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                    <text>A M E R I K A

D I E N S T

A N S P R A C H E

des Stellvertretenden Außenministers
der Vereinigten Staaten von Amerika

Staatssekretär
GEORGE W. BALL

vor der
Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik

am Montag, dem 2. April 1962
in der Beethovenhalle zu Bonn

�AMERIKA-DIENST - Sonderbeilagen 1962

A

5*1•

In Berlin wird die Freiheit des "Yestens verteidigt
Von McGeorge Bundy (Rede vom 6. Dezember 1961 vor dem
Economic Club in Chicago)

A

19#1.

Präsident Kennedy unterbreitet Botschaft zur Lage der
Nation - State of the Union Message vom 11.Jan. 1962

W

26.1.

Präsident Kennedy legt neuen US-Haushalt vor
Zusammenfassung der wesentlichsten Punkte der Haushaltbotschaft vom 18. Jan. 1962

W

26.1.

Präsident Kennedy legt Kongress Wirtschaftsbericht vor
Zusammenfassung und Auszüge aus der Wirtschaftsbotschaft
vom 22. Jan. 1962

W

2.2.

Präsident Kennedy fordert umfassende Vollmachten zum
Abbau der Zollschranken - Wortlaut der Aussenhandelsbotschaft vom 25. Jan. 1962

W

9«2.

Präsident Kennedy legt neues Landwirtschaftsprogramm vor
Vier-Punkte-Landwirtschaftsprogramm vom 30« Jan. 1962

A

16.2.

A

2.3»

Projekt Mercury

A

9»3«

Freiheit von Krieg - Das Programm der bereinigten Staaten
für allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen
Welt (25. Sept. 1961)

A

9»3«

Kernwaffenversuche und Abrüstung
Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Kennedys vom
2. März 1962

A

9.3.

Die amerikanisch-sowjetische Grundsatzerklärung zur Abrüstung vom 20. September 1962

A

23.3»

Erklärung Rusks zu Beginn der Genfer Abrüstungskonferenz
'' ortlaut der Erklärung des US-Aussenministers vom 15. März
1962 in Genf

A

30.3.

USA wünschen internationale Zusammenarbeit in der Weltraumforschung
Ansprache Botschafter Francis T.P. Plimptons vom 19. März
1962 vor dem UN-Ausschuss für die friedliche Nutzung des
Weltraums

Präsident Aennedy unterbreitet Gesetzesvorlage über
kommerzielles Pernmeldesatelliten-Netz
Gesetzesvorlage vom 7» Feb. 1962
-

Glenns Flug - ein grosser Schritt
vorwärts

�Die Atlantische Partnerschaft im Werden
Ansprache Staatssekretär George W. Balls vom 2. April 1962
vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in
Bonn
A

19*4»

Die Verteidigungspolitik der USA und die NATO
Von Paul H. Hitze (Wortlaut der Ansprache vom 11. April
1962 vor der Amerika-Gesellschaft in
Hamburg)

A

2?.6.

US-Verteidigungsminister unterstreicht militärische
Stärke der NATO
Auszüge aus einer ^ede Robert S, McNamaras vom 16. Juni 1962
anlässlich der .Abschlussfeierlichkeiten vor Studenten der
Universität Michigan

A

22.6.

Nachrichtensatelliten verbinden Kontinente

A

29.6.

Die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika
(Stand: 20. Juni 1962)

A

13•7•

Unser Ziel: Die Atlantische Partnerschaft
Wortlaut der llede Präsident Kennedys vom 4» Juli 1962
in Philadelphia

A

31.8.

Vertragsentwurf für die Einstellung aller Kernwaffenversuche
V/ortlaut des vom Westen in Genf am 27. August 1962 unterbreiteten Vorschlages

A 28.9»

Stevenson vor der UN-Vollversammlung
Wortlaut der Grundsatzerklärung, die Botschafter Adlai E.
Stevenson am 20. September 1962 vor der 17« Vollversammlung der Vereinten Nationen abgegeben hat

W

28.9«

Kennedy: Erhaltung der Stärke des Dollars ein weltweites
Problem - Ansprache des US-Präsidenten vor Vertretern
der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds vom
20. Sept. 1962

A

5»10.

Freunde und Verbündete
Von l'cGeorge Bundy (Artikel aus der Oktober-Ausgabe der
Zeitschrift "Foreign Affairs")
Das gegenwärtige Stadium des kalten Krieges
Von Walt W. Rostow (Vortrag vor der Ernst-Reuter-Gesellschaft
am 18. Oktober 1962 in Berlin)
Kuba-Erklärung Präsident Kennedys
Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache vom 22. Okt. 1962

W

9»11»

Die amerikanische Ansicht über die europäische Wirtschaftsgemeinschaft
Ansprache des Gesandten Brewpter H. Morris vom 6. Nov. 1962
vor der Handelskammer Bremen

A

23.11.

Die Atlantische Partnerschaft und ihre Verantwortung in
der Welt - Senator Fulbright, 19.11.1962, Universität Bonn

�A M• E R I K A D I

E N S T

Allg./5.1 .1962
IN BERLIN WIRD DIE FREIHEIT DES WESTENS VERTEIDIGT
Von McGeorge Bundy

CHIGAGO - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den vollen Wortlaut der vielbeachteten
Rede, die McGeorge Bundy, Sonderberater und
1. Sicherheitsreferent Präsident Kennedys, am
6. Dezember 1961 vor dem Economic Club in
Chicago gehalten hat.

Politik für das Bündnis des Westens - Berlin und danach
I. Einleitung

Das Thema, das ich mir für diesen Vortrag gestellt habe, ist so
weit und allgemein gefaßt, daß es geradezu anmaßend erscheinen könnte,
In Wirklichkeit beabsichtige ich das Gegenteil. Ich möchte nämlich übei
die Kräfte sprechen, die unsere Politik gestalten, und weniger über
diese Politik selbst. Insbesondere will ich heute abend nicht versuchen
eine amerikanische Politik für die Behandlung des unmittelbar akuten
Problems der Freiheit Berlins zu formulieren. Dies ist bereits und
wird im Verlauf der Krise erneut durch den Präsidenten und den Außenminister geschehen. .
Ich möchte etwas ganz anderes tun, nämlich den größeren Zusammenhang der fortdauernden Zielsetzungen und Möglichkeiten des Westens
skizzieren, in dem sich diese Berlin-Krise abspielt. Die Berlin-Krise
hat vielerlei Aspekte: Sie ist.offensichtlich ein Test für den Willen
des Westens und den Ehrgeiz der Sowjets; sie ist eine Auseinandersetzung, bei der es um Freiheit und Hoffnung im Leben von zwei Millionen tapferen Westberlinern geht; sie ist ein Test für das Verständnis
und die faire Geisteshaltung neutraler Staatsmänner.
Berlin

1

-

�"AMERIKA DIENST"

5. Januar 1962

Berlin ist aber auch in einem noch umfassenderen Sinne ein
Test - nämlich für die Beziehungen zwischen den in erster Linie
beteiligten Ländern des Westens, und das ist meines Erachtens von
zentraler Bedeutung. Gegenstand unserer Politik in Berlin muß es
sein, mit den Zielen unserer Eolitik gegenüber Gesamteuropa voranzukommen. Wenngleich ich auf bestimmte Probleme der Formulierung eines
gemeinsamen alliierten Standpunkts hinsichtlich der politischen und
militärischen Verteidigung der Freiheit West-Berlins nicht eingehen
möchte, glaube ich deshalb dennoch, im Zuge der Erörterung der weiteren Zielsetzungen des westlichen Bündnisses einige für die gegenwärtige Krise relevante Betrachtungen anstellen zu können.
Bevor ich aber nun zum eigentlichen Thema komme, möchte ich zweierlei vorausschicken. Erstens ist anzumerken, daß mir, wenn ich heute
abend insbesondere von dem atlantischen Bündnis spreche, eine Geringschätzung unserer anderen wichtigen Verbindungen in dieser Hemisphäre,
in Asien, im Mittelmeerraum und in Afrika fernliegt. Die Zeiten sind
längst vorbei, da die Vereinigten Staaten einen Teil der Welt gegenüber
anderen mit Vorrang behandeln konnten. Wir müssen vielmehr bestrebt
sein, in allen Teilen der freien Welt politische Konzeptionen zu entwickeln und zu verwirklichen, die dazu beitragen,, die mannigfaltigen
Interessen vieler stolzer und unabhängiger Völker unter einen Hut
und in Einklang zu bringen. Es bestehen zählebige Differenzen und tief
eingewurzelte Spannungsursachen im Verhältnis zwischen Nationen, die wir
allesamt zu unseren Freunden zählen möchten. Es ist ganz natürlich,
daß es einigen Amerikanern mehr um die eine Seite der Problematik und
anderen mehr um andere Seiten geht. Aber das ist nicht der Standpunkt
der gegenwärtigen Regierung der Vereinigten Staaten. Die Ära der "neuen
Grenze" zeigt ein neues und verstärktes Interesse an den Problemen und
Möglichkeiten der Entwicklungsländer, doch liegt ihr auch Europa am
Herzen. Hier haben wir es mit komplementären, nicht einander zuwiderlaufenden Zielsetzungen zu tun - und das Bild unserer Beziehungen zu
Europa, das ich sogleich zu skizzieren versuchen werde^ läßt sich voll
und ganz mit lebhafter und verständnisvoller Aufgeschlossenheit für
andere Kontinente vereinbaren. Dabei handelt es sich gewissermaßen um
eine Politik für Europa nach Beendigung des Kolonialzeitalters. Je mehr
die Atlantische Gemeinschaft selbst an Kraft, und Stärke zunimmt, .desto
größer kann und sollte auch ihr Beitrag, zum Wohlergehen anderer Teile
der Welt werden.
Meine zweite Vorbemerkung betrifft die Natur unserer europäischen
Angelegenheiten selbst. Die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu Westeuropa werden üblicherweise in drei Sparten unterteilt: in wirtschaftliche, militärische und politische Beziehungen. Das ist eine vernünftige
und praktische, wenngleich wohlgemerkt eine unrealistische Einteilung.
Recht eigentlich ist wirksames Handeln in allen drei Sparten stets politisch bestimmt, weil es die Grundausrichtung der Macht und Zielsetzung
bei den betreffenden Nationen berührt. Schon ein kurzer Blick auf die
Entwicklung seit dem zweiten Weltkrieg wird diese Feststellung bestätigen. Der Marshallplan war ein wirtschaftliches Unternehmen. Sein

2

�AMERIKA DIENST"

5. Januar 1962

Sein unmittelbarer Zweck war der wirtschaftliche Wiederaufbau der
Teilnehmerländer, die der zweite Weltkrieg in dieser Beziehung
ernstlich geschwächt hatte. Doch im größeren Rahmen verfolgte der
Marshallplan einen politischen Zweck - nämlich die Bewahrung der
Freiheit in Westeuropa angesichts der doppelten Bedrohung durch
Kommunismus und Chaos. Die Entscheidung des Kongresses der Vereinigten Staaten fußte immer auf dieser politischen Lagebeurteilung, und
die Zusammenfassung der Programme durch die europäischen Staaten selbst
wäre ohne das Vorhandensein äußerst akuter politischer Besorgnisse
unmöglich gewesen.
Dasselbe läßt sich ebenso leicht im militärischen Bereich beweisen. Das Ausmaß unserer Militärhilfe im Jahre 1949» die Bildung
eines Oberkommandos unter General Eisenhower im Jahre 1950» die "große
Debatte" der folgenden Monate über die Entsendung von Truppen nach
Europa und jede einzelne der anschließenden wichtigen militärischen
Entscheidungen der fünfziger Jahre - sie alle hatten in faszinierender
Vielfalt politische Ursprünge und politische Folgen, die über ihre
unmittelbare militärische Bedeutung weit hinausreichten. Zwar mag es
zweckmäßig sein, das europäische Problem in Einzelelemente aufzuteilen,
doch ist dies auch gefährlich, und es ist wichtig, bei jedem Abschnitt
im Auge zu behalten, daß wir über verschiedene Aspekte einer einzigen,
zusammenhängenden "Politik für den Westen" sprechen.

II. Wirtschaftsfragen
Nach diesen Vorbemerkungen darf ich mich sogleich dem Bereich der
Wirtschaft zuwenden. Hier ist der glänzende Erfolg des Gemeinsamen
Marktes in Europa die hervorstestende Tatsaehe für die heutigen politischen Planer. Dieser Erfolg ist in erster Linie wirtschaftlicher Art
im engsten Sinne.des Wortes. Der Gemeinsame Markt funktioniert, und er
funktioniert so, wie die Verfechter des amerikanischen Systems schon
immer behauptet hatten, daß er funktionieren würde. Es ist Tatsache und
nicht mehr lediglich eine Theorie, daß die Ausweitung der Märkte, der
Abbau innerer Handelsschranken und die Hoffnung auf weitere stetige
Fortschritte in diesen Richtungen den Zentralstaaten des freien Europa
eine neue und aufsehenerregende wirtschaftliche Stärke verliehen haben.
Die Wunder, die in der Nachkriegszeit unabhängig voneinander in Deutschland, Frankreich und Italien vollbracht worden sind, treten jetzt in
eine zweite Phase ein; sie werden zum Wunder des Gemeinsamen Marktes.
Und ich brauche diesem Zuhörerkreis sicherlich nicht erst zu sagen,
daß jene Männer, die die Entscheidungen über Investitionen in aller
Welt treffen, deren Rangfolge angesichts dieses neuen Phänomens von
Grund auf neu durchdacht haben. Großbritannien hat den Wunsch geäußert,
sich dem Gemeinsamen Markt anzuschließen. Es ist keine abwegige Annahme,
daß diese Entscheidung, sofern sie der Auftakt zu ersprießlichen Verhandlungen zwischen allen Beteiligten ist, künftig mehr Anlaß bieten
dürfte, des Jahres 1961 zu. gedenken, als die brennenden Krisen, die
dieses Jahr im Augenblick noch zu kennzeichnen scheinen,.
TT

-

5 -

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5. Januar 1962

Unsere Regierung begrüßt sowohl die Entstehung des Gemeinsamen
Marktes als auch den in Aussicht genommenen Beitritt Großbritanniens.
Mit dieser Haltung verfolgt die gegenwärtige Regierung wie schon die
Regierung Eisenhower ein im Grunde politisches Ziel. Wir glauben an
die Einigung Europas - und ich werde später noch mehr über die Gründe
hierfür zu sagen haben. Für den Augenblick sei bezüglich des Erfolgs
des Gemeinsamen Marktes nur festgestellt, daß er uns - was die Führung
unseres Außenhandels angeht - vor eine große Aufgabe stellt und uns
eine große Gelegenheit bietet. Wir müssen uns nun entscheiden, ob wir
angesichts dieses neuen befreundeten Konkurrenten zu einem ehrlichen
und offenen Wettbewerb auf den Märkten der freien Welt bereit sind
oder ob unsere jahrhundertelange Überzeugung, daß offene Märkte der
Freiheit und dem Wohlstand der Menschheit dienlich sind, nunmehr einer
restriktiven und ängstlichen Politik geopfert werden soll.
Es wäre nichts damit gewonnen, wollte man vorgeben, dieses Problem
existiere nicht. In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg engagierte
sich die unversehrte und produktionsstarke amerikanische Wirtschaft
so sehr auf den Weltmärkten, daß der Erfolg oder Mißerfolg unseres
Exporthandels heute die Existenzgrundlage von Millionen unserer Bürger
in allen Teilen des Landes und in einer bemerkenswerten Reihe von
Wirtschaftszweigen berührt. Dahinter steckt eine stolze Leistung, die
nicht zunichte gemacht werden darf.
Unser Ausfuhrüberschuß belief sich im Durchschnitt der letzten
acht Jahre auf jährlich fünf Milliarden Dollar. Dieser Überschuß bewirkt weit mehr, als Arbeitsgelegenheiten für Amerikaner zu schaffen er kommt unserer internationalen Sicherheit zugute. Ohne ihn würden
unsere Bündnisse verkümmern, unsere Überseepositionen nicht aufrechterhalten werden können, unsere Hilfsprogramme und auch unsere Auslandsinvestitionen schrumpfen; unsere Führungsstellung in der freien Welt
würde geschwächt und unsere anspruchsvollen Behauptungen über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einer freien Gesellschaft klängen hohl.
Es wäre etwas kraß, zu sagen, daß wir exportieren oder krepieren
müssen. Es entspricht aber der reinen und unverblümten Wahrheit, daß
wir nicht an dem Punkt Halt machen dürfen, bis zu dem wir gelangt sind.
Unser Exportüberschuß ist nicht länger eine zwangsläufige Folge einer
scheinbar mühelosen wirtschaftlichen Überlegenheit; unsere.Position
im Welthandel wird sich fortan je nach der Stärke und Richtung unserer
Reaktion auf die gegenwärtigen Erfordernisse eines neuen Welthandelsgefüges verbessern oder verschlechtern. Und wenn dieses neue Gefüge
auch viele Komponenten aufweist, so verdient doch die Frage unseres
Verhältnisses zu dem heranwachsenden europäischen Wirtschaftsgiganten
mit Fug und Recht in erster Linie unsere Aufmerksamkeit.
Die zentrale und entscheidende Frage lautet, ob wir und auch
Europa willens und fähig sind, die Probe eines fairen Wettbewerbs zu
bestehen. Gerade wegen unserer außergewöhnlichen Vorzugsstellung sind

- 4 -

�"AMERIKA DIENST"

5. Januar 1962

sind hierzulande einige Wirtschaftszweige - und ich mache hier keinen Unterschied zwischen Kapital, Arbeitgebern und Arbeitnehmern verweichlicht. Nicht alle unsere Märkte im In- und Ausland wurden
durch eindrucksvolle Demonstrationen der Produktionsstärke, Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit gewonnen. Heute sehen wir uns
in unserem Handeln vor neue und immer schwierigere Bewährungsproben
gestellt.
Die derzeitige Regierung denkt nicht daran, diesen Bewährungsproben auszuweichen. Wir glauben nicht, daß es eine wirtschaftliche
"Festung Amerika" geben kann. Wir nehmen nicht an, daß unter allen
Staaten ausgerechnet Amerika einen fairen Wettbewerb zu fürchten
braucht. Wir glauben im Gegenteil, daß die Entstehung eines neuen
großen Produktions- und Handelszentrums uns allen zugute kommen wird.
Wir halten es für angebracht, engere und festere Handelsbeziehungen auf den offenen Märkten freier Länder anzusteuern, statt aus Furcht
oder engstirnigem Eigennutz der Aussicht auf eine kräftige und für
alle Teile ersprießliche Ausweitung des Export- und Importverkehrs
zwischen den großen, freien Handelsnationen den Rücken zu kehren.
Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, daß eine solche Politik
unproblematisch sei. Es war schon immer so, daß das gemeinsame Interesse am freien Handel Druckwirkungen auf die Sonderinteressen und
altgewohnten Erwartungen einzelner Gruppen hervorruft. Das Ärgerliche
an einem rein lehrbuchmäßigen Begnügen mit Freihandelsthesen bestand
schon immer darin, daß dabei die Frage nach den Arbeitsplätzen, den
Eigentumsverhältnissen und den Menschen leicht mit Nonchalance übergangen wird. Das entspricht nicht der Einstellung unserer Regierung.
Uns geht es nicht um Lehrmeinungen, sondern um das, was in der Welt
tatsächlich geschieht, Zudem sind wir nicht der Auffassung, eine
plötzliche Umkehrung aller Dinge sei der Schlüssel zum Erfolg. Wirklich einschneidende Veränderungen der Handelsstruktur zeitigen jeweils
dann die besten Ergebnisse, wenn sie sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren verteilen. Anpassungshilfe zur Erleichterung des Übergangs in Sonderfällen kann und sollte gewährt werden. Zweckdienliche
Regelungen dieser Art vorausgesetzt, sind wir gewiß, daß die praktischen Auswirkungen auf den Wohlstand aller Amerikaner eine kühne Politik des wirtschaftlichen Selbstvertrauens rechtfertigen werden.
Der Handel ist natürlich keine Einbahnstraße, und als Gegenleistung für einen verstärkten Zugang zu unserem eigenen großen Markt werden wir eigene Interessen wahrzunehmen haben. Ein gemeinsamer Markt
kann, wie verschiedene Perioden unserer Geschichte zeigen, offen
oder geschlossen sein, und wir sind nicht gewillt, uns auf eine Politik des einseitigen Freihandels zugunsten von Partnern einzulassen,
die nicht bereit sind, uns die Gegenseitigkeit zuzugestehen. So müssen z
sowohl unsere Agrar- als auch unsere Industrieprodukte angemessenen
Zugang zu diesem neuen großen Markt erhalten.
Natürlich

-

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5. Januar 1962

Natürlich beschränkt sich der amerikanische Handel ebensowenig
nur auf Europa, wie die politischen Verpflichtungen der USA an den
Grenzen des hordatlantischen Bündnisses enden. Bei der Festlegung
unserer Außenhandelspolitik gegenüber dem neuen Europa müssen und
wollen wir die Handelsbedürfnisse anderer Freunde in Lateinamerika,
Japan usw., die bisher noch keinen Zugang zum europäischen Markt hatten, im vollen Umfang berücksichtigen. Der große Plan für einen
prosperierenden, expandierenden Handel in der freien Welt ist zwar
klar und einfach, doch wird jeder Schritt nach vorn vielschichtige
und sorgfältige Maßnahmen zur Wahrung der mannigfaltigen Interessen
der einzelnen Nationen und Völker erfordern, die durch übermäßige,
einengende Vereinfachungen leicht ernstlich beeinträchtigt werden
könnten.
Hier ist nicht der Ort für fachliche Darlegungen über unsere
beabsichtigte Reaktion auf die uns aus dem Gemeinsamen Markt erwachsende neue Herausforderung. Das bisher Gesagte dürfte genügen, um
klarzustellen, daß wir in eine neue und wichtige Phase der Ausrichtung unserer Handelspolitik in Theorie und Praxis eintreten. Das endgültige Ergebnis der Debatte läßt sich nicht voraussagen. Doch besteht Klarheit hinsichtlich ihrer Bedeutung und bei denjenigen, die
sich der Verheißungen der Atlantischen Gemeinschaft bewußt sind, auch
hinsichtlich der Grundrichtung. Wir müssen uns auf Partnerschaft,
nicht auf Protektionismus einstellen.

III. Militärische Fragen
Der Gemeinsame Markt verspricht zu einer steten Energie- und
Wohlstandsquelle für die Gesamtwirtschaft Westeuropas zu werden; die
militärische Sicherheit dieses Gebietes ist jedoch noch nicht so eindeutig gewährleistet. Zwei Hauptaspekte bestimmen hier die Politik:
konventionelle Rüstung und Kernwaffenpotential.
Für die Vereinigten Staaten ist das Hauptziel dasselbe wie in
den ersten Tagen der NATO: sie fördern den Aufbau einer allgemeinen
militärischen Position zur Abschreckung sowjetischer Aggressionsversuche und gleichzeitig zur Festigung des Selbstvertrauens der Völker
des Westens.
Dieses doppelte Ziel erfordert nach unserer Auffassung heute eine
beträchtliche Verstärkung der herkömmlichen Streitkräfte des nordatlantischen Bündnisses. Selbstverständlich sind wir wegen der Berlin-Kris
besonders besorgt, aber unsere Politik ist weder auf einen einzigen Bewährungsfall abgestellt, noch wird sie von einem solchen bestimmt. Die
freien Nationen Europas sind nach ihrer Bevölkerungszahl, ihren Fähigkeiten und Energien der Sowjetunion mehr als gewachsen. Nach unserer
Meinung wäre es -nicht richtig, wenn die bedrohliche und erhebliche
Unterlegenheit ihrer konventionellen Streitkräfte hinsichtlich der
Truppenstärke und Bewaffnung bestehen bleibt. Wir glauben, daß Europa

-

6

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5. Januar

1962

Europa ernstlich auf seine Selbstverteidigung in den militärischen
Bereichen unterhalb der Kernwaffenschwelle bedacht sein sollte. Wir
sehen keine Möglichkeit für die Vereinigten Staaten, dies stellvertretend für Europa zu tun. Doch wie wir jahrelang in führender
Weise die Notwendigkeit der atomaren Stärke in Europa betont haben,
so scheint es heute ebenso wichtig zu sein, daß wir keinen Zweifel
an unserer jetzigen Erkenntnis der Notwendigkeiten auf dem Gebiet
der herkömmlichen Rüstung bestehen lassen. Die Atomwaffen müssen
weiterhin als letztes Abschreckungs- und als Vergeltungsmittel für
den Fall einer massiven Aggression vorhanden sein und vervollkommnet
werden. Sie tragen aber nicht für alle Zeiten allen Erfordernissen
der freien Welt Rechnung, und der europäische Schild bedarf eines
neuen und beträchtlichen Zuwachses an herkömmlicher militärischer
Stärke.
Lassen Sie mich aber nochmals betonen, daß die Sorge unserer Regierung um eine Verstärkung der herkömmlichen Streitkräfte keineswegs
als Mangel an Interesse oder Vertrauen in der Frage der wirksamen Kern»
Waffenbereitstellung auszulegen ist.
Die auf Kernwaffen beruhende Abschreckingskraft der freien Welt
ist heute für die militärischen Zwecke der NATO mehr als ausreichend.
Die NATO kann nicht nur auf die volle Unterstützung der außerordentlich starken strategischen Verbände zählen, die den Vereinigten Staaten und Großbritannien zur Verfügung stehen, sondern sie ist auch
selbst eine Atommacht. Unmenschliche, gegen sogenannte "Geiseln" gerichtete Angriffsdrohungen dürften zum Nachteil der eigenen Interessen
auf jene zurückfallen, die sich ihrer bedienen. Europa kann nicht
angegriffen werden, ohne dadurch vernichtende Gegenschläge der Atomstreitkräfte der NATO sowie der außerhalb Europas bereitstehenden Verbände auszulösen.
Es ist jedoch an der Zeit, unsere Planung für die zukünftige atomare Stärke der NATO weiterzuführen. In Europa ist man offensichtlich
und in zunehmendem Maße darum besorgt, ob diese Dispositionen sich
vollkommen mit den europäischen Erfordernissen und Wünschen decken
werden. Die Grundhaltung unserer Regierung zu diesem Punkt wurde vom
Präsidenten in einer bedeutsamen Rede im Frühjahr dieses Jahres in
Ottawa dargelegt. Damals unterstrich er die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, die Schaffung einer NATO-Atomabschreckungsflotte mit
gemeinschaftlichem Verfügungs- und Kontrollrecht der Mitgliedstaaten
in Erwägung zu ziehen. Er bot der NATO an, ihr fünf Polaris-Untersee!boote - und gegebenenfalls auch m e h r - zur Verfügung zu stellen, Die
unmittelbare Inanspruchnahme der leitenden Beamten in allen Regierungen
durch Vorbereitungen im Hinblick auf den Gefahrenherd Berlin hat die
weitere Behandlung dieses wichtigen Problems verzögert, doch ist die
amerikanische Regierung der Auffassung, daß eine konstruktive und
wirksame Lösung sowohl wichtig als auch möglich sei. Ein auf die
militärische Stärke der NATO vertrauendes Europa wird sich gegenüber sowjetischen Drohungen,in einer Stellung befinden, die die
Einheit und das Selbstvertrauen des gesamten westlichen Bündnisses
r.ur zu festigen vermag.
IV.

�"AMERIKA DIENST"

5. Januar

1962

IV. Politische Fragen
Wenn ich mich jetzt spezifisch politischen Fragen zuwende,
so muß ich wiederholen, daß natürlich all diese Dinge politischen
Charakter haben. Wenn wir neue Handelsbeziehungen zum Gemeinsamen
Markt finden und hinsichtlich der konventionellen wie auch der
nuklearen Waffen eine neue kooperative Stärke entwickeln können,
sind wir in unserer grundsätzlichen Politik der Partnerschaft mit
dem wiedererstandenen und gestärkten Europa schon ein gutes Stück
vorangekommen. Es bleibt jedoch ein spezifisch politisches Problem
zu lösens das Problem der einzelstaatlichen Souveränität der Länder
Westeuropas. Hier also besteht eine Diskrepanz zwischen unserem
Wollen und unseren Möglichkeiten - denn dieses Wollen ist auf die
politische Einheit Westeuropas gerichtet, und es ist ganz klar, daß
wir Amerikaner dieses große Ereignis nicht herbeiführen können.
Große souveräne Staaten wie England, Frankreich, Deutschland und
Italien lassen sich nicht auf einen Wink mit dem amerikanischen Taktstock zu einer neuen europäischen Nation verschmelzen. Dennoch ist
unsere Einstellung dazu keineswegs irrelevant. Die im Hinblick auf
die europäische Einheit seit 1947 unternommenen.Schritte sind weder
an Zahl gering noch unbedeutend, und jeder dieser Schritte war weitgehend von der Sympathie, wenn nicht gar der Unterstützung der Regierung der Vereinigten Staaten abhängig. Das wird auch in Zukunft
so bleiben.
Die Entwicklungslinie in Europa ist klar. Das europäische Schicksal erfordert jetzt eine neue politische Gemeinschaft. Der Weg, auf
den sich die sechs mitteleuropäischen Staaten in Rom begeben haben,
ist keine Sackgasse, sondern eine Hauptstraße, und die nächsten
Maßnahmen sind bereits eingeleitet.. Nach meiner Auffassung ist es
kein Zufall, daß wir eine wachsende Übereinstimmung der Ansichten über
bestimmte politische Probleme zwischen Bonn und Paris feststellen
können, und diese Übereinstimmung bildet im weitesten Sinne auch
keineswegs eine Gefahr für die Vereinigten Staaten.
Ich glaube wirklich, daß es für die Vereinigten Staaten besser
wäre, wenn das Verhältnis zwischen unserer Stimme und denen unserer
Hauptpartner im Bündnissystem der freien Welt weniger ungleich wäre.
So, wie die Dinge jetzt liegen, sind wir auf der Seite der Freiheit die
einzige Großmacht im vollen Sinne des 20. Jahrhunderts. Das.Vereinigte
Königreich hat auf Grund seiner historischen Leistungen und der fortbestehenden Commonwealth-Bindungen weiterhin großen Einfluß. Die
Stimme Frankreichs wird in der Welt immer Gehör finden, und sie ist
eine Stimme von ungewöhnlicher Beredsamkeit und persönlicher Autorität in diesen Jahren der Ära de.Gaulle. Die wachsend« Bedeutung Italiens und Deutschlands ist ebenso offenkundig. Alle diese Stimmen
aber sprechen von Machtebenen aus, die sich mit denjenigen der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion einfach nicht vergleichen lassen,
und dieser Unterschied beeinträchtigt zwangsläufig die Gespräche. Für
den Stolz oder die Urteilskraft dreier Menschen ist Teilabhängigkeit

-

8

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�"AMERIKA DIENST"

5. Januar 1962

Teilabhängigkeit statt Wechselseitigkeit auf gleichem Fuß nicht gut;
und wenn eine Macht sehr viel stärker ist als ihre Verbündeten, besteht oft die ungesunde Neigung, sich einzigartige Extraverbindungen
zum Hauptmachtzentrum zu verschaffen. Es wäre besser, wenn Europa
selbst eine einzige Großmacht wäre. Ein Blick auf die wichtigsten
Kennziffern der Bevölkerungs-, Produktions- und RohstoffStatistik
zeigt, daß lediglich interne politische Schranken Westeuropa von dieser seiner neuen Rolle abhalten.
Es ist natürlich riskant, die Form der politischen Beziehungen
vorauszusagen, welche die Vereinigten Staaten mit einer Macht haben
könnten, die jetzt erst im Entstehen begriffen ist. Ich glaube aber, daß
die ersprießlichste Konzeption von der politischen Zukunft der Atlantischen Gemeinschaft, jene wäre, die von einer Partnerschaft zwischen
den Vereinigten Staaten einerseits und einer großen europäischen Macht
andererseits ausginge. Diese Partnerschaft würde sich den Aufbau- und
Abwehraufgaben widmen, die bewältigt werden müssen, wenn eine echte
Gemeinschaft freier Nationen geschaffen werden soll: Hilfe für die
Entwicklungsländer, Verteidigung gegen kommunistische Aggression. Diese
Partnerschaft wäre kein exklusiver Klub des weißen Mannes, sondern würde
den Blick vielmehr nach draußen auf größere Lasten und Aufgaben richten.
Jede dieser Großmächte hätte natürlich enge Assoziierte und Freunde!
Kanada und die lateinamerikanischen Staaten auf unserer Seite, das
Commonwealth und die weniger eng angeschlossenen europäischen Nachbarn
auf der anderen. Und alle zusammen wären im weiten Feld der für die
freie Welt kennzeichnenden gemeinsamen Unternehmungen und Bemühungen
mit den übrigen freien Nationen verbunden. Eine solche Partnerschaft
ist sinnvoller als eine voll ausgebildete Atlantische Union, die für
das Volk der Vereinigten Staaten verfassungsrechtlich und psychologisch
noch außerhalb des Bereichs der Möglichkeiten liegt. Jedenfalls ist
sie sinnvoller als das, was wir heute haben.
Y/as in solch einer neuen Partnerschaft geschehen könnte, läßt sich
vielleicht am besten an jenem außergewöhnlichen Verhältnis ermessen,
das sich im zweiten Weltkrieg zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten herausbildete. Obwohl auch damals schon kein wirkliches
Gleichgewicht der Kräfte bestand, führten Großzügigkeit und Einsicht
doch zur Aufrechterhaltung eines Verhältnisses grundsätzlicher Gleichberechtigung. Dies war für beide Seiten gut, und daß die relative Macht
Großbritanniens seit 1945 stark abgenommen hat, gereichte den Vereinigten Staaten keineswegs zum Vorteil. Ich meine, kurzum, daß die Partnerschaft der freien Welt nunmehr die Neubildung einer großen zentralen
politischen Kraft in Westeuropa erfordert. Amerikaner beider Parteien
haben diese Generallinie während dreier Präsidentschaften unterstützt,
und ich glaube, die Geschichte wird die Weisheit dieser unveränderten
Zielstrebigkeit bestätigen.
Uns

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�"AMERIKA DIENST

5 . Januar 1962

Uns schwebt also vor: ein neues Europa mit der wirtschaftlichen
Kraft, dem militärischen Selbstvertrauen und der politischen Einheit
einer echten Großmacht. Da große Staaten die Entstehung anderer großer Staaten im allgemeinen nicht gerade freudig zu begrüßen pflegen,
tun wir gut daran, kurz anzumerken, warum wir den Dingen in diesem
Falle mit solchem Vertrauen entgegensehen. Die Antwort ergibt sich
unmittelbar aus der derzeitigen Auseinandersetzung mit der Sowjetunion. Es steht außer Frage, daß wir und die freien Menschen Europas
ein gemeinsames Interesse daran haben, der kommunistischen Expansion
Widerstand zu leisten. Aus demselben Grunde können wir auch nicht annehmen, daß die Sowjetunion ihr seit fünfzehn Jahren verfolgtes Ziel,
die Atlantische Gemeinschaft zu spalten und zu schwächen, plötzlich
aufgeben sollte. Aber letzten Endes steht unser Vertrauen zu Europa
auf tieferer und festerer politischer Basis. Diese Menschen sind
durch Geschichte und Kultur, durch Sprache und Religion unsere Vettern.
Und Vettern sind wir auch in unserem heutigen Gefühl für menschliche
und soziale Sinngebung. In Westeuropa und in Nordamerika werden heute
erstmals die wahren Möglichkeiten der modernen Welt erschlossen.
Diese Gesellschaften sind im Begriff, gemeinsam die Schwelle zum
Jedermann-Zeitalter zu überschreiten, einem Zeitalter, in dem eine
glückliche Verbindung von Arbeit und Muße, von sozialer Aktivität
und individueller Verantwortlichkeit allen Bürgern das bieten kann,
was auch die größten Gemeinwesen der Vergangenheit nur für wenige
geschafft haben. Gewiß, um dieses Ziel erreichen zu können, bedarf
es einer ständigen Aufwärtsentwicklung des materiellen Wohlstands,
Aber dazu gehört auch noch eine schwieriger herzustellende, tiefer
greifende, entscheidende Bindung in Gestalt der von der ganzen Gemeinschaft der Staatsbürger geteilten Überzeugung, das ihr Endzweck
der Mensch mit seinen Möglichkeiten ist. Gerade weil wir dieses
Erbe mit Europa gemeinsam haben, können wir darauf vertrauen, daß
unser Ziel, Europa stark zu machen, ein weises Ziel ist. Dies ist
unsere Aufgabe im 20. Jahrhundert, die auf uns überkommen ist von
Griechen und Römern, von Judentum und Christentum, aus der Tradition
von Recht, Gesittung und Wissenschaft sowie aus den Idealen der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, die zu den Kriterien geworden
sind, nach denen sich das Gewissen der Menschheit ausrichtet.
Ich habe in meinen Ausführungen weit ausgeholt und bestreite
keineswegs, daß das neue Europa sicherlich nicht in einem Tag zu
vollenden sein wird. Wenn das von mir entworfene Bild über das Zeitalter des Nationalismus und Kolonialismus hinausgreift, dann nicht deshalb, weil diese Kräfte versiegt sind, sondern nur, weil sie so offenkundig Überbleibsel einer auslaufenden Vergangenheit und für die
wahre Mission Europas in der Gegenwart im Grunde bedeutungslos sind.
Ich darf Ihnen aber versichern, daß ich bei dieser weit ausgreifenden
Übersicht das Thema Berlin niemals aus den Augen verloren habe. Denn
die Verteidigung Berlins ist die Verteidigung Europas, und die Verteidigung Europas ist auch die Verteidigung der Vereinigten Staaten.
Dies gilt aus den allgemeinen Gründen unserer Hochschätzung freier
Menschen und des Widerstands gegen die Aggression, wie ich eingangs

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eingangs darlegte. Es gilt aber auch in einem umfassenderen und tieferen Sinne im Hinblick auf die Rolle Deutschlands für die Zukunft
Europas, und ich möchte meine Ausführungen mit einigen Worten zu diesem großen Thema beschließen.
In jedem der drei traditionellen Bereiche der Analyse kommt
Deutschland zentrale Bedeutung zu. Für den Gemeinsamen Markt ist
Deutschlands Beitrag unerläßlich; hinsichtlich der militärischen Verteidigung Europas ist seit 1950 klar, daß sie ohne eine verantwortliche deutsche Beteiligung nicht zu bewältigen ist; und die Politik
der europäischen Einigung ist weitgehend die Politik des neuen Deutschland, einer konstitutionellen Demokratie, die mehr und mehr in Gesamteuropa aufgeht.
Nichts an der zynischen Propaganda des Weltkommunismus ist gefährlicher und destruktiver als der schamlose Versuch, der Bundesrepublik Deutschland das Verdienst für jene außerordentliche politische
Leistung abzusprechen, die sie vollbrachte, indem sie aus der Asche
der Nazischmach ein anständiges, friedliches und freiheitliches Gemeinwesen erstehen ließ. Und unter demselben Gesichtspunkt ist für die
Atlantische Gemeinschaft nichts wichtiger, als daß Deutschland diese
Generallinie beibehält. Die Voraussetzung hierzu ist immerwährendes
Einvernehmen und ständige Partnerschaft sowohl in den allgemeinen Zielsetzungen, über die ich heute: abend hier gesprochen habe, als auch
dann, wenn es gilt, unmittelbaren Gefahren wie der gegenwärtigen sowjetischen Bedrohung Berlins zu begegnen.
Die freien Menschen Deutschlands haben die aus der Partnerschaft
erwachsenden Beschränkungen auf sich genommen. Als Gegenleistung erhielten sie unser feierliches Versprechen, die deutsche Wiedervereinigung
mit friedlichen Mitteln zu unterstützen. Es fiel uns nicht schwer, dieses
Versprechen zu geben; in Amerika war die Zweckmäßigkeit der Teilung
Deutschlands während des zweiten Weltkriegs immer umstritten, und die
Diskussion darüber war lange vor der Bildung der neuen deutschen Regierung zugunsten der Einheit entschieden. Die Teilung Deutschlands
bereitet den Deutschen brennenden Schmerz und ist eine Gefahr für die
Menschheit. Es bedarf keiner übermenschlichen Weisheit, die einfache
Wahrheit zu begreifen - eine Wahrheit, die jenseits der Rivalitäten des
Kalten Krieges liegt -, daß ein Beharren auf der Teilung Deutschlands
einem Beharren auf einer beständigen Bedrohung des Friedens in Europa
gleichkommt. Wir können die Sowjetunion nicht hindern, die schwere
Verantwortung eines solchen gefährlichen Beharrens auf der deutschen
Teilung auf sich zu laden, aber wir können und müssen unsererseits auf
unserem friedlichen Ziel der Wiedervereinigung bestehen.
Deutschland ist heute in mehrfacher Hinsicht bedroht; aber die
meisten dieser Bedrohungen sind geprägt von der entscheidenden Frage:
Teilung oder Einheit, das heißt, von dem gefährlichen und verderblichen
Willen, die freien Deutschen offen zu demütigen, was wir nicht zulassen
dürfen. Wir sind überzeugt, daß es Möglichkeiten gibt, um den vernünftigen Interessen einer vernünftigen sowjetischen Regierung Rechnung zu
tragen.- und deshalb glauben wir an Verhandlungen. Wir können aber

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aber niemals einer Regelung zustimmen, die das Vertrauen der Menschen
in der Bundesrepublik Deutschland und ihr Bekenntnis zur Freiheit
aushöhlt.
Deutschland ist demnach eine Frage von zentraler Bedeutung.
Daraus erwächst ihm aber keine allmächtige Stellung innerhalb des
Bündnisses. Wir können den Deutschen - und kein deutscher Staatsmann hat das je gefordert -.kein Einspruchsrecht gegen die Politik
des Westens zubilligen. Die Partnerschaft freier Menschen kann nicht
auf Anforderung eines einzigen Partners zur Wirkung gebracht werden. Wir müssen auf Meinungsverschiedenheiten mit allen unseren Verbündeten - in aller Aufrichtigkeit und Freundschaft - gefaßt sein.
Wir können von ihnen erwarten, daß sie unseren Standpunkt ebenso
berücksichtigen wie wir den ihrigen. Es bleibt aber ein wesentliches
Ziel unserer Politik in Europa - und in Berlin -, den freien Deutschen
keinen berechtigten Anlaß zu geben, je zu bedauern, daß sie uns ihr
Vertrauen geschenkt haben.
Das besondere ironische Moment der gegenwärtigen Krise liegt
darin, daß unsere Interessen und Absichten darauf abzielen, genau
das zu verhindern, was die Sowjetunion zu befürchten vorgibt.
Nicht unsere Verteidigung Berlins, sondern der Angriff der Sowjets
auf die Stadt droht den deutschen Nationalismus jener Art wiederzuerwecken, den wir alle lieber überwunden sähen. Nicht innerhalb der
europäischen Gemeinschaft, wohl aber in einer bindungslosen Isolierung
könnte Deutschland wieder den Frieden seiner Nachbarn gefährden. Nicht
in der Wiedervereinigung, sondern in der schmerzlichen, durch Trenn«
mauern gekennzeichneten Spaltung liegt die Versuchung zum Abenteuer.
So ist heute die Berlin-Krise der Prüfstein für unsere Deutschlandpolitik und unsere Deutschlandpolitik der Prüfstein für unsere
Europapolitik. Was wir angesichts der akuten Krise unternehmen, ist
nicht Selbstzweck, sondern geschieht im Hinblick auf ein größeres Ziel.
Während wir die Risiken der Auseinandersetzung ins Auge fassen während wir fruchtbare Verhandlungen anbahnen -, haben wir zugleich das
Recht und die Pflicht, daran zu denken, daß wir in Berlin, in Deutschland und in Europa alles verteidigen, was wir an Hoffnungen und Plänen
für die große Gemeinschaft der Freiheit den anderen voraushaben.

* * -x- * *
y

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�In dieser Woche machen wir uns erneut an unsere gemeinsame
und getrennte Aufgabe, die Zukunft Amerikas aufzuhauen. Aber
beklagenswerterweise bauen wir ohne einen Mann, der eine lange
Vergangenheit mit der Gegenwart verband und den Blick fest auf
die Zukunft richtete. "Mister Sam" Rayburn ist dahingegangen.
Weder dieses Haus noch.unsere Nation sind heute die gleichen
ohne ihn.
Mitglieder des Kongresses, die Verfassung macht uns nicht
zu Rivalen um die Macht, sondern zu Partnern für den Portschritt.
Wir sind alle Treuhänder des amerikanischen Volkes und Hüter des
amerikanischen Erbes. Meine Pflicht ist es, über die Lage der
Nation zu berichten - unser aller Pflicht ist es, sie.zu verbessern.
Im vergangenen Jahr bin ich nicht nur durch unser eigenes
Land gereist, sondern auch nach anderen Ländern - nach dem Norden, nach dem Süden und über die Meere. Und ich habe gefunden,
wie auch Sie sicherlich auf Ihren Reisen, daß die Menschen überall trotz gelegentlicher Enttäuschungen auf uns blicken - nicht
auf unseren Reichtum oder unsere Macht, sondern auf die strahlende

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strahlende Fülle unserer Ideale. Denn es ist die geschichtliche
Bestimmung unseres Landes, entweder Beobachter des Untergangs der
Freiheit zu sein oder die Ursache ihres Erfolges. Unsere höchste
Verpflichtung in den kommenden Monaten besteht darin, die Hoffnungen der Welt zu erfüllen, indem wir unseren eigenen Glauben erfüllen.
Stärkung der Wirtschaft
Diese Aufgabe muß im eigenen Land beginnen; denn wenn wir unsere eigenen Ideale nicht selbst verwirklichen können, dann können
wir von anderen nicht erwarten, daß sie sie akzeptieren. Und wenn
das kleinste Kind, das heute lebt, einmal erwachsen sein wird, dann
wird unsere Stellung in der Welt vor allem davon bestimmt sein, welche
Vorkehrungen wir heute treffen - für seine Erziehung, für seine Gesundheit und für seine Chancen auf ein gutes Heim, eine gute Beschäftigung und ein gutes Leben.
Im eigenen Land begann das (vergangene) Jahr in den Tiefen
einer wirtschaftlichen Rezession - und es endete auf den Höhen der
Wiedergesundung und des Wachstums. Mit Hilfe neuer von Seiten des
Kongresses gebilligter oder von seiten der Regierung verstärkter
Anreize für unsere Wirtschaft ist die Zahl der Gebiete mit einem
Überschuß an Arbeitskräften von 101 auf 60 verringert worden. Die
Zahl der nicht in der Landwirtschaft Beschäftigten hat um über eine
Million zugenommen, und in den Fabriken liegt die wöchentliche Arbeitszeit im Durchschnitt wieder über 40 Stunden. Zu Ende des Jahres eilte die Wirtschaft, die Herr Chruschtschow einmal ein "stolperndes Pferd" genannt hat, neuen Rekorden bei den Verbraucherausgaben, dem Arbeitseinkommen und der industriellen Produktion entgegen.
Wir sind darüber erfreut, aber wir sind nicht befriedigt. Zu
viele Arbeitslose warten immer noch auf die Segnungen des Wohlstandes.
Während jene, die unsere Schulen und Farmen verlassen, neue Arbeitsplätze suchen, nimmt die Automation bestehende Arbeitsplätze weg. Zur
Förderung unseres Wachstums und Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten
ersuche ich den Kongreß um drei Maßnahmen:
1 . die Verabschiedung eines Gesetzes zur Heranbildung von Arbeitskräften und zur wirtschaftlichen Entwicklung in Krisengebieten,
das der Verschwendung Einhalt gebieten soll, die mit arbeitsfähigen
und arbeitswilligen Männern und Frauen getrieben wird, deren einzige
Fertigkeiten durch die Aufstellung einer Maschine oder die Verlegung
eines V/erkes oder die Stillegung eines Bergwerkes wertlos geworden
sind;
2. die Verabschiedung eines Gesetzes zur beruflichen Förderung
von Jugendlichen, das dazu beitragen soll, daß nicht nur die eine
Million junger Amerikaner, die heute weder Ausbildungs- noch Arbeitsmöglichkeiten haben, sondern auch die 26 Millionen junger Amerikaner,
die sich in diesem Jahrzehnt in den Arbeitsmarkt einreihen werden,
eine Ausbildung und einen Arbeitsplatz finden; und

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3. Die Verabschiedung eines Gesetzes für einen achtprozentigen
Steuerkredit bei Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen, die zusammen mit der geplanten Revision der Abschreibungssätze unsere Modernisierung, unser Wachstum und unsere Wettbewerbsfähigkeit im Ausland fördern werden.
Darüber hinaus dürfen wir - so angenehm es auch sein mag, sich
im Lichte des Wiederaufschwungs zu sonnen - nicht vergessen, daß wir
in den letzten sieben Jahren drei Rezessionen mitgemacht haben. Wenn
man das Dach reparieren will, dann muß man es tun, solange die Sonne
scheint. Um drei wesentliche Lücken in unserem Schutz vor der Rezession
zu schließen, brauchen wir«
1. eine dem Veto des Kongresses unterworfene laufende Vollmacht
des Präsidenten, die Einkommensteuersätze innerhalb eines festgelegten
Rahmens und Zeitraumes nach unten anzupassen, um einen wirtschaftlichen
Rückgang zu bremsen, ehe er uns nach unten gezogen hat;
2. eine laufende Vollmacht des Präsidenten, bei einem bestimmten
Anstieg der Arbeitslosigkeit die wesentlichen Hilfsprogramme des Bundes
und die von ihm geförderten Hilfsprogramme zu beschleunigen; und
3. eine dauerhafte Stärkung unseres Arbeitslosenversicherungssystems,
um den Mitbürgern, die einen Arbeitsplatz suchen und ihn nicht finden
können, Kaufkraft und Lebensstandard zu erhalten, ohne ständig zu vorübergehenden Gesetzesänderungen Zuflucht nehmen zu müssen, wie wir dies in
den vergangenen Jahren im Kongreß und in der Regierung erlebt haben.
Wenn wir dieses 6-Punkte-Programm verabschieden, dann werden wir
der ganzen Welt zeigen, daß eine freie Wirtschaft durchaus eine stabile
Wirtschaft sein kann, daß ein freies System die Menschen nicht der
Arbeitslosigkeit zu überlassen braucht und daß eine freie Gesellschaft
nicht nur die produktivste, sondern auch die stabilste jemals von
Menschen erdachte Form des Zusammenschlusses ist.
Bekämpfung der Inflation
Aber die Rezession ist nur einer der Feinde einer freien Wirtschaft eine weiterer ist die Inflation. Im vergangenen Jahr, 19^1, blieben die
Verbraucherpreise trotz steigender Produktion und Nachfrage nahezu konstant, und die Großhandelspreise gingen zurück. Im Vergleich zu allen
anderen wirtschaftlichen Erholungsperioden der Nachkriegszeit ist dies
das beste Ergebnis auf dem Gebiet der allgemeinen Preisstabilität.
Nur zu oft folgt dem wirtschaftlichen Wachstum die Inflation auf
dem Fuße, während die Preisstabilität durch Stagnation oder Kontrollen
leicht gemacht wird. Aber wir sind willens, sowohl Stabilität als auch
Expansion in einem Klima der Freiheit zu erhalten.
Unsere Hauptverteidigungslinie gegen die Inflation sind die Vernunft
und der Gemeinsinn von Unternehmern und Gewerkschaften - die ihren Gesamtzuwachs an Löhnen und Gewinnen in Übereinstimmung mit der Produktivität halten müssen. Es gibt keinen allgemeinverbindlichen statistischen

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statistischen Maßstab, der jeder Firma und jeder Gewerkschaft als
Richtschnur dienen könnte, aber ich ersuche sie alle nachdrücklich,
im Interesse des Landes und in ihrem eigenen bei solchen geschäftlichen Angelegenheiten das öffentliche Interesse als Richtschnur
anzulegen.
In diesem Rahmen der Expansion und der Lohn-Preis-Stabilität .
hat die Regierung dazu beigetragen, unsere Wirtschaft wettbewerbsfähig zu erhalten, indem sie den Kleinbetrieben vermehrten Zugang
zu Krediten und Regierungskontrakten verschaffte und indem sie die
Maßnahmen gegen Monopole, Preisabsprachen und organisiertes Verbrechertum verstärkte; werden wir ein Gesetz über eine Gehaltsreform
für Bundesbedienstete vorlegen, das allen Beschäftigten in den Beamtenlaufbahnen, dem Postdienst und den anderen Dienstzweigen neue
Besoldungstarife bringt, die mehr denen in der Privatindustrie entsprechen; halten wir das Haushaltsdefizit im Finanzjahr 1962 weit
unter dem Stand, wie er sich als Folge der Rezession des Jahres 1958
ergeben hatte; und werde ich schließlich für das Finanzjahr 1963 einen
ausgeglichenen Bundeshaushalt vorlegen.
Wir tragen hier eine gemeinsame Verantwortung, die eine Mitarbeit des Kongresses bei den Bewilligungen sowie im besonderen bei
drei Arten von Einkünften erfordert:
1. einer Erhöhung der Postgebühren, um dem Defizit bei der Post
ein Ende zu machen;
2. der bereits früher geforderten Verabschiedung von Steuerreformen, um ungerechtfertigte Steuerbegünstigungen aufzuheben und
bei Dividenden und Zinsen die gleichen Abzugsverfahren einzuführen,
wie wir sie bereits seit langem bei den Löhnen anwenden; und
3. eine Verlängerung der gegenwärtigen Sätze für die Verbrauchsund die Körperschaftssteuer, mit Ausnahme solcher Änderungen, die in
einer Botschaft zum Transportwesen noch von mir empfohlen werden.
Stärkung Amerikas
Eine stärkere Nation und eine stärkere Wirtschaft erfordern jedoch mehr als nur einen ausgeglichenen Haushalt. Sie bedingen Fortschritte bei den Programmen, die unser Wachstum fördern und unsere
Stärke festigen.
Städte
Ein starkes Amerika beruht auf seinen Städten - die Amerikas
Ruhm verkünden, deren sich Amerika aber auch manchmal zu schämen hat.
Um das Dunkel durch Sonnenlicht, den Verfall durch Fortschritt zu ersetzen, haben wir die bestehenden Programme zur Neugestaltung der
Städte und für den Wohnungsbau noch intensiviert und neue in Angriff
genommen; haben wir die Maßnahmen zur Bekämpfung der Wasserverschmutzung

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Wasserverschmutzung verdoppelt, haben wir beschleunigt Maßnahmen
zum Ausbau der Plugplätze, zum Bau von Krankenhäusern und Straßen
sowie zum Ausbau der für den Massenverkehr unzulänglichen Durchgangsstraßen eingeleitet, und haben wir neue Mittel zur Bekämpfung
der Jugendkriminalität und des organisierten Verbrechertums geschaffen, die noch durch die koordinierten und energischen Bemühungen
unserer Fahndungsdienste unterstützt wird - durch die Bundeskriminalpolizei, den Steuerfahndungsdienst, das Amt zur Bekämpfung
des Rauschgifthandels und zahlreiche weitere Dienststellen. Wir
werden weitere gesetzgeberische Maßnahmen zur Bekämpfung des Verbrechertums, zur Sanierung des Massengüterverkehrs und des Transpartwesens brauchen und neue Mittel zur Bekämpfung der Luftverschmutzung. Und nachdem nun alle diese Maßnahmen eingeleitet worden sind, er
fordern es die Gerechtigkeit wie auch die Vernunft, daß die städtischen Gebiete des Landes, in denen drei Viertel unserer Bevölkerung
wohnen, ebenfalls im Kabinett vertreten sind. Ich fordere daher die
Errichtung eines neuen Ministeriums für Städtefragen und Wohnungsbau.
Landwirtschaft und natürliche Hilfsquellen
Ein starkes Amerika beruht ferner auf seinen Farmen und seinen
natürlichen Hilfsquellen. Die amerikanischen Farmer schöpften 1961
neuen Mut, nachdem die Einkommen aus landwirtschaftlicher Arbeit um
eine Milliarde Dollar anstiegen und beim Abbau der landwirtschaftliche
Überschußprodukte ein hoffnungsvoller Anfang gemacht wurde. Aber wir
arbeiten immer noch mit einem Flickwerk alter Gesetze, die uns allein
bei der Commodity Credit Corporation (CCC) eine Milliarde Dollar an
Lagergebühren ..kosten, mit denen es jedoch nicht gelungen ist, der
Armut auf dem Lande Einhalt zu gebieten oder die Erträge der Landwirtschaft wirklich zu steigern.
Es ist unsere Aufgabe, die großartige Produktivität unserer
Landwirtschaft zu meistern und sie voll für nutzbringende Zwecke
einzusetzen. Die Revolution in unseren landwirtschaftlichen Gebieten
steht in schärfstem Kontrast zu den wiederholten landwirtschaftlichen
Mißerfolgen in den kommunistischen Ländern und erfüllt uns alle mit
Stolz. Seit 1950 hat sich die Arbeitsproduktivität in unserer Landwirtschaft tatsächlich verdoppelt. Ohne neue und drastische Maßnahmen wird sie eines Tages sowohl unsere Farmer als auch die Steuerzahler in einen nationalen Skandal stürzen - oder aber zu einer
Agrardepression führen.
Aus diesem Grunde werde ich daher dem Kongreß ein neues, umfassendes Farmprogramm unterbreiten, das darauf hin ausgerichtet
ist, die Nutzung unserer landwirtschaftlichen Anbaufläche sowie
die Ernteerträge bei den einzelnen Agrarerzeugnissen den langfristigen Bedürfnissen der sechziger Jahre anzupassen, und das darauf
abgestellt ist, mittels eines Programms des gesunden Menschenverstandes ein Chaos in den sechziger Jahren zu verhindern.
Ebenso

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Ebenso benötigen wir für die sechziger Jahre, wenn wir unseren
Nachkommen den natürlichen Reichtum unseres Landes vererben wollen,
ein neues langfristiges Konservierungs- und Aufbauprogramm - Erweiterung unserer herrlichen Nationalparks und Waldgebiete, Erhaltung unserer unverfälschten Urlandschaften, Erstellung neuer Wasserund ,Kraftwerkpro jekte für unsere ständig wachsende Bevölkerung, Anleihen für die Stromerzeugung und -Verteilung in ländlichen Gebieten.
Bürgerrechte
Amerika aber setzt sich für den Fortschritt sowohl im Bereich
der Bürgerrechte als auch der Wirtschaft ein, und ein starkes Amerika
setzt die Sicherung der uneingeschränkten und gleichen Rechte aller
seiner Bürger jeder Rasse und Hautfarbe voraus. Meine Regierung hat
wie keine andere gezeigt, wie viel durch die volle Ausübung der
Exekutivgewalt, die Durchsetzung der bereits vom Kongreß erlassenen
Gesetze und durch Überredung, Verhandlung und Schlichtung getan werden kann, um die verfassungsmäßigen Rechte aller zu wahren: das
Wahlrecht, die Freizügigkeit über alle einzelstaatlichen Grenzen
hinweg und das Recht auf kostenlose Erziehung an öffentlichen Schulen,
Ich habe im März vergangenen Jahres in einem Erlaß umfassende
Richtlinien gegeben, um das Recht auf gleiche Beschäftigungschancen
in allen Bundesbehörden und in Firmen mit Regierungsaufträgen zu
garantieren. Der auf Grund dieses Erlasses geschaffene Ausschuß beim
Vizepräsidenten hat viel zuwege gebracht und u.a. die freiwilligen
"Pläne für den Fortschritt" ausgearbeitet, die den Bestrebungen,
Angehörigen aller Rassen neue Chancen in den akademischen Berufen
und des Aufstiegs im Betrieb sowie auch andere Beschäftigungsmöglichkeiten zu verschaffen, im ganzen Lande zu einem stillen, aber durchschlagenden Erfolg verholfen haben.
Aber es bleibt noch sehr viel mehr zu tun - von Seiten der Exekutive, der Gerichte und des Kongresses. Die noch unerledigten Gesetzesvorlagen, zu denen die Bundesministerien im einzelnen Stellung
nehmen werden, sehen auch geeignete Methoden vor, um diese Grundrechte,
die wir voll und ganz unterstützen, zu stärken. Das Wahlrecht beispielsweise sollte nicht länger mehr durch willkürliche örtliche Vorschriften, wie Bildungstests und Wahlsteuern, vorenthalten werden dürfen.
Während wir im kommenden Januar dem hundertsten Jahrestag der Sklavenbefreiung entgegensehen, sollte sich jede Regierungsstelle - und jeder einzelne Staatsbürger - von dem Grundgedanken leiten lassen
"Gerechtigkeit erhöhet ein Volk".
Gesundheits- und Fürsorgewesen
Und schließlich darf ein starkes Amerika die Bestrebungen seiner
Bürger - die Fürsorge für die bedürftigen, die gesundheitliche Betreuung der alten und die Erziehung der jungen Menschen - nicht vernachlässigen. Denn wir bauen ja den Wohlstand der Nation nicht um
seiner selbst Willen auf. Wohlstand ist das Mittel, das dem Volke zu
dienen hat. Alle unsere materiellen Reichtümer werden uns wenig

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wenig nützen, wenn wir sie der Bevölkerung nicht in jeder nur erdenklichen Weise zugute kommen lassen.
Im vergangenen Jahr verbesserten wir die Ernährung bedürftiger
Menschen, stellten wir warme Mahlzeiten und frische Milch für Schulkinder bereit, bauten wir mehr Studentenwohnheime und erweiterten wir
für die alten Menschen das private Wohnungsbeschaffungsprogramm, die
Unterbringung in Pflegeheimen, die Betreuung durch den Gesundheitsdienst und die soziale Sicherheit. Aber wir stehen erst am Anfang.
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Um jenen vom Glück weniger Begünstigten zu helfen, schlage ich
ein neues staatliches Sozialprogramm vor, dessen Schwerpunkt auf
Leistungen anstatt auf Unterstützung, auf Rehabilitation anstelle von
Fürsorge und auf Schulung für eine nutzbringende Beschäftigung anstelle einer längeren Abhängigkeit liegt.
Um den ernsten Mangel an Ärzten und Zahnärzten zu mildern und dies ist eine Angelegenheit, die uns alle angeht - und um die
Forschung auszuweiten, fordere ich Maßnahmen zur Unterstützung der
medizinischen und zahnärztlichen Hochschulen sowie Stipendien und
die Gründung neuer Institute des öffentlichen Gesundheitsdienstes..
Um die durch die Erfolge auf dem Gebiet der modernen Impfung sich
bietenden Vorteile zu nutzen, schlage ich ein Massenimpfprogramm vor,
das die vollkommene Ausmerzung solcher alten Feinde unserer Kinder
wie Kinderlähmung, Diphterie, Keuchhusten und Wundstarrkrampf zum Ziele
hat.
Um unsere Verbraucher vor den Nachlässigen und Skrupellosen zu
schützen, werde ich Verbesserungen unserer Nahrungsmittel-- und Arzneimittelgesetzgebung empfehlen - Verschärfung der Kontrollen und Vorschriften, Zurückhaltung gefährlicher und wertloser Erzeugnisse, Verhinderung einer irreführenden Etikettierung und Unterbindung des
illegalen Verkaufs von Präparaten, die zur Gewöhnung führen.
Im Bereich der Gesundheitsfürsorge ist jedoch unter den noch
unerledigten gesetzgeberischen Maßnahmen keine wichtiger und dringlicher als die gesetzliche Verankerung der Krankenversicherung der
Alten im Rahmen unseres Sozialversicherungssystems.
Denn unsere älteren Mitbürger sind länger und häufiger krank,
müssen höherer Krankenhaus- und Arztrechnungen gewärtig sein und haben
ein zu geringes Einkommen, um sie zu bezahlen. Die private Krankenversicherung kommt nur für sehr wenige in Frage - denn ihre Kosten
sind hoch und ihre Leistungen begrenzt. Die öffentliche Wohlfahrt kann
denjenigen nicht helfen, die zu stolz sind, Unterstützung zu erbitten,
denen es aber schwer fällt, die Krankenkosten aufzubringen. Und auch
ihre Kinder oder Enkel können nicht fortgesetzt den für Krankenkosten
zur Verfügung stehenden Anteil ihres Einkommens darauf verwenden,
diese ständige Belastung zu tragen.
Die

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Die Sozialversicherung trägt seit langem schon dazu bei, die
durch das altersbedingte Ausscheiden aus dem Beruf, durch Tod und
Invalidität entstehenden Härten zu mildern. Ich erhebe nunmehr die
Forderung, daß ihre Leistungen unverzüglich auf die Krankenversicherung
älterer Personen ausgedehnt werden.
Erziehungswesen
Ebenso wichtig für unsere Stärke ist die Qualität unseres
Erziehungswesens. Acht Millionen erwachsene Amerikaner sind in der
Praxis als Analphabeten einzustufen. Das ist eine beunruhigende
Zahl, die sich im Prozentsatz der Zurückstellungen vom Militärdienst
sowie in der Fürsorgestatistik und den Kriminalziffern niederschlägt.
Ich werde deshalb Pläne für eine konzentrische Kampagne zur Beendigung
des Analphabetismus unter den Erwachsenen empfehlen.
Außerdem werde ich Gesetzesvorlagen empfehlen, die geeignet sind,
das Bildungsniveau zu heben, das Kunstschaffen anzuregen und den Hochschulen durch die Gewährung von Darlehen für den Bau akademischer
Einrichtungen sowie durch die Aussetzung von Stipendien aus Bundesmitteln zu helfen.
Wenn unser Land zunehmen soll an Weisheit und Stärke, dann muß
jeder gesunde Oberschulabsolvent die Möglichkeit zur Weiterentwicklung
seiner Fähigkeiten erhalten. Aber noch fehlt nahezu der Hälfte von ihnen
die Mittel oder die sachlichen Voraussetzungen für ein Hochschulstudium.
Die Einschreibungen an den Hochschulen dürften sich in der kurzen Zeitspanne von zehn Jahren verdoppeln. Die jährlichen Studienkosten für
jeden Studenten sind auf eine astronomische Höhe emporgeschnellt. Zur
Zeit betragen sie durchschnittlich 1 65O Dollar pro Jahr, während das
Jahreseinkommen fast der Hälfte unserer Familien unter 5000 Dollar
liegt. Sie können sich solche Aufwendungen nicht leisten - doch unser
Land kann es sich ebensowenig leisten, seine militärische Macht aufrechtzuerhalten, seine Geistesgaben aber zu vernachlässigen.
Das Streben nach Vortrefflichkeit der Erziehung muß in der Grundschule beginnen. Ich habe dem Kongreß im vergangenen Jahr einen Gesetzesvorschlag unterbreiten lassen, der die Bereitstellung von Bundesmitteln für den Schulneubau und die Lehrerbesoldung vorsieht. Dieser Vorschlag, der bereits die Billigung des Senats und der Ausschüsse
des Repräsentantenhauses gefunden hat, stellt meines Erachtens, gemessen an unseren Bedürfnissen, zwar ein Minimum, alles in allem zusammengenommen aber doch das Maximum an Hilfe dar, das unsere Verfassung zuläßt. Ich sehe deshalb keinen Anlaß dafür, das Gesetz abzuschwächen oder zurückzuziehen; ich empfehle vielmehr dringend seine
Verabschiedung noch in dieser Sitzungsperiode.
"Zivilisation", so hat H.G. Wells einmal gesagt, "ist ein Wettlauf zwischen Erziehung und Katastrophe." Es liegt an Ihnen, in diesem
Kongreß (zu entscheiden, wer der Sieger in diesem Wettlauf sein wird.
Es geht hier keineswegs um irgendwelche zusammenhanglosenMaßnahmen, die
bestimmte Lücken oder Mißstände im Leben unseres Volkes betreffen. Es

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Es geht hier vielmehr um die Art unserer Absichten und die Grundlage
unserer Hoffnungen. Ich glaube an die Demokratie, hat Woodrow Wilson
gesagt, weil sie die Energie eines jeden Menschen freisetzt. Die
Dynamik der Demokratie liegt in der Kraft und der Zielsetzung des
Einzelmenschen, und die Politik unserer Regierung besteht darin,
dem einzelnen die Chance zu geben, seine eigenen höchsten Möglichkeiten zu verwirklichen. Unser Programm soll allen die Möglichkeit
für eine stetige und produktive Beschäftigung geben, für alle das Handikap einer willkürlichen und unsinnigen Diskriminierung beseitigen,
allen die Einrichtungen für Erziehung, Gesundheit und Wohlfahrt zugänglich machen, die Gemeinschaft zum Diener des einzelnen und den
einzelnen zu einer Quelle des Fortschritts machen und somit für alle
die ganzen Verheißungen der amerikanischen Lebensform verwirklichen.
Unsere Ziele im Ausland
Alle diese Anstrengungen im eigenen Lande geben unseren Bemühungen
im Ausland ihre Bedeutung. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges hat
ein globaler Bürgerkrieg die Menschheit gespalten und zerrissen. Aber
es sind nicht unsere militärische Macht oder unser höherer Lebensstandard, die uns am meisten von unseren Gegnern unterschieden haben.
Es ist vielmehr unsere Überzeugung, daß der Staat der Diener des Bürgers und nicht sein Herr ist.
Dieser grundsätzliche Zusammenprall der Ideen und Zielsetzungen
ist aber nur eine der Kräfte, die unseren Erdball neu formen - unseren
Erdball, der zwischen Hoffnung und Furcht hin- und hergerissen ist,
durch Krisen, die heute die Schlagzeilen der Presse füllen und morgen
schon zu bloßen 'Fußnoten geworden sind. Sowohl Erfolge als auch Rückschläge des vergangenen Jahres stehen weiterhin auf der Liste der
unerledigten Arbeiten. Denn jede offenbare Segnung enthält auch den
Samen der Gefahr, jedes Krisengebiet läßt auch Raum für Hoffnung,
und die einzige unveränderliche Gewißheit ist, daß nichts gewiß oder
unveränderlich ist.
Doch unser grundlegendes Ziel bleibt das gleiche: eine friedliche
Weltgemeinschaft freier und unabhängiger Staaten, die frei ihre eigene
Zukunft bestimmen und ihr eigenes System wählen können, solange dieses
nicht die Freiheit der anderen bedroht.
Einige werden vielleicht Formen und Wege wählen, die wir für uns
nicht wählen würden; aber sie wählen ja nicht für uns. Wir können
eine Vielfalt begrüßen, die Kommunisten können dies nicht. Denn wir
bieten eine Welt der Entscheidungsfreiheit, sie bieten eine Welt des
Zwanges. Und die Ereignisse der Vergangenheit zeigen deutlich, daß der
Freiheit und nicht dem Zwang die Zukunft gehört. Manchmal wurde unser
Streben durch eine Krise verdunkelt oder einen Konflikt gefährdet,
aber es schöpft seine Kraft aus fünf grundlegenden Quellen der Stärke:
aus

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aus der moralischen und physischen Stärke der Vereinigten
Staaten;
aus der vereinten Stärke der Atlantischen Gemeinschaft,
aus der regionalen Stärke unserer Beziehungen auf der westlichen Hemisphäre;
aus der schöpferischen Stärke unserer Bemühungen in den
jungen Entwicklungsländern; und
aus der den Frieden währenden Stärke der Vereinten Nationen.
Unsere militärische Stärke
Unsere moralische und physische Stärke beginnt, wie bereits erwähnt, im eigenen Land. Sie schließt aber ebenso die militärische
Stärke ein. Solange Fanatismus und Furcht schwer über der Menschheit
lasten, müssen wir rüsten, um andere vor Aggressionen abzuschrecken.
In den vergangenen zwölf Monaten ist unsere militärische Position
stetig verbessert worden. Wir erhöhten das vorhergehende Verteidigungsbudget um fünfzehn Prozent - nicht in der Erwartung eines Krieges,
sondern um den Frieden zu erhalten. Wir haben die Beschaffungsrate
für Polaris-Unterseeboote um mehr als das Doppelte heraufgesetzt die Produktionskapazität für Minuteman-Raketen verdoppelt - und die
Zahl der bemannten Bomber, die innerhalb von fünfzehn Minuten einsatzbereit sind, um 50 Prozent erhöht. Die auf Grund des neuen Verteidigungsbudgets für dieses Jahr geplante Gesamtstärke - einschließlich
fast 300 zusätzlicher Polaris- und Minuteman-Raketen - ist genau berechnet worden, um auch weiterhin unsere atomare Abschreckungskraft
sicherzustellen.
Aber unsere Stärke kann auf vielen Ebenen einer Prüfung unterzogen werden. Es ist unser Ziel, jederzeit über die Macht zu verfügen,
nicht-atomaren oder begrenzten Angriffen widerstehen zu können - und
zwar als Ergänzung unserer nuklearen Kapazität und nicht etwa als
Ersatz. Wir haben jede Politik des "Alles-oder-Nichts" zurückgewiesen,
die uns keine andere Wahl ließe als unrühmlichen Rückzug oder unbegrenzte Vergeltung.
Aus diesem Grunde haben wir die Zahl unserer einsatzbereiten Kampfdivisionen der strategischen Reserve der Armee verdoppelt - die Zahl
unserer Truppen in Europa erhöht - das Marinekorps verstärkt - neue
See- und Lufttransportkapazität geschaffen - Waffen und Munition modernisiert - unsere Anti-Guerilla-Streitkräfte ausgeweitet - und die
aktive Flot te durch mehr als 70 Schiffe und unsere taktischen Luftstreitkräfte durch fast ein Dutzend Geschwader verstärkt.
Da wir diesen höheren Bereitschaftsgrad schneller erreichen mußten,
wurden 155 000 Reservisten und Angehörige der Nationalgarde auf Grund
eines von diesem Kongreß erlassenen Gesetzes einberufen. Gewisse Schwierigkeiten und Härten waren unvermeidlich. Doch trägt die Mehrzahl der
Betroffenen die ihnen - und unserer Nation - auferlegten Lasten mit bewundernswerter und unserer Tradition gemäßer Hingabe.
,

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19. Januar 1962

Im nächsten Jahr werden unsere Reservisten-Einberufungspläne neu
gefaßt werden: Zwei neue Heeresdivisionen, so hoffe ich, werden die
unter den Waffen stehenden Divisionen der Nationalgarde ersetzen,
und weitere erhebliche Zugänge werden die Jagdverbände unserer Luftstreitkräfte, die Gerätebeschaffung und unser kontinentales Verteidigungs- und Warnsystam verstärken. Das erste ernsthafte Schutzbunkerbauprogramm für die Zivilbevölkerung ist angelaufen, in dessen Rahmen
Raum für 50 Millionen Menschen festgestellt, gekennzeichnet und bereitgehalten werden wird; und ich ersuche Sie um die Bewilligung von Bundesförderungsmitteln für den Bau von öffentlichen Schutzräumen gegen
radioaktiven Ausfall in Schulen, Krankenhäusern und ähnlichen Baulichkeiten .
Die Vereinten Nationen
Aber Waffen allein genügen nicht, um den Frieden zu erhalten er muß von Männern erhalten werden. Unser Werkzeug und unsere Hoffnung sind die Vereinten Nationen - und ich sehe wenig Verdienstvolles
in der Ungeduld jener, die dieses unvollkommene Weltinstrument aufgeben
wollen, weil sie unsere unvollkommene Welt nicht mögen. Denn die Unzulänglichkeiten einer Weltorganisation sind nichts anderes als ein
Spiegelbild der Unzulänglichkeiten der Welt selbst. Und wenn die Weltorganisation geschwächt wird, werden sich diese Unzulänglichkeiten nur
vergrößern. Wir mögen nicht mit jeder einzelnen Aktion eines jeden
einzelnen Beamten oder mit jedem Mehrheitsbeschluß der Vereinten Nationen einverstanden sein. Aber sie werden, als Organisation betrachtet, auch in der Zukunft - so wie bisher seit ihrer Gründung - kein
stärkeres und kein treueres Mitglied haben als die Vereinigten Staaten
von Amerika.
Im Jahre 1961 wurde die friedenserhaltende Kraft der Vereinten
Nationen gestärkt. Und jene, die ihrem Absterben den Vorzug gegeben
hätten oder es vorhersagten, als sie sich einer Troika auf dem Posten
Hammerskjölds oder einer Aufnahme Rotchinas in die Versammlung gegenübersahen, haben statt dessen die Regeneration der Tatkraft unter
einem neuen Generalsekretär und einem gänzlich unabhängigen Sekretariat erlebt. Mit ihren Plänen für ein neues Forum und neue Abrüstungsprinzipien, zur Erhaltung des Friedens im Weltraum, für ein Jahrzehnt
der Entwicklungsanstrengungen haben die Vereinten Nationen die hohen
Ziele ihrer Charta erfüllt.
Vor achtzehn Monaten stellte der Kongo in seinem wirren Durcheinander die Vereinten Nationen vor ihre schwerste Bewährungsprobe.
Man mußte entweder mit Chaos oder einer bestimmten Konfrontation der
Großmächte mit all ihren Gefahren und Risiken für uns und die anderen
Länder rechnen. Heute sind die Aussichten für eine friedliche Versöhnung in einem geeinten Kongo besser geworden. Dies ist das Ziel unserer Politik in diesem wichtigen Gebiet,

Ein

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�"AMERIKA DIENST"

19. Januar 1962

Ein Polizist ist im allgemeinen nirgendwo besonders "beliebt vor allem dann nicht, wenn er zur Wiederherstellung von Recht und
Ordnung in seinem Revier den Gummiknüppel gebraucht. Jene Mitglieder,
die den Vereinten Nationen zwar bereitwillig ihre Stimme und ihre
Sympathie zur Verfügung stellen - aber kaum mehr -, haben ein schweres Defizit verursacht, indem sie sich weigerten, ihren Anteil an
den Sonderbeiträgen für die UN zu zahlen. Wohl aber zahlen sie ihre
Jahresbeiträge, um ihr Stimmrecht zu behalten - und dabei muß eine
neue UN-Anleihe-Emission zur Finanzierung der Sonderaufgaben in den
nächsten 18 Monaten mit Zinsen aus diesen regelmäßigen Jahresbeiträgen
zurückgezahlt werden. Dies liegt eindeutig in unserem Interesse. Es
wird nicht nur die Vereinten Nationen solvent erhalten, sondern alle
Mitglieder, die ihr Stimmrecht ausüben wollen, zwingen, ihren fairen
finanziellen Anteil an diesen Operationen zu tragen. Unser finanzieller Anteil an den Beiträgen für Sonderaufgaben ist seit langem um
vieles höher gewesen als unser Anteil an dem Jahresbeitrag - und die
Anleihe-Emission wird faktisch diesen unseren unangemessenen Anteil
reduzieren. Aus diesen Gründen ersuche ich den Kongreß um die Billigung
unserer Beteiligung.
Mit der Billigung dieses Kongresses haben wir im vergangenen
Jahr einen neuen großen Vorstoß in den Weltraum unternommen. Unser
Ziel besteht nicht lediglich darin, als erste auf dem Mond zu sein,
genausowenig, wie das wirkliche Ziel von Charles Lindbergh darin
bestand, als erster in Paris zu sein. Sein Ziel war es, die Technik
und das Ansehen unseres Landes und anderer Länder auf dem Gebiet
der Fliegerei und Luftfahrt zu entwickeln. Und unser Ziel bei diesem
Unterfangen - in dessen Verlauf, wie wir hoffen, ein Mensch zum Mond
gelangen wird - ist es, die Stellung der Vereinigten Staaten und der
freien Welt in einem Neuland der Wissenschaft, des Handels und der
Zusammenarbeit zu festigen. Unser Land gehört zu den ersten, die es
erforschen. Und wir werden unter den ersten, wenn nicht die ersten
sein. Wir bieten den Vereinten Nationen unser Wissen und unsere Mitarbeit an. Unsere Satelliten werden in Kürze den anderen Nationen
bessere Wetterbeobachtungen ermöglichen. Und ich werde dem Kongreß
in Kürze eine Vorlage unterbreiten, die die Finanzierung und den
Betrieb eines internationalen Fernmeldesatelliten-Systems in einer
Weise regelt, die im Einklang mit dem öffentlichen Interesse und mit
unserer Außenpolitik steht.
Aber der Friede im '»Veitraum wird uns nichts helfen, wenn der
Friede auf der Erde selbst verloren ist. Eine Weltordnung wird nur
dann gewährleistet sein, wenn die gesamte Welt die Waffen niedergelegt hat, die gegenwärtig Sicherheit für die Gegenwart zu bieten
scheinen, die aber unser Fortbestehen - das Fortbestehen der Menschheit - in der Zukunft gefährden. Dieser Waffenstillstandstag scheint
noch in sehr ferner Zukunft zu liegen. Die riesigen Hilfsquellen dieses
Planeten werden immer mehr für Vernichtungsmittel verwandt statt zur
Bereicherung des menschlichen Lebens.
Aber die Welt ist nicht als ein Gefängnis gedacht, in dem die
Menschen auf ihre Hinrichtung v/arten. Die Menschheit hat auch nicht

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�•AMERIKA. DIENST"

19. Januar 1962

nicht die Prüfungen und Bewährungsproben von Jahrtausenden überdauert, nur um jetzt alles - einschließlich ihrer Existenz - aufzugeben. Unser Land hat den Glauben und den Willen, eine gewaltige
Anstrengung zu unternehmen, um den seit -langem bestehenden toten
Punkt in der Abrüstungsfrage und der Frage der Atomversuche zu
überwinden, und wir werden beharrlich bleiben, bis wir Erfolg haben
und die Herrschaft des Rechts an die Stelle der so gefahrvollen
Gewaltanwendung getreten ist.
Lateinamerika
Ich wende mich nunmehr einem Fragenkreis zu, der große Verheißungen in sich birgt: unseren Beziehungen zu den Ländern der
westlichen Hemisphäre. Die Allianz für den Fortschritt entwickelt
sich rasch von einem reinen Vorschlag zum Programm. Im vergangenen
Monat habe ich persönlich in Lateinamerika erleben können, wie die
Hoffnungen immer stärker werden, wie neue Zuversicht und neues Vertrauen zu unserem Land entstehen - und zwar sowohl bei den Arbeitern
und der Landbevölkerung als auch bei den Diplomaten. Wir haben uns
verpflichtet, diesen Ländern bei der Beschleunigung ihres wirtschaftlichen, bildungsmäßigen und sozialen Fortschrittes zu helfen. Die
lateinamerikanischen Republiken haben sich ihrerseits zu einer neuen
und aktiven Anstrengung der Selbsthilfe und der eigenen Reformen
verpflichtet.
Um dieses historische Vorhaben zu fördern, schlage ich gemäß
der in den Gesetzen der letzten Sitzungsperiode enthaltenen Vollmacht die Schaffung eines langfristigen Fonds der Allianz für den
Fortschritt in Hohe von drei Milliarden Dollar vor. Zusammen mit
unserem Lebensmittel-für-den-Frieden-Programm, mit den Leistungen
der Export-Import-Bank und anderen Hilfsquellen wird der Allianz damit jährlich mehr als eine Milliarde Dollar an neuer Unterstützung
zuteil werden. Darüber hinaus haben wir unsere Lateinamerika-Sendungen in spanischer und portugiesischer Sprache um das Zwölffache
gesteigert und den Handel und die Verteidigung der westlichen
Hemisphäre verbessert. Und in dem Maße, in dem der schädliche Einfluß des Kommunismus in den Amerikas in immer stärkerem Maße bloßgestellt und isoliert worden ist, hat die Freiheit Erfolge errungen.
Mit unserer entschlossenen Förderung und Unterstützung und der unserer Schwesterrepubliken in dieser Hemisphäre geht die Bevölkerung
der Dominikanischen Republik sicher den schwierigen Weg von der
Diktatur über die Unordnung zur Demokratie.
Die jungen Entwicklungsländer
Unsere Bemühungen, den jungen Nationen und den Entwicklungsländern zu helfen, haben gleichfalls einen Fortschritt zu verzeichnen.
Das neu zusammengefaßte Amt für Internationale Entwicklung (AID) gibt
unserer Auslandshilfe eine neue Richtung, wobei der Nachdruck auf
langfristige Entwicklungsanleihen statt nichtrückzahlbaren Zuwendungen
gelegt wird und auf stärkere Wirtschaftshilfe statt Militärhilfe, auf
individuelle Pläne für die individuellen Bedürfnisse der Staaten und
auf neue Maßstäbe für das, was sie zur Mobilisierung ihrer eigenen
Hilfsquellen tun müssen.
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13

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Das

�"AMERIKA DIENST"

19. Januar 1962

Das neugeschaffene Friedenskorps gewinnt sich Freunde und
steht zur Hilfeleistung in vierzehn Ländern bereit - indem es
ausgebildete und einsatzfreudige junge Männer und Frauen zur Verfügung stellt, um diesen jungen Nationen beim Aufbau ihrer Gesellschaft zur Hand zu gehen und ihnen eine Vorstellung von dem Besten
zu geben, was unser Land zu bieten hat. Sofern es hier ein Problem
gibt, so besteht es darin, daß wir der spontaaen und ständig größer
werdenden Nachfrage nicht nachkommen können .
Das erneut erweiterte "Lebensmittel-für-den-Frieden"-Programm
speist die hungernden Menschen vieler Länder aus dem Überfluß unserer produktiven Farmen - das bedeutet Mahlzeiten für Schulkinder,
Löhne für die Wirtschaftsentwicklung, Hilfszuwendungen für die Opfer
von Hochwasser- und Hungerkatastrophen, größere Rationen für Millionen Menschen, deren Hauptsorge das tägliche Brot ist.
Liese Programme helfen den einzelnen Menschen; und dadurch, daß
sie den einzelnen helfen, kommen sie der Freiheit zugute. Die Ansichten ihrer Regierungen mögen sich bisweilen wesentlich von den unsrigen
unterscheiden - aber die Vorgänge in Afrika, im Mittleren Osten und
in Osteuropa lehren uns, niemals ein Land als an 'das kommunistische
Lager verloren abzuschreiben. Das ist das, was uns unsere Zeit lehrt.
Wir setzen uns für die Unabhängigkeit jener jüngeren oder schwächeren
Staaten ein, deren Geschichte, Geographie und wirtschaftliche Lage
oder deren Ohnmacht sie zwingt, sich aus "Bündnisverstrickungen" hexauszuhalten - wie wir dies selbst über ein Jahrhundert lang getan haben.
Denn nationale Unabhängigkeit bedeutet eine Schranke für die "Großraumstrategie" der Kommunisten - während sie die Grundlage unserer
eigenen ist.
Im vergangenen Jahr haben wir beispielsweise ein neutrales
und unabhängiges Laos befürwortet - dort wieder eine gemeinsame
Politik mit unseren Hauptverbündeten hergestellt - und Verhandlungen
von einem vorherigen Waffenstillstand abhängig gemacht. Zwar muß
noch eine praktisch durchführbare Formel für die Überwachung der
Unabhängigkeit dieses Landes gefunden werden, doch gelang es bisher,
sowohl die Ausbreitung des Krieges, in den auch unser Land hätte
verwickelt werden können, als auch eine kommunistische Okkupation zu
verhindern.
Eine zufriedenstellende Regelung in Laos würde auch dazu beitragen, den Frieden in Vietnam zu erreichen und zu sichern, wo der
Gegner seine Terroraktionen verschärft, wo unsere eigenen Anstrengungen erhöht worden sind und wo die dortige Regierung neue Programme
und Reformen eingeleitet hat, um die Basis für den Widerstand zu verbreitern. Die systematisch betriebene Aggression, die gegenwärtig an
den Kräften dieses Landes zehrt, ist kein "Befreiungskrieg", denn
Vietnam ist bereits frei. Es ist ein Krieg als Unterjochungsversuch,
und er wird auf Widerstand stoßen.
Die

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�"AMERIKA DIENST"

19. Januar 1 962

Die Atlantische Gemeinschaft
Schließlich hat die vereinte Stärke der Atlantischen Gemeinschaft im letzten Jahr unter schweren Belastungsproben zugenommen.
Die NATO hat sowohl die Zahl als auch die Bereitschaft seiner Luft-,
Land- und Seestreitkräfte und auch deren Schlagkraft im Bereich sowohl der nuklearen als auch der herkömmlichen Waffen erhöht. Noch
bedarf es größerer Anstrengungen all ihrer Mitglieder. In jedem
Fall aber wurde unsere Einigkeit in den Zielsetzungen und im
Wollen unermeßlich gestärkt.
Die Bedrohung der tapferen Stadt Berlin besteht nach wie vor.
In den letzten sechs Monaten haben die Alliierten in unmißverständlicher Weise zu verstehen gegeben, daß unsere Anwesenheit in Berlin,
der freie Zugang zu der Stadt und die Freiheit der zwei Millionen
Westberliner weder angesichts von Gewalt noch um der Beschwichtigung
willen preisgegeben werden, - und zur Wahrung dieser Rechte und
Verpflichtungen sind wir bereit zu verhandeln, wo dies angebracht
ist, und zu kämpfen, falls dies notwendig wird. Jedes Mitglied der
NATO steht gemeinsam mit uns unter der Verpflichtung,dieses Symbol
für den Willen freier Menschen, frei zu bleiben, zu erhalten.
Ich kann den Kurs, den künftige Berlin-Verhandlungen nehmen
werden, nicht voraussagen. Ich kann nur sagen, daß wir keine ehrenhafte Anstrengung scheuen werden, eine friedliche und für alle annehmbare Lösung des Problems zu finden. Ich bin überzeugt, daß eine solche
Lösung gefunden und damit eine Verbesserung in unseren Beziehungen
zur Sowjetunion hergestellt werden kann, wenn die führenden Männer
im Kreml die Grundrechte und Interessen, um die es geht, und auch
das Interesse der ganzen Menschheit am Frieden anerkennen.
Aber der Atlantischen Gemeinschaft geht es nicht mehr allein
um rein militärische Ziele. In dem Maße, in dem ihre gemeinsamen
Vorhaben in immer schnellerem Tempo wachsen, sind wir - und wollen
es in steigendem Maße sein - Partner in der Hilfe, im Handel, in der
Verteidigung, in der Diplomatie und in Währungsfragen.
Mit der Entstehung des neuen Europa geht die Entstehung neuer
Bindungen über den Atlantik hinweg Hand in Hand. Es ist eine Sache
der unsensationellen täglichen Zusammenarbeit in Hunderten von
alltäglichen Aufgaben: der Herstellung richtiger Währungsrelationen,
der gemeinsamen Bereitstellung von Entwicklungsanleihen, der Standardisierung der Waffen und der aufeinander abgestimmten diplomatischen Standpunkte.
Die Atlantische Gemeinschaft wächst night wie ein Vulkan durch
gewaltige Ausbrüche, sondern wie ein Korallenriff durch die zusammentragende Tätigkeit aller. So kommen wir in der freien Welt der Einheit und der Zusammenarbeit ständig näher, und das entgegen der
alten bolschewistischen Voraussage und genau zu der Zeit, da man
über den Eisernen Vorhang hinweg außergewöhnlich grollende Töne

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�19. Januar 1 962

"AMERIKA DIENST'

Töne der Zwietracht vernehmen kann. Es sind nicht die freien Gesellschaften, die den Samen der zwangsläufigen Uneinigkeit in sich
tragen.
Unsere Zahlungsbilanz
Bei einem besonderen Problem, das unseren Freunden wie auch uns
große Sorge macht, freue ich mich, dem Kongreß einen ermutigenden
Bericht geben zu können. Unsere Bemühungen um die Sicherung des
Dollars verlaufen erfolgreich. In den elf Monaten vor dem 1. Februar
vergangenen Jahres haben wir einen Nettogoldverlust von fast zwei
Milliarden Dollar gehabt. In den elf darauffolgenden Monaten betrug
dieser Goldverlust nur etwas über eine halbe Milliarde Dollar. Und
unser Defizit in unseren Haupttransaktionen mit der übrigen Welt, auf
dem Gebiet des Handels, der Verteidigung und der Auslandshilfe sowie
auf dem Kapitalsektor, wurde - kurzfristige spekulative Kapitalbewegungen ausgeschlossen - von zwei Milliarden Dollar im Jahre 1960
auf etwa ein Drittel dieses Betrages im Jahre 1961 reduziert. Das
Spekulationsfieber zum Schaden des Dollars ebbt ab, und das Vertrauen
in den Dollar ist wiederhergestellt worden.
'.Vir haben diese Erfolge nicht durch Importrestriktionen, den
Abzug von Truppen, Devisenkontrollen, eine Abwertung des Dollars
oder eine Dämpfung des wirtschaftlichen .Viederaufschwungs erreicht,
und hätten es auch nicht gekonnt. '.Vir haben nicht in Panik, sondern
vorausschauend gehandelt. Aber das Problem ist noch nicht gelöst.
Ständige große Defizite würden unsere wirtschaftliche Expansion und
unsere militärischen und Verteidigungsverpflichtungen gegenüber dem
Ausland gefährden. Unser Ziel muß ein vernünftiges Gleichgewicht in
unserer Zahlungsbilanz sein. Wenn der Kongreß, die Wirtschaft, die
Gewerkschaften und unsere Hauptverbündeten mithelfen, kann dieses
Ziel erreicht werden.
Wir werden auch weiterhin für unser Land um ausländische Touristen und ausländisches Investitionskapital werben, eine Erhöhung
der Beschaffungskäufe unserer Verbündeten bei uns anstreben, den
Abfluß von Dollar im Gefolge unserer eigenen militärischen Bemühungen
auf ein Minimum verringern, die Beschaffungskäufe bei amerikanischen
Firmen im Rahmen der Auslandshilfe auf ein Maximum steigern, auf
vermehrte Hilfe seitens der anderen, vom Glück begünstigten Länder
für die weniger glücklichen drängen, eine Steuergesetzgebung anstreben, die nicht Investitionen in anderen Industrieländern oder steuergünstigeren Staaten fördert, sowie auf eine Koordinierung der Finanzund Währungspolitik der Alliierten drängen, um so vor großen und
störenden Kapitalbewegungen abzuschrecken.
Handel
Wenn wir für unsere Verpflichtungen im Ausland aufkommen sollen,
dann müssen wir vor allem unseren Export ausweiten. Unsere Wirtschaft
muß exportbewußt und wettbewerbsfähig sein. Unsere Steuerpolitik muß
zur Modernisierung unserer Fabriken anspornen. Die Entwicklungen auf

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�"AMERIKA LIEHST"

19. Januar 1°62

auf dem Lohn- und Preissektor müssen in Übereinstimmung mit der
Produktivität stehen, um das Preisniveau zu halten; unsere Bemühungen um die Bereitstellung von Exportkrediten und die Kampagne zur
Förderung der amerikanischen Industrie müssen auch fernerhin erweitert werden.
/
Aber die größte aller Aufgaben wird uns durch das Wachstum
des europäischen Gemeinsamen Marktes gestellt. Vorausgesetzt, daß
Großbritannien dem Markt beitritt, wird jenseits des Atlantiks
ein Handelspartner hinter einem einzigen Außenzoll ähnlich dem
unsrigen mit einer Wirtschaft entstehen, die unserer eigenen nahezu
gleichkommt. Wollen wir hier in den USA unser Denken diesen neuen
Aussichten und diesem neuen Rahmen anpassen - oder, wollen wir warten,
bis die Ereignisse uns überholt haben?"'
In diesem Jahr müssen wir uns entscheiden. Las Gesetz über gegenseitige Handelsabkommen läuft aus. Wir brauchen ein neues Gesetz eine völlig neue Einstellung zu den Lingen - und ein kühnes neues
Instrument der amerikanischen Handelspolitik. Unsere Entscheidung
könnte sehr wohl die Einheit des Westens, den Verlauf des Kalten
Krieges und das wirtschaftliche Wachstum unserer Nation für die
nächste Generation beeinflussen.
Wenn wir entschlossen vorgehen, dann können unsere Fabriken
und Farmen ihre Verkäufe auf ihrem bisher reichsten und am schnellsten wachsenden Markt steigern. Unsere Exporte werden anwachsen,
Der Stand unserer Zahlungsbilanz wird sich verbessern, und wir werden über den Atlantik hinweg eine Handelspartnerschaft mit einei
jm
gewaltigen Potential für den Frieden zustande gebracht haben.
Wenn wir andererseits aber aus Rücksicht auf lokalen wirtschaftlichen Lruck zurückstehen, dann werden wir uns von unseren wichtigen
Verbündeten abgeschnitten sehen. Lie Industrien - und dies halte ich
für äußerst entscheidend - werden ihre Anlagen, ihre Arbeitsplätze
und ihr Kapital in den geschlossenen Bezirk des Gemeinsamen Marktes
hineinverlegen - und damit würden Arbeitsplätze in den USA verlorengehen -, wenn sie anders im Konkurrenzkampf um die dortigen Verbraucher nicht mehr bestehen können. Unsere überschüssigen Farmprodukte
werden zunehmen. Und unsere Handelsbilanz gegenüber.Europa und dem
Gemeinsamen Markt in landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist - wie Sie
alle wissen - fast 3 oder 4 zu 1 zu unseren Gunsten und bildet somit
eine der besten Lollareinnahmequellen in der Struktur unserer Zahlungsbilanz. Ohne Zugang zu diesem Markt und ohne die Fähigkeit, in
ihn einzudringen, werden sich unsere landwirtschaftlichen Überschüsse
im mittleren Westen, unser Tabak im Süden und andere Waren, die
seit 50 Jahren nach Westeuropa gegangen sind, zu Bergen aufstapeln.
Unsere Zahlungsbilanz wird sich verschlechtern und unsere Verbraucher
werden nicht über eine größere Auswahl an Gütern zu niedrigeren Preisen verfügen. Millionen amerikanische Arbeiter aber, deren Arbeitsplätze vom Verkauf oder Transport oder der Verteilung der Exporte
oder Importe abhängen - oder durch den Abfluß unseres Kapitals nach

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�"AMERIKA DIENST

19. Januar 1 962

"nach Europa gefährdet werden, oder nur in einer expandierenden
Wirtschaft gewährleistet werden können - diese Millionen Arbeiter
in Ihren Heimatstaaten und in dem meinen werden ihre wahren Interessen zum Opfer gebracht sehen.
Mitglieder des Kongresses! Die Vereinigten Staaten sind nicht
zu ihrer Größe angestiegen, indem sie warteten, bis andere vorangingen. Unsere Nation steht als Fabrikant, Farmer, Bankier, Verbraucher und Exporteur an der Spitze der Welt. Der Gemeinsame Markt
schreitet mit einer wirtschaftlichen Wachstums rate voran, die doppelt so groß ist wie die unsere. Die kommunistische Wirtschaftsoffensive ist auf dem Marsch. Wir haben die Chance - die Initiative liegt
bei uns -, und ich meine, daß 1962 die Zeit gekommen ist.
Um diese Initiative zu ergreifen, werde ich dem Kongreß in
Kürze eine Vorlage für ein neues 5-Jahres-Handelsexpansionsprogramm
vorlegen, das in seinem Umfang weitgesteckt ist, das aber mit großer
Sorgfalt ausgearbeitet wurde, um sicherzustellen, daß seine Vorteile
für unser Volk alle etwaigen Risiken bei weitem überwiegen. Die
Gesetzesvorlage wird den schrittweisen Abbau der Zölle hier in den
Vereinigten Staaten und im Gemeinsamen Markt für jene Güter ermöglichen, die wir zusammen zu 80 Prozent für den Welthandel liefern in der Mehrzahl handelt es sich dabei um Güter, bei denen unsere
eigene Konkurrenzfähigkeit durch die Tatsache unter Beweis gestellt
ist, daß wir im Ausland bedeutend mehr von diesen Waren verkaufen,
als wir importieren. Diese Maßnahme wird unsere größeren Industrien
in die Lage versetzen, mit den entsprechenden Firmen in Westeuropa
in den Wettbewerb um die Abnahme bei den europäischen Verbrauchern
zu treten.
Andererseits wird das Gesetz eine stufenweise Senkung der
Zölle bis zu 50 Prozent gestatten - wobei man bei wichtigen Warenkategorien die Sätze aushandeln kann -, und geeignete und bewährte
Formen der Hilfe für Firmen und Angestellte vorsehen, die sich dem
Importwettbewerb anpassen. ,Vir unterschätzen dabei nicht die Sicherheitsgewähr, die uns die Gefahrenpunkt- und Ausweichklauseln sowie
die Abänderungsbestimmungen zum Gesetz über die Nationale Sicherheit
bieten. Ebensowenig geben wir unsere nichteuropäischen Freunde oder
unser traditionelles Frinzip der meistbegünstigten Länder auf. Das
Gesetz wird ihnen im Gegenteil einen neuen Ansporn für den Absatz
ihrer tropischen Agrarerzeugnisse geben, wie er für unsere Freunde
in Lateinamerika von so großer Wichtigkeit ist, die lange Zeit von
dem europäischen Markt abhängig waren und die sich heute vor neue
Probleme und Aufgaben gestellt sehen, welche zu meistern wir ihnen
beistehen müssen.
Konzessionen bei diesen Verhandlungen müssen selbstverständlich
auf der Basis der "Gegenseitigkeit und nicht einseitig gemacht werden. Der Gemeinsame Markt wird sein eigenes großes Versprechen nicht
einlösen, wenn er seine Zollmauern gegenüber dritten Ländern nicht
niedrig hält. Die Gefahren der Restriktion oder der Zurückhaltung in
unserer eigenen Politik finden ihr Gegenstück bei unseren Freunden

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�"AMERIKA DIENST"

:

19. Januar 1962

Freunden in Europa. Denn wir stehen zusammen einer gemeinsamen
Aufgabe gegenüber: den Wohlstand der freien Menschen in aller Welt
zu vergrößern und in einer Partnerschaft eine neue Handelsgemeinschaft aufzubauen, in der alle freien Nationen aus der produktiven
Kraft freier Wettbewerbsbemühungen Gewinn ziehen können.
Diese verschiedenen Faktoren in unserer Außenpolitik führen,
wie ich bereits gesagt habe, zu einem einzigen Ziel - dem Ziel einer
friedlichen Welt freier und unabhängiger Staaten. Dies ist unsere
Richtschnur für die Gegenwart und unsere Vision für die Zukunft eine freie Gemeinschaft von Nationen, unabhängig, aber doch voneinander abhängig, Nord und Süd, Ost und West in einer großen Menschheitsfamilie vereint, einer Gemeinschaft, die den Haß und die Furcht, die
unsere Welt spalten, überwunden hat und über sie hinausgewachsen ist.
Wir werden dieses Ziel nicht heute oder morgen erreichen. Wir
werden es möglicherweise nicht einmal zu unseren Lebzeiten erreichen.
Aber das Streben danach ist das größte Abenteuer unseres Jahrhunderts.
Wir lehnen uns zuweilen auf gegen die Bürden unserer Verpflichtungen,
die Schwierigkeiten unserer Entscheidungen, die Qualen der zu treffenden Wahl. Aber ein Ausweichen bringt keinen Trost und keine Sicherheit für uns, ein Verzicht keine Lösung, Verantwortungslosigkeit
keine Entlastung.
Als ich vor einem Jahr die Amtsgeschäfte als Präsident übernahm, sagte ich, daß wenigen Generationen in der ganzen Geschichte
die große Aufgabe der Verteidigung der Freiheit in der Stunde ihrer
höchsten Gefährdung zuteil geworden ist. Dies ist unser glückliches
Geschick, und ich begrüße es heute, wie ich dies vor einem Jahr tat.
Es ist das Schicksal dieser Generation - Ihres im Kongreß und meines
als Präsident -, in einer Auseinandersetzung leben zu müssen, die
wir nicht begannen,und; in einer Welt, die wir nicht schufen. Aber
die Härten des Lebens werden nicht immer nach eigener Wahl verteilt.
Und wenn noch nie eine Nation einer derartigen Aufgabe gegenüberstand,
so war doch noch nie eine Nation so bereit, die Bürde wie den Ruhm
der Freiheit auf sich zu nehmen. Möge bei diesem unserem Streben
Gott über die Vereinigten Staaten von Amerika wachen.

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�Präsident Kennedy hat dem amerikanischen Kongreß am Donnerstag
den neuen Haushalt der Vereinigten Staaten für das am 1. Juli beginnende neue Haushaltsjahr 1963 vorgelegt, der mit Einnahmen von
93 Milliarden Dollar und Ausgaben von 92,5 Milliarden Dollar einen
Überschuß von 500 Millionen Dollar aufweist. Dieser Überschuß soll
zum Abtragen der Staatsschuld verwandt werden.
Die Haushaltsbotschaft umfaßt 1170 Seiten und gibt eine detaillierte Aufschlüsselung der einzelnen Regierungsprogramme im Finanzjahr 1963 (1962/63). Es ist der erste Staatshaushalt, der vollständig
von der Regierung Kennedy ausgearbeitet worden ist. Im vergangenen
Jahr hatte Kennedy, seine Haushaltsbotschaft noch auf.dem von der
Regierung Eisenhower aufgestellten Budget aufbauen müssen. Der Haushalt verfolgt, wie der Präsident in seiner Botschaft erklärt, zwei
grundlegende Ziele:
"Er will erstens den Aufgaben auf wirksame Weise Rechnung tragen, mit deren Durchführung - angefangen von der Verteidigung bis
zum Postdienst, von der Ozeanforschung bis zur Erschließung des
Weltraums - nach dem Willen der Nation die Bundesregierung beauftragt ist; er will zweitens einen Finanzplan aufstellen - d.h. eine
Relation zwischen Einnahmen und Ausgaben herstellen, die zu einem ,
wirtschaftlichen Wachstum, einem hohen Beschäftigungsstand sowie
einer Preisstabilität in unserer Wirtschaft beiträgt."
Angesichts des anhaltenden Aufschwungs in der amerikanischen
Wirtschaft, der steigenden Einkommen und der zu erwartenden höheren
Beschäftigtenzahlen, so betont Präsident Kennedy, weise der neue
Haushalt wieder einen Überschuß auf. Ein weiteres Defizit würde nur

1

�"AMERIKA DIENST"

26. Januar

1962

nur das Risiko eines inflationistischen Drucks erhöhen und sich damit nachteilig auf die Wirtschaft und die Zahlungsbilanz auswirken.
Auf der anderen Seite würden jedoch die industrielle Kapazität und
das vorhandene Arbeitskräftepotential bei weitem nicht voll genutzt,
so daß ein größerer Haushaltsüberschuß die Gefahr mit sich bringen
könnte, daß der Wirtschaftsaufschwung eingedämmt wird und ein vorzeitiger Rückgang einsetzt. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen
glaube er daher, daß ein Überschuß in der angeführten Größenordnung
der richtigste Weg sei und allen Anforderungen und Zielen am besten
gerecht werde.
Einnahmen
Die Haushaltseinnahmen im kommenden Finanzjahr werden von Präsident Kennedy auf insgesamt 93 Milliarden Dollar veranschlagt und
liegen damit um rund 10,9 Milliarden Dollar über denen des laufenden
Haushaltsjahres. Dabei geht die Regierung von der Annahme aus, daß
der gegenwärtige Wirtschaftsaufschwung nicht nur dieses Jahr, sondern
auch noch 19°3 anhalten und das Bruttosozialprodukt von 521 Milliarden
Dollar zu Beginn des Jahres auf eine Jahresrate von 570 Milliarden
Dollar im Dezember ansteigen wird. Damit würden sich die Gesellschaftsgewinne im Kalenderjahr 1962-auf 56,5 Milliarden Dollar und das Personaleinkommen auf 448 Milliarden Dollar stellen, wobei der zusätzliche Anreiz für die Wirtschaft noch nicht berücksichtigt wäre, den
das dem Kongreß vorliegende Investitionsförderungsgesetz bieten dürfte.

Haushaltseinnahmen
(in Milliarden Dollar)
1962
veranschlagt

1961
tatsächlich
Einkommensteuer
41 ,3
Körperschaftssteuer
21 ,0
Verbrauchssteuern
9,1
Grund- und Schenkungssteuer
er 1 ,9
Zölle
1,0
Sonstige Einnahmen
4,1

45,0
21,3
9,6 .
2,1
1,2

78,4
abzüglich Posten der
internen Rechnungsabgrenzung
Gesamteinnahmen

-

0,7

77,7

1963
veranschlagt
49,3
26,6
10,0

3,6

2,3
1,3
4,2

82,8

93,7

0,7

- 0,7

82,1

93,0
Steuerpolitik

-

2

-

�"AMERIKA DIENST"

26. Januar 1962

Steuerpolitik
Zur Sicherung eines ausgeglichenen Haushalts hält der Präsident die Beibehaltung der gegenwärtigen Steuersätze bei der Körperschaftssteuer und bestimmten Verbrauchssteuern zunächst für ein
weiteres Jahr unbedingt für erforderlich. Auf Grund der bestehenden
Gesetze würde mit Ablauf des gegenwärtigen Finanzjahres der Höchstsatz in der Körperschaftssteuer von 52 Prozent auf 47 Prozent gesenkt
werden müssen; die Telephonsteuer würde in Fortfall kommen, und bei
verschiedenen Verbrauchssteuern ebenfalls Abstriche vorgenommen werden
müssen. Diese Steuererleichterungen, so betont der Präsident, würden
jedoch für den Bundeshaushalt einen Einnahmeausfall von rund 2,8 Milliarden Dollar zur Folge haben, der im Augenblick nicht tragbar sei.
Ferner fordert Präsident Kennedy in seiner Botschaft die Verwirklichung einer Reihe von Steuerreformen. Einmal sollen im Rahmen
des Investitionsförderungsgesetzes Erleichterungen für Investitionen
in Maschinen und Anlagen gewährt werden. Hiervon, wie auch von einer
Straffung der Abschreibungsbestimmungen selbst, verspricht sich Kennedy
eine beträchtliche Beschleunigung der Modernisierungs- und Rationalisierungsprogramme der Industrie. In Zukunft soll bei Abschreibungen
auch der relative Wertzuwachs berücksichtigt werden. Bei Dividenden
und Zinsen soll das gleiche Steuerabzugsverfahren eingeführt werden
wie bei Einkommen aus Lohn und Gehalt. Auslandseinkommen und Auslandsbesitz sollen in gleicher Weise wie im Inland erzielte Einkünfte und
im Inland befindliche Vermögenswerte besteuert werden. Bei der Körperschaftssteuer soll eine Reihe besonderer Vergünstigungen wegfallen.
Auch die Bestimmungen und Sätze der Beförderungs- und der Benzinsteuer
sollen neu gefaßt werden.
Haushaltspolitik
Wichtigste Aufgabe der Haushaltspolitik müsse es sein, so wird
in der Botschaft unterstrichen, die Wirtschaftspolitik zu ergänzen
und zu einem schnellen Wirtschaftsaufschwung beizutragen - wobei die
Segnungen allen Teilen der Bevölkerung zugute kommen müssen - sowie
zur Vollbeschäftigung, zur Produktionsausweitung und zur Preisstabilität. Gleichzeitig falle der Haushaltspolitik aber auch eine ausgleichende
und stabilisierende Aufgabe zu, wie dies insbesondere die Jahre 1961
und 1962, aber auch frühere Rezessionen gezeigt hätten. Für das neue
Haushaltsjahr sei zwar mit keinem Wirtschaftsrückgang zu rechnen, doch
habe die Erfahrung gelehrt, daß periodische Fluktuationen in der Wirtschaft nie völlig ausgeschlossen werden können, und dieser Tatsache
müsse die Haushaltspolitik durch eine ausreichende Flexibilität Rechnung tragen. Um solchen Entwicklungen rechtzeitig entgegentreten zu
können, fordert Kennedy einmal eine dem Veto des Kongresses unterliegende Generalvollmacht für eine zweitweise prozentuale Senkung der
Einkommensteuer, falls dies die wirtschaftliche Lage erfordern sollte;
zum anderen eine Vollmacht, um im Falle einer Zunahme der Arbeitslosigkeit Zahl und Umfang der mit Bundesmitteln geförderten und dem
gemeinen Wohl dienenden Programme zu erhöhen sowie den Bundesstaaten
und den Kommunen zusätzliche Mittel für solche Zwecke in Form von
nichtrückzahlbaren Zuschüssen oder Krediten zur Verfügung zu stellen;
und

�AMERIKA DIENST

26. Januar 1962

und drittens die Verabschiedung eines Gesetzes zur Verbesserung der
Arbeitslos enversi cherung.
Die Haushaltspolitik, so heißt es in der Botschaft weiter, müsse
ferner der Entwicklung der Zahlungsbilanz Rechnung tragen. Im Haushalt 1963 wirkten sich bereits zahlreiche Maßnahmen aus, die in den
vergangenen Monaten zur Reduzierung der Regierungsausgaben im Ausland ergriffen wurden. Eine grundlegende Verbesserung der amerikanischen Zahlungsbilanz werde in erster Linie davon abhängen, ob die
Preise stabil blieben und die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen
Erzeugnisse auf den Weltmärkten verbessert werde. Der dynamische Aufbau der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft und die zu erwartende
weitere Wirtschaftsexpansion in diesem Gebiet bewirkten grundlegende
Veränderungen im Welthandel und brächt en für die USA noch nie dagewesene Exportmöglichkeiten, aber auch große Aufgaben. Die USA müßten
diesen Veränderungen im Vertrauen auf die Wettbewerbsfähigkeit ihrer
Erzeugnisse mutig begegnen und so an den sich hieraus für alle ergebenden enormen Vorteilen teilhaben. Die Voraussetzungen hierfür zu
schaffen, sei im besonderen das Ziel des neuen Handelsgesetzes, das
dem Kongreß in Kürze zusammen mit einer Sonderbotschaft des Präsidenten übersandt werden soll.
Kennedy unterstreicht weiter die Notwendigkeit einer Anhebung
der Gehälter im öffentlichen Dienst, die den in der Wirtschaft üblichen Vergütungen entsprechen müßten. Die Arbeit der einzelnen
Regierungsdienststellen lasse sich nur dann wirksamer gestalten,
wenn sie auch über genügend hochqualifizierte Fachkräfte verfügten.
Unabhängig hiervon müsse ferner eine Überprüfung der für die militärischen Streitkräfte gezahlten Gehälter durchgeführt werden.
Gleichzeitig weist Kennedy auf die umfangreichen Investitionen
aus Haushaltsmitteln für wissenschaftliche Zwecke hin und betont,
daß rund zwei Drittel aller wissenschaftlichen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben aus Bundesmitteln unterstützt werden.
Staatsschuld
Die Staatsschuld wird von Präsident Kennedy für den 30. Juni
1963 mit 294,9 Milliarden Dollar angegeben gegenüber 295,4 Milliarden
Dollar am Ende des laufenden Haushaltsjahres. Das vom Kongreß gebilligte
Limit für die Staatsschuld beträgt für das laufende Haushaltsjahr noch
298 Milliarden Dollar und fällt mit Beginn des neuen Haushaltsjahres
dann auf den alten Stand von 285 Milliarden Dollar zurück.
Diese Tatsache, so betont Kennedy, stelle das US-Schatzamt bereits im laufenden Haushaltsjahr vor eine schwierige Situation, da
es hinsichtlich der Staatsschuld nicht mehr über einen ausreichenden
Spielraum verfüge. So sehe sich das Schatzamt nicht mehr in der Lage,
unvorhergesehenen Entwicklungen in bezug auf die Staatsschuld Rechnung
zu tragen. Er erachte es daher als unbedingt notwendig, daß die Höchstgrenze für die Staatsschuld umgehend für das laufende wie auch das
neue Haushaltsjahr auf 308 Milliarden Dollar heraufgesetzt werde, um
dem Schatzamt eine gewisse Handlungsfreiheit zu geben.
Ausgaben
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26. Januar

1962

Ausgaben
Die von Präsident Kennedy für das neue Haushaltsjahr veranschlagten Ausgaben liegen mit 92,5 Milliarden Dollar um rund 3,4
Milliarden Dollar über den geschätzten Ausgaben des laufenden
Haushaltsjahres, das mit dem 30. Juni 1$62 endet. Den größten
Posten machen wiederum mit 60 Prozent des Gesamtbudgets die Ausgaben für die Nationale Verteidigung, internationale Programme und
die Weltraumforschung aus, die im neuen Haushalt mit 58,1 Milliarden
Dollar ausgewiesen sind. Die hiermit in einem direkten Zusammenhang
stehenden Posten Kriegsveteranen und Zinsendienst sehen Ausgaben in
Höhe von 14,7 Milliarden Dollar vor, so daß rund 80 Prozent aller
Ausgaben der nationalen Sicherheit dienen oder durch frühere Kriege
bedingt sind. Auf alle übrigen Programme entfallen, lediglich 19,7
Milliarden Dollar oder ein Fünftel des Gesamtbudgets,
Der Präsident weist im besonderen darauf hin, daß sich die Ausgaben für die inneramerikanischen Programme in ihrer Gesamtheit sowie
für den Zinsendienst gegenüber dem laufenden Haushaltsjahr praktisch
nicht verändert haben und die in dem Haushalt ausgewiesenen Mehrausgaben ausschließlich der Stärkung der nationalen Sicherheit dienen.
Bei den inneramerikanischen Programmen hätten sich allerdings Schwerpunktverlagerungen ergeben. So sei mit rückläufigen Ausgaben für die
landwirtschaftlichen Programme, für das Postdefizit und - auf Grund
der vorübergehend hinausgeschobenen Aussteuerungsgrenze - bei der
Arbeitslosenversicherung zu rechnen. Die hier freiwerdenden Gelder
würden für andere wichtige Aufgaben, vor allem auf den Gebieten des
Erziehungswesens, des Gesundheitswesens, des Wohnungsbaus sowie der
Entwicklung der natürlichen Hilfsquellen,verwendet werden.
Nationale Verteidigung
Für die nationale Verteidigung der USA fordert Präsident Kennedy
in seiner Botschaft für das Haushaltsjahr 1963 insgesamt 52,7 Milliarden Dollar an. Dieser Betrag liegt um 1,5 Milliarden Dollar über dem
des Haushaltsjahres 1962 und um 5,2 Milliarden Dollar über dem des
Jahres 1961. Der von Kennedy veranschlagte Betrag umfaßt die militärischen Funktionen des Verteidigungsminis.teriums, die Militärhilfe
der USA für andere Länder, Atomenergieprogramme sowie verschiedene
andere Tätigkeiten,.mit denen die Verteidigungsbemühungen der USA
direkt unterstützt werden.
Größeren Raum in dem Kapitel Nationale Verteidigung nehmen die
Ausführungen über die Strategische Vergeltungsstreitmacht der USA ein,
zu der die bemannten Bomber vom Typ B-5 2 , B-58 und B-47, deren Raketen
"Hound-Dog" und "Skybolt", die ballistischen Interkontinentalraketen
"ATLAS", "TITAN" und "MINUTEMAN" sowie die Polaris-Unterseeboote gehören. -Die Gesamtermächtigung für diese Streitmacht wird für 1963 mit
9,4 Milliarden Dollar veranschlagt. Mit diesen Mitteln soll ferner
eine Bomberflotte von etwa 1200 Maschinen zu Ende des Jahres 1963
aufrechterhalten werden.
Kennedy

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26. Januar 1962

Kennedy weist in seiner Botschaft darauf hin, daß im kommenden
Haushaltsjahr die Entwicklung und Erprobung der neuen Skybolt-Rakete
vorangetrieben und die erste Bereitstellung dieser Raketen erfolgen
soll. Mit Abschluß des Haushaltsjahres 1965 soll ferner die Aufstellung der geplanten 13 Atlas-Einsatzgruppen sowie des größten Teils
der geplanten 12 Titan-Einheiten abgeschlossen sein. Bis zu diesem
Zeitpunkt rechnet man auch mit der Einsatzbereitschaft der ersten
ballistischen Feststoffraketen vom Typ Minuteman.
Aus der Botschaft geht ferner hervor, daß die USA gegenwärtig
sechs Polaris-Unterseeboote mit 96 Raketen an Bord in Dienst haben.
Bis zum Ende des Finanzjahres 1963 soll die Zahl dieser Boote auf
12 erhöht und sollen weitere 17 im Bau sein. Durch den Bau von 12
weiteren Unterseebooten dieses Typs, der während der Finanzjahre
1963/64 erfolgen soll, würde sich die Gesamtzahl der Polaris-Unterseeboote der USA auf 41 erhöhen.
Präsident Kennedy setzt sich in seiner Botschaft ferner für
einen Ausbau der amerikanischen Luftabwehr, für eine Intensivierung
der militärischen Forschungs- und Entwicklungsprogramme und eine
Verbesserung des militärischen Luft- und Seetransportwesens sowie
für die Inangriffnahme eines umfassenden Programms der Zivilverteidigung ein.
Das Bauprogramm der amerikanischen Marine sieht für 1963 den Bau
von 29 neuen Schiffen sowie die Modernisierung von 33 weiteren Schiffen
vor. Zu den Heubauten gehören ein konventioneller Flugzeugträger,
eine mit Atomkraft getriebene Fregatte, acht mit Atomkraft getriebene
Unterseeboote, fünf Landungsschiffe sowie acht Begleitschiffe. Die
amerikanischen Luftstreitkräfte werden in zunehmendem Maße ihre taktischen Jägereinheiten modernisieren und vergrößern. Die US-Armee soll
nach den Vorschlägen Kennedys die Zahl ihrer Divisionen von 14 auf 16
erhöhen, wobei die beiden neuen Divisionen an die Stelle der beiden
Divisionen der Nationalgarde treten würden, die sich gegenwärtig im
aktiven Dienst befinden.
Für das Programm der Zivilverteidigung fordert Kennedy nahezu
700 Millionen Dollar an. Dieser Betrag schließt die Summe von 460
Millionen Dollar für ein neues gemeinsames Programm des Bundes, der
Einzelstaaten, der Kommunen und privater Organisationen ein, in dessen
Rahmen in bestimmten Gebäuden der Gemeinden, wie Schulen und Krankenhäusern, Luftschutzräume gebaut werden sollen. Insgesamt sollen durch
die im Budget veranschlagten Mittel für rund 50 Millionen Menschen in
den USA Atombunker geschaffen werden. Darüber hinaus soll das Warnsystem ausgebaut, die erforderliche Ausrüstung für die Strahlenmessung
beschafft und die Ausbildung des im Rahmen der Zivilverteidigung eingesetzten Personals intensiviert werden.
Im Abschnitt Nationale Verteidigung weist Kennedy darauf hin,
daß die strategischen Streitkräfte der USA groß und vielfältig genug
seien, um jeden gegen die Vereinigten Staaten vorgetragenen Angriff

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Angriff.über stehen und entscheidend zurückschlagen zu können.
"Die in dieser Haushaltshotschaft vorgeschlagenen Programme", so
heißt es wörtlich, "sollen sicherstellen, daß wir auch in Zukunft
über diese Fähigkeit verfügen. Diese Gewißheit basiert auf einer
erschöpfenden Analyse aller über die militärischen Streitkräfte der
Sowjets verfügbaren Daten sowie der Stärke und der Verwundbarkeit
unserer eigenen Streitkräfte unter Berücksichtigung eines weitgesteckten Rahmens aller nur möglichen Notfälle..."
"... Obwohl ein globaler Atomkrieg die größte Gefahr für unser Fortbestehen darstellt", so heißt es an anderer Stelle der Botschaft Kennedys "ist er nicht die wahrscheinlichste Form eines Konfliktes, solange wir über die Streitkräfte verfügen, die notwendig
sind, um einen Atomkrieg zur Katastrophe für jeden Feind werden zu
lassen. Weit wahrscheinlicher ist eine militärische Aggression in
kleinerem Rahmen. Wenn wir uns eine andere Alternative als nukleares
Inferno oder Rückzug offenhalten wollen, dann müssen wir unsere konventionellen Streitkräfte beträchtlich vergrößern. Dies ist eine Aufgabe, die wir mit unseren Verbündeten in der freien Welt gemeinsam
haben. .."
Militärhilfe
Für die Militärhilfe der USA veranschlagt Präsident Kennedy 1,5
Milliarden Dollar. "Unsere militärische Planung", so heißt es in der
Botschaft wörtlich, "hat seit langem die Bedeutung anerkannt, die
den alliierten Streitkräften bei der Wahrung der Sicherheit der freien
Welt zukommt. Mit unserer Militärhilfe tragen wir zur Stärkung der
Streitkräfte von über 40 Ländern bei... Dieses Budget unterstreicht
die anhaltende Notwendigkeit, wirksame Streitkräfte in solchen Ländern
aufzustellen und zu unterhalten, die sich der ernsthaften Bedrohung
einer inneren Subversion oder einer Aggression von außen gegenübersehen... Die meisten der westeuropäischen NATO-Länder haben nunmehr
die volle finanzielle Verantwortung für die Ausrüstung ihrer eigenen
militärischen Streitkräfte übernommen. Bei anderen wird es der Fall
sein, sobald wir unsere laufenden Verpflichtungen für die Beschaffung
bestimmter wichtiger Materialien erfüllt haben."
Atomenergie
Für die Ausgaben der amerikanischen Atomenergie-Kommission im
Jahre 1965 ist der Betrag von 2,88 Milliarden Dollar eingesetzt, was
einer geringfügigen Erhöhung gegenüber 1962 entspricht. Im Hinblick
auf die friedliche Verwendung der Atomenergie wird in der Botschaft
die Erwartung ausgesprochen, daß mit ihrer Hilfe wesentliche Beiträge
zur Erforschung des Weltraumes geleistet werden können. Insbesondere
sollen im Haushaltsjahr 19^5 die Bemühungen um die Entwicklung eines
Atomantriebs für Raketen (Projekt ROVER) und von kleinen, leistungsfähigen Atomreaktoren und Isotopen-Batterien zur Erzeugung von Betriebsstrom in Erdsatelliten, Raumfahrzeugen und für Anlagen in abgelegenen Gebieten intensiviert werden.
Internationale

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26. Januar 1962

Internationale Programme und Aufwendungen '
Die Ausgaben für eine wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung der Entwicklungsländer werden für das Haushaltsjahr 19^3
mit 2,5 Milliarden Dollar veranschlagt. Dieser Betrag liegt um 202
Millionen über den geschätzten Ausgaben für das gegenwärtige Finanzjahr. Kennedy weist in seiner Botschaft darauf hin, daß diese Ausgaben - hauptsächlich in Form von Anleihen - in späteren Jahren noch
steigen werden, wenn die jetzt eingegangenen Anleiheverpflichtungen
wirksam werden, und betont in diesem Zusammenhang, daß sich auch
die Beiträge der anderen Industrienationen entsprechend erhöhen.
Besondere Berücksichtigung findet in der Botschaft des US-Präsidenten das lateinamerikanische Hilfeprogramm, das unter der Bezeichnung "Allianz für den Fortschritt" läuft. Kennedy fordert in diesem Zusammenhang eine besondere langfristige Ausgabeermächtigung in
Höhe von 3 Milliarden Dollar innerhalb der nächsten vier Jahre mit
einer Anfangsbewilligung für das Haushaltsjahr 1 963 in Höhe von 600
Millionen Dollar. Darüber hinaus könne mit weiteren wesentlichen Entwicklungsanleihen der Export-ImporttBank und der Interamerikanischen
Entwicklungsbank sowie mit Agrarlieferungen im Rahmen des "Lebensmittel-für-den-Frieden"-Programms der USA gerechnet werden, so daß die
Unterstützung, die der "Allianz für den Fortschritt" im Wirtschaftsjahr 1963 zuteil werden wird, den Betrag von 1 Milliarde Dollar beträchtlich übersteigen dürfte. Weiter wollen die USA das Kapital der
Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA) und der Interamerikanischen Entwicklungsbank um 122 Millionen Dollar aufstocken.
US-Informationsamt und Austauschprogramme
Das Tätigkeitsgebiet des US-Informationsamtes soll weiterhin
ausgedehnt werden, wobei vor allem die Programme für Lateinamerika
und Afrika erweitert werden sollen. Die Pläne für 1963 sehen die
Einrichtung von elf neuen Außenstellen in Afrika und zehn neuen Außenstellen sowie neun Leseräumen, zehn Kontakt- und Informationszentren
und zehn binationalen Studentenzentren in Lateinamerika vor.
Die neuen Sendeanlagen für die Stimme Amerikas, die in Nord-karo=lina, auf der Insel Rhodos und in Liberia gebaut werden, dürften
voraussichtlich 1963 in Betrieb genommen werden. Das Budget sieht
außerdem Mittel für die Modernisierung und Erweiterung bestimmter
Sendeanlagen in den Vereinigten Staaten vor.
Nachdem der Kongreß das Erziehungs- und Kulturaustauschgesetz
in seiner letzten Sitzung verabschiedet hat, wird, wie in der Botschaft ausgeführt wird, das State Department Austauschprogramme durchführen können, ohne von Devisenbeständen im US-Schatzamt abhängig
zu sein. Das State Department ist damit besser in der Lage, den Erfordernissen dieser Programme - vor allem in Afrika und Lateinamerika nachzukommen. Außerdem sollen die unter amerikanischer Schirmherrschaft stehenden Schulen im Ausland finanzielle Unterstützung erhalten,
um den Erziehungs- und Ausbildungserfordernissen für ihre amerikanischen

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26. Januar 1962

amerikanischen Schüler gerecht werden und die amerikanischen Erziehungsmethoden demonstrieren zu können.
Weltraumforschung und Technik
Für die verschiedenen Weltraumprogramme der USA werden in dem
neuen Haushalt insgesamt 5&gt;5 Milliarden Dollar eingesetzt, wobei
dieser Betrag zum Teil erst in späteren Jahren verausgabt werden
soll. Das ist fast das Doppelte der für das laufende Haushaltsjahr
und fast das Dreifache der für das vergangene Haushaltsjahr beantragten Mittel. Von dem Gesamtbetrag entfallen 3»8 Milliarden Dollar
auf das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA), 1,5 Milliarden Dollar
auf die im Haushalt des Verteidigungsministeriums vorgesehenen
nichtmilitärischen Programme und 200 Millionen Dollar auf verschiedene
andere Dienststellen. Die tatsächlichen Ausgaben der NASA im neuen
Haushaltsjahr werden jedoch nur 2,4 Milliarden Dollar betragen und damit um 1,1 Milliarden Dollar höher als in dem laufenden, am 30« Juni
zu Ende gehenden Haushaltsjahr 196? liegen, bzw. fast das Dreifache de
Ausgaben im Haushaltsjahr 1961 ausmachen.
Mit den zusätzlichen Mitteln, so heißt es in der Botschaft, solle
die verschiedenen Weltraumprogramme der NASA - vor allem auf den Gebieten der Nachrichtenübermittlung und der Meteorologie, auf denen
bereits in der Vergangenheit so große Fortschritte erzielt wurden verstärkt fortgesetzt werden. Das größte Unternehmen, so wird betont,
bleibe jedoch der Flug eines Menschen zum Mond und zurück. Im Zuge
dieses Projekts würden die Apollo-Raumkapsel und die Superraketen entwickelt, die das Raumschiff zum Mond tragen können.
Kennedy hebt in diesem Zusammenhang hervor, daß die gewaltigen
wissenschaftlichen und technischen Anstrengungen im Rahmen des Weltraumforschungsprogramms die technische Entwicklung und den Fortschritt
in der ganzen Wirtschaft beschleunigen.
Andere Aufgaben
Wie in der Botschaft weiter ausgeführt wird, sollen jedoch auch
die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufgaben, die nicht mit
der Verteidigung oder internationalen Programmen zusammenhängen,
nicht vernachlässigt werden. In der Landwirtschaft werde eine gute
Nutzung des Überflusses angestrebt, und neue Programme sollen die
Erzeugung in Einklang mit dem inländischen Bedarf sowie mit den Exporterfordernissen bringen.
Für die Erhaltung der Natur- und Bodenschätze werden 2,3 Milliarden Dollar veranschlagt. Dabei sollen allein 43 neue Wasserwirtschaftsprojekte mit einem Gesamtaufwand an Bundesmitteln von 6.00
Millionen Dollar in Angriff genommen werden.
Die Ausgaben für Handel und Transportwesen sind mit 2,5 Milliarden Dollar etwas niedriger angesetzt als im vorigen Budget, da der
Zuschuß für die Bundespost reduziert wird.
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26. Januar 1962

Auf dem Gebiet des Wohnungsbaus und der Sanierung der Städte
hofft Kennedy durch weitere wichtige Vorschläge die Programme des
Bundes beschleunigt weiterfuhren zu können.
Für die Aufgaben des Bundes im Gesundheits- und Sozialwesen
werden in dem neuen Haushalt 5&gt;1 Milliarden Dollar angesetzt. Weiter
wird mit Ausgaben aus Treuhandfonds in Höhe von 21,6 Milliarden
Dollar gerechnet. Dabei sind größere Summen als bisher für die
medizinische Forschung und die Verbesserung des Gesundheitsdienstes
vorgesehen. Besonderes Augenmerk wird auch auf die Ausbildung und
Umschulung von Arbeitskräften gerichtet.
Ebenso wird eine Erhöhung der Mittel für Erziehungsprogramme
als notwendig bezeichnet. Insgesamt sollen für derartige Programme
1,5 Milliarden Dollar - 327 Millionen Dollar mehr als im laufenden
Haushaltsjahr - ausgegeben werden. Die neuen Ausgabeermächtigungen .
sind mit 2,4 Milliarden Dollar eingesetzt. Kennedy betont in seiner
Botschaft nachdrücklich, daß die Zukunft der Demokratie und der Freiheit auf gut ausgebildeten Bürgern beruhe.

***-*-*

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�W1./26.1 .1962
PRÄSIDENT KENNEDY LEGT KONGRESS WIRTSCHAFTSBERICHT VOR

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen eine Zusammenfassung sowie Auszüge
aus der Wirtschaftsbotschaft, die Präsident
Kennedy am 22. Januar 1962 an den amerikanischen Kongreß gerichtet hat.

1. Zusammenfassung
Die Vollbeschäftigung und einen dauerhaften Wohlstand ohne Inflation bezeichnete Präsident Kennedy als die wichtigsten Ziele der
amerikanischen Wirtschaftspolitik. In seinem Wirtschaftsbericht, den
der Präsident gemäß der Verfassung der USA dem Kongreß zu Beginn
jeden Jahres vorlegen muß, betonte Kennedy, daß die amerikanische
Wirtschaft ihre Dynamik wiedergewonnen habe und der Verwirklichung
des Zieles näher rücke, für alle Arbeitswilligen und Arbeitsfähigen
Arbeitsplätze zu schaffen. Die bereits erzielten Fortschritte könnten
die Regierung mit Befriedigung erfüllen, doch dürfe sie sich nicht
selbstzufrieden auf diesen Fortschritten ausruhen. Vielmehr gelte
es, die Expansionsrate der Wirtschaft weiter zu beschleunigen, wobei
er eine Rate von 4 1/2 Prozent pro Jahr als ein vernünftiges Ziel
für die sechziger Jahre erachte.
Gleichzeitig forderte der Präsident in seiner Botschaft Maßnahmen auf den Gebieten des Erziehungswesens sowie auf »dzialem Gebiet, um sicherzustellen, daß der Wohlstand von Dauer ist und alle
Schichten der Bevölkerung an ihm teilhaben. Das Ziel sei es, gleiche
Möglichkeiten für alle zu schaffen. Gleichzeitig müßten die Bemühungen um einen Ausgleich der amerikanischen Zahlungsbilanz fortgesetzt werden. Es müßten nicht nur die Schranken für den Welthandel
weiter abgebaut, sondern es müsse auch der Fluß von Hilfsquellen aus
den hochentwickelten Ländern nach den jungen aufstrebenden Ländern
verstärkt werden.
Für

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1962

Für das neue Jahr sagte der Präsident in seinem Bericht ein
Anhalten des umfassenden und stetigen Wirtschaftsaufschwunges voraus,
wobei die Gütererzeugung, die Beschäftigtenzahl, das Personaleinkommen wie auch die Gewinne neue Rekorde erreichen würden. Das Bruttosozialprodukt werde 1962 um rund 50 Milliarden Dollar über dem Stand
des vergangenen Jahres von 521 Milliarden Dollar liegen.
Kennedy wies darauf hin, daß das Jahr 1961 mit einer Rezession
begann und das Bruttosozialprodukt im 1. Quartal 1961 lediglich eine
Jahresrate von 501 Milliarden Dollar aufwies. Demgegenüber habe das
Bruttosozialprodukt im 4» Quartal 1961 - auf Jahresbasis umgerechnet 541 Milliarden Dollar betragen und die industrielle Produktion habe
alle bisherigen Höchststände .übertroffen. Diese Erholung der Wirtschaf
nach der vorangegangenen Rezession, so betonte der Präsident, habe
wieder zu einer höheren Kapazitätsausnutzung in der Industrie geführt
und die Zahl der Arbeitslosen sei zurückgegangen. Es sei weiter gelungen, 1961 das Preisgefüge stabil zu erhalten und das Vertrauen in
den Dollar wiederherzustellen. Der Goldabfluß habe praktisch aufgehört und das Defizit in der Zahlungsbilanz habe nur ein Drittel des
i960 verzeichneten Defizits ausgemacht. Das vergangene Jahr habe erneut die Elastizität der amerikanischen Wirtschaft gezeigt, deren
Wiedererholung die Regierung durch zeitlich wohl abgestimmte Maßnahmen
gefördert habe.
Der Bericht unterstreicht ferner, dafl inflationistische Lohnund Preissteigerungen die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen
Erzeugnisse auf den Weltmärkten gefährden würden. Wörtlich erklärte
Kennedy, "die Nation muß sich auf die Vernunft und das Verantwortungsbewußtsein unserer Wirtschaft und unserer Gewerkschaftsführer
verlassen, daß sie das Preisgefüge 1962 stabil erhalten... Wenn die
Gewerkschaftsführer den Produktivitätszuwachs in unseren großen Industrien als Richtschnur für Lohnforderungen nehmen und wenn die Betriebsleitungen in diesen Industrien eine gleiche Zurückhaltung in
ihren Preisentscheidungen üben, dann wird dieses Jahr zu einem glänzenden Kapital in der Geschichte einer verantwortungsbewußten Ausübung
der Freiheit werden" .
Der Bericht führt weiter eine Reihe von Empfehlungen auf, um eine
etwaige Rezession besser abwehren zu können und das Finanz- und Steuer
System zu verbessern, wie sie Präsident Kennedy zum Teil bereits in
seiner Botschaft über die Lage der Nation sowie in seiner Haushaltsbot
schaft angekündigt hatte. Diese Empfehlungen sehen unter anderem vor:
Eine dem Veto des Kongresses unterliegende Sondervollmacht für
den Präsidenten, die Einkommensteuern zeitweise zu senken, falls eine
Rezession droht;
Eine gleiche Sondervollmacht zur Erhöhung der Ausgaben für wichtige Verbesserungsprojekte im Falle einer drohenden Rezession;
Verbesserung

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26. Januar 1962

Verbesserung der Arbeitslosenversicherung, wobei der Aussteuerungstermin hinausgeschoben, die Zuwendungen an die Arbeitslosen erhöht und der Kreis der Versicherten erweitert werden soll;
Durchführung von Umschulungs- und Weiterbildungskursen für
Arbeitslose;
Verabschiedung eines neuen Jugendarbeitsgesetzes;
Steuervergünstigungen für Investitionen in Anlagegüter, um die
Rationalisierungs- und Modernisierungsbemühungen der Industrie zu
fördern und ihre Wettbewerbsfähigkeit vor allem gegenüber dem Ausland
zu verbessern.
Gleichzeitig kündigt der Bericht an, daß Präsident Kennedy dem
Kongreß noch im Laufe dieses Jahres ein umfassendes Steuerreformgesetzv vorlegen werde«

2. Auszüge aus der Wirtschaftsbotschaft
Die Teile des Wirtschaftsberichtes Präsident Kennedys, die sich
mit den grundlegenden Zielen der amerikanischen Wirtschaftspolitik und
mit den Maßnahmen für 1962 befassen, haben folgenden Wortlaut:
"Obwohl wir über den bisherigen Fortschritt befriedigt sein können
dürfen wir uns damit nicht zufriedengeben. Zu den noch unerledigten
Wirtschaftspolitischen Aufgaben gehören: Erstens die Erreichung der
Vollbeschäftigung und eines dauerhaften Wohlstandes ohne Inflation,
zweitens die Beschleunigung des wirtschaftlichen Wachstums, drittens
die Sicherstellung gleicher Chancen für alle und Viertens ein Ausgleich
der Zahlungsbilanz. Die Wirtschaftspolitik stellt uns also vor eine
Aufgabe, die uns ganz in Anspruch nimmt; es ist jedoch eine Aufgabe,
die innerhalb des Rahmens einer freien Wirtschaft gelöst werden kann
und wird.
Umfassender und dauerhafter Wohlstand ohne Inflation
Die Wiedergesundung hat unsere Wirtschaft erst einen Teil des
Weges zurücklegen lassen, der zum Ziel der 'maximalen Produktion, der
Vollbeschäftigung und der maximalen Kaufkraft' führt. Die uns immer
vor Augen stehende Forderung des Employment Act ist, nicht nur Besseres sondern unser Bestes zu leisten, nämlich das 'Maximum1'. Die Erreichung dieses Maximums im Jahre 1963 würde ein Bruttosozialprodukt
von rund 60Ö Milliarden Dollar, Löhne und Gehälter von über J20 Milliarden Dollar und Gesellschaftsgewinne von über 60 Milliarden Dollar,
alles in 1961er Preisen gerechnet, bedeuten. Der materielle Gewinn
ist an sich schon überwältigend. Er ist jedoch weniger wichtig, als
es die neuen Zielsetzungen und die neuen Möglichkeiten für die

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26. Januar 1962

die Verbesserung des amerikanischen Lebens sind, das bei 'maximaler'
Nutzung der jetzt noch brachliegenden und der noch zu schaffenden
Produktionskapazität Wirklichkeit werden könnte.
Unfreiwillige Arbeitslosigkeit ist das auffallendste Zeichen
und die entmutigendste Folge einer nicht voll ausgenutzten Produktionskapazität. Dadurch wird an den Menschen selbst augenfällig,
was vielleicht sonst nur als abstrakte Statistik erscheinen würde.
Wir können uns nicht auf irgendeinen bestimmten Beschäftigtenstand
festlegen. Aber aus praktischen Erwägungen sehen wir eine Arbeitslosenrate von 4 Prozent als vorläufiges Ziel an. Es kann im Jahre
1963 erreicht werden, wenn auf dem Finanz- und Währungssektor sowie
auf anderen Gebieten eine entsprechende Politik verfolgt wird. Die
erreichbare Rate läßt sich sogar noch weiter senken, und zwar durch
wirksame Maßnahmen, die dazu beitragen, daß die Gesamtheit der Arbeitnehmer die Kenntnisse und die Beweglichkeit erlangt, die eine sich
verändernde Wirtschaft fordert. Wir müssen auch die mit dem Gesetz
für die Sanierung der Notstandsgebiete im Jahre 1961 begonnenen
gemeinsamen Bemühungen fortsetzen, in diesen Gebieten Industrien
anzusiedeln und Arbeitsplätze für die aus ihrer bisherigen Beschäftigung Verdrängten zu schaffen. Wir müssen schließlich die Arbeitslosigkeit auf das mit dem Funktionieren einer freien Gesellschaft
zu vereinbarende Minimum reduzieren. Wir müssen eine volle Wiedergesundung anstreben, ohne die Preisstabilität der vergangenen vier
Jahre zu gefährden. Die Erfahrungen des letzten Jahres haben gezeigt,
daß eine Expansion ohne Inflation möglich ist. Wenn die Gewerkschaften
und die Unternehmer zusammenarbeiten, dann bin ich davon überzeugt,
daß wir eines Tages die Vollbeschäftigung ohne Inflation verzeichnen
können.
Die Aufgabe der Stabilisierung der Wirtschaft endet nicht mit
einer vollen Wiedergesundung. Es bleibt das Problem, zu verhindern,
daß die Wirtschaft zu weit nach oben oder nach unten von dem Kurs
einer stetigen hohen Beschäftigung abweicht. Das eine würde zur Inflation, das andere zur Rezession führen. Eine flexible und wachsame
Finanz- und Währungspolitik wird es uns ermöglichen, den schmalen
Mittelkurs zu verfolgen.
Wirtschaftliches Wachstum
Während wir auf eine umfassende und konstante Ausnutzung unserer
heutigen Produktionskapazität hinarbeiten, müssen wir gleichzeitig
unser Potential für morgen erweitern. Die wirtschaftliche Expansion
nach dem Kriege - die größer als in den vorangegangenen fünfzig Jahren
war - hat. sich verlangsamt. Wir haben in den vergangenen Jahren die
Wachstumsrate von 4-4 1/2 Prozent, die die ersten Jahre nach dem
Kriege kennzeichnete, nicht einhalten können. Wir sollten uns nicht
mit einer langfristigen Wachstumsrate zufriedengeben, die unter dem
Stand der ersten Nachkriegsjahre liegt. Eine Steigerung der Expansionsrate auf jährlich 4 1/2 Prozent liegt im Bereich unserer Möglichkeiten während der sechziger Jahre. Damit werden wir die Grundlage sowohl

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26. Januar 1962

sowohl für die Deckung unseres einheimischen Bedarfs als auch für
die Erfüllung unserer internationalen Verpflichtungen legen.
Im November des vergangenen Jahres setzten wir uns zusammen mit
den 19 anderen Mitgliedstaaten der Organisation für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ein gemeinsames Ziel für die
wirtschaftliche Expansion. Wir verpflichteten uns alle, eine nationale und internationale Politik zu verfolgen, die die Gesamtproduktion
der Atlantischen Gemeinschaft zwischen i960 und 1970 um 50 Prozent
steigern soll. Die westlichen Nationen werden durch die Entschlossenheit Amerikas, seinen vollen Beitrag zu diesem Bemühen zu leisten,
ermutigt und angespornt.
Wir können unseren Beitrag leisten. Mitte der sechziger Jahre
werden die Kinder, die 1943 und später geboren wurden, das Arbeitsfähige Alter erreichen. Das sich daraus ergebende schnelle Anwachsen
der Zahl der Arbeitskräfte stellt eine große Chance - und keine Last für uns dar, vorausgesetzt, daß wir nicht nur die Arbeitsplätze beschaffen, sondern auch an die Forschung und Ausbildung denken und für
die Kapitalinvestitionen sorgen, um unsere neuen Arbeitskräfte bei
ihrem Eintritt ins Wirtschaftsleben in den Genuß einer hohen und steigenden Produktivität kommen zu lassen.
Gleiche Chancen für alle
Zeit unseres Lebens ist die Prosperität der Vereinigten Staaten
bisher in steigendem Maße allen zugute gekommen, und dies muß auch so
bleiben. Die Möglichkeiten der Ausbildung an Grund-Mittel- - und Hochschulen und die zunehmende medizinische Betreuung der Bevölkerung sowie
die erhöhte Wirtschaftstätigkeit unseres Landes nach dem Kriege haben
die wirtschaftliche Lage der ärmsten Familien und Einzelpersonen gebessert.
Aber die Prosperität hat die Armut nicht beseitigt. Im Jahre 196O
hatten sieben Millionen Familien oder Einzelpersonen ein jährliches
Einkommen unter 2000 Dollar. Daß es uns nicht gelungen ist, die Armut
zu überwinden, liegt zum Teil daran, daß wir nicht imstande gewesen
sind, unser Wirtschaftspotential voll auszuschöpfen. Die Zahl der
Arbeitslosen schwankt stets, und eine Zunahme der Arbeitslosigkeit
führt meist dazu, daß diejenigen die größten Einkommensverluste erleiden,
die dies am wenigsten verkraften können. Aber unser Gewissen wird auch
noch durch andere belastet, deren Armut kaum von den Konjunkturzyklen
der allgemeinen Wirtschaftstätigkeit berührt wird. Die ärmsten Familien
in Amerika sind in zunehmendem Maße diejenigen, in denen der Mann fehlt.
Ältere Leute, Farbige, Wanderarbeiter und die körperlich oder geistig
Behinderten verfügen auch in Zeiten der Prosperität oft nur über
wenig Geld.
Die Erhöhung der Mindestlöhne im vergangenen Jahr ist ein Beweis
für unsere Sorge um das Wohlergehen unserer Mitbürger mit einem niedrigen Einkommen. Weitere Gesetzesvorlagen, die gegenwärtig anhängig sind,
werden sehr dazu beitragen, das Los der vom Glück am wenigsten

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26. Januar 1962

wenigsten Begünstigten zu verbessern. Zu diesen Vorschlägen gehören:
erstens die Krankenversicherung für die Alten; zweitens die Bundeshilfe für die Ausbildung und Umschulung unserer arbeitslosen und
unterbeschäftigten Arbeiter; drittens die endgültige Stärkung unseres
Arbeitslosenversicherungssystems; und viertens eine wesentliche Revision unserer öffentlichen V/ohlfahrts- und Unterstützungsprogramme, wobei der Nachdruck auf den Bemühungen um die Wiedereingliederung in
den Arbeitsprozeß liegen muß, die die Unabhängigkeit der Familien
wiederherstellt.
Die öffentlichen Schulen sind über ein Jahrhundert lang das große
Bollwerk der Gleichheit der Chancen in unserer Demokratie gewesen.
Unsere Schulen haben wesentlich dazu beigetragen, zu verhindern, daß
bestehende frühe Handikaps sich zu ständiger Unwissenheit und Armut
auswuchsen. Es gibt keine bessere Investition in Gleichheit und Demokratie und kein besseres Instrument für das wirtschaftliche Wachstum
als unsere Schulen. Aus diesem Grunde ersuche ich den Kongreß dringend,
die notwendigen Maßnahmen zur Gewährung von Bundeshilfe für angemessenere
Räume und Einrichtungen an öffentlichen Schulen, für höhere Gehälter für
die Lehrer und eine bessere Qualität des Unterrichts zu treffen. Ich
ersuche um die baldige Verabschiedung des Gesetzes über die Bewilligung
von Anleihen für den Bau von Hochschullehrgebäuden und die Vergabe von
Stipendien an begabte Studenten, die Hilfe brauchen. Die Begabung unserer
Jugend ist eine Quelle der Stärke, die wir nicht vergeuden dürfen.
Schließlich werde ich dem Kongreß in Kürze ein energisches Programm
zur Verringerung des Analphabetentums bei Erwachsenen vorlegen - ein
Mangel, an dem auf Grund unzureichender Ausbildungsmöglichkeiten in der
Vergangenheit noch zu viele unserer Mitbürger leiden.
Ausgleich der internationalen Zahlungsbilanz
Anhaltende Defizite im internationalen Zahlungsverkehr und Goldabflüsse haben die Zahlungsbilanz zu einem kritischen Problem der
Wirtschaftspolitik gemacht. Wir müssen einen Ausgleich in unseren internationalen Transaktionen' erreichen, so daß wir im Ausland großen
Verpflichtungen für die Sicherheit und die Entwicklung der freien Welt
nachkommen können, ohne daß unsere Goldreserven erschöpft werden oder
eine übermäßige Häufung von kurzfristigen Dollarverpflichtungen gegenüber Ausländern eintritt. Gleichzeitig müssen wir die internationalen
Handelsschranken weiter abbauen und den Fluß von Hilfsmitteln aus den
hochentwickelten Staaten nach den Entwicklungsländern steigern. Die
Ausweitung unserer Exporte ist eine Aufgabe von höchster Dringlichkeit,
eine Aufgabe, die der Aufrechterhaltung der Preisstabilität und der
raschen Erhöhung der Produktivität im eigenen Land erhöhte Bedeutung
verleiht.
Die Politik für 1962
Die Nation wird im Jahre 1962 einen weiteren wirtschaftlichen
Aufschwung zu verzeichnen haben. Die Privatwirtschaft kann mit

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26. Januar 1962

mit umfassenden Fortschritten rechnen. Die bereits erzielten Fortschritte haben den Boden für weitere Höchststände auf den Gebieten
der Produktion, der Beschäftigung, des Personaleinkommens und der
Unternehmergewinne bereitet. Steigende Haushaltseinnahmen verbessern
die Aussichten auf eine weitere Zunahme der Verbraucherkäufe, vor
allem bei Dauergütern. Die Firmen werden größere Lagerbestände benötigen, um der gesteigerten Nachfrage entsprechen zu können. Höhere
Gewinne und eine Ausweitung der Märkte werden zu steigenden Kapitalaufwendungen führen. Die Ausgaben des Bundes, der Einzelstaaten und der
Kommunen werden im Rahmen unserer Arbeit für Frieden und Fortschritt
ebenfalls steigen.
In der ersten Hälfte des Jahres 1962 können wir daher mit einer
nachhaltigen Steigerung der Produktion und der Einkommen rechnen, wobei das Bruttosozialprodukt im 2. Quartal eine Jahresrate von 565 bis
570 Milliarden Dollar erreichen dürfte, die Zahl der Beschäftigten
weiterhin steigen und die Arbeitslosenzahl weiter fallen wird.
Im zweiten Halbjahr 1962 dürften die Investitionen der Firmen
in Fabrikanlagen und -ausrüstungen immer größeren Umfang annehmen und
dazu beitragen, das Tempo des Fortschritts in Richtung auf die Vollbeschäftigung und künftiges wirtschaftliches Wachstum aufrechtzuerhalten. Die Produktionsausweitung dürfte die Ausstoßrate der Fabriken
bis zur vollen Ausnutzung der Kapazität steigern und die Gewinne über
frühere Höchststände hinaus anheben. Zu diesen Anreizen für Kapitalausgaben wird eine Lockerung der Richtlinien für Abschreibungen durch
das Finanzministerium kommen und, wenn der Kongreß das Gesetz verabschiedet, der Steuerkredit von acht Prozent auf Ausgaben für Maschinen und Ausrüstungen.
Es steht zu erwarten, daß das Bruttosozialprodukt für das Gesamtjahr 1962 um etwa 50 Milliarden Dollar über den Stand des Jahres 1961
von 521 Milliarden Dollar ansteigen wird. Dies würde einen weiteren
gewaltigen Schritt vorwärts in Richtung auf eine Wirtschaft der Vollbeschäftigung darstellen. Ein Rückblick auf frühere Perioden des
Wirtschaftsaufschwungs nach Rezessionen wie auch das gewaltige und
ständig weiter wachsende Wirtschaftspotential der Vereinigten Staaten
zeigen, daß wir dieses Ziel erreichen können, In Anbetracht unserer
Verpflichtungen sowohl gegenüber unserer eigenen expandierenden Bevölkerung als auch der Welt müssen wir dieses Ziel erreichen.
Ich habe dem Kongreß ein ausgeglichenes Budget für das Haushaltsjahr 1963 vorgelegt, in dem auf Grund der Prosperität die Steuereinnahmen stark ansteigen werden. Das Budget ist der erwarteten wirtschaftlichen Expansionsrate angepaßt. Es wird der Wirtschaftstätigkeit
geringeren Auftrieb geben, wenn die private Nachfrage nach Gütern und
Dienstleistungen größer und damit in immer stärkerem Maße zum Träger
der künftigen Expansion wird. Dieser Wechsel wird sich jedoch allmählich und schrittweise vollziehen. Wir haben aus den Enttäuschungen der
Jahre 1959/60 gelernt, daß eine abrupte und exzessiv starke Verlagerung im Budget der Privatwirtschaft die Kraft und die Energie nehmen
und ihren Fortschritt aufhalten kann, vor allem wenn gleichzeitig eine
restriktive Geldpolitik verfolgt wird. Dies wird sich nicht wieder-

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7 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1 962

Wir sehen dem Jahre 1962 ohne jede Selbstzufriedenheit, aber
mit Optimismus entgegen. Wenn der private Verbrauch in unerwarteter
Weise steigt, dann muß und wird die öffentliche Hand Maßnahmen treffen, um die Gefahr eines Ansteigens der Preise abzuwenden. Bleibt die
Verbrauchernachfrage hinter den gehegten Erwartungen zurück, dann
wird eine mehr expansive Politik befolgt werden...
Der im Budget für das Finanzjahr 1963 erwartete Ausgleich und
der Überschuß, der bei einer Vollbeschäftigung entstehen würde,
lassen beide erkennen, daß die Finanzpolitik einen großen Teil der
schweren Aufgabe übernimmt, jede inflationistische Übersteigerung
der Nachfrage zu verhindern. Wenn die Währungspolitik und die mit
ihr zusammenhängenden Maßnahmen zu einem großen Teil von dieser
Bürde entlastet werden, dann können sie um so wirksamer zur Sicherung
des Flusses von Investitionskapital eingesetzt werden, durch den
die derzeitigen Erträge der Wirtschaft in künftige Produktionskapa- l
Zitaten umgewandelt werden .
Gleichzeitig muß aber bei der Währungspolitik und der Verwaltung
der Staatsschuld darauf geachtet werden, die internationale Zahlungsbilanz vor dem Abfluß kurzfristigen Kapitals zu schützen...
Das im vergangenen Jahr begonnene Programm zur Verringerung
unseres Zahlungsdefizits und zur Erhaltung des Vertrauens in den
Dollar wird im Jahre 1962, dessen bin ich sicher, weitere Erfolge
zeitigen. Ich hoffe, daß das Ziel eines vernünftigen Gleichgewichts
in unserer internationalen Zahlungsbilanz innerhalb der nächsten zwei
Jahre erreicht werden kann; es wird dies jedoch von uns allen - der
Regierung, der Wirtschaft und den Gewerkschaften - entschlossene Anstrengungen verlangen. Diese Anstrengungen müssen an einer ganzen
Reihe von Fronten unternommen werden.
Ausweitung des Exports: Eine weitere Steigerung des Handelsüberschusses der USA ist von äußerster Wichtigkeit. Wenn wir unseren
internationalen Verpflichtungen nachkommen wollen, dann müssen wir
unsere Exporte rascher steigern, als die Importe im Rahmen unseres
wirtschaftlichen Wachstums zunehmen.
Unsere Anstrengungen zur Steigerung des Exports erfordern dringend,
das wir uns in Verhandlungen um eine Reduzierung der Zölle des europäischen Gemeinsamen Marktes bemühen. Ich werde dem Kongreß in Kürze
eine Sonderbotschaft vorlegen, in der die Einzelheiten des vorgeschlagenen Gesetzes zur Erweiterung des Handels für das Jahr 1962 dargelegt
werden und begründet wird, warum ich eine neue Initiative in der Handelspolitik in diesem Jahr für unbedingt erforderlich halte.
Um die amerikanischen Geschäftsleute zu ermutigen, sich mehr
auf den Export auszurichten, haben wir unter Leitung der ExportImport-Bank ein neues Exportversicherungsprogramm in Angriff genommen.
Und wir haben unsere Offensive zur Förderung des Exports noch intensiviert, indem wir die von der US-Regierung im Ausland gewährten
kommerziellen Dienstleistungen verbesserten - indem wir Handelszentren

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1962

Handelszentren in anderen Ländern errichteten, Handelsmessen planten,
das Handelsmissionsprogramm erweiterten und über die Außenstellen
des Handelsministeriums und das Bundesamt zur Förderung von Kleinund Mittelbetrieben mit den einzelnen Firmen bezüglich der Exportmöglichkeiten zusammenarbeiteten. Die Reisen von Ausländern nach den
USA, die die Dollar in unser Land zurückbringen, werden nunmehr über die
erste je zu diesem Zweck geschaffene Bundesdienststelle gefördert.
Preise und Produktivität: unsere Exportoffensive wird fehlschlagen, wenn wir unsere Preise auf den Weltmärkten nicht wettbewerbsfähig
halten können. Wenn auch unsere Haltung in jüngster Zeit, was die Preise
anbetrifft, vorbildlich war, so wird die Besserung der Wirtschaftslage
1962 doch das Staatsbewußtsein der führenden Männer unserer Wirtschaft
und unserer Gewerkschaften erneut auf die Probe stellen. Ich glaube,
daß sie diese Bewährungsprobe bestehen werden; unsere Nation besitzt
heute das Verständnis für die entscheidend wichtigen Beziehungen, die
zwischen unserem Preisgefüge und unserer Zahlungsbilanz bestehen.
Auf lange Sicht gesehen hängt die Wettbewerbsfähigkeit unserer
Industrie von einem stetigen und schnellen Produktivitätszuwachs ab.
Hier decken sich die Ziele der wirtschaftlichen Wiedererholung, des
langfristigen Wachstums und der Stärkung des Dollars. Die Modernisierung und Erweiterung unserer industriellen Anlagen wird den Produktivitätszuwachs noch beschleunigen.
Auslandsinvestitionen: den Fluß privaten amerikanischen Kapitals
ins Ausland unter Kontrolle zu stellen, würde unserer Tradition und
unseren wirtschaftlichen Interessen zuwiderlaufen. Aber genausowenig
gibt es irgendeine Rechtfertigung für besondere Steuervergünstigungen,
die den Fluß amerikanischer Investitionen nach Ländern begünstigen,
die jetzt stark und wirtschaftlich entwickelt sind. Ich fordere daher
erneut die Aufhebung dieser besonderen Steuervergünstigungen.
Das neue Außenhandelsprogramm, das ich dem Kongreß vorschlagen
werde, wird dazu beitragen, eine weitere künstlich geschaffene Vergünstigung für amerikanische Firmen, die im Ausland investieren, abzuschaffen. Der europäische Gemeinsame Markt hat amerikanisches Kapital
angezogen - zum Teil deshalb, weil amerikanische Geschäftsleute befürchteten, sie würden auf dem wachsenden europäischen Markt nicht mehr
wettbewerbsfähig sein, wenn sie nicht Fabriken hinter der gemeinsamen
Zollmauer errichteten...
Ausgaben der Regierung im Ausland: Die Aufwendungen für militärische
Zwecke machen bei weitem den größeren Teil unserer Regierungsausgaben
im Auslande aus. Wir führen gegenwärtig mit bestimmten unserer europäischen Verbündeten Besprechungen darüber, inwieweit sie ihre eigenen
militärischen Beschaffungskäufe in den Vereinigten Staaten steigern
können, um so einen Ausgleich für unsere Dollarausgaben in ihrem Land
zu schaffen. Als Ergebnis davon dürfte die Nettobelastung unserer Zahlungsbilanz im kommenden Jahr zurückgehen, obwohl wir auf Grund der
Berlin-Situation mehr Truppen im Ausland haben werden.
Eine

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT ULD ARBEIT

26. Januar ^^G2

Eine Kürzung unserer Auslandshilfeprogramme - um so unsere
Zahlungsbilanz zu stärken - würde "bedeuten, daß wir mehr aufgehen
als gewinnen. Aber wir können die in ausländischen Währungen anfallenden Kosten unserer Hilfsprogramme reduzieren und so die Belastung
für unsere Zahlungsbilanz verringern...
Wir haben versucht, andere hochentwickelte Länder zur Übernahme
eines größeren Teiles der Bemühungen auf dem Gebiet der Auslandshilfe
zu bewegen. Wir werden unsere diesbezüglichen Bemühungen über den
Wirtschaftshilfeausschuß der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung fortsetzen, um zu erreichen, daß die anderen
Industriestaaten einen größeren Betrag der Wirtschaftshilfe für die
weniger entwickelten Länder übernehmen...
Stärkung des internationalen Währungssystems: Her Internationale
Währungsfonds spielt eine immer wichtigere Rolle bei der Erhaltung
der Stabilität der internationalen Währungen...
In meiner Botschaft an den Kongreß vom vergangenen Februar
sagte ich: 'Wir müssen jetzt in Zusammenarbeit mit anderen Gläubigerländern Mittel und Wege erörtern, wie die internationalen Finanzierungsinstitute - vor allem der Internationale Währungsfonds - gestärkt und wirksamer eingesetzt werden können, sowohl was die Aufbringung der erforderlichen höheren Reserven als auch was die Flexibilität anbetrifft, wie sie zur Unterstützung einer gesunden und
wachsenden Weltwirtschaft erforderlich ist'.
Wir haben jetzt einen wichtigen Schritt in dieser Richtung
unternommen. Zwischen zehn großen Industriestaaten wurde ein Übereinkommen erreicht, wonach sie dem Währungsfonds, falls notwendig,
bestimmte Beträge ihrer Währungen zur Verfügung stellen werden, um
einen etwa auftretenden Druck auf das internationale Währungsgefüge
auffangen oder abwenden zu können. Diese auf Abruf bereitstehenden
6 Milliarden Dollar werden ein wichtiges Abwehrmittel gegen internationale Währungsspekulationen bilden und die Wirksamkeit des Währungsfonds beträchtlich steigern. Sie stellen sicher, daß wir von
unseren Ziehungsrechten voll Gebrauch machen können, wenn dies einmal
erforderlich werden sollte. Außerdem werden die von den Vereinigten
Staaten hierfür zugesagten 2 Milliarden Dollar die über den Fonds
anderen Partnern des Abkommens zugänglichen Finanzmittel vermehren,
wenn wir über eine starke Zahlungsbilanz und starke Reserven verfügen.
Ich werde den Kongreß in Kürze um Verabschiedung eines entsprechenden
Gesetzes ersuchen.
Maßnahmen zur Stärkung der Wirtschaft
Der abschließende Teil meines Berichts ist eine Zusammenfassung
meiner Empfehlungen für gesetzgeberische Maßnahmen (des Kongresses),
um erstens unsere Abwehrmittel gegen eine Rezession, zweitens unser
Finanzsystem, drittens unser Arbeitskräftepotential und viertens
unser Steuersystem zu stärken.
Immer

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1962

Immer wiederkehrende Rezessionen haben die amerikanische
Wirtschaft nach dem Kriege vom Kurs abgebracht, und zwar zu einer
Zeit, in der die Volkswirtschaften anderer Hauptindustrieländer
ständig Fortschritte erzielten. Um unsere Leistungen in der Zukunft
zu verbessern, ersuche ich den Kongreß dringend, mit mir bei der
Schaffung einer tiefgestaffelten Abwehr gegen zukünftige Rezessionen
zusammenzuarbeiten. Die grundlegenden Faktoren dieser Abwehrmaßnahmen sind: erstens, eine Sondervollmacht des Präsidenten für
eine schnelle, vorübergehende Senkung der Einkommensteuer, zweitens, eine Sondervollmacht des Präsidenten für Ausgaben für wichtige
Verbesserungsvorhaben und, drittens, eine dauerhafte Verbesserung
der Arbeitslosenversicherung. Diese drei Maßnahmen laufen parallel
zu wichtigen Vorschlägen des Ausschusses für Geld- und Kreditwesen,
dessen weitere Empfehlungen im nächsten Abschnitt behandelt werden.
In unserer freien Unternehmerwirtschaft werden natürlich immer
Fluktuationen in der Wirtschaft wie auch bei den Verbraucherausgaben
eintreten. Aber das braucht uns nicht dazu zu verurteilen, abwechselnd magere und fette Jahre hinzunehmen. Der Wirtschaftszyklus hat
nicht die Unausweichlichkeit eines Kalenders. Die Regierung kann
ihre Transaktionen an öffentlichen Mitteln zeitlich so abstimmen, da
die Fluktuationen in der Privatwirtschaft ausgeglichen und gedämpft
werden. Unser öffentliches Finanzsystem und unsere Haushaltspolitik
tragen bereits in einem viel größeren Maße zur wirtschaftlichen Stabilität bei als vor dem Kriege. Aber die Zeit ist reif und die Notwendigkeit klar ersichtlich, daß die Regierung in die Lage versetzt
wird, rascher, flexibler, und machtvoller zu handeln, um die Wirtschaft zu stabilisieren..."

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./2«2.1962

PRÄSIDENT KENNEDY FORDERT UMFASSENDE VOLLMACHTEN
ZUM - ABBAU DER ZOLLSCHRANKEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Außenhandelsbotschaft, die
Präsident Kennedy am 25. Januar 1962 dem amerikanischen Kongreß übermittelt hat.

Vor 28 Jahren unternahm unser Lan d ein neues Experiment auf
dem Gebiet der internationalen Beziehu ngen - das Programm über gegenseitige Handelsabkommen. Angesichts de s Chaos im Welthandel, das aus
der großen Depression resultierte, ent täuscht über die nicht erfüllten Verheißungen, daß hohe Schutzzölle zur Wiedergesundung führen
würden, und auf Grund der zwingenden u nd verzweifelten Notwendigkeit,
unsere Wirtschaft wiederherzustellen, ersuchte Präsident Roosevelt um
die Vollmacht, mit anderen Ländern der Welt über gegenseitige ZollSenkungen verhandeln zu können, um uns ere Exporte zu fördern sowie
unsere wirtschaftliche Wiedergesundung und unser wirtschaftliches
Wachstum zu unterstützen.
Dieses richtungweisende Programm, das Cordell Hüll im Kongreß
durchbrachte, ist elfmal verlängert worden. Es hat unserem Lande und
der freien Welt weit über zwanzig Jahre gute Dienste geleistet. Dieses Programm führte zu einer Ausweitung und Festigung des Handels der
freien Welt. Unser Gesamtexport, der sich in den drei Jahren vor der
Verabschiedung dieses Gesetzes auf durchschnittlich weniger als zwei
Milliarden Dollar im Jahr belief, ist jetzt auf über 20 Milliarden
Dollar angewachsen.
Am JO. Juni 1962 läuft die Verhandlungsvollmacht auf Grund der
letzten Verlängerung des Gesetzes über gegenseitige Handelsabkommen
ab. Das Gesetz muß durch ein völlig neues Instrument ersetzt werden.
Eine.neue amerikanische Handelsinitiative ist erforderlich, um den
Problemen und großen Möglichkeiten einer sich schnell verändernden
Weltwirtschaft gerecht zu werden.

In

�"AMERIKA DIENST" ^ WIRTSCHAFT UND ARBEIT

2. Februar 1962

In dem kurzen Zeitraum, seit dieses Gesetz zum letzten Male verlängert wurde, haben fünf grundlegend neue und weitreichende Entwicklungen dazu geführt, daß unsere traditionelle Handelspolitik überholt
ist.
Das Wachstum des europäischen Gemeinsamen Marktes - einer Wirtschaft, die bald der unsrigen nahezu gleichkommen dürfte und die durch
einen Außenzoll ähnlich dem unsrigen geschützt wird - hat sich mit solchem Erfolg und solchem Schwung vollzogen, daß der ursprüngliche Zeitplan übertroffen wurde, die anfänglichen Skeptiker davon überzeugt wurden, daß es jetzt kein Zurück mehr gibt, und die Grundlage für eine
radikale Änderung der Wirtschaftspolitik der Atlantischen Gemeinschaft
gelegt wurde. Nahezu 90 Prozent der Industrieproduktion der freien Welt
(falls Großbritannien und andere Länder ihre Verhandlungern um Mitgliedschaft erfolgreich abschließen) sind vielleicht bald auf zwei großen
Märkten konzentriert - den Vereinigten Staaten von Amerika und der erweiterten Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Eine Handelspolitik, die
lediglich ausreicht, Zollsenkungen Position um Position mit einer großer
Anzahl kleiner unabhängiger Staaten auszuhandeln, genügt nicht mehr,
um uns und unseren traditionellen Handelspartnern in Kanada, Japan,
Lateinamerika und in anderen Teilen der Welt den jederzeitigen Zugang
zu einem Markt zu sichern, der fast so groß ist wie unser eigener und
dessen Verhandlungsführer für alle sprechen können, dessen innere
Differenzen es ihnen jedoch unmöglich machen, Position um Position zu
verhandeln.
Der wachsende Druck auf unsere Zählungsbilanz hat in den vergangenen Jahren die Wichtigkeit steigender amerikanischer Exporte,um
die internationale Position des Dollars zu stärken und eine ständige
Schwächung unserer Goldreserven zu vermeiden, in einem neuen Lichte
erscheinen lassen. Um unsere Verteidigung, die Auslandshilfe sowie die
anderen Verpflichtungen gegenüber dem Auslande aufrechterhalten zu
können, müssen wir, wenn gleichzeitig der freie Fluß von Gütern und
Kapital erweitert werden soll, ein vernünftiges Gleichgewicht in unsere:
internationalen Verrechnungskonten erreichen, d.h. die Dollarausgaben
durch Dollareinnahmen ausgleichen.
Die Notwendigkeit für eine Beschleunigung unseres eigenen wirtschaftlichen Wachstums ist heute, nach einer Periode von sieben Jahren
langsamen Wachstums, die durch drei Rezessionen charakterisiert wird,
dringlicher als in vergangenen Jahren. Sie wird noch durch die Tatsache unterstrichen, daß in diesem Jahrzehnt Millionen neuer Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, um.nicht nur für die gegenwärtig
Arbeitslosen, sondern auch für eine wachsende Zahl junger Arbeitskräfte
für die landwirtschaftlichen Arbeiter, die neue Arbeit suchen, und für
die Arbeiter in den Städten, die durch technische Neuerungen von ihren
Arbeitsplätzen verdrängt wurden, neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu
finden.
Die

2

�AMERIKA DIENST" _ WIRTSCHAFT UND ARBEIT

2. Februar 1962

Die kommunistische Hilfe und die kommunistische Handelsoffensive traten in den letzten Jahren ebenfalls immer stärker hervor.
Der Handel des Sowjetblocks mit 41 nichtkommunistischen Ländern in
den unterentwickelten Gebieten der Welt hat sich in den letzten Jahren
mehr als verdreifacht. Und die Handelsmissionen des Sowjetblocks bemühen sich auf fast allen Kontinenten, die freie Welt zu unterminieren,
einzukreisen und zu spalten.
Die Dringlichkeit, für Japan und die Entwicklungsländer neue Absatzmärkte zu finden, ist heute ebenfalls größer denn je - sowohl
auf Grund der voraussichtlichen Auswirkungen des Außenzolls der EWG
wie auch auf Grund der Tatsache, daß sich diese Länder gezwungen sehen,
P.euF Absatzmöglichkeiten für ihre Rohstoffe und Fertigerzeugnisse zu
finden.
Um diesen neuen Aufgaben und Möglichkeiten gerecht zu werden, lege
ich dem Kongreß heute ein neues und modernes Instrument für Handelsverhandlungen - das Gesetz über die Ausweitung des Handels von 1962 vor. Wie ich bereits in meiner Botschaft über die Lage der Nation betont habe, könnte seine Verabschiedung "sehr wohl die Einheit des Westens, den Verlauf des Kalten Krieges und das Wachstum unserer Nation
für die nächste Generation beeinflussen".
I. Die Vorteile eines verstärkten Handels
Im besonderen wird die Verabschiedung dieses Gesetzes jedem einzelnen Bundesstaat, jedem Bereich der amerikanischen Wirtschaft und all
den grundlegenden Zielen unserer Binnenwirtschaftspolitik und unserer
Außenpolitik zum Vorteil gereichen.
Unsere Bemühungen um eine Ausweitung unserer Wirtschaftstätigkeit
werden wesentlich dadurch beeinflußt, ob es uns gelingt, unseren Export
zu steigern - und ob es im besonderen unseren Farmern und unseren Get
schäftsleuten gelingt, mehr an den Gemeinsamen Markt zu verkaufen. Jem
seits des Atlantiks ist gegenwärtig eine einheitliche Wirtschaftsgemeinschaft im Entstehen begriffen, die eines Tages eine Bevölkerung
haben dürfte, die eineinhalbmal so groß ist wie die unsrige. Diese Bevölkerung arbeitet im Rahmen einer Wirtschaft zusammen und steht in
einem gemeinsamen Wettbewerb, bei dem es für Handel und Investitionen
keine größeren Hindernisse gibt als zwischen unseren 50 Bundesstaaten.
Diese Wirtschaft hatte in der Vergangenheit eine Wachstumsrate, die fast
doppelt so hoch wie die unsrige war, und sie wird eines Tages eine
Kaufkraft repräsentieren, die der unsrigen gleichkommt, und einen
Lebensstandard aufweisen, der schneller als der unsrige steigt, In dem
Maße, wie dort die Verbrauchereinkommen wachsen, nimmt dort auch die
Verbrauchernachfrage zu - besonders nach solchen Gütern, die wir am
besten herstellen können, die jetzt erst auf den europäischen Märkten
oder an die Familien mit mittleren Einkommen dort in größerem Umfange
verkauft oder überhaupt dort erst richtig bekannt werden.
Rund

�"AMERIKA DIENST"

- WIRTSJ-IAFT UI.'D ARBEIT

2. Februar 1962

Rund 30 Prozent unseres Exports - über vier Milliarden Dollar
bei industriellen Erzeugnissen und Rohstoffen und fast zwei Milliarden Dollar bei Agrarerzeugnissen - entfallen gegenwärtig bereits
auf die Mitglieder und die voraussichtlichen Mitglieder der EWG. Die
europäischen Produzenten haben jedoch ihren Anteil an diesem schnell
expandierenden Markt weit stärker erhöht als die amerikanischen. Sofern unsere Industrie ihren Anteil an diesem attraktiven Markt nicht
halten und erhöhen kann, wird sie auch weiterhin versucht sein, zusätzliche, mit amerikanischen Geldern finanzierte Fabriken in Europa zu
errichten, um so die Außenzollmauer der EWG zu umgehen. Auf diese
Weise wäre es dem amerikanischen Produzenten möglich, unter Wettbewerbsgerechteren Bedingungen mit seinen europäischen Partnern um
diesen riesigen Verbrauchermarkt zu kämpfen. Dies würde aber auch bedeuten, daß unsere Bemühungen fehlgeschlagen wären, diesen expandierenden Markt für eine Erhöhung der Zahl der Arbeitsplätze sowie eine
Steigerung der Investitionen in den USA zu nutzen.

Eine liberalere Handelspolitik wird im allgemeinen unseren rationell
arbeitenden und expandierenden Industrien nützen - den Industrien, die
ihre Überlegenheit gegenüber anderen Produzenten der Welt bewiesen haben,
indem sie aus ihrer Produktion im Durchschnitt doppelt soviel exportierten, wie von uns importiert wurde - den Industrien, die dies getan
haben, obwohl sie die höchsten Löhne in unserem Lande zahlen. Die steigenden Investitionen und Beschäftigtenzahlen in diesen expandierenden
Industrien werden zu einer gesünderen, rationeller arbeitenden und sich
ausweitenden Wirtschaft und damit zu einem noch höheren Lebensstandard
in den USA beitragen. Ja, der freiere Güterverkehr zwischen den USA und
dem Gemeinsamen Markt würde die Wirtschaft der gesamten freien Welt
stärken, indem jedes einzelne Land angespornt würde, vor allem das zu
tun, was es am besten tun kann, und so dazu beizutragen, daß das von
der OECD gesetzte Ziel einer Steigerung des gemeinsamen Bruttosozialprodukts der Atlantischen Gemeinschaft um 50 Prozent bis zum Jahre
1970 erreicht wird.
Unsere Bemühungen zur Ausschaltung einer Inflation werden durch
eine Ausweitung des Handels eine Stützung erfahren. Sobald erst einmal
faire und gerechte Möglichkeiten für einen Wettbewerb auf den Auslandsmärkten sowie die Voraussetzungen für einen gesunden Wettbewerb mit den
ausländischen Produzenten auf unseren eigenen Märkten geschaffen sind,
werden die amerikanischen Unternehmer und Arbeiter vermehrt Grund haben,
wettbewerbsfähige.Kosten und Preise zu halten, ihre Fabriken zu modernisieren und ihre Produktivität zu steigern. Der harte Kampf auf den
Weltmärkten ist ein ausgezeichneter Maßstab für die Leistungsfähigkeit
und eine stabilisierende Kraft. Wollte man versuchen, die amerikanische
Wirtschaft vor dem harten Wettbewerbskampf mit dem Ausland abzuschirmen,
so würde dies zu einer Isolierung der Inlandspreise von den 'Weltmarktpreisen, einer Ermutigung der Inflation im Inland, einer weiteren Einengung des Exports und zu weniger wünschenswerten staatlichen Lösungen
führen.
Unsere

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

2. Februar 1962

Unsere Bemühungen in den vergangenen Jahren um eine Korrektur
der negativen Zahlungsbilanz entsprachen im großen ganzen dem Bemühen
um eine Steigerung des Exportüberschusses. Wenn wir unser Sicherheitsprogramm im Ausland aufrechterhalten wollen - unsere eigenen im Ausland stationierten Streitkräfte und unseren Beitrag zur Sicherheit und
zum Wachstum der übrigen freien Länder -, dann müssen wir hierfür
wesentliche Dollarbeträge im Ausland ausgeben. Diese Ausgaben werden
auf dem notwendigen Minimum gehalten, und wir bemühen uns darum, daß
unsere Verbündeten einen größeren Anteil übernehmen. Aber diese Ausgaben werden auch künftig eine beträchtliche Höhe erreichen, und dies
bedingt, daß wir den Exportüberschuß auf Grund unserer aktiven Handelsbilanz auf mehr als fünf Milliarden Dollar steigern müssen. Wenn
dieser Überschuß erhöht werden kann, weil unsere Exporte schneller als
die Importe steigen, dann können wir den für die Stabilität und Flexibilität unserer Wirtschaft erforderlichen Ausgleich unserer Zahlungsbilanz erreichen. Wenn es dagegen nicht gelingen sollte, unseren Überschuß zu steigern, wenn unseren Exporten der freie Zugang zur EWG und
anderen Absatzmärkten verwehrt werden sollte, dann würde unsere Position im Ausland gefährdet werden. Wenn wir aber die Außenzollmauer
des Gemeinsamen Marktes auf dem Verhandlungswege abbauen können, dann
werden unsere Produzenten unter einem weniger harten Zwang s.tehen,
ihre Fabriken hinter dieser Mauer zu errichten, um auf dem europäischen
Markt im Geschäft zu bleiben; und somit würde auch der Kapitalexport
nach Europa zurückgehen.
Unsere Bemühungen um eine Förderung der Stärke und Einigkeit des
Westens stehen somit in einem direkten Zusammenhang mit der Stärke
und Einheitlichkeit der atlantischen Handelspolitik. Ein erweitertes
Exportprogramm ist für die USJ^unbedingt erforderlich, um die Zahlungsbilanz auszugleichen und das ^^rtschaftliche Wachstum zu erreichen,
das notwendig ist, damit wir unseren Beitrag zur militärischen Sicherheit sowie für den wirtschaftlichen Fortschritt des Westens aufrechterhalten können. Genauso wichtig ist eine Liberalisierung des Güterflusses über den Atlantik hinweg, die die beiden riesigen Märkte auf
beiden Seiten des Ozeans in die Lage versetzen würde, Stärke und Dynamik miteinander zu paaren und ihre Hilfsquellen und ihre Schwungkraft
zusammenzufassen, um die zahlreichen Maßnahmen durchzuführen, die für
die Sicherheit freier Völker erforderlich sind. Zum ersten Male können
wir als die größte Handelsnation der Welt einen einzigen Partner begrüßen, dessen Handel noch größer als der unsrige ist - einen Partner,
der nicht länger mehr in sich gespalten und abhängig, sondern stark
genug ist, um mit uns die Verantwortung und Initiative der freien Welt
zu teilen.
Der kommunistische Block - weitgehend in sich geschlossen und
isoliert - stellt eine wirtschaftliche Macht dar, die in gewisser
Hinsicht bereits größer als die Westeuropas ist und hofft, eines
Tages die Vereinigten Staaten überholen zu können. Aber die gemeinsame
Produktion und Kaufkraft der Vereinigten Staaten und Westeuropas nahezu eine Billion Dollar im Jahr - ist mehr als doppelt so groß wie
die der gesamten sino-sowjetischen Welt. Obwohl unsere Bevölkerung
nur halb so groß ist und wir nur über weit weniger als die Hälfte des

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

2 . Februar 1962

des Gebietes verfügen, können wir unsere Hilfsquellen und unser Können im Rahmen einer offenen Handelspartnerschaft zusammenfassen, die
stark genug ist, um mit jeder Herausforderung fertig zu werden und
all die vielen Aufgaben in aller Welt in Angriff zu nehmen, die für
die Wahrung und den Fortschritt der Freiheit erforderlich sind. Wenn
wir diesen Schritt tun, dann werden für alle Zeiten die marxistischen
Prophezeiungen, daß die "kapitalistischen" Reiche sich wegen der Märkte
bekriegen und Konkurrenten unterdrücken werden, zunichte gemacht, die
kommunistischen Hoffnungen auf einen Handelskrieg zwischen diesen zwei
großen Wirtschaftsgebieten vereitelt und die kommunistischen Versuche,
den Westen zu spalten, zum Scheitern verurteilt.
Als Mitglieder der Atlantischen Gemeinschaft haben wir unsere
militärischen Ziele durch die Nordatlantikpakt-Organisation aufeinander
abgestimmt. Durch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) stimmen wir unsere Währungs- und Wirtschaftspolitik aufeinander ab. Es ist jetzt an der Zeit, ein neues Kapitel in
der Entwicklung der Atlantischen Gemeinschaft zu schreiben. Der Erfolg
unserer Außenpolitik hängt weitgehend von dem Erfolg unseres Außenhandels ab, und die Wahrung der politischen Einheit des Westens hängt ebenso weitgehend von dem Ausmaß der wirtschaftlichen Einheit des Westens
ab. Ein integriertes Westeuropa, das sich mit den Vereinigten Staaten
in einer Handelspartnerschaft zusammengeschlossen hat, wird das Gleichgewicht der Kräfte in der Welt noch mehr zugunsten der Seite der Freiheit verlagern.
Unsere Bemühungen, die Überlegenheit freier Entscheidung zu beweisen, würden damit gewaltig gefördert werden. Wir wollen der Welt beweisen, daß wir an das friedliche "Niederreißen der Mauern" glauben, statt
sie willkürlich zu errichten. Wir wollen den Erzeugern und Verbrauchern
in der freien Welt neue Perspektiven der Wahl und der Möglichkeiten eröffnen. Als Antwort für jene, die den ärmeren Ländern der Welt erklären,
daß wirtschaftlicher Fortschritt und Freiheit nicht mehr zu vereinbaren
sind, bietet sich uns - die wir seit langem die Vorzüge eines freien
Marktes und der freien Wettbewerbswirtschaft, unsere Fähigkeit, auf
jedem Markt konkurrieren und verkaufen zu können, sowie unsere Bereitschaft, mit der Zeit Schritt zu halten, gerühmt haben - die größte Möglichkeit seit dem Marshall-Plan, um die große Kraft der Entscheidungsfreiheit zu demonstrieren.
Die Länder des kommunistischen Blocks haben in den vergangenen Jahren über 200 Handelsabkommen ausgehandelt. Es ist unvermeidlich, daß die
Empfängerländer ihre Volkswirtschaften in immer stärkerem Maße von den
sowjetischen Gütern, Dienstleistungen und Technikern abhängig finden.
Aber viele dieser Nationen haben auch festgestellt, daß die Wirtschaftspolitik der freien Wahl weit größere Vorteile bietet als die Wirtschaftspolitik des Zwanges. Und je mehr wir das Gebiet der wirtschaftlichen
Freiheit ausdehnen können, um so leichter machen wir es allen freien
Völkern, in den Genuß unserer Neuerungen zu kommen und sie in der Praxis
anzuwenden.
Unsere

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT TOD ARBEIT

2. Februar 1962

Unsere Bemühungen, den Entwicklungsländern der Welt und anderen
Freunden zu helfen, hängen jedoch von mehr ab als von einer Demonstration der Lebenskraft und der Vorzüge der Freiheit. Wenn ihre Volkswirtschaften expandieren, ihre neuen Industrien mit Erfolg arbeiten
und wenn sie Devisen verdienen sollen, die sie benötigen, um auf
unsere Unterstützungsanstrengungen verzichten zu können, dann müssen
diese Länder neue Absatzmärkte für ihre Rohmaterialien und ihre neuen
Erzeugnisse finden. Wir müssen sicherstellen, daß alle Abmachungen,
die wir mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft treffen, so ausgearbeitet werden, daß sie unbedingt auch in nicht diskriminierender
V/eise auf alle dritten Länder Anwendung finden können. Noch wichtiger
ist jedoch, daß die Vereinigten Staaten und Europa eine gemeinsame
Verantwortung gegenüber allen weniger entwickelten Ländern der Welt
tragen - und in diesem Sinne müssen wir zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß ihre berechtigten Bestrebungen und Erfordernisse erfüllt werden. Die "offene Partnerschaft", die dieses Gesetz -vorschlägt,
wird alle freien Nationen in die Lage versetzen, gemeinsam in den Genuß der Segnungen einer weiter gesteckten wirtschaftlichen Wahl für
alle zu gelangen.
Unsere Bemühungen, die Führung der freien Welt zu behalten,
hängen also letztlich von unserem Erfolg bei diesem Vorhaben ab.
Wirtschaftliche Isolierung und politische Führerschaft sind völlig
unvereinbar miteinander. Die Länder Westeuropas werden in den nächsten
Jahren ihr grundlegendes Wirtschafts- und Handelsschema festlegen,
das die Zukunft unserer Wirtschaft sowie die Hoffnungen unserer weniger entwickelten Freunde entscheidend beeinflussen wird. Es werden
grundlegende politische und militärische Entscheidungen von lebenswichtigem Interesse für unsere Sicherheit getroffen werden. Wenn wir
diese Vollmacht zu Verhandlungen nicht erhalten, und sie nicht noch
in diesem Jahr erhalten - wenn wir vom Gemeinsamen Markt durch hohe
Zollschranken auf jeder Seite des Atlantik getrennt sind -, dann
können wir nicht hoffen, bei diesen grundlegenden Entscheidungen eine
wesentliche Rolle zu spielen.
Wenn wir unsere Führerschaft erhalten wollen, dann ist es an uns,
die Initiative zu ergreifen. Die umwälzenden Veränderungen, die sich
gegenwärtig vollziehen, werden nicht warten, bis wir uns entschieden
haben. Die Vereinigten Staaten haben zu weitreichenden Veränderungen
in der Wirtschaftsstruktur der freien Welt ermutigt, um die Kräfte
der Freiheit zu stärken. Aber wir können jetzt nicht selbst auf der
Stelle treten. Wenn wir die Führung haben wollen, dann müssen wir
handeln. Wir müssen unsere eigene Wirtschaft den zwingenden Erfordernissen einer sich verändernden Welt anpassen und einmal mehr unsere
Führerschaft behaupten.
Der amerikanische Geschäftsmann wird, sobald die durch dieses
Gesetz gewährte Vollmacht ausgeübt wird, eine einzigartige Gelegenheit haben, zunehmend gleichberechtigt auf ei-nem reichhaltigen und
schnell expandierenden Auslandsmarkt zu konkurrieren, der potentiell
über eine Kaufkraft verfügt, die so groß und so verschiedenartig ist

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT ÜBD ARBEIT

2. Februar 1962

ist wie die unsrige. Er weiß, daß, nachdem erst einmal künstliche
Hindernisse beseitigt sind, ein großes Angebot amerikanischer Waren,
die mit Hilfe amerikanischen Wissens und amerikanischer Tüchtigkeit
produziert wurden, mit allen Erzeugnissen auf jedem Platz in der Welt
konkurrieren kann. Und nahezu alle Teile unserer Geschäftswelt, in jedem Bundesstaat, beteiligen sich jetzt oder könnten sich an der Produktion, der Weiterverarbeitung, dem Transport oder der Verteilung
sowohl der Exporte als auch der Importe beteiligen.
An Maschinen, Transportausuüstungen, Chemikalien und Kohle verkaufen wir bereits an Westeuropa allein mehr, als unsere gesamten
Importe an diesen Gütern aus allen Gebieten der Welt ausmachen. Westeuropa ist heute unser bester Kunde - und sollte morgen ein noch besserer sein. Aber da der neue Außenzoll, der den Gemeinsamen Markt umgibt,
an die Stelle der Binnenzölle tritt, wird ein deutscher Erzeuger, der
früher auf dem französischen Markt unter den gleichen Bedingungen mit
unseren Erzeugern konkurrierte, freien Zugang zu den französischen
Märkten erhalten, während unsere eigenen Produzenten sich einem Zoll
gegenübersehen. Kurz gesagt: solange wir nicht über die Vollmacht verfügen, über die Beseitigung des Außenzolles zu verhandeln, während die
Wirtschaft des Gemeinsamen Marktes gleichzeitig expandiert, solange
werden unsere Exporte nicht mit ansteigen. Sie können vielleicht sogar
absinken.
Für den amerikanischen Farmer bedeutet eine Ausweitung des Handels
unendlich viel. Einer von sieben in der Landwirtschaft Beschäftigten
arbeitet für den Export. Der durchschnittliche amerikanische Farmer
ist, was den Absatz der Erzeugnisse anbetrifft, die er auf einem Sechstel des von ihm bestellten Landes geerntet hat, auf die Auslandsmärkte
angewiesen. 60 Prozent unserer Reis-, 49 Prozent unserer Baumwoll-,
45 Prozent unserer Weizen- und 42 Prozent unserer Sojabohnenernte werden
exportiert. Die Landwirtschaft ist eine unserer besten Devisenquellen.
Unsere Landwirtschaft ist in besonderem Maße von dem westeuropäische
Markt abhängig. Der Handel mit Agrarerzeugnissen zwischen uns und diesem
Raum ist vier zu eins zu unseren Gunsten. Mit den jüngst in Brüssel
erreichten Abkommen ist unsere gegenwärtige Ermächtigung, weitere
Konzessionen in Europa zu erreichen, voll ausgeschöpft worden. Diese
Abkommen haben die Grundlage für künftige Verhandlungen über amerikanisc
Agrarexporte geschaffen, die stattfinden sollen, sobald neue Ermächtigungen erteilt werden. Aber es sind neue und flexible Vollmachten erforderlich, wenn wir unserer Landwirtschaft die Tür zum Gemeinsamen Markt
offenhalten oder sie ihr noch weiter öffnen wollen. Wenn die Erzeugnisse unserer überaus großen Produktivität nicht zu immer größeren
Stapeln in unseren Lagerhäusern anwachsen sollen, dann bjrauchen unsere
Verhandlungsführer sowohl die Sondervollmacht für die EWG wie auch
die generelle Vollmacht für eine 50prozentige Zollsenkung, die in dem
später in dieser Botschaft erläuterten Gesetz gefordert werden.
Der amerikanische Arbeiter wird aus der Ausweitung unseres Exports
ebenfalls Nutzen ziehen. Jeder cüritte in der Fertigung beschäftigte
Arbeiter arbeitet auch für den Export. Die Zahl der Arbeiter, die

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die ihren Arbeitsplatz direkt oder indirekt dem Export verdanken,
ist um ein Vielhundertfaches größer als die kleine Gruppe - die
weniger als ein halbes Prozent der gesamten Arbeiterschaft ausmacht -,
für die eine starke Zunahme der Importe nachteilige Folgen haben
könnte. Da die Zahl der Arbeitsuchenden in den USA in den kommenden
Jahren zunehmen wird, müssen unsere Absatzmärkte und die Wirtschaftstätigkeit ausgeweitet werden, um die Zahl unserer Arbeitsplätze zu
vergrößern; und es muß sichergestellt werden, daß die neuen amerikanischen Fabriken,die zur Belieferung der Verbraucher im Gemeinsamen Markt
errichtet werden, nicht dort, sondern hier in den USA gebaut werden,
damit sie amerikanische Arbeiter beschäftigen.
Der amerikanische Verbraucher zieht den größten Nutzen aus einer
Ausweitung des Außenhandels. Die Importe erlauben ihm eine größere
Wahl zwischen Erzeugnissen zu Wettbewerbspreisen. Sie vermitteln neue
Anregungen und Geschmacksrichtungen, die oft zu einer neuen Nachfrage
nach amerikanischen Erzeugnissen führen.
Höhere Importe wirken belebend auf unsere eigenen Anstrengungen
zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, und sie ergänzen die Anti-Trustprogramme und andere Maßnahmen zur Gewährleistungeeines freien Wettbewerbs. Zahlreiche für den Verbraucher wie auch für die Wirtschaft wichtige Industrien sind von der Einfuhr von Rohstoffen und anderen Erzeugnissen abhängig. Somit könnten die in den USA hergestellten Güter für
den amerikanischen Verbraucher ebenfalls billiger werden, wenn wir die
Zölle für die zu ihrer Herstellung benötigten Rohstoffe senken.
Die amerikanischen Importe haben, kurz gesagt, unsere Wirtschaft
allgemein gestärkt, statt sie zu schwächen. Ihr wettbewerbssteigernder
Einfluß ist bereits erwähnt worden. Aber rund 60 Prozent der von uns
importierten Güter konkurrieren nicht mit den Waren, die wir produzieren
- entweder weil sie in unserem Lande überhaupt nicht oder nicht in nennenswerter Menge hergestellt werden. Durch die Importe erhalten wir Produkte, die wir benötigen, aber selbst nicht lohnend erzeugen oder anbauen
können (beispielsweise Bananen oder Kaffee). Sie ergänzen unsere ständig abnehmenden natürlichen Hilfsquellen mit Gütern, die hier nicht in
Mengen vorhanden sind (wie Mangan oder Chrom, wovon 90 Prozent oder mehr
importiert werden müssen, wenn unsere Stahlwerke arbeiten sollen), und
tragen zu unserer industriellen Leistungsfähigkeit, unserem wirtschaftlichen Wachstum und unserem hohen Verbrauch bei. Jene Importe, die tatsächlich konkurrieren, entsprechen nur einem oder eineinhalb Prozent
unserer gesamten Gütererzeugung; und selbst diese Einfuhren schaffen
direkt Arbeitsplätze für jene, die sich mit ihrer Verarbeitung, ihrer
Verteilung oder ihrem Transport befassen, und auch indirekt Arbeitsplätze für jene, die in der Exportindustrie sowie in den Industrien beschäftigt sind, die - um Konkurrenzfähig ; zu sein - auf importierte
Güter zu vernünftigen Preisen angewiesen sind.
Darüber hinaus müssen wir unsere eigenen Zölle abbauen, wenn wir
hoffen wollen, die Zölle im Ausland reduzieren und dadurch unsere Exporte und unseren Exportüberschuß steigern zu können. Es gibt viel mehr
amerikanische Arbeitsplätze,die von unseren Exporten abhängen, als

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2 . Februar 1 962

als Arbeitsplätze, die durch gesteigerte Importe eventuell nachteilig
berührt werden könnten. Und die Exportindustrien sind unsere stärksten,
leistungsfähigsten und die höchsten Löhne zahlenden expandierenden
Industrien.
Es liegt daher auf der Hand, daß die V/arnungen vor einer Steigerung der Einfuhr, die mit dem niedrigeren Lohnniveau in anderen Ländern begründet werden, ein einseitiges Bild geben. Denn diese Befürchtungen werden durch die Tatsache widerlegt, daß die amerikanische Industrie ganz generell - und im besonderen die Industrien in den USA, die
die höchsten Löhne zahlen - mehr Güter nach anderen Märkten exportiert
als jedes andere Land; daß sie weit mehr in anderen Ländern absetzt, als
diese an uns verkaufen; und daß sie auch unseren Markt in den USA mit
großer Überlegenheit beherrscht. Die drei Hauptgründe hierfür sind:
a) Die Fachausbildung und Leistungsfähigkeit der amerikanischen
Arbeiter, die mit Hilfe unserer Maschinen und unserer Technik in der
Stunde mehr Einheiten pro Arbeitskraft herstellen können als jeder andere Arbeiter auf der Welt, so daß bei zahlreichen Erzeugnissen die
vergleichbaren Arbeitskosten bedeutend geringer sind als in Ländern
mit niedrigeren Löhnen. Während zum Beispiel ein Bergmann im amerikanischen Kohlenbergbau den achtfachen Stundenlohn eines japanischen
Bergmanns erhält, fördert er vierzehnmal soviel Kohle, so daß unsere
wirklichen Kosten pro Tonne geförderter Kohle weit geringer sind. Und
wir verkaufen an die Japaner jedes Jahr Kohle im Werte von vielen
Millionen Dollar.
b) Unsere besten Industrien verfügen aber auch über andere Vorteile - zum Beispiel das ausreichende Vorhandensein billiger Rohstoffe
und billigen Kraftstroms. Weder die Löhne noch die Gesamtarbeitskosten
bilden, für sich allein genommen, eine angemessene Vergleichsgrundlage.
c) Die amerikanischen Erzeugnisse können vielfach auch dann erfolgreich konkurrieren, wenn die ausländischen Preise etwas niedriger sind und zwar dank ihrer Überlegenheit in bezug auf Qualität, Formgebung,
Verpackung, Dienstleistung oder Garantie der Auslieferung.
Angesichts dieser Stärke und der gleichzeitig wachsenden Produktivität und der steigenden Löhne in der übrigen Welt ist es eigentlich
nicht notwendig, über das Lohnniveau in den Ländern mit niedrigen Löhnen
besorgt zu sein. Diese Löhne sind ferner bereits im Steigen begriffen,
und wir möchten hoffen,.daß - durch geeignete Konsultationen auf internationaler Ebene ermutigt - die derzeitige Kluft zwischen den Löhnen
weiter eingeengt wird.
Diese Konzeption des freien Marktes - die größere wirtschaftliche
Auswahl für Menschen und Völker - ist so alt wie die Freiheit selbst.
Es handelt sich hier nicht um eine von einer politischen Partei entwickelte Konzeption. Seit vielen Jahren wurde unsere Handelsgesetzgebung von Mitgliedern beider politischen Parteien unterstützt, die erkannt hatten, wie entscheidend wichtig der Handel für unsere grundlegende

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grundlegende Sicherheit im Ausland und eine gesunde Wirtschaft im
eigenen Lande ist. Dies trifft heute noch viel mehr zu. Das Gesetz
über die Ausweitung des Handels von 1962 soll der Ansicht einer Nation, nicht irgendeiner einzelnen Partei oder einer Interessengruppe,
Ausdruck verleihen. In diesem Sinne empfehle ich dem Kongreß, es umgehend und positiv zu behandeln.
II. Die Bestimmungen des vorgeschlagenen Gesetzes
Neue Verhandlungsvollmachten: Um sämtliche der vorerwähnten Ziele
und Wachstumsraten erreichen zu können, um unsere Verhandlungsführer
mit hinreichenden Befugnissen auszustatten und sie in die Lage zu versetzen, die EWG dazu zu bringen, unseren Waren und landwirtschaftlichen
Erzeugnissen den Zugang zu ihren Märkten- in verstärktem Maße zu gestatten und denen der lateinamerikanischen Länder, Japans und anderer
Staaten eine faire Behandlung zuzusichern^ und um darauf vorbereitet
zu sein, mit dem Gemeinsamen Markt Handelsgespräche auf konkreter Basis zu führen, ist es notwendig, unsere Verhandlungsvollmachten flexible
z,M gestalten und ihren Anwendungsbereich zu erweitern. Ich ersuche deshalb um zwei grundlegende Vollmachten, die für den Zeitraum der nächsten
fünf Jahre gelten sollen:
Erstens, die generelle Vollmacht, die bestehenden Zollsätze in
gegenseitigen Verhandlungen bis zu 50 Prozent zu senken. Wir beabsichtigen, uns bei der Ausübung dieser Vollmacht verschiedener Methoden zu
bedienen, die Verhandlungen über eine Vielzahl von Warengruppen oder
-Untergruppen einschließen würden;
zweitens, eine Sondervollmacht, die sich auf Verhandlungen mit
der EWG erstreckt, um die Zölle für diejenigen Warengruppen zu senken
oder abzuschaffen, bei denen der Anteil der Vereinigten Staaten und der
EWG am Welthandel in einem als repräsentativ anzusehenden Zeitraum zusammen 80 Prozent und mehr betrug. Die Tatsache, daß diese Warengruppen
unter diese Sonder- oder "Hauptlieferanten"-Vollmacht fallen, ist ein
Beweis dafür, daß sie hier oder in Europa erfolgreicher produziert werden können als in anderen Teilen der Welt. Zu ihnen rechnen die meisten
Waren, an denen die Mitglieder des Gemeinsamen Marktes im Handel mit
uns besonders interessiert sind, und auch der größte Teil der Waren,
für die wir einen freieren Zugang zum Gemeinsamen Markt anstreben;
in beträchtlichem Ausmaß handelt es sich hierbei auch um Süter, bei denen unsere Wettbewerbsfähigkeit durch die Tatsache dokumentiert wird,
daß unsere Exporte unsere Importe erheblich übersteigen. Auf sie entfallen nahezu zwei Milliarden Dollar unserer gesamten industriellen
Ausfuhr des Jahres i960 nach den derzeitigen und den eVentuellen künftigen Mitgliedstaaten der EWG und etwa 1,4 Milliarden Dollar unserer
Einfuhren aus diesen Ländern. Kurz, diese Sondervollmacht wird uns
in die Lage versetzen, ein umfassendes Handelsabkommen mit dem Gemeinsamen Markt auszuhandeln, das unsere wirtschaftliche Stärke um der Förderung der Freiheit willen zusammenfaßt.
Um in unseren Bemühungen um ein bahnbrechendes Abkommen mit der
EWG erfolgreich zu sein, und damit unsere Farmer, Produzenten und die

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die anderen Handelspartner der freien Welt voll partizipieren können,
müssen wir uns sowohl der Hauptlieferantenvollmacht als auch der
generellen Vollmacht gleichzeitig bedienen. Die Zollsenkungen würden allmählich, Schmitt für Schritt, über einen Zeitraum von fünf
oder mehr Jahren hinweg vorgenommen. Das traditionelle Verfahren aber,
unsere gegenseitigen Zollmauern durch Verhandlungen Stein für Stein
abzutragen, reicht nicht aus, um den amerikanischen Exporten an landwirtschaftlichen und industriellen Gütern den freieren Zugang zum
europäischen Markt zu sichern, der notwendig ist, wenn der Handel
zwischen den beiden atlantischen Märkten zunehmen soll. Wir müssen
in unseren Verhandlungen vielmehr darauf bedacht sein, auf der Basis
der Gegenseitigkeit ganze Schichten dieser Mauern auf einmal abzutragen, so wie dies die europäischen Länder gemacht haben, als sie die
EWG-Binnenzölle abbauten und damit den Kräften des Wettbewerbs gestatteten, ein neues Handelsgefüge aufzubauen. Ein Handel auf einer
dergestalt erweiterten Basis ist unmöglich, so stellten die EWGLänder fest, wenn das traditionelle Verfahren der Wirtschaftsgeschichte - das Verhandeln Zollinie um Zollinie - maßgebend sein
soll. Ich möchte aber betonen, daß wir darauf bedacht sein werden, bei
allen Zollsenkungen und Konzessionen nach dem Prinzip der Gegenseitigkeit zu verfahren und sicherzustellen, daß der eingehandelte Zugang
zu den Märkten nicht durch die Anwendung von Quoten öder anderen restriktiven Methoden wieder eingeengt wird.
Sicherung der Interessen unserer übrigen Handelspartner: In unseren Verhandlungen mit dem Gemeinsamen Markt werden wir an unserem
traditionellen Prinzip der Meistbegünstigung festhalten, unter dem
sämtliche ausgehandelten Zollkonzessionen auch auf unsere übrigen
Handelspartner ausgedehnt werden. Offensichtlich wäre die Beteiligung
anderer Staaten an Abmachungen, die unter, der Sondervollmacht zustande
kommen und bei denen die Vereinigten Staaten und die EWG als Hauptlieferanten auftreten, oft ehne große Bedeutung. Bei anderen Warengattungen sollten, wo dies gerechtfertigt ist, im Rahmen dieser Verhandlungen ausgleichende Konzessionen für andere interessierte Länder
angestrebt werden. Alles in allem aber müssen wir eine nichtdiskriminierende Handelspartnerschaft mit der EWG anstreben. Wenn sie nur
dazu führt, daß die freie Welt gespalten oder die Kluft zwi sehen rei eher,
und armen Ländern vergrößert wird, dann wird sie einen ihrer Hauptzwecke verfehlt haben. Die Verhandlungsvollmachten gemäß dieser Gesetzesvorlage sollen vielmehr dazu benutzt werden, die Bindungen der
beiden "gemeinsamen Märkte" zu den lateinamerikanischen Republiken,
Kanada,.Japan und anderen nichteuropäischen Staaten sowie unseren eigenen Handel mit diesen zu stärken und diesen Ländern zu helfen, ein
Höchstmaß an Handelsmöglichkeiten mit dem Gemeinsamen Markt zu erreichen.
Die Gesetzesvorlage fordert ferner eine Sondervollmacht zur Reduzierung oder Aufhebung aller Zölle und anderer Restriktionen für
die Einfuhr tropischer Land- und forstwirtschaftlicher Erzeugnisse,
die von befreundeten Entwicklungsländern geliefert und hier nur in
unbedeutenden Mengen erzeugt werden, wenn unsere Maßnahme im Einklang
mit ähnlichen Maßnahmen des Gemeinsamen Marktes getroffen wird. Diese

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Diese tropischen Erzeugnisse entsprechen dem Export von Stapelwaren
vieler Entwicklungsländer. Ihre Anstrengungen zur Entwicklung und
Strukturverbreiterung der Wirtschaft müssen aus dem Erlös für diese
Produkte finanziert werden. Wenn wir ihnen einen möglichst großen
Absatzmarkt sichern, bringen wir sie damit dem Tage näher, da sie
in der Lage sein werden, ihre Wirtschaftsentwicklung aus eigener Kraft
zu finanzieren«
Schutz der amerikanischen Industrie: Sobald die in diesem Vorschlag geforderte Vollmacht zum Tragen kommt, werden sowohl die Importe als auch die Exporte steigen. Diese Zunahme wird sich aus den
oben angeführten Gründen in der überwältigenden Mehrzahl der Fälle
als segensreich erweisen. Dennoch sollen weitreichende Schutzbestimmungen zum Schutz der amerikanischen Industrie und der Landwirtschaft
beibehalten werden. Ein Schutz auf Grund der Ausweichklausel wird
zusammen mit mehr zeitgemäßen Bestimmungen auch weiterhin verfügbar
sein. Ein vorübergehender Zollschutz wird dort gewährt werden, wo
dies erforderlich ist. Die Vollmacht, zum Schutze der nationalen
Sicherheit Zölle zu erheben oder Konzessionen außer Kraft zu setzen,
soll beibehalten werden. Warenpositionen sollen bei den Verhandlungen
ausgenommen werden, wenn immer eine solche Maßnahme im Interesse der
Nation und der Wirtschaft liegt. Und die vier Grundetappen der traditionellen "Gefahrenpunkt-Bestimmungen und Sicherungen sollen aufrechterhalten und verbessert werden.
Der Präsident wird der Zollkommission eine Liste der vorgeschlagenen Waren zugehen lassen, über die Verhandlungen geführt werden sollen;
die Zollkommission wird "hearings" abhalten, um die Auswirkung von
Konzessionen bei diesen Waren festzustellen;
die Kommission wird dem Präsidenten einen Bericht vorlegen, der
sich im besonderen - wie dies auch jetzt bei solchen Berichten der
Fall ist - auf ihre Feststellungen darüber stützt, inwieweit neue Importe zur Stillegung von Produktionseinrichtungen sowie dazu führen
könnten, daß einheimische Produzenten nicht mehr in der Lage sind,
mit Gewinn zu arbeiten, und Arbeiter auf Grund der ins Auge gefaßten
Zollsenkungen ihre Arbeitsplätze verlieren; und
der Präsident seinerseits wird dem Kongreß nach Abschluß der
Verhandlungen einen Bericht über seine Maßnahmen unterbreiten. Die
augenblicklich bestehenden Bestimmungen werden jedoch wesentlich verbessert werden, da sowohl die Empfehlung der Zollkommission als auch
der Bericht des Präsidenten umfassender sein würden als eine bloße
Abgrenzung der spezifischen Gefahrenpunkte. Damit sollte es uns möglich sein, von diesen Empfehlungen weitaus größeren und sinnvolleren
Gebrauch zu machen, als dies tatsächlich in der Vergangenheit geschah.
Anpassungshilfe für den Handel: Ich empfehle außerdem - als einen
wesentlichen Bestandteil des neuen Handelsprogrammsr daß jenen Wirtschaftsunternehmen, Farmern und Arbeitnehmern, die durch den zunehmenden
Wettbewerb durch ausländische Importe Schaden erleiden, Hilfe bei
ihren Bemühungen gewährt wird, sich dieser Wettbewerbssituation anzupassen. Wenn es Erwägungen der nationalen Politik wünschenswert
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wünschenswert erscheinen lassen, höhere Zölle zu vermeiden, dann
kann man von jenen, die durch diese Konkurrenz geschädigt werden,
nicht verlangen, daß sie die vollen Auswirkungen dieser Maßnahmen
tragen. Vielmehr sollten die Lasten der wirtschaftlichen Anpassung
zum Teil von der Bundesregierung mitgetragen werden.
Auf Grund des derzeitigen Gesetzes hat der Präsident nur die
Wahl, Zollschutz zu gewähren oder zu verweigern- Diese Möglichkeiten
sollten ihm auch weiterhin zur Verfügung stehen.
Die von mir vorgeschlagene Gesetzgebung sieht jedoch eine weitere Alternative vor: die Anpassungshilfe für den Handel. Diese Alternative wird es der Exekutive gestatten, von ihren Einrichtungen, Programmen und Hilfsquellen ausgiebig Gebrauch zu machen, um den Farmern,
Firmen und ihren Angestellten bei der Durchführung der wirtschaftlichen
Neuorientierung, die durch die Importe infolge der Zollkonzessionen
notwendig werden, besondere Unterstützung zukommen zu lassen.
Jeder Arbeitnehmer oder jede Gruppe von Arbeitnehmern, die
infolge der höheren Importe erwerbslos oder unterbeschäftigt würden,
sollte auf Grund dieses Gesetzes Anspruch auf folgende Formen der
Unterstützung haben:
1. Anpassungsbeihilfen, die allen Arbeitnehmern bis zu 65 Prozent des durchschnittlichen Wochenlohnes des einzelnen für die Dauer
von 52 Wochen, den Arbeitnehmern über 60 Jahre bis zu weiteren 13
Wochen sichern, wobei die Erwerbslosenunterstützung auf diese Leistungen voll angerechnet wird.
2. Berufliche Ausbildungs- und Fortbildungsbeihilfen zur Entwicklung besserer und neuer beruflicher Fähigkeiten.
3. Finanzielle Unterstützung für solche, die keine Arbeit an
ihrem derzeitigen Wohnort finden können, um sie an einen anderen Platz
in den Vereinigten Staaten umzusiedeln, wo geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten bestehen.
Für Geschäftsleute und Farmer, die durch die Importe geschädigt
werden, sollten verfügbar sein:
1. Technische Informationen, Gutachten und Beratungen für die
Planung und Durchführung von Maßnahmen zur Behebung des
Problems;
2. Steuererleichterungen zur Förderung der Modernisierung und
StrukturVerbesserung;
3. Anleihegarantien und Anleihen zur Förderung der Modernisierung
und Strukturverbesserung, die auf dem privaten Kapitalmarkt
nicht erhältlich sind.
Genauso

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2. Februar 1962

Genauso wie die Bundesregierung bei den durch den Militärdienst notwendig gewordenen personellen Umstellungen Hilfe geleistet
hat, genauso wie sie ihren Verpflichtungen gegenüber der Industrie
bei der Umstellung auf die Kriegsproduktion und dann wieder auf die
Friedensproduktion nachgekommen ist, genauso besteht eine Verpflichtung,
jenen Hilfe angedeihen zu lassen, die durch die nationale Handelspolitik
Verluste erleiden. Ein derartiges Programm wird das, was wir bereits
für die Notstandsgebiete, hinsichtlich der Klein- und Mittelbetriebe,
der Investitionsanreize und der Umschulung und Entschädigung der arbeitslosen Arbeitnehmer tun oder zu tun vorgeschlagen haben, ergänzen und
damit im Einklang stehen und sich nicht damit überschneiden.
Dies kann und wird kein vom Regierungspaternalismus' bestimmtes
Subventionierungsprogramm sein. Es ist vielmehr ein Programm, das uns
Zeit geben soll, die amerikanische Tatkraft, die amerikanische Anpassungsfähigkeit und die amerikanische Elastizität zur Geltung zu bringen. Es
befindet sich im Einklang mit jenem Teil der Gesetzesvorlage, der die
schrittweise Durchführung von Zollsenkungen während einer Fünfjahresperiode vorsieht. Demgemäß bezwecken die Anpassungshilfe für den Handel
wie auch die übrigen Bestimmungen des Gesetzes über die Ausweitung des
Handels von 19&amp;2 die Stärkung der Leistungsfähigkeit unserer Wirtschaft,
nicht den Schutz von Leistungsschwächen.
Die Vollmacht zur Gewährung eines vorübergehenden Zollschutzes
wird weiter in Anspruch genommen werden können, um jenen Industriezweigen zu helfen, die durch einen plötzlichen Zustrom von Waren auf Grund
der Zolltarifänderungen Schaden erleiden. Aber die Betonung liegt mehr
auf Anpassung als auf Hilfe. Mit den Anpassungsbestimmungen kann denen
prompt und wirksam geholfen werden, die in echte Schwierigkeiten geraten, und zwar durch die Umstellung auf die Importkonkurrenz, durch die
Überführung von Personal und Produktionsmitteln aus unwirtschaftlichen
in wirtschaftliche Produktionszweige und auf wettbewerbsfähige Positionen
sowie durch das Bestreben, dabei, wo immer möglich, das Arbeitsverhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufrechtzuerhalten. Anders
als beim Zollschutz kann diese Hilfe auf die individuellen Bedürfnisse
zugeschnitten werden, ohne daß sie andere politische Richtlinien durchkreuzt. Die Erfahrungen mit einem ähnlichen Programm innerhalb des Gemeinsamen Marktes bei noch weiter reichenden Zollsenkungen, als wir sie
hier vorschlagen, bezeugen, daß dies eine wirksame und doch verhältnismäßig billige Methode ist. Denn die meisten der betroffenen Firmen werden bemerken, daß die fragliche Anpassung nicht mehr ist als jene Anpassung, die sie alljährlich oder alle paar Jahre infolge von Veränderungen in der Wirtschaft, im Verbrauchergeschmack oder in den heimi-,
sehen Wettbewerbsverhältnissen zu gewärtigen haben.
Zweck dieser Botschaft war es, die Aufgabe, der wir gegenüberstehen, und die Werkzeuge, die wir brauchen, zu beschreiben. Die Entscheidung liegt nun beim Kongreß. Diese Entscheidung wird entweder den
Anfang eines neuen Kapitels in der Allianz der freien Nationen anzeigen- - oder aber das Wachsen der westlichen Einheit gefährden. Die
beiden großen atlantischen Märkte werden entweder zusammen- oder
auseinanderwachsen. Bedeutung und Ausmaß der freien wirtschaftlichen

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wirtschaftlichen Entscheidung werden zum Wohl der freien Menschen
überall entweder größer oder durch neue Schranken und Verzögerungen
verwirrt und eingeengt werden.
Im vergangenen Jahr machte der Kongreß durch die Verabschiedung
eines langfristigen Auslandshilfeprogramms einen fundamentalen Wandel
in unseren Beziehungen zu den Entwicklungsländern möglich. Diese Vorlage wird einen fundamentalen, weitreichenden und einmaligen Wandel
in unseren Beziehungen mit den anderen Industrienationen möglich machen, besonders aber mit den übrigen Mitgliedern der Atlantischen Gemeinschaft. So wie die NATO beispiellos in der Militärgeschichte ist,
so ist diese Vorlage beispiellos in der Wirtschaftsgeschichte. Aber
ihrer Verabschiedung wird man sich lange erinnern, und ihre Segnungen
werden in reichem Maße all jenen zuteil werden, die für die Freiheit
arbeiten.
Nur selten bietet sich im Leben unserer Nation eine Gelegenheit,
aus der Verwirrung gegenwärtigen Geschehens eine klare und kühne Tat
herauszumodellieren, die der Welt zeigt, wofür wir einstehen. Eine
solche Gelegenheit ist jetzt gekommen. Dieses Gesetz, das unserem
Handel mit dem Gemeinsamen Markt eine Bresche schlägt, wird auch der
Freiheit eine Bresche schlagen.

* -x- * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./9.2.1962

PRÄSIDENT KENNEDY LEGT NEUES LANDWIRTSCHAFTSPROGRAMM VOR

WASHINGTON - (AD) - Präsident Kennedy hat dem amerikanischen
Kongreß am 30. Januar 1962 ein neues Vier-Punkte-Landwirtschaftsprogramm unterbreitet, dessen Ziel die Steigerung der Einkommen
und die Senkung der Betriebskosten in der Landwirtschaft ist.
In einer Sonderbotschaft an den Kongreß wies der Präsident
darauf hin, daß es bereits im vergangenen Jahr gelungen sei, das
Nettoeinkommen der Landwirtschaft um eine Milliarde Dollar und
das Einkommen pro Farm im Durchschnit t um rund 350 Dollar zu
steigern. Gleichzeitig seien zum ersten Mal seit neun Jahren die
Bestände der Regierung an Agrarerzeugnissen abgebaut worden. Nunmehr gelte es, die Erfolge des vergangenen Jahres zu konsolidieren
und ein umfassendes und realistisches Landwirtschaftsprogramm für
die kommenden Jahre zu schaffen, das eine volle Nutzung des vorhandenen Überflusses ermögliche. Gleichzeitig wies der Präsident
warnend darauf hin, daß die Entwicklung zu einer chaotischen,
unrationell arbeitenden und von Überschüssen bedrängten Landwirtschaft wieder aufleben werde, wenn nicht umgehend gehandelt werde.
Auch hätten sich im Verlaufe des vergangenen Jahres neue Probleme
ergeben, und Änderungen in der Verbrauchernachfrage hätten verschiedentlich zu neuen Überschüssen geführt, so daß hier durch
entsprechende Gesetze ebenfalls Abhilfe geschaffen werden müsse.
Die amerikanische Landwirtschaft, so betonte Kennedy, habe in
den fünfziger Jahren die Auswirkungen der während des letzten Krieges sowie in Depressionszeiten unternommenen Anstrengungen zur
Steigerung der Produktivität voll zu spüren bekommen. Die Agrarerzeugung sei um rund 25 Prozent gestiegen, während gleichzeitig
die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten um ein Diittel
zurückgegangen sei, so daß die ständig steigenden Überschüsse zu
einem immer stärkeren Druck auf die Preise für landwirtschaftliche
Erzeugnisse führten. Die aus diesem Produktivitätszuwachs resultierenden Preisvorteile seien zum größten Teil voll an den Verbraucher
weitergegeben worden, so daß die amerikanische Bevölkerung heute
weniger als 20 Prozent ihres Einkommens für die Ernährung ausgebe,
während die Ernährungsausgaben der Bevölkerung in Westeuropa zwischen 30 und 50 Prozent des Einkommens lägen und in der Sowjetunion
sogar über 60 Prozent des Einkommens ausmachten. Während es für

�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

9. Februar 1962

für die Industrie verhältnismäßig leicht sei, ihre Produktion der
jeweiligen Nachfrage anzupassen, sei dies bei den landwirtschaftlichen
Betrieben in Anbetracht ihrer großen Zahl weitaus schwieriger. Hieraus ergebe sich allein schon die Notwendigkeit einer Hilfe des Staates.
Deshalb könnten die in der Vergangenheit eingeführten Stützprogramme
nicht auf einmal wegfallen, da dies, wie die verschiedensten Studien
zeigten, zu einem jähen Verfall der Agrarpreise und der landwirtschaftlichen Einkommen führen werde. So würden zum Beispiel bei einem plötzlichen Wegfall dieser Programme die Weizenpreise um die Hälfte, die
Käferpreise um 25 Prozent, die Gerstenpreise um 28 Prozent, die Sojabohnenpreise um 38 Prozent, die Preise für Molkereiprodukte um 17 Prozent, die Eierpreise um 20 Prozent, die Preise für Rinder um 25 Prozent
und die Preise für Schweine um 30 Prozent sinken. Auf der anderen Seite
hätten diese für den Bundeshaushalt kostspieligen Programme zu keiner
wesentlichen Erhöhung der landwirtschaftlichen Einkommen geführt. Die
1,5 Millionen leistungsfähigen Familienfarmen, auf die etwa 87 Prozent
der Gesamterzeugung entfielen, seien zwar technisch fortschrittlich,
aber ihre Erträge aus Arbeit und Kapital hätten nicht mit denen der
übrigen Bevölkerung Schritt gehalten; und ihre Einkommen zeigten sich
dazu noch gegenüber den jährlichen Schwankungen in der Farmerzeugung
äußerst empfindlich. Die anderen 2 Millionen oder mehr landwirtschaftlichen Betriebe, die die restlichen 13 Prozent der Gesamtproduktion
aufbrächten, wiesen deshalb allgemein niedrige Einkommen auf, weil sie
einerseits über zu wenig Land oder Kapital verfügten und zum anderen
die Farmer häufig auch nur geringe fachliche oder betriebswirtschaftliche Fähigkeiten besäßen.
Präsident Kennedy unterstrich, daß die beiden Hauptziele des von
ihm vorgelegten Vier-Punkte-Programms - Steigerung der Einkommen in
der Lendwirtschaft und Senkung der Betriebskosten - nur erreicht werden
könnten, wenn die Agrarerzeugung mehrere Jahre lang unter dem Bedarf
bleibe und dann langsam, entsprechend der Zunahme der Nachfrage, wieder
ansteige. Ein solches Vorgehen sei nur logisch, und die von ihm in
seinem Landwirtschaftsprogramm aufgestellten vier Punkte, die alle
gleich wichtig seien und in einem engen Zusammenhang miteinander ständen, sollten eine solche Entwicklung fördern.
Las neue Programm, so betonte der Präsident, solle das im vergangenen Jahr verabschiedete Notprogramm ablösen, Richtlinien geben und
auf den in der Vergangenheit bewährten Techniken und Verfahren aufbauen.
Es solle sicherstellen
"1. eine optimale Nutzung unseres produktiven Reichtums. Unsere
landwirtschaftlichen Hilfsquellen können die Sache des Friedens und
der Freiheit überall in der Welt fördern; sie sichern den Amerikanern
einen hohen Lebensstandard und können eine wichtige Waffe gegen Armut
und Krankheit sein;
2.

�A M E R I K A

D I E N S T

�Allg./2«3.1962

PROJEKT MERCURY
Glenns Flug - ein großer Schritt vorwärts

Der erfolgreiche Flug John H. Glenns in einer Raumkapsel um die
Erde war der erste Höhepunkt einer neuen technischen Entwicklung
und gleichzeitig der Beginn eines langfristigen Programms, das die
Vereinigten Staaten für die Erforschung des Weltraums mit bemannten
Fluggeräten aufgestellt haben. Das Projekt MERCURY, dessen reguläre
Testserie mit Glenns dreimaliger Erdumkreisung am 20. Februar 1962
aufgenommen wurde, bildet den ersten praktischen Schritt in diesem
Vorhaben. Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) plant für Mai
1962 einen weiteren MERCURY-Flugversuch mit dem Astronauten Donald
K. Slayton als Testpilot, und es beabsichtigt, noch im Laufe dieses
Jahres die Flugdauer der MERCURY-Raumkapseln von knapp fünf bis auf
etwa 25 Stunden zu steigern. Dies bedingt jedoch eine Modifizierung
von Trägerrakete und Fluggerät, weil dann ein wesentlich größerer
Sauerstoffvorrat sowie ein größerer Treibstoffvorrat für die Nachsteuerung mitgeführt werden müssen.
Die Erfahrungen, die man im Rahmen des Projekts MERCURY sammelt,
bilden die Grundlage für die nächsten Stufen des amerikanischen bemannten Raumflugprogramms - des Projekts GEMINI ("Zwillinge") mit
zwei Piloten, die in einer Raumkapsel die Erde umkreisen und sich
bis zu einer Woche in der Ionosphäre aufhalten sollen, und des Projekts APOLLO, das schließlich die Entsendung eines Raumschiffes mit
drei Mann Besatzung zum Mond zum Ziele hat. Die amerikanische Regierung hofft, diesen Plan bis zum Jahr 1970 verwirklichen zu können.
Die Leistungsfähigkeit von Mensch und Maschine wurde bei 19
Vorversuchen, u.a. auch durch die ballistischen Flüge von Shepard und
Grissom, auf die Probe - und erfolgreich unter Beweis gestellt. Sie
waren der Auftakt für den jetzt durchgeführten MERCURY-Satellitenflug
um die Erde. Im Rahmen des ProjektsGEMINI soll auch die RendezvousTechnik erprobt werden - das Ansteuern eines "Treffpunktes" zweier
Raumfahrzeuge in einer Satßllitenbahn. Dann folgt APOLLO - ein Dreiphasenprogramm für den bemannten Raumflug. Die Besatzung des Fluggeräts vom Typ APOLLO A, das 1964 oder 1965 mit einer SATURN-Rakete
in eine Erdsatellitenbahn eingeschossen werden soll, wird eine Woche

�"AMERIKA DIENST"

2. März 1 962

Woche um die Erde kreisen, ehe sie zurückkehrt. Mit APOLLO B sollen
Flüge um den Mond, mit APOLLO C Mondlandungen unternommen werden.
Die Meinung, daß der Mensch im Weltraum fehl am Platze sei und
die Weltraumforschung besser den Robotern überlassen solle, trägt
den Tatsachen nicht Rechnung. Der Mensch muß sich keineswegs darauf
beschränken, im Weltraum die Rolle des blinden Passagiers zu spielen,
sich der Maschine völlig auszuliefern und bestenfalls Studienobjekt
für physiologische und psychologische Untersuchungen zu sein. Er ist,
wie sich jetzt schon in der Anfangsphase des bemannten Raumfluges,
herausstellt, tatsächlich das anpassungsfähigste "Instrument", über
das Technik und Wissenschaft zur Erfüllung der verschiedensten Aufgaben verfügen. Es gibt einfach kein Gerät, das die Rolle des Menschen
als Entdecker und Forscher übernehmen könnte. Dies gilt ebenso für die
Koordinierung organisatorischer Aufgaben wie für die Improvisation unter den verschiedensten Augenblickssituationen, überall ist das letzte
Erfordernis eben doch die Urteilsfähigkeit des Menschen, sein Verstand,
seine Beobachtungsgabe, seine Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen und schließlich auch seine Gabe, die Phantasie spielen zu lassen.
Den Beweis dafür hat John Herschel Glenn Jr. erbracht, und die
ganze Welt war Zeuge . In atemloser Spannung verfolgten Millionen von
Menschen in allen Erdteilen den dramatischen Verlauf seines Fluges, über
den er vor der Presse in Cape Canaveral am 23. Februar 1962 ausführlich
berichtet hat.
JOHN H. GLENN ÜBER SEINEN FLUG
"... Als sich an jenem Morgen das Wetter aufzuklären begann und
immer mehr der blaue Himmel durchkam, da wußte ich, daß diesmal der
Flug stattfinden würde. Die Rakete stand bereit, alles war in Ordnung.
Das Startfieber hatte uns alle gepackt.
Der Einschuß in die Satellitenbahn ging glatt vonstatten - vor
allem deshalb, weil die Flugphase mit Motorantrieb planmäßig ablief.
Die Brennschlußgeschwindigkeit lag ganz nahe am Sollwert, der etwas
mehr als 76OO m/sec betrug. Die Einzelheiten des Starts sind ja durch
die Presse zur Genüge bekannt geworden.
Schwerelosigkeit
So möchte ich lieber gleich auf die Schwerelosigkeit zu sprechen
kommen. Für uns bedeutete dieser Zustand eines der größten Probleme,
an denen wir seit Beginn des Programms herumrätselten. Wir hatten ja
in dieser Hinsicht nur sehr wenig Erfahrungen während des Trainings
in Flugzeugen sammeln können. Die Zeitdauer der Schwerelosigkeit haben
wir mit den Flügen von Alan Shepard und Gus Grissom ausdehnen und jetzt,
bei meinem Flug, noch wesentlich verlängern können. Ich verspüre nicht
die geringste nachteilige Wirkung. Ja, es war sogar ein höchst angenehmes Gefühl. Es gab keinerlei Anzeichen dafür, daß ich infolge der

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der Schwerelosigkeit etwa an Schaltern vorbeigreifen oder Schwierigkeiten mit der Handsteuerung haben würde. Als ich gestern abend ganz
begeistert von diesem wundervollen Gefühl erzählte, sagte jemand, das
klinge ja fast so, als ob ich süchtig sei. Vielleicht bin ich das. Es
war wunderbar. Und keinerlei Schwierigkeiten, keine Übelkeit, keine
Desorientierung. Ich versuchte auch»herauszubekommen, ob man durch
verschiedene Kopfbewegungen Übelkeit oder zumindest Unbehagen provozieren könne - nichts dergleichen.
Einige Erlebnisse, die ich in diesem Zustand hatte, zeigen, wie
schnell sich der Mensch daran gewöhnt. Es war etwa 45 Minuten nach
Eintritt der Schwerelosigkeit, da hatte ich gerade mit der Handkamera
eine Aufnahme gemacht und wollte im nächsten Augenblick irgendeinen
Hebel stellen. Ich fand überhaupt nichts dabei, daß ich rasch die
Kamera einfach in der Luft abstellte, die Schaltung vornahm, und mir
unmittelbar darauf die Kamera aus ihrem Schwebezustand wieder heranholte. Erst hinterher überlegte ich mir, wie wir uns doch seinerzeit
über dieses Phänomen lustig gemacht und ausgiebig darüber gewitzelt
hatten. Man paßt sich eben viel schneller an die neuen Situationen an,
als selbst diejenigen glauben, die seit drei Jahren darauf trainiert
werden.
Man kann natürlich auch leicht etwas verlieren, wenn man es auf
diese Weise in der Luft abstellt - einfach deshalb, weil es weiterschwebt. Na, dann ist es eben fort. Mir ging es so mit einer kleinen
Filmkassette, die ich in die Kamera einsetzen wollte. Sie rutschte
mir zwischen den Fingern durch. Nun wollte ich danach greifen. Statt
dessen versetzte ich ihr aber einen Stoß. Da segelte sie weiter, um
das Armaturenbrett herum. Das war das letzte, was ich von ihr sah.

Nahrungsaufna hme
Die Nahrungsaufnahme im Zustand der Schwerelosigkeit wollte ich
gerne ausprobieren. Das hatten wir zwar schon bei den Trainingsflügen
in Flugzeugen getan, bei denen die Schwerelosigkeit etwa eine Minute
anhielt. Obgleich wir dabei keine besonderen Schwierigkeiten hatten,
wollten wir aber mehr Erfahrungen sammeln. Ich preßte mir aus einer
Tube Nahrung in den Mund. Das Zurückpressen an den Schlund war überhaupt kein Problem, und sie ließ sich auch ganz leicht hinunterschlucken.
Bei fester Nahrung ist das alles sehr einfach; sie wird auch ganz normal verdaut. Das einzige, wovor gewarnt werden sollte, sind Nahrungsmittel - beispielsweise Kekse -, die leicht krümeln. Die Krümel schweben
nämlich auch im Raum herum, und man müßte dann schon ein feinmaschiges
Netz dabeihaben, um sie wieder einzusammeln.
Empfindung für Geschwindigkeiten
Wiederholt bin ich seit dem Flug gefragt worden, welche Empfindung
man denn in bezug auf Geschwindigkeiten habe, Geschwindigkeit. . ist natürlich eine relative Größe. Wenn Sie kein Bezugssystem haben, können
Sie sich bei nahezu jeder Geschwindigkeit bewegen und werden sich ihrer

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ihrer gar nicht bewußt. Ich glaube, ich komme dem, was ich in dieser
Hinsicht empfand, am nächsten, wenn ich den Flug in einem Düsenflugzeug als Beispiel heranziehe. Die meisten von Ihnen wissen ja, wie
es ist, wenn man im Strahlflugzeug in 10 000 m Höhe fliegt und auf
die Wolken in 3000 m Höhe hinunterblickt. Ganz ähnlich ist es, wenn
man aus der Satellitenumlaufbahn auf die Erde hinuntersieht.
Teilweise waren während des Flugs Gebiete, die ich gern gesehen
hätte, durch Wolken verdeckt - so ein Teil des Westens der Vereinigten
Staaten bis hinunter nach Nordmexiko, und der Pazifik war nahezu völlig
unter Wolken des einen oder anderen Typs verschwunden. Australien war
nicht zu sehen, weil es ja auf der Nachtseite lag; allerdings waren
die Lichter von Perth und den umliegenden Städten zu erkennen.

Naturphänomene
Das Eindrucksvollste waren wohl die Sonnenuntergänge. Sie vollzogen sich in den leuchtendsten Farben, und die Farben reichten von
der Sonne weit, weit hin zum Horizont. Der Horizont strahlte noch
vier oder fünf Minuten lang nach Sonnenuntergang in hellem Licht.
Mich hat das überrascht, denn ich glaubte, die Nacht werde da draußen
viel schneller, vielleicht schon nach einer Minute, hereinbrechen.
Und nun zum Sonnenaufgang. Das war jedesmal ein wundervoller
Anblick, wie Sie sich sicher vorstellen können. Das erste Mal blickte
ich noch zurück in die Richtung, aus der ich kam. Als die ersten Strahlen der Sonne die Kapsel trafen, hatte ich gerade an meinen Instrumenten etwas kontrolliert. Und als ich dann wieder hinaussah, war meine
erste Reaktion: Was ist das doch für ein vollendetes Sternenfeld, das
jetzt hinter der Kapsel aufgegangen ist! Aber es war gar kein Sternenfeld. Eine Vielzahl der winzigen Dinger, die ich ursprünglich für
Sterne hielt, waren in Wahrheit hell, gelbgrün leuchtende Teilchen,
etwa von der Größe und Leuchtkraft von Glühwürmchen, wie man sie im
Dunkel der Nacht erkennen kann. Sie schwebten draußen schätzungsweise
im Abstand von zwei bis drei Metern voneinander vorbei, und zwar zu
Tausenden auf beiden Seiten der Kapsel. Ich konnte sie den Weg zurückverfolgen, den ich gekommen war.
Später drehte ich mich so, daß ich in die Richtung blickte, aus
der sie zu kommen schienen. Das war nun aber gegen das helle Licht
der aufgehenden Sonne. Die meisten von ihnen verschwanden jetzt, und
man konnte nur noch vereinzelt welche auf die Kapsel zufliegen sehen.
Ich bewegte mich sehr langsam durch dieses Feld, wie mir schien, mit
einer Geschwindigkeit von schätzungsweise ein bis zwei Metern pro
Sekunde.
Die Teilchen schienen nicht von der Kapsel zu stammen, und sie
schienen auch zu beiden Seite» der Kapsel in ziemlich gleichmäßiger
Verteilung vorhanden zu sein, Zunächst dachte ich an zweierlei Dinge,
um die es sich hier vielleicht handeln könne. Das eine war die Wolke

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Wolke von Kupfernadeln, die vor einiger Zeit durch einen Satelliten
der US-Luftstreitkräfte ausgestoßen worden und dann verlorengegangen
war. Es hätte ja sein können, daß wir sie plötzlich wiedergefunden
hatten. Aber sie sahen nicht nach Kupfernadeln aus; auch größenmäßig
konnte das nicht stimmen.
Dann überlegte ich mir, daß sie vielleicht von unseren Wasserstoffsuperoxyd-Düsen stammen könnten. Wasserstoffsuperoxyd zersetzt
sich zu Wasser und Sauerstoff und wird unter hohem Druck ausgestoßen»
Möglicherweise kondensierte sich der Wasserdampf zu kleinen Schneeflocken, die durch das Sonnenlicht aus dem einen oder anderen Grund
zum Leuchten gebracht werden. Aber wann immer ich die Reaktionsdüsen
an der Kapsel betätigte, hatte es niemals den Anschein, als ob Schneeflocken oder irgend etwas ähnliches entstehen würde.
So kann ich dazu weiter nichts sagen, als daß ich die Teilchen
beobachtete, daß ich sie mit den ersten Strahlen der aufgehenden Sonne
wahrnahm und dann etwa dreieinhalb bis vier Minuten lang sehen und sie
mir dabei sehr genau anschauen konnte. Sie waren Stecknadelkopf- bis
haselnußgroß.
Man vermutet alles Mögliche, was für ein Phänomen dies wohl sein
mag, aber ich selbst kann nichts weiter dazu sagen, als daß ich die
Teilchen gesehen habe, und zwar während jeder Erdumkreisung bei Sonnenaufgang, für die gleiche Zeitdauer. Sie leuchteten sehr hell und waren
voh gelblichgrüner Farbe. Als Dr. George Graff, unser Psychiater,
meinem ersten Bericht zuhörte, fragte er: "Und was haben die Dinger
gesagt, John?"
Die Tücken der Technik
Es gab einige Probleme während des Fluges. Das automatische Stabilisierungs- und Steuerungssystem bereitete einige Schwierigkeiten und
korrigierte nicht so, wie es sollte. Ich konnte in dieser Phase die mechanische Steuerung betätigen, was überhaupt keine Schwierigkeiten machte
Nach dem ganzen Training, das wir absolviert haben, war ja auch nichts
Besonderes dabei. Mit den Trainings-Simulatorgeräten können übrigens
die Steuerungsbedingungen auf der Umlaufbahn sehr gut nachgeahmt werden.
Dies galt vor allem für die funkgesteuerte Kontrolle, als wir durch die
automatischen Schubdüsen steuerten. Als nach dem ersten Umlauf hier
Schwierigkeiten auftraten, ging ich für den größten Teil des Fluges
auf Handsteuerung über.
Wegen dieser Sache hatte ich dann an Bord für einige der Beobachtungen, die wir noch vorgesehen hatten, keine Zeit mehr. Die TelemstrieEmpfangsstationen hatten ein Signal aufgefangen, demzufolge möglicherweise damit zu rechnen war, daß sich die Wärmeschutzplatte löste. Deshalb erschien es ratsam, beim Abstieg das Bremsgerät mit den ausgebrannten Bremsraketen an der,Plattenunterseite nicht abzuwerfen, um
zu verhindern, daß sich der Hitzeschild dann vielleicht mit ablöst. Er

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Er hatte ja beim Eintauchen in die Luft die größte Reibungshitze
abzufangen.
Dramatische Rückkehr
Die Rückkehr gestaltete sich dadurch recht dramatisch. Da ich
das Bremsgerät nicht abgeworfen hatte und mit ihm in die erste Abstiegsphase eintrat, bei der es zu hoher Hitzeentwicklung kommt,
brach die Halterung der Bremsraketen. Ich verspürte einen Stoß an
der Kapsel und glaubte, das Bremsgerät sei nun abgeworfen worden,
so wie es hätte sein sollen. Offenbar war das jedoch nicht der Fall.
Das Leuchten außerhalb der Kapsel wurde zu einer hellen orangefarbenen
Glut vor dem Fenster. Es wurde offensichtlich, daß irgend etwas auf
der Unterseite des Hitzeschildes der Kapsel abriß, denn Brocken
von Fingerkuppengröße bis zum Durchmesser von ungefähr 20 cm "brachen ab
und kamen über den Rand der Kapselbasis hoch, in heller Glut. Man
konnte den Flammenschein und das Glühen sehen, wenn sie am Fenster
vorbeiflogen.
Da ich in dem Augenblick ja nicht wußte, daß es sich noch um
die Trümmer des Bremsgeräts handelte, gab es einige Augenblicke des
Zweifels, ob der Hitzeschild beschädigt worden war und vielleicht gar
abriß. Wenn das der Fall gewesen wäre, hätte das ein schlimmer Tag
werden können. Aber es war ein brillantes Schauspiel, in die helle
orangefarbige Glut draußen vor dem Fenster zu blicken und die aufflammenden Trümmer entlang der Flugbahn zu beobachten.
Wie ich hörte, hat es während der Eintrittsphase einige Mißverständnisse mit dem Begriff 'blackout' gegeben. Man fragte mich auf dem
Schiff, wie ich denn das 'blackout' überstanden hätte, wann ich wieder
zu Bewußtsein gekommen wäre, usw. Wenn wir beim Abstieg von 'blackout'
sprechen, dann hat dies mit dem medizinischen Begriff 'Bewußtlosigkeit'
überhaupt nichts zu tun, sondern wir meinen den Ausfall der Funkverbindungen. Dieser entsteht durch die starke Ionisation der Luft um die
Kapsel, die es eine Zeitlang unmöglich macht, auf den von uns benutzten Funkfrequenzen in Verbindung zu bleiben.
Die Schwerebelastung durch die Verzögerung der Geschwindigkeit
bei der Rückkehr stieg bis auf 8 g. Der Fallschirm funktionierte völlig
normal. Und das ist wahrscheinlich das Schönste, was man je erleben
kann, dieser altvertraute Anblick - man schaut aus dem Fenster, und
sieht diesen Fallschirm.
Die Kapsel war nach dem Wiedereintauchen ganz schön warm, ja
heiß geworden, und innen wurde es nun auch ziemlich warm. Ich schwitzte
ganz erheblich, als ich herunterkam und landete. Deshalb verhielt ich
mich so ruhig wie nur irgend möglich, um nicht noch mehr Wärme zu erzeugen .
Der Zerstörer NOA war in der Nähe, hatte mich gesichtet. Er kam
heran, um die Kapsel zu bergen - ein glänzendes Manöver. Ich war an

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Von der Hitze und dem Schwitzen hatte ich jetzt genug. Anstatt
mich mühsam durch die obere Luke zu zwängen, beschloß ich - zumal
wir ja sowieso schon an Deck waren -, so bequem wie möglich herauszukommen. Nachdem wir uns vergewissert hatten, daß niemand dadurch
gefährdet würde, sprengten wir die Seitenluke auf. Durch sie stieg
ich dann aus.
In Zukunft weniger Automatik?
Meiner Ansicht nach hatten die Schwierigkeiten, mit denen wir zu
kämpfen hatten, und die Aufgabe, die ich daraufhin übernehmen mußte,
auch ihr Gutes. Denn es zeigte sich, daß notfalls ein Pilot die Kontrolle über verschiedene Systeme übernehmen und die mechanische Steuerung betätigen kann, daß er dabei voll und ganz Herr seiner Sinne
ist und in dieser Hinsicht keinerlei unangenehme Auswirkungen der
Schwerelosigkeit verspürt. Und wenn die Ergebnisse der Auswertung
unserer Unterlagen entsprechend günstig ausfallen, können wir vielleicht
künftige Flüge mit etwas weniger Automatik und weniger komplizierten
Vorrichtungen durchführen. Das hoffen wir sehr - und nicht zuletzt
nach diesem Experiment- Aber ehe wir irgendwelche wichtigen Entscheidungen in dieser Hinsicht treffen, wollen wir natürlich eine Menge
Flugdaten erst sehr gründlich durchgehen. All dies braucht aber seine
Zeit.
Wenn Sie sich den Weltraum in seiner unendlichen Weite oder wenn
Sie sich unsere tatsächlich erreichte Flughöhe im Verhältnis zum Erddurchmesser vorstellen, so erscheinen unsere bisherigen Anstrengungen
winzig klein. Mit den Flügen von Alan Shepard, Gus Grissom und mit
meinem Flug haben wir kaum die Oberfläche geritzt. Aber dieser Flug
hat uns, so hoffe ich, wieder ein Stück weiter gebracht, und mehr
Flüge werden folgen. Den nächsten unternimmt Donald Slayton, und wir
sehen ihm mit der gleichen Spannung und Erwartung entgegen, mit der
wir auf diesen Flug gewartet haben.
Natürlich interessiert uns auch das Echo, das dieser Flug im
Ausland findet. Man sollte in diesem Zusammenhang aber doch darauf
verweisen, daß schon 1958 Präsident Eisenhower eine Zusammenarbeit
mit anderen Nationen auf dem Gebiet der Weltraumforschung vorschlug und daß man diesen Vorschlag damals größtenteils ignorierte.
Präsident Kennedy äußerte bei seinem Amtsantritt erneut den Wunsch
nach friedlicher Weltraumforschung und einer friedlichen Zusammenarbeit
in dieser Beziehung. Diese Initiative wollen und dürfen wir uns keinesfalls nehmen lassen.
Dank allen, die zu dem Erfolg beitrugen
Ich kann diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne allen
hier in Cape Canaveral und auf den MERCURY-Stationen Dank zu sagen,
die so Großartiges während des Fluges geleistet haben. Namen möchte
ich gar nicht erst nennen, denn ich wüßte nicht, wo ich da aufhören

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aufhören soll. Die Leute im Kontrollbunker, die Fluggerät und
Rakete durchprüften, die Leute am Abschußplatz, die Bergungseinheiten der Marine, die Luftwaffe, die uns in jeder Hinsicht unterstützte - sie alle, und noch viele mehr, haben Teil an dem großen
Unternehmen. Menschen aus den verschiedensten Schichten waren in
einem Projekt vereinigt, und nur so erzielten wir dieses Ergebnis.
Das Bewußtsein, zu diesen Menschen zu gehören, im Hinarbeiten auf
ein gemeinsames Ziel einer der ihren zu sein, erfüllt uns einfach
mit Stolz.
Ich glaube, Präsident Kennedy hat, indem er von unserem Wunsch
nach friedlichen Unternehmungen im Weltraum sprach, alles gesagt,
was hierzu noch zu sagen ist. Ich habe dem nichts hinzuzufügen. Von
Diplomatie verstehe ich nicht allzuviel. Aber die Ergebnisse dieses
Fluges könnten, so meine ich, in dieser Hinsicht doch einige weitreichende Konsequenzen haben. Wenn sie, wenn diese unsere Anstrengungen in irgendeiner Weise zum Frieden beitrügen, so gäbe es für
mich ganz gewiß nichts Lohnenderes im Leben - das Bewußtsein, daß
sich möglicherweise nun doch eine friedlichere Zusammenarbeit auf
diesem Gebiet in der Welt anbahnt."
Soweit John Herschel Glenn Jr., in seinem Bericht vor der
Presse.
Die Erde, der blaue Planet
In der anschließenden Diskussion wurden noch einige sehr interessante Fragen angeschnitten. So erzählte Glenn u.a., daß er
eigentlich erwartet hatte, in dieser Höhe eine unvergleichlich
größere Zahl von Sternen sehen zu können. Das sei aber nicht der
Fall gewesen. Und die Sterne funkelten und flackerten überhaupt
nicht, sondern schienen mit hellem, klarem Licht. Der Himmel war
ganz ähnlich wie der Sternenhimmel über der Wüste in einer sehr
klaren Nacht.
Auf die Frage, ob ihm, von oben aus gesehen, etwas auf der
Erde besonders aufgefallen sei, erwiderte Glenn, der gesamte Eindruck sei der eines grandiosen Schauspiels. Man könne oberhalb
der Atmosphäre ungeheuer weit sehen. Das schmale Band des Horizonts
erscheine in leuchtend blauen Farben, selbst auf der Tagseite der
Erde. Eines der schönsten Erlebnisse sei es für ihn gewesen, von
der Nachtseite der Erde aus den Vollmond aufgehen zu sehen und im
Weiterflug zu beobachten, wie die Sterne am Horizont unter einer
sehr scharf abgegrenzten Linie versinken. Interessant sei, daß sich
der Sonnen- und Sternenuntergang hinter dem Horizont etwa 18mal
schneller vollzieht, als wenn man es von der Erdoberfläche aus betrachtet .
Glenn,

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Glenn, auf seine Bemerkung angesprochen, daß er Landmassen
habe genau unterscheiden können, erklärte, man könne sogar verschiedene Zonen in der Meeresströmung, beispielsweise im Golfstrom, sowie
die wechselnden Farben darin erkennen. Auf dem Festland sei ihm
u.a. das Gebiet nordwestlich von El Paso in Texas besonders aufgefallen, wo sich bewässerte Flächen aus der Wüste ganz deutlich abhoben.
Besondere Krlanrungen
Eine Einschränkung des körperlichen Trainings, das er und seine
Kollegen während der Ausbildung als MERCURY-Piloten absolviert haben,
hält Glenn nicht für ratsam, weil auf einem derartigen Flug zu viel
Unvorhergesehenes passieren könne. Der Erfahrungsschatz, mit dem ein
Astronaut seinen Flug unternimmt, könne gar nicht groß genug sein.
Die Trägerrakete sah Glenn nach dem Absprengen und Drehen seiner
Kapsel im Abstand von etwa 90 m langsam unter sich vorbeiziehen. In
dem Augenblick sei ihm der Gedanke gekommen, daß es doch eigentlich
gar nicht schwierig sein könne, aus dieser Entfernung auf sie zuzusteuern. (Die "Rendezvous"-Technik soll im erweiterten MERCURY-Programm
erstmals erprobt werden.) Die ausgebrannte Startrakete der MERCURYKapsel schlägt, da sie nicht ganz dieselbe Geschwindigkeit wie die
Kapsel hat, eine etwas andere Bahn als diese ein. Glenn konnte seine
ATLAS noch bis kurz vor die Küste Afrikas beobachten und verlor sie
dann aus den Augen.
Als höchste Innentemperatur seiner Kabine während des Fluges
las Glenn einen Wert von 40,5 Grad Celsius ab; genaue Angaben können
jedoch erst nach Auswertung der telemetrischen Daten gemacht werden.
Die Journalisten wollten von Glenn außerdem wissen, ob er irgendeinen
Unterschied zwischen der Schwerebelastung empfunden habe, die durch
die Beschleunigung beim Start und durch die Abbremsung bei der Rückkehr verursacht wird - insbesondere unter Berücksichtigung der dazwischenliegenden Periode der Schwerelosigkeit. Er verneinte das. Seine
Empfindungen seien nicht anders gewesen als in der Zentrifuge, wo die
Piloten nicht nur den während des Fluges auftretenden 8 g, sondern
sogar Belastungen bis zu 14 und 16 g ausgesetzt gewesen seien. Was
ferner die Geräusche angehe, die er während des Fluges wahrgenommen
habe, so könne er nur sagen, daß der Geräuschpegel, der durch die
zahlreichen mechanischen und elektrischen Apparate erzeugt wird, nicht
anders sei als am Startplatz während des Durchprüfens des Fluggeräts.
"Junge, Junge, das war aber ein richtiger Feuerball", war eine
der Bemerkungen Glenns während des Abstiegs. Die Journalisten wollten
von ihm wissen, was er denn damit eigentlich gemeint habe. Glenn erklärte es ihnen folgendermaßen: "Wir haben praktisch noch kaum Erfahrung damit, wie es ist, wenn ein.Mensch von der Glut regelrecht eingeschlossen ist - so eingeschlossen ist, daß er sie schon durchs Fenste
sieht. Die Empfindung, die man dabei hat, ist ein Gefühl leiser Angst.
Wir vertrauten darauf, daß der Hitzeschild die Glut abfangen würde.
Das tat er auch. Aber das Ganze ist für uns etwas völlig Neues."
Eine

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Eine der letzten Fragen an Glenn war, ob seine Beobachtungen
sich in diesem oder jenem Punkt von denen der beiden russischen
Astronauten unterschieden. Darauf Glenn: "Mir ist nicht bekannt, daß
wir wirklich gute Berichte über die Beobachtungen, Wahrnehmungen
oder Empfindungen der russischen Kosmonauten besitzen. Natürlich
haben wir einiges erfahren. Aber ich glaube, dazu gibt es im Augenblick weiter nichts zu sagen. Vielleicht später einmal, wenn wir
mehr über ihr Programm wissen. Vielleicht sollten wir sie sogar
darum fragen. Unser Programm ist jedermann zugänglich. Ihres ist
geheim. Die Möglichkeit, Vergleiche zu ziehen, haben nur sie."

