäßig hoher Lohn- und Preisstabilität verbinden ließ.
Wachsendes Arbeitspotential. Die Zunahme des Arbeitspotentials ist
ein weiterer Faktor, der die Kosten» und Preisstabilität in einem Zeitalter der raschen wirtschaftlichen Expansion beeinflußt. In dieser Hinsicht kam Deutschland die große Geburtenhäufigkeit während der dreißiger
Jahre und die Umsiedlung der Sudetendeutschen, die Eingliederung der Ostflüchtlinge und der Zustrom von Aroeitskräften aus Griechenland, Italien,
Spanien und anderen Ländern zustatter. Frankreich hatte im Gegensatz hierzu als Folge der niedrigen Geburtenziffern der Vy&amp;ki. i^szeit, Schwierigkeiten mit der Ausweitung des Arbeitspotentials.
Unterschiedliche Zielsetzungen. Die Kosten- und Preisstabilität ist
nicht das alleinige Ziel der mit der Lohngestaltung befaßten Institutionen
noch die einzige Basis, von der aus letztere zu beurteilen sind. Die vielfach erörterten Kollektiwerhandlungssysteme in Dänemark, Norwegen und
Schweden werden meist in Relation zur Einkommenspolitik betrachtet. Tatsache ist jedoch, daß im Anschluß an den Wiederaufbau in der ersten Nachkriegszeit (als man sich z.B. in England mit beträchtlichem Ertalg der
Politik der Austerity bediente) die skandinavischen Systeme auf der Erhaltung des Arbeitsfriedens durch zentral gelenkte Verhandlungen zwischen
autorisierten Gewerkschaften und Unternehmen beruhten. Natürlich sind auch
gewisse Elemente einer Einkommenspolitik festzustellen. So wird beispielsweise behauptet, Dänemark nehme bewußt eine Inflation hin, soweit sie sich
in den Grenzen der Geldentwertung bei seinen Handelspartnern hält, und in
Schweden beginnen die Voraussagen bezüglich der Lohnentwicklung bei Arbeitgeber-Arbeitnehmerverhandlungen eine Rolle zu spielen. Dennoch sind die
skandinavischen Systeme vornehmlich auf die Erhaltung des Arbeitsfriedens
ausgerichtet.
Loh'n-

- 9 -

�Lohn- und Preisrestriktionen sind nur im Rahmen einer übergeordneten
Wirtschaftspolitik sinnvoll. Sie sind lediglich e i n
Aspekt verstärkter
staatlicher Eingriffe in allen hochentwickelten Industriestaaten mit dem
Ziel, die Vollbeschäftigung und das Wirtschaftswachstum zu sichern. Wenn
auch die Besorgnis bezüglich inflatorischer Entwicklungen von Land zu Land
schwankt, steht außer Zweifel, daß kein Land auf die Dauer eine erfolgreiche Beschäftigungspolitik betreiben kann, ohne sich fortgesetzt um
Kosten und Preise zu kümmern. Obwohl es bisher nicht gelang, Vollbeschäftigung, Preisstabilität und wirtschaftliche Freiheit voll miteinander in
Einklang zu bringen, bedeutet dies nicht, daß man die diesbezüglichen
Bestrebungen aufgeben kann oder wird.
Daß man sich gegenwärtig in den Vereinigten Staaten beunruhigt und
die Lohn- und Preisrichtwerte meistenteils umstritten sind, sagt nichts
gegen die Männer, die sie aufstellen und auf ihre Einhaltung dringen.
Diese Tatsache bezeugt nur, daß sie in einem Grenzbereich der Wirtschaftspolitik tätig sind. Die Lage ist in fast allen Ländern ähnlich unbefriedigend, in manchen sogar noch unbefriedigender - was im Grunde genommen
beruhigend ist.
Kardinalfragen
Trotz mehrjähriger Erfahrungen sind wir in der Frage der Lohn- und
Preisrichtwerte nicht über das Versuchsstadium hinaus gelangt. Jedes Land
sieht sich vor die Aufgabe gestellt, eine Lösung für seine spezifischen
Probleme zu finden, ausgehend von seinen Institutionen seiner eigenen
Geschichte und seinen Vorstellungen. Ich möchte am Schluß dieser Abhandlung einige der Kardinalfragen aufführen, die es in den Vereinigten Staaten zu lösen gilt.
Was ist eine Lohn- und Preispolitik, eine Politik der Richtwerte oder
Richtsätze oder eine Einkommenspolitik überhaupt? Wir befinden uns noch in
der Phase, in der es zunächst einmal notwendig ist, klare Konzeptionen und
Definitionen zu entwickeln. Soweit vergleichende Übersichten über die Einkommenspolitik in den einzelnen Ländern bestehen, sind der Kreis der einbezogenen Staaten und die von ihnen getroffenen Maßnahmen zur Einkommenssicherung jeweils verschieden. Hier ist, wie ich vorausschicken darf, nicht
die Rede von der Zwangsregulierung von Löhnen, Preisen etc. mit Hilfe eines
gewaltigen Verwaltungs- und Vollzugsapparats, wie wir sie beispielsweise
während des zweiten Weltkriegs in den Vereinigten Staaten kannten; und es
ist ferner nicht die Rede von einem befristeten absoluten Einfrieren von
Preisen und Löhnen in Zeiten eines militärischen oder wirtschaftli-.nen
Notstandes, wie er bei uns 1951 oder in Frankreich 1963 vorlag. Hier geht
es lediglich um informelle und nicht um formelle regulierende Maßnahmen,
um langfristige und nicht um kurzfristige Bemühungen. Andererseits muß
sich die Richtwertpolitik nicht notwendigerweise auf die Löhne und Stückkosten beschränken, und der Trend der Arbeitsproduktivität braucht nicht
zwangsläufig das einzige oder auch nur hauptsächliche Kriterium einer
solchen Politik zu sein.
Läßt

- 10

�Läßt sich - von Kriegszeiten abgesehen - bei Vorliegen eines nationalen Notstands ein größeres Verständnis seitens der Öffentlichkeit für
erforderlich werdende Einschränkungen der Handlungsfreiheit des einzelnen
erreichen? Das Verständnis für wirtschaftliche Notwendigkeiten war in den
Vereinigten Staaten generell nie sehr groß, wenngleich sich hier in den
letzten zehn Jahren ein Wandel vollzog. Ich glaube, daß die Diskussion um
die Richtwerte das Verständnis für wirtschaftliche Relationen verbreiten
half und einen gewissen Einfluß auf Lohn- und Freisentscheidungen selbst
in jenen Fällen hatte, in denen kein besonderer Druck seitens des Staates
ausgeübt wurde. Einsichtsvolle Unternehmer und Gewerkschaftsführer sind
sich darüber im klaren, daß selbst bei einer plötzlichen Beendigung des
Krieges in Vietnam das letzte Wort in der Frage der Lohn- und Freisrestriktionen noch nicht gesprochen ist. Von einem Konsensus aber über das, was
die bestgeeignete Politik wäre, sind wir noch weit entfernt.
Wie kann man die führenden Männer der Industrie, der Gewerkschaften
und anderer Interessengruppen an der Formulierung der Wirtschaftspolitik
beteiligen, ohne entscheidende Zielsetzungen dieser Politik preiszugeben?
Es ist gewiß unwahrscheinlich, daß sich Unternehmer und Gewerkschaften
wirksame Lohn- und Freisrestriktionen von dritter Seite auferlegen lassen,
solange kein echter nationaler Notstand vorliegt. Soll die Politik unter
Konsultation der hauptsächlichen Interessengruppen festgelegt werden, bedarf es eines leistungsfähigen Beratungsmechanismus, der einen Konsensus
zustande zu bringen vermag; es besteht jedoch stets die Gefahr, daß ein
solcher Konsensus auf Kosten der eigentlichen Zielsetzungen erreicht wird.
Wie können die Richtwerte im größeren Bereich der Gesamtwirtschaft
ohne formelle und Zwangskontrollen wirksamer durchgesetzt werden? Druck
wurde bisher vor allem auf gewerkschaftliche Dachverbände und Großunternehmen der metallschaffenden Industrie und im Zusammenhang mit der Neuregelung der Löhne und Gehälter staatlicher Bediensteter ausgeübt. Es
bleibt ferner zu fragen, ob sich eine wirksame Befolgung der Richtwerte
in anderen Bereichen vielleicht durch Industriebeiräte oder zentrale Institutionen für Kollektiv-Verhandlungen, durch besondere Schlichtungsstellen oder durch die Hinzuziehung von Berufs- und Fachverbänden oder
auch auf irgendeine andere Axt und Weise erzielen läßt.
Lohnhöhe und Lohnstruktur
Ist ein streng reguliertes Lohnniveau mit einer flexiblen Lohnstruktur vereinbar, die auf die spezifischen Erfordernisse und Verhältnisse der
einzelnen Industriezweige, Betriebe, Berufe und Beschäftigungszweige zugeschnitten sein sollte?
Ist es möglich, den Zwiespalt zwischen langfristigen wirtschaftlichen
Relationen einerseits und kurzfristigen Lohn- und Preisentscheidungen andererseits besser zu überbrücken? Läßt sich eine Lohnpolitik formulieren,
die auch andere Elemente als lediglich die Entwicklungstendenz der Arbeitsproduktivität berücksichtigt und dennoch weder zu starr ist, um sich praktisch verwirklichen zu lassen, noch zu vage, um wirksam zu werden? Ebenso

- 11 -

�Ebenso erhebt sich die Frage: Kann man Normen für Preisentscheidungen
aufstellen, die enger an der Preistheorie und -politik orientiert sind
als die derzeitigen Richtwerte, ohne dabei nach dem Grundsatz zu verfahren, Recht ist, was nützt?
Wenn die durchschnittlichen Lohnerhöhungen auf den Produktivitätszuwachs beschränkt werden und die Verbraucherpreise dennoch weiter steigen, wie will man dann dem Arbeiter höhere Reallöhne verschaffen, auf
die er nach der Theorie der Richtwerte einen festen Anspruch hat? Selbst
wenn man einen Anstieg der Durchschnittslöhne verhindert, ist noch keine
Garantie gegeben, daß die Verbraucherpreise stabil bleiben. Der Realstundenlohn hat seit 1959 nur in einem einzigen Jahr um 3,2 Prozent oder
mehr zugenommen. Das war im Haushaltjahr 1963/64, und es besteht Grund
zur Annahme, daß die Statistiken für jenen Zeitraum zutreffen. Im HaushalLJahr 1964/65 stiegen die RealStundenlöhne nur um 2,1 Prozent, und im
Jahr 1965/66 dürfte die Zunahme unter 2 Prozent liegen.
Erfahrungsgemäß nehmen die Reallöhne in Perioden der Wirtschaftsblüte
weniger stark zu als die Produktivität, in Perioden rückläufiger Wirtschaftstätigkeit jedoch mehr. In Zeiten der Blüte verstärken sich die Gewinntendenzen, in Zeiten der Rezession dagegen begnügt sich die Wirtschaft mit geringeren Spannen. Gelingt es uns, Rezessionen zu vermeiden - und das ist das
Hauptziel der "neuen Wirtschaftslehre" (New Economics) -, wann sollen dann
die Reallöhne aufholen? Würde man aber die Richtwerte unter den gegenwärtigen Verhältnissen mit einer am Lebenshaltungskostenindex orientierten
Gleitklausel verknüpfen, so erhielte nicht nur die Lohn-Preisspirale neuen
Auftrieb, man erhielte damit auch Sätze, wie sie bestenfalls die mächtigsten unter den Gewerkschaften gegenüber den Unternehmern durchsetzen könnten. Richtwerte in der Größenordnung von 6 Prozent und darüber wären aber
kaum ein geeignetes Instrument zur Stabilisierung einer modernen Wirtschaft.
Gewerkschaften und Arbeitnehmer sind verstand 1icherweise nicht begeistert
von der Tatsache, daß die Löhne fortgesetzt hinterherhinken, während sich
der Gewinndruck verstärkt. Bedeutet dies, daß man eine vollständige und
absolute Stabilität der Verbraucherpreise erzwingen sollte? Gibt es überhaupt einen richtigen Ort und Zeitpunkt, wo die Reallöhne den Anschluß an
die Produktivität unter Vermeidung einer Rezession schaffen können?
Vielleicht ist dieses ganze Problem unlösbar, solange die Lohn- und die
Preispolitik so eng an ein einziges Kriterium geknüpft sind: den Produktivitätszuwachs. Es kann sein, daß die Begriffe Lohn- und Preisbeschränkungen
von Zeit zu Zeit auf der Basis eingehender Studien der Gesamtwirtschaftslage neu definiert werden müssen. Solche Untersuchungen könnten dar'.ber
hinaus zum Anlaß für eingehende Konsultationen zwischen führenden Vertretern des Staates, der Wirtschaft, und der Arbeitnehmer werden.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol. 89, Nr. 6, Juni 1966)

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�Arbeltskurznachrichten
Gesetzlicher Mindestlohn in den USA auf 1,60 Dollar erhöht
Die amerikanischen Mindeststundenlöhne wurden kürzlich durch das
neue Mindestlohngesetz um 35 Cent auf 1,60 Dollar angehoben, und der
Anwendungsbereich der Mindestlohngesetzgebung wurde auf weitere acht
Millionen Arbeitskräfte ausgedehnt. Neu in den begünstigten Personenkreis einbezogen wurden verschiedene Gruppen von Farmarbeitern, Mitarbeitern des Einzelhandels, des Hotel- und Gaststättengewerbes und
der Wäschereien sowie Bauarbeiter, und Schul- und Krankenhausbedienstete.
Die Gesamtzahl der von dem neuen Gesetz erfaßten Arbeitnehmer
beträgt nunmehr rund 38 Millionen, von denen natürlich die allermeisten
schon seit langem mehr verdienen als den gesetzlichen Mindestlohn, lag
doch der durchschnittliche Fabrikarbeiter-Wochenlohn im August 1966 bei
98 Dollar, was bei 40 Wochenstunden einem Schnitt von 2,65 Dollar gleichkommt .
Im einzelnen bestimmt das Gesetz, daß der Mindestlohn für die bisher erfaßten 29,6 Millionen Arbeitnehmer am 1. Februar 1967 von 1,25
Dollar auf 1,40 und am 1. Februar 1968 auf 1,60 Dollar erhöht wird. Für
die neu einbezogenen nicht-landwirtschaftlichen Arbeitskräfte beträgt
der Mindestlohn ab Februar nächsten Jahres zunächst 1 Dollar; er wird
dann stufenweise bis 1. Februar 1971 jährlich jeweils um 15 Cent auf
ebenfalls 1,60 Dollar angehoben werden. Hinsichtlich der neu hinzugekommenen Farmarbeiter bestimmt das Gesetz, daß ihnen ab 1. Februar
nächsten Jahres ein Mindestlohn von 1 Dollar zu zahlen ist, der sich
am 1. Februar 1968 und 1969 um je 15 Cent auf 1,30 Dollar erhöht.
Präsident Johnson erinnerte anläßlich der feierlichen Unterzeichnung des Gesetzes am 23. September 1966 im Kabinettssaal des Weißen
Hauses, bei der u.a. Arbeitsminister W. Willard Wirtz und der Vorsitzende des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO, George Meany, zugegen waren, an
das erste amerikanische Mindestlohngesetz von 1938, zu dessen Befürwortern auch er, der damals neu gewählte Abgeordnete aus Texas, gehörte.
Dieses Gesetz verfügte für 14 Millionen Arbeitnehmer eine untere Lohngrenze von 25 Cent pro Stunde. Das neue Mindestlohngesetz, so sagte
der Präsident, '"wird Millionen Arbeitern nebst Frauen und Kindern ...
einen größeren Anteil an der Prosperität des Landes ... und ein größeres Maß an persönlicher Würde verschaffen".

+

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�US-Industriearbeitereinkommen In 56 Jahren verzehnfacht
Die Industriearbeiterlöhne haben sich in 56 Jahren mehr als verzehnfacht, während die Länge der durchschnittlichen Arbeitswoche um
20 Prozent zurückging. Das geht aus dem 768 Seiten langen Bericht
"Beschäftigungs- und Einkommensstatistik der Vereinigten Staaten von
1909 bis 1965" (Employment and Earnings Statistics for the United
States, 1909-65) hervor,den das Amt für Arbeitsstatistik im US-Arbeitsmlnisterium kürzlich veröffentlichte.
Im August 1965, dem letzten erfaßten Monat, betrug der durchschnittliche Wochenlohn eines Industriearbeiters 106,45 Dollar bei einer
Arbeltszeit von 41,1 Stunden, verglichen mit 9,74 Dollar und 51 Stunden
im Jahr 1909. Im Handel beschäftigte Angestellte bezogen dagegen im
August 1965 bei 38,3 Wochenstunden nur 77,75 Dollar, während die Bauarbeiter durchschnittlich 143,15 Dollar bei 28,9 Stunden verdienten.
Nach dem Bericht gingen 1965 mehr als 60 Millionen Personen einer
nicht-landwirtschaftlichen Beschäftigung nach, mehr als doppelt so viele
wie vor einem halben Jahrhundert. Die Beschäftigung in den gütererzeugenden Zweigen der US-Wirtschaft erreichte 1965 einen neuen Rekordstand;
und die Zahl der Arbeitsplätze im Handel, im Geldwesen, im Dienstleistungsgewerbe und im öffentlichen Dienst hat sich in weniger als fünf
Jahrzehnten verdreifacht.

(Quelle: Eigenberichte)

+++++

- 14 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIX - 11/12

November/Dezember 1966
INHALTSVERZEICHNIS

Beiträge zur Diskussion um die Lohn- und Preisstabilität (Schluß)
Lohnrichtwerte, Löhne und Tarifverhandlungen

Seite

1

Die US-Gewerkschaften im Jahre 1966

Seite 9

Stahlarbeitergewerkschaft setzt Verhandlungsziele

Seite 11

Arbeitskurznachrichten

Seite 13

Beiträge zur Diskussion um die Lohn- und Preisstabilität (Schluß)

Prof. John T. Dunlop, Harvard
Lohnrichtwerte, Löhne und TarifVerhandlungen
Die "Internationalen Arbeitsmitteilungen"
schließen mit der nachstehenden Abhandlung
die im vorausgegangenen Heft begonnene Beitragsserie zum Thema der Lohn- und Preispolitik in den Vereinigten Staaten ab.
Die Zeit für eine Kursänderung in der nationalen Lohn- und Preispolitik - so wie sie von staatlichen Stellen formuliert und durchgeführt
und in der Öffentlichkeit und Publizistik verstanden wird - ist gekommen,
gibt es doch zumindest drei Gruppen von Richtwerten, die sämtliche in eine
andere Richtung weisen.
Die Lohn- und Preisrichtwerte sind nicht mehr wirksam, weder wirtschaftlich noch verwaltungsmäßig. Dieser Sachverhalt überrascht nicht,
da sich gewisse Formen der Einkommenspolitik in hochindustrialisierten
Staaten wiederholt als kurzlebig erwiesen haben. Eine Lohn-, Preis- und
Einkommenspolitik und der zu ihrer Durchführung entwickelte Verwaltungsapparat, die beide von einer von Überkapazitäten und Arbeitslosigkeit gekennzeichneten Wirtschaft ausgehen, scheinen in Zeiten der Hochkonjunktur

- 1-

�Hochkonjunktur nicht geeignet, einen hohen Beschäftigungsstand zu gewährleisten. Von der Steuer- wie auch der Außenhandelspolitik erwartet jedermann Flexibilität; warum sollte dann die Lohn- und Freispolitik und ihre
Durchführung unbeweglich sein?
Ich hoffe sehr, daß es zu einer Neuformulierung der Lohn- und Freispolitik kommt, damit sie den Erfordernissen einer Zeit der Vollbeschäftigung angepaßt wird. Das ist für die Vereinigten Staaten ein relativ
neues Problem - ein Problem, das zum Zeitpunkt der Entwicklung der Richtwertpolitik noch nicht bestand. Nach meiner Auffassung sind in einer Zeit
der Vollbeschäftigung strukturelle Veränderungen in der Regierungspolitik,
im Tarifverhandlungswesen und bezüglich der Entscheidungen der privaten
Wirtschaft die unerläßliche Voraussetzung für ein hohes Maß an Stabilität.
Die öffentliche Diskussion und der Staat sollten sich der Aufgabe zuwenden,
die erforderlichen Veränderungen zu bewirken, statt sich in endlose Debatten
über die Richtwerte als solche einzulassen.
Hauptprobleme
Nach meiner Auffassung besteht eine Lohn-, Freis- und Einkommenspolitik
nicht vornehmlich darin, jedes Jahr das Ideal oder die Utopie einer Welt
aufzuzeiger.,, in der sich Löhne und Preise so bewegen, daß das durchschnittliche Freisniveau stabil bleibt, die Löhne proportional zum Produktivitätszuwachs steigen und sich die Lohn- und Freisstruktur selbsttätig einregulieren. Dieses Ideal wird seit Jahren gepriesen und gepredigt, und es war
auch schon in der Zeit vor der Schaffung des Wirtschaftsbeirats des Präsidenten (1946) im Schwange. Jede Politik aber wird an ihrem Erfolg gemessen
und auch danach beurteilt, inwieweit sie die nötigen verwaltungsmäßigen
Voraussetzungen für die Verwirklichung ihrer Zielsetzungen in der Praxis
zu schaffen vermag.
Eine staatliche Lohn- und Preispolitik und der dazugehörige Verwaltungsapparat, die beide in einer Periode der beginnenden Wirtschaftsexpansion als
richtig und kompetent galten, brauchen nicht notwendigerweise auch in Zeiten
der Vollbeschäftigung angemessen zu sein, müssen sie doch stets auch auf
andere Zielsetzungen!) "gebührende Rücksicht" nehmen. Es sei deshalb an
diesem Punkt auf einige der Hauptprobleme verwiesen, die sich bei der Formulierung und Verwirklichung, einer auf die Erhaltung der Vollbeschäftigung
gerichteten Lohn- und Preispolitik ergeben.
1. Jede derartige Politik erfordert in einer Gesellschaft wie der unseren die Achtung und Hitwirkung der maßgeblichen Männer der Gewerkschaftsbewegung, der Wirtschaft, des Staates und der Publizistik. Um weitgehende
Zustimmung zu finden, kann eine solche Politik nur sehr allgemein gefaßt
sein. Man sollte den Wert genereller Formulierungen und Ideenabrisse nicht

Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung, Arbeitsfriede, freie Lohn- und
Preisgestaltung, gleichmäßiger Zugang aller zu den Wirtschaftsgütern,
Preisstabilität, Zahlungsbilanzausgleich usw.
,

- 2 -

�nicht unterschätzen, was die Beeinflussung - die graduelle Beeinflussung der Verhaltensweisen angeht. Die Grundsatzerklärung zu einer "gesunden
Lohn- und Preispolitik", die in der ersten Jahreshälfte 1963 vom Präsidialausschuß zu Fragen der Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Politik ausgearbeitet,
aber nie in die Praxis umgesetzt wurde, ist eine Illustration dessen, was
ich meine.
Weder die führenden Männer der Wirtschaft noch die der Gewerkschaften
haben sehr viel Achtung vor der derzeitigen Richtwertpolitik, zum Teil
schon deshalb, weil sie an ihrer Formulierung nicht teilhaben. Das ist
eines der größten Handikaps dieser Politik überhaupt. In unserer Gesellschaft kommt den Interessengruppen eine wesentliche - wenngleich nicht
beherrschende - Rolle bei der Formulierung der Lohn- und Preispolitik zu,
erwartet man ihre spätere gebührende Beachtung durch sie. Jede neue oder
revidierte Lohn- und Preispolitik muß unter aktiver Mitwirkung maßgeblicher
Wirtschafts- und Gewerkschaftsführer zustande kommen.
2. Eine Illustration der Bedeutung, die deren Mitwirkung bei der Formulierung politischer Richtlinien zukommt, bietet der Einsatz wirtschaftlicher Druckmittel wie des Streiks und der Aussperrung. Eine Lohnpolitik
hat kaum Aussicht auf Erfolg, wenn die Wirtschaftspartner keine Hemmungen
haben, sich ihr gewaltsam zu widersetzen - und das gleiche gilt auch für
die eng damit zusammenhängende Preispolitik. Die Stärke oder Schwäche
jeder Lohnpolitik zeigt sich am Verhalten der .Wirtschaftspartner im Falle
eines Streiks, der in Widerspruch zu dieser Politik durchgeführt wird.
Unter dem amerikanischen System der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen,
das durch dezentralisierte Lohnverhandlungen und ein geringes Maß an Überwachung der Mitgliederganisationen durch die Dachverbände der Sozialpartner gekennzeichnet ist, wird die Formulierung einer wirksamen Lohn- und
Preispolitik nur um so schwieriger. Andererseits scheint die Wertschätzung,
die eine solche Kontrolle der Mitgliedschaft in der Gemeinschaft (und Gesetzgebung) genießt, Lohnverhandlungen einen stärkeren Auftrieb zu geben.
Die Mitwirkung an der Formulierung der Lohn- und Preispolitik spielt bei
der Zustimmung oder Ablehnung der gegen sie gerichteten wirtschaftlichen
Kampfmaßnahmen eine entscheidende Rolle, zumindest solange einschränkende
Gesetzesvorschriften fehlen. Jede revidierte Lohn- und Preispolitik muß
daher geeignete Handhaben für den Fall von Streiks oder Aussperrungen vorsehen, die gegen diese Politik verstoßen.
3. Die Bundesregierung hat im Augenblick nicht das geeignete Instrumentarium, und die Tätigkeit der einzelnen Behörden ist nicht hinreichend
k^,oi.viiiritrt, um eine wirksame Lohn- und Preispolitik im Zeichen der Vollbeschäftigung durchführen zu können. Es fehlt an detaillierten statistischen und anderen Unterlagen zur Beurteilung der Preise, der Warenqualität,
der Gewinnmargen, der Produktivität, der Löhne, der Arbeitslosenunterstützung, der Arbeitskosten usw., um eine solche Politik mit Erfolg betreiben zu können. Die Regierung verfügt auch im allgemeinen nicht über
die notwendigen Fachkräfte mit Detailkenntnissen der Marktstruktur, der
Preise und der Lohnentwicklung in spezifischen Wirtschaftszweigen, die
für die Beurteilung von Teilfragen der Lohn-' und Preispolitik notwendig
sind. Hinzu kommt, daß die Relation zwischen Preisen und Löhnen keineswegs

- 3 -

�keineswegs immer eindeutig ist. Die Unterlagen und das Fachwissen, die
für politische Entscheidungen in diesem Bereich benötigt werden, unterscheiden sich sehr von denen, die zur Führung einer allgemeinen Wirtschaftsstatistik und zur Ermittlung der als Indikatoren der Wirtschaftsentwicklung angesehenen Werte erforderlich sind.Jede neue oder revidierte
Lohn- und Freispolitik setzt mithin entsprechende administrative Vorkehrungen voraus.
4. Die eindeutige Klärung der Stellung der mit der Schlichtung von
Arbeitsstreitigkeiten befaßten staatlichen Organe in Relation zu jenen
Behörden, deren Aufgaben im Bereich der Stabilisierung der Wirtschaft
liegen, ist unerläßlich. Die diesbezügliche Erörterung, die der Wirtschaftsbeirat im Jahr 1962 vorgeschlagen hat, könnte durchaus in seinen
eigenen Reihen beginnen. Noch wurden die grundlegenden Fragen nicht klar
ausgesprochen: Ist ein Schlichter in Arbeitsstreitigkeiten an die Richtwerte gebunden? Wer entscheidet darüber, was die Richtwerte auf den einzelnen Fall angewandt zu bedeuten haben? Kann man eine solche Entscheidung
im voraus treffen oder erst im Verlauf von Lohnverhandlungen? Läßt sich
eine komplizierte Tarifvereinbarung, die u.a. Fensionsfragen und Arbeitszeitfestsetzung einschließt, in einer einfachen Frozentzahl ausdrücken?
Führen berechtigte Interessen die Verhandlungspartner nicht zu unterschiedlichen Vorausschätzungen? Sollte man dem Wirtschaftsbeirat nicht die Möglichkeit bieten, sich selbst um die Schlichtung von Lohnstreitigkeiten zu
bemühen? Kommt es dem Wirtschaftsbeirat zu, die Tarifpartner nach Abschluß
einer von ihm als abträglich angesehenen Vereinbarung zu kritisieren?
Steht ihm ein solches Recht auf Kritik auch an der Schlichtungsstelle zu?
Ist diese gehalten, sich gutachtlich zur fraglichen Regelung in Relation
zu den Richtwerten zu äußern? Müssen die Mitglieder eines von der Regierung eingesetzten Ermittlungsausschusses in ihren Empfehlungen Rücksicht
auf die Richtwerte nehmen? Werden die Streitparteien und die Ausschußmitglieder noch vor ihrer Ernennung auf diese Verantwortung hingewiesen? Kommt
es, wie im Fall der Arbeitsstreitigkeiten im Bereich des Schienen- und
Luftverkehrs, aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen zur Einsetzung solcher
Ausschüsse, welche Bedeutung kommt dann den Richtwerten zu, und wessen
Interpretation soll bejahendenfalls maßgebend sein? Ist ein solcher Ermittlungsausschuß gegebenenfalls zur Abgabe einer Erklärung verpflichtet, daß
er sich nicht an die Richtwerte gebunden fühlt, falls eine der Streitparteien eine solche Stellungnahme des Ausschusses wünscht, auf ihr besteht oder darauf hinweist, daß die allgemeine Wirtschaftslage von derartigen Ausschüssen traditionsgemäß berücksichtigt wird?
Die andere Methode
Die folgenden Ausführungen betreffen vornehmlich die Lohn- und Freispolitik in dem Bereich zwischen staatlichen Maßhalteappellen einerseits
und der Einführung regelrechter Lohn- und Freiskontrollen andererseits. Sie
betreffen eine Wirtschaft, die am Rande der Vollbeschäftigung operiert, wie
immer man diesen Begriff auch definieren mag. Sie erstrecken sich auf die
Erfahrungen des ersten Halbjahres 1966 und damit - den meisten Vorausschätzungen bezüglich der künftigen wirtschaftlichen und militärischen

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�militärischen Entwicklungen nach zu urteilen - auch auf das, was sich in
den unmittelbar vor uns liegenden Jahren abspielen dürfte. Sie sind dem
Problem der Lohn- und Preispolitik bei Fortdauer der Vollbeschäftigung
gewidmet. Der Bereich der Lohn- und Preispolitik zwischen amtlichen Kontrollen und dem reinen Appell an die freiwillige Mitarbeit ist sehr groß,
und man weiß im Grunde genommen nicht sehr viel über ihn. Er bedarf einer
eingehenden Erforschung, wollen wir die Preisinflation in Zeiten der Hochkonjunktur so niedrig wie möglich halten. Es ist dies auch die Zone innerhalb derer es Alternativmöglichkeiten einer mehr oder weniger zwingenden
Lohn- und Preispolitik zu erarbeiten gilt, damit sie sich im Verein mit
der Steuer- und Währungspolitik dem veränderlichen inflatorischen Druck
jeweils rasch anpassen läßt.
Nach meiner Auffassung sollte man im Bereich der Lohn- und Preispolitik fünf Dinge beachten: 1. Keinerlei außergewöhnliche Maßnahmen treffen, die auf ein Eingreifen in das freie Spiel auf dem Arbeits- und dem
Warenmarkt hinauslaufen. Ein solches Vorgehen würde Verbesserungen im
Bereich der staatlichen und privaten Arbeitsvermittlung, die Durchführung
entsprechender Schulungsmaßnahmen auf dem Arbeitsmarkt und eine Fortführung
der Anti-Trust-Politik auf dem Warenmarkt nicht ausschließen. Vorschnelle
Schritte zur Behandlung der Frage der Vollbeschäftigung sind nicht ratsam.
2. Einflußnahme des Staates auf die maßgeblichen Männer und Stellen, die
bestimmte Preis- und Lohnentscheidungen zu treffen haben, um sie dazu zu
bewegen, Lohn- oder Preiserhöhungen zu unterlassen bzw. ganz oder teilweise wieder rückgängig zu machen. Dies ist mehr oder weniger die Methode,
die man in den letzten Jahren angewandt hat. 3. Einflußnahme des Staates
mit Hilfe bestehender Gesetze mit dem Ziel, den inflatorischen Druck zu
mildern. Dies wird möglich durch die Erweiterung oder Verringerung der Vorratshaltung strategisch wichtiger Materialien, die Einschränkung der staatlichen Ausgaben und Beschaffungsaufträge auf bestimmten, anfälligen Wirtschaftssektoren, Änderungen in den Zollsätzen und dergleichen. Diese Methoden wurden in jüngster Zeit verschiedentlich in Einzelfällen angewandt.
4. Die Aufstellung umfassender Programme unter Mitwirkung von Wirtschaft
und Gewerkschaften mit dem Ziel, den Lohn- und Preisdruck in bestimmten
Wirtschaftszweigen z u verringern, in denen Engpässe aufgetreten sind.
5. Die Schaffung gesetzlicher Handhaben, die die Vorankündigung bestimmter
beabsichtigter Lohn- und Preisänderungen bindend vorschreiben sowie die
Schaffung eines geeigneten Apparats zur vorherigen oder nachträglichen
Untersuchung von Preis- und Lohnsituationen. Diese Methode wird vielfach
im Ausland angewandt und auch in den Vereinigten Staaten verschiedentlich
empfohlen.
Es gibt zweifellos noch andere Alternativen und Varianten auf diesem
Gebiet und man sollte einen Anreiz bieten, weitere Lösungen zu entwickeln.
Man darf mit Fug und Recht erwarten, daß man die derzeitigen Methoden anhand neuer Alternativvorschläge überprüfen wird. Demnach lautet die Wahl
nicht Lohn- und Preiskontrollen einerseits oder Fortführung der derzeitigen
einschlägigen Politik und Praxis andererseits. Es stehen uns noch weitere
Optionen offen und wir sollten uns anstrengen, immer neue ausfindig zu
machen.
Mein

�Mein grundlegender Vorschlag betrifft eine Revision der derzeitigen
Lohn- und Preispolitik mit dem Ziel, in gewissen Wirtschaftssektoren, von
denen aller Wahrscheinlichkeit nach der stärkste Lohn- und Freisauftrieb
ausgehen wird, eine Steigerung des Angebots (bei gleichzeitiger Drosselung der Nachfrage) zu bewirken. Die Regierung sollte - von fortgesetzten
allgemeinen Vorhaltungen abgesehen - nicht durch administrative Schritte
private Lohn- und Freisentscheidungen zu revidieren oder zu erzwingen
suchen und auch keine diesbezüglichen Werturteile abgeben. Sie sollte
ihre Energien vielmehr auf einige wenige kritische Sektoren konzentrieren, auf denen Engpässe bestehen.
Der Vorschlag, in Zukunft auf administrativen Druck zu verzichten,
entspringt nicht einem Mangel an Rücksicht auf die möglichen Auswirkungen
eines inflatorischen Drucks in Zeiten der Hochkonjunktur und auch nicht
auf der Vorstellung, die Vollbeschäftigung, sei wichtiger als die Stabilität- der Wirtschaft. Meine Beurteilung der Lage stützt sich vielmehr auf
die Überzeugung, daß das derzeitige Gebaren der Regierung nicht mehr
administrativ und auch nicht mehr wirtschaftlich wirksam ist und daß
deshalb eine Neuorientierung der Lohn- und Freispolitik erfolgen muß.
Darüber hinaus glaube ich, daß die Konzentration auf kritische Bereiche,
wie ich sie vorstehend empfohlen habe, eine stark dämpfende Wirkung auf
die Lohn- und Freisentwicklung haben wird. Die Aufgabe der Neugestaltung
der Lohn- und Freispolitik könnte dem neu zu konstituierenden Präsidialausschuß für Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Politik übertragen werden, um auf diese Weise den erforderlichen Konsensus zusammenzubringen.
Die Tätigkeit des Staates im Rahmen einer auf solche kritischen Wirtschaftszweige ausgerichteten Lohn- und Preispolitik würde folgende Teilfunktionen einschließen:
1. Die Feststellung kurz- und langfristiger Engpaßbereiche in der
Wirtschaft.
Ein solches Verfahren setzt sowohl Einfallsreichtum in der Beurteilung der künftigen Nachfrage- und Angebotsentwicklung, der verfügbaren
Kapazitäten, der Ausweichmöglichkeiten und ähnlicher Dinge voraus, als
auch ein kompetentes Urteil bei der Auswahl der Wirtschaftssektoren,
denen eine Vorzugsbehandlung einzuräumen wäre. Es müßte eine Zentralstelle mit entsprechenden Vollmachten geschaffen werden, um einen Ausgleich widersprüchlicher staatlicher Zielsetzungen sicherzustellen, beispielsweise in Gestalt eines Amtes für Wirtschaftsstabilisierung.
2. Die Entwicklung einer in Einzelheiten gehenden staatlichen und
privaten Lohn- und Preispolitik für diese Engpaßbereiche, um auf diese
Weise den inflatorischen Druck über die Erhöhung des Angebots und die
Beschränkung der Nachfrage zu verringern.
Hierfür wäre eine enge Zusammenarbeit zwischen den Gewerkschaften,
der Wirtschaft und den zuständigen Stellen des Bundes und der Einzelstaaten erforderlich. Der Staat müßte für diesen Zweck interbehördliche
Arbeitsstäbe oder Ausschüsse einrichten, denen die Aufgabe zukäme, lohn-

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�lohn- und preispolitische Richtlinien für die fraglichen Wirtschaftssektoren zu entwickeln und sie laufend den jeweiligen Erfordernissen anzupassen.
3. Die fortgesetzte Konsultation unter allen Beteiligten, die Beschaffung entsprechender Statistiken und die laufende Beurteilung der
künftigen Entwicklung durch Vertreter der Sozialpartner und des Staates.
Die Vielfalt der für die einzelnen Engpaßsektoren zu entwickelnden
lohn- und preispolitischen Richtlinien läßt solche Maßnahmen als gebieterische Notwendigkeit erscheinen. Nur auf diese Weise könnte man die
Übersicht über die Maßnahmen behalten, die dem inflatorischen Druck entgegenzuwirken vermögen. Die Befolgung gewisser Auflagen für die Tätigkeit sowohl der Privatwirtschaft als auch der staatlichen Stellen wäre
bindend vorzuschreiben. Es ist klar, daß man ohne eine flexible und den
jeweiligen Erfordernissen jedes spezifischen Sektors angepaßte Politik
nicht auskommen könnte.
Ein solches Vorgehen ist durchaus mit dem Jahresbericht des Wirtschaftsbeirats des Präsidenten vom Januar 1966 vereinbar, wurden doch dort bereits
einige "ausgewählte kritische Bereiche" angeführt: Nahrungsmittel, Nichteisenmetalle, Maschinenbau, Baugewerbe und medizinische Versorgung. Nach
meiner Auffassung müssen Staat, Wirtschaft und Gewerkschaften bei der Festsetzung eindeutiger Dringlichkeitsstufen, der Formulierung der einschlägigen Politik und der Entwicklung besonderer Programme für jeden Wirtschaftssektor eng zusammenarbeiten. Ein solches Vorgehen macht allem voran die
Schaffung eines Apparats notwendig, der Gewähr für die Verwirklichung der
diesbezüglichen staatlichen Politik und für die Zusammenarbeit mit der
privaten Wirtschaft auf jeden einzelnen dieser Sektoren leistet.
Die Regierung ist heute rein organisatorisch nicht in der Lage, ein
solches Verfahren anzuwenden. Einige wenige Absätze mit entsprechenden
Ratschlägen im Jahresbericht des Wirtschaftsbeirats, die an die Adresse
des einen oder anderen Industriezweigs gerichtet sind, werden kaum ein
positives Ergebnis zeitigen. Eingehende Untersuchungen der Engpaßbereiche,
der ständige Kontakt mit der jeweiligen Entwicklung, die Koordinierung
divergierender und vielfach antagonistischer Teilaspekte der Wirtschaftspolitik, gezielte adminstrative oder legislative Maßnahmen, echte Führung,
Beharrlichkeit und das Gefühl für die Dringlichkeit der gestellten Aufgabe
scheinen die geeignetene Methode zu sein. Veränderungen im Aufbau von Organisationen, im Verfahren, nach dem Entscheidungen zustande kommen und
in den Kriterien für die Beurteilung von Erfolg und Mißerfolg einer Politik,
sind normalerweise nur langsam zu bewirken. Dennoch kommt solchen institutionellen Veränderungen voraussichtlich eine entscheidende Rolle zu, wollen
wir zu einer größeren Lohn- und Preisstabilität in Zeiten der Hochkonjunktur gelangen.
Die Liste der Wirtschaftssektoren, die während der nächsten fünf
Jahre hinsichtlich der Lohn- und Preisentwicklung zu den anfälligsten gehören dürften, müßte meines Erachtens auch gewisse Zweige des Transport-

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�Transportwesens, die ärztliche und Krankenhausversorgung, das Bauwesen,
den kommunalen Verwaltungsdienst, bestimmte freie Berufe und vielleicht
auch die Kraftfahrzeugindustrie einschließen. Diese kritischen Wirtschaftszweige sind nicht mit jenen identisch, auf die die Richtwerte vornehmlich zugeschnitten sind. Auf allen genannten Sektoren halte ich laufende eingehende Untersuchungen über alle dort auftretenden inflatorischen
Tendenzen und Engpässe für dringend notwendig. Die Diskussionen neuer Vorschläge zur Gestaltung der Lohn- und Freispolitik sollte unter den maßgeblichen Regierungsbeamten, Wirtschaftlern und Gewerkschaftsführern nie
abreißen.
Eine Lohn- und Preispolitik, die sich zwischen den Extremen der bloßen Überredung und der strengen Reglementierung bewegt, muß sich in einer
Zeit der Hochkonjunktur auf Detailfragen erstrecken. Mit generellen Formulierungen wird man nicht auskommen. Der Staat kann seine Führungsrolle,
die ihren Niederschlag in Konferenzbeschlüssen, in der erfolgreichen Ausübung der Kunst der Überredung, in Untersuchungen, in seiner katalytischen
Funktion und in seinen Anordnungen findet, nur dann spielen, wenn sämtliche
Beteiligten als Gruppe im gleichen Sinne agieren. Im Augenblick existiert
kein Mechanismus, der geeignet wäre, eine koordinierte Lohn-, Preis- und
Einkommenspolitik zu formulieren und in den wichtigsten Engpaßsektoren zu
verwirklichen. Eine solche Politik erfordert in Zeiten der Vollbeschäftigung die Aufstellung von Programmen, die die Lösung der Probleme in kritischen Teilbereichen gestatten, das Angebot erhöhen und die Nachfrage einengen. Sie darf nicht lediglich darauf aus sein, wirksam gewordene Lohnund Preiserhöhungen rückgängig zu machen oder neue aufzuhalten, die.gemessen an generellen Maßstäben als übertrieben angesehen werden.

(Quelle: "Monthly Labor Review1*,
Vol. 89, Nr. 6, Juni 1966)

+ ++++

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�Die US-Gewerkschaften im Jahr 1966
Für die Arbeiterbewegung der Vereinigten Staaten war das Jahr 1966
durch einen wesentlichen Anstieg der Mitgliederzahlen, die enge Zusammenarbeit bisher miteinander rivalisierender Gewerkschaften, eine Reihe
erfolgreicher Tarifverhandlungen und bemerkenswerte Fortschritte im Bereich der Arbeits- und Sozialgesetzgebung gekennzeichnet.
TarifVerhandlungen sind heute wie einst der wichtigste Teilbereich
gewerkschaftlicher Tätigkeit, wie George Meany, der Vorsitzende de» Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO in seiner Botschaft anläßlich des amerikanischen Tags der Arbeit im September ausführte. "Das Streikrecht erst
gibt dem Kollektiwerhandlungswesen echten Sinn1*, fügte er hinzu. "In
den letzten zwanzig Jahren kam es in den USA bei einem Bestand von.insgesamt 150 000 Tarifverträgen im Jahresdurchschnitt zu 3500 Streiks, von
durchschnittlich 12 Tagen Dauer, an denen rund 1,5 Millionen Arbeiter
bei einer Gesamtzahl von 63 Millionen Lohn» und Gehaltsempfängern teilnahmen."
Die amerikanischen Gewerkschaften fühlen sich in Gesetzgebungsfragen
als "Interessenvertretung des Volkes" in Washington. Das Bemerkenswerte
an ihrem Kampf um eine Erhöhung der gesetzlichen Mindestlöhne ist daher
die Tatsache, daß sie ihn nicht um ihrer Mitglieder willen führen - liegt
doch der Tariflohn gewerkschaftlich organisierter Arbeiter erheblich über
den gesetzlichen Mindestlöhnen -, sondern für die außerhalb der Gewerkschaften stehenden Angehörigen der schlechtestbezahlten Berufe.
Der 89. Kongreß, der vom Januar 1965 bis Oktober 1966 tagte, hat
eine größere Zahl an Gesetzen erlassen, die die Gewerkschaften erstrebten bzw. unterstützten, als je ein Kongreß zuvor. Das Bürgerrechtsgesetz
von 1965, das seit 1. Juli dieses Jahres in Kraft befindliche MedicareProgramm zur gesundheitlichen Betreuung alter Menschen und das Gesetz
über die Gewährung von Bundeszuschüssen an Schulen und Krankenhäuser
brachten entscheidend wichtige soziale Verbesserungen. Der erstrebte
Widerruf des Abschnitts 14 (b) des Taft-Hattley -Gesetzes, der den Einzelstaaten das Recht zubilligt, den Union Shop - Betriebe, denen nur
Gewerkschaftsmitglieder angehören können - zu verbieten, scheiterte
jedoch am Widerstand gegen die entsprechende Gesetzesvorlage im Senat.
Den Gewerkschaften bleibt jedoch die Hoffnung, daß der nächste Kongreß
diese Änderung verfügt.
Gewerkschaften und Regierung erstrebten des weiteren eine umfassende Neuregelung der gesamten Arbeitslosenversicherung, konnten mit ihren
Vorschlägen aber im Kongreß kaum einen Schritt vorankommen. Einen Teilerfolg hatten die Gewerkschaften jedoch mit der stufenweisen Anhebung
des gesetzlichen Mindestlohnes bis 1. Februar 1968 auf 1,60 Dollar bei
gleichzeitiger Ausdehnung der Mindestlohnbestimmungen auf 38 Millionen
Arbeitnehmer gegenüber bisher 29 Millionen, darunter auch Landarbeiter.
Auf dem Gebiet des Tarifverhandlungswesens begann das Jahr mit
einer Enttäuschung, als der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten den Richtwert für Lohnerhöhungen im Jahr 1966 auf 3,2 Prozent festsetzte, während

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�während die Gewerkschaften 3,6 Prozent befürwortet hatten. Nach Auffassung letzterer trägt der Richtwert weder den steigenden Lebenshaltungskosten noch dem Produktivitätszuwachs oder den wachsenden Unternehmergewinnen Rechnung. Bei den im Laufe des Jahres ausgehandelten Tarifverträgen wurden die Richtwerte, die ohnehin nicht bindenden Charakter
haben, vielfach überschritten.
Gleich zu Anfang 1966 kam es in New York zu dem 12 Tage dauernden
Streik der der Transportarbeitergewerkschaft angehörenden U-Bahnbediensteten. Er endete mit einer sofortigen Lohnzulage von 4 Prozent und
weiteren Erhöhungen um 4 bzw. 7 Prozent.per 1. Januar und 1. Juli 1967.
Nach Darlegungen von Vertretern der Stadtverwaltung und der von der Regierung eingeschalteten Schlichter liegt diese Regelung durchaus innerhalb der Richtwerte, handelte es sich hier doch um eine Angleichung an
das Lohnniveau in vergleichbaren Beschäftigungszweigen.
Eine der größten Gewerkschaften, die Mechaniker-Gewerkschaft demonstrierte die Kraft der Gewerkschaftsbewegung am Verhandlungstisch selbst
angesichts eines vom Kongreß drohenden Verbots ihres Streiks. Am 19.
August beendeten 35 400 Mechaniker im Dienst von fünf großen Fluggesellschaften einen 43 Tage dauernden Streik, nachdem ihnen für die nächsten
drei Jahre Lohnerhöhungen um jeweils 5 Prozent, die automatische Anpassung der Tarife an den Lebenshaltungskostenindex, ein zusätzlicher Feiertag und andere Verbesserungen zugestanden worden waren. Im Oktober erfolgte dann die friedliche Einigung im Lohnstreit zwischen General
Electric, der größten amerikanischen Apparatebaufirma, und der amerikanisch-kanadischen Elektrikergewerkschaft (IUE). Die Gesellschaft hatte
vergeblich versucht, einen Gerichtsbeschluß zu erwirken, der die Teilnahme von Vertretern zehn anderer Gewerkschaften mit Mitgliedern in
Betrieben der General Electric an den Verhandlungen mit der IUE verhindern sollte. Die Firma einigte sich schließlich mit IUE auf eine Lohnerhöhung von 4 Prozent im ersten Jahr der Laufzeit des.neuen Tarifvertrags
und von jeweils 3 Prozent in den beiden darauffolgenden Jahren. General
Electric stimmte ferner einer Klausel über die Anpassung.an den Lebenshaltungskostenindex, einer Erhöhung der Rentenleistungen und der Unkündbarkeit der Rentenansprüche nach 10jähriger Dienstzeit zu.
Ein wichtiges Ereignis im gewerkschaftlichen Leben war die internationale Tagung der Beschäftigten der Automobilindustrie in Detroit vom
Juni, an der 35 Gewerkschaftler aus 15 europäischen und nord- und südamerikanischen Ländern sowie aus Australien teilnahmen, die 1,4 Millionen Gewerkschaftler in Betrieben der Firmen Ford, General Motors, Chrysler,
Fiat, Simca, und Rootes. vertraten.
Die Mitgliederzahl der AFL-CIO und der ihr angeschlossenen 130 Gewerkschaften erhöhte sich 1966 um rund 350 000 auf über 13,5 Millionen,
zu denen noch eine Million Gewerkschafter in den kanadischen Zweigen der
Mitgliedgewerkschaften hinzuzurechnen sind. Die unabhängigen Gewerkschaften haben schätzungsweise 2,7 Millionen Mitglieder. Die Zunahme bei
den AFL-CIO-Gewerkschaften ist vor allem dem Aufbau der Arbeitnehmerorganisation der Landarbeiter in Kalifornien und der Aufwärtsentwicklung
der drei Gewerkschaften der Angehörigen der öffentlichen Dienste zuzuschreiben.
- 10 -

�Die Beschäftigung entwickelte sich 1966 wiederum sehr günstig und
nahm um 2 Millionen auf 80,1 Millionen (einschließlich Selbständige und
Landwirtschaft) zu. Die Zahl der Lohn- und Gehaltsempfänger im nichtlandwirtschaftlichen Bereich stieg bis September 1966 auf 64,9 Millionen,
das sind 3 Millionen mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahrs.
Die Arbeitslosenrate betrug, jahreszeitlich angepaßt, 3,8 Prozent.
Die Arbeitslosenziffer ging in den ersten neun Monaten um 300 000 auf
2.6 Millionen zurück. Angesichts der erwähnten Zunahme der Zahl der gegen
Lohn und Gehalt beschäftigten Arbeitnehmer bedeutet dies, daß 1966 über
1.7 Millionen Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt untergebracht wurden. Andererseits war im September auf dem Bausektor als Folge des Anstiegs der
Hypothekenzinsen ein merklicher Rückgang der Beschäftigung zu verzeichnen.
Der Wochenverdienst der Fabrikarbeiter stieg auf über 113 Dollar bei
einer Arbeitswoche von durchschnittlich 41,4 Stunden und einem Stundenlohn
von 2,74 Dollar.

(Quelle: Eigenbericht)

+ ++++
Stahlarbeitergewerkschaft setzt neue Verhandlungsziele
Eine neue Tarifverhandlungspolitik und die vertragliche Festlegung
größerer Mitspracherechte der örtlichen Gewerkschaftsgruppen und ihrer
Mitglieder bei Streik-Entscheidungen in künftigen Lohnauseinandersetzungen
mit Arbeitgebern beschlossen unter anderem die 3600 Delegierten der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft von Amerika (United Steelworkers of
America) auf ihrem 13. Zweijahreskonvent 1966 in Atlantic City, New Jersey.
Die dem Gewerkschaftsverband AFL-CI0 angegliederte Stahlarbeitergewerkschaft ist mit 1,1 Millionen Mitgliedern in den Vereinigten Staaten
und Kanada die drittgrößte amerikanische Gewerkschaft - nach der unabhängigen Transportarbeiter- und der Automobilarbeitergewerkschaft.
Um die Kontinuität einer industrieweiten Tarifverhandlungspolitik zu
gewährleisten, setzte der Konvent Industrieausschüsse auf vier Hauptgebieten ein: Stahl, NE-Metalle, Aluminium und Feinblech-.. Die Ausschüsse aus
Vertretern örtlicher Gewerkschaftsgruppen, den Bezirksleitern und den vom
Vorsitzenden der Stahlarbeitergewerkschaft zu benennenden Funktionären
sind bevollmächtigt, Verträge abzulehnen oder zu ratifizieren, Streiks nach vorausgegangener Urabstimmung - zu empfehlen und im Streikfalle alle
erforderlichen Schritte in die Wege zu leiten.
Weitere

- 11 -

�Weitere Kollektivverhandlungsziele, die von den Delegierten einstimmig
gutgeheißen wurden, sind: garantierter Jahreslohn auf der Basis von Monatsgehältern anstelle des Stundenlohns (ein Ziel, das auch die Automobilarbeitergewerkschaft anstrebt), Arbeitsplatzgarantie auf Lebenszeit für qualifizierte Arbeiter, kürzere. Arbeitswoche bei vollem Lohnausgleich sowie eine
"wesentliche" Anhebung der Löhne und Lohnnebenleistungen.
Zur Diskussion standen ferner die Erweiterung von Aktien-Sparprogrammen
für Betriebsangehörige und eine Ausgleichszahlung für die Zeit, die Arbeitnehmer vom Tor zum Werksgelände bis zu ihrer Arbeitsstelle brauchen.
In einer Resolution zu den möglichen Auswirkungen der Automation und
anderer technischer Veränderungen auf die Beschäftigung in der Stahlindustrie und anderen Industriezweigen forderte der Konvent umfassende Anstrengungen zur Existenzsicherung arbeitsplatzverdrängter Arbeitnehmer. Darin
heißt es: "Wir brauchen klar umrissene öffentliche und private Aktionsprogramme, um.menschliche Not abzuwenden... Der rasche Fortschritt der Automation und der Technik hat keine so großen Strukturveränderungen hervorgerufen,
wie befürchtet; aber die Auswirkungen der Automation werden sich erst in Zukunft ganz offenbaren. Das Tempo des Wandels wird sich in den kommenden Jahren höchstwahrscheinlich noch steigern."
Die Delegierten zum Stahlarbeitergewerkschafts-Konvent stimmten der
Fortsetzung von Gesprächen über eine mögliche Fusion der Stahlarbeitergewerkschaft und der Zechen-, Walzwerk- und Hochofenarbeiter-Gewerkschaft
(International Union of Mine, Mill and Smelter Workers) - einer unabhängigen
Gewerkschaft mit über 40 000 Mitgliedern - zu. Pläne für eine Kampagne zur
Erweiterung des Mitgliederbestands wurden erörtert, die sich vor allem auf
die rund 100 000 noch unorganisierten Büro- und technischen Angestellten in
der Stahlindustrie erstrecken.
In diesem Zusammenhang sei auch auf die neue Fensionsregelung verwiesen,
die Teil des im vergangenen Jahr zwischen der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft und der Stahlindustrie ausgehandelten Tarifvertrags ist und am 1. August
dieses Jahres in Kraft trat. Sie brachte den Stahlarbeitern einschneidende Verbesserungen.
Die vorläufig bis 31. Dezember 1968 befristete Regelung der betrieblichen
Altersversicherung sieht bei einem Höchstsatz von 175 Dollar (nach 35 Dienstjahren) eine Anhebung der Mindestrente auf 150 Dollar monatlich vor. Die bestehenden Altrenten wurden sämtlich um 15 Dollar pro Monat erhöht. Gleichzeitig wurde der Einbehaltungssatz von der Pension für die staatliche Sozialversicherung von 80 Dollar auf 60 Dollar ermäßigt, was bei den vorgezogenen Renten einer Erhöhung um den Differenzbetrag gleichkommt.
Im Falle der Invalidität, der Pensionierung wegen Werksstillegung oder
nach zweijähriger Arbeitslosigkeit wird eine Zusatzrente in Höhe von 75 DaUar
zu der Rente gezahlt, auf die der Betroffene aufgrund seiner. Dienstjahre Anspruch hat. Die Zusatzrente erlischt bei Einsetzen der vollen.Leistungspflicht
der staatlichen Sozialversicherung.
Außerdem fiel am 1. August die Altersgrenze für eine Pensionierung bei
voller Rentenleistung,die bisher bei 65 Jahren lag,für Arbeitnehmer mit 30 und
mehr DienstJahren fort.Wie aus der US-Stahlindustrie berichtet wird,haben bisher nur ganz wenige Arbeitnehmer mit mindestens 30 Dienstjähren von der Möglichkeit der vorzeitigen Pensionierung Gebrauch gemacht.
(Quelle: Eigenbericht)
- 12 -

�Arbeitskurznachrichten
Elektronischer Stellennachweis
Einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Schaffung einer zentralen Arbeitsvermittlungskartei hat die Western Union, eine private amerikanische Telegraphengesellschaft, getant Vor einiger Zeit richtete sie
ein Archiv von Stellengesuchen und -angeboten aus allen Sparten der freien Berufe ein, aus dessen elektronischem Speicherwerk eine Datenverarbeitungsanlage in kürzester Zeit den geeigneten Bewerber für jede nachgewiesene offene Stelle aussucht. Das neue System, das die Bezeichnung
Personnel Information Communication System (telephonischer Stellennachweis) führt, wurde von der Information Science, Inc. entwickelt und der
Western Union zum Teil käuflich überlassen.
Das Verfahren des elektronischen Stellennachweises ist einfach und
bequem. Der Stellungsuchende teilt der Western Union lediglich telephonisch mit, daß er eine Position in diesem oder jenem Beruf wünscht, und
erhält darauf einen detaillierten Fragebogen zugesandt, in dem er um Auskünfte über seine Qualifikationen,.Art der bisherigen und angestrebten
neuen Tätigkeit, Gehaltsforderungen und dergleichen gebeten wird. Diese
Daten werden dann in einen elektronischen Speicher eingegeben und in der
Datenverarbeitungsanlage mit den von Arbeitgebern auf einem ähnlichen
Formblatt gelieferten Charakteristika der ausgeschriebenen Stellen verglichen. Besteht eine weitgehende Übereinstimmung zwischen den Fähigkeiten und Wünschen des Bewerbers einerseits und den Anforderungen der
Stelle und den angebotenen Leistungen der Firma andererseits, so werden
dem Stellungsuchenden die Hauptmerkmale der für ihn in Aussicht genommenen Stelle und dem prospektiven Arbeitgeber die Qualifikationen des
Bewerbers bekanntgegeben. Die entsprechenden Mitteilungen enthalten keine
Namen sondern Codenummern. Der Name des Bewerbers wird der betreffenden
Firma erst mitgeteilt, wenn sie diesen zu einer Vorstellung bitten will.
Die Kosten für diese Form der Arbeitsvermittlung trägt der Aufgeber
einer Stellenausschreibung. Sie sind sehr niedrig gehalten und richten
sich nach der Zahl der nachgewiesenen Bewerber*

+
Umschulung Arbeitsloser macht Fortschritte
Die seit dem Jahre 1962 unter dem Gesetz zur Entwicklung des Arbeitsmarktes (Manpower Development und Training Act - MDTA) eingerichteten Schulungs- und Umschulungsprogramme für Arbeitslose und Unterbeschäftigte haben bisher fast 88 Prozent aller Teilnehmer zu neuen Arbeitsplätzen verholfen.
Allein im Haushaltjahr 1965/66 wurden 2832 neue Projekte genehmigt,
so daß sich die Gesamtzahl der Schulungs- und Umschulungskurse, an denen
490 177 Arbeitsuchende teilnahmen oder z.Z. teilnehmen, auf 8584 erhöhte.
Das

13 -

�Das vom US-Arbeitsministerium und dem Ministerium für Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialfragen durchgeführte Vorhaben schließt auch die
Vermittlungsdienste der Arbeitsämter des Bundes und der Einzelstaaten
ein, die Trainingsanwärter beraten und erfolgreichen Kursusabsolventen
Stellen nachweisen. Zu den am meisten gefragten Lehrgängen zählen Kurse
zur Ausbildung als Stenograph, Sekretär, Büroangestellter, Krankenpfleger,
Maschinenwart, Schweißer, Automechaniker oder Karosserieschlosser.

+
Zusatz-Altersversicherung in Klein- und Mittelbetrieben
Eine zusätzlich zur Sozialversicherungsrente zu zahlende betriebliche Altersrente, bisher so gut wie ausschließlich ein Privileg der Mitarbeiter von Großunternehmen, werden in Zukunft in den Vereinigten Staaten
auch die Arbeiter und Angestellten von Klein- und Mittelbetrieben erhalten
können.
Die Voraussetzungen hierzu schuf die Abteilung Industriegewerkschaften des Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO in Zusammenarbeit mit 60 Mitgliedorganisationen und elf Versicherungsgesellschaften. Sie haben gemeinsam
einen Gruppenplan aufgestellt, unter dem sich selbst die kleinste Firma
in Zukunft die Einrichtung einer Pensionskasse leisten kann. Die vorgesehene Zusammenfassung dieser Kassen in einem zentralen Verband ermöglicht nicht nur eine Verringerung der Verwaltungskosten, sondern auch
eine Verteilung der Risiken.
Der auf Bundesebene durchzuführende Gruppenplan sieht u.a. auch die
Übertragbarkelt erworbener Pensionsansprüche bei Arbeitsplatzwechsel nach
zehnjähriger Betriebszugehörigkeit vor. Im Falle der Betriebsstillegung
werden länger als drei Jahre bestehende Versicherungen von einem Rückversicherer weitergeführt.
Den 60 Gewerkschaften, die mehrere Millionen Mitglieder zählen,
bietet der Gruppenplan die Möglichkeit, bei künftigen TarifVerhandlungen
auch mit Klein- und Mittelbetrieben auf die Zahlung von Unternehmerbeiträgen zu. einer Zusatz-Altersversicherung zu dringen.

+
Jugendarbeit in Kalifornien
Ein Erholungs- und Ausbildungsprogramm für Jugendliche im Alter von
sieben bis 21 Jahren wird das US-Arbeitsministerium in Zusammenarbeit mit
einem örtlichen Aktionsausschuß und den Behörden und der Geschäftswelt
in Watts durchführen, dem im vergangenen Jahr von Unruhen heimgesuchten
Vorort der kalifornischen Metropole Los Angeles.
Für

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�Für das Programm sollen Insgesamt 320 500 Dollar aus den Mitteln
abgezweigt werden, die aufgrund der Gesetze über die Errichtung des
Nachbarschaftsjugendkorps und der Entwicklung des Arbeitsmarktes für
Haßnahmen der Jugendpflege zur Verfügung stehen. Weitere 55 000 Dollar
werden der Aktionsausschuß und die Gewerkschaften bereitstellen. .
Geplant sind die Abhaltung von Auffrischungskursen in Rechnen,
Lesen und Schreiben und ein vielgestaltiges Sport- und Erholungsprogramm, das auf zehn Spiel- und Sportplätzen in Watts und seiner näheren
Umgebung abgewickelt werden soll. Hunderte von Jugendlichen werden außerdem Gelegenheit erhalten, sich - bei einer Entlohnung von 1,27 Dollar
pro Stunde - auf einen Beruf vorzubereiten.

(Quelle: Eigenberichte)

+ ++++

- 15 -

�</text>
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ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gehrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 20

F r a n k f u r t , 2 1 . J u l i 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Truman:

Gewerkschaften fuehrend im Kampf um

Freiheit

1

AFL k r i t i s i e r t Adenauers Aeusserungen

- - - -

2

Das Problem der k l e i n e n Einkoiamen - - - - - Amerikanische Gewerkschaften warnen vor arbeiterfeindlicher Propaganda - - - - - - - - -

3
5

Das internationale freie Gewerkschaftswesen
erzielt Fortschritte - - - - - - - - - - -

8

Arbeiterfeindliche amerikanische Zeitschrift
verherrlicht Streikbruch

- - - - - - - - -

Schuman-Plan-Komitee des IBFG

- - - - - - - -

10
12

Die Geschichte der Stahlarbeitergswerkschaft
Amerikas ist mit Lettern in Blut geschrieben 13

TRUMAN;

GEWERKSCHAFTEN FUEHREND IM KAMP? UM FREIHEIT

Einer Rede Praesident Trumans auf dem Jahreskongress der Amerikanischen Zeitungspersonalgewerkschaft in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten entnehmen wir einige interessante Ausführungen.
Der Praesident zollte allen Zweigen der Gewerkschaftsbewegung
seine besondere Anerkennung fuer die Arbeit, die zur Foerderung des
Gewerksohaf tsgedankens auf der ganzen V/elt geleistet worden ist.
"In zahlreichen Laendern waren die schaffenden Maenner und Frauen der intensiven Propaganda und den Infiltrationsversuchen der kommunistischen Agitation ausgesetzt. Unsere freien Gewerkschaften
sind besser als irgendeine andere Organisation in der Lage, dem
kleinen Yann wirksam vor Augen zu fuehren, dass die Kommunisten nicht

�um seine Wohlfahrt besorgt sind, sondern ihn zur Verfolgung der
imperialistischen Ziele einer aggressiven Fremdmaoht missbrauchen
moeohten."
"Unsere Gewerkschaften koennen den Arbeitern anderer Laender
am besten zeigen, dass der demokratische und nicht der kommunistische Weg zur wirklichen wirtschaftlichen Gesundung fuehrt."
Truman erklaerte weiter, dass sich die Kommunisten die verheerenden wirtschaftlichen Verhaeltnisse, die in vielen Teilen der
Welt herrschten, zunutze machten. Eines der Kampfmittel gegen den
Kommunismus muss deshalb die Hebung des Lebensstandards in diesen
Gebieten sein.
"Wo die Hammer-und-Sichel-Leute mit inneren Gewaltakten und
bewaffneter Aggression vorgehen, wie zum Beispiel in Korea, muesse
dem Volk, das entschlossen sei, seine ünabhaengigkeit zu verteidigen, jede nur moegliche Hilfe gewaehrt werden."
"Es genuege nicht, Aggressionen nur abzuwehren, Amerika muss
mit allen Regierungen, die das ehrliche Bestreben haben, das Los
ihres Volkes zu bessern, zusammenarbeiten.n
Truman erklaerte, dass durch das Punkt-Vier-Programm, das der
technischen Unterstuetzung rueckstaendiger Gebiete diene und kuerzlich von dem Kongress gebilligt worden sei, in dieser Hinsicht viel
getan werden koenne.
"Wenn es uns nicht gelingt, ein
durchzusetzen, laufen wir Gefahr, an
Millionen Menschen zu verlieren, die
Not den Blick vertrauensvoll auf uns

wirksames Punkt-Vier-Programm
den Kommunismus Hunderte von
in ihrem Kampf gegen Hunger und
gerichtet haben."

"Wir unterstuetzen dieses Programm, weil wir eine friedliche
und freie Welt erstreben, in der alle Menschen als gute Nachbarn
zusammenleben koennen."
LABOR
VII/1/50
Arnold Beiohman, New Yorker Korrespondent der AFL News Service:
AFL KRITISIERT ADENAUERS AEUSSERUNGEN ,
Der Amerikanische Gewerkschaftsbund (AFL) hat den Kanzler der
deutschen Bundesrepublik, Konrad Adenauer, darueber unterrichtet,
dass seine kuerzlich gehaltene Rede, in der er zum Ausdruck brachte, Amerika und Russland seien gleichermassen fuer die Bedrohung des
Friedens verantwortlich, "alle Amerikaner schwer enttaeuscht habe,
die dem freundschaftlichen Verhaeltnis und einer engen Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten"und der wiedererstandenen demokratischen westdeutschem Republik; grosse Bedeutung beimessen."
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In einem 2.500 Worte langen Schreiben an den Chef der Bonner
Regierung legte Matthew Woll, der zweite Vizepresident und Vorsitzende des AFL-Komiteea fuer Internationale Arbeitsheziehungen,
Konrad Adenauer zur r.Last, sich politischer Argumente bedient zu haben, die nicht der Wahrheit entapraechen und im Widerspruch zu allen
Tatsachen der juengsten Geschichte stuenden.
Dleseg Schreiben der AFL folgte einem zusammenfassenden Bericht
ueber die Rede Adenauers, der am ZZ, Mai in der New York Times erschienen war.
- Z

�Matthew V/oll protestierte dagegen, dass Adenauer den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion fuer die gegenwaertige gefaehrliche
Weltfriedenslage die Schuld zuschob.
Er machte dem Bundeskanzler den Vorwurf, dass heute mehr und
mehr Beweise dafuer vorliegen, ndass gewisse deutsche Grossindustrielle sich eifrig darum bemuehten, Handelsverbindungen mit den
Laendern hinter dem Eisernen Vorhang aufzunehmen, und dass diese
Absicht, wie in normalen Zeiten mit Russland Geschaefte abzuwickeln,
trotz der Tatsache noch staerker geworden sei, dass fuer die Sowjetunion Aussenhandel nicht Kaeufe und Verkaeufe, sondern ein Mittel
zur politischen Durchdringung, Erpressung und zum schliessliohen Umsturz sei."
"Wie konnten Sie also, Herr Bundeskanzler, auch nur den Versuoh
unternehmen, einen Vergleich zwischen der Aggressionspolitik der totalitaeren Diktatur Russlands und dem von einer grossen amerikanischen Demokratie verfolgtem konstruktiven und friedlichen Kurs zu
ziehen, dessen Ziel internationale Harmonie und der Fortschritt der
Menschheit sind?"
Matthew Woll erklaerte ferner, die Politik der Nachgiebigkeit,
der es in den Muenchener Tagen nicht gelungen sei, den Frieden zu
erhalten, "biete keinerlei Moegliohkeit, die Katastrophe eines internationalen Weltbrandes zu verhindern."
Abschliessend sagte er: "Es liegt also klar auf der Hand, dass
eine nachgiebige Politik seitens der Vereinigten Staaten die internationale Spannung nicht vermindern, sondern sie im Gegenteil verschaerfen wuerde, weil sie letzten Endes - wenn auch unbeabsichtigt - die
russische Aggressions- und Ausdehnungspolitik ermuntern und verstaerken muesse."
Es kann mit voller Berechtigung behauptet werden, dass nur der
Bruch mit der frueheren Politik der Nachgiebigkeit Westeuropa davor
bewahrt hat,ffberranntund von den bewaffneten Horden Stalins in
Besitz genommen zu werden."
AFL News Service
VI/27/50
DAS PROBLEM DER KLEINEN EINKOMMEN
Aus einem der letzten US-Kongressberichte geht hervor, dass
jene zehn Millionen Familien, deren jaehrliches Durchschnittseinkommen eine geringere Hoehe als 2.000 Dollar erreichten, einen starken,
jedoch nicht abdeckbaren Bedarf an Waren haben. "Dies stellt ein
grosses, unterentwickeltes Wirtschaftsgebiet dar, es ist ein neuer
und erweiterungsfaehiger Markt, auf dem die Gueter der amerikanischen
Industrie abgesetzt werden koennen. In einem Wirtschaftssystem, das
grundsaetzlich auf Massenproduktion ausgerichtet ist, muss auch in
Massen abgesetzt werden, wenn schwere wirtschaftliche Stoerungen vermieden werden sollen."
Nach dem Beschaeftigungsgesetz, das 1946 beschlossen wurde, hat
der Kongress die Aufgabe, Hoechstbeschaeftigung, Produktion und Kaufkraft zu foerdern. Niedrige Einkommen stellen stets einen Hemmschuh
fuer die Erweiterung der Wirtschaft dar. Um dieses Uebel zu beheben,
ist eine eingehende Beschaeftigung mit dem Problem der Liliput-Einkommen erforderlich.
So lauten die Schlussfolgerungen in einem kuerzlich ausgearbeiteten statistischen Bericht ueber amerikanische Familien mit niedrigen
- 3

�Einkommensstufen. Das benoetigte statistische Material wurde dem
Unterausschuss fuer Familien niedriger Einkommensstufen durch
andere Aemter zur Verfuegung gestellt, es dient als Grundlage fuer
die Formulierung der Empfehlungen zur Loesung dieses Problems
niedriger Einkommensstufen. In diesem Bericht werden zwei grundlegende Fragen zwar erhoben, aber nicht beantwortet.
(1) "Wie wirken sich niedrige Produktion und niedrige Kaufkraft der aermeren Familien auf die gesamte Wirtschaft aus? Werden
die geringe Produktion und die Minimalkaufkraft der Stabilisierung
der Wirtschaft auf der Ebene der Hoechstproduktion und -beschaeftigung im Wege stehen? Haengt der Wohlstand und der Fortschritt
aller Buerger davon ab, dass der Lebensstandard dieser Familien
gehoben wird?"
(2) "Was kann geschehen, um die Produktionsleistung und Einkommenskapazitaet dieser Familien zu steigern und damit den Wohlstand der gesamten Wirtschaft zu foerdern?"
In dem Bericht heisat es, dass "die Familien mit Liliput-Einkommen den wirtschaftlichen Fortschritt Amerikas nicht mitgemacht
haben. Ihnen gehoerten nur wenige jener Gueter, die fuer den amerikanischen Lebensstandard von heute als symbolisch gaelten. Diese
Familien wuerden wesentlich staerker als Konsumenten in Erscheinung
treten, wenn ihre Kaufkraft ihren Bedürfnissen entspraeche."
Das Statistische Amt der Vereinigten Staaten berichtet, dass
es in den Vereinigten Staaten 38.5 Millionen Familien und 8 Millionen Alleinstehende gibt, die nicht in einer Familiengemeinschaft
leben. Ein Viertel dieser 38.5 Millionen Familien hat ein Gesamtnettoeinkommen von weniger als 2.000 Dollar in einem Jahre. Zwei
Drittel dieser rund zehn Millionen Familien mit Liliput-Einkommen
leben in Staedten oder sind als Nichtbauernfamilien anzusehen. Etwa
3.3 Millionen Familien sind ausgesprochene Bauernfamilien, von diesen
Bauernfamilien wiederum haben 1.7 Millionen ein Einkommen von weniger
als 1.000 Dollar im Jahre.
Die Ursache fuer diese niedrigen Einkommen ist nach dem Berioht
darin zu erblicken, dass viele Farmen nicht nur unwirtschaftlich arbeiten, sondern sogar Verluste einstecken muessen.
Das hohe Alter ist ebenfalls ein Grund fuer die niedrigen Einkommen dieser zehn Millionen. Ein Viertel jener 6.3 Millionen
Nichtbauernfamilien mit Einkommen unter 2.000 Dollar zeigt Familienvorstaende, die 65 und darueber sind.
Bei den Bauernfamilien sind jene in der niedrigsten Einkommensstufe am zahlreichsten zu finden, deren Familienvorstaende ungelernte Arbeiter sind. Ein Achtel der Nichtbauernfamilien mit LiliputEinkommen haben farbige Familienvaeter. Es gibt weiterhin zahlreiche
Familien, deren Familienvorstand durch Tod, boeswilliges Verlassen
oder Scheidung Frauen geworden sind, auoh sie gehoeren in starkem
Masse zur Gruppe der Liliput-Einkommensbezieher. Der Mangel an Ausbildung ist ein weiterer ausschlaggebender Faktor: fast zwei Fuenftel der Nichtbauernfamilien der niedrigen Einkommensstufe, denen Personen Im Alter von 25 bis 64 Jahren als Haushaltungsvorstand angehoerten, hatten weniger als 8 Jahre Schulausbildung genossen.
Obwohl die verfuegbaren detaillierten Informationen ueber die
Ausgaben einer Familie nicht mehr ganz aktuell sind, koennen dooh
einige wichtige Tatsaohen formuliert werden. Fuer staedtische Familien mit einem Einkommen von weniger als 2.000 Dollar im Jahr betragen die Ausgaben fuer Ernaehrung etwa die Haelfte des gesamten Verdienstes. Dieser Prozentsatz sinkt bei zunehmendem Einkommen und
- 4

�geht bei Familien, deren Einkommen ueber 7.500 Dollar liegt, auf
etwa 17$ zurueck. Aermere Familien muessen daher mehr Getreideprodukte verbrauchen, jedoch weniger Milch, weniger Fleisch, Gemuese
und Frueohte als die wirtschaftlich besser Situierten. Auch die
Ausgaben fuer Miete stehen bei den staedtischen Familien mit einem
Liliput-Einkommen von weniger als 2.000 Dollar im Jahr in keinem
Verhaeltnis zu ihren uebrigen Aufwendungen.
Monthly Labor Review
1/50
Joseph D. Keenan, Leiter der Gewerkschaftlichen Vereinigung fuer
Politische Aufklaerung:
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN WARNEN VOR ARBEITERFEINDLICHER PROPAGANDA
"Die Rechte und Interessen des Arbeiters werden nicht von Gewerkschaftsagitatoren geschuetzt und wahrgenommen, sondern von jenen christlichen Maennern, denen Gott in seiner unendlichen Weisheit die Kontrolle ueber die Eigentums Interessen des Landes in die
Hand gegeben hat unl jenem Unternehmertum, von dem so vieles abhaengt. "
Mit diesen Worten beantwortete George F. Baer, der Praesident
der Kohle- und Eisengesellschaft von Philadelphia und Readlng, die
Bitte eines Bergarbeitersohnes waehrend des furchtbaren BergarbeiterStreiks des Jahres 1902. Dieser Bergarbeitersohn, William F. Clark,
starb vor wenigen Wochen in Wllkes-Barre (Pennsylvanien). Die Antwort jedoch, die er damals von diesem arroganten Praesidenten der
Kohlegesellschaft erhalten hatte, erschuetterte im Jahre 1902 die
ganze Nation und sie wird noch lange im Gedaechtnis aller Gewerkschafter weiterleben.
Glauben die Leute, dass sich die Verhaeltnisse seit 1902 gesondert haben? Wenn sie es glauben, dann haben sie zum Teil recht.
Heute sind die Gewerkschaften staerker geworden, und ihr Recht zum
Abschluss von Tarifvertraegen wird allgemein anerkannt. Heute ist
es fuer einen Unternehmer im Interesse seiner Beziehunger zur Öffentlichkeit nicht gerade ratsam, etwa zu sagen, er besaesse das goettliche Recht und die Weisheit, das Leben seiner Arbeitgeber so zu lenken, wie er es fuer richtig halte. Wenn die fuehrenden Ioepfe der
Industrie heute jedoch nicht offen aussprechen koennen, iass sie die
Gewerkschaften beseitigen moechten, so heisst das keinesvegs, dass
sie nicht den Wunsch haetten, es zu tun.
Heute bedienen sie sich anderer, heimtueckischerer iffittel.
Sie erklaeren, die Tage des zuegellosen Kapitalismus seien vorueber,
das Blatt habe sich gewendet. Sie behaupten, heute seien es die
"Gewerkschaftsbonzen", die sowohl den Unternehmern als euch den
unglueoklichen Arbeitern Vorschriften machten. Die Arbeiterschaft
sei in die "Monopolgewerkschaften" gepresst worden.
Die antigewerkschaftliohen Industriellen von 1950 walnen bittere Krokodilstraenen fuer diese "armen Arbeiter, die unter die
rueoksiohtslose Herrschaft der Agitatoren und Gewerkschaftsbonzen
geraten seien."
Man denke nur an die Argumente, die die Fuersprecher des TaftHartley-Gesetzes vorbrachten. Versicherten sie etwa, de3s sie damit die Gewerkschaften zerstoeren und das Kollektivverheadlungswesen
abschaffen wollten? Natuerlich nicht. Nach ihren Worten handelte
es sich um ein Gesetz, das die Arbeiter "befreien" sollte. Es war
ein Gesetz, das den armen, unterdrueckten Unternehmern cas gleiche
Reoht in den Tarifverhandlungen und Sohutz gegen die "meechtige Gewerkschaf tsmaaohinerie" geben sollte.
- 5 -

�Das ehemalige Kongressmitglied Fred Hartley hat ein Buch geschrieben, das den Titel "Unsere Neue, Nationale Arbeitspolitik"
traegt. In diesem Buch hat er versucht, das Taft-Hartley-Gesetz
zu rechtfertigen, es heisst hier:
"Gewerkschaften und Unternehmer hatten die Rollen vertauscht...
Die Gewerkschaften sassen im Sattel und nutzten dies aus
Die
obersten Gewerkschaftsfuehrer hatten die gleiche Macht wie die erwaehlten Fuehrer der Regierung. Seit langem verfuegen sie ueber
weit groesseren Einfluss als die bedeutendsten Unternehmen der
Nation."
Hartley faehrt in seinem Buch fort: "Schwer lastete die Not
auf den Arbeitern. Fuer die Leiter der Gewerkschaften bedeutet jedoch die grosse Masse der arbeitenden Bevoelkerung nichts anderes
als der Poebel fuer Louis XVI."
Hartley bezeichnet den "Dixiekraten" (Spitzname fuer die gewerkschaftsfeindlichen Kongressleute der Suedstaaten) Graham Barden
aus Nordkarolina in lobender Weise als einen Mann, "der fuer die
Arbeiterschinder und besoldeten Gewerkschaftsagitatoren nichts
anderes als Verachtung empfaende." Das ganze Buch hindurch bezeichnet Hartley die gewaehlten Vorsitzenden der Gewerkschaften staendig
als "Gewerkschaftsbonzen."
Als das Taft-Hartley-Gesetz trotz des Einspruchs des Presidenten in Kraft gesetzt wurde, glaubten die Gewerkschaftshasser vielleicht noch ihren eigenen Worten. Betriebswahlen, die ueber Annahme
oder Nichtannahme des "Union-Betriebs"-Systems entscheiden sollten,
wurden als obligatorisch erklaert. Die Gewerkschaftshasser waren
der Ueberzeagung, dass das arbeitende Volk Amerikas zu den Urnen
eilen und gegen seine eigenen Gewerkschaften stimmen wuerde. Was
sich tatsaechlich ereignete, ist bereits Geschichte geworden. Mit
ueberwaeltigender Mehrheit sprachen sich 98$ der Waehler zugunsten
des "Union-Betriebs"-Systems aus. Es gibt keine andere Einrichtung
in den Vereinigten Staaten, der in so ueberzeugender Weise das Vertrauen ausgesprochen worden ist.
Ein Vergleich der Gehaeiter der sogenannten "Gewerkschaftsbonzen" mit denen der Industriellen beweist, eindeutig, dass es kein Bonzentum gibt. Selbst die hoechsten Gehaeiter, die die Gewerkschaften
zahlen, sind im Vergleich zu diesen niedrig. Die beiden Vorsitzenden der Amerikanischen Arbeitsfoederation (AFL) und des Kongresses
der Industrieverbaende (CIO), William Green und Philip Murray, erhalten jaehrüch je 85.000 Dollar. A. B. Homer dagegen, der Praesident der Bethlehem-Stahl-Korporation, bezog im Jahre 1948 Gehaeiter
und Praemien in Hoehe von 263.280 Dollar. Wenn sich Homer mit 65
Jahren zur Ruie setzt, wird er eine Jahrespension von 110.460 Dollar
beziehen, ohna auch nur einen Gent fuer Pensionsversicherung entrichtet zu haben. Benjamin Fairless, der Praesident der US StahlKorporation,
rerdiente im Jahre 1948 207.900 Dollar. Tom Girdler,
der1Vorsitzenle der Republik-Stahl-Korporation, 275.000 Dollar und
der Praesiden: und die fuenf Vizepresidenten der gleichen Gesellschaft mehr aLs 70.000 Dollar je Kopf.
Das gasaate Einkommen aller Gewerkschaften des Landes erreicht
nicht einmal lie Hoehe der Nettogewinne einer einzigen Automobilproduzentin der fereinigten Staaten, naemlich der General Motors-Gesellschaft. .
Noch lae«herlicher ist die Behauptung der Propagandisten der
Grosskapitalisten, die Gewerkschaftsmitglieder waehlten ihre Vorsitzenden nicht tach demokratischen Grundsaetzen und sie koennten keinen
Einfluss auf sie ausueben. Auch in diesem Punkt ist der Gegensatz
zur Industrie geradezu bestechend und ueberzeugend.
- 6-

�"Fragt Euch bitte selbst, ob Ihr eine Einrichtung kennt, die
demokratischer als Eure Gewerkschaft waere? Wie steht es damit in
dem unternehmen, fuer das Ihr arbeitet? Werwaehlt den Vorstand?
Wer die obersten Organe? Steht das Unternehmen unter der Kontrolle
der Aktionaere seiner rechtmaessigen Besitzer? Oder wird es von
nur Wenigen beherrscht, dieNnur einen geringen Teil der Aktien besitzen?"
Die Antwort zu diesen Fragen kennt jedes Mitglied einer amerikanischen Gewerkschaft. Nehmen wir zum Beispiel die groesste Gesellschaft des Landes, die Amerikanische Telefon- und Telegrafen
Kompanie, die unter dem Namen "Beil-System" allgemein bekannt ist.
Walter S. Gifford Hess sich gerade als Vorsitzender dieses Unternehmens pensionieren. Er bezog jaehrlich ein Gehalt in Hoehe von
£09.000 Dollar, seine Pension betraegt jetzt 95.000 Dollar jaehrlich.
Dieses Unternehmen macht mit der Tatsache Reklame, dass 900.000
Aktionaere die eigentlichen Eigentuemer der Gesellschaft sind. Jeder
Aktionaer weiss jedoch, dass die Trennung von Besitz und Leitung in
der Kompanie schon seit langem durchgefuehrt ist. Gifford und andere fuehrende Persoenlichkeiten der Kompanie besitzen von je 2.300
Aktien nur je eine. Das sind knapp ganze vier Hundertstel eines
Prozents des gesamten Kapitals. Und doch wird dieses ungeheure Unternehmen von diesen Wenigen so beherrscht, als wenn sioh saemtliche
Aktien in ihrem Besitz befaenden.
In den meisten Unternehmen liegen die Verhaeltnisse heute aehnlioh. Die Finanzberichte der Gesellschaften an die Aktionaere sind
ein Meisterstueck angedeuteter Unverstaendlichkeit. Wenn diese mit
den detaillierten Finanzberichten verglichen werden, die allen Gewerkschaftsmitgliedern zur Verfuegung stehen und die von ihren gewaehlten Treuhaendern ueberprueft werden, so ergibt sich hier ein
Unterschied von Tag und Naoht. Im uebrigen sitzen weit mehr Angestellte der Banken und Industrie wegen Geldunterschlagungen im Gefaengnis, als es bei den Gewerkschaften der Fall ist.
Alle Gewerkschaftsfunktionaere sind keine Heiligen. Manchmal
werden auch unfaehige Leute in Aemter berufen, die Gewerkschaftsmitglieder koennen sich aber wieder neue Funktionaere waehlen. Sie verlieren die Herrschaft ueber ihre Gewerkschaft niemals soweit wie
Aktionaere ueber das Unternehmen, das ihnen eigentlich gehoert. Den
besten Beweis hierfuer liefert das Postbuero der AFL in Washington.
Es gibt mehr als 40.000 Lokalgewerkschaften der AFL. Die Funktionaere wechseln so oft, dass 40% der Adressen der lokalen Gewerkschaftsfunktionaere in jedem Jahre geaendert werden muessen. Ist das vielleicht die "Diktatur der sich selbst verewigenden Gewerkschaftsbonzen?"
An diese Tatsachen muss man denken, wenn Flugschriften des Senators Taft gelesen werden, in denen er sagt, dass nur "Kommunisten"
und "Arbeiterschinder" den Wunsch haetten, das Taft-Hartley-Gesetz
ausser Kraft zu setzen.
Es darf hier keine Irrefuehrung geben, wenn behauptet wird, dass
ein besonderes Gesetz nur fuer die Gewerkschaftsfuehrer und nicht fuer
die Arbeiterschaft selbst von Vorteil waere. Wenn sie das Recht und
die Macht der gewaehlten Fuehrer schwaechen wollen, die die Mitgliedschaft wirksam vertreten wollen, dann bedrohen sie damit direkt
auch die Sicherheit und die Loehne der Arbeiter.
Von der Handlungsweise der Arbeiterschaft am Wahltag wird es
abhaengen, wie der neue Kongress aussehen wird. Wenn es versaeumt
wird, die Freunde der Arbeiterschaft wiederzuwaehlen, koennte es
leicht moeglich sein, dass die Gewerkschaften in die guten alten Tage
- 7 -

�zurueckversetzt werden, als Aktionaere, Oeffentlichkeit und Arbeitnehmer der Willkuerherrschaft der Grossindustriellen voellig machtlos gegenueberstanden.
Wenn die Arbeiterschaft wuenscht, dass Loehne und Sicherheit
von starken Gewerkschaften und frei gewaehlten Funktionaeren beschuetzt werden, dann wird jede Stimme in diesem Wahljahr benoetigt
werden.
Es sei daran erinnert, dass im Jahre 1946 versaeumt wurde, von
123 Abgeordneten 45 wiederzuwaehlen, die fuer die Gewerkschaften und
gegen das antigewerkschaftliche Case-Gesetz gestimmt hatten. 1948
jedoch wurden alle Freunde der Gewerkschaften wiedergewaehlt. Wie
wird es in diesem Jahre sein?
Das liegt an den acht Millionen Mitgliedern der AFL. Was koennen sie tun? Sie koennen der Gewerkschaftlichen Vereinigung fuer
Politische Aufklaerung beitreten, sie unterstuetzen und ihre Stimme
fuer sie abgeben.
Die andere Seite mag das Geld haben, die Arbeiterschaft hat
die Stimmen.
Wenn jeder Arbeiter als guter Buerger waehlt, wird es ein starkes und wohlhabendes Amerika geben, in dem wirkliche Freiheit
herrscht und das konkurrierende Unternehmertum die Prosperitaet und
das Glueck eines Jeden foerdert.
The American Federationist
V/50
DAS INTERNAT IONALE FREIE GBV.ERKSCHAFT5WESEN ERZIELT FORTSCHRITTE
Die freie Gewerkschaftsbewegung setzt sich unablaessig fuer die
Hebung des Lebensstandards in rueckstaendigen Gebieten, fuer die Abwehr des Kommunismus in Europa und fuer die Verteidigung Europas
erfolgreich ein.
Dies erklaerte kuerzlich J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer
des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, in einem Bericht
ueber die Erfolge der freien Gewerkschaftsbewegung. Oldenbroek
hielt sich kurze Zeit in Washington auf und fuehrte dort Besprechungen mit Gewerkschaftsfuehrern und hohen Persoenlichkeiten der
amerikanischen Regierung.
Waehrend seines Aufenthaltes in Washington war Oldenbroek
Gast der Amerikanischen Arbeiterfoederation (AFL), des Kongresses
der Industriegewerkschaften (CIO), des Bergarbeiterverbandes und
des Internationalen Metallarbeiterverbandes. Der europaeische Gewerkschaf tsfüehrer traf auch mit Pressevertretern zusammen und
gab, bevor er Washington wieder verliess, dem Vertreter der Zeitschrift "The Laborer" ein Interview.
Generalsekretaer Oldenbroek reiste in die Vereinigten Staaten,
um hier mit den Gewerkschaftsfuehrern zu konferieren und mit ihnen
seine Meinung ueber Mittel und Wege auszutauschen und abzustimmen,
wie man die Ziele des IBFG verwirklichen kann.
n

'»Vir kommen verhaeltnismaessig schnell den in unserem Programm gesteckten Zielen naeher. Unsere Zentrale ist in Bruessel
errichtet worden, unser Personalstab wird jetzt zusammengestellt.
Er wird sich aus etwa 45 Personen zusammensetzen, von denen 30 bereits ernannt sind."

8

�"Das Problem der verschiedenen Sprachen wird keine Schwierigkeiten bereiten. Wir haben genuegend Leute, die mehrere Sprachen
soreohen. Unsere Arbeit wird in den vier offiziellen Sprachen
Englisch, Franzoesisch, Spanisch und Deutsch durchgefuehrt werden.
Der gesamte Schriftverkehr des IBFG und alle Veroeffentlichungen
dieser Organisation werden in vier Spraohen zur Verfuegung stehen."
Oldenbroek selbst ist fuer seine Kenntnisse in mehreren Sprachen bekannt, man sagt, er ist etwa in einem Dutzend verschiedener
Sprachen zu Hause.
Einen der ersten Schritte, die der IBFG unternahm, war die
Aufstellung eines Presse- und Publikationsprogramms. Der Englaender
E. Thompson wurde zum Leiter der Abteilung fuer Pressewesen und
Publikationen ernannt und wird mit der Ausarbeitung eines "Presseberichtes" beauftragt werden, der wahrscheinlich je nach Umfang der
vorliegenden Nachrichten vierzehn-taeglich oder monatlich erscheinen wird. Ein monatliches Magazin mit Nachrichten und Berichten
von der Arbeit der Gewerkschaft in aller. Welt wird ab Juli herausgebracht werden.
Oldenbroek wurde in Washington ueber die mutmasslichen Schwierigkeiten befragt, die mit den Waffenlieferungen nach Europa im Rahmen des europaeischen Verteidigungsprogramms auftauchen koennten.
Er beruhigte die Fragesteller und erklaerte, dass die Waffen an
ihren Bestimmungsort gelangen wuerden, ohne dass die Kommunisten
hieran etwas zu aendern vermoechten.
Der Kampf gegen den Kommunismus ist fuer Oldenbroek und diejenigen, die an seiner Seite stehen, eine historische Angelegenheit.
Sofort nach der Gruendung des IBFG im Dezember vorigen Jahres wurde
er zum Generalsekretaer ernannt. Damit hatte sein lebenslanger
Kampf um die Erzielung eines besseren Loses fuer die Arbeiter seine
Anerkennung gefunden. Seit seiner Jugend gehoerte er dem Internationalen Transportarbeiterverband an und kaempfte fuer das freie
Gewerkschaftswesen. Vor dem Kriege kaempfte er gegen die Kommunisten
und beteiligte sich dann aktiv an der Widerstandsbewegung der Alliierten. In Holland zwar geboren, ist Oldenbroek doch in ganz Europa
bekannt. In den kritischen Tagen des Zweiten Weltkrieges war er
tatsaechlich ein "Koordinator* gewerkschaftlicher Taetigkeiten. Die
Erfahrungen, die er im Kampf gegen den nazistischen Totalitarismus
sammelte, kommen ihm nun bei der Bekaempfung des Kommunismus zugute.
"Die Kommunisten verfuegen ueber grosse Hilfsquellen und Energien. Sie koennen jedoch geschlagen werden. Ihr einziger Wunsch
ist, mit Hilfe aller moeglichen Mittel zur Macht zu gelangen und diese Macht dann zu erhalten. Sie interessieren sich ueberhaupt nicht
fuer die Wohlfahrt der Arbeiterschaft, und das wissen die Arbeiter
in demokratisch regierten Laendern Europas, oder sie werden es sehr
schnell erkennen."
"Die Kommunisten glaubten, durch Sabotage des Marshall-Planes
den europaeischen Wiederaufbau unterbinden zu koennen. Wir sorgen
jedoch dafuer, dass ihnen dies nicht gelingen wird. Die Arbeiter
Europas wissen, was zu tun ist und was sie von den Kommunisten zu
halten haben."
Oldenbroek erklaerte, es sei von besonderer Bedeutung, sich mit
den ferngesteuerten Agitatoren unter den Transportarbeitern zu befassen, weil es die Kommunisten hauptsaechlich auf diese Gewerkschaftsmitglieder in den Hafenstaedten abgesehen haetten. In den Hafenstaedten muesste den sowjetischen Bemuehungen mit aller Energie
entgegengearbeitet werden.
- 9 -

�"Wir sind von den Gewerkschaften der Vereinigten Staaten in
hervorragender Weise unterstuetzt worden. Wir hoffen, uns auch
weiterhin dieser Hilfe wuerdig erweisen zu koennen. Wir koennen
nur dann mit Erfolgen rechnen, wenn wir uns alle - und hierzu gehoeren auch die amerikanischen und alle anderen Gewerkschaften - eng
zusammenschliessen und gemeinsam fuer ein besseres Los der Arbeiter
kaempfen."
Die naechste grosse Aufgabe biete sich der Gewerkschaftsbewegung in Asien, fuhr Oldenbroek fort. Der IBFG wird eine Sonderdelegation nach Suedostasien schicken, die die allgemeine Lage ueberpruefen und mit den Vertretern der Regierung und Gewerkschaften besprechen soll, was zur Hebung des Lebensstandards in jenem Teil
der Welt getan werden kann.
Damit der IBFG erfolgreich arbeiten und moeglichst viel leisten
kann, wird eine Reihe regionaler Dienststellen errichtet werden, und
zwar fuer Nord- und Suedamerika, im Nahen und Mittleren sowie im
Fernen Osten. •
Aufgabe dieser regionalen Dienststellen wird es sein, die freie
Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt zu foerdern und einen staendigen Kampf gegen den Totalitarismus in jeglicher Form, in der er auch
auftreten mag, zu fuehren.
Bevor Oldenbroek Washington verliess, fuehrte er noch Besprechungen mit dem Aussenminister Dean Acneson, dem Administrator der
Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit Paul G. Eoffman und
anderen Vertretern der Regierung.
The Laborer
V/50
Rub9n Levin:
ARBEITERFEINDLICHE AMERIKANISCHE ZEITSCHRIFT VERHERRLICHT STREIKBRUCH
Die sogenannten "populaeren" Magazine wie "Saturday Evening Post",
"Reader's Digest" und Collier's" werden mehr und mehr zu unanstaendigen Werkzeugen einer antigewerkschaftlichen und antiliberalen Propaganda. '
"Collier's", das dem Hause Morgan gehoert, lieferte in seiner
letzten Ausgabe den deutlichen Beweis fuer diese Politik. In einem
Leitartikel, der in grosser Aufmachung die Ueberschrift "John L.
Lewis wollte mich nicht arbeiten lassen" trug, versucht "Collier's",
den Streikbruch zu rechtfertigen und die organisierte Arbeiterschaft
herunterzureissen. Das Magazin hat sich die Reklame fuer diesen Artikel ein Vermoegen kosten lassen.
Ein junger Bergmann namens Joe Dickmon aus Library in Pennsylvanien musste seinen Namen fuer diesen Artikel hergeben, obwohl er
in Wirklichkeit von dem gutbezahlten Schreiber des Magazins, Walter
Davenport, verfasst worden war.
Wer ist Joe Dickmon? Er machte das erstemal von sich reden,
als im vorigen Winter die Bergarbeitergewerkschaft einen harten Kampf
um hoehere Loehne und bessere Sozialversorgung fuehrte. Viele
Bergleute brachten schwere Opfer, um diesen Kampf gewinnen zu helfen; Dickmon gehoerte jedoch nicht zu ihnen.
Dafuer richtete er damals einen wuetenden Brief an eine Pittsburger Tageszeitung, in dem er John L. Lewis als einen "Diktator" bezeichnete. Er feuerte nur so mit Wutausbruechen gegen die Gewerk- 10 -

�schaft um sich, die ohne ihn zu fragen, die 3 Tage-V/oche angeordnet hatte, und forderte schliesslich zu einer Revolte gegen den
Vorsitzenden der Bergarbeitergewerkschaft heraus und empfahl die
Beilegung des Streiks unter Annahme der Unternehmerbedingungen
auf. Es war praktisch ein Aufruf zum Streikbruch.
Die Bergarbeiter verachten eine solche Haltung. In keinem
Zweig der Gewerkschaftsbewegung ist der Streikbruch verhasster als
unter den Kumpels, die jahrelang schwer zu kaempfen hatten und wiederholt sogar hungern mussten, um sich bessere Lebensbedingungen
zu erkaempfen.
Junge Leute wie Dickmon wissen hiervon nichts. Er konnte noch
nicht zu den Erfolgen beitragen, die sich die Gewerkschaft schwer
erkaempfen musste. In dem gleichen Augenblick, als seine Kameraden von ihm verlangten, in einer kritischen Situation ein Opfer zu
bringen, lief er zu einer gewerkschaftfeindlichen Zeitung und stellte sich in den Dienst der Unternehmer.
Natuerlich wurde er von den anderen Kumpels als Feigling und
Verraeter verachtet. Sie weigerten sich, mit ihm zu arbeiten; er
wurde vielmehr vor Gericht angeklagt, durch falsche und verleumderische Angaben die Pflichten eines Gewerkschaftsmitglieds verletzt
zu haben. Nachdem er siqh geweigert hatte, aus der Gewerkschaft
auszutreten, beschlossen die Mitglieder,'ihn durch einen sechs monatigen Ausschluss aus der Gewerkschaft zu bestrafen.
Daraufhin eilte Dickmon zum "Collier*s"-Magezin, um seine
schmutzige Geschichte in Druck geben zu koennen. Die Herausgeber
belohnten ihn mit einer nicht unansehnlichen Summe - selbstverstaendlich hatten sie keinerlei Interesse an Dickmon oder an einem
persoenlichen Angriff gegen Lewis, aber sie sahen eine guenstige
Gelegenheit, der Gewerkschaftsbewegung einen schv.eren Schlag versetzen zu koennen.
Oft genug bruestete sich Dickmon damit, Soldttt gewesen zu
sein,und Frau und Kinder zu haben. Tatsache ist, dass Hunderttausende anderer ehemaliger Soldaten, die ebenfalls fuer "Onkel
Sara" gekaempft und eine Familis haben, nicht wie Dickmon ihrer Gewerkschaft in den Ruecken fielen. Im Gegenteil, sie zaehlen zu den
zuverlaessigsten Gewerkschaftern des Landes und denken nicht daran,
sich wie Dickmon zu benehmen.
Was ist nun eigentlich wahres an den Beschuldigungen Dickmons?
Ein Sprecher der Bergarbeitergewerkschaft erklaerte einem Vertreter
der Zeitschrift "Labor", dass jener "Artikel in"Collier's" von Unwahrheiten und halben Wahrheiten nur so strotze."
"Lewi3 hat mit dem Ausschluss Dickmons aus der Gewerkschaft
nicht das geringste zu tun. Ein solcher Ausschluss ist eine rein
lokale Angelegenheit. Die Abstimmung ueber seine Bestrafung wurde
in demokratischer ".'eise durchgefuehrt. Und wenn sich die uebrigen
Mitglieder weigerten, mit Dickmon Seite an Seite weiterzuarbeiten,
wer kann ihnen das verdenken?"
Dickmon hatte ausserdem behauptet, Lewis würde niemals Finanzberichte an die Lokalgewerkschaften schicken. "Tatsache i3t jedoch,
dass die Bergarbeitergewerkschaft schon seit Jahren allen Lokalgewerkschaften zweimal im Jahre ausfuehrliche Finanzberichte zukommen
laesst," erklaerte der Sprecher dem Journalisten.
"Was diese Vorwuerfe anbetrifft," fuehrte der Sprecher weiter
aus, "so handelt es sich hier um nichts anderes als ein sehr spaetes
- 11 -

�Soho jener Verdaechtigungen, die die Kohlenmagnaten und gewerkscfcaftsfeindlichen Zeitungen ueber Lewis in die Welt posaunen. Und
dies alles, weil es Lewis gelangen ist, einige Verbesserungen fuer
die Kumpels in den Gruben zu erringen."
"Ausserdem darf nicht^uebersehen werden, dass Lewis von den
Mitgliedern der Bergarbeitergewerkschaft mit grosser Mehrheit gewaehlt wurde. Die Richtlinien, nach denen er handelt, sind in Konventionen niedergelegt oder vom Exekutivausschuss beschlossen.
Der junge Dickmon beklagt sich ueber die Drei-Tage-Woche, die
waehrend des Kampfes der Gewerkschaften im vorigen Winter eingefuehrt
werden musste. Jedoch auch heute noch arbeiten die Kumpels im Durchschnitt nicht laenger als drei Tage -in der Woche, weil einfach die
Nachfrage nicht groesser ist.
"Statt dass man jedoch die vorhandenen Arbeitsmoeglichkeiten
einigermassen gleichmaessig verteilt - wogegen sich uebrigens Dickmon wehrte - gibt es heute Bergleute, die nur einen oder zwei Tage
in der Woche arbeiten koennen oder vollkommen ohne Arbeit sind."
"Was "Collier1s" und die Kohlenmagnaten nicht verzeihen koennen, ist die Tatsache, dass die Bergarbeiter bei den letzten Lohnkaempfen eine Lohnerhoehung von 95 Cents pro Tag zusaetzlich zu dem
Tagesgrundtarif von 15 Dollar und eine Erhoehung der von den Unternehmern gezahlten Praemie fuer den Wohlfahrtsfonds um 50% trotz
staerkster Opposition erzielen konnten."
"So haben sie sich diesen naiven jungen Mann als Werkzeug ausgesucht, mit dem sie ihrem Hass Luft machen. Hat man im "Collier's"
jemals nach der gewerkschaftlichen Seite dieser Geschichte gefragt?
Niemals.' Man war lediglich daran interessiert, dieser Gewerkschaft
und zugleich der gesamten Gewerkschaftsbewegung Schaden zuzufuegen.
"Dickmon wird sehr bald
zahlung des "Collier's" fuer
geschoben wird, wenn man ihn
einen abgetragenen Handschuh
er sich dessen nicht bewusst

entdecken, dass er trotz der guten Besein schmutziges Werk schnell beiseitenicht mehr brauchen kann, so wie man
wegzuwerfen pflegt. Anscheinend ist
- noch nicht.'"
LABOR
VII/8/50

3CHUMAN-PLAN-KOMITEE DES IBFG
Das Schuman-Plan-Komitee des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften (IBFG) trat auf Beschluss des Exekutivauq,schusses des
IBFG erstmalig in den Bueroraeumen des franzoesischen Gewerkschaftsbundes "Force Ouvriere" in Paris zusammen. Vertreter der Gewerkschaftsbewegung Frankreichs, Hollands, Italiens, der Saar, der Vereinigten von Amerika, der Internationalen Berufssekretariate der
Berg- und Metallarbeiter und des Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses des Europaeischen Wiederaufbauprogrammes (ERP) nahmen an
der Konferenz teil. Den Vertretern der englischen, belgisohen, luxemburgischen, deutschen und schwedischen Gewerkschaftsbewegung war
es nicht moeglich, den Besprechungen beizuwohnen, weil wichtige Aufgaben in ihren Laendern die Reise unmoeglich machten oder sie an
Konferenzen ihrer eigenen Zentralen teilnehmen mussten.
Den Vorsitz fuehrte Rober Eothereau von der "Force Ouvriere".
Die Konferenz hatte nur vorbereitenden Charakter, sie befasste sich
mit den zukuenftigen Aufgaben, die dem Internationalen Bund Freier
- 12 -