• PORTRÄT EINES WELTRAUMFLIEGERS
John Herschel Glenn, Jr.

Vom Fachlichen her einfach ein Könner, körperlich durch und
durch gesund, mit Leib und Seele der Fliegerei ergeben - das ist
John H. Glenn, der am 20. Februar 1962 in einer MERGURY-Kapsel als
erster Amerikaner die Erde umkreiste. In selten glücklicher Kombination vereint er alle die Eigenschaften, die als Maßstab bei der
Auswahl der sieben Astronauten für das Projekt MERCURY angelegt
wurden.
Glenn, der am 18. Juli 1962 41 Jahre alt wird, ist der Senior
dieser Gruppe. Seine jahrelange Flugerfahrung mit allen nur erdenklichen Flugzeugtypen verleiht ihm neben großem Fachwissen eine tiefwurzelnde Sicherheit, läßt ihn gleichzeitig aber auch die Chancen,
einer Notsituation zu begegnen, nüchtern einschätzen.
Heute, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, verkörpert er geradezu das Ideal eines Mannes, dessen physische und geistige Leistungsfähigkeit eine Entsprechung und notwendige Ergänzung des technischen
Wunderwerks darstellt, das ihn in eine Kreisbahn um die Erde trug.
Die Interessen des Menschen Glenn sind keineswegs einseitig an
der Technik oder an neuen Fluggeräten orientiert. Mindestens ebensoviel wie diese bedeutet ihm, dem Vater eines 15jährigen Jungen und
eines 14jährigen Mädchens, die Familie. Er ist es gewohnt, mit seiner
Frau Anna über alles zu sprechen, was ihn bewegt, und dazu gehören
natürlich auch die Probleme, Freuden und Tücken der Fliegerei. Als
tiefgläubiger Mensch - er ist Presbyterianer - versucht er, alle
Aufgaben, die an ihn herangetragen werden oder die er sich selbst
stellt, in Einklang mit seinen religiösen Überzeugungen zu bringen.
Seine eigenen Erfolge wie die seiner Kollegen betrachtet Glenn, dessen
natürliche Bescheidenheit auch die große Publizität, die ihm widerfahren ist, nicht verderben konnte, einfach als kleine Abschnitte auf
dem Weg zur Eroberung des Weltraums durch den Menschen.
Fliegen

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Fliegen hatte für John Glenn schon immer etwas Faszinierendes.
Er erzählt, wie er als Sechsjähriger fest daran glaubte, daß er, wenn
er groß sei, auf jeden Fall mit Flugzeugen zu tun haben werde. Utopische Erzählungen und Romane las er als Junge wohl auch, aber er
gibt offen zu, daß er damals Raumfahrt ganz und gar nicht ernst genommen habe. Er stammt aus New Concord im Staat Ohio, wo er die
Oberschule und anschließend drei Jahre lang das Muskingum College
besuchte, um dann mit 21 Jahren im Jahre 1942 als Kadett in eine
Marinefliegerschule einzutreten. Ein Jahr später erhielt er im USMarihekorps das Offizierspatent.
Im zweiten Weltkrieg nahm John H. Glenn an 59» während des Koreakrieges an 63 Feindeinsätzen sowie an anderen Flugmissionen teil. Obgleich seine Maschine häufig in feindliches Feuer geriet und Treffer
erhielt, wurde er nie abgeschossen. Für seine fliegerischen Leistungen
und seine persönliche Tapferkeit wurde er mehrfach ausgezeichnet. Nach
der Rückkehr aus Korea besuchte er die Testpilotenschule der US-Marine
in Patuxent River (Maryland) und war nach bestandener Prüfung als Projektoffizier für die Erprobung einer ganzen Anzahl von Flugzeugtypen
verantwortlich. Drei Jahre lang, von 1956 bis 1959» w a r e r der Konstruktionsabteilung für Jagdflugzeuge innerhalb des Luftfahrtamtes
der US-Marine in Washington zugeteilt. An der Universität Maryland
und an verschiedenen Militärakademien absolvierte er eine Anzahl von
Sonderlehrgängen. Glenn hat mehr als 5000 Flugstunden hinter sich,
davon über 1600 in Düsenflugzeugen. Auf Rekorde ist er gewissermaßen
spezialisiert. 1957 stellte er einen neuen Geschwindigkeitsrekord
für Transkontinentalflüge auf, als er die Strecke Los Angeles-New York
(48OO km) in 3 Stunden und 23 Minuten zurücklegte.
Seit John H. Glenn im April 1959 flls einer der sieben Sieger aus
dem Wettbewerb um die Anwartschaft auf die Astronauten-Ausbildung
hervorging, ist er eine "Schlüsselfigur" der NASA in ihren Vorbereitungen, mit Hilfe des MERCURY-Programms den Raumflug auf Erdsatellitenbahnen zu verwirklichen. Er unterzog sich einem strapaziösen Training,
das mehr als zwei Jahre in Anspruch nahm. Tag für Tag, Bei Wind und
Wetter konnte man den schlanken, muskulösen Mann auf dem täglichen
Morgenlauf sehen, den er über mehrere Kilometer vor dem Frühstück
unternahm, um sich in Kondition zu halten.
Auf Grund seiner Erfahrungen in der Flugzeugausrüstung war sein
Spezialgebiet während der Ausbildungszeit die Placierung der Konturliege und der großen Zahl von Bordarmaturen in der kleinen, mit den
verschiedensten Geräten und Instrumenten vollgestopften Druckkabine
der MERCURY-Raumkapsel. Es ist ja ungemein wichtig, wie die Instrumente dem Piloten präsentiert werden - ob sie leicht zu überblicken
und abzulesen sind, in welcher Entfernung von ihm sie sich befinden.
Bei den ballistischen Flügen Shepards und Grissoms stand er als
Ersatzmann bereit, um für den Kameraden einzuspringen. Diesmal ist er
selbst die Hauptperson.
DIE

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DIE RAUMKAPSEL "FRIENDSHIP 7

Die von Oberstleutnant Glenn geflogene MERCURY-Kapsel ist ein
kompliziertes Gerät. Form und Material der Zelle sind der besonderen
Beanspruchung durch Hitzeentwicklung und aerodynamische Kräfte angepaßt. Die 900 kg schwere Kapsel sieht aus wie eine unten geschlossene
Glocke von 2,7 m Höhe und 1,8 m Basisdurchmesser. Die Außenwandung ist
aus sich überlappenden Segmenten dünner Bleche eines hitzefesten Metalls
zusammengesetzt; sie haben den Vorzug, die Wärme, die infolge der Reibung
mit der Luft entsteht, rasch zu verteilen und abzuleiten. Zur Erhöhung
der mechanischen Festigkeit sind diese Segmente gerippt.
Im konischen Teil der Raumkapsel bildet die Innenwandung, die aus
zwei Schichten dünnen Titanblechs besteht,, glgichzeitig die Druckkabine
für den Piloten. Als Material für die Hitzestauplatte an der Unterseite,
die beim Wiedereintritt in die Atmosphäre die größte Reibungshitze abfängt, wurde nicht wie bei den Kapseln Shepards und Grissoms Beryllium,
sondern Faserglas mit Kunstharz verwendet. Die Hit'zeableitung erfolgt
dabei nach dem Prinzip der Schmelzkühlung, d.h. durch Abschmelzen der
äußersten Schicht. Dieses Verfahren gibt bei der Rückkehr eines Fluggeräts aus einer Satellitenbahn, in der es sich etwa dreieinhalbmal
schneller als beim ballistischen Flug bewegt, die Gewähr für ausreichende Kühlung.
Von der Konstruktion und Ausrüstung her ist alles darauf abgestellt, dem Piloten ein Höchstmaß an Sicherheit zu geben und gleichzeitig von Mensch und Maschine optimale Leistungen zu erreichen. Glenn
trug einen Druckanzug, der ihn bei Auftreten eines Lecks in der Druckkabine geschützt hätte. Anzug und Handschuhe behinderten ihn bei der
Betätigung der Hebel und Knöpfe zur Handsteuerung seines Fluggeräts
in keiner Weise, ebensowenig die Sicherheitsgurte, mit denen er am
Liegesitz festgeschnallt war. Dieser Sitz war nach seinen Körperformen
gegossen und mit Schaumstoff gepolstert; er stützte besonders Rücken,
Beine und Kopf. Das Instrumentenbord vor ihm war dem eines modernen
Flugzeugs nicht unähnlich. Mit einem Blick konnte er auf den Meßuhren
erkennen, ob Kabinentemperatur und Sauerstoffdruck, Flugwinkel der Kapsel
relativ zur Erde und andere wichtige Faktoren mit den Sollwerten übereinstimmten. Der Einfachheit halber wurden eine Anzahl von Meßgrößen a
durch rot und grün aufleuchtende Lämpchen gemeldet. Die Betätigung von
Hebeln in unmittelbarer Nähe der betreffenden Lampe erlaubte bei "Rot"
die sofortige Korrektur. Wäre die Störung ernster Natur gewesen, so hätten ständig aufflammende Warnlichter und eine Glocke den Piloten rechtzeitig alarmiert.
Die Raumkabine schirmte Glenn gegen die "feindselige" Außenwelt
ab, die die Ionosphäre für den ungeschützten Menschen darstellt. In
seiner Kapsel wurde ihm automatisch Frischluft zugeführt, das ausgeatmete Kohlendioxyd sowie Feuchtigkeit wurden laufend aus der Druckkabine entfernt; überdies konnte er die Klimaanlage selbst regulieren.
Zwei

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Zwei Kameras filmten alle seine Bewegungen sowie die Anzeigewerte
der Meßuhren für die spätere Auswertung des Experiments.
Durch zwei Haupt- und zwei Nebenfunkbrücken hatte der Pilot
die Möglichkeit, über Dezimeter- und Kurzwelle mit den Bodenstationen Sprechfunkverbindung zu halten; notfalls konnte er auch
eine Morsetaste zur Aussendung tonloser Signale benutzen und Antworten im Morse;code aufnehmen. Die automatisch übertragenen Telemeßwerte wurden auf Dezimeterwelle (verschlüsselt) und auf Langwelle
gesendet. Zwei Radar-Peilsender gaben den Bodenstationen Erkennungssignale. Ein Funkempfänger in der Kapsel war direkt mit einer Reihe
von Steuerungs- und Kontrollgeräten verbunden. Über diesen Empfänger
hätte eine Kommandostation auf der Erde unter besonderen Umständen beispielsweise Bewußtlosigkeit oder anderweitige Reaktionsunfähigkeit
des Astronauten - das MERCURY-Fluggerät zur Erde zurückgeleitet.
Kursabweichungen in den drei Achsen wurden während der zweiten und
dritten Erdumkreisung durch Glenn selbst korrigiert.
Zwischen der Hitzestauplatte und dem Boden der Druckkammer befand sich ein Gummisack, der sich bei der Rückkehr nach Entfaltung
des Hauptfallschirms und Abwurf des Hitzeschildes automatisch zu einem
120 cm dicken Kissen aufblies und den Aufprall dämpfte. Der Raum im
zylindrischen Kopfende der Kapsel war für Hilfs-, Haupt- und Reservefallschirm, für Rettungs- und Bergungshilfen wie Rauch- und Wasserbomben, Markierfarbstoff, Peilsender sowie ein bei Wasserberührung
sich automatisch aufblasendes Rettungsboot reserviert. Unmittelbar
vor dem Niedergehen auf dem Wasser wurden lamettaähnliche Metallfäden
ausgestoßen, um den Bergungsflugzeugen die Radarsuche zu erleichtern.
Ein großer Metallring an der Kapselspitze diente zum Einhaken des
Halteseils, mit dem der inzwischen über Funk herangeholte Zerstörer
die Kapsel aus dem Wasser zog. Die Aufhängung der MERCURY-Kapsel bei
diesem Manöver war absichtlich schräg gehalten, weil dabei die Schlingerund Schaukelbewegungen viel geringer sind als bei zentrischer Aufhängung.
Die "Fluchtraketen", wie die beim Start auf der Spitze des MERCÜRYGeräts montierten Rettungsraketen auch genannt werden, sind ebenso wie
alle übrigen Konstruktionsdetails das Ergebnis sorgfältiger Entwicklung.
Der fast 5 m hohe Gerüstturm, aus dessen oberem Drittel drei Raketendüsen wie kleine Glocken herausragen, ist das auffälligste Merkmal
der MERCURY-Kapsel. Der Astronaut hätte damit sein Gerät von der Startrakete absprengen können oder es wäre durch Funksignal vom Boden aus
abgesprengt worden, falls noch am Abschußplatz oder in der allerersten
Flugphase eine bedrohliche Situation für ihn entstanden wäre. Der
Rettungsturm löst sich mit Brennschluß der Startrakete automatisch ab.
Nach einem Erdrundflug über den Atlantik, Afrika, den Indischen
Ozean, Australien, den Pazifik und schließlich den Südteil des nordamerikanischen Kontinents vollendete der Astronaut knapp 90 Minuten
nach dem Start den ersten Umlauf. Noch zweimal zog er in seinem

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seinem MERCURYi-Fluggerät um unseren Globus, ehe er sich auf die
Rückkehr vorzubereiten begann. Diese wurde an einem etwa 600 km
westlich der kalifornischen Küste gelegenen Punkt eingeleitet. Mit
Hilfe von Reaktionsdüsen drehte Glenn die Kapsel um etwa 35 Grad
nach oben. Dann wurden die Bremsraketen gezündet. Diese verminderten
die Fluggeschwindigkeit in der Umlaufbahn, so daß die Kapsel auf die
Erde zuzufallen begann. In einem genau nach Zeitplan ablaufenden
Manöver beschrieb die Raumkapsel einen großen Bogen von etwa 5000 km
Spannweite und schwebte am Fallschirm zur Erde zurück.

AUS DER GESCHICHTE DES PROJEKTS MERCURY
Noch vor dreieinhalb Jahren verfügten die Vereinigten Staaten
weder über ein geeignetes Fluggerät noch über die Männer, die damit
hätten umgehen können, und ebensowenig über die entsprechenden Bodenbeobachtungs- und Nachrichtenstationen, um den bemannten Raumflug überhaupt unternehmen zu können. Ein derartiger Flugversuch sollte ja nicht
den Charakter einer abenteuerlichen und damit zweifelhaften "Heldentat"
sondern den eines wissenschaftlich fundierten und lohnenden Experiments
haben. Um die dafür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen, wurde von
der im Oktober 1958 aus der Taufe gehobenen zivilen Behörde für Luftund Raumfahrt (NASA) das Projekt MERCURY in Angriff genommen.
Die Hauptmerkmale des Fluggeräts - der turmähnliche Rettungsmechanismus, die Verwendung von Bremsraketen zur Einleitung des
Rückkehrmanövers, die Formgebung der Kapsel mit ihrer stumpfen Basis,
die die größte Reibungshitze beim Wiedereintritt in die Atmosphäre
abfängt - stellen gelungene technische Lösungen des Raumflug-Problems
dar.
Zur gleichen Zeit, da das Fluggerät allmählich Gestalt annahm,
bemühte man sich auch darum, für seine Ausrüstung sowie für den Schutz
des Piloten geeignete Konstruktionen zu schaffen. Bei den ballistischen
Flügen sollte die REDSTONE, bei den Satellitenflügen um die Erde die
ATLAS als Trägerrakete verwendet werden.
Die ATLAS-Rakete ist die älteste und am meisten erprobte Großrakete der Vereinigten Staaten. Sie ist 25 ra hoch, mißt 3 m im Durchmesser und wiegt beim Start 119 000 kg. Ihren Antrieb erhält sie durch
zwei große Starttriebwerke von je 68 000 kg Schubleistung und einen
weiteren Motor von 27 000 kp Schubkraft, der nach Abschalten der beiden Startmotoren das Fluggerät auf Satellitengeschwindigkeit beschleunigt. Als Treibstoff dienen fast 100 Tonnen Kerosin und flüssiger
Sauerstoff.
Die Ausbildung der Astronauten
Bald nach Inangriffnahme des Projekts MERCURY wählte die NASA
unter 110 Freiwilligen sieben Testpiloten aus, die ihrer beruflichen
Erfahrung, ihrer körperlichen Verfassung und - was nicht zu unter-

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unterschätzen ist - ihrer charakterlichen Veranlagung nach am
besten als Raumflieger geeignet schienen. In einer 32 Monate währenden gründlichen Ausbildung lernten sie die MERCURY-Raumkapsel
unter den verschiedensten Bedingungen - flugtechnischen wie eigenen
körperlichen und geistigen Belastungen - zu beherrschen.
Obgleich sie ja alle bereits ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium absolviert und sich auch als Testflieger einen
Namen gemacht hatten, begann für die sieben Astronauten erneut der
theoretische und praktische Unterricht. Er konzentrierte sich auf
sechs Hauptgebiete:
1 . Wissenschaftliche Grundlagen - im wesentlichen eine theoretische Einführung in die Astronautik einschließlich Ballistik unter
Behandlung solcher Einzelprobleme wie Flugbahnen, Treibstoffe, Steuerung und andere Aspekte des Raketenflugs; ferner Grundlagen der Plugmedizin und Raumflughygiene, der Umweltbedingungen im Weltraum, der
Astronomie, Meteorologie, Astrophysik und Geographie einschließlich
der Methoden zur Vornahme wissenschaftlicher Beobachtungen.
2. Situationen beim Raumflug - In dieser Ausbildungsphase wurden
die Astronauten mit den besonderen Bedingungen wie Druckveränderungen,
Schwerelosigkeit und den Auswirkungen der starken Beschleunigungsund Bremskräfte vertraut gemacht. Sie mußten sich daran gewöhnen,
trotz hoher Beschleunigungs- bzw. Bremskräfte, bei denen die Glieder
bleischwer' • werden und selbst das Atmen Schwierigkeiten bereitet,
konzentriert zu beobachten und koordinierte Bewegungen auszuführen.
In besonderen Höhenkammern wurden sie, in Schutzanzüge gekleidet, sehr
niedrigem Luftdruck, extremer Hitze und Kälte ausgesetzt.
3. Bedienung des MERCURY-Raumfluggeräts - Besonders geübt wurde
dabei die Benutzung und Wartung der wissenschaftlichen Instrumente
sowie des Druck- und Klimaregelsystems für die Kabine. Auch mit den
Vorrichtungen zur Führung und Betriebsüberwachung der Kapsel, den
Funkanlagen, der Kurskontrolle, den Brems- und Wenderaketen mußten
die Astronauten sicher umgehen können.
4. Aktive Beteiligung am Raumkapsel-Entwicklungsprogramm - Jeder
der Astronauten spezialisierte sich auf ein bestimmtes Teilgebiet der
Kapselkonstruktion. Auf Grund des so erworbenen praktischen Wissens
konnten die Lehrgangsteilnehmer in Zusammenarbeit mit den übrigen Experten eine Reihe von Verbesserungen und notwendigen Änderungen der
ursprünglichen Konstruktion ermitteln.
5. Fortführung des Flugtrainings in Düsenflugzeugen - Die Männer
sollten sich durch Führung modernster Düsenmaschinen das in ihrer
früheren Praxis erworbene Gefühl für Flugsituationen erhalten und die
Möglichkeit haben, sich auch während ihres "Trockenkurses für den
Raumflug" in notwendigen schnellen Entscheidungen aus der jeweiligen
Situation heraus zu üben.
6. Mit

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6. Mit den erforderlichen Bodenausrüstungen und der Tätigkeit
des Bodenpe rsonals in Theorie und Praxis vertraut zu werden, war
der letzte Hauptpunkt des Ausbildungsprogramms. Eigene Erfahrungen
sowie die Beobachtung von Raketenflügen vermittelten ihnen ein umfassendes Wissen von dem, was sie selbst erwartet. Sie hielten sich
längere Zeit auf den verschiedenen amerikanischen Raketenabschußplätzen,
auf! Beobachtungsstationen entlang der atlantischen Flugstrecke, in
Montagebetrieben des Flugkörperbaus und im Testfluggebiett der
X-15 auf. Bei Bergungsübungen an der Kapsel waren sie nicht nur Augenzeugen, sondern unmittelbar Beteiligte.
Durch ein besonderes Leistungstraining lernten die Astronauten,
unter primitivsten Verhältnissen, bei Hitze und Kälte, Nahrungsund Wassermangel, auf See und in der Wüste zu "überleben" und so die
Bergung auch unter härtesten Bedingungen abzuwarten. Ihre Ausbildung
brachte, alles in allem gesehen, viele Entbehrungen und Strapazen,
aber sie vermittelte ihnen auch ein tiefes Gefühl der Sicherheit.
Glenn, Grissom und Shepard haben ihren Kameraden Carpenter,
Cooper, Schirra und Slayton im Augenblick das eine voraus, bereits
über eine gewisse Flugerfahrung mit der MERCURY-Kapsel, technisch gesehen einem Fluggerät völlig neuen Typs, zu verfügen. Dennoch wird
vorläufig auch jedes weitere Experiment dieser Art das Können, den
persönlichen Mut und die Reaktionsfähigkeit des Piloten auf eine
harte Proble stellen.

Bildunterschrift (Deckblatt);
Oberstleutnant John H. Glenn besteigt seine Raumkapsel
"Friendship 7"

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2 . März 1962

ACHTUNG! Auf Anforderung der Redaktionen übersendet der AMERIKA DIENST
zusätzlich zu der auf dem Deckblatt wiedergegebenen Aufnahme
an Zeitungen und Zeitschriften kostenlos folgende Bilder:

1)

Sorgfältig prüft ein Spezialist für Druckanzüge die Schutzausrüstung für Oberstleutnant John H. Glenn, ehe dieser
die Kleidung anlegt.

2)

(62-1281)

In Begleitung seines Arztes Dr. William K. Douglas verläßt
John H. Glenn Hangar S, um sich zum Abschußplatz der MERCURYATLAS-Rakete zu begeben. (62-340)

3)

Cape Canaveral, 20. Februar 1962, 9.47 Uhr Ortszeit:

Die ATLAS-Trägerrakete für die MERCURY-Raumkapsel "Friendship 7"
hebt vom Starttisch ab. Oberstleutnant John H. Glenn beginnt
seinen Flug um die Erde. (H-40343)
4)

Nach dreimaliger Erdumkreisung ist "Friedship 7" im Atlantik
sicher gelandet. Im Wettrennen zwischen den einzelnen Bergungsfahrzeugen ging der Zerstörer NOA als Sieger hervor und
holt nun die auf dem Wasser treibende Raumkapsel mit dem Testpiloten Glenn an Bord. (62-1293)

5)

"Friendship 7" an Bord des Zerstörers NOA. (H-40344)

6)

Glückstrahlend dankt Oberstleutnant John H. Glenn, der inzwischen an Bord des Flugzeugträgers RANDOLPH gebracht wurde,
für die Ovationen der Besatzung. (62-1299)

7)

Die quälende Wartezeit ist vorüber. Mrs. John Glenn (im
Hintergrund der 16jährige Sohn David) kann während eines
Interviews nach dem Flug über das Fernsehnetz direkt mit
ihren Schwiegereltern sprechen. (62-1298)

11

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8)

2. März 1962

Die MERCÜRY-Kapsel "Frigndship 7" wurde am 21. Februar
1962 wieder zum Hangar S in Cape Canaveral zurückgebracht.
Die Pressevertreter können sie aus nächster Nähe besichtigen.

9)

(62-1300)

Glenn im Gespräch mit Journalisten nach seinem Flug. Links
neben ihm Donald K. Slayton, der für den nächsten MERCURYSatellitenflug als Pilot vorgesehen ist. (H-40380)

(Wir bitten, bei Bestellungen die Bildnummern
anzugeben.)

• * • * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Aiig./9.3.1962

F R E I H E I T

VON

K R I E G

Das Programm der Vereinigten Staaten für allgemeine
und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt

Der nachstehende Abrüstungsvorschlag ist die
Verhandlungsbasis der amerikanischen Delegation
auf der am 14. März 1962 in Genf beginnenden
internationalen Abrüstungskonferenz. Er war
bereits am 25« September vergangenen Jahres
von Adlai E . Stevenson, dem Chefdelegierten
der Vereinigten Staaten bei den Vereinten
Nationen, der 16. Vollversammlung im Anschluß
an eine Rede Präsident Kennedys unterbreitet
worden.

�y- März ' 9b&lt;i

"AMERIKA DIENST"

A B R Ü S T U N G S D E K L A R A T I O N
Das Programm d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n f ü r

allgemeine

und v o l l s t ä n d i g e A b r ü s t u n g i n e i n e r f r i e d l i c h e n Welt

Die V ö l k e r d e r E r d e ,

/

i n dem B e w u ß t s e i n d e r K r i s e i n d e r G e s c h i c h t e d e r M e n s c h h e i t ,
d i e d u r c h d i e r e v o l u t i o n ä r e E n t w i c k l u n g m o d e r n e r Waffen i n e i n e r
von e r n s t e n i d e o l o g i s c h e n A u s e i n a n d e r s e t z u n g e n g e s p a l t e n e n Welt
h e r v o r g e r u f e n w u r d e , und
i n dem E n t s c h l u ß , d i e h e u t i g e n und k ü n f t i g e n G e n e r a t i o n e n v o r
d e r G e i ß e l d e s K r i e g e s und den Gefahren und B e l a s t u n g e n d e s W e t t r ü s t e n s zu b e w a h r e n und Bedingungen zu s c h a f f e n , u n t e r d e n e n a l e
V o l k e r i n F r e i h e i t und F r i e d e n danach t r a c h t e n k ö n n e n , i h r e g r u n d l e g e n d e n A s p i r a t i o n e n zu v e r w i r k l i c h e n ,
e r k l ä r e n es a l s i h r Z i e l : e i n e f r e i e , s i c h e r e und f r i e d l i c h e
Welt u n a b h ä n g i g e r S t a a t e n zu s c h a f f e n , d i e gemeinsame Normen d e r
G e r e c h t i g k e i t und d e s i n t e r n a t i o n a l e n V e r h a l t e n s b e f o l g e n und d i e
Anwendung von Gewalt d e r H e r r s c h a f t d e s R e c h t s u n t e r o r d n e n ; e i n e
W e l t , i n d e r s i c h d i e A n p a s s u n g a n den Wandel d e r V e r h ä l t n i s s e i n
Ü b e r e i n s t i m m u n g m i t den G r u n d s ä t z e n d e r V e r e i n t e n N a t i o n e n v o l l z i e h t ;
e i n e W e l t , d i e s i c h i n e i n e m s t ä n d i g e n Z u s t a n d d e r a l l g e m e i n e n und
v o l l s t ä n d i g e n Abrüstung u n t e r wirksamer i n t e r n a t i o n a l e r K o n t r o l l e
befindet
und i n d e r d i e H i l f s q u e l l e n d e r S t a a t e n dem m a t e r i e l l e n ,
k u l t u r e l l e n und g e i s t i g e n F o r t s c h r i t t d e s Menschen d i e n e n ;
p r o k l a m i e r e n a l s T e i l z i e l e e i n e s Programms z u r a l l g e m e i n e n und
v o l l s t ä n d i g e n Abrüstung in einer f r i e d l i c h e n Welt:
a) die Auflösung a l l e r n a t i o n a l e n S t r e i t k r ä f t e m L1 Ausnahme
d e r e r , d i e für die A u f r e c h t e r h a l t u n g der inneren Ordnung und a l s
Kontingente für e i n e UN-Friedenstruppe b e n ö t i g t werden, und das
Verbot i h r e r W i e d e r a u f s t e l l u n g i n jedweder Form;
b)
lich a l l e r
nationalen
t r u p p e und
sind;

d i e Herausnahme s ä m t l i c h e n R ü s t u n g s m a t e r i a l s , e i n s c h l i e ß Massenvernichtungswaffen und deren E i n s a t z m . t + e l aus den
A r s e n a l e n mit Ausnahme d e r e r , d i e für e i n e UN-Frie e n s für die A u f r e c h t e r h a l t u n g der i n n e r e n Ordnung e r f o r d e r l i c h

c) d i e Schaffung und e r f o l g r e i c h e T ä t i g k e i t e i n e r i n t e r n a t i o n a l e n A b r ü s t u n g s o r g a n i s a t i o n ( . n t e r n a t i o n a l Disarmament Organiz a t i o n - IDO) im Rahmen der V e r e i n t e n Nationen, um die E r f ü l l u n g
a l l e r Abrüstungsverpflichtung jederzeit sicherzustellen;

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9. März 1962

d) die Bereitstellung wirksamer Mittel für den Vollzug
internationaler Abmachungen, für die Beilegung vor Meinungsverschiedenheiten und für die Aufrechterhaltung des Friedens in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Vereinten Nationen;
fordern die verhandelnden Staaten auf,
a) den nachstehend dargelegten Programmabriß zu einem vertraglichen Plan für eine allgemeine und vollständige Abrüstung
weiterzuentwickeln und ihre Anstrengungen ohne Unterbrechung so
lange fortzusetzen, bis das gesamte Programm verwirklicht ist;
b) zu diesem Zweck den weitestmöglichen Bereich der Übereinstimmung zu dem frühestmöglichen Zeitpunkt anzustreben;
c) ferner - ohne den Fortgang des Abrüs^ungsprogramms zu
beeinträchtigen - eine Übereinkunft bezüglich jenei' Sofortmaßnahmen zu erstreben, die zur gemeinsamen Sicherheit der Staaten
beitragen würden und die Durchführung des Programms erleichtern
und Teil desselben bilden könnten:
bekräftigen, daß die Abrüstungsverhandlungen von folgenden
Grundsätzen geleitet werden sollen:
a) Die Abrüstung soll so rasch wie möglich bis zu ihrer
Vollendung in Phasen vollzogen werden, die wohlausgewogene, gegliederte und durch Sicherheiten garantierte Maßnahmen einschließen,
wobei jede Maßnahme und Phase innerhalb eines vereinbarten Zeitraums abgewickelt werden soll,
b) Die Erfüllung aller Abrüstungsverpflichtungen soll von
ihrem Inkrafttreten an wirksan verifiziert werden. Die Verifizierungsvorkehrungen sollen schrittweise und auf solche Weise getroffen werden, daß nicht nur festgestellt wird, ob vereinbarte Beschränkungen
oder Bestandsverringerungen vorgenommen werden, sondern auch ob
nicht die verbleibenden Streitkräfte und Waffen in irgendeiner Phase
den vereinbarten Stand überschreiten,
c) Die Abrüstung soll in einer Weise vorgenommen werden,
die die Sicherheit keines Staates abträglich berührt, gleichgültig
ob es sich um einen Partner einer internationalen Abmachung oder
Vereinbarung handelt oder nicht,
d) Während die Staaten sich ihrer Waffen entledigen, sollen
die Vereinten Nationen Schritt für Schritt gestärkt werden, um ihre
Fähigkeit zu steigern, die internationale Sicherheit und die friedliche Regelung von Streitfällen zu gewährleisten und auch die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit bei gemeinsamen Aufgaben
zum Wohle der Menschheit zu erleichtern.

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9° März 1962

e) Der Übergang von einer Phase der Abrüstung zur nächsten
soll erfolgen, sobald alle Maßnahmen der vorausgegangenen Phase
ausgeführt sind - wobei die wirksame Verifizierung fortgesetzt
wird - und sobald die Vorkehrungen, die für die nächste Phase als
notwendig anerkannt wurden, getroffen worden sind;
einigen sich auf den folgenden Programmabriß für die Verwirklichung einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung:

PHASE

I

A. Schaffung einer internationalen Abrüstungsorganisation
a) Es soll bei Inkrafttreten der Übereinkunft eine internationale Abrüstungsorganisation im Rahmen der Vereinten Nationen
errichtet werden. Ihre Funktionen sollen progressiv erweitert werden,
wie dies für die wirksame Verifizierung des Abrüstungsprogramms erforderlich ist.
b) Die IDO soll umfassen: 1. eine Vollkonferenz (General
Conference) aller Signatarstaaten; 2. eine Kommission (Commission),
die sich aus Vertretern aller Großmächte als ständige Mitglieder
und verschiedener anderer Staaten nach dem Prinzip der Rotation
zusammensetzt; 3. einen Administrator, der die Organisation gemäß
den Anweisungen der Kommission verwalten und die Befugnisse, die
Mitarbeiter und die finanziellen Mittel haben soll, um eine, wirksame,
unparteiische Ausübung der Funktionen der Organisation sicherzustellen.
c) Die IDO soll: 1. die Erfüllung der übernommenen Verpflichtungen durch die Verifizierung der Ausführung der vertraglich vereinbarten Maßnahmen sicherstellen; 2. die Staaten bei der Ausarbeitung der Einzelheiten der vereinbarten weiteren Verifizierung der
Abrüstungsmaßnahmen unterstützen; 3» für die Schaffung solcher
Körperschaften, die für die Ausarbeitung der Einzelheiten der weiteren, im Programm vorgesehenen Maßnahmen notwendig sind, und solcher Studiengruppen von Fachleuten Sorge tragen, die erforderlich
werden könnten, um die Abrüstungsfragen einer fortgesetzten Überprüfung zu unterziehen; 4« Berichte über den Fortgang der Abrüstungs-,
und Verifizierungsvereinbarungen entgegennehmen und den Zeitpunkt
für den Übergang von einer Phase zur nächsten bestimmen.
B. Verringerung der Truppen- und Rüstungsstärken
a) Die Truppenstärken sollen für die USA und die UdSSR auf je
2,1 Millionen und für alle anderen größeren Militärmächte auf solche
angemessenen Stärken beschränkt werden, die jeweils 2,1 Millionen
nicht überschreiten. Die Verringerung auf die vereinbarten Stärken
wird in zumutbaren, proportionalen und verifizierten Stufen erfolgen.

bi

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9o März 1962

b) Die Bestände an Rüstungsmaterial vorgeschriebener Typen
sollen in zumutbaren und wohlausgewogenen Stufen verringert werden.
Die Bestandsverringerungen sollen durch die Überstellung der Waffen
an Depots erfolgen, die von der IDQ überwacht werden. Wenn die
Signatar Staaten der Übereinkunft zu bestimmter. Zeiten während des
Verringerungsprozesses der Phase I darin übereinstimmen, daß die
Rüstungs- und Truppenstärken auf den vorgeschriebenen Star.d gebracht
worden sind, sollen die Waffen in den Depots zerstört oder der
friedlichen Verwendung zugeführt werden.
c) Die Herstellung von bestimmten vereinbarten Waffentypen
soll beschränkt werden.
d) Eine Fachkommission für chemische, biologische und radiologische Waffen (CBR Experts Commission) soll innerhalb der IDO zu
dem Zweck geschaffen werden, die Möglichkeit und die Methoden der
VerwirKlichr ng einer verifizierbaren Verringerung und schließlichen
Beseitigung der Vorräte an GBR-Waffen und der Einstellung der ProduKtion derselben zu untersuchen und darüber Bericht zu erstatten.
C. Einscnränkung und Verringerung der Bedrohung durch Kernwaffen
a) Staaten, die einem Vertrag zu einem wirksamen Verbot der
Erprobung von Kernwaffen nicht beigetreten sind, sollen dies tun.
b) Die Herstellung von spaltbarem Material für die Verwendung
in Waffen soll eingestellt werden.
c) Bei Einstellung der Produktion von spaltbarem Material für
die Verwendung in Waffen sollen vereinbarte erste Mengen von spaltbarem Material aus früherer Produktion der friedlichen Verwendung
zugeführt werden.
d) Alles spaltbare Material, das von einem Land in ein anderes
für friedliche Verwendungszwecke verbracht wird, soll geeigneten Sicherheatsvorschriften unterliegen, die in Übereinstimmung mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ausgearbeitet werden sollen.
e) Staaten, die Kernwaffen besitzen, sollen die Kontrolle über
derartige Waffer keinem Staat einräumen, der keine besitzt, und
sollen keinem derartigen Land Informationen cder Materialien lie fern,
die für ihre Herstellung erfrrderlich sind. Staaten, die keine Kernwaffen besitzen, sollen keine derartigen Waffen herstellen, nicht
die Kontrolle über derartige Waffen im Besitz anderer Staaten zu
erlangen suchen oder danach brachten, Informationen oder Materialien
zu erhalten, die für deren Herstellung notwendig sind.
d) Eine Fachkommission für Atomfragen (Nuclear Experts Commission) aus Vertretern der Atommächte soll innerhalb der__ID0 zu dem
Zrfeck errichtet v/erden, die Möglichkeit und die Methoden der Verwirklichung einer verifizierten Verringerung und der schlie 1 . chen

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�HKA DIENST

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s c h l i e ß . l i c h e n B e s e i t i g u n g d e r V o r r ä t e a n Kernwaffen
und d a r ü b e r B e r i c h t zu e r s t a t t e n .

März 1962

zu u n t e r s u c h e n

D. Y e r i i n g e r u n g der Bestände an Kernwaffenträgern für den
s t r i t e g ; s c b e n Einsatz
a ) Die Bestände an Kernwaffenträgem für den s t r a t e g i s c h e n
E'n&lt;?a + z bestimmter Kategorien und an v e r e i n b a r :en Typen unü T r ä g e r ar w^tirwaff en s o l l e n i n zumutbarer, und wohlausgewogenen Stufen auf
e i n e r v e r e i n b a r t e r . Stand v e r r i n g e r t werden. Die Bestandsverringerung
s r l j . auf j e d e r Stufe durch die Ü b e r s t e i l u n g der über den Stand n i n a u s ,
de1- f ü r die j e w e i l i g e Stufe v e r e i n b a r t i s t , rrhandenen Träger an
Depots e r f o l g e n , d i e von der IDO überwacht werden. Zu bestimmten
Z e ^ e n während der B e s t a n d s v e r r i r g e r u n g i n d^r Phase I s o l l e n die
T r ä g e r , die der A u f s i c h t der IDO u n t e r s t e l l t werden s i n d , z e r s t ö r t
oder der f r i e d l i c h e n Verwendung zugeführt werden»
b) Die H e r s t e l l u n g v e r e i n b a r t e r Kategorien von Kernwaffent r ä g e r n für den s t r a t e g i s c h e n E i n s a t z und v e r e i n b a r t e r Typen von
Trägerabwehrwaffen s o l l e i n g e s t e l l t oder Deschränkt werden.
c) Die Erprobung v e r e i n b a r t e r Kategorien von Kernwaffenträgern für den s t r a t e g i s c h e n E i n s a t z und v e ^ e j b a r t e r Typen von T r ä g e r abwehrwaffen s o l l beschränkt oder e i n g e s t e x i t werden.
E. Förderung der f r i e d l i c h e n Nutzung des Weltraums
a ) Die Verbringung von Massenvernichtungswaffen auf eine
Kre-sbahnum die Erde oder deren S t a t i o n i e r u n g im Weltraum s o l l
verboten werden.
b) Die S t a a t e n s o l l e n den Teilnehmerstaaten und der IDO im
raus M i t t e i l u n g über den Abschuß von Raumflugkörpern und Raketen
scwie»über deren Flugbahn machen.
F . Verringerung der Gefahr eines Krieges durch Z u f a l l .
und

Fehleinschätzung

Überraschungsangriff;

a ) Die S t a a t e n s o l l e n den anderen Teilnehmerstaaten und der
.IDO im voraus M i t t e i l u n g von größeren Trappenverschiebungen und Manövern der v e r e i n b a r t e n Größenordnung machen, die Anlaß zu F e h l i n t e r p r e t a t i ^ n e n geben oder Beunruhige g h e r v o r r u f e n und Gegenmanöver a u s l ö s e n k ö n n t e n . Die M i t t e i l u r g s e i l Angaben über das zu b e n u t z e r d e Gebiet und d i e A r t , das Ausmaß u. d die Z e i t d a u e r des Geche &lt;ens e i n s c h l i e ß e n .
bj An Orten,wie größeren Häfen, Eisenbahnknotenpunkten, F e r n s t r a ß e n and F l u g p l ä t z e n , s o l l e n Beobachtmgspos ten e r r i c h t e t werden, um

»

5 -

�9. März 1Q62

"AMERIKA DIENST"

um über Truppenmassierungen und -bewegungen Bericht zu erstatten.
c) Ferner sollen noch zu vereinbarende zusätzliche Inspek•cionsvorkehrungen getroffen werden, um die Gefahr von Überraschungsangriffen zu verringern.
d) Es soll eine in+ernationale Kommission unmittelbar innerhalb der IDO geschaffen werden, um die Möglichkeiten für weitere
Maßnahmen zur Verringerung des Risikos eines Krieges mit Kernwaffen
auf Grund vcn Zr.fall.en, der Fehleinschätzung oder des Ausfalls von
Nachrichtenmitteln zu untersuchen und entsprechende Vorschläge zu
unterbreiten.
G, Erhaltung des Friedens
a) Die Staaten sollen ihre Verpflichtungen gemäß der Charta
der Vereinten Nationen bekräftigen, sich der Drohung mit jeder Art
von Streitkräften - einschließlich aller mit Kernwaffen, herkömmlichen Waffen :der CBR-Waffen ausgerüsteten Truppen - und des Einsatzes derselben entgegen den Grundsätzen der UN-Charta zu enthalten.
b) Die Staaten sollen dahingehend übereinkommen, sich jeder
gegen ein anderes Land gerichteten indirek+en Aggression oder subversiven Tätigkeit zu enthalten.
c) Die Staaten sollen sich aller geeigneten Verfahren für
die friedliche Beilegung von Meinungsverschiedenheiten bedienen und
sich bemünen, im Rahmen der Vereinten Nationen weitere Vereinbarungen
für die friedliche Beilegung internationaler Meinungsverschiedenheiten
und die Kodifizierung und progressiv« Weiterentwicklung des internationalen Rechts zu + reffen.
d) Die Staaten sollen in der Phase I Vereinbarungen für die
Schaffung einer UN-Friedenstruppe in der Phase II treffen.
e) Eine Friedensbeobachtungsgruppe der Vereinten Nationen
soll mit einem ständigen Kader von Beobach+ern ausgestattet werden,
die ausgesandt werden können, um jede Situation zu untersuchen, die
eine Bedrohung oder einen Bruch des Friedens darstellen könnte.

PHASE II
A. Internationale AbrüstungsOrganisation
Die Befugnisse und Verantwortlichkeiten der IDO sollen progressiv
erweitert werden, um sie in die Lage zu versetzen, die in der Phase II
durchzuführenden Maßnahmen zu verifizieren.
B.

- 6-

�"AMERIKA DIENST"

9. März 1962

B. Weitere Verringerung der Truppen und Rüstungsstärken
a) Die Truppenstärken der USA, der UdSSR und anderer Militärmächte sollen weiter beträchtlich und in zumutbaren und wohlausgewogenen Stufen auf den vereinbarten Stand verringert werden.
b) Der Bestand an Rüstungsmaterial festgesetzter Typen soll
weiter ir zumutbaren und wohlausgewogenen Stufen verringert werden.
Die Bestandsverringerung soll durch die Überstellung von Rüstungsmaterial ar Depots vorgenommen werden, die der Aufsicht der IDO unterstehen. Wenn die Signatarstaaten zu bestimmten Zeitpunkten während
der Bestardsverringerung in der Phase II darin übereinstimmen,
daß die Rüstungs- und Truppenstärken auf den "orgescnriebenen Stand
gebracht worden sind, sollen die Waffen in den Depots zerstört oder
der friedlichen Verwendung zugeführt werden.
c) Es sollen weitere vereinbarte Beschränkungen der Herstellung von Rüstungsmaterial vorgenommen werden.
d) Vereinbarte militärische Stützpunkte und Einrichtungen
sollen, wo immer sie auch liegen mögen, geschleift oder der friedlichen Verwendung zugeführt werden.
e) Nach Maßgabe des Gutachtens des Experten-Ausschusses für
Fragen der '"'BR-Waffen sollen die Herstellung von CBR-Waffen eingestellt, bestehende Vorräte schrittweise abgebaut und sicn ergebende
Überschußbestände vernichtet oder der friedlichen Verwendung zugeführt werden.
C. Weitere Verringerung der Bedrohung mit Kernwaffen
Vorräte an Kernwaffen sollen schrittweise bis auf einen Stand
verringert werden, der auf Grund des Gutachtens der Fachkommission
der Atomwissenschaftler vereinbart wird; verbleibende Überschußbestärde an spaltbarem Material sollen der friedlichen Verwendung zugeführt werden.
D. Weitere Verringerung der Bestände an Kernwaffenträgern für den
stra'egisehen Einsatz
Eine weitere Verringerung der Bestände an Kernwaffenträgern
für den strategischen Einsatz und an vereinbarten Typenvon Trägerabwehrwaffen soll. in Übereinstimmung mit den in Phase I dargelegten
Verfahren vorgenommen werden.
E

Erhaltung des Friedens

Währei.d der Phase II sollen die Staaten die zur Erhaltung des
Friedens geeigneten Verfahren der Vereinten Nationen mit dem Ziel
weiterentwickeln, die Vereinten Nationen in die Lage zu versetzen,
in der Phase III w:\rksam von jeder Drohung mit Gewalt und Gewaltanwendung in Verletzung der Zielsetzungen und der Grundsätze der

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der Vereinter Nationen abzuschrecken und ihr entgegenzutreten.
a) Die Staaten sollen sich auf die Stärkung der Struktur, der
Befugnisse und der Tätigkeit der Vereinten Nationen einigen, um sicherzustellen, daß H ie Vere nten Nationen in der Lage sind, die Staaten
wirkungsvoll VL r der Bedrohung oder dem Bruch des Friedens zu
schützen.
h) Die UN-Friedenstruppe soll geschaffen und schrittweise
verstärkt werden.
c) Die Staaten sollen sich ferner auf die weitere Verbesserung
und Entwicklung der Regeln des internationalen Verhaltens und der
Verfahren der friedlichen Regelung von Meinungsverschiedenheiten und
Streitfällen einigen.

PHASE III
Beim Abschluß der Phase II sollte das Vertrauen, das durch ein
verifiziertes Abrüstungsprogramm, die allgemeine Anerkennung der Regeln des friedlichen internationalen Verhaltens und die Entwicklung
verbesserter Verfahren zur Erhaltung des Weltfriedens innerhalb der
Vareinten Nationen gewonnen wurde, so weit gediehen sein, daß die
Staaten der Erde zur Phase III übergehen können. In Phase III würden
eine progressive kontrollierte Abrüstung und fortlaufend sich weiterentwickelnde Grundsätze und Verfahren des internationalen Rechts soweit gediehen sein, daß kein Staat die militärische Macht besäße,
die schrittweise verstärkte UN-Friedenstruppe herauszufordern, und
alle internationalen Meinungsverschiedenheiten würden gemäß den
vereinbarten Grundsätzen des internationalen Verhaltens geregelt.
Di* progressiven Schritte, die in der Endphase der Abrüstung
unternommen werden sollen, würden sich auf die Schaffung einer Welt
richten, in der
a^ die Staaten nur jene Truppen, nicht-nuklearen Waffen und
Einrichtungen beibehielten, die zum Zwecke der Aufrechterhaltung der
inneren Ordnung erforderlich sind; sie würden ferner die vereinbarten Kontingente für eine UN-Friedenstruppe unterhalten und zur Verfügung stellen;
b) di e mit vereinbarten Typen und Mengen an Waffen ausgerüstete UN-Friedenstruppe voll einsatzfähig wäre;
c) die Herstellung von Rüstungsmaterial mit Ausnahme jener
vereinbarten Typen und Mengen, die für die UN-Friedenstruppe und die
Aufrechterhaltung der inneren Ordnung benötigt werden, verboten ist.
Alle anderen Waffen würden vernichtet oder der friedlichen Verwendung
zugeführt;

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d) die Möglichkeiten der Vereinten Nationen, den Frieden
zu wahren, in so starkem Maße gegeben und die Verpflichtung aller
Staaten im Rahmen derartiger Vereinbarungen weitgehend genug wären,
um den Frieden und die gerechte Regelung von Streitfällen in einer
abgerüsteten Welt zu garantieren.

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D I E N S T

Allg. /9.3.1962

KERNWAFFENVERSUCHE UND ABRÜSTUNG

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehrede,
die Präsident John F. Kennedy am 2. März 1962 gehalten hat. Er unterstreicht darin erneut die Bereitschaft der Vereinigten Staaten zum Abschluß
eines Vertrages über die Einstellung der Kernwaffenversuche, gibt aber gleichzeitig der Entschlossenheit der amerikanischen Regierung Ausdruck, bei
NichtZustandekommen eines solchen Vertrages bis
Ende April, wenn die technischen Vorbereitungen
für eine Versuchsserie in der Atmosphäre abgeschlossen sein werden, die Atomtests wiederaufzunehmen.

Vor 17 Jahren hat der Mensch die Kraft des Atoms freigesetzt.
Damit wurde in seine sterblichen Hände die Macht der Selbstvernichtung gelegt. Durch all die folgenden Jahre hindurch haben sich die
USA unter drei Präsidenten darum bemüht, diese Waffe aus den Arsenalen der einzelnen Länder zu verbannen. Denn von allen schweren
Verantwortungen, die diesem Amte anvertraut sind, verlangt keine
ernstere Erwägungen als die gesetzlich verankerte Sondervollmacht,
zur Verteidigung unseres Volkes und der Freiheit Kernwaffen einzusetzen .
Aber solange nicht die Menschheit sowohl den Krieg als auch
seine Vernichtungswerkzeuge geächtet hat, müssen die Vereinigten
Staaten über Kernwaffen in wirksamer Menge und Qualität verfügen,
die so stationiert und geschützt sind, daß sie jeden Überraschungsangriff überstehen und den Angreifer vernichten können. Nur eine
solche Stärke gibt uns die Gewähr, vor einem nuklearen Angriff oder
einem übermächtigen Angriff mit Landstreitkräften, der sich gegen
unsere Streitkräfte und unsere Alliierten richtet, abschrecken
zu können. Nur auf der Grundlage einer solchen Stärke können wir
in der freien Welt - sollte diese Abschreckung nicht genügen darauf hoffen, die Tragödie eines neuen Krieges zu überleben.
Und wenn diese Abschreckungsstärke, verglichen mit der irgendeines

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irgendeines anderen Landes, wirksam und glaubhaft sein soll, so muß
Sie die modernsten, zuverlässigsten und vielseitigsten Atomwaffen
umfassen, die unsere Forschung und Technik hervorbringen können.
Die Erprobung neuer Waffen und ihrer Wirkung ist ein notwendiger
Teil dieses Forschungs- und Entwicklungsprozesses. Ohne Versuche, die
der Erprobung und experimentellen Klärung dienen, ist der Fortschritt
begrenzt. Ein Land, das auf Versuche verzichtet, kann ganz offensichtlich nicht solche Fortschritte aufweisen wie ein Land, das Versuche
durchführt. Und wenn alle Atommächte auf Versuche verzichten, dann
ist dem Wettrüsten Einhalt geboten.
Deshalb hat unser Land seit langem eine wirksame, weltweite
Einstellung der Kernwaffenversuche gefordert. Und aus diesem Grunde
haben wir uns, wie es auch die Sowjetunion getan hat - im Jahre
1958 freiwillig einem nuklearen Versuchsmoratorium unterworfen, für ^dessen
Bauexi keine Seite neue Kernwaffenversuche durchführen und Ost und
West sich um konkrete Pläne für die Kontrolle dieser Versuche bemühen
würden.
Aber am 1. September vergangenen Jahres brach die Sowjetunion,
während die Vereinigten Staaten und Großbritannien noch in gutem
Glauben in Genf verhandelten, rücksichtslos das Moratorium und führte
eine zweimonatige Versuchsreihe mit mehr als 40 nuklearen Tests durch.
Die Vorbereitungen für diese Versuche waren im geheimen bereits seit
vielen Monaten im Gange gewesen. Diese Versuche, die von neuen Drohungen und einer neuen Terrortaktik begleitet wurden und zum größten
Teil in der Atmosphäre stattfanden, waren in der Hauptsache darauf
gerichtet, die Kernwaffen wieder in das Wettrüsten einzuschalten.
Nachdem offensichtlich geworden war, daß neue Appelle und Vorschläge nichts nützten, verfügte ich am 5• September die Wiederaufnahme der unterirdischen Atomversuche in den USA. Und ich gab am
2. November - noch vor dem Abschluß der sowjetischen Versuchsreihe bekannt, daß Vorbereitungen für eine Wiederaufnahme der Versuche in
der Atmosphäre angeordnet würden, und daß wir angesichts der sowjetischen Fortschritte alle für unsere Sicherheit erforderlichen Versuche durchführen würden.
Der Nationale Sicherheitsrat der Vereinigten Staaten hat in dieser Woche seine Überprüfung dieser Frage zum Abschluß gebracht. Der
ganze Bereich der sowjetischen Versuche ist von den Kompetentesten
Wissenschaftlern des Landes einer sorgfältigen Prüfung unterzogen
worden. Umfang und Berechtigung der vorgeschlagenen amerikanischen
Versuche sind sorgfältig geprüft und es ist festgestellt worden,
welche Versuche ohne weiteres aufgeschoben werden können, welche
wegfallen können, welche zusammengefaßt oder unterirdisch durchgeführt werden können und welche für unseren Fortschritt auf militärischem und wissenschaftlichem Gebiet unbedingt notwendig sind.
Dabei wurde der Begrenzung des radioaktiven Niederschlags, dem künftigen Verlauf der diplomatischen Bemühungen auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle sowie unseren Verpflichtungen gegenüber anderen Lände rn sorgfältige Beachtung geschenkt.
TPHP
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Jede Alternative wurde geprüft. Jede Möglichkeit, die Zustimmung
der Sowjets zu erlangen, wurde sondiert. Wir waren entschlossen, nicht
übereilt dem sowjetischen Beispiel zu folgen, und wir waren in gleicher
Weise entschlossen, nur das zu tun, was unsere eigene Sicherheit uns
zu tun gebot. Obwohl die komplizierten Vorbereitungen auf vollen
Touren liefen, während diese Tatsachen zutage traten, ist keine Entscheidung meiner Regierung mit größerer Gründlichkeit oder Sorgfalt
erwogen worden.
Nachdem alle diese Ergebnisse sorgsam durchdacht worden sind,
nachdem die einmütigen Empfehlungen der Leiter der zuständigen Ministerien und Behörden vorliegen und nachdem offenbar geworden ist,
daß sich die Sowjetunion weigert, einem Abkommen zuzustimmen, das ihr
die Freiheit zu umfangreichen Versuchen nach geheimen Vorbereitungen
nehmen würde, habe ich heute die amerikanische Atomenergiekommission
und das Verteidigungsministerium ermächtigt, eine Kernwaffenversuchsreihe durchzuführen, die nach Abschluß unserer Vorbereitungen Ende
April beginnen und so schnell wie möglich (innerhalb von zwei oder
drei Monaten) beendet werden soll. Diese Versuchsreihe, die nur solche
Tests einschließt, die nicht unterirdisch durchgeführt werden können,
soll in der Atmosphäre über dem Pazifischen Ozean stattfinden.
Diese Versuche sollen unter Bedingungen durchgeführt werden, die de
radioaktiven Niederschlag auf ein absolutes Minimum begrenzen, das
weit unter der durch die sowjetische Versuchsreihe vom vergangenen
Herbst hervorgerufenen Verseuchung liegt. Dadurch, daß wir den
örtlichen Verhältnissen, den Wind- und Wetterbedingungen sorgfältige
Beachtung schenken und diese Versuche über dem offenen Meer vornehmen,
wollen wir jegliches Problemeeines Niederschlags im unmittelbaren Versuchsgebiet ausschalten. Darüber hinaus werden wir die Zunahme der
Strahlung auf der nördlichen Halbkugel, wo nahezu alle solche Niederschläge auftreten, sehr niedrig halten.
Die natürliche Radioaktivität ist, wie jeder weiß, schon immer
ein Bestandteil der uns umgebenden Luft gewesen, und sie hat bestimmte langfristige biologische Auswirkungen. Die Gesamtauswirkungen
dieser Versuchsreihen werden nach vorsichtigen Schätzungen nur rund
ein Prozent der natürlichen Radioaktivität ausmachen. Diese Schätzungen
lassen sogar erkennen, daß die Strahlenbelastung infolge der Radioaktivität aus diesen Versuchen noch nicht einmal ein Fünfzigstel der
Differenz ausmacht, der sich der Mensch einfach auf Grund der Unterschiede der natürlichen Radioaktivität in den verschiedenen Teilen
unseres Landes ausgesetzt sieht. Dies liegt ohne Frage innerhalb des
Rahmens der allgemeinen Richtlinien für die Gesundheit und die Sicherheit der Bevölkerung, wie sie vom Bundesausschuß für Strahlenschutz
festgelegt worden sind, und es liegt wesentlich unter einem Zehntel
Prozent der zulässigen Strahlenbelastungsdosis, die für Erwachsene
festgelegt ist, die in der Industrie mit Äadioaktiven Stoffen zu tun
haben .
Dennoch

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9. März 1962

Dennoch empfinde ich es als höchst bedauerlich, daß überhaupt
weiteres radioaktives Material in die Atmosphäre gelangen muß, daß
die Gesundheit auch nur eines einzigen Menschen in absehbarer Zeit
etwa dadurch gefährdet werden könnte. Und so entfernt diese Gefahren
vielleicht liegen und so unendlich klein sie vielleicht sein mögen
und auch eingeschätzt werden, so bedaure ich es doch. zutiefst, daß ich diese
Gefahren gegen die Gefahren abwägen muß, die sich für Hunderte von
Millionen Menschen bei einem relativen Rückgang unserer nuklearen
Stärke ergeben würden.
Solange nicht eine wesentliche Änderung der sowjetischen Politik
eintritt, könnte kein amerikanischer Präsident, der für die Freiheit
und die Sicherheit so vieler Menschen verantwortlich ist, guten
Glaubens irgendeine andere Entscheidung treffen. Aber da unsere
Position auf nuklearem Gebiet die Sicherheit aller Amerikaner und
aller freien Menschen berührt, und da diese Frage überall so große
Besorgnis ausgelöst hat, möchte ich Ihnen und der gesamten Welt,
soweit dies unsere Sicherheit zuläßt, alle die Tatsachen und Überlegungen mitteilen, die zu dieser meiner Entscheidung geführt haben.
Zahlreiche dieser Tatsachen lassen sich nur schwer in einfachen
Worten darlegen - viele von ihnen sind in einer friedlichen Welt nur
schwer zu ertragen - aber es sind Tatsachen, denen wir uns stellen
und die wir erkennen müssen.
Wären die sowjetischen Tests vom vergangenen Herbst lediglich
ein weiterer Versuch gewesen, einzuschüchtern und zu bluffen, so
wäre unsere Sicherheit davon nicht betroffen worden. Tatsächlich
aber traten in ihnen eine äußerst raffinierte technische Methode,
die Erprobung neuer Konstruktionen und neuer Techniken sowie einige
bedeutsame Fortschritte in der Waffenentwicklung zutage. Viele ihrer
Versuche dienten der Verbesserung ihrer Verteidigung gegen Raketen bei anderen handelte es sich um Erprobungsversuche, in' denen schon
entwickelte Waffensysteme getestet wurden - bei mehr als der Hälfte
aber lag der Nachdruck auf der Entwicklung neuer Waffen, vor allem
solcher mit größerer Sprengkraft.
Einer der Hauptzwecke dieser Versuche bestand in der Entwicklung
von Sprengköpfen mit einem im Verhältnis zur Zerstörungskraft ihrer
thermonuklearen Energie äußerst geringen Gewicht. Eine der von den
Sowjets erprobten Waffen detonierte mit einer Sprengkraft von 58
M-egatonnen - d.h. dem Äquivalent von 58 Millionen Tonnen des Sprengstoffs Trinitrotoluol. Es war dies eine hinsichtlich der Stärke reduzierte Form ihrer vielpropagierten 100-Megatonnen-Bombe. Die
sowjetischen Raketen scheinen heute noch nicht in der Lage zu sein,
einen derart schweren Sprengkopf zu tragen. Aber die Tatsache läßt
sich nicht aus der Welt schaffen, daß andere sowjetische Versuche
im Bereich zwischen einer und fünf Megatonnen und darüber darauf
abzielten, die Vernichtungskraft der Sprengköpfe, die von den bereits
vorhandenen Raketen auch tatsächlich in das Ziel getragen werden
können, zu erhöhen.
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Es ist auch viel über sowjetische Behauptungen zum Besitz
einer Rakete zur Abwehr von Raketen gesprochen worden. Einige der
sowjetischen Versuche, bei denen die Auswirkungen von Kernexplosionen in großen Höhen - in einem Fall in einer Höhe von über T60
Kilometern - gemessen wurden, standen im Zusammenhang mit diesem
Problem. Während offensichtlich Informationen über die Auswirkungen
von Kernexplosionen auf Radar und die Nachrichtenübermittlung
(was für die Entwicklung eines Antiraketen-Verteidigungssystems
wichtig ist) erlangt werden sollten, ließen diese Versuche nach
unserer Beurteilung noch kein bereits durchkonstruiertes System
erkennen.
Kurz gesagt, die Versuche vom vergangenen Herbst gaben der
Sowjetunion an und für sich noch keine nukleare Überlegenheit. Sie
vermittelten den Sowjet-Laboratorien jedoch eine Unmenge von Daten
und Erfahrung, auf die sie im Laufe der nächsten zwei oder drei
Jahre wichtige Analysen, Versuche und Berechnungen gründen können,
und zwar in Vorbereitung auf die nächsten Versuchsreihen, die ihre
Ergebnisse bestätigen und ihre Bemühungen weiter voranbringen würden.
Und ich muß Ihnen in aller Offenheit sagen, daß weitere sowjetische Versuche - solange weitere Fortschritte des Westens fehlen sehr wohl der Sowjetunion eine nukleare Angriffs- und Verteidigungskapazität geben könnten, die groß genug ist, um aggressive Pläne
zu fördern. Würden wir auf der Stelle treten, während die Sowjets
uns überholen - oder uns nur zu überholen scheinen -, dann würde
die Fähigkeit der freien Welt, vor einem umfassenden Angriff abzuschrecken, ihn zu überleben und zurückzuschlagen, ernsthaft
vermindert.
Der Kern der Sache ist, daß wir ohne Versuche sowohl in der
Atmosphäre als auch unter der Erde keine vergleichbaren Fortschritte
erzielen können. Denn auf zahlreichen Gebieten der nuklearen Waffenforschung haben wir den Punkt erreicht, wo ohne Versuche unter allen
erdenklichen Bedingungen kein weiterer Fortschritt möglich ist. Die
Informationen, die wir bei unserer letzten in der Atmosphäre durchgeführten Versuchsreihe im Jahre 1958 gewonnen haben, sind alle
analysiert und nochmals analysiert worden. Sie können uns ohne neues
Zahlenmaterial nichts mehr sagen. Und gerade auf diesen Forschungsgebieten - erfolgreicher Einsatz von Raketen und Raketenabwehr könnten weitere umfangreiche sowjetische Versuche unsere Abschreckungsstärke gefährden, wenn keine neuen westlichen Versuche durchgeführt
werden.
Über die Erprobung bestehender Systeme hinaus sind zwei verschiedene Versuchsarten beschlossen worden. Bei der ersten und
wichtigsten handelt es sich um "Wirkungstests", durch die festgestellt werden soll, wie sich vom Gegner ausgelöste Atomexplosionen
auf unser Vermögen auswirken würden, zu überleben und zurückzuschlagen. Wir geben riesige Summen für Radar aus, um unsere Verteidigung alarmieren und Raketenabwehrsysteme entwickeln _zu_

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zu können - für die Nachrichtenverbindungen, die es unseren Kommandostellen und Kontrollzentren ermöglichen sollen, den Gegenschlag
zu führen - für die Stärkung unserer Raketenbasen, die Abschirmung
unserer Raketen und Sprengköpfe vor einem Angriff und für die Bereitstellung der elektronischen Leitsysteme, die sie an ihr Ziel
führen. Aber wir haben keine Gewißheit, bis zu welchem Grade diese
Vorbereitungen sich im Ernstfall als nutzlos erweisen - inwieweit
sie durch die vielfältigen Auswirkungen einer nuklearen Explosion
ausgeschaltet, gelähmt oder zunichte gemacht werden.
Wir wissen aus früheren Versuchen genug, um über derartige
Phänomene besorgt zu sein. Wir wissen auch, daß die Sowjets im
vergangenen Herbst entsprechende Versuche durchführten. Aber ehe
wir nicht die tatsächlichen Auswirkungen von Explosionen in der
Atmosphäre unter Bedingungen messen, die der Wirklichkeit voll
entsprechen, werden wir nicht genau wissen, wie wir unsere künftige Verteidigung am besten vorbereiten, wie wir unsere Raketen für
die Überwindung eineB Raketenabwehrsystems am besten ausrüsten und ob es möglich ist, ein eigenes derartiges Abwehrsystem gegen
Raketen aufzubauen.
Zweitens müssen wir Versuche in der Atmosphäre durchführen,
um die Entwicklung jener fortschrittlicheren Konzeptionen und
wirksameren Waffen zu ermöglichen, die angesichts der sowjetischen
Versuche für unsere eigene Sicherheit unbedingt notwendig zu sein
scheinen. Die Kernwaffentechnik wandelt sich ständig. Sollen unsere
Waffen sicherer, in ihrer Anwendung vielseitiger und in ihrer
Wirkung gezielter sein, wollen wir neuen Ideen folgen und Versuche
mit neuen Konstruktionen anstellen, wollen wir unsere wissenschaftliche Führung und Bedeutung behalten - dann darf die Weiterentwicklung
unserer Waffen nicht auf die Theorie oder auf die Laboratorien und
Höhlen beschränkt bleiben.
Diese Versuchsreihe soll uns zu vielen sehr wichtigen - wenn nicht
gar immer dramatischen - Resultaten führen. Wenn wir die Sprengkraft
der Kernwaffen pro Gewichtseinheit steigern können, dann wird es leichter sein, sie zu handhaben, sie zu schützen und sie abzuschießen. Es
wird damit eher möglich sein, einen überraschenden Angriff zu überleben, und sie werden für eine wirkungsvolle Vergeltung geeigneter
sein. Diese Versuche werden uns, was noch wichtiger ist, in die Lage
versetzen, unsere Raketen mit gewissen tedini3chen Hilfen zur Überwindung oder
Täuschung der Abwehr des Gegners auszustatten und sie wirkungsvoller
für Detonationen in größeren Höhen zu machen, um auf diese Weise ein
Abwehr- oder Abfangsystem, das der Gegner vielleicht eines Tages entwickelt, ausschalten zu können.
Soweit wie möglich sollen diese Versuche unterirdisch durchgeführt werden. Die größeren Sprengkörper können aber nur in der Atmosphär&lt;
erprobt werden. Und wenn unsere Technik auf dem Gebiet der kleineren
Waffen auch unübertroffen ist, so wissen wir doch jetzt, daß den Sowjets
größere Erfolge bei der Entwicklung starker Waffen von geringem Gewicht und hoher Brisanz - im Bereich von eins bis fünf Megatonnen und

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und darüber hinaus - gelungen sind. Aus ihrer Testserie vom vergangenen Herbst fallen 14 Versuche unter diese Kategorie und im
Verlauf der Jahre haben sie insgesamt 30 solcher Versuche durchgeführt. Die Vereinigten Staaten dagegen haben - vor dem Versuchsnoratorium - insgesamt nur 20 Versuche in diesem Megatonnenbereich vorgenommen.
Wenn wir auch weit weniger Versuche mit weit weniger radioaktivem Niederschlag durchführen werden als die Sowjets, so wird
es doch in anderen Ländern Stimmen geben, die uns drängen, überhaupt auf Versuche zu verzichten. Vielleicht vergessen diese Menschen, daß unser Land sich lange aller Versuche enthalten und sich
um ein Verbot aller Tests bemüht hat, während die Sowjets im geheimen neue Explosionen vorbereiteten. Vielleicht vergessen sie die
sowjetischen Drohungen vom Herbst vergangenen Jahres und die willkürliche sowjetische Zurückweisung aller Appelle und Vorschläge sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Vereinten Nationen. Aber
jene freien Völker, die auf ihre Freiheit und Sicherheit W^ert legen
und in unserer relativen Stärke ihren Schutz vor der Gefahr sehen jene Völker, die wissen, daß wir uns vertrauensvoll und in gutem
Glauben um eine Beendigung der Versuche und des Wettrüstens bemühen,
werden, dessen bin ich sicher, wünschen, daß die Vereinigten Staaten
alles Erforderliche tun, um vor einer Aggression abzuschrecken.
Sollten sie glauben, daß wir angesichts von Drohungen oder
Einschüchterungen schwankend würden, sollten sie glauben, wir
könnten eine Wiederholung des Betrugs vom vergangenen Sommer zulassen, dann würden sie zweifellos ihren Glauben an unseren Willen
und unsere Klugheit sowie an unsere Waffentechnik verlieren. Ich
zweifle nicht, daß die meisten unserer Freunde in aller Welt meine
Hoffnungen geteilt haben, daß wir es niemals mehr nötig finden müßten,
wieder Versuche durchzuführen - daß sie auch meine Überzeugung teilten,
daß, auf lange Sicht gesehen, die einzigewirkliche Sicherheit in
diesem Zeitalter nuklearer Gefahren nicht in der Rüstung, sondern
in der Abrüstung liegt. Aber ich bin in gleicher Weise sicher, daß
sie auf Versuchen unsererseits bestehen würden, wenn sich diese für
den Schutz der Sicherheit der freien Welt als notwendig herausgestellt
haben. Sie wissen, daß wir uns nicht aus politischen oder psychologischen Gründen für Tests entscheiden - und sie wissen ebenfalls , daß
wir Versuchen nicht aus politischen oder psychologischen Gründen aus
dem Wege gehen können.
Die Führer der Sowjetunion blicken ebenfalls auf diese Entscheidung. Sollten wir den Erfordernissen unserer eigenen Sicherheit nicht
entsprechen, dann werden sie uns dies nicht als guten Willen, sondern
als Willensschwäche, nicht als Vertrauen in die westliche Überlegenheit, sondern als Ausdruck unserer Furcht vor der öffentlichen Meinung
der Welt ankreiden, derselben Weltmeinung, für die sie solche Verachtung gezeigt haben. Sie könnten durch solche Zeichen der Schwäche
sehr wohl ermutigt werden, sich um eine weitere Periode der Versuchseinstellung ohne Kontrollen zu bemühen - um eine weitere Gelegenheit,
unseren Fortschritt lahmzulegen, während sie im geheimen auf der

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der Grundlage der Versuche vom letzten Herbst neue Versuchsserien
vorbereiten, die das Gleichgewicht der Kräfte verändern könnten.
Warum sollten sie bei einem derartigen einseitigen Vorteil ihre
Strategie ändern oder auf Versuche verzichten, nur weil wir uns
ihrer enthalten? Warum sollten sie ihre Bemühungen, uns in der Kernwaffentechnik zu überholen, einzustellen wünschen? Und warum sollten
sie jemals die Annahme eines wirklichen Versuchsverbots oder einer
gemeinsamen Abrüstung in Betracht ziehen?
Unsere Gründe für die Durchführung von Versuchen und unsere friedlichen Absichten sind klar - sie sind so klar, daß selbst die Sowjets
objektiv unsere Wiederaufnahme der Versuche, nachdem sie zuvor selbst
die Versuche wiederaufgenommen haben, nicht als Provokation oder als
Kriegsvorbereitung betrachten können. Im Gegenteil hoffe ich, daß
die Aussichten für den Frieden durch diese Entscheidung sogar noch gestärkt werden, wenn die sowjetischen Machthaber erkennen, daß der Westen
nicht länger mehr stillhalten und in gutem Glauben verhandeln wird, während sie selbst jede Inspektion ablehnen und die Freiheit haben, neue
Versuche vorzubereiten. Angesichts der bevorstehenden neuen Abrüstungsgespräche bleibt es das Fazit von fast drei Jahren und 353 Konferenzsitzungen in Genf, daß die Sowjets einem wirksamen Kernwaffenversuchsverbot solange nicht zustimmen werden, wie neue Angebote und weitere
Verhandlungen oder ein erneutes unkontrolliertes Moratorium oder ein
neues Abkommen ohne irgendwelche Kontrollen es ihnen nochmals ermöglichen könnten, den Westen an Versuchen zu hindern, während sie solche
im geheimen vorbereiten.
Aber wenn ihnen jetzt diese Wahl nicht mehr länger offensteht, dann
sollten wir hoffen, daß sie in bezug auf ein Kernwaffenversuchsverbot
eine andere Haltung einnehmen werden - daß sie es vorziehen, das
nukleare Wettrüsten unter Kontrolle stait intensiviert zu.sehen, samt
all den hiermit verbundenen Gefahren: daß noch weitere Länder in den
Besitz von Atomwaffen gelangen, daß die internationalen Spannungen
ständig weiter steigen, daß die Aussichten auf eine Abrüstung immer mehr
abnehmen und daß im Zusammenhang hiermit die Sicherheit für uns alle
immer geringer wird.
Sollten die Sowjets ihren Standpunkt ändern, dann werden wir Gelegenheit haben, dies unverzüglich zu erfahren. Am 14» März beginnt
in Genf in der Schweiz eine neue 18-Mächte-Abrüstungskonferenz. Eine
Grundsatzerklärung ist mit den Sowjets ausgearbeitet und von den
Vereinten Nationen gutgeheißen worden. Auf lange Sicht gesehen sind es
die konstruktiven Möglichkeiten dieser Konferenz - und nicht die Erprobung neuer Zerstörungswaffen -, auf denen die Hoffnung der gesamten
Menschheit ruht. So gering diese Hoffnungen auch manchmal erscheinen
mögen, so dürfen wir sie doch niemals aufgeben. Und so fernliegend
die meisten Schritte zur Abrüstung auch erscheinen mögen, es gibt
einige, die sofort getan werden können.

Die

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9. März 1962

Die Vereinigten Staaten werden auf der Genfer Konferenz-, nicht in
der Erwartung, daß sie abgelehnt werden, und auch nicht aus Propagandagründen - eine Reihe konkreter Pläne für einen wichtigen "Durchbruch
zum Frieden" unterbreiten. Wir hoffen und glauben, daß sie allen Nationen, die den Krieg ablehnen, zusagen werden. Diese Pläne werden spezifische Vorschläge für faire und durchsetzbare Abkommen enthalteni für
die Beendigung der Produktion spaltbaren Materials und nuklearer
Waffen und ihrer Weitergabe an andere Länder; für die Verwendung der
Waffenvorräte für friedliche Zwecke; für die Zerstörung der Sprengköpfe und der Trägersysteme, die die Existenz der Menschheit bedrohen;
für die Kontrolle der Gefahren eines Überraschungsangriffes und eines
durch einen unglücklichen Zufall ausgelösten Angriffs; für die friedliche Nutzung des Weltraums und für die schrittweise Reduzierung aller
Streitkräfte in einer Weise, die schließlich zur endgültigen Beseitigung
aller Kriegsdrohungen und aller Kriegsgedanken führt.
Und was für unsere Erörterung heute abend von großter Bjedeutung
ist - wir werden gemeinsam mit Großbritannien erneut unsere Vorschläge
für einen separaten, umfassenden Vertrag vorlegen - mit angemessenen
Vorkehrungen für eine Entdeckung und Nachprüfung - um für immer und
überall di-e Erprobung sämtlicher Kernwaffen, sei es in der Luft, im
Weltraum, unter der Erde oder unter Wasser, zu beenden. Außerdem
werde.n weitere Modifizierungen angeboten werden, wenn neue Erfahrungen
vorliegen.
Die wesentlichen Argumente und Tatsachen bezüglich eines derartigen Vertrages sind der Sowjetunion wohlbekannt. Es bedarf keiner weiteren
Wiederholung, Propaganda oder Verzögerung. Die Tatsache, daß beide
Seiten sich zur Wiederaufnahme der Versuche entschlossen haben, unterstreicht nur die dringende Notwendigkeit eines neuen Abkommens, nicht
jedoch weiterer Argumente. Und ehe die Sowjets behaupten, daß diese
Entscheidung alle Hoffnung auf ein Abkommen zunichte macht, sollten
sie daran denken, daß wir gerade zu der Zeit, als sie ihre Versuche
im Herbst durchführten, bereit waren, mit ihnen zusammen eine vereinbarte Erklärung über Abrüstungsgrundsätze auszuarbeiten, die wir
gemeinsam den Vereinten Nationen vorlegen wollten. Herr Chruschtschow
weiß, daß - wie er im Jahr i960 erklärte - jede Nation, die das
Moratorium gebrochen hat, damit rechnen muß, daß andere Nationen
"gezwungen werden, den gleichen Weg einzuschlagen".
Unsere Delegierten werden bereit sein, noch vor Beginn der
Konferenz am 14« März über diesen Vertrag B U verhandeln, und sie
werden auch bereit sein, einen solchen schon lange vor dem Termin
zu unterzeichnen, an dem unsere Versuche wieder beginnen sollen.
Bis zu diesem Zeitpunkt sind es noch fast zwei Monate hin. Wenn die
Sowjetunion jetzt bereit wäre, einen solchen Vertrag zu akzeptieren,
ihn noch vor Ende April zu unterzeichnen und ihn umgehend in Kraft
zu setzen, wenn damit allen Versuchen wirklich ein Ende gesetzt
werden kann - dann würde das Tempo des nuklearen Wettrüstens endlich
verlangsamt werden - dann wäre die Sicherheit der Vereinigten Staaten
und ihre Fähigkeit, ihren Verpflichtungen nachzukommen, gewährleistet und dann wären wir auch nicht gezwungen, mit unseren Versuchen zu
beginnen.

�AMERIKA DIENST"

9. März 1962

Es muß sich jedoch um einen; volL-wirksamen Vertrag handeln. Wir
wissen inzwischen genug über abgebrochene Verhandlungen, geheime
Vorbereitungen und die aus einer langen Testreihe gewonnenen Vorteile,
um niemals wieder ein Moratorium ohne Inspektion anzubieten. Man mag
uns vielleicht von manchen Seiten drängen, es noch einmal zu versuchen
und unsere Versuchsvorbereitungen in einem Zustand ständiger Bereitschaft zu halten. In der Praxis jedoch - Vor allem in einer Gesellschaft,
in der die Entscheidungsfreiheit gilt - können wir von Wissenschaftlern ersten Ranges nicht verlangen, sich auf die Vorbereitung eines
Experimentes zu konzentrieren, das irgendwann einmal in unbestimmter
Zukunft stattfinden mag, oder auch nicht. Auch können große technische
Laboratorien nicht ständig in einer Art Alarm- und Einsatzbereitschaft
gehalten werden, darauf wartend, daß eine andere Nation ein Abkommen
bricht. Dies wäre nicht nur schwierig und mühsam - wir haben vielmehr
nach gründlicher Prüfung dieser Alternative feststellen müssen, daß
sie einfach undurchführbar ist.
Kurzum - wir werden mangels eines sicheren Abkommens, das bis
Ende April die Kernwaffenversuche beenden könnte, unsere Verhandlungen
fortsetzen - uns dabei um einen neuen Weg für ein Übereinkommen bemühen gleichzeitig aber auch unsere Versuche vorantreiben. Sollte andererseits
die Sowjetunion im März zu Beginn der Besprechungen einen derartigen
Vertrag akzeptieren, so würde dies einen gewaltigen Schritt in Richtung
auf den Frieden bedeuten - und Premierminister Macmillan wie auch ich
selbst würden es für richtig halten, mit Ministerpräsident Chruschtschow
in Genf zur Unterzeichnung des endgültigen Vertrags zusammenzutreffen.
Denn unser letztes Ziel ist nicht, Versuche um der Versuche willen
durchzuführen. Unser wahres Ziel ist vielmehr, unsere eigenen Versuche
unnötig zu machen, andere von Versuchen abzuhalten, zu verhindern, daß
das nukleare Wettrüsten der Kontrolle entgleitet - und die ersten
Schritte in Richtung auf eine allgemeine und völlige Abrüstung zu unternehmen. Und aus diesem Grunde sind es letztlich die Führer der Sowjetunion, die in den vor uns liegenden Wochen die schwere Verantwortung
der Wahl tragen müssen, ob wir diese Schritte weiterverfolgen - oder
ob wir an neue Versuche herangehen.
Wenn sie überzeugt sind, daß ihren Interessen durch den gegenwärtigen Gang der Ereignisse nicht länger gedient ist, dann - so hoffe ich
inständig - werden sie einem wirksamen Vertrag zustimmen. Wenn sie sich
jedoch weiterhin allen Mitteln einer wahren Inspektion widersetzen,
dann wird uns keine andere Wahl bleiben als unser Verteidigungsarsenal
so zu halten, daß es für die Sicherheit aller freien Menschen ausreicht.
Wir hoffen und beten, daß diese schrecklichen und unerfreulichen
Versuche niemals durchgeführt, daß diese todbringenden Waffen niemals
angewendet werden müssen - und daß unsere Vorbereitungen für den Krieg
uns die Erhaltung des Friedens bringen werden. Unser oberstes Ziel ist
die Kontrolle, nicht die Anwendung der Gewalt in einer Weltfin der die
Menschheit Sicherheit findet. Aber was immer die Zukunft bringt, ich bin
durch meinen Eid dazu verpflichtet, die Freiheit des amerikanischen Volkes zu wahren und zu verteidigen - und ich werde alles tun, was getan
werden muß, um diese feierliche Verpflichtung zu erfüllen.
* * * * «
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D I E N S T

Allg./9.3.1962
DIE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE GRUNDSATZERKLÄRUNG
ZUR ABRÜSTUNG VOM 20. SEPTEMBER 1961

Am 20. September 1961 unterbreiteten di e USA und die UdSSR
der UN-Vollversammlung eine Gemeinsame Erklärung über die
grundsätzlichen Übereinstimmungen, die die bevollmächtigten
Vertreter beider Länder bei den Abrüstu ngsgesprächen erzielt
haben, die im Juni 1961 in Washington, im Juli 1961 in Moskau und im September 1961 in New York s tattfanden. Die Vereinten Nationen wurden unterrichtet, da ß diese Grundsätze
als Richtlinien für künftige Abrüstungs Verhandlungen dienen
sollen. Sie werden auf der am 14» März in Genf beginnenden
Abrüstungskonferenz von maßgebender Bed eutung für die Beurteilung der Ausgangspositionen der Ve rhandlungspartner
sein. Die Grundsatzerklärung vom 20. Se ptember 1961 hatte
folgenden Wortlaut:

Gemeinsame Erklärung über vereinbarte Grundsätze
für Abrüstungsverhandlungen

Nachdem auf Grund ihres in der UN-Vollversammlung am 30. März
1961 getroffenen Übereinkommens ein umfassender Austausch ihrer Ansichten über die Abrüstung stattgefunden hat, und
sie mit Besorgnis zur Kenntnis genommen haben, daß das anhaltende Y/ettrüsten eine schwere Bürde für die Menschheit darstellt und Gefahren für den Weltfrieden birgt, und
unter erneuter Bekräftigung ihres Festhaltens an sämtlichen
Bestimmungen der Resolution 1378 (XIV) der UN-Vollversammlung vom
20. November 1959 sowie
unter Anerkennung, daß es zur Erleichterung des Zustandekommens
einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung in einer friedlichen

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�'AMERIKA DIENST"

9. März 1 962

Welt von Wichtigkeit ist, daß alle Staaten sich an die bestehenden
internationalen Abkommen halten, von allen Handlungen absehen,
die die internationalen Spannungen vermehren könnten und sich
durch friedliche Mittel um eine Lösung aller Streitfragen bemühen,
sind die Vereinigten Staaten und die UdSSR übereingekommen,
folgende Grundsätze als Basis für künftige multilaterale Abrüstungsverhandlungen zu empfehlen und die anderen Staaten aufzufordern,
mit ihnen bei der Erzielung eines baldigen Abkommens über eine
allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt
gemäß diesen Prinzipien zusammenzuarbeiten.
1 . Ziel der Verhandlungen ist die Erziehung eines Übereinkommens über ein Programm, durch das die Sicherheit geboten
wird, daß
a) die Abrüstung allgemein und vollständig und der Krieg
nicht länger mehr ein Instrument zur Lösung internationaler Probleme ist, und
b) mit einer solchen Abrüstung die Schaffung zuverlässiger
Verfahren einhergeht, um Streitfälle friedlich beizulegen und wirksame Vorkehrungen zu treffen, um in Übereinstimmung mit den Prinzipien der UN-Charta den Frieden
zu erhalten.
2. Das Programm für eine allgemeine und vollständige Abrüstung soll sicherstellen, daß die Staaten nur über solche
nichtnuklearen Waffen, Streitkräfte, Einrichtungen und Anlagen verfügen, die zur Aufrechterhaltung der Ordnung im Inneren und zum
Schutz der persönlichen Sicherheit ihrer Bürger übereinkunftsgemäß
notwendig sind; und daß die Staaten ein vereinbartes Kontingent für
eine UN-Friedenstruppe bereitstellen und unterhalten werden.
3. Zu diesem Behuf soll das Programm für eine allgemeine und
vollständige Abrüstung die notwendigen Bestimmungen hinsichtlich
der militärischen Einrichtungen jedes Staates enthalten für:

al

-

2

-

�"AMERIKA DIENST"

9. März 1962

a) die Auflösung der Streitkräfte, den Abbau militärischer
Anlagen, einschließlich von Stützpunkten, die Einstellung
der Rüstungsproduktion und ihre Vernichtung oder Umstellung für friedliche Zwecke;
b) die Vernichtung aller Kernwaffenarsenale sowie der Chemischen und bakteriologischen Kampfmittel sowie anderer Massenvernichtungswaffen und die Einstellung der Produktion
derartiger Waffen;
ö) die Vernichtung aller Einsatzmittel für Massenvernichtungswaffen;
d) die Auflösung der Organisationen und Institutionen, die
dem Aufbau der militärischen Stärke der Staaten dienen,
die Einstellung militärischer Ausbildung und die Schließung
aller militärischer Ausbildungseinrichtungen;
e) Einstellung der Ausgaben für militärische Zwecke.

4« Das Abrüstungsprogramm sollte in einer vereinbarten Folge
durchgeführt werden - stufenweise bis zu seiner Vollendung, wobei
für jede Maßnahme und jede Stufe bestimmte Termine einzuhalten
sind. Der Übergang zu der nächstfolgenden Stufe bei dem Abrüstungsvorgang sollte erst nach Überprüfung der Durchführung jener Maßnahmen erfolgen, die zu der vorhergehenden Stufe gehörten und nach
der Entscheidung, daß alle diese Maßnahmen durchgeführt und verifiziert worden sind und daß jegliche weiteren Verifizierungsvorkehrungen, die für die in der nächsten Stufe vorgesehenen Maßnahmen notwendig werden, wenn erforderlich, einsatzbereit sind.
5- Alle Maßnahmen zu einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung sollen so ausgewogen sein, daß auf keiner Stufe bei der
Durchführung des Vertrages irgendein Staat oder eine Staatengruppe
einen militärischen Vorteil erlangen können und daß für alle die
Sicherheit in gleicher Weise gewährleistet wird.

-

3 -

,

�"AMERIKA DIENST"

9. März 1 962

6. Alle Abrüstungsmaßnahmen sollten von Anfang an bis zum Abschluß unter einer so strikten und wirksamen internationalen Kontrolle durchgeführt werden, daß die feste Gewähr gegeben ist, daß
alle Parteien ihren Verpflichtungen nachkommen. Während und nach
der Durchführung der allgemeinen Abrüstung sollte eine äußerst gründliche Kontrolle ausgeübt werden, wobei Art und Ausmaß dieser Kontrolle
von den Erfordernissen für die Verifizierung der in dem jeweiligen
Stadium zur Durchführung gelangenden Abrüstungsmaßnahmen abhängt.
Zur Durchführung der Kontrolle über die Abrüstung und zu ihrer Inspektion sollte im Rahmen der Vereinten Nationen eine internationale
Abrüstungsorganisation gebildet werden, der alle Partner des Abkommens angehören sollen. Dieser internationalen Abrüstungsorganisation
und ihren Inspektoren sollte ungehinderter Zugang ohne Veto zu allen
Plätzen zugesichert werden, wie es zum Zweck einer wirksamen Verifizierung als notwendig erachtet wird.
7. Neben dem Fortschritt in der Abrüstung sollten Maßnahmen zur
Stärkung von Institutionen zur Aufrechterhaltung des Friedens und
der Regelung internationaler Streitfragen mit friedlichen Mitteln
einhergehen. Während und nach der Verwirklichung des Programms der
allgemeinen und vollständigen Abrüstung sollten in Übereinstimmung
mit den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen die notwendigen
Schritte unternommen werden, um den Weltfrieden und die internationale
Sicherheit aufrechtzuerhalten, wozu die Verpflichtung der Staaten
gehört, den Vereinten Nationen eine vereinbarte Zahl von Soldaten zur
Verfügung zu stellen, die für die Aufstellung einer internationalen,
mit vereinbarten Typen von Waffen ausgerüsteten Friedensstreitmacht
erforderlich sind. Die Vereinbarungen über den Einsatz dieser Truppen
sollten sicherstellen, daß die Vereinten Nationen jede Androhung oder
Ausübung von Waffengewalt in Verletzung der Zielsetzungen und Prinzipien der Vereinten Nationen wirksam verhüten oder unterbinden können.
8^

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�"AMERIKA DIENST"

9. März 1 962

8. Die an den Verhandlungen beteiligten Staaten sollten versuchen, zu dem frühestmöglichen Zeitpunkt das größtmögliche Übereinkommen zu erreichen und zu verwirklichen. Die Bemühungen sollten
so lange ohne Unterbrechung weitergeführt werden, bis ein Abkommen
über das Gesamtprogramm erreicht ist, und es sollten ohne Rücksicht
auf den Fortschritt im Übereinkommen über das Gesamtprogramm Bemühungen zur Sicherstellung einer baldigen Vereinbarung über und einer
Verwirklichung von Abrüstungsmaßnahmen unternommen werden, und zwar
in solcher Weise, daß diese Maßnahmen das Gesamtprogramm erleichtern
und Bestandteil desselben werden würden."

*

*

*

In Absatz 6 der Grundsatzerklärung wurde auf Grund sowjetischer
Einwände eine Klausel gestrichen; jedoch betonten die USA, daß sie
folgenden Satz bei Abrüstungsverhandlungen oder -abkommen als unerläßlich ansehen:
"Eine solche Verifizierung sollte sicherstellen, daß nicht nur
die vereinbarten Begrenzungen oder Reduzierungen vorgenommen worden
sind, sondern auch die beibehaltenen Streitkräfte und Rüstungen in
keinem Stadium den vereinbarten Stand überschreiten."

* * * * *

5

-

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./23.3.1962

ERKLÄRUNG RUSKS ZU BEGINN DER GENFER ABRÜSTUNGSKONFERENZ

GENF - (AD) - Nachsteh end übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Außenministers Dean Rusk vom 15«
März 1962 zu Beginn der Genfer 17-MächteAhrüstungskonferenz.

"Ich freue mich, Gelegenheit zu haben, hier in diesem Saal
en Außenministern und den Chefdelegierten der an der Konmit den
ferenz teilnehmenden Länder zusammenzutreffen.
Ich überbringe Ihnen die Grüße des amerikanischen Präsidenten und die aufrichtigsten Wünsche des amerikanischen Volkes für
einen Erfolg unserer Arbeit.
Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich ein Schreiben verlesen, das der Präsident an mich gesandt hat.
'Sehr geehrter Herr Außenminister,
in dem Augenblick, da Sie und Ihre Kollegen aus allen Teilen
der Welt mit der Arbeit der Genfer Abrüstungskonferenz beginnen, mag
es unnötig erscheinen, noch einmal zu erklären, daß es bei dem Vorhaben, an dem Sie beteiligt sind, um die Hoffnungen, ja die Zukunft
der Menschheit geht. Und doch ist die Tatsache, daß die unmittelbare und praktische Bedeutung der Aufgabe, die Sie zusammengeführt
hat, von den Völkern der Welt in ihrer ganzen Tragweite erkannt
wird, eine der entscheidendsten Entwicklungen unserer Zeit. Denn
die Menschheit weiß jetzt, daß eine Anhäufung zerstörerischer Waffen
nicht zur Sicherheit führt; sie weiß, daß Polemik nicht den Frieden bringt. Verstandes- und gefühlsmäßig und auf Grund ihres ganzen geistigen Strebens verlangt die Menschheit nicht weniger als
eine Umkehr des Laufes der jüngsten Geschichte - sie verlangt,
daß an die Stelle immer größerer Vorräte an Vernichtungswaffen die
immer größer werdenden Möglichkeiten für menschliche Errungenschaften und Leistungen treten. Es ist Ihre Aufgabe als Vertreter der
Vereinigten Staaten, gemeinsam mit Ihren Kollegen außerordentliche
-

1

-

�"ALIERIKA DIENST"

23. März

1 962

außerordentliche Anstrengungen in Richtung auf dieses Ziel hin zu
unternehmen.
Diese Aufgabe, die als oberster Punkt auf der Tagesordnung
der Menschlichkeit steht, ist weder schnell noch einfach zu bewältigen. An sie muß mit Kühnheit und mit Verantwortung herangegangen
werden. Es ist eine Aufgabe, deren Größe und Dringlichkeit es
rechtfertigen, daß die größten Möglichkeiten schöpferischer Staatskunst, die die internationale Gemeinschaft zu bieten hat, zum Tragen gebracht werden, denn es geht hierbei um die Zukunft der Menschheit schlechthin.
Wir müssen uns von Anfang an dazu verpflichten, daß wir in unseren Anstrengungen nicht nachlassen und sie so lange fortsetzen
werden, bis die Arbeit getan ist. Wir dürfen uns weder durch anfängliche Meinungsverschiedenheiten entmutigen noch durch die Spannungen, die uns umgeben und unsere Arbeit noch schwieriger machen,
in unserer Entschlossenheit schwächen lassen. Denn kontrollierbare
Abrüstungsvorkehrungen sind keine Schönwetterphänomene. Ein Deich
wird nicht benötigt, wenn die See ruhig ist. Vernünftige Abrüstungsvereinbarungen, die sich auf das gemeinsame Interesse der Menschheit
am Fortbestehen gründen, müssen als ein Bollwerk gegen die Flutwelle
des Krieges und seiner Zerstörungskraft dienen. Es soll daher keiner
sagen, daß wir in gefährdeten Zeiten derartige Abkommen nicht erreichen könnten, denn gerade dann sind sie ja am nötigsten.
Es ist mein aufrichtigster Wunsch, daß kein Versuch unterlassen
wird, um auf allen drei wichtigen Ebenen, auf die Premierminister
Macinillan und ich uns in unserem gemeinsamen Schreiben an Ministerpräsident Chruschtschow vom f. Februar bezogen haben, Gebiete der
Übereinstimmung zu erreichen. Ich hoffe, daß Sie, ausgehend von den
bereits vereinbarten Prinzipien, in Kürze zur Übereinkunft über
einen Rahmen berichten können, der den Umriß eines Gesamtprogrammes
für eine allgemeine und völlige Abrüstung in einer friedlichen Welt
festlegt. Ich habe im Hamen der USA im vergangenen September der UNVollversammlung einen derartigen Rahmen vorgelegt. Aber der Rahmen
allein genügt nicht. Sie sollten sich, sobald sich Gebiete der Übereinstimmung ergeben, außerdem um eine in vertraglicher Form festgelegte Definition der in dem Rahmen dargelegten Maßnahmen bemühen. Das
Ziel sollte es sein, in Vertragsform das weitestmögliche Gebiet an
Übereinstimmung festzulegen, das zum frühestmöglichen Zeitpunkt verwirklicht werden kann, während Sie gleichzeitig alle nur möglichen
Anstrengungen fortsetzen, um ein Übereinkommen über jene anderen
Aspekte zu erreichen, die größere Schwierigkeiten bieten. Als ein •
drittes spezifisches Ziel sollten Sie versuchen, anfängliche Abrüstungsmaßnahmen zu isolieren und zu identifizieren, die - wenn sie
ohne Verzögerung in Kraft gesetzt werden - die internationale Sicherheit und die Aussichten für weitere Abrüstungsschritte wesentlich
verbessern. In diesem Zusammenhang sollten Sie sich vordringlichst
um ein Abkommen über die kontrollierte Einstellung der Kernwaffenversuche bemühen. An diesem Kreuzweg der Geschichte könnte Iceine

2

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�"AMERIKA DIENST

23. März 1962

keine einzelne Maßnahme auf dem Gebiete der Abrüstung von konkreterem Nutzen bei der Verminderung der Spannungen und der Förderung
der Aussichten für größere Fortschritte sein.
Übermitteln Sie bitte den Vertretern der in Genf versammelten
Länder in meinem Namen und im Namen der Bevölkerung der Vereinigten
Staaten, daß wir die Beratungen, die Sie aufzunehmen im Begriffe
sind, zutiefst und rückhaltlos unterstützen. Ich bekräftige erneut
mein persönliches und anhaltendes Interesse an dieser Arbeit.
Mit den herzlichsten persönlichen Grüßen

gez.

John F. Kennedy'

Wir alle stimmen - dessen bin ich sicher - darin überein, daß
diese Konferenz sich einer der kompliziertesten, aber auch dringendsten Aufgaben gegenübersieht, mit der sich die Menschheit auseinandersetzen muß. Bei dieser Aufgabe begrüßen wir es, daß sich uns die
Delegierten solcher Länder angeschlossen haben, die sich vorher nicht
so stark mit den Abrüstungsverhandlungen befaßt haben. Die betrübliche Geschichte jener Verhandlungen zeigt, daß wir ihre Hilfe und
neue Gesichtspunkte brauchen. Die Anwesenheit dieser Delegationen
erinnert uns außerdem daran, daß das Wettrüsten nicht ausschließlich
die Großmächte angeht. In allen Gebieten der »Veit müssen sich Länder
mit ihren besonderen Konflikten und Spannungen auseinandersetzen,
und einige von ihnen sind auch von dem Wettrüsten betroffen.
Wir sind hier nicht versammelt, um uns lediglich mit einer einzelnen Auseinandersetzung zu befassen, an der einige wenige große
Staaten beteiligt sind, während die übrige Welt die Rolle des Zuschauers einnimmt. Jeder Staat hat einen Beitrag zur Schaffung von
Bedingungen für eine allgemeine Abrüstung auf seine Weise zu leisten.
Jeder Staat hat die Verantwortung, sich um eine Verminderung der
Spannungen und der Rüstungen in seinem Bereich zu bemühen.
Das bedeutet, daß jeder von uns persönliche Verantwortung für
das, was wir hier tun, tragen wird. Jede Rede und jede Handlung muß
uns dem gemeinsamen Ziel näher bringen. Gleichzeitig aber bringt
jeder von uns seinen besonderen Schatz an Erfahrungen, die für
unser Problem von Belang sind, für die Abrüstungsbemühungen mit.
So haben die Vereinigten Staaten zum Beispiel eine wichtige neue
Regierungsbehörde geschaffen, deren Aufgabe darin besteht, alle
ihre Fähigkeiten und ihre Hilfsquellen zu mobilisieren, um jeden
brauchbaren Weg zu einer Verminderung der Rüstung herauszufinden und
zu prüfen.
Was

-

5 -

�23. März 1962

"AMERIKA DIENST"

Was not tut, ist die sofortige Reduzierung und schließliche
Eliminierung aller zur Kriegführung erforderlichen nationalen
Rüstungen und Streitkräfte. Am dringendsten ist es erforderlich,
das atomare Wettrüsten zum Stillstand zu bringen. Wir alle erkennen,
daß dies ein kritischer Augenblick ist. Wir sind hier zusammengekommen, weil wir gemeinsam davon überzeugt sind, daß das Wettrüsten
gefährlich ist und daß jedes Mittel staatsmännischer Kunst benutzt
werden muß, um es zu beenden. Wie der amerikanische Präsident am 2.
März erklärte, sind die Vereinigten Staaten davon überzeugt, 'daß auf
lange Sicht die einzige wirkliche Sicherheit in diesem Zeitalter
der atomaren Gefahr nicht in der Rüstung, sondern in der Abrüstung
liegt'.
Die modernen Waffen sind von einer in der Geschichte ganz neuen
Art. Eine einzige thermonukleare Bombe kann heute eine Explosivkraft haben, die der sämtlicher im letzten Krieg verwendeten Waffen
gleichkommt. Gelangten diese Bomben im letzten Krieg mit einer Geschwindigkeit von etwa fünfhundert Kilometern in der Stunde zum
Einsatz, so fliegen sie heute mit einer Geschwindigkeit von fast
fünfhundert Kilometern in der Minute. Durch die immer komplizierter
gewordenen Konstruktionen und das immer schnellere Veralten dieser
Waffen sind ihre Kosten kometenhaft angestiegen.
Unser Ziel ist daher durchaus klar. Wir müssen die Werkzeuge
der Zerstörung beseitigen. Wir müssen verhindern, daß durch Zufall
oder durch Absicht ein Krieg ausbricht. Wir müssen die Bedingungen
für eine sichere und friedliche Welt schaffen. Wenn wir dies tun,
können wir die Macht und Energie der Wissenschaft ausschließlich
friedlichen Zwecken zuführen, die Bürde des Wettrüstens abwerfen und
damit unsere Fähigkeit zur Erhöhung des Lebensstandards auf der
ganzen Welt steigern.
Eine Expertengruppe bei den Vereinten Nationen hat soeben einen
eindrucksvollen Bericht über die wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen der Abrüstung herausgegeben, der uns in unserer Arbeit
noch bestärken sollte. Diese Fachmänner, die aus Ländern mit den unterschiedlichsten politischen Systemen zusammengerufen worden sind,
äußerten einstimmig die Meinung, daß die mit der Abrüstung verbundenen Probleme der Umstellung zum Wohl und Segen aller Länder gelöst
werden könnten und daß die Abrüstung zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse auf der Welt führen würde.Sie
bezeichneten das Zustandekommen einer allgemeinen und vollständigen
Abrüstung als einen beispiellosen Segen für die gesamte Menschheit.
Das ist der Geist, in dem wir in den Vereinigten Staaten an die
wirtschaftlichen Umstellungen und Anpassungen herangehen würden, die
notwendig wären, sollten uns umfassende und einschneidende Senkungen
des Rüstungsniveaus gelingen. Die Vereinigten Staaten sind ein Land,
in dem es noch gewaltige unerledigte Aufgaben zu lösen gibt. Eine Ab
rüstung würde uns die Möglichkeit geben, unsere Aufgabe des Aufbaus
eines besseren Amerika weiterzuführen und durch eine intensivierte

- 4 -

�"AMERIKA DIENST"

23. März 1 962

intensivierte wirtschaftliche Entwicklung die Gestaltung einer
besseren Welt voranzubringen. Die große Verheißung, die in den
Fähigkeiten und Begabungen des Menschen liegt, sollte nicht
.durch
seine Unfähigkeit zunichte gemacht werden, mit Krieg und Kriegswerkzeugen fertig zu werden. Der Mensch ist ein Wesen mit schöpferischer Begabung, und wir können gewiß nun endlich mit unseren Händen
und unserem Geist an die Aufgabe einer politischen Gestaltung herangehen, die notwendig ist, um das Gesetz des Dschungels aus der Welt
zu schaffen.
Wie können wir zu einer solchen Abrüstung gelangen?
Das amerikanische Volk trägt seine Waffen gezwungenermaßen und
nicht aus freier Wahl. Die Vereinigten Staaten,- die aus dem zweiten
Weltkrieg in einer einzigartigen militärischen Machtposition hervorgingen, demobilisierten ihre Streitkräfte und haben sich beharrlich
bemüht, die Verwendung der Atomenergie - damals noch ein amerikanisches
Monopol - einer internationalen Kontrolle zu unterstellen. Die Tatsache, daß die Geschehnisse der. Nachkriegszeit uns immer größere Verteidigungsanstrengungen aufzwangen, ist eine sehr bittere Enttäuschung.
Diese Enttäuschung hat uns gelehrt, daß Hand in Hand mit einem wirklichen Fortschritt in der Abrüstung eine Verminderung der Spannungen
gehen muß. Wir müssen, wie ich glaube, an beiden gleichzeitig arbeiten.
Einerseits wäre es unsinnig, zu erwarten,.daß wir auf dem Weg
zur Abrüstung weit voranschreiten können, wenn jene, die behaupten,
auch nach ihr zu streben, sich nicht um eine Entspannung und um die
Herstellung eines Verhältnisses des Vertrauens bemühen. Vertrauen kann
nicht auf der Basis von Drohungen, Polemiken und gestörten Beziehungen
geschaffen werden.
Andererseits könnten wir dadurch, daß wir die Mittel zur militärischen Einschüchterung abbauen und schließlich ganz eliminieren,
vielleicht auch die akute Gefahr, die unseren politischen Krisen
innewohnt, ein wenig mildern und die Möglichkeiten ihrer Lösung auf
friedlichem Wege vergrößern.
Es wäre sehr wenig aufrichtig, würde ich nicht auf die schädlichen Auswirkungen hinweisen, die absichtlich geschürte Krisen auf
unsere Arbeit hier haben können. In der Gemeinsamen Erklärung über
vereinbarte Grundsätze für Abrüstungsverhandlungen, die am 20. September 1961 veröffentlicht wurde, bekräftigten die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, daß es 'zur leichteren Erzielung einer
allgemeinen und vollständigen Abrüstung in einer friedlichen Welt
wichtig ist, daß alle Staaten sich an die bestehenden internationalen
Abmachungen halten, daß sie keine Maßnahmen ergreifen, durch die
internationale Spannungen verschärft werden könnten, und daß sie sich
um die Lösung aller Streitfragen mit friedlichen Mitteln bemühen1.
Wir sehen uns jedoch Krisen gegenüber, die ihre Schatten zwangsläufig
auch in diesen Konferenzsaal werfen müssen.
Das.

-

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23. März 1962

Das gleiche kann von dem Mißerfolg unserer so hoffnungsvoll
begonnenen Bemühungen zum Abschluß eines wirksamen Abkommens über
die Beendigung der Kernwaffenversuche gesagt werden. Es läßt sich
aus diesen Überlegungen eine ganz offenkundige Lehre ziehen - daß
nämlich eine allgemeine und vollständige Abrüstung mit der Schaffung
von zuverlässigen Methoden und Verfahren zur friedlichen Lösung von
Streitfällen und wirksamen Vorkehrungen zur Erhaltung des Friedens
in Übereinstimmung mit den Prinzipien der UN-Charta einhergehen muß.
Denn die Herrschaft und der Geist des Rechts müssen bestimmend sein,
wenn die Welt abgerüstet werden soll.
Wir werden in dem Maße, verstärkten Nachdruck auf diesen Punkt
zu legen haben, wie wir auf dieser Konferenz Fortschritte erzielen.
Eine Welt ohne Rüstung muß eine dem Recht und Gesetz ergebene Welt
sein, in der eine Friedenstruppe der Vereinten Nationen imstande ist,
mit internationalen Verletzungen des Friedens fertig zu werden. Mit
den Worten der Geraeinsamen Erklärung: 'Fortschritte in der Abrüstung
müssen mit Maßnahmen zur Stärkung der Institutionen für die Erhaltung
des Friedens und mit der Beilegung internationaler Zwiste durch friedliche Mittel Hand in Hand gehen'.
Glücklicherweise gibt es ein Zeichen, das uns zu der Hoffnung
berechtigt, diese Konferenz werde noch zur rechten Zeit das Fundament
für eine Welt ohne Krieg legen.
Zum ersten Mal beginnt eine Abrüstungskonferenz ihre Tätigkeit
in einem gemeinsam vereinbarten Rahmen - der Gemeinsamen Erklärung
über die vereinbarten Grundsätze - die von all unseren Regierungen
zusammen mit den anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen begrüßt
worden ist. Die Vereinigten Staaten betrachten diese Gemeinsame Erklärung als ihren Ausgangspunkt. Unser Ziel ist es, auf dieser Basis
aufzubauen und diese Grundsätze in der Praxis anzuwenden.
Das Programm der Vereinigten Staaten für eine allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt, das am 25. September
1961 den Vereinten Nationen vorgelegt worden ist, sollte den vereinbarten Prinzipien Leben verleihen. Es ist seiner Anlage nach und in
der Aufzählung der Punkte, die während des ersten und der folgenden
Stadien des Abrüstungsprozesses verwirklicht werden können, umfassend.
Es ist so gestaltet, daß eine Gefährdung der Sicherheit eines jeden
Staates vermieden werden kann. Es zielt auf eine ausgewogene und verifizierte Abrüstung in aufeinanderfolgenden Stadien ab. Es ist jedoch
nicht starr. Es ist dazu bestimmt, als Verhandlungsgrundlage zu dienen.
Lieser Konferenz liegt noch ein anderer, von der Sowjetunion unterbreiteter Plan vor. Ein Vergleich dieser beiden Pläne miteinander
wird einige Gebiete der Übereinstimmung aufzeigen. Wir halten es für
die Aufgabe dieser Konferenz, sich darum zu bemühen, diese Gebiete
der Übereinstimmung zu vergrößern und damit zu spezifischen Maßnahmen
zu gelangen, die von allen mit Vertrauen ergriffen werden können.
Die

�"AMERIKA DIENST"

23. März 1962

Die Vereinigten Staaten möchten auf dieser Konferenz einige
Anregungen und Vorschläge bezüglich des künftigen Kurses unseres
Handelns unterbreiten - einmal, was die Zielsetzung und das Verfahren anbetrifft, und zum andern, was das Arbeitsprogramm der Konferenz angeht.
Wir sind der Überzeugung, daß das Endziel die detaillierte Ausarbeitung eines Vertrages oder von Verträgen sein sollte, mit denen
ein vereinbartes Programm für eine allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt verwirklicht wird. Um dies zu
erreichen, schlagen wir vor, daß alle Delegationen übereinkommen,
unsere Anstrengungen auf dieser Konferenz so lange ohne Unterbrechungen - außer denen, die wir alle übereinstimmend als wünschenswert
oder für unsere Aufgabe als notwendig ansehen - fortzusetzen, bis
ein Gesamtprogramm für eine allgemeine und vollständige Abrüstung
zustande gebracht worden ist.
Was die Verfahren anbetrifft, so schlagen wir vor, daß wir
Mittel und Wege suchen sollten, um ein Höchstmaß an Zwanglosigkeit
und Flexibilität zu erreichen. Wir sind nicht der Ansicht, daß der
beste Weg zum Fortschritt darin besteht, daß wir unsere Zeit und
unsere Energie für endlose und sterile Debatten aufwenden. Daher
werden die Vereinigten Staaten vorschlagen, daß wir, nachdem allen
genügend Zeit für die Eröffnungserklärungen gegeben worden ist, den
Arbeitsplan der Vollsitzungen der Konferenz reduzieren, so daß die
Fragen und Probleme auf informellen Zusammenkünften und in Unterausschüssen erörtert werden können, was wahrscheinlich eher zu einem
Übereinkommen führen wird.
Lassen Sie mich nun zu den Vorschlägen für die Arbeit der Konferenz kommen.
Der erste Vorschlag geht dahin, daß die Konferenz ein Programm
einer allgemeinen und vollständigen Abrüstung in seinen Umrissen ausarbeitet und billigt, das in den der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen bis zum 1. Juni vorzulegenden Bericht aufgenommen werden
kann. Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß die Konferenz
zur Erfüllung dieser ersten Aufgabe anfänglich vor allem bestrebt
sein sollte, die Gebiete der Übereinstimmung zu konsolidieren und
zu erweitern und die Differenzen, die zwischen dem Abrüstungsplan
der Vereinigten Staaten und dem der Sowjetunion bestehen, auszugleichen. Dies sollte zur Ausarbeitung eines einzigen Programms für
eine allgemeine und vollständige Abrüstung führen, das die Unterstützung aller finden kann. Dieses vereinbarte Programm könnte sehr
wohl die Form einer gemeinsamen Erklärung haben, die von allen hier
vertretenen Staaten den Vereinten Nationen vorgelegt werden könnte.
Ein solches Programm wiederum könnte den Rahmen für einen Vertrag
oder für Verträge abgeben, die das vereinbarte Gesamtprogramm in Kraft
setzen würden.
Selbstverständli

- 7 -

�2 3 . März 1962

'AMERIKA DIENST

Selbstverständlich aber müssen unsere Ziele noch ehrgeizigere
sein.
Wir sollten unverzüglich beginnen, das in seinen Umrissen
entworfene Gesamtprogramm zu konkretisieren. V/o immer es möglich
ist, sollten wir uns um spezifische, bindende Absprachen bemühen,
die unverzüglich in Kraft gesetzt werden können. Man braucht damit
nicht bis zu einer Einigung über den Rahmen als Ganzes zu warten.
Auch sollte die Entwicklung eines Gesamtprogramms dadurch nicht behindert werden. Wo immer das gemeinsame Interesse es gestattet, können
und sollten wir festumrissene spezifische Maßnahmen so rasch wie möglich zu verwirklichen suchen.
Als einen ersten Schritt zur detaillierten Vervollständigung ,
dieses Programms unterbreiten die Vereinigten Staaten folgende
Vorschläge:
1. Wir schlagen vor, daß in die erste Phase des Abrüstungsprogramms eine dreißigprozentige Reduzierung der Kernwaffenträger und
der wichtigsten konventionellen Waffen aufgenommen wird. Wir schlagen
vor, daß die strategischen Kernwaffenträger nicht nur in der Zahl,
sondern auch hinsichtlich ihrer Zerstörungskraft reduziert werden.
Wir schätzen, daß diese Reduzierung bei einer Zusammenarbeit auf
Treu und Glauben innerhalb von drei Jahren erreicht werden kann.
In jeder der späteren Phasen können nach unserer Auffassung ähnliche
Reduzierungen vorgenommen werden. Es wird jedoch anerkannt, daß nach
den V/orten der gebilligten Grundsatzerklärung 'alle Maßnahmen der
allgemeinen und vollständigen Abrüstung so ausgewogen sein sollen, daß
in keiner Phase der Verwirklichung des Vertrages ein Staat oder eine
Staatengruppe militärische Vorteile erlangen kann und daß die Sicherheit für alle in gleicher Weise gewährleistet ist'.
Aber ein Abkommen über eine solche Reduzierung und die Durchführungsmaßnahmen wäre ein bedeutsamer Fortschritt. Er würde die
Drehung der Rüstungsschraube umkehren, eine Abnahme an die Stelle
der Zunahme setzen, und die Menschen könnten anfangen, die Freiheit
von Furcht vor der Massenvernichtungskraft solcher Waffen zu gewinnen.
2. Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, schon zu Beginn
der ersten Stufe die weitere Produktion irgendeines spaltbaren Materials
für Waffenzwecke zu stoppen. Wir schlagen nunmehr vor, daß danach die
Vereinigten Staaten und die Sowjetunion während der ersten Stufe dem
Transfer von jeweils 50 000 Kilogramm Uran-235 in seiner für Waffenzwecke
angereicherten Form für nichtmilitärische Aufgaben zustimmen. Eine
derartige Maßnahme würde sozusagen einen Stoß in das Herz der Kernwaffenproduktion bedeuten. Diesem Transfer zu Beginn sollten weitere
in den darauffolgenden Stadien des Abrüstungsprogrammes folgen. Die
jetzt ausschließlich für militärische Zwecke verwendeten Quellen
könnten dann friedlichen Zwecken nutzbar gemacht werden.
5 . Die

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8

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�•AMERIKA DIENST"

23. März 1962

3. Die Vereinigten Staaten schlagen ferner vor, daß das
Abrüstungsprogramm eine baldige Aktion in biezug auf spezifische,
weltweite Maßnahmen einschließt, durch die das Risiko eines Krieges durch Zufälle, Fehldeutungen, Versagen von Nachrichtenmitteln
oder Überraschungsangriffe vermindert wird. Diese Maßnahmen lassen
sich rasch ausarbeiten. Durch sie wird das Vertrauen unbedingt
gestärkt werden. Sie werden damit die Wahrscheinlichkeit eines Krieges verringern.
Wir sind vorbereitet, konkrete Vorschläge für ein Handeln
auf folgenden Gebieten vorzulegen:
a.

Vorherige Ankündigung militärischer Bewegungen, wie z.B.
große Truppenverschiebungen, Übungen und Manöver, Flüge
sowie Raketenabschüsse.

b.

Errichtung von Beobachtungsposten in wichtigen Häfen, an
Eisenbahnknotenpunkten, Autostraßen, auf Brücken und Flugplätzen, die über Truppenkonzentrationen und -bewegungen
berichten .

c.

Einrichtung von Luftinspektionszonen und Einsatz beweglicher
Inspektionsgruppen, um den Schutz vor Überraschungsangriffen
zu verbessern.

d.

Bildung einer internationalen Kommission für Maßnahmen
zur Reduzierung des Risikos eines Krieges, deren Aufgabe
es sein soll, die auftretenden technischen Probleme objektiv zu prüfen.

4. Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß die Teilnehmer an
dieser Konferenz mit aller Dringlichkeit nach allgemein akzeptablenMethoden suchen, die die Erfüllung der Abrüstungsverpflichtungen gewährleisten. Wir werden jeden Weg mit Wohlwollen prüfen, der zum Fortschritt zu führen verspricht, ohne daß die Sicherheit geopfert wird.
Wir dürfen uns von dieser Bemühung nicht durch den allzusehr
strapazierten Versuch abbringen lassen, Verifizierung mit Spionage
gleichzusetzen. Ein solcher verfehlter Versuch geht an dem entscheidenden Punkt bei den Verifizierungsmaßnahmen vorbei. Man wird von
keiner Regierung - weder der eines großen noch der eines kleinen
Landes - erwarten können, daß sie sich auf Abrüstungsabmachungen einläßt, unter denen ihr Land das Opfer der Unredlichkeit anderer werden
könnte.
Auf anderen Gebieten werden Prüf- und Überwachungssysteme üblicherweise so eingebaut, daß die Vertrauensfrage nicht gestellt zu
werden braucht. Vertrauen erwächst aus dem Wissen - Mißtrauen und
Furcht haben ihre Wurzeln im Nichtwissen. Dies ist seit Beginn der
Geschichte immer so gewesen.
joaaaY,

�23. März 1962

AMERIKA DIENST

Lassen Sie mich noch diesen einen Punkt klarstellen: Die
Vereinigten Staaten fordern die Inspektion nicht um der Inspektion
willen. Inspektion dient keinem anderen Zweck als der Gewährleistung,
daß die Verpflichtungen eingehalten werden . Die Vereinigten Staaten
werden alles, was notwendig ist, tun, um den anderen die Sicherheit
zu geben, daß sie ihren Verpflichtungen nachgekommen sind; es würde
uns jedoch schwerfallen, zu verstehen, warum andere nicht das gleiche
tun können. Wir werden uns mit jeder vernünftigen Vorkehrung zufriedengehen, die den Risiken angemessene Sicherheiten bietet. Wir fordern keine Inspektion in einem Ausmaß, das zu der Art und dem Umfang
der tatsächlich in Angriff genommenen Abrüstung in keinem Verhältnis
steht. Was wir anstreben, ist eine kluge Vorsicht im Interesse der
Sicherheit von uns allen - und nichts weiter.
f

Wir sind bereit, gemeinsam die verschiedenen Mittel und Wege
zu prüfen, mit denen dies erreicht werden könnte. Es wäre vielleicht
möglich, in bestimmten Fällen Stichprobenverfahren anzuwenden, bei
denen die Verifizierung auf eine im voraus festgelegte Weise, vielleicht
in bestimmten geographischen Gebieten, durchgeführt werden könnte so daß jede Verletzung eines Abrüstungsabkommens mit dem hemmenden
Risiko einer Entdeckung verbunden und eine ständige Überwachung des
Gesamtbereichs nicht notwendig wäre. Dies ist, ich wiederhole es,
ein Beispiel der Möglichkeiten, wie die jüngsten Fortschritte auf dem
Gebiet der Verifizierungstechniken für die Erfordernisse der beteiligten Länder nutzbar gemacht werden können. Wir möchten hoffen, daß diese
Konferenz eine umfassende Studie aller praktisch möglichen Methoden
für eine wirksame Verifizierung durchführt.
Die von mir soeben umrissenen vier Vorschläge stellen neue und
realistische Beispiele der spezifischen Maßnahmen dar, die wir für
die erste Phase des amerikanischen Planes vom 25. September vorgesehen
haben. Wir erinnern daran, daß dieser Plan auch noch andere spezifische
Vorschläge enthielt:
daß die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten ihre Truppenstärken
um mehrere hunderttausend Mann auf eine Höchststärke von jeweils
2 100 000 Mann verringern;
daß Schritte ergriffen werden, um zu verhindern, daß Staaten,
die im Besitz von nuklearen Waffen sind, .die Kontrolle über solche
Waffen an andere Länder übertragen, die noch nicht im Besitz von Atomwaffen sind;
daß Massenvernichtungswaffen nicht in eine Kreisbahn um die Erde
gebracht oder im Weltraum stationiert werden dürfen.
Und schließlich fordern wir baldige Schritte auf einem Gebiet, das
an Dringlichkeit keinem anderen nachstehen'sollte - nämlich auf dem
Gebiet der Einstellung der Kernwaffenversuche. Hier stehen wir an einem
Wendepunkt. Wenn ein Abkommen nicht unterzeichnet werden kann - und
nicht schnell unterzeichnet wird, damit die Atomwaffenversuche bei

-

10

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�"AMERIKA DIENST"

23. März 1962

bei geeigneten Feststellungs- und Verifizierungsvereinbarungen
eingestellt werden -, dann werden weitere Versuche stattfinden,
und das atomare Wettrüsten wird weitergehen. Wenn wir jedoch ein
solches Abkommen erreichen können, dann kann dieser Entwicklung
Einhalt geboten werden, und zwar für immer. Dies ist der Grund, warum die Vereinigten Staaten und Großbritannien die Sowjetunion eingeladen haben, die Verhandlungen über ein Verbot aller Kernwaffenversuche unter wirksamen internationalen Kontrollen wiederaufzunehmen. Wir werden diese Angelegenheit hier in Genf mit Nachdruck
verfolgen und alle Anstrengungen unternehmen, um zum Abschluß eines
Abkommens zu gelangen, das den Versuchen ein Ende setzen kann.
Ich hatte erwartet, daß eine Anzahl von Delegierten hier
vielleicht ihr Bedauern darüber zum Ausdruck bringen würden, daß
die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten die Atomversuche wieder
aufgenommen haben. Aber ich hatte auch angenommen, daß eine Delegation, nämlich die sowjetische, sich nicht in der Lage sehen würde,
die Vereinigten Staaten deswegen zu kritisieren.
Der Vertreter der Sowjetunion hat von den möglichen Auswirkungen
gesprochen, die die Waffenversuche der Vereinigten Staaten auf diese
Konferenz haben könnten. Die gemeinsame Grundsatzerklärung und diese
Konferenz kamen inmitten des donnernden Getöses von mehr als vierzig sowjetischen Atomexplosionen zustande. Eine 50-Megatonnen-Bombe
ist nicht gerade das Gurren einer Taube. Trotz der sowjetischen
Versuche vom vergangenen Herbst können die Kernwaffenversuche eingestellt werden - und zwar jetzt und für immer.
Die Sowjetunion hat von ihrer Bereitschaft gesprochen, eine
Inspektion der Abrüstung, dagegen nicht der Rüstungen zu akzeptieren. Wir hoffen, sie wird dem b'.eipf lichten, daß das gänzliche
und vollständige Verbot der Kernwaffenversuche unter Abrüstung fällt,
und eine wirksame internationale Kontrolle gemäß ihrer eigenen Formel akzeptieren.
Ich habe die Vorschläge der Vereinigten Staaten für baldige
Abrüstungsmaßnahmen auf dieser Konferenz vorgelegt. Wir werden weitere Anregungen vorbringen und, dessen bin ich sicher, die anderen
Länder ebenfalls. Die Konferenz wird die Punkte aussondern müssen, die
sie für eine erfolgreiche Behandlung am geeignetsten erachtet oder
die, was die gemeinsame Gefahr anbetrifft, am dringlichsten sind,
und sich sofort mit ihnen befassen müssen.
Wir sind der Ansicht, daß wir, sobald eine Übereinkunft über
die in die erste Phase einzubeziehenden spezifischen Maßnahmen erzielt ist, die spezifischen Maßnahmen für die zweite und die dritte
Phase ausarbeiten können. In diesen Phasen werden weitere Rüstungsreduzierungen Hand in Hand mit einer Stärkung der internationalen
Institutionen zur Erhaltung des Friedens gehen.
Unser

-

11

-

�"AMERIKA DIENST"

23. März 1962

Unser Arbeitsplan muß das erreichen, was dieser Konferenz
auf Grund der gemeinsamen Grundsatzerklärung aufgetragen ist. Lassen
Sie uns die Gesamtumrisse des Programmes festlegen. Lassen Sie uns in
einer mehr detaillierten Form die einzelnen Teile ausarbeiten, die
dann im Rahmen des Programmes zusammengefügt werden müssen. Lassen
Sie uns so viel tun, wie wir können, und dies so schnell, wie wir
können.
Lassen Sie uns schließlich besonnen, systematisch und realistisch
an die dieser Konferenz gestellte Aufgabe herangehen. Lassen Sie die
Notwendigkeit einer Abrüstung Ansporn für unsere Arbeit sein. Lassen
Sie uns jedem verheißungsvollen Pfad nachgehen, der zum Fortschritt
führen könnte. Lassen Sie uns bei aller Behutsamkeit schnell zu einer
Übereinkunft darüber gelangen, was zuerst getan werden kann und was
auf die Dauer unternommen werden sollte.
Und lassen Sie es nicht zu, daß diese Konferenz - wie ihre Vorgänger - gleich zu Beginn ihrer Beratungen an einem toten Punkt
steckenbleibt. Die Hindernisse für ein Abrüstungsabkommen - die Kräfte,
die uns in rivalisierende Machtblöcke spalten möchten - werden
vielleicht endlich dem über allem stehenden und von uns allen geteilten Interesse am Fortbestehen weichen, das allein uns für den Frieden
einen kann."

* * * * *

12

-

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./30.J.62
USA WÜNSCHEN INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT
IN DER WELTRAUMFORSCHUNG

Botschafter Francis T.P, Plimpton, der
stellvertretende Leiter der US-Delegation
bei den Vereinten Nationen und Vertreter
der Vereinigten Staaten im UN-Ausschuß
für die friedliche Nutzung des Weltraums, umriß in einer am 19» März 1962
vor diesem Ausschuß gehaltenen Rede die
Bestrebungen und Ziele der Vereinigten
Staaten für eine internationale Zusammenarbeit in der Weltraumforschung. Wir geben
im folgenden die Ansprache Plimptons in
gekürzter Fassung wieder.

Dies ist die erste Zusammenkunft des erweiterten UN-AusSchusses für die f riedliche Nutzung des Weltraums. Die Regierung
der Vereinigten St aaten, für die zu sprechen ich die Ehre habe,
betrachtet diese K onferenz als einen der möglicherweise bedeutsamen Augenblicke der Geschichte im Streben der Menschheit nach
Frieden - ich sage bewußtl möglicherweise. An uns, die wir hier
um diesen Konferen ztisch versammelt sind, und an den Regierungen
und Wissenschaftle rgruppen, für die wir sprechen, liegt es nun,
alles zu tun, um d iese Möglichkeit Wirklichkeit werden zu lassen,
Seit viereinhalb Jahren stehen wir im Weltraumzeitalter im Zeitalter der Überwindung der Erdenschwere durch. 1 den Menschen.
Der Start künstlicher Erdsatelliten, noch vor vier Jahren als ein
Wunder bestaunt, ist Routine geworden. Viele neue Ausblicke auf
wissenschaftliche und technische Entwicklungen in Verbindung mit
dem Weltraum zeichnen sich bereits ab, einige sehr deutlich,
andere dagegen noch recht unklar. Aber es ist keine Frage - diese
neuen Perspektiven werden erforscht werden - wenn nicht durch uns,
dann durch spätere Generationen,
Die Frage, weshalb sich die Vereinten Nationen mit dieser
Entwicklung beschäftigen sollen, muß unter zwei Gesichtspunkten
beantwortet werdenl
Einmal
- 1-

�"AMERIKA DIENST«'

30. März 1962

Einmal ist diese Konferenz hier die erste internationale Regierungskonferenz zur Vorbereitung einer weltweiten Zusammenarbeit
in der friedlichen Nutzung des Weltraums, eine Konferenz, auf der
alle Länder vertreten sind, die heute Raumflugkörper zu starten vermögen. Und zum anderen erblickt die amerikanische Regierung in diesem UN-Ausschuß den Mittler dafür, alle Völker der Erde an den Verheißungen des Weltraumzeitalters teilhaben zu lassen.
Weltraumforschung und Raumflugtechnik sind nicht nur einigen
technisch hochentwickelten Ländern vorbehalten. Die dafür erforderlichen besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten sind auf viele Völker
verteilt. Und was die segensreichen Auswirkungen auf das Leben der
Menschen anlangt - etwa die Verwendung von Satelliten für ein weltweites, alle Winkel der Erde erreichendes Nachrichtennetz und von
meteorologischen Satelliten für eine wesentliche Verbesserung der
Wettervorhersage -, so darf kein Volk davon ausgeschlossen werden.
Zusammenarbeit - Grundlage des Fortschritts
Die Nationen müssen in den verschiedenen Phasen der Eroberung
des Weltraums zusammenarbeiten. Denn selbst die kostspieligsten und
technisch kompliziertesten Unternehmen - der Start großer Flugkörper werden nicht das Monopol der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion
bleiben. Eine Anzahl europäischer Länder entwickelt bereits ein
eigenes gemeinsames Startprogramm für Raumflugkörper, und andere
Länder werden im Zuge der Weiterentwicklung der Raketentechnik
folgen. Zusammenarbeit zwischen den für die Starts verantwortlichen
Stellen ist einfach eine Notwendigkeit.
Auch die Wissenschaftler und Techniker aller übrigen Länder
können in der Entwicklung von Instrumenten und der Vorbereitung von
friedlichen Weltraumexperimenten mit Satelliten in Forschungsvorhaben
zusammenarbeiten; das gleiche gilt für die Regierungen. Die USA
stehen bereits mit acht in diesem Ausschuß vertretenen Nationen in
einer solchen Partnerschaft.
Die Raumflugkörper, einmal gestartet, müssen jedoch auch
laufend beobachtet werden, und die von ihnen gelieferten wertvollen
wissenschaftlichen Informationen müssen aufgenommen und gesammelt
werden. Oberstleutnant John H. Glenn erklärte kürzlich in diesem
Haus, sein Flug sei nicht nur eine nationale, sondern gleichermaßen
eine internationale Teamarbeit gewesen. Diese internationale Zusammenarbeit muß und wird weiter ausgebaut werden.
Das Zeitalter der Weltraumfahrt wirft juristische Fragen auf;
der Weltraum erweist sich somit auch als ein wichtiges Feld für die
Weiterentwicklung des internationalen Rechts»
Neue

�4

"AMERIKA DIENST"

30. März 1 962

Neue Einsichten erforderlich
Es ist schwierig für uns, die neuen Möglichkeiten alle richtig
einzuschätzen. Botschafter Adlai E. Stevenson umriß am 4. Dezember
1961 dieses Problem mit folgenden Worten: "Trotz der dringenden Notwendigkeit für sofortiges Handeln auf internationaler Ebene fürchte ich,
daß wir für diese Angelegenheit zu schlecht vorbereitet sind, um sie
klar überdenken zu können. Ich fürchte, daß unsere überkommene Denkweise in bezug auf die Lösung von Problemen auf diesem unserem Planeten
sich als Hindernis erweisen wird."
Herr Vorsitzender, viel ist in den dreieinhalb Monaten geschehen,
die seit dieser Erklärung yergangen sind. Und heute wage ich zu hoffen,
daß wir über diese kurzsichtige "überkommene Denkweise" hinauszuwachsen vermögen, inspiriert von der Erkenntnis, daß wir schon mitten in
einem Zeitalter großer Entdeckungen, großer Wagnisse und noch unvorhersehbarer segensreicher Entwicklungen für das Menschengeschlecht
leben.
Ich möchte hier mit Ihnen kurz die bemerkenswertesten Entwicklungen erörtern, von denen einige das direkte Ergebnis der Resolution
Nr. 1721 (XVI) über eine internationale Zusammenarbeit in der friedlichen Nutzbarmachung des Weltraums sind, die die 16. Vollversammlung
der Vereinten Nationen einstimmig angenommen hat. Zunächst einmal
erweiterte diese Resolution die Mitgliederzahl des Ausschusses und
forderte ihn auf, das ihm durch die Resolution Nr. 1472 (XIV) im Jahr
1959 übertragene Mandat sowie das Mandat aus der neuen Resolution zu
erfüllen. Das bedeutet, daß zwei Jahre einer gefährlichen Stagnation
vorüber sind und eine kompetente Körperschaft der Vereinten Nationen
die vordringlichen Probleme des Zeitalters der Raumfahrt, in das wir
uns gestellt sehen, erneut in Angriff nehmen kann. Wir sind heute hier,
um den ersten Schritt für eine Sache zu tun, die, so hoffe ich, sich
zu einem langdauernden und lohnenden Kapitel konstruktiver Arbeit zum
Wohle aller Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen entwickeln wird.
Von allen UN-Mitgliedstaaten wurden im Zusammenhang mit der Weltraumresolution bereits bedeutsame Grundprinzipien anerkannt:
1. Die Erforschung und Nutzung des Weltraums soll nur zum Nutzen
der Menschheit und zum Wohle der Staaten dienen - ungeachtet
des Standes ihrer wirtschaftlichen oder wissenschaftlichen
Entwicklung.
2. Das internationale Recht, einschließlich der Charta der Vereinten Nationen, hat auch für den Weltraum und andere Himmelskörper Gültigkeit.
3. Weltraum und Himmelskörper stehen, in Übereinstimmung mit dem
internationalen Recht, allen Staaten für die Erforschung offen
und unterliegen nicht nationalen Besitzrechten.
4. Die Vereinten Nationen werden ersucht, einen "zentralen Punkt
für internationale Zusammenarbeit" zu schaffen, der im "gemeinsamen Interesse aller Menschen" dringend erforderlich ist.
Dies sind gesunde Prinzipien, und ich möchte mich bei dieser Gelegenheit im Namen meiner Regierung noch einmal nachdrücklich für sie
aussprechen.
Vorbereitende
T

_

— • •

�"AMERIKA DIENST"

30. März 1962

Vorbereitende Schritte auf der Basis dieser Prinzipien für eine
aktive internationale Zusammenarbeit im Rahmen der Vereinten Nationen
wurden bereits getan:
Der Weltwetterdienst (WMO) ist aufgefordert, dem Wirtschaftsund Sozialrat auf dessen Konferenz im Juli sowie der 17. UN-Vollversammlung Organisations- und Finanzierungspläne vorzulegen, die»
unter Verwendung eines Systems meteorologischer Satelliten»als
Grundlage für die Entwicklung eines weltweiten Wetterforschungs- und
Wetterdienstprogramms in internationalem Rahmen dienen können. Ähnlich ist die Internationale Fernmelde-Union (iTU) ersucht worden,
geeignete Schritte zu empfehlen, um die Errichtung eines Satellitensystems für ein Weltnachrichtennetz auf globaler und für alle gleicher
Basis vorzubereiten. Darüber hinaus werden die Lenkungsausschüsse für
den UN-Sonderfonds und für Technische Hilfe ersucht, die Bitten von
Mitgliedstaaten um Unterstützung in der Entwicklung von Fernmeldesystemen wohlwollend zu behandeln, damit es allen Mitgliedern möglich wird, sich an einem Fernmeldesatelliten-System zu beteiligen
und daraus Nutzen zu ziehen.
UN-Registrierzentrale für Raumflugkörper
Das Sekretariat hat auf einen entsprechenden Antrag eine zentrale
Meldestelle für alle Flugkörper eingerichtet, die sich auf Satellitenbahnen befinden. Die Vereinigten Staaten sind inzwischen der in der
Weltraum-Resolution erhobenen Forderung, Informationen zum Start künstlicher Satelliten der Registrierstelle zur Verfügung zu stellen, nachgekommen und haben erstmals am 15. Februar 1962 nicht weniger als 72
Flugkörper, die in Erd- oder Sonnensatellitenbahnen kreisen, registrieren lassen. (Für jeden gemeldeten Flugkörper werden seine internationale
Bezeichnung, Typ der Startrakete, Abschußzeit, Typ des Satelliten, Umlaufzeit, Bahnneigung zum Äquator sowie Apogäum und Perigäum angegeben.)
Politik der Partnerschaft - von den USA seit Jahren praktiziert
Hinsichtlich der Planung und Durchführung friedlicher Weltraumexperimente haben die Vereinigten Staaten stets eine Politik der Partnerschaft mit anderen Ländern verfolgt. So sind wir zusammen mit anderen Nationen an einer Anzahl wissenschaftlicher Untersuchungen der
Hochatmosphäre mit Hilfe kleiner Raketensonden beteiligt. Programme
dieser Art versetzen die Wissenschaftler der ganzen Welt in die Lage,
weitaus wertvollere meteorologische und atmosphärische Daten zu
sammeln, als uns dies allein, hier in den Vereinigten Staaten, möglich
wäre. Das Programm erlaubt zum Beispiel direkte Untersuchungen seltener Phänomene des äußersten Nordhimmels in Skandinavien, eine Koordinierung der Raketenstarts in der östlichen und westlichen Hemisphäre
für die vergleichende Auswertung der Ergebnisse und die Mitführung der
verschiedensten Instrumente, die noch dazu von Forschern einer ganzen
Reihe von Nationen entwickelt wurden, in einer einzigen Rakete. Die
Ergebnisse stehen den Wissenschaftlern der ganzen Welt zur Verfügung.
Unsere

- 4 -

�"AMERIKA DIENST"

30. März 1962

Unsere Pläne zielen auf eine noch breiter angelegte Zusammenarbeit ab; dazu gehören unter anderem gleichzeitig vorgenommene
Starts wissenschaftlicher Sonden, für die ein langfristiges Programm unter Beteiligung zahlreicher Länder ausgearbeitet wird.
In wenigen Wochen werden die Vereinigten Staaten den ersten
internationalen Satelliten starten, ein Forschungsgerät, das von
britischen Wissenschaftlern ausgerüstet und von der NASA (üS-Amt
für Luft- und Raumfahrt) in eine Erdumlaufbahn gebracht wird. Wenig
später werden wir in einem ähnlichen Unternehmen in den USA einen
zweiten Satelliten starten, der bis zum letzten Detail in Kanada
hergestellt wurde. Weitere gemeinsame Satellitenprogramme mit anderen Ländern werden erwogen.
Auf den Gebieten der heute schon verwirklichten Nutzanwendung Nachrichtenwesen und Meteorologie - haben die USA bereits wichtige
Schritte zur Schaffung eines umfassenden internationalen Apparates
getan.
Nachrichtensatelliten
Die Erprobung amerikanischer Versuchssatelliten für das Nachrichtenwesen auf interkontinentaler Basis, die erstmals in diesem
Jahr vorgesehen ist, wird unter Einschaltung großer, von einer Reihe
europäischer und lateinamerikanischer Länder zur Verfügung gestellter
Bodenstationen durchgeführt werden. Ein internationales- Komitee für
Bodenstationen, dem Vertreter aller an den ersten Versuchen beteiligten Länder angehören, kommt schon seit einiger Zeit zu regelmäßigen
Besprechungen über Eragen wie Frequenzauswahl und andere wesentliche
Faktoren zusammen. Es ist gar nicht ausgeschlossen, daß im Herbst
dieses Jahres eine Debatte der UN-Vollversammlung in einer FünfMinuten-Sendung über Fernsehen direkt nach Europa übertragen wird.
Hoffen wir, daß diese fünf Minuten glücklich gewählt sind.
Wettersatelliten
Die Vereinigten Staaten haben vor dem Start aller ihrer meteorologischen Satelliten die Nationen der Welt eingeladen, die Auswertung
eigener Wetterbeobachtungen mit jenen Daten zu koordinieren, die bei
den Satellitendurchgängen in ihrem Gebiet innerhalb der entsprechenden
BeobachtungszeitA erzielt wurden. Diese gemeinsamen Bemühungen von bisher
dreißig Nationen fanden einen ersten Höhepunkt in einem internationalen Wettersatelliten-Symposion, zu dem mehr als hundert Nationen
eingeladen waren. Die Teilnehmer sollten die Möglichkeit erhalten,
sich mit den Methoden der Einbeziehung von Satelliten bzw. deren
Beobachtungsdaten in den meteorologischen Dienst vertraut zu machen
und so auf den Tag hinzuarbeiten, an dem solche Daten allen Ländern
direkt zugänglich sind.
,

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Satellitenbeobachtung

�"AMERIKA DIENST"

30. März 1962

Satellitenbeobachtung und Förderung ausländischer Spezialisten
Was den Betrieb unseres eigenen weltweiten Beobachtungs- und
Datensammelnetzes anbetrifft, so haben wir die Mitarbeit von
Wissenschaftlern und Technikern der jeweiligen Gastländer stets
begrüßt - mit dem Erfolg, daß heute mehr als die Hälfte der NASABodenstationen im Ausland ganz oder teilweise unter der Regie von
Spezialisten des Gastlandes steht. Das technische AusbildungsProgramm
der NASA trägt nicht unerheblich zu dieser Entwicklung bei. Unsere
oberste Luft- und Raumfahrtbehörde hat außerdem spezielle Ausbildungskurse für ausländische Wissenschaftler in Vorbereitung gemeinsamer
Programme eingerichtet und vor kurzem auch Stipendien für jährlich
100 ausgebildete Akademiker aus dem Ausland zur Verfügung gestellt.
Diese Stipendiaten sollen dadurch die Möglichkeit erhalten, an amerikanischen Universitätsinstituten, in denen Projekte der Weltraumforschung gemeinsam mit der NASA durchgeführt werden, zu arbeiten.
Freiheit des Weltraums muß erhalten bleiben
Die Erdumkreisungen von Oberstleutnant Glenn und der sowjetischen
Kosmonauten Gagarin und Titow werden meiner Überzeugung nach zum Symbol
dafür werden, daß sich die Menschheit bei der Lösung von Problemen auf
diesem ihrem Planeten von der überkommenen erdgebundenen Denkweise
freigemacht hat. Es liegt an uns, sicherzustellen, daß die zuerst von
diesen unerschrockenen Pionieren genossene Freiheit des Weltraums allen
erhalten bleibt, die ihnen folgen werden.
Viele Millionen Menschen in der Welt hatten durch die modernen
Nachrichtenmittel Gelegenheit, den aufregenden Flug Oberstleutnant
Glenns mitzuerleben. Sie wurden so auf dramatische Weise mit der Tatsache konfrontiert, daß das Weltraumzeitalter wirklich angebrochen ist.
Wir stehen auf der Schwelle zu einer neuen Ära. Das sollte die Arbeit
dieses Ausschusses ständig beflügeln.
Initiative der USA für Zusammenarbeit mit der Sowjetunion
Und schließlich, Herr Vorsitzender, ist angesichts der Maßnahmen,
die die UN-Vollversammlung im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit dieser
Angelegenheit ergriffen hat, auch auf eine Zusammenarbeit zwischen meinem
Land und der Sowjetunion bei Weltraumprojekten zu hoffen. Seit vielen
Jahren fordern die Vereinigten Staaten ein Programm für die Zusammenarbeit im Weltraum. In seiner ersten Botschaft über die Lage der Nation
am 30. Januar 1961 erklärte Präsident Kennedy:
"Ich fordere heute alle Staaten - einschließlich der Sowjetunion auf, gemeinsam mit uns ein Programm für die Wettervorhersage zu
entwickeln, sich an einem Fernmeldesatelliten-Programm und an den
Vorbereitungen für die Erforschung der Planeten Mars und Venus zu
beteiligen - an Forschungsarbeiten, die eines Tages vielleicht die
tiefsten Geheimnisse des Universums zu entschleiern vermögen."
Diesen

�"AMERIKA DIENST

30. März 1962 •

Diesen Vorschlag wiederholte er in seiner Rede vom 25. September 1961 vor der UN-Vollversammlung. Wir freuten uns daher, als
Ministerpräsident Chruschtschow in seinem Glückwunsch an das
amerikanische Volk zu dem erfolgreichen Flug von Oberstleutnant
Glenn auch die Vorteile gemeinsamer Anstrengungen im Weltraum
erwähnte.
Am 7« März machte Präsident Kennedy in einem Schreiben an
Ministerpräsident Chruschtschow Vorschläge zu einer amerikanischsowjetischen Zusammenarbeit bei folgenden speziellen und wichtigen
Weltraumprojektent
1. Gemeinsame Errichtung eines Wettersatelliten-Systems, das
weltweite meteorologische Daten zur sofortigen Verwendung
durch jedes Land liefert. - Der Präsident schlug vor, daß
die USA und die Sowjetunion je einen Satelliten starben, der
die Wolkendecke photographiert und für andere vereinbarte
meteorologische Messungen im Dienst aller Nationen zur Verfügung steht. Diese beiden Satelliten könnten in Bahnen gebracht werden, von denen aus sie alle Gebiete der Erdoberfläche
erfassen. Die Meßdaten würden durch die normalen internationalen Kanäle der Wetterdienste verbreitet. Für die Verwirklichung
der meteorologischen Forschungs- und Untersuchungsprogramme,
die zur Zeit von der WMO auf Grund der im Dezember von der
UN-Vollversammlung angenommenen Weltraum-Resolution aufgestellt werden, wäre dies ein wichtiger Schritt.
2.Jedes der beiden Länder errichtet und betreibt eine Bodenstation für die Funkbeobachtung von Satelliten, um im Interesse des Partners Daten aufzunehmen; dabei sollen Ausrüstungen Verwendet werden, die das andere Land liefert.
Nach unserer Ansicht würden beide Länder mit einem solchen
gemeinsamen Programm viele wertvolle Erfahrungen sammeln, und
zwar nicht nur auf wissenschaftlichem Gebiet, sondern auch unter den menschlichen Aspekten einer ungezwungenen Zusammenarbeit mit den Vertretern des anderen Landes.
3. Für die gemeinsame Aufnahme des erdmagnetischen Feldes im
Weltraum schickt jedes der beiden Länder einen Satelliten
in eine vorher vereinbarte Umlaufbahn und macht die auf diese
Weise erhaltenen wissenschaftlichen Informationen allen Wissenschaftlern der Welt zugänglich.
4. Ein Zusammengehen der UdSSR mit den Vereinigten Staaten in den
Bemühungen um die Errichtung eines NachrichtensatellitenSystems wird begrüßt.
5. Gemeinsame Bemühungen und ein Informationsaustausch auf dem
Gebiet der Raumflugmedizin unter Einbeziehung von Forschern
vieler Länder könnte nicht nur diesem Spezialgebiet, sondern
ganz allgemein der humanmedizinischen Forsohun5 und der Verhaltensforschung dienlich sein.
6. Neben

�"AMERIKA DIENST

30. März 1962

6. Neben der Zusammenarbeit auf diesen Gebieten ist Präsident
Kennedy auch zu gemeinsamen Projekten der Erforschung des
Mondes mit unbemannten Geräten und der gemeinsamen Präzisierung von Schritten bereit, die für eine erschöpfende
wissenschaftliche Erforschung von Mars und Venus, möglicherweise sogar mit bemannten Flugkörpern, erforderlich sind.
Ich möchte hervorheben, daß Präsident Kennedy keine Vorbedingung
gestellt und keine Einschränkung gemacht hat - und daß wir unsere
Aufgeschlossenheit gegenüber jedem speaiellen Vorschlag der Sowjetunion
klar erkennen ließen.
Wünschenswerte Mittlerrolle des UN-Weltraumausschusses
Die Vereinten Nationen haben sich wieder dem Thema "Weltraum" zugewandt - den Grundsätzen gemeinsamer Anstrengungen zum Wohle des ganzen Menschengeschlechts, in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen, verpflichtet. Angesichts dieses Sachverhalts möchte ich
weiter vorschlagen, daß sich der Ausschuß im Interesse einer besseren
Förderung internationaler Zusammenarbeit in der friedlichen Nutzung
des Weltraums in den kommenden schicksalsschweren Jahren mit einer
Reihe weiterer Probleme befaßt. Zu diesen gehören unter anderen der
Austausch von Informationen und Erkenntnissen, gemeinsame Forschungen,
die gemeinsame Entwicklung von Weltraumprojekten und die Ausdehnung
des internationalen Rechts auf den Weltraum.
Unserer Ansicht nach bietet sich diesem Komitee eine einzigartige
Gelegenheit, den Austausch sowohl wissenschaftlicher als auch technischer Informationen anzuregen und zu beleben. Auch könnte es Anregungen
zur Schaffung weiterer nationaler Weltraumausschüsse geben, die den
Mitgliedstaaten eine wirksamere Beteiligung an internationalen Weltraumprojekten ermöglichen. Der Ausschuß könnte, um ein vollständiges
Bild von der Art nationaleT Projekte und internationaler Zusammenarbeit
in Weltraumprojekten zu gewinnen, Berichte von den einzelnen Staaten
oder von internationalen Arbeitsgemeinschaften wie der europäischen
Organisation für Weltraumforschung (ESRO) anfordern.
Auch die Ausgabe von Informationsmaterial durch das Sekretariat
über Maßnahmen einzelner Staaten zur Verbesserung der eigenen Position
in bezug auf die Beteiligung an internationalen Weltraumprojekten wäre
wünschenswert. Zu solchen Informationen gehörten beispielsweise Angaben
über nationale Ausbildungsprogramme und Ausbildungsstätten, über Raketensonden-Projekte und die erforderlichen Startanlagen sowie über das Minimum an Ausrüstung für die telemetrische Datenaufnahme.
Unter Hinzuziehung von Vertretern des Internationalen Ausschusses
für die Weltraumforschung (COSPAR), des Weltwetterdienstes (WMO) und
der Internationalen Fernmelde-Union (ITU) dürfte es für den UN-Weltraumausschuß auch von Wert sein, die Tätigkeit bzw. den Betrieb der bestehenden wissenschaftlichen und technischen Auswertungszentren, Übersetzungsdienste und Fernmeldeeinrichtungen zu prüfen, welche wissenschaftliche

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50. März 1 962

wissenschaftliche Ergebnisse von Weltraumprojekten verbreiten und
benutzen.
Wir hoffen auf eine enge, wirksame und fruchtbare Zusammenarbeit
des Weltraumausschusses mit allen derartigen Organisationen. Eine
solche Zusammenarbeit wäre überdies mit der UNESCO als der UN-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur gegeben, damit auch
deren Unterstützung genutzt werden kann.
Gemeinsames Vorgehen spart Zeit und Geld
All dies läßt erkennen, daß in allen Phasen der Weltraumforschung
ein Höchstmaß an Informationsaustausch erforderlich ist. Wenn aber die
Forschung selbst auf gemeinsamer oder kooperativer Basis unternommen
werden könnte, so würde dadurch der Fortschritt beschleunigt, die
Kosten würden reduziert und die gemeinsamen Interessengebiete erheblich ausgeweitet.
Präsident Kennedys Vorschläge an Ministerpräsident Chruschtschow
zu gemeinsamer Forschung sollten keineswegs andere Gemeinschaftsprojekte oder die Beteiligung anderer Länder an diesen Unternehmungen
ausschließen. Sie sollten vielmehr das Startzeichen für gemeinsame
Bemühungen auf breiter internationaler Ebene sein. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise die Einrichtung internationaler Laboratorien
für Weltraumforschung, einschließlich der Raumflugmedizin, oder von
Observatorien zur Planetenbeobachtung, wo im Zuge der Vorbereitung
bemannter Raumflugexperimente besondere Untersuchungen durchgeführt
werden, zu erwägen.
Die Kosten eines Y/etterforschungs- und Beobachtungsprogramms in
dem von den Vereinten Nationen geplanten Rahmen sind - gemessen an
seinen Vorteilen - gering. Aufgabe der UN ist es nun, dieses Programm
so zu gestalten, daß die Mitgliedstaaten an Forschungsvorhaben, an
der Ausbildung von Spezialisten, dem Bau von Wetterwarten, der Funk- ,
beobachtung von meteorologischen Satelliten und dem Austausch von
meteorologischen Informationen bereitwillig mitwirken.
In der Resolution der UN-Vollversammlung ist auch die Errichtung
eines weltweiten Netzes von Nachrichtensatelliten berücksichtigt. Man
schätzt heute, daß die Inbetriebnahme eines globalen Telephon-, Rundfunk- und Fernsehnetzes mittels Satelliten noch vor Ende dieses Jahrzehnts technisch möglich ist. Die Kosten sind beträchtlich - die
Vorteile sind jedoch außerordentlich. Über einen einzigen Fernmeldesatelliten können zwanzigmal mehr Telephongespräche geleitet werden
als über alle unsere Unterseekabel. Darüber hinaus könnte er als Relaisstation für Rundfunk und Fernsehen ein bestimmtes Programm Hunderten von Millionen Menschen in aller Welt gleichzeitig vermitteln.
Diese bahnbrechende Entwicklung auf dem Gebiet der Nachrichtentechnik dürfte sich auf das Leben der Volker in allen Teilen der Erde
auswirken und neue Bande der Verständigung zwischen den Nationen
knüpfen.
Internationalisierung

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�"AMERIKA DIENST"

JO. März 1 962

Internationa.lisierung der Fernmeldesatelliten - eine Forderung des
gesunden Menschenverstandes
In den USA sind wir dabei, die Grundlage für ein gemeinsames
Bemühen um ein Fernmeldesatelliten-System zu schaffen. Anfang
Februar 1962 wurde dem US-Kongreß eine Gesetzesvorlage unterbreitet,
die die Bildung einer privatrechtlichen amerikanischen Körperschaft
zum Betrieb von Fernmeldesatelliten vorsieht. Diese Körperschaft soll
dem Zweck dienen, die Entwicklung von Nachrichtensystemen über Satelliten zu beschleunigen, damit baldmöglichst ein weltweites betriebsfähiges Netz zur Verfügung steht.
Ich möchte besonders hervorheben, daß diese Körperschaft als
Repräsentant der Vereinigten Staaten in einem globalen System fungieren soll - in einem wahrhaft internationalen Gremium mit einer
größtmöglichen Streuung der Besitzrechte und umfassender Beteiligung.
Der internationale Charakter des Fernmeldesatelliten-Netzes ist vom
gesunden Menschenverstand diktiert. Angesichts der Bedeutung des
Nachrichtenwesens für alle Staaten werden viele andere Länder den
Wunsch haben, Betrieb und Verwaltung des Netzes mit zu bestimmen
und einen Kostenbeitrag zu leisten. Was uns betrifft, so würden wir
ein solches Interesse und eine solche Beteiligung seitens anderer
Länder nur begrüßen.

Erste Verhandlungen zwischen Vertretern der Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion über eine gemeinsame Erforschung des Weltraums
haben am 27. März 1962 in New York begonnen. Gesprächspartner sind
Dr. Hugh Dryden, der stellvertretende Direktor des US-Amtes für Luftund Raumfahrt (NASA), und der sowjetische Raketenspezialist Professor
Anatolij Blagonrawow.
* * # * #

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10

�A M E R I K A

D I E N S T

A N S P R A C H E

des Stellvertretenden Außenministers
der Vereinigten Staaten von Amerika

Staatssekretär
GEORGE W. BALL

vor der
Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik

am Montag, dem 2. April 1962
in der Beethovenhalle zu Bonn

�DIE ATLANTISCHE PARTNERSCHAFT IM WERDEN

Vor wenig mehr als Monatsfrist hat der Justizminister der Vereinigten Staaten, Robert F. Kennedy, in diesem gleichen Saale einige der
Grundvoraussetzungen einer funktionsfähigen atlantischen Partnerschaft
angedeutet. Damals sprach er Sie als Deutsche an, doch - genau wie ich
am heutigen Abend - auch als Bürger des neuen Europa, das Sie und Ihre
Nachbarn gegenwärtig mit geradezu mitreißendem Schwung erbauen.
Ich werde heute abend versuchen, die Andeutungen unseres Justizministers noch etwas weiter auszuführen. Ich möchte Ihnen ein wenig
von dem Fluidum der Diskussion mitteilen, die gegenwärtig in den Vereinigten Staaten stattfindet, und Ihnen die allgemeine Richtung der
Politik anzeigen, die wir zur Zeit entwickeln.
Die Annäherung der Vereinigten Staaten an Europa vollzieht sich
vor einem historischen Hintergrund, mit dem Sie im allgemeinen vertraut
sind. Wir waren ursprünglich eine Gruppe von Kolonien, die sich selbständig machten, um einen eigenen Bundesstaat zu gründen. In den Anfangsjahren unserer Nationwerdung konzentrierten wir uns auf die Herstellung unserer nationalen Integrität, wobei wir uns von unserer
kolonialen Vergangenheit abwendeten. Vollauf damit beschäftigt, unsere
Nation aufzubauen und das weite Grenzland zu erobern, folgten wir dem .
Hat unseres ersten Präsidenten George Washington, uns aus "verstrickenden Allianzen" mit den großen europäischen Nationen herauszuhalten.
In unserer Politik der Distanzierung von den europäischen Problemen
wurden wir bestärkt durch den Einfluß jener europäischen Auswanderer,
die im 19. Jahrhundert in unser Land kamen, um sich bei uns auf Farmen
und in Städten anzusiedeln. Die meisten dieser Auswanderer - darunter
auch die aufrechten Männer und Frauen, die nach dem Scheitern der
Revolution von 1848 Deutschland den Rücken kehrten - hatten Europa
aus religiösen, wirtschaftlichen oder politischen Gründen verlassen.
Sie sublimierten ihre Enttäuschung über Europa, indem sie ganz in
der gewaltigen Aufgabe aufgingen, auf dem Boden einer neuen Welt eine
neue Nation zu schaffen. Sie vertieften noch das amerikanische Mißtrauen gegenüber dem Kontinent, den sie hinter sich gelassen hatten ein Mißtrauen, das bis weit in das 20. Jahrhundert hinein vorgehalten

- 1 -

�vorgehalten hat.
Aber mit der Zeit und den Ereignissen hat sich das alles gewandelt.
Sie und wir - an den gegenüberliegenden Gestaden des Atlantiks - haben
gelernt, eng und wirkungsvoll zusammenzuarbeiten. Und heute abend
brauche ich kaum zu betonen, daß der amerikanische Isolationismus tot
ist. Damit ist es ein für allemal vorbei.
Wer dazu neigt, historische Veränderungen mit bemerkenswerten
Daten zu verknüpfen, kann sagen, daß der amerikanische Isolationismus
am 24. August 1949 starb - an dem Tag, an dem der amerikanische Senat
die nordatlantische Partnerschaft ratifizierte. Durch jenen feierlichen
Bündnisvertrag gewährleisteten Amerika und Europa nicht nur den Fortbestand der Freiheit, sondern auch das Fortleben freier Menschen. Wenn
Präsident Kennedy dem amerikanischen Volk heute erklärt, er würde
einen Angriff auf Berlin als einen Angriff auf Washington oder Chicago
ansehen, so anerkennt er damit ausdrücklich das zentrale Prinzip unseres Bündnisses, dem zufolge die Geschicke Westeuropas und Nordamerikas
unwiderruflich miteinander verwoben sind und dem zufolge ihre Verteidigung unteilbar ist.
Dieses Prinzip beschränkt sich nicht auf die Linie, die wir beständig in den Ratsversammlungen der Bündnispartner vertreten,
fußen doch auf ihm alle Pläne und Anstrengungen zur Verbesserung der
Verteidigungsposition der NATO. Es ist die eigentliche Grundlage, auf
der die Sicherheit unserer atlantischen Partnerschaft beruht.
Ich kann mit Zuversicht sagen, daß unsere gemeinsame militärische
Position niemals stärker war. Es wäre aber nicht ganz aufrichtig, wollte ich von restloser Zufriedenheit sprechen.
Heute besteht, wie Präsident Kennedy klargestellt hat, ein echtes
und dringendes Bedürfnis, der konventionellen Komponente unserer
gemeinsamen Verteidigung eine neue Priorität einzuräumen. Die NATO
bedarf eines breiten Spektrums von Einsatzkräften, wenn sie auf die
unterschiedlichsten Aggressionsformen mit den jeweils angemessenen
Kräften reagieren soll*. Unsere atomare Abschreckungsmacht wird nur
dann restlos glaubhaft sein, wenn sie durch eine umfassende nichtatomare Stärke gestützt wird, die uns bei der Beantwortung der
Aggression einen Spielraum gewährt.
Die

�Die Vereinigten Staaten haben ihre konventionellen Streitkräfte
beträchtlich ausgebaut und auch die Zahl der Kampfdivisionen erhöht.
Unsere Marine und das Marine-Korps wurden ebenso wie unsere Bandenabwehrkräfte verstärkt und erweitert. Wir haben unseren Luft- und Seetransportraum vergrößert, Wir geben Milliarden für diese zusätzlichen
Programme aus. Einige von unseren europäischen Partnern haben gleichfalls erkannt, wie notwendig die Verstärkung der konventionellen Streitkräfte ist. Die Folge war, daß unsere kombinierte nichtatomare Stärke
im letzten Jahr wesentlich zunahm. Das ist zwar ermutigend, reicht aber
längst nicht aus. Wir müssen noch mehr tun, wenn die Abschreckung der
Aggression in jedweder Form angesichts der wachsenden Stärke des
Ostens wirksam bleiben soll. Die nukleare Stärke bleibt natürlich von
grundlegender Bedeutung für die gemeinsame und unteilbare Verteidigung
Westeuropas und Nordamerikas. Die Vereinigten Staaten haben für eine
wesentliche Beschleunigung und Verstärkung ihres Polaris- und MinutemanRaketenprogramms gesorgt, das unserem Bündnis zusätzliche atomare Stärke
unter wechselnden Bedingungen verleiht.
Wir sind uns darüber im klaren, daß die Verteidigungsplanung nicht
statisch sein kann! sie muß vielmehr den veränderlichen Macht- und
Kräfteverhältnissen Rechnung tragen. Deshalb ist eine ständige und
sorgsame Vorausplanung künftiger Vorkehrungen nötig, wenn unsere Atommacht im wahrsten Sinne des Wortes Ausdruck unserer Vorstellungen von
der atlantischen Partnerschaft sein soll. Wir wollen auf den Wunsch
unserer Verbündeten nach einer stärkeren Einschaltung in die nukleare
Abschreckung in konstruktiver Weise eingehen.
Wir geben eindeutig einer multilateralen Regelung den Vorzug,
wie sie Präsident Kennedy in seiner Rede von Ottawa im Mai des vergangenen Jahres vorgeschlagen hat. Wie der Präsident damals ausführte,
sind wir bereit, gemeinsam mit unseren Verbündeten die Schaffung einer
auf See stationierten, mit Mittelstreckenraketen bewaffneten NATO-Streitmacht unter echter multilateraler Besitz- und Einsatzkontrolle ernsthaft zu prüfen. Ferner machte er das Angebot, fünf - und gegebenenfalls
auch mehr - Polaris-U-Boote an die NATO abzustellen. Wir glauben, eine
konstruktive Lösung dieses Problems der künftigen atomaren Rolle der
NATO ist nicht nur wichtig, sondern auch möglich, und wir sind nach
wie vor bereit, zusammen mit unseren Verbündeten auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Wir glauben, daß einer solchen multilateralen Lösung ein-

- 3

�eindeutig der Vorzug vor einer Vielzahl nationaler Atomstreitkräfte
zu geben ist.

II.
Wenn unsere gemeinsamen Anstrengungen in Richtung auf eine schlagkräftige kombinierte Streitmacht ihrem Wesen nach defensiv sind, so
haben unsere Bemühungen hinsichtlich einer Zusammenarbeit im wirtschaftlichen Bereich ein weit positiveres Ziel. Sie basieren auf der
hinreichend erwiesenen Tatsache, daß die großen Industriewirtschaften
in der modernen Welt in zunehmendem Maße voneinander abhängig werden.
In einer Welt der Schnelltransporte und Blitzgespräche, in der ein
jeder des anderen enger Nachbar ist, kann es sich keine Nation mehr
erlauben, ein Dasein als Wirtschaftsinsel zu führen. Im gleichen
Maße, in dem der jährliche Austausch an Waren und Dienstleistungen
steigt, erhöht sich für uns auch die Notwendigkeit, wirksamere Mittel
der Zusammenarbeit zu entwickeln.
Die Vereinigten Staaten haben unter anderem gerade auch aus diesem Grunde die Schaffung eines integrierten Europa von Anfang an
aktiv unterstützt. Immer haben wir ein vereinigtes Europa als Vorbedingung für die Entwicklung einer wirkungsvollen atlantischen Partnerschaft
angesehen.
An diesem Punkt möchte ich gern betonen, daß das Tempo der Evolution
der atlantischen Partnerschaft auf wirtschaftlichem Gebiete auf einer
wesentlichen Zeitplanung basierte. Für Europa war es notwendig, zu .
einem stärkeren inneren Zusammenhalt zu kommen, um das Fundament zu
vollenden, auf dem der Bau der atlantischen Partnerschaft errichtet
werden kann.
Wir Amerikaner haben uns während der ganzen Nachkriegszeit niemals
die Ungleichheit zwischen unseren Hilfsquellen und denen der anderen
Völker der freien Welt zugute gehalten. Wir sind stolz darauf gewesen,
daß die Vereinigten Staaten eine der Führungsmächte der Welt sind,
aber manchmal haben wir es als wenig befriedigend empfunden, eine
Führungsmacht zu sein, die durch den Besitz eines überwältigenden
Anteils am Gesamtwohlstand, an der Macht und an den natürlichen Hilfsquellen von anderen isoliert war. Unserer - und ich glaube, auch
Ihrer - Auffassung nach muß eine starke Partnerschaft schon ihrer

- 4 -

�ihrer Definition gemäß immer eine Zusammenarbeit zwischen Gleichen
bedeuten. Wenn ein Partner allein über 50 Prozent der Hilfsquellen
eines so großen gemeinsamen Unternehmens besitzt und der Saldo dann
noch unter 16 oder 17 andere aufgeteilt ist, so dürfte dieser Verband
kaum wirksam arbeiten können. Solange Europa in Stücke aufgeteilt war
und nur aus - nach modernen Maßstäben - kleinen Nationen bestand, waren
die Möglichkeiten für eine echte Partnerschaft immer beschränkt.
Aber ein vereinigtes und starkes Europa kann bei der Verwirklichung
unserer gemeinsamen Bestrebungen ein gleichwertiger Partner sein - ein
Partner, der sich den gleichen Grundsätzen verschrieben hat wie wir.
Denn schließlich glauben Sie ebenso wie wir an die Bewahrung und Verbreitung der Freiheit und an jene Werte, die den Freien vom Sklaven
unterscheiden.

III.
Die Begeisterung, mit der die Amerikaner die wachsende Stärke
und das Zusammenrücken Europas begrüßen, läßt sich kaum beschreiben.
Warum aber hört man mitunter in Europa - fast nie dagegen in Amerika zaghafte Stimmen unheilverkündend darüber Klage führen, daß ein vereintes Europa eine neutralistische dritte Kraft werden könnte? Ich
darf mit allem Nachdruck sagen, daß wir Amerikaner keineswegs befürchten, das neue Europa werde neutralistisch werden, ebensowenig wie eine
Rückkehr Amerikas zum Isolationismus zu befürchten ist.
Der Neutralismus, von dem wir im letzten Jahrzehnt so viel zu
hören bekamen, war ein Ausdruck der Schwäche, nicht der Stärke. Er
entsprang dem Glauben, daß Europa fortan keine bedeutende Rolle mehr
im Machtkampf zwischen den Vereinigten Staaten und dem kommunistischen
Block spielen könne. Seine Verfechter, die sich hatten einreden lassen,
daß sie den Ausgang nicht beeinflussen könnten, wenn sie für die eine
oder andere Seite Partei ergriffen, zogen es vor, sich in olympischer
Objektivität dem Ringen fernzuhalten und beide Seiten zu gleichen
Teilen mit Kritik zu bedenken. Nun, da die Staaten Westeuropas zu immer
größerer Einheit finden, sind die Stimmen des Neutralismus, die vor zehn
Jahren diese erschreckende Kakophonie erzeugt haben, weitgehend zum
Schweigen gebracht worden.
Es

�Es gibt aber immer noch einige Leute, die sich vor einem starken,
geeinten Europa fürchten, wenn auch aus einem ganz anderen Grunde. Sie
sehen nicht mehr das Gespenst einer dritten neutralistischen Kraft,
sondern die Gefahr, daß die dritte Kraft und Amerika in zunehmendem
Maße getrennte Wege gehen. Ein^ starkes Kontinentaleuropa könnte ihrer
Meinung nach in Versuchung geraten, eine Politik des Gleichgewichts
der Kräfte neuer Art auszuprobieren, den Osten gegen den Westen auszuspielen und im Interesse der eigenen eigenbrötlerischen und selbstsüchtigen Ziele sein Gewicht, seine Autorität dem Meistbietenden zu
verkaufen.
Ich bin überzeugt, daß eine solche Voraussage die Natur der auf
beiden Seiten des Atlantiks wirksamen Kräfte völlig mißdeutet. Sie
übersieht die Vitalität und Tragfähigkeit unseres gemeinsamen Erbes.
Sie ignoriert die Realität unserer gemeinsamen Ziele. Sie sieht nicht,
welche Richtung Europa bereits eingeschlagen hat. Und sie verkennt in
der Tat das einfache Aufeinander-Angewiesensein der Mitglieder des NATOBündnisses, auf dem gegenwärtig unsere nationale Sicherheit beruht.
Meines Erachtens können Sie und wir durch die Schaffung eines
starken und vereinten Europa alles gewinnen. Ein vereintes Europa wird
ganz gewiß ein tieferes und stärkeres Gefühl der Verantwortung für die
Verteidigung der westlichen Wertbegriffe entfalten können als die Einzelstaaten eines schwachen und zersplitterten Europa. Einheit schafft
Stärke. Aus der Erkenntnis und dem Bewußtsein der Stärke erwächst nicht
nur die Fähigkeit, sondern auch der Wille, die Ereignisse zu beeinflussen.
Und für die Europäer, ebenso wie für uns Amerikaner, ist der Wille, den
Gang der Ereignisse zu beeinflussen,lediglich eine andere Art, ihrem
Verantwortungsgefühl Ausdruck zu verleihen.
Wir Amerikaner sind deshalb voll und ganz davon überzeugt, daß man
von Europa, je weiter es auf dem Wege zur Einheit fortschreitet, desto
mehr erwarten darf, daß es eine positive und verantwortliche Rolle bei
der Wahrnehmung unseres gemeinsamen Interesses übernehmen wird. Wir tun
dies in dem Bewußtsein, daß die atlantische Partnerschaft niemals eine
einseitige Angelegenheit sein kann und daß wir selbst unsere Verpflichtungen als guter Partner erfüllen müssen.

�IV.
Die Unterstützung der europäischen Integration und der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft durch die Vereinigten Staaten hat tiefe Wurzeln,
Sie entspringt der Erinnerung an unsere eigenen föderativen Erfahrungen
und dem Wunsch, die blutige Rivalität zu beenden, die einst die großen
Staaten Westeuropas entzweite.
Aber die Amerikaner mußten erkennen, daß die kommerzielle Manifestation dieser Gemeinschaft, der Gemeinsame Markt, mit einer erheblichen Diskriminierung des amerikanischen Handels verbunden ist.
Somit ergibt sich für die Vereinigten Staaten und für dritte Nichtmitgliedstaaten die Notwendigkeit, ihre Industrie, ihre Landwirtschaft
und ihren Arbeitsmarkt dieser Sachlage anzupassen.
Das hat uns gleichwohl niemals von den weitergesteckten Zielen
unserer Politik abgelenkt. Trotz der Probleme, die sich für Amerika aus
der Entwicklung des Gemeinsamen Marktes ergeben, haben wir dem Wachsen
der europäischen Gemeinschaft nachhaltige und tätige Hilfe angedeihen
lassen .
Wir haben diese Unterstützung gewährt, weil wir von zwei Dingen
überzeugt sindl erstens, daß sich die europäische Gemeinschaft als
weltoffene Gesellschaft mit liberaler Handels- und Wirtschaftspolitik
erweisen wird, und zweitens, daß sie in zunehmendem Maße bereit sein
wird, weltweite Verantwortung zu übernehmen, je mehr ihre Stärke und
Einheit wächst,
V.
Unser Glaube an die liberalen Absichten der europäischen Gemeinschaft
fand seinen konkreten Ausdruck in dem Handelsgesetzentwurf, den Präsident
Kennedy kürzlich dem Kongreß der Vereinigten Staaten zugeleitet hat. Da
in Europa bezüglich des Charakters und der Zielsetzung dieser Vorschläge
einige Mißverständnisse herrschen, möchte ich sie hier kurz kommentieren.
Der Präsident ersucht in Verbindung mit der Gesetzesvorlage um die Vollmacht, neue Handelsvereinbarungen vornehmlich mit der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, aber auch mit anderen Handelsstaaten treffen zu
dürfen. Nach den Vorschriften der amerikanischen Verfassung ist hierzu
eine Ermächtigung durch den Kongreß erforderlich. Die Regierung kann

- 7-

�kann Zollsenkungen nur im Rahmen der ihr vom Kongreß erteilten Befugnisse aushandeln.
Die Vollmachten, die der Präsident wünscht, sind eigens auf die
Probleme zugeschnitten, die jetzt unsere gemeinsamen Probleme sind.
In der Welt des Handels vollzieht sich gegenwärtig ein tiefgreifender
Wandel.
Falls auch Großbritannien dem Gemeinsamen Markt beitritt, hätte
dies zur Folge, daß sich schon sehr bald 90 Prozent des Handels der
freien Welt mit Industrieprodukten auf zwei große gemeinsame Märkte
konzentrieren würden! auf die Vereinigten Staaten und auf die erweiterte
Europäische Wirtschaftsgemeinschaft•
Diese beiden gemeinsamen Märkte würden dann erstmals auf der
Basis nahezu völliger Gleichheit miteinander verhandeln. Die Vereinig-*
ten Staaten und die EWG sind einander hinsichtlich der Bevölkerungszahl, des Handelsvolumens und des allgemeinen Produktions- und Leistungsstandes der Industrie nahezu ebenbürtig. Unsere jeweiligen
Außenzölle werden im Durchschnitt ungefähr gleich hoch sein. Bei bestimmten Waren werden die Zollsätze der EWG diejenigen der Vereinigten
Staaten überschreiten; bei anderen wird es sich umgekehrt verhalten.
In gemeinsamen Verhandlungen sollte es möglich sein, den Zugang zu den
beiderseitigen Märkten auf einer für beide Seiten vorteilhaften Basis
zu erleichtern. Allerdings würde den Vereinigten Staaten und der erweiterten EWG aus ihrem gemeinsamen Übergewicht im Welthandel gegenüber
dritten Staaten eine besondere Verantwortung erwachsen.
Stärke und Macht bringen für diejenigen, die sie besitzen, eine
Reihe besonderer Verpflichtungen mit sich. Durch Verhandlungen im
Rahmen des GATT und einschneidende

Zollsenkungen auf der Basis der

Meistbegünstigung könnten diese beiden großen gemeinsamen Märkte die
Schwierigkeiten und Besorgnisse aller Länder der freien Welt aus dem
Wege räumen. Dies setzt natürlich voraus, daß dritte Länder durch die
Gewährung von Konzessionen auf Gegenseitigkeit ebenfalls ihren Beitrag
leisten.

VI.
In dem Gesetzesvorschlag hat der Präsident um Vollmachten nachgesucht, die ihm die Möglichkeit geben würden, Verhandlungen über ein«

- 8

�eine wesentliche Erhöhung des Warenaustausches über den Atlantik zu
führen. Mit dem Ersuchen an den Kongreß, ihm diese Vollmacht zu gewähren, verfolgt der Präsident nicht die Absicht, die Spielregeln
zu diktieren, nach denen solche Verhandlungen geführt werden sollen.
Jene Regeln bleiben vielmehr Gegenstand gemeinsamer Vereinbarungen der
Verhandlungspartner«
Die wichtigste vom Präsidenten geforderte Verhandlungsvollmacht
soll ihn ermächtigen, Zollsenkungen auf amerikanischer Seite um bis
zu 50 Prozent zu vereinbaren.
Die vorgeschlagene Gesetzgebung würde außerdem eine Sondervollmacht enthalten, die es dem Präsidenten gestattet, in Verhandlungen
mit der EWG sogar amerikanische

Zollkonzessionen bis zu 100 Prozent

anzubieten. Diese Sondervollmacht könnte wegen der Art ihrer technischen Begrenzungen aber nur dann wirksam angewandt werden, wenn Großbritannien Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wird. Aus
dem Bemühen des Präsidenten, diese Sondervollmacht zu erhalten, spricht
aber keineswegs die Absicht, die gegenwärtig zwischen der EWG und Großbritannien schwebenden Verhandlungen zu präjudizieren. Sein Wunsch war
es lediglich, sich diese Vollmacht zu sichern, um auch mit einer erweiterten EWG verhandeln zu können für den Fall, daß jenen Verhandlungen Erfolg beschieden ist. Auf Grund dieser Sondervollmacht könnte
der Präsident bei einer begrenzten Zahl von Gütern - die hauptsächlich
von den Vereinigten Staaten und der erweiterten EWG angeboten werden bei entsprechenden Gegenkonzessionen Zollsenkungen bis zu 100 Prozent
vornehmen.
Das Ersuchen des Präsidenten um diese Sondervollmacht hat in
Europa einige Kritik ausgelöst. So hat man zum Beispiel angedeutet,
eine derartige amerikanische Initiative könnte den gemeinsamen Außenzolltarif aushöhlen, der die Europäische Gemeinschaft sowohl abgrenzt
als auch zusammenschließt.
Diese Sorge ist durchaus nicht begründet. Die Tatsache, daß im
Zuge von Handelsverhandlungen gewisse Güter von der EWG auf die Freiliste gesetzt werden, würde nicht die generelle Beseitigung des gemeinsamen Außenzolls bedeuten. Jedes unserer Länder hat bereits eine
Anzahl von industriellen Gütern auf der Freiliste stehen. So erheben
die Vereinigten Staaten gegenwärtig keine Zölle auf Schreibmaschinen.

- 9-

�Schreibmaschinen, Zeitungspapier, Kunstdünger und verschiedene Maschinentypen. Der gemeinsame EWG-Außenzoll wird für Synthesekautschuk, einige
Papierstoffe und Papiererzeugnisse, für gewisse Schiffs- und Bootstypen
sowie Schmuckwaren gleich null sein. Für Flugzeuge wurde er ausgesetzt.
Gibt es irgendeinen Grund, diese Freilisten nicht zu erweitern?
Darüber hinaus bezweifle ich, daß die Integrität des Gemeinsamen
Marktes in dem Maße von der Aufrechterhaltung eines relativ hohen
Außenzollniveaus abhängt, wie es behauptet wird. Die Auswirkung der
Zollsenkungen hängt wiederum davon ab, wie groß die Stufen gewählt
werden, Wenngleich ursprünglich die gemeinsame Außenzollmauer das
bestimmende Element gewesen sein mag, so hat doch die Gemeinschaft
ihre Integrität bereits durch andere weitreichende Maßnahmen hergestellt. Sie verfügt über ein gut ausgebautes institutionelles Gefüge,
und ihr Zusammenhalt wird - letzten Endes - von der laufenden Erweiterung des gemeinsamen Vorgehens auf immer mehr Bereiche gemeinsamer
Politik abhängen.
VII.
So wenig die Behauptung zutrifft, daß die Außenhandelsvorschläge
des Präsidenten in irgendeiner Form die Integrität des Gemeinsamen
Marktes bedrohen, so sehr scheint uns eine andere europäische Reaktion
übertrieben. Es handelt sich hierbei um die Ansicht, daß eine wesentliche Herabsetzung der Zölle auf beiden Seiten des Atlantiks nur dann
ohne Gefahr erreicht werden könne, wenn beide Parteien sich auf eine
gemeinsame Wirtschaftspolitik einigen. Im Endeffekt scheinen diese
Kritiken zu besagen, ein freierer Handel sei so lange unmöglich, bis
die Vereinigten Staaten es der EWG gleichtun und sich einer Disziplin
unterwerfen, die der von den römischen Verträgen verlangten ähnlich ist»
Dies ist meines Erachtens eine starke Überspitzung des Problems.
Mit der Beantragung einer neuen Handelsgesetzgebung schlägt der Präsident nicht die Bildung einer Zollunion oder Freihandelszone mit dem
Gemeinsamen Markt vor, ebensowenig empfiehlt er ein exklusives Handelsabkommen irgendwelcher Art mit der EWGt Was für Abmachungen auch getroffen werden, alle müssen auf der Basis der Meistbegünstigung abgeschlossen werden. Was er wirklich vorschlägt, ist vielmehr, daß die
Vereinigten Staaten im Einvernehmen mit der EWG auf eine Liberalisierung
- 10 -

�Liberalisierung des Handels unter Bedingungen hinarbeiten sollten, die
es allen Ländern gestatten, an den daraus resultierenden Vorteilen
teilzuhaben.

Dadurch zum Beispiel, daß die amerikanischen Löhne

wesentlich höher sind als die europäischen, werden unsere Exporte
nicht zwangsläufig wegen ihres Preises aus Ihrem Markt herausgedrängt,
und ebensowenig bleibt unser Markt Ihren Produkten wegen Ihrer geringeren Produktivität oder höheren Energiekosten verschlossen.
Dennoch sind wir uns darüber im klaren, daß - wenn der transatlantische Handel in der notwendigen Freiheit expandieren soll die Vereinigten Staaten und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft
zusammen auf eine zunehmende Koordinierung ihrer beiderseitigen Wirtschaftspolitik hinarbeiten müssen. Aus diesem Grunde haben wir auch
die Anregungen unserer europäischen Freunde zu energischerem gemeinsamem Vorgehen begrüßt.
Gerade weil meine Regierung die harten Tatsachen des Aufeinander-Angewiesenseins der Industriemächte erkannt hat, schlug sie die
Schaffung der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vor. Mit der Gründung dieser Organisation im vergangenen
September - und schon in den Monaten, die diesem Ereignis vorangingen hat die atlantische Gemeinschaft ein Instrument von unschätzbarem Wert
für das geordnete und beschleunigte Wachstum unserer Volkswirtschaften
erhalten. Und dabei haben wir gerade erst begonnen, die uns von den
zahlreichen OECD-Ausschüssen gebotenen Möglichkeiten der wirtschaftlichen Konsultation und Zusammenarbeit zu erschließen.
Wir sind bereit, bei der wechselseitigen Abstimmung unserer Wirtschaftspolitik und der Entwicklung und Verstärkung des Konsultationsund Koordinätionsinstrumentariums genau so weit zu gehen wie jedes
andere Mitglied der OECD. Wir sind bereit zu Beratungen über jeden
Aspekt der amerikanischen Wirtschaftspolitik, einschließlich des
weiten Feldes der Geld-, Finanz- und Handelspolitik. Ebenso sind wir
bereit, miteinander über die Harmonisierung unserer Landwirtschaftspolitik zu diskutieren, insbesondere über Maßnahmen, die darauf abzielen, der leistungsfähigen landwirtschaftlichen Produktion den Zugang zu den Weltmärkten zu erleichtern und die Agrarüberschüsse der
Welt konstruktiv und phantasievoll zu verwenden, um damit den Lebensinteressen der freien Welt - besonders in den Entwicklungsländern -

- 11 -

�Entwicklungsländern - zu dienen.
Wir erkennen auch, daß diese Konsultationen, wenn sie funktionieren
sollen, die Politik der einzelnen Länder im Entstehungsstadium - das
heißt, ehe sie durch offizielle Entscheidungen erhärtet ist - in Betracht
ziehen müssen.
Bei den Bemühungen um die Harmonisierung unserer Wirtschaftspolitik
fühlen wir uns natürlich verpflichtet, den Wettbewerb zu fördern und zu
erhalten sowie restriktive Maßnahmen zu vermeiden, Daß die EWG mit Vorschriften und Verfahren gegen die Kartellbildung angeht, scheint nach
unserer Meinung - durch Absteckung eines dem unsrigen ähnlichen Kurses die Möglichkeiten der Zusammenarbeit noch zu verbessern. Da unser Land
mit seiner langen antimonopolistischen Tradition unbeirrbar am Marktmechanismus als Wirtschaftsregulator festgehalten hat, begrüßen wir
diesen Schritt. Denn bei der Vertiefung und Verbreiterung des Terrains
der Zusammenarbeit müssen wir getreu unserer Tradition jeden Gedanken
an eine transatlantische Kartellisierung weit von uns weisen - und aus
diesem Grunde auch versuchen, Regelungen zu vermeiden, die möglicherweise den freien Kapitalfluß oder die Freiheit der Wahl des Unternehmers bei Investitionsentscheidungen beeinträchtigen.

VIII.
Der Weg des Freihandels ist nicht immer bequem. Innerhalb der
letzten zwei Wochen sah sich der Präsident der Vereinigten Staaten
gezwungen, Empfehlungen zur Erhöhung der Einfuhrzölle auf bestimmte
Arten von Teppichen und Flachglas zu billigen. Diese Empfehlungen
basieren auf Feststellungen der Zollkommission, die das Ergebnis
öffentlicher, allen Interessenten zugänglicher Informationsbefragungen
waren. Das löste wieder Kommentare in Europa aus, wo man sich fragte,
was dies auf lange Sicht für die amerikanische Handelspolitik zu bedeuten habe. Lassen Sie mich Ihnen genau sagen, was es zu bedeuten hat.
Im Augenblick beruhen die Vollmachten des Präsidenten zur Änderung
. der Zölle der Vereinigten Staaten, und zwar bis zur Verabschiedung
eines neuen Gesetzes, auf dem bestehenden Gesetz über Handelsabkommen.
Sinn und Tendenz dieses Gesetzes sind klar! Wenn ein amerikanischer
Industriezweig in ernsthafte Schwierigkeiten gerät, die auf Importe
zurückgeführt werden können, dann sieht das Gesetz die Wiedereinführung

_ 1 ? _

�.Wiedereinführung von Einfuhrbeschränkungen vor. Auf Grund dieses Gesetzes hat der Präsident die Zölle für Teppiche und Glas erhöht.
Dies war die einzige Form, in der der Präsident im Rahmen der bestehenden Gesetzgebung Abhilfe schaffen konnte. Das wird anders werden,
wenn der Kongreß das eingebrachte Gesetz über die Ausweitung des Handels
verabschiedet. Dieses Gesetz geht mit einer anderen Tendenz an die Probleme importbedingter Anpassung heran. Unter Berücksichtigung der Erfahrungen der EWG selbst sieht das Gesetz vor, daß derartige Probleme
in erster Linie durch Umstellungen im eigenen Lande zu überwinden sind.
Industriezweige, denen es Schwierigkeiten bereiten sollte, sich niedrigeren Zöllen anzupassen, sollen Finanz- und Steuerhilfen verschiedener
Art gewährt werden, die es ihnen ermöglichen, sich auf neue Produktionsgebiete umzustellen. Den Arbeitern wird man durch Umschulung und andere
Mittel helfen. Einfuhrbeschränkungen kommen nur noch in Ausnahmefällen
und dann nur für eine begrenzte Zeit in Betracht.
Aber selbst abgesehen von der vorgeschlagenen Änderung der Ausweichklauselpolitik der Vereinigten Staaten vermindert sich die Bedeutung der jüngsten Zollmaßnahmen, wenn man sie in die richtige Perspektive rückt. In all den Jahren, in denen die Ausweichklauseln das regui

läre Mittel waren, hat der Präsident nur in 17 Fällen ihre Anwendung
für nötig befunden.
Das ist eine beachtliche Leistung. Nur wenige Länder der Welt
haben solche Zurückhaltung geübt. Tatsächlich haben es einige der
Länder - ich betonet nicht alle -, die sich über die Maßnahme des
Präsidenten am meisten beschwert haben, bei früheren Gelegenheiten
für richtig gehalten, den Zollschutz vieler ihrer eigenen Industrien
wiederherzustellen. Manche von ihnen haben beispielsweise unter Berufung auf den GATT-Artikel XXVIII Hunderte von Tarifsätzen erhöht.
Andere haben gelegentlich in Verletzung des Abkommens zur Kontingentierung Zuflucht genommen. Derartige Maßnahmen haben oft zu großen
Härten geführt - insbesondere in anderen Teilen der freien Welt, wie
etwa in Japan.
Die wichtige Frage für uns ist jedoch nicht, welche Restriktionen
in der Vergangenheit angewandt wurden, sondern welche Politik wir in
Zukunft verfolgen wollen. Der jetzt dem amerikanischen Kongreß vorliegende Handelsgesetzentwurf verkörpert den Grundsatz, daß in bezug
auf den Importwettbewerb den Handelsanpassungen und nicht den Händels- 13 -

�Handelsrestriktionen der Vorzug gegeben werden sollte. Ich bin sicher,
daß dieser Grundsatz letztlich in den internationalen Handelsbeziehungen
weitgehende Anwendung finden wird.
Die Vereinigten Staaten betrachten es als selbstverständlich, daß
die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft weltoffen bleiben und nicht der
Versuchung nachgeben wird, einen eigenen, vom Rest der freien Welt
isolierten Handelsblock zu schaffen. Wir nehmen ferner an, daß sich die
Mitgliedstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft mit zunehmender
Stärke und Einheit Europas in steigendem Maße für die Sicherheit und
das Gesamtwohl der übrigen freien Welt mitverantwortlich fühlen werden.
Als die Nation mit den weitaus größten Hilfsquellen haben die Vereinigten Staaten seit Beendigung des zweiten Weltkrieges den Verteidigungsschild gestellt, hinter dem Europa sich entwickeln konnte. Sie
haben ferner für einen ständigen Kapitalfluß in die Entwicklungsländer
gesorgt, um ihnen bei der Verbesserung ihres Lebensstandards zu helfen,
der für ihre Stabilität und Unabhängigkeit von so wesentlicher Bedeutung
ist.
Das alles konnte nicht ohne Kraftanspannung und Mühe vollbracht
werden. Unser heutiges, störendes Zahlungsbilanzdefizit beweist in
dramatischer Weise, welche schwere Last die Vereinigten Staaten zu
tragen haben. Die Ursachen dieses Defizits sind einzigartig in der
Geschichte. Es resultiert nicht etwa aus dem Versagen der Vereinigten
Staaten im Wettbewerb auf den Weltmärkten - denn unsere Handelsbilanz
weist weiterhin einen jährlichen Überschuß von mehreren Milliarden Dollar
auf. Sondern es ergibt sich klar und eindeutig aus der Tatsache, daß wir
außerordentlich große Anstrengungen im Interesse der Verteidigung der
freien Welt und der Entwicklungshilfe auf uns genommen haben.
Die Vereinigten Staaten werden nicht schwankend in ihrer Pflichterfüllung. Sie werden auch weiterhin ihren vollen Anteil an den finanziellen und technischen Lasten des Sicherheitsschilds der freien Welt
tragen. Die Regierung der Vereinigten Staaten ist mit Zurückhaltung
an die Lösung ihrer Zahlungsbilanzprobleme herangegangen. Sie hat
Vorschläge zum Ausgleich ihrer Bilanz entweder durch restriktive
Maßnahmen oder auch durch einen Abbau unserer weltweiten Verpflichtungen abgelehnt.
Gleichzeitig

�Gleichzeitig brauche ich kaum zu betonen, daß dieses kontinuierliche
Defizit ein Anlaß zu ständiger Besorgnis für meine Regierung ist. Und
wir sind nicht restlos davon überzeugt, daß Europa, das zu immer größerer
Stärke und Einheit zusammenwächst, schon den vollen Anteil an den Lasten
trägt, den es seiner wachsenden Starke entsprechend übernehmen könnte.
Bei der uns gestellten Aufgabe kann man zwei Teile unterscheiden.
Die zwingende Notwendigkeit, noch größere militärische Anstrengungen
zu unternehmen, um die Glaubwürdigkeit unserer Abschreckungsmacht zu
erhöhen, habe ich bereits erörtert. Es bedarf kaum der Erwähnung, daß
der unverhältnismäßig hohe Anteil der gemeinsamen Verteidigung, den die
Vereinigten Staaten zu tragen haben, eine der Hauptursachen unserer
Zahlungsbilanzschwierigkeiten ist. Die Unterhaltung unserer militärischen Streitkräfte in Europa zum Beispiel bedeutete im letzten Jahr
für die Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten einen Nettoabfluß von
1,6 Milliarden Dollar.
Der zweite Teil der Aufgabe betrifft die Verantwortung, die wir
in den hochindustrialisierten Ländern der atlantischen Gemeinschaft
gegenüber jener Hälft© der Bevölkerung der freien Welt tragen, die noch
keinen annehmbaren Lebensstandard erreicht hat. Diese Verantwortung
verlangt, daß wir ihnen die finanziellen Mittel zuleiten, die notwendig
sind, um jenen Hunderten von Millionen Menschen eine angemessene - und
schließlich von selbst weiterwachsende - wirtschaftliche Entwicklung zu
ermöglichen; sie verlangt, daß wir auf diese Weise dem Imperativ der
"Revolution der steigenden Erwartungen" Folge leisten.
Gestatten Sie mir an dieser Stelle, die deutsche Regierung und
das deutsche Volk zu dem wachsenden Verständnis für die Größe dieser
Aufgabe zu beglückwünschen, das sie an den Tag gelegt haben. Wir in
den Vereinigten Staaten vertrauen darauf, daß Sie mit zunehmender
Stärke Ihre Anstrengungen weiter vergrößern, die Qualität Ihrer Hilfeleistungen weiter verbessern werden - durch Ausweitung des Umfangs
Ihrer'Entwicklungshilfe und durch Gewährung dieser Hilfe zu Bedingungen,
die geeignet sind, die Belastung der Zahlungsbilanzen der Empfängerländer nach Möglichkeit zu vermindern.
Zu den von uns zu bewältigenden Problemen gehört auch die Koordinierung und Ausweitung unserer Hilfsprogramme. Dafür haben wir uns
im Entwicklungshilfe-Ausschuß der OECD ein großartiges Instrument ge-

- 15 -

�geschaffen. Wenn wir dieses Werkzeug tatkräftig und entschlossen einsetzen, sollten wir imstande sein, es in eine für unsere gemeinsamen
Anstrengungen sehr nützliche Institution zu verwandeln. In diesem Ausschuß ist man zur Zeit dabei, Arbeitsstäbe jeweils für bestimmte
Länder und Gebiete zu schaffen, die bei der Koordinierung, Ausdehnung
und Anwendung der wirtschaftlichen Unterstützung der betreffenden
Länder und Gebiete Hilfestellung leisten sollen. Jede Arbeitsgruppe
wird aus Vertretern von zwei oder mehr Industrieländern sowie - falls
erforderlich - auch Vertretern der vorhandenen internationalen
Finanzinstitute gebildet. Diese Gruppen sollen natürlich in engstem
Einvernehmen mit den Empfängerländern zusammenarbeiten.

X.
Aber die direkte Unterstützung kann nur ein Teil der Aufgabe seinFrüher oder später müssen die Entwicklungsländer selbst dahin kommen,
daß sie ihr wirtschaftliches Wachstum über die unmittelbare Injektion
auswärtiger öffentlicher Mittel hinaus erweitern und aufrechterhalten.
Das aber können sie auf lange Sicht nur durch die Schaffung von Umweltbedingungen erreichen, die der Privatinvestition Vorschub leisten, sowie
durch den Verkauf ihrer Güter an die Welt zu einigermaßen stabilen
Preisen.
Für die nächsten Jahre schon zeichnet sich eine erhebliche Evolution
d«s Charakters der'wirtschaftlichen Bindungen zwischen den fortgeschrittenen Ländern und den aufstrebenden Gebieten Asiens, Lateinamerikas und Afrikas ab. Zwei Muster sind möglich« im einen Falle werden
die Entwicklungsländer in zunehmendem Maße Zugang zu den Märkten aller
fortgeschrittenen Nationen der Welt erlangen und auf dieser Grundlage
das eigene Wachstum beschleunigen können, im anderen Falle werden sich
die Gepflogenheiten des Präferenzhandels aus den alten Kolonialsystemen
in neuen Formen verewigen.
Der zweite Weg führt jedoch in eine Sackgasse. Er tendiert zur
Verzerrung der Handelsströme, zur Züchtung einer künstlichen und unwirtschaftlichen Produktion, zur Beschränkung der Spannweite der
Wirtschaftsaufgliederung und zur fortgesetzten Diskriminierung anderer
Entwicklungsländer. Außerdem werden die Länder innerhalb der Präferenzsysteme - selbst wenn sie im Augenblick ihre Privilegien attraktiv

- 16 -

�attraktiv finden mögen - sich allmählich gegen jede Regelung sträuben,
die ihnen auf die Dauer die Freiheit der Wahl beschneidet.
Falls sich die Vereinigten Staaten und die EWG gemeinsam entschließen, ihre Märkte den Rohprodukten der Entwicklungsländer auf der
Basis der Nichtdiskriminierung zu öffnen, können sie einer Evolution
den Weg weisen, die auf lange Sicht ein gesundes Welthandelsklima
schaffen wird, in dem die Entwicklungsländer ihre Weltmarktproduktion
nach und nach auszubauen vermögen. Es ist klar, daß dies nicht über Nacht
zu erreichen ist. Der Übergang zur Nichtdiskriminierung im Handel mit
den Entwicklungsländern erfordert Übergangsregelungen, Kompensationsverfahren, die den heute noch auf Präferenzbehandlung angewiesenen
Ländern die Umstellung auf die Nichtdiskriminierung erleichtern, und
Unterstützungsmaßnahmen, die ihnen die Durchführung zweckdienlicher
langfristiger Entwicklungspläne ermöglichen.Außerdem ist notwendig,
daß die wirtschaftlich fortgeschrittenen Länder eng zusammenarbeiten, um
sicherzustellen, daß dem kritischen Problem der Preisfluktuation auf
den Rohstoffmärkten durch adäquate weltumspannende Abkommen in gebührender
Weise Rechnung getragen wird.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Anteil zu solchen Bemühungen beizusteuern.
Bei einem solchen Kurse werden Sie und wir auf lange Sicht zu
einer Weltnachbarlichkeit gelangen, in der die wirtschaftlich fortgeschrittenen Länder sich in die Verantwortung für die Unterstützung
der Entwicklungsländer sowohl durch Handel als auch durch Wirtschaftshilfe teilen, weil sie genau erkannt haben, daß es sich hier um
Probleme von solchem Ausmaß handelt, daß wir alle uns zu Gebote stehenden Hilfsmittel, technischen Fähigkeiten und Geistesgaben aufbieten müssen,
wenn es uns gelingen soll, Stabilität und Stärke in der freien Welt zu
schaffen.
Abschließend möchte ich daran erinnern, daß Präsident Kennedy
aufgerufen hat, die sechziger Jahre zu einem "Jahrzehnt der Entwicklung"
zu machen - zu dem Jahrzehnt, in dem die wirtschaftlich fortgeschrittenen
Länder, orientiert an hohen Leitideen und mit einem Gespür für den Gang
der Geschichte, die Rolle spielen, die ihrer Traditionen und ihrer
Stärke würdig ist.
Dit

�Die atlantische Partnerschaft verfügt über die Mittel, dieses
Ziel zu erreichen. Wir machen Fortschritte. Wir müssen und wir werden
unsere Anstrengungen verstärken. Wenn wir dies tun - und die Früchte
unseres Wohlstandes mit anderen teilen -, dann können wir aus unserer
Zeit eine Ära machen, die die Historiker nicht wegen der Aufregungen
und der Bitternis des kalten Krieges, sondern als den Moment festhalten werden, an dem die Menschheit endlich doch den Weg zur Freiheit
von Not und Furcht gefunden hat.

* * * * *

- 18 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./19-4«1962
DIE VERTEIDIGUNGSPOLITIK DER USA UND DIE NATO
Von Paul H. Nitze

HAMBURG - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die der
Unterstaatssekretär für Internationale Sicherheit im US-Verteidigungsministerium, Paul H.
Nitze, auf Einladung der Amerika-Gesellschaft
am 11 . April '\962 in Hamburg in deutscher Sprache
gehalten hat.

Es ist mir eine Freude, wieder einmal in Deu tschland zu sein und
zu Ihnen sprechen zu dürfen. Als besonders glückl iches Omen betrachte
ich es, daß meine Deutschlandfahrt unter der Schi rmherrschaft der
Amerika-Gesellschaft und der Atlantik-Brücke stat tfindet, denn jener
Brückenschlag über den Atlantik, für den Ihre bei den Organisationen
sich einsetzen, bietet die beste Gewähr für Fortb estand und Gedeih
der Ihnen hier und uns in Amerika gemeinsamen Kul tur und Zivilisation,
Auf der Stärke dieser Atlantischen Gemeinschaft, so scheint mir, beruht auch die Hoffnung der übrigen Welt auf eine vernünftige internationale Ordnung, in der alle Nationen ihr eigenes Schicksal frei von
äußerem Druck und Zwang gestalten können - voraus gesetzt, wir verbinden Kraft mit weiäem Maßhalten.
In dieser Stunde möchte ich mit Ihnen vier Hauptthemen durchsprechen:
1 . die Grundkonzeption der Vereinigten Staaten, die in der NATO
den schlechthin zentralen Faktor sieht für eine wirksame Verteidigung
der unabweisbar aufeinander angewiesenen nordamerikanischen und westeuropäischen Länder;
2. die innere Logik des Eintretens der Vereinigten Staaten für
den weiteren Ausbau der konventionellen Streitkräfte einerseits und
die weitere Verstärkung der westlichen atomaren Abschreckung andererseits;
5. die Fortschritte der Vereinigten Staaten und der übrigen
NATO-Mächte in ihrem Bemühen um die weitere militärische Stärkung
der NATO nicht hur für die derzeitige Krise um Berlin, sondern auf
lange Sicht.
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4. einige persönliche Gedanken über die künftige Entwicklung
der NATO und der Atlantischen Gemeinschaft, Gedanken, die den untrennbaren Zusammenhang der Verteidigung Europas und Nordamerikas
und die verjüngte Kraft der europäischen NATO-Mitglieder zum Ausdruck bringen werden.
Ich brauche Ihnen kaum zu sagen, mit welch warmen Interesse,
mit welch innerer Anteilnahme wir in Amerika den Aufstieg Westeuropas beobachtet haben - aus der Zerrüttung des zweiten Weltkrieges
zum Wiederaufbau, gefördert durch den Marshallplan; dann zur Gemeinschaft für Kohle und Stahl, weiter zum Gemeinsamen Markt und Euratom
und schließlich jetzt zu intensiver Suche nach der Form einer noch
engeren politischen Verbindung der westeuropäischen Nationen. Gleichzeitig mit dem Heranwachsen dieser immer kräftigeren und festeren
Europäischen Gemeinschaft wuchs auch jene Atlantische Gemeinschaft,
zu deren Vertiefung gerade die Amerika-Gesellschaft und die AtlantikBrücke so erheblich beitragen. Diese Entwicklung zur Atlantischen
Gemeinschaft beruht auf einer Vielzahl gemeinsamer kultureller,
geschichtlicher und politischer Bande und wirtschaftlicher Interessen.
Heute, angesichts der vorhandenen und noch wachsenden militärischen
Stärke des Ostblocks, besteht eine klare, offenbare Notwendigkeit
engsten Zusammenwirkens auf militärischem Gebiet innerhalb der westlichen Staatengruppe und insbesondere zwischen Westeuropa und Nordamerika. Die moderne Technik und ihre Auswirkungen auf den Raumund den Zeitfaktor in aller strategischen Planung haben in der Tat
die Auffassung überholt, daß die Mitglieder der Atlantischen Gemeinschaft ihre Verteidigung auf einzelstaatlicher Basis planen
könnten, wie einst im 19» Jahrhundert. Heute ist die Verteidigung
Europas und Nordamerikas unteilbar. Aus dieser Erkenntnis gemeinsamer Verteidigungsinteressen ist die NATO erwachsen, die eines der
besten Beispiele für die vitale Fähigkeit unserer gemeinsamen Kultur
ist, neuen Anforderungen und Herausforderungen zu begegnen.
Anlaß und Ansporn für die NATO liegen im erklärten, dogmatisch
verankerten kommunistischen Willen, den Sozialismus in Anführungsstrichen, das heißt den Kommunismus, in der ganzen Welt zur Herrschaft zu bringen. Das kommunistische Dogma in seiner neueren Abwandlung postuliert als Methodik zur Erreichung dieses Zieles die
sogenannte "friedliche Koexistenz", welche nach kommunistischer
Definition;,"gerechte Kriege", wie zum Beispiel "Befreiungskriege",
einschließt. Die ungewöhnlich pervertierte -Sprachregelung der totalitären kommunistischen Regime, die sich selbst als "Demokratien"
bezeichnen, westliche Verteidigungsmaßnahmen aber als "aggressiv"
charakterisieren, verwirrt die Begriffe in manchen Köpfen. "Frieden"
ist vom kommunistischen Standpunkt lediglich ein Zustand, der es dem
Kommunismus erlaubt, ohne offenen militärischen Konflikt, seine
Herrschaftsziele zu erreichen. Nach kommunistischer, die Dinge auf
den Kopf stellender Logik geht die einzige Gefahr für den Frieden von
denen aus, die dem kommunistischen Angriffsdruck Widerstand leisten,
die mit anderen Worten willens sind, sich eher mit der Waffe zu verteidigen als die ideellen Werte ihrer eigenen, frei gewählten

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gewählten Gesellschaftsform aufzugehen. Schon Clausewitz hat festgestellt, der Angreifer sei immer friedliebend, denn er wünsche ja
nichts so sehr als Gebietserwerb von einem Opfer, das sich nicht wehrt.
Clausewitz bemerkt dazu, Krieg existiere "im Interesse des Angegriffenen" und resultiere aus dessen Willen, lieber für seine Lebensinteressen zu kämpfen als sie dem Angreifer widerstandslos preiszugeben.
Das Anwachsen der sowjetischen Militärmacht, die einheitliche
Steuerung jedenfalls der europäischen Ostblockstaaten vom Moskauer
Zentrum und die vorher erwähnte kommunistische Weltherrschaftsideologie stellen zusammengenommen die Atlantische Gemeinschaft auf die
schwerste Probe. Die NATO ist unsere grundsätzliche Antwort auf diese
Herausforderung.
Aufeinanderfolgende Präsidenten der Vereinigten Staaten haben
konsequent die entscheidende Bedeutung der NATO anerkannt. Als vor
nunmehr etwa fünfzehn Monaten die neue demokratische Regierung ihr
Amt antrat, ordnete Präsident Kennedy sogleich eine Überprüfung unserer Verteidigungserfordernisse an, einschließlich der strategischen
Planung und des atomaren und nichtatomaren Potentials unserer Streitkräfte. Diese Überprüfung führte zu dem Ergebnis, daß innerhalb der
amerikanischen Gesamtpolitik der Sicherung Europas und der Stärkung
des NATO-Bündnisses auch weiterhin überragende Bedeutung zukommt.
Unsere Verpflichtungen zur Aufrechterhaltung der europäischen Sicherheit und unsere Absicht, die amerikanischen Streitkräfte hier in
Europa stark zu halten, sind daraufhin von Präsident Kennedy im vergangenen Frühjahr ausdrücklich bekräftigt worden.
Für eine Bestandsaufnahme unserer Verteidigungspolitik im Vorjahr sprach auch ein Gefühl, daß die Verhältnisse innerhalb der NATO
sich seit dem Gründungs jähr 1949 geändert haben. Damals lag die wesentliche Bedeutung des Bündnisses in der von Amerika übernommenen
Verpflichtung, seine Macht für Europa einzusetzen. Inzwischen hat die
NATO sich über den Punkt hinaus, wo das Bündnis in erster Linie auf
den amerikanischen Beitrag angewiesen war, zu einem in militärischer
und anderer Hinsicht ausgeglicheneren Verhältnis wechselseitiger Abhängigkeit zwischen den amerikanischen und den europäischen Partnern
entwickelt. Das ist nur natürlich. Erstens ist es heute weder angängig
für Westeuropa, die ganze Skala von Waffen und Streitkräften - konventionellen und atomaren - zu entwickeln, die als Gegengewicht gegen
die östliche militärische Bedrohung notwendig sind, noch ist es angängig für die Vereinigten Staaten, sich militärisch auf sich selbst
zurückzuziehen und eine "autarke" Verteidigung ohne NATO aufzubauen.
Zweitens rechtfertigt die erstaunliche Wirtschaftsentwicklung Westeuropas im letzten Jahrzehnt, die übrigens die Vitalität der gesamten
westlichen Zivilisation erneut beweist, eine gleichmäßigere Verteilung
der wirtschaftlichen Lasten der gemeinsamen Verteidigung des Westens.
Drittens erwachsen den Europäern aus ihrer zunehmenden politischen
Einigung und politischen Stärke auch größere Verpflichtungen innerhalb
der NATO. Wie Ihr Verteidigungsminister, Herr Strauss, es in seinem
Nash-Memorial-Vortrag an der Georgetown-Universität im November vorigen
Jahres ausdrückte: "Aus der früheren Einbahnstraße ist eine Zweibahnstraße geworden, auf welcher der Verkehr in beiden Richtungen fließt."

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3 -

Aus

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Aus dieser allgemeinen Sicht heraus ist unsere neue Regierung an
die Überprüfung ihrer ersten verteidigungspolitischen Entscheidungen
herangegangen. Die unmittelbaren operativen Entschlüsse, die wir
im Verteidigungsministerium nach dem Amtsantritt zu fassen hatten,
mußten sich zwangsläufig zunächst ganz konkret mit Personal-, Ausrüstungs- und Geldfragen befassen. Grundsatzentscheidungen über die
einzuschlagende strategisch-politische Gesamtrichtung dienen nicht
nur als Richtlinien für solche praktischen Entschlüsse, sondern werden auch weitgehend von früheren operativen Entschlüssen beeinflußt.
Aber schon diese Entscheidungen beruhten auf abwägender Prüfung und
überlegter Wahl zwischen möglichen Alternativen.
Unsere weltweiten Verpflichtungen überblickend, kamen wir zu dem
Schluß, daß wir imstande sein müssen, drei verschiedene Formen der
militärischen Herausforderung entweder durch Abschreckung, d.h. durch
Furcht vor unseren Gegenmaßnahmen, überhaupt zu verhindern oder - falls
die Abschreckung versagt - wirksam zu bekämpfen, nämlich den Atomangriff, den Angriff mit konventionellen Waffen und den "indirekten"
Angriff - wobei der indirekte Angriff von der systematischen Zersetzungskampagne über den Partisanenkrieg Öis zum offenen Aufstand
reicht.
Unser Bemühen geht folglich dahin, für alle drei Arten der Bedrohung gewappnet zu sein. Bedeutung und Notwendigkeit einer Rüstung
zur Abwehr der Gefahren Nummer 1 - Atomangriff - und Nummer 3 indirekter Angriff, also Partisanenkrieg usw.- werden allgemein anerkannt und verstanden. Nicht so ganz verstanden werden dagegen vielfach die Gründe für den Ausbau von Streitkräften für Gefahr Nummer 2
sowie der Zusammenhang zwischen einem solchen Ausbau der konventionellen Kräfte und der Verteidigung der NATO-Zentralfront.
Als zweites Hauptthema dieses Vortrags möchte ich daher die Erläuterung der Gründe ansprechen, welche hinter der amerikanischen Auffassung stehen, daß das Verhältnis zwischen dem nichtatomaren und dem
atomaren Potential der NATO verbessert werden muß, Ich bin mir darüber
klar, daß von manchen der Ausbau der nichtatomaren Streitkräfte für
überflüssig gehalten wird in einer Welt, in der jede der beiden Mächtegruppen, die sich am Eisernen Vorhang gegenüberstehen, Kernwaffen besitzt. Man argumentiert beispielsweise, jeder bewaffnete Konflikt
müsse sich zwangsläufig und unverzüglich zum allgemeinen Atomkrieg
steigern, der weitere Ausbau der konventionellen Streitkräfte verrate
defätistisches Denken, er rufe Spaltungen unter den Bundesgenossen
hervor und erschüttere in den Augen der Sowjets die Glaubhaftigkeit
unserer atomaren Abschreckungsstrategie.
Ich kann mit dieser Beurteilung nicht übereinstimmen. Ich bin
vielmehr der Ansicht, daß gerade eine Verstärkung unserer konventionellen Kräfte unseren Willen, gegebenenfalls zum atomaren Gegenschlag
auszuholen, glaubhafter machen würde. Außerdem würde uns eine solche
Verstärkung schon an und für sich gestatten, auf eine direktere und
zweckentsprechendere Weise gewissen kommunistischen nichtnuklearen

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nichtnuklearen Angriffsaktionen zu begegnen. Sie würde die Handlungsfreiheit der Kommunisten beschränken und sie mehr als bisher
davon abschrecken, es mit den ihnen zur Verfügung stehenden nichtatomaren Angriffsmöglichkeiten zu versuchen. Eine Verstärkung der
konventionellen Streitkräfte ist schließlich auch Vorbedingung für
eine echte Vorwärtsstrategie in der Verteidigung Europas, d.h.
eine Strategie, die darauf abgestellt ist, jeden kommunistischen
Angriff schon an den Grenzen abzufangen - und nicht erst, nachdem
der Gegner über die Grenzen hinaus vorgedrungen ist.
Überlegen Sie bitte, welche Art von NATO-Rüstung, welche programmatischen Erklärungen, welche Handlungsweise auf unserer Seite
wohl am meisten geeignet wäre, das Urteil der Sowjetunion darüber
zu beeinflussen, wie weit sie sich mit Angriffsaktionen vorwagen darf,
ohne dabei unerwünscht nahe an den Abgrund eines Atomkriegs zu geraten.
Ich möchte glauben, daß der stärkste Eindruck von der westlichen
Kernwaffenrüstung ausgehen würde, von der Tatsache, daß das Arsenal
unserer Kernwaffen jeden möglichen Angriff sowjetischer Streitkräfte
zu überstehen vermag, daß diese Waffen die sowjetische Verteidigung
durchbrechen können und daß sie wirksamer, verantwortungsbewußter
Kontrolle unterliegen. Auch die Zahl, Treffsicherheit und Zerstörungskraft der Atomwaffen des Westens dürften Eindruck machen und
eine sehr glaubwürdige Abschreckung darstellen.
Als zweiter Faktor sind westliche Äußerungen und Erklärungen
anzusehen, die die Sowjets erkennen lassen, welche seiner Interessen
der Westen unbedingt zu wahren entschlossen ist. Führende Persönlichkeiten der westlichen Welt haben bereits in klaren und unmißverständlichen Worten gewarnt, daß wir alle fest entschlossen sind, unsere
westlichen Interessen in Berlin zu verteidigen.
Der dritte Faktor sind Taten. Welches sind nun die Taten, durch
die wir beweisen können, daß Angriffe gegen unsere Interessen, sofern
sie andauern, eine Situation schaffen, in der das Risiko eines Atomkrieges sich zum äußersten steigert? Untersuchen wir einmal zwei verschiedene angenommene Fälle:
Erster angenommener Fall: Die NATO-Zentralfront wird nur von sehr
schwachen westlichen Kräften gehalten. Das bedeutet die Gefahr eines
tiefen Einbruchs durch nichtatomare Sowjetstreitkräfte der Gegenseite.
Auch, falls es sich nur um einen kleinen sowjetischen Einbruch handelte, stünde dem Westen nur eine militärische Gegenmaßnahme offen der sofortige Einsatz von Atomwaffen.
Zweiter abgenommener Fall: Die NATO-Zentralfront ist dicht besetzt
und es besteht eine durchgehende Frontlinie nach dem Konzept der Vorwärtsstrategie. Genügende NATO-Kräfte stehen bereit, um im Falle einer
sowjetischen Verletzung westlicher Interessen in Berlin einen energischen,nichtatomaren Vorstoß in den Luftkorridoren oder längs der Autobahn vorzutragen. Solch ein Vorstoß könnte nur unter beträchtlichem

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beträchtlichem Einsatz sowjetischer Kräfte und nur im Rahmen größerer
sowjetischer Kampfhandlungen gegen NATO-Kräfte zurückgeworfen werden,
was dann zweifellos zu einem westlichen Atomwaffeneinsatz führen würde.
Angenommen, Sie befänden sich auf der anderen Seite. Welche dieser
beiden hypothetischen Situationen würde Ihrer Ansicht nach das größere
Atomkriegsrisiko bergen? In welcher von beiden Situationen wären Sie
eher geneigt, von einer Reihe von Maßnahmen abzusehen, die dazu dienen
sollen, die westlichen Interessen Zug um Zug zu unterminieren? Für mich
ist die Antwort klar. Für mich ist es sehr viel wahrscheinlicher, daß
der Westen es im zweiten Falle nach Lage der Dinge für politisch tragbar hielte, zum Schutze seiner Interessen tatkräftig zu handeln. Daß
der Westen unter den Umständen des ersten Falles eine solche Initiative
akzeptabel fände, ist meines Erachtens weniger wahrscheinlich.
Dann dies ist das Problem: In der ersten unserer beiden angenommenen
Situationen wäre es einfach nicht glaubhaft, daß wir oder irgend jemand
sonst einen bloßen "Zwischenfall" mit dem sofortigen Einsatz von Atomwaffen beantworten würden.
Einige Gegner der Verstärkung der konventionellen Streitkräfte
fürchten, wir könnten bei fortschreitendem Ausbau unserer Kräfte
versucht sein, uns in Zukunft ausschließlich auf die nichtatomaren
Verbände zu verlassen, und zwar selbst im Falle eines Vorstoßes
kommunistischer Kräfte in NATO-Gebiet. Diese Furcht ist unbegründet.
Im Falle eines massiven Angriffs mit konventionellen Waffen, dett
einen bedeutenden Teil des NATO-Gebiets in die Gefahr brächte, überrollt zu werden, würde der Westen mit allen verfügbaren Mitteln antworten, Atomwaffen eingeschlossen.
Diese Überlegungen gelten in besonderem Maße für die gegenwärtige
Lage in Berlin. Die Bewahrung der Freiheit Berlins ist für den Westen
weit wichtiger als die Unterdrückung eben dieser Freiheit für die Sowjets
Wir müssen geeignete Mittel zur Hand haben, um ihnen diese Tatsache über
jeden Zweifel hinaus klarzumachen, und zwar durch Handlungen ebenso wie
durch Worte. Wir müssen sie zur vollen Erkenntnis des Risikos bringen,
das sie eingehen, wenn sie ihre Kampagne gegen die Freiheit Berlins
weiter und weiter vorantreiben - des Risikos nämlich, daß sie sich
selbst in eine Lage bringen könnten, aus der es kein Zurück mehr gibt.
Dies bringt mich zum dritten Hauptthema meines Vortrags: die wachsende militärische Gesamtstärke der NATO. Zum Teil ist diese wachsende
Stärke das Ergebnis von Maßnahmen der Vereinigten Staaten. Die neue Regierung Kennedy entschied sogleich nach ihrem Amtsantritt, daß es eine
ihrer ersten Aufgaben sein müsse, dafür Sorge zu tragen, daß die Vereinigten Staaten bereit seien, ihren vollen Beitrag zur Abwehr sowohl
der atomaren als auch der nichtatomaren Bedrohung des Westens zu leisten.
Dabei ergaben sich praktische Probleme hinsichtlich der allgemeinen
Organisation der Streitkräfte, des Beschaffungswesens, der militärtechnischen Forschung und Waffenentwicklung sowie der Ausbildung.
Die

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Die erste Hälfte unseres militärischen Programms war darauf
gerichtet, die amerikanische Kernwaffenrüstung qualitativ auf einen
noch höheren Stand zu bringen, unsere Kernwaffen gegen Zerstörung
durch Überraschungsangriffe zu sichern und das Kontroll- und Befehlssystem für die Kernwaffen zu verbessern. Die zweite Hälfte unseres
Programms hatte eine wesentliche Erhöhung unseres nichtatomaren Potentials zum Ziel. In beiden Richtungen haben wir bereits sehr erhebliche
Fortschritte zu verzeichnen.
Wir sind heute auf Grund unserer Anstrengungen im Kernwaffenbereich
überzeugt, daß wir durchaus imstande sind, jedes Zielobjekt unserer
Wahl zu zerstören, und zwar selbst dann, wenn wir zunächst einmal einen
nuklearen Überraschungsangriff überstehen mußten. Seit Präsident Kennedys
Regierungsantritt ist das Bauprogramm für Polaris-Unterseeboote auf
insgesamt 41 erweitert worden; gleichzeitig wurden die Auslieferungsfristen dergestalt verkürzt, daß von den Booten 12-29 eins pro Monat und
von den Booten 30-41 eins alle zwei Monate übernahmefertig wird. Schon
heute hat das Polaris-Personal insgesamt 125 000 Stunden "Einsatzerfahrung" gesammelt. Das Bauprogramm für zunächst zwölf Gruppen mit
insgesamt 600 Minuteman-Langstrecken-Feststoffraketen in geschützten
und gestreuten Feuerstellungen wird zur Zeit durchgeführt. Es ist schon
jetzt geplant, später nochmals vier und wahrscheinlich noch weitere
Gruppen hinzuzufügen. Auch haben wir die ursprünglich für die Weiterentwicklung der Skybolt-Langstreckenrakete vorgesehenen Beträge noch
vergrößert. Zum Schutz unserer strategischen Bombenflugzeuge vor der
Zerstörung durch Überraschungsangriffe haben wir die Alarmbereitschaft
der am Boden bereitstehenden und auch die Anzahl der ständig in der Luft
befindlichen Bomber erhöht. Dazu sind unsere Luftabwehr und unsere Warnsysteme weiter verbessert worden. Gleichzeitig werden Forschung und
Weiterentwicklung auf dem Gebiet der Abwehrraketen gegen interkontinentale
ballistische Flugkörper vorangetrieben. Vielleicht am entscheidendsten
für die nähere Zukunft ist die Tatsache, daß wir neuerdings imstande sind,
fünfzig Prozent unserer bemannten Bomber auf den Plätzen binnen fünfzehn
Minuten einsatzbereit zu machen.
Wir haben ferner die Organisation und einige technische Aspekte
des Befehls- und Kontrollsystems für unsere strategischen Abschreckungswaffen sorgfältig überprüft. Wir wollen sichergehen, daß die zuständige
politische Instanz jederzeit in der Lage ist, persönlich die bestimmende
Kontrolle über den Kernwaffeneinsatz auszuüben.
Da wir nunmehr mit den beiden Problemen der Abschirmung unserer
Kernwaffen gegen Überraschungsangriffe und der Handhabung des Befehlsund Kontrollsystems für den Einsatz dieser Waffen besser zu Rande kommen,
sind wir der Auffassung, daß die Atomstreitmacht, die dem Westen insgesamt zur Verfügung steht - einschließlich auf dem europäischen Kontinent
stationierten NATO-Kernwaffenstreitkräfte - unserer Seite rein militärisch
einen deutlichen atomaren Vorteil verschafft. Wir glauben ferner, daß
dieser Vorteil in Zukunft weiter erhalten bleiben kann, auch wenn beide
Seiten modernere Waffensysteme entwickeln und für den Einsatz bereitstellen. Dieser militärische Vorteil ist von zentraler Bedeutung für jedes

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jedes politisch-strategische Kalkül und besonders für die Berechnung
des Grades wechselseitiger Abschreckung, die sich aus dem Verhältnis
der Machtpositionen beider Seiten ergibt.
Zur anderen Hälfte war das militärische Anfangsprogramm unserer
neuen Regierung,wie gesagt, auf die Verstärkung unserer konventionellen Streitkräfte ausgerichtet, sowohl um den Gegner von der Entfesselung
eines allgemeinen Krieges abzuschrecken, als auch um nichtatomaren
Angriffen zu begegnen. Mit der schweren Krise in Berlin als zusätzlichem Antrieb haben wir auch auf diesem Gebiet erhebliche Fortschritte
erzielt. Präsident Kennedy hatte Reformen auf drei Gebieten für vordringlich erklärt: 1. größere Konzentration auf Entwicklung und Herstellung nichtatomarer Waffen und auf die diesbezügliche Forschung;
2. Steigerung der Beweglichkeit der konventionellen Streitkräfte,
insbesondere durch stärkere Bereitstellung von Luft- und Seetransportmitteln für Truppen- und Material Verschiebungen; 3. mehr Personal
und Ausbildung für die Abwehr "indirekter" Angriffe, das heißt also für
die Bekämpfung von Partisanen, Insurgenten und ähnlichen Gruppen. Statt
der elf ständig einsatzbereiten Divisionen vom Juli 1961 haben wir heute
16 solcher Divisionen, was einer Verstärkung um etwa 45 Prozent entspricht. Außerdem sind hinsichtlich unserer taktischen Luftwaffe, unserer Marine sowie unseres Nachschub- und Versorgungssystems erhebliche
Verbesserungen zu verzeichnen.
Diese greifbaren Fortschritte in der amerikanischen nichtatomaren
Rüstung finden ihre Ergänzung in entsprechenden Maßnahmen unserer
NATO-Verbündeten. Bei diesem Auf- und Ausbau von Streitkräften spielte
die Bundesrepublik eine führende Rolle. Sie hat schon Ende 1961 neun
NATO-DiVisionen gestellt, und die inzwischen getroffenen Dispositionen
erlauben die Annahme, daß bis Ende 1962 zwei weitere Divisionen folgen
werden. Auch Kanada, Frankreich und die Niederlande haben den Anforderungen in einer Weise entsprochen, die besonders bemerkt zu werden verdient.
Jahrelang ist die NATO hinter der festgelegten, von den Mitgliedstaaten vereinbarten Sollstärke der konventionellen Streitkräfte zurückgeblieben. An der entscheidenden Zentralfront beträgt diese Sollstärke
etwa 30 Divisionen für den Mobilmachungstag. Letztes Jahr standen uns
nur Einheiten in Stärke von etwa 18 Divisionen zur Verfügung, von denen
manche nicht einmal vollwertig waren. Durch die seither von den NATOMächten unternommenen Schritte hat sich die Anzahl der sofort einsatzfähigen NATO-Divisionen um über 25 Prozent erhöht, u.a. um fünf kampfstarke amerikanische Divisionen samt Nachschub- und Versorgungseinheiten.
Sollte die Lage es erfordern, so können die amerikanischen Streitkräfte
in Europa in kürzester Frist um sechs weitere Divisionen vermehrt werden.
Ausrüstung und Material für einige dieser sechs zusätzlichen Divisionen
sind bereits vorsorglich in Europa eingelagert worden. Hinter diesen
sofort einsatzfähigen Divisionen stehen Divisionen der ersten und zweiten
Welle für den etwaigen späteren Einsatz.
Unserer Ansicht nach sollten der NATO mindestens die vorgesehenen
30 sofort einsatzbereiten Divisionen an der Zentralfront zur Verfügung
stehen, alle bestens ausgerüstet und voll ausgebildet, dazu die

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die entsprechenden Nachschub- und Versorgungseinheiten. Wir sind ferner
der Auffassung, daß die Reserven vermehrt und so gut ausgerüstet und
ausgebildet werden sollten, daß sie frühzeitig zum Kampfeinsatz gebracht werden könnten.
Wir halten es ebenfalls für wünschenswert, daß die NATO-Partner
auf atomarem Gebiet in verstärktem Maße von einander abhängig sind.
Wir ziehen eine multilaterale Lösung dieses Problems entschieden
einer Vielzahl einzelstaatlicher Atomwaffenstreitkräfte vor.
Bisher habe ich im wesentlichen von den praktischen Verteidigungsproblemen gesprochen, die uns in den Vereinigten Staaten seit Januar
1Q6l beschäftigt haben und mit denen sich die NATO in ihrer Gesamtheit
sehr intensiv befassen mußte, seit die Sowjets im April des letzten
Jahres die Bedrohung Berlins erneuerten. Im Rückblick glaube ich sagen
zu dürfen, daß wir alles in allem doch einiges erreicht haben. Das
NATO-Bündnis ist heute stärker als noch vor einem Jahr. Die militärische
Position der NATO hat sich wesentlich verbessert. Erst die Zukunft
wird jedoch zeigen, ob wirklich genug getan worden ist. Viel hängt
davon ab, wie wir die Atempause nutzen, die wir durch aktives Handeln
in den letzten zwölf Monaten gewonnen haben.
Wenn wir den Blick in die Zukunft richten, müssen wir freimütig
und offen die unterschiedlichen Vorstellungen diskutieren, die wir uns
von der weiteren Entwicklung der Atlantischen Gemeinschaft und des
NATO-Bündnisses selbst machen. Meiner Ansicht nach ist dabei ausschlaggebend, wie jeder Bündnispartner seine eigenen nationalen Interessen zu
den Interessen der gesamten Gemeinschaft in Beziehung setzt.
In dieser Hinsicht hat in den Vereinigten Staaten ein beachtliches
Umdenken stattgefunden. Ich glaube, die entscheidende Wende vollzog
sich in der Nachkriegspolitik der Vereinigten Staaten im Frühjahr 1947»
und zwar in dem kurzen Zeitraum von nur zwanzig Wochen. Diese Zwanzigwochenperiode begann im April, als die Vereinigten Staaten mit der
Truman-Doktrin ihre Absicht proklamierten, allen Ländern Hilfe zu leisten, die von sich aus bereit wären, für die Verteidigung ihrer nationalen Unabhängigkeit gegen die kommunistische Aggression zu kämpfen. Es
folgte zunächst das amerikanische Hilfsprogramm für Griechenland und die
Türkei, dann die Ratifizierung der Chapultepec-Akte durch die Partner
des Rio-Paktes, die unserer langjährigen Tradition der Ablehnung sogenannter "verstrickender Bündnisse" mit anderen Staaten ein Ende setzte.
Während dieser zwanzig Wochen verabschiedete der amerikanische Kongreß
ferner das Gesetz über die Nationale Sicherheit von 1947» das im Rahmen
des für unsere Sicherheitspolitik zuständigen Behördenapparats auch
das Verteidigungsministerium schuf, dem ich heute angehöre. Während
derselben zwanzig Wochen wurde innerhalb unseres Außenministeriums eine
besondere Abteilung für Politische Planung geschaffen, der ich früher
angehörte. Diese Periode höchster Aktivität gipfelte dann in der Rede,
mit der Außenminister Marshall Europa die inzwischen als Marshallplan
historisch gewordene Wiederaufbauhilfe anbot.
Das

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Das Bemerkenswerteste ist, daß die Vereinigten Staaten in dieser
Zwanzigwochenperiode eine Entscheidung von nationaler Bedeutung in
der Grundfrage der wechselseitigen Abhängigkeit des Westens fällten.
Wir waren als Nation zu der Einsicht gelangt, daß es für uns unmöglich geworden war, unsere Sicherheit und unser Wohlergehen in der
Isolierung von den anderen Nationen des Westens zu finden. Auch
hatten wir erkannt, daß sporadisches Eingreifen in das Weltgeschehen
nicht mehr genügte. Wir waren zu dem Schluß gekommen, daß wir für
unser Wohlergehen und unsere Sicherheit nur im weiteren Rahmen der
Atlantischen Gemeinschaft und nur in harmonischem Zusammenwirken mit
der gesamten nichtkommunistischen Welt sorgen konnten. Jene zwanzig
Wochen bewiesen darüber hinaus, daß wir auch bereit waren, im Sinne
dieser Entscheidung rasch und durchgreifend zu handeln.
In den dann folgenden fünfzehn Jahren haben wir dramatische
Wandlungen erlebt. Der erfolgreiche wirtschaftliche Wiederaufbau
Europas übertraf selbst die kühnsten Erwartungen. Eine Vielzahl neuer
Nationen ist in die Reihe der souveränen Staaten aufgerückt, und die
Periode der Kolonialherrschaft neigt sich dem Ende zu. Die Sowjetunion
hat sich zu einer großen und bedrohlichen Atommacht entwickelt. Das
ganze chinesische Festland ist unter kommunistische Herrschaft geraten.
Die wechselseitige Abhängigkeit der nichtkommunistischen Nationen und
die Notwendigkeit ihrer Zusammenarbeit sind heute größer denn je.
Blicken wir in die Zukunft, so erhebt sich die Frage,welche äußere
Form, welche innere Struktur wir diesem Verhältnis der gegenseitigen
Abhängigkeit innerhalb der europäischen Gemeinschaft und innerhalb
der Atlantischen Gemeinschaft geben sollen. Können wir darauf für den
politischen,für den wirtschaftlichen und für den militärischen Bereich
die gleiche Antwort geben? Wie lassen sich diese Bereiche am besten
aufeinander abstimmen? Dabei sind nationale, gesamteuropäische und
gesamtatlantische Gesichtspunkte neben diesen funktionellen wirtschaftlichen, politischen oder militärischen zu berücksichtigen. Schließlich:
Welche Konsequenzen ergeben sich für die Organisationsform, wenn die
eben erwähnten grundsätzlichen Fragen entschieden sind? Alle diese
Probleme sind heute Gegenstand lebhafter Diskussion innerhalb der
Atlantischen Gemeinschaft. Es ist offensichtlich noch zu früh für
endgültige Stellungnahmen.
Ich kann mir aber einige rein persönliche Bemerkungen nicht versagen. Zum Teil werden meine Worte allerdings nur bestätigen, was
uns allen deutlich bewußt ist, und Gedanken ausdrücken, die weithin
- und sicherlich auch von meinen hier versammelten Zuhörern - geteilt
werden.
Lassen Sie mich mit der Feststellung beginnen, daß Wohlergehen
und Sicherheit unserer Länder auf beiden Seiten des Atlantik auch
weiterhin nicht mehr durah die Verfolgung ausschließlich nationaler
Interessen, sondern nur im weiteren atlantischen Rahmen zu gewährleisten sind.
Zweifellos

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Zweifellos gibt es und wird es verschiedene Auffassungen darüber
geben, ob bestimmte Schritte im Interesse der gesamten Gemeinschaft
liegen oder nicht. Wir in Amerika erheben keineswegs den Anspruch,
das besser zu wissen als andere. Wir halten es aber für angebracht,
auf unserem Standpunkt zu beharren, daß Entscheidungen aus der weiteren "atlantischen" Sicht und nicht in erster Linie unter dem nationalen Blickwinkel getroffen werden müssen.
Zweitens möchte ich betonen, daß die Bereiche des Politischen,
des Wirtschaftlichen und Militärischen so eng miteinander verflochten
sind, daß alles, was wir auf einem dieser Gebiete tun, notwendigerweise auf die anderen zurückwirken muß. Seine wachsende wirtschaftliche
Integration bringt Europa auch der politischen Integration näher, und
dies« wiederum könnte die Verteidigungsdispositionen der NATO beeinflussen.
Ebenso verdient hervorgehoben zu werden, daß die militärischen Erfordernisse der NATO die Form der wirtschaftlichen und politischen Weiterentwicklung des Bündnisses mitbestimmen können und sollten. Die militärischen Erfordernisse erlauben, ja verlangen geradezu eine enge Zusammenarbeit bei der Aufstellung des Verteidigungsprogramms und bei
der Festlegung der Verteidigungspolitik der NATO. Sie machen eine
einheitliche und klare Kommandogewalt notwendig, falls und sobald die
NATO-Streitkräfte tatsächlich eingesetzt werden müssen. Sie erfordern
ferner die Zusammenfassung aller Kräfte der Bündnispartner. Der föderative Zusammenschluß Westeuropas würde zweifellos viele der derzeitigen militärischen Probleme der NATO vereinfachen. Doch könnten es
sich Westeuropa und die Vereinigten Staaten auch dann nicht leisten,
die zwischen ihnen bestehende militärische Bindung zu lockern. Meiner
Ansicht nach ist und bleibt die NATO in erster Linie für die Koordinierung in Verteidigungsfragen zuständig. Probleme, wie sie in der
Redensart von den fünfzehn Fingern am Sicherungsflügel oder am Abzug
des NATO-Gewehrs zum Ausdruck kommen, werden nicht dadurch leichter,
daß man sie jeweils auch noch in zwei Unterprobleme aufteilt - nämlich
in das Problem der dreizehn europäischen und in das Problem der zwei
amerikanischen Finger.
Der Prozeß des Ineinanderwachsens innerhalb der Atlantischen Gemeinschaft kann sich nicht stets in allen Bereichen und auf allen
Gebieten im gleichen Tempo vollziehen. Von ausschlaggebender Bedeutung
ist, daß dieser Prozeß mit gutem Willen und unter Konzentrierung auf
das Wesentliche vorangetrieben wird.
Die von mir dargelegten Grundzüge der heutigen amerikanischen
Verteidigungspolitik kann man wie folgt zusammenfassen:
1. Die NATO spielt in der Zielsetzung der amerikanischen Verteidigungs- und Sicherheitspolitik dieselbe zentrale Rolle, die die
Vereinigten Staaten in den Verteidigungs- und Sicherheitsüberlegungen
der anderen NATO-Mitglieder spielen. Wir sind aufeinander angewiesen
in der Lösung einer unteilbaren Aufgabe.
2.

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2. Wir sind der Auffassung, daß eine Verstärkung der konventionellen Streitkräfte die Glaubwürdigkeit der atomaren Abschreckungsstrategie der NATO wesentlich erhöht und zugleich auch die militärische
Position der NATO verbessert.
3« Die Vereinigten Staaten sind im Begriff, ihr« Kernwaffenrüstung noch zu verstärken, während sie sich gleichzeitig am weiteren Ausbau der konventionellen NATO-Streitkräfte beteiligen.
Endlich habe ich Ihnen einige persönliche Gedanken zur künftigen
Entwicklung der Atlantischen Gemeinschaft vorgetragen.
Zum Abschluß möchte ich Ihnen sagen: die Schritte, die die Vereinigten Staaten während der Berlin-Krise unternommen haben, erweisen
klar die volle Einsatzbereitschaft meines Landes im Interesse der
Verteidigung Europas. Sie beruht auf einer Verpflichtung, die in
allen Kreisen der Vereinigten Staaten zu keiner Zeit stärker anerkannt worden ist als gerade heute.
Wir in den Vereinigten Staaten glauben, daß sowohl die politischen
als auch die militärischen Probleme der NATO einer akzeptablen Lösung
entgegengeführt werden, sofern wir alle - auf beiden Seiten des Atlanti
- nur weiter zur Erreichung des gemeinsamen Ziels zusammenarbeiten und
zusammen Opfer bringen. Dieses Ziel wurzelt zwar in der gemeinsamen
und gegenseitigen Verteidigung, aber es schließt etwas unendlich viel
Größeres ein: unseren gemeinsamen Glauben an die Freiheit und an die
demokratischen Institutionen, die unserer westlichen Zivilisation
ihr eigentliches Gepräge geben.

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./22.6.1962
US-VERTEIDIGUNGSMINISTER UNTERSTREICHT MILITÄRISCHE STÄRKE
DER NATO

Nachstehend übermitteln wir Ihnen die
wichtigsten Auszüge aus einer Rede des
Verteidigungsministers der Vereinigten
Staaten, Robert S. McNamara, die er am
16. Juni 1962 anläßlich der Abschlußfeierlichkeiten vor Studenten der Universität Michigan gehalten hat und in
der der Minister vor allem die Auffassung
der USA über die Rolle der nuklearen
Streitkräfte in der NATO-Strategie darlegt.

Ich brauche Sie wohl kaum darauf hinzuweisen, daß Europa eine
der Hauptquellen für die amerikanische Freiheitsidee ist und daß gerade
die europäischen Philosophen des 17« und 18. Jahrhunderts das Denken
unserer Gründerväter geformt haben. Für uns alle ist Europa der Lehrer gewesen, seit wir anfingen, lesen zu lernen.
Eine der eindrucksvollsten Lehren, die Europa uns in jüngster
Zeit vermittelt hat, ist die seines Wiederaufbaus aus der Asche der
Vernichtung am Ende des zweiten Weltkrieges. Die Volkswirtschaften
Europas waren vor 15 Jahren so gut wie zum Erliegen gekommen. Ihre
wichtigsten Fabriken waren, sei es direkt durch die Bombenangriffe
oder indirekt durch die jahrelange Vernachlässigung sowie unzureichende Reparatur und Wartung, weitgehend zerstört. Die Menschen waren durch
sechs Kriegsjahre erschöpft, und ein großer Teil der produktivsten
Altersgruppen war ums Leben gekommen. Und doch haben sie es in den
letzten Jahren geschafft, die Erzeugung von Stahl und Elektrizität
um jeweils über 130 Prozent zu steigern; und das ist typisch für
diese Wiedererholung gewesen...
All dies ist unter dem Druck titanischer Kräfte geschehen, die
sowohl für die Europäer wie auch für uns eine rationelle Organisation
der menschlichen Gemeinschaft immer schwieriger machen. Lassen Sie mich
auf einige dieser Kräfte näher eingehen.
Wir
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�"AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

Wir haben es mit einer "Bevölkerungsexplosion" zu tun, die ein
Ergebnis unserer eigenen erfolgreichen Bemühungen im Kampf gegen
Krankheit und extreme Lebensumstände ist und die uns gegenwärtig mit
der Aussicht auf eine Verdoppelung der Erdbevölkerung bis zum Ende
dieses Jahrhunderts droht...
Wir werden getragen von einem,sich immer mehr beschleunigenden
Tempo von Wissenschaft und Technik. Allein in den Vereinigten Staaten
werden gegenwärtig pro Jahr 50 000 neue Erfindungen patentiert...
Wir sehen uns einem außergewöhnlichen Anwachsen der Zahl der
Hationalstaaten gegenüber. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges sind
35 neue Länder entstanden..., aber ihre Zahl kompliziert das Problem
der internationalen Diplomatie, während gleichzeitig die militärischen
und wirtschaftlichen Entwicklungen unsere gegenseitige Abhängigkeit
vergrößern...
Und schließlich leben wir im Schatten des sino-sowjetischen Strebens nach Weltherrschaft - sicherlich nicht der einzige Schatten auf
der heutigen Welt, aber einer der längsten und dunkelsten...
Angesichts all dieser Herausforderungen muß es das Endziel der
freien Welt sein, ein System einer friedlichen Weltordnung zu schaffen,
das sich auf der Würde des Einzelnen begründet und das der freien Entwicklung der Fähigkeiten jedes einzelnen Menschen geweiht ist. Die Mitglieder der nordatlantischen Gemeinschaft - die Europäer und wir selbst
tragen eine besondere Verantwortung, bei der Verwirklichung dieses Zieles mitzuhelfen. Diese Verantwortung rührt aus der Stärke unserer eigenen Institutionen und dem Reichtum unserer materiellen Hilfsquellen
her...
Arthur Vandenberg, einer der Hauptbegründer der NATO, unterstrich
in der Senatsdebatte, die der Verabschiedung des Vertrages vorausging,
das Grundprinzip dieser Organisation, als er sagte: "Dies ist die logische Evolution einer unserer größten amerikanischen Devisen: 'Vereint
stehen wir, getrennt fallen wir'."
Die nordatlantische Allianz ist ein einzigartiges Zusammengehen
von Regierungen. Die Bestimmungen über die gemeinsame Verteidigung
der Mitglieder haben zu einem für eine Koalition in Friedenszeiten beachtlichen Grad der militärischen Zusammenarbeit und diplomatischen
Konsultation geführt. Die Ausweitung der Organisation der Allianz hat
sich in dem Mäße beschleunigt, wie die Aufgabe der Verteidigung des
Vertragsgebietes in Umfang, Größe und Vielseitigkeit gewachsen ist.
Die NATO hatte ihre Schwierigkeiten und Belastungen, aber sie hat sie
alle überstanden.

Heute

�"AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

Heute ist die NATO Gegenstand einer Reihe von Kontroversen,
die durch Übereinstimmung innerhalb der Organisation gelöst werden
müssen, damit ihre Stärke und Einigkeit erhalten bleibt. Es ist die
Frage gestellt worden, ob Senator Vandenbergs Ausspruch heute noch
genauso wie vor 13 Jahren Gültigkeit hat. Drei Argumente haben diese
Frage besonders scharf akzentuiert:
Es wird argumentiert, daß gerade die erfolgreiche Entwicklung der
Wirtschaft Westeuropas in Europa die Notwendigkeit verringert habe,
sich in der Verteidigung auf die Mitwirkung der Vereinigten Staaten
zu verlassen.
Es wird ferner argumentiert, die zunehmende Verwundbarkeit der
Vereinigten Staaten gegenüber einem Angriff mit Kernwaffen habe unsere
Bereitschaft, als Partner an der Verteidigung Europas mitzuwirken,
verringert und damit unsere Fähigkeit, vor einem solchen Angriff abzuschrecken.
Es ist gesagt worden, daß das Atompotential angesichts der wachsenden nuklearen Drohung allein ausschlaggebend sei und daß unabhängige
nationale Atomstreitkräfte ausreichend seien, um die Länder Europas zu
schützen.
Ich glaube, daß alle diese Argumentationen falsch sind. Meines
Erachtens ist es der Mühe wert, die amerikanischen Ansichten zu diesen
Fragen zu erläutern, so wie wir sie unseren Verbündeten dargelegt haben.
Unserer Auffassung nach haben die neuen Faktoren in dieser Situation sowohl die wirtschaftlichen als auch die militärischen - dazu geführt,
die gegenseitige Abhängigkeit der nationalen Sicherheitsinteressen auf
beiden Seiten des Atlantiks zu verstärken und die Notwendigkeit für
eine sehr enge Koordinierung unserer Anstrengungen zu unterstreichen.
Eine zentrale militärische Frage, der sich die NATO heute gegenübersieht, ist die Rolle der nuklearen Strategie. Vier Tatsachen scheinen
unseres Erachtens die Erwägungen hierüber maßgeblich zu bestimmen.
Alle deuten auf eine wachsende Integration zur Verwirklichung unserer
gemeinsamen Verteidigung hin.
Erstens besitzt die Allianz insgesamt eine nukleare Stärke, die
ausreichend ist für jede Herausforderung, der sie sich gegenübersieht.
Zweitens verringert diese Stärke nicht nur die Möglichkeit eines großen
nuklearen Krieges, sondern ermöglicht auch eine Strategie, die die Struktur unserer Gesellschaften im Falle eines Krieges erhalten kann. Drittens könnte der aus einer atomaren Kriegführung resultierende Schaden
für die Zivilbevölkerung der Allianz sehr schwerwiegend sein. Viertens
könnten verbesserte nicht-nukleare Streitkräfte, die durchaus im Bereich
der Möglichkeiten der Allianz liegen, die Abschreckung aller aggressiven
Schritte - von einem direkten, totalen Angriff auf Westeuropa abgesehen erhöhen.
#

Lassen

�"AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

Lassen Sie uns nun die Situation heute betrachten. Erstens ist
auf der Grundlage des gegenwärtigen Gleichgewichts der nuklearen
Stärke, mit dessen Aufrechterhaltung wir zuversichtlich auch für die
kommenden Jahre rechnen können, ein Überraschungsangriff für jeden
Gegner einfach kein vernünftiger Schritt mehr. Noch würde es für irgendeinen Gegner vernünftig sein, als Folge eines begrenzten Engagements
in Europa oder irgendeinem anderen Teil der Welt die Initiative in der
Anwendung nuklearer Waffen zu ergreifen. Ich glaube, wir können zusammenfassend sagen, daß es gelungen ist, alle diese Schritte höchst
unwahrscheinlich zu machen.
Zweitens, und dies ist gleich wichtig: Die bloße Tatsache, daß
kein Land vernünftigerweise Schritte ergreifen würde, die zu einem
nuklearen Kriege führen, bietet noch längst keine Garantie dafür, daß
kein Atomkrieg stattfindet kann. Länder handeln oftmals nicht nur in
einer Weise, die vom Standpunkt der Vernunft her schwer zu erklären
ist, sondern sogar, wenn sie "vernünftig" vorgehen, handeln sie doch
manchmal, ja ich möchte sagen erschreckend oft, auf Grund einer Fehlbeurteilung der wirklichen Tatsachen einer Situation. Sie schätzen die
Art und Weise falsch ein, wie die anderen reagieren werden und wie die
anderen ihr Vorgehen auslegen werden.
Wir müssen hoffen - und ich glaube wir dürfen auch hoffen -, daß
jede Seite diese Gefahr begreift und keine Schritte unternimmt, die
auch nur die Möglichkeit einer solchen für alle katastrophalen Fehleinschätzung heraufbeschwören. Wir haben unsererseits Maßnahmen getroffen, um die Wahrscheinlichkeit eines solchen Geschehens zu reduzieren. Wir erwarten, daß die tatsächliche Anwendung dieser furchtbaren
Waffen durch eine Rüstungskontrolle völlig vermieden werden kann. Ea
handelt sich dabei um ein Problem, das nicht nur für uns im Westen besteht, sondern auch für alle die Staaten, die in dieses als Kalter Krieg
bezeichnete Ringen verwickelt sind.
Unsererseits glauben wir, daß wir und unsere NATO-Verbündeten
unsere Strategie so gestalten müssen, daß wir diese furchtbare Möglichkeit - wie fern sie auch liegen mag - im Auge behalten. Durch bloßes
Ignorieren wird das Problem nicht aus der Welt geschafft.
Die Vereinigten Staaten sind zu dem Schluß gelangt, daß Fragen
der grundlegenden militärischen Strategie, soweit dies möglich ist, in
einem etwaigen allgemeinen Atomkrieg im wesentlichen in der gleichen
Weise zu behandeln sind, wie man die mehr konventionellen militärischen
Operationen in der Vergangenheit behandelt hat. Das heißt, die militärischen Hauptziele sollten im Falle eines durch einen größeren Angriff
auf die Allianz ausgelösten Kernwaffenkrieges in der Zerstörung der militärischen Streitkräfte des Feindes, nicht aber in der Vernichtung der
Zivilbevölkerung bestehen.
Gerade die Stärke und die Art der NATO-Streitkräfte geben uns die
Möglichkeit, selbst für den Fall eines massiven Überraschungsangriffes
- falls wir dazu gezwungen werden - eine ausreichende Reserve an Schlagkraft sicherzustellen, um die gegnerische Gesellschaft zu vernichten. Mit
anderen Worten, wir geben einem etwaigen Gegner den stärksten nur denkbaren Anlaß, von einem Schlag gegen unsere eigenen Städte Abstand zu
nehmen.
-p..

�AMERIKA DIENST"

22 . Juni 1962

Die Stärke, die diese Abschreckungswirkung und damit die Hoffnung
hervorruft, im Kriegsfall vor einem Angriff auf die bürgerliche Gesellschaft selbst zurückzuschrecken, ist nicht leicht zu erreichen.
Wir vertrauen darauf, daß unsere derzeitigen Kernwaffenprogramme ausreichend sind und, soweit wir diesi übersehen können, auch in Zukunft
ausreichend sein werden.
Im kommenden Haushaltsjahr beabsichtigen die Vereinigten Staaten
fast 15 Milliarden Dollar für ihr Kernwaffenprogramm aufzuwenden,
um sicher zu gehen, daß es seinen Aufgaben auch gewachsen sein
wird. Was mit diesem Geld gewonnen wird, dafür gibt es keinen Ersatz.
Vor allem, sind nationale atomare Streitkräfte, deren Ziele die
feindlichen Städte sind, höchstwahrscheinlich nicht einmal stark genug,
um auch nur den Zweck der Abschreckung zu erfüllen. Wenn sie nämlich
klein und vom Boden her oder aus der Luft leicht angreifbar oder unzulänglich sind, kann ein stärkerer Gegner eine ganze Reihe von
Maßnahmen ergreifen, um ihnen entgegenzuwirken.
Ja, wenn ein stärkerer Gegner etwa zu der Überzeugung käme, daß
eine ziemliche Wahrscheinlichkeit für den unabhängigen Einsatz einer
solchen Macht besteht, so würde sie damit einen ersten Überraschungsschlag gegen sich geradezu herausfordern. Im Falle eines Krieges aber
käme der Einsatz einer solchen Macht gegen die Städte einer größeren
Atommacht einem Selbstmord gleich, während ihr Einsatz gegen wichtige
militärische Ziele eine für den Ausgang des Kampfes nicht weiter ins
Gewicht fallende Auswirkung hätte. Andererseits wird aber durch die
Schaffung einer einzelnen zusätzlichen Atomstreitmacht das Entstehen
weiterer Atommächte mit all den damit verbundenen Gefahren unterstützt.
Kurzum, Atomstreitmächte mit begrenzter Kapazität, die unabhängig
operieren, sind gefährlich,'kosten viel Geld, veralten schnell., und
sind als Abschreckungsmacht wenig überzeugend. Kein Zweifel jedoch, daß
der atomare Beitrag der Vereinigten Staaten zur Allianz weder veraltet
noch entbehrlich ist.
Gleichzeitig wird durch die allgemeine Strategie - wie ich sie
summarisch dargelegt habe - die Bedeutung der Einheit der Planung,
der Konzentration der Exekutivmacht und der zentralen Leitung vergrößert. Es darf keine miteinander um den Vorrang streitenden oder
einander zuwiderlaufenden Strategien im Falle eines atomaren Krieges
geben.
Wir sind davon überzeugt, daß ein allgemeines System der Atomkriegsziele als ein unteilbares Ganzes zu behandeln ist und daß, falls
- trotz all unserer Anstrengungen - ein Atomkrieg ausbrechen sollte, uns
beste Hoffnung in einer zentral geleiteten Kampfführung gegen alle entscheidend wichtigen nuklearen Kräfte des Feindes liegt - bei gleichzeitiger Verfügbarkeit von Reservestreitkräften, die alle einer zentralen
Kontrolle unterstehen.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

Wir wissen, daß dieselben Kräfte, die gegen uns gerichtet
sind, auch gegen alle unsere Verbündeten gerichtet sind. Unsere
eigenen strategischen Vergeltungsstreitkräfte sind bereit, diesen
Kräften entgegenzutreten, wo und was auch immer ihre Ziele sein
mögen» Diese Aufgabe ist uns nicht nur in Erfüllung unserer vertraglichen Verpflichtungen auferlegt, sondern auch, weil das Wesen einer
atomaren Kriegführung es erfordert.
Spezifischer ausgedrückt, die Vereinigten Staaten machen, sich
ebensoviel Sorgen wegen des Teils der sowjetischen Atomschlagkraft,
der Westeuropa erreichen kann, wie wegen des Teils, der auch die
Vereinigten Staaten erreichen kann. Kurzum - wir haben die atomare
Verteidigung der NATO auf eine globale Basis abgestellt. Dies wird
auch weiterhin unser Ziel bleiben. Bei der Erfüllung dieser Aufgabe
sind die Waffen auf dem europäischen Schauplatz nur ein Hilfsmittel
unter vielen.
Es gibt da zum Beispiel die Polaris-Waffe, die wir bedeutend
ausgebaut haben und die wegen ihrer ganz besonders unverwundbaren
Natur außerordentlich gut geeignet ist, als eine Waffe der strategischen Reserve zu dienen. Wir haben bereits bekanntgegeben, daß wir
fünf mit diesen Raketen ausgerüstete Schiffe - die voll einsatzfähig
sind - dem NATO-Kommando unterstellen.
Eine solche Verpflichtung wirkt sich natürlich auf die Allianz als
Ganzes aus. Wir brauchen und wünschen eine bis an die Grenze des
Möglichen gehende größere Beteiligung der Allianz an der Gestaltung
der Kernwaffenpolitik. Für uns alle), wäre die Vorstellung, daß nur
ein Teil der strategischen Streitkräfte isoliert von unserer Hauptstreitmacht eingesetzt werden würde, untragbar.
Wir werden auch weiterhin für die Allianz als Ganzes eine gewaltige
nukleare Streitmacht unterhalten. So hat der Präsident kürzlich gesagt,
"nur durch eine solche Stärke können wir mit Sicherheit vor einem
nuklearen Schlag oder einem überwältigenden Angriff zu Lande auf unsere
Streitkräfte und unsere Verbündeten abschrecken".
Aber wir wollen uns auch gänzlich im klaren sein, über das, was
wir sagen und was wir zu gewärtigen hätten, wenn die Abschreckung fehlschlagen sollte. Es dürfte wohl ziemlich gewiss sein, daß wir alle trotz
unserer nuklearen Stärke im Falle eines großen nuklearen Krieges schwer
zu leiden haben würden.
Wir wollen innerhalb der Allianz unseren Teil an Verantwortung
mittragen, und wir glauben, daß das Zusammenwirken unserer nuklearen
Kräfte und einer Strategie kontrollierter Gegenschläge uns einige
Hoffnung gibt, den Schaden, falls wir unseren Verpflichtungen nachkommen müßten, auf ein Mindestmaß beschränken zu können.
Aber ich muß darauf hinweisen, daß wir dies weder als eine erstrebenswerte Aussicht erachten noch glauben, daß die Allianz ausschließlich von der Abschreckungskraft unserer nuklearen Streitkräfte

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�'AMERIKA DIENST" '

22. Juni 1962

Streitkräfte abhängig sein soll, um feindliche Aktionen, bei denen
es sich nicht um einen massierten Einsatz irgendwelcher Streitkräfte handelt, abzuwenden. Sicherlich kann eine Allianz, die über
den Reichtum, die Begabungen und die Erfahrungen verfügt wie die
unsrige, einen besseren Weg finden, als sich einzig und allein auf
nukleare Waffen zu verlassen, um der gemeinsamen Gefahr zu begegnen.
Wir sind auch nicht der Ansicht, daß wir, falls die Formel
E = mc^ nicht entdeckt worden wäre, alle Sklaven des Kommunismus
sein würden. In dieser Frage kann ich keinen gültigen Grund für
eine fundamentale Meinungsverschiedenheit auf den beiden Seiten
des Atlantik sehen.
Wenn die Allianz über die von mir aufgezeigte Stärke und Strategie verfügt, ist es höchst unwahrscheinlich, daß irgendeine Macht
einen nuklearen Angriff auf die NATO beginnen wird. Angesichts der
Art von Konflikten, politischen wie auch militärischen, mit denen
man innerhalb des NATO-Raumes in erster Linie rechnen muß,
darf unser Potential für einen Gegenschlag nicht ausschließlich auf
nukleare Waffen beschränkt werden.
Die Sowjets besitzen heute in Europa eine Überlegenheit auf
dem Gebiet der nicht-nuklearen Streitkräfte. Aber diese_ Überlegenheit ist keineswegs überwältigend. In ihrer Gesamtheit verfügt die
Allianz über das Potential für eine erfolgreiche Verteidigung gegen
solche Streitkräfte. Rein zahlenmäßig verfügen die NATO-Länder über
mehr Soldaten als die Sowjetunion und ihre europäischen Satelliten.
Durch die Stationierung unserer jetzt auf europäischem Boden
befindlichen Divisionen haben wir unsere Bereitschaft zum Beitrag
bereits bewiesen. Und wir haben eine Reihe von Maßnahmen zur Stärkung
unserer nicht-nuklearen Streitmacht in Angriff genommen, um die Bevölkerung in den NATO-Ländern zu verteidigen und unseren Vertragsverpflichtungen nachzukommen.
Wir haben die ursprünglich hierfür vorgesehenen Ausgaben im
Finanzjahr 1962 und 1 9&amp;3 um 10 Milliarden Dollar aufgestockt. Um
den Zeitraum bis zur Schaffung einer neuen permanenten Stärke zu
überbrücken, haben wir 158 000 Reservisten einberufen. Wir werden
sie diesen Sommer wieder entlassen, aber nur, weil wir in der Zwischenzeit eine auf lange Sicht wirkende Stärke aufgebaut haben, die
größer ist als jene, die die vorübergehende Einberufung der Reservisten uns gab.
Die Zahl der einsatzbereiten US-Divisionen ist von 11 auf 16
erhöht worden. Ausrüstungen für zwei weitere Divisionen "'sind in
Europa eingelagert worden; die Mannschaften für diese Divisionen
können schnell auf dem Luftwege nach Europa gebracht werden.
Wir erwarten, daß unsere Verbündeten ebenfalls Maßnahmen ergreifen werden, um ihre nicht-nuklearen Streitkräfte weiter zu
verstärken und die Qualität und Widerstandskraft dieser Streitkräfte
zu verbessern. Derartige Maßnahmen würden unsere Abschreckungsstärke

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�"AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

Abschreckungsstärke noch vervollständigen. Die Verbesserung der
Landstreitkräfte der Allianz und ihrer Widerstandskraft, bessere
nicht-nukleare Luftstreitkräfte sowie besser ausgerüstete und
ausgebildete Reserveverbände geben uns die Sicherheit, daß es in
der NATO-Verteidigung in diesem entscheidend wichtigen Gebiet
keinerlei Unzulänglichkeiten gibt und daß keine Aggression, weder
eine kleine noch eine große, Erfolg haben kann.
Ich habe in aller Kürze die Ansichten der Vereinigten Staaten
über die Rolle der Atomstreitkräfte in der Strategie der NATO dargelegt. Ich habe darauf hingewiesen, daß die Allianz notwendigerweise
zur Abschreckung vor einem allgemeinen Atomkrieg von der starken und
gutgeschützten atomaren Streitmacht der Vereinigten Staaten abhängig
ist, die ihrerseits notwendigerweise verpflichtet sind, auf feindliche Atomschläge - wo immer sie erfolgen mögen - zu antworten.
Gleichzeitig habe ich die Notwendigkeit bedeutender nichtatomarer
Streitkräfte innerhalb der Allianz aufgezeigt, um Situationen begegnen zu können, in denen einratomarer Gegenschlag entweder ungeeignet oder ganz einfach unglaubwürdig ist. Immer wieder habe ich
hervorgehoben, daß in der Allianz einer den anderen braucht.
Ich möchte Sie auch noch daran erinnern, daß die aus militärischer
Stärke erwachsende Sicherheit eine notwendige, wenn auch nicht zulängliche Voraussetzung für die Erreichung unserer außenpolitischen
Ziele ist, wozu auch jene auf dem Gebiet der Rüstungskontrolle und
Abrüstung gehören.
Militärische Sicherheit ist die Grundlage, auf der wir durch
wirtschaftliches Wachstum und politische Reformen, wie sie das Ziel
der Programme unseres Präsidenten sind, zum Beispiel in der Allianz
für den Portschritt und dem Gesetz über die Ausweitung des Handels,
die Stärke der freien Welt aufbauen können.
In einer Welt des Friedens allein können wir die Persönlichkeitsentfaltung, die für uns den höchsten der Werte darstellt, voll zum
Tragen bringen...

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Erste Fernsehübertragung mit Ballonsatellit E C H O I

NACHRICHTENSATELLITEN

VERBINDEN

KONTINENTE

�Allg./22.6.fl962
NACHRICHTENSATELLITEN VERBINDEN KONTINENTE

Einer der nächsten amerikanischen Satelliten, die die Erde umkreisen werden, trägt den Namen TELSTAR. Er ist der erste Versuchssatellit eines kommerziellen Privatunternehmens und gleichzeitig der
erste einer Anzahl von Nachrichtensatelliten verschiedener Typen, die
in den kommenden zwölf Monaten auf ihre Eignung zur Übermittlung von
Rundfunk- und Fernsehprogrammen, von Ferngesprächen, Telegrammen,
Funkbildern und Worttexten über Meere und Kontinente hinweg erprobt
werden. In diese großangelegten Versuche sind neben staatlichen amerikanischen Stellen wie dem US-Amt für Luft- und Raumfahrt (NASA) und dem
Verteidigungsministerium auch private amerikanische Organisationen vom
Sektor "Fernmeldewesen" sowie die für das Fernmeldewesen zuständigen
Stellen einer Anzahl anderer Länder eingeschaltet. Sie beteiligen sich
an einem Projekt, durch das ausreichende Nachrichtenverbindungen von
Kontinent zu Kontinent, bis in die entlegensten Winkel der Erde geschaffen werden sollen»
Im Zusammenhang mit diesem Projekt kommen vielfach Pläne zur Sprache,
die einem heute phantastisch erscheinen.Brief- und Zeitungstexte werden auf einen Knopfdruck hin über Fernsehsatelliten gewissermaßen ins Haus geliefert;
Geschäftsleute konferieren um die halbe Welt miteinander, ohne
dazu auch nur einen Schritt aus dem Haus zu tun;
Führungen durch die berühmtesten Kunstsammlungen der Welt, etwa
des Louvre in Paris oder der vatikanischen Museen in Rom, kann man über
*

TITELBILD:

Die auf dem Fernsehschirm erscheinenden drei Buchstaben
"M.I.T." sind die in den Vereinigten Staaten allgemein
übliche Abkürzung für "Massachusetts Institute of Technology" (Technische Universität Massachusetts). Wissenschaftler dieser berühmten Lehr- und Forschungsstätte waren an der
Vorbereitung von Fernseh-Versuchssendungen über ECHO I, bei
denen nur ein winziger Bruchteil der auf den Ballonsatelliten gerichteten Sendeenergie von der Empfangsstation wieder
aufgenommen wird, maßgeblich beteiligt.

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1

�"AMERIKA DIENST

22. Juni 1962

über Satelliten-Fernsehen überall in der Welt miterleben.
Diese Pläne sind keineswegs unrealistisch. Schließlich ist ja das
Bildtelephon in den USA bereits Wirklichkeit geworden. Warum sollte es
nicht auch eines Tages möglich sein, über viele Tausende von Kilometern
hinweg mit einem Partner auf der anderen Seite der Erde ein Fernseh-Gespräch zu führen - via Nachrichtensatelliten?
Sicherlich würde interkontinentales Fernsehen am eindrucksvollsten
demonstrieren, welche großartigen Möglichkeiten die Raumflugtechnik auch
auf diesem Gebiet eröffnet, Fernseh-Direktübertragungen von den Debatten
der Vereinten Nationen, von den Olympischen Spielen oder wichtigen politischen Ereignissen könnten ebenso wie der Versuch, der Bevölkerung von
Entwicklungsländern durch Fernseh-Sendungen bessere und geeignete Bildungsmöglichkeiten zu verschaffen, dazu beitragen, das gegenseitige
Verständnis zu fördern und damit die Völker der Welt einander näherzubringen. Aber bei den verfügbaren technischen Mitteln sind solche Vorhaben
noch so kostspielig, daß man sich dieser Möglichkeiten wohl vorläufig
nur dann bedienen wird, wenn die Bedeutung der Ereignisse den Aufwand
rechtfertigt.
Nachrichtenwege unzureichend
Vordringlicher und auch rentabler scheint dagegen der Einsatz von
Erdsatelliten im kommerziellen Post- und Fernmeldewesen zu sein. Jedermann weiß, daß die vorhandenen Leitungen, vor allem nach Übersee, ständig
überlastet sind, und daß angesichts des nahezu explosionsartig wachsenden
Bedarfs an Leitungswegen auch mit der Einrichtung neuer transozeanischer
Kabel oder Richtfunkstrecken der Sache auf die Dauer nicht gedient ist.
Im letzten Jahrzehnt hat sich beispielsweise die Zahl der von den
Vereinigten Staaten nach Übersee geführten Gespräche fast vervierfacht:
sie stieg von etwas mehr als 1 Million im Jahr 1950 auf fast 4 Millionen
im Jahr i960. Sie dürfte sich, wie Fachleute schätzen, bis 1965 auf 8, bis
1970 auf 20 und weitere zehn Jahre später sogar auf 100 Millionen erhöht
haben.
Von den Vereinigten Staaten aus können heute mit 160 Ländern und
Territorien Ferngespräche geführt werden. Die Voraussetzungen dafür
sind durch entsprechende technische Vereinbarungen und Verwaltungsabkommen mit den zuständigen Behörden in Übersee geschaffen worden. Es
gibt transozeanische Unterseekabel nach England und Frankreich, nach
Hawaii, Alaska und Puerto Rico. In Kürze werden neue Kabelleitungen
in Betrieb genommen, die die USA mit Bermuda unfi Jamaika und Puerto Rico
mit der Antilleninsel Antigua verbinden. Für 1963 ist ein drittes Kabel
mit noch größerer Bandbreite nach Großbritannien und für 1964 eine
Kabelverbindung von Hawaii nach Japan vorgesehen.
Die Gesamtkosten für die Einrichtung dieser transozeanischen Kabelleitungen, die sich im Besitz der American Telephone and Telegraph

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�AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

Telegraph Company und der Fernmeldebehörden der Partnerländer befinden,
belaufen sich auf Hunderte von Millionen Dollar. (Das beste Unterseekabel, das es zur Zeit gibt, führt 84 Gegensprechkanäle; es kostete 35
Millionen Dollar.)
Wie die bisherigen Erfahrungen zeigen, gibt es prinzipiell weder
politische noch finanzielle Hindernisse für den notwendigen Ausbau eines
weltweiten Fernmeldenetzes. Die Hindernisse sind vielmehr technischer
Natur. Und diese können - und werden, wie Dr. John R. Pierce, Forschungsdirektor der Bell Telephone Laboratories, kürzlich erklärte- durch Fernmeldesatelliten überwunden werden. Diese setzen uns nämlich in die
Lage, genügend Breitbandleitungen für den transozeanischen Telephonverkehr unter optimaler Ausnutzung der heute vorhandenen Möglichkeiten
der Fernmeldetechnik einzurichten. Dadurch stellen sich die Endkosten
sogar niedriger, als wenn man den Bedarf an neuen Leitungswegen auf herkömmliche Weise, d.h. durch Einrichtung weiterer Unterseekabel und Richtfunkstrecken, decken würde.
Das Verlegen von Unterseekabeln ist zeitraubend und kostspielig. Und
ist ein neues Kabel endlich betriebsbereit, so ist es auch schon in kürzester Zeit voll ausgelastet. Kurzwellenverbindungen wiederum sind, ähnlich wie Lang- und Mittelwellenverbindungen, sehr
störanfällig. Da
sich Kurzwellen durch Reflexion an der Ionosphäre fortpflanzen, gehen
sie - beispielsweise nach starker Sonnenaktivität, die die Ionosphäre
erheblich beeinflußt - leicht "verloren". Erst die geradlinig sich ausbreitenden kurzen Dezimeter- und Zentimeterwellen sind relativ unempfindlich gegen Störungen. Diese sehr kurzen Frequenzen bieten überdies den
Vorteil, unvergleichlich mehr Breitbandsignale aufnehmen und somit viel
mehr Informationen als längere Wellen übermitteln zu können.
Größere Bandbreiten
Die Bandbreite, d.h. die Variationsbreite in Nähe der Trägerfrequens,
bestimmt, wie groß die Informationsmenge ist, die innerhalb einer gegebenen Zeit übermittelt werden kann. Dies läßt sich etwa mit einer Autobahn
vergleichen, bei der die Anzahl der Fahrspuren die Aufnahmefähigkeit für
Fahrzeuge bestimmt. Jede Rundfunk- bzw. Fernsehstation, der ja eine bestimmte Welle zugeteilt ist, sendet nicht nur genau auf dieser Welle, sondern auf einem Wellen-"Band". Die Bandbreite umfaßt bei einer gewöhnlichen
Mittelwellenstation ungefähr 10 000 He*tz, bei einer Fernsehstation dagegen, die ein Vielfaches mehr an Informationen übermittelt, bis zu 6
Millionen Hertz. Für die Bandbreite werden die Frequenzen "verbraucht",
die für Radiosendungen in der Atmosphäre überhaupt zur Verfügung stehen.
Daher der "Wellensalat" und die ständig wachsenden Schwierigkeiten, neue
Frequenzen-zuteilen zu können. Im Prinzip könnte das Volumen der Nachrichtenverbindungen über weite Strecken durch die Einschaltung von Fernmeldesatelliten auf das 10 OOOfache ausgeweitet werden. Das Problem der
Frequenzen wäre damit für lange Zeit gelöst.
Eine Ausweitung des Frequenzspektrums ist nur im ultrakurzen bzw.
im Mikrowellenbereich sinnvoll. Für die Übermittlung von Signalen über
Mikrowellen ist jedoch - und hier tritt das technische Hindernis _in

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�AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

in Erscheinung - "optische Sicht" zwischen Sender und Empfänger erforderlich, weil sich diese Wellen, wie das Licht, nur geradlinig
ausbreiten. Zur Überbrückung größerer Entfernungen benötigen sie eine
ganze Kette von Relaisstationen, die zu* Lande in Abständen von 50 bis
70 km errichtet werden. Schon in gebirgigem Gelände bereitet dies
manche Schwierigkeiten; Übermittlungen auf Ultrakurzwellen über Ozeane
hinweg sind so gut wie unmöglich. Daher könnten Relaisstationen in
größeren Höhen, die von weit auseinander liegenden Bodenstationen
gleichzeitig "gesehen" werden, hier eine Lücke füllen, was eben durch
Nachrichtensatelliten geschehen soll. Sie erfüllen durch Aufnahme,
Verstärkung und Wiedergabe von Funksignalen kürzester Frequenzen im Grunde
genau die gleichen Funktionen wie die herkömmlichen Relaisstationen am
Boden.
Der erste Vorschlag, künstliche Erdsatelliten für Nachrichtenzwecke
zu verwenden, kam von den Engländer Arthur C. Clarke, einem Autor utopischer Erzählungen. In einer britischen Publikation vom Jahr 1945 entwickelte er den Plan, drei Nachrichtensatelliten in gleichem Abstand
voneinander auf eine Umlaufbahn in 36 000 km Höhe zu bringen und mit
Hilfe dieser "Relaisstationen" im Weltraum alle Länder der Erde durch
ein Nachrichtennetz direkt miteinander zu verbinden, (im Rahmen des
amerikanischen Projekts SYNCOM wird dieser Plan in absehbarer Zeit
Wirklichkeit werden.) Die technischen Voraussetzungen und Möglichkeiten
der Verwendung von Nachrichtensatelliten untersuchte als erster der
Amerikaner Dr. John R. Pierce; er berichtete im Jahr 1955 darüber, zwei
Jahre vor dem Start des ersten künstlichen Erdsatelliten. Deutsche Wissenschaftler hatten schon Mitte der dreißiger Jahre erwogen, Flugzeuge als
Relaisstationen für transozeanische Funkverbindungen zu benutzen eine
Idee, die mit gewissen Abwandlungen in den Vereinigten Staaten inzwischen
bei der Übermittlung von Schulfernsehprogrammen von Flugzeugen aus verwirklicht worden ist,
Relaisstationen .jenseits der Atmosphäre
Verschiedene in den letzten Jahren durchgeführten Experimente bewiesen, daß Nachrichtenübertragungen unter Einschaltung von Reflektoren
jenseits der Atmosphäre möglich sind. Die erste Demonstration dieser
Technik war ein drahtloses transkontinentales Ferngespräch, das amerikanische Wissenschaftler im Jahr 1958 über den Mond, den natürlichen Erdsatelliten, als "passiven" Reflektor der Funksignale führten. Im Dezember
1958 wurde über den künstlichen Erdsatelliten SCORE eine Botschaft Präsident Eisenhowers gesendet. Dies war der erste praktische Versuch mit einer
"aktiven" Relaisstation am Himmel, d.h. mit der Verwendung von Bordgeräten, die Funksignale empfangen und sie dann wieder zur Erde zurückstrahlen
Im August 196O folgte der Ballonsatellit ECHO I. Seine metallisierte
Kunststoffhülle, die inzwischen geschrumpft und sehr faltig geworden
ist, diente häufig als passiver Reflektor von Funksignalen, mit denen
Sprech-, Text-, Musik- und Funkbildsendungen zwischen Pazifik und Atlantik sowie von den USA nach England und Frankreich übermittelt wurden.
Im April dieses Jahres unternahmen die amerikanische Luftwaffe und

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�"AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

und Wissenschaftler der Technischen Universität Massachusetts (M.I.T.)
mit ECHO I den ersten erfolgreichen Versuch einer Fernseh-Direktsendung quer über den amerikanischen Kontinent. Die Bildqualität war mäßig,
das hatte man angesichts der Formveränderung des Ballons nicht anders
erwartet; der Zweck des Experiments, im Prinzip zu beweisen, daß diese
Art der Bildübertragung technisch möglich ist, wurde jedoch voll und
ganz erfüllt.
Im Oktober i960 wurde der Armee-Satellit COURIER I in eine Umlaufbahn gebracht. Bei diesem handelte es sich schon um ein kleines technisches Wunderwerk. Er war in der Lage, 65 000 Wörter in der Minute
aufzunehmen, zu speichern und auf Abruf zu senden. COURIER I funktionierte
17 Tage ausgezeichnet, bis er schließlich infolge einer technischen Störung für Funkübertragungen nicht mehr benutzt werden konnte.
Planungen intensiviert
Die vorgenannten Experimente gaben den verschiedenen Fernmelde-Satellitenprogrammen großen Auftrieb. Die Fachleute sind sich heute über die
Brauchbarkeit, ja Notwendigkeit solcher -fliegenden aktiven oder passiven
Relaisstationen einig. Worüber sie sich jedoch noch nicht einigen konnten,
ist der für den kommerziellen Betrieb von Fernmeldesatelliten am besten
geeignete Typ. Die Erprobung verschiedener Typen, die in den kommenden
Monaten vorgesehen ist, soll die Lösung dieser Frage erleichtern.
Genügend lange Betriebsdauer (mindestens zwei Jahre) und Zuverlässigkeit sind wichtige Voraussetzungen für die wirtschaftliche Nutzung von
Fernmeldesatelliten. Um diese zu gewährleisten, muß man zuvor u.a. die
physikalischen Bedingungen in den Umlaufbereichen genau kennen. Man muß
wissen, wie sich elektromagnetische Wellenstrahlung und Korpuskularstrahlen auf die Leistung und die Lebensdauer der Bordelektronik auswirken.
Und man muß sich über die notwendige Leistung bzw. die Größe der Antennen
der Bodenstationen im klaren sein, die den Kontakt zu den Fernmeldesatelliten aufrechterhalten. Zur Ermittlung all dieser und anderer wichtiger
Daten dienen die Versuchsprogramme TELSTAR, RELAY, REBOUND, SYNCOM und
ADVENT, die unmittelbar vor ihrer Verwirklichung stehen.
TELSTAR ist das Projekt der American Telephone and Telegraph Company (AT&amp;T). Das Satellitengerät wurde in ihrem Auftrag von der Bell
Telephone Company entwickelt und gebaut, und die NASA übernimmt, ebenfalls auf Kosten des Privatunternehmens AT&amp;T, den Start mit einer THORDELTA -Rakete von Cape Canaveral aus. TELSTAR wiegt 77 kg und hat die
Gestalt einer Kugel von 86 cm Durchmesser. Seine Oberfläche ist jedoch
an 172 Stellen facettenartig abgeflacht. Auf diesen Facetten sind die
56OO Sonnenzellen montiert, die die Betriebsenergie liefern; auf einige
Facetten jedoch sind Metallspiegel aufgesetzt, die Sonnenlicht reflektieren. Hat der Satellit auf jedem Umlauf jeweils einen bestimmten Bahnpunkt erreicht, so wird, da er um seine Längsachse rotiert, diese Reflexion bei der optischen Beobachtung als eine Folge von Lichtblitzen
wahrgenommen, die Aufschluß über die Stellung seiner Drehachse zur Erde
geben. Das Gerät besteht aus 15 000 meist winzig kleinen Einzelteilen und
enthält u.a. eine Elektronenröhre, IO64 Transistoren und 1464 Dioden.
Die

�I

"AMERIKA DIENST"

22. Juni 1962

Die metallischen Halterungen im Innern bestehen aus Magnesium,
die mit Aluminiumoxyd überzogene Wandung ist aus Aluminium gefertigt.
19 Nickel-Cadmium-Speicherbatterien werden durch die Sonnenzellen
aufgeladen, sobald sich der Satellit im Sonnenlicht bewegt. Sie haben
eine Gesamtleistung von 15 Watt, sofern die Sonne zum Satellitenäquator
senkrecht steht. Die photoelektrischen Zellen sind auf einer Basis aus
keramischem Material in einem Platinrahmen montiert und zum Schutz
gegen das Bombardement energiereicher Elektronenstrahlen mit durchsichtigen Plättchen aus synthetischen Saphiren abgedeckt. Alle diese Materialien wurden bereits im Hinblick auf eine möglichst lange Betriebsdauer des Satelliten gewählt. Sie haben überdies ungefähr die gleiche
Wärmeausdehnung wie die Sonnenzellen selbst, so daß diese Baueinheiten
wahrscheinlich auf Jahre hinaus fest verbunden bleiben.
Die elektronische Ausrüstung ist in einem Aluminiumbehälter von
50 cm Durchmesser eingeschlossen, der nicht am Halterahmen angenietet,
sondern durch Nylonbänder mit diesem elastisch verbunden ist. Hierdurch
werden Stöße und hochfrequente Schwingungen weitgehend abgefangen.
Die Empfangsfrequenz des TELSTAR, der bei einer Umlaufzeit von 160
Minuten die Erde in Höhen zwischen 930 und 56OO km umkreist, liegt bei
6390 Megahertz, die Sendefrequenz; bei 4170 Megahertz. Seine Sendeleistung
beträgt ungefähr 3 Watt. Die Antennen sind kleine Strahler, die in zwei
Ringen am Äquator des TELSTAR angebracht sind.
Der Nachrichtensatellit wird zunächst für eine Fernseh-Direktübertragung innerhalb der Vereinigten Staaten, später, bei internationalen
Gemeinschaftsexperimenten, für eine Pernseh-Direktübertragung von 10
Minuten Dauer nach Europa und ein ähnliches Programm in umgekehrter Richtung benutzt werden. Er wird außerdem die Möglichkeit der Übertragung von
Ferngesprächen mit Sprechteilnehmern in den USA und Europa bzw. Brasilien
sowie die Funkbildübermittlung von Worttexten demonstrieren.
Bald nach dem Start von TELSTAR soll zur Durchführung ähnlicher Experimente ein zweiter Nachrichten-Versuchssatellit - RELAY - in eine
Erdumlaufbahn zwischen 165O und 5550 km Höhe gebracht werden. RELAY ist
ein Projekt der NASA, in deren Auftrag die Radio Corporation of America
(RCA) das Versuchsgerät baute. Dieses hat die Form eines achteckigen
Zylinders, wiegt 60 kg und ist mit zwei Verstärkern ausgerüstet. Die
Sendefrequenz des RELAY-Satelliten ist - im Gegensatz zur Aufnahmefrequenz - die gleiche wie bei TELSTAR; mit 10 Watt liegt seine Sendeleistung
allerdings erheblich höher.
Vorbereitungen zur Beteiligung Europas und Südamerikas in vollem Gange
TELSTAR und aHELAY sind aktive Nachrichtensatelliten mit, wie die
Techniker bei der angewandten Abrufmethode sagen, "verzögerter Wiedergabe". Um überhaupt Versuche damit durchführen zu können, sind besonders
ausgerüstete Bodenstationen erforderlich. In den Vereinigten Staaten wurden
zu diesem Zweck zwei Stationen gebaut. Die AT&amp;T errichtete die Station
Andover im Staate Maine, die International Telephone and Telegraph Company
eine kleinere Station im Staate New Jersey.
T

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22. Juni 1962

In Großbritannien ist eine ähnliche Bodenfunkstelle in Cornwall
(Goonhilly Downs) fast fertiggestellt; sie wird von der britischen
Post- und Fernmeldeverwaltung errichtet, die auch für britische Versuche mit Nachrichtensatelliten zuständig ist. In Frankreich ist bei
Pleumeur-Bodou in der Bretagne, in der Bundesrepublik bei Raisting in
Oberbayern eine große Bodenstation im Entstehen. Die erforderlichen
Aufwendungen für die britischen und französischen Stationen werden auf
3 bzw. 10 Millionen Dollar geschätzt. Die französische Bodenfunkstelle
wird mit der gleichen riesigen Hornparabolantenne ausgerüstet, die auch
die AT&amp;T-Station in Andover besitzt. Dieses 340 Tonnen schwere drehbare
Gerät ist 53»8 m lang und hat eine dem Alphorn
ähnliche Form; es kann
als Sende- und Empfangsantenne benutzt werden. Die Station Raisting erhält als Antenne einen Parabolspiegel von 25 m Durchmesser, wie er bereits
in der englischen Bodenfunkstelle Goonhilly Downs errichtet wurde.
Bei Fucino in der Nähe von Rom beabsichtigt die italienische Gesellschaft Telespazio eine Bodenfunkstelle zu bauen, während sich Brasilien über eine Station in der Nähe von Rio de Janeiro an den Versuchen
beteiligen wird.
Vertreter der genannten Nationen haben einen Sonderausschuß gebildet, der im Zusammenhang mit Fernmeldesatellitenexperimenten für alle
Fragen zuständig ist, die die Ausrüstung und Tätigkeit der Bodenfunkstellen betreffen. Auf Zusammenkünften in Falmouth (England) im Dezember
1961 und Februar 1962 einigten sich die Ausschußmitglieder bereits über
die Art der durchzuführenden Versuche. Inzwischen bekundeten auch andere
Länder, unter ihnen Kanada, Japan und Argentinien, ihr Interesse an einer
Beteiligung an Versuchen mit Fernmeldesatelliten.
Jeder der beiden Versuchssatelliten, die in ihrer Umlaufbahn durch
Rotation um die eigene Achse stabilisiert werden, wird wichtige technische
und wissenschaftliche Unterlagen für die Weiterentwicklung "fliegender
Relaisstationen" vermitteln. Um allerdings ein weltweites kommerzielles
Nachrichtennetz - einschließlich weltweiter Fernsehübertragungen - aufbauen zu können, wären mindestens 20 bis 30 TELSTAR- und RELAY-Satelliten
erforderlich. Satelliten in der hier gewählten Umlaufhöhe befinden sich
bestenfalls 20 bis 25 Minuten lang gleichzeitig im Sichtbereich von Bodenstationen diesseits und jenseits des Atlantik.
REBOUND ist ein Projekt, bei dem gleichzeitig drei Ballonsatelliten
mit einer einzigen Rakete gestartet werden sollen. Eine AGENA-Rakete soll
die Ballone in eine 3200 km hohe Umlaufbahn einschießen und darin in
möglichst gleichen Abständen verteilen. Ähnlich wie der 30 m große ECH0Ballonsatellit würden diese drei Ballone (Durchmesser 41 m ) , die zur
besseren Erhaltung ihrer Kugelform allerdings eine steifere Hülle besitzen, Funksignale nur reflektieren, also als passive Relaisstationen
dienen. Die ersten Flugtests sind Anfang 1963 vorgesehen; zur Zeit sind
noch Forschungen mit neuartigen, leichteren Materialien für die Ballonhülle im Gange, um sehr große und dennoch formbeständige Ballonsatelliten
konstruieren zu können.
SYNC0M

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22. Juni 1962

SYNCOM (der Name ist gebildet aus "synchronous communication
satellite") gehört zu den aktiven Nachrichtensatelliten mit Empfangs-,
Verstärker- und Sendeanlage. Ein großes amerikanisches Plugzeugwerk
zeigte auf der Luftfahrtschau 1962 in Hannover sin Modell des trommeiförmigen Geräts, das in eine Umlaufbahn in 36 000 km Höhe geschossen
werden soll. In diesem Abstand von der Erdoberfläche beträgt die Umlaufgeschwindigkeit des Satelliten 24 Stunden, ist also der Rotationsgeschwindigkeit der Erde um ihre Achse "synchron". Dabei bleibt der
Satellit scheinbar über einem bestimmten Längengrad stehen, pendelt aber,
sofern die Ebene seiner Bahn zum Äquator geneigt ist, um einige Breitengrade langsam in nördlicher und südlicher Richtung. Befindet er sich
dabei beispielsweise auf einer Position über dem Atlantik, so liegt er
wegen seines großen Abstandes von der Erde ständig im Sichtbereich nordund südamerikanischer sowie europäischer und afrikanischer Bodenstationen
und kann so als Zentrale für den Nachrichtenaustausch über den Atlantik
dienen. Durch 3 bis 10 Relaisstationen in dieser Höhe würde ein weltweiter Nachrichtenverkehr ermöglicht. 3960 Sonnenzellen liefern den
Betriebsstrom für die Geräte, und zwar mindestens 20 Watt bei 27,5 Volt
für 1 Jahr. Eine besondere Konstruktionsleistung ist das geringe Gewicht dieses aktiven Nachrichtensatelliten, der nur 27,2 kg wiegt. Dies
ist die Voraussetzung dafür, ihn mit der vorgesehenen Trägerrakete vom
Typ DELTA überhaupt in eine so große Höhe befördern zu können.
Das erste Versuchsgerät, SYNCOM MARK I, wird im Sommer dieses Jahres an die NASA geliefert. Es wird jeweils nur ein Telephongespräch
in beiden Richtungen übertragen können, während für die kommerziellen
Nachrichtensatelliten vom Typ SYNCOM MARK II 1200 Fernsprechkanäle oder
600 Fernsprech- und 2 Fernsehkanäle vorgesehen sind.
Ein ähnliches Projekt Umfaßt das militärische Nachrichtensatelliten-Programm ADVENT, das unlängst die US-Armee an die US-Luftwaffe
abgegeben hat. Die Umlaufbahn dieses Satelliten soll ebenfalls in
36 000 km Höhe liegen. Damit er von einer ATLAS-AGENA-Rakete in diese
Bahn gebracht werden kann, soll sein Gewicht von ursprünglich 580 kg
auf knapp 23o kg reduziert werden. Das erste Versuchsgerät wird
allerdings die Erde in 10 000 km Höhe umkreisen.
Frequenzen
Mit TELSTAR und RELAY soll die Möglichkeit der Übertragung breiter Frequenzbänder über große Entfernungen demonstriert werden. Die
NASA arbeitete während des letzten Jahres bereits eng mit anderen
amerikanischen Behörden zusammen, um die Position der Vereinigten
Staaten im Hinblick auf die internationale Zuteilung von Radiofrequenzen klarzustellen. Ihre Bestrebungen gingen dabei nicht nur dahin, Frequenzbänder zur Benutzung in Nachrichtensatelliten fü2 die
kommerziellen und staatlichen Fernmeldestellen anderer Länder freizuhalten, sondern auch notwendige internationale Vereinbarungen über die
Benutzung bestimmter Radiofrequenzen für andere Zwecke der Weltraumforschung zu erreichen.
Im Herbst 1963 wird die Internationale Fernmeldeunion (ITU), eine
Organisation der Vereinten
Nationen, über diese Fragen konferieren.
Das US-Amt für Luft- und Raumfahrt beteiligt sich überdies an der
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der Arbeit des "International Radio Consultative Committee" (internationaler beratender Ausschuß für den Funkdienst); dieses Gremium
der Internationalen Fernmeldeunion hat die Aufgabe, technische Fragen
und Probleme des praktischen Funkbetriebs zu untersuchen und geeignete
Maßnahmen zu empfehlen.
Besitzrechte
Präsident Kennedy unterbreitete dem amerikanischen Kongreß am
7. Februar 1962 eine Gesetzesvorlage über die Schaffung eines Fernmeldesatellitennetzes, das nach Umfang und Dienstleistungen internationalen
Charakter trägt. Es soll von einer privaten Aktiengesellschaft betrieben werden, die u.a. folgende Aufgaben und Vollmachten wahrzunehmen hätte:
Bereitstellung von Nachrichtenkanälen gegen Mietgebühr für autorisierte
Benutzer; Beschaffung und Erwerb von Satelliten, Bodenstationen und
anderen Einrichtungen, die für den Betrieb sowie für die direkte
Verbindung mit erdgebundenen Nachrichtennetzen erforderlich sind;
Forschung und Entwicklung in eigener Regie oder auf Kontraktbasis;
Finanzierung der Satellitenstarts und aller damit zusammenhängenden,
von der US-Regierung übernommenen Dienstleistungen.
Das Fernmeldewesen in den Vereinigten Staaten befand sich von
jeher in Privathand. Es wird in privater Regie betrieben, ist aber in
bezug auf Gebühren und Dienstleistungen Regierungsvorschriften unterworfen. Um eine möglichst breite Streuung der Eigentumsrechte an einem
Unternehmen, das ein künftiges Fernmeldesatellitennetz übernimmt, zu
gewährleisten , schlug die amerikanische Regierung die Ausgabe von
Aktien in den zwei Klassen 4 un(* ü vor. Die Aktien der Klasse A sind
stimmberechtigt, können von jedermann erworben werden, und nur auf sie
werden Dividenden ausgeschüttet; die - nicht stimmberechtigten Aktien der Klasse B dagegen können nur von den zugelassenen Unternehmen
der Fernmeldebranche, die jetzt und in den kommenden Jahren die Hauptlast der Entwicklungskosten für ein Fernmeldesatellitennetz tragen, erworben werden.
Mit der Ausarbeitung der Gesetzesvorlage beabsichtigte die amerikanische Regierung u.a., weltweite Nachrichtenverbindungen auf kommerzieller Basis zu gewährleisten, einen Anreiz für einen größtmöglichen Wettbewerb in bezug auf technische Ausrüstung und Dienstleistungen zu geben,
beschleunigt ein betriebsfähiges Satellitennetz zu entwickeln, Industrieländer daran ebenso teilhaben zu lassen wie Entwicklungsländer,
Radiofrequenzen wirksam und wirtschaftlich zu nutzen und Diskriminierungen jeder Art von vornherein zu unterbinden. Das amerikanische Satellitennetz soll allen autorisierten Trägern des Fernmeldewesens zur Benutzung
offenstehen. Botschafter Francis T. P. Plimpton, der stellvertretende
Leiter der US-Delegation bei den Vereinten Nationen und Vertreter der
Vereinigten Staaten im UN-Ausschuß für die friedliche Nutzung des Weltraums, setzte sich vor diesem Gremium kürzlich in einer umfassenden Rede
für eine enge internationale Zusammenarbeit in der Weltraumforschung
und im Aufbau eines Fernmelde-Satellitennetzes ein. Er berichtete in
diesem Zusammenhang, daß man plane, schon im Herbst 1962 über TELSTAR

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TELSTAR oder RELAY eine Debatte der UN-Vollversammlung in einer 5- bis
1O-Minuten-Sendung nach Europa zu übertragen, und er fügte hinzu:
"Hoffen wir, daß diese Minuten glücklich gewählt sind!"

ACHTUNG REDAKTIONEN! Auf Anforderung übersenden Ihnen die für Ihren
Bereich zuständigen Amerika-Dienst-Außenbüros
kostenlos folgende Bilder:

1)

Am 24. April 1962 wurde der im August 196O gestartete Ballonsatellit ECHO I erstmals für eine Fernsehbild-Direktübertragung über
4300 km von Kalifornien nach Massachusetts benutzt. Das auf diesem
Wege übermittelte Bild zeigte ein Plakat mit den drei Buchstaben
"M.I.T." (Abkürzung für Massachusetts Institute of Technology Technische Universität Massachusetts). Auf den relativ
schnell fliegenden Satelliten konnte vom Bodensender aus nur ein
schmaler Straiilungskegel von einem zehntel Bogengrad Durchmesser
(Stärke 20 kW, Frequenz 8350 Megahertz) gerichtet werden.

2)

Ein Modell des TELSTAR-Fernmeldesatelliten wird bei den Bell
Telephone Laboratories in eine Prüfkammer gebracht, in der ein
nahezu vollkommenes Vakuum und Kältegrade bis zu minus 200 Grad
Celsius erzeugt werden können. Ähnlichen Bedingungen ist TELSTAR
im Weltraum ausgesetzt.

3)

Die Hornparabolantenne (oben) der American Telephone &amp; Telegraph
Company in Andover (Maine) dient als Sender und Empfänger für Fernsehprogramme, Telephongespräche und drahtlose Wortsendungen bei
künftigen Nachrichtenübermittlungen über Fernmeldesatelliten. Das
riesige Gerät ist 53»8 m lang, drehbar und wiegt 340 Tonnen.
Unten ein Schnittmodell der Hornparabolantenne unter ihrem Druckluftzelt, das sie vor Wind und Wetter schützt.

4)

Den Betriebsstrom für den RELAY-Satelliten, der bei der Radio Corporation of America gebaut wird, sollen 6000 auf der Außenwandung
montierte Sonnenzellen liefern. Der Versuchsnachrichtensatellit der
NASA wird auf der Frequenz 1725 Megahertz empfangen, die aufgenommenen
Signale werden auf der Welle 4170 Megahertz gesendet.

(AD-Außenbüros befinden sich in:
Berlin-Dahlem, Clay-Allee 170
Bremen, Contrescarpe 38-42
Düsseldorf, Cecilien-Allee 5
Frankfurt (Main), Siesmayerstraße 21, Zimmer 110
Hamburg, Alsterufer 27
München, Königinstraße 5-7
Stuttgart, Urbanstraße 7)
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

DIE REGIERUNG DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
(Standl 20. Juni 1962)

�Allg./29.6.1962
H!L???i??™?_pjR_VEM:mGTEN STAATEN_VON_AMERIKA
(Stand: 20. Juni 1962)
Der Präsident: John F. Kennedy
Der Vizepräsident: Lyndon B. Johnson
Das Kabinett des Präsidenten umfaßt unter dem Vorsitz des Präsidenten als
ständige Mitglieder die Leiter der zehn Bundesministerien.
Außenminister (Secretary of State): Dean Rusk
Stellv.: Staatssekretär George W. Ball (Under Secretary of State)
Finanzminister (Secretary of the Treasury): C. Douglas Dillon
Stellv.: Staatssekretär Henry H. Fowler (Under Secretary of the Treasury)
Verteidigungsminister (Secretary of Defense): Robert S. McNamara
Stellv.: Staatssekr. Roswell L. Gilpatric (Deputy Secretary of Defense)
Justizminister (Attorney General): Robert F. Kennedy
Stellv.: Staatssekr. Nicholas äeB. Katzenbach (Deputy Attorney General)
Postminister (Postmaster General): J. Edward Day
Stellv.: Staatssekr. H. W. Brawley (Deputy Postmaster General)
Innenminister (Secretary of the Interior): Stewart L. Udall
Stellv.: Staatssekr. James K. Carr (Under Secretary of the Interior)
Landwirtschaftsminister (Secretary of Agriculture): Orville L. Freeman
Stellv.: Staatssekr. Charles S. Murphy (Under Secretary of Agriculture)
Handelsminister (Secretary of Commerce): Luther H. Hodges
Stellv.: Staatssekr. Edward Gudeman (Under Secretary of Commerce)
Arbeitsminister (Secretary of Labor): Arthur J. Goldberg
Stellv.: Staatssekr. W. Willard Wirtz (Under Secretary of Labor)
Minister f. Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen
(Secretary of Health, Education &amp; Weifare): Abraham A. Ribicoff
Stellv.: Staatssekr. Ivan A.Nestingen (Under Secretary of Health,
Education and Weifare)

�P R Ä S I D I A L A M T
Executive Office of the President
Der Präsident
John P. Kennedy

Präsidialkanzlei
The White House Office
1. Persönl. Referent: Theodore C. Sorensen
2. Persönl. Referent: Myer Feldman
Stabssekretär: Ralph A. Dungan
1 . Pressesekretär: Pierre Salinger
2. Pressesekretär: Andrew Hatcher
Verwaltungsreferent: Henry Hall Wilson
Referent f. Sicherheitsfr.: McGeorge Bundy
Referent f. Wissenschaft: Jerome B. Wiesner
Referent f. Kongreßverb.: Lawrence F. O'Brien
Referent f. Kabinettsfragen: Timothy J. Reardon
Referent f. Militärfragen: Gen. Maxwell D. Taylor
Food-for-Peace-Direktor: George McGovern
Sonderreferent: P. Kenneth O'Donnell
Sonderreferent: Arthur Schlesinger
Sonderreferent: Frank D. Reeves
Sonderreferent: Harris L. Wofford
Sonderreferent: Brooks Hays
Amt für Haushaltsplanung
Bureau of the Budget
Leiter: David E. Bell
Stellv.: Leiter: Eimer B. Staats
Amt für Notstandsplanung
Office of Emergency Planning
Leiter: Edward A. McDermott
Sonderberater des Präsidenten für Lateinamerika,
Asien und Afrika
Botschafter ehester Bowles
-

2 -

�(Präsidialamt 2)
Nationaler Sicherheitsrat
National Security Council
Präsident, Vizepräsident, Außenminister,
Verteidigungsminister, Leiter des Amts für
Notstandsplanung (dazu als Sekretär der Referent
des Präsidenten für Sicherheitsfragen)
Zentralamt für Nachrichten und Abwehr
Central Intelligence Agency (CIA)
Leiter: John A. McCone
Rat für Luft- und Raumfahrt
National Aeronautics and Space Council
Vizepräsident, Außenminister, Verteidigungsminister,
NASA-Leiter, AEC-Vorsitzender
Wirtschaftsbeirat
Council of Economic Advisers
Vorsitzenders Walter W. Heller
Mitglieder: James Tobin, Kermit Gordon
Wissenschaftlicher Beirat
Science Advisory Committee
Vorsitzender: Jerome B. Wiesner
Amt für Wissenschaft und Technik
Office of Science and Technology
Leiter: Jerome B. Wiesner

i

3 -

�A U S S E N M I N I S T E R I U M
D e p a r t m e n t of

State

Außenminister (Secretary of State)l Dean Rusk
Stellv. Außenminister!
Staatssekretär (ünder Secretary of State) George W. Ball
Staatssekretär für Politische Fragen
(Under Secretary of State for Political Affairs)i George C. McGhee
Stellv. Staatssekretär für Politische Fragen
(Deputy Under Secretary of State for Pol .Äff.) i U .Alexis Johnson
Stellv. Staatssekretär für Verwaltungsfragen
(Deputy Under Secretary of State for Admin.Affairs)I William H.Orrick
Amt für Internationale Entwicklung

Amt für Rüstungskontr. und Abrüstung

Agency f. Internat. Development (AID)

Arms Control and Disarmament Agency

Leiters Staatssekr. Fowler Hamilton
Stellv. Leiter! Frank M. Coffin

Leiten William C. Foster
Stellv. Leiter» Adrian S. Fisher

Regionalbüros*

Ministerbüro

Lateinamerika
Fernost
Nahost &amp; Südasien
Europa &amp; Afrika

Executive Secretariat
Leiter» William H. Brubeck

Leiter» jeweils ein Unterstaatssekretär
(Assistant Secretary of State)
Rat für Politische Planung
Policy Planning Council
Vors.» U.Staatssekr. Walt W, Rostow
Politischer Berater (Counselor)

Rechtsberater U. Staatssekr. für
.. A , .
Kongreßverb.
T
Legal
Adviser
..
_.
Asst. See. of State
Abram Chayes
„
* -, . .
/TT ox .. , Nf. nCongr. Relations
( U.Staatssekr. JT;—-—r—;—=—^~~rr—~
v
'Frederick G. Dutton

WirtSchaftsabteilung

Nachrichten- und Forschungsabteilung

Bureau of Economic Affairs

Bureau of Intelligence and Research

U. Staatssekr. G. Griffith Johnson

Leiters Roger Hilsman

Kulturabteilung

Abteilung f. öffentl. Angelegenheiten

Bureau of Educational &amp; Cultural Äff.

Bureau of Public Affairs

U. Staatssekr. Lucius D. Battle
Verwaltungsabteilung

U. Staatssekr. Robert J. Manning
Stellvertreter» Stern, Rowan
Pressereferent» Lincoln White

Bureau of Administration

Konsular- und Sicherheitsabteilung

U. Staatssekr. William J. Crockett

Bureau of Security and Consular Affairs
Kommiss. Leiters Michel Cieplinski

- 4-

�(Außenministerium 2)

Afrika-Abteilung

Amerika-Abteilung

U. Staatssekr. G.Mennen Williams

U. Staatssekr. Edwin M. Martin

Europa-Abteilung

Fernost-Abteilung

U. Staatssekr. Poy D. Kohler

U. Staatssekr. W. Avereil Harriman

(Referatel British Commonwealth)
u. Nordeuropa
)
Sowjetunion
)
Osteuropa
)
Deutschland)
(
Westeuropa
Regionalfragen
)

Nahost- und Südasienabteilung
U. Staatssekr. Phillips Talbot
Abt. Internationale Organisationen
U. Staatssekr. J. Harlan Cleveland

Friedenskorps
Peace Corps
Leitert R. Sargent Shriver

Ränge I
Secretary of State

Außenminister

Under Secretary of State

Staatssekretär

Deputy Under Secretary of State =

Stellvertr. Staatssekretär

Assistant Secretary of State

Unterstaatssekretär

=

Deputy Assistant Secr. of State =

Stellvertr. Unterstaatssekretär

- 5-

�V E R T E I D I G U N G S M I N I S T E R I U M
Department of Defense
Verteidigungsminister (Secretary of Defense): Robert S. McNamara
Stellvertr. Verteidigungsminister (Deputy Secretary): Roswell L.Gilpatric
Politischer Rat

Ministeramt d. Verteidigungsministers

Armed Forces Policy Council

Office

Verteidigungsminister

L e i t e r d . A b t . Forschung u .

of the S e c r e t a r y of Defense
Technik:

Stellv. Verteidigungsmin.

S t e l l v . S t a a t s s e k r . Harold Brown

Staatssekr. f.d. Armee

u. 8 Unterstaatssekretäre

für

Staatssekr. f.d. Marine

1. Haushaltsfragen:Charles

Staatssekr. f.d. Luftstreitkr.

2 . I n t e r n a t . S i c h e r h e i t : Paul H. Nitze

Leiter d. Abteilung Forschung

3 . P e r s o n a l u . R e s e r v e : C a r l i s l e P.Runge

u.Technik

J.

Hitch

4 . Forschung u . Technik:John H. Rubel

Chef d. Gemeinsamen S t a b e s

5 . ö f f e n t l . Angelegenh.: A r t h u r S y l v e s t e r

S t a b s c h e f Armee

6 . Versorgung u . L o g i s t i k : Th.D. Morris

Stabschef

7. Rechtsabteilung:

Stabschef

Marine
Luftstreitkräfte

Gemeinsamer Stab

d.Streitkräfte

J o i n t Chiefs of

8. Zivilverteidigung: Steuart L. Pittman
Staatssekretariat f.d. Armee

Staff

Department of the Army

Chef d. Gem. Stabes: Gen. Lemnitzer

Staatssekretär Cyrus R. Vance

Stabschef Armee: Gen. Decker

(Secretary of the Army)

Stabschef Marine: Adm.G.W.Anderson

Staatssekretariat für die Marine

Stabschef Luftstreitkr.:Gen.LeMay

Department of the Navy

Chef d. Marinekorps: Gen. Shoup

Staatssekretär Fred Korth
(Secretary of the Navy)

Gemeinsamer Generalstab
The Joint Staff

Fernmeldeamt
Defense Communication Agency
Leiter: Konteradm. Will D.Irvin

Staatssekretariat f.d. Luftstreitkräfte
Department of the Air Force
Staatssekretär Eugene M. Zuckert
(Secretary of the Air Force)
Amt für Nationale Sicherheit
National Security Agency
Leiters Vizeadmiral Laurence H. Frost

Kernwaffenamt
Defense Atomic Support Agency
Leiter: Gen. Maj. Robert H.Booth
Nachrichtenamt
Defense Intelligence Agency
Leiter: Generallt. J.F. Carroll
Versorgungsamt
Defense Supply Agency
Leiter: Generallt. Andrew T.
McNamara

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6 -

�WICHTIGE SELBSTÄNDIGE BUNDESBEHÖRDEN
Atomic Energy Commission (AEC) - Atomenergiekommission
Vorsitz: Glenn T. Seaborg
Export-Import Bank of Washington - Export-Import-Bank
Präsident: Harold F. Linder
Pederal Aviation Agency - Bundesaufsichtsamt für die Luftfahrt
Leiter: Najeeb E. Halaby
Feäeral Communications Commission - Bundesamt für das Nachrichtenwesen,
Leiter: Newton N. Minow
Federal Mediation and Conciliation Service - Bundesvermittlungs- und
Schlichtungsdienst; Leiter: William E. Simkin
Federal Power Commission - Bundesamt für Energiewirtschaft
Leiter: Jerome K. Kuykendall
Federal Trade Commission - Bundesamt für den Binnenhandel
Leiter: Paul R. Dixon
General Services Administration - Bundesamt f. Allg. Verw .-Dienste
Leiter: Bernard S. Boutin
Housing and Home Finance Agency - Bundesamt für Wohnbau und Eigenheimfinanzierung; Leiter: Robert C. Weaver
National Aeronautics and Space Administration (NASA) - Bundesamt für
Luft- und Raumfahrt; Leiter: James E. Webb
National Labor Relations Board - Bundesarbeitsaufsichtsatmt
Leiter: Frank W. McCulloch
Securities and Exchange Commission - Effekten- u. Börsenaufsichtsamt
Leiter: William L. Cary
Selective Service System - Bundeszentrale f. Wehrdiensterfassung
Leiter: Generallt. Lewis B. Hershey
U.S. Civil Service Commission - Bundesamt für den Zivilen Reg.Dienst
Leiter: John W. Macy
U.S. Information Agency (USIA) - US-Informationsamt
Leiter: Edward R. Murrow; 1. Stellv.: Donald M. Wilson; 2. Stellv.:
Thomas C. Sorenson
U.S. Tariff Commission - Bundeszollkommission; Leiter: J.E. Talbot
Veterans Administration - Bundesamt f. Kriegsteilnehmerversorg^ing
Leiter: John S. Gleason

7

�DER KONGRESS

Senat
Präsident des Senats» Vizepräsident Lyndon B. Johnson
Dem. Fraktion, Vorsitzender» Sen. Michael J. Mansfield
Geschäftsführer» Sen. Hubert H. Humphrey
Rep. Fraktion, Vorsitzender* Sen. Everett M. Dirksen
Geschäftsführer* Sen. Thomas H. Küchel
Repräsentantenhaus
Sprecher* John W. McCormack
Dem. Fraktion, Vorsitzender« Carl Altert
Geschäftsführer» Haie Boggs
Rep. Fraktion, Vorsitzender* Charles A. Halleck
Geschäftsführer* Leslie C. Arends
Wichtige Ständige Ausschüsse
Senat
Ausschußvorsitzender
Außenpolit. Ausschuß (Foreign Relations Com.) - James W. Fulbright
Bewilligungsausschuß (Appropriations Com.)
- Carl Hayden
Geschäftsordnungsausschuß (Rules &amp; Admin.)
- M. J. Mansfield
Regierungskontrollausschuß (Gov. Operations) - John L. McClellan
Finanzausschuß (Finance Committee)
- Harry F. Byrd
Geld- u.Kreditausschuß (Banking &amp; Currency)
- A. Willis Robertson
Ausschuß für die Streitkräfte (Armed Forces) - Richard B. Russell
Luft- u.Raumfahrtausschuß (Aeronaut.d Space Sciences) - R. S, Kerr
Arbeits- und Sozialausschuß (Labor &amp; Public Weifare) - Lister Hill
Rechtsausschuß (Judiciary Committee)
- James O..Eastland
Repräsentantenhaus
Ausschußvorsitzender
Geschäftsordnungsausschuß (Rules Committee)
- Howard W. Smith
Bewilligungsausschuß (Appropriations Committee)--Clarence Cannon
Ausschuß für Haushaltsfragen (Ways and Means) - Wilbur D. Mills
Rechtsausschuß (Judiciary Committee)
- Emanuel Celler
Regierungskontrollausschuß (Gov. Operations) - William L. Dawson
Außenpolitischer Ausschuß (Foreign Affairs) - Thomas E. Morgan
Ausschuß für die Streitkräfte (Armed Forces Com.) - Carl Vinson
Geld- und Kreditausschuß (Banking and Currency)
- Brent Spence
Gemeinsame Ausschüsse beider Häuser
Ausschußvorsitzender
Atomenergieausschuß (Atomic Energy)
- Abg. Chat Holifield
Verteidigungsproduktion (Defense Production) - Sen. A. Willis Robertson
Wirtschaftsausschuß (Economic Committee)
- Abg. Wright Patman
(Sämtliche Ausschußvorsitzende sind Demokraten)

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./i3.7.l962

UNSER ZIEL: DIE ATLANTISCHE PARTNERSCHAFT

PHILADELPHIA - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Rede, die Präsident
Kennedy am 4« Juli 1962 in Philadelphia anläßlich des amerikanischen Unabhängigkeitstages vor den Gouverneuren der 50 Bundesstaaten
gehalten hat.

"Es ist für jeden Bürger unserer großen Republik eine hohe
Ehre, an diesem Tage der Unabhängigkeit in der Independence Hall
sprechen zu dürfen. Als Präsident der Vereinigten Staaten vor den
Regierungschefs unserer 50 Bundesstaaten zu sprechen, ist eine
einmalige Gelegenheit und zugleich eine Verpflichtung. Die Notwendigkeit guten Einvernehmens zwischen der Bundesregierung und
den einzelnen Bundesstaaten ist eine unauslöschliche Lehre unserer
Geschichte.
Weil unser System Unterschiede und voneinander abweichende Meinungen fördert, weil die darin eingebauten Kontrollen und ausgleichenden Gewichte die Rechte des einzelnen und der Gemeinde gegen
eine zu starke Centrale Autorität schützen sollen, sind Sie und ich
uns darüber im klaren, wie sehr wir im Hinblick auf eine erfolgreiche
Arbeit unserer einzigartigen und glücklichen Regierungsform voneinander abhängig sind. Unser System und unsere Freiheit gestatten es
der Legislative, sich in gewissen Fällen gegen die Exekutive, dem
Einzelstaat, sich gegen die Bundesregierung, der Stadt, sich gegen
den Einzelstaat, dem Land, sich gegen die Stadt, der einen Partei,
sich gegen die andere, dem einen Interesse, sich gegen das andere
zu stellen - alle im Wettstreit oder Wortstreit miteinander.
Unsere Aufgabe - die Ihre an Ihrem Regierungssitz und die meine
im Weißen Haus - ist es, aus all diesen verwickelten Fäden ein
Gewebe des Rechts und des Fortschritts zu knüpfen. Den Luxus der
Unentschlossenheit können wir uns nicht gestatten. Andere mögen sich
auf Debatten, Diskussionen und jenen letzten Luxus - den freien
Ratschlag - beschränken; unsere Verantwortung ist die Verantwortung
der Entscheidung - denn regieren heißt entscheiden.
In einem sehr realen Sinne sind Sie und ich also die Vollstrecker des Testaments, das uns von jenen überkommen ist, die sich
-

1

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�"AMERIKA DIENST"

13- Juli 1962

sich heute vor 186 Jahren in diesem historischen Hause versammelt
haben. Sie kamen hier zusammen, um ihre Namen unter ein Dokument
zu setzen, das in erster Linie ein Dokument nicht der Rhetorik,
sondern der kühnen Entscheidung war. Es war ein Dokument des Protestes - aber Proteste waren vorher schon erhoben worden. In dem Dokument wurden ihre Beschwerden und Klagen mit großer Beredsamkeit
dargelegt - aber Beredsamkeit war davor auch schon vernehmbar. Was
jedoch dieses Stück Papier von allen anderen unterschied, war die
endgültige, unwiderrufliche Entscheidung, die mit ihm getroffen
wurde: die Geltendmachung der Unabhängigkeit freier Staaten anstelle
von Kolonien und die Verpflichtung, für dieses Ziel Leben, Gut und
die heilige Ehre einzusetzen.
Heute, 186 Jahre später, ist diese Erklärung - deren auf vergilbtem Pergament stehende, verblichene und nahezu unlesbare Zeilen
ich in der vergangenen Woche erneut im Nationalarchiv gelesen habe immer noch ein revolutionäres Dokument» Die Unabhängigkeitserklärung,
heute gelesen, wirkt wie ein Fanfarenruf. Denn diese Erklärung hat
nicht nur eine Revolution gegen die Engländer ausgelöst, sondern
eine Umwälzung im Leben der gesamten Menschheit. Ihre Verfasser waren
sich dieser weltweiten Auswirkungen voll bewußt; und George Washington
erklärte, 'daß es bei dem Experiment, das den Händen des amerikanischen Volkes anvertraut wurde, letztlich um Freiheit und Selbstregierung überall auf der Welt geht' .
Diese Prophezeiung hat sich bewahrheitet. 186 Jahre lang hat
diese Idee der nationalen Unabhängigkeit den Erdball erschüttert
- und sie ist auch heute noch die gewaltigste Kraft überall auf der
Welt. Da sind jene, die um ihre bloße Existenz in einem unfruchtbaren Lande ringen und die niemals etwas von einer freien Unternehmerwirtschaft gehört haben - die aber dennoch die Idee der Unabhängigkeit
hochhalten. Da sind diejenigen, die sich mit den überwältigenden
Problemen des Analphabetentums und des schlechten Gesundheitsstands
herumschlagen müssen und die nicht vorbereitet genug sind, um freie
Wahlen abhalten zu können - aber sie sind entschlossen, an ihrer Unabhängigkeit festzuhalten. Selbst jene, die in einer Auseinandersetzung
zwischen Ost und West nicht Partei ergreifen wollen oder können, stehen
eindeutig auf der Seite der Unabhängigkeit.
Wenn es eine einzelne Frage gibt, die die Welt heute teilt, dann
ist es die der Unabhängigkeit - die Unabhängigkeit Berlins oder Laos'
oder Vietnams, das Sehnen nach Unabhängigkeit hinter dem Eisernen
Vorhang, der friedliche Übergang zur Unabhängigkeit in jenen neu sich
entwickelnden Gebieten, deren Schwierigkeiten einige gern ausbeuten
möchten.
Der Gedanke der Unabhängigkeit, der so alt ist wie die Menschheit
selbst, wurde nicht in dieser Halle erfunden. Aber hier in dieser
Halle war es, wo dieser Gedanke Gestalt annahm, von wo aus das Wort,
daß 'der Gott, der uns Leben gab, uns auch gleichzeitig Freiheit gab',
in alle Welt hinausging. Und heute hat unsere Nation - aus der

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2

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13. Juli 1962

der Revolution geboren, in Freiheit gewachsen, in Unabhängigkeit
gereift - nicht die Absicht, ihre führende Rolle in dieser weltweiten Bewegur.g an irgendeine Nation oder irgendeine Gesellschaft, die
sich der systematischen Unterdrückung der Menschheit verschrieben
hat, abzutreten.
So gültig und anwendbar diese historische Erklärung auch heute
immer noch ist, würden wir doch gut daran tun, auch das andere historische Dokument zu würdigen, das hier in diesem Hause formuliert
wurde: die Verfassung der Vereinigten Staaten. Denn dieses Dokument
betonte nicht die Unabhängigkeit, sondern die Interdependenz, die
gegenseitige Abhängigkeit, nicht die individuelle Freiheit des einzeln
sondern die unteilbare Freiheit aller.

In dem größten Teil der alten Kolonialwelt nähert sich
der Kampf um Unabhängigkeit seinem Ende. Selbst in Gebieten
hinter dem Eisernen Vorhang scheint das, was Jefferson einmal
die "Seuche der Freiheit" nannte, weiterhin um sich zu greifen.
Nach dem Untergang der alten Weltreiche leben heute weniger
als zwei Prozent der Weltbevölkerung in Gebieten, die offiziell
als 'abhängige' Territorien bezeichnet werden. Und während sich
dieses Streben nach Unabhängigkeit - angespornt durch den Geist
der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung - jetzt einem erfolgreichen Abschluß nähert, ist ein neues großes Streben - nach
Interdependenz - dabei, die Welt um uns neu zu formen. Der
Geist dieser neuen Bemühung ist genau derselbe Geist, aus dem
heraus die amerikanische Verfassung geboren wurde.

Dieser Geist wird heute wohl am
tischen Ozeans spürbar. Die Nationen
bitterere Fehden gespalten als jene,
zehn Kolonien bestanden - schließen
dies unsere Vorväter taten, Freiheit
der Einheit zu finden.

deutlichsten jenseits des AtlanWesteuropas - lange Zeit durch
die seinerzeit zwischen den dreisich zusammen und suchen, wie
in der Vielfalt und Stärke in

Die Vereinigten Staaten blicken auf dieses große Unterfangen mit Hoffnung und Bewunderung. Wir sehen in einem starken
und geeinten Europa nicht einen Rivalen, sondern einen Partner.
Die Förderung seines Fortschritts ist siebzehn Jahre lang ein
grundlegendes Ziel unserer Außenpolitik gewesen. Wir glauben,
daß ein geeintes Europa in der Lage sein wird, eine größere
Rolle in der gemeinsamen Verteidigung zu übernehmen, den Bedürfnissen der ärmeren Völker großzügiger zu entsprechen und
gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen Ländern die
Handelsschranken abzubauen, dieWährungs- und RohstoffProbleme
zu lösen sowie auf allen übrigen wirtschaftlichen, diplomatischen

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diplomatischen und politischen Gebieten eine koordinierte
Politik zu entwickeln. Wir sehen in einem solchen Europa
einen Partner, mit dem wir "bei all den großen und mühevollen
Aufgaben des Aufbaus und der Verteidigung einer Gemeinschaft
freier Nationen auf einer Basis völliger Gleichberechtigung
verhandeln könnten.

Es wäre verfrüht, jetzt mehr zu tun, als der Hochachtung Ausdruck zu geben, mit der wir den Aufbau dieser Partnerschaft verfolgen.
Zunächst einmal müssen unsere europäischen Freunde mit der Bildung
einer vollkommeneren Union voranschreiten, die dies vielleicht schon
sehr bald möglich machen wird.
Ein großes neues Gebäude kann nicht über Nacht errichtet werden.
Elf Jahre lagen zwischen dem Zeitpunkt der Erklärung der Unabhängigkeit
und der Niederschrift der Verfassung. Der Aufbau arbeitsfähiger Bundesinstitutionen dauerte eine weitere Generation. Die größten Leistungen
der Gründer unserer Nation lagen nicht in Dokumenten und Erklärungen,
sondern in schöpferischen und entschlossenen Taten. Beim Aufbau des
neuen europäischen Gebäudes ist man dem gleichen praktischen und zweckmäßigen Kurs gefolgt. Der Aufbau der atlantischen Partnerschaft wird
nicht auf billige oder schnelle Weise zu Ende zu führen sein.

Aber ich möchte es hier und an dieser Stelle und an diesem
Unabhängigkeitstag zum Ausdruck bringen, daß die Vereinigten
Staaten zu einer Erklärung der gegenseitigen Abhängigkeit bereit
sein werden; daß wir bereit sein werden, mit einem vereinten
Europa die Mittel und Wege zur Bildung einer konkreten atlantischen Partnerschaft zu erörtern, einer für alle segensreichen
Partnerschaft zwischen der neuen, gegenwärtig in Europa entstehenden Union und der alten amerikanischen Union, die hier vor rund
175 Jahren begründet wurde.
All dies wird nicht in einem Jahr vollbracht sein, aber die
Welt soll wissen, daß dies nun unser Ziel ist.
Als Alexander Hamilton die Annahme der Verfassung forderte,
erklärte er seinen New Yorker Mitbürgern, sie müßten 'kontinental
denken 1 . Heute müssen wir Amerikaner lernen, interkontinental zu
denken.
Auf uns allein gestellt, können wir nicht überall auf der Welt
Gerechtigkeit schaffen - können wir nicht dafür sorgen, daß Ruhe auf
der Welt herrscht, oder für ihre gemeinsame Verteidigung aufkommen
oder ihren allgemeinen Wohlstand fördern oder die Segnungen der Freiheit für uns und unsere Nachwelt sicherstellen. Aber gemeinsam mit
anderen freien Nationen können wir dies und mehr noch tun. Wir

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Wir können den Entwicklungsländern helfen, das Joch der Armut abzuschütteln. Wir können unseren weltweiten Handel und unseren Zahlungsverkehr auf einem Stande ausgleichen, der ein größtmögliches Wachstum verheißt. Wir können ein Abschreckungsmittel schaffen, das so
gewaltig ist, daß es jede Aggression unterbindet. Und schließlich
können wir dazu beitragen, eine Welt des Rechts und der Entscheidungsfreiheit zu schaffen, und damit die Welt des Kriegs und des
Zwangs bannen.

Denn die atlantische Partnerschaft, von der ich spreche,
würde nicht nur nach innen blicken und würde sich nicht nur
mit ihrem eigenen Wohlergehen und ihrem eigenen Fortschritt
befassen. Sie würde auch nach außen blicken und mit allen
Nationen bei der Behebung der gemeinsamen Sorgen zusammenarbeiten. Sie würde einen Kern für den schließlichen Zusammenschluß aller freien Menschen bilden - jener, die jetzt frei sind,
und jener, die eines Tages frei sein werden.

An Washingtons G eburtstag im Jahre 1861 sprach der neugewählte
Präsident Abraham Lin coln hier in dieser Halle auf s einem Wege in
die Hauptstadt der Na tion und würdigte in kurzen, ab er beredten Worten die Männer, die d ie Unabhängigkeitserklärung ver faßt en, für sie
kämpften und für sie starben. Das Entscheidende dies er Erklärung,
so sagte er, war, daß sie nicht nur 'der Bevölkerung dieses Landes
Freiheit, sondern der ganzen Welt Hoffnung verhieß - Hoffnung, daß
zu gegebener Zeit die Bürden von den Schultern aller Menschen genommen und daß alle die gleiche Chancb haben würden'.
An diesem 4« Juli 1962 geloben wir, die wir in dieser selben
Halle versammelt und mit der Gestaltung des Schicksals und der Zukunft der Einzelstaaten und der Nation betraut sind, nun feierlich,
daß wir unser Teil tun werden, um die Bürden von den Schultern aller
zu nehmen, um gemeinsam mit anderen Menschen und Nationen den Frieden
und die Freiheit zu wahren, und jede Bedrohung des Friedens oder
der Freiheit des einen als eine Bedrohung des Friedens und der Freiheit
aller anzusehen. Und zur Unterstützung dieser Erklärung verpfänden
wir alle füreinander in festem Vertrauen auf den Schutz der göttlichen Vorsehung unser Leben, unser Gut und unsere heilige Ehre."

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./31 .8.1962

VERTRAGSENTWURF FÜR DIE EINSTELLUNG ALLER KERNWAFFENVERSUCHE
Wortlaut des vom Westen in Genf am 27. August 1962
unterbreiteten Vorschlages

GENF - (AD) - Die Vereinigten Staaten und Großbritannien haben
der Genfer Abrüstungskonferenz am 27« August 1962 den Entwurf eines
Vertrages unterbreitet, der das Verbot der Kernwaffenversuche in
allen Bereichen vorsieht. Der westliche Vertragsentwurf hat folgenden Wortlaut:
Präambel
Die Regierungen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken,
des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland und
der Vereinigten Staaten von Amerika sind in dem Wunsch, alle Kernwaffenversuchsexplosionen für alle Zeiten zu beenden, wie folgt
übereingekommen:
Artikel

I

Unterlassungs-Verpflichtungen
Jede der Vertragsparteien verpflichtet sich gemäß den Bestimmungen dieses Vertrages.
a. die Durchführung von Kernwaffenversuchsexplosionen an
irgendeinem Ort, der ihrer Jurisdiktion oder Kontrolle untersteht,
zu verbieten und zu verhindern; und
b. davon Abstand zu nehmen, irgendwo die Durchführung von
Kernwaffenversuchsexplosionen zu veranlassen, zu fördern oder sich
in irgendeiner Weise daran zu beteiligen.
Artikel II
Bildung der internationalen wissenschaftlichen Kommission
1. die Durchführung der in Artikel I und IX dieses Vertrages
übernommenen Verpflichtungen soll durch eine internationale wissenschaftliche Kommission verifiziert werden, die in der Folge einfach
als "Kommission" bezeichnet wird. Zu der Kommission sollen ein

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ein internationaler Stab sowie, ein Verifizierungssystem gehören, die
in der Folge einfach als "Stab" beziehungsweise als "System" bezeichnet werden.
2. Jede der Parteien verpflichtet sich, unverzüglich und in
vollem Umfang bei der Bildung und dem wirksamen Aufbau der Kommission
mitzuarbeiten. Jede der Parteien verpflichtet sich ferner, unverzüglich und in vollem Umfang bei der Durchführung der Verifizierungsmaßnahmen mitzuarbeiten, die in diesem Vertrag sowie in irgendwelchen
Übereinkommen niedergelegt sind, die die Parteien möglicherweise mit
der Kommission schließen.
Artikel III
Aufgaben der internationalen wissenschaftlichen Kommission
1. Die Kommission soll die allgemeine Verantwortung für die Sammlung von Daten und die Berichterstattung über alle Vorkommnisse, die
den Verdacht erregen, Kernwaffenversuchsexplosionen zu sein, sowie,
wo immer möglich, für die positive Identifizierung der Art und des
Ursprungs solcher Vorkommnisse tragen.
2. Die Kommission soll die Überwachung aller Elemente des
Systems vornehmen, um sicherzustellen, daß diese Elemente integriert
arbeiten. Zu diesem Zweck soll die Kommission Normen für die Arbeitsweise, die Aufstellung und die Koordinierung aller Elemente des Systems schaffen und auf ihre Befolgung achten.
3. Die Kommission kann die Parteien hinsichtlich der Art eines
nicht identifizierten Vorkommnisses konsultieren, das den Verdacht
erregt, eine Kernwaffenversuchsexplosion zu sein, und kann allen
Parteien auf Grund der zur Verfügung stehenden Daten einen Bericht
hinsichtlich der Art und des Ursprungs des ihr vom Stab gemeldeten
Vorkommnisses unterbreiten.
4. Die Kommission soll durch Mehrheitsbeschluß, einschließlich
der Stimmen der ständigen Mitglieder, den Gesamtbetrag ihres Jahresbudgets billigen.
5. Die Kommission soll für die ständige Stationierung von Beobachtern bei den Elementen des Systems sowie für das periodische Aufsuchen
solcher Elemente durch Beobachter Sorge tragen, um sicherzustellen, daß
die festgelegten Verfahren für die schnelle, koordinierte und verläßliche Sammlung von Daten eingehalten werden.
6. Die Kommission kann zur Unterstützung der Durchführung der
Bestimmungen dieses Vertrages mit jedem Staat oder jeder Behörde
Abmachungen eingehen.
7. Die Kommission soll diejenigen Laboratorien und Einrichtungen
schaffen, die sie für die Durchführung der ihr durch diesen Vertrag
übertragenen Aufgaben für notwendig erachtet.
8.
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31 . August 1962

8. Die Kommission soll durch Mehrheitsbeschluß, einschließlich
der Stimmen der ständigen Mitglieder, einen leitenden Beamten ernennen, der sie bei der Durchführung ihrer Aufgaben unterstützt.
9. Die Kommission soll grundlegende wissenschaftliche Forschungsprogramme durchführen und die Beteiligung der Mitglieder des Stabes
daran erleichtern, um die Fähigkeit der Kommission zu verbessern, ihre
Aufgaben im Rahmen des gegenwärtigen Vertrages durchzuführen, und
um sicherzustellen, daß die wirksamsten und modernsten Methoden der
Verifizierung der von den Vertragsparteien eingegangenen Verpflichtungen angewandt werden.
10. Die ständigen Mitglieder der Kommission sollen dafür Sorge
tragen, daß eine Konferenz der Vertragsparteien abgehalten wird, wenn
nach Ansicht der ständigen Mitglieder eine ausreichende Anzahl von
Staaten Vertragspartner geworden sind, um die in Paragraph 1 b
Artikel IV erwähnten Wahlen durchzuführen. Eine solche Konferenz soll
auf jeden Fall dann stattfinden, wenn... Staaten, einschließlich der
ständigen Mitglieder, Vertragspartei geworden sind.
11. Danach soll die Kommission etwa alle drei Jahre die Parteien
zu einer Konferenz einladen, um Nachwahlen für die Kommission durchzuführen.
12. Die Kommission kann zu jedem ihr angemessen erscheinenden
Zeitpunkt eine Konferenz anberaumen, um Fragen bezüglich des Vertrages
zu erörtern.
Artikel IV
Aufbau und Verfahren der internationalen wissenschaftlichen Kommission
1. Die Kommission soll sich aus 15 Mitgliedern zusammensetzen, die
wie folgt ausgewählt werden sollen:
a. Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland und die Vereinigten Staaten von Nordamerika sollen ständige Mitglieder sein.
b. Zwölf weitere Mitglieder sollen durch Mehrheitsbeschluß
der Parteien gewählt werden, die in der in den Paragraphen 10 und
11 des Artikels III beschriebenen Konferenz vertreten und stimmberechtigt sind, wobei
l)

drei aus den von der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
vorgeschlagenen Parteien ausgesucht werden sollen;

II)

zwei aus den von dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten gemeinsam vorgeschlagenen Parteien und

III)

sieben aus den von den permanenten Mitgliedern der Kommission
auf einer möglichst breiten geographischen Basis vorgeschlagenen Mitgliedern ausgewählt werden sollen.
c.

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c. Sofern irgendwelche der in Paragraph 1 b dieses Artikels
geforderten Vorschläge nicht gemacht worden sind, sollen die Vertragsparteien auf den in den Paragraphen 10 und 11 des Artikels
III beschriebenen Konferenzen die übrigen Mitglieder der Kommission
aus der Gesamtheit aller Parteien wählen«
2. Die in die erste Kommission gewählten Mitglieder sollen
ihr Amt für drei Jahre vom Zeitpunkt ihrer Wahl an innehaben. Danach
sollen alle drei Jahre regelmäßige Wahlen abgehalten werden, und die
in die Kommission gewählten Mitglieder sollen ihren Posten behalten,
bis sie entweder ersetzt oder bei der nächsten Dreijahreswahl erneut
gewählt werden.
3. Jedes Mitglied der Kommission soll eine Stimme haben. Alle
Entscheidungen sollen - sofern in diesem Vertrag nicht anderweitig
bestimmt - durch einfachen Mehrheitsbeschluß der anwesenden und abstimmenden Mitglieder getroffen werden.
4. Eine jede Vertragspartei, die nicht Mitglied der Kommission
ist, kann ohne Stimme an der Erörterung jeder vor die Kommission gebrachten Frage teilnehmen, wenn immer diese der Ansicht ist, daß die
Interessen jener Partei im besonderen berührt werden.
5. Die Kommission soll jeweils zu einem von ihr selbst festzusetzenden Datum zusammentreten oder auf Ersuchen eines Mitglieds
innerhalb von 24 Stunden.
6. Die permanenten Mitglieder sollen die Funktionen der Kommission
ausführen, bis diese gemäß Paragraph 1 dieses Artikels eingesetzt worden
ist. Hierbei sollen die ständigen Mitglieder durch einstimmige Übereinkunft handeln. Sie sollen zusammenarbeiten, um andere Staaten zum
Beitritt zu dem Vertrag zu ermutigen, und bei der Nominierung von
Vertragspartnern, wie sie in Paragraph 1 b dieses Artikels vorgesehen
ist, ohne Verzug handeln, damit die Auswahl der Mitglieder für die
Kommission zum frühestmöglichen Zeitpunkt gewährleistet wird.
7« Der Hauptsitz der Kommission soll in ... sein,
Artikel

V

Funktionen des internationalen Stabes
1. Der Stab soll die Kommission bei der Ausführung ihrer Funktionen
unterstützen.
2. Der Stab soll die Sammlung der durch alle Elemente des Systems
beigebrachten Daten überwachen und Beobachter stellen, die bei den
einzelnen Elementen des Systems stationiert werden oder sie zu den
in Paragraph 5 des Artikels III dargelegten Zwecken aufsuchen sollen.
3. Der Stab soll das Personal für die internationaie-i Elemente des
Systems stellen, die von der Kommission aufgestellt werden mögen.

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4« Der Stab soll die durch das System beigebrachten Daten entsprechend den in diesem Vertrag festgesetzten und von der Kommission
vielleicht noch festzusetzenden Normen analysieren und der Kommission
Berichte über alle derartige Daten zukommen lassen. Derartige Daten
und Berichte sollen auf Anforderung jeder Partei zur Einsichtnahme
zur Verfügung stehen.
5« Das System soll entsprechend den von der Kommission vorgeschriebenen Verfahren und Normen innerhalb von 24 Stunden nach der
Entdeckung eines Vorkommnisses, das den Verdacht erregt, eine Kernwaffenversuchsexplosion gewesen zu sein, alle Daten sammeln und dem
Stab zuleiten, die es in bezug auf die Entdeckung, Lokalisierung und
Identifizierung des Vorkommnisses erhalten hat. Danach sollen weitere
sich auf das Vorkommnis beziehende Daten, falls solche vorliegen, dem
Stab mitgeteilt werden, sobald sie verfügbar sind.
6. Der Stab soll dem in den einzelnen Elementen des Systems arbeitenden Peronal technische Instruktionen erteilen.
Artikel VI
Aufbau des internationalen Stabes
1. Der leitende Beamte (des Stabes) soll der Kommission verantwortlich sein und unter ihrer Aufsicht die von ihr erlassenen Direklven ausführen. Seine Amtszeit soll sich über einen Zeitraum von vier
Jahren erstrecken. Der leitende Beamte soll von der Kommission aus
seinem Amt entfernt werden können, wenn die Kommission infolge eines
Versagens seinerseits, den Direktiven der Kommission nachzukommen, oder
aus anderen Gründen entscheidet, daß sie kein Vertrauen mehr zu ihm hat.
Zu einer jeden derartigen Entscheidung und der Ausübung der Enthebungsgewalt sollen elf Stimmen der Mitglieder der Kommission erforderlich
sein.
2. Ge..:äß den von der Kommission gebilligten Bestimmungen soll der
legten ;e Beamte das Personal für den Stab anwerben, ihn aufbauen und
seine /.rb iitsweise überwachen .
3. Zu dem Stab soll ein wissenschaftlich, technisch und anderweiti derartig qualifiziertes Personal gehören, wie es zur Erfüllung
seine Funktionen erforderlich ist, wobei der größte Wert auf die
A .erbung von Personal höchsten Niveaus, höchster Leistungsfähigkeit,
tec n'scher Kompetenz und Integrität zu legen ist. Unter Berücksichtigen dieses Prinzips soll der leitende Beamte auch die Anstellung
von Personen in Erwägung ziehen, die Staatsbürger solcher Staaten sind,
an der Einrichtung der Elemente des Systems entweder teilgenommen haben
oder raran teilzunehmen beabsichtigen.
4. Der leitende Beamte soll sich auch von den Erwägungen leiten
lassen, daß der ständige Stab auf dem für die Durchführung seiner ihm
übertragenen Aufgaben unbedingt erforderlichen Minimum gehalten und daß

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TRANSMITTAL

SLIP

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TO

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For the Attention of

FROM
TO THE FOREIGN SERVICE

TO THE DEPARTMENT

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~] Post Information Only
~~[Transmit to Foreign Office
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1 I Inform:
REFERENCE

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H C E R P Pablications
^JEnclosure to Previous
Despatch
^Reply to Dept. Requesl

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1

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Agency)

ITEMS/REMARKS

IN REPLY REFER TO FILE NÜMBER AND DRAFTING OFFICE
SIGNATURE
FILE NO.
CLASSIFICATION

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daß das Personal auf einer möglichst breiten geographischen
Basis angeworben werden soll.
5. Bei der Erfüllung ihrer Aufgaben und Pflichten sollen der
leitende Beamte und der Stab nicht um Instruktionen von irgendeiner
Regierung oder irgendeiner anderen Behörde außerhalb ihrer Kommission
nachsuchen oder solche erhalten. Jede Vertragspartei verpflichtet sich,
den ausschließlich internationalen Charakter der Verantwortlichkeiten
des leitenden Beamten und des Stabes zu respektieren und nicht zu
versuchen, sie bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zu beeinflussen.
Artikel

VII

Organisation des Verifizierungssystems
1. Das System soll aus den im Anhang zur Verifizierung beschriebenen intregierten Elementen bestehen sowie aus den zusätzlichen
Einrichtungen, die die Kommission für angebracht hält. Sein Zweck
soll sein, die rasche und zuverlässige Sammlung und Meldung von Daten
zu gewährleisten. Es soll Stationen folgender Klassen umfassen:
a. Stationen, die an den im Anhang zur Verifizierung aufgeführten Orten zu errichten sind. Jede dieser Stationen ist in Übereinstimmung mit den besonderen Weisungen der Kommission zu unterhalten
und mit Staatsangehörigen desjenigen Staates zu besetzen, auf dessen
Territorium sich die betreffende Station befindet. Die Kosten für
die Errichtung und Ausstattung jeder solchen Station sind von der
Kommission zu bestreiten, und das Personal solcher Stationen ist von
der Kommission auszubilden. Alle Vertragsparteien, auf deren Territorium sich solche Stationen befinden, erklären sich bereit, Beobachtern für die in Artikel III Paragraph 5 bezeichneten Zwecke Zutritt zu
solchen Stationen zu gewähren.
b. Vorhandene Stationen, die auf Anforderung und im Einvernehmen
mit der Kommission von den einzelnen Vertragsparteien zur Verfügung
zu stellen, zu unterhalten und zu besetzen sind.
c. Stationen, die von der Kommission im Einvernehmen mit den
einzelnen Vertragsparteien zu errichten, zu unterhalten und zu besetzen sind, sofern die Kommission solche Stationen für wünschenswert
hält .
d. Diejenigen Ortungs- und Meßgeräte im Weltraum, in der Atmosphäre sowie auf und unter der Erdoberfläche (einschließlich ihrer
.wasserbedeckten Teile), die die Kommission für wünschenswert hält.
Ob dieselben von der Kommission oder von einzelnen Vertragspartnern
zur Verfügung zu stellen, zu unterhalten und zu bemannen sind, kann
die Kommission entscheiden.
2.

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2. Die Vertragsparteien kommen überein, bei der Errichtung
(einschließlich der Bereitstellung geeigneter Standorte), dem Betrieb,
dem Ausbau, der Justierung und Normung aller Elemente des Systems
zusammenzuarbeiten und dabei der Kommission alle Hilfen, Geräte
oder Daten zur Verfügung zu stellen, die ihr für die Durchführung
ihrer Aufgaben von Nutzen sein können.
3. Die Vertragsparteien kommen überein, dafür zu sorgen, daß
binnen sechs Monaten nach dem Inkrafttreten dieses Vertrages alle
in Paragraph 1 b dieses Artikels erwähnten vorhandenen Stationen
gemäß den Bestimmungen dieses Vertrages ihre Tätigkeit aufnehmen.
' Sie kommen ferner überein, dafür zu sorgen, daß binnen zwölf Monaten
die in Paragraph 1 a erwähnten Stationen errichtet werden und gemäß
den betreffenden Bestimmungen ihre Tätigkeit aufnehmen.
4. Gemäß den von der Kommission festgesetzten Normen haben die
in Paragraph 1 a dieses Artikels erwähnten Stationen diejenigen Geräte
ständig in Betrieb zu halten, die die Kommission für jede Station für
angebracht hält, darunter die folgenden:
Apparate für das Sammeln radioaktiver Explosionsrückstände und
für das Registrieren von Fluoreszenzerscheinungen in der oberen
Atmosphäre, von sichtbaren Lichteffekten, kosmischer Geräuschabsorbierung, tellurischen Strömungen, Streuungsreflexen des Sonnenlichts,
Schallwellen, seismischen Wellen und elektromagnetischen Impulsen.
Stationen, die sich auf Inseln oder in Küstennähe der '/Veitmeere befinden, haben außerdem Apparate für die Registrierung hydroakustischer
Wellen ständig in Betrieb zu halten, sofern die Kommission es für angebracht hält. Stationen, die sich auf Schiffen befinden, haben Geräte
für die Registrierung von hydroakustischen Wellen, Fluoreszenzerscheinungen in der oberen Atmosphäre und sichtbaren Lichteffekten mitzuführen
und ständig in Betrieb zu halten, sofern rdie Kommssion es für angebracht hält.
Artikel VIII
Inspektionen an Ort und Stelle
1. Der leitende Beamte hat unverzüglich durch öffentliche Bekanntmachung am Sitz seines Stabes eine Bestätigung zu geben, sobald er
befindet, daß ein seismisches Vorkommnis nach Paragraph 2 dieses
Artikels festgestellt worden ist und nicht nach Paragraph 3 unberücksichtigt bleiben kann. Der leitende Beamte hat jede Anstrengung zu unternehmen, um diese Bestätigung binnen f2 Stunden nach Feststellung
des Vorkommnisses abzugeben.
2. Ein seismisches Vorkommnis soll als festgestellt gelten, wenn
seismische Signale, deren Frequenzen, Amplituden, Dauer und Ausbreitungsgeschwindigkeit mit den für Erdbeben- oder Explosionswellen
eigentümlichen übereinstimmen, von hinlänglich vielen Stationen registriert werden, um den ungefähren Zeitpunkt und Ort des Vorkommnisses
zu bestimmen. Dies erfordert mindestens vier klar meßbare Ankunftszeiten identifizierbarer Phasen mit wechselseitiger Übereinstimmung

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Übereinstimmung innerhalb eines Bereichs von plus oder minus drei
Sekunden. Diese vier wechselseitig übereinstimmenden Ankunftszeiten
müssen P-Wellen-Ankunftszeiten bei drei verschiedenen Beobachtungsstationen einschließen.
3. Ein festgestelltes seismisches Vorkommnis ist nicht als Kernwaffenversuchsexplosion zu betrachten, falls es eine oder mehrere der
folgenden Bedingungen erfüllt:
a. wenn sich herausstellt, daß sein Hypozentrum in über 60 Kilometer Tiefe liegt;
b. wenn sich herausstellt, daß sein Epizentrum im Bereich der
Tiefsee liegt und das Vorkommnis nicht von einem mit dem seismischen
Epizentrum und der Ausgangszeit übereinstimmenden hydroakustischen Signal begleitet war;
c. wenn es sich als Vorläufer oder Nachläufer eines seismischen
Vorkommnisses mindestens der sechsten Stufe herausstellt, das gemäß
den Unterparagraphen a und b dieses Absatzes eindeutig als Erdbeben
identifiziert worden ist. Für diesen Zweck ist es erforderlich, daß
ein Vorläufer als Teil einer Reihe von Srdbebenstößen weniger als 48
Stunden vor dem Hauptstoß auftritt und daß ein Nachläufer als Teil
einer Reihe von Erdbebenstößen weniger als eine V/o che nach dem Hauptstoß auftritt sowie daß ihre Epizentren im Umkreis von zehn Kilometern
um das Epizentrum des Hauptstoßes festgestellt worden sein müssen.
4. Daten, die von Stationen geliefert werden, welche unter der
Jurisdiktion oder Kontrolle eines Staates stehen, in dem das Vorkommnis
geortet wurde, dürfen nicht dazu benutzt werden, dieses Vorkommnis von
einer Inspektion auszuschließen, können jedoch verwandt werden, um zur
Feststellung der Notwendigkeit einer Inspektion beizutragen.
I
5« Wenn ein seismisches Vorkommnis gemäß Paragraph 1 dieses
Artikels bestätigt worden ist, soll der leitende Beamte ein Gebiet
bestimmen, das innerhalb eines Kreises liegt, dessen Radius ...
Kilometer beträgt und dessen Mittelpunkt der Ort des Epizentrums
dieses Vorkommnisses ist.
6. Inspektionen an Ort und Stelle von Gebieten, die der leitende
Beamte gemäß Paragraph 5 dieses Artikels festgelegt hat, sollen diesem
Artikel zufolge durchgeführt werden:
a. auf dem Territorium unter der Jurisdiktion oder Kontrolle
der Vereinigten Staaten oder des Vereinigten Königreiches, wenn dies
von der Sowjetunion verlangt wird;
b. auf dem Territorium unter der Jurisdiktion oder Kontrolle
der Sowjetunion, wenn dies von den Vereinigten Staaten oder dem Vereinigten
Königreich verlangt wird;
c. auf dem Gebiet unter der Jurisdiktion oder Kontrolle irgendeiner anderen Partei, wenn die Kommission dies anordnet.

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7. Jede Partei, die die Jurisdiktion oder Kontrolle über ein
Gebiet hat, für das gemäß Paragraph 6 dieses Artikels die Inspektion an Ort und Stelle verlangt oder angeordnet wird, soll die
notwendigen Vorkehrungen treffen, um die unverzügliche Inspektion
an Ort und Stelle des gemäß Paragraph 5 dieses Artikels bestimmten
Gebietes zu ermöglichen.
8. Die Höchstzahl von Inspektionen, die für Gebiete unter der
Jurisdiktion oder Kontrolle eines ständigen Mitglieds der Kommission
verlangt werden kann, soll in jedem Jahr ... betragen. Die Höchstzahl
von Inspektionen, die in Gebieten unter der Jurisdiktion oder Kontrolle
einer Partei angeordnet wird, die nicht ein ständiges Mitglied der
Kommission ist, soll drei in jedem Jahr betragen oder um so viel höher
sein, wie dies die Kommission nach Konsultation mit der Vertragspartei
auf Grund einer Zweidrittelmehrheit der Anwesenden und Abstimmenden
festlegt.
9. Was das unter der Jurisdiktion oder Kontrolle der ständigen
Mitglieder der Kommission stehende Territorium betrifft, so sollen
in jedem Jahr in dem seismischen Gebiet dieses Territoriums, wie im
Anhang zur Verifizierung beschrieben, nicht mehr als ... Prozent der
jährlichen Anzahl der Inspektionen, die in Paragraph 8 dieses Artikels
vorgesehen sind, durchgeführt werden.
10. Die Inspektionen an Ort und Stelle sollen, wenn sie in Übereinstimmung mit Paragraph 6 dieses Artikels verlangt oder angeordnet
werden, von Gruppen durchgeführt werden, die von dem leitenden Beamten
aufzustellen sind. Bei der Aufstellung der Gruppen soll der leitende
Bea.ite ein ausgewogenes Vorhandensein von wissenschaftlichem und
technischem Können gewährleisten und eine Zusammensetzung vermeiden,
die dazu führen würde, daß bei der Überprüfung eines Territoriums
Staatsbürger des Staates herangezogen werden, unter dessen Jurisdiktion oder Kontrolle dieses Gebiet fällt. Der Leiter einer Gruppe soll
von dem leitenden Beamten unter den Angehörigen der Gruppe ausgesucht
werden.
11. Jede der Vertragsparteien verpflichtet sich, den Inspektionsgruppen, die gemäß diesem Artikel ausgeschickt werden, unmittelbar
und unbestrittenen Zutritt zu jenem Gebiet zu gewähren, in welchem
ei.e Inspektion an Ort und Stelle durchzuführen ist, sich jeder
Störung der Tätigkeit einer Inspektionsgruppe zu enthalten und jeder
solchen Gruppe die Unterstützung angedeihen zu lassen, die im Hinblick
aut die Durchführung ihres Auftrages erforderlich werden mag.
Artikel IX
Explosionen für friedliche Zwecke
Irgendwelche Kernexplosionen für friedliche Zwecke dürfen nur
durchgeführt werden: 1. wenn ihnen die ursprünglichen Vertragschließenden einstimmig zugestimmt haben oder 2. wenn sie in Übereinstimmung
mit einem Anhang hierzu durchgeführt werden.
Artikel X

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Artikel X

Beziehungen zu anderen internationalen Organisationen
1. Die Kommission ist berechtigt, Abkommen zu schließen, durch
die angemessene Beziehungen zwischen der Kommission und den Vereinten
Nationen oder deren Sonderorganisationen hergestellt werden.
2. Die Kommission ist befugt, geeignete Vorkehrungen zu treffen,
damit die Kommission, der Stab und das System einer internationalen
Abrüstungsorganisation oder irgendeiner anderen internationalen Organisation, die zu einem späteren Zeitpunkt unter irgendwelchen der
Vertragsparteien zur Überwachung der Abrüstung oder verwandter Maßnahmen geschaffen werden mag, beitreten oder in eine angemessene Beziehung zu ihr treten kann.
Artikel XI
Periodische Überprüfung
1 . Ein Jahr nach Inkrafttreten dieses Vertrages - und danach
jährlich - soll die Kommission den Vertrag und die Funktion des
Stabes und des Systems überprüfen, um
a. deren Wirksamkeit für die Feststellung der Einhaltung des
Vertrages hinsichtlich der Verpflichtungen aus Artikel I und IX zu
begutachten;
b. Verbesserungen in dem System, welche die Kommission sondere im Hinblick auf die Identifizierung von Kernexplosionen
wünschenswert hält, zu empfehlen;
c. Änderungen in der Anzahl der quotenmäßigen Inspektionen
an Ort und Stelle zu empfehlen, wie sie die Kommission für wünschenswert hält.
2. Die Kommission soll:
a. die Ergebnisse einer solchen Prüfung allen Vertragsparteien
übermitteln;
b. alle von irgendeiner der Vertragsparteien vorgeschlagenen Verbesserungen in Betracht ziehen und über die Annahme jener entscheiden,
die keine Zusätze zu diesem Vertrag erforderlich machen;
c. Über jeden Zusatz zu diesem Vertrag, der als Ergebnis einer
solchen Überprüfung von irgendeiner Vertragspartei in Einklang mit den
Bestimmungen des Artikels XVI vorgeschlagen wird, abstimmen.

Artikel XII

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�AMERIKA M E N S T "

31 . August 1962
Artikel XII
Finanzen

1 . Der Jahresetat soll vom leitenden Beamten des Stabes aufgestellt und von der Kommission in Übereinstimmung mit Paragraph 4
des Artikels III angenommen werden.
2. Die Vertragsparteien sollen die Mittel für den Jahresetat
nach Maßgabe der folgenden Aufstellung aufbringen:
a. ... Prozent Beitrag von den ständigen Mitgliedern wie folgt:
i) ... Prozent des Jahreshaushalts der Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken.
Il) ... Prozent des Jahreshaushalts des Vereinigten Königreiches
von Großbritannien und Nordirland.
III) ... Prozent des Jahreshaushalts der Vereinigten Staaten von
Amerika•
b. ... Prozent Beitrag zu gleichen Teilen von den verbleibenden Mitgliedern der Kommission.
Artikel XIII
Kündigung
1 . Sofern eine Vertragspartei feststellt,
al daß die in Artikel I oder IX dieses Vertrages enthaltenen
Verpflichtungen nicht erfüllt worden sind;
b. daß irgendwelche anderen Verpflichtungen gemäß diesem
Vertrag, einschließlich derer bezüglich der Vorkehrungen für Inspektionen an Ort und Stelle, nicht erfüllt worden sind und daß eine solche
Nichterfüllung die nationale Sicherheit der feststellenden Vertragspartei gefährden könnte;
c. daß Kernexplosionen durch einen Staat, der nicht selbst
Vertragspartei ist, unter Umständen ausgelöst worden sind, die die
nationale Sicherheit der feststellenden Vertragspartei gefährden
könnten, oder
d. daß sich Kernexplosionen unter Umständen ereignet haben,
unter denen es nicht möglich ist, den auslösenden Staat zu ermitteln,
und daß derartige Explosionen, sofern sie von einer Vertragspartei ausgelöst worden sind, den Vertrag verletzen oder, falls sie nicht von
einer Vertragspartei ausgelöst worden sind, die nationale Sicherheit der

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�"AMERIKA DIENST"

31 . August 1962

der feststellenden Partei gefährden könnten, .
kann sie der Depositarregierung ein Ersuchen auf Einberufung
einer Konferenz unterbreiten, zu der alle Vertragsparteien einzuladen sind, wobei die Depositarregierung eino solche Konferenz so
rasch wie möglich nach Eingang des Ersuchens einberufen muß. Das Ersuchen der feststellenden Vertragspartei an die Depositarregierung
soll von einer Darlegung der Beweise begleitet sein, auf die sich die
Feststellung stützt.
2. Die Konferenz untersucht unter Berücksichtigung der von der
feststellenden Vertragspartei eingereichten Beweisdarstellung und
aller anderen einschlägigen Informationen die Tatsachen und prüft
die Bedeutung der Lage.
3. Nach Beendigung der Konferenz oder nach Ablauf einer Frist
von 60 Tagen nach Eingang des Konferenzersuchens bei der Depositarregierung - je nachdem welches Datum früher liegt - kann jede Vertragspartei, sofern sie den Rücktritt vom Vertrag im Hinblick auf ihre
nationale Sicherheit für erforderlich hält, der Depositarregierung
die Kündigung mitteilen. Die Kündigung wird zu dorn in der Mitteilung
genannten Datum, das jedoch in keinem Falle vor dem 60. Tage vom
Eingang der Kündigung bei der Depositarregierung an gerechnet liegen
darf, wirksam. Der Kündigung muß eine detaillierte Darlegung der Gründe
für den Rücktritt vom Vertrag beigefügt sein.

Artikel

XIV

Vorrechte und Immunität
Die Vorrechte und Immunität, die der Kommission, dem Stab und
den Vertretern der Vertragsparteien durch die Vertragsparteien gewährt
werden, sowie der Rechtsstatus, den die Kommission im Territorium
jeder der Vertragsparteien genießt, werden in Anhang... dieses Vertrages aufgeführt.
Artikel

XV

Unterzeichnung« Ratifizierung. Beitritt,Inkrafttreten und Registrierung
1. Dieser Vertrag steht bis zum ... allen Staaten zur Unterzeichnun
offen. Jeder Staat, der diesen Vertrag nicht unterzeichnet hat, kann
ihm zu jedem späteren Zeitpunkt beitreten.
2. Dieser Vertrag bedarf der Ratifizierung durch die Signatarstaaten. Ratifikations- und Beitrittsurkunden sind bei der Regierung
von ... zu hinterlegen, die hiermit zur Depositarregierung bestimmt
wird.
3« Dieser Vertrag tritt am ... in Kraft für die Staaten, die an
oder bis zu diesem Tage die Ratifikations- oder Beitrittsurkunden
hinterlegt haben, sofern die hinterlegten Ratifikationsurkunden die

�31 . August

'AMERIKA DIENST"

1562

die der Sowjetunion, des Vereinigten Königreiches und der Vereinigten Staaten einschließen. Falles die Ratifikationsurkunden sämtlicher im vorausgegangenen Satz aufgeführten drei Staaten nicht am
oder "bis zum ... hinterlegt worden sind, tritt dieser Vertrag dann
in Kraft, wenn die Ratifikationsurkunden von ihnen allen hinterlegt worden sind.
4. Ratifikations- oder Beitrittsurkunden, die nach dem Inkrafttreten dieses Vertrages hinterlegt werden, werden mit dem Tage der
Hinterlegung "bindend.
5. Die Depositarregierung muß unverzüglich sämtliche Signatarstaaten und beitretenden Staaten vom Datum jeder Unterzeichnung,
vom Datum jeder Hinterlegung einer Ratifikations- oder Beilrittsurkunde zu diesem Vertrag, vom Datum des Inkrafttretens und vom
Datum jedes Eingangs eines Konf erenze-r suchens oder einer Kündigungsmitteilung gemäß Artikel XIII in Kenntnis setzen.
6. Dieser Vertrag ist von der Depositarregierung gemäß Artikel
102 der Charta der Vereinten Nationen registrieren zu lassen.
Artikel XVI
Alle Zusätze zu diesem Vertrag müssen von einer Zweidrittelmehrheit der Kommissionsmitglieder, darunter den Stimmen der ständigen
Mitglieder, gebilligt werden und treten für alle Vertragsparteien
nach Hinterlegung der Ratifikationsurkunden von zwei Dritteln der
Vertragsparteien, einschließlich der Ratifikationsurkunden der
ständigen Mitglieder der Kommission, in Kraft.
Artikel XVII
Anhänge
Die Anhänge zu dem vorliegenden Vertrag bilden einen untrennbaren Bestandteil desselben, und jede Unterschrift, jede Ratifizierung oder jeder Beitritt zu diesem Vertrag gilt sowohl für den Vertrag als auch für die Anhänge. Die Bezeichnung "dieser Vertrag"
schließt sämtliche seiner Anhänge ein.
Artikel XVIII
Authenti sehe•Fassungen
Dieser Vertrag, der in englischer und russischer Sprache ausgefertigt und in beiden Fassungen gleichermaßen authentisch ist, soll
im Staatsarchiv der Dopositarregierung hinterlegt werden, die den Regierungen der Signatarstaaten und beitretenden btaaten beglaubigte Abschriften desselben zukommen lassen muß.
Zu Urkund dessen haben die gehörig beglaubigten Unterzeichneten
diesen Vertrag unterschrieben.
Gegeben zu
am
des Jahres Eintausendneunhundertundzweiundsechzig. (Ende des Vertragsentwurfes)
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./28.9.1962

STEVENSON VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG

VEREINTE NATIONEN (New York) - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut der Grundsatzerklärung,
die der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten
Nationen, Botschafter Adlai E. Stevenson, am 20. September 1962 vor der 17» Vollversammlung der Vereinten
Nationen abgegeben hat.

Ich möchte meine Rede damit beginnen, daß ich - so nachdrücklich wie möglich - die große Bedeutung bekräftige, die meine Regierung der Arbeit der Vereinten Nationen beimißt. Meine Regierung
ist mehr denn je davon überzeugt, daß der Erfolg oder Mißerfolg dieser Weltorganisation sehr wohl den Unterschied zwischen Ordnung und
Anarchie auf der Welt bedeuten kann. Wir sind der Überzeugung, daß
die Arbeit, die der 17» Vollversammlung vorbehalten bleibt, wichtig
und auch dringend ist.
Zunächst darf ich Sie namens der Regierung der Vereinigten Staaten und dieser Stadt herzlichst hier in New York begrüßen. Wir beglückwünschen Sie, Herr Präsident, zu Ihrer Wahl zum Präsidenten der
17« Vollversammlung. Sie nehmen einen Platz ein unter den führenden
Männern der Welt, die erwählt worden sind, um dem Forum der Welt in
einer Zeit der Gefahr und Verheißungen vorzustehen, einen Platz,
der auf Grund Ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse nur noch mehr an
Bedeutung gewinnen kann.
Und ich begrüße genauso herzlich, daß die Zahl unserer Mitglieder durch die Aufnahme von Trinidad-Tobago, Jamaika, Rwanda
und Burundi erneut gewachsen ist - vier jungen Nationen aus den
sonnenreichen Landen, mit tropischer Schönheit gesegnet, die zu
besuchen und zu bewundern ich das große Glück hatte.
Am meisten aber begrüße ich die Gelegenheit, die diese Sitzungsperiode uns gibt, als Gremium gemeinsam den Kurs zu prüfen, den
unsere Angelegenheiten nehmen, und die Maßnahmen zu bedenken, die
erforderlich sind, uns der Welt, die wir anstreben, nämlich einer
Welt der Gerechtigkeit, der Freiheit und des Friedens, näher zu
bringen.
Vor

�"AMERIKA DIENST"

28. September 1962

Vor einem Jahr traten wir in einer Zeit des Zweifels und der
Gefahr zusammen. In den inzwischen verstrichenen zwölf Monaten
ist vieles geschehen, um ein gewisses Maß neuer Hoffnung für die
Zukunft zu rechtfertigen.
Ein langer, bitterer Krieg in Algerien ist zu Ende gegangen.
Ein drohender Krieg zwischen zwei unserer Mitglieder im Südwestpazifik ist durch eine friedliche Lösung gebannt worden - durch
staatsmännisches Verhalten auf Seiten dieser Länder und durch geschioktes Schlichten seitens der Vereinten Nationen.
In Laos sind an die Stelle eines durch ausländische Intervention geschürten Bürgerkrieges ein Waffenstillstand und eine unabhängige, international garantierte Regierung getreten.
Im Kongo, wo die Vereinten Nationen eine so entscheidende Rolle
gespielt haben, sind Krieg und Kriegsgefahr neuen Hoffnungen auf
die friedliche Wiedereingliederung Katangas in den jungen Kongostaat gewichen; wir unterstützen die Bemühungen des Generalsekretärs, eine baldige Beschlußfassung über den Versöhnungsplan der
UN herbeizuführen.
Die Abrüstungsverhandlungen sind mit Unterstützung der Vollversammlung in einem neuen Forum wieder aufgenommen worden, in
dem die Nicht-Atommächte eine nützliche und konstruktive Rolle
spielen.
Wir haben unter den Auspizien der Vereinten Nationen damit
begonnen, eine Zusammenarbeit bei der Erschließung des Weltraums nicht im Interesse irgend eines Landes, sondern im Interesse der
Menschheit - anzustreben.
Wir haben ebenfalls mit einer Intensivierung der Kampagne
gegen die Armut im Rahmen eines EntwicklungsJahrzehnts der Vereinten Nationen begonnen.
Alle diese Entwicklungen - wie auch andere - geben Anlaß
zur Befriedigung. Aber wir würden uns selbst täuschen, würden
wir nur die positiven Seiten stehen. Wir leben immer noch - und
zwar wir alle - in einer dunklen und unsicheren Welt.
Die Berlin-Krise hat sich nicht zum Krieg ausgeweitet, aber
der Druck und die Störungen gegenüber West-Berlin bleiben weiterhin
eine überaus gefährliche Bedrohung für den Frieden der Welt;
die kubanische Regierung führt mit moralischer und materieller
Unterstützung von außen eine Kampagne der Subversion und der Beschimpfung gegen ihre Nachbarn in der westlichen Hemisphäre durch;
in

2

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�AMERIKA DIENST1

28. September 1962

in Vietnam bleibt die illegale Unterstützung eines bewaffneten Aufstandes von jenseits der Grenzen her weiterhin eine Bedrohung für den Frieden in Südostasien;
die chinesischen Kommunisten setzen ihre Politik der Provokation sowie ihre Gewalt- und Subversionsmaßnahmen fort;
im Mittleren Osten schwelt noch immer die Drohung eines Konflikts; sie ist zwar durch die dqn Frieden wahrende Maschinerie
der Vereinten Nationen gedämpft, jedoch keineswegs beseitigt worden;
Streitfragen, die die Mitglieder unserer Organisation betreffen, bleiben auf jedem Kontinent weiterhin ungelöst;
die anhaltende Unterdrückung der Völker Osteuropas bleibt eine
schleichende Gefahr für den Frieden;
die abschließende Phase der weltweiten Bewegung zur nationalen
Unabhängigkeit in allen Teilen der Welt wird durch Fragen kompliziert, die - obwohl vorübergehend und lösbar - explosiv werden
könnten, wenn nicht klare Köpfe über ein zu hitziges Temperament
die Oberhand behalten;
die weite Verbreitung der Armut in großen Teilen der Welt bleibt
eine Quelle moralischer Enttäuschung und politischer Gefahr;
und, was am schlimmsten ist, das selbstmörderische Wettrüsten
hält unvermindert an.'
Diese Situationen beschwören ernste Gefahren für den Frieden
der Welt herauf.
Um solche Gefahren für den Frieden zu bannen, hat die Hiälfte
der in diesem Versammlungsraum anwesenden Länder vor 17 Jahren die
Vereinten Nationen gegründet und hat die andere Hälfte sich in den
dazwischenliegenden Jahren zur Charta bekannt.
Diese Charta stellte der Menschheit eine hohe Aufgabe. Es kann
nicht behauptet werden, daß die Vereinten Nationen in diesen 17 Jahren auf der Erde eine Herrschaft des Friedens errichtet haben. Aber
die Art, wie unsere Organisation in ihrer Geschichte mit den besonderen Herausforderungen des Friedens fertig wurde, ist nichtsdestoweniger eindrucksvoll. In diesen Jahren haben die Vereinten Nationen,
sei es durch den Sicherheitsrat oder die Vollversammlung, durch
Schlichtung oder Feuereinstellung, durch Friedensbeobachter oder
Waffenstillstandsüberwachung oder direkte militärische Maßnahmen
dazu beigetragen, Feindseligkeiten in Persien, Griechenland, dem
Mittleren Osten, Kaschmir, Indonesien, Korea, Suez, dem Libanon,
dem Kongo und Westneuguinea abzuwenden oder zu beenden.
Wenn

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28. September

1962

Wenn es den Vereinten Nationen auch nicht gelungen ist, die
Großmächte zusammenzubringen, so ist es ihnen doch oft gelungen,
sie auseinanderzuhalten - und zwar an Stellen, wo durch eine direkte
Konfrontation aus schwierigen Situationen unter Umständen untragbare Situationen hätten werden können.
Wenn es den Vereinten Nationen auch nicht gelungen ist, alle
internationalen Streitfragen zu regeln, so haben sie dennoch den
Weg für die friedliche Entwicklung einer Weltordnung bereitet. In
diesem Prozeß haben die Vereinten Nationen nicht den verhängnisvollen Fehler begangen, zu versuchen, den Lauf der Geschichte aufzuhalten. Sie haben nicht den Frieden auf Kosten der erforderlichen
Veränderungen zu erlangen gesucht. Und wir müssen gleichermaßen
sicher sein, daß in einer Welt, die so unbeständig ist wie die
unsrige, Veränderungen nicht auf Kosten des Friedens angestrebt
werden, der vor allem anderen notwendig ist.
Die Leistungen sind eindrucksvoll; aber der Lauf der Geschichte
ist heute weniger denn je aufzuhalten, und die gegenwärtigen Forderungen nach Frieden und Fortschritt sind dringender denn je. Diesen Forderungen nachzukommen ,bedarf es nicht nur einer starken, sondern einer noch stärkeren UN. Das wichtigste dieser Vollversammlung
vorliegende allgemeine Problem ist daher, die Bemühungen um eine
stetige Verbesserung unserer Organisation voranzutreiben, so daß
diese sich noch energischer, wirksamer und schneller mit den Gefahren für den Frieden und den Hindernissen für den Fortschritt befassen kann.
Das Wesentliche, der Kern, unsere tägliche Arbeit in dieser Vollversammlung ist es, ein mächtigeres Gebäude zu errichten und die
Vereinten Nationen weiter zu stärken. Der Wert und die Loyalität der
Mitglieder werden &lt;|aran gemessen* Stärken oder schwächen ihre Maßnahmen, ihre Vorschläge unsere Organisation?
Bei der Stärkung der Vereinten Nationen geht es sowohl um
strukturelle als auch um strategische Fragen.
Was die Struktur anbetrifft, so besteht die erste Notwendigkeit
darin, die Vereinten Nationen auf eine gesunde finanzielle Basis
zu stellen. Unsere Organisation hat heute ein Defizit von mehr als
150 Millionen Dollar, das in erster Linie aus dem Ausbleiben oder
der Verzögerung von Zahlungen für die den Frieden erhaltenden
Maßnahmen herrührt, die sich als ebenso kostspielig wie notwendig
erwiesen haben.
Das Notprogramm, mit dem dieses Defizit durch den Verkauf von
Bonds ausgeglichen werden soll, ist eine gute Überbrückungsmaßnahme.
Auf Grund der Maßnahmen unseres Kongresses wird die amerikanische
Regierung in der Lage sein, den Vereinten Nationen die Hälfte des
Geldes zu leiheu, das diese im Rahmen dieses Programines aufnehmen
müssen. Andere Nationen haben sich bereits verpflichtet, Bonds

�'AMERIKA DIENST"

28. September 1 962

Bonds in Höhe von 73 Millionen Dollar zu kaufen. Wir hoffen - und
dies ist ein mildes V/ort - daß diese Staaten zusammen mit anderen,
die sich noch nicht zum Kauf verpflichtet haben, die Gesamtsumme
auf 100 Millionen bringen. Meine Regierung kann dann in vollem
Umfang von ihrer Vollmacht Gebrauch machen und die gleiche Summe
aufbringen.
Aber dies alles ist nur ein Linderungsmittel, jedoch keine
Lösung. Das gegenwärtige Defizit ist nur das Symptom eines tiefergehenden Problems - eines Problems, das durch die Trägheit zu vieler Regierungen hier in diesem Saal hervorgerufen wurde. Man kann
gewisse Gründe verstehen, warum in der Vergangenheit gezögert wurde,
eine kollektive finanzielle Verpflichtung für Maßnahmen der UN zu
akzeptieren. Einige Staaten stellten beispielsweise in Zweifel, ob
die Vollversammlung das Recht hat, eine bindende Summe für die Dekkung der den Frieden währenden Kosten festzusetzen. Aber alle rechtlichen Unklarheiten sind nunmehr durch das jüngste Gutachten des Inter
nationalen Gerichtshofes beseitigt worden.
Diese Vollversammlung sieht sich jetzt der zwingenden Verpflichtung gegenüber, eine kollektive finanzielle Verantwortlichkeit für
die Politik und die Maßnahmen der Vereinten Nationen zu bestätigen.
Meines Erachtens sollte die Vollversammlung auf dieser Sitzungsperiode das Rechtsgutachten des Internationalen Gerichtshofes akzeptieren und danach handeln, nachdem frühere Vollversammlungen andere
Rechtsgutachten unverändert akzeptiert und danach gehandelt haben. Di
finanzielle Integrität und Unabhängigkeit der Vereinten Nationen steht
auf dem Spiel. Aber es geht noch um etwas viel Y/ichtigeres, nämlich
um die Herrschaft des Rechts. Der Internationale Gerichtshof hat die
Rechtsgrundsätze aufgestellt; es liegt nunmehr bei dieser Vollversammlung, ihre Achtung vor dem Recht zu manifestieren, indem sie dieses in die Praxis umsetzt.
Meines Erachtens muß diese Vollversammlung ferner einen
Finanzierungsplan für künftige Friedensmissionen aufstellen, der in
Kraft tritt, sobald die Gelder aus der Anleihe erschöpft sind.
Über die Einzelheiten eines solchen Planes läßt sich noch sprechen.
Aber - wie auch immer der Plan aussieht - er sollte fordern, daß jedes Mitglied seinen Verpflichtungen nachkommen muß, wenn erst einmal
über die Beitragsveranlagung ordnungsgemäß abgestimmt ist.
Wir hoffen, daß diese Vollversammlung ein Programm beschließt,
das auf dem einen oder anderen Wege die Finanzierung der von ihr
selbst oder dem Sicherheitsrat gebilligten Projekte sichert.
Anderenfalls verurteilen wir unsere Organisation zur Ohnmacht. Wir
können nicht erwarten, daß die Vereinten Nationen von einem Tag zum
anderen dahinleben und wie ein Bettler auf der Straße eine Mütze
hinhalten.

Außer

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�"AMERIKA DIENST"

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Außer den Finanzfragen gibt es aber noch andere strukturelle
Probleme. Niemand weiß besser als wir hier in diesem Saal, wie
notwendig es ist, die Verfahren in dieser so stark erweiterten Organisation zu straffen, damit diese sich wirksamer mit den komplizierten Fragen auf unserer langen Tagesordnung befassen kann.
Wir müssen den Sicherheitsrat und den Wirtschafts- und Sozialrat erweitern, um eine faire Repräsentation aller Regionen der Erde
sicherzustellen.
Wir müssen die Bestimmungen für unsere internationalen Beamten
und ihre Anwendung - insbesondere was die Beziehungen zwischen den
Mitgliedstaaten und dem Sekretariat anbetrifft - überprüfen, damit
die Beamten der UN auch weiterhin "ausschließlich international" sind,
wie es die Charta fordert.
*
Wir müssen ferner unbedingt einen Generalsekretär für eine volle
Amtszeit wählen. Nach dem tragischen Tode von Dag Hammarskjöld im
vergangenen Jahr machte die Vollversammlung eine sich in die Länge
ziehende, lehrreiche konstitutionelle Krise durch. Wir lösten diese
Krise, indem wir mit großer Mehrheit - und, ich hoffe fest, für
immer - die, in der Charta festgelegte Integrität des Amtes des Generalsekretärs behaupteten. Wir wählten dann einstimmig einen Beamten
und Diplomaten mit außergewöhnlichen persönlichen Qualitäten zum amtierenden Generalsekretär, der dieser Organisation in einer Zeit des
Übergangs und der Ungewißheit gute Dienste geleistet hat.
Wir haben in dieser Versammlung die Pflicht, sicherzustellen,
daß dieses wichtige Amt in den nächsten fünf Jahren genauso gut
besetzt ist, wie dies in der Vergangenheit der Fall war, und daß
derjenige, der dieses Amt innehat, die volle in der Charta vorgesehene Freiheit und Autorität behält.
Aber die Regelung all dieser organisatorischen Probleme würde
immer noch die Frage ungelöst lassen, wie die von uns erdachte Maschinerie benutzt werden soll. Ich setze voraus, daß es unser entscheidendes Ziel ist, praktische Möglichkeiten zur Erfüllung der Absichten der Charta zu finden. Aber ich frage mich manchmal, ob die
angewandten Mittel und Wege, die erwünschten Ziele zu erreichen, immer
die besten sind.
Ich bin mir sehr wohl der Enttäuschungen, der Versuchungen und
der Konflikte in einer jeden parlamentarischen Demokratie bewußt,
aber sie ist nun einmal das beste System, das jemals erdacht wurde,
um alle Interessen bei der Führung der öffentlichen Angelegenheiten
zu schützen und in Einklang.zu bringen. Wenn man die mit dieser
Form der Organisation verbundene Vielfalt in Rechnung stellt und
den Ernst der von uns behandelten Fragen berücksichtigt, wenn man
sich ferner vor Augen führt, wie jung die Vereinten Nationen sind
und wie überaus schnell sie wachsen - dann muß man feststellen,
daß sich die Vollversammlung, von wenigen Ausnahmen abgesehen,
überraschend verantwortungsbewußt und reif gezeigt hat.
Unsere

�"AMERIKA DIENST"

28. September

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Unsere klare Pflicht ist es nun, unsere Arbeit so zu tun, daß
diese Vollversammlung noch verantwortungsbewußter, noch reifer
und damit noch leistungsfähiger wird.
Es liegt auf der Hand, daß diese Vollversammlung nicht erfolgreich arbeiten kann, wenn sie nach dem Muster einer öffentlichen
Protestdemonstration auf irgendeinem Platz abgehalten wird. Es liegt
ferner auf der Hand, daß der Einfluß dieser Vollversammlung nicht
wachsen kann, wenn die Qualität ihrer Debatte durch Propaganda
oder durch Reden entwertet wird, die nicht die Lösung der diesem
Hause vorliegenden Fragen fördern, sondern an die Adresse der eigenen
Bevölkerung gerichtet sind.
Entrüstung und Beleidigungen haben sich seit Beginn der Geschichte
als machtvolle Feinde der Gerechtigkeit erwiesen. Es wäre erstaunlich, wenn sie nicht auch in den Verfahren der Vereinten Nationen
aufträten. Aber die entscheidende Frage im Hinblick auf die dieser
Vollversammlung unterbreiteten Resolutionen muß doch sein, ob wir
dadurch vernünftigen Lösungen der wahren Probleme und damit der
Gerechtigkeit näher kommen.
Wir müssen uns, so glaube ich, zum Beispiel davor hüten, einen
Beschluß zu fassen, bei dem ein hohes Prinzip zur Unterstützung
einer unrealistischen Maßnahme herangezogen wird, und der in keiner Weise eine praktische Lösung näher bringt. Wenn dies zu einer
allgemeinen Praxis würde, dann würden wir riskieren, dadurch den
Einfluß unserer Organisation zu zerstören, denn der Wert ihrer Empfehlungen würde dahinschwinden wie der des Geldes in einer Inflation.
In den Vereinten Nationen haben alle Mitglieder, ob groß oder
klein, das gleiche Recht. Aus diesem Grunde sind sie auch so oft
die Hoffnung der Welt genannt worden. Das ist der Grund, warum sie
der große Wahrer der Interessen der kleineren Staaten sind. Und deshalb müssen wir, wenn die Vollversammlung jetzt zahlenmäßig immer größer wird, dem ein Gefühl für ihre Bedeutung und ihre Verantwortung
gegenüberstellen.
Wir müssen, glaube ich, ferner erkennen, daß offene Debatten unter
den Augen der Fernsehkameras nicht immer der Mäßigung und der erforderlichen Zurückhaltung dienlich sind, wenn stolze und souveräne Staaten einen Disput austragen. Auch ist die Vollversammlung nicht das
einzige Medium, durch das unsere Organisation ihre Ziele verwirklicht.
Wir erlebten es vor einem Jahr, daß die Vollversammlung sich nicht
darüber einigen konnte, wie der Streit über Westneuguinea beizulegen
sei. Wir wissen heute, wie viel die Vereinten Nationen zur Beilegung
dieses Streits beitragen konnten, indem sie sich als ein ruhiger
dritter Partner einschalteten.
Ich glaube, daß es zahlreiche Gelegenheiten für die Vereinten
Nationen gibt, in internationalen Angelegenheiten als "dritter Partner"
zu fungieren: als objektiver Beobachter, als unparteiischer "Sachwalter" an Ort und Stelle, als Polizist im Revier, als Instrument

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Instrument stiller Diplomatie. Bei einigen Fragen, die uns auch
heute hier vorliegen, könnten die Vereinten Nationen beispielsweise einen Berichterstatter einsetzen, der die Fakten feststellt
und die Probleme analysiert und dadurch vernünftige Entscheidungen
der Vollversammlung erleichtert.
Nichts ist wichtiger für uns als ein unermüdliches und systematisches Vorgehen gegen die Konflikte, die den Frieden gefährden.
Seit unsere Welt ein überfülltes Haus und unser Planet ein einziges Pulverfaß geworden ist, haben alle Nationen die Pflicht, sich
bei der Verfolgung nationaler Ambitionen, die zu einem Konflikt
mit anderen führen könnten, zurückzuhalten, bis die Weltgemeinschaft
Gelegenheit gehabt hat, durch geduldige und stille diplomatische
Bemühungen eine Lösung zu finden.
Es geht hier nicht darum, sich gegen wünschenswerte Veränderungen zu stellen oder sie zu verzögern. Es handelt sich vielmehr darum,
die erforderlichen Maßnahmen nicht zu blockieren oder ihnen auszuweichen. Im Gegenteil, es ist wesentlich, die wirksamste Technik
auszuwählen, die sachdienlichste Formel zu finden, um sicherzustellen,
daß Veränderungen tatsächlich stattfinden und Maßnahmen tatsächlich
ergriffen werden können, um den Frieden der Welt zu gewährleisten
und die Vereinten Nationen zu stärken.
Es gibt Arbeit genug und genügend Werkzeuge, um sie zu tun.
Lassen Sie uns den Entschluß fassen, mit der richtigen Einstellung
an sie heranzugehen. Lassen Sie uns unsere Werkzeuge und Möglichkeiten für eine Periode aktiver und einfallsreicher Diplomatie einsetzen und zusammenfassen. Lassen Sie uns in dieser 17» Vollversammlung
die höchsten Formen der politischen Kunst anstreben und eine Zeit
friedlicher Lösungen der Konflikte einleiten - eine Zeit, in der wir
friedlich die großen Umwälzungen bewerkstelligen, die unsere heutige
Geschichte fordert.
Der Weg zum Frieden führt über die friedliche Beilegung von
Konflikten. Aber das größte Hindernis auf diesem Weg, die größte
Gefahr für alle bildet das immer größere Ausmaße annehmende Wettrüsten. Es nimmt von Tag zu Tag an Tempo zu, je mehr die Atommächte
und andere große und kleine Staaten die Waffenarsenale vergrößern.
Einige von uns erfinden und erproben immer neue schreckliche Waffen.
Wir sehen uns gezwungen, dies zum Schutze unserer verschiedenen
nationalen Interessen zu tun zu einem Zeitpunkt der Geschichte,
an dem im nationalen Interesse aller Staaten - solcher mit und solcher
ohne Atomwaffen - nicht die Ausweitung, sondern die Vernichtung des
Kriegspotentials liegt.
Lassen Sie mich dies so klar und so einfach sagen, wie ich es
kann: Dieses verschwenderische Wettrüsten ist eine gefährliche
und tödliche Torheit. Wir hier in den Vereinigten Staaten wollen
unsere Mitmenschen retten und nicht vernichten. Wir wollen die von
diesem unersättlichen Moloch verschlungenen Hilfsquellen für die
unbewältigten Aufgaben unserer eigenen Gemeinschaft nutzbar machen.
Und wir wollen, daß diese Hilfsquellen dafür eingesetzt werden, um

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um jedem Menschen auf dieser Erde eine Chance für ein besseres
Leben zu geben.
Das Wettrüsten aber dauert an. Es dauert an, weil kein Land
angesichts feindlich gesonnener anderer Länder seine Verteidigung
vernachlässigen kann. Keine Großmacht kann eine einseitige Abrüstung riskieren. Es gibt einen - und nur einen - Ausweg aus diesem unerträglichen Dilemma, nämlich die Schaffung eines Systems
der vollständigen und allgemeinen Abrüstung, in dessen Rahmen
sämtliche Staaten - unter den Augen der Völkergemeinschaft und
unter geeigneten Sicherheitsvorkehrungen - ihr eigenes Kriegspotential progressiv abbauen.
Es war ein großer Erfolg unserer letzten Sitzungsperiode hier,
über eine Reihe von Grundsätzen für eine allgemeine und vollständige
Abrüstung Einigung zu erzielen. Wir haben jedoch keinen Fortschritt
in Richtung auf die Verwirklichung dieser anerkannten Grundsätze in
Form eines anerkannten Plans gemacht, um in gemeinsamem Vorgehen
in rasch aufeinanderfolgenden Phasen einer vollständigen Abrüstung
und wirksamen Methodik zur Wahrung des Friedens näher zu kommen.
Die Vereinigten Staaten haben einen solchen Plan unterbreitet.
Sie haben ihre Vorschläge sowohl dieser Versammlung als auch der
Abrüstungskonferenz der 18 Staaten in Genf dargelegt.
Aber so, wie es mindestens zweier bedarf, um ein Wettrüsten
in Gang zu bringen, so bedarf es auch mindestens zweier, um ein
solches Wettrüsten zu beenden. Kein seiner Sinne völlig mächtiger
Mensch kann von einer Seite erwarten, daß sie sich der Mittel zur
Selbstverteidigung begibt, solange sie nicht ganz sicher weiß, daß
die andere Seite ihre Waffen ebenfalls ablegt. Das heißt, eine
praktisch durchführbare Nachprüfung ist der Kernpunkt eines jeden
vernünftigen Abrüstungsabkommens.
Es braucht keine totale Verifizierung zu sein. Wir haben in
langwierigen Verhandlungen zu wiederholten Malen bewiesen, daß wir
bereit sind, gewisse Risiken auf uns zu nehmen, um die Aussichten
für ein verstärktes Wettrüsten zu verringern. Wir sind aber nicht
bereit, unsere Existenz aufs Spiel zu setzen. Wenn andere Länder so wie wir bereit sind, es zu tun - jenes Maß an internationaler
Inspektion gestatten, das um der gegenseitigen Sicherheit willen
technisch notwendig ist, dann können wir das Wettrüsten einstellen.
Aber wir können nicht unsere nationale Existenz in blindem Vertrauen
aufs Spiel setzen, insbesondere nicht in blindem Vertrauen auf ein
großes und machtvolles Land, das immer wieder seine grundsätzliche
Ablehnung der Grundwerte einer freien Gesellschaft bekundet.
Die Sachlage ist klar. Der Preis der allgemeinen Abrüstung
ist die gegenseitige Sicherheit durch internationale Inspektion im
Rahmen der Vereinten Nationen. Weil ein solches System international
wäre, könnte es wohl kaum mit Spionage in Zusammenhang gebracht
werden. Ist eine Inspektion durch eine Behörde der Vereinten Nationen
ein zu hoher Preis für die Sicherheit der Menschheit, ja vielleicht

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�'AMERIKA DIENST"

28. September 1962

vielleicht sogar für ihren Fortbestand? Kann eine Gesellschaft die
Geheimhaltung höher einschätzen als die Sicherheit aller, vor allem
aber, kann dies eine Gesellschaft, die sich selbst als das Modell
anpreist, auf das hin sich alle anderen Gesellschaften zwangsläufig
entwickeln müssen?
Herr Präsident, ich trage diese Angelegenheit hier mit allem
gebotenen Ernst vor. Ich frage die Mitglieder dieser Versammlung:
'.Vollen Sie sich dem Wunsch aller Menschen der Welt nach einem allgemeinen Abrüstungsprogramm, das die Chance einer Beendigung des
Wettrüstens bietet, anschließen?
Noch einmal, die Antwort auf diese Frage wird nicht in Ermahnungen und Gefühlsaufwallungen zu finden sein. Und sie wird auch
nicht durch die Verabschiedung trefflicher Resolutionen gefunden,
in denen edle Ziele ohne Berücksichtigung der Realitäten verkündet
werden. Sie kann nur in einer nüchternen Bemühung zur Lösung der
unendlich komplizierten Probleme der Abrüstung gefunden werden. Wir
glauben, daß uns ernsthafte Verhandlungen in Genf unserem Ziele näher
bringen, und ich hoffe, daß die Diskussionen dort von dieser Versammlung weiterhin mit ganzem Herzen und inständig unterstützt werden.
Hier in New York kann die Versammlung auf der unumgänglichen
Bedingung einer Weltabrüstung bestehen: Sicherheit, daß abgeschlossene
Übereinkommen auch gehaltene Übereinkommen sind.
Es gibt aber eine noch dringlichere Frage als die allgemeine
Abrüstung, und hier ist die Lage nicht hoffnungslos. Ich spreche
von den Kernwaffenversuchen. Wenn ich hierin ein noch akuteres Problem sehe, so meine ich auch, daß es leichter zu lösen ist - und
daß dabei größere Hoffnungen auf einen baldigen Fortschritt bestehen.
Seit annähernd vier Jahren führen die Hauptatommächte, darunter
auch mein Land, Verhandlungen über ein vernünftiges und dauerhaftes
Kernwaffenversuchsverbot. Dieses Verbot würde auch einer Ausbreitung
solcher Waffen entgegenwirken, würde diese sehr beunruhigende neue
Strahlenquelle im menschlichen Lebensraum ausschalten und wäre ein
großer Schritt vorwärts in Richtung auf einen umfassenden Abrüstungsvertrag, den wir so ernsthaft erstreben.
Wie aus den Entwürfen der in Genf vorgelegten Pläne klar hervorgeht, ist die Regierung der Vereinigten Staaten bereit, sämtliche
Kernwaffenversuche einzustellen, vorausgesetzt nur, daß andere
ebenfalls bereit sind, die Verpflichtung zu übernehmen, ein gleiches
zu tun. Versuche in der Atmosphäre, über den Ozeanen und im Weltraum
verursachen die befürchtete Strahlung - nicht so die unterirdischen
Versuche. Wir sind bereit, die Versuche in der Atmosphäre, über den
Ozeanen und im Weltraum ohne internationale Verifizierung einzustellen,
weil wir nationale Möglichkeiten besitzen, die Versuche anderer festzustellen. Und wir Bind auch bereit, die unterirdischen Versuche
einzustellen - bei denen wir keine eigenen Möglichkeiten zur Feststellung haben -, vorausgesetzt, daD ein internationales System

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28. September

1962

System geschaffen wird, welches uns die Gewähr bietet, daß die
anderen das gleiche tun.
Seit 1945, als es begann, haben die Vereinigten Staaten nukleare
Sprengkörper mit einer Gesamtstärke von 140 Megatonnen zur Detonation
gebrachti Die Sowjetunion, die, soweit wir aus den Aufzeichnungen
unserer Fernmeßinstrumente ersehen, 1949 init ihren Versuchen begann,
hat an die 250 Megatonnen zur Explosion gebracht. Seit die UdSSR im
Herbst vergangenen Jahres das Moratorium brach, , zündete sie wiederum
Atombomben in einer Gesamtstärke von 200 Megatonnen - die Vereinigten
Staaten, die dadurch zur Wiederaufnahme der Versuche gezwungen wurden,
brachten jedoch nur 25 Megatonnen zur Detonation. Ich wiederhole:
Wir möchten die Kernwaffenversuche einstellen. Falls andere Kernwaffenmächte ebenfalls bereit sind, ein Abkommen über die Einstellung zu
schließen, werden die Versuche aufhören. Hinsichtlich dieser übergeordneten Frage meinen wir in den Vereinigten Staaten es absolut ernst.
Das Ziel des Friedens ist unlösbar mit dem Ziel des Fortschritts
verwoben. Indem wir die Fähigkeit unserer Organisation, den Frieden
zu wahren, verbessern, stärken wir auch die Vereinten Nationen für
ihre anderen wesentlichen Aufgaben: Hilfe zu leisten bei der Konstituierung von Nationen in Würde und Freiheit, Hilfe zu leisten bei
der Befreiung der Menschheit von ihren jahrhundertealten Feinden
Not und Elend. Und indem wir gesunde, moderne Gesellschaften errichten, knüpfen wir das Gewebe des Friedens fester; wir vermindern die
Gefahr, daß sich Elend und Fehlschläge in Konflikten entladen. So sind
die Wahrung des Friedens und die Errichtung neuer Nationen die beiden
Seiten der UN-Medaille.
Wir, die wir an diesen Vollversammlungen der Vereinten Nationen
teilgenommen haben, sind Zeugen einer großen historischen Umwandlung
geworden. In den Jahren seit 1945 haben wir erlebt, wie - unter Mitwirkung dieser Versammlung - das Zeitalter des klassischen Kolonialismus zu Ende ging. In diesen Jahren gewannen 46 Nationen - fast die
Hälfte der gegenwärtigen Mitglieder dieser Organisation - ihre Unabhängigkeit. Damit vollzog sich eine umwälzende Veränderung in der
Struktur der internationalen Beziehungen und der internationalen Machtverhältnisse .
Diese Veränderung wurde, wie ich kaum zu betonen brauche, in den
Vereinigten Staaten begeistert begrüßt. Als erster moderner Staat,
der sich vom Kolonialismus freigemacht hat, waren wir immer stolz,
anderen Staaten Schrittmacherdienste zu leisten bei jenem lohnendsten
und schwierigsten Wagnis - dem Wagnis der Selbstregierung. Wir halten
keine Aufgabe für wichtiger als die, ihnen überall, in den älteren
Kolonialgebieten und anderswo, zur Selbstbestimmung zu verhelfen.
Diese Aufgabe wird diese Versammlung während der kommenden Monate
in ernsten und zielbewußten Beratungen beschäftigen. In keinem Teil
der Welt hat das Streben nach nationaler Unabhängigkeit in den letzten
drei Jahren augenfälligere Ergebnisse gezeitigt als in Afrika. In
keinem Teil der Welt ist es wichtiger, rasche Fortschritte bei der
Lösung der restlichen Probleme des klassischen Kolonialismus auf der

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der Basis echter Selbstbestimmung zu erzielen. Viele Monate lang hat
sich bereits der Siebzehner-Sonderausschuß für Kolonialismus mit
diesen Fragen befaßt. Wir hoffen, daß der Ausschuß imstande sein wird,
seine Arbeit künftig in einer von den Wallungen des Kalten Krieges die in diesem Jahre seine Tätigkeit beeinträchtigten - ungetrübten
Atmosphäre fortzusetzen - einer Atmosphäre, in der alte und neue
Staaten zusammenwirken können, um mitzuhelfen, daß in Ländern, die
noch nicht frei sind, die wesentlichen Voraussetzungen für eine
erfolgreiche Staatwerdung geschaffen werden.
Denn ein Federstrich macht noch keinen Staat. Eine politische
Unabhängigkeitserklärung ist ein Anfang, nicht ein Abschluß. Nichts
schadet dem sich in unserer Epoche vollziehenden großen historischen
Umbruch mehr, als wenn junge Staaten dem Chaos verfallen, internationaler Schutzverwahrung bedürfen oder eine internationale Gefahr werden.
Zur schmerzhaften Geburt eines Staates gehört sowohl die Realität
als die Rhetorik der Unabhängigkeit: ein nationaler Wille, der politischer Klugheit fähig ist, administrative Kraft, wirtschaftliche
Energie und die notwendige moralische Disziplin, um die Verheißung
nationaler Unabhängigkeit in ein freies und produktives Leben für
das Volk umzuwandeln. Das Interesse meiner Regierung und der Welt liegt
nicht in der rein zahlenmäßigen Vermehrung der Nationen, sondern in
der Vermehrung von Staaten, deren Völker frei sind und die Kraft haben,
zu überleben, sich zu entfalten und ihren Teil zur Stärkung der internationalen Ordnung beizutragen.
Die Errichtung von Staaten ist eine politische Angelegenheit nationale Unabhängigkeit aber schließt auch soziale, wirtschaftliche
und moralische Belange ein. Darum hoffe ich, daß diese Versammlung
ihre Aufmerksamkeit dem nächsten wichtigen Punkt in der Agenda der
Staatenbildung zuwendet - das heißt, daß den jungen Staaten geholfen
wird, sich die Werkzeuge zu schaffen, die sie brauchen, um die Aufgaben der Selbstentfaltung erfüllen zu können.
Die Zeit ist niemals günstiger gewesen, um sich dieser Aufgaben
erfolgreich zu entledigen. Wenn die Wunder der Wissenschaft der Menschheit neue Kräfte der Zerstörung in die Hand gegeben haben, so haben
sie ihr auch gleichzeitig neue schöpferische Kräfte gegeben. Die große
Aufgabe, die uns gestellt ist, besteht darin, die Wunder der Wissenschaft in den Dienst des Menschen zu stellen - und zwar sowohl des
Menschen, der auf dieser Erde arbeitet, als auch jenes Menschen, der
das Universum erforscht.
Ich glaube, wir können mit Recht dem Ausschuß für die friedliche
Nutzung des Weltraums zu den auf dem Gebiet der internationalen
wissenschaftlichen und technischen Zusammenarbeit erreichten Fortschritten gratulieren - Fortschritten, die sowohl für den Frieden als
auch für die Förderung des Wissens sehr vielversprechend sind. Aber
was nützt es, wenn einige wenige Menschen die Erde umkreisen, während
gleichzeitig unter ihnen Millionen von Menschen hungern? Was nützt
uns unsere technische Kühnheit, wenn wir zwar Menschen in den Weltraum
bringen, sie aber nicht aus dem Sumpf der Armut herausziehen können?
Sich

�"AMERIKA DIENST"

28. September 1962

Sich "bewußt daranzumachen, die Armut als Hauptübel der Menschheit zu beseitigen, ist eine Aufgabe, wie sie dem Menschen riesiger
nie gestellt worden ist, und ich möchte sie darum bitten, die Schwierigkeiten nicht zu unterschätzen.
Aber wenn die Aufgabe auch enorm schwierig ist, so kann sie doch
höchste Erfüllung bringen. Ich bin stolz darauf, daß mein eigenes
Land bahnbrechend bei der Unterstützung jener Nationen gewesen ist,
die bereit waren, den Weg zu selbstgespeistem Wachstum zu gehen.
Es erfüllt mich auch mit Befriedigung, daß so viele andere industriell hochentwickelte Länder diesem Beispiel gefolgt sind. Es ist
ermutigend, daß ganze Gruppen von Nationen damit beginnen, gemeinsam
ihr wirtschaftliches Geschick im Rahmen regionaler Organisationen
zu gestalten, und ihre Hilfe für die Entwicklungsländer koordinieren.
Im Laufe der Jahre haben die Vereinten Nationen eine eindrucksvolle Reihe technischer Institutionen geschaffen, die alle darauf
ausgerichtet sind, den weniger entwickelten Nationen bei der Modernisierung ihrer Volkswirtschaften zu helfen. Diese Sonderorganisationen
der Vereinten Nationen haben neue und erregende Projekte ins Leben
gerufen: Ein die ganze Welt erfassendes Lebensmittel-Programm läuft
gerade an. Der Rat der Gouverneure der Weltbank fordert gerade in diesen Tagen Empfehlungen für eine Kapitalerhöhung der Internationalen
Entwicklungsgesellschaft. In Genf findet Anfang nächsten Jahres eine
in dieser Art einmalige Konferenz über die Anwendung von Wissenschaft
und Technik auf die Entwicklungsprobleme statt.
Andere Projekte und Programme liefern den Beweis für die wachsende Reife, den immer größer werdenden Rahmen und das ständig steigende
Leistungspotential der Sonderorganisationen. Dies ist alles nur zum
Guten. Die große Aufgabe, der wir uns jetzt gegenüber sehen, besteht
darin, mit jedem Jahr unsere Sonderorganisationen zu verbessern sie mit vernünftigen Verfahren und ausreichenden Hilfsquellen auszustatten und mit interessierten und erfahrenen Kräften zu besetzen;
ihre Planung, Programmgestaltung, Verwaltung und Koordinierung zu
verbessern; dafür zu sorgen, daß sie den Erfordernissen einer realistischen Entwicklung in den neuen Ländern gerecht werden; sie mit den
anderen Formen der Entwicklungshilfe - nationale, regionale und internationale -, die gegenwärtig den aufstrebenden Nationen gewährt
wird, zu integrieren - und damit sicherzustellen, daß die Entwicklungshilfe überall in der Welt auf einer Basis der Zusammenarbeit und
nicht auf der Basis der Konkurrenz erfolgt.
Wir müssen für eine größere Harmonie des Orchesters der uns für
die Hilfe bereits zur Verfügung stehenden Instrumente Sorge tragen.
Die vollen Verheißungen der Entwicklung können nicht innerhalb
nationaler Grenzen verwirklicht werden. Um die allgemeine Prosperität
zu fördern, müssen wir die Schranken beseitigen, die den freien
Verkehr von Menschen, Geld und Gütern über die nationalen Grenzen
hinweg blockieren.
Wir

�•AMERIKA DIENST"

28. September 1962

Wir haben den außerordentlichen Aufschwung der Wirtschaftstätigkeit erlebt, die mit der Entstehung des europäischen Gemeinsamen
Marktes einherging - eines der großen Wagnisse schöpferischer Staatskunst unserer Zeit. Ländergruppen in anderen Teilen der Welt suchen
in gleicher Weise nach Mitteln und Wegen,regionale Wirtschaftseinheiten aufzubauen, die wiederum dem ausgeweiteten Welthandel neuen
Auftrieb geben können.
Es ist selbstverständlich entscheidend wichtig, daß derartige
Gruppierungen den Nichtmitgliedern die größtmöglichen Vorteile des
ausgeweiteten Marktes einräumen. Wir wissen heute, daß sich keine
einzelne Nation ihre Prosperität damit erkaufen kann, daß sie die
Prosperität anderer eindämmt.
Die Ausweitung des Welthandels auf der Basis des Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommens hängt wiederum von dem weiteren sozialen
Fortschritt, der größeren-Freiheit und dem breiteren Rahmen des
Weltfriedens ab, die sicherzustellen Aufgabe der Vereinten Nationen
ist. Darum haben die Vereinigten Staaten, zusammen mit den anderen
Mitgliedern des Wirtschafts- und Sozialrates,mit Freuden der einstimmigen Forderung nach einer Handels- und Entwicklungskonferenz
der Vereinten Nationen zugestimmt. Wir werden alles in unseren
Kräften Stehende tun, um diese Konferenz zu einem Erfolg werden zu
lassen.
Wir müssen - angesichts der Aufgabe des Jahrzehnts der Entwicklung - zu einer klareren Strategie der Entwicklung gelangen,
zu einer deutlicheren Erkenntnis der Dringlichkeitsstufen, zu einer
schärferen Arbeitsteilung unter den verschiedenen Hilfsinstitutionen und zu einer klareren Würdigung, daß die wirtschaftliche und soziale
Entwicklung eines Landes nicht nur von dem Kapital und der Unterstützung von außen abhängt, sondern ebenso von der politischen Führung, dem institutionellen Wachstum, der wirtschaftlichen und sozialen
Reform und dem nationalen Willen.
Hier liegt nun unsere doppelte Aufgabe: an die Stelle der lauten
Politik die stille, aber entschlossene Diplomatie zu setzen - und an
die Stelle des Wettlaufs der Rüstungen den, wie der Präsident im
vergangenen Jahr sagte, Wettlauf des Friedens - mit einem schöpferischen
Wettstreit der Produktion und des Güteraustausches und der Hebung des
Lebensstandards .
Diese Aufgaben sind nicht neu - und sie werden bis zu unserer
Vertagung auch nicht gelöst sein. Aber ich rechne fest damit, daß
die 17. Vollversammlung, bevor wir uns vertagen, die Aufgaben
der friedlichen Regelung, der Umwandlung ohne Kampf und des Krieges
gegen die menschliche Not energisch in Angriff nehmen wird.

Das

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Das ist das mindeste, was wir uns als den Hüternder Geschichte
unserer Zeit schuldig sind. Meine eigene Regierung verpflichtet
sich feierlich, bei der Erfüllung dieser Aufgaben fest und unermüdlich mitzuarbeiten. Von den Idealen der Charta und von unseren
Verpflichtungen gegenüber unseren Mitmenschen durchdrungen,
können und dürfen wir, die Mitglieder dieser Versammlung, unsere
Beratungen nicht beenden, ohne der Welt einen greifbaren Beweis
für unsere Hingabe an die Sache des Friedens und der Gerechtigkeit zu geben. Dieser greifbare Beweis, Herr Präsident, kann nur
in unseren Entscheidungen und Taten in den kommenden Monaten liegen.

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

V/i./28.9.1962

KENNEDY; ERHALTUNG DER STÄRKE DES DOLLARS
EIN WELTWEITES PROBLEM

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Ansprache, die Präsident Kennedy am 20. September 1962 vor Vertretern der Weltbank und des Internationalen
'Währungsfonds gehalten hat.

Herr Vorsitzender, Mitglieder des Rates der Gouverneure und
hochverehrte Gäste,
dies ist für mich die erste Gelegenheit, an Ihren Jahrestagungen teilzunehmen und Sie hier in Washington zu begrüßen - und ich
tue dies mit einer echten Freude. Denn Sie befassen sich mit den
Problemen, denen unter anderen meine Hauptsorge seit dem Tage gegolten hat, an dem ich vor genau 20 Monaten mein Amt antrat; und in
dieser Zeit habe ich gelernt, welch eine entscheidende Rolle der
Internationale Währungsfonds und die Weltbank mit ihren Tochtergesellschaften spielen. Die Arbeit der Internationalen Entwicklungsgesellschaft ist besonders wichtig - und die Vereinigten Staaten unterstützen den Vorschlag, daß die Direktoren ein Programm zur Erhöhung ihrer Mittel ausarbeiten.
Die Bank, die eine Norm gesetzt hat, der andere folgen sollen,
wird bei ihrer bahnbrechenden Arbeit die Dienste von Eugene Black
sehr vermissen. Ich hoffe, er wird es uns gestatten, auch in Zukunft
seinen klugen Rat in Anspruch zu nehmen; und ich hoffe, daß wir übrigen bei der Verfolgung der von ilhm gesetzten Ziele unsere eigenen Anstrengungen intensivieren werden - dies schließt Anstrengungen der
Industriestaaten bei der Bereitstellung von Kapitalhilfe für die
Entwicklungsgebiete ein; Anstrengungen seitens der Industriestaaten,
im eigenen Lande blühende und leicht zugängliche Märkte für die
Erzeugnisse der aufstrebenden Nationen offenzuhalten; Anstrengungen,
um zu Rohstoffabkommen und anderen Vereinbarungen zu gelangen, die
zu einer Stabilisierung der Exporterlöse dieser Nationen beitragen;
und schließlich, was am wichtigsten ist, größere Anstrengungen seitens der Entwicklungsländer selbst, ihre menschlichen und finanziellen Hilfsquellen zu mobilisieren»und um sicherzustellen, daß die

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28. September 1962

die Gewinne aus der Produktionsausweitung von vielen und nicht von
wenigen geteilt werden.
Neben diesen Diskussionen über die Rolle der Bank widmet ihre
Tagung dieses Jahr, wie es auch im vergangenen Jahr der Fall war,
dem Stand des Dollars größte Aufmerksamkeit - und gerade dieser Punkt
stand diese zwanzig Monate hindurch an der Spitze oder nahezu an der
Spitze meiner eigenen Tagesordnung.
Wir in den Vereinigten Staaten sehen keine Veranlassung, mit Befangenheit an die Diskussionen über den Dollar heranzugehen. Der
Dollar ist nicht nur unsere Landeswährung, er ist auch eine internationale Währung. Er spielt eine entscheidende Rolle für das tägliche
Funktionieren des finanziellen Rahmens der freien Welt. Er ist im
internationalen Zahlungssystem der wirksamste Ersatz für Gold. Wenn
der Dollar als eine wichtige Reservewährung nicht existieren würde, dann
würde er "erfunden" werden müssen, denn ein Außenhandelsvolumen von
fast 130 Milliarden Dollar pro Jahr, das sich rasch weiter ausweitet,
und ein starker internationaler Kapitalverkehr können nicht ausschließlich auf den langsam wachsenden Goldbeständen basieren, die gegenwärtig
erst insgesamt 40 Milliarden Dollar ausmachen.
Dem Schutz des'Dollars gilt daher auch die Hauptsorge jedes einzelnen hier vertretenen Landes,und muß es auch. Die Stärke des Dollars
zu unterminieren würde bedeuten, die Stärke der freien Welt zu unterminieren. Um einer nationalen finanziellen Sicherheit - im engsten
Sinne des Wortes - willen miteinander zu konkurrieren und individuelle,
mit unseren gemeinsamen Zielen nicht zu vereinbarende Maßnahmen zu
ergreifen würde letzten Endes nur die Sicherheit von uns allen gefährden.
Ich erkenne an, daß die Vereinigten Staaten als eines der führenden Länder der freien Welt, als deren reichste und mächtigste Nation,
die die stärkste Währung der freien Welt hat und der wichtigste Bankier
für den Welthandel ist, besondere Verantwortungen tragen. Wir haben
alle diese Lasten nicht gesucht - aber genausowenig schrecken wir vor
ihnen zurück. Wir tun jeden klugen Schritt, um die Stärke des Dollars
zu erhalten, um unsere Zahlungsbilanz zu verbessern und um den Dollar
durch Ausweitung des Wachstums unserer Wirtschaft zu festigen.
Wir haben die Pflicht, die volle Konvertierbarkeit des Dollars in
Gold zu erhalten, und müssen zu dieser Verpflichtung mit all unserem
verfügbaren Gold und Kredit stehen. '«Vir haben den Wert des Dollars
nicht dadurch beeinträchtigt, daß wir Beschränkungen für seine Verwendung verfügten. Wir haben in Friedenszeiten unseren Bürgern keine Begrenzungen hinsichtlich des Dollarbetrages auferlegt, den sie eventuell ins Ausland mitnehmen oder senden wollen. Wir haben eine liberale
Handelspolitik befolgt. Und wir haben die Versorgung unserer Freunde
und Verbündeten mit Dollar und Gold fortgesetzt, damit sie ihre
Volkswirtschaften aufbauen und ihre Freiheit verteidigen konnten.

All

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28. September 1962

All das haben wir bereitwillig getan. Kein anderes Land oder
keine andere Währung hat so zahlreiche Lasten getragen. Wir können
und sollten sie aber nicht allein tragen. Ich weiß, die übrigen Länder erwarten nicht von uns, daß wir auf unbegrenzte Zeit hinaus
sowohl die Verantwortung für die Erhaltung einer internationalen
Währung als auch darüber hinaus noch einen unverhältnismäßig großen
Anteil der Kosten für die Verteidigung der freien Welt und die Förderung des sozialen und wirtschaftlichen Fortschritts in den weniger
entwickelten Teilen der Welt tragen. Die Sorge über unsere unausgeglichene Zahlungsbilanz ist nicht unsere Sorge allein, denn sie
ist nicht durch unser eigenes enges Selbstinteresse hervorgerufen
worden. Unser Defizit dürfte sich dieses Jahr auf etwa 1,5 Milliarden
Dollar stellen - eine beträchtliche Verbesserung gegenüber dem Defizit des vergangenen Jahres von 2,5 Milliarden Dollar und den noch
höheren Defiziten der vorangegangenen Jahre. Aber unsere gesamten Bruttoausgaben für militärische Zwecke im Ausland betragen allein 3 Milliarden Dollar. Unsere Dollarausgaben im Ausland für Hilfsprogramme
belaufen sich auf 1,3 Milliarden. Der Dollar selbst ist stark - und
unser kommerzieller Handel - ohne die mit Hilfsgeldern finanzierten
Exporte - erbringt einen Überschuß von fast 3 Milliarden Dollar. Kurz
gesagt, unser Zahlungsbilanzdefizit ist nicht die Folge einer monetären oder wirtschaftlichen Fehlentscheidung, sondern die Folge von
Ausgaben, die unser Volk für die Völker der freien Welt auf sich genommen hat.
Im Jahre 1946 verfügten die Vereinigten Staaten über 60 Prozent
der Goldbestände der Welt. Jetzt sind diese auf 40 Prozent zurückgegangen. Und in dieser Zeit haben wir rund 88 Milliarden Dollar für
die Verteidigung anderer und die Hilfe an andere ausgegeben. Die europäischen Länder allein erhielten rund 26 Milliarden Dollar an Wirtschaftshilfe. Als Folge hiervon entfällt auf die Vereinigten Staaten
nicht länger mehr ein unverhältnismäßig großer Teil des Goldes der
freien Welt, der wirtschaftlichen Stärke oder der wirtschaftlichen
Verantwortung.
Das ist der Grund, warum ich erneut betone: dies sind nicht
amerikanische Probleme, dies sind Probleme der freien Welt. Es sind
Probleme, die nicht von einem Land im Alleingang oder von vielen
gegeneinander arbeitenden Ländern gelöst werden können. Ihnen gilt
nicht ausschließlich die Sorge der Reichen oder der Armen, der Defizit- oder der Überschußländer. Wenn Lasten gemeinsam getragen werden,
dann gibt es keine übermäßige Belastung für irgendein einzelnes Land.
Wenn Risiken geteilt werden, dann sind die Risiken für alle geringer.
Und gemeinsame Anstrengungen zum Schutze des vor allem auf dem Dollar
basierenden internationalen Währungssystems sowie zur Aufteilung anderer Verantwortungen sind daher nicht auf Appellen an die Dankbarkeit oder gar Freundschaft begründet, sondern vielmehr auf dem harten
und realen Boden des Selbstinteresses und der Vernunft.
Selbstverständlich könnten die Vereinigten Staaten über Nacht
ihre internationale Zahlungsbilanz ausgleichen, wenn dies das einzige
von uns angestrebte Ziel wäre. Wir könnten unsere Truppen zurückziehen.

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28. September 1962

zurückziehen, unsere Hilfe abbauen, sie völlig an Käufe in den
USA binden, hohe Zollschranken errichten und die Auslandsinvestitionen oder jede andere Verwendung amerikanischer Dollar einschränken. Eine solche Politik würde, das ist richtig, zu einer neuen
Ära der Dollarverknappungen, der Unsicherheit der freien Welt und
des amerikanischen Isolationismus führen, aber wir hätten das Zah-.
lungsbilanzproblem "gelöst".
Aber die grundlegende Stärke des Dollars macht solche Maßnahmen ebenso unnötig wie sie unklug sind. Sie wären nicht nur unvereinbar mit der Rolle der Vereinigten Staaten in der heutigen Welt;
sie wären - auf Grund der entscheidenden Rolle des Dollars - einfach
selbstzerstörerisch. Wir alle hier sind entschlossen, den einzigen
anderen möglichen Weg zu beschreiten - nicht den unannehmbaren Weg
der Restriktionen, der Isolierung oder der Deflation, sondern den
Weg einer wahren Zusammenarbeit - den Weg eines liberalen Zahlungsund Handelsverkehrs, einer Aufteilung der Kosten unserer NATO- und
unserer pazifischen Verteidigung, der Kosten für die Entwicklungshilfe der freien Welt-,den Weg der Zusammenarbeit bei Maßnahmen zur
Erhöhung der internationalen Stabilität, wobei andere Währungen
neben dem Dollar einen zunehmenden Anteil an dessen zentralen Verpflichtungen übernehmen.
Wir in den Vereinigten Staaten sind uns darüber im klaren, daß
unsere eigene Pflicht in dieser Hinsicht vordringlich Maßnahmen einschließt, um das Defizit in unserer Zahlungsbilanz abzubauen, und
zwar ohne daß wir Zuflucht zur Deflation nehmen oder uns in die Isolierung zurückziehen.
Ich habe auf dieser Tagung ganz offen gesprochen, weil diese
beiden erfolgreichen Institutionen, die Weltbank und der Währungsfonds, lange Zeit in einem Geiste der Offenheit floriert und sich
ständig als ein zuverlässiges Mittel erwiesen haben, flexibel und
wirksam neuen Anforderungen und neuen Aufgaben gerecht zu werden.
Dieser Geist der Zusammenarbeit, der Offenheit und der Initiative,
wird, dessen bin ich sicher, auch in Zukunft weiterbestehen. Denn
nur in diesem Geiste können wir hoffen, ein starkes Finanzsystem
der freien Welt mit stabilen Wechselkursen aufrechtzuerhalten, das
in der Lage ist, einen wachsenden Fluß des Handels und der Auslandsinvestitionen, ohne irgendwelche Diskriminierungen und Restriktionen,
zu unterstützen.
Ich habe überdies offen gesprochen, weil ich der Auffassung
bin, daß die gegenwärtige Stärke des Dollars uns in die Lage versetzt,
frei und offen und zuversichtlich zu sprechen. Es ist erreicht worden,
daß die Verantwortungen in einem gewissen Maße geteilt werden. Es
ist ein beträchtlicher Fortschritt beim Ausgleich unserer internationalen Zahlungsbilanz erzielt worden. Es ist ein neues Abkommen unter
zehn Industrienationen geschlossen worden, um die Mittel des Fonds
zu ergänzen, wobei besondere Abmachungen für Anleihen bis zu 6 Milliarden Dollar getroffen wurden; und die Durchführungsbestimmungen werden
vom amerikanischen Kongreß innerhalb der nächsten Wochen verabschiedet
werden. Ferner haben sich mehr informelle Absprachen zwischen den

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

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den wichtigsten Handelsnationen ergeben, um mit allen potentiellen
Belastungen oder Überraschungen fertig zu werden, die sich aus
plötzlichen Kapitalbewegungen ergeben könnten. Diese Abmachungen,
so möchte ich hinzufügen, schließen die Möglichkeit einer weiter
gefaßten und allgemeineren Anwendung ein - und die Vereinigten
Staaten werden immer gegenüber Vorschlägen aufgeschlossen sein, die
auf die Ausweitung dieser Abmachungen abzielen oder sonstwiei
das Funktionieren und die Leistungsfähigkeit des internationalen
ZahlungsSystems verbessern.
All dies gibt 'Anlaß zur Zuversicht - Anlaß, in noch stärkerem
Maße darauf hinzuweisen, daß keine Notwendigkeit für extreme oder
restriktive Maßnahmen besteht, daß die Spekulationen gegen den Dolla
ihren Reiz verloren haben und daß die Wirtschaft der Vereinigten
Staaten sich weiterhin in einem Rahmen ausweiten kann, der auf der
Aufrechterhaltung der freien Konvertibilität und der baldigen Erreichung des Zahlungsausgleichs basiert. Die Expansion unserer Binnenwirtschaft war - wenn auch nicht ganz in dem von uns erhofften Ausmaß - beachtlich, und, was von gleicher Bedeutung ist, sie ging
mit einer Stabilität der Preise einher. Die Großhandelspreise für
Industrieerzeugnisse liegen heute de facto niedriger als während der
Rezessionsmonate des Jahres 1961.
Trotzdem unterschätze ich die Herausforderung nicht, der wir
alle weiterhin gegenüber stehen. Der Erfolg unserer Anstrengungen,
die Prosperität derer, deren Wirtschaft floriert, auferlegen uns
einfach besondere Verpflichtungen und Aufgaben. Jahrhunderte vorher
schrieb schon der Essayist Burton voller Empörung von denen, "die
vom Geld besessen sind", statt es zu besitzen. Wir, die wir heute
hier zusammengekommen sind, wollen nicht von unserem Geld oder von
unseren monetären Problemen beherrscht werden. Wir wollen diese viel
mehr in Einigkeit und Großzügigkeit meistern - und wir werden dies
im Namen der Freiheit tun.

*

• *

*

*

#

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./5.10.1962
FREUNDE UND VERBÜNDETE
Von McGeorge Bundy
Sonderreferent für Sicherheitsfragen
des Präsidenten der Vereinigten Staaten

(AD) - Der nächst ehe nde ungekürzte
A r t i k e l von McGeo r g e Bundy ist der
Oktober-Ausgabe d e r amerikanischen
V i e r t e l J a h r e s z e i t seh rift "Foreign
A f f a i r s " entnomme n . Der Abdruck ist
nur mit der dem Text vorauszustellenden Angabe des Ve rfassers, der
Quelle und dem Ve rme rk "Copyright
1962, Council on ?or eign Relations',
Inc." gestattet.

Die Zeitschrift "Foreign Affairs" (Außenpolitik) ist vierzig
Jahre alt - und die moderne Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist
noch nicht einmal zehn Jahre älter. Unsere heutigen Probleme - Probleme
der Technik, der Interessengegensätze, der Bündnisse und der Hoffnung
- stehen kaum noch in irgendwelcher Beziehung zu denen der Zeiten der
Gründerväter, der Bewährungsprobe eines Lincoln und selbst denen der
Tage des Werdens eines Cleveland, McKinley und Theodore Roosevelt. Der
August des Jahres 1914» in dem ein neues Blatt der Geschichte in bezug
auf die Aufgaben der Diplomatie und den unermeßlichen Schaden aufgeschlagen wurde, den normale, gebildete Menschen anrichten können,
erinnert uns daran, daß Woodrow Wilson an seiner Schreibmaschine und
alle seine Amtsnachfolger angesichts weltweiter Gefahren, weltweiter
Macht und damit auch weltweiter Verantwortung leben mußten.
Viele Kräfte haben Anteil an dieser revolutionären Entwicklung;
eine aber unter diesen, die auf den Betrachter unserer Geschichte
eine besondere Faszination ausübt, ist unsere plötzliche und mannigfaltige Konfrontierung mit einer Schar von Freunden. In herkömmlichen Begriffen besteht die bemerkenswerteste Wandlung unserer auswärtige:.
Beziehungen darin, daß wir heute förmliche Bündnisse mit 42 Ländern
unterhalten. Überdies handelt es sich dabei meist nicht lediglich um

-

1

-

�"AMERIKA DIENST"
5 . O k t o b e r 1 962
um f o r m e l l e Bindungen in Gestalt bestimmter Even t u a l Verpflichtungen, sondern
um w i c h t i g e , von Tag zu Tag i n F u n k t i o n b e f i n d l i c h e V e r b i n d u n g e n .
Neben d i e s e n B ü n d n i s s e n p f l e g e n w i r f e r n e r w i c h t i g e A r b e i t s b e z i e h u n g e n ,
v o r a l l e m i n A f r i k a und A s i e n , zu Dutzenden von N a t i o n e n , mit denen
wir b e f r e u n d e t , wenngleich n i c h t verbündet s i n d .

II
Das Zentralproblem liegt bei all diesen Beziehungen in der Herstellung der Wechselseitigkeit. Wir haben eine einzigartige Position
in der nichtkommunistischen Welt mit unserer Stärke und unserem Reichtum. Einzigartig ist auch das Register der Hilfeleistung, die wir nahezu jedermann gewährt haben. Es war dies unser freier Wille. Unsere
Hilfe für andere zielte darauf ab, unseren eigenen weitgespannten
Interessen zu dienen, und sie hat dies auch, von einigen Ausnahmen
abgesehen, getan. Was wir aber nach 1945 für so viele tun mußten, das
sollten wir jetzt für viele Länder nicht mehr allein - und für manche
Länder überhaupt nicht mehr - tun müssen. Gleichzeitig müssen wir
den Bedürfnissen anderer Länder innerhalb und außerhalb der westlichen
Hemisphäre Rechnung tragen, die im ersten Jahrzehnt nach dem zweiten
Weltkrieg nicht auf unserer Dringlichkeitsliste standen.
Wir sind somit gezwungen, zu neuen Beziehungen des gegenseitigen
Respektes und des gemeinsamen Handelns auch mit denjenigen zu gelangen,
denen wir traditionsgemäß verbunden sind. Einige unserer ältesten
Freunde erheben, zu neuer Stärke gelangt, glücklicherweise ihre Stimme
wieder lauter in der Weltpolitik - und dort, wo ihre Anstrengungen
ihren Ansprüchen gleichkommen, ist es nicht nur notwendig, sondern
erfüllt es uns auch mit Befriedigung, ihren Wünschen nachzukommen.
Andere wiederum haben sich, so stolz und tapfer sie auch sind, daran
gewöhnt, nicht nur unsere Stärke, sondern auch unseren Reichtum in
einer Art und Weise hinzunehmen und sich darauf zu stützen, die zu
nichts Gutem führen kann, wenn nicht entsprechende Anstrengungen
zur Selbsthilfe hinzukommen. Dabei ist keiner unserer Bundesgenossen
unwichtig für uns - keiner, der nicht Anspruch hätte, von uns in angemessener und produktiver Weise unterstützt zu werden. Unsere Aufgabe ist es nun, unser Verhalten so einzurichten, daß wir unsere
Verpflichtungen erfüllen, unsere Verbindungen aufrechterhalten, die
Selbsthilfe fördern können, und zwar immer auf der Basis der Wechselseitigkeit. Das ist nicht einfach.
Das halbe Dutzend der Bündnisse, in denen diese über vierzig Partner vereinigt sind, ist hinsichtlich der formalen Bestimmungen durch
eine Familienähnlichkeit gekennzeichnet, die die große Mannigfaltigkeit der vorliegenden realen Beziehungsverhältnisse verdeckt. Der leidenschaftliche Drang nach solchen Verträgen, der die Mitte der fünfziger Jahre kennzeichnete, rührte von einer ziemlich einfachen Reaktion auf den Korea-Krieg her. Wir haben gelernt, daß es auch angesichts des Bestehens der Gefahr einer solchen direkten Aggression noch
andere Gefahren gibt, gegen die ein Pakt keine automatische Sicherheit

�"AMERIKA DIENST"

5. Oktober 1962

Sicherheit bietet. Die Zeit hat jedoch deutlich werden lassen, was
die Formen verdeckten, und wir erkennen heute, daß die 3EAT0 nicht
dasselbe wie die NATO ist; nicht alle ihre Mitglieder haben gemeinsame Interessen oder Zielsetzungen, die nach Gewicht und Wesen jenen
entsprächen, welche das Atlantische Bündnis zusammenhalten. Als
zentrale Macht dieses Bündnisses unterhalten wir echte und bedeutsame Beziehungen zu allen seinen Mitgliedern - doch ist die Bedeutung
unserer eine Schlüsselposition einnehmenden Beziehungen zu einem
Land wie Thailand in diesem Bereich verschieden von der Bedeutung
unserer Beziehungen zu einigen anderen weniger exponierten Ländern;
wenn derselbe Vertrag dazu benutzt wird, alle zu erfassen, dann muß
man vom Papier wegsehen und den Blick auf die Tatsachen richten.
Selbst in der NATO besteht eine dauernde Spannung zwischen der
formalen Identität der gegenseitigen Garantien und den realen Beziehungen der Mitglieder untereinander. Das Bündnis ist nicht nur
durch seine in Funktion befindlichen Paragraphen definiert, ebensowenig wie es nur durch die ihm formell zugewiesenen Streitkräfte definiert ist. Es ist nicht einmal restlos definiert durch das volle
Maß der Beziehungen, die alle seine Mitglieder untereinander unterhalten. Die Sicherheit Schwedens oder Österreichs ist aufs engste
verquickt mit dem, was die NATO ist und tut, Die NATO ist notwendig
für die Sicherheit ganz Europas und Nordamerikas. Es ist gefährlich
zu glauben, die ganze Bedeutung dieser großen Allianz beruhe auf einem
Einzelelement ihrer Existenz, und in diesem Punkt kann man General
de Gaulle beipflichten, wenn er betont, daß die Organisation und das
Bündnis nicht dasselbe seien. Seine eigene Vorstellung von den richtigen Verhältnissen mag nicht die unsere sein, aber er hat recht,
wenn er uns daran erinnert, daß keine so wichtige Sache ganz und gar
in den Begriffen bestimmter, gegebener Verfahren definierbar ist.
In allen unseren Bündnissen, mögen sie auch der Form nach
multilaterale Bündnisse sein, sind die bilateralen Linien von und
nach Washington von besonderer Bedeutung. Selbst in der NATO, die
noch andere wichtige Mächte umfaßt und wo man allgemein hofft, daß ein
neues Europa eine Partnerschaft auf neuer Ebene mit uns einzugehen
vermöchte, ist den Linien von London oder Bonn nach Washington
große Bedeutung beizumessen. Falls Frankreich und die USA einen Ausweg aus ihren achtbaren Differenzen finden - den zu suchen sich die
gegenwärtige Regierung in Washington größte Mühe gibt -, werden andere
klarer erkennen, daß die Linie Paris-Washington ebenfalls eine entscheidende Kraftlinie ist. Die Bedeutung dieser Linie ist freilich
auch offenkundig, wenn sie - wie gegenwärtig - vorübergehend und teilweise gestört ist. Beide Länder bleiben einander verbunden durch gemeinsame Interessen, neben denen ihre Differenzen gering erscheinen,
und die vorhandenen Meinungsverschiedenheiten hindern die USA bestimmt
nicht daran, Frankreich und seinem Präsidenten große Hochachtung entgegenzubringen. Die aufrichtige Anerkennung solcher Differenzen kann
sogar ein Schritt zu einem besseren Verständnis sein. Sie ist jedenfalls mehr wert als die leichtfertige Annahme, daß eine Einigung sich
immer finden lasse, wenn man bloß auf die unausgesprochenen Wünsche
oder Forderungen der anderem eingeht.
Die

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Die Störung unserer Beziehungen zu Frankreich führt von selbst
zu der Frage der Nuklearbeziehungen zwischen den Verbündeten. Von
vordringlicher Wichtigkeit ist hier nicht die Frage, welche Rolle
die Europäer möglicherweise einmal spielen werden. Das ist wohl
ein bedeutsames und überaus schwieriges Problem, das jedoch nüchtern
durchdacht und diskutiert werden muß, was wahrscheinlich noch lange
Zeit in Anspruch nimmt. In einer solchen Diskussion werden die Vereinigten Staaten bestrebt sein, sich als aufgeschlossener Partner
zu zeigen. Worum es aber heute geht, hat unser Präsident wiederholt
und mit Nachdruck klargestellt. Es geht darum, daß wir uns verpflichtet haben, jetzt und soweit wir in die Zukunft blicken können, das
Bündnis mit unserer Kernwaffenmacht zu unterstützen. Wir haben die
Verpflichtung zur Verteidigung Europas weder leichtfertig noch mit
einem Vorbehalt übernommen. Zur Erfüllung unserer überaus feierlichen
und wohlüberlegten Verpflichtungen kommt unsere ganze Macht dem gesamten nordatlantischen Raum zugute. Das ist zugleich ein Grundprinzip, ein Dispositionsfaktum und eine zwingende Forderung der nuklearen
Strategie.
Angesichts dieser Realität ist ein Großteil der jüngsten dialektischen Diskussionen über Details der Kernwaffentaktik geschwollener
Unsinn. Wo und wie die nukleare Abwehr der NATO bereitgestellt und eingesetzt werden soll, ist natürlich wichtig, aber diese Fragen sind
völlig der Realität untergeordnet, daß die gesamte Stärke der USA
einschließlich ihrer gesamten Kernwaffenmacht für die Freiheit Europas
eingesetzt ist - und das ist nur eine Umschreibung der Binsenwahrheit,
daß sie für unsere eigene Freiheit eingesetzt ist. Und dabei handelt
es sich nicht um eine für einen bestimmten Augenblick oder von einer
bestimmten Regierung ausgesprochene Zusage. Das ist die Zusage eines
Volkes, die es klar und deutlich gegeben hat nach gründlichem Überdenken eines halben Jahrhunderts unserer Geschichte, das wegen der
Ungewißheit über eben diesen Punkt so schmerzlich verlaufen ist.
Noch ein weiterer Grund verlangt Klarstellung dieses Punktes:
die Welt kann das Risiko eines Mißverständnisses auf der anderen Seite
der Mauer nicht eingehen. Die Zwillingsgefahren des Atomzeitalters
sind Unentschlossenheit und Waghalsigkeit. Wir haben unter drei Regierungen versucht, beide Gefahren zu vermeiden. Durch die Klarheit
ihrer Selbstverpflichtung zur Wahrnehmung evident lebenswichtiger
Interessen und ihre uneingeschränkte Ablehnung jeglicher nuklearen
Abenteuerpolitik wollen die USA ein Beispiel geben, das uns alle,
falls es anderswo Schule macht, vor dem Kernwaffenkrieg zu behüten
vermag. Dabei kann es uns nicht'helfen, wenn in besonderer Absicht
Zweifel von jenen zum Ausdruck gebracht werden, deren Sicherheit
unter unserem Kernwaffen schirm aufs eindeutigste garantiert ist.

Viele unserer Freunde sind Verbündete, während andere von dieser
Form der Bindung Abstand nehmen. Es wäre jedoch keineswegs folgerichtig, unsere ungebundenen Freunde immer gegenüber unseren Verbündeten zurückzusetzen. Wir haben in unserer Geschichte selbst lange

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lange genug die Neutralität gewählt, um eine ähnliche Wahl anderer
Länder anzuerkennen und zu respektieren- und keiner unserer yerbündeten hat sich uns anders denn aus freien Stücken angeschlossen. Wir
nehmen innigen Anteil an den Bemühungen um eine stabile und fortschrittliche freiheitliche Ordnung, die zur Zeit in kleinen Staaten
und großen Subkontinenten so tapfer vorangetrieben werden. Diese
Anteilnahme wird nicht durch das Fehlen eines förmlichen Bündnisses
aufgehoben - ebensowenig wie das begründete Bestehen eines Bündnisses
jene zu abwegigen Verdächtigungen berechtigt, die ihm nicht beitreten
wollen.
Die Bedingung der Wechselseitigkeit ist jedoch ebenso wicl.tig für
die ungebundenen Freunde wie für die engagierten Freunde. Einige der
ersteren neigen dazu, unser Wohlwollen als sicher vorauszusetzen und
anzunehmen, daß sie in der Vertretung ihrer besonderen Interessen und
Vorstellungen uns gegenüber demgemäß bis an die äußerste Grenze gehen
könnten. Doch selbst wenn man die Sonderprobleme und Sonderanliegen
der stürmischen neuen Nationen in aller Einsicht und Großzügigkeit in
Rechnung stellt, so haben wir es immer noch mit einer weltumspannenden
Gemeinschaft zu tun, in der die Interessen aller - auch der reicheren,
über mehr militärische Macht verfügenden Staaten - Respekt verdienen.
Es ist enttäuschend, daß ein paar Leute, die selbst überaus empfindlich sind, sich anscheinend ein Vergnügen daraus machen, uns die
niedrigsten Motive zu unterstellen. Man kann nur hoffen, daß amerikanische Journalisten aufhören, sich zu entschuldigen, wenn sie solchen
sensiblen Politikern faire Fragen stellen.
Glücklicherweise sind die meisten unserer neutralen Freunde wirkliche Freunde. Wir werden festhalten an unserer Achtung ihrer Neutralität, an unserer Anteilnahme an ihrer Weiterentwicklung, an unserem
Glauben, daß ihr selbständiger Fortschritt zutiefst im gemeinsamen
Interesse der Menschheit liegt. Weil wir selbst ein junges Volk,
ein neues Kapit 1 der aufgezeichneten Menschheitsgeschichte sind,
können wir den Stolz und das Wollen der neuen Länder nachempfinden
und tun es auch in plötzlichem Innewerden.
Sie haben ebensowenig wie wir die neue Aufgabe schon gelöst,
die vernünftigen Bedingungen einer Zusammenarbeit für ihre Entwicklung und den gemeinsamen Frieden festzulegen. Selbst - unsere kurze Erfahrung gestattet den Schluß, daß einfache Formeln wahrscheinlich
falsch sein werden und daß in dieser neuen Beziehung weder die Politik
noch die Virtschaft im Sinne ihrer normalen Begriffsbestimmung Anspruc
auf eine ausschließliche Vorrangstellung haben. Wir brauchen uns
nicht zu entschulaigen, wenn wir solchen bemerkenswerten Ländern wie
Indien und Pakistan und den Bestrebungen und Problemen unserer Nachbarn in Lateinamerika eine besondere Wichtigkeit beimessen. Unter
einem ganz anderen Gesichtspunkt müssen wir anerkennen - und wir tun
dies auch tatsächlich -, daß was mit einigen wichtigen Handelswaren
gesche en wird, die das Frühstück in aller Welt ausmachen, für viele
junge Volkswirtschaften wichtiger ist als die langfristigen Kredite, d
Washington mühsam zuwege bringt.
Tatsächlich

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Tatsächlich können die Schwierigkeiten dieser neuen Beziehungen
leicht zu Enttäuschung und Zynismus führen. Wir dürfen nicht vergessen, wie ungewöhnlich es ist, daß unabhängige Staaten eine echte
wirtschaftliche Zusammenarbeit untereinander anstreben, und wie wenig
geschichtliche Erfahrung uns auf beiden Seiten als Richtschnur dient.
Wir sollten beiderseits den Preis eines Versagens im Auge behalten.
Und wir sollten einsehen, daß in einer Gesellschaft, die ihre Energien
und ihr Gewissen lebendig erhält, immer neue Aktionsmittel ins Treffen
geführt werden. Das Friedenskorps hat gegen mehr Skeptizismus, als
viele heute wahrhaben möchten, eindeutig bewiesen, daß eine gute
Idee, von guten Männern und Frauen ins Werk gesetzt, noch immer zählt.
Ein merkwürdiges und besonderes Problem unserer Beziehungen mit
den vielen neuen Staaten liegt in unseren etwas divergierenden Ansichten über die Vereinten Nationen begründet. Für uns sind die Vereinten Nationen sowohl eine große Hoffnung als auch eine unerläßliche
Realität; sie sind auch eine Kraft, für die unsere ständige Unterstützung von Anfang an lebenswichtig war. Wir schließen aus dieser
Tatsache keineswegs, daß die UN nur tun müßten, was wir wollen; '
unser New Yorker Führungszeugnis sucht, was das Eingehen auf die Interessen anderer betrifft, seinesgleichen. Unser unablässiges Beharren auf der Bedeutung der UN als Gesprächsforum und als Handlungsrahmen hat uns gelegentlich in Gegensatz zu wichtigen Verbündeten
gebracht.
Diese langjährige politische und wirtschaftliche Unterstützung
der UN hat uns aber gelehrt, daß sie wie andere nur von Menschen geschaffene Institutionen immer dann am besten funktioniert, wenn sie
in der Tatsachenwelt funktioniert. Wir können sie nicht lediglich
als eine Abstimmungsmaschine betrachten, die dazu dient, einfache
Gefühle auszudrücken. Die berechtigten Aspirationen aller Menschen
entsprechen nicht den derzeitigen faktischen Möglichkeiten eines
jeden abhängigen - oder erst seit kurzem unabhängigen - Gebietes.
Und die natürlichen Gefühle derjenigen, die den Kolonialismus als das
einzige große Übel ansehen, sind nicht immer die beste Richtschnur,
wenn es zu handeln oder abzustimmen gilt. Die Vereinten Nationen vermögen viel, doch können unverantwortliche Voten sie teuer zu stehen
kommen. Unsere eigenen Bemühungen werden nach wie vor darauf gerichtet
sein, alles nur mögliche zu tun, um eine vernünftige Weiterentwicklung
zu begünstigen und eine Schädigung der Vereinten Nationen durch Mißbrauc
ihres Forums zu verhüten. Wir werden aber weiterhin einen Platz in
der ersten Reihe derer anstreben, die den friedensfördernden Einfluß
der UN sowohl zum Ziel als auch zum Mittel der Politik erheben.
IV
Auf diese oder jene Weise erhalten alle unsere Militärbündnisse
ihre gegenwärtige Bedeutung hauptsächlich durch die Bedrohung, die
das kommunistische Expansionsstreben darstellt. Sie sind sämtlich defensiv, und es ist eindeutig die kommunistische Macht, gegen die sie
sich heute zur Wehr setzen müssen. Mit Ausnahme unserer Bindungen
innerhalb der eigenen Hemisphäre hat ja die kommunistische Gefahr

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Gefahr diese Bündnisse notwendig gemacht. Aber weil wir so zahlreich
und vielgestaltig sind und weil wir von den verschiedenen Zentren
der kommunistischen Aggressionsunternehmungen verschieden weit entfernt sind, haben wir von der kommunistischen Gefahr nicht alle dieselbe Vorstellung. Für die Vereinigten Staaten hat sie eine besondere
und einzigartige Bedeutung, sei es auch nur, weil die Kommunisten
ohne uns überall unwiderstehlich wären. Es trifft sich deshalb günstig,
daß unter den Ansichten der 40 Verbündeten die unsrige etwa die Mitte
hält.
Wir sind - außer in den vorübergehenden und unrühmlichen Ängsten,
die mit dem Namen Joseph McCarthy verknüpft sind - nicht der Idee
verfallen, daß leidenschaftlicher Antikommunismus die einzige politische Richtschnur sein müsse. Als Volk haben wir vielmehr nie aufgehört, eine zuverlässige Besserung unserer Beziehungen zur Sowjetunion zu erhoffen und vorzugsweise zu erstreben. Diejenigen unter uns,
die aus blankem Haß Politik machen möchten, waren in beiden Parteien
nie mehr als eine Minderheit. Der Sieg, den wir erstreben, ist nicht
ein Sieg der bösen '«orte - und noch weniger ein Sieg des sinnlosen
Infernos.
Gleichzeitig haben wir uns seit dem zweiten Weltkrieg nicht den
angenehmen Luxus geleistet, zu glauben, der Bär werde sich in einen
hilfsbereiten Bernhardiner verwandeln, wenn wir ihn nur freundlich
behandeln. Wir finden keinen naturgegebenen guten '.Villen in den
Annalen, die noch immer als unausweichliche Tatsachen die Schließung
des Eisernen Vorhengs und den Tod der freien Tschechoslowakei verzeichnen, die Berliner Blockade und den Überfall in Korea, das Blutbad
von Budapest und die Unmenschlichkeit der Mauer. Es ist vielleicht
nicht zu ändern, daß es unter unseren Freunden einige gibt, die aus
jedem neuen Sowjeträtsel eine Reform herauslesen, aber es ist auch
gut, daß wir skeptisch sind.
Unter den Alliierten gehören wir also zu den Gemäßigten. Wir
betrachten die Sowjetmacht als eine große Realität, die unbestimmt
aber eng mit dem rotchinesischen Ungeheuer verflochten ist. Gemeinsam
mit unseren Verbündeten müssen wir verhindern, daß diese Macht in
Versuchung geraten könnte, sich 'durch offene Aggression auszubreiten.
Wir müssen uns ihren andauernden Bemühungen widersetzen, durch Verschwörungen und Täuschungen Boden zu gewinnen; wir können und wollen
nicht danach streben, sie durch Krieg zu bezwingen. Wir werden in
unserer Bereitschaft zur Abwehr von Angriffen nicht hinter anderen
zurückstehen - aber im Streben nach einem redlicheren Austausch,
einer gleichmäßigeren Kommunikation und einer klareren Anerkennung
der Tatsache, daß der Frieden im gemeinsamen Interesse liegt, müssen
wir immer die ersten bleiben.
Freilich ist dabei stets im Auge zu behalten, daß diese Politik durch Fehleinschätzungen oder Provokationen seitens der Kommunisten in Frage gestellt werden kann. Fortgesetzte und unmotivierte
Verleumdungen im Zuge eines Krieges mit Worten, der die verbindlichen
Töne zunehmender diplomatischer Höflichkeit Lügen straft, können den

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den Frieden gefährden. Noch gefährlicher ist mit Drohungen
gepaarter Druck, der sich gegen einwandfreie, wohlgesicherte
Rechte richtet. Unsere Stärke und unsere Entschlossenheit sind
solchen Herausforderungen gewachsen, aber die Geduld selbst der
vorsichtigsten Demokratie ist niemals grenzenlos. Wir werden uns
auch weiter beharrlich weigern, mit gleicher Münze zurückzuzahlen,
aber wir werden auch weiterhin beharrlich darauf hinweisen, daß
eine solche einseitige Abenteuerpolitik sowohl einer echten Großmacht schlecht ansteht als auch unweigerlich Gefahren heraufbeschwört .
Mit dieser entschlossenen, aber gemäßigten Haltung sind viele
unserer Verbündeten zufrieden, einige sind bemüht, uns Zügel anzulegen, einige andere sind dagegen wegen unserer Zurückhaltung
besorgt. Wir stehen zwischen diesen verschiedenen Verbündeten und doch halten wir auch mit ihnen allen zusammen. Denn letztlich
steckt eine Realität in allen unseren Bündnissen und in unserer
Rücksichtnahme auf alle unsere Verbündeten.
Das ist auch der Grund, weshalb wir bei der Diskussion über
unsere zahlreichen Freunde die letzten Anmerkungen unseren Verbündeten widmen müssen. Es besteht Gefahr, und zwar eine handgreifliche Gefahr. Diejenigen, die diese Gefahr erkennen und darauf durch
kluges, aber entschiedenes Handeln reagieren, haben ihre Wahl getroffen, nicht abseits zu stehen und nicht so zu tun, als ob die
beiden Großmächte, v/eil es nur zwei davon gibt, einander (in irriger
Logik) irgendwie gleichen müßten. Wir achten diese Wahl, und ihretwegen haben wir wechselseitige Verpflichtungen eingelöst und werden
ihnen weiter nachkommen.
V
Schließlich kommen wir zu der Frage, was wir selbst von unseren
Freunden verlangen können. Sie wird allzu häufig übergangen aus gewissenhafter, aber unvollständiger Sorge um das, was die anderen
denken und wünschen. Sowohl von den Neutralen als auch von den Verbündeten dürfen wir rechtens dasselbe erwarten, was sie von uns verlangen: Verständnis dafür, daß wir eine eigene Rolle zu spielen und
eigene Interessen zu vertreten haben. Unsere Macht und Verantwortung
sind jetzt so augenfällig - so ganz und gar selbstverständlich
geworden -, daß man leicht vergißt, was sie für uns bedeuten. So
kommt es, daß enge Verbündete in seelenruhigem Vertrauen auf unsere Fähigkeit, den Kernwaffenschild hochzuhalten, leicht die Kosten
und Mühen dieser Aufgabe außer acht lassen. Das Urteil über die
Vor- und Nachteile von Kernwaffenversuchen und Testverboten, die wir
vollverantwortlich zu wägen haben, können andere mit unbekümmertem
Optimismus fällen, weil sie sich auf uns verlassen. Die Abrüstung
ist einfach für den, der sich frei von Verantwortung fühlt.
Noch einschneidender und für alle Beteiligten noch schwerer zu
verstehen ist die Tatsache, daß wir uns jetzt ebenfalls in der vordersten Gefahrenzone befinden. Altgewohnte, tiefeingewurzelte geographische Vorstellungen weichen nicht ohne weiteres der Faktizität

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tizität der 3 jenwart auf beiden Seiten des Atlantiks, aber vielleicht
^r
: ir
.;-&gt; Ile^lität klarer erfaßt als einige unserer europäischen Freunde. Der allgemeine Kernwaffenkrieg, den die Veit fürchtet,
wäre eine Katastrophe für das Menschengeschlecht, doch über den stärksten Kitgliedern der beiden mächtigen, einander gegenüber stehenden
Allianzen würden sich seine Schrecken mit größter Sicherheit entladen.
Die gegenwärl ige Gefahr nimmt keines der beiden Gestade des Atlantiks
aus und macht auch keinen Unterschied zwischen Hamburg und San Francisco. Wir können den Wunsch einiger verstehen, mit den prometheischen
Kräften der Kernwaffen nichts zu tun zu haben, ebenso wie den anderer,
ihren Schutz zu genießen, ohne das damit verbundene Risiko auf sich
zu nehmen. Und während wir auf Grund unserer Erfahrungen mit den Kosten
und Lasten der echten Mitgliedschaft im.Klub der Kernwaffenmächte meinen,
daß sich jene Länder weise verhalten, die nicht ihre Aufnahme betreiben,
müssen wir voll anerkennen, daß es nicht unsere Sache ist, diese souveräne Entscheidung für andere zu treffen. Aber wir dürfen vernünftigerweise auch Verständnis dafür erwarten, daß unser eigener Platz im Zentrum der Kernwaffenkonfrontation unausweichlich festgelegt ist.
Aus dieser Konfrontation erwachsen uns sowohl Verantwortung als
euch Sorgen. Gerade die Ernsthaftigkeit unserer NATO-Verpflichtungen
hat somit zur Folge, daß wir uns über die Leichtfertigkeit wundern, mit
der diese Verpflichtungen aus geringem Anlaß in Frage gestellt werden.
Ähnlich ist es unsere Kenntnis der Kernwaffengefahren, die uns zu
einem zweigleisigen Vorgehen veranlaßt, was aber wiederum einigen Verbündeten ehrliche, aber in Mißverständnissen begründete Sorgen bereitet.
In erster Linie suchen wir beharrlich nach der besten und wirksamsten
Regelung sowohl in technischer Hinsicht als auch in bezug auf die militärische Disziplin, um sicherzustellen, daß die Kernwaffen dann - aber
nur dann - eingesetzt werden, wenn die Zentrale den Befehl dazu gibt.
In zweiter Linie bleiben wir unermüdlich bestrebt, irgendein praktikables
und zuverlässiges Übereinkommen zu treffen, das die allgemeine Kernwaffengefahr einschränkt und der Welt größere Sicherheit gewährt.
Wir wissen besser als jede andere Nation, 'ie wenig ernsthaftes
Entgegenkommen die Sowjetunion bisher in Wort und Tat gezeigt hat. Aber
wir werden die vernünftige, notwendige, menschliche Suche nach einem
brauchbaren Übereinkommen nicht aufstecken. Darüber hinaus werden wir
immer die Risiken des Abkommens an den Risiken des uneingeschränkten
Wettbewerbs messen, und wir gedenken nicht, uns von diesem Kurs durch
Leute abbringen zu lassen, die auf dieser oder jener Seite der Auseinandersetzung die eine Gefahr herausstreichen und die andere ignorieren.
Außerhalb des nuklearen Bereichs, in dem das gegenseitige Verständnis auch die bestehende Tatsache unserer besonderen Verantwortung einschließen muß, lassen sich unsere Ansprüche an unsere Freunde auf die
Formel der Wechselseitigkeit bringen. Was wir an Respekt vor unseren
Überzeugungen und an Rücksichtnahme auf unsere Besonderheiten verlangen,
müssen wir auch bereitwillig anderen entgegenbringen. In einer weiteren
Beziehung dürfen wir vielleicht besonderes Verständnis beanspruchen:
da wir die meiste Macht besitzen, haben wir auch die meisten Bindungen und daraus ergeben sich für uns besonders zahlreiche Interessenkonflikte.
Interessen und auch Sympathie können uns in zwei und mehr Richtungen

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Richtungen ziehen. Wer eine solche Wahl für leicht hält-, dürfte
sich irren, und unsere Politik wird uns oft zu Stellungnahmen veranlassen, die beide Seiten mißbilligen. Es kommt uns zu, diese
Verantwortung kühl auf uns zu nehmen - so wie wir dies in den letzten
Jahren in unterschiedlicher Weise im Kongo, in West-Efeuguinea, in
der Dominikanischen Republik und im Mittleren Osten versucht haben.
Es ist ebenso billig, daß wir allgemeines Verständnis für diese unsere
Lage verlangen, wie es töricht wäre, dem Beifall der jeweils interessierten Parteien in jedem Einzelfall zu erhoffen.
Und schließlich sind da die Dinge, die uns als Volk besonders
zu schaffen machen. Nationen haben genau wie Einzelmenschen ihre Überzeugungen, die zu bestimmten Zeiten nicht diskutabel sind. Die unsrigen sind begrenzt, aber real. Sie mögen vielleicht nicht universale
Billigung finden, doch täte man gut daran, sie verstehen zu lernen.
Unsere Ansichten über Rotchina und Kuba zum Beispiel sind unseres
Erachtens samt und sonders stichhaltig begründet. Wir verlangen nicht,
daß andere, die dem nicht beipflichten, ihre Meinung ändern oder auf
unsere Freundschaft verzichten. Aber sie sollten einsehen, daß es der
internationalen Verständigung nicht förderlich ist, mit bequemer
Selbstgerechtigkeit zu versichern, solche Vorstellungen seien "völlig
abwegig". Wir hegen sie jedenfalls. Es liegt in ihrem eigenen Interesse,
unsere Gründe zu prüfen und unsere Überzeugungen zu respektieren.
Die angemessene Betonung der eigenen nationalen Interessen darf
uns - und ebensowenig unsere Freunde - freilich nicht blind machen
für weiter ausgreifende Anforderungen. Die sich abzeichnende Gesellschaft freier Nationen kann und soll nach unserer Ansicht eine solche
Gestalt annehmen, daß dabei den Lebensinteressen aller Beteiligten
gemeinschaftlich gedient wird. Wir versuchen nicht, für uns zu gewinnen, was wir anderen verweigern würden. Selbst bei der makabren
Aufgabe der nuklearen Abschreckung können wir teilen, sofern bei
einer solchen Teilung Gleichheit herrscht. Und am erfreulicheren
Ende des Spektrums der gegenwärtigen Situation liegt uns nichts mehr
am Herzen, als daß alle Völker einen Weg zu Gesittung und Hoffnung
im rein Menschlichen finden werden. Unbeschadet aller unserer nationalen
Schwächen scheuen wir keinen Vergleich hinsichtlich der Tiefe und
Lauterkeit unserer Hingabe an diesen Vernunfttraum.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

DAS GEGENWÄRTIGE STADIUM DES KALTEN KRIEGES

von Walt W. Rostow
Vorsitzender des politischen Planungsrates
des US-Außenministeriums

Vortrag vor der Ernst-Reuter-Gesellschaft

gehalten am 18. Oktober 1962
im Auditorium maximum der Freien Universität Berlin

�M S GEGENWÄRTIGE STADIUM DES KALTEN KRIEGES

Meine allererste, ehrenvolle Aufgabe heute abend ist es, Ihnen
die Grüße des amerikanischen Präsidenten zu übermitteln. Er weiß
von unserer Zusammenkunft und weiß auch, was ich Ihnen sagen werde.
Es ist ganz unnötig, daß ich Ihnen hier nochmals versichere, wie eingehend er sich mit der Situation der Stadt und ihrer Zukunft
beschäftigt.
Kein Amerikaner kommt in diese Stadt ohne weit zurückreichende
Erinnerungen, ohne große Bewunderung und ohne das Bewußtsein der
lebenswichtigen gemeinsamen Verpflichtungen, die die Männer, Frauen
und Kinder Berlins mit unserem Volk und der gesamten freien Y/elt verbinden.
Meinen ersten Besuch stattete ich dieser Stadt im späten Frühjahr
1946 ab, als ich hierher kam, um mit General Clay und General Draper ein
Dringlichkeitsprogramm für die Kohlenbergwerke und Bergleute ah der Ruhr
auszuarbeiten, das Stahl, Ausrüstungen, Wohnungen und Lebensmittel betraf
und einer der ersten grundlegenden Schritte zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands und Europas war. Ich befand mich zur Zeit der Luftbrücke von 1948 und 1949 in Europa und beobacht'ete aus nächster Nähe den
diplomatischen-Vorgang, wie Ihr Mut und Ihre Haltung auf der einen Seite
in Verbindung mit dem Erfolg der Luftbrücke auf der anderen Seite Stalin
veranlaßten, seinen brutalen indirekten Angriff auf Sie einzustellen.
Ich war wiederum hier im Frühjahr 1959* nachdem ich mich drei
Wochen in Osteuropa aufgehalten hatte. Niemals werde ich vergessen,' wie
ich aus dem trostlosen Schattenleben im Osten in dieses lebendige Zentrum
der Demokratie, westlichen-Lebens und westlicher Werte im weitesten Sinne
gelangte. Was Sie aus Berlin seit 1945 gemacht haben, das ist ganz
offensichtlich eine der größten schöpferischen Leistungen der Nachkriegsjahre.
Ich habe jetzt die Ehre, als Angehöriger meiner Regierung hierherzukommen, mit Ihren Repräsentanten über langfristige Pläne für die

- 1-

�die Zukunft Berlins zu sprechen und heute abend, mit Ihnen zusammenzusein«
Meine Aufgabe in Vfashington ist Planung, und ich muß daher
bestimmte Probleme des sehr umfangreichen Gebiets der Militär- und
Außenpolitik bearbeiten. Mit der Auswahl der Schlüsselprobleme der
Planung befaßt, gehört es zu meiner Arbeit, sozusagen den gesamten
Radarschirm der Weltpolitik zu beobachten, vorauszudenken, zu beurteilen, wo wir in der freien Welt im kalten Kriege stehen und in
welcher Richtung wir uns bewegen, die GrundStrömungen aufzudecken
und die Probleme der Zukunft zu identifizieren, an denen wir schon
jetzt arbeiten müssen.
Ich glaube, es dürfte für Sie interessant sein, wenn ich heute
abend gemeinsam mit Ihnen eine derartige globale Lagebeurteilung
anstelle, wie es auch sonst meine Aufgabe ist. Das Thema ist einfach:
wir stehen an einem Punkt sowohl großer Bedrohung als auch großer
Hoffnung im kalten Kriege. Die Bedrohung ist sichtbar genug - hier
in Berlin, in Vietnam, in Kuba und an vielen anderen Gefahren-,
Konflikts- und Spannungsherden. Auf der anderen Seite sind mächtige
Kräfte der Geschichte am Werk, um die freie Welt zu einigen und zu
stärken und um die Gefahr, die uns augenblicklich von den kommunistisch
beherrschten Ländern droht, abzuschwächen und zu zersplittern. Unsere
gemeinsame Aufgabe ist es, fest und geeint zu bleiben - mehr denn je
zuvor - und gleichzeitig im Sinne des Geschichtsverlaufs zu wirken,
denn letzten Endes wird die Geschichte von entschlossenen Männern
und Frauen gestaltet. Aber lassen Sie mich weiter ausholen.
Ich möchte heute abend viererlei versuchen. Erstens möchte ich
Ihnen ein Bild von der Entfaltung unserer eigenen Politik in den vergangenen 22.Monaten geben, zweitens dann die Ereignisse dieser Periode
unter dem Blickwinkel des Ostblocks untersuchen, drittens einige
allgemeine Polgerungen daraus ziehen und viertens andeuten, welche
Bedeutung all das für Berlin haben kann.
Als die neue Regierung in Washington im Januar I96I ihr Amt übernahm, sahen wir uns vor zwei verschiedenen Arten von Problemen gestellt:
zunächst gab es eine Reihe akuter und gefährlicher Krisen, und außerdem

�außerdem gab es eine Anzahl langsamer schwelender, aber ebenso
gefährlicher Situationen, die sich ohne konstruktive Schritte in einer
für uns und die gesamte freie Welt nachteiligen Weise hätten entwickeln können.
In bezug auf Südostasien stellten wir fest, daß die Genfer
Vereinbarungen von 1954 über Laos und Vietnam nicht mehr ordnungsgemäß eingehalten wurden.

Die U.S.A. hatten diese Abkommen nicht

unterzeichnet, aber zugesagt, ihre Durchführung nicht zu stören,
sofern die Kommunisten sie honorierten.

Im Januar I96I war das

nicht mehr der Fall.
In Laos herrschte ein Bürgerkrieg, in dem die kommunistischen
Pathet-Lao-Verbände mit Unterstützung Nord-Vietnams versuchten, das
Land in ihre Gewalt zu bringen.

In Süd-Vietnam hat sich seit 1958 -

auf Anstiftung von Hanoi (und offenbar mit Unterstützung Moskaus und
Pekings) -

ein äußerst gefährlicher Guerillakrieg entwickelt, der

durch kommunistische Infiltration, Nachschublieferungen und Weisungen
aus dem Norden geschürt wird.
Im Kongo bestanden alle Voraussetzungen für einen Bürgerkrieg,
der zur Schaffung eines kommunistischen Stützpunktes in Zentralafrika
hätte führen können und den Kommunisten eine verlockende Ausgangsbasis
für einen Partisanenkrieg gegeben hätte.
In Kuba bestand bereits eine kommunistische Regierung, welche
beabsichtigte, die Methoden der Subversion und des Guerillakrieges, die
Castro zur Machtergreifung in Kuba benutzt hatte, auf das lateinamerikanische Festland zu übertragen.
Als wir dann am 6. Januar I96I Chruschtschows Rede lasen, in der
er dieser Wühlarbeit und der Bandenkriegführung seinen Segen erteilte,
nahmen wir die Sache wirklich sehr ernst.

Wir sahen diese Herausfor-

derungen nicht mehr nur als eine Reihe regional begrenzter Krisen an,
sondern als Teil einer kommunistischen Generaloffensive zur Zersetzung
der freien Welt unter Vermeidung eines Zusammenstoßes mit unseren
nuklearen und konventionellen Streitkräften.

Im Januar 1961 bestand

die Möglichkeit der kommunistischen Machtausdehnung auf Südostasien,
Afrika und Lateinamerika mit Hilfe dieser Methoden. Eine ziemlich
schnelle Ausweitung erschien möglich, denn Chruschtschows Offensive
war bereits ins Rollen gekommen.
Außerdem

- 3 -

�Außerdem mußten wir uns mit der Situation hier in Berlin
befassen.

1958 hatte Chruschtschow den Abzug der westlichen

Streitkräfte und eine Statusänderung für die Stadt gefordert.
Wären Chruschtschows Vorschläge angenommen worden, hätten die
SED-Organe Ulbrichts womöglich die Entscheidung über den Zugang
zu dieser Stadt erhalten.

Über diesen Umweg wollten die Sowjets

die Grundlagen der Freiheit West-Berlins zerstören, und in Wien
bestätigte Chruschtschow im Juni I96I klipp und klar in fast
ultimativer Weise seine Entschlossenheit, die westliche Präsenz
in Berlin zu schwächen, wenn nicht gar zu beenden.
Diese fünf Krisen bestehen noch immer, aber in allen Fällen
haben wir Schritte unternommen, um die Lebensinteressen der freien
Welt zu schützen und der Gefahr einer kommunistischen Machtausweitung Einhalt zu gebieten.
In Laos haben wir die Schaffung des Rahmens für einen neutralen
und unabhängigen Staat gefördert, der es dem Volk dieses kleinen
Landes ermöglichen soll, sein Schicksal auf seine V/eise zu bestimmen.
Diese Lösung halten wir für besser als die Spaltung von Laos.

Ein

geteiltes Laos hätte Mao und Ho Chi Minh Zugang zum nördlichen
Teil von Laos verschaffen können unerfreuliche Aussicht.

und das war eine ausgesprochen

Schließlich kam es im Zuge der Verhandlungen

zu einer Einigung über die Neutralität des Landes.

Es ist ganz klar,

daß zur Sicherung der Unabhängigkeit und Neutralität von Laos
größte Wachsamkeit, politische Wendigkeit und Entschlossenheit
erforderlich sind sowie der feste Wille des laotischen Volkes selbst,
seine Unabhängigkeit zu bewahren.
In Vietnam helfen wir den Südvietnamesen, den ihnen von den
Kommunisten aufgezwungenen Subversionskrieg zu unterbinden und die
nordvietnamesischen Eindringlinge dorthin zurückzutreiben, wo sie
hingehören, nämlich hinter den 17» Breitengrad.
Fortschritte gemacht.

Hierbei haben wir

Eine höchst bedrohliche Situation ist in

eine Lage verwandelt worden, die mehr Hoffnung gestattet als vor
sechs Monaten, aber der vor uns liegende Weg kann noch lang und
beschwerlich sein.

Wir haben Zeit gewonnen, um die Bewältigung

von zwei entscheidenden Problemen in Angriff zu nehmen -

- 4-

nämlich

�nämlich die vietnamesische Bevölkerung zu vorbehaltloser Teilnahme an diesem Kampf zu bewegen und die kommunistische
Infiltration aus dem Norden einzudämmen, ein Problem, das in
engstem Zusammenhang mit der Bereinigung der Laos-Frage steht.
Zum ersten Problem kann ich sagen, daß die vietnamesischen
Behörden mit Unterstützung von unserer und anderer Seite aktiv
bemüht sind, ein neues konstruktives Verhältnis zwischen Saigon
und den Dörfern im Landesinnern zu schaffen.

Die Regierung und

die Bevölkerung von Vietnam kommen einander allmählich näher in
einer Form, die nicht nur zur Grundlage des Sieges zu werden
verspricht, sondern auch zum Fundament für die dauernde Lebensfähigkeit Vietnams als moderne Nation.
Im Kongo unterstützen wir die Bemühungen der Vereinten
Nationen, den Kongolesen bei der Schaffung eines geeinten, unabhängigen und lebensfähigen Landes behilflich zu sein.

Zwar ist

noch keine endgültige Lösung gefunden, und wir sind noch nicht aus
dem Gröbsten heraus, doch haben wir andererseits auch schon viel
erreicht.

Trotz großer Schwierigkeiten haben die Vereinten

Nationen bei der Schaffung eines wahrhaft unabhängigen afrikanischen
Staates am Kongo wichtige Schrittmacherdienste geleistet.

Sie

haben gleichzeitig geholfen, Moskaus offenkundige Absicht zu
vereiteln, in Zentralafrika einen kommunistischen Brückenkopf zu
bilden.
Nach den Ereignissen auf Kuba im April 1961 haben wir uns
gemeinsam mit unseren Freunden in Lateinamerika und in der NATO
bemüht, die kommunistische Regierung in Havanna zu isolieren und
der Taktik der indirekten Aggression, die die kubanischen Kommunisten
gern auf Lateinamerika angewendet hätten, einen Riegel vorzuschieben.
Wir haben unsere Alliierten ersucht, uns bei der Beschränkung der
Schiffstransporte nach Kuba zu unterstützen.

Die Gefahr einer

kubanischen Einmischung in Lateinamerika ist durch diese Maßnahmen
und die Beschlüsse der Organisation der Amerikanischen Staaten
auf der Konferenz von Punta del Este im vergangenen Januar und der
kürzlichen inoffiziellen Tagung in New York vermindert worden.

Die

westliche Hemisphäre ist nun wachsamer gegenüber den Gefahren der

�der Subversion und des Guerillakrieges, und sie verfügt über die
rechtlichen Voraussetzungen für ein gemeinsames Vorgehen. Bis zu
einem gewissen Grad hat uns Castro unsere Aufgabe erleichtert.
Seine brutale, unzulängliche Politik im eigenen Lande, sein
Auftreten gegenüber Lateinamerika und seine Unterordnung unter
Moskau haben die Illusion zerstört, daß er die echte Tradition des
langen Kampfes der Völker Lateinamerikas für soziale Gerechtigkeit
und wirtschaftlichen Fortschritt fortsetze.

Unser Präsident hat

genau definiert, unter welchen Bedingungen wir mit militärischen
Mitteln gegen Kuba vorgehen würden.

In letzter Zeit haben wir teils

allein, teils zusammen mit unseren Freunden weitere wichtige
Schritte unternommen, um Kuba zu isolieren und die von dort ausgehende
Gefahr zu verringern.

Übrigens halten wir uns nach wie vor verpflichtet,

den Kubanern zu helfen, ihre Unabhängigkeit wiederzugewinnen und in
den Familienkreis der lateinamerikanischen Nationen zurückzukehren.
Aber die kommunistische Drohung schwebt natürlich immer noch über
Lateinamerika•
Unsere Position in der Berlinfrage haben wir klar formuliert und
aufrechterhalten.

Wir wollen, daß Berlin frei bleibt. Wir wollen,

daß der Zugang zum Westen unbehindert bleibt.

Wir werden den Schutz,

den nur die Anwesenheit westlicher Streitkräfte in Berlin gewährleisten kann, weiter aufrechterhalten.

Außerdem wollen wir zusammen

mit unseren Freunden in Berlin, in Deutschland und anderswo dafür
sorgen, daß diese Stadt ein lebensfähiger, konstruktiver und wichtiger
Teil der freien Völkergemeinschaft bleibt.
Auf dieser Linie wurde die Einigkeit des Westens gewahrt.

Gewiß

ist sie auf die Probe gestellt worden, und sie wird vielleicht erneut
auf harte Proben gestellt werden, bevor Chruschtschow endlich erkennt,
daß er mit seiner Berliner Dauerkrise das Gegenteil von dem erreicht,
was er bezweckt.

Aber es besteht nicht der geringste Zweifel an der

Ehrlichkeit, der Ernsthaftigkeit oder Beständigkeit der amerikanischen
und alliierten Verpflichtung.
Chruschtschow wird möglicherweise eines Tages den Druck lockern,
der auf Ihnen und uns jetzt lastet.

Aber die Situation Berlins wird

schwierig bleiben, schlänge Deutschland geteilt ist.

Diese Stadt wird

eine Versuchung für die Kommunisten bleiben, soXLange der kalte Krieg
andauert.

- 6-

�Mit der Berliner und jenen vier anderen Krisen nicht genug, mußten
wir in anderen Teilen der Welt eine langsame, aber gefährliche Erosion
feststellen. Wir brauchten zum Beispiel eine Politik, die die USA aKtiv
mit den starken Kräften in Lateinamerika verband, die sich um wirtschaftliche Entwicklung und größere soziale Gerechtigkeit bemühen.
Unsere Antwort darauf war die "Allianz für den Fortschritt".
Wir brauchten ferner ein Auslandshilfsprogramm, das die USA mit
ähnlichen Kräften in Asien, dem Mittleren Osten und Afrika verbinden
sollte. Völker und Regierungen in diesen weiten Gebieten sind entschlossen, ihren Status als unabhängige Nationen zu entwickeln und
für sich und ihre Kinder die Voraussetzungen für wirtschaftliches
Wachstum, Fortschritt und Menschenwürde zu schaffen. Unsere Antwort
war ein Auslandshilfsprogramm zur Unterstützung jener Nationen, die
die Fähigkeit und den wirklichen Willen zeigten, ihre eigenen Energien
und Hilfsquellen für ihre soziale Entwicklung zu nutzen. Unser Hilfsprogramm basiert auf dem gesunden Prinzip der Selbsthilfe. Es soll
die Fähigkeit und den Willen zur Selbsthilfe belohnen. Die von unserem
Kongreß im Jahre 1961 verabschiedeten Gesetze boten uns die Möglichkeit, Staaten mit gutfundierten nationalen Entwicklungsprogrammen feste
langfristige Zusagen zu geben. Zusammen mit unseren atlantischen Partnern
und Japan hoffen wir, allmählich eine dauerhafte Partnerschaft mit den
neuen und aufstrebenden Nationen herzustellen, die allmählich den Zustand erreichen, der sie für eine derartige langfristige Entwicklungshilfe qualifiziert.
In bezug auf Westeuropa stellten wir fest, daß unsere Politik
und die der westeuropäischen Nationen zwei wichtige Tatsachen noch
nicht voll erfaßt hatte«
erstens, daß Westeuropa in den fünfziger Jahren einen außergewöhnlichen Aufschwung seines Wirtschaftswachstums und seiner Entwicklung erlebt hat und nach mehr Autorität für die Gestaltung seines
eigenen Schicksals und in der Weltpolitik verlangte;
zweitens, daß die Bewegung zur europäischen Einheit, die mit
unserer Hilfe unmittelbar nach Kriegsende in Gang gekommen war, eine
wirkliche Kraft geworden war. Ein geeintes Europa war in den Bereich
des Möglichen gerückt, aber seine Gestalt und unsere diesbezügliche
Politik lagen noch nicht fest. Was Japan betrifft, so sahen wir, daß

- 7-

�daß unsere Politik seinen Willen nicht berücksichtigt hatte, nach einem
Jahrzehnt ebenso bemerkenswerten Wachstums wie im Falle Westeuropas
eine neue, würdige und verantwortungsvolle Rolle in der Weltpolitik
zu übernehmen.
Unsere Antwort auf diese Tatsachen bestand darin, die Bewegung
zur europäischen Einheit zu unterstützen und unseren europäischen
Freunden eine neue transatlantische Partnerschaft vorzuschlagen, wie
sie unser Präsident besonders in seiner Rede am 4. Juli dieses Jahres
skizzierte. Wir sind dabei, die Bedingungen dieser Partnerschaft im
militärischen Bereich, im Handelsverkehr, hinsichtlich der Währungsund Deckungsprobleme, der Hilfeleistung an die Entwicklungsländer und
auf vielen anderen Gebieten auszuarbeiten. Die Entwicklung dieser neuen
Beziehungen braucht Zeit. Sie sind das größte Bauwerk der internationalen Architektur, das jemals in Friedenszeiten errichtet wurde. Diese
neue und vielschichtige Partnerschaft wird sich über Jahre und nicht
nur Monate entwickeln. Wir haben es jetzt nicht,wie 'nach dem Kriege,
mit schwachen, verarmten Völkern zu tun, sondern mit stolzen und
starken Nationen, die nach neuen Beziehungen zueinander und zu den
USA suchen und bestrebt sind, ihre Rolle in der Weltgeschichte

für

die sechziger Jahre und darüber hinaus festzulegen; doch geschieht
dies im Anschluß an eine lange Periode, in der sie auf unseren Beistand
angewiesen waren und sich mehr an die Früchte als an die Lasten weltpolitischen Verantwortungsbewußtseins gewöhnt haben. Dieser Prozeß,
de,r im Erfolgsfalle die Stärke und Stabilität der freien Welt bedeutend
steigern würde, muß natürlich auf Schwierigkeiten stoßen. Doch die
miteinander verbundenen Konzeptionen der europäischen Einheit und der
atlantischen Partnerschaft sind tief verwurzelt in den gemeinsamen
Erfahrungen unseres 20. Jahrhunderts und durchdringen mehr und mehr
auch den Geist und die Herzen unserer Völker.
Ähnlich arbeiten wir mit der japanischen Regierung, mit führenden Persönlichkeiten der japanischen Gesellschaft - auf allen Ebenen und mit unseren Freunden in der atlantischen Gemeinschaft zusammen, um
den großen potentiellen Beitrag Japans für das Aufbauwerk der freien
Welt nutzbar zu machen.
Wo stehen wir aber heute? Nicht eine der Krisen von 1961 ist
bereits endgültig bereinigt. Alle sind noch gefährlich. Aber wir

- 8 -

�wir machen Fortschritte bei der Eindämmung der Gefahren, die von
diesen Krisen ausgehen, und wir haben für jede dieser Krisen politische
Pläne festgelegt, wobei wir bereit sind, im gegebenen Falle die
ganze große, uns zu Gebote stehende Stärke einzusetzen.
In bezug auf die langfristigen Aufgaben, die wir in Lateinamerika,
in anderen Entwicklungsgebieten sowie in Europa und Japan übernommen
haben, kennen wir unser Ziel und sind auf dem Wege dorthin. Aber wir
sind uns auch bewußt, daß es viele Jahre harter, beharrlicher und
zielstrebiger gemeinsamer Anstrengung bedarf, um die schöpferischen
Ziele, die wir uns gesteckt haben, zu erreichen. Das also ist im wesentlichen der Stand- der Dinge und das also trachten wir zu erreichen aus der Perspektive Washingtons betrachtet. Wir sehen absolut keinerlei Gründe für Selbstzufriedenheit oder Selbstbeweihräucherung. Aber
wir sehen Gründe für Zuversicht, Hoffnung und für starke und hartnäckige, gemeinsame Anstrengungen
Und nun lassen Sie mich versuchen, die Weltlage so darzustellen,
wie sich von Chruschtschows Standpunkt aus das Weltgeschehen ausnehmen
mag.
Seit 1945 haben wir zwei große kommunistische Offensiven erlebt,
die darauf abzielten, Macht und Einfluß des Kommunismus über die als
Ergebnis des zweiten Weltkriegs gewonnenen Grenzen hinaus auszudehnen.
Von 1945 bis 1951 drängte Stalin heftig, erst im Westen und dann im
Osten. Er versuchte, den Iran, die Türkei, Griechenland, Frankreich
und Italien zu durchdringen; und 1948 verhängte er die Berlin-Blockade.
Stalins Offensive im Westen wurde gestoppt durch die Truman-Doktrin,
den Marshall-Plan, die Gründung der NATO und den Erfolg der Berliner
Luftbrücke.
Seine Offensive in Asien, die sich weitgehend auf die Anwendung
der Guerilla-Kriegführung in Indochina, Malaya, Indonesien und auf den
Philippinen stützte,kam -ebenso wie sein Versuch, Südkorea zu erobern im Frühjahr 1951 zum Stillstand,als die reorganisierten Kräfte der UN
in Korea die chinesischen kommunistischen Armeen am 38. Breitengrad
schlugen.
Nach

9 -

�Nach dem Tode Stalins leitete das neue Gespann in Moskau eine
Reihe von Veränderungen auf innenpolitischem, militärischem und
außenpolitischem Gebiet ein, die einige Jahre zum Anlaufen brauchten.
Außerdem sah es sich aber noch einem unterirdischen Machtkampf gegenüber, den Chruschtschow erst 1957 endgültig gewann. In ihrem eigenen
Land machten die Sowjets mit Rücksicht auf den Wunsch des russischen
Volkes nach besserer Versorgung und mehr Sicherheit vor der Willkür
der Geheimpolizei einige Zugeständnisse. Außenpolitisch hegten sie nachdem

sie in Europa und Japan im allgemeinen wenig auszurichten

vermochten - große Hoffnungen, latente Kräfte für die Ausbreitung
der kommunistischen Macht und des kommunistischen Einflusses in den
unterentwickelten Gebieten ausnutzen zu können. Die Kommunisten
versuchten in diesen Gebieten, die Instrumente der Subversion, des
Handels und der Hilfe aufeinander abgestimmt zum Einsatz zu bringen.
Sie appellierten an antikolonialistisehe und nationalistische Gefühle
und versuchten, den Kommunismus als die beste Methode zum Aufbau in
unterentwickelten Gebieten hinzustellen. Militärisch machten die
Sowjets - in geringerem Maße,als wir zu jener Zeit annahmen - Portschritte auf dem Gebiet der Atom- und Raketenwaffen und versuchten
bereits 1956, das Mittel der nuklearen Erpressung in den Dienst ihrer
Diplomatie zu stellen. Sie entwickelten und nutzten ihre starken Raketen,
um damit gewisse spektakuläre Projekte im Weltraum durchzuführen, und sie
suchten daraus psychologisch und militärisch Kapital zu schlagen.
Im Jahre 1958, im Gefolge der ersten Sputniks, begann Chruschtschows
Offensive auf der Basis dieser Pläne Gestalt anzunehmen. Es war im
Jahre 1958, als Chruschtschow einen härteren Kurs bezüglich Berlins
einschlug. Es war im Jahre 1958, als die kommunistische Partei in
Hanoi bekanntgab, daß sie versuchen werde, die Regierung in Saigon durch
Guerillakriegführung zu stürzen, und sich dann systematisch anschickte,
dies zu verwirklichen.
Es war auch in der Zeit nach dem Sputnik, als die Kommunisten
anfingen, die Unruhe und Verwirrung im Kongo auszunutzen; sie ergriffen
die Macht in Kuba; und sie führten eine höchst intensive politische,
wirtschaftliche und umstürzlerische Kampagne in den unterentwickelten
Gebieten. Auch Rotchina wurde von diesem Fieber erfaßt. Es war in der

- 10 -

�der Zeit nach dem Sputnik, als Mao verkündete, daß "der Ostwind über
den Westen triumphiere" . Der große Sprung vorwärts und die Volkskommur.en wurden im Jahre 1958 i n s Werk gesetzt; außerdem wurde in
jenem Jahr die Blockade gegen Quemoy und Matsu eingeleitet.
Die militärische Schlagkraft hinter dieser Offensive war nicht
so groß, wie es damals der Welt schien. In Wirklichkeit bestand bei
den Russen weiterhin eine sehr hohe Priorität für Verteidigungswaffen;
sie bauten eine Mittelstreckenraketen-Macht auf, in der Hoffnung,
die europäischen Länder zu Atomkriegsgeiseln machen zu können. Auf
dem Gebiet der Interkontinentalraketen machten sie langsamere
Fortschritte. Gleichwohl schien der Nach-3putnik-0ffensive als
ganzen eine ziemliche Stoßkraft zu eigen.
Heute ist - nicht nur dank unserer und unserer Alliierten Anstrengungen, sondern auch bedingt durch Kräfte, welche tief im
Innern des kommunistischen Blocks am Werk sind - Chruschtschows und
Maos Nach-Sputnik-Offensive durcheinandergeraten.
Maos großer Sprung vorwärts war ein vollkommenes Fiasko. Die
rotchinesische Politik basierte auf der Annahme, daß die Chinesen
Ende der fünfziger Jahre da standen, wo Stalin zu Anfang der dreißiger
Jahre gestanden hatte. Sie glaubten den Großmachtstatus erreichen zu
können. Um diesen Großmachtstatus ist es wenigstens für ein Jahrzehnt
geschehen. Und um überhaupt vorwärts zu kommen, sind Entscheidungen
nötig, die ihnen bis heute viel zu schmerzvoll waren - Entscheidungen,
die meines Erachtens unter anderem erfordern, den Bauernfamilien Chinas
den Ansporn zur Arbeit zurückzugeben und auch die Freiheit, erfolgreich zu arbeiten. Inzwischen hat sich die Tendenz der Lockerung der
Kontrolle Moskaus über die kommunistischen Parteien der Welt, wie sie
das Drama der Aufspaltung des Sino-Sowjet-Blocks erhellte, fortgesetzt.
Darüber hinaus hat die Unfähigkeit des Kommunismus, die Nahrungsmitte]Produktion wirksam zu organisieren, die kommunistische Position in Ostdeutschland, Kuba und in anderen Gebieten - ebenso wie in China - drastisch geschwächt.
Im eigenen Land zählte Chruschtschow sehr darauf, daß es ihm gelingen
werde, das russische Volk besser mit Nahrungsmitteln und 7/ohnraum

11

L

�Wohnraum

zu versorgen. Er kündigte im Jahre 1957 eine Kampagne

mit dem Ziel an, innerhalb von drei Jahren die amerikanische Fleisch-,
Milch- und Butterproduktion zu überflügeln; und er versuchte, durch
die Urbarmachung weiter Areale jungfräulichen Landes die Getreideversorgung einer wachsenden Bevölkerung sicherzustellen. Jetzt aber
sieht er sich gezwungen, seinem Volke die Existenz einer fortgesetzten
landwirtschaftlichen Krise einzugestehen; die versprochene ausreichende
Versorgung mit Fleisch und Milchprodukten ist gescheitert; die Getreideproduktion hält gerade noch Schritt mit dem Bevölkerungszuwachs, und
in diesem Jahr hat er zum ersten Mal nach dem zweiten Weltkrieg die Nahrungsmittelpreise erhöht. Darüber hinaus muß er sein Wohnungsbauprogramm einschränken, das vom russischen Volk so leidenschaftlich gefordert
worden war, um die Rüstungsausgaben erhöhen zu können; und er muß es
tun in dem sicheren Wissen, daß sich die Vereinigten Staaten auf eine .
militärische Planung festgelegt haben, welche ihm eine relative Verbesserung seiner nuklearen Position auf Jahre hinaus unmöglich macht.
Außerhalb

der Sowjetunion sieht er, daß seine Offensive überall

in den Entwicklungsländern an Stoßkraft verloren hat. Doch findet der
Kommunismus noch immer Ansatzpunkte; aber ob man nach Asien, dem Mittleren Osten, Afrika oder Lateinamerika blickt, überall ist die Tendenz
der Entwicklungsländer, ihre Unabhängigkeit gegenüber den Kommunisten
ebenso wie uns gegenüber zu wahren, von Chruschtschows Standpunkt aus
gesehen zutiefst entmutigend.
Der Marxismus als Lehre wird in zunehmendem Maße von der jungen
Generation als Stimme der Vergangenheit und nicht als Wegweiser in der
Gegenwart und in die Zukunft angesehen; und der Kommunismus als Mittel
zur Organisation sowohl einer fortgeschrittenen als auch einer unterentwickelten Gesellschaft gilt immer mehr als unwirksam und reaktionär
und außerdem als zutiefst unmenschlich.
Die Hoffnungen und Erwartungen der Kommunisten sind durch die
europäische Einigungsbewegung, durch die Festigkeit der NATO angesichts
der Berlin-Krise, durch die entstehende transatlantische Partnerschaft,
durch die Entschlossenheit der Völker und Regierungen der Entwicklungsländer, ihre Unabhängigkeit zu wahren, und durch die Korrosion des Wirtschaftslebens des kommunistischen Blocks,vor allem auf dem Landwirtschaftssektor, zunichte gemacht worden.

�Schließlich hat sich infolge dieser zunehmenden Bedrängnis und
der Beharrlichkeit des Nationalismus unter der Oberfläche der vom Kommunismus beherrschten Staaten eine Tendenz zur Aufsplitterung des kommunistischen Blocks und zur fortschreitenden Lockerung der Kontrolle
Moskaus über die kommunistischen Parteien in aller Welt entwickelt.
Es gibt jetzt keine kommunistische Partei, die nicht - so oder so von der entzweienden Debatte abgelenkt und verwirrt wäre, die sich um
den chinesisch-sowjetischen Konflikt

und die damit zusammenhängenden

ideologischen, machtpolitischen und taktischen Probleme dreht.
Das Moskauer Weltbild hat sich somit in den vergangenen zwei
Jahren grundlegend verändert. Chruschtschow hat mit der Politik,die er
nach Übernahme der Führung der Sowjetunion einleitete, keinen Durchbruch erzielen können. In der Zwischenzeit haben die Reaktionen der
westlichen Welt im

Zusammenspiel mit der innerhalb des kommunistischen

Blocks wirksamen Korrosionsdynamik eine tiefe, aber schleichende Krise
in der Geschichte des Kommunismus herbeigeführt. Moskau muß sich fragen: Welche Richtung sollen wir jetzt einschlagen?
Auf kürzere Distanz mag die Antwort wohl Berlin heißen. Es ist
möglich, daß Chruschtschow den Willen und die Stärke der Alliierten
falsch einschätzt und versuchen wird, eine weitere Krise in dieser
Stadt heraufzubeschwören.
Die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten versuchen, ihre
Festigkeit so klarzumachen, daß er vor einer solchen Krise zurückschreckt. Falls das nicht gelingt, halten wir eine Reihe von Maßnahmen
parat, um der Krise zu begegnen. Natürlich kann ich über diese Maßnahmen keine Einzelheiten mitteilen. Ich kann nur sagen, daß es sich um
weitreichende Maßnahmen handelt, die eine Vielzahl von Umständen in
Betracht ziehen. Ich kann sagen, daß unsere Alliierten sie kennen und
unterstützen werden. Wir stehen in ständiger Beratung mit Bundeskanzler Adenauer und seinen Mitarbeitern in Bonn, mit unseren anderen
Alliierten und Ihrem mutigen Bürgermeister Willy Brandt, der erst
kürzlich mit Außenminister Dean Rusk und Präsident Kennedy Besprechungen geführt hat. Sie kennen unsere Entschlossenheit. Ich bin überzeugt,
daß auch der Berliner Bevölkerung unsere Entschlossenheit bekannt ist.
Die Gefahr liegt darin, daß die Sowjets unsere Entschlossenheit nicht

-

13

�nicht voll begreifen könnten, oder daß sie,wenn sie es doch tun,
die Konsequenzen einer Auseinandersetzung nicht richtig einschätzen.
Wir hoffen, daß diese auf Grund einer Fehleinschätzung der Stärke,
Einigkeit und Entschlossenheit des Westens ausgelöste Krise auf friedlichem Wege gelöst werden kann. Aber komme, was da wolle: unsere
Dispositionen sind getroffen. Wir sind bereit, wir wissen, daß Sie
bereit sind, und wir müssen die Lage gemeinsam meistern.
Doch lassen Sie uns unseren Blick über die vor uns liegenden
schwierigen Monate hinaus nach vorn lenken.
Dies sind die großen Aufgaben der freien Welt: die Einigung
Westeuropas muß zur Reife gebracht werden; die fortgeschritteneren
westeuropäischen Nationen, Kordamerika und Japan müssen sich in einer
weltumspannenden Partnerschaft mit gemeinsamer Verantwortlichkeit
verbinden; ein neues konstruktives Partnerschaftsverhältnis ist zwischen diesen hauptsächlich im Norden angesiedelten Nationen und den
vorwiegend südlich von ihnen gelegenen Entwicklungsländern - in
Lateinamerika, Afrika, dem Mittleren Osten und Asien - herzustellen;
die Grenzen der entstehenden Gemeinschaft unabhängiger Staaten sind
zu verteidigen durch die Schaffung der militärischen Kräfte, der
politischen Einheit und des Willens, den diese Aufgabe verlangt;
und wir müssen mit den Kräften des Nationalismus und Liberalismus
zusammenwirken, die sich innerhalb des kommunistischen Blocks regen,
damit der Geltungsbereich der Freiheit für die Nationen und die Personen sich erweitert.
Diese großen Ziele sind keine abstrakten oder fernen Ziele. Es
sind Ziele, welche alles, was wir Tag für Tag tun, ganz und gar
durchdringen. Gegenwärtig stehen sie mir besonders lebhaft vor Augen.
Denn ich bin nach Berlin gekommen, nachdem ich einige Tage lang in
Paris an konkreten Aufgaben in Verbindung mit der Schaffung der
atlantischen Partnerschaft gearbeitet habe. Ich kam nach Paris mit
frischen Eindrücken

von

einer Konferenz in Puerto Rico, wo über

40 Nationen - mehr und weniger entwickelte Länder des Nordens und
des Südens - die Vorbereitung freiwilliger Aktionen nach dem Muster
des Friedenskorps und andere Maßnahmen zur Unterweisung der Arbeitskräfte der Entwicklungsländer in den dringend benötigten modernen
Arbeitsmethoden vorantrieben.

Und
-

14

-

�Und nun bin ich in Berlin, einem der Brennpunkte des kalten Krieges, wo unsere Stärke, Einigkeit und Willenskraft auf die Probe gestellt werden, nahe den Männern und Frauen in Ost-Berlin und Ostdeutschland, die gegen ihren Willen von ihren Familien, ihrer Nation
und der Lebensform, die sie in freier Entscheidung wählen würden,
ferngehalten werden.
Ich glaube, daß Berlin in allen großen Fragen der Politik der
freien Welt eine Mission zu erfüllen hat. Blickt man weiter, so braucht
die Mauer, die diese Stadt in so tragischer Weise durchschneidet, Ihren
Beitrag zur Sache der Freiheit in allen ihren Wesensformen nicht zu
mindern.
Sie sind nicht passive Schutzbefohlene des Westens, sondern
Partner einer großen weltweiten Anstrengung.
In enger Zusammenarbeit mit Ihren Brüdern in der Bundesrepublik
können Sie an allen wirtschaftlichen und kulturellen Unternehmungen
des der Einheit zustrebenden Europa und der sich entfaltenden atlantischen Partnerschaft teilhaben. Sie können sich mit Ihren besonderen
menschlichen und industriellen Fähigkeiten an dem großen Unternehmen
der Unterstützung von Entwicklungsländern beteiligen. Sie haben die
stolze Pflicht, kühl und fest an einem von mehreren entscheidenden
Punkten an den Grenzen der Freiheit Wache zu halten, und Sie können
zusammen mit Ihren Verbündeten Ihren Teil dazu beitragen, daß die
Schranke, die jetzt Deutschland und Europa spaltet, allmählich auf
friedlichem Wege beseitigt wird.
Denn lassen Sie sich gesagt sein: meine Regierung hat die während
der Kriegsjähre übernommenen gegenseitigen Verpflichtungen weder vergessen noch fallen lassen.
Die Abmachungen zwischen den Alliierten des Krieges gegen Nazideutschland sahen vor, daß das Ziel der Besetzung nach dem Kriege die
Wiederaufnahme Deutschlands in die Völkerfamilie sein sollte. Noch im
Jahre 1955 bekräftigten auf der Genfer Gipfelkonferenz die Regierungschefs der vier Mächte dieses Übereinkommen und wiesen die Außenministerkonferenz an, es durchzuführen. Ich brauche Sie nicht daran zu erinnern,
daß die Sowjetunion diese Verpflichtung nicht eingelöst hat. Aber die

-

15 -

�die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten sind weder von diesem
Ziel abgewichen, noch haben sie ihr Bestreben aufgegeben. Worin
besteht nun ihre Verpflichtung genau? Wie die Weisung von 1955
besagt, hält sich meine Regierung an den Vorsatz gebunden, daß
"die Bereinigung der deutschen Frage und die Wiedervereinigung
Deutschlands mittels freier Wahlen im Einklang mit den nationalen
Interessen des deutschen Volkes und den Interessen der europäischen
Sicherheit durchgeführt werden soll".
Wenn wir die große Partnerschaft des Nordens mit ihrer gewaltigen Überlegenheit an Menschen und Material aufbauen können, wenn wir
zu den aufstrebenden Nationen des Südens ein neues Verhältnis im
Zeichen von Würde und gemeinsamer Arbeit herstellen können, wenn wir
beständig die Mittel, die politische Einigkeit und Willenskraft
aufbringen, die zur Verteidigung der Grenzen der Freiheit notwendig
sind, wenn wir durch den Nebel des kalten Krieges hindurch mit den
Kräften des Nationalismus und Liberalismus, die innerhalb des Ostblocks existieren oder entstehen mögen, konstruktiv zusammenarbeiten,
kann schneller, als wir glauben, der Tag kommen, an dem diejenigen,
die innerhalb des sogenannten kommunistischen Blocks herrschen, zwei
Dinge einsehen werden: erstens, daß Welteroberung oder Weltbeherrschung
ein aussichtsloses und gefährliches Unterfangen ist; zweitens, daß
in einer atomwaffenstarrenden Welt wirksam überwachte Maßnahmen
zur Rüstungskontrolle und Abrüstung im allgemeinen Interesse liegen,
das auch voll und ganz dem ihrigen entspricht.
Wenn die freie Welt die geistige und Willenskraft besitzt, an
der bisher verfolgten politischen Linie festzuhalten - denn die
Mittel dazu stehen ihr sicherlich zur Verfügung -,wird zweifellos
einmal der Tag kommen, an dem Moskau und auch Peking sich entscheiden
müssen, ob sie in ihrem Drang nach äußerer Macht unter zunehmend
ungünstigeren Bedingungen beharren wollen, oder ob es besser sei,
den kalten Krieg zu beenden und ihre Forderungen als wichtige,
aber keineswegs beherrschende Mitglieder der Gemeinschaft der Nationen und Menschen zu stellen. Wenn an diesem Tag die richtige

-

16

-

�richtige Entscheidung getroffen wird, wird auch klarwerden, daß
die Fortdauer der Spaltung Deutschlands und Europas sinnlos ist.
Ob und wann dieser Tag kommt, hängt weitgehend davon ab, wie
die freie Welt ihre Sache führt. Es ist nicht ein Ergebnis, das abzuwarten wäre, sondern ein Ergebnis, das geschaffen werden muß. Es hängt
davon ab, wie wir uns sowohl angesichts akuter Krisen als auch angesichts der Möglichkeiten verhalten, die uns die Grundströmungen
der Geschichte darbieten.
Das ist ohne Zweifel ein Auftrag für uns alle.

*

-

-X -X

*

17 -

*

�A M E R I K A

D I E N S T

KUBA-ERKLÄRUNG PRÄSIDENT KENNEDYS

Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache
des amerikanischen Präsidenten vom 22. Oktober 1962, in der er Maßnahmen zur Sperrung
militärisch offensiver Lieferungen nach Kuba
und zur Sicherung des Weltfriedens ankündigte.