�Gewerkschaften im Zusammenhang mit dem Schuman-Plan zufallen werden.
Das Komitee brachte erneut die Auffassung des IBFG zum Ausdruck, dass die freien Gewerkschaften an dem politischen und wirtschaftlichen Zusammenschluss Westeuropas, der ohne die aktive Teilnahme der freien Gewerkschaften zu keinem Erfolg fuehren koenne,
lebhaft interessiert sind.
Die Mitarbeit der Gewerkschaften ist durch die Delegationen
Deutschlands, Belgiens, Hollands, Luxemburgs, Italiens und der
Saar gewaehrlefstet, gleichzeitig wurde jedoch auch die Bedeutung
einer direkten Vertretung des IBFG hervorgehoben.
Das Komitee befasste sich in grossen Zuegen mit dem SchumanPlan selbst und wies darauf hin, dass folgende Grundsaetze zu befolgen seien, wenn dieser Plan verwirklicht werden soll:
(a) Die vorgeschlagene Hohe Kommission muss einer demokratischen, oeffentlichen Kontrolle unterstellt werden.
(b) Fuer die Hohe Kommission selbst als auch fuer alle Nebenorganisationen des vorgesehenen Kommissions-Systems muessen
Persoenlichkeiten ernannt werden, die das Vertrauen der freien Gewerkschaften geniessen.
(c) Die Hohe Kommission muss mit entscheidenden Machtbefugnissen ausgestattet werden, insbesondere mit der Kontrolle der Produktionsinvestierungen und Preise, wobei sie die Erweiterung der
Wirtschaft und die Vollbeschaeftlgung zu beruecksichtigen hat.
(d) Loehne, Arbeitsbedingungen und Bestimmungen der sozialen Sicherheit muessen garantiert und verbessert werden.
Das Komitee ernannte einen Unterausschuss von sieben Mitgliedern, dessen Aufgabe es ist, die Bemuehungen der Gewerkschaften
fuer die Durchfuehrung des Schuman-Plans aufeinander abzustimmen
und vorwaerts zu treiben. Dieser Unterausschuss setzt sich aus
Gewerkschaftsvertretern der einzelnen Laender-Delegationen zu den
Besprechungen ueber den Schuman-Plan zusammen. Dem Unterausschuss
gehoert weiterhin ein Vertreter der amerikanischen Gewerkschaften,
ein Delegierter der"Force Ouvriere** - beide weilen staendig in
Paris - einem Vertreter des Internationalen Bergarbeiterverbandes
und ein Delegierter des Internationalen Metallarbeiterverbandes an.
Ein Vertreter des Sekretariats d9s Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften wird als Sekretaer dieses Unterausschusses fungieren, der je nach Bedarf waehrend der Schuman-Plan Besprechungen in
Paris zusammentreten wird.
Information Bulletin des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften
VI1/5/50
William Weiss:
DIE GESCHICHTE DER STAHLARBEITERGEWERKSCHAFT AMERIKAS IST MIT LETTERN IN BLUT GESCHRIEBIN
~~~
Wohlwollende Leute, die sich in der Gewerkschaftsbewegung nicht
auskennen, sind manchmal darueber erstaunt, welche eigensinnig erscheinende Haitnaeckigkeit Arbeiter an den Tag legen, wenn sie gegen grosse Unternehmen Streiks durchfuehren.
- lö -

�Wenn sie darueber erstaunt sind, dann sind sie es nur deshalb,
weil sie nicht verstehen, dass Arbeiter sich nicht scheuen, Leid
und Not auf sich zu nehmen, wenn sie gegen die Ungerechtigkeiten der
Unternehmer streiken.
In dem gleichen Augenblick, in dem sie sich entschliessen, ihre
Arbeit niederzulegen, sind sie sich auch der Folgen bewusst: lange
Stunden als Streikposten Wache stehen, Schmalhans als Kuechenmeister
und der staendige Druck zahlreicher Gruppen, die sie veranlassen
moechten, die Arbeit zu den von den Unternehmern gestellten Bedingungen wieder aufzunehmen. Sie wissen, welchen "^reis sie zahlen muessen
und sind trotzdem gewillt, ohne Ruecksicht auf ihre zahlreichen Widersacher ihre Chancen zum Sieg wahrzunehmen.
Dieser Geist der Entschlossenheit ist zum Erbgut der Stahlarbeitergewerkschaft des CIO in ihren Kaempfen gegen die Stahlkonzerne
geworden.
Im November 1592 sandte Henry Frick, der damalige Betriebsdirektor der Carnegie-Stahlwerke in Komestead (Pennsylvanien), seinem
Chef, Andrew Carnegie, der sich auf einer Reise zur Berichtigung der
europaeischen Gemaeidegalerien befand, das folgende Telegramm:
"Unser Sieg ist jetzt vollkommen und hoech st befriedigend.
Glauben Sie nicht, dass wir jemals wieder ernstliche Schwierigkeiten
mit den Arbeitern haben werden
Wir mussten unseren ^rDeitnehnern eine Lektion erteilen und wir haben dies in einer Weise getan,
dass sie immer daran denken werden."
Frick bezog sich mit diesem Telegraüju auf die Beendigung des
viermonetigen Streiks gegen die Carnegie-Gesellschaft, der vom Verband der Vereinigten Stahl-, Eisen- und Zinnarbeiter ausgerufen und
von einem Massenaufgebot von Pinkerton-Detektiven und 8,000 Polizeisoldaten gebrochen worden war. In einem regelrechten Feuergefecht
mit den Finkertons waren sieben Streikende und drei Detektive getoetet und mehr als 60 Mann verwundet worden.
Der Anlass zu diesem Streik war die Weigerung der Gesellschaft,
ihren Tarifvertrag mit der Gewerkschaft zu erneuern. Von 1892 bis
zum Jahre 1919 versuchten die Arbeiter der Stahlwerke erneut, sich
zu ihrem gegenseitigen Schutz zusammenzuschliessen. Im September
jenes Jahres traten 60.C00 Stahlarbeiter im Bezirk ^ittsburg in den
Streik, kurz darauf folgten 300.000 in Wheeling, Chikago, Cleveland,
Youngstown und Johnstown ihrem Beispiel.
Die gesamte Ceffentlichkeit wurde mit dem Niederschlagen des
Streiks vertraut gemacht. Zeitungen verschrieen die Streikenden
als "Auslaender" und lenkten die allgemeine Aufmerksamkeit auf den
"auslaendischen Typ" der Agitatoren.
Mit der Erklaerung "Selbst Jesus Christus koennte in Duquesne
nicht fuer die AFL sprechen," liess der Buergermeister dieser Stadt
wenig Zweifel darueber, mit wem er sympathisierte.
Die Stahlgesellschaften anpellierten an das Nationalbewusstsein
der Buerger, indem sie in den Zeitungen erklaeren Hessen: "Es ist
sehr leicht moeglich, dass bei diesem Streik Barbaren ihre Hand im
Spiele haben, um den industriellen Fortschritt Amerikas zu behindern."
Die Unternehmer finanzierten gleich zwei StreikbrecherOrganisationen - die Corporations Auxiliary und den Sherman Service - und wiesen sie an, Serben und Italiener mit allen Mitteln niedertraechtiger
Propaganda gegeneinander aufzuhetzen. Sie schuerten selbstverstaendlich auch die Flammen des Rassenhasses, indem sie Neger aus dem Sueden
- 14 -

�heranschaffen liessen, die die Arbeitsplaetze der Streikenden uebernehmen sollten.
Der Streik brach trotz aller Aufopferung am 8. Januar 1920 zusammen, und die geschlagenen Maenner schlichen in die Fabriken zurueck - ausser jenen, dis auf der schwarzen Liste standen. Die Unternehmer hatten wieder einen bedeutenden Sieg errungen.
Die Wirtschaftskrise von 1929 aber traf die Stahlindustrie
schwer. Die Schlagzeilen in den Tageszeitungen galten jenen Aktionaeren, die sich in der New Yorker Wall-Street aus den Fenstern
stuerzten. Die Unternehmer jedoch trafen in aller Stille ihre Vorbereitungen fuer ein Gesetz, mit dem sie die Stahlarbeiter noch
besser ausbeuten konnten.
Am 1. Oktover 1931 begann dieser Prozess, als die US-Stahlund Bethlehem-Werke die Loehne der Arbeiter um volle 10fo kuerzten.
In den Weirton-Stahlwerken wurden die Loehne innerhalb von elf Monaten fQnfmal herabgesetzt. US-Stahl und Bethlehem erfassten die
neue Situation und, um nicht von einem anderen Unternehmen wiederum
uebertrumpft zu werden, kuerzte es die Loehne im l*ai 1932 rücksichtslos um 15%.
Im Jahre 1932 verdiente ein Stahlarbeiter - wenn er das Glueck
hatte, voll arbeiten zu koennen - woechentlich 13.20 Dollar. £&lt;ine
Untersuchung des Arbeitsministeriums ergab, dass der durchschnittliche
Wochenlohn fuer ungelernte Arbeiter der Stahlindustrie in jenem Jahre
11.71 Dollar betrug. Der Durchschnittsarbeiter verdiente jaehrlich
600 Dollar.
1933 entdeckten die Stahlmagnaten eine neue Methode, um ihren
Arbeitnehmern das Recht zu, verweigern, in Fragen des Lohnes oder der
Arbeitsbedingungen mitzureden. Sie fanden dieses Mittel in dem sogenannten "offenen Betrieb", bei dem es jedem Arbeiter freisteht, der
Gewerkschaft beizutreten oder ihr fernzubleiben. IZan machte sich
nicht einmal die Muehe, zu behaupten, die Arbeiter seien mit den
Plaenen der "Arbeitnehmervertretungen," wie man sie zu nennen beliebte, einverstanden.
Die Philosophie, die diesen Plaenen zugrundelag, kommt treffend
in den Worten eines millionensohweren Stahlmagnaten zum Ausdruck:
"Meine Leute wissen nicht, was gut fuer sie ist. Nur ich weiss dies.
Und ich weiss, dass eine Gewerkschaft nicht gut fuer sie ist."
Eugene Grace in Bethlehem war etwes offener, als er erklaerte:
"Selbst wenn 95% meiner Leute einer Gewerkschaft angehoerten, wQrde
ich sie nicht als Gewerkschafter anerkennen. Ich denke, das ist
bestimmt besser fuer sie."
Im Jahre 1934 gab es in 90 bis 95% aller Stahlwerke des Landes
derartige Unternehmervertraege. Wie sich spaeter herausstellen sollte, legte die Industrie mit diesen Abmachungen unbewusst den Grundstein fuer eine wirkliche Gewerkschaftsbewegung. In der Tat erleichterten sie dem Organisatbnsausschuss der Stahlarbeiter-Gewerkschaft
(SW0C) die Arbelt, als dessen Vertreter unter der Leitung Philip
Murrays im Jahre 1936 den inzwischen historisch gewordenen Organisationsfeldzug der Stahlarbeitergewerkschaft starteten.
Eine regelrechte Panik bemaechtigte sich der Industrie, als
Tausende und Abertausende von Arbeitern der neuen Gewerkschaft zustroemten, obwohl sich die Unternehmer bemuehten, durch hastige Lohnerhoehungen und verbesserte Arbeitsbedingungen diesen Zustrom aufzuhalten.
- 15 -

�Im Februar 1936 zaehlte die Stahlarbeitergewerkschaft 150.000
Mitglieder. Den groessten Schlag erlitten die Stahlmagn&amp;ten jedoch,
die etwas verfrueht den Organisationsfeldzug als "eine vollstaendige
Pleite" bezeichnet hatten, als im Maerz die Stahlwerke CarnegieIllinois, ein Schwesterunternehmen der US Stahl, einen Vertrag mit
der Stahlarbeitergewerkschaft abschloss. In diesem Vertrag wurde
diese Gewerkschaft als der einzige verhandlungsberechtige Partner
anerkannt, die Loehne um 10$ erhoeht und der Achtstundentag sowie
die 40 Stunden-Woche mit 50 prozentigem Lohnaufschlag bei Ueberstunden eingefuehrt.
Innerhalb von 3 Monaten hatte die Stahlarbeitergewerkschaft mit
140 Stahlunternehnern, darunter Jones &amp; Laughlin, einem der groessten
unabhaengi^en Unternehmen,Tarifvertraege abgeschlossen, und im Juli
waren bereits 75% der Stahlindustrie durch Tarife erfasst. Das "Un"moegliche" war verwirklicht worden.
Mit den restlichen 25% war es jedoch eine andere Sache, hierzu
gehoerten auch eine Anzahl kleinerer Werke. Bethlehem-Stahl, Republik-Stahl, Inland-Stahl und Youngstown Bleche &amp; Roehren weigerten
sich einfach, Tarife zu unterzeichnen. Am 26. Mai 1937 traten
79.000 Arbeiter dieser Y.Terke in den Streik.
Im gleichen Augenblick wurde Gewalt angewendet. In den Republik-Stahl-vVerken in Chikago-Sued schössen Polizisten in eine Gruppe
von 1000 Arbeitern, die sich zur Feier des "Memorial Tages" (Nationalfeiertag zum Gedaechtnis an die Beendigung des Zweiten Weltkrieges am 30. Mai) versammelt hatten. Zehn Arbeiter wurden getoetet
und 90 verletzt.
Weitere Todesopfer gab es in Massillon (Ohio), hier wurden drei
Arbeiter getoetet, in Youngstown (Ohio) wurden zwei Opfer gezaehlt
und eines in Beaver Falls (Pennsylvanien).
Es war ein Wirtschaftskrieg schlimmsten Ausmasses. Einige Zeit
spaeter berichtete das LaFollette-Komite dem amerikanischen Senat,
das3 die vier genannten Stahlkonzerne gemeinsam mit staatlichen, bezirklichen und oertlichen Behoerden mehr als 178.000 Dollar fuer
Munition ausgegeben hatten, um damit den Streik brechen zu koennen.
Die unerschuetterliche solidarische Haltung der Stahlarbeiter
zwang schliesslich auch diese Stahlkonzerne zur Unterschrift. Heute
erkennen sie die Stahlarbeitergewerkschaft als Verhandlungspartner
an, der die Interessen der Arbeitnehmer vertritt.
Die Unternehmer moechten jene Tage gern in Vergessenheit geraten lassen - die Maenner jedoch, die an gluehenden Oefen und in Werkstaetten mit tropischen Temperaturen arbeiten, koennen niemals die
Jahre vergessen, als ihnen noch keine Gewerkschaft als Schutz und
Hilfe zur Seite stand.
The CI0 News
V/15/50
16 -

Office of Labor A f f a i r s
AP0 757

QFFICIAL

HIC0G R-1J37 L A B Julj 50 19 C

•

�Internationale

ARBEITSMITTEIUINGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen and deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 21

Frankfurt, 27. Juli 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Ein interessantes Experiment - - - - - - - - - Der Seeleutestreik in Argentinien - - - - - - Gewerkschaftliche "Rechte" unter einen
kommunistischen Regime - - - - - - - - - - Die Entwicklungsgeschichte einer Gewerkschaft Belgische Textilarbeiter gewinnen vierwöchigen Streik - - - - - - - - - - - - - Lohn- und Arbeitsstreitigkeiten in Indien - - Forderungen amerikanischer Eisenbahnergewerkschaften - - - - - - - - - - - - - - -

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EIN INTERESSANTES EXPERIMENT
In Holland ist eine zentrale Koerperschaft ins Leben gerufen worden, die Arbeitgeber, Gewerkschaften und Regierung vertritt und das soziale und wirtschaftliche Leben des Landes regeln soll.
Diese Koerperschaft, die sich Sozialwirtschaftsrat nennt,
ist mit der Aufgabe betraut worden, die industrielle Wohlfahrt
des Landes zu ueberwachen und die Regierung in Fragen der sozialen und wirtschaftlichen Gesetzgebung zu beraten.
Ihr besonderes Aufgabengebiet umfasst die Verhuetung von
Arbeitslosigkeit, die Erweiterung der Beschaeftigungsmoeglichkeiten, die Überwachung der Loehne und Arbeitsbedingungen und
die Besichtigung und Kontrolle der Betriebe.
Die 15 Gewerkschaftsmitglieder des Rates setzen sich aus
7 Vertretern des Sozialistischen Niederlaendischen Gewerkschaftsbundes, 5 Vertretern der Romanisch-Katholischen Gewerkschaftsbewegung und 3 Vertretern der Protestantisch-Christlichen Gewerkschaftsbewegung zusammen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
V/19/50

- 1-

�DER SEELEUTESTREIK IN ARGENTINIEN
Sollen auch die letzten Spuren einer freien
GewerkschaftsOrganisation in Argentinien verwischt werden? Dies ist die Kernfrage, ueber
die in dem gegenwaertigen Streik des Allgemeinen Verbandes der Seeleute und verwandter
Berufe Argentiniens (Confederaciön General de
Gremios Maritimos y Afines, abgekuerzt CGGMA)
entschieden wird. Das Ergebnis wird fuer die
Gewerkschaftsbewegung der ganzen Welt von
groesster Bedeutung sein.
Mit dieser Auseinandersetzung musste seit der Machtuebernahme durch General Peron - der damals noch Oberst war - gerechnet werden. Beim Beginn seiner Herrschaft war die gesamte Gewerkschaftsbewegung gegen ihn eingestellt, aber eine bedeutende
Gewerkschaft naoh der anderen wurde auf seine Seite gebracht,
sei es durch Kauf, durch Ueberredung, durch Zwang oder Beschwatzung - mit einer Ausnahme, und das war die Seeleutegewerkschaft und die ihr angeschlossenen Verbaende. Dem Allgemeinen Argentinischen Gewerkschaftsbund, der argentinischen
Gewerkschaftszentrale, erging es nicht anders. Nur ging Peron
etwas schlauer als Hitler vor: wo es nur irgend ging, tarnte
er die eiserne Hand mit dem Sammethandschuh; war es jedoch unvermeidlich hart zu sein, so wurde der Handschuh eben abgelegt.
Den Gewerkschaftsfuehrern wurden gutbezahlte Stellungen, in
denen fast nichts zu arbeiten war, als Belohnung fuer ihre
"Unterstuetzung" geboten; einige Funktionaere liessen sich leider kaufen. Andere wurden durch die Tatsache geblendet, dass
das Peron-Regime scheinbar die wirtschaftlichen Verhaeltnisse
der Arbeiter verbessert hatte, ohne sioh darueber klar zu werden, dass sie mit der Annahme der Bedingungen Perons die Freiheit ihrer Gewerkschaften verkauften. Wo es Peron oder seiner
Frau Eva Peron jedoch nicht gelang, Funktionaere zu korrumpieren oder zu beschwatzen, wurden schaerfere Massnahmen angewendet. Irgendeine erdlohtete Anklage wird gegen die Gewerkschaft
erhoben; es findet daraufhin eine sogenannte "Intervention" statt,
das heisst, ein Beauftragter der Regierung - unter Umstaenden
ein Oberst oder Admiral - wird mit der Leitung der Gewerkschaft
beauftragt. Dann wird der alte Ezekutivaussohuss aufgeloest
und ein neuer gewaehlt. Das Ergebnis dieser Wahl liegt sohon
vorher fest, und wieder ist eine Organisation der Arbeiterschaft,
die in jahrelangen, aufopfernden Anstrengungen geschaffen ist,
der Anhaengerkollektion des Diktators hinzugefuegt.
Es ist richtig, dass noch eine Reihe kleinerer Gewerkschaften nicht gleichgeschaltet ist und zuweilen sogar noch nicht
einmal unter Druck stehen. Peron haelt es jedoch fuer zweckmaessig, einen oder auch zwei solcher Faelle anfuehren zu koennen, wenn man ihm vorwirft, er bediene sioh diktatorischer Methoden. So existieren auch noch einige Peron-feindliche Zeitungen, die trotz ihrer manchmal recht scharfen und offenen Angriffe auf das Regime bestehen bleiben duerfen. Hunderte anderer Zeitungen wurden verboten oder waren gezwungen, ihre Herausgabe einzustellen, weil sie von der Papierversorgung abgeschnitten wurden. "La Vanguardia", das Organ der sozialistischen Partei, musste seinen Betrieb schliessen, weil die Druckereiraeume
angeblich den nsanitaerenn Bedingungen nicht entsprachen. Als
ein anderer Betrieb den Druok der Zeitung uebernahm, wurden die
gleiohen Beanstandungen erhoben. Es gibt jedooh nooh einige
groessere oppositionelle Zeitungen, die auf Grund ihres traditionellen internationalen Rufes weiterhin erscheinen duerfen;
dies erscheint Peron guenstiger als ein Verbot. Sie nstehen jedoch staendig unter Druck; der grossen Tageszeitung La Prensa"
wurden eines Tages saemtliche Papiervorraete beschlagnahmt, damit
sie "gerecht" verteilt werden koennten. Sie wird nun von Tag zu
Tag mit derart geringen Papiermengen beliefert, dass ihr Tagesbedarf gerade gedeckt ist.
2 -

�Je schwaecher eine Gewerkschaft oder eine Zeitung ist und
Je weniger Einfluss sie haben, umso groesser ist ihre Chance,
bestehen zu bleiben. Wenn irgendein oppositioneller Einfluss
bestehen geblieben ist, dann nur deshalb, weil das Regime die
Zeit noch nicht fuer gekommen hielt, ihn zu beseitigen. Und
dies war bislang bei der Seeleutegewerkschaft der Fall. Selbst
jetzt wird sie von dem Regime noch nicht offen angegriffen, es
hat jedoch eine andere GewerkschaftsOrganisation "mit der Wahrnehmung der Interessen der Seeleute" beauftragt. Damit koennte
die Angelegenheit von einem Aussenstehenden als eine "intergewerkschaftliche Streitigkeit" abgetan werden.
Auf diese Weise ist der gegenwaertige Konflikt zustandegekommen. Die argentinischen Seeleute sind nun gute Gewerkschafter, sie haben deshalb auch immer ihre Unabhaenglgkelt zu
wahren gesucht. Dies fuehrte dazu, dass die Gewerkschaft heute
in eine grosse Anzahl verschiedener Berufsverbaende aufgespaltet
ist. So gibt es die Eapitaene der Binnenschiffe und die Lotsen,
die Eapitaene und Schiffsoffiziere der Hochsee-Passagierschiffe,
die Eapitaene der Handelsschiffahrt und der Hochseefischerei,
die Funker und Techniker, die Zahlmeister, die Besatzung der
Signalsohiffe und schliesslich eigentliche Seeleute, und diese
Organisationen sind wiederum zum Teil auf lokaler oder regionaler Basis aufgeteilt. Man hatte in der Vergangenheit versucht,
sie alle in einer einzigen Gewerkschaft zu vereinigen, ist jedoch lange Zeit zu keinem Ergebnis gekommen.
Eine Reihe dieser Seeleutegewerkschafteri, die erkannt haben,
dass sie nur in engster Verbundenheit dem Peron-Regime Widerstand
leisten und ihre Unabhängigkeit bewahren koennen, schlössen sich
mit einigen Organisationen der Hafenarbeiter zusammen und gruendeten den Allgemeinen Verband der Seeleute und aehnlicher Berufe
Argentiniens (CGGMA). Zu Anfang waren es dreizehn Organisationen,
Ende 1949 bereits 21. Zwei weitere Organisationen haben in diesem
Jahre ihre Aufnahmegesuche eingereicht, sodass die Mitgliederzahl
sich heute auf ueber 16.000 belaeuft.
Dieser CGGMA ist nun staendig aufgefordert worden, sich dem
Allgemeinen Gewerkschaftsbund (CGT) anzuschliessen - und damit
seine Unabhaenglgkelt aufzugeben. Bis jetzt hat er sich jedoch
entschieden geweigert, es ist ihm obendrein trotz der feindlichen
Haltung der Regierung gelungen, die Interessen seiner Mitglieder
erfolgreich zu vertreten und eine Reihe besserer Bedingungen fuer
sie zu erringen.
Unter der "Schirmherrschaft" des Sekretariats fuer Arbeit und
Wohlfahrt, das inzwischen in den Rang eines Ministeriums erhobem
ist, wurde im Jahre 1947 ein sogenanntes "Gemeinsames Komitee" gebildet, das die Arbeitsprobleme der Seeleute und Hafenarbeiter
untersuchen und loesen soll. Die Vertretung der Arbeitnehmer
setzte sich urspruenglich ausschliesslich aus Mitgliedern des
CGGMA zusammen; der CGT - die peronistische Dachorganisation versuchte Jedoch bald durch die Ausuebung eines starken Druckes,
eine Vertretung in diesem "Eomitee" zu erzielen, obwohl ihm nur
eine kleinere, unter dem Protektorat der staatlichen Schiffahrtslinie "Dodero" stehende Seefahrergewerkschaft angeschlossen war.
Der CGGMA weigerte sich, dieser Organisation eine Vertretung zuzugestehen; seit dieser Zeit hatte das Eomitee praktisch keine
Funktionen mehr.

3

�Im Jahre 1949 wurde durch die Regierung ein Transportministerium geschaffen, das das Aufgabengebiet des Arbeltsministeriums in allen Arbeitsangelegenheiten des Transportgewerbes uebernahm; das fruehere "Gemeinsame Komitee" wurde offiziell aufgeloest. Dabei wurde versprochen, dass ein neuer Ausschuss gebildet wuerde, der sich lediglich aus den Mitgliedern der dem CGGMA
angehoerenden Gewerkschaften zusammensetzen sollte. Dieses Versprechen wurde jedoch nicht gehalten. Am 26. August 1949 unterzeichnete der CGGMA im Namen der ihm angeschlossenen Gewerkschaften einen Tarifvertrag mit dem Arbeitsdirektor des Transportministeriums, in dem sich dieser verpflichtete, einige Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durohzufuehren, sowie ein neues "Gemeinsames Komitee" zu ernennen, das sich nooh vor Jahresschluss
mit dringenden Problemen befassen sollte. Der CGGMA und die
Reeder ernannten, wie es vereinbart war, ihre Vertreter fuer
diesen Ausschuss, der jedoch niemals zusammentreten sollte.
Ende April 1950 stellte der Minister fuer Arbeit und Wohlfahrt ein anderes Komitee zusammen, dem diesmal jedoch keine
Vertreter des CGGMA oder seiner angeschlossenen Gewerkschaften
angehoerten, sondern nur von der CGT - Dachorganisation Perons ernannte ArbeitnehmerVertreter.
Damit wurde natuerlich bezweckt, den CGGMA als Tarifpartner fuer Seeleute zu verdraengen,
und ihn duroh eine andere Koerperschaft zu ersetzen. Hier ist
der Ausgangspunkt des gegenwaertigen Konfliktes zu sehen. Inwieweit die Regierung das Recht hat, ihn als einen "inter-gewerkschaftlichen Streit" zu bezeichnen, kann der Leser wohl
selbst beurteilen. Die gemeinsame Verlautbarung der Regierung
und der peronistischen Presse besagt, der CGGMA handele auf Befehl einer; kommunistisch inspirierten Orgapisation, des Internationalen Transportarbeiterverbandes, und versuche mit unpatriotischen Massnahmen die nationale Wirtschaft zu stoeren und die
argentinische Handelsmarine zu vernichten. Laecherlioh hierbei
ist in diesem Zusammenhange die Erklaerung der von der Regierung kontrollierten Presse, der Streik sei von auslaendIschen
Kapitalisten und Imperialisten angestiftet, die in der zunehmenden Staerke der HandelsSchiffahrt Argentiniens eine Gefahr saehen.
So viel ueber die Hintergründe und wahren Gruende des gegenwaertigen Konfliktes. Der aeussere Anlass war ein drei-taegiger
Streik, der am 3. Mal von dem CGGMA ausgerufen wurde und den
Förderungen der Gewerkschaft nach hoeheren Loehnen und der Wiedereinführung des "Gemeinsamen Komitees" Nachdruck verleihen
sollte. Zuvor hatten zwei kleinere Streiks stattgefunden, einer
im Maerz und einer im April, die den Behoerden beweisen sollten,
dass die Seeleute geschlossen hinter ihrer Gewerkschaft standen.
Nach Beendigung des Streiks am 6. Mai wurden eine Anzahl Seeleute von der staatlich kontrollierten Schiffahrtslinie "Dodero"
entlassen. Am 10. Mai wurden die Mitgliedsgewerkschaften des
CGGMA - aber nicht der CGGMA selbst - vom Transportministerium
zu Verhandlungen eingeladen. Hier vereinbarte man, die Entlassenen wieder einzustellen. Kurz danach wurde den Gewerkschaftsvertretern jedoch erklaert, dass eine Wiedereinstellung von dem
Austritt mehrerer Gewerkschaften aus dem CGGMA abhaengig gemacht
wuerde.
Die angeschlossenen Gewerkschaften beriefen eine Sonderkonferenz ein und,beschlossen, diese Bedingungen abzulehnen und ihre
Mitglieder aufzufordern, die Arbeit am 18. Mai niederzulegen und
nicht eher an ihre Arbeitsplaetze zurueckzukehren, bis die folgenden, wirklich gerechtfertigten Forderungen bewilligt seien:

- 4 -

�1.

Wiedereinstellung aller von der "Dodero"Schiffahrtslinie Entlassenen.

2. Verwirklichung des Artikels IV des am
26. August 1949 von dem Vertreter des
Transportministeriums unterzeichneten
Vertrages ueber die Bildung eines "Gemeinsamen Komitees".
3.

Anerkennung des Rechtes der in Frage
kommenden Gewerkschaften, ihre eigene
Gewerkschaftspolitik frei zu bestimmen.

Mit Ausnahme weniger Schiffe, die zum groessten Teil der
Dodero-Linie angehoeren, deren Offiziere einberufene Reservisten
und deren Mannschaften voellig eingeschuechtert sind, ist der
Streik vollkommen durchgefuehrt, obwohl er bereits ueber zwei
Monate andauert, und obwohl man den Streikenden mit persoenlichen Repressalien, wie der Einbehaltung ihrer Papiere, gedroht
hat, wenn sie die Schiffe verliessen. Berichten, die uns zugegangen sind, ist zu entnehmen, dass bis jetzt mehr als 90 Mitglieder der CGGMA verhaftet wurden.
Alle diese Informationen koennen als unbedingt zuverlaessig
angesehen werden. Bevor sich der Exekutivausschuss der Internationalen Transportarbeitergewerkschaft entschloss, den Boykott
argentinischer Schiffe anzuordnen, wollte der Generalsekretaer
0. Becu sich nach Buenos Aires begeben, um sich selbst ueber die
Lage zu informieren und zu versuchen, mit dem argentinischen Arbeitsminister die Angelegenheit zu besprechen. Die argentinische
Gesandtschaft in London versicherte, dass fuer diese Besprechungen Vorkehrungen getroffen wuerden. Bei seiner Ankunft in Montevideo wurde dem Generalsekretaer die Einreiseerlaubnis jedoch verweigert. Es gelang ihm jedoch, mit Vertretern der CGGMA zusammenzukommen und zuverlaessige Informationen ueber die tatsaechliche
Lage einzuholen. Waehrend seines Aufenthaltes in Montevideo
teilte die argentinische Regierung dem CGGMA mit, dass sie bereit
sei, einen Versuch zur Beilegung der Streitigkeiten zu unternehmen, und zwar auf der Grundlage dieser beiden Bedingungen:
1. Dass die zwei Vertreter des Argentinischen
Gewerkschaftsbundes (CGT) lediglich als Beobachter in das vorgeschlagene "Gemeinsame
Komitee" aufgenommen wuerden.
2.

Dass die gesamte Mitgliedschaft des CGGMA
ueber die Frage abstimmen solle, ob der
CGGMA dem CGT beitreten soll oder nicht.

Der Generalsekretaer des CGGMA besprach diese Vorschlaege mit
dem Generalsekretaer des Internationalen Transportarbeiterverbandes Becu und erklaerte, dass er sie fuer annehmbar halte, da er
nichts zu befuerchten habe, sei es hinsichtlich der Abstimmung
oder der Vertretung des CGT im "Gemeinsamen Komitee". Eine beobachtende Vertretung des CGT koenne, so meinte er, das Ansehen
ihrer Organisation eher schmaelern als verbessern. Bevor die
Vorschlaege angenommen werden konnten, zog sich die argentinische
Regierung jedoch von den Besprechungen zurueok. Die Gruende hierfuer sind bis jetzt noch nicht bekannt, doch lassen sie sich
leicht erraten.

5 -

�Nach seiner Rueckkehr von Montevideo besprach der Generalsekretaer des Internationalen Transportarbeiterverbandes diese
Angelegenheit eingehend mit Vertretern der angeschlossenen Gewerkschaften, die daraufhin mit Genehmigung des Exekutivausschusses auf der Internationalen Arbeitskonferenz in Genf beschlossen, den Boykott argentinischer Schiffe zu erklaeren.
Dieser Entschluss kam erst nach reiflicher üeberlegung zustande. Zuvor ist alles versucht worden, die Streitigkeit auf
friedlichem Wege beizulegen. Die argentinische Regierung machte
dies jedoch unmoeglich, da sie dem Generalsekretaer die Einreiseerlaubnis verweigerte. Diese Tatsache allein beweist in ausreichendem Masse, dass die Regierung Argentiniens entschlossen ist,
nicht einer einzigen groesseren argentinischen Gewerkschaft ihre
Unabhaengigkeit zu belassen. Es ist klar, dass ihre gegenwaertige Politik das Ziel verfolgt, den Streik solange andauern zu lassen, bis Hunger und Not die Seeleute zum Nachgeben zwingt oder
der CGGMA auseiranderbricht, damit ausser jener unbedeutenden Organisation, die dem CGT untersteht, keine Gewerkschaft mehr vorhanden ist, die die Interessen der Seeleute vertreten koennte.
Die Bedeutung dieser Auseinandersetzung fuer den Internationalen Transportarbeiterverband und fuer die ihm angeschlossene Organisation' in Argentinien und darueber hinaus fuer die Zukunft der
freien Gewerkschaftsbewegung in der ganzen Welt ist noch nicht zu
uebersehen. Es steht ausser Zweifel, dass dieser Angriff auf den
CGGMA die letzte Anstrengung Perons darstellt, eine voellig totalitaere Gewerkschaftsbewegung zu errichten. Wenn der CGGMA
trotz dieser Machenschaften als freie und demokratische Organisation erhalten werden kann, dann waere dem Prestige des PeronRegimes, das wirtschaftlich bereits auf recht schwachen Fuessen
steht, ein. schwerer Schlag versetzt.
Der Internationale Transportarbeiterverband ist deshalb entschlossen, dem CGGMA jede nur moegliche Unterstuetzung zukommen
zu lassen und hofft, dabei von den ihm angeschlossenen Gewerkschaften tatkraeftig unterstuetzt zu werden. Die argentinischen
Seeleute verkennen nicht die Tatsache, dass der CGT eine Organisation ist, die voellig unter dem Einfluss der Regierung steht,
und dass sie ihre Freiheit einbuessten, wenn sie dieser Organisation beitreten wuerden. Sie bilden eine unabhaengige Gemeinschaft und haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie in der
Lage sind, einen Streik monatelang zu fuehren, wenn es erforderlich ist. Selbst wenn Hunger und Not sie schliesslich zwingen
sollten, den Kampf aufzugeben, so wird der Geist, der sie heute
beseelt, in ihnen weiterleben, auch wenn dieser Kampf mit einer
schweren Niederlage fuer die freie Gewerkschaftsbewegung enden
wuerde.
Aufgabe des Internationalen Transportarbeiterverbandes und
der ihm zugehoerigen Organisationen muss es sein, dies mit allen
Mitteln zu verhindern. Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften hat bereits jede Unterstuetzung zugesagt.
"Press Report" des Internationalen
Transportarbeiterverbandes VIl/10/50

- 6-

�GEWERKSCHAFTLICHE "RECHTE" UNTER EINEM KOMMUN IS TISCHEN REGIME
Die Regierung der chinesischen "Volksrepublik" hat kuerzlichfireivorlaeufige Befehle ueber die Beziehungen zwischen
Industrie und Gewerkschaften erlassen. Wenn man sich mit diesen Anordnungen etwas naeher befasst, kann man feststellen, dass
die kommunistische Regierung Chinas, die angeblich die Rechte
der Arbeiter den Unternehmern gegenueber verankern will, Methoden eingefuehrt hat, die der Arbeiterschaft das elementare Reoht
des Kollektivverhandlungswesens entreisst. Diese Methoden gleichen durchaus denen, die in allen anderen Laendern hinter dem
europaeisehen Eisernen Vorhang angewendet werden.
Waehrend die Regierung in diesen Anordnungen behauptet, den
Gewerkschaften werde das Recht eingeraeumt, mit den Unternehmern
ueber Loehne, Arbeitszeit und andere Arbeitsbedingungen sowohl
mit dem einzelnen Privatunternehmer als auch mit der gesamten Industrie zu verhandeln, ist es den Gewerkschaften tatsaechlich
keinesfalls erlaubt, als freie Verhandlungspartner aufzutreten.
Landestarlfvertraege muessen von dem Arbeitsamt der Volksrepublik
genehmigt werden, und Einzelbestimmungen zum Abschluss von Tarifverträgen mit einzelnen Unternehmern unterliegen ebenfalls der
endgueltigen Genehmigung des Arbeitsamtes.
Das Streikrecht wird den Gewerkschaften in Indirekter Weise
versagt. Der Regierungsbefehl bestimmt, dass Arbeitsstreitigkeiten, die von den Partnern selbst nicht beigelegt werden koennen,
dem Arbeitsamt zur Vermittlung oder Schiedssprechung unterbreitet
werden muessen, das heisst, dass Streitfaelle von der Regierung
geklaert werden muessen. Solenge das Vermittlungs- oder Schiedsspruchverfahren laeuft, muessen beide Partner die Produktion aufrechterhalten, auch die Arbeitsdisziplin muss eingehalten werden.
Die Anordnungen der kommunistischen Regierung enthalten eine
allgemeine Lohnstopbestimmung. Nur bei aussergewoehnlich niedrigen
Loehnen koennen die Tarife durch Tarifvertraege abgeaendert werden, aber auch in diesem Falle ist dies nur moeglich, wenn das
staatliche Arbeitsamt diese Lohnaenderungen genehmigt. Auf der
anderen Seite muss jedoch erwaehnt werden, dass die Lohntarife
dem Preisindex fuer lebensnotwendige, Gueter von Zeit zu Zeit angepasst werden.
Die Arbeitszeit wurde in diesen Anordnungen auf 8 bis 10
Stunden taeglich festgesetzt, sie kann jedoch durch Tarifvertraege verlaengert oder verkuerzt werden, wenn die Regierung hierfuer
ihre Zustimmung gibt. Sollte es sich zur "Erreichung der Produktionsquoten" jedoch als notwendig erweisen, so kann die Arbeitszeit auf zwoelf Stunden taeglich ausgedehnt werden. Bestimmungen ueber die Bezahlung der Ueberstunden sind in diesen
Anordnungen nicht zu entdecken.
Die Regierung des kommunistischen China hat die Arbeiter in
jenen Zustand der Unterwuerfigkeit zurueckversetzt, wie er in
allen Laendern hinter dem Eisernen Vorhang vorgefunden wird.
Die Feststellung ist jedoch vielleicht nicht uninteressant, dass
es auch dieser Regierung nicht gelungen ist, das schreckliche
Elend und die Not der Millionen zu lindern, die seit dem kommunistischen "Befreiungsfeldzug" in China anzutreffen ist. General
Lin Piao, der Vorsitzende des Militaer- und Verwaltungsrates der
Provinzen Honan, Hupeh, Hunan, Kiangsi, Kwantung und Kwangsi gab
in einer Rede, die er kuerzlich in Hankau hielt, zu, dass in seinem Verwaltungsbezirk zehn Millionen Menschen unter der Hungersnot litten, die landwirtschaftliche Produktion dreissig Prozent
niedriger als vor dem Buergerkriege sei und die Landreform in
fuenf der von ihm verwalteten sechs Provinzen ueberhaupt noch
nicht begonnen habe.
Information Bulletin des IBFG
V/50
- 7 -

�Joseph 0. Moreschi, Generalpraesident der International Hod
Carriers', Building and Common Laborers * Union of America:
DIE ENTWICKLUNGSGESCHICHTE EINER GEWERKSCHAFT
Die 45-jaehrige Geschichte der Internationalen Amerikanischen Gewerkschaft der Handlanger, Bauhilfs- und Erdarbeiter
berichtet von den Kaempfen und Erfolgen von Hunderttausenden
von Arbeitern dieses Landes um die Anerkennung ihrer Rechte
und die Humanisierung der Bedingungen, unter denen sie lebten
und arbeiteten.
Am £8. April 1903 uebergab der Amerikanische Gewerkschaftsbund AFL unserer Organisation die Satzung, nach der sie fast ein
halbes Jahrhundert lang arbeitete. Zu jener Zeit fing die Gewerkschaftsbewegung gerade an, innerhalb der Nation eine Macht
darzustellen. Die AFL bestand erst seit 17 Jahren und hatte
nicht mehr als 1.750.000 Mitglieder.
In keinem anderen Berufszweig wurde eine Gewerkschaft dringender benoetigt als bei uns. Auf Grund des grossen Zustromes
von Einwanderern war die Zahl der ungelernten Arbeiter sehr
gross. Wenn auch nicht alle, so fielen doch die meisten von
ihnen dem "Patronatssystem" zum Opfer, das darin bestand, dass
ein Unternehmer sie anheuerte und aus ihrer Arbeit Profit schlug.
Der Druck, den diese Unternehmer ausuebten, war groesstenteils
sehr stark, und das Los seiner "Schuetzlinge" war nicht viel
besser als das regelrechter Sklaven.
Zahlreiche Versuche wurden unternommen, die Arbeiter zu
organisieren; es fehlte jedoch an der noetigen Zusammenarbeit,
und diese Bemuehungen waren somit meist nur voruebergehender
Natur. Jeder zog nach einer anderen Richtung. Die ersten Versuche zur nationalen Organisierung wurden in Lowell (Mass.) und
Dayton (Ohio) unternommen. Die Idee, alle Bauhilfs- und Erdarbeiter in einer Organisation zu vereinigen erwachte, und
Samuel Gompers rief zur ersten Konvention auf.
Mit der Eroeffnungskonferenz am IS. April 1903 in Washington war eine entscheidender Schritt getan. 80 Delegierte aus
22 Staedten waren als Vertreter von fast-5.000 Mitgliedern anwesend. Aus dieser Konvention ging unsere heutige Organisation
hervor.
Zu Anfang bestand die Arbeit der Gewerkschaft darin, Lokalgewerkschaften zu organisieren und die Arbeiter zu bewegen, die
Differenzen zwischen den einzelnen Lokalgewerkschaften innerhalb
der Staedte und die innerhalb der Lokalgewerkschaften entstehenden Streitfragen zu begleichen. Andere Taetigkeiten galten der
Beilegung von Zustaendigkeitsstreitlgkeiten, der Unterstuetzung
der in Streiks befindlichen Lokalgewerkschaften und der Sicherstellung guenstiger Tarifvertraege, kuerzerer Arbeitszeit und
besserer Arbeitsbedingungen.
Fuer das Gedeihen der Organisation war die Zeit aeusserst
guenstig. Das Gewerkschaftswesen Amerikas war im Aufschwung begriffen. Arbeiter stroemten zu Tausenden den Gewerkschaften zu,
und die Unternehmer fingen an, die Gewerkschaften "anzuerkennen"
und mit ihnen zu verhandeln.

8 -

�Unsere Organisation begann mit 20 Lokalgewerkschaften und
nahm im Laufe des ersten Jahres 112 weitere Organisationen auf.
Die Mitgliederzahl belief sich am Ende des ersten Jahres auf
8.200.
Die Lebenshaltungskosten waren niedrig, aber auch die Loehne.
Aus einem Bericht der Regierung aus jener Zeit geht hervor, dass
das jaehrliche Durchschnittseinkommen der Fabrikarbeiter $449
betrug.
Die ersten Jahre des neuen Jahrhunderts waren ruhelos und
von der Ausdehnung des Grosskapitals gekennzeichnet. Die Haltung 'der Unternehmer in jener Zeit kommt in einem Brief von
Georg F» Baer, dem Praesidenten einer Bergwerks-Gesellschaft in
Pennsylvanien, zum Ausdruck:
"Die Rechte und Interessen des arbeitenden Menschen werden
nicht von den Gewerkschaftsagitatoren, sondern von den christlichen Maennern beschuetzt und wahrgenommen, denen Gott in seiner unendlichen Weisheit die Kontrolle ueber die EigentumsInteressen dieses Landes in die Hand gelegt hat", schrieb der Grossindustrielle.
Mit den grossen und maechtigen Gewerkschaftsgruppen hatte
der Arbeiter nun einen Spreoher fuer seine Sache und die Moeglichkeit, seine Meinung oeffentlich zum Ausdruck zu bringen.
Heute stellen die mehr als 7 Millionen Mitglieder der AFL einen
Hauptfaktor in der Stabilisierung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften dar.
Vor 45 Jahren, als unsere Organisation entstand, kam der
Gruppe der Handlanger und Bauhilfsarbeiter eine besondere Bedeutung innerhalb der Bauindustrie zu. Heute besteht dieser Begriff
in seiner frueheren Bedeutung nicht mehr. Moderne Baumethoden
haben die Arbeitsbedingungen sehr veraendert und Maschinenkraft
und Aufzuege ersetzen die veraltete Tragmulde. Damit duerfte
unser Name heute eine falsche Bezeichnung sein, denn unsere
Leute verrichten zahlreiche Arten von Arbeiten, von denen viele
nicht mehr in die Sparte der ungelernten Berufe gehoeren. Wenn
wir die Vergangenheit kurz befragen und einen Rueckblick auf die
Entwicklung unserer Gewerkschaft halben, koennen wir den Umfang
unseres gegenwaertigen Arbeitsgebietes besser verstehen. Urspruenglich hatte die Organisation im Jahre 1903 23 Lokalgewerkschaften und einen Bezirksausschuss und zaehlte 8.000 Mitglieder. Heute haben wir 910 Lokalgewerkschaften, 39 Bezirksausschuesse und die durchschnittliche Mitgliedszahl belief sich
im Jahre 1947 auf 306.456.
Auf Veranlassung des Exekutiv-Ausschusses der AFL wurde uns
bereits fruehzeltig die Zustaendigkeit fuer Zement- und Betonarbeiter im Baugewerbe, den Schiffswerften und dem Strassenbau
zugesprochen.
1917 fand eine Verschmelzung mit einer Gewerkschaft statt,
die zuvor direkt der AFL angeschlossen war. Es war die Gewerkschaft der Unterwasser- und Fundamentarbeiter.

- 9

�Im Jahre 1929 schloss sich die Internationale Gewerkschaft
der Tunnel- und Untergrundbahnarbeiter unserer Organisation an.
Diese Gruppe setzte sich aus "Freiluft"-Arbeitern zusammen, im
Gegensatz zu den oben erwaehnten, die in luftdicht abgeschlossenen Raeumen arbeiten.
1937 vereinigte sich die Internationale Gewerkschaft der
Pflasterer mit unserer Organisation. Diese Gruppe war fuer
saemtliche Strassenarbeiter zustaendlg. Damit hatten wir zu
jener Zeit die unbestrittene Zustaendigkeit ueber alle Strassenarbeiten, ob Zement oder Asphalt, erlangt.
Das Einflussgebiet unserer Gewerkschaft ist heute durch
Verschmelzungen und organisatorisches Anwachsen sehr gross geworden. Wir glauben, dass unsere Taetigkeiten von grundlegender
Bedeutung fuer alle Berufe des Baugewerbes sind, und wer sich den
Artikel 2 unserer Verfassung besieht, wird sich von dem Umfange
unseres Taetigkeitsgebietes ueberzeugen koennen.
Unsere Mitglieder mischen und beioerdern alle Materialien,
die von Maurern, Pflasterern, Zimmerleuten und anderen Bauarbeitern verwendet werden. Auch mit Aufraeumen und Beseitigen von
Truemmern sind sie beschaeftigt.
Unsere Leute verrichten die wichtigsten Vorarbeiten zum
Bauen. Sie bauen Gerueste fuer Maurer und Pflasterer und schachten aus. Anlegen von Graeben, Daemmen, Fundamenten und Erdaushoebdungen gehoeren zu ihren Arbeiten; sie graben, planieren und
stuetzen Fundamente, Daemme und Deiche ab.
Die Zustaendigkeit fuer Betonarbeiter ist umfassend und
sohliesst Betonarbeiten an Daemmen, Fundamenten, Decken und
sonstigen Objekten ein; hierunter fallen auch das Mischen, Befoerdern und Verarbeiten des Betons. Ebenso das Abreissen, Abstreifen, und Abschaelen von Betonformen.
TThsere Zustaendigkeit erstreckt sich auf Strassen, Wege und
Bruecken, umfasst Ausschachtung, Vorbereitung, Betonieren, Asphaltieren, Einrammen, Einzaeunen und Fertigstellen von Strassen,
Wegen, Hoefen, Unterfuehrungen, Ueberfuehrungen, Bruecken und das
Anpassen dieser Objekte an die Landschaft.
An Strassen und Wegen ziehen die uns angehoerenden Arbeiter
Graeben und Kanaele zum Verlegen von allen moeglichen Leitungen.
Sie heben die Graeben aus und befoerdern das gesamte, fuer diese
Arbeiten notwendige Material.
Unsere Leute bauen Schaechte, Tunnel, Untergrundbahnen, Unterwasserkammern, Deiche, Daemme, Wasserleitungen, Flussregulierungen und Flughaefen.
Unsere Mitglieder stuetzen, unterbauen und heben und bewegen
saemtliche Konstruktionen. Alle, die mit dem Bau luftdicht abgeschlossener Kammern beschaeftigt sind, und die dazugehoerigen
Signalleute gehoeren unserer Gewerkschaft an.

10 -

i

�Unsere Zustaendigkeit erstreckt sich auf die allgemeinen
Ausschachtungs- und Planierungsarbeiten. Wir organisieren Arbeiter in Fabriken und Schiffswerften, Materiallagern, Schrottlagern, Asphalt-, Beton- und Zementwerken. Diejenigen, die
Strassen, Wege und Kanaele reinigen, werden von uns betreut.
Wir vertreten alle Bohrer, Sprenger, Signalleute und Arbeiter
in Steinbruechen und Kies- und Sandgruben.
Aus dieser Aufzaehlung kann ersehen werden, dass unsere
Maenner in erster Linie vorbereitende Arbeiten verrichten. Sie
sind jedoch fuer das Gelingen des Ganzen unerlaesslich und ermoeglichen erst die Ausfuehrung von vielen anderen Facharbeiten
auf dem Gebiete des Bauwesens.
Diese umfassende Zustaendigkeit erfordert fachliches Koennen und schliesst ein grosses Mass an Verantwortung ein. Wir
glauben, dieser Verantwortung unseren Mitgliedern gegenueber
waehrend der vergangenen 45 Jahre vollauf gerecht geworden zu
sein.
Die steigende Lohnkurve der vergangenen Jahre ist wohl der
beste Beweis fuer die erfolgreiche Taetigkeit unserer Organisation. Soweit es das Selbstaendigkeitsbewusstsein unserer Gewerkschaft zuliess, haben wir in freundschaftlicher V/eise mit der
AFL, Abteilung fuer Bauberufe, zusammengearbeitet, um einen
staendigen Bedarf an Arbeitskraeften zu sichern.
Unsere eigentliche Aufgabe ist es, fuer unsere Mitglieder
zu kaempfen. Sie brauchen einen Freund, der fuer sie spricht.
Als bestes Beispiel fuer unsere Erfolge auf diesem Gebiet kann
der Arbeitevertrag gelten, der zwischen Gewerkschaften und der
Tennessee-Tal-Behoerde (TVA) zustandekam. Die Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern, wie si6 in der TVA verwirklicht sind, werden fortwaehrend als beispielhaft fuer die
Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Parteien bezeichnet.
Was unsere Organisation im Kriege geleistet hat, ist einzigartig. Lange vor Pearl Harbor haben unsere Leute an dem Aufbau "des Arsenals der Demokratie" gearbeitet.
Unsere Mitglieder haben bei dem Bau der fuer den Krieg und
die Verteidigung so wichtigen Projekte eine wesentliche Rolle
gespielt. Sie waren an dem Bau der grossen Alaska-Strasse im
eisigen Norden beteiligt. Ihre Arbeitszeit beim Aufbau der
Ruestungsbetriebe war sehr lang.
Sie betaetigten sich in den
Laendern der feuohten Tropen und des kalten Nordens. In den
Vereinigten Staaten, auf den Inseln und an geheimen Ueberseebasen waren sie beschaeftigt.
In seiner Stellungnahme zum Bauprogramm erklaerte der Chef
der Technischen Einheiten der Armee nach dem Kriege: "Bis zur
Beendigung des Krieges haben unsere Feinde die Baukapazitaet
Amerikas, einen wesentlichen Machtfaktor unseres Landes, fortwaehrend unterschaetzt. Es war dies ein Element unserer Staerke,
fuer das sie keine Vergleichsbasis hatten. Derartiges, hatten
sie nie gekannt."
Der Krieg hat grosse Anforderungen an uns gestellt, und
unsere Leute sind stolz, ihren nicht unwesentlichen Beitrag
geleistet zu haben.

- 11

�Unsere amerikanischen Bauarbeiter mussten in jener Zeit
50 Lager, 30 Aufnähmelager, 19 Unterkuenfte fuer Ersatztruppen, 52 Hafenprojekte, 16 Projekte fuer die Luftwaffe und
nahezu 150 Truppenunterkuenfte hauen. Darüberhinaus mussten
Fabriken und Lager mit den notwendigen Einrichtungen versehen
werden. Hierzu gehoerten Geschaefte aller Art, Strassen,
Kanaele, Wasser und Strom.
Beispiellos jedoch in der Kriegsgeschichte unserer Gewerkschaft ist Wake Island. Auf dieser kleinen Insel im Pazifik befanden sich etwa 5.000 Menschen, davon mehrere tausend
Zivilisten und ein paar hundert Soldaten, die zum groessten
Teil der amerikanischen Marine angehoerten. Die Geschichte
von der Verteidigung Wake Islands ist ein Epos des Mutes und
der Tapferkeit. Die Zivilisten kaempften Schulter an Schulter
mit den Marinesoldaten. Viele von ihnen waren Bauarbeiter und
Mitglieder unserer Gewerkschaft. Sie sind stolz darauf, mitgeholfen zu haben, eines der stolzesten Kapitel in die ruhmreichen
Annalen der amerikanischen Marine zu schreiben.
Die Bemuehungen unserer internationalen Gewerkschaft sind
jedoch auf die Gegenwart und die Zukunft gerichtet. Unser Ziel
ist das gleiche wie vor 45 Jahren: den Arbeitern ein besseres
Los erkaempfen zu helfen. Die Zeiten aendern sich, und die Gewerkschaften muessen bestrebt sein, sich den neuen Gegebenheiten und Verhaeltnissen anzupassen. Wir haben dies getan und
glauben, dass die Anpassungsfaehigkeit unserer Gewerkschaft
eine ihrer wertvollsten Eigenschaften zum Wohle ihrer Mitglieder ist. Mit Genugtuung haben wir von der Loyalitaet und der
Bereitwilligkeit unserer Mitglieder Kenntnis genommen, mit der
sie ihre Gewerkschaft unterstuetzen. In den kritischen Kriegsjahren gab es bei uns keine einzige Unterbrechung der Arbeiten.
Wenn in irgendeinem Teile des Landes die Situation kritisch zu
werden drohte, schickten die Gewerkschaften sofort einen Vertreter, der sich mit der Angelegenheit befasste.
Praesident Truman ist der Auffassung, dass der staendige
Zuwachs an Menschen in unserem Lande umfassende Verbesserungen
der Wohnungsverhaeltnisse, der Strassen, der Projekte zur richtigen Bewirtschaftung des Ackerbodens und anderer Sektoren
erfordert, in denen unsere Gewerkschaftsmitglieder die wichtigsten Vorarbeiten zu verrichten haben. Oertliche Projekte bringen neue Arbeltsmoeglichkeiten an Daemmen, Bruecken, Bewaesserungsanlagen und anderen Einrichtungen grossen Umfanges mit sich.
Mit der Entwicklung des Zeitalters der Luftfahrt wird unser
Land grosse und viele kleine Flughaefen benoetigen; auch auf
diesem Gebiete koennen unsere Arbeiter mit umfangreichen Beschaeftigungsmoeglichkeiten rechnen. Der Praesident hat erklaert,
dass innerhalb von 10 Jahren 45 % unserer Landstrassen erneuert
werden muessten. Damit werden Hunderttausende von Arbeitsplaetzen
entstehen. Mit dem Anwachsen der Staedte werden zusaetzliche
Transportmoeglichkeiten, wie Strassen, Unterfuehrungen, Ueberfuehrungen, usw. notwendig sein.
Der Wohnungsbau ist eines der zukunftsreichsten Arbeitsgebiete. Der Praesident wuerde es begruessen, wenn in den naechsten 10 Jahren mehr als 1 Million Wohnungen jaehrlich erstellt
werden koennten.
Die ungeheuren Beschaeftigungsmoeglichkeiten
angesichts eines solchen Vorhabens liegen auf der Hand.

12 -

�Seit 1903 werden alle angeschlossenen Lokalgewerkschaften
mit beglaubigten, vierteljaehrlichen Finanzberichten beliefert,
die von allen Mitgliedern unserer Gewerkschaft bei den Ortsverwaltungen eingesehen werden koennen.
Unser Gewerkschaftsbeitrag ist einer der niedrigsten aller
in der AFL gezahlten Beitraege - monatlich 35 Cents, von denen
7,5 % einem Lebensversicherungsfonds zugefuehrt werden. Wir
kennen keine Diskriminierung unserer Mitglieder auf Grund ihrer
Rasse, Religion oder Farbe. Mit Recht kann unsere Gewerkschaft
"das grosse Sammelbecken Amerikas" genannt werden.
Zahlreiche Gewerkschaften haben gegen das Taft-HartleyGesetz energisch Stellung genommen. Auf dieses Gesetz hin hat
unsere Gewerkschaft gewisse Aenderungen ihrer Satzungen vornehmen muessen, wodurch ein weiterer Beweis fuer die Anpassungsfaehigkeit unserer gewerkschaftlichen Organisation und Taetigkeit
gegeben ist.
Unsere Gewerkschaft war eine der ersten, die nachdruecklichst
erklaerte, dass das Taft-Hartley-Gesetz unanwendbar und undurtehfuehrbar sei. In einer ausfuehrlichen Empfehlung an den GeneralRechtsvertreter des Bundesausschusses fuer Arbeitsfragen (National
Labor Relations Board) brachten wir unseren Standpunkt klar zum
Ausdruck. In gemeinsamer Zusammenarbeit haben wir unser eigenes
ueberindustrielles System zur Beilegung von Zustaendigkeitsstreitigkeiten aufgebaut.
Ungeachtet unserer offiziellen oder persoenlichen Einstellung dem Taft-Hartley-Gesetz gegenueber ist es unsere Pflicht,
dieses Gesetz zu achten, da es sich um ein Landesgesetz handelt
und solange befolgt werden muss, bis es aus unserer Verfassung
wieder gestrichen ist.
Wir sehen mit Zuversicht und Hoffnung der Zukunft entgegen.
Unsere besondere Hoffnung gilt der Zukunft unserer Arbeiter.
Wir glauben an dieftukunftAmerikas und der amerikanischen Arbeiter, die unser Land zu seiner gegenwaertigen Groesse erhoben
und den Boden fuer eine vielversprechende Zukunft bereitet haben.
"The Laborer", V/50
BELGISCHE TEXTILARBEITER GEWINNEN VIER-WOECHIGEN STREIK
Als sich die belgischen Unternehmer der Textilindustrie
hartnaeckig weigerten, die von den christlichen Und sozialistischen Gewerkschaften geforderten hoeheren Loehne zu zahlen,
traten mehr als 85,000 Arbeiter am 30. Mai in den Ausstand.
Die belgische Textilindustrie befindet sich zur Äeit in
einer sehr guenstigen Lage; sie war im Februar am Gesanlteiport
des Landes mit 31 % beteiligt. Die Textilarbeiter glaubten sich
deshalb im Recht, als sie eine Lohnerhoehung forderten, zumal
ihre Loehne weit niedriger als diejenigen der uebrigen Industrien
waren. Tatsaechlich arbeiten noch einige von ihnen fuer 13,50
Franken pro Stunde, und der Tarif fuer Facharbeiter betraegt
16 Franken. Auf der anderen Seite behaupteten die Arbeitgeber,
dass die von ihnen gezahlten Loehne um 20-30 # hoeher als diejenigen der hollaenjSischen Textilindustrie seien, obwohl die
Differenz zwischen den belgischen und hollaendischen Loehnen im
allgemeinen nicht ueber 8-10 % hinausgeht. Sie versuchten sogar,
eine allgemeine Kampagne zur Senkung der Loehne auch in anderen
Industrien einzuleiten, um ihren Standpunkt damit zu rechtfertigen.

- 13

�Die Folge war, dass die Arbeiter einstimmig einen Mindeststundenlohn fuer ungelernte Arbeiter von 15 Franken fuer Maenner
und 10,50 Franken fuer Frauen forderten. Von den beiden grossen belgischen Gewerkschaften unterstuetzt waren die Textilarbeiter entschlossen, diesen Kampf bis zur siegreichen Beendigung
fortzufuehren.
Der Streik dauerte 4 Wochen und wirkte sich hauptsaechlich
in dem Gebiet von Ghent und anderen flaemischen Gegenden aus (die
Arbeiter der Gebiete Verviers und Mouscron waren an andere Vertraege gebunden und setzten ihre Arbeit fort).
Der Belgische Textilarbeiterverband gewaehrte den Streikenden seine volle Unterstuetzung und bat zu diesem Zweck alle ihm
angeschlossenen Organisationen um eine Sonderabgabe in Hoehe von
10 Franken pro Kopf.
Die grossen belgischen Arbeitgeber der Textilindustrie und
viele kleinere Arbeitgeber waren gezwungen, den Forderungen der
Arbeiter stattzugeben, und am 22. Juni wurde ein neuer Tarifvertrag unterzeichnet. Am 26. Juni wurde die Arbeit wieder aufgenommen .
Nach den Bestimmungen dieses Vertrages erhoeht sich der Mindest-Stundenlohn fuer Maenner auf 15 Franken und fuer Frauen auf
10,50 Franken (nach Vollendung des 21. Lebensjahres und dreimonatiger Arbeitszeit in der Industrie).
Die Grundtarife fuer die im Stundenlohn bezahlten Arbeiter
und auch fuer diejenigen, die Akkordloehne beziehen, haben sich
fuer Maenner bei einem Stundenlohn von 15 Franken um 5 #, zwischen
15 und 16,50 Franken um 4 # und fuer Loehne ueber 16,50 Franken
um 3 # erhoeht. Die Lohnaufbesserung betraegt fuer Frauen bei
Loehnen bis zu 10,50 Franken 5 #, zwischen 10,50 und 11,60 Franken 4 % und 3 % fuer die darueber liegenden Loehne. Die 10 #igen
Sonderpraemien fuer Akkordarbeiter werden auf 13 % erhoeht, die
zur Zeit fuer besonderen Fleiss, Qualitaetsarbeit, etc. gezahlten
Praemien werden durch Heraufsetzen des Prozentsatzes dieser Sonderpraemien verguetet werden.
Mit der Anwendung dieses Vertrages werden etwa 40 % der in
der Baumwoll-, Spinn- und Webindustrie besohaeftigten Arbeiter
hoehere Loehne beziehen, waehrend in der Leinenindustrie, in der
die Loehne am niedrigsten waren, fast alle Lohnempfaenger in den
Genuss hoeherer Tarife kommen.
Information Bulletin des
Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften
VII/5/50
LOHN- UND ARBEITSSTREITIGKEITEN IN INDIEN
Gewisse Anzeichen Hessen im Jahre 1948 darauf schliessen,
dass sich die Realloehne in Indien mehr und mehr ihrem Vorkriegsstand naeherten, ohne ihn Jedoch voellig erreicht zu haben. In
dem Ansteigen der Lebenshaltungskosten war der Hauptgrund fuer
die Streitigkeiten in der Industrie zu sehen. Die Zahl der Arbeitsstreitigkeiten erhoehte sich von 820 im Jahre 1945 auf 1629
im Jahre 1946 und erreichte die Rekordziffer von 1811 im Jahre
1947. 1948 Jedoch ging sie wieder zurueck. Die Arbeitslosenziffern und die Anzahl der Streiks in der Industrie stiegen im
Verlaufe des Jahres 1949 in Indien leicht an. Die Lebenshaltungskosten der-Lohnempfaenger stabilisierten sich im allgemeinen.
- 14

�1949 gingen wegen Streitigkeiten in der Industrie monatlich zwischen 400.000 und 750.000 Arbeitstage verloren. Im
April 1947, als die britische Herrschaft in Indien ihrem Ende
entgegenging, hatte diese Zahl eine bisher nie gekannte Hoehe,
naemlich 2,5 Millionen, erreicht. Im September 1948 war sie
auf 15,000 herabgesunken.
Die folgenden Zahlen wurden vom indischen Arbeitsamt ausgearbeitet und in dem offiziellen "India Record" veroeffentlicht:
1948
Anzahl
der
Streitigkeiten:
"T7636
n
" Arbeiter:
Verlorengegangene Arbeitstage: 8,214,456

. 1949
Jan.1950
"T7I45 "
100
76.000
6,366,761

230.000

Feb.1950

§6
45.000
340.000

Ein staendiges Absinken der Anzahl der Streitigkeiten in der
Industrie ist seit dem Hoehepunkt im Jahre 1948 festzustellen, als
die steigenden Lebenshaltungskosten den Arbeitern mit Liliputeinkommen unertraegliche Lasten auferlegten. Der Verlust an Arbeitstagen im Februar war zum groessten Teil auf Aussperrungen, und
zwar besonders in der Textilindustrie, zurueckzufuehren.
Der Arbeitsminister berichtete von einer anhaltenden Verschlechterung der Beschaeftigungslage, wobei weniger Einstellungen
vorgenommen wurden und weniger offene Stellen zur Verfuegung standen. Zur Behebung des Mangels an Facharbeitern wurden jedoch von
der Regierung zur Schulung von etwa 17,000 Personen im Laufe des
Jahres Ausbildungsprogramme durchgefuehrt.
Die Lebenshaltungskosten der Lohnempfaenger, die waehrend des
Krieges und in den Nachkriegs Jahren rapide in die Hoehe gegangen
waren, waren 1949 unveraendert geblieben. Im letzten Vierteljahr
war der Index der Lebenshaltungskosten in den meisten Industriestaedten der gleiche oder wenig niedriger als ein Jahr zuvor.
Der durchschnittliche Fabrikarbeiter in Indien verdiente
schaetzungsweise jaehrlich 500 - 1.200 Rupien (40 - 90 Pfund
Sterling), wobei in den verschiedenen Gebieten, Industriezweigen
und Berufsgruppen grosse Unterschiede herrschten.
Information Bulletin des
Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften
VII/5/50
FORDERUNGEN AMERIKANISCHER EISENBAHNKRGBWBRKSCHATTEN
Der Vorschlag eines Untersuchungsausschusses des Praesidenten
sieht vor, da'ss fuer etwa 75.000 Eisenbahnangestellte die Woche
mit 6 Arbeitstagen und 48 Arbeitsstunden durch die 5-Tage Woche
mit 40 Arbeitsstunden ersetzt werden soll. Als Ausgleich fuer
die kuerzere Arbeitszeit sollen die Stundenloehne um 18 Cents
erhoeht werden. Diese Bestimmungen wuerden, falls sie von den
Gewerkschaften und den Eisenbahngesellschaften gebilligt werden,
am 1. Oktober in Kraft treten.
Diese Empfehlung kam zustande, nachdem Verhandlungen zwischen
Eisenbahngesellschaften und zwei GewerkschaftsOrganisationen, der
Gewerkschaft der Zugbegleiter und dem Verband der Zugfuehrer, ergebnislos verlaufen waren. Aehnliche Vorschlaege wurden fuer
- 15 -

�4.000 Rangiermeister, die in der Gewerkschaft der Rangiermeister
Amerikas organisiert sind, unterbreitet. Die Exekutivausschuesse
der Gewerkschaften der Zugbegleiter und Zugfuehrer traten zusammen, um den Bericht des Untersuchungsausschusses zu besprechen
und weitere Verhandlungen mit den Eisenbahnunternehmern vorzubereiten.
Seitdem es den nicht im Zugverkehr eingesetzten Arbeitern
der Eisenbahnen im September vorigen Jahres gelungen war, die
40-Stunden Woche ohne Kuerzung ihrer Loehne einzufuehren, ist
der Druck der Gewerkschaft der Rangierer nach gleiohen Bedingungen immer staerker geworden. Auch anders Gewerkschaften, wie die
Ranglergewerkschaft von Nordamerika (AFL) und die der Heizer und
Lokomotivfuehrer haben aehnliche Schritte unternommen, um die
40-Stunden Woche fuer ihre Mitglieder einfuehren zu koennen.
Die Lokomotivtechniker dagegen fordern eine Lohnerhoehung von
20 %. Die im Pendelverkehr auf kleineren Strecken beschaeftigten
Eisenbahner haben keine geregelte Arbeitszeit. Die Dauer ihres
Dienstes haengt groesstenteils von der Laenge der befahrenen
Strecken und der Fahrtzeit von einer Station zur anderen ab.
"Weekly Labor News Digest"
U.S. Arbeitsministerium
VI/21/50

- 16 -

Office of Labor A f f a i r s , HICOG
APO 757

HICOG B-1392 I I I iugust 50 19 K

CFFICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTE1LUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

T U - 22

F r a n k f u r t , 4 . August 1950
INHALTSVE

R Z E I C H N I S

Weltgewerkschaftsbund befuerwortet Vollbesenaeftigung - - - - - - - - - - - - - - - - Falsche
Streiks

1

Auffassungen ueber die Kosten eines
--

_ _ - - - - _ _ - _ - - - - -

Die britische Textilarbeiter-Gewerkschaft
Oesterreich und das ERP

- - -

3
8

- - - - - - - - - - - - 1 5

Hollaendische Gewerkschaft zum Marshall-Plan - - 16

WELTGEWERKSCHAFTSBUND BEFUERWORTET VOLLBESCHAEFTIGUNG
J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer des Internationalen
Bundes freier Gewerkschaften (IBFG), hat nach eingehender Beratung mit den Mitgliedern des Notfall-Ausschusses des IBFG dem
Generalsekretaer der Vereinten Nationen eine Erklaerung unterbreitet, in der die freie Gewerkschaftsinternationale zu der
nationalen und internationalen Politik der Vollbeschaeftigung
Stellung nimmt. Trygve Lie hatte den IBFG aufgefordert, zu dem
Bericht ueber nationale und internationale Massnahmen zur Vollbeschaeftigung Stellung zu nehmen. Dieser Bericht, der von
einer Gruppe Sachverstaendiger ausgearbeitet war, die der Gene
ralsekretaer der Vereinten Nationen hierzu bestellte, bildete
den Gegenstand der Besprechungen des Wirtschafts- und Sozial- 1

�rates dieser Weltorganisation auf seiner letzten Konferenz.
Es wurde beschlossen, alle angeschlossenen Regierungs- und
Nicht-Regierungs-Organisationen aufzufordern, zu diesem fuer
die Wohlfahrt der Arbeiter und der ganzen Welt so entscheidenden Problem Stellung zu nehmen.
In seiner Erklaerung begruesst und befuerwortet der IBFG
den Bericht der Sachverstaendigen der Vereinten Nationen. Besonders wird die Bedeutung hervorgehoben, die die Sachverstaendigen der Vereinten Nationen der nationalen und internationalen
Politik der Vollbeschäftigung beimessen. ' Gebilligt wird ausserdem deren Standpunkt, dass das Ziel der Vollbeschaeftigung
unter Wahrung aller demokratischen Rechte und Einrichtungen und
aller wirtschaftlichen und sozialen Systeme erreicht werden kann,
vorausgesetzt, dass die feste Entschlossenheit vorhanden ist,
Massnahmen anzuwenden, die saemtliche wirtschaftliche Unausgeglichenheiten, die zur Massenarbeitslosigkeit fuehren, beseitigen koennen.
In der Erklaerung des IBFG wird ausserdem hervorgehoben,
dass eine Wirtschaft der Vollbeschaeftigung nur bestehen kann,
wenn alle Massnahmen wirtschaftlicher und sozialer Art aufeinander abgestimmt sind, und ein gut entwickeltes und fortschrittliches System der sozialen Sicherheit vorhanden ist. Hierbei
ist ein hohes Mass Anpassungsfaehigkeit seitens der Regierungen
in ihrer Politik erforderlich, und zwar besonders in der Finanz-,
Waehrungs- und Kreditpolitik, oder auch in oeffentlichen Investitionen und oeffentlichen Arbeiten.
In der Verlautbarung des IBFG wird vor allem die Notwendigkeit betont, die Beweglichkeit der Arbeitskraefte durch Lockerung
der Aus- und Einwanderungsbeschraenkungen durch Austausch der Beschaeftigungsmoeglichkeiten und durch Ausbildungs- und annehmbare Wohnungsbauprogramme zu foerdern. Es wird eine Vergroesserung
des Volumens langfristiger, internationaler Kredite, die Verteilung dieser Geldmittel durch die internationale Wiederaufbaubank,
eine Liberalisierung der Kreditbestimmungen der internationalen
Bank, ausreichende finanzielle und technische Unterstuetzung fuer
wirtschaftlich rueckstaendige Laender und eine umfassendere finanzielle Basis fuer den internationalen Waehrungsfonds gefordert,
um damit den internationalen Handel und Zahlungsverkehr auszudehnen und zu stabilisieren.
Ausserdem macht der IBFG die Vereinten Nationen darauf aufmerksam, dass eines der groessten Hindernisse fuer die Vollbeschaeftigung die Unfaehigkeit ist, Realloehne und Arbeitszeit mit
der steigenden Produktionsleistung auf gleichem Niveau zu halten.
"Fuer die Politik der Vollbeschaeftigung", heisst es in der Erklaerung weiter, "ist es deshalb von groesster Wichtigkeit und
verdient besonders erwaehnt zu werden, dass mit allen Mitteln
verhindert werden muss, dass die Loehne hinter der Produktionsleistung und den Lebenshaltungskosten zurueckbleiben, und dass
diejenigen Loehne, die bereits unter dem Stand der Produktionsleistung und Lebenshaltungskosten liegen, entsprechend aufgebessert werden muessen."
Der IBFG nimmt ferner zu den nachteiligen Auswirkungen der
nationalen un&lt;? internationalen Privatmonopole auf die Kaufkraft
der Verbraucher Stellung und ruft zu wirksamen Massnahmen zur
Bekaempfung dieser Monopole auf.

- £-

�Er ist sich ausserdem der Bedeutung wirksamer internationaler
Massnahmen zur Errichtung eines weltumfassenden Wirtschaftssystems
der Vollbeschaeftigung bewusst.
Die Erklaerung enthaelt eine Reihe von Vorschlaegen, rueckstaendige Laender in ihrer wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu unterstuetzen, damit die Beschaeftigungsmoeglichkeiten in
jenen Gebieten zu steigern und die Beschaeftigungslage in solchen
Laendern zu stabilisieren, die in besonderem Masse auf den Aussenhandel angewiesen und deshalb fuer internationale Wirtschaftskrisen besonders anfaeilig sind.
Um die Ziele der nationalen und internationalen Politik der
Vollbeschaeftigung erreichen zu koennen, schlaegt der IBFG in
seiner Stellungnahme zu dem Bericht der Sachverstaendigen der
Vereinten Nationen vor, dass der Wirtschafts- und Sozialrat der
Vereinten Nationen in enger Zusammenarbeit mit der internationalen Arbeltsorganisation einen Ausschuss ernennt, der mit dem Entwurf einer Internationalen Konvention beauftragt werden soll, in
der sich alle Teilnehmerstaaten verpflichten, die Vollbeschaeftigung, soweit dies in ihrer Macht liegt, zu verwirklichen und aufrechtzuerhalten und ihre nationale und internationale WirtschaftsFinanz- und Sozialpolitik mit den in dem Bericht der Sachverstaen-'
digen der Vereinten Nationen zum Ausdruck gebrachten Empfehlungen
und den Vorschlaegen des IBFG in Einklang zu bringen.
Information Bulletin des IBFG
V/50
FALSCHE AUFFASSUNGEN ÜEBER DIE KOSTEN EINES STREIKS
Der folgende Artikel erschien in der Zeitschrift "Ammunition" dem Organ des Amerikanischen Automobilarbeiter-Verbandes (CIO).
Er behandelt das Problem der Streikkosten
und Streikschaeden und venucht darzulegen,
dass weder die Arbeiter noch die Unternehmer
notwendigerweise geschaedigt werden. Wir
drucken diesen Artikel ab ohne uns mit Form
und Inhalt zu identifizieren.
im w Tflße des Streiks in den Chrysler-Werken wurde in den
"Automotive A f t e r n Organ der Automobilindustrie, erklaert, dass
dieser Streik insgesamt 1, 091,732,200 Dollar gekostet haette. Ist
dies nun wahr oder unwahr?
Die gleichen pruefbaren statistischen Zahlen tauchen bei jedem
Streik auf. So wandte man sie auch bei dem Bergarbeiterstreik
an.
Die Bergwerksunternehmen multiplizierten die d « 0 * « ^ " ^ *
TaKesoroduktion an Kohle mit der Anzahl der Tage, die die Bergl^elllv
gestreikt hatten, und erklärten dass das Ergebnis die
Zahl der verlorengegangenen Tonnen Kohle darstelle. Sie verviel
faeltigten die Anzahl der Tonnen Kohle, die waehrend des Streiks
n?oht fefoerdert wurde, mit dem Preis je Tonne und behaupteten,
dass dfes der S u R E S i g sei, den die Unternehmer verloren haetten.
q?« multinlizierten ausserdem die Anzahl der Tage, an denen die
Berg?eutePgeltreik? hatten, mit dem durchschnittlichen Tagesverdienst und sagten, dass dies der Gesamtbetrag der eingebuessten
Soehne Sei. Dann zaehlten sie alle Arbeiter zusammen, von denen
m«n annahm d e ^ s i e wegen des Mangels an Kohle entlassen werden
Susstent^d'multloUzifrten diese^ahl mit • ä « * " ^ ^ SJiSt?
Tageslohn. Dies sei der Betrag, so behaupteten sie, der den Gesamt

- 3-

�Verlusten des Bergarbeiterstreiks hinzugerechnet werden muesse.
Dann zaehlten sie die Tage zusammen, an denen in den Betrieben
wegen Mangels an Kohle nicht gearbeitet werden konnte, und
multiplizierten diese Zahl mit dem durchschnittlichen Wert
einer Tagesproduktion. Alle diese Ziffern zusammengezaehlt
wuerden, so erklaerten sie, die durch den Bergarbeiterstreik
verursachten Verluste ergeben.
Hat dieser Streik nun tatsaechlich soviel Unkosten verursacht?
"Business Weekn berichtete, dass die Bergleute zur Zeit vier Tage
in der Woche arbeiteten. Es ist zu erwarten, dass sie im Hochsommer nur noch an drei Tagen in der Woche beschaeftigt werden
koennen. Im Herbst wird hoechstwahrscheinlich die Arbeit zeitweise eingestellt werden muessen. Die Bergleute haben nachtraeglich all die Kohle gefoerdert, die waehrend des Bergarbeiterstreiks nicht gefoerdert worden war. Sie haben sogar mehr Kohle
gebrochen, als im Land verbraucht werden kann. In Wirklichkeit
hat der Bergarbeiterstreik also keinen Verlust an Kohle verursacht.
Dieser Streik hatte lediglich zur Folge, dass die Produktion von
einem Abschnitt des Jahres auf einen anderen verlegt wurde. Damit
ist die Behauptung ueber den angeblichen ProduktionsVerlust nicht
mehr haltbar.
Die Kohlenproduktion hat somit keinerlei Verluste zu verzeichnen. Wie verhaelt es sich nun mit den Loehnen? Die Bergarbeiter arbeiten zur Zelt vier Tage woechentlich. Wenn sie
waehrend der ganzen Zeit in der sie streikten, Kohle gefoerdert
haetten, laegen die Vorraete an Kohle schon vor Monaten weit
ueber der absetzbaren Menge, und die Bergarbeiter waeren nur
noch drei oder noch weniger Tage je Woche beschaeftigt gewesen.
Die waehrend des Streiks verlorengegangenen Loehne waeren also
auf jeden Fall verloren.
Was haben die Bergleute waehrend des Streiks nun tatsaechlich
eingebuesst? Sie haben lediglich auf ihre Arbeitslosenunterstuetzung verzichten muessen.
Nun zu den Betrieben und Eisenbahnen, die durch den Bergarbeiterstreik angeblich gezwungen waren, ihren Betrieb zu
schliessen. Nicht alle Betriebe, die waehrend des Bergarbeiterstreiks die Arbeit einstellten, mussten tatsaechlich wegen dieses
Streiks die Arbeit einstellen. Jede Gesellschaft, die Arbeiter
wegen Mangels an Auftraegen entliess, beeilte sich zu erklaeren,
dass dies auf Grund des Streiks erforderlich sei. Damit wollte
man die streikenden Bergarbeiter fuer alles verantwortlich
machen. Wenn in gewissen Faellen die Betriebe tatsaechlich wegen
des Bergarbeiterstreiks schliessen mussten, dann hatten sie Gelegenheit, die verlorengegangene Produktion wieder nachzuholen.
Damit waren also auch die Arbeiter in der Lage, wieder in den
Besitz der verlorengegangenen Loehne zu kommen. Wenn die betroffenen Arbeiter Ueberstunden leisten mussten, um die Produktion
nachholen zu koennen, dann hatten sie durch den Bergarbeiterstreik nur finanzielle Vorteile, d.h. die regulaere Arbeitszeit,
die ihnen verlorenging, wurde zum Teil durch Ueberstunden ersetzt, die den 1 1/2-fachen oder doppelten Verdienst einbrachten.
Abgesehen von den falschen Angaben ueber die Verluste im Bergarbeiterstreik ging der Wirtschaft des Landes nichts verloren.
Nur die Bergarbeiter hatten einen Verlust zu verzeichnen und
zwar den dex* Arbeitslosenunterstuetzung. Wenn die Unternehmer,
die fuer die Bergarbeiter waehrend der Streiks so großes Mitleid
zeigten, diesen Verlust vermeiden wollen, dann koennen sie das
auf einen sehr einfache Art und Weise. Sie brauchen sich nur
mit dem C.I.O. in Verbindung zu setzen und die Gesetzgeber des
Staates zu bewegen, die Gesetze der Arbeitslosenversicherung so
abzuaendern, dass die Arbeiter waehrend der Streiks Arbeitslosenunterstuetzung beziehen.
4 -

�Wenn die Bergarbeiter ihre Arbeitslosenunterstuetzung jedoch
verloren haben, dann war auch diese Einbusse nicht vergebens.
Die Bergwerksunternehmen wuerden den Bergarbeitern ohnehin
fuer eine bestimmte Zeit nichts gegeben haben, auch wenn sie nicht
gestreikt haetten; was die Bergarbeiter jedoch an Arbeitslosenunters tue tzung verloren, kam ihnen durch die im Streik erzielten
Erfolge wieder zugute.
Der durchschnittliche Verlust an Arbeitslosenunters tue tzung betrug weniger als 400 Dollar fuer den einzelnen Arbeiter, in den meisten Faellen war der Betrag weit geringer.
Im Gegensatz hierzu sei der Gewinn in bar gestellt: 70 Cents je
Tag als Lohnzuschlag; eine Erhoehung der Pensions- und Wohlfahrts-»
unterstuetzung, die sich auf etwa 5.000 Dollar je Arbeiter (dies
allein ist bereits ein genuegender Gewinn.') belaeuft. Selbst bei
nur 200 Arbeitstagen je Jahr, was einen hohen Grad der Arbeitslosigkeit bedeutet, gleichen allein die durch den Streik erzielten Lohngewinne in zwei Jahren den gesamten Verlust an Arbeitslosenunters tue tzung aus. Die 5.000 Dollar je Arbeiter, die fuer
die Pensions- und Wohlfahrtsunterstuetzungen erzielt werden konnte, sind somit Reingewinne fuer die Bergleute.
Hat die Gesamtwirtschaft durch den Bergarbeiterstreik etwas
gewonnen oder verloren? Verloren hat sie ueberhaupt nichts, sie
hat nur wesentliche Gewinne erzielt. Und zwar deshalb, weil die
Bergarbeiter mitgeholfen haben, jenes Sicherheitssystem zu propagieren, das fuer alle Arbeiter erreicht werden muss. Ein weiterer Gewinn fuer die Wirtschaft besteht darin, dass durch den
Erfolg dieses Streiks vdas nationale Einkommen gerechter verteilt
wird, und zwar in eineV Weise, die die Wahrscheinlichkeit einer
erneuten Wirtschaftskrise sehr gering werden laesst. Den Arbeitern wird eine staerkere Kaufkraft in die Hand gegeben; mit diesem Geld koennen mehr Lebensnotwendigkeiten gekauft werden und
damit anderen Arbeitern die Beschaeftigung gesichert werden.
Dies sind jedoch keineswegs saemtliche Vorteile, die durch
den Bergarbeiterstreik entstanden sind. Nehmen wir an, die Bergarbeiter haetten nicht gestreikt und somit auch keinen Streik gewonnen, sie haetten sich ohne weiteres den Forderungen der Unternehmer gebeugt und zugelassen, dass ihr Wohlfahrtsfonds sabotiert
wuerde - ein grausamer Schlag gegen jeden alten Bergarbeiter waere
dies gewesen. Nehmen wir an, sie haetten sich von den Unternehmern
ueberreden lassen, nicht zu streiken. Was waere dann geschehen?
Dann haetten sich vielleicht die Unternehmer des ganzen Landes ein
Herz gefasst und einen grossen Schlag gegen die Gewerkschaften gefuehrt. Es waere fuer die Unternehmer sogar eine Ermutigung gewesen, von neuem zu versuchen, gegen die Gewerkschaften vorzugehen.
Sie haetten die Reformvorschlaege zur Pensions- und Krankenversicherung einfach abgelehnt; sie haetten vielleicht sogar versucht,
die Loehne zu kuerzen und das Arbeitstempo in den Fabriken heraufzudruecken.
Im Bergarbeiterstreik und in allen anderen grossen Streiks
hat jeder einzelne Arbeiter viel aufs Spiel gesetzt. Das, was
jeder Arbeiter durch einen Streik fuer sich gewinnen kann, ist
ebenfalls ein Teil des Gesamtgewinns der Bergleute. Diesem Gewinn muss ausserdem der Betrag hinzugefuegt werden, den die Arbeiter nicht verloren, well der Streik gewonnen wurde.
Das war der Bergarbeiterstreik. Wie steht es nun mit dem
Streik in den Chrysler-Werken? Ist es richtig, dass durch diesen
Streik am 58. Tage 1.091.732.200 Dollars verlorengegangen seien?

- 5

�Natuerlich bringen einige Streiks gewisse Verluste mit sich.
Es waere falsch zu behaupten, die Arbeiter der General-Motors-Werke
haetten waehrend ihres Streiks 1945/46 keine persoenlichen Verluste
gehabt. Aber selbst jene Arbeiter verloren wesentlich weniger, als
ihnen durch den Streik wieder zugute kam. Es wird gesagt, dass
der Mangel an Stahl und Benzin zu laengeren Stillegungen der Betriebe fuehrte - diese Stillegungen wurden jedoch zum Teil durch
Ueberstunden, zum Teil durch Vollbeschaeftlgungswochen ausgeglichen.
Auch der Barbetrag, der gewonnen wurde, und derjenige, der
verlorengegangen waere, wenn kein Streik stattgefunden haette, muessen dem direkten Verlust an Lohn gegenuebergesteilt werden. Was
den Produktionsverlust betrifft, so gab es ueberhaupt keinen,
weil die Hoehe der Stahlerzeugung nicht willkuerlioh gesteigert
werden kann und somit nur so viel Kraftwagen hergestellt werden,
wie an Stahl zur Verfuegung steht, und jede Tanne Stahl, die erzeugt und fuer Kraftwagen bestimmt wurde, wurde auch dafuer verwendet.
Damit kommen wir zum Chrysler-Streik. Man darf vor allem
nicht vergessen, dass in gewissen Faellen unbedingt gestreikt werden muss, ganz gleich, wie hoch die dadurch entstehenden Verluste
sind.
Es gibt gewisse Beweise dafuer, dass die Chrysler-Werke mit
anderen Automobilfirmen fuer den Streikfall Vereinbarungen getroffen hatten. Es war auch bekannt, dass diese Gesellschaft entschlossen war, bis zum letzten zu kaempfen, um ein Pensionsprogramm durchzusetzen, das bei dem ersten Anzeichen ruecklaeufiger
Preise haette beseitigt werden koennen. Chrysler ist der Typ einer
von Aufsichtsraeten und Banken kontrollierten Gesellschaft. Diese
Gremien kontrollieren auch andere Unternehmen, die die Pensionsansprueche der Arbeiter ebenfalls bekaempfen. Sie hatten allem
Anschein nach die Chrysler-Werke zum Versuchsballon bestimmt, um
den Kampf gegen die Pensionen der Arbeiter auszutragen. Die Differenz zwischen den von den Chrysler-Werken angebotenen Pensionen
und denen, die durch den Streik durchgesetzt wurden, belaeuft sich
allein fuer die Automobilindustrie auf Hunderte von Millionen
Dollars. In fuenf Jahren koennte die Differenz zwischen den von
der Automobilarbeitergewerkschaft durchgesetzten und den von den
Chrysler-Werken angebotenen Pensionen den Unterschied zwischen den
erzielten Pensionssaetzen und den angebotenen kuemmerlichen PseudoPensionen ausmachen (natuerlich ist dieser Vergleich unsinnig!).
Wenn die Arbeiter die Vorschlaege der Chrysler-Werke akzeptiert
haetten, waere das gesamte Pensionsprogramm fuer alle Industriearbeiter in Frage gestellt worden. Lieses Beispiel zeigt, wie
eine Gewerkschaft fuer alle anderen kaempfen muss. Fuer einen
einzelnen Arbeiter ist es hart, sich unter denen zu befinden, die
diesen Kampf fuehren muessen. Mit den Jahren gleicht sich das
jedoch aus. Die Arbeiter der Chrysler-Werke haben auch fuer
andere Erfolge erzielt, sie haben andererseits aber auch durch
die Kaempfe anderer Arbeiter Vorteile erzielen koennen.
Theoretisch muesste es moeglich sein, mit ausreichenden Streikfonds die Kosten eines Kampfes der-gesamten organisierten Arbeiterschart zu decken. Die zwoelf-woechige Sonderabgabe von einem Dollar
je Woche stellte einen ersten Schritt auf dem Wege zu dieser besonderen KampfVersicherung dar. Durch einen solchen Fonds blieben
zahlreichen Arbeitern der Chrysler-Werke viele Haerten erspart.
Wohnungskuendigungen wuerden vermieden, fuer aerztliche Betreuung
waere gesorgt, in Notfaellen koennten Mahlzeiten verabreicht werden,
und die Streikenden waeren zugleich gegen die schwersten Folgen des
Streiks geschuetzt.

6 -

�Es ist sehr einfach klarzulegen, wie das finanzielle Problem
im Streikfall geloest werden kann. Wenn man den 89.000 Arbeitern
der Chrysler-Werke eine woechentliche Streikunterstuetzung von
20 Dollar haette zahlen wollen, so waeren 1.780.000 Dollar je
Woche erforderlich gewesen. Damit waere der gesamte Ertrag der
zwoelf-woechigen Ein-Dollar-Sondererhebung in weniger als einem
Monat aufgebraucht.
Um jedoch auf die Kosten des Chrysler-Streiks selbst zurueckzukommen: Dem Lohnverlust eines jeden Streikenden nach 58 Streiktagen, der in den "Automotive News" auf 749,79 Dollar geschaetzt
wurde, muss gegenuebergestellt werden, dass die Unternehmer in
Erwartung des Streiks staendig Ueberstunden arbeiten Hessen, die
auch durch erhoehte Ueberstundenbezahlung verguetet wurden. Nachdem der Streik jetzt beigelegt ist, wird d&gt;er Verlust wiederum durch
Ableistung von Ueberstunden und Vollbeschaeftigungswochen (sechs
anstatt fuenf Arbeitstage) weiterhin reduziert. Von dem Bruttoverlust gehen ausserdem noch die Ausgaben ab, die die Arbeiter
bei der Arbeit haben, wie etwa fuer Mahlzeiten und Einkommensteuer.
Diese Betraege sind zwar nicht sehr hoch, aber sie muessen immerhin beruecksichtigt werden. Unterstuetzungen, wie z.B. durch den
Streikfonds, reduzieren weiterhin die Verluste des einzelnen Streikenden.
Die Verluste der Arbeiter der Chrysler-Werke haben in gewissen Paellen Arbeitern anderer Unternehmen Gewinne gebracht. So
kann gesagt werden, dass die Ueberstunden- und Sonnabendarbeit in
den Ford- und General-Motors-Werken auf den Chrysler-Streik zurueckzufuehren ist.
Selbst in den "Automotive-News" wird zugegeben, dass die Gesellschaft ihre Verluste durch Ueberstundenarbeit in den Betrieben
innerhalb von 18 Monaten wieder wettmachen koennten. Wenn die
Ueberstundenarbeit in den Chrysler-Werken eingefuehrt werden sollte,
dann wuerden die Arbeiter mehr gewinnen, als sie waehrend des
Streiks insgesamt verloren hatten, und gleichzeitig wuerden die
zeitweiligen Verluste des Unternehmens wieder ausgeglichen werden.
Was fuer Chrysler und seine Arbeiter zutrifft, trifft natuerlich auch fuer deren Zubringerfirmen zu.
Tatsache ist also, dass die Behauptungen ueber die durch den
Streik entstandenen Verluste nicht ganz richtig sind. In den meisten Faellen jedoch waeren den Arbeitern die Verluste, die sie
fuer eine Folge des Streiks halten, ohnehin durch Arbeitslosigkeit
entstanden, luer die Arbeiter bringen Streiks Entbehrungen mit
sich, von ihrer Bereitwilligkeit jedoch, fuer eine gerechte Bezahlung ihrer Arbeit zu streiken, haengt letzten Endes das Los
saemtlicher Arbeiter der Vereinigten Staaten ab.
Und bei den meisten Streiks sind die wirtschaftlichen Vorteile
der Arbeiter weit groesser als die durch direkten Lohnverlust
entstehenden Nachteile. Wenn bei anderen Streiks tatsaechllch
Lohnverlust entsteht, dann ist er nicht so gross, wie die Unternehmer
behaupten.
Im allgemeinen kann gesagt werden, dass das, was die Arbeiter
durch einen Streik gewinnen, fast ausnahmslos mehr ist, als sie
durch irgendeinen Streik verlieren.
UAW-CI0 Ammunition
V/1950

- 7-

\

�Andrew Naesmith, Generalsekretaer der Textilarbeiter-Gewerkschaft:
DIS BRITISCHE TESTILARBEITERGEWERKSCHAFT
i

Die britische Textilarbeitergewerkschaft ist mit ihren 33
angeschlossenen Bezirksverbaenden die groesste gewerkschaftliche
Vereinigung Englands. Sie vertritt die Interessen der Textilarbeiter von Lancashire und der umliegenden Gebiete von WestYorkshire, Cheshire and Derbyshire.
Die Gewerkschaft zaehlt zu ihren Mitgliedern nicht nur die
Baumwoll- und Kunstseidenweber, sondern auch alle jene Arbeiter,
die mit den Vorbereitsungsprozessen und anderen untergeordneten
Aufgaben beschaeftigt sind.
Die jetzige Organisation stammt aus dem Jahre 1884. Es gab
jedoch zuvor aeltere Formen gewerkschaftlicher Vereinigungen britischer Weber. Bereits im Jahre 1754 kann von einem Versuch gesprochen werden, die englischen Arbeiter in einer sogenannten
"Combination" oder "Conspiracy" (Verschwoerung) zusammenzusohliessen,
und im Jahre 1758, so heisst es in einem Bericht, sol.len "gewisse
Webern ein Parlamentsgesetz in Vorschlag gebracht haben, das das
Lehrlingswesen und die Stueckarbeit regeln sollte.
In Glasgow bestand um das Jahr 1778 fuer kurze Zeit ein sogenannter "Textilarbeiter-Club". Im Verlauf von Lohnstreitigkeiten wurde in Bolton (Lancashire) "auf Anordnung dieses Komitees"
eine Kampfschrift herausgegeben, die aus dem Jahre 1808 datiert.
Berichte parlamentarischer Ausschuesse beweisen, dass der
Lebensstandard der Textilarbeiter von 1800 an staendig gesunken
ist. Die Loehne der Weber wurden fortwaehrend geringer. 1829
z.B. wurden einem Weber fuer die Herstellung eines Kupons Batist
nur 5,5 Schillinge gezahlt, waehrend im Jahre 1800 der Lohn fuer
die cleiche Arbeit noch 25 Schillinge betrug.
In jenen Zeiten gab es grosse technische Veraenderungen, und
bei den industriellen Fortschritten, die sich mit der Einfuehrung
neuer Maschinen und Erfindungen eroeffneten, kuemmerte man sich
.venig um die menschliche Persoenlichkeit. Lancashire wurde zum
Zentrum der Industrialisierung, und zugleich das Zentrum schrecklicher Kinderarbeit, langer Arbeitszeit, niedriger Loehne und
groesster Armut.Francis Place erklaert: "Die Leiden der in der Baumwollweberei beschaeftigten Menschen waren unglaubliche; sie wurden
kuenstlich in Machenschaften verwickelt, verraten, verfolgt und
schuldig gesprochen, verurteilt und unerhoert streng bestraft.
Sie fuehrten ein jaemmerliches Dasein."
Dabei muss daran erinnert werden, dass die Arbeitszeit in
den britischen Textilfabriken erst im Jahre 1812 von 80 Stunden
auf 72 Stunden in der Woche reduziert wurde. Erst in Jahre 1847
wurde die Arbeitszeit durch das lOStundengesetz auf 60 Stunden
woechentlich festgelegt. Das Blutbad von Peterloo im Jahre 1819
gibt einen Begriff von den Verhältnissen, unter denen die Arbeiter in jener Zeit lebten, sodass es zu Rebellionen kommen musste.

8 -

�Mitten in dieser bewegten Zeit, etwa zu dem Zeitpunkt, als
das sogenannte Koalitionsgesetz (Combination Law) widerrufen
wurde, fand in Manchester eine Delegiertentagung der Baumwollweber statt, die das Ziel hatte, eine staendige Organisation zu
gruenden, die Senkung der Lohntarife zu verhindern und die Einigkeit unter den Arbeitern herzustellen. Dieser Organisationsversuch verlief nicht allzu erfolgreich; die Folge war, dass die
Lancashirer Weber noch groessere Leiden und Entbehrungen auf sich
nehmen mussten, bevor ihre Organisation endgueltig festen Fuss
gefasst hatte.
Die Spinnereiarbeiter waren zu jener Zeit ebenfalls eifrig
bemueht, eine einflussreiche Organisation zu gruenden. Auch ihnen
gelang es jedoch nicht; erst im Juli 1830 wurde die Nationale Vereinigung zum Schutze der Arbeit (National Association for the Protection of Labor) gebildet. Diese Foederation bestand aus etwa
150 verschiedenen "Clubs", die in Manchester, Clitheroo, Ashton,
Stalybridge, Dukinfield, Macclesfield, Derby and Blackrod bestanden. Ungefaehr 2 Jahre lang konnte diese nationale Vereinigung erfolgreich arbeiten; sie fiel dann wieder auseinander.
In der Zeit von 1830 bis 1850 scheint die gewerkschaftliche
Qrganisationstaetigkeit unter den Textilarbeitern sehr gering
gewesen zu sein. Ein "Komitee fuer kurze Arbeitszeit" (ShortTime Committee) hatte das 10-Stunden-Gesetz im Januar 1.647 durchgesetzt, musste jedoch bald aufgeloest werden. Nach 1850 jedoch
waren die Bemuehungen der Gewerkschaftspioniere von groesserem
Erfolg gekroent. In zahlreichen Bezirken wurden gewerkschaftliche
Vereinigungen gebildet, denen es gelang, sich durchzusetzen; sie
bestehen auch heute noch.
Im Jahre 1842 gab es in Preston nachweisbar eine Organisation
der Textilarbeiter; die heutige Textilarbeiter-Gewerkschaft stammt
jedoch erst aus dem Jahre 1858. Eine aehnliche Vereinigung wurde
1852 in Redcliff ins Leben gerufen; die Textilarbeiter-Gewerkschaft
von Bickburn entstand im Jahre 1854. Von 1840 an existierten
mehrere gueltige Tariflisten fuer Stueckarbeit in der Textilindustrie T So vor allem die Liste ia Bezirk Ashton aus dem Jahre
1843, ferner die von Burnley aus dem gleichen Jahre und die von
Oldham, die drei Jahre spaeter entstand.
Eine der wichtigsten Tariflisten fuer die spaetere Lohnentwicklung wurde die von Blackburn, die im August 1853 formuliert
wurde. Die Textilarbeiter-Gewerkschaft von Padiham, die 1856 gebildet wurde, erregte bald einiges Aufsehen, denn im Maerz 1859
fand ein Streik statt, mit dem die Verbindlichkeit der BlackburnTarife erzwungen werden sollte.
Um diesen Streik durchfuehren zu koennen, wurden 29 Wochen
lang in ganz Lancashire Sammlungen durchgefuehrt. In zahlreichen
Webereigebieten wurden Textilarbeiter-Verbaende gebildet und die
Arbeiter, die frueher nur heimlich in Feldern oder Scheunen in
den Aussenbezirken der Staedte sich versammeln konnten, durften
von jetzt an ihre gewerkschaftliche Taetigkeit unter guenstigeren
Bedingungen fortsetzen.
Alle diese Organisationen waren in sich abgeschlossene Einheiten mit eigenen Satzungen und Funktionaeren. Man erkannte
die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses, durchaus an die ersten
Versuche zur Vereinigung der Lokallcomitees In der "East Lancashire
Amalgamated Power Loom Weavers Association" (Vereinigte Webereigewerkschaft Ost-Lancashire) wurden im Jahre 1858 unternommen.

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�Aufgabe dieser Organisation war es, bestehende Lohntarife
entsprechend der Tarifliste aufrechtzuerhalten und jegliche Versuche, diese herabzusetzen, abzuwehren. Ausserdem sollte sie
verhindern, dass ein Unternehmer fuer qualitativ und quantitativ
gleiche Arbeit weniger als ein anderer bezahlte, und die Tarife
jener Unternehmer, die die niedrigsten Loehne zahlten, mussten
entsprechend gesteigert werden. Der Verband hatte die besondere
Aufgabe, einen fachlich geschulten Tarifkalkulator einzusetzen,
der die Interessen der Arbeiter in den zahlreichen Lohnberechnungsstreitigkeiten vertreten konnte, zu denen die komplizierten
Tariflisten Änlass gaben, die fuer die damalige Situation in der
britischen Baumwollindustrie bezeichnend sind. Die "North-East
Lancashire Amalgamated Weavers Association", wie sie spaeter
genannte wurde, setzte sich aus 14 lokalen Verbaenden in der
naeheren Umgebung Blackburns zusammen und zaehlte 26.000 Mitglieder.
Erbitterte Kaempfe wurden in jener Zeit gegen Lohnsenkungen
und schlechte Arbeitsbedingungen gefuehrt. Im April 1878 wirkte
sich ein oertlicher Streik und eine Aussperrung auf etwa 100.000
Arbeiter in Nord und Nord-Ost Lancashire aus und dauerte ueber
neun Wochen. Die Mitgliederzahl der Gewerkschaft von Nord-Ost
Lancashire belief 3ich zu jener Zeit auf etwa 16.000; diese
Mitglieder erhielten Streikunterstützungen in einer Gesamthoehe
von 4.729 Pfund Sterling, was einer Unterstuetzung von etwa sechs
Schillingen fuer neun Wochen, oder von etwa acht Pennies fuer eine
Woche je Arbeiter' entspricht.
Die Gewerkschaft von Nord-Ost Lancashire war eifrig bemueht,
die oeffentliche Aufmerksamkeit auf die durch Abgase und Staubentwicklungen hervorgerufenen gesundheitsschaedlichen Zustaende
in den Webereien zu lenken. Daraufhin wurde von der Regierung
im Jahre 1883 eine Kommission eingesetzt, die sich mit dieser
Angelegenheit befassen sollte. Die Gewerkschaft von Nord-Ost
Lancashire setzte ihre Taetigkeit
bis zum Jahre 1903 fort.
Dadurch existierten, wie die folgenden Ausfuehrungen ergeben,
mehrere Jahre lang zwei Gewerkschaften nebeneinander; beiden war
eine ganze Reihe von Bezirksverbaenden angeschlossen.
Es folgten jedoch Jahre der Untaetigkeit. Die LancashireGewerkschaft wurde durch die unzureichende Form ihrer Organisation
eine Quelle der Schwaeche. Von irgendwelchen Koordinierungsbemuehungen und Interessengemeinschaften konnte kaum die Rede sein.
Diese Schwaeche der Organisation blieb den argwoehnischen Arbeitern
von Lancashire nicht verborgen, zumal sie zu jener Zeit eine fuehrende Stellung in der Textilindustrie innehatten. Sie unternahmen
deshalb, nachdem aufkommende Streitigkeiten in Blackburn 1884
beigelegt waren, geeignete Schritte, um eine weit umfassendere
BeLirksorganisation zu gruenden.
Die heutige Textilarbeiter-Gewerkschaft wurde auf einer
Konferenz von den Vertretern 29 verschiedener Bezirksverbaende
am 27. April 1884 gegruendet. Urspruenglich hiess sie die
"Northern Counties Amalgamated Weavers Association" (Vereinigte
Webergewerkschaft der noerdlichen Grafschaften). Thomas Birtwistle, der Sekretaer der Gewerkschaft von Nord-Ost Lancashire,
wurde zum Sekretaer der neuen Organisation ernannt, und David
Holmes, ein anderer wohlbekannter Gewerkschaftspionier der Weber,
wurde ihr Praesident.
Die neue Organisation zaehlte im Jahre 1884 wenig mehr als
37.000 Mitglieder. Sie wuchs jedoch in den folgenden Jahren ununterbrochen. Sie hatte sofort mit Schwierigkeiten zu kaempfen,
da in Burnlev und anderen Bezirken bereits in den ersten Monaten
ihres Be3tenens schwere Streiks gefuehrt wurden. Das Gefuehl
der Solidaritaet und des Optimismus waren jedoch ausgepraegter als
je zuvor. Die Bewegung wurde durch das mutige Eingreifen eines
Verlegers in Ashton-under-Lyne, J. Andrew, gestaerkt, der eine
Fachzeitung herausgab ("The Gotton Factory Times"). Diese Zei- 10 -

�tung hat in den langen Jahren ihres Bestehens der Gewerkschaft
wertvolle Dienste geleistet.
Als Unternehmer in Nelson, Ramsbottom, Burnley, Preston,
Accrington und anderen Bezirken versuchten, die Loehne zu kuerzen, wurden zahlreiche Streiks beschlossen. Viele Arbeitsniederlegungen erfolgten auch deshalb, um die Unternehmer zu zwingen,
die Gewerkschaft anzuerkennen. Aus dem gleichen Grunde fand in
Bamoldswick im Januar 1887 ein vier-monatiger Streik statt.
In Macclesfield wurde 1888 gegen eine Lohnkuerzung um 5 %, die
sogenannten "lokalen Abzuege" gestreikt. Im September des gleichen Jahres traten 31 Textilarbeiterfamilien mit ihren Kindern
auf Kosten der Gewerkschaft die Reise nach den Vereinigten
Staaten an. Um diese Auswanderung zu verhindern, telegrafierte
der Webereibesitzer nach den Vereinigten Staaten, hatte hiermit
Jedoch keinen Erfolg. In den Geschaeftsbuechern der Organisation
aus Jenem Jahre ist vermerkt, dass diese Auswanderung 361 Pfund
Sterling gekostet hat, wohingegen der Streik selbst Unkosten in
Hoehe von 2.818 Pfund Sterling verursachte.
Die Frage der kuenstlichen Erhoehung des Feuchtigkeitsgehaltes der Luft in den Webereien tritt in den Besprechungen des
Gentralrates immer wieder zutage. Im Maerz 1889 wurde eine Resolution zur Abschaffung des Dampfsystems in den Webereien gefasst. Im Verlauf der gesamten Gewerkschaftsgeschichte stand
diese Frage stets im Vordergrund; in den spaeteren Jahren ging
die Gesetzgebung dazu ueber, die nachteiligen Auswirkungen auf
die Gesundheit der Arbeiter, die in den Feuchtluftwebereien beschaeftigt waren, zu reduzieren.
In Jenen Jahren wurden zahlreiche Versuche unternommen, die
Einheitlichkeit der Textilarbeiter-Tarife durchzusetzen. Thomas
Birtwistle und seine Kollegen leisteten auf diesem Gebiete beachtliche Arbeit, und schliesslich wurde am 24. Juni 1892 einr einheitliche Tarifliste fuer Textilarbeiter aufgestellt. Sie blieb
mit ihren Abaenderungen und Nachtraegen bis 1935 in Kraft, als
sie von einer rechtsgueltigen Einheitsliste ersetzt wurde. Versuche, diese Tarife als rechtsgueltig und allgemeinverbindlich
erklaeren zu lassen, lassen sich bis ins Jahr 1898 zurueckverfolgen, als im Generalrat eine Resolution gefasst wurde, in der
man ein Parlamentsgesetz forderte, das es als ungesetzlich erklaerte, wenn irgend ein Unternehmer oder mehrere Unternehmer
niedrigere Loehne zahlten, als sie zwischen den Arbeitgeberund Arbeitnehmer-Organisationen vereinbart waren.
In zunehmendem Masse interessierte sich die Arbeiterschaft
fuer die Fragen der Gesetzgebung.
Der Generalrat diskutierte
im September 1900 die Frage einer Arbeitervertretung im Parlament. Man entschloss sich jedoch, diese Idee nicht zu verwirklichen. In der Frage der Kinderarbeit herrschten d&amp;mals unter
den Arbeitern selbst noch grosse Meinungsverschiedenheiten. Im
Jahre 1900 wurde zugunsten des freien Sonnabend-Nachmittags eine
lebhafte Agitation durchgefuehrt.
Dieser fortschrittliche Gedanke konnte jedoch erst im Januar 1902 durch das Betriebsgesetz
(Factory Act) von 1901 verwirklicht werden, in dem die woechentliche Arbeitszeit auf 55 1/2 Stunden festgesetzt wurde. Diese
Regelung blieb von 1902 bis 1919 gueltig.

- 11

�In den ersten Jahren dieses Jahrhunderts herrschte unter
den Textilarbeitern grosse Empoerung ueber das sogenannte "slate
System** (System des Schwarzen Bretts). Es war eine heimtueokische Methode, die Arbeiter durch die Bekanntgabe ihrer Loehne
an einem schwarzen Brett im Betrieb gegenseitig anzutreiben.
Aus der Zeit von 1901 bis 1903 wird von zahlreichen Selbstmorden
unter den Textilarbeitern berichtet, die auf die Schwarze-BrettMethode zurueckzufuehren sind.
In den Jahren 1905 und 1906 erlitt die TextilarbeiterGewerkschaft einen schweren Schlag, als sie drei ihrer wertvollsten Maenner verlor. Es waren der Sekretaer W. H. Wilkinson,
der Praesident David Holmes und Joshua Barrows, der als Agent
und Organisator taetig war. Zum Andenken an die drei verstorbenen Funktionaere wurden am Ruskin College in Oxford Stipendien
gestiftet. D.J. Shackleton, das spaetere Parlamentsmitglied, ,
wurde zum Praesidenten und Joseph Cross zum Sekretaer ernannt.
Von besonderer Bedeutung in der Geschichte der Textilarbeiter-Gewerkschaft wurden die Jahre 1907 und 1908, in denen langwierige Verhandlungen gefuehrt wurden, die zur Aufstellung gemeinsamer Richtlinien zur Beilegung von Streitigkeiten fuehrten.
Nach mehreren misslungenen Versuchen wurde eine endgueltige Vereinbarung getroffen; die gemeinsamen Richtlinien traten mit dem
1. Januar 1909 in Kraft. Sie bildeten die praktische Grundlage
der gemeinsamen Auffassung ueber die Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitgeber und Arbeitnehmer und sind seit der damaligen Zeit
bis heute befolgt worden.
Die Textilarbeiter-Gewerkschaft war durch eine grosse Zahl
nicht-gewerkschaftlich organisierter Arbeiter, denen all das
automatisch zugute kam, was sich die Gewerkschaftsmitglieder
mit so viel Muehe erkaempft haben, stark behindert. Im Dezember 1911 fand eine zwei-woechige Aussperrung statt, und fast
400.000 V/ebstuehle standen still, weil es in dieser Frage Meinungsverschiedenheiten zwischen Unternehmemund Gewerkschaften
gab. Ein anderes Problem, das den Textilarbeitern jahrelang
Schwierigkeiten bereitete, war die Bestrafung von Arbeitern
durch die Unternehmer. Euer die Herstellung angeblich fehlerhaften Tuches wurden Lohnabzuege vorgenommen.
Abordnungen des parlamentarischen Ausschusses des britischen
Gewerkschaftsbundes (Trade Union Gongress) wurden im Jahre 1912
in dieser Frage beim Innenminister vorstellig, ohne jedoch eine
Regelung erlangen zu koennen. In den folgenden Jahren klagte die
Textilarbeiter-Gewerkschaft unter grossem Zeit- und Geldaufwand
vor den Gerichten, um die Beseitigung dieser ungerechten Strafen
zu erzielen.
Im Jahre 1913 kam ein sehr wesentliches Gesetz zustande.
Es war das sogenannte "Gewerkschaftsgesetz" (Trade Union Act),
durch das der tatsaechlich unbefriedigenden Lage ein Ende bereitet wurde. Dieses Gesetz behinderte die Gewerkschaften in ihren
Bemuehungen, Vertretungen im Parlament zu erlangen. Das Gesetz
von 1913 gestattete die Erhebung von Abgaben fuer politische
Zwecke, wobei dieser Fonds unter Zugrundelegung verschiedener
politischer Grundsaetze zu verwalten war. In einer Abhandlung
ueber dieses neue Gesetz erklaerte der damalige Gewerkschaftssekretaer J. Cross in seinem Jahresbericht:
"In dieser Zeit ist es unbedingt notwendig, dass sich der
Arbeiter unmittelbar
an der Politik beteiligt und dafuer sorgt,
dass seine T.'.ruensche von den Gesetzgebern beruecksichtigt werden.
Das beste Mittel, dieses Ziel zu erreichen, ist eine Vertretung
der Arbeiterpartei im Unterhaus.

- 12 -

�"Es ist anerkennenswert, dass die Mitglieder der Gewerkschaften durch ihre Abstimmung ihre Absicht so deutlich zum
Ausdruck gebracht haben, sich in Zukunft an der Gesetzgebung
des Landes zu beteiligen, und zwar dadurch, dass sie eine Arbeiterpartei unterstuetzen, die ihre Vertreter in das Parlament entsenden will."
Auch vor 1913 waren die Textilarbeiter-Gewerkschaften an
sozialen und legislativen Fragen stark interessiert. Hierbei
soielte besonders jene Organisation eine Rolle, die als "United
Textile Factory Workers• Association" (Vereinigte TextilarbeiterGewerkschaft) bekannt und im Jahre 1890 gegruendet war. Diese
Gewerkschaft, die sich aus den wichtigsten Verbaenden in allen
Zweigen der Textilindustrie in Lancashire zusammensetzte, hat
seit ihrer Gruendung hoechst wertvolle Arbeit geleistet.
In neuerer Zeit hat sie die Wahl verschiedener Parlamentsmitglieder ermoeglicht, die den Textilarbeitern im besonderen
und der britischen Gewerkschaftsbewegung im allgemeinen die
groessten Dienste erwiesen haben.
Waehrend des 1. Weltkrieges nahm die Textilarbeiter-Gewerkschaft die Interessen ihrer Mitglieder wahr und verhandelte in
Verbindung mit anderen Gewerkschaften der Textilindustrie ueber
Lohnerhoehungen und Verbesserungen der Arbeitsbedingungen. Die
Verhaeltnisse in der Industrie litten jedoch unter zahlreichen
Misstaenden, und es gab immer wieder lange Krisenzeiten der
Arbeitslosigkeit.
Die Erwerbslosigkeit stellte nach dem Kriege
ein sehr ernstes Problem dar.
Durch einen drei-woechigen Streik im Jahre 1919 konnte
die 48-Stundenwoche sichergestellt werden. Dies war ein grosser
Fortschritt und fuer die Mitglieder eine wirkliche Genugtuung.
Noch mehrere Nachkriegs jähre hindurch blieben die Verhaeltnisse in der Textilindustrie ungeklaert. 1922 verursachte eine
drei-woechige Aussperrung der Organisation Unkosten in Hoehe von
207.000 Pfund Sterling. 1926 wurde die Textilarbeiter-Gewerkschaft
durch den Generalstreik betroffen; zur Unterstuetzung der Bergleute stellte sie 30.000 Pfund Sterling zur Verfuegung. Die Verpflichtungen gegenueber den eigenen Mitgliedern beliefen sich auf
fast 54.000 Pfund Sterling. Die Unternehmer versuchten auch weiterhin, den Lohnstandard zu senken. Im Jahre 1929 wurde daraufhin
erneut die Arbeit eingestellt. Mehr als 178.000 Pfund Sterling
an Unterstuetzungen hatte die Organisation damals an die Streikenden zu zahlen. Besonders gross war die Erbitterung im Jahre
1931, als die Unternehmer, vor allem die Webereien von Burnley,
den Versuch machten, an den gewoehnlichen, nicht-automatischen
"/ebstuehlen von Lancashire ein System einzufuehren, nach dem ein
'"feber mehrere V/ebstuehle zu bedienen gehabt haette. Die Arbeiter
widersetzten sich diesen Versuchen; ein Streik in neun Webereien
von Burnley fuehrte zu einer Aussperrung fuer die Textilarbeiter
der ganzen Stadt und spaeter fuer die des ganzen Bezirks. Im
folgenden Jahr verschlechterten sich die Beziehungen zwischen den
Arbeitgebern und Arbeitnehmern betraechtlich. Die Unternehmer
hielten sich nicht mehr an gemeinsam getroffene Vereinbarungen,
nahmen willkuerliche Lohnkuerzungen vor und weigerten sich, Arbeiter, die gestreikt hatten, wieder einzustellen. Dann erklaerte
der Arbeitgeberverband dieses Bezirks saemtliche zuvor abgeschlossenen Vertraege fuer ungueltig - das Resultat war ein Streik im
ganzen Bezirk. Der Leiter der Vermittlungsabteilung im britischen
Arbeitsministerium wurde entsandt, um den Vorsitz bei den Verhandlungen zu fuehren, die inzwischen beruehmt geworden sind.
Durch sein Eingreifen wurde dieser Streik beendet, nachdem er
die Gewerkschaft ueber 355.800 Pfund Sterling gekostet hatte.

13

�Der Erfolg dieser gemeinsamen Besprechungen, die eine Woche
andauerten, bestand darin, dass ein Abkommen getroffen wurde,
das hoechstwahrscheinlich als das bedeutendste in d«r gesamten
Textilindustrie von Lanoashire anzusprechen ist: das "Midland
Agreement". Durch dieses Abkommen wurde der Geltungsbereich der
gemeinsamen Bestimmungen ueber Streitigkeiten erweitert und die
Bildung eines Vermittlungsausschusses unter unabhaengigem Vorsitz vorgesehen.
Wie im 1. Weltkrieg wurde die Gewerkschaft auch im 2. Weltkrieg schwer mitgenommen. Fast 50 # der Webereien dieser Industrie wurden "zusammengelegt", um hierdurch Facharbeiter fuer
kriegswichtige Aufgaben in Maschinen- und Flugzeugfabriken freizubekommen. Dadurch entstanden zahlreiche Probleme, und an die
Mitglieder der Textilarbeiter-Gewerkschaft wurden grosse Anforderungen gestellt. Man bemuehte sich waehrend des Krieges durch
ein gemeinsames Abkommen, in dem die Lohntarife mit dem Lebenshaltungskosten-Index des Arbeitsministeriums gekoppelt wurden,
die Loehne in der Textilindustrie zu stabilisieren. Durch das
Inkrafttreten dieses Abkommens wurden viele Streitigkeiten
vermieden.
Nach dem Kriege tauchten andere Probleme auf. Die Industrie
bemuehte sich, zahlreiche neue Arbeitskraefte heranzuziehen, und
im Jahre 1946 fanden, hauptsaechllch um die Textilindustrie neuen
Arbeitern schmackhafter zu machen, gemeinsame Besprechungen statt,
die mit der Einfuehrung der 45-Stundenwoche endeten. Das bedeutete
Neun-Stunden-Tage, aber nur fuenf Arbeitstage in der Woche und
die Aussetzung der Arbeit am Sonnabend Vormittag.
Bevor der Bericht ueber die Geschichte der TextilarbeiterGewerkschaft beendet wird, muss noch zu einem oder zwei anderen
Punkten Stellung genommen werden. Wie bereits erwaehnt wurde,
sind dem Ruskin College Stipendien zur Verfuegung gestellt worden. Nach einer Reihe von Jahren hoerte das Interesse der Gewerkschaft fuer dieses Institut jedoch auf. 1923 wurde beschlossen, die Ruskin Stipendien durch Freistellen an Sommerschulen
zu ersetzen, die sich fuer eine grosse Anzahl Mitglieder als sehr
wertvoll erwiesen haben. Die Arbeiterbildungsvereinigung nimmt
die Verteilung dieser Freistellen vor und Jahr fuer Jahr koennen
zwoelf Studenten an den Sommerschulen der Bangor-Universitaet in
Nord-Wales zwei Wochen lang teilnehmen. Bis jetzt haben etwa
300 Mitglieder von dieser Gelegenheit Gebrauch gemacht.
Die Textilarbeitergewerkschaft besitzt ein eigenes Erholungsheim in der Naehe von Blackpool. Dieses Heim wurde zum Andenken
an den frueheren Sekretaer Joseph Cross erbaut. Die Baukosten
beliefen sich auf ueber 106.000 Pfund Sterling. Es wurde 1931
eroeffnet, und Tausende von Mitgliedern der Gewerkschaft, denen
diese Einrichtung bereits zugutekam, wissen ihren Wert zu schaetzen.
Die Mitgliederzahl der Textilarbeiter-Gewerkschaft stieg von
1848 an staendig und erreichte im Jahre 1921 mit 224.000 Organisierten ihren hoechsten Stand.
Seit jener Zeit sind verschiedene
Ereignisse eingetreten, die die Gewerkschaftsmitglieder vor
schwere Proben gestellt haben, wie z.B. die lange Wirtschaftskrise und die Arbeitslosigkeit, die in den Jahren zwischen den
beiden Kriegen herrschte, sowie die aeusserst drastisch durchgefuehrte Zusammenlegung der Industrie von Lancashire im Verlauf
des 2. Weltkrieges.

- 14 -

�In harter, besonders organisatorischer, Arbeit erholt sich
die Gewerkschaft der Textilarbeiter langsam wieder. Die Mitgliederzahl liegt augenblicklich um 80.000, was ungefaehr 80 K, der
potentiellen Staerke darstellt.
Es muss noch viel getan werden. Die Wirtschaftslage des
Landes zwingt die Industrie, Rationalisierung und Modernisierung
aktiv voranzutreiben. Die Notwendigkeit, Ueberholtes auszuschalten und alte Ideen aufzugeben, wird Immer groesser.
Die Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind als harmonisch anzusprechen. Ein neuer Rat der Baumwollindustrie (Cotton Council) wird gerade gebildet, der die
wertvolle Arbeit, die von dem Baumwollbuero (Cotton Board) noch
geleistet wird, weiterfuehren und ausdehnen soll. Die Tariflisten werden sowohl in den Spinnereien als auch in den Fertigungsbetrieben ueberprueft und ueberholt. Die TextilarbeiterGewerkschaften in anderen Laendern duerfen ueberzeugt sein, dass
sioh die Textilarbeiter-Gewerkschaft von Lancashire der Notwendigkeit bewusst ist, eine wirksame und tatkraeftige Organisation
sein zu muessen, um die zahlreichen Probleme, die ihr gestellt
werden, wirksam und gerecht loesen zu koennen.
The

American Federationist
VII/50

OESTERREICH UND DAS ERP
Dem kuerzlich veroeffentlichten offiziellen Bericht der
oesterreichischen Regierung ("Oesterreich und dös ERP, Erstes
Vierteljahr 1950") zufolge sind in diesem Land Arbeitslosigkeit
und Lebenshaltungskosten in den ersten drei Monaten des Jahres
1950 erheblich zurueckgegangen.
Die Gesamtzahl der Erwerbslosen in Oesterreich hatte Mitte
Februar 195.000 - 9,6 # der Erwerbsbevoelkerung erreicht; sie ist
gegen Ende April jedoch auf 75.000 = 5,9 # gesunken.
Obwohl der Index der Grosshandelspreise im ersten Vierteljahr
um 6 % anstieg, waren die Lebenshaltungskosten fuer eine vierkoepfige Arbeiterfamilie in Wien um 5 % niedriger. Dies ist
hauptsaechlich auf das Absinken der Lebensmittelpreise zurueckzufuehren.
In der 72 Seiten umfassenden Abhandlung wird von einer allgemeinen wirtschaftlichen Verbesserung gesprochen und festgestellt,
"dass alle wesentlichen wirtschaftlichen Verbesserungen in Oesterreich seit dem zweiten Quartal des Jahres 1948 nur durch die
ERP-Hilfe moeglich gewesen seien - selbst da, wo eine Ueberpruefung der Vergangenheit zeigt, dass die Erfolge teilweise ohne fremde •
Hilfe erzielt werden konnten."
In dem Bericht wird darauf hingewiesen, dass das WiederaufbauProgramm des Landes nicht mehr unter dem Vorzeichen der Not, sondern unter dem der direkten Investierungen stehe. So ist der Anteil der wichtigsten Importwaren an der Gesamtzahl der ERP-Bewilligungen fuer Oesterreich von 9 $&gt; im zweiten Quartal 1948 auf 23,3 #
im ersten Quartal 1950 angestiegen. Gleichzeitig ging der Prozentsatz der Lebensmitteleinfuhren von 61,9 # auf 52,1 % zurueck.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VI1/6/50

15

�HOLLASNDISCHE GEWERKSCHAFT ZUM MARSCHALL-PLAN
Eine hollaendische Gewerkschaft veroeffentlichte einen Bericht,
in dem die Erfolge des Marshall-Plans beschrieben sind und die gegen ihn gerichtete sowjetische Propaganda abgewiesen wird. Der
Bericht, der den Titel "Zwei Jahre Mö^shall-Plan" traegt, wurde
von der Allgemeinen Holla'endi sehen Bauarbeiter-Gewerkschaft veroeff entlicht. Es wird darin betont, dass der Marshall-Plan
hoechstwahrscheinlich in den beiden ersten Jahren die in ihn gesetzten Hoffnungen erfuellt habe. Ohne die Hilfe dieses Planes,
erklaert die Gewerkschaft, "haetten wir mit Massenarbeitslosigkeit
rechnen und zugleich fuer die Zukunft das Schlimmste befuerchten
muessen. Ausserdem waeren die Lebensmittelzuteilungen Anfang 1949
um 20 &lt;% geringer gewesen, als sie es tatsaechlich waren."
In dem Bericht werden dann die wesentlichen Fortschritte angefuehrt, die dem Europahilfsprogramm zu verdanken seien:
1.

Die Produktion ist in allen Teilnehmerstaaten um
durchschnittlich 22 % gestiegen.

2.

Die Fertigungsindustrien stehen mit einer Erhoehung
der Produktion um 30 $ an der Spitze.

3.

In den Grundstoffindustrien ist die Produktion um
25 % gesteigert worden und liegt damit um 15 # ueber
dem Vorkriegsstand.

4.

Die landwirtschaftliche Produktion ist auf einigen
Gebieten um 46 % in die Hoehe gegangen, sie koennte
jedoch noch hoeher getrieben werden und den Stand
von 1938 ueberbieten.

In der Veroeffentlichung wird gleichfalls zu Missverstaendnissen
in einzelnen Fragen des Marshall-Plans Stellung genommen und erklaert: "Es ist tatsaechlich etwas schwierig,um zu verstehen, warum
das amerikanische Volk bereit ist, einen Teil seiner Prosuktion
an Europa abzugeben, ohne dass sie bezahlt werden muesste. Kein
vsrstaendiger Amerikaner wird behaupten, da3S diese Hilfe fuer
Europa nur ein Akt der Naechstenliebe sei. Aber fuer die amerikanische Regierung ist ein wirtschaftlich gesundes Europa deshalb
besonders wichtig, weil Friede und Fortschritt in der V.Telt und
damit auch in Amerika bedroht waeren, wenn Europa wirtschaftlich
nicht auf festen Fuessen stuende.
Die Veroeffentlichung enthaelt einen lueckenlosen Bericht
ueber die Geschichte des Marshall-Plans, angefangen von der historischen Rede General Marshalls in Harvard im Juni 1947, der Weigerung Sowjet-Russlands, sich zu beteiligen, und den fortwaehrenden
sowjetischen Versuchen, den Plan zu sabotieren.
Die Gewerkschaft weist in dem Bericht die Behauptung der
kommunistischen Presse zurueck, dass Amerika durch den MarshallPlan seine ueberschuessigen Fertigprodukte loswerden wolle, die
"fuer Europa ueberfluessig" seien. An Hand von statistischen
Angaben wird die Unrichtigkeit dieser Behauptung bewiesen. Der
groesste Teil des unter dem Marshall-Plan gelieferten Materials
besteht aus Maschinen, Rohstoffen, Nahrungsmitteln und Hilfsmitteln fuer die Fertigindustrie und die Landwirtschaft - ist also
absolut notwendig fuer die Neuausruestung der hollaendischen Industrie und der Erhaltung des Lebensstandards in ernaehrungstechni3Cher Hinsicht.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VII/3/50
- 16 Office of Labor AffairB
APO 757

OFFICIAL
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�Internationale

ÄRBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 23

Frankfurt, 11. August 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
600 000 Arbeiter in der franzoesischen Baumwollindustrie - - - - - - - - - - - - - 1
Vorschlaege des Kanadischen Gewerkschaftsbundes zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit 2
Mitgliedszahlen Kollaendischer Gewerkschaften 3
Dubinsky zur Rolle des. IBFG
3
Das Problem der Vereinigung der Gewerkschaften
Amerikas - - - - - - - - - - - - - - - 4
Die internationalen Berufssekretariate - - 8
Ein amerikanisches Kongressmitglied nimmt zum
Punkt-Vier-Programm Stellung - - - - - n
Zusammenschluss der freien Gewerkschaften
Italiens - - - - - - - - - - - - - - - 13
Gewerkschaften Amerikas unterstuetzen Trumans
Mobilisierungsplan - - - - - - - - - - 14
Bevins Gewerkschaft besitzt Fonds fuer politische Zwecke
Hilfe fuer Indien
16

600 000 ARBEITER IN DER FRANZ 0ESISCH3N BAUL'W OLL INDUS TR IE
Heute sind insgesamt etwa 600 000 Arbeiter direkt oder indirekt
fuer die franzoesische Baumwollindustrie taetig. Diese Industrie
hat durch die Marshallplan-Lieferungen fast ihre alte Kapazitaet
wiedergewonnen. 290 Spinnereien arbeiten auf vollen Touren, 40%
der Gesamterzeugung wird exportiert, um dadurch Frankreichs Handelsbilanz zu verbessern und gleichzeitig Devisen zu sohaffen.
Die Verhaeltnisse in der Baumwollindustrie sind wesentlich anders als zu jener Zeit nach dem Ende des Krieges. Die Rohmateriallager waren gepluendert, die meisten Fabriken waren zerstoert, beschaedigt oder ruiniert.
Dann kam aus den Vereinigten Staaten Hilfsmaterial, es kamen
neue Ausruestungen und Hunderte von Tonnen Baumwolle.
Noch staerkere Hilfe wurde durch die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit geleistet. Waehrend des Rechnungsjahres
- 1-

�1949/50 wurden ECA-Kredite in Hoehe von 128 Millionen Dollar bereitgestellt, damit Baumwolle eingekauft werden konnte. Weitere drei
Millionen wurden fuer den Ankauf von Ausruestungsmaterial bereitgestellt. Die franzoesische Industrie erwartet jetzt die Aera der
freien Konvertierbarkeit der Waehrungen und des freien Handels,
zwei Haupterfordernisse der europaeischen wirtschaftlichen Gesundung. Das Verschwinden der Handelsschranken wuerde, so meinen die
Baumwollspinner, sich durchaus zu ihrem Vorteil auswirken.
Inzwischen waren die Hafenarbeiter in Le Havre schwer damit
beschaeftigt, Baumwolle zu entladen, die per Schiff gebracht wurde
und die in den Lagerhaeusern des fuehrenden franzoesischen Baumwollhafens jetzt darbuf wartet, in die Spinnereien transDOrtiert zu
werden. Es sind 191 000 Tonnen Baumwolle, die in Le
Havre im vergangenen Jahr ausgeladen wurden und wovon mehr als 90%
auf grund von ECA-Krediten geliefert wurden.
Labor Information Paris
VORSCHLAEGE DES KANADISCHEN G^VERKSCHAFTSBUNDES ZUR BESEITIGUNG DER
ARBEITSLOSIGKEIT
Eine Delegation des Kanadischen Gewerkschaftsbundes hat unlaengst
die Regierung Kanadas gewarnt, die Gefahren zunehmender Arbeitslosigkeit nicht zu unterschaetzen. Zu gleicher Zeit hat die Delegation
praktische Vorschlaege zur Bekaempfung dieser kritischen Situation
unterbreitet.
Die Denkschrift wurde von A. R. Mosher und Pat Conroy, dem Vorsitzenden und dem Hauptkassierer des 360.000 Mitglieder starken Kanadischen Gewerkschaftsbundes, Premierminister St. Laurent ueberreicht.
In ihr wird festgestellt, dass mehr als 7,4% der erwerbstaetigen Bevoelkerung arbeitslos ist. Von offizieller Seite wird behauptet,
die genaue Ziffer sei 10.4%.
Die Gruende fuer diese Zunahme seien in technischen Faktoren zu
suchen. In der Denkschrift heisst es: "Wenn es uns nicht gelingt,
unseren Lebensstandard so zu heben, dass er mit der Zunahme der Erwerbsbevoelkerung Schritt halten kann, so wird die Arbeitslosigkeit wenn auch mit saisonbedingten Schwankungen - weiterhin ansteigen."
Es ist damit zu rechnen, dass das nationale Einkommen dieses Jahres
nur wenig hoeher als das des Vorjahres sein wird. Der Premierminister schaetzte die voraussichtliche Erhoehung des Nationalproduktes
auf etwas mehr als 1.5%.
"Das ist sicherlich nicht genug, um ein weiteres Ansteigen der
Arbeitslosigkeit zu verhindern. Noch etwas anderes ist erforderlich:
Eine planmaessige Steigerung des Verbrauchs, der staendig unserer
Produktlonskapazitaet angepasst werden muss."
Die Vorschlaege des Kanadischen Gewerkschaftsbundes zur Behebung
der Arbeitslosigkeit sehen folgende Massnahmen vor: 1) Eine Waehrungs- und Finanzpolitik der Regierung, die auf die Erhaltung einer
laufenden Nachfrage nach Industrieproduktion ausgerichtet ist; 2)
Ein umfassendes Programm der sozialen Sicherheit muss die Kaufkraft
erhalten; 3) Vorausschauende Placierung der Industrien muss die
richtige Verteilung der Arbeitskraefte erleichtern; 4) Massnahmen
zur Regulierung saisonbedingter Schwankungen der Beschaeftigungslage;
5) Programme fuer oeffentliche Arbeiten und 6) neue Methoden zur
Erweiterung der Absatzmaerkte in Uebersee und 7) die Einfuehrung
der 40-Stunden Woche.
Die Delegation wies die Behauptung zurueck, dass saisonbedingte
Arbeitslosigkeit eine "normale" Erscheinung sei und erklaerte, wenn
sie in Kriegszeiten unbekannt sei, dann koennte sie auch im Frieden
- 2-

�vermieden werden.
"Einige Aenderungen unserer wirtschaftlichen und sozialen Einrichtungen moegen notwendig sein," heisst es in dem Memorandum.
"Aber diese Einrichtungen sind fuer die Menschen da und nicht die
Menschen fuer die Einrichtungen."
Information Bulletin des
Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften
V/3/50
MITGLIEDSZAHLEN

EOLLAENDISCKER GEWERKSCHAFTEN

Die Mitgliederzahl des Hollaendischen Freien Gewerkschaftsbundes ist seit Januar 1946 um mehr als 50% angestiegen (von 240,000
auf 390,000), wie kuerzllch von der Gewerkschaft berichtet wurde.
Im Hollaendischen Gewerkschaftsbund, der groessten Gewerkschaft
Hollands, sind 29 Organisationen vertreten, von den Metall-, Bau-,
Transport- und Fabrikarbeitern bis zu den Musikern, Theater-Angestellten und landwirtschaftlichen Arbeitern.
Aus den Angaben der Gewerkschaft geht hervor, dass die Mitgliederzahl seit Beendigung des Krieges staendig gewachsen ist. Sie
betrug sieben Monate nach der Befreiung 240,000, ging dann sprungartig in die Hoehe und erreichte am 1. Januar 1947 300,000, am 1.
Januar 1948 330,000, am 1. Januar 1949 365,000, am 1. Januer 1950
381,554 und im Maerz 1950 390,000 Mitglieder.
Arbeitsmitteilungen der ECA
V/19/50
DUBINSKY ZUR ROLLE DES IBFG
In einem interessanten Bericht, der im "Foreign Affairs", der
einflussreichen amerikanischen Vierteljahres-Zeitschrift erschien,
leistet David Dubinsky, der Praesident der Internationalen Damenoberbekleid. angsarbeiter-Gewerkschaft, einen bemerkenswerten Beitrag
zu jenen Prozess der Wiedererneuerung gewerkschaftlicher Grundsaetze,
mit dem sich aktive Gewerkschafter und alle diejenigen, die sich
ernsthaft mit der Gewerkschaftsbewegung befassen, eine Zeitland eingehend beschaeftigt haben.
Nach einem Ueberblick auf die Ereignisse, die zu dem Zerfall
des Weltgewerkschaftsbundes und zur Gruendung»des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften fuehrte, erklaert Dubinsky, dass es ein
Irrtum sei, anzunehmen, letzterer sei nur deshalb entstanden, um
die Luecke auszufuellen, die durch den Zusammenbruch der alten Gewerkschaft sinternationale entstanden war. Dubinsky schreibt der
Neuorientierung der Internationalen Gewerkschaftsbewegung drei Faktoren zu.
Zu allererst sei das deutliche Anwachsen der Gewerkschaftsbewegung zu beachten: In Amerika gibt es gegenwaertig 16 Millionen Gewerkschafter; die britischen Gewerkschaften haben sich eine neue
Machtstellung erobert; die freien Gewerkschaften des demokratischen
Europas sind trotz der grausamen Zerstoerung durch die Nazis wiedererstanden; allein* in Westdeutschland zeehlt der neue Freie Gewerkschaftsbund mehr als 5 Millionen Mitglieder. In Japan sind heute
etwa 6 Millionen Arbeiter gewerkschaftlich organisiert, und das gleiche trifft fuer die uebrigen Gebiete der Welt zu.
"Zweitens," erklaert Dubinsky, "ist diese neue Internationale
von allen ihren Vorgaengern grundverschieden. Die Ziele und Taetig3 -

�keit der europaelschen Gewerkschaften, die zwar sehr bedeutend ist,
bildet nicht ihre Hauptkraftquelle. Die gegenwaertige potentielle
Staerke der neuen Organisation liegt in grossem Masse in der Staerke der Gewerkschaftsbewegung der westlichen Hemisphäre und den
staendig wachsenden Gewerkschaften Asiens und Afrikas begruendet."
Dubinsky sieht eine der ermutigendsten Eigenschaften der Organisation darin, dass die Grossmaechte keinerlei Beherrschung ausueben;
von den 19 Mitgliedern des EiekutivausSchusses kommen 8 aus Laendern
ausserhalb Europas und Nordamerikas, wo die Gewerkschaften gegenwaertig die meisten Mitglieder zaehlen.
Der dritte Faktor, der nach Ansicht Dubinskys die Gruendung
des IBFG ermoeglichte, ist die Tatsache, "dass in den Reihen der
freien Gewerkschaftsbewegung in den letzten Jahren ueber die Grundlagen des Gewerkschaftswesens viel nachgedacht wurde." Eine grosse
Anzahl falscher Propheten sahen eine Spaltung zwischen den nichtsozialistischen, amerikanischen- Gewerkschaften und den sozialistisch
orientierten Gewerkschaften Europas und anderer Gebiete voraus, beovor der Londoner Kongress stattfand. Diese Voraussagen erwiesen
sich als falsch, weil "die amerikanischen Gewerkschafter erkannt
haben, dass die Demarkationslinie, die die Menschen heute sowohl
innerhalb jeder Nation, als auch die Nationen untereinander trennt,
nicht zwischen jenen verlaeuft, die die Regierung als Eigentuemer
einiger Industrien sehen moechten und denen, die diese Industrien
in den Haenden der Privatunternehmer belassen moechten, sondern
zwischen denjenigen, fuer die Menschenrechte, Menschenwuerde und
Freiheit die hoechsten Werte sind. Dieses neue gemeinsame Ziel
stellt die wertvollste Einigung dar, die je unter den Gewerkschaftern Europas, Asiens, Afrikas und Amerikas erzielt wurde."
Dubinsky unterstrich, das* der IBFG jegliche Formen der Diktatur unbedingt ablehnt. Er weist darauf hin, dass mit der Niederlage
des nazistischen Deutschlands "der Moskau-hoerige Kommunismus zur
Hauptgefahr fuer Demokratie und Weltfrieden geworden ist." Eine
militaerische Verteidigung genuege nicht. Die sicherste Garantie
fuer die erfolgreiche Abwehr der totalitaeren Bedrohung sei die
Verwirklichung des Programms des IBFG der politischen Freiheit, sozialen Gerechtigkeit und wirtschaftlichen Sicherheit. Wirtschaftliche Hilfe fuer die rueckstaendigen Gebiete und volle nationale Unabhaengigkeit fuer die abhaengigen Voelker bilden zusammen mit einer
Gleichschaltung des wirtschaftlichen Lebens der freien Laender in
eine ausgeglichene und gesunde Weltwirtschaft die wesentlichen Massnahmen zur Verteidigung der Demokratie.
"Weil die freie Gewerkschaftsbewegung eine so dynamische Rolle
spielt," schliesst Dubinsky, "greifen die Kommunisten mit solcher
Erbitterung den IBFG an. Die Errichtung dieser neuen Weltorganisation i=st eine kategorische Abkehr von dem Mythos, dass der sowjetische Totalitari3mus eine fortschrittliche Idee sei, oder dass das
kommunistische System die Interessen der internationalen Arbeiterklasse in irgend einer Weise foerdere." Es sei unvermeidbar, dass
der Karanf zwischen dem Weltgewerkschaftsbund und dem IBFG an Haerte
und Erbitterung zunehme, denn beide Organisationen "kaempfen um den
groessten Preis der Welt - die Herzen und Seelen vieler Millionen
von Arbeitern in allen Laendern der Welt."
Information Bulletin des IBFG
V/50
DAS PROBLEM DER VEREINIGUNG DER GEWERKSCHAFTEN AMERIKAS
I
De.? Gedanke der Vereinigung der beiden grossen Gewerkschaftsverbaence stand bei allen muendlichen und schriftlichen Beratungen
- 4

�zwischen AFL und CIO in der Nachkriegszeit immer wieder ia Vordergrund.
Am 6. Dezember 1946 richtete der Vorsitzende des CIO Murray an
die leitenden Funktionaere der AFL und der verschiedenen Eisenbahnerge"werkschaften ein Schreiben, in dem er Grundsaetze ueber die
Einheit der Gewerkschaften vorschlug. Diese Grund3aetze waren umso noetiger, da sich beide Gewerkschaften gegen die erwartete antigewerkschaftliche Taetigkeit des 80. Kongresses verteidigen mussten.
Diese Korrespondenz zwischen den Vorsitzenden Murray und Green wurde
bis zum Maerz 1947 fortgefuehrt, als die Plaene fuer eine Reihe von
Besprechungen zwischen der AFL und dem CIO, die die endgueltige
Vereinigung zum Gegenstand haben sollten, formell fertig waren.
Diese Besprechungen wurden am 1. und 2. Mai 1947 im Hotel Statler in Washington abgehalten. Dies war die vierte Besprechung zwischen den beiden Gewerkschaftsverbaenden, auf der die Vereinigung
behandelt wurde. Fruehere Konferenzen in den Jahren 1937, 1939 und
1941-43 hatten zu keinem Abkommen gefuehrt.
Die Sprecher de3 CIO waren zu jener Zeit der CIO-Vorsitzende
Philip Murray, Walter Reuther, der Vorsitzende des Automobilarbeiterverbandes, der Vorsitzende der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von
Amerika Jacob S. Potofsky, Emil Rieve, der Vorsitzende der Textilarbeitergewerkschaft von Amerika und Albert J. Fitzgerald, der Vorsitzende der Vereinigten Elektro-, Radio und Meschinenarbeiter, eine
Gewerkschaft, die zu jener Zeit dem CIO angeschlossen war.
Die Delegation der AFL bestand aus dem AFL-Vorsitzenden Green,
dem Generalsekretaer George Meany. dem Vorsitzenden John L. Lewis
von der Bergarbeitergewerkschaft (jetzt nicht mehr angeschlossen),
Daniel Tobin, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Fahrer, und
William Hutcheson von der Gewerkschaft der Zimmerleute.
Der Vorschlag des CIO auf dieser Konferenz umfasste vier Punkte:
1. Der antigewerkschaftlichen Gesetzgebung gemeinsam entgegenzuwirken.
2. Ein Abkommen zu treffen, um Zustaendigkeitsstreitigkeiten
unmoeglich zu machen und gegenseitige Uebergriffe und Boykotte
zu verhindern.
3. In der vereinigten Gewerkschaftsbewegung die Grundsaetze
der Industrieverbaende und die autonomen Rechte Internationaler
Gewerkschaften anzuerkennen und ein wirksames Instrument der
Gewerkschaften fuer die erforderlichen politischen Aktionen zu
schaffen.
4. Die Moeglichkeiten zur Ausschaltung von Zustaendigkeitsstreitigkeiten zu untersuchen und gemeinsame Programme vorzubereiten.
Die AFL schlug vor:
1. Dass sich die verschiedenen Gewerkschaften des CIO einfach
der AFL angliederten, wie es die Bergarbeitergewerkschaft bereits getan hatte.
2. Dass dieser "Zusammenschluss" bis zur Oktoberkonvention der
AFL vollzogen wird und Delegierte saemtlicher Gewerkschaften an
dieser Konvention teilnehmen sollten.
3. Dass das gemeinsame Komitee weiterhin zusammentreten sollte,
um sich mit Einzelheiten zu befassen und die gemeinsamen gewerk- 5-

�schaftlichen Bemuehungen auf wirtschaftlichem und gesetzgeberischem Gebiet zu koordinieren.
Die beiden Komitees trennten sich nach zweitaegigen Verhandlungen, da sie keine Einigung ueber die beiden Vorschlaege erzielen
konnten. Sie gaben jedoch eine gemeinsame Erklaerung ab, in der
sie die einmuetige Meinung zum Ausdruck brachten, dass "die organische Einheit innerhalb der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung hergestellt werden soll." In dieser Erklaerung hiess es weiter, dass
die beiden Gruppen "sich fuer die Verwirklichung dieses gemeinsamen
Zieles einsetzen wuerden. Inzwischen wuerden sie ihre Bemuehungen
fortsetzen, die Annahme gewerkschaftsfeindlicher Gesetze zu verhindern, die von dem Kongress der Vereinigten Staaten zur Zeit in Erwaegung gezogen seien."
II
Damit endeten die Besprechungen, die der Vereinigung dienen
sollten, im Jahre 1947 ohne Ergebnis; diese Frage blieb jedoch auch
weiterhin staendigen Untersuchungen unterworfen.
Auf dem CIO Kongress, der im Jahre 1947 in Boston stattfand,
sorach man von "dem vernichtenden Angriff, den das Kapital gegen
die Gewerkschaften fuehre," und von der Notwendigkeit, "die fortschrittlichen Kraefte der Nation zur wirksamen wirtschaftlichen und
politischen Taetigkeit in den einzelstaatlichen und Ortsgewerkschaften zu organisieren."
In der gleichen Resolution wurde der Ueberzeugung Ausdruck verliehen, "dass eine vereinigte Gewerkschaftsbewegung notwendig und
moeglich ist.... wir glauben in aller Aufrichtigkeit, dass eine gemeinsame Aktion innerhalb der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
die uns gestellte Aufgabe erfuellen kann, die Beseitigung aller
nichtswuerdigen antigewerkschaftlichen Gesetze zu erzwingen. Wir
werden unermuedlich fuer diese Ziele arbeiten.... um zur Verwirklichung der Einheit in der Gewerkschaftsbewegung beizutragen und das
Volk gegen die Kraefte der Reaktion zu vereinigen. Der CIO ist bereit, mit anderen Gewerkschaften gemeinsame Abkommen zu treffen, damit jegliche Zustaendigkeitskonflikte verhindert und die Organisationsstatuten gegenseitig respektiert werden."
Tatsaechlich haben eine Reihe Gewerkschaften des CIO derartige
formelle und nichtformelle Einvernehmen mit Gewerkschaften der AFL
zu3töndegebracht. Als Beispiel hierfuer kann der Vertrag gelten, den
die Automobilarbeitergewerkschaft des CIO mit dem unabhaengigen Internationalen Metallarbeiterverband abgeschlossen hat, in dem bestimmt
war, da3s keine der beiden Gewerkschaften versucht, Mitglieder der
anderen Organisation fuer sich zu werben.
III
Am 15. Dezember 1948 richtete der Vorsitzende Murray erneut ein
Schreiben, das Vorschlaere zur Vereinigung enthielt, an den Vorsitzenden der AFL William Green und die leitenden Funktionaere der Einsnbahnergewerkschaft. In diesem Schreiben, das etwa einen Monat
nach den Wahlen des Jahres 1948 verfasst wurde, wird eine enge Zusammenarbeit saemtlicher groesserer Gewerkschaftsgruppen vorgeschlagen, um ein Gesetzgebungsprogramm des Neuen Plans im Jahre 1949 verwirklichen zu helfen. Murray erklaerte: "Sowohl der CIO als auch
die AFL sind sich im wesentlichen darueber einig, dass sie das Programm der Gesetzgebung unterstuetzen muessen, das vcn Praesident Truman und seiner Regierung angekuendigt wurde. Das gleiche trifft fuer
die Gewerkschaften der Eisenbahner zu."
Die AFL lehnte zu jener Zeit den Vorschlag des CIO zur gemein~amen Handlung ab.
- 6-

�Murrays Schreiben stellte in gewissem Sinne die Zusammenfassung
einer Rede dar, die er vor der Schlussitzung des CIO Kongresses 194S
in Portland (Oregon) gehalten hatte. In dieser Rede sagte er:
"Der CIO ist bereit, mit Vertretern der AFL zusammenzutreten, um
Plaene sozialer, wirtschaftlicher und politischer Natur zu eroertern, die das amerikanische Volk vorwaertsbringen koennen. Wir
schlagen vor, wenn es irgend moeglich ist, ein System der Zusammenarbeit nicht nur mit dieser Organisation, sondern mit allen anderen Gewerkschaftsorganisationen in den Vereinigten Staaten zu entwickeln, um gemeinsam an der Verwirklichung unserer Ziele zu arbeiten."
IV
In den folgenden Jahren trat der Wunsch nach der Vereinigung
der Gewerkschaften auf einzelsttatlicher und oertlicher Ebene immer
deutlicher zutage. Waehrend der Streiks der Berg-, Stahl- und Automobilarbeiter im Jahre 1949 leistete man sich gegenseitige Hilfe
und Unterstuetzung - gewoehnlich durch Geldspenden, Darlehen fuer
Streikfonds und auch legalen Beistand, wo dies moeglich und zweckmaessig war.
Zur gleichen Zeit - die Wahlen des Jahres 1948 standen vor der
Tuer - machte sich in zunehmendem Masse der Gedanke der Einheit
der Aktion in den oertlichen und einzelstaatliohen Gewerkschaften
des CIO, der AFL, der Eisenbahnergewerkschaft und anderer unabhaengiger Gewerkschaften bemerkbar. Das nationale Buero des CIO ist im
Besitz zahlreicher Berichte ueber Beratungen und Resolutionen, die
die Betaetigung auf dem Gebiete der Gesetzgebung in Staaten und
Staedten, der Streikunterstuetzung und politischen Aktion fordern.
Die Taetigkeit auf dem politischen Gebiet kam dedurch zum Ausdruck,
dass Joseph Keenan, der Direktor der Gewerkschaftlichen Vereinigung
der AFL fuer Politische Erziehung, auf der Nationalen CIO-Konferenz
der Politischen Aktion, die am 16. Juni 1950 in Washington stattfand, anwesend war und hier eine Rede ueber dieses Thema hielt.
In diesem Jahre beschaeftigen sich bereits ueber 30 einzelstaatliche oder oertliche Gewerkschaftskomitees gemeinsam mit wichtigen politischen Fragen und den Problemen der Gesetzgebung.
V
Ein weiterer Gesichtspunkt der Tendenz der Vereinigung der
Gewerkschaften bildete sich auf dem Gebiet der internationalen Angelegenheiten heraus. Diese Tendenz kam in Verbindung mit den Plaenen fuer eine neue WeltgewerkschaftsOrganisation zustande, des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, der auf der internationalen Konferenz in London Ende November 1949 gegruendet wurde.
Plaene zum Anschluss der AFL und des CIO an diese neue Organisation wurden in gemeinsamen Besprechungen, die am 28. April 1949
in Washington stattfanden, entworfen. Die naechste Ausgabe der
Zeitschrift "CIO Nachrichten" berichtete bereits, dass die "Besprechung in freundschaftlichem Geist" verlaufen und in mehreren
Punkten eine Einigung erzielt worden sei." Hierzu gehoerte u.a.
die Frage der gleichstarken Vertretungen der AFL und des CIO in
verschiedenen exekutiven Koerperschaften und Ausschuessen des neuen IBFG; in den "CIO Nachrichten" wurde ausserdem berichtet, "es
sei vereinbart worden, dass die CIO- und AFL-Delegierten der Kongresse der neuen WeltgewerkschaftsOrganisation bestrebt seien, im
voraus sich untereinander zu beraten, um sich in ihrer Politik einigen zu koennen."

- 7

�VI
Ein Schreiben, das der CIO-Vorsitzende Murray am 4. April
1950 an den AFL-Vorsitzenden Green, die leitenden Funktionaere der
Bergarbeiter-Gewerkschaft, den Internationalen Metallarbeiterverband,
die Gewerkschaft des Zugpersonals, die Gewerkschaft der Lokoniotivfuehrer und die Gewerkschaft der Eisenbahnbediensteten richtete,
ist der juengste Versuch der Vereinigung.
In diesem Brief schlug Murray die Bildung eines gemeinsamen Gewerkschaftskomitees vor, "das sich aus anerkannten Vertretern unserer verschiedenen Organisationen zusammensetzen soll, die befugt
sind, ein gemeinsames Programm zu entwerfen und zu verfolgen. Diesem Komitee muss eine zweifache Aufgabe gestellt werden. Es muss
sofort mit den noetigen Vollmachten ausgestattet werden, um unsere
Bemuehungen in der organisatorischen, legislativen und politischen
Sphaere zu koordinieren. Es muss ausserdem versuchen, die organisatorische Einheit saemtlicher Gewerkschaften in Amerika zu erreichen."
Auf dieses Schreiben Murrays kamen zusagende Antworten vom Vorsitzenden des Internationalen Metallarbeiterverbandes AI Hayes, von
John L. Lewis, dem Vorsitzenden der Bergarbeitergewerkschaft, und
von dem Vorsitzenden W. P. Kennedy von der Gewerkschaft des Zugpersonals.
Der Vorsitzende Green vom AFL erwiderte am 7. April 1950, dass
die Angelegenheit im Exekutivausschuss der AFL am 8. Mai 1950 zur
Sprache gebracht wuerde. Nach dieser Konferenz berichtete er dem
Vorsitzenden üurray: "Der Exekutivausschuss der AFL hat mich ermaechtigt und angewiesen, Ihnen und Ihrer Organisation mitzuteilen,
dass wir gewillt sind, einen Ausschuss zu waehlen, der mit dem gleichen Komitee der CIO ueber die baldige und erfolgreiche Verwirklichung der Vereinigung unserer in Frage kommenden Organisationen auf
dauernder und sicherer Basis konferieren soll."
Green erklaerte, dass die AFL noch immer in erster Linie daran
interessiert sei, die organisatorische Einheit herzustellen, und er
fuegte hinzu: "Wir sind uns voellig einig ueber die Notwendigkeit,
auf allen Gebieten der Gewerkschaftstaetigkeit die Einheit zu erzielen."
In den darauffolgenden Wochen wurden von der AFL und dem CIO
die Komitees ernannt, die weiterhin ueber die Frage der Vereinigung
verhandeln sollen.
Das Konitee des CIO besteht aus: Vorsitzender Murray, Finanz3ekretaer James B. Carey, Vizevorsitzender Allan S. Haywood, Vorsitzender Joseph Curran von der Nationalen Seefahrergewerkscnaft, Vorsitzender Walter Reuther von der Automobilarbeitergewerkschaft, dem
Vorsitzenden der Textilarbeitergewerkschaft Amerikas Emil Rieve, L.
S. Buckmaster, dem Vorsitzenden der Gummiarbeitergewerkschaft und
Frank Rosenblum, dem Finanzsekretaer der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika.
Dem Komitee der AFL gehoeren an: Vorsitzender Green, Vorsitzender Dan Tobin von der Gewerkschaft der Fahrer, der Vorsitzende der
Gewerkschaft der Kesselmacher Charles McGowan und der Vorsitzende der
Gewerkschaft der Elektroarbeiter Daniel Tracey.
Denkschrift der Propaganda-Abteilung des CIO
VII/G/50
DIE INTERNATIONALEN BERU7SSEKR5TARIATE
Die nachstehenden Auszuege sind einem Artikel von Martin Bolle,
dem Generalsekretaer des Internationalen Verbandes der Angestell8 -

�ten im Oeffentlichen und Zivilen Dienst, entnommen, der im Magazin des amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL nThe American
Federationist" veroeffentlicht wurde. Hier wird die Aufgabe
der Internationalen Berufssekretariate geschildert und ihre Arbeit
in der Praxis.
Die Internationalen Berufssekratariate sind internationale Gewerkschaftsorganisationen, die sich aus Laender-Gewerkschaften zusammensetzen, in denen die Arbeiter eines bestLTjnent Berufs- oder
Industriezweiges vertreten sind. Hierzu einige Beispiele:
Dar Internationale Transportarbeiter-Verband, das groesste
bestehende Internatiqnale Berufssekretariat, setzt sich aus den
Laendor-Gewerkschaften der Transportarbeiter (Seeleute, Eisenbahner
usw.) zusammen.
Der Internationale Metallarbeiter-Verband, das zweitgroesste
Internationale Berufssekretariat, besteht aus den Laender-Gewerkschaften, die die Arbeiter der Metall- und Stahl-Berufe vertreten.
Der Internationale Verband der Angestellten im Oeffentlichen
und Zivilen Dienst, das drittgroesste Internationale Berufssekretariat, besteht aus jenen Gewerkschaften, in denen die Arbeitnehmer im
oeffentlichen und zivilen Dienst, wie Regierungsangestellte, staedtische Angestellte, Feuerwehrleute, Arbeitnehmer in Elektrizitaets-,
Gas- und Wasser-V»'erksn usw. organisiert sind. Im ganzen gibt es
19 solcher Internationaler Berufssekretariate, die insgesamt rund
20 Millionen Mitglieder repraesentieren.
Die Internationalen Berufssekretariate sind viel aelter als
die allgemeine internationale Gewerkschaftsbewegung, die vor dem
Krieg durch den Internationalen Gewerkschaftsbund (im Jahre 1913
gegruendet) vertreten wurde und jetzt im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften (IBFG) zusammengefas3t ist.
Der Internationale Verband der Lederarbeiter z.B. wurde im
Jahre 1839 gegruendet, waehrend eine grosse Anzahl anderer Internationaler Berufssekretariate, wie z.B. die Metallarbeiter, Textilarbeiter, Drucker, Tabak- und Transportarbeiter, erst in den 90er
Jahren aufkamen.
Es ist nicht erstaunlich, dass sich zuerst die Gewerkschaften
jener Arbeiter, die in gleichen Industrien und Berufen taetig waren,
der Notwendigkeit einer internationalen Zusammenarbeit bewusst
wurden. Die Gleichheit ihrer Arbeit und ihrer Interessen war eine
starke Triebkraft zur internationalen Kooperation.
Bereits in der damaligen Zeit empfanden die einzelnen Gewerkschaf tan das Beduerfnis, ihre gemeinsamen Interessen zu besprechen
und Wege zu finden, diese Interessen durch internationale Aussprachen und Beschluesse zu foerdern.
Durch ihre Fuehlungnahme mit Arbeitern und Organisationen in
anderen Laendern erwarben sich die einzelnen Gewerkschaften neue
Kenntnisse, sie erwarben sich zugleich ein groesseres Verstaendnis
und eine breitere Erfahrung,als sie mit der Entwicklung in anderen
Laendern bekannt wurden und die Errungenschaften ihrer Kollegen
in anderen Teilen der Welt kennen lernten.
Sehr oft haben diese Kenntnisse und Erfahrungen es den Gewerkschaften ermoeglicht, in ihrem eigenen Land bessere Arbeit zu leisten. Die Funktionen der Internationalen Berufssekretariate haben,
im grossen gesehen, folgende Arbeitsaufgaben:
- 9-

�1.

Informationsdienst fuer die angeschlossenen Gewerkschaften.

2. Regelmaessiger Meinungs- und Erfahrungs-Austausch ueber die
Arbeit, die die einzelnen angegliederten Gewerkschaften in ihrem
eigenen, besonderen Taetigkeitsbereich verrichten.
3. Wahrnehmung der Interessen der angeschlossenen Gewerkschaften bei internationalen Koerperschaften.
Die Sorge fuer einen regelmaessigen Austausch von Informationen, Meinungen und Erfahrungen unter den angeschlossenen Organisationen und ihrer Mitgliederschaft ist zweifellos eine der Hauptaufgaben
der Internationalen Berufssekretariate. Dieser Austausch wird in
grossem Umfang durch die Veroeffentlichungen der. Internationalen Beruf ssekretariate verwirklicht, die gewoehnlich in vier oder fuenf
Sprachen erscheinen. Abgesehen von diesen Informationsdiensten besteht natuerlich auch ein persoenlicher Kontakt unter den Vertretern
der angeschlossenen Organisationen.
Eine internationale Gewerkschaftsorganisation wuerde ihren
Zweck vollstaendig verfahlen, wenn sie ihren Mitgliedern nicht die
Gelegenheit gaebe, miteinander regelmaessig in persoenlichen Kontakt
zu kommen. Es gibt keine Methode, die besser geeignet waere, das
internationale Verstaendnis und den guten Willen wachzurufen.
Diese persoenliche Fuehlungnahme kam natuerlich nicht durch
die Konferenzen der exekutiven Koerperschaften der internationalen
Organisationen und auch nicht durch die Kongresse, die alle zwei
oder drei Jahre zur Festlegung ihrer Richtlinien abgehalten werden,
allein zustande.
Von vielleicht noch groesserer Bedeutung sind jene Tagungen,
die von den verschiedenen Internationalen Berufssekretariaten in
regelmaessigen Zeitabstaenden fuer die verschiedenen Berufszweige
einberufen werden. Bei solchen Zusammenkuenften ist es einer ziemlich grossen Zahl einfacher Gewerkschaftsmitglieder moeglich, mit
ihren Kollegen aus anderen Laendern zusammenzukommen, um die besonderen Verhaeltnisse und Interessen zu besprechen, die fuer ihren
Beruf oder ihre Industrie bezeichnend sind. Auf solchen Tagungen
werden auch die Moeglichkeiten eroertert, die sich auf internationaler Basis zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den einzelnen
Berufszweigen bieten.
Ein ausserordentlich wichtiger Bestandteil des Aufgabenbereichs
der Internationalen Berufssekretariate ist 4i© Wahrnehmung der Interessen ihrer angeschlossenen Organisationen bei internationalen
Koerperschaften.
Es bestehen eine Reihe solcher Koerperschaften: Die Internationale Arbeitsorganisation, der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen, die Welt-Gesundheits- Organisation, die UNESCO usw. Viele Internetionale Berufssekretariate unterhielten waehrend einer Reihe von Jahren Beziehungen zur Internationalen Arbeits-Organisation
(IAO). Einige von ihnen sind vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen anerkannt worden. Diese internationalen Koerperschaften bieten den Internationalen Berufssekretariaten die Moeglichkeit, den Interessen ihrer Mitglieder auf internationaler Ebene
zu dienen. Damit koennen sie mithelfen, die Arbeitsbedingungen und
den Lebensstandard in den rueckstaendigen oder unterentwickelten
^aendern zu verbessern.
Die Zusammenerbeit der Internationalen Berufssekretariate wird
durch ihren Koordinierungssausschuss ermoeglicht, der vor einem Jahr
gebildet wurde. Sie heben ebenfalls vereinbart, mit dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften eng zusammenzuarbeiten.
- 10 -

�Es kann eine durchaus brauchbare Abmachung ueber eine derartige Zusammenarbeit und die Koordinierung gewisser internationaler
Taetigkeiten bei den Beratungen getroffen werden, die zwischen dem
Exekutivausschuss des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften
und dem Koordinierungsausschuss der Internationalen Berufssekretariate gefuehrt werden.
Eine derartige Vereinbarung zur Koordinierung zwischen den
Internationalen Berufssekretariaten und dem IBFG wurde auf einer
Konferenz des Exekutivausschusses der letzteren Organisation in
Bruessel getroffen. Die Vereinbarung sieht die gegenseitige Vertretung der betreffendsn Organisationen in ihren Konferenzen und
exekutiven Koerperschaften vor. Die Internationalen Berufssekretariate bewahren ihre Selbstaendigkeit und bilden gleichzeitig mit
dem IBFG eine vereinigte Gewerkschaftsbewegung.
Es muss daran erinnert werden, dass sich von den rund 20
Millionen Mitgliedern der Internationalen Berufssekretariate etwa
zwei Millionen in Laendern oder Gewerkschaften befinden, die dem
IBFG gegenwaertig nicht angeschlossen sind. Die Berufssekretariate sind deshalb der Auffassung, dass sich ihre Zusammenarbeit mit
dem IBFG nicht nur als nutzbringend erweisen wird, sondern dass
sie auch in der Lage sein werden, dieser neuen Organisation bei
der Vergroesserung ihres Einflusses in den verschiedenen Teilen
der Welt tatkraeftig Hilfe zu leisten. Die Internationalen Berufssekretariate betrachten es als ihre Pflicht, das freie Gewerkscheftswesen ueberall und besonders da, wo die Gewerkschaften entweder
noch nicht bestehen oder noch in den Kinderschuhen stecken, foerdern zu helfen. Dies ist nicht nur fuer die Arbeiter jener rueckstaendigen Laender von grosser Bedeutung, sondern auch fuer die
Erhaltung des Lebensstandards der Arbeiter in fortschrittlichen
Laendern.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VII/12/50
EIN AMERIKANISCHES KONGRESSMITGLIED NIMMT ZUM PUNKT-VIER-PROGRAMM
STELLUNG
'Vir geben hier Auszuege aus einer Rede wieder, die John F.
Shelley vor dem Kongress der Vereinigten Staaten ueber das
Punkt-Vier-Programm gehalten hat. Kongressmitglied Shelley,
der ebenfalls Praesident des Kalifornischen Gewerkschaftsbundes ist, sprach sich fuer die Unterstuetzung der rueckstflndigen Geoiete der Welt aus. Seine Ausfuehrungen sind von besonderem Interesse, weil sie die Probleme der Arbeit und der Produktionsleistung beruehren.
Das Punkt-Vier-Programm wird das Tor zu dem umfangreichen
Schatz technischer Errungenschaften unseres eigenen Landes und der
uebrigen industrialisierten Laender oeffnen. Mit einem kuehnen
Schlag wird dieses Programm unsere weitreichenden Kenntnisse und
Erfahrungen auf dem Gebiet der Erziehung, der Gesundheit, der Forschung und der Landwirtschaft jenen Laendern zugaenglich machen,
die diese noch nicht kennen. Dieses Punkt-Vier-Programm wird ihnen helfen, die umfassenden Probleme der industriellen Organisation und der wechselseitigen Beziehungen zwischen Arbeitnehmer und
Arbeitgeber in der Industrie zu verstehen. Die Vereinigten Staaten,
haben vorgeschlagen,diese Aufgabe selbst zu uebernehmen oder die
Vereinten Nationen und ihre Fachabteilungen damit zu beauftragen.
Diese Abteilungen sind die Organisation fuer Ernaehrung und Landwirtschaft, die Weltgesundheitsorganisation und die Internationale
Arbeitsorganisation.
- 11 -

�Der grosse staatsmaennische Erfolg des Punkt-Vier-Programms
lie^t darin begruendet, dass ein Mittel geschaffen wird, mit dem
alle Gruppen der Gesellschaft, - Unternehmer, Gewerkschaften, Bauern, Erzieher, Aerzte, usw. - gemeinsam an dem gleichen Ziel arbeiten koennen. Die wirtschaftliche Entwicklung haengt von den
gleichgerichteten Bemuehungen aller dieser Gruppen ab. Wir koennen
von den Banken und ihren Kunden nicht erwarten, dass sie ihr Geld
investieren, wenn keine Facharbeiter vorhanden sind, die ihre Kapitalanlage produktiv gestalten koennen. Wir koennen von Arbeitern
und Bauern nicht verlangen, dass sie fuer die Verwirklichung dieser
Ziele arbeiten, wenn sie fuer ihre Arbeit nicht den gerechten Anteil
erhalten, der sich aus der erhoehten Produktionsleistung ergibt.
Jene Gesichtspunkte des Punkt-Vier-Programms sind besonders
wichtig, die mit der Arbeit in Zusammenhang stehen. '.Vir wissen, dass
die Arbeiter die erste Zielscheibe fuer totalitaere Angriffe sind,
denn die totalitaeren Maechte wissen sehr genau, dass ihnen mit der
Kontrolle ueber und dem Einfluss auf die Arbeiterschaft das maechtige strategische Organ in die Hand gegeben ist, mit der sie das
Chaos schaffen koennen, das ihnen zur Macht verhilft. Unter Anwendung dieser Methode hat der Totalitarismus auf der ganzen Welt gearbeitet: Hitlers Arbeitsfront, Mussolinis Korporationsstaat und
in neuerer Zeit die Neuauflage dieser Methode in der Tschechoslowakei, wo sich die Kommunisten zuerst der Gewerkschaften bemaechtigten,
um dieses unglueckliche Land in ihre Hand spielen zu koennen. Wir
duerfen nicht zulassen, dass sich dieses "Spiel" in den unterentwickelten Gebieten der Welt wiederholt.
Wir muessen dafuer sorgen, dass die Vorteile der wirtschaftlichen
Entwicklung allen Menschen in diesen l&gt;aendern zugutekommen. Das l3t
auch der Kernpunkt und der Zweck und das Ziel des Punkt-Vier-Programms.
Die Hebung des Lebensstandards und der Arbeitsbedingungen, die Steigerung der V-.'uerde der Menschen und die Foerderung der wirtschaftlichen und sozialen Freiheit sind die grundlegenden Ziele des PunktVier- Programms. Aus diesem Grunde muss besonders auf die Gesichtspunkte dieses Programms hingewiesen werden, die mit der Arbeit in
Zusammenhang stehen: Die Menschen davor zu schuetzen, ausgebeutet
zu werden, und dafuer zu 3orgen, dass sie ihren gerechten Anteil
an der erhoehten Produktionsleistung erhalten. Um diesen Kampf erfolgreich fuehren zu koennen, muss entschlossen daran gearbeitet werden, dass der Reichtum, den die Entwicklung der einzelnen Hilfsquellen durch den Aufruf menschlicher Intelligenz und Erfahrung mit
sich bringt, dazu verwendet wird, die Lebens- und Arbeitsbedingungen
der breiten Masse des Volkes zu verbessern.
Es ist klar, dass zwei Hauptfaktoren hiermit Hand in Hand gehen: Erstens muessen die Arbeiter fuer die Fachberufe geschult
werden, die notwendig sind, um die Produktionsleistung steigern zu
koennen. Zweitens, jedoch nicht weniger wichtig, muss den Arbeitern,
Unternehmern und Regierungen der wirtschaftlich unterentwickelten
Laender geholfen werden, den Arbeitsstandard so zu verbessern, dass
die Gewinne allen Menschen zugutekommen. Der Aufbau einer neuen Industrie erfordert neues fachliches Können, auch die Ausdehnung einer
Industrie bedingt neue Methoden der Wechselbeziehungen der Industrie
und neue soziale Anschauungen. Es muss und wird unser Ziel sein,
dafuer zu sorgen, dass dies verwirklicht wird; dass der Fortschritt
in der Industrialisierung wenig entwickelter Gebiete den Bewohnern
in Form einer hoeheren Entlohnung fuer ihre Arbeit, besserer Arbeitsbedingungen und groesseren Wohlstands zugutekommt. Nur auf diese
Weise kann der Kampf gegen den Totalitarismus gewonnen werden.
Durch Unterweisung in modernen Produktionsmethoden am Arbeitsplatz, durch Ausbildung von Lehrlingen, Entwicklung wirksamer Organisationen fuer Arbeitsvermittlung, durch Hebung der Erfahrungen
- 12 -

�auf dem Gebiet der Arbeitsgesetzgebung, der industriellen Gesundheit und Sicherheit, der Arbeiosstatistik, der Beschaeftigung von
Frauen und in der entscheidenden Frage der Wechselbeziehungen in
der Industrie koennen die amerikanische Industrie, die amerikanischen Gewerkschaften und die Experten in unserer Regierung den
wirtschaftlich weniger entwickelten Gebieten helfen, ihre Produktionsleistung zu steigern.
So wie es Methoden und Grundsaetze fuer eine gute Organisation
der Industrie gibt, so gibt es auch gute Methoden und Grundsaetze
fuer die gewerkschaftliche Organisation. Gewerkschaftsorganisationen muessen vor allemfrei, demokratisch und verantwortungsbewusst
sein. Wir haben uns in den vielen Jahren, in denen die arbeitende
Bevoelkerung sich zum Zwecke erfolgreicher TarifVerhandlungen organisierte, zahlreiche Kenntnisse ueber die besten Formen der gewerkschaftlichen Organisation in den Vereinigten Staaten erworben. Wir
koennen unsere iegenen Erfahrungen jenen arbeitenden Menschen als
Grundstock zur Verfuegung stellen, damit sie umso nachdruecklicher
mit ihrer Hilfe ihre eigenen Probleme in Angriff nehmen koennen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VI1/19/50
ZUSANMENSCHLUSi: DUR FREIEN GEWERKSCHAFTEN ITALIENS
Anlaesslich eines grossen Treffens in Rom, auf dem der Zusammen3Chluss der freien italienischen Gewerkschaften gefeiert wurde, wies
Giulio Pastore, der kuerzlich gewaehlte Generalsekretaer der vereinigten nichtkomraunistischen Gewerkschaftsbewegung Italiens, auf die
Notwendigkeit hin, einen umfassenden Produktivitaets-Vorstoss in
Italien einzuleiten.
Eine unuebersehbare ^enge Gewerkschafter fuellte das geraeumige
Adriana-Theater in Rom, als der neugegruendete italienische Gewerkschaftsbund (Confederazione Italiano Sindicati Lavoratori - CISL)
den offiziellen Zusammenschluss aller nichtkommunistischen Gewerkschaften, einschliesslich LCGIL, FIL und mehrerer anderer selbstaendiger Gewerkschaften feierlich beging.
Viertausend Repraesentanten dieser Gewerkschaften waehlten
Guilio Pastore, den ehemaligen Sekretaer des LCGIL, zum Generalsekretaer und ernannten fuenf Fuehrer anderer Gewerkschaften zu Sekretaeren.
In einem historischen Rueckblick berichtete Pastore den Delegierten von dem Kampf um die Errichtung einer starken freien und unabhaengigen Gewerkschaft in Italien, die dem von den Kommunisten beherrschten ICGIL gegenuebergestellt werden konnte, der nach Kriegsende der einzige Landesfrewerkschaftsbund in Italien war. Dabei wies
Pastore darauf hin, dass er mit anderen Gewerkschaftsfuehrern, die
an der Entwicklung eines demokratischen Italiens interessiert seien,
schon bei Beginn dieses Kampfes beschlossen habe, am Marshall-Plan
tatkraeftig mitzuarbeiten und sich an der Bildung der nichtkommunistischen Gewerkschaftsinternationale, dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften, in London gegen Ende vorigen Jahres zu beteiligen.
Pastore unterstrich die Bedeutung, die den Bemuehungen der
Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) und der Organisation fuer die V/irtschaf tliche Zusammenarbeit Europas (OEEC) zukomme,
die Produktionsleistung zu steigern, die Wirtschaftseinheit herzustellen, den freieren Austausch von Arbeitskraeften zu ermoeglichen
und die politische Einheit zu verwirklichen.
—

ii&gt;

—

�In bezug auf die Erhoehung der Produktionsleistung erklaerte
Pastore im einzelnen, wie diese letzten Endes allen Arbeitern zugutekomme. Er betonte, dass eine bessere Verteilung der Gewinne
erforderlich sei, um den Lebensstandard der Arbeiter so zu steigern, wie sie es verdient haben. Er forderte nachdruecklichst den
italienischen Unternehmerverband "ConfIndustrie" auf, fuer eine
gleichmaessi^.ere Besetzung der Betriebsausschuesse und der Tarifverhandlungskomitees zu sorgen.
Pastore sagte, -der CISL sei fuer eine "Reform des Wirtschaftssystems, wobei es erforderlich ist, dass die Gewerkschaften auch in
der Betriebsleitung selbst mitwirken." Er bestaetigte erneut das
uneingeschraenkte Recht der Arbeiter zu streiken, fuegte jedoch
hinzu, dass die neue Organisation gegen jeden Versuch, Streiks fuer
politische Zwecke auszunutzen, ankaempfen werde.
Er versicherte ausserdem den selbstaendigen Gewerkschaften,
dass sie im CISL gleiche Rechte haetten. Er forderte alle Arbeiter
auf, ihre Aufgabe als Gewerkschafter sehr ernst zu nehmen und nicht
zu vergessen, dass die Gewerkschaftsbewegung fuer das Leben der
breiten Masse der italienischen Arbeiter und fuer das Volk selbst
von ausschlaggebender Bedeutung sei. Er forderte weiter die Intensivierung der Mitgliederwerbung, die bereits im Gange ist.
Abschliessend erklaerte Pastore, dass es zu einer Zeit, in
der man versucht, die Arbeiter gegen die Sicherheit ihres eigenen
Landes und womoeglich fuer einen Eroberer zu mobilisieren, es unumgaenglich notwendig sei, dass "die demokratischen Arbeiter von
neuem ihren Glauben und ihre Liebe fuer Italien bestaetigen muessen."
Es wurde betont, dass sich die 1.600.000 Gewerkschaftsmitglieder
des neuen Gewerkschaftsbundes verpflichten, zur Erringung wirtschaftlicher Verbesserungen zugunsten der Arbeiterschaft einen
nichtpolitischen Kurs einzuschlagen.
LCGIL, FIL und die selbstaendigen Gewerkschaften wurden durch
eine Erklaerung offiziell aufgeloest, die von Roberta Guzzaniti
verlesen wurde und daraufhin die offizielle Gruendung des CISL proklamierte. Er sagte: "Der CISL verpflichtet sich, fuer folgende
Ziele zu kaempfen: 1) das Recht auf Arbeit, 2) das Recht auf
soziale Sicherheit, 3) das Recht, an der Gestaltung der '.'Wirtschaftspolitik des Landes teilzunehmen, 4) das Recht auf Sicherheit der
Beschaeftigung, 5) das Recht auf soziale Sicherheit in ihrer umfassendsten Form, 6) das Recht, sich in Gewerkschaften zusammenzuschliessen und jede gewerkschaftliche Taetigkeit frei auszuueben,
wozu auch das Recht des Streiks gehoert, 7) "das Recht der Vertretung und der Anerkennung, um es der Arbeiterschaft zu ermoeglichen,
bei der Formulierung der Sozialpolitik des Landes ihren Einfluas
auszuueben, und 8) das Recht der Gewerkschaften, an der Betriebsleitung und an dem Besitz der Produktionsmittel beteiligt zu sein.
Mach der Wahl Pastores zum Generalsekretaer wurden die folgenden
fuenf Gewerkschafter von den Delegierten zu Sekretaeren ernannt:
Giovanni Canini, Paolo Consoni, Roberto Cuzzaniti, Luigi Morella und
Enrico Parri. Zu Vizesekretaeren wurden gewaehlt: Alberto Caielli,
Dionigi Coppo, Giuseppe Giuffre, Amleto Mantegazza, iinselmo Martoni,
A^nio Claudio Rocchi, Bruno Stroti und Ermanno Trebbi.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VI/8/50
GEWERKSCHAFTEN AMERIKA! UNTERSTUET2EN TRUMANS MOBILISIERUNGSPLAN
Die amerikanischen Gewerkschaften haben Praesident Truraans Forderung von 10 Milliarden Dollar, mit denen die Vereinten Nationen
die Republik S-ued-Korea unterstuetzen sollen, sofort befuerwortet.
- 14 -

�Der Vorsitzende Philip Murray beglueckwuenschte im Namen des
CIO den Praesidenten zu "dem grossen Programm, das er zur Abwehr
des kommunistischen Angriffs auf den V/eltfrieden in Korea und zur
Staerkung der Verteidigung der Nationen gegen alle internationalen
Bedrohungen des Friedens vorgeschlagen hat.n
Murray erkläerte, dass der CIO nicht nur die 10 Milliarden
Forderung, sondern auch die Vorschlaege zur Kontrolle der industriellen Produktion und Einrichtungen sowie des Verbraucherkredits
unterstuetze. "Das amerikanische Volk muss den Anforderungen, die
mit der unvermeidlichen Erhcehung der Ausgaben fuer militaerische
Zwecke gestellt werden, gerecht werden."
Zuvor hatte Vorsitzender William Green vom Amerikanischen Gewerkscheftsbund AFL erklaert, die Reaktion, die die Forderungen
Trumans in seiner Organisation ausgeloest habe, sei "sehr guenstig"
gewesen. Wir sind der Auffassung, dass die Verwaltung soviel Geldmittel zur Verfuegung haben muss, wie noetig sind, um die Aufgaben,
die unseren Streitkräften gestellt werden, erfuellen zu koennen."
Green sagte, er halte Preiskontrollen, Lohnstops oder die Verpflichtung der Gewerkschaften, nicht zu streiken, bis jetzt nicht fuer
erforderlich. Die Gewerkschaftsbewegung würde der Regierung in der
Korea-Krise ihre volle Unterstuetzung zuteil werden lassen.
Die Vorsitzenden Green und Murray sind zusammen mit anderen leitenden Funktionaeren amerikanischer Gewerkschaften Mitglieder eines
Komitees, das mit Vertretern der Regierung Verhandlungen fuehrt, um
Massnahmen zur Unterstuetzung der Handlungen der Vereinten Nationen
fuer Notfaelle zu planen.
Arbeitsmitteilunr-en der ECA
VII/26/50
Ray Boyfield, Sekretaer der Organisationsabteilung des Britischen
Gewerkschaftsbundes (TÜC):
BSVINS GEWERKSCHAFT BESITZT FONDS FUER POLITISCHE zraCKE
Mehr als ein Viertel saemtlicher Gewerkschafter Englands gehoeren drei grossen Gewerkschaften an. Die groesste i^t die Gewerkschaft der Transport- und Allgemeinen Arbeiter (Transport and General
Workers' Union).
Die GTAA zaehlt augenblicklich mehr als 1.250.000 I itglieder und
setzt sich aus etwa 50 verschiedenen Organisationen zusammen, die
frueher selbstaendig waren. Sie wurde im Jahre 1922 durch den Zusaramenschluss von 14 Gewerkschaften gebildet, in denen heuptsaechlich Dockarbeiter, Strassen-, Transportarbeiter und Arbeiter schlechthin organisiert waren.
Ihre Gruender, zu denen auch Ernest Bevin, der erste Sekretaer
der Gewerkschaft, gehoerte, hatten den Wunsch, fuer des ganze Land
verbindliche Tarifvertraege abzuschliessen. Sie erkannten dabei,
dass eine starke Organisation erforderlich ist, um mit den einzelnen Organisationen der Unternehmerschaft erfolgreich verhandeln zu
koennen.
Fuer die Gewerkschaft arbeiten etwa 600 hauptamtliche Funktionaere, die jedoch in keinem Fall das Recht haben, als Delegierte an
einer Konferenz teilzunehmen oder in irgendeinem der Ausschuesse ihre
Stimme abzugeben. Offene Stellungen koennen nur von Mitgliedern besetzt werden, die in dem betreffenden Beruf taetig sind. Mitglieder
kommunistischer oder faschistischer Organisationen koennen jetzt
- 15 -

�nicht mehr Gewerkschaftsfunktionär werden und koennen die Gewerkschaft auch nicht in den verschiedenen Koerperschaften vertreten,
denen sie angegliedert ist.
Mit dem Kapital, das der Gewerkschaft zur Verfuegung steht,
(es belaeuft sich auf ueber 76.440.000 DM) und ihrem umfangreichen
Personalstab ist es ihr moeglich, auch solche Referate zu unterhalten, deren Ziel die Forschung, Erziehung, Gesetzgebung und Politik ist und die ausschliesslich auf die gewerkschaftliche Arbeit
zugeschnitten sind. Die Rechtsabteilung steht den Funktionaeren beratend zur Seite, wenn es sich um ünfaelle, angeblich ungerechtfertigte Entlassungen, Uebertretungen des Gesetzes ueber den Strassentransport und aehnliches handelt; es ist ausserdem ihre Aufgabe,
die Ursachen von Berufskrankheiten festzustellen und neue Sicherheitsmassnahmen zu entwickeln.
Die politische Aktivitaet wird aus einem Sonderfonds finanziert, der aus freiwilligen Zuwendungen gespeist wird. Nahezu eine
Million Mitglieder der Gewerkschaft zahlen diese Abgabe fuer politische Zwecke, die dazu verwendet wird, die von der Delegiertenkonferenz (praktisch die Labour Party) bevorzugte politische Partei und
die Gewerkschaftskandidaten in oertlichen und Parlamentswahlen zu
unterstuetzen. Bei den letzten allgemeinen Wahlen wurden 26 Gewerkschaftsmitglieder in das Unterhaus gewaehlt.
AFL Wedkly News Service
VII/25/50
HILFE FUER INDIEN
Eine Mission des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften,
die den Fernen Osten und Suedostasien bereiste, hat den Vorschlag