�KUBA-ERKLÄRUNG PRÄSIDENT KENNEDYS

"Meine Regierung hat, wie angekündigt, den militärischen
Aufbau der Sowjets auf der Insel Kuba auf das genaueste überwacht. In der vergangenen Woche haben eindeutige Beweise die
Tatsache erhärtet, daß gegenwärtig eine Reihe offensiver Raketenabschußrampen auf dieser in eini Gefängnis-verwandelten Insel
vorbereitet wird. Der Zweck dieser Basen kann nur sein, eine
nukleare Angriffskapazität gegen die westliche Hemisphäre zu
schaffen.
Nachdem ich am vergangenen Dienstagmorgen um 9 Uhr die
ersten konkreten Informationen dieser Art erhielt, ordnete ich
die Intensivierung unserer Überwachung an. Da jetzt die Bestätigung vorliegt und die Auswertung der Beweiseund unsere
Entscheidung über einen Kurs des Handelns zum Abschluß gekommen
sind, fühlt sich meine Regierung verpflichtet, Ihnen über diese
neue Krise in allen Einzelheiten zu berichten.
Die Merkmale dieser neuen Raketenabschußrampen lassen zwei
deutlich unterscheidbare Typen von Anlagen erkennen. Einige von
ihnen umfassen ballistische Mittelstreckenraketen, die in der
Lage sind, einen nuklearen Sprengkopf über eine Entfernung von
über 1000 Seemeilen (l852 km) zu tragen. Jede dieser Raketen
ist, kurz gesagt, in der Lage, Washington, D.C., den PanamaKanal, Cape Canaveral, Mexico City oder jede andere Stadt im
Südosten der Vereinigten Staaten, in Mittelamerika oder im
karibischen Raum zu treffen.
Weitere

�Weitere, noch nicht fertiggestellte Anlagen scheinen für weiterreichende Mittelstreckenraketen bestimmt zu sein - deren Reichweite
mehr als doppelt so groß ist - und die damit in der Lage sind, die
meisten der großen Städte der westlichen Hemisphäre, von der w^it im
Norden liegenden Hudson-Bai in Kanada bis Lima weit im Süden in Peru,
zu erreichen. Darüber hinaus werden gegenwärtig auf Kuba Düsenbomber
ausgeladen und montiert, die in der Lage sind, Kernwaffen mitzuführen,
während gleichzeitig die notwendigen Luftstützpunkte angelegt werden.
Diese rasche Umwandlung Kubas in einen wichtigen strategischen
Stützpunkt - durch das Vorhandensein dieser großen, weitreichenden
und eindeutig offensiven Waffen der plötzlichen Massenvernichtung stellt eine ausdrückliche Bedrohung des Friedens und der Sicherheit
aller amerikanischen Staaten, und zwar in flagranter und bewußter Mißachtung des Hio-Paktes aus dem Jahre 1947» der Traditionen unserer
Nation und unserer Hemisphäre, der gemeinsamen Resolution des 87«
Kongresses (der USA), der Charta der Vereinten Nationen sowie meiner
eigenen öffentlichen Warnungen an die Sowjets vom 4» und 13. September
dar. Diese Handlung widerspricht auch den wiederholten Zusicherungen
sowjetischer Sprecher, die sowohl öffentlich als auch privat abgegeben
wurden, daß der Rüstungsaufbau in Kuba seinen ursprünglich defensiven
Charakter behalten werde, und daß die Sowjetunion es weder nötig habe
noch wünsche, strategische Raketen auf dem Territorium irgendeiner
anderen Nation zu stationieren.
Der Umfang dieses Unternehmens zeigt, daß es bereits vor einigen
Monaten geplant worden war. Aber noch im vergangenen Monat, nachdem
ich den Unterschied zwischen einer Einführung von Raketen mit Landabschußbasen für Landziele und dem Vorhandensein defensiver Flugzeugabwehrraketen klar gemacht hatte, hat die sowjetische Regierung öffentlich
am 11. September erklärt, daß- 'die nach Kuba gelieferten Waffen und
militärischen Ausrüstungen ausschließlich für defensive Zwecke bestimmt
sind', daß 'für die Sowjetunion keine Notwendigkeit besteht, eigene
Waffen ... für einen Vergeltungsschlag gegen irgendein anderes Land,...
zum Beispiel nach Kuba zu verlagern', und daß 'die Sowjetunion über
solche gewaltigen Trägerraketen für atomare Sprengköpfe verfügt, daß
keine Notwendigkeit besteht, sich nach Abschußbasen außerhalb der
Grenzen der Sowjetunion umzusehen'. Diese Erklärung war unwahr.
Noch am vergangenen Donnerstag, als sich die Beweise für diesen
rapiden offensiven Aufbau bereits in meiner Hand befanden, erklärte
mir der sowjetische Außenminister Gromyko, er sei von seiner Regierung
angewiesen worden, erneut klarzustellen - wie sie dies nach seinen
Worten bereits früher getan hätte -, daß die sowjetische Unterstützung
Kubas 'lediglich den Zweck verfolge,.zu der Verteidigungskapazität
Kubas beizutragen', daß 'die Ausbildung kubanischer Staatsbürger bei
der Handhabung defensiver Waffen durch sowjetische Spezialisten in
keiner Weise offensiv sei' und daß, 'wäre dies anders, die sowjetische
Regierung sich niemals auf die Gewährung solcher Unterstützung einlassen würde'. Diese Erklärung war ebenfalls unwahr.
Weder die Vereinigten Staaten von Amerika noch die Weltgemeinschaft
der Nationen können eine bewußte Täuschung und offensive Drohungen von
seiten irgendeiner Nation - sei sie nun groß oder klein - dulden. Wir

- 2 -

�Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der nur das tatsächliche Abfeuern
von Waffen eine solche Bedrohung für die Sicherheit einer Nation darstellt, daß ein Höchstmaß der Gefahr gegeben ist. Nukleare Waffen haben
eine derartige Zerstörungskraft und ballistische Raketen sind derart
schnell, daß jede wesentlich gesteigerte Möglichkeit ihres Einsatzes
oder jede plötzliche Veränderung ihrer standortmäßigen Aufstellung sehr
wohl als eine definitive Bedrohung des Friedens angesehen werden kann.
Viele Jahre lang haben beide, die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten, diese Tatsache anerkannt und die standortmäßige Verteilung
von strategischen Kernwaffen mit großer Vorsicht gehandhabt, damit
niemals der prekäre Status quo gestört würde, der sicherstellte, daß
diese Waffen nur im Falle einer lebensentscheidenden Herausforderung
eingesetzt werden würden. Unsere eigenen strategischen Raketen sind
niemals unter dem Deckmantel der Geheimhaltung und Täuschung in das
Gebiet irgendeines anderen Landes gebracht worden; und unsere Geschichte
im Gegensatz zu der sowjetischen nach dem zweiten Weltkriege - zeigt,
daß wir nicht danach streben, irgendein anderes Land zu beherrschen
oder zu erobern, oder seiner Bevölkerung unser System aufzuzwingen.
Dennoch haben sich die Amerikaner daran gewöhnt, Tag für Tag im Mittelpunkt der Zielscheibe sowjetischer Raketen zu leben, die in der
Sowjetunion oder auf Unterseebooten stationiert sind. In dieser Hinsicht verschärfen Raketen auf Kuba lediglich eine bereits eindeutige
und vorhandene Gefahr - allerdings waren die lateinamerikanischen
Länder, das sollte betont werden, niemals zuvor einer potentiellen
nuklearen Bedrohung ausgesetzt.
Aber dieser geheime, rasche und außergewöhnliche Aufbau
kommunistischer Raketen - in einem Gebiet9 das dafür bekannt ist,
eine besondere und historische Beziehung zu den Vereinigten Staaten
und den Nationen der westlichen Hemisphäre zu haben -, und zwar unter
Verletzung sowjetischer Zusicherungen und unter Mißachtung der
amerikanischen Politik und der Politik der westlichen Hemisphäre diese plötzliche, insgeheim getroffene Entscheidung, zum erstenmal
strategische Waffen außerhalb des sowjetischen Territoriums zu
stationieren -, ist eine bewußte, provokatorische und ungerechtfertigte
Änderung des Status quo, die von den Vereinigten Staaten nicht akzeptiert werden kann, wenn sowohl Freund als auch Feind jemals noch an
unseren Mut und an unsere Zusagen glauben sollen.
Die dreißiger Jahre haben uns eine deutliche Lehre erteiltl
Aggresives Verhalten führt, wenn man ihm freien Lauf laßt und keinen
Einhalt gebietet, letztlich zum Kriege. Unsere Nation ist gegen den
Krieg. Und wir stehen auch zu unserem Wort. Unser festes Ziel muß es
daher sein, zu verhindern, daß diese Raketen gegen unser oder gegen
irgendein anderes Land benutzt werden, und ihre Entfernung oder Beseitigung aus der westlichen Hemisphäre sicherzustellen.
Unsere Politik war eine Politik der Geduld und der Zurückhaltung,
wie sich dies für eine friedliche und mächtige Nation, die an der
Spitze einer weltweiten Allianz steht, geziemt. Wir waren entschlossen,
uns von unseren zentralen Anliegen nicht durch bloße Scharfmacher oder
Fanatiker abbringen zu lassen. Aber nunmehr sind weitere Maßnahmen

�Maßnahmen notwendig geworden - und sie sind angelaufen. Und diese
Maßnahmen sind vielleicht nur der Anfang. Wir werden nicht voreilig
oder unnötigerweise die Polgen eines weltweiten Atomkrieges riskieren,
bei dem seihst die Früchte des Sieges nur Asche auf unseren Lippen
wären - aber wir werden auch niemals und zu keiner Zeit vor diesem
Risiko zurückschrecken, wenn wir uns ihm stellen müssen.
Ich habe daher im Interesse der Verteidigung unserer eigenen
Sicherheit und der der gesamten westlichen Hemisphäre sowie im
Rahmen der Vollmacht, mit der ich durch die Verfassung betraut und
die durch die Resolution des Kongresses bekräftigt wurde, handelnd
angeordnet, daß die folgenden ersten Schritte sofort ergriffen
werdenl
1 . Um diesem offensiven Rüstungsaufbau Einhalt zu gebieten, wird
eine strikte Sperre für alle offensiven militärischen Ausrüstungen, die auf dem Seewege nach Kuba gebracht werden, eingeführt.
Alle für Kuba bestimmten Schiffe, gleichgültig, welcher Nationalität sie sind oder von welchem Hafen sie kommen, werden, falls
festgestellt wird, daß sie als Fracht Offensivwaffen an Bord
haben, abgewiesen werden. Diese Sperre wird, falls erforderlich,
auch auf andere Arten von Frachten und Trägern ausgedehnt werden.
Dagegen unterbinden wir dieses Mal den Transport lebensnotwendiger
Dinge nicht, wie dies die Sowjets 1948 in ihrer Berlin-Blockade
versuchten.
2. Ich habe die ständige und immer genauere Überwachung Kubas
und seines militärischen Aufbaus angeordnet. Die Außenminister
der Organisation der Amerikanischen Staaten haben in ihrem
Kommunique* vom 6. Oktober jede Geheimhaltung in solchen Dingen
auf der westlichen Hemisphäre abgelehnt. Sollten diese offensiven
militärischen Vorbereitungen andauern und sich damit die Bedrohung
der Hemisphäre steigern, so werden weitere Maßnahmen gerechtfertigt
sein. Ich habe die amerikanischen Streitkräfte angewiesen, sich
auf alle Eventualitäten vorzubereiten; und ich bin überzeugt, daß
- sowohl im Interesse des kubanischen Volkes wie auch der sowjetischen Techniker auf diesen Stützpunkten - die Risiken erkannt
werden, die für alle Beteiligten in der Fortsetzung dieser Bedrohung liegen.
3. Es wird die Politik unseres Landes sein, jeden Abschuß einer
Atomrakete von Kuba aus gegen irgendeine Nation der westlichen
Hemisphäre als einen Angriff der Sowjetunion auf die Vereinigten
Staaten anzusehen, der einen umfassenden Vergeltungsschlag gegen
die Sowjetunion erfordert.
4. Als notwendige militärische Vorsichtsmaßnahme habe ich unseren
Stützpunkt Guantanamo verstärkt, die Familienangehörigen unseres
dortigen Personals heute evakuieren lassen und angeordnet, daß
zusätzliche militärische Einheiten in Alarmbereitschaft stehen.
5. Wir beantragen heute abend eine sofortige Konferenz des Konsultationsorgans der Organisation der Amerikanischen Staaten, das
sich mit dieser Bedrohung der Sicherheit der westlichen Hemisphäre

�Hemisphäre befassen und die Artikel 6 und 8 des Rio-Paktes
zur Unterstützung aller notwendigen Maßnahmen zur Anwendung
bringen soll. Die Charta der Vereinten Nationen gestattet
regionale Sicherheitsvorkehrungen - und die Nationen der
westlichen Hemisphäre haben sich bereits vor langer Zeit
gegen die militärische Anwesenheit fremder Mächte entschieden»
Unsere anderen Alliierten in der Welt sind ebenfalls zur
Wachsamkeit aufgerufen worden.
6. Gemäß der Charta der Vereinten Nationen beantragen wir
heute nuacht die unverzügliche Einberufung einer Sondersitzung
des Weltsicherheitsrates, um Maßnahmen gegen diese jüngste
sowjetische Bedrohung des Weltfriedens zu treffen. Unsere
Resolution wird die sofortige Demontage und Entfernung aller
Offensivwaffen auf Kuba unter Überwachung durch UN-Beobachter
fordern, bevor die Sperre aufgehoben werden kann.
7. und letztens« Ich appelliere an Ministerpräsident Chrusch-r
tschow, diese heimliche, unbesonnene und provokatorische Bedrohung des Weltfriedens und der stabilen Beziehungen zwischen
unseren beiden Ländern zu beenden. Ich appelliere ferner an ihn,
dieses Streben nach Weltherrschaft aufzugeben und sich an einem
historischen Bemühen zu beteiligen, das gefährliche Wettrüsten
zu beenden und die Geschichte der Menschheit zu wandeln. Er hat
jetzt eine Gelegenheit, die Welt vor dem Abgrund der Vernichtung
zu bewahren - indem er sich auf die Worte seiner eigenen Regierung besinnt, daß für sie keine Notwendigkeit für die Stationierung von Raketen außerhalb des eigenen Territoriums besteht,
und diese Waffen aus Kuba abzieht; indem er sich jeder Maßnahme
enthält, die die derzeitige Krise ausweitenjoder verschärfen
würde; und schließlich, indem er sich an der Suche nach friedlichen und dauerhaften Lösungen beteiligt.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Standpunkt gegenüber dieser sowjetischen Bedrohung des Friedens sowie ihre eigenen
Vorschläge für eine friedliche Welt zu jedem Zeitpunkt und vor
jedem Forum - vor der Organisation der Amerikanischen Staaten, vor
den Vereinten Nationen oder auf jeder anderen Konferenz, wo sich
dies als nützlich erweisen könnte - darzulegen, ohne ihre Handlungsfreiheit einzuschränken. Wir haben in der Vergangenheit energische
Bemühungen unternommen, um die Ausbreitung der Kernwaffen zu begrenzen. Wir haben die Beseitigung aller Waffen und militärischen Stützpunkte im Rahmen eines fairen und wirklichen Abrüstungsvertrages
vorgeschlagen. Wir sind bereit, neue Vorschläge für die Beseitigung
der Spannungen auf beiden Seiten zu erörtern - dies schließt auch die
Möglichkeiten für ein wirklich unabhängiges Kuba ein, das frei über
sein eigenes Schicksal bestimmen kann. Wir wünschen keinen Krieg mit
der Sowjetunion - denn wir sind ein friedliches Volk, das mit allen
anderen Völkern in Frieden leben will.
Es ist jedoch schwierig, diese Probleme in einer Atmosphäre
der Einschüchterung zu regeln oder auch nur zu erörtern. Aus

5 -

�Aus diesem Grunde muß und wird dieser jüngsten sowjetischen Drohung
- oder jeder anderen Drohung, die entweder unabhängig von unseren
Maßnahmen oder als Antwort darauf in dieser Woche ausgesprochen
wird - mit Entschlossenheit entgegengetreten werden. Jedem feindseligen Vorgehen irgendwo in der Welt gegen die Sicherheit und die
Freiheit von Völkern, denen gegenüber wir Verpflichtungen eingegangen sind - einschließlich insbesondere der tapferen Menschen
in West-Berlin - wird mit allen erforderlichen Maßnahmen begegnet
werden.
Zum Schluß möchte ich einige Worte an das unterdrückte kubanische Volk richten, an das diese Rede durch besondere Sendeanlagen
direkt übertragen wirdt Ich spreche zu Ihnen als Freund, als einer,
der Ihre starken Bindungen an Ihr Vaterland kennt, als ein Mensch,
der Ihr Streben nach Freiheit und Gerechtigkeit für alle teilt.
Und ich habe mit tiefer Sorge verfolgt, wie Ihre nationale Revolution
verraten wurde - und wie Ihr Vaterland unter fremde Herrschaft
geriet. Ihre Führer sind heute keine kubanischen Führer mehr, die
durch kubanische Ideale angespornt werden. Es sind Marionetten und
Agenten einer internationalen Verschwörung, die Kuba gegen Ihre
Freunde und Nachbarn in den amerikanischen Republiken gestellt und
es zum ersten lateinamerikanischen Land gemacht haben, das zum Ziel
eines Atomkrieges werden könnte - zum ersten lateinamerikanischen
Land, das diese Waffen auf seinem Territorium hat.
Diese neuen Waffen dienen nicht Ihrem Interesse. Sie tragen
in keiner Weise zu Ihrem Frieden und Wohlergehen bei. Sie können
ihn nur untergraben. Die Vereinigten Staaten möchten Ihnen kein
Leid zufügen oder Ihnen irgendein System aufzwingen. Wir wissen,
daß Ihr Leben und Land von denen als Faustpfand benutzt werden,
die Ihnen die Freiheit verwehren.
Das kubanische Volk hat sich in der Vergangenheit oftmals erhoben, um Tyrannen zu vertreiben, die seine Freiheit zerstörten.
Und ich zweifle nicht daran, daß die meisten Kubaner heute auf die
Zeit warten, da sie wirklich frei sein werden - frei von ausländischer
Herrschaft} frei, sich ihre eigenen Führer zu wählen; frei, sich
ihr eigenes System auszusuchen; frei, ihr eigenes Land besitzen
zu dürfen; frei, ohne Furcht vor Erniedrigung reden, schreiben und
ihre Religion ausüben zu können. Und dann wird auch Kuba wieder in
der Gemeinschaft der freien Nationen und den Vereinigungen dieser
Hemisphäre willkommen sein.
Meine Mitbürger, es soll niemand daran zweifeln, daß es ein
schwieriges und gefährliches Unterfangen ist, das wir begonnen
haben. Niemand kann genau voraussehen, welchen Verlauf es nehmen
oder welche Kosten und Verluste es mit sich bringen wird. Viele
Monate der Aufopferung und Selbstdisziplin liegen vor uns - Monate,
in denen sowohl unser Wille als auch unsere Geduld auf die Probe
gestellt werden wird - Monate, in denen zahlreiche Drohungen und
Anklagen uns die Gefahr, in der wir sind, vor Augen halten werden.
Aber die größte aller Gefahren wäre, nichts zu tun.
Der

- 6-

�Der Weg, den wir jetzt gewählt haben, ist voller Risiken wie
alle Wege - aber es ist der, der unserem Charakter und unserem
Mut als Nation sowie unseren Verpflichtungen überall in der Welt
am meisten entspricht. Der Preis der Freiheit ist stets hoch, aber
wir Amerikaner haben ihn immer entrichtet - und ein Weg, den wir
niemals wählen werden, ist der Weg der Kapitulation oder der
Unterwerfung.
Unser Ziel ist nicht der Sieg der Macht, sondern die Aufrechterhaltung des Rechts - nicht Frieden auf Kosten der Freiheit, sondern beidess Frieden und Freiheit hier in unserer Hemisphäre und
- wie wir hoffen - überall in der Welt. So Gott will, werden wir
dieses Ziel erreichen."
* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi
DIE AMERIKANISCHE ANSICHT
ÜBER DIE EUROPÄISCHE WIRTSCHAFTSGEMEINSCHAFT

Ansprache
Sr. Exzellenz, des Gesandten Brewster H. Morris,

gehalten am 6. November 1962 vor der Handelskammer Bremen

�DIE AMERIKANISCHE ANSICHT
ÜBER DIE EUROPÄISCHE WIRTSCHAFTSGEMEINSCHAFT

Diese Stadt hat eine große und stolze Geschichte als
bedeutendes Handels- und Wirtschaftszentrum in Nordwesteuropa.
Sie ist zu Recht berühmt wegen ihrer Weltoffenheit und der
engen Bindungen, die sie mit der Außenwelt einschließlich
der Vereinigten Staaten verknüpfen. Sie hat immer eine besonders wichtige Rolle im Oberseeverkehr zwischen meinem Land
und Deutschland gespielt. Somit ist die Frage der Beziehungen
zwischen den Vereinigten Staaten und der in zügiger Entwicklung
befindlichen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft für diese
alte Hansestadt von besonderem Belang. Gerne nehme ich deshalb
die Gelegenheit wahr, heute mittag mit Ihnen zusammenzusein.
Ich WÜJ. versuchen, in Umrissen die amerikanische Ansicht über
die neue Gemeinschaft zu skizzieren, die bereits so verheißungsvolle Auswirkungen zeitigt - nicht nur im alten Europa und der
so viel jüngeren Atlantischen Gemeinschaft, sondern auch im
Hinblick auf das gegenwärtige Kräfteverhältnis in dieser
schwierigen Weltsituation, in der wir uns befinden.
Lassen Sie mich damit beginnen, daß ich Ihnen zunächst
einmal bestätige, was Sie schon wissen: Die Vereinigten
Staaten haben unter beiden Präsidenten, die seit der Gründung
der EWG amtierten, die Entstehung dieser Gemeinschaft begrüßt;
sie haben sie von Anbeginn unterstützt, und sie bestärken
und ermutigen nach wie vor beständig jene Kräfte in Europa,
die sich für die Integration und die Einigung einsetzen. Tatsächlich haben die Vereinigten Staaten, wie ich noch im
einzelnen darlegen werde, jetzt das in seiner Tragweite bedeutendste Zollgesetz ihrer Geschichte verabschiedet, und
zwar mit dem ausdrücklichen Ziel, im Zusammenwirken mit der
EWG einen neuen Feldzug zur Beseitigung unnötiger Schranken
im internationalen Handelsverkehr zu führen.
Das

- 1

�Das amerikanische Interesse an der Einigung Europas regte sich
schon fast ein Jahrhundert vor der Unterzeichnung des Vertrages von
Rom. Dieses Interesse geht zurück auf den Marshallplan, der den unmittelbaren Anstoß gab zur Bildung der OEEC - des Europäischen
Wirtschaftsrats. Die OEEC war tatsächlich die Keimzelle der wirtschaftlichen Integration Europas in der Nachkriegszeit, da sie der Erkenntnis
zum Durchbruch verhalf, daß eine enge und engmaschige wirtschaftliche
Zusammenarbeit zwischen den Ländern Europas möglich sei.
Die ursprünglich für die Verteilung der amerikanischen Wirtschaftshilfe unter die Teilnehmerstaaten gegründete OEEC bewies, welche großen
Vorteile durch Zusammenarbeit und Beseitigung der Handelsschranken zu
gewinnen waren. Binnen weniger Jahre verstärkte sich jedoch das Gefühl,
daß wirtschaftliche Zusammenarbeit noch nicht genüge, daß vielmehr
eine wirkliche Integration notwendig sei. Der erste wichtige Schritt
in dieser Richtung war im Jahre 1952 die Errichtung der Europäischen
Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Entstanden mit der wirtschaftlichen
Zielsetzung, einen gemeinsamen Markt für Kohle und Stahl zu schaffen,
verfolgte diese Montanunion offensichtlich zugleich das politische
Ziel, die Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland durch Zusammenfassung ihrer Kohle- und Stahlindustrien in einem gemeinsamen
europäischen Pool weiter voranzutreiben. Dann wurden 1958 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft und als stärker spezialisiertes Seitenstück die Euratom-Organisation gegründet.
Die Vereinigten Staaten haben alle diese Initiativen zugunsten
der europäischen Integration nachdrücklich und tatkräftig gefördert.
Dies geschah sowohl im Rahmen ihrer diplomatischen Beziehungen zu den
betreffenden Ländern und in ihren Beziehungen zu den Zentralorganen
dieser Institutionen als auch im internationalen Kreise beispielsweise
der GATT-Länder, wo die Probleme zur Sprache kamen, die sich für die
nicht angeschlossenen Staaten ergaben. Die USA verhielten sich so,
obwohl ihr eigener Handel in der Folge zeitweise unter Benachteiligungen zu leiden hatte. Natürlich hatten die Vereinigten Staaten gute
Gründe für die von ihnen verfolgte Politik - Gründe, die ich Ihnen
gleich erläutern möchte.
Zwar stellt die EffG wesentlich mehr dar als einen Wirtschaftskörper, doch will ich zuerst ihre wichtigsten ökonomischen Aspekte
hervorheben. Ihre Bevölkerungszahl ist mit etwa 170 Millionen fast
ebenso groß wie die der Vereinigten Staaten. Ihr Bruttosozialprodukt
erreicht zwar nicht einmal die Hälfte der amerikanischen Ziffer,
doch ist es in den letzten vier Jahren fast doppelt so rasch gewachsen wie das unsrige. An elektrischer Energie erzeugt die EWG
nur etwa ein Drittel des Produktionsvolumens der Vereinigten Staaten,
und dasselbe gilt für die Kraftfahrzeugproduktion. Im Außenhandel
ist die EWG jedoch mit Jahresausfuhren im Werte von rund 18 Milliarden Dollar und etwa ebenso großen Einfuhren den USA bereits ebenbürtig.
Der interessanteste wirtschaftliche Aspekt der EWG ist jedoch
ihre bemerkenswerte Dynamik. Ich habe bereits erwähnt, daß sie eine
fast doppelt so große wirtschaftliche Zuwachsrate erzielte wie Amerika.
Überdies wächst auch der Handel der EWG-Länder mit den Drittländern
schneller als der Welthandel im allgemeinen, und der Handel der EWGLänder untereinander hat sogar noch rascher zugenommen.
Die
- 2 -

�Die hohe gesamtwirtschaftliche Zuwachsrate wurde angereizt durch
den Abbau der Binnenhandelsschranken, durch die Aussicht auf die letzten Endes völlige Beseitigung dieser Schranken sowie durch den Einsatz
umfangreicher Investitionsmittel, die innerhalb der EWG mobilisiert
oder von außen angezogen wurden durch die Schaffung eines Massenmarktes
wirklich kontinentalen Ausmaßes. Diese dynamische Wirtschaft ist ihrerseits zu einem großen potentiellen Absatzmarkt für die Erzeugnisse der
Vereinigten Staaten und anderer Drittländer geworden. Wir alle wissen,
daß wohlhabende Leute bessere Kunden sind als arme Schlucker. Und gerade' von diesem Entwicklungsaspekt des Gemeinsamen Marktes versprechen
sich die Vereinigten Staaten einen Ausgleich für die Benachteiligungen,
die sich für ihren Handel notwendigerweise aus der Errichtung der EWG
ergaben. Daß die Exporte der USA in die EWG-Länder inzwischen kräftig
anstiegen - und zwar um rund 40 Prozent in den letzten vier Jahren -,
beweist die Richtigkeit dieser Analyse.
Das hohe Niveau des materiellen Wohlstands, das Europa neuerdings
erreicht hat, macht es somit auch zu einem besseren
Markt für amerikanische Waren. Gleichzeitig bringt der Prozeß, der die hohe Zuwachsrate der EWG herbeiführte, automatisch und zwangsläufig einen grundsätzlichen wirtschaftlichen Vorteil mit sich. Ich denke dabei natürlich
an die verbesserte internationale Arbeitsteilung, die eine der Konsequenzen der Liberalisierung des Handels ist. Wir alle haben während
unseres Volkswirtschaftsstudiums an der Universität gelernt, daß
Handelsschranken deshalb eine Verschwendung bedeuten, weil sie eine
maximale Nutzung der Hilfsquellen verhindern. Die Kehrseite dieser
Medaille ist jedoch, daß die Beseitigung der Handelsschranken den
wirksameren Einsatz von Rohstoffen und anderen wirtschaftlichen
Hilfsquellen erleichtert. Und wenn dies in einem Rahmen wie dem der
EWG erfolgt, kommt es zu einem Durchbruch in Richtung auf die Massenproduktion und den Massenverbrauch, die großen wirtschaftlichen Vorzüge der modernen Welt. Die EWG liefert erneut einen schlagenden Beweis
für diese Wahrheiten, die in den Vereinigten Staaten bereits seit
Jahrzehnten beispielhaft demonstriert werden.
Die wirtschaftliche Vitalität des Gemeinsamen Marktes zeitigt
außerdem Wirkungen, die über rein handeis- und wirtschaftspolitische
Erwägungen weit hinausreichen. Die EWG schafft die Basis für eine
echte politische Stabilität, jene Art von Stabilität, die aus der
Befriedigung berechtigter und vernünftiger wirtschaftlicher Wünsche
und Hoffnungen resultiert, im Gegensatz zu der künstlichen Stabilität
einer Zwangswirtschaft. Sie schafft die Basis für eine dauerhafte
Verbesserung der sozialen Verhältnisse - sowohl für einen verbesserten Standard der Erziehung und der öffentlichen Wohlfahrt als auch
für ein Ansteigen des privaten Verbrauchs. Einige Manifestationen
dieses neuen Überflusses können durchaus auch unangenehme Seiten
haben - die aus der Motorisierung resultierenden Verkehrsprobleme
sind ein Beispiel dafür -, aber die Tatsache bleibt doch bestehen,
daß Menschen, die in zufriedenstellenden wirtschaftlichen Verhältnissen leben und mit weiteren Verbesserungen rechnen können, sich
in einer Geistes- und Gemütsverfassung befinden, bei der freie politische Institutionen am ehesten gedeihen. Die Vereinigten Staaten
sehen in der EWG einen neuen Impuls für eine umfassendere und tiefere
Würdigung der praktischen Werte einer freien Gesellschaft. Dies also
ist ein politisch-wirtschaftlicher Vorteil, der dem Erfolg der EWG

- 3

�EWG entspringt - ein Vorteil gleichermaßen für alle innerhalt) oder
außerhalb des Gemeinsamen Marktes.
Aus dem Erfolg der EWG ergeben sich aber noch andere politischwirtschaftliche Vorteile. Einer davon betrifft die militärische
Sicherheit, eine bittere Notwendigkeit in dieser Welt, in der wir
leben. Heutzutage wurzelt die militärische Sicherheit genauso in der
wirtschaftlichen Stärke, im technischen Fortschritt und im industriellen Potential wie in den Eigenschaften der Bevölkerung eines Landes.
Alle diese Qualitäten besitzt die EWG im Überfluß, und die "Sechs
Länder" sind - wie Premierminister Macmillan kürzlich zur Rechtfertigung seiner Politik für die Eingliederung Großbritanniens in den Gemeinsamen Markt sagte - auf dem besten Wege, eine dritte "Supermacht"
zu werden. Die Vereinigten Staaten haben in voller Erkenntnis der
Bedeutung dieser Entwicklung diese mächtige Bewegung in Richtung auf
die europäische Integration gefördert. Wir wollten ein vereinigtes
und starkes Europa, das in der Lage ist, als gleichberechtigter
Partner an der Verwirklichung unserer gemeinsamen Ziele mitzuwirken als gleichberechtigter Partner, der sich den fundamentalen Werten
und Bestrebungen verpflichtet fühlt, die uns beiden gemeinsam am
Herzen liegen.
Der andere große politisch-wirtschaftliche Vorteil des Erfolges
der EWG besteht in dem neuen Potential, das sich hier für die Unterstützung der weniger vom Glück begünstigten Nationen bietet, damit
diesen geholfen wird, jenes Niveau wirtschaftlicher und politischer
Stärke zu erreichen, das ihnen Selbstachtung und Unabhängigkeit verleiht. Wir anerkennen, daß die Länder der EWG bereits viel auf diesem
Gebiet getan haben, und wir sind uns auch der zahlreichen Schwierigkeiten bewußt, die sich bei der Durchführung von Auslandshilfeprogrammen zugunsten der jungen Nationen ergeben, wo häufig unter äußerst
ungünstigen Bedingungen die grundlegenden Voraussetzungen für eine
wirtschaftliche Entwicklung erst geschaffen werden müssen. Gleichzeitig wissen wir aber auch - und die Europäer dürften unsere Ansicht
teilen -, daß die reichen Nationen die Bedürfnisse der armen nicht
länger ignorieren dürfen, sondern zusammenarbeiten müssen, um ihnen
bei der Hebung ihres materiellen Lebensstandards zu helfen. Mit den
neuen wirtschaftlichen Kapazitäten, die die EWG entwickelt hat,
sollte diese imstande sein, einen wachsenden Anteil der gemeinsamen
Verantwortung gegenüber unseren weniger glücklichen Nachbarn zu übernehmen. Der EWG sollte dies sogar ohne fühlbare Rückwirkungen auf
ihren eigenen Lebensstandard möglich sein.
Jede Darstellung der Vorteile der EWG - die, wie wir gesehen
haben, nicht notwendigerweise auf die Gemeinschaft selbst beschränkt
bleiben, sondern auch Außenstehenden großen Nutzen bringen - muß
zwangsläufig mit der Nennung eines anderen großen Vorteils abschließen.
Dies ist die Tatsache - die für die großen Männer, welche in gemeinsamem Bemühen die EWG geschaffen haben, an erster Stelle stand -, daß
durch die wirtschaftliche Integration Europas und die ebenfalls unternommenen Schritte zu einer politischen Integration bewaffnete Konflikte
zwischen den einzelnen Mitgliedern unmöglich gemacht werden.
Dies

- 4-

�Dies sind also die wesentlichen Vorteile, die sich in amerikanischer Sicht aus der EWG und der europäischen Integrationsbewegung ergeben. Ihre Bedeutung kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Sie
haben das Gesicht Europas und der westlichen Welt wahrlich verändert.
Und wenn das einigen von Ihnen immer noch nicht ganz einleuchten
sollte, so möchte ich mich eines ganz primitiven Arguments bedienen:
Die EWG ist von den Kräften des Weltkommunismus und von Herrn Chruschtschow scharf angegriffen worden. Schon allein deshalb muß es sich um
eine gute Sache handeln. Das ist ein "Beweis", der selbst den verstocktesten Skeptiker überzeugen müßte.
Jetzt, da der Gemeinsame Markt bereits fünf Jahre besteht, berührt
es einen seltsam, wenn man sich noch einmal die Tage seiner Gründung
ins Gedächtnis ruft. Den europäischen Industriellen war damals allenthalben an einer Veränderung wenig gelegen. Die meisten hatten sich
den ersten Vorschlägen für ein vereintes Europa widersetzt, und sie
blieben auch skeptisch, als die Idee des Gemeinsamen Marktes geboren
wurde. Viele andere, die diese Konzeption befürworteten, hegten ehrliche Zweifel, ob er wirklich funktionsfähig gemacht werden könnte waren doch schon weit weniger ehrgeizige Versuche einer internationalen Zusammenarbeit fehlgeschlagen. Wichtiger noch war für die außenstehenden Lä.nder die Frage, in welcher Weise der Gemeinsame Merkt
arbeiten, nach welchen Richtlinien er sich entwickeln würde. Es war
offensichtlich nicht einerlei, ob der Gemeinsame Markt die Autarkie
anstrebte oder in Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der übrigen
Welt den Blick nach außen richtete.
Wie wir heute wissen, hat die EWG bisher jene liberale Politik
betrieben, die ihren Schöpfern vorschwebte und die die Vereinigten
Staaten von ihr erhofft und erwartet hatten. Dies zeigte sich auch
1960/61 bei den Genfer Zollverhandlungen im GATT-Rahmen, als die EWG
ihre gemeinsamen Außenzölle in Erwartung entsprechender Zollsenkungen
der Vereinigten Staaten und anderer Drittländer um 20 Prozent ermäßigte.
Aufgrund ebensolcher Verhandlungen werden die EWG und ihre Handelspartner die künftigen Vereinbarungen treffen, die den Warenverkehr
über die jeweiligen Grenzen hinweg regeln werden. Um derartige Verhandlungen wirksam führen zu können, verlangte und erhielt Präsident
Kennedy in Gestalt des am 11. Oktober 1962 in Kraft getretenen Gesetzes
über die Ausweitung des Außenhandels die größten Vollmachten für die
Senkung oder Aufhebung von Zöllen, mit denen jemals ein amerikanischer
Präsident ausgestattet war.
Diese beispiellosen Vollmachten wurden dem Präsidenten im Hinblick
auf die beispiellosen Aufgaben und Probleme erteilt, mit denen uns der
Gemeinsame Markt konfrontiert. Zum ersten Male in ihrer Geschichte
haben es die Vereinigten Staaten im Gemeinsamen Markt mit einem Handelspartner zu tun, der viele ihrer eigenen Merkmale aufweist; eine hochindustrialisierte Wirtschaft, eine große, wohlversorgte Bevölkerung
und einen ^arkt, der in vielen Dingen dem der Vereinigten Staaten
gleicht. Ich darf Ihnen hier kurz andeuten, wie wir das neue Außenhandelsgesetz "zum beiderseitigen Nutzen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft -und der Vereinigten Staaten zu handhaben beabsichtigen.

Die

�Die dem Präsidenten übertragenen Vollmachten sind auf eine
bestimmte Art von Problemen zugeschnitten, die wir jetzt beide gemeinsam haben. Die Handelswelt ist in einem tiefgreifenden Wandel begriffen.
Die in Aussicht genommene EWG-Mitgliedschaft Großbritanniens wird hoffentlich schon in kurzer Zeit - dahin führen, daß sich 90 Prozent
der industriellen Produktion der freien Welt und 90 Prozent ihres
Handels mit Industriegütern auf zwei große gemeinsame Märkte konzentrieren; die Vereinigten Staaten und die erweiterte Europäische
Wirtschaftsgemeinschaft.
Wenn diese beiden gemeinsamen Märkte miteinander verhandeln,
werden sie erstmals auf nahezu gleicher Basis miteinander verkehren.
In bezug auf die Bevölkerung, die Wirtschaftskraft, den Stand der
allgemeinen technischen Entwicklung und der Produktionstechnik liegen
die USA und die EWG nicht weit auseinander. Unsere jeweiligen Außenzölle werden im allgemeinen dieselbe Durchschnittshöhe haben; bei
manchen Waren werden die EWG-Zölle über den Sätzen der USA liegen,
bei anderen Waren wird es umgekehrt sein. Durch gemeinsame Verhandlungen sollten wir imstande sein, uns gegenseitig den Zutritt zu unseren jeweiligen Märkten auf einer Basis zu erleichtern, die für beide
Parteien gleich günstig ist.
Angesichts der beherrschenden Stellung, die die Vereinigten
Staaten und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft zusammen im Welthandel einnehmen, haben sie gleichzeitig eine besondere Verantwortung
gegenüber Dritten zu tragen. Stärke und ^acht bringen für diejenigen,
die sie besitzen, besondere Verpflichtungen mit sich. Im Zuge von
Verhandlungen im GATT-Rahmen und durch fühlbare Zollsenkungen auf der
Grundlage der Meistbegünstigung können diese beiden großen gemeinsamen
Märkte die Schwierigkeiten und Befürchtungen aller übrigen Länder der
freien Welt auf ein überschaubares und erträgliches Maß vermindern.
Dies setzt natürlich voraus, daß dritte Lä.nder ebenfalls ihren Beitrag
leisten, indem sie sich zu gegenseitigen Zugeständnissen bereit finden.
Die Hauptvollmacht, die dem Präsidenten durch das Gesetz über die
Ausweitung des Außenhandels übertragen worden ist, gibt ihm die Befugnis,
bei Zollverhandlungen eine Senkung der amerikanischen Zölle um bis zu
50 Prozent zu vereinbaren. Das Gesetz schließt ferner eine Sondervollmacht ein, die es dem Präsidenten gestattet, die Zölle in Verhandlungen
mit der EWG bei einer beschränkten Zahl von Positionen - bei Waren,
die vornehmlich von den USA oder der EWG geliefert werden - um bis zu
100 Prozent zu senken.
Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, daß kein Anlaß zu der
Befürchtung besteht, die Sondervollmacht des Präsidenten diene dem
Zweck, den gemeinsamen Außenzoll zu durchlöchern, der der EWG Gestalt
und'Zusammenhait verleiht. Waren auf die Freiliste zu setzen, wäre
für'die EWG nicht gleichbedeutend mit der Preisgabe des gemeinsamen
Außenzolls. Beide Partner haben bereits eine Reihe von Industrieprodukten auf ihre Freilisten gesetzt. Die Vereinigten Staaten erheben
gegenwärtig keinen Zoll auf Schreibmaschinen, Zeitungspapier, Düngemittel und eine Reihe von Maschinen. Der EWG-Außenzoll für Synthesekautschuk, verschiedene Papierstoffe und Papiererzeugnisse, Schiffe
bestimmter Gattungen und Größen sowie Schmuckwaren wird gleich Null
sein, und für Flugzeuge wurde er bereits ausgesetzt.
Gibt

�Gibt es irgendeinen Grund, der der Erweiterung dieser Liste
entgegensteht? Der Gemeinsame Markt hat doch inzwischen das Stadium
erreicht, wo für seine Gestalt und Integrität andere Elemente als
der gemeinsame Außenzolltarif ausschlaggebend sind. Die Wirtschaftsgemeinschaft verfügt über eine ganze Reihe von gut durchgebildeten
Institutionen, und der Zusammenhalt wird letzten Endes davon abhängen, inwieweit es gelingt, das gemeinsame Handeln auf immer weitere
Bereiche der Politik auszudehnen.
Noch eine weitere Befürchtung, die an das neue Außenhandelsgesetz geknüpft wird, dürfte unsere Aufmerksamkeit verdienen. Der Präsident beabsichtigt seine Vollmachten nicht zu benutzen, um auf die
Bildung einer Zollunion oder einer Freihandelszone mit dem Gemeinsamen
Markt hinzuarbeiten. Er schlägt auch keinerlei Exklusiv-Handelsabkommen
mit der EWG vor; jedwede Vereinbarung, die wir treffen, muß auf dem
Meistbegünstigungsprinzip beruhen. In Aussicht genommen ist vielmehr,
daß die Vereinigten Staaten in Übereinstimmung mit der EWG die Liberalisierung des Handels unter solchen Bedingungen vorantreiben, daß ihre
Vorteile allen Ländern zugute kommen.
Lassen Sie mich zum Schluß noch einmal aussprechen, daß wir
Amerikaner in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft wesentlich mehr
sehen als lediglich eine wirtschaftliche Institution. Wir haben als
selbstverständlich vorausgesetzt, daß die EWG ihren Blick nach außen
wendet, daß sie der Versuchung widersteht, einen Handelsblock zu
bilden, der sich dem Rest der freien Welt verschließt. Und wir haben
weiter angenommen, daß mit zunehmenden Stärke und Einheit Europas
in den Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft auch ein wachsendes Verantwortungsgefühl für Sicherheit und Wohlfahrt der übrigen
freien Welt Platz greifen wird.
Wir Amerikaner sind fest davon überzeugt, daß man von Europa,
je weiter es auf dem Wege zur Einheit voranschreitet, in steigendem
Maße eine positive und verantwortliche Mitwirkung bei der Wahrnehmung
unserer gemeinsamen Belange erwarten kann. Wenn wir diesem Glauben
Ausdruck verleihen, ist uns dabei natürlich auch klar, daß die Atlantische Partnerschaft niemals einseitig sein kann und daß auch wir unsere
Verpflichtungen als gute Partner zu erfüllen haben.
Wie sich Amerika diese Partnerschaft - diese Atlantische Partnerschaft - vorstellt, das hat Präsident Kennedy vor einigen Monaten am
amerikanischen Unabhängigkeitstag in Philadelphia zum Ausdruck gebracht.
Nachdem er von dem Geist gesprochen hatte, aus dem die amerikanische
Verfassung geboren wurde, erklärte Präsident Kennedyi
"Dieser Geist wird heute wohl am deutlichsten jenseits des Atlantischen Ozeans erkennbar. Die Nationen Westeuropas, lange durch Fehden
gespalten, die heftiger waren als die Zwistigkeiten zwischen den
einstigen dreizehn Kolonien, schließen sich zusammen und versuchen,
Freiheit in der Vielfalt und Stärke in der Einheit zu finden.
Die Vereinigten Staaten blicken mit Hoffnung und Bewunderung
auf dieses große Unterfangen. Wir sehen in einem starken und geeinten
Europa keinen Rivalen, sondern einen Partner. Die Förderung seines
Fortschritts ist siebzehn Jahre lang ein grundlegendes Ziel unserer
Außenpolitik gewesen. Wir glauben, daß ein geeintes Europa in der Lage

- 7-

�Lage sein wird, eine größere Rolle in der gemeinsamen Verteidigung
zu übernehmen, den Nöten der ärmeren Völker großzügiger zu entsprechen
und gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen Ländern die
Handelsschranken abzubauen, die Währungs- und Rohstcffprobleme zu
lösen und in allen übrigen wirtschaftlichen, diplomatischen und
politischen Bereichen eine koordinierte Politik zu entwickeln. Wir
sehen in einem solchen Europa einen Partner, mit dem wir bei all
den großen und mühevollen Aufgaben des Aufbaus und der Verteidigung
einer Gemeinschaft freier Nationen auf der Grundlage völliger Gleichheit verkehren können."

» # * # *

8 -

�A M E R I K A

D I E N S T

A l l g . / 2 3 . 1 1 .1962
DIE ATLANTISCHE PARTNERSCHAFT UND IHRE VERANTWORTUNG IN DER WELT

Ansprache

des Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses
des Senats der Vereinigten Staaten von Amerika

Senator J. William Fulbright

gehalten am 19« November 1962
in der Aula der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn

�DIE ATLANTISCHE PARTNERSCHAFT UND IHRE VERANTWORTUNG IN DER WELT

"Die Völker scheinen der Einheit zuzustreben", schrieb Alexis de
Tocqueville im Jahre 1835» "Unsere Mittel des geistigen Verkehrs verbinden die entferntesten Teile der Erde miteinander; und es ist den
Menschen unmöglich, einander fremd zu bleiben oder nicht von den Ereignissen zu erfahren, die sich in den entferntesten Winkeln des
Erdballs abspielen ."1)
Diese Worte, die nach unserem heutigen Urteil zumindest verfrüht
erscheinen, sind eine Vorankündigung der großen Paradoxie der neueren
Geschichte der westlichen Welt. Denn wenigstens seit anderthalb Jahrhunderten wird die Geschichte des Westens von zwei einander widerstreitenden Kräften geformt, deren eine das Streben nach Zusammenarbeit und Gemeinschaft ist, die andere dagegen ein unheilvoller Nationalismus, der die Völker gegeneinander trieb und in den großen
Konflikten des 20. Jahrhunderts kulminierte. In unserer eigenen Zeit
mehren sich die zwar noch nicht schlüssigen, doch gleichwohl sehr
eindrucksvollen Anzeichen dafür, daß sich diese große Paradoxie
schließlich doch auflösen läßt, und zwar im Sinne einer umfassenden
Gemeinschaft der freien Völker der atlantischen Welt. Dieser Trend
wird, sofern ihn die Ereignisse der kommenden Jahre vollends bestätigen, sicherlich als die bedeutsamste und segensreichste Entwicklung
des 20. Jahrhunderts in die Geschichte eingehen.
Die Tendenz zur Gemeinschaft bildete sich in der westlichen 7/elt
rasch und hoffnungsvoll im Gefolge der napoleonischen Kriege heraus.
Die Sieger in jenem Konflikt, denen mehr am Frieden für die Zukunft
als an der Rache für die Vergangenheit gelegen war, gewährten den
Besiegten großzügige Bedingungen und schufen erste Ansätze zur Bildung eines Europarates mit Artikel 8 des Viermächtebündnisses von
1815» der "periodische Zusammenkünfte der Souveräne oder ihrer Minister" zum Zwecke der Erhaltung des Friedens und der Stabilität vorsah. Aus der Wiener Regelung von 1815 erwuchs das "Konzert der europäischen Mächte", eine unausgeformte, aber echte Gemeinschaft von
Staaten, die ihr gemeinsames Interesse am unversehrten Fortbestand
des Vertragsgebäudes und an einem "gerechten Gleichgewicht" der Macht,
wie Lord Castlereagh es ausdrückte, höher bewerteten als ihre besonderen und widerstreitenden nationalen Aspirationen.
Der

1

�Der Wiener Kongreß erreichte, was keiner der Verträge, Regelungs- und Schlichtungsversuche des 20. Jahrhunderts zu erreichen
vermochte: er leitete eine lange Friedensperiode ein. Die Geschichte
des 19« Jahrhunderts verdient es somit, daß wir sie achten und ihr
nacheifern. Die Grundregel des Europäischen Konzerts besagte, daß
keine größere Änderung an dem Vertragsgebäude ohne Zustimmung der
fünf Großmächte vorgenommen werden durfte. So verfügte das Konzert
in Anwendung dieses europäischen "Landfriedens" in den dreißiger
Jahren des vorigen Jahrhunderts die Unabhängigkeit Belgiens, fand
1840 eine dauerhafte Regelung für die türkischen Meerengen, begründete 1878 die Unabhängigkeit Bulgariens und setzte noch im Jahre 1913
die Beilegung der Balkankriege erfolgreich durch.
Das Europäische Konzert repräsentierte eine beschränkte Gemeinschaft und ein anfälliges Rechtssystem, aber es hielt den Frieden
hundert Jahre lang aufrecht - eine höchst eindrucksvolle Leistung,
gemessen an den Maßstäben des 20. Jahrhunderts. Den Zusammenbruch
dieses Konzerts bewirkten sowohl zufällige Geschehnisse als auch
tiefeingewurzelte Kräfte, deren bei weitem wichtigste das Vordringen
des aggressiven Nationalismus war.
Die nationalen Einigungs- und Unabhängigkeitsbewegungen des 19«
Jahrhunderts bestärkten eine Zeitlang sogar den Trend zugunsten
einer größeren Gemeinschaft. Diese Bewegungen waren in ihren Anfängen
eng mit demokratischen und humanitären Ideen verknüpft. Aus den
Schriften Benthams und Mills, Guizots and Mazzinis geht hervor, daß
der Nationalismus des 19« Jahrhunderts liberal und hochherzig, friedfertig und optimistisch war. Die Einigung Deutschlands und Italiens
stellte sicherlich eine wichtige und segensreiche Ausweitung politischer Gemeinschaften in Europa dar.
Deutschland leistete einen einzigartigen Beitrag zur Entwicklung
des Gedankens der europäischen Einigung mit der Schaffung des Deutschen
Zollvereins im Jahre 1834» dem klassischen Beispiel einer Zollunion,
das auch als Vorform der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft von
heute anzusehen ist. Anfangs aus fünf unabhängigen deutschen Mitgliedstaaten bestehend, umfaßte der Zollverein bis 1871 alle Staaten, die
in jenem Jahr ihre Souveränitäten zu einem deutschen Bundesstaat verschmolzen. Durch den Zusammenschluß zahlreicher unabhängiger Staaten
und Fürstentümer zur größten Industriemacht Europas bewirkte der Zollverein vor hundert Jahren für Deutschland ein "Wirtschaftswunder", welches dem vergleichbar ist, das der Gemeinsame Markt gegenwärtig für den
Hauptteil des freien Europa vollbringt.
Die große europäische Anomalie im 19• Jahrhundert war das parallele Erstarken mächtiger Kräfte, die einerseits der Einheit und andererseits der Spaltung Vorschub leisteten Zum ewigen Schaden des Westens
und der Welt obsiegten die letzteren. Im ausgehenden 19« Jahrhundert
wurde das Band zwischen den nationalistischen und den liberalderaokratischen Ideen zertrennt, und der Nationalismus nahm zusehends chauvinistischere, militaristischere und aggressivere Züge an. Die Auswirkungen der überhandnehmenden nationalen Rivalitäten schwächten das
alte Europäische Konzert immer mehr, bis schließlich 1914 die entkräftete Gemeinschaft in einem Ausbruch des hemmungslosesten Nationalismus zerbarst.
n„_

2

�Das Jahr 1914 ist die Wendemarke der neueren Weltgeschichte.
Der Zusammenbruch einer unvollkommenen, aber nicht unzivilisierten
alten Ordnung wurde durch unvorhergesehene Zufälle und unkontrollierte Ereignisse beschleunigt. Wenn diese Ereignisse auch vielleicht
nicht unvermeidlich waren, wurden sie doch erst durch den Zerfall der
internationalen, auf gemeinsamen Wertvorstellungen beruhenden Gemeinschaft ermöglicht, die Europa ein Jahrhundert des Friedens geschenkt hatte. So kam es, daß Europa und die Welt in einen Strudel
von Konflikten gerieten, denen gegenüber die Staatsmänner, die sie
weder geplant noch gewünscht hatten, machtlos waren.
Es erübrigt sich, die tragischen Ereignisse der Ära der beiden
Weltkriege hier zu rekapitulieren, die die westliche Kultur beinahe
vernichtet hätten. Ihre historische Bedeutung hat jener französische
General sehr gut umrissen, der am 2. August 1914 die erste Nachricht
vom Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Frankreich und Deutschland
mit den Worten quittierte»"Die sind ja verrückt; das ist doch ein
Bürgerkrieg!"2)
Der "Bürgerkrieg" des Westens dauerte von 1914 bis 1945« Er forderte Zehnmillionen von Menschenleben, verursachte unermeßlichen materiellen und moralischen Schaden, zerstörte die weltweite Hegemonie
westlicher Ideen, Interessen und Institutionen und hinterließ dem
Westen eine Situation, in der ihn größere Gefahren und ein schrecklicherer Gegner als je zuvor bedrohen. Das waren die bitteren Früchte
des ungezügelten Nationalismus.
Unter den Mythen und Irrtümern, die die Menschen bisher ins
Verderben führten, hatte in unserer Zeit jene Vorstellung die verheerendste Breitenwirkung, daß die Nation so etwas wie ein übernatürliches Wesen mit eigenem Willen von besonderer Heiligkeit sei,
das einer höheren Ordnung als die Einzelmenschen angehöre, aus denen
sie besteht. Doch weit davon entfernt, der geistige Organismus der
nationalistischen Mythologie zu sein, ist der moderne Nationalstaat
das Produkt der historischen Evolution von Menschengruppen von ihren
Stammesursprüngen zu immer größeren Gesellschaftsformationen, und zwar
nicht vermöge mystischer historischer Kräfte, sondern in Beantwortung
recht praktischer wirtschaftlicher, militärischer und politischer Erfordernisse. Bis zum 20. Jahrhundert stellte sich die Nationwerdung
als Verbreiterung menschlicher Bindungen dar. In der modernen Welt
aber, in der die Völker infolge der wissenschaftlichen und technischen
Revolution in ein Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeit getreten sind,
engt der Mythos vom souveränen Staat die Bande zwischen den Menschen
ein und beschränkt sie auf politische Gemeinschaften, die nicht mehr
imstande sind, Sicherheit und wirtschaftliches Wachstum in dem erforderlichen Maße zu gewährleisten. Die Idee von der absoluten nationalen
Souveränität ist somit zum Prinzip der internationalen Anarchie geworden. Wenn den echten Erfordernissen des Westens und der Welt Rechnung getragen werden soll, kann weder die Souveränität noch die nationale Selbstbestimmung absolut bleiben.
Der

�Der Mindestpreis des Überlebens in diesem Jahrhundert wird sein,
daß wir uns fortgesetzt anstrengen müssen, neue und tiefere Bande der
Zusammenarbeit zwischen den Nationen zu knüpfen, und darüber hinaus
beginnen, einen bestimmten Teil unseres Loyalitäts- und Verantwortungsgefühls vom souveränen Staat auf eine umfassendere Völkergemeinschaft zu übertragen. Im Hinblick auf dieses Ziel haben die Vereinten
Nationen einen sehr wichtigen Beitrag geleistet, einen wirklich bemerkenswerten Beitrag angesichts der schier unüberwindlichen Schwierigkeiten, denen sie sich seit ihrer Gründung im Jahre 1945 konfrontiert
sahen. Obwohl die Welt noch lange nicht reif für jene Art der erdumspannenden Gemeinschaft ist, die den Schöpfern der Charta der Vereinten Nationen vorschwebte, darf man rechtens hoffen, daß der anhaltende
Weltkonflikt der Ideologien und nationalen Interessen zu gegebener
Z*eit allmählich einem vernunftgemäßeren und zivi lisierteren System
der Weltbeziehungen unter der Ägide der Vereinten Nationen weichen
wird.
In den Jahren des "Bürgerkriegs" im Westen war die Macht der
Gegen-Idee der Völkergemeinschaft zwar gebrochen, aber keineswegs
völlig vernichtet. Der Völkerbund, an sich ein wertvoller und aufrichtiger Ansatz, war allerdings eine Fehlgeburt, ein Opfer der
dominierenden Irrlehren über den Nationalstaat und die nationale
Souveränität. Es gab noch mehr verpaßte Gelegenheiten, wie z.B.
die zeitweilig vielversprechende Aussöhnung zwischen Frankreich und
Deutschland Mitte der zwanziger Jahre. Es ist interessant und nicht
ohne Ironie, wenn man sich heute daran, erinnert, daß der deutsche
Außenminister Gustav Stresemann Ende der zwanziger Jahre den Vorschlag
des französischen Außenministers Aristide Briand zur Schaffung der
"Vereinigten Staaten von Europa" unterstützte.
"Nichts auf der Welt", schrieb Victor Hugo, "ist so mächtig wie
eine Idee, deren Zeit gekommen ist." Aus der Asche eines generationenlangen Konflikts innerhalb der westlichen Welt erwuchs den Völkern des
Westens ein einziger großer Vorteil: die Zeit für die Idee der Gemeinschaft des Westens ist angebrochen. So sind die flüchtigen Träume
Stresemanns und Briands heute schon fast greifbare Realität geworden.
In den Jahren seit dem zweiten Weltkrieg scheint der Westen - insbesondere die kontinentaleuropäischen Länder - den leidenschaftlichen
Hang zur Selbstvernichtung überwunden und endlich die Nutzlosigkeit
und Gefährlichkeit des extremen Nationalismus erkannt zu haben.
Die historische Paradoxie scheint schließlich ihrer Auflösung entgegenzugehen, rasch und unwiderruflich, um der Einheit der Völker
Platz zu machen, deren Freundschaftsbande aus gemeinsamen Hoffnungen
und Idealen und auch aus der Erkenntnis gemeinsamer Gefahren geschmiedet sind.

Satzungen lassen sich viel leichter
In überaus zweckmäßiger und vernünftiger
der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft
durch - eine Revolution neuen Stils, die

schaffen als Gemeinschaften.
Weise führen, die Mitglieder
eine erfolgreiche Revolution
mit der geschichtlichen

�geschichtlichen Entwicklung Schritt hält, aber nicht versucht, ihr
vorauszueilen. Der große Erfolg des Gemeinsamen Marktes und seine
Verheißungen für die Zukunft sind in seinem Arbeitsprinzip begründet,
daß neue Institutionen auf dem soliden Fundament der Gemeinschaftlichkeit und des Zusammenhalts errichtet werden müssen. "Genau wie die
Sprache der Grammatik vorausgeht", schreibt Walter Hallstein, "hat
die Politik Vorrang vor der politischen Theorie; und der Streit über
die beste Terminologie für das, was wir in der Europäischen Gemeinschaft
tun, scheint mir häufig genauso akademisch zu sein wie die Grammatiker
selbst."3)
Sinn und Bedeutung des Gemeinsamen Marktes, wie sie sich aus der
Sicht der Vereinigten Staaten darstellen, kommen in einer kürzlich
fertiggestellten Studie des Außenpolitischen Ausschusses des.Senats
zum Ausdruck, die mit den V/orten beginnt: "Die sechs Mitglieder der
Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft arbeiten an einem Vorhaben, welches Europa eine seit dem Zeitalter der Entdeckungen beispiellose
Stärke und Zielstrebigkeit verleiht. Seit dem 13« Jahrhundert hat
Europa keinen so bedeutenden Grad der Einigkeit erreicht. Heute ist
man dabei, Überlieferungen wie die deutsch-französische Rivalität zu
begraben; und Großbritannien kehrt einer in fünf Jahrhunderten bewährten Diplomatie den Rücken, um sich auf den Anschluß an Europa vorzubereiten. Eine neue Weltmacht ist im Entstehen begriffen".4/
Das sicherste Zeichen für den Erfolg eines Unternehmens sind Neid
und Mißvergnügen der Konkurrenten. Dieses Kompliment wurde dem Gemeinsamen Markt seitens der Sowjetunion in zweifacher, bedeutsamer Weise
gemacht; erstens hat sie den Gemeinsamen Markt als "Verschwörung" und
"Waffe des Monopolkapitals" geschmäht und mit anderen wohlbekannten
kommunistischen Schimpfworten bedacht; zweitens unternahm sie den Versuch, diese "Verschwörung" durch die Errichtung eines "Rates für Gegenseitige Wirtschaftshilfe" unter Einschluß der Sowjetsatelliten zu imitieren. Die sowjetische Furcht vor dem Gemeinsamen Markt hat in der Tat
überaus handfeste Gründe. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft bedeutet nämlich das endgültige Scheitern der seit rund fünfzehn Jahren
gehegten sowjetischen Hoffnungen auf eine Ausdehnung der kommunistischen
Herrschaft auf ein schwaches und geteiltes Europa. Die kommunistische
Revolution wurde in Westeuropa durch eine stärkere und bessere Revolution geschlagen - eine friedliche Revolution mit demokratischen Mitteln,
von freien Menschen zum Zwecke des gemeinsamen Fortschritts und der gemeinsamen Prosperität konzipiert und durchgeführt.
Der weitere Erfolg des Gemeinsamen Marktes und die Aussichten
auf eine Vollendung der Atlantischen Gemeinschaft hängen davon ab, ob
wir geschickt und weitblickend genug sind, unsere revolutionären Ziele
in der Weise zu verfolgen, daß wir weder den geschichtlichen Gegebenheiten vorauseilen, noch hinter ihnen herhinken. Wir müssen dabei anwenden, was man als die "Jean Monnet'sche Theorie des Wandels" bezeichnen könnte. Monnet erläutert sie mit seiner Metapher vom Gebirgspfad.
Von ganz unten hat man einen bestimmten Ausblick, auf halber Höhe einen
anderen, und vom Gipfel aus wieder einen völlig anderen. Ein Mensch,
der am Fuß des Berges steht, kann unmöglich die Übersicht desjenigen
haben, der auf dem Gipfel oder auf halber Höhe steht. Damit 'er seinen

�seinen Blickpunkt ändern kann, muß man ihn dazu bewegen, emporzusteigen, sei es auch noch so langsam. Sobald er sich in Bewegung setzt,
wird er einen anderen, vielleicht einen besseren Überblick gewinnen,
und schon das wird ihn anspornen, noch einen Schritt weiter zu gehen.
Das wichtigste jedoch ist, ihn zum ersten Schritt auf dem Weg nach
oben zu überreden.
Die "Honnef sehe Theorie" ist weder sehr kompliziert, noch ist
sie in einem abstrakten Sinn besonders logisch. Ihr Verdienst liegt
in der Tatsache, daß sie funktioniert - was die sechs Länder des
Gemeinsamen Marktes eindeutig bewiesen haben. Der Vertrag von Rom
und seine Durchführung sowie die Tätigkeit der ständigen EWG-Kommission
in Brüssel, des EWG-Ministerrats, des Europa-Parlaments und des EWGGerichtshofes stellen eine einmalige Leistung europäischer Staatskunst
dar, einen behutsamen, aber zielbewußten Aufstieg "bergan" zu einem
geeinten Europa. Mit Hilfe des Vertrages von Rom und insbesondere der
supranationalen wirtschaftlichen Befugnisse der EWG-Kommission und
der Beschlußfassung mit "qualifizierter Mehrheit" im EWG-Ministerrat
hat sich Europa des in Verruf geratenen Nationalismus der Vergangenheit
entledigt und einen schrittweisen, aber bestimmten Kurs in Richtung auf
die Einheit eingeschlagen. Der alten Ordnung, die so durch eine neue
und bessere Ordnung ersetzt wird, trauern die Völker Europas nicht nach,
Ein amerikanischer Schriftsteller drückte dies mit den Worten aus:
"Die Sechs geben Bestandteile ihrer eifersüchtig gehüteten Souveränität
fast ebenso klaglos preis, wie man einem Zeitungsjungen einen Groschen
gibt."5)

Verheißungsvoll für die gesamte freie Welt ist vor allem die praktische Anerkennung der Tatsache im freien Europa - auch wenn bisweilen
andere Meinungen laut werden -,daß die Grenzen der Freiheit weiter gezogen sind als die Grenzen Europas und daß die Einigung dieses Kontinents Teil der Entwicklung eines weltweiten Konzerts der freien Nationen
ist. Bei den Zollverhandlungen mit den Vereinigten Staaten und anderen
Ländern hat der Gemeinsame Markt seinen Wunsch bekundet, die Handelsschranken zwischen allen freien Ländern abzubauen. Dieser Wunsch wird
auch von den Vereinigten Staaten geteilt, die sich im"Gesetz über die
Ausweitung des Handels" von 1962 ein neues, machtvolles Instrument zu
s-einer Verwirklichung geschaffen haben. Es hat aber auf beiden Seiten
Ausnahmen - bedauerliche Ausnahmen - gegeben, hinsichtlich dieser Einstellung ,z ,B . in Gestalt der Zollerhöhung für Teppiche und Glaswaren
seitens der Vereinigten Staaten sowie der protektionistischen Maßnahmen,
die der Gemeinsame Markt kürzlich gegenüber amerikanischem Geflügel
getroffen hat, ein Schritt, der das ernste Zahlungsbilanzproblem der
Vereinigten Staaten verschärfen wird.
Alles in allem aber hat der Gemeinsame Markt sein generelles Festhalten an den Worten des Artikels 110 des Vertrages von Rom bewiesen,
der die Absicht der Mitgliedstaaten zum Ausdruck bringt, "in Einklang
mit den gemeinsamen Interessen zur harmonischen Entwicklung des Welthandels, der schrittweisen Beseitigung der Beschränkungen im internationalen Handelsverkehr und zum Abbau der Zollschranken beizutragen."
Meiner

�*

Meiner Überzeugung nach kann man andererseits darauf bauen, daß
die Vereinigten Staaten, die sich seit 1934 der Liberalisierung des
Welthandels verschrieben haben, die Verwirklichung der Bestimmungen
des neuen Handelsgesetzes tatkräftig in Angriff nehmen werden.
Wir können daher - vorausgesetzt, daß wir uns kurzsichtiger
protektionistischer Maßnahmen der angeführten Art enthalten - für
die nahe Zukunft eine bedeutende Ausweitung des Handels zwischen
Europa und Amerika erwarten, und das ist eine Aussicht, die für die
gesamte Welt wesentliche Auswirkungen sowohl politischer als auch
wirtschaftlicher Art haben dürfte. Der Außenpolitische Ausschuß
des Senats sagt dazu in seiner erwähnten Studie: "Auf dieser sich
verbreiternden Basis eines beiderseits vorteilhaften Handels sollte es den beiden großen Gemeinschaften an beiden Ufern des Atlantiks
möglich sein, eine Reihe von unteilbar gewordenen Aufgaben durchzuführen, um jene Hauptziele zu erreichen, die keine von beiden allein
erreichen kann'."°)
Blicken wir über die atlantische Handelspartnerschaft noch hinaus,
so steigt der "Gebirgspfad" weiter an, bis sich das großartige Panorama einer hochentwickelten politischen Atlantischen Partnerschaft bietet. Wie schon häufig zuvor, hat Jean Monnet auch in diesem Fall den
Weg dorthin ausgeleuchtet. Am 26. Juni 1962 veröffentlichte Monnets
Aktionsausschuß für die Vereinigten Staaten von Europa eine Erklärung,
in der die Aufnahme Großbritanniens in den Gemeinsamen Markt gefordert
und nachdrücklich betont wird, daß ein solcher Schritt als Auftakt
zum politischen Zusammenschluß Westeuropas angesehen werden müsse,
aus dem sich dann eine "Partnerschaft zwischen Gleichberechtigten im
Verein mit den Vereinigten Staaten" ergeben würde. Im Mai dieses Jahr
hielt Monnet in London eine Rede, in der er erklärte: "Das in Europa
neu entwickelte Verfahren ersetzt die Vorherrschaftsbestrebungen der
Nationalstaaten durch einen ständigen Prozeß der kollektiven Anpassung
an neue Gegebenheiten... Gleichermaßen werden Probleme auftauchen,
die Europa und die Vereinigten Staaten nur durch Mobilisierung ihrer
gemeinsamen Hilfsquellen lösen können,.. Wenn die Partnerschaft zwischen Amerika und einem vereinten Europa allen klarmacht, daß sich
der Westen von innen heraus verändern kann, während andere ihn durch
äußeren Druck nicht zu ändern vermögen, dann werden die Voraussetzungen
für eine dauerhafte Regelung zwischen der Sowjetunion und dem Westen
gegeben sein."
Die weitreichenden Konsequenzen einer europäisch-atlantischen
Einheit im Hinblick auf die Fortsetzung des Kampfes gecen den kommunistischen Imperialismus sind von den weisesten Staatsmännern der freien
Welt klar erkannt worden. Bundeskanzler Adenauer schrieb kürzlich:
"Wenn wir unsere Einheit und Stärke bewahren und Geduld üben, schaffen
wir damit die Grundlage für ernsthafte Verhandlungen mit der Sowjetunion, die von gegenseitiger Achtung vor den Lebensinteressen und der
Freiheit der Völker getragen sind. Dies ist eine Politik der Vernunft,
die einzige, die Freiheit und Frieden zu erhalten vermag."')
Die

- 7 -

�Die historische Auseinandersetzung zwischen Freiheit und
Kommunismus wird sich nicht an den Grenzen entscheiden, wo beide
aufeinanderprallen, sondern durch Entwicklungen, die sich im Herzen
dieser beiden Lager selbst vollziehen. Das Herz der westlichen Zivilisation ist die Gemeinschaft der atlantischen Demokratien, und
unsere Zukunft hängt davon ab, was wir aus dieser Gemeinschaft machen. Insbesondere wird sie davon abhängen, ob wir zulassen, daß der
Westen erneut einem entzweienden, destruktiven Nationalismus verfällt, oder ob wir ihn so stark und einig machen, daß keiner es
wagen wird, uns anzugreifen, zugleich auch so blühend und fortschrittlich, daß er als Vorbild und Magnet für die gesamte Welt dienen
kann - für die emporstrebenden Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, für die unterjochten Völker jenseits der Elbe und vielleicht
letztlich sogar für die Russen selbst.
Es wäre eine Tragödie von unberechenbaren Ausmaßen, gingen die
großen Hoffnungen und Gelegenheiten, welche der Westen heute besitzt,
auf die einzige Art verloren, die denkbar ist: durch die Spaltung
des Westens in getrennte, miteinander konkurrierende Gemeinschaften.
Zögernd, doch unwiderruflich hat Amerika in der letzten Generation
seine traditionelle Selbstisolierung aufgegeben; denn es begriff, daß
selbst eine so große und mächtige Nation wie die Vereinigten Staaten
in diesem Zeitalter der Kernwaffen und der wissenschaftlichen Revolution in der Isolierung weder sicher ist noch gedeihen kann. Genau
so muß das freie Europa erkennen, und ich glaube, es hat auch erkannt,
daß selbst sein vereinigter und aufblühender Kontinent als Gemeinschaft zu klein ist, um der Gefahren und Möglichkeiten allein Herr
zu werden. Europa darf nicht noch einmal nach dem Muster der nationalen Einigungsbestrebungen des vorigen Jahrhunderts verfahren, die die
Grenzen der europäischen Gemeinschaft zwar zunächst erweiterten, später aber verriegelten, was dann in der Übersteigerung nationaler
Eifersüchteleien kulminierte, die das Europäische Konzert zerstörten.
Ein neuer "europäischer" Nationalismus oder ein erneuerter amerikanischer Isolationismus würden unserem Aufstieg zum "Gipfel" ein Ende
setzen und unsere schönsten Hoffnungen zunichte machen.
Man hört bisweilen, ein vereintes Europa könnte sich als "dritte
Kraft" betätigen, als Mittler zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion. Diese Vorstellung ist meiner Meinung nach unverantwortlicher Unsinn. Sie geht von der falschen Voraussetzung aus, der
weltweite Kampf zwischen Kommunismus und Freiheit sei im wesentlichen
ein sowjetisch-amerikanischer Konflikt, an dem andere Völker nach
Gutdünken teilnehmen können oder auch nicht, ganz wie es ihren Interessen und ihrem Vorteil entspricht. In Wahrheit gibt es keine
solche Wahl für irgendeine der atlantischen Nationen, es sei denn,
man akzeptiert den abwegigen Standpunkt, es sei möglich, zwischen
den eigenen Freunden und den eigenen Feinden neutral zu bleiben.
Indien zum Beispiel zahlt jetzt einen hohen Preis für seine frühere
illusionäre Neutralität zwischen jenen, die es bedrohen, und jenen,
die es nicht bedrohen. Der kommunistische Imperialismus ist eine
allgemeine Gefahr für die gesamte Atlantische Gemeinschaft und die
gesamte freie Welt, eine Gefahr, die uns allen in gleichem, unteilbarem Maße aufgebürdet ist. Weil es sich so verhält, ist "Neutralität"
für Europa genauso unmöglich wie die Rückkehr zum Isolationismus für
Amerika.
„
Es
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-

�Es gibt viele stichhaltige Gründe für die Einheit des Westens,
aber der zwingendste ist die Notwendigkeit, uns gegen den kommunistischen Imperialismus zu sichern. Wir müssen den Westen so stark
machen, daß logisch denkende Führer der Sowjetunion ständig mit einer
Situation konfrontiert werden, in welcher die marxistisch-leninistische
Weltherrschaftsvision als gefährlicher und unrealisierbarer Traum
erscheint. Gleichzeitig können wir den Sowjets klarmachen, daß sie
vom Westen nichts zu befürchten haben und daß ihnen eine sichere
und blühende nationale Existenz unter jedem politischen System
ihrer Wahl zugestanden wird, welches - mag der Westen es noch so
abscheulich finden - niemals als solches die Veranlassung oder
den Grund zu einem Konflikt böte. Deshalb ist es auch nicht die Absicht eines starken und vereinigten Westens, die Sowjets zu bedrohen,
sondern er will sie dazu bringen, ihre expansionistischen Ambitionen
aufzugeben und ihre Energien statt dessen auf die Entwicklung ihres
riesigen Landes und der ungeheuren Hilfsquellen zu richten, die ihnen
innerhalb ihrer eigenen Grenzen zur Verfügung stehen.
Die Atlantische Partnerschaft ist weder ein utopischer Traum
noch eine aus reinem Idealismus geborene Konzeption. Sie basiert
auf den harten Bedingungen der Nachkriegswelt. Sie ist ein Projekt,
das in den politischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen
Deutschlands, Amerikas und jeder anderen Nation des Westens feste
Wurzeln hat. Die Vereinigten Staaten brauchen die Beteiligung an
einer großen atlantischen Handelszone, um ihren Handel ausdehnen und
dadurch die harten Dollar verdienen zu können, die sie für die Finanzierung ihrer militärischen und zivilen Auslandsverpflichtungen benötigen. Wenn die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft zu einer abgeschlossenen, den Austausch einschränkenden Handelszone würde,
wären die Vereinigten Staaten unfähig, die Mittel für die Finanzierung
ihres Beitrags zur Verteidigung des freien Europas zu erwerben.
Angesichts unserer wachsenden Verpflichtungen in der westlichen
Hemisphäre und in Asien und unseres erheblichen alljährlichen Zahlungsbilanzdefizits bliebe uns schließlich keine andere Wahl mehr,
als unseren Beitrag zur Verteidigung Europas zu reduzieren. Somit
ist die Atlantische Partnerschaft weit mehr als ein nobler Traum;
sie ist eine Notwendigkeit allerersten Grades sowohl für Europa
als auch für Amerika.
Ob sich die Atlantische Partnerschaft im Laufe der Zeit zu
einer Atlantischen Union entwickeln wird, kann jetzt noch niemand
voraussagen. Es ist keineswegs unvorstellbar, aber diese Vision
liegt, um Jean Monnets Metapher zu gebrauchen, noch ein gutes Stück
weiter den "Gebirgspfad" hinauf, und für die voraussehbare Zukunft
müssen wir unsere Energien auf den Aufbau einer funktionsfähigen
Partnerschaft zwischen Europa und Amerika richten. Was dabei wahrscheinlich entstehen dürfte, beschreibt Walter Hallstein als "eine
enge Partnerschaft zwischen zwei Persönlichkeiten, der Europäischen
Gemeinschaft und den Vereinigten Staaten, und zwar nicht nur zum Wohle
der eigentlichen Partner, sondern ebenso zu dem der anderen Länder."8)
Die Verwirklichung unserer Partnerschaft ist fürwahr ein "großer
Plan", der aber nur durch abgemessene Schritte realisiert werden kann,
durch eine stufenweise, bisweilen kaum wahrnehmbare Progression auf

�auf vielen Gebieten. Grundlage unserer Fortschritte muß die allmähliche Erziehung unserer Völker zur Erkenntnis der Notwendigkeit
der Atlantischen Partnerschaft sein. In dieser Hinsicht sind unsere
Programme für den Akademikeraustausch heute wertvoller und notwendiger
als je zuvor. Aber wir müssen sowohl kleine als auch große Schritte
machen und sowohl für Symbole als auch für die Substanz sorgen. Weshalb können wir nicht beispielsweise ein einfaches, aber eindringliches
Symbol der Atlantischen Gemeinschaft in Form einer "atlantischen" Briefmarke Millionen unserer Bürger ins Blickfeld rücken? Zum Gemeinschaftsgefühl und Gemeinschaftsbewußtsein können wir auch noch auf mancherlei
andere Weise beitragen: durch Einführung einheitlicher Luftverkehrstarifej die sich nur nach den Entfernungen richten, ohne Rücksicht auf die
zu überquerenden Landesgrenzen,oder durch Vereinbarung ähnlich einheitlicher Fernsprech-, Fernschreib- und Telegrammgebühren, oder durch zahlreiche andere Schritte dieser Art, die vielleicht sachlich von geringer
Bedeutung, aber doch von großer Symbolkraft wären. Widmen wir uns doch
dem Mindestziel, wenigstens "einen Erfolg pro Jahr" zu erreichen und
auf diese Weise unsere Gemeinschaft - wie ein großer Gelehrter es ausgedrückt hat - durch den "Volksentscheid des täglichen Lebens"5j aufzubauen .
Seit siebzehn Jahren ist ein vereinigtes Europa innerhalb einer
Atlantischen Partnerschaft eines der Grundziele der amerikanischen
Außenpolitik. Die Ansicht der Vereinigten Staaten hat Präsident
Kennedy am vergangenen 4« Juli in seiner Forderung nach einer atlantischen "Deklaration der Interdependenz" gut zum Ausdruck gebracht. Er
erklärte u.a.: "Wir glauben, daß ein geeintes Europa imstande sein wird,
eine größere Rolle in der gemeinsamen Verteidigung zu übernehmen, den
Bedürfnissen der ärmeren Völker großzügiger zu entsprechen und gemeinsam mit den Vereinigten Staaten und anderen Ländern die Handelsschranken
abzubauen, die Währungs- und Rohstoffprobleme zu lösen und auf allen
übrigen wirtschaftlichen, diplomatischen und politischen Gebieten eine
koordinierte Politik zu entwickeln. Wir sehen in einem solchen Europa
einen Partner, mit dem wir bei all den großen und mühevollen Aufgaben
des Aufbaus und der Verteidigung einer Gemeinschaft freier Nationen
auf der Basis völliger Gleichberechtigung verhandeln können."

Während der Westen in den Jahren nach dem zweiten V/eltkrieg den
übersteigerten Nationalismus zugunsten des Ziels einer größeren Gemeinschaft verwarf, hat sich die nationalistische Idee über die erwachenden
Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas ausgebreitet. Ob dieser neue
Nationalismus in den ehemaligen Kolonialgebieten der Welt an demokratische und humanitäre Ziele gebunden bleiben oder schließlich in
Chauvinismus und Militarismus ausarten wird, ist ein noch ungelöstes
Problem. Die Lösung dieser Frage ist von größtmöglicher Bedeutung für
den Westen, weil es beim Aufbau der eigenen Gemeinschaft unser Ziel ist,
nicht weniger als das Kernstück eines weltumspannenden Konzerts der
freien Völker zu schaffen. Wir können viel tun, um den Kurs der neuen

-

10

-

�neuen Staaten zu beeinflussen, um ihnen die heilsamen Lehren aus
den vom Westen durchlittenen Katastrophen zu vermitteln und ihren
eigenen Nationalismus auf konstruktive Ziele und auf die Zusammenarbeit hinzulenken. Vor allem müssen wir ihnen geduldig ,vorausschauend
und großzügig helfen, die Leiden der Armut zu überwinden und ihren
Völkern ein gewisses Maß jener menschlichen Befriedigungen und Möglich'
keiten zu bieten, welche die Grundlage freier und stabiler Gesellschaften bilden.
Das große Beispiel der Blüte und des schnellen wirtschaftlichen
Wachstums im freien Europa zeigt den armen Völkern eine überaus anziehende Alternative zu den harten und brutalen Methoden der kommunistischen Wirtschaftsentwicklung. Wenn die atlantischen Nationen
bereit sind, die Bürde einer großzügigen, gemeinsam durchgeführten
und langfristigen Unterstützung der Entwicklungsländer auf sich zu
nehmen, können wir einen mächtigen und vielleicht entscheidenden
Beitrag zur Schaffung eines aller Mühen werten Konzerts der freien
Nationen leisten. Ich glaube, man kann ruhig sagen, daß die Vereinigten Staaten, die seit dem Ende des zweiten Weltkriegs hundert
Milliarden Dollar in die Auslandshilfe investierten, bereits ihren
Anteil dieser Bürde auf sich genommen haben. Ich glaube nicht, daß
alle prosperierenden Länder des freien Europa schon die ihren Möglichkeiten entsprechenden Hilfsverpflichtungen eingegangen sind.
Deshalb halte ich es nicht für unangebracht, darauf hinzuweisen,
daß die Vereinigten Staaten zwar imstande und willens sind, ihren
gerechten Anteil an der Bürde der Hilfeleistung für die armen Nationen und an der noch schwereren Last der Sicherung der freien
Welt zu tragen, aber keinen unangemessen großen Anteil akzeptieren
können, wenn sich andere Nationen, für die genauso viel auf dem
Spiel steht, gegen die Übernahme von Verpflichtungen sträuben, die
ihrer Kraft entsprechen.
Es ist oft gesagt worden, aber man kann es getrost wiederholen,
daß die Völker Asiens, Afrikas und Lateinamerikas mitten in einer
großen historischen Revolution stehen. Die Quintessenz dieser Revolution ist die Forderung nach materieller und moralischer Menschenwürde und nach annähernder Gleichstellung mit der privilegierten
Gemeinschaft des Westens. Die Aufgabe, die daraus den atlantischen
Nationen - allen atlantischen Nationen - erwächst, findet ihren
Ausdruck in den Worten, die Alexis de Tocqueville bereits vor
über hundert Jahren niedergeschrieben hat: "Die Nationen unserer
Zeit können nicht verhindern, daß sich die Lebensbedingungen der
Menschen einander angleichen; aber es hängt von ihnen selbst ab, ob
das Prinzip der Gleichheit sie in die Knechtschaft oder in die Freiheit,zum Wissen oder in die Barbarei, zum Wohlstand oder in das
Elend führt." 10)
Mag sein, daß wir beim weiteren Aufstieg auf dem "Gebirgspfad"
zur Atlantischen Partnerschaft in unserem gemeinsamen Interesse
an den armen Staaten der Welt eine angemessene "Funktion" finden,
die in einer echten Zusammenfassung nationaler Anstrengungen, in
der Abtretung gewisser Befugnisse an eine atlantische Institution
ihren Ausdruck findet. Selbst eine "stille Revolution" geht nicht

�nicht ohne Bruch mit der Vergangenheit ab, und es besteht zumindest
die Möglichkeit, daß sich bei der Errichtung der Atlantischen Gemeinschaft die Entwicklungshilfe als Anlaß zu solcher Abkehr erweisen
mag.
Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und ihr Ausschuß für Entwicklungshilfe (DAC) bieten
bereits einen institutionellen Rahmen für die Wirtschaftspartnerschaft zwischen Europa, Japan und Nordamerika. Was wir jetzt brauchen, ist nicht ein zusätzlicher großer internationaler Apparat;
wichtiger ist vielmehr, daß wir den vorhandenen Apparat zu vollster
Leistungsfähigkeit entwickeln. Zum Zwecke der Vereinheitlichung und
Erweiterung unserer gemeinsamen Hilfsverpflichtungen gegenüber den
Entwicklungsländern können und sollten wir größtmöglichen Gebrauch
von dem OECD-Entwicklungshilfeausschuß machen, dem elf freie Staaten
angehören, die imstande sind, bedeutende Beiträge zur Entwicklungshilfe zu leisten, und wir können auch schon über die Möglichkeit
nachdenken, diesen Ausschuß künftig irgendwann einmal zu einem mit
begrenzten, aber klar spezifizierten Vollmachten ausgestatteten
atlantischen Organ auszubauen. In der unmittelbaren Zukunft müssen
wir den Ausschuß für Entwicklungshilfe in verstärktem Maße zur Koordinierung der einzelstaatlichen Beiträge einsetzen. Seine Leistung
ist in dieser Hinsicht hinter den bei seiner Gründung gehegten Erwartungen zurückgeblieben, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil
seine Mitglieder verschiedener Meinung über die Aufgaben der Entwicklungshilfe sind. Der grundlegende Unterschied liegt darin wie sich im Entwicklungshilfeausschuß gezeigt hat -, daß einige
westliche Staaten die Entwicklungshilfe als handelspolitisches Instrument zu betrachten scheinen, während nur einige wenige darin
ein Hauptwerkzeug für die Verwirklichung der großen außenpolitischen
Zielsetzung erkennen.
Die »Verpflichtung zur Hilfeleistung an die aufstrebenden
Staaten in Asien, Afrika und Lateinamerika entspringt der grundlegenden Gemeinsamkeit der Ziele, die zwischen den nordatlantischen
Demokratien und Japan einerseits und diesen minderentwickelten Ländern andererseits besteht. Unsere Sicherheit hängt in hohem Maße
davon ab, daß sie sich zu starken, unabhängigen, freien Staaten entwickeln. Die Nationen des Westens, die ihre eigenen Imperien praktisch
liquidiert haben, können und müssen den jungen Staaten durch weitsichtige und wohldurchdachte Hilfeprogramme gegenüber dem neuen
kommunistischen Imperialismus den Rücken stärken. Im Zusammenhang
damit laden wir die jungen Staaten ein, sich aus freien Stücken gemeinsam mit den älteren Demokratien des Westens zu einem Konzert
der freien Nationen zu verbinden, ein Bündnis, das auf voller Achtung
ihrer staatlichen Souveränität beruht.
Ebenso wichtig wie die Höhe der westlichen Anleihen an die Entwicklungsländer sind die Konditionen, zu denen sie gewährt werden.
Wenn sie ihren Zweck, nämlich das wirtschaftliche Wachstum herbeizuführen, erfüllen sollen, müssen diese Anleihen mit langfristigen
Rückzahlungsterminen ausgestattet und zu erheblich niedrigeren als
den sonst üblichen Zinssätzen erhältlich sein. Sowohl in dieser Hinsicht als auch im Hinblick auf den Gesamtkomplex der Auslandshilfe
muß meines Erachtens darauf hingewiesen werden, daß die Vereinigten

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12

-

�Vereinigten Staaten bedeutend größere Anstrengungen unternommen
haben als eine Reihe anderer westlicher Staaten.
Wie die britische Wirtschaftspublizistin Barbara Ward Jackson hervorhebt, sind in bezug auf die Entwicklungshilfe, die die
reichen Staaten den armen gewähren, zwei Dinge klar: "Die übrige
Welt", schreibt Frau Jackson, "hat nichts geleistet, was dem Beitrag Amerikas oder ihrem eigenen, nach Erhalt der Marshallplanhilfe
erreichten Wohlstand angemessen wäre. Gewiß haben einige wenige ungefähr ein Prozent ihres Sozialprodukts zur Verfügung gestellt was man sicherlich nicht als übermäßigen Beitrag zur Weltentwicklung
bezeichnen kann. Der zweite Punkt ist, daß die Hilfeprogramme nicht
Teil einer allgemeinen Entwicklungsstrategie sind, die darauf abzielt, den armen Staaten den Start in kürzester Frist zu ermöglichen.
Die Bewilligung der Mittel wurde von Jahr zu Jahr ziemlich zusammenhanglos vorgenommen. Die Handelspolitik der Geberländer wirkte womöglich sogar in entgegengesetzter Richtung. Wir werden somit neue
Herausforderungen zu meistern, eine neue Strategie zu erarbeiten
und neue Entscheidungen zu treffen haben." 11)
Die Formulierung einer straff koordinierten, weit vorausschauenden atlantischen Strategie der Entwicklungshilfe ist eine dringende
Notwendigkeit. Nicht nur ist der allgemeine Zufluß und Charakter
der Hilfeleistungen unzulänglich, sondern außerdem ist das Mißverhältnis der einzelstaatlichen Beiträge auf dem Gebiet der Auslandshilfe und auf anderen Gebieten ein wichtiger Faktor im Hinblick
auf die unausgeglichene amerikanische Zahlungsbilanz, der somit eine
Kürzung der amerikanischen Hilfeprogramme erforderlich machen könnte.
Das wäre jedoch ein großes Unglück für den gesamten Westen, weil wie Frau Jackson feststellt - "Hilfe nicht unbedingt den Fortschritt
gewährleisten kann. Aber es gibt kein 'kann1 und 'könnte' in der
Beziehung, daß unreformierte Volkswirtschaften, die keine Hilfe erhalten, unaufhaltsam der Anarchie und dem Zusammenbruch entgegentreiben. Die Entwicklungshilfe bleibt daher im buchstäblichen Sinne
ein wesentliches Instrument der westlichen Sicherheit." 1 J
Im letzten Jahrzehnt wuchs das Sozialprodukt der Atlantikländer
alljährlich um mindestens drei Prozent. Unsere erklärte Absicht ist
es, diesem Wachstum im nächsten Jahrzehnt noch weitere 500 Milliarden
Dollar hinzuzufügen. Die ärmeren Länder sind demgegenüber kaum imstande, ihr gegenwärtiges Niveau zu halten, und in verschiedenen
Fällen waren sogar starke Rückschläge zu verzeichnen. Angesichts
dieses Gegensatzes kann sich keine der prosperierenden westlichen
Nationen auf angebliches Unvermögen berufen.
Was politisch bei der Entwicklungshilfe der Atlantikstaaten
an die ärmeren Staaten auf dem Spiel steht, ist nichts Geringeres
als die Entscheidung, ob die atlantische Welt eines Tages eine
isolierte Bastion der Freiheit und Prosperität oder aber die tragende Kraft eines weltumfassenden Konzerts der freien Nationen
sein wird. Wenn wir letzteres erreichen wollen, müssen wir unsere
Hilfeleistungen einschließlich ihrer Höhe und Dauer, der Prioritäten

�Prioritäten und Methoden sorgfältig untereinander abstimmen.
Wie ich angedeutet habe, könnte sich im Laufe der Zeit herausstellen,
daß dazu mehr als Zusammenarbeit erforderlich ist. Und weil bei internationalen Verhandlungen oft nur Vereinbarungen zu gemeinsamem
Vorgehen auf der Basis des kleinsten Generalnenners zustande kommen,
kann es sein, daß wir auf unsere Hilfsprogramme schließlich ähnliche
politische Verfahren anwenden müssen, wie sie sich in der Europäischen
Wirtschaftsgemeinschaft als so wirksam erwiesen» haben. Lord Franks
drückte dies mit den Worten aus: "Ein neuer Weg muß gefunden werden,
eine neue Organisation, Institution oder Kommission, die genügend
Ansehen, Unabhängigkeit und Initiative besitzt, um gemeinsame Lösungen
zu formulieren und sie den Regierungen der einzelnen Mitgliedstaaten
der Gruppe vorzulegen, auf daß diese nicht nur untereinander dazu
Stellung nehmen, sondern sich auch gleichzeitig damit auseinandersetzen
müssen, ob die vorgeschlagene Lösung der Partnerschaft in ihrer Gesamtheit wirklich zum Besten gereicht," 13)
Ich selbst glaube, daß der "neue Weg", den Lord Franks fordert,
durch Stärkung der OECD erschlossen werden kann. Was wir uns vor allem
überlegen sollten, ist die Umwandlung des OECD-Entwicklungsausschusses
zum gegebenen Zeitpunkt aus einem koordinierenden zu einem Planungsund Führungsorgan. Es wäre denkbar, daß der Ausschuß die Vollmacht erhält, seine Entscheidungen nach dem System der "Beschlußfassung mit
qualifizierter Mehrheit" zu treffen, wie es im EWG-Ministerrat geschieht.
Mit diesem System könnte er auch die Befugnis erhalten, Umfang und
Konditionen der Entwicklungshilfe sowie die Höhe der angemessenen Beiträge der einzelnen Atlantikländer festzusetzen. Aus einleuchtenden
konstitutionellen Gründen könnten solche Beschlüsse natürlich nicht zu
einer bindenden "Auflage" gemacht werden, gewiß nicht für die Vereinigten Staaten. Man dürfte jedoch erwarten, daß die Beschlüsse des Ausschusses die gleiche moralische Verbindlichkeit besitzen, die für
das System der einzelstaatlichen Beitragsleistungen an die Vereinten
Nationen gilt.
Wenn ich nun für erneute große Anstrengungen des Westens auf dem
Gebiet der Entwicklungshilfe plädiere, möchte ich dabei unterstreichen,
daß unsere Hilfeleistung - weit davon entfernt, "unpolitisch" zu sein
oder in Natur und Absicht im wesentlichen wirtschaftliche Zwecke zu
verfolgen - tiefgreifende politische Auswirkungen hat. Die Auslandshilfe ist eines von mehreren Instrumenten, die der freie Westen zur
Verstärkung der eigenen Sicherheit gegenüber der kommunistischen Aggression einsetzen kann. Das Ziel eines wohldurchdachten westlichen Hilfsprogramms ist nicht, die Hilfe von den politischen Zielen zu trennen,
sondern sie von jedem Ballast unausgegorener, kurzsichtiger, trivialer
und oberflächlicher Zielsetzungen zu befreien, indem wir sie aufs engste
mit unseren lebenswichtigen langfristigen politischen Zielen verbinden.

�Es liegt durchaus in der Macht der atlantischen Demokratien,
die Welt einer neuen Ära der Hoffnung und des Fortschritts entgegenzuführen. Diese Hoffnung entspringt der Geburt einer Idee der Idee vom Konzert der freien Nationen. Wir haben mit ihrer Verwirklichung bereits begonnen, doch liegt noch ein weiter Weg vor
uns. Wenn wir indessen unserem Ziel treu bleiben und alle unsere
Maßnahmen - in unserer Handelspolitik und unseren Hilfsprogrammen,
in unseren diplomatischen wie in unseren militärischen Dispositionen auf die Verwirklichung dieses einen Zieles ausrichten, wird die Zukunft der Freiheit im Westen und überall in der Welt gesichert sein,
während der Kommunismus mit der Zeit der Vergessenheit anheimfallen
wird, dem Los aller Lehren, die den ursprünglichsten Instinkten und
Hoffnungen der Menschheit zuwiderlaufen.
Anmerkungen
1) Alexis de Tocqueville, "Democracy in America", zitiert nach der Übersetzung aus dem Französischen von Henry Reever (Oxford University
Press 1947), S. 285.
2) General Lyautey; zitiert nach Maurice Schumann, "France and Germany
in the New Europe", in*. "Foreign Affairs", Oktober 1962, S. 66.
3) Walter Hallstein, "United Europe" (Harvard University Press 1962),
s. 29.
4) "Problems and Trends in Atlantic Partnership", Teil 1(1962, Senatsdrucksache No, 132), S. 1.
5) John Brooks, "The Common Market", Teil I, in: "The New Yorker",
22. September 1962, S. 78.
6) "Problems and Trends in Atlantic Partnership", Teil I. (a.a.O.), S.30.
7) Konrad Adenauer, "The German Problem", in: "Foreign Affairs",
Oktober 1962, S. 63.
8) Walter Hallstein, "United Europe", a.a.0.,S.88.
9) Professor Karl Deutsch, Yale University.
10) Tocqueville, "Democracy in America", a.a.O., S. 599»
11) Barbara Ward, "The Rieh Nations and the Poor Nations, 1962, S. 135 f«
12) Barbara Ward Jackson, "Foreign Aid: Strategy or Stopgap?", in:
"Foreign Affairs", Oktober 1962, S. 104.
13) Lord Franks, "Cooperation is Not Enough", in:
"Foreign Affairs", Oktober 1962, S. 33.

-

15

-

�</text>
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                <text>Ansprache des Stellvertretenden Außenministers der Vereinigten Staaten von Amerika&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Staatssekretär George W. Ball vor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik am Montag, dem 2. April 1962 in der Beethovenhalle zu Bonn&lt;/em&gt;</text>
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                    <text>AMERIKA-BIEHST • Sonderbeilagen 1961

Priaident Kiaenhoweri Botschaft «her dl« La«« der Nation«
Wortlaut der ron Priaident Elaenhower am 12« Jnnuar 1961
den US-Kongress unterbreiteten State of the Union Message
W

20,1,

Lotste naushaltsbotaohaft Prtsident Etsenhovers an den
US-Kongress ron 16, Januar 1961

A

20.1.

Absohiedaansprache Präsident Eisenhowers an das anerikanieohe Volk Ton 17» Januar 1961

W

27«1.

Prlsident Eieenhower legte Wirtschaftsberioht Tor«
Wirtsohaftsbotschaft Prlsident Eisenhowers TOB 18« Januar
1961

A

27*1*

Inaugurationaanaprache des neuen Präsidenten des USA Kennedys Sine neue Generation hat die Regierung tthernoBPrlaident Kennedys Antrittsrede T O B 20* Januar 1961
Text of President Kennedy's Inaugural Address (Engl. Version)

A

27.1»

ehester Bewies unreisst außenpolitische Aufgaben der USA«
''ortlaut der Rede des stellvertretenden US-Aussenministers
ehester Bewies T O B 21, Januar 1961 Tor der UniTersity of
Michigan in Ann Arbor

A

5«2.

Prlsident Kennedy unterbreitet Botschaft über die Lage der
Ration« - State of the Union Message T O B 30« Januar 1961

W

10.2«

Priaident Kennedy unterbreitet Wirtschaftsbotschaft«
Zusammenfassung und Aussage Her Wlrteehaftsbotschaft T O B
2« Februar 1961

W

10.2.

President Ke:i «dy legt Prograaa sura Ausgleich der anerikaniachen Zahlungabilans Tor«
Botschaft an den US-Kongreos T O B 6« Februar 1961

A

24«2«

HamaarskjOldt Ich bleibe auf steinen Posten«
Wortlaut der Erklärung des UN-Ganeraleekretlrs Bag HaaBarskjöld T O B 15« Februar 1961 Tor den tfelteioherheitsrat

W

31«3«

W

31*5*

Kennedy legt
Wortlaut der
1961
Kennedy legt
Wortlaut der
1961

W

7«4«

neues Auslandshilfeprogranm vor«
Sonderbotsohaft Prlsident Kennedys T O B ?2.Mlrs
Empfehlungen für den neuen US-Haushalt TOT«
Sonderbotsohaft Prlsident Kennedys T O B 24«L!lrs

Kennedy unterbreitet Botschaft Aber den Vertetdigungahaushalt der USA«
Wortlaut der Sonderbotschaft des Prlsidsnten T O B 28« Kars
1961

�Präsident Kennedys Wir werden Kuba nicht den
fiberlassen,
Wortlaut der rede Präsident Kennedys vom 20, April 1961
•or der Amerioan Society of Hewspaper 'ditors in Washington
I

2.6.

Kennedy ruft das amerikanische Volk zu grosseren Anstrengungen
auf«
Wortlaut der Sonderbotschaft des Präsidenten von 25, Mai 1961

W

9.6.

Ruskt USA wollen dynamischen Frieden.
Wortlaut der Ausführungen US-Auaaenminlatere Rusk* in denen
er an 51* ^si 1961 wor dem aussenpolitlachen Ausschuns des
US-Senats sur amerikanischen Aualandahilfe Stellung nahn.

A

9«6»

Präsident Kennedy ' erichtet aber seine Buropareise.
Wortlaut der Fernseh- und Rundfunkansprache Präsident Kennedys Ton 7« Juni 1961

A

25.6.

USA beantwortet sowjetisches Memorandum zu den ('enfer Atonverhandlungen.
Wortlaut der amerikanischen "ote vom 17* Juni 1961 als Antwort auf das sowjetische Memomndura T O B 12. Juni 19^1

A 14*7«

Bis Rolle der Presse in Ost und West.
Aus der New Yorker Ferneehdebatte vom 24. Juni 1961 zwischen
sowjetischen und amerikanischen Journalisten

A

14*7*

Dean Husk macht Sowjets fttr Weltkrise verantwortlich*
Wortlaut der Rede des US-Aussenminlaters sowie der Tragen
und Antworten der anschliessenden ^erlin-Diakussion in
Nationalen Preaseklub sm 10« Juli 1961 in Washington

A

28.7.

Präsident *ennedy unterstreicht feste Haltung der USA in
der Berlin-Frage.
Wortlaut der Rundfunk- und Iernaehanapracho des Präsidenten
von 25. Juli 1961
Gin Tor zum Frieden - Vertrag zur Einstellung der Kernwaffenversuche*
Analyse des Vertragsentwurfes von 18* April sowie da» offizielle
Stellungnahme des Weissen Hauses von ?1* August zur Wiederaufnahme der SowjetIschen Kernwafrenversuche und die Erklärung
von 5* September 1961 *un britisch-amerikanischen Angebot
eines unkontrollierten Vereuohsetopps

A

1.9*

Berlin - 1961
Berlin-Broschüre des amerlkaniaohen Ausaenrainioteriuns

A

15*9*

Satelliten und Raumsonden
4 Jahre Experimente im Weltraum - USA starteten über 50 Satelliten

A

15*9*

Wemtmäehte warnen Moskau erneut vor Behinderung des Luftverkehr« nach Berlin*
Wortlaut der amerikanischen Note an die Sowjetunion
8* September 1961

�A 22.9,

US-Unterstentssekretärx Testfall Berlin
Rede de* Unterstaatssekretl'rs im US-Tarteidlguugsminieterium89
Paul H. Nitze, vom 7* September 1961 vor dem Verband amerikanischer Armeeangehöriger

A 29*9«

Präsident Kennedy spricht zur UH-Vollversaenlung
Wortlaut der R »de Präsident Kennedys TOT» 25 # September 1961
vor den Vereinten Nationen

A 29,9.

Freiheit von Krieg - Bas Programm der Vereinigten Staaten
för allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen
Welt
Abrüstung*plan, der am 25. September 1961 von Adlai E # Stevenson der 16» UN-Voll Versammlung vorgelegt wurde*

A

Wortlaut des ^ennedy-Adsohubej-Intervievs vom 25* November
1961

6*12«

A 15*12.

Kennedy erläutert Aussenhandelspolitik der USA
Aussäge aus der Bede des Präsidenten vom 6. Deseraber 1961
vor dem amerikanischen Industriellenverband in New York
Address to National Association of
Manufacturero ( En^l. Version)

A 15*12.

Praesidant Kennedy vor dem Kongress der API -CIO

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und Arbeit
6 . Januar

1/c

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE STRAHLENCHEMIE UND IHRE INDUSTRIELLE
BEDEUTUNG (il)
Mögliche künftige Anwendungsgebiete
(125 Zeilen)

Seite

1

Seite

6

Seite

9

Seite

11

Seite

12

Seite

13

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
SPITZENERGEBNISSE UND SORGENFALTEN
Die a m e r i k a n i s c h e W i r t s c h a f t im J a h r e 196O S t a g n a t i o n a u f hohem Niveau
(80 Z e i l e n )

DIE US-LAND'.VIRTaCHAFT IM JAHRE 1960
Weitere erhebliche Zunahme der Erträge und der
Produktivität - Farmeinkommen nur geringfügig
angestiegen
(50 Zeilen)

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
RADAR-FRÜHWARNSYSTEM IM FLUGZEUG
(17 Zeilen, 1 Bild)
DIE DREI SCHNELLSTEN FLUGZEUGTYPEN DER WELT
(10 Zeilen, 1 Bild)

WELT DER ARBEIT
ARBEITNEHMER UND GEWERKSCHAFTEN IM JAHRE 1960
Entspannung zwischen den Sozialpartnern Technologische Probleme im Vordergrund
(78 Zeilen)

* * * * *

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13. Januar

1961

INHALTSVERZEIGHNIS

WIRTSCHAFTS REPORTAGE
DAS AMERIKANISCHE BUCHVERLAGSWESEN (i^
Verlage, Verlagsprogramme, Auflagen und
Vertriebsformen
(115 Zeilen)

Seite

1

DIE US-WIRTSCHAFT ZUM JAHRESBEGINN
F l a u t e d ü r f t e noch e i n i g e Monate a n d a u e r n - E r n e u t e r
K o n j u n k t u r a u f s c h w u n g e r s t ab J a h r e s m i t t e e r w a r t e t
(53 Z e i l e n )

Seite

5

OPTIMISMUS IM US-EINZELHANDEL
S t e i g e r u n g d e r Umsätze um 2 b i s 4 P r o z e n t
in diesem J a h r e r w a r t e t
(54 Z e i l e n )

Seite

7

"SCHLAFMITTEL" FÜR OBSTBÄUME
(9 Z e i l e n )

Seite

9

NEUARTIGE "KRAFTZELLE"
(15 Z e i l e n )

Seite

9

GRÖSSTE ENTSALZUNGS-VERSUCHSANLAGE DER WELT
IN BETRIEB
(8 Z e i l e n )

Seite

10

1961 - EIN JAHR WICHTIGER TARIFVERHANDLUNGEN
(45 Z e i l e n )

Seite

11

US-INDUSTRIE BESCHÄFTIGT MEHR WISSENSCHAFTLER
UND TECHNIKER
(12 Z e i l e n )

seiite

12

VERMÖGEN UND MITGLIEDERZAHL DER AUTOMOBILARBEITERGEWERKSCHAFT GESTIEGEN
(11 Zeilen)

Seite

13

STREIFLICHTER AUS DER US-AIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK

WELT DER ARBEIT

�A M KR I KA D I E N S T
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XIII. Jahrgang. Nr. 5/C

2 0 . J a n u a r 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS AMERIKANISCHE BUCHVERLAGSWESEN ( I I und S c h l u ß )
Die S c h u l b u c h v e r l a g e und B u c h k l u b s
(75 Z e i l e n )

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ÜBERRASCHEND HOHE ZUNAHME DER US-EXPORTE IM VORJAHR
K o m m e r z i e l l e E x p o r t e e r r e i c h t e n i 9 6 0 neue Rekordhöhe
- E i n f u h r e n b e h a u p t e t e n s i c h auf hohem N i v e a u
(65 Z e i l e n )

Seite

DIE LAGE IN DER US-STAHLINDUSTRIE
E n t t ä u s c h e n d e E r g e b n i s s e im J a h r e i960
s c h e i n t überwunden
(60 Z e i l e n )

Seite

Tiefpunkt

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ZWEI NEUE "HTGR"-VERSUCHSREAKTOREN
(17 Z e i l e n )

Seite

9

"SAVANNAH" ERHÄLT BRENNSTOFFELEMENTE
(13 Z e i l e n )

Seite

9

BETRACHTLICHE ZUNAHME DER LOHNNEBENLEISTUNGEN
IN DER US-WIRTSCHAFT
(36 Z e i l e n )

Seite

11

DURCHSCHNITTSEINKOMMEN DER BÜROANGESTELLTEN
(24 Ze.il*en)

Seite

12

WELT DER ARBEIT

ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER» LETZTE HAUSHALTSBOTSCHAFT AN DEN US-KONGRESS

* * * * *

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27. Januar 1961

XIII. Jahrgang. Nr. 4/C
INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
NEUER AUTOMATIONSTREND ZEICHNET SICH AB
Einführung von Maschinen mit "numerischem
Kontrollsystem" gibt der Automation eine
neue Dimension
(60 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EIN BUDGET MIT FRAGEZEICHEN
Regierung Eisenhower unterbreitete US-Kongreß
letzte Haushaltsbotschaft
(72 Zeilen)
"SMALL-BUSINESS"-INVESTMENTGESELLSCHAFTEN
HABEN SICH SCHNELL ENTWICKELT
Heute bereits ein wichtiger Faktor für die
Bereitstellung von Krediten an kleinere
und mittlere Unternehmen
(58 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES DATENVERARBEITUNGSZENTRUM FÜR
OZEANOGRAPHISCHE FORSCHUNGEN
(10 Zeilen)
ZOOLOGISCHE FORSCHUNGEN IM STILLEN OZEAN
(9 Zeilen)
NEUER SCHNELLDRÜCKER
(9 Zeilen)
NEUE KERAMISCHE WERKSTOFFE
(7 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
NEUE ERNENNUNGEN IM US-ARBEITSMINISTERIUM
(28 Zeilen)
KONGRESSBIBLIOTHEK ERHIELT KOPIEN DER
"AMERICA-AT-WORK"-FILMSERIE
(26 Zeilen)
ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER LEGTE WIRTSCHAFTSBERICHT VOR
* * * * *

Seite

4

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7

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9

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9

Seite 10
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Seite 12

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Wirtschaft
undArbeit

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3 . Februar

X I I I . J a h r g a n g . Nr. 5/C

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTS REPORTAGE
DER WANDEL IN DER ENERGIESTRUKTUR DER USA
Derzeitiges Strukturbild wird auch in absehbarer Zukunft vorherrschen - Atomenergie
dürfte nur 2 bis 4 Prozent des Energiebedarfs
von 1975 stellen
(67 Zeilen)

Seite

1

Seite

4

Seite

7

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
SENATSAUSSCHUSS ERSTELLTE WIRTSCHAFTSPOLITISCHE
ANALYSE
Wahrscheinlich wichtigste Arbeitsunterlage
R e g i e r u n g Kennedy
(83 Z e i l e n )

der

KEIME DRASTISCHEN MASSNAHMEN ERFORDERLICH
Der " S p r o u l - A u s s c h u ß " a n a l y s i e r t e d i e d e r z e i t i g e
Lage i n d e r U S - W i r t s c h a f t
(72 Z e i l e n )
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
HÖHERE HALTBARKEIT VON FRISCHFISCH DURCH BESTRAHLUNG
US-Bundesamt f ü r d a s F ^ i s c h e r e i w e s e n f ü h r t e
i n t e r e s s a n t e Untersuchung durch
(50 Z e i l e n )

Seite 10

WELT DER ARBEIT
AUSWEITUNG UND VERBESSERUNG DER GEWERKSCHAFTSPRESSE
(14 Zeilen)
REGELUNGEN ÜBER DIE BEZAHLUNG VON ARBEITSPAUSEN
IN US-TARIFVERTRÄGEN
(16 Zeilen)

Seite 12

GEWERKSCHAFTEN UNTERSTÜTZEN BAU VON PENSIONEN
FÜR RENTNER
(25 Zeilen)

Seite 13

* -x * * *

Seite 12

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Wirtschaft
und Arbeit
10. Februar

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
PRODUKTIVITÄTSSTEIGERUNG IST KEINE HEXEREI
M u s t e r b e t r i e b d e r New Y o r k e r D O B - I n d u s t r i e w e i s t
Weg
zu h ö h e r e n P r o d u k t i o n s l e i s t u n g e n
(72 Z e i l e n )

Seite

1

DIE WIRTSCHAFTLICHEN ASPEKTE DER KENNEDY-BOTSCHAFT
ÜBER DIE LAGE DER NATION
S t ä r k u n g d e r Fundamente d e r e i g e n e n W i r t s c h a f t Keine ü b e r h a s t e t e n , sondern f u n d i e r t e l a n g f r i s t i g e
Programme
(72 Z e i l e n )

Seite

4

EINDÄMMUNG DER REZESSION UND SICHERUNG EINES
STÄRKEREN WIRTSCHAFTLICHEN WACHSTUMS
Die w i c h t i g s t e n A s p e k t e d e r W i r t s c h a f t s b o t s c h a f t
P r ä s i d e n t Kennedys an den Kongreß (75 Z e i l e n )

Seite

7

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
DAS "ELEKTRONISCHE GEHIRN" EINES MODERNEN KAMPFBOMBERS
(12 Z e i l e n , 1 B i l d )

S e i t e 10

NEUARTIGE METHODE ZUR ÜBERMITTLUNG VON RADIOSIGNALEN
(15 Z e i l e n )

Seite

SUPERSCHNELLES ELEKTRONENSCKALTSYSTEM
(10 Z e i l e n )

S e i t e 11

10

WELT DER ARBEIT
ZUNEHMENDE BEDEUTUNG DER PRIVATEN
KRANKENVERSICHERUNGSPLÄNE
(36 Z e i l e n )

S e i t e 12

US-ARBEITSMINISTERIUM GAB NEUES "AMERICAN WORKERS'
FACT BOOK" HERAUS
•
(30 Z e i l e n )

Seite

13

ANHANG
PRÄSIDENT KENNEDY UNTERBREITET KONGRESS WIRTSCHAFTSBOTSCHAFT
PRÄSIDENT KENNEDY LEGT PROGRAMM ZUM AUSGLEICH DER AMERIKANISCHEN
ZAHLUNGSBILANZ VOR.
.
.
* * * *

*

�AM E R I K A

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Wirtschaft
und Arbeit

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17. Februar

XIII. Jahrgang. Nr. 7/C

1 961

INHALTSVERZEICHNIS

WIR TS CHAFTSREP ü RTA GE
WIE DAS AMERIKANISCHE BUDGET ENTSTEHT
Ein Überblick über den technischen und
parlamentarischen Werdegang
(118 Zeilen)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
PRÄSIDENT KENNEDY UMREISST MASSNAHMEN ZUR
EINDÄMMUNG DES ZAHLUNGSBILANZDEFIZITS
Beseitigung des "strukturellen" Defizits vordringlichste Aufgabe - Keine Zuflucht zu
restriktiven Maßnahmen
(95 Zeilen)

Seite

US-EXPORTE ERREICHTEN 196O DEN BISHER
HÖCHSTEN STAND
Importe gingen um 4 i° zurück - Zweithöchster
Außenhandelsüberschuß
(50 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
GROSSHUBSCHRAUBER FÜR PASSAGIERDIENST
Der neue Sikorsky-Turbinenhubschrauber ist
schnell, leise und bequem
(34 Zeilen, 1 Bild)

Sei te

11

WELT DER ARBEIT
ARBEITSMINISTER GOLDBERG ÜBER SEINE AUFGABEN UND ZIELE
(22 Zeilen)
Seite

13

ZEITLOHN GEWINNT GEGENÜBER AKKORDLOHN AN BODEN
(50 Zeilen)
*

*

*

• *

*

Seite

14

�AMERIKA

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B«d

Codeiber«

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X I I I . Jahrgang. Nr.

Wirtschaft
und Arbeit

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8/c

24. Februar

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WTRTSCHAFTSREPOHTAGE
DIE USA VOR EINER NEUEN "BENZIN-REISEWELLE"
IN DIESEM JAHR
1960 w u r d e n 715 Mrd. M e i l e n m i t A u t o m o b i l e n
z u r ü c k g e l e g t - Ausbau d e s S t r a ß e n n e t z e s
s c h r e i t e t schnell voran
(70 Z e i l e n )

I

Seite

1

ICLNDESTLÖHNE SOLLEN STUFENWEISE AUF 1 , 2 5 DOLLAR
HERAUFGESETZT WERDEN
Kennedy l e i t e t e Kongreß G e s e t z e n t w u r f zu - Ausdehnung
d e r M i n d e s t l o h n g e s e t z e a u f w e i t e r e 4 » 3 Mio P e r s o n e n
(55 Z e i l e n )
•

Seite

4

BERATUNGSAUSSCHUS3 FÜR ARBEITGEBER-ARBEITNEHMERFRAGEN GEBILDET
21 V e r t r e t e r a u s M a n a g e m e n t , G e w e r k s c h a f t e n und
Öffentlichkeit ernannt
(45 Z e i l e n )

Seite

6

Seite

8

US-INDUSTRIE ERHÖHTE PRÄMIEN FÜR VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE
3eite
(36 Z e i l e n )

10

ZAHL DER STREIKS ERREICHTE
IM JAHRE
RE 19t
( 2 1 Ze i l e n )

Seite

11

Seite

12

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
KLARTEXT-LESEMASCHINE
Übertragung der Texte in
der Elektronenrechner
(40 Z e i l e n )

die

"Maschinensprache"

WELT DER ARBEIT

NACHKRIEGSTIEFSTAND

ARBEITSPLATZSICHERUNGSABKOMMEN IN DER
US-GUMMIINDUSTRIE
(16 Z e i l e n )

* *

* *

*

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Wirtschaft
und Arbeit
3. März

XIII. Jahrgang. Nr. 9/C

1961

INHALTSVERZEICENIS

DIE ARTIKELSERIE
DAS AUTOMOBIL IM LEBEN DES AMERIKANERS (i)
Ein Rückblick auf die Entwicklung der
Motorisierung in den USA seit 1900
(130 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
US-WIRTSCHAFT VOR ERREICHUNG DES
REZESSIONSTIEFPUNKTES?
Präsident Kennedy spricht offen von einer
"Rezession" - Experten meinen: Tiefpunkt
in Kürze erreicht
(98 Zeilen)

Seite

6

Seite

10

Seite

13

Seite

13

Seite

14

BEMERKENSWERTER PENSIONSPLAN BEI MONSANTO
(24 Zeilen)

Seite

15

KENNEDY BESETZTE ZWEI WEITERE WICHTIGE POSTEN
(23 Zeilen)

Seite

16

ZUNEHMENDE BESCHÄFTIGUNG ÄLTERER ARBEITNEHMER
(16 Zeilen)

Seite

17

DIE POLITIK DES GESPALTENEN ZINSSATZES
Federal Reserve Board leitete neue Ära der
Offenmarktpolitik ein
(78 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUARTIGER KLEINSTREAKTOR
(10 Zeilen)
ÜBERSTARKES RÖNTGENGERAT
(7 Zeilen)
NEUARTIGES PLANETARIUM
(10 Zeilen)
'WELT DER ARBEIT

* * * * *

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Wirtschaft
undArbeit
10. März 1°61

INHALTSVERZEICHNIS
DIE ARTIKELSERIE
DAS AUTOMOBIL IM LEBEN DES AMERIKANERS (II und Schluß)
Vom Spielzeug zum Gebrauchsgegenstand
(120 Zeilen, 1 Bild)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
BELEBUNG IN DER BAUWIRTSCHAFT ZEICHNET SICH AB
Zunahme der abgeschlossenen Baukontrakte um
13 Prozent im Januar
(85 Zeilen)
PRÄSIDENT KENNEDY FORDERT BESCHLEUNIGUNG DES
STRASSENBAUPROGRAMMS
Jährlich 900 Mio Dollar mehr erforderlich, wenn
Programm termingerecht abgewickelt werden soll
(54 Zeilen)

Seite

Seite

AM RANDE NOTIERT
FRISCHGEMtJSEVERBRAUCH GEHT WEITER ZURÜCK
Verarbeitetes Gemüse dürfte 1961 Frischgemüse in
den USA überflügeln
(32 Zeilen)

Seite

11

WELT DER ARBEIT
US-GEWERKSCHAFTEN STELLEN 1 MRD . DOLLAR FÜR DEN
WOHNUNGSBAU BEREIT
(22 Zeilen)
DEUTSCHAMERIKANER FÜNFZEHNMILLIONSTER SOZIALRENTNER DER USA
(18 Zeilen)

Seite

13

Seite

14

ARBEITGEBER-ARBEITNEHMERAUSSCHÜSSE AUCH FÜR DIE
BUNDESSTAATEN VORGESCHLAGEN
(22 Zeilen)

Seite

14

* * * * *

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17. März

11/c

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
VOR 75 JAHREN WÜRDE DIE ALUMINIUMINDUSTRIE GEBOREN
Das Elektrolyseverfahren zur Gewinnung von Aluminium
aus Tonerde schuf die Grundlagen für die moderne
Aluminiumindustrie (75 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AMERIKA ERSTREBT VOLLE AUSSCHÖPFUNG DER
PRODUKTIONSKAPAZITÄT
Zu dem Bericht des Wirtschaftsbeirates des
Präsidenten an den US-Kongreß (54 Zeilen)
VOR EINER NEUEN KAUFWELLE IN DEN USA?
US-Wirtschaft erwartet Zunahme der Kapitalgüterinvestitionen in der zweiten Jahreshälfte
(64 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
BRANDVERZÖGERNDES IMPRÄGNIERUNGSMITTEL
(20 Zeilen)
HOCHWIRKSAME HERBIZIDE
(14 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
INDUSTRIEARBEITERLÖHNE IM JANUAR UNVERÄNDERT
(11 Zeilen)
5 MILLIONEN DOLLAR FÜR VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE
BEI "GM"
(12 Zeilen)
LEO BAMBERGER GESTORBEN
(11 Zeilen)
NEUER 3-JAHRES-VERTRAG IN DER DAMENOBERBEKLEIDUNGS^
INDUSTRIE
(10 Zeilen)
WIEDERHOLUNG VON FUNKTIONÄRSWAHL AUF GRUND DES
NEUEN GEWERKSCHAFTSGESETZES
(20 Zeilen)
* * * * *

4

Seite 6

9

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Seite 11
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24. März

X I I I . J a h r g a n g N r . 12/C

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER STRUKTURWANDEL DES US-AUTOMARKTES
Compact-Wagen dürften Marktanteil 1961 auf
40 Prozent steigern - Importeure europäischer
Wagen optimistisch
(68 Zeilen)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
PRÄSIDENT KENNEDI UMREISST HILFSPROGRAMM
FÜR LATEINAMERIKA
Ziel: Wirtschaftliche und soziale Entwicklung
dieses Subkontinents
(70 Zeilen)
LICHTBLICKE AM US-WIRTSCHAFTSHORIZONT
Positive Ausschläge einiger wichtiger
Wirtschaftsbarometer im Februar
(85 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND'TECHNIK
"DIPAN-TM" VERHINDERT GRASWUCHS
(10 Zeilen)
ERSTE TIEFSEE-PROBEBOHRUNGEN IM RAHMEN DES
PROJEKTS "MOHOL" DURCHGEFÜHRT
(27 Zeilen)

Seite 1

Seite

4

Seite

7

Seite

10

Seite

10

Seite

12

WELT DER ARBEIT
AM ARBEITSPLATZ SICHERER ALS' ZÜI HAUSE
Wirksame UnfallVerhütungsprogramme führten zu
erheblicher Senkung der Unfallrate in den USA
(70 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

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Wirtschaft
und Arbeit
31 • März 1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
"CONVAIR 990" - DIE SCHNELLSTE DÜSENVERKEHRSMASCHINE
Reisegeschwindigkeit über 1000 km/st - Die erste
"Erfahrungsmaschine" unter den Düsenverkehrsflugzeugen (58 Zeilen,- 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
"NEW LOOK" FÜR DAS US-AUSLANDSHILFEPROGRAMM
Präsident Kennedy forderte Umgestaltung und
Straffung der Auslandshilfe (85 Zeilen)

Seite

1

LICHTBLICKE IN DER US-ZAHLUNGSBILANZ
Goldabfluß kam zum Stillstand - Erste Erhöhung der
Reserven seit zwei Jahren (64 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES AUFFINDUNGSVERFAHREN FÜR CÄSIUM UND RUBIDIUM
(10 Zeilen)

Seite

9

Seite

9

Seite

10

Seite

11

Seite

11

Seite

12

Seite

12

KLIMA-SCHUTZANZUG
(11 Zeilen)
VERBESSERTES RADARSYSTEM
(9 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
UNFALLHÄUFIGKEITSBATE HAT WIEDER TIEFSTAND ERREICHT
(20 Zeilen)
ANSTIEG DER BESCHÄFTIGTEN- UND ERWERBSLOSENZAHL
IM FEBRUAR
(14 Zeilen)
STREIKZIFFER ERREICHTE NIEDRIGSTEN STAND DER
NACHKRIEGSZEIT
(8 Zeilen)
DURCHSCHNITTS-WOCHENLÖHNE BEI FORD 126 DOLLAR
(12 Z e i l e n )
ANHANG

KENNEDY LEGT NEUES AUSLANDSHILFEEROGRAMM VOR
KENNEDY LEGT EMPFEHLUNGEN FÜR. DEN NEUEN US-HAUSHALT VOR

* * * * *

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XIII. Jahrgang. Nr, 14/C

Wirtschaft
und Arbeit
7. April 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
MASCHINE LIEST 240 BUCHSTABEN PRO SEKUNDE
Neuartige Lesemaschine liest und überträgt
Klartext in die moderne "Maschinensprache"
(80 Zeilen, 1 Bild)
.

Seite

1

Seite

4

LANDWIRTSCHAFTLICHE AUSFUHREN DER USA ANGESTIEGEN

Seite

DIE USA ZWEITGRÖSSTER AGRARIMPORTEUR

Seite

7,
7

FARMPRODUKTIVIT&amp;T WEITER GESTIEGEN

Seite

MEHR ESSEN FÜR WENIGER ARBEIT

Seite

8
8

Seite

9

Seite

10

Seite

10

Seite

11

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WIRTSCHAFTLICHES WACHSTUM UND ARBEITSLOSIGKEIT
Die verschiedenen Aspekte des Arbeitslosenproblems
in den USA (72 Zeilen)
LANDWIRTSCHAFTLICHE KURZNACHRICHTEN
(26 Zeilen)

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
EIN NEUARTIGES OBER FLA' CHENSCHMI ERMITTEL
(26 Zeilen)
SCHILDLAUSBEKÄMPFUNG DURCH INDISCHE WESPEN
(5 Zeilen)
"BLÜTENKONTROLLE" DURCH PFLANZLICHE HORMONSTOFFE
(11 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
DAS BERUFSSCHULWESEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
Aus privaten Anfängen entwickelte sich ein staatlich
gefördertes Ausbildungsprogramm
(65 Zeilen)
ANHANG
KENNEDY UNTERBREITET BOTSCHAFT ÜBER VERTEIDIGUNGSHAUSHALT DER USA

* * * * #

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Wirtschaft
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14. April

15/c

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER "HANDELSKAMMER-BOOM" IN DEN USA
Hunderte von Neugründungen in den Wirtschaftszentren der Stadtränder - -Alte Kammern befürchten Zersplitterung
(120 Zeilen)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WEITERE ANZEICHEN FÜR EINE BELEBUNG DER KONJUNKTUR
Anstieg der Arbeitswoche auf 39 Stunden Produktionszunahmen in den Dauergüterzweigen
(70 Zeilen)

Seite

6

Seite

9

UMGESTALTUNG DES 'BERATUNGSAUSSCHUSSES DER
WIRTSCHAFT"
Erhöhung der Zahl der Ausschußmitglieder- Handelsminister übernimmt Vorsitz
(50 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ULTRASCHALL-SPRITZCU.SSVERFAHREN FÜR ALUMINIUM
(16 Zeilen)
ELEKTRONENRECHNER ÜBERTRIFFT INGENIEURE BEI
FABRIKPLANUNG
(23 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
ZUNEHMENDE BEDEUTUNG DER FRAU IM US-WIRTSCHAFTSLEBEN
(40 Zeilen)
ENTLASSUNGSGELDER AUS KÜNFTIGEN GEWINNEN
(18 Zeilen)
VERLÄNGERUNG DER ZUSÄTZLICHEN ARBEITSLOSENUNTERSTÜTZUNG
(16 Zeilen)

*

* * * *

Seite 11

Seite 12

Seite 13
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Seite 15

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16/c

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undArbeit
21 . A p r i l

1961

INHA LTSVERZEIC HNIS

DIE ARTIKELSERIE
AUFGABEN, FUNKTIONEN UND STRUKTUR DES
US-BUNDESBANKENSYSTEMS ( i )
Die S i t u a t i o n v o r Gründung d e s " F e d e r a l
R e s e r v e System"
(98 Z e i l e n )

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ZITRUSFRÜCHTE IN DEN USA IMMER BELIEBTER
Erzeugung nahm in den vergangenen 25 Jahren
um das Dreifache zu
(44 Zeilen)

Seite

5

INTERNATIONALE ENTWICKLUNGSHILFE
INTERAMERIKANISCHE ENTWICKLUNGSBANK
VERÖFFENTLICHTE ERSTEN GESCHÄFTSBERICHT
Erfolgreicher Start -Seit Oktober wurden
50 Millionen Dollar vergeben
(60 Zeilen)

Seite

7

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
KORROSIONSBETEKTOR FÜR ÖLLEITUNGEN
(20 Zeilen)

Seite

10

INFRARUT-GEHHILFEN FÜR BLINDE
(17 Zeilen)

Seite

11

Seite

12

WELT DER ARBEIT
PRIVATE PENSIONSPLÄNE GEWINNEN IMMER
GRÖSSERE BEDEUTUNG
Das Ergebnis einer Analyse von 300 privaten
Pensionsplänen in den USA
(45 Zeilen)

* * * * #

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28. April 1961

X I I I . J a h r g a n g . N r . 17/C

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE USA UMWERBEN DEN AUSLÄNDISCHEN TOURISTEN
Vereinfachung der Visaausstellung - Aufklärende
Touristenwerbung - Reisetips für USA-Besucher
(80 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-iVIRTSCHAFT
IMMER HEHR WIRTSC HAFTS INDIKATOREN DEUTEN AUF
KONJUNKTURAUFSCHWUNG HIN
Jetzt auch Personaleinkommen und Industrieproduktion zum ersten Mal seit Monaten angestiegen
(53 Zeilen)

Seite

5

WIRTSCHAFTSFÖRDERNDES STEUERPROGRAMM
PRÄSIDENT KENNEDYS
Erhebliche Steuererleichterungen für Investitionen
- Allgemeine Steuerreform erst im kommenden Jahr
(80 Zeilen)

Seite

7

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ZUCKER TÖTET NEMATODEN
(12 ZeilenT"

Seite

10

NEUARTIGER "HERZSENDER"
(14 Zeilen)

Seite

10

BAGGERARM FÜR TIEFSEEFORSCHUNG
(15 Zeilen)

Seite

11

SEELEUTEGEWERKSCHAFT STREBT ^0-STUNDEN-WOCHE AN
(25 Z e i l e n )

Seite

12

STARKE ZUNAHME DER BESCHÄFTIGTENZAHL IN DER
ELEKTRONENRECHNERINDUSTRIE
(19 Z e i l e n )

Seite

13

EINKOMMENSGARANTIEKLAUSELN IN US-TARIFVERTRÄGEN
(24 Z e i l e n )

Seite

14

WELT DER ARBEIT

* * * * *

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18/c

5 . Mai 1961
INHALTSVERZEICHNIS

DIE ARTIKELSERIE
AUFGÄBET, FUNKTIONEN UND STRUKTUR DES
US-BUNDESBANKENSYSTEMS
( I I . und S c h l u ß )
Die S t r u k t u r des " U . S . F e d e r a l R e s e r v e System"
(98 Z e i l e n )

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
PREISSTABILISIERUNG STÄRKTE WETTBEWERBSFÄHIGKEIT
VON US-GÜTERN

"Chase Manhattan Bank" untersuchte die Preistrends der letzten Jahre
(68 Zeilen)
AM RANDE NOTIERT
PROMINENTE US-HANDELSDELEGATION BESUCHT
• BUNDESREPUBLIK
(26 Zeilen)
US-STAHLERZEUGUNG WEITER GESTIEGEN
(15 Zeilen)
ST .-LORENZ-SCHIFFAHRTSWEG ERÖFFNET
(6 Zeilen)
US-IMPORTE IM FEBRUAR KONSTANT
(4 Zeilen)

Seite 5

Seite 8
Seite 9
Seite 9
Seite 10

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES MOTORENÖL MIT 50 PROZENT HÖHERER LEISTUNG
(20 Zeilen)
SICH SELBST REGENERIERENDES KOHLEPAPIER
(10 Zeilen)
BESSERE SCHUHQ.UALITÄT DURCH "PLASTIKLEDER"
(14 Zeilen)

S e i t e 12

WELT DER ARBEIT
NEUE FORMEL FÜR DEN ARBEITSFRIEDEN
US-Stahlarbeitergewerkschaft und "Kaiser Steel
Corporation" geben Tarifverhandlungswesen
neuen Akzent (82 Zeilen)

S e i t e 13

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S e i t e 11
S e i t e 12

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1 2 . Mai 1961

X I I I . J a h r g a n g . N r . 19/C
INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER EINFLUSS DER AUTOMATION AUF DIE
AMERIKANISCHE WIRTSCHAFT
Ein Überblick über d i e d e r z e i t i g e n
Anwendungsbereiche
(98 Z e i l e n , 2 B i l d e r )

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
SCHNELLERE WIRTSCHAFTLICHE ERHOLUNG ALS ERWARTET
Experten e r w a r t e n schon f ü r s 2 . Q u a r t a l e i n
S o z i a l p r o d u k t von 505 Mrd. D o l l a r
(63 Z e i l e n )
.

Seite

AUS DER LANDWIRTSCHAFT
GERINGSTE LANDWIRTSCHAFTLICHE ANBAUFLÄCHE

SEIT 1959
(32 Zeilen)
FISCKEREIERTRÄGE 1960 FAST SO HOCH WIE 1959
(11 Zeilen)

Seite

8

Seite

9

Seite

10

Seite

11

Seite

12

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
BESSERE BAUMWOLLSTOFFE DURCH NEUARTIGE
CHEMISCHE BEHANDLUNG
(18 Z e i l e n )

NYLON MIT "SUPERQUALITÄTEN"
(20 Zeilen)
ERSTE BEWEGLICHE ATOMKRAFTANLAGE IN BETRIEB
(13 Zeilen)

WELT DER ARBEIT
REPRÄSENTANTENHAUS BILLIGT SOZIALVERSICHERUNGSZUSATZGESETZ
(20 Zeilen)
Seite
"AMT FÜR AUTOMATION UND ARBEITSPOTENTIAL" GEGRÜNDET
(16 Zeilen)
Seite
ERHÖHUNG DES INDUSTRIEARBEITERLOHNS
(9 Zeilen)
Seite
32 000 DOLLAR FÜR VERBESSERUNGSVORSCHLAG
(7 Z e i l e n )
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* * * * «

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U
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�AM KR IKA D I E N S T
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X I I I . J a h r g a n g . Nr. 20/c

19. Mai 1961
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCEAFTSREPORTAGE
"AUT0METR0L0GY" - DAS I-TÜPFELCHEN DER AUTOMATION
Neuartige Präzisionsmeßgeräte geben der automatischen
Produktion eine neue Dimension
(98 Zeilen, 1 Bild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
USA UNTERSUCHEN WELTROHSTOFFPROBLEM
Ziel: Stabilisierung der Märkte und Sicherung der
wirtschaftlichen Expansion in den Entwicklungsländern
(54 Zeilen)
USA STREBEN LÖSUNG DES INTERNATIONALEN
TEXTILEXPORTPRÜBLEMS AN
Abkommen zwischen Export- und Importländern
sollen Krisen verhindern helfen
(7B Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRONENRECHNER MIT ZAHLREICHEN NEUERUNGEN
(20 Zeilen)
POLYPROPYLEN - EINE NEUE KUNSTSTOFFTYPE
(9 Zeilen)
NEUER FARBFILM MIT GRÖSSERER LICHTEMPFINDLICHKEIT
(8 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
KONSTITUIERENDE SITZUNG DES LABOR-MANAGEMENTBERATUNGSAUSSCHUSSES
(23 Zeilen)
LÖHNE IM BAUGEWERBE WEITER ANGESTIEGEN
(13 Zeilen)
BETRÄCHTLICHE ERHÖHUNG DER FONDSRESERVEN
DER KOMMUNALEN ALTERSVERSICHERUNGEN
(12 Zeilen)
*

* * * #

Seite 1

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5

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7

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.
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�AMKRIKA

DIENST
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2 6 . Mai 1961

X I I I . Jahrgang. Hr. 21/c
INHA LTSVERZEICHNIS

V/IRTSC HA FTSREPORTACE
ZWECK UND AUSWIRKUNGEN DER MINLESTLOKNGESETZGEBUNG
IN DEN

Hl

Mindestlöhne und Lohnkosten
(160 Zeilen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
KÖRPERSCLAFTSSTSUER SOLL NICHT GESENKT WERDEN
US-Regierung b e f ü r w o r t e t Beibehaltung des
d e r z e i t i g e n S a t z e s von 52 P r o z e n t f ü r e i n
weiteres Jahr
(45 Z e i l e n )

Seite

DIE ENTWICKLUNG DES US-PERSONALSINKOMMENS SEIT 1950
A n s t i e g um r u n d 80 P r o z e n t - A r b e i t s e i n k o m m e n
e r h e b l i c h s t ä r k e r a n g e s t i e g e n a l s Einkommen d e r
Selbständigen
(30 Z e i l e n )

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AUFNAHME DER SERIENPRODUKTION VON TEERMOELEKTRISCHEN
KÜHLSCHRÄNKEN

(21

Zeilen)

NEUSS PLASTIKMATERIAL VERHINDERT VEREISUNG
VON FAHRBAHNDECKEN
(14 Zeilen)

Seite

10

Seite

11

Seite

12

WELT DER ARBEIT
*

SICHERUNG DER ARBEITSPLÄTZE DURCH RECHTZEITIGE
UMSCHULUNG
US-Druckergewcrkschaft macht Mitglieder mit den
neuesten Arbeitstechniken vertraut - Eigenes
FortbildungsZentrum
(37 Zeilen, 1 Bild)

* * * * *

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X I I I . J a h r g a n g . Nr. 22/C

Wirtschaft
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2 . Juni 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ZWECK UND AUSWIRKUNGEN DER MINDESTLOHNGESETZGEBUNG
IN DEN USA
(II)
Allgemeine Schlußfolgerungen
(20 Zeilen)

Seite

1

US-ZAHLUNGSBILANZ WIEDER SO GUT WIE 19*57
Rückgang des Defizits im 1 . Quartal um rund 2,8 Mrd.
Dollar - Goldabfluß kam zum Stillstand
(62 Zeilen)
Seite

6

AUFTRIEBSTENDENZEN STÄRKER ALS ERWARTET
Industrieproduktion stieg im April um 2 1/2 Indexpunkte an - Bruttosozialprodukt höher als erwartet
(70 Zeilen)

Seite

9

Seite

12

Seite

13

PLAN ZUR SICHERUNG DER ARBEITSPLÄTZE
(24 Zeilen)

Seite

14

NEUE TARIFVERHANDLUNGEN IN DER AUTOMOBILINDUSTRIE
BEGINNEN ENDE JUNI
(7 Zeilen)

Seite

15

STREIKS ERREICHTEN TIEFSTSTAND IM 1. QUARTAL 1961
(10 Zeilen)

Seite

15

AMERIKANISCHE KÜNSTLERGEWERKSCHAFTEN BILDEN
INTERNATIONALES SEKRETARIAT
(12 Zeilen)

Seite

15

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
DAS "RUNDHERUM-KINO"
(22 Zeilen)
MEMBRANFILTER FÜR ENTSALZUNG VON MEERWASSER
(20 Zeilen)
WELT DER ARBEIT

* * * * #

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9 . Juni

X I I I . J a h r g a n g . N r . 2?/C

1961

INHALTSVERZEICHNIS
7/IRTSCHAFTS REPORTAGE
"GEY/ERKSCHAFTSFAMILISN" SIND FINANZIELL BESSER DRAN
E i n V e r g l e i c h von A r b e i t s - , Gesamteinkommen und
S c h u l d e n von g e w e r k s c h a f t l i c h o r g a n i s i e r t e n und
nichtorganisierten Familien
(78 Z e i l e n )

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
US-AU SUNDS HILFE IN NEUER GESTALT
Zusammenfassung d e r w i c h t i g s t e n Programme i n
e i n e r e i n z i g e n Dachbehörde - L a n g f r i s t i g e
P l a n u n g und B e w i l l i g u n g von M i t t e l n a n g e s t r e b t
(58 Z e i l e n )

Seite

WIE DIE LETZTE REZESSION ÜBERWUNDEN WURDE
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Ein Überblick über die getroffenen konjunkturpolitischen Maßnahmen
(56 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
STÄHLE IK VIELEN FARBEN UND MUSTERN
(15 Zeilen)
BENZINMISCHUNG AUF ELEKTRONISCHEM WEGE
(13 Zeilen)
LEIJHTGEWICHT-AUTOMOTOR
Jß Zeilen)
'•'/ELT DER ARBEIT
KÜNFTIGE ORGANISATIONSPROBLEME DER
US-GEWERKSCHAFTEN (i)
Die strukturellen Umschichtungen - Die auslösenden
Faktoren - Zunehmende Abhängigkeit der Wissenschaftler
(125 Zeilen)

Seite

10

Seite

10

Seite

11

Seite

12

ANHANG
RUSK: USA .VOLLEN DYNAMISCHEN FRIEDEN

"AMERIKANTSCHE FORSCHUNGSERGEBNISSE FTJER ALLE"
USA riohteien Informationsstand auf der Frankfurter ACHEMA ein
* * x* *

S.

�A M F. H I K A

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X I I I . Jahrgang. N r . 24/C

Wirtschaft
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16. Juni 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
MECHANISIERUNGSWELLE IN DER US-LANDWIRTSCHAFT
DAUERT AN
Pro Arbeitsplatz wurden bisher Maschinen im Wert
von 21 300 Dollar investiert
(58 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

Seite

4

UM 10 PROZENT HÖHERE EARME REIN KOMMEN ERWARTET
(12 Zeilen)

Seite

7

AGRAREXPORTE i960 MENGEN- UND WERTMÄSSIG AUF
REKORDHÖHE
(16 Zeilen)

Seite

7

FISCHVERBRAUCH UNVERÄNDERT
(15 Zeilen)

Seite

8

Seite

9

NEUE VERBESSERTE US-FLUGZEUGABWEHRRAKETE
(10 Zeilen)

Seite

9

ACHSENHEISSLAUF-DETEKTOR
(9 Zeilen)

Seite

10

Seite

11

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DOLLARWERT BLIEB VERHÄLTNISMÄSSIG STABIL
Im Vergleich zu 43 Währungen wies der Dollar mit
die geringsten Wertminderungen auf
(70 Zeilen)
AUS DER LANDWIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUE TAKTISCHE RAKETENWAFFE
(12 Zeilen, 1 Bild)

-

WELT DER ARBEIT
KÜNFTIGE ORGANISATIONS PROBLEME DER USGEWERKSCHAFTEN (il)
Einstellung auf die einzelnen Gruppen Angst vor der Gewerkschaft
(120 Zeilen)
* * * * »

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XIII. Jahrgang, Nr. 2^/c

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23. Juni 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE TECHNISCHE REVOLUTION IN DER USHOLZVERARBEITUNGSINDÜSTRIE
Übergang zu integrierten Betrieben - Automatisierung
zahlreicher Arbeiten - Zahlreiche neue Produkte
(40 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WEITREICHENDE MASSNAHMEN ZUR EINGLIEDERUNG DER
"STRUKTURELLEN ARBEITSLOSEN"
Präsident Kennedy legte Kongreß umfassenden
Gesetzentwurf vor
(86 Zeilen)

Seite

AM RANDE NOTIERT
GROSSE NACHFRAGE NACH NEUEN KRAFTWAGEN IN DEN USA
(16 Zeilen)

Seite 6

3

US-ENTWICKLUNGSANLEIHE FÜR CHILE
(12 Zeilen)

Seite 6

GÜNSTIGE ENTWICKLUNG DES ARBEITSMARKTES
(18 Zeilen)

Seite

7

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
. "ELEKTRONISCHE SEKRETÄRIN" ALS TELEPHONWACHE
(13 Zeilen)

Seite

8

SILIKON-PAPIER VERHINDERT FESTKLEBEN
(12 Zeilen)

Seite

8

RECHENZENTREN FÜR KLEINUNTERNEHMEN
(11 Zeilen)

Seite 9

WELT DER ARBEIT
KÜNFTIGE ORGANIüATIONSPROBLEME DER USGEWERKSCHAFTEN (III und Schluß)
Berücksichtigung der Wünsche - Gewerkschaften
müssen neue Wege beschreiten
(112 Zeilen)
ANHANG
PRÄSIDENT KEIillEDY UND SEINE REGIERUNG
* * * * *

(Broschüre)

Seite 10

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DIKNST
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30. Juni 1961
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
M S AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (i)
Der Einfluß der Automobilindustrie auf die
Gesamtwirtschaft
(76 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
VERSTÄRKTE BEMÜHUNGEN UM LÖSUNG DES BAUMWOLLTEXTILPROBLEMS
Erste Konsultationen mit 7 Hauptimportländern Konferenz im Rahmen des GATT in Kürze
(78 Zeilen)
Seite
DILL0N SEHR OPTIMISTISCH ÜBER KÜNFTIGE ENTWICKLUNG DER
US-WIRTSCHAFT
Erwartet Bruttosozialprodukt von 555 Mrd. Dollar für 1962 Ausgeglichener Staatshaushalt vom Finanzjahr 1962/63 an
(50 Zeilen)
Seite
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
KRAFTZELLEN-ANTRIEB FÜR U-BOOTE
(20 Zeilen)

Seite

ERHÖHUNG DER ARBEITSGESCHWINDIGKEIT VON ELEKTRONENRECHNERN
DURCH TUNNEL-DIODEN
(15 Z e i l e n )
Seite

10

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN BEMÜHEN SICH UM WEITERE VERKÜRZUNG DER
ARBEITSWOCHE
(38 Z e i l e n )

Seite

11

US-ARBEITSMINISTERIUM UNTERSUCHTE LOHNNEBENLEISTUNGEN
(22 Z e i l e n )

Seite

12

* * * *

*

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7. J u l i

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE
Die
auf
(98

"DEUTSCHE" GEWERKSCHAFT DER USA
B r a u e r e i a r b e i t e r g e w e r k s c h a f t kann im August
ein 7 5 j ä h r i g e s Bestehen zurückblicken
Zeilen)

Seite

1

"Injunction" des Präsidenten nur bei Gefährdung
der "nationalen Wohlfahrt und Sicherheit" "Abkühlungsperiode" von 80 Tagen
(84 Zeilen)

Seite

5

STUDIE ÜBER NATIONALE GELD- UND FINANZPOLITIK
VERÖFFENTLICHT
Umfassendste Untersuchung seit Jahrzehnten Wichtige Empfehlungen auf dem Gebiet der
Wirtschafts- und Finanzpolitik
(75 Zeilen)

Seite

9

Seite

12

Seite

12

Seite

15

Seite

14

Seite

16

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE MÖGLICHKEITEN EINER STREIKAUSSETZUNG
IN DEN USA

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRISCHE ENERGIE AUS DEM MEER
(11 Zeilen)
MENSCHLICHE STIMME ALS ENERGIEQUELLE FÜR SENDER
(10 Zeilen)
TABAK-PLANZ- UND ERNTEMASCHINEN IN DER ENTWICKLUNG
(18 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
SOZIALVERSICHERUNGS-ÄNDERUNGSGESETZ VOR DEM
VERMITTLUNGSAUSSCHUSS
(47 Zeilen)
UNFALLRATE ERREICHTE TIEFSTEN STAND
(14 Z e i l e n )

* * * * *

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14. Juli 1961
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN
VEREINIGTEN STAATEN (il)
Ein Maßanzug für Amerikas Straßen 65 000 km Straßennetz für den Verkehr von
morgen - Baukosten zwischen 40 und 50 Mrd.
Dollar
(90 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1,

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
KENNEDYS WOHNUNGSBAUPROGRAMM VOM
KONGRESS VERABSCHIEDET
Förderung des privaten Wohnungsbaus durch
zinsgünstige Darlehen - Renovierungskredite
für Altbaubesitz
(45 Zeilen)

Seite 5

AM RANDE NOTIERT
ARBEITSEINKOMMEN UND KAUFKRAFT IM MAI GESTIEGEN
(25 Zeilen)
BESCHÄFTIGUNG ERREICHTE HÖCHSTSTAND
(11 Zeilen)
AMERIKANER GABEN 2,6 MRD. DOLLAR FÜR
AUSLANDSREISEN AUS
(17 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
TRINKWASSER AUS DEM LEER
Neue Destillationsanlage in Texas - ein wesentlicher Schritt zur rationellen Süßwassergewinnung
aus dem Meer
(68 Zeilen, 1 Bild)
WELT DER ARBEIT
DIE HERAUSFORDERUNG DER »ZWEITEM INDUSTRIELLEN
REVOLUTION" (i)
Von Arthur J. Goldberg, Arbeitsminister der USA
(160 Zeilen)
* * * * *

Seite

7

Seite

8

Seite

8

Seite

9

Seite

12

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21 . J u l i

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
A u t o f a h r e n l e r n t man i n d e r S c h u l e
(75 Z e i l e n , 2 B i l d e r )

(Hl)
Seite

1

WENDEPUNKT AM ARBEITSMARKT ERREICHT
A n s t i e g d e r B e s c h ä f t i g t e n z a h l um 2 M i l l i o n e n
im J u n i - Dennoch b e r e i t e t E r w e r b s l o s i g k e i t
w e i t e r h i n g r ö ß t e Sorgen
(62 Z e i l e n )

Seite

4

STARKE ERSTE PHASE DER WIRTSCHAFTLICHEN ERHOLUNG
B r u t t o s o z i a l p r o d u k t s t i e g im 2 . Q u a r t a l um 12 Mrd.
a u f 512 Mrd. D o l l a r an - G ü n s t i g e A u s g a n g s p o s i t i o n
f ü r den Herbstaufschwung
(68 Z e i l e n )

Seite

7

FAHRBARER "WARTESAAL FbR FLUGGÄSTE"
(17 Z e i l e n , 1 B i l d )

Seite

10

FISCHEREISTUDIEN MIT UNTERWASSERKAMERAS
(16 Z e i l e n )

S e i t e 11

"IN5TANT"-TR0CKENGEMLSE
(9 Z e i l e n )

S e i t e 11

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK

WELT DER ARBEIT
DIE HERAUSFORDERUNG DER "ZWEITEN INDUSTRIELLEN
REVOLUTION" ( I I und S c h l u ß )
Von A r t h u r J . G o l d b e r g , A r b e i t s m i n i s t e r d e r
V e r e i n i g t e n S t a a t e n von Amerika
(180 Z e i l e n )

* * * * *-

S e i t e 12

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28. Juli

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN
STAATEN ( I T )
Der G ü t e r - S t r a ß e n v e r k e h r a l s R ü c k g r a t d e r W i r t s c h a f t
(68 Z e i l e n , 2 B i l d e r )

Seite

1

ERHOLUNG DER US-WIRTSCHAFT SETZTE SICH
AUCH IM JUNI FORT
(28 Z e i l e n )

Seite

4

USA ERRICHTEN ZWEITES HANDELSZENTRUM IN BANGKOK
(12 Z e i l e n )

Seite

5

NEW YORK GRÖSSTER AMERIKANISCHER UMSC-HLAGHAFEN
(12 Z e i l e n )

Seite

5

WELT-MAISERNTE ERREICHTE 1960 REKORDHÖHE
(16 Z e i l e n )

Seite

6

NEUARTIGES BAUMATERIAL
(9 Z e i l e n )

Seite

7

NEUES WASSERABSTOSSENDES PACKPAPIER
(15 Z e i l e n )

Seite

7

NEUE.' CHEMIKALIE FÜR ZAHLREICHE VERWENDUNGSZWECKE
(13 Z e i l e n )

Seite

8

SICHERUNG DER ARBEITSPLATZE HAUPTTHEMA
ANSTEHENDER TARIFVERHANDLUNGEN
(42 Z e i l e n )

Seite

9

SENIORITÄTSKLAUSELN IN US-TARIFVERTRÄGEN
(20 Z e i l e n )

Seite

10

AM RANDE NOTIERT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK

WELT DER ARBEIT

WIR MACHEN ALLE UNSERE BEZIEHER DARAUF AUFMERKSAM.
DASS DIE NÄCHSTE AUSGABE UNSERES DIENSTES "WIRTSCHAFT
UND ARBEIT" ERST WIEDER AM 1 . SEPTEMBER ERSCHEINT.

* # * # *

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1. September 1961
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (V)
"Compact Cars" brachten Strukturwandel des
Automobilmarktes
(65 Zeilen, 1 Bild)
Seite
WIRTSCHAFTSPOLITIK
WIRTSCHAFTLICHE PROBLEME UND WIRTSCHAFTSPOLITIK DER USA (i)
Das Problem der uneingeschränkten Erholung der Wirtschaft
Von Dr. Walter W. Heller, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des US-Präsidenten
(165 Zeilen)
Seite
STREIFLICHTER, AUS DER US-WIRTSCHAFT
STEIGENDE AUFWENDUNGEN FÜR URLAUB UND FREIZEIT IN DEN USA.
12 Prozent des Gesamteinkommens wird heute für Reise und
Erholung aufgewendet
(50 Zeilen)
Seite

11

AM RANDE NOTIERT
ZAHL DER TRAKTOREN NAHM SEIT 1945 UM 2.7 MILLIONEN ZU
Der leichte Vielzweckschlepper setzt sich immer stärker
durch
(44 Zeilen, 1 Bild)
Seite
WELT DER ARBEIT
DAS ERSTE "ALTERSHOTEL" IN MIAMI BEACH ERÖFFNET
US-Gewerkschaften schaffen neuen Altersheimtyp ohne
Anstaltsatmosphäre
(63 Zeilen, 2 Bilder)

*

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#

#

•

*

Seite

15

15

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8. September

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIR TS CHAFTSREPO RTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN
STAATEN (VI)
Der Siegeszug der Parkuhren
(80 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

Seite

5

Seite

9

WIRTSCHAFTSPOLITIK
WIRTSCHAFTLICHE PROBLEME UND WIRTSCHAFTSPOLITIK DER USA (II )
Das Zahlungsbilanzproblem
(110 Zeilen)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
FREUNDLICHERE ZAHLUNGSBILANZ
Wesentliche Verminderung des Defizits im
2. Quartal - Gesamtdefizit dürfte 1961
rund 1,0 Mrd, Dollar ausmachen
(60 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"WARF" SOLL WIRKSAMKEIT VON "DDT" ERHÖHEN
(20 Zeilen)
NEUE METHODEN ZUR EINDÄMMUNG VON
INSEKTENPLAGEN
(22 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

WELT DER ARBEIT
"DAS HISTORISCH BEDEUTENDSTE TARIFABKOMMEN"
Automobilarbeitergewerkschaft schloß neuen
Tarifvertrag mit "American Motors" (52 Zeilen)

Seite

14

* * * * *

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Wirtschaft
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1 5 . S e p t e m b e r 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTS REPORTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

HlÜ
"Lebensretter II" - der lOOprozentige Sicherheitswagen (75 Zeilen, 2 Bilder)
WIRTSCHAFTSPOLITIK
WIRTSCHAFTLICHE PROBLEME UND WIRTSCHAFTSPOLITIK
DER USA (III und Schluß)
Wirtschaftliches Wachstum
(130 Zeilen)

Seite 1

Seite

4

Seite

9

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DAS LOHN-PREIS-PROBLEM IST WIEDER IM GESPRÄCH
L o h n e r h ö h u n g e n i n S t a h l - und A u t o m o b i l i n d u s t r i e
b e r e i t e n Regierung Sorgen - P r e i s i n d e x b l i e b
bisher stabil
(60 Z e i l e n )
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WESENTLICHE EINSPARUNGEN DURCH NEUARTIGES
ORDER-ABWICKLUNGSSYSTEM
"Westinghouse E l e c t r i c Corporation" b e s c h r i t t
n e u e n Weg (42 Z e i l e n , 1 B i l d )

WELT DER ARBEIT
TRENDS IM TARIFVERHANDLUNGSWESEN
1. REGELUNGEN DER BEZAHLUNG VON WASCH- UND
REINIGUNGSZEITEN
(21 Zeilen)
2. 98 PROZENT ALLER PRIVATEN SOZIALPLÄNE
SCHLIESSEN LEBENSVERSICHERUNGEN EIN
(25 Zeilen)

* * * * *

Seite 12

Seite 14

Seite 15

�•AMERIKA

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X I I I . Jahrgang. Nr.

Wirtschaft
und Arbeit

54/C

22. September

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPQRTAGE
DAS AUTOMOBILZEITALTER IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
100 Millionen Automobile bis 1975
ersetzen Allroundmechaniker
(1 Bild, 65 Zeilen)

Spezialis ten
Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE US-WIRTSCHAFT AN DER SCHWELLE
ZUR HERBSTSAISON
W e i t e r e Zunahme d e r w i r t s c h a f t l i c h e n A k t i v i t ä t
e r w a r t e t - I m p o r t e nahmen w i e d e r k r ä f t i g zu Z a h l u n g s b i l a n z d e f i z i t f ü r 1961 etwa 1,5 Mrd.
Dollar
(56 Z e i l e n )

Seite

4

ERFINDEN - EINE LEIDENSCHAFT DER AMERIKANER
US-Patentamt vergab das d r e i m i l l i o n s t e P a t e n t
(55 Z e i l e n )

Seite

7

Seite

9

Seite

9

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AUSGABE VON ARCHIVMATERIAL IN SEKUNDEN
(11 Zeilen)
SCHMUTZIGES HARTGELD WIRD MIT ULTRASCHALL
GESÄUBERT
,
(16 Zeilen)
REIFENPANNEN KEIN PROBLEM MEHR
(15 Zeilen)

Seite 10

WELT DER ARBEIT
STAHLARBEITERGEWERKSCHAFT BESTEHT JETZT 25 JAHRE
Größte amerikanische Gewerkschaft wurde erst 1936
gegründet - Richtungweisend auf dem Gebiet der
Lohnpolitik (65 Zeilen, 1 Bild)

* * * * *

Seite 11

�AMKRIKA

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Wirtschaft
und Arbeit

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2 9 . S e p t e m b e r 1961
INHALTSVERZEICHNIS

WIR TSCHAFTS REPORTAGE
DIE
BIS
Die
als

AUSSICHTEN DER US-WIRTSCHAFT
ZUM JAHRE 1975 ( i )
Wachstumsmöglichkeiten der Wirtschaft
Ganzes ( 9 5 Z e i l e n )

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
HOHE AUSLANDSINVESTITIONEN DER US-WIRTSCHAFT
FÜR 1962 ZU ERWARTEN
Gesamtsumme etwas niedriger als 1961 - aber
höhere Investitionen in den Ländern des
Gemeinsamen Marktes (54 Zeilen)

Seite

5

VOLKSKAPITALISMUS IN DER PRAXIS
"American Telephone &amp; Telegraph Company"
hat jetzt über 2 Millionen Aktionäre
(52 Zeilen, 1 Bild)

Seite

7

Seite

9

Seite

10

Seite

10

Seite

1t

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
GEWINNUNG VON CHEMIKALIEN AUS DEN ABGASEN
DER KOKEREIEN
(21 Zeilen)
STÄRKERE AUSBEUTUNG VON ÖLQUELLEN
(12 Zeilen)
FORTSCHRITTE BEIM ABBAU VON ÖLSCHIEFER
(17 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
"CO-OP EDUCATION" - EIN ERFOLGREICHES
OBERSCHULSYSTEM
"Werkschüler", ein neuer Oberschülertyp Jeweils acht Tage auf der Schulbank, acht Tage
im Betrieb (68 Zeilen, 1 Bild)

* * * * *

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Wirtschaft
und Arbeit

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X I I I . Jahrgang. Nr.

36/c

6. Oktober

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE AUSSICHTEN DER US-WIRTSCHAFT BIS ZUM
JAHRE 1975 ( i l )

Das wachsende Tempo der technischen Veränderungen (110 Zeilen)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
TIPS FÜR DIE ERFOLGREICHE EINFÜHRUNG NEUER PRODUKTE
Chicagoer Unternehmensberatungsfirma veröffentlichte
"Erfolgs-ABC" (11C Zeilen)
Seite
US-REGIERUNG STREBT AUSGEGLICHENEN HAUSHALT
FÜR 1962/63 AN
Budgetdirektor Bell zu aktuellen haushaltspolitischen Problemen
(75 Zeilen)

Seite

5

9

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
PFLANZEN BEKÄMPFEN SCHÄDLINGE
Die "ökologischen" Insektizide wiesen einen neuen
Weg zur Schädlingsbekämpfung
(46 Zeilen)

Seite 12

WELT DER ARBEIT
ZAHLREICHE NEUE BUNDESSTAATLICHE GESETZE ZUR
BESEITIGUNG DER DISKRIMINIERUNG
(34 Zeilen)

Seite 14

US-ARBEITSMINISTERIUM UNTERSUCHTE BEZUGE DER
GEWERKSC HAFTSVORSITZENDEN
(13 Z e i l e n )

Seite 15

BRUTTOLÖHNE IM JULI WEITER GESTIEGEN
(19 Zeilen)

Seite 16

* * * * *

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X I I I . Jahrgang. Nr. 57/c

Wirtschaft
und Arbeit
1 3 . Oktober

1961

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE AUSSICHTEN DER US-WIRTSCHAFT
BIS ZUM JAHRE 1975 ( i l l )
Die W a c h s t u m s m ö g l i c h k e i t e n d e r I n v e s t i tionsgüterindustrie
(95 Z e i l e n )

Seite

1

Seite

5

ÜBERDURCHSCHNITTLICHE ERNTE FÜR 1961 ERWARTET
(28 Z e i l e n )

Seite

8

US-LANDWIRTSCHAFT PRAKTISCH PFERDELOS
(11 Z e i l e n )

Seite

9

ERNEUTE PRODUKTIVITÄTSSTEIGERUNG IN DER
US-LANDWIRTSCHAFT
(12 Z e i l e n )

Seite

9-

Seite

10

NEUARTIGES STRASSENAUSBESSERUNGSMATERIAL
(16 Z e i l e n )

Seite

11

EIN NEUER NATUR-SYNTHESEGUMMI

Seite

11

Seite

12

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WIRTSCHAFTLICHE AKTIVITÄT WIRD IN DEN NÄCHSTEN
MONATEN WEITER ZUNEHMEN
Auftragseingänge übersteigen d e r z e i t i g e s Produktionsvolumen - B a u k o n t r a k t a b s c h l ü s s e auf
neuem R e k o r d s t a n d
(75 Z e i l e n )
AUS DER US-LANDWIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
FARBIGE FAHRBAHNDECKEN

(21 Z e i l e n )

(10 Z e i l e n )

WELT DER ARBEIT
GUTES BETRIEBSKLIMA DURCH SINNVOLLE
FREIZEITPROGRAMME
U S - I n d u s t r i e u n t e r n e h m e n b e s c h r e i t e n neue Wege
- Auch d i e F a m i l i e g e h ö r t m i t zum B e t r i e b
(56 Z e i l e n , 1 B i l d )
* * * *

*

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X I I I . J a h r g a n g . N r . 3&amp;7c
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20.

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INHALTSVERZEICHNIS

Oktoberf

Wirtschaft
und Arbeit

WIRTSC HAFTS REPORTAGE
DIE AUSSICHTEN DER US-WIRTSCHAFT BIS
ZUM JAHRE 1975 (IV und S c h l u ß )
Die W a c h s t u m s a u a s i c h t e n d e r G r u n d s t o f f und K o n s u m g ü t e r i n d u s t r i e n
(120 Z e i l e n )

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WIRTSCHAFTSEXPERTEN SAGEN WEITERE
KRÄFTIGE EXPANSION VORAUS
H a n d e l s m i n i s t e r Hodges s c h ä t z t B r u t t o s o z i a l p r o d u k t f ü r 1962 auf 575 Mrd. D o l l a r
(55 Z e i l e n )

Seite

6

Seite

9

NAVIGATIONSSYSTEM FÜR ÜBERSCHALLPASSAGIER-FLUGZEUGE
.
(15 Z e i l e n )

Seite

11

VOLLAUTOMATISCHES SÄGEWERK
(17 Zeilen)

Seite

11

MINIATURGERÄT FÜR DIE UMWANDLUNG VON
MEER- IN TRINKWASSER
(16 Zeilen, 1 Bild)

Seite

12

Seite

14

AUS LANDSHILFE
SCHWERPUNKTVERLAGERUNG IM
US-AUSLANDS HILFEPROGRAMM
L a n g f r i s t i g e P r o j e k t e und Programme s t e h e n
j e t z t im V o r d e r g r u n d - Gesamtsumme f ü r d a s
F i n a n z j a h r 1961/62 ü b e r 4 Mrd. D o l l a r
(48 Z e i l e n )
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK

V/ELT DER ARBEIT
ZUSÄTZLICHE KRANKENVERSICHERUNG ALS
TARIFLICHE LEISTUNG (i)
Mehrkostenversicherung - Gesamtversicherung
(120 Zeilen)

* * * * *

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Wirtschaft
und Arbeit

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X I I I . J a h r g a n g . N r . 59/C

2 7 . Oktober

1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTS CHAFTS REPORTAGE
DIE NEUEN TRENDS IN DER AMERIKANISCHEN LANDWIRTSCHAFT

iL)
Von der Landwirtschaft zum "Agribusiness"
(130 Zeilen)

Seite

1

GÜNSTIGE AUSSICHTEN FÜR DIE US-DIENSTLE ISTUNGSWIRTSCHAFT
Verbraucherausgaben für D i e n s t l e i s t u n g e n
s t e i g e n r a s c h e r a l s Aufwendungen f ü r Warenk ä u f e - L a n g f r i s t i g e r Trend zu e r w a r t e n
(78 Z e i l e n )

Seite

6

US-ZAHLUNGSBILANZ ENTWICKELT SICH GÜNSTIG
Rückgang d e s D e f i z i t s von 4 Mrd. a u f 1,7 Mrd,
D o l l a r im J a h r 1961
(120 Z e i l e n )

Seite

9

Seite

13

Seite

15

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
HYBRIDENGERSTE WIRD "KONSTRUIERT"
US-Landwirtschaftsministerium s t a r t e t e
Forschungsreihe
(55 Z e i l e n )

neue

WELT DER ARBEIT
ZUSÄTZLICHE KRANKENVERSICHERUNG ALS TARIFLICHE
LEISTUNG (II)
Verbreitung der Zusatzversicherung - Die
Finanzierung der Zusatzversicherung
(90 Zeilen)

* * * * *

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Wirtschaft
und Arbeit

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X I I I . Jahrgang. Nr. 4Q/c

3. November

196t

INHALTSVERZEICHNIS

DIE ARTIKELSERIE
DIE NEUEN TRENDS IN DER AMERIKANISCHEN
WIRTSCHAFT (il)
Die Schlüsselfaktoren für die moderne
Agrarwirtschaft (72 Zeilen)

Seite

1

AM RANDE NOTIERT
US-AGRAREXPORTE ERREICHTEN HÖCHSTSTAND
(19 Zeilen)

Seite

4

OBSTKONSUM HAT WEITER ZUGENOMMEN
(18 Zeilen)

Seite

5

GEFLÜGEL WEITERHIN GEFRAGT
(9 Zeilen)

Seite

5

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WIRD DER GETREIDESILO ÜBERFLÜSSIG?
Atomstrahlen schützen Getreide - Transportabler
Gammastrahler könnte Millionenwerte retten
(38 Zeilen)

Seite

6

WELT DER ARBEIT
ZUSÄTZLICHE KRANKENVERSICHERUNG ALS
TARIFLICHE LEISTUNG (III und Schluß)
Die Selbstbeteiligung - Leistungshöchstsätze
(150 Zeilen)

Seite

8

* * * * *

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und Arbeit

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X I I I . Jahrgang. Nr. 41/C

10. November 1961

INHALTSVERZEICHNIS

DIE ARTIKELSERIE
DIE NEUEN TRENDS IN DER AMERIKANISCHEN
LANDWIRTSCHAFT (III und Schluß)
Die vertikale Integration in der modernen
landwirtschaftlichen Produktion
(98 Zeilen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US. WIRTSCHAFT
STAATSEINNAHMEN UND -AUSGABEN KRÄFTIG GESTIEGEN
Voraussichtliches Defizit im Haushaltsjahr
196l/62 rund 7 Mrd. Dollar - Regierung strebt
ausgeglichenen Hausha.lt für 1962/63 an
(58 Zeilen)

Seite

NEUES EXPORTFINANZIERUNGS- UND
RISIKOVERSICHERUNGSPROGRAMM
US-Regierung will amerikanischen Exporteuren
die gleichen Wettbewerbschancen sichern
(54 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
DIE OZEANE - EINE ÜBERREICHE NAHRUNGSQUELLE
Fischerei- und Ernährungswissenschaftler
diskutierten Möglichkeiten zur Verbesserung
der menschlichen Ernährung
(46 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTLICHES WOHNUNGSBAUPROJEKT FÜR
2 5 000 MENSCHEN
Gesamtbaukosten 250 Millionen Dollar - Wohnraum
für Rentner und Familien der mittleren Einkommensgruppen
(42 Zeilen, 1 Bild)

Seite

* * * * *

1

11

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undArbeit

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X I I I . Jahrgang, N r , 42/C

17. November 1961
INHALTSVERZEICHNIS

DIE ARTIKELSERIE
AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IN DER US-GRUNDMETALLINDUSTRIE
Die W e t t b e w e r b s s i t u a t i o n u n t e r den G r u n d m e t a l l e n
(110 Z e i l e n )

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
NEUES AUSSENHANDELSPRCGRAMM ZEICHNET SICH AB
Vollkommene Neuorientierung angestrebt - Ausrichtung
auf die neuen Gegebenheiten
(80 Zeilen)

(i)

Seite

Seite

AUSSENHANDEL UND ZAHLUNGSBILANZ ENTWICKELTEN SICH
ZUFRIEDENSTELLEND
Aubenhandelsüberschuß rund 5 Mrd. Dollar in diesem Jahr Zahlungsbilanzdefizit ging um rund 2 Mrd. Dollar zurück
(64 Zeilen)
Seite
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
TROPENFESTE KÜHE MIT HÖHER MILCHLEISTUNG?
Amerikanische Tierzuchtanstalten experimentieren mit
Kreuzungen zwischen Jersey- und Sindhi-Rindern
(50 Zeilen)

Seite

11

WELT DER ARBEIT
ARBEITS- UND LOHNGARANTIE AUF LEBENSZEIT
(25 Zeilen)

Seite

13

Seite

14

AUT0MATI0NSF0NDS FÜR ARBEITNEHMER VON ZUCKERRAFFINERIE
(20 Zeilen)
Seite

15

SEELEUTEGEWERKSCHAFT ZAHLT ENTLASSUNGSGELDER
(20 Zeilen)

* * * * •

�AM E R I K A

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X I I I . Jahrgang. Nr. 45/c

Wirtschaft
und Arbeit
2 4 . November 1961

INHALTSVERZEICHNIS

DIE ARTIKELSERIE
AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IN DER
US-GRUNDMETALLINDUSTRIE ( i l )
Die d r e i T r u m p f k a r t e n d e r S t a h l i n d u s t r i e
(78 Z e i l e n )

Seite

1

Seite

4

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EIN VIERTEL DES EINKOMMENS GEHT FÜR DIE
DIE STEUER DRAUF
Der a m e r i k a n i s c h e A r b e i t n e h m e r muß t ä g l i c h
2 S t u n d e n und 17 Minuten f ü r d i e S t e u e r
arbeiten
(50 Z e i l e n )
AUS DER LANDWIRTSCHAFT
STABILE LEBENSMITTELPREISE, ABER
RÜCKLÄUFIGE ERLÖSE DER FARMER
(22'Zeilen)
US-WEIZENEXPORTE ÜBERSTIEGEN EIGENBEDARF
(7 Z e i l e n )

Seite . 6
.Seite

7

Seite

7

Seite

8

Seite

10

DIE LOHNENTWICKLUNGEN VON JANUAR BIS SEPTEMBER
(24 Zeilen)

Seite

11

676 VERBESSERUNGSVORS.CHLÄGE EINGEREICHT
(10 Zeilen)

Seite

12

REKORDAUFZUCHT VON TRUTHÄHNEN
(9 Z e i l e n )
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
US-WISSENSCHAFTLER ENTWICKELTEN NEUE
TOPOGRAPHISCHE AUFNAHMETECHNIK
Luftaufnahmen a u s 6000 M e t e r Höhe 3-4mal
g e n a u e r a l s Bpdenmessungen (40 Z e i l e n )
WELT DER ARBEIT
1961 - BISHER GÜNSTIGSTE STREIKBILANZ
. PER NACHKRIEGSZEIT,.
.
(20 Z e i l e n )

* -x * * *

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Wirtschaft
und Arbeit
1. Dezember 1961

XIII. Jahrgang. Nr. 44/c
INHALTSVERZEICHNIS

DIE ARTIKELSERIE
AKTUELLE ENTWICKLUNGEN IN DER US-GRUNDMETALLINDUSTRIE (III u. Schluß)
Aluminium - der Hecht im Karpfenteich
(130 Zeilen)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ZUNAHME DER KAPITALGÜTERINVESTITIONEN UM ÜBER
4 PROZENT FÜR 1962 ZU ERWARTEN
E r g e b n i s s e d e r H e r b s t u m f r a g e d e r McGraw-Hill
Company v e r ö f f e n t l i c h t
(70 Z e i l e n )

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
AUSGEDÜNNTE PERLETTE-TRAUBEN DURCH STRAHLENVERURSACHTE MUTATION
R ö n t g e n s t r a h l e n v e r ä n d e r n Erbmechanismus von g r o ß e r B e d e u t u n g f ü r d i e P f l a n z e n z u c h t
(52 Z e i l e n )

Seite

WELT DER ARBEIT
ANSTIEG DER ARBEITSPRODUKTIVITÄT IM KOHLEBERGBAU
UM 85 PROZENT SEIT 1949
Investitionen pro Arbeitsplatz erreichten 13 000
Dollar - Starker Rückgang der Beschäftigtenzahl
(56 Zeilen)

Seite

* * * * *

11

�AM E R I K A

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Wirtschaft
und Arbeit
8. Dezember 1961

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSGHAFTSREPORTAGE
GEWINNBETEILIGUNGSPLÄNE IN DER AMERIKANISCHEN
WIRTSCHAFT
Art und Umfang der Pläne
Die Erfahrungen der
Wirtschaft (125 Zeilen)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE US-WIRTSCHAFT AM JAHRESENDE
Wirtschaftliche Aktivität hat sich seit September
erneut verstärkt - Allgemein gute Aussichten
für 1962
(80 Zeilen)

Seite

6

Seite

9

AUS DER LANDWIRTSCHAFT
HÖHERE REISEXPORTE DER USA
(19 Zeilen)
IMMER STÄRKERE MECHANISIERUNG DER FARMARBEIT
(14 Zeilen)
USA GROESSTER HOLZIMPORTEUR
(5 Zeilen)
KUNSTDÜNGERVERBRAUCH WEITER GESTIEGEN
(10 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
PAPIER MIT HÖHERER NASSFESTIGKEIT
Zusatz von Dialdehydstärke zum Holzschliff ergibt
eine um das Neunfache erhöhte Nassfestigkeit
(40 Zeilen, 1 Bild)
WELT DER ARBEIT
GEHALTSANALYSE FÜR 68 ANGESTELLTENBERUFE
(35 Zeilen)
52 278 GEWERKSCHAFTEN LEGTEN US-ARBEITSMINISTERIUM
FINANZBERICHT VOR
(18 Zeilen)
LÖHNE DER BAUHANDWERKER LEICHT ANGESTIEGEN
(17 Zeilen)

Seite 10
Seite 10
Seite 11

Seite 12

Seite 14

Seite 15
Seite 16

ACHTUNG REDAKTIONEN; Mit gleicher Post übersenden wir
. Ihnen die Broschüre-J1ERZIEHUNG IN USA",
das dritte Heft unserer Broschürenreihe.
* * * * *

�GerneinSchaftsausgabe
ALLGEMEINES/WIRTSCHAFT UND ARBEIT
X I I I . / X I Y . J a h r g a n g . N r . 46

1 5 . Dezember

1 961

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
FRIEDEN UND FREIHEIT SIND NACH WIE VOR DIE ZIELE
DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
(140 Zeilen)
DIE NATO IM JAHRE 1961
Stärkere Einigkeit durch vermehrte Konsultationen
' (78 Zeilen)

Seite

1

Seite

6

DIE ENTWICKLUNG DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT IM JAHRE 1961
(75 Zeilen)
Seite

9

WIRTSCHAFT

NEUE TECHNISCHE ENTWICKLUNGEN UND BEDEUTENDE
ERFINDUNGEN IM JAHRE 1 961
(96 Zeilen)

Seite 12

ARBEITSRECHT. SOZIAL- UND LOHNPOLITIK
(32 Zeilen)

Seite 16

WISSENSCHAFT UND TECHNIK IN DEN USA - 1961
(520 Zeilen)
Naturwissenschaftliche Forschung
Physik
Biochemie und Biologie
Medizin
Geophysik
Atom und Technik
Raumfahrt und Weltraumforschung

Seite 19
Seite 23
Seite 25
Seite 27
Seite 30
Seite J&gt;2

ERZIEHUNG IN USA
SCHULE UND ERZIEHUNG IN DEN USA
- Rückblick 1961 (85 Zeilen)
KULTUR
AMERIKAS LITERARISCHES JAHR 1 961
- Von Büchern und L i t e r a t u r p r e i s e n
Von Norman Smith
(110 Z e i l e n )

Seite 37

Seite

40

KUNST ÜBER MEERE UND LÄNDER HINWEG

- Rückblick auf das Jahr 1 961 Von Linda Kent
(98 Z e i l e n )
* * * * *

S e i t e 44

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Allgemeines

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6. Januar

XIV. Jahrgang. Nr. 1

1961

INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
BEKÄMPFUNG VON BRANDVERLETZUNGEN
Neue Möglichkeiten für eine gezielte Therapie
(65 Zeilen)

Seite

BEKÄMPFUNG VON KOHLENDIOXID-VERGIFTUNGEN
(2 6 Zeilen)

Seite

3

IMMUNISIERUNG GEGEN KREBS?
(9 Zeilen)

Seite

4

DIREKTBESTRAHLUNG VON TIEFLIEGENDEM KREBSGEWEBE
(8 Zeilen)

Seite

5

WELTGESUNDHEITSORGANISATION (WHO) ZIEHT BILANZ
(22 Zeilen)

Seite

5

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
WISSENSCHAFT ALS WAGNIS
Neue Entwicklungen sind richtungweisend
für unsere Zukunft
Von John Kerigan
(80 Zeilen)

Seite

6

LITERATUR
ZWEI BÜCHER VON KENNEDY
"Warum England schlief" und "Zivilcourage"
Von Linda Kent
(67 Zeilen)

Seite

9

KURZ NOTIERT
FESTKONZERT ZUR AMTSEINFÜHRUNG DES
NEUEN US-PRÄSIDENTEN
(11 Zeilen)

Seite

11

* * * * *

1

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13. Januar

XIV. J a h r g a n g . N r . 2

1961

INHALTSVERZEICHNIS

ATOM UND TECHNIK
SPALTIAATERIAL AUS DER GAS ZENTRIFUGE
K o n t r o l l e würde p o l i t i s c h e Bedenken z e r s t r e u e n
(110 Z e i l e n )

Seite

PROGRAMM DER INTERNATIONALEN ATOMENERGIEORGANISATION FÜR 1961
(21 Z e i l e n )

Sei te

1

LEBEN IN DEN USA
TEXAS KÄMPFT GEGEN VERBRECHEN
Ein Bündnis zwischen Polizei und
Öffentlichkeit
(90 Zeilen, 1 Bild)

•r

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
BESEELTER DRAHT
Alexander Calder und seine Mobiles
(98 Zeilen, 1 Bild)

* * * * *

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10

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XIV. Jahrgang. Nr. 3

A I I**&lt;*I1HMIH»S

20. Januar

1961

INHALTSVERZEICHNIS
RAUMFLUG
SECOR-FUNK VERBESSERT NAVIGATION UND
GEODÄTISCHE MESSMETHODEN
(42 Zeilen)
HELIUMSCHILD FÜR RAUMFLUGKÖRPER
(16 Zeilen)
RAKETEN NACH DEM BAUKASTENPRINZIP
(11 Zeilen)
SONNENWETTER UND ERDSATELLITEN
(50 Zeilen)

Seite 1
Seite

2

Seite

3

Seite

3

AUF DEM WEG ZUR "RAKETENPOST"
Das neue Washingtoner Museum für Postgeschichte
(62 Zeilen, 1 Bild)

Seite

6

SÖHNE SUCHEN EINEN ANDEREN BERUF
(24 Zeilen)

Seite

7

Seite

9

LEBEN IN DEN USA

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DER NEUE TENNESSEE WILLIAMS
Von Norman Smith
(80 Zeilen)

ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER; BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
Wortlaut der "State of the Union Message" vom 12. Januar 1961
ABSCHIEDSANSPRACHE PRÄSIDENT EISENH0WER5 AN DAS AMERIKANISCHE VOLK
Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache vom 17. Januar 1961

* * * * *

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27. Januar

XIV. Jahrgang, Nr. 4

1961

INHALTSVERZEICHNIS

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
FORSCHUNG MIT KÜNSTLICHEN ELEMENTEN
(68 Zeilen)
LEUCHTSTOFF VON GLÜHWÜRMCHEN ERSTMALS
KRISTALLISIERT
(9 Zeilen)
FARBBILDER SOLLEN HINWEISE AUF MARSVEGETATION
GEBEN
(15 Zeilen)
HALBWERTZEIT VON KOHLENSTOFF--14&gt; ; NEU BESTIMMT
(30 Zeilen)

Seite 4

LEBEN IN DEN USA
ENDERGEBNISSE DER AMERIKANISCHEN VOLKSZÄHLUNG
Die Großstadt verliert ihren Reiz Bevölkerungszug nach dem Westen
(75 Zeilen, 1 Bild)

Seite 6

Seite 1

Seite 3

Seite 4

WELTPOLITIK
SOWJETISCHE BINNENPÄSSE
Eine Erbschaft aus der Zarenzeit
Seite 9
(85 Zeilen)
Seite 12
GEDENKTAGE IM FEBRUAR 1961
ANHANG
WORTLAUT DER INAUGURATIONSANSPRACHE DES NEUEN US-PRÄSIDENTEN
JOHN F. KENNEDY VOM 20. JANUAR 1961
CHESTER BOWLES UMREISST AUSSENPOLITISCHE AUFGABEN DER USA
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden US-Außenministers
vom 21. Januar 1961 vor der University of Michigan in Ann Arbor

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3. Februar

XIV. J a h r g a n g . N r . 5

1961

INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
NEUES HERZSTIMULANS
(13 Zeilen)
HERZLEISTUNG LÄSST DISPOSITION FÜR HERZLEIDEN
ERKENNEN
(28 Zeilen)
RISIKO BEI HERZOPERATIONEN GERING
(16 Zeilen)
KNOCHENMARKIMPLANTATION UNTERSTÜTZT RADIOTHERAPIE
(13 Zeilen)
VERBESSERTER TBC-TEST
(11 Zeilen)
UNTERKÜHLUNG ALS THERAPIE BEI FRÜHGEBURTEN
(10 Zeilen)
NEUES VOM PENICILLIN
(25 Zeilen)

Seite

1

Seite

1

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3

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3

Seite

4

Seite

4

Seite

5

LEBEN IN DEN USA
GENIESSE DEIN ALTER
Clevelands vorbildliches Klubprogramm für Betagte
und Hochbetagte (57 Zeilen, 1 Bild)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
THEATER IM SCHATTEN DER TRAUMFABRIK
Hollywoods "Theatre Group" besitzt Vitalität
Von Linda Kent
(57 Zeilen)

Seite

DAS PORTRÄT
IHR
Dr.
der
Von

LABORATORIUM IST DER HIMMEL
Joanne Malkus erforscht Architektur und Dynamik
Wolken
Frances Gudemann (120 Zeilen)

Seite

11

ANHANG
PRÄSIDENT KENNEDY UNTERBREITET BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION
V/ortlaut der "State of the Union Message" vom 30. Januar 1961

* * * * *

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XIV. J a h r g a n g . N r . 6

10. Februar

1961

INHALTSVERZEICHNIS

LEBEN IN DEN USA
DER ERSTE PRÄSIDENT DER USA SCHWÖRT DEN AMTSEID
Zu George Washingtons Geburtstag am 22. Februar
(70 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

Seite

4

SUPRALEITER ALS MAGNETSPULENMATERIAL
Neue M ö g l i c h k e i t e n f ü r den Bau t h e r m o n u k l e a r e r
Versuchsgerate
(38 Z e i l e n )

Seite

8

RAKETENTREIBSTOFF HYDRAZIN ZUM HALBEN PREIS
Neue Erfolge der Strahlenchemie
(24 Zeilen)

Seite

9

DIREKTE UMWANDLUNG VON REAKTORWÄRME IN
ELEKTRISCHEN STROM
(28 Zeilen, 1 Bild)

Seite 10

VERBILLIGUNG VON ATOMSTROM DURCH NEUE
LE ISTUNGSREAKTORTYPEN
(34 Zeilen)

Seite 11

ROBOTER FÜR REAKTORSTATION
(8 Zeilen)

Seite 12

TELEVISI0N
DIE AMERIKANISCHE FERNSEHAKADEMIE
Von P e t e r C o t t , D i r e k t o r d e r " P r e s s and P u b l i c
R e l a t i o n s " - A b t e i l u n g d e r N a t i o n a l Academy of
T e l e v i s i o n A r t s and S c i e n c e s , New York
(98 Z e i l e n )
ATOM UND TECHNIK

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XIV. J a h r g a n g . N r . 7

17. Februar

1961

INHALTSVERZEICHNIS

RAUMFLUG UND ASTRONOMIE
WETTER IN GROSSAUFNAHME
N I M B U S - S a t e l l i t e n s e t z e n TIROS-Serie
(63 Z e i l e n )

fort

Seite

1

BIMBO - DIE NEUESTE AMERIKANISCHE FESTSTOFFRAKETE
(5 Zeilen)

Seite

3

RICHTUNGSSTABILISATOR FÜR ERDSATELLITEN
(24 Zeilen, 1 Bild)

Seite

3

NEUES GERÄT ZUR SATELLITENBKOBACHTUNG
(10 Zeilen)

Seite

4

NASA VERGIBT FORSCHUNGSAUFTRAG ZUR ENTWICKLUNG
EINER IONENRAKETE
(11 Zeilen)

Seite

5

NEUE FORSCHUNGSERGEBNISSE DER SONNEN- UND GEOPHYSIK
(48 Zeilen)

Seite

5

NEUE WANDERFELDRÖHRE ALS VERSTÄRKER FÜR
RADIOTELESKOPE
(6 Zeilen)

Seite

LEBEN IN DEN USA
RUHE IN LITTLE ROCK
Aufhebung der Rassentrennung im Süden
der USA macht Fortschritte
(56 Zeilen)

Seite

8

VON KUNST UND KÜNSTLERN
INDUSTRIESTADT MIT VORLIEBE FÜRS THEATER
Cleveland und seine Musensöhne
(80 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

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XIV. Jahrgang. Nr. 8

24. Februar

1961

INHALTSVERZEICHNIS
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
ALTERSBESTIMMUNG AN ANTIKEM GLAS
(38 Zeilen)
MANGANLEGIERUNG MIT BESONDEREN MAGNETISCHEN
EIGENSCHAFTEN
(10 Zeilen)
NEUES VERFAHREN DER SEEWASSERDESTILLATION
Enge Zusammenarbeit zwischen US-InnJnministerium
und Privatindustrie
(35 Zeilen)
RÖNTGENANLAGE FÜR RISSUNTERSUCHUNG AN RIESIGEN
FLUGZEUGTEILEN
(7 Zeilen)
HELLER ALS DAS SONNENLICHT
(9 Zeilen)
NEUE SPEICHERTROMMEL FÜR DATENVERARBEITUNGSMASCHINEN
(7 Zeilen)
DR. SÄNGER: DEUTSCHE WELTRAUMFORSCHUNG AN
-US-TRÄGERRAKETEN INTERESSIERT
(19 Zeilen)
WELTPOLITIK
GUANTANAMO - US-MARINESTÜTZPUNKT AUF KUBA
Bilanz von 55 Jahren gutnachbarlicher Beziehungen
(130 Zeilen, 1 Bild)

Seite

Seite

Seite

Seite

4

Sei te

4

Seite

5

Seite

Seit«

6

Seite

11

Seite

14

Seite

15

LEBEN IN DEN USA
DIE FARM IN GETTY3BURG
Häuslicher Frieden am Rande eines historischen
Schlachtfeldes
t
(85 Zeilen, 1 Bild)
,
DICHTERPREIS FÜR JESSE STUART
(18 Zeilen)
GEDENKTAGE IM MÄRZ 1961

ANHANG
HAMMARSKJÖLD: ICH BLEIBE AUF MEINEM POSTEN
W o r t l a u t d e r E r k l ä r u n g d e s U N - G e n e r a l s e k r e t ä r s vom 1 5 . F e b r u a r
1961 v o r dem W e l t s i c h e r h e i t s r a t
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XIV. Jahrgang. Nr» 9

Allgemeines
3. März

1961

INHALTSVERZEICHNIS
GESUNDHEITSWESEN
GESUNDHEIT DER NATION - EIN SCHLÜSSEL
ZU IHRER ZUKUNFT
Zur Kongreßbotschaft Präsident Kennedys über
eine Verbesserung der Gesundheitsprogramme
(92 Zeilen)
AMERIKANISCHE PLÄNE ZUR FÖRDERUNG DER
GESUNDHEITLICHEN REHABILITATION IM AUSLAND
(40 Zeilen)

Seite 1

Seite

4

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
WICHTIGE ENTDECKUNG FÜR DIE BEKÄMPFUNG
DER LEUKÄMIE
(33 Zeilen)

Seite

6

STEUERT EIN HYPOPHYSEN-HORMON DEN
FETTSTOFFWECHSEL?
(8 Zeilen)

Seite

7

ENZYMSTRUKTUR VERRÄT ORGANISMENGRUPPE
(8 Zeilen)

Seite

8

MUTAGENE STOFFE IN NAHRUNG UND LUFT
(10 Zeilen)

Seite

8

Seite

9

Seite

13

Seite

14

UNTERRICHTSWESEN
EXPERIMENTE MIT "FLIEGENDEN KATHEDERN"
Schulen im Fernsehring
(115 Zeilen, 1 Bild)
LEBEN IN DEN USA
ATEMPAUSE IN VIRGINIA
Von John Kerigan
(32 Zeilen)
KULTURNACHRICHTEN
NEUN NEUE MITGLIEDER DER AMERIKANISCHEN
GESELLSCHAFT FÜR KUNST UND LITERATUR
(10 Zeilen)
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Allgemeines
10. März

XIV. Jahrgang. Nr. 10

1961

INHALTSVERZEICHNIS

DAS PORTRÄT
MR. ISOTOP
Ein Meister im Zaubergarten der atomaren
Technik - Dr. Baul Aebersold
(118 Zeilen)

Seite 1

ATOM UND TECHNIK
NEUE VERFAHREN DER BIOLOGISCHEN UND
MEDIZINISCHEN FORSCHUNG MIT RADIOISOTOPEN
(58 Zeilen)

Seite

5

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
DIE SCHRIFTROLLEN VOM TOTEN MEER
Bestandteil einer neuen englischen
Bibelausgabe
(38 Zeilen)

Seite

7

ERZIEHUNG
KENNEDYS PLÄNE FÜR EINE REFORM DES
ERZIEHUNGSWESENS IN DEN USA
Von John Kerigan
(95 Zeilen)

Seite

9

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XIV. J a h r g a n g . N r . 11

1 7 . März

1961

INHALTSVERZEICHNIS
RAUMFLUG
RAKETENTANKS AUS GLASFASERN
(12 Z e i l e n )

Seite 1

ULTRA-HÖHENKAMMER IN BAU
(8 Z e i l e n )

Seite 1

NASA-PREIS FÜR DR. FRANK T . MCCLURE,
ERFINDER DER DOPPLER-NAVIGATION
(16 Z e i l e n )

Seite

2

LETZTE VORBEREITUNGEN FÜR START VON STRATOSKOP I I
(40 Z e i l e n )

Seite

2

GERMANIUM ALS LINSENMATERIAL FÜR INFRAROT-KAMERAS
(17 Z e i l e n , 1 B i l d )

Seite

4

LUFT-BODEN-RAKETE SKYBOLT
(11 Z e i l e n , 1 B i l d )

Seite

5

Seite

6

Seite

9

VEREINTE NATIONEN
TECHNISCHE HILFE FÜR DEN KONGO
Über den Einsatz technischer, wirtschaftlicher und
pädagogischer Hilfs- und Beratungsteams der
Vereinten Nationen im Kongo
(60 Zeilen)
PUBLIZISTIK
DIE "WIEDERKUNFT"

. . . und s e c h s j u n g e a m e r i k a n i s c h e
(70 Z e i l e n )

Studenten

AUFLAGE DER US-TAGESZEITUNGEN UM RUND 50Q 000 ERHÖHT
(12 Z e i l e n )

Seite 11

KURZNACHRICHTEN AUS DEN USA
N1W YORK CITY OPERA VERGIBT VIERTEN OPERNAUFTRAG
(7 Z e i l e n )

Seite 12

DIE MET WIRD NUN DOCH ABGERISSEN
(8 Z e i l e n )

Seite 12

MAX-ERNST-AUSSTELLUNG IM NEW YORKER MUSEUM OF MODERN ART
Seite 13
(10 Z e i l e n )
US-SENAT VERABSCHIEDETE GESETZ ZUR FÖRDERUNG DES
FREMDENVERKEHRS

Seite 13

(12 Z e i l e n )
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XIV. J a h r g a n g . N r . 12

Allgemeines
24. März 1961

INHALTSVERZEICHNIS
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
WANN BEGINNT DAS ALTER?
(40 Zeilen)

Seite

1

'HEFENAHRUNG FÜR MEERESORGANISMEN
(7 Zeilen)

Seite

2

BAKTERIENTOD - CHEMISCH GESEHEN
(8 Zeilen)

Seite

3

ZWEI PHOTOCHEMISCHE REAKTIONEN BEI DER
KOHLENSAURE-ASSIMILIERUNG
(9 Zeilen)

Seite

3

VARACTOR"-VERSTARKER FÜR RADARECHOS
(7 Z e i l e n )

Seite

4

MINIATURELEKTRONIK - FAST OHNE GRENZEN
(10 Z e i l e n )

Seite

4

Seite

5

Seite

8

NATIONALE BUCHPREISE ZUM ELFTEN MALE VERGEBEN
(13 Z e i l e n )

Seite

11

BRANDEIS-UNIVERSITÄT EHRT LILLIAN HELLMAN
(8 Zeilen)

Seite

11

FABERG-OSTEREIER IN DER CORCORAN ART GALLERY
(7 Z e i l e n )

Seite

12

KONZERTHALLE AUF DEM ACKER
(8 Z e i l e n )

Seite

12

,,

ARCHITEKTUR
KEINE BAULICHEN BARRIEREN MEHR FÜR
KÖRPERBEHINDERTE
Von D r . Howard A. Rusk
(52 Z e i l e n , 1 B i l d )
BÜRGERRECHT
WAHLRECHT FÜR DEN DISTRICT OF COLUMBIA
Der 2 3 . Z u s a t z a r t i k e l z u r U S - V e r f a s s u n g
Von J o h n K e r i g a n
(76 Z e i l e n )
KURZ BERICHTET

* * * * * *

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XIV. Jahrgang. Nr. 1 5

31. März

1961

INHALTSVERZEICHNIS
AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
IMMUNOLOGIE UND KREBS
(45 Zeilen)

Seite

1

Seite

2

Seite

4

ERWACHS ENENBILD UNG
GEISTESWISSENSCHAFTEN FÜR JEDERMANN
Das B i l d u n g s p r o g r a m m d e r G r o ß e - B ü c h e r - S t i f t u n g
(64 Z e i l e n )

Seite

8

INTERNATIONALE GESELLSCHAFT FÜR MUSIKERZIEHUNG
TAGT IN WIEN
(10 Zeilen)

Seite

10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
HOHER SPANISCHER ORDEN FÜR HELEN HAYES
(22 Zeilen)

Seite

11

EHRENDOKTORHUT FÜR WALTER GROPIUS
(23 Zeilen)

Seite

12

Seite

1

NEW YORK ALS "BIOKLIMATISCHES LABORATORIUM"
(36 Zeilen)
WELTPOLITIK
DAS "PARLAMENT" DES KREML
Der O b e r s t e Sowjet - e i n e M a r i o n e t t e d e r
(110 Z e i l e n )

GEDENKTAGE IM APRIL 1961

* * * # *

Partei

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XIV. Jahrgang. Nr. 14

Allgemeines
7. April 1961

INHALTSVERZEICHNIS
ATOM UND TECHNIK
LICHT DER VERGANGENHEIT
Gefrorenes Gestein registriert Dauer einer
Eiszeitperiode
(75 Zeilen)

Seite

UNTERIRDISCHE ATOMEXPLOSIONEN FÜR ZIVILE

ZWECKE
(20 Zeilen)

Sei te

3

MEERESSTRÖMUNGEN WERDEN GEFÄRBT
(35 Zeilen)

Seite

4

SILIZIUMGEWINNUNG UND BAUMWOLLIMPRÄGNIERUNG
DURCH BESTRAHLUNGSVERFAHREN
(7 Zeilen)

Seite

ERZIEHUNGSWESEN
SCHÖPFERISCHE WISSENSCHAFT
Von Glenn T. Seaborg, Nobelpreisträger und
Vorsitzender der US-Atomenergie-Kommission
(124 Zeilen)

Seite

6

VON KUNST UND KÜNSTLERN
IM SCHATTEN DES BROADWAY
Die Kaffeehaus-Theater von Greenwich Village
Von Linda Kent
(64 Zeilen)

Seite

11

KURZ BERICHTET
WELTBEVÖLKERUNG ERREICHT DREI-MILLIARDEN-GRENZE
(7 Zeilen)

Seite

13

* * * * *

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14. April

XIV. Jahrgang. Nr. 15

1961

INHALTSVERZEICHNIS
RAUMFLUG
MAGNETFELLSONDE EXPLORER X HAT MISSION ERFÜLLT
(20 Zeilen)
NEUE HÖHEN- UND GESCHWINDIGKEITSREKORDE MIT
DER X-15
Testpilot zwei Minuten schwerelos
(23 Zeilen)
TANKS FÜR SATURN-RAKETEN IN AUFTRAG GEGEBEN
(18 Zeilen)
METALLDAMPF TREIBT TURBOGENERATOR IN
RAUMFAHRZEUGEN
(12 Zeilen)
NASA-INSTITUT FÜR WELTRAUMFORSCHUNG
(12 Zeilen)
BERYLLIUM ALS MATERIAL FÜR RAKETENZUBEHÖR
(8 Zeilen)

Seite

1

Sei te

2

Seite

3

Seite

3

Seite

4

Seite

4

Seite

5

Seite

9

KURZ BERICHTET
FORD-STIFTUNG MACHT WEITERE ZUWENDUNGEN FÜR DIE
FORSCHUNG
(13 Zeilen)

Seite

11

WELTPOLITIK
DIE LAOS-KRISE UND IHRE HINTERGRÜNDE
(200 Zeilen)

Seite

12

DAS PORTRÄT
HIMMELSBEOBACHTUNG VON HÖCHSTER WARTE
Dr. Herbert Friedman - Schöpfer der Raketenastronomie
(Nach "Science World")
(98 Zeilen, 1 Bild)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
THEATERPFLEGE UND UNIVERSITÄTSTHEATER
750 neue Universitätstheater werden im Laufe
der sechziger Jahre in den USA entstehen
Von Linda Kent
(62 Zeilen)

* * * * #

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XIV. Jahrgang. Nr. 16

21. April 1961
INHALTSVERZEICHNIS

VEREINTE NATIONEN
GELD 1''IJR DEN FRIEDEN
Von unserem New Yorker diplomatischen Mitarbeiter
(75 Zeilen)

Seite 1

VON KUNST UND KÜNSTLERN
WINNETOU IM MUSEUM
Die dokumentarischen Kunstsammlungen der
neuen Whitney Gallery of 7/estern Art zeigen
Amerikas Pionierzeit so, wie sie wirklich war
Von Harold McCracken
(80 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

4

KUNSTWERKE FÜR DAS WEISSE HAUS
(10 Zeilen)

Seite

8

DEUTSCHE AQUARELLISTEN STELLEN IN BROOKLYN AUS
(8 Zeilen)

Seite

8

KONZERTPLANE DES NEW YORK PHILHARMONIC ORCHESTRA
(9 Zeilen)

Seite

9

RUSSLANDTOURNEE DES AMERIKANISCHEN GEIGERS
RUGGIERO RICCI
(7 Zeilen)

Seite

9

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA

» * * • *

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28. April

XIV I J a h r g a n g . N r . 1 7

1961

INHALTSVERZEICHNIS

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
PROTEINSYNTHESE IM REAGENZGLAS
(54 Zeilen)

Seite

HOCHFREQUENZ AKTIVIERT GAMMAGLOBULIN
(12 Zeilen)

Seite

MENSCHLICHE GEWEBEZELLEN ÜBERSTEHEN
WELTRAUMKÄLTE
(8 Zeilen)

Seite

5

NEUARTIGER LEUCHTSCHIRM
(16 Zeilen)

Seite

4

Seite

5

WELTPOLITIK
FERNSEHEN: WICHTIGES INSTRUMENT DER PARTEI
IN DEN SATELLITENSTAATEN
Von Paul Landy
(120 Zeilen)

1

VON KUNST UND KÜNSTLERN
VIER, DIE NICHT AUF DER BESTSELLER-LISTE
STEHEN
(70 Z e i l e n )

Seite

9

Seite

11

Seite

12

KURZ BERICHTET
HOHE AUSZEICHNUNG FÜR THEATRE GUILD
"Tony" f ü r h o h e s N i v e a u d e r A u f f ü h r u n g e n
(12 Z e i l e n )
GEDENKTAGE IM MAI 1961

* * * * *

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XIV. J a h r g a n g . N r . 18

5.

Mai

1961

INHALTSVERZEICHNIS
ATOM UND TECHNIK
ELEKTRONIK OHNE ELEKTRIZITÄT
Strömungsmechanische V e r s t ä r k e r
Vakuumröhren und T r a n s i s t o r e n
Von S . David P u r s g l o v e
(90 Z e i l e n )

ersetzen

Seite

1

TELEPHONGESPRÄCHE ÜBER LICHTWELLEN
(22 Z e i l e n )

Seite

4

ZYKLOTRON MIT SCHARFEM PARTIKELSTRAHL
(10 Z e i l e n )

Seite

5

ZUR ENTDECKUNG DES ELEMENTS 105
(18 Z e i l e n )

Seite

5

NEUARTIGE INNENANSTRICHMASSE FÜR ATOM-U-BOOTE
(9 Z e i l e n )

Seite

6

FERNSEHEN
KRITIK ALS KRITERIUM
Die Television wirbt um den anspruchsvollen
Fernsehteilnehmer
Von Norman Smith
(86 Zeilen)

Seite

7

KURZ BERICHTET
PULITZERP REISE
(21 Zeilen)

Seite

10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE KUNST UND DIE SACHE DES FRIEDENS
Auszüge aus einer Veröffentlichung der
amerikanischen literarischen Wochenzeitschrift
"Saturday Review"
(98 Zeilen)

Seite

11

FORUM DER JUGEND
LEHRER LIEPERTS "KLEINES AUSTAUSCHPROGRAMM"
Deutsche Rheingau-Gymnasiasten zu Gast in Muskego
(Wisconsin)
(70 Zeilen)

Seite

13

* * * * *

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XIV. Jahr^anff.

Nr.

Allgemeines
1 2 . Mai 1961

19

INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
ERBITTERTER KAMPF GEGEN S E I KREBS
Neue A s p e k t e f ü r F o r s c h u n g und T h e r a p i e
(185 Z e i l e n , 1 Bild)

Seite

1

Seite

8

LEBEN IN DEN USA
HEIMSTUDIEN MACHEN SCHULE
Eineinhalb Millionen Amerikaner
Kursteilnehmer einer Fernschule
(70 Z e i l e n )

sind

VON KUNST UND KÜNSTLERN
KRITIKERPREIS FÜR Y/ERKE MODERNER MUSIK
Von Norman S m i t h
(95 Z e i l e n )

S e i t e 11

KURZ BERICHTET
USA NEHMEN AN MOSKAUER FILM-FESTIVAL TEIL
(8 Z e i l e n )

Seite

10

HEMINGWAY UND SEINE KRITIKER
(8 Z e i l e n )

Seite

14

» * * « «

�AMERIKA

D I E N ST
U. S. Feature Service

Allgemeines

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19.

XIV. J a h r g a n g . N r . 20

Mai

1961

INHALTSVERZEICHNIS
RAUMFLUG
LEISTUNGSSTEIGERUNG BEI CHEMISCHEN RAKETEN
DURCH NEUE STUFENKOMBINATIONEN

(50 Z e i l e n )
ANTENNEN AUS DER RUMPELKAMMER
Wissenschaftliche Satellitenbeobachtung
durch Amateurgruppen
(53 Zeilen)
SONNENFORSCHUNG MIT ERDSATELLITEN
Einige neue Ergebnisse
(32 Zeilen)
FRISCHLUFTVERSORGUHG IM RAUMSCHIFF
(12 Zeilen)
NACHRICHTENTECHNIK MIT SICHTBAREM LICHT
(13 Zeilen)
TEMPERATURFESTES ELEKTROGERÄT FÜR
HYPERSCHALLFLUGKÖRPER
(10 Zeilen)
POLITIK
DIE ARMEE DES FRIEDENS
Am 27. Mai und 5« Juni finden die ersten
Freiwilligenmusterungen für das U.S. PEACE
CORPS statt
(80 Zeilen, 2 Bilder)
HOCHSCHULWESEN IN DEN USA
US-AKADEMIKERINNENVERBAND VERGIBT 44 STIPENDIEN
(11 Zeilen)
KENNEDY FORDERT VERLÄNGERUNG DES STUDIENFÖRDERUNGSGESETZES
(21 Zeilen)

* * * * *

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1

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A l l g e m e i n e s

XIV. J a h r g a n g , N r . 21

2 6 . Mai 1961
INHALTSVERZEICHNIS

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
Af £
t / / t W

DIE ERDE UNTER EINER STRATOSPHÄRISCHEN RAUCHGLOCKE
(48 Z e i l e n )

Seite

1

if/r.fU,
/
0

WIE WIRD DAS WETTER?
205 M i l l i o n e n A n f r a g e n im J a h r i 9 6 0 beim
s e h e n W e t t e r d i e n s t i n USA
(30 Z e i l e n )

Seite

2

Seite

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Seite

5

Seite

6

Seite

9

. f n 11 KREBSZELLEN UND MAGNETISMUS
^ / ^ . W w Auf s e h e n e r r e g e n d e E n t d e c k u n g
Wissenschaftler
(28 Z e i l e n )
l/h/ACfA
ff NMc3"

telephoni-

amerikanischer

VERTRAG ÜBER BAU EINES NASA-FERNMELDESATELLITEN
UNTERZEICHNET
(20 Z e i l e n )

LEBEN IN DEN USA
,

/

NE
NEW YORKER. DIE NUR SPANISCH SPRECHEN
er 40 000 Portorikaner wandern jährlich nach
Norden
(72 Zeilen)

IfUk «

VON KUNST UND KÜNSTLERN
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Qi'o

DICHTER UND BAUER IN USA
Jesse Stuart, der Bergpoet aus Kentucky, erhielt
den Dichterpreis 1961
(130 Zeilen, 1 Bild)

VIELSEITIGER AMERIKANISCHER KÜNSTLER AUF EUROPATOURNEE
(32 Zeilen)
Seite 14

GEDENKTAGE IM JUNI 1961

Seite 15

* * * * *

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XIV. Jahrgang, Nr. 22

Allgemeines
2. Juni 1961

INHALTSVERZEICHNIS
ATOM UND TECHNIK
NEUE METHODE DER ALTERSBESTIMMUNG AN ANTIKEN
TON GEFÄSSEN
(33 Zeilen)

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1

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4

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5

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7

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10

LEINSDORF WIRD NACHFOLGER VON CHARLES MÜNCH
(5 Z e i l e n )

Seite

13

HOHE MUSIKSTIPENDIEN DER FORD-STIFTUNG
(7 Z e i l e n )

Seite

13

EL2KTR0LUMINESZENZ - INDUSTRIELL NUTZBAR GEMACHT
(15 Zeilen)
PLASMA-STABILITÄT AUF 3 SEKUNDEN ERHÖHT
Fortschritt auf dem Gebiet der kontrollierten
Kernverschmelzung
(9 Zeilen)
PLATIN IN DER INDUSTRIE
(22 Zeilen)
UNTERWASSER-SPRECHFUNK FÜR TAUCHER
(12 Zeilen)
NORMALZEIT MIT GRÖSSTER GENAUIGKEIT DURCH
CÄSIUM-UHR
(16 Zeilen)
NEUES VOM GLAS
(30 Zeilen)
WELT DER FRAU
ZV/EI PULITZER-PREISE AN FRAUEN
Von L i n d a Kent
(86 Z e i l e n )
VON KUNST UND KÜNSTLERN
IN MEMORIAM KOUSSEVITZKY
S e i n V e r d i e n s t um d i e neue Musik i s t
(65 Z e i l e n , 2 B i l d e r )

unvergessen

KURZ BERICHTET

ANHANG
KENNEDY RUFT DAS AMERIKANISCHE VOLK ZU GRÖSSEREN ANSTRENGUNGEN AUF

�AMERIKA

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XIY. J a h r g a n g . N r . 2 5

9 . J u n i 1961
INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
ELEKTROKARDIOGRAMM PER TELEPHON
(11 Z e i l e n )

Seite

1

MEDIKAMENT ZUR ANWENDUNO BEI QUETSCHUNGEN
(10 Z e i l e n )

Seite

1

JOD UND KREBS
(12 Z e i l e n )

Seite

2

JOD-125 IN MASSENPRODUKTION
(12 Z e i l e n )

Seite

2

BLUTAUFBAU UND SCHIZOPHRENIE
(10 Z e i l e n )

Seite

3

STRAHLENWIRKUNG AUF KREBSGESCHWÜLSTE ANALYSIERT
(33 Z e i l e n )

Seite

3

DAS PORTRAT

HARRIET BEECHER-STOY/E
Streiterin für die Gleichberechtigung
der Rassen - Zur 150. Wiederkehr des
Geburtstags der Verfasserin von "Onkel
Toms Hütte" am 14. Juni 1961
(150 Zeilen, 1 Bild)

Seite

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
FERNSEHEN FÜR KINDER
(10 Z e i l e n )

Seite

10

ERSTE ROLLE DES LINCOLN CENTER
(8 Z e i l e n )

Seite

10

EHRENDOKTOR FÜR LE CORBUSIER
(8 Z e i l e n )

Seite

1 1

"BERGPREDIGT" IN USA
(12 Z e i l e n )

Seite

11

URAUFFÜHRUNGEN IN NEW YORK
(6 Z e i l e n )

Seite

12

US-WANDERAUSSTELLUNG KOMMT NACH EUROPA
(12 Z e i l e n )

Seite

12

USA IN WIEN VERTRETEN
(16 Z e i l e n )

Seite

13

ANHANG

PRÄSIDENT KENNEDY BERICHTET iREli

E EUROPA REISE

�A M KK I KA D I E N S T
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Allgemeines
1 6 . Juni 1961

XIV. J a h r s r a n e . N r . 24
INHALTSVERZEICHNIS
DIE WOCHE IN DEN USA
EIN WENIG LOHNENDES REVIER
Der O b e r s t e B u n d e s g e r i c h t s h o f d e r USA f o r d e r t
R e g i s t r i e r p f l i c h t f ü r die kommunistische P a r t e i
a l s s u b v e r s i v e Gruppe
Von J o h n K e r i g a n
(74 Z e i l e n )

Seite

1

Seite

4

Seite

7

HArDN-MANUSKRIPT ENTDECKT
(12 Z e i l e n )

Seite

9

EUROPA IM US-FERNSEHEN
(12 Z e i l e n )

Seite

10

STRAWINSKY DIRIGIERT IN WARSCHAU
(11 Z e i l e n )

Seite

10

SONDERBRIEFMARKE ZU EHREN EINES KAMPFERS, DER
GAR NICHT KÄMPFEN WOLLTE
(12 Z e i l e n )

Seite

11

DIE WELT DER FRAU
GEMEINSAME LÖSUNG GEMEINSAMER AUFGABE
Zur E r n e n n u n g von E s t h e r P e t e r s o n , de r neuen
L e i t e r i n d e s Amtes f ü r F r a u e n f r a g e n i m usArbeitsministerium
(68 Z e i l e n , 1 B i l d )
VON KUNST UND KUNSTLERN
SCHNAPPSCHÜSSE VOM 3 . DOKUMEUTARFILMFESTIVAL
IN NEW YORK
Von L i n d a K e n t '
(72 Z e i l e n )
KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA

* * * * *

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XIV. Jahrgang. Nr. 25

2J . Juni 1961
INHALTSVERZEICHNIS

MEILENSTEINE
LEBEN. FREIHEIT UND DAS STREBEN NACH GLÜCK
Erinnerungen an den 4« Juli 1776
(86 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

HOCHSCHULWESEN
EINE NEUE FAKULTÄT: DIE BIOMEDIZINISCHE TECHNIK
Von Lynn Poole, Johns-Hopkins-Universität, Baltimore
(56 Zeilen)

Seite

4

VON KUNST UND KUNSTLERN
KONZERTSOMMSR UNTER KALIFORNISCHEM HIMMEL
Musikpflege in den amerikanischen Weststaaten
Von Linda Kent
(74 Zeilen)
KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
BERÜHMTE KÖPFE
Ausstellung im Time and Life Building in New York
(13 Zeilen)

Seite 6

Seite

9

INTERNATIONALE BUCHMESSE IN WASHINGTON
(10 Zeilen)

Seite

9

PASTERNAK IM US-FERNSEHEN
(10 Zeilen)

Seite 10

DIE STAATSMÄNNER DER "ADAMS FAMILY"
(12 Zeilen)

Seite 10

ANHANG
USA BEANTWORTEN SOWJETISCHES MEMORANDUM ZU DEN
GENFER ATOMVERHANDLUNGEN

W o r t l a u t d e r am 17» J u n i 1961 i n Moskau ü b e r r e i c h t e n
US-Note
PRÄSIDENT KENNEDY UND SEINE REGIERUNG ( B r o s c h ü r e )
*

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XIV. Jahrgang. Nr. 26

30. Juni 1961
INHALTSVERZEICHNIS

LEBEN IN DEN USA
WORÜBER HAN NUR SELTEN SPRICHT
Von John Constable, Leiter des Informationsbüros des
Southern Regional Council, einer Organisation zur
Verbesserung der Rassenbeziehungen in den amerikanischen Südstaaten
(130 Zeilen)

Seite

1

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6

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10

Seite

14

PHILATELIE
EINE SCHMERZLICHE OPERATION ZUR ERHALTUNG DES GANZEN
US-Postministerium gibt erste Marke einer Fünferserie
zur Erinnerung an den Beginn des Bürgerkrieges im
Jahre 1861 heraus
(92 Zeilen, 1 Bild)
REISELAND USA
ORANGENBLÜTEN. LAVENDEL UND VIEL HISTORIE (i)
St. Augustine in Florida, die älteste EuropäerB1edlung der USA
Von Jane Textor
(92 Zeilen, 2 Bilder)
GEDENKTAGE IM JULI 1961
* * * * *

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XIV. Jahrgang. Nr. 27

7. Juli 1961
INHALTSVERZEICHNIS

IN MEMORIAM
LEE DE FOREST:
Ein Leben für den Fortschritt in der
Radio- und Tontechnik
Am 30. Juni 1961 starb im Alter von 87 Jahren in
einem Hollywooder Krankenhaus der "Vater des
Radios"
(125 Zeilen, 1 Bild)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
KONTROVERSEN UM EIN DENKMAL
574 amerikanische Künstler und Architekten
beteiligten sich am Franklin-Delano-RooseveltMemorial-Wettbewerb
Von Norman Smith
(68 Zeilen, 1 Bild)
HIER SPRICHT DER "KÖNIG DES SWING":
BENNY GOODMAN
(75 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

Seite 6

Seite

9

VOLKERRECHT
EIN V/ELTGESETZ FÜR DEN FRIEDEN
Westliche Hemisphäre übernimmt Führung
in der Bewegung "Durch Gesetz zum Frieden"
(6j Zeilen)

Seite

13

KURZ BERICHTET
THEATRE GUILD AMERICAN REPERTORY COMPANY
IST HEIMGEKEHRT
(11 Zeilen)

Seite

12

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15

MARSHALLPLAN DER ERZIEHUNG
(12 Zeilen)

* * *• * *

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Allgemeines
14. Juli 1961

XIV. Jahrgang. Nr. 28
INHALTSVERZEICHNIS
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
WARTUNGSFREIE STROMQUELLEN
Atombatterien für automatische
Meßstationen
(60 Zeilen)

Seite 1

MIKROTRANSISTOREN
(10 Zeilen)

Seite

3

SAPHIRE GEGEN WÄRME UND WELTRAUMSTRAHLUNG
(11 Zeilen)

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3

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4

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7

VON KUNST UND KÜNSTLERN
WIRD DAS KINO UNMODERN?
Museen, Büchereien und Film Societies
pflegen den guten Film
Von Linda Kent
(68 Zeilen)
HUNDERT JAHRE EUROPÄISCHE MODERNE
Ausstellung des Rose Art Museum in
Waltham, Massachusetts
(8 Zeilen)
DAS THEATERSTÜCK DER WOCHE
Eine Fernsehreihe mit Format und Niveau
Von Norman Smith
(66 Zeilen)

ANHANG
DIE ROLLE DER PRESSE IN OST UND WEST
Aus der New Yorker Fernsehdebatte vom 24. Juni 1961 zwischen
sowjetischen und amerikanischen Journalisten
(128 Zeilen)
DEAN RUSK MACHT SOWJETS FLR WELTKRISE VERANTWORTLICH
Wortlaut der Ansprache des amerikanischen Außenministers
Dean Rusk vom 10. Juli 1961 vor dem Nationalen Presseklub
in Washington sowie der anschließenden Fragen und Antworten
zu Berlin.
* * * * *

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300 •

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Allgemeines

6 0 1 32 10

XIV. J a h r g a n g . N r . 29

21 . J u l i

1961

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
DIE
Von
der
(62

PERMANENTE REVOLUTION AMERIKAS
Foy D . K o h l e r , U n t e r s t a a t s s e k r e t ä r und L e i t e r
E u r o p a - A b t e i l u n g im U S - A u ß e n m i n i s t e r i u m
Zeilen)

KENNEDY BEGRÜSSTE 1800 AUSTAUSCHSCHÜLER AUS
51 LÄNDERN IM WEISSEN HAUS
(11 Z e i l e n )

Seite

1

Seite

3

DAS PORTRÄT

LOUISE SHEPARD; EINE ÜBERGLÜCKLICHE FRAU
Eine Reportage von Evelyn Radcliffe
(Nach "The Christian Science Monitor")
(78 Zeilen, 1 Bild)
Seite
FRAJENÜBERSCHUSS IN DEN USA WACHST
(12 Zeilen)
Seite
ATOM UND TECHNIK
TRANSPORTABLE ATOMKRAFTSTATION FÜR UNTERWASSERBETRIEB
(15 Zeilen, 1 Bild)
Seite
NOMAD I - AUTOMATISCHE WETTERSTATION IM GOLg VON MEXIKO
(26 Zeilen)
" Seite
METALLVERSCHWEISSUNG DURCH REIBUNGSHITZE
(9 Zeilen)
Seite
TRAGBARES MAGNETGERAT FÜR RISSUNTERSUCHUNGEN
(11 Zeilen)
Seite
TRAGFLÄCHEN AUS NYLON (12 Zeilen)
Seite
NYLONSCHIFF FÜR OZEANOGRAPHISCKE EXPEDITIONEN
(9 Zeilen)
Seite
NEUE METHODE. ZUR HERSTELLUNG KÜNSTLICHER DIAMANTEN
(9 Zeilen)
Seite
GERÄT ZUR MESSUNG VOM WELLENHÖHEN
(9 Zeilen)
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4
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ANHANG
USA PRÄZISIEREN STANDPUNKT IN DER BERLIN- UND DEUTSCHLANDFRAGE
W o r t l a u t d e r a m e r i k a n i s c h e n A n t w o r t n o t e vom 17« J u l i 19^1
auf d a s s o w j e t i s c h e A i d e - m e m o i r e vom 4« J u n i 1961
* * *

* *

�AM E R I K A

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Allgemeines

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28. Juli 1961.

XIV. J a h r g a n g , N r . 50,
INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK

KENNEDYS LITERARISCHE BERATER
Von John Morton Blum, Professor für Geschichte
an der Yale-Universität (125 Zeilen)

Seite 1

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
NEUES NARKOSEMITTEL (18 Zeilen)
ULTRAVIOLETTLICHT GEGEN STAPHYLOKOKKEN (10 Zeilen)
DIÄT GEGEN SCHWERE STÖRUNG DES EIVVEISSSTOFFWECHSELS (19 Zeilen)
NEUE ERGEBNISSE IN DER ERFORSCHUNG UND
BEHANDLUNG DER KORONARSKLEROSE (28 Zeilen)
HORMONE GEGEN ANÄMIE (11 Zeilen)
NEUES AUS DER LEUKÄMIEFORSCHUNG (12 Zeilen)
KOHLENDIOXYD LOCKT MOSKITOS AN (7 Zeilen)
BIOTECHNIK
SCHALLORIENTIERUNG DES DELPHINS
SONAR-Spezialisten gehen bei intelligenten
Meerestieren in die Lehre (98 Zeilen)

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6
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Seite 9
Seite 10

Seite 11

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
Sechs Meldungen aus dem Reich der Künste
(63 Zeilen)

Seite 15

LISTE DER GEDENKTAGE IM AUGUST-SEPTEMBER 1 961

Seite 18

ANHANG
PRÄSIDENT KENNEDY UNTERSTREICHT FESTE HALTUNG DER USA
IN DER BERLIN-FRAGE
Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des amerikanischen
Präsidenten John F. Kennedy vom 25. Juli 1961
WIR MACHEN ALLE UNSERE BEZIEHER DARAUF AUFMERKSAM.
DASS DIE NÄCHSTE AUSGABE UNSERES DIENSTES "ALLGEMEINES"
ERST WIEDER AM.1. SEPTEMBER ERSCHEINT.

*

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XIY. Jahrgang. Nr. 51

1 . September 1961
INHALTSVERZEICHNIS

RAUMFLUG
EXPLORER XII - EIFRIGER REPORTER IM WELTRAUM
(37 Zeilen)
METEOROLOGIE AUS DER WELTRAUMPERSPEKTIVE
(26 Zeilen)
BIOLOGISCHE WELTRAUMVERSUCHE MIT KUNSTSTOFFPUPPEN
(8 Zeilen)
UNTERSUCHUNG DER HÖHENSTRAHLUNG DURCH SKYH00KBALLONE FORTGESETZT
(6 Zeilen)
FALLSCHIRM AUS STAHLGEWEBE
(9 Zeilen)
ARCHITEKTUR
SPANNBETON UND SCHICHTSTOFFE BESTIMMEN DIE
MODERNE ARCHITEKTUR

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4

Vorgefertigte Teile immer stärker gefragt

Seite

(98 Zeilen, 1 Bild)
TECHNIK
EIN SCHIFF FÄHRT WASSERSKI
Vor dem Sta p e l l a u f des a m e r i k a n i s c h e n
b o o t e s DENISON
(62 Zeilfeh, 1 B i l d )

Tragflügel-

Seite

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
(63 Z e i l e n )
SHAKESPEARE-EXPERTEN AUSGEZEICHNET
STIPENDIUM FÜR BONNER FULBRIGHT-STUDENT

Seite
Seite

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REGE OPERNTÄTIGKEIT IN SANTA FE

Seite

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MACPOWELL-MEDAILLE FÜR AARON COPLAND

Seite

13

AMERIKANISCHE AUSGRABUNGEN IN APHRODISIAS

Seite

14

LOUIS ÜNTERMEYER, NEUER BERATER FÜR DICHTKUNST
DER KONGRESSBIBLIOTHEK

Seite

14

ANHANG
1961"
"BERLIN
Berlin-Broschüre des amerikanischen Außenministeriums,
veröffentlicht am 25. August 1961
* * * * *

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XIV. Jahrgang. Nr. 52

8. September 1961

INHALTSVERZEICHNIS
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
MASSENNAHRUNG AUS PILZEN
(50 Zeilen)

Seite

AMERIKAS LANDWIRTSCHAFT IM ATOMZEITALTER
(70 Zeilen, 1 Bild)
LEBEN IN DEN USA
EIN SOMMER IN CHAUTAUQUA
Geistige und seelische Erneuerung für
jährlich 50 000 Amerikaner (60 Zeilen)
ÜBER 55 000 AUSLANDSSTUDENTEN IN DEN USA
(13 Zeilen)
VON KUNST UND KUNSTLERN
DER DICHTER UND DER PRÄSIDENT
Von Stewart L. Udall
(150 Zeilen)

Seite

Seite
Seite

Seite

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
FEUCHTWANGERS "SIMONE" VON BEN HECHT DRAMATISIERT
(10 Zeilen)
" Seite
DIE KUNST IM ITALIEN DER NACHKRIEGSZEIT
(6 Zeilen)
Seite
HAL H0LBR00K SPRICHT WITTLINGER
(10 Zeilen)
Seite
ANHANG
VERTRAG ZUR EINSTELLUNG DER KERNWAFFENVERSUCHE
E I N

TOR

ZUM

F R I E D E N

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XIV. J a h r g a n g . N r . 35

1 5 . September

1961

INHA LTSVERZEICHNIS
MEDIZIN
JEDE STRAHLENDOSIS BEDEUTET GEFAHR
Neue A t o m t e s t s i n d e r Atmosphäre e i n R i s i k o
f ü r d i e g e s a m t e M e n s c h h e i t (98 Z e i l e n )

Seite

USA ENTWICKELN VERFAHREN ZUR ENTFERNUNG VON
STRONTIUM-90 AUS DER MILCH
(8 Z e i l e n )

Seite

4

Seite

5

NEUE MEDIZINISCHE GERÄTE AUS DEN USA
(37 Zeilen)
LYMPHOZYTEN VERHINDERN EINHEILEN VON
ORGANTRANSPLANTATEN
(9 Zeilen)

Seite

WELTPOLITIK
EIN GESETZ ZUR BEKÄMPFUNG VON KORRUPTION UND
GUNSTLINGSWIRTSCHAFT IN DER UdSSR
Von Douglas Prince
(98 Zeilen)

Seite

7

LEBEN IN DEN USA
ZURÜCK ZUM LATEIN!
Amerika will wieder Latein lernen
Von Lynn Poole (68 Zeilen)

Seite

11

Seite

14

FUNK UND FERNSEHEN
ERZIEHUNG DURCH DAS FERNSEHEN
und weitere vier Kurznachrichten
(64 Zeilen)
ANHANG
S A T E L L I T E N
UND
R A U M S O N D E N
4 J a h r e E x p e r i m e n t e im Weltraum - USA s t a r t e t e n
ü b e r 50 S a t e l l i t e n
WESTMÄCHTE WARNEN MOSKAU ERNEUT VOR BEHINDERUNG
DES LUFTVERKEHRS NACH BERLIN
W o r t l a u t d e r Note d e r a m e r i k a n i s c h e n R e g i e r u n g
vom 8 . S e p t e m b e r 1961
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XIV. Jahrgang. Nr. 54

Allgemeines
22. September 1 961

INHALTSVERZEICHNIS

ATOM UND TECHNIK
NEUES ELEMENTARTEILCHEN ENTDECKT
(62 Zeilen)
TRANSPLUTONIUM-ELEMENTE FÜR EUROPÄISCHE INSTITUTE
Produktion schwierig und mühsam
(43 Zeilen)
BILLIGER ATOMSTROM IN WENIGEN JAHREN
(22 Zeilen)
MINERAL-HAARKRISTALLE ERHÖHEN METALLFESTIGKEIT
(23 Zeilen)
GLÜHFADEN AUS TANTALKARBID
(8 Zeilen)
SYNTHETISCHE GUMMISORTEN VERBESSERT
(16 Zeilen)
LEBEN IN DEN USA
EIN ROOSEVELT-MUSEUM
Das Kleine Weiße Haus in Warm Springs, Georgia
(115 Zeilen)
DIE VIER FREIHEITEN
(15 Zeilen)
DAS BUCH IN DEN USA
KINDER- UND BILDERBÜCHER IN AMERIKA
Ein Buchladen an der Fifth Avenue
(140 Zeilen)
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ANHANG
US-UNTERSTAATSSEKRETÄR; TESTFALL BERLIN
Wortlaut der Rede des Unterstaatssekretärs im amerikanischen
Verteidigungsministerium Paul H. Nitze vom 7. September 196I

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29. September

XIV. Jahrgang. Nr« 55

1961

INHALTSVERZEICHNIS

IN MEMORIAM
ALS ER STARB. GING DAS LICHT AUS
Zum 30« Todestag Thomas Edisons
Von Eunice Towle
(120 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

POLITIK
US-REGIERUNG KÄMPFT FÜR DAS ENDE DER
DISKRIMINIERUNG
'
Präsidialausschuß zur Sicherung gleicher
Beschäftigungsbedingungen
(82 Zeilen)
FERNSEHEN
FERNSEHSCHULFUNK VOM FLUGZEUG AUS
Ein Großexperiment im Mittelwesten der USA
(67 Zeilen)

Seite

Seite

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
HURRIKAN-WÄCHTER IM GROSSEINSATZ
Kontrolle t r o p i s c h e r Wirbelstürme a l s
wissenschaftliches Ziel
(110 Z e i l e n , 1 B i l d )
LISTE DER GEDENKTAGE IM OKTOBER 1961

Seite

12

Seite

16

ANHANG
PRÄSIDENT KENNEDY SPRICHT ZUR UN-VOLLVERSAMMLUNG
W o r t l a u t d e r Rede d e s U S - P r ä s i d e n t e n vom 2 5 . S e p t e m b e r 1961
FREIHEIT VON KRIEG - Das Programm d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n f ü r
a l l g e m e i n e und v o l l s t ä n d i g e A b r ü s t u n g i n e i n e r f r i e d l i c h e n Welt
Eine B r o s c h ü r e d e s U S - A u ß e n m i n i s t e r i u m s
D i e s e r A b r ü s t u n g s v o r s c h l a g wurde am 2 5 . S e p t e m b e r 1961 im
A n s c h l u ß an d i e Rede P r ä s i d e n t Kennedys vom C h e f d e l e g i e r t e n
d e r USA b e i d e n V e r e i n t e n N a t i o n e n , A d l a i E . S t e v e n s o n , dier
1 6 . UN-Vo11Versammlung z u r B e r a t u n g v o r g e l e g t .
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XIV. Jahrgang. Nr. 36

6. Oktober 1961
INHALTSVERZEICHNIS

KERNWAFFENVERSUCHE
THEORIE UND PRAXIS
Wiederaufnahme der Atomtests in der
Atmosphäre in der Sicht von Wissenschaftlern aus West und Ost
(85 Zeilen)

Seite

1

Seite

4

Seite

7

PLASMAMOTOR FÜR WELTRAUMREISEN
(13 Z e i l e n )

Seite

11

AUTOMATISCHES LANDESYSTEM FbR RAUMSCHIFFE
(8 Z e i l e n )

Seite

11

RAUMGLEITER DYNA-SOAR LANDET AUF DRAHTBÜRSTEN
(8 Z e i l e n )

Seite

12

MESSGERÄT FÜR HÖCHSTVAKUUM
(5 Z e i l e n )

Seite

12

GRÖSSTE FESTSTOFFRAKETE IM STANDVERSUCH ERPROBT
(8 Z e i l e n )

Seite

13

GASSCHMIERUNG ERMÖGLICHT HÖHERE ARBEITSTEMPERATUREN
(7 Z e i l e n )

Seite

13

DIAMANTEN ALS HALBLEITER
(11 Z e i l e n )

Seite

13

NEUE BEOBACHTUNGSKAMERA FÜR FLUGKÖRPER
(7 Z e i l e n )

Seite

14

LEBEN IN DEN USA
DIE
Aus
der
(78

USA STATISTISCH GESEHEN
der Arbeit des Statistischen Bundesamtes
Vereinigten Staaten
Zeilen, 1 Bild)

DAS BUCH
IMMER DAS GLEICHE LIED
- FURCHT UND BEVORMUNDUNG SIND DIE BEGLEITERSCHEINUNGEN KOMMUNISTISCHER REGIME (110 Z e i l e n )
DIE AMERIKANISCHE RAUMFAHRTINDUSTRIE MELDET;

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Nr.57

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13 . Oktober 1961

INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
SAUERSTOFF ERHÖHT STRAHLENEMPFINDLICHKEIT
VON TUMOREN
(23 Zeilen)

Seite

1

NEUE TESTVERFAHREN
(46 Zeilen)

Seite

2

VITAMIN B6 GEGEN ZAHNSCHXDIGUNGEN BEI
SCHWANGERSCHAFT
(6 Zeilen)

Seite

3

MILCH GEGEN OSTEOPOROSE
(13 Zeilen)

Seite

4

Seite

4

Seite

5

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8

Seite

8

Seite

9

Seite

10

SPEZIALTHERMOMETER MISST UNTERSCHIEDE VON
1 MILLIONSTEL GRAD
(18 Zeilen)
VOM BÜCHERMARKT
BUCHERKÄUFE WIE NOCH NIE
Von John Kerigan
(68 Zeilen)
KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
INTERNATIONALES JAZZFESTIVAL 1962
(9 Zeilen)
FÖRDERUNG DER ALLGEMEINBILDUNG AN US-COLLEGES
(15 Zeilen)
ANTIABSTRAKTER AVANTGARDIST AUF DER BIENNALE
VON SAO PAULO AUSGEZEICHNET
(12 Zeilen)
ROBERT VON RANKE GRAVES ALS OPERNLIBRETTIST
(11 Zeilen)
IN MEMORIAM
KUNST GEHT NICHT NACH BROT
Max Weber, Nestor der amerikanischen Moderne,
gestorben
(90 Zeilen, 2 Bilder)
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Seite 11

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XIV. J a h r s a n g . N r . 58

20. Oktober 1 961
INHALTSVERZEICHNIS

OZEANOGRAPHIE
SALZDOME IM GOLF VON MEXIKO
(13 Zeilen)

Seite

t

VERTIKALE STRÖMUNGEN IM PAZIFIK ENTDECKT
(27 Zeilen)

Seite

ALUMINAUT - TAUCHBOOT FÜR OZEANOGRAPHISCHE
FORSCHUNGEN
(24 Zeilen)

Seite

BIOLOGISCHE WÜSTE IM PAZIFIK
(20 Zeilen)

Seite

MOHOLE-PROJEKT IM DIENSTE DER
BIOLOGISCHEN VORZEITFORSCHUNG
(10 Zeilen)

Seite

HELLFARBIGE TRIFTKÖRPER MARKIEREN
STRÖMUNGSVERLAUF
(13 Zeilen)

Seite

4

FARBPHOTOS FÜR DIE SCHIFFAHRT
(12 Zeilen)

Seite

5

ENTWICKLUNGSHILFE
ERZIEHUNG ALS SCHLÜSSEL ZUM FORTSCHRITT
Die Bedeutung des Ausbaus der Erziehungssysteme
in Entwicklungsländern
Von Philip H. Coombs, Unterstaatssekretär für
Erziehung und Kultur im US-Außenministerium
(84 Zeilen)

Seite

6

VON KUNST UND KÜNSTLERN
MUSICA NOVA IN USA
Von Norman Smith
(120 Zeilen)

Seite

9

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27. Oktober 1961

XIV. J a h r g a n g . N r . 5 9

INHALTSVERZEICHNIS

ATOM UND TECHNIK
PULSREAKTOR FÜR DIE TECHNISCHE FORSCHUNG
(40 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

NEUES MAMMyTGERÄT ZUR UNTERSUCHUNG ATOMARER
FEINSTRUKTUREN
(40 Zeilen)

Seite

2

NEUES AUS DER FORSCHUNG MIT SCHALLWELLEN
(24 Z e i l e n )

Seite

4

Seite

5

VON KUNST UND KUNSTLERN
OTTO PREMINGER DREHT IN WASHINGTON
Von Linda Kent
(72 Zeilen)

Seite

8

GEDENKTAGE IM NOVEMBER 1961

Seite

11

POLITIK
DIE V/ELT VON DER FURCHT VOR DEM
KRIEGE BEFREIEN
USA e r r i c h t e t e n e i g e n e A b r ü s t u n g s b e h ö r d e
(78 Z e i l e n , 1 B i l d )

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XIV. J a h r g a n g . N r . 40

Allgemeines
5. November 1961

INHALTSVERZEICHNIS
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
RELIEFMODELL VOM NÖRDLINGER RIES
Vergleichsobjekt für Mondkrater-Untersuchungen
(40 Zeilen)

Seite

1

PROJEKT GNOME
Unterirdische Kernexplosion für friedliche Zwecke
(42 Zeilen)

Seite

2

IS0T0PENGERAT ZUR KONTINUIERLICHEN MESSUNG
DER LUFTVERSCHMUTZUNG
(12 Zeilen)

Seite

4

ABWEHR VON INTERKONTINENTALRAKETEN
(9 Zeilen, 1 Bild).

Seite

4

Seite

5

DIE ERDE HAT EINEN UNSICHTBAREN "LICHTMANTEL"
(10 Zeilen)
GESCHICHTE
NOSTRADAMUS DER POLITIK
Tocquevilles Prognosen vor 130 Jahren
Von Lynn Poole. (68 Zeilen)
USA SCHLAGEN GRÜNDUNG EINER "WORLD FOOD BANK" VOR
(14 Zeilen)

Seite
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6
8

SPRACHENTWICKLUNG
DIE SPRACHE LEBT
Der "Große Webster": Amerikas Duden
Von John Kerigan (52 Zeilen)

Seite

9

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11

Seite

11

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
DIE 77. SPIELZEIT DER "MET" BEGANN
(16 Zeilen)
KRESS FOUNDATION BEDENKT NEGERUNIVERSITÄT
(13 Zeilen)
VIRTUOSEN UNTERRICHTEN AN DER MUSIKHOCHSCHULE
DER SOUTHERN UNIVERSITY OF CALIFORNIA
(6 Zeilen)
FORD-STIFTUNG FÖRDERT BILDENDE KUNST
(22 Zeilen)

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XIV. Jahrgang. Nr. 41

Allgemeines
10. November 1961

INHALTSVERZEICHNIS

FORSCHUNG
TODESSTAUB
Schutzmaßnahmen gegen radioaktiven Ausfall
auch in Friedenszeiten unerläßlich
(120 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite

1

FUNKENKAMMER ZUR UNTERSUCHUNG DER
FEINSTRUKTUR DES ATOMKERNS
(32 Zeilen)

Seite

6

Seite

7

Seite

11

RASSENINTEGRATION
ATLANTA, HAUPTSTADT DES TIEFEN SÜDENS:
Ein Musterbeispiel für die Überwindung
des Rassenkomplexes
(112 Zeilen)
POLITIK
GRENZEN, WIE SIE SEIN SOLLTEN
(47 Zeilen, 3 Bilder)

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XIV. Jahrgang. Nr. 42

17. November 1961
INHALTSVERZEICHNIS

MEILENSTEINE
DAS FEST DES DANKES UND DER GASTFREUNDSCHAFT
Am 23. November feiern die USA ihren Erntedanktag
(40 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

DAS PORTRAT
DR. ROBERT B. WOODWARD
Einer der großen Architekten der Chemie
(74 Zeilen, 1 Bild)

Seite

GESUNDHEITSWESEN
BEKÄMPFUNG PSYCHISCHER FEHLENTWICKLUNGEN
Nationales Programm in den USA
(74 Zeilen)

Seite

WELTPOLITIK
FÜNF JAHRE DANACH ( i )
DIE REGIERUNGSPARTEI IN UNGARN
Von P a u l Landy
(120 Z e i l e n )

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
LE C0RBUSJ.ER BAUT KUNSTAKADEMIE FÜR DIE HARVARD
(9 Zeilen)
CHAGALL-AUSSTELLUNG IM MUSEUM 0F MODERN ART
(9 Zeilen)
KONKURRENTEN WERDEN PARTNER
(11 Zeilen)
NEGERDRAMATIKER EROBERN DEN BROADWAY
(11 Zeilen)
EIN THEATER FÜR WASHINGTON
(9 Zeilen)
BÜHNENEINWEIHUNG IM WEISSEN 'HAUS
(13 Zeilen)
*

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XIV. Jahrgang. Nr. 45

Allgemeines

24. November 196t
INHALTSVERZEICHNIS

LEBEN IN
VOM
Der
(62

DEN USA
DRUG STORE ZUM WARENHAUS
Drug Store, ein Requisit von gestern?
Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
MASERNVAKZIN FÜR MASSENIMPFUNGEN
(70 Zeilen)
NEUES PROBLEM IN DER TUBERKULOSEBEKÄMPFUNG
(52 Zeilen)
TB-BEKÄMPFUNGSMITTEL ISONIAZID AUCH ZUR
VORBEUGUNG WIRKSAM
(11 Zeilen)
NEUE FORSCHUNGSERGEBNISSE ZUR AUSBREITUNG VON KREBS
(10 Zeilen)

Seite 4
Seite 6

Seite 8
Seite

8

Seite

9

EASTMAN SCHOOL OF MUSIC-•KONZERTE IN NEW YORK
UND IN ÜBERSEE
(10 Zeilen)
CHAYEFSKYS "GIDEON" IST D E R BROADWAYERFOLG
DER SAISON

Seite

13

(7

Seite

13

DREI SÄNGER BESTREITEN ZWÖLF ROLLEN
(10 Z e i l e n )

Seite

14

JULIUS BISSIER IN NEW YORK
(8 Z e i l e n )

S e i t e 14

WELTPOLITIK
FÜNF JAHRE DANACH (II und Schluß)
KADAR, DIE ERNÄHRUNGSKRISE UND DIE
UNGARISCHEN BAUERN
Von Eaul Landy
(100 Zeilen)
KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA

Zeilen)

KONGRESSBIBLIOTHEK ERWIRBT PAGANINI-HANDSCHRIFTEN
(4 Z e i l e n )
KINDERBÜCHER IN U T E I N I SCHER SPRACHE ( 8 Z e i l e n )

Seite 14
Seite 15
Seite 16

GEDENKTAGE IM DEZEMBER 1961
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XIV. Jahrgang. Nr. 44

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1 . Dezember 1961
INHALTSVERZEICHNIS

WEIHNACKTEN IN USA
WEIHNACHTEN IN AMERIKA HAT VIELE GESICHTER
(58 Zeilen)

Seite 1

"PUTZ" HEISST KRIPPE
Weihnachten im amerikanischen Bethlehem
(64 Zeilen)

Seite

3

PIONIERWEIHNACHT AUF HISTORISCHEM BODEN
Weihnachten in Williamsburg (Virginia)
(64 Zeilen)

Seite

5

NEW YORK IST AM SCHÖNSTEN ZUR WEIHNACHTSZEIT
(45 Zeilen)

Seite

7

WEIHNACHTSMUSIKEN IN USA
Von Norman Smith
(65 Zeilen)

Seite

9

AMERIKANISCHE WEIHNACHT IM BILD
(8 Photos, 43 Zeilen Text)

Seite 12

ANMERKUNG DER REDAKTION:
Weiteres Weihnachts-Feature- und Photomaterial aus älteren AD-Ausgaben kann über unsere Zweigbüros in Berlin, Bremen, Düsseldorf,
Frankfurt, Hamburg, München, Nürnberg, Regensburg und Stuttgart
angefordert werden.

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XIV. J a h r g a n g , N r . 45

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8 . Dezember 1961
INHALTSVERZEICHNIS

ATOM UND TECHNIK
AUF DEM WEG ZUR KERNCHEMISCHEN RAKETE (26 Zeilen)
STRSHLENTESTS FÜR KERNREAKTOREN (23 Zeilen)
ZWEITER REAKTOR FÜR DIE ANTARKTIS BESTELLT
(11 Zeilen)
MASSNAHMEN^GEGEN DIE VERSCHMUTZUNG DES WASSERS...
(30 Zeilen)
UND DER LUFT (14 Zeilen)

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IONENMOTOR FÜR RAUMRAKETE (13 Zeilen, 1 Bild)
DIE WELT DER FRAU
ECHTE PARTNERSCHAFT
Der soziale Wandel in den USA während der letzten
60 Jahre und sein Einfluß auf die soziale und wirtschaftliche Stellung der amerikanischen Frau
(90 Zeilen)
Seite
VON KUNST UND KÜNSTLERN
DER MALER DES WILDEN WESTENS
Über 4000 Bilder und 13 Bücher umfaßt das
Gesamtwerk Frederic Remingtons (56 Zeilen,2 Bilder) Seite

6

10

KULTURNACHRICHTEN AUS DEN USA
ZWEI BUCHER ÜBER CARL SANDBURG (16 Zeilen)
Seite
13
AUSSTELLUNGEN AMERIKANISCHER KUNST (15 Zeilen)
Seite
14
GOLDMEDAILLE FÜR RICHARD RODGERS (9 Zeilen)
Seite
14
FÜNFTAUSEND DOLLAR FÜR EINEN DICHTER (12 Zeilen)
Seite
15
INTERNATIONALE FILMFESTSPIELE SAN FRANCISCO
(14 Zeilen)
Seite
15
ANHANG
WORTLAUT DES KENNEDY-ADSCHUBEJ-INTERVIEWS
Die deutsche Übersetzung des vom Weißen Haus veröffentlichten
Stenogramms eines Interviews, das Präsident Kennedy am 25. Nov.
1961 dem Chefredakteur des sowjetischen Regierungsblattes
"Istwestija" gewährt hat.
ACHTUNG REDAKTIONEN:
Mit gleicher Post übersenden wir Ihnen die Broschüre
"ERZIEHUNG IN USA", das dritte Heft unserer Broschürenreihe.

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�GerneinSchaftsausgabe
ALLGEMEINES/WIRTSCHAFT UND ARBEIT
X I I I . / X I V . J a h r g a n g . N r . 46

1 5 . Dezember

1961

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
FRIEDEN UND FREIHEIT SIND NACH WIE VOR DIE ZIELE
DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK
(140 Zeilen)

Seite

1

DIE NATO IM JAHRE 1961
Stärkere Einigkeit durch vermehrte Konsultationen
(78 Zeilen)

Seite

6

DIE ENTWICKLUNG DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT IM JAHRE 1961
(75 Zeilen)
Seite

9

WIRTSCHAFT

NEUE TECHNISCHE ENTWICKLUNGEN UND BEDEUTENDE
ERFINDUNGEN IM JAHRE 1 961
(96 Zeilen)

Seite 12

ARBEITSRECHT. SOZIAL- UND LOHNPOLITIK
(32 Zeilen)

Seite 16

WISSENSCHAFT UND TECHNIK IN DEN USA - 1961
(520 Zeilen)
Naturwissenschaftliche Forschung
Physik
Biochemie und Biologie
Medizin
Geophysik
Atom und Technik
Raumfahrt und Weltraumforschung

•

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19
23
25
27
30
32

ERZIEHUNG IN USA
SCHULE UND ERZIEHUNG IN DEN USA
- Rückblick 1961 (85 Zeilen)

Seite 37

KULTUR
AMERIKAS LITERARISCHES JAHR 1 961
- Von Büchern und L i t e r a t u r p r e i s e n
Von Norman Smith
(110 Z e i l e n )

Seite

40

KUNST ÜBER MEERE UND LÄNDER HINWEG

- Rückblick auf das Jahr 1961 Von Linda Kent
(98 Z e i l e n )
* * * * *

S e i t e 44

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                <text>Präsident Eisenhower: Botschaft über die Lage der Nation. Wortlaut der von Präsident Eisenhower am 12. Januar 1961 dem US-Kongress unterbreiteten State of the Union Message&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 20.1.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Letzte Haushaltsbotschaft Präsident Eisenhowers an den US-Kongress vom 16. Januar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 20.1.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abschiedsansprache Präsident Eisenhowers an das amerikanische Volk vom 17. Januar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 27.1.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower legte Wirtschaftsbericht vor&lt;br /&gt;Wirtschaftsbotschaft Präsident Eisenhowers vom 18. Januar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 27.1.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Inaugartionsansprache des neuen Präsidenten der USA - Kennedy: Eine neue Generation hat die Regierung übernommen&lt;br /&gt;Präsident Kennedys Antrittsrede vom 20. Januar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Text of President Kennedy's Inaugural Address (Engl. Version)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 27.1.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Chester Bowles umreißt außenpolitische Aufgaben der USA&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des stellvertretenden US-Außenministers Chester Bowles vom 21. Januar 1961 vor der University of Michigan in Ann Arbor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3.2.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy unterbreitet Botschaft über die Lage der Nation. &amp;nbsp;- State of the Union Message vom 30. Januar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 10.2.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy unterbreitet Wirtschaftsbotschaft&lt;br /&gt;Zusammenfassung und Auszüge der Wirtschaftsbotschaft vom 2. Februar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 10.2.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy legt Programm zum Ausgleich der amerikanischen Zahlungsbilanz vor&lt;br /&gt;Botschaft an den US-Kongress vom 6. Februar 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 24.2.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hammarskjöld: Ich bleibe auf meinem Posten&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung des UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld vom 15. Februar 1961 vor dem Weltsicherheitsrat&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 31.3.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy legt neues Auslandshilfeprogramm vor&lt;br /&gt;Wortlaut der Sonderbotschaft Präsident Kennedys vom 22.März 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 31.3.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy legt Empfehlungen für den neuen US-Haushalt vor&lt;br /&gt;Wortlaut der Sonderbotschaft Präsident Kennedys vom 24. März 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 7.4.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy unterbreitet Botschaft über den Verteidigungshaushalt der USA&lt;br /&gt;Wortlaut der Sonderbotschaft des Präsidenten vom 28. März 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy: Wir werden Kuba nicht den Kommunisten überlassen&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede Präsident Kennedys vom 20. April 1961 vor der American Society of Newspaper Editors in Washington&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 2.6.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy ruft das amerikanische Volk zu größeren Anstrengungen auf&lt;br /&gt;Wortlaut der Sonderbotschaft des Präsidenten vom 25. Mai 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 9.6.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rusk: USA wollen dynamischen Frieden&lt;br /&gt;Wortlaut der Ausführungen US-Außenministers Rusk, in denen er am 31. Mai 1961 vor dem außenpolitischen Ausschuss des US-Senats zur amerikanischen Auslandshilfe Stellung nahm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 9.6.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy berichtet über seine Europareise&lt;br /&gt;Wortlaut der Fernseh- und Funkansprache Präsident Kennedys vom 7. Juni 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 23.6.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA beantwortet sowjetisches Memorandum zu den Genfer Atomverhandlungen&lt;br /&gt;Wortlsut der amerikanischen Note vom 17. Juni 1961 als Antwort auf das sowjetische Memorandum vom 12. Juni 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 14.7.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der Presse in Ost und West&lt;br /&gt;Aus der New Yorker Fernsehdebatte vom 24. Juni 1961 zwischen sowjetischen und amerikanischen Journalisten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 14.7.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dean Rusk macht Sowjets für Weltkrise verantwortlich&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Außenministers sowie der Fragen und Antworten der anschließenden Berlin-Diskussion im Nationalen Presseklub am 10. Juli 1961 in Washington&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 28.7.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy unterstreicht feste Haltung der USA in der Berlin-Frage&lt;br /&gt;Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten vom 25. Juli 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Tor zum Frieden - Vertrag zur Einstellung der Kernwaffenversuche&lt;br /&gt;Analyse des Vertragsentwurfes vom 18. April sowie der offiziellen Stellungnahme des Weißen Hauses vom 31. August zur Wiederaufnahme der sowjetischen Kernwaffenversuche und die Erklärung vom 3. September 1961 zum britisch-amerikanischen Angebot eines unkontrollierten Versuchsstopps&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 1.9.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Berlin - 1961&lt;br /&gt;Berlin-Broschüre des amerikanischen Außenministeriums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 15.9.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Satelliten und Raumsonden&lt;br /&gt;4 Jahre Experimente im Weltraum - USA starteten über 50 Satelliten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 15.9.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Westmächte warnen Moskau erneut vor Behinderung des Luftverkehrs nach Berlin&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der amerikanischen Note an die Sowjetunion vom 8. September 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 22.9.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Unterstaatssekretär: Testfall Berlin&lt;br /&gt;Rede des Unterstaatssekretärs im US-Verteidigungsministeriums, Paul H. Nitze, vom 7. September 1961 vor dem Verband amerikanischer Armeeangehöriger&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29.9.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy spricht zur UN-Vollversammlung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede Präsident Kennedys vom 25. September 1961 vor den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29.9.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Freiheit vom Krieg - Das Programm der Vereinigten Staaten für allgemeine und vollständige Abrüstung in einer friedlichen Welt&lt;br /&gt;Abrüstungsplan, der am 25. September 1961 von Adlai E. Stevenson der 16. UN-Vollversammlung vorgelegt wurde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 8.12.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des Kennedy-Adschubej-Interviews vom 25. November 1961&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 15.12.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kennedy erläutert Außenhandelspolitik der USA&lt;br /&gt;Auszüge aus der Rede des Präsidenten vom 6. Dezember 1961 vor dem amerikanischen Industrialverband in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kennedy Address to National Association of Manufacturers (Engl. Version)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 15.12.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Kennedy vor dem Kongress der AFL-CIO</text>
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                    <text>INTERNATIONALE ARBEITSMITTEILUNGEN
Inhaltsverzeichnis
1 9 6 1.

Nr. 1
Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes
auf die Automatisierung
Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des
Einvernehmens zwischen Arbeitnehmern und Management
Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik

Nr. 2
Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei
amerikanischen Regierungsbehörden
Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre 196O
1961 - Ein Jahr wichtiger TarifVerhandlungen
Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen
in der US-Wirtschaft
Durchschnittseinkommen der Büroangestellten
*

Nr. 5

Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 4
Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA
Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause
Gewerkschaftliche Kurzmeldungen

*

�Nr. 5
Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen
Eisenbahner
Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung
in den USA
Private Pensionspläne gewinnen immer größere
Bedeutung
Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten
*

Nr. 6
Zusätzliche Krankenversicherung als tarifliche
Leistung
Die Rolle der Gewerkschaften bei der Förderung
der Sicherheit am Arbeitsplatz

Nr. 7/8

Die Herausforderung der "zweiten
Revolution"

industriellen

"Gewerkschaftsfamilien" sind f i n a n z i e l l b e s s e r dran
Die Entwicklung des US-Personaleinkommens s e i t 1950
Sicherung der A r b e i t s p l ä t z e durch r e c h t z e i t i g e
Umschulung
Neue Formel für den A r b e i t s f r i e d e n
Gewerkschaftliche Kurznachrichten
*

Nr. 9
Wachsende Bedeutung der A n g e s t e l l t e n b e r u f e
in den USA ( i )

-

2

-

�Nr. 10
Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in
den USA (il und Schluß)
Las erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet
"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"
Trends im Tarifverhandlungswesen

Nr. 11
Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung
in den USA
Gewerkschaftsschulung im Wandel
Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgabe der amerikanischen Gewerkschaften
#
Nr. 12
Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen
Sozial- und Pensionskassen in den Vereinigten Staaten
Gutes Betriebsklima durch sinnvolle Freizeitprogramme
"Co-op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem
Stahlarbeitergewerkschaft besteht jetzt 25 Jahre
Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für
25 000 Menschen

-

3 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 1

Bad Godesberg, den 1. Januar 1961

INHALTSVERZEICHNIS

Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes
auf die Automatisierung

Seite

1

Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des
Einvernehmens zwischen Arbeitnehmern und Management

Seite

12

Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik

Seite

14

Einar Hardin, Diätendozent an der Wirtschaftswissenschaftlichen
Fakultät der Staatsuniversität Michigan:
Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes auf die Automatisierung
In der nachstehenden Abhandlung wird der Versuch
unternommen, an Hand der Erfahrungen, die ein
mittelgroßes amerikanisches Versicherungsunternehmen im Zusammenhang mit der Aufstellung einer
elektronischen Datenverarbeitungsanlage vom Typ
IBM 650 zur Ausführung der Buchhaltungsarbeiten
gesammelt hat, die Einstellung der Angestellten
zur Automatisierung zu analysieren.
Das Unternehmen
Das Unternehmen, eine Versicherungsgesellschaft, besteht aus der Zentrale in einer Kleinstadt des amerikanischen Mittelwestens, einem Zweige
büro in einer Großstadt und mehreren Schadensregulierungsbüros an verschiedenen Plätzen. Die Beschäftigtenzahl betrug Jahre hindurch gleichbleibend rund 400. Als Folge der Verlegung eines Teils der Tätigkeit
nach dem Zweigbüro hat allerdings die Zahl der in der Zentrale beschäftigten Mitarbeiter abgenommen, während gleichzeitig die Angestelltenzahl
der Zweigstelle in etwa gleichem Umfang gestiegen ist. Die Ertragslage

1

�Ertragslage des Unternehmens war nicht besonders günstig; es galt jedoch als ein angenehmer Arbeitgeber.
Der Übergang zur automatischen Datenverarbeitung
Die Automatisierung eines Teils der Büroarbeiter erfolgte durch die
Aufstellung einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage, dem Standard modeil IBM 65O mit Magnettrommelspeicher und Lochkarteneingabe und
-ausgäbe. Sie wurde im Dezember in Betrieb genommen. Nach zweiwöchigem
Probebetrieb wurden ihr nach einem Stufenplan zunächst die Überprüfung
der Prämienberechnung durch die Versicherungsagenten, später die Ausfertigung der Prämienzahlungsaufforderungen und die Zusammenstellung
der Angaben für die Ausstellung von Versicherungspolicen durch die Zentrale sowie die Auswertung von statistischen Angaben und die Bilanzierung
übertragen. Dieser Unistellungsprozeß zog sich bis zum Herbst 1958 hin.
Die Übertragung dieser Aufgaben auf die Anlage war bis Januar 1958 zu
15 Prozent, bis April 1958 aber immerhin schon zu 84 Prozent abgeschlossen.
Die Betriebsleitung informierte die Belegschaft über die bevorstehende Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage erst im Oktober 1957» u n negative Auswirkungen auf das Betriebsklima auszuschalten. Sie gab die Zusicherung, daß gemäß der langjährigen Praxis in der Personalpolitik des
Unternehmens niemand eine Entlassung zu befürchten habe. Sie sprach weder
eine Lohngarantie aus, noch stellte sie irgendwelche Umschulungsbeihilfen
in Aussicht. Anfang November 1957 wurden sämtliche Angestellten der Zentrale zu Besprechungen zusammengerufen und über die technischen Einzelheiten der bevorstehenden Umstellung informiert. Die Angestellten erhielten
dabei Gelegenheit, Fragen zur Umstellung vorzubringen. In der ersten Novemberwoche wurden alle Mitarbeiter, die im Zusammenhang mit der Aufstellung
der Datenverarbeitungsanlage für eine andersgeartete Tätigkeit in Aussicht
genommen waren, für ihre neuen Aufgaben geschult. Derartige Zusammenkünfte
wurden in der Zweigstelle erst im April 1958 durchgeführt, als man damit
begann, einen Teil ihrer Funktionen auf die Datenverarbeitungsanlage zu
übertragen.
Drei Betriebsgruppen
Die Auswirkungen der Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage auf die
einzelnen Abteilungen innerhalb des Betriebes waren unterschiedlich. Zum
Zwecke dieser Untersuchung wurden die verschiedenen Abteilungen drei Betriebsgruppen zugeordnet. Die am stärksten von der Automatisierung betroffenen Büros der Zentrale werden im folgenden unter dem Begriff
' Betriebsgruppe"Datenverarbeitung" aufgeführt; zu ihr gehört die eigentliche Abteilung Datenverarbeitung mit der IBM-Rechen- und Lochkartenanlage, die Programmierungsabteilung, die Buchhaltung, die Abteilung Betriebsorganisation und die PLechnungsprüfung.
Unter den Begriff Betriebsgruppe "andere betroffene Abteilungen" wurden die Ki'z-VoiL icherungsabteilung der Zentrale, die Allgemeine Versicherungsabteilung der Zweigstelle und die Abteilungen Kodifizierung und Policen-Ausfertigung beider Stellen zusammengefaßt, deren Tätigkeit in
geringerem Umfang automatisiert worden ist.
Unter

�Unter der Betriebsgruppe "nicht betroffene Abteilungen" sind sämtliche übrigen Abteilungen der Zentrale und des Zweigbüros zusammengefaßt,
die zusammen den größten Anteil am Personal stellen. Die Schadensregulierungsbüros wurden in die Untersuchung nicht einbezogen.
Die vorliegende Abhandlung beschränkt sich auf die Veränderungen, die
unmittelbar auf die Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage zurückzuführen
sind, wenn auch in die beiden Umfragen sämtliche innerhalb des Umstellungszeitraums eingetretenen Veränderungen einbezogen worden waren.
Die beiden Umfragen
Es wurde der Versuch gemacht, die Reaktion der Angestellten auf die
Automatisierung mehrerer Betriebsvorgänge in zwei Fragebogen-Aktionen im
November 1957 un&lt;l im Mai 1958 zu ermitteln. In beiden Umfragen wurden
über 90 Prozent der Büroangestellten im engeren Sinne (also ausschließlich der Chefs, Angestellten im Außendienst usw.) angesprochen. An beiden
Umfragen beteiligten sich jeweils 246 Angestellte.
Es wurden den Angehörigen der drei Betriebsgruppen Prägen zu folgenden
Themenkreisen gestellt:
1. Beobachtete Veränderungen in der Tätigkeit und am Arbeitsplatz und
Einstellung zu diesen.
2. Generelle Einstellung zur Installierung einer Datenverarbeitungsanlage, d.h. zur Automatisierung.
3« Zufriedenheit am Arbeitsplatz.
Auswirkung der Umstellung auf die Angestellten
Fast zwei Drittel der Angestellten erklärten bei der Umfrage im Mai
1958» daß sie von der Installierung der Datenverarbeitungsanlage unberührt
geblieben seien. Nur wenige machten die Anlage für Versetzungen oder Beförderungen verantwortlich (siehe Tafel i ) . Der Prozentsatz derjenigen,
die der neuen Anlage nachhaltige Auswirkungen auf ihre Tätigkeit zuschrieben, war in der Gruppe "Datenverarbeitung" am höchsten, in der Gruppe
"nicht betroffene Abteilungen" am geringsten.
In der zweiten Umfrage wurden die Arbeitnehmer um Auskunft gebeten,
inwiefern die Datenverarbeitungsanlage sich auf 14 spezifische Charakteristiken ihrer Tätigkeit und ihres Arbeitsplatzes ausgewirkt hat. Die Ergebnisse sind in Tafel III statistisch ausgewertet. Rund 20 Prozent der
Angestellten ließen die diesbezüglichen Fragen unbeantwortet oder wählten
die Antwort; "Ich habe keine Vorstellung davon." Sie sind in der Spalte
"keine Angaben" ausgewiesen. Die größten Auswirkungen wurden der Datenverarbeitung hinsichtlich Abwechslungsreichtum.3,geforderter Leistung und Genauigkeit zugeschrieben. Die geringsten Änderungen wurden von den Angestellten hinsichtlich Bezahlung, Beförderungsaussichten und Beaufsichtigung
registriert. Außer bei den Beförderungsaussichten und der Sicherheit des
Arbeitsplatzes wurden die meisten Veränderungen im Sinne einer Zunahme gedeutet, so im Falle der Vielseitigkeit, der Tätigkeit und des Arbeitsanfall

Tafel I

�Tafel
Veränderungen am Arbeitsplatz oder in der Tätigkeit auf Grund der
Aufstellung einer Datenverarbeitungsanlage in der Sicht der
Arbeitnehmer« nach drei Betriebsgruppen '/aufgeschlüsselt

(in Prozent)
Art der Veränderung 2)

Betriebsgruppe
Datenverarbeitung

Insgesamt

andere betroffene
Abteilungen

nicht betroffene Abteilungen
100

Alle Betriebsgruppen
zusammen
100

100

100

1 . Beförderung

0

0

1

2 . Versetzung

4

2

2

a) .großen

52

21

3

12

b) merklichen

22
16

4
10

10

c) geringen

13
9

d) keinen
Veränderungen

22

34

76

60

0

5

5

3. Verbleib am alten
Arbeitsplatz bei

4. Auswirkungen
unbekannt

11

1)

Die Betriebsgruppe "Datenverarbeitung" hatte 23, die Gruppe "andere
betroffene Abteilungen" 62 und die Gruppe "nicht betroffene Abteilungen"
161 Angehörige, (im November 1957)

2)

Antworten auf die im Mai 1958 gestellte Frage: "Spielte die Datenverarbeitungsanlage eine Rolle bei Änderungen in Ihrer Tätigkeit, die seit
November 1957 eingetreten sind?" Die Antworten der Spalten 1 bis 3 c)
gingen dahin, daß die Anlage mehr oder weniger zu den eingetretenen
Veränderungen beigetragen hat. Die Spalte 3 d) betrifft die Antworten,
die besagten, daß seit November keinerlei Änderungen eingetreten seien
oder daß etwaige Änderungen nichts mit der Datenverarbeitung zu tun
hatten.

Die

�Die drei Betriebsgruppen unterschieden sich dabei merklich voneinander,
sowohl was die Häufigkeit als auch was die Richtung der beobachteten
Auswirkungen des Übergangs zur Datenverarbeitung angeht.
In den beigefügten Tabellen nicht ausgewiesen sind die Antworten
auf die Fragen nach den voraussichtlichen künftigen Auswirkungen der
Datenverarbeitung auf die Tätigkeit und dem Grad der Beeinträchtigung
der Tätigkeit durch die Umstellung. 83 Prozent der Mitarbeiter in der
Betriebsgruppe "Datenverarbeitung", 61 Prozent in der Betriebsgruppe
"andere betroffene Abteilungen" und 21 Prozent in der Gruppe "nicht
betroffene Abteilungen" hielten weitere Veränderungen in den nächsten
zwei Jahren für wahrscheinlich.
61 Prozent der Angestellten in den Gruppen "Datenverarbeitung"
und "andere betroffene Abteilungen" vertraten die Auffassung, daß die
Umstellung den Arbeitsablauf nur geringfügig oder überhaupt nicht beeinträchtigt hat; 20 Prozent empfanden den Übergang als ziemlich und
9 Prozent als sehr störend.
Die Antworten der ersten Fragebogenaktion vor der Installierung der
Datenverarbeitungsanlage ließen erkennen, daß die Mehrheit der Angestell
ten die Umstellung begrüßte oder sich ihr gegenüber neutral verhielt.
Die Angehörigen der Gruppe "Datenverarbeitung" waren restlos mit der Umstellung einverstanden; von den Mitarbeitern der "anderen betroffenen
Abteilungen" hatten 13 Prozent Einwendungen gemacht. Tafel II zeigt, daß
die Mehrzahl der Angestellten auch mehrere Monate nach der Umstellung,
nachdem sie schon gewisse Erfahrungen mit der Automatisierung und ihren
Auswirkungen auf den Betriebsablauf gesammelt hatten, eine positive
Einstellung zu ihr hatten. Bei der Umfrage vom Mai 1958 ergab sich, daß
41 Prozent der Angehörigen der Gruppen "Datenverarbeitung" und "andere
betroffene Abteilungen" ihre Einstellung gegenüber der Automatisierung
geändert hatten, wobei sich aber am Gesamtbild kaum etwas änderte, da
sich die Sinneswandlungen von positiver zu negativer Haltung und umgekehrt etwa die 'Waage hielten.
Auch die Antworten auf andere Fragen ließen keine negative Einstellung zur Datenverarbeitung erkennen. Die Angestellten in den "nicht betroffenen Abteilungen" hatten vielfach keine richtige Vorstellung davon,
ob die Datenverarbeitungsanlage für die Arbeitnehmer eine wünschenswerte
oder abzulehnende Sache sei. Für alle drei Betriebsgruppen gilt jedoch,
daß alle diejenigen, die eine feste Einstellung zu den diesbezüglichen
Fragen bekundeten, die Datenverarbeitung guthießen. Der größte Teil derjenigen, die eine bestimmte Meinung zum Ausdruck brachten, war auch für
eine weitergehende Verwendung der Anlage; dies trifft besonders für die
Angehörigen der Abteilung "Datenverarbeitung" zu (siehe Tafel II).

Tafel II

�Tafel II
Einstellung der Arbeitnehmer zur Datenverarbeitungsanlage nach
ihrer Inbetriebnahme, nach drei Betriebsgruppen aufgeschlüsselt 1 '
(in Prozent)
a) Grundeinstellung zur Aufstellung der Datenverarbeitungsanlage ^)
Betriebsgruppe
Antwort

Datenverarbeitung

Sämtliche
Antworten
Halte ich für sehr
richtig
Halte ich für richtig
Ist mir gleichgültig
Mißfällt mir
Mißfällt mir sehr
Darüber habe ich mir noch
keine Gedanken gemacht
Keine Antwort

andere betroffene Abteilungen

nicht betroffene Abteilungen

100

100

100

48
39
9
0
0

18

11
28
50

0
4

45
27
8
2

7
o
2

0
0

2

b) Ist die Datenverarbeitungsanlage gut oder schlecht für die
Arbeitnehmer? 3)
Betriebsgruppe
Antwort
Insgesamt
Sehr gut
Gut
Weder gut noch
schlecht
Schlecht
Sehr schlecht
Weiß ich nicht
Keine Antwort

Datenverarbeitung

andere betroffene Abteilungen

nicht betroffene Abteilungen

100

100

100

44
44

31
40

15
36

12

10

0

13
0
0

0

13

1
30

0

3

4

0

4

�c) Wünschenswerter Grad des E i n s a t z e s der D a t e n v e r a r b e i t u n g s a n l a g e

IT

Betriebsgruppe
Datenverarbeitung

Antwort

andere betroffene Abteilungen

nicht betroffenc Abteilungen

100

100

100

30

13

9

44

34

20

Etwa im gleichen
Umfang wie bisher

9

21

20

In geringerem Umfang
als bisher

0

0

1

0

1

30

42

2

7

Insgesamt
In weit größerem
Umfang als bisher

l5sgDi"fnirm

Umfane

In weit geringerem
Umfang als bisher
Weiß ich nicht
Keine Antwort

4
13
0

1)

Stärke der einzelnen Gruppen, wie in Tafel I, Anmerkung 1, angegeben

2)

Frage: "Welche generelle Einstellung haben Sie zu der Tatsache, daß
die Firma eine Datenverarbeitungsanlage installiert hat?" (Mai 1958)

3)

Frage: Glauben Sie, daß die Datenverarbeitungsanlage, alles in allem
genommen, eine gute oder schlechte Sache ist?" (Mai 1958)

4)

Frage: "Halten Sie es für vernünftig, die Datenverarbeitungsanlage
in größerem oder geringerem Umfang als bisher einzusetzen?" (Mai 1958)

Auswirkungen

-

7 -

�Auswirkungen der Veränderungen am Arbeitsplatz
Bei der Umfrage im Mai 1958 bekundeten zwei Drittel aller befragten
Arbeitnehmer, daß Änderungen an ihrem Arbeitsplatz - vornehmlich in der
Art der Tätigkeit, ohne Beförderung oder Versetzung - eingetreten seien.
Derartige Veränderungen wurden von Angehörigen der Gruppen "Datenverarbeitung" und "andere betroffene Abteilungen" in größerem Umfang berichtet
als von der Gruppe "nicht betroffene Abteilungen". Einschneidendere Veränderungen in den Arbeitsplatz- und Tätigkeitscharakteristika wurden besonders in den Betriebsgruppen "Datenverarbeitung" und "andere betroffene
Abteilungen" beobachtet. 61 Prozent waren mit den eingetretenen Änderungen zufrieden, 18 Prozent waren damit unzufrieden. Das Zahlenverhältnis
war bei allen drei Betriebsgruppen ähnlich.
Eine Auswertung der Antworten bezüglich der 14 Arbeitscharakteristika
ergibt, daß in den Gruppen "Datenverarbeitung"
und "nicht betroffene
Abteilungen" die Zahl der Betriebsangehörigen, die mit den eingetretenen
Veränderungen in ihrer Tätigkeit einverstanden waren, das Zehnfache der
Zahl derjenigen betrug, die eine ablehnende Haltung einnahmen; in den
"anderen betroffenen Abteilungen" war das Zahlenverhältnis dagegen 3»1. In
der letzten Gruppe hielten sich die positiven und negativen Antworten bezüglich der Bedeutung der Tätigkeit für das Gesamtunternehmen, des Maßes der
Überwachung in der Tätigkeit, des Grades der geforderten Urteilsfähigkeit,
der Sicherheit des Arbeitsplatzes und der Beförderungschancen etwa die
Waage. In der Gruppe "Datenverarbeitung" ?mrden elf Änderungen der Arbeitsplatz- bzw. Tätigkeitscharakteristika von der Mehrzahl der Befragten begrüß t.
Die Antworten auf die Frage nach den eingetretenen Lohnbewegungen
fielen in der Gruppe "Datenverarbeitung" verschiedentlich nicht deshalb
negativ aus, weil Änderungen im Sinne einer Verschlechterung eingetreten
waren, sondern weil sich die Angestellten größere Erhöhungen erhofft
hatten. Umgekehrt kann man sagen, daß die positive Reaktion einiger Angestellten auf die Änderungen in den Tätigkeitscharakteristika wohl in
dem Sinne interpretiert werden muß, daß sie diese im Grunde genommen nicht
als wünschenswert, sondern lediglich als zu geringfügig ansahen, um
irgendwelche Einwendungen zu erheben»
Unterschiedliche Beurteilung der "Befriedigung aus der Tätigkeit" in den
drei Betriebsgruppen
Bei beiden Umfragen wurden über die 14 in Tafel III angeführten
Fragen nach den Änderungen der Arbeitscharakteristika hinaus noch 10
weitere Fragen gestellt, die dem Zweck dienten, den Grad der Zufriedenheit
mit den eingetretenen Veränderungen zu ermitteln. Da die Fragebogen namentlich gekennzeichnet waren, ließ sich auch feststellen, inwieweit sich die
Einstellung der einzelnen Angestellten zur Automatisierung während der
Monate der Umstellung geändert hatte. Eine Gesamtrechnung für alle drei
Betriebsgruppen ergibt, daß 33 Prozent der 246 Befragten nach der Umstellung
mit ihrer Tätigkeit zufriedener waren als vorher, 39 Prozent die Auffassung
vertraten, daß sich in dieser Hinsicht bei ihnen nichts geändert habe,
während 24 Prozent mit ihrer Tätigkeit nicht mehr so zufrieden waren wie
vorher; 4 Prozent der Befragten lehnten es ab, eine diesbezügliche Aussage
zu machen.
Tafel III

�Tafel III
Änderungen bei 14 Arbeitscharakteri sMka auf Grund der Aufstellung einer
Datenverarbeitungsanlage in der Sicht der Arbeitnehmer, nach drei
Betriebsgruppen aufgeschlüsselt "• /

(in Prozent)
Betriebs^ruppe
Einteilungen)

1 .Vielseitigkeitmeiner
Tätigkeit

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

74
37
17

2.Geforderte
Leistung

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

74
39

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

65
56

4.Mein Einfluß auf das
Arbeitstempo
an meinem
Arbeitsplatz

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

48
21

5.Bedeutung
meines Arbeitsplatzes
f.d.Firma

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

6.Grad d.Überwachung in
meiner Tätigkeit

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

48

7.Geforderter Fertigkeitsgrad

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

8.Grad d .Ver- Datenverarantwortlich- beitung
keit
andere betrof.
nicht betrof.

5.Gefordertar
Genauigt
keitsgrad

Zus.

Zunahme^) Keinew Abnahme2/ keine
.
Angaben 2/

Arbeitscharakteristikum

19

12

26

37
55
22

34
53
35
37
63

0
20
2

0
6
26

4
24
2

0

0

3
26

0

0
2
25

5

43
64
63

9

0

10
2

26

39
65
68

0
8
0

4
6
2?

5
4

48.
87
68

4
6
2

0
2
26

100
100
100

74
34
9

26
61
66

0
3
0

0
2
25

100
100
100

70
39

30
55
65

0

0

9

57
21

5

12

5

5

3

0

23
9. Von mir

-

9 -

�Arbeitscharakterist ikum

Betriebsgruppe
(Abteilungen)

Zus.

Zunahme 2) Keine 2) Abnahme 2) Keine
Angaben 2)

9.Von mir geDatenverarforderte Pia- beitung
nungsarbeit
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

61
11

10.Von mir geJDatenverarfordertes Ur- beitung
teilsvermögen andere betrof.
nicht betrof.

11

39
78
62

0
6
0

0
5
27

100
100
100

70
24
11

30
68
65

0
3
0

0
5
24

11.Anregung aus
meiner Tätigkeit

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

65
24
14

31
60
62

4
13
1

0
3
23

12 .Sicherheit
des Arbeitsplatzes

Datenverarbeitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

31

6

65
66
67

4
20
3

0
3
24

1 3 .Beförderungs- Datenveraraussichten
beitung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

22
5
3

74
68
66

4
17
2

0
10
29

Datenverarbei tung
andere betrof.
nicht betrof.

100
100
100

30

70
77
68

0
2
1

0
11
25

14 .Bezahlung

11

10
6

1) Stärke der einzelnen Gruppen wie in Tafel I, Anmerkung 1, angegeben
Die Betriebsangehörigen wurden gebeten, bei der Untersuchung bezüglich
2) Di
der Arbeitscharakteristika eine Antwort auf eine der folgenden Fragen
zu geben: "Für dieses Arbeitscharakteristikum brachte die Datenverarbeitungsanlage mit sich: 1. eine große Zunahme, 2. eine gewisse Zunahme,
3. keine Veränderung, 4» eine gewisse Abnahme, 5« eine große Abnahme,

Teilfragen 4-5» die Spalte "Keine Angaben'
Verweigerung jeder Antwort.
Bei 15 Fragen, darunter sämtliche der in Tafel III aufgeführten mit
Ausnahme der Frage nach den Beförderungschancen, überwog die Zunahme dee
Grades der Zufriedenheit eindeutig die Abnahme. Ein weniger günstiges
Bild ergab sich dagegen bei den Fragen nach der Handhabung der Umstellung,
der Haltung der Firma und der Menge, der Zuverlässigkeit, der Verständ-

-

10

-

�Verständlichkeit und der Promptheit der zur Umstellung erteilten Auskünfte sowie der Gesamttätigkeit. In keinem Falle aber überwog die Abnahme der Zufriedenheit die Zunahme wesentlich.
Es ergaben sich kaum irgendwelche ausgesprochenen Unterschiede in
der Häufigkeit von Veränderungen am Arbeitsplatz und in der Tätigkeit
sowie in der Beurteilung des Grades der Zufriedenheit mit Arbeitsplatz
und Tätigkeit unter den drei Betriebsgruppen. Gewisse, für die einzelnen
Gruppen typische Trends lassen sich aber doch aus den Antworten ablesen.
Bei den ersten 12 Fragen der Tafel III war die Häufigkeit von Veränderungen in der Gruppe "nicht betroffene Abteilungen" geringer als bei
den beiden anderen Betriebsgruppen, während das Verhältnis von Zunahme
zu Abnahme bei den "nicht betroffenen Abteilungen" am ausgeglichensten
war. Bei den in Tafel III nicht aufgeführten Arbeitscharakteristika - sie
betrafen vor allem die Bezahlung, die Einstellung zur Arbeit, das Verhältnis zur Betriebsleitung,, die Unterrichtung über die Umstellung und
die Gesamttätigkeit - war die durchschnittliche Häufigkeit von Veränderungen bei den drei Betriebsgruppen etwa gleich; der Anteil der Zunahme
dagegen bei der Gruppe "Datenverarbeitung" am geringsten.
Der Gesamtdurchschnitt der 24 Antworten läßt erkennen, daß die Mitarbeiter der Gruppe "Datenverarbeitung" insgesamt mit ihrer Tätigkeit
und ihrem Arbeitsplatz zufriedener waren als die übrigen Angestellten,
während die "anderen betroffenen Abteilungen" den größten Anteil an den
Antworten stellen, die eine nur geringe Zufriedenheit oder direkte Unzufriedenheit mit den eingetretenen Veränderungen zum Ausdruck brachten.
Folgerungen
Die Ergebnisse der Umfragen besagen in ihrer Gesamtheit, daß die
Installierung einer elektronischen Datenverarbeitungsanlage in dem fraglichen Versicherungsunternehmen die Arbeitsumwelt einer größeren Zahl von
Betriebsangehörigen in verschiedener Hinsicht verändert hat, daß die meisten
Auswirkungen der Umstellung so geartet waren, daß sie von den Mitarbeitern
als positiv gewertet wurden, und daß die Umstellung häufiger bejaht als
verneint wurde.
Was die Arbeitsplatz- und Tätigkeitscharakteristika insgesamt angeht,
so waren generell hinsichtlich Häufigkeit und Richtung der eingetretenen
Veränderungen bei den drei Betriebsgruppen keine allzu großen Unterschiede
feststellbar, wenn sich auch hinsichtlich einiger dieser Charakteristika
deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen gezeigt hatte*». Die
Mitarbeiter der Gruppe "Datenverarbeitung", die im Zusammenhang mit der Umstellung zahlreiche neue Aufgaben übertragen bekamen,und die Angehörigen
der Gruppe "nicht betroffene Abteilungen" waren im großen und ganzen mit
den Veränderungen mehr zufrieden als die Mitarbeiter der "anderen betroffenen Abteilungen", die durch die Automatisierung verschiedene Aufgaben
verloren hatten und sich teilweise auf neue Arbeitsmethoden umstellen mußten. Die Belegschaft der Betriebsgruppe "andere betroffene Abteilungen"
bekundete eine geringere Zunahme der Zufriedenheit mit den Arbeitscharakteristika ia engeren Sinne als das Personal in den beiden anderen Gruppen.
In der Gruppe "Datenverarbeitung" ergab sich im Vergleich zu den anderen
Betriebsgruppen eine gewisse Abnahme der Zufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen, der Bezahlung, dem Verhältnis zu den Vorgesetzten und dem

11 -

�dem Unternehmen und der Art der Unterrichtung der Angestellten. Die
Unterschiede der drei Betriebsgruppen untereinander in der Einstellung
zu diesen Fragen waren aber im allgemeinen geringfügig.
Die Tatsache, daß zwischen den von der Automatisierung mehr oder
weniger betroffenen Abteilungen und den völlig unberührt gebliebenen
Abteilungen keine größeren Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit
von" Veränderungen und der Einstellung der Belegschaft zu ihnen beobachtet wurden, deutet darauf hin, daß die Automatisierung nur verhältnismäßig unbedeutende Auswirkungen auf die Arbeitsverhältnisse und die
Zufriedenheit der Angestellten mit ihrer Tätigkeit hatte. Dies läßt
den Schluß zu, daß die Aufstellung einer Elektronenanlage vom Typ IBM
65O keinen Eingriff darstellt, der so radikal oder umfassend ist, daß er
eine Umkehrung oder Beschleunigung der bestehenden Trends im Arbeitsklima und in der Einstellung der Arbeitnehmer zu ihrer Tätigkeit bewirkt.
Der leichte Rückgang der Zufriedenheit mit der Art der Unterrichtung der
Belegschaft und der"Durchführung der Umstellung bei der Gruppe "Datenverarbeitung" ist jedoch als ein Hinweis darauf zu werten, daß die
Umstellung und Angleichung an die neuen Arbeitsmethoden und Betriebsverhältnisse merkliche, wenn auch voraussichtlich vorübergehende Unzufriedenheit unter der Belegschaft auslösen kann, wenn die Betriebsleitung die
Umstellung nicht mit dem entsprechenden Fingerspitzengefühl einleitet
und durchführt.
(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 85, Nr. 9, September i960)

tt * # * *

Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des Einvernehmens
zwischen Arbeitnehmern und Management
Der Begriff "innerbetriebliche Kontaktpflege" wird in der PitneyBowes Company, einer Herstellerfirma von Einrichtungen zur Postbeförderung in Stamford (Connecticut), groß geschrieben. Unter innerbetrieblicher Kontaktpflege versteht man bei Pitney-Bowes eine ganze Reihe von
Maßnahmen, die den kontinuierlichen Gedankenaustausch zwischen Arbeitnehmern und Betriebsführung in dem Bemühen fördern, das gegenseitige
Einvernehmen und Vertrauen zu vertiefen, den Arbeitsfrieden durch die
Vermittlung des Gefühls der Befriedigung am Arbeitsplatz zu erhalten
und den Geist der Zusammenarbeit zur Erreichung der gemeinsamen Ziele
von Belegschaft und Betriebsführung zu entwickeln.
Eines der Mittel, mit deren Hilfe Pitney-Bowes diese Ziele zu erreichen sucht, ist die alljährliche "Arbeitnehmerkonferenz". So wie die
Betriebsführung in der Hauptversammlung den Aktionären Rechenschaft über
den Geschäftsgang gibt, so berichtet sie den Arbeitnehmern über die
innerbetrieblichen Vorgänge und beantwortet ihre Fragen bezüglich der
Löhne, des Umsatzes, der Gewinne, neuer Produkte und der Planung für
die Zukunft.
Die

�Die Arbeitnehmerkonferenz findet gewöhnlich etwa eine Woche nach der
Veröffentlichung des Geschäftsberichtes statt, der nicht nur den Aktionären,
sondern auch allen Betriebsangehörigen zugestellt wird. Auf diese Weise erhalten die Belegschaftsmitglieder Gelegenheit, sich eingehend über die Lage
des Unternehmens zu informieren» Um einen möglichst engen Kontakt zwischen
der Belegschaft und den Angehörigen des Management bei diesen Zusammenkünften zu gewährleisten, wird die Konferenz in mehreren Sitzungen kleinerer
Gruppen mit je 250 Teilnehmern in Anwesenheit von Vertretern der Betriebsführung abgehalten»
Das Management von Pitney-Bowes bedient sich in seinen Bemühungen
um enge Kontakte zu den Arbeitnehmern noch verschiedener anderer Methoden.
Hier wäre das sogenannte "Schwarze Brett" zu nennen, auf dem laufend Nachrichten über den Geschäftsgang und die Sozialarbeit innerhalb des Betriebs
bekanntgemacht werden» Die Firma unterhält eine sehr ansprechende Hauszeitschrift, die alle zwei Monate erscheint und den Interessen der Arbeitnehmer breiten Raum widmet» Die wichtigste Institution zur Pflege eines
regelmäßigen Gedankenaustausches zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
ist der Rat für innerbetriebliche Beziehungen.
Der Rat, der sich zu gleichen Teilen aus Vertretern der Arbeitnehmerschaft und der Betriebsleitung zusammensetzt, ist eine ständige Einrichtung.
An seiner Spitze stehen zwei Vorsitzer, von denen einer wiederum Vertreter
der Arbeitnehmerseite, der andere Angehöriger des Management ist - meist
sogar der Generaldirektor persönlich. Die Arbeitnehmervertreter werden in geheimen Wahlen von der Belegschaft gewählt.
Der Rat für innerbetriebliche Beziehungen hat beratende Funktionen.
Er befaßt sich mit Fragen der Geschäftsführung und insbesondere mit dem
Wohlergehen und der gerechten Behandlung aller Beschäftigungsgruppen innerhalb des Betriebes. Er ist dagegen nicht für Beschwerden und Arbeitsstreitigkeiten einzelner Betriebsangehörigerfcuständigund schaltet sich auch nicht
unmittelbar in TarifVerhandlungen ein.
Der Rat fördert vor allem den freimütigen Meinungsaustausch zwischen
den Arbeitnehmer- und Managementvertretern durch die offene Diskussion der
innerbetrieblichen Angelegenheiten. Diese Eiskussionen werden auf allen
betrieblichen Ebenen geführt, und zwar in der Weise, daß sich der Rat gegebenenfalls in Übereinstimmung mit der allgemeinen Gliederung des Betriebs
abteilungs- und selbst unterabteilungsweise aufgliedert und in getrennten
Gruppen jeweils unter den Mitvorsitzenden einmal im Monat tagt.
Der Rat für innerbetriebliche Beziehungen entstand aus dem im zweiten
Weltkrieg geschaffenen Produktionsausschuß aus Vertretern der Arbeitnehmer
und der Betriebsführung. In diesem Ausschuß wurde so hervorragende Arbeit
geleistet, daß auf beiden Seiten der 'Wunsch laut wurde, dieses Verbindungsglied zwischen Belegschaft und Betriebsführung beizubehalten. Das führte
1946 zur Umgründung in den Rat für innerbetriebliche Beziehungen im Anschluß
an eine von Betriebsführung und Belegschaft gemeinsam gefaßte Entschließung,
in der der Aufgabenbereich dieser Institution wie folgt umrissen wurdel
"Der Rat sucht der Belegschaft in der Weise zu dienen, daß er zur
Sicherung des Arbeitsplatzes und zur Mehrung der Zufriedenheit mit den
Arbeitsbedingungen und den Verdienstchancen beiträgt. Er sucht der Betriebsführung in der Weise zu dienen, daß er ein Forum für die Erörterung neuer
Ideen und die Unterrichtung der Mitarbeiter über die Probleme der Betriebsführung und den Geschäftsgang bietet. Er sucht beiden dadurch zu dienen,

- 15 -

�dienen, daß er die Zusammenarbeit zwischen ihnen in den Bemühungen
um die Herstellung immer besserer Produkte bei niedrigeren Kosten
und größerem Ausstoß vertiefen hilft und damit bei beiden das Verständnis für die gegenseitigen Interessen und für faire Maßstäbe in
ihrem Verhältnis zueinander wecken hilft«"

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik
Der 21 Tage dauernde Streik in insgesamt 55 Betrieben der
"General Electric Company" konnte mit dem Abschluß eines neuen Tarifvertrages zwischen dem Unternehmen und der Elektroarbeitergewerkschaft
(IUE) beendet werden, der weitgehend dem vor dem Streik unterbreiteten
Unternehmerangebot entsprach.
Der neue DreiJahresvertrag sieht eine sofortige Erhöhung der Löhne
und Gehälter um 3 Prozent vor und stellt der Gewerkschaft drei weitere
Möglichkeiten zur Verbesserung des letzten Vertrages zur Auswahl, über
die die "IUE" innerhalb von 30 Tagen zu entscheiden hat. Der erste
Vorschlag sieht dabei eine weitere 3prozentige Lohnerhöhung im April
1962, einen zusätzlichen bezahlten Feiertag und eine 4» Urlaubswoche
für alle jene Arbeitnehmer vor, die dem Betrieb länger als 25 Jahre angehören; der zweite sieht nur eine Lohnerhöhung um 4 Prozent im April
1962 vor, während der dritte nur eine Klausel über eine erneute Aufnahme
von Lohnverhandlungen im April 1962 enthält.
Die Gewerkschaft dagegen hatte den Abschluß eines Zweijahresvertrages sowie 3 1/2prozentige Lohnerhöhungen in beiden Jahren, verbesserte Wohlfahrts- und Pensionsleistungen und den "Union shop" gefordert.
Die Forderung nach Beibehaltung der Lohngleitklausel war dagegen von der
Gewerkschaft fallengelassen worden.
Die Durchschnittslöhne lagen vor Abschluß des neuen Vertrages zwischen 2,30 und 2,40 Dollar.
Zu der Streikbeilegung und dem Abschluß des neuen Tarifvertrages
zwischen der "GE" und der Elektroarbeitergewerkschaft schrieb A.H. Raskin,
der bekannte Redakteur der "New York Times" für Arbeitsfragen, unter anderem: "Die Lehre, die viele Unternehmer aus den Tarifverhandlungen
zogen... ist, daß der beste Weg für das Management darin besteht, die
Initiative am Verhandlungstisch zu ergreifen und sie, selbst auf die
Gefahr eines Streiks hin, zu behalten. Diese Haltung stellt eine klare
Abkehr von der alten Taktik des Feilschens in Lohntarifverhandlungen
dar, bei denen die Gewerkschaft an die Unternehmer zu Beginn eine ganze
Reihe von Forderungen stellt, die so extrem sind, daß ihre Verwirklichung
den Ruin der Unternehmen bedeuten würde, und auf die die Unternehmer
dann mit gleichermaßen unrealistischen Gegenvorschlägen antworten, die

-

14

-

�die praktisch die Arbeitnehmer vieler ihrer erworbenen Vorteile berauben
würden."
"Beide Seiten bemühen sich dann in einem "Pferdehandel-Verfahren",
einen Kompromiß zu erzielen, der auch gewöhnlich auf einer Ebene gefunden wird, die schon vor Beginn des Aushandelns mit ziemlicher Genauigkeit vorausgesagt werden konnte.'*
Die "General Electric Company" hat ihre Lohnverhandlungstaktik gegen Ende der 40ßr Jahre entwickelt und sie seitdem in allen Tarifverhandlungen mit Erfolg angewandt. Sie geht auf den damaligen Präsidenten
des Unternehmens, Lemuel R. Boulware, zurück. Der Verhandlungsplan des
Unternehmens besteht darin, sich des Vertrauens der Arbeitnehmer zum
Unternehmen zu versichern und der Gewerkschaft einen umfassenden Vertrag zu unterbreiten, der an Angeboten "alles das enthält, was nach Ansicht
des Management richtig ist", und sich dann - mit Ausnahme von Fragen
geringer Bedeutung - an dieses Angebot zu halten, selbst wenn es zu einem
Streik kommen sollte. Als Ergebnis dieser Verhandlungsführung hat man
in jüngster Zeit in der amerikanischen Industrie ein neues Wort geprägt "Boulwarismus" .
(Quelle: Eigenbericht)

-

15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 2

Bad Godesberg, den 1. Februar 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei
amerikanischen Regierungsbehörden

Seite

1

Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre i960

Seite

11

1961 - Ein Jahr wichtiger Tarifverhandlungen

Seite

13

Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen
in der US-Wirtschaft
Durchschnittseinkommen der Büroangestellten
.

Seite
Seite

14
15

Richard W. Riche und William E. Alli, Abteilung für Produktivitätsfragen
und technische Entwicklungen, Bundesamt für Arbeitsstatistik im US-Arbeitsministerium:

Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei amerikanischen
Regierungsbehörden
In nachstehendem Artikel bringen wir eine
Übersicht über die Ergebnisse einer Untersuchung über das Ausmaß der Automatisierung
der Büroarbeiten bei verschiedenen Regierungsstellen und ihre Auswirkungen auf die
Beschäftigung, die der Unterausschuß für
Volkszählung und Regierungsstatistik des
Ausschusses des Repräsentantenhauses für
das Postwesen und den Bundesdienst
(Subcommittee on Census and Government
Statistics of the House of Representatives
Committee on Post Office and Civil Service)
in den Jahren 1959/60 durchgeführt hat. Zu
den Informationssitzungen des Ausschusses
waren u.a. Vertreter der Abteilung Haushaltplanung im Präaidialamt, des Bundesrechnungshofes, des Bundesamtes für Kriegsteilnehmerversorgung sowie des Finanz* und
des Postministeriums geladen worden.
Da
-

1

-

�,,
Da der Arbeitsanfall bei den meisten Behörden zu einem großen
Teil aus bürotechnischen Routinevorgängen besteht, ist die amerikanische Regierung lebhaft an der Entwicklung elektronischer Datenverarbeitungsanlagen interessiert, die erhebliche Einsparungen an Personal,
Arbeitszeit und Kosten ermöglichen. Elektronische Rechen- und Buchungsanlagen werden deshalb in größerer Zahl für die Erledigung von Büroarbeiten und für Aufgaben der wissenschaftlichen Forschung eingesetzt.
Stand der Automatisierung
Eine dem Unterausschuß vorliegende Untersuchung der Abteilung Haushaltplanung im Präsidialamt zeigt, daß die amerikanischen Bundesbehörden
bis zum Haushaltsjahr 1958/59 insgesamt 414 Datenverarbeitungsanlagen
aller Größen aufgestellt hatten. Mit einem weiteren raschen Voranschreiten der Automatisierung der Büroarbeiten ist zu rechnen. Nach den Informationen der Abteilung Haushaltplanung wird die Zahl der Datenverarbeitungsanlagen noch im Verlaufe des Jahres 19^1 auf 646 steigen.
Erzielte Einsparungen
Ein augenfälliges, wenn auch nicht notwendigerweise typisches
Beispiel für die erheblichen Einsparungen, die sich durch die Verwendung von Datenverarbeitungsanlagen erzielen lassen, bietet die automatische Buchung von Schecks durch das Finanzministerium. Die Übertragung dieser Aufgabe auf elektronische Buchungsanlagen ermöglichte
die Zentralisierung der gesamten Buchungsarbeiten im Finanzministerium,
die bisher auf das Ministerium, den Bundesrechnungshof und verschiedene
Institute des Zentralbankensystems verteilt waren.
Tafel 1 zeigt das Ausmaß der dabei erzielten direkten Einsparungen.
Während der Arbeitsanfall um 14 Prozent zunahm, ging die Beschäftigtenzahl um 48 Prozent zurück - mit dem Erfolg, daß die Arbeitsproduktivität
pro Angestellten um 120 Prozent stieg. Die Arbeitskosten pro Buchungsvorgang verringerten sich um 44 Prozent, während die Maschinenmiete pro
Buchungsvorgang um 85 Prozent zunahm; die Gesamtkosten pro Buchungsvorgang gingen um 32 Prozent zurück.
Weitere, indirekte Einsparungen sind von einer weiteren Zentralisierung und Verbesserung in der Datenvorbereitung zu erwarten.
Nach einem Bericht des Bundesrechnungshofes werden gegenwärtig für
Beschaffungsaufgaben des Verteidigungsministeriums zahlreiche verschiedene
Datenverarbeitungssysteme verwendet, über die Vorräte und Lagerbestände
im Wert von mehr als 50 Milliarden Dollar verwaltet werden. Eine Verringerung der Lagerbestände um nur wenige Prozent, wie sie durch eine fortlaufende Berichterstattung über die vorhandenen Bestände mit Hilfe von
elektronischen Rechenanlagen möglich ist, kann zu Einsparungen führen,
die jährlich Millionen ausmachen.
Veränderungen in der Beschäftigung
Das Finanzministerium unterbreitete dem Untersuchungsausschuß aufschlußreiches Zahlenmaterial über die Veränderungen, die die Umstellung
der Einlösung und Verbuchung von Schecks und der Registrierung und

-

2

-

�Tafel 1
A r b e i t s p r o d u k t i v i t ä t und Kosten pro Buchungsvorgang im ÜS-Finanzministerium.
im Bundesrechnungshof und i n verschiedenen I n s t i t u t e n des Zentralbankensystems vor und nach der I n s t a l l i e r u n g e l e k t r o n i s c h e r Buchungsanlagen

Vor der
Installierung
Arbeitseinheiten
(Schecks)
Anzahl der zur B e a r b e i tung de» Schecks e i n g e setzten Angestellten
Gesamtkosten
(in Dollar)
Bearbeitungskosten
(einschl. Soziallastenanteile)
Maschinenmieten
Andere Kosten *)

~~X^Wi

Änderung in
Prozenten

CT9591

345 000 000

393 000 000

+ 13,9

1 552

803

- 48,3

7 188 000

5 569 000

- 22,5

6 101 000
579 000
508 000

3 891 000 1&gt;

- 36,2

Indizes

Produktivität pro
Angestellten
Angestellte pro
Arbeitseinheit

Nach der
Installierung

+ 111 ,1
- 10,2

(1956 - 100

100,0

220,2

+120,2

100,0

45,4

- 54,6

100,0

68,0

- 32,0

100,0

56,0

- 44,0

Maschinenmiete pro
Einheit

100,0

185,3

* 85,3

Andere Kosten pro
Einheit

100,0

78,8

- 21,2

Kosten pro
Arbeitseinheit
Arbeitskosten pro
Einheit

7 Einschließlich einer zehnprozentigen Gehaltserhöhung für qualifizierte
Mitarbeiter, die im Laufe des Jahres 1958 erfolgte.
-*' Einschließlich der Kosten für Porti, Fernmeldegebühren, Formblätter und
Bürobedarf und anderer indirekter Kosten.
3

-

�und des Zinaendienstes von Staatsobligationen auf elektronische Datenverarbeitungsanlagen hinsichtlich der Beschäftigungsstruktur innerhalb
des Ministeriums zur Folge hatte.
Von der Umstellung der Bearbeitung der Schecks, die im Juni 1957
nach 17monatigen Vorbereitungen erfolgte, wurden drei Dienststellen
betroffen: das Schatzamt, der Bundesrechnungshof und das Zentralbankensystem. Tafel 2 zeigt die Veränderungen in der Beschäftigung,
die im Zeitraum von Juni 1956 bis Juni 1959 i n Auswirkung der Umstellung im Schatzamt und im Bundesrechnungshof eingetreten sind.
Nur 174 der insgesamt 755 von der Umstellung betroffenen Arbeitnehmer wurden innerhalb derselben Abteilung weiterbeschäftigt; das ist
noch nicht einmal ein Viertel, über die Hälfte wurden nach anderen Abteilungen innerhalb ihrer Behörde versetzt, wobei der größte Teil
neue Aufgaben übernehmen mußte. Nur 31 Angestellte, d.h. 4 Prozent der
Gesamtzahl, wurden in die neu geschaffenen Abteilungen für elektronische
Datenverarbeitung übernommen. Etwa 11 Prozent der frei gewordenen Angestellten konnten an andere Behörden vermittelt werden; 14 Prozent
ließen sich pensionieren oder kündigten von sich aus. Zwei Angestellte
wurden entlassen.
Die Automatisierung der Registrierung und des Zinsendienstes bei
den Staatsobligationen im US-Finanzministerium zeitigte erheblich ungünstigere Auswirkungen auf die Belegschaft. Trotz ernsthafter Anstrengungen war es nur in Einzelfällen möglich, neue Arbeitsplätze für
die nach der Umstellung nicht mehr benötigten Arbeitskräfte zu finden,
da es sich größtenteils um Bürokräfte handelte, deren Kenntnisse und
Fähigkeiten nicht mehr gefragt sind und die ihrerseits nicht bereit
waren, offene Stellen an anderen Orten anzunehmen.
Die Installierung der elektronischen Datenverarbeitungsanlage betraf 889 Angestellte in der Bundesschuldenverwaltung im Finanzministerium (Bureau of Public Debt). Sie machte die Schließung von Abrechnungsstellen in New York und Chicago möglich und verringerte den Arbeitsanfall in der Zweigstelle in Chicago. Die Bearbeitung von Lochkarten-Staatsobligationen durch elektronische Buchungsanlagen erfolgt
in dem neueingerichteten Büro in Parkersburg in West-Virginia, einem
Gebiet mit großen Arbeitskraftreserven. Andere Buchungsaufgaben, die im
Zusammenhang mit der Verwaltung von Staatsobligationen anfallen, wurden
dem Zweigbüro in Cincinnati (Ohio) übertragen.
Die Veränderung des Beschäftigtenstandes war einschneidend, wie
aus Tafel 3 ersichtlich ist. Von den insgesamt 889 betroffenen Angestellten wurde über ein Drittel, größtenteils Angestellte in untergeordneten Positionen, abgebaut. 16 Prozent kündigten ihrerseits aus
Gesundheits- und Familienrücksichtigen oder in der Absicht, ihre Ausbildung fortzusetzen. Drei Prozent wurden in andere Büros der Bundesschuldenverwaltung und 35 Prozent zu anderen Bundesbehörden versetzt.
Neun Prozent der Belegschaft, sämtlich Angehörige der Zweigstelle Chicago, kamen in der Privatwirtschaft unter.
Nach Angaben der Bundesschuldenverwaltung weigerten sich die meisten
Mitarbeiter der Zweigbüros in New Y-rk und Chicago, deren Arbeitsplätze
überflüssig geworden waren, die ihnen in Parkersburg angebotenen

- 4 -

�Tafel 2
Veränderungen in der Beschäftigung in den von der Umstellung auf elektronische
Datenverarbeitungsanlagen betroffenen Abteilungen des US-Schatzamtes
und des Bundesrechnungshofes von Juni 1956 bis Juni 1959

Zahl

Prozent

Gesamtpersonalstand im Juni 1956

755

100,0

Weit erbeschäftigt

174

23,0

70

9,3

399

52,8

31

4,1

244

32,3

zu anderen Dienststellen des Finanzministeriums

44

5,8

zu anderen Regierungsbehörden

80

10,6

104

13.8

Verstorben

6

0,8

Entlassen

2

0,3

Vorgang

Vorläufig weiterbeschäftigt

'

Versetzt
zu Datenverarbeitungsabteilungen
des Schatzamtes
zu anderen Abteilungen des Schatzamtes &lt;
oder des Bundesrechnungshofes

in den Ruhestand getreten oder auf Grund
eigener Kündigung ausgeschieden

1) Zur Aufarbeitung von Arbeitsrückständen aus der Zeit vor der Umstellung

vom Bundesrechnungshof bedingt weiterbeschäftigt. Von diesen 70 Angestellten wurden 59 später mit anderen Aufgaben innerhalb des Rechnungshofes betraut und 2 nach anderen Behörden versetzt; 4 kündigten ihrerseits oder traten in den Ruhestand; 5 wurden entlassen.

- 5

�Tafel 3
Abnahme der Beschäftigtenzahl in den Zwei.^stellen New York und Chicago dier
BundesschuldenverwaltunÄ in d&lt;;r Zeit vom 19. März 1957 bis zum 30• Juni 195.8

Zahl

Prozent 2)

Insgesamt betroffen

889

100,0

Versetzt

336

37,8

25

2,8

311

35»0

78

8,8

143
14
318

16,1

Vorgang

zu anderen Abteilungen der Bundesschuldenverwaltung
zu anderen Regierungsbehörden
In der Privatwirtschaft untergekommen (betr,
Zweigstelle Chicago)
Ausgeschieden auf Grund eigener Kündigung (aus
Gesundheits- und Familienrücksichten, wegen
Fortsetzung des Studiums u.a.)
In den Ruhestand getreten
Entlassen

1,6
35,8

' Weitere Entlassungen nach dem 30. Juni 1958 waren nicht notwendig und sind
audh nicht vorgesehen.
2}
' Wegen der vorgenommenen Abrundungen ergibt die Summe der einzelnen Prozentangaben nicht genau 100»

�angebotenen Stellungen anzunehmen. Die für die Besetzung der Zweigstelle in Parkersburg benötigten 458 Angestellten wurden deshalb
vornehmlich über den örtlichen Arbeitsmarkt beschafft. Die Schuldenverwaltung mußte bei ihren Bemühungen um die Unterbringung der von
ihren Arbeitsplätzen verdrängten Mitarbeiter die Peststellung machen,
daß die Nachfrage nach Angestellten, deren Erfahrungen sich lediglich auf routinemäßige Büroarbeiten wie Aktenablage und Lochkartenstanzen beschränken, sehr gering ist.
Die Planung der Umstellung auf die Datenverarbeitung
Die Dienststellenleiter taten ihr möglichstes, um negative Auswirkungen der Automatisierung auf die Angestellten zu verringern.
Das Schatzamt und die Zentralstelle für Rechnungsführung und Betriebsprüfung im Finanzministerium (Bureau of Accounts) informierten
ihre Angestellten fast ein Jahr im voraus über die bevorstehende Umstellung und gaben gleichzeitig allen betroffenen Angestellten die
Zusicherung, daß Härten nach Möglichkeit vermieden werden.
Als ein Beispiel sei hier auf das Bundesamt für Kriegsteilnehmerversorgung verwiesen, das sämtliche Mitarbeiter vom ersten Planungsstadium an im voraus laufend und über alle Phasen der Umstellung unterrichtete. Die Dienststellenleiter luden die Angestellten gruppenweise zu
Besprechungen ein, bei denen sie Auskünfte über die Arbeitsweise elektronischer Datenverarbeitungsanlagen, über die im Zusammenhang mit der
Umstellung neu zu schaffenden Positionen und die Zahl der von der Umstellung betroffenen Angestellten erteilten. Das Bundesamt richtete
Kurse für Probleme der elektronischen Datenverarbeitung ein, an denen
sich insgesamt 17 500 Angestellte beteiligten.
Der Leiter des Bundesamtes verpflichtete die Abteilungsleiter,
dem Personalbüro mindestens ein halbes Jahr vor der Umstellung je_der
einzelnen Abteilung mitzuteilen, welche Beschäftigungskategorien und
wieviel Angestellte von den geplanten Maßnahmen betroffen sein werden.
Er verfügte, daß allen Angestellten, die nach der Umstellung nicht mehr
weiterbeschäftigt werden können, die bevorstehende Entlassung mindestens
drei Monate im voraus bekanntgegeben werden müsse.
Sämtliche Regierungsbehörden nutzen den Vorteil, den ihnen die
zwangsläufig sehr lange Zeit der Planung der Umstellung bietet, um ihren
Personalstand durch natürlichen Schwund - Ausscheiden auf Grund eigener
Kündigung des Angestellten, Pensionierung, Versetzung, Vermeidung von
Neueinstellungen usw. - so weit zu reduzieren, daß sich Entlassungen
nach der Umstellung erübrigen. Die langfristige Vorausplanung bietet
vielfach auch die Möglichkeit, für die freiwerdenden Angestellten neue
Arbeitsplätze innerhalb der eigenen Behörde oder bei anderen Behörden
zu finden.
Das Bundesamt für Kriegsteilnehmerversorgung, um bei unserem Beispiel zu bleiben, hat ermittelt, daß in den Haushaltjähren 1960-62 voraussichtlich 1259 Positionen überflüssig werden. Das Bundesamt hofft, die
betroffenen Angestellten "innerhalb der eigenen Zweigstellen unterzubringen.
Die

�Die Versetzung frei werdender Angestellter wird in den meisten
Fällen eine Umschulung auf neue Aufgaben erforderlich machen. Aus
diesem Grunde haben verschiedene Behörden rechtzeitig vor der Umstellung Schulungskurse eingerichtet. Alles in allem haben sich diese
Maßnahmen als sehr erfolgreich erwiesen und wesentlich mit dazu beigetragen, daß die Umstellung auf die elektronische Datenverarbeitung
ohne größere Schwierigkeiten und Härten für das Personal vollzogen
werden konnte.
Personal für die elektronische Datenverarbeitung
Die Errichtung der für die elektronische Datenverarbeitung notwendigen Planstellen und ihre Besetzung warf erhebliche verwaltungstechnische Probleme auf. Tafel 4 gibt Aufschluß über den Personalatand der Datenverarbeitungsabteilungen sämtlicher Regierungsbehörden
im Jahre 1958, die zusammen über 236 Datenverarbeitungsanlagen verfügten. Zwei Drittel der Angestellten waren mit Planungs- und Programmierungsaufgaben befaßt, ein Viertel war zur Bedienung der Rechenanlagen
und Zubehörapparaturen eingeteilt, und nur 8 Prozent wurden für die
Verwaltungsaufgaben innerhalb der Abteilungen für elektronische Datenverarbeitung benötigt.
Die Regierungsbehörden haben es sich zum Grundsatz gemacht, das Bedienungspersonal für elektronische Datenverarbeitungsanlagen weitgehend
aus den Reihen ihrer eigenen Mitarbeiter zu rekrutieren. Eine Untersuchung aus dem Jahre 1958 zeigt, daß fast zwei Drittel von 129 befragten
Militär- und Zivilbehörden das Personal für die elektronische Datenverarbeitung ausschließlich aus ihrem früheren Mitarbeiterstab rekrutiert haben; ein Zehntel besetzte diese Stellen mit neu angeworbenen
Arbeitskräften; und ein Viertel teils mit bisherigen Mitarbeitern, teils
mit neuen Kräften.
Die Bereitschaft, derartige Stellen aus den Reihen der eigenen Mitarbeiter zu besetzen, wird damit begründet, daß diese auf Grund ihrer
Kenntnisse der Arbeitsweise ihrer Behörde eine kürzere Ausbildungszeit
benötigen als betriebsfremde Kräfte, Ein weiterer Grund ist die günstige
Auswirkung einer derartigen Beschäftigungspolitik, die vielen Mitarbeitern gute Aufstiegschancen bietet, auf die Arbeitsmoral. Andere Behörden wiederum berichteten, daß sie Nemeinstellungen vornehmen mußten, da
sich unter dem bisherigen Personal keine ausreichende Zahl von Mitarbeitern mit den geforderten Qualifikationen fanden.
Die Auswahl des Personals für die elektronischen Datenverarbeitungsanlagen erfolgte vielfach auf Grund der Ergebnisse schriftlicher Eignungsprüfungen und Intelligenztests. Von 129 Bundesbehörden, die diesbezügliche Angaben machten, hielten 70 Prozent derartige Prüfungen ab, zu
denen vor allem Bewerber für die neugeschaffenen Positionen, Programmierer und Bedienungspersonal, hinzugezogen wurden.
Die Schwierigkeiten, die die Auswahl geeigneter Kräfte bereiteten,
seien hier an Hand der Erfahrungen des Finanzministeriums und des Bundesrechnungshofes illustriert. Sämtliche Angestellten in den von der
Automatisierung betroffenen Abteilungen dieser beiden Behörden wurden
.

8

.

�Tafel 4
Anzahl der vornehmlich mit Aufgaben der elektronischen Datenverarbeitung
befaßten Angestellten bei insgesamt 236 mit Datenverarbeitungsanlagen
ausgestatteten Dienststellen (Stand vom 31« März 1958)

Mit Aufgaben der elektronischen Datenverarbeitung
befaßt
Insgesamt

Arbeitsplätze
Zahl
Prozent
3 742

100,0

Verwaltungspersonal für die
elektronische Datenverarbeitung

301

8,0

Einsatzplaner für elektronische
Datenverarbeitungsanlagen

615

16,4

1 773

47,4

83

2,2

621

16,6

349

9,3

Programmierer
Hochfrequenztechniker
Bedienungspersonal
Bedienungspersonal für Zubehöranlagen

*

1)
Wegen der vorgenommenen Abrundungen ergibt die Summe der einzelnen
Prozentangaben nicht genau 100.

-

9 -

�wurden zur Teilnahme an einem Eignungstest aufgefordert. Von den 470
Prüfungsteilnehmern wurden 77 zur Teilnahme an Ausbildungskursen
eingeladen und von diesen wiederum 23 für den Einsatz an den Elektronenanlagen ausgewählt. Hierbei wurden auch die schriftlichen Beurteilungen der Angestellten durch ihre Vorgesetzten und ihre Leisturlgen
während einer gewissen Probezeit an den neuen Anlagen berücksichtigt.
Die Ausbildung des Personals für Elektronenanlagen
Die Ausbildung von Personal für die Aufgaben der elektronischen
Datenverarbeitung war ein sehr vielschichtiges Unterfangen, da sehr
unterschiedliche Kenntnisse gelehrt werden mußten. Es handelte sich
nicht lediglich darum, Programmierer und Fachkräfte für die Bedienung
der Anlagen heranzubilden, sondern auch darum, die leitenden Angestellten der Behörden mit den Besonderheiten und Problemen der elektronischen Datenverarbeitung vertraut zu machen.
Eine Untersuchung der Abteilung für Haushaltplanung läßt erkennen,
daß die Behörden es im allgemeinen den Herstellerfirmen der Anlagen
überließen, die Programmierer und das Bedienungspersonal auszubilden.
Die Einführung der leitenden Angestellten in die Probleme der elektronischen Datenverarbeitung erfolgte m enger Zusammenarbeit zwischen
Herstellerfirmen und Regierungsstellen und unter Einschaltung von
Universitäten, Berufsverbänden und privaten Wirtschaftsberatern.
Die Regierung zahlte den Lehrgangsteilnehmern ihre regulären Gehälter weiter und übernahm etwaige Kursgebühren und Transportkosten.
Die Herstellerfirmen verlangten für die Mitarbeiter von Behörden, die
ihre Geräte benutzen, gewöhnlich keine Kursgebühren.
Das Ausmaß der geleisteten Ausbildungsarbeit sei am Beispiel der
Zweigstelle Philadelphia der Versicherungsabteilung des Bundesamtes
für Kriegsteilnehmerversorgung dokumentiert, wo nicht weniger als 2700
Angestellte von der Umstellung betroffen worden waren. Vertreter der
Herstellerfirmen hielten an Ort und Stelle Lehrgänge für die Mitarbeiter ab, die für den Einsatz an den Datenverarbeitungsanlagen vorgesehen
waren. Die Kursdauer schwankte zwischen 12 und 150 Stunden.
Zur Umschulung auf die im Zusammenhang mit der Aufstellung der
Datenverarbeitungsanlage neu geschaffenen bürotechnischen Arbeitsplätze
wurden mehrere hundert Angestellte im Gruppenunterricht in der Aufbereitung von Daten und im Umgang mit den von Elektronenanlagen erstellten
Unterlagen unterwiesen. Sämtliche 27OO Mitarbeiter wurden durch einen
zweistündigen generellen Aufklärungskurs über die Methoden der elektronischen Datenverarbeitung geschleust.
(Quelle: Monthly Labor Review,
Vol. 83, Nr. 9, Sept. i960)
- stärker gekürzt * * * * *

10

�Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre 1960
Obwohl im abgelaufenen Jahr mehr Amerikaner beschäftigt waren
als je zuvor und der Wert der erzeugten Güter und Dienstleistungen
mit rund 505 Mrd. Dollar ebenfalls einen neuen Rekordstand erreichte,
stand die Zunahme der Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer nicht im
gleichen Verhältnis zum Produktionsanstieg. Bezeichnend für die Lage
am gesamten Arbeitsmarkt war im vergangenen Jahr die Tatsache, daß
trotz einer allgemeinen hohen wirtschaftlichen Aktivität und Prosperität die Arbeitslosigkeit in einigen wichtigen Gebieten verhältnismäßig
hoch war.
Wenn auch die im vergangenen Jahr abgeschloss'enen Tarifverträge den
Arbeitnehmern weitere Lohnerhöhungen brachten, so waren doch die durchschnittlichen Zunahmen etwas geringer als in den Vorjahren. Im September belief sich das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Industriearbeiters mit drei Angehörigen auf wöchentlich 80,87 Dollar, was gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres einen Anstieg um nur 0,6 Prozent
bedeutet. Da sich aber im selben Zeitraum auch die Lebenshaltungskosten
erhöhten, ging die Kaufkraft der Einkommen zwischen September 1959
und September 1 96O um 0,6 Prozent zurück.
Auf dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen brachte
das Jahr 196O sichtbare Fortschritte in den Bemühungen der Sozialpartner, bestehende Gegensätze zu überbrücken und einen gemeinsamen Nenner
für die Lösung ihrer Probleme zu finden. Die Beilegung des sich über
Monate erstreckenden Stahlarbeiterstreiks im Januar auf Grund der
persönlichen Initiative Vizepräsident Nixons und Arbeitsminister
Mitchells war in dieser Beziehung insofern richtungweisend, als von
beiden Tarifpartnern die Rolle und das Interesse der Öffentlichkeit
bei der friedlichen Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten anerkannt
wurde. Das Ergebnis war die Bildung eines aus Vertretern der Unternehmer, Gewerkschaften und der Öffentlichkeit bestehenden Ausschusses,
dessen Aufgabe es ist, langfristige Programme zu entwickeln, durch die
industrielle Konflikte weitgehend ausgeschaltet werden.
Auch in dem lange schwelenden Streit der Eisenbahnergewerkschaft
mit den Schienentransportunternehmen über die Arbeitsbedingungen, der
ebenfalls in einen umfassenden Streik einzumünden drohte, erklärten
sich beide Seiten schließlich bereit, ihre Streitpunkte einem Präsidentenausschuß zu unterbreiten, der sich aus Vertretern von Gewerkschaften, Unternehmen und Vertretern der Öffentlichkeit zusammensetzte und
der dem Präsidenten seine Untersuchungsergebnisse Anfang Dezember unterbreitete.
Bedeutende Fortschritte konnten im vergangenen Jahr auch bei der
Milderung der wirtschaftlichen und sozialen Härten für solche Arbeitnehmer erzielt werden, die durch die Einführung der-Automation und arbeitsparendem- Maschinen freigesetzt werden. So konnte u.a. die Hafenarbeitergewerkschaft der Westküste mit dem Verband der Hafenbetriebe ein Abkommen
schließen, wonach die Arbeitgeber jährlich rund 5 Millionen Dollar in
einen "Automationsfonds" einzahlen, aus dem dann Entlassungsgelder und
andere finanzielle Beihilfen an Arbeitnehmer gezahlt werden sollen, die

-

11

�die ihren Arbeitsplatz auf Grund der Mechanisierung der Umschlageinrichtungen verlieren.
Das Abkommen, das vorläufig bis Juni 1966 gilt, sieht aber nicht
nur die Aufbringung einer Gesamtsumme von rund 27,5 Millionen Dollar
für den Automationsfonds vor, sondern garantiert den Hafenarbeitern
auch ein wöchentliches Mindesteinkommen sowie finanzielle Sicherungen
gegenüber Feierschichten. ALs Gegenleistung für diese Arbeitnehmerkonzessionen gab die Gewerkschaft ihrerseits die Zusage, auf ihre
"Arbeitsbedlngungsklausel" zu verzichten, die bisher die Einführung
leistungsfähigerer mechanischer Belade- und Entladungstechniken bei
den Hafenbetrieben verhinderte.
Auch einer der größten amerikanischen Fleischverarbeitungsbetriebe
schloß mit der Gewerkschaft der Fleischereiarbeiter ein ähnliches Abkommen, durch das insgesamt 15 000 Arbeitnehmer in sämtlichen Betrieben des Unternehmens erfaßt wurden. Ein Teil der Fondsgelder soll
hier für die Analyse der sich aus der'Automation ergebenden Arbeitsplatz- und Beschäftigungsprobleme und für die Ausarbeitung von Plänen
verwendet werden, durch die die Auswirkungen der Automation weitgehend gemildert werden können. Der Schwerpunkt all dieser Bemühungen soll dabei auf die Utaschulung der freigesetzten Arbeitnehmer und
die Schaffung neuer Arbeitsplätze gelegt werden.
Ebenso bemerkenswert wie die Errichtung zahlreicher "Automationsfonds" war im vergangenen Jahr auch die erhebliche Zunahme solcher
Tarifverträge, die Abmachungen zwischen'Gewerkschaft und Unternehmen
über die Zahlung von Entlassungsgeldern aus "technologischen Gründen"
enthalten. Das bedeutendste Abkommen dieser Art wurde von der Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie mit den Unternehmen der Bekleidungsindustrie geschlossen, durch das die 400 000 Mitglieder,
in sämtlichem Betrieben des Landes erfaßt werden. Mit diesem Abkommen,
das sowohl die Zahlung von Entlassungsgeldern als auch wöchentliche
Unterstützungsleistungen für einen bestimmten Zeitraum vorsieht,
will die Gewerkschaft die Schließung amerikanischer Betriebe der Bekleidungsindustrie und ihre Verlagerung in lohngünstigere Länder verhindern. Die Maximalleistung für einen Arbeitnehmer beträgt 1600 Dollar; sie richtet sich nach der Länge der Dienstzeit, dem bisherigen
wöchentlichen Einkommen und einigen anderen Bemessungsfaktoren.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

-

12

-

�1961 ,- ein Jahr wichtiger TarifVerhandlungen
Während das vergangene Jahr auf dem Gebiet des Tarifverhandlungswesens - von der im Januar erfolgten Beilegung des im Herbst
1959 begonnenen Konflikts in der Stahlindustrie abgesehen - ziemlich ruhig verlaufen ist und keine besonderen Ereignisse oder weitreichenden Entscheidungen brachte, dürfte für 1961 schon insofern
mit einer weitaus größeren Aktivität auf diesem Sektor zu rechnen
sein, als zahlreiche Tarifabkommen in wichtigen Industriezweigen
in diesem Jahr auslaufen oder Neuverhandlungen anstehen.
Die wichtigsten Lohnverhandlungen werden dabei zweifellos in
den Spätsommermonaten stattfinden, da im August die alten Verträge
der Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) mit den Unternehmen der Autoindustrie sowie der "Meatpacker" mit den Fleischkonservenherstellern
auslaufen und im September neue Verhandlungen in der Maschinenbauindustrie - und möglicherweise auch im Steinkohlebergbau - vorgesehen
sind. In der ersten Jahreshälfte laufen dagegen einer Übersicht
des US-Arbeitsministeriums zufolge nur zwei größere Tarifabkommen
in wichtigen Wirtschaftszweigen aus. Im Januar müssen neue Verträge
für die Arbeitnehmer des Güterkraftverkehrsgewerbes (Lastwagenfahrer)
und von April bis Juni solche für die &amp;er Gümmiindu'strie ausgehandelt
werden.
Alles in allem stehen 1961 fast 120 Lohntarifverhandlungen an,
durch die insgesamt 2 Millionen Werktätige erfaßt werden. Die Gesamtzahl der Arbeitnehmer, für die neue Verträge abgeschlossen werden
müssen, liegt jedoch erheblich höher, da es sich hierbei nur um Abkommen handelt, die jeweils für mehr als 5000 Arbeitnehmer abgeschlossen
wurden. Außerdem besteht noch die Möglichkeit, daß weitere 60 langfristige Tarifverträge mit Kündigungsklausel (Abkommen mit jeweils
über 1000 Arbeitnehmern) im Laufe des Jahres von den Gewerkschaften
aufgesagt werden. Durch diese 60 Abkommen werden weitere 1,7 Millionen
Arbeitnehmer ejf»ftt.
Wie aus der TarifVerhandlungsübersicht des Arbeitsministeriums
weiter hervorgeht, ist in diesem Jahr aber auch mit Lohnerhöhungen
für jene Arbeitnehmer zu rechnen, die von Verträgen erfaßt werden,
welche erst zu einem späteren Zeitpunkt auslaufen, aber automatische
'Lohnaufbesserungen für 1961 vorsehen. Es handelt sich hier um Verträge mit jeweils mehr als 1000 Arbeitnehmern, die insgesamt 2,9
Millionen Werktätige erfassen und durchschnittliche Lohnerhöhungen
von 8 Cent pro Stunde vorsehen.
Für einen Teil dieser Arbeitnehmer (1,1 Millionen) kommen zu
den vorgesehenen Lohnerhöhungen noch sogenannte Teuerungszuschlage
hinzu, da ihre Verträge Lohngleitklauseln (Anstieg der Lebenshaltungskosten um einen Punkt = Erhöhung der Stundenlöhne um 1 Cent) aufweissen.
Nach einer Schätzung des US-Amtes für Arbeitsstatistik dürften gegenwärtig zwischen 2,5 Millionen und 2,8 Millionen amerikanische Arbeitnehmer von Tarifverträgen mit Lohngleitklauseln erfaßt werden.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

-

13

-

�Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen in der US-Wirtschaft
Die Aufwendungen der amerikanischen Wirtschafts- und Industrieunternehmen für die sogenannten freiwilligen Sozialleistungen - die
im Rahmen der Tarifverträge mit den Gewerkschaften ausgehandelten
Beiträge der Unternehmer für Pensionsfonds, Lebens-, Unfall- und
Krankenversicherungen - beliefen sich im Jahre 1959 auf durchschnittlich 328 Dollar pro Arbeitnehmer. Dies geht aus einer Erhebung der
US-Handelskammer hervor, die bei 1064 Kapitalgesellschaften des
Landes durchgeführt wurde.
Im Vergleich zur letzten Untersuchung, im Jahre 1957» ist damit
eine Erhöhung der "fringe benefits" um 15 Prozent (284 Dollar) eingetreten, während gegenüber 1950 sogar eine Zunahme um mehr als das
Doppelte festzustellen ist.
Wie aus der Übersicht weiter hervorgeht, hatten 86 Prozent der
überprüften Unternehmen zusätzliche private Pensionsfonds für ihre
Arbeitnehmer eingerichtet (1957 * 81 Prozent), aus denen diese bei
ihrem Eintritt in den Ruhestand - zusätzlich zu den staatlichen Leistungen aus der Alters- und Hinterbliebenenversicherung - Pensionen
erhalten. Die durchschnittliche Höhe der Beiträge der Unternehmen
an die Pensionsfonds belief sich auf 5 Prozent der Bruttoverdienste;
bei 67 Unternehmen machten die Abgaben sogar 10 Prozent der Gesamtlohnsumme aus.
Außerdem hatten 98 Prozent aller untersuchten Unternehmen (1957 •
97 Prozent) in irgendeiner Form Gruppenversicherungsverträge für ihre
Mitarbeiter abgeschlossen, so u,a. sämtliche Unternehmen der öl-,
Gummi-, Leder-, Metall-, Elektromaschinen-, Steine-, Erden- und
Glasindustrie sowie das Druckereigewerbe, das Verlagswesen, das
Bankgewerbe und das Versicherungswesen.
Private Pensionspläne wiesen dazu sämtliche überprüften Unternehmen def Ölindustrie auf, während von den 123 öffentlichen Versorgungsbetrieben lediglich zwei entweder keinen Pensions- oder keinen Gruppenversicherungsplan für ihre Arbeitnehmer unterhielten.
Bei den 692 Industriebetrieben war das Bild so: 586 Unternehmen
oder 85 Prozent führten ein privates Pensionsprogramm (1957 • 76 Prozent) durch; und 684 Unternehmen oder 99 Prozent hatten irgendeinen
Gruppenversicherungsvertrag (Unfall, Lebens-, Krankenversicherung usw.)
für ihre Mitarbeiter abgeschlossen.
Von den 372 nichtindustriellen Unternehmen unterhielten 328
(88 Prozent) private Pensionspläne (1957 " 84 Prozent) und 357
(96 Prozent) Gruppenversicherungen aller Art.

(Quelle« Eigenbericht)

* * * * *

-

14 -

�Durchschnittseinkommen der Büroangestellten
Wie aus einer im November 196O vom US-Amt für Arbeitsstatistik
im Gebiet der amerikanischen Bundeshauptstadt durchgeführten Erhebung über die durchschnittlichen wöchentlichen Einkommen der Büroangestellten hervorgeht, sind die Angestelltengehälter im Laufe des
vergangenen Jahres im Durchschnitttarn4»2 Prozent angestiegen.
Die Wochenverdienste der weiblichen Büroangestellten in den ein
zelnen Beschäftigungsgruppen betragen gegenwärtig bei:

Sekretärinnen

89,00 Dollar

Stenotypistinnen

80,50 Dollar

Lohnbuchhalterinnen

79»50 Dollar

Lohnbuchhalterinnen
(an Routinearbeitsplätzen)

66,50 Dollar

Helferinnen in der Registratur

54»00 Dollar

Registratorinnen

66,00 Dollar

Bei den männlichen Angestellten wurden folgende durchschnittlic
Wochenverdienste festgestellt:
Buchhalter in verantwortlichen Positionen 97»00 Dollar
Einkäufer
90,50 Dollar
Tabellierer (Klasse B)

85,60 Dollar

Büroboten

55»50 Dollar

Im Vergleich zu den Einkommen der Büroangestellten lagen die
durchschnittlichen Wochenverdienste der amerikanischen Industriearbeiter im Oktober vergangenen Jahres für einen Arbeitnehmer mit
drei Angehörigen bei 81,50 Dollar und für einen Ledigen bei 73»93
Dollar. Hierbei handelt es sich um die Nettoeinkommen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * *

- ^5 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 5

Bad Godesberg, den 1. März 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften

Seite

1

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite

10

Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften
Die Gewerkschaftsbewegung steht in den Vereinigten Staaten vor
einer neuen gewaltigen Aufgabe: die wachsende Zahl der Büroangestellten und vor allem der festangestellten technischen und akademischen
Fachkräfte in die Gewerkschaftsbewegung einzugliedern. Von der Lösung
dieser Aufgabe wird es abhängen, ob die Gewerkschaften auch weiterhin
eine entscheidende Rolle im wirtschaftlichen Leben des Landes spielen
werden oder nicht.
Gegenwärtig beläuft sich der Anteil der Arbeiter an der Gesamtmitgliederzahl der amerikanischen Gewerkschaften auf schätzungsweise 85
Prozent. Wenn sich der Arbeitsmarkt weiterhin gemäß den derzeitigen Tendenzen fortentwickelt, wird sich die Zahl der Arbeitnehmer in den nächsten zehn Jahren um 9 bis 10 Millionen erhöhen. Nur ein relativ kleiner
Teil dieses Zuwachses wird auf die Sparte der Produktionsarbeiter entfallen, die am stärksten an der Mitarbeit in der Gewerkschaftsbewegung
interessiert sind. Gelingt es der Gewerkschaftsbewegung nicht, die wachsende Zahl der Angestellten für die Gewerkschaften zu gewinnen, dann wird
die Gewerkschaftsbewegung eines Tages zu einer Interessenvertretung
einer Minderheit herabsinken.
Die strukturellen Umschichtungen
Im Jahre 1957 hat die Zahl der Angestellten - einschließlich der
Bürobediensteten und technischen und akademischen Fachkräfte - zum ersten
Mal in der Geschichte der USA die Zahl der in der Industrie beschäftigten
Arbeiter übertroffen. Dieser Umschwung vollzog sich größtenteils in den

-

1 -

�den erstenlO Jahren nach Kriegsende, in denen die Zahl der Angestellten von 20 auf 25,5 Millionen stieg, während die Zahl der Arbeiter
lediglich um 1,5 Millionen zunahm und damit 25 Millionen erreichte.
Im gleichen Zeitraum kletterte der Anteil der Angestellten und nicht
in der Produktion stehenden Arbeitskräfte an der Gesamtbeschäftigung
in den Fertigungsindustrien von 16 auf 25 Prozent.
Eine Aufschlüsselung dieser Statistiken gibt noch weitere bemerkenswerte Aufschlüsse. Die Zahl der neu eingestellten Techniker
und Akademiker übertraf die der Büroangestellten bei weitem. In
den Jahren von 1947 °is 1957 war bei den festangestellten Technikern
und Akademikern ein Zuwachs von 60,6 Prozent zu verzeichnen gegenüber
einer Zunahme von nur 22,8 Prozent bei den Büroangestellten.
Diese Zahlen deuten auf eine Entwicklung hin, die sich für die
Gewerkschaftsbewegung eines Tages zu einer großen Gefahr auswachsen
könnte. Sie wird verstärkt durch das Absinken des prozentualen Anteils der Produktionsarbeiter an der Gesamtbeschäftigung in den
wichtigsten Industriezweigen. In der chemischen Industrie beispielsweise verringerte sich der Anteil der Produktionsarbeiter von 74»6 auf
62,5 Prozent. Nach Schätzungen der kanadisch-amerikanischen Internationalen Chemiearbeitergewerkschaft (international Chemieal Workers
Union - ICWU) wird bis zum Jahre 19661 in der chemischen Industrie
auf jeden Produktionsarbeiter ein Angestellter entfallen.
Die auslösenden Faktoren
Das auslösende Moment dieser Entwicklung ist der technische Fortschritt: eine einzige Maschine verrichtet heute Arbeiten, für die früher
zahlreiche Handarbeiter notwendig waren. Die Automatisierung schließlich läßt, auch wenn sie keine Arbeitskräfte verdrängt, die Produktionsarbeiter zu Aufsehern, Wartungskräften und Technikern werden.
Professor Fred Harbison von der Universität Princeton erklärte
vor einem Seminar zu Problemen der Kollektiwerhandlungen bei Technikern und akademischen Fachkräften, das von der Abteilung Industriegewerkschaften der AFL-CIO durchgeführt worden ist» "Das Tempo des
technischen Fortschritts bestimmt das Tempo der Umschichtung in der
Beschäftigungsstruktur... von der Arbeit im blauen Kittel bis zur Angestelltentätigkeit."
Erweist sich die Ansicht Harbisons als richtig, dann ist in verschiedenen Industrien mit einer überdurchschnittlichen Zunahme der
akademischen und technischen Angestellten und einem entsprechenden
scharfen Rückgang der Produktionsarbeiter zu rechnen. In dem Maße,
in dem diese Industrien ihren Stab an technischen Mitarbeitern vergrößern und wirkungsvoll einsetzen, werden Arbeiter von ihren bisherigen Arbeitsplätzen verdrängt werden.
Die einzelnen Firmen wetteifern geradezu miteinander, die Technisierung und Automatisierung immer weiter voranzutreiben. Dies hat auf
dem Arbeitsmarkt zu einer so großen Verknappung von Technikern und
Ingenieuren geführt, daß die Angehörigen dieser Berufe hinsichtlich

2

�hinsichtlich Bezahlung und Arbeitsbedingungen heute große Forderungen
stellen können. Die Arbeitsfluktuation ist in diesen Berufssparten
heute entsprechend hoch.
Trotz der für sie so günstigen Beschäftigungslage sind die Angehörigen dieser Berufe mit ihrem Arbeitsplatz und ihrer Firma im
allgemeinen nicht sehr zufrieden, wie eine Untersuchung der Opinion
Research Corporation, eines demoskopischen Instituts, ergab. Die
Wissenschaftler und Techniker behaupten vielfach, die Manager sehen
sämtliche Maßnahmen nur unter dem Gesichtspunkt des Ertrags, suchen
die Mitarbeiter zu beherrschen, vereinfachen alle Dinge zu sehr,
nutzen die Betriebsangehörigen für eigene Zwecke aus, haben meist
nur kurzfristige Ziele im Auge und seien meist ungebildet.
Von den befragten wissenschaftlichen Kräften beschuldigten 78
Prozent die Unternehmensleitung, daß sie ihre Fähigkeiten mißbrauche,
80 Prozent betrachteten sich im Vergleich zu den Angehörigen anderer
Berufssparten als unterbezahlt, 75 Prozent wünschten, dem Unternehmerdruck zu entgehen und "allein für sich zu arbeiten", und 67 Prozent
behaupteten, daß Beziehungen und nicht Können der entscheidende Faktor
für den Aufstieg innerhalb der Manager-Hierarchie seien.
Diese Unzufriedenheit ist Ausdruck des zwangsläufigen Gegensatzes
zwischen wissenschaftlichem und wirtschaftlichem Denken. Die-Opinion
Research Corporation folgerte deshalb in ihrem Bericht: "Das Gewinnstreben des Unternehmertums steht in scharfem Widerspruch zu dem Streben des Wissenschaftlers nach Perfektion."
Der Akademiker findet sich heute in eine Arbeitsumwelt gestellt,
deren "Spielregeln" nahezu alles das negieren, was er in den Jahren
seiner wissenschaftlichen Schulung gelernt hat.
Zunehmende Abhängigkeit der Wissenschaftler
Um die Jahrhundertwende erwarb der angehende Wissenschaftler sein
akademisches Diplom, wählte sich ein Fachgebiet, begann mit eigenen
Forschungsarbeiten und publizierte deren Ergebnisse - ohne Anweisungen
anderer zu unterliegen. Im Jahre 1900 waren schätzungsweise 95 Prozent
aller Ingenieure und Chemiker Selbständige.
Heute dagegen sind nur noch 5 Prozent von ihmen freiberuflich
tätig; die übrigen sind gezwungen, ihre wissenschaftliche Tätigkeit
den nicht-wissenschaftlichen Forderungen einer Unternehmensleitung
unterzuordnen. Wenn der Akademiker auch den Wunsch des Unternehmers,
zu verdienen und zu verkaufen, als gegeben in Rechnung stellt, so bedeutet dies noch lange nicht, daß er ihn restlos billigt. Die Umfrage
der Opinion Research Corporation ergab, daß noch nicht einmal die Hälfte
der befragten akademisch geschulten Fachkräfte finanziellen Gewinn als
ein wesentliches Ziel ansehen.
Sie bezeichneten unzulängliche Geldmittel, Zeitpläne und das ständige
Drängen auf rasch sichtbare Erfolge als ein Hindernis in ihrer Forschungstätigkeit. 80 Prozent der Befragten erklärten, daß die Unternehmenslei*
tungen neuen, in den Laboratorien entwickelten Ideen häufig nicht die
-

3 -

�die gebührende. Unterstützung angedeihen lassen. Wie ein Wissenschaftler es ausdrückte: "Ich habe noch keinen Manager getroffen,
der fähig wäre, eine abstrakte Idee zu erfassen."
Die in der Industrie beschäftigten Wissenschaftler beklagen sich
ferner über ungenügende Aufstiegsmöglichkeiten und zu geringes Ansehen
innerhalb der Gemeinschaft, sofern sie nicht die Tätigkeit in den
Laboratorien aufgeben und selbst in die Verwaltung eintreten.
Für wissenschaftlich geschulte Kräfte wie Ingenieure und Chemiker
ist dies natürlich eine völlig unbefriedigende Situation. Der Wissenschaftler ist überzeugt - und nach außen hin wird er in seiner Auffassung sogar durch das Management bestärkt -, daß seine Arbeit für
das Gedeihen der Firma von ausschlaggebender Bedeutung ist. Dennoch
sieht diese in ihm nur den Angestellten, während die Führungskräfte
in der Verwaltung das gleiche Ansehen wie die Unternehmer selbst genießen.
Einstellung auf die einzelnen Gruppen
Will die Gewerkschaftsbewegung den Wissenschaftlern bei der Lösung
ihrer Probleme innerhalb der Gesellschaft helfen, dann muß sie nicht nur
ihre Bedürfnisse kennen, sondern auch deren tiefere Ursachen.
Die wissenschaftlichen und technischen Angestellten moderner
Großbetriebe können, grob gesehen, in drei Gruppen unterteilt werden,
die es getrennt zu analysieren gilt, da sie sich in ihren Zielsetzungen
wesentlich voneinander unterscheiden.
An der Spitze stehen die mit Forschungsaufgaben beschäftigten
Wissenschaftler* Es handelt sich fast durchweg um Vollakademiker mit
dem Doktorgrad, Intellektuelle, die gewöhnlich ganz in ihrer Wissenschaft aufgehen und sich am wohlsten fühlen, wenn ihnen in ihrer Tätigkeit die an akademischen Instituten gegebene Freiheit gewährt wird.
Das Gewinnstreben der Unternehmer ist dem Wissenschaftler ein Dorn im
Auge, die Weisungsbefugnis nicht wissenschaftlich geschulter Verwaltungskräfte empfindet er als lästigen Zwang.
Auf gleicher Ebene mit dem "reinen" Forscher steht der mehr betrieblich orientierte Wissenschaftler. Auch er ist Vollakademiker mit Doktordiplom, hat aber den Ehrgeiz, innerhalb der Hierarchie des Unternehmens
aufzusteigen. Er ist bereit, die Forschung aufzugeben und dafür Verwaltungsaufgaben zu übernehmen aus der Überzeugung heraus, daß im Management
wissenschaftlich geschulte Spitzenkräfte sitzen sollten.
Nur wenig unterhalb der eindeutig forschungs- bzw. betriebsorientierten Wissenschaftler rangieren jene akademischen Mitarbeiter, die man
als die "Zwischenschicht" bezeichnen könnte. Die Angehörigen dieser
Schicht haben die gleichen Qualifikationen, fühlen sich aber weder als
Wissenschaftler noch als Manager. Ihnen geht es vor allem um volle berufliche Anerkennung,
Klar

�Klar geschieden von den Vollakademikern mit Doktorgrad und eine
Stufe unter diesen stehend sind die Kräfte mit geringerer akademischer
Vorbildung, die mit dem Bachelor-Grad abgeschlossen haben. Auch hier
lassen sich ähnliche Kategorien bilden, wobei allerdings der größere
Teil dieser Angestellten der "Zwischenschicht" zuzuordnen ist; der Rest
dürfte mehr betriebs- als forschungsorientiert sein.
Die Soziologen behaupten, daß die der "Zwischenschicht" zugehörigen
Inhaber von Bachelor-Graden imch in ihrem Streben nach Erfolg im Beruf
im allgemeinen unbefriedigt fühlen. Sie begründen dies mit der mangelnden Anerkennung durch die übrigen Akademiker, dem Ausschluß von der Mitwirkung an den wichtigen Entscheidungen durch das Management, der Einschätzung als Angestellte durch die Gemeinschaft und dem Gefühl, nicht
an wirklich schwierige Aufgaben herangelassen zu werden, was einen
Ausgleich zur täglichen Routine bringen könnte.
Auf der untersten Stufenleiter des Ansehens - und der Beaahlung stehen die Techniker. Gerade diese Gruppe aber verzeichnet den stärksten
Zuwachs in der Gesamtbeschäftigung. Ihre Angehörigen sind strenggenommen
keine akademischen Fachkräfte, da ihnen hierzu die bildungsmäßigen Voraussetzungen fehlen. Der Techniker beneidet den Akademiker, ist aber vielfach auf dessen Rat angewiesen. Daß er mit dem Vollakademiker nicht auf
die gleiche Stufe gestellt wird,.ist für ihn ein Quell ständigen Ärgers. Die fehlende akademische Vorbildung erweist sich als ein Hemmschuh
im beruflichen Fortkommen, und sowohl das Management als auch die von
ihm bewunderten Akademiker schätzen den Techniker als einen Mitarbeiter
ein, der sich nur innerhalb eng gezogener Grenzen weiterentwickeln kann.
Die akademischen und technischen Angestellten erheben niccht nur grundlegende
Einwände gegen das Management sondern auch gegen die Gewerkschaftsbewegung. Schon der Gedanke an ein kollektives Vorgehen verstößt gegen
ihren Glauben an die Fähigkeit, aus eigener Kraft aufsteigen und mit
persönlichen Problemen selbst fertig werden zu können. Die meisten Akademiker haben keinerlei enge Kontakte zur Gewerkschaftsbewegung und
kennen sie lediglich aus den Tageszeitungen oder vom Betrieb her.
Angst vor der Gewerkschaft
Im Jahre 1951 führte die Staatsuniversität Michigan eine Befragung
unter Angehörigen der Ingenieurberufe durch, die ergab, daß 55 Prozent
die Macht der Gewerkschaften mehr fürchten als die der Industriekonzerne.
Heute, ein rundes Jahrzehnt später, ist mit gutem Grund.anzunehmen, daß
die Akademiker noch weit mehr Ressentiments gegen die Gewerkschaften
haben. Die Gewerkschaften werden demnach alle Mühe haben, Wissenschaftler und Techniker von der Zweckmäßigkeit der Mitarbeit in der Gewerkschaftsbewegung zu überzeugen. Soziologen wie S. M. Miller vom Brooklyn
College halten diese Aufgabe aber dennoch für lösbar.
In einem Vortrag vor den Teilnehmern des vorerwähnten Seminars
der Abteilung Industriegewerkschaften der AFL-CIO erklärte Miller:
Das Interesse der festangestellten Akademiker an der Gewerkschaftsbewegung wird in dem Maße zunehmen, wie sich ihre Arbeitsbedingungen
immer mehr denen der Arbeiterschaft nähern. Die fissenschaftliche Arbeit

-

5 -

�Arbeit in den großen Industriebetrieben, so führte er aus, wird der
Fließbandarbeit immer ähnlicher, bei der alle Funktionen vielfach
unterteilt werden und selbständiges und schöpferisches Arbeiten
kaum mehr möglich ist.
Miller nannte noch einen weiteren Grund der Unzufriedenheit der
Akademiker mit dem Management: Sie verwahren sich dagegen, daß wissenschaftlich nicht geschulte Vorgesetzte mit lediglich betriebswirtschaftlichen Kenntnissen die Arbeitsbedingungen festsetzen und sämtliche Entscheidungsbefugnisse für sich in Anspruch nehmen.
Trifft die vorstehend genannte Gruppeneinteilung der Akademiker
und Techniker zu, so folgt daraus, daß die Techniker am ehesten für
eine Mitarbeit in den Gewerkschaften zu gewinnen sein werden. Da die
Angehörigen dieser Berufe keine echte Chance zum Aufstieg in die Unternehmensleitung haben,auch von den Wissenschaftlern mit vollem akademischem Abschluß nicht voll anerkannt werden, finden sie sich in
einer Lage, die weitgehend der der Arbeiter gleichkommt. Und was
vielleicht noch wichtiger ist, man kann damit rechnen, daß der Techniker
schon gewisse Beziehungen zur Gewerkschaftsbewegung hat - sei es über
Familienangehörige, Berufskollegen oder sonstige Freunde.
Die Ähnlichkeit der Tätigkeits- und Arbeitsplatzcharakteristika
sowie der Arbeitsbedingungen im engeren Sinne läßt es im Verein mit
den bestehenden persönlichen Beziehungen zu Produktionsarbeitern ferner
wahrscheinlich werden, daß die Produktionstechniker eher für die Gewerkschaftsbewegung zu gewinnen sind als die Forschungs- und Entwicklungstechniker, die mehr Umgang mit Akademikern und Wissenschaftlern
pflegen.
Die Gewerkschaften müssen aber streng zwischen dem Streben der
Angehörigen der akademischen Angestelltenberufe nach sozialem Prestige
und dem traditionellen Streben der Arbeiter nach Würde und Anerkennung
unterscheiden. Wenn auch beide eine bessere Stellung innerhalb der Gesellschaft zu erlangen suchen, so ist der Produktionsarbeiter vielleicht
doch eher bereit, die Achtung als Mensch einer besseren Bezahlung zu
opfern.
Der Wissenschaftler andererseits erstrebt persönliche Anerkennung
als tüchtiger Mensch: die Anerkennung durch andere Wissenschaftler, professionelles Ansehen, wie er es durch die PuTalizierung seiner Forschungsergebnisse in wissenschaftlichen Fachzeitschriften gewinnen kann.
Die Erfahrungen der amerikanischen Gewerkschaften, die sich bisher
um die Organisierung von Akademikern, meist Ingenieuren» und Technikern
bemüht haben, sind ein Beweis dafür, daß die Gewerkschaftsbewegung den
Erfordernissen und Befürfnissen dieser Kreise durchaus gerecht zu werden
vermag. Wo sich diese Bedürfnisse von denen der übrigen Berufstätigen
unterscheiden, wurden entsprechende Sonderbedingungen in. die Tarifverträge eingebaut. Die betreffenden Gewerkschaften haben ihre innere Struktur weitgehend verändert, um diesen neuen Mitgliedern und ihren Wünschen
entgegenzukommen.
Berücksichtigung

- 6 -

�Berücksichtigung der Wünsche
Die für das Seminar ausgearbeiteten Modell-Tarifverträge
für Akademiker und Techniker zeigen, daß viele der üblichen Klauseln
hier als unangebracht aufgegeben oder in ihrem Inhalt drastisch
verändert werden sollten.
Die Bestimmung "gleicher Lohn für gleiche Arbeit", die sich
in fast sämtlichen Kontrakten für Arbeiter und Wartungspersonal
findet, wird beispielsweise von den Akademikern und Technikern nicht
gewünscht; für sie sind Bildungsgang und Tüchtigkeit ein weit wichtigeres Kriterium für die Bezahlung. Was eigentlich "gleiche Arbeit"
ist, läßt sich noch dazu kaum bestimmen, wenn die zu.leistende Arbeit wie die des Wissenschaftlers - keine "greifbaren" Ergebnisse liefert.
Aus ähnlichen Erwägungen heraus erfordert auch die Anciennitätsklausel bei Akademikern und Technikern eine Neufassung. Die
Anciennität wird im Falle notwendig werdender Entlassungen als ein
gewichtiges Moment anerkannt, nicht aber in der Frage des Aufrückens.
Auch hier werden Bildungsgang und Fähigkeiten mit Erfahrung auf die
gleiche Stufe gestellt.
Die Gewerkschaften haben ferner die Erfahrung gemacht, daß die
Durchführung von Tarifverträgen für akademische und technische Angestellte andere Methoden erfordert. Besonders erhebliche Unterschiede
ergeben sich hinsichtlich des Beschwerdeweges. Wissenschaftler und Techniker rufen nach den Erfahrungen der Gewerkschaften nur ungern einen
Schlichtungsausschuß an, da sie im allgemeinen ein kollektives Vorgehen
nicht als die geeignete Methode zur Lösung persönlicher Probleme ansehen. Für sie ist das Schlichtungsverfahren weit eher ein Mittel,
betriebliche Grundsatzentscheidungen anzufechten,, insbesondere Entscheidungen, -die von ihnen übergeordneten Nichtakademikem in der Verwaltung getroffen worden sind.
Soweit sich Akademiker und Techniker des Verfahrens zur Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten bedienen, um mit der Unternehmensleitung
zu verhandeln, wünschen sie auch ihre Stimme in der Gewerkschaftsleitung zur Geltung zu bringen. Diejenigen Industriegewerkschaften,
die akademische und technische Angestellte zu ihren Mitgliedern zählen und hierzu gehören die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft
(United Automobile, Aircraft and Agricultural Implement Workers of
America - UAW), die kanadisch-amerikanische, amerikanisch-kanadische
Elektrikergewerkschaft (international Union of Electrical, Radio and
Machine Workers - IUE) und die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft
(United Steelworkers of America) -»haben für diese eigene Abteilungen
und Beratungsausschüsse eingerichtet. Diese gesonderten Abteilungen
innerhalb der Industriegewerkschaften gestatten es den wissenschaftliche
Mitgliedern, eigene Vertreter zu benennen und einen eigenen Kurs für
die Lösung ihrer spezifischen Probleme festzusetzen, die die übrigen
Gewerkschaftsmitglieder nicht betreffen.
Gewerkschaften

�Gewerkschaften müssen neue Wege beschreiten
Ein weiterer Schritt, die Akademiker und Techniker für die
Gewerkschaften zu gewinnen, ist die Bildung von Berufsgruppen. Diesen Weg ging beispielsweise die AFL-CIO-Gewerkschaft der Verfahrensingenieure (Pederation of Technical Engineers), die damit dem Beispiel mehrerer ausländischer Gewerkschaften technisch-wissenschaft-.
licher Angestellter und einzelner unabhängiger amerikanischer Gewerkschaften folgte.
Wenn die amerikanischen Gewerkschaften demnach ihre Mitgliederwerbung unter diesen Angestellten verstärken wollen, so müssen sie
neue Wege gehen. Obwohl sich auch bisher schon vereinzelt Verbände
von Wissenschaftlern und Technikern für eine Mitarbeit in den Gewerkschaften ausgesprochen haben, sind doch im großen und ganzen alle bisherigen Bemühungen zur Gewinnung neuer Mitglieder aus diesen Kreisen
gescheitert. Eines ist offenkundig: Eine Zauberformel gibt es»wie bei
allen Aktionen zur Mitgliederwerbung auch hier nicht. Die Akademiker
und Techniker der einen Firma werden andere Probleme haben, als die
einer anderen, und selbst wenn ihre Probleme die gleichen sind, werden sie doch gelegentlich eine unterschiedliche Lösung anstreben.
Um diese Probleme von Fall zu Fall lösen zu können, müssen die
Gewerkschaften in ihrem Vorgehen flexibler werden. Standardlösungen,
die den Ansprüchen der Arbeiter genügen, bedürfen der Überprüfung und
sind in gewissen Fällen überhaupt unbrauchbar. Neue Lösungen werden
verschiedentlich Änderungen der traditionellen Gewerkschaftspolitik
oder Ausnahmeregelungen notwendig machen.
Die Gewerkschaften sollten sich auch in der Mitgliederwerbung
neuer Methoden bedienen. Die gewerkschaftlichen Publikationen müssen
beispielsweise mehr auf die in logischem Denken geschulten Akademiker
zugeschnitten werden, die es gewohnt sind, sich streng an Hand erwiesener Tatsachen zu orientieren. Der Appell an gefühlsmäßige Momente, der
für viele von den Gewerkschaften verteilte Handzettel typisch ist, verfängt wenig bei Menschen, die systematisch dazu erzogen worden sind,
sich in ihren Reaktionen nicht vom Gefühl leiten zu lassen.
Die Gewerkschaften werden größte Sorgfalt auf die Auswahl der
Funktionäre verwenden müssen, die sie mit der Durchführung von Werbekampagnen unter den akademischen und technischen Angestellten betrauen
wollen. Der Wissenschaftler, der sich gegen die Festsetzung der Unternehmenspolitik durch Nichtakademiker in der Verwaltung wehrt, wird mit
Sicherheit auch jede Mitgliederwerbung ablehnen, die von Gewerkschaftern ohne wissenschaftliche und technische Schulung an ihn herangetragen wird.
Die Gewerkschaften werden diese Angestellten ferner so akzeptieren
müssen, wie sie sind. Akademiker und Techniker sind natürlich auch nur
Menschen,und ihre Aspirationen unterscheiden sich im Grunde nicht von
denen der Arbeiter; dennoch können sie nicht unterschiedslos mit allen
übrigen Beschäftigten gleichgesetzt werden. Auf Grund ihrer Herkunft,
ihrer Lebensumstände und ihrer Schulung haben sie gewisse spezifische
Bedürfnisse - Bedürfnisse, denen die organisierte Arbeiterbewegung

8

-

�Arbeiterbewegung Rechnung tragen muß, wenn sie diese Menschen für
den Gewerkschaftsgedanken gewinnen will. Ihn«unter der wachsenden
Zahl der akademischen und technischen Angestellten zu popularisieren,
ist sicherlich keine leichte Aufgabe. Sie ist aber durchaus lösbar,
denn die Gewerkschaftsbewegung hat zwei gewichtige Pluspunkte auf
ihrer Seite«
Erstens: In dem gleichen Maße, in dem der Anteil dieser Angestellten an der Gesamtbeschäftigung steigt, werden ihre Gehälter mit
Sicherheit von ihrem Arbeitgeber als ein Element der variablen Arbeitskosten angesehen werden. Folgt das Management erst einmal dieser
Praxis auch im Falle der wissenschaftlichen und technischen Mitarbeiter, dann bringt dies für diese zwangsläufig wirtschaftliche
Einbußen mit sich.
Zweitens: Die Gruppenbildung nach sozialen und wirtschaftlichen
Gesichtspunkten ist geradezu ein Charakteristikum der modernen Gesellschaft geworden. Ohne einen Zusammenschluß in der einen oder
anderen Form werden die akademischen und technischen Angestellten
in einer in raschem Wandel befindlichen Umwelt schütz- und führungslos
sein.
Die amerikanischen Gewerkschaften haben die Notwendigkeit, die
Angehörigen der akademischen und technischen Berufe zu erfassen, klar
erkannt - aus Eigeninteresse und aus ethischen Erwägungen heraus. Sie
wenden deshalb diesen Fragen in Zukunft ihre verstärkte Aufmerksamkeit
zu. Sie sind entschlossen, für den Erfolg zu arbeiten. Die Aufgabe,
die den Gewerkschaften aus der Zunahme der Zahl der nichtorganisierten
hochqualifizierten Angestellten erwächst, ist noch längst nicht bewältigt; man hat sie aber - endlich - in ihrem gesamten Ausmaß erkannt.

Aus "I.U.D. Digest" mit Genehmigung
des Industrial Union Department,
AFL-CIO.

* * * * *

- 9 -

�Zunehmende Bedeutung der privaten Krankenversicherungspläne
Als eine der bedeutendsten Entwicklungen auf dem Gebiet des
Tarifverhandlungswesens in den Vereinigten Staaten ist die beträchtliche Zunahme der privaten Wohlfahrtsfonds und Sozialprogramme während
der letzten Jahre anzusehen. Neben den zwischen Gewerkschaften und
Unternehmen ausgehandelten Pensionsplänen sind es dabei in erster
Linie die privaten Krankenversicherungsprogramme, die in jüngster
Zeit immer mehr an Bedeutung gewonnen haben.
Auf Grund einer Untersuchung des US-Arbeitsministeriums über Art
und Inhalt der in den vergangenen Jahren neu abgeschlossenen oder
revidierten Krankenversicherungspläne sind dabei folgende wichtige
Trends festzustellen gewesen»
1. Die Krankenversicherungspläne wurden weiter liberalisiert und
auf neue Leistungsarten, insbesondere auf die Krankenversorgungsleistungen im Hause, ausgedehnt.
2. Die Leistungssätze der Versicherungspläne, die im Krankheitsfall eine Barabfindung vorsehen, wurden erhöht, die reinen
Krankendienstleistungsplane verbessert;
3- Das Verhältnis zwischen den Barleistungs- und Dienstleistungsplänen hat sich zugunsten der letzteren verschoben.
4. Die Beiträge zu den Krankenversicherungsplänen werden in einem
immer größeren Maße von den Unternehmern allein getragen. Rund
zwei Drittel aller überprüften Pläne wurden ausschließlich durch
die Arbeitgeber finanziert.
5» Die Zahl der Krankenversicherungspläne, die auch nach der Pensionierung des Arbeitnehmers den Leistungsanspruch sowohl für
ihn als auch für seine Familie aufrechterhalten, hat sich ebenfalls stark erhöht.
6. Der Versicherungsschutz erstreckt sich heute bei fast allen
Krankenversicherungsplänen sowohl auf den Arbeitnehmer selbst
als auch auf seine Familienmitglieder.
7« Der Versicherungsschutz für entlassene Arbeitnehmer wurde erweitert. Während bisher die Krankenversicherung nach Ablauf
eines Monats erlosch, bleibt die Deckung heute allgemein noch
für einen längeren Zeitraum bestehen.
8. Zahlreiche Einschränkungen der Leistungsansprüche wurden beseitigt oder modifiziert; die Wartezeiten wurden durchweg aufgehoben.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

10 -

�US-Arbeitsministerium gab neues "American Workers1 Fact Book" heraus
Das US-Arbeitsministerium hat kürzlich das neue "American Workers'
Fact Book" 196O herausgegeben, das einen umfassenden Überblick über
die Entwicklungen auf allen Gebieten der Wirtschaft während der
letzten Jahre gibt.
Hier einige der interessantesten Angaben:
Der Realwert der erzeugten Güter und Dienstleistungen (Bruttosozialprodukt) hat sich in den Vereinigten Staaten zwischen 1947 und 1958
jährlich um durchschnittlich 5 Prozent erhöht. Im gleichen Zeitraum
stieg die durchschnittliche Produktionsleistung pro Arbeitsstunde
in der Privatindustrie um 43 Prozent an.
Der Anteil der Einkommen der unselbständigen Arbeitnehmer am gesamten Volkseinkommen betrug im Jahre 1959 rund 70 Prozent. Würde man
das Nettopersonaleinkommen (nach Abzug der Steuern) auf die Gesamtbevölkerungszahl umlegen, so ergäbe sich dabei ein durchschnittlicher
Anteil pro Kopf der Bevölkerung von 1891 Dollar. Unter Zugrundelegung
eines realen Dollarwertes wäre dies eine um 22 Prozent höhere Summe
als 1949.
Der durchschnittliche Wochenverdienst des amerikanischen Industriearbeiters ist in den vergangenen zehn Jahren so stark angestiegen, daß
die reale Kaufkraft im Jahre 1958 rund 22 Prozent größer war als 1948.
Gleichzeitig jedoch hat sich auch die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche in diesem Zeitraum wesentlich verringert.
Die Zahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer ist in
der Nachkriegszeit ganz beträchtlich angestiegen. Während vor dem
Kriege lediglich 3 Millionen Amerikaner einer Gewerkschaft angehörten,
sind es heute etwa 18 Millionen.
Von der Gesamtzahl der gegenwärtig verfügbaren Arbeitskräfte
(Gesamtpotential = 71,2 Millionen) sind 42,2 Millionen im Rahmen
der staatlichen Sozialversicherung gegen Erwerbslosigkeit und für das
Alter versichert.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Neue Ernennungen im US-Arbeitsministerium
Nach der Ernennung Dr. Arthur J. Goldbergs zum neuen US-Arbeitsminister hat Präsident Kennedy kurz vor seiner Amtsübernahme auch die
Besetzung anderer wichtiger Posten im US-Arbeitsministerium bekanntgegeben.
Zu

11

�Zu neuen Unterstaatssekretären wurden dabei James J. Reyno-lds
und Jerry R. Holleman nominiert, während das Amt für Frauenfragen
von Esther Peterson, das Sekretariat für auswärtige Angelegenheiten
von George L. Weaver und das Sekretariat für Rechtsfragen von Charles
Donahue übernommen werden wird.
James J. Reynolds (54)» der von Beruf Betriebsberater ist, war
bisher Vizepräsident der "Alcoa Products, Inc.". Schon zwischen 1946
und 1952 gehörte er dem "National Labor Relations Board" an.
Jerry R. Holleman (41) war bisher Vorsitzender der AFL-CIO im
Bundesstaat Texas; ehemals Elektriker, begann er seine Gewerkschaftskarriere in der "International Brotherhood of Electrical Workers".
Esther Peterson (54) gehörte bisher dem Industriedepartement der
AFL-CIO als Vertreterin für Rechtsfragen an. Bevor sie in die Gewerkschaftsbewegung eintrat, war sie Lehrerin. Sie studierte an der BrighamYoung-Universität und der Columbia-Universität. Zwischen 1945 und 1948
war sie Vertreterin der "Amalgamated Clothing Workers" für Rechtsfragen
in Washington sowie Mitglied des Beratungsausschusses im Amt für Frauenfragen.
George L. Weaver (48) war bisher Assistent des Präsidenten der
Elektrikergewerkschaft (IUE). Er hat an verschiedenen Tagungen internationaler Gewerkschaftsverbände teilgenommen und war drei Jahre lang
als Vertreter des Internationalen Bundes freier Gewerkschaften und der
AFL-CIO in Asien tätig. Weaver ist Farbiger.
Charles Donahue (48) ist von Beruf Rechtsanwalt und war von 1953
an Forschungsdirektor der Installateurgewerkschaft.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Kongreßbibliothek erhielt Kopien der "America-At-Work"-Filmserie
Der Schatzmeister der AFL-CIO, William F. Schnitzler, hat der
Kongreßbibliothek in Washington kürzlich die erste Serie der 52 Fernsehfilme "America at Work" als Geschenk der amerikanischen Gewerkschaften überreicht.
Schnitzler sprach bei der Übergabe die Hoffnung aus, daß diese
Dokumentarfilme dazu dienen möchten, künftige Generationen mit jenen
Handwerksberufen und Arbeitstechniken vertraut zu machen, die heute
in Gefahr seien, durch die großen technologischen Veränderungen und
die Ausbreitung der Automation verlorenzugehen.
L. Quincy

-

12

-

�L. Quincy Mumford, der das Gaschenk der APL-CIO im Namen der
Kongreßbibliothek entgegennahm, wies in seiner kurzen Ansprache
darauf hin, daß viele Pionierwerke der Filmindustrie vielfach deshalb
verlorengegangen seien, weil man ihren historischen Wert zu spät
erkannte.
Die "Amerika-bei-d«r-Arbeit"-Filme wurden bisher über 161 amerikanische und 28 ausländische Fernsehstationen ausgestrahlt. Außerdem
wurden die Begleittexte in zahlreiche andere Sprachen übersetzt.
Jeder dieser 52 Filme der ersten Serie behandelt jeweils einen
handwerklichen oder industriellen Beruf, wobei die Aufnahmen direkt an
den Arbeitsplätzen gemacht werden, um so den Zuschauern einen genauen
Einblick in die handwerklichen Fähigkeiten der Arbeiter und in die
Arbeitsweise moderner Maschinen.zu geben.
Das im Januar 1959 angelaufene Projekt, das in diesem Jahr mit
einer weiteren Serie von 52 Filmen fortgesetzt werden soll, brachte u.a.
Filme über die Arbeit in der Zigarren-, Automobil-, Schiffsbau-, Schuh-,
Textil- und Bekleidungsindustrie sowie über die Tätigkeit der Glasbläser, Zeitungsdrucker und Buchbinder.

(Quelle: Eigenbericht)

# * * *

•

Ausweitung und Verbesserung der Gewerkschaftspresse
Zur Förderung der Bemühungen um eine Ausweitung und Verbesserung
der Gewerkschaftspresse hat der Verband der Redakteure von Gewerkschaftspublikationen (international Labor Press Association) auf seiner letzten
Tagung in Detroit eine Neugestaltung der Beitragssätze beschlossen, um
auf diese Weise das Einkommen des Verbandes zu verdoppeln.
Diese in einen besonderen Fonds fließenden Mittel sollen insbesondere für die Unterstützung der Ortsvereine bei der Neuherausgabe von
Gewerkschaftszeitungen und -Zeitschriften sowie für die Verbesserung
bereits bestehender Publikationen verwendet werden. Außerdem will man
einen anderen Teil der erhöhten Beiträge für die Abhaltung von Spezialkursen und Erziehungsprogrammen von Redakteuren und Mitarbeitern einsetzen, um sich auch von dieser Seite her darum zu bemühen, das Niveau
der Gewerkschaftspresse zu heben«
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Regelungen über die Bezahlung von Arbeitspausen in US-Tarifverträgen
Abmachungen über die Bezahlung bestimmter Arbeitspausen während
der täglichen Normalarbeitszeit waren im Jahre 1959 in rund einem
Viertel aller Tarifverträge in den Vereinigten Staaten enthalten,
wie aus einer Analyse von 1700 bedeutenden Tarifverträgen hervorgeht,
die vom US-Amt für Arbeitsstatistik durchgeführt wurde.
Nach dieser Übersicht enthielten rund zwei Drittel aller Abkommen mit Arbeitspausenklausel derartige meist als "Erholungszeit",
"Kaffeepause" oder "Zigarettenpause" bezeichnete Vergünstigungen
für sämtliche Arbeitnehmer, während sich in den restlichen Abkommen
diese Vergünstigungen nur auf bestimmte Gruppen von Arbeitnehmern,
insbesondere Frauen, bezogen. Allgemein wurden täglich zwei derartige
Arbeitspausen gewährt.
Zu denjenigen Industriezweigen, in denen bezahlte Arbeitspausen
am häufigsten anzutreffen waren, gehörten die Nahrungsmittel-, Elektromaschinen- und Waggonbauindustrie sowie die Unternehmen des Fernmeldewesens und des Einzelhandels.

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaften unterstützen Bau von Pensionen für Rentner
Das sogenannte "Four-Freedoms-Hotels"-Projekt - ein von 20
amerikanischen Gewerkschaften entwickeltes Programm zum Bau von auf
gemeinnütziger Basis arbeitenden Hotels in allen Teilen des Landes hat mit der Eröffnung der ersten, an der Küste des Atlantiks in Miami
Beach gelegenen Hotelpension sichtbare Gestalt angenommen.
Wie der Leiter dieses Projekts, der 1. Vorsitzende der "American
Radio Association", William R. Steinberg, hierzu auf einer Pressekonferenz erklärte, haben die in diesem Unternehmen zusammengeschlossenen
Gewerkschaften schon seit langem die Überzeugung vertreten, daß über
die Pensionspläne hinaus noch etwas Entscheidendes für die im Ruhestand
lebenden Arbeitnehmer getan werden müsse. Aus diesem Grunde hätten sich
die betreffenden Gewerkschaften zu diesem Projekt zusammengeschlossen
und ihre Mittel zum Bau der Pensionen eingesetzt.
Alle "Four-Freedoms"-Hotels werden so eingerichtet sein, daß sie
pensionierten Arbeitnehmern einen dauernden Aufenthalt bei geringen
Kosten ermöglichen. Die Zimmer wurden von vornherein so angelegt,
daß sie den besonderen Bedürfnissen älterer Leute entsprechen. So erhielten sie u.a. rutschfeste Belage, Sicherheitsgriffe in den Badezimmern und besondere Fensterkonstruktionen, die ein leichtes Öffnen
und Schließen ermöglichen.
Neben

-

14

-

�Neben den Wohnräumen werden die einzelnen Pensionen auch noch
Gemeinschafts- sowie Werkräume enthalten, in denen die alten Leute
ihren Hobbies nachgehen können. Auch die besonderen Ernährungsbe- •
dürfnisse wurden weitgehend berücksichtigt, denn in der Küche werden
ausgebildete Diätköche beschäftigt werden.

(Qualle: Eigenbericht)
* * * * *

Bekleidungsindustrie billigt "Entlassungsgeldfonds"
Die Unternehmen der Damenoberbekleidungs- und Kinderbekleidungsindustrie haben jetzt einem industrieweiten Plan zugestimmt, der den
Arbeitnehmern dieses Wirtschaftszweiges in Zukunft Unterstützungsleistungen für den Fall sichert, daß ein Arbeitgeber seinen Betrieb schließen muß.
Dieser allgemein als "zusätzlicher Entlassungsgeldfonds" bekanntgewordene Plan geht auf die Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsindustrie
(ILGWU) zirück, die den Unternehmern vor einigen Monaten entsprechende
Vorschläge unterbreitet hatte. Insgesamt werden durch den Plan mehr als
450 000 Arbeitnehmer in diesem Wirtschaftszweig erfaßt»
Im einzelnen sieht er die Errichtung eines 10-Millionen-Dollar-Fonds
vor, aus dem später in den vorgesehenen Fällen wöchentliche Unterstützungsbeiträge an entlassene Arbeitnehmer in Höhe von 12,50 bis 25,00 Dollar
für die Dauer von 48 Wochen gezahlt werden sollen. Außerdem erhält jeder
Arbeitnehmer 25 Prozent seiner gesamten Ansprüche in Form eines Entlassungsgeldes ausgezahlt. Der Aufbau des Fonds erfolgt durch finanzielle
Beiträge der Unternehmer, die 1/2 Prozent der Lohnsumme in Zukunft an
den Fonds abführen werden. Gegenwärtig sind es.12 000 Unternehmen, mit
denen die "ILGWU"-Gewerkschaft Tarifverträge abgeschlossen hat.
Den Arbeitnehmern stehen Unterstützungsleistungen aus dem Fonds zu,
wenn ihre Arbeitgeber zwei Jahre lang Beiträge an den Fonds abgeführt
haben. Eine sofortige Anwartschaft auf die vorgesehenen Leistungen haben
bereits die 110 000 Arbeitnehmer, die in Oberbekleidungsbetrieben in 9
Bundesstaaten arbeiten und deren Arbeitgeber schon seit zwei Jahren Beiträge an solche Fonds leisteten, sowie die 290 000 anderen Bekleidungsarbeiter, für die ebenfalls seit 1958 1 Prozent der Lohnsumme an ähnliche
Fonds abgeführt wurde.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

15

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 4

Bad Godesberg, den 1. April

1961

INHALTSVERZEICHNIS
Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA
Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause
Gewerkschaftliche Kurzmeldungen

Seite 1
Seite 14
Seite 15

Gertruds Bancroft, Mitarbeiterin des Bundesamtes für Arbeitsstatistik
im US-Arbeitsministerium:
Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA
Der Anteil der Arbeitnehmer mit zwei oder mehr Arbeitsplätzen ist
in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren im allgemeinen ziemlich konstant geblieben, ungeachtet wechselnder Perioden der Hochkonjunktur und der Rezession und jahreszeitlich bedingter Schwankungen
in der Gesamtbeschäftigung. Der kürzlich bekanntgewordene Fall einer
Krankenschwester in Washington, die in einem Hospital in der Spätschicht
arbeitet und tagsüber in Schwesterntracht und mit ihrem kleinen Kind an
der Seite ein Taxi chauffiert, ist bemerkenswert, aber doch wohl nicht
typisch. Bei den Postbediensteten dagegen ist der Prozentsatz der Doppelverdiener schon immer relativ hoch, ebenso wie bei Lehrern und bei
Wachmännern, Feuerwehrleuten und Angehörigen ähnlicher Berufe. In manchen Berufen ist es geradezu üblich, für mehr als einen Arbeitgeber tätig zu sein. Das gilt beispielsweise für Bauarbeiter und landwirtschaftliche Arbeitskräfte, die sich mehreren Arbeitgebern verdingen, um auf
eine volle 40-Stunden-Woche zu kommen. Auch im Unterhaltungsgewerbe ist
das Eingehen mehrerer Engagements Brauch. Das bekannteste Beispiel aber
dürften die Tagwerker sein, die eine kleine Farm betreiben und gleichzeitig' einen Arbeitsplatz in der Industrie oder in einem gewerblichen
Betrieb innehaben, auf den sie den größeren Teil ihrejr Zeit verwenden.
Für die Arbeitnehmer, die in einem festen ganztägigen Arbeitsverhältnis stehen und in den Abendstunden oder an Wochenenden für einen anderen Arbeitgeber tätig sind, hat man den Begriff "moonlighters"
(Mondschein- oder Feierabendarbeiter) geprägt. Im allgemeinen glaubt
man, daß es sich dabei um Fabrikarbeiter handelt, die sich auf Grund
-

1 -

�Grund der von ihrer Gewerkschaft ausgehandelten Tarifverträge einer
kurzen Arbeitswoche erfreuen und einen weiteren Job der verlängerten
Freizeit vorziehen. In Wirklichkeit aber waren im Dezember 1959 von
den 3 Millionen Mehrfachbeschäftigten nur 700 000 hauptberuflich
Fabrikarbeiter - das entspricht 4 Prozent aller Fabrikarbeiter. 25
Prozent der "moonlighters" unter den Fabrikarbeitern waren Farmer,
weitere 20 Prozent besaßen einen eigenen, nichtlandwirtschaftlichen
Betrieb als zusätzliche Einnahmequelle. Der Rest bekleidete eine
Zweitstelle im Dienstleistungsgewerbe, im Einzelhandel oder in den
Fertigungsindustrien. Rund 100 000 der "moonlighters" unter den
Fabrikarbeitern waren nebenberuflich wiederum in einem Fertigungsbetrieb beschäftigt.
Die Zahlenangaben für Dezember 1959 sind das Ergebnis einer Untersuchung, die das Statistische Bundesamt im Auftrag des Bundesamtes für Arbeitsstatistik im Rahmen seiner monatlichen Erhebungen
zur Erfassung der Beschäftigung angestellt hat. Derartige Untersuchungen wurden schon mehrfach durchgeführt, um eine Übersicht über
das Ausmaß und die Bedeutung der Doppelbeschäftigung in den USA zu
gewinnen. Erfaßt wurden alle gegen Lohn oder Gehalt Beschäftigten,
die mehr als einem Arbeitgeber dienen oder neben ihrem Beruf als
Selbständige oder Mitarbeiter in einem Familienbetrieb tätig sind.
Eingetretene Veränderungen
Wie eingangs erwähnt, ist der Anteil der Zweitstelleninhaber an
der Gesamtbeschäftigtenzahl ziemlich gleichbleibend. Die jüngste Untersuchung vom Dezember 1959 fiel in die Zeit des Jahreszeitlich bedingten Beschäftigungstiefstandes in der Landwirtschaft und des vorweihnachtlichen Höchststandes in den übrigen Wirtschaftszweigen. Die beiden
vorhergehenden Erhebungen - im Juli 1957 (dem als zyklisch angesehenen
Wendepunkt im Beschäftigungsjähr) und im Juli 1958 (kurz nachdem die
Rezession ihren Tiefpunkt überschritten hatte). Die Mehrfachbeschäfigten
stellten 1957 einen Anteil an der Gesamtbeschäftigtenzahl von 5»3 Prozent,
1958 von 4,8 Prozent und 1959 von 4,5 Prozent. Die Zahl der Arbeitnehmer
mit zwei Stellen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben wurde bei allen
drei Untersuchungen mit rund 2 Millionen (oder 3,5 Prozent der Gesamtzahl) ermittelt»
Tafel

I

Mehrfachbeschäftigte in der Landwirtschaft und in der übrigen Wirtschaft
Dezember 1959
Sämtliche Mehrfachbeschäftigte»
Zahl (in Millionen)
Prozent der Gesamtbeschäftigung
Mehrfachbeschäftigte mit
mindestens einer Stelle in
der Landwirtschaft!
Zahl (in Millionen)
Prozent der hauptberuflich
in der Landwirtschaft
Beschäftigten

Juli 1958

Juli 1957

2,966

3,099

3,570

4,5

4,8

5,3

0,829

1,122

1,414

17,2
_ 2 -

16,7

18,2

�Mehrfachbeschäftigte mit zwei
Arbeitsplätzen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben:
Zahl (in Millionen)
Prozent der hauptberuflich in
nichtlandwirtschaftlichen
Berufen Beschäftigten

Dezember 1959

Juli 1958

Juli 1957

2,137

1,977

2,156

3,5

3,4

3,6

Diese Untersuchungen würden wahrscheinlich größere und aufschlußreichere saisonbedingte oder zyklische Schwankungen in den Ergebnissen aufweisen, wären sie in anderen Monaten vorgenommen worden. Die Tatsache
aber, daß vielfach eine selbständige Tätigkeit als Erst- oder Zweitbeschäftigung angegeben wird, deutet auf eine gewisse Stabilität der Verhältnisse auf diesem Sektor hin. Mindestens 40 Prozent der Mehrfachbeschäftigten betrieben haupt- oder nebenberuflich eine eigene Farm oder
ein eigenes Geschäft oder übten einen freien Beruf aus (siehe Tafel II).
Die Hälfte davon waren Farmer, die gleichzeitig gegen Lohn oder Gehalt
in einem nichtlandwirtschaftlichen Betrieb arbeiteten. Im allgemeinen
werden Arbeitsplätze im Handel und im Dienstleistungsgewerbe als Zweitstellen bevorzugt, wo sich die Schwankungen der letzten Jahre in der
Wirtschaftstätigkeit nicht so stark auf die Beschäftigung ausgewirkt
haben. Auch bei den Selbständigen und Angehörigen der freien Berufe entfällt die Zweitstelle vornehmlich auf das Dienstleistungsgewerbe und die
Staats- und Kommunalverwaltung. In der Vorweihnachtszeit erwartet man
im allgemeinen eine relativ starke Zunahme der Doppelbeschäftigung im
Einzelhandel. Im Dezember 1959 lag jedoch der Anteil der Zweitstellen
im Handel mit rund 14 Prozent praktisch genau so hoch wie im Juli 1957
und 1958. Vielleicht liegt es daran, daß die Werte für 1959 in der Woche
vom 6. zum 12. Dezember ermittelt wurden, zu einem Zeitpunkt also, an
dem die vorübergehende vorweihnachtliche Doppelbeschäftigung ihren Höhepunkt noch nicht erreicht hatte.
7/eitere Hinweise auf die Stabilität auf diesem Beschäftigungssektor
gibt eine Untersuchung des Anteils der Mehrfachbeschäftigung in den einzelnen Wirtschaftszweigen während der drei Berichtsjahre. Außerhalb der
Landwirtschaft lag die Quote der Mehrfachbeschäftigung in folgenden Berufssparten am höchsten: öffentlicher Dienst (Post, Bundesdienst und einzelstaatliche und kommunale Verwaltung); Unterhaltung und Erholung; Erziehungswesen; Baugewerbe; Forst- und Fischereiwesen und Bergbau (siehe Tafel III).
Dabei handelt es sich um Wirtschaftszweige mit hohen und niedrigen Löhnen,
mit hohen und geringen Sozialleistungen. Der hohe Anteil der Mehrfachbeschäftigten (rund 10 Prozent) bei den Postbediensteten dürfte zum Teil
auf die Arbeitszeiteinteilung zurückzuführen sein, fällt doch die Freizeit
vielfach auf Tageszeiten, in denen sich zahlreiche Arbeitsmöglichkeiten
bieten. Die anderen Mehrfachbeschäftigten im öffentlichen Dienst verteilen sich in erster Linie auf das Wach- und Aufsichtspersonal mit entsprechend günstiger Arbeitszeiteinteilung und die Angehörigen akademischer
Berufe, deren besondere Erfahrungen und Fähigkeiten vielfach gefragt sind.
Der

�Tafel

II

Anteil der Selbständigen an der Mehrfachbeschäftigung in den Jahren von
1957 bis 1959. nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselt

Wirtschaftszweig

Dezember 1959

Juli 1958

Juli 1957

Mehrfachbeschäftigte Selbständige }):
Zahl (in Millionen)
Prozent d. Mehrfachbeschäftigten

1,310
44,2

1,294
41,8

1,499
42,0

Zahl (Millionen)

Selbständige in der Landwirtsch,
Erstbeschäftigung
Zweitbeschäftigung

0,718
0,199
0,519

0,752
0,264
0,488

0,914
0,385
0,529

Selbständige inanderen
Wirtschaftszweigen
Erstbeschäftigung
Zwei tbeschäftigung

0,592

0,542

0,585

0,182
0,410

0,198
0,344

0,237
0,348

Der hohe Anteil der Mehrfachbeschäftigten im Erziehungswesen - er
beträgt 6 bis 7 Prozent - dürfte auf verschiedene Paktoren zurückzuführen
sein: die Gepflogenheit der Lehrer, an mehr als einer Schule zu lehren;
die relativ geringe Wochenstundenzahl; und das Streben nach einem standesgemäßen Lebensstandard.
Verteilung der Mehrfachbeschäftigung auf männliche und weibliche Arbeitnehmer
Die Mehrfachbeschäftigung ist unter den männlichen Arbeitnehmern weiter
verbreitet als unter den weiblichen: im Dezember 1959 waren 5,8 Prozent der
männlichen und 2,0 Prozent der weiblichen Arbeitnehmer als Mehrfachbeschäf*

11

Selbständige mit einem landwirtschaftlichen oder gewerblichen Betrieb
als Zweitbeschäftigung (aber nicht in einem festen Arbeitsverhältnis
gegen Entgelt stehend) wurden nicht als Mehrfachbeschäftigte gezählt.
Unbezahlte Arbeitskräfte in Familienbetrieben wurden gleichfalls nicht
als Mehrfachbeschäftigte gewertet, sofern sie nicht gleichzeitig anderweitig gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt waren.

.

4 -

�Tafel III
Mehrfachbeschäftigte in den Jahren 1957-1959. nach Wirtschaftszweigen
ihrer Erstbeschäftigung aufgeschlüsselt

Wirtschaftszweig der
Erstbeschäftigung

Dezember 1959

Juli 1958

Zahl ( in
Prozent
Millionen) der Beschäftigten

Juli 1957

Prozent Prozent
der Be- der BeschäfSchäftigten
tigten

Gesamtwirtschaft

2,966

4,5

4,8

5,3

Landwirtschaft

0,321

6,7

9,5

0,104
0,199

7,7
7,2

15,2
8,1

11,0
12,1
10,7

0,018

2,5

6,9

10,0

2,645
2,451

4,3

4,2

4,6

4,6

4,4

4,7

0,052
0,186
0,718

7,7
5,7
4,3

5,4
6,6
3,9

6,7
5,9
4,3

0,190
0,345

4,4
3,2

4,2
3,9

4,2
3,9

0,690

4,6

3,9

4.6

3,8

3,3

Arbeiter U.Angestellte
Selbständige
Unbezahlte Arbeitskräfte in Familienbetrieben
Übrige Wirtschaft
Arbeiter U.Angestellte
Porst- und Fischereiwesen u. Bergbau
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
Transportgewerbe u.
Versorgungsbetriebe
Groß- und Einzelhandel
Dienstleistungsgewerbe
und Geldwirtschaft

Banken,Versicherungen
u. Immobilienhandel
0,098
Beratungs- und Kundendienste
0,050
Private Haushalte
0,054
Persönl.Dienstlei stungen
(auter Haushaltdienste)0,035
Unterhaltungsgewerbe u.
Erholung
0,059
Erziehungswesen
0,229
Akademische Berufe
0,184
0,272
ö f f e n t l i c h e r Dienst
Post
0,078
Andere
0,194
Selbständige
0,182
Unbezahlte Arbeitskräfte
in Familienbetrieben
0,012

4,5
,

4,2
2,1

5,3
1,4

4,7
2,3

2,6

2,4

4,0

7,5
7,0
5,2

10,5
5,9
3,9

9,7
6,1
4,7

8,6
7,6
2,8

7,1
8,5
6,8
3,1

8,4
9,6
8,2
3,7

2,0

2,2

3,9

12,6

�Tafel IV

•

Mehrfachbes chäfti^un« nach Alters gruppen . Geschlecht. Fa milienstand und
Rassenzu&amp;ehörißkeit aufgeschl üsselt

1)

(Stand Dezember 1959)
Gesamtbeschäft igung Mehrfachbeschäft ifirte
Zahl
(Millionen)
rr ü z e ü t
insg. männl. weibl. insg. männl« w e i b l .

Prozent
insg. männl . weibl.

Alterserupper 1
Sämtliche "

65,7

43,9

14-17 Jahre
18-19 Jahre
20-24 Jahre
25-34 Jahre
35-44 Jahre
45-54 Jahre
55-64 Jahre
65 Jahre u.
älter

2,40
2,13
6,06
13,58
15,56
14,06
8,86

1,36
1,13
3,68
9,78
10,51
9,10
6,06

1,03
1,00
2,38
3,79

3,02

2,22

Durchschnitts alter
40,6

21,8

2,9

2,5

0,4

4,5

5,8

2,0

2,79

0,06
0,05
0,22
0,71
0,84
0,63
0,35

0,04
0,03
0,17
0,64
0,71
0,55
0,31

0,02
0,02
0,04
0,07
0,12
0,08
0,04

2,8
2,5
3,6
5,2
5,4
4,5
4,1

3,4
2,7
4,8
6,6
6,8
6,1
5,2

2,0
2,4
1,8
1,9
2,5
1,6
1,5

0,79

0,07

0,05

0,02

2,6

2,3

3,4

-

-

-

5,05
4,96

40,7

40,3

40,2

40,1

39,6

Familienstand L
Sämtliche

65,69

43,87

21,82

2,96

2,53

0,43

4,5

5,8

2,0

Ledig
Verheiratet
Verwitwet u.
getrennt leb.

12,08
46,91

6,91
34,70

5,16
12,20

0,30
2,47

0,19
2,26

0,10
0,21

2,5
5,3

2,9
6,5

2,1
1,8

6,70

2,24

4,45

0,18

0,07

0,11

2,8

3,2

2,6

Sämtliche

65,69

43,87

21,82

2,96

2,53

0,43

4,5

5,8

2,0

Weiss
Farbig

59,07
6,62

39,83
4,03

19,23
2,58

2,68
0,27

2,31
0,21

0,37
0,06

4,6
4,2

5,8
5,3

1,9
2,4

RassenzugehöriÄkeit

1) Wegen Ab- und Aufrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht genau zu
den angegebenen Gesamtwerten.

-

6 -

�Mehrfachbeschäftigte gemeldet (siehe Tafel IV). Bei den Männern
stellten die Angehörigen der Altersgruppen von 25 bis 54 Jahren, meist
Familienväter, den größten Anteil (über 6 Prozent) an den Mehrfachbeschäftigten. Bei den Umfragen im Hochsommer 1957 und 1958 ergab sich
ein sehr hoher Prozentsatz bei Jungen unter zwanzig Jahren, nicht
aber bei der Umfrage im Dezember 1959« Offenbar nehmen viele Jungen
in den Ferien mehr als eine Stellung an, während die eigentlichen
Werkstudenten weit weniger Zeit haben und meist einen festen Arbeitsplatz bevorzugen.
Der Prozentsatz der mehrfachbeschäftigten weiblichen Arbeitnehmer
von 2 Prozent im Dezember 1959 trifft für ledige und verheiratete Frauen
gleichermaßen zu. Bei den verheirateten Männern lag der Anteil der Mehrfachbeschäftigten mit 6,5 Prozent fast doppelt so hoch wie bei den unverheirateten.
Merkliche Unterschiede in der anteilmäßigen Verteilung der Mehrfachbeschäftigung zwischen Weißen und Farbigen waren nicht zu verzeichnen.
Sofern sich irgendwelche Abweichungen von den normalen Trends innerhalb
eine» Industriezweiges oder einer Beschäftigungskategorie ergaben, wurden
sie durch die unterschiedliche Aufteilung der weißen und farbigen Arbeitnehmer auf die einzelnen Industriezweige und Beschäftigungsarten wieder
ausgeglichen.
Die Verteilung der Mehrfachbeschäftigung auf die einzelnen Berufsgruppen
Die Angehörigen der akademischen und technischen Berufe rangieren
zusammen mit den Farmern und Landarbeitern hinsichtlich der prozentualen
Mehrfachbeschäftigung an der Spitze, (siehe Tafel V ) . Von den rund
500 000 männlichen Lehrkräften an den Grund- und Oberschulen waren etwa
20 Prozent noch anderweitig berufstätig; bei den weiblichen Lehrkräften
betrug der Anteil der Mehrfachbeschäftigten dagegen nur 2,5 Prozent.
Der Anteil der Mehrfachbeschäftigten unter den Angehörigen der Angestelltenberufe, zu denen hier auch die Postboten, die sonstigen Postbediensteten und die Bürokräfte aller Art gerechnet werden, betrug bei
Männern 7»9 Prozent, bei Frauen dagegen nur 1,6 Prozent.
Die Bauhandwerker arbeiten häufig für mehr als einen Arbeitgeber
oder sind Selbständige mit Nebenberuf. Von ihnen sind - wie bei den männlichen Lehrkräften - 20 Prozent Doppelbeschäftigte.
Die Mehrfachbeschäftigten wählen sich als Zweitberuf im allgemeinen
eine Tätigkeit, die außerhalb ihrer normalen Berufserfahrungen liegt. Bei
den Angehörigen der akademischen und technischen Berufe dagegen sind rund
50 Prozent in beiden Arbeitsverhältnissen im gleichen Beruf tätig. Die
übrigen arbeiten vornehmlich für Handelshäuser oder als Verkäufer. Die
Farmer sind größtenteils im Zweitberuf Fabrikarbeiter und Handwerker;
nur sehr wenige sind im Nebenberuf wiederum Farmarbeiter oder Büroangestellte. Umgekehrt bevorzugen gelernte Handwerker, Fabrikarbeiter und
ungelernte Arbeitskräfte in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben als
Zweitstelle einen Arbeitsplatz in der Landwirtschaft. Die Verkaufer wiederum
wählen als Zweitberuf - sofern sie nicht wiederum eine Verkäuferstelle
annehmen - zu gleichen Teilen die Landwirtschaft oder das Büro.

- 7 -

�Tafel V
Mehrfachbeschäftigte nach Berufsgruppen der Erstbeschäftigung und
Geschlecht aufgeschlüsselt

Berufsgruppe der
Erstbeschäftigung

Zahl
(Millionen)

Prozent

Beide Beschäftigungen im
gleichen
insg. männl. weihl. insg. männl. weibL Beruf
(Prozent)
2,53

0,43

4,5

5,8

2,0

29,8

0,45

0,08

7,2

9,2

3,3

57,5

0,19

0,01

7,1

7,2

-

3,0

0,20

0,01

3,1

3,4

26,0

Büroangestellte u.a. 0 , 3 5
0,16
Verkäufer
Handwerker u. Vor0,42
arbeiter

0,24

0,10

7,9

0,12

0,04

3,7
3,6

1,4
1,6

4,4

2,3

23,2

0,42

0,002

5,1

5,2

0,9

21 ,2

Fabrikarbeiter

0,49

0,45

0,03

4,1

5,3

1,0

23,1

Haushaltbedienstete
Dienstleistungsgewerbe
Landarbeiter
Hilfsarbeiter
außer Landwirtschaft u.Bergbau

0,05

-

0,05

2,1

Sämtliche

2,96

Akademische u.
tech. Fachkräfte
0,53
Farmer u. Farmverwalter
0,19
Manager,lei tende
Angestellte u. Inhaber (außer Farmern ) 0 , 2 1

J

32,7

2,2

-

0,23

0,15

0,07

3,9

5,6

2,4

30,2

0,10

0,09

0,01

5,9

7,3

2,7

-

0,18

0,17

0,003

5,3

5,3

17,1

An und für sich dürfen einige Kombinationen verschiedener Tätigkeiten
als unwahrscheinlich gelten. Es ist kaum zu erwarten, daß Arbeiter nebenberuflich eine Tätigkeit ausüben, für die akademische Qualifikationen erforderlich sind, oder daß Bürokräfte sich in ihrer Freizeit als Fabrikarbeiter verdingen. Erstaunlicherweise fanden sich aber bei der Umfrage im
Dezember 1959 nahezu sämtliche nur denkbaren Kombinationen. Bei den Zweitbeschäftigungen entfiel der unverhältnismäßig hohe Anteil von 46,3 Prozent
auf die Sparten Farmer und Farmverwalter, Manager und Inhaber, Verkäufer
und Dienstleistungsgewerbe (ohne private Haushalte), während deren Anteil

-

8 -

�Anteil an den Erstbeschäftigungen nur 27,6 Prozent betrug. Die guten
Möglichkeiten, Stundenarbeit in diesen Berufen zu erhalten, dürfte die
Erklärung für ihre relative Häufigkeit als Zweitbeschäftigung bieten.
Bei der Beurteilung des Grades der Ausschöpfung unserer Arbeitskraftreserven gehen- wir gewöhnlich von der Beschäftigung in den einzelnen
Berufsgruppen aus. Die entsprechenden statistischen Angaben berücksichtigen jedoch nur die Erstbeschäftigung, denn nur diese wird regelmäßig
statistisch erfaßt. In Wirklichkeit wird das Arbeitskraftpotential in
den einzelnen Beschäftigungszweigen aber durch die von den Mehrfachbeschäftigten geleistete Arbeitszeit nicht unerheblich vermehrt. In folgenden Berufsgruppen kommt dieser Ausweitung des Arbeitskraftpotentials
bei den männlichen Berufstätigen die größte Bedeutung zu:

Tafel VI
Anteil der Zweitstellen an der Gesamtstellenzahl in einzelnen Berufszweigen

Prozent
Farmer
Bauhandwerker
Kellner
Verkäufer
Akademische Fachkräfte (außer medizinischem Personal
und Lehrkräften)
-. -J
' -werbe (außer V/achpersonal und Kellnern)
Landarbeiter
Großhandel
Lehrkräfte (an Grund- und Oberschulen)

19 ,3
14,.8
12, ,6
12, .1
8, .3
7, ,3
6, ,3
6, ,5
6, ,4

Die vorstehenden Angaben bleiben etwas hinter den eigentlichen Werten
zurück, da rund 100 000 Arbeitskräfte sogar mehr als zwei Arbeitsstellen
innehatten.
Die Statistiken über die Zweitbeschäftigung lassen auch die Paradoxie
verständlich werden, daß es im Dezember 1959 in den USA 2,2 Millionen
männliche Arbeitslose mit vorheriger Berufserfahrung und gleichzeitig
2,5 Millionen Mehrfachbeschäftigte gab. Rund 60 Prozent der Zweitarbeiteplätze wurden von Angehörigen der Angestelltenberufe (Akademiker, Manager,
Büroangestellte und Verkäufer) und Farmern ausgefüllt. Nur 15 Prozent der
männlichen Arbeitsuchenden hatten vorher in diesen Berufen gearbeitet,
wie die folgende Aufstellung erkennen läßt:

- 9 -

�Tafel VII

Berufsgruppenzugehörigkeit der männlichen Arbeitslosen und
Mehrfachbeschäftigten

Arbeitslose

Gesamtzahl (Millionen)
Prozent

Mehrfachbeschäftigte

2,21
100,0

2,53
100,0

Akademische u. techa. Fachkräfte

3,4

15,1

Farmer und Farrnverwalter

0,5

20,3

2,9
4,9
3,3
21 ,2

10,1

26,5

13,3

6,5
5,8

8,6

Manager, leitende Angestellte

u . Inhaber (außer Farmern)

Angestellte
auf er
Eand«erker ( V o r a r b e i t e r
Fabrikarbei ter
Dienstleistungsgewerbe
Landarbeiter
H i l f s a r b e i t e r (außer Land-

5,2
9,6
9,8

3,5
&gt;

Wirtschaft u. Bergbau)

25,0

4,5

Etwa ein Drittel der im Dezember 1959 gemeldeten Zweitbeschäftigungen liefen mehr oder weniger auf eine Tätigkeit als Selbständige
hinaus, auf eine Tätigkeit also, die dem normalen Arbeitslosen nicht
-lieh ist. Es besteht im übrigen kein Grund zu der Annahme, daß die
Arbeitsuchenden den Einstellungsbedingungen für die von Mehrfachbeschäffcigten eingenommenen Arbeitsplätzen genügt hätten, auch wenn sie der
iierufsgruppe nach als geeignet gelten könnten und die Betriebe in Reichweite gelegen wären.
Nebenberufliche selbständige
Es wurde bereits weiter oben auf die hohe Quote der Selbständigen
unter den Mehrfachbeschäftigten hingewiesen. Etwa 400 000 Arbeiter oder
Angestellte in nichtlandwirtsohaftllchen Berufen betrieben im Dezember
nebenberuflich ein eigenes Geschäft oder waren in einem akademischen
.ieruf tätig, und 500 000 bewirtschafteten eine Farm. Über ein Drittel
aller mehrfachbeschäftigten Lehn- und Gehaltsempfänger fallen in diese
Kategorie (siehe Tafel VIIl). Unter den Arbeitern im Baugewerbe und i_n_

-

10

�in den-Fertigungsindustrien war die Nebenbeschäftigung als Selbständige
(meist in der Landwirtschaft) 1959 am weitesten verbreitet. Rund ein
Drittel der Mehrfachbeschäftigten im Handel und im öffentlichen Dienst
betrieben nebenher eine Farm oder waren in ihrer Freizeit als Selbständige tätig. Die verfügbaren Zahlenangaben geben keine Aufschlüsse darüber, wie viele dieser Lohn- und Gehaltsempfänger, die als Selbständige
außerhalb der Landwirtschaft tätig waren, ein eigenes Geschäft oder einen
Betrieb besaßen oder einen freien Beruf ausübten.
Tafel VIIX
Anteil der nebenberuflich als Selbständige tätigen Mehrfachbeschäftigten an
der Gesamtbeschäftigung in verschiedenen nichtlandwirtschaftlichen
Wirtschaftszweigen
(Prozent)
Wirtschaftszweig der
Erstbeschäftigung

Zweitbeschäftigung als Selbständige
nach Wirtschaftszweigen
Landwirtschaft

Insg.

Mehrfachbeschäftigte in
nichtlandwirtschaftlichen
Berufszweigen insges.'/
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
langlebige Verbrauchsgüter
kurzlebige Verbrauchsguter
Transportgewerbe u. Versorgungsbetriebe
Groß- u. Einzelhandel
Dienstleistungsgewerbe und
Geldwirtschaft
öffentlicher Dienst
1)

Übrige
Wirtschaft

56,2

19,5

16,7

54,5
45,5
46,5
42,8

40,9
25,5
26,7
23,0

15,4
19,8
19,8
19,8

25,5
54,7

12,1
19,5

15,2
15,2

24,1
32,0

7,4
14,7

16,7
17,5

Einschließlich Forstwirtschaft, Fischereiwesen und Bergbau.

Geleistete Wochenstunden der Mehrfachbeschäftigten
Da bei der Umfrage im Dezember 1959 von einem großen Teil der Mehrfachbeschäftigten die Zahl der auf der Erststelle geleisteten Wochenstunden
als die Gesamtwochenstundenzahl angegeben worden ist, läßt sich ein Vergleich mit den von Arbeitskräften mit nur einer Stelle geleisteten Wochenstunden nicht durchführen. Fest steht aber, daß der Prozentsatz derjenigen,
die mehr als 40 Wochenstunden arbeiteten, unter den Mehrfachbeschäftigten
zwei bis dreimal so hoch war wie bei den übrigen Berufstätigen. Dies gilt

-

11

-

�gilt insbesondere wieder für die Lohn- und Gehaltsempfänger im Baugewerbe, in den Fertigungsindustrien, im Transportgewerbe, in den Versorgungsbetrieben und im öffentlichen Dienst. Die selbständigen Farmer
und Geschäftsleute arbeiteten ia jedem Falle, gleichgültig ob Mehrfachbeschäftigte oder nicht, weit über die normale Stundenzahl.
Zwei Drittel der Mehrfachbeschäftigten waren an ihrer Erststelle
ganztägig (d.h. 35 u*id mehr Wochenstunden) und an ihrer Zweitstelle
stundenweise (weniger als 35 Wochenstunden)beschäftigt (siehe Tafel
IX) . Ein Drittel dieser Arbeiter und Angestellten war nebenberuflich
als Selbständige oder in einem freien Beruf tätig. Der größte Teil
der übrigen Mehrfachbeschäftigten war in beiden Berufen nur halbtags
tätig. Diese Form der Mehrfacharbeit ist vor allem in der Landwirtschaft (52 $,),im Handel (38 $) und im Baugewerbe (34 f°) weitverbreitet} am seltensten ist sie in den Fertigungsindustrien, wo nur 17 Prozent der Mehrfachbeschäftigten zwei Berufe jeweils halbtags ausübten.
Die hier genannten Zahlen beziehen sich ausschließlich auf Beschäftigte, deren Erst- und Zweitstellen sich auf verschiedene Wirtschaftszweige oder Berufsgruppen verteilen.
Aufgaben künftiger Untersuchungen
Der relativ kleine, dabei aber sehr vielschichtige und volkswirtschaftlich bedeutsame Bereich der Mehrfachbeschäftigung ist längst noch
nicht hinreichend statistisch erfaßt. Es wäre interessant zu erfahren,
wie viele dieser Arbeiter und Angestellten echte Mehrfachbeschäftigte
sind, und wie viele nur als solche geführt werden, weil sie gerade
den Arbeitgeber gewechselt und deshalb in der Berichtswoche zwei Stellen
bekleidet haben. Ältere Statistiken (aus dem Jahre 194&amp;) deuten darauf
hin, daß weitaus die meisten tatsächlich zwei Arbeitsplätze gleichzeitig
innehatten. Eingehendere Informationen über die Einkünfte der Einfachbeschäftigten im Vergleich zu denen der Mehrfachbeschäftigten und über
die von beiden geleisteten Wochenstunden könnten Klarheit darüber schaffen, ob die Arbeitnehmer aus Not oder eigenem Antrieb zwei und mehr
Stellungen annehmen. Die Durchführung einer zusätzlichen Zählung der
Mehrfachbeschäftigten zu einer anderen Jahreszeit könnte gleichfalls
wichtige Aufschlüsse erbringen.

Tafel IX

�N

Tafel IX
1

Die Verteilung der Mehrfachbeschäftigung auf Ganztags- und Halbtagsarbe i t '
nach Wirtschafts zweigen der Erstbeschäftigung aufgeschlüsselt3)
(Stand Dezember 1959
(Prozent)
Wirtschaftszweig oder
Berufssparte der Erstbeschäftigung

insg. Ganztägig
an beiden
Arbeitsstellen

Ganttägjg lalbtags an
an Erst- beiden Arstelle
Beitsstellen
halbtags
an Zweitstelle

Sämtliche Mehrfachbeschäftigte

100,0

3,7

66,5

29,8

Landwirtschaft
Lohn- u. Gehaltsempfänger
Selbständige u. unbezahlte
Helfer in Familienbetrieben
Übrige Wirtschaft
.2)
Lohn- u* Gehaltsempfänger'
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
Langlebige Verbrauchsgüter
Kurzlebige Verbrauchsgüter
Transportgewerbe u. Versorgungsbetriebe
Groß- u. Einzelhandel
Dienstleistungsgewerbe
und Geldwirtschaft
Öffentlicher Dienst
Selbständige u. unbezahlte
Helfer in Familienbetrieben

100,0
100,0

3,9

44,2

51,9

100,0
100,0
100,0
100,0
100,0
100,0

5,1

5,5
5,7

42,9
68,9
69,6
66,2
77,9
78,0

52,0
27,4
26,8
33,8
16,6
16,3

100,0

5,1

77,7

17,3

100,0
100,0

5,0
2,9

71,4
59,2

100,0
100,0

4,1
0,5

64,2
72,8

31,7

100,0

4,4

60,8

34,8

-

3,7
3,6
•»

.

23,6

37,9
26,7

1 ) Als Ganztagsarbeit wurde jede Tätigkeit mit 35 u. mehr Wochenstunden ge-

zählt, als Halbtagsarbeit jede Tätigkeit mit weniger als 35 Wochenstunden.
2) Einschließlich Forstwirtschaft, Fischereiwesen und Bergbau

3) Die Angaben beschränken sich auf Mehrfachbeschäftigte mit unterschiedlicher Tätigkeit im Haupt- und Nebenberuf.

• # * * «

�Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause

Die Zahl der Betriebsunfälle in der amerikanischen Industrie hat
in den letzten Jahren stetig abgenommen. Seit 1952 ist dabei die Unfallhäufigkeitsrate um rund 20 Prozent zurückgegangen. Im allgemeinen ist
der amerikanische Arbeiter an seinem Arbeitsplatz heute sicherer als
in seinem Heim,
Wesentlichen Anteil an diesem eindrucksvollen Erfolg auf dem Gebiet der betrieblichen Sicherheit und der Unfallverhütung haben dabei
sowohl die Unternehmen als auch die Gewerkschaften gehabt. Insbesondere
durch ihre in enger Zusammenarbeit entstandenen Sicherheitsprogramme,
die in der Praxis meist von einem gemeinsamen Arbeitgeber-Arbeitnehmerausschuß überwacht werden, haben sie es im Laufe der Zeit zuwege gebracht, den Arbeitnehmern ein gewisses "Sicherheitsbewußtsein" einzuhämmern und ihnen den Wert der betrieblichen Sicherheitseinrichtungen
klarzumachen.
Ein gutes Beispiel dafür, welch große Erfolge mit einem wohldurchdachten und ständig verbesserten Sicherheitsprogramm in einem Industriebetrieb erzielt werden können, bietet die North American Aviation, Inc.,
die seit 1941 ein koordiniertes Programm in all ihren Zweigwerken durchführt und in dieser Zeit die Unfallhäufigkeitsrate so weit senken konnte,
daß sie heute rund 50 Prozent unter dem Durchschnitt der amerikanischen
Flugzeugindustrie liegt.
Zu diesem Sicherheitsprogramm, das von den Betriebsingenieuren zusammen mit den Werkshygienikern ständig weiter ausgebaut und überwacht
wird, gehört neben der Entwicklung und dem Einbau von Sicherheitsvorrichtungen an den Produktionsmaschinen und der Ausrüstung der Mitarbeiter mit den jeweils erforderlichen Schutzvorrichtungen (Sicherheitsbekleidung,
,j Schutzbrillen, feuerfeste Schuhe, Schutzmasken und
-Schilde, Sicherheitshelme usw.) insbesondere die theoretische Ausbildung sämtlicher Betriebsangehörigen in Fragen der Unfallverhütung.
Die Unterweisung der Mitarbeiter - insbesondere aber der neu eingestellten - in Fragen der Sicherheit und der Unfallverhütung obliegt
in den Betrieben der North American Aviation, Inc. den Mitgliedern des
Unfallverhütungsausschufises, die jeweils für die Durchführung und Überwachung der Sicherheitsmaßnahmen einer Abteilung verantwortlich sind.
Sie werden aus dem Kreis jener Mitarbeiter ausgewählt, die einerseits
die produktionstechnischen Einrichtungen der Abteilung genau kennen und
die zum anderen als umsichtig gelten und noch keine Unfälle aufzuweisen
hatten. Die Ennennung zum "Sicherheitsobmann" erfolgt auf Zeit, um
auf diese Weise möglichst viele Mitarbeiter durch Übertragung dieser
verantwortungsvollen Funktionen mit den Aufgaben der Unfallverhütung
vertraut zu machen. Seit der Einführung des betrieblichen Unfallverhütungsprogramms wurden bei diesem Unternehmen bisher 13 500 Mitarbeiter zu Sicherheitsausschußmitgliedern ernannt.

Die

- 14 -

�Die Hauptaufgabe der "Sicherheitsobmänner" besteht einmal in der
Überwachung und Kontrolle der unfallgefährdeten Arbeitsplätze sowie
der eingebauten Sicherheitseinrichtungen und zum anderen in der Unterweisung sämtlicher Arbeitnehmer in Fragen der Betriebssicherheit und
der Unfallverhütung. Dies geschieht in der Regel in persönlichen Gesprächen und an Hand praktischer Beispiele, um so das "Unfallbewußtsein" der Mitarbeiter zu wecken und sie zur aktiven Mitarbeit bei der
Unfallverhütung zu erziehen.
Diese Bemühungen zur Steigerung der betrieblichen Sicherheit auf
der unteren Ebene werden dann noch im gesamtbetrieblichen Rahmen durch
verschiedene andere Aufklärungskampagnen ergänzt, wie etwa durch Anzeigen in der 7/erkzeitschrif t, Veröffentlichung besonderer Erfahrungsberichte einzelner Mitarbeiter über die Wirksamkeit bestimmter Schutzvorrichtungen sowie durch das Aushängen von Warnplakaten oder die Verteilung von Merkblättern. Ziel all dieser Maßnahmen ist es, die Mitarbeiter immer wieder an die Gebote der betrieblichen Sicherheit und des
Unfallschutzes zu erinnern.
Sind trotz des Vorhandenseins von Schutzvorrichtungen irgendwelche
Unfälle eingetreten, so werden die Unfallursachen eingehend von den
Sicherheitsingenieuren analysiert, nicht etwa, um einen "Schuldigen"
zu finden, sondern um die bestehenden Einrichtungen so zu verbessern,
daß eine Wiederholung unmöglich ist, oder aber neue zu entwickeln.
Jede Abteilung der "North American Aviation", Inc." besitzt
außerdem noch einen Betriebshygieniker, dessen Aufgabe darin besteht,
dem Management Vorschläge darüber zu unterbreiten, welche Maßnahmen
getroffen werden können, um gesundheitliche Schäden bei den Mitarbeitern
zu verhindern, die etwa durch Gase, Rauch, Lärm, Strahlungswärme oder
die sanitären Einrichtungen entstehen können.

(Quelle: Eigenbericht)

# * * * *
flewerkschaftli che Kurzmeldungen
Industriearbeiterlöhne im Januar unverändert
Sowohl die Industriearbeiterlöhne als auch die Lebenshaltungskostenwiesen im Januar gegenüber dem Vormonat keinerlei Veränderungen auf, wie
aus einer Übersicht des US-Arbeitsministeriums hervorgeht.
Für einen Arbeitnehmer mit drei Angehörigen belief sich die durchschnittliche Höhe des Nettolohnes auf 79»97 Dollar pro Woche, während
Arbeitnehmer ohne Angehörige 72,44 Dollar erhielten.
Da

�Da sich der Lebenshaltungskostenindex in den Monaten Dezember
und Januar nur unwesentlich veränderte, blieb demzufolge auch der
Reallohn unverändert. Im Vergleich zu November 1960 ist jedoch ein
Rückgang der Kaufkraft um rund 1 Prozent festzustellen.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

5 Millionen Dollar für Verbesserungsvorschläge bei "GM"
Für die 111 203 im Laufe des vergangenen Jahres von den Mitarbeitern der "General Motors Corporation" eingereichten betrieblichen Verbesserungsvorschläge wurden von dem Unternehmen mehr als 5 Millionen
Dollar an Prämien ausgeschüttet.
Wie der Verwaltungsdirektor, Louis G. Seaton, weiter bekanntgab,
hat sowohl die Zahl der eingereichten Vorschläge als auch die Prämiensumme gegenüber 1959 beträchtlich zugenommen. 1959 wurden 87 264 Vorschläge abgegeben und 4 Millionen Dollar an Prämien verteilt. Von den
i960 von den Arbeitnehmern eingereichten 111 203 Verbesserungsvorschlägen wurde jeder vierte angenommen. Seit Einführung des betrieblichen
Vorschlagsprogramms hat General Motors damit bisher 46 Millionen Dollar
für Prämien aufgewendet.
(Quelle: Eigenbericht)
* -x- * -x- *
Leo Bamberger gestorben
Leo Bamberger, einer der ältesten amerikanischen Gewerkschafter,
der im Jahre 1882 zusammen mit 20 anderen bekannten Gewerkschaftsführern den "Labor Day", den amerikanischen "Tag der Arbeit", proklamierte, ist jetzt im Alter von 92 Jahren in Philadelphia gestorben.
Bamberger, der damals die von ihm mitgegründete Gewerkschaft der
Photograveure vertrat, gehörte zusammen mit Samuel Gompers und Peter
McGuire zu den eifrigsten Befürwortern eines "Feiertages zu Ehren der
schaffenden Menschen". Diese Bemühungen der alten Garde der amerikanischen Gewerkschaften wurden im Jahre 1894 mit der Unterzeichnung des
"Labor-Day"-Gesetzes durch Präsident Grover Cleveland gekrönt, wodurch
der jeweils erste Montag im September zum offiziellen Feiertag erhoben
wurde.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * « *-

-

16

-

�Neuer 5-Jahres-Vertrag in der Damenoberbekleidungsindustrie
Von den Unternehmen der Damenoberbekleidungsindustrie in neun
amerikanischen Bundesstaaten und der ILGWU-Gewerkschaft wurde jetzt
ein neuer Tarifvertrag unterzeichnet, der eine Erhöhung der Löhne
von rund 90 000 Arbeitnehmern um 5 1/2 Prozent vorsieht und der eine
Laufzeit von 3 Jahren hat.
Auf Grund dieses neuen Tarifvertrages werden die Mindestlöhne
für Zuschneider auf 85 Dollar, für Bügler auf 72»50 Dollar und für
Hilfskräfte auf 61 Dollar pro Woche angehoben. Die bisherigen Durchschnittslöhne für Zuschneider beliefen sich jedoch auf 125 Dollar pro
Woche, die für Hilfskräfte auf 65 Dollar.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Wiederholung von Funktionärswahl auf Grund des neuen Gewerkschaftsgesetzes
Die erste Wiederholung einer gewerkschaftlichen Funktionärswahl
auf Grund einer Anfechtungsklage, der von einem amerikanischen Bezirksgericht unter Berufung auf den "Labor-Management Reporting «and
Disclosure Act of 1959" stattgegeben wurde, fand jetzt unter Aufsicht
de3 US-Arbeitsminis teriuims in Jacksonville (Florida) statt.
Die Wiederholung der Funktionärswahl war deshalb erforderlich
geworden, w-eil über die im Januar 196O durchgeführte Wahl beim USArbeitsministerium eine Beschwerde wegen Verstoßes gegen die Bestimmungen des Gewerkschaftsgesetzes aus dem Jahre 1959 eingegangen war.
Auf Grund der durchgeführten Untersuchungen hatte dann der US-Arbeitsminister am 28. September i960 eine Anfechtungsklage beim Bezirksgericht in Jacksonville eingereicht, in der er die Annullierung der Wahl
forderte.
Nach Feststellung des Untersuchungsausschusses des Arbeitsministeriums, so hieß es dabei in der Klageschrift, seien drei Verstöße
gegen das Gesetz bei der Abhaltung der Funktionärswahl festgestellt
worden: 1. seien die Geheimhaltungsvorschriften nicht beachtet worden;
2. habe es die Gewerkschaft versäumt", einen Wahlausschuß zur Auszählung
der Stimmen und zur Bekanntgabe des Ergebnisses zu nominieren; und
3. sei die Gewerkschaft den Gesetzesvorschriften insofern nicht nachgekommen,, als sie den Mitgliedern das Wahlergebnis nicht innerhalb von
15 Tagen schriftlich zugestellt habe.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

-

17

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 5

Bad Godesberg, den 1. Mai 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen
Eisenbahner

Seite

1

Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung
in den USA

Seite

6

Private Pensionspläne gewinnen immer größere
Bedeutung
.

Seite

12

Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten

Seite

14

Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen Eisenbahner
Aus "The Railway Clerk"
Nachdruck nur mit Angabe der Quelle
gestattet.
Das Sozialversicherungsgesetz für die
Eisenbahnbediensteten, das im Jahre 1935
vom US-Kongreß erlassen worden ist, wurde
zum Vorbild für die gesamte Sozialgesetzgebung in den Vereinigten Staaten.
Die Zeitschrift der amerikanischen Eisenbahner, "The Railway Clerk", gedachte
in der Septembernummer vom vergangenen
Jahr des 25« Jahrestags des Erlasses
dieses wichtigen Gesetzes mit einem
Artikel, den wir nachstehend im vollen
Wortlaut wiedergeben.

-

1 -

�Vor 25 Jahren wurde die Sozialversicherung der amerikanischen
Eisenbahner geschaffen. Anfangs eine reine Altersversicherung, entwickelte sie sich im Laufe der Jahre zu einem umfassenden Sozialwerk, das den Bahnbediensteten in allen ernsteren Notlagen Schutz
gewährt, in die sie im Laufe eines Lebens geraten können.
Die Eisenbahner und ihre Familienangehörigen haben im Falle der
Erreichung der Altersgrenze, der Invalidität, des Todes, der Arbeitslosigkeit und Erkrankung keine ernsthaften Geldeinbußen mehr zu gewärtigen.
Die Eisenbahner-Altersversicherung sichert den Pensionären und
ihren Angehörigen sowie den Vollinvaliden eine feste Grundrente zu.
Im Todesfall erhält die Familie des Verstorbenen Hinterbliebenenrente.
Im Falle der Arbeitslosigkeit oder längerer Krankheit hat der Bahnbedienstete Anspruch auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung.
Rund eine Million Arbeiter und Angestellte der Bahnen und ihrer
Zulieferbetriebe werden vom Eisenbahner-Sozialwerk erfaßt, von denen
800 000 länger als zehn Jahre als Eisenbahnbedienstete im Sinne des
Gesetzes beschäftigt sind. Die Berufseisenbahner sind es auch, die
unter dem Sozialwerk den größten Schutz genießen.
Zehn Jahre Dienstzeit sind die Mindestvoraussetzung für die Gewährung von Alters- oder Hinterbliebenenrente. Nach zehn Dienstjähren
besteht ein lebenslänglicher Anspruch auf Invalidenrente und auf
Altersrente nach Erreichung des 65. Lebensjahres.
Im Falle der Erreichung der Altersgrenze oder des Todes noch vor
dem Ablauf der ersten zehn Dienstjahre werden die erworbenen Rechte
an die allgemeine gesetzliche Sozialversicherung übertragen, deren
Leistungsnormen dann zur Anwendung gelangen. Arbeitslosenunterstützung
und Krankengeld werden ohne Wartezeiten an alle Versicherten gezahlt,
wobei die Berufseisenbahner bei der Arbeitslosenversicherung wiederum
bessergestellt sind.
Bisher wurden Leistungen in Höhe von insgesamt 10 Milliarden Dollar
an Eisenbahnbedienstete und deren Angehörige gezahlt. Allein im Haushaltsjahr 1959/60 bezogen 1,25 Millionen Berechtigte Versicherungsleistungen
in Höhe von über einer Milliarde Dollar. Die Steigerung der Leistungen
und die Verbesserung des Versicherungsschutzes haben das EisenbahnerSozialwerk in den 25 Jahren seines Bestehens gekennzeichnet.
Durch eine ganze Reihe von Gesetzesänderungen wurden der Kreis der
Versicherten laufend vergrößert und die Leistungssätze verbessert. Das
hat dazu geführt, daß die jährlichen Versicherungsleistungen inzwischen
auf über eine Milliarde Dollar gestiegen sind, während in den ersten
neun Jahren nach der Gründung des Sozialwerkes insgesamt nur eine
Milliarde ausgezahlt wurde. Die Zahl der Empfänger von Alters- oder
Hinterbliebenenrente ist heute doppelt so hoch wie vor zehn und fünfmal so hoch wie vor 20 Jahren. Im Jahre 1938 lag die Durchschnittsaltersrente bei 62 Dollar gegenüber heute 131 Dollar.
Die

�Die Sozialversicherung der Eisenbahner bietet viele besondere
Vorteile, von denen hier kurz die wichtigsten angeführt seien:
hohe Leistungen im Verhältnis zum früheren Arbeitseinkommen,
Anrechnung der vor der Schaffung des Sozialwerks geleisteten
Dienst jähre,
feste Anwartschaft nach zehn Dienst jähren,
Möglichkeit der Gewährung von Altersrente bereits nach Erreichung des 60. Lebensjahres,
großzügige Handhabung der_ Gewährung von Invalidenrenten,
Gewährung von Altersrente, auch wenn der Empfänger noch in
einem anderen Betrieb - nicht in einem Eisenbahnbetrieb weiterarbeitet,
Altersrentner des Eisenbahner-Sozialwerkes können auch Leistungen aus anderen Versicherungen beziehen,
Witwen sind mit Erreichung des 60. Lebensjahres zum Bezug
von Leistungen berechtigt, und
die Leistungen liegen höher als die Beiträge.
Für die Zukunft ist eine weitere Steigerung der Versicherungsleistungen geplant. Als das Sozialwerk seine Tätigkeit aufnahm, betrug der
Höchstsatz für die Altersrente 120 Dollar pro Monat; heute liegt er bei
205 Dollar. Seine weitere Anhebung ist sicher; in zehn Jahren wird er
242 Dollar und in 20 Jahren voraussichtlich 325 Dollar pro Monat betrage
Eine der auf das Eisenbahner-Sozialwerk beschränkten Bestimmungen die Gewährung von Hinterbliebenenrente im Falle des Todes des Ernährers der
Familie - sieht für die Berechtigten beachtliche Leistungen vor. Wenn
das Sozialwerk auch in erster Linie eine Altersversicherung darstellt,
so sind doch etwa ein Drittel aller Leistungsempfänger Hinterbliebene.•
Der Witwensatz beträgt im Durchschnitt 75 Dollar pro Monat; für Witwen
mit einem Kind erhöht er sich auf 150, für Witwen mit zwei und mehr
Kindern auf 200 Dollar. Eltern verstorbener Eisenbahnbediensteter erhalten im Durchschnitt 80 Dollar im Monat.
Sofern im Falle des Ablebens eines Versicherten keine Rente fällig
ist, wird ein einmaliges Sterbegeld von durchschnittlich 570 Dollar gewährt. Sind die Voraussetzungen für eine Hinterbliebenenrente nicht erfüllt, kann eine Abfindung geleistet werden; diese beträgt im Durchschnitt 1700 Dollar.
Arbeitslose, erkrankte oder verletzte Eisenbahner erhalten Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung. Im Falle der Arbeitslosigkeit richten sich die Zahlungen nach dem Jahresverdienst, oder es wird
eine Unterstützung in Höhe von 60 Prozent des täglichen Grundlohns,
höchstens aber 10,20 Dollar pro Tag gewährt. Die Leistungsdauer ist
normalerweise auf 26 Wochen beschränkt. Versicherte mit langer Dienstzeit können derartige Leistungen 13 bzw. 26 Wochen über die normale
Zeit hinaus erhalten. Für Kranke und Verletzte werden Leistungen in
gleicher Höhe gewährt, allerdings nur bis zur Höchstdauer von 26 Wochen.
Das

�Das Eisenbahner-Sozialwerk unterstützt arbeitslose Versicherte
auch bei der Arbeitssuche. Ein eigener Stellenvermittlungsdienst
weist auf Antrag offene Stellen nach und trägt auf diese Weise dazu
bei, den Eisenbahnbediensteten einen lohnenden Arbeitsplatz zu gewährleisten und gleichzeitig die Aufwendungen für die Arbeitslosenunterstützung so niedrig wie möglich zu halten.
Im Rahmen eines "Partnerschaftsprogrammes" arbeiten das Management
der Eisenbahngesellschaften, die Eisenbahnergewerkschaften und das
Sozialwerk eng zusammen, um stellenlosen erfahrenen Bahnbediensteten
einen neuen Arbeitsplatz zu beschaffen. Die Eisenbahnen ihrerseits
haben außerdem noch Arbeitsvermittlungsberater, die ihre Dienste
jedem stellensuchenden Eisenbahner zur Verfügung stellen.
Das Bundesamt für Eisenbahnerversorgung (Railroad Retirement
Board) ist für die Durchführung des Eisenbahner-Pensionsgesetzes(Railroad Retirement Act) und des Eisenbahner-Arbeitslosenversicherungsgesetzes (Railroad Unemployment Insurance Act) verantwortlich. An der
Spitze des Bundesamtes steht ein Aufsichtsrat aus drei Mitgliedern,
die vom Präsidenten der Vereinigten Staaten mit Zustimmung des Senats
ernannt werden. Der Vorsitzer ist mit der Wahrung des öffentlichen
Interesses beauftragt; die beiden anderen Mitglieder werden von den
Eisenbahngesellschaften bzw. den Eisenbahnergewerkschaften vorgeschlagen. Horace W. Harper, der gegenwärtig als Gewerkschaftsvertreter im
Aufsichtsrat sitzt, gehört der Gewerkschaft der Angestellten der Eisenbahn- und Schiffahrtsgesellschaften (Brotherhood of Railway and Steamship Clerks, Freight Handlers, Express and Station Employees) an.
Die Beiträge zum Eisenbahner-Sozialwerk werden von Arbeitnehmern
und Arbeitgebern gemeinsam und zu gleichen Teilen aufgebracht; sie
betragen gegenwärtig 6 3/4 Prozent des Bruttoverdienstes bis zu einer
Höhe von 400 Dollar pro Monat, Erwirtschaftete Überschüsse werden in
Obligationen des US-Schatzamtes angelegt; die Zinserträge aus den gegenwärtigen Rücklagen in Höhe von 4 Milliarden Dollar stellen ihrerseits
wieder einen wesentlichen Einnahmeposten dar.
Die Finanzlage des Sozialwerks wird im Augenblick als befriedigend
angesehen. Das unter versicherungsmathematischen Gesichtspunkten gegebene Defizit ist nicht so groß, daß es die Leistungsfähigkeit gefährdet. Allerdings ist eine weitere Leistungssteigerung, soll die
Rentabilität nicht weiter verschlechtert werden, nur durch die Erschließung zusätzlicher Einnahmequellen möglich.
Die im Falle des Eisenbahner-Sozialwerks angewandte Finanzierungsmethode setzt die Ansammlung größerer Reserven voraus, deren Zinserträge
im Verein mit dem Beitragsaufkommen und anderen Einkünften die Gewährung
der vorgesehenen Leistungen unter Beibehaltung unveränderter oder im
wesentlichen unveränderter Beitragssätze gestatten. Dieses Verfahren
läßt sich als Finanzierung auf der Basis einer Durchschnittsprämie
in Verbindung mit der Schaffung entsprechender Rücklagen in Form von
Deckungskapital bezeichnen. Auf diese Weise wird eine relative Stabilität der Beitragssätze, eine gerechte Verteilung der Lasten auf die
jüngeren und älteren Mitglieder, die Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit der Versicherung und eiie laufende Übersicht über die derzeitigen und künftigen Aufwendungen gewährleistet.
Wollte

�Wollte das Sozialwerk ohne Reserven auskommen, d.h. wollte es
seine Leistungen lediglich aus den laufenden Einnahmen bestreiten,
so müßten die Beiträge mehrere Jahrzehnte lang Jahr für Jahr erhöht
werden und damit schon "bald einen weit über der im Gesetz vorgesehenen Höhe liegenden Stand erreichen.
Die Verwaltungskosten liegen gegenwärtig bei 1 Prozent der
gezahlten Leistungen. Für die Arbeitslosen- und Krankengeldversicherung liegen sie bei 3 Prozent. Dieser relativ hohe Anteil erklärt sich aus der Tatsache, daß im Falle der Arbeitslosigkeit oder
Erkrankung alle zwei Wochen ein neuer Antrag auf Unterstützung gestellt werden muß.
Sitz des Eisenbahner-Sozialwerkes ist Chicago. Über das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten verstreut, gibt es rund 100 Zweigbüros,be
denen sich-diei Eisenbahnbediensteten in Versicherungsfragen Auskunft
holen können und die ihnen bei der Stellung von Anträgen auf Gewährung
von Versicherungsleistungen behilflich sind.
Während der 25 Jahre, die das Sozialwerk nunmehr tätig ist, haben
die Eisenbahner es als ihren sichersten Schutz vor wirtschaftlicher
Not kennen und schätzen gelernt. Form und Leistungen haben sich im
Laufe der verflossenen zweieinhalb Jahrzehnte in Anpassung an die
jeweiligen Erfordernisse geändert. Die tatsächlichen Leistungen
des Sozialwerkes - sowohl was die Größe des erfaßten Personenkreises als auch was die Höhe der gewährten Unterstützung angeht - haben
die ursprünglichen gesetzlichen Zielsetzungen bereits weit überschritten. Die in der Vergangenheit erzielten Fortschritte lassen
den Schluß zu, daß das Eisenbahner-Sozialwerk auch in Zukunft eine
wichtige Rolle bei der Sicherung des Wohlergehens der aus dem aktiven Berufsleben ausgeschiedenen Eisenbahner und ihrer Angehörigen
spielen wird.

Aus "The Railway Clerk"
Nachdruck nur mit Angabe der
Quelle gestattet.

* * * * *

-

5 -

�N. Arnold Tolles:
Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung in den USA

Aus "Monthly Labor Review"
Nachdruck nur mit Angabe des
Verfassers und der Quelle gestattet.

Die Mindestlohngesetzgebung in den Vereinigten Staaten dient
im großen und ganzen dem begrenzten Ziel, die Löhne der schlechtestbezahlten Arbeitnehmer anzuheben. Wurde dieses begrenzte Ziel erreicht?
Vor einem halben Jahrhundert prophezeiten viele führende Wirtschaftler,
daß Regierungsmaßnahmen nicht geeignet seien, das Arbeitseinkommen
ungelernter Kräfte zu verbessern. Sie begründeten ihren Standpunkt
mit dem Argument, das "spezifische Arbeitsprodukt" (heute als Grenzprodukt bezeichnet) bestimme die Reallöhne und jede "willkürliche
Maßnahme", die den Arbeitgeber zur Erhöhung der Löhne zwinge, werde
lediglich zur Entlassung jener Arbeitskräfte führen, die bis dahin
weniger als das vorgeschriebene Minimum verdient hatten.
Wir wissen heute aus Erfahrung, daß die Löhne der schlechtestbezahlten Arbeiter durch staatliche Maßnahmen sehr wohl erhöht werden
können. In den Vereinigten Staaten ist dies in den letzten 40 Jahren
vielfach mit Erfolg getan worden.
Ein weiterer Einwand gegen staatlich festgesetzte Mindestlöhne
besagte, daß der gesetzliche Mindestlohn zum tatsächlichen Mindestlohn werde. Der Arbeitgeber habe, so wurde bei diesem Argument impliziert, mit einem festen Lohnkostenanteil zu rechnen und zahle seinen Arbeitern und Angestellten insgesamt ohne-hin so viel aus, wie der
Betrieb gerade noch zu tragen vermag. Wird der Lohn der niedrigbezahlten Arbeitskräfte erhöht, behauptete man damals, so wird eine
Kürzung der Bezüge der höherbezahlten Mitarbeiter die zwangsläufige
Folge sein. Die tatsächlichen Erfahrungen haben meines Wissens diese
Behauptungen in keinem Falle erhärtet.
Die "direkten" Auswirkungen einer Neufestsetzung der Mindestlöhne auf die Lohnkosten eines Unternehmers sind sehr einfach zu
errechnen. Um aber möglichst alle Auswirkungen eines neuen Mindestsatzes im voraus zu bestimmen, müssen wir darüber hinaus auch die
indirekten Wirkungen auf die Löhne oberhalb des Mindestsatzes, den
sogenannten "Stoßeffekt", in unsere Untersuchungen einbeziehen.
Das Ausmaß des Einflusses von erhöhten Mindestlohnsätzen auf die
Löhne hängt von zahlreichen, vielschichtigen Faktoren ab. Altere
Untersuchungen der Auswirkungen der ersten einzel3taatlichen Mindestlohngesetze stützten sich vielfach auf sehr lückenhafte Statistiken
und waren im allgemeinen nicht differenziert genug. Die Analysen der
dreißiger und vierziger Jahre, die vom Bundesamt für Arbeitsstatistik
(Bureau of Labor Statistics) im US-Arbeitsministerium durchgeführt
wurden und die Auswirkungen der Bundes-Mindestlohngesetze auf verschiedene Industriezweige zum Gegenstand hatten, waren bereits viel

-

6 -

�viel tiefschürfender. Noch wesentlich aufschlußreicher sind aber
die jüngsten Untersuchungen der Auswirkungen der im Jahre 195&amp; durch
Bundesgesetz verfügten Heraufsetzung des Minde-stlohnes auf einen
Dollar, die von den Abteilungen Löhne und Arbeitszeit und Öffentliche
Arbeiten im Bundesamt für Arbeitsstatistik gemeinsam durchgeführt
worden sind.
Ich möchte hier aber nicht weiter auf das Material eingehen,
das bereits publiziert worden ist oder demnächst veröffentlicht
werden wird, sondern vor allem auf die Ergebnisse der jüngsten
Untersuchungen der Auswirkungen des Gesetzes des Staates New York
über die Erhöhung des Mindestlohnes auf einen Dollar. Hier wird
der Versuch unternommen, eingehendere Aufschlüsse über die möglichen
Auswirkungen einer Erhöhung der Mindestlohnsätze unter den verschiedensten Verhältnissen zu erlangen und vor allem herauszufinden,
warum die Entwicklung diesen oder jenen Verlauf nimmt. In Ergänzung
dieser Erhebungen, die von der Hauptabteilung Arbeitsfragen des
Staates New York eingeleitet wurden, haben Wissenschaftler der
Cornell-Universitat eine größere Zahl von Einzelhandelsgeschäften
befragt. Ich denke hier vor allem an eine bisher unveröffentlichte
Arbeit von Miae Marian Stever, eine Dissertation zur Erlangung der
Doktorwürde am Institut für Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen
(School of Industrial and Labor Relations) der Cornell-Universität
in Ithaca im Staat New York, und die darin mitgeteilten ersten Ergebnisse,
Miss Stever sah bewußt davon ab, einen repräsentativen Querschnitt
auszuwählen; sie wandte sich vielmehr an 42 Einzelhandelsgeschäfte
in Syracuse und Auburn (New York) mit jeweils wenigstens einem Mitarbeiter, dessen Lohn bisher unter dem neuen Minimum im Einzelhandel
lag. Auf diese Weise gewann sie eine Gruppe von Arbeitgebern, die die
Auswirkungen des neuen Mindestlohnes in jedem Fall stärker zu spüren
bekommen hatten als der übrige Einzelhandel im Staat New York. Ein
Viertel dieser Ladengeschäfte mußte seine Lohnaufwendungen bei sonst
gleichbleibenden Betriebsverhältnissen um durchschnittlich 16 Prozent
erhöhen, um dem Gesetz nachzukommen. Der Gesamtdurchschnitt für sämtliche 42 Läden lag dagegen bei 7»7 Prozent. Der prozentuale Anteil
dieser direkten Auswirkungen an der Gesamtlohnsumme sämtlicher Läden
war noch wesentlich geringer als es anhand des rechnerischen Gesamtdu'rchschnitts scheint, da die größeren Geschäfte unterdurchschnittlich
betroffen worden sind.
Wie groß waren nun die indirekten Auswirkungen, d.h. der Lohnkostenanstieg aus Lohnerhöhungen auf eine über dem Mindestlohn liegende Höhe? Nach vier Monaten ergab sich eine durchschnittliche Zunahme
pro Geschäft um 2,7 Prozent. In der Hälfte aller Läden wurden innerhalb
jener vier Monate keine über die gesetzlich vorgeschriebene Mindesthöhe von einem Dollar hinausgehenden Lohnerhöhungen vorgenommen. Man
sollte annehmen, daß man die direkten und indirekten Auswirkungen zu
addieren hat und somit eine der Neufestsetzung des Mindestlohnes zuzuschreibende Lohnkostensteigerung von 10,4 Prozent erhält. Dies ist
aber seltsamerweise nicht der Fall. Die Gesamtsteigerung pro Geschäft
wurde mit durchschnittlich nur 7»8 Prozent ausgewiesen und liegt somit

-

7 -

�somit nur knapp über der direkten Lohnkostenzunahme. Dies erklärt
sich aus der Tatsache, daß die Arbeitgeber, deren Lohnaufwendungen
sich durch die Anhebung des Mindestlohns auf einen Dollar am stärksten erhöhten, nicht mit denjenigen identisch waren, deren Lohnaufwendungen auf Grund der Erhöhung von Löhnen auf beliebige andere
Sätze über einem Dollar am stärksten gestiegen sind.
Nachdem wir nun die Dimensionen der Lohnkostensteigerungen in
der ausgewählten Gruppe von Einzelhandelsgeschäften kennen, erhebt sich
die Frage, wie sich die Arbeitgeber in dieser Situation verhalten haben.
Das ist eine wahrhaft verwickelte Frage, was die Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung angeht; und es ist dazu noch eine sehr wichtige
Frage, wenn man ein sachkundiges Urteil über künftige Neufestsetzungen
von Mindestlöhnen abgeben soll.
Die weitaus wichtigste unmittelbare Auswirkung auf die von Miss
Stever befragten Arbeitgeber war das Auffangen von 60 Prozent der Lohnkostensteigerung aus der Erhöhung des Mindestlohnes durch diese selbst.
Sie fanden die verschiedensten Möglichkeiten, um einen Ausgleich für
die übrigen 40 Prozent zu schaffen. Ganz offensichtlich handelt es sich
aber hier nicht um eine allgemeine Gesetzmäßigkeit, und so müßte man
die hier angeführten Ergebnisse in Relation zu dem Zeitpunkt der Heraufsetzung des Mindestlohnes und allen sonstigen Umständen noch eingehender
untersuchen, um Rückschlüsse auf künftige Neufestsetzungen zu einem-anderen Zeitpunkt und unter anderen Umständen ziehen zu können. Aber
allein schon die Möglichkeit, daß eine nahezu achtprozentige Lohnkostensteigerung in einem unter starkem Wettbewerbsdruck stehenden Wirtschaftszweig innerhalb von vier Monaten nach Inkrafttreten des Lohnerhöhungsgesetzes zu 60 Prozent aufgefangen werden konnte, ist gewissermaßen
eine Antwort an alle jene, die die Vertretbarkeit der Heraufsetzung
der gesetzlichen Mindestlöhne negieren. Die Arbeitgeber behielten
allerdings mit ihrem Argument im wesentlichen recht, daß sie es seien,
die den größten Anteil an der unmittelbaren Kostensteigerung zu tragen
hätten.
Welche Maßnahmen haben nun die Arbeitnehmer getroffen, um die verbliebenen 40 Prozent der Lohnkostensteigerung auszugleichen? In den
meisten Fällen griffen sie zu einer Verkürzung der Arbeitszeit. Einzelhandelsgeschäfte können in dieser Hinsicht allerdings nicht als repräsentativ für die Wirtschaft gelten, da sie einen unverhältnismäßig hohen
Prozentsatz an Halbtagskräften beschäftigen. Das hier in Rede stehende
Gesetz enthielt auch Bestimmungen über die Gewährleistung eines Mindestwochenlohns und die Überstundensätze im Einzelhandel. Die Arbeitgeber suchten in einigen Fällen durch die Verlängerung der Arbeitszeit
und in anderen durch ihre Verkürzung die kostensteigernde Wirkung des
Gesetzes soweit wie möglich zu verringern. Diese Angleichungen der
Arbeitszeit führten, auch das sei vermerkt, zum Teil dazu, daß sich
die auf Grund des Gesetzes erwarteten Mehreinnahmen der Arbeitnehmer
etwas verringerten.
Die zweithäufigste Form des Ausgleichs bestätigt in gewissem
Umfang die Vorhersagen der orthodoxesten Gegner der Mindestlohngesetzgebung. Es wurden tatsächlich verschiedentlich Entlassungen vorgenommen.
Sie
-

8

-

�Sie betrafen natürlich gerade jene Mitarbeiter, bei denen ein solcher
Schritt ohnehin nahelag: die relativ Leistungsschwachen, ältere
Arbeiter und Halbtagsbeschäftigte, darunter auch Mitarbeiter, die
auf Grund ihres Aussehens als wenig geeignet für den Verkäuferberuf
galten. Wie viele wurden entlassen? Von den in die Untersuchung
einbezogenen Geschäften mit insgesamt 4300 Beschäftigten nur insgesamt ein Prozent und von denen, die zuvor weniger als einen Dollar
Stundenlohn hatten, 4»$ Prozent. In diesem Falle bestand also
tatsächlich ein negativer Zusammenhang zwischen Beschäftigung und
Mindestlohn.
Neben der Anpassung der Arbeitszeit und der Entlassung von
Arbeitskräften haben die von Miss Stever befragten Einzelhändler
noch eine ganze Reihe von innerbetrieblichen Umstellungen vorgenommen,
um die Ertragskraft zu erhöhen. Einige verkürzten die Verkaufszeiten,
andere trafen eine neue Arbeitseinteilung, legten strengere Maßstäbe
bei Neueinstellungen an, verstärkten die innerbetriebliche Schulung
oder revidierten ihre Lohntabellen. Durch diese und andere Methoden
suchten die Arbeitgeber ihre Nettoerträge pro aufgewandtem Dollar
an Lohnkosten gegenüber der Zeit vor der Erhöhung der Mindestlöhne
zu verbessern - was ihnen in beachtlichem Maße gelang. Keiner der
42 Läden machte bankerott; die Firmen aber, die die größte Lohnkostensteigerung hinnehmen mußten, hatten im ganzen auch den geringsten Erfolg
in dem Bemühen, einen Ausgleich durch Leistungssteigerung herbeizuführen. Hinzu kommt, daß die kleineren Läden weit weniger als die Großbetriebe in der Lage waren, die Kostensteigerung durch Leistungssteigerungen wettzumachen. Eine allmähliche Anhebung der Mindestlöhne um
geringfügige Beträge dürfte aber voraussichtlich in jedem Falle anregend wirken; es bestehen jedoch gute Gründe dafür, bei der Anwendung
dieser "Kur" vorsichtig und nur schrittweise vorzugehen.
Einer der häufigsten Einwände gegen Lohnerhöhungen fand praktisch
so gut wie keine Bestätigung. Nur fünf der 42 Ladeninhaber berichteten
von einer Heraufsetzung der Verkaufspreise, obschon sie sämtlich ausdrücklich danach gefragt worden waren. Dieses negative Ergebnis ist
bedeutsam, erfordert allerdings eine sorgfältige Interpretation. Es
ist richtig, daß sich an den Erlaß dieser spezifischen Mindestlohnverordnung eine Zeit der Hochkonjunktur i» Einzelhandel anschloß, von
der fast alle befragten Firmen profitierten; man sollte annehmen, daß
Preiserhöhungen in dieser Lage das nächstliegende Ergebnis eine.r erforderlich werdenden Lohnkostensteigerung sein würden. Und doch fanden
sich hier keine Anzeichen dafür, daß die Lohnerhöhung einePreiserhöhung
nach sich zog. Man sollte jedoch die Dinge nicht allzusehr verallgemeinern. Der Einzelhandel steht - zumindest in dem untersuchten Gebiet - unter starkem Wettbewerbsdruck. Angesichts einer solchen Sachlage läßt sich eine* Lohnkostensteigerung nicht ohne weiteres an die
Käufer weitergeben. Ganz unabhängig von seinen Betriebskosten muß
der Verkäufer in erster Linie von der Überlegung ausgehen, wie viele
Kunden wohl bereit sein werden, den höheren Preis zu zahlen.
Man sollte ferner nicht übersehen, daß sich die Mehrkosten der
Mindestlohnerhöhung nicht bei allen Läden gleichermaßen in Form einer
einheitlichen Kostensteigerung niederschlugen. Diejenigen Geschäfte,
die die größte Kostensteigerung in Kauf nehmen mußten, hatten

-

9 .

�hatten tatsächlich keine Handhabe, ihre Preise zu erhöhen.- angesichts der Konkurrenten,deren Lohnkosten nur wenig oder überhaupt
nicht gestiegen waren.
Im Staat New York insgesamt waren die Auswirkungen der Neufestsetzung auf den Einzelhandel zweifellos wesentlich geringer
als in der Gruppe von Geschäften, die Miß Stever für ihre Untersuchung ausgewählt hatte. Doch gerade die Analyse von Extremfällen Fällen wie jenen, die ihren Niederschlag in den Untersuchungen über
die Auswirkungen des Bundesgesetzes über die Heraufsetzung des Mindestlohnes auf einen Dollar auf die Industrie und die Verbraucher gefunden haben - gewährt uns Aufschlüsse, die als Richtschnur für zukünftige Neufestsetzungen von Mindestlöhnen dienen können. Wir müssen
vor allem zu erfahren suchen, wann und unter welchen Umständen eine
Neufestsetzung eine wirklich wesentliche Erhöhung der allgemeinen Lohnkosten nach sich ziehen kann. Die Untersuchungsergebnisse verlieren
sofort ihren Wert als Richtschnur, wenn wir in die Untersuchung auch
Unternehmen einbeziehen, die ohnehin bereits fast allen Beschäftigten
Löhne zahlen, die die neuen Höchstsätze erreichen oder überschreiten.
Konzentrieren wir unsere Aufmerksamkeit aber auf die Extremfälle,
so zeichnen sich an Hand der bisherigen Erfahrungen mit der Mindestlohngesetzgebung einige generelle Möglichkeiten ab:
1. Die Löhne der schlechtestbezahlten Arbeiter lassen sich
heraufsetzen, sofern die gesetzlich vorgeschriebenen Erhöhungen nicht
allzu groß sind und schrittweise vorgenommen werdeil.
2. Die höherbezahlten Arbeitnehmer erleiden auf Grund der Lohnerhöhungen der schlechtestbezahlten Arbeitnehmer keine Lohnkürzungen.
Nach einer gewissen Zeit können die höherbezahlten Arbeitnehmer vielmehr mit Lohnerhöhungen rechnen, die teilweise auf die Wiederherstellung der früheren Lohnstruktur des Betriebes zurückzuführen sind.
5. Während des Zeitraums unmittelbar nach der Neufestsetzung
machen die Kosten für die Lohnanhebung über das gesetzliche Minimum
hinaus voraussichtlich nur einen kleinen Bruchteil der direkten Kosten
aus, die die Anhebung der Löhne auf das neue gesetzliche Minimum selbst
verursacht.
4. Die direkte und indirekte Lohnkostensteigerung wird voraussichtlich größtenteils vom Arbeitgeber aufgefangen, zum mindesten in der
ersten Zeit unmittelbar nach der Festsetzung der neuen Mindestlöhne.
5. Eines der wichtigsten Ergebnisse einer Heraufsetzung der Mindestlöhne ist vielfach der rationellere Einsatz der Arbeitskräfte.
Die von den einzelnen Unternehmern angewandten Methoden unterscheiden
sich stark voneinander und können die Neuregelung der Arbeitszeit, Erhöhung der Arbeitsnormen, Verschärfung der Ausstellungsbedingungen und
den Ausbau der innerbetrieblichen Schulung einschließen. Die Möglichkeiten zur Durchführung derartiger Verbesserungen sind von Betrieb
zu Betrieb verschieden. Die Betriebe, die den größten Anstieg der
Lohnkosten auf Grund einer Neufestsetzung der Mindestlöhne in Kauf
nehmen müssen, sind nicht notwendigerweise diejenigen, die die größten

10

-

�größten Möglichkeiten zu einem rationelleren Einsatz ihrer Arbeitskräfte haben.
6. Die von den Betrieben vom Konsumenten geforderten Preise
werden in den meisten Fällen von der Erhöhung der Mindestlohnsätze
nicht berührt, es sei denn, daß die Lohnkostensteigerung auf Grund
der Neufestsetzung sehr hoch ist, sich ziemlich einheitlich auf
die gesamte Branche auswirkt oder daß die Verkäufer eine Preisabsprache
treffen.
7« Die Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohnes zieht im allgemeinen eine gewisse Verringerung der Be-schäftigung solcher Arbeitskräfte nach sich, auf die die neue Mindesthöhe anzuwenden wäre. Eine
absolute Verringerung der Belegschaften oder der Arbeitszeit tritt
nicht ein, wenn nach den Vorausberechnungen der Unternehmer eine
hinreichende Zunahme der Nachfrage zu erwarten ist. Die prozentuale
Verringerung des Beschäftigtenstandes gegenüber dem Stand vor Erhöhung
der Mindestlohnsätze liegt voraussichtlich unter der prozentualen
Steigerung des Mindestsatzes. Aus diesem Grund ist die Anhebung der
gesetzlichen Mindestlöhne als eine Möglichkeit zur Verbesserung des
Arbeitseinkommens der schlechtestbezahlten Arbeitnehmer zu bejahen.
8. Die von den Arbeitgebern als leistungsschwach angeseheneren Belegschaftsangehörigen werden am stärksten von der Verringerung der
Beschäftigungsmöglichkeiten auf Grund einer Erhöhung der Mindestlöhne
betroffen. Diese Nebenwirkung gerade auf jene Beschäftigten, die
ohnehin die geringste Aussicht auf einen Arbeitsplatz haben, ist sehr
problemati seh.
Abschließend möchte ich noch zwei persönliche Meinungen äußern,
die nicht notwendigerweise durch das bisher Gesagte erhärtet werden.
Erstens ist nach meinem Dafürhalten die Methode des Aushandelns von
spezifischen Mindestlohnsätzen wesentlich besser als deren Festsetzung
durch Gesetz. Da die absehbaren Auswirkungen von Wirtschaftszweig zu
Wirtschaftszweig verschieden sind, ist eine ins einzelne gehende Untersuchung aller Möglichkeiten durch einen Ausschuß einer generellen
Festsetzung durch Gesetz vorzuziehen.
Meine zweite Anmerkung geht dahin, daß die Mindestlohngesetzgebung eine sehr nützliche Nebenwirkung gezeitigt hat, die von ihren
Verfechtern gar nicht beabsichtigt war. Die gesetzlichen Mindestlöhne
gehören mit zu den vielzitierten "eingebauten Stabilisierungsfaktoren"
in unserem Wirtschaf tsgefüge. Wenn die Gesamtnachfrage r.uf dem Geldmarkt, aus welchem Grunde auch immer, nachläßt, so stehen die Arbeitgeber vor der Frage, ob sich eine weitere Expansion ihres Geschäftes
oder auch nur die Beibehaltung der derzeitigen Investitionsrate noch
lohnt. Einer der wichtigsten Gründe für die Hinauszögerung beabsichtigter Investitionen auf einen späteren Zeitpunkt könnte die Spekulation auf eine Verbilligung der Arbeit sein. Auf diese Weise hilft
die Festsetzung von Mindestlöhnen mit, eine Rezession,wie wir sie
1953/54 und 1957/58 hatten, da ran zu hindern, sich zu einer großen
Depression wie der der dreißiger Jahre auszuwachsen. Das eigentliche

-11

-

�eigentliche Ziel der Mindestlohngesetzgebung ist ein humanitäres die Anhebung der Löhne der schlechtestbezahlten Arbeitskräfte.
Selbst wenn sie nicht geeignet wäre, eine tatsächliche Erhöhung
dieser Löhne herbeizuführen, wäre sie noch immer als ein stabilisierendes Moment der Wirtschaft der Vereinigten Staaten von großer
Wichtigkeit.

Aus "Monthly Labor Review"
Nachdruck nur mit Angabe des
Verfassers und der Quelle gestattet.

* * * * *

Private Pensionspläie gewinnen immer größere Bedeutung
Einen aufschlußreichen "überblick über dia jüngsten Entwicklungen
auf dem Gebiet der privaten Pensionspläne In den USA sowie über die
Bedeutung, die diese auf Grund von tarifvertraglichen Vereinbarungen
gewährten zusätzlichen Pensionsleistungen für die im Ruhestand lebenden Arbeitnehmer haben, vermittelt eine jetzt vom US-Arbeitsministerium
veröffentlichte Analyse, die sich auf die Ergebnisse von 500 überprüften Pensions planen stützt.
Als die wichtigsten Trends der vergangenen Jahre sind dabei nach
dieser Übersicht die folgenden anzusehen:
1. Die Höhe der Pensionsleistungen wurde weiter heraufgesetzt,
einerseits, um die durch den Anstieg der Lebenshaltungskosten bedingte
Kaui'kraf tmi nderung auszugleichen, und zum anderen, um die Pensionen
den früneien Einkommen der Arbeitnehmer stärker anzugleichen.
Wenn auch im einzelnen die Höhe der Pensionsleistungen der privater Pläne sehr unterschiedlich ist, sc kann man doch eine monatliche
Pension von mindestens 70 Dollar als Richtsatz für einen Arbeitnehmer
annehmen, der nach 50jähriger Dienstzeit im 65. Lebensjahr in den
Ruhestand tri"tt. Bei etwa einem Viertel aller Pläne betrugen die Pensionen sogar 1CC Dollar und mehr.
Rechnet man zu den zusätzlichen Privatpensionen noch die Leistungen aus der staatlichen Sozialversicherung, so ergeben sicn für die
einzelnen Arbeitnehmer monatliche Pensionen zwischen 180 und 220 Dollar.
2. In die meisten privaten Pensicnspläne wurden inzwischen Klauseln aufgenommen, die eine Pensionierung vor Erreichung des gesetzlich
vorgeschriebenen Pe . sionsalteis (65 Jahre) ermöglichen. Eine Pensionierung mit Beginn des 55« oder 60. Lebensjahres ist nach diesen Plänen
bei verminderten Fensionsleistungen vorgesehen.

12

-

�3.
3- Die Gewährung einer Pension bei Eintritt der Vollinvalidität
ist bei den meisten privaten Pensionsplänen ebenfalls vorgesehen. Dabei wurden gleichzeitig die Pensionsleistungen weiter heraufgesetzt
und die Anwartschaftsbedingungen liberali siert.
4. Die allgemeinen Anwartschaftsbedingungen für die Gewährung
einer Pension wurden weiter erleichtert. So wurde bei den meisten
Plänen die Zahl der für die Gewährung einer Pension erforderlichen
Dienstjahre herabgesetzt und die für die Errechnung der Höchstpension
festgelegte Grenze beseitigt, so daß die Arbeitnehmer durch Anrechnung
weiterer Dienstjähre in den Genuß höherer Pensionen kommen können.
5. Die Anwartschaftsrechte auf den Bezug einer Pension bleiben in
der Regel auch dann erhalten, wenn der pensionsberechtigte Arbeitnehmer
den Betrieb vor Erreichung des Pensionsalters verläßt.
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Höhe der privaten Pensionsleistungen nach Erreichung von 20 bzw. 30 Dienst jähren.
Zu diesen Leistungen sind die aus der staatlichen Sozialversicherung
gewährten Pensionen noch hinzuzurechnen, die sich bei einem Jahreseinkommen von 4000 Dollar z.B. auf 112 Dollar stellen.
MONATLICHE PENSIONSLEISTUNGEN
Durchschnitt für 100 private Pensionspläne 1)
Arbeitnehmer mit
20 Dienstjahren
Höhe der monatlichen
Pension
( in Dollar )

Durchschnittl.
Jahreseinkommen
( in Dollar )

Arbeitnehmer mit
30 Dienstjahren
Durchschnittl.
Jahreseinkommen
( in Dollar )

4000

4800

5600

100

100

100

Pläne (in Prozent)
100
100

100

unter 50
unter 40
von 40 bis 49

37
22
15

34
21
13

32
20
12

16
9
7

15
9
6

14
8
6

von 50 bis 69

45
36
9

40

24
11
13

23

18

36
4
26

39
36
3

11
12

9
9

29

60

62

67

3
5
5
10
2
-2)

4
2
2
11
8
2

32
3
3
12
7
4

30
2
4
10
6
10

32
3
2
8
5
18

von 50 bis 59
von 60 bis 69
über 70
von 70
von 80
von 90
von 100
von 125
überl50

19
bis
bis
bis
bis
bis

79
89
99
124
150

4
6
3
5
1
-2)

4000

4800

5600

1) Ergebnis aus 300 untersuchten Plänen, durch die 4»7 Millionen Arbeitnehmer erfaßt wurden
2) weniger als 1 Prozent
/ nn
_.
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t
'
.
(Quelle: Eigenbericht;
# • * #

-

13

»

-

�Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten
Das Rückgrat der amerikanischen Berufsschulausbildung bildet
auch heute noch die "American Vocational Association" (AVA), die in
diesem Jahr auf eine 55jährige erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken
kann. Aufgabe dieser Institution ist es, die technischen und geistigen Fähigkeiten des beruflichen Nachwuchses in Industrie, Handwerk und
Handel zu fördern.
Die Anfänge des Berufsschulwesens in den Vereinigten Staaten
gehen bis auf das Jahr 1906 zurück. In Erkenntnis des sich ständig
ausweitenden Bedarfs der Wirtschaft an guten und ausgebildeten Fachkräften kam damals in New York eine Gruppe von Geschäftsleuten und
Erziehern in der Absicht zusammen, eine Organisation ins Leben zu rufen, die sich mit der Heranbildung des Nachwuchses befaßte. Sie gründeten damals die "National Society for the Promotion of Industrial Education", die Vorläuferorganisation der heuten "AVA".
Während sich die Organisation in den ersten Jahren hauptsächlich
darum bemühte, in den öffentlichen Schulen den Werkunterricht als erste
Stufe zur praktischen Berufsausbildung zu fördern, konzentrierte sie
in späteren Jahren ihre Bemühungen darauf, in Zusammenarbeit mit Unternehmern, Gewerkschaften und anderen ähnliche Ziele verfolgenden privaten Gruppen und mit Hilfe öffentlicher Mittel.ein umfassendes Netz
von Gewerbeschulen im ganzen Land zu errichten.
Dennoch gingen elf Jahre ins Land, ehe im Jahre 1917 der sogenannte
"Smith-Hughes Act" vom Kongreß verabschiedet wurde, durch den das Berufsschulwesen in den USA einen nationalen Status in Form eines gemeinsamen
Programms von Bund und Einzelstaaten erhielt. Durch das Gesetz wurde
der Rahmen der Berufsausbildung abgesteckt sowie die kontinuierliche
Bereitstellung von Bundesmitteln für die Einzelstaaten zur Förderung
der Berufserziehung in der Land- und Hauswirtschaft sowie im Handwerk
und in der Industrie gewährleistet.
Seit der Verabschiedung dieses Gesetzes hat das Berufsschulwesen
in den Vereinigten Staaten einen steilen Aufstieg genommen. Über eine
Million junger Amerikaner werden heute jährlich neu in die Berufsschulen
aufgenommen, die im Jahre 1959 eine Gesamtschülerzahl von 3»7 Millionen
aufwiesen.
Während im Jahre 1917 nur wenige und dazu schlecht ausgestattete
Schulen im Lande vorhanden waren, gibt es heute in fast allen Distrikten
und Städten der USA mit einer Einwohnerzahl von über 25 000 eine moderne
Berufsschule. In den dünnbesiedelten Gebieten dagegen werden die Berufsschüler auch heute noch in sogenannten Distriktsklassen zusammengefaßt.
Die umfassendsten Programme des amerikanischen Berufsschulwesens
stellen heute die sogenannten "Vorbeschäftigungsklassen" und "Förderungsklassen" dar. Während in den Vorbeschäftigungsklassen die jungen Menschen
für den ins Auge gefaßten Beruf ausgebildet werden, können bereits im
Berufsleben Stehende in den Förderungsklassen ihre praktischen und
theoretischen Kenntnisse erweitern. Die gesamten Aufwendungen für diese

-

14

-

�diese industriellen BerufsförderungsProgramme beliefen sich im Jahre
1959 auf mehr als 73 Millionen Dollar. Rund 11 Millionen davon
stellte der Bund als Zuschüsse zur Verfügung, während die restlichen
62 Millionen Dollar von den Bundesstaaten und Gemeinden aufgebracht
wurden.
Die Lehrpläne der amerikanischen Berufsschulen sind heute genauso
umfangreich und verschiedenartig wie die industriellen Berufe selbst.
Nach dem Grundsatz, den Schüler mit all dem erforderlichen Wissen und
praktischen Können auszustatten, sind die Ausbildungsprogramme nicht
starr, sondern beweglich und so gestaltet, daß sie jederzeit den
wechselnden Bedürfnissen von Industrie und Wirtschaft angepaßt werden
können.
Dem jungen, noch nicht im Berufsleben stehenden Menschen geben
sie die Möglichkeit, sich auf einen Beruf - unter mehreren hundert
verschiedenen - vorzubereiten; dem bereits einen praktischen Beruf
Ausübenden die Gelegenheit, sich fortzubilden und im Beruf aufzusteigen.
Was die Lehrkräfte der heutigen Berufsschulen angeht, so halten sie
jeden Vergleich mit anderen Erziehern aus. Während man sich in den Anfängen des Berufsschulwesens noch damit behalf, Facharbeiter und Handwerker als Ausbilder heranzuziehen, beschäftigt man heute durchweg
ausgebildete Berufsschulkräfte. Viele Universitäten und Colleges der
USA verfügen zudem über besondere Fakultäten, die sich ausschließlich
mit der Ausbildung von Berufsschullehrkräften befassen und den Absolventen ein Abschlußdiplom als Berufsschullehrer erteilen.

(Quelle: Eigenbericht)
« * « « *

-

15

-

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Fresse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht 'als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 6

Bad Godesberg, den 1. Juni 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Zusätzliche Krankenversicherung als tarifliche
Leistung
Die Rolle der Gewerkschaften bei der Förderung der
Sicherheit am Arbeitsplatz

•

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1

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14

Donald II. Landay, Abteilung Löhne und industrielle Beziehungen
im US-Arbeitsministerium»
Zusätzliche Krankenkostenversicherung als tarifliche Leistung
Die zusätzliche Krankenversicherung zur Deckung der Kosten bei
langwierigen, ernsten Erkrankungen als Teil der tarifvertraglich vereinbarten betrieblichen Sozialleistungen hat seit ihrer Einführung
vor rund zehn Jahren den größten Aufschwung im Bereich des gesamten
Krankenversicherungswesens in den Vereinigten Staaten erlebt. Bei
einer Untersuchung der Lohnverhältnisse, die das US-Bundesamt für
Arbeitsstatistik um die Jahreswende 1959/60 in einzelnen' Gemeinden
angestellt hat, ergab sich, daß rund ein Fünftel aller von der Untersuchung erfaßten Arbeitnehmer in den Großstädten einer Krankenkostenzusatzversicherung angehörten, die normalerweise eine Ergänzung
zur Krankenhaus-, Operations- und allgemeinen Krankenkostenversicherung
als der Grundversicherung darstellt.
Trotz der offensichtlich steigenden Beliebtheit der Form der Zusatzversicherung wird diese von verschiedenen Krankenversicherungsexperten der Gewerkschaften abgelehnt. Manche Anzeichen deuten allerdings darauf hin, daß der Widerstand der Gewerkschaften gegen eine
derartige Zusatzversicherung abzunehmen beginnt, insbesondere was
die echte Mehrkostenversicherung - nicht die Ersatzversicherung für
die normale Krankenhaus-, Operations- und allgemeine Krankenkostenversicherung - angeht.
Die nachstehenden Ausführungen stützen sich auf die Ergebnisse
einer Analyse der Leistungen der Krankenzusatzversicherung, die von
1

�von 43 der insgesamt 300 untersuchten betrieblichen Krankenversicherungen,die auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarung bestehen, gewährt werden. Da es sich hierbei um die erste eingehende Untersuchung
der Krankenkostenzusatzversicherung als Bestandteil der tariflichen
Sozialleistungen des Arbeitgebers handelt, scheint es angebracht,
zunächst einmal die wesentlichen Merkmale derartiger Versicherungen
sowie ihre wichtigsten Vor- und Nachteile kurz zu erläutern.
Die Zusatzversicherung gewährt Leistungen zur Abdeckung
der Aufwendungen für fast sämtliche Gesundheitsmaßnahmen, die von
Ärzten ausgeführt oder angeordnet werden. Im Gegensatz zur normalen
Krankenversicherung, die sich in den Vereinigten Staaten größtenteils keineswegs aber ausschließlich - auf die Kosten beschränkt, die durch
eine stationäre Krankenhausbehandlung entstehen, deckt die Zusatzversicherung die Kosten für nahezu sämtliche Gesundheitsmaßnahmen,
gleichgültig, wo sie vorgenommen werden. Ausgeschlossen sind dagegen
zumeist die Entbindungs- und Zahnbehandlungskosten sowie alle Kosten,
die durch die normale Krankenversicherung getragen werden.
Der Schutz durch die Zusatzversicherung ist allerdings nicht hundertprozentig. Bei sämtlichen Versicherungen ist eine Selbstbeteiligungsklausel zu finden, der zufolge die Versicherung 75-80 Prozent der
Kosten zu tragen und der Versicherte den Rest zu bestreiten hat. Bei
den meisten Versicherungen ist auch' eine Franchise vereinbart, das
heißt, der Versicherte muß für einen festen Betrag selbst aufkommen,
ehe die Leistungspflicht der Versicherung einsetzt. Gehört der Versicherungsnehmer auch einer normalen Krankenkasse an, so sind die Selbstbeteiligung und die Franchise meist auf die Aufwendungen beschränkt,
die nicht von der Krankenversicherung abgedeckt werden. Der Versicherungsnehmer muß ferner für alle Kosten selbst aufkommen, die den Leistungshöchstsatz überschreiten, der zumeist zwischen 5000 und 10 000 Dollar
liegt und jeweils für ein bestimmtes 'Leiden gilt, teils innerhalb eines
begrenzten Verrechnungszeitraums, teils auf Lebensdauer.
Man hat zwei Arten der KrankenkaBbenzusatzversicherung zu unterscheiden: 1. die Mehrkostenversicherung, die für die Aufwendungen aufkommt,
die die Franchise und den von der Grundversicherung abgedeckten Betrag
übersteigen; 2. die Gesamtversicherung, die an die Stelle der normalen Krankenversicherung tritt, bis auf eine Franchise, alle Kosten für
Gesundheitsmaßnahmen einschließt. Bei beiden Versicherungsformen gelten
Höchstsätze für die jedem einzelnen Versicherten zu erstattenden Beträge .
Die nachstehende Aufstellung zeigt, wie sich versicherte Krankenkes ten in Höhe von 5000 Dollar bei den einzelnen Versicherungsarten auf
die Versicherung und den Versicherten verteilen;(siehe Tabelle):

2

�Grund- und
MehrkostenVersicherung
(Dollar)
Höhe der Krankenkosten
Von der Versicherung zu
erstattender Betrag
aus der GrundVersicherung
aus der Mehrkostenversicherung
(bei 80 Prozent Deckung)
Vom Versicherten zu tragender
Kostenanteil
Franchise
Selhstbeteiligung an den Mehrkosten
(20 Prozent)

GesamtVersicherung
(Dollar)

5000

5000

4340
2100*

3960

2240

3960

660

1040

100

50

56O

990

Trotz Franchise, Selbstbeteiligung und Leistungsgrenze bietet die
Zusatzversicherung mehrere Vorteile:
1. Die Zusatzversichefung ist insofern umfassend, als sie nicht
einzelne, genau spezifizierte Aufwendungen, sondern sämtliche Krankenkosten (mit den wenigen vorstehend erwähnten Ausnahmen) deckt, ohne
Rücksicht auf die speziellen Behandlungsmethoden des zugezogenen Arztes, den Ort der Behandlung, die verordneten Arzneimittel oder die
angewandten diagnostischen Hilfsmittel. Eine gewisse Ausnahme wird
von einzelnen Versicherungen bei Geisteskrankheiten und nervösen Leiden gemacht. Die Zusatzversicherung, 30 wird vielfach argumentiert,
verhindert im Gegensatz zur Grundversicherung die Verfälschung des Behandlungsablaufs und vermeidet unnötige oder übermäßige Krankenhausbehandlung, indem sie auch die Kosten für die Behandlung trägt, die
nicht stationär vorgenommen wird.
2. Der Leistungssatz ist viel höher als in der Grundversicherung,
insbesondere was Arzt- und Operationskosten angeht. Wie aus früheren
Untersuchungen der Leistungen der tariflichen Krankenversicherungen durch
das Bundesamt hervorgeht, bezifferten sich die Erstattungssätze der
Grundversicherung pro Leiden im Durchschnitt bei Pflegekosten auf
1000 Dollar, bei Krankenhausnebenkosten auf 300 Dollar,bei schweren Operationen auf 307 Dollar und bei Behandlungskosten auf 517 Dollar - das
ergibt insgesamt für alle Aufwendungen zusammen einen Höchstbetrag von
2124 Dollar. Wie bereits erwähnt, liegt der Höchstbetrag bei den meisten
*

Etwa der höchste Anteil, der von der normalen Krankenhaus-, Operations- und Krankenkostenversicherung erstattet wird.

-

3 -

�meisten Zusatzversicherungen bei 5000 Dollar und mehr,
3. Die Versicherungsgesellschaften und verschiedene Experten
vertreten die Auffassung, daß eine lediglich teilweise Erstattung das Ergebnis der Franchise und der Selbstbeteiligung - gegenüber
einer restlosen Kostendeckung, wie sie die Grundversicherung teilweise gewährt, drei Vorteile habe;
a. Sie dämme die nicht notwendige Inanspruchnahme von ärztlichen
Dienstleistungen, teueren Heilbehandlungen und kostspieligen
Einrichtungen ein.
b. Sie rege die Patienten zu einer kritischen Kontrolle der ihnen
verrechneten Gebühren und Sätze an, was selbst nach Ansicht
der Ärzteschaft notwendig ist.
c. Sie verhindere die Erstattung von kleinen Aufwendungen und
trage somit zur Senkung der Verwaltungskosten bei, die andernfalls auf die Beiträge abgewälzt werden müßten.
Diese Vorteile werden von Sprechern der'Gewerkschaften geleugnet
oder doch als unerheblich abgetan, die den Standpunkt vertreten, die
Zusatzversicherung gewähre dem Arbeiter und Angestellten keinen Ausgleich für die normalerweise anfallenden (kleineren) Krankenkosten.
Sie weisen ferner darauf hin, daß bei Vorliegen eines mit hohen Krankenkosten verbundenen Leidens - des typischen Versicherungsfalls der
Zusatzversicherung also - "der Arbeitnehmer auf Grund der vereinbarten
Franchise und Selbstbeteiligung einen hohen Anteil an den anfallenden
Rechnungen zu tragen hat. und daß, wenn man kein Geld hat, ein- oder
zweitausend Dollar Schulden ebenso drückend sind wie eine noch höhere
Summe". *)
Neben dem begrenzten Schutz vor Vermögensverlusten führen die
Gewerkschaftler noch zwei weitere Nachteile der Zusatzversicherung an.
Der erste besteht darin, daß "die Franchise den Arbeitnehmer vielfach
davon abhält, rechtzeitig zum Arzt zu gehen" (*ebenda). Dieses Argument trifft wohl für die Gesaratversicherung (bei der die Leistungen
der Grundversicherung wegfallen) und die meisten Mehrkostenversicherungen zu, nicht aber für eine kleine Zahl von Mehrkostenversicherungen, die die Grundversicherung ergänzen und mit ihren Leistungen einsetzen, nachdem die Kosten für eine ganze Reihe von Gesundheitsmaßnahmen in der ersten Behandlungsphase von der Grundversicherung abgedeckt sind.
Ein weiterer Einwand besagt^ "die Mehrkostenversicherung inflationiert die Krankenkosten. Die Arzte richten sich in ihren Honorarforderungen nach dem Einkommen des Patienten. Diese Versicherung aber
erhöht in den Augen des Arztes die Zahlungsfähigkeit der Klienten
und kann ihn deshalb sehr leicht veranlassen, seine Rechnung weit höher
^u stellen als bei Fehlen eines solchen Versicherungsschutzes" (*ebenda).
*

"Catastrophic Illness Insurance: A Barrier on the Road to Health"
(Die Versicherung schwerer Krankheiten - ein Hindernis auf dem
Weg zur Gesundheit), AFL-CIO Publication 51 , 1957 -

�Zu dieser Frage wurde von Versicherungsgesellschaften, Ärzteverbänden, Gewerkschaften und Versicherungsexperten umfassendes
statistisches Material vorgelegt. Um derartigen inflatorischen
Tendenzen entgegenzuwirken, haben die meisten Versicherungen einen
Passus, der die Erstattung auf "vertretbare" und übliche" Aufwendungen beschränkt. Manche Gesellschaften sind deshalb auch zu der
Gepflogenheit der normalen Krankenversicherungen zurückgekehrt,
Höchstsätze für einzelne Leistungen in die Verträge einzubauen.
So wurde beispielsweise von verschiedenen Versicherungen der Pflege-,
satz auf 20 bis 25 Dollar pro Tag und der Höchstsatz für einen Hausbesuch des Arztes auf 10 Dollar festgesetzt.
Für die inflatorischen Auswirkungen der Zusatzversicherung werden vor allem zwei Erklärungen genannt: 1. Der nicht gedeckte Anteil
an den Krankenkosten (20 oder 25 Prozent) ist zu gering, um die Wahl
der Behandlungsart durch den Patienten zu beeinflussen. 2. Das Wissen
des Patienten um die Einsparungsmöglichkeiten bei den verschiedenen
Behandlungsarten reicht nicht aus, um eine sachkundige Wahl zu treffen. Um die erstgenannte Schwierigkeit wenigstens teilweise zu überwinden, erstatten einige Gesellschaften bei gewissen Leistungen, bei
denen eine Kontrolle des Kostenanfalls durch den Patienten besonders
wichtig ist, nur einen relativ kleinen Teil der Kosten. So decken sieben der in die Untersuchung einbezogenen 43 Zusatzversicherungen bei
der ambulanten Behandlung von Geisteskrankheiten und nervösem Leiden
nur 50 Prozent der Aufwendungen gegenüber dem bei anderen Erkrankungen
üblichen Anteil von 75 oder 80 Prozent.
Verbreitung der Zusatzversicherung
Von den 300 auf Grund tarifvertraglicher Regelungen bestehenden
betrieblichen Krankenversicherungen,dieindie Untersuchung des Bundesamtes
für Arbeitsstatistik einbezogen wurden, erstreckten sich 43» die insgesamt 1,2 Millionen Arbeitnehmer als Mitglieder hatten, auch auf die
Zusatzversicherung. 37 von ihnen waren Mehrkostenversicherungen, d.h.
sie ergänzten die Leistungen einer bestehenden Grundversicherung für
Krankenhaus-, Operations- und allgemeine Krankenkosten. Bis auf vier
Versicherungen schlössen sie sämtlich die Familienangehörigen der
Arbeitnehmer ein. Bei neun Versicherungen erstreckten sich die Leistungen auch auf pensionierte Arbeitnehmer und bei acht auch auf
deren Angehörige.
Die Zahl der betrieblichen Gruppenversicherungen hat sich seit
der letzten Untersuchung des Bundesamtes im Jahre 1955 verdreifacht.
Die Zusatzversicherung hat im gleichen Zeitraum eine Zunahme aufzuweisen, die sogar noch weit höher liegt. Dennoch ist diese Versicherungsart auf Grund tarifvertraglicher Vereinbarungen im Rahmen der betrieblichen Sozialleistungen noch nicht sehr weit verbreitet. Lediglich
in den Erdölraffinerien, in der Elektroindustrie und im Transportgewerbe sind 50 Prozent oder mehr der Arbeitnehmer, die einer in die
Untersuchung des Bundesamtes einbezogenen betrieblichen Krankenversicherung angehören, auch in der Zusatzversicherung. Von den 3»3
Millionen Arbeitern und Angestellten, die Mitglieder der 300 untersuchten Versicherungen sind, gehören nur 18 Prozent auch einer Zusatzversicherung an. Der Anteil der bei den untersuchten betrieblichen

-

5 -

�betrieblichen Krankenversicherungen zusatzversicherten Arbeitnehmer
aus der nichtindustriellen Wirtschaft lag mit 36 Prozent doppelt
so hoch; dies ist vor allem der Mehrkostenversicherung des nichtbetriebstechnischen Eisenbahnpersonals zuzuschreiben. Da diese
Versicherung allein fast die Hälfte aller mehrkostenversicherten
Arbeitnehmer umfaßt, macht sie sich in der Statistik natürlich
ganz einschneidend bemerkbar. Von ihr und vier weiteren Zusatzversicherungen abgesehen, handelte es sich ausschließlich um geschlossene Betriebsversicherungen. Andererseits sind viele der auf
mehrere Betriebe ausgedehnten Gruppenversicherungen in ihren Leistungen so gut, daß sich eine Zusatzversicherung erübrigt oder zumindestens nicht dringend notwendig ist.
Die Finanzierung der Zusatzversicherung
Der Beitrag für die Zusatzversicherung wird bei knapp einem
Drittel der Versicherungen ausschließlich vom Arbeitgeber bestritten,
für die Grundversicherung dagegen bei zwei Dritteln. 7/ährend die Grundversicherung in keinem Falle ausschließlich vom Arbeitgeber getragen
wird, ist dies bei fünf der 43 Zusatzversicherungen der Fall. Nimmt
man noch die Kosten für die Mitversicherung der Angehörigen dazu, so
wurde die Gesamtlast für die Grundversicherung bei der Hälfte der
Betriebskrankenkassen vom Arbeitgeber getragen, für die Zusatzversicherung dagegen nur bei einem Fünftel. Andererseits werden die Beiträge zur Grundversicherung der pensionierten Arbeitnehmer bei einem
Drittel der Versicherungen von den Pensionären allein aufgebracht,
zur Zusatzversicherung dagegen nur bei einem Neuntel.
Die Mehrkostenversicherung
Die Franchise; Fast sämtliche Mehrkostenversicherungen haben eine
"Zonenfranchise" eingeführt, das heißt, es besteht zwischen der oberen
Leistungsgrenze der Grundversicherung und dem Einsetzen der Leistungspflicht der Mehrkostenversicherung ein nicht gedeckter Bereich. Zwei
Versicherungen kennen eine "integrierte Franchise", bei- der die Leistungen der Grundversicherung von der Franchise abgerechnet werden;
das heißt, die Leistungen der Mehrkostenversicherung werden für alle
Aufwendungen gewährt, die die Leistung der Grundversicherung bzw.
die Höhe der Franchise übersteigen, wobei jeweils von dem größeren
Betrag auszugehen ist.
. Bei sämtlichen Versicherungen weist die Franchise die folgenden
drei Charakteristika auf: 1. Ein fester Dollarsatz. 2. Eine Frist, innerhalb welcher anfallende Kosten gegen die Franchise aufzurechnen sind.
3. Die Spezifikation der Leiden, die bei der Erstattung gegen ein
und denselben Franchisensatz aufzurechnen sind. Der Dollarsatz war im
allgemeinen für sämtliche Mitglieder einer Versicherung gleich, bei
sechs Versicherungen aber, die als Familienversicherungen operieren,
richtet er sich nach dem Einkommen des Hauptversicherten.
Die Zahl der Versicherungen, die die Franchise bei jedem einzelnen
Leiden in Ansatz bringen, ist etwa ebenso hoch wie die Zahl derjenigen,
die sie auf sämtliche innerhalb eines bestimmten Zeitraums behandelten
Krankheiten anwenden. Bei letzterem Typ herrschte eine 100-DollarZonenfranchise vor, wobei das Kalenderjahr als Verrechnungszeitraum zugrunde gelegt wird. Um die Härten zu mildern, die sich aus der

-

6

-

�der willkürlichen Festsetzung des Jahreszeitraums ergehen können,
gestatteten die meisten Versicherungen die Aufrechnung nicht erstatteter Beträge aus den letzten drei Monaten des Vorjahres auf die
Franchise, auch wenn sie bereits in jenem Jahr zur Abdeckung der
Franchise jenes Jahres aufgerechnet worden waren. Bei den Versicherungen, die die Franchise für jedes einzelne Leiden in Anwendung bringen,
beginnt der Verrechnungszeitraum mit dem Tag des Behandlungsbeginns
und währt zwei bis 24 Monate. Sechs der neun Versicherungen mit einer
Franchise von 100 Dollar haben einen Verrechnungszeitraum von zwei
Jahren, während vier, der insgesamt sechs Versicherungen mit einer
Franchise von 150 Dollar und darüber einen Verrechnungszeitraum
von einem halben Jahr und darunter zugrunde legen. Statt also eine
hohe Franchise durch einen langen Verrechnungszeitraum wettzumachen,
setzen die Versicherungen mit hoher Franchise sogar noch einen kürzeren Verrechnungszeitraum fest.
Die Selbstbeteiligung; Etwa die Hälfte dieser Versicherungen erstatten die Krankenkosten des Versicherten und seiner Angehörigen, soweit
sie die Leistungen der Grundversicherung und die Franchise übersteigen,
zu 75 Prozent, die andere Hälfte zu 80 Prozent. Eine Versicherung gewährt
sogar 90 Prozent. Zwei Drittel der Versicherungen, die die Aufrechnung
der Kosten für die Behandlung sämtlicher Leiden auf die Franchise gestatten, vergüten 80 Prozent, während andererseits zwei Drittel der
Gesellschaften, die die Franchise bei jedem einzelnen Leiden anwenden,
lediglich 75 Prozent erstatten. Bestimmte Aufwendungen, wie beispielsweise die ambulante psychiatrische Behandlung, werden nur zu einem
geringeren Prozentsatz - im allgemeinen 50 Prozent - durch die Versicherung abgedeckt; in einem Fall besteht sogar ein Leistungsausschluß.
Auswirkungen der Festsetzung eines bestimmten Verrechnungszeiträumst
20 Versicherungen, das ist etwas mehr als die Hälfte, decken die Aufwendungen der Arbeitnehmer für sämtliche Leiden während eines bestimmten
Zeitraums - gewöhnlich des Kalenderjahrs. Zieht sich eine Krankheit
bis ins folgende Kalenderjahr hin, so wird für dieses wiederum die
Franchise abgezogen, ehe die Leistungspflicht der Gesellschaft beginnt;
das gleiche gilt für jedes weitere Jahr. Um Härten zu mildern, die sich
aus den willkürlich festgesetzten Anfangs- und Enddaten des Verrechnungszeitraums ergeben können, weisen die Verträge von 11 der 16 Gesellschaften,
die das Kalenderjahr als Verrechnungszeitraum zugrunde legen, eine Bestimmung auf, die besagt, daß die in den letzten drei Monaten eines Kalenderjahres anfallenden Aufwendungen sowohl auf die Franchisen dieses
als auch des nächsten Jahres aufgerechnet werden können.
Nicht ganz die Hälfte der Zusatzversicherungen, 17 insgesamt, stimmen den Leistungszeitraum auf die Krankheitsdauer ab. Die meisten
decken die Krankenkosten, die während der ersten zwei Jahre nach Krankheitsbeginn anfallen, fünf sämtliche Kosten, acht die Kosten nach Abzug
der Franchise. Eine Leistungspflicht über zwei Jahre hinaus besteht nicht.
Die Länge und Handhabung des Verrechnungszeitraums bei der Familienversicherung zeigt im allgemeinen dieselben Y/esensmerkmale wie bei der
Versicherung des Arbeitnehmers selbst, schon weil sämtliche Versicherungen
bis auf vier ohnehin die Angehörigen mitversichern. Pensionierte

- 7 -

�Pensionierte Arbeitnehmer und deren Familienangehörige werden jedoch
nur von fünf Gruppenversicherungen mit erfaßt; bei diesen gilt, mit
einer Ausnahme, daß das Kalenderjahr für sämtliche in ihm behandelten
Leiden als VerrechnungsZeitraum anzusehen ist, für den eine Franchise
in Anwendung zu bringen ist.
Die Leistungshöchstsätze: Unter den 20 Versicherungen, die die Aufrechnung der Aufwendungen für sämtliche behandelte Leiden innerhalb eines
Verrechnungszeitraums von 12 bis 24 Monaten gestatten, besteht bei 17
keine Erstattungsgrenze innerhalb des Verrechnungszeitraums. Bei neun gilt
vielmehr eine. - auf Lebensdauer bemessene - Leistungsgrenze von 10 000
Dollar, bei einer eine von 7500 Dollar und bei sieben eine von 5000
Dollar (siehe Tabelle I und II). Zehn der 17 Versicherungen, die ihre
Leistungen pro Erkrankung auf Höchstsätze beschränken, erstatten Aufwendungen bis zur Höhe von 5000 Dollar pro Leiden und haben, mit einer
Ausnahme, keine auf Lebenszeit bemessenen Höchstsätze. Die restlichen
Versicherungen arbeiten entweder mit einer Höchstgrenze auf Lebensdauer von 5000 Dollar (in einem Fall 10 000 Dollar) oder einem Höchstsatz von 5000 Dollar während eines Verrechnungszeitraums.
Während Aufwendungen von über 5000 Dollar für ein Leiden selten
erforderlich werden dürften, kann sich die Leistungsgrenze von 5000 oder
10 000 Dollar auf Lebensdauer, das sind für junge Menschen gegebenenfalls 45 und mehr Jahre, als ein großer Nachteil erweisen. Zwei Drittel
der Versicherungen haben sich eine solche Leistungsgrenze von 10 000
oder weniger Dollar für den Arbeitnehmer ausbedungen. Der abträgliche
Effekt einer derartigen Beschränkung wird durch eine in fast allen
Verträgen zu findende Klausel etwas gemildert, derzufolge die Wiederherstellung des Höchstsatzes bei Mitgliedern möglich ist, die sich
einer guten Gesundheit erfreuen ("bei genügendem Nachweis der Versicherungswürdigkeit"). Diese Bestimmung schließt allerdings die Versicherten mit wiederholt auftretenden oder chronischen Erkrankungen
aus, mit anderen Worten gerade jene, die eines erweiterten Versicherungsschutzes am ehesten bedürfen.
Die Gesamtversicherung
Sechs der in Rede stehenden betrieblichen Zusatzversicherungen waren
sogenannte Gesamtkostenversicherungen, d.h., sie ersetzten die Grundversicherung, statt sie zu ergänzen. Von dieser Versicherung wurden insgesamt rund 200 000 Arbeitnehmer in Form von Gruppenversicherungen mit.
2400 bis 120 000 Mitgliedern erfaßt. Fünf der Versicherungen erstreckten
sich auch auf die Angehörigen der Arbeitnehmer, vier auch auf die pensionierten Arbeitnehmer und drei auch auf deren Familienangehörige.
Diese Versicherungen haben höhere Leistungen aufzubringen als die
Mehrkostenversicherungen, da die Franchise rascher aufgebraucht wird.
Sie ist niedriger - im allgemeinen beträgt sie 25 oder 50 Dollar gegenüber 100 Dollar und mehr bei der Zusatzversicherung - und wird, von
einer Versicherung abgesehen, gegen die Aufwendungen für sämtliche
im Laufe eines Jahres (und darüber) behandelten Krankheiten aufgerechnet und nicht - wie bei fast der Hälfte der Mehrkostenversicherungen bei jedem einzelnen Leiden neu angerechnet. Bei der Mehrkostenversicherung

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziebungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht -als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 7/8

Bad Godesberg, den 1. Juli 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Die Herausforderung der "zweiten industriellen
Revolution"

Seite

1

"Gewerkschaftsfamilien" sind finanziell besser dran

Seite

8

Die Entwicklung des US-Personaleinkommens seit 1950

Seite

11

Seite

11

Seite

12

Seite

14

Sicherung der Arbeitsplätze durch rechtzeitige
Umschulung
Neue Formel für den Arbeitsfrieden

«

Gewerkschaftliche 'Kurznachrichten

Arthur J. Goldberg, Arbeitsminister der Vereinigten Staaten von Amerikai
Die Herausforderung der "zweiten industriellen Revolution"
In dem nachstehenden Artikel behandelt US-Arbeitsminister Arthur J. Goldberg die Frage, wie sich
eine notwendige fortgesetzte Steigerung der Produktivität durch Einführung arbeitsparender Maschinen realisieren läßt, ohne daß dadurch unnötige
wirtschaftliche und soziale Härten für den einzelnen entstehen und ohne daß daraus eine größere
Arbeitslosigkeit resultiert.
Der Artikel wurde dem "New York Times Magazine"
entnommen. Nachdruck nur mit Angabe des Verfassers,
der Quelle und dem Vermerk "(c) 1961 by The New
York Times Company" gestattet.
Präsident Kennedy hat eine aus sieben prominenten Vertretern des
Managements, sieben Spitzenfunktionären der Gewerkschaften, fünf bekannten Privatpersonen und dem Handelsminister Hodges und mir bestehende Gruppe mit der Aufgabe betraut, allgemeine Richtlinien auszuarbeiten,
die von den Gewerkschaften, dem Management und der Öffentlichkeit im
Hinblick auf solche wirtschaftspolitische Fragen beherzigt werden
sollten wie der Wettbewerb auf dem Weltmarkt oder "die Segnungen und
Probleme, die sich aus der Einführung der Automation ergeben".