gemacht, die Wirtschaft" Indiens anzukurbeln und zu erweitern und
die dadurch entstehenden Gewinne den Gewerkschaften!dieses Landes
zugute kommen zu lassen.
Nach einer Aussprache mit fuehrenden indischen Persoenlichkeiten,
zu denen auch Premierminister Nehru gehoerte, erklaerte ein Sprecher
der Gruppe, ein Teil der wesentlichen Hilfsmassnahmen fuer Indien,
wie zum Beispiel die Erschliessung seiner natuerlichen Hilfsquellen,
koenne nicht durch die Aufbringung auslaendischen Privatkapitals
geloest werden, ^in Mitglied des Ausschusses unterstrich die Dringlichkeit des Ernaehrungsproblems in Asien und forderte sofortige
materielle Hilfe fuer die asiatischen Voelker.
Der fuenfkoepfigen Mission des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften gehoeren Gordon Chapman und John Brophy als Vertreter der AFL und des CIO an, ferner F. W. Dalley vom Britischen Gewerkschaftsbund (TUC), Roger de Keyzer vom Belgischen Gewerkschaftsbund
und Deven Sen^ vom Indischen Gewerkschaftsbund. Unter Zugrundelegung der von der Gewerkschaftsmission angestellten Beobachtungen wird
der Internationale Bund Freier Gewerkschaften die Errichtung eines
gewerkschaftlichen Stuetzpunktes einer regionalen Organisation in
Asien und die Eroeffnung mindestens einer Gewerkschaftsschule zur
Ausbildung junger Gewerkschafter fuer dieses Gebiet beschliessen.
Weekly Labor News Digest
VI1/18/50
- 16 Office of Labor A f f a i r s
AP0 757

ÖFFICIAL

HICCCta-U7e L H

*-gust 50 19t C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder,
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

T U _ 2-i

Frankfurt, 18. August 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Vollbeschaeftigung, ein grundlegendes Ziel der
Gewerkschaftsbewegung - - - - - - - - - - l
„FL: Hoehere Kaufkraft, ein Mittel zur Behebung
der Arbeitslosigkeit
- - - - - - - - - - 8
Das Probler- der erwerbslosen Jugend in Oesterreich
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 1
.Amerikanische Gewerkschaften sichern der Regierung ihre Unterstuetzun? in kritischen
Situationen zu - - - - - - - - - - - - - - - 12
Die Gewerkschaften Amerikas sind produktivitaet3bewusst - - - - - - - - - - - - - - - - 1 3
Zum Erfolg ^ehoert ebenso der Verstand wie
Kraft! -'14
Landkultivierung In Italien schafft 500.000
Arbsitsplaetze - - - - - - - - - - - - - - - 1 6
Alfred Braunthal:
VXLI-SSCIli.EFTIGUKG, SIN GRUNDLEGENDE0 ZIEL DER GEV ERKSClkFTSBE.VECUNG
Seit dem Anbruch des industriellen Zeitalters ist die wirtschaftliche Unsicherheit zum Fluch des Arbeiters geworden; er hat
sich immer nach einer wirtschaftlichen und sozielen Ordnung gesehnt,
in der ihm die staendige Beschaeftigung, ein anstaendiger Lebensstandard und anstaendige Arbeitsbedingungen gesichert sind. Es ist
unbestritten, dass die Geissei der Massenarbeitslosigkeit vermieden
und die Vollbeschaeftigung durch kluges Handeln geschaffen und beibehalten werden kann, um so mehr muessen die freien Gewerkschaften
auf der Errichtung eines Wirtschaftssystems bestehen, in dem die
Vollbeschaeftigung garantiert ist. Damit sind sie zu den Verfechtern
der systematischen Vollbeschaeftis'ungspolitik geworden. Es war deshalb eine Selbstverstaendlichkeit, dass der Internationale Bund Freier
Gewerkschaften auf seiner Gruendungskonferenz in London sowohl in
seiner Satzung- als auch in seiner Erklaerung zu den wirtschaftlichen
und sozialen Forderungen ein Wirtschaftssystem fordert, das die
Vollbeschaeftigung ermoeglicht.
Das Vollbeschaeftigungsprogramm des IBFG, wie es in diesen beiden grundlegenden Dokumenten niedergelegt ist, zeigt, dass immer
groessere Kreise der Arbeiterschaftsich der Bedeutung der Vollbeschaef tigung bewusst werden. Diese neue Wartung des Begriffs der
Vollbeschäftigung wiederum findet in der Erweiterung der Ziel- 1-

�setzung der Gewerkschaftsbewegung ihren Niederschlag, die in den
Forderungen des IBFG am deutlichsten zum Ausdruck kommen.
Vor dem Kriege konzentrierte sich die Aufmerksamkeit der
internationalen GewerkschaftsOrganisation wie ueberhaupt das Interesse und die Sorge der organisierten Gewerkschaftsbewegung
schlechthin fast ausschliesslich auf die Industriestaaten der Welt.
Natuerlich fehlte es auch nicht an Anteilnahme an dem Los jener Arbeiter, die in den industriell weniger fortgeschrittenen Gebieten
der Welt leben. Die organisierte Arbeiterschaft lehnte aufrichtig
eine koloniale Ausbeutung der Arbeiter in den rueckstaendigen Gebieten *ab. Da die Probleme der Arbeiter jener Gebiete Jedoch immer
ziemlich nebensaechlich schienen, war die Gewerkschaftsbewegung der
Industriestaaten wenig bemueht, diese Probleme zu loesen oder nach
Mitteln und Wegen zu ihrer Loesung zu suchen.
Das Interesse der Gewerkschaftsbewegung an einem Wirtschaftssystem der Vollbeschaeftigung war auf die Industriestaaten konzentriert. Die wahre Vorstellung von der Vollbeschaeftigung blieb auf
die industriellen Sektoren der Weltwirtschaft beschraenkt. Der
Einstellung zu dem Vollbeschaeftigungsproblem schwebte die Beschaeftigunesstruktur in Industriestaaten vor. In diesen Laendern
ist die Arbeitslosigkeit groesstenteils periodisch und tritt infolge des zyklischen Kachfragemangels fuer Massenbedarf auf. Es ist
*ene Art der Arbeitslosigkeit, die an erster Stelle fuer die grosse
Wirtschaftskrise zu Anfang der dreissiger Jahre verantwortlich war.
Die unbeschreibliche Not, die die Arbeiter als Folge dieser Katastrophe traf, bestaerkte sie in ihrer Entschlossenheit, nie wieder
das Aufkommen einer solchen Krise zu dulden. Seit jener Zeit hat
die Gewerkschaftsbewegung den Problemen der periodischen Massenarbeitslosigkeit in Industriestaaten groesste Aufmerksamkeit gewidmet
und sich damit ausreichende Erfahrungen in der Politik zur Verhuetung dieser Arbeitslosigkeit erworben.
Inzwischen hat die internationale Gewerkschaftsbewegung jedoch
ihren .Virkungsbereich weit ueber die Grenzen der Industriestaaten
der Welt hinaus ausgedehnt. Der IBFG hat von Anfang an nicht nur
versucht, alle Arbeiter in allen freien Staaten der Welt ohne Ruecksicht auf den Grad der industriellen Entwicklung ihres Landes zu
erfassen und ihnen zu helfen, sich zu organisieren und die gemeinsamen Ziele zu erreichen, sondern war auch mit allen Mitteln bemueht, inre besondere Tot und Probleme zu verstehen und zu berueck3iOhtigen. Der IBFG hat damit erreicht, dass das Beschaeftigungsoroblem sowohl fuer die Arbeiter der Industriestaaten als auch fuer
diejenigen der industriell weniger entwickelten Laender als das bedeutsamste anerkannt wird; er ist sich jedoch darueber im klaren,
da33 3ich das Beschaeftigungsproblem in dem letztgenannten Sektor
der Weltwirtschaft wesentlich von dem im industriellen Sektor unterscheidet.
Waehrend das Beschaeftigungsproblera der Industriestaaten vornehmlich von periodisch auftretenden Faktoren gekennzeichnet ist,
ist es in den meisten wirtschaftlich weniger entwickelten Laendern
chronisch, obwohl die Arbeitslosigkeit dort meistens von dem Deckmantel der Unterbeschaeftigung verborgen wird. Tatsaechlich ist das
Beschaeftigungsproblem in dem industriell unterentwickelten Sektor
der 'Weltwirtschaft im wesentlichen ein Entwicklungsproblem, und der
IBFG hat durch die Tatsache, dass er die wirtschaftliche und soziale
Entwicklung jener Gebiete in seinen beiden grundlegenden Satzungen
besonders verankerte, sein eingehendes Verstaendnis fuer die Beschaeftigungsprobleme bewiesen.
Es ist bemerkenswert, dass der IBFG nicht die einzige internationale Organisation ist, die sich mit den Problemen der Vollbe- 2-

�achaeftigung beschaeftigt hat. Die organisierte Arbeiterschaft ist
ebenso direkt wie indirekt in weltumfassenden internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen und der Internationalen Arbeitsorganisation vertreten, und es ist erfreulich, festzustellen, dass
sich die Einstellung dieser internationalen Koerperschaften zum
Beschaeftigungsproblem in der gleichen Richtung entwickelt hat wie
die der internationalen freien Gewerkschaftsbewegung. Beide Organisationen haben in juengster Zeit mehr und mehr ihre Aufmerksamkeit
dem Problem der Vollbeschaeftigung mit seinen verschiedenen Blickpunkten in Industriestaaten und in industriell unterentwickelten Laendern gewidmet. Die Vereinten Nationen und die Internationale ArbeitsOrganisation haben unlaengst die Ergebnisse umfassender Studien auf
diesem Gebiet veroeffentlicht und haben sie zum Gegenstand von Besprechungen gemacht, die zum erstenmal waehrend der Sitzung des
'.Virtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen im Januar 1950
gefuehrt und bei den Sitzungen dieses Rates und der Internationalen
Arbeits-Organisation im Sommer fortgesetzt wurden. Der IBFG hat
sich bereits aktiv an diesen Besprechungen beteiligt und wird auch
weiterhin sich nachdruecklichst fuer reale und wirksame Aktionsprogramme einsetzen.
In diesem Artikel wird versucht, die Probleme kurz zu erlaeutern, die einerseits mit der periodischen Arbeitslosigkeit, wie sie
fuer die Industriestaaten kennzeichnend ist, und andererseits mit der
chronischen Arbeitslosigkeit in Zusammenhang stehen, die in industriell
wenig- entwickelten Laendern vorherrschen. Es wird ausserdem versucht
werden, und zwar unter Zugrundelegung jener Beobachtungen, die der
IBFG zu dem Bericht der Vereinten Nationen ueber die Vollbeschaeftigungsfrage angestellt hat, die von den freien Gewerkschaften in Erwaegung gezogenen Loesungen dieser Probleme klarzulegen.
Es muss von Anfang an darauf hingewiesen werden, dass selbst
in Industriestaaten Massenarbeitslosigkeit nicht immer periodisch
bedingt ist. Arbeitslosigkeit kann auch andere Ursachen haben, wie
zum Beispiel die Vernichtung der Kapitalquellen durch den Krieg.
In kriegszerstoerten Laendern wie Deutschland und Oesterreich ist
dies selbst heute noch ein Faktor, der fuer die Massenarbeitslosigkeit mitverantwortlich ist, obwohl die Marshall-Plan-Hilfe viel
dazu beigetragen hat, diese Notzeit zu ueberwinden. Eine andere,
nichtperiodische Ursache der Massenarbeitslosigkeit ist der ungeheure Zustrom von Ausgewiesenen und Fluechtlingen nach Deutschland
und Oesterreich, fuer deren Beschaeftigung es an den erforderlichen
Voraussetzungen in diesen Laendern fehlt,"d.h. an Arbeitsplaetzen,
Betrieben, Rohmaterialien und aehnlichem.
Diese Art Arbeitslosigkeit ist in Industriestaaten jedoch verhasltnismaessig selten. Der vorherrschende Typ der Massenarbeitslosigkeit ist durch periodische Schwankungen des Wirtschaftsablaufs bedingt. Zur Erklaerung dieser Art Arbeitslosigkeit hat sich eine Auffassung eingebuergert, die auf die Beschaeftigungstheorie Lord
Keynes» zurueckgeht. Die Tatsache, dass die Auffassung Keynes' nicht
nur unter den zeitgenoessischen Volkswirtschaftlern und in den Reihen
der Gewerkschaftsbewegung ziemlich allgemein verbreitet ist, sondern
auch die theoretische Grundlage der beiden von den Vereinten Nationen und der Internationalen Arbeits-Organisation durchgefuehrten
Studien bildet, ist zwar kein Beweis fuer ihre Richtigkeit, sie zeigt
aber auf jeden Fall, dass sie viele im Zusammenhang stehende Tatsachen
auf befriedigende Art und Weise aufeinander abstimmt und wertvolle
Hilfe in der Schaffung einar konstruktiven Auffassung in der Frage
der industriellen Arbeitslosigkeit und der Mittel und Wege zur Bekaeimfung dieses Uebels leistet.
Gemaess dieser Auffassung kann in einem Industriestaat die Vollbeschaef tigung nur gesichert und erhalten werden, wenn der Massen- 3-

�bedarf an Waren und Dienstleistungen zum Zwecke des Verbrauchs,
der Investierungen, der Ausgaben der Regierung und - sichtbar oder
unsichtbar - der Exporte den Massenaufwendungen fuer Verbrauch,
Ersparnisse, Besteuerung und - sichtbar oder unsichtbar - fuer
Importe gleichkommen oder sie uebertreffen. Es gibt keine automatische Garantie dafuer, dass der Gesamtbetrag der linken Seite
dieser Gleichung dem auf der rechten Seite entspricht oder ihn
usbertrifft. Es kann sehr wohl vorkommen, dass die Nachfrage aus
*'angel an Kaeufen zurueckgeht, wenn z.B. ein Teil der Ersparnisse
nicht investiert wird und gleichzeitig ein Teil des Steueraufkommens
von der Regierung nicht ausgegeben wird und die Importe groesser
sind als die Exporte. Wenn die Kachfrage nach produzierten Waren
aus Mangel an Kaeufen zurueckgeht, d.h. wenn ein Teil der durch die
Produktion von Waren erzeugten Kaufkraft nicht dazu verwendet wird,
diese Waren zu kaufen, kann ein bestimmter Prozentsatz der produzierten Waren und der zur Verfuegung stehenden Dienstleistungen
nicht verkauft werden; daraus ergibt sich ein Rueckgang der Produktion unter ihre volle Kapazitaet, und ein Teil der Produktionsmittel, also auch die Arbeitskraft, bleiben untaetig.
Waehrend kein automatischer Mechanismus zur Verhuetung der
Massenarbeitslosigkeit als Folge einer zu geringen Nachfrage besteht, gibt es eine Tendenz, die auf die Behebung der wirtschaftlichen Unausgeglichenheit gerichtet ist, die zur Massenarbeitslosigkeit fuehrt. Denn dieses Fehlen des Gleichgewichts bewirkt ein
Absinken der Einkommen, der Ersparnisse, des Steueraufkommens und
der Importe, sodass das Gleichgewicht zwischen der Nachfrage nach
produzierten Waren und den Ausgaben der Nation unter Umstaenden
wieder hergestellt wird. Aus eben diesem Grunde ist jede Massenarbeitslosigkeit, die durch den Mangel an Nachfrage hervorgerufen
ist, eher periodischer als chronischer Natur. Auf der anderen Seite ist es in der modernen Gesellschaft der Industriestaaten dieser
periodische Charakter der Massenarbeitslosigkeit und folglich der
Beschaeftigungsmoeglichkeiten, der dem Arbeiter die wirtschaftliche Sicherheit nimmt, nach der er sich sehnt. Wenn die periodische
Massenarbeitslosigkeit nicht durch eine wirksame Politik der Vollbeschaeftigung ausgeschaltet wird, kann ein Arbeiter zwar zu gewissen Zeiten eine gute Moeglichkeit haben, einen Arbeitsplatz zu
finden, niemals jedoch kann er mit Sicherheit aussagen, wie lange
seine Beschaeftigung andauern und wann er dann eine neue finden
wird. Die Erfahrung hat ausserdem gelehrt, dass periodische Wirtschaftskrisen einen sehr grossen Prozentsatz von Arbeitern ihre
Beschaeftigung nehmen, die Arbeitslosigkeit kann eine ganze Reihe
von Jahren andauern.
Wirtschaftskrisen sind jedoch gluecklicherweise keine uebernatuerlichen Vorgaenge, denen die Menschen machtlos gegenueberstehen.
Es sind wirtschaftliche Entwicklungen, die, wenn sie klar erkannt
werden, durch Gegenmassnahmen wirksam bekaempft werden koennen, die
durch zielbewusstes Handeln in der Wirtschaft selbst hervorgerufen
werden koennen. Vor allem in den letzten Jahren ist diese Erkenntnis nicht nur.aksdemische Wissenschaft geblieben, sondern sie ist mit
groesstem Erfolg in verschiedenen Laendern angewandt worden. Die
beiden kuerzlich erschienenen Veroeffentlichungen der Vereinten Nationen und der Internationalen Arbeits-Organisation ueber Vollbeschaeftigung haben ausserdem wertvolle Beitraege zu den Erfahrungen
erbracht, die auf diesem Gebiet bereits erworben wurden, und sie
enthalten konstruktive Vorschlaege zu einem Plan nationaler und internationaler Massnahmen zur Schaffung einer Wirtschaft der Vollbeschaeftigung.
Waehrend es unmoeglich waere, in diesem Artikel den Riesenkomplex sozialwirtschaftlicher Fragen zu besprechen, die in der Politik
der Vollbeschaeftigung eine Rolle spielen, koennen die wichtigsten
Grundsaetze, sofern sie fuer die Industriestaaten zutreffend sind,
hier kurz eroertert werden.
- 4 -

�einige Prinzipien der Politik der Vollbeschaef tigung
Die wichtigsten dieser Grundsaetze sind folgende: Zu allererst
i~t eine Wirtschaft der Vollbeschaeftigung, im Gegensatz zu den
Behauptungen der Propagandisten autoritaere-r Systeme, kein Monoool
dieser Systeme. Die Vollbeschaeftigungstheorie hat gezeigt, und
die Erfahrung hat bewiesen, dass eine Wirtschaft der staendigen Vollbeschaef tigung in wirklich demokratischen Laendern moeglich ist, und
zwar bei einem weit hoeheren Lebensstandard und weit besseren Arbeitsbedingungen als in autoritaeren Staaten, weil freie Arbeiter,
in freien Gewerkschaften organisiert, einen weit hoeheren Lohnstand
und kuerzere Arbeitszeit erringen koennen, als autoritaere Regierungen
unter gleichen Bedingungen ihren Arbeitern gewaehren wuerden.
Zweitens erfordert eine 'Virtschaft der Vollbeschaeftigung keine
grundlegenden Veraenderungen in der wirtschaftlichen und sozialen
Struktur des Lande?, sondern nur eine feste Entschlossenheit, alle
Massnahmen anzuwenden, die geeignet sind, jegliches Fehlen d-js wirtschaftlichen Gleichgewichtes, das die Massenarbeitslosigkeit verursacht, zu beseitigen oder auszugleichen. Ob und in welchem Ausmass
es ein Land vorzieht, Privatunternehmen zu verdraengen und das verstaatlichte Unternehmen an seine Stelle zu setzen oder neue Industrien auf privater oder oeffentlicher Basis aufzubauen, und ob und
bis zu welchem Grad sich ein Land entschliesst, die verschiedenen
°ektoren der Wirtschaft, wie Preise, Loehne, Produktion und Investierung zu regulieren, wird von der vorherrschenden wirtschaftlichen
und sozialen Auffassung abhaengen. Ein Wirtschaft der Vollbeschaeftigung kann in jedem der verschiedenen Systeme errichtet werden,
vorausgesetzt, dass des Land entschlossen ist, erforderlichenfalls
jegliche Kombination der Massnahmen anzuwenden, die das die Massenarbeitslosigkeit verursachende Fehlen des wirtschaftlichen Gleichgewichts auszubleichen vermag.
Drittens, de das Fehlen des wirtschaftlichen Gleichgewichts auf
dem Gebiet des Verbrauchs,der Investierungen und der Ersparnisse,
der Steuern und der oeffentlichen Ausgaben, der Exporte und Importe,
auftreten kann, koennen auch die Abhilfen auf irgendeinem dieser
Gebiete gefunden werden und muessen nicht unbedingt in denjenigen
Gebieten angewandt werden, in denen dieses Fehlen des wirtschaftlichen Gleichgewichts entstanden ist. In welchem Sektor der Wirtschaft eine Ausdehnung gefoerdert werden rauss, um den Mangel an
T'achfrarre auszugleichen, wird davon abhaengen, wie leicht unter den
gegebenen Verhaeltnissen der eine oder andere Sektor ausgedehnt werden kann; aber auch die politischen, sozialen und wirtschaftlichen
Gesichtspunkte, die in einem Lande vorherrschen, werden hierbei eine
Rolle spielen.
Aus diesen drei Grundsaetzen ergibt sich, dass die Wirtschaft
der Vollbeschaeftigung nicht, an ein starres sozialwirtschaftliches
"'chema gebunden ist, das alle sozialen und politischen Kraefte zwingen wuerde, in ihren Handlungen eine bestimmte Linie genauestens zu
befolgen, sondern dass sie weiten Spielraum fuer Diskussionen und
Verfechtungen verschiedener Standpunkte offen laesst, besonders zwischen konservativen und fortschrittlicheren Gruppen, und Raum fuer
AIternetivloesungen freibleibt. Es ergibt sich ausserdem, dass
die Tatseche, dass gewisse wirtschaftliche und soziale Massnahmen
zur Vollbeschaeftigung beitragen, unsere Unterstuetzung dieser Massnahmen en sich nicht rechtfertigt, wenn Alternativmassnahmen moeglich waeren, die in gleichem Messe zur Vollbeschaeftigung beitreten wuerden, eber voa fortschrittlichen Stendpunkt der freien Gewerkschaften aus zu bevorzugen waeren.
Das deutlichste Beispiel einer sozial unerwuenschten Politik
der Vollbeschaeftigung ist die der Sowjetunion, die spaeter von den
- 5-

�Sowjets auch ihren Satelliten aufgezwungen wurde. Das Vollbeschaeftigungssystem dieser Länder beruht auf einer uebermaessi^en
Ausdehnung der Investierungen und Aufwendungen fuer mllltierische
Zwecke auf Kosten des Verbrauchssektors der Wirtschaft, d.h., auf
Kosten eines niedrigen Lebensstandards und klaeglicher Arbeitsbedingungen.
Sine fortschrittliche Politik der Vollbeschaeftigung muss sich
dagegen bei Jedem Versuch, die Vollbeschaeftigung zu schaffen und zu
erhalten, auf den Verbrauchssektor konzentrieren. Das schliesst jedoch nicht ein, dass freie Gewerkschaften in Prinzip oder in der
"Praxis der Foerderung von Kapitalinvestitionen als ausgleichende
Massnahme feindlich gegenueberstehen. 2s gibt zunaechst einmal
viele Formen der Kapitalanlagen, insbesondere der oeffentlichen Anlagen, die an sich von sozialen Standpunkt aus hoechst wuenschenswert sind, wie z.B. Wohnungsbau, Errichtung von Schulen, Krankenhaeu3ern und aehnliches; ferner ist unter gewissen Umstaenden, wie z.B.
al3 Folgeerscheinung von Kriegsschaeden oder industrieller Stoerungen
jeglicher Art ein Anstieg in der Kapitalanlagerate wuenschenswert,
selbst wenn sie den Gewerkschaften voruebergehend eine Zurueckhaltung
in ihren Forderungen nach Lohnerhoehungen auferlegt. Ausserden erweist sich eine wirtschaftliche Ausdehnung besonders von oeffentlichen Investierungen (oeffentliche Arbeiten) haeufig als aeusserst
prompte und wirksame Methode zur Bekaempfung der Arbeitslosigkeit.
Im allgemeinen jedoch wird die Politik der-freien Gewerkschaften auf eine Erweiterung des Verbrauchssektors der Wirtschaft gerichtet 3ein. Sie beruht auf der Ueberzeugung, dass der sozial wuenschenswerteste und wirtschaftlich gesuendeste Weg zum Aufhalten oder
zur Verhuetung der Massenarbeitslosigkeit im allgemeinen eine Steigerung des Verbrauchs und seine Foerderung ist. 2s ist selbstverstaendlich die Aufgabe der Gewerkschaften selbst, zur Erreichung
dieses Zieles beizutragen, indem sie Lohnkuerzungen in Depressionsnerioden verhindern und auf Lohnaufbesserungen bestehen, wo immer
dies wirtschaftlich moeglich ist. Sie.werden aber auch darauf bestehen muessen, dass die Regierungspolitik auf die Ausdehnung des
Verbrauchs gerichtet ist, was in folgenden Massnahmen zum Ausdruck
kommen muss: anstaendige Mindestloehne, angemessene Leistungen der
Sozialversicherung, Familien- und Kinderbeihilfen, Herabsetzung der
Steuern, die den Verbrauch einschraenken, Massnahmen zum Niedrighalten der Preise, insbesondere eine wirkungsvolle Antimonopol-Politik,
Beihilfen fuer die Landwirtschaft und aehnliches.
Es ist aber .nicht nur von Wichtigkeit, die Ursachen fuer das
Fehlen des wirtschaftlichen Gleichgewichtes zu verstehen und zu
wissen, wie sie ueberwunden werden koennen; die Frage der Zeit,
die diese ausgleichenden Massnahmen in Anspruch nehmen, ist nicht
weniger wichtig. Wenn es wahr ist, dass fuer jeden Aktlonsplan
der Faktor Zeit von Bedeutung ist, dann trifft es im besonderen
fuer Massnahmen zugunsten der Vollbeschaeftigung zu, dass Schnelligkeit der Kern der Sache ist. Wirtschaftsdepressionen, die sich
selbst ueberlassen bleiben, haben naemlich die Tendenz, sich stetig
und rapid zu verschlimmern. Wenn Produktion und Beschaeftigungsstand in einem Sektor der Wirtschaft absinken, wird das sich hieraus ergebende Fallen der Kaufkraft zu einer Einschraenkung des Bedarfs auch fuer andere Gueter fuehren, und die nach unten gerichtete Spirale wird schliesslich die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.
Es ist deshalb wichtig, dass ausgleichende Massnahmen in einem
sehr fruehen Stadium einer jeden wirtschaftlichen Abwaertsentwicklung
beschlossen und ausgefuehrt werden, um eine sich selbst foerdernde
Verschlechterung der Wirtschaftslage zu verhindern. Di3s erfordert
- 6 -

�schnelle Entscheidungen durch Regierungen und gesetzgebende Organe,
las heilst, eine bewegliche Regierungs- und Gesetzgebungsmaschinerie, die in der Lage ist, die Wirtschafts- und Sozialpolitik den
sich aendernden Wirtschaftsverhaeltnissen so schnell wie moeglich
anzupassen.
Die Anpassung der Politik an sich aendernde Verhaeltnisse
wird durch Massnahmen erheblich erleichtert, die mehr oder weniger
automatisch funktionieren, sobald sich die Bedingungen aendern.
Der bedeutendste dieser "eingebauten Stabilisatoren" ist ein
fortschrittliches Arbeitslosenversicherungssystem. Wenn jeder
Arbeiter, der seine Beschaeftigung verloren hat, Anspruch auf Arbeitslosenunterstuetzung hat, wenn ihm eine Wartezeit erspart
bleibt, wenn die Unterstuetzung in einem angemessenen Verhaeltnis
zu seinem frueheren Einkommen steht, und wenn er das Recht hat,
Unterstuetzung fuer die Gesamtdauer seiner Arbeitslosigkeit zu beziehen, dann wird der durch Arbeitslosigkeit verursachte Verlust an
Kaufkraft auf ein Minimum reduziert, und die Faehigkeit des Verbrauchssektors der V.'irtschaft, das in anderen Sektoren auftretende
Fehlen des wirtschaftlichen Gleichgewichts auszugleichen, gestaerkt.
Andere stabilisierende Massnahmen sind ein reichlicher Vorrat an
oeffentlichen Arbeiten, mit denen bei einer Verschlechterung der
Beschaef tigungsbedin.^ungen begonnen werden kann, und Massnahmen, die
zu einer weitgehenden Beweglichkeit der Arbeitskraefte beitragen,
sodass in einer Industrie arbeitslos gewordene Arbeiter muehelos in
andere Industrien hinueberwechseln koennen. Zu diesen Massnahmen
gehoeren Entschaedigungen, die bei der Entlassung gezahlt werden,
Regierungszuschuesse zu den Umzugskosten, leistungsfaehige oeffentliche Arbeitsvermittlungsbehoerden, entsprechende Schulungs- und Umschulungseinrichtungen und eine umfassende Versorgung mit anstaendinen Wohnungen.
Die Notwendigkeit internationaler Massnahmen
Es muss klar erkannt werden, dass die Beschaeftigungsbedingungen
in industrialisierten Laendern nicht allein von der Politik der betreffenden Laender abhaengig sind. Es ist zuvor bereits auseinandergesetzt worden, dass unter den Sektoren der Wirtschaft, die den Beschaef tigungsgrad beeinflussen, derjenige der Wirtschaftsbeziehungen
zum Ausland eine Rolle spielt. In einigen Laendern steht der Aus3enhandel zu der volkswirtschaftlichen Produktion in einem derartigen
Verhaeltnis, dass der Beschaeftigungsstand weitgehend von dem Volumen
d9s Aussenhandels abhaengig ist. Diese Laender reagieren deshalb
besonders leicht auf Veraenderungen im Welthandel und koennten deshalb schwerlich die Beschaeftigung durch eigene Massnahmen allein
stabilisieren, es sei denn, dass sie von wirksamen Vollbeschaefti^ungsma3snahraen in anderen Laendern begleitet sind. Im Gegensatz
hierzu gibt es Laender, wie z.B. die Vereinigten Staaten, deren Aussenhandel im Vergleich zu ihrer Produktion verhaeltnismaessig gering
ist, aber doch einen sehr wichtigen Faktor auf den Weltmaerkten darstellt. Ein Fehlen das wirtschaftlichen Gleichgewichtes, das die
Beschaeftigungslage in solchen Laendern in Mitleidenschaft zieht,
hat immer die Tendenz, sich auf viele andere Laender auszudehnen.
Aus diesen Betrachtungen ergibt sich, dass die Vollbeschaeftigungspolitik ausser nationalen auch internationale Massnahmen erfordert. Damit die Vollbeschaeftigungspolitik in Laendern, die auf
Aussenhandel angewiesen sind, durch das Fehlen des wirtschaftlichen
Gleichgewichts, das vom Ausland kommend sich ausdehnt, nicht vereitalt wird, muss die Vollbeschaeftigungspolitik in allen industrialisierten Laendern durch internationale Massnahmen koordiniert werden.
Diese Massnahmen sind ausserdem erforderlich, um den Aussenhandel
staendig auf der gleichen Stufe zu halten und angesichts eines Rueckgansrs der Nachfrage nach ausleendischen Waren den exportierenden
Laendern, die von einem solchen Nachlassen der Nachfrage nach ihren
- 7-

�Waren betroffen werden, zu helfen, ihren ^rcduktions- und Beschaeftigungsstand aufrechtzuerhalten.
Es wird eine der groessten Aufgaben der Vereinten Nationen
und der Internationalen Arbeits-Organisation sein, eine internationale Koordinierung der Vollbeschaeftigungspolitik aller industrialisierten Laender zustendezubringen. Zur Ermutigung und Stabilisierung des Aus^enhandels and der Zahlungsbilanzen sind verschiedene
Schritte unternommen worden, insbesondere die Schaffung des Internationalen Waehrungsfonds , internationale Handelsvertraege, die
Vorbereitungen zur Errichtung einer Internationalen Handelsorganisation und die amerikanische Hilfe fuer Europa in Form des Marshallr,
lans. Was noch zu tun bleibt, ist, alle internationalen Massnahmen
auf diesem Gebiet auf das Ziel einer international koordinierten
WirtsChaft der Vollbeschaeftigung in allen Laendern zu konzentrieren.
Es kann jedoch nicht genug darauf hingewiesen werden, dass
das Weltproblem der Vollbeschaeftigung ungeloest bliebe, wenn selbst
eine noch so folgerichtige und beharrliche Politik der Vollbeschaeftigung, auf nationaler und internationaler Basis, auf den industriellen Sektor der Welt beschraenkt bliebe; die industriellen Laender
wuerden letzten Endes die Verlierer sein, wenn sie die Tatsache
vernachlaessigten, dass die industriell weniger entwickelten Laender
aoch mehr unter dei chronischen Unterbeschaeftigung leiden als sie
selbst unter den periodischen Zyklen der Massenarbeitslosigkeit.
Da die freien Gewerkschaften der industrialisierten und der industriell rueckstaendigen Gebiete der demokratischen Welt eine einzige
internationale Organisation gebildet und 3ich entschlossen haben,
gemeinsam als eine Einheit fuer die Verbesserung des Arbeiterloses
in allen Laendern zu kaempfen, muessen die -Menschen all dieser
Laender zusammenstehen. Im Bewusstsein der Gleichheit nicht nur
ihrer politischen, sondern auch ihrer sozialen und wirtschaftlichen
Interessen muessen sie sich zur gemeinsamen Loesung ihrer Probleme
zusammenschliessen. Das Problem der Vollbeschaeftigung muss als
eines der ersten in Angriff genommen werden.
Freie Gevverkschaftswelt
VI 1/50
AFL:

HOEHERE KAUFKRAFT. EIN MITTEL ZUR 3EhEBlfoG DLR - ARBEITS LOT IGKE IT

Der Exekutivausscnuss des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes
AFL erklaerte, die Forderung nach 60 Millionen Arbeitsplaetzen fuer
Amerikaner sei "ueberholt". Unternehmer und Regierung muessten dafuer sorgen, dass die Beschaeftigtenziffer staendig hoeher geschraubt werde. Die Gewerkschaften koennten ihr Teil dazu beitreten, indem sie neue, allgemeine Lohnerhoehungen durchsetzten, um
die Kaufkrait der Verbraucher als ein Mittel zur Erhaltung der hohen Beschaeftigung zu steigern. Die Einnahmen der Unternehmer im
ersten Quartal 1950 haetten bewiesen, dass sie sich jetzt wesentliche
Lohnerhoehungen leisten koennten.
Der Text der vom Sxekutivausschuss abgegebenen Erklaerung zur
Arbeitslosigkeit lautet:
Es waere gefaehrlich, der kuerzlichen Erklaerung des Statistischen Amtes allzu viel Bedeutung beizumessen, die besagte, dass
die Arbeitslosigkeit in den letzten beiden Monaten dieses Jahres
stark zurueckgegangen sei.
Die Gesamtzahl der erwerbslosen Arbeiter wurde von diesem Amt
vor zwei Monaten auf 3.500.000 geschaetzt, was ein Absinken gegenueber dem Vormonat um 600.0C0 und gegenuebe:? dem Monat zuvor um fast
- 8-

�1.200.000 bedeutet. Gleichzeitig war die Beschaeftigtenziffer vor
zwei Monaten um 1.100.000 uoeher als vor drei Monaten.
Obwohl dies eine hoffnungsvolle Entwicklung darstellt, bedeutet
es nicht, dass das Arbeitslosenproblem fuer die Vereinigten Staaten
nicht mehr besteht. Wichtig sind nicht nur die Veraenderungen von
Monat zu Monat, sondern vor allem die Tendenzen, die sich in einem
laengeren Zeitabschnitt abzeichnen. Man kann sicn nicht auf den
Bericht nur eines oder zweier Monate stuetzen, wenn man das Problem
der Arbeitslosigkeit beheben will.
Eine gruendliche Analyse der wirtschaftlichen Entwicklungen der
letzten Jahre, die die Arbeitslosigkeit beeinflussen, fuehrt zu
folgendem Ergebnis:
1. In der Fruehjahrssaison ist mit einem Ansteigen der Beschaeftigenziffer und einem Rueckgang in der Arbeitslosigkeit
zu rechnen. Im Baugewerbe und im Einzelhandel nimmt die
Beschaeftigung gewoehnlich zu. Darueberhinaus wurden in diesem
Jahre von der Bundesregierung mehr als 100.000 Zaehler fuer
die Volkszaehlung 1950 fuer zwei Monate voruebergehend beschaeftigt.
2. Obwohl sich die Lage vor zwei Monaten gebessert hatte, war
die Zahl der Arbeitslosen in diesem Monat hoeher als in dem
gleichen Monat der letzten Jahre seit 1941..
3. Der Prozentsatz der Erwerbslosen, die seit laengerer Zeit
ohne Arbeit leben muessen, ist bedenklich hoch. Von je drei
Erwerbslosen ist etwa einer 4 Monate oder noch laenger ohne
Beschaeftigung. Im vorigen Jahr war dieses Verhaeltnis nur
5:1.
4. Obwohl die Arbeitslosigkeit in gewissen Teilen des Landes
bedrohlichere Formen annimmt als in anderen (besonders in den
Staaten New-England, Middle-Atlantic und dem Westen), kann
sie nicht als rein lokales Problem angesehen werden. Alle
Gebiete sind von ihr in Mitleidenschaft gezogen.
5. Alle moeglichen Arbeiter, junge und alte, gelernte und
ungelernte, sind von der Arbeitslosigkeit betroffen. Den vorliegenden Angaben ist zu entnehmen, dass die aelteren Facharbeiter besonders schwer unter ihr zu leiden haben.
6.. Eine der Hauptursachen fuer die zunehmende Arbeitslosigkeit
ist die wesentliche Steigerung der Produktionsleistung. Die
Rekordausgaben seitens der amerikanischen Unternehmer "?uer
neue Maschinen und Einrichtungen in den Nachkriegsjahren spieg3ln sich in dem hoeheren Ausstoss je Arbeitskraft wider.
Wenn der Absatzmarkt fuer die in den Fabiiken hergestellten Waren nicht erweitert wird, muss auch weiterhin der Mangel an
Arbeitsplaetzen bestehen.
7. Durch den unausgeglichenen Haushaltsplan der Regierung,
der durch den Marshall-Plan und die grossen Ausgaben fuer die
Verteidigung bedingt ist, wird die Arbeitslosenziffer heruntergedrueckt.
Alle diese Probleme koennen nicht ueber Nacht geloest werden.
Es sind keine natuerlichen Nachkriegserscheinungen. Nur in sehr wenigen Faellen herrscht immer noch Mangel an Waren, die waehrend des
Krieges knapp waren (z.B. billige Wagen und Wohnungen).
- 9-

�Das Problem von heute ist, eine wirklich funktionierende
Wirtschaft mit hohen Beschaeftigungsziffern zu entwickeln. Wir
duerfen uns nicht mit einer V.'irtschaft zufrieden geben, die nicht
allen Sektoren unserer Bevoelkerung Wohlstand bringt. Obwohl es
selbstverstaendlich immer Arbeitslosigkeit in einem gewissen Grade
geben wird, muessen wir bestrebt sein, eine Wirtschaft aufzubauen,
in der kein qualifizierter Arbeiter, der seinen Arbeitsplatz verliert, lange warten muss, bevor er eine neue Beschaeftigung findet.
Es genuegt nicht, dass wir ein Abnehmen der Beschaeftigtenziffer verhindern. Unsere Wirtschaft muss staendig ausgedehnt
werden, damit sie die zahlreichen Arbeitskraefte aufnehmen kann,
die alljaehrlich dem Arbeitsmarkt neu hinzustroemen.
Das vielbesprochene Ziel, 60 Killionen Arbeitsplaetze zur
Verfuegung zu haben, ist ueberholt, weil der Arbeitsmarkt jaehrlich um fast eine Killion Arbeiter vergroessert wird. Kit dieser
Vergroe3serung Schritt zu halten, ist natuerlich keine leichte Aufgabe. Alle Teile unserer Wirtschaft - Unternehmer, Landwirtschaft,
Arbeiterschaft und Regierung - muessen gemeinsam an der Loesung
dieser Aufgabe arbeiten.
Bei der Ausarbeitung eines besonderen Programms, das uns einer
Wirtschaft mit hohen Beschaeftigungsziffern Aaeherbringen soll, ist
dem Problem des Verbrauche reinkoinmens nicht genuegend Aufmerksamkeit
gewidmet worden.
Wenn das Einkommen der Verbraucher des Landes auf einem hohen
Stand gehalten wird, kann auch ein hoher Beschaeftigungsstand garantiert werden. Wenn die Geschaeftsleute die Gewissheit haben, das3
sie ihre Erzeugnisse absetzen koennen, werden sie auch daran interessiert sein, ihre Betriebe zu erweitern und damit mehr Arbeitsnlaetze zur Verfuegung zu stellen. Es ist unsere Meinung, dass
wir zur Entwicklung einer Wirtschaft mit hohen Beschaeftigungsziffern besonders darauf bedacht sein muessen, den Verbrauchern
eine hohe Keufkraft zu sichern.
Obwohl der gegenwaertige Stand der Arbeitslosigkeit keine
"Krise" und keinen "Notfall" darstellt, fordert er doch dazu auf,
gewisse Schritte zu unternehmen. Wir muessen dafuer Sorge tragen,
dass die Arbeitslosen und ihre Familien versorgt werden und dass
Massnahmen ergriffen werden, die die groesstmoegliche Leistungsfaehigkeit unserer Wirtschaft garantieren.
Wir schlagen deshalb folgendes vor:
1. Das System der Arbeitslosenunters tuetzung muss gruendlich
revidiert werden, damit die Unterstuetzungszeit verlaengert und
die Unterstuetzungssaetze erhoeht werden.
2. Zur Erhoehung des Verbrauchereinkommens muessen die Gewerkschaften fortwaehrend um hoehere Loehne kaempfen. Die erhoehte
Kaufkraft als Folge des hoeheren Lohnstandes wird die Absatzmaerkte
fuer alle Arten von Waren und Dienstleistungen erweitern und die
Leistungsfaehigkeit der Verkaeufer anregen und die Umsaetze steigern.
Gleichzeitig muss die gesamte arbeitende Bevoelkerung in den
Genuss der Vorteile kommen, die Gewerkschaften und der hoehere
Lohnstand mit sich bringen. Damit wird die Bedeutung unterstrichen,
die dem zur Zeit gefuehrten Werbefeldzug der AFL zur Gewinnung
einer weiteren Million neuer Mitglieder im Verlauf des Jahres
1950 zukommt.
- 10 -

�3. Es muss alles getan werden, was in unseren Kraeften steht,
um leprliche fuehlbar9 Erhoehung der Verbraucherpreise zu verhindern.
Solange ein Mangel an Wohnraum besteht, wird zum Beispiel eine im
Bundesstaat einheitliche Mietkontrolle erforderlich sein, um unbegruendete Erhoehungen der Mietpreise zu verhindern. Die Geschaeftsieute muessen sich der Notwendigkeit bewusst sein, die preise
staendig zu senken; andernfalls werden sie mit feindlichen Reaktionen seitens der uebrigen Bevoelkerung zu rechnen haben.
4. Lokalausschuesse fuer Vollbeschaeftigung koennen wertvolle
Dienste leisten, indem sie die Aufmerksamkeit auf die Probleme
besonderer Gebiete lenken und Massnahmen zur Hebung des dortigen
Bescheeftipiungsgrades ergreifen. Da diese lokalen Ausschuesse auf
zahlreiche Ursachen der Arbeitslosigkeit keinen Einfluss nehmen
koennen, muessen ihre Taetigkeiten sorgsam koordiniert werden, um
don^elte und unnoetige Arbeit zu vermeiden.
5. Die verschiedenen Programme der Regierung, die unser wirtschaftliches Leben betreffen, muessen revidiert werden, um sie
wirkungsvoller fuer die Erreichung einer Wirtschaft mit hohen Beschaeftigungszahlen einsetzen zu koennen. So ist z.B. das bestehende Gesetz, welches die Vorplanung oeffentlicher Arbeiten vorsieht,
gaenzlich unzulaenglich. Andere Sachgebiete, die einer sorgfaeltigen Ueberpruefung beduerfen, sind Steuerwesen, ^ntitrust-Programme,
Landwirtschaftspolitik und Erschliessung neuer Hilfsquellen.
Weekly News Service
V/12/50
DAS PROBLEM DER SR VSRBSLOGEN JUGEND IN OESTERREICH
Die oesterreichischen Behoerden und Organisationen, die fuer
die Berufsausbildung der Jugendlichen zustaendig sind, stellen mit
Besorgnis fest, dass die Zahl der 14-jaehrigen Jungen und Maedchen,
die alljaehrlich die Volksschulen verlassen, staendig zunimmt. Sie
wird sich im Jahre 1950 auf 72.988 belaufen, 1951 jedoch auf 84.678,
1952 auf 92.660, 1953 auf 136.697, 1954 auf 151.824 unfl 1955 auf
161.464 ansteigen. Nach 1955 wird sie wieder absinken. Die Geburtenziffer war in Oesterreich im Jahre 1939 (136.697 Geburten)
sprungartig in die Hoehe gegangen, weil die Nazis ntich der Besetzung
dieses Landes durch ihre Politik den Anstieg der Geburtenziffer in
jeder V/eise beguenstigt hatten, sei es durch Kinderbeihilfen, Steuerermaessigungen, psychologischen Druck und aehnliche Massnahmen.
Dieser Anstieg hielt bis zum Jahre 1941 an (161.464 Geburten), als
durch die Einberufung zur Wehrmacht viele Maenner von ihren Familien
getrennt wurden. Etwa 20% der Vierzehnjaehrigen gehen weiter zur
Schule, um eine hoehere Schulbildung zu erwerben, 80% jedoch verlassen in diesem Alter die Schule.
Die Dringlichkeit des Problems, zahlreichere Lehrstellen zu
finden, ist durch die Tatsache bewiesen, dass von 56.978 Jungen
und Maedchen, die 1949 aus den Schulen entlassen wurden, 10.873
bis jetzt noch keine nässende Lehrstelle finden konnten. Da die
Zahl der Schulentlassenen bis zum Jahre 1955 staendig ansteigen
wird, muss das Problem der Arbeitslosigkeit der Jugend immer groesser
werden.
Der Arbeitsminister Oesterreichs hatte kuerzlich Vertreter der
in Frage kommenden Körperschaften der Regierung, der Laender, der
Arbeitsaemter, der Gewerkschaften, der Arbeitgeber- und Jugendorganisationen einberufen.
In dem Bericht des Arbeitsministeriums heisst es, dass bei den
Arbeitsaemtern gegenwaertig 15.546 arbeitslose Jugendliche regi11 -

�striert sind. Unter Beruecksichtigung der nichtregistrierten
Jugendlichen belaeuft sich die Gesamtzahl auf etwa 20.000 Jugendliche die ohne Arbeit sind. In Anbetracht der Tatsache, dass
die Zahl der Schulentlassenen in den naechsten Jahren rapide in
die Hoehe gehen wird, ist damit zu rechnen, dass sich die Lage
noch mehr verschlechtern wird.
Im Verlauf der Besprechungen wiesen die Vertreter der Arbeiterschaft auf die Wichtigkeit hin, den jungen Leuten, die die
Schule verlassen, eine Gelegenheit zur Berufsausbildung zu geben.
Es kann den Privatunternehmern nicht ueberlassen bleiben, erklaerten sie nur eine beschraenkte Zahl Lehrstellen bereitzustellen
und immer mehr junge Leute auf berufliche Kenntnisse verzichten zu
lassen.
Die folgenden Vorschlaege wurden in diesen Besprechungen unterbreitet: Fuer diejenigen Berufe, fuer die nicht genuegend Lehrstellen zur Verfuegung stehen, sollen Lehrwerkstaetten errichtet
werden. Groessere Unternehmen sollen verpflichtet werden, einen
bestimmten MindestDrozentsatz (10-12$) an jungen Arbeitern zu beschaeftigen. Unternehmen, die eine bestimmte Zahl Jugendlicher
beschaeftigen oder neue Lehrstellen bereitstellen, sollen Steuerermassigungen erhalten. Wo die Lehrlingsausbilding in groesserem
Umfang wegen Mangel an Unterkunftsmoeglichkeiten bisher nicht
durchgefuehrt werden konnte, soll fuer Wohnmoeglichkeiten gesorgt
werden. Die Grundschulausbildung soll auf neun Jahre verlaengert
und ein modernes Gesetz ueber das Lehrlingswesen verfasst werden.
Anton Proksch, der Generalsekretaer des Oesterreichischen
Gewerkschaftsbundes sprach im Namen der Gewerkschaften und wies
darauf hin, dass eine solide Berufsausbildung der jungen Arbeiter
unbedingt notwendig sei, um Oesterreich auf dem V/eltmarkt wieder
konkurrenzfaehig werden zu lassten. Jeder Junge und jedes junge
Maedchen haetten das Recht, einen Beruf zu erlernen. Ein Artikel,
den der Sprecher im vorigen Jahre veroeffentlicht hatte, und in
dem er die Errichtung oeffentlicher Lehrwerkstaetten vorschlug,
wurde von den Privatunternehmern ohne jede Diskussion abgelehnt.
Er erklaerte weiter, dass das Problem der Arbeitslosigkeit der Jugendlichen die Ordnung und Stabilitaet des Landes bald gefaehrden
wusrde, wenn nicht rechtzeitig wirksame Massnahmen zu dessen Behebung ergriffen wuerden.
Schliesslich erklaerte sich die Konferenz mit dem Vorschlag
des Arbeitsministers Karl Maisei einverstanden, im Ministerium einen Sonderausschuss mit den entsprechenden Ausschuessen in den
Laendern zu bilden, die sich mit der Frage der erwerbslosen Jugend
befassen sollen. In allen diesen Ausschuessen werden die Gewerkschaften, die Arbeitgeberorganisationen und die Regierung vertreten
sein. Die Ausschuesse werden ein Programm ausarbeiten, das der
wachsenden Gefahr, die dieses Problem darstellt, begegnen soll.
Das Programm selbst wird Gegenstand einer spaeteren Konferenz sein.
Trade Union News Bulletin from Austria
VII/1/50
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN SICHERN DER REGIERUNG IHRE UNTERSTUETZUNG
IN KRITISCHEN SITUATIONEN ZU
Nach einer Besprechung mit W. Stuart Symington, dem Vorsitzenden
des Nationalen Verteidigungsausschusses zur Ueberwachung und Sicherung der Hilfsquellen des Landes (National Security Resources Board),
sagten die Gewerkschaften fuer kuenftige Notfaelle der Regierung ihre
volle Unterstuetzung zu. Diese Konferenz war von Symington einberufen worden, um Bereitschaftsprobleme in allen Sektoren der amerikanischen Wirtschaft zu besprechen.
- 12 -

�Die Rolle, die die Gewerkschaften in einer Krise spielen sollen, wurde von dem Vorsitzenden der Amerikanischen Arbeltsfoederation (AFL) William Green in folgender Erklaerung erlaeutert:
"'.Vir haben Symington .^egenueber zum Ausdruck gebracht, dass im
Falle einer gegenwaertigen oder zukuenftigen Bereitstellung
der amerikanischen Hilfsquellen die uneingeschraenkte und
zweckmaessigste Vertretung der Gewerkschaftsbewegung in den
Dianenden und vollziehenden Aemtern der betreffenden Dienststellen der Regierung gewaehrleistet sein muss. Wir wiesen ausserdem darauf hin, dass die Bildung solcher Koerperschaften,
die lediglich beratenden Charakter haben, in diesen Dienststellen den Anforderungen, die die Nation an sie stellt, nicht gerecht werden koennen, und dass sich diese Art der Beratung in
der Vergangenheit als unwirksam erwiesen hat."
Im gesamten Verlauf der Unterredung mit •Tymington hoben die
Gewerkschaftsfunktionaere hervor, dass der Schluessel zu einer
erfolgreichen Zusammenarbeit in der freiwilligen Handlungsweise
zu finden sei und dass jede Zwangsmassnahmen, wie die Dienstver-iflichtung von Arbeitskraeften, vermieden werden muessten.
Die Gewerkschaftsfuehrer ernannten einen neun-koepfigen Ausschluss, der mit Symington ueber Fragen der RuestungsProduktion
und, falls erforderlich, ueber die Bereitstellung von Arbeitskraeften beraten soll. Die Kitglieder dieses Ausschusses sind:
Vorsitzender William Green (AFL), Finanzsekretaer George
üeany (AFL), George M. Harrison, der Vorsitzende der Gewerkschaft
der Bueroangestellten der Eisenbahn un der Dampfschiffahrt (AFL),
'.'/alter P. Reuther, der Vorsitzende der Automobilarbeitergewerk?chaft (CIO), Jacob S. Potofsky, der Vorsitzende der Bekleidungsarbeitergewerkschaft (CIO), Emil Rieve, Vorsitzender der Textilarbeitergewerkschaft (CIO), John L. Lewis, der Vorsitzende der
Bergarbeitergewerkschaft, George E. Leighty, Vorsitzender der Gewerkschaft der Eisenbahnbediensteten, und AI. J. Hayes, der Vorsitzende des Internationalen Metallarbeiterverbandes.
Weekly Labor News Digest
VI1/12/50
George P. Delaney, Internationaler Vertreter der AFL:
DIE GE'^RKSCHAFTIN AMERIKAS fIND PR0DUKTiyiT^ETSBEV.TJ5ST
Die amerikanischen Arbeiter sind von dem Streben p.ach hoher
Produktionsleistung durchdrungen. Sie wissen, dass hoehere Loehne
und kuerzere Arbeitszeit der Erfolg der Produktivitaet ist. ^&gt;ie
haben nichts gegen hoehere Gewinne der Unternehmen, vorausgesetzt,
dass ihr eigener Lebensstandard sich im gleichen Verhaeltnis steigert. °ie haben sich in einer starken Gewerkschaftsbewegung zusammengeschlossen, um sich damit ihren Anteil an dem groesseren
^roduktionsausstoss zu sichern.
Die Arbeiter Amerikas wissen, dass ihre Arbeitszeit unter
dam "Gib-und-Nimm" System einer freien 'Wirtschaft und freier Gewerkschaften innerhalb einer demokratischen Gesellschaftsordnung
und der ersten fuenfzig Jahre dieses Jahrhunderts fast durchweg
auf 40 Stunden woechentlich herabgesetzt worden ist. ^ie wissen,
dass trotz der Kuerzung der Arbeitszeit die Realloehne gestiegen
sind. Sie haben bessere Wohnungen, eine bessere Ernaehrung und
verbesserte Ausbildungsmoeglichkeiten.
- 13 -

�Die amerikanischen Arbeiter sind sich bewusst, dass alle
diese Fortschritte der gesteigerten Produktionsleistung zu verdanken ist, die wiederum auf der Zusammenarbeit tatkraeftiger Gewerkschafter und hilfquellenreicher Unternehmer beruht.
Es ist kein Geheimnis, dass die Gewerkschaften Amerikas all
die Jahre ihres Wirkens ihr Hauptziel in der Erringung hoeherer
Loehne gesehen haben. Unsere Gewerkschaften haben diese Lohnerhoehungen in aktiver Zusammenarbeit mit den Unternehmern zustandegebracht, indem sie die Gestehungskosten reduzierten, Verluste
durch Vergeudung ausschalteten und den Ausstoss der Produktion
steigerten.
Die amerikanischen Gewerkschafter sind aufrichtig bemueht,
ihren Kollegen auf der ganzen Welt ihre Erfahrungen zugaenglich zu
machen, damit auch sie in den Genuss der sich daraus ergebenden
Vorteile kommen. Sie behaupten nicht, ein Monopol der Erfahrungen
in der Zusammenarbeit zu besitzen, sie sind jedoch ihren Kollegen
auf dem Gebiet dieser Erfahrung in den Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitern und Unternehmern weit voraus. Sie wuerden es begruessen,
wenn die Arbeiter Europas, Asiens, Suedamerikas und Afrikas in der
Lage waeren, sich die gleichen Moeglichkelten zunutze zu machen.
Ein Beispiel fuer das, was erreicht werden kann, i'st in den
Statistiken ueber die Produktion der Schuhindustrie enthalten. Im
Jahre 1949 wurden in den Vereinigten Staaten fuer jeden Mann, jede
Frau und jedes Kind drei Paar Schuhe hergestellt. Viele andere
Laender produzieren jaehrlich nicht einmal ein Paar Schuhe je Kopf
der Bevoelkerung. Und die Preise fuar die Schuhe sind dort so
hoch, dass man sie fuer nicht unbedingt notwendige Luxusgegenstaende halten koennte.
Ein Programm zur Steigerung der Produktionsleistung in Schuhfabriken und zur Reduzierung der Gestehungskosten, danit die Schuhe
zu erschwinglichen Preisen gekauft werden koennten, wuerde sofort
fuer einen grossen Teil der Bevoelkerung anderer Länder von Vorteil
sein.
Wir sind der Auffassung dass die in Europa jetzt errichteten
Produktivitaetszentren die Stellen sind, an denen begonnen werden
muss. Diese Zentren haben den Vorteil, auf dreigeteilter Basis
errichtet worden zu sein: Gewerkschaften, Unternehmer und Regierung
sind vertreten.
Hier koennen die Moeglichkeiten und Leistungen neuer Maschineneinrichtungen und besserer Produktionsmethoden studiert werden.
Hier kann ausserdem auf der Basis des gegenseitigen guten Willens ein wirkliches Kollektivverhandlungsverfahren aufgebaut werden,
das dafusr sorgt, dass die Gewinne gerecht verteilt werden, die
sich au3 der gesteigerten Produktionsleistung ergeben. Gleichzeitig muss ein ausreichender Schutz gegen voruebergehende Betriebsstillegungen geschaffen werden, die bei der Erneuerung der Werkzeuge und der Einfuehrung arbeitssparender Maschinen oder Methoden
unvermeidlich sind.
The American Federationist
VII/50
Allan L. Swira:
ZUM SRF.OLO GEHOERT EBENSO DER VERSTAND WIE KRAFT.»
Ein Mann, der viel in der Welt herumgekommen und mit inter- 14 -

�nationalen Angelegenheiten ausgezeichnet vertraut ist, erklaerte
mir kuerzlich, dass die Kommunisten wuessten, wofuer sie kaempfen,
wir Jedoch nur wuessten, wogegen wir kaempfen.
"Als ein gutbezahlter und gut ernaehrter Amerikaner," fuhr er
fort, "halte ich es fuer sehr einfach, die Kommunisten und all das,
was sie wollen, zu hassen, aber es wuerde mich wundern, wenn ich
als einfacher chinesischer Kuli die gleiche Meinung haette, der
sein ganzes Leben lang fast immer ein Hungerdasein gefuehrt hat."
Dieser Mann erwaehnte zweifellos die Arbeiter Chinas deshalb,
weil er lange Jahre China bereist hat und aus erster Hand die Bedingungen kennen lernte, unter denen diese Menschen arbeiten und
leben muessen.
Abschliessend erklaerte er: "Wenn Sie jahrelang ausgebeutet
und buchstaeblich versklavt worden sind, ist es wahrscheinlich
nicht schwer fuer Sie, von ihrem alten Herrn zu einem neuen hinueberzuwechseln - besonders dann, wenn Ihnen der Neue einige Hoffnungen macht."
Dieser Mann ist zwar keine bedeutende amerikanische oder
internationale Persoenlichkeit, er steht jedoch der heutigen Situation realistischer gegenueber, als es bei den meisten Amerikanern
der Fall zu sein scheint. Seine Bemerkungen, so scheint es mir,
werfen unwillkuerlich die folgenden Fragen auf: Nehmen wir an,
wir gewinnen den Krieg in Korea, was hoechstwahrscheinlich der Fall
^ein wird, was dann? War unsere Haltung den Arbeitern in Asien
gegenueber in der Vergangenheit so, dass sie unsere Lebensweise
der von den Kommunisten versprochenen ohne weiteres vorziehen
wuarden? Denken jene Arbeiter, die zweifellos von unseren britischen, hollaendischen und franzoesischen Verbuendeten ausgebeutet
wurden, dass die Vereinigten Staaten Demueht sein werden, den Weltfrieden herzustellen oder nehmen sie an, wir fuehrten einen imperialistischen Krieg? Koennen unsere wohlformulierten Erklaerungen
ueber die Herrlichkeiten der Demokratie und des Kapitalismus auf
die farbigen Voelker des Ostens irgend einen nachhaltigen Eindruck
machen, die von den Herabwuerdigungen gehoert haben, denen die
Farbigen in unserem eigenen Lande ausgesetzt sind?
Dies sind Fragen, die wir alle uns vorlegen sollten, und auf
die wir bestreit sein muessen, eine ehrliche Antwort zu finden.
Bis jetzt ist unsere Propaganda etwa nach dem folgenden Motto
betrieben worden: "Handeln, wie wir gehandelt haben, und die Dinge,
die wir besitzen, werden uns auch in Zukunft gehoeren." Dies mag
ein gutes Mott© fuer alle diejenigen sein, die wissen, was wir besitzen, und die auch in der Lage sind, genau so wie wir zu hendeln.
Ist es jedoch auch ein gutes Motto fuer alle jene, die eine Massenproduktion noch niemals gesehen haben und noch niemals in den Genuss
der daraus entstehenden Vorteile gekommen Sind?
Die kommunistischen Versprechungen ueber die Gestaltung der
Zukunft, die da kommen soll, klingen maerchenhaft - aber es sind
immerhin Versprechungen. Was hingegen koennen wir versprechen?
Koennen wir mit gutem Gewissen dem Osten erklaeren: "Haltet zu uns,
und wir werden Euch helfen, Hungersnot und Seuchen zu vertreiben
und allen dort lebenden Menschen einen besseren Lebensstandard zu
sichern?"
Koennen wir es versprechen? Sollen wir es tun? Es ist dies
eine Frage, ueber die wir uns als Nation so schnell wie moeglich
klar werden muessen - um dann bis zum letzten zu unserer Entscheidung zu stehen.
- 15 i

�Wie bereits erwaehnt, haben die Vereinigten Stauten bewiesen,
dass sie in der Lage sind, einen militaerischen Krieg zu fuehren,
der in erster Linie von der Produktionskraft abhaengig ist.
Fuer die Art, in der die Vereinigten Staaten auf ideologischem
Gebiet Krieg fuehren, haben sie jedoch noch keinen Preis gewonnen.
Wir sind mit unseren Propagandadollars zu geizig gewesen. Zu oft
haben wir versucht, echt amerikanische, absolut handelstechnische
Methoden anzuwenden, um Ideen zu verkaufen, fuer die solche Methoden
voellig ungeeignet sind. Wir koennen eine schoene Geschichte erzaehlen - eine viel bessere als die Russen sie je zu bieten vermoegen.
"ir hab2n mehr Waren, die wir verkaufen koennen. Abor verkaufen wir
sie tatsaechlich? Und stellen wir in unserem Lande solche Dinge
her, die unsere Position im ausländ staerken koennten?
Der Konflikt in Korea ist nicht nur ein Scharmuetzel. Sein
Ausgang wird im gewissen Sinn nicht jene Probleme loesen, die durch
die verschiedenen Anschauungen entstanden sind.
Wir als Nation sollten uns diese Tatsache jetzt schon vor Augen
halten, und wir sollten uns auch darueber im Klaren sein, dass wir
nicht,wie ueblich, nach unserer ueblichen Wirtschaftstheorie vorgehen und gewinnen koennen.
Wir muessen vermeiden, uns selbst zum Narren zu halten, und
die falsche Idee aufgeben, dass wir diesesmal mit hinter dem Ruecken
verschraenkten Haenden gewinnen koennten.
Dieser Krieg nimmt uns ganz in Anspruch. Eine Menge Geld, Arbeitskraefte und Menschenleben werden geopfert werden muessen, bevor
er vorueber ist. Frueher oder spaeter muss sich die Nation, wenn
sie den grossen Kampf gewinnen soll, vergegenwaertigen, dass wir
unser Gehirn ebenso wie unsere Arme anstrengen muessen; zumal Ideen
und Ideale ebenso maechtig wie Geschosse sind. Ausserdem sind sie
gewoehnlich nicht so kostspielig.
CIO News
VIII/7/1950
LANDKULTIVIERUNG IN ITALIEN SCHAFFT 500.000 ARBSIT5PLAETZE
Man erwartet, dass das Landwirtschaftsprogramm des Marshall
Plan3 in Italien, eines der groessten Kultivierungs- und Bewaesserungsprojekte in der europaeischen Geschichte, fuer fast eine halbe
Million Menschen bessere und dauernde Arbeitsplaetze schaffen wird.
Diese Voraussage sprach Harry McClelland in Washington aus, der
M^heri^e Leiter *er Abteilung fuer Nahrungsmittel und Landwirtschaft
der ECA Mission in Italien. Er bezifferte die Zahl der neuen Arbeitsplaetze, die durch das laufende Landwirtschaftsprogramm geschaffen
wuerden, auf 150.000 und erklaerte, dass die Situation der Landarbeiter durch bessere Arbeitsbedingungen und gesicherte Jahresbeschaeftigung in den meisten Faellen verbessert wuerde.
Das Landwirtschaftsprogramm, das die Anwendung von Hybridenmais und sonstiger neuer Zuchtprodukte der Landwirtschaft in gesteigertem Umfan ermoegliche, hat den Prozess der landwirtschaftlichen
Wiedergesundung Italiens eingeleitet. Im Verlauf des ersten Jahres
seien nahezu 100$ und in den folgenden Jahren etwa 60$ der Kosten
durch die Gegenwertfonds des Marshall Plans gedeckt worden.
ECA Labor Information
8/8/50
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEH
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 2 5

Frankfurt, 25. August 1950
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Der "Tag der Arbeit" und seine Geschichte - - - 1
Belgische Gewerkschafter berichten von ihren Eindruecken in Amerika - - - - - - - - - - - - 3
Oesterreichische Landarbeiter fordern hoehere
Loehne - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 4
Weltgewerkschaftsbund lehnt Unterstuetzung Koreas
ab
5
Britische Gewerkschaften werden vor dem "Stockholmer Friedensappell" gewarnt - - - - - - - - 6
Amerikanische Gewerkschaften fordern Hilfe fuer
Indien
----- —
-__
_ _ _ _ - 7
Eiserne Disziplin der nordkoreanischen Arbeiter 8
Hohe Produktionsleistung lohnt sich - - - - - - 8
Arbeitsgesetzgebung in Indien - - - - - - - - - 11
CIO Funktionaer.fordert wirksames 7,'irtschaftsprogramm - - - - - - - - - - - - - - - - - - 13
CIO gegen Kuerzung des Punkt-Vier-Programms - - - 16

DER "TAG DER ARBEIT" UND SEINE GESCHICHTE
Der "Tag der Arbeit" wird am ersten Montag im September gefeiert. Er ist ein offizieller gesetzlicher Feiertag in den Vereinigten Staaten. Die Idee, einen gesetzlichen Feiertag zu Ehren der
Arbeit einzux'uehren, stammt von den Gewerkschaften selbst, und die
gesetzliche Verwirklichung dieser Idee wurde durch sie eingeleitet
und gefoerdert. Heute feiern nicht nur die Mitglieder der Gewerkschaftsbewegung, sondern die gesamte Bevoelkerung der Vereinigten
Staaten diesen Tag und huldigen dem arbeitenden Menschen.
Der "Tag der Arbeit" wird heute in den Vereinigten Staaten von
mehr als 16 Millionen organisierter Arbeiter festlich begangen. In
allen Gewerkschaftszentren finden Kundgebungen, Demonstrationen,
Veranstaltungen, Ausfluege, Reden und Sportfeste statt, die von den
Gewerkschaften organisiert werden. Nicht nur die Gewerkschaftsmitglieder mit ihren Frauen und Kindern, sondern darueberhinaus nehmen
- 1 -

�Millionen amerikanischer Buerger, die ausserhalb der Gewerkschaftsbewegung stehen, an dieser groessten Feier zu Ehren der Arbeit teil.
Ueberall, in den grossen Staedten und den kleinen Doerfchen der
Vereinigten Staaten, treffen sich Menschen aus allen Schichten des
Volkes, um der Arbeit zu huldigen.
In ganz Westeuropa wird der "Tag der Arbeit" von den Angestellten der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) gefeiert werden, der zahlreiche Vertreter amerikanischer Gewerkschaften
angehoeren.
Das Amt des europaeischen Sonderbotschafters in Paris und die
ECA-Missionen der meisten Teilnehmerstaaten beschaeftigen aktive
Gewerkschafter in Schluesselstellungen, die am europaeischen Wiederaufbauprogramm mithelfen. Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung,
die den Marshall Plan von Anfang an unterstuetzt hat, hat viele
faehige Funktionaere dieser Organisation zur Verfuegung gestellt,
damit sie der Sache des Wiederaufbaues und des Friedens dienen koennen.
Der "Tag der Arbeit" geht, verglichen mit seinen ersten Urspruengen, weit ueber die Traeume und Hoffnungen der urspruenglichen
Foerderer und Gruender dieses Tages hinaus.
Am ersten Montag im September des Jahres 1882 fuehrte Peter
McGuire, der Vorsitzende der Gewerkschaft
der Zimmerleute, in New
York eine Gewerkschaftskundgebung durch. Im gleichen Jahre unterbreitete er der Zentral-Gewerkschaft von New York den Vorschlag,
einen bestimmten Tag des Jahres als allgemeinen Feiertag fuer das
arbeitende Volk vorzusehen.
Zu dieser Zeit hatte die organisierte Gewerkschaftsbewegung
schwere Kaempfe zu fuehren und musste um diesen Feiertag hart kaempfen. In opfervollen Streiks der Eisenbahner, der Bergleute und der
Arbeiter der Eisen-Industrie war es den Gewerkschaften gelungen, gesetzgeberische Massnahmen wie z.B. das Heimstaetten-Gesetz als Landesgesetze durchzusetzen. Bei jener historischen Kundgebung sangen
die Arbeiter eines jener Lieder, die die traditionelle Entschlossenheit und Kampfbereitschaft der Gewerkschaften zum Ausdruck brachten:
"Millionen Schaffender wachen jetzt auf,
Seht, wie sie vorwaexts marschieren;
Die Tyrannen sie beben und zittern zuhauf,
Bald werden sie die Macht verlieren.
Ihr Ritter der Arbeit, beseitigt die Maechte
Kaempft fuer Freiheit und Brot,
Fuer alle Menschen die gleichen Rechte.
Kampf den Tyrannen, Kampf der Not.
ßie Idee eines gesetzlichen und nationalen Feiertages der Arbeit fand ueberall Anklang.
Im ganzen Lande wurden von den Gewerkschaftsorganisationen
Entschliessungen gefasst und an die lokalen, einzelstaatlichen und
bundesstaatlichen gesetzgebenden Koerperschaften weitergeleitet. Inzwischen feierten die Mitglieder der organisierten Gewerkschaftsbewegung am ersten Montag im September der Jahre 1883 und 1884 ihren
Tag der Arbeit mit Kundgebungen und Demontrationen. Im Jahre 1884
forderten die Pioniere der Gewerkschaftsbewegung in der Generalversammlung, dass der erste Montag im September zum Feiertag der Arbeit
erklaert und gesetzlioh als solcher festgelegt werden solle.
Am 21. Februar 1887, 5 Jahre nach der ersten Kundgebung am
Tage der Arbeit, wurde im Staate Oregon, in einer Entfernung von
- 2 -

�mehr als 3000 Meilen von New York auf der anderen Seite des amerikanischen Kontinents ein Gesetz erlassen, in dem der erste Montag im
September zum gesetzlichen Feiertag unter dem Namen "Tag der Arbeit"
erklaert wurde. Am 15. Maerz entstand in Colorado ein aehnliches
Gesetz. Dann folgten New York, New Jersey und Massachusetts. Die
Gewerkschaftsbewegung fuehrte jetzt einen Feldzug zur Schaffung
eines Gesetzes fuer die ganze Nation, und am 26. Juni 1894 vollendete der Kongress seine Arbeit in dieser wichtigen gesetzgeberischen Angelegenheit. Zwei Tage spaeter unterzeichnete Praesident
Cleveland die Vorlage, die somit zum Gesetz wurde. Samuel Gompers,
der damalige Praesident der AFL, einer der bedeutendsten Pioniere
der Gewerkschaftsbewegung Amerikas, erhielt jene Feder, mit der
Praesident Cleveland dieses Gesetz unterschrieb und die heute noch
von den Gewerkschaften aufbewahrt wird.
Gompers erklaerte damals: "i)er Tag der Arbeit unterscheidet
sich wesentlich von den anderen Feiertagen des Jahres und denen aller
anderen Laender. Alle anderen Feiertage sind mehr oder weniger mit
der Erinnerung an Konflikte und Kaempfe verbunden, die aus der Ueberlegenheit des Einen ueber den Anderen, aus Streit und Uneinigkeit,
aus Geldgier oder Machtgeluesten, oder aus dem Sieg einer Nation
ueber die andere entstanden sind."
Der "Tag der Arbeit" dagegen bedeutet eine neue Epoche in den
Annalen der Geschichte der Menschheit. Er iBt zugleich ein Manifest
der Anerkennung des Kampfes der Massen gegen Tyrannei und Ungerechtigkeit, er ist ein Ansporn fuer Maenner, Frauen und Kinder unserer
Zeit, fuer das Recht zu kaempfen, und er gibt uns die Hoffnung, dass
wir das Ziel, das wir uns fuar die gesamte Menschheit gesetzt haben,
erreichen werden.
Der "Tag der Arbeit" ist in den Vereinigten Staaten laengst
selbstverstaendlich geworden und so wie die Mitgliederstaerke der
Gewerkschaftsbewegung waechst, wie sie reifer wird und in den zahlreichen Sektoren der amerikanischen Gemeinschaft aufgeht, so wird
dieser Tag fuer alle Amerikaner an Bedeutung gewinnen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VIII/8/50
BELGISCHE GENRES CHAFTSR BERICHTEN VON IHREN EINDRUECKEN IN AMERIKA
Die hohe Produktionsleistung und der hohe Lebensstandard der
amerikanischen Arbeiter sind in erster Linie auf die grossen Absatzmaerkte fuer die Erzeugnisse der amerikanischen Industrie zurueckzufuehren.
Diese Feststellung traf eine belgische Gewerkschaftergruppe,
die soeben von einer Studienreise durch Amerika zurueckgekehrt sind.
Die slebenkoepfige Gruppe besuchte die Vereinigten Staaten im
Auftrage der Marshall-Plan-Verwaltung der drei grossen Gewerkschaftsverbaende Belgiens, um die Produktionsleistung und die Wechselbeziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern in diesem Lande zu
studieren.
Die Besucher waren von dem hohen Lebensstandard des Durchschnittsarbeiters beeindruckt und berichteten, dass "der Lebensstandard der
amerikanischen Arbeiter auf seinem hohen Produktionsleistungsstand
beruht. Dieser wiederum ist ein Ergebnis der riesigen inlaendischen
Absatzmaerkte."
Das kleine Belgien verfuegt nicht ueber einen derart umfangreichen Inlandsbedarf, der aureichen wuerde, eine so hohe Produktionsleistung aufzunehmen, und deshalb muss Belgien Absatzmaerkte im
Ausland finden.
- 3-

�Die Mitglieder der Gruppe sind der Auffassung, dass fuer gewisse belgische Erzeugnisse eine grosse Nachfrage in Amerika bestehen wuerde, wenn die Vereinigten Staaten ihre Einfuhrzoelle
ermaessigten. In Europa halten sie eine Erweiterung und Vertiefung des wirtschaftlichen Zusammenschlusses, wie im Fall der
Benelux Staaten, fuer notwendig.
Mit diesen neuen, verhaeltnismaessig leicht zugaenglichen Absatzmaerkten hofft die Gruppe auf eine betraechtliche Erhoehung
der Produktionsleistung in Belgien, die zugleich hoehere Loehne
und eine kuerzere Arbeitszeit bedeutet.
Die belgischen Gewerkschafter stellten nur ein geringes Klassenbewusstsein unter den amerikanischen Arbeitern fest. Sie berichteten, dass besonders der Arbeiter ueberwiegend mit dem Bewusstsein
lebe, amerikanischer Buerger zu sein. Sein Interesse gaelte sodann
seiner Gewerkschaft, sei jedoch kaum in Richtung eines Klassenbewusstseins orientiert. "Der amerikanische Arbeiter ist unabhaengiger als seine belgischen Kollegen und verlaesst sich weniger auf
die Unternehmer. Die Gruppe wohnte einigen Sitzungen der Beschwerdeausschuesse bei und war von der Tatsache beeindruckt, dass sich
der amerikanische Gewerkschafter seinem Unternehmer gegenueber als
gleichberechtigt betrachtet.
n

Diese Auffassung ist traditionsgemaess in Belgien ueberhaupt
nicht vorhanden. Diese Gruppe hofft jedoch, die in Belgien vorherrschenden Anschauungen zu gegebener Zeit aendern zu koennen."
Die Belgier beschafften sich weiterhin einen Einblick in das
amerikanische TarifVerhandlungswesen und stellten fest, dass die
amerikanischen Gewerkschaften nach einem praktischen und keinem
theoretischen Programm arbeiten, was ihnen schnelle und wertvolle
Erfolge einbringt. Die Besucher betonten, dass der Lebensstandard
und die Arbeitsbedingungen der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter wesentlich besser als die der nichtorganisierten seien.
Die belgischen Gewerkschaftsfuehrer waren der Meinung, dass in
der Arbeitsgesetzgebung der verschiedenen amerikanischen Staaten,
die sie besucht hatten, sehr grosse Unterschiede aufweist. Besonders kritisch war ihre Haltung den sozialen Versicherungsgesetzen
der Vereinigten Staaten gegenueber und sie erklaerten, dass die
wirtschaftliche Lage eines Arbeiters, der nicht im zwischenstaatlichen Handel beschaeftigt sei und nicht unter die Bestimmungen der
bundesstaatlichen Arbeitsgesetze falle, viel zu wuenschen uebrig
lasse. Der amerikanische Arbeiter erspare trotz seines hohen Lebensstandards nicht genuegend Geld, und die soziale Versicherung sei im
Falle ernsthafter Wirtschaftskrisen recht unzulaenglich.
Arbeitsmitteilungen der ECA
OSSTKRREICHISCKK LANDARBEITER FORDERN HOEHERE LOEHNE
Wie in vielen anderen Laendern ist auch die Gewerkschaftsbewegung in Oesterreich bemueht, die Lebensbedingungen der Arbeiter, die
die geringsten Loehne erhalten, zu verbessern - und das sind in
Oesterreich die Landarbeiter. Ein gelernter Landarbeiter verdient
heute ausser der Abgeltung in Naturalien monatlich durchschnittlich
150 Schillinge, - dies reicht gerade aus, ein Paar billige Schuhe zu
kaufen.
Der Kampf der Landarbeiter um einen fuer das ganze Land verbindlichen Tarifvertrag ist vier Monate lang ohne Ergebnis gefuehrt worden, bis auf einer Konferenz die Gewerkschaftsfunktionaere beschlossen
einen Streik auszurufen, wenn bis zum 19. Juni kein Vertrag erzielt
4 -

�sei. Daraufhin unterzeichneten die Arbeitgeberorganisation in bestimmten Laendern Oesterreichs mit der 60.000 Mitglieder starken
Land- und Forstarbeitergewerkschaft einen Vertrag, der wesentlich
bessere Bedingungen als der fruehere enthaelt. Die monatlichen Loehne in bar sind bei freier Unterkunft, Heizung, Licht und Brennstoff
von 70 auf 100 Schillinge erhoeht worden, line neue Bestimmung des
Vertrages sieht vor, dass die Arbeiter und ihre Familien das Recht
haben, von den Bauern Nahrungsmittel zu Preisen zu kaufen, die in
einer besonderen Liste-niedergelegt sind.
In anderen oesterreichischen Laendern konnten die streikenden
Landarbeiter aehnliche Erfolge erziBlen. In der Steiermark haben
sich die Arbeitgeber jedoch unnachgiebiger gezeigt und versucht,
die Streikenden durch Drohungen und Polizelmassnahmen einzuschuechtern. Auch hat man Streikbrecher eingestellt, deren Loehne viel
hoeher als die von der Gewerkschaft geforderten lagen. Eine der
Laenderregierungen hat sogar beschlossen, bei TarifVerhandlungen
nur die von den Arbeitgebern errichteten "gelben" Gewerkschaften
als Verhandlungspartner anzuerkennen.
Keine dieser Massnahmen hat die Haltung der Landarbeiter aen-«
dern koennen, die aus allen Teilen des Landes und besonders von den
Industriearbeitern zahlreiche Solidaritaetserklaerungen erhielten.
Es ist nicht uninteressant festzustellen, dass in den
Oesterreich angrenzenden Teilen Westdeutschlands die Moegllchkeit
eines aähnlichen Landarbeiterstreiks besteht, nachdem die Lohnverhandlungen abgebrochen werden mussten. Die deutschen Gewerkschaften
sind der Auffassung, dass die Arbeitgeber mit ihrer Weigerung einen
Druck auf die Bundesregierung ausueben und damit durchsetzen wollen,
dass der Brotpreis erhoeht wird.
Information Bulletin des IBFG
VII/26/50

•

WELTGEWERKSCHAFTSBUND LEHNT UNTERSTÜETZÜNG KOREAS AB
Auf die Frage, ob sie ihre Einrichtungen und Hilfsquellen dem
Vereinigten Oberkommando in Korea zur Loesung der Probleme der
Zivilbevoelkerung zur Verfuegung stellen wollten, gaben die beiden
Gewerkschaftsbuende vor einer Konferenz des Sozial-Ausschusses des
Wirtsohafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen in Genf eine
voellig verschiedene Antwort.
Toni Sender erklaerte im Namen des neugegruendeten, nichtkommunistischen Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften, dass die
freie GewerkschaftsOrganisation bei der Loesung aller Probleme tatkraeftig mithelfen wuerde, die in den wiederbesetzten Gebieten auftauchen koennten, und dass sie mit allen ihr zur Verfuegung stehenden Mitteln "die Opfer der Aggression in Korea" unterstuetzen wuerde.
Georges Fisher, der Vertreter des von den Kommunisten beherrschten Weltgewerkschaftsbundes, erklaerte dagegen, dass sich diese
Organisation weigern wuerde, sich an Hilfeleistungen fuer die notleidende Zivilbevoelkerung im Gebiet der Vereinten Nationen zu beteiligen, selbst wenn er den WGB darum ersuchte.
Der Ausschuss befasste sich mit einer vor kurzem gefassten
EntSchliessung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, in der
zur Unterstuetzung der Zivilisten aufgerufen wird, die in dem unter
dem Oberkommando der Vereinten Nationen stehenden Gebiet von Korea
wohnen. Fisher lehnte diese EntSchliessung und auch die Taetigkeit
5 -

�der Vereinten Nationen in Korea ab und stellte im Namen des WGB
die Forderung, sowohl die nord- als auch die suedkoreanischen Zivilisten zu unterstuetzen. Der Vorsitzende des Ausschusses C. G.
Corley-Smith, Grossbritannien, stellte fest, dass die Erklaerung
Fishers "voelllg abwegig" sei, weil vor dem Komitee nur die Entschliessung des Sicherheitsrates zur Debatte stand. Seine Absage
an den Spreoher des WGB wurde von dem Ausschuss gebilligt, der sich
weigerte, weitere Argumente des kommunistischen Weltgewerkschaftsbundes anzuhoeren.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VIII/14/50
BRITISCHE GEWERKSCHAFTEN WERDEN VOR DEM "STOCKHOLMER FRIEDENSAPPELL" GEWARNT
Unter den Resolutionen, die zur diesjaehrigen Jahreskonferenz
der Labour Partei eingereicht wurden, befindet sich eine, in der
versichert wird, dass "der Marshall-Plan Grossbritannien und den
Laendern Westeuropas in den letzten drei Jahren eine unermessliche
Hilfe geleistet hat." Gefasst wurde diese Entschliessung von der
Gewerkschaft der Arbeitnehmer oeffentlicher Betriebe, die mit ihren
mehr als 800.000 Mitgliedern die zweitgroesste Gewerkschaft Grossbritanniens ist. In der Resolution, ober die die Jahreskonferenz
der Labour Partei in der ersten Oktoberwoche in Margate abstimmen
wird, heisst es:
"Die Konferenz erklaert, dass
nien und den Laendern Westeuropas
unermessliche Hilfe geleistet hat,
gegen die Wirren und Zerstoerungen
aufreibender gewesen.

der Marshall-Plan Grossbritanin den letzten drei Jahren eine
denn ohne ihn waere der Kampf
der Nachkriegsjähre laenger und

"Wir.sind dem amerikanischen Volke deshalb fuer seine rechtzeitige und grosszuegige Hilfe zu unserer Wiedergesundung und unserem wirtschaftlichen Wiederaufbau grossen Dank schuldig»
"Die Konferenz weiss die Fortschritte unserer Wirtschaft zu
schaetzen, sie weist aber darauf hin, dass die Zeit naht, in der
unser Lebensstandard von unseren eigenen Mitteln abhaengen wird,
und es ist deshalb von ausschlaggebender Bedeutung, dass wir unentwegt an der Steigerung unserer Leistungsfaehigkeit und der Produktion unserer Industrien arbeiten.
"Die Konferenz sichert der Labour Regierung ihre volle Unterstuetzung in allen Massnahmen zu, die zur Erweiterung der Produktion und des Aussenhandels ergriffen werden und eine guenstige
Zahlungsbilanz und die Erhaltung der V0llbeschaeftigung sichern."
Auf der Jahreskonferenz der Labour Partei, die die politischen
Richtlinien der britischen Gewerkschaftsbewegung festlegen wird,
werden sowohl die meisten britisciien Gewerkschaften vertreten sein,
die der Labour Partei unmittelbar angehoeren, als auch die "getrennte Labour Partei," in der viele Gewerkschafter Einzelmitglied sind.
An alle oertlichen Stellen der Labour Partei wurde in dieser
Woche die Warnung gerichtet, sich vor Versuchen in acht zu nehmen,
die sie noch vor der Konferenz zu stalinfreundlichen Resolutionen
verleiten wollen. "Man wird sagen," erklaerte Victor Feather, der
stellvertretende Sekretaer des britischen Gewerkschaftsbundes (TUC)
"dass die selbstaendigen Labour Parteien von den Gewerkschaften
ueberrannt werden. Man wird versuchen, den Delegierten der oertlichen Organisationen der Labour Partei vorzugaukeln, dass sie von

�den Gewerkschaften tyrannisiert werden, und dass sie dem Sozialismus einen guten Dienst erweisen, wenn sie sich von den Gewerkschaften lossagen. Man wird bemueht sein, die selbstaendigen Organisationen der, Labour Partei glauben zu machen, dass sie an der Nase
herumgefuehrt werden, und dass ihre eigene Exekutive ei-: doppeltes
Spiel betreibt."
Feather wies'im besonderen darauf hin, dass an die Hintermaenner der kommunistischen Partei Befehle ergangen seien, die Konferenz
dar Labour "Partei in eine sogenannte "Friedenskundgebung" umzuwandeln. Die Theoretiker der kommunistischen Partei haetten niemals
an den Frieden geglaubt. Er sei fuer sie nur ein politisches Werkzeug.
Sowohl der britische Gewerkschaftsbund (TUC) als auch die
Labour Partei forderten die ihnen angeschlossenen Organisationen
auf, 3ich in keiner V/eise in die kommunistisch beherrschte Kampagne
d33 britischen Friedenskomitees zugunsten des "Stockholmer Friedensaooell3" einspannen zu lassen.
Arbeitsraitteilungen der ECA
VIII/9/50
AFRIKANISCHE GEV/ERKSCKAFTEN FORDERN HILFE FUER

INDIEN

Bevor iie Fernost-Delegation des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften Neu-Delhi verliess, um den naechsten Abschnitt ihrer
Kissionsreise anzutreten, war es ihr moeglich, mit dem indischen
Premierminister Pandit Nehru zusammenzukommen und mit ihm die wichtige Rolle zu besprechen, die die freien Gewerkschaften in der dringenden Aufgabe der wirtschaftlichen Entwicklung in Indien zu spielen
haben.
In einer Verlautbarung, die nach der Konferenz veroeffentlicht
wurde, wies die Delegation auf die Tatsache hin, dasg das grundlegende "V.'irtschaftsproblem Indiens die Notwendigkeit einer Ausdehnung
seiner Kapitalstruktur sei, und dass die Gefahr einer zunehmenden
Arbeitslosigkeit bei den besonderen Verhaeltnissen in Indien solange
bestuende, als eine derartige Ausdehnung nicht von der Forderung der
Gewerkschaften nach einem verbesserten Lebensstandard begleitet sei.
"Die Schwierigkeit des Problems liegt darin," erklaerte ein
Mitglied der Delegation, "dass die indischen Kapitalisten grosse
und schnelle Gewinne beanspruchen und damit den gleichen Fehler begehen wie ihre Ebenbilder im zaristischen Russland und im heutigen
Frankreich und Italien."
Mit auslaendischem Privatkapital allein koennten Indiens Probleme niemals geloesi, werden. "Was Indien braucht, sind Dinge,
die mit Privatkapital nicht beschafft werden koennen, so z.B. die
Entwicklung der kuen3tlichen Bewaesserung und der Aufforstung."
Die amerikanischen Mitglieder der Delegation zeigten den gegenwaertigen Bemuehungen Amerikas zur Unterstuetzung wirtschaftlich unterentwickelter Laender gegenueber eine kritische Einstellung. Diese
Hilfe ist -ihrer Meinung nach "viel zu gering und kommt viel zu
spaet." In einer telegrafischen Sonderbotschaft an den CIO unterstrich John Brophy, ein amerikanisches Mitglied der Delegation,
diesen Punkt und fuehrte aus: "Die asiatischen Laender muessen in
ihrem Kampf um Freiheit gegen die Bedrohung des Kommunismus von den
freien Voelkern der westlichen Welt unterstuetzt werden. Mit der
Kuerzung der Geldmittel'des Punkt-Vier-Programms 'on 35 auf 10
Millionen Dollar, hat der Bewilligungsausschuss des Senats cfie Sache der Demokratie in Suedostasien erheblich geschwaecht. Die Dele- 7

�gation des IBFG fordert den CIO nachdruecklich auf, alles zu tun,
damit diese Kuerzung nicht durchgefuehrt wird."
Die Delegation hat sich jetzt in zwei Gruppen aufgeteilt, deren
eine sich nach Tokio, Kalkutta, Dacca und Chittagong begeben wird,
um sioh mit der anderen Gruppe in Bangkok wieder zu treffen.
Information Bulletin des IBFG
VI1/26/50
2ISERNE DISZIPLIN DER NORDKOZEANISCHEN ARBEITER
Nordkoreanischen Quellen und der kommunistischen Tageszeitung
"Der Arbeiter" zufolge ist Nordkorea eine "demokratische Volksrepublik."
Ein entsprechender Kabinetssbeschluss, der soeben in Washington verfuegbar wurde, enthaelt folgende Bestimmungen:
Die Arbeiter muessen die "Arbeitsdisziplin" wahren und die
Befehle ihrer Vorgesetzten "rechtzeitig und genau" au»fuehren; sie
duerfen mit "Angelegenheiten, die sie nichts angehen," keine Zeit
vergeuden; sie muessen die Produktionsquoten "erfuellen und uebertreffen"; sie muessen sich "liebevoll um Material, Maschinen, Werkzeuge usw. kuemmern und schonend damit umgehen"; sie muessen das
"Geheimnis des Betriebes wahren."
Verletzungen dieser Bestimmungen ziehen Bestrafung durch die
Betriebsleitung und das Gericht nach sich. Es gibt keine Berufung.
Wer laenger als 30 Minuten von seinem Arbeitsplatz entfernt bleibt,
gilt als abwesend und verliert damit das Anrecht auf seine Lebensmittelration. Diejenigen, deren Arbeitsleistung unter der Norm
liegt, werden "nach den gesetzlichen Bestimmungen und den Verordnungen des Staates materiell zur Verantwortung gezogen, dies
schliesst Verweis und Bestrafung nicht aus."
Ohne Genehmigung des Arbeitgebers kann niemand den Arbeitsplatz
oder seinen Beruf wechseln; wer irgendeiner dieser Bestimmungen zuwiderhandelt, und "nicht ausfindig gemacht werden kann oder auf eine
Mitteilung nicht antwortet", kann von dem Arbeitgeber bestraft werden,
ohne dass der Betroffene eine Erklaerung vorbringen kann.
Arbeitsmitteilungen der ECA
VIII/9/50
HOHE PRODUKTIONSLEISTUNG LOHNT SICH
Eine 42-prozentlge Steigerung der Produktionsleistung in einer
Kopenhagener Schuhfabrik hat in ueberzeugender Weise bewiesen, wie
sich diese zum Vorteil der Arbeiter und Verbraucher ausgewirkt hat.
Diese 42-prozentige Erhoehung der Arbeitsleistung der Arbeiter
seit 1939 bedeutet: 1} eine Erhoehung der Beschaeftigtenziffer um
etwa 23%; 2) eine Lohnerhoehung fuer alle Arbeitnehmer; 3) ein
Preisrueckgang der von der Fabrik hergestellten Schuhe um 10%; 4)
eine wesentliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen und 5) einen
Arbeitsaufwand des einzelnen Arbeiters, der nicht hoeher ist als vor
dem Beginn der Massnahmen zur Steigerung der Produktionsleistung.
Anstatt angetrieben zu werden, werden die Arbeiter, die schneller arbeiten, als es die wissenschaftlich erarbeitete Norm vor-

8

�schreibt, tatsaechlich aufgefordert, ihr Arbeitstempo zu verringern.
Nach den Bestimmungen der Betriebskrankenkasse dieser Fabrik zahlt
die Firma einem wegen Krankheit abwesenden Arbeiter drei Monate lang
seinen Lohn, und es ist festgestellt worden, dass Krankheit, die
auf Ueberanstrengung zurueckzufuehren ist, sowohl dem Einzelnen als
auch dem Unternehmen letzten Endes nur Verlust an Zeit, Arbeitsfähigkeit und Geld einbringt.
Berichte des Unternehmens zeigen auf, dass im Jahre 1939 die
taegliche Produktionsleistung dieser Fabrik je Arbeiter 2,8 Paar
Schuhe betrug. Im zweiten Quartal 1950 war sie auf 4 Paar Schuhe
je Arbeitstag gestiegen. In den 15 Monaten von Januar 1949 bis
April 1950 hatte sich der Ausstoss weiter von 3,6 auf 4,0 Paar
Schuhe erhoeht.
In diesen 15 Monaten stieg die Zahl der Arbeitnehmer von 131
auf 158. Im gleichen Zeitraum ging die taegliche Gesamtproduktion
an Schuhen von 465 auf G2£ Paar in die Hoehe. Die Verbraucherpreise
fuer diese Schuhe wurden gleichzeitig um 10$ reduziert.
Der Betriebsleiter K. B. Larsen macht fuenf Faktoren fuer die
bedeutende Steigerung der Produktionsleistung des Betriebes verantwortlich: 1. Modernisierung und Gruppierung der Betriebsanlagen;
2. gute Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern;
3. Anwendung der Ausbildungsmethoden des betriebstechnischen Schulungsprogramms; 4. Auswertung von Zeit- und Bewegungsstudien und
5. ein neues kostenaufzeigendes Syst«* dar Buchhaltung.
Die Modernisierung und die Verbesserung der Gruppierung der
Werksanlagen machten den Kauf neuer Naehmaschinen, die Einrichtung
eines Transportbandsystems und die Anbringung einer besseren Beleuchtungsanlage erforderlich. Die neuen Maschinen sind vor allem in
England und den Vereinigten Staaten gekauft worden. Die Verbesserung
der Beleuchtungsanlagen in der Zuschneidewerkstatt hat zu einer
durchschnittlichen lirhoehung der Lux-Zahl von 20 auf 600 je Arbeitsplatz gefuehrt. Die von Larsen vorgelegten Betriebsstatistik zeigt,
dass der woechentliche Elektrizitaetsverbrauch von 31.000 Kilowatt
im Jahre 1944 auf 73.000 Kilowatt in der Gegenwart angestiegen ist.
Durch die Einrichtung der zwei Transportbaender ist die Leistungsfaehigkeit der Maschinenarbeiter in einer Werkstatt betraechtlich erhoeht worden. Die Arbeiter, die parallel zum Transportband
an ihren Maschinen sitzen, betaetigen nur einen Knopf, um dem Arbeiter am Ende des Transportbandes anzuzeigen, was sie benoetigen. Dort
befindet sich ein elektrisches Schaltbrett mit farbigen Lichtern.
Das Material wird dann auf dem Transportband zu dem betreffenden
Arbeitsplatz befoerdert. Frueher, als dieses Transportband noch
nicht eingebaut war, musste jeder Arbeiter viel Zeit vergeuden und
seine Maschine verlassen, um sich das benoetigte Material zu holen.
Am Ende des Transportbandes oeffnet sich eine Gleitbahn, die zum
naechsten Fertigungsprozess in der tieferliegenden Werkstatt fuehrt.
Ueber diese Gleitbahn gelangen die Arbeitsstuecke in den Raum, wo
die letzten Fertigungsprozesse durchgefuehrt werden.
Larsen hob besonders die Bedeutung der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern fuer die Foerderung einer gesteigerten Produktionsleistung hervor. Das Unternehmen hat mit den
daenischen Gewerkschaften einen Vertrag abgeschlossen und ist verpflichtet, die im Lohntarif vorgesehenen Loehne zu zahlen. Larsen
erklaerte jedoch, dass die Unternehmer in vielen Faellen aus eigener
Initiative heraus hoehere Loehne zahlten. "Wenn wir feststellen,M
sagte er, "dass ein Arbeiter mehr produziert und dadurch Anspruch
auf einen hoeheren Verdienst hat, dann steigern wir seinen Lohn."
9 -

�"Die Idee, dass hoehere Produktionsleistungen wuenschenswert
sind, fand bei den Arbeitern zu Anfang nur wenig Anklang. Ihr
Widerwille kam darin zum Ausdruck, dass sie sich den Zeit- und Bewegungsstudien widersetzten. Noch vor drei Jahren war ihre Opposition
so stark, dass sie mit Streik drohten, wenn eine neue Maschine eingefuehrt werden sollte. Sie wollten zuerst nicht glauben, dass die
Erhoehung der Loehne nur auf die gesteigerte Produktionsleistung zurueckgefuehrt werden muss, denn sie wussten, dass sie nicht schwerer
zu arbeiten hatten." Seit jener Zeit hat sich die Zusammenarbeit
zwischen Unternehmern und Arbeitern jedoch hoechst zufriedenstellend
entwickelt.
Viele Erfolge dieses Unternehmens in der Arbeitsweise des Betriebes und den Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, so erklaerte Larsen, beruhten auf der Anwendung der Methoden des innerbetrieblichen Schulurgsprogramms. "Viele unserer Probleme wurzeln in der Haltung des Menschen, und wir sind mit Erfolg
bemueht, unter Zuhilfenahme des innerbetrieblichen Schulungsprogramms
alle Vorgesetzten zum klugen Handeln zu erziehen." Niemand koenne
in der Fabrik Vorgesetzter werden, wenn er nicht an einem Ausbildungs*
kursus im Rahmen dieses Programms teilgenommen habe. Er berichtete
ausserdem, dass auch die Betriebsraete sich an einem aehnlichen Kurs
beteiligen muessten, und da3s ihnen die gleichen Informationen zur
Verfuegung stuenden, die den Vertretern des Unternehmers gegeben worden.
Die Unternehmer wenden das Zeit- und BewegungsStudium an, und
auch auf diesem Gebiete wuerde den Gewerkschaftsfuhktionaeren die
gleiche Ausbildung zuteil wie den Vertretern der Arbeitgeber. Die
allgemeine Politik gehe dahin, die Arbeiter ueber alles, was vor sich
geht, zu unterrichten.
Vor zwei Jahren sei ein neues System der Buchhaltung eingefuehrt
worden, das auf der Kostenfeststellung beruhe. Dadurch wuerde eine
genaue Ueberpruefung aller Arbeitsgaenge im einzelnen und innerhalb
einer gesamten Abteilung ermoeglicht.
Larsen erklaerte ferner, dass die Arbeitswoche in Zeit gemessen
wuerde und die Norm 2810 Minuten woechentlich betrage. "Wir wissen
dadurch genau, wieviel jeder Arbeiter gearbeitet hat."
In dem Verlangen der Arbeiter, unter anstaendigen und wuerdigen
Verhaeltnis^en zu arbeiten, sieht Larsen einen positiven Pluspunkt
fuer die Steigerung von Produktion und Produktionsleistung; er fordert jedoch von den Unternehmern, dass sie alles tun, um diese Verhaeltnisse zu schaffen und zu erhalten.
Ein anderer Faktor, der zu den guten Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern beitrage, sei die Tatsache, dass der
Belegschaft Berichte zur Verfuegung stehen und die Arbeiter jederzeit
in die Betriebsstatistik des Unternehmens Einblick nehmen koennen. Regelmaessige monatliche Zusammenkuenfte, denen Arbeitgeber und Arbeiter
beiwohnen, seien den gemeinsamen Problemen gewidmet, die eingehend
und offen besprochen wuerden.
Zur Zeit wird die Werkkantine vergroessert, damit den Arbeitern
dort Mahlzeiten vom fruehen Morgen bis zum Verlassen des Werkes verabreicht werden koennen. Einmal nachmittags wird den Arbeitern eine
Tasse Kaffee gerefcht. Der Betrieb verfuegt ueber Umkleideraeume mit
abgeschlossenen Schraenken und ueber Duschraeume; man ist dabei, die
Duschen in den Umkleideraeumen der Frauen zu installieren.
"Wir glauben, "so schloss Larsen*, "dass es fuer die Gesinnung
unserer Leute sehr wichtig ist, dass man sich um sie kuemmert. Sie
werden dafuer ihr Bestes zum erfolgreichen Arbeiten unseres Betriebes
geben."
Arbeitsmitteilungen der EGA
VI1/24/50
- 10 -

�ARBEITSGESETZGEBUNG IN INDIEN
Die Arbeitslage war in der letzten Periode ziemlich gesund. Die
industrielle Unrast ist im Abklingen begriffen und augh das Fernbleiben von der Arbeit weniger ausgepraegt. Die Arbeitsverdienste hielten
ziemlich Schritt mit den erhoehten Lebenskosten mit dem Ergebnis, dass
der Rueckgang der Realloehne gering war. Die Arbeitsgestzgebung hat
Fortschritte in der Regelung der Arbeitsbedingungen, der Erhoehung des
Wohlfahrtsstandards, und der Sicherung weiterer Erleichterungen an die
Arbeiterschaft gemacht. Die bemerkenswertesten der kuerzlich erlassenen Gesetzgebungen sind: Das Mindestlohngesetz, das staatliche Angestellten-Versicherungsgesetz und das Fabrikgesetz von 1948.
Im Jahre 1947 betrug die Anzahl der verlorenen Arbeitstage 16,56
Millionen, verglichen mit 12,72 Millionen im Jahre 1946, und 4,99 Millionen im Jahre 1939. Diese Verschlechterung der Industriebeziehungen
war ein Hemmschuh fuer die Industrieproduktion, die ihrerseits einen
schaedlichen Einfluss auf die nationale Wirtschaft hatte. Um einer
Intensivierung der Produktion den Weg zu ebnen, mussten die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern verbessert werden. Im Hinblick
darauf kam im Dezember 1947 die Zentralregierung ueberein, eine Konferenz der Vertreter der Arbeiter und Arbeitgeber und der Zentral- und
Provinzialregierungen einzuberufen. Bei dieser Konferenz beschlossen
beide, Arbeiter und Arbeitgeber, den Burgfrieden waehrend der naechsten
zwei Jahre aufrechtzuerhalten. Die Wirkung dieses Abkommens ueber die
Beziehungen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern zeigte sich im naechsten Jahr, wo als Ergebnis der Streitigkeiten die verlorenen Arbeitstage auf 7,84 Millionen zurueckgingen. Diese Verbesserung wurde im
Jahre 1949 aufrechterhalten. Waehrend der ersten sieben Monate des
Jahres betrug die Anzahl der verlorenen Arbeitstage 4,88 Millionen,
verglichen mit 6,22 Millionen in der Parallelzeit des Vorjahres.
Als Ergebnis besserer Arbeitsorganisation und auch als Folge der
Regierungspolitik haben die Industrieloehne waehrend des Krieges und
nachher mit den ansteigenden Preisen ziemlich Schritt gehalten. Im
ganzen hatte die Arbeiterschaft nur einen sehr geringen Rueckgang in
ihren Realloehnen zu verzeichnen. Die durchschnittlichen Jahresverdienste der Fabrikarbeiter in der Provinz Bombay erhoehten sich von
370 R. im Jahre 1939 auf 814,7 R. im Jahre 1945 oder um 120 f0 waehrend
die Lebenskosten in der Stadt Bombay in der gleichen Periode von 103
auf 224 oder um nahezu 128 % stiegen. Um noch einige weitere Beispiele zu nennen: In Assam erhoehten sich die durchschnittlichen Jahresverdienste von 263,7 R. im Jahre 1939 auf 820,4 R. im Jahre 1948
oder um 210 %. In dieser Provinz betrug die Erhoehung der Arbeiterloehne 24 % zwischen dem Jahre 1945 und 1949, waehrend die Erhoehung
der Lebenskosten 30 % ausmachte. In Uttar Pradesh erhoehten sich die
Arbeitsloehne je Kopf zwischen 1939 und 1948 von 235,6 R. auf 887,1 R.
- eine Erhoehung um 235 % - waehrend die Lebenskosten im hauptsaechlichsten Industriezentrum dieser Provinz, in Kanpur, von 105 auf 315
oder um 200 f0 anstiegen.
Der erste Schritt zur Festlegung von Mindestloehnen wurde im
April 1946 unternommen, als die Mindestlohnvorlage der zentralgesetzgebenden Versammlung unterbreitet wurde. Die Vorlage wurde angenommen und im Maerz 1948 zum Gesetz erhoben. Sie ist unter der Bezeichnung "Mindestlohngesetz,, bekannt. Dieses sieht Massnahmen vor zur
Festlegung von Mindestloehnen bei Anstellungsverhaeltnissen, wo
Schwerarbeit vorherrscht oder wo eine weitgehende Moeglichkeit der
Ausnuetzung der Arbeitskraefte besteht. Die in der zusaetzlichen
Liste des Gesetzes aufgefuehrten Industrien, wo die zu bezahlenden
^indestloehne durch die Zentral- oder Provinzialregierungen festzulegen sind, umfassen Reis-, Dal- (eine indische Linsenart) oder Mehlmuehlen, Tabakfabriken, Plantagen, Oalmuehlen, Strassen- und Haeuserbau, Gerbereien und Lederfabriken, Lackproduktion, Glimmerwerke, oeffentliche Motortransporte und Landwirtschaft.
- 11 -

�Was die Massnahmen fuer die soziale Sicherheit anbelangt, ist
das früeheste Gesetz dafuer das Arbeiterentschaedigungsgesetz von
1923. Dieses Gesetz wurde im Jahre 1934 revidiert, wobei die Revision auf den Empfehlungen der koeniglichen Arbeitskommission basierte.
Dieses Gesetz sieht die Zahlung von Entschaedigungen durch die Arbeitgeber an die Arbeiter im Falle von Verletzungen vor, die durch Unfaelle
bei und waehrend der Arbeit entstehen.
Das Spar- und Gratifikationsplangesetz fuer Kohlenbergwerkarbeiter
vom Jahre 1948 sieht die Errichtung eines obligatorischen Unterstuetzungsfonds und die Entrichtung von Dienstleistungs- und Produktiansgratifikationen an Kohlenbergwerkarbeiter vor.
Die wichtigste Gesetzgebung im Einblick auf Massnahmen fuer die
soziale Sicherheit stellt das staatliche Angestelltenversicherungsgesetz
von 1948 dar. Das Gesetz findet erstinstanzlich auf alle Fabriken einschliesslich diejenigen in Regierungsbesitz - Anwendung, ausgenommen saisonbedingte Fabriken. Alle entloehnten Arbeiter dieser Fabriken oder in Verbindung mit^ ihnen, ausgenommen diejenigen mit einem
Monatsgehalt von ueber 400 R., sind versicherungspflichtig. Das Gesetz sieht je nach dem Fall folgende Vergünstigungen fuer die Versicherten oder ihre Familien vor:
1. Krankheitsunterstuetzung; 2. Cutterschaftszuschuesse;
3. Unterstuetzung im Falle von Arbeitsunfaehigkeit; 4. Hinterlassenenfuersorge und 5. Zuschuesse im Falle aerztlicher Behandlung.
Der staatliche Angestelltenversicherungsfonds wird aus Beitraegen
der Arbeitgeber sowie der Arbeitnehmer, Stiftungen, Schenkungen usw.,
Beitraegen der Zentral- und Provinzialregierungen, von lokalen Behoerden oder irgend einer industriellen Koerperschaft gespeist. Die Einzelheiten des Planes werden noch ausgearbeitet und werden zuerst in
der Provinz Delhi zur Anwendung kommen.
Das indische Gewerkschaftsgesetz von 1926, mit der Abaenderung
vom Jahre 1947, sieht statutarische Bestimmungen fuer die obligatorische
Anerkennung durch die Arbeitgeber einer repraesentativen Gewerkschaft
der Arbeiter vor. Es spricht der Gewerkschaft gewisse Rechte und Privilegien zu, wie Schutz gegen Strafverfahren bezueglich irgendeines
Abkommens zum Zwecke der Foerderung eines gesetzlichen Zieles der
Gewerltschaft usw. Das Gesetz bezeichnet auch gewisse Handlungen als
unfaire Art des Vorgehens seitens der anerkannten Gewerkschaften und
gewisse andere als unfaires Vorgehen seitens der Arbeitgeber. Zur
Foerderung des industriellen Friedens sieht das Gesetz fuer Industriestreitigkeiten gewisse Massnahmen vor, durch welche Streitigkeiten an
Industrleausschuesse, Untersuchungsgerichte oder 1ndustrietribunale
weitergeleitet werden koennen. Die Ueberweisung von Streitfaellen an
die Ausschuesse, Gerichte oder Tribunale ist obligatorisch seitens der
Zentralregierung, wenn beide Parteien, entweder getrennt oder gemein- •
sam, um eine solche Ueberweisung nachsuchen, im anderen Falle steht
eine solche im Ermessen der Regierung.
Die Regierung ist befugt, einen Arbeitgeber eines Betriebes mit
1.000 oder mehr Arbeitern aufzufordern, einen Betriebsausschuss, bestehend aus Vertretern der Arbeitgeber und Arbeiter dieses Betriebes,
zu errichten. Die Pflichten solcher Ausschuesse bestehen darin, Massnahmen zur Sicherung und Festigung der Freundschaft und der guten Beziehungen zwischen Leitung und Arbeiterschaft zu treffen. Die Regierung ist auch ermaechtigt, SchlichtungsOffiziere fuer ein bestimmtes
Gebiet oder eine spezielle Industrie zu ernennen.

- 12 -

�Artikel 31 bis 34 der neuen Verfassung Indiens beziehen sich auf
die Arbeitspolitik und bilden eine Arbeitscharta. Artikel 33 legt dar,
dass der Staat Bestimmungen zur Sicherung anstaendiger und menschlicher
Arbeitsbedingungen und Mutterschaftsunterstuetzungen zu treffen hat.
Artikel 34 fuehrt aus, dass der Staat bestrebt sein soll, durch eine
angemessene Gesetzgebung oder wirtschaftliche Organisation oder auf
irgendeine andere Art, allen Arbeitern - den Industriearbeitern sowie
auch den anderen - Arbeit, einen ausreichenden Lohn, Arbeitsbedingungen,
die einen anstaendigen Lebensstandard und volle Freizeitverguetung ermoeglichen, sowie soziale und kulturelle Notwendigkeiten zu gewahrleisten.
So wurde der Arbeiterschaft anstaendige und ehrenhafte Behandlung
zugesichert, ein anstaendiger Lohn garantiert und gerechte und menschliche Arbeitsbedingungen geschaffen. Es liegt nun an den Arbeitern,
mitzuhelfen, das Nationaleinkommen zu erhoehen, so dass der Lebensstandard des Landes weitgehend gehoben werden kann.
Bulletin der indischen Gesandtschaft
in Bern
VIII/50
CIO FUNKTIONAER FORDERT WIRKSAMES WIRT SC HAFTS PROGRAMM
Emil Rieve, der Vorsitzende des Vollbeschaeftigungsausschusses
des CIO und Praesident der Textilarbeitergewerkschaft von Amerika (CIO),
forderte eine Gesetzgebung zur Kontrolle der Preise, die Schaffung zuverlaessiger Rationierungsgesetze und eine "drastische Revision" der
Steuergesetze.
Rieve prophezeite, dass ohne Preiskontrollgesetze der "Preisinflation, die die Kaufkraft bereits stark verringert hat, nicht Einhalt
geboten werden kann."
In diesem Zusammenhange fuegte er hinzu, "dass bereits viel uninformiertes Gerede ueber den Lohnstop gefuehrt worden ist. Das aendert
jedoch nichts an der Tatsache, dass im Rahmen der bestehenden Preisund Gewinnspannen genuegend Moeglichkeiten fuer die Tarifverhandlungen
bestehen, ohne dass die Preise in die Hoehe getrieben werden rauessen."
Rieve erklaerte, dass fuer das Land "dringend eine wirksame Steuer
fuer uebermaessige Gewinne erforderlich ist
mit dem die Preisspekulation und die hohen Gewinne gesteuert werden koennen." Er forderte ausserdem die Abaenderung der Einkommensteuer fuer Personen mit
hohen Einkommen und die Schliessung bestehender Luecken in der Steuers truktur.
Die Erklaerung Emil Rieves lautet:
"In Anbetracht der grossen Probleme, die unsere Nation zu bewaeltigen hat, muss der Kongress unverzueglich ein Wirtschaftsprogramm bewilligen, das unseren Verteidigungsbeduerfnissen voll gerecht wird.
"Es ist offensichtlich, dass wir ein angemessenes Programm zur
Kontrolle der schnell ansteigenden Preise benoetigen, ein Programm,
das die zuverlaessige Rationierung knapper Waren und eine drastische
Revision der Steuertabellen vorsieht, die uns helfen werden, unsere
Ausgaben fuer die Verteidigung zu finanzieren und PreisSpekulationen
und hohe Gewinne zu kontrollieren.
- 13 -

�"In keinem wirklich ausgeglichenen Programm zur Mobilisierung der
Hilfsquellen unseres Landes kann irgendeiner dieser drei Faktoren unberücksichtigt bleiben. Wir muessen uns im Interesse unserer eigenen
Sicherheit jetzt und in Zukunft mit ihnen befassen. Der Praesident
und der Kongress muessen in ihren Empfehlungen und Aktionen ihrem
Programm den fundamentalen Grundsatz zugrundelegen, dass alle Teile
der Bevoelkerung gleichermassen an den Lasten beteiligt werden muessen.
• Preiskontrollgesetze sind jetzt unbedingt erforderlich.
"Ohne eine derartige Gesetzgebung kann die PreisInflation, die
bereits zu einem grossen Teil die Kaufkraft beeintraechtigt hat, nicht
abgebremst werden. In den beiden Wochen, die der Botschaft des P r e sidenten an den Kongress ueber die Teilmobilisierung vorangingen, ist •
der Tagesindex, den das amerikanische Arbeitsministerium fuer Verbrauchsgueter aufstellt, um 10 % in die Hoehe gegangen. In den folgenden Tagen setzte sich diese Aufwaertsbewegung um weitere 5 # fort.
"An den neueren Preissteigerungen fuer Lebensmittel ist die Landwirtschaft unbeteiligt, sie sind vielmehr auf spekulative Methoden in
der Verteilung zurueckzufuehren.
"Um den amerikanischen Verbrauchern weitere Haerten zu ersparen,
muessen auf dem schnellsten Wege Gesetze zur Entrolle der Preise erlassen werden, ohne dass dadurch Luecken entstehen, die den Spekulanten
Gewinn bringen.
"In Verbindung mit den Preiskontrollen ist viel ueber Lohnstops
geredet worden, wobei schlechte Informationen zugrunde lagen. Das
aendert jedoch nichts an der Tatsache, dass im Rahmen der bestehenden
Preis- und Gewinnspannen genuegend Raum fuer Tarifverhandlungen bleibt,
ohne die Preise in die Hoehe schrauben zu muessen. Die bestehenden
Unzulaengliclikeiten und Ungleichheiten der Kaufkraft amerikanischer
Lohnverdiener kann und darf nicht uebersehen werden.
"Praesident Truman ersuchte um die Ermaechtigung, ueber die Produktionskraft des Landes willkuerlich verfuegen und die Ausdehnung bestimmter, wesentlicher Produktionsmittel durchfuehren zu koennen.
Diese Forderungen muessen als erster notwendiger Schritt auf dem Wege
zur Mobilisierung der wirtschaftlichen Energiequellen unseres Landes
betrachtet werden. Wir muessen jedoch darauf vorbereitet sein, weit
ueber diese ersten, vorlaeufigen Massnahmen hinauszugehen, wenn unsere
Wirtschaft den Anforderungen gerecht werden soll, die unsere demokratische Verteidigung gegen die kommunistische Aggression in Korea oder
anderswo in der Welt an sie stellen wird.
"Noch haben wir nicht unter ernsthafter oder dauernder Knappheit
an Verbrauchsguetern zu leiden. Es waere jedoch gewagt zu prophezeien,
dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Bestimmungen ueber zuverlaessige Massnahmen zur Durchfuehrung eines Rationierungsprogramms
muessen gesetzlich verankert werden. Eine derartige Gesetzgebung wird
eine erste Verteidigungslinie gegen umfassende wirtschaftliche Steuerungen bilden. Sie wird ausserdem fuer grosse Teile unserer Bevoelkerung,
deren wirtschaftliche Lage den Einkauf von Vorraeten nicht gestattet,
eine Atmosphaere des Vertrauens schaffen.
"Ebenso wichtig ist, dass wir sofort ein Steuerprogramm genehmigen,
das mit den Anforderungen und Zielen unserer nationalen Verteidigung
vereinbar ist. Wir mue3sen bestrebt sein, einen grossen Teil unserer
militaerischen Ausgaben durch laufende Steuern zu decken. Es muessen
aber auch neue Gesetze ueber Einkommensteuer ausgearbeitet werden, die
den Hauptzweck haben muessen, jede Inflation sowie Preis- und Gewinnspekulationen zu bekaempfen»
- 14 -

�n

Der Praesident hat in dieser Richtung zwei Wege vorgeschlagen: eine Erhoehung der bundesstaatlichen Einkommensteuer und der
allgemeinen Gesellschaftssteuer. Das genuegt jedoch nicht.
"Die Vereinigten Staaten benoetigen dringend wirksame Bestimmungen zur Besteuerung uebermaessiger Gewinne. Damit koennten die
spekulativen Preissteigerungen viel besser gedrosselt werden als
mit der Erhoehung der Saetze der Zusatzsteuern fuer Gesellschaften,
wie es dem Praesidenten vorgeschlagen wurde. Mit einer einfachen
Erhoehung des Zusatzsteuersatzes kann der Unternehmer die hierdurch
entstenende Belastung viel leichter auf den Verbraucher abwaelzen,
als es ihm bei einer Erhoehung der Steuer fuer uebermaessige Gewinne moeglich waere.
"Innerhalb des gegenwaertigen Programms entwickelt sich die
Inflation aus der PreisSpekulation; Vorschlaege zur Erhoehung der
äinkommensteuer fuer Angehoerige der niedrigen Einkommensgruppen
sind deshalb unvernuenftig. Die Steuerbelastung dieser Gruppe ist
bereits zu hoch. Die Erhoehungen der Einkommensteuern der Lohnempfaenger sollten nur ifl den Steuergrup^en mit ueber 2.000 Dollar
versteuerbaren Einkommens im Jahr vorgenommen werden.
"Durch eine wirksame Besteuerung aussergewoehnlicher Gewinne
zur Beseitigung der Preis- und Gewinnspekulation, durch eine Erhoehung der Einkommensteuer des Einzelnen fuer Angehoerige der hoeheren Einkommensgrupoen und durch das Schliessen bestehender Luecken,
wozu auch die steuerliche Trennung der Einkommen eines Ehepaares
gehoert, ist es moeglich, die aus der gegenwaertigen Situation entstehenden hoeheren Ausgaben zu bestreiten. Der Umfang des Bewaffnungsprogramms ist zur Zeit noch nicht so gross, dass es nicht durch
ein erhoehtes Steueraufkommen finanziert werden koennte.
"Der Grundgedanken in der Botschaft des Praesidenten scheint
zu sein, dass wir es uns nicht leisten koennen, die Einfuehrung einer Steuer fuer uebermaessige Gewinne bis zu einem spaeteren Zeitpunkt des Jahres aufzuschieben. Dieser Vorschlag haette in der
jetzigen Gesetzesvorlage enthalten sein muessen. Der Kongress muss
in dieser Angelegenheit sofort etwas unternehmen.
"Der vorliegende Steuervorschlag scheint der kuerzlich angekuendigten Wohnungsbaupolitik zu aehneln. Die Kontrolle des privaten Wohnungsbaus durch die Erhoehung der Anzahlungsbetraege beim
Kauf von Wohnhaeusern, wie es vorgeschlagen wurde, muss Familien
der niedrigen Einkommengruppen schaedigen, waehrend sie denjenigen,
die ueber grosse Geldbetraege verfuegen, nichts ausmacht. Die Anordnung, das Programm des oeffentlichen Wohnungsbaus zu kuerzen,
trifft ebenfalls unmittelbar diejenigen, die am dringlichsten eine
anstaendige und billige ««ohnungen benoetigen. Keiner dieser Vorschlaege kann ein umfassendes Wohnungsbauprogramm ersetzen, das
diejenigen mit anstaendigen Wohnungen versorgt, die sie tatsaechlich
benoetigen.
"Das amerikanische Volk ist sich voellig der grossen Ereignisse
bewusst, In die es verwickelt ist. Es ist bereit, alle vernuenftigen Forderungen, die gestellt werden, zu erfuellen. Es verlangt
ein Programm, das den Erfordernissen der Zeit gerecht werden kann.
Es wuenscht ein Programm, in dem die"gleiche Verteilung der Lasten
auf alle Schultern Grundsatz und nicht nur Schlagwort ist."
Mitteilungen des CIO
VIII/1/50
- 15 -

�CIO GEGEN KUERZUNO DES PUNKT-VI ER-PROGRAMMS
Der CIO hat den Bewilligungsausschuss des
die angekuendigte Kuerzung der Mittel fuer das
um 35 Millionen Dollar rueckgaengig zu machen,
mit ein nationales Bollwerk zu einem Zeitpunkt
mit einem Angriff gerechnet werden muesse.

Senats aufgefordert,
Punkt-Vier-Programm
da der Ausschuss dazerstoere, in dem

"Unseres Erachtens ist es im Interesse einer erfolgreichen
Aussenpolitik, zu der auch die Entwicklung in Korea gehoert, notwendig, die Geldmittel in voller Hohe zu bewilligen," heisst es in
einem Telegramm des CIO an den Vorsitzenden des Bewilligungsausschusses des Senats Kenneth McKeXXar.
Das Telegramm ist von dem Vorsitzenden des Internationalen
Komitees des CIO Jacob S. Potofsky und von Nathan Cowan, dem Direktor der Rechtsabteilung d'es CIO, unterzeichnet.
In seiner Stellungnahme zu den Handlungen des Bewilligungsausschusses erklaerte Potofsky:
"Die angekuendigte Kuerzung der Mittel fuer das Punkt-VierProgramm um 35 auf 10 Millionen ist ein typischer Fall 'einer voellig falschen Wirtschaftspolitik'.
"Keine amerikanische Gemeinde wuerde jemals "sparen", indem
sie ihre Feuerwehr aufloest - besonders wenn in einer Entfernung
von zwei Meilen ein Waldbrand ausgeborchen ist.
"Die Mitglieder des Bewilligungsausschusses des Senats koennen offenbar nicht begreifen, dass in ganz Asien ein ideologischer
und militaerischer Brand wuetet; es besteht die Gefahr, dass er
sich in den kommenden Monaten noch staerker ausbreitet.
"In vielen Teilen Asiens, Afrikas und Suedamerikas stallt das
Punkt-Vier-Programm eine erste Linie zur Verteidigung der demokratischen Lebensform dar. Hungrige, ausgebeutete Menschen koennen
und werden keine zuverlaessigen Verbuendeten in der Verteidigung
gegen totalitaere Aggressionen sein.
"Durch technische und humanitaere Projekte unseres Punkt-VierProgramms haben wir Millionen Menschen ein neues demokratisches Lebensziel gesetzt, ein Ziel, das auch uns in den kommenden Jahren
Nutzen bringen wird.
"Verbesserungen in der Landwirtschaft, Einfuehrung neuer technischer Methoden der industriellen Produktion, Massnahmen zum Schlitze
der Gesundheit - all dies sind wichtige Exportgueter unserer amerikanischen Demokratie. Wir haben die moralische Verpflichtung und
die politische Verantwortung, den Voelkern in rueckstaendigen Gebieten zu helfen, ihren Lebensstandard und ihre Lebensweise zu verbessern.
"Die gedankenlose und mutwillige Zerstoerung dieses Prograiums
durch unnuetze und falsche Sparmassnahmen kann nur dazu dienen,
die Sache der amerikanischen Demokratie zu schaedigen und der kommunistischen Infiltration und Aggression neue Wege zu eroeffnen.
"Im Namen von Millionen Mitgliedern des sCI0 richte ich an den
Senat die Forderung, so schnell wie moeglich diese verheerende Art
indirekter Hilfe fuer den Kreml einzustellen und die von Praesident
Truman angeforderten Mittel fuer das Punkt-Vier-Programm zu bewilligen, um den Mindestbedarf dieses Programms decken zu koennen."
- 16 -

HICOG R - l ^ l L H

Sectember 50 2 H

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 26

'

Frankfurt, 1. September 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Botschaften an die amerikanischen Gewerkschaften
zum Tag der Arbeit 1950 - - - - - - - - - - - 1
Hollaendische Gewerkschaften gegen kommunistische
Zweckstreiks - - - - - - - - - - - - - - - - 8
Rundfunksendung einer US-Gewerkschaft zum Tag
der Arbeit
- - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 1
Green und lSsany zum amerikanischen Verteidigungsprogramm
- - - - - - - - - - - - - - - - - - - 1 2
Der Generalsekretaer des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften, J. H. Oldenbroek, zum
Tag der Arbeit an die amerikanischen Gewerkschaften - - - - - - - - - - —
---- ---15
Eiler Jensen, Vorsitzender der daenischen Gewerkschaften zum Tag der Arbeit - - - - - - - - - - 1 6

BOTSCHAFTEN AN DIE AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN ZUM TAG DER ARBEIT

T93ö~
!,feurice J. Tobln, Arbeitsminister der Vereinigten Staaten:
Der Tag der Arbeit hat im Jahre 1950 eine besondere Bedeutung.
Er wird zu einer Zeit gefeiert, in der die Vereinigten Staaten den
Fehdehandsohuh des Totalitarismus angenommen haben und das Volk von
Sued-Korea und alle anderen Voelker, die von der kommunistischen
Aggression bedroht sind, verteidigen. Die Gewerkschaftsbewegung
hat sich mit ganzer Seele und mit aller Macht in diesen Kampf geworfen.
Die Gewerkschaftsbewegung ist frei und kann nur in einer Demokratie frei sein. Die amerikanischen Gewerkschaften sind sich bewusst, dass die Arbeiter in kommunistisch beherrschten Laendern nicht
frei sein koennen. Die freien Arbeiter wissen, dass sie es sich
selbst und ihren unterdrueckten Bruedem in den totalitaeren Laendern
schuldig sind, sich rueckhaltlos fuer den Kampf zur Sicherung der
Freiheit der Arbeiterschaft in allen Teilen der Welt zusammenzuschliessen.
- 1 -

�Die Amerikaner lieben den Frieden. Sie haben einen Geist internationaler Kameradschaft an den Tag gelegt, wie er nicht fuer
moeglich gehalten worden waere. Unsere Handlungen haben den Geknechteten und Unterdrueckten anderer Laender Hilfe und Hoffnung
gebracht. Wir sind damit zu Beschuetzern hilfloser Maenner und
Frauen auf der ganzen Welt geworden.
Wir lieben keine Verfolgungen und keine Tyrannei. Wir haben
uns schon vor vielen Jahren von jeder Unterdrueckung frei gemacht.
Wir"achten die Rechte eines freiheitsliebenden Volkes, Wir haben
niemals gezoegert, anderen zu den gleichen Rechten zu verhelfen.
Deshalb sind wir Sued-Korea zu Hilfe gekommen. Wir haben feierlich gelobt, ein Land, dessen Unabhaengigkeit von den Vereinigten Staaten anerkannt wurde, schuetzen zu helfen.
Die Vereinigten Staaten haben sich fuer die Erhaltung der Freiheit und des Friedens den unterdrueckten Menschen der Welt zur Verfuegung gestellt. Die Gewerkschaften haben ihre eigene grosse
Rolle in diesem Kampf zu spielen, der den Menschen die segensreichen Gaben der Demokratie sichern soll.
In dem Jahre, in dem sich der Geburtstag Samuel Gompers, der
sein Leben der Verteidigung der Rechte aller Arbeiter der Welt gewidmet hat, zum hundertsten Male jaehrt, strebt die Gewerkschaftsbewegung diesem grossen Ziele zu. Die Gewerkschaftsfuehrer von
heute haben das gleiche Ziel vor Augen. Die Gewerkschaftsbewegung,
die soviel Ungerechtigkeit und Elend kennen lernte, ist nicht nur
um ihrer selbst willen, sondern auch zum Schutze anderer auf der
Hut, die der brutalen Anmassung des Kommunismus in dieser ungluecklichen Welt ausgesetzt sind.
Mit allen, die Freiheit und Recht lieben, kaempfen die Gewerkschaften gegen die kommunistische Aggression, wann und wo sie auch
immer ihr abscheuliches Haupt erheben mag.
William Green, der Vorsitzende der AFL;
Der Tag der Arbeit dieses Jahres sieht die amerikanische Nation wieder vor schwere Aufgaben gestellt. Die Aggression des internationalen Kommunismus zwingt sie, durch ein umfassendes Verteidigungsprogramm die freien Nationen der Welt und die eigene vor
einem Ueberfall zu schuetzen. Wenn wir uns die schwierigen Probleme vor Augön halten, denen wir gegenueberstehen, kommen wir unwillkuerlich zu der Schlussfolgerung, dass die Erhaltung des Weltfriedens von ueberragender Bedeutung ist. Bei der Haltung, die
der Kreml einnimmt, besteht die einzige Garantie des Friedens darin,
dass wir auf eine "ueberlegene bewaffnete Streitmacht zaehlen koennen. Damit muss unsere nationale Wirtschaft aufs neue mit hoeheren
Steuern und wirtschaftlichen Kontrollen dieser kritischen Situation
ang3passt und dem riesigen und kostspieligen Verteidigungsprogramm
der Vorrang gegeben werden.
Soweit es sich um die organisierte Gewerkschaftsbewegung handelt, betrachten wir den Krieg als den groessten Feind der Menschheit, und keine Kosten werden uns zu hoch sein, wenn sie einen dritten Weltkrieg verhindern koennen.
Noch mehr als den Krieg hassen wir die Unterdrueckung. Die
Gewerkschaftsbewegung ist entschlossen, alles zu tun, um die Welt
davor zu bewahren, von der kommunistischen Aggression, der kommunistischen Sklaverei und der kommunistischen Zerstoerung ueberrannt
zu werden.

�Der amerikanische Gewerkschaftsbund AFL hat von Anfang an in
Sowjetrussland den Feind der freien und wirklichen Zivilisation gesehen. Er hat wieder und wieder vor der kommunistischen Aggression
gewarnt. Wir wiederholten staendig unsere Warnungen. Nicht nur
in unserem eigenen Lande, sondern auch in Suedamerika, Europa.und
Asien kaempften wir Jahr um Jahr gegen alle Versuche der Kommunisten, die Arbeiter der Welt zu unterjochen.
Endlich wird nun der kommunistische Verrat und die Gefahr der
kommunistischen Bedrohung in ihrem vollen Umfang allen Amerikanern
und allen freiheits- und friedensliebenden Menschen offenbar.
Trotz der Tragik, die in der koreanischen Invasion liegt, koennen wir fuer die Warnung dankbar sein, die damit an uns gerichtet
wurde, und die uns daran erinnert, was noch bevorstehen kann. Sie
bietet uns eine Gelegenheit, uns auf das vorzubereiten, was Sowjetrussland oder seine Satelliten noch im Schilde fuehren moegen.
Nun muessen alle Amerikaner mehr denn je gemeinsam denken, dienen und handeln. Ausserdem muessen wir die Menschen aller heute
noch freien Nationen dazu auffordern, uns zu helfen und mit uns in
vollendeter Zusammenarbeit zu handeln. In dem Weltkampf um die
Erhaltung des Friedens und der Demokratie be.noetigen wir jede verfuegbare Hilfe und die moralische Unterstuetzung derjenigen, die
wie wir an Gottes Gerechtigkeit glauben.
Amerikas groesste Staerke in dieser kritischen Zeit ist die
aufrechte Gesinnung seiner Arbeiter. Diese Gesinnung wiederum
haengt von der Freiheit der amerikanischen Arbeiter ab. Im vorigen
Krieg haben die freien amerikanischen Arbeiter durchaus bewiesen,
das3 sie die versklavten Arbeiter unserer Feinde in der Produktionsleistung weit uebertreffen konnten. Sie werden bei jeder kommenden
Gelegenheit diese Tatsache erneut unter Beweis stellen, vorausgesetzt, dass ihnen ihre Freiheit erhalten bleibt.
Bekanntlich gibt es in der amerikanischen Verfassunr ein Gesetz, das die Freiheit der amerikanischen Arbeiter untergraebt.
Die Arbeiter unseres Landes werden sich niemals mit den Freiheitsbeschraenkungen einverstanden erklaeren, die ihnen das Taft-Hartley
Gesetz auferlegt. Dieses schaendliche Gesetz ist ein maechtiges
PropagandaWerkzeug in den Haenden der Kommunisten. In ihren Propagandabotschaften an die Arbeiter in anderen Laendern weisen sie auf
dieses Gesetz hin und bezeichnen es als einen Beweis fuer die Unwahrheit der amerikanischen Behauptung, allen Buergern die gleiche
Behandlung zuzusichern.
Ich bin der Auffassung, dass die Abschaffung des Taft-Hartley
Gesetzes in unserem nationalen Verteidigungsprogramm die erste Stelle einnehmen muss. Dies wuerde den Arbeitern unseres Landes neuen
Mut geben und sie wie keine andere Massnahme anspornen, die ungeheuer grosse Aufgabe, die ihnen bevorsteht, in Angriff zu nehmen.
Ich kann mit voller Üeberzeugung aussprechen, dass die ^roduktionsschlacht im voraus zur Haelfte gewonnen waere, wenn der Kongress
jetzt das Taft-Hartley Gesetz rueckgaengig machen und es durch ein
gerechtes Gesetz ersetzen wuerde, unter dem Arbeiterschaft und Unternehmer ihre schweren Aufgaben zur Verteidigung des Landes ohne
Furcht vor einer Benachteiligung oder einseitigen Behandlung seitens der Regierung erfuellen koennen.
Die Grosskapitalisten und ihre maechtigen Verbuendeten im 81.
Kongress werden jedoch nicht freiwillig ihre Taft-Hartley Gemeinschaft zugunsten der Arbeiter aufgeben. Unsere Gewerkschaftsbewegung
- 3-

�hat deshalb die Pflicht, den Kampf zur Beseitigung dieses Gesetzes
mit verdoppelter Energie bis zu unserem Siege weiterzufuehren.
Wir koennen diesen Kampf gewinnen, wenn die arbeitenden Maenner und Frauen Amerikas und ihre wahlberechtigten Familienmitglieder
und Freunde bei den Kongresswahlen im November ihre Stimme abgeben.
Wenn die Wahlbeteiligung der Arbeiter hundertprozentig ist, wird
es keine Schwierigkeiten bereiten, das Taft-Hartley-Gesetz zu beseitigen, und damit waere der Sieg ueber zahlreiche Reaktionaere und
die Wahl eines wahrhaft demokratischen 82. Kongresses gesichert.
Die Arbeiter schliessen sich enger zusammen, um dieses Ziel zu
erreichen und das Verteidigungsprogramm erfolgreich durchfuehren zu
koennen.
Zum erstenmal in den letzten 15 Jahren versprechen die Verhandlungen ueber die Einigung der AFL und des CIO Erfolg. Hoffen wir,
dass in dem kommenden Jahr eine einzige, vereinigte Gewerkschaftsbewegung in Amerika zusammengeschmiedet wird, die mit neuer Staerke
und groesserer Macht, die dem Zusammenschluss fuer die gemeinsame
und grosse Sache entspringt, die Rechte der Arbeiter wahren und die
Demokratie erfolgreich verteidigen kann.
Vincent Tewson, Generalsekretaer des Britischen Gewerkschaftsbundes
(TUC):
Der Tag der Arbeit in Amerika faellt in diesem Jahre in eine
Zeit schwerer internationaler Krisen. Im Namen der organisierten
Arbeiter Grossbritanniens versichere ich unseren Gewerkschaftskolle?en in Amerika, dass in dieser Krise ihre Sache die unsrige ist.
Es ist die Sache der Vereinten Nationen, die wir alle als ein Mittel
zur Erhaltung der Ordnung und des Gesetzes auf der ganzen Welt unterstuetzen.
Im Kriege standen wir Schulter an Schulter, wir brachten gemeinsam unzaehlige Opfer. Der kalte Krieg fand uns ebenfalls Seite
an Seite, und wieder stehen wir zusammen, um unsere Kraefte zu mobilisieren, damit wir der Aggression begegnen koennen.
Von Eurer Seite aus darf nicht uebersehen werden, dass es dem
Marshall-Plan zu verdanken ist, wenn wir heu'te mit Euch als Partner
in den Vereinten Nationen kaempfen und unserem Wollen Nachdruck
verleihen. Urteilt selbst, wie weit es den europaeischen Nationen
ohne diese Wiedergesundung moeglich gewesen waere, ihre Solidaritaet
in der Un'terstuetzung der von den Vereinten Nationen in Korea unternommenen Schritte zu demonstrieren. Wenn das Europaeische Wiederaufbauprogramm nicht so weit vorangetrieben waere, wuerde die Zukunft
fuer uns alle weit aussichtsloser sein.
Im Verlauf dieses Jahres ist viel getan worden, um die Freundschaft und Zusammenarbeit der amerikanischen und britischen Gewerkschaftsbewegungen zu foerdern. Seitdem ich im vorigen Jahre am Tag
der Arbeit zu Euch sprach, sind unsere gemeinsamen Bemuehungen, eine
wirksame internationale freie GewerkschaftsOrganisation der Welt zu
gruenden, von Erfolg gekroent worden.
Unser Internationaler Bund Freier Gewerkschaften unterstuetzt
aktiv den Kampf der freien Voelker der '.Veit zur Erhaltung ihrer Freiheit. In dieser harten Auseinandersetzung der Ideen, die alle Formen bewaffneter Konflikte uebertrifft, teilen wir die Auffassung
unserer Gewerkschaftskollegen in den Vereinigten Staaten, dass Wahrheit und Gerechtigkeit bestehen wird, wie lange dieser Kampf auch
dauern mag, und selbst wenn dieser Krieg keine Loesung schafft.

�An Eurem Tag der Arbeit sind unsere Gedanken mit Euch. Fuer
uns sowohl als auch fuer Euch ist es ein Tag, der neuen und dringenden Aufgaben gewidmet ist und der die kameradschaftliche Verbundenheit erneuern soll, die uns in unserer Hoffnung und unserem Glauben,
dass eine bessere und gluecklichere Welt aufgebaut werden muss und
aufgebaut werden wird.
Karl Malsel, Praesident der Metall- und Bergarbeitergewerkschaft
Oesterreichs: "
Ich freue mich, im Namen der Metall- und Bergarbeitergewerkschaft Oesterreichs den amerikanischen Arbeitern die allerbesten
Gruesse und Wuensche zum Tag der Arbeit uebermitteln zu koennen.
Wir wissen die grossen Erfolge der drei amerikanischen Metellarbeitergewerkschaften und der Bergarbeitergewerkschaft zu schaetzen.
Wir Berg- und Metallarbeiter-Oesterreichs wissen, wie schwer es
war, diese Ziele zu erreichen.
Die letzten erfolgreichen Kaempfe der Berg- und Automobilarbeiter haben uns erneut die Macht der amerikanischen Gewerkschaften vor
Augen gefuehrt. Der hohe Lebensstandard amerikanischer Arbeiter ist
der beste Beweis fuer ihren Kampfgeist. Ihr seid die Garanten der
demokratischen Freiheit in Eurem eigenen Lande und ein Verbuendeter
in dem Freiheitskampf der ganzen Welt.
Ich gruesse herzlichst alle amerikanischen Arbeiter und hoffe,
dass sie durch ihre Gewerkschaften weitere Fortschritte erzielen
werden.
Fotis Makris, Sekretaer des Allgemeinen Gewerkschaftebundes Griechenlands :
Heute, wie im vorigen Jahre, nimmt die Arbeiterschaft Griechenlands, vertreten in ihrer obersten Gewerkschaftsorganisation, mit
ganzen Herzen an der Feier des Tages der Arbeit ihrer Brueder in
den Vereinigten Staaten teil.
Die vergangenen Jahre haben dazu beigetragen, die engen Bande,
die die Arbeiterschaft unserer beiden befreundeten und verbuendeten
Nationen umschliessen, weiter zu staerken. Die beiden freien Gewerkschaftsbewegungen sind sich im letzten Jahre durch ihre Teilnahme an der Gruendung des IBFG naehergekonmen, der Organisation,
auf die die Blicke aller freien Arbeiter der Welt gerichtet sind,
die sich in ihrem Kampf um Brot, Freiheit und Frieden vereinigt
haben.
In diesem Jahre haben es die Arbeiter der Vereinigten Staaten,
getreu den Grundsaetzen der Atlantik Charta und der Unabhaengigkeitserklaerung und getreu den Grundsaetzen des IBFG, unternommen,
die Freiheit und Demokratie der Welt mit ihrem Blute zu verteidigen.
Sie kaempfen in heroischer Weise im Namen der Vereinten Nationen,
um die neue brutale Aggression abzuwehren, die die roten Faschisten
angezettelt haben.
Die gesamte amerikanische Nation steht bereit. Die Fabriken
arbeiten intensiv, um Waffen der Freiheit zu produzieren, die es
den demokratischen Voelkern ermoeglichen werden, ihre Unabheengigkeit gegen die Bedrohung brutaler Gewalt zu verteidigen.
Die Arbeiter Griechenlands, die noch bis vor kurzen ihr Blut
fuer das gleiche hohe Ziel hingaben, und die noch immer den gleichen
- 5-

�verraeterischen und verbrecherischen Feind gegenueberstehen, verfolgen mit Bewunderung und Stolz die Beschluesse ihrer tanferen
Brueder in den Vereinigten Staaten. Sie uebermitteln ihnen durch
mich an diesem Tag der Arbeit ihre herzlichsten, bruederlichen
Gruesse.
Glarence Hunter, Leiter der SCA-Mission fuer Holland:
Als Leiter der SCA-Mission in Holland moechte ich Euch, amerikanische Arbeiter, die Gruesse Hollands zum Tag der Arbeit uebermitteln und Euch einige Worte ueber einen Eurer wertvollsten Verwendeten, die hollaendische Gewerkschaftsbewegung, sagen. Die
demokratische Gewerkschaftsbewegung Hollands wird von einer Million
Mitglieder getragen. Ihre Fuehrung ist eine der dynamischsten
und fortschrittlichsten in Westeuropa, die standhaft an der Verwirklichung der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Ziele des
Marshall-Plans mitarbeitet.
•

In gemeinsamem Streben nach Frieden ist die hollaendische Gewerkschaftsbewegung mit dem amerikanischen Volke eng verbunden.
Die N W , die sozialistische Gewerkschaft Hollands, vertritt 40% der
gewerkschaftlich organisierten Arbeiter Hollands. Sie hat gerade
eine Reihe von Massenkundgebungen in ganz Holland abgehalten, um
gegen die kommunistische Aggression in Korea zu protestieren und
die freie arbeitende Menschheit der ganzen Welt zur Unterstuetzung
der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen im Fernen Osten
zusammenzuschliessen. Als erste der groesseren europaeischen Gewerkschaften hat sie die Entscheidung des Sicherheitsrates in Korea
gebilligt.
Die Funktionaere der hollaendischen Gewerkschaften und die
Bereitwilligkeit der Arbeiterschaft Hollands, die wirtschaftliche
Vereinigung und die europaeische Zahlungsunion zu foerdern, lassen
mich auf eine Zukunft hoffen, in der die amerikanischen und hollaendischen Arbeiter geraeinsam an der Erringung anstaendiger Lebensverhaeltnisse in einer friedlichen Welt arbeiten werden, die jenes Ungeheuer nicht mehr kennt, das sie heute bedroht.
Paul G. Hoffman. Administrator der Verwaltung fuer Y.'irtschaftliche
Zusammenarbeit (SCA):
Am Tag der Arbeit gruesse ich die amerikanischen Gewerkschaften
und die freien Gewerkschafter Europas. Die zunehmende internationale
Zusammenarbeit der freien Gewerkschafter der Welt ist ein ermutigendes Zeichen in dieser unruhigen Zeit. Ich bin der Auffassung, dass
diese internationale Zusammenarbeit, die besonders in der Gruendung
des IBFG zum Ausdruck kommt, unseren Kampf gegen die kommunistische
Aggression in den kommenden Jahren in zunehmendem Masse unterstuetzen
.vird. Ich moechte bei dieser Gelegenheit meine hohe Anerkennung zum
Ausdruck bringen, die ich der hervorragenden Zusammenarbeit am Marshall-Plan seitens der amerikanischen und nicht-kommunistischen Gewerkschaf tsbevvegungen Europas zolle; denn vieles, was wir erreicht
haben, waere ohne diese Hilfe unmoeglich gewesen.
Philipp Murray, Vorsitzender des CIO:
Am Tag der Arbeit 1950 sind die amerikanischen Arbeiter entschlossen, alles zu tun, was in ihrer Macht steht, um die Kraefte
der Demokratie in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt
zu staerken. Wir sind uns darueber im klaren, dass die kommunistische Aggression in Korea oder anderswo gestoppt werden muss. Wir
sind aber ebenso entschlossen, Armut und wirtschaftliche Unsicher- 6-

�heit, jene Agenten der fuenften Kolonne des Kommunismus, zu beseitigen.
Der CIO wird in dem kommenden Jahre fortfahren, den IBFG und
die demokratischen Gewerkschaftsorganisationen in jedem Lande mit
allen Mitteln zu unterstuetzen. Durch internationale Zusammenarbeit der Gewerkschaften und durch die Fortsetzung konstruktiver
Wirtschaftsprogramme, wie das Europaeische Wiederaufbauprogramm
und das Punkt-Vier-Projekt, wird die amerikanische Gewerkschaftsbewegung dazu beitragen, die Kraefte des Gewerkschaftswesens und der
Demokratie ueberall in der freien Welt zu staerken.
Das ist unser Versprechen und unser Ziel.
A. F. Lyon, geschaeftsfuehrender Finanzsekretaer des Bundes der
Eisenbahnergewerkschaft:
Anlaesslich des Tages der Arbeit in Amerika, am 4. September,
uebermitteln die Eisenbahnergewerkschaften der Vereinigten Staaten
allen Mitgliedern der freien und demokratischen Gewerkschaften
Westeuropas ihre bruederlichen Gruesse und besten Wuensche. Wir
bringen die Hoffnung und die Ueberzeugung zum Ausdruck, dass die
Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstuetzung durch den IBFG und
den internationalen Transportarbeiterverband fortgesetzt und gesteigert wird.
A. L. Hayes, Praesident de3 Internationalen Metallarbeiterverbandes:
Der Tag der Arbeit in den Vereinigten Staaten ist ein Beweis
dafuer, dass Gewerkschaftswesen mehr bedeutet als hoehere Loehne
und kuerzere Arbeitszeit. Es ist die Wuerde unserer Arbeit, die
Achtung vor unserem Koennen und die gerechte Behandlung des Arbeiters, die an diesem Tage gewuerdigt wird.
Aufrechte Gewerkschaften, die nicht von einer Regierung bevormundet werden, koennen nicht unter einer Diktatur gedeihen, ob sie
sich nun nazistisch oder kommunistisch nennt* Aus diesem Grunde
haben wir unserer Regierung unsere volle Unterstuetzung zu Kause,
am Arbeitsplatz und auf dem Schlachtfeld zugesagt.
Praesident Truman hat die Vorgaenge in Korea als einen Kampf
um eine Welt bezeichnet, in der alle Menschen in Frieden und Freiheit unter sich staendig verbessernden Lebensbedingungen und unter
selbstgewaehlten Regierungen leben koennen.
Darum kaempfen wir Gewerkschafter.
Konrad Nordahl, Vorsitzender des norwegischen Gewerkschaftsbundes:
Am Tag der Arbeit gruesse ich die amerikanischen Arbeiter. Die
gemeinsamen Ziele der Gewerkschaften haben stets gemeinsame Bande
geschaffen, und besonders im letzten Jahr sind diese Bande zwischen
der amerikanischen und der norwegischen Gewerkschaftsbewegung immer
enger geknuepft worden. Diese Beziehungen haben ihren Niederschlag
in einer engen internationalen gewerkschaftlichen Zusammenarbeit gefunden, deren organisatorischen Hoehepunkt der Internationale Bund
Freier Gewerkschaften bildet. Wir Gewerkschafter Norwegens anerkennen und schaetzen die Unterstuetzung des Marshall-Plans durch die
amerikanischen Arbeiter; wir sehen in diesem Plan ein Mittel zum
Wiederaufbau Norwegens und Europas. Der Wiederaufbau ist in unseren
- 7-

�Augen fuer Frieden und Sicherheit von
ausschlaggebender Bedeutung. Wir haben
zusammen mit den amerikanischen Gewerkschaften durch unsere Regierungen den
Atlantik-Pakt als ein Mittel zur Erhaltung unserer Sicherheit als demokratische Nation nachdruecklich unterstuetzt.
In der gegenwaertigen Weltkrise,
die sich in den Vorgaengen in Korea abspiegelt, stehen wir an ihrer Seite zur
Unterstuetzung der Vereinten Nationen,
die die kleinen Nationen gegen Angriffe von aussen verteidigen. Wir sind
der Auffassung, dass mit dem wirtschaftlichen Wiederaufbau die Schaffung und
Erhaltung einer freien Gesellschaftsordnung Hand in Hand gehen muss, in der
freie Gewerkschaften in demokratischer
Weise die Arbeiter in ihrer Forderung,
diese Probleme zu loesen, vertreten
koennen.
In dieser Botschaft an die amerikanische Gewerkschaftsbewegung moechte
ich zum Ausdruck bringen, dass die norwegische Gewerkschaftsbewegung zusammen mit den amerikanischen Gewerkschaften entschlossen fuer den Aufbau
einer freien Welt sich einsetzt, in
der Sicherheit und Freiheit grundlegende und wesentliche Faktoren sind.
Durch unsere internationale Zusammenarbeit und die verschiedenen Organisationen unserer Regierungen, in denen wir
eine aktive Rolle spielen, koennen wir
in gegenseitiger Zusammenarbeit zur
Erreichung dieses Zieles beitragen.
HQLLAENDISCHE GEWERKSCHAFTEN GEGEN KCdk
MÜNISTISCHE ZWECKSTREIKS
Der hollaendische sozialistische
Gewerkschaftsbund, in dem 40$ der Arbeiter Hollands organisiert sind, fasste
die folgende Resolution gegen den Kommunismus, die auf sieben Massenkundgebungei
zur Diskussion stehen wird, die Anfang
September abgehalten werden. Die Resolution lautet:
Die grosse Mehrheit des hollaendischen Volkes lehnt, wie alle anderen
demokratischen Voelker, Krieg und Militarismus ab. Die kommunistische Beschuldigungen, dass die demokratischen
Voelker aggressive Absichten gegen den
Sowjetblock hegten, muss deshalb als
falsch und aufwieglerisch zurueckgewiesen werden. Das Vorhandensein starker
Gewerkschaftsbewegungen und sozialistischer Parteien in einer freien demokratischen Welt muesste einer wirklich sozialistischen Regierung in Sowjtetrusslam
- 8-

�eine ausreichende Garantie dafuer sein,
dass sie keinen bewaffneten Angriff
zu befuerchten haben.
Den Kampf, den der hollaendische
Gewerksohaftsverband mit aller Macht
sowohl auf nationaler als auch auf
internationaler Ebene gegen die kommunistische Weltanschauung, die sich
der Diktatur und Unterdrueckung bedient, zu fuehren beabsichtigt, muss
und wird mit moralischen Waffen gefuehrt werden.
Dieser Kampf kann nur erfolgreich zu Ende gefuehrt werden, wenn
es der nichtkommunistischen Welt gelingt, eine soziale Wirtschaftsordnung zustande zu bringen, die sich
auf Freiheit und soziale Gerechtigkeit stuetzt.

Paul Flnet
Vorsitzender des Internationalen Freien Gewerkschaftsbundes

Der von den zahlenmaessig ueberlegenen Kraeffien der Nordkoreaner,
die von Sowjetrussland ausgeruestet
und ausgebildet sind, vom Zaun gebrochene Angriff gegen die Republik
Korea zeigt, dass die kommunistischen und insbesondere die russischen Diktatoren den Kampf der sich
widerstrebenden Weltanschauungen mit
Waffengewalt fuehren wollen.
Die Gewerkschaftsbewegung hat
sich verpflichtet, nicht nur Frieden,
sondern auch Freiheit, Demokratie
und nationale Unabhaengigkeit anzustreben.
Die Erfahrung der sogenannten
Muenchener Politik in den Dreissiger Jahren hat gezeigt, dass der
Friede nicht gesichert werden kann,
wenn man sich mit einer Aggression
abfindet, sondern dass diese Politik die Aggressionsgefahr sogar noch
vergroessert. Nur ein System kollektiver Sicherheit, bietet eine
Moeglichkeit zur Erhaltung des Friedens und der Freiheit.
Jede Nation, deren Existenz durch
eine Aggression bedroht ist, hat Anspruch auf die Unterstuetzung und
Hilfe aller friedliebenden Voelker.
Indem diese Voelker ihre Hilfe anbieten, erklaeren sie sich in keiner
Weise mit dem politischen oder sozialen Wirtschaftssystem solidarisch,
das in den angegriffenen Laendern
tonangebend war.
Der niederlaendische Gewerkschaftsbund billigt deshalb die Beschluesse des Sicherheitsrates der
- 9-

J . H. Oldenbroek
Generalsekreteer des I.F.G.B.

Irving Brown
Europa-Vertreter der CIO,
der amerikanischen Industriegewerkschaften

�Vereinten Nationen und die militaerische und sonstige Unterstuetzung,
die der angegriffenen Republik Korea geleistet wird.
Ein neuer Weltkrieg;kann nur verhindert werden, wenn die durch
den Angriff der Nordkoreaner hervorgerufene Provokation, die von
den russischen Herrschern stillschweigend oder ausdruecklich gebilligt wird, auf die feste Entschlossenheit der friedens- und freiheitsliebenden Voelker trifft, Widerstand zu leisten und die groessten Opfer zu bringen.
Den Bemuehungen des hollaendischen Gewerkschaftsbundes, die
von den Kommunisten gefuehrten Streiks in Holland durch Anwendung
des Boykotts und schwarzer Listen derjenigen Arbeiter, die sich weigern, an ihren Arbeitsplatz zurueckzukehren,zu verhindern, wurde
am Samstagabend in einer Rundfunkansprache des Premierministers
Dr. Willem Drees Nachdruck verliehen. In einem Rueckblick auf die
Erfolge der letzten fuenf Jahre, in denen industrieller Friede
herrschte, zu dem die hollaendischen Gewerkschaften, Unternehmer
und Regierung beigetragen haben, erklaerte Dr. Drees, dass die Kommunisten mit diesen Streiks versuchten, diese Harmonie zu stoeren,
die ihnen ein Dorn im Auge sei. Dr. Drees beschuldigt den Kommunismus, versucht zu haben, das wirtschaftliche Leben Hollands fuer ihre
eigenen Zwecke zu stoeren, genau so wie sie es in anderen europaeischen Laendern getan haetten. Er erklaerte, dass ihnen jedes Mittel
recht sei, um Holland zu ihrem eigenen Nutzen zu ruinieren.
Die Regierung wird alles tun, was in ihrer Macht steht, um den
Schaden zu beheben, den die Streiks in unserem Wirtschaftsleben angerichtet haben. Sie wird jedoch nicht von ihrer Forderung abweichen, dass die Arbeitsbedingungen in Verhandlungen mit den anerkannten Gewerkschaften geregelt werden muessen. Weder mit der kommunistischen Gewerkschaft EVG, noch mit dem sogenannten "Aktionskomitee'',
hinter dem sich diese Gewerkschaft verbirgt, werden Verhandlungen
gefuehrt werden. Ob sich diese inoffiziellen Streiks ausbreiten
werden oder nicht, ob sie von langer oder nur von kurzer Dauer sein
werden, das wird in keiner Weise die Haltung der Regierung beeinflussen.
Dr. Drees erklaerte unumwunden, dass der Staat Amsterdam nicht
mehr mit Baumaterialien beliefern wuerde, wenn der Bauarbeiterstreik
dort fortgesetzt wuerde. Er wies auf den Schaden hin, der dem Handel von Amsterdam und Rotterdam durch die dortigen Schiffahrtstreiks
zugefuegt wurde. Er forderte die Arbeiter auf, zu ihren Arbeits^laetzen* in dieser Woche zurueckzukehren und sagte, dass sie mit aller
Macht gegen Bedrohungen und Terror geschuetzt wuerden. In den totalitaeren Laendern, die die Kommunisten "Volksdemokratie" zu nennen
pflegten, sei jeder Streik ein strafbares Verbrechen, fuer das jeder
Arbeiter unweigerlich mit Konzentrationslager bestraft wuerde.
Hunter, der Leiter der ECA-Mission, beglueckwuenschte Drees telefonisch zu seiner Rede. Die kommunistische Gewerkschaft EVC hatte
bekanntlich gefordert, dass der kommunistisch beherrschte Y.'eltgewerkschaftsbund alle hollaendischen Schiffe boykottiere.
.Heute wird berichtet, dass 2500 Dockarbeiter in Rotterdam unter Polizeischutz ihre Arbeit wieder aufgenommen haben, und dass
der dortige Streik als gebrochen angesehen werden kann. Ueber
den Abbruch anderer Streiks wird noch verhandelt.
Fernschreiben Paris
VIII/24/50
- 10 -

�RUNDFUNKSENDUNG EINER US GEWERKSCHAFT ZUM TAG DER ARBEIT
Am Tag der Arbeit 1950 wird ein dramatisches Hoerspiel ueber
den amerikanischen Rundfunk gesendet, das den Aufbau und die Entwicklung einer amerikanischen Gewerkschaft, des Internationalen Metallarbeiterverbandes, schildert. Diese Veranstaltung ist voellig neu
in der Geschichte tfe3 Rundfunks. Der Keld dieses Hoerspiels ist
ein Metallarbeiter frueherer Zeiten, genannt- "Booner Jones", der
Tausende tapferer Maenner verkoerpert, die gelitten und Opfer gebracht haben, um diese Gewerkschaft aufbauen zu koennen.
Eine Reihe bekanntester Hollywood Stars haben ihre Zeit und
ihr Talent zur Verfuegung gestellt, damit allen Amerikanern vor
Augen gefuehrt werden kann, in welchem Masse Maschinisten und Mechaniker gekaempft haben, um eine Gewerkschaft, die das Recht der Tarifverhandlung besitzt, gruenden zu koennen. Zu den Filmstars dieses
Hoerspiels, - die uebrigens selbst alle Gewerkschaftsmitglieder sind gehoeren Brian Donlevy, der aus mehr als 60 Filmen bekannt ist, wie
z.B. "Wake Island", "The Big Haireut", "Command Decision", "Impact"
und viele andere. Beteiligt ist weiter William Holden, der sich in
"Golden Boy" einen Namen machte und in "Our Town", "Arizona", "The
Fleet's In" und "Born Yesterday" als Hauptdarsteller mitwirkte.
Schliesslich sei Marie McDonald genannt, die u.a. in den Filmen
"Guest in the House," "Getting Gertie's Garter" und "Kit Parade of
1951" die HauDtrolle spielte.
Direktor Mel Ferrer hat bereits Rundfunkprogramme wie "The Hit
Parade", "Mr. District Attorney" und "The Hildegarde Show" geleitet.
Er ist Filmdirektor und selbst Filmschauspieler. In dem Film "The
Brave Bulls", der in Kuerze erscheinen wird, spielt er die Hauptrolle.
Die Musik fuer diese Sendung des Metallarbeiterverbandes wurde
von David Raskin, einem der besten aus Hollywood, komponiert und
dirigiert. Seiner Feder entstammt die musikalische Gestaltung der
Filme "Laura", "The Secret Life of Walter Mitty" und vielen anderen
mehr.
Verfasst wurde "Boomer Jones" von Morton Wishengrad, einem der
ersten Rundfunkdramatiker Amerikas. Er war massgeblich an den Texten fuer "Cavalcade of America", "Words at War", "They Call Me Joe"
und ""\'e Came this Way" beteiligt. Er stellt ausserdem das Sonntagsprogramm das NBC "The Eternal Light" zusammen. Er gewann mit
"Communist-US Brand" 1948 den ersten Preis fuer Rundfunkverfasser.
Produzent Morris Novik hat sich seit langem dafuer eingesetzt,
dass die Gewerkschaften einen regeren Gebrauch der Rundfunkmoeglichkeiten machen. Novik ist Rundfunkberater der AFL, der gewerkschaftlichen Vereinigung fuer politische Erziehung, der internationalen
Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft und der Automobilarbeitergewerkschaft (CIO).
Drei grosse Gewerkschaften auf dem Gebiet der Unterhaltung,
naemlich die Schauspielergewerkschaft, der amerikanische Verband der
Kuenstler des Rundfunks und die Musiker haben ihre volle Unterstuetzung
und Mitarbeit zugesagt, um dieses dramatische, halbstuendige Rundfunkhoerspiel fuer den Metallarbeiterverband zu ermoeglichen.
Die Vorbereitungen fuer diese Sendung haben acht Monate gedauert. Sie wurde von dem Exekutivausschuss des Internationalen Metallarbeiterverbandes angeordnet, um den Amerikanern ein Rundfunkprogramm
zu bieten, das ihnen helfen soll, Verstaendnis dafuer aufzubringen,
was Mitgliedschaft im Internationalen Metallarbeiterverband bedeutet.
- 11 -

�••Boomer Jones" ist ein Hoerspiel, dem die wirkliche Geschichte
des Internationalen Metallarbeiterverbandes von ihren fruehesten Anfaengen an zugrundeliegt. Brian Donlevy wird die Geschichte eines
Metallarbeiters namens Eddie Jones (William Holden) und seiner Frau
Maggie (Marie MacDonald*) erzaehlen.
The Machinist
7111/17/50
GREEN UND MEANY ZUM AMERIKANISCHEN*VERTEIDIGUNG^PROGRAMM
Auf der Sitzung des Gewerkschaftsverbandes des Staates New York
nahmen William Green und George Meany, Vorsitzender bzw. Haupt-Kassie
rer der AFL, zu der Frage Stellung, welche Richtung die Gewerkschaften in ihren Bemuehungen zur Durchfuehrung des Verteidigungsprogramms
der Nation einzuschlagen haben.
Green erklaerte, dass die Loyalitaet der amerikanischen Arbeiter
in kritischen Zeiten immer die groesste Staerke dieses Landesn gewesen sei. Zur Aufmunterung der Arbeiter Amerikas forderte er als
erste Massnahme unseres nationalen Verteidigungsprogramms die sofortige Aufhebung des Taft-Hartley-Gesetzes. Dieses schaendliche Gesetz, w versicherte Green, "ist ein ausgezeichnetes Propagandawerkzeug in den Haenden der Kommunisten. Sie weisen in ihren Propagandabotschaften an die Arbeiter anderer Laender auf dieses Gesetz hin,
um damit die Unrichtigkeit der amerikanischen Behauptung zu beweisen, dass allen Buergern Amerikas die gleiche Behandlung zuteil
wuerde." Green schloss seine Rede, indem er der Hoffnung Ausdruck
gab, dass "die organische Gewerkschaftseinheit nicht in allzuweiter
Ferne liegen moege," und er prophezeite ein hoechst wirksames Produktionsprogramm in einer vereinigten Gewerkschaftsbewegung.
Meany erklaerte: "Ich zweifle nicht daran, dass sich die Arbeiterschaft, wenn es an der Zeit ist, verpflichten wird, nicht zu
streiken. Wie steht es jedoch mit dem Versprechen der Handelskammer
und der Arbeitgebervereinigung der Vereinigten Staaten, keine uebermaessigen Profite zu dulden?"
Weekly Labor News Digest
VIII/2/50
BRITISCHE GEWERKSCHAFTEN-BEN OETIGEN PRODUKT IONS EXPERTEN
Es ist hoechste Zeit, dass die grossen Gewerkschaften ihre eigenen Produktionsexperten erhalten. Der Britische Gewerkschaftsbund
(TUC) selbst muesste einen technischen Stab beschaeftigen, der den
Gewerkschaften dabei hilft, Abteilungen fuer Produktionsfragen zu
errichten, und anderen Gewerkschaften technische Unterstuetzung leistet, die zu klein sind, um sich eigene Experten leisten zu koennen.
Zehn Gewerkschaftsfunktionaere brachten diese Vorschlaege den Arbeitern und ihren Organisationen gegenueber offen zum Ausdruck. Zwanzig weitere Vorschlaege stammen ebenfalls von ihnen.
Zu den Funktionaeren gehoeren Vorsitzende, Generalsekretaere,
Mitglieder der Exekutivausschuesse. und regionale Organisatoren aus
zehn bedeutenden Gewerkschaften der Techniker, Berg-, Bau- und Textilarbeiter.
Die in dem Bericht zum Ausdruck gebrachten Ansichten dieser
Funktionaere stellen in keinem Falle die ihrer Gewerkschaften dar.
Sie wurden nach langen Unterredungen im Anschluss an ihre eigenen
- 12 -

�selbstaendigen Untersuchungen unabhaengig voneinander niedergeschrieben. Der TÜC hat bei der Veroeffentlichung dieses Berichtes
lediglich als Vermittler fuer diese Besuchergruppe gehandelt.
Es sind genuegend Beweise dafuer vorhanden, dass die britischen Gewerkschaften fortwaehrend den Wunsch haben, Spezialisten
zu Rate zu ziehen und sogar zu ernennen.
Vor dem Kriege gab es in vielen fuehrenden Geschaeftsstellen
der Gewerkschaften Experten auf dem Gebiet der Arbeiterunfallversioherung. Sie bildeten einen Stab, aus dem sich in den groesseren Gewerkschaften Rechtsabteilungen entwickelt heben. Rechtsberater wurden hinzugezogen, wenn schwierige Rechtsfragen zu klaeren
waren, und medizinische Berater, wenn es sich um Berufskrankheiten
und Verletzungen handelte.
Einige Gewerkschaften verfuegen nun ueber kleine Abteilungen,
deren Arbelt sich auf die Ausdehnung erzieherischer Taetigkelten
konzentriert, waehrend in vielen anderen Wirtschaftler, Statistiker und Forschungsexperten ausgebildet wurden, die mithelfen, die
Richtlinien der Gewerkschaften zu entwickeln und die Forderungen
nach besseren Loehnen und Arbeitsbedingungen ueberzeugend zu formulieren.
Auf allen diesen Gebieten stehen die Faohabteilungen des
TUC und seine Ausschuesse den angeschlossenen Gewerkschaften und
besonders denen, die aus Mangel an Mitteln keine eigenen technischen Experten beschaeftigen koennen, beratend zur Seite.
Eine Bewegung jedoch, die bemueht ist, den Arbeitern das Recht
zu sichern, sich an der Leitung der Industrie in immer wirksamerer
Form zu beteiligen, und fuer die sich taeglioh innerhalb der Betriebe Probleme im Zusammenhang mit Bewegungsstudien, Leistungsloehnen, Arbeitsauswertung, neuen industriellen Verfahren und den
Tricks und Methoden einer angeblich wissenschaftlichen BetriebAeitung ergeben, wird selten zu dem industriellen Berater gehen, um
sich Informationen und Ratschlaege einzuholen.
Gleichzeitig mit dem Wunsch einer staendigen Vollbeschaeftigung und eines steigenden Lebensstandards haben sich die Arbeiter
durch ihre Gewerkschaften damit einverstanden erklaert, dass ihre
Industrien moderner und leistungsfaehiger werden muessen. Sie sind
damit einverstanden, dass in Ermangelung groesserer Reserven an
Arbeitskraeften, auf die die Industrie zur Erledigung von Extraauftraegen zurueckgreifen kann, die hoehere Produktion dadurch ermoeglicht werden muss, dass das berufliche Koennen der Beschaeftigten
eine bessere Verwendung findet. Sie haben sich einverstanden erklaert, durch ihre Gewerkschaften und die gemeinsamen Produktivitaetsausschuesse die Bestrebungen zur Steigerung der Produktionsleistung zu unterstuetzen.
Die Gewerkschaften sind sich ueber das "Warum" der Produktionsleistung einig geworden - das heisst, mehr Waren zu niedrigeren Preisen und bessere und billigere Dienstleistungen. Nun haben
sie sich mit dem "Wie" zu beschaeftigen.
Die zehn Funktionaere, deren Berichte von den Gewerkschaften
zur Zeit geprueft werden, sind sich ueber die Methoden und die
Gruende im klaren.
Wo mit der fortschrittlichen Einstellung der Unternehmer gerechnet werden kann, die in der Modernisierung ihrer Werkstaetten
und in der Umgestaltung ihrer Produkt!onsmethoden zum Ausdruck
- 13 -

�kommt, muessen auoh die Gewerkschafter in der Lage sein, fuer die
neuen Entwicklungen Verstaendnis aufzubringen und die Schwierigkeiten und Vorteile der Vorschlaege zu sehen, die sich im Laufe gemeinsamer Beratungen ergeben, und sie muessen dafuer sorgen, dass
die Verdienstmoeglichkeiten verbessert und nicht gekuerzt werden.
In Paellen, in denen sich die Unternehmer mit alten, unguenstigen Methoden zufriedengeben, durch die die Preise hochgehalten
werden, muessen die Gewerkschaften die Initiative ergreifen, um
die Leistungsfaehigkeit steigern zu koennen.
Durch Wochenend- und Sommerschulkurse kann in dieser Hinsicht
viel getan werden, um den Gewerkschaftsmitgliedern die Vorzuege
der Vollbeschaeftigung zu erklaeren. Damit wird dem einsichtigen
Gewerkschafter geholfen werden, seine eigene Industrie im Lichte
der wirtschaftlichen Lage seines Landes zu sehen.
Fuer das Verstaendnis der Probleme seines eigenen Arbeitsplatzes braucht der Arbeiter jedoch genauere Instruktionen. Er
wird wissen wollen, wie sich Vorschlaege zu Bewegungsstudien, zu
Betriebsvergroesserungen oder zu der Elnfuehrung neuer Maschinen
auf seinen Lohn und den seiner Kollegen, sowie auf seinen Arbeitsaufwand auswirken werden. Er wird wissen wollen, welche Anforderungen die neue Arbeit an sein berufliches Koennen stellen wird.
Um sich erfolgreich mit diesen Problemen beschaeftigen zu koennen, muessen die Betriebsvertreter in den Produktionsmethoden geschult werden und in der Lage sein, auf den Konferenzen der Arbeitsausschuesse eine praktische und realistische Kritik zu ueben. Sie
muessen nach Ansicht der Gruppe von technischen Experten geschult
werden, die im Dienste ihrer eigenen Gewerkschaft stehen, wenn sie
sich das leisten kann,, oder die von der gewerkschaftlichen Vertretung der gemeinsamen Industrieausschuesse gestellt werden.
Aufgabe des TUC muss sein, Hilfe und Anleitung bei der Errichtung solcher neuen Abteilungen zu geben und fuer diejenigen Gewerkschaften, die noch nicht in der Lage sind, sich einen eigenen Expertenstab zu halten, die Funktionen dieser Abteilung selbst zu uebernehraen. Den regionalen Beratungsausschuessen des TUC sollte ein
kleiner Technikerstab zur Verfuegung gestellt werden, dar die Gewerkschaften in ihrem Bezirk unterstuetzt«
Die Mitglieder der Gruppe erklaeren, dass es nicht damit getan
sei, einfach den Titel eines Mannes, der e*ls Organisator taetig
ist, in den eines Produkt!onstechnikers umzuwandeln. Diesen neuernannten Experten mues eine erstklassige Ausbildung zuteil werden,
bevor sie mit der Schulung anderer beginnen. Sie muessen zum mindesten ebenso befaehigt sein wie die industriellen Berater und Techniker, die gegenwaertig in grosser Zahl den Arbeitgebern zur Verfuegung stehen.
Der Bericht enthaelt keinerlei Anzeichen dafuer, dass die Gruppe wuenscht, dass die Gewerkschaften ihr hauptamtliches Personal
von den Universitaeten und technischen Hochschulen rekrutieren sollen. Man beguenstigt vielmehr den Gedanken, Maenner und Frauen zu
verwenden, die in der Industrie und in den Gewerkschaften aufgewachsen sind, und sie in besonderen Ausbildungskursen fuer ihre Aufgaben vorzubereiten.
Waehrend die Gewerkschaften die finanzielle Seite dieses Vorhabens nur. mit aller Vorsicht behandeln, erklaerten die Mitglieder
der Gruppe, sie seien "ueberzeugt, dass die aus diesem Programm
entstehenden materiellen und ideellen Vorteile die damit verbundenen
Unkosten mehr als ausgleichen werden."
Labour
VIII/50
- 14 -

�DER GENERALSEKRETÄR DES INTERNATIONALEN BUNDES FREIER GEWERKSCHAFTEN. J. H. OLDENBROEK, ZUM TAG DER ARBEIT AN DIE AMERIKANISCHEN
GEWERKSCHAFTEN
"An diesem Tag der Arbeit jgruessen wir die amerikanische Gewerkschaftsbewegung. Es ist der erste Tag der Arbeit, der alle amerikanischen Gewerkschaften zusammen mit Arbeitern aus der ganzen
Welt in einer internationalen Organisation, dem IBFG, vereinigt findet. Im Namen von ueber 50 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern aus
53 verschiedenen Laendern uebermitteln wir der Arbeiterschaft der
Vereinigten Staaten und Kanadas unsere bruederlichen Gruesse, und
wir sind gewiss, dass sich noch weitere Millionen unseren Gruessen
anschliessen wuerden, wenn sie nicht durch diktatorische Regierungen daran gehindert waeren, selbstgewaehlten Gewerkschaften anzugehoeren.
"Wir vertreten die wirtschaftliche und politische« Demokratie
fuer alle und ein wuerdiges Leben fuer alle Arbeiter. Eine wirkliche Bruederschaft der Menschen kann niemals ohne Gleichheit der sozialen Stellung und Moeglichkeiten aller, ungeachtet ihrer Rasse,
Herkunft oder ihres Glaubens, bestehen. Wir wuenschen wahren Frieden; wir wuenschen den Frieden am vordringlichsten fuer die Menschen in Korea, die der kommunistischen Aggression in ihrer systematischen Absicht, die totalitaere Einflussphaere zu vergroessern,
zum Opfer gefallen sind. Wir'sind der Auffassung, dass die Vereinten Nationen in ihrer jetzigen Form zur Erhaltung des Friedens geeignet sind, vorausgesetzt, dass dem Miasbrauch des Vetorechts ein
Ende gemacht wird.
"Wir vereinigen uns mit den aufrichtigen, friedensliebenden Menschen der ganzen Welt und blicken mit Stolz auf die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung, die alles daran setzt, die Kraefte der Vereinten Nationen zu mobilisieren und die Aggressoren gegen die Republik Korea zurueckzuschlagen. Wir stehen Seite an Seite mit der
amerikanischen Gewerkschaftsbewegung in ihrem Kampf um Vollbeschaeftigung und wahre soziale Sicherheit, die eine ununterbrochene Wachsamkeit gegen die Tuecken feindlicher Arbeitsgesetzgebung erfordert.
Die Forderungen nach einer einflussreicheren und wuerdigeren Stimme
in den obersten Koerperschaften der Regierung muss gehoert werden.
"Insbesondere loben wir die amerikanischen Gewerkschaften fuer
ihre grosszuegige und weitsichtige Unterstuetzung des MarshallPlans , der die kriegsbetroffenen Laender Europas und die wirtschaftlich rueckstaendigen Gebiete unterstuetzt, in denen das Elend das
Volk in die Arme der Diktatoren zu treiben droht. Nur wohlhabende
Voelker koennen freie Voelker bleiben. Die Auseinandersetzung zwischen Demokratie und Diktatur wird durch die Schnelligkeit entschieden werden, mit der die demokratische Welt den ueberbevoelkerten,
in Elend lebenden Voelkern helfen kann, auf eigenen Fuessen zu stehen.
"In diesem grossen Kampf hat die Geschichte die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung in den Vordergrund gestellt. Von Samuel Gompers' bescheidenem Buero in New York ist die amerikanische Gewerkschaftsbewegung zu einer Riesenorganisation angewachsen, die 17 Millionen organisierter Arbeiter in den Vereinigten Staaten und Kanada
umfasst; es ist eine konstruktive, maechtige und forschrittliche Gewerkschaftsbewegung. In diesem Kampf um ein besseres Leben, sowohl
in der alten als auch in der neuen Welt, sind wir vom Internationalen
Bund Freier Gewerkschaften stolz darauf, mit der Arbeiterschaft Amerikas verbuendet zu sein und wir vertrauen auf die grosse Rolle,
die sie in diesem Kampf zu spielen hat."
Arbeitsmitteilungen der ECA
VI11/25/50
- 15 -

�Sowjetrussland hält jetzt die militärische Spitze Westliche Demokratien

Sowjetstaaten u. Satelliten

Militärische
Stärke

aber die Produktivität der Westdemokratien ist stärker!
Westliche Demokratien

Sowjetstaaten ^Satelliten

ProduktionsKraft

30

MUHon
Tonnen

430

Million
Tonnen

im

10Q,ooo
Million
KWH

299

Hillion
Barrels
HHHHininmnn

US.

(1 Barrel-120 Liter)

Andere

EILER JENSEN, VORSITZENDER DER DAENISCHEN GEWERKSCHAFTEN ZUM TAG
DER ARBSJT:
An diesem Tag der Arbeit sind die Gedanken der daenischen Arbeiterschaft bei den Arbeitern und dem Volk der Vereinigten Staaten. Die
wirtschaftliche Erholung, die durch die Unterstuetzung des Marshall"lans in den letzten zwei Jahren sich in Westeuropa durchgesetzt hat,
ist von Anfang an ein Dorn in den Augen der diktatorisch regierten
Staaten gewesen. Trotz aller dunklen Schatten werden wir Hand in
Hand mit den demokratischen Staaten arbeiten. Wir versprechen
loyale und kameradschaftliche Zusammenarbeit und gruessen in diesem
3i"ne die amerikanischen Arbeiter.
- 16 HICOO R-1585 L » b SapMabNT 50 2 L

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 27

Frankfurt, 8. September 1950

I W H A L T S T 1

R Z E I C H N I S

Amerikaner ziehen Arbeit der Arbeitslosenunterstuetzung vor - - - - - - - - - - - - - - - 1
Welche Kaufkraft werden die Loehne in Zukunft
besitzen? - - - - - - - - - - - - - - - - - 2
Die Holle der Gewerkschaften in der modernen
Gesellschaft - - - - - - - - - - - - - - - - 4
Die Realloehne in den Laendern hinter dem Eisernen Vorhang - - - - - - - - - - - - - - - - n
Amerikanische Gewerkschaft verpflichtet sich,
nicht zu streiken
- - - - - - - - - - - - - - 1 2
Delegation amerikanischer Gewerkschafter
schlaegt Verbesserung des ECA-Programms vor - 13
730 Frauen in Spitzenstellungen in Amerika - - - 14
Neue Tabellen ueber das Arbeitsalter amerikanischer Arbeiter - - - - - - - - - - - - - - - - 1 5
Kanadische Eisenbahner drohen mit Streik - - - - 16

Robert C. Goodwin:
AFRIKANER ZIEHE?! ARBEIT DER ARBEITSLOSEFUNTERSTUETZUNO VOR
"Die grosse I.'ehrheit der amerikanischen Arbeiter zieht Arbeit
und Lohn der Arbeitslosenunterstuetzung vor," sagte Robert C.
Goodwin, Direktor des Bueros fuer die Sicherheit des Arbeitsplatzes im amerikanischen Arbeitsministerium, in einer Erklaerung
an Arbeitsminister Tobin anlaesslich des 50. Jahrestages des Gesetzes der Sozialen Sicherheit.
"Die Statistik zeigt, dass der Umfang der von den Arbeitern
geforderten und an sie ausgezahlten Unterstuetzungen durch das Vorhandensein von Beschaeftigungsmoeglichkeiten und nicht von Unterstuetzungen bestimmt wurde."
- 1-

�Goodwin berichtete, dass sein Inkrafttreten der bundesstaatlichen und staatlicnen Gesetze der Arbeitslosenversicherung etwa
acht Milliarden Dollar an Unterstuetzungen an versicherte Arbeiter ausgezahlt worden seien.
"In den zahlreichen Perioden seit 1939, in denen die wirtschaftliche Lage sehr kritisch war, hat die Arbeitslosenversicherung Millionen von Arbeitern ueber die Zeit der Erwerbslosigkeit
hinweggeholfen," erklaerte Goodwin. "Das Arbeitslosenversicherungsprograram hat sich als sehr wertvoll erwiesen, vor allem in dem
ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, als sich das Land auf
Friedensproduktion umstellte und mehr als fuenf Millionen Arbeiter Arbeitslosenunterstuetzung bezogen. Auch in der Zeit vom
1. Juli 1949 bis 30. Juni 1950, in die zum Teil der wirtschaftliche Rueckgang faellt, der mit der Beendigung der Neueinrichtung
der Betriebe gegen Ende des Jahres 1948 eingesetzt hat, wurden
7,5 Millionen Arbeiter gezaehlt, die Arbeitslosenunterstuetzung
bezogen. Die hoechsten Unterstuetzungen wurden also immer dann
gezahlt, wenn die Arbeitslosigkeit rapid anstieg.
"Das Prograiiim spielt nicht nur eine lebenswichtige Rolle fuer
die Arbeiter, es hat sich auch fuer die Unternehmer und die Allgemeinheit als wertvoll erwiesen," fuhr Goodwin fort. "Es ist bekannt, dass es in Gegenden, in denen viele Betriebe geschlossen
wurden, zur Erhaltung der Kaufkraft und der Geschaeftsmoral beigetragen hat."
Goodwin berichtete, dass sicn seit der Bewilligung des Sozialversicherungsgesetzes in den verschiedenen Staaten im Rahmen ihrer
eigenen Arbeitslosenversicherungsgesetze ein Gesamtbetrag von
13.451.000.000 Dollar angehaeuft hat.
Mit den Zinsen, die die Geldreserven der Sozialversicherung
in den einzelnen Konten der verschiedenen Staaten im bundesstaatlichen Verwaltungsfonds fuer Arbeitslosenversicherung eingebracht
haben, belaufe sich der Gesamtbetrag der fuer Unterstuetzungszwecke seit Inkrafttreten, des Programms gesparten Gelder auf
14.639.000.000 Dollar.
Von Beginn des Programms bis zum 30. Juni 1950 zahlten die
verschiedenen Staaten Unterstuetzungen an versicherte, erwerbslose Arbeiter in Hoehe von insgesamt 7.950.000.000 Dollar. Damit belaeuft sich das Guthaben im Verwaltungsfonds gegänwaertig auf
6.689.000.000 Dollar.
Pressedienst des US Arbeitsministeriums
VIII/21/50
V/ELCHE KAUFKRAFT Y/ERDEN DIE LOEHNS IN ZUKUNFT BESITZEN?
'.Verden mit dem Durchschnittslohn der amerikanischen Arbeiter
in Zukunft mehr Gueter und mehr Dienstleistungen gekauft werden koennen als bisher?
Fuehrende Persoenlichkeiten der amerikanischen Industrie haben diese Frage mit "Ja" beantwortet.
Sie sind der Ansicht, dass innerhalb von 30 Jahren mit dem
Lohn der Arbeiter doppelt so viel gekauft werden kann, wenn.die
"Produktionsleistung je Arbeiter und je Arbeitsstunde auch weiterhin im gleichen durchschnittlichen Masse gesteigert wird wie bisher. Und diese Steigerung halten sir fuer moeglich.

�Diese Feststellungen wurden von dem Komitee fuer wirtschaftliche Entwicklung bekanntgegeben. In dem Bericht des Komitees, "Wie
kann der Reallohn erhoeht werden", wird zum Ausdruck gebracht,
dass der Lebensstandard der Arbeiter sich nur dann verbessern
wird, wenn auch die tatsaechliche Kaufkraft seines Lohnes und
nicht nur der aeussere Betrag erhoeht wird.
In den letzten ÖO Jahren haben sich die Realstundenloehne in
den Vereinigten Staaten mehr als verdreifacht; der Arbeitnehmer
verdient heute durchschnittlich etwa 1.33 Dollar in der Stunde,
waehrend sein Stundenlohn im Jahre 1900, gemessen an den Preisen
des Jahres 1949, nur 43 Cents betrug. Auch das indirekte Einkommen, das nicht in barem Geld besteht, hat sich erhoeht, und zwar
in Form einer laengeren Freizeit auf Grund der kuerzeren Arbeitszeit.
Diese Verbesserungen sind nach Angaben des Komitees fuer
wirtschaftliche Entwicklung zurueckzufuehren auf 1) umwaelzende
oder beinahe umwaelzende Veraenderungen in den Produkt!onsvorgaengen, 2) die groessere Ansammlung Kapitalien in Form von Fabriken,
Ausruestungen und Material, die jedem Arbeiter zugutekommen, indem sie ihm helfen, mehr zu produzieren, 3) bedeutende Fortschritte
auf dem Gebiet des Gesundheitswesens und der Berufsausbildung und
4) verbesserte Betriebsleitungsmethoden.
Jede zukuenftige Erhoehung der Realloehne wird von den gleichen vier Faktoren und noch einem fuenften, naemlich dem Interesse
des Arbeiters, abhaengen.
Interessierte Arbeitnehmer produzieren mehr. Die Betriebsleitung ist dafuer verantwortlich, dass den Arbeitern die Bedeutung
ihrer Arbeit bewusst wird, und dass sie an der Verbesserung ihrer
Arbeitsmethoden interessiert sind. Die Arbeiter muessten regelmaessig Gelegenheit haben, Verbesserungen der Methoden und Erzeugnisse vorzuschlagen, heisst es in dem Bericht.
Das Komitee fuer wirtschaftliche Entwicklung verwarf insbesondere den Gedanken, dass der Ausstoss je Arbeiter und Je Arbeitsstunde und damit die Produktionsleistung selbst dadurch gesteigert
werden kann, dass man den Arbeiter zwingt, eine groessere koerperliche Anstrengung aufzuwenden. "Es gibt einige Beispiele dafuer,
dais die Arbeiter absichtlich nicht so viel produzieren, wie sie
in der Lage waeren, im allgemeinen jedoch ist die Tagesleistung des
Arbeiters normal." Die grosse Steigerung der Produktion, die notwendig ist, um die Reallöhne wesentlich verbessern zu koennen,
muss mit besseren Methoden, groesseren Kapitalien, besserer Berufsausbildung der Arbeiter und besserer Betriebsleitung erzielt werden.
Zehn Ziele muss die amerikanische Industrie erreichen, wenn
die Kaufkraft der Loehne in 30 Jahren verdopoelt werden soll: 1)
die saisonbedingte Arbeitslosigkeit muss reduziert werden; 2) fuer
aeltere Leute muessen mehr Beschaeftigungsmoeglichkeiten geschaffen
werden; 3) das Leistungsprinzip mu;s verfeinert werden; 4) systematische Methoden muessen ausgearbeitet werden, um Wissen und
Koennen der erwerbstaetigen Bevoelkerung voll zum Einsatz zu bringen; 5) die Importe der Vereinigten Staeten muessen im Vergleich
zu ihren Exporten vermehrt werden; 6) das Anwachsen der Industrie
muss stabilisiert und ernsthafte wirtschaftliche Rueckschlaege
vermieden werden; 7) der Gewohnheit. Arbeit zu schaffen, wo keine
ist, muss ein Ende gemacht werden; 8) veraltete Ausruestungen
muessen schneller ersetzt werden und 10) muss das Steuersystem
einer Reform unterzogen werden, um den Unternehmern des Eingehen
eines Risikos zu erleichtern.
- 3-

�Die Aussichten auf einen schnellen technologischen Fortschritt in den Vereinigten Staaten sind dank der hohen Aufwendungen fuer die Forschung- und ihre hohe ^ualitaet gute. Allein
die bundesstaatliche Regierung stellt zur Zeit jaehrlich eine
Milliarde Dollar fuer Forschungszwecke zur Verfuegung.
Ebenso kann laufend mit einer umfangreichen Reserve privater
Ersparnisse gerechnet werden, die die Grundlage neuer industrieller Investierungen bildet. In den vergangenen 50 Jahren ist dem
Bericht zufolge etwa ein Zehntel des Nettowertes der Produktion
der Vereinigten Staaten staendig gespart worden. Es ist anzunehmen, dass dies auch in Zukunft der Fall sein wird, und es ist
von grosser Wichtigkeit, dass die Sparer durch die allgemeine
Politik fuer Neuinvestierungen gewonnen werden. Das bedeutet nach
Ansicht des Komitees fuer wirtschaftliche Entwicklung, dass die
Steuerstruktur einer Uebernruefung unterzogen werden muss.
Ausserdem ist mit einer fortschreitenden Verbesserung der
gesundheitlichen Verfassung und der Berufsausbildung der Arbeiter
und mit der Einfuehrung besserer Methoden der Betriebsleitung zu
rechnen, was als Ergebnis der Erforschung der Probleme der Betriebsleitung an den Universitaeten angesehen werden kann.
In dem Bericht wird an der Gewohnheit der Gewerkschaften Kritik geuebt, dort Arbeit zu schaffen, wo keine ist, jedoch nur soweit es sich um Methoden handelt, durch die die Einfuehrung neuer
Maschinen verhindert und die unwirtschaftliche Arbeitsweise beibehalten werden soll. "Der verschwenderische Einsatz von Arbeitskraeften ist eine Belastung fuer die Allgemeinheit, weil er die
"Produktion reduziert. Die Gewerkschaften wuerden es fuer vorteilhaft halten, diese Regeln fuer die kuenstliche Erzeugung von
Yrbeit aufzugeben, wenn damit eine Erhoehung der Loehne verbunden
waere. Gluecklicherweise ist dieser Brauch der Arbeitsbeschaffung
in der amerikanischen Industrie nicht weitverbreitet, und viele
Gewerkschaften lehnen ihn ab."
"Vor allem," heisst es abschliessend in dem Bericht, "sind
die Verhaeltnisse und Institutionen in den Vereinigten Staaten
fuer den wirtschaftlichen Fortschritt guenstig." Der scharfe
Wettbewerb der Produkte und Arbeitsverfahren, die Gewohnheit, alte
Einrichtungen und Arbeitsverfahren aufzugeben, wenn neue verfuegbar werden, die grossen Moeglichkeiten, neue Ideen zu verwirklichen, und der riesengrosse vereinigte Inlandsmarkt, der ein entsprechend grosser Ansporn ist, - dies alles sind Faktoren, denen
das Komitee fuer wirtschaftliche Entwicklung entnimmt, dass die
Loehne in Zukunft fuer die Arbeiter und ihre Familien einen groesseren Gegenwert bedeuten werden.
Arbsitsmitteilungen der ECA
VII/7/50
Edwin E. Witte, üniversitaet Wisconsin:
DIE ROLLE DER GEWERKSCHAFTEN IN DER MODERNEN GESELLSCHAFT
Es ist Jedem bekannt, dass die Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten von heute einen sehr bedeutenden Platz einnehmen. Gelegentlich sprechen Leute,, die den Gewerkschaften nicht wohlgesinnt sind, noch davon, das3 nur ein geringer Prozentsatz, aller
Arbeiter gewerkschaftlich organisiert sei. Die ErwerbsbevoelJcerung Amerikas zaehlt 62 Villionen Menschen, und nur 15 Millionen

�davon sind Gewerkschaftsmitglieder. Noch haeufiger Jedoch spreohen
Jene Gegner in alarmierender Weise von der monopolistischen Machtstellung der Gewerkschaften. Erst vor einigen Wochen wies Generalanwalt Denham vom Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen, auf die Gewerkschaft der Fahrer hin, die eine derartige Macht besaesse, dass
sie durch einen ueber die ganze Nation sich ausbreitenden Streik
die gesamte Wirtschaft unseres Landes innerhalb weniger Tage zum
Stillstand bringen koenne.
Eine ganze Reihe Akademiker, die ueber die Wechselbeziehungen
in der Industrie schreiben, haben sich hierzu in aehnlicher Weise
geaeussert. Ein kuerzlich erschienenes Buch, "Gewerkschaften und
Kommunismus" von Charles E. Lindbloom, einem Volkswirtschaftler
abstrakt-theoretischer Praegung an der Yale Universitaet, hat
nicht nur in akademischen, sondern auch in nichtakademischen Kreisen grosse Beachtung gefunden. In diesem Buch zeigt sich Lindbloom aeusserst beunruhigt ueber die wachsende Macht der Gewerkschaften. Das heutige Gewerkschaftssystem fuehre nach seiner
Ansicht zur Zerstoerung des auf Konkurrenz beruhenden Preissystems,
zur"systematischen Desorganisation der Absatzmaerkte und zur staendigen Untergrabung der Autoritaet der Betriebsleitung". Gewerkschaften unterminieren den Kapitalismus und druecken unserer gesamten Wirtschaft den Stempel des Syndikalismus auf. In weniger alarmierenden Worten hat Sumner H. Slichter von der Harvard-Universitaet, einer der bekanntesten amerikanischen Volkswirtschaftler,
eingehend ueber die "gewerkschaftlich ausgerichtete Gesellschaft"
gesprochen, zu der sich nach seiner Ansicht die Vereinigten Staaten
entwickelt haben.
Es ist nicht verwunderlich, dass diese Auslegungen ueber die
Rolle der Gewerkschaften in der modernen Gesellschaft seitens jener Wirtschaft ihrer Theoretiker, deren Ansehen und öbjektivitaet
ausser Frage steht, von solchen Leuten hastig aufgegriffen wurden,
die die Gewerkschaften gern verkleinert, wenn nicht sogar zerstoert sehen moechten. In all dieser umfassenden Propaganda, die
sich zur Zeit gegen die Gewerkschaften richtet, wird ihre monopolistische Machtstellung und ihre ungeheure Macht besonders hervorgehoben. Gleichzeitig wird diese Propaganda Jedoch mit der voellig haltlosen Behauptung unterstrichen, dass die Gewerkschaften
letzten Endes nur von einer kleinen Minderheit der Arbeiterschaft
unterstuetzt wuerde.
Keine dieser widerspruchsvollen Behauptungen ueber die Stellung der Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten von heute beruht auf Tatsachen. Die amerikanischen Gewerkschaften haben in
der Tat grosse Fortschritte erzielt und eine Staerke erreicht, die
noch vor zwei Jahrzehnten niemand fuer moeglich gehalten haette.
Sie ueben jedoch keine monopolistische Kontrolle ueber Loehne und
sonstige Arbeitsbedingungen aus, von der Produktion, den Preisen
oder Gewinnen ganz zu schweigen. Sie kontrollieren nicht die Regierung, und es besteht auch wenig Aussicht fuer sie, eine derartige Kontrolle in absehbarer Zeit auszuueben. Das Gewerkschaftswe3en
ist keine einzige zentralorganisierte Bewegung, sondern ist in
zwei Hauptverbaende und zahlreiche, nicht angeschlossene Gewerkschaften aufgespalten. Die Gewerkschaftsverbaende setzen sich aus
mehr als 100 internationalen Gewerkschaften zusammen, die wiederum
in mehr als 50 000 Lokalgewerkschaften untergliedert sind. In Verhandlungen mit den Unternehmern und wesentlichen anderen Taetigkeiten treten die Gewerkschaften dieses Landes stets einzeln auf.
Fast ueberall bilden die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter
mit ihren Familien nur eine Minderheit der Bevoelkerung, und selbst
ihren Spitzenfunktionaeren bleiben aus sozialen Gruenden die Wege
in die sogenannten "besseren Kreise" verschlossen. Unsere Gesell- 5-

�sohaftsordnung ist nur in dem Sinne "gewerkschaftlich", als das
Gewerkschaftswesen grosse Erfolge erzielt hat und anfaengt, der
Herrschsucht grosser Gesellschaftskreise die Stlrne zu bieten.
Sie besitzen jedoch weder monopolistische Kontrollmoeglichkeiten
ueber Industrien, noch sprechen sie das Hauptwort in den Angelegenheiten von allgemeiner Bedeutung fuer die Vereinigten Staaten von
heute.
Das Gewerkschaftswesen der Vereinigten Staaten ist fast so alt
wie die Nation selbst. In den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts
gab es bereits Streiks und Gewerkschaften, die jedoch nur eine kurze Lebensdauer hatten. Die ersten Qrtsverwaltungen entstanden in
den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts, und auch die Gruendung der
ersten unabhaengigen Arbeiterpartei faellt in jene Zeit. Der erste
bundesstaatliche Gewerkschaftsverband stammt aus den 30er Jahren
des 19. Jahrhunderts und die ersten noch bestehenden internationalen
Gewerkschaften, wie die der Drucker, aus den 50er Jahren des 19.
Jahrhunderts. Es gibt zur Zeit einige Lokalgewerkschaften, die auf
ein ueber 100-jaehriges, ununterbrochenes Bestehen zurueckblicken.
Zur Zeit des Buergerkrieges gab es eine Gewerkschaftsbewegung
mit einigen Gewerkschaften in allen oder fast allen Nordstaaten. In
den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts war die Gewerkschaftsbewegung,
deren Mittelpunkt damals die Organisation "Knights of Labor" (Ritter
der Arbeit) bildete, weit umfassender. In der zweiten Haelfte dieses Jahrzehntes entstand neben dieser Organisation der amerikanische
Gewerkschaftsbund A.F.L., der bald zum Mittelpunkt der Gewerkschaftsbewegung wurde. Danach erlebte diese Gewerkschaft Aufstiege und
Rueckschlaege, Zeiten zunehmender und abnehmender Mitgliedschaft.
Zumindest seit den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts jedoch hat das
Gewerkschaftswesen eine wirklich bedeutsame Rolle im oeffentlichen
Leben Amerikas gespielt.
Das grosse Anwachsen der Gewerkschaftsbewegung in Amerika fand
im Verlauf der letzten 15 Jahre statt. Zu Beginn der Zeit des New
Deal war die Gewerkschaftsbewegung auf einem Tiefstand angelangt,
nachdem die Mitgliederzahl in den 20er Jahren der wirtschaftlichen
Bluete staendig abgenommen hatte. Die gesamte Mitgliedschaft
zaehlte nicht mehr als 3 Millionen gegenueber 5 Millionen im Jahre
1920. Doch selbst zu dieser Zeit waren die Berufe des Bau- und
Druckereigewerbes sowie der Bekleidungsindustrie und einige .andere
gelernte Berufe gut organisiert. In den grossen Industrien der
Massenproduktion jedoch bestanden fast ueberhaupt keine Gewerkschaften. Ein grosser Teil der amerikanischen Industrie war antigewerkschaftlich eingestellt und legte sich praktisch keinerlei Einschraenkung in den Methoden auf, die zur ünterdrueckung der Gewerkschaften
angewandt wurden.
Die wirtschaftliche Krise erweckte bei den amerikanischen Arbeitern mehr Verstaendnis fuer die Gewerkschaftsbewegung und der New
Deal schuf ein politisches Klima, das fuer die Entwicklung der Gewerkschaften guenstig war. Die Gesetzgebung legte den Unternehmern
Einschraenkungen in den Methoden auf, die sie zur ünterdrueckung und
zur Schwaechung der Gewerkschaftsbewegung gern angewandt hfltten,
und machten es ihnen zur gesetzlichen Pflicht, mit den Gewerkschaftsvertretern als Repraesentanten der Mehrheit ihrer Arbeitnehmer Verhandlungen zu fuehren. Waehrend die Regierung die Arbeiterorganisationen niemals direkt unterstuetzt hat, wie es etwa bei dem Zusammenschluss der Landarbeiter bisher zu beobachten war, zeigt sie heute
der Gewerkschaft gegenueber eine positivere Einstellung und foerdert
das TarifVerhandlungswesen.
- 6-

�Unter diesen guenstigen Bedingungen, vor allem jedoch deshalb,
weil die Gewerkschaftsbewegung und eine aggressive Fuehrung tatsaeohlioh benoetigt wurden, nahmen Macht und Mitgliederstaerke der
Gewerkschaften zu. Dieser Aufstieg begann im Jahre 1933, griff Jedoch auf die Industrien der Massenproduktion erst ueber, nachdem
der CIO (Kongress der Industrieverbaende) im Jahre 1936 gegruendet
war und die Vereinigten Staaten im Jahre 1937 beschlossen hatten,
das Wagner Gesetz aufrechtzuerhalten und weitgehendst zur Durchfuehrung zu bringen.
Aus weniger als 3 Millionen Mitgliedern im Jahre 1933 wurden
7,400,000 im Jahre 1937, und 1940 waren es bereits 8,500,000. In
den letzten der 30er Jahre wurden die Gewerkschaften von vielen
der groessten Gesellschaften anerkannt und konnten mit ihnen ihre
ersten Vertraege absohliessen. Die Mitgliederzahl stieg in den
Kriegs Jahren rapide an und erreichte mit 13,750,000 im Jahre 1944
ihren Hoechststand, obwohl zu jener Zeit 3 Millionen Gewerkschaftsmitglieder unter den Waffen standen. In der Zeit der grossen wirtschaftlichen Schwierigkeiten unmittelbar nach dem Kriege konnten
die Gewerkschaften weitere, wenn auch nur kleinere Erfolge erzielen.
Das Taft-Hartley Gesetz, das vom Kongress 1947 bewilligt wurde,
bremste in einer Zelt zunehmender Beschaeftigung den Aufstieg der
Gewerkschaften weiterhin ab. Die Gewerkschaften konnten jedoch
wenigstens ihre Mitgliederziffern halten. Es ist wahrscheinlich,
dass die Mitgliederzahl der Gewerkschaften im letzten Jahr im Zusammenhang mit der abnehmenden Beschaeftigungsziffer geringfuegig
zurueckgegangen ist. Die Zahl von 15 Millionen, mit der gegenwaertig die Mitgliederstaerke der Gewerkschaften gewoehnlich beziffert
wird, ist wahrscheinlich zu hoch gegriffen, wenn damit nur die beitragzahlenden Mitglieder gemeint sind. Sie waere jedoch zu niedrig,
wenn alle Arbeitnehmer darin enthalten waeren, die sich als Gewerkschaftsmitglieder betrachten. Die Zahl der Arbeitnehmer solcher Betriebe, in denen die Arbeitsbedingungen nur teilweise durch
Tarifvertraege festgelegt sind, ist etwas geringer geworden, ^ine
ganze Reihe Gewerkschaftsmitglieder arbeiten in solchen Industrien
und Betrieben, in denen man keine Vertraege abzuschliessen wuenscht
oder die Gewerkschaften nicht anerkennt. Ihre Zahl ist etwas hoeher
als die der nichtorganisierten Arbeiter in solchen Betrieben, die an
Tarifvertraege gebunden sind. Nach Schaetzungen des Statistischen
Bueros des Arbeitsministeriums der Vereinigten Staaten arbeiteten Ende
1946 14,800,000 Menschen unter tarifvertraglichen Regelungen, denen
13,300,000 Gewerkschaftsmitglieder gegenueberstanden. Seit jener
Zeit sind keine Schaetzungen der HÜtgliederzahlen der Gewerkschaften
oder der unter Tarifvertraegen stehenden Arbeiter mehr vorgenommen
worden. Beide Werte sind jedoch wahrscheinlich inzwischen etwas angestiegen.
Die Mitgliederstaerke der Gewerkschaftsbewegung hat in den beiden letzten Dekaden in absoluten Zahlen und prozentual gesehen noch
nachhaltiger zugenommen. Seit 1939 hat sich die Mitgliederschaft
der Gewerkschaften verfuenffacht, und die Zunahme in der letzten Dekade betraegt mehr als 75%. Die Zahl derjenigen Arbeiter, fuer die
Tarifvertraege abgeschlossen sind, hat sich jedoch kaum veraendert.
Die gesamte Erwerbsbevoelkerung Amerikas belaeuft sich zur Zeit
auf 62 Millionen. Da nur 14 Millionen gewerkschaftlich organisiert
sind, wird oft behauptet, dass die organisierte Gewerkschaftsbewegung weniger als ein Viertel der Arbeiter des Landes umfasse. Die
Gesamtzahl der Erwerbsbevoelkerung enthaelt jedioch auch dieHnÜJCht
einer Gewerkschaft angehoerenden Unternehmer, die Bauern und die
selbstaendigen Arbeiter in Staedten, ja sogar die Maenner und Frauen der Armee und alle Angestellten. Hierzu gehoeren die Betriebsleiter und andere Vorgesetzte in vergesellschafteten Unternehmen, sowie
alle Buero- und technischen Angestellten. Waehrend die Erwerbsbe- 7-

�voelkerung me°hr als 62 Millionen Menschen zaehlt, uebe« nur 40
Millionen Taetigkeiten aus, fuer die es eine gewerkschaftliche Organisation gibt. Die organisierte Arbeiterschaft stellt jedoch
selbst unter Beruecksichtigung dieser Einschraenkuhgen weniger
als 40% aller Arbeiter in Berufsgruppen, fuer die es Organisationen gibt, und weniger als ein Drittel aller Arbeitnehmer, ausschliesslich der Vorgesetzten, dar.
Hinter diesen Zahlen bleibt die Tatsache verborgen, dass in
zahlreichen wichtigen Industrien ein weit hoeherer Prozentsatz
der Arbeiterschaft gewerkschaftlich organisiert ist. In allen
Fertigungsindustrien stehen schaetzungsweise 70% der Produktionsarbeiter unter Tarifvertraegen. Im Bergbau und dem Bau- und Transportgewerbe ist dieser Prozentsatz noch hoeher, wogegen er in den
Betrieben der oeffentlichen Versorgung unter 60%, bei dem Dienstlers onal unter 40% und im Handel, Finanzwesen, der Regierung und
Landwirtschaft unter 20% liegt. In bestimmten Industriezweigen und
Berufsgruppen innerhalb dieser Unterteilung in grossen Zuegen gibt
es ausserdem Faelle, in denen der Prozentsatz der gewerkschaftlich
organisierten Arbeiter noch hoeher ist. In nur wenigen Industrien
oder Berufsgruppen ist die gewerkschaftliche Organisation jedoch
100%ig. Dies mag fuer kleine Berufsgruppen wie Photogravuerendrucker, Zuschneider, Fensterglasschneider und ein paar andere
zutreffen. Doch selbst im Kohlenbergbau ist die Zahl der nichtorganisierten Arbeiter betraechtlich,und es besteht dort eine
nicht zu uebersehende Konkurrenzgewerkschaft, die gewillt ist,
die Arbeit fortzufuehren, wenn die Mitglieder der Bergarbeitergewerkschaft in Streik getreten sind.
Die alarmierenden Warnrufe ueber die monopolistische Stellung, die die Gewerkschaften einnaehmen, scheinen am wenigsten
gerechtfertigt zu sein, wenn ein Vergleich zwischen der Staerke
der Gewerkschaften und der der groesseren Gesellschaftsunternehmen
angestellt wird. In vielen Beziehungen ist die Gewerkschaft das
Gegenstueck des Gesellschaftsunternehmens. Beides sind Vereinigungen, die sich in ihrer Gesamtheit und in ihrer Existenz von der
ihrer Mitglieder unterscheiden. Es gibt in Amerika etwa-500.000
aktive Gesellschaftsunternehmen - das sind zehnmal soviel, wie es
Gewerkschaften gibt. Zwei Drittel aller Geschaefte, die in den
Vereinigten Staaten heute geteetigt werden, gehen durch ihre Haende.
Mehr als 95% der gesamten Produktion unterstehen ihnen, und dieser
Prozentsatz ist noch hoeher im Finanzwesen, den Betrieben der
oeffentlichen Versorgung und im Transportgewerbe.
Die grosse Mehrheit der Gesellschaftsunternehmen unterscheidet sich von den individuellen oder Teilhaberunternehmen nur dadurch, dass sie zu einer Koerperschaft vereinigt und ihren Besitzern gegenueber nur beschraenkt haftbar sind. Sie befinden sich
im Privat- oder Familienbesitz und stellen keine grosse Anhaeufung
gesellschaftlicher Macht und finanzieller Mittel dar.
Waehrend die Unternehmen dieser Art die grossen Gesellschaftsunternehmen zahlenmaessig weit uebertreffen, verfuegen letztere
ueber weit mehr Finanzmittel und Macht als alle kleineren Unternehmen zusammen. Eine Untersuchung des wirtschaftstechnischen
Komitees kurz vor Beginn des zweiten 7/eltkrieges hat ergeben, dass
7S0 Gesellschaften, von denen jede ueber Kapitalien in Hoehe von
50 Millionen Dollar od3r mehr verfuegt, nur'zwei Zehntel aller
Gesellschaften repraesentieren, aber im BesitzTOn 52% des Gesamtkasitals aller Gesellschaften waren. Drei.-sig Unternehmen nannten
ein Kapital von mehr als einer Milliarde Dollar ihr eigen. Die
beiden groessten dieser umfangreichen Gesellschaften hatten ein
- 8 -

�Kapital, das groesser war als der gesamte Besitz aller Menschen
in 38 von den 48 Staaten der Vereinigten Staaten. Seitdem dieser
Bericht vor 10 Jahren ausgearbeitet wurde, sind jedoch die grossen
Gesellschaften betraechtlich angewachsen und kontrollieren hoechstwahrscheinlich einen noch groesseren Prozentsatz der Produktion
und des Besitzes der Nation.
Im Gegensatz zu dem grossen Wohlstand dieser Gesellschaften
sind die Mittel der Gewerkschaften von bjeute ausserordentlich gering. Eine vor kurzem durchgefuehrte Erhebung ueber die finanzielle Staerke von 50 internationalen Gewerkschaften, deren Gesamtmitgliederschaft nahezu 12 Millionen betraegt, das sind vier
Fuenftel aller Gewerkschaftsmitglieder des Landes, hat ergeben,
dass sich ihr Gesamtkapital einschliesslich aller Versicherungsfonds auf 339 Millionen Dollar belaeuft. Nur eine Gewerkschaft, die
der Eisenbahner, besitzt ein Kapital von ueber 50 Millionen Dollar,
waehrend bereits vor zehn Jahren, wie schon erwaehnt, 780 Unternehmen ueber diese und noch hoehere Summen verf6eg1fen. Nur 28 der
internationalen Gewerkschaften besitzen ein Kapital von 1 Million
Dollar. Die Fonds der Lokalgewerkschaften sind nicht einer aehnlichen Studie unterzogen worden, und ueber die Gesamtmittel aller
unserer Gewerkschaften sind nur Schaetzungen verfuegbar. Dr.
Alexander S. Lipsett von der Floyd L. Carlisle, Inc., Berater
fuer oeffentliche Beziehungen der Arbeitgeberorganisationen, hat
kuerzlich schaetzungsweise angegeben, dass alle Gewerkschaften Amerikas uebei ein Gesamtkapital in Hoehe von drei bis vier Milliarden
verfuegtsn - ein Betrag, der von mehr als einem halben Dutzend unserer grossen Gesellschaftsunternehmen ueberboten wird.
In anderer Hinsicht sind die grossen Unternehmen ebenfalls
viel maechtiger als die groessten Gewerkschaften oder alle Gewerkschaften zusammen. In vielen grossen Gesellschaften ist die Zahl
der Aktienbesitzer groesser als die der Arbeitnehmer. Das ist von
besonderer Bedeutung, weil diese Gesellschaften von ihren Aktienbesitzern fast einj«:uetig unterstuetzt werden, wenn sie in Schwierigkeiten geraten. Den grossen Gesellschaften stehen ausserdem weit
mehr Propagandamittel zur Verfuegung, und sie koennen im allgemeinen auf regulaeren Nachrichtenwegen die oeffentliche Meinung zu
ihren Gunsten beeinflussen. Die Betriebsleiter und Vorgesetzten
in den Gesellschaften sind zur Zeit die bestbezahltesten Leute in
Amerika. Ihre soziale Stellung verschafft ihnen uebertill Zugang,
und ihren Ansichten wird auf allen Gebieten groesste Beachtung geschenkt. Dagegen sind die Gewerkschaftsfuehrer aus den sogenannten
"besseren Kreisen" ausgeschlossen und sind in den Augen eines
grossen Teiles der Oeffentlichkeit zumindest verdaechtig.
Viel Laerm ist um das wachsende politische Bewusstsein in
den Gewerkschaften geschlagen worden. Aber selten werden Leute
aus Gewerkschaftskreisen in irgendwelche fuehrenden Stellungen der
Vereinigten Staaten gewaehlt. Wahrscheinlich ist keine andere,
groessere Schicht der Bevoelkerung in den Aemtern relativ so gering vertreten wie die Arbeiter der Industrie. In diesem Zusammenhang muss man sich vor Augen halten, dass in fast allen Staaten
die. Arbeiter mit ihren Familien nur eine Minderheit der Bevoelkerung
darstellen und die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter nur eine
Minderheit aller Arbeiter darstellen.Ausserden ist es selten, wenn
nicht ausgeschlossen, dass alle Gewerkschafter gleich waehlen.
Wenn die Arbeiterschaft, politisch gesehen 2rfolg haben soll, muss
sie von anderen Gruppen unterstuetzt werden. Gewiss ist, dass sie
noch weit davon entfernt ist, die -politische Bildflaecne oder die
Regierung in irgendeiner Hinsicht zu beherrschen.
Aus all diesen Ueberlegungen ergibt sich die Schlussfol^erung,
dass die Gesellschaftsordnung der Vereinigten Staaten heute viol
- 9-

�eher den Stempel der Unternehmer als den der Arbeitnehmer traegt.
Die Industrie ist die ^wichtigste Einnahmequelle, und die Industrie,
oder zumindest die Grossindustrie, liegt in den Haenden der Unternehmer. Die Mehrzahl der grossen Gesellschaften wird von den Unternehmern kontrolliert, und sie ernennen normalerweise die Direktoren. Die Unternehmer sind weitgehend tonangebend in der gesamten Gesellschaft und ueben damit einen grossen Einfluss auf alle
oeffentlichen Institutionen aus.
In gewissem Sinne ist die Gewerkschaftsbewegung eine Kampfansage an den Absolutismus der Unternehmer. Wo eine Gewerkschaft besteht, hat der Arbeitgeber in vielen Fragen der Arbeitsbedingungen
keine voellig freie Hand mehr. Diese sind innerhalb der verschiedenen Gewerkschaften und darueber hinaus von Zeit zu Zeit Veraenderungen unterworfen. Allgemein gesprochen, haben die Gewerkschaften die Tendenz, sich um mehr und mehr Angelegenheiten zu kuemmern.
Dies hat zu dem Notschrei der Unternehmer gefuehrt, dass ihre Rechte durch die Gewerkschaften beschnitten wuerden, und zu dem Vorwurf, alles, was mit Gewerkschaften zu tun habe, wolle das Unternehmertum stuerzen oder verlange zumindest eine gleichberechtigte
Stimme in der Vertretung der Aktienbesitzer, das heisst in der Betriebsleitung.
In den 50.000 Gewerkschaften des Landes gibt es Beispiele fuer
fast alle moeglichen Dinge. Was die Organisation und Struktur,
die Groesse und Macht, die Ziele und Methoden anbetrifft, so gibt
es bei den Gewerkschaften ebenso grosse Unterschiede wie bei den
Unternehmen. Die kleinste internationale Gewerkschaft hat nur 100
Mitglieder, die groesste ueber eine Million. Es gibt einige Gewerkschaften, die Geschaeftsorganisationen sind und Gewinne erzielen; einige andere sind Genossenschaften; und wieder andere sind
richtige mittelalterliche Gilden, denen nur Meister und Gesellen
angehoeren. Wieder andere Gewerkschaften haben dem guten Ruf der
Gewerkschaftsbewegung geschadet, weil sie Ausbeutermethoden, Terror
und Gewalt anwandten. Es gibt Gewerkschaften, die ihre Hauptaufgabe im Dienst an fremden Ideologien und Nationen zu sehen scheinen. Auf der anderen Seite gibt es Gewerkschaften im Dienste der
Unternehmer, deren Zweck in Wirklichkeit darin besteht, die wahre
Gewerkschaftsbewegung zu unterminieren und die Arbeiter im Interesse
der Unternehmer zu betruegen.
Die Gewerkschaftsbewegung ist zu gross und zu vielseitig, um
sie erschoepfend und genau in ein paar kurzen Saetzen beschreiben
zu koennen. Was von einzelnen Gewerkschaften hier gesagt wurde,, ist
jedoch nicht zu verallgemeinern. Es hat in der Gewerkschaftsbewegung Fehlschlaege gegeben, jedoch nicht mehr als in anderen Schichten der Gesellschaft. Gewerkschaften und Gewerkschafter haben sich
manchmal gesetzeswidriger Methoden bedient, aber wer hat das nicht
getan? Im Laufe der Jahre sind die Faelle immer seltener geworden,
in denen bei Arbeitsstreitigkeiten Gewalt angewandt wurde. Die Gewerkschaftsbewegung hat unter der kommunistischen Infiltration und
den Versuchen der Kommunisten gelitten, das Gewerkschaftswesen zur
Foerderung ihrer Parteiinteressen zu missbrauchen. Aber niemand hat
im Kampf gegen die kommunistischen Beherrschungsversuche soviel geleistet wie gerade die Gewerkschaften. Eine starke Gewerkschaftsbewegung ist die beste Sicherheit gegen die Moeglichkeit, dass die
Arbeiter den falschen Versprechungen jener erliegen, die die Wirtschaft und die Regierung unterminieren moechten.
"New Frontiers of Unionism"
(Neue Grenzen des Gewerkschaftswesens)
II/2/50
- 10 -

�DIE REALLOEHNE IN DEN LAENDERN HINTER DEM EISERNEN VORHANG
Vergleiche sind wie geschichtliche Parallelen manchmal hinkend
und oft ungenau. Besonders schwierig ist es, den Lebensstandard der.
Arbeiter in Laendern hinter dem Eisernen Vorhang mit dem amerikanischer Arbeiter-zu vergleichen, und zwar vor allem deshalb, weil Statistiken in jenen Laendern Staatsgeheimnisse sind. Angaben in der
New-York Post werfen jedoch etwas Licht auf den gegenwaertigen Wert
der in Rubel, Zlotys, Lei, Lewa und tschechischen Kronen bezahlten
Loehne im Vergleich zu den amerikanischen Dollarloehnen. Franz
Pick, der Herausgeber des "Picks Kursbericht der Welt", ist Experte
in Finanzfragen, und von ihm stammen die folgenden Werte: (Natuerlich muss dabei darauf hingewiesen werden, dass eine solche Umrechnung manche Maengel aufweisen muss, zumal die Regierungen jener
osteuropaeischen Staaten der Meinung sind, dass der Umrechnungskurs
ein gerechter sei, da die Kosten wichtigster Lebensmittel ausserordentlich niedrig sind, sodass aus diesem Grunde der vorgeschriebene Kurs sich verantworten Hesse. Aber die Unterschiede sind derart gross, dass diese Argumente nicht durchschlagen.)
In Moskau ist der offizielle Kurs vier Rubel fuer einen Dollar,
der nichtoffizielle dagegen 40 Rubel fuer einen Dollar. In Sofia
steht der Dollar mit 285 Lewas offiziell, nichtoffiziell mit
1.275 Lewas im Kurs. In Bukarest werden offiziell 150 Lei, nichtoffiziell 610 Lei fuer den Dollar gezahlt. In Budapest liegt der
amtliche Kurs bei 11.80 Forints je Dollar, im geheimen bezahlen
die Spekulanten Ungarns jedoch bis zu 53 Forints. 400 Zlotys sind
in Warschau nach dem amtlichen Kurs einen Dollar wert, der nichtamtliche Kurs ist jedoch 1.370 Zlotys und manchmal noch mehr. Der
offizielle Kurs in Prag ist 50 Kronen fuer einen Dollar, nichtoffiziell werden 520 Kronen gezahlt. In Peiping steht dem amtlichen
Kurs von 38.750 der nichtamtliche von 152.500 gegenueber. In Berlin hat der Dollar naoh dem offiziellen Kurs einen Wert von fuenf
Ostmark, auf dem Schwarzmarkt dagegen wird er fuer 45 und mehr Ostmark verkauft. Damit ist nach den Angaben Picks und der New York
Post der Dollar auf dem nichtkontrollierten Markt mindestens viermal soviel wert wie nach dem offiziellen Umrechnungskurs.
Der nichtoffizielle Kurs ist selbstverstaendlich sehr starken
Schwankungen unterworfen. Die von Franz/Pick angegebenen Werte scheinen die hoechsten zu sein, die ein Privatspekulant zahlen wird. Nach
Aussagen von Fluechtlingen aus anderen Laendern innerhalb des Rubelblockä sind diese Schaetzungen jedoch ziemlich genau oder waren es
zumindest vor einigen Wochen.
Angenommen, diese Zahlen stimmen ungefaehr mit dem Realwert der
Waehrungen Sowjetrusslands und seiner Satelliten ueberein, dann waere
die Feststellung interessant, wieviel der normale Arbeiter in jenen
Laendern verdienen muss, um den glei-chen Lebensstandard wie der amerikanische Arbeiter zu haben. Der Durchschnittslohn eines amerikanischen Industriearbeiters betraegt etwa 250 Dollar monatlich.
Um so wie der amerikanische Arbeiter leben zu koennen, muesste
der durchschnittliche russische Fabrikarbeiter nach dem offiziellen
Kurs monatlich 1000 Rubel verdienen, nach dem nichtoffiziellen oder
tatsaechlichen Kurs aber 10.000 Rubel. In Wirklichkeit verdient er
jedoch 600 Rubel. In Bulgarien muessten ihm nach dem amtlichen Kurs
70.000 Lewas, naoh dem tatsaechlichen Kurs 312.000 Lewas gezahlt
werden; nach den neuesten Berichten verdient der bulgarische Arbeiter aber nur 16.000 Lewas im Monat. Der ungarische Industriearbeiter hat ein Monatseinkommen von etwa 600 Forints; damit sein Lebensstandard dem des amerikanischen Arbeiters gleich waere, muesste er
3.000 Forints oder nach dem hoechsten nichtoffiziellen Kurs 15.000
- 11 -

�Forints verdienen.
Der durchschnittliche Monatslohn in Rumänien betraegt etwa
5000 Lei. Das ist nur ein Sechstel des durchschnittlichen amerikanischen Arbeiterlohnes nach dem offiziellen Kurs, und nach dem
tatsaechlichen Kurs muesste der rumaenische Arbeiter zumindest
150.000 Lei im Monat verdienen, um den amerikanischen Lebensstandard erreichen zu koennen. Der Monats lohn des polnischen Fabrikarbeiters muesste nach dem amtlichen Kurs bei 100.000 Zlotys und
nach dem nichtamtlichen Kurs zwischen 250.000 und 460.000 Zlotys
liefen. Nach Stachanow wuerde es in der Tat heroischer Anstrengungen beduerfen, um soviel verdienen zu koennen, dass sein Lebensstandard dem des amerikanischen Arbeiters gleichkaeme. In Polen
betraegt der Mindestlohn zur Zeit 12.500 Zlotys monatlich, und besonders gut bezahlte Bergleute verdienen 27.300 Zlotys, was dem
Verdienst eines amerikanischen Bergmannes fuer fuenf Tage entspricht. In der Tschechoslowakei betraegt der monatliche Durchschnittslohn etwa 3.500 Kronen; dagegen muessten es nach dem amtlichen Kurs 12.300 und nach dem freien Kurs 125.000 Kronen sein,
wenn der tschechische Arbeiter den Lebensstandard des amerikanischen
Arbeiters haben sollte.
Arbeitsmitteilungen der ECA
V/17/50
AMERIKANISCHE GE//SRKECHAFT VERPFLICHTET SICH, NICHT ZU STREIKEN
Der Internationale Elektroarbeiterverband (CIO) hat sich fuer
die Dauer eines Drei-Jahrespaktes, der mit der Spterry Gyroscope
Company in deren Betrieb in Lake Success abgeschlossen wurde, verpflichtet, keinen Streik zu fuehren.
Die wichtigsten Bestimmungen dieses Abkommens, das sich auf
etwa 5.500 Arbeiter erstreckt, die mit der Herstellung von Kriegsmaterial beschaeftigt sind, sind folgende:
1. Rueckwirkend bis 15. April wird der Stundenlohn, um 5 Cents
erhoeht und eine automatische jaehrliche Aufbesserung yoii 4 Cents
je Arbeitsstunde zugesichert. Der durchschnittliche Stundenlohntarif betraegt im Jahre 1950 1.72 Dollar.
2. Die Loehne sind an den Lebenshaltungskosten-index fuer
New York des Statistischen Bueros des Arbeitsministeriums gekopoelt, und jede Srhoehung dieses Index um einen Punkt wird durch eine
Stundenlohnerhoehung um 1 Cent ausgeglichen. Die Loehne duerfen Jedoch nicht niedriger werden, als in dem Erstabkommen vorgesehen
ist.
3. Ein nicht beitragspflichtiges Gesundheits- und V.ohlfahrtsDrogramm wird eingefuehrt und das beitragspflichtige Pensionsprogramm weitergefuehrt.
4. Beide Vertragspartner kommen ueberein, in der Beibehaltung
gerechter Produktionsnormen und guter Arbeitsbedingungen zusammenzuarbeiten.
Sprecher der Elektroarbeitergewerkschaft und der Sperry Company
erklaerten, dass der Abschluss dieses Vertrages durch den gemeinsamen 'Vunsch beschleunigt worden sei, eine ununterbrochene Kriegsmaterialproduktion zur Verteidigung des Landes zu gewaehrleicten.
V/eekly Labor News Digest
VIII/2/50
- 12 -

�DELEGATION AFRIKANISCHER GEWERKSCHAFTER SCHLAEGT VERBESSERUNG DES
ECA-PROGRAMMS VOR
Ein groesserer Anteil an den Mitteln der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit sollte direkt den Lohnempfaengern in
Deutschland&gt; Italien und Frankreich zugute kommen. Dies war der
Sinn der Erklaerungen, die John W. Livingstone, der zweite Vorsitzende der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft (CIO), in
der vergangenen Woche abgab. Livingstone sprach hier als Beauftragter der Delegation der 12 Gewerksch&amp;ftsfunktion&amp;ere, die jetzt
von einer sechswoechigen Reise durch europaeische Kraftwagen- und
Flugzeugfabriken zurueckkehrten.
Die Delegation forderte verbesserte Lebensbedingungen in den
genannten drei europaeischen Laendern, da dies der wirksamste Weg
sei, den Drohungen einer kommunistischen Kontrolle entgegenzutreten. Die Mittel des Marshall-Plans haben, wie die Gruppe sich
ueberzeugen konnte, die Profite der Gesellschaften anschwellen lassen, deren Fabriken wieder neu gebaut werden konnten. Zur selben
Zeit haben die geringen Loehne der Arbeiter ihre Moral und ihr
Selbstbewusstsein untergraben. Die Kritik der Gruppe richtet
sich, wie erklaert werde, gegen die unkorrekte Verwendung der
ECA-Mittel, nicht jedoch gegen die eigentlichen Ziele der MarshallPlan-Hilfe. In Grossbritar.nien habe die Gruppe, so erklaerte
Livingstone, feststellen koennen, dass dj.e Fabriken ebenfalls wieder aufgebaut und modernisiert seien, dass aber auch die Arbeitsbedingungen sich wesentlich verbessert haben.
Weekly Labor News Digest
VIII/16/50
750 FRAUEN IN SPITZENSTELLUNGEN IN AMERIKA
In Washington ist ein sehr aufschlussreicher Bericht erschienen, der sich mit den Stellungen von 730 Frauen beschaeftigt, die
in den Vereinigten Staaten Spitzenstellungen errungen haben. Es
handelt sich hierbei um Volkswirtschaftierinnen, Anwaelte, Wissenschaftlerinnen, Verwaltungsspezialistinnen, Patentprueferinnen,
Aerztinnen, Bibliothekarinnen, Statistikerinnen, Autoren, Spezialistinnen fuer Personalabteilungen und Buchhaltungen und aehnlicher
Berufe.
Aber die Zahl der Frauen in Spitzenstellungen ist gering. Sie
betraegt im Staatsdienst nur 3% aller Angestellten. Sie ist zwar
langsam angestiegen, aber wenn man weiss, dass 24% aller Arbeitskraefte weibliche sind, so ist die erwaehnte Zahl sehr gering.
Ueber die Haelfte dieser weiblichen Kraefte in Spitzenstellungen ist aelter als 45 Jahre. Sieben von acht dieser Frauen
haben auf einer Universitaet ihr Examen abgelegt, drei von fuenf
haben noch andere, schwierigere Pruefungen mit Erfolg bestanden.
32 dieser 730 Frauen haben ein Jahresgeh&amp;lt von mehr als 8000
Dollar. Aber wenn hier zu den maennlichen Kollegen Vergleiche gezogen werden, so ergibt sich, dass &amp;j&gt; der Maenner Gehaeiter von
mehr als 8000. pollar im Jahr beziehen, waehrend es nur 0.1% der
Frauen sind.
Die meisten dieser Freuen, die weit ueber dem Durchschnitt
mit ihren Bezuegen stehen, sind auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaft spezialisiert. Es handelt sich bei ihnen um Fachkraefte
fuc-T Betriebsanalysen, aber auch Spezialistinnen in Baumwolle,
Strickwaren, Gummierzeugnisse, um Berichterstatterinnen ueber
Lohn- und Preisbewegungen, ueber Lobneinzelheiten, ueber Wohnfragen
- 13 -

�und. Einkommensverteilung, ueber Nahrungsmittelverbrauch und aehnliche Dinge. Aus der Statistik geht hervor, dass der Krieg der
Mehrzahl dieser Fachkraefte erst den Weg zu diesen Aemtern oeffnete. Es gibt somit eine ganze Anzahl Kraefte, die bereits 20
Jahre und mehr auf solchen Posten stehen, aber die meisten haben
doch erst fuenf bis sechs Jahre Dienst in diesen Positionen hinter
sich. Drei Fuenftel dieser durch den Krie;? in diese Stellung gekommenen Frauen haben ein Gehalt zwischen 6400 und 7400 Dollar und
50% dieser Kraef te bezogen Gehaeiter zwischen 7600. und 8600 Dollar.
Es duerfte in Deutschland ueberraschen, dass unter diesen
Snitzenkraeften auch mehr als 50 Frauen zu finden sind, die auf
dem Gebiot der Sozialen Wohlfahrtspflege taetig sind. Dabei faellt
auf, dass disre Kraefto keine eigentliche Spezialausbildung genossen haben, aber es wird hier der groessere Wert auf die Praxis
gelegt, die weit wichtiger als jede wissenschaftliche Theorie ist.
Jedenfalls i-t dies drueben die Auffassung, die in diesem Falle
auch durch die Vorbildung dieser Spezialistinnen bestaetigt wird.
Unter den Spezialistinnen, die nicht die hoechsten Gehaltsstufen erreichen, aber trotzdem weit ueber dem Durchschnitt verdienen, stehen etwa 400 Frauen, von denen 41 in Physik oder Biologie
eine Sonderausbildung durchgemacht haben, 34 sind Aerztinnen, Krankenpflegerinnen oder Spezialkraefte auf einem Sondergebiet der
oeffentlichen Gesundheitsarbeit. 30 Kraefte betaetigen sich auf
dem Gebiet der Erziehung, 18 als Bibliothekarinnen, 14 als Statistikerinnen, 13 als Herausgeber oder Fachschriftstellerinnen, waehrend 33 Spezialistinnen auf dem Gebiet der Informationen sind.
Arnold Beichman, New Yorker Korrespondent der AFI News Service:
AFRIKANISCHE GEWERKSCHAFT SCHULT IHRE FUEHRER
Die Internationale Damenoberbekleidungsarbeiter-Gewerkscheft
(ILGVJU) der AFL hat einen Versuch unternommen, der die Aufmerksamkeit der gesamten Gewerkschaftsbewegung auf sich ziehen wird.
Es handelt sich um ein Ausbildungsinstitut dieser Gewerkschaft,
an dem zukuenftige Funktionaere und Fuehrer der ILGWU jeweils
fuer die Dauer eines Jahres unterrichtet und geschult werden, um
sich dann in fuehrenden Positionen der Gewerkschaften weitere
berufliche Kenntnisse zu erwerben.
Im Hauptquartier der ILGVJU, New York, 1710 Broadway, wurde
mit der Schulung einer Gruppe von 37 jungen Leuten - 32 Maenner und
fuenf Frauen - begonnen. Es ist eine Tagesschule, und der Lehrgang dauert ein ganzes Jahr, wov&gt;on 7 Monate theoretischer und 5
Monate praktischer Arbeit gewidmet sind.
Fuer die praktische Ausbildung sind Betriebsbesuche vorgesehen; ausserdem soll Einblick in die Arbeit von Organisatoren, Betriebsleitarn und Arbeitsvorgesetzten genommen werden. Ferner werden das schiedsrichterliche Verfahren und Faelle der Wechselbeziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern studiert.
Der Lehrplan des ersten Jahres enthaelt die Geschichte der
ILGWU, ihren Aufbau und ihre Arbeitsweise, die Geschichte der Demenoberbekleidungsindustrie nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, die
Verwaltung der Gewerkschaften, die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung und die Gesetzgebung, die Einfuehrung in das Tarifverhandlungsverfahren und eine Studie der grundlegenden Berufe.
- 14 -

�N

Der Lehrkoerper des Instituts setzt sich nicht nur aus Gewerkschaftsfunktionaeren, sondern auch aus aussenstehenden Dozenten zusammen. Hierzu gehoeren Dr. PhiliD Taft von der Brown Universitaet, Frau Elizabeth Pollock vom polytechnischen Institut und andere. Leiter der Schule der ILGWU ist Arthur A. Eider, der seit
' Jahren Vizepresident der Gewerkschaft der Lehrer ist.
Die zugelassenen Studenten zahlen keine Unterrichtsgelder,
muessen aber fuer ihren Lebensunterhalt aufkommen. Sie muessen
zumindest eine hoehere Schulbildung haben, und nach erfolgreichem
Abschluss des Lehrgangs wird ihnen eine Anstellung bei der ILGWU
zugesichert.
Zur Finanzierung des Instituts bewilligte der Exekutivausschuss 100.000 Dollar.
Anlaesslich der Eroeffnung der Schule sprachen Vizepresident
Julius Hochmtn, der Leiter des Erziehungsausschusses der ILGWU
und David Dubinsky, der Praesident der ILGWU. Dubinsky erklaerte,
dass sich fuer die Gewerkschaftsbewegung die Notwendigkeit ergeben
habe, ihre zukuenftigen Fuehrer zu schulen.
"Das Problem der Gewerkschaftsfuehrung", sagte er, "ist heute
ein anderes als in den vergangenen Jahren. Die Organisationsmethoden unterscheiden sich von denen, die vor 40 oder 50 Jahren angewendet wurden. Die Verhandlungsmethoden haben sich geaendert und
ebenso die Unternehmer. Deshalb muss auch die Gewerkschaftsfuehrung
eine andere sein.
"Angesichts der Dringlichkeit dieses Problems gibt es keine
bessere Moeglichkeit als junge Menschen auszubilden, die irgendeine Ausbildung genossen und ein Interesse daran haben, sich in der
Gewerkschaftsbewegung zu betaetigen, und die bereit sind, einer Sache zu dienen, die ihnen geistige Befriedigung und zugleich «ine
Laufbahn bietet."
Weekly News Service (AFL)
V/5/50
NEUE TABELLEN UEBER DAS ARBEITSALTER AMERIKANISCHER ARBEITER
Das Statistische Buero des US-Arbeitsministeriums hat von
einer wichtigen Errungenschaft auf dem Gebiet der Statistik berichtet: es sind Tabellen ausgearbeitet worden, die anzeigen, mit wieviel Jahren beruflicher Taetigkeit ein amerikanischer Arbeiter im
Durchschnitt rechnen kann.
Die neuen Tabellen ueber die Dauer des Arbeitslebens zeigen
die zunehmende Spanne zwischen dem Gesamtlebensalter und der Dauer
der beruflichen Taetigkeit der Maenner in den Vereinigten Statten
auf.
Danach hat sich das Lebensalter, mit dem ein 20*jaehriger
maennlicher Arbeiter der weissen Rasse im Durchschnitt rechnen
kann, in der Zeit von 1900 bis 1940 um 5 1/2 Jahrs erhoeht, waehrend diese Erhoehung fuer die Dauer seiner beruflichen Taetigkeit
nur 2 1/2 Jahre betraegt. Die Zahl der Jahre im Ruhestand, mit
denen er rechnen kann, hat sich in dieser Zeitspanne verdoppelt.
Wenn diese Entwicklung weitergeht, heisst es in*dem Bericht des
statistischen Bueros, wird sich die Spanne zwischen der zu erwartenden Gesamtlebensdauer und der der beruflichen Taetigkeit in der
Zeit von 1900 bis 1975 verdreifachen.
- 15 -

�Der Tabelle zufolge konnte im Jahre 1940 ein 20-jaehriger
Landarbeiter der" weissen Rasse dar.it rechnen, fast 3 Jahre laenger
als ein Arbeiter aus der Stadt zu arbeiten. Das zu erwartende Arbeitsalter des 20-jaehrigen, nicht der weissen Rasse angehoerenden
Arbeiters war um fast 6 Jahre kuerzer als das des Arbeiters der
weissen Rasse.
Durch die Tatsache veranlasst, dass aeltere Leute einen zunehmenden Prozentsatz der Bevoelkerung bilden, hat das statistische Buero im Jahre 1945 an diesen Tabellen zu arbeiten begonnen.üeber das Arbeitsalter der Frau werden zur Zeit gleiche Tabellen
entwickelt.
Die Tabellen werden dem Studium des wirtschaftlichen Problems
der Abhaengigkeit alter Leute zugrundegelegt und beir. Veranschlagen der Beschaeftigungsmoeglichkeiten fuer verschiedene Berufsgruppen auf lange Sicht verwendet werden. Sie werden bei der
Berufsberatung wertvolle Helfer sein. Da sie einen Ueberblick ueber die Zahl derjenigen Arbeiter bestimmter Beschaeftlgungssparten
geben, die wahrscheinlich sterben oder in den Ruhestand treten
werden, koennen mit ihrer Hilfe neue Arbeiter in die Berufe gelenkt werden, fuer die grosser Nachwuchsbedarf besteht.
Das statistische Buero wird in Kuerze einen Bericht ueber die
Tabellen des Arbeitsalters (Bulletin Kr. 1001 des statistischen
Bueros) veroeffentlichen. Ausserdem wird, beginnend im August,
in der Veroef fentlichung "BLS Monthly, Labor Review" zu diesem Thema
eine Serie von fuenf Artikeln erscheinen.
Die Fertigstellung der Tabellen wurde kurz nach Beendigung
der Nationalen Konferenz ueber das Alter angekuendigt, die die
Bundesstaatliche Sicherheitsbehcerde vom 13.-15. August abhielt.
Die Konferenz wurde in Antwort auf die Forderung Praesident Trumans
einberufen, sich eingehend mit den Problemen zu befassen, die mit
dem staendigen Ansteigen des Anteils der aelteren Leute an der
Gesamtbevoelkerung des Landes in Zusammenhang stehen.
Pressemitteilung des US Arbeitsministeriums
VIII/21/50
KANADISCHE EISENBAHNER DROHEN MIT STREIK
Fuenfzehn kanadische Eisenbahnergewerkschaften, in denen
nicht im Fahrdienst beschaeftigte Eisenbahner organisiert sind,
kuendigten den Eisenbahngesellschaften an, dass sie in den Ausstand treten wuerden, wenn ihre Forderungen nach einer kuerzeren
Arbeitswoche bei einer gleichzeitigen Lohnerhoehung nicht bis zu
einem bestimmten Tage erfuellt wuerden.
Die mehr als 90.000 Mitglieder dieser Eisenbahnergewerkschaften
verlangen ohne eine Kuerzung ihrer Loehne an Stelle der 43-Stunden
Woche *die Einfuehrung der 40-Stunden V/oche und eine Erhoehung des
Stundenlohnes um 7 Cents. Mit dieser Streikankuendigung fanden
die Verhandlungen einen neuen Hoehepunkt, die uebrigens seit mehr
als einem Jahre im Gange sind. Nachdem die Unternehmer die Forderungen der Gewerkschaften zurueckgewiesen hatten, befasste sich
ein kanadischer bundesstaatlicher Vermittlungsausschuss mit dem
Problem. Die Mehrheit des Ausschusses huette Vorschlaege gemacht,
erklaerten die Gewerkschaften, die "voellig unannehmbar" gewesen
./aeren.
'.Veekly Labor News Digest
VIII/9/50
- 16 HICOO R.U3* t » » a»P« 5» * «

�International«

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 28

Frankfurt, 15. September 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die Arbeiterschaft zur Frage der Steigerung der
Produktionsleistung - - - - - - - - - - - - Der Marshall Plan in einem franzoesischen Hafen Betrachtungen zur Aussenpolitik der Vereinigten
Staaten - - - - - - - - - - - - - - - - - - Britische Gewerkschaften entscheiden sich fuer
die Nutzanwendung der Berichte ihrer Auslandskommission - - - - - - - - - - - - - - - - - 17 westeuropaeische Nationen unterstuetzen
Binnenwanderungsprogramm - - - - - - - - - - Fabrikbaukontrolle in England gelockert - - - - Kupers besucht griechische Gewerkschaften - - - Norwegische Gewerkschaften stellen sich hinter
die Vereinten Nationen - - - - - - - - - - - 15 Jahre Sozialfuersorge in den Vereinigten
Staaten - - - - - - - - - - - - - - - - - - Oesterreichische Arbeitskammer baut Lehrlingsheim
Die Gewerkschaften ruesten sich fuer politische
Machtansprueche - - - - - - - _ - - _ - _ _ -

1
2
3
7
9
11
12
13
14
15
iß

'S. Schevenels:
DIE ARBEITERSCHAFT ZUR FRAGE DER STEIGERUNG DER PRODUKTIONSLEISTUNG
Obwohl der Wiederaufbau der kriegszerstoerten Laender bereits
weit vorangeschritten ist, hat die grosse Mehrheit der Bevoelkerung, insbesondere die Industriearbeiter, ihren Vorkriegslebensstandard noch nicht wieder erreicht. Sie sind Jahr fuer Jahr in
ihrer Hoffnung auf verbesserte Lebensbedingungen enttaeuscht worden«
Und heute besteht in diesen hochentwickelten Industriestaaten tat- 1-

�saeohlich die Gefahr eines wirtschaftlichen Stillstands. Ausserdem
sind grosse Gebiete der Welt in die Weltwirtschaft einbezogen worden, und Hunderten von Millionen Mensohen in diesen Laendern kommt
es immer staerker zum Bewusstsein, wie ausserordentlich niedrig
ihr Lebensstandard ist. In diesen wirtschaftlich rueckstaendigen
Laendern ist die Notwendigkeit einer wesentlichen Verbesserung des
Lebensstandards noch viel groesser und dringender als in den wirtschaftlich entwickelten Staaten.
Es gibt nur eine Moeglichkeit, diesen dringenden Bedarf an
einer hoeheren Erzeugung und an
einer Vermehrung der Dienstleistungen zu decken: die Steigerung1der Produktionsleistung auf der
ganzen Welt. Hoehere Produktionsleistung kann mit vielen Mitteln
erreicht werden: bessere Einrichtungen und zahlreichere Maschinen;
bessere Organisation der Produktion; groessere Lelstungsfaehigkelt
und Vermeidung der Verluste bei der Verteilung und dem Transport;
Ausdehnung der Absatzmaerkte, wozu eine bessere Verteilung der Arbeitskraefte, eine groessere Spezialisierung und Normung der Produktion erforderlich ist. Jede dieser Massnahmen und alle zusammen
koennen und muessen eine groessere Produktion und niedrigere Gestehungskosten ermoeglichen.
Der wirkliche Erfolg jeglicher Bemuehungen zur Steigerung der
Produktionsleistung haengt von der Bereitwilligkeit der Arbeiter
zur Zusammenarbeit ab. Um diese Zusammenarbeit zu sichern, ist es
notwendig, die Arbeiter davon zu ueberzeugen, dass sie sich durch
ihren Beitrag zur Steigerung der Produktionsleistung niedrigere
Preise und hoehere Loehne und damit einen hoeheren Lebensstandard
fuer jedermann und ueberall sichern.
Die Arbeiterschaft hat in der Vergangenheit bittere Erfahrungen
mit der Elnfuehrung neuer Maschinen und arbeitssparender Einrichtungen und Methoden gemacht, die zur Massenarbeitslosigkeit, niedrigeren
Loehnen und schlechteren Arbeitsbedingungen gefuehrt haben. Es ist
wahr, dass ohne hoehere Produktionsleistungen keine Moeglichkeit besteht, die gegenwaertlgen Arbeits- und Lebensbedingungen zu verbessern, und der Arbeiter ist sich dessen durchaus bewusst.
Es duerfte deshalb nicht allzu schwer sein, die Arbeiterschaft
fuer eine Steigerung der Produktionsleistung zu gewinnen, vorausgesetzt, dass sie ueberzeugt werden kann, dass die aus der hoeheren
Produktionsleistung entstehenden Vorteile unter alle Schichten der
Bevoelkerung gerecht verteilt werden, und dass vor allem die gesteigerte Produktionsleistung ihnen in Form hoeherer Loehne, zahlreicherer und billigerer Waren und die Vollbeschaeftigung zugutekommt.
Die Arbeiter wissen, dass dies erreicht werden kann. Wenn es
jedoch nicht erreicht werden kann, dann nur deshalb, weil irgendwo
irgendjemand dagegen arbeitet.
Labour News Bulletin on ERP
VII/15 - VIII/15/50
DER MARSHALL PLAN IN EINEM FRANZCESISCHEN HAFEN
Der franzoesische Hafen Le Havre hat 60% seiner Vorkriegskapazitaet wieder erreicht. Hieraus hat sich eine rege Geschaeftstaetigkeit und Beschaeftigungmoeglichkeit fuer die Bewohner von Le Havre
ergeben, die sonst arbeitslos waeren.
Le Havre ist der bedeutendste franzoesische Einfuhrhafen fuer
Baumwolle. 191.000 Tonnen Baumwolle, wovon ueber 80% Marshall Plan
- 2 -

�Lieferungen entstammen, wurden im Laufe des vergangenen Jahres in
diesem Hafen ausgeladen. Damit wurde nicht nur der franzoesisehen
Textilindustrie geholfen, die nach einer weiteren Zuteilung von
Z Millionen Dollar fuer Neuanschaffungen mit grosser Zuversicht
der Beseitigung der Zollschranken entgegenblickt, sondern einem
der groessten Haefen Frankreichs wurde auch seine industrielle Geschaeftigkeit aus der Vorkriegszeit zurueckgegeben.
Die Schiffahrt ist die Lebensader von Le Havre, und es war
selbstverstaendlich, dass die Wiederherstellung der kriegszerstoerten Dockanlagen den Vorrang vor allen anderen Bauvorhaben einnehmen
musste. Als naechstes wird nun der Wohnungsbau fuer diese bedeutende Hafenstadt mit einer Einwohnerzahl von 135.000 in Angriff genommen. Das Wiederaufbauprogramm, das 1948 und 1949 anlief, wird in
diesem Jahre einen grossen Aufschwung nehmen, nachdem 1,706 Millionen Franken (5.114.000 Dollar) aus Gegenwertfonds des Marshall Planes fuer den Wiederaufbau der kriegszerstoerten Wohnhaeuser bereitgestellt wurden.
14$ der in dem Wohnungsbauprogramm fuer Le Havre vorgesehenen
Arbeiten sind zur Zeit in der Ausfuehrung begriffen, und man erwartet, dass 1500 Familien, die zur Zeit in Notwohnungen untergebracht
sind, gegen Ende des Jahres neue Wohnungen haben werden.
Die Marshall Plan Hilfe fuer Le Havre stellt nur einen Teil
des gesamten ERP Fonds fuer Wohnungsbauzwecke fuer ganz Frankreich
dar, der sich auf 62.285.000 Dollar (fast 22 Milliarden Franken aus
Gegenwertfonds) belaeuft.
Labour News Bulletin on ERP
VII/15 - VIII/15/50
Edward G. Miller, Jr., stellvertretender Aussenminister fuer interamerikanische Angelegenheiten:
BETRACHTUNGEN ZUR AUSSENPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
Die Taetigkeit der Gewerkschaftsbewegung macht sich in LateinAmerika immer staerker bemerkbar. Der Aufstieg der Bewegung ging
langsam vor sich, und sie hatte gelegentlich, wie auch in anderen
Laendern, gegen eine hertnaeckige Opposition zu kaempfen. Besonders
in den letzten Jahren jedoch hat sie sich in politischen Angelegenheiten in zunehmendem Masse Gehoer verschafft. Niemand weiss, wie
stark die Gewerkschaftsbewegung in Latein-Amerika ist. Ich habe
Schaetzungen gehoert, die um mehr als 100% variieren. Doch selbst
wenn die Bewegung zahlenmaessig klein ist, ihre Bedeutung ist gross.
Das trifft besonders fuer jene Laender zu, in denen die grosse Masse
des Volkes nicht aufgeklaert und politisch kaum organisiert ist.
Die Gewerkschaftsbewegung spricht im Namen des Volkes, und sie muss
besonders bemueht sein, fuer die Verwirklichung der wahren Bestrebungen des Volkes zu arbeiten.
Die Gewerkschaften sind an der Foerderung der demokratischen
Ideale und Einrichtungen in Amerika und im Ausland interessiert.
Das gleiche gilt fuer das Aussenministerium. Liberale Gruppen in
USA selbst und in Latein-Amerika haben jedoch manchmal die Politik
der Vereinigten Staaten nicht verstanden, und zwar deshalb, weil
sie die Hintergruende dieser Politik nicht voellig erkannten. Heute
ist man geneigt, bei jeder Gelegenheit das U.S. Aussenministerium zu
beschuldigen. Die schwierigen Situationen in der Welt haben grösstenteils verwickelte und tiefverwurzelte Ursachen. Diese Probleme
koennen nicht ueber Nacht geloest werden. Gerade weil die Politik

3

�von einigen Gruppen missverstanden wird, die sich als Verfechter
demokratischer Ideale aufspielen, moechte ich ueber zwei Fragen
sprechen, die fuer die Allgemeinheit von Bedeutung sind: erstens,
warum halten die Vereinigten Staaten von Amerika ihre diplomatischen Beziehungen zu Regierungen aufrecht, die nicht demokratisch
sind, und zweitens, warum arbeiten die Vereinigten Staaten mit derartigen Regierungen wirtschaftlich zusammen?
Die Politik der Vereinigten Staaten stellt das Ergebnis eingehender und ernsthafter Studien, Versuche und der praktischen Anwendung unserer grundlegenden Prinzipien dar. Sie entstammen einem
gesunden Menschenverstand und sind dazu bestimmt, der Arbeiterschaft
so schnell vorwaertszuhelfen, wie es die dabei auftretenden Schwierigkeiten erlauben.
Die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit einer Regierung
haengt erstens davon ab, ob diese Regierung die zivile Ordnung aufrechterhalten kann oder nicht. Hierauf wird selbstverstaendlich
jede Regierung zuerst geprueft. Ausserdem muss man wissen, ob man
sich darauf verlassen kann, dass diese Regierung ihren internationalen Verpflichtungen nachkommt, das heisst, dass sie sich an ihre
Abmachungen und die internationalen Gesetze haelt. Allgemein gesprochen, ist die Form dieser Regierung nicht ausschlaggebend. Wenn
eine Regierung gewaltsam gestuerzt wurde, stehen die Vereinigten
Staaten vor der Frage, ob die neue Regierung, die an die Stelle der
alten tritt, anerkannt werden soll oder nicht. Die Vereinigten Staaten sind bestrebt, sich mit den anderen Regierungen der westlichen
Hemisphaere zu verstaendigen, damit die Aktionen der amerikanischen
Voelkergemeinschaft so weit wie moeglich koordiniert werden koennen.
Diese Zusammenarbeit hat sich als sehr erfolgreich erwiesen, und
die amerikanischen Laender sind sich dadurch naehergekommen; ausserdem hat diese Methode in der Oeffentlichkeit grosses Verstaendnis
fuer die Probleme und fuer die Politik der Vereinigten Staaten erweckt*
Die gegen diese Politik gerichteten Argumente werfen oft die
Frage auf, was "Intervention in die inneren Angelegenheiten" eigentlich ist. Diplomatische Anerkennung einer Regierung darf nicht als
eine moralische Hilfe angesehen werden, mit der eine innere Reform
ermoeglicht werden soll. Es ist offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten zu vielen Laendern, deren Regierungen unseren Idealen
nioht entsprechen, Beziehungen unterhalten und diese auch beibehalten. Die Tatsache, dass sie dabei mit ihren Prinzipien nicht einverstanden sind, ist um so mehr ein Grund, sich die Wege des gegenseitigen Gedankenaustausches offenzuhalten. Der Fortschritt der
Zivilisation beruht u.a. auf dem Austausch von Persoenlichkeiten und
Ideen. Die Vereinigten Staaten moegen sich nicht mit einem Eisernen
Vorhang umgeben. Wenn das internationale Verstaendnis gefoerdert
werden soll, muessen die Wege offenbleiben.
Einige Gewerkschaften Latein-Amerikas waren unzufrieden, weil
ihnen keine Hilfe angeboten wurde, die der Unterstuetzung Europas
und gewisser asiatischer Laender im Rahmen des Marshall Planes
gleichgekommen waere. Die gleichen Gewerkschaften und auch einige
Amerikaner haben protestiert, weil sich die Vereinigten Staaten nicht
auf diejenigen Laender beschreenkt haben, deren Regierungen sich an
die demokratischen Grundsaetze halten. Die amerikanische Hemisphaere
ist durch das sogenannte interamerikanische System vereinigt, das
in der "Organisation Amerikanischer Staaten" zum Ausdruck kommt.
Wenn wir nicht einen Blick auf die geschichtliche Entwicklung dieser
Organisation werfen, muessen wir unwillkuerlich die tatsaechlich
grossen Erfolge unterschaetzen, die in bezug auf die Vereinigung der
amerikanischen Voelkerfamilie seit der Gruendung der Pan-Amerikani- 4-

�sehen Union durch James G. Blaine und seine Mitarbeiter errungen
wurden. Wenn man naemlich weiter zurueckgeht, kann man mit Bestimmtheit sagen, dass der grosse suedamerikanische Fuehrer Bollvar
hoechst begeistert ueber das sein wuerde, was zur Verwirklichung
seines Ideals, einer vereinigten Hemisphaere, inzwischen getan
wurde. Auf den Konferenzen in Montevideo (1939), Buenos Aires
(1936), Lima (1938), Panama (1939) und Havanna (1940) wurden bedeutende Schritte zur Vereinigung der amerikanischen Nationen unternommen. In Rio de Janeiro (1942), in Mexiko (1945), wiederum in Rio
de Janeiro (1947) und in Bogota (1948) wurde diese Solidaritaet erneut unter Beweis gestellt.
Die Wirksamkeit des geschaffenen Systems hat seine erste Probe
bestanden, als sich die "Organisation der Amerikanischen Staaten"
gemaess dem Vertrag von Rio de Janeiro k'uerzlich mit Streitigkeiten
um die Karibische See befasste. Dies waere nicht moeglich gewesen,
wenn die amerikanische Gemeinschaft in einzelne Gruppen entsprechend den verschiedenen Ideologien der Mitgliederstaaten getrennt
gewesen waere.
Die Vereinigten Staaten glauben an diese Gemeinschaft, und mit
den Staaten meinen sie das Aussenministerium und die Bevoelkerung.
Sie muessen bestrebt sein, diese Gemeinschaft zu staerken, damit
die* Feindseligkeiten und Streitigkeiten auf dem amerikanischen Kontinent zu aller Nutzen und zur allgemeinen Verbesserungen des Lebensstandards auf friedliche Weise beigelegt werden koennen.
Erinnern wir uns an die tragischen Verhaeltnisse, die die Vereinigten Staaten veranlassten, Europa zu unterstuetzen. Der Krieg
hat West-Europa, ein Industriegebiet mit einer umfangreichen Wirtschaft, verwuestet. Die Fabriken, in denen die Arbeiter ihren
Lebensunterhalt verdienten, wurden zerstoert. Es war kein Kapital
vorhanden, um die Betriebe wieder aufzubauen. Die Arbeiter lebten
in groesster Armut, sie hatten auch keine Gelegenheit, selbst Nahrungsmittel anzubauen, denn dazu fehlte es an Ackerland. Sie mussten ernaehrt werden, und die Vereinigten Staaten halfen, sie mit
Lebensmitteln zu versorgen. Sie mu3sten Arbeitsaufgaben bekommen,
denen sie gewachsen waren. Die Vereinigten Staaten halfen beim
Wiederaufbau der Fabriken, der Handel bluehte wieder auf, und Bauern und Arbeiter konnten ihre Erzeugnisse austauschen. Damit halfen die Vereinigten Staaten, eine Katastrophe zu verhindern.
Die Lage in Latein-Amerika ist gaenzlich verschieden. Dort
dreht es sich nicht darum, grosse Industriestaaten wiederaufzubauen, sondern die wirtschaftliche Entwicklung zu foerdern. Diese Aufgabe nimmt Zeit in Anspruch. Bleibende Einrichtungen, wie die Export- Import- Bank, die Weltbank und der Internationale Waehrungsfond,
die nicht wie die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit
(E.C.A.) nach Beendigung einer wirtschaftlichen Krise wieder aufgeloest werden, stellen lediglich eine Form der Hilfe dar. Diese Institutionen bieten die finanzielle Unterstuetzung, die von den
Regierungen fuer die wirtschaftliche Entwicklung zur Verfuegung gestellt werden kann.
Die technische Unterstuetzung ist fuer Latein-Amerika ebenfalls
von groesster Notwendigkeit. Seit acht Jahren unterstuetzt die Regierung der Vereinigten Staaten das Institut fuer Interamerikanische
Angelegenheiten. Die Aufgabe dieser Organisation weiss man in
Washington wohl zu schaetzen, und in der letzten Sitzung des Kongresses wurde einstimmig fuer eine Verlaengerung ihres Bestandes
um fuenf Jahre gestimmt. Das Institut fuer Interamerikanische Angelegenheiten und das Komitee fuer Wirtschaftliche und Kulturelle Zusammenarbeit bilden einen Pruefstein fuer das Punkt-Vier-Programm
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�Praesident Trumans. Ein erweitertes Programm der technischen Unterstuetzung wird Latein-Amerika und anderen Teilen der Welt Gelegenheit bieten, eine wirksame technische ünterstuetzung zur Entwicklung der Landwirtschaft und Industrie mit eigenem oder ausländischem Kapital unter geringem Kostenaufwand zu erhalten. Ohne
einen politischen Einfluss ausuebsn zu wollen, soll dir finanzielle
ünterstuetzung der Laender Latein-Amerikas die wirtschaftliche
Entwicklung foerdern und eine Lahmlegung des Handels verhindern,
ohne dass dabei versucht wird, die inneren Angelegenheiten eines
Landes durch Aufdraengen eigener Ideen zu beeinflussen.
In der heutigen Welt beschraenken sich die Beziehungen zwischen den einzelnen Laendern nicht auf die Regierungen selbst, sondern gehen in jeder Hinsicht ueber die Regierungen hinaus. Die
Handelsbeziehungen, der Fremdenverkehr, die kulturellen Beziehungen
und die indirekten Auswirkungen des Verhaltens der USA auf die
Entwicklung der öffentlichem Meinung liegen ausserhalb der Einflus3phaere der Regierungen.
In der Denkungsweise der Vereinigten Staaten und ihrem politischen Schrifttum besteht die Tendenz, die Rolle der Regierung uebermaessig zu betonen und ein Volk oder ein Land mit der Regierung zu
entzweien, die gerade an der Macht ist. Wenn die Programme der
Zusammenarbeit auf diesem Kontinent wirksam sein sollen, muessen
sie von Dauer sein. Die USA duerfen sich nicht von der Abneigung
gegen eine Regierung, die an der Macht ist, irrefuehren lassen.
Nichts kaeme den Feinden der Vereinigten Staaten gelegener, als
wenn sie sich ihrer Unfehlbarkeit ruehmen wollten.
Damit kommen wir zu einer wichtigen Frage: Wie kann nach unserer Auffassung die Demokratie in Latein-Amerika gestaerkt werden?
Es ist unmoeglich eine erschoepfende Erklaerung ueber Demokratie
abzugeben. Demokratie ist mehr als die Summe ihrer Bestandteile es ist der sie beherrschende Geist. Sie kann nicht durch irgendeine Theorie oder praktische Massnahme geschaffen werden. Die wahre
Demokratie beruht auf dem Selbstbewusstsein und auf dem Glauben
eir.es Volkes, dass selbst Meister seines Schicksals ist. Die Demokratie kann einem lenksamen oder nicht-denkenden Volk nicht dadurch
beigebracht werden, dass man es zwingt, sich von seiner Regierung
zu distanzieren. Wohl ist es richtig, dass die Vereinigten Staaten
durch Nichtanerkennung und wirtschaftliche Sanktionen gegen eine
Regierung eines kleineren Landes deren Sturz herbeifuehren koennen.
Damit wÄren jedoch nicht die Ursachen beseitigt, die zu dieser Regierung gefuehrt hatten. Ausserdem hat die Erfahrung genuegend
gelehrt, dass Nationalismus die Urteilsfaehigkeit zerstoert und
ein Volk halsstarrig macht, sodass alle Anfeindungen gegen seine Regierung nur dazu fuehren, dass es umso verzweifelter an ihr festhaelt.
Die Demokratie wird nicht nur durch einen gewaltsamen Sturz
einer Regierung erzeugt. Einige unglueckliche Laender in LateinAmerika haben zahllose Umstuerze erlebt, ohne den demokratischen
Freiheiten in irgendeiner V/eise naehergekommen zu sein. Demokratie
erfordert rechtmae3sigen Fortschritt und die Erweiterung des Begriffs der Freiheit. Sie erfordert das Selbstbewusstsein eines
Volkes, den Glauben an die Moeglichkeit, ^ein eigenes Schicksal am
vorteilhaftesten selbst gestalten zu koennen und den Drang nach Unabhaengigkeit. Demokratie beruht auf Erziehung, auf einer aufgeklaerten Waehlerschaft und einer Wirtschaft, die allen gleich guenstige Moeglichkeiten bietet, all das muss Latein-Amerika heute geboten werden - technische Ünterstuetzung im Erziehungswesen, in der
Landwirtschaft und in der Industrie.

�Jegliche politische Debatte dreht sich heutzutage letzten Endes um den Kommunismus. Nach dem letzten Kriege hatten die Kommunisten viele der einflussreichsten Stellungen in der latein-amerikanischen Gewerkschaftsbewegung inne. Doch seitdem haben sie staendig an Boden verloren, und heute beherrschen sie in erster Linie
nur jene Splittergewerkschaften, die offen und eindeutig zupeben,
dass sie kommunistisch gefuehrt sind. Dabei gibt es bemerkenswerte
Ausnahmen. In einigen Laendern ist der Kampf im Gange; und wenn
auch die kommunistischen Fuehrer in anderen Laendern augenblicklich
noch eine starke Machtstellung einnehmen, so koennen diese Regierungen oder Voelker weder als treue Anhaenger des Kommunismus betrachtet werden, noch koennen die Kommunisten damit rechnen, die Kontrolle ueber die Gewerkschaftsbewegung in jenen Laendern noch lange
Zeit auszuueben.
In diesem Zusammenhang muss auf das Anwachsen des Interamerikanischen Gewerkschaftsbundes (CIT) seit seiner Gruendung im Jahre
1948 hingewiesen werden. Diese zunehmende Staerke des C.I.T. trug
sicherlich zu dem staendigen Machtverlust des von Moskau beherrschten C.T.A.L. (Latein-Amerikanischer Gewerkschaftsbund) bei. Nachdem nun A.F. of L. und C.I.O. im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften zusammenarbeiten und sich diese Zusammenarbeit auch auf
ihre Beziehungen zu den Latein-Amerikanischen Gewerkschaften erstreckt, ist die Lage noch guenstiger. Der Gedanke muss zurueckgewiesen werden, dass die Vereinigten Staaten ihre Missbilligung einer
autokratischen Regierung dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie
ihr die diplomatische Anerkennung oder die wirtschaftliche Zusammenarbeit versagen. Dies waere eine negative Antwort auf das Problem
und so muss man sich die Frage vorlegen: Mit welchen moralischen
Mitteln kann die Demokratie in Latein-Amerika gestcerkt werden?
Unser Glaube an die demokratischen Prinzipien muss selbstverstaendlich immer wieder zum Ausdruck gebracht werden, und die Gewerkschaften muessen ihren Einfluss geltend machen, um sie zu foerdern. Sie
sind an der Verankerung der Demokratie im eigenen Lande beteiligt.
Der Welt muss immer wieder vor Au^en gefuehrt werden, dass das demokratische System in der Praxis das beste ist. Mit friedlichen und
anstaendigen Mitteln muss zusammen mit den Voelkern Latein-Amerikas
weiterhin an der Entwicklung ihrer Laender gearbeitet werden, damit
sie eine Staette werden, in der alle Menschen Amerikas im Vertrauen
auf ihre Staerke und ihren Glauben an die demokratische Lebensweise
leben koennen.
Pressemitteilungen des U.S. Aussenministeriums
V/5/50
BRITISCHE GEWERKSCHAFTEN ENTSCHEIDEN SICH FUER DIE NUTZANWENDUNG
DER BERICHTE IHRER AUS UNDSK OMISSIONEN
Der Bericht der Kommission britischer Gewerkschafter, die die
Vereinigten Staaten erst kuerzlich besucht haben und dort den Beitrag der amerikanischen Gewerkschaften zu dem hohen Stande der industriellen Produktivitaet studiert haben, wird von den meisten britischen Zeitungen als geradezu "revolutionaer" bezeichnet. Nachdem
der Bericht gerade vor echt Tagen der Oeffentlichkeit zugaenglich
gemacht wurde, ist er heute der Gegenstand langer Artikel und Leitartikel in jeder britischen Tageszeitung.
Der Vizevorsitzende des britischen Bergarbeiterverbandes fuehrte diese Kommission, der Vertreter fast jeder bedeutenden Industriegruppe in England angehoerten. Diese Vertreter wurden durch den
Gewerkschaftskongress selbst ausgewaehlt, wobei die Gewerkschaften
dem Kongress verschiedene Vorschleege unterbreitet hatten. Die

7

�Reise durch die Vereinigten Staaten wurde durch die europaeische
Verwaltung fuer Zusammenarbeit (ERP) ermoeglicht, die eine Abteilung
der Marshallplanverwaltung ist.
Im Gegensatz zu allen anderen Kommissionen, die von den britischen Gewerkschaften zur Foerderung des Marshallplans in die Vereinigten Staaten entsandt wurden, um dort die Rolle der Gewerkschaften im amerikanischen Wirtschaftsleben zu studieren, beschraenkte
sich diese Kommission einzig und allein darauf, einen einzigen,
dafuer aber umso wichtigeren Punkt zu studieren, naemllch die Beziehungen der Gewerkschaftspolitik zu der hohen Produktionsleistung
und der Hoehe des Lebensstandards genauer kennen zu lernen.
Die Bemerkungen der Kommission zu diesen Feststellungen wird
die Grundlage einer Diskussion in der britischen Gewerkschaftsbewegung sein - aber auch in anderen Laendern Europas, in denen es freie
Gewerkschaften gibt. Die Diskussionen selbst werden sich ueber
laengere Zeit erstrecken. Heute bereits hat jedoch die Kommission
und im Anschluss daran die britische Presse in ihrer Reaktion auf
diesen Bericht die Empfehlungen in den Vordergrund gerueckt, die
jene zehn Gewerkschaftsfunktionaere machten, damit die britischen
Gewerkschaften kuenftig sich positiven Aktionen verschreibt, um
den Feldzug fuer die Erhoehung der Produktionsleistung Britanniens
gewinnen zu koennen.
Der entscheidendste der 22 Empfehlungen ist der Vorschlag,
dass die Gewerkschaften kuenftig "bei der Anwendung wissenschaftlicher Massnahmen, auch wenn diese in exaktem Sinne keine rein wissenschaftlichen sind, einen wertvollen Beitrag zur Steigerung der Produktionsleistung leisten koennen. Um diese Zusammenarbeit zu verwirklichen, erklaert die Kommission, dass die britischen Gewerkschaften technische Produktionsabteilungen einrichten und
Produktions-Ingenieure heranbilden aussen .damit diese in den einzelnen Provinz- oder Bezirksbueros der Gewerkschaften die Interessen
der Gewerkschaftsmitglieder, in weitestem Sinne gesprochen, unterstuetzen und foerdern koennen.
Der Gewerkschaftskongress sollte, so faehrt der Bericht fort,
seinen eigenen technischen Stab vergroessern und die einzelnen Gewerkschaften unterstuetzen, ihre eigenen technischen und Forschungsabteilungen aufzubauen. Ebenso sollte der Kongress veranlassen,
Gewerkschaftsmitgliedern zu helfen, die den Komitees zur Foerderung
der Zusammenarbeit zwischen der Regierung und den Gewerkschaften
angehoeren, damit auch diese mit den britischen Produktionsproblemen besser bekannt werden.
Diese Produktionsexperten der Gewerkschaften und des Kongresses
sollten weiter die Pflicht haben, die oertlichen Gewerkschaftsfunktionaere der einzelnen Betriebe ueber die technischen und arbeitsmaessigen Probleme zu unterrichten, damit auch hier die Wichtigkeit
einer gemeinsamen Beratung auf der Ebene des einzelnen Betriebes
erreicht wird.
Wenn Gewerkschafter wuenschen, dass der Lebensstandard staendig hoeher werden soll, koennen sie niemals ein Widerstreben gegen
die Einfuehrung neuer oder modernisierter Maschinen fuer richtig
halten. Wenn jedoch ein Uebersteigern der erforderlichen Arbeitsweise sich bemerkbar macht, dann muss die Betriebsfuehrung mit den
Gewerkschaften sich an den Verhandlungstisch setzen, um gemeinsam
"gerechte Arbeitsbedingungen auszuarbeiten". Sind diese jedoch
gegeben, dann sollte auch einem verstaerkten Gebrauch mechanischer
Hilfsmittel fuer die Durchfuehrung von Zeit- und Bewegungsstudien
nichts im Wege stehen, wobei jedoch dann aber auch Moeglichkeiten
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�gegeben sein muessen, um die Verdienstmoeglichkeiten maximal zu
steigern.
Die Gewerkschaften muessen weiterhin ihre Kenntnisse verbessern,
die sie in bezug auf Finanzpraktiken der Wirtschaft haben. Hierbei
muss im Vordergrund die Moeglichkeit stehen, sofort Aktionen durohzufuehren, wenn die Verbraucherpreise eine unnoetige Hoehe erreichen. Ganz besonders sollen sich die Gewerkschaftsfunktionaere jedoch vergewissern, dass in allen Faellen, wo die Unternehmer sich
weigern, ueberhoehte Verbraucherpreise herunterzuschrauben, die zugleich eine Gefahr fuer den Beschaeftigungsstand und den Verbrauch
darstellen, die Gewerkschaften Musterfaelle vorbereiten, um sie solchen Koerperschaften wie dem Preisregulierungskomitee und dem Monopol- und Einschraenkungskomitee vorzulegen.
Des weiteren, so heisst es in dem Bericht, sollte die Gewerkschaft technische Ratschlaege und Unterstuetzung an solche Firmen
geben, deren Gewinngrenze in einem solchen Grade gefallen ist,
dass sie sowohl die Beschaeftigungssicherheit als auch den Lohnstand bedroht. In anderen Faellten koennten derartige Beratungsmethoden dazu fuehren, um Musterfaelle fuer Moeglichkeiten der
Preisherabsetzung zu demonstrieren.
Sehr vieles von dem Geist dieses Berichtes ist in einem Para;raph zusammengefasst, in dem es heisst: Wo das Unternehmertum fortschrittlich denkt und bestrebt ist, wissenschaftlich-technische
Arbeitsmethoden in einer vernuenftigen Weise einzufuehren, um die
Produktion voranzutreiben, sollten sich die Gewerkschaften zu einer
Zusammenarbeit bereiterklaeren. Wenn das Unternehmertuxa versucht,
in dieser Produktionsankurbelung besonders scharf vorzugehen, ist
eine wirklich aktive Gewerkschaft besonders von Noeten - nicht etwa
um sich der neuen Entwicklung entgegenzustemmen, sondern um dafuer
zu sorgen, dass Missbraeuche vermieden werden,und dass die Ungenauigkeiten der wissenschaftlichen Arbeitsmethoden sich nicht zum
Nachteil der arbeitenden Kraefte auswirken. Wenn das Unternehmertum jedoch nicht genuegend Unternehmergeist zeigt und rueckschrittlich eingestellt ist, es nicht gewillt ist, wirtschaftliche Moeglichkeiten auszunutzen oder bestehende Maerkte durch niedrigere Preise
»ich zu erschliessen, muss die Gewerkschaft mit allen Kitteln dafuer
Sorge tragen, dass diese Moeglichkeiten ausgenutzt werden."
Zum Schluss empfiehlt die Kommission einen staendigen und vergroesserten Kontakt zwischen amerikanischen und britischen Gewerkschaften, um einmal Erfahrungen auszutauschen und zum andern sich
gegenseitig bei der Loesung bestimmter Probleme zu unterstuetzen.
Besonders typisch fuer die Zeitungsberichte ueber diese Gewerkschaftsdenkschrift war der des News Chronicle, in dem es heisst:
"Hier zeigt sich eine Revolution in der bisherigen Theorie der Gewerkschaften. Es bleibt einem nur uebrig, fuer diesen Bericht unseren Dank auszusprechen."
17 WESTEUROPAS ISCHE NATIONEN UNTERSTUETZEN BINi:ENArANDERUNGSPROGRA?!I.i
Es sind weitreichende Anstrengungen gemacht worden, um die
ueberseeische Wanderung aus den uebervoelkerten Laendern Westeuropas zu foerdern. 18 Marshallplan-Laender haben kuerzlich mit Hilfe
von ECA-Mitteln ein Hilfsprogramm von einer Million Dollar unterzeichnet, um eine vollkommene internationale Wanderungsmaschinerie
aufzubauen.
9 -

�Waehrend bestimmte Laender bereits Versuchsprojekte durchfuehrten und Wanderungsabkommen trafen, will das neue Programm ein
breites, auf Zusammenarbeit beruhendes Plansystem in Gang bringen,
durch das es den westlichen Demokratien auf einer systematischen
und wissenschaftlichen Basis moeglich wird, die Ueberbevoelkerung zu
bekaempfen, in deren Gefolge chronische und langzeitige Arbeitslosigkeit und ein niedriger Lebensstandard zu finden sind.
Um einen umfassenden Angriff zu finanzieren, sind die Mitgliedstaaten des Bueros fuer europaeische wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) uebereingekommen, den Gegenwert von 200 000 Dollar in
Landeswaehrung bereitzustellen, um damit die Kosten dieses Prograrrjus
in ihrem eigenen Lande zu decken. Ebenso heben sie die ECA-Verwaltung gebeten, einen Betrag von schaetzungsweise 788 000 Dollar bereitzustellen, um jene Ausgaben zu decken, die sich in Verbindung
mit der Ueberpruefung und der Schulung im Programm dieses Projektes ergeben.
Das ECA-Buero teilte kuerzlich mit, dass dieses Gesuch genehmigt wurde, und dass aus dem Marshallplan eine Million Dollar fuer
dieses Programm bereitgestellt worden ist.
Die Laender, die bei diesem Projekt zusammenarbeiten, haben
die Internetionale Arbeits-Organisation gebeten, - dies ist eine Abteilung der Vereinten Nationen - die Verantwortung fuer die Verwaltung eines technischen Hilfsprogramms zu uebernehmen, das die
Wanderungen erleichtern kann.
Zweck dieses Eine-Million-Dollar-Projekts ist die Gewaehrung
technischer Ratschlaege an jene Laender, die als typisch fuer Einund Auswanderung angesehen werden koennen, damit sie die erforderlichen Dienste bei den Wanderungsbewegungen leisten koennen. Diese
Dienste sollen umfassen: Festlegung der Gebiete mit ueberschuessiger oder mangelnder Arbeitskraft, Durchfuehrung von Eignungspruefungen fuer Bewerber in Auswanderungslaendern, nachdem die Arbeitsmoeglichkeiten in den Einwanderungslaendern genau analysiert wurden,
Durchfuehrung von Berufsertuechtigungskursen, Betreuung von Fachleuten mit dem Studium von Wanderungsproblemen, wobei Regierungsstellen unterstuetzend eingreifen, und schliesslich die Einfuehrung von
Praktiken, die die Transporte und die Wiederansiedlung der Wandernden erleichtern.
Diese Bemuehungen 3ind aehnliche in der Richtung der Erzielung
einer Vollbeschaeftigung und eines hoeheren Lebensstandards. In
einigen Laendern, vor allem in Italien und in Westdeutschland, ist
der Bevoelkerungsdruck derart stark, dass saemtliche Hilfsquellen
nicht dezu beitregen koennen, dass die Bevoelkerung einen wuerdigen
Lebensstandard erreicht - wobei es keine Rolle spielt, wie wirksam
diese Hilfe und in welcher Hoehe sie gewaehrt worden ist.
Die Anschauung der Arbeiterschaft und der Gewerkschafter in
bezug auf das Problem der Uebervoelkerung spiegelt sich in einer
Resolution wider, die auf der dritten Jahreskonferenz der ERP-Ge
werkschaftsberatungskommission kuerzlich in Rom angenommen wurr?e.
Die Konferenz erklaerte, dass die Gewerkschaften erkennen, dass, soweit einzelne Laender betroffen sind, wo die Ueberschuesse an Arbeitskräften ein ausserordentliches Mass erreicht haben, die notwendigen Massnahmen in breitestem Masse die Form der Wanderung der
Arbeitskraefte in weniger entwickelte, ueberseeische Laender erforderlich mache, seitdem der Abzug groesserer Massen auslaendischer
Arbeiter in schneller Folge in hochindustrielisierte Laender Westeuropas die Gefahr der Entbloessung von Arbeitskraeften mit sich
bringe.
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�Die erwaehnte Konferenz in Rom empfahl eine gewisse binneneuropaeische Beweglichkeit der Arbeitskraefte, denn hieraus ergibt
sich eine graduelle 'A'iederverteilung der Produktionskraefte auf
grund der Liberalisierung der Handelsbeziehungen, die von den
ERP-Leendern vorgesehen sind, und die notwendigerweise zu einer
entsorechenden Beweglichkeit und Wiederverteilung der Arbeitskreefte fuehren mues~en, von der die gegenwaertigen und zukuenftigen
"Ueberschuesse" nicht ausgeschlossen werden duerfen.
Als die leitenden Koerperschaften der Internationalen Arbeitsorganisation die OEEC-Vorschleege auf ihrer letzten Wenderungskonferonz und spaeter in der Genfer Verhandlung behandelten, ergab
sich, dass die Delegierten der Gewerkschaften gemeinsam mit den
Delegierten der Unternehmer und der Regierungen die Vorschlaege billigten. Amerikanische und deutsche Gewerkschaftszentralen haben
lebhaft nach Loesungen gesucht, die die chronische Arbeitslosigkeit
verhindern koennen, in deren Gefolge stets die allgemeinen Sa^tze
des Lebensstandards herabgesetzt werden.
Die Dollarhilfe des Marshallplans wurde durch den Kongress der
Vereinigten Staaten gebilligt, als die Auslandshilfsakte des Jahres
1950 genehmigt wurde. Als dem Verwalter des ECA-Fonds, Faul Hoffmann, die Genehmigung zur Verwendung der Summe gegeben wurde, nannte der Praesident der Vereinigten Staaten, Harry S. Trumen, dieses
Programm einen notwendigen Schritt zur Loesung eines der grundlegenden Probleme, das Westeuropa bei der Durchfuehrung seiner wirtschaftlichen Erholung stoert und sich dagegen auswirkt. Indem er seine
Befriedigung ueber die Zusammenarbeit und die Verwirklichung dieses
ECA-Hilfsprogramms durch die OEEC-Laender und die Internetionale
Arbeits-Organisetion eussprech, nannte Praesident Trumen dieses Vorhaben einen zusätzlichen Beweis der Entschlossenheit der US-Regierung, in jeder Beziehung zusammenzuerbeiten, un die vollste Nuetzlichkeit der Vereinten Kationen und ihrer angeschlossenen Laendcr
eufzuzeigen.
Die europaeischen Leender, die sich diesem Projekt engeschlossen
heben, sind Oesterreich, Belgien, Luxemburg, Deenemerk, Frankreich,
die ''.'estdeutsche Bundesrepublik, Griechenlend, Islend, Irlend, Itelien, die Niederlende, Norwegen, Portugel, Schweden, die Schweiz,
Triest, die Tuerkei und Grossbritennien.
FABRIKBAUKCKTRQLLE IN ENGLAND GELOCKERT
Bei der feierlichen Inbetriebnehme der Cebot-Febrik in Merseyside kuendigte Herold Wilson, der Praesident der Hendelsbehoerde en,
dass die britische Regierung beschlossen habe, gewisse Bauprojekte
im Rahmen des den Gemeinden zur Verfuegung stehenden Investitionskepitels weiterzufuehren, wenn dadurch in gewissen Bezirken, die
von der Arbeitslosigkeit betroffen oder bedroht seien, vorwiegend
meennliche Arbeitskraefte in Arbeit gehalten werden koennten, selbst
wenn diese Projekte keine Dollars einbringen oder sparen wuerden.
In bestimmten Gebieten wuerde der Schiffsbeu reduziert und Kohlengruben stillgelegt, weil die Kohlenvorreete erschoepft sind, oder
Stehl- und Eisenblechindustrien einer Neuorgenisetion unterzogen;
infolgedessen sei mit ueberzeehligen Arbeitskraeften zu rechnen,
und die Probleme seien dort deshalb besonders ernst, erklaerte Wilson. Weit mehr Hilfe waere fuer diese Bezirke erforderlich, eis in
dem Gesetz zur Verteilung der Industrie vorgesehen sei.
Der Minister gab der Hoffnung Ausdruck, dass auf diese Ankuendigunp hin die Industriellen, die frueher bereit gewesen waeren, neue
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�Industrien in jenen Bezirken zur Beschaeftigung vorwiegend maennlicher Arbeitskraefte aufzubauen, die aber durch die einschraenkenden
Bestimmungen der Kapitalinvestierung davon zurueckgehalten worden
seien, nun erneut Gesuche einreichen moechten, die von der Handelsbehoerde jetzt guenstiger beurteilt wuerden, weil damit jenen Bezirken des Landes geholfen werden koennte, die fuer die Arbeitslosigkeit am anfaelligsten seien.
Die neue Fabrik wurde mit amerikanische», von der ECA zur Verfuegung gestelltem Kapital aufgebaut, um die Arbeitslosigkeit zu
bekaempfen, die in dem Bezirk Merseyside auszubrechen drohte, weil
die oertliche Sohiffsbauindustrie einen Rueckgang zu verzeichnen
hatte.
Die Bauarbeiten wurden von englischen Arbeitern ausgefuehrt
und nahmen wenig mehr als ein Jahr in Anspruch.
Mit einer Jahresproduktion dieser neuen Fabrik von 8 bis
10.000 Tonnen Russ wird Grossbritannien eine Million wertvoller Dollars sparen; Russ ist ein wichtiger Grundstoff in der Gummiherstellung, den England bisher aus den Vereinigten Staaten importieren
musste.
Labour News Bulletin on ERP
711/15 - VIII/15/50
KUPERS BESUCHT GRIECHISCHE GEWERKSCHAFTEN
Die freien Gewerkschaften Europas haben die Aufgabe, sich darueber Klarheit zu verschaffen, dass eine gesteigerte Produktion sich
durch einen hoeheren Lehensstandard des Arbeiters bezahlt macht.
Evert Kupers, ein bekannter hollaendischer Gewerkschafter und
Vorsitzender des Beratungskomitees der Gewerkschaften fuer das ERP,
beglueckwuenschte die Gewerkschaften zu dieser Aufgabe auf einer
Pressekonferenz, die vor wenigen Tagen in Athen stattfand. Als
Vertreter des Internationalen Bundes freier Gewerkschaften (IBFG)
hilft Kupers den griechischen Gewerkschaftsfunktionaeren bei der
Vorbereitung des in Kuerze stattfindenden zehnten griechischen Gewerkschaftskongresses.
Die Gewerkschaften haben es niemals bedauert, so erklaerte Kupers, sich fuer den Marshall-Plan eingesetzt zu haben.
n

In meinem eigenen Lande wuerden die Arbeiter heute 25% weniger
verzehren koennen, wenn es keine Marshall-Plan Hilfsmittel gaebe.
In anderen Laendern wie Frankreich und Italien hat der Marshall-Plan
praktisch den Unterschied zwischen der Erhaltung der Freiheit und
dem Sieg des kommunistischen Totalitarismus bedeutet.
"Natuerlich muss die wirtschaftliche Wiederbelebung, die der
Marshall-Plan ermoeglicht hat, von einer Erhoehung des Lebensstandards der arbeitenden Klasse begleitet sein, wenn dieser Plan auf
die Dauer gesehen erfolgreich sein soll. Das bedeutet jedoch, dass
die Arbeiter selbst helfen muessen, diesen erhoehten Lebensstandard zu erreichen, indem sie ihre eigene Produktivitaet erhoehen.
"Die Arbeiter erhalten jedoch nicht automatisch die Vorteile
einer gesteigerten Produktivitaet. Hier ist es Aufgabe der freien
Gewerkschaften, dafuer Sorge zu tragen, dass die erhoehte Produktivitaet von einem hoeheren Lebensstandard begleitet wird."
12 -

�Indem er in grossen Zuegen auf die Entwicklungen der internationalen Gewerkschaftsbewegung in der Nachkriegszeit einging, schilderte Kupers die Beherrschung dieser Organisation durch den Kommunismus, die zu dem Austritt der freien Gewerkschaften aus dem Weltgewerkschaftsbund fuehrte, der heute ein kommunistisches Rumpfgebilde
ist.
Die Spaltung musste kommen, als die Kommunisten sich weigerten,
auch nur die Frage einsr Unterstuetzung des Marshall-Plans durch
die Arbeiter diskutieren zu lassen. "Die Sowjetunion widersetzte
sich dem Marshall-Plan, weil sie nicht die Wiederherstellung eines
gesunden Westeuropas mit einem hohen Lebensstandard wuenschte. Nur
wenn es erwerbslose und notleidende Massen gibt, nur wenn die Arbeiterschaft keinerlei Hoffnungen fuer eine bessere Zukunft hegen kann,
dann gibt es fuer die Kommunisten eine Chance."
Kupers erwaehnte dann, dass die Bestrebungen des Internationalen
Bundes freier Gewerkschaften und die des Marshall-Plans grundsaetzlich in gleicher Richtung laufen - beide wuenschen die Verbesserung
des Lebensstandards, die Zerschlagung der wirtschaftlichen Absperrungen zwischen den freien Voelkern und eine Erweiterung des Bereichs
der Freiheit.
Der Internationale Bund freier Gewerkschaften hofft, dass der
Kongress der griechischen Gewerkschaften zu einer staerkeren gewerkschaftlichen Bewegung fuehren werde, in der die griechischen Gewerkschaften der verschiedensten Berufszweige sich zusammenfinden. Nur
eine starke und unabhaengige Gewerkschaftsbewegung in engster Zusammenarbeit mit dem IBFG kann den griechischen Arbeitern helfen, die
groesstmoeglichsten Nutzen durch den Marshall-Plan sicherzustellen.
NORWEGISCHE GEWERKSCHAFTEN STELLEN SICH HINTER DIE VEREINTEN NATIONEN
Die norwegischen Gewerkschaften haben an ihre Mitglieder einen
Appell gerichtet, alle Massnahmen zu unterstuetzen, die von den Vereinten Nationen getroffen wurden, um der kommunistischen Aggression
in Korea entgegenzutreten.
Ein langer und eingehender Bericht ueber die Vorgeschichte des
Konflikts in Korea wurde vom "Arbeiderbladet" veroeffentlicht, das
weiter ein zweifarbiges Flugblatt herausgab, das den Titel traegt
"Krieg in Korea" und in 500 000 Exemplaren unter der norwegischen Arbeiterschaft verteilt wurde. Das Flugblatt zeigt auf, dass Norwegen,
das an die Sowjetunion angrenzt, ebenfalls eines Tagas das Ziel eines
aehnlichen Angriffes sein kann und weist darauf hin, dass es die
hoechste Zeit war, dass die Vereinten Nationen den sowjetischen
Aggressionen entgegentreten. Der beste Weg, um den Frieden zu erhalten, ist eine feste, bestimmte Haltung, wobei gleichzeitig Raum fuer
Verhandlungen bleiben muss.
Das Flugblatt stellt die Frage "Wer begann den Krieg?" und
laeast sowohl die Erklaerung der Kommunisten als auch jene der Vereinten Nationen zu Worte kOixmen.
Aber bereits aus dieser Gegenueberstellung ergibt sich ohne jeden Zweifel, auf welcher Seite die Piraten des Friedens zu finden
sind, wie es wörtlich dort heisst. Weiter heisst es, dass nicht nur
die Vereinten Nationen in Gefahr gebracht wurden, sondern alle friedliebenden Demokratien. Wenn auch weiterhin die Demokratien tatenlos
zusehen, wie ein Land nach den anderen durch Diktatoren geschluckt
wird,
dann muessen die demokratischen Voelker, vor allem jene in
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�Asien, jeden Glauben an eine Solidaritaet der Demokratien verlieren.
Und in Korea handelt es sich um eine Aggression. Der Artikel
42 der Satzungen des Sicherheitsrates sieht ausdruecklich vor, das-:
im Falle einer Aggression die Mitgliederstaaten verpflichtet siüd,
mit bewaffneten Kraeften zu Lande, zu Wasser und in der Luft dem
bedrohten Staat zu helfen. "Ruhe und Sicherheit muss wieder hergestellt werden, In Uebereinstimmung mit diesem Artikel hat Praesident Truman den Befehl gegeben, die Demokratie in Korea zu verteidigen.
Dieser Entschluss der Vereinten Nationen, gegen die Aggressoren in Korea vorzugehen, bringt eine Reihe Wagnisse mit sich. Aber
die Vereinten Nationen haetten sich selbst aufgegeben, wenn sie
diesem Angriff tatenlos zugesehen haetten, denn dann waere die Gefahr gegeben, dass ein demokratisch regierter Staat nach dem anderen "weggepickt" wuerde, je nachdem, wie die Umstaende sich ergeben.
Und dieses Risiko konnte nicht uebernommen werden. Gewiss
bedeutet das Eingreifen der Vereinten Nationen in Korea, dass dort
jetzt Krieg herrscht. Auf lange Sicht gesehen jedoch bedeutet dieser Schritt einen Dienst an der Sache der demokratischen Staaten,
denn erst durch die Zurueckweisung der kommunistischen Aggression
in Korea werden andere unmoeglich gemacht. Diese klare und ueberzeugende Demonstration fuer die Sache des Friedens wird die Freiheit und Unabhaengigkeit kleinerer Staaten schuetzen helfen - dies
waere nicht der Fall, wenn die Vereinten Nationen die Aggression in
Korea unbeantwortet gelassen haetten.
Das Flugblatt schliesst mit den Saetzen, dass der beste Weg,
d9n Frieden zu erhalten, darin besteht, eine feste Entschlossenheit zu zeigen,, sich im Falle eines Angriffs zu verteidigen, wobei
jedoch fuer Verhandlungen durchaus Raum bleiben darf.
15 «JAHRE S OZIALFUERS CRGE IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Bisher mehr als 15 Milliarden Dollar an Unterstuetzungen gezahlt.
Seit dem Jahre 1935, als das Sozialfuersorgesystem in den Vereinigten Staaten begruendet wurde, sind mehr als 15 Milliarden Dollar zugunsten der Sozialversicherten ausgezahlt worden, wie vor
wenigen Tagen der Leiter der Bundesfuersorge, Oscar R. Ewing, mitteilte. Waehrend der ersten Amtsperiode des Praesidenten Franklin
D. Roosevelt wurde das Gesetz fuer soziale Sicherheit in Kraft gesetzt, das ein sich ueber die ganze Nation erstreckendes zweigleisiges System der Sozialversicherung festlegte, um Lohnempfaenger
und ihre Familien gegen den Verlust ihrer Verdienstmoeglichkeiten
zu schuetzen, die durch Erwerbslosigkeit, hohes Alter oder Tod verloren gehen koennen.
Im wesentlichen koennen diese beiden Grundsysteme als Erwerbslosenhilfe und Altersversicherung bezeichnet werden. Bei der Arbeitslosenunterstuetzung werden dem Erwerbslosen woechentliche Zahlungen geleistet, die aus jenen Fonds herruehren, fuer die die Unternehmer eine Lohnsummensteuer zahlen. Die Unterstuetzungen bewegen sich zwischen 20 und 25 Dollar je Woche, wie es in den meisten
Einzelstaaten der Fall ist, obgleich hier einige aendernde Faktoren
zu verzeichnen sind. Waehrend des Monats Juni dieses Jahres betrugen die laufenden Unterstuetzungszahlungen auf grund des Erwerbslosenversicherungsprogramms insgesamt etwa 8 Milliarden Dollar.
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�Das zweite System, das der Altersversicherung, sieht monatliche Zahlungen fuer Pensionaere und Hinterbliebenenrenten fuer die
Familie des Arbeiters vor, wenn dieser stirbt. Auf Grund dieses
Plans erhalten gegenwaertig etwa 2 100 000 Pensionaere und
750 000 junge Muetter und Kinder ünterstuetzungen.
Gegenwaertig betraegt die monatliche Unterstuetzung fuer
einen Pensionaer 26 Dollar, aber dieser Satz wird im Durchschnitt
um 77$ durch jene Gesetze erhoeht werden, die jetzt durch den Kongress angenommen wurden.
Das Gesetz fuer Altersfuersorge sieht ein Anteilsystem vor,
das gemeinsam von Arbeitern und Unternehmern getragen wird und
dessen Mittel durch eine Steuer auf die Lohnsummen aufgebracht
werden.
Ausser diesen beiden Hauptgesetzen sieht das Sozialfusrsorgegesetz auch Hilfe fuer notleidende Personen vor, wie fuer verlassene Kinder, Blinde und gleichzeitig Zuschuesse fuer die Einzelstarten, die diese fuer ihren Mutter- und Kindergesundheitsdienst,
fuer verkrueppelte Kinder und Kinderwohlfahrtsausgaben aufwenden.
Unter Bezugnahme auf die Fortschritte in der sozialen Sicherheit
in den Vereinigten Staaten erklaerte der Kommissionsvorsitzende
Arthur J". Altmeyer: "Wir haben ein ordentliches, ueber die ganze
Nation sich erstreckendes System sozialer Versicherungen, die Arbeiter und ihre Familien gegen Einkommensausfall schuetzt, wenn
die Verdienstmoeglichkeiten aufhoeren, sei es auf grund des hohen
Alters oder des Todes des Ernaehrers der Familie. Wir haben weiterhin ein ordentliches System der Unterstuetzung solcher Arbeiter,
die zeitweise arbeitslos sind, das von den Einzelstaaten verwaltet
wird, aber sich ueber die ganze Nation erstreckt. Grosse Fortschritte sind bereits gemacht worden, aber sie genuegen nicht fuer
eine fortschrittliche Nation. Es gibt hier noch genuegend Moeglichkeiten fuer Verbesserungen."
OSSTERREICHISCHS ARBEITSKAI.'MER BAUT LEHRLINGSHEIM
An der Stelle, wo das Wiener Rothschild Palais stand, das von
den Nazis in eine Folterkammer umgewandelt wurde, wird von der
oesterreichischen Arbeiterbewegung ein Lehrlingsheim errichtet
werden.
Karl Mantler, der Praesident der Wiener Arbeitskammer, gibt
bekannt, dass dort ungefaehr 200 bis 300 Lehrlinge Unterkunft finden werden. Das wird die Schwierigkeit beheben, vor der die jungen
Leute, darunter viele Waisen, standen, als sie keine Lehrstelle fan
den, weil sie nicht wussten, wo sie sich einquartieren sollten.
Sie werden nun ein Heim haben und damit die Moeglichkeit, einen
Beruf zu erlernen, ^ie Ausbildung der jungen Generation zu tuechtigen und leistungsfaehigen Arbeitern ist fuer Oesterreich wichtig; es muss seine Leistungsfaehigkeit steigern, um auf dem internationalen Markt konkurrenzfaehig zu sein. Das Grundstueck wurde
gewaehlt, da es sehr zentral gelegen ist, gute Verkehrsverbindungen
hat und durch seine Groesse die Moeglichkeit zur Einrichtung von
Erholungsstaetten fuer die jungen Lehrlinge bietet. Das zerbombte
Palais wird abgebrochen werden, um dem neuen Gebaeude Platz zu machen. Das Projekt wird durchgefuehrt und finanziert von der Wiener
Arbeitskammer, einer rechtlichen Koerperschaft, die aus Beitraegen
der Arbeiterschaft finanziert wird und deren Interessen in allen
wirtschaftlichen, sozialen und gesetzgeberischen Fragen, sofern
sie Arbeitsangelegenheiten betreffen, vertritt. Die Beamten der
- 15 -

�Kammer werden in freier Wahl gewaehlt, an der alle Arbeiter berechtigt sind, teilzunehmen, ^ie Arbeitskaxnmer arbeitet eng mit den
Gewerkschaften zusammen.
Der Vorschlag zum Bau eines Lehrlingshoims wurde von der &lt;Tugendabteilung des oesterreichischen Gewerkschaftsbundes gemacht
und von allen Mitgliedern der Kammer einstimmig angenommen.
Anton Proksch, der Sekretaer des oesterreichischen Gewerkschaftsbundes, begruesste diesen Entschluss mit folgenden Worten:
"Es ist viel ueber Lehrlingserziehung gesprochen worden; das hier
ist der erste praktische Schritt, der unternommen wurde. Die Arbeiterschaft ist sich der Dringlichkeit des Problems voll bewusst und
wird alles tun, was in ihrer Macht steht, um den jungen Leuten bei
ihrer Suche nach produktiven Arbeitsmoeglichkeiten zu helfen. Es
»handelt sich hier um ein Schluesselproblem unserer Wirtschaft. Wenn
es uns gelingt, hochqualifizierte Arbeiter heranzubilden, wird unser
Land in der Lage sein, mit anderen Laendern zu konkurrieren. Wenn
es uns misslingt, wird Oesterreich nicht aus den Schwierigkeiten
herauskommen. Alle Dienststellen und Einrichtungen des oeffentlichen Lebens muessen an der Loesung dieses Problems zusammenarbeiten."
Arbeitsmitteilungen der ECA
VIII/25/50
DIE GEWERKSCHAFTEN RUESTEN SICH FUER POLITISCHE MACKTANSPRUECHE
Die organisierte Gewerkschaftsbewegung der Vereinigten Staaten
verstaerkte ihre Bemuehungen, um einen politischen Sieg anlaesslich
der bevorstehenden Kongresswahlen sicherzustellen, die am 7. November durchgefuehrt werden.
Die "CIO-Nachrichten" haben in dieser Woche ihrer Zeitung eine
12-seitige Beilage beigefuegt, die einen Vorbericht ueber die diesjaehrigen Wahlen gibt. Der Schriftleiter bittet seine Leser, diesen
Bericht als einen Leitfaden anzusehen, der dazu beitragen will, dass
die Wahlen zu diesem Kongress "einen Beitrag zu den Noeten und Problemen des Arbeitenden" leisten. Eine genaue Aufstellung zeigt vom
Standpunkt der CIO-Gewerkschaft aus an, ob der Abgeordnete "richtig
oder falsch" bei besonderen wichtigen Anlaessen gestimmt hat.
In Ohio haben die Funktionaere der AFL und des CIO ihre Hilfsmittel zusammengelegt, um die Wahl von Joseph T. Ferguson (Demokratische Partei) sicherzustellen. Ferguson ist der Gegenkandidat des
Senators Robert A. Taft (Republikanische Partei), der Mitbearbeiter
des Taft-Hartley-Gesetzes. In der letzten Woche ergab sich jedoch
eine Zersplitterung der Stellung der Gewerkschaften gegen Taft, als
265 Delegierte oertlicher Gewerkschaftsvereinigungen in Ohio ankuendigten, dass sie eine "Gewerkschaftsliga fuer Taft" bilden
wuerden.
- 16 -

Hicoc R-1670 u i

a*pt 50 5 »

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.
^_^^^^^^^^^_^^^^^^^^^^____^^__

ITI - 30

Frankfurt, 29. September 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I

S

Freie Gewerkschaftsbewegung entscheidend fuer
Wiederaufbau - - - - - - - - - - - - - - Arbeitslosigkeit in Europa sinkt - - - - - - Negersaenger warnt seine Kollegen - - - - - Amerikanische Gewerkschaften helfen ihren
europaeischen Kollegen - - - - - - - - - Die ECA-Verwaltung gibt 350 Millionen DM frei
Der 69. Kongress der American Federation of
Labor - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

Eric Johnston wuenscht
Diplomatendienst Veber die Terminologie
begriffes - - - - -

Gewerkschafter im
- - - - - - - - - - - des P r o d u k t i v i t a e t s - - - - - - - - - - - -

Angestelltenproblem und IBFG - - - - - - - - Wiederaufbau Norwegens steigert Beschaeftigungsziffer und Produktion - - - - - - - -

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n
13
15
16

FRETT GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG ENTSCHEIDEND FUER WIEDERAUFBAU
Eine starke und unabhaengige Gewerkschaftsbewegung ist in den
Marshallplanlaendern erforderlich, wenn sie ihre Produktivitaet wieder voellig herstellen sollen. Dies war die Quintessenz der Ausfuehrungen, die ein Beauftragter der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit - ECA - anlaesslich des Jahreskongresses der
American Federation of Labor in Houston/Texas den Delegierten vortrug.
Dieser Beauftragte war Bert M. Jewell, der Berater fuer Gewerkschaftsangelegenheiten bei der ECA, der an die AFL einen Appell richtete, "ihren Rat und ihre Kilfe" auch weiterhin den freien Gewerk- 1 -

�Schäften angedeihen zu lassen, damit diese auch in jenen Laendern
Fuss fassen koennen, wo die Gewerkschaften heute noch unter der
direkten oder indirekten Beeinflussung durch den Kreml zu leiden
haben.
Das allgemeine Problem des Wiederaufbaus sowie die schwierigen Probleme der militaerischen Verteidigung koennen ganz allgemein in jenen Laendern am besten geloest werden, in denen es freie
und unabhaengige Gewerkschaften gibt.
In England, den skandinavischen Laendern, Holland und Belgien
sind die Erfolge bereits deutlich sichtbar und sie werden sich
auch weiterhin durch die Fruechte der vergroesserten Produktion
und die Erhoehung der Kaufkraft fuer die Allgemeinheit zeigen.
Diese Laender verfuegen ueber starke und freie Gewerkschaften,
die ausschliesslich fuer die Interessen der Arbeiterschaft taetig
sind. In diesen Laendern besteht fuer die Schergen des Kremls
keinerlei Moeglichkeit, sich in den Vordergrund zu spielen, geschweige dass sie die Kraft haben, die Arbeit der Gewerkschaften zu
stoeren. In Frankreich, Italien und zu einem geringeren Grade in
Westdeutschland gibt es in dieser Frage einige Probleme, weil in
diesen Laendern der Kommunismus noch ueber einen gewissen Einfluss
verfuegt.
Jewell betonte, dass Wiederaufbau, Frieden und Freiheit in
jenen Laendern, wo der Kreml noch einige Anhaenger zaehlt, nicht
auf einem sicheren Fundament ruhen, vor allem dort nicht, wo der
Einfluss in gewissen Gewerkschaften sehr stark ist, die dann behaupten, fuer die Mehrzahl der Arbeiter zu sprechen.
Er nannte als Beispiel Frankreich, ein Land, in dem die Arbeiterschaft ausserordentliche Vorteile durch den Marshallplan
erfahren hat,, aber die Kaufkraft der Bevoelkerung und insbesondere
der Arbeitenden nicht mit dem Tempo der allgemeinen Wirtschaftserholung Schritt gehalten hat. Der Kreml behauptet, fuer die Masse
der franzoesischen Arbeiterschaft durch jene Gewerkschaften zu sprechen - aber der Kreml ist gegen jeden Wiederaufbau, gegen jede
Freiheit, gegen jeden Frieden und jeden Wohlstand. Die freien,
antikommunistischen Gewerkschaf tagin Frankreich sind heute noch nicht
stark genug, um eine weitere und gleichmaessigere Verteilung der
Wiederaufbaugewinne durchzusetzen, die bis heute erreicht werden
konnten.
Die ECA und andere Koerperschaften der Vereinigten Staaten
setzen sich energisch dafuer ein, dieses Problem zu loesen. Die
franzoesische Regierung muss eine groessere Staerke zeigen, um
mit diesen Fragen fertig zu werden. Regierungen sind jedoch eingeengt durch Gesetze und parlamentarische Spielregeln. Die Gewerkschaftsbewegung wird jedoch durch derartige Dinge nicht behindert.
Die Gewerkschaften muessen lernen, wie sie der Demokratie besser
dienen koennen, vor allem auf wirtschaftlicher Basis.
Jewell berichtete dann dem Kongress, dass die ECA wie in der
Vergangenheit auch in der Zukunft die franzoesische Regierung beraten wird, ebenso jedoch die freien Gewerkschaften in den Grenzen
der Gesetze. Aber die ECA-Aemter koennen nichts diktieren, sie
koennen auch nicht in die internen Angelegenheiten eines freien
Volkes eingreifen oder etwa intervenieren. Der Internationale
Bund Freier Gewerkschaften, die internationalen Sekretariate, die
verschiedenen Gewerkschaften sind die besten Strassen,auf denen
die freien franzoesischen Arbeiter vorwaertsschreiten koennen, um
eine bessere Gewerkschaftsbewegung aufzubauen.
- 2 -

�Die freie Gewerkschaftsbewegung von praktisch allen Laendern
der freien '.Veit hat klare und direkte Strassen, durch deren Beschreiten sie sich gegenseitig helfen koennen.
State Department Report
9/26/50
ARBEITSLOSIGKEIT IN EUROPA SINKT
Der Beschaeftigungsstand in den meisten europaeischen Staaten
ist verhaeltnismaessig hoch geblieben. In jenen Laendern jedoch,
wo die Arbeitslosigkeit besonders hoch gewesen ist, konnte in diesem
Sommer ein bedeutender Rueckgang verzeichnet werden. Eine Uebersicht der Berichte der Gewerkschaften und der Behoerden zeigt auf,
dass Norwegen, Schweden und Grossbritannien auch weiterhin einen
hohen und stebilen Beschaeftigungsstand haben. Die Arbeitslosigkeit in diesen Laendern hat in den letzten drei Jahren niemals
2$ ueberschritten, soweit es sich um nichtlandwirtschaftliche Berufe
und Gehaltsempfaenger handelt.
In den Laendern, in denen eine hohe Arbeitslosigkeit zu verzeichnen ist, wie in Belgien, Westdeutschland und Italien, hat sich
die Arbeitsmarktsituation seit kurzem gebessert. Hierzu hat nicht
nur der Beschaeftigungsanstieg in der Sonmersaison beigetragen,
sondern auch die Schaffung neuer und staendiger Arbeitsplaetze, die
vor allem in der verarbeitenden und in den Grundstoffindustrien zu
verzeichnen war und die in erster Linie auf ECA-Hilfsprogramme zurueckzufuehren ist.
Dennoch bleibt die Arbeitslosigkeit in diesen Laendern eine
sehr hohe, auch wenn eine Reihe von Rueckgaengen verzeichnet werden
konnte.
Belgien. Die Arbeitslosigkeit wurde im Juli auf etwa 202,500
Erwerbslose geschaetzt, nachdem ein stetiger und scharfer Rueckgang des Hoechststandes im Winter mit 310,000 Arbeitslosen festzustellen war. Der Stand im Juli 1950 ist um etwa 12,000 geringer
als im Juli des vergangenen Jahres. Die hohen Vv'interzahlen bilden
die Spitze des bestaendigen Anwachsens der Arbeitslosigkeit in Belgien, die im Herbst 1947 begann. Die fuer den Winter genannte
Ziffer bedeutet, dass 11% aller Lohn- und Gehaltsempfaenger keinen
Arbeitsplatz finden konnten.
'Yestdeutschland. Es kann ein staendiger Rueckgang der Arbeitslos igkeTtseitFebrüar festgestellt werden. In diesem Monat wurde
die Spitze mit 1,960,000 Arbeitslosen erreicht. Man schaetzt, dass
der Prozentsatz der Arbeitslosen seit jener Zeit von 13% auf weniger als 10% aller Beschaeftigteh gesunken ist, obgleich Saisoneinfluesse und aehnliche rein zeitlicher Natur wesentlich zu diesem
Rueckgang beigetragen haben. Ein wesentlicher Aufschwung der Beschaef tigungszahl konnte im Export, in der Metallindustrie und im
Baugewerbe festgestellt werden, wobei das Ruhrgebiet an erster
Stelle steht.
Die gegenwaertige Arbeitslosigkeit wird auf 1,450,000 geschaetzt,
waehrend es 194S nur 600,000 waren. Diese ausserordentliche Erhoehung muss auch auf den Fluechtlingszustrom aus Ostdeutschland zurueckgefuehrt werden. Die Einreihung dieser Fluechtlinge wird auch weiterhin ein schwieriges Problem darstellen.
In den freien Westsektoren Berlins haben die vorgesehenen oeffentlichen Hilfsprogramme, die in erster Linie durch ECA-Gegenwert- 3-

�fonds finanziert v/erden, es ermoeglicht, dass mehr als 40,000 Arbeitskraefte seit dem Juni wieder einen Arbeitsplatz gefunden haben.
Dennoch ist die Arbeitslosigkeit in Westberlin besonders hoch.
Italien. Im Maerz hat die Regierung 1,970,000 Stellungsuchende registriert. Diese Zahl kann aber nur eine oberflaechliche
Schaetzung der wirklichen Situation auf dem italienischen Arbeitsmarkt darstellen. Diese Ziffer ist immerhin um 160,000 geringer
als im Maerz 1949 und um 290,000 geringer als im Maerz 1948.
Obwohl genaue Ziffern noch nicht erhaeltlich sind, kann in
diesem Sommer sowohl ein saisonbedingter Aufechwung als auch ein
verhaeltnismaessig stetiges Wachsen der Beschaeftigtenziffer in
der Industrie festgestellt werden, vor allem im Wohnungsbau sowie
im gesamten Baugewerbe. Die durch ECA-Mittel finanzierten landwirtschaftlichen Nutzungsarbeiten, die vor allem im Sueden grosse
Projekte erfassen, versprechen fuer die Zukunft ebenfalls betraechtliche Rueckgaenge der Zahl erwerbsloser Landarbeiter.
Neben diesen beiden Laendern mit besonders hohen Arbeitslosenziffern und jenen der annaehernden Vollbeschaeftigung lassen sich
noch zwei andere Gruppen ermitteln. Frankreich, Holland und die
Schweiz erfreuen sich eines verhaeltnismaessig hohen Beschaeftigtenstandes, obwohl eine vor kurzem durchgefuehrte Erhebung der
Vereinten Nationen1 im Mai 1950 unter dem Titel "Die wirtschaftliche
Situation Europas* zeigt, dass seine Aufrechterhaltung als weit
gefaehrdeter angesehen werden muss als in Skandinavien oder Grossbritannien.
Oesterreich, Daenenark, Irland und Triest muessen sich ebenfalls mit Arbeitslosenproblemen beschaeftigen, aber der Bericht der
Vereinten Nationen kennzeichnet die Situation in diesen Staaten als
ungefaehrlich.
In Frankreich waren durch die Behoerden im Juni 126,000 Arbeitslose registriert. Diese Ziffer bildet nur einen sehr groben Beitrag zur Frage der Erwerbslosigkeit. Der Stand der Arbeitslosigkeit ist noch ungefaehr der gleiche wie im vergangenen Jahre, jedoch
doppelt so hoch wie im Sommer 1948. Sie zeigt jedoch einen scharfen Rueckgang im letzten Winter auf, der die staerkste Erwerbslosenzahl seit dem Krieg aufwies. Die Zahl der in der Industrie Beschaeftigten ist weiterhin hoch und belaeuft sich auf etwa 7,5
Millionen.
Holland verzeichnete im Juni 62,000 Erwerbslose. Das sind
12,000 mehr als zur gleichen Zeit des vergangenen Jahres und mehr
als doppelt so viel als im Sommer 1948. Die Zahl der Beschaeftigten ist jedoch weiterhin stabil und um etwa 10% hoeher als in der
Zeit vor dem Kriege.
Die Schweiz berichtet einen scharfen Rueckgang der Erwerbslosigkeit in diesem Sommer, nachdem im Winter der Hoechststand erreicht war. 5% aller Beschaeftigten waren damals erwerbslos. Heute
liegt diese Ziffer unter 1%. Der Beschaeftigungsstand ist verhaeltnismaessig konstant geblieben, obwohl die Periode des Marshallplans
beruecksichtigt werden muss. Im ganzen liegt die Beschaeftigungszahl um 20 und 30$ hoeher als vor dem Kriege.
Von jenen Laendern, in denen zwar eine Arbeitslosigkeit festzustellen ist, die aber keinen ernsten Charakter traegt, berichten
Daenemark und Irland ueber keine besonderen Aenderungen. Die Zahl
der Erwerbslosen belaeuft sich hier auf etwa 5-6% der Beschaeftigten, wobei die landwirtschaftlichen Arbeitskraefte und die Gehalts- 4

�empfaenger nicht nitgezaehlt werden. Der Beschaeftigungsstand
hat sich nicht verringert und ist um ungefaehr 25% hoeher als
vor dem Kriege.
Oesterreich berichtet, dass im Juli 95,801 Erwerbslose zu
verzeichnen waren. Dies bedeutet einen entscheidenden Rueckgang
seit der schwierigen Situation im letzten Winter, obgleich die
Zahl der Arbeitslosen noch um 70,000 hoeher ist als im Juni des vergangenen Jahres.
In Triest ging die Arbeitslosigkeit waehrend des Sommers nur
wenig zurueck. Sie belief sich im Juli auf 18,251. Im grossen
und ganzen hat sie damit den Stand des letzten Sommers trotz der
Saisoneinfluesse des Winters wieder erreicht.
ECA Labor Information
FYI-146/8/30/50
NEGERSAENGER WARNT SEINE KOLLEGEN
Ein Neger3aenger teilte vor kurzem mit, dass er aufgefordert
wurde, sich fuer die Kommunisten zu erklaeren, obwohl er selbst
sich scharf gegen den Kommunismus wendet. Der Saenger Josh White
sprach damit fuer die vielen Kuenstler in den Theatern und den
Konzertsaelan, deren Talente von den Kommunisten ausgenutzt wurden, weil sie sich in politischer Hinsicht leicht taeuschen
lassen.
"Kuenstler sind nicht immer sehr bewandert in politischen
Dingen. Wir wissen
sehr wenig ueber die verschiedenen Bewegungen
und die Parteien.1. *Aber wir wissen durchaus, dass wir mit unserem
Herzen fuer die Sache der Gerechtigkeit und der Freiheit sind und
uns daher sehr leicht taeuschen lassen koennen von jenen, die
vorgeben, hierfuer zu kaempfen." White bat um die Moeglichkeit,
vor dem Komitee fuer unamerikanische Betaetigungen sprechen zu
koennen, weil er auf einer Konzertreise durch Europa gelesen hatte,
dass er zur kommunistischen Front gehoere. Da er tatsaechlich entgegengesetzt handelte und ueberdies immer echt amerikanische Gedankengaenge verteidigte, betraf ihn diese Mitteilung sehr stark.
Er beendete daher seine Konzertreise, um in seine Heimat zurueckzukehren und hier diese Vorwuerfe zu entkraeften. "Ich habe
niemals wissentlich zu einer Organisation gehoert oder diese etwa
unterstuetzt, deren Ziel es ist, die Regierung der Vereinigten
Staaten zu stuerzen. Aber ich erschien verschiedentlich auf Kundgebungen und Veranstaltungen, bei denen man mir zuvor zu erklaeren
versuchte, dass es sich um foerderungswuerdige Begebenheiten handele." White bestaetigte, dass er noch immer auf der Seite der
Gleichheit und der'Naechstenliebe stehe. Er wurde in Suedkarolina
geboren. Er war Zeuge von Lvnchaktionen und er selbst wurde in
seiner Kindheit gemein beschimpft. Die Tatsache jedoch, dass die
Kommunisten derartige Beschwerden fuer ihre eigenen Zwecke ausbeuten, kann natuerlich solche Beschwerden unwirklich machen.
"Der Saenger Paul Robeson kann niemals fuer die Rasse der Neger sprechen," betonte White. "Ich hege fuer Robeson grosse Bewunderung, aber nur als Schauspieler und Saenger; und wenn das, was
in den Zeitungen steht, wahr ist, muss ich mich ueber die Hilfe
schaemen, die er einem Volke gibt, das Amerika vernichten will.
Er hat das Recht, seine eigene Meinung zu haben, aber wenn er oder
irgendein anderer behauptet, fuer eine ganze Rasse zu sprechen,
- 5 -

�so wird er albern. Seine Feststellung, dass die Neger nicht fuer
ihr Land gegen Sowjetrussland oder einen anderen feindlichen Staat
kaempfen wuerden, ist ebenso falsch wie beleidigend. Ich bin jederzeit bereit, gegen Russland und jeden Feind Amerikas in den Kampf
zu gehen.
"Es ist mir gesagt worden, dass es einige Kommunisten unter
Negern gibt, genau so wie unter anderen Amerikanern, aber jene sprechen nicht fuer die uebrigen, ebenso wenig wie weisse Kommunisten
fuer weisse Amerikaner sprechen koennen. Ich habe gehoert, dass
der Anteil der schwarzen Mitglieder in der kommunistischen Partei
eher kleiner ist als die Zahl anderer Rassen. Aber es wird eine
Masse daraus gemacht, um bestimmten Zwecken zu dienen.
"Wenn Kommunisten und ihre Helfer ueber Demokratie und Gleichheit sprechen, so reden sie mit doppelten Zungen. Sie benutzen
heute solche Worte in ihrer Manier, alles auf den Kopf zu stellen,
um ihre schlechten Gedankengaenge zu verbergen. Auch fuer einfache Leute, die diese Kunst nicht kennen, jedes Wort im Munde umzudrehen, ist etwas Zeit notwendig, um hinter diese Dinge zu
kommen."
White richtet sich mit seinem Rat vor allem an junge Saenger
und Kuenstler, die gern bereit sind, sich fuer wuerdige Gelegenheiten verpflichten zu lassen. Aber er warnt sie zugleich mit
den Worten: "Man muss immer vorsichtig sein und hinter das Revers des Jackets schauen."
Labour News from the U. S.
9/14/50
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTER HELFEN IHREN EUROPAEISCHEN KOLLEGEN
Zwei Projekte stehen vor der Vollendung, die die Entsendung
amerikanischer Gewerkschafter vorsehen, um ihre europaeischen Kollegen in den verschiedenen Stadien gewerkschaftlicher Entwicklung
zu beraten und zu unterstuetzen.
Der eine Plan sieht die Entsendung von 100 amerikanischen Gewerkschaftern nach Frankreich, Italien und Deutschland vor. Die
amerikanischen Funktionaere werden vorbereitet, um in besonderen
Besprechungen jenen Unterstuetzungsersuchen zu entsprechen, die
ihnen in diesen europaeischen Laendern unterbreitet werden. Die
Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (ECA) und von der
AFL, dem CIO und der Internationalen Vereinigung der Maschinisten
zusammengestellten beratenden Komitees werden sich gemeinsam an
den Kosten dieses Programms beteiligen. Die Gewerkschaftsfunktionaere, die in den drei Staaten darueber Bericht erstatten werden,
wie die Gewerkschaften in den Vereinigten Staatin sich betaetigen,
werden durch die beteiligten Gewerkschaftsverbaende und den Verband
der Maschinisten gewaehlt werden.
Ein zweites Projekt, das von den Gewerkschaften selbst durchgefuehrt wird, betrifft die Entsendung von etwa 20 Gewerkschaftsvorsitzenden in solche Laender, die dem ECA-Programm angeschlossen
sind. Die amerikanischen Gewerkschaftsvertreter werden wahrscheinlich ein Jahr im Ausland verbringen.
Eines der Ziele dieser beiden Projekte ist die Verankerung
einer festeren Zusammenarbeit zwischen den amerikanischen und den
europaeischen Gewerkschaften und damit die Foerderung der Sache
der Mitglieder des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
- 6

�DIE ECA-VERWALTUNG GIBT 550 MILLIONEN DM FREI
Der Chef der ECA-Mission fuer West-Deutschland, Robert M.
Hanes, teilte mit, dass insgesamt 350 Millionen DM aus Mitteln des
Marshallplan-Gegenwertfonds der deutschen Regierung zur weiteren
Durchfuehrung ihres industriellen und landwirtschaftlichen Erweiterungs-Programms zur Verfuegung gestellt werde.
Dieser Betrag stellt einen Teil des von der Bundesregierung
verkuendeten zweiten grossen Investitionsprogramms aus Mitteln
des Gegenwertfonds dar, das insgesamt 1 150 Millionen DM fuer den
deutschen Wiederaufbau vorsieht. ECA-Beamte gaben ihrer Hoffnung
Ausdruck, dass diese Gelder auf schnellstem Wege in die Hand
derer gelangen wuerden, fuer die sie bestimmt sind. Entsprechend
dem Grundsatz, zehn Prozent aller aus dem ECA-Gegenwertfond freigegebenen Mittel der Stadt Berlin zuzuteilen, werden 35 Millionen
DM fuer Aufbauzwecke nach Berlin abgezweigt werden. Auch die
deutschen Fluechtlinge werden bei der Vergebung der Summen Beruecksichtigung finden.
Diese erneute Freigabe von Geldmitteln, des dritten Postens
von insgesamt 1 150 Millionen DM, wurde mit einem Brief Robert M.
Hanes an den ERP-Minister Franz Bluecher bewilligt. Die Gelder
werden verschiedenen deutschen Industriezweigen zugeteilt werden.
Fruehere Freigaben aus der Gesamtsumme von 1 150 Millionen
DM wurden im vergangenen Juni (ebenfalls 350 Millionen DM) und im
Mai (114 Millionen DM) bewilligt. Beamte der ECA-Mission fuehrten
aus, dass die Restbetraege auf Ersuchen der Bundesregierung verfuegbar gemacht werden sollen, wenn die bisher bewilligten Gelder
aufgebraucht sind.
Das Gesamtprogramm, das als Maximalbeitrag zur weiteren Produktivitaet, zur Arbeitsbeschaffung und zur Foerderung des europaeischen Handels und des Handels mit den Dollar-Gebieten gedacht ist,
sieht die Zuteilung von ueber 425 Millionen DM fuer die Industrie
und den Handel '/.'Ostdeutschlands vor. Die kleineren Industriezweige
und die Handwerksbetriebe, die Eisen- und Stahlindustrie, die
Maschinenbauindustrie, die Elektroindustrie, sowie die chemische
und die Textil-Industrie werden innerhalb des industriellen Sektors
die groessten Zuweisungen erhalten.
ECA-Beamte erklaerten, dass die Investitionsfonds die Durchfuehrung der Modernisierungs- und Ausbau-Plaene ermoeglichen, die
jetzt in Angriff genommen oder fortgesetzt werden koennen. Den
Investitionen aus Mitteln des Gegenwertfonds stehen in den meisten
Faellen private Investitionen gegenueber, sowie im Staatshaushalt
vorgesehene Fonds der Bundesregierung und der Laenderregierungen.
Weitere 285 Millionen DM wurden fuer den Ausbau der westdeutschen Energiequellen, einschliesslich der Kohlenbergwerke und Elektrizitaetswerke, zur Verfuegung gestellt. Diese Gelder sollen durch
Stromknappheit entstehende Produktionsverluste der Industrie verhindern und einen weiteren Ausbau der Industrie ueber den Vorkriegsstand hinaus ermoeglichen, wodurch wiederum der deutschen
Wirtschaft finanzielle Einkuenfte zufHessen werden, welche die
fuer die Energiewirtschaft investierten Summen bei weitem uebersteigen.
179,5 Million DM werden fuer die Durchfuehrung von mehr als
zehn Programmen auf dem Gebiete der Ernaehrung und Landwirtschaft
bereitgestellt, die die Kapazitaet der Lebensmittelerzeugung erhoehen sollen. Hierzu gehoeren auch so lebenswichtige Plaene wie
- 7-

�die Ansiedlung von Fluechtlingen, die Urbarmachung von Land, Forschungsarbeiten, Mechanisierung, Verbesserungen im Viehbestand und
der Weiden.
Fuer das Transportwesen, einschliesslich des Baues und der
Reparatur von Hauptverkehrsstrassen, der Instandsetzung von Westdeutschlands Binnenschiffen und Wasserstrassen, sowie fuer Hafenreparaturen werden 109,1 Millionen DM zur Verfuegung gestellt.
Um zur Entspannung der kritischen Lage auf "dem Wohnungsmarkt
beizutragen, wurden 122,8 Millionen DM fuer Neubauten bestimmt.
Groessere Bauprojekte werden weiter aus Mitteln des Gegenwert-Fonds
unterstuetzt werden. Diese Gelder sollen in erster Linie zur Behebung der Wohnungsnot in Industriegebieten dienen, welche die
lebensnotwendige Produktion behindert. Neubauten und Reparaturen
von im Kriege beschaedigten Haeusern und Wohnungen sind darin eingeschlossen.
Der Rest der Gesamtsumme von 1 150 Millionen DM, ungefaehr
27,5 Millionen, wird fuer verschiedene andere Zwecke zur Verfuegung
gestellt werden, einschliesslich des westdeutschen "Feldzugs zur
Exportsteigerung" (Dollar Drive) und der Markterforschung.
Von den obigen Betraegen wird Westberlin fuer die Ausweitung •
seines Industriepotentials und die weitere Durchfuehrung lebenswichtiger Projekte, einschliesslich des Wohnungsbaus, des Transportwesens und des Handels etwa 10%, d.h. 111,7 Millionen DM, erhalten.
Das 1 150 Millionen DM umfassende Programm stellt fuer die
Bundesrepublik das zweite grosse Programm dieser Art dar. Der
erste Investitionsplan grossen Stiles wurde im Dezember 1949 bekanntgegeben, als die ECA die deutsche Regierung ermaechtigte,
1 036 Millionen DM in Gegenwertmitteln zu investieren. Diese Summe
ist inzwischen ganz fuer die deutsche Wirtschaft freigegeben worden.
Fruehere Freigaben aus Mitteln des Marshall-PIan-Gegenwertfonds wurden im September 1949 bewilligt. Sie bezogen sich auf 57
Millionen DM fuer die Eisenbahnen, Flusshaefen und oeffentlichen Anlagen der franzoesischen Zone; 44 Millionen DM waren fuer die BEWAG
Elektrizitaetsgesellschaft in Berlin bestimmt und 50 Millionen DM
fuer Kohlenbergwerke. Ausserdem wurden bis heute fuer verschiedene
Investitions-Zwecke 445 Millionen DM aus dem GARIOA-Gegenwertfonds
freigegeben.
Bericht der ECA-Verwaltung
9/20/50
DER 69. KONGRESS DER AMERICAN FEDERATICT OF LABOR
Die AFL hielt in Houston (Texas) ihren 69. Kongress ab, zu dem
750 Delegierte von den verschiedensten angeschlossenen Gewerkschaftsorganisationen entsandt worden waren. Der Vorsitzende der AFL,
William Green, betonte, dass dieser Kongress in einer optimistischen
Stimmung abgehalten werde, weil aus Korea gute Nachrichten vorl&amp;egen
und diese Meldungen von den Delegierten offen begruesst werden.
Green erklaerte, dass die Taft-Hartley-ükte, die der gewerkschaftlichen Arbeit eine, ganze Reihe Behinderungen auferlegt, eigentlich
die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern regeln sollte.
Dieses Gesetz ist an 3ich schlecht, aber durch die Art der Anwendung,
wie sie von Robert Denham, dem Berater der Behoerde fuer Arbeitsbeziehungen, gepflogen wurde, wurde es untertraeglich. Auf Anordnung
des Praesidenten Trumen ist Denham jetzt entlassen worden. Green
- 8-

�wies darauf hin, dass es heute das Hauptanliegen der Gewerkschaften, vor allem der AFL und der in dieser Frage mit ihr einigen
CIO sei, bei den bevorstehenden Wahlen "wirkliche Freunde der Gewerkschaften" zu waehlen, die jenes Gesetz schleunigst ausser
Kraft setzen.
Green erinnerte an die Prinzipien, die der Gruender der AFL,
Samuel Gompers, verfolgte, und dessen Standpunkt umrissen werden
kann mit den Worten "Alles, was der Gesetzgeber auferlegt, kann
die Arbeiterschaft wieder verschwinden lassen." Die grossen Erfolge, die die Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten erringen konnte,
wurden in erster Linie durch ihre wirtschaftliche Kraft gewonnen,
durch die Kollektivvertraege und durch die Staerke ihrer Gewerkschaften - erst sie konnte die Errungenschaft aufrechterhalten und
weitere Fortschritte erzielen. Eine solche Feststellung will jedoch nicht besten, flass die AFL ihre politische Aktivitaet vermindern will, ganz im Gegenteil, eine umfangreichere und nachdruecklichere Aktion als Je zuvor wird auf politischem Gebiet geplant.
Diese Politik besagt, dass die Gewerkschaften ihren Glauben weder
den Handlungen der Regierung hoch den Gesetzen anvertrauen werden,
sondern einzig und allein der Staerke ihrer Bewegung.
Der Bericht des Exekutivrates zeigt, dass diese Gewerkschaftsorp-anisation weiter gewachsen ist. Im vergangenen Jahrhundert
zaehlte sie wenig mehr als 500 000 Mitglieder, heute äind es fast
acht Millionen. V/aehrend des vergangenen Jahres wurden 3 624 448
Dollar fuer die Organisation, fuer die Schulung und andere Aufgabengebiete ausgegeben, und diese Betraege wurden neben den Milllonenbetraegen der angeschlossenen Organisationen aufgewendet.
Der 232-seitige Bericht, der dem Kongress am ersten Verhandlungsrag unterbreitet wurde, verdient mehr Raum bei der Betrachtung
internationaler Fragen als irgendein anderer Bericht der AFL seit
ihrer Gruendung im Jahre 1881. Der Exekutivrat lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass der von den Kommunisten ausgeloeste
Kalte Krieg die internationalen Beziehungen beherrscht und klagt
die Sowjetunion an, die Vereinten Nationen zu sabotieren, das Vetorecht zu missbrauchen und den Sicherheitsrat seiner Machtmittel zu
berauben. Die AFL bekennt sich jedoch zum Atlantikpakt, der gegen
den sowjetischen Imperialismus Verteidigungsschranken aufrichtet.
Auch wenn auf die Vereinigten Staaten ein hoher Anteil dieser Verteidigungskosten entf aellt, so muessen diese Ausgaben uebernoiimen
werden, um die imperialistischen Absichten der Sowjetunion zu unterbinden. Hierbei wird ein 7/ort Lenins zitiert; "Die Existenz einer
kapitalistischen Nation, die irgendwo in der Welt existiert, bedeutet fuer den Kommunismus eine Bedrohung." Dieses Dogma regiert
die sowjetische Politik, sodass die Kommunisten entschlossen sind,
alle Nationen zu Fall zu bringen, auf die dieses Wort "kapitalistisch"
zutrifft - und das sind in erster Linie die Vereinigten Staaten,
aber auch alle demokratischen oder sozialistischen Staaten.
Der Bericht besagt weiter, dass der Marshallplan, der der Wiederherstellung Europas gilt, und der durch den Atlantikpakt und die
militaerische Unterstuetzung Westeuropas seine Abrundung erfaehrt,
den Willen zum Widerstand in den freien Laendern gestaerkt hat, wobei nicht uebersehen werden darf, dass auch die Taetigkeit der Internationale der freien Gewerkschaften diese Bestrebungen unterstuetzt. Die Erholung waehrend der zwei letzten Jahre ist schlechthin erstaunlich. Zu einem nicht unerheblichen Teil ist dieser Fortschritt auf die Beteiligung der europaeischen und amerikanischen Gewerkschaften zurueckzufuehren. Die amerikanischen Gewerkschaften
haben in vollstem Masse mit der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit - ECA - gemeinsam gearbeitet, indem sie ihre Erfahrungen
- 9-

�ueber die Moeglichkeiten austauschten, die Produktivitaet zu steigern, und dies hat wiederum die Bande internationaler gewerkschaftlicher Bruederlichkeit wesentlich verstaerkt. Die wirtschaftliche
Vollkommenheit der europaeischen Wirtschaft auf einer kontinentalen Basis wurde zeitweilig gestoert, aber sie bleibt die Endloesung,
die gegebenenfalls auch erreicht werden wird. Der Glaube an die
Demokratie und die Hoffnung auf die Zukunft laesst sich unter den
freien Voelkern Europas nur langsam wieder herstellen.
Der Exekutivrat sprach sich erneut nachdruecklich dafuer aus,
so schnell wie moeglich Friedensvertraege mit Oesterreich, Deutschland und Japan abzuschliessen, wobei gleichzeitig die Sowjetunion
angeprangert werden soll, die so lange Zeit diese Friedensvertraege
verhindert hat. Der Schumanplan fuer die Vervollkommnung der europaeischen Wirtschaft wurde im Prinzip gebilligt.
Gleichzeitig berichtete der Exekutivrat von den Fortschritten,
die die Hilfe fuer die lateinamerikanischen Gewerkschaften in ihrem
Kampf fuer die Demokratie bewerkstelligte. Hier wurde erneut klargestellt, dass die AFL jegliche Kundgebungen des Totalitarismus
und des Militarismus in der Alten Welt missbilligt, genau so wie
sie aehnliche Entwicklungen an anderen Orten ablehnt, auch wenn
ein solches Regime etwa in Suedamerka keine Bedrohung des Weltfriedens darstellt.
Die Leistungen der Internationalen Arbeits-Organisation - IAO einer Zweigabteilung der Vereinten Nationen, das einzige Ueberbleibsel des entschlafenen Voelkerbundes, die durch den ersten Praesidenten der AFL, Samuel Gompers, gegruendet wurde, werden in dem Kongressbericht eingehend beschrieben. Dann folgt eine Uebersicht
ueber die Organisation des Internationalen Bundes freier Gewerkschaften, ebenso ueber die wichtige Aufgabe, die die amerikanische Gewerkschaftsbewegung hier erfuellt. Erneut wird herausgestellt, dass
eine der Hauptaufgaben des IBFG darin besteht, den Arbeitern im Fernen Osten, in Afrika und Suedamerika zu helfen, wie ueberall dort,
wo freie Gewerkschaften Hilfe benoetigen und wo entweder der Faschismus oder der Kommunismus ihre Freiheiten bedroht, damit diese Gewerkschaften stark genug werden, um diesen Drohungen begegnen zu
koennen.
Die Leitidee, die sich in diesem gesamten Berichtsteil verfolgen laesst, ist die Feststellung, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung bereit und willens ist, ueberall und jederzeit der
Arbeiterschaft zu helfen, nicht nur in dem Kampf gegen Faschismus
und Kommunismus, sondern auch gegen Armut und Ungerechtigkeit. Die
unaufhoerlichen Bemuehungen der AFL, die Sklavenarbeit in Russland
der Weltoeffentlichkeit bekannt zu geben, werden ebenfalls erwaehnt.
Es wird dann berichtet, dass die UNESCO, die Organisation der Vereinten Nationen (UN) fuer Erziehung (E), Wissenschaft (S) und Kultur (C, 0 - Organisation) zwar etwas widerwillig, aber dennoch die
Tatsache akzeptierte, dass die Welt geteilt ist in Demokratien und
Totalitarismus, in Freie und Sklaven. Das Programm der UNESCO,
das das Analphabetentum ueberwinden will, menschliche Rechte zu beschuetzen wuenscht, den ungehinderten Fluss der Nachrichten garantieren will, das bessere Verstehen der Voelker untereinander zu
foerdern bestrebt ist, wird rueckhaltlos von der AFL gebilligt, waehrend das gleiche Programm von der Sowjetunion abgelehnt wird.
Rundfunksendung des US-Gewerkschaftssenders, Sprecher W. Oak
9/20/50
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�ERIC -TQHNSTCEJ WUENSCHT GE'.VERKSCHAFTER IM DIPLOMATECTIENST
"Wir brauchen mehr Leute in der Regierung und im diplomatischen
Dienst, die aus der Arbeiterbewegung kommen und ueber gewerkschaftliche Erfahrungen verfuegen, weil das Schlachtfeld oder besser gesagt das Feld der Entscheidungen heute der Lebensstandard des
Arbeiters ist."
Diese Erklaerung gab vor kurzem Eric Johnston ab, der Vorsitzende der Vereinigung amerikanischer Tonfilmunternehmen und frueherer
Vorsitzende der US-Handelskammer. Er veroeffentlichte seinen Aufsatz unter dem Titel "Die Gewerkschaften wissen, wie sie es anzustellen haben", im September im "American Federationist," dem monatlich erscheinenden Organ der AFL.
Johnston lenkt die Aufmerksamkeit auf die Tatsache, dass die
amerikanische Gewerkschaftsbewegung die besten Erfahrungen darueber verfuegt, wie mit den Kommunisten umgegangen werden muss. Die
Gewerkschaften wissen, wie die Infiltration in ihren eigenen Reihen versucht worden ist, diese Versuche, ihre Abwehr und ihre Ueberwindung haben sie in der Praxis erlebt.
"Diplomatie ist gewoehnlich eine Art Pokerspiel zwischen den
Regierungen, aber heute hat es die amerikanische Regierung direkt
mit den Voelkern zu tun, so wie bisher keine andere Regierung mit
ihnen zu tun hatte. Wir benoetigen daher unter unseren diplomatischen Vertretern Maenner und Frauen, die die Voelker kennen, sie
verstehen und mit ihnen eng verbunden sind." 'Vir haben in dieser
Richtung bereits einige Fortschritte gemacht, in einzelnen Schluesselstellungen der ECA-Verwaltung sind bewaehrte Gewerkschaftsfunktionaere taetig. Die Aufgabe, die heute vordringlich ist, liegt in
der Vtehl geeigneter Sprecher, die die beste Vertretung der Vereinigten Staaten im Ausland sind - und hier verfuegen garade die Gewerkschaftsvertreter ueber eine ganze Reihe von Vorzuegen. So wissen
unsere Gewerkschafter, wie sie zum Beispiel mit Leuten vom Schlage
Jacob Kaliks umzugehen haben. Kit dieser Type haben sie bereits
seit Jahren zu tun gehabt, und zwar in einem"etwas abgewandelten,
gerade auf die amerikanischen Verhaeltnisse zugeschnittenen Stil.
Die amerikanischen Gewerkschafter beherrschen somit diese Taktik
und ihre Technik, und sie koennen ihr vor allem in ueberlegener Weise
entgegentreten.
Der Sowjetvertreter Malik spricht russisch und seine Widersacher sprechen englisch. Aber sie sprechen nur dann eine gemeinsame
Sprache, wenn eine lange Erfahrung mit dem kommunistischen Wortschatz eine sprachliche Verstaendigung moeglich macht. Und unsere
Gewerkschaftsvertreter wissen, wie sie dem Kreml die Maske herunterreissen koennen."
ECA Labor Information
FYI 160 - 9/20/50
FIGARO SCHLAEGT PRODUKTIVITAETSMQUELLE VOR
Der "Figaro", die konservative franzoesische Zeitung, hat einen Artikel veroeffentlicht, in dem vorgeschlagen wird, dass gewisse
Fabriken ausgewaehlt werden sollten, um hier Methoden einzufuehren,
durch die die industrielle Produktivitaet gesteigert werden kann.
Durch solche Beispiele koennte der gesamten franzoesischen Industrie
sehr gedient werden.
Diese Empfehlung an das franzoesische Komitee fuer die Steigerung der Produktivitaet ist in einem Artikel zu finden, der von

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•u

�Francois Fennelot unterzeichnet ist. Er 3agt hier, dass eine gesteigerte Produktivitaet das einzige Mittel ist, um franzoesischen
Arbeitern einen vernuenftigen Lebensstandard zu sichern.
Mennelot erwaehnt, dass der hoechste Mindestlohn, wie er
kuerzlich von der Regierung festgesetzt wurde, sich fuer einen Arbeiter in Paris auf monatlich 16 800 Franken belaeuft. Der "Figaro" sagt hier ganz offen-, dass es auf die Frage, ob irgend jemand
mit diesem Betrage einigermassen anstaendig oder als Durchschnittsmensch leben koenne, es nur eine einzige Antwort geben koenne,
naemlich eine verneinende.
Der "Figaro" sagt weiter, dass der Lebensstandard der Schluessel dazu ist, ob die Wiedergesundung der franzoesischen V.'irtschaft
weiter fortschreiten wird oder ob die Wirtschaft sich weiterhin
im Stadium eines blossen Vegetierens bewegen wird.
Die Zeitung bekannte sich zu einer kuerzlichen Erklaerung
des Premierministers Rene Pleven, dass die allgemeine Wiederbelebung der Wirtscheft abhaengig ist von einer Erhoehung der Kaufkraft der breiten Masse der Bevoelkerung - und das ist vor allem
die Arbeiterschaft. Dann wiederholt der "Figaro" jene Beobachtungen, die ein franzoesischer Gewerkschafter der Oeffentlichkeit
uebermittelte, als er aus den Vereinigten Staaten zurueckkehrte:
Produktivitaet und ihre Steigerung bedeutet, dass ein Unternehmer,
der seinen Arbeitern unter dem Druck der Gewerkschaften Lohnerhoehungen gewaehren muss, mit allen Mitteln bestrebt sein mussfzu
rationalisieren und nicht seine Verkaufspreise zu erhoehen, denn
die Vermeidung einer solchen Preiserhoehung ist fuer ihn von elementarer Bedeutung. Ein Unternehmer, der hier als Symbol gelten
koennte, sagte zu Mennelot: "Wer kann schon meine Erzeugnisse kaufen, wenn der Arbeiter unzureichend bezahlt wird?" Auf der anderen
Seite muessen die Arbeiter zumeist gegen das kommunistische Schlagwort Stellung nehmen, dass eine steigende "Produktivitaet lediglich
die Steigerung der Produktionsquoten bis zu einem sich toedlich
auswirkenden Takt bedeutet. Hierbei bemerkt der "Figaro", dass
Russland die eigentliche Heimat solcher Stossarbeiter ist. Aber
auch wenn technische Verbesserungen die Einsparung einzelner Arbeitsplaetze zur Folge haben, muss der Arbeiter dart-n denken, dass
auf der anderen Seite wiederum neue Arbeitsplaetze bereitgestellt
werden, sei es durch die Produktion neuer Maschinen oder durch die
Bedienung dieser Maschinen bei einm groesseren Ausstoss als bisher.
Die oekonomische Zukunft haengt ebenso wie unsere soziale Zukunft
davon ab, dass wir beharrliche und groessere Anstrengungen machen,
diese jedoch gemeinsam getragen werden muessen. Produktivitaet ist
weder eine mythische Angelegenheit noch eine Art Kinderkrankheit,
wie etwa unser alter Bestand an Ideologien sich noch immer bemueht,
diese Mythen aufrechtzuerhalten. Angesichts hoher Loehne, die
die amerikanischen Arbeiter durch den kaempferischen Geist ihrer
Gewerkschaften erzielen konnten, wird der amerikanische Unternehmer
gezwungen, jede nur moegliche Reformmethode in bezug auf arbeitstechnische oder allgemein technische Fragen anzuwenden. Diese bestaendigen Bemuehungen, eine Rationalisierung der Arbeit durchzufuehren, bedeutet, jede unnuetze Zeit auszuschalten, die deshalb
sich so kostspielig auswirkt, weil Arbeit nun einmal teuer ist.
Und hier liegen jene Moeglichkeiten durchaus offen, die auch in
Frankreich durchgefuehrt werden koennen.
"Vor einiger Zeit wurde in Frankreich eine Produktivitaetskomitee gegruendet. Sein Schicksal wird das gleiche sein wie das
zahlreicher anderer offiziellen Organisationen, wenn es nicht in
aller Kuerze seine Arbeit auch wirklich aufnimmt. Was wir wünschen, ist der Ausbau einer Reihe Fabriken im ganzen Lande, die
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l

�als Musterbeispiel dienen koennen, aber gleichzeitig begruessten
wir es, wenn die Initiative jenes Komitees zur Steigerung der Produktivitaet nun endlich aufgenommen wuerde."
Am Schluss des Artikels wird den Unternehmern empfohlen, den
Grundsatz zu beachten, dass jede Firma, die nicht binnen eines
Jahres eine Verbesserung ihrer Erzeugnisse, ihrer Arbeitsmethoden
oder eine Reduzierung der Produktionskosten erreichen konnte, sich
darueber im klaren sein muss, dass dieses Unternehmen nur noch vegetiert und ueber kurz oder lang eingehen wird.
ECA Labor Information
LI-39 7 - 20/9/50
UEBER DIE TERMINOLOGIE DES PRODUKTIVITAETSBEGRIFFES
Das Wort "Produktivitaet" erhaelt haeufig *i«mlich unterschiedliche Auslegung; Zweck dieser Zeilen ist, den Sinn festzulegen, in
dem die Arbeitsgruppe des Rates der OEEC den Begriff "Produktivität
der Arbeit" normalerweise anwendet. Gleichzeitig werden Bezugshinweise und kurzgefasste Definitionen_fuer die von europaeischen Forschungswissenschaftlern gebrauchten'Ausdruecke gegeben, die eine
moeglichst genaue Vergleichsgrundlage fuer die Feststellungen schaffen, die sie in ihren Heimatlaendern durchzufuehren haben.
Produktivitaet ist der Quotient, den man erhaelt, wenn ;ian die
"Produktionsleistung durch einen der Produktionsfaktoren teilt. Auf
diese V/eise ist es moeglich, von der Produktivitaet des Kapitals,
der Investitionen oder des Rohmaterials zu sprechen, je nachdem, ob
die Leistung auf Kapital, Investitionen oder Rohmaterial bezogen
wird.
Die gebraeuchlichste Anwendung des Begriffs Produktivitaet ist
die der menschlichen Arbelt. Wird das Wort "Produktivitaet" ohne
naehere Bestimmung gebraucht, dann ist die Produktivitaet der Arbeit
gemeint. Produktivitaet der Arbeit (=Arbeitsproduktiviteet) ist
der Mengenwert, der in einer bestimmten Arbeitszeit produziert wird.
Dieses Verhaeltnis gewinnt dann wissenschaftliche Bedeutung, wenn
die Art und die technischen Bedingungen der in dem Zaehler erscheinenden Produktionsleistung und die fuer den Nenner gewaehlten Faktoren festgelegt worden sind.
Es ist zu beachten, dass Arbeitsproduktivitaet ein I'asstab der
allgemeinen '.Virksamkeit beim Einsatz der Arbeitskraefte und nicht
der Arbeitsleistung ist. Sie wird beeinflusst durch das Zusammenwirken einer grossen Anzahl gesonderter, wenn auch miteinander verbundener Faktoren, wie Menge und Guete der verwandten Ausruestung,
technische Verbesserungen, Leistungsfaehigkeit der leitenden Stellen, Zustrom von Material und andere Komponenten, wie die relativen
Beitraege der Einheiten auf verschiedenen Ebenen der Wirksamkeit
wie auch die Geschicklichkeit und Leistung der Arbeiter.
Relative Unterschiede in der Produktivitaet koennen gemessen
werden durch den Vergleich der Leistung einer Firma, Industrie usw.
in verschiedenen Zeitperioden oder zwischen verschiedenen Laendern
oder Gebieten. Aber auch die Produktivitaet zweier oder mehrerer
produzierender Einheiten ka.n verglichen werden (Betriebe, Firmen,
Gesellschaften). Der Zweck des Vergleichs besteht darin, einen Anhaltspunkt zu geben, welche Stellung eine produzierende Einheit
(eine Firma, eine Industrie öder eine Nation) gegenueber der Leistung anderer produzierender Einheiten oder ihrer eigenen Leistung
in einem anderen Zeitraum einnimmt; die Analyse der Grundlagen des
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�Produktivitaetsniveaus, wie es auch sein r&amp;g, zu ermoeglichen und
die Position dieser Einheit zu verbessern, u-ine Messung der Produktivitaet und eine begleitende Analyse der Gruende und Faktoren koennte deshalb fuer die Zwecke einer allgemeinen wirtschaftlichen Analyse verwandt werden (z.B. bei der Beurteilung der gegenwaertigen und zukuenftigen Produktionsleistung eines Landes
oder einer Industrie, des Bedarfs an Arbeitskraeften oder die
Wettbewerbsfaehigkeit). Sie dienen jedoch auch als Grundlage fuer
die Beurteilung der Leistungsfaehigkeit und Ziele der leitenden
Stellen einzelner Betriebe und Firmen. Produktivitaetsmessungen
koennen zusammengestellt werden entweder durch Verwertung der vorhandenen statistischen Unterlagen oder durch Angaben, die direkt
fuer diesen Zweck gesammelt werden.
Die Leistung bezieht sich, je nachdem, wie der Fall liegt,
auf das Leistungsprodukt einer einzelnen Maschine, oder einer Abteilung (Arbeitsgang), eines einzelnen Betriebes, einer Gesellschaft, einer Industrie oder auf die ganze Volkswirtschaft. Vorzugsweise sollte sie nach physischen Werten gemessen werden und auf
den gleichen Arbeitsbereich bezogen werden. Sobald man sich jedoch von einer einzelnen Maschine, oder von einer einzelnen Abteilung oder Industrien mit einfacher Erzeugungsstruktur, bei denen
die Produktion eines einzelnen homogenen Produktes gemessen wird,
entfernt, werden rein physische Messungen schwieriger und andere
als physische Messmethoden (in der Hauptsache messbare Werte, wie
Waehrungen) muessen ueberhaupt oder zumindest beim Abwaegen angewandt werden, d.h. Summierung der Leistung verschiedener Sektoren
einer Industrie oder Wirtschaft. Die Erfahrung zeigt, dass die
Messung der Leistung das schwierigere Verfahren ist, und demzufolge wird die Genauigkeit der Messung der Produktivitaet weitgehend von der Art, in der Leistung gemessen wird, abhaengen.
Sowohl im Falle von Produktion pro Kopf und Stunde und nro
Kopf und Jahr kann der Begriff "Arbeitskraefte" Arbeiter allein oder
alle Beschaeftisrten einschliessen. Im ersten Fall kann er unmittelbare oder mittelbare Produktionsarbeiter umfassen. Die Unterscheidung zwischen "koerperlich" und "nicht-koerperlich" Arbeitenden (wie Buero-, Verwaltungs-, und technischen Kraeften) ist nicht
absolut. Sowohl die tatsaechliche Handhabung in der Industrie als
auch die statistische Handhabung sind je nach Land oder Firma verschieden. Der Unterschied kann in der Art der Entlohnung liegen
(in der Regel werden Arbeiter woechentlich, andere Kraefte monatlich entlohnt) oder in der Stellung (Arbeiter umfassen die
Stellen bis einschliesslich der Vorarbeiter). Einen Massstab fuer
die Entscheidung ueber Granzfaelle unter den Arbeitern kann der
Grad von Initiative abgehen, den die Arbeit verlangt.
Bei den Arbeitern kann unterschieden werden zwfechen unmittelbaren Arbeitern, das sind die im eigentlichen ^roduktionsgang
beschaeftigten Arbeiter, zum Unterschied von den mittelbaren Arbeitern, die sich mit anderen Taetigkeiten, wie Unterhaltung,
Lagerung, innerbetrieblichen Transporten und allgemeinen Arbeiten
befassen. Auch diese Unterscheidung kann wiederum je nach Land
und sogar je nach der Firma verschieden sein.
Produktivitaet pro Beschaeftigter umfasst die Arbeit aller
Personen einschliesslich z.B. der in Buchfuehrung oder Kassenwesen Taetigen. Bei der Messung der Produktivitaet in der Fertigwarenindustrie schliesst man am besten die Arbeit der im Vertrieb, sowie in Reklame und Werbung Taetigen aus. Bei Vergleichen zwischen Firmen ist es wesentlich, in allen Faellen die gleichen Funktionen mit ein- oder auszuschliessen. Wo die Grenzlinie
gezogen wird, haengt von den Zwecken ab, fuer die diese Statistiken
zusammengestellt werden.
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�Bei der Messung der Arbeitsleistung koennen gewoehnlich das
Alter oder Geschlecht der Arbeiter oder die verschiedenartigen
Fertigkeiten nicht beruecksichtigt werden, obwohl eine solche Unterscheidung wuenschenswert waere.
Einige Wissenschaftler messen der Berechnung der Gesamtprodukt ivitaet, die nicht nur alle in den obigen Berechnungen eingeschlossenen Arbeitsstunden oder Beschaeftigten, sondern auch alle
diejenigen umfasst, die die bei der Produktion verwendeten Kapitalgueter, Energie und Rohstoffe erzeugen, grosse Bedeutung bei.
Hierbei wird letztere Kategorie in Arbeitsstunden oder Beschaeftigtenzahl umgewandelt.
Die Genauigkeit der Produktivitaetsmessung wird weitgehend von
"der Art abhaengen, in der die Leistung gemessen wird, aber auch von der
Art, in der die Arbeit gemessen wird, uri&amp;der Art, in der die Messung dieser beiden Faktoren verglichen werden kann. Je kleiner
die Produktionseinheit ist, auf die sich die Messungen beziehen,
und je unmittelbarer die Veranschlagung sowohl der Produktionsleistung als der Arbeit erfolgt, desto genauer ist die Berechnung. Es
waere ratsam, der Berechnung mo?glichst eine Scheatzung des Fehlerfaktors beizufuegen.
ERP-Beratungsausschuss des DGB
9/4/50
ANGESTELLTEN^ OBLEME UND IBFG
Fuer das kommende Jahr hat der Internationale Bund Freier Gewerkschaften eine Konferenz vorgesehen, bei der alle Fragen, die
den Angestellten betreffen, behandelt werden sollen und die auf
internationaler Basis die Loesung dieses Problems in Angriff nehmen soll. Die Konferenz wird in Bruessel stattfinden und zwar zu
einem sehr fruehen Termin. Der IBFG hat ein vorbereitendes Komitee gebildet, das alle Vorbereitungen zu dieser Konferenz treffen
soll. Es wird Wert darauf gelegt, dass auf dieser Konferenz auch
jene Angestellten vertreten sind, die in der Privatindustrie und
in Bshoerden beschaeftigt sind, wobei aber auch Banken und Versicherungen erfasst werden sollen und vor allem ^ene Angestellten, die
leitende Stellungen bekleiden. Hierbei sollen vor allem die Gewerkschaften der Journalisten, der Lehrer, der Angestellten, der
Techniker, der Beschaeftigten der oeffentlichen Dienste, zu denen
auch die Beamten gehoeren, der Flugzeugfuehrer und sehnlicher Gruppen ihre Unterstuetzung gewaehren, wie ueberhaupt jene Gewerkschaften, die zu ihren Mitgliedern zahlreiche Angestellte zaehlen, tvie
es etwa bei der AFL und dem CIO der Fall ist oder bei britischen
und hollaendischen Gewerkschaften, dem franzoesischen CGT-FO und
der Gewerkschaft der Werkmeister, den internationalen Berufssekretariaten der Transport- und Metallarbeiter, dem schwedischen TGO,
den deutschen DGB, den franzoesischen Post-, Telegraf- und Telefonbediensteten und aehnlichen Gewerkschaften, die dem IBFG angeschlossen sind.
Die folgenden allgemeingehaltenen Vorschlaege wurden dem beratenden Komitee bereits unterbreitet:
1. Jene Fragen zu bearbeiten, die fuer die nicht-handarbeitenden
und berufstaetigen Arbeitenden eine besondere Bedeutung haben, einschliesslich der Probleme der Angestelltengewerkschaft und ihrer
Organisation und alle geeigneten Schritte vorbereiten, die zur Loesung der besonderen Probleme dieser Gruppe derxArbeitenden beitragen koennen;
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�2. In gemeinsamer Zusammenarbeit ~iit dem IBFG die Gruendung
besonderer internationaler Berufssekretariate voranzutreiben, fuer
die eine nicht-handarbeitende Taetigkeit der Gewerkschaftsmitglieder charakteristisch ist und die bisher ohne eine eigene Stimme
in den internationalen Gewerkschaften vertreten waren; eine solche Unterstuetzung wuerde vor allem fuer solche Berufskategorien
wie Lehrer, Journalisten, Buehnen- und Filmfachkraefte von besonderer Bedeutung sein;
3. Besondere Probleme wie die der Schulung in bezug auf industrielle und D'roduktivitaetssteigernde Leistung muessen hier behandelt werden;
4. Diesem Mitgliederkreis mit Unterstuetzung des IBFG eine
besondere Vertretung fuer nicht-hendarbeitende und berufstaetige
Arbeitende in den Vereinten Nationen und in den besonderen Ausschuessen zu verschaffen.
Das Komitee unterbreitete diese Empfehlungen dem IBFG in
Bruessel auf das Ersuchen J. H. Oldenbroeks, des Generalsekretaers
der 50 Millionen nichtkommunistischer Mitglieder zaehlenden internationalen Gewerkschaftsorganisation. Mitglieder des Komitees sind
Ernest Bell, britischer Gewerkschaftsbund (TUC) Vorsitzender,
M. C. Bolle, Internationale Gewerkschaft oeffentlicher Bediensteten,
Albin Karl, Deutscher Gewerkschaftsbund, R. Richard, franzoesische
GGT-FO, R. Speyser, franzoesische CCO, M. van de Moortel, belgische
CGSP, Kai Nissen und Einar Nielsen, daenische TUC, Walter Amann,
schwedische TUC, W. G. Spiekman, Internationaler Verband der Angestellten und Techniker, Charles G. J. Everling, belgischer FGTS,
Harry Martin, Vorsitzender der amerikanischen Journalisten-Gewerkschaft (CIO), 0&gt; Valkeners, franzoesische Gewerkschaft der Post-,
Telegrafen- und Telefonbediensteten (PTT), J. H. Oldenbroek, G. de
Muynck und Albert Heyer, IBFG und Eimer Cope, CIO. Das Mitglied
des Komitees Irving Brown, AFL, war verhindert, an dieser Sitzung
teilzunehmen.
ECA-Airgram A 333
9/5/50
WIEDERAUFBAU NORWEGENS STEIGERT BESCHAEFTIGUNGSZIFFER UND PRODUKTION
Die Beschaeftigungsziffer und die Produktion steigen in Norwegen 3taendig an.
Dem Bericht der norwegischen Regierung ueber die wirtschaftlichen
Entwicklungen im ersten Quartal des Jahres 1950 zufolge ist damit zu
rechnen, dass die Produktion fuer das ganze Jahr groesser sein wird,
als in norwegischen Haushaltsplan geschaetzt worden war.
Im Laufe des ersten Quartals dieses Jahres hat sich die Beschaeftigungsziffer um 14.5000 erhoeht gegenueber einer Zunahme um
13.6000 im gleichen Zeitabschnitt des Vorjahres. Die Zahl der Industriearbeiter stieg um 6.400 und in der Land- und Forstwirtschaft
vermehrte sich die Zahl der Lohnempfaenger um 3.600.
Die Steigerung der Produktion erstreckt sich auf fast alle
Zweige der Wirtschaft. Die industrielle Produktion war zum Beispiel im ersten Quartal um 7% hoeher als im Vorjahr.
Labor News Bulletin
VII/15 - VIII/15/50
- 16 -

HICCG H-1734 L » B Oct 50 5 M

�Internationale

ARBEITSNITTEILUNCEN
Di« folgenden Artikel «teilen Aaszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauck gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HIC0G, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auck einzelnen Interessenten direkt durch die Post lugeleü-'t.
Der Inkalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 31

Frankfurt, 6. Oktober 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Europaeische Wirklichkeiten

- - - - - - - - -

l

Die Strategie der Gewerkschaften - - - - - - -

4

Bessere Loehne - die HauptVoraussetzung fuer
die Poerderung der Demokratie in Asien - -

6

Wahrheit und Anstaendigkeit sind die L^eitsaetze
der Gewerkschaftspresse - - - - - - - - - 9
Green fordert Preiskontrolle und Sondersteuern
auf Kriegsgewinne - - - - - - - - - - - - 9
Das Roosevelt-College in Chlkago - - - - - - -

io

Neues rumaenisohes Arbeitsgesetz - - - - - - -

n

Arbeitsminister Maurice J. Tobin - USA:
EUROPAEISCHE WIRKLICHKEITEN
Niemals in der Geschichte war es fuer die Amerikaner wichtiger als heute, die Voelker Westeuropas zu kennen und zu verstehen.
Wenn die Vereinigten Staaten jene Rolle im internationalen Geschehen spielen wollen, die die Vorbestimmung ihnen zugewiesen hat,
so muss das amerikanische Volk das klarstmoegliche Bild von den
europaeischen Hoffnungen und Wirklichkeiten haben.
Ueber den Regierungen und Voelkern Westeuropas lastet der
bedrohliche Schatten des kommunistischen Imperialismus. Diese
Bedrohung ist weniger furchterweckend geworden seit der wirtschaft- 1 -

�liehen und militaarischen Unterstuetzung, die die Vereinigten Staaten gewaehren. Die moralische Staerke Westeuropas hat sich gehoben, seitdem Amerika seine Hilfe zur Verfuegung stellt. Ueberall
finden sich Zeichen der Erholung - die Fortschritte sind in kleinerem
und groesserem Ausmass zu bemerken.
Unsere europaeischen Freunde erkennen dies dankbar an. Sie
schaetzen auch durchaus die amerikanische Grosszuegigkeit. Aber
trotzdem haben sie noch viele Sorgen. Wenn sie zum Beispiel sowjetische Propaganda hoeren, die darin ausmuendet, dass die Dinge
in diesem Lande nicht reoht vorwaertsgehen, fangen einige sich
zu wundern an, ob die Bastion der Demokratie, die ihre Hauptstuetze ist, etwa ihre Staerke verliere . . . .
Deshalb ist es notwendig, die Quellen des amerikanischen
Wohlstandes klarzulegen. Es muss an die verschiedenen Formen der
Vorbeugungspolitik erinnert werden, die gegen wirtschaftliche Rueckschlaege aufgebaut wurden, an Altersrenten und freie oeffentliche
Stellenvermittlungsdienste, an Arbeitslosenunterstuetzungen und
die Garantierung der Sicherheit der Spargelder, ah Mindestlohnvorschriften und Arbeitszeitverordnungen, an die Unterstuetzung
der Landwirtschaft und an die Entwicklung bestimmter Hilfsquellen,
an die grundsaetzliche Verantwortlichkeit fuer die Vollbeschaeftigung, an die Elektrifizierung auf dem Lande und an alle die anderen Massnahmen, die seit 1933 durchgefuehrt werden, um die Wirtschaft der Vereinigten Staaten stabil zu erhalten und damit zum
Wohle des Volkes als ganzem zu wirken.
Aufgrund dieser Fortschritte werden die Vereinigten Staaten
niemals wieder eine solch schwere Wirtschaftskrise durchmachen
muessen wie es 1930 der Fall war. Im letzten Jahre drohte die
Zahl der Erwerbslosen stark anzusteigen, es schien, dass sich die
USA auf einem absteigenden Ast des Wirtschaftslebens befinden,
wie es gewoehnlich mehr oder weniger schnell nach einem Krieg* der
Fall ist.
Aber die Flut, die alles zu ueberschwemmen schien, ging sehr
schnell wieder zurueck. Die Vorsichtsmassregeln, die gegen die beginnende Krise in Anwendung kamen, setzten sich ausserordentlich
wirkungsvoll und nachdruecklich durch. Die Vereinigten Staaten
haben gelernt, wie die furchtbaren Folgen der Krisenzyklen sich
vermeiden lassen.
Wer daran zweifelt, der sieht nicht mehr die Wirklichkeit.
Die Zahl der Beschaeftigten hat ihren hoechsten Friedensstand in
der Geschichte der USA erreicht - fast 62 Millionen sind in verschiedensten Stellungen taetig. Das Land steckt mitten in einem
Wohnbau- und allgemeinen Bauprogramm, das die Bautaetigkeit in
diesem Jahr zu neuen Hoechstziffern bringen wird. Die Stromerzeugung hat alle bisherigen Rekorde uebertroffen. Die Gesamtproduktion steht heute bei etwa 265 Milliarden Dollar im Jahre. Sieht
das etwa danach aus, dass ein wirtschaftlicher.Zusammenbruch bevorsteht.
Vom 3. April bis zum 31. Mai 1950 haben die Vereinigten Staaten durch ECA, das amerikanische Hilfsprogramm fuer Europa, so
viel wie 9,115 Millionen Dollar fuer den Wiederaufbau einer gesunden .Wirtschaft und die Wiederfestigung der Demokratie in der uebrigen Welt ausgegeben. Hier muessen 162,5 Millionen Dollar fuer
das Deutschland-Programm hinzugefuegt werden - dann hat man einen
Begriff von der wirtschaftlichen Unterstuetzung, die Amerika Europa
gegeben hat. Weiter muss eine Schaetzung von etwa 1 Milliarde
Dollar fuer militaerische Hilfe hinzugefuegt werden und jedermann
- 2 -

�wird ueberzeugt sein, dass die europaeischen Voelker diesseits
des Eisernen Vorhangs allen .Grund zu dem Glauben haben, dass Amerika ihr Freund und Helfer ist.
Im Juni kam die Nachricht, dass die ferngesteuerten nordkoreanischen Streitkraefte in die friedliche Republik Suedkorea eingedrungen sind. Suedkorea hat amerikanische Unterstuetzung erhalten,
es befand sich auf dem Wege zu Frieden, Freiheit und sozialer
Gerechtigkeit, als die Vereinten Nationen ihm die Unabhaengigkeit
gaben. Dieser brutale und nichtprovozierte Angriff erschuetterte
die Voelker "'Osteuropas zutiefst. Sofort fragten sie: "Was- wird
Amerika unternehmen?" Das war die Frage, die zwei Tage alles
ueberschattete. Dann antwortete Praesident Truman in einer Form,
die die ganze Welt in Spannung versetzte.
Die eindeutige Stellungnahme Praesident Trumans wird von'
Europaeern dahin ausgelegt, dass hier der amerikanische Charakter
und der amerikanische Verantwortungssinn triumphierte. Die demokratischen Staaten antworteten auf diesen Beweis der Verpflichtung und des Mutes nicht nur mit Lobpreisungen, sondern mit allen
Zeichen des Bewusstseins ihrer eigenen Verantwortung, der kommunistischen Bedrohung entgegenzutreten.
Die Demokratien in Europa sind Amerikas Nachbarn, wie sie es
bisher niemals gewesen sind. Die USA schulden ihnen und der gesamten freien Welt jede Unterstuetzung, die dieses Land mit seinem Reichtum und seiner Staerke bieten kann. Jede Unterlassung,
diese Macht zugunsten des Guten der Menschheit einzusetzen, wuerde
die groesste Suende der Undankbarkeit sein, die eine Nation wie
die Vereinigten Staaten jemals begehen koennten. Die Vorsehung
ist bisher so guetig gewesen - die Vereinigten Staaten wuerden
zutiefst ihre Verpflichtung verkennen, wenn sie sich weigerten,
das, w.as sie besitzen, zu teilen und die Sache der Gerechtigkeit
und der Freiheit ueberall zu unterstuetzen.
Das ist eine unabaenderliche Pflicht. Aber man betrachte
einmal, was es bedeutet haette, wenn die USA in dem gegenwaertigen
Stand der Ereignisse in der Welt sich zurueckgehalten haetten. Man
haette dem sowjetischen Imperialismus den Weg sehr leicht gemacht
und zugesehen, wie demokratische Freunde versklavt wuerden. Und
geradezu zwangslaeufig wuerden die Folgen einer solchen Haltung
vernichtend auf die Vereinigten Staaten zurueckschlagen. Denn aus
dieser wachsweichen Haltung, die sich aus dieser Untaetigkeit ergeben wuerde, ergaebe sich fuer den Kommunismus am Schluss eine
ausgezeichnete Position, in der gleichen Weise mit den Vereinigten
Staaten selbst zu verfahren. Indem diese den Demokratien helfen,
sowohl wirtschaftlich als auch militaerisch staerker zu werden,
befestigen sie ihre eigene Freiheit und die Vereinten Nationen können den Schlaegen und den Geschicken der kommenden Zeit besser
widerstehen.
Die Vaterlandsliebe der Arbeiterschaft in allen westlichen
Demokratien hat sich in unermesslicher ?/eise durch die Antwort verstaerkt, die der kommunistischen Herausforderung in Korea erteilt
worden ist. Franzoesische Arbeiter und erst einmal Franzosen,
bevor sie etwas anderes sind. Italienische Arbeiter sind in erster
Linie Italiener und sonst nichts. Sie alle lieben ihre Heimat.
Die Binden sind von ihren Augen gerissen. Wie freie Arbeiter ueberall, lassen sie sich nicht mehr von jenen Agenten zum Narren halten, die sich fuer die Feinde ihres eigenen Landes einsetzen.
Die Aktion, die durch die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen durchgefuehrt wird, hat die Atmosphaere gereinigt
und gleichzeitig den Weg gezeigt, der beschritten werden muss, wenn
- 3

�die Freiheit gerettet werden soll. Die amerikanische Betrachtungsweise hat sich von der Verwirrung und den Zwistigkeiten in eine
feierliche Uebernahme der Verantwortlichkeit geaendert. Die USA
sind heute vollkoüjnen davon ueberzeugt und auch bereit, nicht
nur die Dinge in Korea wieder in Ordnung zu bringen, sondern auch
jede andere kommunistische Aggression zurueckzuschlagen, wo auch
immer sie sich praesentieren mag.
Noch klammert sich jeder an das Ideal des Friedens. Die
Hoffnung ist nicht aufgegeben, dass, nachdem die Rechte Suedkoreas
wiederhergestellt sind, die Kommunisten keinem anderen Satellitenstaat zu irgendwelchen Aktionen veranlassen. Was aber noch
immer geschehen mag - die Voelker muessen zu einem lebendigen
Bewusstsein jener Rolle kommen, die sie in internationalen Angelegenheiten spielen muessen.
Als die rechte Hand der Vereinten Kationen muessen die USA
unerschuetterlich sein in der Abwehr jeder Aggression. Das Schicksal aller freien Voelker der Erde ist ein unteilbares. Die USA
werden in dieses Geschehen unweigerlich hineingezogen, wo blosse
Kraft ueber Freiheit und Menschenrechte triumphiert, fuehlen die
Voelker die Schlaege. Die Amerikaner wissen, dass sobald die
Freiheit irgendwo ausgeloescht wird, die Glocke auch fuer sie
bald schlagen wird.

DIE STRATEGIE DER GSTBRKSCKAFTEN
Dieser Beitrag ist die Uebersetzung eines Artikels, der kuerzlich im "Populaire" erschienen ist, dem Organ der franzoesischen sozialistischen Partei.