Wir

�Wir haben diesen Auftrag zu einem Zeitpunkt übernommen, der durch
stark kontrastierende Wirtschaftstrends gekennzeichnet war. Die Gesamtzahl der Beschäftigten lag z.B. im Februar dieses Jahres mit 64,7 Millio-.
nen auf einem Rekordniveau, während gleichzeitig die Erwerbslosenziffer
bis auf 5»705 Millionen angestiegen war und damit den höchsten Stand
seit 1941 erreichte.
Ich habe mit Hunderten von Arbeitslosen in den Industriegebieten
von Chicago, Gary, South Bend, Detroit, Pittsburgh und in den Erzbergbaugebieten von Minnesota gesprochen. In jenen Gebieten drückt sich der
Wirtschaftstrend in seinen lebenden Komponenten aus - Männer und Frauen
mit Namen und Schicksalen, mit Familien und Problemen, mit Vergangenheit
und Zukunft. Einige von ihnen waren Maschinenwärter, andere Zimmerer
oder Maler, dritte Bergleute oder Fließbandarbeiter und so fort - ein
vollkommener Querschnitt durch die gesamte Berufsskala. Alle hatten
nur einen Gedanken: Was soll werden? Für viele von ihnen ist eine
wirtschaftliche Erholung gleichbedeutend mit einer Beschäftigung. Sie
würden an ihren Arbeitsplatz zurückkehren und versuchen dort fortzufahren, wo sie aufgehört haben. Für andere jedoch ist der Arbeitsplatz
ein Opfer der durchgreifenden Veränderungen im Wirtschaftsleben, insbesondere in den Industriebetrieben, geworden.
Diese allgemein sehr vage durch den Gattungsnamen "Automation" umrissenen Veränderungen sind inzwischen so deutlich geworden, daß einige
Wirtschaftler sie als "eine zweite industrielle Revolution" bezeichnet
haben.
Die Automation ist die jüngste Phase in der jahrhundertelangen
Suche nach Möglichkeiten, die menschliche Arbeitskraft durch mechanische oder andere Formen der Energie zu ersetzen. In der industriellen
Revolution des 19» Jahrhunderts befreiten die kraftangetriebenen Maschinen den Menschen zum ersten Mal in der Geschichte von gewissen
Formen körperlicher Arbeit. Dieser Prozeß hat sich weiter fortgesetzt.
In den ersten Entwicklungen auf diesem Gebiet wie der Getreidemühle
Oliver Evans1 mit ihren Förderbändern und Rutschen, den automatischen
Kontrollen James Watts für seine Dampfmaschine und der Rechenmaschine
von Charles Babbage sind dabei die Anfänge der heutigen automatischen
Mammutproduktionsverfahren zu erblicken, in denen Erdöl raffiniert
wird, Artilleriegeschosse, Bäckereiwaren, Chemikalien, Motorblöcke
hergestellt und Elektrizität, Atommaterial und viele andere Dinge
erzeugt werden.
Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges hat die Automation durch
ein neues Element weiteren Auftrieb erhalten: das zunehmende Wissen
in der Bearbeitung von Informationen, wie es in den elektronischen
Rechensystemen und Rechnern seinen Ausdruck findet. Mit dem Elektronengehirn, das eine Kontrolle der "mechanischen Muskeln" ermöglichte, wurde
zwar die Vollautomation der Büros und Fabriken möglich, aber gleichzeitig damit zeichnete sich auch das Gespenst schwerer Dislozierungen
auf dem amerikanischen Arb,eitsmarkt ab.
Das Kernproblem, das sich der amerikanischen Wirtschaft heute
stellt - und das bei allen bedeutenden industriellen Verhandlungen in
irgendeiner Form gegenwärtig ist - heißt, auf einen einfachen Nenner
gebracht: Wie läßt sich die notwendige fortgesetzte Steigerung der

- 2 -

�der Produktivität mittels Einführung arbeitsparender Maschinen ohne
Härten für den einzelnen und ohne weitverbreitete Arbeitslosigkeit
realis ieren?
Dieses Problem ist allen westlichen Volkswirtschaften bekannt.
In Samuel Gompers' Selbstbiographie z.B. ist eine ergreifende Erinnerung
aus dem London der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts enthalten!
"Eine meiner ersten, stärksten Erinnerungen ist die große Not, die über
die Seidenweber hereinbrach, als Maschinen erfunden worden waren, durch
die ihre handwerklichen Fähigkeiten überflüssig wurden und die sie von
ihren Arbeitsplätzen verdrängten. Mit keinem Gedanken dachte man damals
an jene Menschen, deren Handwerk ausgelöscht worden war. Elend und Ungewißheit erfüllten die Nachbarschaft mit einer Atmosphäre der Furcht.
In den engen Gassen hallten die Schritte der Menschen wider, die, ohne
Arbeit, in Gruppen auf und ab gingen."
Solche schweren Zerrüttungen mit schwerem menschlichen Leid im
Gefolge sind historische Phänomene.
Heute sind die Auswirkungen solcher technischen Veränderungen
durch ein Wirtschaftssystem gemildert, dessen allgemeine Charakteristika
die zahlreichen Arbeitsmöglichkeiten, die Entstehung neuer Arbeitsplätze
in den Dienstleistungszweigen und im Handel, die Regierungsprogramme,
wie etwa die Arbeitslosenversicherung.sind sowie die durch Privatinitiative ausgehandelten "Stabilisatoren" wie die zusätzliche Arbeitslosenunterstützung, die in einigen Fällen dem Arbeitnehmer sogar dann noch
gezahlt wird, wenn er in einem anderen Industriezweig auf eine neue
Tätigkeit umgeschult wird.
Die großen technischen Veränderungen haben sich in der Vergangenheit über Zeiträume von vielen Jahren erstreckt. Wenn sie sich in dem
kurzen Zeitraum von nur fünf Jahren vollzogen hätten, wären die Auswirkungen sowohl auf die Wirtschaft als auch auf das soziale Gefüge weit
aus stärker gewesen. Heute jedoch wird das Tempo der Automation noch
durch den Druck zahlreicher Faktoren beschleunigt. Der wichtigste dieser
Faktoren ist zweifellos die Überalterung der amerikanischen Industrieanlagen. Wie eine zuverlässige Schätzung zeigt, würde es rund 95 Milliar
den Dollar kosten, die veralteten Produktionsanlagen und den Maschinenpark zu modernisieren bzw. die Maschinen durch neue zu ersetzen.
Gleichzeitig aber erleben wir, wie sich in Europa aus den Trümmern
des letzten Krieges eine neue industrielle Struktur - moderne Anlagen
mit automatisierten Maschinen - entwickelt. Die Erzeugnisse aus diesen
Anlagen bedeuten heute für uns eine schwerwiegende Konkurrenz auf jenen
Märkten, die einstmals unsere ureigenste Domäne waren. Diese beiden
Faktoren - die Überalterung im Lande selbst und der wachsende Wettbewerb im Ausland - sind es denn auch, die dem Wunsch, zu verbessern und
zu modernisieren, Auftrieb verleihen. Hinzu kommt noch der Impuls, der
durch den ständigen Wunsch nach einem höheren Lebensstandard ausgelöst
wird. Dem erfolgreichen amerikanischen Beispiel, bessere Güter und Diens
leis'tungen einer stetig wachsenden Bevölkerung zugänglich zu machen,
liegt eine hochentwickelte Technik zugrunde.
•
Wir sind bereits Zeugen der Auswirkungen der Automation geworden.
Zwischen 1947 und 196O z.B. erhöhte sich die Arbeitsproduktivität in der

�der Privatwirtschaft jährlich im Durchschnitt um 3,5 Prozent - im Vergleich zu dem langjährigen Durchschnitt von 2,4 Prozent.
Selbst wenn man die Produktivitätsziffern der Landwirtschaft - die
ja von allen Wirtschaftszweigen durch die technologischen Veränderungen
am stärksten berührt wurde - ausklammert, beläuft sich der jährliche
Durchschnitt der Produktivitätssteigerung in der Nachkriegszeit immer
noch auf 2,7 Prozent - im Vergleich zu dem langjährigen Mittel des
nichtlandwirtschaftlichen Sektors von 2,1 Prozent.
Im Zuge dieser Produktivitätszunahme hat sich in verschiedenen
Industriezweigen ein Rückgang in der Beschäftigtenzahl vollzogen. Im
Steinkohlenbergbau z.B. stieg die Produktivität in der Nachkriegsperiode
um erstaunli-che 96 Prozent an, während gleichzeitig die Zahl der Bergleute um 262 700 abnahm. Bei den Eisenbahnen erhöhte sich die Produktivität im selben Zeitraum um 65 Prozent bei gleichzeitigem Rückgang der
Beschäftigtenzahl um 540 000.
•
Es gibt kein geeignetes Mittel, um den genauen Anteil derjenigen
Erwerbslosen 'an der Gesamtarbeitslosenziffer festzustellen, die ihren
Arbeitsplatz auf Grund der technischen Veränderungen verloren haben.
Wir wissen zwar genau, daß die industrielle Beschäftigung im Jahre
i960 um 900 000 zurückging, obwohl in jedem der ersten zehn Monate
jeweils neue Rekordstände in der Gesamtbeschäftigung erzielt wurden,
aber uns ist nicht bekannt, wie groß die Zahl der Arbeitsplätze ist,
die für immer verlorengegangen sind, wenn auch vieles darauf hindeutet,
daß der Anteil der technologischen Erwerbslosigkeit an der Gesamtarbeitslosigkeit immer größer wird. So wies die US-Wirtschaft z.B. zu
Beginn jeder der vier wirtschaftlichen Erholungsperioden der Nachkriegszeit, die den Rezessionen folgten, eine höhere Arbeitslosenrate auf. Genauso betrüblich ist die Tatsache, daß es sich bei einem
großen Teil der Erwerbslosen um langfristige Erwerbslose handelt. Im
Januar dieses Jahres z.B. waren 6^7 000 der Unbeschäftigten bereits
länger als 27 Wochen auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz.
Der Schatten der technologischen Arbeitslosigkeit lastet heute
sowohl über den Stahl- und Bergarbeiterstädten als auch über den
Produktionszentren der Textil- und Fertigungsindustrie. Im vergangenen
Winter gruppierten sich die Arbeiter in West-Virginia um an den Straßenecken angezündete offene Feuer, um dort Nachrichten über Arbeitsmöglichkeiten auszutauschen. Mit dem Herannahen des Frühlings verstärken sich
zwar wieder die Hoffnungen, aber leider ist es ebenso eine Tatsache,
daß in jedem Frühjahr, von Jahr zu Jahr in verschiedenen Industriezweigen immer weniger Arbeitnehmer anzutreffen sind. Das Vermächtnis
des industriellen Fortschritts ist, auf lange Sicht betrachtet, ein
gutes gewesen. Wenn man jedoch das Problem definieren will, so muß man
auch die Verheißungen aufzeigen, und um sich den Fortschritt auszumalen, ist es erforderlich, das Problem zu umreißen. Durch die Automation
z.B. werden die beruflichen und handwerklichen Fähigkeiten der gesamten
Arbeitskräfte auf Grund der höheren Anforderungen an Erziehung und Ausbildung angehoben. Sie verheißt handwerkliehen Fähigkeiten und Intelligenz eine Belohnung. Aber sind wir überhaupt gerüstet, den Erziehungsund Ausbildungserfordernissen nachzukommen, die sich aus solchen Veränderungen ergeben?
Die

�Die Automation befreit den Menschen von der harten körperlichen
Arbeit und nimmt ihm die Produktionslast von den Schultern. Aber sind
wir - als Volk - darauf vorbereitet, die so gewonnene Freizeit konstruktiv für die Erholung im wahrsten Sinne des Wortes, für die "Neuschöpfung"
unseres Lebens einzusetzen?
Das allgemeine Ziel, die Verheißungen zu realisieren und die Probleme
zu lösen, wird von allen Amerikanern anerkannt. Die Wahl der hierfür
einzusetzenden Mittel jedoch mag umstritten sein.
Die Gewerkschaften und das Management haben in den vergangenen
zwei bis drei Jahren eine besondere Technik der Problemannäherung entwickelt: sie bemühen sich, die durch die Automation geschaffenen Probleme
vom TarifVerhandlungstisch fernzuhalten, anstatt sie vor diesem Forum
zu diskutieren. Dies geschieht meist durch die Einsetzung von Sonderausschüssen, zu denen häufig auch Vertreter der Öffentlichkeit gehören,
Ausschüsse, die außerhalb der Tarifverhandlungsarena arbeiten, fern
vom Verhandlungsdruck, von der Terminnot und den Gegenströmen. Derartige Ausschüsse sind gegenwärtig in zahlreichen Industriezweigen tätig,
so in der Stahl-, der fleischverarbeitenden und der Bauindustrie.
Auch der durch Regierungsbeschluß geschaffene Präsidialausschuß für
die Eisenbahnen, dem Vertreter der Gewerkschaften, des Managements und
der Öffentlichkeit angehören, befaßt sich mit dem komplizierten Problem
der Arbeitsfragen und Arbeitspraktiken.
Kann diese Technik des Problemstudiums und der Ausarbeitung von
Lösungen funktionieren? "Wenn sie auch ein Beispiel des "good will" und
des gesunden Menschenverstandes ist, so ist sie doch auch gleichzeitig
ein Zeichen der Unfähigkeit in der Vergangenheit, die Auswirkungen der
Automation im voraus richtig einzuschätzen. Alle diese Ausschüsse sind
praktisch ex post facto Gremien, von denen einige nach Streiks gebildet,
andere schnell zusammengestellt wurden, als ihre Notwendigkeit offenbar
wurde. Ich glaube, daß sie in der Lage sind, Lösungen zu finden. Gleichzeitig aber zeigen die vom US-Arbeitsministerium durchgeführten Untersuchungen mit aller Deutlichkeit, daß - wenn Gewerkschaften und Unternehmen in bestimmten Industriezweigen die technischen Veränderungen im
voraus durchplanen und die möglichen Auswirkungen analysieren, bevor
die Veränderungen durchgeführt werden - die Auswirkungen der Automation
beträchtlich abgeschwächt und häufig sogar aufgehoben werden können,
während sich gleichzeitig der Gesamtnutzen für die betreffende Industrie
erhöht.
Eine der großen Produktionsfirmen in Radio-, Fernseh- und Phonogeräten in den USA stellte z.B. ihren Betrieb vor einigen Jahren auf
vollautomatische Fertigung um. Die Gewerkschaftsvertreter wurden rechtzeitig darüber informiert, und Umstellung^- und Verfahrensregeln für
die Weiterbeschäftigung einiger Arbeiter, die Transferierung anderer
und die Aufstufung dritter wurden festgelegt. Nicht ein einziger Arbeitsplatz ging hier verloren. Der Lohn für einige der neuen, automatisierten
Arbeitsplätze erhöhte sich um 5 bis 15 Prozent. Lohnanreizsysteme wurden
für andere, ältere Arbeitsplätze eingeführt, deren Charakter sich geändert
hatte. Der gesamte Übergang vollzog sich geora.net und wirkungsvoll.
Ähnlich günstige Erfahrungen machte auch eine Lebensversicherungsgesellschaft. In einer ihrer Abteilungen wurden monatlich 850 000 Policenveränderungen bearbeitet und dafür 125 Lochkartenmaschinen und 198

- 5-

�198 Angestellte eingesetzt. Das Unternehmen entschloß sich, einen Elektronenrechner aufzustellen, der nach seiner Schätzung die Betriebskosten
pro Jahr um 200 000 Dollar senken, die Zahl der Lochkartenmaschinen auf
21 verringern und uie Zahl der Angestellten auf 85 .-Grabsetzen würae .
Nachdem die Entscheidung für die Umstellung gefallen war, ging das Unternehmen daran, uie personellen Veränderungen sorgfältig durchzuplanen.
die von der Umstellung betroffenen Angestellten wurden rechtzeitig informiert, und jeder wurde in längeren Interviews darüber befragt,
welchen anderen Arbeitsplatz im Betrieb er gerne übernehmen möchte.
Alle Befragten, die entsprechende Wünsche äußerten, konnten erfolgreich
an neue Arbeitsplätze transferiert werden.
Das gleiche traf auch für eine Großbäckerei, eine Ölraffinerie
sowie für andere vom Arbeitsministerium untersuchte Betriebe zu.
Aus all den Betriebsuntersuchungen schälten sich einige sehr bedeutsame Faktoren heraus, deren Vorhandensein die Umstellung auf die Automation sowohl *u einem menschlichen als auch zu einem technischen Erfolg
machte. Hierzu gehörtem
1. eine ausreichende Zeitspanne zwischen der Entscheidung, zu automatisieren, und dem tatsächlichen Beginn der Umstellung;
2. gründliche Beratungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmensführung
über die zu erwartenden Arbeitsplatzveränderungen und Arbeitsplatzverlustej
J. eine offene und ehrliche Aufklärung der unmittelbar Betroffenen und
4. der vielleicht wichtigste Faktors die zeitliche Festlegung der Umstellung
auf eine Periode der Beschäftigungs- und Marktexpansion.
Die Erfahrungen der Unternehmen, die ihre Betriebe erfolgreich auf
die Automation umgestellt haben, zeigen, daß - wenn die Umstellung auf
die Automation in einer Periode der Beschäftigungszunahme und des wirtschaftlichen Wachstums vorgenommen wird - sie nur wenige Probleme bietet,
die nicht durch angemessene und offene Planung gelöst werden können.
Auf der anderen Seite jedoch kann die Automation, wenn sie in Perioden
abnehmender Beschäftigungsmöglichkeiten und rückläufiger wirtschaftlicher
Aktivität vorgenommen wird, schwerwiegende Auswirkungen auf das gesamte
Arbeitspotential haben.
Wenn z.B. die Beschäftigungsmöglichkeiten auf Grund absinkender
wirtschaftlicher Aktivität abnehmen, so hat derjenige Arbeitnehmer,
der seinen Arbeitplatz auf Grund technologischer Veränderungen verliert,
nur begrenzte Alternativen, una zwar sowohl an seinem Wohnsitz als auch
an anderen Plätzen. Auch in Perioden geringen wirtschaftlichen Wachstums
sind die Möglichkeiten eines Betriebes, den freigesetzten Arbeitskräften
im Rahmen des gleichen Unternehmens einen Ausweicharbeitsplatz anzubieten,
häufig sehr begrenzt.
Eines der wichtigsten bisherigen Erkenntnisse ist es, daß die Notwendigkeit einer Ausbildung und Umschulung der Arbeitskräfte auf allen
Gebieten des amerikanischen Lebens besteht. Kein Unternehmer oder
Arbeitnehmer ist hiervon ausgeschlossen, und jeder, der diese Notwendigkeit ignoriert, tut dies zu seinem eigenen Schaden.
Ebenso

�Ebenso klar ist es jedoch auch, daß man keinen allgemeingültigen
Plan für die Anhebung der beruflichen Fähigkeiten einer Arbeitnehmerschaft
aufstellen kann, die so vielschichtig und verschiedenartig ist wie die
unsrige. Die Situation in jeder Gemeinde und innerhalb eines jeden Industriezweiges ist so, daß sie ihre eigenen Mittel und Wege erfordert.
Alle setzen jedoch die Notwendigkeit für eine maximale Zusammenarbeit
zwischen den einzelnen Segmenten der Gemeinde voraus - Erziehungswesen,
Geschäftswelt und Gewerkschaften, um nur drei zu nennen.
Die Entwicklungen in Hazleton (Pennsylvanien) und Phoenix (Arizona)
sind solche richtungweisenden Beispiele hierfürt Auf Grund des Rückgangs
in der Steinkohlenproduktion war die Erwerbslosensituation in Hazleton
sehr kritisch geworden. Im Jahre 1958 erklärte sich ein Unternehmen bereit, ein stillgelegtes Eisenbahnbetriebswerk zu übernehmen, das von der
Hazleton Industrial Development Corporation erworben und für industrielle
Zwecke umgebaut worden war. Im letzten Frühjahr nun hatte dieses Unternehmen großen Bedarf an gelernten Maschinisten« jedoch nur zwei der 40
Bewerber entsprachen den an sie gestellten handwerklichen Ansprüchen.
Das Unternehmen trug sich daraufhin mit Abwanderungsplänen.
In dieser kritischen Situation kamen dann Vertreter der Entwicklungsgesellschaft, der Handelskammer, des staatlichen Arbeitsvermittlungsdienstes und der Abteilung Lehrlingsausbildung und berufliche Fortbildung
des Arbeitsministeriums zusammen, um die Lage zu erörtern. Das Ergebnis
dieser Zusammenkunft war, daß ein kommunales Ausbildungsprogramm für
Maschinenwärter aufgestellt wurde. Der Kursus wurde an der Berufsschule
in Hazleton durchgeführt, und zu den Teilnehmern zählten sowohl Arbeitnehmer des Unternehmens als auch Arbeitslose aus anderen Gebieten.Der Bundesstaat Pennsylvanien stellte außerdem zusätzliche Gelder
für die Anschaffung der erforderlichen Lehrmittel bereit, und ein sechsköpfiger, aus Vertretern der Gewerkschaft' und.des Managements bestehender
Ausschuß wurde mit der praktischen Durchführung des Programms beauftragt.
Die Handelskammer führte außerdem eine Analyse über die beruflichen
Fähigkeiten der in diesem Bezirk registrierten Arbeitskräfte durch, und
als Ergebnis dieser Untersuchung wurden kürzlich zwei Förderklassen
für Aufsichtskräfte an der Staatsuniversität Pennsylvanien eingerichtet.
Später kamen dann noch Klassen für Maschinenbau, technisches Zeichnen
und angewandte Mathematik hinzu. Dies ist die Hazleton-Story, eine
Story von der umfassenden kommunalen Zusammenarbeit zur Deckung des
Bedarfs an speziell geschulten Arbeitskräften. Ihren Hintergrund bildete eine starke Arbeitslosigkeit, die durch den Rückgang der Kohleproduktion bedingt war.
In Phoenix dagegen waren die wirtschaftlichen Zusammenhänge andere,
wenn auch die Umstände und die Reaktion die gleichen waren. Nachdem hier
vor einigen Jahren eine umfassende Analyse über die Qualifikationen der
Arbeitnehmer durchgeführt worden war, taten sich weitsichtige Unternehmen
und Gewerkschaften mit anderen zivilen und Schulgruppen zusammen, um ein
Programm zu entwickeln, durch das sichergestellt werden sollte, daß die
beruflichen und handwerklichen Fähigkeiten der Arbeitnehmer den künftigen.Bedürfnissen angepaßt werden. Diese Fortbildungsprogramme werden
heute durchgeführt und von all jenen Kreisen der Stadt unterstützt,
denen das Interesse ihrer Stadt und im weiteren Sinne auch das des gesamten Landes genauso am Herzen liegt wie ihr eigenes.
Viele andere Städte und Gemeinden haben mit ähnlichen gemeinsamen
Attacken auf das berufliche Fortbildungsproblem begonnen. Dennoch werden
sie, von einigen Bundesprogrammen unterstützt, nur dann Erfolg haben,
wenn ihnen die Gesamtwirtschaft Arbeitsplätze und Geschäftsmöglichkeiten

- 7-

�Geschäftsmöglichkeiten zu bieten vermag.
Das Kernproblem, dem sich der Beratungsausschuß des -Präsidenten
für Arbeitgeber—Arbeitnehmerfragen gegenüber sieht, erstreckt sich daher
auch nicht nur auf die Wege und Mittel oder auf die Möglichkeiten des Informationsaustausches, sondern darüber hinaus auch auf die allgemeinen
Überlegungen, die darauf ausgerichtet sind, eine Volkswirtschaft zu schaffen, in der die Automation ungehindert und ohne Schaden anzurichten funktionieren kann.
Die Untersuchung des Automationsproblems macht eines möglicherweise
zu einem wesentlichen Element des amerikanischen Lebens« die Verantwortung
gegenüber dem öffentlichen Wohl, die den privaten Entscheidungen einer
freien Wirtschaft innewohnt. Sie führt dem Geschäftsmann die Tatsache vor
Augen, daß sein Geschäftsgebaren nicht nur das Leben und die Wohlfahrt
seiner Angestellten beeinflußt, sondern auch das nationale Wohlergehen.
Sie erinnert die Gewerkschaftsführer daran, daß konstruktives und schöpferisches Planen jene Opposition ersetzen muß, die sich auf kurzfristige
Erwägungen stützt. Und sie macht der öffentlichkeit klar, daß der Preis
der Freiheit im Wirtschaftsleben Verantwortung heißt.
Aufgeschlossene Geschäftsleute, weitsichtige Gewerkschaftsführer
und eine verantwortungsbewußte Öffentlichkeit können zusammen die Automation zu einem allgemeinen Segen machen. Die von den industriellen und
nationalen Ausschüssen entwickelten Richtlinien und Programme sollten
daher auch von allen Amerikanern sorgfältig studiert werden, denn es
kann sich dabei durchaus um die Blaupausen für eine bessere Welt handeln.
Aus "The New York Times Magazine". Nachdruck
nur mit Angabe des Verfassers, der Quelle und
dem Vermerk "(c) 1961 by The New Xork Times
Company" gestattet.
* * * * *

Peter Henle, Stellvertretender Forschungsdirektor der AFL-CIO:
"Gewerkschaftsfamilien" sind finanziell besser dran
Aufbauend auf der letzten der jährlich vom Forschungszentrum der
Universität Michigan durchgeführten Untersuchungen über die Veränderungen im wirtschaftlichen und sozialen Status amerikanischer
Familien, hat die Forschungsabteilung der AFL-CIO kürzlich eine
Vergleichsanalyse über gewerkschaftlich organisierte und solche
Familien durchgeführt, deren Haupternährer keiner Arbeitnehmerorganisation angehört.
Die wichtigsten Ergebnisse dieser ersten Untersuchung dieser Art
werden in folgendem Artikel von dem stellvertretenden Forschungsdirektor der AFL-CIO Peter Henle kommentiert und erläutert. Der
Artikel wurde - stark gekürzt - der Gewerkschaftspublikation "The
American Federationist" entnommen. Nachdruck nur mit Angabe des
Verfassers und der Quelle gestattet.
Die neuesten Ergebnisse lassen erkennen, daß sich der Status des
größten Teils der "Gewerkschaftsfamilien" in den letzten Jahren erheblich
verändert hat! die Einkommen sind angestiegen; sowohl die Spareinlagen
als auch die Summe der Gesamtschulden haben sich etwas erhöht; die
Zahl der Eigenheimbesitzer ist größer geworden; viele haben ihren
Wohnsitz aus den Stadtkernen in die Vororte verlegt, und gleichzeitig
sind zahlreiche Gewerkschaftsfamilien aus der unteren in
- 8 -

�in die mittlere Einkommensklasse aufgerückt. Die Vergleichsziffern
lassen ferner erkennen, daß die finanzielle Lage der gewerkschaftlichen
Familien im allgemeinen besser ist als die der nichtgewerkschaftlichen.
Das Porträt der gewerkschaftlichen "Durchschnittsfamilie" - das sich
übrigens weitgehend mit dem der amerikanischen Durchschnittsfamilie
deckt - sieht dabei wie folgt aus: Der Ernährer ist etwa 35 bis 44
Jahre alt, mehr als 10 Jahre verheiratet und hat zumindest 2 oder 3
Jahre eine höhere Schule besucht. Fast 3/4 dieser Familien wohnen in
den Städten oder in den Vororten - das ist ein höherer Prozentsatz
als bei den anderen Familien - und geben monatlich 25 bis 100 Dollar
für Miete aus, genausoviel wie die anderen Familien. Rund die Hälfte
der Gewerkschaftefamilien zahlt dabei Mieten'^ die zwischen 50 und 75
Dollar liegen.
Zur Ermittlung der Einkommenshöhe wurden drei verschiedene EinkommPiBnngaben verwendet: das Arbeitseinkommen des Haupternährers; die
Arbeitseinkommen aller Familienmitglieder sowie das gesamte Familieneinkommen einschließlich der Einkommen aus Mieten, Zinsen, Dividenden
usw.
Ganz gleich, welchen Maßstab man anlegt, in allen Fällen zeigt
sich, daß die Gewerkschaftsfamilien im Durchschnitt ein höheres Einkommen aufweisen als die gewerkschaftlich nicht organisierten, selbst
wenn man berücksichtigt, daß es verhältnismäßig mehr nichtgewerkschaftliche Familien gibt, die mit ihrem Einkommen in der höchsten
Einkommensgruppe liegen.
Betrachten wir zuerst einmal das Arbeitseinkommen des Familienvorstandes. Hier zeigt sich, daß mehr als 1/3 der nichtgewerkschaftlichen Familien in der unteren Einkommensgruppe liegt (Jahreseinkommen
unter 3000 Dollar), während andererseits nur 12 Prozent der Gewerkschaftsfamilien in diese Gruppe fallen. Mehr als 3/4 der letztgenannten
Familien verdienen 3000 bis 7500 Dollar pro Jahr, wobei die häufigste
Einkommenshöhe 5000 Dollar und mehr beträgt.
Bei rund einem Viertel aller Gewerkschaftsfamilien ist noch ein
zweites Familienmitglied tätig - das ist ein etwas höherer Prozentsatz
als bei den Normalfamilien. Das Einkommen dieses Mitverdieners ist in
der Regel nicht unerheblich höher als bei den Zweitverdienern anderer
Familien und liegt im Durchschnitt über 2000 Dollar im Jahr. Rechnet
man diese zusätzlichen Arbeitseinkommen zu den Haupteinkommen der
Familien hinzu, so zeigt sich, daß die Gesamteinkommen bei den Gewerkschaftsfamilien höher sind als bei den anderen..
Während rund 1/3 aller 'nichtgewerkschaftlichen Familien selbst
mit ihrem Doppeleinkommen noch unter der 3000-Dollar-Grenze bleiben,
fällt von den Gewerkschaftsfamilien nur jede zehnte in diese Einkommensgruppe. Andererseits beläuft sich dieses doppelte Arbeitseinkommen bei
rund 60 Prozent aller Gewerkschaftsfamilien auf über 5900 Dollar pro
Jahr.
Legen wir das gesamte Familieneinkommen als Basis an, so zeigt
sich, daß auch hier die Gewerkschaftsfamilien besser abschneiden, obwohl
die Einkommen aus Mieten, Dividenden, Zinsen usw. der gewerkschaftlich
nicht organisierten Familien beträchtlich höher sind.
Es

- 9-

�Es ist in diesem Zusammenhang besonders bemerkenswert, daß noch
ein Viertel aller nichtgewerkschaftlichen Familien ein Jahreseinkommen
von weniger als 3000 Dollar aufweisen und daß die Zahl der Gewerkschaftsfamilien mit einem Gesamteinkommen von über 4000 Dollar weitaus größer
ist als die der anderen Familien.
Rund die Hälfte der Gewerkschaftsfamilien hat ein Jahreseinkommen
von über 6000 Dollar und liegt damit in der mittleren Einkommensklasse.
Etwa 7 Prozent beider Familiengruppen verfügen über Einkommen von über
10 000 Dollar, während bei den Einkommen über 15 000 Dollar pro Jahr die
Zahl der nicht gewerkschaftlich organisierten Familien relativ größer ist«
Eine andere Möglichkeit zur Bestimmung des finanziellen Familienstatus besteht darin, die gesamten verfügbaren Geld- und Kapitalreserven aufzurechnen. In der Untersuchung der University of Michigan wurden in dieser
Hinsicht folgende Posten erfaßt:: Bankkonten, Savings Bonds, Lebensversicherungen, Aktien und Grundbesitz. Ebenso wurden Hypotheken- und Abzahlungsschulden erfaßt.
Nach dieser Übersicht ergibt sich, daß 3/4 aller Gewerkschaftsfamilien über flüssige Mittel in irgendeiner Form verfügten, deren Höhe
sich zwischen 500 und 1000 Dollar bewegte. Die am meisten bevorzugte Form
der Kapitalansammlung war das Kontensparen (50 Prozent aller verfügbaren
Mittel), während 90 Prozent eine Lebensversicherung abgeschlossen hatten
und 8 Prozent (13 /° bei den anderen Familien) Aktien besaßen.
Genauso wie die Gesamtguthaben sind auch die Verbindlichkeiten der
Gewerkschaftsfamilien etwas höher. Rund 2/3 dieser Familien hatten
Teilzahlungsschulden, gegenüber nur rund 50 Prozent der nichtgewerkschaftlichen. Auch die durchschnittliche Schuldensumme" lag mit 500
Dollar etwas über der der nicht gewerkschaftlich organisierten Familien,

Stark gekürzt aus "The American
Federationist".
Nachdruck nur mit Angabe des Verfassers
und der Quelle gestattet.
* * * * *

- 10 -

�Die Entwicklung des US-Personaleinkommens seit 1950
Zu den herausragendsten Entwicklungen der amerikanischen Wirtschaft
während der vergangenen 10 Jahre gehört ohne Zweifel auch die beträchtliche Zunahme des Personaleinkommens, das gegenwärtig eine Jahresrate
von 410 Mrd. Dollar erreicht hat und damit gegenüber 1950 (230 Mrd.
Dollar) um 180 Mrd. Dollar oder um 80 Prozent angestiegen ist.
Das Phänomen dieser stetigen Aufwärtsentwicklung der persönlichen
Einkommen war dabei wohl die Tatsache, daß sogar in den verschiedenen
Rezessionsperioden dieser Trend nicht eingedämmt wurde. Selbst im vergangenen Jahr wurde - obwohl seit Mitte des Jahres ein Rückgang in der
wirtschaftlichen Aktivität eingetreten war - mit 402 Mrd. Dollar eine
neue Spitze erzielt, die um 21 Mrd. Dollar oder um rund 5 Prozent über
dem Ergebnis von 1959 lag. Das Pro-Kopf-Bruttoeinkommen, erhöhte sich dabei
um etwas mehr als 4 Prozent auf 224 2 Dollar. Aber selbst nach Abzug
der Steuern ergibt sich für i960 noch ein Pro-Kopf-Einkommen von 19^9
Dollar (1959 = 1905 Dollar), was gegenüber 1950' eine Zunahme um 600
Dollar darstellt.
Den größten Anteil am Personaleinkommen haben die Arbeitseinkommen
(Löhne und Gehälter), durch die mehr als 2/3 der Gesamtsumme (196O =
285 Mrd. Dollar) aufgebracht werden. Das restliche Drittel setzt sich
aus den Einkommen der Selbständigen, Farmer und Freiberuflichen (196O =
36 Mrd. Dollar) sowie den Miet-, Dividenden- und Zinseinnahmen, den
Renten-, Erwerbslosenunterstüt.zungen usw. zusammen.
Wie unterschiedlich übrigens die Entwicklung dieser Einkommensarten seit 1951 gewesen ist, zeigt eine kürzlich veröffentlichte [Übersicht, aus der u.a. hervorgeht, daß sich die Einkommen der Selbständigen,
Farmer und Freiberuflichen in den vergangenen neun Jahren lediglich um
14»8 Prozent erhöhten, während die Arbeitseinkommen in diesem Zeitraum
um fast 60 Prozent zunahmen. Außerdem stammten 1951 mehr als 16 Prozent
des gesamten Personaleinkommens aus den Einkünften der Selbständigen,
Farmer und Freiberuflichen - heute sind es dagegen nur noch 12 Prozent.
(Quelle: Eigenbericht)

Sicherung der Arbeitsplätze durch rechtzeitige Umschulung
Wie für viele Arbeitnehmer in anderen traditionellen Berufen
haben die technologischen Veränderungen der jüngsten Zeit auch für die
Setzer, Metteure, Drucker und andere Facharbeiter des typographischen
Gewerbes zahlreiche neue Berufsprobleme mit sich gebracht - Probleme,
die insofern schwerwiegender Natur sind, als sie direkt die berufliche
Existenz dieser Fachkräfte bedrohen.
In Erkenntnis der Tatsache, daß sich durch die Einführung neuer
Maschinen und Arbeitstechniken im Druckereigewerbe auch die handwerklichen Anforderungen ändern, zahlreiche erlernte Tätigkeiten überholt
und viele neue technische Kenntnisse verlangt werden, hat die amerikanische

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�amerikanische Druckergewerkschaft (iTU) schon im Jahre 1956 ein gewerkschaftliches Fortbildungszentrum mit dem Ziel eingerichtet, ihre Mitglieder in Fachkursen mit den neuesten Techniken vertraut zu machen
und ihnen dadurch ihren Arbeitsplatz sichern zu helfen.
Die Situation im amerikanischen Druckereigewerbe ist gegenwärtig
durch die Umstellung von den konventionellen Setz- und Umbruchverfahren
mit Bleitypen auf die sogenannten "photocomposition"- und "paste makeup"Ivlethoden gekennzeichnet. Und gerade diese beiden neuen Techniken - die
Bedienung- der Photosetzmaschinen und der Umbruch im Klebeverfahren sind es, mit denen die Mitglieder der ITU in den letzten,Jahren hauptsächlich vertraut gemacht wurden.
Insgesamt haben bisher über 1000 Mitglieder an den kostenlosen
Umschulungs- und Fortbildungskursen teilgenommen, die sich in der Regel über 3 Wochen erstrecken und 12 verschiedene Arbeitsgebiete umfassen. Dazu gehört neben der Unterweisung an den Photosetzmaschinen,
im Klebeumbruchverfahren, Layout und in der Kamerabedienung und Filmentwicklung u.a. auch die Unterrichtung über die Grundlagen der Elektrotechnik, der Farb-Werktechnik und der Farbentrennung.
Heben diesen reinen Fortbildungskursen werden außerdem noch Seminare für ehemalige Kursusteilnehmer sowie für gewerkschaftliche Lehrkräfte durchgeführt, die in den Ortsverbänden die Mitglieder theoretisch
mit den neusten technischen Entwicklungen vertraut machen. Die Dauer
dieser Kurse, die den Teilnehmern jeweils einen Überblick über den
neuesten Stand der Technik im Druckereigewerbe vermitteln sollen, beträgt 2 w ocheh. Der Lehrkörper des "ITU Training Center" besteht ausschließlich aus kompetenten Fachleuten, die Experten auf dem Gebiet
der neuen Drucktechniken sind.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Eeue Formel für den Arbeitsfrieden
Die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft (USA) und die "Kaiser
Steel Corporation" haben kürz]ich eine bemerkenswerte Vereinbarung
getroffen, die auf dem Gebiet der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen
insofern einen vollkommen neuen und für die Zukunft sehr bedeutsamen
Aspekt schafft, als darin vorgesehen ist, daß bei künftigen Lohnverhandlungen neben den beiden Tarifpartnern auch Vertreter der öffentlichkeit gehört werden sollen.
Die Grundlage dieses Abkommens bilden dabei die Empfehlungen, die
ein anläßlich des Stahlstreiks im Jahre 1959 gebildeter und aus Vertretern des Managements, der Gewerkschaften und der Öffentlichkeit
bestehender Dreierausschuß ausgearbeitet hat, der seinerzeit mit der
Aufgabe betraut wurde, langfristige Pläne zu entwickeln, die gewährleisten, daß Aktionäre, Arbeitnehmer und Öffentlichkeit gleichermaßen
vom Wachstum der Wirtschaft profitieren.

Zu

12 -

�Zu den wichtigsten Empfehlungen gehören dabei die Erweiterung
der ursprünglichen Funktionen des Ausschusses mit dem Ziel, diesen
als permanente Einrichtung in die Lage zu versetzen, auf harmonische
Arbeitsbeziehungen hinzuwirken, den Ablauf der Tarifverhandlungen zu
verfolgen, und, wenn nötig, die Vertreter der Öffentlichkeit im
Ausschuß zu ermächtigen, an den TarifVerhandlungen teilzunehmen,
damit sie entsprechende Empfehlungen zur friedlichen Beilegung von
Arbeitskonflikten unterbreiten können.
In der gemeinsamen Erklärung der beiden Tarifpartner wird
insbesondere auf die Tatsache verwiesen, daß die letzten Arbeitskonflikte in der amerikanischen Stahlindustrie gezeigt haben, daß
es konstruktiver Neuerungen im TarifVerhandlungswesen bedarf, damit
bestehende Differenzen auf friedliche Weise beigelegt werden können.
Bisher habe die einzige Alternative zu den zweiseitigen Verhandlungen
lediglich in der Intervention des Staates bestanden. Die Einmischung
der Regierung bringe aber insofern große Gefahren mit sich, als durch
sie die Autonomie des TarifVerhandlungswesens gefährdet werde. Da die
Maßnahmen der Regierung zudem in der Regel nicht den Vorstellungen
der Tarifpartner entsprächen, lösten sie auch häufig Verstimmungen aus.
Was beide Tarifpartner anstreben, sind Verhandlungshilfen, die
ihnen nicht aufgezwungen, sondern freiwillig von ihnen anerkannt werden.
Wenn man solche Personen als Mittler in die Verhandlungen einschalte,
die das volle Vertrauen beider Partner genießen, dann könne auf diese
Weise wesentlich zum erfolgreichen Abschluß von Kollektivverhandlungen
beigetragen und gleichzeitig die volle Handlungsfreiheit sowohl der
Gewerkschaft als auch der Unternehmensführung aufrechterhalten werden.
Aus diesem Grunde, so heißt es in der gemeinsamen Erklärung der
USA-Gewerkschaft und der "Kaiser Steel Corporation", seien beide Parteien zu dem Schluß gekommen, den dem Ausschuß ursprünglich zugewiesenen Aufgabenkreis zu erweitern, um dadurch das Kollektivverhandlungswesen zu stärken, die Voraussetzungen für eine friedliche Beilegung
von Arbeitskonflikten zu verbessern und so zum Wohle sowohl der "Kaiser
Steel Corporation", der Stahlarbeitergewerkschaft als auch der Öffentlichkeit beizutragen.
Damit der Ausschuß die von den beiden Sozialpartnern angestrebten
Ziele verfolgen kann, ist u.a. folgendes vorgesehen::
1. Die Tätigkeit des "Long-Range Committee" sind auf solche Gebiete
auszudehnen, die zur Schaffung permanent harmonischer Beziehungen zwischen den Sozialpartnern wesentlich beitragen können. Die Sitzungen
des Ausschusses sollen in regelmäßigen Abständen abgehalten werden;
sich während der Laufzeit des Tarifvertrages neu ergebende Probleme
sollen mit den Sozialpartnern rechtzeitig durchgesprochen werden,
damit die späteren Tarifverhandlungen nicht in Zeitnot geraten.
2. Die beiden Tarifpartner sollen spätestens 60 Tage vor Ablauf des
alten Vertrages zu neuen Verhandlungen zusammentreten und alle Anstrengungen unternehmen, damit ein neuer Vertrag vor Ablauf dieser
Frist unterzeichnet werden kann}

- 13 -

�3». Wenn erforderlich, soll das "Long-Range Committee" nicht später als
30 Tage vor Ablauf des alten Tarifvertrages zusammentreten und den Stand
der Verhandlungen überprüfen. Nach dieser Situationsanalyse sollen dann
die Vertreter der Öffentlichkeit im Ausschuß gegebenenfalls ermächtigt
werden, folgende Schritte zu unternehmen»
a) beschließen, ob bestimmte Maßnahmen sofort oder später bzw.
erst nach einem erneuten Zusammentreffen der Tarifpartner
getroffen werden sollen oder nicht;
b) entscheiden, ob sie an den Verhandlungen als Beobachter teilnehmen sollen}
c) sich um eine Schlichtung bemühen}
d) einen privaten (nur für die Verhandlungspartner bestimmten)
Bericht abfassen, in dem die Standpunkte der beiden Parteien
herausgearbeitet sind, der Gegenstand der Meinungsverschiedenheiten klar herausgestellt ist und in dem Einigungsvorschläge
enthalten sind;
e) einen öffentlichen Bericht entweder unmittelbar vor oder nach
dem Termin veröffentlichen, an dem der alte Vertrag ausläuft.
Dieser Bericht soll allerdings nicht eher der Öffentlichkeit
zugänglich gemacht werden, als beide Verhandlungspartner
sämtliche Möglichkeiten für eine friedliche Beilegung des
Konfliktes ausgeschöpft haben.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Löhne im Baugewerbe weiter angestiegen
Die Durchschnittsstundenlöhne der gewerkschaftlich organisierten
Bauarbeiter sind nach einer Übersicht des "Amts für Arbeitsstatistik"
im 1. Quartal 1961 um 1 ,2 Cent (oder ö., 3 Prozent) auf 3»72 Dollar angestiegen.
Die stärksten Zunahmen verzeichneten dabei die Zimmerer (1,8 Cent)
und Maler (1,5 Cent), während sich die Steinsetzer und Bauhilfsarbeiter
um 1,1 Cent und die anderen Bauhandwerker um 0,5 Cent verbessern
konnten.
Gegenüber dem Vorjahr hat der durchschnittliche Stundenlohn im
Baugewerbe sich damit um 4»3 Prozent und im Vergleich zum Durchschnitt
der Jahre 1947-49 sogar um 80 Prozent erhöht. Die durchschnittlichen
Lohnerhöhungen zwischen April i960 und April 1961 für alle Baufachberufe beliefern sich auf 15,2 Cent.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

- 14 -

�Beträchtliche Erhöhung; der Fondsreserven der kommunalen
Altersversi cherungen
Das Gesamtvermögen des Altersversicherungssystems der bundesstaatlichen und kommunalen Arbeitnehmer hat sich im vergangenen
Finanzjahr um 2,2 Mrd. Dollar auf insgesamt 18,539 HrcL. Dollar
erhöht, wie aus einem Bericht des US-Zensusbüros hervorgeht.
Die Gesamteinnahmen des Fonds beliefen sich dabei im abgelaufenen
Jahr auf 3,393 Mrd. Dollar, wovon 1,14 Mrd. Dollar von den Versicherten
und 1,652 Mrd. Dollar von den Arbeitgebern eingezahlt wurden, während
601 Millionen Dollar aus Investitionsgewinnen resultieren.
Die Gesamtauszahlungen des Versicherungsfonds betrugen dagegen
1,3 Mrd. Dollar - 1,01 Mrd. Dollar an Pensionen, 254 Millionen Dollar
an Rückzahlungen an ausgeschiedene Versicherte und 35 Millionen Dollar
an Verwaltungskosten.
(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *
Konstituierende Sitzung des Labor-Management-Beratungsausschusses
Der kürzlich von Präsident Kennedy ernannte Ausschuß für Arbeitgeber-Arbeitnehmerfragen, der sich aus je 7 Vertretern des Managements,
der Gewerkschaften und der Öffentlichkeit zusammensetzt, befaßte sich
auf seiner ersten Sitzung in erster Linie mit den Auswirkungen der
Automation auf die Gesamtwirtschaft und den Arbeitsmarkt.
Die Ausschußmitglieder waren sich dabei weitgehend darüber einig,
daß die Automation für das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft von
großer Bedeutung sein kann, warnten aber auch gleichzeitig vor einer
überhasteten Einführung der neuen Arbeitstechniken, weil diese schwerwiegende Folgen für den Arbeitsmarkt und den einzelnen Arbeitnehmer
haben könnte. Eine strukturelle Arbeitslosigkeit auf Grund der verstärkten Anwendung der Automation müsse auf alle Fälle verhindert
werden.
Zwecks Vermeidung von wirtschaftlichen Härten gegenüber den durch
die Automation freigesetzten Arbeitskräften sollten nach Ansicht des
Ausschusses die UmschulungsProgramme sowie solche Programme entscheidend verbessert werden, durch die die Mobilität der Arbeitnehmer bei
geringsten negativen Auswirkungen auf das Privatleben erhöht wird. Ebenso sollten die Personalabteilungen der Regierungsbehörden und der Unternehmen der Privatwirtschaft im verstärkten Maße der Tatsache größere
Aufmerksamkeit schenken, daß in Zukunft immer mehr Arbeitskräfte gezwungen sein werden, ihren erlernten Beruf und ihren Wohnort aufzugeben,
um in anderen Wirtschaftszweigen und an anderen Orten ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
(Quelle» Eigenbericht)
* * * * *

- 15 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
ISIS Bonn HacJ Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 9

Bad Godesberg, den 1. September 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe
in den USA (i)

Seite 1

Carol A. Barry, US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (i)
Entwicklungstendenzen und derzeitige Struktur

Die Angestelltenberufe gewinnen eine immer größere Bedeutung,
für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten, sowohl was die seit Beginn dieses Jahrhunderts zu beobachtende Zunahme der Zahl der in
diesen Berufen tätigen Arbeitnehmer als auch was die ständige Vergrößerung ihres Anteils an der Gesamtbeschäftigung angeht. In der
Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war diese Zunahme besonders augenfällig, und im Jahre 1956 überstieg die Zahl der Angestellten erstmalig die der Arbeiter.
Die Angestelltenschaft umfaßt die Angehörigen einer stattlichen
Reihe von Berufen, von einfachen Schreibkräften und Verkäufern über
leitende Angestellte großer Kapitalgesellschaften bis zu Kernwissenschaftlern. Der Großteil der Selbständigen in den nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaftszweigen (eine Besonderheit der amerikanischen Arbeitsstatistik) und die meisten Bediensteten des Bundes, der Einzelstaaten und der Kommunen rechnen zu den Angestellten. Die vier Hauptkategorien der Angestelltenberufe sind! akademische, technische und
verwandte Berufe; Manager, leitende Angestellte, öffentliche Bedienstete und Selbständige (außer Landwirten); Bürokräfte; Verkäufer.
Trotz der Verschiedenartigkeit der Tätigkeit gibt es gewisse Gemeinsamkeiten, die zusammengenommen das Wesensmerkmal der Angestelltenberufe ausmachen.
Ursprünglich
-

1 -

�Ursprünglich verstand man unter den Angestelltenberufen,
(den Stehkragenberufen, wie es im Amerikanischen heißt) alle jene
Berufe, zu deren Ausübung keine besondere Arbeitskleidung erforderlich ist. Im-praktischen Sprachgebrauch entwickelte sich dieser Begriff dahin gehend, daß er jede Arbeit einschloß, die in Büros statt
in Fabriken ausgeführt wird, die eher eine geistige als eine körperliche Betätigung erfordert und somit eine gewisse formelle Bildung
voraussetzt. In diesem Sinne wird der Begriff auch heute noch weitgehend verstanden»
Die Bildung der Angestellten ist im allgemeinen umfassender,
die Löhne sind höher als die der Angehörigen anderer Beschäftigungskategorien, und der Kündigungsschutz ist besser ausgebaut. Die Arbeitslosigkeit unter den Angestellten ist verhältnismäßig gering;
sie beziehen ein festes Gehalt, werden mithin nicht nach Stunden
entlohnt und stellen sich auch hinsichtlich der Urlaubs-, Feier tagsund Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfalle besser als Arbeiter. Sie
sind zumeist mit Führungs-, Verwaltungs-, Entwicklungs- oder Aufsichtsauf gaben betraut.
Im Zusammenhang mit der Erörterung der Entwicklungstendenzen in
den Angestelltenberufen dürften auch Vergleiche mit den beiden anderen großen Gruppen nichtlandwirtschaftlicher Arbeitskräfte von
Interesse sein: den Arbeitern und den Angehörigen des Dienstleistungsgewerbes. Die Arbeiter - hierzu zählen im Sinne dieser Untersuchung
Facharbeiter, Vorarbeiter, Maschinenarbeiter und Handarbeiter stellen den zweitgrößten Anteil an der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung; sie sind generell mit der Produktion oder dem
Transport von Gütern, dem Betrieb von Maschinen sowie mit Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten befaßt. Wenn auch einige Arbeiterberufe große Fachkenntnisse erfordern, so steht doch im allgemeinen
die Ausbildung am Arbeitsplatz im Vordergrund, und es wird keine
vorhergehende umfassende schulische Vorbereitung auf den Beruf verlangt.
Den drittstäjfkateiiKAnteil an der Beschäftigung hat das Dienstleistungsgewerbe: die Hausangestellten einschließlich der Reinmachefrauen, Hausdiener, Babysitter und des anderen Wirtschaftspersonals
und das allgemeine Dienstleistungspersonal, zu dem man auch Polizeikräfte, Friseure und Liftboys rechnet, das zum Schutze der Allgemeinheit und für persönliche und öffentliche Dienste bereitsteht.
Entwicklungstendenzen der Beschäftigung in den Angestelltenberufen
1900 bis 1950. Die wichtigste Quelle für statistische Angaben
über die Beschäftigungsverhältnisse in der Zeit vor 1940 sind die
alle zehn Jahre durchgeführten Volkszählungen. Es wurde viel Mühe
darauf verwandt, die Berufstätigen nach Beschäftigungsgruppen zu
klassifizieren, um von 1900 an laufend eine Übersicht über die Beschäftigungsverhältnisse in den USA zu gewinnen, wobei allerdings
die Angaben über das Ausgangsjahr 1900 nur Näherungswerte darstellen.
Die Veränderungen in der Zeit von 1900 bis 1930 können somit nur als

2

�als Hinweise auf die allgemeinen Trends, nicht aber als genaue Meßwerte angesehen werden«
Im Jahr 1900 gab es rund 5 Millionen Angestellte, deren Anteil
an der Gesamtbeschäftigung etwa 28 Prozent ausmachte (Tafel i ) .
Tafel

I

Aufgliederung der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung in den
Jahren von 1900 bis 1950 nach Berufsgruppen

Prozentuale Zu- bzw,
Abnahme des Anteils
an der Gesamtbeschäftigung von 1900 bis
1950

Berufsgruppe

Prozent
1900
1950

Sämtliche Berufsgruppen

100

100

187

28

42

322

7

10

312

9
5
7

10
14
8

204
725
216

57

47

133

17
21
20

16
23
8

173
223
7

15

12

9

3

135
-2

6

9

343

Angestelltenberufe
Akademische, technische und
verwandte Berufe
Manager, leitende Angestellte,
öffentl. Bedienstete und
Selbständige
Bürokräfte u. ä.
Verkäufer
Arbeiter
Facharbeiter, Vorarbeiter u.ä,
Maschinenarbeiter u.ä.
Handarbeiter
Dienstleistungsberufe
Hausangestellte
Dienstleistungsgewerbe (ohne
private Haushaltungen)

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht
notwendigerweise zu den Gesamtziffern.
Quellet Historical Statistics of the TJnited States, Colonial Times to
1957 (U.S. Bureau of the Census, i960), pp. 69 and 74.

-

3 -

�Die Zahl der Arbeiter, deren Anteil an der Gesamtbeschäftigung
fast 57 Prozent betrug, war mehr als doppelt so groß. Die restlichen 15 Prozent entfielen auf die Angehörigen der Dienstleistungsberufe (Siehe Schaubild I,Seite 10). Die Bürokräfte stellten damals
die kleinste Gruppe unter den Angestellten, und die Zahl der akademischen Fachkräfte war etwas niedriger als die Gesamtzahl der
Angestellten in den privaten Haushaltungen.
Zwischen 1900 und 1950 nahm die Zahl der Angestellten um rund
300 Prozent zu, die der Arbeiter und Beschäftigten in den Dienstleistungsberui'en dagegen um noch nicht einmal 150 Prozent. Somit
stieg der Anteil der Angestelltenberufe an der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung auf zwei Fünftel, während der Anteil der Arbeiter und der Beschäftigten in den Dienstleistungsberufen auf weniger
als die Hälfte bzw. ein Achtel zurückging.
Der größte Zuwachs in den Angestelltenberufen entfiel auf die
Bürokräfte, die innerhalb der Angestelltenschaft von der kleinsten
zur größten Gruppe aufrückten} 1950 war jeder dritte Angestellte
mit Büroarbeiten beschäftigt. Der Anteil der Bürokräfte an der
gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung kletterte im Zuge
dieser Entwicklung von 5 Prozent im Jahre 1900 auf 14 Prozent im
Jahre 1950. Die Zahl der Stenographen, Stenotypistinnen und Sekretärinnen stieg innerhalb der ersten Hälfte des Jahrhunderts auf das
Elffache. Die Zunahme in diesen Beschäftigungszweigen ist zum Teil
der in allen Industriezweigen beobachteten Ausweitung der Verwaltungsarbeit, zum Teil aber auch der Ausweitung der Gesamttätigkeit
in fast allen Industriezweigen sowie im Bank- und Versicherungsgewerbe und in der öffentlichen Verwaltung zuzuschreiben, die die Anlage und laufende Führung umfangreicher Akten notwendig machte.
Die Zuwachsrate der akademischen und technischen Fachkräfte
wurde lediglich von der der Bürokräfte übertroffen. Im Jahre 1900
entfiel auf die akademischen Berufe nur ein Anteil von 7 Prozent
an der Gesamtbeschäftigung; 1950 betrug ihr Anteil 10 Prozent und
ihre Zahl entsprach damit der Gesamtzahl der Angestellten im Jahre
1900.
Die verfügbaren Angaben über die Beschäftigung lassen erkennen,
daß der stärkste Zuwachs nicht in den traditionellen Angestelltenberufen eintrat. Während die Angestelltenschaft insgesamt von 1900
bis 1950 um 300 Prozent zunahm, stieg die Zahl der Arzte und Anwälte
um noch nicht einmal 80 Prozent. Die Zahl der Volks- und Oberschullehrer stieg trotz des erheblichen Ausbaus des Schulwesens nicht
im gleichen Verhältnis wie die Zahl der Angehörigen der akademischen
und technischen Berufe insgesamt. Andererseits verzeichneten die
Ingenieurberufe gegenüber den akademischen und technischen Berufen
eine mehr als vierfache zahlenmäßige Zunahme. Die Zahl der Buchhalter
und Rechnungsprüfer, deren Bedeutung sich angesichts des bereits
erwähnten verstärkten Rechnungsanfalls gleichfalls erhöhte, nahm
gegenüber der gesamten Gruppe der akademischen und technischen Berufe,
zu denen sie in der Arbeitsstatistik gerechnet werden, um mehr als
das Fünffache zu. Hinzu kommt, daß zahlreiche Berufe wie Psychiater,
Sozialhelfer, Luftfahrttechniker usw., die maßgeblichen Einfluß
auf das Anschwellen der Beschäftigung in dieser Sparte hatten, um die
Jahrhundertwende noch unbekannt waren.
-

4 -

�Die beiden verbleibenden Gruppen der Angestelltenberufe die Manager, leitenden Angestellten und öffentlichen Bediensteten und Selbständigen sowie die Verkäufer - hatten eine nur um
ein geringes höhere Zuwachsrate aufzuweisen als die gesamte nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung. Die Gruppe der Manager, leitenden Angestellten und öffentlichen Bediensteten und Selbständigen, die als Ganzes nicht so stark wie die gesamte Angestelltenschaft zunahm, erfuhr einen bedeutsamen inneren Strukturwandel.
Die in der gesamten Wirtschaft fühlbare Tendenz, sich der Vorteile der Form der Kapitalgesellschaft - beschränkte Haftung
und Steuerbegünstigungen - zu bedienen, beeinträchtigte die Zunahme der selbständigen Unternehmer; gleichzeitig trug der Trend
zur Schaffung immer größerer Organisationen in der Wirtschaft und
in der öffentlichen Verwaltung zu dem erheblichen Anstieg der
Zahl der festangestellten Manager und leitenden Angestellten bei.
Die Zunahme der Verkäufer blieb hinter der allgemeinen Zunahme
im Bereich der Angestelltenberufe zurück. Die Entstehung von Einzelhandelskettenläden, die Ausweitung des Geschäftsvolumens der Versandhäuser und die Einführung der Selbstbedienung haben bewirkt,
daß der einzelne Verkäufer heute mehr Kunden abfertigt und größere
Umsätze erzielt als früher. Hinzu kommt, daß ein nicht unerheblicher
Teil der Arbeiten, die früher von Verkäufern geleistet wurden, heute
von Aufsichtskräften, Kassierern und anderen Bürokräften ausgeführt
werden.
1950 bis 1960. Im letzten Jahrzehnt hielten die langfristigen
Beschäftigungstendenzen in den Angestelltenberufen durchgehend an*
Die Gesamtbeschäftigung in der nichtlandwirtschaftlichen Wirtschaft
erhöhte sich um 17 Prozent, von 52,2 Millionen auf 61,1 Millionen.
Die Beschäftigung in den Angestelltenberufen stieg dagegen um 27 Prozent, von 22,4 Millionen auf 28,5 Millionen, und erreichte 47 Prozent
der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung (Tafel II).

-

5 -

�Tafel II
Zahlenmäßige und prozentuale Verteilung der nichtlandwirtschaftlichen
Beschäftigung. 1950 und 1960

Beschäftigung
(in Tausenden)
Beschäftigungsgruppe

1960

1950

Prozentanteil
Prozent u a l e Zubzw .Ab«
nähme,
1950-60

1950

1960

52 244

61 122

17

100,0

100,0

22 373

28 507

27

42,6

46,6

Akademische, t e c h n i s c h e
u .verwandte Berufe

4 782

7 418

55

9,2

12,1

M a n a g e r , l e i t e n d e Anges t e l l t e , Ö f f e n t l . Bed i e n s t e t e und S e l b ständige

6 429

7 032

7 340

9 710

3 822

4 347

9
32
14

12,3
14,0
7,3

11,5
15,$
7,1

23 336

24 280

44,7

39,7

7 670
12 146

8 606
11 988

12
-1

14,7

14,1

3 5'20

3 686

5

23,2
6,7

19,6
6,0

6 535
1 883

8 335
2 201

28
17

12,5
3,6

13,6
3,6

4 652

6 134

32

8,9

10,0

Sämtliche

Berufsgruppen

Angestelltenberufe

Bürokräfte u .
Verkäufer

ä.

Arbeiter
Facharbeiter, Vorarbeiter u.a.
Maschinenarbeiter u . a .
Handarbeiter
Dienstleistungsberufe
Hausangestellte
Dienstleistungsgewerbe (ohne p r i v a t e
Haushaltungen)

Anm.J Wegen Auf- und Abrundungen a d d i e r e n s i c h d i e Einzelangaben n i c h t
notwendigerweise zu den G e s a m t z i f f e r n .
Q u e l l e : H i s t o r i c a l S t a t i s t i c s of the United Sta.tes, C o l o n i a l Times to
1957 ( U . S . Bureau of the Census, i 9 6 0 ) , p p . 69 and 7 4 .

-

6

-

�Im Gegensatz zu den vorausgegangenen 50 Jahren, in denen die
Gruppe der Büroangestellten rascher als alle anderen Gruppen zunahm,
waren die Jahre von 1950 bis 1960 von einem erheblichen Anstieg der
Zahl der akademischen und technischen Angestellten gekennzeichnet
(siehe Schaubild II Seite 10). Fast die ganze Zeit hindurch, einschließlich kürzerer Rezessionsperioden, war in diesem Beschäftigungsbereich eine Zunahme zu beobachten; im Jahre i960 waren dann
schließlich 7*4 Millionen Arbeitskräfte in akademischen und technischen Berufen tätig, die Zuwachsrate betrug in diesem Jahrzehnt
das Dreifache der Zuwachsrate in der Gesamtbeschäftigung.
Die Zahl der Bürokräfte stieg zwischen 1950 und 196O um 32 Prozent und erreichte die Gesamtzahl von 9»7 Millionen. Obwohl die Zuwachsrate fast das Doppelte der der Gesamtbeschäftigung erreichte,
lag sie doch erheblich unter dem Durchschnitt der vorausgegangenen
Jahrzehnte. Die wesentlich verstärkte Verwendung von Hollerithmaschinen, Rechenanlagen und anderen Büromaschinen wie Kopiergeräten
durften für diesen Umschwung verantwortlich sein.
In anderen Angestelltenberufen war die Zunahme noch geringer. In
den 50er Jahren entsprach die Zuwachsrate der Beschäftigung in den
Verkaufsberufen etwa der der Gesamtbeschäftigung. Die Zuwachsrate
für Manager, leitende Angestellte, öffentliche Bedienstete und
Selbständige war dagegen nur ungefähr halb so hoch wie der Zuwachs
in der Gesamtbeschäftigung. Die Zunahme bei den letztgenannten Gruppen
erfolgte auch nicht so stetig wie in den akademischen und technischen
Berufen oder bei den Bürokräften.
Im Gegensatz zu dem 27prozentigen Anstieg der Beschäftigung in
den Angestelltenberufen nahm die Beschäftigung in den Arbeiterberufen
nur um 4 Prozent oder um 1 Million zu, wobei der Zuwachs fast restlos auf die Gruppe der Facharbeiter und Vorarbeiter entfällt.
Der Zuwachs in den Dienstleistungsberufen dagegen entspricht in
der Gesamtheit dem der Angestelltenberufe. Dies ist vor allem auf die
starke Zunahme im eigentlichen Dienstleistungsgewerbe zurückzuführen,
die sich in den 50er Jahren auf 31 Prozent belief.
Nach den Prognosen, die das US-Bundesamt für Arbeitsstatistik für
das Jahr 1970 aufgestellt hat, wird die Angestelltenbeschäftigung auch
weiterhin stärker zunehmen als die Gesamtbeschäftigung. Man rechnet
für 1970 mit 37 Millionen Angestellten, das entspricht einem Anteil
von 48 Prozent an der Gesamtbeschäftigung in nichtlandwirtschaftlichen
Betrieben. Den stärksten Zuwachs erwartet man bei den akademischen
und technischen Berufen, deren Zahl sich auf 10,5 Millionen und deren
Anteil an der Gesamtbeschäftigung sich auf 13*5 Prozent erhöhen dürfte.
Struktur der Angestelltenbeschäftigung
In den einzelnen Industriezweigen. In den nichtlandwirtschaftlichen
Wirtschaftszweigen war der größte Beschäftigungszuwachs bei den Angestellten auf dem Dienstleistungssektor zu verzeichnen: im Handel, jjn

7 -

�im Oeld- und Versicherungswesen und im Immobilienhandel; im Transportgewerbe, im Fernmeldewesen und in den Versorgungsbetrieben in
den übrigen Dienstleistungsgewerben; im öffentlichen Dienst. 1)
Diese Entwicklung steht in einem eindeutigen Gegensatz zu der relativen Stabilität, die in den produktiven Wirtschaftszweigen vorherrschte i in den Fertigungsindustrien, im Bergbau und im Baugewerbe. Seit Anfang der 50er Jahre sind die Vereinigten Staaten das
einzige große Industrieland, in dem mehr Arbeitskräfte mit Dienstleistungen als mit der Erzeugung von Gütern (einschließlich Landwirtschaft) beschäftigt sind«
Der Anstieg der Zahl der Angestellten hängt eng mit der Ausweitung des Dienstleistungsgewerbes zusammen, in dem die Angestellten
einen besonders hohen Beschäftigungsanteil stellen. Im Jahre 1952,
dem ersten Jahr, in dem auf der Basis monatlicher Untersuchungen
Statistiken über die Beschäftigung nach Wirtschaftszweigen aufgeschlüsselt erstellt wurden, waren fast 80 Prozent aller Angestellten
im Dienstleistungsgewerbe beschäftigt. Zwischen 1952 und 1960 entfielen rund 70 Prozent des Zuwachses in den Angestelltenberufen
auf diesen Wirtschaftssektor (Siehe Schaubild III, Seite 11).
Die Arbeiterbeschäftigung, deren Schwerpunkt in der Produktionswirtschaft liegt, ging in der Zeit von 1952 bis 196O trotz ihrer
bedeutenden Zunahme im Bankwesen, im Handel und in den Dienstleistungsbetrieben zurück. Die Beschäftigung von Dienstleistungspersonal, dessen größte Massierung natürlich im Dienstleistungsgewerbe
zu verzeichnen ist, nahm etwas stärker zu als die Angestelltenbeschäftigung, obwohl sie in den Fertigungsindustrien und im Baugewerbe etwas abnahm.
Es ist bemerkenswert, daß sich die Zunahme der Angestelltenbeschäftigung seit 1952 auf sämtliche Wirtschaftszweige erstreckte und
in der Produktionswirtschaft prozentual ebenso groß war wie im Dienstleistungsgewerbe. Zwischen 1952 und i960 nahm die Angestelltenzahl
im Baugewerbe und in den Fertigungsindustrien um 36 Prozent zu, d.h.
um den gleichen Prozentsatz wie in der Geldwirtschaft, im Dienstleistungsgewerbe und im Erziehungswesen zusammengenommen. Im Handel,
Transportgewerbe und öffentlichen Dienst war die Zunahme wesentlich
geringer.
Die akademischen und technischen Angestellten, die Gruppe mit
dem stärksten Zuwachs seit 1952, konzentrieren sich vor allem auf
das Bankgewerbe, das Erziehungswesen, die Medizin und in anderen
Fachberufen. Fast drei Fünftel aller derartigen Angestellten sind
in diesen Wirtschaftszweigen tätig; ein weiteres Fünftel in der
Fertigung.
lg£n
1) In diesem Zusammenhang ist es wichtig zwischen Dienstleistungspersonal und Dienstleistungsgewerben zu unterscheiden. Die Beschäftigung von Dienstleistungspersonal ist selbstverständlich
nicht auf das Dienstleistungsgewerbe beschränkt.

8
•

�Wenn die Beschäftigung in den akademischen Berufen auch eindeutige Schwerpunkte in gewissen Wirtschaftszweigen aufweist, so
erstreckte sich die Zunahme zwischen 1952 und 19^0 doch auf die
Gesamtwirtschaft. Der größte Zuwachs wurde in den Fertigungsindustrien
für langlebige Güter erzielt, wo die Zahl in den acht Jahren um 75
Prozent anstieg«
Etwa die Hälfte aller Manager, leitenden Angestellten und Selbständigen entfällt auf den Handelj der größte Teil von ihnen wiederum
ist im Einzelhandel tätig, obwohl sich hier eine Tendenz zu einer
Verringerung der Konzentration bemerkbar machte. Während die Beschäftigung in dieser Berufssparte zwischen 1952 und 196O um etwa
12 Prozent anstieg, blieb sie im Handel praktisch unverändert. Die
größte Zuwachsrate hatten das Baugewerbe, die Fertigungsindustrien
langlebiger Güter und das Dienstleistungsgewerbe zu verzeichnen*
Bei den Bürokräften ist die Verteilung über alle Wirtschaftszweige (außer Landwirtschaft) gleichmäßiger als bei allen anderen Angestelltenberufen. Der Bedarf an Registraturpersonal, Schreibkräften,
Sekretärinnen usw. ist in allen Wirtschaftszweigen, wenn auch in unterschiedlichem Maße, gegeben. Die Zahl der Büroangestellten stieg deshalb zwischen 1952 und 196O in allen Wirtschaftszweigen, mit Ausnahme
des Transportgewerbes und der Versorgungsbetriebe, wo ein leichter
Rückgang eintrat. Den größten Zuwachs hatte das Dienstleistungsgewerbe, den geringsten der Groß- und Einzelhandel.
Sieben Zehntel der im Verkauf tätigen Angestellten stehen im
Dienst des Handels. Der nächstgrößte Anteil der Verkäufer, 15 Prozent,
wurde vom Bank- und Versicherungsgewerbe und vom Immobilienhandel beschäftigt; 13 Prozent sind in den Fertigungsindustrien angestellt.
Trotz der Häufung der Verkäufer im Handel hatte diese Berufsgruppe
zwischen 1952 und 196O nur eine relativ geringe Zunahme aufzuweisen,
was zu einer Verringerung ihres Anteils an der Beschäftigung im
Handel führte.
Beschäftigung der nichtproduktiven Arbeitskräfte. Wichtige Aufschlüsse über die Wirtschaftszweige, die den größten Zuwachs in den
Angestelltenberufen zu verzeichnen hatten, bringt eine Untersuchung
des Beschäftigungsanstiegs bei den nichtproduktiven Arbeitskräften.
In allen drei Zweigen der nichtlandwirtschaftlichen Produktionswirtschaft (Fertigungsindustrien, Bergbau und Baugewerbe) wird die Beschäftigung nach Produktionskräften (Beschäftigte, die tatsächlich
mit der Produktion materieller Güter befaßt sind) und nichtproduktiven Arbeitskräften ausgewiesen. Mit einigen wesentlichen Ausnahmen und Überschneidungen sind die nichtproduktiven Arbeitskräfte
in diesen Wirtschaftszweigen mit den Angestellten identisch.
Etwa 83 Prozent des Zuwachses der Beschäftigung in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben in den Jahren von 1947 bis 1959 entfallen
auf die Dienstleistungsgewerbe. Der restliche Zuwachs entfällt auf
die Fertigungsindustrien, den Bergbau und das Baugewerbe und ist
eine Auswirkung der Neueinstellung von nichtproduktiven Arbeitskräften bei einem gleichzeitigen leichten Rückgang der Zahl der

- 9 -

�SCHAUBILD I

ZUSAMMENSETZUNG DER NICHTLANDWIRTSCHAFTLICHEN
GESAMTBESCHÄFTIGUNG NACH BERUFSGRUPPEN 1900 UND 1960
—28.2X~_

.-4S.7X^

1960

1900

SCHAUBILD II

VERÄNDERUNGEN IN DER ANGESTELLTEN
BESCHÄFTIGUNG VON 1950 BIS 19ÖO
(1950-100)

AKADEMISCHE UND
TECHNISCHE ANGESTELLTE

100

J ? \

1950 '51

52

i

^ M A N A G E R , LEITENDE
ANGESTELLTE UND i
SELBSTÄNDIGE
90
i

53 '54

i

^55

i

56

i

57

- 10 -

1

'58

1

1 *

59 1960

w

�der beschäftigten Produktionsarbeiter. Im Jahre 1947 betrug der
Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte an der Beschäftigung
im Bergbau und im Baugewerbe 10 Prozent und in den Fertigungsindustrien 16 Prozent. Bis 1959 war dieser Anteil im Baugewerbe
auf 14 Prozent, im Bergbau auf 21 Prozent und in den Fertigungsindustrien auf 24 Prozent gestiegen.
Wenn auch der Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte in
den 21 Zweigen der Fertigungsindustrie starken Schwankungen unterliegt, so ist er doch von 1947 bis 1959 in jedem einzelnen von
ihnen gestiegen (siehe Tafel III). Er ist im allgemeinen in den
Fertigungsindustrien langlebiger Güter höher und hat dort auch
am raschesten zugenommen.
Der Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte wird in den einzelnen Industriezweigen von verschiedenen Faktoren bedingt, beispielsweise dem Grad der Mechanisierung und Automatisierung, den
Absatzmethoden und dem Umfang der betrieblichen Fürsorgeeinrichtungen. Die Entwicklung in den letzten Jahren scheint darauf hinzudeuten, daß die Ausweitung der Forschung eine der Hauptursachen
für die zunehmende Bedeutung der nichtproduktiven Arbeitskräfte ist,

PcicTi E i!S&gt; H c^ F JJSy^ ,N D E R PRODUKTIONSWIRTSCHAFT UND IM DIENSTLEISTUNGSGEWERBE IN DER ZEIT VON 1952-1960 NACH BERUFSGRUPPEN
AUFGESCHLÜSSELT
PRODUKTIONSWIRTSCHAFT

MILLIONEN

DIENSTLEISTUNGSGEWERBE

MILLIONEN
24

124

|.
-

,20

20

1«
I
16

12

12

—wM,
T2

.0
»952

t*»6Ü

ANGESTELLTE ARBEITER

910

DIENSTLEISTUNGPERSONAL!

ANGESTELLTE

ARBEITER

DIENSTLEISTUN0SPERS0NAL i

1 OHNE HAUSANGESTELLTE

-

11

-

�Tafel

{•

III

Prozentualer Anteil der nichtproduktiven Arbeitskräfte an der
Beschäftigung in den güterproduzierenden Industriezweigen
(außer Landwirtschaft'). 1947. 1952 und 1959

Industriezweig

1947

1952

1959

Sämtliche güterproduzierende Industrien

15»4

18,2

22,8

Bergbau

10,4

12,8

21,3

Baugewerbe

11,0

11,5

14,3

Fertigungsindustrien

16,3

19,5

24,3

Dauergüter
Verteidigungsproduktion
Holz- und Holzwaren
Möbel und Einrichtungen
Steine, Erden und Glas
Hüttenindustrie
Metallverarbeitende Industrie
Maschinenbau (außer elektrische Geräte)
Elektrogerätebau
Transportmittel
Instrumenten- und Apparatebau
Andere Fertigungsindustrien

16,3
15,4
7,2
11 , 8
12,5
12,8
15,9
20,7
23,1
17,8
21,9
14,7

19,3
24,5
8,9
14,4
15,2
15,3
18,6
23,1
24,6
21,2
26,5
17,3

25,1
48,6
10,2
16,4
18,4
19,5
22,2
29,6
32,4
28,8
34,4
20,5

Kurzlebige Güter
Nahrungsmittel und ä. Waren
Tabakwaren
Spinnereiprodukte
Konfektion und a.Textilfertigwaren
Papier und Papierwaren
Druck- und Verlagswesen
Chemische Produkte u.dergleichen
Erdöl- und Kohleprodukte
Gummiwaren
Leder- und Lederwaren

16,4
21,7
6,8
6,2
9,0
12,7
32,8
24,4
23,0
18,5
9,0

19,9
26,6
8,5
7,9
10,4
16,5
34,9
30,3
28,0
20,6
10,0

23,2
30,3
11,5
9,5
10,8
19,9
35,8
37,4
33,4
23,2
10,9

-

12

-

�Die technischen Anforderungen des Raumzeitalters und das Verteidigungsprogramm begünstigten die Einstellung einer wachsenden Zahl
von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern und trugen somit
in den Dauergüterindustrien zu dem Anstieg der Beschäftigung in
den akademischen Berufen bei. Gleichzeitig haben die von diesen
Fachkräften entwickelten technischen Neuerungen einen höheren
Warenausstoß ohne Neueinstellungen von Produktionsarbeitern möglich gemacht. Diese Einflüsse sind besonders in der Verteidigungsproduktion spürbar, wo das Verhältnis von Produktionsarbeitern
zu nichtproduktiven Arbeitskräften etwa 1 zu 1 ist, und im Elektrogerätebau, im Apparate- und Instrumentenbau und in der chemischen
Industrie, wo jeder dritte Beschäftigte nicht produktiv tätig ist.
Der in der Nachkriegszeit zu beobachtende Trend in der Beschäftigung von nichtproduktiven Arbeitskräften scheint in den letzten
Jahren noch eine Verschärfung erfahren zu haben. Es zeichnet sich
ganz eindeutig ab, daß der Hauptanteil an einem künftigen Beschäftigungsanstieg auf den Dienstleistungssektor der Wirtschaft und
der überwiegende Teil der Neuzugänge in der Produktionswirtschaft
(außer Landwirtschaft) auf die Angestelltenberufe entfallen wird.
Klassifizierung der Arbeitskräfte in der Statistik
In den Untersuchungen über die Beschäftigungsverhältnisse wird
unter der Rubrik "Art der Beschäftigung" zwischen Lohn- und Gehaltsempfängern in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst, Selbständigen und unbezahlten Mitarbeitern in Familienbetrieben differenziert.
Häufig wird der Terminus "Angestellter" für "gegen Gehalt Beschäftigte"
verwendet.
Die Mehrzahl der unter den Angestellten geführten Selbständigen
sind Eigentümer kleinerer nicht vergesellschafteter Firmen. Im April
1960 betrug der Anteil der Selbständigen in der Kategorie "Manager",
leitende Angestellte, öffentliche Bedienstete und Selbständige"
50 Prozent; im April 1950 dagegen 60 Prozent. Dieser Rückgang in der
relativen Bedeutung der Selbständigen in der Beschäftigungsstatistik
spiegelt sowohl die tatsächliche zahlenmäßige Abnahme als auch die
etwa 40prozentige Zunahme der Manager, leitenden Angestellten und
öffentlichen Bediensteten wider (siehe Tafel IV).
In der Gruppe der akademischen Berufe waren im April 196O etwa
12 Prozent, zehn Jahre davor dagegen 15 Prozent selbständig. Die meisten Selbständigen in dieser Gruppe sind Ärzte, Zahnärzte und Anwälte,
obwohl zu ihr auch Schriftsteller, Künstler und Artisten und Spezialisten aller Art mit beratender Tätigkeit gehören. Im Verlauf des in
Rede stehenden Jahrzehnts stieg ihre Zahl nur um 200 000 (oder 30 Prozent) auf 900 000; die Zahl der Gehaltsempfänger in dieser Gruppe stieg
dagegen von 3,9 Millionen auf 6,7 Millionen (um 70 Prozent).

Tafel

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13 -

IV

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1950
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Dienstleistungspersonal
1950
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Beschäftigungskategorien

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Angestellte,
öffentl.Bedienstete
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1950
1960
Bürokräfte
1950
1960
Verkäufer
1950
1960

Anm.: Wegen Auf- und Abrundungen addieren sich die Einzelangaben nicht
notwendigerweise zu den Gesamtziffern.

- 14

�Die Verkaufsangestellten sind die einzige Angestelltengruppe,
die einen Zuwachs des Anteils der Selbständigen im Verlauf dieses
Jahrzehnts melden konnte. Im April 196O betrug der Anteil der Selbständigen unter den Verkäufern knapp 10 Prozent, gegenüber 5 Prozent
im Jahre 1950. Die Expansion der Geschäftstätigkeit im Bereich der
Finanz- und Versicherungswirtschaft sowie im Immobilienhandel dürfte
in erster Linie für diese Zunahme verantwortlich sein.
Auf die Bediensteten des Bundes, der Einzelstaaten und der Gemeinden entfallen rund 40 Prozent der akademischen Fachkräfte;
das entspricht dem höchsten Prozentsatz in allen Angestelltengruppen
überhaupt. Die Hälfte der Personen sind Lehrer an staatlichen Schulen
und einzelstaatlichen und örtlichen Colleges und Universitäten in
allen Teilen des Landes. Etwa 20 Prozent aller Bürokräfte und 6 Prozent aller Manager stehen im öffentlichen Dienst. In den Gruppen der
akademischen Fachkräfte und Büroangestellten verliert die Beschäftigung im öffentlichen Dienst heute auf Grund des rascheren Wachstums
der Beschäftigung in der Privatwirtschaft allmählich etwas an Bedeutung,
Obwohl die Zahl der Beschäftigten in akademischen Berufen in der
Privatwirtschaft rascher wuchs als die der Beschäftigten in den übrigen Angestellten-Berufsgruppen, stehen nur 50 Prozent von ihnen im
Dienst der Wirtschaft. Die Privatwirtschaft beschäftigt andererseits
90 Prozent aller Manager und leitenden Angestellten (außer Selbständigen), etwas mehr als 85 Prozent aller Verkäufer und 80 Prozent aller
Bürokräfte.
Auswirkungen der Zunahme der Angestelltenbeschäftigung
Wenn auch eine eingehende Erörterung vieler Auswirkungen der
Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen den Rahmen dieses Artikels sprengen würde, so drängen sich bei der Untersuchung der
jüngsten Beschäftigungstrends doch einige Fragen geradezu auf. Wird
sich der steigende Anteil der Angestellten in verschiedenen, relativ
krisenfesten Berufs- und Wirtschaftszweigen als ein stabilisierender
Wirtschaftsfaktor erweisen, oder werden die Angestelltenberufe mit
dem Wachsen ihres Anteils an der Gesamtbeschäftigung den Gefahren
einer eventuellen Massenarbeitslosigkeit stärker als bisher ausgesetzt
sein? Werden die Arbeiter, besonders in den ungelernten Berufen im
Falle einer Arbeitslosigkeit mehr als bisher die Möglichkeit haben,
auf einen der Angestelltenberufe umzusatteln? Inwieweit wird die
Nachfrage in den Angestelltenberufen durch Neuzugänge auf dem Arbeitsmarkt gedeckt werden? In welchem Maße hängt das rasche Wachstum der
Zahl der Angehörigen -der akademischen Berufe von der Fortsetzung der
Ausgabenprogramme, der Regierung für Ver"teidigungszwecke und für die
Raumforschung ab? Inwieweit wird der zunehmende Anteil der nichtorganisierten Arbeitskräfte das Verhältnis der Sozialpartner untereinander
beeinflussen? Die 60er Jahre werden die Antwort mindestens auf einen
Teil dieser Fragen bringen. (wird fortgesetzt)
(Aus" Monthly Labor Review",
Vol. 84, Nr. 2, Februar 1961)
* * * * *

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthalt Material über Arbeitebeziehungen, Gewerkschafteprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitemitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienstetelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 10

Bad Godesberg, den 1. Oktober 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA
(II und Schluß)

Seite

1

Das erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet

Seite 15

"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"

Seite 16

Trends im Tarifverhandlungswesen

Seite 18

Carol A. Barry,US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (II und Schluß)
Zusammensetzung -

Umfang und Regelmäßigkeit der Beschäftigung -

Arbeitslosigkeit - Bildungsstand - Einkommensvergleiche
Die große Zunahme der Beschäftigung in den Angestelltenberufen
während des letzten Jahrzehnts rückte die Frage nach der Zusammensetzung dieses Segments des Arbeitspotentials in den Blickpunkt des
Interesses der Arbeitsstatistik. Eine Untersuchung der Zusammensetzung
der Angestelltenschaft verdeutlicht die wirtschaftliche Bedeutung
dieser Zunahme. Die in den sechziger Jahren zu erwartende Zunahme
der Anteile der jugendlichen, der älteren und der weiblichen Angestellten an der Gesamtbeschäftigung läßt es wünschenswert erscheinen,
Aufschlüsse darüber zu erhalten, welche Beschäftigungsmöglichkeiten
sich für die Angehörigen dieser Bevölkerungsgruppen in den Angestelltenberufen bieten. Der derzeitige Bildungsstand der Angestellten gibt
beispielsweise gewisse Hinweise auf das Maß an Bildung, das man von
den Neuzugängen auf dem Arbeitsmarkt in Zukunft erwarten wird, und
die Erfahrungen der Angestellten auf der Arbeitsuche zeigen, inwieweit sich in diesen Berufen Gelegenheit für Halbtagsarbeit oder eine
vorübergehende Beschäftigung bietet, wie sie von den Neuzugängen auf
dem Arbeitsmarkt voraussichtlich in erhöhtem Maße angestrebt werden.
Zusammensetzung der Angestelltenschaft nach Geschlecht. Alter und
Hautfarbe
Nach Geschlecht: Zwischen April 1950 und April i960 stieg die
Zahl der in nicht landwirtschaftlichen Berufen beschäftigten Frauen um
rund 31 Prozent auf 21,2 Millionen (siehe Tafel I ) . Die Zahl der
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�Her Frauen in den Angestellten- und Dienstleistungsberufen erhöhte
sich um jeweils 37 Prozent, obwohl in den ersteren Berufen mehr als
doppelt so viele Frauen tätig sind wie in den letzteren. Die Zahl
der Frauen in den Arbeitsberufen erhöhte sich dagegen nur um etwa
6 Prozent.
Zu einer besonders starken zahlenmäßigen Zunahme der weiblichen
Angestellten kam es in den Gruppen der akademischen Berufe und der
Bürokräfte. Die Zahl der Verkäuferinnen und der weiblichen Beschäftigten in den Managerberufen stieg in erheblich geringerem Maße als
die gesamte weibliche Beschäftigung.
In den akademischen Berufen belief sich die Zunahme bei den Frauen
von April 1950 bis April 196Q auf nahezu 49 Prozent. Wenn auch eine
noch weitergehende Spezifizierung der Untergruppen, auf die sich der
Zuwachs vornehmlich konzentrierte, auf Grund des vorhandenen statistischen Materials nicht möglich ist, so scheint doch ein großer Teil
der Zunahme auf Lehrkräfte an den Grund- und Oberschulen zu entfallen,
deren Anteil an der weiblichen Beschäftigung in dieser Berufsgruppe
sich im April i960 auf 45 Prozent bezifferte, sowie auf Krankenschwestern und anderes medizinisches Personal, dessen Anteil 27 Prozent
betrug.
Der Großteil der in den fünfziger Jahren neu geschaffenen Bürostellen wurde mit Frauen besetzt. Ihre Zahl erhöhte sich im Verlauf
dieses Jahrzehnts um 46 Prozent, wodurch die Bürokräfte bis April i960
ihren Anteil an der weiblichen Angestelltenbeschäftigung auf rund die
Hälfte erhöhen konnten.
Die Zunahme der männlichen Arbeitskräfte in den nicht landwirtschaftlichen Beschäftigungszweigen zwischen April 1950 und April i960
war mit nur 13 Prozent wesentlich geringer als bei den Frauen und
bewirkte einen Anstieg der männlichen Gesamtbeschäftigung in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben auf 39»8 Millionen. Die größte Zunahme etwa 22 Prozent - entfiel wiederum auf die Angestelltenberufe; bei den
Arbeitern betrug die Zunahme nur etwas mehr als 7 Prozent, in den
Dienstleistungsberufen nur 5 Prozent.
Den Hauptanteil an der Zunahme der Angestelltenbeschäftigung
bei den Männern bestritten die Angehörigen der akademischen und technischen Berufe mit einer Zuwachsrate von fast 60 Prozent während der
letzten zehn Jahre. Drei Fünftel aller neu hinzugekommenen Angestellten übten im April i960 einen derartigen Beruf aus. Der Zuwachs in
den Gruppen der Büro- und Verkaufsangestellten entsprach im wesentlichen dem durchschnittlichen Zuwachs der gesamten nichtlandwirtschaftlichen männlichen Beschäftigung. Die Gruppe der Manager hatte mit
9 Prozent eine etwas geringere Zunahme zu melden. D**-r rasche Aufschwung
der Beschäftigung in den akademischen Berufen ist vor allem auf die
starke Zunahme der Zahl der festangestellten Wissenschaftler, Ingenieure
und Techniker zurückzuführen - Berufe, in denen die Männer dominieren.
Nach

�Nach Altersgruppeni Die Angestellten konnten ihren Beschäftigungsanteil in sämtlichen Altersgruppen während der fünfziger Jahre
erhöhen. Im seihen Zeitraum ging der Anteil der Arbeiter an der Gesamtbeschäftigung in allen Altersgruppen und bei Männern und Frauen
gleichermaßen erheblich zurück. Obwohl der Anteil der Dienstleistungsberufe an der nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung als Ganzes
gestiegen ist, blieb er in der Altersgruppe der über 45jährigen bei
den Männern nahezu unverändert und ging bei den Frauen sogar zurück.
Die größte Zuwachsrate unter den Angestellten der Altersgruppe
unter 25 Jahren entfiel auf die Angehörigen der akademischen, technischen und verwandten Berufe. In der Gruppe der Manager, leitenden
Angestellten, öffentlichen Bediensteten und Selbständigen hatte diese
Altersklasse dagegen keine nennenswerte Zunahme zu verzeichnen, da
hier Erfahrung und angesammeltes Kapital entscheidende Voraussetzungen
sind.
In der wichtigsten Altersgruppe, der von 25 bis 44 Jahren, lag
die prozentuale Zunahme bei Männern und Frauen in den Angestelltenund Dienstleistungsberufen auf vergleichbarer Höhe, während die Beschäftigung in den Arbeiterberufen hier bei den Männern um 5 Prozent,
bei den Frauen sogar um fast 15 Prozent zurückging. Die Zahl der
männlichen Angestellten in akademischen Berufen stieg in dieser Altersgruppe um 56 Prozent, während die Zahl der männlichen Verkäufer nur
unwesentlich zunahm. Abgesehen von der Gruppe der Verkaufsangestellten
beiderlei Geschlechts und von den Frauen in Managerstellungen, nahm
die Zahl der männlichen und weiblichen Angestellten im Alter von 25 bis
44 Jahren in allen übrigen Angestelltenberufen wesentlich stärker zu
als die nichtlandwirtschaftliche; Gesamtbeschäftigung.
Bei den Männern und Frauen über 45 Jahren stieg die Zahl der in
akademischen Berufen Tätigen sehr stark an. Auch in den Büro- und
Verkäuferberufen erhöhte sich die Beschäftigung in dieser Altersgruppe
weit stärker als die gesamte nichtlandwirtschaftliche Beschäftigung,
Die relative Zunahme der Zahl der Frauen über 45 Jahren in den akademischen Berufen, unter den Bürokräften und Verkäufern übertraf die
Zunahme bei Männern und Frauen in allen anderen Alters- und Berufsgruppen ganz beträchtlich.
Nach Hautfarbet Wenn auch die Zahl der farbigen Arbeitnehmer - zu
annähernd 95 Prozent Neger - in den Angestelltenberufen allmählich
steigt, ist ihr Anteil von 3,7 Prozent an der Angestelltenbeschäftigung
gegenüber einem Anteil von 10 Prozent an der gesamten nichtlandwirtschaftlichen Beschäftigung noch immer verhältnismäßig gering. Der
Anteil der farbigen weiblichen Angestellten erhöhte sich prozentual
stärker als der der farbigen männlichen Angestellten, ist aber gegenüber der Gesamtbeschäftigung noch immer sehr niedrig.
Nur ein Fünftel der berufstätigen farbigen Frauen sind Angestellte
während dies beiden berufstätigen weißen Frauen für drei Fünftel zutrifft; in den Dienstleistungsberufen liegen die Verhältnisse dagegen
fast genau umgekehrt, (siehe Tafel i)

Bei

�Bei den männlichen Arbeitnehmern waren im April 196O nur 16
Prozent der Farbigen, aber fast 44 Prozent der Weißen in Angestelltenberufen tätig. Umgekehrt war ein viel größerer Prozentsatz von Farbigen in den Dienstleistungs- und Arbeiterberufen beschäftigt. Die
Hälfte sämtlicher männlichen farbigen Angestellten, gegenüber zwei
Drittel aller weißen Angestellten, entfiel auf die Berufsgruppen
der Akademiker und Manager.
Während der letzten zehn Jahre nahm die Zahl sowohl der farbigen
als auch der weißen männlichen Arbeitnehmer in den Angestelltenberufen
schneller zu als in den übrigen Beschäftigungszweigen. Obwohl die Beschäftigungszuwachsrate der Farbigen in den Angestelltenberufen im
Jahre i960 höher war als bei den Weißen, lag ihr Anteil an der
Angestelltenbeschäftigung noch immer unter 4 Prozent, gegenüber einem
Anteil von 9 Prozent an der Gesamtbeschäftigung. In ähnlicher Weise erzielten auch unter den weiblichen Angehörigen der Angestelltenschaft
die Farbigen eine erheblich größere Zuwachsrate als die Weißen, insbesondere unter den Büroangestellten. Dennoch betrug der Anteil der
farbigen weiblichen Büroangestellten im April 196O nur knapp 5 Prozent
der gesamten weiblichen Angestelltenbeschäftigung, obwohl der Anteil der
Farbigen an der weiblichen Gesamtbeschäftigung 13 Prozent ausmachte.
Nach wie vor trat die Disparität zwischen den Anteilen der weißen
und farbigen Arbeitskräfte an der Angestelltenbeschäftigung bei den
Männern am deutlichsten in der Gruppe der Manager zutage, bei den Frauen
unter den Verkaufsangestellten. In diesen beiden Gruppen hat sich im
letzten Jahrzehnt kein merklicher Wandel vollzogen.
Umfang der Beschäftigung
Zusätzliche Gradmesser der Beschäftigungslage - wie das Ausmaß
der Ganatags- und Halbtagsbeschäftigung, der ganzjährigen und vorübergehenden Beschäftigung und der durchschnittlichen Zahl der geleisteten
Arbeitsstunden - zeigen ebenso wie die reinen Beschäftigungsziffern,
daß der männliche Bevölkerungsteil in wesentlich stärkerem Umfang am
Erwerbsleben teilnimmt als der weibliche. Die unterschiedliche Beschäftigungsdauer unter den Angehörigen der Angestellten-, Arbeiterund Dienstleistungsberufe ist weit mehr der unterschiedlichen anteilsmäßigen Verteilung der Beschäftigung auf männliche und weibliche Arbeitnehmer zuzuschreiben als den wirtschaftlichen Charakteristika der
einzelnen Berufe. Dasselbe gilt in hohem Maße auch für die Abweichungen
in den verschiedenen Angestelltenberufen. In den Berufsgruppen mit vornehmlich weiblichen Beschäftigten ist die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im allgemeinen geringer, die Halbtagsarbeit weiter verbreitet
und die vorübergehende Beschäftigung häufiger,
Regelmäßigkeit der Beschäftigung: Die Angeslelltenbeschäftigung
weist im allgemeinen eine größere Regelmäßigkeit auf, als die Beschäftigung in anderen Berufsgruppen. Angestellte sind in größerem Maße ganzjährig ganztägig beschäftigt und leisten mehr Arbeitsstunden als die
Arbeiter und Angehörigen der Dienstleistungsberufe. Die Halbtagsbeschäftigung ist unter der Angeatelltenschaft weit weniger häufig als
in den Dienstleistungsberufen. Andererseits ist die Halbtagsbeschäftigung unter den Angestellten weiter verbreitet als unter den Arbeitern,

-

5 -

�Arbeitern, was jedoch weitgehend auf ihre Beliebtheit hei den weiblichen Angestellten zurückzuführen ist. Hinzu kommt, daß die halbtagsbeschäftigten Angestellten, wie an untrüglichen Zeichen abzulesen
ist, zu einem großen Teil ohne eigentliche wirtschaftliche Notwendigkeit einer solchen Tätigkeit nachgehen, während viele halbtagsbeschäftigte Arbeiter angesichts der Lage axif dem Arbeitsmarkt keine
Ganztagsbeschäftigung finden können, .
Die Angehörigen der Managerberufe leisten unter allen Angestellten die meisten Arbeitsstunden, sind mit der größten Wahrscheinlichkeit das ganze Jahr über beschäftigt und arbeiten am seltensten halbtags. Die Hälfte der Angehörigen dieser Berufsgruppe sind Selbständige,
von dener viele auch abends und am Wochenende arbeiten. Die Verkäuferinnen dagegen arbeiten sehr häufig halbtags und erreichen somit eine
verhältnismäßig geringe Wochenstundenzahl. Dies ist zum größten Teil
auf die Konzentration weiblicher Verkaufsangestellter im Einzelhandel
zurückzuführen, wo die Geschäftszeiten und saisonbedingte Verkaufsspitzen Halbtagsarbeit und vorübergehende Beschäftigung in größerem Umfang
gestatten als in den meisten anderen Wirtschaftszweigen.
Seit 1950 ist in allen Beschäftigungssparten ein Trend zu vermehrter Halbtagsbeschäftigung zu verzeichnen, der unter den weiblichen
Angestellten stärker ausgeprägt ist als unter den männlichen. Unter
den weiblichen Angehörigen der akademischen und Büroberufe nahm die
Halbtagsbeschäftigung erheblich zu und erreichte bis 1959 nahezu
20 Prozent der Gesamtbeschäftigung in diesen Berufen. Unter den Arbeitern und in den Dienstleistungsberufen war^1959 der Prozentsatz
der Arbeitskräfte, die das ganze Jahr über ganztägig beschäftigt sind,
gegenüber 1950 leicht zurückgegangen; unter der Angestelltenschaft
trifft dies nur für Bürokräfte zu,
Arbeitslosigkeit. Im Auf und Ab der Geschäftstätigkeit hat sich
die Arbeitslosigkeit unter den Angestellten während der vergangenen
elf Jahre mit bemerkenswerter Hartnäckigkeit auf etwa ^er',', ,
gleichen Höhe gehalten. In Zeiten steigender Geschäftstätigkeit lag
die Arbeitslosenrate der Angestellten niedriger als die der Arbeiter
und Dienstleistungsbeschäftigten. Umgekehrt nahm die Arbeitslosigkeitauch
in Zeiten abflauender Wirtschaftstätigkeit unter den Angestellten im
allgemeinen weniger zu als in den beiden anderen Beschäftigungsgruppen,
Im April 1953 brachte die Verstärkung der Verteidigungsanstrengungen
einen Rückgang der Arbeitslosigkeit unter den Arbeitern auf 3»3 Prozent
und unter den Angehörigen der Dienstleistungsberufe auf 3,5 Prozent, was
dem tiefsten Stand innerhalb der elf Jahre von 1950 bis i960 entspricht
(siehe Tafel II). Bei den Angestellten erreichte die Arbeitslosigkeit
in den fünfziger Jahren ihren tiefsten Stand, 1952 mit 1,1 Prozent,
Im April i960 waren dagegen ft6 Prozent der Arbeiter, 5,1 Prozent der
Dienstleistungsbeschäftigten und 2,5 Prozent der Angestellten arbeitslos .
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�Die geringste Anfälligkeit gegen Arbeitslosigkeit ist unter
allen Angehörigen der Angestelltenberufe bei den Managern und Selbständigen zu beobachten. In den letzten elf Jahren hatte die Arbeitslosenquote in dieser Berufsgruppe, wenn man die Ziffern für April
zugrunde legt, im Jahre 1952 mit 0,4 Prozent ihren tiefsten Stand und
im Jahre 1958 mit 2,1 Prozent ihren Höchststand erreicht; im April
1960 waren nur 1,2 Prozent der Angehörigen dieser Berufssparte ohne
Arbeit. Die Hinzurechnung der Selbständigen zu dieser Gruppe trägt
entscheidend zu der geringen Arbeitslosigkeitsrate bei, da Selbständige
nur im Falle eines Bankrotts unfreiwillig arbeitslos werden können.
Andererseits ist aber auch die Arbeitslosenrate bei den eigentlichen
Managern recht gering.
Die Arbeitslosenquote der Angehörigen der akademischen Berufe liegt
nur um ein geringes über dem Satz der Manager. Die höchste Rate wurde
(wiederum mit April als Bezugsmonat) im Jahre 1950 mit 2,2 Prozent,
die niedrigste 1952 mit 0,7 Prozent ermittelt; 196O waren 1,5 Prozent
der akademischen Fachkräfte beschäftigungslos. Die durchweg günstige
Beschäftigungslage in diesen Berufen ist auf die Stabilität im Bereich
der Dienstleistungswirtschaft zurückzuführen, die besonders viele akademische Fachkräfte beschäftigt, sowie auf den hohen Anteil der freiberuflich Tätigen, die spezifische Eigenart dieser Berufe und die. große
Nachfrage nach hochqualifizierten Fachleuten.
In den Fertigungsindustrien sind beispielsweise zahlreiche akademische Kräfte mit Aufgaben betraut, die kaum etwas mit der laufenden
Produktion zu tun haben. Eine typische Illustration liefert die Grundlagenforschung: Entwicklungsarbeiten wird man kaum wegen eines geringen
vorübergehenden Nachlassens der Wirtschaftstätigkeit einstellen. Die
im Dienste der Industrie stehenden Wissenschaftler, die an der Verbesserung der derzeitigen Produkte oder der Entwicklung neuer Produktionsverfahren arbeiten, kommen nicht so sehr der laufenden als vielmehr der
künftigen Produktion zugute und werden dwshalb auch von Absatz Schwankungen kaum ernstlich berührt.
Bei den Büro- und Yerkaufsangestellten wurde die niedrigste Arbeitslosigkeitsquote im April 1952 mit 1,6 bzw. 1,7 Prozent registriert. Der
Anteil der Arbeitslosen unter den Verkäufern betrug im April 1954» 1958
und 1959 dagegen 4»1 Prozent und im April 196O rund 5,4 Prozent. Bei den
Büroangestellten betrug der Arbeitslosenanteil im April 195.8 etwa 4,8
Prozent und ging bis April i960 auf 3»6 Prozent zurück.
Tritt in den Fertigungsindustrien, im Bergbau, im Baugewerbe oder
im Transportwesen ein schärferer Beschäftigungsrückgang ein, so sind
die dort tätigen Bürokräfte mit großer Wahrscheinlichkeit die ersten
(wenn nicht sogar die einzigen) Angestellten, die mit ihrer Entlassung
zu rechnen haben. Im allgemeinen ist ihr Anteiir'an der Gesamtbeschäftigung in diesen Wirtschaftszweigen höher als der aller anderen Angestelltengruppen und ihre Tätigkeit steht in einem engeren Zusammenhang
mit der laufenden Produktion.
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�Die relativ größere Arbeitslosigkeit unter den Büro- und Verkauf sangestellten hängt auch mit der Tatsache zusammen, daß in diesen
Berufen der Anteil der Jugendlichen an der Beschäftigung höher ist
als in anderen Sparten. Bei erwachsenen Frauen kann die Suche nach
einer Arbeitsstelle sowohl durch ihre Kündigung am bisherigen Arbeitsplatz als auch durch den Wunsch bedingt sein, nach längerer Zeit der
Haushaltstätigkeit wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Unter den
Jugendlichen ist der Wechsel zwischen Berufstätigkeit und Schule häufig.
Eine Untersuchung der Häufigkeit einer langfristigen Arbeitslosigkeit und der durchschnittlichen Dauer der Beschäftigungslosigkeit ergibt
weniger Unterschiede zwischen den Angestellten und den Angehörigen der
übrigen Beschäftigungssparten als erwartet. Wenn auch manches darauf
hinweist, daß die durchschnittliche Arbeitslosigkeitsdauer bei den Angestellten etwas kürzer und die langfristige Arbeitslosigkeit - vor
allem in Zeiten wirtschaftlicher Erholung - nicht so häufig ist wie bei
Arbeitern und Angehörigen der Dienstleistungsberufe, so sind doch die
Unterschiede keinesfalls so augenfällig wie bei den durchschnittlichen
Arbeitslosenraten. Das ist einmal darauf zurückzuführen, daß angesichts
der relativ geringen Arbeitslosigkeit unter den Angestellten meist nur
solche Arbeitskräfte beschäftigungslos werden, die ohnehin schwer unterzubringen sind. Zum anderen lassen sich Menschen mit der Ausbildung und
Erfahrung, wie sie Angehörige der akademischen Berufe, Manager und Verkäufer vielfach besitzen, nicht so leicht in andere Stellungen vermitteln wie Menschen mit Fertigkeiten, wie sie in weniger spezialisierten
Berufen gefordert werden.
Bildungsstand
Ein relativ hoher Bildungsstand ist charakteristisch für die Angehörigen der Angestelltenberufe. Im Jahre 1959 ergab sich für die gesamte Angestelltenschaft im Durchschnitt eine zwölfjährige schulische
Ausbildung. Von den Angehörigen der Arbeiter- und Dienstleistungsberufe
erreichten nur die Facharbeiter mit einer durchschnittlichen Schulzeit
von 11 Jahren einen vergleichbaren Stand. Arbeiter und Hausangestellte
hatten größtenteils noch nicht einmal ein Jahr Oberschulbildung aufzuweisen.
Trotz des hohen Durchschnitts des Schulbesuchs bei den Angestellten insgesamt bestanden in den einzelnen Angestelltenberufen erhebliche
Unterschiede hinsichtlich des Anteils derjenigen, die die Grundschule,
die Oberschule oder ein College bis zum Abschluß durchlaufen hatten. Im
allgemeinen haben selbstverständlich die Angehörigen der akademischen
Berufe die längste schulische Ausbildung absolviert (wenn auch in gewissen freien Berufen - bei Künstlern, Schauspielern, Berufssportlern
usw. - eine formale Bildung nicht als unerläßliche Voraussetzung anzusehen ist). Nur 6 Prozent in dieser Gruppe haben keine abgeschlossene
Oberschulbildung, 55 Prozent dagegen hatten 4 Jahre oder länger ein
College besucht.
Dv3 Unterschiede hinsichtlich des Grades der schulischen Vorbildung
sind innerhalb der Gruppe der Manager größer als in jeder anderen AngestelilUngruppe. 21 Prozent der Angehörigen dieser Gruppe hatten im Jahr

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- 9 -

�Jahr 1959 überhaupt keine Oberschulbildung aufzuweisen, und 13 Prozent
hatten mindestens 4 Jahre College absolviert. Auch hier treten wiederum
deutliche Unterschiede zwischen den eigentlichen Managern und den
Selbständigen in Erscheinung. Während nur etwa ein Viertel aller Manager keine Oberschule besucht hatten, betrug der Anteil der Selbständigen mit reiner Grundschulbildung nahezu 50 Prozent»
Unter den Bürokräften ist der Anteil der Angestellten mit besonders kurzer oder besonders langer Schulbildung geringer als in den anderen Angestelltenberufen. Nicht ganz 8 Prozent der Büroangestellten
haben weniger als acht Klassen besucht, aber nur 5 Prozent haben einen
Coliege-AbSchluß.
Zwischen den männlichen und weiblichen Angestellten bestanden übrigens vielfach sehr augenfällige Unterschiede bezüglich des Bildungsstandes, insbesondere bei den Büro- und Verkaufskräften (siehe Tafel IIl).
Im allgemeinen ist der Anteil der Frauen mit Oberschul-Abschluß größer
als der Anteil der Männer. Was jedoch die akademische Bildung angeht,
so ist hier ein umgekehrter Trend zu beobachten: die Zahl der Männer,
die ein College besucht und auch den regulären Abschluß erlangt haben,
ist größer als die der Frauen. Von den weiblichen Büroangestellten haben
5 Prozent überhaupt keine Oberschule besucht. 80 Prozent dagegen das
Abschlußexamen gemacht. Auf der anderen Seite hatten 13 Prozent der
männlichen Büroangestellten keine Oberschule besucht und nur 70 Prozent
ihr Abschlußexamen abgelegt; 9 Prozent - gegenüber 3 Prozent bei den
Frauen - hatten jedoch ein College absolviert.
Bei den Verkäufern ergibt sich hinsichtlich des Bildungsstandes bei
Männern und Frauen dagegen ein ganz anderes Bild. Im Jahre 1959 hatten
20 Prozent der Verkäuferinnen keine Oberschule besucht; bei den Männern
waren es 13 Prozent. Etwa 72 Prozent der männlichen und 55 Prozent der
weiblichen Verkaufsangestellten hatten die Oberschule absolviert. Während
15 Prozent der Verkäufer einen College-Abschluß besaßen,traf dies
bei den Verkäuferinnen nur für 5 Prozent zu. Diese ungewöhnliche Diskrepanz erklärt sich aus der Tatsache, daß die große Mehrzahl der weiblichen Verkaufsangestellten im Einzelhandel beschäftigt ist, während
etwa die Hälfte aller in Verkaufsberufen arbeitenden Männer beispielsweise als Versicherungsagenten oder im Grundstücks- und Wertpapierhandel tätig sind, wo eine bessere Bildung Berufsvoraussetzung ist.
Seit 1952 hat sich das Bildungsniveau der gesamten Angestelltenschaft laufend erhöht. Die eingetretenen Veränderungen zeigen sich am
deutlichsten an den Extremfällen: der Anteil der Angestellten ohne
Oberschulbildung ist stark zurückgegangen, während der der Angestellten
mit vierjähriger und längerer Collegebildung zugenommen hat.
Einkommensvergleiche
Die Einkünfte der Angestellten sind erheblich größer als die der
meisten Arbeiter und Dienstleistungsbeschäftigten. Dennoch bestehen
innerhalb der Angestelltenschaft und besonders zwischen männlichen und
weiblichen Beschäftigten innerhalb der einzelnen Beschäftigungsgruppen
große Unterschiede hinsichtlich der Höhe des Arbeitseinkommens. Das

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�Das Einkommen der ganzjährig beschäftigten Angestellten lag 1959
bei den männlichen akademischen Fachkräften mit einem Mittelwert
von 7252 Dollar am höchsten, gefolgt von den Einkommen der männlichen Angehörigen der Managergruppe mit 6663 Dollar. Das mittlere
Einkommen der männlichen Büro- und Verkaufsangestellten lag mit
5713 bzw. 5259 Dollar noch wesentlich höher als das der weiblichen
Angehörigen der akademischen Berufe mit 4420 Dollar.
Die Diskrepanz zwischen den Einkommensmittelwerten bei Männern
und Frauen mit ganzjähriger Beschäftigung erklärt sich zum Teil aus
der Tatsache, daß die Frauen praktisch in allen Berufsgruppen vornehmlich in den schlechter bezahlten Stellungen beschäftigt.werden. Bei
den weiblichen akademischen Fachkräften handelt es sich beispielsweise vielfach um Lehrerinnen oder Krankenschwestern, während die
männlichen Akademiker in großer Zahl als Ärzte, Zahnärzte, Anwälte,
Ingenieure usw. tätig sind.
Im großen und ganzen trifft für die männlichen Angehörigen der
akademischen und Managerberufe nicht nur ein höherer Einkommensmittelwert zu als für die Büro- und Verkaufsangestellten; sie gehören ohnehin
größtenteils zu den oberen Einkommensklassen. Es bestehen jedoch ausgeprägte Unterschiede in der Einkommenshöhe zwischen den festangestellten und den selbständigen Angehörigen der akademischen und Managerberufe. Während sich freiberuflich tätige Akademiker wesentlich
besser stellen als ihre festangestellten Fachkolle gen, liegen die Verhältnisse in der Gruppe der Manager gerade umgekehrt. Das mittlere
Einkommen sämtlicher freiberuflich tätigen männlichen Akademiker
(einschließlich der nicht ganzjährig oder nur halbtags tätigen) betrug 1959
10 941 Dollar; von den festangestellten Angehörigen der
akademischen Berufe konnten dagegen nur 15 Prozent ein Einkommen von
10 0C0 Dollar und darüber erzielen (siehe Tafel IV). Der Einkommensmittelwert der männlichen Manager und leitenden Angestellten betrug
7080 Dollar; bei den Selbständigen in dieser Kategorie lag er bei
5299 Dollar.
Die große Vielfalt der Tätigkeiten der Verkaufsangestellten spiegelt sich auch in der Einkommenshöhe wider. Während sich das Einkommensmittel 1P59 für alle männlichen Verkäufer auf 4892 Dollar bezifferte, lag das Jahreseinkommen von 22 Prozent der Verkaufsangestellten unter 2500 Dollar. Dies ist ein höherer Prozentsatz als in allen
anderen Angestelltengruppen. Diese Ziffern sind in erster Linie der
großen Zahl der im Einzelhandel beschäftigten kleinen Verkaufsangestellten und anderer Verkäufer in niedrig dotierten Stellungen zuzuschreiben, lassen aber auch erkennen, daß eine große Zahl männlicher
Verkäufer nur halbtags in diesem Beruf tätig ist.
Die höchsten Einkommen in dem Personenkreis, der in der amerikanischen Statistik zu den Angestellten gerechnet wird, beziehen die
selbständigen Angehörigen der freien Berufe: Ä'rzte, Zahnärzte, Anwälte
usw. Die niedrigsten Einkommen entfallen größtenteils auf die Verkäufer und die selbständigen Gewerbetreibenden. Trotz aller Einkommensschwankungen zwischen den verschiedenen Beschäftigungskategorien und
zwitjchei: männlichen und weiblichen Beschäftigten sind die Angehörigen
der Angestelltenberufe im allgemeinen doch wesentlich besser bezahlt

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13

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�bezahlt als die Arbeiter und die Dienstleistungabeschäf tigten,.'
Ein Überblick über die Einkommensentwicklung in den einzelnen
Berufszweigen während der letzten zehn Jahre läßt keine Verringerung
der Kluft zwischen den Angestelltengehältern und den Arbeiterlöhnen
erkennen. Im Gegenteil, unter Zugrundelegung eines festen Dollarwertes hat sich, wie aus verschiedenen Anzeichen zu ersehen ist, die
Differenz zwischen den Einkommensmittelwerten in diesem Zeitraum
sogar vergrößert,
*

Im Laufe der fünfziger Jahre nahm die Beschäftigung in den Angestelltenberufen ständig zu; das gilt sowohl für Männer und Frauen
als auch für Weiße und Farbige. Der Zuwachs bei den männlichen Angehörigen die ser Kategorie war in den akademischen und technischen
Berufen besonders, stark. Das gleiche gilt für ältere Frauen in akademischen Berufen und in Büro- und Verkaufsstellen sowie für die
Farbigen in akademischen Berufen und in Bürostellen. Die Zahl der
halbtagsbeschäftigten weiblichen Angestellten stieg in den fünfziger
Jahren ganz erheblich, insbesondere die der Angehörigen der akademischen Berufe und der Büroangestellten. Der während der sechziger Jahre
zu erwartende Beschäftigungszuwachs, in diesen Berufszweigen wird mit
Sicherheit zahlreiche neue Arbeitsmöglichkeiten für die Angehörigen
dieser Berufsgruppen schaffen; für die Jugendlichen, die in großer
Zahl neu in das Berufsleben eintreten werden, bieten sich vor allem
als Büro- und Verkaufsangestellte gute Beschäftigungsmöglichkeiten.
Die erhöhten Anforderungen an die Qualifikationen in den akademischen
Berufen werden sich auf dem Beschäftigungsanstieg bei den Jugendlichen insofern hemmend auswirken, als sie eine längere Vorbereitung
auf den Beruf erforderlich machen und damit einen späteren Eintritt
ins Berufsleben erzwingen; dadurch wird wiederum die Nachfrage nach
erfahrenen akademischen Fachkräften aller Art, einschließlich Lehrer,
weiter steigen.

(Quelle: "Monthly Labor Review",
Vol.84, Nr.2, Februar 1961)

* * * * *

- 14

�Das erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet
"Luxus, Geborgenheit und Erquickung - für 125 Dollar im Monat"
- dieses Versprechen, das mehrere amerikanische Gewerkschaften vor
rund einem Jahr ihren Mitgliedern gaben, konnten sie jetzt mit der
Eröffnung ihres ersten "Altershotels" im bekannten amerikanischen
Badeort Miami Beach in Florida einlösen. Hier, direkt am Atlantik,
können von nun an einige hundert Pensionäre im "Präsident-MadisonHotel" einen geruhsamen, sorglosen und ausgefüllten Lebensabend verbringen und manche Freuden genießen, die ihnen das Leben bisher
vielleicht nur spärlich beschert hatte.
Im Preis sind sämtliche Unkosten für Unterbringung, Verpflegung
und die Benutzung aller Einrichtungen inbegriffen. Die Renten aus
der staatlichen Sozialversicherung im Verein mit den Leistungen der
betrieblichen Pensionskassen geben - von der finanziellen Seite
her gesehen - einem Großteil der Altersrentner die Möglichkeit, den
Lebensabend in einem derartigen Heim zu verbringen.
Die Ausstattung der Zimmer und Nebenräume im "Präsident Madison"
kann sich mit der benachbarter Hotels durchaus messen, in denen aller
dings allein die wöchentlichen Kosten für das Zimmer den Monatssatz
für Vollpension im "Präsident Madison" übersteigen. Sämtliche Zimmer
sind mit freundlichen Möbeln eingerichtet und werden durch Klimaanlagen ständig auf einer angenehmen Temperatur gehalten. Das Haus hat
mehrere große Gesellschaftsräume, einen Fernsehsaal und ein eigenes
Schwimmbad. Die Mahlzeiten werden nach den neuesten Erkenntnissen
der Ernährungswissenschaft zubereitet.
Mit Rücksicht auf die Bedürfnisse älterer Menschen wurden beispielsweise sämtliche Badewannen mit rutschfesten Böden und Handgriffen versehen; Rampen angelegt, um Gehbehinderten das Treppensteigen zu ersparen; wurde ein Untersuchungszimmer eingerichtet,
das Ärzten bei Hausbesuchen zur Verfügung steht.
Die Lieblingsbeschäftigung der meisten Gäste des Hauses besteht darin, kleine Spaziergänge zu machen, einen Schwatz in den
Gesellschaftsräumen zu halten oder dem Treiben im Schwimmbad oder
am Strand von überdachten Wandelgängen aus zuzusehen. Wer Lust zu
aktiverer Betätigung verspürt, kann schwimmen gehen, an Tanzkursen
teilnehmen oder aber, gegebenenfalls unter Anleitung, Basteleien
ausführen oder sich als Künstler in Farbe oder Ton versuchen.
Besucher des "Präsident Madison" berichten immer wieder erfreut,
daß man dort kaum etwas von der typischen "Anstaltsatmosphäre" verspüre, die Altersheime so oft charakterisiert. Die Gewerkschaften
fordern ihre Mitglieder, die zu Tagungen oder zur Erholung nach
Miami Beach kommen, zu einem Besuch des Altershotels auf, schon um
den Alten den Kontakt mit jungen Menschen und dem Leben außerhalb
des Heims zu erhalten.
Das "Präsident-Madison-Hotel" wird vo'n der Four Freedoms Hotels,
Inc., einer Gemeinschaftsgründung mehrerer Gewerkschaften, betrieben.
Die
15

�Die Gesellschaft beabsichtigt, in Kürze weitere Hotels in New York,
Chicago, Los Angeles und Atlantic City aufzukaufen und in Heime umzuwandeln. Die Pensionäre haben dann die Möglichkeit, zwischen mehreren Alterssitzen zu wählen und gegebenenfalls auch von Zeit zu
Zeit in ein anderes Heim überzuwechseln.
Die Schaffung der Four-Freedoms-Hotels-Gesellschaft ist in erster
Linie das Verdienst des Präsidenten der Amerikanischen RundfunkGewerkschaft, William R. Steinberg, der auch ihre Geschäftsführung
übernahm. An der Spitze des Kuratoriums steht Joseph Curran, der
Präsident der Seeleute-Gewerkschaft. Im übrigen wird die Gesellschaft
von den Gewerkschaften der Automobilarbeiter, der Beschäftigten in
der Damenoberbekleidungsindustrie, der Elektriker und anderen getragen.
Alle beteiligten Gewerkschaften und ihre Mitglieder sehen in diesem neuen Projekt den Ausdruck einer neuen Funktion der Arbeiterbewegung: im Bewußtsein der Verantwortung für den arbeitenden Menschen
über die Zeit seiner aktiven Tätigkeit hinaus nicht nur für seine
materielle Sicherheit und Gesundheit, sondern auch für seine Achtung
als Mensch zu sorgen.
(Quelle: Eigenbericht)

* * * # *

"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"
Die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft (UAVV) hat sich mit
der "American Motors Corporation" im Prinzip über einen neuen Tarifvertrag geeinigt, der - ein Novum in der amerikanischen Automobilindustrie - eine Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer vorsieht.
Die zehn Tage vor dem Auslaufen des letzten Abkommens erfolgte
Einigung zwischen den beiden Sozialpartnern gewährleistet außerdem
die Beibehaltung des sogenannten "Verbesserungsfaktors" (Aufbesserung
der Löhne auf Grund der angestiegenen Produktivität) und der derzeitigen Lohngleitklausel (automatische Erhöhung der Löhne bei Anstieg
der Lebenshaltungskosten) im neuen Tarifvertrag.
Was die Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer betrifft, so ist dabei
vorgesehen, daß an die gewerkschaftlich organisierten Mitarbeiter des
Unternehmens 10 Prozent des Reingewinns (vor Abzug der Steuern) in Form
von Barleistungen oder anderen Leistungen zur Verteilung kommen, nachdem vorher von der gesamten Gewinnsumme 10 Prozent für die Aktionäre
abgezweigt wurden, und daß weitere 5 Prozent des Gewinns in Form von
Aktien des Unternehmens an die Arbeitnehmer verteilt werden. Gemessen
an dem Gewinn des Unternehmens im letzten Finanzjahr, würde das eine
Summe von 360 Dollar pro Arbeitnehmer und Jahr bedeutet haben.
Von

-

16

�Von ebenso großer Bedeutung sind auch die verbesserten Lei- '
stungen auf dem Gebiet der zusätzlichen Arbeitslosenunterstützung.
Während bisher die vorübergehend entlassenen Arbeitnehmer der
Automobilindustrie neben ihrer staatlichen Arbeitslosenunterstützung
noch einen Ausgleichsbetrag aus den aus Unternehmerbeiträgen gespeisten Unterstützungsfonds erhielten, der ihnen ein Einkommen in Höhe
von 65 Prozent ihres bisherigen Verdienstes sicherte, ist im neuen
Abkommen zwar nur ein Maximum von 62 Prozent vorgesehen, dafür aber
noch zusätzlich 1,50 Dollar pro Woche und Familienmitglied. Die Bezugsdauer dieser Ausgleichsbeträge wurde dabei gleichzeitig auf maximal 52 Wochen heraufgesetzt (bisher 34 Wochen).
Andere Abmachungen in dem neuen Tarifvertrag sehen außerdem folgende Verbesserungen vor: Liberalisierung der derzeitigen Pensionspläne; erhöhte Leistungen bei vorzeitiger Pensionierung oder Vollinvalidität; Übertragung der Pensionsrechte auf den überlebenden Ehepartner bei reduzierten Leistungen; Erhöhung der Lebensversicherungssumme und Verbesserung der Krankenhausversicherung (Zahlung der gesamten Beiträge aus dem neuen Gewinnbeteiligungsfonds).
Wie der 1 . Vorsitzende der Automobilarbeitergewerkschaft,
Walter P. Reuther» und der Vizepräsident der American Motors Corporation, Edward L. Cushman, auf einer Pressekonferenz erklärten, müssen
noch einige Details des neuen Vertrages ausgearbeitet werden. In den
Hauptpunkten sei dagegen bereits volle Einigung erzielt worden.
In einem Kommentar zu dem neuen Tarifabkommen in der amerikanischen Automobilindustrie schrieb der "Washington Star" u.a.! "Walter
Reuther und die Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft haben der
American Motors nach den Worten des 1. Vorsitzenden der Gewerkschaft
"das historisch bedeutendste Tarifabkommen in der Geschichte der
amerikanischen Arbeiterbewegung abgerungen... und es wurde verhältnismäßig leicht erreicht, weil das "Unternehmen und nicht die Gewerkschaft... den Gewinnbeteiligungsplan am Verhandlungstisch ins Gespräch brachte..."

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

Trends

17

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�Trends im Tarifverhandlungswesen
1 . Regelungen der Bezahlung von Wasch- und ReinigungsZeiten
Wie aus einer kürzlich vom US-Arbeitsministerium durchgeführten Untersuchung hervorgeht, enthalten gegenwärtig mehr als 1/6
aller in den USA gültigen Großtarifverträge - das sind solche, die
jeweils mehr als 1000 Arbeitnehmer umfassen - Klauseln über die
Bezahlung von Wasch- und Reinigungszeiten.
«

Insgesamt sehen 278 Großtarifverträge, das sind 17 Prozent
aller Verträge, feste Abmachungen über die Bezahlung jener nichtproduktiven Arbeitszeit vor, die von den Arbeitnehmern für das
Kleiderwechseln, das Waschen und Säubern im Durchschnitt aufgewendet werden muß. Y/ährend die meisten Verträge hierfür eine Zeit von
10 Minuten vorsehen, gewähren einige auch Zeiten von 15 Minuten und
darüber. Häufig wird in den diesbezüglichen Klauseln der Verträge,
auch nur von "einer angemessenen Zeit" gesprochen.
Obwohl noch in den meisten Kontrakten für die Waschnigungszeit eine Periode festgesetzt ist, die am Ende der
zeit liegt, ist in jüngster Zeit hier insofern ein Wandel
ten, als in immer mehr Verträgen zwei Perioden - eine vor
tagspause und eine nach Arbeitsschluß - gewährt werden.

und ReiArbeitseingetreder Mit-

Zu denjenigen Industriezweigen, in denen solche tarifvertraglichen Abmachungen allgemein vorherrschend sind, gehören die
Nahrungsmittel-, Erdöl-, Transport-, die Maschinen- und die chemische Industrie.
*

2. 98 Prozent aller privaten Sozialpläne schließen
Lebensversicherungen ein
über 98 Prozent aller in der amerikanischen Industrie zwischen
Gewerkschaft und Unternehmen ausgehandelten privaten Sozialpläne
sehen heute eine Lebensversicherung für noch im Berufsleben stehende
Arbeitnehmer vor, während in rund 2/3 dieser Verträge diese Leistungen auch auf die bereits im Ruhestand Lebenden ausgedehnt werden.
Dies geht aus einer Untersuchung des Amtes.für Arbeitsstatistik des
amerikanischen Arbeitsministeriums hervor, die sich auf JOO derartige
Pläne erstreckte.
Die untersuchten Sozialpläne, durch die im einzelnen zwischen
1000 und 500 000 Arbeitnehmer erfaßt werden, sehen für insgesamt
4,9 Millionen Arbeitnehmer Kranken- und Lebensversicherungsleistungen
vor. Fast 5/4 dieser Arbeitnehmer waren dabei in Fabrikationsbetrieben beschäftigt, der Rest verteilte sich auf andere Wirtschaftszweige,
Bei

-

18

�Bei rund 3/5 a H dieser Sozialpläne werden ferner die Lebensversicherungsprämien ausschließlich von den Unternehmern finanziert,
während bei den restlichen Plänen die Beiträge zu gleichen Teilen
von Arbeitnehmer und Unternehmer aufgebracht werden. Versicherungsleistungen bei Unfalltod oder Invalidität werden außerdem von rund
der Hälfte dieser Pläne gewährt, wobei die Unternehmer bei "JQ Prozent
aller Pläne die Kosten allein tragen.
Die Höhe der für die einzelnen Arbeitnehmer vorgesehenen
Lebensversicherungssummen belief sich auf 500 bis 15 000 Dollar,
wobei rund ein Viertel aller Policen auf Summen von mindestens
4000 Dollar lauteten.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

19

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 11

Bad Godesberg, den 1 . November 1961
INHALTSVERZEICHNIS

Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung
in den USA

Seite

1

Gewerkschaftsschulung im Wandel

Seite

4

Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgabe
der amerikanischen Gewerkschaften

Seite

10

J. J. Jehring, Mitarbeiter des Instituts für Produktivitätsfragen
der Universität Wisconsin:
Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung in den USA
Zwei Formen der Gewinnbeteiligung sind heute in der amerikanischen Industrie weitverbreitet: die Barausschüttung und die feste .
Anlage mit Ertragsbeteiligung.
Bei der ersteren Form wird der Gewinnanteil an gewissen Fälligkeitsterminen dem Betriebsangehörigen direkt ausgezahlt, bei der
letzteren einem Treuhandfonds zugewiesen, der die Mittel investiert
und zusammen mit den angesammelten Erträgen auf den Namen des Betriebsangehörigen bis zur späteren Auszahlung verwaltet.
Auszahlungen erfolgen gewöhnlich im Falle des Todes, der
Auflösung des Arbeitsverhältnisses oder bei Versetzung in den Ruhestand. In vielen Fällen jedoch werden diese Gelder den Betriebsangehörigen auch für andere Zwecke zur Verfügung gestellt, z.B. für die
Ausbildung der Kinder, als Arbeitslosengeld oder zum Erwerb eines
Eigenheims. Einige Firmen nehmen die Gewinnausschüttung nach einem
sogenannten kombinierten Gewinnbeteiligungsplan vor, der sowohl die
Barauszahlung als auch die Anlage gestattet.
Die Größe und Art des Betriebes spielt für die erfolgreiche
Verwirklichung von Gewinnbeteiligungsplänen keine Rolle.
Ausreichende

�Ausreichende statistische Daten, aus denen sich exakte Schlüsse
auf die Zahl der Betriebe mit Gewinnausschüttung in bar ziehen ließen,
fehlen leider. Nach Schätzungen von Fachleuten dürften es aber gegenwärtig rund 8000 sein.
Weit besseres Zahlenmaterial liegt über die Gewinnbeteiligungspläne mit späterer Ausschüttung vor, da die Treuhandfonds der Genehmigung des Finanzministeriums bedürfen, um in den Genuß der vorgesehenen Steuervergünstigungen zu gelangen. Aus den Unterlagen geht hervor, daß diese Pläne während der letzten 20 Jahre ständig an Bedeutung
gewonnen haben. Ihre Gesamtzahl betrug Ende des Jahres 196O etwa 24 800,
die der betrieblichen Pensionspläne vergleichsweise 38 800.
Die Zahl der Gewinnbeteiligungspläne späterer Ausschüttung ist
in den letzten Jahren viel schneller gewachsen als die Zahl der Pensionspläne. Das Forschungsinstitut für Gewinnbeteiligung ton Evanston
in Illinois berichtet, daß sich die Zahl der Pensionspläne im Jahre
1960 gegenüber 1959 u m 32,6 Prozent vergrößerte, während'die Zahl der
Gewinnbeteiligungspläne in derselben Zeit um 46,4 Prozent zunahm.
Die schnelle Zunahme der Pläne mit späterer Auszahlung der Gewinnanteile in den beiden letzten Jahrzehnten ist vor allem auf zwei
Faktoren zurückzuführen:
1. Die solchen Treuhandfonds von der Regierung gewährten Steuervergünstigungen. Sie sind das Ergebnis der positiven Beurteilung, zu der der Vandenberg-Herring-Ausschuß des amerikanischen
Senats im Jahre 1939 i-n einer Studie über die sozialen Auswirkungen der Gewinnbeteiligungspläne gekommen war.
2. Die guten Erfahrungen, die eine Anzahl bekannter Firmen im
Laufe der Jahre mit der Gewährung von Gewinnanteilen gemacht
haben«
Wenn sich auch die Gesamtzahl der Arbeitnehmer, die eine Gewinnbeteiligung erhalten, kaum ermitteln läßt, möchte ich doch auf Grund
des mir zur Verfügung stehenden Zahlenmaterials annehmen, daß zur Zeit
etwa vier bis fünf Millionen Beschäftigte eine Gewinnbeteiligung in
der einen oder anderen Form erhalten.
Die weitverbreitete Annahme, daß die Gewerkschaften gegen jede
Art der Gewinnbeteiligung seien, hat sich in der Praxis nicht bestätigt. Aus der Literatur über die Gewinnbeteiligung geht hervor, daß
zahlreiche Gewerkschaftsmitglieder von Gewinnbeteiligungsplänen profitieren und daß solche Programme in vielen Fällen mit großem Erfolg
durchgeführt werden.
Während der letzten Jahre ist von zwei großen amerikanischen Arbeitnehmerorganisationen, der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft
und der Vereinigten Elektrikergewerkschaft, bekannt geworden, daß sie
sich bei Kollektivverhandlungen für eine Gewinnbeteiligung eingesetzt
haben. Obwohl die Forderung der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft nach Gewinnbeteiligung von der Automobilindustrie im Jahre 1958
abgelehnt wurde, benutzte die American Motors Company in diesem Jahr die

2

�die Gewinnbeteiligung als Gegenangebot auf die Gewerkschaftsforderungen. Es gibt auch anderswo Anzeichen, die auf eine Meinungsänderung in der Frage der Gewinnbeteiligung schließen lassen. Eine
konservative Zeitung des Mittelwestens, das Wisconsin State Journal,
schrieb in einem Leitartikel am 16. August 196t hierzu:
"Der Romeny(Gewinnbeteiligungs-)-Plan ist. natürlich gar nicht
so revolutionär. Die Gewinnbeteiligung ist in diesem Lande weder
etwas Neues noch ein Verstoß gegen das kapitalistische System
der freien Wirtschaft. In der Tat ist es doch so, daß Ersparnisse
(oder Gewinne) den Unternehmern, Arbeitnehmern und Verbrauchern
gleichermaßen zugute kommen müssen, damit Erfindungsgabe und
Arbeitsersparnis, die für eine wettbewerbsfähige freie Wirtschaft
typisch sein sollten, voll zum Tragen kommen«"
In unserer Gesellschaft entwickeln sich gegenwärtig in den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern Probleme, als deren
logische Lösung immer mehr Menschen die Gewinnbeteiligung in irgendeiner Form ansehen. Einige dieser Probleme und die Rolle, die der Gewinnbeteiligung bei ihrer Lösung zugedacht ist, wurden vor einigen
Jahren von Harold G. Moulton im Auftrag der Brookings Institution in
seinem Buch "Einkommen und wirtschaftlicher Fortschritt" näher untersucht. Darin heißt es im Hinblick auf Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung:
"Da die Höhe der Gewinnbeteiligung der Arbeitnehmer zum Teil von
den Erträgen abhängt, ergibt sich ein zusätzlicher Anreiz zur Leistungssteigerung. Gleichzeitig liegt darin ein geeignetes Mittel
zur Besserung des Betriebsklimas."
über das Inflationsproblem sagt Moulton folgendes«
"Ein bedeutender Vorteil der Gewinnbeteiligung besteht darin, daß
das zusätzliche Einkommen der Arbeitnehmer nicht als Teil der
Produktionskosten in Erscheinung tritt und deshalb keinen direkten Einfluß auf die Preise ausübt. Wie die Dividende der Aktionäre
wird auch der in Form von Zusatzlöhnen auszuzahlende Gewinnanteil aus dem Reingewinn bestritten. Weil die Gewinnbeteiligung
somit keinen direkten Einfluß auf die Preise ausübt, lassen sich
durch sie auch einige der Ungleichheiten in den Einkommen der
verschiedenen Gruppen der Gesellschaft vermeiden, die vielfach
die Folge von Lohnerhöhungen'sind."
Sumner Slichter, einer der führenden Wirtschaftswissenschaftler
in den Vereinigten Staaten, schrieb vor einigen Jahren in einem Artikel
über "Neue Ziele für die Gewerkschaften" zu dem Problem streitorientierter Kollektivverhandlungen:
"Der nächste Schritt vorwärts im Bereich der Beziehungen zwischen
den Sozialpartnern wird darauf gerichtet sein, den gegenwärtigen Kampf
zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern durch organisierte Zusammenarbeit zu ersetzen - ein Wandel, der so epochemachend sein wird wie die
Arbeiterschutzgesetze. Die dringende Notwendigkeit der Zusammenarbeit
hat bereits zu einem beträchtlichen Experimentieren mit Plänen geführt,
die darauf abzielen, den Arbeitnehmern die Möglichkeit zur Mitwirkung
am technischen Fortschritt zu bieten und auch den Wunsch zur Mitarbeit

�Mitarbeit zu wecken... Erstaunliche Dinge geschehen, wenn auch die
einfachen Arbeiter darauf ausgehen, ihre Löhne durch Senken der
Arbeitskosten aufzubessern."
Zur Zeit findet die Idee der Gewinnbeteiligung in den Vereinigten
Staaten soviel Anklang wie in keinem anderen Lande der freien Welt.
Es entwickelt sich ein allgemeines Klima, das einer weiteren Verbreitung solcher Programme sehr förderlich ist.
In der Einstellung verschiedener Gruppen zur Gewinnbeteiligung
zeichnet sich deutlich ein Wandel ab. Bei der Arbeiterbewegung kommt
dies in gewissen Entwicklungen innerhalb der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft zum Ausdruck, und bei den Arbeitgebern in den
ständigen Zunahme der Zahl der Pläne für eine Gewinnbeteiligung mit
späterer Auszahlung und zur Förderung des Erwerbs von Belegschaftßaktien.
*»

* * *

Lawrence Rogin:
Gewerkschaftsschulung im Wandel

Leicht gekürzt aus "The American
Pederationist", dem offiziellen
Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit Angabe des Verfassers und der Quelle gestattet.
i

Im Sommer 1961 diskutierten rund 50 Funktionäre der amerikanischen
Gewerkschaften an drei amerikanischen Universitäten 10 Wochen lang die
Rolle der Gewerkschaften in der amerikanischen Gesellschaft.
Veranstalter dieser Seminare war das Amerikanische Institut für
gewerkschaftliche Schulung, das von Gewerkschaften und Universitäten
zur Vertiefung der gegenseitigen Zusammenarbeit gegründet worden ist.
Bei den genannten Universitäten handelt es sich um das Institut für
Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen an der Cornell-Universität des
Staates New York in Ithaca, um die Universität Kalifornien in Berkeley
und die Staatsuniversität von Michigan in East Lansing. Die Diskussionen
an der Staatsuniversität von Michigan wurden in Zusammenarbeit mit der
Universität Michigan in Ann Arbor und der Wayne-Staatsuniversität in
Detroit ausgerichtet.
Die Teilnehmer kamen aus verschiedenen Gewerkschaften der Fertigungsindustrie, des Baugewerbes, der Metallindustrie, des Einzelhandels
und des öffentlichen Dienstes. Als Lehrkräfte fungierten Angehörige
der Institute, die sich mit Gewerkschaftsfragen beschäftigen. Im

- 4 I

�Im Mittelpunkt des Programms, das in Zusammenarbeit mit Schulungskräften der Gewerkschaften aufgestellt wurde, standen Fragen der
Wirtschaft, der amerikanischen Politik und Regierung, der Soziologie
und Sozialpsychologie sowie der Geschichte und Ideologie der Gewerkschaften.
Fragen der Mitgliederwerbung, des Aushandelns von Tarifverträgen
und der Führung von Ortsverbänden wurden nicht behandelt. Es darf
erwartet werden, daß diese IOwöchige Schulung die Teilnehmer in die
Lage versetzt, mit größerem Wissen und Können und größerem Verständnis an die gewerkschaftlichen Aufgaben heranzugehen.
Die Seminare des Instituts für gewerkschaftliche Schulung berücksichtigen drei Trends, die in der erzieherischen Arbeit der amerikanischen Gewerkschaften immer mehr hervortreten: die Konzentration auf
die Schulung der hauptamtlichen Mitarbeiter der zentralen und lokalen
Gewerkschaftsführung, die Vertiefung des Wissens und das Bestreben,
das Verständnis für die grundlegenden Sozialprobleme zu wecken und
die Schulung in den Haupttätigkeitsbereichen der Gewerkschaften
auszubauen.
Keiner dieser drei Aspekte ist neu. Viele Gewerkschaften führen
seit langem Funktionärslehrgänge durch, manchmal über Einzelthemen
wie die Schlichtung oder Mitgliederwerbung, manchmal über ganze Themenkreise. Betriebswirtschaftliche Lehrgänge der Forschungsabteilung des
amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO haben Funktionäre mehrerer Gewerkschaften zu einem Sonderstudium zusammengeführt, ähnlich
wie dies auch bei Kursen der Abteilung Industriegewerkschaften der
AFL-CIO der Fall war. Seit Jahren schon schicken die Gewerkschaften
Mitarbeiter zu den von der Harvard-Universität veranstalteten ^wöchigen Seminaren über Gewerkschaftsfragen, in deren Rahmen vornehmlich
praktische Aspekte der Gewerkschaftstätigkeit behandelt werden.
Die Gewerkschaften haben seit jeher soziale und politische Probleme
in ihre Schulungsprogramme einbezogen. Das "Warum" und "Wozu" politischer
Aktionen hat dabei mitgeholfen das "Wie" zu untermauern. Das Studium
der Wirtschaftswissenschaften ist auch für das Verständnis des Wesens
der Kollektivverhandlungen und der Arbeitslosigkeit von großer Bedeutung. Es ist nur natürlich, daß eine bessere Bildung längere Studienzeiten erforderlich macht und daß man dabei mehr in die Tiefe schürft.
Die Erfahrungen der Universität Chicago, der Universität Kalifornien
in Los Angeles und auch anderer Institute haben gezeigt, daß die Gewerkschafter bereit sind, mehr Zeit auf intensivere Studien zu verwenden.
Gleichzeitig sollte man auch beachten , daß eine wachsende Zahl
von Gewerkschaften ihr Augenmerk auf die Ausbildung richtet. In den
meisten Fällen gehen die Programme über die Entwicklung bestimmter
Fähigkeiten hinaus, mit der gewöhnlich begonnen wird. Dies trifft im
gleichen Maße für die Programme der Schulungsabteilungen der großen
internationalen Gewerkschaften und die der kleinen lokalen Gewerkschaftsgruppen zu. Es gilt sowohl für Programme, die die Gewerkschaften in alleiniger Regie, als auch für jene, die sie mit Unterstützung
der Universitäten durchführen. Es gilt des weiteren sowohl für die

-

5 -

�die Lehrgänge an Sommerschulen als auch für die Jahreskurse in den
Heimatgemeinden der Arbeiter. Die üblichen sechs- oder achtwöchigen
Kurse werden jetzt oft schon auf 10 oder 16 Wochen ausgedehnt. Wenn
auch Rhetorik und die Behandlung von Beschwerden immer populäre Kursustitel sein werden, so wurden nach den vorliegenden Berichten doch
auch Themen wie Bürgerrechte, Gesundheitsfürsorge und Probleme der
städtischen Ballungszentren behandelt.
Verantwortlich für diese Tendenzen ist eine Reihe von Entwicklungen, und es lohnt sich, einige davon näher zu betrachten. Die Schulung der Arbeiterschaft hat sic-h bewährt. Wir können nun, vom Beginn
des großen Aufschwungs der Gewerkschaftsbewegung anfangs der dreißiger
Jahre an gerechnet, auf eine mehr als 25jährige Erfahrung zurückblicken.
Diese Zeit war ebenso eine Periode der Ausweitung der gewerkschaftlichen Schulung. Wer an solchen Lehrgängen und Konferenzen teilgenommen
hat, ist fähig, einen ganz spezifischen Beitrag zur Gewerkschaftsarbeit
zu leisten, sei es in Form einer besonderen Loyalität und Einsatzbereitschaft, sei es durch gesteigerte Initiative und Verantwortungsfreude.
Gewöhnlich waren es diese - im Verein mit dem Verständnis der Probleme
der Arbeiter und der Rolle der Gewerkschaften bei deren Lösung - sowie
einige Fähigkeiten auf speziellen Gebieten, die den Gewerkschaften am
meisten fehlten.
Sowohl die Teilnehmer an solchen Programmen als auch die verantwortlichen Gewerkschaftsführer haben inzwischen gelernt, daß die Gewerkschaftsschulung nicht um ihrer selbst willen betrieben wird, sondern
für sie ein wertvolles Hilfsmittel zur Lösung ihrer Probleme darstellt.
Das zeigt sich beispielsweise, wenn ein neuer Vorsitzender lernt, wie
man eine Versammlung leitet, oder wenn ein neuer Betriebsobmann Fähigkeiten erwirktj;, die er sofort in seinem Tätigkeitsbereich einsetzen
kann. Kurse über die geschichtliche Entwicklung 'der Gewerkschaftsbewegung oder Fragen der Arbeitsgesetzgebung haben sich ebenfalls sehr
förderlich auf die Gewerkschaftstätigkeit ausgewirkt.
Als sich die Gewerkschaften vor eine Fülle neuer Probleme gestellt sahen, war es nur natürlich, daß sie in der gewerkschaftlichen
Schulung, die sich in einer Periode des Wachstums so sehr bewährt hatte,
den Schlüssel zu deren erfolgreiche® Lösung erblickten. In einer Zeit,
in der immer mehr Beschwerden vor die Schlichtungsgremien gebradht werden, bedarf es größerer geistiger Anstrengung, sie durchzufechten.
Wenn die Mitgliederwerbung schwieriger wird, müssen die Werkzeuge
des V/erbers verfeinert und neue Methoden gelehrt werden, um neuen
Situationen begegnen zu können. Wie läßt sich z.B. die Gewerkschaftsidee in das "Standesdenken" einbauen, dem sich die Angestellten angeblich so sehr verbunden fühlen? Welche Argumente muß man vorbringen, um
die heute vielfach verschleierte, aber immer noch vorhandene gewerkschaftsfeindliche Haltung der Arbeitgeber zu überwinden?
In demselben Maße, in dem die Erkenntnisse der Betriebswissenschaft
in die Praxis umgesetzt werden, müssen auch die Gewerkschaftsfunktionäre
darauf vorbereitet sein, dieser Entwicklung gerecht zu werden. Je

-

6 -

�Je komplizierter und einengender die Arbeitsgesetzgebung wird, um so
wichtiger ist es, mit den Gesetzen und den Vollzugsorganen umgehen
zu können. Wenn die Gewerkschaften mehr Zeit der Politik, der Gesetzgebung und der Gemeindearbeit widmen, so ist es besser, den
Umgang mit diesen Fragen zu lehren, als aus Versuchen und Fehlern
lernen zu wollen.
Wenn Massenarbeitslosigkeit und Betriebsstillegungen die Gewerkschaftsführung vor neue Probleme stellen, müssen auch neue Methoden für deren Lösung entwickelt werden. Der Textilarbeiter, der seinen
Arbeitsplatz durch Betriebsverlagerung verloren hat, und der Metallarbeiter, der auf den Schrotthaufen "automatisiert" wurde, müssen
begreifen, daß die Lösung ihrer Probleme sehr wohl die Kräfte der zuständigen örtlichen Gewerkschaft oder sogar der betreffenden Industrie
übersteigen kann; sie müssen vielmehr die Wichtigkeit der Bundesgesetzgebung für die Lösung ihrer Arbeitsplatzprobleme erkennen.
Viele dieser Probleme sind nicht so einfach, daß zu ihrer Lösung
die Erfahrung aus der täglichen Praxis oder ein paar Reden auf einer
Konferenz genügen. Das ist einer der Gründe für die längeren Kurse
und die Vertiefung des Unterrichts. Eine wirksame Betätigung der
Gewerkschaften im Bereich der Politik setzt die Kenntnis der in
der politischen Tagespraxis üblichen Methoden, aber auch der Struktur der amerikanischen Politik und womöglich des Wesens der politischen
Meinungsbildung voraus. Den Problemen der Automation und des wirtschaftlichen Wandels kann man mit Kontraktklauseln allein ebensowenig
beikommen., wie der durch Umschichtungen im Außenhandel bewirkten
Arbeitslosigkeit.
Da die Arbeiterbewegung ihre gesetzgeberischen und sozialen
Ziele erweitert hat, ist das Verständnis auch auf diese Bereiche
auszudehnen. Ein Gewerkschafter, der sich mit der einzelstaatlichen
Steuergesetzgebung befaßt, muß seine persönlichen Erfahrungen ebenso
ergänzen wie einer, der Fragen der Verteidigung der freien Welt behandelt. Keines dieser Probleme darf ignoriert werden, dazu sind die
Probleme unserer Zeit zu komplex und lasten zu schwer auf uns allen.
Durch Kollektivverhandlungen allein wird man sie nicht lösen, und
seien die Gewerkschaften auch noch so stark.
Schließlich sei auch erwähnt, daß eine ganz neue Generation von
Gewerkschaftern in die Führungsschicht der örtlichen Gewerkschaften
und der Zentralgewerkschaften vorstößt. Einer der erregendsten Aspekte
der Gewerkschaftsschulung ist der große Andrang der jungen Leute, die
ihren Beitrag zum Wachstum der Arbeiterbewegung leisten wollen. Diejenigen unter uns, die das alles hinter sich haben, wünschen, daß die
Jungen die Geschichte und Tradition der Arbeiterbewegung verstehen,
damit ihnen klar wird, warum die Dinge so sind wie sie sind.
Wir halten es für richtig, unsere Erfahrung im Aufbau der Gewerkschaften auf irgendeine Art an diejenigen weiterzugeben, die die
Gewerkschaftsarbeit aufnehmen, nachdem die härtesten Kämpfe bereits
ausgetragen sind, und die noch nie ohne Gewerkschaftsschutz gearbeitet
haben. Wir hoffen, daß wir in ihnen die Bereitschaft zu Hingabe und
Opfer und den militanten Geist wecken können, die so charakteristisch

- 7 -

�charakteristisch für die Anfänge der Gewerkschaften zu sein schienen
und die zur Lösung der heutigen komplexen Probleme nicht weniger
dringend benötigt werden.
Die neue Führnngsschicht beschäftigt sich ebenfalls stark mit
diesen Dingen. Aber sie möchte die Anwendbarkeit der traditionellen
Methoden auf die Lösung der heutigen Probleme erst ausprobieren.
Es ist durchaus möglich, daß die Methoden, die sich in den JÜer und
40er Jahren beim Organisieren der Fließbandarbeiter bewährt haben,
geändert werden müssen, um auch bei den Angestellten, den technischen
und anderen akademischen Fachkräften erfolgreich zu sein, die nie dieselbe Art von Ausbeutung verspürt haben.
Die meisten dieser Nachwuchskräfte in der Gewerkschaftsführung
haben eine höhere Schule besucht, viele sogar ein College. Sie sind
mehr an das Lesen und Studieren gewöhnt, und sie erkennen den Wert
der Bildung für den Umgang mit Gewerkschaftsproblemen. Sie vertrauen
nicht unkritisch auf anerkannte Methoden und glauben, im Verständnis
der Dinge eine Hilfe zur Lösung der Probleme gefunden zu haben.
Dies sind einige der Gründe für die zu erwartende Verstärkung
der Gewerkschaftsschulung, die Konzentration auf die Ausbildung hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionäre, die Tendenz zur Verlängerung der
Abendkurse und ganztägigen Seminare und die Ausweitung der gewerkschaftlichen Schulung zu einem Studium unserer ganzen Gesellschaft. Diese
neuen Interessen und Methoden fanden ihren Niederschlag in den.mehr
als 150 gewerkschaftlichen Wochenkursen, die in diesem Sommer überall
in den Vereinigten Staaten abgehalten wurden. Im Laufe der Jahre sind
diese Sommerkurse in einem gewissen Sinne zum Symbol der Gewerkschaftsschulung in diesem Lande geworden.
Es ist richtig, daß eine noch weit größere Zahl von Gewerkschaftern an den Abendkursen und den ein- oder zweitägigen Tagungen und Lehrgängen teilnehmen, die das ganze Jahr hindurch stattfinden. Aber der
Höhepunkt ist - und das gilt für Studierende und Ausbilder gleichermaßen - nach wie vor die intensive Seminarausbildung, die den Arbeiter
für eine Woche des konzentrierten Studiums, der Diskussion, des Gedankenaustausches und der Entspannung aus dem Alltag herausführt.
In diesem Jahr nehmen etwa 7500 bis 10 000 Gewerkschafter an solchen Seminaren teil, die größtenteils an Universitäten im Rahmen ihrer
Sonderprogramme über Gewerkschafts- und Arbeiterfragen abgehalten werden.
Einige aber laufen auch in gewerkschaftseigenen Institutionen wie dem
AFL-CIO-Lager bei Port Huron im Staate Michigan und dem Lager der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft bei Ottawa im Staat Illinois}
andere wieder finden in Hotels statt, in Privatlagern, in Heimen des
Christlichen Vereins Junger Männer und wo immer Gewerkschafter gern
gesehene Gäste sind.
Wie auf Grund der Struktur der amerikanischen Arbeiterbewegung
zu erwarten, werden die meisten dieser Wochenlehrgänge von den großen
nationalen und internationalen Gewerkschaften oder deren regionalen
Organisationen veranstaltet. Aber die AFL-CIO-Organisationen in deri

�den einzelnen Bundesstaaten haben sich ebenfalls eingeschaltet, und
in zwei Landesteilen werden unter den Auspizien mehrerer einzelstaatlicher Organisationen Regionalkurse durchgeführt. Die Forschungsabteilung der AFL-CIO richtete beispielsweise einen Sonderkurs für
Zeitstudien und Arbeitsplatzbewertung tvSj
Für diejenigen, die schon eine Ausbildung hinter sich haben oder
Positionen mit größerer Verantwortung bekleiden, werden Lehrgänge
für Fortgeschrittene durchgeführt. In einem Fall ist die Weiterbildung vorhandener Fähigkeiten das Ziel, in einem anderen die Konzentration während der ganzen Woche auf ein spezielles Gebiet, wie z.B.
Zeitstudien, Journalismus, Gewerkschaftsverwaltung und Gemeinschaftsarbeit. In wieder anderen Fällen wird die gesamte Zeit auf die Erweiterung des Verständnisses der Probleme der gesamten Arbeiterbewegung
sowie der einzelnen Gewerkschaften verwendet. Es gibt ferner allgemeinbildende Kurse, in de^en das Hauptgewicht auf die geisteswissenschaftlichen Fächer-- Philosophie, Literatur und Kunst - gelegt wird.
Die Lehrpläne variieren sehr stark, sogar innerhalb der einzelnen
Gewerkschaften, da die Ausbilder bemüht sind, im Rahmen der besonderen
Probleme der die Lehrgänge beschickenden Gewerkschaften auf die Erfordernisse der Kursteilnehmer einzugehen. Aber in jedem Fall wird man
bestrebt sein, die Schulung zu einem wirksamen Werkzeug amerikanischer
Gewerkschaftsarbeit zu machen, indem man die Gewerkschafter in den
Stand setzt, mit den auftauchenden Problemen erfolgreich fertig zu
werden.

Leicht gekürzt aus "The American
Federationist'*', dem offiziellen Organ
des amerikanischen Gewerkschaftsver—
bandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit
Angabe des Verfassers und der Quelle
gestattet.

9 -

�John w. Livingston, Leiter der Abteilung Mitgliederwerbung
der AFL-CIO:
Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgäbe
der amerikanischen Gewerkschaften
/

Leicht gekürzt aus "The American Federationist", dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit Angabe des Verfassers und
der Quelle gestattet.

Zum ersten Male in der Geschichte gibt es in den Vereinigten
Staaten mehr Angestellte als Arbeiter. Seit der Jahrhundertwende stieg
der Anteil der Angestellten an der Gesamtbeschäftigung von rund 17
Prozent auf ungefähr 45 Prozent, hat sich also mehr als verdoppelt.
Der Anteil der Arbeiter hielt sich dagegen in diesem Zeitraum fast
auf dem gleichen Stand.
Die technischen Fortschritte des vergangenen Jahrzehnts haben
das relative Anwachsen der Zahl der Angestellten beschleunigt. Für
die Zukunft ist mit weiteren technischen Fortschritten und damit
einem entsprechenden Anschwellen der relativen und absoluten Zahl
der Angestellten zu rechnen.
Vor Ablauf der sechziger Jahre wird z.B. der Prozentsatz der
Arbeitnehmer in der chemischen Industrie, die nicht in der Produktion
beschäftigt sind, auf 50 Prozent steigen; anfangs der fünfziger Jahre
betrug ihr Anteil noch nicht einmal 25 Prozent. Von 1947 bis 1959 stieg
die Produktion von Chemikalien um ungefähr 112 Prozent, während die
Zahl der in der Produktion und Instandhaltung Beschäftigten im selben
Zeitraum nur um 1 Prozent zunahm. Man erwartet, daß in der Stahlindustrie der Anteil der Büro- und technischen Fachkräfte an der Beschäftigung bis zum Ende des laufenden Jahrzehnts auf ein Drittel steigen
wird.
Was die Beschäftigungslage überhaupt betrifft, so dürfte die
Gruppe der Angestellten'die der Arbeiter bis 1975 um mindestens 10
Prozent übertreffen. Da gegenwärtig noch mehr als 80 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder aus den Reihen der Arbeiter kommen, sieht sich
die Arbeiterbewegung vor die Notwendigkeit gestellt, die Angestellten
zu organisieren.
Der Erfolg der Organisierung der Angestellten hängt von zwei Faktoren ab. Der eine, die allgemeine Umwelt, liegt weitgehend außerhalb
der Einflußnahme des Werbers, der sich in die Umstände schicken muß,
die er vorfindet. Der zweite, die Technik oder die Methodik des Werbens, unterliegt der Auswahl und Prüfung.
Die

�Die Gewerkschaften stehen vor der Aufgabe, Werbemethoden zu
entwickeln, die ganz bestimmten Gegebenheiten Rechnung tragen. Auf
die Mitgliederwerbung unter der Angestelltenschaft angewendet,
bedeutet dies zuallererst, ein klares Verständnis der damit zusammenhängenden Probleme und der betreffenden Menschen zu gewinnen. Bei
der Analyse des Wesens der Angestellten trifft man auf sehr unterschiedliche Meinungen. Einige Beobachter behaupten, daß Angestellte
nicht anders seien als Arbeiter. Andere meinen, Angestellte wären
"eine besondere Sorte Menschen".
Die erste Auffassung gestattet den Schluß, daß ein Webhsel der
Werbungsmethoden nicht vonnöten sei; die zweite deutet darauf hin,
daß völlig neue Wege beschritten werden müßten. Beides ist richtig.
Man kann mit gleicher Gültigkeit sagen, daß Angestellte genau so
sind wie andere Arbeitnehmer, und daß es viele Unterschiede gibt.
Angestellte sind insofern genau so wie andere Arbeitnehmer, als
ihre allgemeinen Probleme in demselben gemeinsamer Rahmen liegen.
Beide arbeiten für einen Änderen, eine Gesellschaft oder eine Person.
Sie unterliegen der Betriebsdisziplin. Die Lebenshaltungskosten plagen
sie beide. Die Sicherheit ihres Arbeitsplatzes hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung ab.
Die Arbeiter haben in viel größerem Maße als die Angestellten Zuflucht zu den Gewerkschaften genommen, um diese und andere Probleme
zu lösen. Man schätzt, daß in den Fertigungsindustrien 60 Prozent
der in Frage kommenden Arbeiter organisiert sind. In gewissen Fabrikationszweigen ist die Mitgliederdichte noch viel größer; in der
Fahrzeugindustrie erreicht sie sogar 90 Prozent. Eine ähnliche Mitgliederdichte nimmt man für das Baugewerbe, das Transportwesen, den
Bergbau und die Industrie der Steine und Erden an. Im Gegensatz dazu
liegt die höchste Schätzung der Mitgliederdichte bei den Angestellten
bei 13 Prozent.
Als Folge der Gewerkschaftstätigkeit genießen die organisierten
Arbeitnehmer größere Vorteile als die nicht organisierten. Das gilt
nicht nur für Löhne und Sozialleistungen, sondern auch für die Arbeitsbedingungen. Seit Jahren schon sind der Öffentlichkeit amtliche Statistiken zugänglich, die dies belegen, und die Ergebnisse privater Untersuchungen erhärten diese Schlußfolgerungen.
Eine Umfrage über die Finanzlage der Verbraucher, die 1 960 vom
Institut für Demoskopische Forschung der Universität Michigan durchgeführt wurde, hat ergeben, daß die Familien von Gewerkschaftsmitgliedern insgesamt höhere Einkommen beziehen als die vergleichbaren
Familien von Nichtgewerkschaftern, daß sie über mehr flüssige Mittel
verfügen, daß sie höhere Teilzahlungsverpflichtungen eingehen können
und daß unter ihnen relativ mehr Hausbesitzer zu finden sind.
Vor 70 Jahren war das Einkommen des Angestellten fast doppelt so
hoch wie das des Arbeiters. Vor 30 Jahren verdienten die Gehaltsempfänger 30 Prozent mehr als die Lohnempfänger. Heutzutage hat der Fabrikarbeiter einen klaren Vorteil gegenüber dem Angestellten. Die Zeitschrift "Business Week" schrieb im November 1 954: "In den Fabriken ist
der Einkommensvorsprung des Angestellten verschwunden - vielleicht für
Vor
-

11

-

�Vor dem Entstehen starker Gewerkschaften konnte ein Teil der
nichtorganisierten Angestellten auf größere Vorteile in Gestalt von
bezahlten Feiertagen und bezahltem Urlaub, Renten, Krankheitsurlaub,
einer Krankenhauskostenversicherung und anderer Sozialleistungen verweisen. Heutzutage haben auch die Gewerkschaftsmitglieder einen
vertraglich garantierten Anspruch auf diese Vergünstigungen«
Es gab eine Zeit, da viele Angestellte auf die relativ hohe Sicherheit des Arbeitsplatzes und die größeren Aussichten auf langfristige
Beschäftigung hinweisen konnten. Aber die Gewerkschaften konnten auf
dem Wege über Tarifverträge Lohngarantien und zusätzliche Unterstützungsleistungen im Falle der Arbeitslosigkeit durchsetzen, die
jene Vorteile wettmachen.
In anderer Hinsicht aber haben die Angestellten heute ebenso
große Sorgen um ihren Arbeitsplatz wie die Fabrikarbeiter: sie fühlen sich durch die Automation bedroht. Doch hier besteht ein entscheidender Unterschied insofern, als sie dieser Entwicklung ohne
den Schutz entgegensehen, den die gewerkschaftlichen Tarifverträge
bieten.
'
Trotz der offensichtlichen Vorteile, die die Mitgliedschaft in
einer Gewerkschaft bietet, sind Angestellte nicht in dem gleichen Maße
für den Gewerkschaftsgedanken empfänglich wie Arbeiter. Diese Tatsache
ist Ausdruck sowohl der Verschiedenartigkeit als auch der Ähnlichkeit
beider Gruppen. Der bedeutendste Unterschied findet sich im Bereich
der zwischenmenschlichen Beziehungen. Die Distanz zwischen Vorgesetzten
und Untergebenen ist beim Angestellten geringer. Das Gefühl der Verbundenheit mit der Betriebsführung ist traditionsgemäß stärker. Aber
die Veränderungen, die die zahlenmäßige und prozentuale Zunahme der
Angestelltenbeschäftigung mit sich brachte, haben auch die Verhältnisse im Betrieb geändert. Die Distanz ist größer geworden.
Die Mechanisierung des ganzen Büroapparates und die Zunahme der
Bürobetriebe verwandeln die Bürotätigkeit fast in Fließbandarbeit.
Einige Versicherungsgesellschaften bauten Bürohäuser, die wie Fabriken
aussehen, fast keine Trennwände haben und ein Heer von Büroangestellten
aufnehmen, die Routineaufgaben unter unpersönlicher Aufsicht erledigen.
Einige Firmen, die zahlreiche Bürokräfte mit vielfältigen Vorgängen
beschäftigen, installierten Fließbänder, um Papiere und Akten von einem
Schreibtisch zum andern zu befördern. Die Ähnlichkeit mit den Montagebändern in Betrieben der Massenfertigung ist verblüffend.
Die Abkehr von ehemaligen Verhältnissen zeigt sich auch bei den
technischen Fachkräften, die heute sehr hoch auf der Prestige-Skala
rangieren. Sie werden oft wie irgendeine Gruppe von Lohnarbeitern behandelt, besonders in Firmen, die solche Kräfte in großer Zahl beschäftigen.
Das Erkennen der eingetretenen Veränderungen durch viele der von
ihnen Betroffenen hinkt jedoch hinter der tatsächlichen Entwicklung
her. Obgleich Industrie und Handel im allgemeinen der Form, Struktur
und Tätigkeit nach bis ins kleinste durchorganisiert wurden und damit

-

12

-

�damit höchst unpersönlich geworden sind, denkt die Mehrzahl der Anstellten immer noch in Begriffen der Vergangenheit statt der Gegenwart. Ein Beobachter bemerkt, daß "das Dilemma des Angestellten aus
seinem starken Wunsche erwächst, den Weg der Einzelaktionen in einer
Situation zu beschreiten, in der nur Gruppenaktionen wirkungsvoll
sind" .
Alle Arten der modernen Massenbeeinflussungsmittel wirken auf
den Angestellten ein, um ihn in seinem Glauben zu bestärken, daß
seine Interessen in einer Angestelltenwelt am besten durch individuelle
Bemühungen gefördert werden können. Das ist eines der Hindernisse
dabei, ihn gewerkschaftlich zu organisieren. Solange das Gewerkschaftswesen unwidersprochen als nivellierende Kraft und Hemmschuh für das
persönliche Fortkommen auf Grund individueller Verdienste geschildert
wird, muß der uneinsichtige Angestellte es als Bedrohung empfinden.
Außerdem führt die Betriebsstruktur oft zur Bildung von Gruppen,
die so manipuliert werden können, daß sie Organisierungsvorschlägen
entgegenwirken. Wie bei jeder Betriebsform entwickeln sich auch im
Büro, im Laboratorium und im Zeichensaal starke gesellschaftliche
Bindungen und das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit. Die Arbeitgeber haben
das erkannt und profitieren davon. Sie setzen die Gewerkschaft einer
außenstehenden Kraft gleich, die andersgeartete Vorstellungen, Ideale
und Werte vertritt. Ihr Eindringen bedeutet die Bildung einer neuen
Gruppe, die die alte verdrängt. Tendenzen dieser Art können leicht
in Richtung auf "unabhängige Organisationen" oder Berufsverbände
gelenkt werden, um die legitime gewerkschaftliche Zusammenschließung
zu vereiteln.
Die Gewerkschaften müssen all denen, die ihre Arbeitswelt nicht
realistisch sehen können, klarzumachen suchen, daß der Wandel der Verhältnisse die denkbar größte Nivellierung bewirkt hat und daß die Veränderungen im Arbeitsablauf viele Büroarbeiten zu geisttötenden Routinearbeiten herabgemindert haben. Die Gewerkschaft muß sie zu der Erkenntnis bringen, daß die Interessen des einzelnen in der heutigen
komplexen Gesellschaft am besten durch Gruppenaktionen gewahrt werden
können.
Dem Angestellten geht es um persönlichen Respekt, um Würde und
um Anerkennung. Er glaubt - und manchmal hängt er mit verzweifelter
Hartnäckigkeit an diesem Glauben -, daß die Welt des Angestellten noch
so sei, wie Tradition und Angestelltenmythos vorgeben. Wenn man ihm
Beweise vorlegt, daß viele Arbeiter, organisierte Arbeiter,heute wirtschaftlich besser und sicherer dastehen, dann wird er vielfach fadenscheinige Gründe vorbringen, um sein Ausharren in einer Stellung zu
rechtfertigen, die ihm sonst minderwertig vorkommen müßte.
Zumindest, so glaubt er, hat er .ein großes Prestige. Er wird wie
eine wichtige Person behandelt. Sein Aufstieg ist eine Angelegenheit zwischen ihm und seinem Arbeitgeber und hängt von seinen Fähigkeiten und
seiner Initiative ab. Er wird respektiert, er ist wer. Auf wen wird sein
Zorn fallen, wenn er zu der Erkenntnis gelangt, daß sein Prestige, sein
Einkommen und seine persönliche Bedeutung für das Unternehmen ebenso
wie seine Sicherheit - abgewertet worden sind? Wird er auf die Firma

13

�II

Firma böse sein? Auf unser Wirtschaftssystem? Oder auf die Gewerkschaft wegen ihres Angriffs auf geheiligte Illusionen? Seine Unzufriedenheit in die richtigen Bahnen zu lenken, ist eine der Hauptaufgaben bei der Organisierung der Angestellten.
Obgleich das Bestehen einer durch gemeinsame Erfahrungen und
Arbeit zusammengehaltenen Gruppe die Werbung von Mitgliedern sehr
zu erschweren vermag, kann es auch eine Hilfe sein, beweist doch schon
das Bestehen solcher Gruppen Möglichkeiten des Organisierens; Gruppenloyalität ist eine der Vorbedingungen für das Organisieren. Es
ist Aufgabe der Gewerkschaft, die Angestellten zu der Einsicht zu
bringen, daß sie durch viele gemeinsame Bande verbunden sind und daß
sie nur logisch und in ihrem eigenen besten Interesse handeln, wenn
sie der Gruppe, zu der sie ohnehin gehören, durch die Gründung einer
neuen Gewerkschaft oder durch ihren Beitritt zu einer bestehenden Gewerkschaft eine feste Form geben.
Das Verfahren, die Angestellten zum Verständnis dieser Tatsache
zu führen, ist das gleiche wie hei jeder anderen Arbeitnehmergruppe.
Es ist die Summe aller Methoden, die den Arbeitnehmer, wo, wie und
für wen er auch arbeitet, in die Lage versetzen, seine eigenen Bedürfnisse zu analysieren und die wirkungsvollsten Mittel und Wege für
ihre Befriedigung wahrzunehmen.
Es gibt keine allein richtige Art des Organisierens. Jede Organi- *
sierungsaufgäbe liegt anders. Ein Vorgehen, das in einem Falle erfolgreich ist, mag in einem anderen fehlschlagen; eine erfolglose Taktik
kann sich unter anderen Umständen als die einzig richtige erweisen. Das
gilt für die Organisierung von Facharbeitern,Produktionsarbeitern, Wartungspersonal, Dienstpersonal und Angestellten gleichermaßen. Da aber
Angestellte einerseits anderen Kategorien von Arbeitnehmern gleichen
und andererseits verschieden yon ihnen sind, muß man sich darüber im
klaren sein, daß eine gewisse Differenzierung in den Methoden des
Organisierens der Angestellten angezeigt ist.
Die Mitgliederwerbung unter den Angestellten erfordert ein stärkeres Eingehen auf den einzelnen Menschen, als es das Organisieren von
Industriearbeitern in der Vergangenheit verlangte. Allgemeine Apelle
oder Ermahnungen sind wahrscheinlich weniger wirkungsvoll;Appelle,
die sich auf bestimmte Probleme beziehen, haben größere Aufsicht, eine
günstige Reaktion hervorzurufen.
Wer sich mit der Organisierung von Angestellten befaßt, muß fähig
sein, den Gewerkschaftsgedanken in der Sprache der Angestellten zu vertreten; er muß den Bedürfnissen der Angestellten in gewerkschaftlichen
Begriffen Ausdruck verleihen können. Dies bedeutet, daß die bei
Kollektivverhandlungen zu verfolgenden Ziele auf die besonderen Probleme
und Ansichten bestimmter Angestelltengruppen zugeschnitten werden müssen.
Die Mutter und Hausfrau, die auf vier oder fünf Jajhre ins Berufsleben zurückkehrt, um zur Abzahlung einiger Schulden oder Ansammlung
von Kapital für die Anzahlung auf ein Eigenheim beizutragen, wird sich
bei Tarifverhandlungen kaum für Gewerkschaftsforderungen erwärmen, die

-

14

-

�die die Gewahrung von Altersrenten zum Ziele haben. Sie wird aber an
einem Entlassungsgeld interessiert sein.
Ein Diplomingenieur für Hochfrequenztechnik mag an der Durchsetzung des Anciennitätsprinzips desinteressiert sein, er wird aber
wahrscheinlich leicht für einen Plan zu gewinnen sein, der ihm
bezahlten Urlaub zum Besuch von Fachtagungen» zur Vorbereitung auf
ein Abschlußexamen oder zur Abfassung wissenschaftlicher Arbeiten
sichert.
Die Möglichkeiten zum Organisieren sind so groß und das Bedürfnis nach gewerkschaftlichen Zusammenschlüssen ist so stark, daß jetzt
weder Zeit noch Raum für uns ist, selbst Abschreckungsmittel gegen
das Organisieren zu erfinden. Die verschiedenen Gewerkschaften sollten
sich verpflichten, hinderliche Kompetenzkonflikte gar nicht erst aufkommen zu lassen und zu diesem Zweck Organe entwickeln, um alle diesbezüglichen Faktoren auszuschalten.
Die Angestellten werden sich erst dann organisieren, wenn sie
die Realitäten ihrer augenblicklichen Lage und die Notwendigkeit
für gewerkschaftliche Zusammenschlüsse als
zweckmäßigste Lösung
für ihre»Probleme erkennen.

Leicht gekürzt aus "The American Federationist", dem offiziellen Organ des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO. Nachdruck ist nur mit Angabe des Verfassers und
der Quelle gestattet.

******

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amerika-Dienst
Informational Operations Unit
USIS-Bonn/Bad Godesberg
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

XIV - 12

Bad Godesberg, den 1 . Dezember 1961

INHALTSVERZEICHNIS

Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen
Sozial- und Pensionskassen in den Vereinigten Staaten

Seite

1

Gutes Betriebsklima durch sinnvolle
Freizeitprogramme

Seite

9

"Co-op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem

Seite

10

Stahlarbeitergewerkschaft besteht jetzt 25 Jahre

Seite

12

Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für
25 000 Menschen

Seite

14

Edward M. Gordon: Abteilung Berichtswesen der Sozial- und Pensionskassen im US -Bundesamt für Arbeitsrecht und
Arbeitsschutz
Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen Sozial- und
Pensionskassen in den Vereinigten Staaten
Eine erste zusammenfassende Übersicht über die Vermögenslage
und die Finanzierung der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen
oder -plane wurde kürzlich vom US-Bundesamt für Arbeitsrecht und

�und Arbeitsschutz veröffentlicht. Sie stützt sich auf die Finanzberichte der 118 660 betrieblichen Sozial- und Pensionskassen, die
erstmalig für das Jahr 1959 auf Grund des Gesetzes über die Ausweispflicht der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen (Weifare
and Pension Plans Disclosure Act) dem Arbeitsministerium unterbreitet wurden. Aus der genannten Übersicht geht hervor, daß sich
das Gesamtvermögen dieser Einrichtungen auf 30,2 Milliarden Dollar beziffert. In diesen Berichten sind solche über Deckungsmittel in Höhe von 17»5 Milliarden Dollar nicht enthalten, die bei
kommerziellen Rentenversicherungen angesammelt wurden, so daß
sich die Gesamthöhe der Rücklagen auf über 47&gt;7 Milliarden Dollar
beläuft. Nach vorliegenden Schätzungen werden von 24 130 Pensionskassen über 17 Millionen Arbeitnehmer und von 94 530 Sozialkassen,
die Leistungen der Lebens-, Unfall-, Krankengeld-, Krankenhauskosten-, Operationskosten-, allgemeinen Krankenkosten- und Zahnbehandlungskostenversicherung sowie auch Verdienstausfallentschädigungen im Krankheitsfalle gewähren, über 27 Millionen Beschäftigte erfaßt.

Tätigkeitsbereich der Kassen und Finanzierung der Leistungen
Der Umfang, der Tätigkeitsbereich und die Zahl der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen haben in den letzten Jahren
eine starke Ausweitung erfahren. Der amerikanische Kongreß hat
im Hinblick auf die Bedeutung der Kassen für die gesamte Volkswirtschaft und in dem Wunsch, die Interessen der Kassenmitglieder und ihrer Angehörigen zu wahren und den amerikanischen Binnenhandel vor abträglichen Rückwirkungen zu schützen, mit Wirkung vom 1 . Januar 1959 das Gesetz über die Ausweispflicht der
betrieblichen Sozial- und Pensionskassen erlassen, durch das
diese Kassen verpflichtet wurden, den Mitgliedern und Leistungsberechtigten Rechenschaft über die Finanzlage abzulegen, andere
wichtige Informationen bekanntzugeben und dem Arbeitsministerium
entsprechende Berichte zu unterbreiten. Das Gesetz erstreckt sich
auf alle Kassen, die von Arbeitgebern (oder Arbeitnehmerorganisationen in Vertretung von Arbeitnehmern) unterhalten werden, die
im Handel, in der Industrie oder in einem anderen, mit dem Handel in Berührung stehenden Bereiche tätig sind. Ausgenommen sind
Kassen, die weniger als 25 Beschäftigte erfassen, die von staatlichen, einzelstaatlichen oder kommunalen Behörden unterhalten
werden, die in Ausführung der Gesetze über die Invaliditäts- und
Arbeitslosenversicherung errichtet wurden, sowie Kassen, die durch
die Finanz- und Steuerverwaltung von der Steuer befreit worden sin

Das

�II

Das Gesetz schreibt vor, daß die Verwaltungsorgane der der
Berichterstattungspflicht unterliegenden Sozial- und Pensionskassen
dem Arbeitsministerium einreichen: a) eine Beschreibung der Tätigkeit
der Kasse, die u.a. Aufschlüsse über die Art der Verwaltung, der
gewährten Leistungen und der Finanzierung enthalten muß; und b) eine
Abschrift des Kollektiv-, des Treuhand- oder eines anderen Vertrages
bzw. Dokumentes, auf Grund dessen die Kasse errichtet wurde und tätig
ist. Das Gesetz bestimmt ferner, daß jede derartige Kasse innerhalb
von 120 Tagen nach Ablauf des Geschäfts-, des Versicherungs- oder
Vertragsjahres einen Jahresbericht zu unterbreiten habe, in dem die
Höhe der vom Arbeitgeber und von den Arbeitnehmern geleisteten Beiträge, der gewährten Leistungen und der Rücklagen sowie die Zahl der
erfaßten Arbeitnehmer auszuweisen sind.
Die Arbeitnehmer-Zusatzversicherungen unterscheiden sich hinsichtlich der Aufbringung der Leistungen ganz erheblich. Zum Zwecke dieser
Untersuchung wurden die Kassen nach der Art der Aufbringung der Leistungen in fünf Kategorien unterteilt.
Premdversicherte Kassen* Alle Leistungen werden über einen Versicherungsträger (Gesellschaft oder andere Organisation) gewährt. Hierunter fallen auch Kassen, die einen Treuhand- oder einen anderen Sonderfonds unterhalten, aus dem die Beiträge und Gebühren an einen Versicherungsträger abgeführt werden, der seinerseits die Leistungen gewährt.
Selbstversichernde Kassen: Alle Leistungen werden aus einem Treuhand- oder einem anderen Sonderfonds gewährt.
Teilversicherte Kassen: Die Leistungen werden zum Teil von einem
Versicherungsträger aufgebracht und zum Teil aus einem Treuhand- oder
Sonderfonds gewährt.
Nichtfundierte Pläne: Alle Leistungen werden aus dem allgemeinen
Vermögen der Firma oder der Arbeitnehmerorganisation bestritten.
Mischformen: Beliebige Kombinationen aus den vier vorstehend aufgeführten Formen.
Finanzlage und Mitgliederzahl im Jahre 1959
Beitragsaufkommen: Insgesamt führten Arbeitgeber und Arbeitnehmer
10,257 Milliarden Dollar an die 118 660 Kassen ab. Den 94 530 Sozialkassen, flössen 4,766 Milliarden Dollar zu; an die 24 130 Pensionskassen,
deren Zahl mithin nur ein Viertel der Zahl der Sozialkassen beträgt,
wurden 5,491 Milliarden Dollar abgeführt (Siehe Tafel i ) .

Tafel I

�Tafel I
Vermögenslage und Finanz,gebaren der betrieblichen Sozisil- un i Pensionskassen im Jahre 1959. nach Ar t der Kassen , Aufbringung der L ei stungen
und Wirtschaft szweigen aufgeschlüsselt

Art der Aufbringung
der Leistungen
bzw.
Aufgliederung nach
Wirtschaftszweigen
Sämtliche Kassen

Sozia lkassen
Zahl

Leistun- Rückgen
lagen
(fclDoILa^ (inMlar)

5 556

1 410

5 841

1 955

3 649
404
169
397
147

2 420
266
159
597
114

1 229
158
10
0
55

2 892
275
141
597
156

185
1 555
370
0

340
400
720
480

92
201
2 891
365

64
185
2 015
276

28
18
676
87

85
171
2 254
544

12
218
1 346
110

550
990

293
571

185

108
117

258
516

140

890
300
860

247
208
100

88
61
27

191
162
80

12
75
17

94 530

Art der Aufbringung d.
Leistungen
Fremdvers.Kassen
Selbstvers.Kassen
Teilvers.Kassen
Nichtfundierte Pläne
Mischformen

Beiti äge (:in De&gt;llar)
Insges. Arb eit- Arbeitgeb er
ne hmer
4 766

_ .
85 850
2 070
660
5 460
490

27

Aufgliederung
n.Wirtschaf tszweigen
1
Bergbau
Baugewerbe
3
Fertigungsindustrien 45
Transportgewerbe
3
Fernmeldewesen u.a.
öf f .Versorgungsbetr'. 2
Groß- U.Einzelhandel 15
Bank- u.Versicherungsgewerbe u.Immobilienhandel
7
Dienstieis tungsgewerbf3 8
Andere
5

-

254
159
147
73

3

-

5

�A r t d. Aufbringung
der Leistungen
bzw.
Aufgliederung
nach W i r t s c h a f t s zweigen
Sämtliche

Kassen

Pensionskassen
Beiträge (in Dollar)
Insges. ArbeitArbeitgeber
nehmer

Leistungen ( i n
Dollar)

Rücklagen
(in
Dollar)

24 150

5 491

4 576

915

1 672

28 502

7 130
15 090
2 260

1 232
3 049
794

998
2 550

657

234
519
137

294
995
216

165
22 303
3 557

1 470
180

92
324

92
299

0
25

92
75

0
2 277

360
730
880
880

105
112
3 147
328

83
108
2 572
262

22
4
575
66

39
23
850
99

451
400
16 389
1 125

930
350

530
341

485
275

45
66

157
196

3 709
2 484

910
490
600

548
186

481

67
22
48

190
51
67

2 512
904
328

Zahl

Art d. Aufbringung d .
Lei stungen
Fremdvers.Kassen
Selbstvers.Kassen
Teilvers.Kassen
Nichtfundierte
Pläne
Mischformen
Aufgliederung
n .Wirtschaftszweigen
Bergbau
Baugewerbe
Fertigungsindustrien
11
Transportgewerbe
Fernmeldewesen u.a.
öff.Versorgungsbetr.
Groß- U.Einzelhandel 3
Bank- u .Versieherungs
gewerbe u .Immobilien~2
handel
1
Dienstleistungsgew.
1
Andere

f94

164
146

�Eine 1959 durchgeführte Untersuchung der Finanzierung der Sozial- und Pensionspläne zeigte, daß über 98 Prozent aller Pensionskassen Beiträge von Unternehmern oder Unternehmergruppen erhalten
und 73 Prozent sogar ausschließlich von diesen finanziert werden.
Die von Unternehmern aufgebrachten Beiträge zu den Pensionskassen
betrugen insgesamt 4» 576 Milliarden Dollar, das entspricht 83 Prozent
des Gesamtaufkommens. Im Gegensatz hierzu finanzierten die Unternehmer nur 38 Prozent der Sozialkassen ausschließlich, wobei sich
ihre Aufwendungen auf 3»356 Milliarden Dollar oder 70 Prozent des
Gesamtaufkommens bezifferten.Weit über die Hälfte des Beitragsaufkommens - 61 Prozent bei
den Sozial- und 57 Prozent bei den Pensionskassen - entfiel auf
Pläne, die Arbeitnehmern in den Fertigungsindustrien zugute kommen.
An nächster Stelle rangieren die Kassen, die Arbeitnehmer im Fernmeldewesen und in den anderen öffentlichen Versorgungsbetrieben
erfassen, gefolgt von Kassen im Finanz- und Versicherungswesen,
im Immobilienhandel sowie im Groß- und Einzelhandel.
Die von den Kassenverwaltungen gemeldeten Beitragaeingänge
lagen-etwas höher als nach Schätzungen des US-Handelsministeriums
und des Bundesamtes für die Sozialversicherung (Social Security
Administration) zu erwarten war. Die Unterschiede sind zum Teil
darauf zurückzuführen, daß sich das Handelsministerium dabei auf
Kassen beschränkte, die den Mitgliedern bzw. deren Angehörigen
Leistungen der Kranken-, Operations- und Krankenhauskostenversicherung
sowie Zahlungen bei Krankheit, Unfall, Invalidität, Tod oder Arbeitslosigkeit gewähren, während das Bundesamt für die Sozialversicherung
Kassen erfaßte, die ihren Mitgliedern bzw. deren Angehörigen Altersrenten gewähren, sowie auch Gewinnbeteiligungsfonds mit späterer
Ausschüttung im Falle der Erreichung der Altersgrenze oder danach
(Deferred profit-sharing plans; siehe Internationale Arbeitsmitteilungen, XIV-11, 1. November 1961s "Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung in den USA")* Die Gesamthöhe der Arbeitgeberbeiträge
zu den betrieblichen Sozial- und Pensionskassen betrug den eingereichten Berichten zufolge 7»952 Milliarden Dollar und übertraf damit nur
geringfügig den yvom US-Handelsministerium geschätzten Betrag von
7,877 Milliarden^Dollar. Die von den Pensionskassen ausgewiesenen
Beitragseinnahmen.in Höhe.von 5»491 Milliarden Dollar lagen um rund
300 Millionen höher als die vom Bundesamt für die Sozialversicherung
errechneten Einnahmen der betrieblichen Pensionskassen und der Gewinnbeteiligungs-Treuhandfonds mit späterer Ausschüttung.
Leistungen; Von den im Jahre 1959 erfolgten Auszahlungen in Höhe von
5»513 Milliarden Dollar entfielen 70 Prozent auf Sozialleistungen.
75 Prozent dieser Leistungen in Höhe von 3,841 Milliarden'Dollar wurde
über Versicherungsunternehmen bereitgestellt. Auf die nichtfundierten Versorgungspläne entfiel nur ein Zehntel der gezahlten Sozialleistungen, auf die Mischformen der Rest. Im Gegensatz hierzu wurden
60 Prozent der'Leistungen der Pensionskassen in Höhe von 1 ,672 Milliarden von den selbstversichernden Kassen aufgebracht, das heißt, die
Leistungen wurden aus einem Treuhand- oder Sonderfonds bezahlt. Die
fremdversicherten Kassen waren die einzige Form, die mit 18 Prozent
einen weiteren nennenswerten Anteil an den Gesamtleistungen erreichte.
Von

�II

Von den Sozialleistungen kamen 59 Prozent oder 2,254 Milliarden Dollar und von den Pensionszahlungen 51 Prozent oder 850 Millionen Dollar Beschäftigten der Fertigungsindustrien oder deren Angehörigen zugute. An nächster Stelle kam der Groß- und Einzelhandel,
gefolgt von dem Transportgewerbe, dem Fernmeldewesen und anderen l
öffentlichen Versorgungsbetrieben.
Vermögen: Das Gesamtvermögen aller betrieblichen Sozial- und Pensionskassen beläuft sich auf 47,7 Milliarden Dollar. Nach den Berichten
der Verwaltungsorgane der Kassen an das US-Arbeitsministerium beträgt
das Vermögen 30,2 Milliarden Dollar, da die Deckungsmittel der Versicherungsträger der fremdversicherten Kassen in Höhe von 17,5 Milliarden Dollar darin nicht enthalten sind.
Die 28 130 Pensionskassen wiesen ein Vermögen von 28,3 Milliarden
Dollar aus. Da 91 Prozent der Sozialkassen ihre Leistungen über Versicherungsträger gewähren und somit der größte Teil von ihnen überhaupt kein eigenes Vermögen gebildet hat, bezifferte sich das Gesamtvermögen der Sozialkassen nur auf 1,9 Milliarden Dollar. Von diesem
Betrag entfielen 70 Prozent auf die 2070 selbstversichernden Kassen,
die die Leistungen aus den Mitteln eines Treuhand- oder eines anderen
Sonderfonds bestreiten.
Über die Hälfte aller angezeigten Vermögensbestände gehörten Kassen,
die für Arbeitnehmer in den Fertigungsindustrien errichtet worden sind.
An zweiter Stelle folgen Kassen für Beschäftigte im Fernmeldewesen und
in anderen öffentlichen Versorgungsbetrieben, gefolgt vom Groß- und
Einzelhandel, dem Bank- und Versicherungsgewerbe und dem Immobilienhandel.
Mitgliederzahl: Nach den Bestimmungen des Meldegesetzes bleibt es den
Verwaltungsorganen der Kassen überlassen, darüber zu bestimmen, ob
eine "Kas;se" vorliegt. Das führte dazu, daß die Verwaltungsorgane zum
Teil sämtliche gewährten Leistungen ohne nähere Spezifikation insgesamt als Leistungen "der Kassen"anführten, während andere wiederum
für jede Leistung oder Gruppe verwandter Leistungen eine getrennte
"Kassel* annahmen, wobei jede dieser Kassen natürlich im wesentlichen
dieselben Beschäftigten erfaßt. Wegen dieser mehrfachen Mitgliedschaft
in verschiedenen Kassen ist es nicht möglich, die genaue Zahl der 1959
gemeldeten Mitglieder der insgesamt 118 660 Kassen zu benennen. Bei
Ausklammerung der mehrfachen Mitgliedschaft (soweit dies möglich war)
ergibt sich, daß die 24 130 Pensionskassen schätzungsweise 17 Millionen
Arbeitnehmer erfassen und die 94 530 Sozialkassen rund 27 Millionen.
Rechnet man nun noch hinzu, daß die meisten Sozialkassen auch noch Leistungen für die Angehörigen der Arbeitnehmer vorsehen, so kann man .
mit ziemlicher Sicherheit sagen, daß heute rund 65 bis 70 Millionen
Amerikaner von den Sozialkassen erfaßt werden.
Sowohl bei den Sozial- als auch bei den Pensionskassen bestanden
hinsichtlich der Mitgliederzahlen große Schwankungen. Die Tatsache, daß
die meisten Klein- und Mittelbetriebe heute ihrer Belegschaft Sozialund Pensionsleistungen der einen oder anderen Form bieten, erklärt, warum
über ein Viertel der, Kassen weniger als 50 Mitglieder und fast die
Hälfte weniger als 100 Mitglieder hat (siehe Tafel I I ) .
Tafel II

6

�Tafel II
Mitgliederstand der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen
im Jahre 1959

Größenordnung

Sämtl.
Kassen

Zahl
Sozialkassen

Sämtl.
Kassen

118 660

94 550

24 130

100,0

100,0

9 920

7 660

2 260

8,4

8,1

9,4

19,3
27,2
35,4
38,6
42,7
46,0
48,9
65,8
73,4
77,8
80,6
83,0
84,6
85,9
86,9
87,7
92,2
93,9
94,9
95,5
98,6
100,0

19,2
27,1
33,5
38,3
42,5
45,9
48,9
66,1
73,7
78,1
80,8
83,2
84,7
85,9
86,9
87,7
92,1
93,7
94,7
95,3
98,3
100,0

19,6
27,5
53,6
39,4
43,1
46,1
48,8
64,5
71,9
76,5
79,2
81,5
83,2
84,5
85,6
86,4
91,4
93,2
94,1
94,7
98,1
100,0

Pensionskassen

Prozent
Sämtl.
SozialKassen
kassen

Pensionskassen

100,0

Weniger a l s
50

50-59
40-49
50-59
»
60-69
70-79
80-89
90-99
100-199
200-299
500-399
400-499
500-599
600-699
700-799
800-899
900-999
1000-1999
2000-2999
3000-5999
4000-4999
5000 u . m e h r
ohne Angaben

12
9
7
6
4
5
5
20
9
5
5
2
1
1
1
5
1
1
5
1

920
590
340
160
860
930
440
950
000
230
280
790
870
500
230
990
380
970
170
69O
620
930

10
7
5
4
3
5
2
16
7
4
2
2
1
1

4
1

2
1

470
480
880
770
960
210
790
300
170
170
590
240
450
180
970
790
180
540
950
540
800
440

2
1
1
1

5
1
1

1

450
910
460
590
900
720
650
750
830
060
69O
550
420
320
260
200
200
430
220
150
820
490

�Besonders häufig sind auch Kassen mit 100 bis 199 Mitgliedern,
fielen doch 17 Prozent der Sozialkassen und 16 Prozent der Pensionskassen in diese Kategorie. Nur 11 Prozent der Sozialkassen und 12
Prozent der Pensionskasaen hatten mehr als 1000 Mitglieder. Nach
den vorliegenden Schätzungen gehörten aber rund 75 Prozent aller
Arbeitnehmer Sozialkassen und 80 Prozent Pensionskassen dieser Größenordnungen,_ai. Der Anteil der eigentlichen Großkassen mit 5000 und
mehr Mitgliedern betrug sowohl bei den Sozial- als auch den Pensionskassen 3 Prozent; auf sie entfielen aber schätzungsweise 49 Prozent
der von den Sozialkassen und 58 Prozent aller von den Pensionskassen
erfaßten Arbeitnehmer.
Künftige Berichte
Das Arbeitsministerium ist gegenwärtig dabei, das Zahlenmaterial
der zweiten Jahresberichte (für i960) auszuwerten. Mit Sicherheit ist
damit zu rechnen, daß diese Statistiken ein weiteres Wachstum der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen ausweisen werden; das gilt nicht
nur für ihre Zahl und die Zahl der erfaßten Arbeitnehmer, sondern auch
für die gewährten Leistungen und die angesammelten Rücklagen für später
fällig werdende Leistungen. Stehen erst einmal entsprechende Unterlagen
für einen Zeitraum von zwei Jahren zur Verfügung, dann dürfte es nicht
mehr schwer fallen, eine zutreffende Analyse dieses gesamten Fragenkomplexes vorzunehmen und die bisherigen diesbezüglichen Schätzungen zu
untermauern oder gegebenenfalls zu berichtigen.

(Quelle: Monthly Labor Review",
Vol. 84, Nr. 9, September 1961)

* * * * *

8

-

�Gutes Betriebsklima durch sinnvolle Freizeitprogramme
Zufriedenheit und Harmonie sind zwei Begriffe, die sich in
unserer modernen industriellen Gesellschaft immer mehr in den Vordergrund geschoben haben. Von den Betriebspsychologen werden sie sogar als die entscheidenden Faktoren für ein gutes Betriebsklima und
damit auch für ein erfolgreiches Arbeiten des Unternehmens angesehen.
Es nimmt daher auch nicht wunder, daß in den vergangenen Jahren
immer mehr Wirtschaftsunternehmen dazu übergegangen sind, all jene
Faktoren und Programme stärker als bisher zu entwickeln, die zur Befriedigung der Mitarbeiter in dieser Hinsicht beitragen. Besonders
in der amerikanischen Wirtschaft haben sich dabei Entwicklungen abgezeichnet, die weit über den Rahmen dessen hinausgehen, was bisher
auf dem Gebiet der "Schaffung eines gesunden Betriebsklimas" als unbedingt notwendig erachtet wurde.
Familie und Gemeinde wichtige Faktoren
Während nämlich die meisten dieser innerbetrieblichen Maßnahmen
und Programme bisher hauptsächlich auf die Mitarbeiter selbst zugeschnitten waren, umschließen sie heute in zunehmendem Maße auch die
Familien und Wohngemeinden der Betreffenden. Dies geschieht aus der
Erkenntnis heraus, daß innerbetriebliche "Harmonisierungsmaßnahmen"
allein unwirksam bleiben müssen, wenn sie nicht auch auf die weitere
"Umwelt" der Mitarbeiter ausgedehnt werden. Was man anstrebt, ist
also die Verbindung von innerer (betrieblicher) und äußerer (Familie,
Gemeinde) Harmonie und Zufriedenheit. Welcher Mittel und Programme
man sich dabei heute bedient, mag ein kurzer Überblick über die verschiedenen sogenannten "Recreation Programs" der amerikanischen Industrie zeigen.
Sportparks und Clubhäuser
"Die größeren und finanziell starken Unternehmen haben den Schwerpunkt ihrer Programme in jüngster Zeit in erster Linie auf die Schaffung von sor^ältig geplanten Erholungsparks und Clubhäusern konzentriert, die, mit allen erforderlichen Einrichtungen ausgestattet, die
Ausübung der verschiedensten Sportarten (im Freien wie in der Halle)
ermöglichen und von den Mitarbeitern und deren Familien in ihrer Freizeit kostenlos in Anspruch genommen werden können.
Die kleineren Betriebe dagegen, die finanziell nicht ganz so
großzügig verfahren können, beschränken sich in der Regel darauf,
die Gründung von betrieblichen Sport-, Kultur- und ähnlichen Gruppen
durch Bereitstellung der entsprechenden Mittel, Geräte und Räume zu
fördern und tatkräftig zu unterstützen.
In den meisten Betrieben liegt die Durchführung dieser Sozialund Freizeitprogramme in den Händen eines Betriebskomitees, das jährlich von allen Mitarbeitern des Unternehmens gewählt wird. Zu den
beliebtesten individuellen Freizeitbetätigungen gehören heute in erster Linie Kegeln, Basketball, Volleyball und Tischtennis, während

9

-

�während Volkstanz, Picknicks, Musikveranstaltungen, Wanderungen
und Besichtigungsfahrten die hevorzugtesten Massenveranstaltungen
darstellen.
Für die Individualisten und "Hobbyisten" unter den Arbeitnehmern
sind es hauptsächlich die Schach-, Photographier-, Briefmarkensammler, Chor-, Malerei- und Kunsthandwerksgruppen, die die stärkste
Anziehungskraft ausüben.
Auch das Sporttauchen, das Fechten und Bogenschießen gehören
mit zu jenen von den Industriebetrieben geförderten Freizeitbeschäftigungen, die sich in jüngster Zeit immer größerer Beliebtheit erfreuen und eine große Anziehungskraft auf die Arbeitnehmer und ihre
Familien ausüben. Auch hier sorgen die Unternehmen für die Anschaffung der entsprechenden Ausrüstungen bzw. Waffen sowie für die Bereitstellung der erforderlichen Übungs- und Ausbildungsmöglichkeiten.

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

"Co-Op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem
Der auf Grund der schnellen technologischen Veränderungen ständig wachsende Bedarf an Arbeitskräften, die sowohl über ein gutes
Allgemeinwissen als auch über die entsprechenden fachlichen Qualifikationen verfügen, stellt gegenwärtig in den Vereinigten Staaten
eines der Hauptprobleme auf dem Beschäftigungssektor dar. Während
auf der einen Seite Industrie und Gewerkschaften bestrebt sind, durch
Schaffung gemeinsamer beruflicher Ausbildungs- und Fortbildungsprogramme das allgemeine fachliche Niveau der bereits im Berufsleben
stehenden Arbeitskräfte zu heben, bemühen sich auf der anderen die
staatlichen Schulbehörden in verstärktem Maße darum, den jungen Menschen bereits auf der Schule durch eine intensive praktische Ausbildung das nötige Rüstzeug für das spätere Berufsleben mitzugeben.
Richtungweisend sind in dieser Hinsicht die sogenannten "Cooperative-education"-Programme des Staates New York gewesen, die, 1915 zum
ersten Mal auf Versuchsbasis gestartet, heute pro Jahr rund 4000 Jungen und Mädchen die Möglichkeit bieten, auf der Oberschule all jene
Dinge zu erlernen, die sie in ihrem erwählten Beruf brauchen. Es handelt sich dabei um ein kombiniertes, mit Unterstützung von 200 Wirtschaftsunternehmen entwickeltes Schulsystem, das den normalen wissenschaftlichen Unterricht mit einem bezahlten Praktikum in Industrieoder Handwerksbetrieben koppelt. Insgesamt werden mit Beginn des
neuen Schuljahres 46 (bisher 40) derartige Oberschulen im Gebiet von

10

.

�von New York jungen Menschen die Möglichkeit einer kombinierten
wissenschaftlich-praktischen Ausbildung bieten.
Der unmittelbare soziologische und gesamtwirtschaftliche
Vorteil dieses Systems dürfte darin liegen, daß es zahlreichen Oberschülern die Möglichkeit eines ausreichenden Verdienstes bietet,
die andernfalls die Schule eher verlassen und somit nicht die Qualifikationen mit ins Berufsleben bringen würden, die sie benötigen.
Da die Entlohnung der Schüler nach den jeweiligen Richtsätzen in
den einzelnen Industrie- oder Handwerkszweigen erfolgt, reicht der
Verdienst gut aus, um den Lebensunterhalt davon zu bestreiten. Im
Schuljahr 1959/60 zum Beispiel belief sich das Gesamteinkommen dieser Oberschüler in New York auf über 3 Millionen Dollar.
Der Lehtplan dieser kombinierten Oberschulen setzt sich - neben
den wissenschaftlichen Fächern, die auch in den normalen Klassen gegeben werden - aus zahlreichen praktischen Wahlfächern, wie Buchhaltung, Büromaachinen, Einzelhandel, Automobilfachhandwerk, technisches
Zeichnen, Da&amp;enschneiderei, Werkzeugmaschinen, Nadelarbeiten, Krankenpflege, Photographie, Druckereitechnik usw., zusammen.
Während die Schüler in den beiden ersten Oberschuljahren ausschließlich in Normalfächern unterwiesen werden, gliedert sich ihre
Unterrichtszeit vom dritten Jahr an in eine theoretische und eine
praktische Ausbildung. Im wöchentlichen, monatlichen oder auch sechswöchigen Wechsel - je nach Schule und Art des Lehrplanes - pendeln
sie dann zwischen Schule und Arbeitsplatz. Die Schüler werden dabei
immer in Paare eingeteilt, so daß einer stets die Schulbank drückt,
während der andere den Arbeitsplatz ausfüllt, der so das ganze Jahr
über besetzt ist. Dieser rotierende Unterricht wird dann bis zum Erwerb des Abschlußzeugnisses der Oberschule beibehalten.
Wenn auch eines der Hauptziele dieser "Gooperative education"
die Sicherung eines angemessenen Lehrarbeitsplatzes für Schüler ist,
so stellt doch dieses System nach Ansicht der Pädagogen auch die beste
Form dar, die vorhandenen latenten Fähigkeiten eines jeden einzelnen
voll zur Entwicklung zu bringen. Die Tätigkeit im Betrieb wird dabei
als Teil der schulischen Ausbildung betrachtet, wobei der Lehrherr
gehalten ist, die Leistung des Schülers in Form von Beurteilungen
zu charakterisieren - Beurteilungen, die in dem allgemeinen Zeugnis
volle Berücksichtigung finden.
Die bisher mit diesem Erziehungssystem gemachten Erfahrungen
sind durchweg sehr ermutigend, denn wie aus den Berichten der einzelnen Schulen hervorgeht, beenden rund 98 Prozent aller Oberschüler, die von Industrie und Wirtschaft allgemein mit Vorzug eingestellt
werden, diese "Co-op"-Kurse.
Wie ferner aus verschiedenen Statistiken zu ersehen ist, bleiben rund 80-90 Prozent dieser Oberschüler auch nach ihrem Abgang
von der Schule bei jenen Firmen, wo sie ihre Schul-Lehrjähre absolvierten. In den meisten Fällen war es ihnen dabei möglich, sehr schnell
in höhere Positionen aufzurücken oder solche Posten zu bekleiden, die
für sie während der Lehrzeit auf Grund der Teilbeschäftigung unerreichbar waren.
*# # * *
(Quelle: Eigenbericht)
11 -

�Stahlarbeitergewerkschaft besteht .jetzt 25 Jahre
Eine der einflußreichsten, gleichzeitig auch aber eine der
jüngsten amerikanischen Gewerkschaften kann in diesem Jahr auf
eine 25jährige Tätigkeit und auf "ein Vierteljahrhundert des
menschlichen Fortschritts" zurückblicken: die "United Steelworkers
of America" - die 1936 gegründete Stahlarbeitergewerkschaft.
Die Grüiidungsversammlung, die von einigen eng mit der Gewerkschaftsbewegung verbundenen Männern einberufen worden war, fand
am 17- Juni 1936 in einem kleinen Büroraum im Zentrum der amerikanischen "Stahlstadt" Pittsburgh statt. Das Ergebnis dieser ersten
Zusammenkunft war die Gründung des "Organisationskomitees der
Stahlarbeiter", des Vorläufers der einige Monate später ins Leben
gerufenen "Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft". In einer Erklärung des Organisationskomitees hieß es damals, daß es die Absicht
der neuen Gewerkschaft sei, das Kollektivverhandlungswesen auch in
der Stahlindustrie einzuführen, und daß man an diese gewaltige Aufgabe "im Geiste der Verantwortlichkeit gegenüber der Gewerkschaftsbewegung und der Nation" herangehen wolle.
Schon neun Monate nach der Gründungsversammlung gelang es der
Stahlarbeitergewerkschaft, den ersten Tarifvertrag mit einem der
größten amerikanischen Stahlunternehmen, der "U.S. Steel Corporation", abzuschließen und ihren Mitgliedern neben einem täglichen
Mindestlohn von 5 Dollar und der 40-Stunden-Woche auch Überstundenvergütungen, bezahlten Urlaub und Senioritätsschutz zu sichern.
Damit war praktisch der Einbruch in die Stahlindustrie gelungen,
und bereits vier Wochen nach dem ersten Vertragsabschluß konnten
Tarifverhandlungen mit 41 weiteren Stahlerzeugern aufgenommen werden. Die Zahl der Ortsvereine erhöhte sich in kürzester Zeit auf
492, die Zahl der Mitglieder allein in einer Woche um 37 000.
Die Organisationskampagne der Stahlarbeitergewerkschaft stellte
in den dreißiger Jahren eine der herausragenden Entwicklungen auf
dem Gebiet der Industriegewerkschaften dar, die sich bekanntlich
in dieser Zeit (mit der Gründung der CIO) zu dem großen Antipoden
der in der "AFL" zusammengeschlossenen berufsständischen Gewerkschaften entwickelten. Schon gegen Ende der dreißiger Jahre war
die Stahlarbeitergewerkschaft, die heute über 1 Million Mitglieder
besitzt, eine der stärksten und größten Gewerkschaften der Vereinigten Staaten.
Auch in den folgenden Jahren büßten die "United Steelworkers"
nichts von ihrer ursprünglichen Dynamik und ihrem organisatorischen
Schwung ein. In all den TarifVerhandlungen seit 1936 gelang es der
zielbewußten Gewerkschaftsführung immer wieder, neue wirtschaftliche
und soziale Verbesserungen für ihre Mitglieder auszuhandeln - meist
auf gütlichem Wege, vielfach aber auch erst durch Einsatz ihres
letzten Mittels, des Streiks,
Welch

�Welch große Erfolge die Stahlarbeitergewerkschaft, die das
industrielle Lohnniveau in den USA insbesondere in der Nachkriegszeit weitgehend mitbestimmte, für ihre Mitglieder in den vergangenen
25 Jahren erringen konnte, mag aus der folgenden Gegenüberstellung
deutlich werden:

±2l£

Grundlohn in der Stahlindustrie = 47 Cent pro
Stunde; Durchschnittslohn in der Stahlindustrie =
66 Cent pro Stunde;Lohnnebenleistungen = keine

1961

Grundlohn in der Stahlindustrie = 2,10 Dollar;
Durchschnittslohn in der Stahlindustrie = 3,20
Dollar; Lohnnebenleistungen = 7 bezahlte Feiertage;
bezahlter Urlaub; Lebens- und Krankenversicherung
(Beiträge werden allein vom Arbeitgeber bezahlt);
zusätzliche Arbeitslosenversicherung; Überstundenbezahlung; erhöhter Satz für Sonn- und Feiertagsarbeit; vollständiger Senioritäts- und Beschwerdeschutz; Entlassungsgelder; Lohngleitklausel.

Alle diese Erfolge sind dabei fast ausschließlich zwei Männern
zuzuschreiben, die die Stahlarbeitergewerkschaft mit Energie und
Weitblick durch die vergangenen 25 Jahre geführt haben: Philip
Murray, dem 1952 verstorbenen ersten Präsidenten sowie David J.
McDonald, der das Amt des 1. Vorsitzenden nach dem Tode Murrays
übernahm.
"Wir haben in den ersten 25 Jahren unseres Bestehens einen
langen Weg zurückgelegt", erklärte McDonald kürzlich anläßlich
des 25jährigen Jubiläums seiner Gewerkschaft. "Wir können stolz
auf unsere Erfolge sein, die wir am Tarifverhandlungstisch erzielt
haben. Dennoch bleibt vieles zu tun übrig, und wir werden auch weite
hin in den Tarifverhandlungen bemüht sein, Verbesserungen für unsere
Mitglieder zu erreichen."

(Quelle: Eigenbericht)

* * * * *

�Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für 25 000 Menschen
Im bekannten West-Side-Viertel von Manhattan soll nach den Plänen der Vereinigten Lithographengewerkschaft eines der größten gewerkschaftlichen Wohnungsbauprojekte der USA im kommenden Frühjahr
entstehen - eine in sich geschlossene, insgesamt neun Hochhäuser
mit Wohnraum für 25 000 Menschen umfassende Stadtkernsiedlung mit
all den dazugehörenden Versorgungseinrichtungen.
In Anbetracht der hohen Grundstückspreise in New York City und um die Gesamtkosten möglichst niedrig zu halten - wird das gesamte Wohnungsbauprojekt über den Gleisen des Güterbahnhofs der
"New York Central Railroad" errichtet werden, und zwar auf einer
riesigen, von Stützpfeilern getragenen dicken Betonplatte, die den
gesamten Bahnkörper überspannt. Auf der insgesamt 148 000 Quadratmeter großen Fläche sollen dabei drei 41 Stockwerke und sechs 47 Stockwerke hohe Wolkenkratzer entstehen, die weit über den Hudson River
ragen und die schmälsten Wohnhochhäuser im Stadtgebiet von New York
sein werden. Die Gesamtbaukosten, einschließlich der Kosten für die
erforderlichen Schulen, Kirchenräume, Geschäfte usw., werden von der
Gewerkschaft auf rund 250 Millionen Dollar beziffert.
Da jedoch die gesamten Vorarbeiten für das Projekt sehr sorgfältig geplant und durchgeführt wurden und jede sich bietende
Kosteneinsparung (wie die Überbauung des Eisenbahngeländes) ausgenutzt wurde, wird es der Gewerkschaft möglich sein, selbst in diesem
mietungünstigen Stadtteil von New York ihren Mitgliedern kostengünstige Wohnräume zur Verfügung zu stellen. Neben großen Wohnungen
für Familien der mittleren Einkommensgruppen mit Kindern werden überübrigens auch Spezial-Wohnungen für ältere Einzelpersonen und Ehepaare in dem Projekt geschaffen werden.
Die Finanzierung des gesamten Vorhabens erfolgt einmal durch
die Bereitstellung von Mitteln aus dem Wohlfahrts- und Pensionsfonds
der "Amalgamated Lithographers of America", zum anderen durch Zuschüsse der Bundesregierung, des Staates und der Stadt New York.
Wie der 1 . Vorsitzende der Lithographengewerkschaft, Edward
Swaybuck, ergänzend zu dem Bauvorhaben erklärte, sieht seine Gewerkschaft in diesem Wohnungsbauprojekt eine natürliche Ergänzung des
in diesem Stadtteil im Entstehen begriffenen Kulturzentrums von
New York, des Lincoln Center - Daher auch die Absicht der Gewerkschaft,
neben einem Ausstellungszentrum für graphische Kunst Ateliers für
bildende Künstler in dem Projekt zu erstellen. Man hofft, damit all
jenen Künstlern wieder eine neue Heimat zu geben, die bei der Sanierung des West-Side-Stadtteils ihre Ateliers und Wohnungen verloren
haben. "Auf diese Weise hoffen wir dieses Gebiet kulturell weiter
auszudehnen und abzurunden. Das ist unser Traum."

(Quelle: Eigenbericht)
* * * * *

14

-

�</text>
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                <text>Internationale Arbeitsmitteilungen 1961</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;Nr. 1&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Reaktion der Angestellten eines Bürobetriebes auf die Automatisierung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Innerbetriebliche Kontaktpflege als Schlüssel des Einvernehmens zwischen Arbeitnehmern und Management&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der "Boulwarismus" in der US-Lohnpolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 2&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Automatisierung bürotechnischer Arbeiten bei amerikanischen Regierungsbehörden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arbeitnehmer und Gewerkschaften im Jahre 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1961 - Ein Jahr wichtiger Tarifverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beträchtliche Zunahme der Lohnnebenleistungen in der US-Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Durchschnittseinkommen der Büroangestellten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 3&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Künftige Organisationsprobleme der US-Gewerkschaften&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 4&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Art und Umfang der Mehrfachbeschäftigung in USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am Arbeitsplatz sicherer als zu Hause&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurzmeldungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 5&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Sozialversicherungswerk der amerikanischen Eisenbahner&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zweck und Auswirkungen der Mindestlohngesetzgebung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Private Pensionspläne gewinnen immer größere Bedeutung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Berufsschulwesen in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 6&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zusätzliche Krankenversicherung als tarifliche Leistung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle der Gewerkschaften bei der Förderung der Sicherheit am Arbeitsplatz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 7/8&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Herausforderung der "zweiten industriellen Revolution"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Gewerkschaftsfamilien" sind finanziell besser dran&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Entwicklung des US-Personaleinkommens seit 1950&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sicherung der Arbeitsplätze durch rechtzeitige Umschulung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neue Formel für den Arbeitsfrieden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliche Kurznachrichten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 9&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (I)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 10&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wachsende Bedeutung der Angestelltenberufe in den USA (II und Schluss)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das erste "Altershotel" in Miami Beach eröffnet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Das historisch bedeutendste Tarifabkommen"&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;Trends im Tarifverhandlungswesen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 11&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zunehmende Verbreitung der Gewinnbeteiligung in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftsschulung im Wandel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Organisierung der Angestellten als Zukunftsaufgabe der amerikanischen Gewerkschaften&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;Nr. 12&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vermögenslage und Finanzierung der betrieblichen Sozial- und Pensionskassen in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gutes Betriebsklima durch sinnvolle Freizeitprogramme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Co-op Education" - ein erfolgreiches Oberschulsystem&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stahlarbeitergewerkschaft besteht jetzt 25 Jahre&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gewerkschaftliches Wohnungsbauprojekt für 25 000 Menschen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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• Sondertet lagen i960

8.

X«

Praeaident Eissnhoweri Betschaft ueber dl« Lagt dar Nation
Wortlaut dar dam US-Kongresa aa 7* Jan. i960 in Washington
unterbreiteten Boteohaft.

w 22.

I.

Eisenhowar lagt neuen US-Haushalt vor

1

22,

I.

Eisenhower lagt Wirtsohaftaberloht vor

V 19.

IX.

Eisenhowar unterbreitet Koagrees Aualandshilfeprogramm

A 26.

II.

Herten Amerikanisches Streben nach kontrollierter Abruostung

A 26.

II.

Risenhowen Gerechter Friede nur im Schutse militaerisoher
Staerke aa erhoffen

A

18,

XII.

Westmaechte veroeffentliehen gemeinsamen Abruestungsplan
US-Auseenminieteriuw veroeffentlichte aa 15* Haars i960
den Fuenf-Maechte-Arbeitsplan fuer Genf

A

8«

XV«

Herten Ziele der amerikanischen Auseenpolitik
Wortlaut der Bede des US-Aus^enoinistors vom 4.April i960
auf der in Chicago tagenden Jahresversammlung dss Rundfunk»
Verbandes der USA

A

15.

IT.

Abruestung-aber wie?
Die Vorschlaege des Westens und des Sowjetblocks
im vergleichenden TJeberblick

A

29«

IT.

Mllon: Die amerikanische Auseenpolitik von heute
Wortlaut der Ansprache das eteilvertretenden US-Auesenninisters
C. Douglas Dillen vom 20.Apr.i960 vor der AFL-CIO-Konfsrens
in New York

A

6.

7.

Weltraaa - Neuland der praktischen Forschung
Ergebnisse des slvilen Weltraunprograaas der Vereinigten Staaten

A

3.

Tl.

Eisenhowari Ziel der W3A weiterhin Frieden und Gerechtigkeit
Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache voa 25« Wai i960

A

3.

FI,

u

A

5.

FI*

erter» Wortlaut der Auefuehrungen de« US-Aussenrainiuters
vor dem ausaenpclltischen Ausschuss des aaerikanischen Senats
aa 2?« M*i i960
Praeeldentschaftswahlen in den USA
Fragen und Antworten su Wahlrecht, Wahlverfahren und politischer
Tradition der USA

�A

1«

VII,

Ostblock "brach G*»ufer Abrüstungsverhandlungen ab«
1* Wortlaut der Krklaerung des aaerikaniechen Chefdelegierten
Frederiok 11« Eaton voa 27« Juni 19^0
2« Wortlaut de« Koasuniquds der Abruestungskonferens.
3« Wortlaut ä*r Erklasrung de« TO-Anssenminieteriuae,
4« der neue aaerlkanieehs Abrueetungsplan.
5« Chronologleone Zueaanenfaeeung der juengeten
Entwicklungen in Genf.

1

1«

VII«

Pra»eident Eieenhower berichtet «eher seine Fernoetrelee«
Wortlaut der Rundfunk- und Ferneehanapraehe de« aaerikanleohen
Praeaidenten roa ?7« Juni 19^0

A

29«

VII«

Trioden durch Abrueetung«
Der neue aaerlkanisohe ?oroehlag»

A

2»

IX«

Da« Goduldeaniel in Genf«
Seit 22 Sonaten Verhandlungen ueher Einstellung
von Atomversuchen»

A

?0«

IX«

Frieden und Gerechtigkeit fuer alle.
Wortlaut der ~ed« dosffS-PraesideiatenSisenhower -roa
22« Soptenber i960 vor dor 15« Vollvorsaaalung der
Vereinten Stationen in Her York.

W

2$«

XI«

Direktive Praeeidont Bleenhovers sur Verbesserung dor
aaarlkanlaßhen Sahlungebllans«
Wortlaut der Direktive dos tJS-Praesidenton voa 18« !fov« i960

W

2«

XII«

Praoeldent Eissnhovar su dem deutsoh*aaerikanisohen Finansverkandlungea*

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./8.1 .1960

PRÄSIDENT EI3ENH0WER: BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den V/ortlaut der "Botschaft über
die Lage der Nation" (State of the Union
Message), in der er am 7« Januar 196O das
außen- und innenpolitische Programm seiner
Regierung für das kommende Jahr umriß.

Herr Senatspräsident, Herr Sprecher des Repräsentantenhauses,
Mitglieder des 86. Kongresses, meine Mitbürger

Vor sieben Jahren habe ich mein jetziges Amt mit einem Entschluß
übernommen, den ich seit langem hegte und der über allem anderen stand.
Ich war damals und bin noch heute entschlossen, die Vereinigten Staaten zu einer immer stärkeren Quelle der Kraft für die Sache des Friedens zu machen, in der Erkenntnis, daß es den Frieden nicht nur für
uns allein geben kann, sondern daß er für alle Völker der Welt da
sein muß. Diese Entschlossenheit wird von dem gesamten Kongreß, ja
von allen Amerikanern geteilt.
Ich beabsichtige, heute einige Grundzüge der Position Amerikas in
der Innenpolitik wie auch in seinen auswärtigen Beziehungen zu erörtern.
Erstens möchte ich hervorheben, daß die alljährliche Selbstprüfung
für uns zu einer definitiven Notwendigkeit geworden ist, und zwar auf
Grund der Tatsache, daß wir heute in einer geteilten und in unsicherem
Gleichgewicht befindlichen Welt leben, wobei unsere Seite sich zu ihrem eigenen Schutz und gegen eine Aggression durch die andere Seite
verbunden hat.
Da beide Seiten dieser geteilten Welt im Besitz von Waffen mit
unvorstellbarer Zerstörungskraft sind, nähert sich die Welt einem Zustand, in dem die beiderseitige Vernichtung zu einer Möglichkeit wird.
Kein anderes Faktum unserer heutigen Welt kommt diesem an Bedeutung

�'AMERIKA DIENST"

8. Januar i960

Bedeutung gleich - alles, was wir sagen, planen und tun, wird dadurch beeinflußt.
Von uns wird Wachsamkeit und Entschlossenheit gefordert und
der Einsatz all der Hilfsmittel, die für eine angemessene Sicherheit notwendig sind - vor allem für eine wirkliche Abschreckung
gegen eine Aggression. Dies alles tun wir#
All diese Tatsachen unterstreichen, wie wichtig es ist, unablässig nach einem gerechten Frieden zu streben.
Nur durch die Stä.rkung der geistigen, intellektuellen, wirtschaftlichen und defensivem Hilfsquellen der freien Welt können wir
in Zuversicht einen Fortschritt in Richtung auf dieses Ziel machen.
Zweitens stellen wir fest, daß das Verhalten sowie die Erklärungen der Sowjets in jüngster Zeit auf den möglichen Beginn einer
etwas weniger spannungsgeladenen Periode in den Beziehungen zwischen
der Sowjetunion und der freien Welt schließen lassen. 'Wenn diese
Erklärungen aufrichtig gemeint sind, dann besteht eine größere
Hoffnung, die Schärfe der Rivalität der vergangenen Jahre zu verringern und schließlich an die Stelle des Zwangs die Überredung zu
setzen. Ob dies nun eine Ära von Verheißungen werden wird, die Bestand haben, muß erst durch Taten erhärtet werden.
Drittens stehen wir jetzt am Anfang eines großen neuen Zeitalters der Technik - eines Zeitalters, das trotz seiner Möglichkeiten zur Zerstörung der Menschheit gleich große Möglichkeiten bietet, um Armut und menschliches Elend zu beseitigen. Wenn unsere Bemühungen klug gelenkt und geleitet werden und wenn unsere unermüdlichen Anstrengungen um einen verläßlichen Frieden Früchte zu
tragen beginnen, dann werden wir zweifellos am Aufbau eines Zeitalters Anteil haben, das durch Gerechtigkeit und einen immer größer
werdenden Wohlstand der Menschheit gekennzeichnet ist.
Im Laufe des vergangenen Jahres hat sich die Sowjetunion an
Maßnahmen zur Verminderung der allgemeinen Kriegsgefahr interessiert
gezeigt.
Wenn auch weder wir noch irgendeine andere Nation der freien
Welt es uns erlauben können, durch freundliche Versprechungen irregeführt zu werden, solange diese nicht durch Taten erhärtet sind,
so gehen wir doch an diese offenbar neue Möglichkeit mit dem
äußersten Ernst heran. 'Wir müssen uns darum bemühen, den unglückseligen Zyklus der Enttäuschungen und Krisen zu durchbrechen, der
sich - wenn wir nicht etwas gegen ihn unternehmen - zur nuklearen
Katastrophe, einem nicht mehr überbietbaren Wahnsinn, entwickeln
könnte .

Obgleich

2 -

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar

1S60

Obgleich die Notwendigkeit verläßlicher Abkommen gegen Gewaltanwendung zur Beilegung von Streitigkeiten auf beiden Seiten erkannt
wird, dürfen wir hier, wie in anderen Fragen, die die Menschen und Nationen spalten, keine plötzlichen und revolutionären Ergebnisse erwarten. Aber wir müssen irgendwo einen Punkt finden, an dem wir beginnen.
Zweifellos besteht ein Weg, auf dem man einen zweckmäßigen und nützlichen Anfang machen könnte, in der Ausweitung der Verbindungen zwischen
unseren beiden Völkern. Auf diesem Gebiet gibt es bei gutem Willen auf
beiden Seiten zahllose Möglichkeiten - von denen uns die meisten sehr gut
bekannt sind -, um gegenseitiges Verständnis, dieses wahre Fundament des
Friedens, zu entwickeln«
Ein anderer Weg mag in der Wiederaufnahme der Verhandlungen am
12. Januar bestehen, deren Ziel ein kontrolliertes Verbot der Erprobung von Kernwaffen ist. Unglücklicherweise hinterläßt die abschließende Erklärung der sowjetischen Wissenschaftler, die in Genf mit unseren Wissenschaftlern zu einem Srfolglosen Versuch, eine vereinbarte
Baois für ein Versuchsverbot zu schaffen, zusammengekommen waren, ganz
eindeutig den Eindruck, daß ihre Schlußfolgerungen politisch beeinflußt
sird. Die Schlußfolgerungen der wissenschaftlichen Vertreter Großbritanniens und der USA stellen dagegen ihre eigene, frei gebildete, individuelle urd kollektive Ansicht dar. Ich hoffe, daß jetzt, wenn neue
Verhandlungen beginnen, die Wanrheit - und nicht politischer Opportunismus - die Beratungen leiten wird.
Noch ein anderer Weg konnte auf dem Gebiet der Abrüstung gefunden
werden, auf dem die Sowjets eine Bereitschaft zu ernsthaften Verhandlungen bekundet haben. Sie haben jedoch nicht die Pläne bekanntgegeben, die
sie - wenn überhaupt - für eine gegenseitige Inspektion und Verifizierung
haben, die die unerläßliche.. Bedingungen für jede umfassende Abrüstung
sind .
Es gibt.einen Fall, in dem unsere Initiative ^u^ den Frieden sich
kürzlich als erfolgreich erwiesen hat. Im vergangenen Monat wurd^ ein
multilateraler Vertrag unterzeichnet, der die ausschließliche friedliche
Nutzung der Antarktis vorsieht, die durch ein Syste.. iron Inspektionen
abgesichert wird. Er ermöglicht eine freie und auf Zusammenarbeit beruhende wissenschaftliche Forschung auf diesem Kontinent und verbietet dort
jegliche Kernexplosionen, bis ein allgemeines internationales Abkommen
über diese Frage erreicht worden ist. Dieser Vertrag stellt einen bedeutsamen Beitrag zum Frieden, zur internationalen Zusammenarbeit und
zur Förderung der Wissenschaft dar. Ich werde dem Senat in Kürze den
Vertragstext zur Begutachtung und Billigung zuleiten.
Die Vereinigten Staaten sind immer bereit, diese oder irgendwelche
anderen Fragen, die zu einem Frieden in Gerechtigkeit führen können,
mit der Sowjetunion ernsthaft zu erörtern.

Ihnen

7

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar 196O

Es braucht gewiß nicht wiederholt zu werden, daß die Vereinigten
Staaten nicht beabsichtigen, sich in die inneren Angelegenheiten irgendeines Staates einzumischen; in gleicher Weise weisen wir aber auch
jeden Versuch zurück, uns oder unseren Völkern durch Gewalt oder Subversion ein System aufzuzwingen.
Diese Besorgnis um die Freiheit anderer Völker ist das geistige
und ethische Band, das uns mit über vierzig anderen Staaten in einer
gemeinsamen Verteidigungsbemühung zusammenhält. Wir vergessen keinen
Augenblick, daß unser eigenes Schicksal eng mit dem dieser Länder
verknüpft ist; wir werden nichts tun, was unsere feierlichen Verpflichtungen ihnen gegenüber gefährden könnte.
Selbstverständlich sind wir und unsere Freunde um unsere eigene
Verteidigung besorgt. Aus dieser Sorge erwächst die Einsicht, daß für
alle Völker der freien Welt Großes bei dem Fortschritt in Freiheit
jener sich neu entwickelnden Staaten auf dem Spiel steht, die sich
nach keiner Seite gebunden haben. Diese Völker, die verzweifelt hoffen,
sich auf einen anständigen Lebensstandard erheben zu können, dürfen
nicht durch unser Versäumnis dazu gezwungen werden, bei denen Hilfe
zu suchen - und schließlich praktisch zu deren Satelliten zu werden -,
die ihre Feindseligkeit gegenüber der Freiheit immer wieder bekunden.
Ihr natürlicher Wunsch nach einem besseren Leben darf nicht dadurch
vereitelt werden, daß ihnen die notwendige technische und finanzielle
Hilfe vorenthalten wird. Dies ist ein Problem, das nicht von Amerika
allein, sondern von allen Nationen gelöst werden muß, die denselben
Idealen anhängen und in der Lage sind, Unterstützung zu gewähren.
In den letzten Jahren haben die Partner und Freunde Amerikas in
Westeuropa und in Japan große wirtschaftliche Fortschritte erzielt.
Ihre neuerlangte wirtschaftliche Stärke ist ein überzeugender Beweis
für den beachtlichen Erfolg der Politik der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die wir und sie verfolgt haben.
Die Weltwirtschaft des Jahres i960 unterscheidet sich beträchtlich
von der der ersten Nachkriegs jähre. Die Vereinigten Staaten sind nicht
mehr das einzige wichtige Industrieland, das in der Lage ist, die in
den Entwicklungsländern so dringend benötigten erheblichen Mittel und
Hilfsquellen zur Verfügung zu stellen.
Um selbst Sicherheit und Wohlstand zu behalten, müssen die wohlhabenden Nationen die Art der Zusammenarbeit auf die weniger glücklichen
Mitglieder ausdehnen, die Hoffnung, Zuversicht und Fortschritt verheißt.
Ein reiches Volk kann ohne merklichen Schaden eine Zeitlang einen Weg de
Genußsucht verfolgen und sich als einziges Ziel materielle Erleichterungen und Komfort für seine eigenen Bürger setzen - und damit seine eigene
geistige und materielle Stellung in einer friedlichen und blühenden
Völkergemeinschaft entwerten. Aber die feindselige Einstellung, auf die
es stoßen, und die Isolierung, in die es geraten wird, und die daraus
sich ergebende innere moralische und physische Verweichlichung werden
es - auf lange Sicht gesehen - ins Unglück führen.
Amerika

�"AMERIKA DIENST"
8. Januar 196O
Amerika ist nicht durch Verweichlichung und Genußsucht groß geworden. Amerikas wunderbarer Fortschritt und seine Errungenschaften haben ihren Ursprung in anderen, weitaus wertvolleren und gediegeneren
Eigenschaften: nämlich in dem Festhalten an Grundsätzen und Methoden,
die mit unserer religiösen Denkungsart in Einklang stehen; der Freude
an harter Arbeit; der Bereitschaft, für wertvolle Ziele Opfer zu bringen;
und dem Mut, jedes Problem, das sich seinem Fortschritt in den Weg stellt,
anzupacken; der geistigen Redlichkeit und dem Vermögen, den für seine
eigenen besten Interessen richtigen Weg zu erkennen.
Diese Eigenschaften sind für uns wie für jede andere Nation der
freien Welt - arm oder reich - heute notwendiger
denn je, wenn wir
gemeinsam auf dem Weg zu größerer Sicherheit, größerem Wohlstand und
Frieden vorankommen wollen.
Ich glaube, daß die Industrieländer bereit sind, sich aktiv an einer
Unterstützung der Bemühungen der Entwicklungsländer um einen Fortschritt
zu beteiligen.
Die dringende Notwendigkeit dieser Art von Zusammenarbeit wird durch
die gegenwärtige Belastung unserer internationalen Zahlungsbilanz unterstrichen. Unser Überschuß aus wirtschaftlichen Transaktionen mit dem
Ausland ist in den letzten Jahren wesentlich hinter den Ausgaben zurückgeblieben, die wir im Ausland zur Unterhaltung unserer militärischen Einrichtungen in Übersee, zur Finanzierung privater Investitionen sowie
für die Hilfe an die Entwicklungsländer haben. Im Jahre 1959 belief sich
unser Defizit in der Zahlungsbilanz auf annähernd vier Milliarden Dollar.
Weitere Defizite von einer solchen Größenordnung würden auf die
Dauer unser eigenes wirtschaftliches Wachstum beeinträchtigen und dem
Fortschritt der freien Welt Einhalt gebieten.
Wir müssen dieser Situation begegnen, indem wir uns um eine Ausweitung der Exporte und des Welthandels bemühen. Wir müssen ferner alle
Industrieländer der freien Welt dazu bringen, in einem neuen gemeinsamen
Bemühen zusammenzuarbeiten, die Geißel der Armut in den weniger glücklichen Ländern beseitigen zu helfen. Dadurch wird eine bessere Aufteilung
dieser Lasten und ein noch nutzbringenderer Handel möglich gemacht.
Die neuen Nationen sowie andere Länder, die sich mit den Problemen
der Entwicklung auseinandersetzen müssen, können nur Fortschritte erzielen, wenn sie an ihr eigenes Schicksal glauben, den nötigen Willen haben
und ihre eigenen Möglichkeiten zur Verwirklichung dieses Willens einsetzen. Darüber hinaus können Fortschritte bei der Umwandlung zu einem
Staatswesen nur allmählich erzielt werden; es gibt keinen einfachen
und schnellen Weg vom Ochsenkarren zum Düsenflugzeug. Aber genauso, wie
wir einst von Europa Unterstützung erhielten, verdienen die neuen und
sich entwickelnden Länder, die diesen Glauben und diese Entschlossenheit
besitzen, unsere Hilfe.
Im Verlaufe der vergangenen 15 Jahre haben 20 Länder ihre politische
Unabhängigkeit erlangt. In jedem Jahr folgen ihnen weitere. Den meisten
von ihnen mangelt es in beklagenswerter Weise an technischen Möglichkeiten
und an Investitionskapital. Ohne die Unterstützung der freien Welt in
diesen Dingen könnten sie keine wirksamen Fortschritte in Freiheit erzielen.
Bezüglich

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�"AMERIKA DIENST

8. Januar i960

Bezüglich dieser Erfordernisse richtet sich unser Hauptaugenmerk vor allem auf Südostasien. Hier haben wir allein in zwei
Ländern fast 500 Millionen Menschen, die sich alle darum bemühen und zwar mit allen Kräften bemühen -, ihren Lebensstandard zu
erhöhen und dadurch ihre Länder zu einem starken Bollwerk gegen
die Verbreitung einer Ideologie zu machen, die die Freiheit zerstören würde.
Ich kann Ihnen nicht sagen, wie tief ich davon überzeugt bin,
daß wir - in unserem eigenen wie im Interesse der freien Welt - in
Zusammenarbeit mit anderen mithelfen müssen, daß diese Völker
ihre legitimen Ziele und Ansprüche - wie sie in den verschiedenen
Mehrjahresplänen ihren Ausdruck finden - erreichen. '.Vir müssen uns
entschlossen an diese titanische Aufgabe heranmachen, sei es durch
die Weltbank und andere Einrichtungen, sei es durch Sinzelmaßnahmen
all der Nationen, die in der Lage sind, zu helfen.
Wir alle müssen natürlich erkennen, daß die Entwicklung dieser
jungen Nationen in Freiheit nicht lediglich eine Frage ist, wie sie
finanzielle Unterstützung von außen erhalten können. Ein unerläßliches Element bei diesem Prozeß ist die starke und nicht nachlassende Entschlossenheit ihrerseits, die nationale Disziplin zu
halten, die für eine längere und stetige Entwicklungsperiode erforderlich ist. Diese Fähigkeiten zur Entschlossenheit sind deshalb besonders wesentlich, weil der Prozeß der Verbesserung der
Lebensbedingungen notwendigerweise langsam vonstatten gehen und
eher mühsam als revolutionär sein wird. Außerdem aber sollte sich
jedermann darüber im klaren sein, daß ein Entwicklungsprozeß kein
kurzfristiges Phänomen ist. Selbst für die am günstigsten situierten Staaten wird er viele Jahre dauern.
Ich werde auch weiterhin das amerikanische Volk auffordern,
im Interesse seiner eigenen Sicherheit, seines Wohlstandes und
des Friedens dafür zu sorgen, daß seine eigene Beteiligung an
diesem großen Projekt eine starke und begeisterte Unterstützung
findet. Die Entscheidungen der freien Welt in dieser Frage werden
vielleicht den Unterschied zwischen einer Weltkatastrcphe und einem
Fortschritt der Welt in Freiheit bedeuten.
Andere Länder, von denen ich einige im letzten Monat besucht
habe, haben ähnliche Nöte.
Es ist wünschenswert, daß die Länder, die zu einer Unterstützung
der Bemühungen um eine Entwicklung bereit sind, eine gemeinsame Basis
haben. Während des vergangenen Jahres habe ich diese Frage mit den
führenden Männern mehrerer westlicher Länder erörtert.

Wegen

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�"AMERIKA DIENST"

8. Januar i960

Wegen seines Reichtums an Erfahrung könnte der Europäische Wirtschaftsrat (OEEC) mit ersten vorbereitenden Studien helfen. Das Ziel
besteht in der Erfassung aller in den Industrieländern der freien Welt
verfügbaren wirtschaftlichen Hilfsquellen - vor allem des privaten Investitionskapitals. Aber ich betone nochmals, daß diese Hilfe, so groß
und bedeutend sie auch sein mag, nur dann von anhaltender Wirkung sein
kann, wenn sie als Ergänzung zu der Stärke des Geistes und des Willens
der Bevölkerung dieser aufstrebenden Länder tritt.
Wir hoffen, daß es durch Gewährung dieser Hilfe möglich sein wird,
die Völker dazu zu bringen, daß sie sich mit Begeisterung um das Banner
der Freiheit scharen. Kein stärkerer Kontrast zu einem System widerwilliger Satellitenstaaten ließe sich denken.
"Wenn wir diese Gelegenheit ergreifen, um ein Zeitalter der produktiven Partnerschaft zwischen den weniger vom Glück begünstigten Nationen
und denjenigen aufzubauen, die bereits einen hohen Stand des wirtschaftlichen Fortschritts erreicht haben, dann werden wir die Aussichten für
eine auf Sicherheit, Freiheit und Frieden beruhende Weltordnung verbessern. Andernfalls könnte der Ausblick wahrhaft düster sein. Wir stehen
an einem möglichen Wendepunkt der Geschichte, und wir müssen mit Entschlossenheit handeln."
Als Staat können wir diese Ziele nur von der Position einer auf
breiter Grundlage beruhenden Stärke aus verfolgen.
Wie aufrichtig und ernst unsere Bemühung um einen gesicherten Frieden auch immer sein mag, wir müssen zur selben Zeit, da wir über das
Problem der Abrüstung Verhandlungen führen, doch auch ein hohes Maß an
militärischer Stärke beibehalten. Solange nicht konkrete und auf beiden
Seiten durchsetzbare Abrüstungsmaßnahmen ausgearbeitet sind, werden wir
die Mittel zur Verteidigung unserer Institutionen nicht schwächen.
Amerika verfügt über eine gewaltige Verteidigungsmacht. Es ist
meine feste Überzeugung, daß kein Land jemals einen allgemeinen Krieg
gegen uns wagen wird, es sei denn, wir wären so töricht und vernachlässigten die Verteidigungskräfte, die wir gegenwärtig so machtvoll
ausstatten. Alle Welt weiß, daß jede Nation, die versucht sein könnte,
die Vereinigten Staaten anzugreifen - auch wenn unser Land vielleicht
große Verluste erleidet -, selbst sofort eine schreckliche Vernichtung
erfahren würde. Aber noch einmal versichere ich allen Völkern und allen
Nationen, daß die Vereinigten Staaten, außer zur Verteidigung, niemals
diese zerstörende Kraft entfesseln werden.
Während des vergangenen Jahres hat unser Fernwaffenpotential - hinsichtlich der bemannten Bomber heute unerreicht - dadurch eine weitere
Stärkung erfahren, daß die interkontinentale ballistische Rakete vom
Typ ATLAS jetzt für den' Einsatz zur Verfügung steht. In 14 kürzlich durchgeführten Erprobungen über Entfernungen von mehr als 8000 Kilometern hat
die ATLAS mit einer Streuung von nur drei Kilometern im Ziel gelegen.
Dies ist weniger als die Länge einer Startbahn für Düsenflugzeuge und
liegt absolut im Bereich der völligen Zerstörung. Eine solche Leistung
ist ein großer Erfolg für die amerikanischen Wissenschaftler und Ingenieure, die in den letzten fünf Jahren die Zeit und die Technik zusammenraffen mußten, um diese Langstreckenraketen zu entwickeln - wo Amerika
vorher derartiges nicht besessen hatte.
_ ...
ö
Darüber

�"AMERIKA DIENST

8. Januar 1 960

Darüber hinaus werden unsere aktiven Verbände dieses Jahr
immer mehr Atom-Unterseeboote zugeteilt bekommen, von denen einige
mit POLARIS-Raketen ausgerüstet sein werden. Diese bemerkenswerten Schiffe und Waffen mit einem Aktionsradius über die Ozeane
hinweg werden in der Lage sein, Ziele praktisch an jedem Punkt
der Erde unter genaues Feuer zu nehmen. Da es unmöglich ist, sie
durch einen Überraschungsangriff zu vernichten, werden diese
Schiffe zu unseren wirksamsten Wächtern und Hütern des Friedens
gehören.
Um Situationen begegnen zu können, in denen es nicht zu
einem allgemeinen Atomkrieg kommt, werden wir auch weiterhin unsere Flugzeugträgerverbände, unsere zahlreichen im Ausland stationierten Einheiten, unsere stets einsatzbereiten strategischen
Heeresverbände und Marinekorpsdivisionen sowie die dazugehörigen
zivilen Stellen aufrechterhalten. Die laufende Modernisierung
dieser Verbände ist ein kostspieliger, aber notwendiger Prozeß
und soll in einem Umfang durchgeführt werden, durch den unsere
Stärke ständig vergrößert wird.
Die Stationierung eines Teiles dieser Streitkräfte im Ausland
- und zwar zu Lande wie zur See - ist ein überzeugender Beweis für
unsere Entschlossenheit, Schulter an Schulter mit unseren Alliierten für die kollektive Sicherheit einzustehen. Darüber hinaus habe
ich angeordnet, daß Maßnahmen ergriffen werden, um die militärische Unterstützung für unsere Alliierten auf eine langfristigere
Basis zu stellen. Dies ist für ein wirksameres kollektives Verteidigungssystem notwendig.
Ich möchte'nunmehr auf unsere Bemühungen auf dem Gebiete der
Weltraumforschung eingehen, die oft fälschlicherweise für einen
integralen Teil der Verteidigungsforschung und -entwicklung gehalten wird.
Erstens: Amerika hat in den beiden letzten Jahren große
Beiträge zu dem Wissensschatz der Welt auf dem Gebiet der Astrophysik und der Weltraumkunde geleistet. Diese Entdeckungen sind
gegenwärtig in erster Linie für die Wissenschaftler von Interesse,
sie sind jedoch auch wichtige Grundsteine für eine extensivere
Erforschung des Weltraums zum letztlichen Nutzen und 7/ohle allen
Menschen.
Zweitens: Unser so erfolgreich voranschreitendes militärisches
Raketenprogramm leidet nicht unter dem zur Zeit bei uns bestehenden Mangel an sehr großen Raketenantriebsmotoren, wie sie für die
Erforschung ferner Räume so notwendig sind. Mir wurde von Fachleuten versichert, daß die Schubleistung unserer gegenwärtigen
Raketen für die Erfordernisse der Verteidigung voll ausreichend
ist •
Drittens: Die Vereinigten Staaten drängen bei der Entwicklung
von großen Raketenmotoren voran, um mit ihnen viel schwerere Flugkörper zu Forschungszwecken in den Raum zu senden.
Viertens:

�"AMERIKA DIENST

8. Januar 1960

Viertens* Man darf inzwischen nicht vergessen, daß wir«eben erst
begonnen haben, in die unmittelbare Umgebung unserer Erde vorzustoßen.
Unter Verwendung der zur Zeit verfügbaren Abschußsysteme entwickeln
wir Satelliten zur Welt-Wettererforschung; zum Aufbau von Relaisstationen, die die globale Nachrichtenverbindung erleichtern und erweitern sollen; als Navigationshilfe, um Schiffen und Plugzeugen genaue
Peilungen zu ermöglichenjund zur Vervollkommnung der für die Aufzeichnung und Übermittlung der von uns gesuchten Daten erforderlichen Instrumente. Es ist dies das erfolgversprechendste Gebiet für eine erste
und nutzbringende Anwendung der Weltraumtechnik.
Fünftens: Wir blicken jetzt auf das erste Jahr unserer Erfahrungen
mit dem neuen Weltraumgesetz zurück. Ich glaube, daß es in bezug auf
bestimmte Einzelheiten Mängel zeigt, und es werden daher in Kürze Verbesserungsvorschläge gemacht werden.
Die Erfüllung der zahlreichen Aufgaben, die ich hier angeführt
habe, erfordert die laufende Stärkung der geistigen, intellektuellen
und wirtschaftlichen Kräfte des amerikanischen Lebens. Das Ziel, das
unserer Gesellschaft ständig vor Augen schwebt, ist es, im Angesicht
Gottes jedem einzelnen Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Wir müssen
uns immer davor hüten, die Freiheit durch gedankenlose und allzuviele
restriktive Kontrollen oder dadurch zu ersticken, daß es uns an Mut
fehlt, die großen Aufgaben unserer Zeit kühn anzupacken.
Als ich vor einem Jahr vor Sie hintrat, erholte sich unser Land
gerade von einem wirtschaftlichen Rückschlag, obwohl die Zweifler die
Anzeichen der wiedererstarkenden Prosperität als nicht genügend überzeugend ansahen. Heute ist unsere ständig wachsende Stärke für jeden
ersichtlich. Das Jahr 1960 verspricht das Jahr der größten Prosperität
in unserer bisherigen Geschichte zu werden.
Und doch werden wir auch weiterhin störenden Einflüssen ausgesetzt
sein.
Zu den gegenwärtigen Problemen, die eine Lösung fordern, gehören:
die Notwendigkeit, die Interessen der Öffentlichkeit in Situationen
zu schützen, in denen es zu längeren Auseinandersetzungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern kommt; die hartnäckige Weigerung, ein
kritisches Problem in einem Sektor der amerikanischen Landwirtschaft
zu bereinigen; die anhaltende Inflationsgefahr im Verein mit der ständigen Tendenz zu einem verantwortungslosen Finanzgebaren; die Weigerung, in bestimmten Fällen einigen unserer Bürger gleichen Rechtsschutz zu
gewähren.
Jeder Amerikaner war über den langen Konflikt in der Stahlindustrie
sowie über seine so lange hinausgezogene Beilegung beunruhigt. Wir sind
alle froh, daß in diesem Industriezweig endlich eine Lösung erreicht wurde.
Prozentual gesehen ist die Erhöhung der Lohnkosten für die Stahlgesellschaften bei dieser Regelung niedriger als bei allen früheren Lohnabkommen seit dem zweiten Weltkrieg. Es ist ferner erfreulich, festzustellen, daß mehrere der großen Stahlproduzenten angekündigt haben, daß
es trotz der höheren Löhne und Sozialleistungen im gegenwärtigen Zeitpunkt keine Erhöhung der Stahlpreise geben wird. Das nationale Interesse
erfordert es, daß in der Zeit des industriellen Friedens, der durch den neuen
Kontrakt sichergestellt ist, sowohl die Unternehmer als auch die Gewerkschaften alle nur möglichen
n

�ALIERIKA DIENST,

8. Januar i960

möglichen Anstrengungen machen, um die Leistungen und die Produktivität in der Stahlindustrie so zu steigern, daß Preiserhöhungen
vermieden werden können.
Eine der hieraus zu ziehenden Lehren besteht darin, daß der
bei längeren und bedeutenderen Streiks für die gesamte Nation
erwachsenden potentiellen Gefahr begegnet werden muß. Bei der
Sicherung gegen derartige Möglichkeiten muß man sich allerdings
in erster Linie auf den gesunden Menschenverstand der verantwortungsbewußten einzelnen Bürger verlassen. Ich beabsichtige, die
Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu regelmäßigen Besprechungen aufzufordern, die nicht am Verhandlungstisch geführt werden, damit sie
hierbei das Interesse der Öffentlichkeit genauso in Erwägung
ziehen wie ihr eigenes gegenseitiges Interesse bei der Aufrechterhaltung des industriellen Friedens, der Preisstabilität und des
wirtschaftlichen Wachstums.
Es erscheint mir gleichsam absurd, daß die Vereinigten Staaten die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen den Nationen
erkennen und sich so aufrichtig darum bemühen, wenn sie nicht auch
zwischen den wichtigen Gruppen ihrer eigenen freien Gesellschaft
eine freiwillige, zuverlässige und dauerhafte Zusammenarbeit
erreichen können.
Wenn wir uns auf anderen Gebieten als den Beziehungen zwischen
den Sozialpartnern den Grundproblemen nicht stellen, dann kann dies
zu einer ernsthaften Belastung der Freiheit führen, auf der unsere
Gesellschaft beruht.
Eines dieser Gebiete, von denen ich spreche, ist die Landwirtschaft .
Unsere grundlegende Landwirtschafts-Gesetzgebung wurde vor 27
Jahren formuliert, als wir aus einer Notlage heraus darangehen
mußten, die durch die weltweite Depression verursachten Härten
wieder auszugleichen. Sie wurde auch während des zweiten Weltkrieges
beibehalten - und ihre wirtschaftliche Diskrepanz noch verstärkt -,
um einen Anreiz für die Nahrungsmittelerzeugung zu bieten, die zur
Versorgung einer vom Krieg betroffenen freien Welt nötig war.
Heute ist unser Landwirtschaftsproblem völlig anders gelagert.
Es geht darum, sich den durch eine wissenschaftliche Revolution hervorgerufenen Veränderungen in wirksamer Form anzupassen. Als die
ursprünglichen Landwirtschaftsgesetze geschrieben wurden, wurde in
der Landwirtschaft in einer Arbeitsstunde nur ein Viertel der Menge
an Weizen geerntet wie heute. Die Landwirtschaftsgesetze sind
schrecklich veraltet, unwirksam und kostspielig.
Seit Jahren haben wir ein überholtes System beibehalten, das
nicht einmal in der Lage war, die Einkommen in der Landwirtschaft
zu schützen, und noch dazu immer größere, bedrohliche Überschüsse
hervorbrachte. Unsere Landwirtschaft blieb bei einer Kriegsproduktion stehen, während Amerika seit langem Frieden hatte.
Ich

�"AMERIKA DIENST"

8 . Januar 1960

Ich ersuche den Kongreß erneut, Gesetze zu verabschieden, damit die Erzeugung in stärkerem Maße den Märkten angepaßt wird und
die kostspieligen üb erschüsse leichter gehandhabt werden können,
Gesetze, die in der Bewirtschaftung der Farmen größere Freiheit
lassen und durch die die Nettoeinkommen in der Landwirtschaft
stetig erhöht werden.
Ein weiteres Problem, mit dem wir uns ohne Umschweife befassen müssen, ist die Notwendigkeit, im Rahmen unserer Verhältnisse zu leben. Dies erfordert Maßhalten bei den Ausgaben, eine
ständige Überprüfung, welchen Dingen Vorrang einzuräumen ist, und
die Beibehaltung stabiler Preise.
Wir müssen eine Inflation verhindern. Hier stehen wir vor
einem Widersacher unter so vielerlei Masken, daß es zuweilen
schwerfällt, ihn zu erkennen. Aber es ist für uns absolut notwendig, einer kontinuierlichen und allgemeinen Preissteigerung
Einhalt zu gebieten - dies ist eine Notwendigkeit, die alle von
uns sehen und spüren können.
Das ständige Ansteigen der Kosten und Preise zu verhindern
erfordert eine strenge Selbstzucht von seiten jedes Bürgers.
Niemand, keine Stadt und kein Staat, keine organisierte Gruppe,
darf sich der Pflicht zum Widerstand gegen die Inflation entziehen, denn jeder Amerikaner müßte bitter dafür zahlen.
Die verheerenden Auswirkungen einer Inflation machen nicht
an einem bestimmten Punkte halt. Preissteigerungen bei den Gütern,
die wir an das Ausland verkaufen, beschwören die Gefahr herauf,
daß wir von den Märkten vertrieben werden, die uns einst sicher
waren. Cb nun so hoch ansteigende und damit nicht mehr wettbewerbsfähige einheimische Preise die Folge von Forderungen nach
zu großen Gewinnspannen oder die Folge höherer Lohnkosten sind,
die den Produktivitätszuwachs übersteigen, das Endergebnis ist
jedenfalls ein schwerer Schaden für die Nation.
Wir müssen die Inflation in der gleichen Weise bekämpfen, wie
ein Feuer, das unser Haus bedroht. Nur so können wir verhindern,
daß der Wert unserer Gehälter, Ersparnisse, Pensionen und .Versicherungen vernichtet wird und die Grundlagen einer freien, gesunden Wirtschaft sowie der Sicherheit des Landes zermürbt werden.
Eine wichtige Methode, wie die Bundesregierung der Inflation
und den steigenden Preisen begegnen kann, ist, sicherzustellen,
daß ihre Ausgaben unter den Einnahmen liegen. Die Staatsschuld,
der wir -ietzt gegenüberstehen, liegt bei 290 Milliarden Dollar.
Die Zinsleistungen allein kosten den Steuerzahler gegenwärtig rund
9,5 Milliarden Dollar, und es ist klar, daß der weiteren Erhöhung
der Staatsverschuldung ein Ende gemacht werden muß. Sie werden
froh sein, zu erfahren, daß unsere Konten trotz der noch nicht
bereinigten Auswirkungen des jüngsten Stahlstreiks nach unseren
Schätzungen mit dem 30. Juni dieses Jahres einen Überschuß von rund
200 Millionen Dollar aufweisen werden.
Ich

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�8. Januar

"AMERIKA DIENST

196O

Ich werde dem Kongreß für 1961 ein ausgewogenes Budget vorlegen.
Auf dem Gebiet der Verteidigung bleiben die Ausgaben weiterhin auf
dem Rekord-Friedenszeitenniveau der vergangenen letzten Jahre. Mit
einer einzigen Ausnahme werden auch die Ausgaben auf allen wichtigen
Sektoren des Gesundheits-, Erziehungs- und Wohlfahrtswesens gleich
oder größer als im vergangenen Jahr sein. Die Ausgaben für die Weltraumforschung sind praktisch auf das Doppelte gestiegen. Aber die über
allem stehende Richtlinie dieses Budgets wird durch den Bedarf der
Nation als Ganzes vorgezeichnet - nicht durch das Eingehen auf die
Forderungen bestimmter Gruppen oder auf lokale oder politische Forderungen .
Andere Ausgabenerhöhungen als die von mir soeben angedeuteten sind
weitgehend auf die erhöhten Kosten der früher bereits verabschiedeten
Gesetze zurückzuführen.
Ich wiederhole noch einmal, dieser Haushalt wird ausgeglichen sein.
Die Ausgaben werden 79&gt;8 Milliarden Dollar betragen. Der die Ausgaben
übersteigende Betrag der Einnahmen, der in dem Haushalt als Überschuß
ausgewiesen ist und gegen unsere Staatsschuld aufgerechnet werden soll,
beträgt 4»2 Milliarden Dollar. Ich persönlich bin der Ansicht, daß
kein Betrag mit Recht als Überschuß bezeichnet werden kann, solange
die Nation Schulden hat. Ich möchte lieber einen solchen Posten als
"Reduzierung der unseren Kindern vererbten Hypothek" nennen. Sobald
wir erst einmal solche Zahlungen als eine normale Praxis eingeführt
haben, können wir auch nutzbringende Verbesserungen in unserer Steuerstruktur vornehmen und damit wirklich die schweren Steuerlasten vermindern.
Auf jeden Fall wird diese Reduzierung dem Steuerzahler jedes Jahr
etwa 200 Millionen Dollar an Zinskosten einsparen.
Dieses Budget wird zu einer Verminderung des Druckes auf unsere
Kredit- und Kapitalmärkte beitragen. Es wird in aller Welt das Vertrauen
in die Stärke unserer Wirtschaft und unserer Währung sowie in unsere
individuelle und kollektive Fähigkeit für eine verantwortungsbewußte
Finanzgebarung fördern.
Bei der Verwaltung unserer großen öffentlichen Schuld hat das
Schatzamt unglücklicherweise keine freie Hand. Seine Möglichkeiten, sich
mit den schwierigen Problemen auf diesem Gebiet zu befassen, sind weitgehend dadurch eingeengt worden, daß der Kongreß nicht bereit ist, die
veralteten Restriktionen zu beseitigen. Die Notwendigkeit, bei der Verwaltung der Staatsschuld eine freiere Hand zu haben, ist heute sogar
noch dringlicher, weil die Kosten der unerwünschten Finanzpraktiken,
zu denen das Schatzamt gezwungen wurde, immer mehr anwachsen. Die
Beseitigung dieses Hindernisses hat unter meinen gesetzgeberischen
Empfehlungen großen Vorrang.
Ein weiteres Gebiet ist das der Bürgerrechte.
Bei all unseren Hoffnungen und Plänen für eine bessere Welt sind
wir uns darüber im klaren, daß provinzielle und rassische Vorurteile bekämpft werden müssen. Im langen Lauf der Geschichte ist das Wahlrecht einer
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�"AMERIKA DIENST"

8. Januar

196O

einer der stärksten Eckpfeiler einer freien Gesellschaft gewesen.
Unsere erste Pflicht ist es, dieses Recht gegen jeden Übergriff zu
schützen. Trotz der verfassungsmäßigen Garantien und ungeachtet des
großen Fortschritts der letzten Jahre sind einige Menschen in unserem
Lande durch Vorurteile immer noch des gleichen Schutzes durch das Gesetz beraubt.
Zu Anfang der letzten Sitzungsperiode des Kongresses empfahl ich
eine Gesetzgebung, die zur Beseitigung verschiedener diskriminierender
Praktiken hinsichtlich der Grundrechte der Amerikaner beitragen würde.
Die Bürgerrechtskommission hat zusätzliche konstruktive Empfehlungen
unterbreitet. Ich hoffe, daß diese Vorschläge zu den Fragen gehören
werden, die in der gegenwärtigen Sitzung ernsthaft erörtert werden.
Ich bin fest davon überzeugt, daß der Kongreß auf diese Weise der Welt
vor Augen führen wird, daß unsere Regierung sich für alle Menschen
um die Gleichheit vor dem Gesetz bemüht.
In jedem Jahr erlebt unser Land in vieler Hinsicht grundlegende
Veränderungen und weiteres Wachstum.
In den letzten 18 Monaten haben wir uns über die Aufnahme von zwei
weiteren Staaten - Alaska und Hawaii - in die Union freuen können. Wir
begrüßen die beiden neuen Sterne in unserer Flagge mit großem Stolz.
Unsere kraftvolle Weiterentwicklung, die wir alle als ein Zeichen
der Gesundheit und der Vitalität begrüßen, ist vielseitig. So erleben
wir zum Beispiel jetzt ein gewaltiges Wachstum unserer Großstädte.
Bis zum Jahre 1975 werden die Großstadtgebiete in den Vereinigten
Staaten etwa die doppelte Fläche einnehmen wie heute. Die Zahl der
daraus erwachsenden städtischen Probleme, mit denen man fertig werden
muß, ist bestürzend. Zu ihnen zählen die Frage der Wasserversorgung,
der Reinigung der Luft, die Anpassung der lokalen Steuersysteme, die
Bereitstellung der wesentlichen Schul-, Kultur- und Sozialinstitutionen
und die Ausmerzung solcher Verhältnisse, die zu Kriminalität und Verbrechen führen.
Bei der Lösung dieser Probleme müssen wir - wenn wir unsere historischen Freiheiten hochhalten - im traditionellen Rahmen unseres bundesstaatlichen Systems bleiben, bei dem die Macht zwischen der nationalen
Regierung und den einzelstaatlichen Regierungen geteilt ist. Die Einmaligkeit und Besonderheit dieses Systems mag den oberflächlichen Betrachter
verwirren, es hat sich jedoch seit fast 200 Jahren durchaus bewährt.
Ich zweifle nicht daran, daß unsere städtischen und anderen komplizierten Probleme auf die traditionelle amerikanische Weise gelöst werden
können. V/ir müssen uns jedoch hierbei darüber im klaren sein, daß nichts
wirklich gelöst ist und nur ruinöse Entwicklungen in Gang gesetzt werden,
wenn wir den verführerischen Verlockungen des "leichtverdienten" Steuerdollars nachgeben.
Unser Erziehungssystem ist ein gutes Beispiel hierfür. Alle erkennen die entscheidende Notwendigkeit an, daß wir moderne Schulen sowie
hochqualifizierte und ausreichend bezahlte Lehrer haben müssen und daß

�"AMERIKA DIENST

8. Januar

1960

daß die besten Lehrmethoden und Lehrpläne angewandt werden müssen.
Wir dürfen nicht selbstzufrieden auf die Erziehung unserer Jugend
blicken.
Aber der Weg zu einer besseren Erziehung läßt sich nicht durch
die schnelle Anwendung einer Kräftigungsspritze oder auch einer längeren finanziellen Transfusion seitens des Bundes bahnen. Der Erziehungsprozeß, der im wesentlichen eine lokale und persönliche Aufgabe ist,
läßt sich nicht durch gewaltsame, zentralgelenkte Aktion seitens der
Regierung sprunghaft beschleunigen.
Die Regierung hat ein sorgfältig begründetes Programm vorgeschlagen, das dazu beitragen soll, die derzeit vorhandenen Mängel abzustellen. Es soll den Bau von Schulen fördern, nicht indem es die Dollar
des Bundes an die Stelle der staatlichen oder lokalen Fonds treten
läßt, sondern durch Anreiz zur Erweiterung und Unterstützung der einzelstaatlichen oder lokalen Anstrengungen. Bei dieser Methode wird die
Idee einer Beherrschung oder Kontrolle durch den Bund ausgeschaltet.
Sie ist brauchbar und sollte jeden Amerikaner ansprechen, der an einem
Fortschritt unseres Erziehungssystems in der traditionellen amerikanischen Art interessiert ist. Ich fordere den Kongreß auf, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Es gibt noch einen weiteren Komplex, hinsichtlich dessen ich eine
Empfehlung erneuern möchte, die ich bereits in meiner Botschaft über
die Lage der Nation im Januar vergangenen Jahres gemacht habe. Ich setzte
damals den Kongreß von meiner Absicht in Kenntnis, unsere Anstrengungen,
an die Stelle der Gewalt die Herrschaft des Rechts unter den Völkern
zu setzen, zu intensivieren. Zahlreiche Gespräche im Ausland haben mich
davon überzeugt, daß dieses Ziel von anderen Völkern und Nationen in
der Welt weitgehend und mit großem Ernst geteilt wird.
In derselben Botschaft erklärte ich, daß unsere Bemühungen eine
Überprüfung des Verhältnisses der USA zum Internationalen Gerichtshof
einschließen würden. Der Gerichtshof wurde von den Vereinten Nationen
geschaffen, um über internationale juristische Streitfragen zwischen den
einzelnen Ländern zu entscheiden. Im Jahre 194-6 akzeptierten wir die
Jurisdiktion des Gerichtshofes, allerdings unter Vorbehalt des Rechtes,
einseitig entscheiden zu können, ob ein gegebener Fall in seinen wesentlichen Aspekten nicht eigentlich unter die Jurisdiktion der USA fällt.
Dem Senat liegt gegenwärtig eine Resolution vor, die diesen juristischen
Vorbehalt beseitigen würde. Ich unterstütze diese Resolution und ersuche
nachdrücklich um ihre baldige Verabschiedung. Wenn dies geschehen ist,
werde ich alle Mitglieder der Vereinten Nationen auffordern, in entsprechender Weise die Jurisdiktion des Gerichtshofes zu akzeptieren.

Und

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar i960

Und vielleicht ist es nicht verfehlt, wenn ich hier an dieser
Stelle, im letzten Jahr meiner Amtszeit, an die Hitglieder des
Kongresses ein Wort über die Institutionen richte, die wir jeweils
repräsentieren, sowie über die Bedeutung, die den Beziehungen
zwischen unseren beiden Zweigen der Regierung für die beverstehende
Zeit zukommt.
Ich bin nicht der einzige Präsident, der mit einem von der
Oppositionspartei kontrollierten Kongreß zusammengearbeitet hat nur hat kein anderer Präsident dies so lange Zeit getan. Und doch
haben wir sowohl in den persönlichen wie auch den offiziellen
Beziehungen die Stürme der vergangenen fünf Jahre gemeistert. Hierfür bin ich dankbar.
Meine tiefe Sorge in den kommenden 12 Monaten, bevor mein
Nachfolger sein Amt antritt, gilt unseren gemeinsam vom Kongreß
und der Exekutive gegenüber unserem eigenen Volke und gegenüber
den übrigen Völkern wahrzunehmenden Pflichten. Entsprechend den
von mir heute hier dargelegten Anschauungen werde ich meine ganze
Kraft den vorliegenden Aufgaben widmen, ob dies nun Reisen zur
Förderung einer besseren internationalen Verständigung, Verhandlungen zur Verminderung internationaler Unstimmigkeiten oder ständige Aussprachen und Fühlungnahmen mit dem Kongreß und dem amerikanischen Volk sowohl in innen- wie auch in außenpolitischen Fragen
erfordert„
Bei der Verfolgung dieser Ziele sehe ich einer engen und konstruktiven Zusammenarbeit mit dem Kongreß entgegen und werde mich
selbst hierfür einsetzen.
Jede Hillute, die mit belanglosem Streit zwischen den einzelnen
Regierungszweigen vergeudet wird, ist kostbare Zeit, die von der
klugen Ausarbeitung und Annahme in sich zusammenhängender politischer
Maßnahmen für den Fortbestand und den Fortschritt unserer Nation
abgeht.
Wir streben nach einem gemeinsamen Ziel - bessere Chancen für
unsere Bürger und einen Weltfrieden in Gerechtigkeit für alle zu
schaffen.
Wir und unsere Freunde sehen sich von einer Ideologie herausgefordert, die seit mehr als vier Jahrzehnten ihr Ziel des letztlichen
Sieges über alle Regierungsformen hinausposaunt, die nicht im Einklang mit ihrer eigenen stehen.
Wir sind uns darüber im klaren, daß - so sehr wir auch die
Lehren des imperialistischen Kommunismus ablehnen - dieser ein gewaltiges Vorhaben darstellt, das verbissen von Machthabern durchgeführt
wird, die ihre Untertanen dazu zwingen, die Freiheit des Geistes sowie die persönlichen Wünsche irgendwelchen erhofften und in der Zukunft liegenden Vorteilen unterzuordnen.
Die

�&lt;

"ALIERIKA DIENST"

8. Januar 1 960

Die Kommunisten können eine Menge materieller Leistungen
während der letzten 15 Jahre aufweisen, die ihren glitzernden
Versprechungen gegenüber den politisch nicht festgelegten Völkern
eine irreführende Überzeugungskraft verleihen.
Was jedoch die Reihenfolge der ffert« anbetrifft, so steht
für uns die Freiheit an oberster Stelle - unsere ganze Existenz
und unsere Entwicklung als Nation sind auf diese grundlegende
Konzeption ausgerichtet und haben bewirkt, daß wir die führende
Position innerhalb der freien Welt erlangt haben, zu der wir
emporgestiegen sind. Sie ist der höchste Preis, den irgendeine
Nation erlangen kannj sie ist ein Preis, den die Kommunisten
niemals bieten können. Und die Geschichte der von Amerika in Freiheit erzielten materiellen Leistungen ist nicht nur vor dem Hintergrund einer noch nie dagewesenen Prosperität unserer eigenen
Nation, sondern auch in den unzähligen Milliarden geschrieben,
die wir für den Wiederaufbau der durch den zweiten Weltkrieg zerstörten Volkswirtschaften der freien Welt gaben, sowie in der
wirksamen Hilfe durch zahlreiche weitere Milliarden, die wir
für die Rettung der Unabhängigkeit zahlreicher anderer von einer
ausländischen Macht bedrohten Länder ausgegeben haben. Und selbstverständlich verfügen wir auch über die Fähigkeit, mit den Problemen der neuen Epoche der Weltgeschichte fertig zu werden, in die
wir jetzt eintreten.
Aber wir müssen diese Fähigkeit klug und unermüdlich, ohne
Rücksicht auf persönliche Opfer, nutzen.
Die Kluft, die unseren Planeten in politischer Hinsicht teilt,
ist tief und weit.
Wir leben außerdem in einem Meer der Begriffsverwirrung, bei
dem alte Bezeichnungen nicht mehr länger stimmen:
Polizeistaaten werden "Volksdemokratien" genannt.
Die Unterjochung eines freien Volkes mi.t Waffengewalt heißt
"Befreiung" .
Solche verwirrende Schlagworte machen das Problem der Mitteilung von echtem Vertrauen, wahren Tatsachen und Ansichten noch
schwieriger.
Wir müssen unsere friedlichen Absichten und unser Streben nach
einer besseren Welt klarmachen. Hierfür müssen wir die Sprache benutzen, und zwar um den Verstand zu erhellen, nicht aber als ein
Mittel für bewußte Verfälschungen und zur Entstellung der V/ahrheit.
Und wir müssen zu unseren Worten stehen. Während meines kürzlichen Besuches in fernen Ländern erlebte ich immer wieder, wie
ein Staatsmann nach dem anderen bestrebt war, mir von den Faktoren
und Grundzügen zu berichten, die seine Regierung der amerikanischen
Verfassung entliehen habe, sowie von den unzerstörbaren Idealen, die
in unserer Unabhängigkeitserklärung niedergelegt sind.
Als

- 16 -

�"AMERIKA DIENST"

8. Januar i960

Als Nation sind wir stolz darauf, daß unser Verf assungs syst ein
sowie die Ideale, die dieses System tragen, schon seit langem als
ein Urquell der Freiheit angesehen werden.
Mit jeder Maßnahme müssen wir bemüht sein, uns dieses Vertrauens würdig zu erweisen, und uns immer vor Augen halten, daß
eine Häufung scheinbar geringfügiger Eingriffe in die Freiheit
allmählich das gesamte Gebäude einer freien Gesellschaft zum
Einsturz bringen kann.
Wenn wir davon überzeugt sind, dann werden wir die vor uns
liegenden Aufgaben bewältigen. Wenn wir uns mit aller Kraft einr
setzen und an Gott glauben, dann wird die Menschheit eines Tages
die Einigkeit in Freiheit erreichen, nach der sich alle Menschen
seit Urzeiten gesehnt haben.
gez. Dwight L. Eisenhower

- 17 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Wic/2201 ,1960
EISENHOWER LEGT NEUEN US-HAUSHALT VOR

WASHINGTON - (AD) - Präsident Eisenhower unterbreitete dem
amerikanischen Kongreß am 18. Januar i960 den neuen US-Haushalt für das am 1. Juli beginnende Haushaltsjahr 1960/61, der
bei Ausgaben von 79*816 Milliarden Dollar und Einnahmen von
84 Milliarden Dollar einen Überschuß von 4»184 Milliarden
Dollar aufweist.