Die Resultate, die in den letzten Monaten erreicht werden
konnten, werfen ein staerkeres Licht auf die Aktivitaet und die
Geschicklichkeit der amerikanischen Gewerkschaftsfuehrer. Hierbei nuss jedoch in betracht gezogen werden, dass eine ganze Anzahl besonderer Ereignisse ihnen in ausserordentlichem Masse zugute kam. Dank der hohen Loehne, die es den Arbeitern ermoeglicht, auch verhaeltnismaessig höbe Beitraege zu zahlen, verfuegen die Gewerkschaften ueber hohe Kassenbestaende, die es ihnen
erlauben, einen Streik viele Wochen hindurch zu finanzieren und
die erforderlichen Streikunterstuetzungen zu zahlen. Die Gewerkschaften koennen weiterhin mit der Solidaritaet jener Arbeiter
Fechnsn, die in anderen Werken weiterhin in Arbeit bleiben, weil
diese Solidaritaet nicht auf freiwillige Gaben aufgebaut ist, sondern auf einem System zeitweiliger Sonderbeitraege, die von der
Gewerkschaft erhoben werden. Dank dem System des "closed shops",
bei den der Unternehmer sich damit einverstanden erklaert, ausschliesslich solche Arbeitskraefte zu engagieren, die der Gewerkschaft aneehoeren, mit der der Tarifvertrag abgeschlossen worden
ist, koennen die Gewerkschaften waehrend einer solchen Aktion
nicht durch rivalisierende Gewerkschaften unterminiert werden.
Selbstverstaendlich machen die Gewerkschaften vollen Gebrauch
von den Moeglichkeiten, Lohnerhoehungen durchzusetzen, denn bei
der segenwaertigen Konjunktur sind Arbeitskraefte unentbehrlich.
Das ist gegenwaertig in der Automobilindustrie der Fall, morgen
wird es in der gesamten Metall- und Ruestungsindustrie so sein,
die gegenwaertige Wiederaufruestung fuehrt automatisch dazu.

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�Die Gewerkschaften haben weiterhin die Anwendung des Teilstreiksystems anzuwenden gelernt, durch die ein Schluesselunternehmen lahmgelegt wird und die gesamte davon abhaenpige Industrie
zur üntaetigkeit gezwungen wird. Das gleiche gilt fuer den
"Sitzstreik*1, den auch die Italiener kennen, ihn aber nur mit geringem Erfolg benutzen konnten, da er in erster Linie fuer politische Zwecke ausgenutzt werden sollte.
Und schliesslich haben es die Gewerkschaften mit Lnternehmern
zu tun, die nicht weniger profitgierig sind als ihre europäischen
Kollegen, wenn auch in einer etwas anderen V.'eise. Fuer den europaeischen Unternehmer ist der Arbeiter, wie es die Nationalsozialisten offen sagten, eine Art niedrigeren '.Yesens, der dazu verurteilt ist, in Elendsvierteln zu leben, aermliche Kleider zu tragen
und minderwertige Nahrung zu sich zu nehmen. Fuer den amerikanischen Unternehmer ist der Arbeiter jedoch ein Verbraucher, ein
Kunde, dem man genuegend Geld geben muss, damit er die produzierten Dinge auch wirklich kaufen kann. Die gesamte amerikanische
Wirtschaft der letzten achtzig Jahre basiert auf diesem Grundsatz
der hohen Loehne und des hohen Verbrauchs.
Aber alle diese Tatsachen, die eine Lektion fuer die Europaeer sein sollten, koennen nicht den Erfolg Amerikas erklaeren,
wenn nicht die geistigen Faehigkeiten der leitenden Persoenlichkeiten in betracht gezogen wuerden. Die beiden Hauptpunkte hierbei
sind die Tatsachen, dass sie weder politische noch metaphysische
Persoenlichkeiten sind, wenigstens nicht in einem bemerkenswerten
Grade. Das "Klima" der Vereinigten Staaten gestattet ihnen einfach
nicht, sich als Politiker zu beschaeftigen. Amerika ist ein Land,
in dem 50% der Y/aehler nicht an die Wahlurne gehen, in dem von
selten des Staates nur selten Vorteile erwartet werden, sondern
im Gegenteil, nur aufgrund einer privaten Initiative. Es ist bedeutsam genug, dass die Alterspensionen der Arbeiter nicht von
Staat auf einer annehmbaren Hoehe festgelegt werden, sondern aufgrund besonderer Vereinbarungen zwischen den Gewerkschaften und
den Unternehmern. Diese Methode ist voellig verschieden von der
in Europa angewendeten. In Europa sind die Hauptgewinne, die die
Arbeiter erzielen konnten, auf dem "rege der Gesetzgebung erreicht
worden, das heisst also auf politischem V/ege. Dieses System hat
jedoch den Nachteil, dass die Arbeiter sogenannten schwachen Gewerkschaften nicht anzugshoeren brauchen, da sie ohnehin die gleichen Vorteile sich automatisch erwirken. Die Amerikaner sind jedoch weder Metaphysiker noch Theoretiker, soweit es sich um Gewerkschafter und Unternehmer handelt. Zweifellos haben sie ihre eigene
Auffa-.sung ueber Komplexe und "Entkomplexierungen" ueber Verwicklungen und Entwirrungen, sie sind sich auch darueber klar, dass jede
Lohnbewegung in gewissem Sinne ein Rueckschlag ist; aber sie weigern
sich absolut, eine Verwirrtheit zu erzielen, wie sie etwa hervorgerufen werden koenn';e durch ein geistiges Spinnwebennetz, das die
kapitalistischen Unternehmer in ihren Diskussionen mit den Gewerkschaftsvertretern durchaus anzuwenden wussten.
Tatsaechlich sind aber diese Maenner wirkliche Realisten, die
sehr genau ueber ihre eigene Kraft und Staerke informiert sind aber genau so gut ist es auch der Gegner. Sie wenden sich sowohl
an die Gerichte als an die Moeglichkeit, die Arbeit zu unterbinden.
Vor allem John Lewis, der Vorsitzende der Bergarbeitergewerkschaft,
ist ein ausgezeichneter Kenner der Materie und ruft gern die Gerichte an. Es ist somit verstaendlich, dass diese Maenner die gegebenen Moeglichkeiten kennen und genau wissen, wie sie eine tuechtige
Strategie zu entwickeln haben. Diese Maenner werden von den Arbeitern als wirkliche Persoenlichkeiten geschaetzt und geachtet, sodass
ihnen ohne Zoegern und ohne jede Vorbehalte zugestimmt und gefolgt
wird.
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�Henry G. Fleischer:
3SrSERE LOEHNE - DIE HAUPTVORAUSSETZUNG FUER DIE FOERDERUNG DER
DSVOKRATIS IN ASIEN
John Brophy, der soeben von einer 50.000-km-Reise quer durch
Asien zurueckgekehrt ist, brachte zum Ausdruck, dass die Amerikaner
alle3 tun sollten, um Dutzenden nichtkommunistischer Laender zwischen Iran und Tapan ihre Hilfe zur Verfuegung zu stellen.
BroDhy, der Vorsitzende des industriellen Ausschusses des CIO
und alter amerikanischer Gewerkschafter, fasste seine Beobachtungen
in Asien wie folgt zusammen:
Die asiatischen Gewerkschaften gehen jetzt an die Arbeit. In
vielen Laendern sind die Probleme, mit denen sie zu kaempfen haben,
weit groesser als die, denen wir jemals gegenueber standen. Aber
hier findet sich noch eine betraechtliche Begeisterung und wir
haben die Verpflichtung, ihnen zu helfen, um auf demokratischen
Wegen vorwaerts zu schreiten.
Brophy bereiste die asiatischen Laendsr als Mitglied einer
Sondermission, die vom Internationalen Bund Freier Gewerkschaften
beauftragt wurde, mit den nichtkommunistischen Gewerkschaften dieser Laender Kontakt aufzunehmen. Die Kommission verliess Bruessel,
den Sitz des I.B.F.G., am 1. Juli und blieb zwei Monate in Asien.
In diesen beiden Monaten scrach Brophy mit Dutzenden von Gewerkschaf tsfunkwionaeren, Regierungsvertretern und Unternehmern. Er
erlebte, wenn auch nur fuer eine Stunde, eine Hitze von 57° auf
dem Flugplatz von Basra, er sah einen Zirkus mit 62 Elefanten in
Kandy auf Ceylon (Brophy will sie gezaehlt haben.') und hoerte
einer Debatte im Parlament von Ceylon zu, jetzt eine sich selbst
verwaltende Kolonie des britischen Imperiums. Zwei Mitglieder
des Senats sind trotzkistische Kommunisten, einer stalistischer
Kommunist, aber alle drei haben fuer die Vereinigten Staaten
nichts uebrig.
Brophy vom I.B.F.G.-Komitee uebergab einen Bericht seiner
Eindruecke dem Exekutiv-Komitee in Bruessel. Er enthaelt eine
Uebersicht ueber die Gewerkschaftsbewegung und ihre Probleme in
Asien, wobei gleichzeitig die Methodik erwaehnt wird, wie die Organisationen der Arbeiterschaft gefoerdert werden koennen. V.'eitere Vorschlaege sehen die Gruendung mehrerer Gewerkschaftsbueros
und gleichzeitig die Einrichtung von Schulen, um Gewerkschafter
auszubilden, vor und schliesslich Empfehlungen, die kommunistische Propaganda und Infiltration zu bekaempfen.
Die demokratischen Kraefte in Asien werden sich erheblichen
Schwierigkeiten gegenueber sehen, wenn ihre F reU nde in Europa und
Amerika nicht sofort Hilfe leisten koennen. Die Stimme Amerikas
ist nicht viel mehr als ein leises Wispern in Asien, wenn man die
ruecksichtslose Agitation der Kommunisten betrachtet. Leider
glauben viele Asiaten, dass die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit bedrohen koennen. Seit Jahren bemueht sich die kommunistische Propaganda, diese Schlagworte ueberall zu verbreiten
aber geeignete Massnahmen muessen ergriffen werden, und zwar
durah Taten und durch V/arte zugleich.
John Brophy sagte, dass seine Reise in Asien zwischen Iran
und Japan ihn ueberzeugt hat, dess hier ein revolutionaerer Wirkungsstoff zu finden ist, allerdings verschiedene Grade der Intensitaet im gesamten Asien anzutreffen sind.
Brophy weist darauf hin, dass die Voelker Asiens Nationalisten
sind, sie wuenschen fuer ihre Laender Unabhaengigkeit und Gleich6 -

�heit mit den anderen Nationen der Welt. Dieses Streben nach nationaler Unabhängigkeit war das Ziel revolutionaerer Bemuehungen der
Kommunisten, um durch diesen Wirkstoff Volkstuemlichkeiten zu erhaschen, heute muessen sie aber die Voelker taeuschen, um die
asiatischen Nationalisten in das sowjetische Lager herueberzuziehen.
In fast allen Laendern sind die Gewerkschaften hoch schwach,
obgleich sie sich in Japan ausgezeichnet entwickelt haben. Das
Fussfassen des I.B.F.G. in Asien hat einen neuen "Lebensanspruch"
der Arbeiter bewirkt und einen neuen Begriff der Organisationsarbeit fuer viele asiatische Gewerkschaftsorganisationen bewirkt,
von denen bereits ein grosser Teil dem I.B.F.G. angehoert.
Obgleich viele Gewerkschafter absolute Nationalisten sind und
ihre Gewerkschaften in der nationalrevolutionaeren Bewegung eingegliedert sind, interessieren sie sich auf der anderen Seite fuer
den gewerkschaftlichen Internationalismus, wie ihn der I.B.F.G.
vertritt und sie vertreten durchaus die Schaffung neuer oertlicher
I.B.F.G.-Verbaende, um durch den Aufbau einzelner Gewerkschaftsgruppen eine machtvolle Organisation zu begruenden.
Die Milliarden Menschen, die auf dem asiatischen Kontinent leben, haben den niedrigsten Lebensstandard der Menschen der Welt.
Wenn sie sich, der Sache der weltweiten demokratischen Politik verschreiben wollen, somuss ein Beginn damit gemacht werden, ihren
Lebensstandard zu verbessern.
Die Vertreter des Komitees erkannten sehr schnell, dass ihre
gesamte Organisation den asiatischen Arbeitern helfen muss. Ein
Weg, auf dem dies geschehen kann, ist die unter Drucksetzung europaeischer und amerikanischer Gesellschaften, die mit diesen Laendern geschaeftliche Beziehungen haben. Durch diesen Druck muss
erreicht werden, dass sie 3ich zu einer Verbesserung der Lebenshaltung fuer Hunderttausende von Arbeitern bereit erklaeren.
Gerade jetzt koennten viele dieser Gesellschaften, die zum Beispiel mit Gummi, Oel, Zinn, Tee oder anderen kolonialen Guetern
Handel treiben, wesentlich zu einer Steigerung der Lebenshaltung
in Asien .beitragen. Viele asiatische Arbeiter sind es gewohnt nur
im Lichte dieser Gesellschaften Amerika zu beurteilen. Man kann
sich dabei vorstellen wie die Eindruecke beschaffen sind, die sich
hier gebildet haben.
Natuerlich benutzen die Kommunisten jeden Vorteil, der sich
aus dieser Situation ergab und sie haemmern unablaessig auf diesem
Thema des "amerikanischen Imperialismus" herum. Aber diese Artikel
erscheinen in vielen nichtkommunistischen Zeitungen und Zeitschriften und sprechen zu einer weiten Oeffentlichkeit.
Ungluecklicherweise scheinen unsere Propagandisten diese Probleme nicht zu erkennen, dadurch wird die amerikanische Lebensauffassung in einer sehr engen Bahn dargestellt.
Die aussen jedoch haben eine wesentlich bessere Kenntnis der
augenblicklichen Schwierigkeiten und der bestehenden Vorurteile
und sie wissen sich dieser Moeglichkeiten sehr gut zu bedienen. Die
meisten asiatischen Gewerkschaftsfuehrer glauben an eine Zukunft,
in der sie die bestehenden Gesellschaften als eine Kombination des
Gemeinbesitzes ansehen, in die die allgemeine Industrie und die der
Grundstoffe einbezogen wird, wobei jedoch private Unternehmen weiter
bestehen sollen.
Jeder Versuch, so warnt Brophy ausdruecklich, das freie Unternehmertum als das einzige Mittel d.es wirtschaftlichen Fortschrittes
7 -

�hinzustellen, wuerde uns voellig in eine Sackgasse fuehren. Ganz
Asien ist ausserordentlich an den verschiedenen Programmen interessiert, die mit technischen Unterstuetzungen den Lebensstandard
verbessern sollen« üine dieser Moeglichkeiten ist von Praesident
Truman in seinem Punkt-Vier-Programm mit einem Anfangsbetrag von
25 Millionen Dollar in Gang gebracht worden. Die CTO-Vertreter
haben von Anfang an scharfe Kritik an diesem Betrag geuebt, weil
er viel zu gering erscheint, um sich auswirken zu koennen.
Die Briten arbeiten an einem aehnlichen Plan. Die Vereinigten Staaten haben eine ganze Anzahl Projekte laufen, um Gesundheitswesen, Handel, Landwirtschaft und Finanzfragen in verschiedenen asiatischen Laendern zu foerdern.
Die Delegation des I.B.F.G. bestand neben Brophy aus Gordon
Chapmann von der AFL, J". W. Dalley von den britischen Gewerkschaften, Robert Dekeyzer von der belgischen Gewerkschaftsbewegung und
Deven Sen vom indischen National-Kongre3S der I.B.F.G. Gewerkschaften. Sie wurden von Tay Krane vom I.B.F.G.-Vorstand begleitet,
der frueher fuer den CIO in Europa arbeitete, und Richard Deverall,
dem ehemaligen Schulungsleiter der Automobilarbeitergewerkschaft,
der baute die AFL in Indien vertritt.
Bevor die Ke^imission nach Asien fuhr, besuchte sie Genf, um
einer Konferenz der Internationalen Arbeits-Organisation beizuwohnen. Hier hatte sie Gelegenheit, mit einer ganzen Reihe asiatischer Gewerkschaftsvertreter zu sprechen, und konnte hier bereits ihre Reiseplaene und Vereinbarungen fuer Konferenzen festlegen.
Das I.B.F.G.-Komitee teilte sich in zwei Untergruppen, damit
alle Staaten, die besucht werden sollten, auch tatsaechlich besucht
wurden. Eine Gruppe ging nach Pakistan, Indien, Ceylon, Hongkong,
Singapur, den Malaiischen Staaten, Siam, Philippinen, Japan und
Formosa. In jeder Stadt wurde die Kommission durch die Vorsitzenden der oertlichen Gev^erkschaf tsbewegung willkommen geheissen,
dann begannen eingehende Unterhaltungen, die in englisch oder mit
Hilfe des Dolmetschers oertliche Gewerkschaftsprobleme zum Gegenstand hatten.
Durch diese Gespraeche sind fast alle Probleme zum Vorschein
gekommen, die in Asien existieren. Alle diese Voelker arbeiten,
sie denken nach und sind zu Experimenten bereit.
Sie sind ueberaus interessiert, zu hoeren, was unsere Gewerkschaften tun und sie legen grossen Wert auf Ratschlaege, was sie
selbst tun koennen, um ihre eigenen Organisationen wirksam aufbauen zu koennen.
In einigen Laendern sind natuerlich die wirtschaftlichen Fragen in erster Linie landwirtschaftlicher Art, in anderen besteht
eine betraechtliche Industrie fuer Stahl, Textilien oder Gummi,
und hier werden die Gewerkschaften auch nach und nach staerker.
Ueberall jedoch waren die Leute sehr begeistert ueber den Schritt
des I.B.F.G., und sie wollen noch mehr darueber erfahren. Es besteht eine ausgezeichnete Moeglichkeit, um den demokratischen
Fortschritt zu sichern und eine moderne Gewerkschaftsbewegung in
Asien zu gruenden. Es haengt allerdings viel davon ab, ob diese
Moeglichkeiten sich in naechster Zukunft realisieren lassen.
CIO News
9/18/50

- 8-

�WAHRHEIT UND ANSTÄNDIGKEIT SIND DIE LEITSAETZE DER GEWSRKSCHAFTSPRESSE"
Die Gewerkschaftspresse hat eine schwere Verantwortlichkeit
gegenueber der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu erfuellen.
Ebenso wie die Gewerkschaftsbewegung muss die Gewerkschaftspresse
immer daran denken, dass sie ueber jede Verdaechtigung erhaben
se^n muss. Die Gewerkschaftspresse hat grosse Fortschritte in
der Hoehe der Auflage, ihrem Einfluss und ihrem Prestige waehrend
der letzten 20 Jahre ?u verzeichnen. Dieser wachsende Einfluss
Ist zum groessten Teil auf die wahren und ungeschminkten Berichte
ueber alles Geschehen in den Gewerkschaften zurueckzufuehren, die
die Gewerkschaftspresse in ihren Nachrichtenspalten den Lesern
mitteilt. Jene Gewerkschaftsorgane, die Anzeigen aufnehmen,
wachen darueber, dass keine unwahren, verdaechtigen und gegen die
Gewerkschaftsbewegung gerichteten Berichte als bezahlte Anzeigen
veroeffentlicht werden und da sie s,ich immer ihrer Verantwortlichkeit bewusst sind, den guten Nfimen der Gewerkschaftsbewegung zu
erhalten, bemuehen sie sich, uebergenau zu sein, wenn der Eindruck entstehen koennte, dass eine Druckmassnahme angewendet wird
oder eine Ungeschicklichkeit durch die Wirkung des Anzeigenteils
entstehen koennte. Das wachsende Prostige der Gewerkschaftsnresse
wird dann und wann von skrupellosen Geschaeftsleuten zu stoeren
versucht, die sich darum bcmuehen, diese Anstrengungen dadurch
zunichte zu machen, indem sie sogenannte "unabhaengige" Gewerkschaftszeitungen schaffen, deren einziger Zweck es ist, sich von
solchen Unternehmen Anzeigen geben zu las-stn, die nur wenig od^r
ueberhaupt nicht ueber die Dinge informiert sind und diesen sonderbaren Druckmethoden nachgeben. Niemals wuerdeein wirklicher
Gewerkschaftsvertreter einer solchen Praxis irgendwelchen Raum
geben, weil er weiss, dass er damit der i'ache der Gewerkschaftsbewegung ausserordentlich schaden wuerde. Die Konferenz der Gewerkschaftspresse bestaetigte erneut ihren festen Entschluss, ihre
bisherigen Methoden beizubehalten und sie weiter beizubehalten,
um mit allen Mitteln den guten Namen der Gewerkschaften reinzuhalten und sich von allen Massnahmen gewissenloser und lediglich auf
den Profit bedachter Einzelgaenger abzusetzen. Die Konferenz der
Gewerkschaftspresse bestfeetigte, dass die uebervviegende Majoritaet
der Gewerkschaftsorgane sich ihrer Verantwortlichkeit bewusst ist
und diese auch freiwillig sich auferlegt, ^urch diese ;.!ar,s nahmen
traegt auch die Gewerkschaftspresse dazu bei, da3s die Macht und
das Prestige aller Gewerkschaftszeitungen steigt. Die Konferenz
der Gewerkschaftszeitungen begruesstö die kuorzlichen Aktionen des
Exekutivrtts der amerikanischen Fedöration of Labor gegen den
"Gswerkschartskourier" und bittet nachdruecklich den Exekutivrat,
weiterhin seine Untersuchungen gegen unwahre Praktiken fortzusetzen und geeignete und wirksame Massnahmen gegen jedes und alle
sogenannten nGewerkschafts"-Zeitungen durchzufuehren, ganz gleich
ob sie bedeutender oder unbedeutender sind, sobald sie schuldig
werden, unsaubere und schmutzige Praktiken in ihrem Anzeigenteil
zu dulden.
AFL Weekly News Service
9/8/50
GREEN FORDERT PREISKONTROLLE UND S ONDSRSTSUERN AUF KRIEGS GEWINNE
Der wiedergewaehlte Vorsitzende der amerikanischen Federation
of Labor, William Green, verlangte eine wirksame Preiskontrolle
fuer die wichtigsten Waren und eine Steuer auf ueberhoehte Gewinne,
die zugleich eine wirksame finanzielle Hilfe sein kann, den Krieg
in Korea zu beenden und eine verderbliche Inflation unmoeglich
zu machen.
•
- 9-

�Diese Forderungen brachte Green in einer Ansprache zum Ausdruck, die er anlaesslich einer Tagung der Gewerkschaftsliga fuer
politische Erziehung hielt. Der Vorsitzende des nationalen Sicherheitsausschusses, W. Stuart Symington, sprach hier ebenfalls und
sagte: "Wenn Korea uns eins gelehrt hat, so ist es die Tatsache,
dass eine friedliebende Demokratie nicht auf weitere Angriffsakte
warten darf, um eine Mobilisierung durchzufuehren, die dieser
Aggression begegnen soll. Wir muessen heute eine Verteidigung aufbauen, die ausreichend ist, um mit unseren Verbuendeten jene Entscheidungen der Vereinten Nationen durchzufuehren, die im Interesse
eines Weltfriedens gemacht worden sind." Green fuehrte im einzelnen aus: "Ein tatsaechliches und wirksames Verteidigungsprogramm
erfordert eine schnelle Umstellung unserer industriellen Kapazitaet
und einen voelligen Wechsel unserer nationalen Wirtschaft. Dies
ist keineswegs ein mueheloses Beginnen. Wir brauchen eine Sondersteuer fuer uebermaessige Gewinne, weil seit dem Beginn des KoreaKonfliktes sowohl unser Verteidigungsprogranm als auch jeder einzelne Verbraucher durch die sich in weitesten Kreisen breitmachende Profitsucht geschaedigt worden sind. Wir benoetigen Preiskontrollen fuer viele Waren und Dienstleistungen, weil die Preise
waehrend der letzten sechs Wochen zuweilen wolkenkratzeraehnlich
gestiegen sind. Unter Umstaenden koennen die Löhne stabilisiert
werden, aber dies erscheint ziemlich unmöeglich, da die Loehne
sich nicht veraendert haben, seitdem jene Notzeit' begann. Der von
mehr als 99% aller amerikanischen Arbeiter nach Hause gebrachte
Lohn ist unveraendert geblieben, waehrend die Preise in die Hoehe
geschossen sind. Wenn heute die Loehne auf dem alten Stand verbleiben sollten, so waere es eine Ungerechtigkeit, die gegenwaertigen Verhaeltnisse zu stabilisieren. Es muss eine Gelegenheit gegeben werden, die Loehne wieder auf einen paritaetischen Stand
mit den gestiegenen Preisen zu bringen, ehe irgendein Versuch gemacht wird, eine Lohnkontroll©, auszuueben. Die Ansprache des Vorsitzenden William Green war der Hoehepunkt einer Gedenkfeier in
Chikago, an der 75,000 Personen teilnahmen. Bei Beginn der Feierlichkeiten wurde ein riesiges Portrait des Gruenders der AFL,
Samuel Gompers, enthuellt.
AFL Weekly News Service
9/8/50
Dan Smith:
JA° R 00SEVELT-C OLLEGE ITT ClilKAOO
Das College in Chikago ist die groesste Schule der Gewerkschaften. Unter den annaehernd 100 Universitaeten und Hochschulen, die
ietzt Kurse ueber Geverkschaftsfragen durchfuehren, steht das
Roosevelt-College in Chikago an der Spitze. Das Roo'sevelt-College
i3t wahrscheinlich das am schnellsten gro sgewordene Erziehungsinstitut. Es ist die einzige Hochschule, die fuer die gewerkschaftliche Erziehungsarbeit eine eigene Schule zur Verfuegung stellt.
Die Abteilung fuer gewerkschaftliche Schulung an dieser Kochschule
hat denselben Status wie die Wirtschaftshochschule, die Hochschule
fuer Kuenste und Wissenschaften und die Hochschule fuer "usik.
Ihr Programm steht allen Arbeitern offen, ohne Ruecksicht auf eine
akademische Qualifikation oder eine fruehere schulische Erfahrung.
Heute nehmen ueber 700 Studenten an £? gewerkschaftlichen Schulungskursen teil, fuer die 18 Lehrkraefte taetig sind, die teilweise aus den Gewerkschaften kommen, zum teil jedoch aus dem Dosentenstab der Hochschule gestellt werden, ein kleinerer Teil
kommt aus der praktischen industriellen Arbeit. Der Verantwortliche fuer die gewerkschaftliche Schulungsarbeit ist Frank
- 10 -

�McCallister. Die meisten Kurse werden einmal in jeder Woche an
einem Abend in Gewerkschaftsraeumen durchgefuehrt. Dies erfolgte auf das Ersuchen der Gewerkschaften, die ihre Mitglieder dieser Schulungsarbeit zufuehren will. Darueber hinaus befinden
sich vier Klassen in den eigenen Raeumen der Hochschule im alten
Auditorium Chikagos. Die hier abgehaltenen Kurse haben als Thema
gewerkschaftlichen Journalismus, Wirtschaftswissenschaften, Zeitund Bewegungsstudien und parlamentarische Formeln. Die ausserhalb der Hochschule durchgefuehrten Kurse fuehren in ihrem Vortragsprogramm Gewerkschaftsgeschichte und Funktionaerschulung,
Auswertung des Arbeitsplatzes und die Beziehungen der industriellen Technik zu Tarifvertraegen und anderes. Obgleich die Hochschule mehr als 6 000 Studenten 7jaehlt, besteht sie erst fuenf
Jahre. Sie oeffnete im September 1945 mit 1 200 Studenten ihre
Pforten und zaehlte damals 84 Lehrkraefte. Die Gruendung der
Hochschule ist auf einen Streit zwischen Dr. Edwards J". Sparling,
dem Gruender und Rektor, und dem Aufsichtsrat der zentralen
Y.M.C.A.-Hochschule zurueckzufuehren, die damals Dr. Sparling leitete. Dr. Sparling ueberwarf sich mit dem Aufsichtsrat der
Y.M.C.A.-Hooiischule , als dieser darauf bestand, ein QJuotensystem
fuer die Minoritaetengrupoen festzulegen. Ebenso wuenschte Sparling, ein Arbeiterschulungsprogramm an dieser Y.M.C.A.-Hochschule
einzufuehren, was jedoch von dem Verwaltungsrat abgelehnt wurde.
Die meisten Lehrkraefte der Y.M.CA.-Hochschule und eine grosse
Anzahl der Studenten folgten Dr. Sparling in seine neue Hochschule
Heute sitzen zwei Gewerkschaftsangestellte im Aufsichtsrat. Der
eine Ast Morris Bialis vom Ortsausschuss der Chikagoer Damenoberbekleidungsarbeiter-Gewerkschaft, waehrend Harold Ickes Aufsichtsratsvorsitzender ist.
Studenten, die sich fuer gewerkschaftliche Schulungskurse
einschreiben lassen, muessen eine Gebuehr von neun Dollar fuer
jeden achtwoechigen Kursus zahlen, aber die gewerkschaftliche
Schulungsabteilung greift hier oft helfend ein durch die Sonderbeitraege, die die Gewerkschaften entrichten. Die Gewerkschaft
der Damenoberbekleidungs-Arbeiter ueberwies in diesem Jahre der
Hochschule £500 Dollar. Im vergangenen Dezember gelang es den
Chikaflroer Gewerkschaften 10,000 Dollar dadurch aufzubringen, dass
sie ein Dinner fuer William 0. Douglas vom amerikanischen Obersten Gerichtshof gaben, wobei jedes Gedeck 100 Dollar kostete.
In seiner Gruendungsakte, die das Datum des 17. April 1945 traegt,
hat die Hochschule ihre Absichten mit folgenden Worten niedergelegt: "Fuer diese Hochschule soll ein Lehrerkollegium geschaffen
werden, das frei und unabhaengig die Wahrheit lehrt und weitertraegt, und gleichzeitig die Schulungsmoeglichkeiten allen Menschen beider Geschlechter und der verschiedenen Rassen zu gleichen
Bedingungen sicherstellt.
AFL Weekly News Service
8/22/50
NEUES RUMAINISCHES ARBEITSGESETZ
"Die Veroeffentlichung eines neuen Arbeitsgesetzes hat eine
starke Beunruhigung unter den rumaenischen Arbeitern zur Folge
gehabt."
Dies ist die Schlussfolgerung eines Aufsatzes in der Zeitung
"Der Gewerkschafter im Exil", die von der Internationale der
Freien Gewerkschaften im Exil in Paris herausgegeben wird. Der
erwaehnte Artikel entstammt der Feder Stere Inoescu-Visan, der
frueher der Gewerkschaft der Berg- und Transportarbeiter in Bukarest angehoerte. Der Artikel stellt heraus, dass nach dem neuen
Arbeitsgesetz jedes einzelne Unternehmen besondere "interne Arbeitsregeln" festlegen muss, die nach dem Wortlaut des Gesetzes
- 11 -

�"die Arbeitsorganisation und die Disziplin in den einzelnen Werken regeln muessen." (Artikel 24). Liese Regeln werden durch
gemeinsame Vereinbarungen zwischen deii "Gewerkschaften" und den
Behoerden festgelegt, wie es sich aus dem Artikel 25 ergibt.
"Es koennte angenommen werden", so heisst es in dem Bericht,
"dass diese Vereinbarungen mit den obwaltenden Begebenheiten in
Uebereinklang stehen. Aber es muss darauf hingewiesen werden,
dass in den volksdemokratischen Staaten die Gewerkschaften nicht
durch die Arbeiter in freien Wahlen gebildet werden, sondern
durch die kommunistische Partei "beauftragt" werden. Und koennen solche "ernannten" Leute gegen die Entscheidung ihres Unternehmers Staat handeln? Natuerlich nicht, und aus diesem Grunde
richten sich die Arbeitsregulierungen ausschliesslich gegen die
Arbeiterschaft."
Weiterhin "werden die Standardleistungen, die von diesen
Organisationen festgelegt worden sind, staendig erhoeht . . . .
Nur die Verantwortlichkeit und die Verpflichtung der Arbeiter
werden genau festgelegt, waehrend die Verpflichtungen der Unternehmer ueberhaupt nicht erwaehnt werden. Kann ein solches Gesetz
sich in irgendeiner Weise zugunsten der Arbeiterschaft auswirken?"
Nach einer Analyse der Lohnabzuege fuer irgendwelche "Verfehlungen", die in dem neuen Arbeitsgesetz ebenfalls enthalten ist,
sei es, dass durch eine solche "Verfehlung" die festgesetzte Norm
nicht erreicht wird, oder Arbeitsverweigerungen kleineren Massstabes oder Sachschaeden sHch ergeben,,immer buerdet das neue
Arbeitsgesetz den Arbeitern eine Fuelle von Verpflichtungen auf,
anstatt die Interessen der Arbeitenden in irgendeiner Weise zu
beruecksichtigen. Das ganze Gesetz gibt ausschliesslich dem Staate
Vorteile, einem Unternehmer-Staat, der die Arbeiter jeder Rechte
beraubt und sie ruecksichtslos ausbeutet.
"Die Arbeiter freier Laender moegen hieran erkennen, .dass die
Arbeitsgesetzgebung in der rumaenischen Volksrepublik, ebenso wie
in der IJdSSR, die getreulich kopiert wird, eine voellig ueberholte
Form der Arbeitsgesetzgebung in anderen Laendern ist."
"Der kommunistische Vorsitzende der rumaenischen Gewerkschaftsbewegung, der dieses Gesetz als ein leuchtendes Beispiel gegenueber
gleichen Gesetzen in sogenannten- kapitalistischen Sta&amp;ten kennzeichnete, muss entweder diese Gesetze der kapitalistischen Staaten
nicht kennan oder er hat andere Ursachen, die Wahrheit zu verschweigen."
- 12 -

O f f i c e of L a b o r A f f a i r s ,
APO 757-A

HICOG

HICOO R-1780 L 4 B Oct 5 0 5 M

OFTICIAL

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEK
Di* folgenden Artikel stellen Aaszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG. APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auck einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inkalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Heben Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 32

Frankfurt, 13. Oktober 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Griechenland braucht starke Gewerkschaftsbewegung
Arbeitsminister Tobin fordert Unterstuetzung der
geknechteten polnischen Arbeiter - - - - - - Kubanische Gewerkschaft bricht mit Kommunisten Abschluss der AFL-Jahreskonvention - - - - - - Fast eine Million neue Wohnungen in den Vereinigten Staaten - - - - - - - - - - - - - - - - Norwegische Gewerkschaftsdelegation in Russland Niederlage der Kommunisten in einer oesterreichischen Gewerkschaft - - - - - - - - - - - Shishkin berichtet der AFL vom Wiederaufbau
Europas - - - - - - - - - - - - - - - - - - Schweden gibt 3000 Auslaendern Arbeit - - - - - Vereinigungsfreiheit in Venezuela bseintraechtigt
IBFG fordert internationale Preiskontrollen - - Amerikanische Stahlarbeiter fordern Lohnerhoehung
Gewerkschaften aus aller Welt billigen die Massnahmen der Vereinten Nationen in Korea - - - Funktionaer -des CIO vertritt IBFG bei den
Vereinten Nationen - - - - - - - - - - - - - -

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GRIECHENLAND BRAUCHT STARKE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
In ihren Reden an den Zehnten Panhellenischen Gewerkschaftskongres3 ueberbrachten Evert Kupers und Percy Knight den griechischen Gewerkschaften die Gruesse des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften und erklaerten vor den 1800 Delegierten, dass ihre
Beschluesse nicht nur fuer die griechische Arbeiterschaft, sondern
fuer die Arbeiter der ganzen Welt von Bedeutung seien.
Eüide Redner wiesen auf die Bedeutsamkeit einer starken Gewerkschaftsbewegung hin, die im Auftrag ihrer Kitglieder und unabhaengig von der Regierung, den Arbeitgebern und den politischen
Parteien freie TarifVerhandlungen fuehrt. In diesem Zusammenhang
forderte Kupers insbesondere die Abschaffung derjenigen Gesetze,
die einen Gewerkschaftspflichtbeitrag vorsehen, der der Regierung
zugefuehrt wird, und die den Ministern fu9r Arbeit und Finanzen
die Festlegung der Loehne uebertragen. Sowohl er als auch Knight
schlugen eine vereinfachte Organisation der griechischen Gewerkschaftsbewegung vor, wobei die Rolle der Landesverbaende der verschiedenen Berufsgruppen besonders unterstrichen werden muessen.
1

�Kupers berichtete den Delegierten, wie der groesste Teil
der demokratischen Gewerkschaftsgruppen nach dem Kriege versucht
hat, mit den Arbeitern in den Laendern der sowjetischen Einflusssphaere zusammenzuarbeiten, und wie sie sich durch die Gruendung
des Weltgewerkschaftsbundes mit ihnen vereinigten. Dann ging er
zu den Versuchen der Kommunisten ueber, den Weltgewerkschaftsbund
als ein Werkzeug zur Verwirklichung ihrer politischen Herrschaft
zu gebrauchen. Er erzaehlte, wie die freien Gewerkschaften
schliesslich gezwungen waren, sich von dieser Organisation loszusagen und den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften ins
Leben zu rufen, dessen Aufgabe es ist, die Bemuehungen der Arbeiter
zur Erreichung eines hoeheren Lebensstandards zu koordinieren,
eine Aufgabe, in der der Weltgewerkschaftsbund versagt hatte.
Der endgueltige Bruch mit dem Weltgewerkschaftsbund, erklaerte
Kupers, sei besiegelt gewesen, als die Kommunisten versuchten,
den Marshall Plan zu unterbinden und dadurch den Wiederaufbau
Europas zu sabotieren.
"Wir haben niemals bereut, dass wir den Marshall plan unterstuetzen," sagte er und wies darauf hin, dass die Arbeiter seines
eigenen Landes, Hollands, ohne den Marshall Plan heute 25$ weniger
zu essen haetten. "Die ablehnende Haltung der Kommunisten dem
Marshall Plan gegenueber ist auf deren Bestreben zurueckzufuehren,
den Wiederaufbau eines wohlhabenden Westeuropas mit einem hohen
Lebensstandard zu verhindern."
"Die kommunistischen Fuehrer wissen," fuehrte er weiter aus,
dass es ihnen niemals gelingen wuerde, die Demokratie durch ihren
Totalitarismus zu ersetzen, wenn die Arbeiter der Demokratien
unter anstaendigen Lebensverhaeltnissen leben."
n

Knight unterstrich ausserdem die Bedeutung, die der Hebung
des Lebensstandards der Arbeiter im Kampf gegen den Totalitarismus
zukommt. "Keine Nation, die bestrebt ist, mit dem Fortschritt
anderer Nationen Schritt zu halten, kann es sich leisten, die
schlechten Bedingungen, unter denen ihre Arbeiter ihr Tagewerk
verrichten, und die Verhaeltnisse, unter denen sie leben, unbeachtet zu lassen."
Arbeitsmitteilungen der ECA
1/2/50
ARBEITSMINISTER TOBIN FORDERT UNTERSTUETZUNG DER GEKNECHTETEN
POLNISCHEN ARBEITER
"Die Arbeiter in Polen werden bald erkennen, dass sie weit
davon entfernt sind, ihre eigenen Herren zu sein, wie es ihnen ihr
Staat glauben machen moechte; ihr einziger Lebenszweck unter dem
kommunistischen Regime ist die Produktion," erklaerte der amerikanische Arbeitsminister Maurice J. Tobin in einer Rundfunkanspraohe
in den Vereinigten Staaten.
Tobin forderte die amerikanische Arbeiterschaft auf, das polnische Volk in seinen Freiheitsbestrebungen zu ermutigen. "Es
ist an der Zeit, dass die freien Menschen der ganzen Welt gemeinsam
bitten und arbeiten, um jene zu befreien, die der kommunistischen
Aggression und Unterdrueckung hinter dem Eisernen Vorhang zum
Opfer gefallen sind."
Bezugnehmend auf eine polnische Arbeitsverordnung, das Gesetzjournal Nr. 20, gab der Minister einige Beispiele zu Strafen, die
in Polen wegen Verletzung der Arbeitsdisziplin verhaengt werden:
- 2 -

�Wenn ein Arbeiter zum erstenmal ohne "Berechtigung" seinem
Arbeitsplatz fernbleibt, wird er verwarnt oder zu einer Geldstrafe verurteilt, die einem Tagesverdienst entspricht. Dabei entscheidet der Ministerrat, was "berechtigt" und was "nicht berechtigt" ist.
Wenn er ohne Entschuldigung drei Tage lang oder zum drittenmal in einem \Kalender jähr abwesend ist, erhoeht sich die Strafe
auf zwei Tagesloehne fuer jeden Tag der Abwesenheit. Es ist ausserdem sehr leicht moeglich, dass der Arbeiter an einen schlechter
bezahlten Arbeitsplatz gestellt wird.
Wenn ein Arbeiter vier Tage ununterbrochen oder vier Tage im
Verlauf eines Kalenderjahres seiner Arbeitsstelle fernbleibt, wird
er zu einer gerichtlichen Strafe verurteilt, die darin besteht,
dass er bis zu drei Monaten mit einer Lohnkuerzung von 10 bis
25$ die gleiche Arbeit verrichten muss.
Das Gesetz sieht ausserdem die Bestrafung eines Arbeitgebers
vor, der den Arbeitern gegenueber zu nachgiebig ist. Er setzt
sich einer Gefaengnisstrafe bis zu drei Monaten oder einer Geldstrafe bis zu 150.000 Zlotys (was einem Verdienst von 4 1/2 Monaten entspricht) oder auch beiden Strafen aus, wenn er "absichtlich
und im Gegensatz zu den Tatsachen die Abwesenheit eines Arbeiters
als gerechtfertigt befindet," keine Strafe verhaengt oder den Fall
nicht zur Anzeige bringt.
"Dies soll ein Beispiel fuer Produktion und Fortschritte
unter der Herrschaft der Kommunisten sein," fuehrte Tobin aus.
Der Minister wies darauf hin, dass es in Polen zwar Gewerkschaften gibt, diese jedoch keine Vertretergewerkschaften sind, deren Aufgabe die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und die Hebung
des Lebensstandards ist, sondern die lediglich Organisationen von
Arbeitskraeften darstellen, die die Ziele des kommunistischen Programms verfolgen.
"Die Gewerkschaften dienen nicht als Verhandlungsagenten oder
Beschwerdeausschuesse und verhandeln nicht einmal Vertraege. Nein,
ihr einziger Zweck besteht darin, fuor Arbeitsleistung und Arbeitskraef te zu sorgen und eine verwaltungsmaessige Kontrolle ueber die
Arbeiter auszuueben. Es ist richtig, dass ein polnischer Arbeiter
einer Gewerkschaft beitreten kann. Tut er dies nicht, und stellt
er sich nicht fuer den Produktionsprozess zur Verfuegung, dann geraet er in Schwierigkeiten. Es ist ihm erlaubt, sich den vielen
Millionen "befreiter" Menschen anzuschliessen, die als Zwangsarbeiter fuer die Kommunisten schaffen."
Tobin sagte, er sei ueberzeugt, dass sich die amerikanische
Arbeiterschaft, "die, wie Samuel Gompers vor 26 Jahren erklaerte,
immer fuer sich und fuer die Kinder der ganzen Welt gekaempft hat,
um das Unrecht zu beseitigen und dem Recht zum Sieg zu verhelfen,"
sich der "ethischen Verpflichtung" von heute nicht entziehen wird,
die von den Kommunisten unterjochten Menschen zu unterstuetzen.
Labor Press Service, US Department of
Labor
X/2/50
KUBANISCHE GEWERKSCHAFT BRICHT MIT KOMMUNISTEN
Der unabhaengige nationale Verband der Arbeiter der Elektrizitaet3-, Gas- und Wasserwerke von Kuba hat sich auf seiner Jahre s- 3

�konvention einstimmig fuer den Abbruch aller Beziehungen zu den
beiden kommunistischen Internationalen, dem Lateinamerikanischen
Gewerkschaftsbund und dem Weltgewerkschaftsbund, ausgesprochen.
Dies teilte das Arbeitsministerium der Vereinigten Staaten von Amerika mit.
Die Gewerkschaft stimmte ausserdem einstimmig dafuer, alle,
die als Kommunisten bekannt sind, aus der Organisation auszustossen.
Dieser Verband ist eine der wenigen bedeutsamen Gewerkschaften
Kubas und war bisher nicht dem kubanischen Gewerkschaftsbund angeschlossen, der Mitgliedsverband des nichtkommunistischen Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften ist.
Labor Press Service, US Arbeitsministeriua
Z/2/50
AB5CHLUSS DER AFL- JAHPJSSK OKVENTI CR
Vor der Jahreskonferenz der AFL, die am 23. September in
Houston ihren Abschluss fand, gaben Beobachter dei Gewerkschaftsbewegung aus der ganzen Welt einen Rueckblick auf die internationalen
Entwicklungen in der Gewerkschaftsbewegung.
Irving Brown» der Vertreter der AFL in Europa, stellte folgende Forderungen: "Die ideologische Wiederbewaffnung", die die
europaeischen Lae'nder im Kampf gegen den kommunistischen Einfluss
vereinigt, die Ablehnung jeglicher Buendnisse mit Diktaturen wie
diejenigen Frankos und die industrielle und militaerische Mobilisierung zur Unterstuetzung der gemeinsamen Verteidigung Europas.
Aloizy Adamczyk, der Praesident des Internationalen Freien Gewerkschaftszentrums im Exil, dankte dem Freien Gewerkschaftskomitee
der AFL fuer die Hilfe, die es seiner Organisation zuteil werden
Hess.
Die Delegierten billigten den Bericht des AFL Ausschusses
fuer internationale Arbeitsbeziehungen, in dem vorgeschlagen wird,
dass die Vereinigten Staaten innerhalb der Organisation der Vereinten Nationen eine Kampagne zur Beseitigung "der letzten Spuren von
Kolonialismus und imperialistischen Methoden" fuehren. Ausserdem
wurde dem Marshall Plan Programm, dem Punkt-Vier-Programm Praesident Trumans und einem Vorschlag zur Schaffung einer staendigen
Sicherheitsstreitmacht der Vereinten Nationen die Unterstuetzung
zugesagt.
Fuer die Vereinigten Staaten selbst forderte der Arbeitsminister Maurice J. Tobin Selbstbeschraenkung in den Lohnforderungen
der Gewerkschaften, um Preis- und Lohnkontrollen zu vermeiden. Er
wies auf die drohenden Gefahren der Inflationsspirale hin, die durch
steigende Loehne und damit verbundene Preissteigerungen in Bewegung
gebracht wuerde. Die AFL billigte ein Wirtschaftsprogramm, nach
dem sofortige Lohnkontrollen abgelehnt werden. Die Delegierten stimmten in der Auffassung ueberein, dass Produktionsleistung und Erhoehungen der Lebenshaltungskosten bei der Festlegung des Lohnstandes
mitbestimmend sein muessen. Ausserdem wurde eine Resolution angenommen, in der Massnahmen zur Vereinigung zwischen AFL und CIO gutgeheissen werden.
Die Zahl der beitragszahlenden Mitglieder, die die Wahlstaerke
der der AFL angeschlossenen Gewerkschaften widerspiegelt, ist um
fast 100.000 niedriger als im vorigen Jahre. Die Mitgliederstaerke
der AFL wurde von ihrem Praesidenten, William Green mit 8 Millionen

4

�angegeben. Eine AFL Gewerkschaft hatte einen starken Rueckgang
der Mitgliederzahl zu verzeichnen. Es ist der Verband der Hotelund Gaststaettenangestellten, der 63.000 Mitglieder verlor. Vier
der groessten AFL Gewerkschaften, die der Fahrer, Zimmerleute,
Damenoberbekleidungsarbeiter und Elektroarbeiter berichteten,
dass sich die Zahl ihrer beitragszahlenden Mitglieder nicht veraendert hat. Die Gewerkschaften der Handlanger und der Angestellten im Gebaeudedienst hatten Erhoehungen ihrer Mitgliederzahlen
um je 15.000 zu verzeichnen.
William Green wurde zum 27. Male zum Praesidentan wiedergewaehlt. Auch George Meany, der Finanzsekretaer der AFL, und 13
Mitglieder des Exekutivausschusses wurden durch Wahl in ihren Stellungen bestaetigt.

FAST EINE MILLION NEUE WOHNUNGEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Vorlaeufige Schaetzungen des statistischen Bueros des US Arbeitsministeriums zufolge haben, Wohnungsbauf irmen im Verlauf des
Monats August mit dem Bau von 141.000 neuen, staendigen, niohtlaendlichen Wohnungseinheiten begonnen. Damit erhoeht sich die
Gesamtzahl der in den ersten acht Monaten des Jahres 1950 begonnenen Wohnungsbauten auf 988.400.
Die Gesamtzahl aus den ersten acht Monaten des Jahres 1950
liegt um 54$ hoeher als die der gleichen Monate des Vorjahres.
Obwohl die Zahl der im August neubegonnenen Wohnungsbauten etwas
niedriger als die des Monats Juli ist, ist sie um 42% hoeher als
die des gleichen Monats im Jahre 1949.
Nach neuesten Berichten erhoeht sich die Schaetzung fuer
den Monat Mai auf 149.000, die hoechste Monatszahl des Jahres 1950.
Labor Press Service, US Arbeitsministerium
X/2/50
NORWEGISCHE Gff.VERKSCHAFTSDELEGATION IN RUSSLAND
Odvar Larsen, der Praesident der Eisenbahner-Gewerkschaft Norwegens, besuchte als Mitglied einer Gewerkschaftsdelegation Russland.
Nach seiner Rueckkehr nach Norwegen schrieb er einen Zeitungsbericht ueber diesen Besuch. Darin hatte er viel von der Sowjetunion zu berichten, Gutes und Schlechtes. Er sprach sich anerkennend ueber die Gastfreundlichkeit seiner Gastgeber, die interessanten Museen, von denen eines dem Zar gewidmet ist, und die
schoenen Hotels aus. Zu beanstanden hatte er, dass zahlreiche
Frauen schwere koerperliche Arbeiten verrichten, dass den Arbeitern
moderne technische Hilfsmittel fehlen und das Arbeitstempo in den
sowjetischen Betrieben ungesund ist. Auch die einheitlichen Gewerkschaftsvertreter, der allgemein niedrige Standard der Arbeitsloehne und der Mangel an Verbrauchsguetern fanden nicht seine Zustimmung. Enttaeuscht war er ausserdem ueber den Mangel an Informationen aus der uebrigen Welt.
Abschliessend erklaerte Larsen in seinem ArtiKelj, "Unsere
Gastgeber haben uns aufgefordert, nach unserer Rueckkehr unseren
5 -

�Landsleuten von allen unseren Eindruecken zu berichten."
Dies tat Larsen, aber seine Gastgeber hatten sich.inzwischen
anscheinend eines anderen besonnen. In einem Schreiben an die
sowjetische Veroeffentlichung "Novoje Vremja" erklaerte der Praesident der sowjetischen Eisenbahner-Gewerkschaft, dass Ltirsen
einen "verlogenen und verleumderischen" Artikel geschrieben haette, ohne jedoch genau anzugeben, welche Feststellungen Larsens
unzutreffend sind.
Arbeitsmitteilungen der ECA
U/28/50
NIEDERLAGE DER KCH.TOTISTEN ET EINER OESTERREICHISCHEN GEVTERKSCHAFT
Eine kommunistische Resolution, die 50 000 Chemiearbeiter
Oesterreichs dem kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund
wieder zugefuehrt hatte, ist auf dem zweiten Nachkriegskongress
der Chemiearbeiter in '.Vien abgeschlagen worden. Delegierte, die
90$ der oesterreichischen Arbeiter der Chemie-, Papier-, Gummi-,
Seifen-, Arznei-, Teer-, Asphalt- und Streichholzindustrien vertreten, lehnten ebenfalls eine gegen die Atombombe gerichtete
kommunistische Resolution nach der Art des Stockholmer Friedensappells ab.
Dr. Bruno' "ittermann, ein sozialistisches Mitglied des oesterreichischen Parlaments, erklaerte vor den Delegierten, dass schwere
soziale Konflikte bevorstuenden, wenn die oesterreichischen Arbeitgeber die Forderung weiterhin.unbeachtet Hessen.
Die Gewerkschaften unters tuetzten das europaeis che '.Yiederaufbaupro.^ramm, weil es eine fuer die .Viedergesundung dar oesterreichischen 'Virtschaft unerlaessliche Blutuebertragung sei. Bei der
Verteilung der ECA Hilfe muesste jedoch besonders durch Berufsausbildung und Wohnungsbauprogramme zu niedrigen Preisen den Interessen
der Arbeiter mehr Beachtung geschenkt werden.
Er sarte ausserdem, dass die V.'eigerung massgebender Kreise,
mit der Arbeiterschaft zusammenzuarbeiten, fuer die Schwaeche der
oesterreichischen Republik gegenueber des von Hitler ausgeuebten
Druckes vor dem Kriege mitverantwortlich sei. Dies haette zu Arbeitslosigkeit, zivilen Konflikten und dem Aufstieg der Nazis gefuehrt.
"Heute," so erklaert Pittermann, "wuerden die gerechten Forderungen der Arbeiter nach verbesserten Loehnen und Lebensbedingungen in aehnlicher .'/eise ignoriert. l'aa haette es versaeumt, AntiTrust-Gesetze zu erlassen, und die AUS- und Einfuhrpolitik wuerde
ohne Beruecksichtigung der Interessen der Arbeiterschaft betrieben.
Die oesterreichischen Arbeiter, fuehrte er abschliessend aus,
wuerden sich der uneingeschraenkten Profitmacherei ebenso entschlossen wie dem Totalitarismus widersetzen.
Arbeitsmitteilunfen der ECA
IX/E7/5Ö
SKTSWKIN BERICHTET DER AFL 7CM WIEDERAUFBAU EUROPAS
In einam Bericht an die 69. -Tahreskonvention der AFL hat Boris
Shishkin, der Direktor der Arbeitsabteilung fuer Europa in der
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�I

Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit, die bisher erzielten Erfolge und zukuenftigen Probleme der an dem europaeischen
.Viederaufbauprogramm beteiligten Arbeiter dargelegt.
Shishkin sprach in Houston (Texas). Er dankte der AFL dafuer,
dass sie dem M&amp;rshall Plan wertvolle Unterstuetzung leistet, und
bezeichnete die uebliche Behauptung der Kommunisten, dass der Arbeiter an den Gewinnen aus den Wiederaufbau nicht beteiligt sei,
als eine "unverfaelschte Luege."
Er berichtete von den Vorteilen, die die europaeischen Arbeiter aus dem ERP gezogen heben, und wies in diesem Zusammenhang auf
die grossen Mengen importierter Nahrungsmittel bei Beginn des Programms hin, als die Lebensmittel knapp waren, auf die Rohmaterialien und Maschinen, durch die die Betriebe wieder eroeffnet werden
konnten, und durch die eine unheilvolle Arbeitslosigkeit in allen
westeuropaeischen Laendern vermieden werden konnte. Er sagte,
dass die grundlegenden Ziele des Marshall Planes allmaehlich erreicht wuerden, wodurch der Inflation Einhalt geboten, die '.Vaehrungen wiederhergestellt und der Handel, zwischen den Teilnehmerstaaten angeregt wurde.
Shishkin berichtete ferner von den einzelnen Arbeitsprogrammen,
die von der ECA noch weiter ausgedehnt werden, wie z.B. der Austausch von Studiengruppen von Gewerkschaftern zwischen Europa und
den Vereinigten Staaten, die Zusammenarbeit der Arbeitsaemter der
Teilnehmerstaaten, die Aufstellung von Berufsausbildungsprogrammen
fuer Arbeiter und die Verwendung von Gegenwertfonds zur Durchfuehrung billiger V/ohnungsbauprojekte.
Diese Erfolge, so betonte er vor seiner amerikanischen Zuhoererschaft, seien sowohl durch die direkte amerikanische Hilfe
als auch durch die gegenseitige Zusammenarbeit der europaeischen
Laender und ihre eigenen Progratime der Selbsthilfe ermoeglicht
worden. Die Gewerkschaften haetten sich an allen Phasen dieses
,7iederauf bauprogramms beteilirt.
Diese Erfolge koennten jedoch nicht ueber die Tatsache hinwegtaeuschen, dass der europaeische Arbeiter noch schwierigen Problemen gegenueberstsht. So herrsche in Italien und Westdeutschland infolge der Ueberbevoelkerung bedenkliche Arbeitslosigkeit, und die
ECA sei bemueht, durch Umwanderung, Neuansiedlung und die Schaffung
neuer Arbeitsplaetze diese Schwierigkeiten ueberwinden zu helfen.
Und vor allem bliebe das grundlegende Problem des zu niedrigen Lebensstandards und besonders der niedrigen Realloehne. "Es
steht ausser Frage," sagte der amerikanische Gewerkschafter, "dass
in einigen Laendern - vor allem in Frankreich - Schritte unternommen werden muessen, um den wirklich niedrigen Lebensstandard der
Arbeiter schneller zu heben."
"Es ist jedoch auch wichtig, sich vor Augen zu halten, dass
die demokratischen Regierungen dieser Laender und nicht die ECA
fuer die Massnahmen und Programme verantwortlich sind, mit denen
diese Ziele erreicht werden koennen."
"Die ECA kann und darf nicht fuer die gesetzliche Festlegung
der Loehne verantwortlich gemacht werden. Die Verbesserung der
Loohne in Frankreich und anderen Laendern ist eine Aufgabe, die
die freien Gewerkschaften durch Kollektivverhandlungsverfahren
loesen muessen."
"Die staerkste Macht, die heute in Westeuropa als Bollwerk
g '-Ton den Kommunismus besteht, sind die freien Gewerkschaften. Sie
- 7-

�ihrer grundlegenden Macht - naemlich der Kollektivverhandlung dadurch berauben zu wollen, dass die Regierung allein die Lohnbestinmung vornimmt, waere nach unserer Auffassung die Zerstoerung
der Lebensader der freien Gewerkschaftsbewegung."
/

"In der Organisation fuer die wirtschaftliche. Entwicklung
Westeuropas und in der Organisation der westeuropaeischen Verteidigung gegen Aggressionen sind Massnahmen dringend notwendig, die
eine gerechte Besteuerung gewährleisten und die Ausdehnung der
Monopolherrschaft ueber die europaeischen Industrieunternehmer
verhindern."
"Diese Massnahmen, Reformen und Verbesserungen muessen jedoch, " so hob Shishkin hervor, "aus den europaeischen Laendern
selbst kommen und von der freien, organisierten Arbeiterschaft unterstuetzt werden."
Ohne die grosszuegige Unterstuetzung seitens der Arbeiterschaft Amerikas waere der Marshall Plan unmoeglich gewesen, safte
Shi3hkin, und die wichtigste aufgäbe bestuende fuer die amerikanische Gewerkschaftsbewegung nun darin, den freien Gewerkschaften
Europas weiterhin zu helfen und damit die Gewerkschaftsbewegung
der gesamten freien Welt zu staerken.
Arbeitsmitteilungen der ECA

SCHWEDEN GIBT 5000 AUSLAENDERN ARBEIT
Schweden, eines der £-roessten Einfuhrlaender fuer Arbeitskraefte in Europa, beabsichtigt etwa 3000 auslaendischen Arbeitern
in den kommenden zwoelf Monaten Arbeitsplaetze zu verschaffen.
Hierzu gehoeren 600 Facharbeiter aus Italien fuer die Metallund Elektro-Industrien, 300 ungelernte,meist weibliche Arbeitskräfte aus Schleswig-Holstein, 300 Arbeiter aus Daenemark fuer die
Eisenindustrie, 500 Walderbeit er aus Finnland fuer die Holzindustrie, 1000 weibliche Hausangestellte, die zum groessten Teil aus
Deutschland kommen, und 100 Aerzte aus Oesterreich.
Ausserdem wird Schweden 150 Lungenkranke aus Italien und
Oesterreich zur Behandlung in schwedischen Sanatorien aufnehmen.
Nach ihrer Genesung werden sie in Schweden beschaeftigt werden.
Ausser den auf normalem Wege rekrutierten Arbeitern fuellt
ein staendiger Zustrom von Fluechtlingen aus L£Snciern hinter demEisernen Vornan? die Reihen der Fremdarbeiter. In der Zeit vom
1. Juli 1949 bis 1. Juli 1950 sind 1650 Fluechtlinge, die zum
groessten Teil aus den baltischen Laendern Estland, Lettland und
Litauen kamen, in Schweden aufgenommen worden. Die meisten von
ihnen haben dort arbeitsplaetze gefunden.
Schweden nimmt auslaendische Arbeiter auf, weil seine Bescheeftigungsziffer sehr hoch ist. Sie betraogt gemäss den im Mai 1950
veroeffentlichten Zahlen etwa 98%. Inzwischen hat sich der Beschaeftigungsstand noch erhoeht.
Die Imoortierung von Arbeitskraeften wuerde wahrscheinlich in
noch groesserem Masstabe durchgefuehrt, wenn in Schweden nicht ein
ernsthafter Mangel an Wohnungsmoeglichkeiten bestuende. Es koennen
jeweils nur soviel Arbeiter aufgenommen werden wie passende Wohnungen
zur Verfuegung stehen.
- 3-

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I

Seit einer Reihe von Jahren hat Schweden Arbeitskraefte eingefuehrt, und die Zahl der auslaendischen Arbeiter belaeuft sich
nun auf etwa 90 000. Die groessten nationalen Gruppen stammen
aus Finnland, Daenemark, den baltischen Laendern, Norwegen,
Deutschland, Polen und Italien. Seit 1947 sind \etwa 1500 italienische Arbeiter nach Schweden, gekommen.
Fast die ITfllfte der auslaendischen Arbeiter in Schweden sind
in der Industrie und zum groessten Teil in den Metall- und Textilindustrien und die uebrigen in der Landwirtschaft, Schiffahrt und
dem Kotel- und Gaststaettengewerbe beschaeftigt.
Zur Anheuerung von Arbeitern schickt der koenigliche Arbeitsmarktausschuss der schwedischen Regierung Y/erbebeamte ins Ausland,
denen sich die Antragsteller vorstellen, und die Vorkehrungen zu
ihrer Ueberfuehrung nach Schweden treffen.
Die Zulassung auslaendischer Arbeiter muss von der fuer die
betreffende Industrie zustaendigen schwedischen Gewerkschaft bewilligt werden. Obwohl die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft
nicht erforderlich ist, hat man festgestellt, dass sich die meisten Arbeiter einer schwedischen Gewerkschaft anschliessen. Nach
dem schwedischen Gesetz werden alle auslaendischen Arbeiter nach
den im Lande gueltigen Lohntarifen bezahlt.
Arbeitsmitteilungen der ECA
IX/29/50
V3REINIGUNGSFREIKEIT IN VENEZUELA BEEINTRASCHTIOT?
In einem Bericht der Sonderkommission der Internationalen
Arbeitsorganisation fuer Venezuela, der vom Internationalen Arbeitsamt veroeffentlicht wurde, heiss-t es, dass "die Vereinigungsfreiheit in Venezuela weit davon entfernt ist, vollstaendig zu sein."
Die Mission, die von Jef Rens, dem ersten stellvertretenden
Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation gefuehrt
wurde, hielt sich auf Einladung der venezuelischen Regierung im
Sommer des Jahres 1949 sieben Wochen lang in diesen Lande auf,
um sich "vollstaendige und unparteiische Informationen ueber die
sozialen Probleme, die allgemeinen Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Industrien, die Einkuenfte und den Schutz, der den
Arbeitern nach den bestehenden Gesetzen von der Regierung gewaehrt
wird, und ueber die Entwicklung und die Arbeit der Gewerkschaften
in Venezuela" zu beschaffen. Diese Einladung erfolgte, nachdem
sich die Gewerkschaftsko'nferenz von Venezuela (CTV) bei der Internationalen Arbeitsorganisation darueber beschwert hatte, dass die
Vereinigungsfreiheit in diesem Lande beeintraechtigt sei. Die
Mission uebersandte dem Exekutivausschuss der IAO einen Bericht,
und es wurde auf der Konferenz im Juni 1950 von diesem Ausschuss
beschlossen, diesen Bericht zusammen mit jeglichen Stellungnahmen,
die die venezualische Regierung noch einreichen koennte, zu veroeffentlichen. Diese Stellungnahmen werden bei ihrem Erscheinen
der Oeffentlichkeit'zur Kenntnis gebracht werden.
Die Mission unterhielt sich mit Gewerkschaftsfunktionaeren,
Unternehmervertretern und Regierungsbeamten. Sie wurde in jeder
Hinsicht bei der Durchfuehrung ihrer Untersuchungen unterstuetzt.
Lediglich die Erlaubnis wurde versagt, mit gewissen, in Haft befindlichen Gewerkschaftsfuehrern zu sprechen.
Der Bericht enthaelt genauere Informationen ueber die
c0^^waertige Dasorganisation der Gewerkschaftsbewegung des Landes und
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�die sich hieraus ergebenden Gefahren fuer die wirklich fortschrittlichen venezuelischen Schutzgesetzvorschlaege, deren Verwirklichung zum grossen Teil von den Gewerkschaften abhaengt.
Die Mission schlug "in Anbetracht der von ihr ueberprueften
Lage" vor, dass die venezuelische Regierung, den folgenden Massnahmen "vollste und ernsthafteste Beachtung schenkt, Massnahmen,
die das normale Arbeiten einer gesunden Gewerkschaftsbewegung
ermoeglichen sollen:
1. Die Wiederwahl ehemaliger Mitglieder von Gewerkschaftsausschuessen der Unternehmer müss verboten werden.
2. Die Verpflichtung, dass zur Abhaltung einer Gewerkschaftskonferenz vorherige Genehmigung eingeholt werden muss, muss abgeschafft werden.
S. Den Gewerkschaften muss wieder das Recht zugesprochen
werden, in voller Unabhaengigkeit nationale Verbaende und Buende
zu bilden.
4. Das Recht zu streiken und auszusperren muss innerhalb
der im Arbeitsrecht niedergelegten Grenzen wiederhergestellt werden.
5. Die Zusammenarbeit aller an der Produktion Beteiligten,
die durch freie, starke und unabhaengige Arbeitgeber- und Arbeitnehmer Organisationen vertreten sind, muss auf wirtschaftlichen und
sozialem Gebiet gefoerdert werden."
Seit der Abreise der Mission hat die Regierung folgende Massnahmen getroffen, soweit sie nicht den oeffentlichen Frieden gefaehrden: die Korrespondenz und das Keim wurden wieder fuer unverletzlich erklaert, jeder kann frei reisen und seinen Wohnsitz
wechseln, und alle politischen Gefangenen, einschliesslich der
Gewerkschafter, wurden befreit; ausserdem sind alle Erwachsenen
berechtigt, an allgemeinen Vfehlen teilzunehmen. Die Mission nahm
in ihrem Bericht zu diesen Massnahmen Stellung und erklaerte,
dass sie "ainen bedeutenden Schritt vorwaerts darstellten, jedoch
nur ein Meilenstein auf dem V/ege zur Wiedererrichtung der verfassungsmae3sigen Garantien seien, ohne die die Gewerkschaftsbewegung
nicht frei ihren Pflichten nachgehen kann."
IBFG FORDERT INTERKATIONALS PREISKONTROLLEN
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften hat internationale Preis- und Marktkontrollen fuer wesentliche Verbrauchsgueter vorgeschlagen, durch die den durch die kommunistische Aggression in Korea verursachten inflationistischen Tendenzen begegnet
werden soll.
Der Notfallsausschuss des IBFG hat auf einer Konferenz in
Bruessel vor kurzen an die Vereinten Nationen die Aufforderung
gerichtet, die Regierungen der einzelnen Laendor anzuweisen, internationale Vereinbarungen ueber Verbrauchsgueter zu treffen.
"Der Hauptzweck dieser Vereinbarungen", heisst es in der
Erklaerung des IBFG, "soll darin bestehen, die "Preise und den
Absatz erstrangiger Gueter, die auf internationalen Maerkten gehandelt werden, unter strenger internationaler Kontrolle zu halten. Die an solchen Abkommen beteiligten Laender sollen zu
einem gemeinsamen Fonds beitragen, aus dem Subventionen gezahlt
- 10 -

�werden koennen, um die Preise erstrangiger Verbrauchsgueter niedrig zu halten."
Diese Massnahme sei notwendig, erklaerte der IBFG, weil die
Lebenshaltungskosten seit der Invasion Suedkoreas durch kommunistische Streitkraefte infolge panischer Angstkaeufe, militaerischer
Versorgung und spekulativer Einkaeufe lebenswichtiger Produkte
rapide in die Hoehe gegangen sind.
Inlaendische I.5assnahmen zur Bekaempfung der Inflation muessen
durch internationale Massnahmen ergaenzt werden, weil dieser Anstieg der Preise fuer Verbrauchsgueter über die ganze V/elt verbreitet ist und sich besonders bei wesentlichen Verbrauchsguetern,
die auf internationaler Basis gehandelt werden, bemerkbar macht.
n

Die Vereinten Nationen sind verpflichtet, die durch die
kommunistische Aggression verursachten wirtschaftlichen und sozialen Gefahren ebenso entschlossen zu bekaenpfen, wie sie sich
der militaerischen Aggressionen widersetzt haben," heisst es abschliessend in der Verlautbarung des IBFG.
Arbeitsmitteilung der ECA
IX/27/50
AFRIKANISCHE STAHLARBEITER FORDERN L OHNERE OEIIUNG
Die vereinigten Stahlarbeiter von Amerika (CIO) fordern von
den 1400 Fabrikanten und stahlerzeugenden Gesellschaften hoehere
Loehne. Sie greifen damit den nach den gueltigen Vertraegen, die
etwa 650.000 Arbeiter umfassen, neuzueroeffnenden TerifVerhandlungen vor.
Der Exekutivausschuss der Vereinigten Stahlarbeiter stimmte
diesen Forderungen zu, weil auch in anderen Industrien, besonders
in der Automobilindustrie, unlaengst Lohnerh-oehungen vorgenommen
wurden, um die Loehne den steigenden Lebenshaltungskosten anzunassen. Philip Murray, der Praesident der Stahlarbeiter, versicherte jedoch, dass die Forderungen der Gewerkschaft ueber eine Angloichung an die Lebenshaltungskosten hinausgingen. Der Lebensstandard
der Arbeiter koenne auf diese V/eise niemals verbessert werden.
Man nimmt an, dass auf einer zvveitaegigen Konferenz des Ausschusses
fuer Lohnpolitik die Lohnziel'e der Stahlarbeitergewerkschaft festgelegt werden.
Inzwischen hat die Gewerkschaft ein freiwilliges Angebot der
Aluminiumkompanie von Amerika angenommen, welches eine Lohnaufbesserung um 10% mit Wirkung vom 1. Oktober vorsieht. Bei der Annahme dieses Angebots hat die Stahlarbeitergewerkschaft jedoch erklaert, dass immer noch ungerechtfertigte Ungerechtigkeiten und
Verschiedenheiten bestuenden und hat um weitere Besprechungen zur
Loesung dieser Probleme ersucht. Nahezu 20.000 Arbeiter, die in
der Gewerkschaft vertreten sind, werden gemaess dem Angebot der
Kompanie
einen Aufschlag von 15 Cents auf ihre Stundenloehne
erhalten.
GETERIXCKAFTSr; AUS ALLER WELT BILLIGEN DIE MASSNAHMEN DER VEREINTEN NATIONEN IN KOREA
In einer gemeinsamen Erklaerung haben die grossen Gewerkschaftsbuende von Kanada, der Berufs- und Gewerkschaftskongress (AFL) und
- 11 -

�der kanadische Gewerkschaftskongress (CIO), den Vereinten Nationen
in ihren Handlungen in Korea ihre uneingeschraenkte Unterstuetzung
zugesagt.
In Stockholm hat der Internationale Verband der Bergarbeiter
einstimmig eine Resolution angenommen, in der die "Politik und
die Handlungen der Vereinten Nationen in bezug auf Korea" gebilligt werden.
Der Gewerkschaft3kongress Englands nahm auf seiner Jahreskonferenz, die am 4. September eroeffnet wurde, mit einer Mehrheit
von 10:1 eine Entschliessung an, in der zur Unterstuetzung der
Vereinten Nationen aufgefordert und Nordkorea als der Angreifer
bezeichnet wird.
In Norwegen ruft die norwegische Gewerkschaftsbewegung in
einer Broschuere mit dem Titel "Krieg in Korea" die Arbeiterschaft
auf, die Handlungen der Vereinten Nationen zu unterstuetzen, und
weist darauf hin, dass die Verteidigungsmassnahmen in Korea von
den Vereinten Netionen und nicht von den Vereinigten Staaten eingeleitet wurden.
FUNKTIONAER DES CIO VERTRITT IBFG BEI DEN VEREINTEN NATIONEN
John Brophy, ein langjaehriger Funktionaer des CIO, ist in
das New Yorker Buero des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften berufen worden, welchem die Vertretung des IBFG in der Organisation der Vereinten Nationen obliegt.
Brophy ist vom CIO beurlaubt worden, um diese Ernennung beim
IBFG annehmen zu koennen. In den vergangenen Jahren war er Direktor der Industriegewerkschaftsraete des CIO.
Dem IBFG ist im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen der zur uiitberatung berechtigende Status der "Kategorie A"
zuerkannt worden. Mitgliederorganisationen der "Kategorie A"
sind berechtigt, an den Konferenzen des Rates teilzunehmen, Diskussionspunkte fuer die Tagesordnung des Rates vorzuschlagen und
den Konferenzen der neun Kommissionen des Rates beizuwohnen.
Weekly Press Service, US-Arbeitsministerium
" X/2/50
- 12 -

O f f i c e of L a b o r A f f a i r s
HICOG, APO 757

OFFICIAL

BIOOO B-1825 L t B Oct 50 5 H

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 33

Frankfurt, 20. Oktober 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Das Problem der alten Leute in den USA - - -

1

Brief an einen "Friedenspartisanen - - - - -

3

Der sowjetische Seemann

- - - - - - - - - -

6

Praesident Truman gegen Taft-Hartley-Gesetz

8

IAO startet technisches Hilfsprogramm

- - -

9

Indien braucht Bauern und Gewerkschafter - -

10

Livingston widerlegt kommunistische Vorwuerfe 13
Die Aussenpolitik der amerikanischen Gewerkschaften - - - - - - - - - _ _ _ - _ _ _

14

DAS PROB LS?' DER ALTS" LEUTE IN DEN USA
Sine kuerzlich abgehaltene Konferenz ueber das Lebensalter
der Bevoelkerung wurde in den Vereinigten Staaten als der erste
Schritt zu einer koordinierten Loesung eines Problems fuer die
ganze Nation bezeichnet, das den Gewerkschaftsfuehrern schon lange
Sorgen bereitet. Dieses Problem ist der zunehmende Prozentsatz
alter Leute an der amerikanischen Bevoelkerung.
Ifehr als 300 Delegierte der an dem Problem interessierten
Gruppen, einschliesslich der Gewerkschaften, kamen auf Einladung
Praesident Trumans in Washington zusammen. Sie empfahlen u.a.
einen Landesausschuss zu bilden, der die Arbeiten der zahlreichen
- 1-

�Gruppen koordinieren soll, die versucht haben, dieser Situation
zu begegnen, die sich in den folgenden Zahlen widerspiegelt:
1. Vor 50 Jahren war unter 25 Amerikanern einer, der ueber
65 Jahre alt war; heute ist das Verhaeltnis 1:13, und die Zahl
der alten Leute steigt weiterhin an.
2. Von 150 Millionen Amerikanern sind etwa 11.5 Millionen
ueber 65 Jahre alt; davon sind 8.5 Millionen ohne Beschaeftigung,
was auf die festgesetzten Altersgrenzen zurueckzufuehren ist, bei
deren Erreichen die Arbeiter in den Ruhestand treten muessen.
3. Mehr als die Haelfte' dieser bejahrten Amerikaner haben
ein Bareinkommen von weniger als 1000 Dollar im Jahr, was
selbst bei einer Unterstuetzung seitens ihrer Familien in einer
7/irtschaft mit hohen Preisen ein ernstes Problem darstellt.
Hand in Hand mit der Erhoehung der Zahl alter Leute ging
eine zunehmende Industrialisierung innerhalb der amerikanischen
Gesellschaftsordnung vor sich. Dies hat zu einer Abnahme der Zahl kleiner Familien und* kleiner Staedte gefuehrt; in dem schnelleren
Tempo einer Grosstadt ist das Leben fuer aeltere Leute sehr oft
nicht leicht, denn die Moeglichkeit ist fuer sie geringer, mit
ihren Familien oder engeren Freunden zusammenleben zu koennen,
und oft muessen sie ihren Lebensunterhalt nur mit ihrem eigenen
Einkommen bestreiten.
Die Gewerkschaften waren um dieses Problem besonders besorgt, weil die Arbeiter meistens nur wenig Geld fuer ihre alten
Tage sparen konnten. Aus diesem Grunde haben die Gewerkschaften
den erfolgreichen Kampf um Altersrenten gefuehrt, die von der
Regierung bezahlt werden. Vor kurzem haben sie damit begonnen,
Alterspensionen direkt in die Vertraege zwischen Gewerkschaft und
Unternehmer aufzunehmen; Vertraege mit grossen Automobilgesellschaften, die Pensionen von mehr als 100 Dollar monatlich (einschliesslich der Renten der Regierung) vorsehen, sind Meilensteine
dieser Entwicklung.
Die einzelnen Bemuehungen von Gewerkschaften und anderen
interessierten Gruppen sind niemals zentral geplant worden, und
diese Erkenntnis fuehrte zu der von dem Praesidenten einberufenen
Konferenz. Die Konferenz ist ein Beweis dafuer, dass eine Demokratie entstehende Probleme loesen und ihre Loesung auf kooperativer Grundlage vorbereiten kann.
Ausser Vorschlaegen fuer verbesserte Pensionen und aerztliche
Betreuung fuer alte Leute hat die Konferenz empfohlen:
1.. Einen Landesausschuss zum Austausch von Informationen und
zur Koordinierung von Plaenen der an der Unterstuetzung alter Leute interessierten Gruppen;
2. Eine Ueberpruefung der Pensionspolitik der Regierung, um
festzustellen, ob nicht zuviel Leute gezwungen werden, in den
Ruhestand zu treten, waehrend sie noch arbeitsfaehig sind, und
damit zum Nichtstun verurteilt werden. Man ist der Ansicht, dass
die Regierung anderen Arbeitgebern beispielgebend vorangehen
muesse, indem sie die Pensionierung als ein Problem betrachtet,
das individuell behandelt werden muss und nicht durch die schiedsrichterliche Festsetzung der Altersgrenzen fuer die Pensionierung.
3. Eine Kampagne, in der alle Arbeitgeber aufgefordert werden, sich von ihrem Vorurteil gegen die Einstellung alter Leute
frei zu machen.
- 2 -

�4. Geplante Programme der einzelnen Lokalbehoerden, die
den aelteren Leuten Erholung und Ausbildungsmoeglichkeiten bieten.
5. Eine intensivierte Ausbildung beruflicher Experten, die
sich mit den physischen und psychologischen Problemen alter Leute
befassen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
IX/26/50
BRIEF AN EINEN *FRIEDENSPART%SA:TENW
Der Generalsekretaer des kommunistisch beherrschten, franzoesischen Transportarbeiterverbandes der CGT richtete ein Schreiben an den Nationalen Transportarbeiterverband der Force
Ouvridre (Mitgliedsverband der ITF), in den er letztere Organisation um ihre Unterstuetzung bei der Sammlung von Unterschriften fuer den sogenannten "Stockholmer Friedensappell"
ersuchte. Die Antwort, die Sekretaer Felce vom Nationalen
Transportarbeiterverband auf dieses Schreiben hin gab,, scheint
uns so interessant zu sein, dass wir sie unseren Lesern zur
Kenntnis bringen moechten. Die Uebersetzung des Briefes hat
folgenden Wortlaut:
"Sehr geehrter Herr:
Ich bestaetige den Empfang Ihres Briefes. Kit der Adresse
"An die Kameraden, Praesidenten und Sekretaere der Transportarbeitergevverkschaft des CFTC - CGC - Force Ouvriere", zeugt er von
einem stark entwickelten Sinn fuer Humor, obwohl dies - ich beeile mich, es hinzuzufuegen - eine etwas grausige Art von Humor
ist.
Uebergehen wir, dass ich in Ihrer Achtung um einen Grad gestiegen zu sein scheine. Gestern "ein imperialistischer Lakai",
habe ich heute die Ehre - denn dies muss doch wohl als Ehre angesehen werden, nicht wahr? - zu Ihren "Lieben Freunden" zu gehoe, ren. Wenn ich nicht an jenes Gleichnis denken muesste, das gewisse Umarmungen mit dem Tod durch Ersticken gleichsetzt, wuerde
ich Ohne weiteres dieses Kompliment erwidern. Ich bin von Na.tur
aus eher geneigt, meinen Naechsten als "lieben Freund" anzusprechen, als ihm unfreundliche Absichten zu unters teilen. In Ihrem
Falle jedoch - denn es ist noch nicht genug Zeit verflossen, um
alle Erinnerungen der Vergangenheit auszuloeschen - besteht fuer
mich noch Grund, argwoehnisch zu sein. Bevor ich mich deshalb
als "Ihr Kamerad" bezeichne, muss ich noch eine Aufklaerung ueber
Ihre wirklichen Gefuehle verlangen. Indem ich dies so offen
zum Ausdruck bringe, mache ich mich vielleicht eines Verstosses
gegen die guten Sitten schuldig. Sie werden mir jedoch, die Sie
die Offenheit zweifellos schaetzen, hierfuer dankbar sein.
Doch gehen wir nun zum eigentlichen Thema Ihres Schreibens
ueber. Sie sind, wie Sie sagen, ueber den Verlauf, den die Weltereignisse nehmen, beunruhigt. Sie fuerchten, dass sich der Konflikt in Korea ausdehnen und die ganze Welt in Mitleidenschaft
ziehen koennte. Sie fuerchten ebenfalls eine Bedrohung der gesamten Menschheit durch die etwaige Anwendung der Atombombe, und
Sie rufen deshalb alle Menschen guten Willens auf, sich gemeinsam
dafuer einzusetzen, damit diese fürchtbare Katastrophe vermieden
wird, deren Vorzeichen bereits den Horizont verdunkeln.
S -

�Diese Beunruhigung und diese Furcht, die Sie an den Tag legen, wird von mir in gleichem Masse geteilt. Ihre Methode jedoch, fuer den Frieden zu sprechen, erschreckt mich noch mehr
als das Vorhandensein von Vorraeten an Atom- oder bakteriologischen Waffen in dem einen oder anderen Lande. Selbst Ihr Kamnf
fuer den Frieden - auch hier lassen Sie mich in brutaler Weise
offen sein - scheint mir eine jener Kriegslisten zu sein, die
von Raeubern und Fanatikern so bereitwillig angewendet wurden,
um die Wachsamkeit ihrer ausgesuchten Opfer zu unterminieren
oder die Skeptiker zu ueberzeugen.
In Bezug auf Ihr Schreiben habe ich bereits erwaehnt, dass
es ein Meisterstueck schauerlichen Humors ist. Es duerfte Ihnen
klar sein, dass ich es auch als ein Meisterstueck der Heuchelei
betrachte. Ich habe hierzu folgende Gruende:
1. Als ob es fu^r Sie zu offensichtlich waere, um Ihre
Zeit damit zu vergeuden, dies zu beweisen, behaupten Sie, dass
die amerikanische Politik die einzige Gefahr fuer den Frieden
darstelle. "Die amerikanische Armee", sagen Sie, "mischt sich
in die Ereignisse in Korea ein und droht damit, die Atombombe zur
Anwendung zu bringen. Die dadurch heraufbeschworene Lage kann
sehr leicht den Krieg in Korea erweitern und sich auf die ganze
Veit ausdehnen."
2. Als ob es fuer Sie zu offensichtlich waere, um Ihre Zeit
damit zu verschwenden, es zu beweisen, bezeichnen Sie die Atombombe als die einzige wirklich zerstoerende Kriegswaffe.
3. Und als ob es wiederum zu augenscheinlich fuer Sie
waere, um Ihre Zeit damit zu vergeuden, es zu beweisen, erheben
Sie "die sofortige und totale üechtung der Atomwaffe" zur wesentlichen und einzig moeglichen Bedingung zur Erhaltung des Friedens.
Oh, nein.' Die Gefahr, die Ursache dieser Gefahr und die
Mittel zu ihrer Beseitigung sind nicht - wie Sie sehr wohl wissen jene, die Sie genannt haben. Die Gefahr ist nicht durch das heraufbeschworen, was Sie "die Einmischung der amerikanischen Armee
in Korea" zu nennen belieben. Sie ist auch nicht durch das blosse
Vorhandensein von Waffen entstanden (Atom-, biologische, chemische Waffen etc.).
Die Gefahr kommt von der brutalen und offenen Aggressionspolitik, die jene betreiben, die Sie bewundern, und denen Sie diene;i.
Jene, die russische Panzer geschickt haben, die von koreanischen
Haenden gesteuert werden und durch die Taeler Sued-Koreas rollen,
sind die wahren Kriegstreiber. Jene, die sich weigern, dem von
den Vereinten Nationen erlassenen Befehl des Feuereinstellens Folge zu leisten, sind die wahren Kriegstreiber. Jene, die zwischen
"sauberen" und "schmutzigen" Kriegen unterscheiden, sie sind die
wahren Kriegstreiber. Auch Sie, die Sie die Erfolge dieser gleichen koreanischen Panzer bewundern, die Sie die Handlung der
Vereinten Nationen als "imperialistisch" bezeichnen, die Sie jeden Krieg als "gerecht und gut" proklamieren, der mit dem "Segen
und der Unterstuetzung" des "begnadeten und geliebten Fuehrers
des internationalen Proletariats" gefuehrt wird, Sie sind ebenfalls ein Kriegstreiber.
Und gerade Sie, der willige und begeisterte Komplize dieses
groessten Kriegstreibers, den die Welt je gekannt hat, Sie wollen uns erzaehlen, wie ein Krieg am besten vermieden werden kann?
Wie wollen Sie das tun? Sie behaupten, die Forderung nach
einer sofortigen und totalen Aechtung der Atomwaffe wuerde genuegen?
- 4 -

�Was bedeutet dies eigentlich? Sind Sie der Ansicht, dass
das Vorhandensein von Vorraeten von Atomwaffen in irgendeinem
Teil der Welt die Kriegsgefahr vergroessert und dass die Nationen
weniger kriegslustig waeren, wenn diese Vorraete nicht mehr bestuenden?
Oder meinen Sie, dass ein Krieg, der ohne die Atomwaffe gefuehrt wird, annehmbar sei, und dass wir uns mit allem (Granaten,
gewoehnlichen Domben und Genickschuessen)»nur nicht mit der Atomboabe abfinden koennten?
Ihre Auffassung ist nur mit einer dieser beiden Vorstellungen
zu erklaeren. Sie bleibt jedoch immer noch, ganz gleich, wie man
sie versteht, sinnlos.
Die Kriegsgefahr hat niemals zu der zerstoerenden Kraft bestehender V.'affen in einem Verhaeltnis gestanden. M n e ziemlich
weit verbreitete Anschauung, naemlich die von ^asteur, besagt,
dass die Kriegsgefahr im umgekehrten Verhaeltnis zur Zerstoerungsfaehigkeit der Kriegswaffen stuende, und es besteht durchaus
Grund zu der Annahme, dass die uns gegenwaertig bedrohende Katastonhe gerade deshalb nicht ueber uns hereinbrechen wird, weil
sie zu vollstaendig und nicht wieder gutzumachen waere.
Seien wir ganz offen. Die Atomwaffe hat zumindest den Vorteil, dass sie selbst die Kriegslustigsten unter uns zwingt, Vorsicht v/alten zu lassen; und diejenigen, die andernfalls geneigt
waeren, den Krieg gegen andere zu riskieren, werden es nicht tun,
weil ihr Sieg mit zu hohemuKostenaufwand erkauft werden muesste.
Ist die Atomwaffe demnach eine Kriegsursache? Im Gegenteil.
Sie zwingt die Menschen zu ueberlegen, bevor sie losschlagen.
Die Sache lohnt sich nicht mehr, und es wird deshalb keinen Krieg
geben.
Die schreckliche Angst, die der Gedanke an einen Krieg unter den Menschen all jener Laender verbreitet, wo das Recht der
freien Rede garantiert ist, zwingt ihre Regierungen, eine Friedenspolitik zu verfolgen.
Leider ist es wahr, dass nicht alle Menschen im Besitze dieses Rechtes sind. Millionen sehmachten noch unter der totalitaeren Tyrannei, und diese gleiche totalitaere Gewaltherrschaft ist
deshalb eine staendige Ursache sowohl kalter als auch heisser
Kriege.
Die Idee der Freiheit gewinnt jedoch unter den Voelkern der
Welt an Boden. Die diktatorischen Staatsgebilde koennen schon
jetzt nur noch dadurch bestehen, dass sie sich einer demokratischen
Schaufensterkunst bedienen, und der Zeitpunkt naehert sich, an
dem die versklavten Massen die stählernen Bande brechen werden,
die sie zu erdrueoken drohen. Die freie Gewerkschaftsbewegung und
die Kaempfer, die ihr ihre Schlagkraft verleihen, werden gewiss
alles tun, was in ihrer Macht steht, um den Anbruch dieses Tages
zu beschleunigen. Dies ist der wertvollste Beitrag, den sie zur
Verteidigung, oder besser zur Erreichung des Friedens, leisten
koennen.
ITF - Press Report
1/9/50
- 5 -

�DER SOWJETISCHE SEEMANN
Omer Beöu, der Generalsekretaer des Internationelen Transportarbeiterverbandes, erklaerte unlaengst, dass der Lebensstandard der Seeleute, die unter panamesischer, polnischer und russischer Flagge fahren, weit niedriger als in anderen Laendern sei.
Der Internationale Transportarbeiterverband sei entschlossen,
die Seeleute auf panameslachen Schiffen zu organisieren und hoehere Loehne fuer sie zu erringen, i'uer die sowjetischen und polnischen Seeleute koenne jedoch nichts unternommen werden, weil
sie keine freien Gewerkschaften haetten.
Becu berichtete ausserdem, dass die russischen und polnischen Schiffe, die zwischen Gdynia und Schweden verkehren, nur
halb so hohe Frachtkoeten verlangten wie die schwedischen Schiffe
verlangen muesste.n, wenn sie einen Gewinn erzielen wollten. Ein
Grund hierfuer liegt darin, dass den Seelsuten auf den polnischen
und russischen Schiffen Loehne gezahlt werden, fuer die kein
schwedischer Seemann arbeiten wuerde.
Die schwedische Seeleutegewerkschaft versuchte vor kurzem,
sich bei russischen und polnischen Seeleuten Informationen ueber
die Arbeltsbedingungen auf ihren Schiffen einzuholen. Man musste
jedoch feststellen, dass dies auf dem normalen Wege, naemlich
durch eine Aussprache von Mann zu Mann, nicht moeglich war. Die
Seeleute erklaerten, es sei ihnen streng verboten, irgendwelche
Auskuenfte zu geben. Darueberhinaus werden die sowjetischen Seeleute staendig bewacht und haben Angst, frei zu sprechen. Sie
sind isoliert, damit die Welt nichts von den Verhaeltnissen in
der Sowjetsphaere erfahren kann, und damit diese Leute nioht zu
viel von der sogenannten kapitalistischen Welt hoeren.
Unter den Tausenden und aber Tausenden von Fluechtlingen aus
Sowjetrussland und seinen Satellitenstaaten sind jedoch au; h zahlreiche Seeleute, die trotz der Wachsamkeit ihrer Offiziere"in auslaendischen Haefen von ihren Schiffen desertieiten. Einer von ihnen, ein Estlaender namens Enno Kustin, fluechtete von dem russischen Schiff "Tosno", waehrend es in Vasteras lag. Er berichtete
dem Magazin "Sjomannen", dem Organ der schwedischen Seeleutegewerkschaft, von seinen Erfahrungen, und seine Geschichte wurde im
"Seafarers Log" in USA wiederveroeffentlicht.
Seine Geschichte ist die gleiche wie die von Dutzenden baltischer, russischer und polnischer Seeleute, die in anderen Haefen
ihre Schiffe verlassen haben. Hierzu gehoeren auch die 100 Polen, die im Februar 1949 im Hafen von New York von der "Sobieski"
flohen. Dieser polnische Dampfer verkehrte zwischen Italien und
New York. Die Seeleute hatten in Erfahrung gebracht, dass ihr
Schiff an Sowjetrussland ueberwlesen werden sollte, und sie entkamen, bevor sie in ihre Heimat zurueckgebracht werden sollten. Die
"Sobieski" faehrt nun unter Hammer und Sichel auf dem Schwarzen.
Meer. Diese' polnischen Seeleute sind nun in Amerika sicher, haben
Arbeit gefunden und sich gut eingelebt. Sie sind empoert ueber
das, was sie "den Raub der 'Sobieski* durch Sowjetrussland" nennen. Sie erzaehlen, dass ihr altes Schiff in "Gruzia" umgetauft
wurde und als einer der sechs Luxusdampfer des Schwarzen Meeres,auf denen die Sowjetelite ihre Ferien verbringt, zwischen Odessa
und Batum kreuzt.
Sie besteetigen ebenfalls die Richtigkeit der Aussagen Enno
Kustins. Da in den Sowjetlaendern Seeleutenhoehere Loehne gezahlt
werden als Fabrikarbeitern, ist die Rivalitaet um Arbeitsnlaetze
- 6

�auf Schiffen besonder gross. Um angeheuert werden zu koennen,
muss man zuerst eine Seemannsschule besuchen, berichtet Kustin.
Ausserdem is-t eine schriftliche Empfehlung von drei Parteimitgliedern, ein Zeugnis eines der letzten Arbeitgeber (in diesem Falle
der Leiter eines staatseigenen Betriebes) und eine Bescheinigung
des lokalen Polizeichefs erforderlich. Der Bewerber muss genaue
Auskunft ueber seine Verwandten geben. Diejenigen, die keine
Verwandten im Ausland haben, und deren Eltern in Sowjetrussland
oder Polen leben, werden bevorzugt. Wenn sie dort Frau und Kinder haben, dann sind die Chancen, eine Anstellung zu bekommen,
noch groesser. Die Bewerber werden schliesslich von einer politischen Kommission genau geprueft.
Kustin beendete seine Ausbildung im Jahre 1948 und arbeitete auf verschiedenen Kuestenfahrzeugen. Sohlieselioh gelang es
ihm, einen Pass zu bekommen, und er wurde einem Schiff zugeteilt,
das nach einem schwedischen Hefen fuhr. Er liess sich diese Gelegenheit nicht entgehen und fluechtete. Das war jedoch nioht
leicht. Sowjetische Seeleute duerfen sich an Land nur in Gruppen
bewegen und werden von einem politischen Kommissar streng bewacht.
Dieser wird schwer bestraft, wenn ein Mitglied seiner Mannschaft
entflieht.
Eine Beschaeftigung in der Seesohiffahrt ist besonders begehrt, und zwar nicht nur,weil die Loehne viel hoeher sind als in
den Fabriken, sondern auch weil sie den Gegnern des Regimes eine
Gelegenheit bietet,zu fluechten. Viele Seeleute sind der kommunistischen Partei nur beigetreten, um auf ein Schiff zu kommen
und fliehen zu koennen. Das ist unklug, wie hier lebende Polen
erklaert haben, weil die Gesetze der Vereinigten Staaten und vieler anderer Laender Kommunisten die Einreise versagen.
Als gewoehnlicher Seemann verdiente Kustin im Monat 465 Rubel. Das entspricht einer Kaufkraft von etwa 40 Dollar, dem Wochenverdienst eines ungelernten Arbeiters der niedrigsten Einkommensgruppe in Amerika. Der amerikanische Seemann verdient fttnfmal soviel wie der russische, naemlich 200 und in einigen Faellen
sogar 230 Dollar. Ein Viertel von Kustins Lohn wurde, fuer Einkommensteuer, Gewerkschaftsbeitrag, Staatsanleihen und andere Abgaben abgezogen. Die Abgaben amerikanischer Seeleute fuer vergleichbare Zwecke sind weit geringer.
Der Rubel hat auf dem Weltmarkt keinen Tauschwert, sodass
russische Seeleute ihre Rubel nioht in auslaendische Waehrungen
umwechseln koennen. Dies ist ueberdies nur in den Haefen der sowjetischen Satellitenstaaten erlaubt. Diese Staaten sind gezwungen,
den Rubel zu einem sehr unguenstigen Tausohkurs anzunehmen, der so
festgesetzt ist, dass sowjetische Buerger und die Regierung zu
billigen Preisen einkaufen und zu Athen Preisen verkaufen koennen.
Den Seeleuten werden manchmal kleine Summen der in den angelaufenen
Haefen gueltigen Waehrungen ausgezahlt, damit sie sich bestimmte
Waren kaufen koennen.
Wenn sowjetische Seeleute Landurlaub haben - der nur sehr
sohwer zu bekommen ist - gehen sie an Land, um einzukaufen. In
einer besonderen Liste ist angegeben, welche Gegenstaende gekauft
werden'duerfen. Alle Einkaeufe muessen schriftlich angegeben werden. Nichtangegebene Artikel werden beschlagnahmt. Ein Grund zur
Besohraenkung der Einkaeufe ist darin zu sehen, dass die Kommunisten nicht wuenschen, dass die Seeleute ihren Verwandten in Russland erzaehlen, im Ausland sei alles und zu niedrigen Preisen zu
bekommen. Selbst in den Satellitenstaaten gibt es viel mehr und
viel billigere Waren als in Russland.
- 7

�Der Kapitaen eines Schiffes ist dem politischen Kommissar unterstellt. Der Kommissar ist verantwortlich fuer die politische
Schulung der Mannschaft, fuer die Durchfuehrung des Stachanowsystems
und fuer das Verhalten der Seeleute in auslaendischen Haefen. Zu
seinen Aufgaben gehoert das Einschmuggeln und Verteilen kommunistischer Literatur im Ausland. Er nimmt ausserdem, wie die zahlreichen gefluechteten Seeleute versichern, geheimes "Material in
Empfang, das von russischen Spionen und Angehoerisen der Fuenften
Kolonne gesammelt wurde, und uebermittelt ihnen Anweisungen.
"Auf Gewerkschaftskonferenzen stehen niemals die Arbeltsbedingungen und Löhne zur Debatte," berichtet Kustin. "Es ist gefaehrlich, solche Probleme anzuschneiden oder Beschwerden zu erwaehnen.n Der Kommissar gibt den Mitgliedern Anweisungen, nimmt
Berichte entgegen ueber die, die ihre Arbeitsnormen erfuellt oder
nicht erfuellt haben, und organisiert sogenannte sozialistische
Wettbewerbe. Er ist verpflichtet, die Mannschaft von den Seeleuten und anderen Arbeitern der freien Welt isoliert zu halten, sie
unter Druck zu setzen und bis zum Ende ihrer Kraefte auszubeuten.
All dies erklaert, warum der Lebensstandard der russischen
und polnischen Seeleute zwar hoeher als der der Fabrikarbeiter in
ihrer Heimat, aber niedriger als der der schwedischen und anderer
Seeleute ist, die unter dem Schutz freier Gewerkschaften stehen.
Es erklaert uns, warum russische und polnische Schiffe ihre
Frachtsaetze weit unter denen der Schiffe demokratischer Laender
halten koennen.
News Section, Talks Unit
X/3/50
PRASSIDENT TRüMAN GEGEN TAFT-HARTLEY GESETZ
Praesident Truman erklaerte der 69. Konvention der AFL, dass
die Mitglieder der AFL unbedingt im Recht seien, wenn sie die
Aufhebung des Taft-Hartley Gesetzes forderten. Es folgt der Wortlaut der Botschaft des Praesidenten:
Sehr geehrter Mr. Green,
Uebermitteln Sie bitte den Funktionaeren,
Delegierten und Mitgliedern, die an der 69. Jahreskonvention der
AFL teilnehmen, meine herzlichen Gruesse. Waehrend es mir die
internationale Lage nicht ermoeglicht, ihre Einladung anzunehmen
und zu der Konvention zu sprechen, wuensche ich Ihnen- allen im
Interesse der ihrer Organisation angehoerenden Arbeiter und der
Staedte und Gemeinden von Kueste zu Kueste, denen diese Organisation so rechtschaffen dient, zu dieser Konferenz Erfolg.
Die AFL kann auf eine lange Geschichte zurueckblicken, in
deren Verlauf sie den Arbeitern diente und es ihnen ermoeglichte,
ihren Arbeits- und Lebensstandard in einem so bemerkenswerten
Grade zu verbessern, dass sie damit der Nation als Ganzes einen
grossen Dienst erwiesen hat. Die gemeinsamen Bemuehungen der organisierten Arbeiterschaft zur Erreichung eines Programms der Gesetzgebung., das den Arbeitern, Bauern, der Industrie, den Geldanlegern
und der Oeffentlichkeit zugute kommt, haben mitgeholfen, uns zur
wohlhabendsten und fortgeschrittensten Nation der Weltgeschichte
zu machen.
Seit Ihrer letzten Konvention ist das Sozialversicherungsgesetz von 1935, ein bedeutender Bestandteil unseres vorwaertsstrebenden Gesetzcebungsprogramms, durch den 81. Konpress dadurch ver8 -

�bessert worden, dass die Versicherungsbetraege verdoppelt und
10 Millionen Menschen mehr in das Sozialversicherungssystem einbezogen wurden - einschliesslich derjenigen, deren Versicherungsansprueche durch den 80. Kon(?ress aufgehoben worden waren. Das
Taft-Hartley Gesetz, ein weiteres Werk des 80. Kongresses, ist
jedoch noch in Kraft. Ihre Mitglieder und endere Arbeiterorganisationen sind unbedingt im Recht, wenn sie sich den fuer die Arbeiterschaft ungerechten Bestimmungen dieses Gesetzes widersetzen.
Es muesste, wie ich bereits wiederholt erklaert habe, im Interesse
der arbeitenden Maenner und Frauen, die in ihren auf dieses Ziel
gerichteten Bemuehungen nicht nachlassen, abgeschafft werden.
Inzwischen werden die amerikanischen Arbeiter, dessen bin
ich gewiss, alles daransetzen, um unsere Gesamtproduktion zu steigern, damit wir uns selbst bewaffnen und mithelfen koennen, die
freie Welt zu bewaffnen. Auf diese Weise werden wir den Vereinigten Staaten und den demokratischen Nationen die noetige Macht
verleihen, um dem kommunistischen Imperialismus, der heute die
Welt bedroht, entgegentreten zu koennen.
Unsere Arbeiter werden sich mit der Industrie und den Bauern in der gemeinsamen, amerikanischen Anstrengung vereinigen, um
das zu produzieren, was unsere Streitkraefte und die Vereinten Nationen brauchen, um die- gegenwaertige Weltlage meistern zu koennen. Diese Aufgabe wird noch besser als im zweiten Weltkrieg geloest werden, als wir alle Produktionsrekorde brachen und dadurch
mithalfen, die Gefahr zu bannen, die der Freiheit der freiheitsliebenden Voelker drohte.
Unsere Kapazitaet ist heute noch groesser, die Gefahr droht
noch immer, und wir sind wie immer in unserer Geschichte entschlossen, die amerikanische Lebensweise fuer unsere Kinder und Kindeskinder zu erhalten. Wir werden dies tun, indem wir zusammenarbeiten und die Opfer bereitwillig gemeinsam tragen, damit die Einrichtungen der Demokratie erhalten bleiben, denen wir als Nation
unser Glueck verdanken.
Ihr Harry Truman.
IAO STARTET TECHNISCHES. FILFSPROGRAMM
Die Internationale Arbeitsorganisation hat damit begonnen, im
Rahmen des Programms der Fachorganisationen der Vereinten Netionen fuer die wirtschaftliche Entwicklung unterentwickelter Laender
ihren Mitgliedstaaten technische Unterstuetzung zur Verfuegung zu
stellen.
Der Beitrag der IAO zu-diesem Programm wird von dem Ausschuss
fuer technische Unterstuetzung mit den Arbeiten der 'uebrigen Stellen koordiniert. Dieser Ausschuss wurde auf eine Resolution hin
gebildet, die vom Wirtscheft- und Sozialrat und von der Generalversammlung der Vereinten Nationen angenommen worden war.
54 Regierungen haben zur Finanzierung dieses Programms bis
zum 31. Dezember 1951 Dienstleistungen im Gesamtwerte von £0 Millionen Dollar zugesagt. Davon werden rund 2 Millionen Dollar der
IAO zugeteilt werden.
Die Unterstuetzung der IAO erstreckt sich auf die Gebiete der
Berufsberatung und Berufsausbildung, Arbeitsvermittlung, Schleusung
von Arbeitskraeften, Arbeitsstatistik, handw rkliche Berufe, Wohlfahrt in der Industrie, Arbeitskontrolle, Arbeitsgesetzgebung, Betriebsklima in der Industrie, Arbeits- und Lebensbedingungen in
- 9-

�der -Landwirtschaft, Sozialversicherung, Gesundheitsschutz und
Gesundheitspflege in der Industrie. Auch bei der Loesung besonderer Probleme in bestimmten Industriezweigen oder Personengruppen wird die IAO helfend eingreifen.
Die technische ünterstuetzung wird durch Millionen geleistet,
die sich aus Sachverstaendigen zusammensetzen, und wird durch
Seminare, Ausbildungsinstitute, Konferenzen fuer den Informationsaustausch und'auf sonstige Art und Weise vervollstaenddgt.
Seit den fruehesten Jahren der Organisation hat die IAO ihren
Mitgliedsstaaten in technischen Fragen helfend zur Seite gestanden. Durch die im Rahmen dieses neuen Programms zur Verfuegung
gestellten Geldmittel haben sich die Moeglichkeiten, diese Arbeit der Organisation auszudehnen, erheblich erweitert.
Zu den Laendern im Verantwortungsbereich der IAO, die um
technische ünterstuetzung ersucht haben, gehoeren Burma, Ceylon,
Kolumbien, Ecuador, Indien, Indonesien, Iran, Israel, Libanon,
Pakistan, Siam und die Tuerkei.
Vorlaeufige Arbeiten.qn einigen der von diesen Laendern vorgeschlagenen Projekte sind von dem Ausschuss fuer technische
ünterstuetzung in die Wege geleitet worden. Einige Projekte werden von der IAO in Zusammenarbeit mit einer oder mehreren anderen
internationalen Organisationen, die an dem Programm beteiligt
sind, ausgefuehrt.
Schritte zur Ausfuehrung eines Abkommens sind unternommen
worden, das verschiedene Formen der technischen ünterstuetzung vorsiehjt und von einer gemeinsamen Mission der UNESCO und IAO, die
vor kurzem Ecuador besuchte, und der Regierung dieses Landes unterzeichnet worden war.
Verschiedene Projekte zur ünterstuetzung der iranischen Regierung bei der Ausfuehrung ihres 7-Jahresplanes werden zur Zeit
ueberpruef t.
Ein von der UNESCO und IAO ernannter technischer Bereter,
wird in Kuerze nach Libanon abreisen, um festzustellen, welche Ünterstuetzung dieses Land auf dem Gebiet der Erziehung, Berufsberatung und Berufsausbildung benoetigt.
Es ist- beschlossen worden, einen oertlichen Repraesentanten
fuer technische ünterstuetzung in Pakistan zu ernennen, der bei
der Abfassung der Gesuche um technische ünterstuetzung und der
Korrdinierung der Unterstuetzungsprogramme der verschiedenen
Teilnehmerorganisationen dieses Landes behilflich ist.
Die UNESCO und die IAO werden gemeinsam eine Mission naoh
Siam schicken, die sich aus vier Experten fuer Erziehung und Beruf sausbildungsfragen zusammensetzt, und die die technische ünterstuetzung dieses Landes bewerkstelligen soll.
ILO News Service
H/I/50
Arnold Beichman, New Yorker Korrespondent des AFL Nachrichtendienstes:
INDIEN BRAUCHT BAUERN UND GEWERKSCHAFTER
Ein staemmiger, laechelnder Irlaender aus iBroaklya 1&amp;% aus
dem Osten zurueckgekommen und berichtete, was in Asien vor sich
10 -

�geht und brachte ein Schock Vorsohlaege, was dort zu tun ist, mit.
Der Ire ist Diok Deverall, der zum St.ab des freien Gewerkschaftskomitees der AFL gehoert und die Aussenposten im Pazifik t
als Gesandter der Arbeiterschaft bereiste. Er kam zurueok, um dem
69. Kongress der AFL in Houston (Texas) von den Dingen zu beriohten, ueber die er sich masslos aergerte, naemlioh - Hollywood-Filme, Gangstergesohichten und Sexualromane.
Deverall erklaerte vor dem Kongress der AFL, dass ein grosser
Teil seiner Arbeit darin bestuende, dem indischen Volk und Jenen
anderen Voelkern klarzumachen, wie das amerikanische Leben in
Wirklichkeit aussieht. Dieser Experte mit dem kurzgeschorenen,
blonden Ha«r sagte dann:
"Hollywood-Filme, Sexualromantl und Gangstergeschichten richten
in Asien heute den groessten Sohaden an. Die Menschen in Asien
muessen unseren Filmen entnehmen, dass kein Amerikaner arbeitet,
und dass er staendig von einem schwarzen Mann bedient wird. Sie
sehen Filme, in denen der weisse Mann auf Indianer - amerikanische Indianer - schiesst, und diese werden immer ueberwunden.
Man legte mir in Indien fortwaehrend die Frage vor, wann wir endlich aufhoeren wuerden, unsere Indianer zu massakrieren . . .
"Die Inder sind Alkoholgegner und wuenschen ein Alkoholverbot. Trotzdem schickt ihnen Hollywood einen Film wie "Das verlorene Wochenende", der in jenem Teil der Welt eine fuerchterliche
Resonanz zur Folge hatte.
"Wenn die angesehene indische Preise ueber die amerikanischen Gangstergeschichten und Sexualromajie berichtet, nennt sie
dies immer einenTeil der Kultur des "Onkel Sham", so ist es recht,
Onkel Sham - sham heisst Schwindel.
"Ein gefaehrlicher Verbrecher wird in der indischen Presse
immer als ein typischer •Chikago-Gangster' bezeichnet. Man stellt
sich in Indien vor, dass es in Amerika keine Armut und keine
Elendsviertel gibt, und dass der Durchschnittsamerikaner nicht
arbeitet.
"Wenn wir ihnen einmal Filme schicken, die ihnen das wirkliche Amerika zeigen sollen, sind es solche wie "Eine Reise mit
Greyhound durch Kalifornien" oder "Eisbrecher im Nordatlantik"
und obendrein noch in englischer Sprache.
"Die Sowjetunion sendet den Indern Filme, in denen das Leben
des kleinen Mannes beschrieben wird, und diese Filme sind nicht
in Russisch, sondern in einer Sprache, die die meisten Inder verstehen, naemlich Hindostani."
Deverall ist 38 Jahre alt und Mitglied der Gewerkschaft der
Bueroangestellten (AFL). In Columbia hat er Technik studiert.
Von 1946 bis 1948 war er Leiter des Bueros fuer Arbeit und Schulung in Japan.
Um sicher zu sein, dass die Uebersetzer seine Reden an die
japanischen Arbeiter nicht entstellten, erlernte er ihre SpJ-ache,
die er nun lesen und schreiben kann.
1949 begann er in Bombay mit seiner Arbeit fuer das Freie
Gewerkschaftskomitee der AFL. Seine Aufgabe war, mit den nichtkommunistischen Gewerkschaftern jenes asiatisch*n Nebenkontinents
Verbindung aufzunehmen und sie davon zu ueberzeugen, dass die amerikanischen Arbeiter weder Wall-Street Agenten noch Kriegstreiber
sind.
- 11 -

�Die der AFL angeschlossenen Gewerkschaften haet.ten in hervorragender '"eise mit ihfci zusammengearbeitet, erklaerte Deverall,
und haetten ihm auf sein Ersuchen hin 50 bzw. 100 Kopien aller
Veroeffentlichungen geschickt - Satzungen, Tarifvertraege, Broschueren, Zeitungen und aehnliches. Mehr als eine Tonne Material amerikanischer Gewerkschaften ist ihm von AFL-Organisationen uebersandt worden; es wurde zur Errichtung von Buechereien
in jedem Gewerkschaftszentrum indischer Staedte verwandt. Auch
die Buechereien der zehn groessten Universitaeten Indiens wurden
mit diesem Material versorgt.
Weiter wurden Broschueren ausgearbeitet, die besonders fuer
die indische Gewerkschaftsbewegung bestimmt und mit allem Verstaendnis fuer die Kulturhoehe des indischen Volkes geschrieben
waren. Er handelt sich um Handbuecher, in denen beschrieben
wird, wie eine Gewerkschaftskonferenz abgehalten werden kann,
dann werden Erlaeuterungen ueber das Tarifverhandlungswesen gegeben, das Betriebsratspystem und die Organisation der Berufs- und
Industriegewerkschaften sind eingehend erklaert.
•"Die Gewerkschaftsbewegung Indiens gewinnt mehr und mehr an
Bedeutung," sagt Deverall. "So ist zum Beispiel das Kastensystem
in diesem Lande ein sehr ernstes Problem, an das nicht geruehrt
werden darf. Innerhalb der Gewerkschaftsbewegung kann man jedoch
bereits Abweichungen von diesem System feststellen.
"Waehrend der Unruhen in Kalkutta im Februar und Maerz waren
es Gewerkschaftsfuehrer aller.Konfessionen, die Moslems und Hindus aufforderten, friedlich und vernuenftig zu sein.
"Wir muessen mehr Durchschnittsamerikaner und zwar Leute
aus dem Volk nach Indien schicken. Je mehr dieser Leute wir dorthin schicken, umso besser ist es fuer unsere Aussenpolitik,
"Leider kommt die koloniale Haltung zahlreicher amerikanischer
Arbeitgeber 'den Kommunisten zustatten. Sie beschaeftigen z.B.
einen Amerikaner und einen ebenso faehigen Inder, ueide verrichten
die gleiche Arbeit, dem Amerikaner werden 1000, dem Inder jedoch
nur 50 Rupien gezahlt.
"i^iese Form der Lohndiskriminierung wird als Beispiel amerikanischer Demokratie hingestellt, um zu zeigen, wie betruegerisch
sie ist. Die asiatischen Voelker hassen geradezu unseren Ausspruch, dass "wir sie retten, wollen", weil er ebenso grosspurig
wie herablassend erscheint.
"Was wir nach Indien schicken muessen, sind Bauern, die die
praktische Arbeit kennen, Experten der Genossenschaften, Leute
aus Kreditinstituten und viele Gewerkschafter. Diese Maenner haetten etwas zu bieten - sie koennten den Indern erklaeren, wie sie
sich selbst helfen koennen, wie man die Arbeitsmethoden in der
Landwirtschaft verbessert, wie man mit den Kreditgebern fertig
wird, die das Volk aussaugen, und wie der Lebensstandard der indischen Arbeiter gehoben werden kann.
"Ich denke, es Ist noch Zeit genug, um dort drueben eine
gute Arbeit zu leisten, und einige Laender wie Malaya, die Philippinen, Indien, Ceylon, Pakistan und Thailand schreien geradezu
nach dieser Form der Hilfe. Geben wir sie ihnen, solange wir die
Moeglichkeit dazu haben."
AFL Weekly News Service
IX/29/50
- 12 -

�LITINGSTON WIDERLEGT KOMMUNISTISCHE VORWUERFE
An alle Vorsitzenden der Lokalgewerkschaften der Automobilarbeitergewerkschaft (CIO) :
"Die kommunistische Partei, kommunistische Veroeffentlichungen und andere, die im Dienst der kommunistischen Partei stehen,
fuehren eine Kampagne, in der sie fortwaehrend eine Erklaerung
falsch auslegen, die ich im Namen der Delegation der Vereinigten
Automobilarbeiter des CIO, die vor kurzem Europa besuchte, abgegeben hatte.
Diese Kampagne der falschen Auslegung soll durch die Entstellung von Tatsachen und durch die absichtliche Uebergehung
anderer Euch und die Oeffentlichkeit zu dem Glauben bringen, dass
Eure Delegation den Marshall Plan und das Europaeische Wia deraufbauprogramm fuer fehlgeschlagen ansieht.
Nichts ist der Wahrheit ferner als diese Behauptung. Kit
den anderen Fuehrern und Mitgliedern der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO haben wir die Grundprinzipien des Marshall Planes
und des Europaeisehen "Wiederaufbauprogramms unterstuetzt und
werden es auch weiterhin tun. Wir wuenschen, dass das Volk der
Vereinigten Staaten auch in Zukunft durch seine Regierung die
notwendigen Geldmittel bereitstellen laesst, um den im Krieg
verarmten Wirtschaften Europas auf die Beine zu helfen und ihren
Voelkern zu zeigen, dass demokratische Einrichtungen fuer die
Wohlfahrt aller Menschen arbeiten koennen.
Der grundlegende Unterschied zwischen dem Grundsatz der
Automobilarbeitergewerkschaft und dem der kommunistischen ^artei
und ihrer Verbuendeten besteht darin, dass wir wuenschen, dass
der Marshall Plan so arbeitet, wie es beabsichtigt war, waehrend
die Kommunisten ihn zum Scheitern bringen wollen.
Wir uebten in dem vollen Bewusstsein Kritik, dass die Kommunisten versuchen wuerden, diese Kritik zur Rechtfertigung ihres
Standpunktes zu gebrauchen. Kritik musste jedoch geuebt werden.
Der Kommunismus kann niemals die Herzen, Seelen und die Treue
der europaeischen Arbeiter gewinnen, wenn sie nicht infolge eines
Versagens der Demokratie dieser schrecklichen Alternative in
die Arme getrieben werden. Die Arbeiter koennen ihre Familien
nicht mit Schlagworten ueber Freiheit ernaehren. Die Arbeiter
werden nicht durch verlogene Propaganda der kommuni3tischen°Versklavung zum Opfer fallen, wenn sie wissen, dass sie in der Demokratie beides, Brot und Freiheit, haben koennen.
Wir von der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO bestehen
darauf, dass die Marshall-Plan-Hilfsmittel fuer diesen Zweck verwendet werden, und wir bereiten diesbezuegliche Vorschlaege an
die zustaendigen Behoerden unserer Regierung vor, die, wenn sie
angenommen werden, die vom amerikanischen Volk zur Verfuegung gestellten Geld- und Hilfsmittel zu einem maechtigen Werkzeug zur
Erreichung dieses Zieles machen werden.
Diejenigen Leute in unserem Lande und in Europa, die dafuer
verantwortlich sind, dass die aus dem Wiederaufbau entstehenden
Gewinne nicht dem europaeischen Arbeiter zugutekommen, sind die
besten Verbuendeten des Kommunismus. Wir, die wir ein besseres
Leben und einen hoeheren Lebensstandard fuer die Arbeiter der
ganzen Welt wuenschen, sind Feinde des Kommunismus. Und die Kommunisten wissen das.
- 13

�Wir haben bereits gesagt, und wir sagen es erneut, dass die
Arbeiter in EuroDa nicht ihren gerechten Anteil an den Gewinnen
erhalten, waehrend sich die Profite der Industriellen staendig
mehren. Dies muss aufhoeren. Ss darf nicht zugegeben werden,
dass der Kommunismus aus Hunger und Armut Nutzen zieht, um sein
totalitaeres Regime ueber die Voelker Europas auszubreiten.
Mit kollegialem Gruss
Euer
John W. Livingston
Internationaler Vizevorsitzender
DIE AUSSMPOLITIK DER AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTEN
Die amerikanischen Gewerkschaften, insbesondere die AFL, haben die Aussenpolitik der amerikanischen Regierung scharf kritisiert. Diese Kritik bezog sich vor allem auf die Vorgaenge im
Fernen Osten. Umso staerker begruessten es die Gewerkschaften,
dass in der amerikanischen Aussenpolitik eine entscheidende Wendung zu verzeichnen ist, die sich dem Standpunkt der Gewerkschaften
genaehert hat und die Vorgaenge im Fernen Osten jetzt staerker unter dem Blickwinkel des dortigen Arbeiters betrachtet.
In einem Rundfunkinterview wies der stellvertretende Vorsitzende der amerikanischen Foederation der Arbeit, kurz AFL genannt,
auf die beiden grundlegenden Prinzipien hin, die die amerikanische
Aussenpolitik zu beachten hat. Einmal darf die Regierung der Vereinigten Staaten keinerlei imperialistische Neigungen in irgend
einer Form an den Tag legen, zum anderen muss sie jenen Laendern,
die sich in wirtschaftlichen Noeten befinden, eine staendige und
zunehmende Hilfe zur Verfuegung stellen. Nur in dieser Form koennen die Gefahren beseitigt werden, die durch die kommunistische
Aggression entstehen. Der Aufbau einer freien Gewerkschaftsbewegung ist das staerkste Bollwerk fuer eine demokratische Entwicklung und bedeutet zugleich eine Steigerung des Lebensstandards.
Wenn auf der anderen Seite die Vereinten Nationen ihren Prinzipien
treu bleiben und jeden Missbrauch ausschliessen, so formen sie eine
sichere und entschlossene Abwehr geg'3n jegliche Aggression. Natuerlich muessen auch Agrarreformen und soziale Fortschritte vorangetrieben werden, um jene Ungerechtigkeiten abzuschaffen, auf die
kommunistische Kreise 'immer wieder hinweisen. Im Vordergrund muss
aber eine festere Einigkeit aller freien Voelker stehen.
Wirtschaftlicher Fortschritt, militaerische Staerke und politische Einigkeit, das sind die drei Grundprinzipien, zu denen sich
die amerikanischen Gewerkschaften bekennen.
Die Vorschlaege, die die lahreskonvention der AFL in dieser
Richtung macht, sind dazu bestimmt, die Voraussetzung zu staerken,
so dass auch in militaerischer Hinsicht durch die Sowjets keinerlei Aggressionen mehr moeglich sind.
Wir fordern die amerikanische Regierung auf, die amerikanische
Delegation im Rat der Vereinten Nationen zu veranlassen, eine Deklaration der Rechte und Pflichten der Mitgliedsstaaten zu erlassen.
In dieser Deklaration muss zum Ausdruck kommen, dass die Vorbereitungen, die Organisierung und die Unterstüetzung sogenannter "Buergerkriege" und Unruhen durch irgend einen Staat in Gebiet eines
anderen Staates als ungesetzlich erklaert wird. Um solche Massnahmen durchzufuehren, fordern die amerikanischen Gewerkschaften die
Einrichtung einer staennigen Kommission der Vereinten Nationen, die
- 14 -

�beauftragt wird, derartige Beschwerden im Augenblick und sofort zu
behandeln und gleichzeitig geeignete Schritte zu unternehmen, um
solche Verletzungen des Friedens zu verhindern. Aus diesem Grunde
richtet die AFL an alle Gewerkschaften, die dem Internationalen
Gewerkschaftsbund angeschlossen sind, die Bitte, eine gleiche Forderung ihren Regierungen vorzulegen, um zu veranlassen, dass die
einzelnen Delegationen der Vereinten Notionen den Vorschlag unterstuetzen.
Die Kominform und der Weltgewerkschaftsbund haben nicht nur
die bewaffnete Aggression in Korea durchgefuehrt, sie fuehren darueber hinaus eine systematische Sabotage der Vereinten Nationen
durch. Es sei nur an die zersetzenden politischen Streiks in den
verschiedenen Laendern erinnert, an die Gewalttaetigkeiten in Indien, an den Buergerkrieg in Indo-China, an die Propagandawellen
in Asien und Afrika, die einen Rassenhass heraufbeschwoeren, die
Wirtschaftssabotage in Gross-Britannien, Westdeutschland, Frankfeich und Italien, die militaristischen Drohungen in Persien, die
Verfolgung der Gewerkschaften, der Kirchen und unablaessige gesetzwidrige Vorgaenge in den Satellitenstaaten, und schliesslich
eine weltweite Verleumdungskampagne gegen das amerikanische Volk.
Diese Aktionen der Kominform und des Weltgewerkschaftsbundes haben
im Grunde alle den gleichen Zweck. Sie dienen der von Moskau befohlenen Eroberungssucht und Weltherrschaftsgeluesten und schliesslich der Unterwerfung der gesamten Menschheit unter die Sklaverei
des kommunistischen TotalitärIsmus. Es bedarf keiner besonderen
Begruendungen, dass diesen Bemuehungen ein Ende gesetzt werden muss.
Beim Ausbruch des Korea-Konfliktes haben alle friedliebenden
Nationen, die in den Vereinten Nationen zusammengeschlossen sind,
den Entschluss gefasst, diese Verletzungen des Friedens mit allen
Mitteln zurueckzuweisen. Die freien Voelker Asiens haben zum
ersten Mal gemeinsam mit den demokratischen Staaten der uebrigen
Welt ein Verteidigungsprogramm angenommen, das alle teilhabenden
Voelker ohne Ruecksicht auf Glauben oder Rasse in gleicher Weise
beschuetzen soll, um ihnen allen eine aehnliche Sicherheit zu geben, wie sie fuer das freie Europa durch den Atlantikpakt garantiert wird.
Die AFL begruesst auch aus diesem Grunde die schnelle und
nachdrueckliche Hilfeleistung, die im Rahmen des Truman-4-PunkteProgramras allen jenen Gebieten zugute kommt, die in industrieller
Beziehung zurueckgeblieben sind und deren Wirtschaft sich mit entsnrechenden Hilfsmassnahmen in betraechtlichem Masse weiterentwickeln Hesse. Die amerikanischen Gewerkschaften sind der Meinung,
dass dieses Wirtschaftsprogramm weitergefuehrt werden sollte auf
einer Basis, die jenen Laendern auch moderne Schulen und Erziehung,
Kultur und Gesundheitsfuersorge, Sozialnassnahmen und Berufsausbildung zugute kommen laesst. Gleichzeitig muessen hier die Rechte
der Arbeiterschaft gesichert und der Lebensstandard erhoeht werden.
Bei
der Ausarbeitung dieses Programms sollten fortschrittliche
ü
ersoenlichkeiten der einzelnen Laender einschliesslich der Gewerkschaf tsfuehrer herzugezogen werden, damit in jedem Lande eigene
und geeignete Stimmen zu Wort kommen, um bei der Planung dieser
Massnahmen und ihrer Durchfuehrung zu helfen.
Als Beispiel sei hier erwaehnt, dass die Vereinten Nationen
nicht nur die Unabhaengigkeit und die Einheit der Republik Korea
garantieren sollen, sondern auch alles daransetzen muessen, um
das durch den Krieg verwuestete Land wieder aufzubauen und damit
zugleich den guten Willen der friedliebenden Nationen demonstrieren.
Im Rahmen des Marshall-Plans spielt die Gewerkschaftsbewegung
bereits eine staendig wachsende Rolle. Die gleichen Prinzioien der
•wirtschaftlichen Hilfe muessen auch auf Asien, Afrika und Latein- 15 -

�Amerika angewendet werden. Dabei muss jedoch vorausgesetzt werden,
dass bei der Festlegung dieser Politik und bei der verwaltungsaaessigen Durchfuehrung dieser Hilfsmassnahmen die Gewerkschaften
ein gleichberechtigter Partner neben der Regierung und dem Unternehmertun sein mflsser.
Der Internationale Gewerkschaftsbund hat bereits ein weitreichendes Programm ausgearbeitet, um freie Gewerkschaftsbewegungen
in diesen Gebieten zu entwickeln und zu festigen. Die Gewerkschaften sind nicht nur das beste Bollwerk gegen den Totalitarismus; ihre
Arbeit ist ebenso wichtig, um den Lebensstandard der Massen zu steigern, die heute in Not und Elend darben. Der Internationale Gewerkschaftsbund will bei diesem unblutigen Krieg gegen Armut, Ungerechtigkeit und Unsicherheit in der vorderstan Frontlinie kaemnfen, damit auch dort der Kommunismus nicht mehr gedeihen kann.
Die AFL haelt es hierbei fuer bedauerlich, dass diese wirtschaftliche Hilfe nicht auch auf China ausgedehnt wird, denn hier
ist die Regierung durch auslaendische Intrigen und militaerische
Interventionen an die Macht gekommen. Um so nachdruecklicher mues3en sich daher die Gewerkschaften fuer den wirtschaftlichen und
sozialen Fortschritt in jenen Laendern einsetzen, in denen die Demokratie gegen den Totalitarismus verteidigt werden muss. Ss ist
deshalb auch erforderlich, dass die Gewerkschaften aller Laender
einen Druck auf ihre Regierung ausueben, um endlich die Friedensvertraege mit Westdeutschland und Japan zu unterzeichnen und gleichzeitig den ungerechten Vertrag beseitigen, den Italien kurz nach Beendigung des II. Weltkrieges annehmen musste. Es ist weiterhin unbedingt notwendig, kollektive Sicherheitsmassnahmen zu schaffen, indem die gesamte Arbeitskraft der freien Welt mobilisiert wird und
eine machtvolle Verteidigungsmaschinerie aufgebaut wird, die von
vornherein jeden Aggressor entmutigen muss. Durch diese Massnahmen
fuer die Sicherung des Friedens wird jede Aggression von vornherein
unzweckmaessig. Westdeutschland ist ein entscheidender Teil der
wirtschaftlichen und politischen Einheit Westeuropas. Das deutsche
Volk sollte seine volle Souveraenitaet wiedererhalten und als Gleicher unter Gleichen im Kreis der freien Nationen behandelt werden.
Die Deutschen sollten veranlasst werden, ihren Anteil an der Verantwortung zu tragen, dem Totalitarismus zu widerstehen. Aber
ebenso ollten sie sich auch aller Vorteile einer kollektiven Sicherheit erfreuen.
Bisher haben die sowjetischen Delegierten in den Vereinten Kationen das Vetorecht 45mal benutzt, um Entscheidungen unwirksam zu
machen. Die AFL setzt sich deshalb dafuor ein, dass die Vereinten
Nationen eine Sonderkommlasion gruenden, die eine Revision der
Grundsaetze vorbereitet und gleichzeitig Vorbereitungen trifft, um
eine staendige Sicherheitsstreitkraft zu schaffen. Natuerlich
muessen dabei die Prinzipien geaendert werden, die das Vetorecht
betreffen. Denn nur dadurch koennen jene unangenehmen Erfahrungen
der Vergangenheit beseitigt werden und fuer die Zukunft ein besseres
und schnelleres Funktionieren der Vereinten Nationen zugunsten der
ihr angeschlossenen Laender sicherstellen.
Das Volk in Korea hat eine harte Lehre kennengelernt. Y'aehrend
die Kommunisten dort herrliche Versprechungen machten, beweist heute
ihre abgrundtiefe Niedortracht, dass sie Luegner und Heuchler sind.
Die Arbeiter Ost-Suropas und der Sowjet-Union haben diese Lektion
schon laengst hinter sich. Die amerikanischen Arbeiter blicken mit
ihnen in die Zukunft, 3ie wissen, dass diese Voelker sich nach der
Stunde der Befreiung sehnen, nach der Stunde, in der wieder freie
Gewerkschaften im Geists wirklicher Internationalitaet gegruendet
werden koennen. Nur auf diesem Weg koennen die Arbeiter der ganzen
Welt ihrem Ziel entgegen gehen: Dem Frieden und dem Wohlstand in
Freiheit.
AFL-Rundfunksendung
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 34

Frankfurt, 27. Oktober 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Der blutige Weg der Kommunisten Italiens - - -

1

Oesterreichische Gewerkschafter berichten
von Amerika - - - - - - - - - - - - - - - -

3

Oldenbroek begruendet die Politik des IBFG - -

5

Hie internationale Transportarbeiterfoederation
zum Marshall-Plan - - - - - - - - - - - - -

e

Die Gewerkschaftsbewegung ist ihrer Aufgabe
gewachsen - - - - - - - - - - - - - - - - -

12

Methoden und Verfahren der Beschaeftigungssicherheit - - - - - - - - _ - - _ _ - _ _

15

DER BLUTIGE WEG DER KOMMUNISTEN ITALIENS
M

Ein Kommunist," schrieb Lenin, "muss bereit sein, jedes
Opfer zu bringen, und darf, wenn noetig, vor keiner Verschwoerung und keiner List zurueckschreoken, er muss illegale Methoden
anwenden und die Wahrheit verbergen, wenn es darum geht, in die
Gewerkschaften einzudringen, darin zu bleiben und in ihnen
revolutionaer zu wirken.1*
Was diese "Verschwoerungen, Listen und illegalen Methoden"
fuer die freien Arbeiter in Wirklichkeit bedeuten, ist erneut

- 1

�in einem Weissbuch des italienischen Gewerkschaftsbundes CISL
aufgedeckt worden.
Mehr als 50 Faelle kommunistischer Gewalttaetigkeiten gegen
freie Gewerkschaftsmitglieder sind in dieser grausigen Liste
aufgefuehrt, die der Konvention der AFL unlaengst vorgelegt wurde. Zwei italienische Gewerkschafter, Enrico Parri und Luigi
Morelli, erklaerten den Amerikanern, dass die italienischen
Kommunisten "einen Krieg des Terrors fuehrten, wie er in der
Geschichte der Gewerkschaften ohne Beispiel sei. Er sei durch
jede Art der Gevalttaetigkeit, von der unglaublichsten Misrhandlung bis zum vorsaetzlichen und kaltbluetigen Mord gekennzeichnet.
In dem Dokument wird ebenfalls die kommunistische Methode
angeprangert, Unruhen anzustifen und dann die Opfer als Maertyrer zu preisen.
Medina, eine Stadt in der Poebene, war der Schauplatz einer
solchen Unruhe. Im Januar vorigen Jahres organisierten die
kommunistischen Fuehrer einen Demonstrationszug, den sie in einen
Aufstand umwandelten, bei dem sechs Arbeiter getoetet wurden.
Zwei Tage spaeter riefen sie einen Streik Im ganzen Lande
aus, leiteten eine Kampagne zur Unterstuetzung der Witwen und
Waisen dieser Opfer ein und brachten in einer Sammlung 40,000
Dollar zusammen. Sechs Monate spaeter wurde ein Ortsfunktionaer
des kommunistisch beherrschten italienischen allgemeinen Gewerkschaftsbundes (CGIL) wegen missbraeuchlioher Verwendung dieses
Geldes verhaftet. Man stellte fest, dass die Familien der Getoeteten weniger als 10,000 Dollar erhalten hatten. Der Rest war
dem CGIL und der kommunistischen Partei zugeflossen.
Dies ist nur ein Beispiel aus diesem Weissbuoh. Die Kommunisten suchten auf dem Lande, in den Fabriken und Doerfern die
aktivsten Mitglieder der freien Gewerkschaften aus, um sie zu
misshandeln oder zu ermorden.
So starb Guiseppe Fanin mit 24 Jahren. Auf einer Farm geboren und grossgezogen, promovierte er an der Universitaet Bologna
und hatte die Absicht, die Bauern zu organisieren. Er schloss
sich der freien Gewerkschaftsbewegung an. Die Bauern hoerten
ihm interessiert zu, wenn er von der Demokratie spraoh. Als er
vor zwei Jahren am Abend des 4. November mit dem Rad nach Hause
fuhr, wurde er von vier Maennern ueberfallen und starb wenige
Stunden spaeter. Drei Wochen danach bekannten sich vier kommunistische Funktionaere zu dieser Tat.
Dies ereignete sich in dem Bezirk Bologna-Emilia - der
"roten Hochburg". Parri und Morelli nennen diesen Bezirk eine
"blutgetraenkte Gegend". Und dies hat seinen Grund.
Sechs Landarbeiter wurden von einer lOOkoepfigen Menge geschlagen und gezwungen, ihre Arbeitsplaetze zu verlassen. Ein
Arbeiter und seine Frau, eine werdende Mutter, wurden gesteinigt
und misshandelt. Zwei Maenner wurden von 120 Demonstranten gezwungen, ihre Arbeit auf dem Lande aufzugeben. Zehn Landarbeiter
wurden von den Feldern vertrieben, ein anderer Arbeiter wurde
von sechs Maennern ueberfallen. Bei einem Ueberfall einer Bande
von tausend Kommunisten auf 35 Erntearbeiter wurden zwei Frauen
schwer misshandelt. Vier Maenner wurden auf dem Wege zur Arbeit
entfuehrt. Ein anderer, der mit Landaufbesserungsarbeiten beschaeftigt war, wurde gesteinigt und musste zwoelf Tage im Krankenhaus behandelt werden.
- 2 -

�In allen Faellen wurden diese Untaten veruebt, weil die Betreffenden Mitglieder freier Gewerkschaften waren.
Die Liste hoert jedoch hier nooh nicht auf. Im gleichen Gebiet wurde ein Bauer von neun Maennern verpruegelt, weil er freie
Gewerkschafter beschaeftigt hatte. Der Sekretaer einer Gewerkschaft wurde geschlagen und beinahe gelyncht. Der Wald eines
Bauern, in dem Mitglieder der freien Gewerkschaftsbewegung als
Holzfaeller arbeiteten, wurde besetzt und zerstoert. Die Bueros
des CISL in Mesola wurden voellig vernichtet.
Dieses Regime des Terrors, das von den beiden Gewerkschaftern als eine "ernste Gefahr fuer die Organisation der freien Gewerkschaften bezeichnet wird," hat zur Folge, dass die Arbeiter
davor zurueckschrecken, sich und ihre Familien derartigen Gewelttaetigkeiten auszusetzen, in denen die Kommunisten so gute
Meister sind.
Und doch trotzen freie Arbeiter immer wieder dieser Gefahr.
Das beweisen die Vorfaelle in dem Gebiet von Bologna-Emilia, von
denen in ganz Italien erzaehlt wird.
Piemont, eine Winternacht vor zwei Jahren:
Luigi Leonarduzzi, ein Vertreter der freien Gewerkschaften,
begab sich zu einer Konferenz des Komitees fuer Arbeitslosenunterstuetzung. Er wurde ueberfallen und schwer verletzt. Im Fruehjahr 1949 arbeitete Maria Vincenti in einem Geschaeft, in dem
freie Gewerkschafter zugelassen waren. Sie wurde ueberfallen und
sohwer verletzt. Im Fruehjahr des folgenden Jahres folgte
Giovanni Arrigoni, ein Freiheitskaempfer waehrend des Krieges,
nicht dem Befehl kommunistischer Demonstranten, seine Arbeit in
einer Saegemuehle niederzulegen. Er wurde verletzt.
Lombardei, Ende des Jahres 1948: Das Buero des Bezirksvorstandes des CISL wird durch eine Bombe zerstoert. Fruehjahr
1949: Ein Mann wird vor den Toren seiner Arbeitsstaette niedergeschlagen. Mai dieses Jahres: Ein Gewerkschaftsdelegierter, der
bei der Besprechung eines Problems von allgemeinem Interesse eine
Meinung vertritt, die den Kommunisten nicht gefaellt, wird von
drei Maennern misshandelt. Im gleichen Monat des gleichen Jahres:
Fuenf Gewerksohafterinnen werden von einer bewaffneten Bande angegriffen.
In ganz Italien nichts als Gewalttaetigkeiten, wo immer man
der kommunistischen Linie nicht folgt und das demokratische Gewerkschaftswesen unterstuetzt. In ganz Italien sind es dennoch
nur wenige Leute, die die gewalttaetige Lehre des stalinistischen
Kommunismus dem friedlichen Dienst an der Sache der italienischen
Arbeiter voranstellen.
Arbeitsmitteilungen der ECA
1/11/50
OESTERREICHISCHE GEWERKSCHAFTER BERICHTEN VON AMERIKA
Sechs oesterreichische Gewerkschaftsfuehrer kehrten von einer
Reise nach den Vereinigten Staaten zurueck und erklaerten, dass
der Marshallplan der Faktor ::r. 1 im wirtschaftlichen Wiederaufbauprogranm ihres Landes sei, dass die Zukunft Jedoch in den Haenden der Oesterreicher selbst laege.
Sie sagten, sie "kaemen zurueck, um sich fuer die Schaffung
der Vereinigten Staaten von Europa einzusetzen. Wenn Europa das
- 3-

�langersehnte Ziel des Wohlstandes erreichen soll, muessen die
bestehenden nationalen Grenzen verschwinden. Dies ist die Hoffnung Oesterreichs und aller europaeischen Laender."
Die Gruppe kam gerade von einer sechswoechigen Reise zurueck, die sie zum Studium des Gewerkschaftswesens und der Produktivitaetsmethoden in den Vereinigten Staaten und der Schirmherrschaft des Marshallplanes unternommen hatte.
"Ein Amerikaner fragte mich, wie es in Europa aussieht,"
erklaerte Plus Schneeberger, der Vorsitzende der oesterreichischen Land- und Forstarbeiter-Gewerkschaft. "Ich sagte ihm, er
solle sich die 48 Staaten der USA als getrennte nationalistische
Laender vorstellen, dann wuerde er unsere Probleme kennen."
Die Gruppe war der Auffassung, dass die Vereinigten Staaten die
volle Bedeutung des Wortes Zusammenarbeit erkannt haben.
Die Besucher wurden in Le Havre von Vertretern der bedeutenden franzoesischen freien Gewerkschaften, der "Force Ouvriere",
der Christlichen Arbeitergewerkschaft und des Vorarbeiter-Verbandes bei ihrer Ankunft in Europa gerade in dem Zeitpunkt begruesst,
als der kommunistische Versuch, Oesterreich in einen Generalstreik zu stuerzen, klaeglich gescheitert war.
Die Gruppe erklaerte, dass sie mit der gegenwaertigen Lage
nicht vertraut sei, dass sich aehnliche Vorfaelle Jedoch in jedem
Jahre so sicher "wie der Herbst" wiederholten. Die grosse Mehrheit der oesterreiohischen Gewerkschafter, einschliesslich derer,
die in der Sowjet-Zone wohnen, steht nicht unter dem Einfluss
der Kommunisten. Selbst in Industrien, die sich in russischem
Besitz befinden, gibt es Betriebe, in denen nicht mehr als 20%
der Belegschaft kommunistischen Gewerkschaften angehoeren. Die
Oesterreicher wissen nur zu gut, dass ihr Land unter der Herrschaft der Kommunisten zu einem Satellitenstaat werden wuerde.
Sie sind der Auffassung, dass die oesterreiohischen Kommunisten
von Oesterreich selbst in Schach gehalten werden koennen, wenn sie
nicht von einer Fremdmacht direkt unterstuetzt werden.
Die Oesterreicher berichteten, dass sie ein wirkliches Freundschaftsverhaeltnis zwischen der amerikanischen und ihren eigenen
freien Gewerkschaften festgestellt haetten. "Wir waren erstaunt
darueber," sagten sie, "dass amerikanische GewerkschaftsOrganisationen, die sich mit eigenen Problemen zu beschaeftigen haben, so
sehr an der gegenwaertigen Weltlage interessiert und sich ihrer
internationalen Verantwortlichkeiten vollauf bewusst sind. Wir
kommen mit dem Bewusstsein zurueck, dass wir jenseits des Ozeans
wirkliche Brueder besitzen, deren Freundschaft nicht nur in schoenen Worten besteht."
Die Gewerkschaftsfuehrer kamen mit einem gefestigten Glauben
an die Lebensweise der westlichen Welt aus Amerika zurueck, wo sie
sahen, wie die organisierte Arbeiterschaft schnell zu einem maechtigen demokratischen Bollwerk einer freien Gemeinschaft werden kann.
Ignaz Koock, der selbst in der russischen Zone beheimatet und
Sekretaer des bundesstaatlichen Sekretariats des Gewerkschaftsbundes ist, zeigte an Hand eines Beispiels, wie frei die amerikanische Lebensgemeinschaft ist: "Wenn ich hierfuer niemals einen
Beweis hatte, so erhielt ich ihn, als ich eine Teitilfabrik in
Tennessee besuchte, wo von 1300 Arbeitern nur ein einziger nicht
Gewerkschaftsmitglied war und niemand versuchte, ihn zum Eintritt
in die Gewerkschaft zu zwingen. Das ist wahre Demokratie!"

- 4 -

�Die oesterreichischen Besucher reisten von New York nach
Chikago und dann in den Sueden bis nach Texas und waren begeistert ueber die umfassenden Erziehungsprogramme der amerikanischen
Gewerkschaften, die sie fuer ihre Mitglieder durchfuehren. Als
direktes Ergebnis hiervon seien sich die amerikanischen Gewerkschafter nicht nur der Vorteile einer hohen Produktionsleistung
bewusst, sondern in vielen Faellen sei es die Gewerkschaft selbst,
die bei der Rationalisierung der Produktion zur Erreichung hoher
Produktivitaetsziele eine bedeutende Rolle spiele.
Ihre Eindruecke umfassend erklaerten die oesterreichischen
Gewerkschaftsfuehrer, dass nichts vollkommen sei, und auch das amerikanische System gewisse Fehler enthalte. "Diese stehen jedoch
in keinem Verhaeltnis zu den bereits erzielten Erfolgen."
Die Mitglieder der oesterreichischen Besuchergruppe waren:
Pius Schneeberger, Ignaz Koock, Edmund Holzfeind, der Zentralsekretaer der Post- und Telegraphenarbeiter, Leopold Wolff als Vertreter der Chemiearbeiter, Edmund Hofeck, Vize-Praesident der
Arbeitskammer und Fritz Matzner, der Landeshauptmann der Provinz
Steiermark und Fuehrer der dortigen Gewerkschaftsbewegung.
Arbeitsmitteilungen der ECA
X/10/50
OLDENBROEK ÜEGRUENDET DIE POLITIK DES IBFG
J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer des Internationalen
Bundes Freier Gewerkschaften, hat eine ausfuehrliche Erklaerung
abgegeben, warum die freien Arbeiter die Aggression in Nord-Korea
und andere folgenschwere Handlungen des Kominform, wie die Bewaffnung Albaniens an der jugoslawischen Grenze, ablehnen.
Oldenbroek ueberbrachte der 82. Jahreskonferenz des britischen Gewerkschaftskongresses die Gruesse der 50 Millionen Mitglieder des IBFG und wies erneut darauf hin, dass diese Organisation die Verteidigungsmassnehmen der Vereinten Nationen in Korea
und den Marshall-Plan unterstuetzt.
Er berichtete ausserdem von der zunehmenden Staerke des
IBFG in seinem weltweiten Konkurrenzkampf mit der kommunistischen
Marionettenorganisation, dem Weltgewerkschaftsbund. Er ist der
Auffassung, dass die Hauptaufgabe in Korea in der Loesung der
Frage besteht, ob eine Aggression gegen die Vereinten Nationen
unbeantwortet bleiben soll oder nicht.
"Es geht nicht um die Frage, welche Art von Regierung in
Suedkorea bestand," sagt Oldenbroek. "Diese Regierung wurde in
geheimer Wahl unter Aufsicht der Kommission der Vereinten Nationen fuer Korea gewaehlt, die von den Kommunisten daran gehindert
wurde, freie Wahlen in Nordkorea abzuhalten."
"Die Aggression ist es, die die freien Arbeiter verwerfen,"
erklaerte er. "Wir sind grundsaetzlich gegen eine Aggression,
und wir lehnen sie ausserdem ab, weil sie zu einem neuen Krieg
fuehren kann. Aus diesem Grunde befuerworten wir die Massnahmen
der Vereinten Nationen. In den Panzerschränken des Kominform
liegen Plaene bereit, und in einer Reihe von Laendern hegen die
Menschen die Befuerchtung, dass sie als naechste an der Reihe sein
koennten."

- 5 -

�"Wenn die Aggression gegen Korea erfolgreich verlaufen waere,
was waere dann aus Finnland, Jugoslawien, Persien, der Tuerkei
und Oesterreich geworden?" fragte der Gewerkschaftsfuehrer. "Denken wir einmal an Oesterreich mit seiner wohlorganisierten und
starken Gewerkschaftsbewegung. Wer verhindert den Abschluss
eines Staatsvertrages mit Oesterreich? Niemand anderes als die
Sowjetunion."
"Was Jugoslawien betrifft, so moechte ich nicht Fuersprecher
dieses Staates sein, aber ich moechte auch nicht, dass er das
Opfer einer Aggression wird. Und dann stelle ich an dieser Stelle die Frage, warum Waffen und Munition mit polnischen Schiffen
von Gdingen und anderen Haefen nach Albanien transportiert werden, das von russischen, polnischen und anderen Statthaltern beherrscht wird?"
Auf die kommunistischen Friedensappelle bezugnehmend, in
denen die demokratischen Laender aufgefordert werden, ihre Atomwaffen sofort zu zerstoeren, sagte Oldenbroek: "Die Atombombe,
Wasserstoffbombe oder sonstige Bomben und Waffen duerften natuerlich nicht zur Anwendung kommen. Dies ist jedoch nur moeglich,
wenn eine internationale Kontrolle ausgeuebt werden kann. Die
Vorschlaege der westlichen Welt zur Durchfuehrung einer internationalen Kontrolle sind in den Vereinten Nationen von der Sowjetunion abgelehnt worden."
"Ausser dem Missbrauch wissenschaftlicher Erkenntnisse kennen wir jedoch auch den Missbrauch des menschlichen Gehirns fuer
verwerfliche Zwecke, wie ich die angewandte Psychologie bezeichnen moechte. Man will den Menschen durch Einh'aemmern zu jeder
Stunde bei Tag und bei Nacht glauben machen, dass die Amerikaner
dieEindringlinge in Korea sind. Es Ist die gleiche endlose Beschuldigung, die man auch gegen Jugoslawien richtet, das den Mut
hatte, sich dem Kominform zu widersetzen. Es ist der Aufruf des
Weltgewerkschaftsbundes an die Arbeiter der Post und des Rundfunks in allen Laendern, dass sie sich weigern sollen, jegliches
Material, das die Haltung der Sowjetregierung kritisiert, weiterzuleiten."
"Und dabei ist das Recht der freien Rede und der Pressefreiheit im Programm des W.G.B. verankert.' Die Kommunisten fordern
jeden auf, zu streiken und vor allem sich an Generalstreiks zu
beteiligen. In ihren eigenen Laendern jedoch haben sie das Streikrecht abgeschafft. Sie erheben somit den Betrug zur hoechsten
Tugend." In Bezug auf den kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund erklaerte Oldenbroek ausserdem, dass es zwar keine
Moeglichkeit gaebe, die Taetigkeiten der Kommunisten hinter dem
Eisernen Vorhang zu pruefen, ihre Behauptung Jedoch, in Frankreich
fuenf Millionen und in Italien fuenfeinhalb Millionen Mitglieder
zu besitzen, 'vollkommen unsinnig' sei.
Im Gegensatz hierzu steige die Mitgliederzahl des IBFG staendig an, und bis zum Kongress im naechsten Jahre wuerde sich die
Zahl der Mitgliederstaaten von 50 auf 60 erhoeht haben, was eine
Zunahme um mehrere Millionen der gegenwaertigen Mitgliederzahl
von 50 Millionen zur Folge haben wird.
Oldenbroek wies auf das wachsende Interesse und die Machtstellung des IBFG in Asien und Latein-Amerika hin, wo der Weltgewerkschaftsbund nach der Herrschaft strebte. In diesen Gebieten
muesse die Arbeit des IBFG dezentralisiert werden. Regionale
Kommissionen werden es ermoeglichen, die allgemeine Politik des
IBFG so durchzufuehren, wie es die Menschen der betreffenden Ge-

�biete in besserer Kenntnis der lokalen Verhaeltnisse als am guenstigsten erachten.
Oldenbroek erklaerte dem britischen Gewerkschaftskongress,
dass sich der IBFG fuer baldige nationale Freiheit und Selbstregierung aller Menschen einsetze und dieses Streben auch seinem
Interesse an unterentwickelten Gebieten zugrundeliege. Er kuendigte an, dass der IBFG im Januar naechsten Jahres in Mexiko
einen internationalen Kongress fuer Latein-Amerika und zu einem
spaeteran Zeitpunkt, wenn moeglich vor Ende naechsten Jahre3, eine
asiatische regionale Konferenz abhalten wird.
Eine europaeische regionale Tagung wird ebenfalls in Kuerze
stattfinden, und mit dem Hinweis auf zahlreiche Taetigkeiten des
IBFG in Europa erklaerte Oldenbroek, dass die Organisation eine
aktivere Rolle beim Marshall-Plan spielen wird, "der soviel geleistet hat und vor allem zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit,
der Verbesserung des Lebensstandards, der Steigerung der Produktion und zum wirtschaftlichen Wiederaufbau beigetragen hat."
"Wir wuensohen nicht, dass sich aus dem Schumanplan ein
Kartell entwickelt, und wir werden unsere Unterstuetzung dieses
Planes von der Beteiligung der freien Gewerkschaften an diesem
grossen Wagnis abhaengig machen."
Der IBFG ueberpruefe die Probleme der besoldeten Angehoerigen freier Berufe und erwarte die Bildung internationaler Berufssekretariate fuer Lehrer, Journalisten und Schauspieler. Die
internationale Koerperschaft beabsichtige in Kuerze eine Konferenz
ueber Arbeiterbildung durohzufuehren. Die Fuehrer des IBFG forderten die europaeischen Regierungen auf, ihre Arbeiter gegen jegliche Steigerungen der Lebenshaltungskosten zu schuetzen, die als
Folgeerscheinung der koreanischen Krise auftreten koennten.
Der IBFG bleibe allen Formen der Diktatur abgeneigt. "Wir
werden unseren Kampf sowohl gegen die militaristischen und faschistischen als auch gegen die Methoden der Unterdrückung in den sogenannten "Volksdemokratien" fortsetzen."
"Wir lehnen alle Zugestaendnisse an Franko-Spanien ab, dem
ein betraechtlicher Kredit - um es genau zu sagen, 62 1/2 Millionen
Dollar - fuer seinen wirtschaftlichen Wiederaufbau versprochen
wurde."
Auf die Unterschiede zwischen den Gewerkschaften in kommunistischen und den in demokratischen Laendern hinweisend bemerkte
Oldenbroek, dass fuer das urspruengliche Programm des W.G.B. zur
Verbesserung des Lebensstandards der Arbeiter nichts getant worden
sei. Dieses Programm ist von freien Gewerkschaftern aufgestellt
worden, als sie noch Mitglieder dieser Organisation gewesen seien.
Als die Kommunisten sich
mitzuhelfen, haetten sich die
aus dem Weltgewerkschaftsbund
wirklichung des WGB-Programms

geweigert hatten, am Marshall-Plan
freien Arbeiter gezwungen gesehen,
auszutreten. Seitdem sei zur Vernichts mehr unternommen worden.

"Und nachdem sich die freien Gewerkschaften vom Weltgewerkschaftsbund getrennt hatten und diese Organisation zu nichts
weiter als einem Werkzeug des Kominform geworden ist, wird sie
nichts mehr fuer die Verwirklichung ihrer Programmpunkte tun. Die
konstruktive Arbeit ist und wird immer von freien Gewerkschaften
geleistet werden nuessen und nicht von totalitaeren Organisationen,
die nur das eine Ziel verfolgen, die Befehle ihrer Herren auszu-

- 7-

�fuahren, und die deshalb keine Zeit fuer konstruktive Arbeit haben, sondern sich nur zersetzenden und umstuerzlerisohen Aufgaben
widmen.n
Telegramm der ECA
IX/8/50
DIE INTERNATIONALE TRANSPORTARBEITERFOEDERATION ZUM MARSHALL-PLAN
Europas TransportSystem hat unter dem zweiten Weltkrieg vielleicht mehr gelitten als jede andere Industrie. Nach Beendigung
der Feindseligkelten sah es sich vor grosse Probleme des Wiederaufbaus und der NeuOrganisierung gestellt. Die Internationale
Transportarbeiterfoederation wusste, dass zu allererst das
Strassen-, Eisenbahn- und Wassertransportsystem Europas wieder
instandgesetzt werden musste, bevor ein allgemeiner wirtschaftlicher Wiederaufbau beginnen konnte. Lange vor Beendigung des
Krieges beschaeftigte sich die ITF mit den Problemen, die sie
nach dem Kriege zu loesen hatte. Sie entwickelte Plaene zur
rationellen Entwicklung der europaeischen Transportverhaeltnisse,
die, so hoffte sie, zu einer europaeischen Wirtschaftseinheit und
zur Zusammenarbeit fuer den Frieden fuehren wuerden.
Zuerst mussten die dringendsten Instandsetzungsarbeiten ausgefuehrt werden. Die Bemuehungen der europaeischen Laender, die
von der zum grossen Teil von den USA finanzierten UNRRA unterstuetzt wurden, hatten 1947 bereits so gute Ergebnisse gezeitigt,
dass schaetzungsweise 80$ der dringendsten Aufgaben geloest waren.
Die Transportarbeiter legten in Jenen Jahren ein grosses Prlichtbewusstsein an den Tag. Die ITF ist jedoch der Ansicht, dass
bessere und schnellere Ergebnisse haetten erzielt werden koennen.
Waehrend des Krieges und kurz nach Kriegsende hegte sie den
Gedanken, dass die europaeischen Laender ihre Hilfsquellen zusammenlegen und nach einem gemeinsamen Plan arbeiten muessten. Zu
diesem Zweck wurden eine Reihe Vorschlaege ausgearbeitet. Auf
der Konferenz des Ausschusses der Internationalen Arbeitsorganisation fuer Binnentransport, die im Dezember 1945 in London stattfand, bekannten sich die Vertreter der Regierungen und der Arbeitgeber zu den Vorschlaegen der ITF und fassten viele von ihnen
in einer EntSchliessung zusammen. Diese EntSchliessung blieb
jedoch, im ganzen gesehen, ein toter Schemen. Mit diesen Vorschlaegen hatte die ITF groessere Ziele als nur den physischen
Wiederaufbau im Auge. Sie wuensohte naemlich, dass die Europaeer
gemeinschaftlich zusammenarbeiten und in dieser kritischen Zeit
einen Plan der Zusammenarbeit entwerfen wuerden, der auch fuer
die langfristige Aufgabe des wirtschaftlichen Wiederaufbaus beispielhaft haette sein koennen.
Einige langfristige Instandsetzungsarbeiten und dringende
Programme der Neuausruestung wurden im Jahre 1946 begonnen; die
Hilfsquellen der verschiedenen europaeischen Laender reichten jedoch nicht aus, um alle notwendigen Investierungen durchfuehren
zu koennen. Schon drohte die gesamte europaeische Wiederaufbaubewegung zusammenzubrechen, da kamen im Sommer 1947 Nachrichten
ueber ein amerikanisches .Unterstuetzungsprogramm fuer den Wiederaufbau Europas von der anderen Seite des Atlantiks.
Die Fuehrer des ITF hatten schnell die Bedeutung der Marshallolan-Vorschlaege erkannt. Zu jener Zeit konnte sich die ITF
dank der .Tatsache, dass sie ihre Unabhaengigkeit gegenueber dem
Weltgewerkschaftsbund bewahrt hatte, zum Marshallplan bekennen,
der vom Weltgewerkschaftsbund abgelehnt wurde.
- 8-

�Auf einer Konferenz im November 1947 in London wurde vom
Generalrat des IT? eine Entschliessung gefasst, in der der Marshallplan als eine "Gelegenheit zur Zusammenarbeit, besonders
auf dem Gebiet des Transportwesens, zur Sicherung einer fortschrittlichen und zivilisierten Zukunft Europas," herzlich willkommen geheissen wurde. Der Generalrat erkannte, dass den
Transportarbeitern bei der Verwirklichung dieses Planes eine
bedeutende Rolle zufiel. Wenige Monate spaeter wurde eine Tagung der Transportarbeitergewerkschaften der 16 beteiligten Laender einberufen, auf der die Auswirkungen des Planes auf die Gewerkschaftsmitglieder eroertert wurden.
Die im April 1948 in Luxemburg abgehaltene Konferenz erwies
sich als ein Markstein in der Einstellung der europaeischen Gewerkschaften zum Marshallplan. Die Konferenz sprach ihre Anerkennung ueber "die Grosszuegigkeit der amerikanischen Regierung
aus, die im Rahmen des ERP wirtschaftliche Hilfe in bisher ungekaantem Ausmasse angeboten hatte." Zahlreiche Delegierte bedauerten, dass der kommunistisch gefuehrte Teil der europaeischen
Gewerkschaftsbewegung den Marshallplan aus politischen Gruenden
ablehnte, und alle versprachen im Namen ihrer Gewerkschaften,
den Gedanken der internationalen Solidaritaet, der diesem Programm zugrundelag, zu unterstuetzen.
Die bedeutendsten Fachgruppen der ITF folgten bald diesem
Beispiel. Ein Monat nach der Luxemburger Konferenz wurde auf
einer internationalen Konferenz der Autobus- und Strassenbahnarbeiter erklaert: "Diese Konfernz sieht in dem Gelingen des
Marshallplans die Moeglichkeit, die wirtschaftlichen Verhaeltnisse
und den Lebensstandard in den beteiligten Laendern zu verbessern
und damit ihre Freiheit und ihre demokratische Lebensform zu
erhalten." Einige Monate spaeter brachte die internationale Konferenz der Dockarbeiter und Seeleute ihre Entschlossenheit zum
Ausdruck, alle kommunistischen Versuche, den Marshallplan durch
zersetzende Taetigkeiten in europaeischen Haefen zu sabotieren,
abzuschlagen.
Die bejahende Einstellung der ITF dem Marshallplan gegenueber beruhte auf den folgenden fuenf triftigen Gruenden:
1. Die Wiederherstellung der europaeischen Haefen, Eisenbahnen und Strassen musste die Arbeit der Transporterbeiter erleichtern und ihren Arbeitsplatz fuer die Zukunft sichern.
2. Indem der Marshallplan den allgemeinen wirtschaftlichen
Wiederaufbau Europas unterstuetzte, musste er den Lebensstandard
aller Arbeiter verbessern.
3. Der wirtschaftliche Wiederaufbau, der bessere soziale
Verhaeltnisse schafft, staerkt die Demokratie in Europa und
hilft mit, die Gefahr irgendeiner Form der Diktatur zu beseitigen.
4. Dadurch, dass amerikanische Gewerkschaften den Marshallplan unterstuetzen, wird die Zusammenarbeit der amerikanischen
Arbeiterschaft mit europaeischen Gewerkschaften gefoerdert - ein
Ziel, nach dem die ITF schon lange strebte.
5. Die ITF hoffte, dass der Marshallplan den Zusammenschluss des europaeischen Transportsystems anregen und damit den
wirtschaftlichen Wiederaufstieg Europas erleichtern wuerde.
Waehrend der beiden ersten 2 1/4 Jahre des Marahallplanes
sind dem europaeischen Transportwesen 330 Millionen Dollar an
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�direkten Aufwendungen zur Verfuegung gestellt worden. Der grosste
Teil hiervon wurde fuer Ausruestungen wie Motorfahrzeuge, Lokomotiven und Flugzeuge verwendet. Ausserdem haben europaeische
Laender aus Gegenwertfondsmitteln etwa 550 Millionen Dollar fuer
den Wiederaufbau von Eisenbahnen, Strassen, Bruecken, Wasserwegen,
Hafenanlagen und Flugplaetzen freigegeben.
Die Marshall-Hilfe fuer das Transportwesen beschraenkte sich
jedoch nicht nur auf Europa. Von besonderem Interesse fuer die
Transportarbeiter war der Ausbau Abidjous, eines Hafens an der
franzoesischen Westafrika-Kueste, der bereits als Afrikas "Hafen
der Zukunft" bezeichnet wurde.
Ein anderes, besonders erwaehnenswertes Bauvorhaben, fuer
das 9 Millionen Dollar der ECA und 15 Millionen aus Gegenwertfonds
zur Verfuegung gestellt wurden, ist die Umbettung des Rheins auf
einer Strecke von 65 Meilen oberhalb Strassburgs.
Der 21. Kongress der ITF nahm einstimmig eine Resolution des
Dankes fuer die Marshallplan-Hilfe an: "Dieser Kongress bringt
dem amerikanischen Volk und besonders den amerikanischen Arbeitern
gegenueber seine Anerkennung fuer die zur Foerderung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus in Europa geleistete Hilfe zum Ausdruck. "
Die ITF war jedoch nicht mit dem Platz zufrieden, der ihr bei
den ueberstaatlichen Besprechungen ueber die neue Organisierung
und die vorausschauende Planung des europaeischen Transportwesens
eingeraeumt wurde. J. H. Oldenbroek, der fruehere Generalsekretaer der ITF und Jetzige Generalsekretaer des IBFG, hat erklaert,
dass der wichtigste Faktor des Marshallplanes darin bestehe, die
"Notwendigkeit einer inter-europaeischen Planung hervorzuheben;
und dieser Gesichtspunkt erscheint in unseren Augen noch wichtiger
als die sofortige Unterstuetzung, die uns der Marshallplan bringt."
Seit ihrem Hamburger Kongress im Jahre 1924 hat sich die
ITF fuer die Sozialisierung des europaeischen Transportwesens als
den ersten Schritt zur Beseitigung der wirtschaftlichen üebel des
Kontinents eingesetzt, um eine weitere Sicherheit gegen Kriege
in Europa zu sohaffen. Auf den folgenden Kongressen wurde im
einzelnen zu diesem Thema Stellung genommen und 1935 eine Erklaerung abgegeben, in der es heisst, dass es "Pflicht der Transportarbeiter sei, dieser Forderung die groesstmoegliche Unterstuetzung
zu geben* In anbetraoht der Tatsache, dass sie als erste unter
chaotischen Verhaeltnissen im Transportwesen zu leiden haben, sind
sie diejenigen, die gleichzeitig sowohl ihre eigenen Interessen
als auch die der uebrigen Menschheit vertreten."
Alle Moeglichkeiten einer europaeischen Zusammenarbeit und
Einheit wurden zu jener Zeit durch die Ausbreitung des Faschismus
zunichtegemacht. Diese Vorschlaege sind jedoch Vorlaeufer der
von der ITF waehrend und nach dem zweiten Weltkrieg entworfenen
Plaene fuer ein vereinigtes Transportsystem.
Anfang des Jahres 1945 veroeffentlichte das Organ der ITF
einen Leitartikel mit dem Titel "Ein vereinigtes Transportsystem
fuer Europa". Hierin wurde zur Schaffung eines Transportausschusses fuer Europa aufgerufen, der einen Plan zur Organisierung
des Transportwesens unter Zugrundelegung einer europaeischen
Wirtschaftseinheit entwerfen sollte.
Die Fachabteilung der ITF fuer Eisenbahner schlug zu einem
spaeteren Zeitpunkt des Jahres 1943 vor, dass die ITF selbst
einen solchen Plan entwerfen solle. Ein Programm wurde aufge- 10 -

�stellt und von der ITF angenommen. Ihm lag die Forderung nach
einer europaeischen Transportbehoerde mit der notwendigen Befugnis zur Kontrolle und Bestimmung der Politik in Bezug auf das
europaeische Transportwesen zugrunde. Die ITF war sich zu jener
Zeit bewusst, dass Europa nach dem Kriege wieder zu einem Kont
nent vieler Staaten werden wuerde, erklaerte jedoch in ihrem
Programm, dass das endgueltige Ziel der europaeischen Transportbehoerde sein solle, dafuer zu sorgen, das- der Transport der Verwirklichung einer groesseren Einheit des europaeischen Lebens dienen soll.
Im Programm wurde ausserdem die Forderung erhoben,
dass die Gewerkschaften bei der nach dem Kriege notwendigen Neuorganisation eine wichtige Rolle zu spielen haben.
Die im Kriege gemachten Erfahrungen und die Arbeit der ITF
fuehrten dazu, dass die alliierten Regierungen zwar weniger kuehne,
aber doch aehnliche Absichten hegten. 1942 bildeten die Alliierten den interalliierten technischen Beratungsausschuss fuer Landtransport, der sich vorlaeufig mit aehnlichen Fragen dieser Art
befassen sollte. Dieser Ausschuss wurde spaeter in "Landtransportkomitee" umbenannt und mit groesseren Befugnissen ausgestattet.
Die ITF empfahl die Schaffung einer europaeischen Transportorganisation. Eine vorlaeufige Organisation - die europaeische Zentralorganisation fuer Landtransport - wurde 1945 von den Regierungen
zwoelf verschiedener Laender ins Leben gerufen.
Sie hatte die Aufgabe, die europaeischen Laender bei der
Wiedererrichtung ihrer inlaendischen Transportsysteme zu unterstuetzen. Die ITF sicherte sich eine Vertretung in dieser Organisation, die die Aufgabe hatte, bei der Eroerterung von Arbeitsfragen im Transportwesen beratend mitzuwirken. Bei der Aufloesung
der Organisation im Jahre 1947 bestanden zwischen der ITF und der
europaeischen Zentralorganisation fuer Landtransport sehr freundschaftliche Beziehungen.
An ihre Stelle trat die europaeische Transportkommission eine Zweigorganisation der europaeischen Wirtschaftskommission
der Vereinten Nationen. Aufgrund ihres mitberatenden Statuts
beim Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen ist der. ITF
eine Vertretung in dieser Koerperschaft und das Recht, den Standpunkt der Arbeiter zu vertreten, zugesprochen worden.
Dann wurde die Organisation fuer europaeische Wirtschaftszusammenarbeit (OEEC) gegruendet, die in erster Linie die Programme
des Marshall-Planes der westeuropaeischen Laender koordinieren
3011. Einer internationalen Gewerkschaftsunterorganisation, dem
Gewerkschaftlichen Beratungsausschuss fuer das ERP, ist von der
OEEC ein mitberatendes Recht zugebilligt worden. Die Gewerkschaftsverbaende der Teilnehmerstaaten sind diesem Ausschuss angeschlossen.
Die ITF ist jedoch der Auffassung, dass sie zu den beiden Transportkomitees der OEEC direkten Zutritt haben muesse. Bis jetzt
ist diese Forderung abgelehnt worden.
Obwohl die Fuehrer der ITF ueber den Erfolg des Marshall-Plans
erfreut sind, der in der Wiederherstellung der Transportmoeglichkeiten der verschiedenen Laender besteht, sind sie darueber enttaeuscht, dass die Moeglichkeit, eine europaeische Transporteinheit zu verwirklichen, nur in geringem Masse wahrgenommen wurde.
Ihr Vorschlag, eine europaeische Transportbehoerde ins Leben zu
rufen, wird von der beratenden Versammlung des Europarates in
Strassburg zur Zeit eroertert.
Arbeitsmitteilungen der ECA

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�ü. S. Arbeitsminister Maurice J. Tobin:
DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IST IHRER AUFGABE GEWACHSEN.
Im Jahre 1924 erklaerte Samuel Gompers: "Die amerikanische
Arbeiterschaft ist zu dem Zwecke organisiert, gegen das Unrecht
und fuer das Recht zu kaempfen - und zwar nicht nur in den Vereinigten Staaten. Ueberall, wo Ungerechtigkeiten auftreten,
gibt es Arbeit fuer uns; und ueberall, wo ein Recht noch nicht
besteht, gibt es ebenfalls Arbeit fuer uns."
Diese Theorie von der internationalen Verantwortung der
Gewerkschaftsbewegung hat heute eine besondere Bedeutung. Die
Hundertjahrfeier des Geburtstags Samuel Gompers trifft die Gewerkschaften in einer Weltkrise an, die in ihrer Geschichte einmalig
ist. Die Vereinigten Staaten waren schon frueher schweren Gefahren
ausgesetzt, aber niemals unter den gleichen Umstaenden, wie sie
heute die Welt erschuettern.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben erklaert, dass sie
die von der US-Regierung getroffenen Massnahmen zum Schutze der
freien Voelker und zur Erhaltung des Weltfriedens von ganzem
Herzen unterstuetzen. Praesident Truman erklaerte, dass die
Bedeutung Koreas in dem Entschluss der freien Welt liege, "einer
gesetzwidrigen Aggression mit Gewalt zu begegnen." Unmittelbar
danach kuendigte eine "Einheit3konferenz" von Sßrechern der AFL
und des CIO in Washington die "voellige Entschlossenheit der
Gewerkschaftsbewegung an, der Regierung der Vereinigten Staaten
in dieser kritischen Zeit uneingeschraenkte und gemeinsame Unterstuetzung zu gewaehren." Dieser Entschluss steht im Einklang mit
dem Kampf der Gewerkschaftsbewegung gegen den Kommunismus im
eigenen Lande und im Ausland.
Die von amerikanischen Gewerkschaften auf internationalem
Gebiet geleistete Arbeit verdient die Anerkennung aller freiheitlich Denkenden. Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung ist eine
der staerksten Waffen, mit der verhindert wird, dass auslaendische
Gewerkschafter der kommunistischen Propaganda erliegen. Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung, die immer im Brennpunkt des Kampfes
stand, beteiligte sich an der Gruendung des Internationalen Bundes
Freier Gewerkschaften, der im Ausland als demokratische Macht
aktiv taetig ist, den Kommunisten entgegenarbeitet und die Lehre
der freien Gewerkschaften in einer freien Welt verbreitet.
Die Bemuehungen der Gewerkschaftsbewegung in dieser Richtung
werden durch die amerikanische Lebensweise gefoerdert. Die amerikanischen Lohnempfaenger sind weit davon entfernt, Arbeitssklaven
kommunistischer Praegung zu sein. Sie sind freie Menschen, die
einen staendig wachsenden Einfluss auf die Funktion der amerikanischen Demokratie ausueben. Die Arbeiter erfreuen sich in Amerika
der Vorteile sozialen und wirtschaftlichen Wohlstandes. Die Gewerkschaftsbewegung hat sich ihren Platz im amerikanischen Leben gesichert - einen Platz der Ehre und Macht gemaess dem amerikanischen,
traditionellen Grundsatz: Gleiche Moeglichkeiten fuer Alle. Im
Gegensatz zu dieser vorbildlichen Praxis kann der Kommunismus den
Arbeitern nur Sklaverei und Ketten bieten.
Soeben sprach ich von den Vorteilen, die der amerikanische
Arbeiter fuer sich buchen kann. Lassen Sie mich vor allem die
sich staendig verbessernden Loehne und den sich steigenden Lebensstandard erwaehnen. Im Jahre 1910 betrug der durchschnittliche
Wochenverdienst der Industriearbeiter rund 10 Dollar fuer 51 Ar-

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�beitsstunden, 1950 dagegen liegt der durchschnittliche Wochenverdienst ueber 59 Dollar fuer eine 40-Stunden Woche. Was den
Lebensstandard betrifft, so hat die durchschnittliche amerikanische Familie in bezug auf die ihr zur Verfuegung stehenden
Waren und Dienstleistungen, die sie sich durch ihre finanziellen
Mittel leisten kann, eine Stufe erreicht, die noch vor einer
Generation unvorstellbar gewesen waere. Der materielle Fortschritt des amerikanischen Volkes ist so schnell und so vollkommen vor sich gegangen, dass die amerikanischen Lebensverhaeltnisse heute einzigartig dastehen.
Ich moechte hierauf naeher eingehen. Eine Ueberpruefung
der Kaufkraft der Stundenloehne in den Vereinigten Staaten und
18 anderen Laendern zeigt, dass der russische Arbeiter im Fruehjahr 1949 fuenf bis siebenmal solange arbeiten musste wie der
amerikanische Arbeiter, um eine bestimmte Menge Lebensmittel
kaufen zu koennen. Der Arbeiter in Moskau musste 25 Minuten
arbeiten, um ein Pfund Brot kaufen zu koennen, der amerikanische
Arbeiter dagegen nur sechs Minuten. Fuer ein Pfund Rindfleisch
arbeite der russische Arbeiter 254 Minuten oder 4£ Stunden, der
amerikanische Arbeiter 29 Minuten. Ein Dutzend Eier entspricht
dem Verdienst des russischen Arbeiters in 158 Minuten, dem des
amerikanischen Arbeiters aber in 27 Minuten. Dieser Vergleich
scheint mir eine deutliche Sprache zu sprechen. Und die Kommunisten wollen uns erzaehlen, dass ihr Land ein Paradies der
Arbeiter ist.
Die fuehrende Stellung, die die Gewerkschaften heute in den
Vereinigten Staaten errungen haben, ist nicht nur ein Ausdruck
ihrer festgelegten oder ausgeuebten Macht. Sie zeigt vielmehr,
bis zu welchem Grade die Gewerkschaften zum schoepferischfin Faktor
im amerikanischen Leben geworden sind. Sie spielen nicht nur die
Hauptrolle im Kampf gegen den Kommunismus im Ausland, sondern leisten
ihren eigenen unerlaesslichen Beitrag bei der Loesung der Probleme
des eigenen Landes.
Die Gewerkschaftsfuehrer weigern sich mehr und mehr, in ihrem
Handlungsbereich sich einengen zu lassen, weil sie wissen, dass
die Wohlfahrt des Landes von vielen Faktoren abhaengig ist. Sie
fordern wirtschaftliche Gerechtigkeit, weil nur auf dieser Grundlage die Demokratie am besten gedeihen kann. Die amerikanische
Gewerkschaftsbewegung hat einen umfassenden Begriff von der Arbeit,
die sie in einem Staate leisten kann und muss, in dem die freie
Wirtschaft nach sozialen Gesichtspunkten gehandhabt wird.
Weil sich die amerikanische Arbeiterschaft als ein Glied der
demokratischen Gemeinschaft betrachtet, ist sie darauf bedacht,
ihren Kollegen in der ganzen Welt zu helfen, sich vor den Uebergriffen der Tyrannei zu schuetzen. Weil die freie Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten ein Symbol der politischen
und wirtschaftlichen Freiheit ist, fuehlen sich die Arbeiter
Amerikas mit den Arbeitern anderer Laender, die im Kampf gegen den
Kommunismus stehen, verbunden.
Unlaengst ist die Alters- und Hinterbliebenenversicherung in
den Vereinigten Staaten wesentlich erweitert worden. Dies ist ein
bemerkenswerter Fortschritt in der Loesung des Pensionsproblems.
Bemerkenswert dabei ist die Tatsache, dass diese Neuregelung mit
verhaeltnismaessig wenig Schwierigkeiten vom Kongress gebilligt
wurde. Selbst die Konservativen schienen froh zu sein, hierbei
mithelfen zu koennen. Was sie im Jahre 1935 als furchtbar ansahen,
ist nun in ihren Augen eine Staerkung der Wirtschaft und eine Kraftquelle von grossem sozialem Wert.

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�Es waere zu wuenschen, dass auch bei der Verbesserung der
Arbeitslosenversicherung in diesem Geiste gehandelt wird; und es
waere ausserdem zu wuenschen, dass in demselben Geist gegen den
Zusatzantrag von Knowland vorgegangen worden waere. Praesident
Truman hat sich gegen diesen Zusatzantrag ausgesprochen und nannte ihn ebenso ungluecklich wie unbegruendet. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass er bald aus den Gesetzbuechern wieder gestrichen werden moege.
Der Zusatzantrag von Knowland hindert den Arbeitsminister
daran, seiner Verpflichtung nachzukommen, dass die Staatsgesetze
den vom Kongress festgesetzten Normen entsprechen.
Nachdem der Zusatzantrag von Knowland nun in Kraft getreten
ist, muessen Tausende Arbeiter sich damit abfinden, dass man
ihnen die Arbeitslosenunterstuetzung verweigert, weil sie es ablehnen, Streikbrecherarbeit zu leisten oder in bestreikten Betrieben eine andere bezahlte Arbeit anzunehmen, oder Vertraege zu unterschreiben, in denen sie verpflichtet werden, keiner Gewerkschaft
beizutreten, oder bei ihrem Eintritt in eine Gewerkschaft sich
mit ihrer Kuendigung einverstanden erklaeren. Unsere Nation kann
es sich nicht leisten, die Lohnempfaenger um ihre wohlverdienten
Gewinne zu bringen.
In unserer Demokratie geht es um die Behauptung der Rechte
der Arbeiterschaft. Ihre Erfolge muessen geschuetzt werden, wenn
sie nicht staendigen Angriffen ausgesetzt sein soll. Wir koennen
nicht zugeben, dass unsere Arbeitsgesetze unterminiert werden.
Wir koennen es uns nicht leisten, ein so wichtiges Bollwerk unserer Wirtschaft wie es die Arbeitslosenversicherung darstellt, so
umzuwandeln, dass sie nicht mehr ihren urspruenglichen Zwecken
entspricht.
So wie wir uns den Problemen der Zukunft widmen und uns
gegen die Bedrohung des sowjetischen Imperialismus ruesten,
muessen wir auch dafuer sorgen, dass unsere eigene Demokratie erhalten bleibt. Die beste Verteidigung gegen den Kommunismus ist
eine wirklich dynamische Demokratie - einer Demokratie, die in
ihren Zielen und Idealen den eigenen Volke Form und Inhalt gibt.
Was wir nicht vergessen duerfen, ist, dass unsere Demokratie auf
die Probe gestellt ist: Ausschlaggebend ist allein ihre Verwirklichung. Die Zeit ist vorueber, in der schoene Worte galten.
Aus diesem Grunde fordere ich die Arbeiter dieses Landes und
ihre Freunde auf, sich dafuer einzusetzen, dass der Zusatzantrag
von Knowland beseitigt wird. Bei der naechsten Sitzung des Kongresses muss dieser verlorengegangene Boden wiedergewonnen werden
und zwar nicht nur, weil der Zusatzantrag von Knowland einen
Nachteil fuer die Lohnempfaenger darstellt, sondern weil er zu
weiteren und groesseren Uebergriffen in die Rechte der amerikanischen Arbeiter fuehren koennte.
Die Gewerkschaftsbewegung ist an der Mobilisierung unserer
Hilfsquellen voll beteiligt, zu der wir durch die Vorgaenge in
Korea gezwungen sind. Die Arbeiterschaft wird Seite an Seite mit
der Unternehmerschaft bei der Planung und auch bei der Ausfuehrung
der Programme zur Mobilisierung unseres Industriepotentials ihren
rechtmaessigen Platz einnehmen. In Anbetracht der gegenwaertigen
Weltlage muessen wir unseren Arbeitseffekt erweitern und unsere
Produktionsleistung steigern. Ich weiss, dass wir bei der Mobilisierung unserer Industrie auf die Unterstuetzung der Arbeiterschaft zaehlen koennen.

- 14 -

�Keine andere Gruppe in unserem Lande wird, dessen bin ich
gewiss, weniger geneigt sein, den feindseligen Angriffen, die
unsere Nation in ihrem Beschluss schwaechen soll, sich der kommunistischen Aggression zu widersetzen, irgendwelche Beachtung
schenken. Ich denke hier an den "Stockholmer Friedensappell*»,
der an dieses Land und an die ganze Welt gerichtet ist und sich
angeblich an alle Menschen guten Willens wendet. Diese Forderung
ist in Wirklichkeit nichts anderes als ein kommunistischer Propagandatrick, indem die Kommunisten an den Friedenswillen der Menschheit appellieren, hoffen sie, die Bevoelkerung der Vereinigten
Staaten in einen Zwiespalt zu stuerzen.
Unsere auswaertige Politik ist auf die Erhaltung des Friedens ausgerichtet. Innerhalb der Vereinten Nationen setzen wir
uns fuer dieses Ziel ein, um einen wahren Frieden zustande zu
bringen und die Menschen der ganzen Welt von der Bedrohung aggressiver Kraefte zu befreien. Die Zukunft dieses sogenannten Friedensappells besteht nicht darin, den Frieden zu festigen, sondern
die freie Welt in ein falsches Gefuehl der Sicherheit zu wiegen
und umso leichter eine Beute zukuenftiger kommunistischer Aggressionen zu werden.
Ich glaube nicht, dass sich viele Amerikaner durch diesen
offenkundigen Betrug irremachen lassen. Ich bin jedoch beunruhigt ueber eine andere Quelle der Schwaeche in unserem Volk:
seine Selbstsucht. Wir preisen unser System des Privatunternehmens. Wenn wir jedoch jede Sabotage in unserem eigenen Lande vermeiden wollen, muessen diesem System moralische Sanktionen auferlegt werden. Ich denke hier an jene Spekulanten, die die Preise
fuer Rohmaterialien in die Hoehe treiben, an Hersteller, die die
Preise einer Kontrolle entziehen wollen, und an Lieferanten, die
die Zeit fuer gekommen halten, grosse Gewinne einzustreichen. All
jene und eine grosse Zahl Warenhorter erkennen nicht die gefaehrlichen Folgen ihrer Selbstsucht.
Wir muessen die ethische Aufgabe dieser Stunde erkennen. Diese Aufgabe erfordert von uns Patriotismus im gleichen Masse wie
uns der Bestand unserer Nation wert und teuer ist. Ich zweifle
nicht daran, dass dieser Ruf von den meisten Amerikanern edelmuetig beantwortet wird. Ich weiss, dass wir hierbei in erster Linie
auf die amerikanische Arbeiterschaft zaehlen koennen, die, wie
Samuel Gompers vor 26 Jahren sagte, fuer sich selbst und fuer
die Menschheit der ganzen Welt stets fuer das Recht und gegen das
Unrecht gekaempft hat.
US Arbeitsministerium
H/4/50
METHODEN UND VERFAHREN DER BESCHAEFTIGUNOSSICHERHSIT
Die Arbeiterschaft ist sich der bedeutenden Rolle voll bewusst, die der Teilnahme des gesamten Volkes an der Entwicklung
eines Programms der Beschaeftigungssicherheit zukommt. Der wirtschaftliche Erfolg jedes Unternehmens kann durch das Vertrauen
und den guten Willen der Gemeinschaft, der es dient, bestimmt
werden. Fachmaennisches Koennen auf diesem Gebiet kann nicht von
einem Tage zum andern erreicht werden.
Mit der Einfuehrung der allgemeinen Tauglichkeitspruefung
ia Mai 1947 wurde der Berufsberatung ein hoechst fachmaennisches
und wertvolles Werkzeug in die Hand gegeben. Die Erfahrungen mit
diesem Beratungssystem auf dem allgemeinen Gebiet der Berufswahl
haben seinen Wert ausser Frage gestellt.
-15 -

�Gegen Ende des Jahres 1947 wurden Plaene entworfen, um dieses