Präsident Eisenhower forderte in seiner Haushaltsbotschaft den Kongreß auf, gemeinsam mit ihm einen entschlossenen Versuch zu unternehmen,
durch Erzielung eines wesentlichen Haushaltsüberschusses einen Abbau der
Staatsverschuldung zu ermöglichen. Die in seiner Botschaft enthaltenen
Vorschläge, so betont der Präsident, zeigten, daß dieses Ziel auch bei
Aufrechterhaltung der erforderlichen militärischen Stärke sowie e.iner
nationalen Wohlstandes durchaus erreichbar sei. Gleichzeitig sei'der
Haushalt auf eine weitere Stärkung der amerikanischen Wirtschaft sowie
eine Förderung des künftigen wirtschaftlichen Wachstums ohne Inflation
abgestellt.
Die wesentlichsten Punkte des neuen US-Hau^halts sind:
1. Haushaltsansätze, die einen Überschuß von rund 4,2 Milliarden
Dollar vorsehen. Dieser soll zur Schuldentilgung verwendet werden, die wie Eisenhower erklärt - "für die USA zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein
Hauptelement einer gesunden Finanzpolitik ist".
2. Neue Bewilligungen für die militärischen Aufgaben des Verteidigijngsministeriums, die sich auf 40»6 Milliarden Dollar belaufen, während
die veranschlagten Ausgaben während des neuen Haushaltsjahres etwa 41
Milliarden Dollar betragen werden. Sie werden damit etwas höher als im
laufenden Haushaltsjahr liegen und "eine starke und bewegliche Verteidigung gewährleisten, wie sie die gegenwärtige internationale Weltlage
erfordert".
3. Erhöhte Bewilligungen und praktisch eine Verdoppelung aar Ausgaben für die vom US-Bundesamt für Aeronautik und Raumfahrt (NASA) durchgeführten nichtmilitärischen Weltraumprojekte.
'
4. Neue

�"AMERIKA DIENST"

,

22. Januar 1960

4. Neue Bewilligungen in Höhe von 4,175 Milliarden Dollar für das
Gemeinsame Sicherheitsprogramm oder 949 Millionen Dollar mehr, als für
das laufende Haushaltsjahr bewilligt wurden, wobei die tatsächlichen Ausgaben im neuen Haushaltsjahr um rund 100 Millionen Dollar höher als im
Haushaltsjahr 1959/60 liegen werden. Diese Ausweitung des Programms sei
nötig, so betont der Präsident, um die wirtschaftliche und technische
Hilfe zu beschleunigen und die Streitkräfte der freien Welt, vor allem
der NATO-Staaten, verstärken und mit den neuesten Waffen ausrüsten zu
können.
5. Gesamtausgaben von 1,2 Milliarden Dollar für die Wasserwirtschaft.
6. Wesentlich höhere Ausgaben für die Bedienung der Staatsschuld, das
Landwirtschaftliche Stützprogramm, die Kriegsveteranenentschädigung und
Pensionen sowie für Zuschüsse zu den sozialen Programmen der einzelnen
Bundesstaaten.
7. Ausgaben für die Forschung und Entwicklung in Höhe von rund 8,4
Milliarden Dollar - etwas über die Hälfte der gesamten staatlichen und
privaten Ausgaben für diese Zwecke -, durch die eine starke und moderne
Verteidigung gewährleistet sowie die Grundlagenforschung und der technische
Fortschritt gefördert werden sollen.
8. Empfehlungen für eine Erhöhung der Straßensteuer und der Besteuerung
des Flugbenzins sowie eine Heraufsetzung der Postgebühren.
9. Beibehaltung der gegenwärtigen Körperschafts- und Verbrauchssteuersätze für ein weiteres Jahr.
10. Empfehlungen für ein konstruktives Gesetzgebungsprogramm, das den
Interessen der gesamten Bevölkerung Rechnung trägt.
59,9 Prozent für Sicherheit und internationale Aufgaben
Von den Gesamtausgaben des neuen Haushalts sind 59,9 Prozent oder
47,81 Milliarden Dollar für Programme, die direkt oder indirekt dem Schutz
der USA dienen, sowie für internationale Aufgaben bestimmt. Weitere 25,4
Prozent oder 20,51 Milliarden Dollar entfallen auf inneramerikanische Programme. Die Bedienung der Staatsschuld erfordert 12 Prozent der Gesamtausgaben oder 9,585 Milliarden Dollar, und für allgemeine Regierungsausgaben
sind 2,4 Prozent der Gesamtausgaben oder 1,911 Milliarden Dollar bestimmt.
Der Rest entfällt auf'verschiedene kleinere Posten.
HAUSHALTSAUSGABEN
(in Prozent)

n M i l l i a i•den D o l l a r )
Wationale Sicherheit
Internationale Aufgaben
Handel und Wohnungsbau
Landwirtschaft
Natürliche Hilfsquellen
Sozialprogramme

1958/59

1959/60

1960/61

1960/61

46,426
3,780
3,421
6,529
1,669
4,421

45,650
2,066
3,002
5,113
1,785
4,441

45,568
2,242
2,709
5,623
1,938
4,569

•57,1
2,8
3,4
7,0
2,4
5,7
KriegsVeteranen

2

-

�"AMERIKA DIENST"
Kriegsveteranen
Zinsendienst
Allgemeine Regierungsausgaben
Sonstige Posten

22. Januar 1960
5,174
7,671

5,157
9,385

5,471
9,585

6,9
12,0

1,606
-

1,711
0,073

1,911
0,200

2,4
0,3

80,6,9"

78,383

79,816

100,0

Ausweitung des Bruttosozialprodukts um 50 Milliarden Dollar
Bei der Aufstellung des Einnahmenvoranschlags geht der Haushalt davon aus, daß sich der derzeitige hohe Stand der Wirtschaftstätigkeit 1961
noch weiter erhöhen und das Bruttosozialprodukt im Kalenderjahr 196O um
rund 30 Milliarden Dollar auf 510 Milliarden Dollar ansteigen wird. Dementsprechend werden auch die Erträge der Einkommens- sowie der Körperschaftssteuer höher als im laufenden Haushaltsjahr veranschlagt.
HAUSHALTSEIHNAHMEN
(in Milliarden Dollar)

1959/60*

1960/61*

40,306
9,100
1,803
1,176

43,706
23,500
9,523
1,960
1,376

3,160

4,015

3,935

68,270

78,600

84,000

1958/59*
Einkommenssteuer;:
KörperSchaftssteuer
Verbrauchssteuern
Sonstige Steuern
Zölle
Sonstige Haushaltseinnahmen

36,719
17,309
8,504
1,653
0,925

22,200

*

1950/59 tatsächliche Einnahmen
1959/60 und 1960/61 veranschlagte Einnahmen.
Eisenhower mahnt zur Ausfcaberteinschränkung
Bei der Erläuterung seines neuen Haushaltes betont Eisenhower, daß
während des laufenden Haushaltsjahres ermutigende Fortschritte in Richtung
auf eine gesunde Finanzpolitik gemacht worden sind. Nach dem Haushaltsdefizit von 12,4 Milliarden Dollar des Haushaltsjahres 1958/59, das zu einem
großen Teil durch die damalige Rezession bedingt war, sei nunmehr für das
laufende Haushaltsjahr 1959/60 mit einem Überschuß von 217 Millionen Dollar
zu rechnen. In diesem Zusammenhang appelliert der Präsident an alle Bundesdienststellen, eine strenge Kontrolle über alle Ausgaben auszuüben, damit
wenigstens dieser kleine Überschuß erhalten bleibt, was ohnehin nur möglich sei, wenn der Expansionsprozeß in der Wirtschaft nicht unterbrochen
werde. Im neuen Haushaltsjahr, so unterstreicht der Präsident, sei es unbedingt notwendig, den erzielten Haushaltsüberschuß für die Abtragung dei

-

3 -

�"AMERIKA DIENST

22. Januar 1960

der Staatsschuld zu verwenden. Wenn dies in Zeiten des Wohlstands nicht
getan werde, dann müsse damit gerechnet werden, daß die Staatsverschuldung in künftigen Notzeiten oder Rezessionen noch weit über den derzeitigen Stand hinaus ansteigen werde. Wörtlich führte der Präsident aus:
"Sine gesunde Finanz- und Wirtschaftspolitik bedingt in Zeiten des Wohlstandes, wie wir sie für das kommende Jahr erwarten, daß ein Haushaltsüberschuß dazu verwendet wird, dem inflationären Druck entgegenzuwirken,
die Bedingungen auf dem Kapital- und Kreditmarkt zu erleichtern sowie
die für produktive Investitionen - wie sie für ein stetiges wirtschaftliches Wachstum unerläßlich sind - verfügbaren Spareinlagen weiter zu
vermehren. Die Haushaltsempfehlungen für 1960/61 legen die Grundlage
für eine gesunde und flexible Finanzpolitik in den kommenden Jahren. Es
ist damit zu rechnen, daß eine Fortdauer der wirtschaftlichen Prosperität
im Jahre 1962 und den darauffolgenden Jahren eine weitere Erhöhung der
Bundeseinnahmen zur Folge haben wird. Wenn die Ausgaben auf dem von mir
für 1960/61 vorgeschlagenen Stand gehalten werden und wenn in Zukunft
eine vernünftige Zurückhaltung geübt wird, dann werden die höheren Einnahmen die neue Regierung und den neuen Kongreß vor die Entscheidung
stellen, ob die Staatsschuld weiter abgebaut oder die Steuerbelastung
gemildert werden oder ob beides zugleich geschehen soll. Statt hier
und dort vereinzelte übereilte Änderungen vorzunehmen, kann dann eine
vernünftige Steuerrevision auf einer umfassenden und ordnungsgemäßen
Basis in Angriff genommen und im Rahmen einer wirtschaftlichen und fiskalischen Stabilität verwirklicht werden."
Frieden in Gerechtigkeit für alle Völker
Das Hauptziel der USA, so unterstreicht der Präsident in seiner Botschaft, sei auch weiterhin ein Frieden in Gerechtigkeit für alle Völker.
Dabei sei es die Hoffnung der USA, daß die auf der Welt ruhenden schweren
Rüstungslasten verringert werden mögen. Die Vereinigten Staaten dürften
sich jedoch keinen Illusionen hingeben. In der gegenwärtigen Zeit der
Atomwaffen und der Interkontinentalraketen müsse jede Abrüstung kontrollie
bar und verifizierbar sein. Es seien noch schwerste Probleme zu lösen,
wenn man zu einer Abrüstung gelangen wolle, die Sicherheit und Gerechtigkeit für alle Nationen mit sich bringe. Aber diese Probleme müßten gelöst werden, wenn die Welt nicht ständig an der Klippe des Unheils leben
soll.
Der Präsident hebt hervor, daß die Vereinigten Staaten stark bleiben
müßten, während sie sich um einen Weg bemühen, der zu Frieden und Abrüstung führt. Das derzeitige Ziel der Vereinigten Staaten sei es, einen
Grad militärischer Stärke zu besitzen, der zusammen mit der militärischen
Macht der Verbündeten Amerikas jeden Gegner von der Entfesselung eines
kleinen oder großen Krieges abschreckt, gleichzeitig aber,nach einem Weg
zur Verminderung der Kriegsgefahr zu suchen. Das vorliegende Budget, so
erklärt Eisenhower, erfülle seiner Ansicht nach diesen Zweck. Bei den
Ausgaben des Verteidigungsministeriums für das Jahr 1960/61 sei der Nachdruck weiterhin auf die Modernisierung der bewaffneten Streitkräfte der
Vereinigten Staaten gelegt worden. Auch in der Militärhilfe für die Verbündeten der Vereinigten Staaten und im Gemeinsamen Sicherheitsprogramm
werde die wachsende Bedeutung der modernen Waffen und Raketen für die
weitere Verstärkung der Verteidigungskräfte der freien Welt zum Ausdruck
kommen. Die Atomenergie-Kommission führe ihr Wa£fenentwicklungsprogramm

�"AMERIKA DIENST"

22. Januar 196O

Waffenentwicklungsprogramm mit aller Intensität fort und werde sich auch
auf dem Gebiet der friedlichen Anwendung der Atomenergie energisch um
die Förderung der Forschungs- und Entwicklungsprojekte bemühen. Die Ausgaben für die Auffüllung der Waffenarsenale und Material-Vorratsläger sowie
für die Erweiterung der Verteidigungsproduktion würden im Finanzjahr
1960/61 weiter sinken, da die meisten Ziele dieser Programme erfüllt seien.
Verteidigungsministerium
"Militärische Aufgaben: Für die militärischen Aufgaben des Verteidigungsministeriums im Haushaltsjahr 1960/61 werden neue Bewilligungen
in Höhe von 40,577 Milliarden Dollar empfohlen. Die Ausgaben für 1960/61
werden auf 40*995 Milliarden Dollar veranschlagt. Diese Beträge schließen
die Mittel für die Entwicklung des Saturn-Weltraumpro jokts n.i sht mit ein,
das nach meinem Vorschlag an das ÜS-Bundesamt für Aeronautik und Raumfahrt
(NASA) übert ragen werden soll.
Strategie und Taktik der amerikanischen Streitkräfte machen gegenwärtig eine der stärksten Wandlungen in der Geschichte durch. Die Verlagerung
des Nachdrucks von der konventionellen' zur ^Raketenkriegführung muß mit Sorgfalt vollzogen werden, wobei im Auge behalten werden muß, daß die eine Art
der Kriegführung nicht ohne Gefahr zugunsten der anderen vernachlässigt
werden darf. Unsere Streitkräfte müssen in .der Lage sein, erfolgreich mit
jedem Notfall fertig zu werden, der uns aufgezwungen werden könnte, angefangen von begrenzten Notständen bis- zu einem weltweiten, »allgemeinen Atomkrieg."
Von dem Gesamtetat des Verteidigungsministeriums entfallen auf die
US-Armee 9,3^3 Milliarden Dollar - 34 Millionen Dollar mehr als 195^/60 -,
auf die US-Marine 11,683 Milliarden Dollar - 112 Millionen Dollar mehr
als 1959/60 - und auf die Luftstreitkräfte•18,614 Milliarden Dollar 209 Millionen Dollar weniger als 1959/60. Dagegen werden die Mittel für
die Raketenprogramme um 16 Prozent oder fast 1 Milliarde Dollar erhöht.
Im einzelnen werden folgende Unterteilungen der Aufgaben vorgenommen:
Zahlenmäßige Stärke der Streitkräfte und des militärischen Personals:
"Dieses Budget wird für das Haushaltsjahr 1960/61 .die Mittel für die
weitere Aufrechterhaltung unserer Streitkräfte auf etwa dem gegenwärtigen
Stand beschaffen - einem Stand am Jahresende von 2 489 000 Männern und
Frauen im aktiven Dienst. Die zu unterhaltenden Streitkräfte schließen ein:
eine Armee von 14 Divisionen mit 870 000 Mann; eine Marine mit 817 Schiffen
im aktiven Dienst und 619 000 Mann; ein Marinekorps von 3 Divisionen und
3 Luftgeschwadern mit 175 000 Mann; und eine Luftwaffe von 91 Kampfgeschwadern und 825 000 Mann."
Bezüglich der Reserve betont Eisenhower in seiner Botschaft, daß Ausbildungsstand und Einsatzbereitschaft über die zahlenmäßige Stärke zu stellen
seien. "Ich habe", so heißt es in der Botschaft, "den Verteidigungsminister
ersucht, die Rolle und Aufgabe der Reserveeinheiten im Verhältnis zu den
aktiven Einheiten und im Lichte der sich wandelnden Erfordernisse der modernen Kriegführung zu überprüfen." Eisenhower wendet sich gegen eine

�"AMERIKA DIENST"

22. Januar 196O

eine gesetzliche Festlegung einer Mindeststärke der Armeereserve und
der Nationalgarde, um der Regierung eine elastische "Anpassung an die
militärischen Notwendigkeiten" zu ermöglichen. Der Präsident schlägt
dann eine weitere "Reduzierung der Nationalgarde und der Armeereserve von ihrem gegenwärtigen Stand von 400 000 bzw. 300 000 Mann auf 36O 000
bzw. 270 000 Mann bis Ende des Haushaltsjahres 1960/61 vor.
Beschaffung, Forschung und Bauprogramme:
"Rund 45 Prozent der Ausgaben des Verteidigungsministeriums entfallen auf Beschaffung, Forschung sowie Entwicklungs- und Bauprogramme.
Für das Haushaltsjahr 1960/61 werden diese Ausgaben mit 18,9 Milliarden
Dollar veranschlagt, gegenüber 19*3 Milliarden Dollar im Haushaltsjahr
1960/61. Die Verringerung der Mittel, die hauptsächlich beim Bau und der
Beschaffung von Flugzeugen eintritt, wird teilweise durch eine Erhöhung
für die Forschung und Entwicklung sowie für die Beschaffung von anderen
militärischen Ausrüstungen - wie Panzer, Fahrzeuge, Kanonen und Hochfrequenzgeräte - ausgeglichen. Die Ausgaben für den Schiffbau werden etwa
in der gleichen Höhe wie im Haushaltsjahr 1959/60 angesetzt.
Die in diesem Haushalt für 1960/61 empfohlenen neuen Ausgabenermächtigungen für die Beschaffung von Flugzeugen (ausschließlich der Mittel für die diesbezügliche Forschung und Konstruktion) belaufen sich auf
insgesamt 4»753 Milliarden Dollar, was 1,390 Milliarden Dollar unter den
für 1959/60 bewilligten Mittel liegt. Auf der anderen Seite steht die
1960/61 für die Raketenbeschaffung (ausschließlich Forschung und Konstruktion) vorgeschlagene Ausgabeermächtigung von 3,825 Milliarden Dollar
um 581 Millionen Dollar über der Summe für 1959/60. Diese gegensätzliche
Entwicklung in der Beschaffung spiegelt die vorgesehene Umwandlung in
der Zusammensetzung und den Aufgaben unserer Streitkräfte in den kommenden
Jahren wieder."
Der Präsident wendet sich gegen die Ausschaltung ausländischer Firmen
bei der Ausschreibung bestimmter militärischer Versorgungsgüter und geht
dann auf die ungeheuer rasche technische Entwicklung auf dem Gebiet neuer
Waffen ein. Manche Waffen seien bereits im Stadium der Entwicklung, wieder
unmodern geworden. Weiter habe oft die rasche Entwicklung irgendeiner
Waffe die Bedeutung einer parallellaufenden Entwicklung vermindert. Dies
habe eine ständige Überprüfung und Neubewertung des Verteidigungsprogramms
notwendig gemacht. So sei zum Beispiel die Bedeutung der REGULU3 II - einer
von aufgetauchten Unterseebooten abzufeuernden Rakete - durch die P0LARISRakete in den Hintergrund gedrängt worden, die von getauchten Unterseebooten abgeschossen werden kann. Weiter habe der wesentliche Fortschritt auf
dem Gebiet ballistischer Raketen zur Einstellung der Produktion der Auffangjäger vom Typ F-108 geführt, die bei großer Reichweite mit dreifacher
Schallgeschwindigkeit gegen bemannte Bomber eingesetzt werden sollen.
Die Hauptgefahr bestehe heute nicht mehr in bemannten Bombern, sondern
in Fernraketen.
Weiter sei das Programm für die erfolgreich erprobten und in den
Truppendienst gestellten Raketen mittlerer Reichweite vom Typ JUPITER
und THOR reduziert worden, da die Interkontinentalrakete vom Typ ATLAS
in steigendem Maße zur Verfügung stehe. Ebenso sei die Entwicklung energiereicher Brennstoffe für Flugzeuge auf Grund anderer Entwicklungen

-

6

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�"AMERIKA DIENST'

22. Januar 196O

Entwicklungen scharf gebremst worden.
Strategische Streitkräfte;
Die Abschreckungswirkung unserer Streitkräfte beruht sowohl auf
ihrer Fähigkeit, mit Kernwaffen zurückzuschlagen, als auch auf ihrer
Fähigkeit, andere wesentliche und notwendige Operationen in jeder Form
eines Krieges durchzuführen. Diese erste Fähigkeit kommt in einer Kombination von bemannten Bombern, auf Flugzeugträgern stationierten Flugzeugen, Interkontinentalraketen sowie Raketen mittlerer Reichweite zum
Ausdruck, die zweite in den in wichtigen vorgeschobenen Gebieten stationierten Land-, See- und Luftstreitkräften zusammen mit einsatzbereiten
Reserven, die eine rasche Verstärkung im Notfalle ermöglichen."
Eisenhower bezeichnet hier das Strategische Luftkommando als "das
Eauptelement unserer nuklearen Kapazität mit großer Reichweite". Die
schwierigste Entscheidung in diesem Zusammenhang, so heißt es, betreffe den
Langstreckenbomber vom Typ B-70 mit Überschallgeschwindigkeit. Der strategische Wert dieses Bombers, der bis 19&amp;5 einsatzbereit sein soll, werde
angesichts der Entwicklung der Interkontinentalraketen bezweifelt. Die
Entwicklungsarbeit für die B-70 solle jedoch fortgesetzt werden, da die
letzte Entscheidung bezüglich ihrer Verwendung noch im Jahre 1963 nach
einem Flugtest mit Versuchsmaschinen getroffen werden könne.
Weiter empfiehlt der Präsident die weitere Beschaffung des Bombers
vom Typ B-52H sowie des mit Überschallgeschwindigkeit fliegenden Mittelstreckenbombers vom Typ B-58 sowie der dazugehörigen Tankflugzeuge. Die
modernen Bomber sollen zum Teil die Mittelstreckenbomber vom Typ B-47
ersetzen.
"Im kommenden Haushaltsjahr", so heißt es in der Botschaft weiter,
"werden weitere Mengen an Raketen vom Typ ATLAS, TITAN und POLARIS hergestellt werden. Ich empfehle die Bewilligung von Mitteln für drei weitere
POLARIS-Unterseeboote, deren Bau im kommenden Haushaltsjahr beginnen soll,
und für die Vorausbeschaffung von Bauteilen mit langer Herstellungsdauer
für drei weitere Boote - um damit die Gesamtzahl der POLARIS-Unterseeboote
auf 15» zuzüglich der notwendigen Raketen, zu erhöhen. Im Haushalt werden
ferner Mittel für die Entwicklung und Herstellung der Rakete vom Typ
MINUTEMAN aufgeführt.
Eisenhower berichtet in diesem Zusammenhang, daß der Aufbau und die
räumliche Aufgliederung der Einheiten des Strategischen Luftkommandos
sowie der Aufbau der Warn- und Alarmeinrichtungen im wesentlichen abgeschlossen sind, wodurch innerhalb von 15 Minuten nach Eingang der Warnung
die Bomber und Tankflugzeuge in der Luft sein können.
Weiter soll vom Verteidigungsministerium die Möglichkeit einer ständigen Alarmbereitschaft für die schweren Bomber geprüft werden. "Es ist
weder notwendig noch praktisch, zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine ständige
Alarmbereitschaft in der Luft aufrechtzuerhalten", so heißt es in der Botschaft,, Eine solche Maßnahme würde in relativ kurzer Zeit die Gesamtkapazität für die Abwehr eines Angriffs beeinträchtigen. Das Strategische Luftkommando soll nach den Empfehlungen Eisenhowers in die Lage versetzt
werden, im Notfall eine solche Alarmbsreitschaft in der Luft aufrechtzuerhalten, bis die Lage geklärt ist.
Luftverteidigungsstreitkräfte?

�AMERIKA DIENST"

22 . Januar i960

Luftverteidigungsstreitkräftei
"Ein großer Fortschritt ist bei der Erhöhung der Wirksamkeit des
nordamerikanischen Luftverteidigungskommandos erzielt worden, das im
Jahre 1957 als integriertes Kommando der amerikanischen und kanadischen
Streitkräfte errichtet wurde. Die amerikanischen militärischen Elemente bestehend aus Teilen aller unserer Waffengattungen - sind mit dem kanadischen Luftverteidigungskommando integriert, um eine Luftverteidigungskapazität für den gesamten nordamerikanischen Kontinent aufrechtzuerhalten."
In der Botschaft wird auf die zunehmende Gefahr eines Raketenangriffs
hingewiesen. Jedoch dürfe, so heißt es, die Tatsache nicht übersehen werden, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt die bemannten Bomber noch die Hauptdrohung bilden. Bisher seien 17 Milliarden Dollar in die Verteidigung
gegen bemannte Bomber investiert worden, jedoch seien noch einige Vervollständigungen des Luftabwehrprogramms notwendig. Die für das kommende
Haushaltsjahr angeforderten Mittel, so wird betont, sollten im wesentlichen für den Abschluß des Programms genügen. Dabei werden die NIKE-HERKULESRaketen und die BOMARC-Flugraketen als wichtige Abwehrwaffen herausgestellt. Ferner soll das gesamte Radar- und Funknetz weiter modernisiert
werden.
Die Warneinrichtungen vor einem Angriff mit ballistischen Raketen,
die sich seit zwei Jahren im Bau befinden, sollen zum Teil innerhalb eines
Jahren in Dienst gestellt werden. Eisenhower weist in diesem Zusammenhang
darauf hin, daß die Abwehr von ballistischen Raketen mit Hilfe des
NIKE-ZEUS-Systems eine ungeheure Aufgabe ist. Dieses System bedürfe einer
außerordentlich sorgfältigen Erprobung- Die im vergangenen Jahr bewilligten
137 Millionen Dollar für das Anlaufen des Beschaffungsprogramms sollen
vorläufig noch nicht genutzt werden.
Seekontrollstreitkräfte:
"Die Kontrolle der Seegebiete und Ozeane sowie der Seewege ist ein
integraler Bestandteil für die Aufrechterhaltung unserer nationalen Sicherheit. Die Seestreitkräfte, die die Hauptverantwortung für diese Aufgabe
tragen, werden aus 817 Kriegs- und Versorgungsschiffen, 16 auf Flugzeugträgern stationierten Jagdbombergruppen, 11 Fluggruppen für die Unterseebootabwehr und 41 Patrouillen- und Aufklärungsluftgeschwadern bestehen."
Im Haushaltsjahr 1960/61 werden die Seestreitkräfte, wie aus der Botschaft hervorgeht, den fünften und sechsten Flugzeugträger der ForrestalKlasse, den ersten atomgetriebenen Kreuzer, 9 Raketenzerstörer, 7 Raketenfregatten und 6 atomgetriebene Unterseeboote erhalten. Ferner sollen 3 weitere POLARIS-Unterseeboote und ein umgebauter Raketenkreuzer in Dienst gestellt werden. Weiter ist der Neubau von 20 Schiffen und der Umbau von 15
Schiffen geplant.
Militärhilfe
In dem der Militärhilfe gewidmeten Abschnitt weist Eisenhower darauf
hin, daß die Fähigkeit der freien Welt, einen potentiellen Feind von einer

8

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�"AMERIKA DIENST"

22. Januar

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einer Aggression abzuschrecken, die 'kombinierte Stärke und Entschlossenheit vieler Staaten erfordert. Die Gesamtstreitmacht der Länder, die im
Rahmen des Militärhilfe-Programms von den Vereinigten Staaten unterstützt
werden, beläuft sich nach den Angaben des Präsidenten auf rund 5 Millionen Mann, 2200 Kriegsschiffe und 25 000 Flugzeuge, die Hälfte davon
Düsenmaschinen.
Die Ausgabeermächtigung von 2 Milliarden Dollar für das Militärhilfe-Programm im Jahre 1960/61, die Eisenhower in seiner Botschaft fordert, wird nach Ansicht des Präsidenten für die Ausbildung und das erforderliche Material zur Unterstützung der Streitkräfte ausreichen, die
von den Vereinigten Staaten Militärhilfe erhalten.
Auf die Militärhilfe für Westeuropa eingehend, erklärte Eisenhower
wörtlich: "Die Verteidigung Westeuropas in diesem Zeitalter der modernen
Waffen ist kostspielig und muß durch die gemeinsamen Anstrengungen aller
NATO-Staaten erreicht werden. Viele dieser Staaten haben jetzt die Verantwortung für die Produktion oder den Ankauf konventioneller Waffen und
Ausrüstungsgegenstände übernommen, die früher von den Vereinigten Staaten
geliefert worden waren. Das Militärhilfe-Programm 196O/61 sieht sich aber
zur gleichen Zeit einem dringenden Bedarf an neuen und kostspieligen Waffen gegenüber, bei denen die freie Welt immer noch eine Hilfe von seiten
der USA erwartet. Außerdem sieht die Militärhilfe intensivierte Ausbildungsprogramme vor, die eine wirksame Anwendung und eine entsprechende
Pflege des neuen Materials durch die Streitkräfte der Verbündeten gewährleisten."
Abschließend erklärt Eisenhower, daß sein Budget auch eine entsprechende Militärhilfe für Staaten in anderen Teilen der Welt vorsieht,
die eine Verteidigungskapazität gegen Aggression und Subversion aufbauen.
Bei diesen Staaten, die sich zum Teil bereits zu kollektiven Verteidigungsbündnissen wie SEAT0 oder CENT0 zusammengeschlossen hätten, werde
die Militärhilfe hauptsächlich in der Stärkung der konventionellen Streitkräfte bestehen, wie sie - je nach der Art der in den einzelnen Räumen
bestehenden Gefahren - zur Verhinderung von Aggressionen erforderlich sind.
Auslandshilfe
Für das Gemeinsame Sicherheitsprogramm der USA - die amerikanische
Auslandshilfe - fordert Präsident Eisenhower für das neue Haushaltsjahr
insgesamt 4,175 Milliarden Dollar an. Dieser Betrag liegt um 949 Millionen
Dollar über der Summe, die der amerikanische Kongreß für das gegenwärtig
laufende Haushaltsjahr bewilligt hat. Der größte Teil dieses Mehrbetrages - nämlich 700 Millionen Dollar - soll für die militärische Unterstützung ausgegeben werden. Die im Rahmen der Auslandshilfe im Haushaltsjahr 196O/61
.sächlich anfallenden Ausgaben werden auf 3,45 Milliarden
Dollar veranschlagt. Das sind 100 Millionen Dollar mehr als im gegenwärtigen Rechnungsjahr.
Im einzelnen teilt sich die Auslandshilfe - wie aus der -Haushaltsbotschaft ersichtlich wird - in 2 Milliarden Dollar für die militärische
Unterstützung und 2,175 Milliarden Dollar für die Wirtschaftshilfe auf.
Im Rahmen der wirtschaftlichen Hilfe sind unter anderem 724 Millionen Dollar

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Dollar für die sogenannte Verteidigungsunterstützung, 700 Millionen Dollar
für den Entwicklungsanleihefonds und 268 Millionen Dollar für Sonderhilfsprogramme vorgesehen. Diese Beträge liegen hei der Verteidigungsunterstützung um 29 Millionen Dollar, beim Entwicklungsanleihefonds um 150
Millionen Dollar und hei der Sonderhilfe um 23 Millionen Dollar über den
Summen, die für das gegenwärtige Rechnungsjahr jeweils vom Kongreß bewilligt
wurden.
Präsident Eisenhower weist in seiner Botschaft darauf hin, daß die USA
durch ihr Gemeinsames Sicherheitsprogramm wesentlich zur Förderung der Stabilität und des wirtschaftlichen Wachstums der Entwicklungsländer sowie zur
Stärkung der Verteidigung der freien Welt beitragen.
"Viele der Entwicklungsländer", so heißt es in dem Abschnitt über die
Verteidigungsunterstützung wörtlich, "die an der gemeinsamen Verteidigung
teilhaben, unterhalten große militärische Streitkräfte, deren Kosten eine
gewaltige Belastung für ihre begrenzten wirtschaftlichen Hilfsquellen darstellen. Um bei der Sicherung der politischen und wirtschaftlichen Stabilität dieser Länder zu helfen sowie zu verhindern, daß die Kosten der notwendigen Verteidigungsstreitkräfte die wirtschaftliche Entwicklung über Gebühr beeinträchtigen, gewähren die USA wirtschaftliche Hilfe, und zwar in
erster Linie dadurch, daß Verbrauchsgüter sowie Rohmaterialien und Maschinen
für die industrielle Produktion geliefert werden."
Bei seinem Überblick über die Tätigkeit des Entwicklungsanleihefonds,
der im Jahre 1957 ins Leben gerufen wurde, um den Entwicklungsländern zu
günstigen Bedingungen Kapital zur Verfügung zu stellen, hebt Eisenhower hervor, daß bis Ende des Finanzjahres 1959/60 rund 148 Anleihezusagen in Gesamthöhe von etwa 1,4 Milliarden Dollar gemacht sein werden, Über 75 Prozent
der aus dem Fonds finanzierten Projekte entfallen auf den Bau von Straßen,
Eisenbahnen, Elektrizitätswerken sowie auf. industrielle Vorhaben und die
Schaffung von industriellen Entwicklungsbanken. Da sich die meisten dieser
Projekte über mehrere Jahre erstrecken, so heißt es in der Botschaft des
amerikanischen Präsidenten weiter, seien die tatsächlichen Auszahlungen
bisher relativ klein gewesen. Für das neue Haushaltsjahr würden diese jedoch auf rund 300 Millionen Dollar veranschlagt - 125 Millionen Dollar mehr
als im laufenden Haushaltsjahr. Die neu angeforderten Mittel würden die Anleihen sicherstellen, die für das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer der freien Welt - eines der Ziele der amerikanischen Außenpolitik notwendig seien.
Unter die Sonderhilfsprogramme fällt in erster Linie die Wirtschaftshilfe an verschiedene Länder der freien Welt, deren militärische Streitkräfte die USA nicht direkt unterstützen. Weitere Programme, die unter dieser Rubrik rangieren, sind für die Verbesserung der Verhältnisse in Afrika,
vor allem auf dem Erziehungs-, Gesundheits- und Verwaltungssektor, gedacht.
AtomenergieProgramm
"Es wird damit gerechnet, daß die Ausgaben für die Atomenergie-Kommission
(AEG) im Jahre 1960/61 mit etwa 2,7 Milliarden Dollar auf der Höhe des Jahres.
1959/60 bleiben. Eine beträchtliche Steigerung der Aufwendungen für Forschungs- und Entwicklungsaufgaben wird durch Reduzierung der Ausgaben für
die Beschaffung von Uranerzkonzentraten von amerikanischen und kanadischen
Produzenten ausgeglichen werden. Durch diese Reduzierungen werden die Erzlieferungen in ein besser ausgewogenes Verhältnis zu den Produktionserfordernissen gelangen.

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22. Januar 196O

Die Entwicklung und Produktion von Kernwaffen wird im Jahre 1960/61
a.uf der hohen Stufe der vergangenen Jahre bleiben. Die Entwicklung von
militärischen Reaktoren für eine Vielzahl von Antriebs- und Energieerzeugungszwecken wird weiterhin energisch vorangetrieben werden. Mit der
Inbetriebnahme des auf dem Lande aufgebauten Modellreaktors für einen
Zerstörer im Jahre 1961, zusammen mit den 4 anderen schon fertigen Modellreaktoren der Marine, werden Atomantriebsanlagen für größere Kriegsschiffe zur Verfügung stehen. Bei der Entwicklung von Kernreaktoren für die
Marine wird im Jahre 1960/61 der Nachdruck in erster Linie auf der Herstellung von verbessertem und länger verwendbarem Reaktorbrennstoff liegen.
Die Entwicklung von Atom-Düsenantriebsaggregaten für Raketen sowie die Entwicklungsarbeiten für Atomflugzeuge und Atomkraftanlagen zur Elektrizitätserzeugung auf weit abgelegenen Militärstützpunkten werden weiter fortgeführt werden."
Atomenergie für friedliche Zwecke
"Die Ausgaben für die Entwicklung von Atomkraftstrom auf dem zivilen
Sektor sind für das Jahr 1960/61 auf 250 Millionen Dollar veranschlagt.
Von diesem Betrage sind 185 Millionen Dollar für die eigentliche Forschung
und Entwicklung und 65 Millionen Dollar für den Bau von Kraftreaktoren und
den dazugehörigen Entwicklungsanlagen für den zivilen Bedarf vorgesehen.
In den veranschlagten Ausgaben sind die Beträge aus den vorgeschlagenen
neuen Bewilligungen in Höhe von 40 Millionen Dollar enthalten, die für
die Unterstützung privater oder öffentlicher Elektrizitätswerke zur Entwicklung und für den Bau von Probe-Atomkraftwerken vorgesehen sind oder
für solche direkt von der Regierung unternommenen Bauten, die sich als
notwendig erweisen könnten. Die Zahl, die Typen und die Größe der zu
bauenden Reaktoren und die Art der gewährten Unterstützung wird von der
AEC nach Überprüfung des technischen Standes und der von der Industrie
vorgeschlagenen Zusammenarbeit festgelegt werden."
Physikalische und physiologische Forschung
"Die Ausgaben der Atomenergie-Kommission für physikalische und
physiologische Forschungen werden im Jahre I96O/61 erneut beträchtlich
ansteigen und auf über 210 Millionen Dollar klettern. Eine derartig intensive Forschung wird mithelfen, den Vereinigten Staaten weiterhin die
führende Position beim Studium der Verhaltensweise der Grundbestandteile
der kosmischen Materie und der Auswirkungen energiereicher Strahlung auf
den Menschen und seine Umwelt zu erhalten. Der größte Teil der erhöhten
Finanzmittel wird dazu verwendet werden, innerhalb der nächsten 18 Monate
drei neue Teilchenbeschleuniger mit einem Energiebereich von mehreren
Milliarden Elektronenvolt in Betrieb zu nehmen, darunter das A-G-Synchrotron (Alternating Gradient Synchrotron) im Staatslaboratorium von Brookhaven."
Unterstützung des .Zivilen '.Veitraumprogramms
"Zur Unterstützung des Zivilen Weltraumprogramms wird die AEC die
Entwicklungsarbeiten an den atomgetriebenen Raketen und den kleinen Atomenergieaggregaten mit langer Betriebsdauer für Raumfahrzeuge weiterführen.
Auch die Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet der thermonuklearen Energie- D1-

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22. Januar 1960

Energiegewinnung und der Anwendung von Atom-Explosivmitteln für eine ganze
Reihe von Aufgaben im zivilen Bereich werden im Jahre 1960/61 fortgesetzt
werden.
Erweiterung der Arsenalbestände und der Verteidigungsproduktion
Die meisten der Ziele, die in bezug auf die Einlagerung von strategisch und anderweitig wichtigem Material gesetzt worden waren, sind jetzt
erreicht. Weiteres Material - aus den Kontrakten zur Förderung der Erweiterung der Verteidigungsproduktion - kommt in reduziertem Maße herein,
da die Zahl der noch bestehenden Kontrakte abnimmt. Man rechnet daher mit
einem Absinken der für die Einlagerung von Material und für die Erweiterung
der Verteidigungsproduktion verausgabten Mittel von 230 Millionen Dollar
im Jahre 1959/60 auf 134 Millionen Dollar im Haushaltsjahr 1960/61.
Wo es möglich ist, verhandelt man zur Zeit über Zusätze zu den noch
laufenden Kontrakten, um die Auslieferung der für die Arsenale nicht länger benötigten Materialien, soweit es geht, zu drosseln. Außerdem werden
Vorkehrungen getroffen, um Materialvorräte, die über den für die Arsenale
festgesetzten Zielen liegen, abzustoßen, soweit der Markt dadurch nicht
ernsthaft gestört oder unsere internationalen Beziehungen nicht ungünstig
beeinflußt werden."
Nichtmilitärische Weltraumpro.jekte
Die Ausgaben für nichtmilitärische Weltraumprojekte werden im neuen
Finanzjahr "praktisch verdoppelt" werden. Dadurch soll ein energischer
und systematischer Ausbau der wissenschaftlichen Weltraum-Forschungsprogramme und die Entwicklung der für den Vorstoß in den Weltenraum so
wichtigen überstarken Raketen-Treibsätze möglich gemacht werden.
Eisenhower fordert zur Finanzierung der Programme des amerikanischen
Bundesamtes für Aeronautik und Raumfahrt (NASA) im Finanzjahr 1960/61 einen
Gesamtbetrag von 545 153 000 Dollar, während der NASA im laufenden Haushaltsjahr nur 320 350 000 Dollar zur Verfügung standen.
Bei dem Arbeitsprogramm der NASA soll der Nachdruck im Jahr 1960/61
vor allem auf das "Projekt Merkur" - Abschuß eines bemannten Weltraumflugkörpers - gelegt werden. Falls die Versuche und technischen Tests weiterhin so erfolgreich wie bisher verlaufen, könne vielleicht schon im Jahre
1960/61 der Versuch gemacht werden, einen bemannten Flugkörper in den
Weltraum zu schicken. Außerdem wird die NASA die "Saturn"-Raketenkombination weiter erproben, die Entwicklungsarbeiten an einem Einkamm«xtriebwerk mit hoher Schubleistung weiterführen und im Rahmen des Projekts
"Centaur" eine Raketenkombination erproben, bei der die letzten Stufen
einen neuartigen Treibstoff von besonders hohem Energiegrad benutzen.
Schließlich wird das Amt für Aeronautik und Raumfahrt weitere künstliche
Satelliten und "Raketensonden" zur Fortsetzung der wissenschaftlichen
Arbeiten in der Meteorologie, der Weltraumphysik, der Aerodynamik und
der Funktechnik in den Raum schießen.
Internationale Aufgaben
"Die Vereinigten Staaten", so heißt es hierzu in der Botschaft Präsident Eisenhowers wörtlich, "werden auch weiterhin Programme unterstützen.

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22. Januar 1960

unterstützen, die den Weltfrieden fördern und die wirtschaftlichen Verhältnisse in der freien Welt verbessern sollen. Unserem Beitrag zur Verbesserung der wirtschaftlichen Bedingungen schließen sich in immer größerem Maße unsere Freunde in der freien Welt an, die nunmehr - nachdem
sie sich von den Zerstörungen des Krieges erholt haben - einen hohen
Grad an Prosperität erreicht haben. Daher werden die multilateralen
Programme entsprechend erweitert..."
Für die Durchführung internationaler Aufgaben wie für amerikanische
Beitragszahlungen an internationale Gremien sowie andere zwischenstaatliche Verpflichtungen der USA fordert Präsident Eisenhower im neuen Haushaltsjahr 2,2 Milliarden Dollar. Dieser Betrag liegt um 177 Millionen
Dollar über den geschätzten Ausgaben des gegenwärtigen Finanzjahres.
(Weitere Angaben siehe "Auslandshilfe")
Aufgaben des amerikanischen Außenministeriums
Zur Durchführung der Aufgaben des amerikanischen Außenministeriums
im Ausland wird eine Ausgabeermächtigung in Höhe von 205 Millionen Dollar
beantragt. Eisenhower weist im Zusammenhang mit dieser Forderung darauf
hin, daß der Stab der amerikanischen Abrüstungssachverständigen angesichts
der im März in Genf beginnenden Abrüstungsbesprechungen sowie der gegenwärtigen Atomverhandlungen erweitert werden müsse. Ferner würden die
USA neue diplomatische und konsularische Vertretungen in Afrika, Lateinamerika, Südasien und Osteuropa einrichten. Auch das Sprachenprogramm des
amerikanischen Außenministeriums soll im kommenden Finanzjahr intensiviert
werden.
Informations- und Austauschprogramme
Für Informations- und Austauschprogramme werden in dem neuen Haushalt
insgesamt 168 Millionen Dollar eingesetzt. Eisenhower begründet diesen
Posten vor allem mit der geplanten Erweiterung der Tätigkeit des amerikanischen Informationsamtes (USIA) in Afrika und Lateinamerika, wozu auch
die Errichtung eines neuen Senders für die ''Stimme Amerikas" in Afrika
gehört. Ferner sollen die Sendeeinrichtungen in den USA verbessert und
verstärkt werden, um einen besseren Empfang im Ausland zu gewährleisten.
Weiter will das amerikanische Informationsamt auch die Tätigkeit auf dem
Gebiete des Fernsehens im Ausland intensivieren. Das Austauschprogramm
der USA mit insgesamt 80 Ländern soll ebenfalls erweitert werden, wobei
in erster Linie an den Austausch von Erziehern und führenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gedacht ist.

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./22.1 .1960
EISENHOWER LEGT WIRT SCHAFTSBERICHT VOR

WASHINGTON -- AD -- Als dritte große Botschaft
dieses Jahres unterbreitete Präsident Eisenhower dem amerikanischen Kongreß am 20. Januar
-196O seinen traditionellen Wirtschaftsbericht,
in dem er den gegenwärtigen Stand der amerikanischen Wirtschaft aufzeigt und einen Ausblick auf die wirtschaftlichen Aussichten des
kommenden Jahres gibt. Nachstehend bringen wir
das Begleitschreiben des Präsidenten und eine
Zusammenfassung des Wirtschaftsberichts.

Wortlaut des Begleitschreibens
Weißes Ha„us, 20. Januar i960
An den Kongreß der Vereinigten Staaten
Ich unterbreite hiermit meinen Wirtschaftsbericht, wie
dies in Absatz JA des Beschäftigungsgesetzes (Employment Act)
von 1946 gefordert wird.
Bei der Ausarbeitung des Berichtes standen mir der Wirtschaftsbeirat sowie die Leiter der Ministerien und unabhängigen Bundesbehörden, die von den hier erörterten Fragen direkt
betroffen werden, mit Rat und Unterstützung zur Seite. Der
Bericht gibt einen Überblick über die wirtschaftlichen Entwicklungert des Jahres sowie über die Maßnahmen, die auf den
wichtigsten Gebieten der Wirtschaftspolitik ergriffen wurden,
um eine gesunde Expansion der Beschäftigung, der Produktion
und des Einkommens zu fördern. Er zeigt ferner ein Programm
für das Jahr 196O auf, das in Zusammenhang mit den gegenwärtigen und zukünftigen wirtschaftlichen Verhältnissen und Bedingungen die Zielsetzungen des Beschäftigungsgesetzes in
wirksamer Weise realisieren wird.
Die wichtigsten Schlußfolgerungen und Empfehlungen des
Berichtes werden anschließend aufgeführt, zum Teil mit den
Worten des Berichtes selbst.
Im

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22. Januar i960

Im ersten Quartal des Jahres 1959 hatte die Anfang 1958 einsetzende wirtschaftliche Erholung Produktion und Einkommen "bereits
auf einen Stand gebracht, der höher war als jemals zuvor in der
amerikanischen Wirtschaft. Ein weit«rer beträchtlicher Fortechritt
konnte im Verlauf des Jahre» 1959 erzielt werden, und zwar trotz
der tiefgreifenden Auswirkungen des 1l6tägigen Streiks in der
Stahlindustrie.
Die Erzeugung an Gütern und Dienstleistungen der USA erreichte
im vierten Quartal 1959 eine Jahresrate von 482 Milliarden Dollar.
Nach Ausschaltung der inzwischen eingetretenen Preisänderungen lag
diese Produktionsrate um 3»5 Prozent höher als die im Vergleichszeitraum des Jahres 1958 erzielte Rate. Im Dezember 1959 erreichte
der Gesamtbeschäftigtenstand unter Berücksichtigung der saisonbedingten Einflüsse mit 66,2 Millionen «ine Rekordhöhe und das Personaleinkommen eine Jahresrate von 591 Milliarden Dollar - 24 Milliarden Dollar mehr als ein Jahr zuvor. Unter Berücksichtigung des
Preisanstiegs bedeutet diese Zunahme des gesamten Personaleinkommens
im Jahre 1959 eine Erhöhung der tatsächlichen Kaufkraft unserer
Nation um nahezu 5 Prozent.
Wir haben bei unserem Ausblick guten Grund, darauf zu vertrauen, daß dieser wirtschaftliche Fortschritt auch im Jahre i960
anhält. Darüber hinaus kann er sich bei angemessenen privaten Maßnahmen und einer entsprechenden Politik der öffentlichen Hand sehr
wohl auch über das laufende Jahr hinaus erstrecken.
Wie immer in Zeiten einer schnellen wirtschaftlichen Expansion
müssen wir jedoch spekulative Maßlosigkeit sowie alle Handlungen vermeiden, die die Erfolge auf einen so kurzen Zeitraum zusammendrängen
würden, daß diese Wachstumsrate dann nicht weiter aufrechterhalten
werden könnte. 'Wir müssen sowohl durch private Maßnahmen als auch
durch öffentliche Politik den inflationären Druck, der die Grundlage
einer hohen und anhaltenden Wachstumsrate unterminieren könnte, auf
ein Mindestmaß zu begrenzen und auf diesem Mindestmaß zu halten
suchen.
Drei Faktoren sind im Regierungsprogramm zur Verwirklichung
des Ziels einer hohen Produktion und Beschäftigung sowie eines
hohen Einkommens, wie dies im Beschäftigungsgesetz dargelegt ist,
von "besonderer Bedeutung!
1. Positive Maßnahmen zu den im Budget für das Finanzjahr 1960/61
niedergelegten Empfehlungen hinsichtlich der Bewilligungen und der
die Bundeseinnahmen betreffenden Ansätze durch den Kongreß.
2. Die Verwendung des erzielten Überschusses, der gegenwärtig
auf 4»2 Milliarden Dollar veranschlagt wird, für den Abbau der Staatsschuld.
3. Maßnahmen seitens des Kongresses zur Beseitigung der Zinssat zbegrenzungen, die gegenwärtig eine antiinflationär wirkende Handhabung der Bundesschuld verhindern.
Ferner

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22. Januar i960

Ferner werden zahlreiche weitere Vorschläge, von denen eine
ganze Reihe in Abschnitt 4 des Wirtschaftsberichtes aufgeführt wird,
unterbreitet werden, die die bereits bestehenden Wirtschafts- und
Finanzprogramme der Bundesregierung ergänzen sollen.
Nach dem Ausgleich des Budgets, mit dem für das Finanzjahr
1959/60 gerechnet werden kann, werden diese drei im Regierungsprogramm für i960 niedergelegten Faktoren die im Zuge der Politik des
unabhängigen Federal-Reserve-Bankensystems zur Aufrechterhaltung
eines wirtschaftlichen Wachstums geleisteten unerläßlichen Beiträge
fördern - und durch sie auch ihrerseits gefördert werden. Fiskalische und monetäre Maßnahmen, die machtvolle Instrumente zur Verhinderung der Weiterentwicklung eines inflationären Druckes darstellen, können einander überaus wirksam ergänzen.
Diese Regierungspolitik muß jedoch durch angemessene private
Maßnahmen, insbesondere hinsichtlich der Gewinne und Löhne, ergänzt werden. In unserem System der freien Wettbewerbswirtschaft
und der geteilten Verantwortung verlassen wir uns bei dem Bemühen,
ein inflationsfreies Wachstum zu erreichen, nicht allein auf die
Regierung. Im Gegenteil, wenn ein solches Wachstum erreicht werden
soll, dann ist ein Zusammenwirken geeigneter privater Maßnahmen und
öffentlicher Politik unerläßlich. Die erfolgreiche Verwirklichung
der vor uns liegenden Möglichkeiten wird daher in großem Maße davon
abhängen, wie die Industrie, die Gewerkschaften und" die Verbraucher
ihre Aufgaben in der Wirtschaft erfüllen.
In unserer freien Gesellschaft ist eine gut informierte und
wachsame öffentliche Meinung zur Erreichung der für die Preisstabilität und ein kräftiges wirtschaftliches Wachstum notwendigen
Bedingungen unerläßlich. Eine solche öffentliche Meinung kann eine
wirksame Sicherung gegen Versuche sein, Preise und Löhne willkürlich auf eine Höhe zu bringen, die mit dem allgemeinen Wohl unvereinbar ist. Eine informierte öffentliche Meinung ist ebenfalls zur
Unterstützung der Gesetze und Bestimmungen notwendig, die den
Rahmen für die Führung unserer Wirtschaftspolitik bilden.
Ferner ist es erforderlich, in der breiten Öffentlichkeit ein
größeres verständnis dafür zu erreichen, daß zwischen Produktivität
und Gewinn sowie Kosten und Preisen ein fester Zusammenhang besteht.
Es wäre ein schwerer Fehler, würde man annehmen, daß wir mit Erfolg
an die Stelle eines solchen Verständnisses einfach entsprechende
Gesetze oder Kontrollen setzen könnten. Ja, der umfassende Zusammenhang, um den es hier geht, kann gar nicht durch Gesetze fixiert werden, und alle Versuche, diesen Zusammenhang durch restriktive Regierungsmaßnahmen festzulegen, würden unsere Freiheit und die übrigen für ein gesundes wirtschaftliches Wachstum notwendigen Bedingungen gefährden.
Unser System der freien Einrichtungen und der geteilten Verantwortung hat uns bei der Erreichung des wirtschaftlichen Wachstums und
der Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse gute Dienste geleistet. Auf Grund unserer in der Vergangenheit gewonnenen Erfahrungen vertrauen wir darauf, daß wir in Zukunft den sich ändernden und

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und vergrößernden Anforderungen im Rahmen dieses flexiblen Systems
gerecht werden können - eines Systems, das seine Stärke aus dem
Anreiz gewinnt, den es für den einzelnen bietet, aus dem Spielraum,
den es der Initiative und den Maßnahmen des einzelnen läßt, sowie
aus der sicheren Gewißheit, daß die Regierung dem Willen des Volkes
auch weiterhin entsprechen wird.
Dwight D. Eisenhower

Zusammenfassung der Wirtschaftsbotschaft
Gute Aussichten für 1960
In seinem zwei Tage nach der Vorlage des neuen amerikanischen
Haushalts dem Kongreß unterbreiteten Wirtschaftsbericht, der von
zahlreichen Tabellen und Statistiken untermauert wird, betont Eisenhower, daß auf Grund der vorliegenden Anzeichen die derzeitige wirtschaftliche Expansion auch über das Jahr i960 hinaus andauern dürfte
- vorausgesetzt, daß die Regierung und die Privatwirtschaft sich
entsprechend verhalten. Einschränkend fügt Eisenhower hinzu, daß es
allerdings in einer dynamischen freien Wirtschaft stets schwierig
sei, die genaue Entwicklung von Produktion, Beschäftigtenstand
und Einkommen über einen längeren Zeitraum hinweg vorauszusagen.
Die letzten Ereignisse und die gegenwärtige Wirtschaftslage ließen
jedoch eindeutig darauf schließen, daß die Nachfrage der Wirtschaft
nach Kapitalgütern sowie die Aufstockung der Lagerbestsnde sich im
kommenden Jahr als die entscheidenden Faktoren erweisen werden.
Vor allem in den nächsten Monaten werde diese Nachfrage besonders
stark sein, da zahlreiche infolge des Stahlstreiks hinausgeschobene
oder verzögerte Projekte nunmehr zur Ausführung kämen. Erhebungen
über die Absichten der Wirtschaft sowie die erhöhte Auftragsvergebung bestätigten diesen Trend. Auch in der Landwirtschaft sei
mit einer erheblichen Nachfrage nach Maschinen und Geräten zu
rechnen. Dagegen würden die Aufwendungen für den Wohnungsbau
nicht mehr ganz so hoch wie 1959 sein. Allerdings werde der Rückgang auf diesem Sektor nur begrenzt und die Bautätigkeit immer noch
höher als in den meisten letzten Jahren sein. Bei den Ausgaben der
Bundesregierung würden sich in der ersten Hälfte des Jahres kaum
Änderungen ergeben. Im weiteren Verlauf des Jahres sei allerdings
mit einer leichten Zunahme zu rechnen, sobald die in dem neuen
Bundeshaushalt für 1960/61 vorgesehene Entwicklung der Wasserwirtschaft» die anderen öffentlichen Aufträge sowie die Raumfahrtprogramme zum Tragen kommen. Dagegen sei eine weitere Ausgabenausweitung
auf einzelstaatlicher und kommunaler Ebene zu erwarten, vor allem
infolge der ständigen Bevölkerungszunahme und des hierdurch bedingten größeren Bedarfs an Dienstleistungen, Schulen und sonstigen
öffentlichen Einrichtungen.
Die erhöhten Aufwendungen der Wirtschaft, so betont der Bericht,
würden im Zusammenwirken mit den übrigen Trends zu einer starken
Ausweitung von Produktion, Beschäftigtenstand und Einkommen führen.
Damit werde die Arbeitslosigkeit weiter zurückgehen, und die Verbraucher-

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Verbrauchereinkommen und -ausgaben dürften sich im Verlaufe des
Jahres wesentlich erhöhen. Der Bedarf an Investitionsmitteln
sowie ein beträchtliches Volumen an Konsumentenkrediten werde
zu einer erheblichen Nachfrage auf dem Kapitalmarkt führen. Auf
der anderen Seite dürften auf Grund der hohen Einkommen und Sparleistungen auch mehr Gelder für Investitionszwecke zur Verfügung
stehen. Hier dürfte der im Haushaltsjahr 1960/61 zu erwartende
beträchtliche Haushaltsüberschuß ausgleichend wirken.
Eisenhower unterstreicht weiter, daß die Bundesregierung einen
grundlegenden Beitrag zur Schaffung eines für ein wirtschaftliches
Wachstum günstigen Klimas leisten kann, und zwar durch eine konstruktive und vorausschauende Finanz- und Steuerpolitik. In Zeiten
der Prosperität und steigender Produktion, Beschäftigtenzahlen und
Einkommen bestehe die richtige Finanzpolitik darin, einen wesentlichen Einnahmenüberschuß zu erwirtschaften, und angesichts der für
die nächste Zukunft zu erwartenden wirtschaftlichen Entwicklung
sollte dieser Überschuß zur Tilgung der Staatsschuld verwandt
werden. Auf diese Weise werde den inflationären Tendenzen entgegengewirkt und ein gesundes wirtschaftliches Wachstum gefördert.
Aber auch die Privatindustrie, so fährt Eisenhower fort,
könne durch richtige Handhabung der von ihr kontrollierten Hilfsquellen zur Stärkung der Gesamtwirtschaft beitragen. Sie könne unter
anderem den Produktivitätszuwachs auf dem privaten Sektor dadurch
beschleunigen, daß sie einen größeren Prozentsatz ihrer Mittel für
Investitionen und die Forschung bereitstellt. Weiter sollte die
Industrie eine für die Marktausweitung günstige Preispolitik verfolgen und durch Verbesserung des Ausbildungsstandes der Belegschaften
jegliches unrationelles Arbeiten ausschalten. Gleichzeitig appelliert
Eisenhower an Gewerkschaften und Arbeitgeber - die eine gemeinsame
Verantwortung für die Förderung des wirtschaftlichen Wachstums tragen
-»auftretende Unstimmigkeiten umgehend und ohne eine Unterbrechung
der Arbeit beizulegen. Solche Unstimmigkeiten sollten zu Bedingungen
beigelegt werden, die sowohl für die Allgemeinheit wie auch für die
direkt beteiligten Parteien fair sind... Gerade die Ereignisse des
vergangenen Jahres hätten gezeigt, welcher Schaden entstehen kann,
wenn die für die Beilegung von Streitigkeiten in der Industrie
festgelegten Methoden zusammenbrechen. Darüber hinaus, so betont
Eisenhower, sei eine wachsame und gutunterrichtete Öffentlichkeit
vonnöten, die zur Schaffung der für Preisstabilität und eine dynamische Wirtschaftsexpansion erforderlichen Bedingungen beitragt.
Wirtschaftliche Entwicklung im Jahre 1959
Der wirtschaftliche Wiederaufschwung in den Vereinigten Staaten,
der Anfang 1958 begann, brachte die Produktion und die Einkommen im
ersten Quartal 1959 erneut auf einen hohen Stand. Die Produktionsleistung;
der Nation überschritt, an der Menge der erzeugten Güter
und Dienstleistungen gemessen, die früheren Höchststände. Die Einkommen lagen ebenfalls über dem bisherigen Rekord und die Zahl der
in der zivilen Wirtschaft Beschäftigten war - wenn auch immer noch
unter dem im zweiten Quartal 1957 erreichten Höchststand liegend - unter

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unter Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen um 1,2 Millionen
höher als Mitte 1958.
Diese Aufwärtsentwicklung setzte sich im ganzen Jahr 1959 fort, wenn
auch die Wirtschaftstätigkeit durch den 1l6tägigen Stahlstreik, der am
15« Juli begann, stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Entwicklungen
in der Stahlindustrie hatten zuerst einen expansiven, dann jedoch einen
zunehmend kontraktiven Einfluß. Vorgreifende Einkäufe von Stahl und Stahlerzeugnissen beschleunigten die Steigerung der Produktionsleistung der
Nation im ersten Halbjahr, führten jedoch zu einem Absinken des Bruttosozialprodukts im dritten Quartal, da etwa 85 Prozent der Stahlkapazität
still lag und die Produktion der stahlverarbeitenden Industrie im wesentlichen mit vorher produziertem Stahl aufrechterhalten werden mußte. Trotzdem belief sich die gesamte Produktionsleistung der Nation zum Jahresende auf Jahresbasis umgerechnet - auf 482 Milliarden Dollar; der Beschäftigtenstand war - unter Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen auf 66,2 Millionen angestiegen, was einen Höchststand in unserer Geschichte
bedeutet; und das Personaleinkommen erreichte zum Jahresende eine Jahresrate von 591 Milliarden Dollar und lag damit (nach Anpassung an preisliche
Verändei'ungen) um 5 Prozent höher als im letzten Monat des Jahres 1958..."
Beschäftigtenstand und Einkommen
"Das Ansteigen des Beschäftigtenstandes und der Einkommen, das sich
an die Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft im Jahre 1958 anschloß, erfuhr
im Jahre 1959 eine weitere rasche Beschleunigung, Im Januar erhöhte sich
die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche in der Industrie auf 40,1
Stunden (unter Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen) gegenüber
einem Tiefstand von 38,7 Stunden während der Rezession. Der Gesamtbeschäftigtenstand in der zivilen Wirtschaft war um über 1 Million angestiegen (unter
Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen) gegenüber seinem zyklischen Tiefstand, und die Arbeitslosigkeit war von einem Höchststand während
der Rezession von 7»5 Prozent der zivilen Arbeitskräfte auf 6 Prozent zurückgegangen .
Im Laufe des Jahres brachte die wirtschaftliche Expansion einen immer
stärkeren Bedarf an Arbeitskräften. Die durchschnittliche Länge der Arbeitswoche in der Fertigungsindustrie stieg auf 40,7 Stunden im April - dem
Höchststand seit April 1956 - und die durchschnittliche Zahl der Überstunden in der Fertigungsindustrie stieg im Juni scharf auf fast 3 Stunden in
der Woche an. Längere Arbeitswochen und mehr Überstunden waren auch in den
meisten anderen Industrien die Regel.
Die Arbeitslosigkeit änderte sich während der ersten Monate des Jahres
1959 nur sehr wenig, da die Zunahme des Beschäftigtenstandes durch das Anwachsen des Arbeitskräftepotentials beinahe ausgeglichen wurde. Zu Beginn
des Frühjahres jedoch, als die Produktion Rekordstände erreichte, stieg die
Zahl der Beschäftigten rasch an, überschritt das Wachstum des Arbeitskräftepotentials, und die Arbeitslosigkeit ging zurück. Die Gesamtzahl der nicht
in der Landwirtschaft Beschäftigten stieg (unter Berücksichtigung der
saisonbedingten Schwankungen) in den vier Monaten von Februar bis Juni 1959
um fast 1,3 Millionen an, und die Zahl der Arbeitslosen ging um 75O 000
zurück. Bis Mitte des Jahres war die Zahl der Arbeitslosen auf etwa 5 Prozent

�"AMERIKA PIEKST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

22. Januar

196O

5 Prozent des Arbeitskräftepotentials gefallen; die langfristige Arbeitslosigkeit - die Zahl der Personen, die 15 Wochen oder länger Arbeit suchen lag um 1 Million unter dem Höchststand von fast 2 Millionen während der Rezession; die Arbeitslosigkeit unter Männern im Alter von 25 Jahren und •darüber war wesentlich niedriger als im Jahre 1958» und die Arbeitslosenrate
für verheiratete Männer lag im Juni 1959 mi~t 2,7 Prozent ebenfalls weit
unter dem Höchststand während der Rezession. Dessen ungeachtet lagen diese
Zahlen über denen, die vor der Rezession 1957/58 zu verzeichnen waren, und
die Arbeitslosenzahl blieb, besonders bei Personen ohne Arbeitserfahrung,
bei Bergleuten und bei Farbigen,verhältnismäßig hoch. Der Gesamtstand der
Arbeitslosen wurde jedoch in raschein Maße reduziert, bis diese Entwicklung
im Juli durch den Beginn des Stahlstreiks eine Umkehrung erfuhr...".
Internationale Entwicklungen
Unter dieser Überschrift wird in dem Wirtschaftsbericht eine kurze Darstellung der weltwirtschaftlichen Entwicklungen, insbesondere im Hinblick
auf den internationalen Zahlungsverkehr, gegeben. "Im Jahre 1959"» sc lwiß-t
es, "überstiegen im internationalen Zahlungsverkehr wie im Jahre 1958 die
Zahlungen der Vereinigten Staaten die Einnahmen bei weitem. Die Exporte
fielen - unter Berücksichtigung der saisonbedingten Schwankungen - im ersten Quartal des Jahres auf einen Tiefstand, begannen sich dann zu erholen
und stiegen im dritten Quartal wieder rasch an." Trotz des Stahlstreiks, so
wird weiter berichtet, blieb der Wert der US-Exporte von Januar bis einschließlich November gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Jahres 1958
gleich. Die US-Importe, von der Rezession 1957/58 fast unbeeinflußt, nahmen
bis Mitte 1959 in außergewöhnlicher Weise zu und blieben dann auf einem sehr
viel höheren Stand als in den Vorjahren stehen.
Zu diesen Entwicklungen, so wird betont, kamen eine starke Kapitalabwanderung und hohe militärische Ausgaben, wenn auch, besonders auf dem Sektor des privaten Kapitals, im Jahre 1959 eine Abschwächung gegenüber 1958 zu
verzeichnen war. Die Transferierung von Gold und flüssigen Dollarguthaben,
die sich als Folge der Lücke zwischen den Gesamtzahlungen und Einnahmen ergab, erreichte im zweiten Quartal 1959 eine Jahresrate von 4»5 Milliarden
Dollar. Die Situation habe sich dann, so heißt es in dem Bericht, teilweise
)
dank einer vorzeitigen britischen Rückzahlung von 25O Millionen Dollar an
die Export-Import-Bank, verbessert.
Die Veränderungen in der amerikanischen Zahlungsbilanz werden in dem
Bericht zum Teil auf das wirtschaftliche Wiedererstarken anderer Länder
zurückgeführt. In einigen Fällen habe sich die neuaufgetretene internationale Disparität von Kosten und Preisen zugunsten der anderen Länder ausgewirkt.
Auch das Absinken der Seefrachtraten habe den Zustrom ausländischer Güter
nach den USA erleichtert. Diese Einflüsse, so heißt es weiter, hätten sich
jedoch nicht ausschließlich in einer Richtung ausgewirkt. Eine Studie des
Handelsministeriums über die jüngsten Veränderungen des amerikanischen Anteils
an den Exportmärkten habe sowohl Gewinne als auch Verluste aufgezeigt. Die
Exportrückgänge hätten sich auf wenige Warensorten, darunter vor allem Automobile und Stahl, bei denen der Import zunahm, beschränkt.
Weiter

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22. Januar

196O

V/eiter seien in diesem Zusammenhang die wirtschaftlichen Fluktuationen im eigenen Land sowie im Ausland in Rechnung zu stellen. So gehe ein
Rückgang der Ausfuhr mit einer Schwächung der Importkapazität der anderen
Länder Hand in Hand. Umgekehrt spiegele der Aufschwung im amerikanischen
Exportgeschäft im Jahre 1959 e i n Wiederaufleben der wirtschaftlichen Expansion im Ausland wider. Daher müsse die Expansion in den Hauptabnehmerländern der USA ständig beobachtet werden.
Änderungen der Weltmarktlage
In einem Überblick über die Weltmarktlage weist Eisenhower in seinem
Bericht darauf hin, daß "sich die Wirtschaftsbedingungen im Jahre 1959
in praktisch allen Industrieländern verbessert haben." In Kanada wie in
den Vereinigten Staaten habe die Produktionsbelebung bereits im Jahre 1958
eingesetzt. Auch in Japan sei ein scharfer Anstieg der Produktionskurve
seit 1958 zu verzeichnen gewesen. Die Expansionsrate der Produktion sei
gerade in diesem Lande seither außerordentlich gestiegen.
Auch in Westeuropa habe die Wirtschaft nach Überwindung gewisser rückläufiger Tendenzen, die sich auch auf den Exportbedarf im Jahre 1958 ausgewirkt hätten, dann zu Beginn des Jahres 1959 eine kräftige Belebung der
Produktion zu verzeichnen gehabt. Der hierbei aufgetretene Zeitunterschied von neun Monaten zwischen dem Produktionsaufschwung in Nordamerika
und in Westeuropa habe für die E fcwicklung des Handels- und Zahlungsverkehrs auf beiden Seiten eine gewisse Bedeutung gehabt.
In der zweiten Hälfte des Jahres 1959 s e i ^ e i den meisten industriell
stärker entwickelten Ländern eine eindrucksvolle Belebung der Wirtschaftstätigkeit gegenüber dem Vorjahre festzustellen gewesen. Die Belebung habe
sich auf die meisten Industriezweige eistreckt, wobei die Kohlengruben aller
dings eine Ausnahme bildeten, was wiederum gewisse ungünstige Auswirkungen
auf die amerikanischen Kohlenverkäufe in Europa zur Folge hatte. Bei dem
Wirtschaftsaufschwung scheinen die Kapitalinvestitionen der Industrie eine
verhältnismäßig kleine Rolle gegenüber den Anforderungen auf anderen Sek- •
toren gespielt zu haben, der Kapitalmarkt habe sich zu Begihn des Jahres
auch im allgemeinen als recht schwach gezeigt. Dies habe sich dann aber
im Verlauf des Jahres in den meisten Industrieländern - vor allem aber in
Deutschland und Japan - geändert, als die Produktionsexpansion immer stärker
wurde.
Als einen der Gründe für die starke Ausweitung der Produktion in den
anderen Industrieländern führt der Bericht des Präsidenten die wachsende
Nachfrage nach Industrieerzeugnissen dieser Länder auf ihren Exportmärkten
an.
Die stärkste Exportnachfrage hätte sich anfänglich allerdings auf den
kanadischen Märkten gezeigt, während die Exporte nach den eigentlichen
Nicht-Industrieländern im ersten Quartal des Jahres 1959 noch 12 Prozent
unter den Exporten im gleichen Zeitraum des Vorjahres lagen und auch im
zweiten Quartal noch nicht über die des Vorjahres hinausgegangen waren.
Die schwache Nachfrage nach Exportgütern auf den Märkten der NichtIndustrieländer zu Beginn des Jahres 1959 s e i a u f z u knappe Devisenbestände

-3-

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22. Januar 196O

Devisenbestände auf Grund einer nur langsamen Anpassung ihres Imports an
die seit Mitte 1957 ständig weiter gesunkenen Preise ihrer Exportgüter
zurückzuführen. So sei zum Beispiel in Lateinamerika während dieser zwei
Jahre ein Absinken der Exportpreise - mit Ausnahme des Erdöls - um 20 Prozent zu beobachten gewesen. Nachdem sich das Exportvolumen der Nicht-Industrieländer dann aber Ende 1958 erweitert habe, habe sich auch ihre Devisenlage gebessert. Die Länder des Sterling-Blocks hätten in dieser Hinsicht
besonders durch die Belebung der Woll- und Gummimärkte profitiert.
Der amerikanische Außenhandel
Der Bericht hebt hervor, daß sich in den Exporten der Vereinigten Staaten in den ersten Monaten des Jahres 1959 die relativ geringe Nachfrage auf
den Weltmärkten und gewisse andere ungünstige Umstände widerspiegelten. So
stießen die amerikanischen Kohlenexporte zum Beispiel, trotz des günstigen
Preisangebotes, infolge der übermäßigen Haldenbestände in Europa auf Schwierigkeiten. Im zweiten und vor allem aber im dritten Quartal seien diese
widrigen Umstände weitgehend durch die Wirtschaftsexpansion der industriell
hochentwickelten Länder ausgeglichen worden. Auch die amerikanischen Agrarexporte seien in den beiden letzten Quartalen des Jahres 1959 angestiegen.
Die amerikanischen Warenkäufe haben dem Bericht Eisenhowers zufolge
in knapp einem Jahr um etwa 25 Prozent gegenüber dem Rezessionstiefstand
im ersten Quartal 1958 zugenommen. Demgegenüber seien die Ausgaben der Vereinigten Staaten im Ausland - vor allem die Ausgaben für die Truppen - in
den ersten drei Quartalen etwas niedriger als im Vergleichszeitraum 1958 gewesen, während die Ausgaben der amerikanischen Touristen wiederum etwas
höher lagen. Die Einnahmen aus den amerikanischen Auslandsinvestitionen hätten sich zwar unter denen des Jahres 1958 gehalten, jedoch im Verlauf des
Jahres eine gewisse steigende Tendenz gezeigt. Durch den Anstieg des amerikanischen Zinssatzes bedingt, sei der Kapitalfluß ins Ausland während der
ersten drei Quartale des Jahres 1959 erheblich hinter dem des voraufgegangenen Jahres zurückgeblieben. Die für das vierte Quartal noch nicht vollständig
vorhandenen Unterlagen zeigten einen gewissen Abfall in der Rate des Goldund Dollartransfers, der zum Teil auf die großen Vorauszahlungen der Auslandsschuldner an die Vereinigten Staaten zurückzuführen sei.
Aussichten für die Zahlungsbilanz
"Für das Jahr 196O", so heißt es in dem Wirtschaftsbericht weiter,
"scheint sich eine leichte Verbesserung der internationalen Zahlungsbilanz
der Vereinigten Staaten abzuzeichnen." Die Einfuhren an Rohstoffen für die
Industrie könnten mit der weiteren Produktionssteigerung zwar noch zunehmen,
jedoch in geringerem Maße als bisher. Auch die Importe auf anderen Gebieten
würden voraussichtlich langsamer ansteigen, so daß die Zunahme der Gesamtimporte 196O geringer sein werde als in der Zeit von Anfang 1958 bis Mitte

1959In dem Bericht wird weiter auf Grund der wirtschaftlichen Expansion im
Ausland, wie schon vorher aufgezeigt, eine Ausweitung der Exporte erwartet.
Weiter wird mit einem stärkeren Anwachsen der Exporte als der Importe gerechnet sowie ebenso mit einem schnelleren Ansteigen der Einnahmen aus Dienstleistungen als der Zahlungen für Dienstleistungen und der militärischen Ausgaben
im Ausland. Insgesamt dürfte sich also bei Gütern und Dienstleistungen Ende
1960 ein positiver Saldo ergeben. Demgegenüber, so wird in dem Bericht ausgeführt, dürften sich die Kapitalausfuhren weiter erhöhen, so daß das Gesamtzahlungsdefizit auch 196O noch relativ hoch sein werde. Um eine Verbesserung dieser Situation zu erzielen, müsse also eine starke Ankurbelung des Exports vorg€

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./l9.2.1960
EISENHOWER UNTERBREITET KONGRESS AUSLANDSHILFEPROGRAMM

WASHINGTON - (AD) - Präsident Eisenhower hat am 1£.
Februar i960 dem amerikanischen Kongreß seine jährliche
Botschaft über das Auslandshilfeprogramm der Vereinigten Staaten - das Programm für Gemeinsame Sicherheit unterbreitet. Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten
In meiner Botschaft an den Kongreß über das Gemeinsame Sicherheitsprogramm im vergangenen Jahr habe ich das Programm sowohl als entscheidend wichtig für unsere Sicherheit als auch wichtig für unsere Prosperität beschrieben. Mit dem Hinweis, daß unsere Ausgaben für die Gemeinsame
Sicherheit genauso wichtig für unsere nationale Verteidigung sind wie die
Ausgaben für unsere eigenen; Streitkräfte, habe ich festgestellt, daß das
Gemeinsame Sicherheitsprogramm nicht nur in unserem eigensten Interesse
liegt, sondern auch dem Idealismus des amerikanischen Volkes entspringt,
der die wahre Grundlage unserer Größe ist. Das Programm beruht auf fünf
fundamentalen Erkenntnissen:
Erstens, daß der Friede eine Sache ist, die die ganze Menschheit zutiefst angeht;
Zweitens, daß zur Erhaltung des Friedens die freie V/elt in ihrer Verteidigung stark bleiben muß;
Drittens, daß die Erreichung eines gerechten Friedens von der Erzielung einer Entwicklungsrate des wirtschaftlichen Fortschritts in der
Welt - insbesondere bei den Völkern der weniger entwickelten Länder abhängt, der die Hoffnung auf die Erfüllung ihrer Wünsche in sich birgt;
Viertens, daß die Aufrechterhaltung der Verteidigungsstärke der freien
»Veit sowie die Unterstützung der weniger entwickelten, jedoch entschlossen und hart arbeitenden Völker, die nach einer vernünftigen Rate den
wirtschaftlichen Wachstums streben, eine gemeinsame Verpflichtung der
Gemeinschaft der freien Welt sind;
Fünftens, daß die Vereinigten Staaten ihre Verpflichtung, in dieser
Hinsicht mit allen anderen freien Nationen zusammenzuarbeiten, nicht abschütteln können.
*
Ich

1

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19. Februar i960

Die Völker Europas steuern in zunehmendem Maße ihren Anteil zu der
gemeinsamen Verteidigungsaufgabe bei. Keiner unserer NATO-Partner, außer
Griechenland, der Türkei und Island, fordert oder erhält noch irgendwelche
Wirtschaftshilfe. Vielmehr gewähren jetzt diese Länder in wachsendem Maße
anderen wirtschaftliche Hilfe. Unsere NATO-Verbündeten decken ebenfalls
in immer stärkerem Maße ihren militärischen Bedarf selbst; mehrere größere
Länder benötigen jetzt keine Hilfe mehr. Unsere militärischen Programme
in den NATO-Ländern sind heute in erster Linie Vereinbarungen über eine
Aufteilung der Kosten und werden in dieser Form abgewickelt, wobei wichtige
zusätzliche Verteidigungserfordernisse durch gemeinsame Anstrengungen befriedigt werden.
Während jede Möglichkeit zur Erreichung verläßlicher Abkommen ausgeschöpft werden muß, ist es doch klar, daß es völlig töricht wäre, unsere
Position einer gemeinsamen Abschreckungsstärke aufzugeben oder zu schwächen,
die eine so wichtige Vorbedingung dafür ist, solche Möglichkeiten prüfen
zu können. Es ist notwendig, daß wir standhaft, ohne Dramatik und gedulddg
in unseren Anstrengungen zur Erhaltung unserer gemeinsamen Verteidigung
fortfahren, während wir gleichzeitig darauf hinarbeiten, Lösungen für die
Probleme zu finden, die die Welt spalten und den Frieden bedrohen.
Das Gemeinsame Sicherheitsprogramm ist ein für den Fortschritt der
Welt in Freiheit unerläßliches Programm. Neben seinen gemeinsamen Verttidigungsaspekten stellt es ferner den amerikanischen Teil eines gemeinsamen Unterfangens seitens freier Menschen dar, den Lebensstandard von
Millionen von Menschen von einem untragbar niedrigen und mit der Menschenwürde und Freiheit nicht zu vereinbarenden Stand zu heben.
Hunderte von Millionen Menschen auf der ganzen Welt haben erkannt, daß
es nicht ihr Schicksal zu sein braucht, in ewiger Armut und Krankheit am
Rande des Verhungerns leben zu müssen. Ihre maßgebenden Politiker führen
ihnen dies immer wieder eindringlich vor Augen. In vielen Fällen vollzieht
sich diese Bewegung nur ruckweise und ungleichmäßig und ist in ihrer Richtung unsicher. Manchmal fällt sie mit dem Kampf der freien Welt gegen den
Kommunismus zusammen, manchmal nicht. Es liegt ganz im Interesse der Vereinigten Staaten, daß wir diese Bewegung unterstützen, damit diese Länder
ihren Platz als freie, unabhängige, fortschrittliche und stabile Mitglieder der Völkergemeinschaft einnehmen können. In gleicher Weise ist es klar,
daß es gegen unsere Interessen wäre, wenn diese fortschrittliche Bewegung
unterdrückt oder behindert würde. Das Ergebnis wäre Enttäuschung sowie eine
gefährliche Bedrohung der politischen und wirtschaftlichen Stabilität überall auf der Welt.
Genauso wie die militärische Sicherheit ist auch die wirtschaftliche
Entwicklung eine gemeinsame Notwendigkeit und eine gemeinsame Verpflichtung.
Eine Investition in die Entwicklung eines Teiles der freien Welt ist gleichzeitig eine Investition in die Entwicklung der gesamten freien Welt. Unser
Wohlergehen und das Wohlergehen aller freien Menschen können nicht geteilt
werden - wir sind alle voneinander abhängig. Wir alle - die Starken und
die Schwachen, die Entwickelten und die weniger Entwickelten - müssen uns
in dem großen Bemühen zusammenschließen, der gesamten Menschheit die Möglichkeit eines lohnenden Lebens in Freiheit und Frieden zu bieten. Eine
Expansion der Weltwirtschaft und ein Anwachsen des Handels wird auch eine
gesteigerte Prosperität für jedes Land der freien Welt mit sich bringen.
Neue

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19, Februar i960

Neue Aufgaben mit entsprechenden Gelegenheiten und Möglichkeiten zeichnen sich jetzt vor uns ab: der immer raschere Erfolg des Unabhängigkeitsstrebens der Völker in Afrika; die wachsende Unruhe in den weniger entwickelten Gebieten sowie als Folge des anhaltenden Wachstums der jetzt gesunden Wirtschaften der industrialisierten westeuropäischen Länder sowie
Japans, Kanadas und Australiens das zunehmende Vermögen dieser Länder, mit
diesen Gebieten als Partner zusammenzuarbeiten und ihnen zu helfen.
Das Zusammenwirken der freien Welt ist zum Losungswort für diese Bemühung geworden. Im vergangenen Jahr wurde das Kapital der Weltbank verdoppelt und das des Internationalen Währungsfonds um die Hälfte vermehrt.
Außerdem wurde ein Vorschlag der Vereinigten Staaten zur Schaffung einer
Internationalen Entwicklungsgesellschaft (IDA) als Tochtergesellschaft der
Weltbank im Prinzip angenommen, und ein entsprechender Charta-Entwurf vor
kurzem den Mitgliedstaaten unterbreitet. Ich werde dem Kongreß in Kürze
Empfehlungen in dieser Angelegenheit unterbreiten, Die Beteiligung der
Industrieländer Europas im Verein mit Japan und Kanada an den kooperativen Bemühungen untereinander und mit den weniger entwickelten Ländern zur
Steigerung des wirtschaftlichen Wachstums hat in bemerkenswerter Weise zugenommen. Über ähnliche Wege und Methoden soll auf einer im März in Washington stattfindenden Konferenz, an der Vertreter einer Reihe von Staaten teilnehmen werden, verhandelt werden.
In unserer Gemeinschaft der Nationen der westlichen Hemisphäre haben
wir uns jetzt zu einem neuen großen Unterfangen zusammengeschlossen - der
Interamerikanischen Entwicklungsbank. Diese neue Institution, die in Partnerschaft mit unseren Nachbarländern gebildet wurde, dürfte sich für die
Förderung einer schnelleren Entwicklung der Mitgliedstaaten als von sehr
großem Wert erweisen. Unsere Teilnahme an diesem gemeinsamen Unterfangen
zeigt, welches besondere Interesse wir an der progressiven Entwicklung unserei
Nachbarn nehmen. Zusammen mit dem sehr beachtlichen Ausmaß an privaten und
staatlichen Investitionen in dieser Hemisphäre und der beiderseits nutzbringenden technischen Zusammenarbeit, wie wir sie so lange mit unseren
Nachbarn durchführen konnten, sollte dies zu einer Beschleunigung des
Fortschritts beitragen.
Auf diese Weise helfen die von uns im Rahmen des Gemeinsamen Sicherheitsprogramms zur Verfügung gestellten militärischen und wirtschaftlichen
Hilfsquellen, Positionen der Stärke zu schaffen und zu erhalten, die als
das angesehen werden müssen, was sie sind, nämlich Investitionen für die
gemeinsame Verteidigung und das gemeinsame Wohl und damit für unsere eigene
Sicherheit und unser eigenes Wohl. Dies ist ein gemeinsames Sicherheitsprogramm.
Unsere Konzeptionen sind vernünftig, unsere Politik ist von erwiesenem
Wert, und unser Wille, unseren Verpflichtungen nachzukommen, ist unvermindert und fest.
Die Vorschläge für das Finanzjahr 1960/61
Die Form und die allgemeine Struktur des Gemeinsamen Sicherheitsprogramms für das Finanzjahr 1960/61 bleiben im wesentlichen die gleichen,
wie sie sich in der Vergangenheit bewährt haben. Was die Verwaltung der
verschiedenen gemeinsamen Sicherheitsprogramme anbetrifft, so sind hinsichtlich der Organisation, der Programmgestaltung und der Durchführungs-

- 4 -

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19. Februar i960

Durchführungskontrollen Änderungen eingeführt worden. Wenn ich im vergangenen
Jahr eine Gruppe namhafter Bürger unter dem Vorsitz von General Draper
berufen habe, so ist dies zum Teil deshalb gesohehen, um die Verwaltung des
Programms zu analysieren und Empfehlungen für ihre Verbesserung auszuarbeiten. Viele dieser von ihnen gemachten Empfehlungen sind bereits verwirklicht
worden. Wir bemühen uns ständig um eine weitere Verbesserung der Verwaltung,
um den Erfordernissen des Programmes und den schwierigen Problemen bei der
Durchführung dieser verschiedenartigen Programme auf einer weltweiten Basis
gerecht zu werden. Die verschiedenen Kategorien von Programmen sind dieselben wie die, mit denen der Kongreß bereits vertraut ist. Es sind Anpassungen
hinsichtlich der Art und des Umfanges der Programme vorgeschlagen worden,
die die Veränderungen der Weltlage widerspiegeln und diesen Rechnung tragen,
und zwar in dem Ausmaß, wie die Notwendigkeit und die Fähigkeit zur Selbsthilfe gegeben sind. Diese vorausschauende Analyse erfolgte zum Teil im Einklang mit den gesetzlichen Erfordernissen, wonach Pläne für künftige Wirtschaftshilfe aufgestellt und dem Kongreß unterbreitet werden sollen. Die
detaillierten Pläne und Schlußfolgerungen werden dem Kongreß in Kürze vorgelegt werden.
Militärhilfe
Für die Militärhilfe fordere ich in dem noch nicht verabschiedeten Budget
des Verteidigungsministeriums die Bewilligung von 2 Milliarden Dollar. Dies
ist mehr, als für das Finanzjahr 1959/60 beantragt und aufgebracht wurde.
Die erhöhte Forderung erfolgt weder, um den proportionalen Anteil der Vereinigten Staaten an der gemeinsamen Verteidigung zu vergrößern, noch kommt
darin die Absicht zum Ausdruck, das Militärhilfeprogramm stark auszuweiten.
Der im Verteidigungsbudget geforderte Betrag für die Militärhilfe ist
nach meinem wohlüberlegten Urteil und dem der Stabschefs ein Erfordernis
unserer Verteidigung, das genauso zwingend und von der gleichen Bedeutung
wie die Bedürfnisse unserer eigenen Streitkräfte ist, für die im Verteidigungsbudget an anderer Stelle gesorgt ist.
Der angeforderte Betrag resultiert aus einer sorgfältigen und detaillierten Prüfung der Erfordernisse unserer Verbündeten, damit sie die durch frühere
militärische Unterstützung gewonnene Kampfstärke aufrechterhalten und - in den
meisten Fällen auf der Basis der Kostenteilung - an gewissen wichtigen Verbesserungsprojekten für die Streitkräfte teilhaben können. Ohne angemessene
Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung dieser Stärke wären die in der Vergangenheit ausgegebenen Gelder weitgehend verschwendet. Und ohne eine Verbesserung der Streitkräfte, ohne die Bereitstellung modernerer Waffen, würden die Streitkräfte der freien Welt in ihrer Fähigkeit, modernisierten Streitkräften eines Aggressors Widerstand zu leisten, unvermeidlich hintanbleiben.
Die Tatsache - wenn es überhaupt eine Tatsache ist -, daß die Sowjetunion
ihre militärische Mannschaftsstärke reduziert, ändert nichts an der Notwendigkeit, unsere kollektive Verteidigung aufrechtzuerhalten. Die militärische Macht
der Sowjetunion bleibt - wie dies Herr Chruschtschow in seinen Erklärungen
selbst klargestellt hat - weiterhin groß. Wir haben mit unseren Planungen
niemals versucht, der sowjetischen Mannschaftsstärke genau gleichzukommen.
Unsere Pläne waren und sind vielmehr darauf abgestellt, vor einer Aggression
abzuschrecken. Von besonderer Bedeutung ist die Aufrechterhaltung einer
starken und wirksamen Abschreckungsposition der NATO-Allianz. Wie ich bereits

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19. Februar i960

bereits vorhin angedeutet habe, wird es Europa auf Grund der sich ständig
bessernden wirtschaftlichen Lage Westeuropas als Gesamtheit möglich, sich
in gesteigertem Maße in die Kosten der gemeinsamen Verteidigung zu teilen,
und bestimmte wichtige europäische Länder sind in der Lage, ihre Verteidigungsanstrengungen ohne Unterstützung der Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig haben die Modernisierungs- und Verbesserungserfordernisse ein solches Ausmaß, daß unsere Beteiligung an gemeinsamen
Projekten der Kostenteilung mit bestimmten europäischen Ländern in absehbarer Zukunft immer noch erforderlich ist. Für derartige Beiträge ist
in dem vorgeschlagenen Programm Vorsorge getroffen.
Der für das Finanzjahr 196O/61'geforderte Betrag steht im Einklang
mit den Empfehlungen des überparteilichen Ausschusses prominenter amerikanischer Bürger unter Leitung von General Draper, den ich im vergangenen
Jahr beauftragte, unsere einzelnen Maßnahmen und Programme zu überprüfen.
Dieser Ausschuß empfiehlt nachdrücklich die Beibehaltung eines Belieferungsprogramms in Höhe von etwa 2 Milliarden Dollar; jährlich. In den vergangenen
Jahren belief sich das jährliche Belieferungsprogramm im Durchschnitt auf
rund 2,2 Milliarden Dollar. Die Belieferungen im Finanzjahr 1959/60 jedoch,
in denen sich die reduzierten Bewilligungen der jüngsten Jahre abzeichnen,
werden auf 1,8 Milliarden Dollar oder noch weniger zurückfallen. Die Ausgabenüberhänge aus den früheren Jahren sind nunmehr auf ein Minimum reduziert, und die Belieferungen in den kommenden Jahren werden sich der Höhe
der jährlichen Bewilligungen eng annähern.
Nach meinem wohlüberlegten Urteil ist die Bewilligung von 2 Milliarden
Dollar für das Finanzjahr 1960/61 das Minimum, das sich mit der Aufrechterhai tung einer starken und angemessenen kollektiven Verteidigungsposition
vereinbaren läßt. Ein geringerer Betrag würde in der Tat die entscheidend
wichtige Modernisierung und Verbesserung der Streitmacht verhindern und
uns auf ein Programm beschränken, in dessen Rahmen lediglich das Vorhandene
erhalten bleibt.
Wirtschaftshilfe
VerteidigungsunterStützung

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f

Zwölf Ländern, mit denen wir in kollektiven oder gemeinsamen Sicherheitsabkommen zusammengeschlossen sind, haben wir seit Jahren nicht nur die
für die gemeinsame Verteidigung erforderlichen militärischen Hilfsquellen
zur Verfügung gestellt, sondern auch in dem Maße wirtschaftliche Hilfsquellen, wie diese benötigt wurden, um die Aufrechterhaltung einer solchen
Verteidigung zu ermöglichen, ohne daß dies zu politischer oder wirtschaftlicher Instabilität führt. Diese Art der Bereitstellung von Hilfsquellen
bezeichnen wir als Verteidigungsunterstützung - wirtschaftliche Hilfe zur
Gewährleistung einer Verteidigungsposition.
Diese

/

�"AMERIKA DIEflST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19. Februar i960

Diese zwölf Länder unterhalten Streitkräfte in Stärke von über 3
Millionen Mann - mehr als die Gesamtstärke der amerikanischen Streitkräfte -, und jedes dieser Entwicklungsländer - mit Ausnahme Spaniens gehört zu dem Gürtel von besonders exponierten Ländern und dem Festland vorgelagerten Inseln, der die unmittelbare Süd- und Ostgrenze
des chinesisch-sowjetischen Machtbereichs bildet. Der Bedarf in dieser
Kategorie der Verteidigungsunterstützung ist etwas zurückgegangen.
Für das Finanzjahr 1960/61 habe ich für diese Programme 724
Millionen Dollar oder 111 Millionen Dollar weniger als im vergangenen
Jahr angefordert. Dieser geringere Bedarf spiegelt in gewissem Maße
eine allmähliche, aber merkliche Verbesserung der wirtschaftlichen
Lage in diesen Ländern wider. Mehr als die Hälfte - 56 Prozent - ist
für die drei fernöstlichen Länder Korea, die Republik China und Vietnam
bestimmt, deren gemeinsames Charakteristikum es ist, daß sie geteilte
Länder sind, denen überlegene kommunistische Streitkräfte an ihren
Grenzen gegenüberstehen - Streitkräfte, mit denen die Kommunisten
in der Vergangenheit bewiesen haben, da£ sie gewillt sind, sie einzusetzen, wodurch diese Grenzstaaten zur Unterhaltung von Streitkräften
gezwungen werden, deren Aufrechterhaltung ohne eine Unterstützung ihr
Vermögen übersteigen würde. Die für diese Zwecke angeforderten Mittel
stellen das-Minimum dar, das wir beitragen können, und stärken das
Vertrauen, daß eine ausreichende Verteidigung aufrechterhalten wird.
Sonderhilfe
Eine andere Kategorie der internationalen Zusammenarbeit in dem
Gemeinsamen Sicherheitsprogramm ist die Bereitstellung wirtschaftlicher Hilfsmittel für solche Staaten, für die diese Mittel zur Erhaltung ihrer Freiheit und Stabilität wesentlich sind. Wir bezeichnen
diese Kategorie der Zusammenarbeit als Sonderhilfe. Ich ersuche um
268 Millionen Dollar für diese Zwecke im Finanzjahr 1960/61. Die
Bereitstellung derartiger Mittel wird uns zum Beispiel die Möglichkeit geben, den jungen Staaten Marokko, Libyen und Tunis weiterhin
zu helfen, die Stabilität in Jordanien und dem Mittleren Osten zu
erhalten, die Ausbreitung des kommunistischen Einflusses in Afghanistan
zu bekämpfen und die Wirtschaft in Bolivien und Haiti zu festigen. Die
Sonderhilfe wird uns ferner in die Lage versetzen, an solchen lebenswichtigen Programmen wie dem weltweiten Feldzug gegen die Malaria
weiter teilzunehmen»
Entwicklungshilfe
Die Erreichung eines wirtschaftlichen Fortschritts und Wachstums
hängt von vielerlei Dingen ab. Durch kollektive Sicherheitsvorkehrungen,
durch Maßnahmen für die Verteidigung und durch die Gewährung militärischer Hilfe und wirtschaftlicher Verteidigungsunterstützung können
wir und andere Länder ein Maß an Sicherheit und Stabilität erreichen,
innerhalb dessen ein Entwicklungsprozeß möglich ist und gefördert
werden kann..*Sie erste und entscheidende interne Voraussetzung ist die
Entschlossenheit, Fortschritte zu machen, die erforderlichen Maßnahmen
zu ergreifen und die notwendigen Opfer zu bringen, Wie. groß aber auch
immer die Entschlossenheit sein mag, es wird immer noch ein gewaltiger
Bedarf an technischen Verbesserungen und Kenntnissen und an Entwicklung-

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19. Februar i960

Entwicklungskapital "bleiben. Wenn ein Tempo der Entwicklung erreicht
werden soll, das den wesentlichen Forderungen dieser Völker gerecht wird,
dann ist Unterstützung von außen unbedingt notwendig.
Technische Zusammenarbeit
Durch unser seit langem bestehendes Programm der Technischen Zusammenarbeit und durch unsere Beiträge zu den Programmen der Vereinten Nationen
auf dem Gebiet der technischen Unterstützung leisten wir einen bedeutenden
Beitrag zur Stillung dieses Durstes und Verlangens nach Erweiterung des
Wissens und der technischen Fähigkeiten. Das für das Finanzjahr 1960/61
vorgeschlagene Gemeinsame Sicherheitsprogramm führt diese entscheidend
wichtigen Projekte fort und sieht die Erweiterung und Ausdehnung unserer
technischen Hilfsprogramme in den neu entstehenden Nationen Afrikas vor.
Für die bilaterale technische Hilfe fordere ich 172,5 Millionen Dollar an;
für unsere Beteiligung an den technischen Unterstützungsprogrammen der
Vereinten Nationen ersuche ich um 33»5 Millionen Dollar, und zur Ergänzung
unseres viel umfangreicheren bilateralen Programmes mit unseren Nachbarn
im Süden ersuche ich um 1,5 Millionen Dollar für das Programm der technischen Unterstützung, das wir in Zusammenarbeit mit ihnen mittels der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) durchführen.
Afrika
In der Welt von heute ist es für die Vereinigten Staaten von unumgänglichem Interesse, daß die Völker des großen Afrikanischen Kontinents,
vor allem in dem Gebiet südlich der Sahara, in steigendem Maße die Selbstregierung übernehmen. Dieses gewaltige Gebiet verdient und erfordert die
volle Aufmerksamkeit und Unterstützung der freien Welt, wenn es seine Institutionen und seine Wirtschaft in Freiheit entwickeln soll. Zur gleichen
Zeit, da der Bedarf Afrikas südlich der Sahara an Entwicklungskapital real
ist und noch größer werden dürfte, besteht ein zwingendes und sofortiges
Bedürfnis für umfassendere Erziehung und Ausbildung. Das Ersuchen um die
Bewilligungen für die Sonderhilfe enthält den Betrag von 20 Millionen
Dollar für ein Sonderprogramm, das zur Verbesserung der Erziehung und
Ausbildung in Afrika südlich der Sahara eingerichtet werden soll, wobei
besonderer Nachdruck auf die Befriedigung der Bedürfnisse gelegt wird,
die alle Länder dieses Gebietes gemeinsam haben. Ich bin der Ansicht, daß •
dieses erste Bemühen in den vor uns liegenden Jahren wesentlich verstärkt
werden und ähnliche Anstrengungen von selten der anderen Länder der freien
Welt ergänzen muß, damit die Fähigkeit der neuen und weiteren Entwicklungsländer in Afrika, ihre Entwicklung in die Hand zu nehmen und zu lenken,
schnell und wirksam gefördert und gesteigert werden kann. Ohne eine solche
Stärkung und Förderung der Erziehung und Ausbildung können die Voraussetzungen für ein kräftiges wirtschaftliches Wachstum nicht geschaffen werden.

Entwicklungs-Anleihefonds

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�"AMERIKA DIENST* - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19« Februar 1960

Entwicklungs-Anleihefonds
Auf dem Gebiet der Entwicklungshilfe erweist sich der Entwicklungsanleihefonds als ein immer wirksameres Instrument, um die
Bedürfnisse zu befriedigen, die auf dem Wege über private Investitionen, die Weltbank oder andere entsprechende Stellen nicht gedeckt
werden können. Er hat den Aufbau grundlegender Wirtschaftszweige, wie
Energiewirtschaft und Verkehrswesen, unterstützt, die für das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsgebiete unerläßlich sind. Besondere Bedeutung kommt der Ausweitung der Tätigkeit des EntwicklungsAnleihefonds auf das Gebiet der Privatwirtschaft zu. Der EntwicklungsAnleihefonds erschließt neue Möglichkeiten, um eine wirksame Partnerschaft mit privaten amerikanischen Firmen aufzubauen, so daß die privaten Hilfsquellen des Landes einen immer größeren Beitrag zum Aufschwung der Entwicklungsländer leisten können. Die Geschichte des
Entwicklungs-Anleihefonds während der beiden letzten Jahre zeigt, daß
der Fluß solchen Anleihekapitals dahin tendiert, sich dem Bedarf und
den Fähigkeiten anzupassen. Anders ausgedrückt, die Gebiete, in denen
die Entschlossenheit und der Wille zum Fortschritt sowie die Fähigkeit,
solche Hilfsquellen wirksam einzusetzen, am größten sind, standen
unter den Empfängern der Kredithilfe des Entwicklungs-Anleihefonds
an erster Stelle. Ich fordere für den Entwicklungs-Anleihefonds 700
Killionen Dollar an, die mit Beginn des Finanzjahres 1960/61 eingesetzt werden sollen.
Südasien
Ein bedeutender Teil der Kredite des Entwicklungs-Anleihefonds
wurde in den vergangenen beiden Jahren an die beiden großen Nationen
Südasiens - Indien und Pakistan - vergeben, wo eine halbe Milliarde
Menschen mit tiefer Hingabe und unwiderruflicher Entschlossenheit
darangehen, Institutionen nach ihrer eigenen Wahl zu entwickeln und
zu erhalten und ihren Lebensstandard auf ein angemessenes Niveau zu
heben. Die Kraft und Energie dieser gewaltigen Anstrengung ist unverkennbar, sie verdient die volle und wärmste Unterstützung seitens der
freien Welt. Wir haben uns mit anderen Staaten vereint, um diesen
Ländern zu helfen, wir glauben, daß die Anstrengungen öffentlicher
und privater Natur zur Unterstützung Südasiens nicht nur anhalten,
sondern noch zunehmen werden« Man rechnet damit, daß ein größerer
Betrag für diese bedeutende Aufgabe aus den Mitteln bereitgestellt
wird, die für den Entwicklungs-Anleihefonds für das Finanzjahr 1960/61
gefordert werden, wobei diese Länder zugleich ihre eigenen Selbsthilfeaktionen noch weiter steigern.

Die

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"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19. Februar

196O

Die wirtschaftliche Erschließung des Indus-Beckens
Eine Entwicklung von besonderer Bedeutung in Südasien ist der große
Fortschritt, der gegenwärtig unter den Auspizien der Weltbank in Richtung
auf eine Lösung des umfassenden und schwierigen Problems der wasserwirtschaftlichen Nutzung des Indus-Flußbeckens zwischen Indien und Pakistan
erzielt wird. Hier werden wichtige Interessen der beiden Länder berührt;
die Lösung erfordert einen Plan, in dessen Rahmen das Wasser des Indus,
von dem die Landwirtschaft, die Lebensmittelvorräte und die Wirtschaft
dieses Gebietes abhängen, gerecht genutzt und geteilt werden wird. Es
wird erwartet, daß ein Abkommen über einen solchen Entwicklungsplan in
naher Zukunft erreicht werden kann. Wesentlich für das Gelingen ist, daß
die Länder außerhalb Südasiens bereit sind, diesen Entwicklungsplan zu
unterstützen, dessen Kosten von den betroffenen Ländern allein nicht getragen werden können. Unter den Auspizien der Weltbank werden gegenwärtig
Pläne ausgearbeitet, wonach die Bank, Länder des britischen Commonwealth,
die Bundesrepublik Deutschland und die Vereinigten Staaten einen Anteil
an den Kosten des Entwicklungsplans übernehmen und wonach die Weltbank
die Überwachung und Leitung dieses Projektes in Händen hat. Wir gedenken
dieses Vorhaben im Rahmen des Gemeinsamen Sicherheitsprogrammes für das
Finanzjahr 1960/61 und die nachfolgenden Jahre - wie sich dies als notwenig erweist - zu unterstützen. Um unsere wirksame Beteiligung an diesem
multilateralen Vorhaben zu gewährleisten, ersuche ich um die Ermächtigung,
die normalerweise für bilaterale Projekte gültigen Bestimmungen elastisch
anwenden zu können, falls eine solche außergewöhnliche Maßnahme für dieses
große Vorhaben erforderlich ist. Die Lösung dieser schwierigen internationalen Angelegenheit sollte wesentlich zur Förderung einer friedlichen und
kooperativen Regelung auch anderer Streitfragen und zu einer möglichst
großen Konzentration auf die Hauptziele des Friedens und Wohlstands beitragen.
Republik China
Das Gemeinsame Sicherheitsprogramm muß auch den Erfordernissen anderer
Gebiete und Länder Rechnung tragen, soweit deren Entschlossenheit und Fähigkeit, Entwicklungskapital zu gebrauchen, wächst. Wir haben von der Regierung
der Republik China Vorschläge für ein erweitertes und beschleunigtes Wirtschaftsreform- und -entwicklungsprogramm erhalten, dem wir genaue und sorgfältige Beachtung schenken. Die energische und tüchtige Bevölkerung Formosas,
die bisherige Zunahme der Investitionen und der Produktion sowie das durchaus
vorhandene Vermögen einer weiteren Beschleunigung bieten die Aussicht auf
eine überzeugende Demonstration, daß unter freien Institutionen ein Tempo
und Ausmaß an Leistungen erreicht werden kann, die weit über die aus einem
totalitären Regime entspringenden Leistungen hinausgehen. Zu diesem Zweck
sehen wir den vollen Einsatz sowohl der Hilfe in Form von nichtrückzahlbaren
Zuwendungen als auch von Anleihen vor, um die Herankunft des Tages zu beschleunigen, an dem die Republik schließlich aus eigenen Kräften wachsen und
sich erhalten kann.

Sonderfonds

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

19 . Februar i960

Sonderfonds und sonstige Programme
Zusätzlich zu den von mir erwähnten Hauptformen der Zusammenarbeit, wie Militärhilfe und Verteidigungsunterstützung, Sonderhilfe,
technische Zusammenarbeit und Entwicklungs-Anleihefonds, ersuche ich
ferner um einen Sonderfonds in Höhe von 175 Millionen Dollar sowie um
101 Millionen Dollar, um eine Vielzahl kleiner, aber wichtiger Programme
fortzuführen.
Der Sonderfonds ist eine unerläßliche Rücklage für unvorhergesehene
und nicht ohne weiteres vorauszusagende Notfälle. Die Geschichte der
vergangenen Jahre beweist eindeutig seinen Wert insofern, als er sofortige und wirksame Gegenmaßnahmen bei einer Änderung des Ablaufs
der internationalen Ereignisse ermöglicht.
Die für andere Programme angeforderten 101 Millionen Dollar
werden es uns ermöglichen, weiter an der UNICEF, den Flüchtlingsprogrammen und den Auslandsprogrammen für eine friedliche Nutzung
der Atomenergie mitzuarbeiten. Ferner werden damit die administrativen Kosten bei der Verwaltung der wirtschaftlichen und technischen
Programme bestritten werden.
Für das gesamte Gemeinsame Sicherheitsprogramm fordere ich
4175 Millionen Dollar an. Die Notwendigkeit dieser Ausgabe ist von
der Regierung immer wieder mit großer Sorgfalt geprüft worden. Ich
bin voll und ganz überzeugt, daß Notfälle, für die diese Mittel
beantragt werden, wirkliche Notfälle sind, denen entsprochen werden
muß, und daß die beantragten Mittel der wohl realistischsten Einschätzung des Bedarfs entsprechen, die wir vornehmen können. Es
steht außer Zweifel, daß sich die Nation die Ausgaben, um die es
hier geht, leisten kann; ich bin sicher, daß wir es uns nicht
leisten können, die Notfälle zu ignorieren, für die sie angefordert
werden.
Zusammenfassung
Die Vereinigten Staaten sind eine privilegierte Nation. Ihre
Bürger erfreuen sich eines Maßes an Prosperität und Wohlergehen
sowie eines Ausmaßes an Freiheit unter freien Institutionen, wie
es in der Weltgeschichte einmalig ist. Unsere Ideale und unsere
Überzeugungen legen uns eine Verpflichtung zur Führerschaft und zur
Zusammenarbeit mit anderen Nationen und anderen Völkern auf, die
wir bereitwillig und mit Stolz auf uns nehmen.
Meine Reisen in jüngster Zeit brachten mir in noch stärkerem
Maße als bisher die Tatsache vor Augen, daß die freien Menschen
überall in der Welt auf uns blicken - nicht mit Neid oder Mißgunst,
sondern voller Hoffnung und Vertrauen, daß wir in Zukunft wie in der
Vergangenheit zur Vorhut jener gehören, die an das Recht des Einzelmenschen, die Früchte seiner Arbeit in Frieden und Freiheit zu genießen, glauben und es verteidigen werden. Zusammen mit unseren Mitmenschen werden wir es nicht daran fehlen lassen, unseren Verpflichtungen
nachzukommen.
gez. Dwight D. Eisenhower

�Allg./ 26 «2 • 1.9^0
EISENHOWER; GERECHTER FRIEDE NUR IM SCHUTZE MILITÄRISCHER
STÄRKE ZU ERHOFFEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den V/ortlaut einer Rundfunk- und Fernsehansprache des amerikanischen Präsidenten Dwight
D. Eisenhower, die er kurz vor seinem Abflug nach
Südamerika in Washington gehalten hat.

Morgen früh begebe ich mich auf eine Reise zu mehreren unserer
lateinamerikanischen Nachbarn, *?obei mir drei Hauptziele vor Augen
schweben. Diese Ziele sind 2
mehr über unsere Freunde im Süden zu lernenj ihnen erneut zu versichern, daß die Vereinigten Staaten um eine Zusammenarbeit mit ihnen
bei der Sicherung eines besseren Lebens für jeden in der westlichen
Hemisphäre bemüht sind, und den Wunsch der USA deutlich zu machen, mit
ihnen bei der Schaffung eines weltweiten Friedens in Gerechtigkeit eng
zusammenzuarbeiten.
Unser Interesse an unseren Schwesterrepubliken besteht seit vielen
Jahren und ist zutiefst verwurzelt. Dies allein schon ist'Grund genug
für diese Reise. Aber in diesen Tagen der internationalen Spannung, der
erwachenden Ambitionen und der durch die wachsende gegenseitige Abhängigkeit der Nationen hervorgerufenen Probleme ist es von entscheidender
Bedeutung für gute Partner, ein besseres gegenseitiges Verständnis zu
entwickeln und gemeinsame Programme zu verbessern.
Die Bande zwischen den amerikanischen Republiken sind nicht nur
geographischer Natur, sondern sie beruhen noch mehr auf gemeinsamen
Grundsätzen und Überzeugungen. Wir glauben alle an Gott, an die Würde
und die Rechte des Menschen, an Frieden in Gerechtigkeit und an das
Recht eines jeden Volkes, übersein eigenes Schicksal zu bestimmen. In
solchen Überzeugungen ist unsere Freundschaft verwurzelt.
Aber selbst unter guten Kameraden wird die Freundschaft allzuoft als
etwas Selbstverständliches angesehen. Wir dürfen unseren Nachbarn in
Lateinamerika keinen Grund zu der Annahme geben, daß dies bei uns genauso der Fall ist.

Ich

�"AMERIKA DIENST"

26. Februar i960

Ich werde daher unseren Schwesterrepubliken erneut die Versicherung
geben, daß wir unverrückbar an unserem Ziel festhalten, mit ihnen Hand
in Hand an der Förderung der Sicherheit und des Wohlergehens für alle
Yölker dieser Hemisphäre zusammenzuarbeiten.
Dies aber erfordert eine ununterbrochene Anstrengung, die unglücklicherweise zuweilen durch Mißverständnisse beeinträchtigt wird.
Eines dieser Mißverständnisse, von dem hin und wieder in Lateinamerika
die Rede ist, besagt, wir seien mit der Drohung des kommunistischen Imperialismus und den sich daraus ergebenden Verteidigungsproblemen so sehr
beschäftig* gewesen, daß die Neigung bestand, unsere Nachbarn im Süden
darüber zu vergessen. Einige haben zu verstehen gegeben, daß unsere Aufmerksamkeit so sehr auf unsere eigene Sicherheit sowie auf die Probleme
zwischen West und Ost jenseits des Ozeans gerichtet gewesen sei, daß wir
die Zusammenarbeit und den Fortschritt innerhalb der westlichen Hemisphäre
deshalb vernachlässigt hätten.
Es stimmt, daß wir weltweiten Maßnahmen zum Schutze gegen eine mögliche militärische Aggression eine Hauptvorrangstellung eingeräumt haben.
Wir haben zahlreiche Opfer gebracht, um sicherzustellen, daß diese Sicherheit erhalten blieb und erhalten bleiben wird.
Ich hoffe, auf meiner Reise klarmachen zu können, daß unsere militärischen Programme hier im eigenen Lande und im Ausland nur einem einzigen Zweck gedient haben: der Aufrechterhaltung des Friedens, der für
Lateinamerika genauso wichtig ist wie für uns.
Daß die Notwendigkeit für diese Programme besteht, hat die Geschichte
nach dem zweiten Weltkrieg deutlich bewiesen.
In den ersten fünf Jahren nach dem zweiten Weltkrieg verfolgten wir
in Amerika in der Hoffnung auf einen weltumfassenden und dauerhaften Frieden die Politik einer praktisch einseitigen Abrüstung. Aber die Blockade
Berlins, die militärische Schwäche unserer direkt der kommunistischen Bedrohung gegenüber lebenden, befreundeten europäischen Nationen und schließlich der Krieg in Korea - zusammen mit den gegen andere Nationen gerichteten arroganten Drohungen - ließen uns in letzter Minute erkennen, daß die
freien Nationen nur unter dem Schutz militärischer Stärke hoffen konnten,
einen Fortschritt in Richtung auf einen dauerhaften und gerechten Frieden
zu machen.
Seither hat unsere Nation gewaltige Arsenale voller mächtiger Waffen
zur Erhaltung des Friedens geschaffen. Wir haben eine große Abschreckungsstärke aufgebaut - die so mächtig ist, daß sie jedem unvoreingenommenen
und aufgeschlossenen Beobachter Achtung gebieten muß.
Unsere vielen hundert Bomber, die über die ganze Welt verteilt sind jeder von ihnen in der Lage, furchtbare Verheerungen anzurichten -,
stellen eine Macht dar, die jeder anderen in Zahl, Qualität und strategischer Position ihrer Stützpunkte weitaus überlegen ist. Uns steht außerdem
eine starke Atommacht in unseren Flugzeugträgern und in den Geschwadern
unserer über weite Gebiete verteilten taktischen Luftwaffe zur Verfügung.
Zu diesen Kräften treten ständig neue Raketentypen hinzu, die die Waffen

-

2

-

�"AMERIKA DIENST

26. Februar i960

Waffen al~! unserer Bodenstreitkräfte und anderer militärischer Einheiten
unablässig verstärken.
Was die ballistischen Fernraketen angeht, so haben wir, nachdem wir
praktisch erst vor fünf Jahren damit begonnen haben, im wahrsten Sinne
des Wortes in unseren Leistungen gewaltige Fortschritte erzielt - Fortschritte, die man nur als bemerkenswert bezeichnen kann. Unsere Rakete
vom Typ Atlas, die über eine erstaunliche Treffgenauigkeit verfügt, wurde
im vergangenen Jahr einsatzfähig. Mittelstreckenraketen befinden sich
auf vorgeschobenen Stützpunkten. Das erste mit Polaris-Raketen ausgerüstete Unterseeboot - eine nahezu unverletzliche Waffe - wird in Kürze
im Flottendienst stehen. Neue Typen von Fernraketen werden schnellstens
entwickelt.
Alles zusammengenommen, ist dies eine Macht, die nicht über Gebühr
von einer einzelnen Waffe oder einer einzelnen Waffengattung abhängig
ist, die nicht durch einen plötzlichen Angriff eliminiert werden kann,
hinter der ein auf Erden einzigartiges Industriesystem steht und die unbeirrt von einem kraftvollen Volk unterstützt wird, das entschlossen ist,
frei zu bleiben. Strategisch gesehen, ist sie weitaus besser stationiert
als irgendeine Macht, die uns gegenüber zum Tragen gebracht werden könnte.
In dem Maße, wie wir diese Verteidigung verstärkt haben, haben wir
auch dazu beigetragen, unsere eigene Sicherheit und die der freien Welt
zu festigen, indem wir die Rüstung von 42 anderen Ländern - unseren Verbündeten - bei der Verteidigung der freien Welt unterstützten. Unser Anteil
an dieser unerläßlichen Bemühung ist unser Gemeinsames Sicherheitsprogramm.
Dieses Programm macht eine nach vorne gerichtete Verteidigungsstrategie
zur besseren Sicherheit aller, auch unserer Nachbarn im Süden, möglich.
Ich bin sicher, daß unsere lateinamerikanischen Nachbarn genau so
wie Sie hier in der Heimat die 3edeutung all dieser Fakten erkennen.
•

Wir haben einen vertrauenswürdigen Schild des Friedens geschmiedet eine unzerstörbare Kraft von unmeßbarer Macht, völlig ausreichend für die
Aufgaben der Gegenwart und sich ständig weiter entwickelnd, -um den Erfordernissen der Zukunft gerecht zu werden. Alle von uns können Iveute angesichts der anhaltenden Bedrohung fest und entschlossen und ohne Furcht
sein und auf Amerikas Macht als Pfeiler der Sicherneit der freien Welt
vertrauen.
Aber wir alle sind uns darüber im klaren, daß Friede und Freiheit
nicht für immer durch Waffen allein gewahrt werden können. Es müssen in der
freien Welt ein Geist und eine Moral vorhanden sein, die sich auf die Überzeugung stützen, daß das Leben für freie Menschen mehr als nur reines Überleben und bloße Sicherheit bedeutet. Die Völker in aller Welt*müssen die
Gelegenheit haben, ihr Leben in geistiger,moralischer und wirtschaftlicher
Hinsicht verbessern zu können.
Wir sind ernsthaft bestrebt, unseren Nachba*rn in der westlichen
Hemisphäre bei der Erreichung des Fortschritts zu helfen, den sie sich aufrichtig wünschen. Wir haben uns um eine Stärkung der Organisation der
Amerikanischen Staaten sowie anderer kooperativer Institutionen bemüht, die

�"AMERIKA DIENST

26. Februar

196O

die den Fortschritt und die Solidarität der westlichen Hemisphäre fördern.
Wir haben eine Menge Kapital in lateinamerikanische Unternehmen investiert.
Neue Kredite, sowohl öffentliche als auch private, werden in einem Umfang
xur Verfügung gestellt, der größer ist als jemals zuvor. Im vergangenen
Jahr beliefen sich diese Kredite auf schätzungsweise 1 Milliarde Dollar,
Unsere nach Lateinamerika vergebenen Anleihen und Investitionen übersteigen gegenwärtig 11 Milliarden Dollar.
Wir haben zusammen mit unseren Schwesterrepubliken soeben die Interamerikanische Entwicklungsbank geschaffen. Wir hoffen mit ihnen, daß
diese neue, mit einem nach Milliarden Dollar zählenden Kapital arbeitende
Institution viel dazu beitragen wird, das wirtschaftliche Wachstum zu beschleunigen.
Außerdem haben wir die Programme für erweiterte technische Zusammenarbeit mit den amerikanischen Republiken.
Um unsere eigene Kenntnis der Bedürfnisse unserer Nachbarn zu verbessern, haben wir erst vor kurzem ein Gremium hervorragender privater
amerikanischer Bürger unter dem Torsitz des Außenministers zusammengerufen.
Dieser nationale Beratungsausschuß wird uns durch beständiges Studium
der interamerikanischen Angelegenheiten hier in den USA helfen, besser
mit unseren lateinamerikanischen Freunden zusammenzuarbeiten. Mitglieder
dieses Ausschusses werden mich auf meiner Reise begleiten.
Diese Reise wird ein reichhaltiges Programm bringen, denn die Probleme
unserer Nachbarn sind vielfältiger und schwieriger Natur: der Mangel an
Entwicklungskapital, große Preisschwankungen bei ihren Exportgütern, die
Notwendigkeit gemeinsamer regionaler Märkte zur Förderung der Leistungsfähigkeit und zum Anreiz neuer Kredite, die Notwendigkeit zur Verbesserung
des Gesundheits- und Erziehungswesens, des Wohnungsbaus und des Transportsystems .
Diese Probleme werden ohne Frage zu dem Kreis der Themen gehören,
die ich in jedem der von mir besuchten Länder erörtern werde. Und wohin
ich auch reise, da werde ich immer und immer wieder die Grundprinzipien
und die Grundeinstellung unterstreichen, die die Beziehungen unseres Landes
zu der westlichen Hemisphäre beherrschen. Zum Beispiel:
Unsere Politik der guten Partnerschaft ist eine ständige Richtlinie,
die die Nichteinmischung, die gegenseitige Hochachtung und die rechtliche
Gleichheit aller Staaten umfaßt.
Wir wünschen einer jeden amerikanischen Nation einen schnellen wirtschaftlichen Fortschritt mit seinem Nutzen und Segen für die gesamte Bevölkerung.
Wir sind ständig bemüht, an der Förderung einer gesunden Entwicklung
innerhalb der Grenzen unserer praktischen Möglichkeiten mitzuarbeiten,
und wir werden ferner auch in Zukunft jedes Land auffordern, an der Unterstützung der weniger vom Glück begünstigten Nationen mitzuwirken.
Wir

�'AMERIKA DIENST"

26. Februar

i960

Wir stehen fest zu unserer Verpflichtung, im Rahmen des Rio-Paktes
aus dem Jahre 1947 die Sicherheit der beiden Amerika aufrechtzuerhalten.
Wir erklären unseren Glauben an die Herrschaft des Rechts, unsere
Entschlossenschaft zur Erfüllung unserer vertraglichen Verpflichtungen
und unsere Forderung, daß andere Länder sich genauso verhalten.
Wir werden alles in unseren Kräften Stehende tun, um den Triumph
der menschlichen Freiheit überall in der westlichen Hemisphäre zu fördern.
Wir verurteilen alle Anstrengungen zur Unterhöhlung der demokratischen
Institutionen der amerikanischen Republiken durch Zwang oder Subversion,
und wir lehnen mit allem Nachdruck die Anwendung der Lüge und der Verdrehung in den Beziehungen zwischen den einzelnen Ländern ab.
Erst kürzlich wurde in einem fernen Lande, das die Freiheit nie gekannt hat - einem Land, wo heute Millionen von Menschen unterjocht sind -,
mit leidenschaftlichen Worten behauptet, daß die Vereinigten Staaten
Lateinamerika in einem kolonialen Abhängigkeitsverhältnis gehalten hätten.
Das ist eine eklatante Lüge.
In der gesamten Geschichte kann kein anderes Land eine ehrenhaftere
Vergangenheit in bezug auf sein Verhältnis zu anderen Ländern aufweisen
als die Vereinigten Staaten.
Die Philippinen sind heute - auf Grund ihrer eigenen Entscheidung unabhängig.
Alaska und Hawaii sind nunmehr stolze Partner unseres in einem Bund
zusammengeschlossenen demokratischen Staatsgebildes - und sie sind es
durch ihre eigene Wahl.
Puerto Rico ist ein Commonwealth im Rahmen des Systems der Vereinigten
Staaten - und es ist dies ebenfalls aus eigener Wahl.
Nach den beiden Weltkriegen und dem Koreanischen Krieg haben die Vereinigten Staaten auch nicht einen einzigen Hektar fremden Landes annektiert
und keinerlei Vorteil auf Kosten anderer gesucht.
Und ich wiederhole, daß wir im Hinblick auf ganz Lateinamerika ehrenhaft und mit allem Nachdruck an einer Politik der Nichteinmischung festhalten.
Es ist völlig unsinnig, zu behaupten, daß wir irgendein Land in einem
Kolonialstatus halten oder es in diesem Status halten möchten.

Dies

�"AMERIKA PIEKST"

26. Februar

196O

Dies sind nur einige der Fragen, über die die miteinander befreundeten Staaten in der westlichen Eemisphäre sprechen müssen. I.iit großer
Freude sehe ich dem Meinungsaustausch mit den Präsidenten Brasiliens,
Argentiniens, Chiles und Uruguays sowie mit ihren Kollegen entgegen.
Ich hoffe zutiefst, daß ich Ihnen nach meiner Rückkehr berichten
kann, daß sich die historische Freundschaft und das Vertrauen zwischen
den Ländern der westlichen Hemisphäre verstärkt haben und daß unsere
gemeinsame Sache - Gerechtigkeit und Frieden in Freiheit - bekräftigt
worden ist und neues Leben erhalten hat.

* * * * *

- 6 -

�A M E R I K A

D I E N S T

A11./26 .2.1960

HERTER» AMERIKANISCHES STREBEN NACH KONTROLLIERTER ABRÜSTUNG

WASHINGTON -- AD — Nachstehend übermitteln .wir Ihnen den Wortlaut der Rede,
die der amerikanische Außenminister
Christian A. Herter am 18. Februar i960
vor dem Nationalen Presseklub in Washington über die Ziele der Vereinigten
Staaten bei der bevorstehenden Genfer
Abrüstungskonferenz hielt.

Ich möchte heute über ein sehr wichtiges Element der amerikanischen Außenpolitik sprechen - über unsere Bemühungen um
eine gesicherte Rüstungsbegrenzung und um einen Fortschritt in
Richtung auf eine allgemeine Abrüstung. Wie Sie wissen, sind
wir im Begriff, einen neuen Versuch in dieser Richtung in dem
Zehn-Mächte-Abrüstungsausschuß zu unternehmen, der etwa Kitte
März in Genf zusammentreten wird.
Diese Bemü hungen sind darauf gerichtet, den Weltfrieden
zu festigen und die unsinnige Verschwendung der wirtschaftlichen
Hilfsquellen de r Veit zu verhindern, aber auch darauf, unsere
nationale Siehe rheit - im wahrsten Sinne des Wortes - zu fördern.
Sie stellen ein e Ergänzung zu unseren nationalen Militärprogrammen und kol lektiven Sicherheitsabkommen dar, die wir zu dem
gleichen Zwecke durchführen. Amerika hat sich seit langem aus
tiefer überzeug ung zu einer Politik der Rüstungsbegrenzung und
der Abrüstung b ekannt•
Im Jahre 1946,als die Vereinigten Staaten unmittelbar nach
Beendigung des Krieges noch das vollständige Monopol auf dem
Gebiet der Atomwaffen besaßen, schlugen wir eine volle internationale Kontrolle der Atomenergie vor. Es ist gewiß als einer
der tragischen Wendepunkte der Geschichte zu bezeichnen, daß die
Sowjetregierung diesen ungewöhnlichen Vorschlag zurückwies.
Im Jahre 1953 wurde dann die Sowjetunion im Rahmen des von
Präsident Eisenhower vorgelegten,.bedeutsamen "Atome für den
Frieden"-Vorschlags aufgefordert, mit uns zusammen einen Anfang
in der Überführung des Kernwaffenmaterials unter internationale
Kontrolle zu machen. Obwohl eine internationale AtomenergieBehörde geschaffen wurde, haben sich die Sowjets geweigert, dem
ursprunglichen Zweck dieses Vorschlags als einer Möglichkeit .zur
- 1 -

�"AMERIKA SIEHST"

26 . Februar 1960

zur Verringerung der Kernwaffenbestände nachzukommen.
Präsident Eisenhower machte später, im Jahre 1955.auf der
Genfer Gipfelkonferenz den Vorschlag, die Vereinigten otaaten
und die Sowjetunion sollten eine gegenseitige Inspektion aus der
Luft akzeptieren. Wieder hielten sich die Sowjets zurück*ihre
Verschlossenheit war ein "Muß",
Im März 1956 schrieb Präsident Eisenhower an Bulganin und
schlug eine kontrollierte Einstellung der gesamten Produktion an
snaltbarem Material für Waffenzwecke sowie eine schrittweise Uber|?tllung so]chih Materialsaus den Waffenbeständen der einzelnen
Länder unter eine internationale Kontrolle vor. Dieser Vorschlag
fand taube Ohren»
Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten arbeiteten dann
•ine Reihe von Teilabrüstungsmaßnahmen aus, wozu die Sicherung
gegen Überraschungsangriffe, die Einstellung der Produktion spaltbaren Materials für W&amp;ffenzwecke, Beschränkungen in der Iberstellung von Kernwaffen an andere Staaten, eine Reduzierung der
konventionellen Streitkräfte und Maßnahmen zur Gewährleistung einer
friedlichen Nutzung des Weltraums gehörten*. Alle diese Maßnahmen
wurden der Sowjetunion im August 1957 in London vorgeschlagen.
Wiederum zeigten die Sowjets wenig ernsthaftes Interesse, und die
Verhandlungen brachen zusammen»
Seit 1957 haben wir zweimal versucht, spezifisch begrenzte
Gebiete für eine Erörterung mit den Sowjets herauszugreifen!
1* Eine Aussetzung der Atomversuche, über die gegenwärtig in
Genf verhandelt wird» - Ich werde hierzu gleich noch mehr zu sagen
haben.
2» Technische Gespräche über den Schutz vor Überraschungsangriffen. • Diese Gespräche über Überraschungsangriffe blieben erfolglos, weil die Sowjetunion wenig Interesse an einer ernsthaften
technischen Arbeit zeigte, die vielleicht den Weg zu späteren
politischen Gesprächen hätte ebnen können.
Und an diesem Punkt standen unsere Bemühungen um eine Rüstungsbegrenzung, als im vergangenen Jahr vereinbart wurde, einen neuen
Zehn-Machte-iusschuß als erneuten Versuch einzusetzen.
Die Aussichten
, u !f r * l i c k e n a u f d i e s e neuen Verhandlungen in der Hoffnung, daß
sich die fuhrenden sowjetischen Politiker vielleicht darüber klar
werden, daß das Wettrüsten unannehmbare Risiken in sich birgt. Diese Erkenntnis könnte sie dazu veranlassen, einem Portschritt in der
Rüstungskontrolle als in ihrem eigenen nationalen Interesse liegend
eine Vorrangstellung einzuräumen.
Ein solcher Fortschritt ist wegen der neuen Gefahren, denen
wir uns bei einem anhaltenden Wettrüsten gegenübersehen, um so notwendiger. Lassen sie mich hier auf zwei dieser Gefahren eingehen*
1 . Ein sich gegenseitig hochtreibender Wettstreit in bezug auf

�AMERIKA DIENST"

26. Februar i960

auf die strategischen Einsatzsysteme, wobei der Zeitraum für eine
Reaktion immer kürzer wird, könnte auf Grund reiner Fehleinschätzung
zu einem Krieg führen. Solche Fehlkalkulationen könnten beispielsweise eine internationale Krise hervorrufen, die sich zu einem allgemeinen Krieg ausweiten könnte, ohne daß irgendeine Seite wirklich
eine solche Entwicklung beabsichtigt hätte.
2. Die nicht abreißende Produktion von Kernwaffen könnte letzten
Endes fast jedes Land - auch die Verantwortungslosen - in die Lage
versetzen, sich derartige Waffen zu sichern. Wir sind nicht so sehr
besorgt hinsichtlich der freien Länder, die vielleicht als nächste
Kernwaffen herstellen könnten; doch machen wir uns Sorgen darüber,
daß die Ausbreitung einmal nicht mehr zu kontrollieren sein wird.
Je mehr Länder die Macht haben, einen nuklearen Krieg auszulösen,
desto größer ist die Möglichkeit, daß irgendein Land einmal überhastet oder in blinder Torheit von dieser Macht Gebrauch machen
könnte.
Diese Gefahren machen unsere Aufgabe so dringlich.
So groß diese Gefahren auch sein mögen, so sind sie dennoch
geringer als diejenigen, die entstehen würden, wenn wir ein unsicheres Rüstungskontrollabkommen eingingen.
Unter den bestehenden Verhältnissen hängt das V/eiterbestehen
der freien Welt von unserer gegenwärtigen relativen Stärke ab. Wir
sind uns über das Ausmaß und die Bedeutung dieser relativen Stärke
völlig im klaren. Wir werden sie nicht aufs Spiel setzen aus dem
Wunsche heraus, zu schnellen, jedoch illusorischen Ergebnissen in
bezug auf die Rüstungskontrolle zu gelangen.
Wenn in der Rüstungskontrolle wirklicher Fortschritt gemacht
werden soll, dann müssen die gewaltigen Waffensysteme, die während
der langen Jahre des Wettrüstens aufgebaut worden sind, sorgfältig
und auf beiden Seiten reduziert werden. Dies ist keine rasch zu lösende Aufgabe.
Maßnahmen der Vereinigten Staaten können sich nicht allein auf das
Versprechen einer anderen Nation gründen. Maßnahmen unsererseits werden
nur bei entsprechenden verifizierbaren Maßnahmen von Seiten der anderen
erfolgen. Wir werden auf Inspektionsverfahren bestehen, die eine Verifizierung gestatten.
Wir werden jedoch jedes als möglich anzusehende Abkommen nicht
an irgendeinem abstrakten Maßstab der Perfektion messen, sondern
lediglich nach dem praktischen Gesichtspunkt beurteilen: Würde die
Sicherheit der Vereinigten Staaten und die der freien Welt unter dem
Abkommen größer oder geringer sein als ohne Rüstungsabkommen?
Wir werden uns keinem Abkommen anschließen, das diese Prüfung
nicht besteht.
Unsere

�26. Februar 1960

"AMERIKA DIENST" '
Unsere Vorbereitungen

Sollten die Sowjets in dem Zehn-Mächte-Ausschuß ernsthaft verhandeln wollen, so werden sie uns hierzu bereit finden. Unsere Regierung unternimmt umfassende Vorbereitungen hierfür.
Wir im Außenministerium haben eine umfassende Überprüfung
des Abrüstungsproblems durchgeführt. Das Amt für Abrüstungsfragen
im Verteidigungsministerium ist vergrößert worden, und es ist eine
besondere Arbeitsgruppe, die den gemeinsamen Stabschefs untersteht,
eingesetzt worden, um für die Studien über eine Rüstungskontrolle
sowie die Verhandlungen hierüber zur Verfügung zu stehen. Um die
fortlaufend für den Verteidigungsminister und mich von unseren
Stäben durchgeführten Studien noch zu ergänzen, hat ein Sonderausschuß unter dem Vorsitz von Charles Coolidge die Rüstungskontrollfrage untersucht. Und der Wissenschaftliche Beirat des Präsidenten hat ein besonderes Gremium unter der Führung seines ehemaligen
Vorsitzenden, Dr. Killian, mit einer ständigen Überprüfung der Abrüstungsprobleme betraut.
Mr. Fredrick Eaton, der heute hier anwesend ist, wird unsere Delegation in Genf leiten. Er und sein Stab arbeiten gegenwärtig mit
unseren Verbündeten in der Zehn-Mächte-Kommission - Kanada, Frankreich,
Italien und Großbritannien - einen gemeinsamen Kurs für diese Verhandlungen aus.
Diese Länder teilen sich in gleicher V/eise mit uns in die Aufgabe, für die kommenden Verhandlungen gemeinsam abgesprochene Vorschläge auszuarbeiten. Jedes von ihnen wird, dessen bin ich sicher,
einen wichtigen und hervorragenden Beitrag leisten.
Wir werden auch in enger Konsultation mit unseren NATO-Partnern
und einer Reihe anderer befreundeter, durch Verträge mit uns verbundener Staaten bleiben.
Wir werden ständig Fühlung mit dem Kongreß halten.
Und schließlich werden selbstverständlich die Vereinten Nationen ständig voll und ganz auf dem laufenden gehalten werden.
Die Ziele der USA
Ganz allgemein gesprochen, streben wir bei den bevorstehenden
Verhandlungen zwei Hauptziele an:
Einmal werden wir mit allem Nachdruck versuchen, stabilere
militärische Verhältnisse zu schaffen, die die Gefahr eines Krieges
vermindern und eine Reduzierung der nationalen Streitkräfte sowie
der Rüstungen gestatten. Und im Anschluß hieran werden wir eine
weitere Kürzung der nationalen Streitkräfte und Rüstungen sowie
die Schaffung eines internationalen Instrumentes zur Erhaltung des
Friedens zu erreichen suchen, wobei bis zu einem Punkt gegangen
werden soll, wo dann nicht mehr nationale, sondern internationale
Streitkräfte von einer Aggression abschrecken.
^.
&amp;ö
Diese

- 4-

�"AMERIKA DIENST"

26. Februar i960

Diese beiden Ziele sind gleich wichtig. Ich möchte jetzt jedes
von ihnen näher erörtern:
Schaffung stabilerer militärischer Verhältnisse
Eine stabilere Lage auf dem Gebiet der Rüstungen erfordert
Maßnahmen zur Kontrolle der beiden Arten von Gefahren eines anhaltenden Wettrüstens, die ich vorhin erwähnte.
Erstens, um der Gefahr einer Fehlkalkulation zu begegnen, sind
Garantien gegen einen Überraschungsangriff notwendig.
Wenn diese Garantien zuverlässig sind, dann wird die Möglichkeit geringer werden, daß eine Seite zu einem Überraschungsangriff
getrieben wird,v;ei 1 sie fälschlicherweise glaubt, daß ein militärischer
Schritt der anderen Seite die Absicht eines solchen Angriffs berge.
Diese Gefahr könnte bei einer schweren internationalen Krise besonders akut werden, wenn die Spannung stark ist und beide Seiten in
erhöhter Alarmbereitschaft stehen.
Diese Garantien könnten Zonen für Luftinspektion und bewegliche
Inspektionsgruppen zu Lande einschließen. In der Vergangenheit haben
wir eine solche Inspektion in Europa, der Antarktis und jeweils entsprechenden Gebieten Nordamerikas und der UdSSR vorgeschlagen.
Auch Abkommen, die selektivere Inspektionsarten in größeren
Gebieten vorsehen, könnten möglich sein. Unsere Vorschläge vom August
1957 sahen vor, daß Inspektionsteams außerhalb wie auch innerhalb bestimmter vereinbarter Zonen für Luft- und bewegliche Bodeninspektion
stationiert werden. Solche Beobachter könnten sich während einer
etwaigen größeren Krise als nützlich erweisen, um bei dem Nachweis,
daß keine Seite einen Überraschungsangriff gegen die andere vorbereitet, mitzuhelfen.
Andere Vereinbarungen für den Austausch von Informationen könnten getroffen werden, um sicherzustellen, daß Geschehnisse im Weltraum nicht zu gefährlichen Mißverständnissen führen.
Diese verschiedenen Arten von Maßnahmen zur Vermehrung der jeder
Seite verfügbaren Informationen könnten, wo es sich als angebracht
erweist, durch Rüstungskontrollen ergänzt werden, die gleichfalls
dazu bestimmt sein würden, die Gefahr einer Fehlbeurteilung und eines
Überraschungsangriffes zu reduzieren.
Die zweite Gefahr - die Gefahr einer wahllosen Verbreitung der
Produktion von Kernwaffen - sollte von uns, unseren Hauptverbündeten
und der Sowjetunion mit größter Sorge betrachtet werden.
Um sich gegen diese Gefahr zu schützen, muß die Erprobung von
Kernwaffen und schließlich auch die Produktion von spaltbarem Material
für Waffenzwecke unter wirksamer Kontrolle verboten werden.

Wir

�"AMERIKA DIENST"

.

26. Februar i960

Wir bemühen uns, im Rahmen der Genfer Verhandlungen zur Einstellung der Kernwaffenversuche, einen ersten Schritt auf dieses
Ziel hin zu machen. Wir haben » und dies ist unser Ziel - eine Einstellung aller Kernwaffenversuche im Rahmen wirksamer internationaler Kontrollen vorgeschlagen.•
Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es jedoch keine vereinbarte
technische Basis für die Errichtung wirksamer Kontrollen in bezug
auf die Kernwaffenversuche mit kleinerer Explosionswirkung. Daher
hat der Präsident am 11. Februar vorgeschlagen, daß wir uns über
ein Verbot solcher Kernwaffenversuche einigen, die im Rahmen der
gegenwärtigen wissenschaftlichen Erkenntnisse und unter begrenzten
Inspektionsverfahren, zu deren Annahme die Sowjets bereit schienen,
kontrolliert werden könnten.
Die Sowjetunion hat jetzt einen Gegenvorschlag für eine umfassende Einstellung unterbreitet, der vielleicht eine Änderung des
für die sowjetische Regierung akzept^al-en Standpunktes in der Frage
der Inspektionsverfahren reflektiert. Wir werden diesen Vorschlag
sehr sorgfältig prüfen.
Eine überwachte Einstellung der Kernwaffenversuche wäre ein
nützlicher Schritt in Richtung auf das Ziel einer Beendigung der
unentwegten Vergrößerung der nationalen Kernwaffenarsenale. Um dieses
Ziel zu erreichen, würden wir an unserer letztlich angestrebten Absicht festhalten - der vollständigen Einstellung der Produktion von
spaltbarem Material für Kernwaffen.
Diese modernen Maßnahmen zur Begegnung der großen Gefahren
eines fortgesetzten Wettrüstens und damit zur Aufrechterhaltung
einer stabilen Lage auf dem Gebiet der Rüstungen unterscheiden sich
weitgehend von den Bemühungen, die in den Jahren zwischen den beiden
Weltkriegen unternommen wurden, um bestimmte Waffen auszuschalten
und die nationalen Rüstungen abzuschaffen. Die Probleme der Rüstungskontrolle im Atomzeitalter sind so verschieden von den Problemen vor
einem Vierteljahrhundert, wie jene Probleme wiederum verschieden waren
von den Bemühungen, die Schrecken des Krieges im Mittelalter zu verringern.
Wir können angesichts der Vielfalt der heutigen komplizierten
Waffen nicht zu einer Abrüstung gelangen, indem wir lediglich immer
wieder so abgenutzte Schlagworte wie "Verbot der Bombe", "Aufgabe
der ausländischen Stützpunkte" oder "Reduzierung der Streitkräfte
um
ein Drittel" gebrauchen oder gutheißen. Ein Maßstab für die
Ernsthaftigkeit der sowjetischen Bemühungen bei den bevorstehenden
Verhandlungen wird die Anerkennung dieser Tatsache durch Moskau sein.
Solange es keine Rüstungskontrolle gibt, sind die Bomben, die
Stützpunkte, die Streitkräfte alle nur das Ergebnis der dringenden
Notwendigkeit, von einer Aggression abzuschrecken. Das Ziel der ersten
Maßnahmen zur Rüstungskontrolle sollte es sein, dafür Sorge zu tragen,
daß dieser Notwendigkeit in einer Weise begegnet wird, durch die das
bestehende Risiko eines Krieges reduziert und nicht vergrößert wird.
Wenn

�"AMERIKA DIENST"'

26. Februar 1960

Wenn wir uns so auf stabilere militärische Verhältnisse hinbewegen, können und sollten progressive, graduelle und wohlausgewogene
Reduzierungen der nationalen militärischen Streitkräfte erreicht
werden. Den nationalen Streitkräften sollten hinsichtlich der Mannschaftsstärke Höchstgrenzen auferlegt und bestimmte Mengen an her*
kömmlicher Ausrüstung unter internationaler Aufsicht gelagert werden.
Allgemeine Abrüstung
Diese Maßnahmen zur Schaffung stabiler militärischer Verhältnisse wären der erste Schritt auf unserem Wege zur Abrüstung. Sie
würden unsere nationale Sicherheit vergrößern und die Gefahr eines
Krieges verringern.
Sie vnirden uns auch grundsätzlich die Freiheit des nationalen
Handelns belassen und unsere relative nationale Kapazität nicht
beeinträchtigen, Da immer noch starke nationale Streitkräfte unter
Waffen stünden, bliebe die nationale Stärke - nicht das Völkerrecht immer noch die letzte Zuflucht.
Um eine Welt des friedlichen Wandels zu garantieren, würden
wir eine zweite Phase der allgemeinen Abrüstung vorsehen. Unsere
Zielsetzung in dieser zweiten Phase wäre zweierlei:
e inmal die Schaffung bestimmter, auf der ganzen Welt anerkannter Rechtsgrundsätze, die, wenn befolgt, alle Nationen davon abhalten
würden, andere Nationen anzugreifen. Hinter derartigen Rechtsgrundsätzen müßten ein Weltgerichtshof und wirksame Mittel zu ihrer Durchsetzung stehen - das heißt eine internationale bewaffnete Streitmachtj
zum anderen eine Reduzierung der nationalen Streitkräfte unter
gesicherten und auf ihre Einhaltung geprüften Abmachungen bis zu einem
Punkt, wo keine einzelne Nation oder Staatengruppe sich dieser Durchsetzung des Völkerrechts mittels einer internationalen Organisation
mehr wirkungsvoll widersetzen kann.
Wenn diese beiden Ziele nicht fest im Auge behalten werden, dann
könnte ein Abkommen über eine allgemeine Abrüstung die Welt leicht in
einen Zustand der Anarchie bringen. Solange es keine wirkungsvolle
internationale Organisation zur Erhaltung des Friedens gibt, könnten
die Staaten das Abrüstungsabkommen ungestraft verletzen und auf diese
Weise versuchen, einen entscheidenden Vorsprung beim Aufbau ihrer
Rüstungen zu erlangen. Da außerdem aber jedem Staat eine Pdlizeimacht
zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit bleibt, könnten Staaten
mit einer hohen Bevölkerungszahl ganz beachtliche Verbände unterhalten,
die sie k solange es eine solche den Frieden erhaltende Organisation
nicht gibt - wirksam gegen ihre kleineren Nachbarn einsetzen könnten.
Um uns gegen diese Gefahren zu schützen, sollten wir, was das
Thema der allgemeinen Abrüstung anbetrifft, auf wirksame internationale
Übereinkommen hinarbeiten, die den Frieden und die Sicherheit aufrechterhalten und das Recht gemäß dem Gesetz fördern würden. Wir sind bereit,
uns an entsprechenden Studien zu diesem Zwecke zu beteiligen. Ein

- 7-

�26. Februar 196O

"ALIERIKA DIENST"

Ein brauchbarer Rahmen und ein beachtliches Maß an Erfahrung stehen
uns in der Organisation der Vereinten Nationen hierfür bereits zur
Verfügung.
Diese Studien könnten sich auf zwei Formen grundlegender und
notwendiger Veränderungen konzentrieren:
1. Die Stärkung und der Ausbau eines internationalen Instruments
zur Verhinderung nationaler Aggressionen in einer Welt, die bis auf
die internen Sicherheitstruppen abgerüstet hat.
2. Die Stärkung und der Ausbau einer internationalen Organisation
zur Sicherung gerechter und friedlicher Lösungen von Streitfragen in
einer abgerüsteten Welt.
Ein Fortschritt in Richtung auf diese beiden Dinge ist notwendig,
wenn das Ziel einer allgemeinen Abrüstung erreicht werden soll.
V/ir brauchen - ja wir dürfen - jedoch nicht warten, einen Anfang
mit begrenzteren Maßnahmen zu machen, die unabhängig davon bei der
Förderung des Y/achstums von Institutionen zur Erhaltung des Friedens
von Wert wären und die den Fortschritt in der Abrüstung erleichtern
würden. Ich denke dabei an solche Maßnahmen wie die verstärkte Heranziehung der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen und die
Unterstützung der Bemühungen von UN-Generalsekretär Hammarskjöld,
Abmachungen über die Bereitstellung einer UN-Streitmacht und andere
Formen des Einsdireitens der Vereinten Nationen an Orten, wo die Gefahr
der Gewaltanwendung droht, auszuarbeiten. Wir planen, in den Vereinten Nationen Konsultationen über eine Reihe solcher spezifischer
Maßnahmen zu pflegen.
Zusammenfassung
Dieses also ist in groben Umrissen der erneute Versuch, den die
Regierung der Vereinigten Staaten zu unternehmen im Begriff ist, um
durch eine Rüstungskontrolle und eine schließliche allgemeine Abrüstung
die nationale Sicherheit zu stärken. Die einzelnen spezifischen Elemente dieser Bemühung werden sich natürlich erst aus den jetzt mit unseren
Verbündeten geführten Besprechungen und Konsultationen ergeben.
Wenn diese Initiative eine Erfolgschance haben soll, dann wird
sie das Verständnis und die Unterstützung des amerikanischen Volkes
und des amerikanischen Kongresses brauchen. Wir werden uns mit dem
Kongreß jeweils über die einzelnen Stadien beraten und dem amerikanischen Volk entsprechend Bericht erstatten.
Der Erfolg dieser Bemühung wird zu einem Teil auch davon abhängen,
welche Initiative die Sowjetunion zu gesicherten Rüstungsabkommen
sieht. Wenn die sowjetischen Führer glauben, daß die freie Welt wahrscheinlich auch einseitig abrüsten wird,dann werden sie kaum einen Grund
sehen, warum sie sich einem gesicherten Abkommen anschließen sollten.

Die

- 0 -

�"AMERIKA DIENST"

26. Februar 1960

Die weitere und wirksame Durchführung unserer eigenen militärischen Programme und der der freien Welt sowie unseres Gemeinsamen Sicherheitsprogramms ist daher von entscheidender Bedeutung,
wenn Aussicht auf irgendeinen Fortschritt in der Rüstungskontrolle
bestehen soll.
Wenn die Sowjetunion einen solchen Fortschritt zustande zu
bringen wünscht - in dem Bestreben, einen besseren Weg als den des
sich gegenseitig hochtreibenden Wettrüstens zu finden -, um den
Frieden und die Sicherheit zu gewährleisten, dann wird sie unser
Entgegenkommen finden.
Die Gefahr, die jeden Mann, jede Frau und jedes Kind in unserer
heutigen Welt bedroht, ist zu groß, als daß man etwas anderes tun
könnte und dürfte, als mit größter Anstrengung, Hingabe und Ausdauer
nach diesem Ziel zu streben.

f-tt • • «

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./l8«5.1960

WESTlvlACHTE VERÖFFENTLICHEN GEMEINSAMEN ABRUSTUNGSPLAN

WASHINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium
veröffentlichte am 15« März "i960 den V/ortlaut des gemeinsamen Abrüstungsplanes, den die USA, Großbritannien,
Frankreich, Italien und Kanada für die am Dienstag beginnende Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz in Genf ausgearbeitet haben. Die Verlautbarung des State Department
hat folgenden Wortlaut:

Fünf-Mächte-Arbeitsplan über die allgemeine Abrüstung
"Die fünf westlichen Länder - die Vereinigten Staaten, Großbritannien,
Frankreich, Kanada und Italien -, die an der am 15» März 196O in Genf beginnenden Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz teilnehmen, haben heute folgendes zur Veröffentlichung freigegeben:
a) Das letztliche Ziel ist eine sichere, freie und friedliche Welt,
in der es eine allgemeine Abrüstung unter einer wirksamen internationalen
Kontrolle sowie vereinbarte Verfahren zur Lösung von Streitfällen in Übereinstimmung mit den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen geben
wird.
b) Aufgabe der Zehn-Machte-Abrüstungskonferenz sollte es sein,
Maßnahmen für eine allgemeine Abrüstung auszuarbeiten, die nur durch
ausgewogene, phasenweise und gesicherte Abkommen erreicht werden kann.
c) Alle Abrüstungsmaßnahmen müssen durch eine geeignete internationale
Organisation beobachtet und verifiziert werden.

Die folgenden Maßnahmen v/erden mit der Empfehlung vorgeschlagen, sie
sofort zu ergreifen:
a) Schrittweiser Aufbau einer internationalen Abrüstungsorganisation
(IDO) im Anschluß an eine gemeinsame Studie über den Aufbau und die Funktionen einer derartigen Organisation und über ihre Beziehung zu den Vereinten Nationen (unter Berücksichtigung bereits früher gemachter Erfahrung
auf diesem Gebiet).

li

�"AMERIKA DIENST"

18. März 1960

b) Vorherige Unterrichtung der IDO über geplante Starts von Raumflugkörpern und Schaffung kooperativer Einrichtungen zur Übermittlung
von Daten, die aus verfügbaren Peil- und Ortungsanlagen gewonnen wurden.
c) Das Zusammentragen von Informationen über die derzeitigen Truppenstärken (Stärke des aktiven, uniformierten militärischen Personals) und
über die Rüstungen, was die Land-, See- und Luftstreitkräfte anbetrifft,
die von den verschiedenen Mächten unterhalten werden. Das Zusammentragen
von Informationen würde in erster Linie auf der Grundlage von Erklärungen erfolgen, die von den einzelnen Staaten auf Grund von im voraus festgelegten und beiderseits vereinbarten Kriterien abgegeben würden.
d) Die koordinierte Reduzierung oder Begrenzung der Truppenstärken
und der konventionellen Rüstungen nach Festlegung vereinbarter Abmachungen und Verfahren für eine erste und dann fortlaufende Verifizierung durch
die internationale Abrüstungsorganisation (iDO) wie folgt:
1. Die anfänglichen Höchstgrenzen für die Truppenstärken sollen sein:
2,5 Millionen für die Sowjetunion
2,5 Millionen für die Vereinigten Staaten und
vereinbarte entsprechende Truppenstärken für bestimmte andere Staate
2. Jeder Staat, der Partner des Abkommens ist, soll in Vorratsdepots,
die innerhalb seines eigenen Territoriums gelegen sind und unter der "Überwachung der Internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) stehen, vereinbarte
Arten und Mengen an konventionellen Waffen einlagern, die in den dem Abkommen beigefügten Listen festgelegt sind und in Zusammenhang mit den vereinbarten Truppenstärken stehen.
e) Die Vorlage von Informationen durch die verschiedenen Staaten bei
der Internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) bezüglich der Handhabung
der verschiedenen Finanzsysteme, soweit es die militärischen Ausgaben betrifft, der Höhe ihrer militärischen Ausgaben und des Prozentsatzes ihres
Bruttosozialprodukts, der für militärische Ausgaben vorgesehen ist. Die
vorzulegenden Informationen werden nach im voraus festgelegten und beiderseits vereinbarten Kriterien zusammengestellt werden.
f) Unverzüglich werden gemeinsame Untersuchungen über folgende Themen
durchgeführt werden:

�"AMERIKA DIENST"

18. März 1960

b) Die vorherige Benachrichtigung der Internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) nach im voraus festgelegten und beiderseits vereinbarten Kriterien und Deklarierung der Abschußstellen und der Herstellungsorte solcher Raketen mit vereinbarter Verifizierung, einschließlich der
Inspektion der Abschußstellen für solche Raketen an Ort und Stelle.
c) Die Einstellung der Produktion von spaltbarem Material für Waffenzwecke, unmittelbar nachdem ein allgemein anerkanntes Kontrollsystem zur
Verifizierung dieser Maßnahme geschaffen worden und wirksam in Funktion
getreten ist - sofern ein befriedigender Portschritt auf dem Gebiet der
konventionellen Abrüstung zustande kommt.
d) Die Transferierung vereinbarter Mengen spaltbaren Materials aus
der früheren Produktion unter internationaler Überwachung und Kontrolle
zu nichtmilitärischer Verwendung, einschließlich ihrer Lagerung, unmittelbar nach der Errichtung und dem wirksamen Funktionieren eines allgemein
anerkannten Kontrollsystems zur Verifizierung der Produktionseinstellung
von spaltbarem Material für 7/aff enzwecke.
e) Die Einführung geeigneter Maßnahmen, die den Teilnehmerstaaten
größeren Schutz vor Überraschungsangriffen geben sollen, unter Einschluß
der Luftinspektion, Bodenbeobachtungsstellen an vereinbarten Punkten, mobiler Bodenbeobachtungsgruppen, ineinandergreifender Radarnetze, der Ankündigung von Flügen und angemessener Nachrichtenverbindungen.
f) Eine Abrüstungskonferenz mit anderen, über ein bedeutendes Militärpotential verfügenden Staaten, die einberufen wird, um deren Beitritt
zum Abrüstungsabkommen, einschließlich der Annahme angemessener Reduzierungen oder Begrenzungen der jeweiligen Mannschaftsstärken und Rüstungen,
zu erörtern.
g) Höchstgrenzen der Truppenstärken für alle militärisch bedeutenden
Staaten und entsprechende Inspektions- und Verifizierungsmaßnahmen, die
gleichzeitig mit der Festsetzung der Höchstgrenzen der Truppenstärken für
die USA und die UdSSR auf je 2,1 Millionen Mann in Kraft treten. Gleichzeitig soll jeder der beteiligten Staaten sich bereit erklären, in Vorratsdepots vereinbarte Arten und Mengen von Rüstungen einzubringen, die
in einem vereinbarten Zusammenhang mit den Höchstgrenzen für die Truppenstärken stehen.
h) Die Festsetzung von Maßnahmen zur Verifizierung der Haushaltsinformationen.
i) Eine weitere progressive Fortentwicklung der Internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) .
j) Beginn der Errichtung der internationalen Organisation zur Erhal-'
tung des Weltfriedens.

III

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�"AMERIKA DIENST"

1 8 . März

196O

III
Im Vorangegangenen sind Maßnahmen umrissen, die durch Verhandlungen
festgelegt und so schnell wie möglich in Kraft gesetzt werden sollten.
Im Folgenden sind Maßnahmen aufgeführt, die für die Erreichung des Endzieles als notwendig betrachtet werden:
a) Die Reduzierung der nationalen Streitkräfte und Rüstungen durch
progressive und gesicherte Schritte (im Anschluß an solche weiteren gemeinsamen Studien, wie sie sich als notwendig erweisen mögen) bis auf Ebenen,
wie sie durch die innere Sicherheit und die Erfüllung der unter der Charta
der Vereinten Nationen übernommenen, dahin gehenden Verpflichtungen bedingt
werden, daß sich kein einzelnes Land und oder keine Gruppe von Ländern der
Durchsetzung des Völkerrechts in wirksamer Form widersetzen kann.
b) Die Maßnahmen zu diesem Ziel, die so abgestimmt sind, daß sie mit
dem Aufbau einer internationalen Rechtsvollstreckungseinrichtung zur Wahrung
des Weltfriedens sowie mit der Erweiterung der internationalen Abrüstungsorganisation (IDO) zur Durchführung der notwendigen Inspektion und Kontrolle
gleichlaufen, werden einschließen:
1. das Verbot der Produktion nuklearer, chemischer, biologischer und
anderer Massenvernichtungsmittel;
2. eine weitere Reduzierung der bestehenden Vorräte an nuklearen, chemischen, biologischen und anderen Massenvernichtungsmitteln, eine Überstellung spaltbaren Materials für die friedliche Nutzung sowie weitere, den
jüngsten wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechende Maßnahmen zur endgültigen Abschaffung dieser Waffen;
3. Maßnahmen, die sicherstellen, daß der Weltenraum ausschließlich
für friedliche Zwecke genutzt wird;
4. die Kontrolle der Produktion vereinbarter Kategorien von militärischen Raketengeschossen sowie der bestehenden Arsenale der Staaten und
ihre schließliche Beseitigung;
5. den Aufbau einer wirksamen internationalen Kontrolle über die Militärhaushalte;
6. die Vollendung des Aufbaus internationaler Organisationen und die
Schaffung von Abkommen zur Erhaltung des Weltfriedens;
7. die endgültige Reduzierung der militärischen Mannschaftsstärken und
Rüstungen auf einen Stand, wie er für die in Paragraph A angeführten Ziele
erforderlich ist, einschließlich der Verfügung über überschüssiges Rüstungsmaterial.
e

8. die Kontrolle der Produktion aller übrigen Rüstungsarten, um sicherzustellen, daß die Produktion auf die für die in Paragraph A spezifizierten
Zwecke erforderliche Höhe beschränkt bleibt."
* * * * *

-

5 -

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./8.4.60
HERTER» ZIELE DER AMERIKAMISCHEN AUSSENPOLITIK
CHICAGO — AD -- Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Rede des US-Außenministers Christian A. Herter, die er am 4» April
i960 in Chicago auf der Jahresversammlung des
amerikanischen Rundfunkrates gehalten hat,
Herter gab darin einen Überblick über die
Außenpolitik der USA und deren Zielsetzungen.
Er ging im Laufe seiner Ansprache insbesondere
auf die bevorstehende Gipfelkonferenz, die
Deutschland- und die Berlin-Frage sowie auf
die Probleme der Abrüstung und der Kernwaffenversuche ein.

Der Rundfunk und das Fernsehen leisten den Vereinigten Staaten bei der Unterrichtung des amerikanischen Volkes über die
Ziele und die Entwicklung unserer Außenpolitik gute Dienste,
Darüber hinaus machen wir den umfassendsten Gebrauch von Rundfunk und Fernsehen bei unserem Bemühen, das Verständnis für die
USA im Ausland zu vergrößern. Die anhaltend gute Zusammenarbeit,
die uns von dem kommerziellen amerikanischen Rundfunkverband zuteil wurde, ist überaus beglückend.
Die Fernsehindustrie im Ausland erlebt gegenwärtig dieselbe
große Expansion, die sich hier bei uns vor fünf oder sechs Jahren
vollzog, Das amerikanische Informationsamt (USIA) ist im Begriff,
vollen Gebrauch von dem Medium Fernsehen zu machen, um das Verständnis der Welt für die USA zu steigern. Ich vertraue fest darauf,
daß uns von der Fernsehindustrie die gleiche großherzige und wertvolle Zusammenarbeit zuteil wird, wie wir sie vom Rundfunk erhielten, so daß die Welt sich ein besseres Bild darüber machen kann,
wie wir wirklich sind.
Wir sind uns auch der guten Zusammenarbeit bewußt, die der
Rundfunkverband privaten Organisationen wie dem "Feldzug für die
Freiheit" zuteil werden ließ und weiterhin zuteil werden läßt.
Ich möchte hier auch dankbar der großherzigen Unterstützung
gedenken, die uns Ihr Präsident, der verstorbene Harold Fellows,
gewährte. So groß wie sein Können und seine Fähigkeiten war auch
seine patriotische Bereitschaft, zu dienen, und wir teilen Ihre
- 1-

�"AMERIKA DIENST"

8. April i960

Ihre Trauer um diesen Verlust.
Es ist fast ein Jahr her, seit ich das Amt des Außenministers
antrat. Ich möchte daher einen Überblick über die Grundzüge der
amerikanischen Außenpolitik geben und einiges zu dem sagen, was vor
uns liegt .
Die Gewährleistung der Freiheit und Sicherheit des amerikanischen Volkes ist das Hauptziel der amerikanischen Politik. Um dies in
der heutigen Welt zu erreichen,müssen wir ein Problem lösen, das die
Menschheit bisher noch nicht zu meistern vermocht hat - das Problem
des friedlichen Wandels.
Wir müssen die Anwendung militärischer Macht zur Erreichung
eines Wandels verhindern und Mittel ersinnen, um notwendige Veränderungen auf friedlichem Wege zu erzielen.
Die Vereinigten Staaten bemühen sich, die Möglichkeit von Gewaltmaßnahmen zu vermindern und sicherzustellen, daß die notwendigen Anpassungen in friedlicher Weise erfolgen - und zwar bemühen sie sich
darum in fünf grundsätzlichen Formen»
1. Verstärken wir die kollektiven Sicherheitsabkommen, die vor
einer Aggression abschrecken;
2. streben wir nach einem Abkommen über Maßnahmen zur Rüstungskontrolle, durch das die Gefahr eines Krieges verkleinert würde;
3. verhandeln wir mit der Sowjetunion, um die Lösung politischer
Fragen zu fördern, die uns trennen»
4. verstärken wir unser Programm zur Unterstützung der weniger
entwickelten Länder, um den hier notwendigen Fortschritt zu erreichen; und
5. unterstützen wir die Vereinten Nationen in den Bemühungen,
die ordnungsgemäße Lesung von Problemen zu fördern und damit die
Möglichkeit eines Konfliktes zu verringern.
Kollektive Sicherheit
Wenn es im vergangenen Jahr in Europa im Zusammenhang mit der
Berlin-Frage und im Fernen Osten im Zusammenhang mit Formosa und
dem Königreich Laos nicht zur Anwendung von Gewalt kam, so geschah
dies zum Teil auf Grund der defensiven Stärke der freien Welt und der
klar zutage getretenen Bereitschaft, diese Macht - sollte es notwendig
sein - einzusetzen. Diese Stärke wurde durch kürzliche Maßnahmen wie
die Unterzeichnung eines neuen Sicherheitsvertrages zwischen den Vereinigten Staaten und Japan, eine verbesserte Koordinierung und Zusammenarbeit in der SEATO und der CENTO sowie die Stärkung des interamerikanischen Systems auf Grund der Außenministerkonferenz in Santiago bekräftigt und vergrößert.
Das

�8. April 196O

"AMERIKA DIENST

Das erste Bollwerk, das im Rahmen unseres kollektiven Sicherheitssystems errichtet wurde, war die Nordatlantische Allianz, die
heute den elften Jahrestag ihrer Gründung begeht.
Durch die Behandlung solcher wichtiger Fragen wie die Abrüstung,
die Zukunft Deutschlands und die Freiheit Berlins wurde der Zusammenhalt der Nordatlantischen Allianz gestärkt und durch die Konsultation
und Zusammenarbeit im Nordatlantikrat offenkundig gemacht. Niemals
zuvor in der Geschichte gab es zu Friedenszeiten ein System für die
politische Konsultation zwischen souveränen Ländern, das so erfolgreich war wie das System, welches wir heute in der NATO haben.
Auch wenn der Beitrag, den die Allianz hinsichtlich der Entwicklung neuer Methoden der Zusammenarbeit unter gleichgesinnten
Völkern leistet, immer größer wird, so bleibt die militärische
Stärke der NATO doch der Kern ihrer Existenz, der für die Verhandlungsposition des Westens entscheidend wichtig ist.
Diese militärische Stärke nimmt weiterhin zu. Die deutsche
Wiederbewaffnung zum Zwecke der Verteidigung macht zufriedenstellende Fortschritte} sie ist gänzlich für die von der Bundesrepublik im
Rahmen der NATO übernommenen Verpflichtungen zur kollektiven Selbstverteidigung bestimmt. Eine Reihe von europäischen NATO-Ländern haben
sich entschlossen oder planen, ihre Verteidigungsbudgets zu erhöhen.
Die Anwesenheit der amerikanischen Streitkräfte auf dem europäischen
Kontinent zusammen mit britischen und kanadischen Verbänden ist ein
sichtbarer Beweis dafür, daß Amerika erkennt, daß seine Sicherheit
von der Sicherheit Westeuropas nicht zu trennen ist. Ein bedeutender
Fortschritt wird bei der Ausrüstung der amerikanischen und europäischen
Streitkräfte des NATO-Verteidigungsschildes mit modernen Waffen gemacht,
die für die Sicherheit des Vertragsgebietes solange von entscheidender
Wichtigkeit sind, bis eine zuverlässige und kontrollierte Abrüstung
erreicht worden ist.
Aber obgleich der Fortschritt bedeutend gewesen ist, bleiben uns
weitere wichtige Aufgaben für die Zukunft. Die Land-, See- und Luftstreitkräfte der NATO müssen weiterhin .verstärkt werden. Wir und unsere Verbündeten bemühen uns außerdem, die Zusammenarbeit und Konsultation innerhalb der NATO weiterhin zu fördern, die für das weitere
Wohlergehen der Atlantischen Gemeinschaft von lebenswichtiger Bedeutung
und in diesem Zeitalter des Aufeinanderangewiesenseins unumgänglich
sind.
Die Vereinigten Staaten werden auch weiterhin mit ihren NATOPartnern intensiv zusammenarbeiten, um sowohl die militärischen als
auch die nichtmilitärischen Ziele zu erfüllen. Ich durfte auf der
Ministersitzung des Nordatlantikrates im Dezember vergangenen Jahres
ein Programm der langfristigen NATO-Planung für das gegenwärtige
Jahrzehnt vorschlagen. Der Rat stimmte diesem Vorschlag zu, und die
USA werden mit den anderen NATO-Mitgliedern eng zusammenarbeiten,
um seine erfolgreiche Durchführung zu unterstützen.
Wenn

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�8. April i960

"AMERIKA DIENST"

Wenn die Welt in eine Ära eintritt, in der die Drohung der
offenen Aggressionen abzunehmen scheint, ist man vielleicht versucht, die NATO sowie andere kollektive Sicherheitsvorkehrungen
als selbstverständlich hinzunehmen und zu glauben, daß Nachdruck
und Vorrang der Politik auf anderen Gebieten liegen. Ich kann nicht
genug unterstreichen, daß in künftigen Jahren wie auch in der Vergangenheit - solange bis eine kontrollierte allgemeine Abrüstung
erzielt und eine internationale Friedenstruppe geschaffen worden
ist - die militärische Stärke der NATO und unsere anderen kollektiven
Vorkehrungen ein Grundpfeiler der Politik der USA, das notwendige
Fundament für einen gerechten Frieden, bleiben werden,
Rüstungskontrolle
Während die Vereinigten Staaten daran arbeiten, durch kollektive
Sicherheit vor einer Aggression abzuschrecken, sind sie gleichzeitig
bemüht, die Kriegsgefahr sowie die Last der Rüstungsausgaben durch
eine gesicherte Rüstungskontrolle zu reduzieren.
Die Westlichen Nationen hoffen, daß, auf lange Sicht gesehen,
schließlich doch noch eine angemessene Ordnung des Völkerrechts
sowie die Maschinerie für die Durchsetzung dieses Rechts eine weltweite Billigung finden werden. Innerhalb dieses Rahmenß würde es
dann möglich sein, eine allgemeinere Abrüstung in Angriff zu nehmen.
Um unser Nahziel zu erreichen, haben die Vereinigten Staaten und
Großbritannien während der vergangenen 17 Monate mit der Sowjetunion
ständig über die Aussetzung der Kernwaffenversuche verhandelt. Eine
solche Einstellung der Versuche würde nicht nur die Verbreitung der
Kernwaffen unterbinden und die weltweite Besorgnis über die radioaktiven Ausfälle vermindern, sondern würde auch, was die Kontrollen
anbetrifft, einen wichtigen Präzedenzfall für das umfangreichere
Problem der Abrüstung schaffen.
Beachtlicherweise ist jetzt ein Fortschritt in der Annäherung
der westlichen und der sowjetischen Position in der Frage der Kernwaffenversuche erzielt worden. In der vergangenen Woche haben Präsident Eisenhower und Premierminister MacMillan einen Vorschlag unterbreitet, der die Möglichkeit eines bedeutenden Schritts vorwärts in
Richtung auf das erstrebte Ziel einer kontrollierten, umfassenden
Einstellung aller Kernwaffenversuche eröffnet. Eine Annahme dieses
Vorschlages würde bedeuten, daß man zu einem gesicherten Vertrag
gelangen könnte, der die Versuche in der Atmosphäre, auf den Weltmeeren und in größeren Höhen sowie größere unterirdische Explosionen
beenden und ein temporäres, freiwilliges Moratorium für jene kleineren
Kernwaffenversuche in Kraft treten lassen würde, die - wie wir glauben zur Zeit noch nicht mit Zuverlässigkeit erkannt und identifiziert
werden können,
Durch diese gemeinsame Maßnahme haben die Vereinigten Staaten
und Großbritannien ein Abkommen in Reichweite treten lassen, das sehr
wohl ein historischer Wendepunkt in dem Bemühen um vereinbarte Maßnahmen zu einer Rüstungskontrolle sein könnte, die zu einem weitaus

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�"AMERIKA DIENST"

.

,

8. April i960

weitaus größeren Maß an Frieden und Sicherheit in der Welt führen
würden.
Jetzt liegt es an der Sowjetunion; sie ist am Zuge.
Die Entwicklungen bei den Genfer Verhandlungen über ein Kernwaffenversuchsverbot sind von außerordentlicher Bedeutung; unser
größeres Ziel besteht jedoch in allgemeinen, kontrollierten Rüstungsbegrenzungen.
Im vergangenen Monat haben die Verbündeten dem Zehn-Mächte-Abrüstungsausschuß ein in drei Phasen gegliedertes Programm zur gesicherten Rüstungsreduzierung vorgelegt, das zu dem Ziel einer allgemeinen Abrüstung führen würde. Wir sind davon überzeugt, daß dieses
Programm eine realisierbare, praktische Methode bietet, während die
allgemein gehaltenen und vagen Bestimmungen des sowjetischen Vorschlages bisher ihre Durchführbarkeit noch nicht bewiesen haben.
Die erste und die zweite Phase des westlichen Programms enthalten Vorschläge, die unser Nahziel - das Risiko eines unbeabsichtigten Krieges zu vermindern - fördern würden. Die Vorschläge dieser
Phase sehen eine Vorankündigung des Abschusses von Flugkörpern in
den Weltraum sowie andere Garantien gegen einen Überraschungsangriff
•ör. Wir schlagen ferner eine Beendigung der Produktion spaltbaren
Materials für Waffenzwecke vor, wodurch der Verbreitung von Kernwaffen
Einhalt geboten würde.
Die dritte Phase des westlichen Programms würde unser letztliches
Ziel - eine allgemeine Abrüstung - verwirklichen. Sie sieht eine
außerordentlich drastische Reduzierung der Streitkräfte sowie gleichlaufend damit die Schaffung eines Systems für die wirksame Durchsetzung
des Völkerrechtes vor.
Wenn Fortschritte in Richtung auf diese Ziele erreicht werden,
sollen, dann ist eine größere Bereitschaft auf seiten der sowjetischen
Führung erforderlich, die für eine wirksame Rüstungsbegrenzung notwendigen praktischen Schritte zu akzeptieren. Die nukleare Zerstörung
kennt keinen Unterschied der Nationalität. Es gibt keine ideologische
Färbung, die den Fortbestand garantiert. Das intensive Bestreben der
Völker, ihre Hilfsquellen für die wirtschaftlichen Entwicklungen und
für den sozialen Fortschritt statt für die Produktion von Waffen einzusetzen, ist nicht clas Monopol der einen oder der anderen Seite. Ein
echter Fortschritt auf dem Wege zu einer gesicherten Rüstungskontrolle
würde den besten Interessen beider Seiten dienen, ohne daß dadurch von
der einen oder der anderen Seite Positionen oder Grundsätze geopfert
würden.
Es wird nicht einfach sein, irgendeine Form der Einigung zu erreichen. Aber es ist notwendig, und es wird jeden Tag notwendiger, und,
wie Außenminister Dulles zu sagen pflegte, "wir müssen als unsere
Arbeitshypothese akzeptieren, daß das, was notwendig ist, auch möglich
ist".
Die

- 5.;--«T^r&lt;

�8. April 196O

"AMERIKA DIENST'
Die politische Verhandlung

Wir bemühen uns ernsthaft darum, die Kriegsgefahr zu vermindern,
indem wir mit der Sowjetunion wie über die Rüstungskontrolle so auch
über politische Streitfragen verhandeln.
Unser unmittelbares Ziel bei diesen ständigen Verhandlungen ist
es, die Positionen beider Seiten zu klären und die Gefahr eines Konfliktes über die uns trennenden politischen Fragen zu vermindern»
Unser Fernziel ist es, die Grundlage für eine schließliche Lösung
dieser Streitfragen zu schaffen.
Zweifellos ist
eine der Hauptfragen, denen wir uns gegenübersehen, das Problem der Teilung Deutschlands« Diese unnatürliche Teilung stellt nicht nur eine schwere Ungerechtigkeit gegenüber dem
deutschen Volk dar, sondern - was genau so ernst ist - die anhaltende
Spaltung Deutschlands wird, wenn sie nicht beseitigt wird, unvermeidlicherweise zu einer Gefährdung des Vifeltfriedens führen»
In den vergangenen Monaten hat Herr Chruschtschow wiederholt in
öffentlichen Erklärungen zu verstehen gegeben, daß er unter Umständen
einseitig einen separaten Vertrag mit dem ostdeutschen Regime abschließen wird, wenn die Westmächte einer Regelung des deutschen
Problems nach seinen Bedingungen nicht zustimmen. Wenn er auch sorgfältig darauf achtete, in seinen Erklärungen zu diesem Thema nicht
zu präzise zu sein, so konnte die Wiederholung dieser Drohung die
Situation doch nur komplizieren und die internationale Atmosphäre
ungünstig beeinflussen.
Herr Chruschtschow hat ebenfalls vor kurzem in bezug auf Asien
erklärt, daß "jedes Volk das Recht auf Selbstbestimmung besitzt".
Aber ans der bisherigen sowjetischen Haltung hinsichtlich Deutschlands
wird klar, daß Herr Chruschtschow nicht bereit ist, dafür Sorge zu
tragen, daß dieser Grundsatz auf die unter kommunistischer Kontrolle
lebenden 17 Millionen Menschen in Ost-Berlin und Ostdeutschland angewandt wird.
Im Gegensatz dazu haben die Westmächte in einer langen Reihe von
Verhandlungen nach dem Kriege darauf bestanden, daß der Grundsatz der
Selbstbestimmung geachtet wird. Genauer ausgedrückt, wir sind der Überzeugung, daß die Wiedervereinigung auf der Grundlage freier Wahlen
zustande/kommen und daß eine endgültige Friedensregelung mit der deutschen Regierung getroffen werden sollte, die auf der Grundlage solcher
Wahlen gebildet wurde.
Man darf damit rechnen, daß auch die Berlin-Frage bei den bevorstehenden Pariser Besprechungen der Regierungschefs eine bedeutende
Rolle spielen wird. Die Teilung Berlins spiegelt lediglich das
größere Problem der Teilung Deutschlands wider.
Die Westmächte sind entschlossen, die Freiheit
der Westberliner Bevölkerung auf der bevorstehenden
zu verteidigen. Wir haben diese Einstellung auf der
konferenz in Genf klargemacht. Präsident Eisenhower

- 6-

und Sicherheit
Gipfelkonferenz
Außenministerhat sie erneut

�AMERIKA DIENST"

8. April 1960

erneut in Camp David bekräftigt. Wir und unsere Verbündeten haben
erst unlängst auf der Konferenz der Regierungschefs im Dezember in
Paris übereinstimmend erklärt, daß wir in bezug auf West-Berlin fest
bleiben werden« Indem wir auf diese Weise sicherstellen, daß die
sowjetischen Machthaber unsere Festigkeit nicht falsch beurteilen,
verringern wir die Möglichkeit unbesonnener Aktionen, durch die die
Spannungen gewaltig verstärkt werden würden.
Indem wir unsere fundamentalen Rechte und Verpflichtungen hinsichtlich Berlins erneut bekräftigen, sind wir zugleich ehrlich gewillt, Verhandlungen zur Lösung dieses Problems im Zusammenhang mit
dem Deutschlandprogramm als Ganzem aufzunehmen.
Wenn ich das deutsche Problem erörtere, dann möchte ich die Gelegenheit benutzen, um einige Worte über das neue Deutschland - die
Bundesrepublik Deutschland - zu sagen. Ich habe in den vergangenen
Monaten zahlreiche feindselige Angriffe seitens der Sowjetunion einige von Herrn Chruschtschow selbst - bemerkt, in denen die Regierung der Bundesrepublik als "militaristisch" hingestellt wurde.
Diese Beschuldigungen entbehren absolut jeder Grundlage. Sie sind
ganz klar darauf gerichtet, nioht nur die Regierung von Bundeskanzler
Adenauer in Mißkredit zu bringen, sondern auch den Samen des Argwohns
und der Uneinigkeit unter den Mitgliedern der Allianz der freien Welt
zu säen. Während der ersten zehn Jahre ihres Bestehens hat die Bundesrepublik unter der konstruktiven Führung von Bundeskanzler Adenauer
in Deutschland wieder eine demokratische Ordnung geschaffen, die den
Prinzipien der Freiheit und der Gerechtigkeit geweiht ist. Innerhalb
des Rahmens solcher Zusammenschlüsse wie die Europäische Gemeinschaft
und die NATO, die beide die uneingeschränkte deutsche Unterstützung
erhalten haben, hat die Bundesrepublik wirksam zu der Entwicklung
einer politischen und wirtschaftlichen Stabilität in Westeuropa und
zu der Aufrechterhaltung der Sicherheit der freien Welt beigetragen.
Sie hat sich in jeder Hinsicht als ein wertvoller und geachteter Verbündeter erwiesen.
Auf der im kommenden Monat in Paris stattfindenden Gipfelkonferenz
wird der Westen weiterhin die Entschlossenheit der freien Welt, entscheidende Rechte zu verteidigen, klarstellen. Gleichzeitig wird er
sich weiter um eine Sondierung aller Möglichkeiten, insbesondere der
Rüstungskontrolle, bemühen, die die Kriegsgefahr vermindern würden.
Wir können jedoch bei der Verhandlung über neue Rüstungskontrollabkommen mit der Sowjetunion kaum auf Fortschritte vertrauen, wenn
unsere bestehenden Abkommen mit den Sowjets hinsichtlich Berlins inzwischen verletzt werden oder wenn mit Verletzungen gedroht wird» Es
gibt einen klaren Zusammenhang zwischen diesen beiden entscheidend
wichtigen FragertFDrei westliche Außenministerkonferenzen - und zwar in Washington,
in Istanbul und in Paris - werden dem Gipfeltreffen vorausgehen und
die Möglichkeit bieten, die in den Arbeitsgruppen geleistete Vorberei -tungsarbeit zu überprüfen, einander zu konsultieren und die Ansichten zu koordinieren.
Auf

�8. April 1960

"AMERIKA DIENST"

Auf der Grundlage dieser Vorbereitungen werden wir und unsere
Verbündeten sich auf der Gipfelkonferenz bemühen, das Ausmaß des
Mißverständnisses zwischen der Sowjetunion und uns sowie die Möglichkeit einer sowjetischen Fehlbeurteilung unserer Stärke und unserer Absichten zu verringern. Wir werden versuchen, einen Fortschritt
in Richtung auf praktisch realisierbare Abkommen für die Gebiete
größter Gefahr zu erzielen. Wir werden außerdem sorgfältig die Möglichkeit künftiger Verhandlungen sondieren.
Dies sind selbstverständlich begrenzte Zielsetzungen. Wenn jemand
dramatische Ergebnisse von der Gipfelkonferenz erwartet, so mag er
enttäuscht werden. Wenn die westlichen Verbündeten jedoch fest zu
ihren Überzeugungen und Verpflichtungen stehen, während sie gleichzeitig unverrückbar das Ziel verfolgen, den Streit zwischen Ost und
West nicht zu einem Krieg ausbrechen zu lassen, dann können wir auf
einen Fortschritt hoffen - und wir hoffen in der Tat auf einen Fortschritt.
Die Entwicklungsländer
Die Bemühungen, durch kollektive Sicherheitsvorkehrungen vor der
Anwendung von Gewalt abzuschrecken und die ungelösten Streitfragen
durch Verhandlungen beizulegen, werden allein den Frieden noch nicht
sichern. Wir müssen darüber hinaus bestrebt sein, einen konstruktiven
und friedlichen Wandel in denjenigen Gebieten zu fördern, wo er notwendig ist.
.Venn die Länder Afrikas und Asiens den von ihnen gewünschten
Fortschritt durch ordnungsgemäße Methoden nicht erreichen können,
dann wird die Verzweiflung ohne Frage Konfliktstoffe schaffen. Es
liegt in unserem eigenen Lebenswichtigen Interesse, daß diese Völker
in Freiheit wachsen und an Stärke zunehmen.
Das Gemeinsame Sicherheitsprogramm der Vereinigten Staaten hilft
ihnen, genau dies zu erreichen. Dieses Programm erfordert in jedem Jahr
weniger als ein halbes Prozent des amerikanischen Bruttosozialprodukts.
Und dennoch könnte der große äfro-asiatische Raum mit seinen riesigen
Menschenmassen und Hilfsquellen ohne dieses Programm vielleicht nicht
vor den verkündeten Absichten Chruschtschows und Mao Tse-tungs, die
Welt durch alle möglichen Methoden außer dem Krieg selbst zu erobern,
bewahrt werden.
Wir sind in immer stärkerem Maße bemüht, die Gelder für die
wirtschaftliche Entwicklung nicht als Schenkungen, sondern als Anleihen zur Verfügung zu stellen. Die gegenwärtige Forderung des Präsidenten an den Kongreß, 700 Millionen Dollar an neuen Mitteln für den
Entwicklungsanleihefonds zu bewilligen, ist ein wichtiger Schritt auf
dieses Ziel hin. Diese Mittel werden benötigt, wenn der Fonds seine
Rolle als Hauptinstrument der amerikanischen Entwicklungsfinanzierung
im Ausland spielen soll.
In den vor uns liegenden Jahren werden die USA in immer stärkerem
Maße bestrebt sein, ihre Entwicklungsfinanzierung auf Länder zu konzentrieren, die die Fähigkeit zu entschlossener und disziplinierter

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�"AMERIKA DIENST"

0. April 1960

disziplinierter Selbsthilfe gezeigt haben. Diese Konzentration
unserer Anstrengungen führt allen aufstrebenden Ländern vor Augen,
daß ein schnelles Wachstum unter freiheitlichen Bedingungen erreicht werden kann. Dadurch wird ferner jenen Ländern,die Hilfe
von außen suchen, ein Anreiz geboten, zu zeigen, daß sie willens und
bereit sind, sich selbst zu helfen. Und dadurch rückt der Zeitpunkt
näher, zu dem die Nationen, die wir unterstützen, ihrerseits in der
Lage sein werden, ihren Nachbarn Hilfe zu gewähren.
Die Industrieländer Westeuropas sowie Japan sind auf Grund der
Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse, die sie mit Hilfe
unserer Unterstützung erreichen konnten, in immer stärkerem Maße in
der Lage und bereit, den Entwicklungsländern zu helfen. Dies ist
ein wesentlicher Beweis für die gegenwärtigen und zukünftigen Dividenden der in der Vergangenheit geleisteten wirtschaftlichen Unterstützung.
Die Energien der Privatwirtschaft sollten in immer stärkerem
Maße für die Entwicklungsaufgaben mobilisiert werden. Unsere Regierung sucht ständig nach Mitteln und Wegen, durch die dieses gewaltige Reservoir seinen vollen Beitrag für das Wachstum, die
Stabilität und die Stärke der freien Welt leisten kann.
Außer diesem Unterstützungsangebot bemüht sich Amerika darum,
eine Brücke des Verständnisses zu den neu aufstrebenden Nationen zu
schlagen. Die nichtigsten und dramatischsten Schritte, die in den
jüngst vergangenen Jahren in dieser Richtung getan wurden, waren die
Reisen des guten Willens, die Präsident Eisenhower nach Asien und
Lateinamerika unternahm. Diese Reisen haben das in diesen Ländern
vorhandene Potential des guten Willens gegenüber den Vereinigten
Staaten aktiviert und vermehrt. Sie haben eine begrüßenswerte Welle
latent vorhandener Freundschaft zu den Vereinigten Staaten ausgelöst.
Die Vereinigten Staaten sind ganz besonders bestrebt, engere
Beziehungen zu den neuen afrikanischen Staaten herzustellen. Das
Wohlergehen und die Sicherheit dieser Völker, die jetzt die mit der
Unabhängigkeit verbundenen Verantwortungen und Verpflichtungen
übernehmen, ist für uns von größtem Interesse. Wir hoffen, daß
sie zu regionalen Abmachungen gelangen können, die die friedliche
Beilegung von Streitigkeiten gewährleisten und sinnloses und gefährliches Wettrüsten vermeiden. Dies würde in der Tat einen Schritt
vorwärts zur Sicherung eines friedlichen Wandels darstellen.
Fortschritt zur Weltordnung
Große Anforderungen sind an die Vereinigten Staaten durch dieimmer wiederkehrenden Belastungen einer sich wandelnden Welt gestellt
worden und werden weiterhin gestellt werden. So notwendig die Beiträge der einzelnen Nationen auch sein mögen, so gibt es doch keinen
Ersatz für die Arbeit der internationalen Organisationen, wenn dieser
Prozeß des Wandels weiterhin in friedlichen Bahnen verlaufen soll.
Der Boitrag der Vereinten Nationen sowie ihrer Sonderorganisationen
und die Beiträge der Organisation der amerikanischen Staaten und des
Colombo-Planes werden genauso benötigt.
Auch

- 9-

�"AMERIKA DIENST"

9. April i960

Auch an die Vereinten Nationen wurden große Anforderungen gestellt und von ihnen in wachsendem Maße bewältigt. Die Vereinten
Nationen sind bei diesem Prozeß gewachsen. Die Autorität des UNGeneralsekretariats ist stärker geworden. Die Idee einer Bereitschaftstruppe der Vereinten Nationen für besondere Notfälle ist erfolgreich
erprobt worden. Bei verschiedenen Krisen hat die - wie man sie nennen
könnte - "Feuerwehr" der Vereinten Nationen sich durch Erfüllung der
an sie gestellten Aufgaben in organischer Weise weiterentwickelt.
Außerdem hat die Vollversammlung weiterhin als eine Art Ratsversammlung - ein Sicherheitsventil - für die Welt gedient«.
Die Vereinigten Staaten werden einen sich auf diesen Bahnen vollziehenden, anhaltenden Portschritt unterstützen. Wir werden die Bemühungen von UN-Generalsekretär Hammarskjöld fördern, Abmachungen
für eine ständige Bereitschaft der Streitkräfte der Vereinten Nationen
zu treffen oder andere Formen der Anwesenheit der Vereinten Nationen
zu verwirklichen, wie sie sich vielleicht in Krisengebieten als notwendig erweisen könnten. Wir werden auf der nächsten Sitzung der Vereinten Nationen über solche Maßnahmen beraten.
Unser dem Zehn-Mächte-Abrüstungsausschuß unterbreiteter Vorschlag,
daß die allmähliche Entwicklung einer angemesseneren Ordnung des Völkerrechts und einer Maschinerie zu ihrer Durchsetzung eine allgemeine
Reduzierung der internationalen Rüstung begleiten und auf diese Weise
ermöglichen solle, spiegelt unsere Hoffnungen auf und unseren Glauben
an die Vereinten Nationen wider.
Der Vorschlag für eine internationale Polizeitruppe ist einer
der wesentlichen Unterschiede zwischen unserem Abrüstungsplan und dem
der Sowjetunion. Vor allem die kleinen Länder haben ein lebenswichtiges
Interesse an diesem Unterschied .Eine allgemeine Abrüstung, wie sie von
der Sowjetunion vorgeschlagen wird, würde diese Länder sogar noch
schutzloser als vorher dastehen lassen - angesichts der beträchtlichen
Streitkräfte, die ihre größeren Nachbarn für die innere Sicherheit
aufrechterhalten dürften.
Die Aufstellung einer internationalen Friedenstruppe ist in der
Charta der Vereinten Nationen vorgesehen. Alle Nationen, die den
Vereinten Nationen angehören, haben sich zu dieser Idee bekannt,
als sie die Verpflichtungen der Mitgliedschaft übernahmen. Die
Sowjetunion hat jedoch durch wiederholtes Einlegen ihres Vetos jeden
Fortschritt zur Verwirklichung dieser Idee verhindert. Wir werden
auch weiterhin auf Maßnahmen dringen, die diesen Teil der Charta zu
einer lebendigen 'Wirklichkeit werden lassen.
Die Zukunft
Ich behaupte nicht, daß die Leistungen der Vereinigten Staaten
auf allen diesen Gebieten der Außenpolitik notwendigerweise vollkommen waren. Ich versichere jedoch, daß wir gewichtige - ich sage
bedeutende - Fortschritte in unseren wesentlichen Bemühungen gemacht
haben.
Gewaltige
- 10 -

�"AMERIKA DIENST"
Gewaltige Hindernisse
Bemühungen liegen richtig,
sie gehen. Und wir sind in
unser Ziel des Friedens in

8. April 1960
bleiben noch zu überwinden. Aber unsere
und die freien Nationen wissen, wohin
jeder Hinsicht gewillt, weiterhin auf
Gerechtigkeit und Fortschritt zuzuschreiten.

Pas Ergebnis wird von der Stärke und Einheit der freien Welt abhängen. Je unmißverständlicher unsere Stärke in moralischer und
materieller Hinsicht ist und je klarer unsere nationale und internationale Einigkeit zutage tritt, um so unwahrscheinlicher wird eine
ernstliche Kriegsgefahr.
Solange die militärischen und wirtschaftlichen Faktoren unserer
Stärke dieser unserer Aufgabe entsprechen - und sie tun es und werden
es auch weiterhin tun -, wird alles übrige von unserem Mut und unserer
Entschlossenheit sowie unserem Eintreten für die Werte und Zielsetzungen der freien Menschen abhängen.
Es wird gut sein, wenn wir uns hier die Worte eines großen
Amerikaners - Theodore Roosevelt - ins Gedächtnis rufen, der vor
mehr als einem halben Jahrhundert erklärte; "Das zwanzigste Jahrhundert ragt vor uns auf, beladen mit dem Schicksal vieler Nationen.
Wenn wir müßig beiseite stehen ... wenn wir vor dem harten Kampf
zurückschrecken, den die Menschen, unter Einsatz ihres Lebens und
unter Gefahr, daß sie alles ihnen Teure verlieren, gewinnen müssen,
dann werden die kühneren und stä.rkeren Völker... für sich die Herrschaft der Welt gewinnen."
Ich weiß, daß unser Wille und unser Mut die Bewährungsproben der
kommenden und künftigen Monate bestehen werden.
* * * *

- 11 -

•

�A M E R I K A

D I E N S T

,

illg./l5.4.1960

ABRÜSTUNG - ABER WIE?
Die Vorschläge des Westens und des Sowjetblocks im
vergleichenden Überblick

VORBEMERKUNG
••

Die Augen der Weltöffentlichkeit bleiben trotz des Beschlusses der
Genfer Abrüstungskonferenz, ihre Sitzungen vom 29» April bis zum 7» Juni
zu unterbrechen, weiter auf den dort tagenden "Zehnerausschuß" gerichtet,
der es unternommen hat, alle Möglichkeiten zur Lösung des dornigen Abrüstungsproblems zu sondieren. Auf der einen Seite des Verhandlungstisches
sitzen die Vertreter der USA, Großbritanniens Frankreichs, Kanadas und
Italiens. Auf der anderen Seite nehmen Vertreter von fünf Ländern des
Sowjetblocks teil: Sowjetunion, Polen, die Tschechoslowakei, Bulgarien
und Rumänien.
Dem sowjetischen Plan für eine "allgemeine und vollständige" Abrüstung
binnen vier Jahren traten die verbündeten Westniächte mit einem Dreistufenpia
entgegen, der die wechselseitige Inspektion und Kontrolle jeder Etappe beton
um auf diese Weise die Durchführung der Abrüstungsvereinbarungen zu garantieren.
Dieser kurzgefaßte Überblick vergleicht die gegensätzlichen Ausgangspositionen zum Beginn der Zehnmächtekonferenz am 15« März i960 miteinander
und bringt sie so in einen perspektivischen Zusammenhang«

1

�15. April 1960

"AMERIKA DIENST"
DIE ZIELE
Westmächte
"Das Endziel ist eine sichere, freie,
friedliche Weit, in der allgemeine
Abrüstung unter wirksamer internationaler Kontrolle herrschen soll nebst
einem vereinbarten Verfahren für die
Regelung von Streitfällen im Einklang
mit den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen."

KERNWAFFEN
Westmächte
1. Stufe:
Durch gemeinsames Studium ist eine
Basis zu schaffen für die gesicherte
Durchführung von Vereinbarungen über
die Einstellung der Produktion von
Kernwaffen. Ein ebensolches Studium
ist nötig, um die Durchführung von
Vereinbarungen über die Überstellung vorhandener Kernwaffen zwecks
nichtmilitärischer Verwendung zu
gewährleisten.
2. Stufe:
Zu vereinbaren ist die sofortige
Einstellung der Kernwaffenproduktion,
sobald eine wirksame Durchführungskontrolle eingerichtet ist (vorausgesetzt, daß die Verminderung der
konventionellen Streitkräfte in befriedigender Weise voranschreitet).
Ebenso ist die Überstellung vorher
bestimmter Mengen spaltbaren Materials
aus den Rüstungsbeständen nach Einrichtung einer wirksamen Durchführungskontrolle zu vereinbaren.
3. Stufe:
Durch weitere Vereinbarungen über
ein Herstellungsverbot für nukleare,
chemische, biologische und andere Massenvernichtungswaffen und über den Abbau derartiger Y/aff enbestände ist die
endgültige Abschaffung solcher Waffen
zu gewährleisten«

Sow.jetblock
"Nach sorgfältiger Prüfung der
gegenwartigen internationalen
Situation und der bei früheren
Abrüstungsverhandlungen gesammelten Erfahrungen gelangte die Regierung der Sowjetunion zu dem
Schluß, daß das beste Mittel zur
Lösung des Abrüstungsproblems,
des wichtigsten internationalen
Problems der Gegenwart, die vollständige und allgemeine Abrüstung
aller Staaten ist."

Sow.jetblock
1. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

2. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

3. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Vernichtung von Kernwaffen aller Art
sowie ein Verbot-der Herstellung,
des Besitzes und der Einlagerung
von chemischen und bakteriologischen Waffen. Alle derartigen Vaf.
fenbestände sind unter internationaler Überwachung zu vernichte]

�15. April

"AMERIKA DIENST"

1960

KONVENTIONELLE WAFFEN UND STREITKRÄFTE
Westmächte

Sow.jetblock

1. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Feststellung der Truppen- und Rüstungsbestände
auf Grund einseitiger Erklärung aller
Staaten gemäß besonderer Übereinkunft.

1. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Verminderung der Truppenstärke auf 1,7
Millionen Mann für USA, UdSSR und
Rotchina, auf 650 000 Mann für
Großbritannien und Frankreich.
Für andere Staaten sind entsprechende Truppenverminderungen durch
eine UN-Sondervollversammlung oder
eine Weltabrüstungskonferenz festzulegen.

Zu vereinbaren sind Ausgangsstärken von
2,5 Millionen Mann für
USA und UdSSR und angemessene Stärken
für bestimmte andere Staaten.
Zu vereinbaren ist die Einlagerung bestimmter Waffenmengen einzelner Typen in international kontrollierten Depots, und zwar so, daß ein vereinbartes Verhältnis zwischen den eingelagerten Waffen und den vereinbarten
Truppenstärken hergestellt wird.

Zu vereinbaren sind Rüstungsbeschränkungen, die den für die
Streitkräfte festgelegten Truppenstärken entsprechen.

2. Stufe:

2. Stufe:

Zu vereinbaren ist die Truppenver-,
minderung auf jeweils 2,1 Millionen Mann
für USA und UdSSR sowie auf angemessene
Stärken, die von einer Konferenz der beteiligten Staaten festzulegen sind,für
alle übrigen militärisch wichtigen Staaten. Die Truppenverminderung ist gleichzeitig mit der Einrichtung eines Inspektions- und Kontrollsystems durchzuführen.
Zu vereinbaren ist die Einlagerung
bestimmter Typen und Mengen von Waffen
gemäß Übereinkunft im Verhältnis der
Truppenstärken.

Zu vereinbaren ist die vollständige Auflösung aller noch vorhandenen Streitkräfte.
Zu vereinbaren ist die Aufhebung aller Militärstützpunkte
auf dem Gebiet fremder Staaten.

3. Stufe:
Zu vereinbaren ist eine weitere
sukzessive Verminderung der Truppenund Waffenbestände, die Zug um Zug
zu kontrollieren ist (auf der Basis
je nach Bedarf anzustellender Studien),
bis der zur Gewährleistung der inneren
Sicherheit und zur Erfüllung von
Verpflichtungen auf Grund der Charta
der Vereinten Nationen notwendige
Mindeststand erreicht ist und zwar
unter dem Gesichtspunkt, daß kein
Einzelstaat und keine Staatengruppe
imstande sein soll, sich der Exekution
des Völkerrechts ernstlich zu widersetzen.

5. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Abschaffung aller militärischen
Einrichtungen, Ausbildungslehrgänge und Organisationen.

�15. April 1960

"AMERIKA DIENST"
WELTRAUM
Westmächte

Sow.jetblock

1. Stufe:
Zu vereinbaren ist die Voranmeldung jedes beabsichtigten Abschusses
von Raumflugkörpern bei einer internationalen Kontrollstelle.
Durch gemeinsames Studium ist eine
Basis zu schaffen für die Ausschaltung
der Möglichkeit, daß irgendein Land
Erdsatelliten oder Weltraumstationen
mit Massenvernichtungswaffen ausstattet.

1. Stufe:
Kein« besonderen Maßnahmen«

2. Stufe:

2. Stufe:

Zu vereinbaren ist ein Verbot der
Keine besonderen Maßnahmen.
Entsendung von Raumflugkörpern, die als
Massenvernichtungsmittel eingesetzt werden könnten, auf eine Satellitenbahn um
die Erde oder ihrer Stationierung im Weltraum, sobald eine angemessene Durchführungskontrolle eingerichtet ist.
3. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

3. Stufe:
Zu vereinbaren sind weitere Maßnahmen, um die ausschließliche Beschränkung auf nichtmilitärische Vorhaben im
Weltraum sicherzustellen.
RAKETEN
Westmächte

Sow.jetblock

1. Stufe:

1. Stufe:

Durch gemeinsames Studium ist eine
Basis zu schaffen, um sicherzustellen,
daß Raketenstarts der internationalen
Kontrollstelle vorher bekanntgegeben
werden und daß sie Mitteilungen über
die Lage der Montageplätze und Abschußrampen erhält.

Keine besonderen Maßnahmen.

2. Stufe»

2. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen»

Zu vereinbaren ist die Anmeldepflicht für Raketenstarts und die
Meldepflicht für Montageplätze und
Abschußrampen sowie die Überprüfung
solcher Angaben gemäß Übereinkunft
unter Einschluß von Inspektionen
an Ort und Stelle.
-

4

-

�15. April 1960

"AMERIKA DIENST"
3. Stufe:
Zu vereinbaren sind weitere Maßnahmen zur Kontrolle der Produktion
militärischer Raketen und der vorhandenen Bestände, sowie deren abschließende Beseitigung.

3. Stufes
Zu vereinbaren ist die
Vernichtung sämtlicher Raketen
aller Art.

ÜBERRA 3 C HUNGSANGRIFFE
Westmächte

Sow.jetblock

1 . Stufe:
Durch gemeinsames Studium ist eine
Basis zu schaffen für vereinbarte Maßnahmen, die allen beteiligten Staaten
Schutz vor der Gefahr eines Überraschungsangriffs gewähren.

1. Stufe:

2. Stufe:
Zu vereinbaren sind geeignete
Maßnahmen, um die beteiligten Staaten
vor Überraschungsangriffen zu schützen,
darunter Luftinspektion, Bodenkontrollen, Radar-Überlappung, Meldung von
Flugzeugeinsätzen und zweckentsprechende Nachrichtenverbindungen.

Keine besonderen Maßnahmen.

2. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

Anmerkung: Im sowjetischen Vorschlag heißt es, falls sich die Westmächte
nicht zu der von der Sowjetunion befürworteten vollständigen und allgemeinen Abrüstung bereit fänden, werde diese gewisse Teilmaßnahmen in Erwägung ziehen, darunter auch "den Abschluß eines Abkommens über die Verhütung von Überraschungsangriffen".
DURCHFUHRUNGS GARANTIEN

Westmächte
1. Stufe:

Sowjetblock

Zu vereinbaren ist die Schaffung
einer Internationalen AbrüstungsOrganisation (IDO), die im Zuge der Vereinbarung weiterer Abrüstungsmaßnahmen
ausgebaut werden kann.

Keine besonderen Maßnahmen.

1. Stufe:

Durch geeignete Vorkehrungen ist
eine Basis zu schaffen für die Entwicklung und Stärkung eines Systems internationaler Institutionen zur Wahrung
des Weltfriedens und der allgemeinen
Sicherheit im Rahmen der Vereinten
Nationen.

- 5

�^AMERIKA DIENST"

15. April 1960

2. Stufe:
Die vereinbarten Vorkehrungen für
die Stärkung der Internationalen Abrüstungsorganisation und der internationalen Institutionen zur Wahrung des
Weltfriedens und der allgemeinen Sicherheit im Rahmen der Vereinten Nationen
sind auszubauen.

2. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

5. Stufe:

3. Stufe:
Keine besonderen Maßnahmen.

Die Entwicklung und Stärkung der
internationalen Institutionen zur
Wahrung des Weltfriedens und der allgemeinen Sicherheit im Rahmen der Vereinten Nationen ist auf den endgültigen
Stand zu bringen.

Anmerkung: Im sowjetischen Vorschlag heiÄt es: "Zur Überwachung der Durchführung der Maßnahmen für die allgemeine und vollständige Abrüstung soll
ein internationales Kontrollorgan geschaffen werden. Das Ausmaß der auszuübenden Kontrolle und Inspektion soll jeweils der Stufe entsprechen, die
bei der abschnittsweisen Abrüstung der Staaten erreicht ist. Sobald die
allgemeine und vollständige Abrüstung abgeschlossen ist, wo zu die Auflösung sämtlicher Dienstzweige der Streitkräfte und die Vernichtung sämtlicher Waffen aller Art einschließlich der Massenvernichtungswaffen (der
nuklearen, Raketen-, chemischen, bakteriologischen Waffen) gehört, soll
das internationale Kontrollorgan freien Zugang zu allen Kontrollobjekten
haben. Die Kontrollorganisation soll auch ein System der Beobachtung und
photographischen Überwachung des Gebietes aller Staaten aus der Luft
einrichten können."
MILITÄRHAUSHALT
Sowjetblock
Der Plan sieht für die dritte
Stufe die Einstellung der "Zuweisung von Mitteln für militärische
Zwecke in jeglicher Form" vor,
gleichgültig ob über den Staatshaushalt oder über andere Einrichtungen. Die im Zuge der allgemeinen und vollständigen Abrüstung
eingesparten Mittel sollen zur
Verminderung oder Abschaffung
der Steuern, zur Förderung der
Volkswirtschaften und für die
Unterstützung der Entwicklungsländer benutzt werden.

Westmächte
Der Plan sieht für jede der drei
Stufen eine Überprüfung der Militärausgaben vor, beginnend mit einer
einseitigen Erklärung der Staaten
zur Höhe ihres Militäretats und abschließend auf der dritten Stufe mit
der Einrichtung einer wirksamen Kontrolle aller Militärausgaben.

*

* * * *

6

�Allg./29.4.1960

DILLONi DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK VOM HEUTE

Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut
der Ansprache, die der stellvertretende USAußenminister Douglas Dillon am 20, April i960
auf der Konferenz des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO in New York gehalten hat«

Die Konferenz, die Sie gerade beendet haben, bietet den
erneuten Beweis - wenn ein solcher Beweis überhaupt erforderlich ist -, daß sich die Gewerkschaften heute wie nie zuvor
der großen Anstrengungen bewußt sind, die unser Land in der
niemals endenden Suche nach dem Frieden unternehmen muß. Die
amerikanischen Gewerkschaften wissen sehr wohl, daß wir uns
unsere Sicherheit nicht mehr als etwas für sich Bestehendes,
in einer "Festung Amerika" Gehütetes vorstellen können« Die
amerikanischen Gewerkschaften erkennen, daß wir uns nicht für
alle Zeiten unseres materiellen Wohlergehene erfreuen können,
wenn nicht andere Völker - besonders die weniger vom Glück begünstigten in den neuaufstrebenden Gebieten - ebenfalls gedeihen. Die amerikanischen Gewerkschaften sind eine wahrhaft
einflußreiche Kraft, deren Verständnis und Unterstützung unserer
internationalen Ziele von Bedeutung für die Erreichung dieser
Ziele sind.
Ich begrüße daher diese passende Gelegenheit, um drei
Hauptaspekte unserer Außenpolitik zu erörtern!
erstens unsere Bemühungen, die Freiheit und Stärke der
freien Welt zu bewahren und dem sino-sowjetischen imperialistischen Druck Widerstand entgegenzusetzen;
zweitens unsere Bemühungen, dafür zu sorgen, daß die grimmige und unausweichliche Auseinandersetzung, zu der wir durch die
kommunistischen Politiker herausgefordert worden sind, nicht in
einen Krieg ausartet}
drittens unser umfassendes Streben nach einer Weltordnung,
in der der Frieden in Gerechtigkeit und Freiheit gesichert werden kann.
Tl-a
- 1-

�"AMERIKA DIENST"

29. April 1960

Die sowjetische Macht sowie die Entschlossenheit, den kommunistischen Einfluß auf die gesamte Welt auszudehnen, stellen eine ernste
und anhaltende (refahr für den Frieden dar» Trotz des ständigen Geredes
von der "friedlichen Koexistenz" gibt es keinen Beweis dafür, daß sich
die expansionistischen Ambitionen der Kommunisten auch nur im geringsten geändert haben. Es ist richtig, daß die sowjetischen Machthaber im Augenblick offenbar bestrebt sind, ihre unveränderten Ziele
durch nichtmilitärische Taktiken zu erreichen - durch Diplomatie,
Handel, Wirtschaftshilfe, Propaganda und innere Subversion. Sie sind
jedoch nach wie vor fest davon überzeugt, daß das totalitäre System
den Sieg davontragen wird. Die Tatsache, daß sie den Nachdruck gegenwärtig auf nichtmilitärische Maßnahmen legen, bedeutet keineswegs,
daß der Kampf weniger hart sein wird oder daß weniger Wichtiges auf
dem Spiele steht. Die Hauptfrage, um die es heute geht, ist nichts
Geringeres als das überleben freier Menschen in einer freien Zivilisation,
Währenddessen unterhält der sino-sowjetische Block eine enorme
militärische Macht, die ihren ständigen Druck auf die freie Welt verstärkt. Vor dem Risiko eines bewaffneten Konflikts stehen wir immer.
Wir müssen eine gewaltige und fortdauernde Anstrengung vollbringen,
um dieses Risiko zu begrenzen, wenn der Frieden erhalten werden soll.
Das erste zwingende Gebot besteht in der Aufrechterhaltung unserer militärischen Stärke auf einem Stand, der die Sicherheit gibt,
daß die sowjetischen Machthaber niemals in die Versuchung kommen
werden, einen thermonuklearen Krieg gegen die Vereinigten Staaten
oder ihre Verbündeten zu entfesseln. Wir haben heute diese Stärke,
und ich kann Ihnen versichern, daß unsere gegenwärtigen und geplanten Verteidigungsprogramme diese entscheidende Stärke aufrechterhalten und erhöhen werden.
Eine weitere zwingende Notwendigkeit ist die AufreUnterhaltung
und Verstärkung unseres kollektiven Systems von Verteidigungspakten
für die Sicherheit, dem fast ein halbes Hundert Nationen angehören,
und das bis in die entferntesten Winkel des Erdballs reicht. Diese
kollektive Stärke ist dringend erforderlich, um die Kommunisten
davor abzuschrecken, örtliche militärische Gewalt anzuwenden - wie
sie dies vor zehn Jahren in Korea taten -, um ihr Imperium auszuweiten. Die Notwendigkeit eines solchen Systems wird durch die Handlungen der chinesischen Kommunisten in der Formosa-Straße, ihr Verbrechen an Tibet und ihren kürzlichen militärischen Druck auf die
Grenzen Indiens deutlich«
Solange die Gefahr besteht und es kein allgemeines und wirksames
System der Rüstungskontrolle gibt, müssen wir und unsere Verbündeten
unsere Verteidigung aufrechterhalten. Wir dürfen uns nicht durch
irgendeinen oberflächlichen Anschein einer "Entspannung" zu einem
Nachlassen in unseren Bemühungen verleiten lassen.
Aber dies ist nicht genug. Um den Frieden zu erhalten, müssen
wir ebenfalls versuchen, vernünftige Kontakte mit der Sowjetunion
herzustellen. Trotz der unverminderten sowjetischen Bestrebungen gibt
es beträchtliche Anzeichen, daß sich die Sowjets genau wie wir der

- 2 -

�"AMERIKA DIENST"

29. April i960

Aufgabe West-Berlins oder zur Auslöschung der Freiheit in diesem
Teil Deutschlands werden könnte - das ein freies, friedliches und
demokratisches Mitglied der '.Veitgemeinschaft ist.
Es wäre allzu optimistisch, vorzugeben, daß die Aussichten auf
ein baldiges Abkommen günstig seien. Herr Chruschtschow hat in letzter Zeit in bezug auf Berlin und Deutschland eine Menge zu sagen
gehabt, und seine Worte hinterlassen unausweichlich den Eindruck,
daß aer sowjetische Standpunkt zu Berlin von den eigentlichen Tatsachen weit entfernt ist. Lassen Sie uns einige seiner Ausführungen
prüfeni
Er beginnt mit der Behauptung, daß West-Berlin "auf dem Gebiet"
der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik liegt. Dies ist
nicht nur falsch, sondern diese Behauptung steht in völligem Gegensatz zu dem feierlich gegebenen Wort der sowjetischen Regierung. Es
stimmt zwar, daß der sowjetisch-besetzte Teil Deutschlands Berlin
umgibt, es ist jedoch genauso richtig, daß Berlin ein separater
Status im Rahmen des Besatzungsabkommens zuerkannt wurde, das die
Sowjets -. zusammen mit den Briten und uns - selbst formuliert haben.
Darüber hinaus ist die sogenannte Deutsche Demokratische Republik eine der größten Fiktionen in einem riesigen Netz phantastischer
kommunistischer Mythologie. Ihre Marionettenherrscher stehen völlig
unter der Kontrolle Moskaus. Trot* unermüdlicher Anstrengungen, einen
örtlichen kommunistischen Apparat in Ostdeutschland aufzubauen, ist
es zv/eifelhaf t, ob diese Machthaber ohne die Unterstützung durch die
sowjetischen Bajonette auch nur einen einzigen Tag im Sattel bleiben
könnten. Das ostdeutsche Regime ist von keiner einzigen nichtkommunistischen Nation als Regierung anerkannt worden. Was sowohl die rechtlichen1"' als auch die geographischen Gegebenheiten anbetrifft r so ist
West-Berlin von der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik
gänzlich unabhängig - und dies wird so bleiben.
Herr Chruschtschow besteht weiterhin darauf, daß die westlichen
Streitkräfte West-Berlin verlassen und daß es zu einer "Freien Stadt"
erklärt werde. Er ignoriert die Tatsache, daß West-Berlin bereits
eine freie Stadt ist - die einsame Insel der Freiheit innerhalb der
Grenzen des sich ausbreitenden kommunistischen Weltreiches. Wenn er
davon spricht, West-Berlin zu einer "Freien Stadt" zu machen, dann
ist seine Absicht nur zu klar ersichtlich! er wünscht Berlin frei
von Schutz, frei von Sicherheit, frei von seinen wirtschaftlichen
und kulturellen Bindung an Westdeutschland - er möchte es von der
Freiheit selbst befreien.
Herr Chruschtschow hat sich ebenfalls darüber beklagt, daß die
Situation in Berlin "anomal" sei* Dieser Behauptung können wir von
ganzem Herzen zustimmen. Es ist tatsächlich anomal, wenn eine Million
Ostberliner gewaltsam von den über zwei Millionen Mitbürgern in
West-Berlin getrennt sind} wenn sie gezwungen werden, unter einem
totalitären Regime zu leben, das ihnen durch eine fremde Macht unrechtmäßig auferlegt wurde; und wenn sogar Familien durch eine willkürliche, im Namen einer fremden Ideologie aufgezwungene Grenze getrennt werden.
Aho-r

�"AMSRIKA DIENST"

29. April 1960

A"ber die anomale Situation in Berlin ist nur eine Seite der
noch größeren Anomalie, die durch die künstliche Abtrennung der
Ostzone von dem übrigen Deutschland geschaffen wurde. Die Ungeheuerlichkeit dieser Anomalie ist in nicht zu übersehender Weise durch die
Tatsache unterstrichen worden, daß in den letzten zehn Jahren mehr
als 2 1/3 Millionen Ostdeutsche und Ostberliner von der einzigen
Ihnen noch möglichen Meinungsäußerung Gebrauch gemacht und sozusagen
mit ihren Füßen gegen die kommunistische Herrschaft gestimmt haben,
indem sie nach West-Berlin oder in die Bundesrepublik flüchteten.
Die Anomalie, von der Herr Chruschtschow spricht, kann nur beseitigt werden, wenn man die gesamte deutsche Nation über ihr eigenes
Leben entscheiden läßt. Die einzige praktische Möglichkeit zur Ausübung dieses Rechts sind freie Wahlen. Herr Chruschtschow und andere
sowjetische Sprecher haben oft ihr Eintreten für das Prinzip der
Selbstbestimmung verkündet. Diese Behauptung wird als leere Geste
entlarvt, wenn sie sich weigern, diesen Grundsatz auf Berlin und
Deutschland anzuwenden.
Herr Chruschtschow hat ebenfalls erklärt, daß wir mit größter
Eile die "Überbleibsel" des zweiten 'Weltkrieges beseitigen müßten zu denen er auch die "Besetzung" West-Berlins - wie er es nennt durch amerikanische, britische und französische Truppen zählt. Wir
sind in noch stärkerem Maße als Herr Chruschtschow bestrebt, die
Überbleibsel des zweiten Weltkrieges zu liquidieren. Aber Herr
Chruschtschow muß sich darüber im klaren sein, daß diese Überbleibsel
recht zahlreich sindl
Wir fragent Ist die Sowjetunion bereit, ihre Streitkräfte aus
Ostdeutschland und den osteuropäischen Ländern abzuziehen, denen
sie aufgezwungen worden sind?
Ist sie bereit, den Ostdeutschen die Selbstbestimmung zu gewähren und den Völkern der sowjetisch-beherrschten Staaten in Osteuropa zu gestatten, ihr Schicksal selbst zu bestimmen?
Ist die Sowjetunion bereit, die Fiktion eines getrennten Nordkorea aufzugeben und es dem gesamten koreanischen Volk zu gestatten,
sich im Rahmen freier, von den Vereinten Nationen überwachter Yi/ahlen
wiederzuvereinigen?
Und ist sie schließlich bereit, ihre Obstruktionspolitik gegen?
über der Charta der Vereinten Nationen aufzugeben, zu der sie sich in
San Francisco feierlich bekannt, deren Anwendung sie aber durch eine
Reihe von Vetos im Sicherheitsrat beständig vereitelt hat?
Die Vereinigten Staaten und ihre westlichen Verbündeten wären
wirklich glücklich, wenn diese Überbleibsel des zweiten Weltkrieges
beseitigt würden. Wir sind jedoch nicht bereit, diesen Prozeß damit
zu beginnen, daß wir die Isolierung und das Aufsaugen We3t-Berlins
gestatten.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

29. April i960

wir haben Herrn Chruschtschow wiederholt davon in Kenntnis gesetzt, daß wir nicht unter Druck verhandeln werden. Und doch begibt
er sich mit seinen jüngsten Erklärungen, daß er beabsichtige, einen
separaten Friedensvertrag mit der sogenannten Deutschen Demokratischen
Republik zu unterzeichnen, wenn keine Ost-West-Einigung über Berlin
erzielt wird, auf sehr dünnes Eis. Wir gehen mit der festen Absicht
auf die Gipfelkonferenz, nach einer gemeinsam akzeptierbaren Lösung
des deutschen Problems, einschließlich Berlins, zu suchen, gerechte
Regelungen für andere internationale Streitfragen zu finden und Mittel
und Wege für eine Verbesserung der Beziehungen zwischen der westlichen
Ä'elt und dem Sowjetblock zu erkunden. Unsere Standpunkte sind flexibel,
und wir sind bereit, jeden vernünftigen Weg zu prüfen, der zu einer
Einigung führen kann. Herr Chruschtschow und seine Mitarbeiter geben
sich aber einer großen Illusion hin, wenn sie glauben, daß wir uns
ihren Drohungen beugen oder daß wir ihr verzerrtes Bild des deutschen
Problems als eine konkrete Verhandlungsbasis akzeptieren werden.
Keine Organisation hat in dem Kampf für die Freiheit Berlins und
des gesamten Deutschland eine größere Entschlossenheit gezeigt und ist
von größerem Nutzen gewesen als der Gewerkschaftsverband AFL-CIO. Als
ausdrückliche Anerkennung dieser Tatsache hat Ihr Präsident am 7« Dezember vergangenen Jahres eine hohe Auszeichnung von Bundeskanzler
Adenauer erhalten. Wir sind als Regierung stolz darauf, uns der damals
von Mr. Meany abgegebenen Erklärung anzuschließen, und ich zitiere!
"Weder die Freiheit West-Berlins, noch die Freiheit der fünfzig Millionen Menschen in Westdeutschland können Gegenstand eines internationalen Schachers werden."
Ich habe bisher die Politik dargelegt, die wir zur Bewahrung des
Friedens verfolgen. Aber dies allein ist noch nicht genug. Wir sind
energisch darum bemüht, die Freiheit und das Wohlergehen aller Völker
der Welt zu fördern. Das ist unser "Programm für den Sieg" - für den
Sieg über Not und Elend in einer Zeit des verstärkten Konkurrenzkampfes, der uns bevorsteht«
Ihr Exekutivrat hat dies ausgezeichnet formuliertl "Hunderte
Millionen von Menschen auf der ganzen Welt leben in tiefster Armut
und kennen noch nicht einmal die Grundvoraussetzungen der politischen
und geistigen Freiheit. Der sowjetische Imperialismus intensiviert
und verstärkt weiterhin mit allem Nachdruck seine Versuche, diese
Armut und Ungerechtigkeit für seine Zwecke auszunutzen."
Es sind die benachteiligten und neuaufstrebenden Völker, die
in immer stärkerem Maße zum Ziel der sowjetischen Politik werden.
Die kommunistische Kampagne ist weit mehr als eine wirtschaftliche
Kampagne; sie schließt ebenfalls politische, psychologische und kulturelle Faktoren ein.
Als freie Menschen haben wir die kommunistische Herausforderung
V in den Entwicklungsländern angenommen - in dem Vertrauen und in der
Überzeugung, daß unsere Gesellschaft und unsere Prinzipien die revolutionäre Dynamik der Freiheit darstellen, die schließlich den Sieg
davontragen muß•
•Vir

�"AMERIKA DIENST"

29. April i960

'.'vir müssen auch in Zukunft die Botschaft der Freiheit v/eitertragen und ihre Segnungen mit den weniger bevorzugten Völkern teilen.
vVenn diere Völker nicht auf die Zukunft hoffen können, dann wird ihre
verzweifelte Armut sie unter Umständen zu kommunistischen Allheilmitteln hinführen. «Vir müssen auch weiterhin dazu beitragen, daß die
Freiheit für sio ein erstrebenswertes Ziel ist. &lt;Vir müssen mit diesen
Völkern beim Aufbau ihrer Länder auf der gleichen Basis der Gemeinsamkeit der Interessen zusammenarbeiten, die die verschiedenen Gruppen
in den Vereinigten Staaten zu einer Zusammenarbeit beim Aufbau unseres
großen Landes geführt hat.
Das Wohlergehen all der Entwicklungsländer ist eine Angelegenheit,
die uns zutiefst angeht. Die Position unserer Freunde und Nachbarn
in Latfiinamerika ist von besonderer Bedeutung, und ich kann Ihnen
versichern, daß wir unsere Nachbarn im Süden niemals als einfache
Gegebenheit ansehen werden. Wir sind ebenfalls aufrichtig an dem Fortschritt der jungen Völker in Afrika interessiert, und unser Interesse
ist keineswegs nur auf materiellen Fortschritt beschränkt. Wir stehen
der Sehnsucht der afrikanischen Völker nach Würde und Gleichheit mit
tiefster Anteilnahme gegenüber. Es ist unsere aufrichtige Hoffnung,
daß die Resolution des V/eltsicherhoitsrates vom 1. April, in der die
gegenwärtige Entwicklung in Südafrika bedauert und der Generalsekretär
der Vereinten Nationen aufgefordert wird, mit der südafrikanischen
Regierung Konsultationen zu führen, sich als wirksam erweisen wird.
Ich weiß, daß ich nicht an Sie um Unterstützung für unsere Bemühungen zu appellieren brauche, die Segnungen der Freiheit der gesamten Kenschheit zugute kommen zu lassen. In den von Ihrem Konvent
in San Francisco im September vergangenen Jahres angenommenen Resolutionen forderten Sie "ein erweitertes, langfristiges und voll wirksames Programm der Wirtschaftshilfe und der technischen Unterstützung
für die industriell weniger entwickelten Länder".
Wir begrüßen in hohem Maße die starke Unterstützung, die Sie
diesem Programm entgegenbringen. Ich weiß, daß Sie - wie die meisten
Amerikaner - unser Gemeinsames Sicherheitsprogramm als eine direkte
Investition für unsere eigene zukünftige Sicherheit und unser eigenes
Wohlergehen ansehen.
Die privaten amerikanischen Organisationen - vor allem die Gewerkschaftsbewegung - spielen bei der Weitergabe der Ideen und Werte
einer freien Gesellschaft eine wichtige Rolle. Die AFI.-CI0 hat, sowohl in eigener Arbeit als auch zusammen mit dem Internationalen Bund
freier Gewerkschaften, bei der Unterstützung der freien Gewerkschaftsorganisationen in vielen Teilen der Welt Hervorragendes geleistet.
Diese Arbeit war bereits ein entscheidender Beitrag zu der Entwicklung
der jungen Völker, die zur Freiheit und zur Staatwerdung hinstreben.
Wie wir alle wissen, ist die Gewerkschaftsbewegung immer ein
Hauptziel der kommunistischen Subversion gewesen. Bei dem verstärkten Nachdruck, den die Sowjetunion auf die wirtschaftliche Durchdringung zu legen begonnen hat, werden sich die AFL-CIO und die freien
Gewerkschaf tsorgariisationen im Ausland, mit denen sie verbunden ist,
in den vor ihnen liegenden Jahren einer immer größer werdenden Aufgabe

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"AMERIKA DIENST"

29. April i960

Aufgabe gegenübersehen. Das neue kommunistische Konkurrenzbestreben
ist sehr intensiv auf die Gewerkschaftsorganisationen in den Entwicklungsländern gerichtet. Die Rolle, die der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung bei dem Bemühen zukommt, ihre Erfahrungen in bczug auf
den wirtschaftlichen Fortschritt in einem demokratischen Rahmen den
Entwicklungsländern verständlich und wertvoll zu machen, ist in der
Tat eine Aufgabe, die in immer stärkerem Maße allen ihr zur Verfügung
stehenden Einfallsreichtum und alle Beharrlichkeit und Ausdauer beansprucht. Die freie Gewerkschaftsbewegung ist in einer besonders günstigen Position, um diese Botschaft den Arbeitern in den Entwicklungsländern nahezubringen und die illusorische Natur des kommunistischen
Arguments, eine wirtschaftliche Entwicklung auf Kosten der persönlichen
und nationalen Freiheit zu erreichen, aufzuzeigen.
Ich bin überzeugt, daß die freien Gewerkschaften weiterhin eine
sehr bedeutsame und konstruktive Rolle spielen werden, indem sie
geistige Führung und technische Anleitung geben und ihr reiches Wissen
um die Freiheit' in den Dienst der rechtmäßigen Bestrebungen der Arbeiter
in der gesamten freien Welt stellen.
In unserem Umgang mit den Völkern der Entwicklungsländer müssen
wir stets daran denken, daß alles, was wir hier Zuhause tun, eine
direkte Wirkung auf unseren Erfolg im Ausland hat. Alles, was unser
Volk tut - das Gute wie das Schlechte - wird von den anderen Völkern
genau verfolgt. Was bei diesen Völkern Eindruck macht, sind unsere
Taten und nicht so sehr unsere Y.'orte. Wenn sie sehen, daß wir mit unseren eigenen Problemen - wirtschaftlichen, pädagogischen, rassischen und
politischen - gut fertig v/erden, dann gibt ihnen das die beste Antwort
auf das kommunistische Argument, daß die jungen Staaten ihre wirtschaftliche Entwicklung und einen hohen Lebensstandard nur durch die Nachahmung der entwürdigenden totalitären Methoden des Kommunismus erreichen
können.
Wir können und müssen durch anhaltendes wirtschaftliches Wachstum
unter Beweis stellen, daß sich die Freiheit bewährt, daß sie - besser
als der Kommunismus - die menschlichen Energien mobilisieren und einen
gerechten Anteil an den Früchten der Arbeit zustande bringen kann. Wir
können und müssen den sowjetischen Mythos zerstören, daß unser System
dekadent, der Kommunismus dagegen die "Welle der Zukunft" sei.
Dies können wir erreichen - aber nur dann, wenn wir uns zutiefst
darüber im klaren sindf daß unsere Probleme die Probleme der Welt sind.
Wir müssen erkennen, daß alles, was wir hier im eigenen Lande tun oder
.lassen, eine weltweite Auswirkung hat und die Interessen Amerikas in
der ganzen Welt berührt.
W.ir wissen, was die Sowjets unter "friedlicher Koexistenz" verstehen. Die kommunistische Interpretation des Begriffes "Friedliche
Koexistenz" wird sowohl durch ihre Taten wie durch ihre Worte illustriert.
Im gleichen Atemzug, in dem sie ihre Doktrin verkünden, proklamieren
sie, daß das kommunistische System am Ende alle anderen Gesellschaftsformen absorbieren wird. Inzwischen überschwemmen sie weiterhin ihre
Nachbarstaaten mit einer Flut giftiger Propaganda und geben Erklärungen ab, die dazu bestimmt sind, Streitigkeiten im Inneren dieser Länder
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�'AMERIKA DIENST"

29. April 1960

Länder aufzustacheln. Ihre Vsühlagenten und politischen Marionettenparteien sind beinahe in jedem Land der V/elt am Werk. Ihre Handelsund '.Virtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern sind nicht dazu bestimmt,
rechtmäßige Handelsinteressen zu fördern, sondern dienen als Mittel
zur Verstärkung des politischen Einflusses und der politischen Macht«
Das ist "friedliche Koexistenz" - nach sowjetischem Stil - in voller
Aktion. Wir wissen ferner, dal? "friedliche Koexistenz" für die Sowjetunion sogar die Anwendung von militärischer Gewalt einschließt, sofern
dies ihren Zielsetzungen dient - wie die brutale Unterdrückung der
Freiheit in Ungarn zeigte.
Ja der Begriff "Koexistenz" ist an sich schon sowohl verwirrend
als auch anmaßend. Bis zum Aufstieg solcher moderner totalitärer
Systeme wie Nazismus und Kommunismus war das Recht getrennter Staaten
und Systeme, zu existieren, niemals in Frage gestellt. Die Koexistenz
wurde immer als eine Mindestbedingung friedlicher internationaler Beziehungen angesehen.
Aber selbst diese Minimalkonzeption des ''-eben und leben lassen"
ist in der V/elt von Heute unzureichend. Wir müssen leben und zu leben
helfen. Was die Welt wirklich benötigt, ist die Zusammenarbeit - eine
positive und tatkräftige Zusammenarbeit, durch die alle Systeme und
Gesellschaftsformen gemeinsam nach Lösungen für die dringlichen Probleme der Menschheit suchen. Die Vereinigten Staatan glauben an das Recht
aller Menschen, ihre Überzeugungen und Systeme selbst zu wählen, bei
gegenseitiger Toleranz und gegenseitiger Achtung. '.Vir sind auf Grund
unserer eigenen nationalen Erfahrung fest davon überzeugt, daß die
Mannigfaltigkeit und die Verschiedenheit genauso nützlich wie unvermeidbar sind und daß die Verschiedenheiten der Manschen eine starke
Quelle für den menschlichen Fortschritt sind. Lassen Sie uns deshalb
die Konzeption einer vergänglichen und unsicheren Koexistenz auf den
Schutthaufen werfen und statt dessen versuchen, die verschiedenartigen Geisteshaltungen und Talente aller Menschen für die Lösung der
Jahrhundertealten Probleme der Armut, der Krankheit, der Unwissenheit,
der Unterdrückung und der Ungerechtigkeit einzusetzen. Lassen Sie uns
positiv zusammenarbeiten, um den Organismus einer echten '.Yeltgemoinschaft zu schaffen.
Welches ist nun das Ziel, nach dem wir streben? Wie sieht die Welt
aus, um deren schließliche Verwirklichung wir uns bemühen?
'.Vir erstreben eine geordnete Weltgemeinschaft, in der es keine
Gefahr eines Krieges mehr gibt und. in der die Herrschaft des Rechts
dem Menschen die Möglichkeit gibt, seine ganze Energie für friedliche
Aufgaben zu verwenden.
Der Abrüstungsplan des Westens, der im vergangenen Monat in Genf
vorgelegt worden war, macht dies in seiner Präambel klar. In ihm wird
eine sichere, freie und friedliche Welt als schließliches Ziel gesetzt,
die unter v/irksamen internationalen Kontrollmaßnahmen abgerüstet ist,
und in d»r Streitfälle in Übereinstimmung mit den in der UN-Charta aufgestellten Prinzipien beigelegt werden.
Zur

�"AMERIKA DIENST"

29. April 1960

Zur Erreichung dieses Zieles dienen zwei im westlichen Plan
parallellaufende Bemühungen; die eine auf die Kontrolle und Reduzierung der Rüstung abzielend}, die andere auf die Verstärkung des den
Frieden schützenden Apparates gerichtet.
Der Plan sieht progressive Abrüstungsmaßnahmen vor, die für beide
Seiten bindend sein müssen und einer angemessenen Inspektion bedürfen.
Als einen praktischen Beginn streben wir Rüstungskontrollmaßnahmen
an, um das Risiko eines Krieges auf Grund von Fehlkalkulationen zu vermindern und die unkontrollierte Ausbreitung von Kernwaffen zu verhindern.
Seit vielen Monaten sind Verhandlungen über eine dieser Maßnahmen - die
Einstellung der Kernwaffenversuche - im Gange. vVenn diese erfolgreich
abgeschlossen werden sollten, dann wäre ein bedeutender Schritt in
Richtung auf die Begrenzung der weiteren Ausbreitung der nuklearen
Kapazität getan worden. Aber dies ist noch nicht genug. Wir bemühen
uns ferner um ein baldiges Abkommen - und je früher desto besser über Maßnahmen zur Verringerung des Kriegsrisikos auf Grund von Fehlkalkulationen, über Garantien gegen einen Überraschungsangriff, über
Schritte zur Verhinderung eines Waffeneinsatzes im Äeltenraum und über
eine kontrollierte Beendigung der Produktion spaltbaren Materials für
Waffenzwecke. Wir sind uns darüber im klaren, daß derartige Maßnahmen
keine drastische Kürzung der bestehenden Streitkräfte bedeuten würden.
Sie würden jedoch den Rüstungsaufbau beenden und die Gefahr eines globalen Krieges reduzieren.
Wenn erst einmal das gegenwärtig immer schneller werdende Wettrüsten abgebremst worden ist, dann sollten wir auf weitreichende Maßnahmen der kontrollierten Abrüstung drängen. Die bewaffneten Streitkräfte sollten auf einen Stand gebracht werden, der lediglich für die
innere Sicherheit notwendig ist, und die Waffen der Massenvernichtung
sollten beseitigt werden. Keine Nation oder Gruppe von Kationen könnte
sich dann dem organisierten Willen und den Zielsetzungen der Vieltgemeinschaft entgegenstellen.
Parallel zu den Maßnahmen für eine gesicherte Rüstungsreduzierung
streben wir nach der Entwicklung eines im Rahmen der Vereinten Nationen
aufzubauenden Systems eines allgemein anerkannten Völkerrechts und dem
Aufbau eines internationalen Apparates zur Durchsetzung eines solchen
Rechts und zur Beilegung von Streitfällen, die unter ihm entstehen,
Daau wäre eine internationale Streitmacht erforderlich, die imstande
ist, einer Aggression Einhalt zu gebieten. Die Vereinigten Staaten
werden bestimmt nicht einfach abrüsten, solange nicht die Gewähr gegeben
ist, daß eine internationale Organisation zum Schutze des Friedens
existiert•
Dies sind also die Wege, auf denen wir dem Endziel einer besser
geordneten Welt entgegenstreben. Die Aufgabe wird nicht leicht sein.
Ein Blick auf den Abrüstungsplan von Ministerpräsident Chruschtschow,
der die Basis für die Position des Sowjetblocks auf der Zehn-MächteAbrüstungskonferenz bildet, macht dies klar. Eigentlich ist dies gar
kein Plan, sondern eine umfassende Darlegung von Zielsetzungen - kommunistischen Zielsetzungen. Rüstungskontrollen und Abrüstungsmaßnahmen
werden mit schwungvollen allgemeinen Redensarten abgetan. Konkrete
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�"AMERIKA DIENST"

29. April 196O

Konkrete Bestimmungen für die Verifizierung und für die Kontrollabmachungen gibt es keine. Genauso wenig findet sich irgendeine
Bestimmung darüber, wie der Friede in einer von Waffen freien Welt
gestaltet werden soll.
Wir Amerikaner sind ungeduldig. Wir möchten gerne schnelle und
vollständige Lösungen. Aber solche Lösungen gibt es für die nternationalen Probleme nicht. Nur eine Welt, in der eine vernünftige Stabilität sowie Ordnung und Gerechtigkeit unter dem Gesetz gesichert sind,
kann den Interessen unseres Landes und den Interessen aller Völker
dienen.
Eine solche Welt kann nicht über Nacht geschaffen werden* Doch
wenn wir keine Fortschritte in Richtung auf eine solche Welt machen,
dann erreichen wir vielleicht einen Punkt, von dem aus es keine Rückkehr gibt. Wir werden uns weiterhin um die Verwirklichung dieses
Zieles bemühen - durch die Vereinten Kationen, durch unsere Ab rüstungsverhandlungen, durch andere Verhandlungen mit der Sowjetunion und durch
all die weitgest--eckten Anstrengungen hier in den USA sowie im Ausland
auf dem Gebiete der Verteidigung, des Außenhandels und der Investitionen,
der Entwicklungshilfe, der kulturellen Beziehungen, der persönlichen
Kontakte und der Diplomatie,
Wenn wir Erfolg haben wollen, dann müssen wir auf all diesen
Gebieten noch mehr leisten. Nur durch unsere gemeinsamen Anstrengungen
als Nation können wir hoffen, unsere besten Interessen in der vor uns
liegenden Zeit des scharfen Konkurrenzkampfes zu fördern.
Wir bemühen uns als Nation gegenwärtig bewußt darum, die geschieht*
liehen Kräfte auf einer weltweiten Basis zu beeinflussen. So hoch gesteckt und ehrgeizig eine solche Aufgabe sein mag, wir haben keine
Alternative, denn wenn die sich rapide ändernden Verhältnisse in der
Welt nicht in Richtung auf eine neue Ära der allgemeinen Freiheit und
Prosperität sowie auf eine universale Ordnung und ein universales Recht
gelenkt werden, dann können weder die Vereinigten Staaten noch irgendeine andere freie Nation in Sicherheit leben - vielleicht sogar nicht
einmal überleben.
Die Tatsache, daß wir uns dieser Wahrheiten bewußt sind, führt
uns in aller Nüchternheit vor Augen, was jeder von uns tun muß. Das,
was wir als Nation erreichen, kann nur die Gesamtsumme dessen sein, was
wir als Einzelmenschen leisten. Die Regierung in Washington verfügt über
keine Macht oder Fähigkeit, die unabhängig von dem Volk ist, das unsere
Nation ausmacht,
,
Es ist jetzt nicht die Zeit für ein leichtes Leben, für eine laxe
Haltung oder für eigennütziges Streben nach materiellen Vorteilen auf
Kosten der Interessen der Nation. Ich rufe alle Amerikaner auf, erneut
jenen revolutionären Eifer und jene Begeisterung zu zeigen, die uns
die Unabhängigkeit und nationale Einigkeit sicherten und die die Amerikaner vorantrieben, die Wildnis zu besiegen und eine große Zivilisation
zu schaffen. Wir sind heute alle im wahrs-ten Sinne des Wortes aufgerufen,
zur Schaffung einer neuen Welt beizutragen.
Dies ist eine Aufgabe, die alle Amerikaner begeistern und sie zu
einem Einsatz aller ihrer Kräfte veranlassen sollte, heute sowie in den
vor uns liegenden Jahren,
Ich danke Ihnen,

�A M E R I K A

D I E N S T

WELTRAUM - NEULAND DER PRAKTISCHEN FORSCHUNG

�Allg./6.5.1960
WELTRAUM - NEULAND DER PRAKTISCHEN FORSCHUNG

Die Geschichte hat keine Parallele zu den Ereignissen unserer Zeit,
in der Wissenschaft und Technik Fortschritt auf Fortschritt verzeichnen.
Der Mensch schickt sich an, dem Weltraum Geheimnisse zu entreißen, die
die Frage nach der Entstehung der Erde und vielleicht sogar des Universums beantworten helfen.
Nachdem es gelungen ist, die Erdanziehung, der alle Körper im Bereich der Erdgravitation unterworfen sind, durch die Gegenkraft der
Beschleunigung von Flugkörpern auf genügend hohe Geschwindigkeiten zu
überwinden, werden jetzt Satelliten und Raumsonden in Umlaufbahnen um
Erde, Mond und Sonne gebracht. Diese unbemannten Meßgeräte liefern erstmals wissenschaftliche Daten unmittelbar aus Räumen, die bisher nur der
"Fern"-Beobachtung von der Erdoberfläche aus oder - sehr kurzfristig aus dem Bereich jenseits der dichten Luftschichten bis zirka 200 km
Höhe durch Raketensonden zugänglich waren. Verglichen mit der Ausdehnung
unseres Sonnensystems - von der Ausdehnung der Milchstraße, zu der es
gehört und die allein etwa 200 Milliarden Sonnensysteme umfaßt, ganz zu
schweigen - nehmen sich zwar diese ersten praktischen Versuche recht
bescheiden aus. Der Anfang zur Verwirklichung eines uralten Menschheitstraums, die rätselhafte Welt der Sterne und die darin wirksamen Kräfte
unmittelbar zu erforschen, ist damit jedoch zweifellos gemacht.
In den Vereinigten Staaten wird heute ein erheblicher Anteil der
Wirtschaftskraft - Geld, Produktionskapazität, technisches Können und
Forschungsarbeit - dafür aufgeboten,
Meßsatelliten auf bestimmte Flugbahnen in den Weltraum zu entsenden, mitten unter die großen und kleinen
Himmelskörper und Gasmassen, die seit Jahrmilliarden das Universum füllen.
Mit Hilfe der Ergebnisse aus solchen Experimenten hofft man, auch die
Naturkräfte in unserem ureigensten Lebensbereich, auf der Erde, besser
erkennen, nutzen und möglicherweise auch kontrollieren zu können.
Das zivile Weltraumprogramm der Vereinigten Staaten, das dem US-Amt
für Aeronautik und Weltraumforschung (NASA) untersteht, umfaßt eine Vielzahl von Projekten aus ganz verschiedenen Gebieten. Sie reichen von der
Astronomie über die unmittelbare Erforschung des interplanetaren Raumes,
des "Vorfeldes" und der Lufthülle unserer Erde bis zu den technischen
Problemen, die Luftfahrt und Raumflug aufgeben; es bezieht ferner zahllose Fragen der Atom- und Elektronentechnik und, last not least, der Medizin und Biophysik ein. Dabei werden neben den Aufgaben der Grundla^en- 1

�'AMERIKA DIENST"

6. Mai

1960

Grundlagenforschung durchaus praktische Ziele verfolgt, die unter anderem
auf eine wesentliche Verbesserung der Beobachtung und Vorhersage des Wetters, auf die Verbesserung und Vereinfachung des Nachrichtenwesens auf
weltweiter Basis sowie der Navigation zur See und in der Luft gerichtet
sind.
Laboratorien zwischen Himmel und Erde
Die Hoffnungen, die die Wissenschaftler zu Beginn des Internationalen
Geophysikalischen Jahres auf die künstlichen Erdsatelliten als technische
Hilfsmittel zur Durchführung bestimmter Aufgaben der geophysikalischen
Forschung gesetzt hatten, waren gerechtfertigt. Die detaillierte Auswertung der Daten, die man mit diesen Meßgeräten seit etwa zweieinhalb Jahren
gewinnt, nimmt zwar meist Monate oder gar Jahre in Anspruch; jedoch können
wir jetzt schon sagen, daß dank den Satelliten und Weltraumsonden nicht
nur unser 'ffissen um die Beschaffenheit der physikalischen Umwelt der Erde
wesentlich bereichert, sondern auch eine Basis für die technische Vorbereitung des Raumflugs geschaffen wurde. Der Mensch weiß heute ungefähr, was
ihn "draußen" erwartet, und er kann sich darauf einrichten.
Die Vereinigten Staaten haben bisher (Stand von Ende April i960)
18 Erdsatelliten und 4 Raumsonden in den Weltraum geschickt. Zehn der
Satelliten - EXPLORER I, VI und VII, VANGUARD I, II und III, DISCOVERER V
und XI sowie TIROS I und TRANSIT I-B - umkreisen noch in stark elliptischen bis nahezu kreisförmigen Bahnen die Erde, während die übrigen acht
Satelliten - EXPLORER III und IV, ATLAS-SCORE, DISCOVERER I, II, VI, VII
und VIII - inzwischen in die dichteren Luftschichten abgesunken und verglüht sind. Das gleiche Schicksal ereilte die Raumsonden PIONIER I und
III; PIONIER IV und V dagegen haben die sogenannte zweite kosmische Geschwindigkeit erreicht und sind als künstliche Planeten in eine Umlaufbahn um die Sonne eingetreten.
Die wissenschaftlichen Probleme, an deren Klärung den Forschern bei
solchen Experimenten besonders gelegen ist, sind Dichte und Ausdehnung
der äußeren Atmosphäre, Auftreten und Intensität der kosmischen Strahlung,
Intensität der Sonnenstrahlung in verschiedenen Spektralbereichen, Stärke
und Ausdehnung des Erdmagnetfeldes, Stärke und Verteilung von Magnetfeldern sowie Gasdichte im interplanetaren Raum, Häufigkeit und Größe von
Meteoriten und kosmischen Staubpartikeln, Temperaturkontrolle in Raumflugkörpern und praktische Erforschung der Möglichkeiten für den Menschen,
sich in einem künstlichen Satelliten auf eine kürzere oder längere Flugreise um die Erde zu begeben. Wie sehr auch eine weltweite Wetterbeobachtung durch den Einsatz künstlicher Satelliten verbessert werden könnte,
beweisen bereits die Tausende von Aufnahmen, die TIROS I seit seinem Start
am 1. April 1960 geliefert hat.
Weltraumstrahlung
Die Intensität der kosmischen Strahlung im Weltraum ist ein wichtiger
Faktor bei Raumflugprojekten, die den Menschen aus der schützenden Lufthülle hinausführen. Die amerikanischen Erdsatelliten und Raumsonden wurden
daher mit Spezialgeräten ausgestattet, die automatisch Strahlungsmessungen
im Bereich der gesamten Flugbahn oberhalb der dichten Erdatmosphäre vor-

�AMERIKA DIEN3T"

6. Mai

1960

Schon bald nach dem Start von EXPLORER I stand für die Wissenschaftler, die gespannt die Signale des Geigerzählers beobachteten,fest, daß
etwa ab 900 km Höhe die Strahlung intensiver wurde und die Impulszählung durch irgendein Phänomen, dessen Natur man noch nicht kannte, sogar
gestört wurde. Die Bestätigung dieser Vermutung und eine Erklärung des
Phänomens brachte EXPLORER III. Als Ursache der Störungen wurde eine in
einer bestimmten Höhe beginnende Zone intensiver Strahlung festgestellt, c
die stellenweise so stark ist, daß die damals mitgeführten Zählgeräte
einfach blockiert wurden.
Dr. James Van Allen von der Staatsuniversität Iowa und seine Mitarbeiter, die als erste diese Erscheinung beobachtet und gedeutet hatten,
konnten durch eine weitere Verfeinerung der Strahlenmeßgeräte und ihre
Unterteilung in verschiedene Empfindlichkeitsstufen Art und Intensität
der Strahlung sowie die Ausdehnung dieser Zone ermitteln. EXPLORER IV,
der mit zwei Geiger-Mueller-Zählrohren und zwei Szintillationszählern
ausgerüstet war, "sortierte" die Strahlung nach Intensitätsstufen.
Dabei zeigte sich, daß pro Sekunde 25 000 bis 35 000 kosmische Strahlenpartikeln auf den Quadratzentimeter entfielen. Mindestens 60 Prozent
davon waren energiereich genug, um die Bleiabschirmung des einen der
beiden Geigerzähler zu durchdringen. Die Konzentration energieärmerer
Teilchen war sogar noch höher, nämlich etwa 1 000 000 qcm/sec. In 1900
km Höhe über Südamerika wurde ein Strahlungspegel von 10 Röntgen pro
Stunde gemessen - eine ungemein starke Strahlung, wenn man die Höchstbelastungsdosis für Atomarbeiter, die 5 Röntgen pro Jahr beträgt, als
Richtwert zugrunde legt.
Aber erst die Messungen der Weltraumsonden PIONIER III und IV und,
einige Monate später, des Erdsatelliten EXPLORER VI brachten die erwünschte
Aufklärung - und zugleich neue Überraschungen. Es stellte sich nämlich
heraus, daß der Van-Allen-Gürtel in Wirklichkeit aus zwei Zonen intensiver Strahlung besteht. An den inneren Gürtel, dessen Entfernung von
der Erde nach neueren Messungen zwischen 1000 und 10 000 km schwankt,
schließt sich zunächst eine Zone verhältnismäßig geringer Strahlung an,
bis einige tausend Kilometer weiter der äußere Strahlenring beginnt.
An seinem Innenrand wurden heftige Ausbrüche sporadisch auftretender
Strahlung verzeichnet, deren Ursache noch nicht geklärt ist. In etwa
14 000 km Höhe, also in der normalerweise strahlungsarmen Zwischenzone,
wurde von Zeit zu Zeit eine hohe Strahlungsintensität beobachtet; man
nimmt an, daß dieser Effekt mit Magnetstürmen in Zusammenhang steht, die
zur gleichen Zeit auf der Erde registriert wurden.
Den ersten Hinweis darauf, daß die Strahlungszonen, die in ihrem Verlauf offenbar den erdmagnetischen Linien folgen, als eine Reaktion auf
Sonneneruptionen "pulsieren" und sich "auffüllen" könnten, lieferten die
PIONIER-Weltraumsonden schon vor mehr als einem Jahr. Während PIONIER III
(6/7. Dezember 1958) die obere Grenze des äußeren Ringes bei 55 000 km
Abstand von der Erde gemeldet hatte, endete dieser nach den Messungen von
PIONIER IV (gestartet am 3• März 1959» sechs Tage nach einer starken Sonneneruption) erst in 83 600 km Höhe; außerdem war darin die Konzentration
elektrisch geladener Teilchen dreimal stärker als am 6. Dezember1958. Ihre
größte Stärke und ihren größten Erdabstand haben die beiden Strahlenzonen

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3 -

�"AMERIKA DIENST"

6. Kai

1960

Strahlenzonen über dem Äquator; sie ziehen sich bis zu den Polgebieten
hin, erreichen jedoch die Pole, nicht ganz.
Angesichts der hohen Energie der Strahlung im inneren Gürtel ist
zu vermuten, daß diese hauptsächlich aus Zerfallsprodukten von Neutronen
aus Luftatomen besteht, die energieärmere Strahlung des äußeren Ringes
dagegen ihren Ursprung im Sonnengas hat. Über ein interessantes Phänomen,
das allerdings eine Überprüfung der bisherigen Theorien von der Entstehung
der Polarlichter erforderlich macht, berichtete im April i960 Dr. Paul
J. Kellogg von der Universität Minnesota. Auf Grund der Meßergebnisse
von Höhenballons, die in der Arktis beim Auftreten von Polarlichtern aufgelassen worden waren, sowie der zur gleichen Zeit aufgefangenen Signale
von EXPLORER VI ist anzunehmen, daß beim Einsetzen eines magnetischen
Sturmes der äußere Strahlungsgürtel etwa zwei Drittel der eingefangenen
elektrischen Teilchen freigibt, sie "abschüttelt" wie ein Regenschirm.
Beim Abklingen der magnetischen Stürme und Erlöschen der Polarlichter
steigt die Teilchenkonzentration im Außenring plötzlich auf das Fünfzehnfache des vorhergehenden Wertes an. Ihre hohe Energie erhalten die Teilchen aber anscheinend erst durch das erdmagnetische Feld. Eine Erklärung
für diese Aufeinanderfolge der Ereignisse vermochte Dr. Kellogg nicht zu
geben.
Den von EXPLORER VI "entdeckten", in großer Höhe in westlicher Richtung fließenden elektrischen Ringstrom um die Erde von schätzungsweise
5 Millionen Ampere Stärke bestätigte jetzt auch PIONIER V bei etwa 64 000 km
Höhe. Jenseits der 00 OOO-km-Grenze stieß PIONIER V auf eine von PIONIER I
erstmals registrierte Zone mit starken magnetischen Turbulenzerscheinungen;
dieser Bereich, in dem das erdmagnetische Feld und Magnetfelder des 'Weltraums aufeinanderstoßen, ist doppelt so weit von der Erde entfernt als
nach den theoretischen Überlegungen angenommen worden war. In 5 Millionen
km Erdabstand geriet die Raumsonde in starke Elektronen- und Protonenströme,
die aus einer Sonneneruption stammten; kurze Zeit später sprachen auch die
Geräte von EXPLORER VII und Höhenballonen in der Arktis darauf an. Den Partikelströmen folgte eine riesige .Volke ionisierten Sonnengases, die auch
PIONIER V einhüllte. 25 Prozent der normalerweise von seinen Geräten registrierten kosmischen Strahlen aus Bereichen außerhalb unseres Sonnensystems
drangen plötzlich nicht mehr bis zu ihm durch. Diese Beobachtung bestätigt
die Theorie, mit der man den plötzlichen Abfall der Intensität dieser
Strahlung in den Polarzonen bei heftigen Magnetstürmen in der Erdatmosphäre
zu erklären suchte: als Ursache wird magnetische Ablenkung und Reflexion
der Partikeln in den Weltraum angenommen.
Luftdichte und Erdgestalt
Eine überraschende Feststellung ergab sich aus den laufenden Beobachtungen von VANGUARD I. Die Dichte der oberen Schichten der Atmosphäre ist
um ein Mehrfaches größer als angenommen worden war und verändert sich mit
den periodischen Schwankungen in der Ausstrahlung von Sonnenenergie. Analysen der Umlaufbahn dieses kleinen Satelliten zeigten ferner, daß die Erdgestalt nicht ganz den bisherigen Vorstellungen von einer an beiden Polen
gleichmäßig abgeplatteten Kugel mit dickem Äquatorwulst entspricht, sondern
eher der Form einer Birne ähnelt. Auf der südlichen Halbkugel mit der
größeren Masse ist die Abplattung stärker als auf der Nordhalbkugel.
Erdmagnetismus.