neue System bei der Entwicklung eines kooperativen Schulungsprogramms fuer die Arbeitsplatzvermittlung zu verwenden. Ziel dieses Programms ist es, vor allen den Jugendlichen so frueh wie
moeglich an den fuer ihn passenden Arbeitsplatz zu lenken. Dies
ist viel besser, als so lange zu warten, bis diese jungen Menschen zusammen mit zahlreichen ruhelosen und unzufriedenen Personen zu den Vermittlungsstellen kommen und niemals den rechten
Platz in der Industrie finden, fortwaehrend ihren Arbeitsplatz
wechseln und auf der Suche nach etwas sind, worueber sie im Grunde
selbst nicht orientiert sind.
Eine Reihe Schwierigkeiten trat mit der Durchfuehrung dieses
Systems auf. Die eine bestand darin, dass fuer die einzelnen
Arbeitsaemter eine Ausbildung in diesem Beratungssystem noetig
war. Bis zu jener Zeit war die Tauglichkeitspruefung nur in einem
Viertel der staatlichen Bueros angewandt worden, die man auf Grund
bestimmter Faktoren wie zum Beispiel zahlreiche Elnstellungsmoeglichkeiten, entsprechenden Personals und ausgebildeter Berater
durchfuehren konnte. Eine Anwendung im ganzen Statte machte die
Ausbildung vieler zusaetzlicher Pruefungskommissionen notwendig,
um die Pruefung richtig durchfuehren zu koennen und es den Beratern zu ermoegliohen, die Pruefungsergebnisse auszuwerten. Diese
Ausbildung fuer alle Staaten war im Mai 1948 durchgefuehrt.
Fuer die Durchfuehrung der Schulungsarbelt fuer den Stellenvermivtlungsdienst wurde eine Vereinbarung ausgearbeitet und
durch besondere Arbeitsmethoden und Verfahren ergaenzt. Waehrend
die Unterzeichnung dieser Vereinbarung weder fuer die Schule noch
fuer das Amt fuer Arbeitsvermittlung obligatorisch ist, dient sie
dennoch dazu, ein gegenseitiges Uebere.inkommen und eine Einigung
ueber die Frage zu erreichen, wie die jungen schulentlassenen
Menschen von dem Amt fuer Arbeitsvermittlung unterstuetzt werden
sollen und welche Rolle die Schulen und das Amt fuer Arbeitsvermittlung bei der Verwirklichung eines wohlabgerundeten Programms
spielen soll.
Jede hieran beteiligte Schule wird mit Abschriften der Fragebogen des Amtes der Arbeitsvermittlung versorgt, die von den zur
Entlassung kommenden Schuelern auszufuellen sind. Hieraus ersehen
die Beratungsstellen die Zahl der Schueler, die nach ihrer Entlassung in den Arbeitsmarkt einzutreten beabsichtigen.
Die meisten dieser Neulinge auf dem Arbeitsmarkt haben keinen wirklichen Begriff von ihren eigenen beruflichen Faehigkeiten,
zumeist nicht einmal von ihren Interessen. Die Teilnahme der
Jugendlichen an diesem Programm ist jedoch voellig freiwillig.
Da viele auswertigen Schulen gross sind und die Zahl des ansaessigen Lehrpersonals beschraenkt ist, ist es oft notwendig, die Pruefungen auf eine repräsentative Elitegruppe zu beschraenken, wobei
darauf zu achten ist, dass nicht eine Gruppe ausgesucht wird, die
nur bestimmte Problemgebiete vertritt.
Dieses Programm besteht jetzt bereits zwei Jahre. Am Ende
des Fruehjahrs 1949/50 haben mehr als 60% der Schulentlassenen
den Wunsch ausgedrueckt, nach ihrem Examen ein Arbeitsverhaeltnis
einzugehen. Der Wunsch der Unternehmer, qualifizierte Jugendliche
einzustellen, wird durch die Berufsberatungsstellen unterstuetzt.
Dies geschieht durch Einladungen an die Unternehmer, die Arbeit
der Beratungsstellen zu beobachten, wie ueberhaupt allen nur moeglichen Kontakt in dieser Richtung, wobei andere Hilfsmittel wie
BriefPropaganda, Pressenachrichten und Rundfunkaufrufe unterstuetzend eingreifen.
Employment Security Review
6/50
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel stellen Auszüge au* der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

I I I - 35

Frankfurt,

INHAL TSVER

3 . November 1950

Z E I C H N I S

Union-Shop-Klauseln in der Statistik - - - 1
Britische Gewerkschafter berichten, was sie
von Amerika lernen koennen - - - - - - 3
Hoehere Bauarbeiterloehne in Amerika - - - 5
Japanische Gewerkschaften im Jahre 1950 - 6
IAO unterstuetzt europaeische Umsiedler - - 10
Marshall-Plan muss Loehne der Arbeiter Europas verbessern - - - - - - - _ - - _ _ _
u
Fortschritte des Punkt-Vier-Programms - - H
Zwei Resolutionen der AFL gegen das TaftHartley Gesetz - - - - - - - - - - - - 15

UNION-SHOP-KLAUSELN IN DER STATISTIK
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung unterscheidet in
ihrer Arbeit drei Betriebsformen, den "closed-shop", den "unionshop" und den "open-shop". Ueberall, wo ein "closed-shop" besteht,
muessen alle Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert sein, um
ueberhaupt in diese Betriebe eingestellt zu werden. Wenn eine
neue Stelle frei wird, so muss der Unternehmer sich an die zustaendige Gewerkschaft wenden, die ihm dann geeignete Bewerber in Vorschlag bringt. Dort, wo "union-Shops" vorhanden sind, muss der
eingestellt© Arbeitnehmer sich innerhalb einer bestimmten Frist,
die meist zwischen 30 und 90 Tagen schwankt, entscheiden, ob er
der fuer ihn zustaendigen Gewerkschaft beitreten will. Verweigert
er seinen Beitritt, so muss er aus dem Betrieb wieder ausscheiden.
In dem "open-shop" bestehen derartige Klauseln nicht. Hier kann
der einzelne Arbeitnehmer der Gewerkschaft angehoeren oder ihr
fernbleiben. Es ist selbstverstaendlioh, dass in den gewerkschaftlich gut organisierten Berufen der "open-shop" nur sehr selten
anzutreffen ist. Als neue Form hat sich in der letzten Zeit
- 1 -

�der "preferential-shop" entwickelt. Der "preferential-shop" ist
insofern eine Erweiterung des "union-shops", als auch hier der
Arbeitgeber nicht selbstaendig freie Stellen besetzen kann, son- •
d e m erst die zustaendigen Gewerkschaften um entsprechende Vorschlaege ersuchen muss. Erst wenn die Gewerkschaften keine geeigneten Bewerber stellen koennen, kann der Unternehmer auf dem
freien Arbeitsiuarkt sich die gewuenschten Fachkraefte besorgen.
Das Bureau fuer Arbeitsstatistik in Washington veröffentlicht einen Bericht ueber die "unlon-Shops" und stellt fest, dass
bei der Auswertung eines typischen Musterbeispiels,das 215*9
Vertraege mit mehr als 4 Millionen Arbeiter umfasst, festgestellt
wurde, dass ueber die Haelfte der Betriebe die Form des "unionshop" haben. Die der AFL angeschlossenen Gewerkschaften haben
47% dieser Klauseln unterzeichnet, die CIO Gewerkschaften 40%
(hierbei sind die spaeter ausgeschiedenen Gewerkschaften mitberuecksichtigt), waehrend auf die selbstaendigen Gewerkschaften 13%
entfallen.
Zwei grundsaetzliche Klausel-Typen Hessen sich bei den Tarifvertraegen der "union-shop" Betriebe feststellen:
1. Neueingestellte, die noch nioht waehrend des Zeitpunktes
der Einstellung Gewerkschaftsmitglieder waren, muessen diesen
innerhalb einer bestimmten Zeit beitreten, nachdem sie ihre Arbeit
aufgenommen hüben. Diese Voraussetzung war in 987 dieser Vereinbarungen anzutreffen.
Hierbei war in 120 Faellen eine modifizierte Form des Munion-shop" festgelegt, die eine gewisse Gruppe Neueingestellter von den Vereinbarungen ausschloss. In weiteren 165
Faellen wurden Gewerkschaftsmitgliedern der Vorrang gegeben, wenn
neue Stellungen zu besetzen waren.
2. Neu Einzustellende muessen Gewerkschaftsmitglieder sein,
bevor die Arbeit
aufgenommen wird. In weniger als 1/10 (93) aller
"unlon-shopw-Vereinbarungen ist diese Klausel anzutreffen. In einigen Vereinbarungen wird nicht besonders hierauf hingewiesen, aber
die festgelegten Einstellungsbedingungen waren in einer Form gehalten, dass die grosse Mehrzahl der einzustellenden Arbeiter Gewerkschaftsmitglieder sein muss.
Das Buero fuer Arbeitsstatistik
beschreibt die anderen gewerkschaftlichen Sicherheitsvereinbarungen
in seinem Bericht als "Mitglieder-Bevorzugungstyp" oder den Typ des
"unabdingbaren" Tarifs. Die erste Form beruht darauf, dass alle
Eingestellten, die Gewerkschaftsmitglieder waren, als ein Tarifvertrag wirksam wurde oder die einer Gewerkschaft beitreten, waehrend
der Tarifvertrag Gueltigkeit hat, Gewerkschaftsmitglieder bleiben
muessen, solange das Abkommen Gueltigkeit hat. 21$ (444) aller
Vereinbarungen der verschiedenen Art des Musterbeispiels waren in
dieser Form abgeschlossen. "Unabdingbare" Tarifvertragsvereinbarungen sind jene, in denen die Gewerkschaften das Reont erhalten,
fuer alle Beschaeftigten eines Betriebs einen Tarifvertrag abzuschliessen, ganz gleich, ob der Einzelne Mitglied der Gewerkschaft
ist oder nicht. 29% der Vereinbarungen (635) beruhten auf dieser
Moeglichkeit. Der Einzug der Gewerkschaftsbeitraege durch die
Lohnbuchhaltung war in 64% aller analysierten Kontrakte festzustellen, aber diese Form des Beitr&amp;gseinzugs ist nicht notwendigerweise
ein Teil irgend einer Type der gewerkschaftlichen Sicherheitsvorkehrungen. Der Beitragseinzug verpflichtet den Unternehmer, den
Beschaeftigten bestimmte gewerkschaftliche Verpflichtungen aufzuerlegen, die auch in Geldbussen fuer etwaige Verletzungen der gewerkschaftlichen Disziplin bestehen koennen und die der Arbeitgeber von
dem Lohn des Beschaeftigten ebenso wie die Beitraege an die Gewerkschaft abfuehren muss.
Labor Press Service
8/28/50

�Lewis Wright:
BRITISCHE GEWERKSCHAFTER BERICHTEN. WAS SIE VCN AFRIKA LERNEN
KOENNEN
Lewis Wright, der Verfasser dieses Aufsatzes und Sekretaer der
Textilarbeiter-Gewerkschaft, besuchte Amerika, um Produktionsmethoden zu studieren. In diesem Artikel erlaeutert er einige der Problemej die sich aus der gesteigerten Erzeugung ergeben. Gleichzeitig berichtet er ueber seine Eindruecke
ueber die Form der Zusammenarbeit. Der Aufsatz wurde im
FORWARD veroeffentlicht, dem Wochenorgan der'Britischen Arbeiterpartei fuer Schottland.
Mein Besuch in den Vereinigten Staeten fuehrte mich zu der
Erkenntnis, dass an erster Stelle Unternehmer und Betriebsfuehrer
etwas lernen koennen. Dies ergibt sich bereits aus den Berichten
der 15 britischen Besuchergruppen, die die dortigen Verhaeltnisse
studiert haben. Das besagt jedoch nicht, dass unsere Gewerkschaften nichts zu lernen haetten. Im Gegenteil, die amerikanischen
Gewerkschaften koennen uns sehr vieles lehren, aber die vitale
und fundamentale Basis der ueberaus hohen Produktivitaet liegt in
Amerika bei der Betriebsfuehrung.
Es hat sich bisher nicht die Notwendigkeit gezeigt, dass die
amerikanischen Gewerkschaften mit den Unternehmern zusammenarbeiten.
Es genuegt ihnen, jeweilige Gruende zum Kampf zu haben, um einen
so grossen Anteil wie moeglich an dem wachsenden Wohlstand zu
erkaempfen, der durch neue Maschinen und neue Methoden erworben
werden konnte. Nur selten muessen sie darauf bestehen, die Betriebsf uehrung zur Einfuehrung technischer Aenderungen und neuer
Maschinen zu veranlassen. Sie haben genug zu tun mit den weitreichenden Aenderungen, die sich aus der dynamischen Kraft und
den Bedrohungen der Unternehmer ergeben.
Der amerikanische Unternehmer baut auf mit dem Arbeitsplatz.
Jede neue Maschine, vor allem jede arbeitsparende Moeglichkeit,
wird sofort genutzt. Es spielt dabei keine Rolle, ob diese eines
Tages doch unmodern werden und spaeter entfernt werden muessen.
Der Druck der immer staerker werdenden Vervollkommnung zwingt
ihn, einen hohen Prozentsatz der Profite wieder in sein Geschaeft
zurueckf Hessen zu lassen. Er muss einen groesseren Grad an
//irksamkeit suchen, weil er ihn finden muss. Er muss den Anlagen
und dem Strom des Geschehens seine volle Aufmerksamkeit schenken.
Er muss seinem Unternehmen die Hilfe aller modernen und wirtschaftlichen Gedankengaenge sichern. Er weiss, dass er nicht mit
niedrigen Loehnen davonkommen kann, er muss irgendwelche anderen
Wege finden, - und er hat sie gefunden.
Es ist Tatsache, dass dieser staendige technische Fortschritt
an bestimmten Stellen Verluste an Arbeitsplaetzen mit sich bringt.
Der amerikanische Arbeiter glaubt jedoch, dass neue arbeitsparende
Maschinen und Methoden zwar einen zeitweiligen Verlust von Arbeitsmoeglichkeiten mit sich bringen, auf die Dauer gesehen jedoch bedeutet das eine hoehere Zahl Arbeitsplaetze. Insoweit, wenn auch
mit gewissen Grenzen, ist dieser Weg gegangen worden.
Die amerikanischen Gewerkschaften akzeptieren die Unvermeidbarkeit des hohen Angebotes an Waren und Dienstleistungen als
eines Mittels, einen hoeheren Lebensstandard zu erreichen. Das
hohe Alter eines Teiles der Beschaeftigten bedeute dagegen fuer
den jungen Arbeiter eine Buerde. Er ist der beweglichste in
einer beweglichen Bevoelkerung. Insoweit wird der Ueberfluss entscheidend beeinflusst durch den hohen Anteil der hoeheren Altersstufen.
- 3

�Gross-Britannien verlaesst sich auf einen internetlonalen
Markt, wo der Kunde immer recht hat und er keineswegs das k&amp;ufen
wird, was wir zu verkaufen wuenschten. Die industrielle Ausrichtung der beiden Laender ist voellig verschieden. Es ist klar,
dass das einfache Kopieren amerikanischer Methoden uns ebenso
schaden koennte, wie ihre Nichtbeachtung. Dies vor allem muessen
unsere Unternehmer lernen.
Der erste Punkt i3t, dass billige Arbeit keine Foerderung der
technischen Neuausstattung ist. Blut ist nicht billiger als Maschinen. Amerika hat laengst entdeckt, dass dies nichts mit ethischen Erwaegungen zu tun hat, sondern mit wirtschaftlichen.
In Gross-Britannien pflegen die Unternehmer in Redewendungen
zu denken wie: "Erhalten wir auch eine angemessene Verzinsung des
Kapitals?" In Amerika steht im Vordergrund: "Arbeiten wir wirksam genug, wie es moeglich sein koennte?" Die amerikanische Industrie ist gewohnt, sich nach effektiven und finanziellen Ergebnissen zu richten. In Gross-Britannien genuegt es dagegen, wenn
die Verzinsung des Kapitals eine ausreichende ist. Der amerikanische Unternehmer fragt nicht nach einer ausreichenden Nutzung der
Arbeitskraft, bis seine Fabrik und seine Anlagen alle Voraussetzungen erfuellen. Er sorgt dafuer, die besten Maschinen fuer die
einzelnen Arbeitsplaetze zu bekommen und achtet darauf, dass dies
auch wirklich der Fall ist. Erst dann fordert er eine Pruefung
der Arbeitsleistung.
In Gross-Britannien macht sich eine wachsende Tendenz vieler
Unternehmer bemerkbar, in einer besseren Arbeitsleistung und in
festgelegten Zeitstudien, die der Himmel oder Amerika einmal geliefert hat, Moeglichkeiten zu technischen Verbesserungen zu sehen. 'Air muessen jedoch ihre Koepfe von diesen Meinungen reinigen.
Was kann der Arbeiter daraus lernen? Der amerikanische Arbeiter arbeitet nicht um der arbeit willen. Er wuenscht eine
40-Stundenlohnwoche und gute Loehnung, um die vielen Konsumgueter
kaufen zu koennen. Er wuenscht keine Kantinen, er wuenscht so
wenig Zeit wie moeglich in den Fabriken zu verbringen und so
schnell wie moeglich sich aus ihnen wieder zu entfernen. Der
Sinfuehrung neuer Maschinen widersetzt er sich nicht, auch wenn
dies weniger ArbeitSDlaetze bedeuten wuerde. Er glaubt jedoch,
dass dadurch letzten Endes mehr Arbeitsmoeglichkeiten geschaffen
werden. Er ist genuegend Pragmatiker, um in Zeitstudien einzuwilligen, weil er weiss, dass er auch unter ihnen leben kann.
Wie weit koennen wir in dieser Richtung gehen? Schichtarbeit
kann nach und nach eingefuehrt werden. Es gibt in diesem Lande
eine Reihe sozialer Schwierigkeiten, denen bisher nur wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde. In Amerika ist die Schichtarbeit jedoch seit langer Zeit bekannt und die soziale Angleichung hat mit
dieser Aenderung Schritt gehalten, /unerikanische Schichtarbeiter
wissen, dass fuer ihre Beduerfnisse gesorgt wird und dass die
Schichtarbeit, auch wenn sie hier besondere Beachtung findet, doch
im Zusammenhang mit den auftauchenden sozialen Problemen gebracht
werden muss.
Vir muessen jedoch der Tatsache netgegentreten, dass, wenn
wir heute eine moderne Maschinerie mit hohen Kapitalkosten fordern, wir nicht darauf bestehen koennen, dass sie nur 40 Stunden
in der Woche laufen darf, waehrend sie in Amerika und in anderen
Laendern 120 Stunden arbeitet. Ein solches Missverhaeltnis des
Wettbewerbs kann nur durch niedrige Loehne ausgeglichen werden.
- 4 -

�Es gibt noch einige weitere Beispiele jener Weigerungen, arbeitsparende Maschinen zu verwenden, weil zeitweilig Arbeitsplaetze
ausfallen. Kann man eine solche Einstellung ueberhaupt noch billigen?
Die amerikanischen Gewerkschaften widersetzen sich den Zeitstudien nicht unbedingt. Die meisten Gewerkschaften haben sich
ausserordentlich scharf gegen die "wissenschaftlichen Betriebsstudlen" gewandt. Sie behaupten, dass sie keineswegs wissenschaftlich sind, sondern lediglich ein Werkzeug der Betriebsfuehrung
seien und in sehr vielen Faellen sind diese Zeitstudien auch tatsaechlich nur darauf abgestellt, die Geschwindigkeiten zu erhoehen. Aber wie es bei empfindlichen Leuten der Fall ist, gehen
sie einfach ueber Dinge hinweg, die sie in Betrecht ziehen muessen.
Viele Gewerkschaften haben Studien- und Ingenieur-Abteilungen errichtet, auch wenn es sich hierbei lediglich um Verteidigungsmassnahmen handelt. Es wuerde gefaehrlich sein, die Lektion allzu
stark zu vereinfachen, die hier gelernt werden koennte, aber wenn
dies moeglich waere, wuerde ich die folgenden Punkte herausstellen:
Dem Unternehmer wuerde ich sagen, verwende moderne Maschinen und
benutze Anlagen mit einer genuegenden Leistung. Dem Arbeiter wuerde ich sagen, innerhalb, des Rahmens der Gewerkschaften solltest
Du Dich damit einverstanden erklaeren, in den bestmoeglichen Gebrauch der Arbeitskraft, die notwendig ist, um eine vernuenftige
Belastung anzuerkennen, einzuwilligen. Weder der Unternehmer noch
der Ausfuehrende ist berechtigt, allein das eine oder das andere
zu tun. Sie muessen zusammenarbeiten. Ob es uns passt oder
nicht ist diesdarWeg, den wir gehen muessen, sei es in einer kapitalistischen oder in einer sozialistischen Wirtschaft. Die Mechanik der Produktion ist unter jedem politischen System die gleiche.
Alles in allem: Die Ergebnisse, die diese Besuchergruppen
mitbrachten, erscheinen sehr mager, aber die Entscheidungen zeigen
Gemeinschaftssinn. Durch die Gewerkschaften ist die Arbeiterschaft
in diesen Laendern gross genug, stark genug und gesichert genug,
um der Entwicklung mit Vertrauen entgegenzusehen.
Das schlechteste, was wir tun koennen,waere, Amerika einfach
nachzuaeffen. Der dortige Lebensweg unterscheidet sich stark von
dem unsrigen. Dort sind die Probleme andere, das Klima ist ein
anderes, die Leute dort sind anders.
Amerika ist kein besseres Land als das unsrige. Es ist ein
anderes Land. Es kann die Gueter in seiner eigenen Weise produzieren. Es liegt an uns, das Schlechte zu vermeiden und das Gute anzuerkennen. Wir koennen dies tun, wenn wir nur den Willen dazu
haben.
ECA Labor Information
FYJ 159-29/9/20/5
HOEHERE BAUAHB3IT5RL0EHNE IN AMERIKA
Die vierteljaehrliche Untersuchung, die das Statistische Buero des US-Arbeitsministeriums ueber die sieben wichtigsten Berufe
des Baugewerbes in 85 Staedten anstellt, hat ergeben, dass die
Lohntarife in den gewerkschaftlich organisierten Berufen des Baugewerbes im zweiten Quartal des Jahres 1950 um 2 1/2% in die Hoehe
gegangen sind, was die groesste Aufbesserung der Loehne im Baugewerbe seit dem mit dem 1. April 1948 beginnenden %uartel darstellt.
- 5-

�Fuer mindestens eine Berufsgruppe in 61 der 85 beruecksichtigten Staedte haben sich die Lohntarife zum Nutzen von zwei
Fuenfteln der 525.000 in der Erhebung beruecksichtigten Arbeiter
erhoeht. Nach Schaetzungen des statistischen Bueros belief sich
der durchschnittliche Stundenlohn aller gewerkschaftlich organisierten Arbeiter das Baugewerbes am 3. Juli 1950 auf 2,27 Dollar.
Die Tarife der Gewerkschaften sind Kindestlohntarife, die in
Kollektivverhandlungen zwischen Unternehmern und Gewerkschaften
vereinbart wurden. Ueberstunden, die die Koechststundenzahl pro
Tag oder pro Woche ueberschreiten, sind nicht beruecksichtigt.
Auch Lehrlingstarife oder Praemientarife sind in den Tabellen
nicht enthalten.

Als Folge der zunehmenden Bautaetigkeit und der sich hieraus
ergebenden Nachfrage nach Handwerkern haben sich die oertlichen
Tarife in dem mit dem 3. Juli 1950 endenden Quartal zum grossen
Teil erhoeht. Am haeufigsten ist eine vereinbarte Aufbesserung
von 10 oder 12 1/2 Cents pro Stunde festzustellen. Die Lohnaufbesserung fuer die Zimmerleute steht mit einem Durchschnitt von
7,7 Cents pro Stunde an der Spitze, fuer Stukkateure und Maurer
ist sie im Durchschnitt etwas geringer.
Labor Information Bulletin
US-Arbeitsministerium
IX/1950
JAFANI.r;CHS GLV/ERKSCHAFTEN TU JAHRS 1950
Die bedeutendsten Entwicklungen des letzten Jahres in der
japanischen Gewerkschaftsbewegung sind die voellige Neuorientierung
der Gewerkschaften nach gemeinsamen Gesichtscunkten und ihre Neu6 -

�Organisation unter verantwortlicheren Funktionaeren.
Bemerkenswert ist ausserdem die Intensivierung und Erweiterung der Arbeitererziehung mit dem Ziele, die Gewerkschaftsmitglieder zu einer staerkeren Aktivitaet und einem hoeheren Verantwortungsbewusstsein zu erziehen, sowie die Verbesserung und
Erweiterung des Kollektivverhandlungswesens,wozu auch die Umgrenzung und Anerkennung der Vorrechte der Arbeitgeber und Gewerkschaften gehoert.
*T^T '
Seit dem Kriege haben Minderheitsgruppen wiederholt versucht, die japanische Gewerkschaftsbewegung als Mittel zur Gewinnung politischer Macht und zur Stoerung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus des Landes zu missbrauchen. Waehrend die Zahl der
Gewerkschafter, die mit radikalen Elementen sympathisieren, immer
sehr gering gewesen ist, ist es gutorganisierten Minderheiten in
zahlreichen Gewerkschaften zeitweilig gelungen, Funktionaere und
Sprecher in den Vordergrund zu stellen, die die Gewerkschaften
zu Taetigkeiten verleiteten, die nicht mehr rein gewerkschaftlicher Natur waren und gelegentlich zu Spannungen fuehrten.
In diesem Zusammenhang waeren der Nationalkongress der
Industriegewerkschaften (Sanbetsu) und der Nationale Verbindungsrat der Gewerkschaften (Zenroren) zu nennen. Der Sanbetsu, einer der beiden fuehrenden Gewerkschaftsbuende der Nachkriegszeit,
wurde Mitte des Jahres 1946 organisiert. Auf der Hoehe- seiner
Macht wurde er von mehr als 1 1/4 Millionen Arbeitern aus 19 nationalen Industriegewerkschaften unterstuetzt. Der Zenroren,
der dem Weltgewerkschaftsbund angeschlossen war, wurde unter der
Schirmherrschaft des Sanbetsu zu dem offen zugegebenen Zweck gegruendet, die japanische Gewerkschaftsbewegung zu"vereinigen."
Fuer kurze Zeit erfreute sich diese Organisation der Unterstuetzung der meisten fuehrenden Gewerkschaftsgruppen.
Gegen Ende des Jahres 1948 wurde die sogenannte "Demokratisierungs"-Bewegung von den gemaessigten Gewerkschaftsfuehrern
ins Leben gerufen, die in gemeinsamem Bemuehen sich der wachsenden Kontrolle der Gewerkschaften durch Minderheitsgruppen entledigen wollten. Die neue Bewegung wurde schnell groesser und vereinigte gegen Ende des Jahres 1949 mehr als vier Millionen Gewerkschafter, das heisst sie hatte ungefaehr 2/3 der gesamten organisierten Arbeiterschaft hinter sich. Der groesste Teil der japanischen Arbeiterschaft unterstand damit endgueltig gemaessigten Gewerkschaftsfuehrern. Die Anhaenger der neuen Bewegung setzten
sich zum groessten Teil aus Leuten zusammen, die mit der Politik
des Sanbetsu, des Zenroren und mehrerer grosser anderer unabhaengi
gen Industriegewerkschaften nicht einverstanden waren, die bis
dahin von extremen Elementen beherrscht war. Ein anderer grosser
Teil der japanischen Arbeiterschaft, der sich spaeter dieser Bewegung anschloss, war durch den Allgemeinen Bund Japanischer Gewerkschaften vertreten, dem ersten Gewerkschaftsbund der Nachkriegszeit, der im Jahre 1946 von Funktionaeren des japanischen Gewerkschaftsbundes der Vorkriegszeit "Sodomei gegruendet worden war.
Nach dem Krieg hatte der Sodomei im Jahre 1948 mit mehr als einer
Million seine hoechste Mitgliederzahl erreicht.
Die neu orientierte Mehrheit der japanischen Arbeiterschaft
entsandte mit Begeisterung fuenf Delegierte zum Gruendungskongress des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften und schloss
sich dieser Organisation an. Drei japanische Delegierte wurden in
die Ausschuesse des IBFG gewaehlt, um die Interessen der asiatischen Laender in dieser Organisation zu vertreten.
- 7-

�Fruehere Versuche des Sanbetsu und des Zenroren, die japanischen Gewerkschaften zu vereinigen, waren fehlgeschlagen, weil
der groesste Teil der Gewerkschaftsbewegung den Vorschlaegen dieser radikalen Organisationen nicht zustimmte. Der Erfolg der
gemaesslgten Gewerkschaft jedoch, die sich der Unterstuetzung
der Mehrheit der organisierten Arbeiterschaft erfreute und Japans
Mitarbeit im Internationalen Bund Freier Gewerkschaften sichern
konnte, hat erneut Veranlassung gegeben, eine Vereinigung anzustreben. Bemerkenswerte Fortschritte sind in dieser Hinsicht bereits gemacht worden.
Ein Generalrat Japanischer Gewerkschaften (Sohyogikai) ist
im Juli 1950 gegruendet worlen. Er besteht gegenwaertig aus etwa
20 groesseren jaDanischen Industriegewerkschaften und Verbaenden,
die annaehernd 4 1/2 Millionen Arbeiter repraesentieren. Andere
grosse Gewerkschaftsgruppen treffen Vorbereitungen zum baldigen
Anschluss an diese Organisation.
In der Satzung dieses Gewerkschaftsrates ist festgelegt und das ist auch die Absicht seiner Funktionaere - dass er einen
gewissen Grad an Autoritaet ueber die angeschlossenen Gewerkschaften haben soll. Der Zweck dabei ist, die bestehende chaotische
Struktur der japanischen Gewerkschaftsbewegung zu beseitigen, die
Organisationsform zu vereinfachen und starke Industriegewerkschaften aufzubauen.
Ein weiterer Auftrieb zur Vereinigung wurde durch den Beschluss der Funktionaere des Sohyogikai gegeben; ihre Organisation
aufzuloesen und dafuer einzutreten, dass sich ihre Mitgliederorganisationen dem Gewerkschaftsrat anschliessen sollen. In vollem
Einverstaendnis mit den Absichten des Gewerkschaftsrates haben die
Funktioneere des Sodomei versprochen, ihre Industriegewerkschaften
mit anderen verwandten Industriegewerkschaften zu vereinigen.
Der freiwillige Entschluss der Funktionaere dieser groessten
Gewerkschaftsorganisation, die ueber 848,000 Arbeiter repraesentiert, ihre Organisation aufzuloesen, um die Vereinigung der Gewerkschaftsbewegung zu foerdern, war entscheidend fuer den spaeteren Zusammenschiuss. Er veranlasste viele noch zoegernde Gewerkschaftsgruppen, an der Vereinigung mitzuarbeiten und die gemaesslgten Gewerkschaftsfuehrer zu unterstuetzen. Dass die alten und
hoechst einflussreichen Funktionaere des Sodomei die Bestrebungen
deä Gewerkschaftsrates zur Vereinigung unterstuetzten, erweckte
das Vertrauen, dass diese Bemuehungen ernstgemeint und wert waren,
unterstuetzt zu werden.
Die Minderheit, die die Politik der Extremisten beguenstigten,
blieb
auch weiterhin in einigen dem Rat angeschlossenen grossen
Gewerkschaften bestehen: die demokratischen Elemente besitzen jedoch jetzt eine genuegende Mehrheit, um die Kontrolle ueber ihre
Gewerkschaften ausueben zu koennen.
Die Opposition hat jetzt einen Gegenschachzug gefuehrt, um
ihre Kraefte zu vereinigen und zu staerken. Im April 1950 beschloss
der Sanbetsu, dessen Mitgliederzahl auf 1/4 Million zusammengeschrumpft war, die Organisation aufzuloesen und vereinigte sich mit
lern Zenroren, der sei-erseits neu organisiert werden sollte.
Diese Organisation, deren Mitgliederzahl Anfang 1950 auf weniger als 1/2 Million zurueckgegengen war, sollte in einem Gewerkschaftsbund als linksgerichteter Gegenspieler des allgemeinen Gewerkschafters tes umgewandelt werden.
- 8-

�Die Tarifverhandlung ist in den Wechselbeziehungen zur Industrie zum allgemein anerkannten Verfahren geworden, obwohl
viele Phasen dieses Verfahrens und viele Verhandlungsprozesse
noch im ^nfangsstadium stehen oder nicht voellig verstanden sind.
Alle Arbeiter mit Ausnahme von etwa 1,6 Millionen Regierungsangestellten sind gesetzlich berechtigt, formelle Tarifvertraege
abzuschliessen. Am 1. Januar 1950 standen von jenen Gewerkschaften und ihren Mitgliedern, die die Berechtigung zum Abschluss von
Tarifvertraegen hatten, ueber 60%, oder 23.805 Lokalgewerkschaften und mehr als 80%, oder 651.000 Gewerkschafter unter formellen
Tarifvertraegen.
Waehrend des Jahres 1949 bestand auf der Seite der Unternehmer die Tendenz, beim Abschluss von neuen Tarifvertraegen hinsichtlich der Arbeitsbedingungen, der Vorrechte der Arbeiter und
ihrer Loehne auf wesentlich niedrigeren Normen als denen frueherer Tarifvertraege zu bestehen. Diese Tendenz ist zum Teil darauf zurueckzufuehron, dass die Unternehmer versuchten, einige
der Zugestaendnisse rueckgaengig zu machen, die sie gegeben hatten, als sie sich ihrer veraenderten Stellung nach dem Kriege bewu3st wurden. Zum andern ist sie durch die Schwierigkeit der
gegenwaertigen wirtschaftlichen Verhaeltnl3se bedingt. Im Verlaufe der Verhandlungen werden die Rechte der Arbeiter und Unternehmer jedoch genau festgelegt. Beim Abschluss von Vertraegen
neigt man im allgemeinen dazu, langfristige Vertraege zustandezubringen und Einrichtungen zur Bearbeitung von Beschwerden,
schiedsrichterliche Schlichtung von Streitigkeiten und Auslegungsunter^chiedlichkeiten der Vertraege und eine Fristgewaehrung im
Falle von Arbeitsniederlegungen in den Bestimmungen der einzelnen
Vertraege vorzusehen.
Die Einrichtungen zur Regelung der Wechselbeziehungen zur
Industrie werden Tag fuer Tag in Anspruch genommen. Im vergangenen Jahre wurde die Arbeit der zentralen und der Bezirkskommissionen fuer Wechselbeziehungen zur Industrie dadurch unterstuetzt,
dass das Gesetz zur Angleichung der Wechselbeziehungen der Arbeit
revidiert und das Gesetz zur Angleichung der Wechselbeziehungen
der Arbeit in Gesellschaften der Oeffentlichen Hand verkuendet
wurde. Die zentralen und praefektoralen Kommissionen waren massgeblich an der Verhinderung und Beilegung aller wichtigeren Streitigkeiten beteiligt und haben mitgeholfen, auch fast alle kleineren Streitigkeiten zu schlichten.
Es wird berichtet, dass die unsichere wirtschaftliche Lage
Japans nach dem Kriege und die Verworrenheit der japanischen
Lohnstruktur im letzten Jahre dazu beigetragen haetten, die Errichtung eines sich aus drei Partnern zusammensetzenden Lohnausschusses zu verhindern, wie er im Gesetz fuer Arbeitsnormen vorgesehen war. Dieser Ausschuss haette die Aufgabe gehabt, einen
Mindestlohn vorzuschlagen. Waehrend dank des wirtschaftlichen
StabilisierungsProgramms eine relative Stabilitaet der Loehne erzielt wurde, ist die Verworrenheit der Lohnstruktur geblieben.
Diese Tatsache hindert zusammen mit anderen wirtschaftlichen und
politischen Faktoren die japanische Regierung an dem Versuch, einen Mindestlohn festzusetzen. Der Druck der Gewerkschaften laesst
jedoch nicht nach, und die Regierung wird es wohl fuer ratsam erachten, die notwendigen Massnahmen zu ergreifen.
Obwohl von keinem Fortschritt auf dem Wege zu einem Mindestlohn berichtet werden kann, ist es ermutigend, festzustellen,
dass im vergangenen Jahr eine Verbesserung der Realloehne und der
Kaufkraft der japanischen Arbeiter eingetreten i3t. Im Maerz
- 9-

�1949 lag der Index der Loehne in der Herstellerindustrie, wenn
ein Vorkriegsstand von 100 zugrundegelegt ist, bei 231, waehrend
er sich fuer Verbraucherpreise in Tokio auf 314 belief, was einem Verhaeltnis von 62% der Loehne aufgrund des Vorkriegsstandes
von 1934-1936 gleichkommt. Von Maerz 1949 bis Maerz 1950 erhoehten sich die Loehne in der Herstellerindustrie um 14%, waehrend
die fuer Tokio gueltigen Verbraucherpreise um 9% zurueckgingen,
wodurch das Lohnverhaeltnis in Anbetracht der Preise auf .77% des
Vorkriegsstandes gebracht wurde. Waehrend diesen Zahlen lediglich ein Vergleich mit den Verbraucherpreisen in Tokio zugrundeliegt, weil nur fuer dieses Gebiet einigermassen zuverlaessige
Angaben ueber Verbraucherpreise der Vorkriegszeit vorhanden sind,
verbesserten sich die Realloehne der Arbeiter tatsaecnlich In ganz
Japan.
International Labor Review
Vol. LXIl/No. 1
IAO UNTERSTUETZT EUROPAEISCHZ UMSIEDLER
Die 18 Marshall-Plan Laender haben ein Hilfsprogramm im
Werte von einer Million Dollar begonnen, das mithelfen soll, die
internationale Umsiedlungsmaschinerie zu vervollkommnen.
Das neue Programm wird ein grossangelegtes, kooperatives
Unternehmen ermoeglichen, an dem sich alle westeuropaeischen Demokratien beteiligen werden, indem sie systematisch und mit wissenschaftlichen Mitteln der Ueberbevoelkerung zu Leibe gehen, die
chronische und staendige Arbeitslosigkeit und einen niedrigen
Lebensstandard zur Folge hat.
Zur Finanzierung dieses umfassenden Unternehmens haben sich
die Mitgliedernationen der OEEC bereit erklaert, in ihrer eigenen
Waehrung einen Betrag im Werte von 200.000 Dollar fuer die Durchfuehrung des Programms im eigenen Lande zur Verfuegung zu stellen.
Ausserdem hat die Marshall-Plan-Verwaltung eine Million Dollar gewaehrt, mit denen die Aufwendungen fuer Erhebungen und Ausbildungsprojekte im Rahmen des Programms gedeckt werden sollen.
Die Netionen, die an diesem Projekt mitarbeiten, haben die
Internationale Arbeitsorganisation - eine Fachorganisation der
Vereinten Nationen - gebeten, die Verantwortung fuer die Verwaltung eines technischen Hilfsprogramms zu uebernehmen, das die Umsiedlung von Arbeitskraeften erleichtern soll.
Der Zweck dieses Millionen-Projektes ist, die Laender mit
Aus- und Einwanderungsmoeglichkeiten bei der Entwicklung der notwendigen Einrichtungen im Zusammenhang mit der Umsiedlung in
technischen Fragen zu unterstuetzen.
Diese Einrichtungen haben die Aufgabe, die Gebiete festzulegen, die einen Ueberschuss bzw. Mangel an Arbeitskraeften haben,
sowie die Arbeitsmoeglichkeiten in den Einwanderungslaendern zu
untersuchen, Dienststellen einzurichten, die einen Nachweis ueber
offene Arbeitsplaetze fuehren, Stipendien an Beauftragte der Regierungen zu vergeben, um ihnen das Studium der Umsiedlungsprobleme
zu ermoeglichen, und eine Organisation aufzubauen, die die Wanderung und Wiederansiedlung von Umsiedlern erleichtern soll.
Auch dieses Vorhaben ist darauf ausgerichtet, eine Vollbeschaeftigung und einen hoeheren Lebensstandard zu erreichen. In
- 10 -

�einigen Laendern, besonders in Italien und der deutschen Bundesrepublik, ist das Problem der Ueberbevoelkerung so dringend,
dass alle Hilfsquellen selbst bei groesstmoeglicher Intensivierung nicht ausreichen, um der Bevoelkerung einen angemessenen
Lebensstandard zu sichern.
S JD

AFL Weekly News Service
IX/15/1950
MARSHALL-PLAN MUSS LOEHNE DER ARBEITER EUROPAS VERBESSERN
Drei amerikanische Gewerkschafter, die soeben eine Ueberpruefung der Industriezentren Frankreichs im Auftrag der ECA beendet haben, sind der Auffassung, dass der Marshall-Plan sofort
umfassender und besser gestaltet werden muesse, um die Loehne der
freien Gewerkschafter Europas erhoehen zu koennen. Es handelt
sich um Carmen Lucia, der zweiten Vorsitzenden der Hutmachergewerkschaft der AFL, Harold Gibbons, dem Kassierer der Ortsgewerkschaft Nr. 688 der Fahrergewerkschaft der AFL, und J. William
Belanger, dem Vorsitzenden des Industriegewerkschaftsrates von
Massachusetts.
"Der Lebensstandard der frenzoesischen Arbeiter muss erhoeht werden, wenn Frankfreich eine Hochburg der Demokratie in
Westeuropa bleiben soll," sagten sie in ihrer Erklaerung. "In
den ersten beiden Jahren des Marshall-Planes musste Frankreich
notwendigerweise mit Lebensmitteln, Rohmaterialien und Maschinen
versorgt werden, um seine Industrie wieder aufbauen zu koennen.
Dieses Ziel ist zum groessten Teil erreicht worden. Wenn Jedoch
jetzt kein Programm in die Wege geleitet wird, das die drei
grundlegenden Faktoren des Lebensstandards, naemlich Ernaehrung,
Bekleidung und Wohnung verbessert, wird das franzoesische Volk
nicht stark genug sein, sich einer totalitaeren Aggression zu
widersetzen. Diese Aufgabe muss von der ECA, der frenzoesischen
Regierung, der franzoeischen Industrie, von den Vereinigten Staaten beraten und unterstuetzt, der Organisation fuer europaelsche
Wirtschaftszusammenarbeit (OEEC) und von den Gewerkschaften in Angriff genommen werden."
Der Vorsitzende der AFL, William Green, hatte im April
dieses Jahres erklaert, dass seine Organisation mit den Arbeitern
WesteuroDas sympathisiere, die um hoehere Loehne kaempfen, und
hatte ihnen die volle Unterstuetzung der AFL zugesichert.
Weekly News Service, AFL
H/15/50
Capus M. Waynick, Administrator des Amtes fuer Technische Zusammenarbeit und Unterstuetzung:
FORTSCHRITTE DES PUNKT-VIER-PROGRAMMSj
Durch das Punkt-Vier-Programm werden anderen Voelkern unsere
Erfahrungen und Kenntnisse angeboten, um ihnen zu helfen, bessere
Lebensbedingungen fuer sich zu schaffen. Das Programm wird uns
in diesem ersten Jahre 34 1/2 Millionen Dollar kosten, das ist
weniger als o,l% der 36 Milliarden Dollar, die Praesident 2'ruman
fuer den Gesamthaushalt bewilligt hat. Dieser verhaeltnismaessig
kleine Betrag wird jedoch eine grosse kooperative Bewegung einleiten, in deren Rahmen ^iele Nationen gemeinsam mit ihren Kenntnissen
und Hilfsquellen dazu beitragen werden, die V/elt fuer ihre Bewohner
besser zu gestalten.
- 11 -

�Dieses Programm muss unsere Antwort auf den Wunsch der Voelker sein, sich ein besseres Leben zu sichern. Sie muessen mit
ihren eigenen Augen sehen und am eigenen Leib erfahren, was die
Demokratie fuer sie und ihre Familien bedeuten kann.
Das Punkt-Vier-Programm ist die «ntwort auf den Kommunismus
fuer lange Sicht. Die Programm-Ziele gehen ueber die gegenwaertige
Auseinandersetzung hinaus und bestehen darin, fuer die Dauer Friede
und Wohlstand fuer jene Menschen zu schaffen, die dies wuenschen.
Der konstruktive Wert des Punkt-Vier-Programms ist die neue Hoffnung und der neue Mut fuer Millionen Menschen in vielen Teilen der
Welt.
Das Problem einer grossen Anzahl dieser Laender besteht nicht
darin, die physischen Grenzen zu oeffnen, sondern den Menschen zu
helfen, die Ketten abzuschuetteln, in denen sie gefangengehalten
werden. Sie sind krank und hungrig und elend, weil sie furchtbar
arm sind. Sie sind arm, weil sie zu wenig Nahrungsmittel und zu
wenig Waren produzieren; sie produzieren zu wenig, weil sie unterernaehrt, kraenklich und des Lesens und Schreibens unkundig sind,
und weil es ihnen an Erfahrung und Kapital fehlt.
Wie kann dieser sich selbst schaedigende Kreislauf aufgebrochen werden? Die Antwort hierauf gab Praesldent Truman in seiner
AnsDrache anlaesslich der Einfuehrung des Punkt-Vier-Programms:
"Hoehere Produktion ist der Schluessel zu Wohlstand und Frieden. Und der Schluessel zur hoeheren Produktion ist eine vielseitigere und bessere Anwendung des modernen wissenschaftlichen
und technischen Wissens."
Das ist die Loesung, die das Punkt-Vier-Programm diesen Menschen bietet.
Aber selbst mit dieser Hilfe koennen sich die Menschen der
wirtschaftlich rueckstaendigen Gebiete nicht ueber Nacht einen
hoeheren Lebensstandard sichern. Dies ist eine Aufgabe von laengerer Dauer, das darf uns jedoch nicht entmutigen.
Auch unser eigener hoher Lebensstandard konnte nicht ueber
Nacht errungen werden. Aber die Dringlichkeit ist gross und die
wirtschaftliche Entwicklung nimmt viel Zeit in Anspruch. Je frueher
wir jedoch damit beginnen, umso besser ist es. Es gibt Leute, die
die Frage stellen, ob wir nicht eine Konkurrenz schaffen, die unsere eigenen Produzenten eines Tages ruinieren wird, wenn wir anderen Voelkern helfen, ihre Wirtschaft zu entwickeln. Ich bin der
Auffassung, dass diese Furcht unbegruendet ist. Ginge es uns
besser oder schlechter, wenn die hochentwickelten Industriestaaten
wie Kanada und Gross-Britannien, die die gleichen Dinge herstellen wie wir, ploetzlich aufhoerten, Industriestaaten zu sein und
auf das wirtschaftliche Niveau der unterentwickelten Gebiete absinken wuerden?
•

Alle Statistiken zeigen, dass die hochentwickelten Laender, die
ueber eine hohe Kaufkraft verfuegen, die besten Abnehmer und die
besten Nachbarn sind, wenn die Demokratie in ihnen nicht untergraben wird. Je schneller die rueckstaendigen Gebiete entwickelt werden koennen, um so groesser wird die Moeglichkeit sein, sich am
Welthandel zu beteiligen, und umso mehr Geld wird den Menschen in
diesen Gebieten zum Ankauf von Waren zur Verfuegung stehen.
Technische Unterstuetzung ist eine ziemlich abstrakte Bezeichnung fuer eine sehr praktische Angelegenheit, die darin besteht,
dass man Menschen lehrt, wie bestimmte Dinge zu tun sind und Methoden
- 12 -

�anzuwenden, die sie zuvor nicht kannten. Es ist eine alte Form
der Erziehung: die Uebermittlung von Erfahrungen und technischen
Koennens an andere. In diesem Falle sollen besondere Kenntnisse
und jene Faehigkeiten ausgetauscht werden, die ein besseres Leben ermoeglichen. Hier muss jedoch der Unterschied und die Schwierigkeiten beachtet werden, dass der Austausch dieser Erfahrungen
mit Menschen vieler verschiedener Nationen stattfinden muss.
Im Rahmen des Punkt-Vier-Programms schicken wir amerikanische
Techniker der Landwirtschaft ins Ausland, um dort verbesserte Arbeitsmethoden vorzuf uehren,. die immer den oertlichen Verhaeltnissen
angepasst werden muessen. Wir werden Aerzte und Krankenschwestern
entsenden, um den Menschen dort die elementarsten Gesundheitsregeln mitzuteilen und ihnen zu zeigen, wie man vermeidbare Krankheiten, wie zum Beispiel die Malaria, bekaempfen kann, indem eine
den Gesundheitsvorschriften entsprechend bessere Wasserversorgung
und ein zweckmaessiges Kanalisationssystem hergestellt wird. Wir
werden amerikanische Erzieher ins Ausland schicken, die den Lehrern in anderen Laendern helfen sollen, bessere Methoden zur
Ueberwindung des Analphabetentums zu ermitteln, das in einigen
Laendern die erschreckende Zahl von 90% erreicht hat. Wir werden
auch weiterhin intelligente und vorwaertsstrebende Menschen aus
jenen Laendern zu ihrer technischen Ausbildung nach den Vereinigten Staaten bringen.
Das Punkt-Vier-Programm setzt sich aus zwei ineinandergreifenden Faktoren zusammen: Die technische Unterstuetzung und die
Kapitalinvestierung. Das Programm fuer die technische Unterstuetzung ist vom Kongress genehmigt worden, der fuer diesen Zweck
34 1/2 Millionen Dollar bewilligt hat. Von diesem Betrag werden
wir 12 Millionen Dollar fuer das technische Hilfsprogramm der
Vereinten Nationen zur Verfuegung stellen. 49 andere Laender
haben gemeinsam weitere 8 Millionen Dollar bereitgestellt. Damit
hat sich der Betrag auf 20 Millionen Dollar erhoeht, der fuer das
technische Hilfsprograum der Vereinten Nationen und ihrer Fachorganisationen zur Verfuegung gestellt worden ist.
Wenn die verschiedenen Ansuchen um technische Unterstuetzung
beim Aussenministerium eingegangen sind, werden sie von jedem Gesichtspunkt aus sorgfaeltig geprueft werden. Wir werden feststellen, ob die einzelnen Vorschlaege mit dem Zweck des Punkt-VierProgramms vereinbar sind und ob das betreffende Land die angeforderte Unterstuetzung tatsaechlich gut verwenden kann. Wir werden
pruefen, ob das vorgeschlagene Projekt mit einem anderen sich ueberschneidet oder einem anderen entgegenlaeuft, das von den Vereinten
Nationen oder irgendeiner anderen internationalen Behoerde geplant
ist.
Mit den vom Kongress bewilligten Geldmitteln muessen wir in
der Lage sein, in diesem ersten Jahre des Punkt-Vier-Programms
mehr als 1000 amerikanische Techniker mit Auftraegen fuer technische Unterstuetzung ins Ausland zu schicken. Wir rechnen damit,
mehr als 10000 geeignete Personen aus diesen zu unterstuetzenden
Laendern zur technischen Ausbildung in die Vereinigten Staaten zu
holen. Die Regierung wird ausserdem mit amerikanischen privaten
Unternehmen Vertraege abschliessen, um die technischen Hilfsmassnahmen noch staerker zu intensivieren und sich zugleich zu bemuehen,
ebenfalls geeignete Persoenlichkeiten als Wegbereiter heranzuziehen, und sich an der Ausbildung auslaendischer Techniker in den
Vereinigten Statten zu beteiligen.
Sehr oft jedoch wird noch mehr benoetigt, als nur eine technische Unterstuetzung, um das gewuenschte Ziel zu erreichen. Dieses
"mehr" ist die Investierung von Kapital. In einigen Faellen ist
- 13 -

�das Kapital fuer Projekte der wirtschaftlichen Entwicklung mit
Recht von der Regierung zur Verfuegung gestellt worden, wie zum
Beispiel durch die Kredite der Export-Import Bank in Washington
und der Welt-Bank. Praesident Trumen hat jedoch klar herausgestellt, dass der groesste Teil der fuer die Investierung in unterentwickelten Gebieten benoetigten Kapitalien aus privaten Quellen kommen muss.
Tatsache ist, dass in zählreichen wirtschaftlich unterentwickelten Gebieten die Anlagemoegliohkeiten fuer private Investierungen augenblicklich nicht guenstig sind.
Diese unguenstigen Bedingungen koennen zum Teil rechtzeitig
durch den Einsatz technischer Unterstuetzungsmassnahmen ausgeglichen werden. Unsere eigenen Erfahrungen, die wir vor 50 Jahren
in Kuba, Kanada und auf den Philippinen machten, haben bewiesen,
dass nach einer Reform der gesundheitlichen und sanitaeren Verhaeltnisse sowie der wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen
Privatkapitalien in einem Land angelegt werden koennen, und neue
Unternehmen, neue Arbeitsplaetze und neue Moeglichkeiten ins
Leben gerufen werden koennen. Eine? der grossen Werte der technischen Unterstuetzung besteht darin, dass sie dazu beitraegt, eine
Umgebung zu schaffen, die dem gesteigerten Fluss von Investitionskapitalien foerderlich ist. Der Investition von Kapital sind
jedoch in einigen rueckstaendigen Gebieten sowohl durch die Regierung als auch durch die natuerlichen Verhaeltnisse Grenzen
gesetzt. Einige Regierungen haben strenge und offensichtlich
laestige Beschraenkungen fuer die Investition auslaendischen Kapitals eingefuehrt. Schwierigkeiten in der Transferierung der Waehrungen verursachen zusaetzliche Probleme. Das Aussenministerium
ist mit allen Mitteln bestrebt, die Schwierigkeiten zu beseitigen,
die einer groesseren Investition amerikanischen Kapitals im Ausland im Wege stehen. Wir sind dabei, neue Handelsvertraege mit
einer Reihe von Laendern abzuschliessen, die Bestimmungen enthalten, die eine gerechte Behandlung sowohl der amerikanischen Kreditanleger als auch der Laender, in denen sie ihre Investitionen
vornehmen, gewaehrleisten sollen.
\ Aber dies ist im besten Falle ein langwieriger Vorgang. Um
den Fluss amerikanischen Kapitals ins Ausland zu beschleunigen,
hat die Verwaltung des Punkt-Vier-Programms empfohlen, die
Export- und Import-Bank zu ermae cht igen,» begrenzte Buergschaf ten
fuer ausserordentliche Risiken zu uebernelimen, denen im Ausland
investiertes Kapital unterworfen ist. Es ist vorgeschlagen, dass
die Bank gegen einen gewissen Zins im Ausland investiertes Kapital gegen Enteignung ohne ausreichende Verguetung und gegen die
Uoeglichkeit versichert, dass dieses Kapital und die Gewinne in
anderen Waehrungen nicht in Dollar tranferiert werden koennen.
Derartige Investitionen sollen dagegen nicht gegen gewoehnliche
Geachaeftsrisiken gesichert werden.
Unsere Regierung bietet mit diesen Vorschlaegen neuen Boden;
und sie wird eine Formel suchen, die sich sowohl fuer die amerikanischen Investitionen als auch fuer die auslaendischen Regierungen
als zufriedenstellend erweisen wird. Wir moechten den amerikanischen Kapitalanlegern einen angemessenen Schutz und eine gerechte
Behandlung zusichern. Wir moechten jedoch auf der anderen Seite
vermeiden, besondere Vorrechte fuer die im Ausland investierten
amerikanischen Kapitalien und die Anleger zu beanspruchen.
The Department of State Bulletin
IX/25/50
- 14 -

�Z'VEI RESOLUTIONEN DER AFL GEGEN DAS TAFT-HARTLEY GESETZ
Der Amerikanische Gewerkschaftsbund (AFL) fuehrt zur Zeit
seinen groessten Feldzug, um die Wahl eines liberalen Kongresses
zu sichern, der das gewerkschaftsfeindliche und ungerechte TaftHartley Gesetz abschaffen soll.
Die Mitglieder der AFL sind aufgerufen, diejenigen Kandidaten zu unterstuetzen, die fuer den Widerruf dieses Gesetzes stimmen werden. Millionen von Worten sind zu diesem Zwecke geschrieben und gesprochen worden.
Das Wesentliche des Standpunktes der AFL ist in zwei Resolutionen zusammengefasst, die von der 69. Konvention in Houston
(Texas) angenommen wurden. Den acht Millionen Gewerkschaftsmitgliedern der AFL, den Berichterstattern der Zeitungen, den Kommentatoren des Rundfunks und der Oeffentlichkeit soll die klare und
unzweideutige Stellungnahme der AFL zum Taft-Hartley Gesetz zur
Kenntnis gebracht werden, warum und wie sie versuchen wird, dieses
Gesetz im 82, Kongress, der am 7. November gewaehlt wird, abzuschaffen:
Der Text dieser Resolution Nr. SO - die von dem Delegierten
Thomas A. Murray vom Gewerkschaftsbund des Staates New York eingebracht wurde, lautet:
Weil das Gesetz ueber die Arbeitgeber-Arbeitnehmer Beziehungen des Jahres 1947, das unter dem Namen Taft-Hartley Gesetz
besser bekannt ist, die demokratischen Rechte der amerikanischen
Gewerkschaftsbewegung verletzt und sie ihrer fundamentalen Freiheit und Organisationsmoeglichkeiten beraubt und deshalb von der
gesamten Gewerkschaftsbewegung ausnahmslos abgelehnt wird, und
Weil das Gesetz seit seinem Inkrafttreten die rechtmaessigen gewerkschaftlichen Taetigkeiten eingeschraenkt und gewisse
Unternehmer ermutigt hat, im Vertrauen auf bestimmte hintertueren
im Gesetz, die es ihnen erlauben, sich ihrer Verantwortlichkeit
zu entziehen, sich den Forderungen der Gewerkschaften kompromisslos und hartnaeckig zu widersetzen, tatsachenentstellende Forderungen der Unternehmer zu befuerworten, Unternehmergewerkschaften
im geheimen aufzustellen und den Gewerkschaften ohne Begruendung
unfaires Verhalten vorzuwerfen, und
Weil, ungeachtet der ablehnenden Haltung des ganzen Landes
diesem Gesetz gegenueber, was durch die Wiederwahl" Praesident
Trumans bewiesen ist, eine reaktionaere Koalition von Republikanern und Sueddemokraten jeden Versuch, den Widerruf durchzusetzen,
unterbunden hat, und
Weil dieser fortwaehrende Missbrauch unvermeidbar zu der Unterminierung des Gebaeudes unserer Demokratie fuehren und letzten
Endes die freie Gewerkschaftsbewegung, die immer ein Bollwerk gegen Reaktion und Totalitarismus gewesen ist, in Misskredit bringen wuerde, wird hiermit beschlossen,
Dass diese Konvention die Politik mit allen Mitteln unterstuetzt, die von der AFL und den gewerkschaftlichen Kraeften in
unserem Lande in dem Bestreben eingeschlagen wurde, das amerikanische Volk ueber die gefaehrlichen Uebergriffe der Kraefte der Reaktion und des Totalitarismus aufzuklaeren, und
Dass wir unsere unabaenderliche ablehnende Haltung dem TaftHartley Gesetz gegenueber und unsere Entschlossenheit erneut zum
- 15 -

�Ausdruck bringen, unaufhoerlich gegen diesenruchlosen Akt der
Gesetzgebung zu kaempfen, und
Dass wir unsere Repraesentanten im Kongress und im Senat
der Vereinigten Staaten auffordern, den Wilien des amerikanischen Volkes zu respektieren und mitzuhelfen, das Taft-Hartley
Gesetz rueckgaengig zu machen, und
Dass wir den Kongress der Vereinigten Staaten, und die
Politiker beider Parteien auffordern, dieses verhasste Gesetz
aus unseren Verfa3sungsbuechern zu streichen.

Die zweite Resolution traegt die Nummer 88 - und wurde von
den Delegierten Jack Wieselberg, Norman Zukowsky, Edward Friss
und Morris Fuchs von der Gewerkschaft der Sattler und Portefeuiller eingebracht. Sie lautet: •
Weil der organisierten Arbeiterschaft in ihrem Kampf um
die Erhaltung ihrer Grundrechte von reaktionaeren Elementen erbitterter Widerstand geleistet wird, und
Weil in dem Wagner-Gesetz, das mit Recht die Magna Charta
der Gewerkschaften genannt wurde, den Arbeitern das Recht zuerkannt wurde, sich frei zu organisieren und Tarife abzuschliessen,
und
Weil die reaktionaeren Elemente, die den 80. Kongress beherrschten und eine Kombination von Tory-Republikanern und Dixiecrat-Demokraten darstellten, der organisierten und nichtorganisierten Arbeiterschaft mit dem Erlass des schaendlichen TaftHartley Gesetzes einen schweren Schlag versetzten, und
Weil die Waehler unseres Landes geschlossen ihre Entruestung
ueber dieses Gesetz zum Ausdruck brachten, indem sie Harry S.
Truman wieder zum Praesidenten waehlten, nachdem er ihnen versprochen hatte, sich dafuer einzusetzen, dass das Taft-Hartley Gesetz
widerrufen wird, und
Weil der gegenwaertig bestehende Kongress fortwaehrend gezeigt hat, dass er den mit der Wiederwahl zum Ausdruck gebrachten
Willen des Volkes nicht achtet, und
Weil jede fruehere Konvention der AFL eindringlichst die
sofortige Abschaffung des Tfcft-Hartley Gesetzes verlangt hat,
Wird von der 69. Konvention der AFL beschlossen, dass wir
die unverzuegliche Beseitigung des Taft-Hartley Gesetzes und den
Neuerlass des Wagner-Gesetzes in der Weise verlangen, wie es von
Praesident Truman in seiner Botschaft an den 81. Kongress empfohlen wurde.
.

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AFL Weekly News Service
X/17/50

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di* folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 36

Frankfurt, 10. November 1950
I N H A L T S V S R

Z E I C H N I S

Automobilarbeitergewerkschaft Amerikas gegen
Krediteinschraenkungen - - - - - - - - - - - i
Die Gewerkschaften in den Kolonien erwarten Hilfsmassnahmen - - - - - - - - - - - - - - - - - z
Der Kongress derTorce Ouvriere" - - - - - - - - 5
Die Arbeitsweise der Gewerkschaften in Amerika - 6
Entwicklungen in der gesamtamerikanischen Gewerkschaftsbewegung - - - - - - - - - - - - - - - g
Die chilenischen Gewerkschaften - - - - - - - - - 1 0
Die Gewerkschaftsbewegung Schwedens - - - - - - - n
Warum die Arbeiter ihren Arbeitsplatz verlassen - 14
Englische Amerikabesucher fuer Normung der
Produktion - - - - - - - - - - - _ - _ _ _ _ - 15
Schweizerische Gewerkschaften fuer den Marshallplan
16

AUTOMOBILARBEITERGäY/iliRKSCHAFT AMERIKAS GEGEN KREDITEINSCHRAENKUNGEN
Die Automobilarbeitergewerkschaft des C.I.O. hat zum Ausdruck
gebracht, dass sie die neuen Richtlinien ueber Beschraenkung der
Wohnungsbau- und Anschaffungskredite ablehnt.
In einem Schreiben an den Vorsitzenden des Bundesausschusses
zur Ueberwachung und Sicherung der Hilfsquellen des Landes (National Security Resources Board), W. Stuart Symington, haben Funktionaere dieser Gewerkschaft gefordert, dass diese Bestimmungen, die
von der Bundesstaatlichen Verwaltung fuer Waehrungskontrolle herausgegeben wurden, solange nicht in Kraft gesetzt wuerden, bis
die von der Regierung einberufene Konferenz von Arbeitnehmern und
Arbeitgebervertretern der betreffenden Industrien Vorschlaege
hierzu gemacht haette.
Die Funktionaere bezeichneten diese neuen Bestimmungen als
einen "Dolchstoss in den Ruecken der amerikanischen Familien mit
niedrigem Einkommen."
- 1-

�"Durch die Beatimmungen soll in erster Lieie das Problem der
Materialverknappung geloest werden," heisst es in dem Schreiben;
"sie erfuellen jedoch ihren Zweck einfach dadurch, dass sie den
Verbrauchern mit niedrigem Einkommen die Moeglichkeit nehmen, sich
'Wohnungen, Autos und andere Ansohaffungsgueter zu kaufen."
Die Automobilarbeitergewerkschaft ist der Auffassung, dass
die Probleme der Wohnungsbau- und Anschaffungskredite durch eine
Erweiterung der Produktion geloest werden muessen.
Die Einschraenkungen, besonders der Wohnungsbaukredite, wurden von Symington als eine wirksame Waffe im Kampf gegen die Inflation verteidigt. "Wir befinden uns in einer Zeit der Mobilisierung," sagte er, "und direkte Lohn-Preiskontrollen wuerden die
gesamte Wirtschaft in eine Zwangsjacke stecken. Wenn jedermann
mithilft, auch die Unternehmer und Gewerkschaften, waere es einfach, indirekte Kontrollen auszuueben." Symington verurteilte
ausserdem die greisen Profite, die nach seiner Aussage im dritten
Quartal dieses Jahres hoeher waren als in irgendeinem anderen
Lande zu irgendeinem Zeitpunkt in der Weltgeschichte.
Leon Keyserling, der Vorsitzende des Ausschusses wirtschaftlicher Berater, forderte eine weitere Steuererhebung, um die
Kaufkraft zu absorbieren. Keyserling befuerwortete ausserdem in
einer Rundfunkansprache die Errichtung eines Bueros zur Kontrolle
von Loehnen und Preisen, die man schnell in Aktion setzen
koennte, wenn die inflationistische Tendenz bestehen bliebe.
Auch Bernhard Baruch hat sich fuer hoehere Steuern und Kontrollen ausgesprochen und warnend erklaert, dass die Auffassung,
Kontrollen der Regierung koennten durch freiwillige Einschraenkungen vermieden werden, eine bequeme Selbsttaeuschung sei.
Am gleichen Tage sagte Cyrus Ching, der Vorsitzende des neuen Ausschusses fuer Lohnstabilisierung, dass es ausschliesslich
die Schuld der Gewerkschaften und der Industrie waere, wenn Lohnund Preiskontrollen bald eingefuehrt wuerden. "Ich habe niemanden gesehen, der nicht Lohn- und Preiskontrollen bejaht hätte, aber fuer andere und nicht fuer sich selbst," sagte er.
Man erwartet demnaechst weitere Kontrollen fuer Warenkredite
grosser Kaufhaeuser und fuer private Gelddarlehen. Symington
setzt sich bei der Bundesstaatlichen Verwaltung fuer Waehrungskontrolle fuer diese Einschraenkungen ein.
Daily News Service, Labor Press Association
X/23/50
DIE GEWERKSCHAFTEN IN DEN KOLONIEN ERWARTEN KILFSMASSNAIiMEN
Der Aufstieg der Gewerkschaftsbewegungen in den Kolonien unter den Nichteuropaeern ist ebenso rasch wie bemerkenswert. In
den britischen Kolonien gehen mit einigen Ausnahmen in Westindien die fruehesten Entwicklungen auf 10 bis 12 Jahre zurueck.
Die Ausdehnung der Gewerkschaftsbewegung hat sich so schnell
vollzogen, dass gegenwaertig rund 1.000 Gewerkschaften in britischen Kolonien mit einer Gesamtmitgliederzahl von etwa 600.000 zu
verzeichnen sind. Nach europaeischen Begriffen sind sie zahlenmae^sig noch ziemlich unbedeutend, ihre Mitgliederzahlen belaufen
sich im Durchschnitt auf einige Hundert oder hoechstens einige
Tausend.

�Die Lage dieser jungen und kaempferischen Organisationen in
den Kolonien erinnert an die Anfaenge der britischen Gewerkschaftsbewegung vor 150 Jahren. Jede Gleichsetzung mit den Urspruengen
der britischen Gewerkschaften waere jedoch irrefuehrend. Wie die
Pioniere in diesem Lande sahen sich die Gewerkschaften in den Kolonien ungeheuren Problemen gegenueber, die durch die Armut und Unerfahrenheit verursacht sind; auf der anderen Seite jedoch hatten
sie nicht im gleichen Masse unter der feindseligen Haltung oder
Unterdrueckungsmassnahmen durch die Regierungen zu leiden.
Diesen Gewerkschaften fehlen lediglich Anregungen, Ratschlaege
und Unters tuetzung. Zwar sind bisweilen in kritischen Situationen
schwere Fehler gemacht worden, im allgemeinen jedoch konnten diese
Gewerkschaften mit der Ruecksichtnahme und sogar einer gewissen
Ermunterung durch die Regierungen oder das Kolonialamt rechnen.
Immer konnten sie sich jedoch auf die Unters tuetzung des Britischen
Gewerkschaftskongresses (TUC) verlassen.
Waehrend dieser Phase der Vorbereitung hat der TUC ununterbrochen und regelmaessig mit den neuen Organisationen in Verbindung
gestanden. Obwohl diese Verbindungen aus der Zeit vor 1939 datieren, konnten erst nach Kriegsende viele der urspruenglichen Absichten verwirklicht werden.
Ueber einen Kolonialen Beratungsausschuss, der zwei Jahre vor
dem Kriege gebildet wurde und sich aus einigen besonders befaehigten Experten in Kolonialfragen und aus Mitgliedern des Generalrates
zusammensetzt, die alljaehrlich ernannt werden, hat der TUC in
seiner Gewerkschaftsarbeit in den Kolonien im wesentlichen zwei
Ziele verfolgt: erstens in staendiger taetiger Verbindung mit den
neuen Kolonialgewerkschaften zu bleiben und ihnen sowohl auf direktem Wege als auch ueber das Kolonialamt Rat und Unterstuetzung
zu vermitteln; und zweitens Gewerkschafter aus den Kolonien in die
Ideen und Methoden des Gewerkschaftswesene in England einzufuehren.
Das Erziehungsprogramm, das in frueheren Jahren nur auf oberflaechlicher Basis durchgefuehrt wurde, ist seit 1945 staendig weiter ausgebaut worden. In sieben Kolonien sind Gewerkschafter von
ihren eigenen Organisationen gewaehlt worden, die ein Jahr lang
Universitaeten oder Schulen in England besuchen sollen.
Ausserdem wird an Hand der Briefkurse der Ruskin-Hochschule
Unterricht erteilt. Die Gewerkschafter aus den Kolonien und die
eingeborenen Funktionaere der kolonialen Arbeitsaemter, die von
ihren Regierungen zur Ausbildung nach England geschickt wurden,
werden zu den einmonatigen Ausbildungskursen der Erziehungsabteilunp des britischen Gewerkschaftskongresses zugelassen. Auch an
den Wochenend- und Sommerschulen des TUC sind Plaetze fuer diese
Gewerkschafter aus den Kolonien bereitgestellt worden.
Um die Organisierung der neugegruendeten Gewerkschaften zu
unterstuetzen, wurden Handbuecher in grossen Mengen gedruckt und
verschickt. Die beste Form der Hilfe, die vom TUC in Zusammenarbeit mit der Regierung geleistet wird, ist sehr wahrscheinlich die,
dass man britische Gewerkschaftsfunktionaere als Gewerkschaftsberater auf Posten im Kolonialdienst berufen hat.
Das Kolonialamt hat seit der Einfuehrung dieses Planes im
Jahre 1942 bereits 23 erprobte Gewerkschafter ernannt, was sich besonders bei der Lenkung der neuen Gewerkschaften als aeusserst
fruchtbar erwiesen hat. Die Zahl der Kollektivvertraege, die zum
erstenmal in den Kolonien abgeschlossen wurden, ist hierfuer ein
schlagender Beweis. In Arbeits- und Wirtschaftslagen der Kolonien
ist zwischen den Vertretern des Generalrates des TUC in zwei Kolo- 3

�nialaus-schuessen und der Regierung eine staendige Zusammenarbeit
festzustellen. Es sind dies der Beratungsausschuss fuer koloniale
Arbeitsfragen und der Ausschuss fuer koloniale Wirtschaft und
ihre Entwicklung. Der TUC hat ausserdem schon vor dem Kriege mit
den sechs Sonderkommissionen fuer bestimmte Kolonien regelmaessig
in Verbindung gestanden.
Der TUC hat nicht versucht, die Verbindungen der Kolonialgewerkschaften mit der uebrigen Welt einzuschraenken. Sie wurden
im Gegenteil tatkraeftig unterstuetzt, um es ihnen zu ermoeglichen,
sich an der Nachkriegsentwicklung der Internationalen Gewerkschaftsbewegung positiv zu beteiligen. Ihre Verbindung mit dem
Weltgewerkschaftsbund, die erst seit 1945 besteht, war zu kurz,
um sich im guten oder im schlechten Sinne fuer sie auswirken zu
koennen. Ein betraechtlicher Teil der Gewerkschaften in den Kolonien hat sich laengst dem IBFG angeschlossen.
Die Absicht des IBFG, Landesorganisationen ins Leben zu rufen,
wird sich unmittelbar auf die Gewerkschaften in den Kolonien auswirken. Dieses Landes^rogramm wird jedoch keinesfalls der aktiven
Politik des TUC im Wege stehen, die in engster Verbindung mit der
Gewerkschaftsbewegung in den britischen Territorien betrieben wird.
Als die Delegierten aus den Kolonien beim ersten Kongress
des IBFG mit dem kolonialen Beratungsausschuss des TUC im Dezember des vergangenen Jahres zusammenkamen, wurden die dringlichsten
Probleme der Gewerkschaften in den Kolonien eingehend eroertert.
Die Delegierten wiesen hierbei auf die drei wichtigsten Notwendigkeiten hin:
1. Den Besuch britischer Gewerkschafter in den Kolonien, um
die Verhaeltnisse an Ort und Stelle kennenzulernen und Anregungen
zu geben.
2. Buero- und Werbematerial sowie Kraftfahrzeuge zur Verfuegung zu erhalten; und schliesslich
3. eine regelmaessige und ausreichende Versorgung mit brauchbaren Veroeffentlichungen.
Wie sehr gewerkschaftliches Lesematerial in den Kolonien erwuenscht ist, beweist die Tatsache, da?s Westindien hundert Exemplare der Gewerkschaftsgeschichte von Webbs angefordert hat. Um
passende Buecher und sonstige Literatur vor allem fuer Leser in
den Kolonien zur Verfuegung zu stellen, konnten ohne Schwierigkeiten 5000 Pfund Sterling aufgewendet werden. Diese Hilfe ist sehr
willkommen. Weit besser waere es jedoch, in jede Kolonie einen
erfahrenen Gewerkschafter zu schicken, der dort die oertlichen
Verhaeltnisse und Schwierigkeiten studiert und sofort beratend
eingreifen kann. Jeder Besuch dieser Art wuerde etwa o50 Pfund
Sterling kosten. Ausserdem muessen die einmal aufgenommenen Beziehungen aufrechterhalten werden. Zur Finanzierung eines Anfangsnrogramms fuer die beiden naechsten Jahre hat der Generalrat des
TUC den Delegierten des Kongresses eine Summe von annaehernd
27,000 Pfund Sterling vorgeschlagen und fuer die folgenden Jahre
einen weiteren Betrag von je 10,000 Pfund Sterling.
Die bis jetzt geleistete Arbeit ist aus einem Sonderfonds
finanziert worden, der im Jahre 1947 durch eine Spende von 500
Pfund Sterling aus Geldern des TUC und verschiedener anderer Zuwendungen angeschlossener Gewerkschaften in Hoehe von 2700 Pfund Sterling entstanden ist. Diese Mittel sind viel zu gering, um wirksam
zu sein. In dem Sonderbericht an den Kongress heisst es: "Die
finanziellen Belastungen sind gross; im Verhaeltnis zu der lebens-

�wichtigen Aufgabe, die erfuellt werden muss, sind sie jedoch keinesfalls uebertrieben. Die Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung
in den Kolonien ist zum grossen Teil durch das Beispiel der Gewerkschaftsorganisationen Grossbritanniens gelenkt worden. Vor
allem aufbaumaessig koennen diese Gewerkschaften aus der Erfahrung
des TUC lernen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass sich die
Bewegung in Grossbritannien im Lichte eigener Verhaeltnisse entwickelt hat und damit nicht fuer die Kolonien als Beispiel gelten
kann. Die industriellen, sozialen und im allgemeinen auch die
schulungsmaessigen Normen sind dort verschieden.
In England hat sich die Bewegung auf rein industrieller Basis
entwickelt. Dagegen koennen, was auch tatsaechlich vorgekommen
ist, die Gewerkschaften in den Kolonien von Leuten missbraucht werden, die in diesen industriellen Organisationen eine Moeglichkeit
sehen, ihre persoenlichen politischen Wuensche zu erfuellen. Die
Zeit fuer eine erfolgreiche Entwicklung der Gewerkschaften ist noch
zu kurz, wenn man unter Gewerkschaften auch dort Arbeiterorganisationen versteht, die danach trachten, die wirtschaftlichen Interessen ihrer Mitglieder zu wahren, und unabhaengige Organisationen
zu sein, die ihre Politik selbst bestimmen und unabhaengig handeln.
Sie brauchen die Hilfe und Anleitung durch Sachverstaendige, um die
sie uns gebeten haben.
Labor
IX/50
DER KONGRESS DER "FORCE OUVRIERE"
Ein entscheidender Schritt zur Einigung mit anderen nichtkommunistischen, franzoesischen Gewerkschaften wurde von 1000 Delegierten der franzoesischen Gewerkschaft "Force Ouvriere" auf einem
Kongress in Paris getan.
Die Delegierten, die eine Million Mitglieder Frankreichs und
seiner Kolonien vertreten, kamen vom 25. - 28. Oktober zusammen,
um zu beraten, wie sie ihre Gewerkschaft staerken koennten. "Force
Ouvriäre" ist ein nichtkonmunistischer Gewerkschaftsbund, der seit
drei Jahren besteht und sich vom kommunistisch beherrschten Allgemeinen Gewerkschaftsbund (Confeder&amp;tion General du Travail) getrennt hat.
Die Delegierten beschlossen, Mitglieder anderer, nichtkommunistischer Gewerkschaften einzuladen, an ihren Sitzungen teilzunehmen.
Ausserdem wandten sie sich mit der Bitte um Vereinigung der französischen Gewerkschaftsbewegung an diese anderen nichtkommunistischen
Grupoen, vor allem an die Gewerkschaft der Christlichen Arbeiter
(C.F.T.C.) und den Verband der Vorarbeiter (C.G.C.). Hierzu wurden
die folgenden drei Forderungen gestellt:
1. Gruendung eines staendigen, gemeinsamen Gewerkschaftskomitees, das die Moeglichkeiten der Vereinigung eroertern soll.
2. Wirkliche Zusammenarbeit der Gewerkschaften, um gemeinsam
die Forderungen der Arbeiter vertreten zu koennen.
3. Der Vorschlag darf die Gewerkschaften nicht ihrer Selbststaendigkeit und des Rechtes berauben, vor Abschluss eines allgemeinen Abkommens eigene Entscheidungen zu treffen.
Die Delegierten beschlossen ausserdem:
1. Die Gewerkschafts- und Aufnahmebeitraege zu verdoppeln,
die damit 50 Franken im Monat, beziehungsweise 20 Franken betragen.
- 5-

�2. Kit anderen Gewerkschaftsgruppen im Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften enger zusammenzuarbeiten.
3. Die Loehne vom Lebenshaltungskostenindex und der Produktionsleistung abheengig zu machen. Diese bewegliche Tabelle war
die positivste Massnahme,die von den Delegierten in ihrem .Virtschaftsund Sozialprogramm getroffen wurde.
4. Die einsichtigeren franzoesjschen Arbeitgeber zu ermutigen,
nicht nur darauf bedacht zu sein, Gewinne zu erzielen, sondern auch
die Produktion zu steigern und die Gestehungskosten zu senken.
5. Das Kartell zur groessten Gefahr fuer wirksame Verhandlungen der Arbeitnehmer zu erklaeren.
6. Sich die Kenntnisse zunutze machen, die sich Besuchergruppen bei amerikanischen Gewerkschaften im Rahmen des Frogramms zur
technischen Unterstuetzung erworben haben.
7. Fuer ein vereinigtes Europa als Vorbedingung fuer einen
hoeheren Lebensstandard zu arbeiten.
Der Kongress wies mit Stolz auf die von der "Force Ouvriere"
erzielten Erfolge hin.
1. Sie hat den franzoesischen Arbeiter von der Sinnlosigkeit
einer Steigerung der Nominalloehne ueberzeugt.
2.

Sie hat die Loehne von der Kontrolle der Regierung befreit.

3.

Sie hat das Tarifverhandlungswesen eingefuehrt und

4. hat sie ein Gesetz erlassen, dass einen Mindestlohn von
159 Franken pro Stunde festsetzt.
Die Delegierten dankten ausserdem dem amerikanischen Arbeiter
fuer die Marshallplan Hilfe. Als Gewerkschaftsdelegierte aus dem
Ausland waren anwesend:
J. H. Oldenbroek, der Generalsekretaer des I.B.F.G., Irving
Brown, der Vertreter der A.F.L. in Europa, Eimer Cope, der C.I.O.Repraesentant in Europa, Victor Reuther von der Automobilerbeitergewerkschaft des C.I.O., Paul Finet, der Praesident des I.B.F.G.,
Giulio Pastore, der Generalsekretaer des italienischen Gewerkschaftsbundes C.I.S.L., Hans vom Hoff aus Deutschland, Alfred Roberts, der
Vorsitzende des britischen Gewerkschaftsbundes T.U.C. und Körte aus
Norwegen.
ECA Labor Information
DIE ARBEITSWEISE DER GEWERKSCHAFTEN IN AMERIKA
Auf Grund "sehr freundschaftlicher, kooperativer und hoechst
konstruktiver Aussprachen" ist die Stimme der 15 Millionen organisierter Arbeiter jenseits des Atlantiks heute staerker denn ;e.
Die Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten arbeiten aber
auch unter Anwendung von Methoden, die, wie der nachstehende Artikel beweist, von den westeuropaeischen gaenzlich verschieden
sind.
Mit dem Wunsch, ueber die seit 14 Jahren bestehende Kluft zwischen ihren beiden Organisationen eine Bruecke zu schlagen, sind
vor kurzem Funktionaere des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes AFL
- 6

�und des Kongresses der Industrieverbaende (CIO) zusammengetreten,
um zu beraten, wie sie in wirksamer Weise gemeinsam handeln koennten. Diese Beratungen haben zu einer engeren Zusammenarbeit gefuehrt, aus der eines Tages eine vereinigte Gewerkschaftsbewegung
in den Vereinigten Staaten entstehen koennte.
I..an wurde sich darueber einig, dass Meinungsverschiedenheiten
in Organisationsfragen am besten am gemeinsamen Verhandlungstisch
beseitigt werden koennten, um alle Fragen zu politischen Massnahmen
von hoechster Stelle aus gemeinsam zu bearbeiten. Man bildete einen staendigen "Vereinigungsausschuss" und ein Komitee, die auf
friedlichem Wege alle anderen Fragen behandeln soll, ueber die die
beiden Organisationen geteilter Meinung sind.
Gleichzeitig sind andere Ursachen dieser Spaltung zwischen
den beiden nationalen Gewerkschaftsgruppen in schnellem Verschwinden begriffen. Der Konflikt begann im Jahre 1936 mit einer Auflehnung gegen die zoegernde Haltung der Berufsgewerkschaften, die
rapide aufbluehenden Industrien der Massenproduktion organisatorisch zu durchdringen, und heute nimmt der CIO in seine eigenen
grossen Mitgllederverbaende der Gummi-, Automobil-, Stahl-, Glasund Elektroindustrie Berufsgewerkschaften auf. Auf der anderen
Seite vereinigt die AFL Industrieverbaende mit den Berufsgewerkschaften, die seit langem in ihren Reihen bestehen.
Darueberhinaus sind sich beide Organisationen in ihrem organisatorischen Aufbau bereits sehr aehnlich. So wie der britische
Gewerkschaftskongress (TUC) sind sie beide Verbaende auf der Basis
der einzelnen Staaten, die sich aus angeschlossenen Gewerkschaften
zusammensetzen, die ihrerseits weitgehend autonom sind. Beide
organisieren in ganz Amerika und Kanada die Arbeiter in ihren sogenannten "internationalen" Gewerkschaften. Beide bieten den
ihnen angeschlossenen Verbaenden von einer Zentralstelle aus
Dienstleistungen. Und die Gewerkschaften beider Organisationen
haben als Grundlage ihres organisatorischen Aufbaus die Einzelgewerkscheft oder "Lokalgewerkschaft", deren Mitgliedschaft sich in
den Industrieverbaenden aus der gesamten Belegschaft eines Betriebes, gleich welchen Ranges oder Berufes, und in den Berufsgewerkschaften aus den Handwerkern und Angehoerigen einer bestimmten Beruf sgruppe zusammensetzt; letztere gehoeren in der Regel kleineren Betrieben in irgendeinem bestimmten Gebiet an.
Was die amerikanische Lokalgewerkschaft so sehr von der britischen unterscheidet, ist der Grad ihrer Selbstaendigkeit. Mit
ihren eigenen Bueros und ihrem eigenen Verwaltungs- und Bueropersonal bearbeiten die Lokalgewerkschaften Streitigkeiten und Beschwerden. Haeufig arbeiten sie Richtlinien aus unter Beachtung
der gewerkschaftlichen Grundsaetze und Entscheidungen, die auf
Konferenzen getroffen wurden. Da man jedoch in den Vereinigten
Staaten Tarifverhandlungen auf industrieweiter Basis im allgemeinen ablehnt, fuehren sie auch Verhandlungen mit "ihren" Unternehmern.
Verschiedene Faktoren haben zu dieser weitgehenden Selbstaendigkeit des Handelns beigetragen. Kollektivverhandlungen werden
dann auf betrieblicher Ebene durchgefuehrt, wenn die Belegschaft
durch Abstimmung entschieden hat, welche Gewerkschaft sie fuehren
soll. Wenn die Mitglieder einer Lokalgewerkschaft an einer einzigen Arbeitsstelle zusammengefasst sind, ist es leicht, eine Fuehlungnahme und persoenliche Beziehungen herzustellen, im uebrigen
hat die Lokalgewerkschaft, sehr oft nur mit einem einzigen Unternehmen zu tun.
Praktisch besteht der einzige Unterschied der meisten Lokalgewerkschaften nur in der Zahl der Arbeitnehmer der Betriebe, fuer
- 7-

�die sie zustaendig sind. In der Stahlindustrie schwanken die Mitsdiederzahlen der Lokalgewerkschaften zwischen 15 und 15.000.
Die Lokalgewerkschaft Nr. 600 (Ford) der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO zaehlt 62.000 Mitglieder und hat 16 verschiedene
Referate.
Zur Deckung ihrer Verwaltungsunkosten hat jede Gewerkschaft
bestimmte Mitgliedsbeitraege festgesetzt, die, wie in England, in
den einzelnen Organisationen verschieden sind, aber im allgemeinen
sowohl in der AFL als auch dem CIO zwischen vier und zehn DM im
Monat liegen. Aber an Stelle des Kassierers, der bei den Mitgliedern die Beitraege abholt, wendet man das sogenannte "check-off
System an, nach dem die Arbeitgeber die Beitraege von den Loehnen
abziehen und auf das Konto der Gewerkschaften ueberweisen.
Etwa alle sechs Monate kommen eigens dafuer vorgesehene Rechnungspruefer zu den Lokalgewerkschaften, um die Konten und Geschaeftsbuecher zu ueberpruefen und die Gewerkschaftsstatistiken
auf dem laufenden zu halten. Das einkassierte Geld wird fuer Zwecke
der Verwaltung, Forschung, V/ohlfahrt, Renten, Schulung und Presse
verwendet. In der Regel behaelt die Lokalgewerkschaft etwa die
Haelfte der Beitraege ein, den Rest ueberweist sie an die Zentralstelle der Gewerkschaft, die ihrerseits wieder bestimmte Beitraege
fuer ihre Mitgliedschaft zu leisten hat. Diese betragen im CIO
etwa 0.30 DM pro Mitglied und in der AFL 0.15 DM.
Britische Gewerkschafter, die vor kurzem in Amerika waren,
haben berichtet, dass mit .ausnähme einiger hoeher bezahlter Gewerkschaftsvorsitzender die dortigen Gewerkschaftsfunktionaere nur wenig
mehr oder ebensoviel verdienen wie ihre Kollegen diesseits des Atlantiks, wenn man den Unterschied in den Lebenshaltungskosten beruecksichtigt.
Zu den anderen Auslagen der Gewerkschaften gehoeren Wohlfahrtsunterstuetzungen und Krankengelder sowie die Erstattung von Krankenhauskosten, Sterbegeldern und Pensionen. Arbeitslosenunterstuetzungen sind nur in wenigen Faellen vorgesehen.
'Yas die Alterspensionen betrifft, so haben sich einige Gewerkschaften mit Erfolg fuer zusaetzliche Pensionen -aus Arbeitgeberfonds
eingesetzt, die durch Tarifvertraege festgelegt sind. In der Stadt
New York haben die Maler und Elektriker zum Beispiel mit ihren Unternehmern Vereinbarungen getroffen, wonach diese Betraege in Hoehe
von 2% ihres Lohnlistenbetrages in die Pensionskassen der Gewerkschaften zahlen, üuch die Forderung der Stahlarbeiter nach einer
Sonderpension neben der von der Regierung gezahlten ist von den
Unternehmern angenommen worden.
Auf dem Gebiet der Arbeiterbildung sind einige amerikanische
Gewerkschaften viel weiter fortgeschritten als die Mehrzahl der
Gewerkschaften in England und Westeuropa - in erster Linie deshalb,
weil man in England keine Arbeiterbildungsvereinigung und keinen
Nationalrat der Gewerkschaftsschulen hat. Das Referat fuer Arbeiterbildung in der AFL zum Beispiel organisiert Hunderte von Lehr&lt;*aengen, erteilt Vorlesungen, stellt Studiengruppen im ganzen Lande
zusammen, arbeitet gemeinsam mit den oeffentlichen Buechereien,
stellt Redner zur Verfuegung und gibt Ratschlaege ueber Filme und
Rundfunksendungen. Aehnlich wie die Autoraobilarbeitergewerkschaft
des CIO haben sich auch andere Gewerkschaften auf die Schulung der
in den Ortsgewerkschaften
arbeitenden Funktionaere in alltaeglichen Problemen konzentriert.
Film, Rundfunk und Beziehungen zur Oeffentlichkeit sind andere
Gebiete, fuer die Gowerkschaftsgelder verwendet werden. Filmvor- 8-

�füehrungen und Lichtbildvortraege gewinnen in der Schulungsarbeit
der Gewerkschaften immer mehr an Bedeutung, und mit erhoehter Aufmerksamkeit ist man darauf bedacht, sich die Unterstuetzung der
Oeffentlichkeit fuer gewerkschaftliche Probleme durch eine "gute
Presse" zu sichern. Und einige Gewerkschaften, wie die Automobilarbeitergewerkschaft oder die Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft, bedienen sich des Rundfunks in der Ueberzeugung, dass er
in allernaechster Zeit einen tiefen Einfluss auf die. Hoerer, die
Gewerkschaftsmitglieder sind, und auf die Oeffentlichkeit ueberhaupt haben wird.
Fuer eine Sache geben die amerikanischen Gewerkschafter jedoch kein Geld aus, und zwar fuer irgendeine politische Partei,
der sie vielleicht sogar angehoeren. Es gibt in Amerika keine
"politischen Abgaben" der Gewerkschaften. Auch gibt es keine
Arbeiterpartei, die von den organisierten Arbeitern direkt unterstuetzt wuerde oder eine Politik betriebe, an deren Formulierung
sie beteiligt waeren.
Es sind jedoch Anzeichen dafuer vorhanden, dass die amerikanischen Gewerkschafter der Auffassung sind,dass ihnen die "pressure
group" Methode in Washington und in den Hauptstaedten der einzelnen Staaten nicht dienlich genug ist.
Schon seit einiger Zeit
macht sich der CIO durch sein politisches Aktionskomitee bemerkbar, das sowohl Roosevelt als auch Truman zum Einzug ins Weisse
Haus verholfen hat. Als neueste Massnahme kommt nun diese wichtige
Vereinbarung zwischen AFL und CIO hinzu, politisch gemeinsam zu
handeln und gegen die kommunistischen Umtriebe in ihren Organisationen aeusserst wachsam zu sein.
Als gutes Vorzeichen fuer die Zukunft ist ausserdem der Einsatz fuer die Gruendung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften durch die freie Weltarbeitskonferenz im Dezember vorigen Jahres zu deuten, wo zum erstenmal auf einer internationalen
Konferenz Delegierte des CIO und der AFL Seite an Seite standen
und gemeinsam am Aufbau einer wirksamen demokratischen Organisation mitarbeiteten.
*

*

*

Ausser diesen beiden grossen Organisationen (AFL mit etwa
acht und CIO mit rund sechs Millionen Mitgliedern) gibt es in den
Vereinigten Stauten noch andere unabhaengige gewerkschaftliche Organisationen. Die bedeutendsten hiervon sind die Organisationen
der Eisenbahner, die in der "Railway Brotherhood" zusammengefa^st
sind, die Vereinigten Bergarbeiter von Amerika und die Internationale Gewerkschaft der Maschinisten. Die letztgenannte trifft jedoch Vorbereitungen, um sich der AFL anzuschliessen.
Labour
X/1950
ENTWICKLUNGEN IN DER GESAMTAMSRIKANISCHEN GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
I

Drei bedeutende mexikanische Gewerkschaftsorganisationen und
Kolumbiens staerkster Gewerkschaftsbund sind Ende des Jahres 1949
und zu Anfang des Jahres 1950 au3 dem Lateinamerikanischen Gewer'kschaftsbund {CTAL) ausgetreten, der als Parallele zum kommunistisch
orientierten Weltgewerkschaftsbund (WGB) fuer die westliche hemisphaere anzusehen ist. Im Mai 1950 hatte der CTAL einen regionalen
"Kongress des Suedens" abgehalten, der den Zweck hatte, "Arbeitsprobleme der suedamerikanischen La ender*zu eroertern" und zur
"moralischen Solidaritaet der Arbeiterschaft in den Vereinigten
Staaten und Kanada" aufzurufen. Der Exekutivaujschuss des Inter- 9-

�amerikanischen Gewerkschaftsbundes (CIT), der im Juli 1950 zusammentrat, kuendigte an, dass geplant sei, in Zusammenarbeit mit
dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften auf einer regionalen Konferenz einen neuen Gewerkschaftsbund fuer die amerikanische
Hemisphaere zu gruenden.
Der Mexikanische Gewerkschaftsbund (CTM), die groesste und
eine der aeltesten Gewerkschaftsorganisationen in Mexiko, fuehrte
auf seinem Landeskongress im April 1950 die Satzungsaenderungen
durch, die fuer seine internationale Mitgliedschaft und fuer seinen Austritt aus dem Weltgewerkschaftsbund und dem Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund (CTAL) notwendig sind. Ein neues Landeskomitee wurde fuer sechs Jahre gewaehlt, das befugt ist, zukuenftige Mitgliedschaften in internationalen Organisationen nach eigenem Ermessen zu bestimmen. In Gewerkschaftskreisen Mexikos erwartet man allgemein, dass sich der Mexikanische Gewerkschaftsbund in
Kuerze dem Internationalen Bund Freier Gewerkschaften anschllessen
und einer der Hauptteilnehmer an dem bevorstehenden regionalen Konvent des IBFG in der Stadt Mexiko sein wird. Unter der Fuehrung
von Vincente Lombardo Toledano hatte der CTM den CTAL im Jahre
1936 gegruendet und blieb das Bollwerk fuer diese Organisation,
bis Lombardo Toledano im Jahre 1948 ausgestossen wurde.
Auf ihrem Nationalkongress im Dezember 1949 hatte sich auch
die Gewerkschaft der mexikanischen Petroleumarbeiter (STPRM) vom
Weltgewerkschaftsbund und vom Lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund zurueckgezogen und einen nichtkommunistischen Exekutivausschuss gewaehlt, um die Funktionaere zu ersetzen, die mit allen
Mitteln versucht hatten, einen kommunistisch gelenkten lateinamerikanischen Gewerkschaftsbund der Petroleumarbeiter zu organisieren. Zur gleichen Zeit war die Organisation aus der Allgemeinen
Union der Arbeiter und Bauern Mexikos (UGOCM) ausgetreten; diese
Union war im Juli 1949 von dem Vorsitzenden des CTAL Lombardo
Toledano kurze Zeit nach seinem Ausschluss aus dem Interamerikanischen Gewerkschaftsbund (CIT) gegruendet worden. Die Gewerkschaft
der mexikanischen Petroleumarbeiter war seit Bestehen der Allgemeinen Union der Arbeiter und Bauern Mexikos eine der Hauptstuetzen dieser Organisation gewesen.
Die Nationale Gewerkschaft der Berg- und Metallarbeiter Mexikos - die als einzige noch der Allgemeinen Union der Arbeiter und
Bauern Mexikos angeschlossen war - sprach sich auf ihrem letzten
Landeskongress fuer ihren Austritt aus dieser Organisation und
aus dem Interamerikanischen Gewerkschaftsbund aus. Der Kongress
waehlte einen nichtkommunistischen Gewerkschaftsvorstand.
Notes on Labor Abroad
8/50
DIE CHILENISCHEN GEV.TSRKSCHAFTEN
Die Taetigkeit der Gewerkschaften auf dem Gebiet der Tarifverhandlungen hat in Chile im Jahre 1949 zu Lohnaufbesserungen gefuehrt, denen jedoch fortwaehrende Steigerungen der Lebenshaltungskosten gegenueberstehen. Die wichtigste sozialpolitische Taetigkeit der Regierung bestand in der Erstellung billigen Wohnraums.
Der Wohnraummangel stellt noch immer eines der groassten Probleme
Chiles dar.
Die chilenische Gewerkschaftsbewegung ist noch in eine Reihe
konkurrierender und politisch entgegengerichteter Gruppen gespalten, und es gibt bisher keine zentrale Organisation, die von der
Mehrheit der chilenischen Arbeiter unterstuetzt wuerde. Ueber den
- lü -

�Prozentsatz der organisierten Arbeiter Chiles sind keine statistischen Angaben verfuegbar. Die wichtigste organisatorische Entwicklung im Verlauf des Jahres 1949 war das Anwachsen der Foederation der Privatangestellten (CEPCH) und der Nationalgewerkschaft
der Angestellten (JUNECH) - beides Angestelltengewerkschaften.
Das Fehlen einer vereinigten Gewerkschaftsbewegung und der
von der Regierung ausgeuebte Druck, um Streitigkeiten vor Ausbruch
eines Streiks beizulegen, hatten zur Folge, dass im vergangenen
Jahre verhaeltnismaessig friedliche Arbeitsbeziehungen herrschten.
Von 792 formellen Forderungen, die den Unternehmern von den Gewerkschaften unterbreitet wurden, und die sich auf etwa 114.000
Arbeiter und Angestellte bezogen, wurden 543 Forderungen in direkten Verhandlungen oder unter Zuhilfenahme staendiger Schlichtungsausschuesse stattgegeben; 68 blieben unberuecksichtigt, weil man
entweder Hintertueren im Gesetz anwandte, oder weil die interessierten Parteien nicht auf ihren Forderungen bestanden. 33
wurden von besonderen Schiedsausschuessen beigelegt und die uebrigen standen gegen Ende des Jahres in Schiedskommissionen zur Debatte. Praktisch gab es keinen ernsthaften Streik. An den insgesamt 23 Streiks waren offiziellen Angaben zufolge 8.700 Arbeitnehmer beteiligt. Obwohl keine Schaetzungen ueber den durch
Streiks verursachten Verlust an Arbeitszeit vorliegen, waren die
meisten Streiks von verhaeltnismaessig kurzer Dauer.
Durch die Beilegung der Streitigkeiten kamen etwa 79.100
Arbeitern 405 Millionen Pesos in Form von Loehnen oder sonstigen
Verguetungen zugute. Statistische Angaben der Regierung besagen,
dass die Tagesloehne in den verschiedenen Industriezweigen zwischen
81.88 Pesos fuer die Arbeiter in der Lederindustrie und 173.06
Pesos fuer die in der Papier- und Kartonagenindustrie Beschaeftigten schwanken. Der durchschnittliche Tageslohn belief sich auf
120.20 Pesos. Die in den meisten neuen Arbeitsvertraegen vorgesehenen Lohnaufbesserungen des Jahres 1949 lagen zwischen 16 und
24$, sie waren somit nicht hoeher als der Anstieg der Lebenshaltungskosten. Trotz der Bemuehungen der Regierung, den Anstieg
der Lebenshaltungskosten aufzuhalten, stieg er ungefaehr um den
gleichen Satz wie in den vorangegangenen drei Jahren.
Obwohl keine erschoepfenden Statistiken ueber Beschaeftigtenziffer und Erwerbsbevoelkerung vorliegen, kann mit Sicherheit angenommen werden, dass Chile einen hohen Beschaeftigungsstand zu
verzeichnen hat. Im Baugewerbe herrschte eine gewisse Arbeitslosigkeit, in der Schuhindustrie und im Kupferbergwerk kam es verschiedentlich zu Betriebsstillegungen. Ein ernsthaftes Arbeitslosigkeitsproblem besteht jedoch nicht. Die Zahl der bei den
Arbeitsvermittlungsaemtern registrierten Personen betraegt 4.792,
nach den Angaben des chilenischen Arbeitsministeriums muss mit
weiteren 12.000 Arbeitslosen gerechnet werden, die bei den Arbeitsvermittlungsaemtern der Regierung nicht registriert waren.
Notes on Labor Abroad
8/50
DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG SCHWEDENS
Die Erwerbsbevoelkerung in Schweden zaehlt drei Millionen, wovon etwa 1/2 Million selbstaendige Arbeiter sind. Die Arbeitslosigkeit unter Gewerkschaftsmitgliedern wurde im Jahre 1949 mit
2,7% beziffert, im Mai 1950 mit 1,4%, im Gegensatz zu einem Vorkriegsdurchschnitt von 9 - 10%. Diese geringfuegige Arbeitslosigkeit ist z.T. durch Arbeitsplatzwechsel und z.T. durch Wohnraum- 11 -

�mangel bedingt. In genz Schweden herrscht Vollbeschaeftigung und
fuer bestimmte Fachberufe sogar ein Mangel an Arbeitskraeften.
Der Durchschnittsstundenlohn in der Industrie betrug im vorigen
Jahre fuer maennliche Arbeiter 2,61 schwedische Kronen und fuer
Frauen 1,85 schwedische Kronen. Der durchschnittliche Jahresverdienst maennlicher Industriearbeiter belief sich auf 5.784 schwedische Kronen. Im allgemeinen hat die Arbeitswoche in der schwedischen Industrie 43 Arbeitsstunden. In einigen Industrien, wie
z.B. im Untertagebergbau, ist sie kuerzer. Der satzungsmaessig
festgelegte bezahlte Urlaub von zwei Wochen soll in allernaechster
Zukunft auf drei Wochen erhoeht werden.
95 - 98$ aller Industriearbeiter in Schweden sind in Gewerkschaften organisiert, die dem Schwedischen Gewerkschaftsbund (L.O.)
angehoeren. Die Gesamtmitgliederzahl dieser Organisation belaeuft
sich zur Zeit auf annaehernd 1.256.000 und umfasst sowohl die
Angestellten der Eisenbahnen, des Staates und der Gemeinden als
auch die landwirtschaftlichen Arbeiter. Angestellte und Angehoerige freier Berufe sind in zwei Gewerkschaften organisiert, die
der Zentralorganisation der Angestellten (T.C.O.) angeschlossen
sind. Diese Berufsgruppen sind zu 50 bis 55% gewerkschaftlich organisiert, die Mitgliederzahl des T.C.O. betraegt augenblicklich
260 000.
Enge Beziehungen bestehen zwischen der Gewerkschaftsbewegung
und der Sozialdemokratischen Partei. Der T.C.O. jedoch betreibt
auf Grund der Tatsache, dass ein grosser Teil seiner Mitglieder anderen politischen Parteien angehoert, eine ueberparteiliche Politik. Die nationalen Gewerkschaften des L.O. und die grosse Mehrheit der Lokal-Gewerkschaften stehen unter sozialdemokratischer
Fuehrung. Viele lokalen Gewerkschaften gehoeren geschlossen der
Partei an, doch steht es den einzelnen Mitgliedern frei, anderen
oder keiner Partei anzugehoeren. Axel Strand, der Vorsitzende
des L.O. , und Walter Aman, der Direktor des T.C.O., sind beide
Mitglieder des Schwedischen Parlaments (Riksdag) und haben infolgedessen die Moeglichkeit, den Standpunkt ihrer Organisationen in
diesem Forum zu vertreten.
Sowohl der L.O. als auch der T.C.O. haben sich dem neuen Internationalen Bund Freier Gewerkschaften angeschlossen. Der L.O. hat
die Internationalen Berufssekretariate, besonders den Internationalen Transport-Arbeiter-Verband, tatkraeftig unterstuetzt. Seine
ihm angeschlossenen Laodesgewerkschaften halten inoffizielle, aber
enge Beziehungen mit den entsprechenden Gewerkschaftsgruppen in
anderen skandinavischen Laendern und Finnland aufrecht.
Der Arbeitsmarkt Schwedens ist im allgemeinen unabhaengig und
die schwedische Regierung betreibt eine Politik der Nichteinmischung, die sowohl von den Unternehmern als auch von den Gewerkschaften gebilligt wird. Der Arbeitsgesetzgebung liegen die folgenden drei Hauptgrundsaetze zugrunde:
1. Das Recht der Arbeitnehmer oeffentlicher und privater
Unternehmen, sich zu organisieren und Tarifvertraege abzuschliessen,
ist garantiert.
2. Ein Schlichtungsdienst der Regierung ist gesetzlich festgelegt, die Entscheidungen der Schlichter sind jedoch nicht bindend.

3. Die Arbeitsgerichtsbarkeit wurde.zu dem Zweck ins Leben
gerufen, die Auslegung der. bestehenden Vertraege zu eroertern. Seine Entscheidungen sind endgueltig und bindend fuer die Vertragspartner.
- 12 -

�Die grundlegenden Richtlinien ueber die 'Yechselbeziehungen
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern fuer ganz Schweden sind in
Abkommen zwischen dem schwedischen Arbeitnehmerverband, dem L.O.
und dem T.CO. niedergelegt. Industrieweite Vereinbarungen zwischen Arbeitgebervereinigungen und Landesgewerkschaften regeln
Lohntarife, Ueberstunden und andere Einzelheiten. Ein solches Abkommen wurde z.B. zwischen der schwedischen Vereinigung der Eisenund Stahlwerke und der schwedischen Metallarbeitergewerkschaft abgeschlossen. Der "closed Shop" als solcher besteht in Schweden
nicht, die weitgehend organisierte Gewerkschaftsbewegung laeuft
jedoch praktisch auf dasselbe hinaus.
Die Gewerkschaftsbewegung in Schweden spielt eine hoechst
verantwortliche Rolle im Staate, was durch die Tatsache bewiesen
ist, dass L.O. und T.C.O. Ende 1948 und 1949 in Unterstuetzung
der Stabilisierungspolitik der schwedischen Regierung ihre angeschlossenen Gewerkschaften gebeten haben, keine Lohnaufbesserungen
fuer die Jahre 1949 und 1950 zu fordern. Alle Landesgewerkschaften erklaerten sich hiermit einverstanden. Die Regierung vernflichtete sich ihrerseits, die Lebenshaltungskosten zu stabilisieren, was ihr im allgemeinen auch gelungen ist. Fuer 1951 ist
eine Aufhebung der Lohnkontrolle in begrenztem Umfang vorgesehen,
wobei sich die Gewerkschaften eine Selbstbeschraenkung auferlegen
und die Regierung fortfahren soll, die Preiskontrolle so wirksam
wie moeglich auszuueben.
Seit dem grossen Metallarbeiterstreik im Jahre 1945 hat kein
bedeutender Streik stattgefunden. Ein paar voellig belanglose
Streiks wurden zum groessten Teil von den Kommunisten angestiftet
und dauerten nur wenige Stunden.
Wie zu erwarten war, haben die Kommunisten einen grossen Teil
ihrer Propaganda auf die Tatsache gestuetzt, dass die Gewerkschaften mit der Regierung bei dem Stabilisierungsprogramra zusammenarbeiten. Trotzdem jedoch ist der kommunistische Einfluss in den
Gewerkschaften im Laufe der letzten vier Jahre staendig zurueckgegangen. Dieser Rueckgang steht ungefaehr im Verhaeltnis zu den
Wahlniederlagen der Kommunisten gegen Ende des Jahres 1950, als sie
nur 50% ihrer Stimmen von 1946 erhielten. Waehrend die Kommunisten
niemals irgendeinen Einfluss auf die Fuehrung des Gewerkschaftsbundes hatten, setzten sie sich in der Mitgliedschaft der Metallarbeitergewerkschaft durch und beherrschten bis vor kurzem sogar
die beiden groesseren Ortsgewerkschaften Stockholm und Goeteborg.
Sie fuehrten den langwierigen Metallarbeiterstreik im Jahre 1945
erfolgreich durch. Zur Zeit beherrschen sie nur etwa 150 der fast
9.000 Ortsgewerkschaften im L. 0. , die jedoch alle nur klein sind.
Etwa 10$ saemtlicher Mitglieder des L.O. gehoeren der kommunistischen Partei an.
In Schweden besteht kein allgemeines staatliches Arbeitslosenversicherungssystem. Die schwedische Regierung ueberwacht und unterstuetzt jedoch Arbeitslosenversicherungsprogramme, die von den einzelnen nationalen Gewerkschaften aufgestellt werden.
Seit vielen Jahren gibt es in Schweden ^.lterspensionen. Jeder
Buerger bezieht heute im Alter von 67 Jahren eine Pension von 1.000
Kronen. Die Hoechstpension, die einem Ehenaar gezahlt wird, betraegt 1.600 Kronen. Kinderbeihilfen werden in Hoehe von jaehrlich
265 Kronen je Kind gezahlt. Fuer die ülterspensionen und auch die
Kinderbeihilfen bedarf es keines Nachweises ueber die Bedürftigkeit.
Ein umfassendes System einer allgemeinen obligatorischen Krankenversicherung, das vom Reichstag unmittelbai' -,ach dem zweiten
- 13 -

�Weltkriege verfuegt wurde und 1950 in Kraft treten sollte, wurde
auf 1951 verschoben. Inzwischen hat man beschlossen, es bis zu
dem Zeitpunkt aufzuschieben, an dem das notwendige medizinische
Personal und die erforderlichen Einrichtungen verfuegbar sind.
In der Zwischenzeit sind etwa 60% der Bevoelkerung bei oertlichen
Versicherungsgesellschaften, die von der Regierung finanziel unterstuetzt werden, freiwillig gegen Krankheit versichert.
Arbeitsmitteilungen der ECA
10/18/50
WARUM DIE ARBEITER IHREN ARBEITSPLATZ VERLASSEN
Welcher Betrieb haelt seine Arbeiter am laengsten - der kleine
oder der grosse?
Die meisten werden sagen: der kleine Betrieb. Dort ist der
Besitzer zugleich Betriebsleiter. Er kennt seine Arbeiter persoenlich, sieht sie haeufig und ist in der Lage, Schwierigkeiten
schnell und an Ort und Stelle zu beseitigen.
Dies mag noch immer zutreffen, aber die von dem britischen
Institut fuer Betriebsleitung festgestellten Tatsachen ergeben ein
anderes Bild. Dieses Institut hat 287 Firmen aus 36 verschiedenen
Industriezweigen, die ueber 300.000 Arbeiter beschaeftigen, einer
sechs-monatigen Studie unterzogen und ist zu der folgenden Schlussfolgerung gekommen: je kleiner der Betrieb, umso grösser die
jaehrliche Zahl der Arbeitsplatzwechsel. Mit anderen Worten, in den
kleinen Unternehmen verlassen mehr Arbeiter ihren Arbeitsplatz als
in den grossen. Die Ueberzaehligkeit von Arbeitskraeften in diesen Betrieben spielt hierbei natuerlich eine grosse Rolle. Der
kleine Betrieb kann es sich nicht wie der grosse leisten, Arbeiter
zu bezahlen, wenn keine Arbeit fuer sie vorhanden ist. Auch ist
es in einem grossen Betrieb leichter, fuer einen ueberzaehligen
Arbeiter einen anderen Arbeitsplatz im gleichen Unternehmen zu
finden.
Die Grundursachen fuer Arbeitsplatzwechsel, die von dem Institut angefuehrt werden, koennen in zwei Worten zusammengefasst werden: Entlassungen und Arbeitsniederlegung durch den Arbeitnehmer.
Ueberzaehligkeit und Nichteignung fuehrten zu Entlassungen. Kuendigungen durch den Arbeitnehmer waren durch Unzufriedenheit mit
Loehnen und Arbeitsbedingungen oder durch schlechtes Einvernehmen
mit den Vorarbeitern oder Arbeitskollegen und schliesslich durch
persoenliche Umstaende bedingt.
In den ueberprueften Fabriken war unter zehn Arbeitern, die
ihren Arbeitsplatz verliessen, einer, der unzufrieden war. In
einem von acht Faellen war er ueberzaehlig. Eine von je sechs Frauen verliess ihren Arbeitsplatz, um ihren Verpflichtungen im Haushalt nachkommen zu koennen. Aber in nur einem von je zehn Faellen
war Ueberzaehligkeit der Grund der Entlassung. Von einem grossen
Teil der Maenner und Freuen, die ihren Arbeitsplatz aufgaben,
wurde als Grund "Verlassen des Wohnorts" angegeben. Dies ist in
Anbetracht des Wohnraummangels ueberraschend. Ermutigend ist die
Tatsache, dass nur wenige ihren Arbeitsplatz verliessen, weil
sie sich mit ihren Vorgesetzten oder Meistern nicht verstanden.
Waehrend in allen berücksichtigten Betrieben die Durchschnittsquote fuer Arbeitsplatzwechsel 27,6% fuer Maenner und 45.4% fuer
Frauen betraegt, ist sie in den einzelnen Industrien natuerlich
sehr verschieden. Die niedrigste Quote wurde in der Oel- und
"^etroleumindustrie, die hoechste im Baugewerbe und bei Vertragsfirmen festgestellt.
- 14 -

�Die Untersuchung des Instituts hat weiterhin ergeben, dass
in den ueberprueften Industrien von fuenf maennlichen Arbeitnehmern, die ihren Arbeitsplatz verliessen, einer und bei Frauen
von je sieben eine ihren Arbeitsplatz weniger als vier Wochen innehatten.
Das Institut weist darauf hin, dass diese Zahlen eine Lehre
fuer die Unternehmer enthalten. "Zwar moegen alle Arbeitsniederlegungen, die auf die Arbeitsbedingungen zurueckzufuehren sind,
nicht unvermeidbar oder durch den Arbeitgeber verschuldet sein,
aber sie sollten ihn veranlassen, Untersuchungen anzustellen und
die notwendigen Abhilfemassnahmen zu treffen."
Labour 10/50
ENGLISCHE AMERIKABESUCHLR FUER NORMUNG DER PRODUKTION
Wenn eine Besuchergruppe der britischen Industrie die Vereinigten Staaten bereist, um dort Fragen der Produktivitaet zu studieren, dann bringt sie in erster Linie neue Ideen und neue Anregungen mit. Ihre Berichte sind wertvolle Fingerzeige fuer alle,
die sie lesen. Dann aber kommt der dritte entscheidende Abschnitt:
es muessen geeignete Massnahmen getroffen werden, um die gemachten Vorschlaege auch zu verwirklichen.
Seit einem Jahr besuchen britische Produktivitaetsgruppen die
Vereinigten Staaten. Sie besuchen Fabriken, halten Konferenzen
ab und unterhalten sich mit der Industrie und der Arbeiterschaft,
um snaeter den Inhalt ihrer Berichte der Oeffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen.
Eine Besuchergruppe ist noch weitergegangen. Durch Vermittlung des Anglo-Amerikanischen Produktivitaets-Ausschusses hat sie
von ihren Taetigkeiten seit ihrer Rueckkehr aus den Vereinigten
Staaten berichtet und zu den Problemen Stellung genommen, die sich
im Laufe dieser Beratungen ergeben haben.
Diese Gruppe von Sachverstaendigen, die sich vor allem mit
den Problemen der Normung beschaeftigte und darueber berichtete,
hat festgestellt, dass man ihr in erster Linie drei Fragen vorlegte:
Wuerde eine Normung, d.h. eine Reduzierung der in einer Firma hergestellten Typen, den Kaeufer nicht benachteiligen? Wuerde
sie sich auf die Exportbestrebungen hinderlich auswirken? Wuerde
sie die Schwierigkeiten der Verkaeufer noch vergroessern, die bestrebt sind, groessere Auftraege einzubringen?
Auf die erste Frage gibt es eine eindeutige Antwort: Die
Furcht, dass eine Normung letzten Endes zu einer unzureichenden
Auswahl fuer den Abnehmer fuehren wuerde, ist unbegruendet. Betriebe, die die gleichen Erzeugnisse herstellen, muessen nicht unbedingt den gleichen Typ produzieren und koennen die Zahl ihrer
verschiedenen Arbeitsprozesse verkleinern.
Auch die Vorstellung, dass Normung schlechtere Q,ualitaet bedeuten muss, entspringt einer allzu gelaeufigen Selbsttaeuschung,
die zweifellos auf die Tatseche zurueckzufuehren ist, dass I.'asnenprodukte manchmal wertlos sind, ^ualitaet ist ebenfalls eine
Frage festgesetzter Normen, an die man sich halten muss.
In diesem Falle kann der Konstrukteur hej Ten. i-ine wirksame
Politik der Normung sollte schon im Stadium des Entwurfs beginnen.
- 15 -

�Was die Auswirkungen der Normung auf das Exportprogramm eines
Betriebes betrifft, so ist die Gruppe der Ansicht, dass man hier
schwerlich eine allgemeine Linie ziehen kann. Die Wuensche der
auslaendi^chen Absatzmaerkte sind sehr verschieden, und es duerfte
einige Zeit in Anspruch nehmen, um die Kaeufer in Uebersee von
den Vorteilen einer geringeren Auswahl an Produkten zu ueberzeugen.
Die Gruppe hat ausserdem die Loesung eines Problems gesucht,
das sich dann ergibt, wenn die Verkaufsabteilung eines Betriebes
mehr Sorten verlangt und gleichzeitig eine Preissenkung erwartet,
waehrend die Hersteller eine groessere Auswahl ablehnen, weil
hoehere Gestehungskosten damit verbunden sind. Die Loesung dieses
Problems bestehe darin, dass die Betriebsleitung eine engere Zusammenarbeit zwischen Verkaeufer und Hersteller verlangen muesse.
Eine genaue Kenntnis der Absatzmaerkte nuesse ausserdem gewaehrleistet sein, und die Gestehungskosten muessten so ueberprueft werden,
dass ein guenstiger Preis gesichert ist.
Die Gruppe wendet dieser Frage der Gestehungskosten besondere
Aufmerksamkeit zu. Eine nutzlose Vielfaeltigkelt an Sorten wird
von zahlreichen Firmen beibehalten, weil die Gestehungskosten nicht
genau genug kalkuliert sind.
Firmen jedoch, die ihre Gestehungskosten sorgfaeltig ausarbeiten, sind in der Lage, ihre Preise zu senken, weil sie genau
wissen, wo eine Verschwendung stattfindet und wo ein Mangel an
Produktivitaet zu suchen ist, aber auch wie sie beseitigt werden
koennen.
Labour
X/50
SCHWEIZERISCHE GEWERKSCHAFTEN FUER DEN MARSHALLPLAN
"Der Marshallplan ist fuer uns lebenswichtig. Ohne dieses
Wiederaufbauprogramm waere Europa laengst vom Kommunismus ueberrannt worden."
Dieser bedeutsame Ausspruch stammt von Ernst Bircher, der
Mitglied des Exekutiv-Ausschusses des schweizerischen Gewerkschafts
bundes und Vorsitzender der Gewerkschaft der Bekleidungs- und Lederarbeiter ist. Er sprach vor kurzem auf dem Gewerkschaftskongress in Luzern, auf dem die Gewerkschaften den Anschluss an den
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften billigten.
Bircher erklaerte, dass der Marshallplan einigen ausländischen Konkurrenten schweizerischer Industrien wieder auf die Beine
geholfen hat, dass "wir jedoch diese Konkurrenz vorziehen und uns
inmitten von Laendern sehen, die frei sind und sich auf dem Weg
zum Wohlstand befinden, als inmitten eines kommunistischen Kontinents zu "leben" oder vielleicht auch zu sterben."
Der Gewerkschaftsfuehrer der traditionsmaessig neutralen
Sciiweiz sagte, dass es fuer die Gewerkschaften seines Landes unmoeglich gewesen waere, ausserhalb der Reihen des IBFG zu stehen,
weil diese 7'eltge;verkschaf tsorganisat ion an einem wirksamen Programm im Interesse aller freien Arbeiter arbeite.
Bircher und der Generalsekretaer des schweizerischen Gewerkschaftsbundes, Giacome Bernasconi, betonten, dass die Gewerkschaften der Schweiz entschlossen seien, mit den freien Gewerkschaften
in anderen Laendern eine solidarische Front zu bilden.
ECA Labor Information
11/3/50

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Aaszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankhirt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 37

Frankfurt, 17. November 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die Gewerkschaftsbewegung der Philippinen - - - - -

i

IBFG Konferenz plant Errichtung internationaler
Gewerkschaftsschulen - - - - - - - - - - - - - -

%

*!itglied3staerke der dem IBFG angeschlossenen
Gewerkschaften - - - - - - - - - - _ _ _ _ _ _ _
Japanische Arbeitsproblerae
Regierung und Gewerkschaften

3

- - - - - - - - - - - -

7

- - - - - - - - - - -

10

I.:arshallplan foerdert griechische Fischerei - - - - 15
Berufssekretariate fuer Geistesarbeiter im IBFG - - 15

DI5 OE'.VERKSCHAFTSBE'.VEGUNO DER PHILIPPINEN
Verwirrung, Ziellosigkeit und Chaos herrschen noch immer innerhalb der Gewerkschaftsbewegung der Philippinen, eine freie
Gewerkschaftsbewegung, die nicht der Bevormundung der Regierung
und der Einmischung der Unternehmer unterliegt und nicht von gewissenlosen angeblichen Gewerkschaftsfuehrern missbraucht wird,
befindet sich noch im Anfangsstadium. Dieser kaempfenden aber
ehrlichen Bewegung muss jede nur moegliche Hilfe geleistet werden,
da sie die einzige Garantie dafuer bietet, dass Unternehmer und
Arbeiter ihre Beziehungen durch eine wirkliche Gewerkschaft regeln, die ausserdem von kommunistischer Beherrschung frei ist.
Nur eine starke, freie demokratisch orientierte Gewerkschafts
bewegunfr bietet eine Gewaehr dafuer, dass Machtstellungen in Gewerkschaftsorganisationen nicht missbraucht werden und dass die
Arbeiterschaft einer Gewerkschaftsbewegung ihr Vertrauen entgegenbringen kann. Das Gesetz muss darueber hinaus direkt vorschreiben, auf welche Loehne und Praemien die Arbeiter Anspruch haben.
Dies darf nicht auf dem Wege ueber einen angeblichen "Vermittler"
geschehen, sondern die Arbeiter muessen das erhalten, was sie tatsaechlich verdient haben.
- 1-

�Selbst unter den aufrichtigen Gewerkschaftern herrscht ein
fuehlbarer Mangel an Erfahrung in der Organisation freier Gewerkschaften und die Festlegung vernuenftiger Tarifvertraege. Eine
kleine Grupne tuechtiger Gewerkschafter aus Amerika, die die Gewerkschaften der Philippinen in diesen Fragen unterstuetzen und
beraten koennten, waere ein gutes Mittel, das Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln und den kommunistischen Einfluss in der
philippinischen Gewerkschaftsorganisation zu beseitigen, üine
solche Gruppe muesste sich aus drei Personen zusammensetzen, die
die AFL, den CIO und die Eisenbahnergewerkschaft vertreten.
Die Gewerkschaften der Philippinen haben es verabsaeumt, eine
wirkliche Schulung ihrer Mitglieder durchzufuehren. Der Begriff
Lehrlingsausbildung scheint hiernach gaenzlich unbekannt zu sein.
In einigen Berufsgruppen fehlt es zur Zeit an gelernten Handwerkern, und es ist schwierig, eine Uebersicht zu gewinnen, wie die
Industrialisierung des Landes ohne eine groessere Anzahl angelernter Arbeitskraefte vorangetrieben werden kann. Die Ausbildung
der Arbeiter findet fast immer erst am Arbeitsplatz statt. Unter
der Anleitung der Regierung muessten die Gewerkschaften in Zusammenarbeit mit den Unternehmern ein Lehrlingsprogramm entwickeln,
sodass die erforderlichen Facharbeiter fuer die Industrie herangebildet werden koennen.
Ein solches Programm koennte eine wertvolle Ergaenzung der
Berufsschulausbilduns: sein. Die vorgeschlagene Grunpe amerikanischer Gewerkschafter koennte bei der Aufstellung eines solchen
Lehrlingsprogramms eine wertvolle technische Hilfe leisten.
OILA-Memora nd um

1/11/12/50
IBFG KONFERENZ PLANT ERRICHTUNG INTERNATIONALER GEWERKSCHAFTSSCHULEN
Die Errichtung internationaler Gewerkschaftsschulen als Teil
eines allgemeinen Programms zur Erweiterung der Schulung der Arbeiterschaft ist von der europaeischen Konferenz fuer Erziehungsfragen befuerwortet worden.
Die Konferenz, die vom Internationalen Bund Freier Gewerkschaften einberufen wurde, fand dieser Tage in Bruessel statt.
Hans Gottfurcht, Sachbearbeiter der Abteilung fuer Erziehung
c*es IBFG, berichtete, dass derartige Schulen in verschiedenen Teilen der Vvelt geplant seien. Er kuendigte ausserdem an, dass nach
diesem ^lan bis zum Sommer naechsten Jahres mindestens zwei Schulen
in Europa eingerichtet wuerden.
An der Konferenz nahmen mehr als 60 Delegierte aus 15 Laendern
teil.
Die Delegierten, die eine umfangreiche Tagesordnung zu erledigen hatten, eroerterten die Rolle der Gewerkschaftsbewegung in
der allgemeinen Erziehung, der Schulung von Erwachsenen und die
Rolle des Arbeiterbildungswesens innerhalb der Gewerkschaftsbewegung,
"Der IBFG wuenscht, zu der fortschrittlichen Entwicklung des
ICrziehungswesens beizutragen," erklaerten die Delegierten in einer
von der Konferenz gebilligten offiziellen Verlautbarung. Die Erklaerung, die einen Ueberblick ueber die Taetigkeiten des IBFG auf
dem Gebiet der Erziehung geben soll, erstreckt sich auch auf die
allgemeine Erziehung in jenen Gebieten, fuer die die Arbeiterschaft
ein besonderes Interesse zu heben scheint.

�"Ueberzeupt von der Tatseche, dass gewerkschaftliche und
Arbeitererziehung von der allgemeinen Erziehung nicht getrennt
werden kann," heisst es in der Verlautbarung, ''ist die Gewerkschaftsbewegung auf Landesbasis und internationaler ^bene an allen Gebieten der Erziehung interessiert und wird sich aktiv an
f'.er Planung allgemeiner Erziehungsprojekte beteiligen. Es muss
zur Gewohnheit werden, dass fuer alle ^usschuesse und Koerperschaften, die 3ich mit Verbesserungen oder Veraenderungen des Erziehungswesens befassen, Gewerkschaftsvertreter herangezogen werden. Das
Wissen der technischen Experten, die eine Hochschulbildung genossen
haben in allen Fragen der Erziehung muss durch die praktische
Erfahrung der Gewerkschaftsvertreter ergaenzt werden."
^n der Konferenz nahmen Gewerkschaftsvertreter aus Belgien,
Daenenerk, Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Holland, Italien, Luxemburg, Malta, Korwegen, Oesterreich, dem Saargebiet,
Schweden, der Schweiz und Spaniens teil, ausserdem waren Vertreter
verschiedener internationaler Berufssekretariata zugegen.
Man rechnet damit, dass in Verbindung mit dem Generalkoneress
des IBFG in Kuerze eine weitere Konferenz ueber Erziehungsfragen
stattfinden wird.
Arbeitsmitteilungen der ECA
MITGLI5DSST&gt;iERKE DER DE!,'! IBFG ANGESCHLOSSENEN GEWERKSCHAFTEN
(Stand Oktober 1950)
Land

Organisation

Argentinien

MitgliedsstHrke, wie
sie dem IBFG im ^ugust
1950 mitgeteilt wurde
Arbeiterkomitee fuer unabhaengige
40.000
Gewerkschaftsaktion (Comite Obrero
Accion
Sindical IndependienteC0Ar:l) - Im Exil

Barbados

nrbeiterunion von Barbados

Baskenland

Solidaridad de Trabajadores Vascos

Belgien

Allgemeiner Belgischer Gewerkschaftsbund (Föderation Generale du
Travail de Belgique - FGTB)

Bolivien

Bolivianischer Gewerkschaftsbund
(Confederacion Boliviana de Trabajadores - CBT)

Brasilisn

Londesfoederation der Arbeiter des
Handels (Confederacion Nacional
dos Trabalhadores na Comercia -

10.000
5.000
550.000

12.500 *

1.200.100

Zuverlaessigen i.uendlichen Informationen zufolge hat sich ""iese
Organisation vor kurzem dem IBFG angeschlossen. Sie wird noch
nicht in den offiziellen Mitgliederlisten gefuehrt, die von der
2,entralstelle des ISFG in Bruessel herausgegeben werden. Die
Mitgliedsstaerke fuar November 1949 wurde mit 12.500 beziffert.
- 3-

�Brasilien

Landesfoederation der Industriearbeiter (Confederecion Necionel
dos Trabalhadores na Industria -

2.000.000

CKTI)
Landesfoederation der Hafenarbeiter
(Federacao Nacional dos Trabalhadores em Transportes J.üaritimos FNTI.I)

100.000

Landesfoederation der äisenbehnerb e i t e r (Federacao dos T r a b a l h a d o r e s
em lunnrezas de C a r r i s Urbanos GNTCü)

75.000

L a n d e s f o e d e r a t i o n der F a h r e r (Federacao 200.000
N a c i o n a l dos Conductores de V e i c u l o s
Rodoviarios)
L a n d e s f o e d e r a t i o n der a n g e s t e l l t e n
d e s Fremdenverkehrsgewerbes und der
Krankenhaeuser (Federacao Nacional
dos ^mpregados de Turisine e liospitalidade)
Britisch-Guyene

A r b e i t e r u n i o n von B r i t i s c n - G u y a n a

B r i t i s c h Honduras a l l g e m e i n e ^ r b e i t e r u n i o n
Kanada

200.000

1.500
2.000

B e r u f s - und ^ . r b e i t e r k o n g r e s s Kanadas
(Trades and Labour Congress of
Canada - TLC)

400.000

Kanadischer Gewerkschaftskongress

350.000

(Canadian Congress of Labour - CCC)
Ceylon
Chile
China
Kolumbien

Gewerkschaftskongress von Ceylon

50.000

C h i l e n i s c h e r Gewerkschaftsbund
Confederecion d e l Traba/jo - CTCH)
C h i n e s i s c h e r Gewerkschaftsbund . a r b e i t e r l i g a des F r e i e n Chine
Gewerkschaftsbund von Kolumbien
(Confederecion de T r e b e j e d o r e s
de Colombia - CTC)

115.000

Union d e r A r b e i t e r Kolumbiens
(Union de T r e b e j e d o r e s de Colombie UTC)

473.998
150.000

250.000

Costarica

Arbeiterfoederation von Costerice
(Confederecion Constarricense del
Trabajo "Herum Kovarum" - CCT)

20.000

Kuba

Kubanische Arbeiterfoederation
(Confederecion de Trebejedores de
Cube - CTC)

80C.000

Cypern

«rbeiterfoederation Cyperns

Daenemark

Deenischer Gewerkscheftsbund
(De semvirkende Fegforbund - D.s.F.)

4.000
615.000

�Deutschland

Deutscher Gewerkschaftsbund - DGB

4.850.0Q0

Frankreich

Allgemeiner Gewerkschaftsbund
"Fo^ce O u v r i e r e " ( C o n f e d e r a t i o n
N
Generale du T r a v a i l - Force O u v r i e r e
CGT-FO)

1.000.000

Gambia

Gewerkschaftsunion von Gambia

Griechenland

Allgemeiner G r i e c a i s c h e r Gewerkschaftsbund - GSEE

Grossbritannien

Gewerkschaftskongress - TUC

Grenada

A r b e i t e r u n i o n von Grenada

HollaendischGuyana

A r b e i t e r o r g a n i s a t i o n von Surinam
(Surinaamse Y.'erknemers O r g a n i s a t i e )
B e r g a r b e i t e r u n i o n von Surinam
(Surinaamse Mihnwerkers Unie)

18.000

Allgemeine Gewerkschaft von Hongkong

80.700

Hong-Kong

2.000
200.000
7.937.091
2.000

4.000

und Kowloon
Indien

Italien

Japan
Korea

Hind Mazdoor Sabha
I n d i s c h e r N a t i o n a l e r Gewerkschaftskongress
F o e d e r a t i o n I t a l i e n i s c h e r Gewerks c h a f t e n (Confederazione I t a l i a n e d e i
S i n d a c a t i d e i L a v o r a t o r i - CISL)
G e n e r a l r a t J a p a n i s c h e r Gewerkschaften
(Sohyogikai)
S u e d k o r e a n i s c h e Gewerkschafts-

668.000
1.320.804
1.702.000
4.100.000
800.000

foederation
Libanon
Luxemburg

Liga L i b a n e s i s c h e r Gewerkschaften

14.000

Allgemeine G e w e r k s c h a f t s f o e d e r a t i o n
(ConflTderation Generale du T r a v a i l -

20.000

Malta

CGT)

Mauritius

Allgemeine A r b e i t e r u n i o n

15.400

Mexiko

G e w e r k s c h a f t s r a t von M a u r i t i u s

16.000

Nationale Arbeiterfoederation
11.235
(Confederacion Nacional de Traba.iadores CNT)
Nationale Proletarierfoederation
250.000
(Confederacion P r o l e t a r i a N a c i o n a l CPN)
Neuseeland
Neuseelaendische Gewerkschaftsfoedera200.000
tion
" 200.000 Mitglieder zaehlte diese Organisation zur Zeit ihres *aiachlu^ses an den IBFG im Mai 1950. Inzwischen sind 70.000 Mitglieder aus der Neuseelaendischen Gewerkschaftsfoederation ausgetreten,
sodass sich die gegenwaertige Mitgliedsstaerke auf etwa 130.000
belaeuft.
- 5-

**

�Niederlande

Niederlaendischer Gewerkscheftsverbend
(Nederlands Verbond van Vakverenigingen - N W )

359.993

Norwegen

Norwegischer Gewerkscheftsbund
(Arbeidernes Faglige Landsorganisasjon i Norge - NfFLN)

450.000

Oesterreich

Oesterreichischer Gewerkscheftsbund

Persien

Gewerkschaftsfoederation Persischer
Arbeiter (Union Syndicale des
Travailleurs et Agriculteurs - ESKI)

120.000

Peru

Peruanische Arbeiterfoederation
(Confederacion de Trabajadores del
Peru - CTP)

350.000

Puerto Rico

Allgemeine A r b e i t e r f o d e r a t i o n von
Puerto Rice, I n c . (Confederacion
General de Trabajadores de Puerto
Rico, I n c . )

100.000

Freie Foederation der A r b e i t e r von Puerto
Rico (Federacion Libre de l o s
Trabajadores de Puerto Rico)
Saargebiet

Einheitsgewerkschaft

Schweden

Landesorganisation Schwedischer
Gewerkschaften (Landesorganisationen
i Sverige - L0)
Z e n t r a l o r g a n i s a t i o n der Angestellten
(Teanstemannens C e n t r a l o r g a n i s a t i o n TCO)

1.260.000

20.000

105.000
1.255.000

253.304

Sierra Leone

Gewerkschaftsrat von Sierra Leone

10.000

Spanien

Allgemeine Union Spanischer Arbeiter
(Union General de Trabajadores de
Espana - UGT) - Im Exil

20.000

St. Kitts

Gewerkschaftsunion von S t . Kltts-Nevis

St. Lucia

St. Lucia Workers' Union
(Gewerkschaftsunion von St. Lucia)

Schweiz

Schweizerischer Gewerkschaftsbund
(Union Syndicale Sulsse - USS)

Triest

Vereinigte Arbeitskammer (Camera Conföderale del Lavoro - CdL)

Trinidad

Gewerkschaft der Seeleute und Hafenarbeiter (Seamen and WaterfrontWorkers'
Trade Union)

1.686
4.000
376.000
63.800

4.000

Eisenbahnergewerkschaft (Railwaymen's
Union)
Uruguay

Koordinationskomitee Unabhaengiger Gewerkschaften (Comite de Coordinacion de
Sindicatos Autonomos)

20.000

�USA

Venezuela

AFL

7.000.000

010

6.300.000

Bergarbeitergewerkschaft

600.000

Arbeiterfoederation von Venezuela
(Confederacion de Trabajadores de
Venezuela) - Im Exil

200.000

Department of Labor
11/50
JAP AN I SC HE A RB EI TS PR OBLEME
Die bemerkenswerteste Entwicklung in der jepanischen Wirtschaft
im vergangenen Jahre war der Umschwung auf dem Arbeitsmarkt. Seit
Kriegsende ist das Problem der ueberzaehligen ^rbeitskraefte in
Janen immer ernster geworden. Diese Entwicklung hat nicht in einer
grossen Zahl Arbeitsloser, die Arbeit suchen, ihren Niederschlag
gefunden und die Lage war auch nicht so kritisch wie etwa in den
Laendern des Westens, "ie Ursachen h'ierfuer sind zwei Faktoren
des sozialen Lebens in Japan: erstens ist es ueblich, dass Hilfsbeduerftige von ihren Verwandten unterstuetzt werden, und zweitens
sorgen die Arbeitgeber dafuer, dass ihre Arbeiter auf den Lohnlisten weitergefuehrt werden, selbst wenn sie nicht fuer die Produktion gebraucht werden.
Doch im vergangenen Jahre war es selbst unter diesen Bedingungen unmoeglich, die entstandenen Lasten zu tragen. Die Familien
konnten es sich nicht leisten, Verwandte mitzuernaehren, und die
Unternehmer waren aufgrund der Einsparungen, zu denen das wirtschaftliche Stabilisierungsprogramm seit Dezember 1948 besonders
in jenen Industrien, die auf internationalen Ivlaerkten konkurrieren,
aufgerufen hatte, gezwungen, Arbeiter in grosser Zahl zu entlassen.
Infolgedessen hat sich seit "itte 1949 die Zahl der bei behoerdlichen Dienststellen arbeitsuchenden Personen gesteigert; die Zahl
der offenen Stellen in der Privatindustrie ist dagegen geringer geworden, und der Arbeitsinarkt in der Industrie hatte tatsaechlich
einen Stillstand zu verzeichnen.
Die Regierung hat Vorbeugungsmassnehmen getroffen und Programme ausgearbeitet, um die Arbeitslosen vor schwerer Not zu bewahren.
Das Arbeitslosenproblem, das auf die Umstellung der Wirtschaft zurueckzufuehren ist, kann zur Zeit noch gemeistert werden. Im
Februar 1950 waren in 152,679 Unternehmen, die fuenf oder mehr Personen beschaeftigten, 5,673,799 Arbeiter gegen Arbeitslosigkeit
versichert. Dieses im Jahre 1947 eingefuehrte Arbeitslosenversicherungssystem bestand seine erste schwere Probe in der Zeit von
Februar 1949 bis Februar 1950, als sich die Zahl der Arbeiter, die
Arbeitslosenunterstuetzung beanspruchten, auf annaehernd 293,000
verzehnfachte. Die Arbeitsaemter bewaeltigten diese Riesenaufgabe
mit nur geringen Erweiterungen ihres Personalstabes, und im allgemeinen sind keine Faelle bekennt, in denen die faellige Arbeitslosenunterstuetzung nicht rechtzeitig gezahlt worden waere.
Gesren Ende 1949 wurde aie Arbeitslosenversicherung auch auf
nichtstaendige Arbeiter ausgedehnt. Das Kontrollsystem, das nach
dem britischen Stempelplan gehandhabt wird, ist in den Arbeitsaemtern eingefuehrt, die Unterstuetzungen werden in den lokalen
Bueros in bar ausgezahlt. Unterstuetzungen fuer nichtstaendige
Arbeiter werden fuer 13 bis 17 Tage in einem Älonat gewaehrt. Die
Arbeiter koennen jeden Monat erneut ein Gesuch stellen, und sie
- 7 -

�sind unterstuetzungsberecntigt, wenn sie während der zwei vorhergehenden :'onbte 3L Tage lang beschaeftigt waren. Frueher waren
die nichtsteendigen Arbeiter von allen offiziellen sozialen Versicheruncssystenen ausgeschlossen, und sie waren somit von professionellen Agenten oder solchen Unternehmern abhaengig, die die
Notlage dieser Arbeiterschaft ausnutzten, um sie auszubeuten,
("labour bosses") Der durch arbeitslosen- und Unfallversicherung
nunmehr gewaehrte Schutz wird mithelfen, diese Kategorie Arbeiter
von einem derartigen Abhaengigkeitsverheeltnis zu befreien.
Im Mai 1949 wurde das Kotstandsgesetz fuer Gegenmassnahmen
zur Bekaenpfung der Arbeitslosigkeit erlassen. Nach diesem Gesetz
stellt der Arbeitsminister die tatseechliche und potentielle Arbeitslosigkeit auf bezirklicher Basis fest, arbeitet wirtschaftlich wertvolle «rbeitsprojekte fuer solche Gegenden aus, in denen
die Arbeitslosigkeit besonders gross ist, und unterstuetzt, wenn
es erforderlich ist, finanziell die Durchfuehrung derartiger Projekte auf dem Weg ueber die lokalen Behoerden. Dieses System
steht in enger Verbindung mit dem «rbeitsvermittlungsdienst.
Fuer das laufende Haushaltsjahr wurden Geldmittel genehmigt, die
die Bescheeftigung von 100,000 Arbeitern fuer ein Jahr lang an
Arbeitshilfsprojekten ermoeglichen. Man hat nicht einer Degrenzten Zahl von Bewerbern Vollbeschaeftigung geboten, sondern die im
Rahmen dieser Fro.iekte zur Verfuegung stehende Arbeit wurde unter
alle Arbeitslosen und vornehmlich solche verteilt, die eine Familie zu ernaehren und um die Unterstuetzung der Arbeitsaemter gebeten haben.
Kurz nach Kriegsende konnte man feststellen, dass die fuer
die Gesundheit und die Wohlfahrt der Bevoelkerung erforderlichen
Erzeugnisse und Materialien weitgehendst vermehrt werden konnten,
wenn man bestimmte ^rten von Bauprojekten in die Wege leitete.
Ein koordiniertes oeffentliches Arbeitsprogramm befindet sich seit
Herbst 1946 in Ausfuehrung. Die fuer das laufende Haushaltsjahr
genehmigten Mittel uebersteigen bei weitem die frueheren, und man
erwartet, dass durch oeffentliche Bau- und Instandsetzungsarbeiten
annaehernd eine Million „rbeitsjähre zur Verfuegung gestellt werden koennen.
Ausser diesen oben angefuehrten Massnahmen wird die allgemeine industrielle Entwicklung durch die Ereigabe von Gegenwertfondsmitteln der von den Vereinigten Staaten geleisteten Hilfe in Form
von Krediten fuer die Regierung und fu^r Geschaeftsunternehmen gefoerdert, um z.B. Eisenbahnen und "..'asserkraftwerke bauen zu koennen. Hierdurch werden nicht nur die potentielle Produktivitaet
der Kation gesteigert, sondern auch die '.»'irtschaf tstaetigkeit angeregt und neue Beschaeftiffunsrsmoegi ichkeiten beschaffen.
Gegen die sogenannten "Labour Bosses" ist man mit artolft vorgegangen. Ihre Methoden hatten sich allgemein eingebu3rgert, aber
trotzdem sind schaetzungsweise etwa die Haelfte der 2 l/£ Millionen Arbeiter, die vorher unter der Kontrolle solcher Unternehmer
standen, inzwischen von ihnen befreit worden.' Etwa 200,000 hiervon wurden dank der Bemuehungen der ^rbeitsaeniter in der Zeit von
Maerz 1949 bis Maerz 1950 befreit.
Im vergangenen Jahre haben zahlreiche Industrielle festgestellt, dass es vorteilhaft fuer sie ist, die Gesetze "egen diese
Ausbeuter zu unterstuetzen. Sie waren sich ausserdem bewusst,
dass die Vorteile hieraus nicht nur ihren Arbeitern, sondern auch
ihnen selbst zugutekamen. Waehrend frueher ^rbeitsagenten Arbeiter fuer eine gewisse Geldsumme zur Verfuee-ung stellten, haben
heute die Unternehmer die Arbeiter auf ihre eigenen Lohnlisten
gesetzt, und sie haben herausgefunden, da^s sie sich in der Versor- 8-

�gung mit nichtstaendigen «rbeitskraeften auf die ^rbeitsaemter
verlassen koennen.
Vesentliehe Fortschritte wurden im vergangenen Jahre ausserdem bei der Durchfuehrung eines Planes gemacht, der die ^rbeitsagenten in den Haefen beseitigen soll. Kach den Bestimmungen dieses Planes, der sich in einem grossen Hafen derartig erfolgreich
bewaehrt hat, dass er jetzt in allen anderen grossen Haefen Japans Anwendung findet, sollen sich die Arbeitgeber der Hafen- und
Dockarbeiter ihre Arbeitskraefte dadurch sichern, dass sie sich
entweder an das Arbeitsamt wenden, oder die erforderlichen Arbeitskraef te von anderen Unternehmern leihweise uebernehmen. In dem
Hafen, in dem dieser Plan zum erstenmal angewendet wurde, ist
ein besonderer offizieller Arbeitsvermittlungsdienst mit erfahrenem Pjrsonal eingerichtet worden, das in der Lage ist, die angeforderten Arbeitskraefte in kurzer Zeit zu beschaffen. Die Vermittlung ist unentgeltlich, und die Arbeitgeber haben zum Ausdruck gebrecht, dass sie mit dem Plan zufrieden sind. Offene
Arbeitsplaetze werden im allgemeinen nach einem sogenannten "Rotationssystem" besetzt, das jedem Arbeiter seinen gerechten Anteil
an den anfallenden Arbeiten sichert. Die Arbeiter ziehen es
ausserdem vor, ihren vollen Lohn direkt von ihrem Arbeitgeber zu
erhalten.
Die Frau betaetigt sich heute in Japan immer staerker auf
politischem und gewerkschaftlichem Gebiet. Mehr und mehr Frauen
ueben freie Berufe aus oder bekleiden Stellungen im hoeheren
Staatsdienst, im Erziehungswesen oder auf anderen Gebieten, -iine
vor kurzem durchgefuehrte Erhebung hat ergeben, dass zu Ende des
Jahres 1949 nahezu 20% saemtlicher Regierungsangestellten Frauen
waren. Im Jahre 1940 machte ihre Zahl dagegen nur 8&gt; aus. Von
den 632 weiblichen Regierungsangestellten waren 85;o in den Jahren
1948 und 1949 eingestellt worden.
Die 1 1/2 Million Frauen, die gewerkschaftlich organisiert
sind, spielen innerhalb der Gewerkschaftsbewegung eine aktivere
Rolle und sind in den Exekutivorganen ihrer Gewerkschaften gut
vertreten. Die Frauenabteilungen, die ihre Hauptaufgabe in der
Ausbildung der Frauen sehen, damit sie sich an der Gewerkschaftsarbeit beteiligen koennen, haben diese Entwicklung sehr gefördert.
Die ungesetzliche Beschaeftigung von Kindern ist abgeschafft.
Junge Arbeiter sind von ^rbeitsplaetzen entfernt v.'orden, die als
senaedlich oder sefaehrlich befunden wurden, ihre Arbeitszeit ist
genau festgelegt.
Ohne zu uebertreiben, kann man behaupten, dass in grossen
Unternehmen die ungesetzliche Kindesarbeit ueberhaunt nicht mehr
besteht, und dass sich die kleinen und mittleren Betriebe mehr und
mehr an die einschraenkenden Bestimmungen auf diesem Gebiete helten. Viele der bedauerlichen Methoden, die sich in Japan eingebuergert hatten, wie z.B. Arbeitsvertraege, in denen die Arbeiter
durch Vorauszahlung ihrer Loehne verpflichtet wurden, oder gewisse
Restriktionen der Freiheit der Arbeiter, die in Schlafsaelen untergebracht waren, oder die Ausbeutung von Frauen und Kindern, sind
in raschem Verschwinden.
Das Buero fuer Frauen und Minderjaehrige, das seit 2 1/2 Jahren besteht, hat sehr viel fuer die Besserstellung der Frau in
allen Berufen und fuer den Schutz junger Arbeiter getan. In seinen Zentral- und Bezirksstellen wird aktiv an der Schulung und
Aufklaerung der Arbeiterschaft gearbeitet. Plakate, Flugblaetter,
Broschueren und Filme sind dem Bedarf entsprechend zur Verfuegung
gestellt worden. Besondere Kampagnen wurden organisiert, wie die
- 9-

�"Woche der Frau" und die "Woche zum Schutz jugendlicher Arbeiter",
um die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf die?e Probleme zu
konzentrieren.
In Verbindung mit der "Woche der Frau" wurden von einer Landeskonferenz die wichtigen Fragen der gleichen Bezahlung, der Verbesserung der Lebensverhaeltnisse auf dem Lande und der Reform
des Familiensystems eroertert. Das Buero beschaeftigt sich ausser
dem mit Sonderprogrammen, die sich um Fragen wie die Selbstbestimmung der Arbeiter in Schlafsaelen - um nur ein Beispie] fuer
die Besonderheit der Probleme in Japan zu geben - die Mitwirkung
der Gewerkschaft, der Erweiterung der Beschaeftigungsmoeglichkeiten und Verbesserung der sozialen Einrichtungen drehen.
Probleme, die fuer die Frauen und jugendlichen Arbeiter von
besonderem Interesse sind, hat man studiert und dabei die Arbeitsbedingungen in Seidenspinnereien, die Beschaeftigung von Frauen
im Staatsdient, die Probleme der Jugendlichen im Strassenhandel,
Arbeitsbedingungen fuer Krankenschwestern und die industrielle
Heimarbeit untersucht.
International Labour Review, ILO
VII/50
Arbeitsminister Maurice J. Tobin:
REGIERUNG UND GEWERKSCHAFTEN
Die beruehmten Briefe der Paepste Leo XIII. und Pius XI. haben durch die Aufforderung zur sozialen und wirtschaftlichen Gerechtigkeit im System der freien Wirtschaft mehr getan als jede
andere Erklaerung, die im letzten Jahrhundert in diesen Zusammenhang abgegeben wurde.
Die paepstlichen Rundschreiben sind von einer unmittelbaren
Bedeutung, weil sie den Arbeitern das uneingeschraenkte Recht einraeumen, sich zu organisieren, waehrend das Taft-Hartley Gesetz
darauf hinzielt, die wachsende Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten auf einen Bruchteil zu verkleinern - im Vergleich
natuerlich zu dem Umfang, den die Bewegung angenommen haette, wenn
dieses Gesetz nicht im Wege gestanden haette.
"Rerum Novarum", die Enzyklika des Papstes Leo ueber tlie Lage
der Arbeiterschaft" erschien im Jahre 1891. Zu dieser Zeit war
der Marxismus im Werden begriffen. Die Ursache hierfuer war die
missliche Lage, in der sich die Arbeiter befanden, und hierdurch
ergab sich ihre Aufgeschlossenheit fuer den Ruf zum Sozialismus.
Deshalb und weil die Kirche immer schon befaehigt war, ihre Lehre
von der Naechstenliebe und Gerechtigkeit auf neue Verhaeltnisse abzustimmen, gab Papst Leo XIII. diese ausgezeichnete Erklaerung ab.
Er wuenschte, den erbitterten Klassenkampf zu beseitigen,
indem er dan Menschen, die im Dunkel wandelten, wieder Hoffnung und
Staerke gab. Er sah, dass dem System der freien Wirtschaft, des
Kapitalismus und des Besitztums eine ethische Richtung gegeben
werden musste. Er glaubte, dass das moralische Gesetz auf wirtschaftlichem Gebiet ebenso bindend sein muesse wie auf jedem anderen Gebiet menschlichen Strebens.
Er erlaeuterte deshalb in seiner Erklaerung die gegenseitigen
Rechte und Pflichten des Kapitals und der Arbeiterschaft angesichts
der Verhaeltnisse, die der Industrialismus geschaffen hatte. Er
sprach fuer das freie Unternehmen, versicherte aber auch, dass es
- 10 -

�dem Arbeiter freistehen muesse, sich zum eigenen Schutze in Gewerkschaften zusammenzuschliessen. Er ging noch weiter und erklaerte, dass es Pflicht des Staates sei, dort einzugreifen, nwo
eine bestimmte Klasse in Not oder bedroht sei."
Das war vor 60 Jahren; aber die damals aufgeworfenen Fragen
sind heute noch akut. Die Probleme, denen die amerikanische Regierung heute gegenuebersteht, wurden bereits von Papst Leo behandelt, und die Loesungen dieser Probleme sind in diesem beruehmten Dokument enthalten.
Gewisse Kreise, die mit der Politik der Regierung nicht einverstanden sind, haben ein ziemliches Geschrei ueber "SozialIsmus"
und den Wohlfahrtsstaat" angestimmt. Es ist eine historische
Ironie, dass die auf diese V.'eise angegriffene Politik bereits vor
zwei Generationen von einem Papst geistig vor Augen gefuehrt wurde, der die steigende Flut des Sozialismus aufzuhalten bemueht war.
Papst Leo sagte: "Es ist unbestreitbar, dass die Wohlfahrt
der Nationen keiner anderen Quelle als der Arbeit der Arbeiter
entspringt. Es ist deshalb nicht mehr als gerecht, wenn die Regierung dafuer sorgt, dass der Arbeiter das erhaelt, was er mit
seiner Arbeit fuer die Allgemeinheit verdient, und dass er eine .Wohnung und Kleidung besitzt und sozial so gesichert ist, dass
er ein Leben ohne Not leben kann. Deshalb muessen alle Massnahmen
beguenstigt we.-den, die in irgendeiner Weise die soziale Lage der
Arbeiterschaft verbessern koennen. Dadurch waere nicht nur niemandem geschadet, sondern eher waere allen geholfen."
Papst Leo ging noch weiter. Er sagte, dass die Arbeiter unter den besonderen Schutz und der Fuersorge des Staates stehen
und von jeder wilden Profitgier befreit werden muessen. Er forderte Schutz fuer die berufstaetige Frau und die Kinder und warnte vor den Gefahren, die sich aus der Beschaeftigung von Kindern
ergeben. Er forderte nicht nur freie TarifVerhandlungen, sondern
bestand auch darauf, dass diese in einer moralischen Atmosphaere
gefuehrt wuerden. Es genuege nicht, die freie Zustimmung der
Verhandlungspartner zu besitzen, sagte er, sondern die Loehne
muessten wirklich ausreichen, um dem haushaelterischen und anstaendigen Arbeiter seinen Lebensunterhalt zu sichern. "Wenn
ein Arbeiter haertere Bedingungen annimmt, weil sie der Arbeitgeber oder der Vertragspartner fordern, dann unterwirft er sich
damit einer Gewalt, die jeglichem Gefuehl fuer Gerechtigkeit
Hohn spricht."
Am 1. Mai 1931, genau 40 Jahre nach dem Erscheinen des von
Papst Leo verfassten Briefes, erliess Papst Plus seine Enzyklika
"Quadragesimo Anno", "ueber die Wiederherstellung der sozialen
Ordnung". Papst Pius bestaetigte die Doktrin seines Vorgaengers
und brachte sie in eine direktere Form. Vieles hatte sich inzwischen ereignet: ein Weltkrieg, eine Inflation, Krisen - und die
Gefahren, die zur Zeit Papst Leos bestanden, waren noch groesser
geworden. Was im Jahre 1891 eine schwere Gefahr zu sein schien,
war zurungeheuren Krise geworden. Die Zeit fuer eine Verwirklichung der Grundsaetze Papst Leos war gekommen.
Dieser hatte erklaert, dass das Recht, Eigentum zu besitzen,
nicht bedeutet, dass man es willkuerlich verwenden kann. Er hatte
gesagt, dass ein Arbeiter soviel Lohn haben muss, dass er sich
und seiner Familie ein annehmbares Leben bieten kann. Er hatte
ausserdem gesagt, dass der Arbeiter vor allem nicht als Mittel
zum Geldverdienen dienen darf und nicht ausgebeutet werden soll.
Papst Pius stellte erneut diese Forderungen auf und passte sie den
neuen Verhaeltnissen an.
- 11 -

�Er vertrat die Auffassung, dass der Wohlstand, der durch sozialen und wirtschaftlichen Fortachritt staendig vergroesssrt
wird, zur Foerderung der gemeinsamen Sache allen LIenschen zugute
kommen muss. Des bedeutet, dass Besitztum den Sigentuemer dazu
verpflichtet, es anerkannt sozialen Zwecken zur Verfuegung zu
stellen. Kit der Feststellung, dass die L&amp;cht unter einem System
der uneingeschraenkten, freien Konkurrenz nur wenigen in die Haende gelegt war, kam Papst Pius zu der Schlussfolderung, dass unter
diesem System nur diejenigen bestehen koennten, "die am staerksten sind, was sehr oft bedeutet, dass es jene sind, die am
ruecksichtslosesten kaempfen und den Geboten des Gewissens am
wenigsten Gehoer schenken." Das sei fuer das Wirtschaftssystem
ebenso schaedlich, wie es vom moralischen Standpunkt aus zu verurteilen ist.
Die 40 Jahre, die zwischen diesen beiden paepstlichen Rundschreiben liegen, sind durch grosse ''isstaende gekennzeichnet. Im
Jahre 1919 war jedoch das Programm des Bischofs veroeffentlicht
worden, das sich fusr den sozialen Wiederaufbau ausspricht. Dieses Programm, das unmittelbar nach dem Ersten '»Veitkrieg bekannt
wurde, \.ar von Vater Ryan ausgearbeitet worden, der versuchte, der
Erklaerung Papst Leos eine besondere amerikanische Note zu geben.
Hierbei wurde Vater Ryan eine besondere amerikanische Tote zu
geben. Hierbei wurde Vater Ryan selbst von katholischer Seite
vorgeworfen, er sei zu weit gegangen. Die Enzyklika des Jahres
1931 war in ihrer Auswirkung eine Bestaetigung des Programms des
Bischofs und damit eine Rechtfertigung der Arbeit Vater Ryans.
Dies war nicht nur eine Ehre fuer einen grossen Priester,
sondern brachte seine Vision auch der Verwirklichung einen Schritt
naeher. Es ist nicht uebertrieben, wenn man behauptet, dass das
Programm des Bischofs fuer den sozialen Wiederaufbau eine Erklaerung ist, die in keinem Verhaeltnis zu den Fruechten steht, die
sie zur sozialen Verbesserung des amerikanischen Lebens beigetragen hat. Vater Ryan legte die allgemeinen Grundsaetze, die in
der Enzyklika Papst Leos enthalten sind, als Forderungen fuer
konkrete soziale Reformen aus. Seine Vorschlaege waren somit 7orlaeufer des New Deal und Fair Deal.
Vierzehn Jahre vor dem Amtsantritt Franklin D. Roosevelts
forderte Vater Ryan eine grosse Anzahl der Gesetze, die nach dem
4. Maerz 1933 erlassen wurden. Die Erfolge, die diese Gesetzgebung seit jenem Tag erzielt tat, bestehen in den Arbeitsvermittlungsdiensten, dem oeffentlichen Wohnungsbau, dem Gesetz ueber
Mindestloehne, der Sozialversicherung gegen Arbeitslosigkeit und
Alter, der gesetzlichen Verankerung des Rechtes der Arbeiter, sich
zu organisieren, und in einer Wirtschaft, deren Wohlstand sich
auf die I'assenkaufkraft gruendet. All das und noch mehr wird
bereits in dem Programm des Bischofs vorgeschlagen und in Betracht
gezogen.
Das Taft-Hartley Gesetz ist mit den Grundsaetzen der erwaehnten paepstlichen Rundschreiben unvereinbar. Was wir brauchen, ist
ein Gesetz, das mit den Zielen der wirtschaftlichen Demokratie
vereinbar ist. Danach muss unser Streben gerichtet sein*
Die Kritik, die im allgemeinen an dem Taft-Hartley Gesetz
geuebt wird, sollte vermieden werden. Es genuegt zu sagen, dass
ihm eine falsche Voraussetzung zugrundeliegt. Wenn seine Verfasser
es auch nicht zugeben wollen, so sollte es doch ein Mittel zur
Einschraenkung der gewerkschaftlichen Rechte sein. Es ist somit
praktisch gegen die Gewerkschaftsbewegung gerichtet. Es widerspricht dem Geist unserer Zeit. Es ist nicht nur undurchfuehrbar,
- 12 -

�sondern stellt auch eine Gefahrenquelle fuer das Verhaeltnis der
Gewerkschaften zu den Unternehmern dar.
Es bedarf keines besseren Beweises fuer seine ihm anhaftende
Schwaeche als die Tatsache, dass Senator Taft selbst mehr als 20
Abaenderungen dieses Gesetzes vorgeschlagen hat. Die Verzettelung
der Funktionen des Bundesausschusses fuer Arbeitsfragen hat eine
so missliche Lage geschaffen, dass man sie nicht mit Worten bezeichnen kann. Wenn jemals eine Einrichtung in entgegengesetzte Bestandteile aufgespalten wurde, dann ist es diese hoffnungslose
Zersplitterung in einen Ausschuss und in rein juristische Komplexe.
Praesident Truman hat das Richtige getroffen, als er forderte,
dass diese Spaltung aufgehoben und dem Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen erlaubt wird, sich wie andere Verwaltungsbehoerden seiner
Aufgaben nach einem festgelegten Schema zu entledigen, wobei seine
Befugnisse klar und eindeutig umrissen werden muessen. Stattdessen
herrscht unter dem gegenwaertigen System eine starke Verwirrung,
da die einzelnen Funktionen sich ueberschneiden. Solange dieser
Misstand fortbesteht, werden weder die Gewerkschaften noch die
Unternehmer zu ihrem Recht kommen. Ein vorbildliches Regieren,
ein ersprieas] iches gegenseitiges Verstaendnis und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern sind unmoeglich, wenn der Bundesausschuss fuer Arbeitsfragen aufgespalten
bleibt.
Die paeDstliche Enzyklika betont den Grundsatz, dass die Arbeiter Anspruch auf den besonderen Schutz der Regierung haben.
Das Taft-Hartlay Gesetz bewirkt das Gegenteil. Ihm liegt die
Voraussetzung zugrunde, dass die Gewerkschaften nur Vereinigungen
von Arbeitermassen sind, die ueberwacht und gelenkt werden muessen.
Es stellt eine Reihe Verbote auf, die ein gutes Verhaeltnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verhindern. Mit der Vorgabe,
es solle ein Gleichgewicht zwischen der Macht der Gewerkschaften
und der Unternehmer hergestellt werden, schraenkt es in Wirklichkeit die schwer erkaempften Rechte der Gewerkschaftsbewegung ein
und verleiht der anderen Seite damit Vorrechte, die ihr nicht zustehen. Dies ist nicht der Weg, der zu friedlichen Arbeitsbeziehungen fuehrt. Dieses Gesetz ist somit nichts weiter als ein Anreiz zur betonten Feindseligkeit.
Mit dem Taft-Hartley Gesetz kam es wieder zur Ausuebung des
Streikverbots durch die Regierung, e.ne alte und unwuerdige Methode,
um Streiks zu brechen. Die Taft-Hartley Methode, durch derartige
Zwangsanwendung nationale Notstaende zu ueberwinden, ist im Kohlenstreik auf die Probe gestellt worden und hat klaeglich versagt.
Es ist wirklich an der Zeit, bessere Methoden anzuwenden, um
mit solchen Schwierigkeiten fertigzuwerden. Das Taft-Hartley-Gesetz muss beseitigt werden. Man sollte sich dagegen auf den Kollektivverhandlungsweg einigen. Es ist klar, dass waehrend des
langwierigen Kohlenstreiks beide Parteien im Schatten des TaftHartley-Gesetzes handelten. Das heisst, keiner der beiden Partner
war bestrebt, sich an wirklichen Kollektivverhandlungen zu beteiligen. Sie handelten dagegen so, als ob die im Gesetz enthaltenen
Beschraenkungen und Moeglichkeiten ein entscheidender Faktor wären.
Das ist keine Atmosphaere fuer aufrichtige und ernsthafte Verhandlungen.
"Soll das gesamte Leben eines Landes wegen eines Streiks in
bestimmten wichtigen Industrien zum Stillstand gebracht werden?
Was geschieht, wenn der Streik nicht durch TarifVerhandlungen beigelegt werden kann?" Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten.
- 13

�Die Vereinigten Staaten sind demokratisch, und es ist deshalb
unmoeglich, allein durch Autorttaet regieren zu wollen. Amerika
ist ein Land, dessen Buerger die groesstmoegliche, mit der 'Wohlfahrt des Staates zu vereinbarende Freiheit geniessen, eine Kation,
die den menschlichen Werten und menschlichen Freiheiten den ersten
Platz einraeumt.
Unter einem solchen System gibt es keinen "Gaensemarsch", das
heisst, man folgt weder blindlings noch automatisch; und kein Konzentrationslager. Die Arbeiter haben politische und soziale Lochte, die denen anderer Gruppen nicht untergeordnet werden duerfen.
Dies koennte zu Konflikten fuehren, die eine Industrie zum Stillstand bringen. Und damit koennte die Ordnung eines ganzen Landes
erschuettert werden. Dies ist jedoch bis zu einer bestimmten Grenze der Preis, den wir um der Freiheit willen, d.h. der Freiheit
der Gewerkschaftsbewegung, zahlen muessen.
Die Frage ist jedoch "Wo liegt diese bestimmte Grenze?" Natuerlich gibt es Faelle, in denen das Interesse der Allgemeinheit
den Forderungen der Arbeiter oder Unternehmer voranzustellen ist.
Um einer schweren Krise vorzubeugen, kann Praesident Truman einen
Ausschuss einsetzen, der auch bei der Beilegung des Stahlstreiks
eine so bedeutende Rolle spielte. Dieser Ausschuss hoerte beide
Seiten an, studierte"'die Probleme und verfasste einen Bericht, der
Empfehlungen enthielt, die die oeffentliche Meinung zutiefst beeindruckten. Ein Gesetz, das die ueber Tarife und Lohnbedingungen
streitenden Gewerkschaften und Unternehmer verpflichtete, sich an
einen solchen objektiven Ausschuss zu wenden, waere durchaus angebracht.
Das beste Mittel zur Beilegung von Streitigkeiten und der Erzielung friedlicher Beziehungen in der Industrie ist die Kollektivverhandlung, die, wenn sie in dem richtigen Geist und mit dem
wirklichen Wunsch gefuehrt wird, zu einer Einigung zu kommen, auch
zu Erfolgen fuehrt. Die Tragweite dieser Kollektivverhandlungen
ist viel groesser, als sich die meisten Menschen es vorstellen.
Schlagzeilen ueber angebliche Gewaltakte und Gegenwehraktionen, die
vereinzelt vorkommen moegen, fallen mehr ins Auge als die grosse
Zahl der auf friedlichen Y.'ege erzielten Abkommen, die in den meisten Industrien zur Selbstverstaendlichkeit geworden sind.
Friedliche Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
sind in vielen Industrien laengst das uebliche, wobei alle Beteiligten auf den wirtschaftlichen Erfolg der Arbeit der Industrie
bedacht sind. Das gilt fuer die Arbeiter nicht weniger als fuer
die Unternehmer. Hier zeigt, was dort bereits geleistet werden
konnte, wo die Gewerkschafter hinter der Idee ihrer Funktionaere
stehen.
Und das ist immer dort moeglich, wo der Grundsatz der Gerechtigkeit herrscht, gepaart mit der sich selbst auferlegten Bereitwilligkeit, sich gegenseitig Zugestaendnisse zu machen, um Ordnung
und Zufriedenheit zu schaffen, anstatt Streit und Verwirrung herauf zubeschwoeren. Die katholische Philosophie, die in den paepstlichen Rundschreiben verankert ist, besagt, dass diesemfairen Verhalten und dieser Art Selbstbestimmung Prinzipien zugrundeliegen
muessen, die dem menschlichen Fortschritt den Vorrang geben. Die
Demokratie hat in den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern das gleiche Ziel vor Augen.
U.S. Arbeitsministerium
IV/4/50
- 14 -

�MA.RSIIALLPLAN FOERDERT GRIECHISCHE FISCHEREI
Einern griechischen Fischfangunternehmen in Kalamata ist aus
Marshallplan-Fondsmitteln ein Kredit in Hoehe von 12 Millionen
Drachmen (34.000 DM) zur Verfuegung gestellt worden. Diese Massnahme hat sich auf die gesamte Industrie des suedlichen PeloDoniies positiv ausgewirkt.
Die Firma Gebr. Dragonas erhielt vor fast zwei Jahren diesen
Kredit und richtete damit Kuehlwagentransporte fuer Fische ein.
Frueher war Fisch ein teures Nahrungsmittel in dieser Gegend, weil
erstens der Fischfang mit primitiven Booten sehr kostspielig ist,
und zweitens die Fischer nicht eher wieder in See fahren konnten,
bis sie ihren letzten Fang restlos verkauft hatten. Das heisst,
die Fischer verkauften wenig Ware fuer hohe Preise anstatt grosse
Mengen zu niedrigeren Preisen abzusetzen.
Das Bild hat sich voellig geaendert. Wo dieses Unternehmen
vor Erhalt des Kredites mit einem Fischfangboot operierte und
taeglich etwa 500 Kilo Fische fing, setzt es heute neun Dampfboote ein, die durchschnittliche Tagesausbeute betraegt jetzt
12.000 Kilo.
Waehrend der Preis fuer ein Pfund Fisch in der Hafenstadt
Kalamata frueher etwa 50 Pfennige betrug, wird die gleiche Menge
heute in den Gebirgsdoerfern fuer 15 bis 20 Pfennige verkauft.
Die Fische werden jetzt von Kalamata schnell nach den Gebirgsdosrfern verfrachtet und dort zu niedrigen Preisen in grossen Mengen abgesetzt. Das Geschaeft der Firma Gebr. Dragonas blueht und
die Verbraucher werden taeglich in ausreichenden Masse mit Frischfisch versorgt; auch auf dem Speiseplan der Bewohner der Gebirgsdoerfer nimmt dieses Nahrungsmittel jetzt einen bedeutenden Platz
ein. Infolge der reichlichen Versorgung der Ma/erkte mit Fischen
ist der Preis fuer Fleisch zurueckregangen.
Dank der Marshallnlan^Hilfe fangen heute mehr Fischer 3Chaetzungsweise 30.000 - in den griechischen Gewaessern mehr
Fische als je zuvor. V/aehrend vor dem Kriege jaehrlich 25 Millionen Kilo gefangen wurden, waren es im vergangenen Jahre 45 Millionen Kilo, und die 50 Millionen Grenze duerfte in diesem Jahre
ueberschritten werden.
Rund 40$ der griechischen Fischdampfer wurden waehrend des
Krieges zerstoert und die Einrichtungen vernichtet. Von der UKRRA
und aus Mitteln des Marshallplans sind 10 Millionen Dollar fuer
den Aufbau der griechischen Fischereiflotte zur Verfuegung gestellt worden.
Marshallplan News
I/Nr. 4
BERUFSSEKRETARIATE FUER GEISTESARBEITER IM IBFG
Der Internationale Bund Freier Gewerkschaften wird vom 18.21. April 1951 in seiner Zentralstelle in Bruessel eine Weltkonferenz fuer Angestellte abhalten.
Auf einer Tagung des neuen Konsultativausschusses des IBFG
fuer Referenten, Angestellte im Verwaltungsdienst und Handel und
Vorgesetzte wurden die Termine fuer das erste Welttreffen der
Geistesarbeiter festgelegt. Sie werden unmittelbar vor dem V/eltkongress am 16. und 17. April zusammentreten und ausserdem eine
- 15 -

�ausserordentliche "lanungskonferenz am 21. und 22. Dezember in
Bruessel abhalten.
Inzwischen wer en den Plaenen dieses Ausschusses zufolge die
ersten entscheidenden Schritte zur Errichtung internationaler Sekretariate fuer Lehrerorganisationen unternommen werden, die entweder kurz vor oder kurz nach der Tagung der Angestellten im April
zusammenkommen werden. Pachdem die amerikanischen (CIO), franzoesichen (Force Ouvriere), oesterreichischen, italienischen und
deutschen Gewerkschaften der Journalisten und Schriftsteller ihre
Teilnahme zugesagt haben, hat der ausschuss das Sekretariat des
IBFG ermaechtigt, eine vorlaeufige Konferenz der -Journalistengewerkschaften anzuberaumen, die sich mit den Moeglichkeiten des
Aufbaus einer neuen Internationale fuer Presseane-estellte befassen
wird, die an die Stelle der alten, kommunistisch beherrschten
Internationalen Organisation der Journalisten treten soll.
Der Ausschuss hat ausserdem die Funktionaere des IBFG ersucht,
bei der britischen Journalistengewerkschaft und den gleichen 7erbaenden der Beneluxstaaten und Skandinaviens vorstellig zu werden
und sie um ihre Teilnahme an 3iner derartigen vorbereitenden Konferenz zu bitten. Ken vereinbarte, dass die Teilnahme an diesen
vorbereitenden Besprechungen fuer alle Journalistenorganisationen
der einzelnen Kationen unverbindlich sein soll, und dass sie sich
nach dieser ersten Konferenz* selbst entscheiden sollen, ob sie
dar neuen Organisationen sich anschliessen wollen.
Der Konsultativausschuss legte die Berufskategorien fest,
aus denen die einzelnen Landesgewerkschaftsbewegungen Delegierte
zu der Tagung der Geistesarbeiter im ^pril entsenden koennen:

1.

Saeintliche Lehrberufe.

2.
3.
4.

Gruppe Unterhaltung (Schauspieler, Artisten, Kusiker usw.)
Gruppe Schrifttum (Journalisten, Pressephotographen usw.)
Gesundheitsdienst (Aerzte, Zahnaerzte, «potheker, Optiker,
Krankenpfleger und Krankenhauspersonal)
Angestellte des oeffentlichen Dienstes.
Industrie, Handel und Uebermittlungsdienste (Wissenschaftler, Techniker und Verwaltungspersonal)

5.
6.

Ernest Bell vom Britischen Gewerkschaftskongress (TUC), der
Vorsitzender des Ausschusses in der Zeit seines vorlaeufigen,
nichtoffiziellen Bestehens war, wurde zum staendisen Vorsitzenden
ffewaehlt, als dem neugegruendeten Konsultativausschuss vom Potstandsausschuss des IBFG seine Satzung im September ueberreicht
wurde.
•Der oberste Ausschuss des IDFG gab dem Konsultativausschuss
folgende Anweisungen:
1. Fräsen zu eroertern, die fuer die Geistesarbeiter von besonderem Interesse sind, sich mit ihren Arbeitsbedingungen und Organisationsproblemen zu beschaeftigen und bestrebt zu sein, eine
einheitliche Linienfuehrung in den Bemuehungen zur Loesung der Probleme dieses Personenkrsises zu erzielen.
2. In Zusammenarbeit mit dem IBFG die Errichtung internationaler Berufssekretariate fuer Geistesarbeiter zu unterstuetzen, die
gegenwaertig noch ohne eine internationale gewerkschaftliche Stimme
sind. Hierzu soll die Mitarbeit von Lehrkraeften, Journalisten,
Theater- und Filmschauspielern etc. sichergestellt werden.
'.Veiter sollen die Angestellten Vertretungen des IBFG in bestimmten UN-Organisationen eingebaut werden sowie spezielle Berufsfragen beraten und bearbeiten.
- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure« der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet
Der lahalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohea Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierang der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 38

Frankfurt, 24. November 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Das zunehmende Lebensalter und die damit verbundenen
wirtschaftlichen Probleme - - - - - - - - - - - -

l

Die Knowland-Gesetzesvorlage - - - - - - - - - - - Wohnungen fuer Rentner - - - - - - - - - - - - - - -

4
7

Kaufleute fordern wirtschaftliche Zusammenarbeit
der freien Welt - - - - - - - - - - - - - - - - 8
Steigerung der Kaufkraft - die beste Abwehr des
Totalitarismus - - - - - - - - - _ - - _ _ - _ 9
Amerikanische Gewerkschaften und europaeischea
Wiederaufbauprogramm - - - - - - - - - - - - - - 11
Labour Partei Englands billigt Walter Reuthers Plan 12
Mangel an Facharbeitern in Amerika - - - - - - - - - 1 3
"CIO staerker als je zuvor" - - - - - - - - - - - - 14
Hoechster Staudamm der Welt entsteht in den franzoesischen Alpen - - - - - - - - - - - - - - - - - - 16
Billigere Sohuhe - - - - - - - - - - - - - - - - - - 16

DAS ZUNEHMENDE LEBENSALTER UND DIE DAMIT VERBUNDENEN WIRTSCHAFTLICHST! PROBLEMS
Als Ergebnis des grossen Fortschrittes der medizinischen
Wissenschaft und der allgemeinen Hebung des Lebensstandards ist
das durchschnittliche Lebensalter bemerkenswert angestiegen. Zur
gleichen Zeit haben eine Reihe sozialer und wirtschaftlicher Faktoren dazu beigetragen, dass die Betaetigung alter Leute auf dem
Arbeitsmarkt zurueokgeht. Dies trifft besonders auf Personen zu,
die mehr als 65 Jahre alt sind. Das bedeutet, dass sich fuer
den Durchschnittsarbeiter der Zeitraum verlaengert hat, in dem
er seine Lebenshaltungskosten aus einer aaderen Quelle als seiner
eigenen Haende Arbeit decken muss.
Um sich an Hand von Zahlen einen Ueberblick ueber diese
Entwicklung verschaffen zu koennen, hat man fuer das Jahr 1900
Sohaetzungen ueber die durchschnittlich zu erwartende Zeit der
Arbeitsfaehigkeit angestellt. Es ist jedoch zu bemerken, dass
- 1-

�diese Schaetzungen nicht genau mit denen von 1940 und 1949 verglichen werden koennen, weil im Jahre 1900 in den elf Staaten, in
denen die "Registrierung von Todesfaellen Pflicht war, nur die Angehoerigen der weissen Rasse registriert wurden. Trotzdem sind
diese Schaetzungen ein klarer Beweis fuer die Zunahme der Zeitspanne, in der alte Leute sich nicht mehr selbst ernaehren koennen.
Unter Zugrundelegung der Sterblichkeitaziffern und der Zahlen
ueber die Dauer der Erwerbstaetigkeit hatte ein junger Mann der
weissen Rasse damals im Alter von 20 Jahren eine durchschnittliche zusaetzliche Lebensspanne von 42,2 Jahren; die Dauer seiner
Arbeitsfaehigkeit betrug 39,4 Jahre. Er musste demnach damit rechnen, 2,8 Jahre lang nicht erwerbstaetig sein zu koennen. ' In der
Zeit von 1900 bis 1940 steigerte sich die zu erwartende Lebensdauer
eines weissen Mannes im Alter von 20 Jahren um 5,5 Jahre. Die
Dauer seiner zu erwartenden Arbeitsfaehigkeit wurde jedoch nur um
2,6 Jahre groesser. Die Spanne zwischen der zu erwartenden Gesantlebenadauer und der Zeit der Arbeitsfaehigkeit hatte sich demnach
auf 5,7 Jahre erweitert - etwa doppelt soviel wie im Jahre 1900.
Fuer diejenigen, die ein Alter von 60 Jahren erreichten, ist
dieser Unterschied ebenso verblueffend. Waehrend die Lebensei Wartung eines 60 Jahre alten Mannes in der Zeit von 1900 bis 1940 fast
um ein Jahr anstieg, ging seine.au erwartende durchschnittliche
Dauer der Arbeitsfaehigkeit um mehr als zwei Jahre zurueck, was
auf die allgemeine Tendenz zur frueheren Versetzung in den Ruhestand zurueckzufuehren ist. Beide Vergleiche zeigen also eine betonte Erweiterung der zu erwartenden Zeitspanne des Ruhestandes im
Verlauf der vier Dekaden auf.
Wenn diese Tendenz lediglich ein Ergebnis der Tatsache waere,
dass die Arbeiter es vorziehen, sich zeitiger pensionieren zu
lassen, und dazu finanziell besser in der Lage sind, so wuerde sie
kein ernsthaftes soziales Problem darstellen. Die Bedeutung dieser Entwicklung ist jedoch in der entgegengesetzten Richtung zu
suchen. Wenn es fuer die aelteren Arbeiter heute schwieriger ist,
eine Beschaeftigung zu finden, so sind hierfuer eine ganze Reihe
Faktoren verantwortlich zu machen. Die Beschaeftigungsmoeglichkeiten wurden mehr und mehr von landwirtschaftlichen Taetigkeiten
auf nichtlandwirtschaftliche Industrieberufe und von kleineren Familienbetrieben auf grosse Geschaeftsunternehmen uebertragen. Die
moderne Industrie, die ruecksichtslosere und unpersoenlichere Massstarebe anlegt, die groesseren Wert auf Schnelligkeit legt, und in
der es ueblich ist, willkuerlich Altersgrenzen fuer die Einstellung
und die Versetzung in den Ruhestand festzulegen, bietet Arbeitern
in vorgeschrittenem Alter verhaeltnismaessig geringe Beschaeftigungsmoeglichkeiten. Hinzu kam die Massenarbeitslosigkeit der
Dreissiger Jahre, die viele aeltere Leute veranlasste, die Suche
nach Arbeit aufzugeben, selbst wenn sie noch in der Lage waren,
produktiv in der Wirtschaft taetig zu sein.
Diese langzeitige Entwicklung steht in krassem Gerensatz zu
den Erfahrungen, die man in der Zeit von 1940 bis 1947~machen konnte. Der Uebergang von einer Depression in eine Wirtschaft der
Vollbeschaeftigung hatte zur Folge, dass wesentlich mehr Personen
im fuenften und sechsten Lebens Jahrzehnt erwerbstaetig waren. Infolgedessen wurde von 1940 bis 1947 trotz der beachtlichen Zunahme
des Lebensalters die durchschnittliche Dauer der Nichtbeschaeftigung nicht groesser.
Auf grund der Vorkriegstendenz und der neueren Erfahrungen
waehrend der letzten Dekade koennen fuer die Zukunft zwei verschiedene Auffassungen ueber die Dauer der Arbeitsfaehigkeit aufgestellt
werden. Zur besseren Veranschaulichung sind zwei Schaetzungen fuer

�die zu erwartende Dauer der Arbeitsfaehigkeit im Jahre 1975 aufgestellt worden. Der ersten Schaetzung legt man den Anteil der
juengeren Altersgruppen an der Erwerbsbevoelkerung von 1940 und
den staendig zurueckgehenden Prozentsatz der Erwerbstaetigen von
55 Jahren und darueber nach den Zahlen der Zeit von 1920 bis 1940
zugrunde. Bei der zweiten Schaetzung setzt man voraus, dass sich
der zahlenmaessige Anteil an der Erwerbsbevoelkerung von 1947
nicht aendert.
Bei beiden Voraussetzungen nimmt man an, dass die guenstige
Tendenz in der Sterblichkeit auch weiterhin anhaelt, was auch aus
den Voreusbestimmungen der Bevoelkerungszahlen zu ersehen ist, die
vom statistischen Buero der Vereinigten Staaten unlaengst veroeffentlicht wurden. Demnach betraegt im Jahre 1975 die Lebenserwartung eines 20-jaehrigen Mannes fast 73 Jahre im Vergleich zu
68 Jahren im Jahre 1947; im Alter von 60 Jahren wuerde sein durchschnittliches Lebensalter auf fast 77 Jahre erhoeht, das sind 1 1/2
Jahre mehr als im Jahre 1947.
Wenn man von der ersten Moeglichkeit ausgeht, die darin besteht, das3 der Zeitpunkt der Versetzung in den Ruhestand immer weiter vorverlegt wird, dann wuerde das durchschnittlich zu erwartende
Arbeitsalter eines 20-jaehrigen Mannes im Jahre 1975 das gleiche
sein wie im Jahre 1947, naemllch etwas weniger als 43 Jahre. Die
durchschnittliche Lebenserwartung im Ruhestand wuerde sich jedoch
auf fast 10 Jahre erweitern, verglichen mit fuenf Jahren im Jahre
1947 und weniger als drei Jahren (fuer maennliche Arbeiter der
weissen Rasse) im Jahre 1900.
Im Alter von 60 Jahren ist der Kontrast ebenso betont. Der
sechzigjaehrige Arbeiter, der im Durchschnitt noch fast 17 Jahre zu
leben hat, kann damit rechnen, nur noch acht Jahre erwerbstaetig
zu bleiben und neun Jahre im Ruhestand zu leben. Es ist daher zu
erwarten, dass die Dauer der Arbeitstaetigkeit mehr und mehr zurueckgeht und der Zeitraum, in dem sich der Arbeiter im Ruhestand
befindet, immer groesser wird.
Die zweite Moeglichkeit, die sich auf die Zusammensetzung der
Erwerbsbevoelkerung aus dem Jahre 1947 gruendet, fuehrt zu voellig
verschiedenen Ergebnissen. Die Zunahme der Gesamtlebensdauer
wuerde hauptsaechlloh der Dauer des Arbeitslebens hinzugefuegt
werden. Fuer einen Zwanzigjaehrigen wuerde sich das durchschnittlich zu erwartende Arbeitsleben im Vergleich zu 1947 um mehr als
drei Jthre steigern, und die Dauer des Ruhestandes ginge um 1 1/2
Jahre in die Hoehe. Die zukuenftige Dauer des Arbeitslebens wuerde
sich im Vergleich zu 1947 um fast ein ganzes Jahr erhoehen.
Bei diesen Vergleichen sind natuerlich nicht alle Faktoren
berücksichtigt, die die jeweilige wirtschaftliche Last abhaengiger
alter Leute beeinflussen koennen. Veraenderungen in der Altersstruktur der Bevoelkerung werden z.B. von erheblicher Bedeutung sein und
von den zukuenftigen Tendenzen der Geburtenziffer, der Zahl der
Einwanderer und der gesteigerten Lebenserwartung beeinflusst werden.
Die voraussichtlichen Kosten fuer Alterspensionen und aehnliche
Programme werden auch davon abhaengen, wie sich die Uhterstuetzungsansprueche, die Unterstuetzungsbetraege und andere Bestimmungen dieser Programme veraendern. Veraenderungen de3 durchschnittlichen
Einkommens- und Produktivitaetsstandes werden sich ebenfalls auf
die entsorechenden Kosten der Unterstuetzungsprogramme fuer alte
Leute auswirken.
Diese Vergleiche konzentrieren jedenfalls die Aufmerksamkeit
auf einen der wesentlichsten Gesichtspunkte des Problems der Versorgung alter Leute. Im einzelnen und im allgemeinen werden in den
- 3

�kommenden Dekaden wichtige Beschluesse in bezug auf die letzten
Lebensjahre und auf die Pensionierung und die fortgesetzte Erwerbstaetigkeit getroffen werden. Diese Beschluesse wiederum werden wesentliche Auswirkungen auf die Zahl der Erwerbsbevoelkerung des
Landes, das Sozialprodukt und auf den kuenftigen Lebensstandard
des amerikanischen Volkes zur Folge haben.
Tables of Working Life
US Arbeitaministerium
VII1/50
John W. Gibson, stellvertretender Arbeitsminister:
DIE KNOWLAND-GESETZESVORLAGE
Nach dem bundesstaatlichen System der Arbeitslosenversicherung
sind die einzelnen Staaten verpflichtet, sich an bestimmte J'lndestnormen zu halten. Die Zahl dieser festgesetzten Normen ist sehr
gering. Eine davon ist jedoch von groesster Bedeutung fuer die
Arbeiterschaft: die sogenannten Arbeitsnormen. Nach diesen Bestimmungen kann ein Einzelstöat einem Arbeiter die Arbeitslosenunterstuetzung nicht verweigern, wenn dieser einen neuen Arbeitsplatz
nicht annehmen will, der infolge eines Streiks oder anderer Arbeitsstreitigkeiten unbesetzt ist, oder wenn Löhne, Arbeitszeit und
andere Arbeitsbedingungen weit unter denen liegen, die in dem Bezirk vorherrschen, oder wenn er mit seinem Arbeitsantritt gezwungen waere, einer Betriebsgewerkschaft beizutreten oder aus einer
Gewerkschaft auszutreten, fuer die er sich bereits entschieden hat.
Die Knowland-Gesetzesvorlage bringt Vorlagen ueber die Abaenderung der Sozialversicherungsgesetze. Sie koennte, wenn sie zum
Gesetz wuerde, die bundesstaatlich festgelegten Normen im Arbeitslosenversicherungssystem ernsthaft gefaehrden. Insbesondere wuerde
sie dem Arbeitsminister jegliche Intervention verbieten, wenn ein
Staat diese Normen nicht einhaelt, es sei denn, dass dieser Nichteinhaltung eine Abaenderung des einzelstaatlichen Gesetzes durch
die gesetzgebenden Organe des Einzelstaates zugrundtliegt. Senator
Knowland behauptete, dass seine Gesetzesvorlage einzig und allein
den Zweck haette, den Arbeitsminister zu zwingen, solange zu warten,
bis ein derartiges Vorkommnis der Nichteinhaltung des Gesetzes von
den staatlichen Gerichtshoefen bearbeitet sei. Wenn man die Gesetzesaenderung jedoch genauer studiert, stellt man fest, dass der
Arbeitsminister nur dann Einspruch erheben kann, wenn die staatliche Behoerde fuer Beschaeftigungssicherheit die Beschluesse des
hoechsten staatlichen Gerichtes nicht befolgt hat; dabei ist es
gleichgueltig, ob diese Beschluesse den bundesstaatlichen Bestimmungen entsprechen oder nicht. Mit anderen Worten, jeder Staat koennte diese Bestimmungen verschiedenartig auslegen, ohne dass der
Arbeitsminister etwas hiergegen unternehmen koennte. Die KnowlandGesetzesvorlage kann infolgedessen die einzige auf bundesstaatlicher
Ebene geregelte Bestimmung der Arbeitslosenversicherung, naemlich
die der Arbeitsnormen, unterminieren. Wenn diese Gesetzesvorlage
zum Gesetz wuerde, waere es unmoeglich, die von Praesident Truman
vorgeschlagenen zusaetzlichen Arbeitslosenunterstuetzungen gesetzlich festzulegen, deren Koechstsatz woechentlich 30 Doller*zuzueglich der Beihilfen fuer unterstuetzungsbeduerftige Angehoerif-e betragen soll, und die 26 Wochen lang gezahlt wird. Den Befuerwortern der Knowland-Gesetzesvorlage wuerde e's bei einer etwaigen Bewilligung ohne Zweifel gelingen, die neuen bundesstaatlichen Bestimmungen zu unterhoehlen.
Wer steht hinter der Knowland-Gesetzesvorlage? Sie wurde von
dem Arbeitgeberverband an der Kueste des Pazifiks und den Reedern
der Westkueste geschaffen, weil der Arbeitsminister sie daran gehin-

�dert hatte, die Arbeiter gelegentlich mehrerer Streiks im Jahre
1948 zu uebervorteilen. Die Arbeitgeber der Kueste Kaliforniens
und Washingtons hatten es naemlich fertiggebracht, dass die
Appellationsgerichte dieser Staaten beschlossen, allen Gewerkschaftsmitgliedern, ob sie an den Streiks beteiligt waren oder
nicht, die Arbeitslosenunterstuetzung zu verweigern, selbst wenn
sie schon vor dem Streik arbeitslos waren und ünterstuetzungen
bezogen. Die gleiche Methode wurde bei einm Streik der Zimmerleute in Spokane (Washington) angewandt. Nachdem man sich beim
Arbeitsminister hierueber beschwert hatte, stellte dieser fest,
dass sich der Staat Washinton nicht an die bundesstaatlichen Vorschriften gehalten hatte, worauf die Gerichte sofort ihre Beschluesse fuer ungueltig erklaerten. Da die Entscheidungen der
kalifornischen Berufungsgerichte nicht zur allgemeinen Anwendung
kamen und versichert wurde, dass den Arbeitern, die nicht am
Streik beteiligt waren, die Arbeitslosenunterstuetzung nicht verweigert wuerde, wurde das Verfahren gegen den Staat Kalifornien
eingestellt.
Die erfolglosen Arbeitgeber der pazifischen Kueste haben sioh
im Kampf um die Durchsetzung der Knowland-Gesetzesvorläge im Hintergrund gehalten und Hessen ihre Interessen durch Stanley
Rector, den Kulissenschieber im Dienste der Vereinigung fuer Berater in ArbeitslosWunterstuetzungsfragen (Unemployment Benefit
Advisors, Inc.) vertreten. Diese Vereinigung ist eine von den
Arbeitgebern finanzierte Organisation, die urspruenglich in Wisconsin zu dem Zweck ins Leben gerufen wurde, die Arbeitgeber des
Staates Wisconsin zu beraten, wie sie sich der Verpflichtung zur
Zahlung von Betraegen zur Arbeitslosenunterstuetzung entziehen
koennten. Rector war vorher Rechtsberater der Abteilung fuer
Arbeitslosenunterstuetzung in der Industriekommission von Wisconsin. Er hatte diese Fosition aufgegeben, um fuer die Organisation
in Washii&amp;on die Gesetzgebung zugunsten der Unternehmer zu beeinflussen, eine Aufgabe, die ihm jaehrlich 20.000 Dollar einbringt,
und der er sich seit Jahren gewidmet hat; er hat alles moegliche
getan, um ein wirksames Sozialversicherungsprogramm zu sabotieren
und zu zerstoeren.
Offiziellen Angaben zufolge, ueber die der Kongress naoh dem
Gesetz ueber die Registrierung von Rechtsvertretern der Arbeitnehmerverbaende verfuegt, hatte die Vereinigung fuer Berater in Fragen
der Arbeitslosenunterstuetzung, die Rector als ihren Direktor bezeichnet, im Jahre 1949 Einnahmen in Hoehe von 102.415 Dollar und
36.175 Dollan an Ausgaben zu verzeichnen. In einem einzigen Quartal des Jahres 1949 hatte diese Vereinigung Zuwendungen von 499
Dollar und mehr von jedem einzelnen der 24 groessten Unternehmen
des Landes gemeldet. Die General-Motors in Detroit hat z.B.
3.500 Dollar an die Gesellschaft gezahlt, und die Zuwendungen der
folgenden grossen Unternehmen betrugen in jedem Einzelfall mehr
als 1.000 Dollar: J. Schitz Brewing Co., Milwaukee; Allis-Chalmers
Manufacturing Company, T.Cilwaukee; Atlantic Refining Company, Philadelphia; J. L. Hudson Company, Detroit; Marshall Field Company,
Chikago; American Cynamid Company, New York; und die American Can
Company, New York. Nicht zu vergessen sind Briggs und Stratton in
I'ilwaukee, die in einem einzigen Quertal mit je 800 Dollar diese
"wohltaetige" Organisation unterstuetzten, die dazu bestimmt ist,
der Arbeiterschaft die Lebensader abzuschneiden.
Rector hat -mehrere Schreiben abgefasst, in denen er den Zweck
der Knowland-Gesetzesvorlage entstellt und die Handlungsweise des
Arbeitsministers bei den Vorfaellen in den Staaten Kalifornien und
Washington kritisiert. In diesen Schreiben hat Rector absichtlich
die Tatsachen in einer Weise gefaelscht, dass sich die Unternehmer
benachteiligt glauben muessen. Rector behauptete, in Kalifornien
und Washington habe man den Mitgliedern der Seeleutegewerkschaften
5 -

�Harry Bridges' die Arbeitslosenunterstuetzungen verweigert. In
Wirklichkeit wer keine der vier streikenden Gewerkschaften weder
offiziell noch im geheimen mit Harry Bridges verbunden. Rector
deutete ausserdem an, dass "das Arbeitsministerium, um sich die
Staaten gefuegig zu machen, seine umfassenden willkuerlichen Vollmachten immer dann anwenden wuerde, wenn der Standpunkt der Gewerkschaften nicht mit dem der staatlichen Behoerden zu vereinbaren
sei. Er behauptete ausserdem, dass der Arbeitsminister nicht dem
Beispiel des frueheren Beauftragten fuer Sozialversicherung, Arthur
J. Altmeyer, folge und mit der Bearbeitung von Problemen nicht warte, bis die staatlichen Gerichtshoefe hierzu Stellung genommen
haetten. In Wirklichkeit waren zu der Zeit, als das Programm fuer
Beschaeftigungssicherheit von Altmeyer verwaltet wurde, viele
Streitfragen direkt bearbeitet worden, ohne dass die Gerichtshoefe
davon in Kenntnis gesetzt wurden. Die gleichen Leute, die unter
Altmeyer gearbeitet hatten, deckten die üebertretungen der Bundesgesetze in Kalifornien und Washington auf und unterrichteten den
Arbeitsminister darueber.
In einem Schreiben an seine Arbeitgeber behauptete Rector,
das Arbeitsministerium lasse es sich Tausende von Dollars kosten,
um auf dem Wege ueber die Administratoren der Behoerden fuer Beschaeftigungssicherheit die einzelnen Staaten davon abzubringen,
seine Gesetzesvorlage zu unterstuetzen. Er erklaerte ausserdem
woertlich: "Es ist anzunehmen, dass diese Geldzuwendungen den bundesstaatlichen Behoerden fuer die Kontrolle der Finanzen einzelstaatlicher Behoerden nicht unbekannt sind." Keine dieser Behauptungen entspricht der Wahrheit. Nicht das Aussenministerium wendet Tausende von Dollars auf, sondern die Administratoren der Einzelstaaten selbst, die sie fuer Telegramme an ihre Senatoren und
Repräsentanten und fuer persoenliche Besuche in Washington fuer
die Knowland-Gesetzesvorlage verwenden. Was die Behauptung betrifft, durch bundesstaatliche Geldzuwendungen an die Einzelstatten
wuerde ein Druck auf die Behoerden der Einzelstaaten ausgeuebt, so
ist dazu zu sagen, dass der Ezekutivausschuss der interstaatlichen
Konferenz in einer Resolution im vorigen Winter offiziell erklaerte, dass Geldzuwendungen des Bueros fuer Beschaeftigungssicherheit
niemals dazu verwendet wurden, auf die Einzelstaaten in irgendeiner
Weise einen politischen Druck auszuueben, und die Konferenz kann
dies zu jeder Zeit erneut versichern.
Das Arbeitsministerium ist gegen jede finanzierte Unterstuetzung dieser Gesetzesvorlage. Auf Rectors Betreiben haben die Unternehmer eine Unzahl von Briefen geschrieben, in denen sie sich
fuer die Gesetzesvorlage aussprechen und die schlimmsten Dinge
prophezeie», falls sie nicht bewilligt werden sollte. Ein Kongressmitglied hat uns z.B. einen Brief eines Unternehmers gezeigt,
in dem es heisst, dass das System der Arbeitslosenversicherung auf
bundesstaatliche Ebene ausgedehnt und die Unters tue tzun.^en erhoeht
und die Unterstuetzungszeiten verlaengert worden, wenn die Knowland-Gesetzesvorlage nicht zum Gesetz wuerde. Ich persoenlich
wuerde eine solche Entwicklung begruessen. Die Bewilligung der
Knowland-Gesetzesvorlage dagegen wuerde die Arbeitslosenversicherung zu einer Waffe machen, die in den Haenden der Unternehmer dazu
geeignet waere, Streiks ruecksichtslos zu brechen.
Einige Administratoren der einzelstaatlichen Arbeitslosenversicherungen arbeiten mit Rector Hand in Hand, weil sie natuerlich
froh waeren, von jeglicher bundesstaatlichen Kontrolle oder Ueberwachung frei zu sein - obwohl sie ihre Stellungen und die Gesetze
an erster Stelle der bundesstaatlichen Gesetzgebung zu verdanken
haben. Die meisten einzelstaatlichen Administratoren der Arbeitslosenversicherung, die im ganzen Lande eingesetzt sind, werden
von Rector und seiner Vereinigung fuer Berater in Arbeitslosenunterstuetzungsfragen an der Nase herumgefuehrt. Sie unterstuetzen und
t

- 6-

�und beguenstigen, sie ermoeglichen deshalb durch ihre Handlungsweise und die der interstaatlichen Konferenz eine antigewerkschaftliche Taetigkeit. Nur wenn die organisierte Gewerkschaftsbewegung
durch sofortiges Handeln, durch Telegramme und persoenliches Vorstelligwerden bei den Senatoren und Kongressmitgliedern und besonders bei den Mitgliedern der Konferenzen ueber die Abaenderung
der Sozialversicherungsgesetze dieser Sabotage entgegenarbeitet,
koennen wir hoffen, dass der Bestand dea bundesstaatlichen Systems
der Arbeitslosenversicherung gesichert bleibt.
Ich kann nicht genug darauf hinweisen, dass es bei allen Besprechungen im Verlaufe dieses Kongresses wichtig ist, sich der
luegnerischen Propaganda bewusst zu werden, die in diesem Lande
von Interessen getrieben wird, die denen unserer bundesstaatlichen
Verwaltung in Washington genau entgegengesetzt sind. Zum Abschluss
moechte ich dazu auffordern, das Fair Deal Programm zu unters tuetzen, weil es zu groesserem Wohlstand derer fuehren muss, die sich
ihren Lebensunterhalt erarbeiten muessen. Dieses Programm allein
wird dem amerikanischen Volke letzten Endes eine staerkere Wirtschaft und einen hoeheren Lebensstandard geben koennen.
US Arbeitsministerium
VII/19/50
WOHNUNGEN FUER RENTNER

Heutzutage wird den Problemen der aelteren Leute in England
eine besonders sorgfaeltige Beachtung geschenkt. Die seit 1945
erlassenen Gesetze sind weitgehend darauf ausgerichtet, ihnen
bessere Wohnmoeglichkeiten zu bieten.
Nach Paragraph 21 des Fuersorgegesetzes sind die obersten Be- •
zirksbehoerden verpflichtet, alten Leuten, die nicht mehr selbst
fuer sich sorgen koennen, Wohnungen zur Verfuegung zu stellen. Die
Wohnungen muessen ihnen bestimmte Erleichterungen, wie die unentgeltliche Inanspruchnahme von Hauswaeschereien, bieten. In einigen Faellen ermoeglicht man ihnen sogar Ferienaufenthalte.
Natuerlich wuerden viele alte Leute lieber in den Wohnungen
bleiben, die sie sich selbst eingerichtet haben, statt in die besonders fuer sie vorgesehenen Wohnblocks zu ziehen, obwohl diese
genuegend Raum fuer alle bieten.
Als weitere Dienstleistung sieht das Fuersorgegesetz vor, dass
die oertlichen Behoerden irgendwelche freiwilligen Organisationen
unterstuetzen, die die Kbsten fuer Erholungsaufenthalte und Kahlzeiten mittragen.
Ausserdem sollen die oertlichen Behoerden dafuer sorgen, dass
den alten Leuten in buergerlichen Restaurants Mahlzeiten zum Selbstkostenpreis verabreicht werden koennen. Einige Behoerden haben es
eingerichtet, dass Diabetiker und Wagenkranke mit den fuer sie erforderlichen Lebensmitteln versorgt werden, oder sie treffen mit
den Krenkenhaeusern Abmachungen, damit diese Leute durch die Diaetkuechen bekoestigt werden koennen.
Die Unterstuetzung im Haushalt ist nicht vergessen worden.
Man schaetzt, dass Dreiviertel jener Hilfen, wie sie im Paragranh
29 des Gesetzes fuer den Gesundheitsdienst vorgesehen ist, den
staendig Arbeitsunfaehigen und den alten Leuten zugutekommt.
Arbeitssparende Wohnungen sind fuer alte Leute besonders wichtig. Das Leben und Arbeiten in diesen kleinen 'Wohnungen erfordert
ein Minimum an koerperlicher Anstrengung. Es gibt keine Stufen und
- 7-

�keine dunklen Ecken. Die Mieten richten sich nach den Einkommen
aller Mieter, und fortschrittliche Wohnungsaernter uebernehmen
haeufig einen Teil der Kosten.
Uni einen Uindestlebensstandard zu gewaehrleisten, hat der
Fuersorgeausschuss erklaert, dass er zu niedrige Einkommen aus
eigenen Mitteln aufbessern wird.
In Zukunft kann jeder, dessen Einkommen nach Abzug der Miete
unter 43 1/2 Schillingen (etwa 25.50 DM) fuer ein Ehepaar liegt,
Unterstuetzung beantragen. Ein Ehepaar, das z.B. nach dem Versicherungsgesetz nur 42 Schillinge bezieht, wuerde eine zusaetzliche
Unterstuetzung von ein Schilling secha Pence und seine Miete erhalten.
Jeder, der nach dem Fuersorgegesetz Anspruch auf Unterstuetzung hat, kann sie erhalten. Wenn auch die Fuersorgebeamten wissen
wollen, wie hoch die Miete ist, und wieviel ein einzelner oder
eine Familie gespart hat, so wird diese Fuersorge doch ganz anders
gehandhabt als zu der Zeit, als die aelteren Arbeiter die verhasste
Ueberpruefung ihrer Mittel ueber sich ergehen lassen musste.
Heute braucht niemand mehr Schlange zu stehen, um den Fuersorgebeamten von seinen Noeten berichten zu koennen. Diese Beamten haben jetzt eine Sonderausbildung genossen und behandeln die
Faelle mit allem Wohlwollen unter Beachtung der Bestimmungen des
Fuersorgegesetzes. Wenn es gewuenscht wird, so besucht er einen
Antragsteller auch zu Hause.
Um ein Beispiel zu geben, wie man das Vermoegen berechnet,
greifen wir ein Ehepaar heraus, das von seiner Pension lebt. Wenn
das Ehepaar weniger als 350 Pfund Sterling an Kriegsanleihen pro
Person besitzt, wird dieser Betrag nicht baruecksichtigt. Das gleiche gilt fuer sonstige Ersparnisse bis zu einem Betrag von 74 Pfund
Sterling.
Ein Ehepaar kann deshalb 774 Pfund Sterling besitzen, ohne
dass dieses Vermoejen beruecksichtigt wird. Alle darueberliegenden Betraege werden so berechnet, dass jeder weitere Betrag von
25 Pfund Sterling einem woechentlichen Einkommen von einem halben
Schilling entspricht.
Zahlreiche andere Einkommensarten koennen ausserdem bei den
Berechnungen der Fuersorgebeamten unberuecksichtigt bleiben; so
z.B. bis zu 10 1/2 Schillingen woechentlich an Pensionen od-er Krankengeldern aus einer Gewerkschafts- oder Wohlfahrtskasse; 20 Schillinge woechentlich an Pensionen fuer Arbeitsunfaehige und 20 Schillinge woechentlich, wenn es sich um keine staendigen Einkommen handelt. In keinem Falle jedoch duerfen diese Einnahmen den Betrag
von 20 Schillingen ueberschreiten.
Gewerkschafter und alle anderen aktiven Buerger muessen sich
dafuer einsetzen, dass alle alten Leute in den Genuss dieser Hilfeleistungen kommen. V/eil sie nicht selbst so fuer sich sorgen koennen, wie es ihnen gebuehrt, muessen sie auf diese V/eise unterstuetzt
werden.
Labour, TUC Magazine
VI/ 50
KAUFLEUTE FORDERN WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT DER FREIEN WELT
Um eine Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern, ist es notwendig, nach und nach die internationalen Handelsschranken zu be-

�seitigen und eine hoehere Produktionsleistung der freien Welt anzustreben, erklaerten kuerzlich die Delegierten des 37. Lendeskonvents fuer Aussenhandel in New York in einer Verlautbarung, die
von dem Konvent gebilligt wurde.
Dieses Ziel laesst sich nur durch gemeinsames Handeln der
freien Nationen der V/elt ermoeglichen, heisst es in der Erklaerung
weiter. Die Ruestungs- und Zivilproduktion, die fuer den Freiheitskampf unerlaesslich sei, muesse von anderen Nationen und den
Vereinigten Staaten gemeinsam unterstuetzt werden.
Mehr als 8.000 Aussenhandelskaufleute und Investoren nahmen
an dem dreitaegigen Jahreskonvent teil, der von dem Nationalen
Handelsausschuss einberufen worden war.
In den von dem Konvent gebilligten Empfehlungen wird erklaert,
dass trotz der grossen Hilfsquellen und trotz des dynamischen
Wirtschaftssystems der Vereinigten Staaten diese allein der Aufgaben nicht Herr werden koennten, die der freien Welt gestellt
sind.
Der Kongress hob hervor, dass sich die freie Y/elt angesichts
der kommunistischen Aggression der Wiederaufruestung widmen muesse,
dass jedoch die wirtschaftlichen Erfolge, die durch den MarshallPlan erzielt worden seien, nicht aufs Spiel gesetzt werden duerften.
Die Delegierten verurteilten in scharfen Worten die engstirnigen Methoden, die eine fortschrittliche wirtschaftliche Entwicklung in Europa verhindern. In der Resolution hierzu heisst es:
"Es ist mehr als je zuvor ein Gebot der Stunde, dass die engstirnigen Meti öden des wirtschaftlichen Nationalismus einer wirksameren Zusammenarbeit unter den Nationen weichen, und dass die wirtschaftliche Traegheit, ob sie nun ein Ergebnis des Sozialismus
oder des monopolistischen Kapitalismus ist, durch ein Streben und
einen Drang nach einer dynamischen Konkurrenzwirtschaft ersetzt
wird. Nur auf diese Weise wird es moeglich sein, die Produktionsziele zu erreichen, die notwendig sind, um der Kachfrage nach
Ruestungs- und Zivilprodukten in dieser kritischen Zeit der Wiederaufruestung genuegen zu koennen.
Der Konvent forderte, dass die Handelskontrollen auf ein Minimum beschraenkt, die Zollverfahren vereinfacht, Exportkontrollen
auf Mangelwaren beschraenkt und laestige Restriktionen, wie Visa
und polizeiliche Bescheiningungen, aufgehoben werden.
Er forderte ausserdem die freie Konvertierbarkeit der Waetirungen und die Beseitigung der Kontrollen im Zahlungsverkehr als
wesentliche Ziele anzustreben.
Das Punkt-Vier-Programm wurde von dem Konvent gutgeheissen,
man verlangte weiter, dass ein staendiger Kapitalfluss zur Investierung in unterentwickelten Gebieten gesichert und gefoerdert
wird.
ECA Labor Information
XI/16/50
STEIGERUNG DER KAUFKRAFT - DIE BESTE ABWEHR DES TOTALITARISMUS
Durch den Marshall Plan, dem amerikanischen Hilfsprogramm
zur Wiedergesundung der demokratischen Nationen Europas, ist eine
erstaunliche Wandlung der Dinge eingetreten.
9 -

�Dieser Plan besteht seit ueber zwei Jahren. Er hat viel
zum Wiederaufbau beigetragen, aber in einigen Laendern sind die
Riesenerewinne hieraus allein den Geschaeftsleuten und der Industrie zugeflossen. Fuehrende Beamte der Marshall-Flan-Verwaltu
haben nun erklaert, dass hier eine Aenderung eintreten muesse.
Einise Beamte haben auf ihren Auslandsreisen festgestellt, dass
der Kommunismus nicht besiegt werden kann, wenn die amerikanische
Hilfe nur den Unternehmern groessere Gewinne einbringt, ohne die
tCaufkre-ft der ^rbeiterloehne zu steigern.
Diese Erkenntnis hat dazu gefuehrt, dass der neue Leiter
der Mershall-Plan-Verwaltung, William C. Foster, ein ehemaliger
Industrieller der Stahlindustrie, den europaeischen Unternehmern
rundweg erklaerte, dass sie den Lebensstandard des Volkes heben
muessten, wenn sie wirklich den Wunsch haetten, die kommunistische
Gefahr abzuwenden.
Funktionaere amerikanischer Gewerkschaften und Gewerkschaftsvertreter innerhalb der Marshall-Plan-Verwaltung haben dies schon
vor langer Ziet betont, und sie sind selbstverständlich erfreut,
wenn Industrielle wie Foster ihren Standpunkt jetzt teilen.
Foster gab seine sensationelle Erklaerung vor einer Gruppe
europaeischer Betriebsleiter der Eisenbahnen und jener Fabriken
ab, die Ausruestungsgegenstaende fuer die Eisenbahnen herstellen.
Die Gruppe hatte sechs Wochen lang in den Vereinigten Staaten die
Methoden der Eisenbahngesellschaft "Iron.Korse" und der Zubringerindustrien fuer die Eisenbahn studiert.
Der Leiter der ECA sagte, er hoffe, dass sie die treibende
Kraft erkannt haetten, die hinter der amerikanischen Wirtschaft
stehe - das heisst, die staendig sich steigernde Massenproduktion»
mit der ein Massenabsatzmarkt beliefert wird, in dem jeder einzelne ueber eine hohe Kaufkraft verfuegt.
Wir legen grossen Wert darauf, dass die Fruechte der Produktionsleistung gerecht verteilt werden. Diese gerechte Verteilung
ist zumindest teilweise den von den Gewerkschaften gefuehrten Verhandlungen mit. den Unternehmern zu verdanken.
"Wenn nur wenige Leute in den Genuss der Fruechte der Massenproduktion kommen, koennen auch nur wenige etwas kaufen," erklaerte Foster warnend. "Bittere Erfahrungen haben uns zu dieser Erkenntnis gebracht."
Er betonte darauf, dass sich die Industriellen Europas diese
Erkenntnis zunutze machen sollten und die Gewinne aus der gesteigerten Produktionsleistung durch hoehere Loehne bei kuerzerer Arbeitszeit gerecht verteilen.
Mr. Leon Dayton, der Leiter der Marshall Plan-Mission fuer
Italien, sprach eine aehnliche Warnung aus. Er sagte den italienischen Unternehmern unumwunden, dass sie Gefahr liefen, den Koramu
nisten die Macht in die Ilaende zu spielen, wenn sie der grossen
Masse des Volkes nicht mehr Kaufkraft in die Haende gaeben.
Er warf einigen italienischen Unternehmern vor, zu grosse Gewinne erhaschen zu wollen und Preise festzusetzen, die das Fuenffache der Gestehungskosten betragen.
Vor den Eisenbahnunternehmern sprach in Washington ausserdem
Bert M. Jewell, ein altes Mitglied der Sisenbahnergewerkschaften.
Jewell ist jetzt erster Berater fuer Arbeitsfragen bei der Marshall-Plan-Verwaltung. Jahrelang fuehrte er die Eisenbahnerabtei- 10 -

�lunc der AFL und ist seit fast einem halben Jahrhundert Mitglied
der Kesselbauergewerkschaft.
Woertlich sagte Jewell zu der Unternehmergruppe: "Die Arbeiter der amerikanischen Eisenbahnen haben sich schon immer fuer
gesteigerte Produktion und hoehere Produktionsleistung eingesetzt,
sie haben aber auch auf ihrem ihnen zustehenden Anteil an den Gewinnen bestanden."
Die Gewerkschaften haetten sich ihre Erfolge allerdings schwer
erkaempfen muessen; die Streitigkeiten mit den Unternehmern haetten
dazu gefuehrt, dass die Eisenbahnen heute nominell in den Kaenden
der Regierung liegen.
Jewell fuegte hinzu, er wuensche nicht, diese Spannungen zu
verbergen, aber ebenso muesste man auch wissen, dass zwischen Gewerkschaften und Eisenbahngesellschaften in Fragen, die fuer beide
Teile von Bedeutung und Interesse sind, eine gute Zusammenarbeit
geleistet worden ist.
Er fuehrte zahlreiche Beispiele aus der Gesetzgebung und anderen Gebieten an, in denen die beiden Vertragspartner erfolgreich
zusammengearbeitet haben.
•

Labor
X/28/50
AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTEN UND EUROPASISCHES WIEDERAUFBAUPROGRAMM
Der Direktor der Abteilung fuer Arbeitsfragen in der MarshallPlan-Verwaltung in Europa, Boris Shishkin, der als amerikanischer
Gewerkschafter eine fuehrende Stellung in der Marshall-Plan-Verwaltung bekleidet, befand sich vor kurzem in den Vereinigten Staaten, um Praesident Truraan Bericht zu erstatten. In seiner an die
arbeitende Bevoelkerung der Vereinigten Staaten gerichtete Ansprache erküa erte Boris Shishkin:
"Die durch den Marshall-Plan erzielte Verbesserung dss Lebensstandards der Arbeiterschaft muss beibehalten und gesteigert werden, wenn die Verteidigungsbemuehungen der freien Welt von Erfolg
sein sollen. Diese Verbesserung stellt einen Faktor der inneren
Sicherheit Westeuropas dar, der ebenso wichtig ist wie die aeussere
Sicherheit.
"Die Gewerkschaftsprogramme des ERP gewinnen mehr und mehr an
Bedeutung. Die Marshall-Plan-Verwaltung baut einige dieser Programme weiter aus, wie z.B. den Austausch europaeischer und amerikanischer Studiengruppen, die Koordinierung der Arbeitsvermittlungsaemter der Teilnehmerstaaten, die Berufsausbildung der Arbeiter und
die Verwendung der Gegenwertfondsmittel fuer die Durchfuehrung billiger Wohnungsbauprojekte.
"Die franzoesischen und italienischen Arbeiter verstanden anfaenglich nicht, dass dieser Plan ihnen helfen sollte. Nachdem
jedoch diese Programme, die Maschinen und andere Hilfeleistungen
der ECA dazu beigetragen haben, die Produktion zu steigern und den
Lebensstandard der Arbeiter zu verbessern, beginnen sie einzusehen,
dass der Marshall Plan keine leere Phrase ist, sondern den Zweck
hat, ihnen unter Wahrung des Rechtes zu helfen, freie Franzosen
und Italiener zu bleiben.
"Trotzdem besteht noch immer das grundlegende Problem des
niedrigen Lebensstandards und besonders der zu geringen Realloehne.
- 11 -

�Zweifellos muesseji in bestimmten Laendern und vornehmlich in
Frankreich Massnahmen ergriffen werden, um den zu niedrigen Lebensstandard der Arbeiter schneller zu heben.
"Man muss sich jedoch darueber im klaren sein, dass die demokratischen Regierungen dieser Laender und nicht die Marshall-PlanVerwaltung die Verantwortung fuer diese Programme und fuer ihre
Durchfuehrung zu uebernehmen haben. Die Verbesserung der Loehne
in Frankreich und den anderen Laendern ist eine Aufgabe, die von
den freien Gewerkschaften durch Kollektivverhandlungen geloest
werden muss.
"Zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Verteidigung Westeuropas gegen Aggressionen ist dringend eine Politik erforderlich,
die eine gerechte Besteuerung gewaehrleistet und die Ausbreitung
von Monopolen, die die europaeische Industrie beherrschen, verhindert.
"Aber diese politischen Programme und diese Verbesserungen
und Reformen muessen von den europaeischen Laendern selbst unter
tatkraeftiger Unterstuetzung der freien Gewerkschaftsbewegung eingeleitet werden."
Gewerkschaftliches Naohrichtenblatt des
Gewerkschaftlichen Beratungsausschusses des SRP
XI/10/50
LAB PUR PARTEI ENGLANDS BILLIGT WALTER REUTKERS PLAN
Zwanzig Parlamentsmitglieder der Labour-Partei haben in dieser Woche der britischen Labour-Regierung den Plan des Vorsitzenden der Automobilarbeitergewerkschaft des CIO, Walter Reuther,
fuer eine "Totale Friedensoffensive" unterbreitet.
Zu den 20 Abgeordneten gehoeren R. Sorensen und Fenner Brockway, zwei altbewaehrte Sorecher der Labour-Partei fuer die Rechte
der Kolonialvoelker. Die Abordnung schlug in einer Ergaenzung
der Rede des Koenigs vor, dass die Regierung die ausfuehrlichen
und schoepferischen Vorschlaege Walter Reuthers vom Kongress der
Industrieverbaende der Vereinigten Staaten in Betracht ziehen und
hierzu bald eine Erklaerung abgeben moege.
Die Rede des Koenigs, mit der jede Eroeffnungssitzung des
englischen Parlaments beginnt, wird fuer ihn von der Regierung aufgesetzt. In ihr werden wichtige Gesetze behandelt, die die Regierung waehrend dieser Parlamentssitzung einzufuehrsn beabsichtigt,
und die Regierung nimmt ausserdem zu wichtigen Tagesfraren Stellung.
In der Rede des Koenigs wurde zum Ausdruck gebracht, dass
die Regierung die Bemuehungen der Fachabteilungen der Vereinten Nationen zur Verbesserung des Lebensstandards-in verarmten oder
rueckstaendigen Gebieten unterstuetzt. Die Regierung verpflichtete
sich ferner, weiterhin Plaene zu studieren, die die wirtschaftliche
Entwicklung Sued- und Suedostasiens foerdern. "Meine Regierung,"
sagte der Koenig, "wird sich auch in Zukunft um die Entwicklung
der Kolonialgebiete und die Wohlfahrt dieser Menschen kuemmern und
durch entsprechende Gesetzgebung die fuer diesen Zweck nach dem
Gesetz fuer koloniale Entwicklung und Wohlfahrt (1945) zur Verfuegung gestellten Summen ergaenzen."
Der wesentlichste Punkt des Reuther-Planes ist ein Vorschlag
an die Vereinigten Staaten, den Vereinten Nationen jaehrlich 13
Milliarden Dollar zur Verfuegung zu stellen, um "den Menschen in
- 12 -

�anderen La endern zu helfen, durch Entwicklung und Erweiterung
ihrer wirtschaftlichen Hilfsquellen und Moeglichkeiten sich selbst
zu helfen." Den Vereinten Nationen soll die uneingeschraenkte Kontrolle ueber diese Fonds uebertragen werden.
Der Nachtrag zur Koenigsrede wurde von H. C. Usborne vorgetragen. Er wurde befuerwortet von Sorensen, Brockway, Douglas
Houghton, A. C. Manual, einem langjaehrigen Funktionaer der Eisenbahningenieure und Vorarbeiter, Charles Grey, ein Bergarbeiter aus
Durham, Rhys Davies, ein ehemaliger Funktionaer der Gewerkschaft
der Arbeiter des Verteilergewerbes und aehnlicher Berufe und einer
der ersten Organisatoren der Fabrikarbeiter Englands, W. T. Procter,
ein frueherer Funktionaer der Nationalgewerkschaft der Eisenbahner,
und mehreren bekannten Journalisten, darunter Michael Foote, dem
Herausgeber der "Tribüne", und R. H. S. Crossman.
Mittlerweile beschaeftigt sich die Forschungsabteilung der
Labour-Partei eifrig mit der Ausarbeitung des "Weltplans fuer gegenseitige Hilfe," ueber die kuerzlich in der Erklaerung der LabourPartei, "Gewerkschaften und die moderne Gesellschaft" berichtet
wurde. In diesem Zusammenhang wird die "Totale Friedensoffensive"
Valter Reuthers ausfuehrlich eroertert.
Informationsabteilung der ECA LIission
fuer England
XI/9/50
:.IA?:GJ:L AN FACHARBEITERN IN AMERIKA

Waehrend die Produktionsleistung des einzelnen Arbeiters in
Amerika ihren hohen Stand beibehaelt und die Arbeitgeber bestrebt
sind, Arbeitskraefte fuer die Ruestungsproduktion zu finden, macht
sich in den Industriezentren des Landes der Mangel an Facharbeitern
immer staerker bemerkbar. Im vergangenen Monat ist die Zahl der
zur Verfuegung stehenden Arbeitsplaetze weiterhin leicht angestiegen. Besonders fuer die Metallberufe herrscht eine grosse, schwer
su befriedigende Nachfrage nach Facharbeitern. Dieser staendige
Tfengel in der Metallindustrie in einer Zeit verhaeltnismaessig geringer Ruestungsproduktion ist besonders kennzeichnend fuer die
zu geringen Facharbeiterreserven in Amerika.
Die Zahl der nichtbesetzten Arbeitsplaetze in nichtlandwirtschaftlichen Berufen, die den arbeitsstatistischen Aemtern der einzelnen Staaten gemeldet wurden, erhoehte sich un annaehernd ein
Viertel auf insgesamt 32.934. Hiervon waren wenig mehr als 10%
bei den oeffentlichen Arbeitsvermittlungsaemtern registriert.
In den gelernten und angelernten Berufen^ war die Zunahme der
offenen Arbeitsplaetze am augenfaelligsten. Der Bedarf an Arbeitskraeften in diesen Berufsgruppen betraegt gegenwaertig zwei Drittel
der gesamten Zahl der offenstehenden Arbeitsplaetze, wobei der
Bedarf in der Kategorie der gelernten Berufe am groessten ist.
Die Zahl des zur Verfuegung stehenden Buero- und Verkaufspersonals
und der ungelernten Arbeitskraefte belaeuft sich auf 8% der Gesamtnachfrage. In der Landwirtschaft hat sich die Zahl der nichtbesetzten Arbeitsplaetze um 7.500 auf ueber 39.000 gesteigert. Der
groesste Teil hiervon erstreckt sich auf landwirtschaftliche Helfer
fuer Baumwollfarmen, vornehmlich in Arkansas und Arizona.
Der Mangel an gelernten und angelernten Arbeitern hat sich
auf eine beschraankte Zahl von Berufsgrunpen konzentriert. In
zehn verschiedenen Arten gelernter Berufe, die mehr als die Haelfte aller offenstehenden Arbeitsplaetze umfassen, war die Steigerung
der Nachfrage nach Arbeitskraeften am groessten. Ein besonders
- 13 -

�grosser Mangel an Maschinisten herrscht vor allem in Pennsylvanien, Kansas und Oregon.
In etwa 26 Staaten ist kaum damit zu rechnen, dass die Nachfrage nach fast 1.000 Werkzeug- und Mustermachern gedeckt werden
kann. Ueber 20 Staaten, darunter vor allem Pennsylvanien, Connecticut, Ohio und Wisconsin berichten von oertlichen ungedeckten
Fachfragen nach Drehern und Fraesern. In Kansas und Kalifornien
herrscht ein betraech^licher Mangel an gelernten Arbeitern fuer
den Flugzeugbau. Verhaeltnisraaessig gross ist auch die Zahl der
fehlenden Facharbeiter fuer den Kraftfahrzeugmotorenbau, die
Flugzeugmechanik und - reparatur, die Blech- und Elektroindustrie,
die Formerei und Giesserei.
Die bedeutsamste Entwicklung in der Kategorie der angelernten Berufe ist die Zunahme der offenstehenden Arbeitsplaetze fuer
Holzfaeller, Floesser und Arbeiter der holzverarbeitenden Industrie, deren Zahl sich von 3,600 auf insgesamt 5 X 0 gesteigert
hat. Vier Fuenftel dieser Arbeiter werden in dem Staate Maine benoetigt.
Ebenso gross ist die Nachfrage nach Elektro» und Maschineningenieuren, nach gelernten Krankenschwestern und Zeichnern. An
Buero- und Verkaufsberufen sind die der Stenographen und Stenotyoisten am meisten gefragt. Etwa 29 Staaten berichten von 1.758
offenen Arbeitsplaetzen fuer diese Berufe; die groesste Nachfrege
wird aus Ohio, Illinois, Minnesota, Virginia, Iowa und dem Bezirk
Columbia gemeldet.
The Labor Market and Employment Security
X/50
"CIO STAERKER ALS JE ZUVOR"
"Der Kongress der Industrieverbaende (CIO) ist staerker, einiger und entschlossener als je zuvor, die demokratischen Grundsaetze zu verwirklichen," erklaerte Praesident Philip Murray in
seiner Eroeffnungsrede zum 12. Kongress des CIO in Chikago.
Der CIO ist eine der bedeutendsten GewerkschaftsOrganisationen der Vereinigten Staaten mit einer Gesamtmitgliedzahl von
etwa sechs Millionen, in der viele Arbeiter der Grundstoffindustrien organisiert sind.
In seinem Jahresbericht an den Kongress hielt Murray einen
Rueckblick auf die Erfolge der Organisation in in- und auslaendischen Angelegenheiten. Er erklaerte den Mitgliedern, dass "sie
auf die Tatsache stolz sein koennen, in einer schweren Zeit der
amerikanischen Geschichte eine Organisation aufgebaut zu haben,
die zum Bollwerk der demokratischen Gesellschaftsordnung geworden
ist." Er erinnerte daran, dass er kurz nach Beginn der Aggression
in Korea Praesident Truman mitgeteilt habe, dass "der CIO alle
Anstrengungen unterstuetze, die darauf gerichtet sind, dieser
kommunistischen Aggression einen Riegel vorzuschieben und den Frieden in Asien wiederherzustellen. Wir billigen ebenfalls die Entschliessung der Vereinten Nationen, diesen Friedensbruoh durch
die nordkoreanische Regierung abzulehnen, und wir billigen es,
dass Sie dieser Entschließung prompt ihre Zustimmung zugesichert
haben."
"Mit der Ablehnung dieser kommunistischen Aggression in Korea
haelt der CIO an seiner traditionellen Gewohnheit fest, sich
Kriegstreibern zu widersetzen und fuer den Weltfrieden zu arbeiten."
- 14 -

�Murray erinnerte ausserdem daran, dass der CIO die auslaendischen HilfsProgramme der Vereinten Nationen immer unterstuetzt
hat,
die den Zweck haetten, die Lebensbedingungen der Arbeiter
anderer Laender zu verbessern und die Demokratie gegen die Propagandaversprechungen der kommunistischen Bewegung zu staerken.
Bezugnehmend auf das europaeische Wiederaufbauprogramm wies
er darauf hin, dass Funktionaere des CIO eine Reihe von Vorschlaegen zur Verbesserung dieses Programms angeboten haetten, "damit
die amerikanische Hilfe den Arbeitern und Bauern zugutekommt den beiden Gruppen, die unsere Hilfe am dringendsten benoetigen."
Zum Punkt-Vier-Programm Praesident Trumans fuer die wirtschaftliche und technische Unterstuetzung unterentwickelter Gebiete erklaerte Murray:
"Seit der kommunistischen Aggression in Korea hat dieses
Programm staendlg an Bedeutung gewonnen. Obwohl der CIO von der
Notwendigkeit eines umfassenden Ruestungsprogramms zur Verteidigung der freien Welt gegen Aggressionen voeliig ueberzeugt ist,
hat er unaufhoerlich gefordert, dass wir die Programme zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen fortsetzen muessen,
wenn, wir unsere Ziele erreichen wollen."
Wie in frueheren Jahren forderte Murray, dass den Gewerkschaften in den hohen Exekutivausschuessen der Regierung eine staerkere
Vertretung gewaehrt wird:
"Die Fuehrer der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung sind
mit der Forderung nach einer groesseren Beteiligung der Gewerkschaften an der Aussenpolitik bestrebt, die Errungenschaften zu
wahren, die jedem amerikanischen Buerger wert und teuer sind:
Demokratie und Freiheit."
In einer Stellungnahme zu dem Internationalen Bund Freier
Gewerkschaften, der im vorigen Jahre von Gewerkschaftsvertretern
aus 53 verschiedenen Laendern in London gegruendet wurde, bemerkte Murray, dass sowohl der CIO als die AFL, die beiden bedeutendsten
Gewerkschaftsvereinigungen der Vereinigten Staaten, sich als Mitglieder und rueckhaltlose Unterstuetzer dieser neuen internationalen Organisation fuehlen.
"Wir sind ueberzeugt,"sagte er, "dass der IBFG in den kommenden Jahren bedeutsame und konstruktive Beitraege zur Wohlfahrt der
Gewerkschaftsbewegungen in allen Teilen der Welt leisten wird,
und dass seine Taetigkeit fuer Millionen von Menschen von Nutzen
sein werde."
Zu den Vorgaengen im Inland berichtete Murray, dass der CIO
die kommunistische "Hemmungskampagne" ueberwunden habe , die der
Organisation in der Vergangenheit dadurch hinderlich gewesen sei,
dass man seit dem Kongress von 1949 elf kommunistisch beherrschte
Mitgliedsorganisationen ausgestossen und die kommunistischen Durchdringungsversuche voeliig vereitelt habe.
"Ich bin gewiss, dass binnen kurzem der Einfluss der kommunistischen Partei in der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung endgueltig und vollkommen beseitigt sein wird."
Zu den Fortschritten der Organisation auf wirtschaftlichem
Gebiet versicherte der Praesident des CIO, dass das "Programm seiner Organisation einen bisher ungekannten Grad an Sicherheit und
Stabil!taet in Millionen amerikanischer Familien gebracht hat."
- 15 -

�Auf die Erhoehung der Stundenloehne in den HerstellerIndustrien von 66.1 Cents im Jahre 1940 auf 1,43 Dollar in der ersten
Haelfte des Jahres 1950 und auf die Steigerung der Woohenloehne
von 25,20 auf 57,12 Dollar eingehend, sagte Murray:
"Die von den Gewerkschaften des CIO aufgestellten Masstaebe
wurden auf Millionen von Lohn- und Gehaltsempfaengern im ganzen
Lande ausgedehnt. Bestimmungen ueber Krankenunterstuetzungen und
Pensionen sind in den letzten Jahren zu einem selbstverstaendlichen Bestandteil der Tarifvertraege des CIO geworden. Fast in
allen Industrien gibt es bezahlten Urlaub und Ueberstundenbezahlung
fuer Sonnabend-, und Sonntags- und Feiertagsarbeit.
Daily Wireless Bulletin
XI/20/50
H0ECHST5R STAUDAMM D&amp;R WELT ENTSTEHT IN DEN FRANZOESISCHEN ALPEN
Der hoechste Staudamm der Welt wird von der franzoesischen
Slektrizitaetsgesellschaft "Electrioite de France" bei Tignes in
den franzoesischen Alpen gebaut. Der Bau wird ohne die ueblichen
unters tuetzenden Strebepfeiler ausgefuehrt; die Hoehe des Dammes
betraegt 187 Meter, das sind 0,30 m mehr als der groesste amerikanische Staudamm gleicher Bauweise. Zwei franzoesische Ingenieure, Jean Audy und F. Combe, haben im Rahmen des Marshall-PlanProgranms fuer technische Unterstuetzung eine neunwoechige Studienreise nach den Vereinigten Staaten unternommen, um festzustellen, wie die Arbeit an dem neuen Staudamm in Tignes beschleunigt werden kann. Sie studierten amerikanische Masohinen, die den
in Tignes angewendeten gleich sind, und hielten sich 15 Tage lang
an dem Staudamm "Hungry Horse" in Glory Hole, Montana,* auf. Dieses Bauprojekt ist ebenfalls dem Projekt in Tignes sehr aehnlich.
Marshall Plan News
1-4
BILLIGERE SCHUHE
Das Programm fuer technische Unterstuetzung der MarshallplanVerwaltung hat bei verhaeltnismaessig geringem Kostenaufwand gute
Ergebnisse gezeitigt. So verbrachten zum Beispiel 18 Experten
aus der franzoesischen Schuhindustrie im Fröhjahr dieses Jahres
sechs Wochen in den Vereinigten Staaten. Fuer das Projekt waren
22.000 Dollar erforderlich, einschliesslich der Kosten fuer drei
Dolmetscher. Unter den Besuchern befand sich Bernard Charrois
von der Schuhfabrik Picard. Er ist technischer Direktor und fuer
den Entwurf der Modelle und die Planung der Produktion verantwortlich. Nach seiner Rueckkehr entwarf er neue Modelle unter Beruecksichtigung der in den Vereinigten Staaten festgestellten Prinzipien. Allein durch diese Aenderung konnte er den ^reis fuer ein
Paar Schuhe, der vorher 3.000 Francs betrug, um 600 Francs oder
20$ reduzieren.
Marshall Plan News
1-4

16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Di« folgenden Artikel •teilen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar «ad dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kaaa uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 39

Frankfurt, 1. Lezenber 1950

I N H A L T S V E R Z E I C H N I

5

Kriegsgewinne verstaatlichter britischer Stahlindustrie unnoeglich - - - - - - - - - - - -

1

Die Lage der Gewerkschaften in Venezuela

3

- - -

Das US-Arbeitsministeriun und seine Funktionen

5

50 Jahre Kanadische Gewerkschaften

- - - - - -

9

- - - - - - - - - - -

n

Der CIO zun Suropaelschen Y/ieäeraufbauprogramm

14

Berufsschulen in Holland

Produktionssteigerung verhindert Inflation

- - 15

KRIEGSGEWINNE VERSTAATLICHTER BRITIfCHER STAKLINDUlTKIa LTw'O^GLICIi
Groessere Produktion, hoehere Leistungsfaehigkeit und Ausschliessung jeglicher Gewinne bei der A'iederaufruestung sind die
drei ^rossen Vorteile, die die britische Labour-Partei in der
Verstaatlichung der britischen Stahlindustrie sieht.
Die Regierung wird am 15. Februar 1951 die Aktien und Schuldverschreibungen von 92 Eisen- und Stahlgesellschaften uebernehnen.
Die Besitzer werden Schuldverschreibungen der Regierung erhalten,
die mit 3# verzinst werden. Vorher wurden ihnen durchschnittlich
fuenf bis sechs Prozent Zinsen gezahlt. Die Regierung ist jedoch
der Ansicht, dass der neue Zinssatz in Anbetracht der groesseren
Sicherheit der neuen Aktien durchaus gerechtfertigt isv.
Die Anhaenger der Labour-Partei erklaeren, die Verstaatiichun.'•
sei notwendig, um die Stahlindustrie erweitern und äer T-edarf fu.jr
- 1-

�die Wiederaufruestung und die zivile Wirtschaft decken zu koennen
und ausserdem die umfangreichen Plaene zur Entwicklung der rueckstaendigen Unternehmen durchfuehren zu koennen, die die Gewerkschaften ausgearbeitet haben. Sie weisen darauf hin, dass sich
die Stahlmagnaten vor dem Kriege einer Erweiterung und Modernisierung ihrer Industrie mit Erbitterung widersetzten. Schliesslich
haben sie sich jedoch angesichts der drohenden Nationalisierung
eines besseren besonnen. Aber die Wohlfahrt des Landes, sagen
die Mitglieder der Labour-Partei, duerfe nicht von den Entscheidungen einer Handvoll reicher Leute abhaengen.
Auch die groessere Leistungsfaehigkeit ist ein Ziel der
Labour-Partei. Die Gesellschaften werden so, wie sie sind, uebernommen, und im Anfang werden auch keine wesentlichen Aenderungen
vorgenommen. Mit der Zeit werden sie jedoch mehr und mehr kombiniert werden, damit ihre Leistungsfaehigkeit gesteigert werden
kann. Veraltete Betriebe sollen aufgegeben und modernere gebaut
werden. Die durchschnittliche Groesse der englischen Stahlunternehmen ist so, dass die 92 Betriebe zusammen nur halb soviel erzeugen wie ein einziges amerikanisches Unternehmen,die "US Steel",
und nur wenig mehr als das Unternehmen "Bethlehem".
Die Labour-Partei. sagt ausserdem, dass sich die englischen
Arbeiter mit groesserer Energie an den »Yiederaufruestungsanstrengungen beteiligen wuerden, wenn sie wissen, dass privaten Aktienbesitzern nicht noch mehr Geld in ihre Taschen fliesst. Die
Stahlindustrie ist massgebend fuer die gesamte V/iederaufruestung.
Mit der Uebertragung ihrer Besitzrechte an die Oeffentlichkeit
wird die Tatsache umso staerker hervorgehoben, dass man sich zum
Schutze der Demokratie in England und nicht zum Vorteil des Grosskapitals zur -Viedereufruestung entschlossen hat.
Wie steht es nun mit den Stahlarbeitern selbst? Das Verhaeltnis zwischen ihnen und ihren ürbeitgebern ist lange nicht S D
schlecht wie in den Bergwerken vor ihrer Verstaatlichung. Seit
einer Generation hat es tatsaechlich keinen bedeutenden Streik gegeben. Die Stahlarbeitergewerkschaften sind jedoch seit 1932 bestrebt, die Stahlindustrie zu verstaatlichen, und die Kandidaten
der Labour-Partei haben sich in den grossen Industriestaedten der
Stahlindustrie bei den Wahlen im Februar die meisten Stimmen sichern koennen.
Die grosse Sorge der Stahlarbeiter ist die Gefahr der Betriebsstillegung in Zeiten wirtschaftlicher Depressionen. Um ihren Teil
zu den Wiaderaufbaubemuehungen beizutragen, haben sich die Gewerkschaften im Jahre 1948 entgegen ihrem Programm rr.it einem siebentaegigen ununterbrochenen ürbeitsgan^ an den Hochoefen einverstanden erklaert. Die Gewerkschafter der Stahlindustrie wuenschen jedoch nicht, eines Tages keine Arbeit mehr zu haben. Sie sehen
deshalb, kurz gesagt, in der Verstaatlichung eine groessere Sicherheit fuer ihre Arbeitsplaetze.
Churchill und seine konservativen ünhaenger haben damit gedroht, die Stahlindustrie wieder in Privatbesitz ueberzufuehren,
wenn sie die neechsten Wahlen gewinnen sollten. Das Volk ist zum
groessten Teil jedoch hiermit nicht einverstanden. Der DurChschnittsenglaender sieht in der Verstaatlichung der Stahlindustrie
keine Gefahr fuer seine Lebensweise und seine Lebenshaltung.
Daily News Service
Labor Press Association
X/24/50
2 -

�DIE LAGE DER GEWERKSCHAFTEN IN VENEZUELA
Weder in den Kreisen der Regierung noch der Industrie Venezuelas leugnet man es ab, dass die Gewerkschaftsfuehrer dieses
Landes Repressalien ausgesetzt sind. Waehrend die Gewerkschafter
jedoch der Ansicht sind, dass diese Massnahmen ihre Bewegung zerstören sollen, behauptet die Regierung, die Gewerkschaftsbewegung
sei nur deshalb in Mitleidenschaft gezogen, weil sie zu enge Beziehungen zu der Partei fuor Demokratische Aktion unterhalte. Der
Arbeitsminister versicherte, er sei sich der Tatsache bewusst, dass
die Koalitionsfreiheit im engen Sinne des Wortes im Vergleich zu
den hochentwickelten Laendern Europas und Nordamerikas in Venezuela
nicht bestehe, und dass sich an dieser Lage solange nichts aendern
werde, bis die Gewerkschaftsbewegung so wie in den erwaehnten Laendern den ihr gebuehrenden Kurs einschlage und unabhaengig von politischen Parteien sei.
Die grundlegenden Arbeitsbestimmungen in bezug auf die Organisationsfreiheit und die Garantie des Rechtes, sich zu organisieren, entsprechen den meisten Prinzipien der Konvention der Internationalen Arbeits-Organisation. Nach dem venezolanischen Arbeitsgesetz von 1936 ist der "closed-shop" gestattet, "und unter Währung
der Selbstaendigkeit der Gewerkschaften ist ihr Taetigkeitsbereich
genau festgelegt. Legale Gewerkschaften koennen ihre Mitglieder
registrieren und sie vertreten, um die Einhaltung der Bestimmungen
dieses Gesetzes zu gewaehrleisten, Tarifvertraege abzuschliessen
usw. Die Registrierung kann auf unwiderruflichen Beschluss eines
Gerichtshofes fuer ungueltig erklaert werden, wenn sich die Gewerkschaften anderen als mit ihren legalen Zielen zu vereinbarenden
Taetigkeiten widmen. Die politische Betaetigung in Verfolgung dieser Ziele wird als rechtmaessig betrachtet, wenn "die Verfolgung
politischer Ziele" nicht der einzige Zweck der Organisation ist.
Eine Organisation kann durch Rechtsprechung nur dann aufgeloest
werden, wenn sie sich einer nationalen oder internationalen politischen Vereinigung oder Partei anschliesst.
Im November 1948 waren 1.014 Gewerkschaften, in Landes- und
Industrleverbaende unterteilt, registriert. Das war ein aussergewoehnlicher Erfolg seit den Anfaengen der Gewerkschaftsbewegung
im Jahre 1936. Vier.Fuenftel der organisierten Arbeiterschaft pehoerten dem Venezolanischen Gewerkschaftsbund an, der im November
1947 von 17 Landes- und sieben Industrieverbaenden gegruendet worden
war, die fast ausnahmslos eine Zusammenarbeit alt der die Regierung
bildenden Partei fuer demokratische Aktion beguenstigten. Sine Reihe
Funktionaere des Venezolanischen Gewerkschaftsbundes wurden in die
gesetzgebende Behoerde Venezuelas gewaehlt. Die Arbeitnehmerorganisationen wuchsen viel schneller an als die der Arbeitgeber, woraus
ein falsches Kraefteverhael-tnis in den Wechselbeziehungen zwischen
Arbeitnehmern und Arbeitgebern entstand.
In der Zeit von November 1948 bis Februar 1949 hat die dann
an die Macht gekommene Militaer-Junta die folgenden vier Massnahmen
durchgesetzt:
1. Bestimmte verfassungsmaessige Garantien wurden durch eine
Verordnung bis zu der Zeit aufgehoben, in der die Lage sich geaendert hat, auf grund derer diese Verordnung erlassen wurde. Damit
war die Regierung befugt, Korrespondenz, Dokumente, Finanzen, Veroeffentlichungen und Konferenzen der Gewerkschaften tu kontrollieren, Haussuchungen in den Bueroraeumen der Gewerkschaften und den
Wohnungen der Mitglieder durchzufuehren und Gewerkschaftsfunktionaere
die sich gesetzlich nicht genehmigten Taetigkeiten widmeten, auszuweisen oder zu inhaftieren. Die Behoerden unterrichteten die
Internationale Ärbeits-Organisation darueber, dass die Aufhebung

�dieser verfassungsmaessigen Garantien auch die Suspendierung des
Streikrechtes mit einschliesse.
2. Das Gerichtswesen wurde einer Revision unterzogen. Weil
die Gerichtshoefe bei der Registrierung oder Aufloesung der Gewerkschaftsorganisationen eine aeusserst wichtige Rolle spielten,
bestand die Gefahr, dass die staatlichen Behoerden ueber Sein
oder Nichtsein der Gewerkschaften willkuerlich entscheiden konnten.
3. Der Venezolanische Gewerkschaftsbund und die ihm angeschlossenen Organisationen wurden aufgeloest. Ein Sprecher der
Regierung hatte erklaert, dass dieses "kuenstliche Gerippe" von
der Partei fuer Demokratische Aktion (im Dezember 1948 aufgeloest)
nach Verfolgung der unabhaengigen Organisationen aufgestellt worden sei und weiterhin das politische Werkzeug dieser Partei
bliebe. Obwohl die oertlichen Gewerkschaften nicht aufgeloest
und die wenigen, nichtangeschlossenen Organisationen nicht in Mitleidenschaft gezogen wurden, hatte diese Aufloesung die schwersten
Folgen fuer die Gewerkschaftsbewegung.
4. Die oertlichen Gewerkschaften wurden aufgefordert, neue
Vorstaende zu waehlen, da ihre Funktionaere nicht dazu berechtigt
seien, ein Amt zu bekleiden. Gewerkschaftsversammlungen, die
anfaenglich verboten waren, wurden zu dem einzigen Zwecke genehmigt, neue Vorstaende zu waehlen und die Finanzberichte zu ueberpruefen. Diese Konferenzen mussten jedoch im voraus von den staatlichen Behoerden genehmigt werden und wurden von der Polizei und
Gewerkschaftsinspektoren beaufsichtigt, die sioh in zahlreichen
Faellen sogar einmischten. Vielen Gewerkschaften, besonders in
den laendlichen Bezirken, war es nicht moeglioh, die fuer die Abhaltung der Konferenzen gestellten Bedingungen zu erfuellen. Ebenso
bedeutsam war die Unmoeglichkeit, die gesetzlich anerkannten Gewerkschaften zu vereinigen. Landesverbaende wurden von der Regierung zwar nicht verboten, aber sie hatten mit den gleichen Schwierigkeiten zu kaempfen, die auch den Gewerkschaften zu schaffen
machten. Die Errichtung eines neuen Zentralverbandes wurde nicht
gestattet.
In einer Stellungnahme zu den Auswirkungen der Massnahmen der
Jlilitaer-Junta auf das Tarifverhandlungswesen hat die Internationale
Arbeits-Organisation erklaert, dass das TarifVerhandlungswesen
zwar nicht direkten Beschraenkungen unterworfen sei, aber doch
stark geaendert zu sein scheine, und dass weitere Verbesserungen
durch TarifVerhandlungen aeusserst schwierig, wenn nicht unmoeglich
geworden seien. Nur durch die Wiedereinfuehrung des Rechtes, sich
gewerkschaftlich zu organisieren, und durch andere, wesentliche
Garantien koenne dem Tarifverhandlungssystem wieder seine volle
Wirksamkeit verliehen werden.
Bis jetzt waren Tarifvertraege in Venezuela von grosser Bedeutung. Dem Arbeitsgesetz zufolge mus3 ein Unternehmer einen Tarifvertrag abschliessen, wenn dies von einer Gewerkschaftsorganisation oder sonstigen Gruppen verlangt wird, die dann darum ersuchen
kann, wenn mindestens 75% ihrer Mitglieder es wuenschen. Die Zahl
der registrierten Vertraege ging zu Anfang des Jahres 1949 stark
zurueck, und nur wenige der abgelaufenen Vertraege wurden erneuert. (Viele Vertraege erloschen in den Jahren 1949 und 1950).
Die Behoerden teilten der Internationalen Arboits-Organisation mit,
dass die Tarifvertraege weiterhin in Kraft blieben, selbst wenn
sie nicht erneuert wuerden. Wenn dies zutrifft, so sind die Verhaeltnisse zum mindesten stabilisiert. Nach dem Arbeitsgesetz sind
die Gewerkschaften an erster Stelle mit der Aufgabe betraut, die
Anwendung der Tarifvertraege zu ueberwachen. Diese Aufgabe faell*-.
- 4-

�sodann der Arbeitsverwaltung und schliesslich den besonderen Arbeitsgerichten zu. Es ergibt sich die Frage, ob die auf sich gestellten Gewerkschaften, die von keinem Gewerkscheftsverband
unterstuetzt werden, tatsaechlich von ihren gesetzlich verankerten Rechten vollen Gebrauch machen koennen.
Das Arbeitsgesetz sieht obligatorische Schlichtung und freiwillige Schiedssprechung durch Ausschuesse vor, in denen die
beiden in Streitigkeiten verwickelten Parteien vertreten sind.
Die Verfahren der Schiedssprechung und Schlichtung, soweit sie
noch weiterbestehen, bieten den Arbeitern jedoch nicht mehr die
gleichen Garantien wie unter normalen Bedingungen. Das Kampfmittel eines Streiks oder einer Aussperrung ist jetzt ausgeschlossen,
und die in dem Arbe4.tsgesetz beschriebene Verhandlungsmaschinerie
laeuft Gefahr, paralysiert zu werden, selbst wenn der Wortlaut
des Gesetzes unveraendert bleibt.
Monthly Labor Review
X/50
Maurice J. Tobin:
DAS US-ARBEITSMIKISTERIPM UND SEINE FUNKTICKEN
Das Arbeitsministerium wurde im Jahre 1913 von dem Kongress
mit folgendem Auftrag gebildet: "Zweck des Arbeitsministeriums
soll 9ein, die Wohlfahrt der Lohnempfaenger in den Vereinigten
Staaten zu foerdern und zu entwickeln, ihre Arbeitsbedingungen zu
verbessern und die Moeglichkelten fuer eine eintraegliche Beschaeftigung zu steigern.n
Der Begriff "Lohnempfaenger• umfasst mehr[^ als nur die organisierte Arbeiterschaft. Er umschliesst die ueberwaeltigende
Mehrheit aller Amerikaner, weil die meisten von ihnen in einem
Arbeit3verhaeltnis stehen. Das Arbeitsministerium befasst sich
unmittelbar mit dem Wohlergehen der Arbeiter im allgemeinen und
beschaeftigt sich indirekt mit allen Dingen, die das Leben des
amerikanischen Volkes verbessern koennen.
Dem Arbeitsministerium wird haeufig der Vorvmrf gemacht, es
sei parteiisch und wuerde beeinflusst. Dieser Vorwurf ist unbegruendet und jeder, der gewohnt ist, mit Zahlen umzugehen, wird
dies einsehen. Von der Voraussetzung ausgehend, dass das Arbeitsministerium versucht, seine urspruengliche Aufgabe zu erfuellen,
und wenn man beruecksichtigt, dass die Lohnempfaenger in den Vereinigten Steaten fast die Haelfte der gesamten Bevoelkerung darstellen, wird man einsehen, dass es unmoeglich ist, dass das Arbeitsministerium nur eine besondere Schicht des Volkes vertritt.
Das Ministerium wird haeufig beschuldigt, das Werkzeug der
organisierten Arbeiterschaft des Landes zu sein. Das Ministerium
hatte jedoch immer nur das Wohl des gesamten Volkes im Auge und
seine Funktionen waren dementsprechend festgelegt. Das Amt fuer
Arbeitsstatistik und das Buero fuer Arbeitsnormen haben staendig
auf objektiver Grundlage gearbeitet. Deshalb werden ihre Entscheidungen von den Arbeitgebern akzeptiert, und ihre Hilfe ist
deshalb wertvoll und begehrt. Niemand kann behaupten, dass sich
das Arbeitsministerium nicht immer streng an die Gesetze gehalten hat, wozu es als eine vom Kongress fuer einen bestimmten Zweck
gebildete Behoerde verpflichtet ist.
Wenn es sich mit den Rechten und der Wohlfahrt der Lohnemnfaenger befasst, dann sollte dies ein Beweis dafuer sein, dass
- 5

�das Ministerium nicht gewillt ist, das Wohl des ganzen Landes zum
Vorteil einer besonderen Klasse zu opfern. Die Lohnempfaenger
der Vereinigten Staaten bilden nicht nur fast die Heelfte der
Genamtbevoelkerung, sondern sie stellen auch den groessten Teil
d?r Verbraucher des Landes dar. Ihr Wohlergehen findet im Wohlstand oder der Depression des Landes seinen direkten Niederschlag.
Wer behauptet, das Arbeitsministerium sei lediglich eine Art
Fuorsprecher fuer die Lohnempfaenger der Vereinigten Staaten,
laesst die Bedeutung, die der Arbeiterschaft in einer Demokratie
zufaellt, voellig ausser acht. Es waere das gleiche, wenn man
annaehme, dass das, was fuer die Arbeiter gut ist, fuer die Industrie schlecht sei, obwohl gerade das Gegenteil der Fall ist. Es
waere das gleiche, wenn man annaehme, Arbeiter und Unternehmer
seien unvermeidlich Gegner, obwohl sie in Wirklichkeit nur verschiedene Einger an einer Hand sind, die nach dem gleichen Ziel
streben.
Die Lehre von dem unvermeidlichen Konflikt zwischen Arbeitern
und Unternehmern muss somit zurueckgewiesen werden-. Wenn das
Arbeitsministerium die Sache der Lohnempfaenger foerdert, dann
leistet es einen Beitrag zur allgemeinen Wohlfahrt. Selbst im
Kongress, wo haeufig eine scharfe Kritik am Arbeitsministerium
geuebt wird, laesst sich eine allgemeine Veraenderung in der Einstellung beobachten. Auch aus diesem Grunde gewinnt das Ministerium, das in den vergangenen Jahren viele seiner Funktionen verloren hatte, dieselben nun wieder zurueck. Die Untersuchungskommission Hoovers, die staendig die Zusammenlegung der Funktionen
gefordert hat, hat hierbei mitgeholfen, ihre Empfehlungen waeren
vom Kongress jedoch nicht gutgeheissen worden, wenn sich die alte
Behauotung, dass das Ministerium der Interessenvertreter einer
kleinen Gruppe sei, inzwischen nicht als falsch erwiesen haette.
Dem Arbeitsministerium wurde im vorigen Jahre das Buero fuer
Beschaeftigungssicherheit wieder angeschlossen, das den Arbeitsvermittlungsdienst und das Buero fuer Arbeitslosenversicherung umfasst.
Traesident Truman hat vor kurzem dem Kongress den Reorganisationsplan ?7o. 19 uebersandt, der einen weiteren Vorschlag der
Hoover-Kommission enthaelt, nach dem die Funktionen des Bueros
fuer Unfallversicherung dem Arbeitsministerium uebertragen werden
sollen, dessen Programme Sterbegelder und Unterstuetzungen bei
Arbeitsunfaehigkeit vorsehen und sich auf 2 Millionen Arbeiter
der Bundesregierung, 500.000 Hafenarbeiter, 250.000 Industriearbeiter im Bezirk Columbia und etwa 100.000 Arbeiter privater Vertragsfirmen in Ueberseehaefen der Vereinigten Staaten erstrecken.
Mit der Genehmigung dieses Vorschlages durch den Kongress ist zu
rechnen.
Das Arbeitsministerium wird also groesser, und wenn das TaftHartley-Gesetz aufgehoben wird - dies waere fuer ein besseres Verhaeltnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern wuenschenswert wird das Ministerium wieder den Vermittlungs- und Schlichtungsdienst uebernehmen, auf den es nach allen Regeln einer logischen
und guten Verwaltung Anspruch hat. Wenn diese Zeit kommt, wird
dem Arbeitsminister die Aufgabe zufallen, ueber Streiks zu entscheiden; unter dem Taft-Hartley-Gesetz war dies bisher unmoeglich.
Die Anpassung der Arbeitsvertraege an niedrigere Gestehungskosten ist eine Frage-, die dringend einer Loesung bedarf. Im grossen und ganzen wird die^Frage der Produktionskosten von den Arbeitgebern und den meisten (Gewerkschaften als ein Vorrecht des Unter- 6-

�nehmertums betrachtet. Damit werden sie nicht direkt bei den
Tarifverhandlungen und den Tarifvertraegen beruecksichtigt. Indirekt jedoch ist das Tarifverhandlungsverfahren in den Augen der
meisten Gewerkschaften und vieler Unternehmer ein Faktor, der
bei der Reduzierung der Produktionskosten eine wesentliche Rolle
spielt. Friedliche Wechselbeziehungen zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern reduzieren die Zahl kostspieliger Streiks und unnöetiger Streitigkeiten innerhalb eines Betriebes und tragen damit zur hoeheren Produktionsleistung und zu niedrigeren Gestehungskosten bei.
Einige Gewerkschaften, besonders die der Damenoberbekleidungsarbeiter (AFL), der Vereinigten Bekleidungsarbeiter von Amerika
(CIO), der Vereinigten Stahlarbeiter von Amerika (CIO) und der
Vereinigten Automobilarbeiter (CIO) haben technische Abteilungen,
die auf Wunsch die Unternehmer in technischen Fragen beraten.
In der Bekleidungsindustrie haben die Gewerkschaften der
Damenoberbekleidungsarbeiter und der Bekleidungsarbeiter von Amerika wiederholt mitgeholfen, die Arbeitsgaenge zu rationalisieren,
um es den Unternehmern zu ermoeglichen, die Produktionskosten zu
senken. In einigen Faellen ist diese Zusammenarbeit durch direkte
finanzielle Unterstuetzung der Gewerkschaft in Form von Krediten
ergaenzt worden, die es den Unternehmern ermoeglichten, ihr Geschaeft auf eintraeglicher Basis weiterzufuehren.
Der Scanlon-Plan zeigt einen neuen Weg, die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu regeln. Dieser Plan ist
nach -Joe Scanion benannt, der nicht nur Produktionskostenpruefer,
sondern auch Berufsboxer war und direkt am Hochofen arbeitete. Tun
nimmt er im Technologischen Institut von Massachusetts eine fuehrende Stellung ein.
Im Jahre 1936 arbeitete Scanion fuer
eine Stahlgesellschaft"und wurde nicht nur Praesident dar Ortsgewerkschaft der Vereinigten Stahlarbeiter, sondern fand auch eine
?&gt;'oef?lichkeit, eine Idee auf die Probe zu stellen, die vielleicht
von revolutionaerer Bedeutune fuer die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sein kann, Kit seinen Erfahrungen als
Produktionskostenpruefer und Industriearbeiter entwarf er einen
^lan, der die Aufmerksamkeit Clinton Goldens, des Vize-Praesidenten
der Stahlarbeitergewerkschaft, auf sich zog und zur Veroeffentl'ichung des Buches "Die dynamischen Kraefte der Demokratie in der
Industrie" fuehrte, das von Golden und Harold Ruttenberg geschrieben wurde.
Der Scanlon-Plan ist ein Produktivitaetsplan der Gewerkschaften und der Unternehmer, der den Arbeitern eine Praemie fuer fuehlbare Einsparungen in den Gestehungskosten bietet. Dieses Programm
steht nicht nur auf dem Papier. Es ist mehrere l'ale auf die Probe
gestellt worden und hat sich in grossen und kleinen Unternehmen
bewaehrt.
Der Plan von ocanlon gruendet sich auf die Beteiligung der
Arbeiter, und zwar eine Beteiligung nicht im Sinne allzu zahlreicher Unternehmer, sondern diese besteht darin, Mittel und '.'ege zu
finden, um die Arbeiter fuer jede Steigerung der Produktionsleistung zu entschaedigen und diesen Grundsatz zu einer wirksamen
Zusammenarbeit zwischen Unternehmern und Arbeitern auszubauen, die
sie zu einer Interessengruppe mit gemeinsamen Zielen werden laesst.
Wenn dies gelungen ist, wird man feststellen, dass die Produktionsleistung zum Hauptinteresse nicht nur der Unternehmer, sondern auch
der Arbeiter wird.
Um den Plan von Scanion erfolgreich anwenden zu koennen, muessen die normalen Betriebskosten fuer ein Unternehmen festgesetzt
- 7-

�und danach eine.Methode eusgearbeitst werden, um die Arbeiter an
den Gewinnen zu beteiligen. Esraussalso eine Beziehung zwischen
dem Arbeiter und der Produktionsleistung des ganzen Betriebes hergestellt werden, angesichts des unterschiedlichen Produktionsschemas der Industrie ist dies eine besonders wichtige Aufgabe
fuer die Produktionskostenpruefer.
Nachdem eine Formel gefunden ist, werden $lle Faktoren nach
ihr ausgerichtet. Die Einsoarungen an Gestehungskosten kommen den
Arbeitern zugute, und die Gewinne der Unternehmer ergeben sich aus
dem gesteigerten Absatz. Die Praemien werden allen Arbeitern gezahlt und nicht nur einzelnen," die wertvolle Vorschlaege gemacht
haben.
Um den Scanlon-Plan moeglichst erfolgreich gestalten zu
koennen, muss eine Gewerkschaft vorhanden sein. Es ist jedoch
stats ein Unterschied zwischen gewerkschaftlichen Fragen und Fragen der Produktionsleistung zu machen. Beschwerden werden getrennt von geschaeftlichen Fragen behandelt, mit denen sich Produktivitaetsausschue3se der Gewerkschaft und Unternehmer befassen.
Manchmal wird dieser Plan in die Tarifvertraege aufgenommen, haeufig geschieht dies jedoch nicht. Immer jedoch stellt der Plan
die Gemeinschaft in einem Betrieb her, die den Arbeiter zu einem
Bestandteil des Unternehmens werden laesst, und die die moderne
Massenproduktion durch die Initiative des einzelnen foerdert, die
eine Zeitlang voellig zu fehlen schien.
Um ein solches Ziel erreichen zu koennen, muessen Unternehmer
und Gewerkschaftsfunktionaere natuerlich den Willen zur Zusammenarbeit und gegenseitiges Versteendnis zeigen, und sie muessen bestrebt sein, in einem Unternehmen die besten Ergebnisse zu erzielen. Der Arbeiter ist damit mehr als nur eine beschaeftigte Arbeitskraft. Er v«/ird selbst sozusagen Unternehmer. Auch der
Gewerkschaftsfunktionaer wird dadurch veranlasst, sich weniger
auf die Gewalt als auf die Staerke zu verlassen, die die wirkliche
wirtschaftliche Gleichberechtigung dem Arbeiter verleiht. Entscheidungen werden nach Besprechungen unter gegenseitigen ^upestaendnissen in wahrhaft demokratischer '.eise getroffen.
Auf diese V.'eise arbeitet die Demokratie in der Industrie.
Die Tarifverhandlung ist keine halsabschneiderische Taetigkeit
mehr, sondern wickelt sich in einer Atmosphaere des guten Willens
ab, dem gute Arbeit zu Grunde liegt. Das "Klima" in einem Betrieb,
in dem wirklich zusammengearbeitet wird, in dem die Arbeiter das
Interesse haben, die Gestehungskosten niedrig zu halten, und in
dem die Unternehmer jeden Grund haben, die Mitarbeit ihrer Arbeiter zu begruessen, muss von einer solchen Art sein, wie sie bisher
in den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern noch
ziemlich unbekannt war. Arbeiter, die zu der Erkenntnis gekommen
sind, dass sie wirklich zu dem Betrieb gehoeren, werden entsprechend handeln, Sie werden zu schoepferischen Mitarbeitern werden dies wurde bisher innerhalb der Industrie selbst fuer unmoeglich
gehalten.
Joe Scanion hat ein neues Blickfeld eroeffnet, das grenzenlose
Moeglichkeiten bietet. Wenn der Arbeitsfriede zur Wirklichkeit
werden soll, darf ein anspornender Faktor nicht vergessen werden,
der von noch groesserer Bedeutung ist als Geld oder eine gute
Stellung. Dieser Ansporn besteht darin, dass man der schoepferischen Taetigkeit des Arbeiters Moeglichkeiten bietet und ihn als
menschliches Wesen anerkennt, das bereit ist, sich sein eigenes
Glueck und sein eigenes Wohlergehen zu gestalten. Dieser AnsDorn
liegt darin begruendet, dass sich die Unternehmer ihrer moralischen
Verantwortlichkeit und den Regeln der Demokratie unterwerfen.
8 -

�Aber auch die Arbeiterschaft hat Verpflichtungen, die sie
Tenau 30 wie die Unternehmer einhalten muss und denen sie sich
nicht entziehen kann. Wenn das System der freien Wirtschaft erhulten bleiben soll, muss es Gewinne geben. Die Art und Weise jedoch, in der sie erzielt und verteilt werden, in der Arbeiter und
Unternehmer eine "oeglichkeit finden, gerecht belohntzu werden,
und das Verhaeltnis, das zwischen ihnen besteht - ob als Brueder
in gemeinsamen Streben oder als erbitterte Gegner - all dies wird
darueber entscheiden, ob die Arbeiterschaft und das ganze Volk
unter chaotischen Vnrhaeltnissen weiterleben oder den sozialen
und wirtschaftlichen Frieden erlangen werden.
Pressemitteilung des ü.S»
Arbeitsministeriums
17/12/50
50 JAHRS K^NADISCHS OSWZRrsCHAFTEN
l'it der -Verkuendunp- des Schlichtungspesetzes im Juni des Jahres
1900 wurde da3 heutige Arbeitsministerium Kanadas gegruendet.
50 Jahre spaeter, im Sentember dieses Jahres, brachte das Arbeitsministerium aus diesem Anlass eine Tubilaeunsausgabe der
"Labour Gazette" heraus.
Natuerlich wird in dieser ausgäbe der "Labour Gazette", die
:?onat fuer :,Tonat aus offiziellen Quellen,und meist an Hand von
Zahlen von den Geschehnissen berichtet, die fuer die Arbeiterschaft
von Bedeutung sind, eine illustrierte Beschreibung der Geschichte
des Arbeitsministeriums und der Arbeitsverhaeltnisse in der ersten
Haelfte des 20.'Jahrhunderts gegeben.
Es ist dies eine der besten Beschreibungen der fuer die Arbeiterschaft Kanadas so bedeutungsvollen Entwicklung, die ueberhaupt besteht.
Es ist eine sachliche Darstellung der allmaehlichen Umwandlung eines Landwirtschaftsgebietes, das eine Kolonie Grossbritanniens war, in einen Staat, der im wesentlichen industriell ist
und dessen Wirtschaftsfaeden in New York zusammenlaufen.
Auch von den Gesetzen wird berichtet, die in das Buch der
Verfassung im Laufe der Zeit aufgenommen wurden, und die den Menschen eines Industriestaates ihr Los erleichterten.
Die Veraenderungen der Loehne, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen sind ebenfalls niedergelegt.
Die Tatsache findet Beruecksichtigung, dass Kanada ein Einwandererstaat ist. Die Geschichte des Volkes, das dieses Land aufgebaut hat, beginnt mit den 28 franzoesischen Ansiedlern, die sich
in, Quebec einschanzten, um den ersten kanadischen Winter im Jahre
1682 zu ueberleben. Sie endet mit der heutigen Zeit, in der noch
immer ^latz fuer neue Ansiedler ist und hollaendische Bauern sich
gegenwaertig im Lande niederlassen.
Natuerlich werden auch die historischen Entwicklungen der kanadischen Gewerkschaftsbewegung in ausgezeichneter Weise wiedergegeben.
Die Nachteile dieses Werkes sind nicht so gross, dass man sie
nicht uebersehen koennte. Einmal besteht die Tendenz, das Arbeitsministerium und nicht die Wohlfahrt der Lohnempfaenger als Zweck
- 9-

�aller Taetigkeiten des Ministeriums hinzustellen. Zum andern
werden die historischen Ereignisse, die die Erfolge der Arbeiter
Kanadas kennzeichnen, so beschrieben, als ob sie einem parlamentarischen Ausschuss oder den Eingebungen MacKenzie Kings entstammten.
Ausser einer voellig unzutreffenden Bemerkung ueber den Generalstreik in V.'innipeg, deren drei Illustrationen den Text jedoch widerlegen, bleiben die Bemuehungen der kanadischen Arbeiter, ihr
eigenes Los zu verbessern, im grossen und ganzen unerwaehnt.
Und hier einige Auszuege aus dem Bericht der "Labour Gazette"
ueber die GewerkschaftsOrganisationen:
Bericht der KoenigLjcJien Kommission ueber Kapital und Arbeiterschaft
im Jahre 1869.
"GewerkschaftsOrganisationen sind notwendig, um den Arbeitern
es zu ermoeglichen, auf gleichberechtigter Basis mit ihren Unternehmern zu verhandeln. Ihre Beauftragten empfehlen, dass diese
Organisationen in Anbetracht dessen, was sie bereits fuer die
Arbeiterschaft geleistet haben, mit allen gesetzlichen I'itteln f-efoerdert werden; und dass ein Tag im Jahr als "Tag der Arbeit" von
der Regierung zum gesetzlichen Feiertag erklaert wird."
Stellungnahme der Koeniglichen Kommission zu den Beziehungen
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern im Jahre 1919.
"Bei den Unternehmern sind drei verschiedene Gruppen zu unterscheiden: erstens diejenigen, die ihren Arbeitnehmern das Recht
verweigern, sich gewerkschaftlich zu organisieren; zweitens diejenigen, die ihren Arbeitnehmern dieses Recht zwar nicht verweigern, aber die Organisationen ihrer Arbeitnehmer nicht anerkennen
wollen; und drittens diejenigen, die ihren Arbeitnehmern das Recht,
sich zu organisieren, nicht nur zugestehen, sonderndiesOrganisationen auch anerkennen und mit ihnen verhandeln.
".... wir sind der Auffassung, dass es nicht mehr angebracht
ist, dass die Unternehmer ihren Arbeitern nicht gestatten, sich
zu organisieren. Wir glauben, dass eine der schwerwiegendsten
Ursachen des Unfriedens beseitigt waere, wenn die Unternehmer dieses Recht offen anerkennen würden.".
Offizielle Erklaerung des Nationalen Ausschusses fuer Arbeitsfragen in Kriep-szeiten (National War Labour Board) aus dem Jahre 1945.
".... die grosse Kasse der Unternehmer hat bis vor verhaeltnismaessig kurzer Zeit noch alle ihr zur Verfuegung stehenden
Waffen eingesetzt, um die Gewerkschaftsbewegung zu bekaempfen und
sie zu entmutigen. Es muesste zur Pflicht gemacht werden, sich an
das Prinzip der Tarifverhandlung zu halten ..."
Die Lebensbedingungen vor 50 Jahren im Jahre 1900
"Es gab fast keine Sozialversicherung. Erziehung und andere
."oeglichkeiten des Gemeinwesens waren in ihrem Umfang begrenzt. Die
Arbeitszeit der meisten Arbeiter war sehr lang. Fuer Hygiene, Gesundheitspflege und Erholungsaufenthalte wurde sehr wenig getan.
Es gab keine Autobusse, die die Arbeiter zur Arbeitsstelle und
wieder nach Hause brachten, und Kohleoellanpen und Holzoefen
waren Standardeinrichtungsgegenstaende in den Wohnungen der «rteiter.
"Der Durchschnittslohn eines Fabrikarbeiter im Jahre 1900
betrug sieben Dollar woechentlich, im Jahre 1950 44 Dollar. Die
Gesamtzahl der Fabrikarbeiter belief sich iß» Jahre 1900 auf
230.000, im Jahre 1950 auf 1.300.000 Dollar.
- 10 -

�Das Volumen der industriellen Produktion hat sich um das
zehnfache gesteigert. Die Zahl dar Arbeiter ist etwas mehr als
viermal so hoch.
Die Arbeitswoche zaehlte im Jahre 1900 im Durchschnitt 60
Stunden, im Jahre 1950 44 Stunden.
Der erste Abschnitt der Geschichte der Gewerkschaftsbewegunsr
beginnt etwa mit dem Jahre 1S27, als Arbeitergruppen oertliche
Handwerkerorganisationen bildeten, die ueber Loehne verhandelten
und ausserdem den Zweck hatten, sich gegenseitig zu unterstuetzen.
Hieran waren vor allem die Drucker, Kuefer, I.!aurer und Schuhmacher
beteiligt.
Der zweite Abschnitt der kanadischen Gewerkschaftsgeschichte
ist durch den Anschluss kanadischer Lokalgewerkschaften an die
US-Gewerkschaften der Former, Drucker, Eisenbahner und Schuhmacher
gekennzeichnet.
T'achdem die Drucker im Jahre 1872 einen Streik gefuehrt hatten, um ihrer Forderung nach dem Teunstundentag Nachdruck zu verleihen, der seinen Hoeheounkt in der Festnahme der Gewerkschaftsfuehrer fand, wurde das Gewerkschaftsgesetz erlassen, das die
Gewerkschaften fuer legal erklaerte.
Im dritten Abschnitt der kanadischen Gewerkschaftsgeschichte
vollzieht sich der Zusammenschluss der Organisationen in Landesverbaenden. Der erste war die kurzlebige kanadische Gewerkschaftsunion, es folgte der Gewerkschaftsbund "Knißhts of Labour" (Ritter
der Arbeit), und im Jahre 1886 wurde der Berufs- und Arbeiterkongress von Kanada (Trades and Labour Congress of Canada) gegruendet,
der heute noch besteht.
Die Ausstossung der Organisationen des Gewerkschaftsbundes
"Knights of Labour" und anderer Gewerkschaften, die als Rivalen
der internationalen Gewerkschaften des Berufs- und Arbeiterkongresses angesehen wurden, fuehrte zur Gruendung des Kanadischen
Berufs- und Arbeiterkongresses, des Vorlaeufers des Kanadischen
und Katholischen Gewerkschaftsbundes, der sich mit den Gewerkschaften des CIO zusammenschloss, um den letztgenannten Gewerkschaftsbund von heute zu bilden.
Der Kanadische und Katholische Gewerkschaftsbund begann sein
Dasein mit einer Aussperrung der Schuhmacher in Quebec im Jahre
19.00. Unter dem Jiinfluss des Erzbischofs Begin nahm er im Jahre
191£ Formen an, und die gegenwaertige Organisation entstand auf
einer Konferenz in Chicoutimi im Jahre 1920.
Die Gesamtzahl der Gewerkschaftsmitglieder Kanadas belaeuft
sich heute auf eine Million.
UAW-CTO Ammuni tion
X/50
BERUFSSCHULE!: IX HOLLAND
Jan van der Bend will Dreher werden, £r ist ein stattlicher
junger Kann mit geschickten Haenden. Er hatte keine Gelegenheit,
waehrend des Krieges einen Beruf zu erlernen. Nach der Befreiung
arbeitete er fuer kurze Zeit als Bueroangestellter, konnte an dieser Taetiekeit jedoch keinen Gefallen finden.
Im Jahre 1945 trat er in die hollaendische Armee ein und diente vier Jahre lang, zum Teil auch in In* Or China.
- 11 -

�Nun ist Jan wieder Zivilist und einer der 4.000 jungen Hollaender, die an den sogenannten hollaendischen Staatsschulen
fuer Berufsausbildung unterrichtet werden. Wie die uebrigen
Schueler der 34 Schulen in 33 hollaendischen staedten wird er
solange die Schule besuchen, bis er einen Beruf erlernt hat. Danach wird er nach sechsmonatiger praktischer Arbeit seinen Gesellenbrief erhalten, vorausgesetzt, dass er die Eignungspruefung besteht.
Es handelt sich hier um eine Handwerkerschule, an der Zimmerleute, Maurer und Tischler ausgebildet werden. Die Zimmermannsund Maurerlehrlinge arbeiten drei Wochen lang taeglich eine Stundo
mit. ihren Werkzeugen, aber ohne Material. Zimmerleute z.E. lernen, in immer schnellerem Rhythmus Maegel einzuschlagen. Diese
Ausbildung dauert fuer Tischler zwei lochen.
Die Verwaltung fuor wirtschaftliche Zusammenarbeit hat vor
kurzem ein Gesuch der hollaendischen Regierung bewilligt, 3.000.000
Gulden aus Gegenwertfonds fuer Berufsschulen zu verwenden. Diese
Fonds sind Gelder, die von hollaendischen Abnehmern der Mershallplan Produkte in ihrer Landeswaehrung bezahlt und von der holländischen Regierung fuer Projekte verwendet werden, die die Marshallplan-Verwaltung fuer vorteilhaft fuer die wirtschaftliche
Zukunft des Lendes erachtet.
Derartige Berufsschulen bestanden in Kolland in kleinerem
Umfang bereits vor dem Kriege. Sie wurden in verschiedenen Gegenden des Landes wieder ero'effnet, sobald dies nach der Befreiung
moeglich war. An diesen Schulen sind schaetzungsweise 17.000
junge Leute ausgebildet worden, um den dringenden Bedarf Hollands
an Facharbeitern decken zu koennen.
Zur Zeit herrscht grosser Mangel an Facharbeitern fuer
Wiederaufbauprojekte. Auch Arbeiter zum ^ufbau von Wohnungen,
Schulen und Fabriken sind gesucht, um das Problem der Ueberbevoelkerung in Holland bewaeltigen zu koennen. Auf Grund der hohen Geburtenziffer und der niedrigen Sterbeziffer nimmt die Bevoelkerung Hollands schneller zu als in irgendeinem anderen
Lande. Holland muss seine Wirtschaft industrialisieren, wenn
sein Bestand gesichert sein soll. Es braucht ausserdem eine noch
groessere Zahl gelernter Arbeiter, wenn es in der Lage sein soll,
zur gegenseitigen Verteidigung Westeuropas beizutragen.
Die Anzahl der die Schule besuchenden Schueler hat den Rekordstand von 3.000 erreicht. Wenn man jedoch in Schichten unterrichten wuerde, koennten noch weitere 3-4.000 Schueler aufgenommen
werden. Die Lehrnlaene sind genormt, sodass die Schueler mitten
in einem Lehrgang von einer Schule auf die andere umwechseln koennen. Nicht alle Schulen unterrichten in saemtlichen Lehrfaechern.
Die Wahl der Faecher haengt von dem Bedarf der jeweiligen Gegend
ab. Die Lehrer sind tuechtige Fachleute, die ueber eine langjaenrige Erfahrung in der Privatindustrie verfuegen.
Die bestbesuchten Lehrgaenge sind die der Mechaniker und
Zimmerleute. Die ersteren dauern 4 - 5 Monate, waehrend die angehenden Zimmerleute die Schule im allgemeinen 7 - 8 Monate besuchen muessen.
Die Regierung bezahlt die Schueler waehrend ihrer Ausbildung.
Die Schule prueft saemtliche Bewerber, um sich ueber ihre Faehigkeiten zu informieren. Haeufig beraten sie die Bewerber auch, welches Handwerk sie auf Grund ihrer Faehigkeiten, die in den Befaehigungspruefungen festgestellt wurden, waehlen sollen.
- 12 -

�Nehmen wir den Fall Jan. Nachdem er vergeblich Artfeit gesucht hatte, kam er vor etwa seche '.Yochen zur Schule. Er wollte
einen Beruf erlernen, wusste aber nicht welchen. Die Pruefungen
ergaben, dass er die Eignung fuer einen Maschinendreher besass,
und damit begann seine Ausbildung. Seine Lehrer sagen, dass er
gute Fortschritte macht. Jan selbst liebt seine Arbeit. Er
spricht etwas englisch, das er in Glasgow gelernt hatte, als seine
Einheit dort sechs Monate lang stand.
Jan bekommt waehrend seiner Ausbildung woechentlich 32,50
Gulden. Im Vergleich zur Kaufkraft entspricht dieser Betrag etwa
30 Dollar in den Vereinigten Staaten. Jan bekommt etwas mehr
als die uebrigen Schueler, weil er aelter ist.
Viele Schueler stehen im fortgeschrittenen Alter- Die meisten sind 20 und mehr Jahre alt. Einige sind verheiratet und
wenige haben Kinder. Jan ist der Sohn eines Friseurs und wohnt
bei seinen Eltern, einem aelteren Bruder und einer Schwester.
Sein Bruder ist Buchhalter, auf Grund seines jugendlichen Alters
nahm Jan nicht am Kriege teil. Er hatte jedoch wie seine uebricen
Altersgenossen keine Gelegenheit, einen Beruf zu erlernen.
Mit 230 anderen Schuelern der Schule hat er -in der Woche 45
Stunden Unterricht. Sein Lehrgang dauert 4 - 5 Monate. Er muss
alle Gebiete der Metallbearbeitung kennenlernen. Gegenwaertig
nimmt er an einen kurzfristigen Schweisser-Lehrgang teil. In Kuerze werden die Schuelor lernen, mit Maschinen umzugehen.
Spaeter werden sie das Bohren erlernen und danech wird man
sie mit saemtlichen Werkzeugen eines Maschinendrehers vertraut
machen. Sie muessen lernen, ihre eigenen besonderen Werkzeuge
selbst herzustellen. Auch in den Sicherheitsbestimmungen werden
sie genauestens unterrichtet. Zum Schluss werden sie zahlreiche
Gegenstaende auf der Drehbank herstellen und lernen, wie sie
ihre Maschinen reparieren und die fuer derartige Reparaturen erforderlichen Einzelteile herstellen.
In einem angrenzenden Raum arbeiten andere junge Leute mit
elektrischen Hobeln und Saegen, die sie eines Tages als Zinmerleute verwenden werden, angehende Mechanikertieschaeftigensich
mit Bohrern. Eine andere Grupre erlernt das Elektroschweißen,
waehrend eine Bauarbeiterklasse draussen im Hof einen Teil eines
Baues errichtet und Eisentraeger hochwindet. Eine andere Klasse
mauert mit Ziegelsteinen und Moertel. Da der Moertel nicht haltbar
ist, koennen die Steine wieder abgenommen und von einer anderen
Klasse verwendet werden.
Nach der Beendigung ihrer Lehrgaenge lassen sich die Berufsschueler bei den Arbeitsvermittlungsaemtern der Regierung registrieren. Dies ist zwtr keine Garantie dafuer, dass sie einen
Arbeitsplatz bekommen, aber viele Arbeiter haben auf diese .Veise
schon Arbeit gefunden.
Coert T. Hertzinger, Beauftragter fuer Berufsschulen, erklaerte: "V.'ir koennen behaupten, dass unsere Absolventen das noetie-e
Ruestzeug haben, um in die Industrie zu gehen. Sie verfuegen ueber
ein allgemeines Wissen in ihren Berufen und es fehlt ihnen nur
die praktische Erfahrung, die notwendig ist, um ihre Kenntnisse
anwenden zu koennen."
ECA Labor Information
XI/7/50
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�DUR CIO ZUM KUROTAEISCHEN WIEDLRAUFBAUPROGRAMM
Der CIO stellt mit grosser Genugtuung fest, dass fuer das
Europaeische '.Yiederaufbauprogramm in den meisten Teilnehmerstaaten
ununterbrochene Erfolge erzielt werden. Der CIO hat den Marshallolan von Anfang an unterstuetzt. Die Enttaeuschungen,die die in
einigen Laendern erzielten Ergebnisse hervorgerufen haben, stehen
in krassem Gegensatz zu dem allgemeinen Gelingen de3 Planes in den
meisten Teilnehmerstaaten. Der Kongress des CIO sichert deshalb
dem ERP erneut seine Unterstuetzung zu, fordert jedoch gleichzeitig energische Mausnahmen, um eine gerechtere Verteilung der Einkommen in den einzelnen Laendern zu gewaehrleisten.
Der CIO fordert, dass Massnahmen ergriffen werden, die den
Lebensstandard der Arbeiter der Marshallplan-Teilnehmerstaaten,
besonders in Italien, Frankreich und Westdeutschland verbessern,
wo'die Notwendigkeit am dringlichsten ist, gesetzgeberische und
wirtschaftliche Reformen durchzufuehren, die den arbeitenden Menschen eine groessere Beteiligung an den Gewinnen aus dem Wiederaufbau sichern. Gleichzeitig fordert der CIO die Unterstuetzung
des Aufbaus starker und freier Gewerkschaftsbewegungen in diesen
Laendern und dient damit dem grundsaetzlichen Zweck dieses Kongresses, der darin besteht, das V.'achstum aller demokratischen Kraefte zu foerdern.
Der CIO erkennt die Tatsache an, dass die Marshallplan-Verwalitgeholfen hat, die wirtschaftliche Erholung aus dem Chaos
des zweiten Weltkrieges zu verwirklichen; ei ist jedoch der Auffassung, das- diese Behoerde ihr Programm nun darauf abstimmen
muss, den Lebensstandard als einen wesentlichen Faktor des Procjraians der e-egenseitigen Verteidigung zu verbessern. Es ist erforderlich, dass man den Arbeitern Frankreichs, Italiens und
..Ostdeutschlands eine Lebensweise bietet, die es wert ist, verteidigt zu werden, wenn man auf ihre Beteiligung an einem Widerstand sagen die Gefahr einer kommunistischen Aggression zaehlen
will. Die Marshallplan-Verwaltung muss deshalb darauf bestehen,
dass die Regierungen der Teilnehmerstaaten so handeln, dass eine
gerechte Verteilung der Fruechte des Wiederaufbaus an alle Schichten der Voelker gesichert ist.
In Italien ist ein grossangelegtes Programm zur Landreform
von wesentlicher Bedeutung, weil es Millionen armer Bauern
die Moeglichkeit einer Eingliederung in das Wirtschaftssystem dieses Landes bietet. Die Massnahmen, die erfreulicherweise von der
Marsha11plan-Verwaltung in dieser Hinsicht bereits ergriffen wurden, muessen so schnell wie moeglich erweitert werden. Die franzoesische Regierung muss sich darueber im klaren sein, dass das Geld,
das weiterhin von amerikanischen Steuerzahlern zur Verfuegung gestellt wird, im Interesse aller Menschen verwendet werden muss,
wobei der dringenden Notwendigkeit einer allgemeinen Revision der
Steuergesetze, der Modernisierung der Industrie, ihrer Neuorientierung in bezug auf die Wechselbeziehungen zwischen Arbeit und
Produktionsleistung, der Bedeutung eines grossangelesrten Programms
zur Erstellung geeigneten Wohnraums fuer die Arbeiter und zur Beseitigung der Konzerne und anderer hinderlicher Methoden, die
eine Wirtschaft mit niedrigen Preisen und hohen Loehnen unmoeglich
machen, besondere Beachtung geschenkt werden muss.
Der CIO kennt und billigt im allgemeinen das Bestreben der
Marshallplan-Verwaltung, eine Einmischung in die internen Angelegenheiten der befreundeten europaeischen Nationen zu vermeiden.
Er ist jedoch der Ansicht, dass die amerikanischen Buerger nicht
laenger mit zusehen koennen, wenn amerikanische Steuergelder dazu
verwendet ».erden, um die Gewinne einiger '.Veniger anzuhaeufen und
- 14 -

�eine feudalistische V/irtschef t3Ordnung zu erhalten, anstatt den
Lebensstandard und die Arbeitsbedingungen der breiten Masse zu
verbessern. Zs ist die feste Ueberzeugung des CIO, dass bei der
Bewilligung von Marshallplan-Geldern Bedingungen gestellt werden
muessen, die eine gerechte Verteilung der Gewinne gewaehrleisten.
Solange die Regierungen Italiens, Frankreichs und Westdeutschlands keine derartigen Schritte unternehmen, ist es zweifelhaft,
ob ein dauernder Wohlstand, gegruendet auf eine hohe Kaufkraft
der Verbraucher, erzielt werden kann.
Und wenn man
zugibt, dass die wirtschaftliche Demoralisierung der Arbeiter, die auf die immer groesser werdende Spanne
zwischen Preisen und Loehnen zurueckzufuehren ist, weiter um sich
greift, werden die Kommunisten die einzigen Nutzniesser sein.
Das Problem der Ueberbevoelkerung ist in Europa und besonders in Italien und 'Westdeutschland von dringender Bedeutung und
verzoegert den 'Viederaufbau Europas auf einer gesunden Wirtschaftssrundlage. Der CIO fordert, dass Geldmittel der Marshallplan-Verwaltung dazu verwendet werden, die Umschichtung der europaeischen
^rbeitskraefte und die Loesung oertlicher Probleme der Ueberbevoelkerung zu unterstuetzen. Um "das europaeische .Viederaufbauprogramrc
zu foerdern, fordert der CIO von der ÜS-Regierun*?, dass sie sich
auf internationalen Konferenzen aktiv fuer die Foerderung von Plaenen zur Umsiedlang und Auswanderung von Arbeitern einsetzt. Der
CIO ist der Ansicht, dass der Kongress die Einwanderungsgesetze
und -beStimmungen der Vereinigten Staaten dahingehend abaendern
muss , dass e3 diesen Land moeglich ist, zusammen mit enderen freien Nationen zur Loesung dieses Problems beizutragen.
3er CIO unterstuetzt das militaerische Hilfsprogramm, mit dem
die Regierung den befreundeten Nationen in Europa hilft. Dieses
Programm und die eigene Entschlossenheit, an der Verteidigung der
Teltdsmokratie teilzunehmen, kann Suropa die fuer seinen Wiederaufbau notvvendige Zuversicht geben. Dieses Programm laeuft
oarallel mit der staendigen Hilfe fuer Friedenszwecke, kann diese
jedoch in keiner Beziehung ersetzen. Der CIO verlangt, dass'das
Pro^rarom fuer militaerische Unterstuetzung verwirklicht wird, ohne
dass den weniger beguenstigten Teilen der Bevoelkerung ungebuehrende Opfer auferlegt werden. Der ClO t8ilt die Auffassung Paul
Floffaans, dass '.Vesteuropa hierzu imstande ist; Amerika muss dafuer
sorren, dass die entsprechenden Planungen durchgefuehrt werden.
ECA Labor Information
PRODUKTI-ONS^TEIGSRUtTG VLRnLMDLRT INFLATION
'.V. Stuart Syraington, der Vorsitzende des US-Verteidigungsausschusses zur Ueberwachung und Sicherung der Hilfsquellen des
Landes und der oberste Leiter der industriellen Mobilisierung, ist
Geschaeftsmann. Ueberraschenderweise ist er jedoch der Ansicht,
dass in Kriegszeiten selbst Geschaeftsleute anstaendig sein
muessen.
Viele Leute halten es vielleicht fuer richtig, in normalen
Zeiten an ihrem Lande und der Oeffentlichkeit zu profitieren.
Symington meint jedoch, dass zu einer Zeit, in der Amerikaner auf
fremden Schlachtfeldern ihr Leben hingeben und die Menschen in der
Heimat Opfer bringen, um ihr Land gegen eine weltweite Bedrohung
zu verteidigen, auch die Geschaeftsleute ein faires Spiel durchfuehren muessen.
- 15 -

�Viele von ihnen tun dies natuerlich. Symington ist jedoch
ungehalten, weil er festgestellt hat, dass einige profitsuechtige Industrielle immer noch bestrebt sind, die Produktion niedrig
zu halten, um die Preise hochtreiben zu koennen. Seinen Unwillen
hierueber brachte er in einer Rede in Houston (Texas) zum Ausdruck. Er spraoh ausserdem die Warnung aus, dass diese geldgierigen Leute nicht unbestraft bleiben.
In einer frueheren Warnung vor uebertriebenen Formen der Gewinnsucht hatte Symington versprochen, dass er die Namen schuldiger Personen und Unternehmen nennen wuerde. Seine Freunde glauben, dass er den Mut hat, diese Drohung wahrzumachen, wenn die
Zeit hierzu gekommen ist. In Houston haette er es beinahe schon
getan.
Er sprach zum Beispiel von einer Gesellschaft, wahrscheinlich
aus der Stahlindustrie, die sich entschlossen hatte, keine Produktionserweiterung vorzunehmen, weil sie dachte, es sei guenstiger, die Waren knapp zu halten. Die Gewinne dieses Unternehmens
hatten sich in der Zeit von 1945 bis 1950 um mehr als 750&gt; gesteigert.'
Den Betriebsleitern dieser Gesellschaft sei von ihren V.'irtschaftsberatern erklaert worden, der Bedarf der Vereinigten Staaten an Automobilen sei gedeckt, und es sei deshalb nicht zweckmaessig, die Produktion zu erweitern. Symington ist jedoch der
Auffassung, dass das "amerikanische Volk und nicht irgend eine
Industrie oder Industriegruppe daruebsr zu entscheiden hat, wieviel Automobile im Lande hergestellt werden koennen."
Symington berichtete dann von dem Betriebsleiter eines Kupferwerkes, der glaubte, die Produktion niedrig halten zu muessen,
zugleich sich jedoch nicht seine Gewinnmoeglichkeiten nehmen
lassen wollte, denn die Einnahmen seines Unternehmens betrugen
allein im zweiten Quartal des Jahres 1950 weit mehr als im gesamten
Rechnungsjahr 1945.
Das Bestreben, die Preise zu steigern, nur um hoehere Gewinne
zu erzielen, muss unwillkuerlich zu Preiskontrollen fuehren. Die
Regierung hat versucht, derartige Kontrollen zu vermeiden. V/enn
sie jedoch notwendig werden, wird die Regierung die Preisentwicklungen seit Korea in den einzelnen Industrien und fuer die einzelnen Produkte genau untersuchen.
Die Profitmacher sollten dann nicht ueberrascht sein, wenn
sie gezwungen wuerden, ihre Preise herabzusetzen.
Obwohl Symington kein Politiker und nicht darauf bedacht ist,
Stimmen fuer sich zu gewinnen, und in seinem ganzen Leben niemals
einer Stellung nachgelaufen ist, brachte er erneut zum Ausdruck,
dass er die Notwendigkeit anerkennt, die Arbeiter vor steigenden
Preisen zu schuetzen.
"Die Arbeiterschaft behauptet, dass- diese Preissteigerungen
in ihrer Auswirkung Lohnsenkungen bedeuten, und diese Behauptung
ist richtig."
Um diesen Preissteigerungen zu begegnen, koennen die Loehne
der Arbeiter heraufgesetzt werden. Fuer ein aelteres Ehepaar jedoch,
das von einer Pension lebt, ist die Lege viel schwieriger. Und
noch schwerer hat es eine Kriegerwitwe, die monatlich um 60 Dollar
bekommt.
Labor
XI/11/50
16

—

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Antrüge aas der amerikanischen Presse und anderen Qaellen dar und dien—
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauck gemacht werden.
Weitere Exemplare können kostenlos bei
Office of Labor Affairs
HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden dieae auck einzelnen Interessenten direkt durch die Poat zugeleitet.
Der Inkalt der „Arbeitsmitteilungen" iat nicht ala offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufaaaen.

I I I - 40

Frankfurt, 8. Dezember 1950

I K H Ü L T S T Ü H Z M C E K I S

Beschleunigte Preisindex-Revision fuer Verbrauchsgueter - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -

l

CIO fordert Gewerkschafter ir\ Aussenministerium - - 2
Automatische Angleichung der Loehne an die Lebenshaltungskosten in den USA. - - - - - - - - - - 3
Gewerkschaften Englands fordern Lohnerhoehung - - - 4
Dies ist unsere groesste Aufgabe - - - - - - - - 5
Weltkrise und Facharbeitermarkt in Amerika - - - - 7
Aussenpolitische Erklaerung des C I O - - - - - - - - 8
Ein Jahr IBFG - - - - - - - - - - - - - - - - - - 9
Sonderbertter Trumans fordert Fortsetzung der
Europahilfe nach 1952 - - - - - - - - - - - - - 10
Der argentinische Diktator tritt in die Fusstapfen
Hitlers
-__
__
12
US-Gewerkschaften gegen 45-Stunden Woche - - - - - 14
Der Gewerkschaftskongress der Schweiz - - - - - - - 1 5

BESCHLEUNIGTE PREIS INDEX-REVISION FUER VERBRAUCHSGUETKR
Die Revision des Lebenshaltungskostenindex', die fuer den
Sommer naechsten Jahres vorgesehen war, ist beschleunigt worden
und wird gegen Ende dieses Jahres beendet sein.
Ewan Clague, der Beauftragte des Bueros fuer Arbeitsstatistik, erklaerte, dass der revidierte Index die Kosten fuer viele
neue Verbrauchsgueter anzeigen werde, darunter Konserven, Nahrungsmittel fuer Saeuglinge, Dauerwellen, Fernsehgeraete und
Brotroester; auch Krankenhauskosten und die juengsten Kietpreiserhoehungen wuerden berücksichtigt.
Die Revision, sagte Clague, sei aufgrund des Krieges in
Korea und der neuen Wirtschaftskontrollgesetze "unbedingt notwendig."

1

�Der revidierte Index wird den Experten fuer wirtschaftliche
Stabilisierung sowie Gewerkschafts- und Unternehmervertretern bei
Tarifverhandlungen ein genaueres Bild der Preisentwicklungen fuer
Verbrauchsgueter geben. Die Zahl der Gewerkschaftsvertraege, in
denen die Loehne von dem Index abhaengig gemaoht werden, nimmt
staendig zu. Den neuesten Schaetzungen zufolge fallen «ine
Million Arbeiter unter die Bestimmungen derartiger Vertraege. Reffierungsbeamte sind gesetzlich verpflichtet, bei der Ausarbeitung
der Wirtschaftsprogramme den gegenwaertigen Preisen im Vergleich
mit denen vom 25. Juni, als die Kommunisten nach Suedkorea eindrangen, "sorgfaeltige Beachtung" zu schenken.
Die Revision haette schon lange vorgenommen werden muessen.
Die Gewerkschaften beschwerten sich bereits waehrend des Zweiten
Weltkrieges und danach darueber, dass der Index ueberholt sei und
ein falsches Bild von den Lebenshaltungskosten gaebe. So ist bis
jetzt zum Beispiel die Bevoelkerungszahl von 1942 zugrundegelegt
worden. Die Veraenderungea in den Gewohnheiten des Einkaufens und
der Ernaehrung sind nur wenig beruecksichtigt worden. Einige
durchaus uebliche Ausgaben im Haushalt einer Familie Würden ueberhaupt nicht mitberechnet.
Mit der Ankuendigung einer beschleunigten Revision des Lebenshaltungskosten-Index berichtete Clague ausserdem, dass der Preisindex fuer Verbrauchsgueter trotz eines Rueckgangs der Nahrungsmittelpreise in den vier Wochen vor dem 15. September um 1/2 Prozent angestiegen sei.
Zu dieser Zeit stand der Index auf 173.8. Clague kuendigte
an, dass mit einem weiteren Anstieg im Verlauf des gesamten kommenden Winters zu rechnen sei.
Daily News Service
Labor* Press Association
10/24/50
CIO FORDERT GEWERKSCHAFTER IM AUSSBNYINISTERIUM
Der CIO ist der festen Ueberzeugung, dass es fuer die USA von
direktem Vorteil sein wird, wenn sie Maenner und Frauen aus den
Reihen der Gewerkschaftsbewegung fuer einflussreiche Stellungen
in den Planungs- und Exekutivabteilungen des Aussenministeriums
heranbildet. Eine derartige Schleusung gewerkschaftlich gesinnter
Buerger in die Aussenpolitlk wuerde bedeuten, dass man sich endlich
der Notwendigkeit bewusst ist, jedes Mittel, das den USA zur Verfuegung steht, zur Loesung der ungeheuer bedeutungsvollen Probleme
zu verwenden, die sich der Regierung in der ganzen Welt bieten.
Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung verfuegt ueber genuegende
Beziehungen und Verbindungen mit anderen Laendern, deren Auswertung
fuer die erfolgreiche Durchfuehrung einer demokratischen Aussenpolitlk Amerikas wesentlich ist.
Die Beteiligung der Gewerkschaften am Marshallplan hat zum
grossen Teil zu den Erfolgen des Wiederaufbauprogramms beigetragen.
Den gewerkschaftlichen Aufrufen an die Moral der Arbeiter und ihrer
Erfahrung ist es zu verdanken, dass eine Politik vermieden wurde,
die das Verstaendnis der breiten Masse der europaeischen Arbeiter
fuer den Marshallplan hStte schwaechen koennen.
Es ist wesentlich, dass sich die Delegationen der Vereinigten
Staaten in der Generalversammlung der Vereinten Nationen, dem Wirtschafts- und Sozialrat und den verschiedenen Kommissionen und Fachbehoerden die Erfahrungen der amerikanischen Gewerkschaften zunutze
machen.
- 2-

�Der groesste Fehler der amerikanischen Aussenpolitik besteht
darin, dass die amerikanische Arbeiterschaft in den obersten Aussohuessen nicht vertreten ist. In fast allen Nationen spielt die
organisierte Gewerkschaftsbewegung in wirtschaftlichen und politischen Angelegenheiten eine immer bedeutungsvollere Rolle. Es
ist offensichtlich, dass die USA-Regierung Leute braucht, die die
Gewerkschaftsbewegungen anderer Laender verstehen und mit ihnen
zusammenarbeiten. Die amerikanischen Gewerkschaften koennen aus
ihren eigenen Reihen faehige Experten zur Verfuegung stellen, die
der Regierung und der demokratischen Bewegung wertvolle Dienste
leisten koennen.
ECA Labor Information
AUTOMATISCHE ANGLEICHUNG DER LOEHNE AN DIE LEBENSHALTUNGSKOSTEN
IN DEN USA
Aufgrund der Bekanntmachung, dass die Lebenshaltungskosten in
den Vereinigten Staaten eine Rekordhoehe erreicht haben, werden
Hunderttausende amerikanischer Arbeiter automatische Lohnaufbesserungen erhalten.
Diese Erhoehungen sind in den sogenannten "gleitenden" Klauseln der Gewerkschaftsvertraege vorgesehen, die bestimmen, dass
die Loehne gesteigert werden muessen, wenn das statistische Buero
des Arbeitsministeriums eine Steigerung der Lebenshaltungskosten
feststellt.
Die ersten Gewerkschaftsvertraege, die eine automatische
Lohnaufbesserung vorsehen, wurden im vorigen Jahre von Walter
Reuthers Automobilarbeitergewerkschaft (CIO) abgeschlossen und sind
seitdem von vielen anderen grossen Gewerkschaften uebernommen.
Es war fuer die Entwicklung der neuen Elektroarbeitergewerkschaft James B. Careys von wesentlicher Bedeutung, dass sie derartige Klauseln in ihre Tarifvertraege aufnahm. Sie trugen zu
den Erfolgen der neuen Elektroarbeiterorganisation bei, die sich
von der alten Gewerkschaft der Vereinigten Elektroarbeiter losgeloest hatte , die als kommunistisch beherrschte Organisation vor
einem- Jahr aus dem CIO ausgeschlossen wurde.
Sprecher der Unternehmer erklaerten, dass sich die Kosten fuer
diese automatischen Lohnaufbesserungen fuer eine Dauer von drei
Monaten, beginnend mit dem 1. Dezember, elleir; fuer die Automobilindustrie auf rund 17 Millionen Dollar belaufen wuerden. Die Aufbesserung der Stundenloehne betraegt drei Cents. In den letzten
drei Monaten ist der Lebenshaltungskostenindex von 172.5 auf
174.8 gestiegen.
Mit der Ankuendigung dieser. Lohnaufbesserungen wurde zugleich
von wesentlichen Lohnsteigerungen fuer die Arbeiter der Schwerindustrie berichtet. Das erste Abkommen kam zwischen der Gewerkschaft der Vereinigten Stahlarbeiter, deren Vorsitzender der CIOPraesident Philip Murray ist, und der US Steel Corporation zustande, die der groesste Stahlproduzent der Vereinigten Staaten ist.
Dieses Abkommen sieht eine Stundenlohnerhoehung von 16 bis
19 Cents vor. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, dass durch dieses
Abkommen jede Unterbrechung ifc der MetallDroduktion, die das
Rueckgrat der Ruestungsproduktion bildet, von vornherein unmoeglich gemacht wird.
Arbeitgebervertreter des Stahlunternehmens Bethlehem haben
sich nach Pittsburgh begeben, um mit Murray und seinen Verhandlungs- 3-

�kolleren zu beraten. Man erwartet, dass sie in Kuerze aehnliche
3rtra3f£ abschliessen werden.

Tr

Ja v;ird ausserdem damit gerechnet, dass eine Preissteigerung
fuer Stahl von sechs Dollar pro Tonne dem Abschluss der Vertraege
unmittelbar folgen wird. Die Beauftragten fuer wirtschaftliche
Stabilisierung werden vere'inbatfungsgemaess gegen diese Preiaerhoehung keinen Einspruch erheben.
Cyrus S. Ching, der Vorsitzende des neuen Ausschusses fuer
Lohnstabilisierung, erklaerte waehrend einer Besprechung ueber die
automatischen Lohnaufbesserungen und die neuen Tarifvertraege in
der Stahlindustrie, dass das Buero fuer Arbeitsstatistik die Tendenzen der Lebenshaltungskosten in den naechsten Monaten nur oberflaschlich uebersehen koenne. Allem Anschein nach ist mit einer
weiteren- Steigerung zu rechnen.
Als Walter Reuther die Lohnaufbesserungen fuer seine Automobilarbeiter im Rahmen der "gleitenden" Klauseln ankuendigte, kritisierte er in scharfen Worten die Steigerung der Lebenshaltungskosten, die diese Lohnerhoehungen notwendig gemacht haetten. Er
bezeichnete die Indexspirale als "gefaehrlich und inflationistisch"
und fuegte hinzu, "dass dieser neueste Anstieg der Lebenshaltungskosten ein Vorgeschmack dessen sei, was noch kommen koenne, wenn
die Regierung nicht schnell wirksame Massnahmen ergreife."
Mitteilungen des U.S. Aussenministeriums
11/30/50
GfrVERKSCHAffTEN SNGLAT-TDS FORDERN LOHNERHÜEKUNG
Der Beschluss des Britischen Gewerkschaftskongresses, seine
Lohnstabilisierungspolitik zu beenden, hat die ersten Ergebnisse
gezeitigt.
um 12. Oktober hatte bereits nahezu die Haelfte der acht Millionen Mitglieder der britischen Gewerkschaften Lohnerhoehungen
gefordert oder sie in Betracht gezogen.' Zugleich rechnete man mit
weiteren Lohnforderungen. Inzwischen hatte sich die Labour-Farty
auf ihrer Jahreskonferenz mit sichtlichem Widerwillen mit der. Aenderung der Politik des britischen Gewerkschaftskongresses (TUC)
einverstanden erklaert.
Sprecher von 37 Organisationen, die zu dem Verband der Schiffsbau- und Technikergewerkschaften gehoeren, wiesen die Angebote der
Unternehmer ab, die ihnen fuer 2.500.000 Mitglieder Lohnaufbesserungen vorschlugen, und sprachen sich durch Abstimmung fuer eine
schiedsrichterliche Entscheidung ueber ihre Forderung nach einem
Pfund Sterling Lohnerhoehung je Woche aus.
Es sah so aus, als ob auch der Exekutivausschuss der britischen
Bergarbeitergewerkschaft ein. Angebot des Nationalen Gerichtshofes
der verstaatlichten Kohleindustrie ablehnen wuerde. Dieses Angebot
sollte sich auf rund 10 Millionen Dollar fuer 400.000 der in Frage
kommenden Arbeiter mit niedrigeren Loehnen beziehen.
Fuer den Fall, dass der Arbeitsminister nicht rechtzeitig
eine Schlichtung oder Schiedssrrechung anordnen wuerde, stuende
es den Angehoerigen der Lokomotivfuehrer und Heizergewerkschaft
frei, fuer 72.000 Arbeiter um eine Lohnerhoehung von 15% zu erkaennfen.
—•«JJiti&amp;ZJ'SfSfeP d e r Transportarbeiter und der Arbeiter des
oeffentlichen Dienstes hatte beschlossen, fuer 226.000 AUtobus- 4-

�und Strassenbahnerbeiter und fuer 70.000 Dockarbeiter ebenfalls
Lohnerhoehungen zu fordern.
Auch die maechtige britische Medizinische Vereinigung, das
Gegenstueck der American Medical Association, drohte dar.it,
19.000 Aerzte aus dem gebuehrenfreien Gesundheitsprogramm der
Regierung herauszunehmen, wenn sie keine bessere Bezahlung erhielten.
Mit Ausnahme des Falles der Aerzte herrscht wenig Zweifel,
dass Lohnerhoehungen fuer die englischen Arbeiter schon lange
faellig waren. Nach genauen Schaetzungen haben sich die Einkommen der Aerzte verdoppelt, waehrend die Loehne der Arbeiter durch
die seit zweitJahren betriebene Lohnstabilisierungsnolitik, von
der niemand geglaubt hatte, dass sie fuer immer bestehen bleiben
wuerde, sich unveraendert erhielten. Ausserdem stiegen die Preise,
wenn auch nicht so rapid an wie in den Vereinigten Staaten.
Es wird angenommen, ddss ein neues Lohnniveau durch Tarifverhandlungen oder Schiedssprechung mit einem Minimum an Schwierigkeiten und Streitigkeiten sich aufstellen laesst. Ob die britische
Wirtschaft die neue Kaufkraft absorbieren kann, wird letzten
Endes, so glaubt man, ganz allgemein von dem Produktionsstand
und der Produktionsleistung des einzelnen Arbeiters abhaengen.
Was die Aerzte betrifft, so nehmen nur wenige ihre Drohung,
ihre Arbeit niederzulegen, ernst. Alle Parteien, ob Labour,
Konservative oder Liberale, wuerden eine solche Handlungsweise
mit Befremden aufnehmen. Man zweifelt uebrigens daran, ob die
britische medizitische Vereinigung ueberhaupt in der La^e ist,
die angedrohte Rueckziehung durchzufuehren.
Daily News Service
Z/13/50
DIES IST UNSERE GROESSTE AUFGABE
In den unterentwickelten Laendern der Welt leben zwei Drittel der Weltbevoelkerung staendig im Schajtten des Hungers, der
Krankheiten und der Armut - ein breites Band des Elends, das die
Erdkugel von Mittel- und Suedamerika ueber Afrika und den Mittloren Osten bis zu den Laendern Suedostasiens umspannt. In all
diesen Gebieten liegt die Kindersterblichkeit weit ueber dem
'Durchschnitt-, die Zahl der Analphabeten ist erschreckend, der
Lebensmittelverbrauch ist gering. Armut und Rueckstaendigkeit
entspringt zahlreichen Ursachen, deren bedeutendste die schwierigen klimatischen Verhaeltnisse und der Mangel an natuerlichen
Hilfsquellen sind.
Das Land selbst ist haeufig unfruchtbar. Raubbau und Erosion
haben in weiten Gebieten diese Schwierigkeiten vermehrt. Primitive Methoden und eine rueckstaendige soziale Organisation haben
jede Steigerung der Produktion verhindert, ohne die keine Besserung
des Lebensstandards und keine Erweiterung der sozialen Betreuung
und der oeffentlichen Y/ohlfahrtseinrichtungen noeglich ist. In
weiten Gebieten Afrikas zum Beispiel haben Mangel an Wasser und
Seuchen, die durch Insekten uebertragen werden und Menschen, Tiere
und Ernten staendig gefaehrden, die Arbeit in der Landwirtschaft
zu einem unaufhoerlichen grimmigen Kampf gegen Kunger und Krankheit werden lassen. Das Leben spielt sich dadurch auf einem sehr
niedrigen Niveau ab.
- 5 -

�Die Menschen dieser Gebiete sind allein nicht dazu in der
Lage, den Stand der sozialen und wirtschaftlichen Taetigkeit
zu heben. Sie verfuegen weder ueber die erforderlichen Hilfsquellen noch ueber das notwendige technische Wissen. Sie muessen
von beguenstigteren Laendern unterstuetzt werden. Seit dem Jahre
1945 hat man diese Notwendigkeit immer staerker erkannt. Weltwohlstand und Weltfriede sind aber immer zwei unzertrennliche Begriffe.
Die freien Nationen der Welt haben die doppelte Aufgabe,
den unterentwickelten Gebieten zu helfen, ihren Lebensstandard
zu verbessern und zugleich diese Menschen fuer ein neues demokratisches Weltsystem zu gewinnen, das noch ausgebaut werden muss.
Eine Welt, aufgespalten in industriell fortgeschrittene Laender,
die sich eines hohen Lebensstandards erfreuen, und in rueckstaendige Laender, in denen Millionen in furchtbarer Armut leben*
waere eine Welt der Furcht, der Erbitterung und des Hasses.
Man muss sich vor Augen halten, dass die Koloniennicht arm
und rueckstaendig sind, weil sie Kolonien sind. Die politische
Struktur unterentwickelter Laender hat mit ihren grundlegenden
wirtschaftlichen Problemen nur wenig zu tun. Solange nicht fuer
ausreichende Erziehungsmoeglichkeiten, eine genuegende soziale
Versorgung und einen angemessenen Lebensstandard gesorgt ist,
kann eine wirksame demokratische Selbstregierung nicht verwirklicht werden. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, bei der
wirtschaftlichen Entwicklung jede nur moegliche Hilfe zu leisten.
Kuerzlich kamen auf einer Konferenz in Sydney die Vertreter
von sechs Staaten des Commonwealth zusammen, um ein Unterstattzungsprogramm auszuarbeiten, das eine erste Hilfeleistung fuer die
Voelker Suedostasiens sein soll. Man beschloss, die im Gange
befindlichen Vorbereitungen zur technischen Unterstuetzung durch
ein Acht-Millionen-Dollar-Programm zu ergaenzen, das von einem
in Colombo zu errichtenden Amt des Commonwealth verwaltet werden
soll.
Die Wirtschaft der unterentwickelten Gebiete und die der
Industriestaaten ergaenzen sich. Ein besserer Lebensstandard der
••rueokstaendigen" Voelker wuerde eine groessere Nachfrage nach
Fertigprodukten zur Folge haben. Ein groesserer Ausstoss an Rohmaterialien und Halbfertigwaren zu niedrigeren Freisen wuerde
auch die Preise fuer Fertigwaren verbilligen. Arbeitslosigkeit
'n den Industriestaaten, die natuerlich von einem Nachlassen der
lachfrage nach Erzeugnissen aus den Tropen begleitet waere, wuerde
wie in der Zeit zwischen den beiden Kriegen zu einer Warenanhaeufung in den Kolonien fuehren. Die Unterstuetzung rueckstaendiger
Gebiete kann deshalb zu einem bedeutenden Faktor in einer sich
ausdehnenden Weltwirtschaft werden, der den Lebensstandard in der
ganzen Welt verbessern kann.
-

—

-

•

-

Die Vereinigten Staaten haben durch das Punkt-Vier-Programm
Praesident Trumans, das eine umfassende technische Unterstuetzung
fuer Laender vorsieht, bewiesen, dass sie um die 7/ohlfahrt der
Menschen in diesen Gebieten besorgt sind. Die fuer dieses Programm zur Verfuegung gestellten Geldmittel belaufen sich auf etwa
20 Millionen Dollar. Im Rahmen des Marshall-Plans, der von der
Verwaltung fuer Wirtschaftliche Zusammenarbeit verwaltet wird,
sind britische Ueberseegebiete durch Zurverfuegungstellung technischer Experten und durch Dollarkredite zum Ankauf von amerikanischem Ausruestungsmaterial fuer Srschliessungsnrojekte unterstuetzt
worden. Die Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit verfuegt zu diesem Zweck ueber einen Reservefonds von etwa 20 Millionen Dollar.

�Durch die den Vereinten Nationen angeschlossenen Fachorganisationen wie die Weltgesundheitsorganisation, die Organisation
fuer Ernaehrung und Landwirtschaft, die Internationale Arbeitsorganisation, usw. beteiligen sich viele Nationen an diesem guten Werk. Im Juni 1950 wurde von den Vereinten Nationen ein
erweitertes Programm der technischen Unterstuetzung mit einem
Geldaufwand von rund 20 Millionen Dollar gestartet, eine Summe,
die sich aus Zuwendungen etwa 50 verschiedener Mitgliederstaaten
zusammensetzt. Es ist bedeutsam, dass weder Russland noch irgend
ein anderes Land des russischen Blocks einen Beitrag hierzu geleistet hat.
Die Labour-Party hat in ihrer neuen nolitischen Erklaerung
"Labour und die Neue Gesellschaft" einen Vorschlag fuer einen
VVeltDlan ausgearbeitet, der eine Kombinierung der Hilfsquellen
der fortgeschrittenen Nationen zur Bekaempfung der Armut vorsieht. Dieser glueckliche Gedanke koennte, wenn er verwirklicht
wuerde, zu dem groessten Erfolg des 20. Jahrhunderts werden.
FACT
The Labour Party Bulletin
IX/50
WELTKRISE UND FACHARBEITSMARKT IN AMERIKA
Waehrend das nationale Verteidigungsorogramm der Vereinigten Staaten eine immer groessere Bedeutung gewinnt und die zivile
Wirtschaft auf vollen Touren arbeitet, macht sich der Mangel an
Facharbeitern staendig mehr bemerkbar. Das Buero fuer Beschaeftigungssicherheit meldet aus allen bedeutenden Industriebezirken
des Landes, dass der Mangel an Facharbeitern, insbesondere in
der Metallverarbeitung, dem Baugewerbe, der mechanischen Fertigung und des Reparaturgewerbes, zunimmt. Der groessere Bedarf
an gelernten Arbeitskraeften stellt die wesentlichste Entwicklung
der vergangenen Monate dar, die in einer neueren Zaehlung der unbesetzten offenen Arbeitsplaetze von dem Buero fuer Beschäeftigungssicherheit festgestellt wurde, das seine Informationen von
den ihm angeschlossenen oertlichen Behoerden der Einzelstaaten
erhaelt.
Den August-Zaehlungen 23 verschiedener Staeten zufolge hat
sich die Zahl der offenstehenden nichtlandwirtschaftlichen Arbeits
nlaetze in den beiden letzten Monaten nahezu verdoppelt und ist
seit dem 28. Juni von 13.306 auf 26.373 angestiegen. Am staerksten ist die Nachfrage nach gelernten Arbeltern (etwa 40# aller
offenen Stellen).
•

In den Fachberufen besteht vor allen in den Staaten Ohio,
Kalifornien, Connecticut und Illinois eine grosse Nachfrage nach
Maschinisten und Einrichtern; ferner besteht eine grosse Nachfrage nach .Yerkzeugma ehern vornehmlich in Michigan. Dreher und
Fraeser sind vor allem in den Staaten Kalifornien, Ohio, Michigan,
Minnesota, Connecticut, Wisconsin und Illinois gesucht.
Etwa 22 Staaten berichten von einem Bedarf an insgesamt 786
Zimmerleuten, v*aehrend sich der ?fengel an Maurern besonders in
New York, Ohio und Delaware bemerkbar macht. Offene Arbeitsplaetze fuer Eisenblechfacharbeiter werden aus 29 Staaten gemeldet,
wobei die Flugzeugindustrie in Kalifornien ueber die Haelfte des
Gesamtbedarfs zu verzeichnen hat. Gefragt sind ausserdem ^utomechaniker und Reparaturmechaniker fuer Karosserien, und die meisten
zur Verfuegunc stehenden unbesetzten Arbeitsnlaetze werden aus
- 7-

�Vashington gemeldet. In Georgia und Kalifornien sind Radiomechaniker, Instandsetzungsmechaniker, Dieselmechaniker und Instrumentenmacher sehr gesucht.
Die Herstellung von Dauer- und Verbrauchsguetern konnte bisher noch der gesteigerten Nachfrage der Verbraucher gerecht werden,
sie wurde jedoch durch die Korea-Krise und die Besorgnisse einer
Verknapnung und einer Materialrationierung weiterhin angeregt.
Der Mangel an Facharbeitern in der Metallverarbeitung und dem
Baugewerbe, der sich in weiten Teilen des Landes bemerkbar machte,
hat sich im allgemeinen bislang, noch nicht nachteilig auf die
Produktion ausgewirkt.
Der Mangel an gelernten Arbeitern des Baugewerbes, der im
^"ai Tnur ausfteniganGegenden rarichtet wurde, hatte sich bis
zum uli fast Liuf alle Bezirke ausgedehnt. An naechster Stelle
auf der Liste der fehlenden Berufe stehen Maschinen-, Zlektround - Flugzeugingenieure, Maschinisten, .Verkzeugmacher und .Verkzeugzeichner. ^uch die meisten Zentren der Flugzeugindustrie
klagen ueber Facharbeitermangel. In einem Falle fehlte es 30gar
an angelernten Monteuren. V.'eitere Schwierigkeiten ergaben sich
fast in allen Bezirken in der Suche nach gelernten Giessereiarbeitern, Konstrukteuren und Facharbeitern in der Bekleidungsmaschinenindustrie, Automechanikern und erfahrenen Bueromaschinenarbeitern, aber auch Buerofachangestellteiiund Stenografen. Die
ausserbezirkliche "A'erbung von gelernten Arbeitskraeften nahm mit
Ausnahme der Bauberufe zu, von denen man weiss, dass sie in
allen Bezirken knapp sind.
US Department of Labor
Buereau of Employment Security:
The Labor Market and Emoloyment Security
50/9 Washington
AUSSENPOLITISCHE ERKLÄRUNG DES CIO
Der CIO-Kongress gab zur Aussennolitik der Vereinigten Staaten folgende Erklaerung ab:
1. Der CIO unterstuetzt die Vereinigten Staaten und die
Vereinten Nationen in ihrem "Kamnf gegen die kommunistische Aggression in Korea und gegen jede weiters Aggression der rotchinesischen Marionetten der Sowjet-Union."
2. Er unterstuetzt die Vereinten Kationen in ihren Handlungen, die ein dauerhaftes System der kollektiven Sicherheit zum
Ziel haben.
3. Sr unterstuetzt ferner alle aufrichtigen Bemuehungen um
eine allgemeine Abruestung, einschliesslich der internationalen
Kontrolle der Atomenergie, "weist jedoch mit Verachtung die falschen Friedensanpelle zurueck, wie sie in Stockholm, Sheffield
und Warschau verkuendet wurden. Diese Friedens^laene sind kommunistische Pro^arandamanoever, die ueber die exnansionistische
Aggression der Sowjetunion hinwegtaeuschen sollen.
4. Der CIO befuerwortet positive Friedensaktionen durch
energische soziale und wirtschaftliche Massnahmen, Vvie sie besonders im Punkt-Vier-Pro^ramm Praesident Trumans enthalten sind,
und begruesst als "einen Schritt in der bleichen Richtung die
unlaengst abgehaltene britische Commonv.ealth-Konferenz, auf der
Methoden zur Unterstuetzung der wirt^chaftlichen Entwicklung Suedostasiens ausgearbeitet wurden."

�5. Der CIO billigt den Schuman-Plan als ein Mittel zur
Staerkung der Einheit Europas und als ein Programm zur uebernationalen Koordinierung der Schwerindustrien des Kontinents, das
den sofortigen Abschluss eines Friedensvertrages mit Westdeutschland notwendig macht. In der Resolution heilst es jedoch, dass
9s "ein Verrat an deutschen Volke sei, wenn einige deutsche Industrielle die kommunistische ^artei durch Reklame in der kommunistischen Presse finanziell unterstuetzen.
6. Der CIO billigt den Beschluss, Mitglieder der Gewerkschaftsbewegung in hohe aussenpolitische Ausschuesse zu berufen,
"weil sich der Appell der Kommunisten an die Arbeiter richtet,
und von den Arbeitern selbst am besten abgeschlagen werden kann."
7. Der CIO fordert die Berufung von Maennern und Frauen
aus der Gewerkschaftsbewegung in die planenden, legislativen
und exekutiven Abteilungen des Aussenministeriums. Er fordert,
dass die Erfahrungen aus der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
in der Delegation der Vereinigten Staaten beim Generalrat der
Vereinten Nationen, in ihrem »Virtschafts- und Sozialausschusa
und in den verschiedenen Kommissionen und Fachorganisationen verwendet werden. "Die groesste Unzulaenglichkeit der amerikanischen
Aussenpolitik besteht darin, dass die amerikanische Gewerkschaftsbewegung in den obersten Ausschuessen des. Landes nicht vertreten
ist." Die Tatsache, dass die Gewerkschaftsbewegung an der Verwaltung fuer wirtschaftliche Zusammenarbeit (EGA) beteiligt ist,
hat viel zu den populaeren Erfolgen des Wiederaufbauprogramms
beigetragen.
8. Der CIO untorstuetzt die Bemuehungen des Aussenministeriums, mit den wirklich demokratischen Kraefteh der ganzen Welt
zusammenzuarbeiten und sie zu ermutigen.
9. Er fordert die Einstellung der wirtschaftlichen Ünterstuetzung der totalitaeren Diktaturen Franco-Spaniens und PeronArgentiniens.
Mitteilung des US Aussenministeriums
9/23/50
5I?T JAHR IBFG
Gemeinsam mit den freien Gewerkschaftern der ganzen Welt
wuerdigten die arbeitenden Maenner und Frauen Amerikas das ein.iaehrige Bestehen des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Spitzenfunktionaere der amerikanischen Gewerkschaften sprachen sich anerkennend ueber die Fortschritte aus, die der IBFG im
vergangenen Jahre bei der Foerderung der wirtschaftlichen Sicherheit und des Weltfriedens zu verzeichnen hatte.
Der CIO, der sechs Millionen amerikanische Arbeiter vertritt,
erklaerte, dass sich der IBFG in den zwoelf Monaten seines Bestehens "die Achtung ueberall da gesichert habe, wo er bekannt
ist - und das ist von einem Linde der Welt bis zum anderen."
Der CIO ht.t zusammen mit der AFL und anderen grossen Gewerkschaften der Vereinigten Staaten mitgeholfen, den Internationalen
Bund Freier Gewerkschaften zu gruenden, der der «ufgabe dient,
den Zielen und Sehnsuechten der freien arbeitenden Menschheit im
Gegensatz zu dem kommunistisch beherrschten Weltgewerkschaftsbund
stimme und Cehoer zu verleihen.
- 9 -

�Besonders anerkennenswert ist die Tatsache, schreibt das
Organ des CIO, "The CIO News", dass der IBFG praktische Ziele verfolgt und nicht lediglich von der negativen Absicht als reine
OiDOsition zum Kommunismus beherrscht wird.
Dieses Organ zitierte eine Erklaerung des IBFG, in der es
hiess: "Der IBFG und die ihm angeschlossenen Organisationen widersetzen sich zweifellos der Zersetzungspolitik, die die Kommunisten innerhalb der Gewerkschaftsbewegung verfolgen. Sie bekaemnfen diese Politik jedoch nicht als ein besonderes Ziel oder
als snezielle Aufgabe, sondern nur insofern, als sie der Gewerkschaftsbewegung in ihrem Streben nach wirtschaftlicher Sicherheit,
Friede und Freiheit im »Vege steht."
Heute sind nahezu 50 Killionen Gewerkschafter in 36 verschiedenen Laendern im IBFG vertreten, obwohl er erst ein Jahr besteht.
In dem ersten Jahr ihres Bestehens ist dieser Organisation
das mitberatende otatut in der Internationalen Arbeitsorganisation,
dam .Virtschafts- und Sozialrat der Vereinten Kationen und der Organisation fuer Erziehung, Wissenschaft und Kultur in der gleichen
Organisation (UNESCO) zuerkannt worden. Sie hat in der Schweiz
ein Verbindungsbuero zur Internationalen Arbeits-Organisation eroaffr.et.
Auch in der ^rricutung regionaler Organisationen sind For.tscnritte erzielt worden, oo wurden auf einer Konferenz in der
Stadt !'exiko eine interamerikanische Organisation und spaeter in
Karachi in Pakistan eine asiatische Organisation in Angriff genommen, eine regionale Organisation fuer Westeuropa ist bereits
durchgefuehrt worden.
iCine SuissIon des IBFG bereiste Asien, eine andere wird in
Kuerze Afrika besuchen, auf Grund des Besuchs in Asien wird zur
Zeit ein Informationsbuero in Singapur errichtet.
Daily Vireless Bulletin
18/6/50
SOTTD^HBISRATH TRUM/J'S -/3KDJRT FQRlT.LlZUirC D£R äUROPAKILFä "ACH 1952
Der ehemalige Heeresminister Gordon Gray hat vor kurzem in
ainem Bericht an rraesident Truman die Fortsetzung der nichtmilitaerischen, wirtschaftlichen Hilfe der Vereinigten Statten fuer
Westeuropa ueber des Jahr 1952 hinaus, in dem der Marshall Plan
ablaeuft, empfohlen und zu den Zielen der wirtschaftlichen Aussenoolitik der USA Stellung genommen.
Praesident Truman hatte vor einiger Zeit Gray nach seinem
Austritt aus der Armee gebeten, das umfassende Gebiet der Wirtschaftspolitik der Vereinigten Staaten im Ausland zu uebernruefen
und ueber etwaige zukuenftige Massnahmen Bericht zu erstatten.
Kaehrend der Oray-^usschuss an der Arbeit war, starteten
die nordkoreanischen Kommunisten ihren angriff in Korea. '.Vie es
in dem Bericht heisst, "ist diese Aggression ein Beweis fuer die
unmittelbare militaerische Gefahr und die Notwendigkeit, die Kraefte zur Verteidigung der freien Welt zu staerken."
NatuerlicL bedeutet dies, wie es auch offen in. Bericht von
Gray zum Ausdruck koiomt, Wiederaufruestung unter den freien Nationen; es bedeutet jedoch auf keinen Fall, das^ der wirtschaftliche
Fortschritt ueber einer berichten Wettproduktion von Maschinen- 10 -

�gewehren vergessen werden muss. "Auf wirtschaftlichem und sozialen Gebiet muessen die freien Nationen in der Offensive bleiben,"
heisst es in dem Bericht, der sodann die Grundlage der Aussenpolitik der Vereinigten Staaten in den Worten zusammenfasst: "Mithelfen, die wirtschaftlichen Bedingungen und Beziehungen zu schaffen, die zum Aufbau demokratischer Staaten notwendig sind, die
sich selbst verteidigen und ihren Lebensstandard verbessern koennen." Der Bericht geht dann naeher auf die mit dieser zweifachen
Aufgabe verbundenen besonders verwickelten Probleme ein - naemlich
einmal die Demokratien zu verteidigen und zweitens Demokratien
mit besseren sozialen Verhaeltnissen zu schaffen - und enthaelt
die folgenden Vorschlaege:
1. "Um die erforderliche Ausdehnung des westeuropaeischen
Verteidigungssystems in Uebereinstimmung mit gemeinsamen Plaenen
zu erleichtern, muessen die Vereinigten Staaten bereit sein, ihre
Hilfslieferungen, abgesehen von Kriegsmaterial, weitere drei
oder vier Jahre hindurch fortzusetzen. Der Umfang der benoetigten Hilfe haengt von den aregenwaertigen Wiederaufruestungsbemuehungen der einzelnen Laender und von deren Auswirkungen auf einzelne Wirtschaften ab. Diese beiden Faktoren werden in erster
Linie von den "^lanungsbehoerde-n fuer Wirtschaft und Produktion
innerhalb der Organisation des Nordatlantikpaktes berechnet."
2. "Die Hilfe fuer Westeuropa muss auf der Grundlage des
allgemeinen Bedarfs und nicht an Hand einzelner Projekte geplant
und getrennt von der militaerischen Unterstuetzung durch Waffenlieferungen verwaltet werden
"
3. "Die Hilfe muss so gegeben werden, dass dadurch die volle
Nutzung der europaeischen Hilfsquellen, eine gesteigerte Handelstaetigkeit unter den europaeischen Laendern und der Zusammenschluss der Wirtschaften Westeuropas gefoerdert wird; insbesondere
wird in dem Bericht gefordert, dass die Vereinigten Staaten weiterhin die europaeische Zahlungs-Union unterstuetzen, die die
Konvertierbarkeit der Waehrungen der Laender Westeuropas erleichtert."
4. "Bei der gemeinsamen Planung der Sicherheitsprogramme,
besonders in der Unterstuetzung 'Westeuropas zur Staerkung seiner
Verteidigungskraefte, muss der Bedeutung eines grossen europaeischen ExportVolumens besondere Beachtung geschenkt werden, das
das einzige Mittel darstellt, wirtschaftlich selbstaendig zu
werden, obwohl sich natuerlich die internen Verpflichtungen, die
die Wiederaufruestung mit sich bringt, auf den Verbrauchs- und
Investitionsstand auswirken werden."
5. In Anbetracht der Bedeutung der britischen Waehrung auf
dem Weltmarkt ist es besonders wichtig, Mittel und Wege zu finden,
um England bei der Wiederauf ruestung zu unterstuetzen, ohne dass
sich seine wirtschaftliche Position im üusland ernstlich verschlechtert.
Welche Zukunft bietet sich nun den Wirtschaften Westeuropas
angesichts der durch die stalinistische Aggression aufgezwungenen
Wiederauf rue st ungsbemuehunc-en?
"Westeuropa," so heisst es in dem Bericht, "duerfte sich auf
die Moeglichkeit vorbereiten, dass die Kosten fuer seine Importe
steigen, waehrend die Preise fuer seine Exporte zurueckgehen, sodass sein gegenwaertiger Fortschritt auf dem Wege zur wirtschaftlichen Selbstaendigkeit in Frage gestellt werden kann. Diese Entwicklungen bergen die grosse Gefahr der Inflation in den westeuropaeischen Laendern in sich und koennen ihre Bemuehungen zur
Verteidigung unterminieren."
- 11 -

�"Die Schwierigkeiten der westeuropaeischen Laender bestehen
nicht mehr darin, Absatzmaerkte im Ausland zu finden, sondern genuegend Waren zu produzieren, um den neuen und groesseren Bedarf
an Kriegsmaterial und den '.Cindestbedarf der Zivilbevoelkerung,
einschliesslich der fuer die wirtschaftliche Selbstaendigkeit
noetigen Exporte zu decken."
"Im Interesse der gemeinsamen Verteidigung koennen und werden
sich die westeuropaeischen Laender Einschraenkungen im Verbrauch
und den Investitionen auferlegen; es gibt jedoch Grenzen, unter
die sie nicht heruntergehen duerfen, wenn sie nicht die gesunde
Struktur ihrer Wirtschaft und ihren politischen Zusammenhalt gefaehrden wollen. Eine ausreichende Herstellungsquote von Kriegsmaterial wuerde diese Grenzen wahrscheinlich ueberschreiten, und
in dem Masse, in dem die Exporte reduziert werden muessen, verringert sich die einzige Uoeglichkeit, die diese Laender haben, um
wirtschaftlich selbstaendig zu werden."
Deshalb heisst es in dem Bericht von Gray: "Vorausgesetzt,
dass sich die westeuropaeischen Laender in angemessenem Ivtesse der
Verteidigung widmen, werden wir bereit sein, eine weitere Dollarhilfe zu leisten, um ihnen die Buerde ihrer eigenen Produktion an
Kriegsmaterial tragen zu helfen, soweit sie die Opfer uebersteigt,
die diese Laender zu bringen imstande sind."
"Vom Standpunkt unserer eigenen Sicherheit und der Sicherheit
der freien '.Veit aus ist Westeuropa das kritischste Gebiet."
In dem Bericht wird ausserdem der Frage grosse Beachtung geschenkt,' wie man es anderen Kationen leichter machen kann, mit den
Vereinigten Staaten und untereinander Handel zu treiben. Die
Vereinigten Staaten werden aufgefordert, ihr Programm der gegenseitigen Handelsabkommen fortzusetzen, durch das die Zollgebuehren
reduziert werden, ferner voruebergehend Gesetze zu bewilligen,
die fuer besondere Verbrauchsgueter eine Herabsetzung der Zollgebuehren Trermoeglichen, und die umfassenden Reformen dür Zollverfahren der ereinif ten Gta. ten weiterzufuehren. In dem Bericht wird
ausserdem eine allmaehliche Reform der amerikanischen Subventionsoolitik fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse und der Verteilung
ueberzaehli'Kcr Erzeugnisse empfohlen, wenn diese die wirtschaftlichen Beziehungen mit deni ausländ behindern.
Weitere Vorschlaege erstrecken sich auf internationale Zusammenarbeit bei der ^bst-tzplanung knapper Rohmaterialien, die fuer
die Ruestungsproduktion erforderlich sind, und auf eine einzige
amerikanische 3eho:;rde, die sich mit auslaendischen Hilfs- und
anderen Wirtschaftsprogrammen befassen soll, anstelle der zahlreichen zur Zeit bestehenden Dienststellen i^ebertregen wird.
Der Ueberschuss der Exporte ueber die Importe der Vereinigten
Staaten ist im Laufe dieses Jahres, als die stalinistisphe Aggression
das '.Veitbild so sehr veraenderte, geringer geworden. In dem Bericht
wird festgestellt, dass der bisherige stetige Exportueberschuss
tatsaechlich verschwunden ist, was teilweise auf die Tatsache zurueckzufuehren sei, dass Amerika aufgrund der Anregung der Ifarshall^lan-Vorwaltun^ in Europa wieder Einkaeufe taetigt.
ECri Labor Information
11/17/50
Dir. „ ^ T T L O ; - .

DI::T,AOK TRITT I P DIE FU^STAPFIT UITLERS

Der Diktator Tuan Peron von Argentinien tritt .letzt in die
Fusstapfen eines anderen Tyrannen der Heuzeit.
- 12 -

�So wie Hitler es in Deutschland vorexerzierte, so war Peron
von Anfang an bestrebt, die freien Gewerkschaften zu zerstoeren,
heisst es in "Free Labour World", dem Monatsblatt des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften. Ein Beweis hierfuer ist die
Tatsache, dass der 90-taegige Streik der Gewerkschaft der Seefahrer und verwandter Berufe mit einer Niederlage geendet habe.
In einigen Beziehungen ist Peron schlauer als Hitler. Durch
Bestechung und Versorechungen hat die Ein-Mann-Regierung Argentiniens eine Anzahl Gewerkschaftsfuehrer fuer sich gewonnen, "die
sich selbst die Ketten anlegen, die Peron fuer sie bereithaelt."
Um seine Ziele zu erreichen, hat Peron aber auch Gewalt und Mord
angewendet.
Die Foederation der Seefahrer, eine Gruppe von 20 Seefahrerund Hafenarbeitergewerkschaften, war zu der Zeit, als der Streik
begann, die letzte freie argentinische Gewerkschaftsorganisation,
die noch uebriggeblieben war. Sie verfolgte mit ihrem Streik
folgende Ziele: Die Wiedereinstellung der Arbeiter, die von der
groseen, in Regierungsbesitz befindlichen Schiffahrtsgesellschaft
Dodero entlassen worden waren; die Durchfuehrung eines Abkommens,
das vom Transportministerium unterzeichnet war, und nach dem ein
gemeinsames Komitee zu bilden war unter Anerkennung des Rechtes
der Gewerkschaften, ihre eigene Gewerkschaftspolitik zu betreiben.
Die Internationale Transoortarbeiterfoederation, der die argentinische Foederation angeschlossen war, sagte sofort ihre Unterstuetzung in diesem Streik zu. Sie erklaerte einen Boykott gegen
argentinische Schiffe in allen Haefen der Welt. Hafenarbeiter
anderer Laender weigerten sich, auf argentinischen Schiffen zu
arbeiten. Trotzdem gelang es Peron, die streikenden Gewerkschaften
nach 90 Tagen zum Nachgeben zu zwingen. Die Gewerkschaften erklaerten, dass ihre wirtschaftliche Widerstandskraft erschöpft sei. Und
so war es tatsaechlich.
Peron und seine beruehmte Frau Evita wandten einige bewaehrte
Methoden an, um den Streik zu brechen. Auf der einen Seite wurde
die traditionsgemaess stark antikommunistische Internationale Transportarbeiterfoederation als "offenkundig kommunistisch durchsetzte
Organisation" verschrieen. Auf der anderen Seite bezeichnete dagegen Evita den Seefahrerstreik selbst als eine "vorwiegend kapitalistische Machenschaft." Zufaellig ist Evita der /irbeitsminister
ihres Mannes fuer alle praktischen Zwecke.
Die Seefahrerfoederation war diu letzte freie Ge\.erkschaftsgruooe, nachdem Peron mit Evitas Hilfe andere grosse Streiks gebrochen und die Gewerkschaften zerschlagen hatte. La November 1949
streikten die Arbeiter der Zuckerindustrie der Provinz Tucuman,
um hoehere L )ehne zu erzielen. Unlaengst wurden sieben Arbeiter
festgenommen, weil sie eine "illegale" Versammlung abgehalten hatten. Sie wurden von Perons Leuten misshandelt, sie versuchten"Gestaendnisse" aus ihnen herauszupressen. Ein Arbeiter namens Carlos
Aguirre wurde hierbei getoetet. Sein verstuemmelter Leichnam wurde
von einem der Polizisten "gefunden", die ihn festgenommen hatten.
Vor diesem Streik wurde bereits ein Ausstand der Gewerkschaft der
Arbeiter der Fleischverarbeitungsindustrie niedergeschlagen.
Die falschen Vorstellungen, die man sich ueber Peron gemacht
hatte, brachen vor drei Jahren zusammen, als Vertreter der AFL und
der amerikanischen Eisenbahnergewerkschaften auf eine persoenliche
Einladung des Diktators Argentinien besuchten. Peron dachte natuerlich, dass er alles gut verborgen habe, sonst haette er die
Amerikaner nicht nach Argentinien gerufen. Hierin hatte er sich
jedoch getaeuscht. Die amerikanischen Gewerkschafter stellten ihn
in einem Bericht ueber ihre Reise voellig bloss.
- 13 -

�Die Amerikaner entdeckten, dass Peron zwei Methoden anwandte,
um die Kontrolle ueber die Gewerkschaften zu erhalten. Einmal
versagte er ihnen die gesetzliche Anerkennung, die sogenannte
"personeria gremial", die argentinische Gewerkschaften benoetigen,
um legal zu sein. Zum andern beauftragte er seine eigenen
"administratoren" mit der Leitung der Gewerkschaftsangelegenheiten. Die Administratoren entzogen entweder den gewaehlten Funktionaeren einer Gewerkschaft alle Macht oder sie liessen solange
waehlen, bis solche Kandidaten einen Wahlsieg davontrugen, die
der Regierung genehm waren. Selbst Josef Stalin haette dies nicht
viel besser fertig bringen koennen.
SHORTS
Labor Fress Association
X/27/50
US-GEWERKSCHAFTEN GEGEN 45-STUNDEN WOCHE
Die Gewerkschaftsbewegung hat sich gegen die 45-Stunden Woche
ausgesprochen, die von dem Praesidenten der General Motors C. E.
Wilson vorgeschlagen worden war. Die Gewerkschaften sind gewillt
und bereit, zu den Verteidigungsbemuehungen beizutragen, aber
die Gewerkschaftsfuehrer sind der Meinung, dass die Industrie in
der Lage ist, fuer die laengere Arbeitszeit die uebliche Ueberstundenbezahlung zu gewaehren.
Wilsons Vorschlag, in der jetzigen Zeit des Notstands erst
bei 45 Stunden mit der Ueberstundenbezahlung zu beginnen und nicht
bei 40 Stunden, wie es die geltende bundesstaatliche Gesetzgebung
vorsieht, sollte eine Loesung des Problems des Mangels an Arbeitskraeften darstellen. Seit Mitte des Jahres belief sich die durchschnittliche Arbeitswoche der 12.900.000 Arbeiter der US-Industrie
auf ueber 41 Stunden. Die Sprecher der Gewerkschaften wiesen
darauf hin, dass sich die Gestehungskosten mit der Verlaengerung
der Arbeitswoche senkten, und bewiesen an Hand statistischer Unterlagen aus dem Zweiten Weltkrieg, dass sich die Gestehungskosten
selbst bei betraechtlichen Ausgaben fuer Ueberstundenarbeit nicht
erhoehen.
Ein Vertreter der AFL erinnerte daran, dass der Kongress der
AFL in Houston in Anbetracht der notwendigen Massnahmen zur Verteidigung seine Resolution fuer die Durchfuehrung der 30-Stunden
Woche aufgeschoben habe.
Die Vereinigten Automobilarbeiter des CIO erklaerten sofort,
dass sie mit dem Vorschlag Wilsons nicht einverstanden seien.
Der Sekretaer der VAA, Emil Masey, sagte woertlich: "In dem bundesstaatlichen Gesetz ueber Loehne und Arbeitszeit und in den Vertraegen der Automobilarbeitergewerkschaft gibt es keine Bestimmung, die
die Industrien darin hindert, mehr als 40 Stunden in der Woche
arbeiten zu lassen, um den zivilen Bedarf und den fuer die Verteidigung erforderlichen zu decicen."
"Der Praesident der General Motors Wilson schlaegt lediglich
vor, die Arbeiter woechentlich fuenf Stunden laenger arbeiten zu
lassen, ohne ihnen diese Ueberstunden bezahlen zu wollen, wozu
die Gesetze und Vertraege die Unternehmen verpflichten.-"
"Die Automobilarbeitergewerkschaft hat zweimal in diesem Monat darauf hingewiesen, dass die Gewinne der Automobil- und Automobilzubehoerproduzenten skandaloese Ausmasse angenommen haben.
Wenn dauernde Ueberstundenarbeit notwendig wird, reichen diese
Profit© gewiss bei weitem aus, um die Unkosten decken zu koennen,
- 14 -

�ohne dass die Regierung oder Privatkaeufer fuer Automobile hoehere Preise zahlen muessen."
Mazey vertrat die Auffassung, dass Krediteinschraenkungen,
die den Verkauf von Automobilen gedrosselt haetten, ferner der
Mengel an Stahl und anderer Materialien sowie noch nicht erteilter
Ruestungsauftraege "zumindest fuer eine gewisse Zeit Betriebsstillegungen und Arbeitslosigkeit, aber keinen Mangel an Arbeitskraeften zur Folge haetten."
Am darauffolgenden Tage berichtete die Lokalgewerkschaft Fr.
6C0 der Automobilarbeiterg^werkschaft (Ford-Betriebe), dass die
Ford Motor Connany beabsichtige, "sofort" eine Betriebsstillegung
vorzunehmen, wodurch 15% der 65.000 Arbeiter der Fabrik Rouge
ihre Arbeit verlieren wuerden.
In Telegrammen an Fraesident Trumen, "'. Stuart Symington,
den Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsausschusses zur
Ueberwachung und Sicherung der Hilfsquellen des^Landes, an Henry
Ford II und '"alter Reuther, den Vorsitzenden der Automobilarbeitergewerkschaft, erklaerte der Vorsitzende dieser Lokalgewerkschaft,
Carl Stellatoi: ".Vir stehen vor sofortigen Entlassungen unserer
Mitglieder auf Grund der angekuendigten Produktionskuerzungen fuer
Automobile."
Stellatoi stellte folgende Forderungen: Die Aufhebung der
Kontrollen fuer Kredite mit einem Drittel Anzahlung und 15 Moneten
AbZahlungsfrist; die Erweiterung der Produktionskapazitaet privater Stahifirmen mit der von der Regierung gesteuerten Stahlerzeugung als Alternative; eine Ueberpruefung der Ruestungsauftraege, um zu verhueten, dass zur Zeit arbeitende Betriebe Arbeiter
entlassen muessen; festzustellen, inwieweit Mangel en allen wesentlichen Materialien herrscht; und schliesslich eine groessere Beteiligung der Gewerkschaften an den Entscheidungen, die mit der
Kriegs- und Zivilproduktion in Zusammenhang stehen.
Sprecher der Gesellschaften erklaerten, die Betriebsstillegungen seien nur voruebergehender Natur und durch Umstellungen
auf neue Modelle bedingt.
SHORTS
Labor Press Association
X/27/50
DER GK'-'ERKbCII^FTSKONGRESS DER SCHYJEIZ
Interne Angelegenheiten der Schweiz und der Anschluss an den
Internationalen Bund Freier Gewerkschaften beschaeftigten den 31.
Jahreskongress der schweizerischen Gewerkschaften.
Der Beschlusss, dem IBFG beizutreten, fuer den mit 325 gegen
22 Stlamen gestimmt worden war, war der letzte Akt einer dreitaegigen Sitzung, die in der Kongresshalle in Luzern stattfand.
Nahezu 500 Personen nahmen an den Sitzungen teil, von denen
375 Delegierte waren, die fest 400.000 organisierte Arbeiter der
Schweiz repraesentierten.
Einer kleinen kommunistischen Gruppe gelang es nicht, die Arbeit des Kongresses zu behindern. Zu Beginn der Sitzungen hatten
die Kommunisten bei einer Abstimmung ueber eine Resolution, die die
bundesstaatlichen Finanzreformen unterstuetzoe, den 335 Stimmen 16
ablehnende gegenueberstellen koennen. Dieser Resolution lag die
- 15 -

�Ueberzeugung der schweizerischen Gewerkschaftsbewegung zugrunde,
dass das Steueraufkommen der Zentralregierung nicht ausreicht, um
die lebenswichtigen allgemeinen Beduerfnisse decken zu koennen,
und dass die einzelnen Kantone ueber zuviel Steuergewalt verfue^en.
Die Resolution fordert insbesondere, dass- die Gewerkschaften diese
Steuerreformen unterstuetzen, *venn das Schweizer Volk in einer Urabstimmung ueber sie zu entscheiden hat.
Der Generalsekretaer des Kongresses Giacomo Bernasconi ist
der Ansicht, dass die Kommunisten durch ihre fruehzeitige und
ueberwaeltigende Niederlage mutlos wurden. Infolgedessen wurden
alle uebrigen Resolutionen zu internen Fragen einstimmig angenommen. Auch der Verwaltungsbericht der Exekutive fuer die vergangenen drei Jahre fand die Zustimmung des Kongresses.
In den vom Kongress angenommenen Resolutionen wurde eine Gesetzgebung gefordert, die
1. allen Kollektivvertraegen eine gesetzliche Grundlage gibt.
Gegenwaertig unterliegen nur einzelne, von der Regierung anerkannte Vertraege der Gerichtsbarkeit der Gerichtshoefe.
£. die verschiedenen Arbeitsgesetze in einem umfassenden, modernen Gesetz zusammenfasst, das vor allem die Verkuerzung der Arbeitszeit entsprechend der jeweiligen Entwicklungsstufe der Industrie
vorsieht, den jungen Arbeitern in Uebereinstimmung mit den bestehenden internationalen Konventionen den vorgesehenen Schutz gewaehrt,
den Arbeitern die Beteiligung an der Verwaltung der sozialen Einrichtungen sichert und die Unfallversicherung verbessert.
3. die staatliche Kontrolle ueber das private Transnortgewerbe in bezug auf Tarif-, Ladunga-, und Entfernungsbestimmungen erweitert, um eine bessere Grundlage fuer die Tarifverhandlungen der
Gewerkschaften zu schaffen.
4. die Lebensversicherungsoraemien fuer selbständige Arbeiter
senKt und groessere Sicherheit gegen eine missbreeucMiche Verwendung der Lebensversicherungsfonds fuer andere Zwecke bietet.
5. die Bestimmungen ueber Arbeitslosigkeit revidiert, damit
die Unternehmer groessere Beitraege an die Arbeitslosenversicherung
zahlen und zwar als Kopf- und nicht als Pauschalbetraege, und die
gegen den I^issbrauch der Arbeitsvermittlungsbueros gerichtet ist,
die an Arbeitslose Arbeitsolaetze vermitteln sollen.
In einer anderen Erklaerung von internationaler Bedeutung brachte der Kongress warnend zum üusdruck, dass der Konflikt in Korea
und seine wirtschaftlichen Folgen die Stabilitaet der Preise in
der Schweiz gefaehrdet und die bisherigen Erfolge im Kampf gegen
die Inflation in Frage stellt. Durch die Wiederaufruestung, heisst
es in einer einstimmig angenommenen Resolution, stiegen die Preise
an, und die Regierung hat noch keine Gegenmaßnahmen ergriffen.
Die Gewerkschaften waren mit der Aufhebung der Preiskontrollen
nicht einverstanden und sprachen die Warnung aus, dass sie sich das
Recht vorbehielten, die Lbehne zukuenftigren Steigerungen der Lebenshaltungskosten anzupassen.
ECA Labor Informa-tion
- 16 -

HKCC (11-12-50) 21U 5 U 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEIUIHGEN
DU folgenden Artikel stellen Auszüge ans der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar und dienen
der Information deutscher Redakteure, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
angefordert werden. Auf Wunsch werden diese auch einzelnen Interessenten direkt durch die Post zugeleitet.
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohen Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzulassen.

111

~

41

Frankfurt, 15. Dezember 1950

I K H A L T S V E R Z E I G H N I S
Besteuerung uebermaessiger Unternehmergevinne in
den USA gefordert - - - - - - - - - - - - - Regierungspolitik, Gewerkschaften und SchlQsselindustrien - - - - - - - - - - - - - - - - Eugenie Anderson spricht zu daenischen Gewerkschaftern - - - - - - - - - - - - - - - - - VMa Kapitalien fuer Anlageguetsr verfuegbar - Pensionsfonds fuer hollaendische Bauarbeiter - Hauptziel des Punkt-Vier-Programms ist Produkte onsSteigerung - - - - - - - - - - - - - - Leiter der ECA fordert gerechte-en Anteil fuer
die Arbeiter - - - - - - - - - - - - - - - V/illiam G-rsen fordert sofortige Preiskontrollen
Parkman: Weltfriede haengt von der Haltung
europaeischer Arbeiter a b - - - - - - - - - -

1
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16

BESTEUERUNG UEBKRTIASSSIGER mTTERNEffiOLRGEA'INNE IN DEN USA GEFORDERT

Der amerikanische Finanzsekretaer John B. Snyder hat den zustaendigen Ausschuss des Repraesentantenhauses ersucht, eine
Steuer auf uebermaessige Gewinne grosser Gesellschaftsunternehmen
zu bewilligen.
Diese Steuer soll dann auferlegt werden, wenn die Gewinne
eines Unternehmens 75$ seiner in den drei besten Jahren des Zeitraums 1946 - 1949 erzielten Profite ueberschreiten. Auch das
investierte Kapital soll bei der Berechnung der Steuer zugrundegelegt werden, wenn die Gewinne des Unternehmens auf dieser Basis
einfacher zu errechnen sind.
Obwohl Snyder eine vorbereitete Erklaerung vorl .s, die eine
meisterhafte Darlegung vieler Gesichtspunkte darstellte, die im
- 1-

�Zusammenhang mit einer Steuer fuer uebermaessige Gewinne eine
"tolle snielen, stellte er, nachdem Kongressmitglieder Fragen an
ihn richteten, erneut unter Beweis, dass er im Grunde ein konservativer Finanzmann ist. Vor seiner Berufung ins Kabinett
war er Bankier in St. Louis.
Snyder brachte seinen Antrag ein, nachdem Praesident Truman
am Tafe zuvor den Vorsitzenden des Ausschusses, Bob Doughton aus
"ord-Karolina, ersucht hatte, eine Steuer fuer uebermaessige Gewinne rueckwirkend bis zum 1. Juli 1950 einzufuehren. Snyder
weigerte sich .'edoch, dieses Saturn der Rueckwirkung zu befuer.j .arten, und man ..eiss, dass er da_..it üiclit einverstanden ist.
Seine Antworten auf verschiedene Fragen bewiesen ausserdem, dass
er in bezug auf dieses Gesetz kein uneingeschraenkter Fuersprecher des Fair Deal ist.
Snyders Srklaerungen zufoLre würde die Vervvirklichung des
Regierungsvorschlags das Steueraufkommen des mit dem 1. Juli
1950 beginnenden Haushaltsjahres 1951 um vier Milliarden Dollar
erhoehen. Er forderte jedoch, dass der Kongress keinen Termin
festlegt, an dem das Steuernrogramm beendet sein soll, das sich
ueber eine Reihe von Jahren erstrecken wird. Er wies darauf
hin, dass dieser Vorachleg zu einer Besteuerung uebermaessiger
Gewinne nur ein Vorlaeufer anderer, noch einschneidenderer Vorschlao.-e sei, mit denen man rechnen muesse, sobald das Verteidicungsprogramm im Gange sei.
Die Gewinnsteuer vvuerde auf folgende ..'eise berechnet werden:
ein Gesellschaftsuntemehmen, das wesentliche Gewinne bei der
rriegsi.-iatarial-roduktion erzielt, muesste sich zuerst entscheiden, ob drei Jahre des Zeitraums 1946 - 1949 oder sein investiertem Kapital (in dem Unternehmen investiertes Geld einschliesslich
"einbehaltener ^rsparnisse")als Steuergrundlage verwendet worden
sollen.
Nehmen wir an, dass man sich fuer einen Zeitraum entschieden
und herausgefunden hat, dass die Jahre 1947 bis 49 dem Unternehmen
nach dem Kriege die meisten Gewinne eingebracht hat. Nehmen wir
weiter an, dass sich die Gewinne in diesen Jahren durchschnittlich auf zehn Millionen Dollar beliefen. 75/o dieses Betrages sind
7.5CO.OOO Dollar, ^lle Jahresgewinne ueber diesen Betrag hinaus
unterliegen einer oesteuerung fuer uebermaessige Gewinne, die
ueber 75;0 hinausgehen. Die "normalen" Gewinne dagegen werden
nach der regulaeren Gesellschaftseinkommensteuer mit -±5/0 versteuert.
Snyder lehnte die Vorschlaege des Komitees fuer V.'irtschaftliohe Entwicklung und rationalen Fabrikantenverbandes (National
Association of Manufacturers) ab. Das Komitee fuer 'Virtschaftliche Entwicklung hatte eine einfache Erhoehung des Steuersatzes
fuer Unternehmereinüommen vorgeschlagen. Snyder erwiderte, dass
damit alle Gesellschaftsunternehmen unterschiedslos eine Steuer
von 57/o zanlen muesrsten, wodurch "sich das Verteidigungsprogramm
noch unterschiedlicher auswirken und solchen Unternehmen, deren
-ankommen zurueckgehen, besondere Eaeiten auferlegen v.uerden." Er'
erklaerte ausserdem, er habe zusammen mit seinen Mitarbeitern
einen Vorschlag des Nationalen Fabrikanten-Verbandes "in Betracht
gezogen", der vorsieht, keine Steuer auf uebermaessige Gewinne
einzufuehren, den gegenwaertigen Steuersatz fuer Unternehmereinkommen zu senken und den Unternehmern eine Umsatzsteuer aufzuerlegen, die letzten Endes die Verbraucher bezahlen muessten.
Der Sekretaer fuehrte weiter aus, dass der Praesident mit der
.•teuer fuer uebermaessige Gewinne drei Ziele zu erreichen gedenke:
- 2

�Die gesteigerten Kosten fuer die Produktion von Kriegsmaterial zu
decken, der Inflation zu begegnen und die grossen Gewinne bei der
Kriegsmaterlelproduktion zu versteuern. Kr wollte jedoch nioht
den 3indruck erweoken, dass er sich den Wuenschen des Praesidenten
ansohliesse.
Daily !Tews Service
11/5/50
John 'V. Gibson, stallvertretender US-Arbeitsminister:
•^GI^RUNG: POLITIK, GS"::JRKSCE,.FTZN UND

5c;;iuzoszLinDi;s?RiEN

2s ist noch ^arnicht allzu lange her, dass das Interesse
der amerikanischen Regierung am Tarifverhandlungswesen, offen gesagt, ziemlich negativer ^rt gewesen ist. Jene Arbeiter, die
3ich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts zu gewerkschaftsaehnlichen
Vereinigungen zusammenschlössen, wurden als Verschwoerer gegen
ihre Arbeitgeber Gerichtlich verfolgt. Diese wirksamen Gegenmassnahmon fuehrten dazu, dass jene Maenner und Frauen, die nach Gerechtigkeit bei den r-'aennern suchten, an deren 1,'aschinen sie arbeiteten, in ihren Bemuehungen behindert und enttaeuscht wurden.
Vor mehr als einhundert Jahren wurde diese negative Einstellung der Regierung zun; erstenmal durchbrochen. Im Jahre 1841 erklärte ein staatlicher Gerichtshof in Lissachusetts, dass der
Zusammenschluss der ^rbeiter in Gewerkschaften eine legale Handlung sei. Doch selbst nach dieser Zeit wurden die Unternehmer in
ihrer antigewerkschaftlichen Taotigkeit aatuerlich keineswegs behindert. Von 1341 bis zum Beginn des New Deal wandelte sich die
ufsnruenglich gewerkschaftsfaindliche Haltung der Regierung in
glsichgueltige Neutralitaet. Rein technisch gesehen hatten die
Arbeiter das Recht, sich zu organisieren; Gleichzeitig jedoch waren die Unternehmer berechtigt, alle Arbeiter zu entlassen, die
von diesem ihren Recht Gebrauch machten, «ngesichts der groesseren wirtschaftlichen Staerko der Unternehmer hoben sich diese beiden Rechte nicht nur gegenseitig auf, sondern die "neutrale" Haltung der Regierung war in ihrem Zndeffekt praktisch eine Unterstuetzung der Unternehmer. Die Zeit der sogenannten Neutralitaet fanl
mit der Bewilligung des Gesetzes von Norris LaGuardia im Jahre
1932 ihr Ende, in den die unglueckseligon, sogenannten "yellowdog"-Vertraege ("gelbe Hunde") fuer ungesetzlich erklaert und es
den privaten Vertragspartnern unmoeglich gemacht wurde, gesetzliche
Streikverbote gegen die Gewerkschaften durchzusetzen.
I"xellow-dogn-Vertraege enthalten die Bestimmung, dass der Arbeiter keiner Gewerkschaft angehoeren darf, andernfalls er sich mit
seiner Entlassung einverstanden erklaert).
Mit Beginn des New Deal begann ein neuer abschnitt in der Entwicklung der Beziehungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern,
3ine Zeit, in der die Regierung keine uninteressierte neutrale
Haltung mehr in der Frage der Kollektivverhandlungen einnahm. Sie
erklaerte stattdessen eindeutig und unverbruechlich, dass sie gewillt
sei, das Koalitionsrecht der Gewerkschaften zu schuetzen. Garantiert
wurde dieses Recht zum erstenmal im Nationalen ..iedeT*sufbau Gesetz
(National Recovery ^ct). Innerhalb von 40 Tagen, nachdem dieses
Gesetz fuer verfassungswidrig erklaert worden war, unterzeichnete
Rrassident Roosevelt dann das Gesetz zur Regelung der Beziehungen
zwischen Arbeitgebern und /irbeitnelimern (National Labor Relatiöns
Act). Dieses Gesetz, das gewoehnlich als '7a ^ner-Gesetz bezeichnet
wird, ist seitdem fuer die Sevoelkerung der Vereinigten Staaten der
Ausgangspunkt fuer eine fortschrittliche Arbeitsgesetzgebung gewesen.
- 3-

�Sa hat der nationalen Politik eine neue Form gegeben, indem.es
die Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften,
die naturgeniaass die .Virtschaft in Mitleidenschaft ziehen, in
die Intere33ensohaere der Bundesregierung einbezog. In dem Gesetz wird festgestellt, dass unzulaenrliche Beziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf die "Veigerung der Unternehmer
zurueckzufuehren sind, ihren Arbeitnehmern das Tarifverhandlungsrecht zuzugestehen. Sa heisst darin nicht nur, dass Tarifverhandlungen erlaubt sind - diese Politik war seit vielen Jahren
betrieben worden - sondern der Kongress ging weiter und erklaerte, die Regierung beguenstige TarifVerhandlungen. In der Zwischenzeit waren die Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den Vereinigten Staaten einer Untersuchung unterzogen worden, die die Ursachen dieser Streitigkeiten und ihre
nachteiligen Auswirkungen auf die Wirtschaft als Gesamtheit beleuchtet hatte. Diese Ergebnisse fuehrten zu der Folgerung, dass
die Arbeiter erxuutigt werden muessen, sich Organisationen anzuschliessen, die fuer sie mit den Arbeitgebern verhandeln. Das
Gesetz stellte jedoch nicht nur eine blosse Erklaerung zu der
neuen Politik der Regierung dar. Es errichtete ausserdem einen
Rahmen, in dem diese Politik zur Ausfuehrung kommen sollte. So
wurde der Bundesausschuss fuer Arbeitsfrageh (National Labor Relations Board) geschaffen, der seine Entscheidungen im Falle einer
Verletzung dieser Rechte zu treffen hatte, und dem es oblag, eine
Einrichtung in Funktion zu setzen, deren Aufgabe es war, eine demokratische Schlichtungsmethode auszuarbeiten, durch die mit Hilfe
von Abstimmungen ueber Tarifverhandlungen und unter Vermeidung
von Streiks festzustellen war, ob die Arbeitnehmer wuenschen,
durch eine Gewerkschaft in Tarifverhandlungen ::iit den Arbeitgebern vertreten zu werden.
Bei einer solchen Teuerung mussta natuerlich mit einer hartnaeckigen Opposition gerechnet werden. Diese Opposition kam
zwoelf Jehre spaeter zun Erfolg, als es ihr gelang, die Bewilligung des Taft-Hartley-Gesetzes durchzusetzen. Das Wagner-Gesetz
hatte jedoch auf die Gemueter der arbeitenden Menschen der Vereinigten Staaten einen solchen Eindruck gemacht, dass die Urheber
des Taft-Hartley-Gesetzes nicht umhin konnten, wenigstens nach
aussen hin die Ziele des Wagner-Gesetzes zu uebernehmen. Sie taten dies, indem sie die in dem .Vagner-Gesetz enthaltene Erklaerung
aufrechterhielten, die besagt, dass Tarifverhandlungen im Sinne
der Politik der Vereinigten 'Staaten gefoerdert werden muessen. Die
Bestimmungen des Taft-Hartley-Gesetzes widersorechen jedoch den
in diesem Gesetz festgelegten Zielen.
Um eine Basis zu schaffen, von der aus die Arbeitspolitik der
US-Regierung eroertert werden kann, muss gezeigt werden, in welcher Hinsicht das Taft-Hartley-Gesetz der in ihm zum Ausdruck gebrechten Absicht widerspricht, das Koalitionsrecht der Arbeiter
schuetzen zu wollen. Nach dem Wu.^nor-Gesotz waren die Unternehmer
verpflichtet, mit den Gewerkschaften zu verhandeln. Nachdem die
beiden Parteien jedoch uebereingekommen sind, bleiben sie nach
diesem Gesetz bei der Bearbeitung ihrer Probleme sich selbst ueberlassen. Nach dem Teft-Hartley-Gesetz dagegen bleibt die Regierung
bei den Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften
nicht ausgeschlossen, sondern sie zwingt den beiden Parteien ihre
Entscheidungen selbst dann auf, wenn die Verhandlungen schon im
Gange sind. Die Regierung ist in dieser Laste mit einer unerwuenschten Schwiegermutter zu vergleichen, die den Jungverheirateten nach
der Hochzeit niciit von der Seite weicht und dadurch den Neuvermaehlten die vercbredeten Plaene vereitelt.
Experten auf dem Gebiet der Beziehungen zwischen Arbeitgeber
und Arbeitnehmer sind der Ansicht, dass, nachdem die Rechte beider
- 4-

�Parteien stabilisiert sind und sie von diesen Rechten freien Gebrauch machen koennen, die Regierung bei TarifVerhandlungen solange
nichts zu suchen hat, bis es die Umstaende erfordern, dass sie
sich einschaltet, um die Streitfragen schlichten zu helfen. V/ie
verschieden sind aber die Ziele, die man mit dem Taf t-HartleyGesetz verfolgt:
Nach seinen Bestimmungen mischt sich die Regierung in die
Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften ein und erklaert zum Beispiel, sie sollten sich nicht fauf die sogenannte
"closed-shop" Betriebsform einigen, selbst wenn sich dieses System
in ihrer Industrie jahrelang bewaehrt hat. (Ein "closed-shop" tat
ein Betrieb, in dem ^eder gewerkschaftlich organisiert
sein muss). Die Regierung erklaert den Gewerkschaften - nicht
den Unternehmern - dass sie ihrer! Finanzbericht der einen Behoerde
und eidesstattliche, schriftliche Erklaerungen ueber die Fichtzugehoerigkeit der Funktionaere zur kommunistischen Partei einer
anderen vorlegen ^auessen, bevor sie die Regierung um eine Zusicherung ihrer Rechte ersuchen. Sie erklaert der Gewerkschaft ausserdem, dass sie einen "union-shop" Vertrag nur dann beantragen kann,
wenn zuvor eine Abstimmung stattgefunden hat, bei der sich die
Mehrheit aller Wahlberechtigten dafuer ausgesprochen bat, dass die
Gewerkschaft eine derartige Vertragsbestimmung beantraft. Auf
diese und viele andere Arten des Einflusses sitzt die Regierung
am Verhandlungstisch und mehrt an die Rechte beider Parteien. Die
^•fcierung ist damit zum erstenmal in der Geschichte der USA in
die Substanz und nicht nur in das Verfahren der Tarifverhandlung
eingedrungen. Dies ist ein fuer die Arbeiterschaft und auch fuer
die Unternehmer gefaehrlicher Praezedenzfall.
Es ergibt sich nun die Frage, welcher Platz der Regierung auf
dem allgemeinen Gebiet der KollektivVerhandlung zukommt. Die Regierung selbst stellt eine Verschmelzung zweier entgegengesetzter
Tendenzen dar. Auf der einen Seite ist sie "ein Mononol des
Zwangs" - sie legt den Buergern Beschraenkungen in ihren Taetigkeiten auf, wenn diese Taetigkeiten mit den Freiheiten anderer
nicht zu vereinbaren sind. Unter diesem Blickwinkel sind diejenigen, die am wenigsten regiert werden, am besten regiert. Die entgegengesetzte Tendenz ist die der Zusammenarbeit. Die Regierung
hilft den Buergern, sich gegenseitig zu helfen. Die ^erschraelzunsdieser beiden Tendenzen bestimmt den Charakter einer jeden Regierung. In einer Demokratie werden die Aspekte des Zwangs, den die
Regierung ausuebt, auf ein Minimum reduziert, und die Momente
der gegenseitigen Selbsthilfe auf ein Maximum ausdehnt.
Die allgemeine Politik der USA-Regierung in der Arbeitsgesetzgebung muss aus zwei Gruenden durch eben diese Betonung der
gegenseitigen Selbsthilfe gekennzeichnet sein: sie ist dadurch
demokratischer, und sie funktioniert besser.
Als Charles 2. Wilson, der Praesident der General Motors, im
Jahre 1947 vor dem Senatsausschuss fuer Arbeitsfragen sein Gutachten erstattete, wies er auf die Tatsache hin, dass seine Gesellschaft von dem Nationalen Ausschuss fuer Arbeitsfragen (National
Yar Labor Board) in der Kriegszeit gezwungen worden war, eine Bestimmung in ihren Vertrag mit der Gewerkschaft aufzunehmen, nach
der die Arbeiter verpflichtet waren, ihre Mitgliedschaft in der
Gewerkschaft aufrechtzuerhalten. Er wies auf seine damalige Erklaerung hin, in der er sich gegen die Annahme einer solchen Vertragsbestimmung ausgesprochen hatte:
"Die General-Motors Gesellschaft ist der Auffassung, dass die
Gesetze der Vereinigten Staaten so beschaffen sind, dass jeder freie
waehlen kann, ob und welcher Gewerkschaft er angehoeren will. Und
- 5 -

�damit haiton wir an unserer Ueberzeugung fest, dass es unangebracht
ist, eine Gesellschaft zu zwingen, ihren Arbeitnehmern die Aufrocht«erhaltung ihrer "itr-1 iedschaft in der Gewerkschaft als Beschaefti"unp'sbedingunn* t.uf zuerleren. "
?Tj.cr: dien friere war das gleiche Unternehmen und die Gewerkschaft in einen langwierigen Streik verwickelt, Siner der umstrittensten ""unkte war die Aufrechterhaltung- der !*itgliedschaft in
der Gev. arhschaft. Dieses Problem wurde schliesslich dadurch geloest, dass sich die Gewerkschaft mit der Beibehaltung des Systems
der Si.nziehung der Ge..erkschaftsbeitracge durch das Lohnbuero
einverstanden erklaerte. Das Verfahren der Kollektivverhandlung
in einer freien Gesellschaftsordnung hat die Haltung der beiden
Parteien inzwischen jedoch soweit geaendert, dass sie sich in dem
ausgezeichneten Fuenf .Jahresvertrag auf eine Bestimmung ueber gewerkschaftliche Sicherheit einigen konnten, die noch wesentlich
weiter geht als die Klauseln, gegen die nilson waehrend und unmittelbar nach dem Kriege Einspruch erhoben hatte. In einer Ansprache an den Nationalen Presseklub in Washington konnte Wilson
sagen:
"Wir sind der Auffassung, dass die Vertragsbestimmungen ueber
die gewerkschaftliche Sicherheit, die das Problem der "union-3hop"
Betriebsform loesen, praktisch und durchfuehrbtr sind, und im öinre
unserer-bestehenden Arbeitsgesetzgebung liefen, sie entsprechen"
auch den '.Vuenschen der I.'ehrzahl unserer Arbeitnehmer, die unter
die Bestimmungen dieses Vertrages fallen."
Ein anderer Gesichtspunkt dieser Politik, die weit eher auf
Zusammenarbeit als auf Zwang beruht, ist die Forderung, dass die
Regierung groesseren ..ert darauf legt, Streitigkeiten auf den
Grund zu gehen als otreiks beizulegen, üin positives Programm zur
Vermeidung eines Streiks ist wichtiger als die ^rfolp-e in der Beilegung von Streiks. ±s ist Professor Feinsinger in seinem interessanten Artikel ueber die Entwicklung der Arbeitsgesetzgebung
in der letzten .Tahrhunderthaelfte ausserordentlich gut gelungen,
diesen Gesichtspunkt in .''orte zu fassen. Professor Feinsinger
sagt:
"Der industrielle Unfriede im Jahre 1950 kann nicht dadurch
behoben werden, dass man otreiks und Aussperrungen verbietet,
".'ie die Erfahrung hier und im ausländ gelehrt hat, w^ere dieser
Kurs nicht nur undemokratisch, sondern auch unwirksam. Die ^rfahrunc hat ebenfalls gezeigt, dass auf dem heiklen Gebiet der Beziehungen zwischen x^rbeitgebern und Arbeitnehmern Gewalt nur noch
staerkere Gegenkraefte erzeugt und nicht nur wirkungslos bleibt,
sondern die Achtung vor dem Gesetz untergraebt."
Was die Streitigkeiten in den Schluessel industrien betrifft,
so wird mancher sagen, "es sei recht schoen, von freiwilligen Loesungen der Probleme zwischen ..rbeitem und Unternehmern zu sprechen; wie verhalte es sich jedoch mit jenen wichtigen Industrien,
die vor d.^r Oeffentlichkeit einen streik nicht verantworten koennen? Ist in jenen Faellen ein gewisser Zwang nicht unvermeidlich?"
Z.vanp- waere als Loesung moeglich, wenn er nicht zwei \ Grundprinzipien der allgemeinen Politik der U S A widern- rechen wuerdc. Zo
schwer es auch erscheinen mag, muss die Anwendung einer schnellen
Heilmethode vermieden werden; es muss mit allen I'itteln daran gearbeitet werden, Vorkehrungen zu schaffen, durch die Streiks vermieden werden koennen.
Das Taft-Hartley Gesetz enthaelt eine otreikbestimmung fuer
Totfaelle, die jedoch erst dann 'wirksam wird, nachdem der reiste
- 6-

�I

Schaden angerichtet ist. Nan darf nicht auf T"otfaelle warten, um
zu handeln. Vor allem ist es sehr schwierig, zu definieren, was
ein Notfall ist. Die gleiche Streitigkeit in 'einer Schluesselindustrie kann oder kann auch nicht ein rotfall sein, was von den
folgenden drei Bedingungen abhaengt: erstens kann die vorherrschende wirtschaftliche Lage darueber entscheiden, ob es sich um einen
Notfall handelt oder nicht. Ein Eisenbahnerstreik kann zum BeisDiel viel eher zu einem Notstand fuehren als ein Stahl- oder Kohlestreik im Sommer. Zweitens kann auch die politische ^tnosphaere,
in der die Streitigkeiten gefuehrt vverden, darueber entscheiden,
ob ein Notstand vorliegt. In Anbetracht der heutigen internationalen Spannungen kann ein Streik in der Flugzeugindustrie viel
eher einen Notstand heraufbeschwoeren als beispielsweise v,or 15
Jahren, üin dritter entscheidender Faktor ist der Grad der gewerkschaftlichen Organisation der in die Streitigkeit verwickelten
Gewerkschaft. '-Venn nur zehn Prozent der Arbeiter einer wichtigen
Industrie organisiert sind und mit streik drohen, ist es bei weitem
nicht so bedeutungsschwer, als wenn die gesamte Erwerbsbevoelkerung
droht, die ,irbeit niederzulegen, x*uf der anderen Seite kann eine
kleine Gruppe Arbeitnehmer in einer Schluesselstellung in der Industrie das Schicksal der gesagten Industrie in ihren Haenden halten.
Das Interesse der Oeffentlichkeit an der Behandlung der Streitigkeiten in Schluesselindustrien entsteht der in den letzten
zwanzig Jahren um sich greifenden Tendenz, Schluesselindustrien zu
zentralisieren, und die bereits reoht starken Gewerkschaften in
diesen Industrien noch zu vergroessern. Industrie und Gewerkschaften betreiben in zahlreichen bchluesselindustrien eine eng koordinierte Arbeitsnolitik.
Pressemitteilung des US-Arbeitsministeriums
6/29/50
EUGENIE ANDERS CT SPRICAT ZU DAETISCITEN Gs.V^NKSC;-AFT^RN
Eugenie Anderson ist Gesandtin der Vereinigten Staaten in
Daenemark. Es ist bezeichnend genug, dass das amerikanische
Aussenministerium eine Frau nach Kopenhagen delegierte. Die daenischen Gewerkschaften schaetzen Eugenie Anderson, obwohl sie
mit der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung nur geringe Beruehrungspunkte hatte.
Eugenie Anderson berichtete in ihrer Rede zu daeni-chen Gewerkschaftern in Kopenhagen ueber die Fortschritte, die die amerikanischen Gewerkschaften in den letzten 15 Jahren erzielt haben. Von 150 "illionen ^merikanersn sind 15 Nillionen gewerkschaftlich organisierte Gewerkschafter, 1930 waren es nur drei
Nillionen. Im Gegensatz zu Daenemark und auch zu Deutschland
gibt es in den Vereinigten Sttaten fuenf groessere Gewerkschaften:
Die amerikanische Föderation der Arbeit (AFL)mit acht Nillionen
Nitgliedern, den Kongreß der industriellen Organisationen (CIO)
mit sechs Nillionen Nitgliedern, die Bruderschaft der Eisenbahner,
die Vereinigte 3ergarbeitergewerkschaft und die Unabhaengige Naschinistenge werkschaft.
Alle diese Gewerkschaften arbeiten gemeinsam mit den uebrigen kleineren Verbaenden unablaessig an der wirtschaftlichen Besserstellung der Arbeiterschaft. Dies ist jedoch nicht nur auf dem
",'ege ueber Tarif Verhandlungen geschehen, sondern auch durch den
Einfluss der Gewerkschaften auf die Arbeitsgesetzgebung. So betrug die Zahl der Arbeitsstunden in der V.'oche bereits im vergangenen Jahr durchschnittlich -±0 Stunden, waehrend vor 5C .Tahren im
Durchschnitt 59 Stunden das uebliche waren. Die loehne des Jahr??,
1900 sind schwer mit denen von heut3, in Dollar berechnet, zu ver- 7-

�gleichen, aber der heutige Durchschnittswochenlohn von 57 Dollar
fuer einen Fabrikarbeiter ist, in Kaufkraft gerechnet, mehr als
don^alt so hoch als im Jahre 19C0.
Andere gewerkschaftliche Erfolge wurden vor allem auf dem
Gebiet der Arbeitsbedingungen und der Sozialversicherung erzielt.
Heute konzentriert sich das Interesse
der Göwerkscheften auf Unterstuetzungseinrichtungen, auf:Kranken- und Rentenversicherungen.
Im vergangenen Jahr haben die Stahl- und die Automobilarbeiter
neue Tarifvertraege unterzeichnet, in denen eine Mindestpension
von 100 Dollar im Monat festgelegt ist.
Die Gewerkschaften waren sich sehr frueh darueber im klaren,
dass nur dann Erfolge bleibender Natur erzielt werden koennen,
wein auch auf das politische Geschehen Einfluss genommen wird.
Sie blieben aber.voellig undoktrlhaer in ihrem politischen Charaktar, sie konnten somit auch nicht sozialistisch orientiert sein.
Die sozialistische Partei ist in den Vereinigten Staaten ebenso
klein und einflüsslos wie andere Splitterparteien, sie hat weder
im Kongress noch im Senat auch nur einen einzigen Vertreter. So
er°;ab sich fuer die amerikanischen Gewerkschaften das eigenartige
Bild, das sie in dem einen Staat fuer die Kandidaten der demokratischen, in dem anderen fuer den der republikanischen Partei
sich einsetzten. Die Hauptsache war nicht die Partei, sondern
die Persoenlichkeit - zeigte sich diese als Freund der Arbeiterschaft und als Gegner des Unternehmertums, so war sie der Unterstuetzung der Gewerkschaften sicher.
Diese Periode der gewerkschaftlichen politischen Arbeit erfuhr jedoch eine Aenderung, als 1946 das Taft-Hartley-Gesetz angenommen wurde, das die Gewerkschaften, wie von ihror Seite aus immer
wieder betont wird, in ihrer Arbeit schwer behindert. Seit jener
Zeit wurden immer staerker die Demokraten unterstuetzt. Hier
haben die Gewerkschaften auch im Laufe der Zeit einen nicht unbetraechtlichen Einfluss gewonnen. Der Gedanke, eine eigene Arbeiterpartei zu gruenden, ist immer wieder verworfen worden, da allgemein die Ansicht vorherrscht^, es sei besser, in einer der bestehenden Parteien eine genuegende Staerke zu entwickeln. Zu gleicher
Zeit begannen die Gewerkschaften damit, die praktische Schulungsarbeit einzufuehren und die Organisation weiter auszubauen.
Heute beschaeftigen die groesseren gewerkschaftlichen Verbaende hauptamtliche Sekretaere, die einzig und allein fuer die politische Arbeit verantwortlich sind. Sie verfuegen ueber einen
Stab hauptamtlicher Sekretaere, die auch in der Zeit zwischen den
Wahlen ununterbrochen taetig sind. In besonderen Kursen wird die
politische Situation erlaeutert, aber im Vordergrund steht die
politische Schulung, wobei die Hoerer nicht nur in die Gesetzgebung und die kommende politische Entwicklung eingefuehrt werden,
a andern zugleich die Technik und die Praxis des Vfehlkampfes kennen
lernen. Diese konsequente politische Schulungsarbeit hat dazu gefuehrt, dass die Vorstaende der Demokratischen Partei der meisten
grossen noerdlichen Industriestaaten entweder Gewerkschaftsfunktionaere oder Persoenlichkeiten sind, die mit den Bestrebungen der
Gewerkschaften stark sympathisieren. Die fruehere Form der Parteimasehinerie besteht im Grunde nicht mehr, wie es noch vor zehn
-Jahren der Fall war. Heute stehen an der Spitze der oertlichen
Parteiorganisation der Demokraten sehr haeufig Gewerkschafter, die
die sogenannte Kleinarbeit darchfuehren und vor allem die Werbetrommel ruehren. Es kommt hinzu, dass neben dem gewerkschaftlichen
Einfluss in den einzelnen Ortsgrunpen auch auf der Landesbasis eine
staendigo Einvernahme zwischen Gewerkschaften und demokratischen.
Politikern die Regel ist.
- 8-

�yoch auf einen anderen Erfolg der Gewerkschaften muss hingewiesen werden, auch wenn diese Politik fuer den Aussenstehenden
nicht allzu wichtig erscheint. Die gewerkschaftliche Arbeit ist
Iraner staerker in den Gemeinden zu verspueren. Zwar ist diese
Entwicklung nur allmaehlich vor sich gegangen. Es^muss vorausgeschickt werden, dass es in den einzelnen Gemeinden eine groessere
Anzahl Buergervereinigungen gibt, die nicht selten ziemlich offen
recht eigennuetzige Ziele verfolgen. Sie verfuegen oft ueber nicht
allzu viele Mitglieder, die jedoch durch eine geschickte und
zweckmaessige Publizitaet mehr als wettgemacht wird. Gerade diese
Zersplitterung der Interessen, die Vielfalt und die gegenseitige
Konkurrenz der Buergervereine erleichterte es den Gewerkschaften,
sich in der Kommunalarbeit sehr schnell durchzusetzen. Heute sprechen die Stadtvaetsr zumeist zuerst mit den Gewerkschaften ueber
ihre Plaene, um ihre Unterstuetzung zu gewinnen. Willigen die Gewerkschaften ein, wobei nicht selten die Plaene einige Aenderungen
erfahren, so werden die Gewerkschaftsmitglieder ueber die Projekte
unterrichtet und sie helfen dann, dass diese Projekte verwirklicht
werden koennen. Die Gewerkschaften selbst sorgen dann fuer die
notwendige Propaganda, wobei auch die erforderlichen finanziellen
Mittel zur Verfuegung gestellt werden.
Die Arbeit in den Kommunalverbaenden hat indirekt den Wirkungsbereich der Gewerkschaften betraechtlich vergroessert. Es
liegt auf der Hand, dass sich in den kommunalen Koer^rschaften
Vertreter der Gewerkschaften und der Unternehmer begegnen. In diesen Verhandlungen waren die beiden Interessentenvertreter oft der
gleichen Meinung, wenn es sich um Antraege handelte, die dem wohlverstandenen Nutzen der Gemeinde diente. Die in diesen Verhandlungen zutage tretende Atmosphaere der gegenseitigen Achtung und
v/ertschaetzung fuehrte dazu, dass auch bei Tarif Verhandlungen eine
entspanntere Situation gegeben war. In jedem Falle haben die Gewerkschaften durch ihre uneigennuetzige Taetigkeit in den Gemeinden sich sehr viele Sympathien erworben. Den Beweis hierfuer lieferte der grosse Streik der Stahl- und Automobilarbeiter im Jahre
1946, der bei den Gemeindevertretern eine wohlwollende Sympathie
fand - frueher bedeutete jeder Streik fuer den Buerger eine scheussliche Angelegenheit. Ebenso ist der wachsende Einfluss der Ortsgewerkschaften auf die Unzahl der. Buergervereine nioht zu verkennen,
mit der Unterstuetzung der Gewerkschaften geht es zumeist leichter
und flotter. Natuerlich buerden sich die Gewerkschaften mit diesem
neuen Arbeitsgebiet eine viel groessere Verantwortlichkeit auf,
aber sie foerdern damit indirekt ihren organisatorischen Einfluss
und ihre Staerke.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben aber nicht nur in der
Innenpolitik eine wichtige Rolle gespielt, sie haben nach dem Kriege
einen ebenso bedeutungsvollen Einfluss auf die Aussenpolitik erzielt.
Als Beispiel sei nur erwaehnt, dass Minister Marshall, kurz nachdem er die Idee des Marshallplanes herausstellte, er eine seiner
ersten eingehenderen Reden ueber diesen Plan'auf dem CIO-Kongress
hielt. Der CIO unterstuetzt trotz aller wuetenden Angriffe der
Kommunisten diesen Plan, die damals noch ueber eine nicht unbedeutende Anhaengerschaft verfuegten. Die Gewerkschaften hatten somit
eine umfassende Aufklaerungsarbeit zu leisten, um ihre Mitgliedschaft von dem Zweck und dem Nutzen des Marshallplans zu ueberzeugen. Das war umso notwendiger, als dieser Plan fuer die amerikanische Bevoelkerung hoehere Steuern und hoehere Preise bedeutete die Gewerkschaften setzten ihren ganzen Apparat ein, um jedem zu
erklaeren, dass dieser Plan eine absolute Notwendigkeit sei, wenn
die Freiheit weiter am Leben bleiben soll. Und der amerikanische
Gewerkschafter und der amerikanische Buerger begriffen sehr bald,
dass In seinen Lande nur dann Sicherheit und Freiheit gewaehrleistet
- 9 -

�ist, wenn auch anderen Voelkern und Staaten Freiheit und Sicherheit
erhalten bleibt.
In der /ashinrtoner Zentrale der l^rshallnlanverwaltunp: bildet
die Abteilung der ^-.rbeitsattachees eine der wichtigsten. iTeder
SCA-Klsslon gehoeren wiederum mehrere Arbeitsattachees an, die zumeist fruehere fuehrende Gewerkscnaftsfunktionaere sind und im Interesse der Sache diese Posten uebernommen haben. Der ii-influss der
Arbeitsattachees hat auf die Aussenpolitik der amerikanischen Regierung starke Wirkungen ausgeuebt, zumal die Leiter der auslaendischen SCA-Mis3ionen ebenfalls haeufig massgebliche Gewerkschafter waren. Auch die Vereinten Nationen, die Amtsstellen des
Atlantikpaktes, die des lülitaerisehen Hilfsplans und aehn] icher
Organisationen auf uebernationaler Basis zaehlen in ihren Reihen
bekannte Gewerkschafter, sie werden alle von den Gewerkschaften unterstuetzt und gefoerdert. Und diese Foerderung ist keineswegs nur
diatonischer Natur oder ein blosses Lippenbekenntnis, der gesamte
gewerkschaftliche Schulungsdienst widmet sich der auf'klaerungsarbeit fuer diese Aktionen und Plaene, wobei natur^emaess der gewerkschaftliche Standpunkt herausgestellt wird.
Diese unablaessige Schulungsarbeit hat bereits dazu gefuehrt,
dass die amerikanischen Gewerkschaften bestimmte Gesichtspunkte in
den Vordergrund stellen konnten, die sich nach und nach in der amerikanischen Gesamtpolitik auch durchsetzten. Heute ist es bereits
Allgemeingut geworden, dass wirtschaftliche Sicherheit gekoppelt
sein muss mit Vollbe-^chaeftigung und einem zunehmenden Lebensstandard; erst diese Verbindung ergibt die Basis fuer eine gesunde Demokratie. Wirtschaftlicher V.'ohlstand allein kann jedoch niemals
die Sicherheit der freien Voelker garantieren, die durch Aggressionen bedroht werden. Und hier ist die Basis fuer den Atlantikpakt
gegeben, denn nur in der Zusammenarbeit liegt die Staerke. Wenn
der Frieden erhalten bleiben soll, dann muss in gemeinschaftlichem
Handeln alles gesciiehen, um jede Aggression zu vermeiden.
Eugenie Anderson wies an dieser Stelle darauf hin, da33 es fuer
sie eine Ermutigung ist, dass auch Daenenark wie so viele anderen
freien Laender sich dem Atlantikpakt angeschlossen haben. Die duenisenen Gewerkschaften viie auch jene dar anderen freien Demokratien
hüben diesen Bestrebungen ihre volle moralisch Unterstuetzung re..aehrt. Die Politik der Ge.,erkrchaften dient der Sicherung des
Friedens, aber auch dem Prinzio Freiheit und Brot fuer jeden Buerp-er.
Die Gewerkschaften wissen aber ebenso gut, dass nur eine gegen jede
Aggression gerichtete Politik sie vor dem Schicksal bewahren kann,
Instrumente eines autorltaeren Staates zu werden, dem Freiheit und
Sicherheit de3 einzelnen ueberhaunt nichts mehr bedeuten.
In diesem Kampf stehen die Gewerkschaften jedoch keineswegs
allein, sie werden unterstuetzt von der breiten Uasse der Buerger
aller demokratischen Staaten - und dadurch haben sich die Gewerkschaften innerhalb von zehn fahren eine ^chtung und -Vertschaetzung
erworben, die einen staendig groesner werdenden Einfluss auf das
weltpolitische Geschehen zur Folge hat. Hit ihrem tiefen Glauben
an die Demokratie, an Freiheit, Sicherheit und Brot haben sie den
Weg gemeinsamer Zusammenarbeit vorgezeichnet, der von den daenischen
wie allen anderen we"teuropaeischen und aussereuropaeischen Gewerkschaften voller Eintracht beschritten ist.
Labor Information FYI 170
YEBRJKAPITALIEN FUER A N L A G E G U E T E R VLRFUEGBAR
Die allgemeine Aufwaertsentwicklung ist eines der Hauptmerkmale
der !.larkterweiterungspolitik und dem Kapitalinvestierungsprogramm
- 10 -

�der amerikanischen ..irtschaft. Steigende Umsaetze und Gewinne in»
Verein r.it doif drohenden Beschraenkunrsmassnahmen haben angesichts
der internationalen Situation dazu beigetragen, auf die Investitionsentschluesse einen massgeblichen Einfluss zu gewinnen.
Der .nnlapewert der in zweiten Halbjahr 1950 geplanten Anlagen
hat einen Gegenwert von 9,8 Milliarden Dollar, er liegt somit in
gleicher Hoehe mit jenem Hoechstwert des Jahres 1948 und ist etwa
9?, hoeher als die Spitzenwerte der letzten sechs Monate des Jahres
1949.
Die ausgearbeiteten Plaene fuer das dritte und vierte Quartal
des Jahres 1950 sind in jeder Industrie ausserordentlich bedeutsame, sie betreffen sowohl die Anlagen als auch die Ausruestung der
geseilten Industrie.
Die Ausgaben fuer das dritte und vierte Quartal 1950 werden
auf 4,8 bis 5,1 Milliarden Dollar geschaetzt. Hierbei ist jedoch
zu beruecksichtigen, dass die Kosten fuer Neukonstruktionen und
«usruestungen stark angestiegen sind, nachdem in den ersten Monaten
des Jahres 1950, ein geringes absinken dieser Kosten festzustellen
war. Aus diesen gestiegenen Kosten ergibt sich, dass wahrscheinlich nur drei Fuenftel der Erweiterungsnlaene im Vergleich zu dem
Jahre 1949 durchgefuehrt werden, da zu jener Zeit die Kosten vvesentlich geringer waren und damals fuer die Gesamtolanunpen nur ein
Betrag von 4,4 bis 4,6 Milliarden Dollar hatte aufgewendet werden
muessen.
Da aber auch aus anderen Gruenden mit gewissen Beschraen'kungen
gerechnet werden mu3S, erscheint es sehr wahrscheinlich, dass ein
betraechtlicher Teil der fuer die Planungen bereitgestellten Kanitalbetraop-e ueberhaunt nicht fuer diese Zwecke verwendet werden kann,
i.us diesen C-ruenden rechnet man in Industriekreisen bereits damit,
d e s die Kt pitalfluessigkeit Anfang 1951 eine besonders hohe sein
wird.
"v'enn sich die gerenwaertigen Plaene noch durchfuehren lassen
und das letzte Vierteljahr des Jahres 1950 noch der Durchfuehrung
dieser Planungen dienen konnte, dann werden sich die Gesamtausgaben
fuer neus ^nlaren und Feuausruestungen in den Industrien der Vereinigten Staaten auf rund 17,9 Milliarden Dollar belaufen, das ist
nur \% weniger als im Jahre 19*9, wenn nur der Dollarbetrag als
solcher zugrunde gelegt wird, da die .'.'erto selbst sich nicht mehr
vergleicLen lassen« Das InvestitionsProgramm des Jahres 1950
schliesst vor allem die gewerblichen Industrien ein sowie die Stromund Gaserzeugungsanlagen, hier wurde fuer das Jahr 1950 ein um 8%
hoeheres Kapital als im Vorjahr den Planungen zugrundegelegt. Angesichts 4sr i-.östiegenen Kosten bedeutet dies Ergebnis natuerlich,
dass diese Planungen hinter den vorangeheaden -Yerten zurueckbleiben
mues ^en.
Einschliesslich der gewerblichen Industrie liegen alle "Innungen
der Industrie wesentlich ueber den Vorjahrskapitalziffern. Eine
ausnähme bilden hierbei jedoch die Textil- und A^parateindustrie,
*.ie "^etroleuraindustrie und die Industrie nicht-automatischer Trans~&gt;ortmittelausruestung. ^ie bedeutungsvollsten Investitionen des
Jahres 1950 sind in der Automobil-, der Elektroindustrie sowie in
dem Industriezweig der Steine und Erden zu finden - es sind zugleich
auch jene Industriezweige, in denen gegenwaertig die Machfrage und
damit die sehr hohen Gewinne besonders guenstig sind.
Labor Market 10/50
- 11 «

�P3NSTCTVTS?CETDS FUER IIOLLAETTDISCHE BAUARBEITER
Zweihunderttausend holLaendische Bauarbeiter, die bei dem
industriellen Pensionsfonds fuer Bauarbeiter in Holland registriert
3ind, werden in Kuerze Anspruch auf Alterspensionen haben. Unternehmer und Arbeiter werden jaehrlich Praemien in Hoehe von 20
Millionen Gulden hierfuer zahlen nuessen.
Der Pensionsbeitrag betraegt woechentlich 2 1/2 Gulden. Die
Hfllfjte dieses Betrages wird von dem Unternehmer gezahlt. Bit Inkrafttreten des Penslonsfonds werden die Bauarbeitjr eine Lohnerhoahung erhalten, damit sie diesen Beitrag ohne Einkorrimensverlust
zahlen koennen. Die Pension wird den Arbeitern gewaehrt, sobald
sie ein Alter von 65 Jahren erreicht haben.
ECA Labor Information
11/16/50
"HAUPTZIEL DES PUNKT-VIBR-PROGBAKMS IST PRODUKTIONSSTillGERUNG

Henry G. Benett erklaerte in seiner ersten oeffentlichen Rede
als Administrator des amerikanischen Punkt-Vier-Programms zur technischen Unterstuetzung, dass es der Hauptzweck dieses Programmes
seil mitzuhelfen, die Produktionsleistung der Arbeiter in den unterentwickelten Gebieten der Welt zu steigern.
"Wenn ein Volk im Hoechstmass produzieren kann, stehen ihm
auch Waren im Hoechstmass zur Verfüegung," sagte Benett in einer
Rede vor einer Gruppe amerikanischer Geschaeftsleute. "Es ist
dies eine einfache Lehre, die wir Amerikaner gelernt haben. Sie
hat fuer die ganze Welt Gueltigkeit."
Benett, der frueher Praesident der Hochschule fuer Landwirtschaft und Technik in Oklahoma war, wurde in der vorigen Woche
von dem Senat der Vereinigten Staaten als Administrator des
Punkt-Vier-Programms bestaetigt.
An seinem Programm arbeiten gegenwaertig 350 amerikanische
Techniker an Projekten in 36 Laendern. Hierzu gehoeren auch die
Projekte, die bereits in Bearbeitung waren, bevor das erweiterte
Programm fuer technische Zusammenarbeit in Kraft getreten war,
und solche, die im Rahmen von Punkt-Vier-Vertraegen begonnen wurden, die innerhalb der letzten drei Monate abgeschlossen wurden.
Benett wies darauf hin, dass das Punkt-Vier-Programm der
Vereinigten Staaten "ein bescheidenes Programm mit einem bescheidenen Budget von 34.500.000 Dollar fuer das laufende erste Haushaltsjahr ist. Das Programm ist in Wirklichkeit erst drei Monate alt. Das erste Jähr des Programms war vornehmlich der Planung, Personalauswahl und Stellenbesetzung fuer die neuen Projekte gewidmet. Wir hoffen, im naechsten Jahr und den darauffolgenden Jahren in der Lage zu sein, den Bedarf an Technikern zu
decken und die Gelegenheiten auszunutzen, die sich uns bieten."
Benett bezeichnete das Punkt-Vier-Programm fuer den Bestand
der Nation als "nicht weniger machtvoll und nioht weniger wesentlich" als die militaerische Verteidigung.
"Die militaerische Wiederaufruestung ist eine unglueckselige
NotwendigKeit. Aber die wirtschaftliche Entwicklung ist nicht
nur eine Notwendigkeit, sondern auch eine einzigartige Gelegenheit, die uns grosse Moeglichkeiten bietet. Es ist eine Gelegenheit, die Saat der Demokratie unter den Voelkern zu saeen,
- 12 -

�die sich nicht ;:.ehr laenger dar.it abfinden, dasc Armut, Krankheit
und Unwissenheit unvermeidliche Bestandteile des Lebens sein sollen. 2s ist eine Gelegenheit, ihren Fortschritt zu foerdern,
nicht, indem man ihnen dj.e amerikanische Lebensweise aufzwingt,
sondern ihnen hilft, sich selbst zu helfen. 2s ist eine Gelegenheit, neuen 'Wohlstand zum Nutzen aller freien Menschen zu schaffen. "
"Lateinamerika, üfrika, der Mittlere und der Ferne Osten
verfuegen ueber ungekannten Reichtum an natuerliehen Hilfsquellen, die darauf warten, erkannt, genutzt und in- den Dienst der
Menschheit gestellt zu werden, "fuhr Benett fort. "Die Menschen
dieser Gebiete benoetigen den Reichtum an Nahrungsmitteln und
Rohstoffen, der sie umgibt, gerade so wie wir. Auch die EuropBer
brauchen ihn, deren Industrien und deren Lebensweise von den
wichtigsten Produkten dieser Gebiete abhaengen."
"V/enn man netuerliche Hilfsquellen besitzt, braucht man zur
wirtschaftlichen 2ntwicklung Kapital," fuehr er fort und wies
insbesondere darauf hin, dass Kapital zur Schaffung der notwendigen Transportmoeglichkeiten notwendig ist. Er erinnerte an die
entscheidende Rolle, die auslaendisches Kapital bei der Entwicklung der Vereinigten Staaten spielte und sagte: "Ohne dieses
Kapital, ohne Wagnisse, Phantasie und Vertrauen waere es moeglich
gewesen, dass dieser hochindustrielle, zusammengeschlossene Kontinent Amerika bis zum heutigen Tage ein unterentwickeltes Gebiet
geblieben waere."
Benett deutele an, dass das Punkt-Vier-Programm selbst das
beste Mittel sein koenne, um den Kapitalfluss in Gang zu bringen,
und das "konkrete Ergebnis" der Zusammenarbeit wuerde guenstige
politische und wirtschaftliche Bedingungen schaffen.
Selbst wenn natuerliche Hilfsquellen und Kapital vorhanden
waeren, bliebe der Kern des Problems der wirtschaftlichen Entwicklung bestehen: "Die Produktionsleistung des Einzelnen, die
Lebensmoeglichkeit, das benfliehe Koennen und der Unternehmungsgeist, die es den Menschen ermoeglichen, sich ein Leben in Wohlstand zu erarbeiten."
Es sei das Ziel der technischen Experten der Vereinigten
Staaten, anderen Voelkern bei der Steigerung ihrer Produktionsleistung zu helfen. 2r ging &amp;uf ihre Taetigkeit ein und erklaerte:
"Sie arbeiten hauptsaechlich auf drei Gebieten: Gesundheit, Nahrungsmittelerzeurung und Erziehung. 2s ist ein Missverstaendnis,
wenn die Allgemeinheit der Auffassung ist, dass durch das PunktVier- Programm Fabriken, Staudaemme und Kraftwerke gebaut werden.
Eines Tages vielleicht, aber noch nicht jetzt, «ir muessen mit
den einfachen, notwendigsten Beduerfnissen beginnen. '«Vir muessen
dort beginnen, wo es um den Menschen geht."
Daily Wireless Bulletin
XII/13/50
LEITER DES EGA FORDERT GERECHTEREN ANTEIL FUER DIE ARBEITER
'.Villiam C. Fost^r, der Administrator der SCA, hat vor dem
hoechsten Planungsausschuss des europaeischen Wiederaufbaupropramms
erklaert, dass die westeuropaeischen freien Gevverkschaf ten mit
Recht eine gerechtere Verteilung der Fruechte der gesteigerten
Produktionsleistung fusr die Arbeiter forderten.
In einer Rede vor dem Ministerrat der Organisation fuer die
Wirtschaft!ich3 Zusammenarbeit Europas (OSES), der die Verwendung
- 13 -

�der "arshall-^lan-Oelder plant, eroerterto Foster die gegenwaerti^o wirtschaftliche Lage in Westeuropa und ging in besonderen auf
die Probiene der freien Arbeiterschaft ein.
"Eine gerechtere Verteilung der Fruech'te der Produktionsleistung ist ein sehr bedeutungsvolles Problem, de... '"esteurooa heute
gsgenuebersteht. Die freien Gewerkschaften koennen mit Recht darauf bestehen, dass die Arbeiter fuor ihre produktivere Arbeit gerecht belohnt werden. Pur wenn das Los aller Menschen der Welt
verbessert wird, kann die Demokratie auf einer stetigen fortschrittlichen Grundlage ihren Krieg gegen den Totalitarisnus gewinnen. •
Auf die wirtschaftlichen Probleme eingehend, die sich mit
der Notwendigkeit der Wiederaufruestuns: fuer Westeuropa ergeben
haben, betonte Poster, dass ein ".gesundes Gleichgewicht zwischen
militaerlschen Ausgaben und denen, die die zivile .Virtschaft staerken helfen, gehalten werden muss.
w

Der Fabrikarbeiter ist nicht weniger als der Soldat darauf
angewiesen, dasa er genug zu essen hat. «Vir brauchen Brot und
Waffen."
Foster forderte ausserdem die Vertreter der OEEC auf, sich
dafuer einzusetzen, den Wert der westeuropaeischen Produktion
bi3 zu dem Zeitpunkt, an dem der llarshall-Plan im Jahre 195£ enden soll, um 100 Milliarden zu erweitern. Eurooa koenne dieses
Ziel erreichen, wenn auch in Zukunft mit dem gleichen ^ifer und
dem bleichen Geist* der Zusammenarbeit wie bisher an dem iederaufbauprogranm weitergearbeitet wird.
"Die wirtschaftliche Staerke, die in dieser Ziffer zum Ausdruck kommt, koennte nicht nur einen viel besseren Lebensstandard fuer die "enschsn Europas zur Folge haben, sondern auch
eine militaerische Staerke, vor der jeder Aggressor unbedingt
Halt machen duerfte."
In Beantwortung einer auf einer Pressekonferenz gestellten
Frage betonte Foster, dass die ECA fortfahren werde, einen besseren Lebensstandard in Europa als einen wesentlichen Teil der Verteidigung der Demokratie gegen die Aggression anzustreben.
Er begruesste insbesondere, dass Warshall-Plan-Gelder bereits fuer die Erstellung billiger i.rbeiterwohnun^en verwendet
wurden, und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die europaeischen Regierungen aehnliche Projekte dieser Art in Angriff nehmen. .Viederaufoauprojekte koennten im Rahmen der koonorativen struktur
des Programms nur durchgefuehrt werden, wenn die westeuropaeischen Regierungen darum ersuchten.
ECA Labor Information
12/4/50
WILL IAH GREZTC FORDERT r. QFORTICL, ?REIc 7. 3-TTR OLLEW
William Green, der Vorsitzende der AFL, forderte die Delegierten zweier AFL-Kongresse auf, fuer die sofortige Einfuehrung
von Preiskontrollen und fuer Lohnerhoehungen zu kaempfen, um das
Preis-Lohnverhaeltnis wie vor Koraa wiederherzustellen.
Er sagte, das amerikanische Volk 3ei bereit, Orfer zu bringen, um den sowjetischen Imperialismus aufzuhalten, es verlange
- 14 -

�iedoch "gleiche Opfer von allen" und verwerfe es, dass seine Steuern erhoeht wuerden, waehrend die Unternehmer uebermaassige Gewinne
anhaeuften.
Er erklaerte ausserdem, dass mit der Lohnstabilisierung in
irgendeiner Form zu rechnen sei, die Loehne aber nicht eher gestoppt
wuerden, als bis sie den Preisen angeglichen waeren.
"Die Form der Lohnstabilisierung ist besonders wichtig," sagte Green. "Wir lehnen grundsaetzlich alle ruecksichtslosen Methoden ab, die Lohnveraenderuncren mit Veraenderung.en der Lebenshaltungs
kosten verbinden wuerden. Es muss immer genug Spielraum fuer
Lohnveraenderungen bleiben, um Ungleichheiten innerhalb der Betriebe und der Industrie zu beseitigen und die Loehne bei gesteigerter
Produktionsleistung erhoehen zu koennen."
Green sagte ferner, die weniger wichtigen öektoren der Bauindustrie sollten abgebaut werden, noch bevor das Wohnungsbauprogramm reduziert wuerde. Die ^FL wuerde ihren Kampf um ein angemessenes Wohnungsbauprogramm fortsetzen.
Der AFL-Vorsitzende forderte die Delegierten der Elektroarbeitergewerkschaft auf, sich an dem Kamof gegen das Taft-KertleyG^setz zu beteiligen. Dieses Gesetz stuende den Verteidigungsbemuehunsen im "'ege, indem es den Gewerkschaften verbiete, Arbeiter
fuer Arbeitsplaetze heranzuziehen, die schwer zu besetzen sind.
"Der groesste Beitrag, den der Kongress zu den Verteidigungsbemuehungen leisten koennte," sagte er, "waere der sofortige
Widerruf des Taft-Eertley-Gesetzes. Man hat uns den Vorwurf gemacht, wir weigerten uns, in Bezug auf dieses Gesetz Zugestaendnisse zu machen. Warum sollten wir uns auf Kompromisse einlassen?
,'uerden wir mit dem Kommunismus oder irgendeiner anderen Macht,
die bestrebt ist, uns zu vernichten, Kompromisse schliessen? Es
waere nicht nur unklug, es zu tun, sondern auch unmoralisch."
Eine starke Gewerkschaf tsbev.egung ist eine der Garantien dafuor, dass wir in den Vereinigten Staaten niemals wieder eine
grosse wirtschaftliche Depression erleben muessen, erklaerte der
amerikanische Arbeitsminister Maurice -T. Tobin vor einer Versammlung der Elektroarbeitergewerkschaft. .."eitere Garantien gegen eine
Depression sind: Eine ausreichende Arbeitslosenversicherung, die
den Arbeitslosen hilft, ihre Kaufkraft zu erhalten; Gesetze ueber
T'ine'est loehne, die die Lohnstruktur bei einem Ueberangebot an ,,rbsitskr«, eften nach unten begrenzen; ein widerstandsfaehiges Banksystem; gesicherte Einko.jnen in der Landwirtschaft, die nicht .von
den Schwankungen der Preise fuer Verbrauchsgueter abhaengig sind;
und schliesslich eine Regierung, die nicht laenger untaetig mitansieAt und zulaesst, dass die '.Virtschaft des Landes in ihren alton 3ahnen weiterlaeuft, so wie es ihr beliebt.
Tobin riet den Delegierten dringend, gegen die Inflation und
die 3ehauptunr anzukaompfen, dass hoehere Steuern unvermeidlich
waeren. Die Gefahr einer Inflation sei nicht in dem /.ugenblick beendet, in de::: die amerikanischen Soldaten Korea verliessen, weil
bereits Milliarden Dollar fuer Ruestungszwecke bestimmt seien.
Er erklaerte ferner, der Praesident
gewisse Kontrollen auferlogen, aber eine
ternehmer und Gewerkschaften koenne ihre
schwaechen und den Umfang der Kontrollen

muesse wahrscheinlich
wirksame Lenkung durch Unnachteilige Wirkung abeinschraenken.
Daily News Service
1/17/50

- 15 -

�PARKMAN:

WELTFRIEDE EA3K0T VCK DER HALTUNG SURQPAEISCHER ARBEITER

"Die Verteidigung der freien Welt und folglich auch der Friede
in der freien Welt haengen zum grossen Teil von der Haltung der
europaeischen «rbeiter ab," erklaerte Henry Parkman, der Leiter
der SCA-Mission fuer Frankreich.
In einer Rede in Marseilles brachte Parkman unlaengst erneut
zum Ausdruck, dass die Marshall-Plan-Beauftragten in einem hoeheren Lebensstandard der Arbeiter auch weiterhin ein Hauptziel des
Wiederaufbauprogramms sehen werden.
"Wir haben Frankreich geholfen, sich aus seinen Ruinen zu erheben, seine Industrie neu auszuruesten und zu modernisieren. Die
Menschen jedoch, fuer die diese Industrie besteht, naemlich die
kleinen Leute auf der Strasse, haben immer noch das Gefuehl, dass
sie am Rande eines Abgrundes leben. Sie leben zwar besser, aber
immer noch nicht gut genug. Es scheint mir, dass sie der Ueberzeugung sind, an den Fruechten das Wiederaufbaus ihres Landes nicht so
beteiligt zu werden, wie sie es verdient haben."
Dieses Problem, so hob der Leiter der ECA-Mission hervor, sei
in Anbetracht der'gespannten internationalen'Lage kein rein internes Problem mehr der einzelnen Laender.
"Der Weltfriede haengt, wie ein Agent des Kremls vor einiger
Zeit erklaerte, nur noch an einem Faden," fuehrte Parkman aus. Er
hat Recht. Ich moeehte hir.zufuegen: die Verteidigung d\r freien
Welt und demnach auch der Weltfriede haengen zum grossen Teil von
der Haltung der europaeischen Arbeiter ab. Armut ist, wie wir alle
wissen, die beste Brutsta^tte fuer den Fanatismus."
Parkman verurteilte die Machenschaften der Stalinisten, die
versuchten, die franzoesische Gewerkschaftsbewegung in einem Augenblick zu schwaechen, in dem sie gegebene Gelegenheiten wahrnehmen muesste, den Lebensstandard der Arbeiter zu verbessern. Eine
erhoehte Kaufkraft sei sowohl fuer die Arbeiterschaft als auch fuer
die Unternehmer von groasster Wichtigkeit, weil die Industrie ohne
eine Erweiterung der Kaufkraft sich nicht ausdehnen koenne.
Der Wohnungsbau sei ebenfalls ein wesentlicher Faktor in den
7/iederaufbaubestrebungen, fuhr Parkman fort, und seine Verwaltung
"begruesse mit grosser Genugtuung den Vorschlag der franzoesischen
Regierung, zwoelf Milliarden Franken aus Gegenwertfondsmitteln
fuer den Bau billiger Wohnungen bereitzustellen. Dies scheint der
Anfang einer wirklich grossen Anstrengung auf diesem Gebiete zu
sein."
"Der europaeische Wiederaufbau ist nicht nur ein technisches
und materielles, sondern auch ein psychologisches und moralisches
Problem. Es ist notwendig, fuer den Wohlstand des Landes zu arbeiten, und die Arbeit fuer den Wohlstand ist auch eine Arbeit fuer
die Sicherheit. Die Buerger werden dadurch staerkere und einleuchtendere Gruende haben, zur Verteidigung ihres bedrohten Erbes zu
kaerapfen."
ECA Labor Information
10/31/50
- IG -

HUOG (19-12-50) ao.

suc

�International«

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Aaszüge aas der amerikanischen Presse and anderen Quellen dar nnd dienen
dar Information deutscher Redakteare, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen und deren Mitglieder.
Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
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HICOG, APO 757, Frankfurt
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Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme der amerikanischen
Hohes Kommission für Deutschland, noch irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten
aufzufassen.

III - 42

Frankfurt, 22. Dezember 1950

I N H A L T S V E R Z E

I C E N I S

Gewerkschaftliche Einigkeit ist notwendig - Die GewerkschaftsDewegung in Uruguay- - - - Nationalkonferen2 fuer Arbeitsgesetzgebung
tritt zusammen - - - - - - - - - - - - - Die Jugend muss beim Eintritt in das Berufsleben unterstuetzt werden - - - - - - - IBFG erfolgreich im Kampf gegen den
Komuunismus - - - - - - - - - - - - - - Die Hilfe fuer Jugoslawien, China und Argentinien und der Standpunkt der AFL - - - Verbesserungen der Sozialversicherung
Amerikas gefordert - - - - - - - - - - - Aussenpolitische Erklaerung des CIO zur
Vereinigung Europas - - - - - _ _ - _ _ Selbstaendigkeit der Marshall-Plan-Laender
ist garantiert - - - - - - - - - - - - - ECA-Leiter fordert hoeheren Lebensstandard
fuer Europa - - —
- - - _ - _ - . _ _ _
ILCWU wuenscht neues Invalidenschutzgesetz -

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AI Eayes, Vorsitzender der Nationalen !.5aschinisten Gewerkschaft:
GII.TERKSCKATTLICliE EINIGKEIT IST NOTWENDIG
Jeder von uns ist an der Gestaltung unserer Geschichte beteiligt. Y'enn wir keinen konstruktiven Einfluss auf sie ausueben, so
beeinflussen wir sie durch eigene Schuld in negativem oder schaedlichem Sinne. Das Lebenswerk Samuel Gompers war die Schaffung der
organisierten Gewerkschaftsbewegung Amerikas. Es ist sein Vermaechtnis an die Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten. Dieses
Vermaechtnis ist nicht auf eine bestimmte Gruppe Gewerkschaften
beschraenkt. Es stellt vielmehr die allgemeine Einstellung der
- 1 -

�Gewerkschaftsbewegung einer Anzahl Prinzioien und den Kollektivverhandlungswesen gegenueber dar. Es steht im Zusammenhang nit der
Solidaritaet der Arbeiterschaft auf der ganzen Welt. Die Philosophie Gompers gruendete sich auf die Erkenntnis "Einigkeit nacht
stark." Und diesen Rat gab er freimuetig allen Arbeitern der ganzen Welt.
Diese Wahrheit beleuchtet das ungeheure Problem, den die Gewerkschaften zur Zeit gegenueberstehen, und stellt die uebrigen
Probiene der Gewerkschaftsbewegung weit in den Schatten.
Die organisierte Arbeiterschaft der Vereinigten Staaten bildet keine vereinigte Organisation, und diese Desorganisation hindert sie daran,# sich ihrer historischen Verantwortung der Arbeiterschaft gegenueber zu unterziehen. Ausserdem nacht diese Spaltung
innerhalb der Reihen es der Gewerkschaftsbewegung unnoeglich, ihre
recl.tnaessige Rolle zu spielen und eine demokratische Reniierungsform in den Vereinigten Staaten und sonstwo in dieser äusserst zerruetteten und tragischen ".Veit zu erhalten.
Wie verheerend sich eine Gewerkschaftsbewegung, die gegen sich
selbst aufgespalten ist, auswirken kann, ist fast bei jeder normalen Organisierungskampagne in den Vereinigten Staaten ersichtlich.
Wenn sich dieser Werbsfeldzug auf eine betraechtliche Anzahl unorganisierter Arbeiter erstreckt, konkurrieren in allgemeinen zwei
oder drei oder nanchnal noch mehr verschiedene Gewerkschaften miteinander. Sie benuehen sich um die Aufmerksamkeit und die Gefolgstreue der Arbeiter fuer eine bestimmte Gewerkschaft und nicht fuer
alle Gewerkschaften. In jedem Falle besteht die Moeglichkeit, Ätna
die Mehrheit dieser Arbeiter der Gewerkschaftsbewegung voellig
fremd gegenuebersteht. Wie kann eine Gewerkschaft in einer solchen Situation ihre Werbung so durchfuehren, dass sie nicht die
Grundlagen der Solidaritaet unterminiert, auf denen die Gewerkschaftsbewegung ruhen muss?
Warum vergeudet die Gewerkschaftsbewegung ihre Energie und
onfert ihren Einfluss und ihre Schlagkraft, indem sie sich um
einige zehntausend bereits organisierte Arbeiter streitet, wenn
noch 43 Millionen Arbeiter nicht organisiert sind? Dies sind sehr
unangenehme Fragen, weil es keine vernuenftigen Antworten darauf
gibt.
Frueher wandten gewerkschaftsfeiadliche Unternehmer viel
Energie und Geld auf, un die Gefolgstreue der Arbeiter zur Gewerkschaftsbewegung zu erschuettern. Sie waren in allgemeinen bestrebt, Zwietracht zu stiften und dadurch die Arbeiterschaft zu
beherrschen. Heutzutage snalten und erschuettern einzelne Gewerkschaften selbst ihre eigenen Grundseetze, ohne dass sie hi :rzu
von einen feindlich gesinnten Arbeitgeber gezwungen waeren. Vie
lange dauert es, um die '"unden eines erbitterten Konkurrenzkampfes
der Gewerkschaften zu heilen? Wie lange dauert es noch, bevor
eine wirklich machtvolle Gewerkschaft beanspruchen kann, eine geeinigte Organisation zu sein? Man frage nur irgendeinen praktischen Organisator, der heutzutage diese Ziele erstrebt. Wie wirken sich diese Spaltung und Erbitterung auf die Verhandlungen mit
den Unternehmern aus? Man frage irgend jemanden, der fuer seine
Gewerkschaft Verhandlungen fuehrt und nach einer solchen Kamnagne
einen Vertrag ausarbeitet.
Wie ganz anders waere es, wenn eine Gewerkschaft odor eine
GrupDe verwandter Gewerkschaften ohne die Einmischung einer konkurrierenden Gewerkschaft arbeiten koennten. Die Tatsache, dass
- 2 -

�jeder einzelne in jeder Situation organisatorisch taetig sein
muss, duerfte ein Deweis dafuer sein, mit welchem Erfolg dies getan werden kann, wenn die Zwietracht in der Gewerkschaftsbewegung
nicht bestuende. Es gibt noch andere entscheidende und dringende
Gruende fuer die Notwendigkeit, die Gewerkschaftsbewegung zu
einigen.
Tatsaechlich s.tsht die Arbeiterschaft seit Beendigung des
letzten Krieges in dir Defensive. Alle Kraft und einen grossen
Teil der Hilfsquellen nuessen aufgewendet werden, wenn kein Boden
verlorengegeben und Schritt fuer Schritt langsam vorwaertsgekommen werden soll. Die amerikanische Arbeiterschaft befindet sich
in einer anti-gewerkschaftlichen Atmosphaere, die vor kurzem noch
oro-gewerkschaftlich gestimmt war und den Gewerkschaften die
guenstigste Stellung einreeumte, die sie je in den Vereinigten
Staaten innehatte. V/as durch die eigene Zwietracht verloren
geht, ist vor allem dann zu ermessen, wenn ueberlegt wird, wie
stark die Gewerkschaften trotz der Spaltung in ihren eigenen Reihen noch immer sind. Es ist nicht schwierig,sich vorzustellen,
um wieviel staerker der Kampf gegen gev.erkschaftsfeindliche Kreise waere
wenn die Arbeiterschaft einir weere. Heutzutage sind
rund 15 Millionen arbeitende I'aenner und Frauen in festgefuegten
und verantwortungsbewussten Gewerkschaften organisiert. Diese
Gewerkschaften repraesentieren und handeln oraktisch fuer alle
Arbeitnehmer der lebenswichtigsten Industrien. Ihre Mitglieder
bilden das hochge~chulte Schlue.;selpersonal der amerikanischen
Industrio gemeinsam mit der ..eniger geschulten, aber deshalb
nicht weniger vvesentlichen Erwerb.sbevoelkerung. abgesehen von
der strategischen Bedeutung ihrer Funktionen innerhalb der Industrie bilden sie als Sektor der Bevoelkerung die groesste organisierte Gruppe der Vvirtscnaft.
Welche Rolle muesste eine Organisation solchen Umfangs normalerweise und besonders in der heutigen Zeit in den Vereinigten
Staaten spielen, in der die Nation in eine internationale Krise
verwickelt ist, die so schwierig und so gefahrvoll ist wie nie
zuvor in der Geschichte unseres Landesl Die Antwort auf diese
Frage heisst: Die Gewerkschaftsbewegung muss eine Rolle spielen,
die an Bedeutung und Einfluss hinter keiner anderen Gruppe zurueckstehen darf.
In der internationalen Krise gibt es besondere Gruende fuer
eine derertige Rolle der Gewerkschaftsbewegung. Dieses 'Veltrinsren
dreht sich um die Lebensweise. 2s dreht sich um die Regierungsformen und ist eine Kraftprobe zwischen Demokratie und Totalitär ismus , ein Kampf zwischen ^'unerika und Russland.
Wo ist der Platz der Gewerkschaftsbewegung in diesem Kaimf?
In welcher Beziehung steht die Zwietracht zu -diesem viel groesseren Problem? Was haben die kleinen Streitigkeiten zwischen den
Gewerkschaften mit diesem grossen Konflikt zu tun? Hierueber kann
es nur eine Meinung geben!
Um ihrer Verantwortung: gep:enueber den amerikanischen Arbeitern und ^merika gerecht zu werden, muss die Gewerkschaftsbewegung
die Interessen der Arbeiterschaft bei jeder Gelegenheit in der
diplomatischen oder politischen '.Valtkontroverse vertreten. Hierzu ist 3ie aufgrund der Besonderheit dieser Streitickeiten verpflichtet. Die Interessen #der Arteiterschaft stehen im Vordergrund vor allen anderen Interessen. Russland appelliert in seinem Streben um die 7/eltnacht direkt und ausschliesslich an die
Arbeiterschaft.

�Nie zuvor in der amerikanischen Geschichte lag es im Interesse der Wohlfahrt des ganzen Landes so wesentlich begruendet wie
letzt, dass die Gewerkschaftsfuehrung vor der Welt demonstriert,
was eine aktive, freie Demokratie ist, und was sie fuer die Zukunft
der Welt bedeuten kann. Die freien Gewerkschaften auf der ganzen
Welt werden von ihren Regierungen und von den historischen Kraeften der Logik und Notwendigkeit gemahnt, ihre eigene Freiheit und
die der Welt vor dem Untergang zu retten.
Seit 150 Jahren arbeitet die schaffende Bevoelkerung der Vereinigten Staaten an der Verbesserung und Vertiefung der Demokratie. Sie hat ihre Erfahrungen in den Gewerkschaftsversammlungen
gesammelt. Sie hat ihr Ziel trotz ununterbrochener Anfeindungen
anderer Schichten der Bevoelkerung verfolgt, die im Verlauf der
Geschichte die Gewerkschaftsbewegung immer missverstanden oder
sogar verleumdet haben, so wie sie es heute noch tun.
Von grosser Bedeutsamkeit ist an dieser Stelle ausserdem die
Frage, wie sich die Gewerkschaften eine demokratische Regierungsform in den Vereinigten Staaten vorstellen. Ihre Auffassung, dass
die Demokratie durch Tarifverhandlungen auch den Weg in die Industrie finden kann, verbesserte nicht nur ihr eigenes L03, sondern
breitete sich auch aus und wurde von der gesamten Bevoelkerung des
Landes gebilligt.
Hauptsaechlich aus diesem Grunde ist eine freie organisierte
Gewerkschaftsbewegung fuer alle Menschen mit reifem Verstand eine
wesentliche Voraussetzung fuer den Neuaufbau einer zivilisierten
Gesellschaftsordnung mit Hilfe des Marshall-Plan-Wiederaufbauprogranms.
Die Mitglieder der Gewerkschaften wissen, was Freiheit und
Demokratie bedeuten, und sie wissen es, weil die Vorfahren dieser Mitglieder in der Vergangenheit und die Mitglieder selbst in
der Gegenwart sich Freiheit und Demokratie selbst erarbeiten
mussten. Dies ist eine der groesst-en Leistungen, die die Gewerkschaftsbewegung zum Wohle der Vereinigten Staaten vollbracht hat.
Der Weltkamof drehte sich praktisch um die Demokratie. Sie
befindet sich in einer wirklichen gefaehrlichen Krise. Die Demokratie in der Welt ist bedroht.
Die Notwendigkeit einer einigen amerikanischen Gewerkschaftsbewegung ist heute so offensichtlich, dass man hierueber kaum
zu argumentieren braucht. Die Gewerkschaften koennen sich nicht
mehr den Luxus der Genugtuung erlauben, etwas besser als eine andere Gewerkschaft zu sein. Die Zeit ist leenget gekommen, so zu
handeln, wie es andern staendig gepredigt wird.
Die Hindernisse, die einer allgemein geeinigten Gewerkschaftsbev^egung zur Zeit im '.Vege stehen - und moegen sie gegenwaertig
noch so unueberwindlich erscheinen - sind recht gering im Vergleich
zu der Art und dem Umfang der Kindernisse, die die Zwietracht dem
Fortschritt der Arbeiterschaft in den Weg stellt. Wenn die Ursachen der Zwietracht geprueft und. ihnen auf den Grund gegangen
wird, muss man feststellen, dass es sich nicht um unloesbare Problems handelt. £• ist fuer viele Gewerkschafter die feste Ueberzeugung, dass die Funktionaere der verschiedenen Gewerkschaften,
die .jetzt gegeneinander argumentieren, es aufrichtig wuenschten,
Mittel und -Vege finden zu koennen, um ihre organisatorischen
Unterschiede auszugleichen, die Gewerkschaftsbewegung zu vereinigen und die Interessenkonflikte im Rahmen einer vereinigten Gewerkschaft beizulegen.
- 4-

�Die Mitglieder aller in Frage kommenden Gewerkschaften werden
mit Begeisterung einen derartigen Vorschlag begruessen und ihm
ihre Unterstuetzung nicht versagen.
Die Vertreter der heutigen Gewertcschaf tsbewegung koennen den
Namen "Samuel Gompers" nicht besser ehren als durch die Vereinigung der Gewerkschaftsbewegung. Auf diese V/eise bekennen sich alle
Gewerkschafter zu ,aeinem '.Vahlspruch: "Einigkeit macht stark."
The Machinist
XII/14/50
DIE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG IN URUGUAY
Die Gewerkschaftsbewegung Uruguays blickt auf eine ebenso demokratische Tradition zurueck wie das Land selbst. Uruguay konnte sich lange ruehmen, eine der demokratischsten Nationen des südamerikanischen Kontinentteils zu sein, woran sich auch in den
letzten Jahren trotz ernsthafter wirtschaftlicher Probleme nichts
geaendert hat
Von 1943 bis 1948 erfreute sich dieses Land - wie
alle uebrigen Laender Latein-Amerikas - aufgrund der Entwicklung
und der Vielseitigkeit seiner Landwirtschaft und seiner Industrien
eines unbegrenzten Wohlstandes. Im Sommer des Jahres 1948 stand es
jedoch vor einer schweren wirtschaftlichen Krise, die durch die
Steigerung der Preise und eine starke Arbeitslosigkeit gekennzeichnet war.
Die Forderungen der Arbeiter nach hoeheren Loehnen, die aufgrund der erhoehten Lebenshaltungskosten berechtigt waren, stellten den Lohnausschuessen schwere Aufgaben, die seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Uruguay bestehen. Diese Ausschuesse setzen
sich aus drei Vertretern der Regierung und je zwei Delegierten
der Gewerkschaften und Unternehmer zusammen. In jedem Industrieund Handelszweig gibt es einen derartigen Ausschuss, und die Gewerkschafts- und Unternehmervertreter in diesen Koerperschaften
werden alle zwei Jahre von 5den Arbeitern und Unternehmern des betreffenden Industriezweige* gewaehlt. Die Ausschuesse setzen
nicht nur die Loelme, sondern auch die Arbeitsbedingungen fest
und regeln auch andere Fragen in bezug auf die wirtschaftliche
Lage der Arbeiter.
Die Lohneusschuesse haben im allgemeinen versucht, die Loehne
mit den Lebenshaltungskosten auf einer Stufe zu halten. Hiergegen
leisteten die Unternehmer jedoch besonders in den letzten I'onaten
hatnaeckigen Widerstand und in den Ausschuessen wurden langwierige Verhandlungen gefuehrt. In einigen Faellen kam es zu mehr
oder weniger ernsthaften Streiks. Unter anderem traten die Taxichauffeure, die Fleischveroacker, die Baecker und die Arbeiter
der Woll- und der Metallindustrie in den Ausstand. In jedem Falle
wurde der Streik beendet, nachdem sich die Regierung einverstanden erklaert hatte, die erforderlichen Lohnaufbesserungen zu gewaehren. Die Arbeiter wissen jedoch, dass hiermit die Loesung des
Lohnproblems nur iiinausgeschoben ist.
Trotz dieser Schwierigkeiten zaehlen der Lebensstandard und
die soziale Sicherheit der Arbeiter Uruguays zu den besten Lateinamerikas. Wie die uebrige Bevoelkerung des Landes bekennt sich
auch die Gewerkschaftsbewegung zu den Ideen der politischen und
sozialen Demokratie, und diese demokratische Gewerkschaftsbewegung
ist in dem Koordinierungsausschuss der unabhasngigen Gewerkschaften zusammengefasst.
- o

�Bis jetzt war es nicht moeglich, dieses Konitee in einen richtiggehenden Gewerkschaftsbund umzuwandeln. Der Grund hierfuer ist
vor allein die Tatsache, dass die uruguayische Gewerkschaftsbewegung
eine der aermsten des Kontinents ist und praktisch keine bezahlten Gewerkschaftsfunktionaere kennt. Infolgedessen ist sie gezwungen, die Funktionaere in ihrer Freizeit fuer die Gewerkschaft arbeiten zu lassen. Man hofft jedoch, dass bis zur Regionalkonferenz
des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften im Januar 1951 in
Mexiko ein Bund der unabhaengigen Gewerkschaften Uruguays bestehen
wird.
Interamerican Labor News
XII/50
NATIOTALKONFERENZ FUER ARBEITSGESETZGEBUNG TRITT ZUSAMMEN
Der amerikanische Arbeitsminister Maurice 7, Tobin forderte
die Delegierten der 17. Nationalkonforenz fuer Arbeitsgesetzgebung
auf, sich mit allen Mitteln dafuer einzusetzen, da3s ihre Staaten
wirksame Programme ausarbeiten, mit denen der fuer die "Verteidigung notwendige Bedarf an Arbeitskraeften gedeckt werden kann.
Die dreitaegige Konferenz fand im Bezirksauditorium in 77ashinrton statt. rtn ihr nahmen Vertreter der Gouverneure der staatlichen Aemter fuer Arbeitsangelegenheiten und Delegierte der Gewerkschaftsbewegung teil. Abgeordnete aus 41 Staaten, dem Distrikt
Columbia, "^uerto Rico und Alaska waren zugegen.
William L. Connolly, der Direktor des Amtes fuer Arbeitsnormen in US-^rbeitsministerium, der den Vorsitz fuehrte, verlas eine
Botschaft des Praesidenten an die Konferenz. In dieser Botschaft
hiess es:
"Sie treten in einer Zeit zusammen, in der Arbeitskraefte
fu3r die Ruestungsproduktion von lebenswichtiger Notwendigkeit fuer
unsere Mation sind, die sich in einem grossen Kampf gegen die
A^£?ression zur Erhaltung des Friedens befindet. Niemals ist die
Zusammenarbeit des ganzen Volkes notwendiger denn jetzt, wenn unsere Anstrengungen von Erfolg sein sollen, AUS diesem Grunde sind
die Erfahrungen und Ratschlaege der Vertreter der Gouverneure auf
dieser Konferenz von so besonderer Notwendigkeit, um angemessene
Arbeitsnormen fuer eine ununterbrochene Produktion auf lange Sicht
in den einzelnen Staaten zu sichern.
w

Ihre Erfindungsgabe und Ihre Erfahrungen koennen mithelfen,
dii Stac ten und die gesamte Nation bei.der Ausarbeitung der Richtlinien und Methoden zu unterstuetzen, die unsere Produktionsmaschinerie auf dem schnellsten V.'ege zu hoechster Leistungsfaehigkeit
bringen kann. n Vir erwarten voll Ungeduld ihre Vorschlaere und
Empfehlungen.
Arbeit3minister Tobin, der die Eroeffnungsrede hielt,, erklaerte: "Es ist jetzt erforderlich, dass unsere Ideen und unsere Energie darauf ausgerichtet werden, unsere Nation stark und unverwundbar zu machen. Zu diesem Zweck muessen wir bestrebt sein, die
grosse produktive Staerke Amerikas zu mobilisieren. Natuerlich
ist diese Staerke von den Maennern und Frauen ebhaengig, die im
Arbeitsprozeßs 3tehen und die Maschinen bedienen, die die Mittel
zu unserer Verteidigung herstellen.
n

Es ist un-ere ^ufgabe, unsere Ruestungsproduktion so schnell
wie moegj.ich zu erweitern und gleichzeitig die Ziviloroduktion auf
- 6

�einen hohen Stand zu halten. Es wird nicht leicht sein, die Arbeitskräfte fuer die Ruestungsproduktion, fuer die militaerischen
Streitkraefte und fuer die Zivilproduktion zugleich zu sichern
und dabei noch die richtigen L;ute zur rechten Zeit an den richtigen Platz zu stellen. Deshalb muessen wir versuchen, den Anforderungen der Zukunft bereits jetzt gerecht zu werden. Ich betone erneut, dasa wir damit nicht
solange warten koennen, bis die Krise
ueber uns hereinbricht.n
m

Die fruehere Leiterin des Arbeitsministeriums Frances Perkins,
die waehrend ihrer Amtszeit die erste Nationales Konferenz fuer
Arbeitsgesetzgebung einberief, ergriff ebenfalls das V,rort. Frau
Perkins, die jetzt Mitglied der Staatsdierfitkommission der Vereinigten Staaten ist, gab einen Rueckblick auf die Geschichte dieser
Konferenz und wies besonders auf die Vorteile hin, die dem amerikanischen Arbeiter aus dem Gedanken- und Erfahrungsaustausch .ueber
die Arbeitsprobleme in den einzelnen Staaten erwachsen sind.
Ein Vorschlag der Konferenz zur sofortigen vViedereinf uehrung
einer bundesstaatlichen systematischen Verwaltung der oeffentlichen
Arbeitsvermittlungsaemter wurde lebhaft diskutiert. Fuer ^en Fall,
dass eine derartige verwaltungstechnische Zusammenfassung eintreten sollte, emnfahl die Konferenz dringenjd^die Verwaltung der
oef fentlichen Arbeitsvermittluns-saemter dem Arbeitsministerium der
Vereinigten Staaten zu ueberlassen.
Die Konferenz billigte ausserdem einen Vorschlag, wonach der
Kindeststundenlohn, der im Gesetz fuer gerechte Arbeitsnormen festgelegt worden war, von 75 Cents auf einen Dollar erhoeht^ird
und allen Arbeitnehmern, die noch nicht unter die Bestimmungen
dieses Gesetzes fallen, dieser Schutz gewaehrt werden soll.
Labor Press Service
US-Department of Labor
12/11/50
Robert C. Goodwin, Direktor des Amtes fuer Beschaeftigungssicherhoit:
DIE JUGEND MUSS 3El:: EINRITT IN DAS BERUFSLE3EK UNTERLTÜETZT '.. ERDEN
Kuerzlich wurde ich gefragt: "Warum sind Sie so sehr an einem
zwoelfmonatigen Berufsvorbereitungsprograr.ja fuer die schulentlassene Jugend interessiert? Letzten Endes koennen die .iungen Menschen,
die in das Berufsleben eintreten, sich selbst helfen. Die Arbeitgeber wuenschen doch, dass neues Blut in ihre Betriebe kommt. Die
aelteron Leute 3ind es, denen wir unbedingt helfen mue^sten, Arbeit
zu finden."
Ja, es besteht die allgemeine Auffassung, dass es fuer die
iunp;9n Leute verhaeltnismaessig leicht sei, eine bestimmte berufliche Laufbahn zu beginnen. Und es ist gewiss richtig, dass ein
aelterer Arbeiter^, der seinen Arbeitsplatz verloren hat, besondere
Schwierigkeiten hat, einen neuen zu finden. Aber untersuchen wir
einmal die Tatsachen und stellen fest, warum wir in den ^.rbeitsvermittlungsaemtern unsere besondere Aufmerksamkeit den Jugendlichen,
die in das Berufsleben eintreten, und den eelteren Arbeitern, die
einen neuen Arbeitsolatz suchen, widmen muessen.
Vor allem wissen wir, dass jaehrlich mindestens 1 1/2 Millionen junge Menschen in den auf Konkurrenz basierenden lATbeitsi-arkt
eingereiht werden. Es i3t ausserdem allgemein bekannt, dass ,;un^e
Menschen, die Arbeit suchen, um einen Anfang fuer ein produktives
- 7-

�Arbeitsleben zu finden, einen zahlenmaessig grossen und bedeutsamen Teil der Arbeitslosen unseres Landes darstellen. Das bedeutet,
dass diese jungen Menschen verhaeltnismaessig groessere Schwierigkeiten haben, eine Beschaeftigung zu finden als irgendeine andere
Altersgruppe, und dass es den jungen Leuten nahegelegt werden
muesste, solange in der S&amp;hule zu bleiben, wie es fuer sie von
Vorteil ist. Ausserden wissen wir, dass viele junge Leute, die
als beschaeftigt registriert sind, nur als Lueckenbuesser eingesetzt sind oder Arbeiten verrichten, die ihnen kein angemessenes
Einkommen einbringen oder keine Moeglichkeit des Fortkommens bieten.
Weshalo interessiere ich mich also so sehr fuer ein zwoelfmonatiges Berufsvorbereitungsprogramm faer die schulentlassene
Jugend? Weil ich gleube, dass es die Pflicht und die Verantwortung
unseres gesamten Systems der Arbeitsvermittlungsaemter ist, diese
Kluft zwischen der Schulentlassung und dem Beginn einer geeigneten beruflichen Laufbahn fuer Hunderttausende junger Leute zu
ueberbruecken. Es ist in moralischer Hinsicht voellig falsch, die
Jugendlichen auf einer ziellosen Suche nach einer Arbeitsmoeglich-*
keit umherirren zu lassen, bevor wir Schritte unternehmen, um
diesem Misstand abzuhelfen. Auch erfuellen wir nicht unsere Pflicht
als oeffentliche ^rbeitsvermittlungsbehoerde, wenn wir bis zur
letzten 'Yoche vor Schulschluss warten, um Vorkehrungen fuer die
Registrierung der Schulentlassenen zu treffen.
Wir koennen die Probleme jener jungen Arbeitsuchenden am
besten dadurch loesen, dass wir sie im Voraus in Angriff nehmen
und Plaene ausarbeiten, die einen geeigneten Uebergeng von der Schule auf den Beruf gewaehrleisten. Das verstehe ich unter einem
zwoelfmonatigen Berufsvorbereitungsdienst fuer die Jugend, der,
wie ich es sehe, folgendermassen aussehen muss:
Mit den hoeheren Schulen und Universitaeten muessen Vereinbarungen getroffen werden, die den Verantwortungsbereich beider
Gruppen genau festlegen.
Mit allen Studenten und Schuelern muss im ersten Semester
ihres letzten Schul- oder Studienjahres Fuehlung aufgenommen werden,
um sich ueber ihre Absichten und Plaene zu informieren.
Eine sich selbst verwaltende Einrichtung muss geschaffen werden, mit der im Voraus festgestellt werden kann, wer, um einen
Arbeitsplatz zu finden, die Uhterstuetzung des Arbeitsvermittlungsbueros in Anspruch zu nehmen gedenkt.
Es muessen Vorkehrungen zur Registrierung und Pruefung all
derer getroffen werden, die eine Unterstuetzung benoetipen und die
bereit sind, die Hilfe des betreffenden Arbeitsver:JLttlungsamtes
zu akzeptieren.
Beratungen in den oertlichen Arbeltsvermittlungsaemtern
muessen fueu diejenigen ermoeglicht werden, die sie benoetigen
und wuenschen.
Die Ausarbeitung, Verteilung und Auswertung einschlaegigen
aktuellen Inforr.ationsmaterials uebar den oertlichen Beschaefti'ungsstand und die r.rbeits.?iarktlage muessen durch Vorlesungen,
Rundschreiben, Beratungen, Fabrikbesuche und Zeitungsartikel gevvaehrleistet sein, aussprachen alt Arbeitgebern oder andere Methoden, die die Bewerber mit einer passanden Beschaeftirungsrcoeglichkeit bereits vor ihrer Schulentlassung in Beruehrun^ bringen,
nuessen arrangiert werden.
- 8-

�Dies sind nur die wenigsten Massnahmen, die notwendig sind,
wenn ein zwoelfmonatiges Berufsvorbereitungsprogramm fuer die Jugend von Erfolg sein soll. Wenn man sich vergegenwaertigt, dass
505t der Schueler, die laenger als acht Jahre in der Schule bleiben, vor Beendigung des zwoelften Schuljahres diese verlassen,
gewinnt man einen weiteren Einblick in die Probleme der jungen
Arbeitsuchenden. Gewiss wird duroh ein wirksames Programm in irgendeiner Weise denen geholfen werden koennen, die die Schule verlassen, ohne eine vollstaendige Ausbildung an einer hoeheren Schule
genossen zu haben. Viele dieser Jugendlichen koennen und muessen
auf Grund des Gesetzes ueber Kinderarbeit und der augenblicklichen
und spaeteren Auswirkung einer beschraenkten schulischen Austildun/r
auf ihre Verwendungsfähigkeit in die Sohule zurueckverwiesen werden.
Die Arbeitsvermittlungsaemter muessen die Bestrebungen der
Zungen Leute unterstuetzen, eine annehmbare zeitweilige oder Ferienbesohaeftigung zu finden. Kooperative Arbeitsprogramme der Schulen,
die den Lehrplan bereichern und die Schueler zum Bleiben an den
Schulen veranlassen, muessen ebenfalls in Erwaegung gezogen werden.
Alle diese und viele andere Moegllchkeiten bieten sich uns
in Form eines wertvollen und produktiven Jugendprogramms. Wir
koennen es nicht oft genug wiederholen, dass die jungen Menschen
von heute, die Buerger von morgen sind. Diese jungen Leute bilden
ausserdem im Notfall unsere Hauptquelle militaerischer Macht.
Sie werden in der naechsten Generation Eltern, Arbeitgeber und
Staatsmaenner sein. Wir koennen sie nicht in Stich lassen, wenn
wir uns selbst nicht aufgeben wollen. Aus diesem Grunde glaube
ich, dass wir ein zwoelfmonatiges Berufsvorbereitungsprogramm fuer
die Jugend brauchen.
Employment Seourity Review
4/50
IBFG ERFOLGREICH IM KAMPF GEGEN DEN KOflflUNISMtTS
Wie der Generalsekretaer des Internationalen Bundes Freier
Gewerkschaften, J. H. Oldenbroek, erklaerte, kann diese Organisation einige bedeutende Erfolge aufweisen, die sie in den zwoelf
Monaten seit ihrer Gruendung im Dezember vorigen Jahres in London
erzielt hat. Als Erfolge bezeichnete Oldenbroek unter anderem,
wobei die Reihenfolge nicht unbedingt der Bedeutsamkeit entsprechen muss:
,
In Brue^sel wurde eine Zentralstelle errichtet, deren Stab
sich zur Zeit aus 40 Mitgliedern zusammensetzt, die zwoelf verschiedenen Nationalitaeten angehoeren und 14 Sprachen sprechen.
Im Juli vorigen Jahres wurde in New York und vor kurzem in Singapur ein Verbindungsbuero eingerichtet. Ein weiteres wird in Genf
eroeffnet werden.
Durch die Neuaufnahme von sechs Laendern (Kolumbien, Falkland
Inseln, Neuseeland, Malayische Staaten, Pakistan und Thailand)
und den anfeenglich provisorischen Anschluss des Schweizerischen
Oewerkschaftsbundes ist die Zahl der im IBFG vertretenen Arbeiter
um eine Million erhoeht worden.
Ein eurooaeisches Sekretariat ist errichtet worden, das die
Arbeit der 21 Millionen Mitglieder zaehlenden Mitgliederorganisationen des IBFG koordiniert, die frueheren Funktionen des gewerkschaftlichen Beratungsausschusses fuer den Marshallplan uebernimmt
und die Taetigkeiten des IBFG in Verbindung mit dem Schuman-Plan
zur Zusammenfassung der Stahlindustrie koordiniert.
- 9-

�Durch die Aufnahme von Hunderttausenden asiatischer Arbeiter
in den IBFG sind dem Kom-unismus in Asien schwere Schlaege versetzt
worden. Man erwartet, dass sich auch Burma der Organisation anschliessen wird. Auch in Mittel- und Suedamerika hat der Kommunismus Rueckschlaege erlitten, von wo ein "staendiges Absinken"
des kommunistisch gefuehrten Weltgewerkschaftsbundes gemeldet wird.
Selbst in Afrika mussten die Kommunisten Niederlagen einstekken, wo die allgemeine Arbeiterunion von Tunis bereits aus dem
'Veitgewerkschaftsbund ausgetreten i^t und sich wie viele andere
afrikanische Gewerkschaftsgruppen dem IBFG an^chliessen werden.
Durch die Teilnahme an Programmen wie dem Schuman-Plan ist
auf die europaeische Vereinigung hingearbeitet worden. "Trotz gewisser Bedenken, die noch aus dem Wege geraeumt werden muessen,
unterstuetzen wir den Schuman Plan," erklaerte Oldenbroek hierzu,
"viele der Vorschlaege, die wir i... Interesse der Arbeiter gjtt der Ver
besserung seines Lebensstandards unterbreitet haben, sind angenommen worden, und man hat uns ersucht, Kandidaten fuer die Hohe Behosrde und andere Koerperschaften,
die dieses Unternehmen verwalten
werden, namhaft zu machen.n
Durch die Mitarbeit im Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen, in dem der IBFG in mitberatender Eigenschaft vertreten ist, und durch die Taetigkeit im Internationalen Arbeitsamt
ist wirksam an der Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiter
gearbeitet worden.
"Wir glafiben jedoch, dass dei totalitaeren Gefahr am besten begegnet werdet! kann, wenn wir unsere Forderungen nach sozialem
Fortschritt, besonders in den unterentwickelten Gebieten der :A'elt, verwirklichen," lautete die Feststellung Oldenbroeks. Der Exekutivausschuss billigte auf seiner letzten Konferenz im November einen
ausfuehrlichen Bericht ueber die wirtschaftliche Lage der Arbeiter
in diesen Laendern, der als Ausgangspunkt fuer Programme dienen
kann, unter denen Millionen Arbeiter im Kampf um Brot, Friede und
Freiheit vereinigt werden koennen."
Daily News Service
XII/8/50
DI5 HILFS gUSR JUGlPSLATTSN, CHINA UND ARGENTINIEN UND DER STANDPUNKT S S Q f t
'
Marschall Tito hat in Belgrad mitgeteilt, dass die Vereinigten
Staaten eine guenstige Haltung in der Frage djr Eilfsmassnahmen
fuer Jugoslawien einnehmen, dass sich durch die Duerre in diesem
Tahre einer Hungersnot gegenueber sieht. Tito sagt, dass die Amerikaner in den einleitenden Diskussionen an die zu leistende wirtschaftliche Eilfe keinerlei Bedingungen oder Forderungen geknuepft
haetten und "damit beweisen, dass Amerika gewillt ist, den notleidenden Voelkern durch die Tat zu helfen und ihre „orte keine leeren
^roDu-andaPhrasen sind". Er erinnerte daran, dass Amerika, als es
durch die UNNRA zum .Viederaufbau Jugoslawiens einen Beitrag von
i30 Millionen Dollar leistete, daran keine Bedingungen oder Einschraenkunfen geknuepft haette.
Gleichzeitig erklaerte Tito, dass Jugoslawiens Unabhaenrie-keit
noch immer durch die bewaffneten Streitkraefte der sowjetischen
Satellitenstaaten entlang seiner Grenze bedroht sei.
Im Einblick auf diese ins Auge gefasste wirtschaftliche Hilfe
durch Amerika, die das jugoslawische Volk in diesem V.'inter vor- einer
- 10 -

�Hungersnot bewahrt, ist es interessant, zu erfahren, welche Stellung der Exekutiv-Ausschuss der Americcn Föderation of Labor zu
dieser Frage einnimmt.
Sie verurteilt die "skrupellose imperialistische Politik dar
3owiet-Regierung, die ueberall versucht, von den kleinen T'ationon
besitz zu ergreifen und sie zu absorbieren, ihre nationale Unabhaen•i^keit zunichte zu machen und sie in das System der sowjetischen
Satelliten- und Sklavanstraten zu Dresden." Die AFL stellt weiter
fast, da^rs diese Bedrohungn30 akut geworden ist, dass sich ein
'Viderstand dagegen selbst im eigenen Lages des totalitaeren Kommunismus entwickelt hat."
Die Erklaerung des Exekutiv-Ausschusses der AFI faehrt fort:
"Die Rebellion Titos bedeutet eine ernste Gefahr fuer den russischen Imperialismus und sollte von allen freiheitsliebenden Voelkarn be^ruesst und ermutigt werden." Aber die AFL erklaert ausdruecklich, dass, "waehrend wir den V/iderstand Titos gegen Russlands Versuch, die Unabhaengigkeit Jugoslawiens zu zerstoeren, begruessen, wir keineswegs sein despotisches inneres Regime billigen
oder bestaetigen." Die AFL wirft dem Tito-Regime vor, dass es
die freie Gewerkschaftsbewegung und andere demokratische Rechte
der jugoslawischen Arbeiter unterdrueckt hat. Sie faehrt dann
fort: "Waehrend wir wirtschaftliche und andere Hilfe leisten, um
Rußlands Versuch, die nationale Unabhaengigkeit Jugoslawiens zu
zerstoeren, | durchkreuzen, duerfen wir jedoch nicht zoegern, Titos systematische Vernichtung der echten demokratischen Kraefte zu
verdammen."
Die Erklaerung scnliesst: "Die AFL verpflichtet sich, allest
was in ihrer Macht steht, zu tun, um nicht nur dem jugoslawischen'
Volke bei der Erhaltung seiner nationalen Unabhaengigkeit zu helfen"
und drueckt die Hoffnung aus, dass der Tag nicht mehr fern sei, an
dem Jugoslawien als eine wahrhaft demokratische Republik errichtet
wird."
Es erhebt 3ich die Frage: Wenn die amerikanische Arbeiterschaft
die wirtschaftliche Hilfe an Jugoslawien unterstuetzt, warum widersetzt sie sich dann einer derartigen Hilfe an des kommunistische
Ghina, oder an die Regierung Perons in Argentinien? Die Erklaerung
Ü9gt wohl darin, dass die Unabhaengigkeit Jugoslawiens bedroht ist,
waohrend die Chinas und Perons Argentinien es nicht ist. IJE -erentail, die AFL erklaert, dass China seine Unabhaengigkeit bereits
verloren hat und dass die chjiresischen Kreml-Lakaien durch Waffengewalt versuchen, die kommunistische Herrschaft auch ueber die
TCachbarnationen zu erstrecken.
Oder genauer gesagt, die AFL erhebt
die Klage, dass die Anhaenger rerons versuchen, die Kontrolle uebor
die Gewerkschaften aller lateinamerikanischen Statten zu gewinnen,
oder, fall3 ihnen des nicht gelingt, diese zu zerstoeren und Konkurrenzgewerkschaften zu gruenden.
"Unsere Regierungjwuerde im Interesse ihres Einflusses und
ihres Ansehens unter den demokratischen Kraeften der Welt klug
handeln, wenn sie diesen Verfechtern totalitaerer Dogmen und den
Vertretern eines totalitaeren Despotentums keine Freundschaft zeigen und ihnen keine Zugestaendnisse machen wuerde," heisst es weiter in der Erklaerung der AFL.
Sie weist jedoch darauf hin, dass &gt;ie zwischen dem diktatorischen Regime in Russland, 3einen Satelliten in China, Argentinien, Franco-Spanien, Jugoslawien und anderen Laendern mit totalitaBren Regierungen und den Voelkern selbst, denen diese Tyrannei
aufgezwungen ist, eine klare Linie zieht. Sie sichert erneut ihre
Freundschaft, Sympathie und Solidaritaet den VoeUfern dieser Laender
- 11 -

�zu, deren ueberwaeltigende Mehrheit sowohl den Kommunismus als
auch den Faschismus ablehnt, denen man jedoch das Recht verweigert,
fuer die Freiheit sich zu entscheiden.
Durch den Internationalen Bund Freier Gewerkschaften, der in
Kuerze regionale Organisationen in Asien, Afrika und Lateinamerika
errichten wird, wird die amerikanische Gewerkschaftsbewegung fortfahren, die demokratischen Gewerkschaften auf diesen Kontinenten
zu unterstuetzen.
News Section Talks Unit
10/31/50
VERBESSERUNGEN DER SOZIALVERSICHERUNG AMERIKAS GEFORDERT
Robert Ball vom bundesstaatlichen Buero fuer soziale Sicherheit wies darauf hin, dass selbst rfach den neuesten Verbesserungen der Sozialversicherungsgesetzgebung "noch viel getan werden
muesse," Die Sozialunterstuetzung muesse noch auf weitere grosse
Teile der Bevoelkerung ausgedehnt werden, die zur Zeit hiervon
noch ausgeschlossen sind. Auch Arbeitsunfaehige oder kranke Arbeiter muessten besser geschuetzt werden, zumal die Arbeitslosenversicherung unzureichend ist. Er forderte ein umfassendes freiwilliges oder obligatorisches Krankenversicherungsprogramm, um
die umfangreichen Kosten fuer Krankenbehandlung decken zu koennen.
Lane Kirkland von der Forschungsabteilung der AFL ging auf
Einzelheiten hierzu ein und erklaerte: "Nur eine obligatorische
Krankenversicherung waere eine Gewaehr dafuer, dass die Mindestnormen medizinischer Behandlung eingehalten werden koennen.
Murray Latimer, ein Sozialversicherungsexperte, erklaerte,
die juengsten Fortschritte der Gewerkschaften bewiesen, dass sich
die Unternehmer durchaus fuer die V/ohlfahrt der Familien ihrer
Arbeitnehmer verantwortlich fuehlen. Vor Inkrafttreten des Pensionsplanes haetten die Pensionierten von unzureichenden Unterstuetzungen aus der Sozialversicherung leben muessen, und Witwen
waeren oft gezwungen gewesen, zu arbeiten, um hierdurch die unzureichenden Hinterbliebenenrenten zu ergaenzen.
Kenneth Kramer von der Textilarbeitergewerkschaft des CIO
sagte, dass der CIO eint, fuehrende Stellung in dem wirtschaftlichen Ringen unser3r Zeit und des Kampfes um die Verbesserung des
allgemeinen Lebensstandards einnaehme und nicht nur die finanziellen Interessen seiner eigenen Mitglieder vertreten wuerde. Der
CIO hat Programme unterstuetzt, die die Unzulaenglichkeiten des
gegenwaertigen Sozialversicherungssystems beseitigen wuerden.
Er forderte Progranne zur Unterstuetzung Arbeitsunfähiger, eine
ausreichende Arbeitslosenunterstuetzung und eine bundesstt.atliche
Krankenversicherung. "Wir muessen fuer die Probleme der Kinder
und der Familien unserer Arbeiter Verstaendnis haben. '.Vir muessen
versuchen, hoehere Loehne, Vollbeschaeftigung, soziale Sicherheit
und Sozialunterstuetzung fuer alle Schichten unserer Bevoelkerung
durchzusetzen.M
Daily News Service
XII/6/50
AÜSSSTTPOLITISGr^

EAKI^EULTG

DES CIO ZUR VEREINIGUNG EUROPAS

Der CIO b e g r u . e s s t den S c h u m a n - P l a n a l s e i n M i t t e l z u r G t a e r k u n g
d e r E i n h e i t E u r o p a s , d e s s e n .Programm d i e Z u s a m m e n a r b e i t d e r S c h w e r i n d u s t r i e n d e s K o n t i n e n t s auf g e s a m t e u r o p a e i s c h e r B a s i s v o r s i e h t .
- 12 -

�Vir empfehlan den Vertretern des IBFG, dem Plan, dessen Entwicklung
sie mit Interesse verfolgt haben, weiterhin ihre Aufmerksamkeit
zu schenken. .Vir wiederholen, da3s der Erfolg des Planes davon
abhaengig ist, ob seine Einzelheiten in einer fuer die Gewerkschaften, die an den diesbezueglichen Konferenzen teilnehmen, befriedigenden Weise ausgearbeitet werden.
Wir sind der Auffassung, dass alle Maasnahmen, die auf eine
engere Zusarjnenarbeit Westeuropas gerichtet sind, von unserer Regierung mit allen Mitteln unterstuetzt werden muessen.
Zur Verwirklichung der wirtschaftlichen Vereinigung Europas
muss die Macht der Kartelle, die die Produktion einschraenken und
das wirtschaftliche Leben Europas beherrschen wollen, gebrochen
werden. Die Wirtschaft ist so zu organisieren, dass ein Maximum
an Produktion gewaehrleistet wird und den wirtschaftlichen Beduerfnissen der Menschen in genuegendem Masse entsprochen ist.
Wir fordern unsere Regierung auf, den Abschluss eines Friedensvertrages mit Y/estdeutsohlend zu beschleunigen. Der Wiederaufbau eines*vereinigten demokratischen Deutschlands ist durch Russland unmoeglich gemacht worden, weil es mit den drei westlic'
33satzungsmaechten nicht zusammenarbeiten will. Ein weitere,
warten waere gefaehrlich. Der Ausschluss des deutschen Volkes aus
der europaeischen Gemeinschaft und das Fehlen einer selbstaendigen
Regierung schwaechen unsere Freunde in Deutschland und drohen, die
militaristischen und nazistischen Ueberbleibsel in Deutschland zu
staerken.
Das deutsche Volk muss sich viel eifriger der Aufgabe widmen,
sein Land von frueheren nazistischen Einfluessen auf dem gesamten
Sozialgebiet zu befreien, wenn es in der Gemeinschaft freier Nationen ein vollberechtigtes Mitglied werden soll. Wir sprechen den
Gewerkschaften unsere Anerkennung fuer ihre Bemuehungen in dieser
Richtung aus und sichern ihnen in ihrem Kampf gegen den Kommunismus unsere uneingeschraenkte Unterstuetzung zu. Wir fordern sie
auf, ihre Anstrengungen zu verdoppeln, um die Zusammenarbeit deutscher Industrieller und Kartelle mit Sowjetrussland und seinen
Satelliten anzuprangern und zu bekaempfen. Wenn einige deutsche
Industrielle die Kommunistische Partei Deutschlands durch Reklame
in der kommunistischen Presse finanziell unterstuetzen, so ist
das ein Verrat am deutschen Volk. Diese Versuche, Sowjetrussland
durch Geldgeschenke an die kommunistische Partei, als Reklame getarnt, zu beschwichtigen, nehmen dem deutschen Volke die Hoffnung,
sich in die Weltgemeinschaft der freien Nationen einzureihen.
ECA Labor Information
SELBSTÄNDIGKEIT DER MARSHALL- PLAN-LAENDER IST GARANTIERT
William C. Gausmann, der ECA-Beauftragte fuer Arbeitsinformationen in Grossbritannien, versicherte vor kurzem den Gewerkschaftern Schottlands, dt-ss die Marshall-Plan-Politik keine Einmischung
in die grundlegende Wirtschaftspolitik der Regierungen darstelle,
und wies damit erneut die uebliche kommunistische Behauptung zurueck, die Laender, die Mittel der Marshall-Plan-Hilfe erhalten,
seien zu Werkzeugen der Wall Street geworden.
Er wies darauf hin, dass die demokratischen Regierungen, die
sich am 'Yiederaufbauprogramm beteiligen, in der Art und Weise, in
der sie ihre wirtschaftlichen Probleme zu loesen suchen, grosse
Unterschiede aufweisen. Einige von ihnen sind ihrem Wesen entspre- 13 -

�chend kapitalistisch, v*t»afcraa* andara sosifcllstiscfa &lt;*ind. Verantwortlich sind sii jedoch nur ihrer ".'a ahler^chaft ge.'enueber. T'ur
die Voelker selbst haben das Recht, ihre grundlegenden Regierungsprogramme zu formulieren, waehrend der Marshall-Plan dazu bestimmt
ist, ihnen in jeder Weise zu helfen, ihren Lebensstandard zu verbessern.
"In England sehen wir ein ausgezeichnetes Beispiel hierfuer,"
sagte Gausmann. "Der kommunistischen Propaganda zufolge waere
die vor kurzem erfolgte Nationalisierung der britischen Stahlindustrie unter den I'arshell-Plen niemals moeglich gewesen - weil
"Vall Street es nicht zugelassen haette - ... Die Vereinigten Staaten betrachteten diese Frage jedoch immer als eine Angelegenheit,
ueber die das englische Volk allein zu entscheiden hat."
Gausmann beschrieb in einzelnen die GescLichte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung und unterstrich die Tatsache, dass
Amerika, geographisch gesehen, ein Kontinent ist, der sich aus
sehr verschiedenen Wirtschaftsgebieten zusammensetzt, und dass
diese geographische Vielfalt noch durch die unterschiedliche kulturelle Tradition der amerikanischen Erwerbsbevoelkerung unterstrichen wird. "Die Folge hiervon war, dass sich" die organisatorische
Arbeit der Gewerkschaften aeusserst schwierig gestaltete. Sie
musste auf rein gewerkschaftlicher Basis und auf bezirklicher und
nicht staatlicher Ebene durchgefuehrt werden."
"Es dauerte lange, bis zumindest die Arbeiter Amerikas auf
Grund der wirtschaftlichen Krise das Vertrauen zum unkontrollierten Kapitalismus verloren. Dank der Gesetzgebung des New :&gt;*al
vor allem wurde die Schwerindustrie organisiert, die Bedeutung
der Sozialgesetzgebung anerkannt und die Gewerkschaften gewannen
nicht nur lokale, sondern darueber hinaus fuer ganz Amerika eine
umfassende Bedeutung."
"Die amerikanischen Gewerkschaften, die heute politisch aktiver als je zuvor sind, streben nicht nach der Kontrolle des Landes, sondern nach den Einfluss, durch den sie sich die Hilfe der
Regierung zur Erreichung ihrer zukuenftigen Ziele sichern koennen.
Diese bestehen in erroesserer Sozial- und Beschaeftigungssicherheit, hoeheren Reailoehnen und der Angleichung der niedrigeren
Loehne an die der besser bezahlenden Industrien. Ausserdem soll
dafuer gesorgt werden, dass.das Einkommen eines Arbeiters aus der
Zeit, in der er an besten verdient, nicht reduziert wird, wenn.,auf
Grund seines alters seine Verdienstfaehigkeit naQhlaesst. Ferner
sollen unsere Hilfsquellen zum Nutzen der gesamten Bevoelkerung
besser ausgebeutet werden."
Lab'our News from the ü. S. ,
American Smbassy, London
XII/11/50
'JCA-LEII^R

.

-V:D^RT

::CLi:ER.,r

LEBENSSTANDARD FUER EUROPA

Botschafter Tülton Katz, -der hoechste Amtstraeger der ECATÜssion in Sttrooa, ist der Tfeinung, dass ein hoeherer Lebensstandard der Arbeiter von ausschlaggebender Bedeutung fuer ein freies
Europa ist.
Katz ist der Auffassung, dass die Zukunft des freien Europa
davon abhaengt, ob die folgenden vier Ziele erreicht werden: gesteigerter Export, besonders nach den Dollargebieten; hoehere Investitionen fuer die eigene Ausruestung; ein besserer Lebensstandard
- 14 -

�fuer die ^rbeiter und genuegende Verteidi^ungsmassnahmen gegen
Aggressionen.
"In der heutigen 'Veit," so erklaerte Botschafter Katz vor kurzem vor dem Franzoesischen Parlamentsausschuss fuer Handel," sind
diese Notwendigkeiten nicht sofort und restlos zu erfuellen. .Vir
niuessen .iedoch danach streben, sie so zu erfuellen, dass sie ein
gewisses Gleichgewicht bilden, und um diese lebenswichtigen Erfordernisse in vernuenftigem Masse befriedigend und ein angemessenes
Gleichgewicht unter ihnen herstellen zu koennen, muss die Produktions
leistung erhoeht werden."
"Unter Produktivitaet," fuhr der Botschafter fort, "verstehe
ich eine bessere Kombination von Arbeitskraft, Geld, Maschinen,
Material und Zeit, um mit den gleichen Anstrengungen mehr Waren
als bisher zu produzieren und zu verteilen."
Im Jahre 1900 3ei die Produktionsleistung in Europa, gemessen
an der industriellen und landwirtschaftlichen Produktion pro Mann
und pro Arbeitsstunde, die gleiche gewesen wie in den Vereinigten
Staaten. Seitdem sei sie aus vielen begreiflichen Oruenden, vor
allem durch die destruktive Auswirkung zweier verheerender Kriege,
auf ein Drittel bezw. ein Viertel der Produktionsleistung der Vereinigten Staaten zurueckgegangen.
Heute belaeuft siel, die Gesamtproduktion Suropas auf etwa
135 Milliarden Dollar jaehrlich.. Wenn das freie Europa seine Produktion um ein Drittel des UnteT-'-chiedos zur Produktion der Vereinigten Staaten steirern koennte, so wuerde das eine zusaetzliche
Produktion von Guetern im ".'erte von 100 Milliarden Dollar jaehrlich
bedeuten, ein Ziel, das nach ansieht der ECA-Sechverstaandipen zu
erreichen ist und wesentlich dabei helfen wuerde, die genannten
vier Notwendiskeiten zu erfuellen.
Eine derartige Steigerung der Produktion zu erreichen, waere
solb3t fuer eine V.'elt, in der-alle guten Willens sind, eine r*ros-e
Aufgabe. Jedoch ist haute nicht die ganze Welt auf dan Wohl Europas bedacht. "Die ^oelker und Regierungen" Europas muessen ihre
Arbeit unter ruecksichtslosen und unablässigen Anfeindungen des
reaktionaeren Ko;:r,iunismus verrichten."
An die vielen Methoden erinnernd, durch die die Reaktionaere
in Moskau versucht haben, den Marshall-Plan und andere Wiederaufbaubemuehungen der freien Welt zum Scheitern zu bringen, wies Katz
auf den durch die kommunistische Invasion in Suedkorea eingetretene
Wende in der kommunistischen Politik hin.
"Zum erstenmal," sagte er, "ging die kommunistische Aggression
ueber politische und Guerillaatttcken hinaus und brach eine regelrechte, aggressive Offensive ueber eine politische Grenze hinaus
vom Zaun."
"Bis jetzt waren die im Marshall-Plan vereinten freien Nationen im Kamof gegen Hunger, Verzweiflung, Chaos und Furcht in Europa siegreich," fuhr Katz fort. "Europa hat seine Produktion, seinen
Handel und seine WaehrungsSysteme wieder aufgebaut. Die Inflation
wurde im allgemeinen ueberwunden, es herrscht ein hoher Beschaeftigungsstand, und der Kommunismus verlor fast alle politischen Wahlen und auch seine Herrschaft ueber die Gewerkschaften. Das freie
Europa hat staendig seinen Gemeinschaftssinn unter Beweis gestellt
und die Hoffnung und den Willen wiedererlangt, einer Zukunft entgegenzugehen, die man zwer noch nicht genau uebersehen, an die man
jedoch glauben kann."
- 15 -

�"Bis zu den Vorfaellen in Korea waren die Ziele und der "Vorlauf des Wiederaufbauprogramms durch die Verhaeltnisse gerechtfertigt. Die Grund prob lerne wurden erkannt und In Angriff genommen; unter den euroDaeischen Arbeitern, besonders in Frankreicii und
Italien, herrschte grosse Unzufriedenheit, und es wurden wirksame
Massnahmen ergriffen, um diesem Uebelstand. abzuhelfen.
Angesichts der Ereignisse in Korea haette sich dieses Programm
iedoch als unzureichend und zu langsam erwiesen, aber die zukuenftigen Aufgaben sind durcn den letzten Schlag der Sowjets klarer
zutage getreten.
"In der kommenden Zeit," so versicherte Katz, "muessen wir gemeinsam die militaerische Staerke und die politische Macht des
freien Europas wiederherstellen. Wir muessen gemeinsam Mittel und
Wege finden, um Deutschland zu einem verlaesslichen und geachteten
Mitglied der freien europaeischen Gemeinschaft zu .gewinnen."
"Die Bedingungen muessen geschaffen werden, unter denen die
benachteiligten Arbeiter Frankreichs und Italiens den Glauben an
die Gemeinschaft, zu der sie gehoeren, wiedererlangen und ihre Gewerkschaften von der Umklammerung des Kommunismus befreien koennen."
Katz schloss mit den Worten: "Das freie Europa muss die Vision
der Zukunft im Auge behalten, und seine Bestrebungen darauf ausrichten, einen Frieden in Gerechtigkeit und Freiheit zu schaffen
und dem Einzelnen die Moeglichkeit geben, vorwaertszukoramen. Der
Schluessel zu diesen Dingen ist die Sicherheit des Arbeitsplatzes
und ein angemessener Lebensstandard."
EGA Labor Information
12/13/50
ILGWU WUENSCHT ivnSUSS INVAIIDENSCHUTZGESETZ .
Die Internationale Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft
(ILGWU-AFL) hat vorgeschlagen, das gegenwaertig gueltige Gesetz fflr
Invalidenunterstuetzung abzuschaffen und es durch ein "gesundes
und angemessenes Gesetz" zu ersetzen.
James Lipsig, der stellvertretende Exekutivsekretaer der
ILGWU, erklaerte vor einem gemeinsamen legislativen Ausschuss fuor
Arbeitsfragen in New York, dass dieses Gesetz den Grundprinzipien
einer gesunden Sozialversicherung widerspricht. Er zeigte an Hand
der Ergebnisse einer Untersuchung, dass letzlich die ürbeiter die
Kosten fuer die Invalidenversicherung zu tragen haben, und schlug
vor, sofort eine Neufassung des Gesetzes herauszugeben, die eine
Finanzierung der Versicherung durch die Unternehmer vorsieht. Er
berichtete, dass 220,000 Mitglieder der Damenoberbekleidungsarbeitergewerkschaft nur von der Invalidenunterstuetzung leben muessen, wenn
nicht der Gesundheits- und Wohlfahrtsfonds ihrer eigenen Gewerkschaften einen Zuschuss gibt.
Die Methode, die Unterstuetzungen aufgrund des durchschnittlichen Wochenverdienstes einer 40-Stunden-Woche zu erreichnen, sei
aausserst ungerecht und muesse abgeschafft werden. Er befuerwortete
die Verfahren und Methoden des Arbeitslosenversicherungsgesetzes.
Daily News Service
12/5/50
- 16 (27-12-50) 2222 5 • 1 C

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die foigeadea Artikel «teilen Auszug« aaa der aaterikaalecliea Preeae aad aaderaa Qaellea dar aad dienen
der laiaraiatioa deatacher Sedakteur*, der Gewerkschaften, Gewerkschaftsschulen aad deren Mitglieder.
•OB dieeem Material kenn aaelagoeekrlakt Gebrauch gemacht werden.
Weitere Exemplare können koatealoe bei
Office ei Labor Affair»
HICOG, APO 757, Frankfurt
aagelordert werden. Aal Wunsch werden dioae auch eiatelaea Iatereeeeotoa direkt durch die Poet angeleitet.
Dar Inhalt dar „Arbeitamltteiluugea" lat aiebt ala offitielle Meinung oder Stellungnahme der amerikaniachen
MlUtafioglomag, noch irgendeiner Dienststelle der Regiemag der Vereinigten Staaten aafaafaeeea.

II - 43-44

Frankfurt, 6. Januar I950

INHALTSVERZEICHNIS
Kommunisten I t a l i e n s fuer den Marshall Plan
Feuerfestes Haus fuer achttausend Dollar

2

—

. . .

Index der Iebenshaltungskosten in den U.S. revidiert

- -

3
4

Bessere Aussichten fuer die berufstaetige Frau in Amerika 5
Britische Metallarbeiter berichten ueber amerikanische
Produktionsleistung . . . . . .

. . . . . . . . . . .

6

100.000 Dollar fuer Gewerkschaftschule der IIGWÜ . . . .

18

CIO Resolution zur Gemeinschaft Bauer-Arbeiter

18

Arbeit durch Marshall Plan . . .

—

— . . . .

. . .

IQ

�KOMMUNISTEN ITALIENS FUER TEN MARSHALL PLAN.
Der Gewinn, den die Marshall Plan Hilfe I t a l i e n b r i n g t , l i e g t fuer jeden
so klar auf der Hand, dass selbst die Kommunisten ihre Bemuehungen abgedaempft
haben, die darauf z i e l t e n , dieses Programm i n Misskredit zu bringen»
Die neue und ermutigende Tendenz kam i n dem freundlichen Empfang zum
Ausdruck, der dem Leiter der ECA Sondermission i n I t a l i e n , Mr. James D. Zellerbach , waehrend einer Besichtigungsreise durch die Region Emilia b e r e i t e t
wurde. Dieses Gebiet i s t a l s eine der staerksten komministisehen Hochburgen
des Landes bekannt. In vielen Sektoren sind 8O5S der gesamten Bevoelkerung
Kommunisten.
Im Verlaufe seiner 3-taegigen Reise wurde Mr. Zellerbach von fuenf kommunistischen Bu erger meistern und einem kommuni s t i sehen Hilf sbu er germe i s t e r willkommen geheissen. Vier der Buergermeister sprachen oeffentlich zugunsten des Mars h a l l Planes. Viele kommunistische Fuehrer nahmen zusammen mit der ECA Gruppe
an Essen t e i l , bei denen ausser Mr. Zellerbach auch Andrew H. Berding, Chef der
Informationsabteilung, und Thomas A. Lane, Leiter der Abteilung fuer Arbeit, zugegen waren.
I n Bologna, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und der Region Emilia,
h i e l t Buergermeister Dozzi , ein prominenter Kommunist, der i n Moskau geschult
wurde, eine Rede, i n der er sagtet "Sie brauchen nur die hiesige ERP Ausstellung
zu besuchen, und Sie werden konkrete Beweise fuer die unleugbaren Gewinne haben,
die I t a l i e n dem Marshall Hilfsprogramm zu verdanken hat.*
Buergermeister Dozzi hat kuerzlich Raeume im Stadtzentrum zur Verfuegung
g e s t e l l t , i n denen die Marshall Plan Ausstellung kostenlos untergebracht werden
kann.
Die Ergebnisse seiner Reise zusammenfassend e r k l a e r t e Mr. Zellerbach i n San
Franzisko, Kalifornien, am 30. November 1 "Man kann dieses Phaenomen, das heute
Gegenstand so v i e l e r Kommentare i n I t a l i e n i s t , i n verschiedener Weise erklaeren;
die einfachste und treffendste Darstellung i s t jedoch durch die Tatsache gegeben, dass die kommunistischen Fuehrer sich nicht laenger den sichtbaren Tatsachen
verschliessen und zugeben, dass durch den Marshall Plan I t a l i e n geholfen wird.
"Es i s t noch nicht so v i e l e Monate h e r , dass die Kommunisten Tag und Nacht
die Trommeln schlugen, um die Bevoelkerung auf ihre Beschuldigungen aufmerksam
zu machen, dass der Marshall Plan den Ruin I t a l i e n s bedeuten wuerde. Da die
Gefolgsleute der Kommunisten j e t z t offenkundige Beweise fuer die durch den Mars h a l l Plan bewirkten Verbesserungen i n ganz I t a l i e n vor Augen haben, laufen ihre
Fuehrer Gefahr, ihre Anhaengerschaft zu v e r l i e r e n , wenn sie auch weiterhin das,
was augenscheinlich i s t , leugnen."
•

Waehrend Zellerbach seine guten Erfahrungen a l s weiteren Beweis fuer den
Krebsgang des Kommunismus i n ganz Europa begruesste, warnte er seine Zuhoererschaft davor zu glauben, dass der Kampf gegen den Kommuni smus gewonnen s e i . Er
erklaerte t
"Noch tobt der Kampf, noch sind die Schlachtlinien gezogen, und die kommunistischen Fuehrer, die die Befehle Moskaus befolgen, sind immer noch Agenten der
russischen P o l i t i k . Gerade j e t z t i s t nicht der Augenblick, i n unserer Wachsamk e i t nachzulassen oder unsere Anstrengungen zu verringern« 1 *
ECA Labor Information
15. Dezember 1949

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�FEUERNESTES HJUS FUER ACHTTAUSEND DOLLAR.
(Von Dan Smyth, Korrespondent des AFL NEWS SERVICE i n Chikago).
Der Gewerkschaftsrat der Bauarbeitergewerkschaften i n Chikago s e t z t sich
fuer e i n Gesetz ein« nach dessen Bestimmungen nur Baumaterialien verwendet
werden s o l l e n , d i e bei Ausbruch e i n e s Brandes dem Feuer solange widerstehon,
b i s die Bewohner i h r e Wohnung v e r l a s s e n und d i e Feuerwehrleute e i n g r e i f e n
koennen.
Ein vorgeschlagenes neues Gesetz, das nun dem Stadtrat v o r l i e g t , wuerde
die Verwendung e i n e s PflanzenfaserProduktes g e s t a t t e n , das sich schon bei dem
Brand des H o s p i t a l s i n Effingham, 1 1 1 . , a l s a e u s s e r s t g e f a e h r l i c h erwiesen
h a t . Dieser Katastrophe im April d i e s e s Jahres f i e l e n 74 Menschenleben zum
Opfer. Die National Fire Protection A s s o c i a t i o n (Nationale Feuerschutz G e s e l l schaft) s c h r e i b t das Feuer i n dem B o t e l "LaSalle", bei dem e b e n f a l l s sehr v i e l e
Menschen umkamen, zum grossen T e i l derselben Ursache z u .
Die Bauarbeitergewerkschaften der AFL bauen zusammen mit der National
A s s o c i a t i o n of Real Estate Boards (Nationaler Verband der Grundstuecksmakler)
i n Chikago zu demonstrativen Zwecken e i n Haus, um zu beweisen, dass die Wohnungen, die s i c h die arbeitende Bevoelkerung l e i s t e n kann, auch sicher s e i n
koennen.
Byron Dalton, der Geschaeftsfuehrer der Stuckarbeitergewerkschaft i n Chikago, v e r t r i t t die I n t e r e s s e n der Baugewerbe bei diesem Projekt. Er kaempft
gegen eine Lockerung i n den s t a e d t i s c h e n Bauvorschriften an, durch die eine
w e i t e r e Verwendung von E r s a t z s t o f f e n fuer Gips i n der Decken- und Wandkonstruiction erlaubt wuerde.
Dieses Haus s o l l keine Antwort auf die Atombombe s e i n , sagte Dalton, aber
e s wird gegen Feuer oder Explosion widerstandsfaehiger a l s irgendein anderes
s e i n . £ s gibt h i e r keine losen oder hervorstehenden Verzierungen, d i e im
F a l l e e i n e r Explosion zu Wurfgeschossen werden koennten.
"Und Sie koennten e s s e l b s t mit einem Flammenwerfer n i c h t i n Brand
stecken*, sagte Dalton.
Das Haue s o l l 8,000 Dollar k o s t e n . Nach Beendigung der Vorfuehrung wird
e s v e r s t e i g e r t werden, und der E r l o e s f l i e s s t dem Chikago Community Fund, einer
WohltaetigkeitsrOrganisation, z u . Die Grundstuecksmakler werden fuer das Grundstueck und eine Garantie p o l i c e sorgen; d i e Gewerkschaften s t e l l e n Arbeitskraefte
und Material zur Verfuegung.
Das Baugrundstueck wird 121, Fuss lang und 45 Fuss b r e i t s e i n . Das Haus
hat 5 Schlafzimmer und wird aus Zementbioecken gebaut. Der Rissboden i s t aus
Beton. Die Aussenwaende und das Dach werden mit einer Portland Zement-PerlitGips Mischung unter Anwendung e i n e r Maschine, einer Moertelpumpe, v e r p u t z t .
Diese Maschine besteht aus einem grossen T r i c h t e r , der auf v i e r kleinen
Raedern s t e h t , daran e i n 3-Z0II Schlauch, durch den d i e Mischung aus Zement und
Gips g e t r i e b e n wird. Sie i s t b e r e i t s bei einem s t a a t l i c h e n Wohnungsbauprojekt
i n Chikago zur Anwendung gekommen, wird jedoch im Kleinwohnungsbau nun zum
erstenmal e i n g e s e t z t .
Die Maschine a r b e i t e t s c h n e l l e r und b i l l i g e r a l s die a l t e Methode des Verputzens mit der Maurerkelle. Waehrend e i n Arbeiter die Mischung mit dem Schlauch
an die Wand s p r i t z t , g l a e t t e t e i n anderer mit einem B r e t t nach. Ausserdem i s t
d i e s e s Verfahren weit sauberer a l s die frueheren, denn der grosse Mischer kann
ausserhalb des Hauses b l e i b e n , waehrend der Moertel durch den Schlauch i n die
Raeume gebracht wird.
AFL Weekly News Service
8 . November 1949

-3 -

�INDEX. DER LEBENSHALTUNGSKOSTEN IN DEN U . S . REVIDIERT.
Die Regierung begann eine schon lange f a e l l i g e Revision i h r e s Index fuer
Lebenshaltungskosten. Nach dein bestehenden Index wurden die Schwierigkeiten
der Arbeiter staendig unterscriaetzt, die s i e h a t t e n , um mit ihrem Lohn ihre
Beduerf n i e s e decken zu koennen.
AFL Funktionaere begruessten d i e s e Aktion und ersuchten die Gewerkschaft e r , ihre Kongressteilnehmer daran zu erinnern, dass zur Vollendung des d r e i jaehrigen 4 Millionen Dollar Projektes noch weitere Geldmittel b e w i l l i g t werden
muessten. In der e r s t e n Sitzung des 8 1 . Kongresses wurden nur 1.126.000
Dollar fuer die Arbeiten des e r s t e n Jahres zur Verfuegung g e s t e l l t .
• S e i t langer Z e i t fordern wir diese R e v i s i o n , " sagte George Brooks. Mr.
Brooks i s t Direktor der Forschun^sabteilung i n der Gewerkschaft der Papiermuehlenarbeiter unc Vorsitzender des Beratungsausschusees der AtL im S t a t i s t i schen Amt des Arbeitsministeriutns«
•Die R e v i s i o n h a e t t e schon lange durchgefuehrt werden s o l l e n , " sagte er«
"Der Index hat bestaendig die Lebenshaltungskosten der Arbeiter a l s v i e l zu
n i e d r i g angegeben, denn der f e s t g e s e t z t e Mietbetrag war bei weitem nicht ausreichend."
Ein anderer AFL Funktionaer meinte, dass der Wechsel "auf die j e t z i g e ,
r e l a t i v groeesere Bedeutung des F l e i s c h e s gegenueber der Kartoffel" zurueckzufuehren s e i . Darin s p i e g e l e s i c h die Umwandlung i n den hoeheren Lebensstandard
wider, die s i c h s e i t der Depression von 1935* a l s d e r j e t z i g e Index a u f g e s t e l l t
wurde, v o l l z o g e n h a t .
Der Finanzsekretaer der AFL, George Meany, fuehrte waehrend des Krieges
einen schweren Kampf, um den Lebenshaltungskosten-Index so r e v i d i e r e n zu koennen, dass er hoehere P r e i s e , niedrigere Qualitaeten und den Mangel an Waren
w i d e r s p i e g e l t e . Es gelang damals, e i n i g e Zugestaendnisse h i n s i c h t l i c h der Verschlechterung der Qualitaet zu bekommen, aber die Regierung weigerte s i c h ,
grundlegende Probleme zur Berichtigung e i n e s fuer den Arbeiter unguenstigen
Index i n Angriff zu nehmen.
Man erwartet von dieser R e v i s i o n , dass e i n wahrheitsgetreueres Bild e n t stehen wird. Die fuer den Arbeiter unguenstige Lage wird jedoch nicht ganz bes e i t i g t werden koennen, w e i l mit Beginn der neuen Erhebung die Preise im sinken
b e g r i f f e n waren.
Der Index i s t e i n e monatliche Zusammenstellung der P r e i s e von mehr a l s
1.500 Verbrauchsguetern oder D i e n s t l e i s t u n g e n , die von Familien i n der Stadt
mit Durchschnittseinkommen (3.000 Dollar j a e h r l i o h ) gekauft worden s i n d . Preise
fuer Lebensmittel, Bekleidung, M i e t e , Hausrat, T r e i b s t o f f , E l e k t r i z i t a e t und
Gas, sowie fuer verschiedene andere Waren und D i e n s t l e i s t u n g e n sind darin enthalten.
Iwan Clague, der Beauftragte des S t a t i s t i s c h e n Amtes im U . S . Arbeitsministerium, e r k l a e r t e , dass der Index erneuert werden muesste, um auch den Haushaltsausgaben fuer gefrorene Nahrungsmittel, Fernsehgeraete, e l e k t r i s c h e Kuehlschraenke und Gefluegel Rechnung tragen zu koennen.
Er kuendigte a n , dass die Erhebung 34 Staedte umfassen werde und b i s zum
] | . November i n 11 von ihnen mit den Untersuchungen begonnen werden s o l l . Angaben ueber etwa 500,000 Wohnungen, ueber Ausgaben i n mehr a l s 20.000 Familien
und ueber P r e i s e i n Tausenden von Laeden des Einzelhandels und D i e n s t l e i s t u n g s betrieben s o l l e » gemacht werden.
Der neue Index s o l l im Jahre 1952

zum

- k -

Gebrauch f e r t i g s e i n .

�Mr. Brooks e r k l a e r t e , dass e s der AFL vor allem daran gelegen s e i , den
Mietkoraponenten b e r i c h t i g t zu sehen. Er s a g t e , dass dieser s i c h sehr nachteil i g fuer die Arbeiter auswirke, da die ungeheuer grosse Zahl der Wohnungen,
die s e i t dem Kriege neu gebaut wurden, nicht b e r u e c k s i c h t i g t s e i . Ebenso
z e i g e er nicht die hoeheren Kosten fuer Eigentuemer a l t e r oder auch neuer
liaeuser. Er z i e h t ferner n i c h t d i e steigende Anzahl von Arbeiterfamilien i n
Betracht, die e i n e i g e n e s Haus b e s i t z e n , und d i e oftmals zum Ankauf e i n e s
Hauses gezwungen gewesen s i n d , w e i l z u f r i e d e n s t e l l e n d e Mietswohnungen nicht
vorhanden waren.
Inzwischen s t e i g t der Lebenshaltungskosten-Index an. Er ging um £/6 im
September i n d i e Hoehe und i s t nun 27JC hoeher a l s im Juni 194&amp;. a l s die i T e i s kontrollen aufgehoben wurden, und 72% hoeher a l s im August 1939« Ki n Jaor
zuvor l a g er nur um 35g t i e f e r .
AFL Weekly News Service
8« November 1949

BESSERE AJSSICnTEN FJER DIE BERUFSTAETIGE IRAU IN AMERIKA.
WASHINGTON — (Amerika Dienst) — Die Frauen erobern sich immer mehr Ber u f e , wie aus verschiedenen Veroeffentlichungen der Frauenabteilung im ü . S . Ar beitsminieterium hervorgeht. Waehrend den Frauen vor hundert Jahren m r
sieben Berufe offenstanden, a r b e i t e n s i e heute b e r e i t s i n rund 440 v e r s c h i e denen Berufsgruppen S e i t e an S e i t e mit ihren maennlichen Kollegen»
Die bestbezahlten l o s t e n finden Frauen nach den juengsten Schaetzun^en
i n g e i s t i g e n Berufen, a l s selbstaendige Unternehmer und a l s l e i t e n d e Anges t e l l t e oder Beamte. I n d i e s e n Berufen sind heute ungefaehr 2 Millionen
Frauen t a e t i g .
S e i t 1940 haben etwa eine halbe M i l l i o n Hausangestellte i h r e Stellungen
aufgegeben, um s i c h besser bezahlte Arbeit zu suchen. Insgesamt gibt e s i n
den Vereinigten Staaten gegenwaertig rund 17.5 Millionen b e r u f s t a e t i g e Frauen,
das sind 30%.aller Frwerbstaetigen und 3US der weiblichen Bevoelkerung der
U.S.A. ueber 14 Jahren. Unter den Arbeiterinnen befinden s i c h w e i t meU v e r h e i r a t e t e a l s l e d i g e Frauen.
Nach den bisherigen'Erfolgen der b e r u f s t a e t i g e n Frau zu u r t e i l e n und i n
Anbetracht der Tatsache, dass die Faehigkeiten der Frau i n den U.S.A. wie nie
zuvor anerkannt werden, i s t anzunehmen, dass s i e noch erhebliche F o r t s c h r i t t e
auf diesem Gebiet machen w i r d . Vor allem wird die Frau i n weit staerkerem
Masse a l s bisher auch i n q u a l i f i z i e r t e Berufe eindringen. I n v i e l e n Berufsgruppen halen s i e e r s t einen k l e i n e n Vorstoss gemacht und werden zahlenmaessig
noch weit von den Maennern u e b e r t r o f f e n . Einige g e i s t i g e und h o c h q u a l i f i z i e r t e
technische Berufe sind den Frauen nach wie vor so gut wie v e r s c h l o s s e n . Wie
die L e i t e r i n der Frauenabteilung im Arbeitsamt b e t o n t , muss auf dem Gebiet
der Erziehung und Ausbildung von Frauen zu g e l e r n t e n Fachkraeften und fuer
g e i s t i g e Berufe noch v i e l getan werden.
Die hoechsten S p i t z e n p o s i t i o n e n locken d i e Frauen zu weiterem Vordringen.
Allerdings erfordern d i e s e S t e l l u n g e n mehr Vorbildung, a l s die Frauen im a l l gemeinen erwerben koennen. Aber die Zahl derjenigen Frauen, d i e d i e s e Moegl i c h k e i t e n erkennen, wird zwangslaeufig entsprechend den mit d i e s e n Posten
verbundenen hohen Gehaeltern und Ehren wachsen.

�BRITISCHE METALLARBEITER BERICHTEN UEBER AMERIKANISCHE PRODUKTIOKSiailSTONSEK.
Im Maerz und April 1949 besuchte eine Gruppe britischer Metallarbeiter, Techniker und Industrieller die Vereinigten Staaten um die
Produktionsmethoden der amerikanischen Stahlerzeugung zu studieren«
Die Arbeitervertreter waren von den Gewerkschaften ernannt worden«
Der ausfuehrliche und gut fundierte Bericht dieser Gruppe, die sich
•Productivity Team" nannte, sind nicht nur von allgemeinem Interesse,
sondern besonders wertvoll weil es sich um den ersten Studienbesuch
dieser Art handelte. Hier folgen die Schlussfolgerungen des *Team"t
0

Es muss vorausgeschickt werden, dass die Ursachen der hohen Produktionsl e i s t u n g i n den Vereinigten Staaten e i n e r s e i t s psychologischer oder verwaltungstechnischer Art sind, und dass sie a n d e r e r s e i t s i n der Anwendung besonderer
Produktionsmethoden zu suchen s i n d .
Das Team war von dem weitverbreiteten Produktiv!taetsbewusstsein besonders
beeindruckt. Es i s t mehr a l s nur Produkt!onsbewusstsein» Es s c h e i n t , dass man
i n Amerika weit groesseren Wert auf Produktionsleistung l e g t - d . h . die Leistung
des Einzelnen steht im Vordergrund, waehrend die Gesamtproduktion des Betriebes
logischerweise a l s Ergebnis der Leistungen der Arbeiter gewertet wird« Dieses
Produktivitaetsbewusstsein i s t bei a l l e n Arbeitnehmern, ob Geschaeftsfuehrer
oder einfacher A r b e i t e r , vorzufinden.
Es i s t allgemein anerkannt, dass hohe Produktionsleistung der gesamten Belegschaft zugute kommt« Fuer a l l e Arbeitnehmer gibt es anspornende Momente,
und in Geldform sind sie aus zwei Gruenden besonders wirksam» die Besteuerung
i s t nicht so hoch, dass die Bezahlung fuer die groessere Leistung dadurch ganz
oder f a s t ganz aufgehoben wuerds, und zweitens sind genuegend Waren vorhanden,
um die Extraloehne umsetzen zu koennen.
Nicht nur der hohe Lebensstandard und das Bestreben der Hausfrauen, den
Lebensstandard i h r e r Familie zu verbessern, wirken a l s Ansporn fuer den Arbeiter,
sondern auch eine gewisse Furcht« Da es nicht so umfangreiche Arbeitslosenunterstuetzung wie bei uns i n England g i b t , kann eine A r b e i t s l o s i g k e i t schliume
Folgen fuer den Lohnempfaenger haben. Eine besser bezahlte Beschaeftigung i s t
a l s o gewissem»ssen auch eine Versicherung gegen A r b e i t s l o s i g k e i t ! und hohe
Produktionsleistung i s t der goldene Weg, der zu hohen Loehnen f u e h r t .
Das Wettbewerbssystem i s t i n der gesamten I n d u s t r i e Amerikas vorherrschend«
Stahlgieseereien muessen nicht nur mit Schweissereien und Gesenkschmieden konk u r r i e r e n , sondern auch mit Fabriken, die keinen Stahl verarbeiten« Innerhalb
e i n e r geographischen Gruppe von Stahlgiessereien herrscht eine besonders starke
Konkurrenz um den Absatz i n ihrem Bezirk« Bei einer Verschlechterung der Wirtschaftslage f a l l e n die Preise gewoehnlich, und die Unzulaenglichkeit v i e l e r
Preissysteme l a e s s t vermuten, dass Preissenkung l e i c h t zum halsabschneiderisehen
Wettbewerb werden kann, der weder der Industrie noch ihren Abnehmern Gewinn
bringt.
Unter den Vorarbeitern und sonstigen Arbeitsvorgesetzten h e r r s c h t ebenfalls
e i n schwerer Konkurrenzkampf, denn diese Stellungen sind die sichersten und b e s t bezahlten. Jedermann kann Vorgesetzter werden, sofern er d i e erforderlichen
Paehigkeiten und die noetige Energie besitzt« Deshalb gibt es v i e l e , die danach
streben, diejenigen abzuloesen, die sich a l s unfaehig erwiesen haben*
Diese Konkurrenz i s t a l s Bestandteil des amerikanischen Lebens bezeichnet
worden« Sie s o l l zu niedrigeren Preisen und hoeherer Produktionsleistung fuehren
und wird deshalb von a l l e n Amerikanern bewusst u n t e r s t u e t z t j man nimmt a l l e ihre
Folgeerscheinungen a l s etwas Selbstverstaeridlidies h i n . Selten widersetzt man
sich dem allgemeinen Kurty der Produktionsleistungssteigerung, s e l b s t wenn der
Wettbewerb durch ihn i n t e n s i v i e r t wird,
- 6 -

�Diese Einstellung bringt eine gewisse R ü c k s i c h t s l o s i g k e i t i n der Produkt i o n mit sich. Betriebsleitung und Geschaeftsfuehrung folgen klar vorgezeichneten R i c h t l i n i e n , i n denen festgelegt i s t , was produziert wird, welche Qualit a e t und welche Arbeitsmethoden gewaehlt werden, wie und was genormt wird, und
sogar wie d i e Beziehungen zu den Arbeitnehmern zu g e s t a l t e n sind. Alle ihre
Bemuehungen sind auf das gemeinsame Ziel a u s g e r i c h t e t , und jeglicher Aufwand an
Kraft, die diesem Zwecke nicht d i e n t , wird a l s ueberfluessig betrachtet und
unterbunden. Waehrend sich der eine Unternehmer e n t s c h l i e s s t , nur genormte
Massenartikel fuer einen bestimmten Absatzmarkt h e r z u s t e l l e n , und zu diesem
Zwecke eine Giesserei aufbaut, i n der Arbeiter mit wenig Fachkenntnissen beschaeftigt werden koennen, kann sich ein anderer zum Beispiel auf Gussverfahren
verlegen, die besonders schwierig sind und einen hohen Grad an verstaendnisvoller Zusammenarbeit zwischen Vorgesetzten und Arbeitern erfordern. Der eine
wird hochqualifiziertes Verkaufspersonal haben, waehrend es fuer den anderen
nur darauf ankommt, einige Abnehmer zu finden, die mit seiner Ware zufrieden
sind und sich auf diese eine Bezugsquelle verlassen. Jeder i s t von dem B e s t r e ben b e s e e l t , sein Geschaeft so zu fuehren, dass seine Waren moeglichst b i l l i g
h e r g e s t e l l t und verkauft werden koennen.
Wenn man den psychologischen Faktor kennt, der im amerikanischen I^ben mits p i e l t , dann versteht man auch, warum in einer Zeit des Geschaeftsrueckganges Amerika befand sich in einer solchen S i t u a t i o n , a l s das Team sich dort aufh i e l t - das Arbeitstempo trotzdem nicht nachlaesst. Im Gegenteil, i n solchen
Zeiten scheint die Konkurrenzfreudigkeit neu aufzuleben.
Die P r o d u k t i v i t a e t , a l s Stundenarbeitsleistung pro Mann und pro Tonne gesehen, l i e g t in den Vereinigten Staate*n zweifellos hoeher a l s i n England und
zwar um 50 - 905?. Das Team i s t der Ansicht, dass die oben zum Ausdruck gebrachten Momente eine treibende Kraft d a r s t e l l e n , die die S t a h l a r b e i t e r Amerikas zu
staendig hoeherer Produktionsleistung anspornen muss. Zusammengefasst h e i s s t
dasi unter dem Zwange des ausgepraegten Konkurrenzgeistes, ohne den man sich das
moderne Amerika nicht v o r s t e l l e n kann, s t r e b t man bewusst nach hoeherer Produkt i o n s l e i s t u n g , und die Arbeiter der amerikanischen Stahlindustrie werden zu hoeher e r A r b e i t s l e i s t u n g angespornt.
Es s o l l nicht behauptet werden, dass dies die einzigen Kraefte sind, die den
Arbeiter zu groesseren Angstrengungen veranlassen. Auch Furcht und Selbstin'teresse haben sich immer a l s maechtige Triebkraefte erwiesen, die unmittelbar auf
das menschliche Wesen wirken koennen, und es gehoert nicht zu den Leltsaetzen
des Team, diese durch Gegenvorschlaege ersetzen zu wollen.
Unter welchen Bedingungen diese psychologischen Kraefte im allgemeinen zur
Geltung kommen koennen, s o l l nun einzeln angefuehrt werden.
Die physische Grundlage hoher Produktionsleistung besteht in der Anwendung
von Maschinen. Bei der Gruppierung der Fabriken müssen SparsamkeitsErundsaetze
in Betracht gezogen und die Maschinen und bedienenden Arbeiter raeumlich so e i n g e t e i l t werden, dass der Arbeitsvorgang vereinfacht wird, d i e Arbeiter sich
moeglichst wenig von ihrem Arbeitsplatz entfernen und der Bedarf an Arbeitakraeften, die nicht d i r e k t i n den Produktionsprozess eingeschaltet sind, weitgehendst reduziert wird. Die Reihenfertigung v i e l e r Waren bedingt eine Gruppierung des Produktionsvorganges, die den jieibungslosen Ablauf des Arbeitsvorgangs
foerdert; man kann das auch mit guten Raushaitsfuehrungsmethoden vergleichen.
Der hohe Produktivitaetsstand kann nur aufrechterhalten werden, wenn soviel
Gueter produziert werden, dass der Aufwand an Maschinen damit g e r e c h t f e r t i g t i s t .
•Ohne grossen Produktionsumsatz i s t hohe Produktivitaet unmoeglich.«
Fuer diesen Umsatz i s t durch den amerikanischen Absatzmarkt Sorge getragen,
der sich mit der amerikanischen konkurrenzbejahenden und durch die Massenproduktion bedingten Mentalitaet entwickelt hat und durch s i e geformt wurde. Bezeichnend fuer den amerikanischen Absatzmarkt i s t das Vorhandensein vereinheitl i c h t e r Produkte, s e l b s t wenn sie Teile verschiedener Fertigwaren sind. Sobald

7

�sich die Verbraucher an die Gueter der Massenproduktion gewoehnt haben, kommt
die I n d u s t r i e in die Lage, auch kleinere Mengen zu niedrigen Preisen herzustell e n , obwohl die Produktionsleistung i n solchen Faellen erheblich geringer i s t .
Die Anwendung von Maschinen Laesst von vornherein auch auf groessere Anwendung mechanischer Energie schliessen. Bin grosser T e i l der mit der Hand
a u s g e f ü h r t e n Arbeiten muss maschinell v e r r i c h t e t werden, mechanische Hilfsmittel
zum Transport des Materials sind e r f o r d e r l i c h und die Produktionsprozesse haben
sich unter groesstmoeglichem Einsatz von Maschinen zu vollziehen. Die Bereitw i l l i g k e i t des acierikanisehen A r b e i t e r s , neue Maschinen, Arbeitsverfahren und
den Gebrauch neuer Materialien zu akzeptieren, i s t o f f e n s i c h t l i c h . Es gibt
keine eingefleischte Voreingenommenhe'it, die zu ueberwinden waere, sondern eine
ausgesprochene Begeisterung fuer a l l e s Neuartige.
Da Arbeitskraefte teuer sind, macht man den bestmoeglichsten Gebrauch von
ihnen. Die Arbeit i s t 90 e i n g e t e i l t , dass die Leute dauernd i n einem gewissen
Arbeitsrhythmus gehalten werden; Fachleute l e i s t e n nur Facharbeit und werden
staendig von unter ihnen stehenden Arbeitern bedient. Man benoetigt keine Fachkraefte zur Bedienung der Maschinen, sondern Leute, die ueber grosse Geschickl i c h k e i t verfuegen, koennen diese Arbeit v e r r i c h t e n . Zum Bedienen der Maschinen
eignen sich am besten die Arbeiter, die nicht ueberlegen, wie das Produkt herges t e l l t werden s o l l t e , sondern einfach wie ein bestimmter Rhythmus und eine
Gleichmaessigkeit in die Produktionsbewegungen gebracht werden koennen. Hochq u a l i f i z i e r t e Fachkraefte l e i s t e n k e i n e r l e i Handarbeit.
Die Beschaffenheit der Giessereiprodukte muss dem betreffenden Zweck e n t sprechen. Man verlangt keine*Vollkommenheit, wenn sie nicht erforderlich i s t ,
und Fehler an unwichtigen Teilen werden von den Verbrauchern nicht beanstandet.
Die der Ausfuehrung gesetzten Toleranzgrenzen werden nicht enger a l s noetig gezogen. Was man v e r l a n g t , i s t "Gut genug".
1

Gruensandgiessverfahren werden i n grossen Gussformen durchgefuehrt. Die
Entwicklung der Sandgiesserei i n England hat den Hoechststand der Produktion i n
Amerika e r r e i c h t , der Arbeitsvorgang i s t jedoch nicht so regslmaessig und einfach
wie dort* In Amerika i s t naemlich Bentonit und hochwertige Kieselerde %n n i e d r i gen Preisen verfuegbar, die sich besonders zu Gussverfahren unter Anwendung synthetischen Sandes eignen. Man i s t b e s t r e b t , feinkoernigen Sand zu verwenden, um
bessere Walzen zu ermoeglichen und die. Gusspritzarbeiten zu reduzieren.
Die Schmelzebfaelle haben einen geringen Gehalt an Schwefel und Phosphor,
koennen i n Saeureschmelzoefen v e r a r b e i t e t werden und haben deshalb trotzdem die
erforderlichen Schwefel- und Phosphor-Spezifikationen.
Elektrische Energie i s t i n genuegender Menge vorhanden. Kein Unternehmen
braucht sich damit aufzuhalten, Reservevorrichtungen aus Angst vor Stromsperren
e i n z u r i c h t e n . Maschinen koennen bei kurzer L i e f e r f r i s t gekauft werden.
Innerhalb der Berufe werden offen Ideen und Informationen ausgetauscht, und
a l l e Arbeitsvorgesetzten sind an der wissenschaftlichen Weiterentwicklung i n der
Stahlindustrie i n t e r e s s i e r t .
Besonders anerkennenswert i s t die A r b e i t , die von der Steel Founders*
Society of America (Gesellschaft der Stahlgiesser Amerikas) auf dem technischen
Gebiet und im Erfahrungsaustausch i n der gesamten I n d u s t r i e g e l e i s t e t wird. Neue
Forschungsergebnisse werden ihren Mitgliedern so bald wie moeglich m i t g e t e i l t ,
ohne dass der laufende Arbeitsprozess dadurch gestoert wird. Die Ergebnisse
werden in einer Weise veranschaulicht, die a l l e n Stahlgiessern und nicht nur
geschulten Technikern verstaendlich i s t . Diese Mitteilungen haben oft die Form
d i r e k t e r Empfehlungen, die einem grossen Ereis zur Pruefung vorgelegt werden,
ohne dass man eine Bestaetigung bestimmter Instanzen abvtartet. In dieser Beziehung legen die amerikanischen Stahlgiesser eine Unternehmungslust an den Tag,
die nicht zu leugnen und, man kann sagen, nicht zu ihrem Nachteil i s t . Viele i n

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�England bekannte naetnoaen, aie man nier nur mit Zoegern anzuwenden versucht,
sind in den amerikanischen Giessereien schon weit verbreitet«
Durch die Betonung der Sicherheit (besonders vor Silikosis) wird die Produktionsleistung, wenn auch nicht entscheidend, so doch stark beeinflusst. Alle
Stahlarbeiter, die Staubkrankheiten ausgesetzt sind, werden laufend geroentgt
und duerfen nicht bis zur voelligen Arbeitsunfaehigkeit weiterarbeiten.
Neger sind wertvolle Arbeitskraefte, besonders wenn es sich um Reihenfertigung handelt, die Geschicklichkeit und koerperliche Anstrengung erfordert. Bin
Neger als Vorgesetzter ist jedoch eine Seltenheit.
Im Zusammenhang mit der Produktionsleistung gibt es fuer den Amerikaner keine
Gewerkschaftsprobleme. Die Gewerkschaften unternehmen nichts, was die Produktion
beeintraechtigen koennte. Alle Arbeiter, die im Lohnverhaeltnis stehen, koennen
Gewerkschaf tsmitgüeMer werden. Die Hauptaufgaben der Gewerkschaften bestehen
darin, gute Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen unter groesstmoeglicher Sicherheit trotz der durch den Wettbewerb bedingten Umstaende fuer ihre Mitglieder zu
erzielen.
lrotz dieser positiven Feststellungen muss der aufmerksame Beobachter amerikanischer Lebensverhaeltnisse zugeben, dass staendig Unvereinbarkeiten auftauchen, die aus zwei sich widersprechenden Motiven im Leben Amerikas zu erklaeren
sind*
Das eine ist der ausgepraegte, selbstbewusste Individualismus, der in dem
Eonkutrrenzgeist zum Ausdruck kommt - dem Recht jedes einzelnen, seinen eigenen
Weg zu gehen und seine eigenen Ziele zu verfolgen»
Dieser Konkurrenzgeist zwingt jedoch auch zur Vereinheitlichung der Produkte, was wiederum eine Vereinheitlichung der Verbrauchsgueter, der Lebensweise
und der Denkungsart zur Folge hat und in krassem Widerspruch zu den Grundsaetzen
des Individualismus steht. Je mehr das zweite Motiv in Erscheinung tritt, das
in dem Streben nach einem hohen Lebensstandard und nach Befreiung von schwerer
Arbeit besteht, umso mehr konzentriert sich die Wahl des einzelnen auf vereinheitlichte Mittel und Wege, die zur persoenlichen Zufriedenheit fuehren»
Es waere seltsam, wenn keine krassen Gegensaetze in einem Volke bestuehden,
das zugleich dem Individualismus und der Einheitlichkeit huldigt.
EMPFEHLUNGEN.
Bis jetzt hat das Team in seinem Bericht Tatsachen wiedergegeben und daraus
Schluesse gezogen, wie die Produktionsleistung in den amerikanischen Stahlgiessereien mit der durchschnittlichen Leistung in England verglichen werden kann,
was die Ursachen der hohen amerikanischen Produktivitaet sind, und mit welchen
Mitteln sie erreicht werden kann.
Bevor das Team dazu uebergeht, Vorschlaege zu machen, deren Verwirklichung
nach aalner^jAnsicht zu hoeherer Produktionsleistung in den englischen Giessereien
fuehrt, muss eine Frage gestellt werden:
Wuenschen die englischen Stahlgiesser tatsaechlich eine hoehere Produktionsleistung?
Es ist leicht, die Frage einfach zu bejahen; weniger leicht jedoch ist folgende Fraget
Was ist wichtiger, hoehere Produktivitaet oder die alten Grundsaetze der
verschiedenen Interessengruppen?

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�Solange man diese beiden Fragen nicht ehrlich zu beantworten gewillt i s t ,
bedeutet jegliche Bemuehung nur unnoetigen Z e i t v e r l u s t . Und eine ehrliche
Stellungnahme muss von a l l e n Kreisen der Industrie verlangt werden, so wie
auch die Mitglieder des Produktivitaets-Team aus a l l e n Kreisen kommen und sich
bemueht haben, einen wahrheitsgetreuen Bericht ueber ihre Beobachtungen zu
geben.
Um den Interessen des Lesers entgegenzukommen, kann die Frage folgendermassen
noch besser veranschaulicht werden:
(a) I s t hohe Produktionsleistung wichtiger a l s Organisation und herkoemmliche Gebraeuche der Berufsgenossenschaft?
(b) Muss auf die hohe Produktivitaet verzichtet werden, um die bestehenden Methoden der Unternehmerverbaende beibehalten zu koennen?
(c) Muessen die Gepflogenheiten der Gewerkschaften, die sich in den Jahren
vor der gegenwaertigen wirtschaftlichen Krise entwickelt haben, auf Kosten der
hohen Produktivitaet unveraendert bleiben?
Die Frage i s t i n diese Formen zerlegt worden, um die Aufmerksamkeit der
drei Interessengruppen zu erwecken, denen dieser Bericht eigentlich g i l t . Jede
d i e s e r drei Gruppen hat ihre Verantwortung und Autoritaet im Industrie System
Englands, Es i s t in der Vergangenheit v i e l davon gesprochen worden, dass mit
groesserer Autoritaet auch groessere Verantwortung erwaechst. Die verantwortlichen Teile muessen aber auch darauf hingewiesen werden, dass sie nicht nur
Vorwuerfe fuer Pflichtversaeumnisse hinzunehmen haben, sondern dass s i e selber
versuchen muessen, f e s t z u s t e l l e n , inwiefern sie schuldig sind. Jeder Versuch,
sich der eigenen Verantwortung zu entziehen, "einem andern die Schuld in die
Schuhe zu schieben", deutet darauf h i n , dass die Autoritaet des Betreffenden
i n besser befaehigte Haende gelegt werden muss. Diese drei verschiedenen Fragen
sind deshalb i n Wirklichkeit nur e i n e ; keine der d r e i genannten Gruppen kann
sich i h r e r Verantwortung in dem Augenblick entziehen, in dem sie sich fuer oder
gegen die hohe Produktivitaet e n t s c h e i d e t .
Wie die Antwort ausfallen muss, haengt davon a b , was es bedeuten wuerde,
wenn sie verneinend waere. In den Berichten ueber wirtschaftliche Untersuchungen bedient man sich hoeflicherweise der Wirtschaftsterminologie. Die w i r t schaftlichen Untersuchungen haben jedoch ergeben, um es ganz offen auszusprechen, dass uns bei Nichtannahme erhoehter Produktivitaet die Hungersnot bevors t e h t . Wenn unal diese Erkenntnis i n Fleisch und Blut uebergegangen i s t , dann
kann man hoffen, dass F o r t s c h r i t t e gemacht werden koennen.
Dem Team geht es in seinem Bericht darum, k l a r z u s t e l l e n , was falsch gemacht
wird. Sa will anderen jedoch nicht mehr Schuld zur Last legen, a l s e* selber
zu uebernehmen gewillt i s t , wenn ihfli von aussenstehender Seite Vorwuerfe ueber
Ungenauigkeiten in der Beobachtung und Schlussfolgerung gemacht werden. Alle
Leser dieses B e r i c h t e s , ob sie V e r t r e t e r der Interessen der Gewerkschaften, Beruf sgenossenschaften, Arbeitgeber, Arbeiter oder sogar nur Zuschauer sind,
muessen ihren eigenen Anteil an Verantworung uebernehmen, um r i c h t i g z u s t e l l e n ,
was ihnen a l s falsch e r s c h e i n t . Es i s t zu hoffen, dass ein Teil der K r i t i k ,
die an den Vorschlaegen geuebt wird, sich a l s unbegruendet erweist und bericht i g t wird.
Das Verstaendnis fuer die Notwendigkeit g e s t e i g e r t e r Produktionsleistung
muss bei a l l e n , vom juengsten Lehrling b i s zu dem, der kurz vor seiner Pensionierung s t e h t , vorhanden sein. Dieses Verstaendnis zu erwecken, i s t nicht
a l l e i n Aufgabe der oeffentlichen Koerperschaften. A l l e , die darum wissen, sind
v e r p f l i c h t e t , dieses .Verstaendnis ueberall da, v/o es vorhanden sein muss, zu
foerdern. Jeder Leser dieses Berichtes ueberzeuge s i c h , dass die Leute aus der
S t a h l i n d u s t r i e , mit denen er in enger Verbindung s t e h t , wissen, was mit Produk- 10 -

�t i v i t a e t geineint i s t und zwar genuegt nicht eine formelle Erklaerung, sondern
eine Erklaerung in der taeglichen Umgangssprache i s t notwendig. Es i s t von
groesster Wichtigkeit, dass die drei Gruppen, denen dieser Bericht g i l t , eng
zusammenarbeiten. Jede muss,auf die Ausdehnung des Verstaendnisses auf die
Allgemeinheit bedacht sein und a l l e s t u n , was in ihrem Bereich des Moeglichen
l i e g t , um das nachzuholen, ras in der Vergangenheit versaeumt worden i s t .
Zunaechst i s t es e r f o r d e r l i c h , die hohe.Produktionsleistung zum Pruefstein
der I n d u s t r i e zu machen. Traditionelle Methode i s t a l l z u oft nur e i n mildernder
Ausdruck fuer H a l s s t a r r i g k e i t und berufliche Gewohnheit fuer Dickkoepfigkeit.
Beide sind fuer den Export ohne jegliche Bedeutung. Produktionsleistung dagegen
wirkt sich direkt auf den Export a u s . Die verschiedenen Bestandteile, die eine
Industrie bilden, haben ihre eigenen, besonderen I n t e r e s s e n , und viele dieser
Interessen stehen wohl im Schutze herkoemmlicher Gewohnheiten, die sich in der
Vergangenheit entwickelt haben. Man nimmt jedoch nicht a n , dass die Fuehrer
der Getverkschaf t e n , Berufs- und Unternehmerverbaende so ideenarm s i n d , dass sie
nur in der i n d u s t r i e l l e n Struktur a l t e n Musters ihre besonderen Interessen
nachhaltig gewahrt sehen koennten. Weder Vorschriften nfecb Verfahren koennen
eine Hungersnot verhindern. Die hohe Produktionsleistung kann e s a b e r . Es i s t
n u t z l o s , i n schoenen Phrasen von dem zu sprechen, was vermutlich die Erfolge in
den vergangenen Jahren ermoeglicht h a t . Fast das Wichtigste haben wir verlor e n , - unsere i n d u s t r i e l l e Fuehrung - und die geringeren Erfolge werden zu Staub
und Asche werden, wenn wir nicht beginnen, die Sache von einer anderen Warte
aus zu sehen, und die hohe Produktionsleistung an e r s t e S t e l l e ruecken, die
a l l e i n die Befreiung von der Angst vor wirtschaftlicher Not bringen kann. Dass
e s dabei Regeln, Vorschriften und Bestimmungen geben wird, die mit den b i s h e r i gen Produktionsgrundsaetzen nicht i n Einklang zu bringen sind, i s t unumgaenglich.
fis i s t jedoch nicht zu vergessen, dass jede einzelne dieser Vorschriften aus
bestimmten Gruenden bestehen muss «. entweder um gewisse Bedingungen zu verbessern,
hilfsbeduerftige Gruppen zu unterstuetzen und zu schuetzen oder um zusaetzliche
Sicherheiten zu b i e t e n . Wenn jedoch irgendeine Regel, Methode oder Bestimmung
die hohe Produktionsleistung b e e i n t r ä c h t i g t , dann wirkt sie sich zum Kachteil
der Gesamtheit des Volkes a u s , das aus Privatinteressen nicht i n eigennuetziger
Weise uebergangen werden darf. Gerade i n dieser Frage muessenneue Ideen geschaffen und t o l e r a n t e s Experimentieren muss ermoeglicht werden, um sicherzus t e l l e n , dass diejenigen, die ein legales Interesse an der sich entfaltenden
hohen Produktionsleistung haben, auch entsprechendgeschuetzt werden.
Eine staendige
Beachtung der Grundsaetze hoher Produktionsleistung a l s
Wegweiser in der Industriefuehrung, i s t in e r s t e r Linie die Aufgabe der fuehrenden Maenner der I n d u s t r i e , die die allgemeinen Richtlinien beeinflussen und
Vereinbarungen t r e f f e n , und nicht der Lohnempfaenger und der gehaltsempfangenden
Vorgesetzten, durch die die hohe Produktiv!taet bewirkt wird. Leute, deren
Beschaeftigung nicht v i e l Voraussicht e r f o r d e r t , koennen eine bevorstehende Gefahr nicht erkennen, solange s i e noch in entferntem Bereich l i e g t , Sie erkennen
nicht die Dringlichkeit des Problems und bestimmt auch nicht die Anzeichen der
bevorstehenden Not. Um auch ihre Aufmerksamkeit zu erregen, sind einige Massnahmen sofort zu e r g r e i f e n und direkte Belohnungen fuer gesteigerte Produktionsl e i s t u n g auszusetzen« Eine Handlungsweise, bei der das Verstaendnis der gesamten Bevoelkerung fuer verworrene wirtschaftliche Problemevorausgesetzt werden
muesste, wuerde vergebliche Muehe s e i n . Auch eine Erziehung des Volkes zu gefuehlsmaessiger Einsicht wuerde zu v i e l Zeit in Anspruch nehmen, und der Erschuetterung, die die Beendigung des Marshall Planes mit sich bringen wirf, koennte nicht r e c h t z e i t i g begegnet werden. Es i s t deshalb wichtig, dass ein d i r e k t e r
Ansporn i n irgendeiner Form gegeben wird. Dieser Ansporn i s t auf a l l e , d i e fuer
die Produktion mit verantwortlich sind, gleichmajaesig zu v e r t e i l e n . An diesem
Ansporn muessen a l l e Schichten, die an der Produktion b e t e i l i g t sind, gleichen
Anteil haben, - sonst fuehrt er zu gegenseitigem Misstrauen. Es i s t k l a r , dass
A r b e i t e r , Vorgesetzte, B e t r i e b s l e i t e r und Techniker das Recht haben, daran bet e i l i g t zu sein; e s i s t nicht mehr a l s gerecht, wenn man zugibt, dass auch Inhaber und diejenigen, die Geld i n Maschinenausruestung angelegt haben, um dadurch

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�mehr Waren erzeugen zu koennen, ebenfalls am Gewinn beteiligt werden muessen.
Die Abnehmer der Industrie muessen dureh niedrigere Preise belohnt werden, besonders dann, wenn sie die Erzeuger in ihren Produktionsaufgaben unterstuetzen.
Alle Partner in Lohnverhandlungen sollten es sich zum Grundsatz machen,
die Einsparungen an Herstellungskosten, die der gesteigerten Produktionsleistung
zu rerdanken sind, gerecht unter Verbrauchern und den an der Herstellung Beteiligten zu verteilen» Dies duerfte einfach genug sein, und ausserdem waere ein
erhoehtes gegenseitiges Vertrauen die Folge.
Damit ist es jedoch noch nicht getan. Eine Belohnung in Form hoeherer
Loehne'in den Haenden der Bevoelkerung ist nutzlos, wenn sie nicht in Waren umgesetzt werden kann, die eine angemessene Belohnung fuer den Mehraufwand an Anstrengung darstellen. Wenn die erhoehte Kaufkraft als Eräjbnis der gesteigerten
Produktionsleistung von den vorhandenen, mehrerzeugten Verbrauchsguetern nicht
absorbiert werden kann, .dann koennte es leicht zu einer Erschuetterung des
Gleichgewichtes und damit zu einer Inflation kommen. Die Wirtschaft der englischen Industrie muss von hoechster Instanz aus gelenkt werden, damit das System
der erhoehten Loehne fuer gesteigerte Produktiv!taet mit den allgemeinen Interessen zu vereinbaren ist. Verfehlt man e_s, diese Lenkung der Wirtschaft vorzunehmen, dann besteht die Gefahr, dass die Mehrverdienste ein Ausmass annehmen,
das sie von ihrem eigentlichen Zweck entfernt und die gegenwaertigen Schwierigkeiten noch vergroessert.
- Es ist ganz klar, dass hohe Produktivitaet mit industrieller Leistungsfaehigkeit eng verbunden ist« Die Erkenntnisse hoher Produktivitaet lehren uns,
dass es nur gerecht ist, wenn ein Betrieb mit niedriger Produktionsleistung
zugrundegeht oder ein Arbeitnehmer, dessen Leistungen ungenuegend sind, seine
Beschaeftigung verliert. Es ist gefaehrlich, Leistungsunfaehigkeit zu schuetzen,
ganz gleich, um wen es sich dabei handelt. Den Verfassern dieses Berichtes
steht es nicht zu, Vorschlaege zu machen, wie Leistungsunfaehigkeit zu bekaempfen
ist. Sie empfehlen jedoch den Berufsverbeenden, Unternehmerorganisationen,
Gewerkschaften, Betriebs- und Werkstattsleitern sowie den gemeinsamen Produktion s-Ausschuessen, dieses Problem ins Auge zu fassen und sich mit ihm zu beschaeftigen.
Das, was im Vorangegangenen gesagt wurde, soll Klarheit ueber die groesseren
und allgemeinen Probleme schaffen, damit die einzelnen Vorschlaege in der ihnen
eigenen Perspektive betrachtet werden koennen. Sie werden im Folgenden zum
Ausdruck gebracht.

Gruppierung der Werksanlagen und Ausruestung mit Maschinen.
In vielen Stahlgiessereien Englands hat sich aufs Geratewohl ein Durcheinander von Gebaeuden und Werksanlagen entwickelt, in dem es schwierig ist, den
einfachsten Verlauf des Produktionsprozesses einzuhalten. Es wird viel Zeit
in Anspruch nehmen, die Umgruppierung in der Richtigen Weise durchzufuehren,
aber es bleibt keine andere Wahl - entweder werden die Betriebe so aufgebaut,
dass sie leistungsfaehig sind, oder sie kommen unter den Hammer, der die Leistungsunfaehigen erwartet. Da es eine langwierige Arbeit sein wird, den Erfordernissen entsprechend neu zu gruppieren, besteht umsomehr Grund, sofort damit
zu beginnen. Durch Abwarten wird das Problem nicht einfacher*
Langfristige Projekte werden jedoch nicht schnell genug eine guenstige Beeinflussung unserer Industrie bewirken. Die bestehenden Produktionsmethoden
koennen jedoch schon durch Neueinteilung der Arbeiten verbessert werden. Es
ist in Kundengiessereien allgemein ueblich, dass sich ein Former zur Ausfuehrung
seiner Arbeit in einem bestimmten Baum bewegen kann. Er fuehrt jede Arbeit an
einer anderen Stelle aus, und seine Werkzeuge und Geraete muessen jedesmal zu
dem anderen Platz gebracht werden. Nach den amerikanischen und den besten britischen Methoden wird diese Arbeit in die Fliessbandfertigung mit einbezogen.

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�sodass der Former mit seinen Geraeten und Materialien eine bestimmte S t e l l e inneh a t , zu der das zu bearbeitende Stueck hin- und auch wieder wegbefoerdert wird.
(Dies i s t n a t u e r l i c h nur bei Vterkstuecken k l e i n e r und m i t t l e r e r Groesse moeglich).
Auch i n anderen Abteilungen der Giessereien koennen durch Umgruppierung der Maschinen und Werksbaenke der Arbeitsvorgang vereinfacht und unnoetige Arbeiten
vermieden werden, die dadruch entstehen, dass die Gusstuecke aufgestapelt werden
und spaeter i n Kaesten zur Bearbeitung weiterbefoerdert werden muessen.
Durch die I n s t a l l a t i o n von zusaetzlichen Maschinen kann in vielen Betrieben
die Produktionsleistung in kurzer Zeit verbessert werden. In a l l e n amerikanischen
Giessereien kann man f e s t s t e l l e n , dass zur Befoerderung des Materials gute Transp o r t m i t t e l zur Verfuegung stehen. Schnell arbeitende Kraene, Rollwagen mit gabelfoermiger Hebevorrichtung und S c h l i t t e n mit Raedern zum Transport der Gusskasten sind drei wichtige H i l f s m i t t e l . Ausserdem hat man Laufhebekraene, die
die Former, Schleifer oder Gussputzer an ihren Arbeitsplaetzen bedienen«
Die Anwendung von Produktionsmaschinen kann noch weiter.ausgedehnt werden,
und der Arbeitseinsparung i s t dabei groessere Beachtung zu schenken. Ob maschinelle Gussverfahren ratsam sind, wird in den meisten Faellen von der Beschaffenh e i t des Absatzmarktes abhaengen. Die einzelnen Auftraege fuer Gusstuecke sind
i n den meisten Faellen nur k l e i n , und deshalb werden die Modelle mit der Hand
geformt. Im ganzen betrachtet muessen die gleichen Arbeiten aber oft genu^ wiederholt werden, sodass eine maschinelle Herstellung g e r e c h t f e r t i g t waere, vorausgesetzt n a t u e r l i c h , dass diese maschinelle Methode auch bei der Herstellung kleiner
Mengen angewendet werden kann. Eine sofortige Ueberpruefung der sich wiederholenden Arbeiten in den Stahlgiessereien Englands wuerde f a s t mit Sicherheit ergeben,
dass weit mehr Gussverfahren maschinell ausgefuehrt werden koennten.
In den Reinigungs- und Endprozessen s t e l l e n grosse mechanische Luftstrahlgeblaese - weit groesser a l s s i e i n England vorzufinden sind - eine wertvolle
Hilfe bei der Reinigung der Gusstuecke mit einem Minimum an Arbeitskraft d a r .
Baldige Versuche mit grossen Luftstrahlgeblaesen und die Vorfuehrung der e r z i e l ten Erfolge vor Vertretern der Industrie koennen zu bedeutender Steigerung der
Produktionsleistung fuehren.
Die Stahlschmelzoefen i n Amerika schmelzen den Stahl v i e l schneller a l s die
in England, weil sie unter mehr Aufwand an elektrischer Energie a r b e i t e n . Hier
in England i s t die Stahlgiesserei durch den Mangel an Energie in ihrer Arbeit
gehemmt. Solange noch dieser Mangel b e s t e h t , kann nicht allgemein empfohlen
werden, die Ldchtbogenoefen unter groesserem Einsatz elektrischen Stromes arbeitenzu l a s s e n . Es waere jedoch ratsam, solange noch nicht genug Strom vorhanden i s t ,
eine oder zwei Giessereien versuchsweise nach diesem Verfahren arbeiten zu l a s s e n .
Mit dem Einsatz groesserer Strommengen wird Zeit e r s p a r t . Ausserdem spart man in
Amerika durch eine verbesserte Elektrodenkontrolle auch an Energie. Viele Schraelzoefen in England sind mit veralteten Elektrodenkontrollgeraeten ausgeruestet, die
dringend durch neue e r s e t z t werden muessten. Dadurch wuerden nicht nur die
Schmelzkosten r e d u z i e r t , sondern es wuerde auch elektrische Energie eingespart.
Anspornendes Lohnsystem.
Einfachheit und Gerechtigkeit s o l l t e n wesentliche Bestandteile eines Lojhnsystems s e i n , bei dem sich die Bezahlung nach der Arbeitsleistung r i c h t e t . Ohne komp l i z i e r t rechnen zu muessen, muss ein Arbeiter wissen, welche Entschaedigung er
zu erwarten h a t . Er muss ferner die Gewissheit und das Vertrauen haben, dass ihm
ein gerechter Anteil an dem aus seiner Arbeit entstehenden Gewinn sicher i s t .
Das gegenwaertige Lohnkalkulationssystem i n der b r i t i s c h e n Stahlindustrie i s t
weder einfach noch u e b e r s i c h t l i c h . Die Stuecklohnsysteme werden durch den nationalen Bonus noch verwickelter. Man bedient sich haeufiger der Lohnkalkulation,
a l s dies noetig waere| selbst wenn ein Arbeiter ausschliesslich Akkord a r b e i t e t ,
muss seine Zeitkarte auf die g e l e i s t e t e n Arbeitsstunden geprueft werden, um den
nationalen Bonus errechnen zu koennen. Diese unproduktive Arbeit erfordert i n

- 13 „
1

�jeder Woche eine betraechtliehe Anzahl von Arbeitsstunden. Man hat damit ein
ebenso verschwenderisches wie unlogisches System verewigt, das bei Verhandlungen
auf nationaler Ebene den Anschein der E i n h e i t l i c h k e i t geben s o l l t e . Die Vereinfachung des Lohnsystems in der Industrie i s t schon lange f a e l l i g und wuerde sofortige Einsparungen mit sich bringen.
Gerechtigkeit bei der Verteilung der Gewinne, die aus hoher Produktionsleistung entstehen, i ä t b e r e i t s a l s grundlegende Notwendigkeit bezeichnet worden.
Von ebenso grosser Bedeutung i s t die gerechte Einteilung der einzelnen Stueckloehne. Wenn es sich um Reihenfertigung handelt, i s t die Stoppuhr i n der Hand eines
geschulten Beobachters ein unuebertreffliches Mittel i n der gerechten Durchfuehrung der Z e i t s t u d i e n . Voraussetzung i s t jedoch die Mitarbeit der Leute, deren
Arbeitszeit untersucht wird. Studien die'ser Art erfordern guten Willen und Vertrauen auf beiden S e i t e n . Es wird dringend empfohlen, dass da, wo man auf guten
Willen zaehlen kann, eingehende Zeitstudien der Festsetzung der Akkordloehne fuer
Arbeiten der Reihenfertigung zugrundegelegt werden. Wo das gegenseitige Vertrauen
nicht b e s t e h t , s o l l man zuerst das Misstrauen b e s e i t i g e n . Es wird ausserdem Toleranz und Grosszuegigkeit bei der Anwendung der neuen Methoden empfohlen. Ernste
Gefahren bedrohen die I n d u s t r i e , wenn es nicht g e l i n g t , eine hoehere Produktionsl e i s t u n g zu e r z i e l e n , und um i h r e r Herr zu werden, bedarf es des Vertrauens und
der Weitsicht der fuehrenden Persoenlichkeiten i n der I n d u s t r i e , und von a l l e n
Werkzeugen, die uns.durch die Produktion und die Betriebsleitung in die Hand gegeben sind, muss staerkster Gebrauch gemacht werden»
Arbeitseinsatz.
Bs i s t nicht zu erwarten, dass der Absatzmarkt'fuer Stahlwaren s t e t s mit der
gesteigerten Produktionsleistung S c h r i t t halten wird. Deshalb i s t mit einer Arb e i t sverlagerung zu rechnen, und zwar im gleichen Masstabe, in dem die Produktivit a e t a n s t e i g t . Sich aus diesem Grunde jedoch einer Erhoehung der Produktionsleistung widersetzen zu wollen, waere ebenso verfehlt und unbegreiflich wie die Einwaende, die im 19« Jahrhundert gegen die Anwendung e l e k t r i s c h e r Spinnmaschinen
und Webstuehle gemacht wurden. Es gibt andere Produktionszweige, in denen die
ueberschuessigen Arbeitskraefte der Stahlgiessereien solange beschaeftigt werden
koennen, wie der Mangel an Industrieprodukten das Leben der Nation b e e i n t r a e c h t i g t .
Es i s t unangenehm, die Alternative betonen zu muessen, die es zur zwingenden Notwendigkeit macht, diesen Weg zu be^bhreiten. Hungersnot und Armut sind unangenehme
Worte, aber wir nehmen lieber mit den Worten a l s mit i h r e r Verwirklichung v o r l i e b .
In verschiedenen amerikanischen Stahlgiessereien konnte man beobachten, dass man
e s sich zum Grundsatz machte, mit sinkendem Absatz das {festgesetzte Arbeitspensum
pro Tag zu reduzieren. Damit entschaefti^te in gewissem Sinne die Weiterbeschaeftigung und Verhinderung der Erwerbslosigkeit fuer den Verlust an Lohn. Die Probleme, die entstehen koennten, wenn, die Produktionsleistung die Absatzmoeglichkeiten u e b e r s t e i g t , erfordern zu ihrer Loesung Klugheit und staatsmaennisches
Eoennen.
Sicherheit.
Die^Royal Society for the Prevention of Accidents" (Kbenigliche Gesellschaft
zur Verhuetung von ünfaellen) setzt sich b e r e i t s t a t k r a e f t i g fuer die Sicherheit
i n den Betrieben e i n . Sie neigt jedoch naturgemaess dazu, i n . i h r e n Vorschlaegen
jjnd Empfehlungen zu allgemein zu s e i n . Die "Steel Founders' Society of America"
hat sich weit eingehender mit der genauen Art der Ünfaelle i n den Stahlgiessereien
befasst und bestimmte Vorschlaege und Instruktionen herausgegeben} ü n f a e l l e , deren
Ursachen besonders deutlich in Erscheinung t r e t e n , werden dieser Gesellschaft mitg e t e i l t . Diese Aufgaben s o l l t e n eigentlich von der Berufsgenossenschaft e r f u e l l t
werden, und wenn man dazu andere Koerperschaften i n Anspruch nehmen muss, i s t
keine Unterstuetzung eines solchen S c h r i t t e s zu erwarten. Sine verantwortliche
Koerperschaft, wie es die Berufsgenossenschaft i s t , s o l l t e soviel Autoritaet
haben, dass sie die notwendigen S t a t i s t i k e n sammeln und sie dort veroeffentlichen
kann, wo e s erforderlich i s t . Sie muss ihre Mitglieder dahingehend beeinflussen,
dass zeitraubende Ünfaelle moeglichst r e d u Ä e r t werden. Die Verantwortlichkeit
sei a l s o in gerechter, offener Weise der Berufsgenossenschaft a n v e r t r a u t , ohne

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�Der b r i t i s c h e Absatzmarkt i s t weit kleiner und uneinheitlicher. Selbst
wenn man mit grosser Kuehnheit bei der Standardisierung seiner Bestandteile vorgeht, i s t nicht zu erwarten, dass dieselben einheitlichen- Produktionsverfahren
in den englischen Stahlgiesaereien durchgefuehrt werden koennen. Die englischen
Techniker sind jedoch keine Toren. Sie wissen sehr wohl, dass sie durch e i n h e i t l i c h e Produktionsverfahren i n ihren Betrieben die Herstellungskosten reduzieren koennen, und wenn es ihnen g e l i n g t , in den Stahlgiessereien P r e i s v o r t e i l e
durch neue Produktionsverfahren fuer sich buchen zu koennen, werden s i e nicht
zoegern, diese neue Waffe auch in ihrem Kampf um die auslaendischen Maerkte einzusetzen. Die augenblickliche P r e i s p o l i t i k der englischen Stahlgiessereien
3ieht jedoch keine regelmaessigen Preissenkungen bei Massenproduktion vor. Und
bevor d i e s nicht der F a l l i s t , fehlt eine maechtige Antriebskraft zur allgemeinen Standardisierung. Ausserdem kann ohne einen Absatzmarkt, der Massenfertigung o r f o r d e r t , die aeusserst gute maschinelle Giessmethode, die b e r e i t s i n
vielen englischen Stahlgiessereien angewendet wird, nicht weiter v e r b r e i t e t
werden.
Es waere falsch anzunehmen, dass mit der Standardisierung Kompromisse verbunden sein muessen. Bin solcher Glaube i s t vermutlich fuer die oppositionelle
Haltung verantwortlich zu machen, die man der Standardisierung gegenueber i n
England einnimmt. Es i s t wichtig, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren
und irgendwelchen Kompromissen entgegenzuwirken. Man muss bereit s e i n , a l l e
ueberlieferten Grundsaetze, die fuer die Durchfuehrung der Standardisierung unwesentlich sind, aufzugeben. Dies bezieht sich auf a l l e s Herkoemmliche, ob es
sich um I n s t a l l a t i o n e n oder Gruppierung, Kontrollberichte, Inspektion oder Produktionsmethoden handelt. Die Schwierigkeiten, diese Grundsaetze zu verwirklichen,
beweisen, mit wieviel I n t e l l i g e n z an das Problem der hohen Produktivitaet herangegangen werden mu.s, und die ungeteilte Aufmerksamkeit in dieser Beziehung wird
a l l e n aus der Stahlindustrie empfohlen.
Produktionsmethoden.
Die wichtigsten Lierkmale der in Amerika beobachteten Produktionsmethoden
sind in diesem Bericht und seinen Ergaenzungen ausfuehrlich beschrieben worden,
und es besteht keine Veranlassung, sie h i e r zu wiederholen. Einige, die nach
Ansicht des Team wesentlichen KLnfluss auf die Produktion haben, und deren Anwendung auch fuer die englischen Stahlgiessereien v o r t e i l h a f t e Folgen zeitigen
koennten, s o l l jedoch im Folgenden besondere Beachtung geschenkt werden.
Stahlschmelzen.
Die Methode des Beschickens von Lichtbogen-Schmelzoefen mit Hilfe von Laderutschen e r s p a r t v i e l Z e i t , wenn es sich um Oefen handelt, die nicht von oben
her beschickt werden koennen. Der Schmelzofen wird nach vorne gekippt und die
Beschickung, die aus schwerem, kurzem Schrott besteht und sich auf einem langgestreckten, gleitbahnaehnlichen Greifer befindet, durch die Arbeitstuer eingef u e h r t . Die erforderlichen Vorrichtungen sind einfach, und es i s t l e i c h t , dieses
Verfahren durchzufuehren.
Sand.
In England beschaeftigt man sich b e r e i t s eingehend mit Studien ueber Formsand, sodass es ueberfluessig erscheinen mag, zu diesem Punkte h i e r noch weitere
Vorschlaege zu machen. Das Abstreifen und Putzen der Gusstuecke i s t durch die
Anwendung feinkoernigen Sandes jedoch dermassen e r l e i c h t e r t worden, dass es
schon die Muehe wert i s t , die besondere Aufmerksamkeit der Stahlfachleute auf
diese Tatsache zu lenken.

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�dass wir uns •wohlwollend und dienstbeflissen* einmischen wollen.
Im einzelnen wird empfohlen, dassman vor allem alle Augenverletzungen in
den Putzereien verhuetet, indem man das Betreten einer Werkstatt ohne anerkannten Augenschutz, wie Schutzbrille, Gesichtsschild o. ae., zum industriellen
Vergehen stempelt. In den britischen Stahlgiessereien beeilt man sich jetzt,
Massnahmen zu treffen, die den staendigen Gebrauch von Atmungsgeraeten in staubigen Werkstaetten zur Pflicht machen, und man erweitert die Moeglichkeiten,
Arbeitnehmer, die dem Staub ausgesetzt sind, mit Roentgenstrah@4»n zu untersuchen.
In der letztgenannten Entwicklung stehen die englischen Giessereien hinter den
amerikanischen zurueck.
Es soll ebenfalls gesagt werden, dass Sicherheitsbewusstsein nichts mit
Furchtsamkeit zu tun hat. laute Heulsirenen, die vor einer bevorstehenden Gefahr
warnen, sind eine praktische Einrichtung, um gefaehrliche Zonen unter geringstem
Zeitverlust von den Arbeitern raeumen zu lassen. Sie sind Methoden vorzuziehen,
bei denen Arbeitszeit verschwendet wird, denn uebertriebene Sicherheitsmassnahmen
beeintraechtigen die Produktionsleistung.

Annehmlichkeiten und Arbeitsbedin/^ungen.
Die im Garrett Report zum Ausdruck gebrachten Vorschlaege sind in den britischen Stahlgiessereien bereits wohlbekannt, und man ist eifrig bemueht, sie zu
verwirklichen. Ein gleicher Standard liegt den amerikanischen Grundsaetzen zugrunde, und in dem 70?liegenden Bericht werden keine weiteren Empfehlungen hierzu
gegeben. Durch die Anwendung von Arbeitsmethoden, die dieses Ziel verfolgen,
kann viel zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen getan werden«

Betriebsleitung.
Eine Revision der Betriebsleitungsmethoden ist erstrebenswert, und dem wirksamen Einsatz der Facharbeiter muss dabei besondere Beachtung geschenkt werden*
Es muss untersucht werden, welche Beweggruende Anlass zu zeitweiligen Arbeitseinstellungen geben, und deren Ursachen muessen abgestellt werden. Es ist dies
eine Aufgabe, die nicht von der Betriebsleitung allein geloest werden kann.» Ein
williges Mitarbeiten seitens der Arbeiterschaft ist erforderlich, um die Uebel,
die zu Verzoegerungen fuehren, bei der Wurzel anpacken zu koennen. Es ist gewiss,
dass auch die Arbeitsvorgesetzten und Meister von einem wahren Verlangen nach gesteigerter Produktionsleistung beseelt sein muessen, wenn das Ziel erreicht
werden soll und dass sie diesen Eifer auf die unter ihrer Aufsicht stehenden
Maenner uebertragen koennen.
Dieser Schritt kann sofort getan werden, ohne auch nur auf eine einzige
Maschine warten zu muessen* Die gemeinsamen Produktionsausschuesse koennen mit
Werkstattsleitern und anderen lauten aus den Giessereien paritaetisch zusammenarbeiten, um zusammen mit Betriebsleitern und Aufsichtführenden Arbeitsmethoden
zu entwickeln, die am wirtschaftlichsten sind.

Absatzmaerkte.
Das Ausmass der Spezialisierung in den amerikanischen Maschinenbaugesellschaften mit dem Ziele, den ungeheuren inlaendisehen Absatzmarkt wirtschaftlich
versorgen zu koennen, ist mit der amerikanischen Bereitwilligkeit zur Standardisierung gepaart, eine Tatsache, die den Stahlgiessereien Anlass zur Spezialisierung und damit zu einheitlichen Produktionsmethoden gibt. Auch lassen die Preislisten niedrigere Preise fuer massenmaeösig hergestellte Waren erkennen.

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�Neue Methoden
Die erfolgreiche Anwendung von Washburn-Kernen i s t in Amerika w e i t v e r b r e i t e t .
Dieses Verfahren i s t einigen Fachleuten aus der Stahlgiesserei Englands bekannt,
kann sich aber nur langsam durchsetzen. Der Austausch technischer Erfahrungen in
verstaendlicher Form muss gefoerdert werden, damit neue Methoden ohne langes Experimentieren in jeder einzelnen Giesserei eingefuehrt werden koennen»
Gusstrichter mit exothermischem Material«
Die Verwendung von "Risotherm" i n den exothermischen Legierungen kurzer,
weitgeoeffneter Gusstrichter i s t v o r t e i l h a f t und v e r d i e n t , ' d a s s man sich eingehend
mit i h r beschaef t i g t . Auch i n England s o l l t e dieses Material verfuegbar « i n , wenn
seine Anwendung ratsam erscheinen s o l l t e .
Erforschung der Probleme der S t a h l g i e s s e r e i .
Die Dringlichkeit einer wirksamen Erforschung der Probleme in der englischen
Stahlgiesserei l i e g t nun k l a r auf der Hand und braucht an dieser S t e l l e nicht hervorgehoben zu werden. Was betont werden muss, i s t , wie unfieheuer wichtig es waere,
den r i c h t i g e n Mann zu haben, der den Stahlgiessern persoenlich das u e b e r m i t t e l t ,
was b e r e i t s bekannt und erforscht i s t , und wie die Ergebnisse der Forschung prakt i s c h zu verwerten s i n d . Die Stahlgiesser sind an die Luft in den Giessereien
gewoehnt. Sie koennen i n der verduennten Atmosphaere, die die hoechsten Gipfel
der wissenschaftlichen Forschung umgibt, nicht atmen. Sie benoetigen einen Moses,
der von jenen Gipfeln zu ihnen herabsteigt und ihnen Anordnungen und einfache Massregeln g i b t , in denen die Ergebnisse komplizierter Forschung i n verstaendlicher
Form zum Ausdruck gebracht werden. Es kommt mehr auf die Persoenlicbkeit dessen
a n , der die Ergebnisse der Forschung der Industrie u e b e r m i t t e l t , a l s auf das Koennen, mit dem die Forschung selbst betrieben wird.
Es waere wuenschenswert, dass die Probleme der Stahlgiesserei auch i n den
Reihen der unteren Arbeitsvorgesetzten zur Sprache gebracht werden. Die Konferenzen des I n s t i t u t s der b r i t i s c h e n Stahlgiesser ( I n s t i t u t e of B r i t i s h Foundrymen) bieten gegenwaertig n i c h t , wie es noetig waere, den Stahlgiessern Gelegenh e i t , freie Besprechungen zu fuahren, die k e i n e r l e i formellen Charakter haben,
und die nicht protokollarisch festgehalten werden. Leider sind die b r i t i s c h e n
Stahlgiesser weniger dazu i n der Lage, ihre Meinung k l a r zum Ausdruck zu bringen,
a l s dies i n Amerika der F a l l i s t . Wir legen dieses Problem dem I n s t i t u t e of
B r i t i s h Foundrymen, den technischen Ausschuessen der Berufsgenossenschaften und
a l l den Koerperschaften, die sich mit Forschung i n der Stahlgiesserei befassen,
besonders nahe.
S c h l i e s s l i c h raoechten die Mitglieder des Team i h r e r festen Ueberzeugung Ausdruck verleihen, dass die b r i t i s c h e n S t a h l g i e s s e r , wenn sie die Bedeutung hoeher e r Produktionsleistung h i n s i c h t l i c h i h r e r Erfindungsgabe und Findigkeit in keiner
Weise hinter unseren guten Freunden aus der amerikanischen Stahlindustrie zurueckstehen werden,
Anmerkung der Redaktion. Wir haben die Schlussfolgerungen i n diesem Ber i c h t des Britischen "Productivity Teams" ungekuerzt wiedergegeben, obwohl wir i n verschiedener Hinsicht mit den Ansichten der Verfasser nicht
uebereinstimmen. Wir moechten besonders betonen, dass der einfache Arbeit e r und die Gewerkschaften in den U.S. die wirtschaftlichen und technischen
Zusanmenhaenge der Produktionsleistung mit groesstem Interesse verfolgen.
Die amerikanischen Gewerkschaften sind zu der Ueberzeugung gekommen, dass
erhoehte Produktionsleistung nicht unbedingt mit Ausbeutung gleichzusetzen
i s t , und dass eine wirtschaftliche Einsetzung der Arbeitskraft nicht eine
Verausgabung groesserer Energien fuer den Arbeiter d a r s t e l l e n muss. Die
Gewerkschaften sind diesen Problemen gegenueber aeusserst wachsam, sind
aber der Auffassung, dass inuGrossen und Ganzen gesehen die gesteigerte
Produktionsleistung sich zum Vorteil der Arbeiterschaft auswirkt.
/

- 17 -

�100.000 DOLLAR FJER GEWERKSCHAFTSCHPLE DER ILGWÜ.
Die I n t e r n a t i o n a l e Gewerkschaft der Damenbekleidungs-Arbeiter (ILGWÜ ) hat
v o r l a e u f i g 100.000 D o l l a r s zur Verfuegung g e c t e l l t , mit denen e i n e neue Schule
zur Ausbildung von G e s c h a e f t s l e i t e r n , Organisatoren und Verwaltungsangestellten
fuer die Gewerkschaft e i n g e r i c h t e t werden s o l l . Ab 1 . Januar werden regulaere
Tageskurse gegeben.
David Dubinsky, der P r e s i d e n t der ILGWU, e r k l a e r t e , dass e i n gesamtes
Stookwerk des Gewerkschaftshauses i n New York City fuer die Schule r e s e r v i e r t worden
i s t . Arthur A. E i d e r , der fruehere Direktor der Z w e i g s t e l l e der U n i v e r s i t a e t
Michigan, i s t zum Direktor der Schule*ernannt worden*
Die Ausbildung dauert 12 Monate. Die akademischen Kurse i n Geschichte.
Arbeitsoekonomie und aehnlichen Faechern nehmen 8 Monate i n Anspruch. In den
r e s t l i c h e n 4 Monaten b e f a s s t man sich mit praktischer A r b e i t , wie zum B e i s p i e l
der Teilnahme an Kollektiv-Verhandlungen und dem Vertrautwerden mit der Arbeit
i n der Werkstatt und den Arbeitsmethoden.
Es koennen 4 ° Studenten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren an den Kursen
teilnehmen. Die Teilnehmer werden von dem Erziehungs-Ausschuss des Gewerkschaf taratee. der Vertrauensmaenner bestimmt. Absolventen wird von der Gewerkschaft Besciiaeftigung z u g e s i c h e r t .

CIO RSS0HJTIC1I ZUR GEM'gNSCHAKT BÜJER-ARBEITER.
Das amerikanische Volk i s t der e r s t e Abnehmer der landwirtschaftlichen Erzeugnisse unseres Landes, und die Geschichte hat bewiesen, dass die Landwirtschaft nur dann gedeihen kann, wenn s i c h die Millionen unserer Lohn- und Geh a l t sempfaenger hoher Realloehne und e i n e s allgemeinen Wohlstandes erfreuen»
Werden die Verdienste der Arbeiter i n den Staedten n i e d r i g e r , dann verringern
s i c h auch fuer die Bauern Amerikas A b s a t z m ö g l i c h k e i t e n , Preise und somit der
Lebensstandard. Umgekehrt gehen i n d u s t r i e l l e Produktion und Lebensstandard i n
den Staedten zurueck, wenn die Bauern verarmen. Ein allgemeiner n a t i o n a l e r Wohlstand i s t nur moeglich, wenn er f e s t i n der Stadt und auf dem Lande verwurzelt
ist.
Die Monopolisten haben bei allgemeiner Verknappung gute Z e i t e n , das Volk
jedoch, wenn Ueberfluss an Waren h e r r s c h t . Die monopolistischen I n t e r e s s e n
gehen dahin, einmal eine Verknappung i n d u s t r i e l l e r Produkte kuenstlich h e r b e i zufuehren, um hohe Preise zu e r z i e l e n , und zum andern die Bauern durch niedrige
Preise fuer i h r e r e i c h l i c h vorhandenen Lebensmittel und ihre Baumwolle zu benachteiligen.
Die Drahtzieher der Monopolindustrie sind b e s t r e b t , die Loehne der Indus t r i e a r b e i t e r n i e d r i g zu h a l t e n und i h r e s o z i a l e S i c h e r h e i t und die ihrer Famil i e n zu untergraben; g l e i c h z e i t i g moechten s i e die P r e i s e fuer landwirtschaftl i c h e Erzeugnisse druecken und die Ausgaben der Bauern erhoehen.
Es g i b t keinen Kompromiss mit dem monopolistischen Programm, der den Arb e i t e r n auf dem Lande oder i n der Stadt d i e n l i c h s e i n koennte. S i e muessen
gemeinsam dagegen Front machen.
Die S i c h e r h e i t , d i e die Bauernfamilie durch P r e i s s t a b i l i s i e r u n * und die Arb e i t e r f a m i l i e durch TarifVerhandlungen sucht kann nur gewaehrleistet werden,
wenn sich Bauern und Arbeiter geschlossen hinter d i e nationale P o l i t i k und ihre
Programme s t e l l e n , d i e darauf a u s g e r i c h t e t s i n d , die Vollbeschaeftigung zu s i chern, den Arbeitern ihren rechtinaessigen Antei4 an dem E r l o e s fuer die I n d u s t r i e produkte zukommen zu l a s s e n und den Bauern angemessene P r e i s e fuer Lebensmittel
und Baumwolle zu b i e t e n .
- 18 -

�Wenn Arbeiter und Bauern Schulter an Schulter gegen die Reaktion stehen,
dann I s t der Erfolg sicher. Eine Uneinigkeit waere in keiner Weise gerechtfert i g t und darf deshalb nicht aufkommen. Dieselben monopolistischen Interessen,
die den Bauern vernuenftige Preise verweigern, machen den Arbeitern aus der
Stadt eine angemessene Bezahlung s t r e i t i g . Es sind die gleichen Reaktionaere,
die Erzeuger- und Verbrauchergenossenschaften zugrunde richten und die Gewerkschaftsbewegung beseitigen moechten. Dieselben Profitmacher, die die Bauern zu
betruegen versuchen, moechten einen unendlichen Vorrat an "billigen" Arbeitskraeften in den Staedten sehen.
Der CIO (Congress of Industrial Organizations) hat s e i t seiner Gruendung
jedes Programm fuer die Landwirtschaft mit allen Mitteln unterstuetzt, wenn es
g a l t , den Lebensstandard der Bauern zu heben, den Ackerboden des Landes zu
schuetzen, die landwirtschaftlichen Gebiete mit Elektrizitaet zu versorgen und
die Lebensbedingungen der amerikanischen Bauernfamilien zu verbessern. In der
Zwischenzeit versuchen die Monopolisten im Kongress und im ganzen Land in boahafter Weise, sich a l s Freunde des Bauern aufzuspielen, waehrend sie ihn zur gleichen
Zeit gegen seine Gewerkschaftsfreunde und seine wahren eigenen Interessen aufhetzen.
DESHALB SOLL NUN BESCHLOSSEN WERDEN x
Der CIO verlangt, dass die Bemuehungen in seinen Reihen fortgesetzt und erweitert werden, die ein unzerbrueetliches Band zwischen den Bauern, Arbeitern und
ihren Gewerkschaftsorganisationen knuepfen s o l l e n .
Diese Konvention ruft jede lokale Gewerkschaft und jeden Gewerkschaftsrat
auf, sich durch gegenseitiges Kennen- und Verstehenlarnen mit den benachbarten
Bauern zu sammenzu seh Hessen.
Wir gewaehren auch in Zukunft der Landbevoeltcerung jedmoegliche Unterstuetzung durch Zusicherung vernuenftiger Preise und Loehne, Kreditmoeglichkeiten,
Elektrisierungsprogramme, Schutz des Bodens, Foerderung der Genossenschaften,
Linderung des Elends auf dem Lande, Gesundheits- und Erziehungsprojekte, ausreichende Versicherung der Ernte und andere notwendige Programme.
Diese Konvention b i l l i g t den Brannan Plan-, der folgende Forderungen s t e l l t i
vernuenftige Preise und Verdienste fuer die Landbevoelkerung zu sichern, den
Kleinbauern besondere Unterstuetzung zu l e i s t e n , den Bauern zuzusichern, dass
ihre erzeugten Lebensmittel abgesetzt werden koennen und zur Ernaehrung des Volkes verwendet werden, und es zu gleicher Zeit den Verbrauchern zu ermoeglichen,
die im Ueberf luss vorhandenen Produkte der amerikanischen Bauern zu tragbaren
Preisen kaufen zu koennen.
Wir wollen auch weiterhin darum kaempfen, dass die Bauern und ihre Organisationen von den Problemen und Programmen der Arbeiterschaft unterrichtet werden,
damit allgemein und klar erkannt wird, dass der CIO dem Arbeiter und Bauern a l s
Freund und Verbuendeter in ihrem Kampf gegen Not, Furcht und Elend jederzeit zur
Seite steht*
Economic Cutlook des CIO
November 1949

ARBEIT DPRCH MARShüLL PLAN.
Zwei neue Marshall Plan Projekte i n I t a l i e n zur Verbesserung der Elsenbahnen
des Landes und des Post-, Telefon- und Telegrafendienstes werden ueber 15 Millionen Arbeitstage fuer italienische Arbeiter ermoeglichen.

- 19 -

�Zu i h r e r Finanzierung hat die Marshall Plan Verwaltung etwa 60 Billionen
Lire aus dem i t a l i e n i s c h e n Gegenwertfonds freigegeben»
An den vorgeschlagenen Verbesserungen der Bisenbahnen werden 140.000 Arbeit e r 100 Tage land beschaeftigt werden koennen. Diese Verbesserungen bestehen in
Wiederaufbau der G l e i s - und Bahnhofsanlagen, Instandsetzung rollenden Materials
und Herstellung von Werkzeugmaschinen und Vorrichtungen zur Beseitigung gebrauch sunfaehigen Materials« Darueberhinaus wird die laufende Beschaeftigungsz i f f e r zur Bedienung der wiederhergestellten und neuen Anlagen b e t r a e c h t l i c h
erhoeht werden muessen.
Im Rahmen der Ausdehnung und Modernisierung des Telefon*, Telegrafen- und
Postdienstes i n I t a l i e n wird 14*000 Arbeitern 100 Tage lang beim Aufbau und bei
der Beschaffung des erforderlichen Materials Beschaeftigung geboten.
BCA Labor Information
28» November 1949
- 20 -

Office of Labor Affairs
HK0G, APO 757

QFFICIAL

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                <text>&lt;p&gt;Truman: Gewerkschaften führend im Kampf um Freiheit&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;AFL kritisiert Adenauers Äußerungen&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Das Problem der kleinen Einkommen&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Amerikanische Gewerkschaften warnen vor arbeiterfeindlicher Propaganda&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Das internationale freie Gewerkschaftswesen erzielt Fortschritte&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Arbeiterfeindliche amerikanische Zeitschrift verherrlicht Streikbruch&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Schuman-Plan-Komitee des IBFG&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Die Geschichte der Stahlarbeitergewerkschaft&amp;nbsp;Amerikas ist mit Lettern in Blut geschrieben&lt;/p&gt;</text>
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