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�Die vier Flügel von PIONIER V sind mit 4800 Siliziumzellen besetzt,
die Sonnenlicht in Betriebsstrom für die zahlreichen Meßgeräte umwandeln. Man hofft, die Signale dieser Raumsonde noch aus 80
Millionen km empfangen zu können.

Donnernd hebt sich die dreistufige THORABLE-Rakete mit dem Erdsatelliten TIROS I
in der Spitze vom Starttisch.

Der am 1. April 1960 gestartete Wetterbeobachtungssatellit TIROS I
lieferte in 4 Wochen über 7000 Wolkenbilder. An der Unterseite ist
das Objektiv der Weitwinkelkamera sichtbar.

�"AMERIKA DIENST"

6. Mai 196O

Erdmagnetismus. Energieau3tauach Weltraum - Erde. Sonnenstrahlung
VANGUARD III, der unter anderem mit einem Magnetometer ausgerüstet
wurde, gab beim "Abfragen" durch Bodenbeobachtungsstationen täglich etwa
50mal wichtige Hinweise auf Verlauf und Stärke des erdmagnetischen Feldes
zwischen 500 und 3700 km Höhe. Er registrierte außerdem solare Röntgenstrahlung, von deren Auswirkungen auf die Erdatmosphäre man noch sehr wenig
weiß.
Außerordentlich vielfältig waren auch die Aufgaben von EXPLORER VII,
der über die Intensität und die Energiestufen kosmischer Primärstrahlung,
die Ultraviolett-Strahlung und "weiche" Röntgenstrahlung der Sonne in ganz
bestimmten Wellenlängenbereichen, über das Strahlungsgleichgewicht zwischen
Erde und Weltraum, die Intensität energiereicher Strahlung im Van-AllenGürtel zwischen 5^0 und 1100 km Höhe, Größe und Häufigkeit von Mikrometeoriten, Temperaturen an zahlreichen Meßpunkten innen und außen am Satelliten
sowie über die Funktionsfähigkeit ungeschützter Siliziumzellen Auskunft gab.
Er gehört ebenso wie EXPLORER VI, VANGUARD III und PIONIER V zur "zweiten
Generation" von Meßsatelliten, die mit wahren Wunderwerken der Miniaturelektronik ausgerüstet sind.
EXPLORER VI, dessen augenfälligstes Merkmal - wie auch bei PIONIER V die vier flügelähnlichen Sonnenbatterie-Platten sind, vermochte übrigens
Meßdaten nicht nur zu speichern, sondern auch bereits zu verarbeiten. Dies
wurde durch das elektronische Fernmeßsystem TELEBIT ermöglicht, das noch
die Übermittlung von Signalen im interplanetaren Raum über Entfernungen
von mehr als 80 Millionen km erlaubt. Das Gerät sammelt und speichert Meßdaten von mehreren verschiedenen Geräten und setzt sie nach dem gleichen
Prinzip, nach dem elektronische Rechengeräte arbeiten, in eine Art Kode um.
Auf da3 Abrufsignal einer Bodenstation, das jeweils nach einer längeren
Erholungspause für die chemischen Batterien bzw. nach deren Wiederauffüllung durch die Sonnenenergie-Kollektoren gegeben wird, strahlt der Sender
innerhalb weniger Sekunden die in der Zwischenzeit gesammelten verschlüsselten Meßwerte aus.
Auch PIONIER V hat außer den Geräten zur Registrierung von Strahlung
verschiedener Energiestufen und Konzentration (und damit auch zur Untersuchung der von der Sonne ausgeschleuderten Partikelströme), von Mikrometeoriten, Magnetfeldern im Weltraum (einschließlich deren Stärke und Richtung)
und zur Angabe seiner "Blickrichtung" ein solches TELEBIT-Gerät an Bord.
Es lieferte seit dem Start der Raumsonde am 11. März 196O einwandfreie Meßwerte von zahlreichen Sensoren, bis plötzlich - PIONIER V befand sich inzwischen mehr als 8 Millionen km von der Erde entfernt - Störungen auftraten.
Die Angaben über Batterie Spannung, Batterietemperatur und Temperatur an den
vier Photozellen-Platten waren offensichtlich falsch. Nach dem ChiffreSignal war beispielsweise die Batteriespannung so niedrig, daß der Sender gar
nicht mehr hätte arbeiten können - aber die Signale kamen nach wie vor klar
an.
Robert Gottfried von den Space Technology Laboratories in Los Angeles,
wo PIONIER V zusammengebaut worden war, versuchte nun durch Prüfung jedes
einzelnen Bau-Elements an einem zweiten TELEBIT-Gerät im Laboratorium den
Fehler zu finden, eine sehr mühsame Aufgabe, da das 4»5 kg schwere Gerät
nicht weniger als 45O Transistoren, 1500 Dioden, 1600 Widerstände, 1000

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�"AMERIKA DIENST

6. Mai

1960

1000 Kondensatoren und mehrere tausend Lötkontakte besitzt. Als Fehlerquelle wurde schließlich eine stecknadelkopfgroße Diode ermittelt. Daraufhin arbeitete Gottfried ein neues Dechiffriersystem für die PIONIER-Signale
aus - und seitdem liefert die Raumsonde wieder "vernünftige" Daten. Die
Falschmeldungen konnten überdies nachträglich richtig interpretiert werden,
so daß nichts an Meßdaten verloren ist.
Wetterbeobachtung
Der am 1. April 196O gestartete, 122 kg schwere TIROS I ist der erste
Erdsatellit einer neuen Versuchsserie, die der Erprobung solcher Flugkörper
als Hilfsmittel der meteorologischen Beobachtung dient. Das mit zwei Fernsehkameras, elektronischen BildaufZeichnern und zahlreichen anderen Spezialinstrumenten ausgerüstete Gerät hat inzwischen über 7000 Bilder aus etwa
700 km Höhe gesendet, deren Qualität die Fachleute überraschte. Mit Hilfe
dieses Satelliten wurde auch erstmals nachgewiesen, daß bei umfangreichen
Sturmgebieten außerhalb der Tropen die gleichen spiralförmigen Wolkenbänder
auftreten wie bei tropischen Taifunen oder Hurrikanen. Die Struktur der
Wolkenformationen zeigt allgemein einen unerwartet klaren Aufbau. Nach Ansicht Dr. F. W. Reichelderfers, des Direktors des US-Bundesamtes für Meteorologie, eröffnet TIROS I eine neue Ära der meteorologischen Beobachtungsverfahren; ein System von mehreren Wettersatelliten in Verbindung mit
Radar, Wetterflugzeugen, Raketen- und Ballonsonden dürfte es ermöglichen,
genaue Wettervorhersagen für zirka 30 Tage zu geben.
Ein Teil der Aufnahmen wird bis zum Abruf durch eine Bodenstation
im Satelliten gespeichert; in "Rufweite" einer Station können die Impulse
aber auch direkt vom Kamera-Bildwandler an den Sender gegeben werden. Damit
der mit der Auswertung betraute Meteorologe das Bild besser identifizieren
kann, führt TIROS I ein "Nordrichtungs-Anzeigesystem" mit, das automatisch
den Winkel der Sonne relativ zum Satelliten mißt. Das sich hieraus ergebende
Signal, das mit jedem Bild zur Bodenstation gesendet wird, wird dort mittels
eines "Sonnenwinkel-Rechners" interpretiert und erscheint, die Nordrichtung
anzeigend, neben dem betreffenden Bild auf dem Betrachtungsschirm. Durch
Funksignale läßt sich von der Erde aus vor jedem neuen Umlauf eine Art Uhr
im Satelliten stellen, damit die Kameras vor allem die für die Meteorologen
wirklich interessanten Gebiete aufnehmen.
Navigation
Am 13. April i960 folgte dem ersten Wetterbeobachtungs-Satelliten der
erste Navigations-Satellit. TRANSIT I-B gilt als Vorläufer eines Systems
von vier Satelliten, die auf Grund der von ihnen ausgestrahlten Funksignale
Schiffen und Flugzeugen die Positionsberechnung bei bedecktem Himmel und
unsichtigem Wetter erleichtern sollen. Die Umlaufbahn jedes dieser Satelliten
wird so gewählt, daß zum mindesten einer von ihnen von jedem beliebigen Punkt
der Erdoberfläche aus zu hören ist. Der 119 kg schwere TRANSIT I-B, der auf
vier Frequenzen sendet, hat den Beobachtungsstationen bereits Informationen
geliefert, die eine äußerst exakte Vorausberechnung seiner Umläufe ermöglichen.
Die Berechnungsgrundlage liefern die sogenannten Doppler-Verschiebungen der
Signalfrequenzen, die von der Geschwindigkeit, mit der sich der Satellit
der Beobachtungsstation nähert bzw. von ihr entfernt, abhängig sind. Das A
und 0 des neuen Systems ist die genaue Bestimmung und möglichst langfristige
Vorausberechnung der Umlaufbahnen der Navigationssatelliten, so daß man nach
Zeit und Richtung ihres Erscheinens über dem Horizont den eigenen Standort

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NAVIGATION

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Bergung v»Raumkabinen
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Die von den Vereinigten Staaten gestarteten Erdsatelliten sollen nicht nur eine Vielzahl von wissenschaftlichen
Fragen lösen helfen, sondern auch der Erfüllung praktischer Aufgaben (z. B. Wetterbeobachtung, Navigation)
dienen.
Wertvolle wissenschaftliche Daten liefern außerdem die Raumsonden
PIONIER I
PIONIER III
PIONIER IV
PIONIER V

(11. Oktober 1958, 113120 km)
(6. Dezember 1958, 102 728 km)
(3. März 1959, künstlicher Planet im Sonnensystem)
(11. März 1960, künstlicher Planet im Sonnensystem)

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6. Mai 1960

Standort mit viel größerer Genauigkeit als nach den bisherigen Verfahren
ermitteln kann.
Funkverkehr
Mit dem Projekt ECHO soll eine umfangreiche Versuchsserie zur Verwendung
von Erdsatelliten als Relaisstationen im transkontinentalen Nachrichtenwesen
einschließlich Fernsehen und Bildfunk eröffnet werden. Der erste dafür bestimmte Satellit wird ein Ballon von 30 m Durchmesser sein, dessen aluminiumüberzogene Hülle stark gebündelte Funksignale einer Erdstation reflektiert,
so daß sie von anderen, Tausende von Kilometern entfernten Stationen aufgefangen werden können. Die Umlaufbahn soll in etwa 1600 km Höhe liegen.
Im Gegensatz zu diesem passiven Relais-Satelliten, der Signale nur
reflektiert, sollen spätere, sogenannte aktive Relais-Satelliten fernmeldetechnische Nachrichten elektronisch aufnehmen, speichern, verstärken und an
die vorgesehene "Abnehmerstation" senden.
TRÄGERRAKETEN
Eine Voraussetzung für die Durchführung solcher Vorhaben ist das Vorhandensein von Flugkörpern, die geeignet sind, Satelliten und Raumsonden
in bestimmte Flugbahnen zu befördern. In den Vereinigten Staaten wurden
verschiedene Grundtypen von Raketen entwickelt und ständig weiter verbessert,
die einzeln oder in Kombinationen mit anderen als Trägerraketen dienen.
Zu den wichtigsten Startraketen zählen zur Zeit REDSTONE, VANGUARD, JUPITER,
THOR und ATLAS. Sie alle verbrennen flüssigen Treibstoff; ihre Schubkraft
liegt zwischen 35 000 und 160 000 kg. Feststoffraketen übernahmen bisher nur
als aufgestockte 2., 3« oder 4« Stufe die weitere Beschleunigung der mit den
wissenschaftlichen Geräten vollgepackten "Nutzlast" auf die Geschwindigkeit,
die für die vorgesehene Umlaufbahn um Erde oder Sonne erforderlich ist. Die
vierstufige SC0UT, mit der Mitte 1 96O die ersten Testflüge unternommen werden
sollen, wird die erste Trägerrakete sein, die auch als Startstufe (52 200 kg
Schub) eine Feststoffrakete hat. Sie kann etwa 90 kg schwere Nutzlasten in
Kreisbahnen in 500 km Höhe und 50 kg schwere Meßgeräte in 9000 km Höhe befördern.
Gegenüber Flüssigkeitsraketen haben Feststoffraketen den Vorzug, daß
sie keine Pumpwerke mit vielen beweglichen Teilen und andere: komplizierte.
Aggregate benötigen. Um sie zu starten, bedarf es nicht, wie bei den Flüssigkeitsraketen, zahlreicher Spezialisten und der umständlichen "Count down"Prozedur, bei der jedes Einzelteil auf seine Funktion überprüft wird. Die
Flüssigkeitsrakete muß nach einem genau festliegenden Zeitplan aufgetankt
und zur vorbestimmten Zeit abgefeuert werden, da sonst keine Gewähr für das
Gelingen des Versuchs gegeben ist. Feststoffraketen dagegen sind samt Treibstoff lange Zeit lagerfähig und lassen sich damit sogar transportieren. Außerdem sind sie in verschiedenen Größenordnungen leicht und einfach herzustellen
Ihr Nachteil: Bisher bereitete es immer wieder technische Schwierigkeiten, dii
Schubleistung während der Brenndauer zu steuern; auch die Kontrolle der Schub'
richtung und des Brennschlusses ließen zu wünschen übrig - alles Faktoren, di&lt;
beim Einsteuern eines Satelliten in die vorgesehene Bahn eine wichtige Rolle
spielen. NASA hat inzwischen ein Arbeitsprogramm vorgelegt, das die bestehenden Mängel überwinden helfen soll und das u.a. die Entwicklung von Triebwerke]
und Treibstoffen hoher Leistung für zuverlässig arbeitende Feststoffraketen _zj

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zum Ziel hat, die im Flug auch abgeschaltet und wieder gestartet werden
können.
Daneben gehen die Vorbereitungen zum Bau von superstarken Flüssigkeitsraketen unter Verwendung und durch Verbesserung bewährter, seit Jahren in
Serie gebauter Typen weiter; die Zahl der Typen soll auf ein Minimum reduziert, die Leistung der Aggregate so weit wie nur irgend möglich gesteigert
werden. Ab 1962 beabsichtigt NASA, nur noch vier Typen von Raketen einzusetzen, und zwar SCOUT, THOR, ATLAS und SATURN. Im Rahmen des Projekts
SATURN werden durch Bündelung mehrerer Triebwerke der THOR- bzw. JUPITERKlasse Leistungen von zirka 680 000 kg Schub erreicht; außerdem arbeitet
man an der Entwicklung von Einkammer-Triebwerken der gleichen Leistung,
die wiederum zu noch stärkeren Flüssigkeitsraketen (Projekt NOVA, 2,7
Millionen kg Schub) gebündelt werden sollen. Zur SATURN-Familie werden zwei-,
drei- und vielleicht vierstufige Raketenkolosse gehören, deren Startstufe
nach jedem Versuch möglichst wieder geborgen werden soll. Das DreistufenProjektil, das über 45 m hoch ist und aufgetankt 580 Tonnen wiegt, vermag
mehrere Tonnen schwere Satelliten in Umlaufbahnen um die Erde oder etwa
eine Tonne schwere Nutzlasten mit wissenschaftlichen Geräten zur Mondoberfläche oder in den interplanetaren Raum zu befördern.
Diese Giganten für den Raumflug erfordern zunächst riesige Spezialanlagen für den Standversuch zur Erprobung der Triebwerke, später für die
Montage und den Start der Rakete auf den Versuchsplätzen. Für den Standversuch mit der aus acht Triebwerken bestehenden SATURN-3tartstufe steht
auf dem Gelände der Marshall-Forschungs- und Versuchsanstalt für Raumflug,
dem ehemaligen REDSTONE-Arsenal in Huntsville, ein 54 m hoher, stählerner
"Prüfstand" bereit. In Cape Canaveral ist der Montageturm für die Testraketen noch in Bau - er wird über 90 m hoch, ein bewegliches Monstergerüst
von den Ausmaßen eines 28stöckigen Hauses.
Antriebssysteme der Zukunft
Neben diesen Raumflugkörpern, die alle zu den "klassischen" chemischen
Verbrennungsraketen gehören, gewinnen allmählich auch die thermischen Atomraketen und die elektrischen Raketen an Bedeutung. Bei der thermischen Atomrakete wird der Treibstoff - vorzugsweise Wasserstoff, vielleicht auch Helium
oder Ammoniakgas in verflüssigter Form - in einem Atomreaktor von möglichst
geringem Eigengewicht auf extrem hohe Gastemperaturen aufgeheizt. Im Rahmen
des Projekts ROVER, eines gemeinsamen Forschungsprogramms von NASA und der
US-Atomenergie-Kommission, untersucht man zur Zeit an Experimentierreaktoren
(KIWI-Serie) tec hnis che Probleme des Nuklearantriebs; Anfang 196l steht in
Nevada eine neue Testzelle zur Verfügung, die außer dem Reaktor auch Raketentriebwerke aufzunehmen vermag. Bei dieser Nuklearrakete gibt es keine che, mische Verbrennung. Ihre Leistung wird vielmehr von der Ausströmgeschwindigkeit der Treibmasse, letzten Endes also von der im Reaktor erzielten Temperatur bestimmt. Da der spezifische Impuls einer solchen Rakete mindestens
dreimal so hoch wie der einer chemischen Rakete sein würde, könnte auch die
von ihr zu befördernde Nutzlast wesentlich schwerer sein.
Von den elektrischen Raketen werden gegenwärtig drei Typen untersucht:
1. die Ionen-Rakete, bei der ein ionisiertes Treibmittel durch elektrostatische Felder beschleunigt und unter hoher Geschwindigkeit ausgestoßen
wird; 2. die Plasma-Rakete, bei der ein Plasma - eine Mischung aus Ionen und

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�Die „anatomische Liegeschale" schützt den Astronauten
in der hermetisch abgeschlossenen MERKUR-Kabine
vor den Auswirkungen der ungeheuren Beschleunigungskräfte.

Eine ATLAS-Rakete mit dem 900 kg schweren Modell
einer MERKUR-Kabine w i r d für einen Flugtest in Cape
Canaveral vorbereitet.
Die Kabine wurde später 2400 km vom Startplatz entfernt aus dem Meer geborgen.

In 12 000 m Höhe hat sich die X-15 gerade vom Trägerflugzeug, einer B-52, gelöst und fliegt mit eigener Kraft.
Nach Abschluß der vorbereitenden Tests sollen mit dieser bemannten Rakete Höhen um 160 km erreicht werden.

III

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und Elektronen - mittels elektromagnetischer Felder den Schub erzeugt; und
5. die elektrothermische Rakete, bei der das Treibgas elektrisch aufgeheizt
wird.
Elektrische Raketen, gleich welchen Typs, müssen jedoch durch chemische
Raketen erst auf eine Satellitenbahn oder zu einer Raumstation befördert
werden, ehe sie ihre eigene Reise beginnen können; der von ihnen erzeugte
Schub reicht nicht aus, um die Erdanziehung und den Luftwiderstand zu überwinden. Im Weltraum aber, wo.die Gravitationskräfte viel geringer sind, sind
die elektrischen Raketen den "konventionellen" Raketen überlegen, weil ihr
Treibstoffverbrauch minimal, Motor- und Treibstoffgewicht gering sind und
daher mit ihnen Expeditionen über Wochen, Monate oder Jahre durchgeführt
werden könnten.
Hilfsaprgregate
Die Verwendung elektrischer Antriebssysteme ist aber nur möglich, wenn
wartungsfreie und lange Zeit funktionsfähige Stromquellen von möglichst geringem Gewicht verfügbar sind. NASA und die AEC befassen sich zur Zeil in Zusammenarbeit mit der amerikanischen Industrie mit der Entwicklung von Atomund Sonnenkraftgeneratoren, die mindestens ein Jahr lang Strom liefern.
Das Miniatur-Atomkraftwerk 3NAP-2, das kaum größer ist als ein 20-LiterGefäß, ohne Strahlenabschirmung etwa 100 kg wiegt und eine Leistung von 3000
Watt erreicht, wurde bereits erfolgreich erprobt; SNAP-8, ein 30 OOO-.VattAtomgenerator, soll in etwa 5 Jahren einsatzbereit sein. Das jüngste Projekt
ist der Sonnenkraf tgenerator SUNFLOiVER-I, der mittels eines faltbaren, parabolspiegelähnlichen .Värmesammlers von 9&gt;6 m Durchmesser Sonnenenergie einfängt und einen Boiler erwärmt, an den ein Turbogenerator angeschlossen ist;
die Leistung liegt bei 3000 Watt.
Bemannter Raumflug
Das Projekt MERKUR ist die erste Phase in den Bemühungen der Vereinigten
Staaten um den bemannten Raumflug. Das Hauptziel des Frojekts liegt in der Erforschung bzw. Abgrenzung der Möglichkeiten für den Menschen, unter '.Veitraumbedingungen zu existieren. Sieben "Astronauten", von denen einer als erster
Amerikaner den Flug um die Erde in einer Satellitenkapsel wagen wird, werden
zur Zeit in einem intensiven Training physisch und psychisch auf diese Expedition vorbereitet und mit den technischen Voraussetzungen dafür vertraut
gemacht. Der viereinhalbstündige Ausflug in den Weltraum wird bis in etwa
160 km Höhe führen. Nach dreimaliger Erdumkreisung mit 8000 m/sec, wobei
die Flugbahn über Afrika, Australien, Mexiko und die Vereinigten Staaten
führt, wird die Geschwindigkeit durch Bremsraketen, die von Bord der MSRKÜRKapsel oder durch das Funksignal einer Bodenstation gezündet werden, langsam
verringert. Dabei gelangt die Kapsel in immer tiefere Luftschichten, wo der
Luftwiderstand eine zusatzliche Bremswirkung ausübt. In 3000 m Höhe öffnet sich ein Fallschirm, der die Landegeschwindigkeit auf 10 m/sec reduziert. Als
"Landeplatz" ist der Atlantik in der Nähe der Bahama-Inseln vorgesehen; die
MERKUR-Raumkapsel, von der sich der Fallschirm nach dem Wassern löst, ist mit
Schwimmern ausgerüstet, die sie bis zur Bergung über Wasser halten.
Prüfungen

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Prüfungen im Windkanal und zahlreiche Erprobungen der Raumkapsel
in ballistischen Testflügen (zu denen u.a. die Versuche BIG JOE und
LITTLE JOE im Herbst 1959 gehören), Lande- und Bergungsmanöver gehen
dem eigentlichen Experiment MERKUR voraus, bei dem das Risiko für den
Passagier nicht größer sein soll als es heute für den Testpiloten eines
Flugzeugwerkes ist. Der Astronaut kann während des Flugs über Sprechfunk
mit den zahlreichen Bodenbeobachtungsstationen, die automatisch laufend
Signale über das "Verhalten" des Fluggeräts und seines Passagiers empfangen, in Verbindung treten. Als Trägerrakete der MERKUR-Kapsel ist eine
ATLAS vorgesehen.
Forschungsflugzeug X-15
Mit der X-15 sollen der praktischen Flugforschung Bereiche erschlossen werden, die mit dem Flugzeug nicht mehr zu erreichen sihd, aber auch
noch nicht zum "Weltraum" gehören. Die Operationshöhe dieses 15 m langen,
zigarrenförmigen Flugkörpers mit kurzen Tragflächen und Raketenantrieb
wird oberhalb von 80 000 m liegen.
Ziele des Programms X-15, das von US-Luftwaffe, US-Marine und NASA
gemeinsam durchgeführt wird, sind 1 . Ermittlung der aerodynamischen Aufheizung bei HyperSchallgeschwindigkeit und ihrer Wirkung auf den Flugkörper; 2. Erprobung der Flugstabilität und der Steuerung in sehr dünner
Luft; und 3» Untersuchung der Auswirkung des gewichtslosen Zustandes auf
den Piloten.
Die X-15 kann .nicht vom Boden aus starten, sondern muß von einem Trägerflugzeug - einer B-52 - in etwa 12 000 m Höhe geschleppt werden.
Seit dem 17» September 1959 führte Scott Crossfield als Testpilot bereits
mehrere Motorflüge mit der X-15 aus, wobei 15 000 m Höhe und 2080 km/st
Geschwindigkeit erreicht wurden. Die maximale Leistung der X-15 dürfte
etwa 5800 km/st betragen.
Bildunterschrift; (Deckblatt)
Navigations-Satellit TRANSIT I-B, wie ihn der Zeichner sieht.
Das helle Spiralband auf der Außenseite des Satelliten dient als
Antenne; photoelektrische Zellen am Gürtelwulst laden durch Umsetzung von Sonnenenergie die chemischen Batterien ständig neu auf.
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

PRÄSIDENTSCHAFTSWAHIEN IN DEN USA

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SIEHST"

3. Juni 1960
VORBEMERKUNG

In den Vereinigten Staaten von Amerika gipfelt das politische Leben
des Landes alle vier Jahre in der Neuwahl des Präsidenten, der zugleich
Staatsoberhaupt und Regierungschef ist. Die Wahlkampagne beginnt, sobald
die ersten Bewerber ihr Interesse für dieses Ant bekunden, und bie dauert
an, bis am späten Abend des ''Zahltages die ersten Teilergebnisse bekanntgegeben Verden. Das gesamte amerikanische Volk verfolgt ihrtn Verlauf mit
grö3ter Spannung und Anteilnahme.

Für die meisten Amerikaner ist dies eine erregende Zeit. Als Spitzenkandidaten werben profilierte Persönlichkeiten um ihre Stimme. Die Diskussion entzündet sich an nichtigen Problemen. Je näher der Wahltag heranrückt, desto temperamentvoller werden die Wahlreden. Argumente und Gegenargumente füllen die Zc i t-un^sspaiter und den Äther.

Wenn jedoch die Wahl entschieden ist, glätten sich alsbald wieder die
Wogen, und alle Beteiligten akzeptierer das Resultat al«* faire Kontrahenten und gute Staatsbürger. Der siegreiche Kandidat betrachtet sich nicht
länger in erster Linie als Führer seiner eigenen Partei, sondern als berufenen Sprecher des ganzen Landes, dem Glück und Wohlergehen des ganzen
Volkes am Herzen liegen.

Wahlrecht, Wahlverfahren und politische Tradition der USA unterscheiden sich in vielen Einzelheiten vor denen anderer Lander. Jiese Schrift
hat sich die Aufgabe gestellt, einige der häufigsten Fragen zu diesem Theaa
in knapper und übersichtlicher Form zu beantworten.

�"AMERIKA DIENST"

3. Juni i960

Wann werden in den USA Präsidentschaftswahlen abgehalten?
Nach den gesetzlichen Bestimmungen finden die Präsidentschaftswahlen alle vier Jahre am eisten Dienstag nach dem ersten. Montag im November statt. Alljährlich v/erden außerdem in den USA viele Staats- und
Kommunalämter durch Wahlen neu "besetzt.

Wann finden in diesem Jahr die Präsidentschaftswahlen statt?
Wahltag ist im Jahre 196O der 8. November.

Welche Ämter sind außer denen des Präsidenten und des Vizepräsidenten
am 8. November zur Wahl ausgeschrieben?
Zur Wahl stehen 27 Gouverneure von Einzelstaaten, 34 Senatoren,
alle 437 Mandate des Repräsentantenhauses und Hunderte von Staats- und
Kommunalämtern - Mandate der einzelstaatlichen Parlamente, Richter, Bürgermeister usw.

Nach welcher Regel werden die Senatoren neugewählt?
Dem Senat gehören zwei Vertreter für jeden der 50 Bundesstaaten,
also 100 Senatoren an. Ihre Mandate dauern jeweils sechs Jahre, doch
wird nach der Verfassung immer rund ein Drittel der Senatoren in Abständen von zwei Jahren neugewählt.

Nach welcher Regel werden die Mitglieder de3 Repräsentantenhauses neugewäh-It?
Dem Repräsentantenhaus gehörten bis zum Jahre 1959»in äem Alaska und
Hawaii als vollberechtigte Gliedstaaten in die Union aufgenommen wurden,
435 Abgeordnete an. Da jeder Staat Anspruch auf mindestens ein Abgeordnetenmandat hat, erhöhte sich diese Zahl auf 437 Mandate. Das ganze Repräsentantenhaus wird in Abständen von zwei Jahren, und zwar in den Jahren mit
gerader Jahreszahl»neugewählt,
Die Zahl der Mandate wurde im Jahre 192'9 "für immer" auf 435 festgesetzt. Alle zehn Jahre findet eine Volkszählung statt, damit die Zuteilung
der Mandate an die Einzelstaaten immer ihrem jeweiligen Bevölkerungsanteil
angepaßt werden kann. Gegenwärtig vertritt jeder Abgeordnete durchschnittlich rund 400 000 Landesbewohner, Nach der Volkszählung von 196O muß eine
Neuverteilung der Mandate vorgenommen werden, doch bleibt es dem Repräsentantenhaus selbst überlassen, ob es die Zahl seiner Mitglieder wieder auf 435
beschränken, den gegenwärtigen Stand beibehalten.oder sogar erhöhen will,
da die Verfassung keine Begrenzung vorschreibt. Die Einteilung der Wahlkreise
nach Maßgabe der zugeteilten Mandate ist Sache der einzelstaatlichen Parlamente .

Wer ist wahlberechtigt? •
Wählen darf jeder, der durch Geburt oder Einbürgerung die amerikanische Staatsangehörigkeit erworben und das durch einzelstaatliche Gesetze

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�"AMERIKA DIENST"

3. Juni 1960

Gesetze unterschiedlich bestimmte Mindestalter erreicht hat. In den meisten Staaten beginnt die Wahlberechtigung mit dem vollendeten 21. Lebensjahr, in einigen jedoch schon mit dem 19« oder 18. Lebensjahr.

Wie groß ist normalerweise die Wahlbeteiligung?
Bei den allgemeinen Wahlen im November 1956 wurden über 62 Millionen
Stimmen abgegeben, d.h. rund 60 Prozent aller Stimmberechtigten nahmen an
den Wahlen teil. Die Wahlbeteiligung hängt weitgehend davon ab, welche
Probleme zur Entscheidung anstehen, wie groß das persönliche Prestige
der jeweiligen Kandidaten und wie ausgeglichen das Kräfteverhältnis zwischen den Parteien und ihrer Wählergefolgschaft ist. Die politischen Parteien, die Kandidaten selbst und Organisationen wie die League of Women
Yoters (Wählerinnen-Liga) unternehmen die größten Anstrengungen, um so
viele Frauen und Männer wie möglich zur Stimmabgabe zu bewegen. Es ist
jedoch völlig ins Ermessen des einzelnen Bürgers gestellt, ob er von seinem Wahlrecht Gebrauch machen will oder nicht.

Sind auch die Neger und andere Minderheiten wahlberechtigt?
Jeder Bürger der USA, der lesen und schreiben kann, die Ansässigkeitsbedingungen erfüllt, sich fristgemäß in die Wählerlisten eintragen läßt
und in den Staaten, wo das Wahlrecht allgemein von der Entrichtung einer
Wahlsteuer abhängig gemacht wird, diese Steuer bezahlt hat, ist wahlberechtigt und macht in der Regel von seinem Wahlrecht Gebrauch. Der im
Jahre 1870 ratifizierte Zusatzartikel 15 der Bundesverfassung bestimmt,
daß das Wahlrecht keinem Bürger "auf Grund der Rassenzugehörigkeit, Hautfarbe oder vormaliger Dienstbarkeit vorenthalten oder eingeschränkt werden
darf". Im Jahre 1920 wurde durch den Zusatzartikel 19 auch das allgemeine
Frauenwahlrecht in der Verfassung verankert.

Was verlangen die Ansässigkeitsvorschriften?
Die einzelstaatlichen Gesetze legen unterschiedliche Bedingungen fest.
In den meisten Staaten wird die Wahlberechtigung von einjähriger Ansässigkeit im Staatsgebiet oder einer kürzer bemessenen Ansässigkeit in ein und
derselben Gemeinde abhängig gemacht. Außerdem muß sich der Wähler mehrere
Wochen vor dem Wahltermin in die Wählerliste eintragen lassen. Diese Vorschriften erschweren Personen, die häufig ihren Wohnsitz oder Aufenthaltsort wechseln, die Ausübung ihres Wahlrechts, doch wurden sie erlassen,
um Mißbräuchen vorzubeugen.

Wie gibt der Wähler seine Stimme ab?
Beim Wahlvorgang ist die geheime Stimmabgabe sichergestellt. Der Wähler begibt sich in das Wahllokal seines Wohnbezirks und kreuzt dort in
einer abgeschlossenen Kabine seinen Stimmzettel an. In vielen Gemeinden
sind bereits Wahlmaschinen vorhanden, bei denen der Wähler seine Stimme
abgibt, indem er bestimmte Tasten und Hebei betätigt. In der Umgebung
der Wahllokale ist keinerlei Wahlpropaganda gestattet. Vertreter der

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3.

Juni 196O

der einzelnen Parteien überwachen gemeinsam die strikte Beachtung der
Geheimhaltungsvorschriften.

Können Wahlberechtigte auch außerhalb ihrer Heimatgemeinde wählen?
Wahlberechtigte, die sich am 7/ahltag außerhalb ihres ständigen Wohnsitzes aufhalten, auf Reisen sind, wegen Krankheit oder ähnlicher Umstände
das Wahllokal ihres Wohnbezirks nicht aufsuchen können, haben in den meisten Staaten der USA die Möglichkeit, von der Briefwahl Gebrauch zu machen.
Auf Antrag erhalten sie einen Stimmzettel, den sie bereits einige Zeit
vor der Wahl ausgefüllt zurücksenden müssen. Dieses System wurde erstmals
während des amerikanischen Bürgerkrieges (1861-1865) eingeführt, um auch
den Soldaten die Teilnahme an den Wahlen zu ermöglichen.

Müssen die Wähler einer politischen Partei angehören?
Für die allgemeinen und lokalen Wahlen selbst gibt es keine solche
Verpflichtung. Anders verhält es sich jedoch mit den "Vorwahlen1 (primaries),
die in einigen Staaten abgehalten werden. Bei ihnen dürfen nur eingeschriebene Mitglieder anerkannter Parteien ihre Stimme abgeben. Sie wurden eingeführt, um die Auswahl der Kandidaten auf eine breitere Basis zu stellen
und die Einflußnahme der Parteifunktionäre auf diese Vorentscheidungen
einzuschränken.

Was veranlaßt die Wähler, der einen oder anderen Partei ihre Stimme zu geben?
Häufig spielen Familientraditionen oder Umweltfaktoren eine Rolle, in
gewissem Grade auch berufliche bzw. wirtschaftliche Interessen. Viele Amerikaner finden aber nichts dabei, gelegentlich die Parteizugehörigkeit zu
wechseln. Andere, die prinzipiell keiner Partei beitreten, treffen ihre
Wahl auf Grund der Stellungnahmen der Parteien zu aktuellen Problemen oder
nach ihrer persönlichen Einschätzung der Spitzenkandidaten.

Wie viele Parteien gibt 08 in den USA?
In den USA besitzt das Zweiparteiensystem eine ausgezeichnete Tradition, obwohl auch einige kleinere Parteien mit fester Gefolgschaft vorhanden sind. Gelegentlich entstehen im Zusammenhang mit öffentlichen Auseinandersetzungen über leben»wichtige Fragen "dritte" Parteien, die den beiden
Traditionsparteien - der Demokratischen Partei und der Republikanischen
Partei - größere Wählergruppen abspenstig machen. Unter den kleineren
Parteien mit mehr oder minder festem Wählerstamm sind zwei sozialistische
Parteien - die "Socialist Labor Party" und die "Socialist Workers Party" sowie die für gesetzliche Einschränkung des Alkoholkonsums eintretende
"Prohibition Party" zu erwähnen.

Wie ist das Zweiparteiensystem der USA entstanden?
Unmittelbar nach Annahme der Bundesverfassung im Jahre 1787 formierten sich in den USA zwei locker verbundene, aber deutlich gegeneinander
abgegrenzte politische Meinungsgruppen, die sich zum Ende der Amtszeit des

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3. Juni 1960

des ersten Präsidenten, George Washington, zu regelrechten Parteien konsolidierten. Von diesen scharte sich die Demokratisch-Republikanische
Partei um Thomas Jefferson, den Verfasser der Unabhängigkeitserklärung,
während Alexander Hamilton, der erste Finanzminister der USA, die Föderalisten anführte. Von der Hamilton-Partei stammt die im Jahre 1854
neu organisierte heutige Republikanische Partei ab, während die heutige
Demokratische Partei auf die Jefferson-Partei zurückgeht.

Welche Vorteile hat das Zweiparteiensystem?
Als besonderer Vorzug des Zweiparteiensystems gilt, daß es eine kontinuierliche, stetige Führung der Regierungsgeschäfte gewährleistet, über
die sowohl die Regierungspartei als auch die Oppositionspartei mit gleicher Aufmerksamkeit wachen. Das Zweiparteiensystem gibt dem Wähler die
Möglichkeit der Wahl zwischen verschiedenen Kandidaten und politischen
Konzeptionen, schützt ihn jedoch vor Verwirrung durch eine übergroße
Vielzahl der ParteiProgramme und Kandidaten. Obwohl innerhalb der beiden Parteien im allgemeinen unterschiedliche Auffassungen herrschen, bietet das Zweiparteiensystem in der Regel die Möglichkeit, wichtige Gesetzes•vcrlagen mit klaren Mehrheiten zu verabschieden.

Bestehen zwischen den beiden großen Parteien grundlegende Unterschiede?
In bestimmten Perioden der amerikanischen Geschichte vaien zwischen
ihnen scharfe Gegensätze vorhanden, doch treten diese heute weniger stark
in Erscheinung. Die Unterschiede sind jetzt vornehmlich auf die Innenpolitik beschränkt. Jede der beiden Parteien will auf ihre Weise für wirtschaftliche Stabilität sorgen und Inflationstendenzen bekämpfen. In beiden
mischen sich unterschiedliche Elemente: Konservative und Liberale, Lohnarbeiter und Bankiers. Jeitgehende Übereinstimmung besteht in der außenpolitischen Zielsetzung, so daß sie sich auch über Einzelfragen der Auslandsbeziehungen normalerweise leicht zu einigen vermögen. Republikaner
und Demokraten unterstützen beide tatkräftig die Vereinten Nationen,
bejahen die Wirtschafts- und Verteidigungshilfe an befreundete Länder und
befürworten international« Zusammenarbeit zur Erhaltung des Friedens.

Hat .jemals eine "dritte Partei" die amerikanische Politik beeinflußt?
Ja, aber immer nur für kurze Zeit. Verschiedentlich entstanden "dritte
Parteien" aus Protest gegen führende Persönlichkeiten einer der alten Traditionsparteien oder aus dem Wunsch nach einer Kursänderung der Regierungspartei. Der vormalige republikanische Präsident Theodore Roosevelt gründete beispielsweise für die Wahlen des Jahres 1912 eine dritte Partei mit
einem eigenen Programm, um mit Hilfe unabhängiger Wähler seinen Standpunkt
gegen die republikanische Parteiführung durchzusetzen. Seine Kandidatur
führte jedech zu einer Spaltan? der republikanischen Wählerschaft und
brachte somit den Demokrater Wocdrow Wilsor an die Regierung. Danach fiel
seine "dritte Partei" rasch auseinander, und deren Wähler gingen alsbald
wieder ins Lager einer der beiden großen Parteien über.
Ist

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3. Juni 1960

Ist die Kommunistische Partei in den USA verboten?
Die KPdUSA ist weder vom Kongreß noch vom Obersten Bundesgerichtshof der USA für illegal erklärt vorden. Ihre politische Tätigkeit unterliegt nur gewissen Beschränkungen. Beispielsweise darf sie sich nicht mit
Kandidaten für politische Ämter an Wahlen beteiligen.
Werden bestimmte Parteien von Run.lfunk- oder Fernsehanstalten unterstützt?
Nein; das Gesetz schreibt vielmehr vor, daß den miteinander konkurrierenden Kandidaten politischer Parteien gleiche Sendezeit einzuräumen ist.
Welche Rolle spielt die Presse in der Wahlkampagne?
Im allgemeinen bildet sich der Amerikaner seine politische Meinung
auf Grund von Presse-, Rundfunk- und Fernsehberichten über ak'.. .eile politische Ereignisse und Probleme. Am genauesten kann er die laufende Entwicklung in den Tageszeitungen verfolgen, die in den Monaten vor dem Wahltag regelmäßig viele Spalten mit parteiamtlichen Erklärungen, Reden und
Interviews prominenter Kandidaten und Politiker sowie mit Reportagen
über Parteimanöver füllen. Diese Meldungen werden ergänzt durch sachkundige Kommentare und redaktionelle Leitartikel, die sich mit den Kandidaten
und den politischen Kernproblemen befassen.
Ist das F'-' tnsehen ei,. wichtiger '.Vahlkampf f aktor?
Ja, und zwar insofern, al3 es den Präsidentschaftskandidaten die Möglichkeit bittet, dtr ganzen Nation ihre Auffassungen von Angesicht zu Angesicht vorzutragen, andererseits vermittelt es vielen Millionen Wählern
einen persönlichen Eindruck auch von weniger bekannten Bewerbern,
Mit welchen Mitteln betreiben die Kandidaten ihre Wahlkampagne?
Außer den Fernsehansprachen halten sie zahlreiche Reden auf Wahlversammlungen, Wahlhelfertreffen, Wahlkampfdiners, Empfängen usw. Ferner besuchen sie Fabrikei, Landgemeinden und lokale Veranstaltungen. Ihre Wahlkampfleiter bringen Flugblätter und Broschüren zur Verteilung, setzen Lautsprecherwagen ein, placieren Zeitun^sinserate und Radioaufrufe. Einige Kandidaten und Wahlhelfer hallen unbeirrt an der bewährten alten Methode der
Hausbesuche in ihrem Wahlbezirk fest.
Unterscheidet sich der Wahlkampf vor den Präsidentschaftswahlen von
anderen Kampagnen?
Vor Präsidentschaftswahlen werden die Wahlfeldzüge natürlich in wesentlich größerem Stil aufgezogen. Die Kandidaten für das Amt der Präsidenten oder des Vizepräsidenten sind bestrebt, möglichst viele Staaten
persönlich aufzusuchen und an möglichst vielen Orten ihre Ansichten über

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�3. Juni 196O

"AMERIKA DIENST"

über die wichtigsten Fragen der Innen- und Außenpolitik zu erläutern.
Heute kann man in kurzer Zeit große Entfernungen mit dem Flugzeug überbrücken, doch haben auch Wahlreisen mit dem Sonderzug viel für 3ich.
Präsident Trumans Wiederwahl im Jahre 1948 wird nicht zuletzt auf die
vielen Ansprachen zurückgeführt, die er auf jeder der zahlreichen Zwischenstationen seiner Eisenbahnrundfahrt durch die USA vom Zuge aus zu
halten pflegte.
Wie lange dauert die Wahlkampagne?
Man kann sagen, daß sie für die meisten Bewerber mit dem Entschluß
zur Anmeldung der eigenen Kandidatur beginnt und bis zum Wählerentscheid
am Wahltag andauert, sofern sie ihre Kandidatur nicht schon vorher zugunsten eines aussichtsreicheren Kandidaten ihrer eigenen Partei zurückgezogen haben. Auf volle Touren kommt der Wahlkampf aber erst nach den
Landeskonventen, die die beiden großen Parteien im Juli abhalten.
In welchem Verhältnis steht der Präsident nach seinem Amtsantritt zu
seiner Partei?
Als höchster politischer Repräsentant seines Volkes hat der Präsident
nach allgemeiner Auffassung über den Parteien zu stehen. Mit seinem Amtseid verpflichtet er sich, seine Aufgaben zum Besten des ganzen Volkes zu
versehen. Nominell bleibt er jedoch der Führer seiner Partei, wird zur
Beratung aller wichtigen Parteiangelegenheiten hinzugezogen und tritt auch
bei späteren Wahlkampagnen während seiner Amtszeit für seine Partei ein.
Kann jeder Staatsbürger der USA Präsident werden?
Man sagt, jede amerikanische Mutter träume davon, daß ihr Sohn eines
Tao'es Präsident der USA werden könnte. Der reale Hintergrund dieser Behauptung ist, daß die früheren Präsidenten tatsächlich den verschiedensten
Schichten, Bevölkerungs- und Berufsgruppen entstammten. Nach den Verfassungsbestimmungen müssen die Kandidaten für das Präsidenten- und das Vizepräsidentenamt von Geburt an die Staatsbürgerschaft der USA besitzen, mindestens 35 Jahre alt sein und mindestens 14 Jahre lang in den USA ihren Wohnsitz gehabt haben.
Können sich naturalisierte Staatsbürger der USA um poli tische Xmter bewerben?
Jaj die einzigen Ausnahmen von der Regel sind die Präsidentschaft und
die Vizepräsidentschaft. Voraussetzung für die Wählbarkeit in den Senat ist
jedoch eine mindestens neunjährige Staatsangehörigkeit, für die Wählbarkeit
ins Repräsentantenhaus eine mindestens siebenjährige Staatsangehörigkeit.
Kann ein Kandidat gleichzeitig für mehrere Ämter kandidieren?
Die Gesetze verschiedener Einzelstaaten sehen diese Möglichkeit vor.
Beispielsweise könnte ein Senator, dessen Mandat im Jahr der Präsidentschaftswahlen abläuft, gleichzeitig seine Wiederwahl betreiben und die

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die Hominierung zum Präsidentschaftskandidaten annehmen. Sollte er aus beiden Konkurrenzen als Sieger hervorgehen, so würde er vor seiner Vereidigung
als neuer Präsident der USA auf das geringere Amt verzichten»
Von welchen Par^eigremien werden die Spitzenkandidaten aufgestellt?
Jede Partei hält einen Landeskonvent ah, auf dem die Nominierung der
Spitzenkandidaten erfolgt. Die Delegierten, die die Parteiorganisationen
der Einzel Staaten zu den Landeskonventen entsenden, wurden zuvor in den meisten Staaten auf Staatskonventen gewählt. In den übrigen Staaten wurden sie
durch "Vorwahlen" (primaries) ermittelt oder durch Parteikomitees beauftragt.
Wer legt die Delegiertenzahl der Landeskonvente fest?
Dies ist Aufgabe der Landeskomitees, der obersten Vollzugsorgane der
politischen Parteien. Bei ihren Zuteilungsbeschlüasen berücksichtigen diese
sowohl die Erfahrungen früherer Wahlkampagnen als auch Stärke und Bedeutung
der einzelstaatlichen Parteiorganisationen.
Wie viele Delegierte nehmen an den Landeskonventen teil?
Die Gesamtzahl weist alle vier Jahre gewisse Schwankungen auf. Zum
Republikanischen Landeskonvent im kommenden Juli werden 1331 und zun Demokratischen Landeskonvent 1521 Delegierte aufgeboten. Die Nominierung des
Präsidentschafts- und des Vizepräsidentschaftskandidaten muß jeweils von
der Mehrheit der Delegierten gebilligt werden.
Inwieweit hat der einfache Bürger ein Mitspracherecht bei der Kandidatenauswahl
In den 15 Einzelstaaten, die "Vorwahlen" (primaries) zur Ermittlung
der Delegierten für die Landeskonvente der großen Parteien abhalten, können
alle Teilnahmeberechtigten, d.h. alle Mitglieder der betreffenden Partei,
gleichzeitig den von ihnen bevorzugten Präsidentschaftskandidaten ankreuzen
oder den Namen eines nicht aufgeführten Vorzugskandidaten nachtragen. Solche
"Präferenzen" sind zwar für die Delegierten auf den Landeskonventen nicht
durchweg verbindlich, doch geben sie in der Regel einer breiteren Öffentlichkeit schon lange vor den Wahlen Aufschluß darüber, welche Kandidaten in
welchen Gebieten besonders populär sind.
Wie wichtig sind die "Vortrahlen" für die Präsidentschaftskandidaten?
Vielfach haben die "Vorwahlen" (primaries) die Bedeutung von Ausscheidungsstechen zwischen mehreren Kandidaten derselben Partei. Gewinnt ein Bewerber eine solche "Vorwahl" in. einem bestimmten Staat, so stärkt die3 sein
Prestige innerhalb der eigenen Partei und im ganzen Lande, da der Sieg als
Indiz seiner Zugkraft und Beliebtheit bei den Wählern bewertet wird. Andererseits kann eine schwere Niederlage bei einer "Vorwahl" zur Folge haben,
daß er für den Landeskonvent seiner Partei als ernsthafter Bewerber um die
Spitzenkandidatur ausscheidet. Obwohl einige Kandidaten dieses Risiko scheuen.

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3, Juni i960

scheuen, müssen sie sich doch häufig schon deshalb bei "Vorwahlen" aufstellen lassen, um ihre Erfolgsaussichten zu erproben und glaubhaft zu
machen.
Welche anderen Möglichkeiten besitzen die Bürger, um die Kandidatenauswahl
zu beeinflussen?
In vielen Einzelstaaten, die keine "Vorwahlen" (primaries) abhalten,
sind die Parteiorganisationen bestrebt, durch Meinungsumfragen und Situationsanalysen den Wählerwillen im voraus zu ergründen. Den Wählern steht es im
übrigen Trei, Aktionsgruppen und Wählergemeinschaften zur Unterstützung
bestimmter Kandidaten zu gründen. Für die Nominierung der Spitzenkandidaten
sind jedoch letztlich die Delegierten der Landeskonvente allein zuständig.
Durch welche Qualifikationen empfiehlt sich ein Bewerber normalerweise
dem Landeskonvent als aussichtsreicher Präsidentschaftskandidat?
Die meisten Kandidaten haben sich durch Bewährung in anderen Ämtern oder
durch hervorragende Verdienste um das Gemeinwohl im ganzen Lande einen guten
Ruf, eine breite Gefolgschaft oder beides erworben. Als gute Sprungbretter
für eine Präsidentschaftskandidatur gelten: das Gouverneursamt in volkreichen Einzelstaaten, Senats- oder Abgeordnetenmandate im Kongreß sowie andere
verantwortungsvolle Positionen und hohe Vertrauensstellungen,
Wann werden die großen Parteien im Jahre 1960 ihre Spitzenkandidater. nominieren?
Die Demokratische Partei hat ihren Landeskonvent zum 11. Juli nach
Los Angeles im Staate Kalifornien einberufen. Die Republikaner werden ihren
Landeskonvent zwei Wochen später, am 25. Juli, in Chicago im Staate Illinois
eröffnen. In der Regel geht der Bundeskongreß vor Beginn der Landeskonvente
in Sommerferien, damit seine Mitglieder an deren Sitzungen und anschließend
an der intensiven Kampagne für die Novemberwahlen teilnehmen können.
Waa verstfeht man unter einem "favorite-son"-Vorschlag bei der KandidatenNominierung?
Als "Lieblingssohn" (favorite son) bezeichnet man einen Kandidaten, dem
auf dem Landeskonvent alle Delegierten seines eigenen Staates^m ersten Durchgang ihre Stimme geben, um ihm ihre Anerkennung für seine Verdiente um die
Parteiorganisation des betreffenden Staates zu bekunden. Normalerweise stimmt
dann dieselbe Delegation bei den folgenden Durchgängen für einen der aussichtsreichsten Bewerber. Meist handelt es sich bei den "Lieblingssöhnen" um
Staatsgouverneure.
Stimmt es. daß die Staaten mit den meisten Einwohnern wie'New York.
Pennsylvanien und Kalifornien oft den Ausgang der Präsidentschaftswahlen
entscheiden?
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5. Juni 1960

Dies trifft weitgehend zu, un" deshalb konzentrieren die Spitzenkandidaten ihre Anstrengungen während der Wahlkampagne hauptsächlich auf diese
und einige andere "Schlüsselstaaten". Im Rahmen des amerikanischen Systems besitzt jeder Einzelstaat einen seinem Bevölkerungsanteil entsprechenden Anteil der Wahlmännerstimmen. Das Wahlmännerkollegium, das den
Präsidenten wählt, verfügt zur Zeit über insgesamt 537 Stimmen (entsprechend der Zahl der Kongreßmitglieder), und derjenige Kandidat gilt als
gewählt, der die Mehrheit dieser Stimmen auf sich vereinigt. Die Wahlmänner jedes Einzelstaates stimmen geschlossen für den Kandidaten, der
zuvor in ihrem eigenen Staat die meisten Stimmen erhielt.
Ein Beispiel: In Kalifornien entfielen bei den Präsidentschaftswahlen
des Jahres 195^ auf den republikanischen Kandidaten rund 3 Millionen und
auf den demokratischen Kandidaten rund 2,4 Millionen Stimmen. Im Wahlmännerkollegium bekam demgemäß der republikanische Kandidat alle 32 kalifornischen Wahlmänner3timmen. Bei einem ziemlich ausgeglichenen Wahlergebnis kann es infolgedessen vorkommen, daß der Kandidat, dessen Partei
nach Gesamtstimmen im ganzen Lande knapp unterlag, im Wahlmännerkollegium obsiegt, wenn sein Gegner weniger Wahlmännerstimmen erhält. Dieser
Fall trat zurr, letzten Mal im Jahre 1888 ein.
Wer übernimmt die Präsidentschaft, falls der gewählte Präsident
amtsunfähig wird?
Der gesetzliche Nachfolger des Präsidenten ist, falls dieser stirbt,
zurücktritt oder aus anderen Gründen seine Amtszeit nicht zu Ende führen
kann, der Vizepräsident. Stößt dem Vizepräsidenten etwas zu, so treten
gemäß den Verfassungsbestimmungen die Inhaber anderer Ämter in der nachstehenden Reihenfolge an seine Stelle: der Sprecher des Repräsentantenhauses, der amtierende Senatapräsident, der Außenminister, dann andere
Kabinettsmitglieder.
Ist die Amtsdauer des Präsidenten gesetzlich befristet?
Ja; durch den 22. Verfassungszusatz wurde im Jahre 1951 bestimmt,
daß ein Präsidentschaftskandidat nur zweimal für eine vierjährige Amtsperiode gewählt werden darf. Diese Regelung entspricht der von dem ersten
Präsidenten der USA, George Washington, geschaffenen Tradition. Präsident Franklin D. Roosevolt wurde jedoch viermal nacheinander zum Präsidenten gewählt; er ~ Larb wenige Monate nach seiner dritten &lt;Viederwahl.
Zum ersten Mal gelangt die neue Verfassungsbestimmung auf Präsident
Eisenhower zur Anwendung.
Sind viele Vizepräsidenten später zu Präsidenten gewählt worden?
Dies war verhältnismäßig selten der Fall. Von den Anfangszeiten der
Republik ab£esehen, gelangten jene Vizepräsidenten, die später zu Präsidenten gewählt wurden, in der Regel zunächst durch den Tod des Präsidenten
in das höchste Amt und stellten sich dann zur Wahl, um es aus eigener Krafl
nochmals zu erringen.
Wie
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3. Juni i960

Wie konmt es, daP die USA gegenwärtig einer republikanischen Präsidenten
und einen Kongreß mit demokratischen Mehrheiten haben?
Da der 7/ähler nicht gezwungen ist, eine komplette Parteiliste zu
wähler, kann er seine Stimme spalten und beispielsweise den Präsidentschaftskandidaten der einen Partei und die Kongreßkandidaten der anderen
Partei wähljn. Möglicherweise wurde auch die Zusammensetzung des Kongresses bei früheren Wahlen deutlich zugunsten der einen Partei bestimmt,
während die andere Partei bei einer späteren '.Yahl ihren Präsidentschaftskandidaten durchbringt, wie es 1952 der Fall war. Der Senat hat beispielsweise eine klare demokratische Mehrheit} da bei den diesjährigen Wahlen
nur ein Drittel der Senatsmandate erneuert wird, dürften die Demokraten
auch weiterhin die Kontrolle des Senats behalten. Rascher können die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus wechseln, das im November - wie
in jedem zweiten Jahr - gänzlich neu gewählt wird.
Sind die Befugnisse des Präsiderten häufigen Änderungen ausgesetzt?
Die von der Verfassung ziemlich großzügig umschriebenen Befugnisse
des Präsidenten werden selten modifiziert. In augenfälliger V/eise ändern
können sich jedoch Stil und Konzeption ihrer Ausübung und Auslegung
durch den jeweiligen Präsidenten, und zwar von einem Regierungswechsel
zum andern.
Beteiligen sich die Frauen aktiv am Wahlkampf?
Ja; überall gibt es Frauen in den Parteikomitees der verschiedenen
Ebenen,.wo sie maßgeblich an der Formulierung der politischen Programme,
an der Planung des Wahlfeldzuges und an der Festlegung der Wahlkampftaktik
teilnehmen. Natürlich könren sie auch für jedes zur Wahl ausgeschriebene
Amt kandidieren. Zwar hat sich bisher ncch keine Frau um das Amt des Präsidenten oder Vizepräsidenten beworben, doch eroberten Frauen zahlreiche
andere wichtige Positionen, darunter Kongreßmandate, Gouverneursämter,
zahlreiche Sitze in einzelstaatlichen Parlamenten sowie Richterstellen.
Die Frauenverbände machen außerdem starken Einfluß geltend, um möglichst
viele wahlberechtigte Bürger zur Ausübung ihres Stimmrechts zu bewegen.
Können Minderheitsgruppen den Ausgang der Präsidentschafta'.vahlen
beeinflussen?
Jeder Staatsbürger hat dasselbe Mitbestimmungsrecht: er muß nur
Gebrauch davon machen. Insofern hat jeder Wähler, der einer Minderheit
angehört, durch seine Stimme denselben Einfluß auf den Wahlausgang wie
alle anderen Wähler auch. Die verschiedenen Rassen- und Nationalitätengruppen stellen in den USA keine politischen Minderheiten dar, da sie in
beiden großen Parteien mitwirken und vertreten sind. Einen gewichtigen
Einfluß können solche Minderheiten allerdings von Fall zu Fall geltend
machen, wenn Probleme zur Debatte stehen, die ihre Mitglieder in besonderem Maße berühren.
Wie

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"AMERIKA DIENST"

J. Juni 196O

.7ie finanzieren die Parteien die Wahlkampagnen?
Die Mittel für den Wahlkampf v/erden ausschließlich durch freiwillige
Beitrage aufgebracht. Die Höhe solcher Spenden ist gesetzlich auf 500C
"Dollar (für die allgemeinen Wahlen) begrenzt, um einer ungebührlichen
Einflußnahme einzelner Förderer vorzubeugen. Normalerweise schwanken
die Beiträge jedoch zwischen einem und 500 Dollar; weitaus die meisten
liegen unter 100 Dollar. Als ebenso beliebtes wie wirksames Mittel zur
Füllung des Wahlkampffonds hat sich in letzter Zeit die Veransteltung
sogenannter "testimonial dinners" eingebürgert. Zu diesen Galadiners,
die vor den Wahlen in unzähligen Städten und Ortschaften des ganzen Landes stattfinden, werden einige prominente Gäste - Kandidaten und andere
führende Persönlichkeiten der Partei - eingeladen. Ein Gedeck kostet in
der Regel 100 Dollar. Bisweilen kommen bei solchen Wahlkampfbanketten
mehrere tausend Parteifreunde zusammen.
7/ann wird der neue Präsident sein Amt antreten?
Der nächste Präsident der USA wird am 20. Januar 1961 » um die Mittagszeit, in der Bundeshauptstadt Washington in sein Amt eingeführt.

* * * * *

-

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./5.6.1960

WORTLAUT DER AUSFÜHRUNGEN DES AMERIKANISCHEM AUSSENMINISTERS
Christian A. Herter vor dem Außenpolitischen Ausschuß des
amerikanischen Senats am 27. Mai 196O

�WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister
Christian A. Herter nahm am Freitag, dem 27« Mai i960,
vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats eingehend zu den jüngsten politischen Ereignissen Stellung
und gab einen detaillierten Bericht über die Pariser
Konferenz, ihre Vorbereitung sowie den "U-2"-Flugzeugzwischenfall. Herter betonte insbesondere, daß die USA
weiterhin mit den Sowjets verhandeln wollen, daß die
freie Welt jedoch wachsam bleiben müsse.

I. Die Vorgeschichte der Gipfelkonferenz
A. Die Bedrohung Berlins
Um verstehen zu können, was in Paris geschah, müssen wir auf die
vergangenen 13 Monate zurückblicken.
Im November 1958 entwickelte die UdSSR eine neue Strategie, die
darauf ausgerichtet war, die Lage in Berlin und in Ostdeutschland zu
ihren Gunsten zu ändern. Wenn die Westmächte sich weigern sollten,
ihre gegenwärtige Position in Berlin aufzugeben und der Umwandlung
West-Berlins in eine sogenannte "Freie Stadt" zuzustimmen, dann, so
teilten die Sowjets mit, hätten sie die Absicht, nach sechs Monaten
einseitig vorzugehen und der sogenannten Deutschen Demokratischen
Republik die volle Souveränität zu übertragen und damit die Alliierten
vor die Alternative der Kapitulation oder der Zuflucht zur Gewalt zu
stellen, der durch kommunistische Streitkräfte begegnet würde. Obgleich
sich diese Strategie in ihrem Verlauf als flexibler erwies, als in der
ursprünglichen Erklärung zu erkennen war, so ist sie doch noch immer die
offizielle Politik der UdSSR. Ihre Stärke liegt in dem Vermögen der
Sowjets, Berlin zu bedrohen, wo wir moralisch verpflichtet, aber physisch
exponiert sind.
Die Westmächte wiesen den sowjetischen Vorschlag selbstverständlich
sofort zurück und bekräftigten ihre Entschlossenheit, zu Berlin zu stehen.
In den darauffolgenden Monaten, in denen die UdSSR ihre Strategie
entfaltete und vorantrieb, stimmten die Westmächte ihre Pläne ab, um
ihr zu begegnen. Sie suchten die UdSSR zu Verhandlungen zu bewegen, um
dadurch ihre Absichten klarer zu erkennen und entweder für den Westen
annehmbare Lösungen zu erreichen oder zumindest die UdSSR zu überzeugen,
daß einseitige Maßnahmen gegen Berlin nicht rechtmäßig und klug wären.
B. Aufnahme von Verhandlungen mit der UdSSR
Es stand keineswegs von vornherein fest, ob die UdSSR auf einer
annehmbaren Basis verhandeln würde. Im Januar 1959 schlug die UdSSR
eine Konferenz vor, um einen Friedensvertrag mit den beiden Teilen
eines für immer geteilten Deutschland zustande zu bringen. Die Westmächte beharrten auf ihrem Standpunkt, daß ein Friedensvertrag nur mit

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�mit einem vereinigten Deutschland ausgehandelt und abgeschlossen werden
kann, daß also daher zuerst die Wiedervereinigung Deutschlands geregelt
werden muß. Sie hielten weiter daran fest, daß die einzige wirkliche
Lösung für Berlin darin liegt, daß es die Hauptstadt eines wiedervereinigten Deutschland wird, und sie waren daher nicht bereit, die BerlinFrage als isoliertes Problem zu behandeln. Die UdSSR hatte jedoch schon
seit einiger Zeit den Standpunkt vertreten, daß die Wiedervereinigung
die alleinige Angelegenheit der Deutschen sei, und weigerte sich daher,
über sie zu sprechen.
Der Westen ließ während der Monate Februar und März in seinen Bemühungen nicht nach, die Russen irgendwie zum Verhandeln zu bringen. Er
schlug eine Konferenz der Außenminister vor - mit der Aussicht auf eine
mögliche Gipfelkonferenz, wenn die entsprechenden notwendigen Vorbereitungen getroffen worden seien. Die UdSSR hatte schon seit dem Jahre 1956
wiederholt den Wunsch nach einer solchen Konferenz zu erkennen gegeben.
Schließlich wurde eine Kompromißtagesordnung, die die wesentlichen Ansichten beider Seiten nicht präjudizierte, für eine Außenministerkonferenz angenommen und ein Datum für eine solche im Mai festgelegt - kurz vor dem
Zeitpunkt, an dem die ursprünglich von der Sowjetunion für die Annahme ihrer
willkürlichen Forderungen in Berlin gesetzte Frist ablief.
C. Toter Punkt der Außenministerkonferenz
Während der intensiven Vorbereitungen für die Konferenz entwickelten
die Westmächte eine Version ihres grundsätzlichen Standpunktes in der
Deutschland-Frage, die in Genf als der westliche Friedensplan vorgelegt
wurde. Er bestand in der Inangriffnahme der Wiedervereinigung Deutschlands
in mehreren Phasen, wodurch der UdSSR eine Chance geboten wurde, ihren Standpunkt allmählich an den schließlichen Verlust ihres Griffes um Ostdeutschland anzupassen, den freie Wahlen wahrscheinlich bringen würden. Der Plan
zeigte Elastizität und Einfallsreichtum,er sprach in der Weltöffentlichkeit
an; aber die UdSSR lehnte ihn nichtsdestoweniger glatt ab. Die UdSSR blieb
unzugänglich und beharrte auf ihren vorher bekanntgegebenen Vorschlägen
für einen Friedensvertrag mit einem geteilten Deutschland. Damit blieben
die grundsätzlichen Standpunkte absolut unvereinbar.
Nachdem sie feststellten, daß in der Deutschland-Frage kein Fortschritt möglich war, prüften die Westmächte und die UdSSR die Möglichkeit
eines Interim-Abkommens über Berlin, das, ohne eine grundsätzliche Lösung
der Berlin-Frage als separates Problem ins Auge zu fassen, etwas dazu beitragen würde, die Schwierigkeiten zu mildern, die die UdSSR in Berlin vorzufinden vorgab. Wenn auch ein gewisser Fortschritt in dieser Richtung
erzielt wurde, so bestand die UdSSR doch auf Formulierungen, die die
schließliche Aushöhlung der westlichen Position in Berlin bedeutet haben
würden. Dementsprechend endete die Außenministerkonferenz trotz der Arbeit
von drei Monaten bei einer nur kurzen Pause auf einem toten Punkt.

2

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�D. Reisen auf höchster Ebene
Der Fehlschlag der Außenministerkonferenz führte jedoch zu keiner
kriegsgefährlichen Krise, da mittlerweile parallellaufende Ereignisse
in einer anderen Richtung Hoffnung erweckten. Wir nahmen die Gelegenheit
des Besuches Mikojans in der sowjetischen Botschaft in Washington wahr,
um einen informellen Meinungsaustausch zwischen dem führenden sowjetischen Vertreter und hohen amerikanischen Regierungsvertretern zu arrangieren. Diesem folgten im Juni und Juli weitere Besuche und Besprechungen einmal kam Koslow nach den USA, und zum andern besuchte der Vizepräsident
die UdSSR. Die Tatsache, daß diese Besuche ohne öffentliche Zwischenfälle
verliefen und ein etwas realistischeres Gespräch mit der sowjetischen
Führung ermöglichten als sonst üblich, schien eine Möglichkeit - nur
eine Möglichkeit selbstverständlich - zu bieten, daß die Mittel und Wege,
einen Krieg zu verhüten und die sowjetisch-westlichen Beziehungen mit
der Zeit in etwas weniger gefährliche Bahnen zu lenken, durch den Ausbau dieser informellen Kontakte gefunden werden könnten.
Dementsprechend entschloß sich der Präsident, einen Schritt zu tun,
den er und seine Berater schon lange für den richtigen Zeitpunkt ins
Auge gefaßt hatten. Er lud Ministerpräsident Chruschtschow ein, die Vereinigten Staaten zu besuchen, und der Besuch wurde bekanntgegeben, noch
ehe die Außenminister ihre Genfer Konferenz beendeten.
Während des Besuches wurde kein Fortschritt in der Lösung offenstehender Probleme erzielt - und auch gar nicht erwartet -, aber es
wurde doch offensichtlich ein etwas größeres Maß an gegenseitigem Verständnis erzielt, insbesondere über die Notwendigkeit, internationale
Fragen durch friedliche Mittel und nicht etwa durch Gewalt zu lösen.
Weiter kam eine - später öffentlich bestätigte - Aufhebung dessen zustande, was noch von dem sowjetischen Berlin-Ultimatum übriggeblieben war.
E. Vorbereitungen für die Gipfelkonferenz
Nach dem Chruschtschow-Besuch wurde es von den Westmächten als angebracht und wünschenswert erachtet, auf neue Gespräche, dieses Mal auf
höchster Ebene, hinzuarbeiten. Ein Schimmer von Hoffnung auf einen Fortschritt in der Berlin-Frage hatte sich in Camp David gezeigt, während
Genf auf einem toten Punkt geendet hatte. Während seines Amerika-Besuches
hatte Chruschtschow ebenfalls ein Interesse an dem in gleicher Weise
entscheidend wichtigen Gebiet der Abrüstung bekundet; und wenn auch die Abrüstungsgespräche in dem Zehner-Ausschuß in Genf beginnen sollten, so
glaubte man doch, daß Chruschtschow seine konstruktiven Schritte - wenn
überhaupt zu erwarten - für die Gipfelkonferenz aufsparen würde.
Daher wurde nach entsprechenden Konsultationen zwischen den westlichen Regierungschefs eine Einladung zu einer Gipfelkonferenz an
Chruschtschow übersandt und von diesem angenommen und schließlich, nachdem
es erst Schwierigkeiten wegen früherer Termine gegeben hatte, der 16. Mai
als Zeitpunkt festgesetzt. Dieser Schritt fand in der westlichen Öffentlichkeit eine weitgehende Unterstützung.
Darauf
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3 -

�Darauf folgte auf westlicher Seite eine intensive und sich über
einen längeren Zeitraum erstreckende Serie von Vorbereitungen, darunter
auch wiederholte Konferenzen nicht nur der Außenminister und der NATO,
sondern auch der Regierungschefs. Innerhalb unserer eigenen Regierung
wurden die Möglichkeiten, Fortschritte nicht nur in der Berlin- und der
Deutschland-Frage, sondern vor allem auch auf dem Gebiet der Abrüstung
sowie auf anderen Gebieten der allgemeinen sowjetisch-westlichen Beziehungen zu erzielen, ebenfalls äußerst sorgfältig geprüft.
Auf der Dezember-Tagung der westlichen Regierungschefs gelangte
man übereinstimmend zu der Ansicht,daßdieGipfelkonferenz im Llei nur
eine in einer Serie von solchen Konferenzen sein würde und daß diese erste
weitgehend einen sondierenden Charakter haben würde. Man erhoffte sich
einige bescheidene Fortschritte, aber keine großen Lösungen auf irgendeinem Gebiet. Wenn jedoch ein Anfang gemacht werden könnte, dann würde
diese Serie von Gesprächen, die sich wahrscheinlich in einer sich im
Laufe der Jahre allmählich verbessernden Atmosphäre abwickeln würden,
vielleicht doch zu wesentlich mehr führen.
F. Aussichten für Gipfelkonferenz getrübt
In den ersten Wochen nach dem USA-Besuch Chruschtschows war eine
allgemeine Verbesserung der Atmosphäre festzustellen, und die Leute begannen - zum Teil hoffnungsvoll, zum Teil etwas verwirrt - von "Entspannung" zu sprechen. Auf beiden Seiten gab es relativ versöhnliche
Reden, bei den Genfer Verhandlungen über ein Atomversuche-Verbot waren
Fortschritte zu vermerken, am 21. November wurde ein neues sowjetischamerikanisches Kulturabkommen unterzeichnet, und am 1. Dezember setzten
die Sowjetunion und andere Mächte ihre Unterschriften unter den Antarktis-Vertrag.
Aber schon damals begannen sich die Wolken zusammenzuziehen.
Eines der ersten Anzeichen war der scharfe sowjetische Protest vom 11,
November gegen die westdeutschen Pläne, in West-Berlin eine Rundfunkstation zu errichten. Ein weiteres Anzeichen war die Rede Chruschtschows
vom 14» November, die härter im Ton war, in der erneut mit der sowjetischen
Raketenstärke geprahlt und mit der ein konzentrierter Angriff auf Adenauer
und die Bundesrepublik Deutschland gestartet wurde, der später dann noch
intensiviert wurde und ein zentrales Merkmal der sowjetischen Taktik vor
der Gipfelkonferenz zu sein schien. Über den Grund für diese Angriffe kann
man, auch heute noch, nur Spekulationen anstellen. Vielleicht glaubten die
Sowjets, sie könnten den westlichen Standpunkt in der Berlin-Frage unterminieren,, indem sie zu einer Spaltung der westlichen Alliierten beitrügen. Eine solche Wirkung blieb selbstverständlich aus, vielmehr
schlössen wir uns naturgemäß noch fester zusammen, um für unseren
deutschen Verbündeten einzustehen.

Schon

�Schon am 1. Dezember begann Chruschtschow auch bereits wieder
damit zu drohen, einen separaten Friedensvertrag mit Ostdeutschland
abzuschließen. Er wiederholte diese Drohungen in seiner Rede vor dem
Obersten Sowjet am 14. Januar und in seinen Erklärungen während seines
Besuches in Indonesien und anderen Ländern im Januar. Am 4« Februar
sprachen die Mächte des Warschauer Paktes die erste offizielle und
den ganzen Ostblock umfassende Verpflichtung aus, einen separaten
Friedensvertrag mit der sogenannten DDR zu unterzeichnen. Somit war
die drohende Rede Chruschtschows in Baku vom 25. April, obwohl sie
die schärfste seit Februar 1959 war, lediglich eine noch schroffere
Version dessen, was er bereits seit Monaten gesagt hatte. Ich werde
dem Ausschuß umfassende Unterlagen über diese Reden zur Verfügung
stellen.
Erst im April antworteten wir ausführlich auf die immer lautstärker werdenden sowjetischen Erklärungen. Wir taten dies, um die
Dinge richtigzustellen - vor allem in den Reden vom 4. und vom 20.
April, die Chruschtschow dann angriff, weil sie angeblich Streitfragen
aufwarfen, die doch in Wirklichkeit von ihm selbst ausgegangen waren.
Die Einigkeit der vier 'Westmächte in der Berlin-Frage hatte es
inzwischen der Sowjetunion vermutlich deutlich gemacht, daß die Aussichten auf eine Aushöhlung des westlichen Standpunktes oder die Durchsetzung der sowjetischen Berlin-Bedingungen gering waren. Staatspräsident de Gaulle und andere Staatsmänner zeigten große Festigkeit, als
es galt, diese sowjetischen Erwartungen zu entmutigen. Der NATO-Rat
bekräftigte auf seiner Sitzung vom 2. bis 4. Mai ebenfalls den Standpunkt des Westens in der Frage der deutschen Wiedervereinigung und
bedauerte die sowjetische Weigerung, spezifische und praktische Abrüstungsmaßnahmen zu erörtern. Somit schienen beim Näherrücken der
Gipfelkonferenz die Aussichten auf wichtige Abkommen gering, solange
die Sowjetunion daran festhielt, die Westmächte aus Berlin zu vertreiben und bezüglich der Abrüstung nur über allgemeine Grundsätze statt
über konkrete Maßnahmen zu sprechen.
Die westliche Beurteilung lief jedoch weiterhin darauf hinaus, daß
eine Gipfelkonferenz nützlich sein würde. Sie würde die Gelegenheit für
einen Meinungsaustausch bieten, der den Standpunkt beider Seiten klären
könnte; sie würde vielleicht zu einer Verminderung der Spannungen wegen
Berlin beitragen und einige der Meinungsverschiedenheiten in der Abrüstungsfrage beseitigen können. Sie könnte zumindest ein kleiner erster
Schritt auf dem langen Weg einer Verbesserung der sowjetisch-westlichen
Beziehungen sein.
II. Der ü-2-Zwischenfall
Am 1. Mai schlug unglücklicherweise eine Geheimdienst-Mission fehl.
Die Sowjetunion benutzte diesen Zwischenfall sofort, um den Weg zu der
Gipfelkonferenz zu erschweren. Was die Rolle der amerikanischen Regierung
in dieser Angelegenheit betrifft, so glaube ich nicht, dem eindeutigen

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�eindeutigen und offenen Bericht des Präsidenten, den dieser der Ilation
am Mittwochabend vorlegte, etwas besseres hinzufügen zu können.
Ich will daher nicht versuchen, auf Einzelheiten einzugehen, obwohl
ich natürlich bereit bin, Fragen hinsichtlich meiner Verantwortlichkeit
zu beantworten.
Ich möchte hier lediglich noch einmal vier Hauptpunkte herausstellen, die auch in dem Bericht des Präsidenten unterstrichen wurden:
1. Bei dem U-2-Programm handelte es sich um ein wichtiges und
wirksames Geheimdienst-Projekt. Wir wußten, daß das Fehlschlagen
irgendeiner der im Rahmen dieses Programms durchgeführten Missionen
schwerwiegende Folgen haben würde, aber wir waren der Ansicht, daß der
große Nutzen dieses Programms die damit verbundenen Risiken rechtfertigte.
2. Die Entscheidung, das Programm dieser Flüge nicht auszusetzen,
als die Gipfelkonferenz näher rückte, war vernünftig. Die Bedingungen
zu einem späteren Zeitpunkt würden es verhindert haben, sehr wichtige
Informationen zu erhalten. Es gibt niemals "eine günstige Zeit" für
das Fehlschlagen einer Geheimdienst-Mission. /Vir erachteten es für
unklug, unsere Wachsamkeit auf Grund dieser politischen Verhandlungen
zu verringern.
3. Die ersten Erklärungen der US-Regierung suchten natürlich
vor allem einmal den Piloten, seine Ceheimdienst-I'ission sowie alles
in Zusammenhang hiermit Stehende, das noch hätte geheimgehalten werden
können, zu decken. Als jedoch klar wurde, daß sich Flugzeug und Pilot
in sowjetischen Händen befanden, glaubten wir, daß dem Kongreß und dem
amerikanischen Volk die Tatsachen bekanntgegeben werden sollten. Daher
folgten die von amerikanischer Seite herausgegebenen Mitteilungen bis
zum 7« Mai der allgemeinen Linie der abschirmenden Erklärung und wurden
danach der Situation angepaßt, so wie sie sich weiter entwickelte,
4. Da das U-2-System bloßgestellt worden war, wurde es - wie jede
andere Geheimdienst-Mission in einem solchen Falle - eingestellt. Die
Bekanntgabe seiner Einstellung wurde zurückgehalten, damit der Präsident
diese Tatsache persönlich in Paris mitteilen konnte.
Ich glaube, die meisten Amerikaner werden auf der Grundlage dieser
vier Punkte zustimmen, daß der allgemeine Kurs unserer Maßnahmen angesichts
dessen, was wir zu dem jeweiligen Zeitpunkt wußten, vernünftig war. Im
besonderen zweifle ich daran, daß irgendeine andere Formulierung der
amerikanischen Erklärungen irgend etwas an den folgenden willkürlichen
sowjetischen Forderungen geändert hätte.

III.

�III. Die Ereignisse in Paris
A. Darstellung des Ablaufs
Ich möchte Ihnen einen Bericht über die wichtigen Entwicklungen in
Paris geben. Ich möchte mich dabei so kurz wie möglich fassen, da die
Einzelheiten überall veröffentlicht worden sind. Ich möchte Ihnen jedoch
die Ereignisse schildern, die meiner Auffassung nach dort (in Paris)
einen entscheidenden Einfluß hatten, und insbesondere jene, die die Entschlüsse des Präsidenten beeinfluSten.
Bei meiner Ankunft in Paris am Freitag, dem 13» Mai, wurden bereits
allerhand Spekulationen über die Nachricht angestellt, daß Herr
Chruschtschow bereits am Sonnabend in Paris ankommen wollte und nicht
am Sonntag, am Tag, an dem der Präsident und Herr Macmillan eintreffen
sollten.
Die Erklärung Herrn Chruschtschows bei seiner Ankunft auf dem
Flughafen von Orly enthielt keinen Hinweis auf seinen späteren Standpunkt. Sie war ihrem Inhalt nach gemäßigt und vermittelte unbedingt
den Eindruck, daß er trotz des U-2-Zwischenfalls mit der Gipfelkonferenz
voranschreiten wollte. Die folgenden Ereignisse zeigten, daß dies bewußt
geschehen war, um seine wirklichen Absichten zu verschleiern.
Am Sonntag um elf Uhr vormittags stattete auf sein eigenes Verlangen hin Herr Chruschtschow in Begleitung von Außenminister Gromyko
und Marschall Malinowski - was an sich schon ein ungewöhnliches Vorgehen
war, auf das ich später noch zurückkommen möchte - Staatspräsident de
Gaulle einen Besuch im Elysee-Palast ab. Während dieser Zusammenkunft
übergab er Präsident de Gaulle ein Memorandum, in dem die Bedingungen
dargelegt wurden, die von den Vereinigten Staaten erfüllt werden müßten,
bevor Chruschtschow bereit sei, an einer Gipfelkonferenz teilzunehmen.
Die französische Delegation übermittelte am frühen Nachmittag desselben
Tages der amerikanischen Delegation eine Kopie dieses Memorandums. Das
Memorandum wurde dann ohne Änderung von Herrn Chruschtschow als Anfang
seiner Erklärung auf dem Viermächtetreffen am Montag vormitt.ag - dem
16. Mai - benutzt.
Nach seinem Besuch bei Staatspräsident de Gaulle am Sonntag vormittag suchte Chruschtschow um 16.J0 Uhr desselben Tages Premierminister Macmillan auf und verlas diesem die gleiche Erklärung seines
Standpunktes.
Das von der französischen Delegation übermittelte Exemplar der
Erklärung war selbstverständlich Gegenstand sofortiger Beratungen mit
dem Präsidenten und Mitgliedern der amerikanischen Delegation, was die
Bedeutung und Vichtigkeit anging.
Wir kamen allgemein zu dem Schluß - der später durch die Tatsachen
bestätigt wurde -, daß der Standpunkt und die absolut unannehmbaren

-7

�unannehmbaren Forderungen, die in diesem Dokument zum Ausdruck gebracht
wurden, bereits vor der Abreise Herrn Chruschtschows in Moskau ausgearbeitet gewesen sein mußten. In diesem Sinne stellte dies einen festgelegten Standpunkt der sowjetischen Regierung dar, von dem abzugehen
nicht einmal Herr Chruschtschow selbst während seines Aufenthaltes in
Paris die Vollmacht haben würde.
Ich möchte hier etwas abschweifen, um zu bemerken, daß wir bei
früheren Konferenzen mit den Sowjets die Erfahrung gemacht hatten zumindest seit dem Tode Stalins -, daß jeder sowjetische Vertreter, mag
er eine noch so hohe Position einnehmen, an die kollektiven Entscheidungen
in grundsätzlichen politischen Fragen gebunden ist, die vor seiner Abreise
aus Moskau getroffen werden. Jede wesentliche Änderung dieser Standpunkte
bedurfte offensichtlich der Rückfrage in Moskau, bevor sie vorgenommen
wurde.
Ich möchte diese Auffassung unterstreichen, zu der man dann innerhalb der amerikanischen Delegation einstimmig gelangte, da sie sich
direkt auf den. Standpunkt auswirkte, den der Präsident auf der Zusammenkunft am Montag_^vormittag einnahm.
Es stand selbstverständlich außer Frage, daß der Präsident die demütigenden und arroganten Bedingungen Herrn Chruschtschows etwa hätte annehmen können oder sollen. Es war uns jedoch sehr viel daran gelegen und
es schien uns sehr wichtig, zu zeigen, daß es Herr Chruschtschow und
niemand anderes war, der diese Gipfelkonferenz gefährdete.
Der Präsident kam deshalb vor dem Zusammentreffen am Montag zu dem
Entschluß, daß die gegebene Richtung des Handelns - in Übereinstimmung
mit der großen Verantwortung, die er trug, der Ernsthaftigkeit der Probleme,
die auf der Konferenz erörtert werden sollten - für ihn darin bestehen
mußte, sich nicht auf Beschimpfungen mit Herrn Chruschtschow einzulassen,
sondern die Zurückhaltung und Würde zu üben, die dem von ihm bekleideten
Amt innewohnen und die dem führenden Vertreter eines großen Landes anstehen.
Im Zusammenhang mit dieser Entscheidung beschloß der Präsident, auf
der Konferenz seinen vorher getroffenen Beschluß bekanntzugeben, weitere
Flüge mit Flugzeugen vom Typ U-2 über der Sowjetunion einzustellen.
Obgleich die ursprüngliche Absicht gewesen war, die erste Zusammenkunft im Rahmen der Gipfelkonferenz auf die Regierungschefs und Staatsoberhäupter und ihre Dolmetscher zu beschränken, ersuchte der Präsident,
nachdem er erfahren hatte, daß Herr Chruschtschow seinen Außenminister
Gromyko und Marschall Malinowski mitzubringen wünschte, Verteidigungsminister Gates und mich, ihn zu der Zusammenkunft zu begleiten.

Ich

�Ich brauche diese Zusammenkunft nicht im einzelnen zu beschreiben
und möchte lediglich sagen, daß Herr Chruschtschow eine Erklärung verlas,
die mit der Übersetzung eine volle Stunde dauerte. Er las diese ganze
Erklärung von einem vorbereiteten Manuskript ab. Der erste Teil der
Erklärung bestand aus dem Memorandum, das er Staatspräsident de Gaulle
überreicht hatte, plus gewissen Zusätzen, die in der gleichen Richtung
lagen - was die Vereinigten Staaten angeht - und in denen von der
sowjetischen Bereitschaft gesprochen wurde, in sechs bis acht Monaten
eine Gipfelkonferenz abzuhalten. Der weitere Teil bestand im wesentlichen aus der Zurückziehung der Einladung an den Präsidenten, die
Sowjetunion zu besuchen.
Der Präsident beteiligte sich - abgesehen von seiner Erklärung,
die veröffentlicht wurde - nur einmal an der sich ergebenden Diskussion,
um Herrn Chruschtschow und seinen Kollegen klarzumachen, daß die Einstellung der D-2-Flüge nicht nur für die Dauer der Konferenz, sondern
solange gelte, wie er im Amt sei.
Die übrige Diskussion auf dieser Sitzung - die, wie ich hervorheben möchte, während der ganzen Zeit in Paris die einzige war, an der
sich die Sowjets beteiligten - bestand im wesentlichen aus den Versuchen von Staatspräsident de Gaulle und Premierminister Macuiillan,
Herrn Chruschtschow von dem nicht wieder gutzumachenden Schritt der
Veröffentlichung seiner beleidigenden Erklärung abzubringen, deren
unannehmbare Bedingungen die Gipfelkonferenz einfach unmöglich machen
mußten, und dem unnachgiebigen Beharren Chruschtschows darauf, daß
er diese Erklärung veröffentlichen werde, und zwar zu einem Zeitpunkt
nach seiner Wahl. Die Zusammenkunft endete auf der Grundlage eines Vorschlages von Staatspräsident de Gaulle, daß sich die Verhandlungsteilnehmer die ganze Angelegenheit noch einmal 24 Stunden überlegen und
dann die Situation prüfen sollten.
Die Zusammenkunft bestätigte unsere Schlußfolgerung vom Vorabend
voll und ganz, daß Herr Chruschtschow innerhalb der festen Grenzen
einer Politik operierte, die vor seiner Abreise aus Moskau festgelegt
worden war. Es ist in diesem Zusammenhang bedeutsam, daß die später
an diesem Tag - Montag, dem 16. Mai - von ihm veröffentlichte Erklärung,
die mit der auf der Konferenz abgegebenen identisch war, keinerlei Bezug
auf die Diskussion auf der Konferenz und insbesondere auf die Erklärung
des Präsidenten hinsichtlich der Einstellung der U-2-Plüge nahm.
Der weitere Verlauf der Verhandlungen in Paris ging immer mehr
abwärts. Es war allen westlichen Vertretern klar, daß es keine Möglichkeit einer Gipfelkonferenz mehr gab, es sei denn, Herr Chruschtschow
seinerseits hätte seinen Standpunkt geändert. Am Montag suchte Herr
Macmillan Herrn Chruschtschow in einem - ergebnislosen - Versuch auf,
ihn zur Zurückziehung seiner unmöglichen Forderungen zu bewegen.
Am

�Am gleichen Tag entschloß sich Staatspräsident de Gaulle mit der Zustimmung des Präsidenten und Premierminister Macraillans für Dienstag, den 17. Mai, um 15 Uhr eine Sitzung der Gipfelkonferenz
einzuberufen, also nach der 24stündigen Pause, die er am Montag vorgeschlagen hatte. Er sandte schriftliche Einladungen an die drei anderen Teilnehmer.
Der Präsident, der die Einladung annahm, legte seine Auffassung
dar, daß die Annahme durch den sowjetischen Vertreter bedeuten würde,
daß die Sowjets die Forderungen aufgegeben hätten, die der Präsident
vorher als absolut unannehmbar bezeichnet hatte.
Herr Chruschtschow erschien nicht zu der festgesetzten Zeit für
das Treffen am Dienstag.' Nach langem Telefonieren zwischen der sowjetischen Botschaft und dem französischen Außenministerium wurde klar,
daß er sich weigerte, an einer Gipfelkonferenz teilzunehmen,-und nur
zu einer Zusammenkunft erscheinen würde, die, wie er es nannte, eine
vorbereitende Sitzung wäre, um festzustellen, ob die Bedingungen für
eine Gipfelkonferenz geschaffen werden könnten. Wenn er hier von "Bedingungen" sprach, dann meinte er offentlichtlich die Annahme all der
Bedingungen durch die Vereinigten Staaten, die er vorher gestellt
hatte - und tatsächlich erklärte er dies dann auch später, am selben
Tag, in einem Schreiben an Staatspräsident de Gaulle.
Angesichts der Weigerung von Herrn Chruschtschow, an der Gipfelkonferenz teilzunehmen, außer unter Bedingungen, die von allen drei
westlichen Vertretern als unannehmbar angesehen wurden, kamen die
drei westlichen Regierungschefs am 17« Mai um 21 .50 Uhr kurz zusammen,
um das Drei-Mächte-Abschlußkommunique zu billigen - von dem ich hier
eine Abschrift zu den Akten geben möchte.
Damit war die Gipfelkonferenz auf Grund der sowjetischen Unnachgiebigkeit zu Ende, bevor sie begonnen hatte, ohne sich den großen
internationalen Problemen zugewandt zu haben, mit denen sie sich befassen sollte.
Der folgende Tag - Mittwoch, der 18. Mai - war durch Drei-MächteZusammenkünfte der westlichen Regierungschefs und ihrer Außenminister
zur Erörterung der Lage gekennzeichnet. In diesen Sitzungen versuchten
wir, die Gründe für die sowjetische Haltung, die Aussichten für die
Zukunft und die Maßnahmen zu analysieren, die die drei Westmächte
ergreifen könnten.

Dieser

10 -

�Dieser Tag war außerdem durch die Pressekonferenz von Herrn
Chruschtschow gekennzeichnet, über die Presse, Fernsehen und Rundfunk
ausgiebig berichteten. Es handelte sich dabei offensichtlich um eine
noch nie dagewesene Darbietung von Beschimpfungen, Beleidigungen und
ungezügelten Gefühlsausbrüchen. Man darf jedoch nicht übersehen, daß
Herr Chruschtschow es trotz der offensichtlich unkontrollierten Art
seiner Bemerkungen und seines Gebarens auf dieser Pressekonferenz peinlich vermied, sich auf irgend eine spezifische Linie des Handelns auf
internationalem Gebiet festzulegen.
B. Analyse
Wir haben uns natürlich eingehend mit den Gründen für dieses
außergewöhnliche Verhalten der Sowjets beschäftigt, die den weiten
Weg von Moskau nach Paris zu dem einzigen Zweck gemacht haben, die
Konferenz zu sabotieren.
Ich möchte zunächst einmal darauf hinweisen, daß es viele dunkle
Punkte in dem Verhalten der Sowjets gibt und daß wir nicht alle Erwägungen und Faktoren kennen, die zu ihrem Entschluß geführt haben.
Wir werden sie wahrscheinlich auch niemals erfahren. Ich brauche hier
vor den Mitgliedern dieses Ausschusses wohl kaum zu betonen, unter
welcher völligen Geheimhaltung innerhalb der sowjetischen Regierung und
der Hierarchie der Kommunistischen Partei, die in diesem Lande wirklich
herrscht, Entscheidungen getroffen werden. Es ist lediglich möglich zu
versuchen, aus den sowjetischen Maßnahmen, sobald sie erfolgt sind, auf
die Erwägungen zu schließen, die zu ihnen geführt haben. '«Vas ich hier
vor Ihnen daher jetzt tun kann, ist bestenfalls zu versuchen, Schlüsse
zu ziehen, warum die Sowjetunion sich so verhalten hat, wie dies der
Fall war - Schlüsse, die vielleicht im Lichte späterer Informationen
und Ereignisse zu revidieren sein werden.
Etwas kann jedoch als sicher angesehen werden, nämlich daß der
Beschluß, die Konferenz zu torpedieren, vor der Abreise Chruschtschows
aus Moskau gefaßt wurde« . Zu keinem Augenblick während seines Aufenthaltes in Paris - weder am Sonntag, dem 15» Mai, 11 Uhr vormittags, als
er General de Gaulle seine wahren Absichten offenbarte, noch später wich Chruschtschow einen Zoll von seinen Forderungen ab, daß die Vereinigten Staaten 1. die Oberfliegungen verurteilen, 2. sich bei der
Sowjetunion entschuldigen, 5» die "direkt dafür Verantwortlichen" bestrafen und 4. versprechen sollten, diese Flüge nicht zu wiederholen.
A'eder die vom Präsidenten auf der Montagssitzung abgegebene Erklärung
noch die ernsthaften und verantwortungsbewußten Bemühungen, die von
General de Gaulle und Herrn Macmillan in zweiseitigen Gesprächen mit
Herrn Chruschtschow vor und nach der Erklärung des Präsidenten über
die Einstellung der Flüge unternommen wurden, konnten ihn dazu bringen,
diese unannehmbaren Forderungen zurückzuziehen. Tatsächlich kann man
aus seinem Verhalten in Paris den logischen Schluß ziehen, daß er
keine Vollmacht hatte, seinen Standpunkt wesentlich zu modifizieren.
Die
- 11 -

�Die Tatsache, daß er überall, und wirklioh überall, von Außenminister Gromyko und Marschall Malinowski begleitet wurde, ist eine
interessante Begleiterscheinung zu diesem Punkt. Es werden viele Spekulationen über diese Änderung gegenüber seiner früheren Haltung bei
seinen Besuchen sowohl in den Vereinigten Staaten wie auch in Frankreich angestellt, als er darauf bestand, allein mit dem Präsidenten
und Staatspräsident de Gaulle zusammenzukommen, wobei nur Dolmetscher
zugegen waren. Was die Bedeutung dieses neuen Faktors anbetrifft, so
kann man bestenfalls vermuten, daß es erstens in Anbetracht der von
ihm in Paris eingenommenen brutalen und drohenden Haltung als wünschenswert erachtet wurde, einen greifbaren Beweis der bewaffneten Stärke der
Sowjetunion in der Person von Marschall Malinowski zur Hand zu haben,
und daß, zweitens, Gromyko und Malinowski nach der Rückkehr nach Moskau
bestätigen sollten, daß er sich streng an den vereinbarten Standpunkt
gehalten habe.
Es erscheint ferner als sicher, daß die Entscheidung, die Einladung an den Präsidenten zurückzuziehen, noch vor der Abreise Chruschtschows
aus Moskau getroffen wurde.
Was die Gründe anbetrifft, die die Sowjets zu dieser extremen Haltung bezüglich der Gipfelkonferenz führten, die vorher von Herrn Chruschtschow doch so sehr herbeigewünscht worden war, so betreten wir hier das
Gebiet der reinen Spekulation, wie ich es bereits zuvor angedeutet habe.
Das 3este, das wir hoffen können zu tun, solange zuverlässige Informationen
fehlen, ist, die Elemente und Faktoren auszuwerten, die augenscheinlich
zu diesem Beschluß geführt haben mögen. Ich werde versuchen, sie kurz
aufzuzählen.
1) Es lagen beträchtliche Anzeichen - besonders im April - dafür
vor, daß Herr Chruschtschow zu dem Schluß gekommen war, daß nur eine
geringe Wahrscheinlichkeit für ihn bestand, auf der Gipfelkonferenz
seinen Standpunkt, besonders in bezug auf Berlin, durchzusetzen. Die
Beweise der westlichen Entschlossenheit und Einigkeit in diesem Punkte
in den Reden und Erklärungen westlicher Staatsmänner scheinen ihn zu
diesem Schluß gebracht zu haben. So umriß er in seiner Rede in Baku
am 25. April nicht nur mit größter Bestimmtheit erneut seinen Standpunkt
zu Berlin sowie seine Absicht, einen separaten Friedensvertrag mit dem
ostdeutschen Regime abzuschließen, sondern er begann auch erstmalig ernsthafte Zweifel hinsichtlich des Erfolges der Gipfelkonferenz zu äußern.
Damit meinte er natürlich einen Erfolg im Sinne der sowjetischen Bedingungen.
2) Wenn die Beweise auch nicht sehr schlüssig sind, so liegen doch
eine Anzahl Anzeichen dafür vor, daß Herrn Chruschtschows Außenpolitik und im besonderen die zu starke Hervorhebung seiner Person und die nach
kommunistischer Ansicht zu großen Zugeständnisse durch seine Besuche
in den USA und Frankreich - zumindest ernste Zweifel, wenn nicht sogar
Opposition innerhalb der sowjetischen Hierarchie ausgelöst hat. Es würde
als ein logischer Schluß erscheinen, daß eine gewisse von Seiten der
chinesischen Kommunisten gegen seine Außenpolitik offen zum Ausdruck gebrachte Opposition bei einigen seiner Mitarbeiter - und sehr wahrscheinlich
unter den sowjetischen Militärs - eine wohlwollende Aufnahme gefunden hat»

II
12 -

�3) Vor diesem Hintergrund ereignete sich der U-2-Zwischenfall.
Eine Kombination dieser drei Faktoren hat unseres Erachtens zu dem
entschiedenen und brutalen Beschluß geführt, die Paris-Konferenz zu
torpedieren. Festzustellen, wie jeder dieser Faktoren zu bewerten ist,geht
Augenblick über unsere Möglichkeiten hinaus.
Der U-2-Zwischenfall ist höchstwahrscheinlich zur Rechtfertigung
dieses Beschlusses sofort aufgegriffen und über seine wirklichen Proportionen hinaus aufgebauscht worden. Es ist umstritten, ob es für Herrn
Chruschtschow möglich gewesen wäre, einen anderen Vorwand für eine so
radikale und heftige Haltung zu finden.
Es wäre durchaus möglich, daß ein mangelnder Erfolg auf der Gipfelkonferenz Chruschtschow - von seinem Standpunkt aus gesehen - vor eine weit
schwierigere Wahl gestellt haben würde als überhaupt keine Konferenz.
Er und seine Mitarbeiter haben es daher vielleicht vorgezogen, indem sie
die Konferenz einfach sofort torpedierten,es zu vermeiden, vor die Konsequenzen eines Fehlschiagens d e r Verhandlungen gestellt zu wenden.
Es mag für Sie unfaßbar erscheinen, daß ein verantwortungsbewußter
Staatsmann einer Großmacht den weiten Weg nach Paris nur zu dem Zweck
gemacht haben könnte, die Konferenz zu torpedieren, wodurch er eine weltweite Verurteilung der Sowjetunion auf sich lädt sowie das Gefühl der
Einigkeit und gemeinsamen Zielsetzung nicht nur bei den dort vertretenen
Westmächten, sondern auch bei der Nordatlantikpakt-Crganisation und den
freien Nationen in aller Welt festigt.
Ich glaube, die Antwort liegt in einer grundlegenden Fehlkalkulation
in den Überlegungen Herrn Chruschtschows und der Sowjets.
Herr Chruschtschow hoffte zweifellos - und dies erklärt seine frühe
Ankunft in Paris -, die Alliierten zu spalten und die Vereinigten Staaten
zu isolieren. Er erwartete, daß die Vereinigten Staaten die von ihm gestellten Forderungen zurückweisen würden und daß die Konferenz dann
zusammenbrechen würde, wobei den Vereinigten Staaten vor der Weltmeinung
die Verantwortung für den Zusammenbruch zufiele.
Seine Pläne schlugen fehl, da unsere beiden Alliierten fest und
loyal zu den Vereinigten Staaten standen und es ablehnten, als Partner
in Herrn Chruschtschows Plan mitzuwirken. Die Folge hiervon war, wie die
gesamte '.Veit weiß, daß der Standpunkt, mit dem Herr Chruschtschow nach
Paris kam, zu der völligen Isolierung der Sowjetunion und nicht der
Vereinigten Staaten führte und die Verantwortung für den Zusammenbruch
der Konferenz eindeutig - wo sie auch hingehört - auf seine eigenen
Schultern geladen wurde.
Diese

�Diese Einschätzung der Gründe für Chruschtschows Verhalten wird noch
wesentlich durch den Angriff untermauert, den er auf seiner Pressekonferenz
gegen General de Gaulle und Premierminister Macmillan wegen ihres - wie er
es nannte - Mangels an Objektivität, ihres Mangels an gutem Willen und
ihrer Hörigkeit gegenüber den alliierten Beziehungen richtete - mit anderen
Worten und in klarem Englisch, wegen ihrer Solidarität mit den Vereinigten
Staaten, ihrer Loyalität gegenüber unserem gemeinsamen Ziel und ihrer
Weigerung, das sowjetische Spiel mitzuspielen.
IV. Die Zukunft
Welche Schlußfolgerungen sollten wir für die Zukunft ziehen? Meiner
Ansicht nach deuten die Anzeichen darauf hin, daß es bisher keine radikale
Xnderung in der sowjetischen Politik gegeben hat, wenn wir auch mLt der
Fortsetzung der Propagandakampagne rechnen können, die einen Keil zwischen
die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten treiben soll. Diese Folgerung
wird durch die Paris-Erklärungen Herrn Chruschtschows einschließlich seiner
Bemerkungen auf der Pressekonferenz gestützt. Und sie wird auch, etwas
spezifischer und definitiver, durch die Erklärungen erhärtet, die er auf
seinem Rückflug in Berlin abgegeben hat.
Wir müssen uns jedoch immer vor Augen halten, daß die sowjetischen
Machthaber auf Grund der Natur des sowjetischen Staates jederzeit geheim
zusammenkommen und die bestehende Politik ändern können, ohne daß eine
öffentliche Debatte stattfindet oder eine solche Änderung sich vorher, ankündigt. Aus diesem Grunde muß jede Erklärung über eine bestimmte Phase
der sowjetischen Politik als bedingt angesehen werden, wobei keine Sicherheit gegeben ist, daß sie auch für die Zukunft Gültigkeit haben wird»
Obwohl also die Hoffnungen der Welt durch die Tatsache, daß die
Gipfelkonferenz nicht wie vorgesehen zustande kam, sehr enttäuscht worden
sind, deuten die Anzeichen bisher darauf hin, daß die Grundrealitäten der
internationalen Situation nicht wesentlich verändert worden sind. Ob
dies auch in Zukunft so bleiben wird, hängt - wie ich ausgeführt habe von den Maßnahmen der führenden kommunistischen Länder ab.
Vorläufig bin ich jedoch der Ansicht, daß die Schlußfolgerung für
die amerikanische Politik die ist, daß die wesentlichen Grundzüge
unserer Politik weiterhin wohlfundiert und vernünftig sind und beibehalten
werden sollten.
Die

- 14 -

�Die Lehre von Paris besteht darin, daß wir diese Grundzüje mit
verstärkten Anstrengungen weiterverfolgen sollten. Die Verfechter eines
aggressiven Kurses innerhalb des kommunistischen Blocks dürfen nicht
durch Zeichen der Schwäche auf unserer Seite ermutigt werden. Die Verfechter eines friedlichen-Kurses sollten dagegen durch unsere Bereitschaft
ermutigt werden die ungelösten weltpolitischen Fragen in nüchterner und
vernünftiger -Veise anzupacken.
Wir müssen weiterhin bereit sein, jedem aggressiven Druck entgegenzutreten, nicht nur in Berlin, sondern auch überall anderswo.
Ich bin überzeugt, daß unsere offenkundige Bereitschaft vor,einem solchen
Druck zurückschrecken lassen wird.
Unter den Lehren von Paris ist die wichtigste für die freie Welt
und für uns, so scheint mir, die neue Erkenntnis der Gefahren, denen
wir uns gegenübersehen, und der sich daraus ergebenden Notwendigkeit,
daß wir uns fester zusammenschließen und unsere eigenen Programme sowie
die unserer Alliierten für die Stärkung der freien Welt vorantreiben.
Wir sind aus Paris zurückgekehrt mit einer noch klareren Erkenntnis
dessen, was es heißt, Alliierte zu haben, und ichbin sicher,daß unsere
Bündnisse durch diese Erfahrung neu gestärkt werden.
Gleichzeitig möchte ich genauso die Notwendigkeit unterstreichen,
die Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern in einfallsreicher und
großzügiger Weise zu erweitern. Ich hoffe, daß der Kongreß im Zusammenhang
mit diesen beiden Punkten unsere Programme der Gemeinsamen Sicherheit, wie
sie von diesem Ausschuß genehmigt wurden und jetzt wichtiger sind als jemals zuvor, voll und ganz unterstützen wird.
Wir müssen uns - wie Präsident Eisenhower erklärt hat - weiterhin
darum bemühen, in einer nüchternen Atmosphäre Portschritte bei der Lösung
offenstehender Probleme mit der Sowjetunion zu erzielen. Wir beabsichtigen,
die gegenwärtigen Verhandlungen fortzusetzen, unsere Verpflichtungen zu
erfüllen und Verbindungen offenzuhalten sowie einen friedlichen Austausch
zu fördern. Und vor allem werden wir nicht von dem entschlossensten geduldigsten und durchdachtesten Bemühen ablassen, Mittel und Wege zu finden,
um das Wettrüsten unter Kontrolle zu bringen und damit der nuklearen Gefahr zu begegnen, die über der Menschheit schwebt»
Ich glaube, daß es in dieser Zeit die Pflicht von uns allen ist, die
internationale Entwicklung ruhig und aufmerksam zu beobachten und Maßnahmen, Erklärungen und Haltungen zu vermeiden, die unnötigerweise zu
einer Verschärfung der internationalen Spannungen führen könnten. Falls
es zu einer solchen Verschärfung kommt, dann sollte es klar die Schuld der
Sowjets sein, und wir sollten ihnen nicht den Gefallen tun, einen Vorwand
für Maßnahmen ihrerseits zu liefern, die eine solche Auswirkung haben würden.
Wir sollten unsere Haltung oder unsere Politik gegenüber der Sowjetunion weder als "hart" noch als "weich" definieren. Täten wir dies, dann
würde das nicht nur unseren Blick von der bitteren Realität ablenken, der
wir uns gegenübersehen, sondern uns vielmehr unvermeidlicherweise in nutzlose und schädliche innenpolitische Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen

- 15

-

�Segenbeschuldigungen stürzen, Wir müssen jetzt und in Zukunft eine
wachsame, ruhige und entschlossene Haltung an den Tag legen und soweit dies in unserer Macht liegt - in unserer Beurteilung der Dinge
genau und in unseren Handlungen wirksam sein.
Ich möchte meine Ausführungen abschließen, indem ich die Hoffnung
zum Ausdruck bringe, daß wir uns nicht so von der Beschäftigung mit der
kommunistischen Gefahr gefangennehmen lassen, daß wir unsere eigenen
konstruktiven Zielsetzungen aus dem Auge verlieren, die größer und
wichtiger sind, als lediglich den Drohungen von außen entgegenzutreten
oder auf sie zu reagieren. Wir haben unsere eigene Vorstellung von der
Zukunft, auf die hin wir die Welt sich entwickeln sehen möchten. Wir
haben unsere eigenen Programme, um zu einer Verwirklichung dieser Zukunft beizutragen - um das Licht der Freiheit hochzuhalten, um ihre
Botschaft und ihren Lohn mit den aufstrebenden Ländern zu teilen und
um eine internationale Gemeinschaft zu schaffen zu suchen, in der die
Herrschaft des Rechtes an die Stelle der Herrschaft der Gewalt tritt.
Diese Programme sind es, auf die wir in den vor uns liegenden unsicheren
Zeiten unser Können und unsere Energien von neuem verwenden sollten.

* * * * *

- 16 -

�Allg./3.6.1960

EISENHOY/ER: ZIEL DER USA WEITERHIN FRIEDEN IN GERECHTIGKEIT

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Eisenhowers vom 25. Mai i960,
in der er dem amerikanischen Volk über die Ereignisse in Paris berichtete und den Kurs der
USA für die Zukunft aufzeigte.

Meine amerikanischen Mitbürger!
Ich möchte heute abend mit Ihnen über die bemerkenswerten Ereignisse der vergangenen Woche in Paris und über ihre Bedeutung für unsere
Zukunft sprechen.
Zunächst einmal bin ich den vielen Tausenden von Ihnen und den
Vertretern im Kongreß zutiefst dankbar, die mir Botschaften der Ermutigung und der Unterstützung zusandten, während ich in Paris war und auch
später, nach meiner Rückkehr nach Washington. Ihre Botschaften zeigten
klar Ihre unerschütterliche Loyalität gegenüber Amerikas großer Zielsetzung - von einer Position der geistigen, moralischen und materiellen
Stärke aus nach einem dauerhaften Frieden in Gerechtigkeit zu streben.
Sie werden sich selbstverständlich erinnern, warum ich vor zehn
Tagen nach Paris ging. Im vergangenen Sommer und Herbst hatte ich zahlreiche Unterredungen mit führenden Staatsmännern der Welt, einige davon auch mit Ministerpräsident Chruschtschow hier in Amerika. Im Verlauf jener Monate schien sich eine kleine Verbesserung in den Beziehungen zwischen der Sowjetunion und dem Westen abzuzeichnen. Eine Möglichkeit schien sich aufzutun, daß die sowjetischen Führer schließlich doch
zu ernsthaften Gesprächen über unsere wichtigsten Probleme - wie die Abrüstung, gegenseitige Inspektion, Atomkontrolle und Deutschland einschließlich Berlins - bereit sein würden.
Unsere führenden Staatsmänner trafen sich mit den britischen und
französischen, um diese Möglichkeit zu prüfen, und wir kamen dann später mit den führenden sowjetischen Vertretern überein, am 16. Mai in
Paris zusammenzukommen.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

5. J u n i

1960

Wir hatten natürlich keinen Hinweis und auch keine Ahnung, daß sich
die Politik der Sowjets in ihren Grundlagen völlig geändert hatte. Aber
wenn sich eben auch nur die geringste Chance für eine Stärkung des Friedens bietet, dann kann es keine vornehmere Pflicht geben, als diese wahrzunehmen.
Auch hatte sich unsere Politik nicht geändert. 7/ir hofften wirklich,
auf einem Gipfeltreffen einen gewissen Fortschritt zu erzielen, so wenig
verheißungsvoll früher gemachte Erfahrungen in dieser Hinsicht auch waren.
Indem wir aber die Vorbereitungen für diese Konferenz trafen, haben wir
es weder an Aufmerksamkeit fehlen lassen noch in unserer Wachsamkeit nachgelassen.
Unsere Sicherheit und die der freien Welt erfordern selbstverständlich
wirksame Systeme, um Informationen über das militärische Potential der
übrigen mächtigen Länder und im besonderen derjenigen zu sammeln, die aus
der Geheimhaltung einen Kult machen. Dabei werden viele Techniken und
Methoden angewandt. In den heutigen Zeiten riesiger militärischer Apparate
und mit Atomsprengköpfen ausgerüsteter Raketen ist das Aufspüren solcher
Informationen für die Sicherheit der freien Welt unerläßlich.
Ich habe mich lange sehr ernsthaft hiermit beschäftigt. Es ist Teil
meiner schweren Verantwortung im Rahmen des Gesamtproblems, das amerikanische Volk zu schützen und uns und unsere Verbündeten vor einem Überraschungsangriff zu bewahren. In der Zeit, die dem zweiten Weltkrieg voranging, haben
wir aus bitterer Erfahrung die zwingende Notwendigkeit erkannt, ständig
Geheimdienstinformationen zusammenzutragen, militärische Verbindungen und
Kontakte aufrechtzuerhalten und ständig auf der Hut zu sein.
Es ist vielleicht angebracht, hier noch ein Wort zu der Frage der
Nachrichtenübermittlung und des Kommandos zu sagen. Während unseres Aufenthalts in Paris waren natürlich der Verteidigungsminister und ich selbst
von unseren normalen Kommandoposten abwesend. Der Verteidigungsminister
empfahl, daß wir unter diesen Umständen die ständige Bereitschaft unserer
militärischen Befehlsübermittlung erproben sollten. Ich habe dies persönlich gebilligt. Solche Erprobungen sind wertvoll und werden in Zukunft
häufig wiederholt werden.
Darüber hinaus trage ich als Präsident, der durch die Verfassung mit
der Pflege der außenpolitischen Beziehungen Amerikas beauftragt ist, und
als Oberbefehlshaber, dem die Leitung der Operationen und Tätigkeiten unserer Streitkräfte und ihrer Versorgung obliegt, die volle Verantwortung
für die Billigung der verschiedensten Programme, die von unserer Regierung durchgeführt werden, um das Funktionieren des militärischen Geheimdienstes zu gewährleisten und seine Ergebnisse auszuwerten.
Im Zuge eines dieser Geheimdienstprogramme kam es dann zu dem so stark
publizierten U-2-Zwischenfall.
Eine der zahlreichen von uns angewandten Methoden, um uns und die
freie Welt über die wichtigen militärischen Entwicklungen bei den Sowjets
auf dem laufenden zu halten waren Luftaufnahmen. In den vier Jahren dieser
Bemühungen hat sich die Nützlichkeit dieser Arbeit deutlich gezeigt. Die

�"AMERIKA DIENST"

5. Juni 1960

Hie Sowjets waren sich hierüber vollkommen im klaren. Ministerpräsident
Chruschtschow hat erklärt, daß er von diesen Flügen schon vor mehreren
Jahren Kenntnis hatte. Erst in der vergangenen Woche, auf seiner Pariser
Pressekonferenz, bestätigte Ministerpräsident Chruschtschow, daß er
bereits von diesen Flügen wußte, als er im vergangenen September die
Vereinigten Staaten besuchte.
Ganz beiläufig erhebt sich damit die natürliche Frage: Warum all
dieser Aufruhr wegen eines bestimmten Fluges? Chruschtschow hat, als er
im vergangenen September in Amerika war, keine Beschuldigungen erhoben,
daß diese Flüge eine Bedrohung für die Sicherheit der Sowjetunion darstellten. Er sah damals keinerlei Grund, es abzulehnen, mit amerikanischen Vertretern zu sprechen.
Dies tat er erst wegen des Fluges, der unglücklicherweise am 1. Mai,
weit innerhalb Rußlands, mißglückte.
Im Zusammenhang mit diesem speziellen Flug sind nun zwei Fragen
aufgeworfen worden:
Erstens in bezug auf den gewählten Zeitpunkt, angesichts der unmittelbar bevorstehenden Gipfelkonferenz; und zweitens in bezug auf die anfänglich abgegebenen Erklärungen, als wir erfahren hatten, daß das Unternehmen gescheitert war.
Was den Zeitpunkt anbetrifft, so ergab sich einfach die Frage, ob
das Programm gestoppt werden und damit auf das Zusammentragen wichtiger
Informationen verzichtet werden sollte, die von wesentlicher Bedeutung
waren und wahrscheinlich zu einer späteren Zeit nicht mehr zu erhalten
gewesen wären. Das Programm wurde weitergeführt.
Die offene Wahrheit sieht so aus: Wenn ein Staat einen Geheimnachrichtendienst braucht, dann gibt es keinen Augenblick, in dem man in
der Wachsamkeit nachlassen darf. Wir lernten es ja übrigens von Pearl
Earbor, daß sogar Verhandlungen dazu benutzt werden können, um die Vorbereitungen für einen Überraschungsangriff zu verschleiern.
Was dann die anfänglich von unserer Regierung zu diesem Flug abgegebene Erklärung anbetrifft, so sollte sie den Piloten, seine Mission
und unsere Geheimdienstverfahren in einem Augenblick schützen, in dem
über die genauen Fakten noch Ungewißheit bestand.
Unsere ersten Informationen darüber, daß diese Mission fehlgeschlagen
war, sagten nicht, ob der Pilot noch am Leben war, ob er zu entkommen
suchte, ob er einer Befragung auswich oder ob sowohl das Flugzeug wie
auch der Pilot der Vernichtung anheimgefallen waren. Der Schutz unseres
Geheimdienstsy3tems und des Piloten und die Verheimlichung der Mission
des Flugzeuges schienen noch eine zwingende Notwendigkeit zu sein. Man
muß bedenken, daß diese Flüge uns über einen langen Zeitraum hinweg
Informationen von größter Wichtigkeit für die Sicherheit unseres Landes
erbracht haben. Ihr Erfolg war durchaus bemerkenswert.
Aus

�"AMERIKA DIENST"

3. Juni 1960

Aus diesen Gründen wurde, wie es in Geheimdienstkreisen heißt,
eine "abschirmende Erklärung" herausgegeben. Sie wurde auf Grund von
Annahmen abgegeben, die sich später als unrichtig herausstellten. Infolgedessen wurden dann, als später das Schicksal des Piloten endgültig
feststand und es keinerlei weitere Möglichkeiten mehr gab, um eine Aufdeckung des Projektes zu verhindern, die tatsächlichen Details bekanntgegeben.
Ich machte der Öffentlichkeit daraufhin zwei Tatsachen klar:
Erstens, unser Luftaufklärungsprogramm war mit meiner Billigung unternommen worden; zweitens, unsere Regierung ist gezwungen, sich auf die
eine oder andere Weise über die militärischen Tätigkeiten der Sowjets
auf dem laufenden zu halten, genauso wie die sowjetische Regierung seit
Jahren in unserem Lande und in der ganzen Welt Spionage betrieben hat.
Die für uns bestehende Notwendigkeit, diese Tätigkeiten fortzuführen,
wurde auch von unserem Außenminister bekräftigt, der jedoch - genau wie
ich - bedacht war, nicht zu erklären, daß diese besonderen Flüge weiter
durchgeführt werden würden.
Ja, ehe ich von Washington abflog, hatte ich Anweisung erteilt,
diese U-2-Flüge einzustellen. Zweifellos war ihr Nutzen nun nicht mehr
so groß. Außerdem aber mußte eine Portsetzung dieser besonderen Aktion
unter den neugeschaffenen Umständen lediglich die Beziehungen einiger
unserer Verbündeten zu den Sowjets komplizieren. Außerdem aber werden
ständig neue Techniken entwickelt, die anders als das Flugzeug arbeiten.
Ich wollte nicht, daß diese Entscheidung veröffentlicht wurde, bevor
ich sie persönlich auf der Gipfelkonferenz in Verbindung mit bestimmten
von mir für die Konferenz vorbereiteten Vorschlägen bekanntgeben konnte.
Auf meiner ersten Zusammenkunft mit Herrn Chruschtschow in Paris und
noch bevor seine lange Rede veröffentlicht wurde, unterrichtete ich ihn
über die Einstellung dieser Flüge sowie den Charakter der konstruktiven
Vorschläge, die ich vorzubringen gedachte. Diese sahen die Errichtung
eines von den Vereinten Nationen durchgeführten Luftüberwachungssystems
vor.
An dem Tage vor der ersten angesetzten Konferenz hat Herr Chruschtschow Staatspräsident de Gaulle und Premierminister MacMillan davon unterrichtet, daß er an die Vereinigten Staaten bestimmte Forderungen als Vorbedingung für den Beginn einer Gipfelkonferenz richten würde.
Obwohl die Vereinigten Staaten die einzige Macht waren, gegen die
er sein Mißfallen zum Ausdruck brachte, hat er mir dies nicht mitgeteilt.
Ich war selbstverständlich von unseren Verbündeten darüber unterrichtet
worden.
Am Montagmorgen forderte er auf dem Treffen der vier Mächte von den
Vereinigten Staaten viererlei: erstens, die Verurteilung der U-2-Flüge
als Spionagemethode; zweitens, die Zusicherung, daß diese Flüge nicht
fortgesetzt werden würden; drittens, eine öffentliche Entschuldigung seitens der Vereinigten Staaten; und viertens»die Bestrafung all derjenigen.

- 4 -

�"AMERIKA DIENST"

3. Juni

i960

derjenigen, die irgendwie für diese besondere Mission verantwortlich waren.
Meine Antwort "bestand darin, daß ich den führenden sowjetischen Staatsmann wissen ließ, daß ich während der vergangenen Woche diese Flüge hatte
einstellen lassen und daß sie nicht wieder aufgenommen werden sollten.
Ich bot ferner an, die Angelegenheit mit ihm in persönlichen Zusammenkünften zu besprechen, während die reguläre Arbeit der Konferenz hätte
fortgeführt werden können. Verständlicherweise konnte ich nicht auf seine
extremen Forderungen eingehen. Er wußte natürlich, daß die Sowjetunion
durch das Festhalten an gerade diesen Forderungen die Gipfelkonferenz zum
Scheitern brachte.
Als Herr Chruschtschow die Konferenz torpedierte, hat er behauptet,
daß er auf Grund seines eigenen starken moralischen Ekels vor den angeblichen amerikanischen Aggressionsakten so handele. Wie ich bereits zuvor
sagte, hat er von diesen Flügen schon seit langer Zeit gewußt. Es ist ganz
offensichtlich, daß die Sowjets, noch bevor die sowjetische Delegation
Moskau verließ, bereits beschlossen hatten, daß meine Reise nach der Sowjetunion abgesagt werden sollte und daß die Gipfelkonferenz, von ihrem Standpunkt aus gesehen, nichts Konstruktives erbringen werde.
Bei der Auswertung der Ergebnisse, so glaube ich, dürfen wir nicht
alles mit roter Tinte eintragen. Es gibt auch verschiedene Dinge, die wir
in Schwarz in die Bilanz eintragen können. Vielleicht hat dieses Verhalten
der Sowjets die Uhr etwas zurückgedreht, es sollte aber beachtet werden,
daß Herr Chruschtschow nicht über Schmähungen hinausging - ein ziemlich
abgenutztes sowjetisches Mittel, um ein Sofortziel zu erreichen.
Wir haben unsererseits in Paris erneut die Bereitschaft Amerikas und
seiner Verbündeten unter Beweis gestellt, um des Friedens willen stets
noch einen Schritt weiter zu gehen. Wieder einmal hat die schroffe Unnachgiebigkeit der Sowjets uns allen die Unberechenbarkeit despotischer Herrschaft vor Augen geführt und die Notwendigkeit für diejenigen gezeigt, die
für die Freiheit wirken, entschlossen und fest zusammenzustehen.
Das Verhalten unserer Verbündeten war großartig. Meine Kollegen und
Freunde - Präsident de Gaulle und Premierminister MacMillan - standen fest
zu der amerikanischen Delegation trotz der beharrlichen sowjetischen Versuche, die westliche Gruppe zu spalten. Das NATO-Treffen im Anschluß an die
Pariser Konferenz zeigte eine Einigkeit und ein Eintreten für die Allianz
und die auf dem Gipfeltreffen eingenommene Haltung wie nie zuvor. Ich
danke dafür den Verbündeten in unser aller Namen.
Was soll in Zukunft werden?
Und nun - und das ist wohl das Wichtigste - was soll in Zukunft werden?
Wir alle wissen, daß ein Weltkrieg, ob er nun vorsätzlich begonnen wird oder
zufällig ausbricht, die Zivilisation zu einem Trümmerfeld machen würde. Dies
gilt für das sowjetische System genauso wie für alle übrigen. In einem Atomkrieg kann es keine Gewinner, sondern nur Verlierer geben. Selbst Despoten
wissen dies. Herr Chruschtschow erklärte in der vergangenen Woche, er sei
sich völlig darüber im klaren, daß ein Atomkrieg für beide Seiten eine
Katastrophe heraufbeschwören würde. Die Anerkennung dieses beiderseitigen

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3. Juni

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beiderseitigen Vernichtungspotentials ist die grundlegende Realität unserer
gegenwärtigen Beziehungen. Dies bedeutet jedoch ganz sicher nicht, daß wir
jemals den Versuch aufgeben werden, eine vernünftigere und hoffnungsvollere
Realität zu schaffen - eine bessere Grundlage für unsere geraeinsamen Beziehungen.
Um dies zu erreichen, müssen wir folgende Wege einschlagen, und ich
bin zuversichtlich, daß die große Mehrheit unseres Volkes ohne Unterschied
der Parteien ihnen seine Unterstützung geben wird:
Erstens, wir müssen unsere Stärke bewahren und sie für die kommenden
Zeiten aufrechterhalten - eine Stärke, die weder in Selbstgefälligkeit vernachlässigt noch in Hysterie übertrieben werden darf. Auf diese V/eise können wir es jedem klarmachen, daß die Anwendung von Erpressungstaktiken oder
einer Aggression gegen uns oder unsere Verbündeten keinen Gewinn bringen
kann.
Zweitens, wir müssen mit den führenden sowjetischen Politikern weiterhin in sachlicher Weise über die offenstehenden Probleme verhandeln und die
Kontakte zwischen unserem und dem sowjetischen Volk verbessern, um auf
diese Weise deutlich zu machen, daß der Weg der Vernunft und des gesunden
Menschenverstandes immer noch offen ist, sofern die Sowjets ihn nur benutzen
wollen.
Drittens, um die Bedingungen, unter denen die menschliche Freiheit gedeihen kann, in der Welt zu verbessern, müssen wir weiterhin mit positiven
Programmen im eigenen Land und im Ausland voranschreiten und mit den freien
Nationen auf der ganzen Welt eng zusammenarbeiten. Hierbei werden wir den
Vereinten Nationen und den großen Prinzipien, für die sie einstehen, weiterhin unsere stärkste Unterstützung zuteil werden lassen.
Was nun die erste dieser Zielsetzungen anbetrifft - unsere Verteidigung
ist wohlfundiert. Sie ist genau auf die Situation zugeschnitten, der wir
gegenwärtig gegenüberstehen. Daß sie ausreicht, war meine Hauptsorge in
diesen letzten sieben Jahren - ja praktisch mein ganzes Leben lang.
Die Zusammensetzung und die Stärke unserer Streitkräfte ist niemals
in irgendeiner Weise durch schmeichlerische Worte der Sowjets bestimmt
oder beeinflußt worden. Lies wird auch niemals der Fall sein. Wir werden
damit fortfahren, die bereits für diese Streitkräfte geplanten großen Verbesserungen durchzuführen. Sie werden weiterhin einsatzbereit gehalten
werden - und einer ständigen Überprüfung unterliegen. Für alle infolge technischer Fortschritte oder internationaler Ereignisse erforderlich werdenden
Änderungen werden sofort Empfehlungen vorgelegt werden.
Diese Stärke - bei weitem die mächtigste auf Erden - dient, ich unterstreiche dies, ausschließlich zur Abschreckung, Verteidigung und für Vergeltungszwecke und enthält keinerlei Drohung oder aggressive Absicht gegen
irgend jemand.
Was den zweiten Teil unserer Politik anbetrifft - die Beziehungen zu
den Sowjets - so sind wir und die gesamte Welt uns darüber im klaren, daß
trotz unserer jüngsten Enttäuschung ein Fortschritt in Richtung auf das Ziel

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3. Juni i960

Ziel eines gegenseitigen Verstehens, einer Verringerung der Ursachen der
Spannungen und einer Reduzierung der Rüstungen so notwendig ist wie
je zuvor.
'.Vir werden diese friedlichen Bemühungen einschließlich der Teilnahme
an den derzeit laufenden Verhandlungen mit der Sowjetunion fortsetzen.
Bei diesen Verhandlungen haben wir einen gewissen Fortschritt erzielt.
Wir sind bereit, ihn zu erhalten und darauf aufzubauen. Das alliierte
Kommunique in Paris und meine eigene Erklärung bei meiner Rückkehr nach
den Vereinigten Staaten sollten dies der sowjetischen Regierung zur Genüge
klargemacht haben.
Wir führen diese Verhandlungen nicht auf der Grundlage einer Harmonie an der Oberfläche noch werden wir durch schlechtes Betragen abgeschreckt. Vielmehr betrachten wir sie als ein sorgfältiges Suchen nach
gemeinsamen Interessen in bestimmten Fragen zwischen den westlichen
Alliierten und der Sowjetunion.
Ich denke dabei im besonderen an die Verhandlungen über die Atomversuche und die Abrüstung. Wir werden nicht auf Grund der jüngsten Ereignisse in diesen Anstrengungen nachlassen oder von den von uns eingegangenen Verpflichtungen abgehen. Ebensowenig werden wir in unserer Suche
nach neuen Mitteln und Wegen zur Reduzierung des Kriegsrisikos infolge
fääscher Einschätzung der Lage sowie zur Verwirklichung einer verifizierbaren Abrüstung nachlassen.
Ein großes Ziel Amerikas ist eine Welt "offener Gesellschaften".
Hier in unserem Lande kann jedermann Karten und Luftaufnahmen kaufen,
auf denen unsere Städte, unsere Dämme, unsere Gemeinden, unsere Autostraßen
ja der ganze Industrie- und Wirtschaftskomplex zu sehen sind. Die sowjetischen Attaches sammeln regelmäßig diese Unterlagen. Im vergangenen Herbst
fuhr der Zug des Ministerpräsidenten Chruschtschow knapp hundert Meter
von einer Interkontinentalrakete vorbei, die von seinem Abteilfenster
aus klar zu sehen war. Unsere vielen tausend Bücher und wissenschaftlichen
Zeitschriften, unsere Magazine, Zeitungen und offiziellen Publikationen,
unser Rundfunk und das Fernsehen - sie alle geben der ganzen Welt ganz
offen eine Beschreibung aller Aspekte unserer Gesellschaft.
Dies ist alles so, wie es sein sollte. Wir sind stolz auf unsere
Freiheit. Dennoch bleibt das sowjetische Mißtrauen bestehen. Um diese
Befürchtungen und Zweifel zu zerstreuen, machte ich vor fünf Jahren das
Angebot, unseren Luftraum für sowjetische Aufklärungsflüge - auf einer
Basis der Gegenseitigkeit - freizugeben. Die Sowjets lehnten ab. Das Angebot aber besteht noch. Zu einem geeigneten Zeitpunkt wird Amerika ein.
derartiges Programm den Vereinten Nationen zusammen mit der Empfehlung
vorlegen, daß die Vereinten Nationen ihrerseits diese Aufklärungsflüge
durchführen. Sollte dieser Vorschlag von den Vereinten Nationen angenommen
werden, so bin ich zu dem Angebot bereit, daß Amerika einen Teil der
Flugzeuge und der erforderlichen Ausrüstung stellt.
Ich habe hier eine Aufnahme der North-Island-Marinestation in
San Diego in Kalifornien. Sie wurde aus einer Höhe von über 70 000 Fuß
(rund 21 000 Meter) gemacht. Sie mögen es vielleicht an ihren Fernseh-

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Fernsehschirmen nicht erkennen können, aber die weißen Streifen der
Parkplätze rund um den Flugplatz sind aus 13 Meilen Höhe klar erkennbar.
Diese Linien sind nur etwa 15 Zentimeter breit. Offensichtlich sind die
meisten Details, die für eine militärische Auswertung des Flugplatzes
und seiner Flugzeuge notwendig sind, deutlich zu unterscheiden.
Ich zeige Ihnen diese Aufnahme als ein Beispiel dafür, was durch
eine Luftüberwachung durch die Vereinten Nationen erreicht werden könnte.
Wenn die Vereinten Nationen diese Politik, dieses Programm, durchführen
sollten und die großen Nationen der Welt es akzeptieren würden, dann
würde, davon bin ich fest überzeugt, nicht nur die ganze Menschheit
in der Gewißheit leben, daß sie vor jedem Überraschungsangriff aus jeder
Richtung sicher ist, sondern auch die größte Spannung, nämlich die Furcht
vor dem Kriege, in der ganzen Welt beseitigt sein. Ich hoffe ernsthaft,
daß die Vereinten Nationen ein solches Programm in Angriff nehmen.
Was uns Amerikaner anbetrifft, so werden unsere Programme zur Verstärkung der Kontakte zwischen allen Völkern fortgesetzt werden. Trotz
der von den Männern im Kreml plötzlich zum Ausdruck gebrachten Feindseligkeiten, bleibe ich davon überzeugt, daß das sowjetische Volk im Grunde
von den gleichen Wünschen und dem gleichen Verlangen beseelt ist wie das
unsrige. Ich glaube, daß die Sowjetbürger dem amerikanischen Volk eine aufrichtige Freundschaft entgegenbringen. Ich bin zutiefst davon überzeugt,
daß sie vor allem aber einen beständigen Frieden wünschen und anstelle von
immer mehr Kriegsgerät lieber eine Möglichkeit für ein reicheres Leben
sähen.
Ich wende mich jetzt dem dritten Teil der amerikanischen Politik der Stärkung der Freiheit - zu. Wir müssen noch weit mehr tun, als uns
lediglich mit der militärischen Verteidigung gegen den kommunistischen
Block und unseren Beziehungen zu ihm zu befassen. Wir müssen darüber
hinaus überall in der Welt konstruktive Programme fördern, um das Los
der Menschen in den Entwicklungsländern zu bessern. Es darf nicht zugelassen werden, daß der Zickzackkurs des Kreml unsere weltweiten Programme
und Zielsetzungen stört. In der vor uns liegenden Zeit können diese Programme sehr wohl zum entscheidenden Faktor in unserem ständigen Suchen
nach einem Frieden in Freiheit werden.
Die Völker der Entwicklungsländer werden die dringend benötigte Hilfe
bestimmt erhalten. Wenn diese Hilfe nicht von uns und unseren Freunden
kommt, dann werden diese Völker dazu getrieben werden, sie bei den Feinden
der Freiheit zu suchen. Darüber hinaus blicken diejenigen, die sich mit
uns zu einer Partnerschaft in der Verteidigung zusammengeschlossen haben,
auf uns und erwarten von uns Beweise unserer Standhaftigkeit. Wir dürfen
in unseren gemeinsamen Sicherheitsanstrengungen nicht nachlassen.
Dazu kann jeder von uns etwas Spezifisches tun, und zwar sofort. Es
ist dringend erforderlich, daß keine einschneidenden Kürzungen bei den für
die gemeinsame Sicherheit empfohlenen Ermächtigungen - sei es für militärische oder wirtschaftliche Zwecke - vorgenommen werden. Wir müssen
mit unserer ganzen Klugheit und all unserer Stärke dieses Programm unterstützen. Wir sind stolz darauf, daß wir Amerika einen Staat des Volkes
nennen können. Wenn sich das Volk über die Bedeutung dieses Programms klar

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196O

klar ist und im ganzen Land seine Stimme dafür erhebt, dann kann an seinem
anhaltenden Erfolg keinerlei Zweifel bestehen.
Meine amerikanischen Mitbürger, vor langer Zeit habe ich Ihnen das
Versprechen gegeben, daß ich überall hinreisen würde, um die Sache des
Friedens zu fördern. Ich halte an diesem Versprechen fest, nach einem
Frieden in Würde, Freundschaft, in Ehre und Gerechtigkeit zu trachten.
Von der festen Grundlage unserer geistigen und materiellen Stärke
ausgehend und den Allmächtigen um Rat bittend, werden wir und unsere Verbündeten weiterhin für das Überleben der Menschheit in Freiheit und für
die Ziele gegenseitiger Achtung, gegenseitigen Verständnisses und der Aufgeschlossenheit aller Nationen füreinander arbeiten.
Ich danke Ihnen und wünsche Ihnen eine gute Nacht.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

All?

OSTBLOCK BRACH GENFER ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN AB
ABRÜSTUNGSKONFERENZ VERÖFFENTLICHTE KOMMUNIQUE
ERKLÄRUNGEN DES US-AUSSENMINISTERIUMS ZUM
KOMMUNISTISCHEN SCHRITT IN GENF
DER NEUE AMERIKANISCHE ABRUSTUNG3PLAN
DIE LETZTEN JÜCHEN DER GENFER
ABRÜSTUNGSKONFERENZ

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�"AMERIKA DIENST"

1. Juli.,1960

OSTBLOCK BRACH GENFER ABRÜSTUNGSVERHANDLUNGEN AB
GENF - (AD) - Die Sowjets haben am 2J. Juni i960 die ZehnMächte-Abrüstungsverhandlungen in Genf abgebrochen. Die
von dem amerikanischen Chefdelegierten Eaton dazu abgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:

Herr Vorsitzender!
Dies ist ein trauriger Augenblick. Die Sowjets haben die Diskussion
abgebrochen. Trotz unserer Aufforderung, hierzubleiben und uns bis zu
Ende anzuhören - in der Hoffnung, daß sie ihre Ansicht vielleicht ändern
würden -,haben sie den Konferenzraum verlassen. Kurz nachdem wir unsere
Gespräche wieder aufgenommen haben, entschlossen sie sich, sie abzubrechen. Diese entmutigende Mißachtung der Hoffnungen der Menschheit versuchen sie damit zu rechtfertigen, daß sie den verbündeten Mächten die
Schuld an dem mangelnden Fortschritt bei unseren Verhandlungen geben.
Der sowjetische Delegierte behauptet, daß die Regierungen der verbündeten Mächte nicht wirklich für eine allgemeine und vollständige Abrüstung - ja überhaupt für eine Abrüstung - eintreten. Diese Behauptung
glaubt er selbst nicht, noch glaubt sie irgend jemand hier am Konferenztisch,und auch die Welt glaubt sie nicht. Mit falschen und dürftigen
Gründen hat Herr Sorin die für die Welt so entscheidend wichtigen Verhandlungen in Bausch und Bogen zum Stillstand gebracht. Auch für die
Bevölkerung der Sowjetunion und des kommunistischen Blocks waren sie von
entscheidender Wichtigkeit._
Welche Absicht verfolgen die Sowjets mit der Torpedierung dieser
Konferenz? Die Absicht liegt jetzt klar auf der Hand. Die Sowjets sandten
ihre Delegation wieder zurück nach Genf - genauso wie die Sowjets nach
Paris gingen -, nicht entschlossen, zu verhandeln, sondern die Verhandlungen zunichte zu machen, nicht Abkommen zu erreichen, sondern Abkommen
zu verhindern. Genauso wie Herr Chruschtschow die Gipfelkonferenz torpediert hat, so haben die Sowjets jetzt die Zehn-Mächte-Konferenz torpediert.
Es ist jetzt ganz klar, daß sie entschlossen zu sein scheinen, jedes ernsthafte Gespräch zu hintertreiben, bei dem Meinungsverschiedenheiten beigelegt werden könnten.
Diese sowjetische Handlungsweise heute, diese Weigerung, die Gespräche fortzusetzen, ist ein überzeugender Beweis dafür, daß die derzeitige sowjetische Begründung Propaganda ist, reine Propaganda. Ich
habe niemals zuvor diese Anschuldigung erhoben; ich habe bis jetzt gezögert, das zu tun. Ich trat an diese Aufgabe in dem Glauben heran, daß
die Sowjets ein Abrüstungsabkommen zu erreichen wünschten. Ich hatte gehofft, wir könnten irgendein Gebiet gemeinsamer Interessen finden, auf dem
die Sowjets und wir auf der alliierten Seite ein Abkommen erreichen könnten,
Es ist jetzt hinreichend klar geworden, daß meine Auffassung falsch war.
Die Sowjets hatten von allem Anfang an gar nicht die Absicht, ein Abrüstungsabkommen zu erreichen.
Wir

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�"ALERlx'.A DIENST"

1 . Juli 196O

,ir haben heute von dem sowjetischen Delegierten harte und verletzende Worte gehört, die pflichtgemäß von jedem Vertreter der anderen
Sov. Jetblockstaaten wiederholt ./urden. .Vir haben Verdrehungen unseres
Standpunktes und unwahre Behauptungen über unsere Motive gehört. Ich
will Herrn Sorin nicht mit der gleichen Mißachtung für die Tatsachen
des internationalen Lebens und die Hoffnungen der Menschheit antworten,
die er heute auf Anweisung demonstriert hat.
Die Vereinigten Staaten, eine reife und mächtige Nation, sind der
Ansicht, daß die Verantwortung, die die großen Mächte der Welt tragen,
um die Kriegsgefahr durch eine kontrollierte Abrüstung zu verringern,
zu gro? ist, als daß man sich wo verhalten könnte.
Ich werde daher in demselben Geist sprechen, von dem unsere Teilnahme
an dieser Konferenz getragen war, nämlich von dem ernsthaften Wunsch, in
realistische Verhandlungen einzutreten. Aus diesem Geist heraus haben wir
am 7« Juni unsere Sitzungen wieder aufgenommen und haben die Unfreundlichkeiten der Pariser Konferenz nicht in unsere Diskussionen hineingetragen,
sondern vielmehr versucht, die revidierten sov/jetischen Vorschläge vom
2. Juni genau zu prüfen. '.Vir taten dies, weil wir entschlossen waren, jede
Möglichkeit, die vielleicht Fortschritte in der Abrüstungsfrage versprach,
zu nutzen. Aus diesem Grunde brachte die Delegation der Vereinigten Staaten
ihre Bereitschaft zum Ausdruck, die sowjetischen Vorschläge zu prüfen,
in der Hoffnung, daß sie einen echten Verhandlungswunsch der Sowjets
repräsentierten. Diese Hoffnung hat sieb als trügerisch erwiesen.
Was wir im Rahmen der uns gebotenen begrenzten Möglichkeiten herausfanden, war in erster Linie eine Änderung der Form statt der Substanz.
Der Schritt in Richtung auf die praktische! alliierten Vorschläge, den die Sowjets behaupteten getan zu haben, war entweder illusorisch oder an unmögliche Bedingungen geknüpft.
Die Sowjets schienen die Notwendigkeit, sich mit dem Problem der modernen Möglichkeiten des Einsatzes nuklearer .Yaffen zu befassen, in größerem
Maße anzuerkennen. Waa die Sowjets jedoch tatsächlich vorschlugen, war etwas,
von dem sie wußten, daß die freie Veit es nicht akzeptieren konnte - nämlich,
als einem ersten Schritt, sich dazu zu verpflichten, innerhalb eines Zeitraumes von Monaten ihre entscheidenden Mittel der kollektiven Selbstverteidigung zu zerstören. Die Sowjets wollten uns dazu veranlassen, unsere
vorhandenen Möglichkeiten der Selbstverteidigung aufzugeben und unsere
Alliierten gegenüber der kommunistischen Aggression im Stich zu lassen.
Die Sowjets setzten sich für diese radikale Maßnahme ein, statt progressive
und kontrollierte Reduzierungen der Rüstungen und der Streitkräfte zu unterstützen.
Wie stand es mit der kritischen Frage der Kontrolle? Wenn die Sowjetunion auch in ihrem Dokument vom 2. Juni den Kontrollen mehr Raum widmete
als in ihren früheren Vorschlägen, so haben unsere Gespräche hier doch gezeigt, daß die sowjetische Delegation nicht bereit war, auch nur im Prinzip
zu akzeptieren, daß die internationalen Inspektoren das Recht haben müssen,
festzustellen, ob verborgene Einrichtungen oder geheimgehaltene Streitkräfte
noch vorhanden sind. Zum Beispiel wurden die Sowjets uns nicht gestatten, die
Stärke der Truppen vor und nach Reduzierungen festzustellen. Das Konferenzprotokoll wird dies zeigen.
•*•
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1. Juli 196O

Die Sowjets haben darauf bestanden, daß keinerlei spezifische Kontrollmaßnahmen erörtert werden können, bevor nicht alle Elemente eines
Abrüstungsprogramms ausgearbeitet worden sind und Übereinstimmung hierüber
erzielt worden ist. Dies dient ihnen zu dem Zweck, jede wirkliche Probe
aufs Exempel dessen zu vermeiden, was auf dem entscheidend wichtigen
Gebiet der Verifizierung gestattet sein würde. Die Sowjets bezeichnen
Kontrollen - zweiseitige Kontrollen, die uns genauso betreffen wie sie als Spionage. Die Anschuldigung der Spionage ist für sie der Deckmantel,
hinter dem sie sich verstecken. Sie nennen es Spionage, wenn wir nach
Mitteln zur Verifizierung von Abrüstungsabkommen suchen. Wir haben festgestellt, daß sich die grundlegende Einstellung, mit der die sowjetische
Regierung an die Abrüstungsfrage herantritt, seit der Unterbrechung nicht
um ein Jota geändert hat.
Die sowjetische Forderung, als ersten Schritt alle kollektiven Sicherheitsabkommen der Verbündeten zu liquidieren, zeigt, daß die sowjetische
Regierung immer noch nicht die allgemein anerkannte Konzeption akzeptiert,
daß die Abrüstung in einer Weise vor sich gehen sollte, die die Sicherheit
keines Staates und keiner Staatengruppe gefährdet.
Die Sowjets bestehen darauf, daß die Abrüstung im einzelnen an diesem
Konferenztisch ausgehandelt und von allen Staaten der Welt auf einer
irgendwann in ferner Zukunft einzuberufenden Konferenz gebilligt werden
müsse, ehe eine reale Abrüstungsmaßnahme getroffen wird. Die derzeitigen
Waffen, die wir unter Kontrolle zu bringen versuchen, würden, ehe dieser
ganze Prozeß abgewickelt werden könnte, so veraltet sein, wie es die
Tomahawks heute sind.
Mit anderen Worten - die Sowjets wollen jede nützliche Aktion auf dem
Gebiet der Abrüstung in die unbestimmte Zukunft verschieben. Dies ist eine
betrügerische Methode, und wir sind nicht gewillt, dabei mitzumachen.
Heute nun beschuldigt die sowjetische Delegation die verbündeten Nationen, daß es ihnen an ehrlichem Y/illen fehle, weil sie diese sowjetischen
Vorschläge nicht ohne weiteres annehmen wollen. V/er wird dem Glauben
schenken? Als wir zu dem sowjetischen Plan Fragen stellten, wurde uns sofort Mangel an gutem Willen, ehrlichen Absichten und fehlende Anpassungsfähigkeit vorgeworfen. Es gibt unter solchen Bedingungen keine Möglichkeit, ernsthafte Diskussionen zu führen.
In dem Augenblick, wo wir irgend etwas an dem sowjetischen Plan in
Frage stellten, wurden wir - und dies werden die von den Vereinten Nationen
geführten Protokolle erweisen - beschuldigt, an der Abrüstung nicht interessiert zu sein. Wenn dies eine Methode der ernsthaften Verhandlung
ist, dann ist es eine Methode, die der gesamten freien Welt völlig fremd
ist.
Auf der anderen Seite haben sich die Vereinigten Staaten und ihre"
Partner erfolglos darum bemüht, die Sowjetunion und ihre Verbündeten dazu
zu bewegen, die gleiche Bereitschaft zur Erörterung der westlichen Vorschläge
zu zeigen, wie wir sie hinsichtlich der kommunistischen Pläne an den Tag
gelegt haben. Wir haben immer wieder versucht, dafür zu sorgen, daß diese
Konferenz zur eigentlichen Sache kommt, daß sie sich nicht in Allgemeinplätzen über utopische Dinge ergeht, sondern sich um Abkommen über spezifische

�'AMERIKA DIENST"

1 . Juli 196O

spezifische und kontrollierte Abrüstungsmaßnahmen bemüht. Dies würde es
uns ermöglichen, einen Anfang in Richtung auf das Ziel einer allgemeinen
und völligen Abrüstung zu machen, während wir dann unsere Verhandlungen
über spätere Phasen fortsetzen könnten, um ein Abkommen über einen schließlichen Vertrag zu erreichen, der eine internationale Friedensmacht zur
dauernden Wahrung des Friedens in der Welt schaffen und somit verhindern
würde, daß Meinungsverschiedenheiten, die es immer geben wird, den Frieden
der Welt bedrohten.
Das Programm, das die alliierten Delegationen hier vorlegten, war ein
Programm des Handelns, nicht der Worte - ein Programm der Maßnahmen, die
jetzt getroffen werden können und nicht in ferner Zukunft.
Wir haben eine Reduzierung der Mannschaftsstärken und der Rüstungen
vorgeschlagen. Wir haben uns um ein Abkommen bemüht, das den Aufbau
nuklearer Waffenvorräte beenden und das mit der Reduzierung der vorhandenen
Bestände beginnen würde.
Man gab uns niemals die Gelegenheit, unsere Ansichten über die Mengen
an nuklearem Material zu erörtern, die sofort aus den Waffenvorräten herausgezogen werden sollten, um damit den Abrüstungsprozeß wirklich zu beginnen.
Wir haben freiwillig angeboten, unsere Bestände zu verringern, aber
die Sowjets wollten nicht einmal über die Einstellung der Produktion sprechen. Wir haben uns darum bemüht, durch ein kontrolliertes Abkommen zu
verhindern, daß Massenvernichtungsmittel jemals in den Weltenraum gebracht
werden.
Wir wollten uns heute hier darum bemühen, daß keine Kernwaffen in den
Weltenraum gelangen, damit nicht der "Punkt erreicht wird, von dem es kein
Zurück mehr gibt" - ein Satz, den Herr Moch im Jahre 1951 prägte. Dies ist
ein überaus wichtiger Satz, und wir sollten ihn uns immer vor Augen halten.
Derartigen Waffen sollte Einhalt geboten werden, bevor sie starten.
Wir haben ein Abkommen angestrebt, daß das Auflassen von Raumkörpern
im voraus bekanntgegeben wird, und um sicherzustellen, daß eine vorherige
Benachrichtigung über den Abschuß von Raketen erfolgt, damit Fehlkalkulationen ausgeschaltet werden und dadurch die Gefahr eines Krieges verringert
wird.
Wir haben Abkommen über Maßnahmen angestrebt, um den Schutz vor einem
Überraschungsangriff zu erhöhen und dadurch das Vertrauen und die Sicherheit
überall in der Welt zu stärken.
Wir haben ein Abkommen über einen Austausch von Informationen über
militärische Einrichtungen und militärische Ausgaben angestrebt, um die
Verifizierung zu erleichtern.
Wir haben ein Abkommen angestrebt, um mit der Verbesserung des internationalen Apparates zur Erhaltung des Friedens zu beginnen, damit Bedingungen geschaffen werden, die die Durchführung einer umfassenden Abrüstung
erleichtern würden.
Wir

�"AVSRIKA DIENST"

1 . Juli

1960

Ziv haben die Sowjetunion ersucht, irgendeinen dieser Vorschläge
als Basis für erste Gespräch« und Verhandlungen auszuwählen.
Bei all dem sind wir auf die gleiche starre Ablehnung gestoßen,
die die Sowjetunion fast stets zeigt, wenn ihr Denken auf Propaganda
und nicht auf ernsthafte Verhandlungen gerichtet ist. Die Antwort war,
daß kein Anfang gemacht werden könne, bevor wir nicht einem vollständigen
uro detaillierten Vortrag über eine allgemeine und umfassende Abrüstung
zus i immer. - und dies trotz der Tatsache, daß sich die Völker in den
'15jährigen Verhandlungen seit dem Kriege nicht einmal über erste Maßnahmen
einigen kennten.
Trotz des Ausbleibens von Fortschritten, das für unsere bisherigen
Verhandlungen charakteristisch war, haben die Vereinigten Staaten und
ihre Verbündeten ar diesem Konferenztisch die Hoffnung nicht aufgegeben,
da 12 v eitere Gespräche vielleicht mögliche Gebiete der Übereinstimmung
erschließen könnten, a e ich bereits zuvor gesagt habe, betrachtet mein
Land seine Verantwortung gegenüber der Menschheit als zu schwer, um es
meiner Delegation zu [es matten, ihre Bemühungen um die Erreichung eines
Abkommens einzustellen. Ter Schritt der sowjetischen Delegation heute
jedoch ist nicht der Schritt einer Delegation, deren Land ernsthaft an
Verhandlungen interessiert ist.
Trotzdem hatten .vir die Hoffnung hier an diesem Konferenztisch nicht
aufgegeben. Freitag morgen vor einer Woche ging ich hinüber zu Herrn
Sorin, der damals am Kcnfererztisch mir gegenüber saß. Ich erklärte Herrn
Sorin privat, ich rürde ajf sein Lrsuchen hin, die uns von ihm gestellten
Fragen doch bald zu beantworten, nach Washington reisen, um die hier zum
Ausdruck gebrachten Vnsichten zu erörtern - die Ansichten unserer Alliierten hier an diesem Aonferenztisch und die Ansichten unserer eigenen Delegation. Ich war ^.er Meinung;, daß der Stand dieser Verhandlungen sowie die
Größe der Probleme, denen wir uns gegeni'bersahen, meine Rückkehr nach
Washington rechtfertigten, um meiner Regierung einen Bericht aus erster
Hand über die Atmosphäre in Genf zu geben. Es war mein Ziel, meiner Regierung die Ansichten unserer Alliierten zu übermitteln und zum frühestmöglichen Zeitpunkt einen Standpunkt zu erlangen, der sowohl diese Ansichten als auch unsere eigenen widerspiegeln würde.
Gestern bin ich nach Genf zurückgekehrt. Ich traf mit unseren
Alliierten zusammen und unterbreitete ihnen das Dokument, das von meiner
Regierung in Washington vorbereitet worden war. Ich konnte eine sehr positive Reaktion auf dieses Dokument feststellen. Wir machten uns sofort
dar' n, diese Unterlagen so zu formulieren, daß wir sie noch in dieser Woche
als einen vereinbarten westlichen Standpunkt am Verhandlungstisch präsentierer konnten.
Als ich heute morgen in diese Sitzung kam, ging ich su Herrn Sorin
und erklärte ihm privat, daß meine Erörterungen in Washington sehr nützlich gewesen seien und daß ich mit eirer positiven Einstellung zurückgekehrt sei, die meiner Meinung nach sicherlich unsere Erörterungen hier
fördern würde und die ich in einigen Tagen hier in Genf unterbreiten könnte.
Die einzige Stellungnahme von Herrn Sori;: bestand darin, de ß er mir erklärte,
die Erörterungen hätten hier in den letzten Tagen keinen guten Verlauf genommen. Vor zehn Tagen, als ich Herrn Sorin über meine Reiao nach WashiriKton

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�AMERIKA EIEMST"

1 . Juli 1960

Washington informierte, erwiderte er mir darauf, daß er sich freuen
würde, wenn meine Reise zu einer Förderung unserer Diskussionen hier
in Genf beitragen würde.
Doch selbst mit dem Flugzeug ist dies eine lange Reise und vor
allem dam , w e m man R.-at einholen muß. Ich war in praktisch einer Woche
wieder zurück. Statt nun darüber erfreut zu sein, daß ich aus der Vereinigten Staaten mit einem bestimmten Standpunkt zurückgekehrt war ich hatte Herrn Sorin davo.i unterrichtet -, brach dieser die Konferenz
ab. Herr Vorsitzender, ich lete dieses Dokument, das ich mit mir zurückbrachte, jetzt vor, damit die Sowjets urd die 'Veit ciesen Standpunkt
kerinei.le-.nfcn mögen.Ich lege dieses Dokument als einen Plan der Vereinigten Staaten vor, weil keiner meiner westlichen Kollegen Zeit gehabt hat,
sich mit seiner Regierung zu beraten.
DarT ich hervorheben, daß es sich hier nicht um einen glänzenden
utopischer. Weg zur Abrüstung handelt. Der Plan, den wir in März dieses
Jahres vorlegten, beruhte auf soliden Grundsätzen.
Dieser Plan sollte eine gediegene Grundlage für ernsthafte Verhandlungen abgeben. Zugrunde lag das Prinzip, daß wir mit ersten Maßnahmen
voranschreiten würden, um danu die Einzelheiten späterer und schwierigerer
Stufen der allgemeinen und vollständigen Abrüstung zu erörtern. Dies ist
auch das Grundprinzip des Planes, den ich soeben vorgelegt habe.
In gewissen Kreisen hat meine Reise nach Washington betrachtliche
Spekulationen darum ausgelöst, daß ich mit einen Plan zu -üokkehren würde,
der die Veit elektrisieren würde. Dies ist jedoch nicht der Zweck des von
mir vorgelegten Dokuments. Sein Zweck ist es, in klaren und unmißverständlichen Worten den vernünftigen westlichen Weg in Richtung auf das Ziel
einer vollständigen und allgemeiner Abrüstung aufzuzeigen. Sein Zweck
ist es, als eine neue Basis zur Förderung ernsthafter Verhandlungen in
dieser entscheidend wichtigen Abrüstungsfrage zu dienen.
Das neue Dokument klärt und erweitert einige der von den westlichen
Delegationen am 16. März vorgelegten Vorschläge. Es enthält ferner neue
Gedanken, die die Ansichten unserer Verbündeten wie auch unsere eigenen
wiedergeben und die den hier -von der sowjetischen Seite zum Ausdruck gebrachten Ansichten in wichtigen Punkten Rechnung tragen.
Abschließend möchte ich betonen, daß ich überzeugt bin, daß die 'Welt
die Verhöhnung erkennen wird, die sich die Sowjetunion heute vormittag hier
geleistet hat. Ich bin ebenso überzeugt, daß die Welt anerkennen wird,
daß wir auf der alliierten Seite, die wir die Ansichten der freien V/elt
vertreten, ernsthafte Anstrengungen gemacht haben und weiterhin machen
werden, um die Hoffnungen der Menschheit auf eine sichere und freiere Welt
durch ein vernünftiges und gesichertes Abrüstungsprograram zu erfüllen.
Ich bin sicher, daß die Welt die Klugheit unserer Einstellung und das
Unrealistische der sowjetischen Haltung erkennen wird. Wenn dies der Fall
ist, dann wird unsere Konferenz nicht völlig umsonst gewesen sein.
# * # -x *

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�AMERIKA DIENST"

1 . Juli 196O

ABRÜSTUNGSKONFERENZ VERÖFFENTLICHTE KOMMUNIQUE

GENF - (AD) - Im Anschluß an die 47. seit Beginn der
Gespräche am 15« März abgehaltene. Sitzung der ZehnMächte-Ahrüstungskonferenz wurde in Genf ein Kommunique
veröffentlicht, das folgendem Wortlaut hat:

Die 47« Sitzung der Konferenz des Zehn-Mächte-Abrüstungsausschusses
wurde am 27. Juni 196O im Völkerbundspalast in Genf unter dem Vorsitz
des Vertreters Polens und im Anschluß daran unter dem Vorsitz des
Vertreters Großbritanniens abgehalten. Die Delegierten der Sowjetunion,
Bulgariens, der Tschechoslowakei, Rumäniens und Polens teilten die Absicht ihrer jeweiligen Regierungen mit, sich von der Arbeit der Konferenz zurückzuziehen. Der Vorsitzende (der Vertreter Polens) wurde,
nachdem er den Vertretern der westlichen Mächte, die auf seiner Liste
standen, das Recht zu reden verweigert hatte, als Vorsitzender durch
den Vertreter Großbritanniens ersetzt. Die Delegierten Bulgariens, der
Tschechoslowakei, Polens, Rumäniens und der Sowjetunion zogen sich von
der Konferenz zurück.

Auf einmütigen Beschluß wurden die Vertreter der Presse dann zur
Konferenz zugelassen. Es wurden Erklärungen von den Vertretern der USA,
Frankreichs, Kanadas, Italiens und Großbritanniens abgegeben. Von den
Delegierten der USA wurde ein Dokument mit dem Titel "Programm für eine
allgemeine und vollständige Abrüstung unter wirksamer internationaler
Kontrolle" mit dem Ersuchen unterbreitet, daß es vom Sekretariat der
Vereinten Nationen als Konferenzdokument in Umlauf gebracht wird. Die
Konferenz beschloß, daß das wörtliche Protokoll der 47« Sitzung so bald
wie möglich veröffentlicht v/erden sollte. Der Ausschuß vertagte sich
um 12.30 Uhr. Die nächste Sitzung findet am Dienstag, dem 28. Juni, um
10.30 Uhr vormittags statt.

* * * * *

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�"AIjERIKA DIENST"

1 . Juli 1960

ERKLÄRUNGEN DES US-AUSSENMINISTERIUM3 ZUM
KOMMUNISTISCHEN SCHRITT IN GENF

V/AS HINGTON - (AD) - Das amerikanische Außenministerium
bezeichnete es am Montag als "bedauerlich und enttäuschend",
daß die fünf kommunistischen Länder die Genfer Abrüstungskonferenz verlassen haben. Demgegenüber würden die fünf
westlichen Nationen auch weiterhin am Konferenztisch verharren in der Hoffnung, daß die sowjetische Seite ihren
unverantwortlichen Schritt überprüfen werde.
Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Das Verlassen der Konferenz durch den Sowjetblock zeigt den Wunsch
dieser Länder, jede weitere Erörterung des Problems einer kontrollierten
Abrüstung im Rahmen der Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz zu umgehen. Dieser Schritt der kommunistischen Delegationen ist sowohl bedauerlich wie
auch enttäuschend. Er ist bedauerlich, weil er die Hoffnungen all der
Völker zerstört, die ernsthaft nach einem Fortschritt auf dem Wege zum
Frieden suchen. Er ist enttäuschend, weil er ernste Zweifel an der Aufrichtigkeit des Wunsches der Kommunisten nach einer Lösung des Abrüstungsproblems aufkommen läßt.

Wie der Sowjetblock sehr gut weiß, bereiteten die westlichen Verbündeten gerade Modifizierungen des westlichen Planes vom 1. März vor,
die innerhalb des Zehn-Mächte-Verhandlungsforums vorgelegt werden sollten.
Diese Initiative des Westens beruhte auf einem Bemühen, bestimmten Aspekte]
des Vorschlages des Sowjetblocks vom 2. Juni entgegenzukommen, und wurde
unternommen, um gemeinsame Gebiete zu finden, durch die die Verhandlungen
gefördert werden könnten.
Das Verlassen der Konferenz angesichts der Bereitschaft der westlichen Regierungen, die Verhandlungen weiterzuführen, läßt den Wunsch
des Sowjetblocks in aller Klarheit hervortreten, die Verhandlungen mit
einem völligen Fehlschlag enden zu sehen.
Die fünf verbündeten Mächte haben die Absicht, vorerst weiter am
Verhandlungstisch zu bleiben.
Wenn die kommunistische Seite bereit ist, eine Lösung de:j Abrüstungsproblems zu suchen, dann ist der Weg immer noch offen.
Wir hoffen ehrlich, daß der Sowjetblock seine unverantwortliche
Maßnahme noch einmal überdenken wird und sich den verbündeten Nationen
bei der entschlossenen und ununterbrochenen Bemühung um einen gerechten
und dauerhaften Frieden anschließt.
Dies wäre nichts anderes als eine Erfüllung der beiden Seiten auferlegten Verpflichtung gegenüber der Menschheit.
* * * * *

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1-. Juli 1 96O

DER NEUE AMERIKANISCHE ABRÜSTUNGSPLAN

GENF - (AD) - Der neue amerikanische Abrüstungsplan enthält bereits
in der ersten Phase einen Vorschlag für die Kontrolle der atomaren Einsatz Systeme .
Dieser am Montag, dem 27. Juni, auf der Genfer Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz in dem Augenblick, in dem die fünf kommunistischen Länder die Konferenz verließen, vorgelegte Plan, stellt einen ernsthaften
Versuch dar, die alliierten und die kommunistischen Ansichten über eine
Beseitigung der atomaren Bedrohung einander anzugleichen.
Der revidierte sowjetische Plan hatte für die erste Phase eine Bestimmung über die Auflösung aller atomaren Einsatzsysteme innerhalb von
12-18 Monaten enthalten, diese Bestimmung jedoch gleichzeitig mit der
Auflösung aller alliierten Stützpunkte im Ausland verknüpft. Da der sowjetische Plan auf gewissen Gebieten eine Abwandlung von ursprünglich von
Frankreich vorgebrachten Gedanken darstellt, hatte der französische Delegierte Jules Hoch nochmals dargelegt, daß sein Land eine methodische,
schrittweise Beseitigung der atomarem Einsatzsysteme vorsieht, mit der
ein Abbau der konventionellen Rüstungen gleichlaufend erfolgen soll.
Die fünf westlichen Delegationen waren noch mit der Prüfung des
von dem amerikanischen Delegierten Frederick M. Eaton am Wochenende
aus Washington mitgebrachten Planes beschäftigt, als die Kommunisten
die Konferenz verließen. Die westlichen Alliierten hatten ursprünglich
beabsichtigt, diesen Plan, unter Umständen nach kleineren Abänderungen,
als ein gemeinsames Dokument im Verlauf dieser Woche auf der Konferenz
vorzulegen.
Der neue amerikanische Plan sieht für die erste Phase acht Punkte vor:
1 . Die Errichtung einer internationalen Abrüstungskontrollorgani«sation (IDCO) im Rahmen der Vereinten Nationen.
2. Ein Verbot des Auflassens von Flugkörpern mit Massenvernichtungswaffen in den Weltenraum.
3. Maßnahmen gegen einen Überraschungsangriff, darunter die Bekanntgabe aller Starts von Flugkörpern und Raketen in den Weltenraum, die Schaffung vereinbarter Luft- und Bodeninspektionszonen unter Einbeziehung des
Gebiets der USA und der Sowjetunion sowie eine gegenseitige Beobachtung
vereinbarter militärischer Stützpunkte im In- und Ausland.
4. Eine Inspektion an Ort und Stelle in bestimmten, beiderseits vereinbarten Luftstützpiinkten, Raketenabschußbasen, Unterseeboot- und Marinestützpunkten, um damit eine Grundlage für eine Kontrolle der atomaren Einsatzsysteme in den folgenden Phasen zu schaffen.

5. Die

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�1 . Juli 1960

"AMERIKA DIENST"

5« Die Festsetzung von Höchstgrenzen für die Truppenstärken, und
zwar für die USA und die Sowjetunion auf zunächst 2,5 Millionen Mann
und später auf 2,1 Millionen Mann, und von entsprechenden vereinbarten
Höchstgrenzen für die übrigen militärisch wichtigen Länder.
6. Die Einbringung vereinbarter Arten und Mengen von Waffen in
Vorratsdepots, die unter der Überwachung der IDCO stehen, bis die Waffen
schließlich endgültig vernichtet oder für andere Zwecke verwendet werden.
7. Die Einstellung der Produktion spaltbaren Materials für
militärische Zwecke und Überführung vereinbarter Mengen zu nichtmilitärischer Verwendung, unter der Voraussetzung, daß beim Abbau der konventionellen Rüstungen ein zufriedenstellender Fortschritt erzielt worden
ist.
8. Die Vorlage von Informationen über die militärischen Ausgaben
bei der IDCO.
Für die zweite Phase führt der Plan folgende Punkte an:
1. Eine weitere Reduzierung der amerikanischen und der sowjetischen
Truppenstärke auf 1,7 Millionen Mann und entsprechende vereinbarte Höchstgrenzen für die übrigen Länder.
2. Die Reduzierung aller Arten von Rüstungen, einschließlich
atomarer, chemischer, biologischer und konventioneller Waffen sowie ihrer
Einsatzmittel,in allen Ländern auf vereinbarte Höchstmengen und die Vernichtung der über diese Höchstraengen hinausgehenden Bestände oder ihre
Verwertung für friedliche Zwecke. Unter diesen Punkt würden vereinbarte
Arten von Raketen, Flugzeugen, Schiffen, Unterseebooten und Geschützen
für den Abschuß von Atom- und anderen Massenvernichtungswaffen fallen.
J. Die Senkung der militärischen Ausgaben auf Sätze, die der vereinbarten Reduzierung der bewaffneten Streitkräfte und Rüstungen entsprechen.
4. Die Aufstellung einer internationalen Friedenstruppe im Rahmen
der Vereinten Nationen, die ausreicht, um den Weltfrieden zu erhalten,
sobald eine allgemeine und vollständige Abrüstung erreicht ist.
Für die dritte und letzte Phase sieht der Plan vor:
1. Die endgültige Reduzierung der Truppen und militärischen Einrichtungen auf Grenzen, die für die Erhaltung der inneren Ordnung erforderlich
sind, sowie die Abstellung vereinbarter Kontingente für die internationale
Friedenstruppe.
2. Die Ausrüstung der internationalen Friedenstruppe ausschließlich
mit vereinbarten Waffenarten und -mengen, während alle anderen Waffen konventionelle wie atomare - und ihre Einsatzmittel vernichtet oder einer
friedlichen Verwendung zugeführt werden.
5. Die

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�"AMERIKA DIENST

1 . Juli 196O

3« Die weitere Senkung der militärischen Ausgaben im Einklang
mit der vereinbarten Reduzierung der Truppenstärken und Rüstungen.
4» Die Einstellung der Waffenproduktion mit Ausnahme bestimmter
Arten und Kengen für die internationale Friedenstruppe und die vereinbarten noch verbliebenen nationalen Kontingente.
Bereits während der drei Phasen dieses Planes wie auch nach seiner
Verwirklichung würden strenge und wirksame internationale Kontrollen
eine Verletzung des Abrüstungsabkommens verhindern, wobei folgende
sieben Prinzipien maßgebend sein würden:
1. Zu keinem Zeitpunkt während des Abrüstens darf irgend ein Staat
einen militärischen Vorteil gegenüber anderen erlangen.
2. Während der drei Abrüstungsphasen würde jede der ausgewogenen,
schrittweisen und abgesicherten Maßnahmen innerhalb einer genau umrissenen
Zeitspanne unter der Überwachung der IDCO durchgeführt werden.
3. Jede Maßnahme würde in jedem der Teilnehmerstaaten gleichzeitig
- nach Schaffung der erforderlichen Verifizierungsmaßnahmen - durchgeführt
werden.
4. Der Übergang von einer Phase zur nächsten soll erst dann erfolgen,
wenn der Weltsicherheitsrat zustimmt, daß alle Maßnahmen der vorangehenden
Phase voll durchgeführt sind und eine wirksame Verifizierung gegeben ist.
5. Die Abrüstungsverträge sollen auf unbegrenzte Zeit in Kraft bleiben, wobei jeder Staat das Recht zum Rücktritt hat, falls erwiesen ist,
daß ein anderes Land die Vertragsbedingungen nicht einhält.
6. Die IDCO soll sich aus allen Teilnehmerstaaten zusammensetzen;
daneben soll eine Kontrollkommission geschaffen und ein Generaldirektor
ernannt werden, dessen Pflichten in dem Vertrag im einzelnen umrissen
werden sollen.
7. Der Vertrag soll ferner die Arbeitsweise der IDCO genau festlegen,
die die Vollmacht haben soll, noch über Verifizierungserklärungen der
einzelnen Staaten hinaus sicherzustellen, daß die beibehaltenen Truppenstärken und Rüstungen nicht in irgendeiner Phase die vereinbarten Höchstgrenzen übersteigen.

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1 . Juli

196O

DIE LETZTEN WOCHEN DER GENFER ABRÜSTUNGSKONFERENZ
Übersicht über die jüngsten Entwicklungen bis zur Torpedierung der
Konferenz durch die Kommunisten

GENF - (AD) - Im folgenden geben wir eine
chronologische Zusammenstellung der Entwicklungen
auf der Genfer Zehn-Mächte-Abrüstungskonferenz
von der Wiederaufnahme der Gespräche am 7» Juni
i960 bis zum Verlassen des Konferenzsaales durch
die kommunistischen Delegationen am 27. Juni i960.

10,

Juni

Die Sowjetunion verkündet einen revidierten Drei-Phasen-Abrüstungsplan, der sich über eine Zeitspanne von vier Jahren erstrecken soll und der nach Ansicht alliierter Beobachter immer
noch ein "Paket" darstellt, das heißt, daß er nur verwirklicht
werden kann, wenn über alle Punkte eine Einigung erzielt worden
ist.

Juni

Die Konferenz tritt nach einer mehrwöchigen Verhandlungspause,
die für die Dauer der von den Kommunisten torpedierten Pariser
Gipfelkonferenz eingelegt worden war, erneut zusammen. Die
alliierten Delegationen hoffen, daß die von den Sowjets in
Paris gezeigte harte Haltung die Arbeit der Konferenz nicht
behindern wird. So erklärt der amerikanische Delegierte
Frederick M. Eaton: "Wir hatten gehofft, daß wir bei unserem
'Wiederzusammentreten einige nützliche Richtlinien und einen
Ansporn für unsere Arbeit erhalten würden. Dies ist nicht
geschehen. Das Entscheidende ist jetzt jedoch, uns auf unsere
künftige Arbeit zu konzentrieren." Der italienische Delegierte
Gaetano Martine- betont, das Fehlschlagen der Gipfelkonferenz
mache die Aufgabe der Konferenz "noch schwieriger, aber auch
noch dringlicher". Die Sowjetunion legt offiziell ihren revidierten Abrüstungsplan vor.

Juni

Die alliierten Delegationen beginnen damit, Fragen vorzubereiten,
um eine Klärung des sowjetischen Planes zu erreichen.

Juni

Die kommunistischen Delegierten schlagen in ihren Ausführungen
erstmalig einen, nach den Worten der amerikanischen Delegierten
Eaton, "scharfen" Ton an. Eaton stellt die Frage, ob der Sowjetblock gewillt ist, ernsthaft über den revidierten sowjetischen
Entwurf zu verhandeln.

Juni

Eaton erklärt, einige der Änderungen in der sowjetischen Haltung schienen eine positive Annäherung in Richtung auf die
Standpunkte der alliierten Delegationen zu bedeuten. Der

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1 . Juli 196O

Der revidierte sowjetische Entwurf werfe jedoch noch einige
Probleme auf, die durch ernsthafte Verhandlungen geklärt
werden müßten. Eaton fordert, daß mit der Erörterung von
Maßnahmen des alliierten oder des sowjetischen Planes begonnen werden soll, die sofort verwirklicht werden können, ohne
daß hierdurch die lebenswichtigen Interessen einer der beiden
Parteien betroffen werden.
13.

Juni

Der französische Delegierte Jules Moch und der britische Delegierte Ormsby-Gore stellen zahlreiche Fragen zu dem sowjetischen Plan.

14«

Juni

Die Bemühungen der Alliierten werden fortgesetzt, um eine
Klärung des revidierten sowjetischen Planes zu erreichen.
Die Sowjets fordern, daß die Alliierten zu ihren bisherigen
mageren Erläuterungen Stellung nehmen sollen. Moch unterstreicht erneut, daß die Verwirklichung echter Abrüstungsmaßnahmen nur erfolgen kann, wenn die Gewißheit besteht,
daß gleichzeitig ein entsprechendes Kontrollsystem geschaffen
wird, das auch wirklich funktioniert. Der sowjetische Delegierte Sorin gibt eine Erklärung ab, von der Eaton sagt,
daß sie "hitziger" als seine früheren Reden war. Sorin, so
betont Eaton, habe den Eindruck hinterlassen, daß die Sowjetunion keinen Grund sieht, die Abrüstungskontrollen zu erörtern,
bevor nicht die USA ihre Stützpunkte in anderen Ländern aufgeben.

15«

Juni

Eaton erklärt, das der sowjetische Vorschlag für eine sofortige
Auflösung der ausländischen Stützpunkte bereits in der ersten
Phase das Prinzip verletze, keiner Seite zu irgendeinem Zeitpunkt während der Durchführung der Abrüstungsmaßnahmen einen
militärischen Vorteil einzuräumen. Wenn zürn Beispiel die
amerikanischen NATO-Streitkräfte in Europa abgezogen würden,
dann würden sie mehrere tausend Kilometer über den Atlantik
zurückgezogen werden, während die sowjetischen Truppen bei
einem Abzug aus Mitteleuropa lediglich einige hundert Kilometer
auf das Gebiet der Sowjetunion zurückgenommen würden.

1b.

Juni

Der polnische Delegierte Marjan Naszkowski wiederholt die Angriffe gegen die alliierten Stützpunkte in anderen Ländern.
Ormsby-Gore erklärt, daß diese Stützpunkte in Europa eine
echte Abschreckung vor einer Aggression bildeten und daß
der Sowjetblock dies wisse.

17«

Juni

Der amerikanische, der britische und der italienische Delegationsführer kehren zu Konsultationen mit ihren Regierungen in
die Hauptstädte ihrer Länder zurück. Sorin versucht, einen
Keil zwischen die USA und Frankreich zu treiben, und behauptet,
zwischen beiden bestehe offensichtlich eine Meinungsverschiedenheit in der Frage der Kontrolle atomarer Einsatzsysteme. Moch
wiederholt seine frühere Erklärung, daß nichts die Solidarität
des Westens erschüttern könne. Wenn hinter dem revidierten
sowjetischen Plan das Motiv stehe, die westliche Allianz zu
sprengen, so betont Moch, dann befänden sich die Sowjets in
einem schweren Irrtum.
20. Juni

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1 . Juli 1960

20.

Juni

Moch drängt erneut auf Beantwortung seiner Fragen zu einzelnen Punkten des sowjetischen Planes.

21.

Juni

Die Konferenz beschäftigte sich weiter mit den Meinungsverschiedenheiten bezüglich der Kontrollverfahren. Der
französische Delegierte Michel Le Gendre stellt erneut die
Frage, ob die Kommunisten wirklich wirksame Kontrollen
wünschen, durch die geheime Rüstungen festgestellt werden
können. Der rumänische Delegierte Edouard Mezincescu bezweifelt, ob die Kommunisten den Vereinigten Staaten trauen
können.

22.

Juni

Eine Presseverlautbarung der Sowjetblock-Delegationen beschuldigt die alliierten Delegationen, einer wirklichen
Erörterung auszuweichen.

23.

Juni

Der amerikanische Delegierte Charles C. Stelle betont, daß
die kommunistischen Delegationen bei einem echten Wunsch
nach Fortschritt aus der sorgfältigen Prüfung, der die
Verhandlungsvorschläge von den Vereinigten Staaten und
anderen westlichen Ländern unterzogen werden, Mut schöpfen
und nicht ungeduldig werden sollten.

24.

Juni

Der tschechoslowakische Delegierte Juri Nosek wirft den
Alliierten Heuchelei und Doppelzüngigkeit vor. Ormsby-Gore
und Moch erwidern, daß solche Worte nicht dazu beitragen,
die Probleme zu lösen, mit denen sich die Konferenz zu
beschäftigen hat. Stelle erklärt, die unbegründeten kommunistischen Anschuldigungen behinderten nur die Arbeit der
Konferenz.

25.

Juni

Eaton kehrt nach Besprechungen über die neuen alliierten Vorschläge in Washington, London und Paris nach Genf zurück.

26.

Juni

Die alliierten Delegierten treten zu einer Prüfung der
neuen Vorschläge zusammen, um sich auf ihre Vorlage am
nächsten Tage durch Eaton vorzubereiten.

27.

Juni

Sorin, der sich als erster Sprecher das Wort erteilen läßt,
gibt bekannt, daß seine Regierung in einer Fortführung der
Gespräche keinen Sinn mehr sieht und die Absicht hat, das
Abrüstungsproblem auf der nächsten Sitzung der UN-Vollversammlung vorzubringen. Er und die übrigen kommunistischen Delegierten verlassen die Konferenz. Eaton erklärt, es sei jetzt offensichtlich, daß die Kommunisten nicht nach Genf gekommen sind
in der ernsten Absicht, zu verhandeln, sondern lediglich, um die
Abrüstungskonferenz genauso wie die Pariser Gipfelkonferenz zu
torpedieren. Moch betont, daß der sowjetische Plan praktisch
eine Art Ultimatum gewesen sei, das der Westen nicht akzeptieren könne. Ziel der Sowjets sei nicht die Abrüstung,
sondern die Auflösung der alliierten Stützpunkte gewesen, um
so einen militärischen Vorteil für die Sowjetunion zu erlangen.
* * * * *

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14 -

�Kann sich angesichts dieses schrecklichen Bildes überhaupt ein
Mensch, der guten Willens ist, den Bemühungen, eine solche Katastrophe
zu verhindern, verschließen?
Es liegt also ganz eindeutig auf der Hand, daß die Aussicht auf
einen Atomkrieg eine Gefahr für die gesamte Menschheit bedeutet und
die Abrüstung daher im Interesse der gesamten Menschheit ist. Seit
Ende des zweiten Weltkrieges haben sich die Staatsmänner zahlreicher
Länder ständig mit größter Dringlichkeit für eine Abrüstung eingesetzt. Wenn auch die Fortschritte nur sehr langsam erfolgten, so ist
doch zumindest ein entscheidend wichtiges Ziel erreicht worden: es
ist geklärt worden, welche praktisch durchführbaren Kontrollen für
eine realistische Abrüstung notwendig sind. Damit konnte eine große
Kluft überbrückt werden, nämlich die durch das mangelnde Vertrauen
zwischen den Völkern entstandene Kluft, die für zahlreiche Völker
eine Abrüstung unerreichbar erscheinen ließ. Man war der Ansicht,
daß jeder wirkliche Fortschritt in Richtung auf eine 7/elt ohne Rüstungen so lange zurückgestellt werden müsse, bis die politischen
Lösungen erfolgt und die Spannungen gemindert sind. Nunmehr gewinnt
jedoch in immer stärkerem Maße die Erkenntnis Raum, daß wirksame
Kontrollen das Vertrauen ersetzen kennen, und zwar in Form von Abkommen,

1

�"AMERI KADI SIS T "

29. Juli i960

Abkommen, die in sich bereits die Gewähr dafür bieten, daß sie auch
eingehalten werden. Damit ist es möglich geworden, mit den Abrüstungsgesprächon und mit den politischen Verhandlungen fortzufahren, wobei
beide ineinandergreifen müssen.
Die Klugheit der Staatsmänner der freien Welt und die von ihnen
in all den Jahren auf dem Gebiet der Abrüstung gewonnenen Erfahrungen
haben ihren Niederschlag in dem Fünf-Mächte-Vorschlag gefunden, den
die Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Italien
am 15. März beim Zusammentreten der Genfer Konferenz vorgelegt hatten.
Der neue sowjetische Vorschlag ließ dann am 2. Juni eine gewisse Hoffnung aufkommen, da er nämlich verschiedene Gedankengänge der Alliierten
aufzugreifen schien - vor allem französische Anregungen - und die Aufmerksamkeit auf die Einsatzmittel für nukleare Waffen lenkte wie Raketen,
Flugzeuge, Flugplätze, Unterseeboote. Rur wenige Wochen später wurde
ein neuer amerikanischer Plan unterbreitet, der auf den sowjetischen
Standpunkt in verschiedenen wichtigen Punkten einging. Dieses amerikanische Dokument basierte weitgehend auf dem alliierten Fünf-MächtePlan, kam jedoch den Sowjets in mehreren Punkten entgegen, indem es
nämlich im Prinzip die von den Sowjets aufgegriffene Frage der "Einsatzmittel" übernahm, die Konzeption einer "allgemeinen und völligen Abrüstung" schärfer umriß und die Bereitschaft bekundete, alle Abrüstungsvorschläge zu prüfen.
So hatte also jede Seite gewisse Veränderungen an ihren ursprünglichen
Plänen vorgenommen, und damit sah die Lage recht hoffnungsvoll aus. Es
schien, als würden die beiden Seiten schließlich doch miteinander übereinkommen .
Plötzlich aber - ehe noch der amerikanische Vorschlag vor der ganzen
Welt offen erörtert werden konnte - verließen die Delegierten des Sowjetblocks den Genfer Konferenzsaal. Die Diskussion des neuen Vorschlags wurde
durch diesen Schritt vereitelt, die leeren Sitze der Ostblock-Delegierten
brachten alle Verhandlungen zun Stillstand, und dem Vorsitzenden blieb
nichts weiter übrig, als die Konferenz zu beenden.
Die Stühle der'Delegierten stehen im Augenblick immer noch leer,
aber die Idee, durch eine gesicherte Abrüstung einen dritten Krieg zu
verhindern, wird von vielen Völkern und Regierungen energisch weiterverfolgt. Durch den drohenden Schatten der Atombombe erhält diese Aufgabe eine unumgängliche Dringlichkeit.
Ein Plan zur Verhinderung des Krieges
Der neue Vorschlag - wie er von den Vereinigten Staaten ausgearbeitet wurde - befaßt sich nicht nur mit der Reduzierung der Rüstung als
solcher, sondern bietet ein spezifisches Programm zur Verhinderung des
Krieges. Er zielt vor allem darauf ab, einem Angreifer die Vorbereitung
eines Krieges immer mehr zu erschweren. Er bietet ferner Sicherheiten
gegen oberraschungsangriffe, durch die sofortige "Blockierung^ maßnahmen"

-

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�"AMERIKA DIENST"

29. Juli 196O

zu erzwingen. Dem Kellog-Briand-Pakt folgten unmittelbar die Londoner
Flottenkonferenzen, die Weltabrüstungskonferenz in Genf und im Jahre
1957 die englisch-deutsch-sowjetischen Flottenabkommen, durch die die
Größen der Schlachtschiffe und Flugzeugträger begrenzt wurden. Immer
noch gab es jedoch keinerlei Garantien - böswillige Regierungen konnten
hinter dem Schleier ihrer Staatsgrenzen im geheimen aufrüsten. Man sprach
jedoch vom "Frieden in unserem Zeitalter".
Innerhalb von zwei Jahren schlug dann Hitler zu, und im Dröhnen der
Kriegstrommeln zerbrach erneut ein unechter Friede.
Die Welt hatte eine kostspielige Lehre erhalten. Es zeigte sich, daß
unsichere und unzureichend gestützte Abrüstungsabkommen viel gefährlicher
sein konnten als gar keine derartige Vereinbarungen, denn die Gefahr
des Krieges nimmt zu, wenn ein Angreifer die Überzeugung gewinnt, daß
er über einen militärischen Vorteil verfügt. Diese Gefahr wird noch
stärker, wenn der Aggressor überzeugt ist - und sei es auch zu Unrecht -,
daß ihm ein entscheidender Sieg gelingen könnte. Und die Gefahr wächst
ungeheuer, wenn er eine Gelegenheit zu sehen glaubt, sein Opfer mit einem
vernichtenden Überraschungsangriff schlagen zu können.
Das Ausschalten von Überraschungsangriffen
Aber als Präsident Eisenhower im Juli 1955 vorschlug, das gesamte
Gebiet der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion einer gegenseitigen
Luftinspektion zu unterwerfen, lebte erneut die Hoffnung auf, daß die
Gefahr eines Überraschungsangriffs gebannt werden könnte. Nahezu in der
gesamten Welt herrschte Übereinstimmung darüber, daß dieser Vorschlag
des "offenen Himmels" die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs wesentlich verringern würde, da die Vorbereitungen für einen solchen Angriff
so rechtzeitig entdeckt werden könnten, daß genügend Zeit für Verteidigungsmaßnahmen bleiben würde. Und, was noch wichtiger ist, ein Aggressor würde
ohne den Vorteil des Überraschungsmoments viel weniger der Versuchung
erliegen, einen Angriffsschlag zu führen.
Die Vereinigung der Pläne für eine Luftüberwachung mit einem umfassenden Plan für eine Bodeninspektion in der ersten Phase des amerikanischen
Vorschlags unterstreicht erneut die Bereitschaft der Vereinigten Staaten,
ein völlig offenes Inspektionssystem aufzubauen, um dadurch sicherzustellen,
daß die eingegangenen Verpflichtungen auch wirklich eingehalten werden.
An einen festen Standort gebundene wie auch bewegliche Inspektionsgruppen könnten eine Vielzahl von wichtigen Funktionen übernehmen. Durch
Ergänzen dar Luftaufnahmen würden sie z.B. in der Lage sein, Diskrepanzen
zwischen diesen Aufnahmen und den Angaben auf den ausgetauschten militärischen Listen aufzudecken. Durch ihre Beobachtungen könnten nicht gemeldete Truppenbewegungen oder Versorgungslieferungen, eine ungewöhnlich
intensive Ausbildung oder die allmähliche Konzentration von militärischen
Verbänden an wichtigen Punkten festgestellt werden.
Die

�"AMERIKA DIENST"

29. Juli 196O

Die Kernwaffen
Im Jahre 194&amp; erboten sich die Vereinigten Staaten - damals die
einzige Atommacht -, auf ihr Atomwaffen-Monopol zu verzichten. Amerika
war bereit, die Produktion von Atombomben einzustellen, seine Atomwaffenvorräte zu vernichten und ein weitreichendes Programm für die internationale Verwaltung und den internationalen Besitz von spaltbarem Material und
von Anlagen zur Herstellung dieses Materials aufzustellen. Dieser als
"Baruch-Plan" bekanntgewordene Vorschlag hätte unter einem zuverlässigen
internationalen Kontrollsystem durchgeführt werden können. Die Kontrollbehörde sollte die Aufsicht über alle Arbeiten auf dem Gebiet der Atomenergie haben, die möglicherweise gefährlich werden konnten, und sie
verbieten können. Die Sowjetunion lehnte dieses Angebot ab; sie verlangte
für sich ein Vetorecht innerhalb eines solchen Kontrollsystems. Heute
besitzen mehrere Staaten Waffen mit einer Explosivkraft von wenigen Kilotonnen bis zu vielen Megatonnen. (Eine Megatonne entspricht der Sprengkraft von einer Million Tonnen Trinitrotoluol.)
Der neue amerikanische Plan stimmt voll und ganz mit den von vielen
Staaten gestellten Forderungen überein, daß die gesamte Produktion von
Atommaterial ausschließlich friedlichen Zwecken dienen sollte. Der neue
Vorschlag sieht in der ersten Phase einen vollständigen Produktionsstopp
für alle Kernwaffen vor. In der zweiten Phase würde man dann damit beginnen, die Atomwaffenarsenale friedlichen Zwecken nutzbar zu machen - ein
entscheidend wichtiger Schritt, um die Drohung eines Atomkrieges zu vermindern.
Der Weltenraum
Gleich der Atomenergie hat die Eroberung des Weltenraumes die Menschen
schon seit langem fasziniert. Die ersten von Menschen gebauten Erdsatelliten
haben den Erdball bereits viele Male umkreist. So gut hat die wissenschaftliche Forschung gearbeitet, und so schnell waren die Fortschritte, daß
die Welt heute eine Aktivität entwickelt, die weit über die den Erdball
umgebende atmosphärische Hülle hinausgreift. Und genauso wie die Atomenergie kann auch der Weltenraum entweder als ein Werkzeug des Krieges
oder als Mittler des Friedens dienen.
Die Raumfahrttechnik und die Raumflugkörper könnten zur Entwicklung
von Waffensystemen von tödlicher Vernichtungskraft benutzt werden.
Zum Beispiel könnte es eines Tages möglich sein, Interkontinentalraketen
mit Wasserstoffbomben in eine Kreisbahn um die Erde zu bringen, die über
genügend Brennstoff verfügen und eine so feine Steuerungseinrichtung
haben, daß sie jedes beliebige Ziel auf der Erde erreichen könnten.
Eine andere Möglichkeit wäre, bemannte Raumflugkörper aufzulassen, deren
Besatzung dann thermonukleare Sprengköpfe nach jedem Punkt der Erde abschießen könnte.
Wenn also die militärische Bedrohung durch Weltraumwaffen gebannt
werden soll, bevor es hierfür zu spät ist, dann muß die Weltraumforschung
ausschließlich auf friedliche Zwecke ausgerichtet werden, und die Bemühungen aller Länder auf dem Gebiet der Weltraumforschung müssen beschleunigt in den Rahmen eines zuverlässigen internationalen Rüstungskontrollsystems gebracht werden.
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�"AMERIKA DIENST

29. Juli 1960

Der Vorschlag der Vereinigten Staaten enthält sofort durchführbare Schritte, um das Auflassen oder die Stationierung im
Weltraum von solchen Raumflugkörpern zu verbieten, die Massenvernichtungswaffen mit sich führen könnten« Ferner würden zur Erhöhung des Schutzes vor Überraschungsangriffen die Starts von Raum4
flugkörpern und Raketen der internationalen Abrüstungskontrollorganisation g emeldet werden, und ihre vorgesehene Umlaufbahn
würde schon lange Zeit vor dem eigentlichen Start registriert v/erden.
Herkömmliche Rüstungen
Die besonders ins Auge fallenden Erfolge auf dem Gebiet der
Weltraumforschung und die schnelle Entwicklung immer furchtbarerer
Atomwaffen haben in den letzten Jahren das unheilvolle Anwachsen
der herkömmlichen Rüstungen und Heere etwas in den Schatten treten
lassen. Aber alle großen Mächte der Erde unterhalten heute in
Friedenszeiten größere Heere als je zuvor in der Geschichte. Diese
großen stehenden Heere mit ihren riesigen Waffenarsenalen rufen
nicht nur Angst und Argwohn hervor, sondern sie stellen auch für
alle Länder eine schwere Belastung dar. Das amerikanische Volk ist
gleich den übrigen Völkern der Ansicht, daß den ständigen Forderungen der Rüstungsproduktion Einhalt geboten werden muß.
Mit diesem Ziel vor Augen wurde ein Programm für den schrittweisen Abbau der Rüstungen und der Truppenstärken als integraler
Bestandteil in den amerikanischen Vorschlag einbezogen.
Die erste Phase des Programms sieht vor, daß die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion die Stärke ihrer bewaffneten Streitkräfte auf jeweils 2,5 Millionen Mann reduzieren und daß die
Truppenstärken nach einer Verifizierung weiter auf jeweils 2,1
Millionen Mann gesenkt werden. Entsprechend der Reduzierung der
Truppenstärken würden Kanonen, Panzer, Flugzeuge und andere Waffen
in Depots eingelagert werden, die unter der Aufsicht der internationalen Abrüstungskontrollorganisation stehen.
Die Reduzierungen in der zweiten Phase würden die Streitkräfte
beider Länder weiterhin bis auf je 1,7 Millionen Mann herabsetzen
und eine proportionale internationale Beseitigung weiterer Rüstungen
vorsehen. Hierbei würde der Beseitigung sämtlicher Raketen, Flugzeuge, Kriegsschiffe, Unterseeboote und Artillerie, rait deren Kilfe
Massenvernichtungswaffen wie Atombomben eingesetzt werden können,
besondere Aufmerksamkeit zuteil werden.
Der Vorschlag sieht schließlich vor, daß in der dritten und
abschließenden Phase die Armeen der einzelnen Staaten auf die Stärke
einer Polizeitruppe reduziert werden. So würde also als einziges
stehendes Heer in der Welt eine internationale Friedenstruppe
übrigbleiben, die die Ordnung in der Welt aufrechterhalten soll.
Sorgfältige Inspektionsverfahren würden die Sicherheit geben, daß
die Reduzierungen auch wirklich durchgeführt werden, während
gleichzeitig durch strikte Kontrollen für die Aufrechterhaltung
eines ordnungsgemäßen Gleichgewichts Sorge getragen würde, um
keiner Nation die Möglichkeit zu geben, während des Abrüstungsprozesses einen unfairen Vorteil vor einer anderen zu erlangen.
Friede

�"AMERIKA DIENST1

29. Juli i960

Friede ohne Furcht
Wie aus dem bisher gesagten hervorgeht, spiegelt sich in
den Zielen des neuen amerikanischen Vorschlags eine realistische
Bewertung der vielen Probleme wider, die sich bei der Bemühung,
einen Krieg durch eine gesicherte Abrüstung zu verhindern, ergeben. Der Vorschlag berücksichtigt vor allem auch die kleineren
Staaten in der Welt, deren eigentliche Hoffnung auf ein friedliches Leben nicht in ihrer eigenen Waffenstärke, sondern in
einer geordneten Welt liegt - einer Welt, die frei von der Furcht
vor einem plötzlichen und überwältigenden Angriff ist. Internationale Kontrollen und gründliche Inspektionen sind für diese
Staaten die einzige wirkliche Garantie.
Die USA sind der Ansicht, daß Staaten, die nichts vor einer
unbehinderten Inspektion zu verbergen und von einer kontrollierten
Abrüstung auszuschließen haben, genausowenig durch sie etwas verlieren
würden. Die Vereinigten Staaten sind außerdem bereit, jederzeit Verhandlungen über ihre Vorschläge im einzelnen oder als Ganzes aufzunehmen.
Weder die Vereinigten Staaten noch die anderen Nationen der freien
Welt können jedoch die Lehre, die Korea und Ungarn gaben, unberücksichtigt lassen. Solange die Bedrohung anhält, die sich in diesen Namen symbolisiert, und solange andere sich weigern, Abrüstungsverhandlungen zu
führen, gibt es keine andere Wahl, als darauf vorbereitet zu sein, einer
Aggression zu begegnen und sie zurückzuweisen. Schwäche kann den Frieden
nicht garantieren - sie kann sich statt dessen als indirekte Ursache des
Krieges erweisen.
Trotz dieses warnenden Hinweises ist die amerikanische Regierung
der festen Ansicht, daß die gesicherten Phasen ihres neuen Vorschlags
die Welt von der drohenden Gefahr eines Atomkrieges befreien und den
Weg zu §inem Frieden ohne Furcht öffnen können.
Die gesamte Welt betet für ein durchführbares Abrüstungsabkommen.
Daß die Vereinigten Staaten, was sie selbst anbetrifft, sich auch weiterhin für diese Aufgabe einsetzen werden, ist von Präsident Eisenhower
eindeutig dargelegt worden. Wörtlich hat Präsident Eisenhower erklärt:
"Die Schaffung eines Friedens in Gerechtigkeit ist ein kühnes und
hohes Ziel. Es zu verkünden, ist leicht, es zu verwirklichen, wird schwer
sein. Und um es zu erreichen, müssen wir uns seiner vollen Bedeutung bewußt sowie bereit sein, den vollen Preis hierfür zu zahlen. So herrlich
die Segnungen eines solchen Friedens sein werden, so hoch wird auch sein
Preis sein - in mühevoller und geduldiger Arbeit, in redlich gewährter
Hilfe und in bereitwillig getragenen Opfern.
Wir hoffen und glauben zutiefst, daß wir mithelfen können, diese
gespaltene Welt zu heilen. Dann werden die Völker vielleicht nicht mehr
vor der Drohung der Gewalt zittern. Dann wird die Last der Furcht und die
Last der Rüstungen von den Schultern der Menschheit genommen werden können."
Die leeren Stühle in Genf warten.
* * * * *

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�A M E R I K A

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Allg./2.9.1960
DAS GEDULDSSPIEL IN GENF
Seit 22 Monaten Verhandlungen über Einstellung von Atomversuchen
Nachstehend übermitteln wir Ihnen eine
chronologische Übersicht über die Vorschläge
und die Bemühungen der Vereinigten Staaten,
in der Frage der Beendigung der Kernwaffenversuche eine Einigung zu erzielen.

22. August 1956
Präsident Eieenhower schlägt die Aufnahme von Verhandlungen zwisehen den Vereinigten Sta aten, dem Vereinigten Königreich und der
Sowjetunion zum Zwecke ei nes Abkommens über da« Verbot von Kernwaffenversuchen unter internati onaler Kontrolle vor und erklärt, daß die
Vereinigten Staaten mit B eginn der Verhandlungen; ihre Kernwaffenversuche für ein Jahr aussetzen würden, falls die Sowjetunion bereit sei,
dasselbe zu tun. Der Vors chlag des Präsidenten kam einen Tag nach
dem erfolgreichen Abschlu ß der Genfer Expertentagung - die ebenfalls
auf Initiative der USA zu stände gekommen war. Di3 Experten waren zu
dem Schluß gekommen, daß eine kontrollierte Einstellung der Kernwaffenversuche technisch und praktisch durchführbar sei.
30. Ausist 1958
Den Vorschlägen der Vereinigten Staaten, im Rahmen einer
amerikanisch-britisch-sowjetischen DreimächteVonferenz über eine
international kontrollierte Einstellung von Kernwaffenversuchen zu
beraten, stimmt der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow in
Noten an die USA und das Vereinigte Königreich zu.
51. Oktober 1958
Die Gespräche in Genf zeigen von Anfang an eine deutliche Scheidung
der westlichen'und sowjetischen Auffassungen. Der sowjetische Delegierte
drängt auf eine sofortige und universale Einstellung der Kernwaffentests
"für alle Zeit", während die Vereinigten Staaten die Notwendigkeit der
Schaffung von Rüstungskontrollmaßnahmen unterstreichen, gleichzeitig

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gleichzeitig aber die Einstellung der amerikanischen Versuche und ihre
Absicht bekanntgeben, diese Einstellung von Jahr zu Jahr zu verlängern.
5.-11 . November 1958
Die Genfer Verhandlungen haben sich festgefahren. Der Sowjetdelegierte erklärt sich allerdings bereit, über die Versuchskontrolle und
ein Ortungssystem "diskutieren zu wollen", vorausgesetzt, daß der WeBten die sowjetischen Vorschläge für ein Testverbot versuchsweise
billige.
16. November 1958
Die USA und Großbritannien lassen ihre Forderung auf ein einziges
Vertragswerk fallen, das auch Bestimmungen über eine Einstellung der
Kernwaffenversuche und die Schaffung eines wirksamen Kontrollsystems
enthalten würde. Die Verhandlungen beginnen nunmehr auf der Grundlage
von zwei Vertragsentwürfen, einem russischen und einem amerikanischen,
wobei in dem letzteren die Notwendigkeit für die stufenweise Einrichtung eines Kontrollsystems erneut betont wird.
13. Januar 1959
Außenminister Dulles weist in einem Bericht darauf hin, daß sich
das von den Experten 1958 in Genf vorgeschlagene Ortungssystem zur Aufdeckung kleinerer Atomexplosionen, die unter Verletzung des Abkommens
durchgeführt werden, als unzulänglich erweisen könnte. Sein Bericht
stützt sich auf unterirdische Kernexplosionen, die die amerikanische
Atomenergiekommission 1958 noch vor dem amerikanischen Versuchsstopp
in der Wüste von Nevada vorgenommen hatte.
19. Januar 1959
Den Forderungen der Sowjetunion in einem Hauptpunkt nachgebend,
verzichten die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich auf
ihre frühere Forderung, die Dauer eines Abkommens zur Einstellung der
Kernwaffenversuche von den auf anderen Gebieten der allgemeinen Abrüstung erzielten Fortschritten abhängig zu machen.
20. Januar 1959
Die drei Atommächte beginnen mit der Besprechung detaillierter
Pläne für ein internationales Inspektions- und Kontrollsystem zur
Aufdeckung von Vertragsverletzungen.

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22. Januar 1959

Die Vereinigten Staaten weisen die sowjetische Beschuldigung
zurück, daß der Westen "nach einem Grund sucht, die Gespräche über
einen Versuchsstopp zu torpedieren", und fordern die UdSSR auf, sich
klar dazu zu äußern, ob sie einem System zustimmen wolle, das
1. eine Inspektion ohne Veto,
2. international zusammengesetzte Beobachterteams und
3. deren freien Zugang zu mutmaßlichen Versuchsgebieten zu beiden
Seiten des Eisernen Vorhangs garantiere.
26. Januar 1959
Der Sowjetdelegierte erklärt, die Sowjetunion würde sich mit der
Stationierung von 4 oder 5 ausländischen "Inspektoren" auf sowjetischem
Boden als Teil eines Versuchs-Kontrollsystems einverstanden erklären.
Der Westen lehnt ab und verlangt die Stationierung von Kontrollposten
in den vertragschließenden Ländern, wobei die Beobachter zu 50 Prozent
Angehörige des Partnerstaates sein sollen - d.h., westliche Kontrollstationen würden zu 50 Prozent mit russischen, sowjetrussische Kontrollstationen dagegen zu 50 Prozent mit westlichen Beobachtern besetzt
sein.
24. Februar 1959
Der amerikanische Delegierte Wadsworth kommentiert die in eine
Sackgasse geratenen Verhandlungen und nennt als Ursache dafür das Beharren der Sowjets auf ihrer Forderung, daß die Kontrollposten mit
einheimischen Beobachtern, denen 4 oder 5 ausländische "Kontrolleure"
beigegeben würden, zu besetzen seien. Der russische Delegierte Zarapkin
erklärte dazu am 13. Februar, daß die Sowjets kein Vertrauen zu nichtsowjetischen Kontrollstäben haben würden.
15. April 1959
Unterstützt von dem Vereinigten Königreich, erklären sich die Vereinigten Staaten bereit, einem Abkommen über ein Verbot aller in der
unteren Atmosphäre und unter Wasser ausgelösten Atomversuchsexplosionen
zustimmen zu wollen - einem Verbot, das die Versuche mit dem stärksten
radioaktiven Niederschlag beenden würde und ohne die Anwendung von Kontrollmaßnahmen, die für die UdSSR unannehmbar seien, durchgeführt werden
könnte. Der Russe Zarapkin rügt den Plan, verspricht aber, ihn zu prüfen.

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20. April 1959
Das Weiße Haus veröffentlicht ein persönliches Schreiben Präsident Eiaenhowers an Premierminister Chruschtschow (13« April), worin
er ihm die Einwilligung zu einem begrenzten Abkommen über die Einstellung von Kernwaffenversuchen auf der Erdoberfläche und in der Atmosphäre
bis zu einer Höhe von 50 Kilometern (j1 Meilen) nahelegt. Chruschtschow
lehnt den Vorschlag ab und bietet dafür Verhandlungen über ein Verbotsabkommen auf Grund von festzusetzenden jährlichen Inspektionen auf
amerikanischem, britischem und sowjetischem Territorium an.
6.-9. Mai 1959
Präsident Eisenhower und Premierminister Macmillan verlangen
in persönlichen Briefen an Chruschtschow zusätzliche Informationen
zum Vorschlag der festgesetzten Quoten. Eisenhower dringt auf eine
Vereinbarung über die Beendigung von Atomversuchen in der Luft, solange
keine umfassendere Vereinbarung existiert.
12. Mai 1959
Die Verhandlungen werden wegen des Ost-West-Außenministertreffens
bis zum 8. Juni vertagt. Der am 6. Mai angenommene 15« Artikel des Vertragsentwurfs garantiert den Mitgliedern der für die Überwachung des
geplanten Testverbot-Abkommens bestellten Kontrollorgane diplomatische
Immunität.
15. Mai 1959
In seiner Antwort an Eisenhower und Macmillan fordert Chruschtschow
eine technische Diskussion "von kurzer Dauer" über Maßnahmen zur Peststellung von Kernexplosionen in großen Höhen.
22. Mai 1959
Der Plan einer technischen Diskussion wird aufgegeben, nachdem es
klar ist, daß die Sowjetunion nur über allgemeine Richtlinien zur Feststellung von Kernexplosionen, aber nicht über das zur Durchführung notwendige wissenschaftliche Instrumentarium diskutieren will.
8. Juni 1959
Die Vereinigten Staaten und Großbritannien erneuern ihre Einladung an die Sowjetunion, an Expertengesprächen über das Problem der
Feststellung von Kernexplosionen in großen Höhen teilzunehmen. Man
nimmt an, daß die Sowjetunion jetzt zum Eintritt in begrenzte Diskussionen

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Diskussionen bereit ist. Die Sowjetunion lehnt es auch ab, zum gegenwärtigen Zeitpunkt die amerikanischen Ergebnisse der im Anschluß
an die technischen Untersuchungen von 1958 durchgeführten unterirdischen Versuche in Betracht zu ziehen.

50. Juni 1959
Der sowjetische Delegierte Zarapkin teilt dem amerikanischen
und dem englischen Delegierten mit, daß er in eine detaillierte
Erörterung des russischen Vorschlags einer festgesetzten Jahresquote
von Inspektionen zur Feststellung von At-omversuchen nicht eintreten
könne, da dies eine politische Frage sei, die mit wissenschaftlichen
Überlegungen nichts zu tun habe.

20. Juli 1956
Der Westen erklärt sich bereit, den Vorschlag zu akzeptieren,
nach dem ein Drittel des Personals einer Kontrollstation in der Sowjet
union von sowjetischer Seite gestellt werden darf. Die UdSSR besteht
darauf, daß nicht mehr als ein Drittel des Personals einer Kontrollstation "Ausländer" sein dürfen.

1 • August 1959
Drei-lIächte-Gremium schlägt den Einsatz von Satelliten zur Feststellung von Kernexplosionen in Höhen von über 50 Kilometern (31 Meile
vor.

26. August 1959
Die Vereinigten Staaten geben bekannt, daß sie ihre Kernwaffentests für den Rest des Jahres 1959» im Anschluß an die sechswöchige
Unterbrechung der Genfer Gespräche, einstellen v/erden. (Bevorstehendes
Treffen Eisenhower-Chruschtschow)

25 . November 1959
Eine Arbeitsgruppe technischer Experten der Vereinigten Staaten,
Großbritanniens und der Sowjetunion tritt zusammen, um Wege zur Verbesserung der Verfahren zur Feststellung geheimer unterirdischer Atomversuche zu erwägen, die unter Umgehung des Vertrags über das Verbot
von Atomversuchen unternommen werden könnten. Diese Konferenz hat
endlich die Zustimmung der Sowjetunion gefunden, nachdem sie fast ein
Jahr lang die Erörterung der Grundtatsache, daß unterirdische Versuche
wesentlich schwerer festzustellen sind als Explosionen über der Erdoberfläche, verweigert hatte.

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14. Dezember 1959
Ler Westen begrüßt das sowjetische Angebot, den westlichen Verschlag über die Zusammensetzung des Personals der Kontrollstaticnen
als Gegenleistung für die Annahme der sovjetijchen Forderung einer
Ost-West-Parität innerhalb der internationalen Kontrollkommission (drei
kommunistische, drei westliche und ein neutrales Mitglied) zu akzeptieren .

18. Dezember 1959
Die Gespräche erreichen einen Tiefpunkt, als die Expertenkonferenz
über unterirdische Atomversuche wegen Uneinigkeit abgebrochen wird.
Anlaß ist ein Kaltungswechsel der sowjetischen Delegation, die ihre
bisherige verhältnismäßig objektiv-wissenschaftliche Haltur.g aufgegeben
hat, um sich n^n in ablehnender und stark politisch gefärbter Weise
mit den Problemen auseinanderzusetzen.

20. Dezember 1°59
Der lTS-Delegierte Wadsworth kehrt während der Konferenzpause(vom
19. Dezember bis zum 12. Januar) nach den Vereinigten Staaten zurück
und macht die sowjetische Haltung dafür verantwortlich, daß es im Rahmen
der Gespräche bisher nicht zu einer Vereinbarung kam.

29. Dezerabb-r 1959
Präsident Eisenhower weist darauf hin, daß sich die Gespräche
14 Monate lang ohne eine Einigung hingezogen haben und erklärt, daß
es den USA freistünde, ihre Atomversuche wiederaufzunehmen; dies werde
jedoch nicht ohne vorherige Ankündigung geschehen. Er bezeichnet die
sowjetischen Experten als Männer am "politischen Gängelband" und charakterisiert ihre Erklärungen auf der kürzlich beendeten technischen Konferenz als "unmäßig und technisch unhaltbar".

11. Februar 1960
Die Vereinigten Staaten erklären sich zum Beitritt zu einem OstWest-Vertrag bereit, der alle kontrollierbaren und feststellbaren Atomversuche verbietet. Sie erklären sich ferner bereit, sich an einem Forschungsprogramm zu beteiligen, dessen Ziel eine systematische Ausweitung
des Verbots auf unterirdische Versuche ist, die möglicherweise noch
nicht feststellbar sind. Der sowjetische Delegierte Zarapkin v/eist den
amerikanischen Plan zurück, schlägt aber statt dessen einen Plan vor,
nach dem sich die Sowjetunion einer verhältnismäßig kleinen Anzahl von
Inspektionen dann öffnen wolle, wenn eine seismographisch erfaßte Erschütterung nach westlichen Maßstäben verdächtig erscheine. Gekoppelt
damit wäre eine Vereinbarung über ein Gesamtverbot.

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19. März 1960
Die Sowjetunion akzeptiert Eisenhowers Plan eines Verbots nicht
feststellbarer Kernwaffenexplosionen auf der Grundlage eines geraeinsamen Versprechens (ohne Kontrollinspektionen), vier bi3 fünf Jahre
lang keine Kernexplosionen auszulösen. Der Westen verspricht, das
russische Gegenangebot zu prüfen.

29. März 1960
Eisenhower und Macmillan akzeptieren in einer gemeinsamen Erklärung nach ihren Gesprächen in Camp David das sowjetische Gegenangebot
unter der Bedingung, daß die UdSSR im voraus strenge Bestimmungen
eines Inspektions- und Kontrollabkommens akzeptiert und sich an einem
gemeinsamen Forschungsprogramm mit dem Ziel einer Verbesserung der
Verfahren zur Feststellung vor unterirdischen Versuchen beteiligt.
Beide versprechen die einseitige, freiwillige Einstellung von unterirdischen Versuchen urterhalb eines seismischen Meßwertes von 4»75»
sobald das Abkommen unterzeichnet ist.

14. April 1960
Die Sowjetunion akzeptiert das Eisenhower-Macmillan-Angebot und
bezeichnet es als einen "ermutigenden Schritt". Beide Seiten vereinbaren
die Ausarbeitung eines gemeinsamen Forschungsprogramms zur Verbesserung der Verfahren zur Feststellung unterirdischer Versuche, und
Zarapkin erklärt, daß beide Seiten offenbar einer Vereinbarung über
das Verbot von Atomversuchen näherkämen.

5. Mai 1960
Die UdSSR akzeptiert westliche Vorschläge über gemeinsame unterirdische Detonationen als Teil eines gemeinsamen wissenschaftlichen
Programms von Ost und West, das die Feststellungsmethoden verbessern soll;
Zarapkin wiederholt jedoch die sowjetische Forderung eines vier- bis
fünfjährigen Moratoriums für andere Atomversuche, solange das Forschungsprogramm noch nicht abgeschlossen ist. Er wiederholt den Standpunkt der
UdSSR, daß nur eine niedrige, nach "politischen Erwägungen festgesetzte"
Jahresquote von Inspektionen an Ort und Stelle im Rahmen eines Abkommens
über das Verbot von Atomversuchen akzeptiert würde.

9. Mai 19SO
Die Sowjetdelegation lehnt den Plan der Vereinigten Staaten, nukleare
Detonationskörper (keine Waffen) im Rahmen des Projekts VELA zur Explosion
zu bringen, ab und behauptet, daß die amerikanischen unterirdischen
Versuche unangebracht seien, solange die amerikanischen und sowjetischen
Delegierten über eine Einigungsformel zur Abhaltung ähnlicher

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ähnlicher Versuche unter gemeinsamer Kontrolle verhandelten. Premierminister Macmillan ist überzeugt, daß er, Präsident Eisenhower und
der sowjetische Ministerpräsident Chruschtschow die noch bestehenden
Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich einer Übereinkunft zur Frage
der Atomversuche auf der bevorstehenden Gipfelkonferenz in P^ris
würden bereinigen können.

18. Mai 1960
Nach der gescheiterten Konferenz von Paris erklärte Chruschtschow
vor den Journalisten, daß die Verhandlungen über die Versuche weitergehen werden. "Falls aber Eisenhower droht, daß er die versuche fortsetzen werde, dann werden wir das gleiche tun.M

27. Mai 1960
Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen fordert die drei Atommächte auf, die Verhandlungen über eine Abrüstung und die Einstellung
von Kernwaffenversuchen wieder aufzunehmen.

2. Juni 1960
Die Sowjets weisen das amerikanische Angebot zurück, eine Gewähr
dafür zu schaffen, daß ihre 12 Versuche (im Rahmen des Projekts VELA)
nicht für Waffenzwecke benutzt werden; sie bestehen darauf, daß ihren
Beobachtern das volle Recht zuerkannt wird, die in Versuchsserien verwendeten Sprengsätze zu untersuchen.

27. Juni 1960
Eine amerikanische Einladung an sowjetische wissenschaftliche
Beobachter zur Teilnahme an einem unterirdischen nichtnuklearen Detonationstest, der dazu bestimmt ist, die friedliche Nutzung nuklearer
Detonationen zu erforschen, wird von der UdSSR zurückgewiesen. Am 27.
Mai wurden die Besprechungen nach zweiwöchiger Pause wieder aufgenommen,
vor der die Vereinigten Staaten einen Dreistufenplan für die Errichtung
eines nuklearen Kontroll- und Inspektionssystems vorgelegt hatten, das
innerhalb von sechs Jahren auf die ganze Welt ausgedehnt werden sollte.
Im Gegensatz zu ihrem früheren Standpunkt (11.-30. Hai) gab die UdSSR
bekannt, daß sie keine Versuche zum Zwecke der Erprobung von Feststellungsmethoden plane.

12. Juli 1960
Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß die Parteien des vorgesehenen Vertrages veraltete nukleare Detonationskörper einer Zentralstelle als Basis für ein koordiniertes Forschungsprogramm zur Verfügung
stellen, das der Verbesserung von Feststellungsmethoder für unterirdische
Nukleardetonationen niedriger Sprengkraft dient.

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25. Juli 1960
Die USA warten noch immer auf die russische Antwort auf ihr Angebot vom 12. Juli. John McCone, der Vorsitzende der amerikanischen Atomenergiekommission, erklärt, daß die Vereinigten Staaten möglicherweise
gezwungen seien, von sich aus unterirdische Versuchsatomexplosionen
wiederaufzunehmen.
26. Juli 1960
Die Sowjetunion erklärt sich bereit, im Rahmen des vorgeschlagenen
Versuchsverbots auf ihrem Gebiet drei Inspektionen zuzulassen, vorausgesetzt, daß jährlich drei Inspektionen in England und drei in den Vereinigten Staaten durchgeführt werden dürfen. Der Westen lehnt das Angebot als völlig unrealistisch ab. Zuvor hatten die USA vorgeschlagen,
jährlich etwa 20 Inspektionen größerer vexdächtiger seismographisch
erfaßter Erschütterungen im sowjetischen Bereich sowie eine Anzahl
von Inspektionen, wie sie für kleinere Explosionen mit einem geringeren
seismischen Meßwert als 4»75 erforderlich sind, durchzuführen.
2. August 1960
Die Sowjets lehnen den von den Vereinigten Staaten am 12. Juli
vorgelegten Plan ab und erklären sich nicht bereit, nukleare Detonationskörper einer Forschungszentrale zur Verfügung zu stellen; sie
begründen dies damit, daß sie nicht beabsichtigten, sich an einem
Forschungsprogramm, wie vorgeschlagen, zu beteiligen.
4. August 1960
Die USA und Rußland sind hinsichtlich der Formulierung der Klausel
über die Mitgliedschaft verschiedener Meinung; die USA erklären, der
sowjetische Vorschlag verlange, daß die Kontrollkommission entscheide,
ob der Antragsteller ein "Staat" sei oder nicht. Die USA sind gewillt,
einem Antragsteller die Mitgliedschaft zuzuerkennen, gleichgültig,
ob dieser ein "Staat" oder eine "Obrigkeit" ist, und ermöglichen damit
jedem de facto bestehenden Regime die Mitgliedschaft.
9. August 1960
Außenminister Herter erklärt auf einer Pressekonferenz, daß die
Vereinigten Staaten angesichts der sowjetischen Verhandlungsblockierung
in Genf das Recht hätten, unterirdische Kernversuche durchzuführen. Die
Konferenz sei so lange hingezogen worden, daß sie praktisch einem Moratorium zugunsten der UdSSR gleichkomme.

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17. August 1960
Präsident Eisenhower erklärt auf einer Pressekonferenz: "Nichts
wäre für mich eine größere Befriedigung als eine Einigung in bezug auf
die Einstellung von Kernwaffenversuchen." Er wies jedoch darauf hin,
daß sich die Sowjets nach mehr als 240 Besprechungen wichtigen Vorschlägen zur Regelung von Inspektionen an Ort und Stelle und zur Besetzung von Kontrollposten widersetzten.
22. August 1960
Die Verhandlungen werden für 5 Wochen (bis zum 27. September)
ausgesetzt. "Die Vereinigten Staaten bezeichnen als Haupthindernis
für den Abschluß eines Vertrages nach 22 Monaten Verhandlungen die
Tatsache, daß eine Einigung über ein angemessenes und wirksames
System von Kontrollen und Inspektionen nicht zustande kam. Der sowjetische Delegierte gibt "militaristischen Kreisen" die Schuld.

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Allg./30.9.1960
FRIEDEN UND GERECHTIGKEIT FÜR ALLE

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut der Rede des US-Präsidenten Dwight D.
Eisenhower vom 22. September i960 vor der 15» Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York.

Herr Präsident, Herr Generalsekretär, Mitglieder der Vollversammlung
und Gäste

Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten begrüßt mit mir jene
Länder, die auf der gegenwärtigen Sitzung der Vollversammlung zum
ersten Male vertreten sind. Mit der Aufnahme von neuen Mitgliedern,
in der Hauptsache aus dem riesigen afrikanischen Kontinent, stehen
jetzt fast einhundert Nationen vereint in dem gemeinsamen Bemühen,
in einer schwergeprüften Welt einen dauerhaften Frieden in Gerechtigkeit zu schaffen.
Das Streben nach Selbstbestimmung und die immer größer werdenden Hoffnungen und Sehnsüchte der Menschen schaffen eine neue Welt
unabhängiger Nationen in Afrika, so wie sie eine neue Welt des Umbruchs und der Gärung wie auch der Verheißungen für die Zukunft in
allen Entwicklungsgebieten hervorrufen. Die erwachende Menschheit in
diesen Gebieten fordert von uns wie niemals zuvor einen neuen Angriff
auf Armut, Unwissenheit und Krankheit.
Gleichlaufend mit diesen überraschenden Veränderungen vollzieht
sich auch auf dem Gebiet der Technik eine Revolution. - Sie hat
furchtbare Vernichtungswaffen gezeitigt, die zur Sicherung der Zukunft der Zivilisation auf dem Wege über ein wirklich durchführbares
Abrüstungssystem einer Kontrolle unterworfen werden müssen. Und sie
hat ebenfalls eine neue Welt im All eröffnet - eine himmlische Welt
mit geradezu verwirrenden Problemen und ungeahnten Verheißungen.
Dies ist in der Tat der rechte Augenblick für eine ehrliche
Überprüfung und eine historische Entscheidung. Wir können danach
streben, diese Probleme um engherziger nationaler Vorteile willen
zu meistern, oder wir können sofort in eine Epoche konstruktiver Maßnahmen eintreten, bei denen unsere selbstsüchtigen Interessen dem
allgemeinen Wohl der internationalen Völkergemeinschaft untergeordnet
werden. Die Entscheidung ist wahrhaft eine ungeheure.
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30. September 196O

Ich trete heute vor Sie hin, weil unsere menschliche Gemeinschaft
wieder einmal in einem Zustand der Angst und der Unruhe schwebt.
Dringende Probleme bedrängen uns.
Die erste These, die ich Ihnen vortrage, besagt, daß die Menschheit nur mit Hilfe der Organisation der Vereinten Nationen einen wirklichen und universalen Fortschritt auf dem Wege zum Frieden in Gerechtigkeit zu erzielen vermag. Ich glaube, daß die Unterstützung der Organisation der Vereinten Nationen, ' ihrer ordnungsgemäß gebildeten
Organe und berufenen Amtsträger der Weg ist, auf dem wir mit größter Wahrscheinlichkeit zu friedlichem Fortschritt gelangen. Wer versucht, die Vereinten Nationen zu behindern, zum Narren zu halten oder
aber ihre Bedeutung zu schmälern, trägt mit dazu bei, die Welt in Unruhe zu halten und nachgerade die Krisen heraufzubeschwören, die von
Zeit zu Zeit alle Menschen so sehr bedrücken. Die Vereinigten Staaten
setzen sich unmißverständlich, voll und ganz für die Vereinten Nationen
und ihre Vertreter ein, die in ihrem Auftrag für den Frieden wirken.
Nirgendwo ist die Aufgabe, die der Völkergemeinschaft, dem Frieden und geregelten Fortschritt gestellt ist, offenkundiger als in Afrika,
diesem an Menschen und Naturschätzen reichen Kontinent mit vielversprechender Zukunft. Die jüngsten Ereignisse haben ihn praktisch in einen
riesigen Kontinent nunmehr unabhängiger Nationen verwandelt.
Die Einmischung
strebenden Nationen,
nisierung in Angriff
derung der Autorität

von außen in die Angelegenheiten dieser neu aufdie alle darauf drängen, die Aufgaben der Moderr
zu nehmen, hat zu einer ernstlichen Herausforder Vereinten Nationen geführt.

Diese Autorität ist in den 15 Jahren, seit sich die Vereinten Nationen mit den Worten ihrer Charta verpflichteten, "durch friedliche
Mittel und in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit
und des Völkerrechts die Ordnung und Regelung internationaler Streitfälle oder solcher Situationen zu erzielen, die zu einem Friedensbruch
führen könnten", ständig gewachsen.
In diesen Jahren unterstützten die Vereinten Nationen Persien
erfolgreich bei seinen Bemühungen, den Abzug ausländischer Streitkräfte
zu erwirken; sie spielten eine bedeutsame Rolle bei der Erhaltung der
Unabhängigkeit Griechenlands; sie mobilisierten die Welt zur Abwehr der
Aggression gegen die Republik Korea; sie halfen, die Sues-Krise zu
bereinigen; sie traten der Bedrohung der Integrität des Libanon entgegen; und in jüngster Zeit haben sie eine noch wichtigere Aufgabe
übernommen.
Einem Ersuchen der Kongorepublik Folge leistend, leiteten die
Vereinten Nationen kürzlich unter ihrem hervorragenden Generalsekretär
eine großangelegte Hilfsaktion für diese neue Republik ein. Dieses
Unternehmen ist von einigen Nationen in flagranter Weise attackiert
worden, die im Interesse ihrer eigenen selbstsüchtigen Absichten die
Auseinandersetzungen im Kongo verlängern möchten. Die Kritik, die diese

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diese Nationen gegen den Generalsekretär richteten, der ehrenvoll und
wirksam den von den Vereinten Nationen erhaltenen Auftrag durchführte,
ist nichts anderes als ein direkter Angriff auf die Vereinten Nationen
selbst. Der Generalsekretär hat sich die Unterstützung jeder friedliebenden Nation verdient.
Die Bevölkerung des Kongo hat ein Anrecht darauf, ihr Land in Frieden und Freiheit aufzubauen. Die Einmischung fremder Nationen in ihre
inneren Angelegenheiten würde ihr dieses Recht verweigern und einen
Konfliktherd im Herzen Afrikas schaffen.
Das dadurch im Kongo aufgeworfene Problem könnte genausogut an
anderer Stelle in Afrika akut werden. Die Lösung dieses Problems wird
darüber entscheiden, ob die Vereinten Nationen imstande sind, nicht nur
die neuen afrikanischen Nationen, sondern auch andere Länder vor jedem
Druck von außen zu schützen.
Was das wirkungsvolle Funktionieren der Vereinten Nationen betrifft,
so steht hier gerade für die kleineren Nationen am meisten auf dem Spiel.
Wenn es gelingen sollte, das System der Vereinten Nationen in Afrika
zu stürzen, dann wird sich die Welt auf dem Weg zurück zu der traditionellen Machtpolitik befinden, bei der die kleinen Länder als Strohmänner
der aggressiven Großmächte benutzt werden. Jedes Land, daß sich durch
gleißende Versprechungen dazu verleiten läßt, zum Handlanger einer imperialistischen Macht zu werden, unterminiert damit die Vereinten Nationen und gefährdet seine eigene Unabhängigkeit wie auch die aller
übrigen Länder.
Es ist unbedingt erforderlich, daß die internationale Gemeinschaft
die jungen, aufstrebenden Länder in Afrika vor jedem Druck von außen
schützt, der ihre Unabhängigkeit und ihre souveränen Rechte gefährdet.
Zu diesem Zwecke schlage ich ein Programm vor, das fünf Hauptelemente
enthält:
1 . Eine feierliche Versicherung aller in dieser Versammlung vertretenen Länder, das Recht der afrikanischen Völker zu respektieren, ihre
eigene Lebensform zu wählen und selbst den Weg zu bestimmen, den sie
einschlagen möchten. Diese feierliche Versicherung würde bestimmte Bedingungen einschließen, nämlich
sich jeder Einmischung in die inneren Angelegenheiten dieser jungen
Nationen - sei es durch Subversion, Gewalt, Propaganda oder irgendwelche anderen Mittel - zu enthalten;
keinerlei Streitigkeiten zwischen den Staaten dieses Gebietes zu
schüren und sie nicht zu einem unnützen und gefährlichen Wettrüsten
zu ermutigen; und schließlich
sich jeder Maßnahme zu enthalten, die zur Zeit noch nicht bereinigten Verhältnisse im Kongo zu verschlimmern oder auszubeuten - sei es
durch Entsendung von Waffen oder Truppen in dieses unruhige Gebiet
oder durch Aufhetzung seiner Führer und Völker zu Gewalttaten gegeneinander.
Mein

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30. September i960

Mein Land und viele andere Länder enthalten sich derartiger Maßnahmen. Ich hoffe, daß diese Vollversammlung alle ihre Mitglieder auffordern wird, dies ebenfalls zu tun, und daß jeder Redner, der nach mir
dieses Podium betritt, für sein Land das feierliche Versprechen abgibt,
dieser Aufforderung voll und ganz nachzukommen.
2. Die Vereinten Nationen sollten darauf vorbereitet sein, den
afrikanischen Ländern bei der Aufrechterhaltung ihrer Sicherheit so zu
helfen, daß kein kostspieliger und gefährlicher Rüstungswettlauf entsteht.
Experten der Vereinten Nationen werden gegenwärtig aufgefordert, die
Sicherheitsstreitkräfte des Kongo auszubilden. Wenn der Generalsekretär
es für nützlich erachten sollte, vermehrte Aktivität zu entwickeln, um Ersuchen dieser Art anderswo nachzukommen, so würde sich mein Land gerne
anderen Mitgliedstaaten bei der Leistung wesentlicher Beiträge zu derartigen Maßnahmen der Vereinten Nationen anschließen.
Und was noch wichtiger ist: Ich hoffe, daß sich die afrikanischen
Staaten der bestehenden Organisation bedienen oder eine neue regionale
Maschinerie schaffen werden, um ein Wettrüsten in diesem Gebiet zu verhindern. Dadurch würden sie dazu beitragen, daß ihrem Kontinent die Verwüstungen erspart bleiben, zu denen die Auswüchse des Chauvinismus in der
Vergangenheit geführt haben. Wenn diese Länder durch gemeinsame Bemühungen
einen Rüstungswettlauf unterbinden können, dann können sie der gesamten
Welt eine willkommene Lehre in internationalen Beziehungen erteilen.
Die bemerkenswerte Schnelligkeit und der Erfolg der Vereinten Nationen
bei der Entsendung starker Truppenkontingente nach dem Kongo sollte diesen
Staaten die Gewißheit geben, daß sie sich darauf verlassen können, daß die
Vereinten Nationen wirksam reagieren, wenn die Sicherheit dieser Länder
bedroht ist. Dies sollte diese Länder von jedem Druck befreien, größere
Streitkräfte aufzustellen als zur Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit
erforderlich sind. Auf diese Weise könnten sie selbst dazu beitragen,
ihre Hilfsquellen und Möglichkeiten für konstruktivere Ziele einzusetzen.
3. Wir sollten alle Aktionen der Vereinten Nationen im Zusammenhang
mit den dringenden Erfordernissen in der Kongorepublik unterstützen, die
der Generalsekretär mit so großer Umsicht und Klugheit organisiert hat.
Ich hoffe, daß die hier vertretenen Staaten beträchtliche Hilfsmittel
für dieses internationale Programm zur Verfügung stellen und darin übereinstimmen, daß dieses Programm das bevorzugte Mittel sein sollte, den
dringenden Anforderungen im Kongo gerecht zu werden. Die Vereinigten
Staaten unterstützen die Schaffung eines Fonds der Vereinten Nationen
für den Kongo. Wir sind bereit, gemeinsam mit anderen Ländern einen wesentlichen Beitrag für die dringendsten und unmittelbaren Bedürfnisse
zu dem 100-Millionen-Dollar-Programm zu leisten, das der Generalsekretär
vorschlägt.
4. Die Vereinten Nationen sollten den neu entstehenden afrikanischen
Ländern bei der Aufstellung ihrer langfristigen Modernisierungsprogramme
helfen. Zu diesem Zweck sollte der Sonderfonds und das erweiterte Technische Hilfsprogramm der Vereinten Nationen vergrößert werden, so daß sie

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30. September i960

sie zusammengenommen im Jahre 1961 ein Jahresziel von 100 Millionen
Dollar erreichen. Die Funktionen des Sonderfonds sollten erweitert
werden, so daß er die einzelnen Länder hei ihrer wirtschaftlichen
Entwicklungsplanung unterstützen kann.
Das Programm der Vereinten Nationen für mittlere und leitende
Beamte, durch das den jungen Entwicklungsländern ausreichend geschultes Verwaltungspersonal verfügbar gemacht werden soll, sollte erweitert und auf einer ständigen Basis durchgeführt werden. Die Vereinigten Staaten sind bereit, zusammen mit den übrigen Ländern erhöhte Mittel für dieses Programm, für den Sonderfonds und für das Technische
Hilfsprogramm der Vereinten Nationen zur Verfügung zu stellen.
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds sollten ermutigt
werden, den Entwicklungsländern in Afrika durch Vertretungen und ortsansässige Berater in vermehrtem Maße ihren Rat zuteil werden zu lassen.
Wir sollten ferner mit einer angemessenen und rechtzeitigen finanziellen
Unterstützung seitens dieser beiden multilateralen Finanzierungsquellen rechnen dürfen, sobald sich die aufstrebenden Länder für, solche
Hilfe qualifiziert haben.
Selbstverständlich sind zahlreiche Formen der Hilfe notwendig:
sowohl staatliche als auch private Unterstützung auf einer bilateralen
und multilateralen Basis. Damit diese Hilfe auch so wirksam wie nur
irgend möglich ist, muß sie den grundlegenden Problemen und den sich
ändernden Bedürfnissen der afrikanischen Länder selbst entsprechend
gehalten sein.
5. Als letztes Element dieses Programms schlage ich eine umfassende
Anstrengung der Vereinten Nationen vor, die den afrikanischen Staaten
dabei helfen soll, solche Maßnahmen auf dem Gebiet des Erziehungswesens
zu ergreifen, die sie für richtig halten.
Es genügt nicht, daß die Lautsprecher auf öffentlichen Plätzen
die Leute zur Freiheit aufrufen. Es ist ebenso wichtig, daß diese Leute
mit dem geistigen Rüstzeug ausgestattet werden, ihre Freiheit zu bewahren
und zu stärken.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, zu einem von den Organisationen
der Vereinten Nationen aufgestellten erweiterten Erziehungsprogramm beizutragen, das nach dem Dafürhalten des Generalsekretärs und gemäß den
Anforderungen der afrikanischen Länder selbst durchgeführt wird.
Eines der ersten Ziele dieser Unterstützung - nach Beratung und mit
Genehmigung der betroffenen Regierungen - könnte escsein, Institute für
die Gesundheitserziehung, die Berufsfortbildung, die öffentliche Verwaltung und Statistik, vielleicht auch für andere Zwecke zu schaffen, sie
mit dem nötigen Personal auszustatten und so lange weiterzuführen, bis J
diese Regierungen oder private Stellen diese Aufgaben übernehmen können.
Jedes

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30. September i960

Jedes Institut würde an einem geeigneten Ort errichtet werden und
speziell darauf abgestellt sein, die jungen Männer und Frauen dieses
riesigen Gebietes auszubilden, die jetzt aufgerufen werden, die unglaublich komplexen und wichtigen Verantwortungen auf sich zu nehmen,
welche eine plötzliche Staatwerdung mit sich bringt.
Sollten die afrikanischen Staaten wünschen, im Rahmen dieses
Programmes eine größere Zahl ihrer Bürger ins Ausland zu entsenden,
so würde mein Land gerne eine Sonderkommission schaffen, die mit den
Vereinten Nationen zusammenarbeiten würde, um Vorkehrungen für die
Aufnahme noch vieler solcher Studenten an unseren Bildungsstätten zu
treffen.
Dies sind also die fünf Punkte des Programmes, das ich für Afrika
vorschlage:
Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der afrikanischen
Länder;
Unterstützung bei der Gewährleistung ihrer Sicherheit ohne kostspieligen und gefährlichen Rüstungswettlauf;
Nothilfe für den Kongo;
Internationale Unterstützung bei der Aufstellung langfristiger
afrikanischer Entwicklungsprogramme;
UN-Hilfe für die Erziehung.
Ein solches Programm könnte wesentlich dazu beitragen, den afrikanischen Staaten die klaren Chancen auf die Freiheit, die Ruhe im Innern
und den Fortschritt zu sichern, die sie verdienen.
Die Veränderungen, die sich gegenwärtig in Afrika vollziehen, sind
auch in anderen Gebieten erkennbar. In der Tat ist Afrika nur ein Teil
einer neuen Welt der Veränderungen und des Fortschritts, die sich gegenwärtig in allen aufstrebenden Gebieten vollziehen. Wir müssen unsere
Hilfsprogramme zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung anderer
Gebiete in Freiheit,besonders in Lateinamerika, Asien und dem Mittleren
Osten, fortführen und intensivieren. Darüber hinaus dürfen wir nicht
vergessen, daß hunderte Millionen von Menschen vor allem in den weniger
entwickelten Gebieten der Welt an Hunger und Unterernährung leiden, auch
wenn eine Anzahl von Ländern, darunter mein eigenes, Nahrungsmittel im
Überschuß produzieren. Dieses Paradoxon darf nicht andauern.
Die Vereinigten Staaten führen bereits bedeutende Programme durch,
um ihre Überschüsse solchen Ländern zur Verfügung zu stellen, in denen
die Not am größten ist. Mein Land ist ferner bereit, zusammen mit anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen ein durchführbares Schema zu
entwerfen, um den Mitgliedstaaten über die Organe der Vereinten Nationen
Nahrungsmittel zur Verfügung zu stellen, wobei wir auf den Rat und die
Unterstützung der Ernährungs- und Landwirtschafts-Organisation zählen.
Ich

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50. September 1 960

Ich hoffe, daß diese Vollversammlung ernsthaft ein Sonderprogramm
erwägen wird, um das verheißungsvolle "Nahrungsmittel-für-den-Frieden"Programm weiterzuführen.
Wir müssen bestrebt sein, in den Entwicklungsländern friedliche
Veränderungen zu fördern und ihnen bei ihrem wirtschaftlichen und
sozialen Fortschritt zu helfen. Zu diesem Zweck - nämlich den friedlichen Wandel zu unterstützen - muß die Völkergemeinschaft befähigt
sein, im Bedarfsfall ihre Anwesenheit durch Beobachter oder Streitkräfte der Vereinten Nationen zu manifestieren.
Ich würde es begrüßen, wenn die Mitgliedstaaten die im Bericht
des Generalsekretärs enthaltenen Anregungen zum Anlaß für konkrete
Beschlüsse nehmen und dafür sorgen würden, daß innerhalb des Sekretariats ein geeigneter Stab gebildet wird, der ihm hilft, künftigen
Anforderungen von UN-Streitkräften Rechnung zu tragen.
Um die Polizeitruppe der Vereinten Nationen auf eine reguläre
Basis zu stellen, schlug ich im Jahre 1958 vor, Vorkehrungen für die
ständige Bereitstellung von UN-Truppen zu treffen. Seither sind zwar
einige Fortschritte gemacht worden, aber es bleibt noch viel zu tun
übrig.
Jetzt hat der Generalsekretär vorgeschlagen, die Mitgliedstaaten
sollten sich bereit halten, um eventuellen künftigen Ersuchen der Vereinten Nationen um Gestellung solcher Truppen Folge leisten zu können.
Alle hier vertretenen Länder sollten dieser Notwendigkeit entsprechen
und Landeskontingente auswählen, die im Notfall den UN-Truppen zugeführt
werden könnten.
Der Zeitpunkt dafür ist jetzt gekommen - auf dieser Vollversammlung.
Ich kann den Ländern, die gegenwärtig von den Vereinigten Staaten
unterstützt werden, versichern, daß es uns recht ist, wenn diese Unterstützung dazu benutzt wird und ihnen hilft, solche Kontingente gemäß der
Anregung des Generalsekretärs einsatzbereit zu halten. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, zur Unterstützung der Bemühungen des Generalsekretärs Luft- und Seetransportmittel in bedeutendem Umfang laufend bereitzustellen, damit die in künftigen Bedarfsfällen von den Vereinten Nationen
angeforderten Kontingente leichter befördert werden können.
Auf lange Sicht ist es sicherlich möglich, weitere Fortschritte in
dieser Richtung zu erzielen, um die Fähigkeit der Vereinten Nationen
zu steigern, sich künftigen Anforderungen gewachsen zu zeigen. Die Aussichten auf solche Fortschritte werden jedoch nur bloße Aussichten bleiben, wenn wir jetzt nicht etwas unternehmen, um die gegebenen Möglichkeiten für praktische Maßnahmen auszunutzen, auf die der Generalsekretär
hingewiesen hat.
Ein weiteres Problem, dem wir uns gegenübersehen, betrifft den Weltenraum. Das Auftauchen dieser neuen Welt wirft eine entscheidende Frage

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Frage auf: Bleibt der Weltenraum für friedliche Zwecke erhalten, und
wird er zum Wohle der gesamten Menschheit genutzt? Oder wird er zu
einem weiteren Brennpunkt des Rüstungswettlaufs - und damit zu einem
Gebiet gefährlicher und fruchtloser Konkurrenz? Die Entscheidung ist
dringend. Es ist an uns, sie jetzt zu fällen.
Die Nationen der Welt haben sich vor kurzem darauf geeinigt, auf
dem antarktischen Kontinent alle militärischen Vorbereitungen zu
verbieten. Wir könnten diesen Grundsatz auf einen sogar noch wichtigeren Raum anwenden. Bisher sind weder im Weltenraum noch auf Himmelskörpern nationalgebundene Interessen angemeldet worden. Die Hindernisse,
die einem Abkommen hier entgegenstehen, sind jetzt geringer, als sie
es jemals wieder sein werden.
Diese Gelegenheit kann schnell -vorüber sein. Schon in wenigen Jahren kann der Punkt, von dem es kein Zurück mehr gibt, überschritten
sein.
Führen wir uns vor Augen, daß wir im Jahre 1946 eine Gelegenheit
hatten, sicherzustellen, daß die Atomenergie ausschließlich für friedliche Zwecke verwendet werde. Diese Gelegenheit wurde versäumt, als die
Sowjetunion den umfassenden Plan, die Atomenergie unter internationale
Kontrolle zu stellen, zurückwies, den die Vereinigten Staaten unterbreitet hatten.
Wir dürfen die Chance nicht verpassen, die wir noch haben, die
Zukunft des Weltenraumes zu kontrollieren.
Ich schlage vor, daß wir
erstens beschließen, daß Himmelskörper nicht Gegenstand einer
nationalen Besitzergreifung oder nationaler Souveränitätsansprüche
werden dürfen;
zweitens vereinbaren, daß sich die Völker der Welt nicht in kriegerische Tätigkeiten auf diesen Körpern einlassen;
drittens übereinkommen, daß - unter der Voraussetzung einer entsprechenden Verifizierung - kein Land Massenvernichtungswaffen in eine
Kreisbahn um die Erde oder auf eine Weltraumstation bringen darf. Alle
Starts von Raumflugkörpern sollten im voraus den Vereinten Nationen
mitgeteilt werden;
viertens nachdrücklich auf ein Programm der internationalen Zusammenarbeit für eine konstruktive, friedliche Nutzung des Weltenraumes
im Rahmen der Vereinten Nationen hinarbeiten. Eine bessere Wettervorhersage, verbesserte weltweite Nachrichtenverbindungen sowie eine wirksamere
Erforschung nicht nur des Weltenraumes, sondern auch unserer eigenen
Erde wären nur einige der Vorteile einer solchen Zusammenarbeit.
Eine Übereinkunft über diese Vorschläge würde künftige Generationen
bei der Erforschung des Universums friedlichen, wissenschaftlichen Fortschritt vorfinden lassen und nicht eine weitere Schrecken einflößende
Dimension des Wettrüstens.
,,
Aber
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Aber die Rüstungen müssen auch hier auf Erden kontrolliert werden, wenn die Zivilisation weiterbestehen soll. Diese Bemühungen müssen sich sowohl auf die konventionellen als auch auf die nichtkonventionellen Rüstungen erstrecken.
Mein Land hat zu diesem Zweck während des vergangenen Jahres spezifische Vorschläge unterbreitet. Am 27. Juni wurden neue amerikanische
Vorschläge gemacht in der Hoffnung, daß sie als Grundlage für Verhandlungen zur Erreichung einer allgemeinen Abrüstung dienen könnten.
Die Vereinigten Staaten stehen immer noch zu diesen Vorschlägen.
Der Ausmarsch der kommunistischen Länder in Genf - als sie erfuhren,
daß wirim Begriffe standen, diese Vorschläge zu unterbreiten - brachte
die Verhandlungen zu einem jähen Ende. Diese ihre unmotivierte Maßnahme
vermindert jedoch nicht die dringende Notwendigkeit für eine Rüstungskontrolle .
Mein Land ist der Ansicht, daß die Verhandlungen bald wieder aufgenommen werden können und sollten.
Unser Ziel besteht darin, ein Abkommen über all die verschiedenen
Maßnahmen zu erreichen, die eine allgemeine und umfassende Abrüstung
herbeiführen werden. Jeder aufrichtig denkende Mensch muß jedoch anerkennen, daß dies eine riesige Aufgabe ist. Sie wird viel Zeit erfordern.
Es sollte nicht notwendig sein, zu warten, bis wir über all die
detaillierten Maßnahmen zur Erreichung dieses Zieles Übereinstimmung
erzielt haben, bevor wir mit den Abrüstungsmaßnahmen beginnen. Spezifische und vielversprechende Schritte in dieser Richtung wurden in unseren Vorschlägen vom 27. Juni aufgezeigt.
Wenn die Verhandlungen wieder aufgenommen werden können, dann dürfte
es vielleicht möglich sein, sich im besonderen mit zwei drängenden Gefahren zu befassen - der Gefahr eines Krieges auf Grund einer Fehlkalkulation und der Gefahr, die in den sich ständig vergrößernden Atomwaffenlagern liegt.
Die Entwicklung der Raketen, durch die die Zeit für eine Reaktion
immer kürzer wird, macht Maßnahmen zur Verringerung der Gefahr eines
Krieges auf Grund einer Fehlkalkulation immer notwendiger. Die einzelnen Staaten müssen in der Lage sein, sich rasch gegenseitig die Zusicherung zu geben, daß sie keinerlei aggressive Schritte vorbereiten insbesondere bei internationalen Krisen, wenn jede Seite Schritte zur
Verbesserung ihrer eigenen Verteidigung unternimmt, die von der anderen
Seite leicht falsch ausgelegt werden könnten. Eine solche falsche Beurteilung könnte, solange es noch keine Einrichtung gibt, um zu verifizieren, daß keiner einen Angriff auf den anderen vorbereitet, leicht zu
einem Krieg führen, den keiner wollte.
Heute könnte in Krisenzeiten die Gefahr eines Krieges auf Grund
von Fehlkalkulationen durch die Intervention eines geeigneten Überwachungsgremiums der Vereinten Nationen vermindert werden, wenn diese

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diese Intervention von irgendeinem Land gefordert wird, das seine
eigenen friedlichen Absichten zu beweisen sucht. Die Frage der Methoden können wir den Experten überlassen.
Das Entscheidende ist also nicht eine Frage der technischen
Durchführbarkeit, sondern der politischen Bereitschaft der einzelnen
Länder, sich einer Inspektion zu unterwerfen. Die Vereinigten Staaten
stehen in dieser Hinsicht an erster Stelle.
Ich erkläre heute .'feierlich im Namen der Vereinigten Staaten, daß
wir bereit sind, uns jeder internationalen Inspektion zu unterziehen,
unter der einzigen Voraussetzung, daß diese Inspektion wirksam ist und
tatsächlich auf der Basis der Gegenseitigkeit erfolgt. Diese Maßnahme
treffen wir bereitwillig, als Ausdruck unserer Entschlossenheit, die
Präambel der UN-Charta zu verwirklichen - "kommende Geschlechter vor
der Geißel des Krieges, die zweimal in unserer Generation unsagbares
Leid über die Menschheit gebracht hat, zu bewahren..."
Die Vereinigten Staaten möchten, daß die Sowjetunion und alle Länder der Welt genug über die amerikanischen Verteidigungsvorbereitungen
wissen, um versichert sein zu können, daß die Streitkräfte der USA lediglich für die Abschreckung und Verteidigung da sind und nicht für einen
Überraschungsangriff. Ich hoffe, daß auch die Sowjetunion in ähnlicher
Weise den Vereinigten Staaten und anderen Ländern die Gewißheit zu geben
wünscht, daß ihre Sicherheitsvorbereitungen keinen aggressiven Charakter
haben.
Es gibt einen noch grundlegenderen Punkt: In einem Zeitalter der
sich rapide entwickelnden Technik ist Geheimhaltung nicht nur ein Anachronismus, sie ist auch ausgesprochen gefährlich. Eine Gesellschaft
aufrechterhalten zu wollen, in der ein militärischer Schritt in völliger Geheimhaltung erfolgen kann, während man sich gleichzeitig zu dem
Wunsch bekennt, die Kriegsgefahr durch eine Rüstungskontrolle zu reduzieren, ist ein Widerspruch.
Eine zweite Gefahr, mit der wir uns gleich zu Beginn der Verhandlungen befassen müssen, liegt in dem Anwachsen und der möglichen Ausbreitung der Atomwaffenlager.
Damit diese Entwicklung umgekehrt wird, schlage ich vor, daß die
Länder mit einer Atomwaffenproduktion umgehend Experten zusammenkommen
lassen, um - im Rahmen von Verifizierungsmaßnahmen - ein System zur
Einstellung der gesamten Produktion an spaltbarem Material für Waffenzwecke auszuarbeiten.
Diese Produktionseinstellung würde in Kraft treten, sobald das
vereinbarte Inspektionssystem errichtet ist und wirksam arbeitet, während
gleichzeitig Fortschritte auf anderen Abrüstungsgebieten angestrebt
werden.
Die

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Die Vereinigten Staaten sind bereit, im Falle einer Produktionseinstellung zusammen mit der Sowjetunion bedeutende Mengen spaltbaren
Materials in internationale Sammellager zu überführen. Die Abrüstungskommission der Vereinten Nationen hat bereits den Vorschlag von Botschafter Lodge gehört, nicht - wie von den Vereinigten Staaten 1954
vorgeschlagen - pfundweise, sondern tonnenweise spaltbares Material für
friedliche Zwecke abzustellen. Die Überstellung weiteren spaltbaren
Materials könnte erfolgen, sobald Fortschritte auf anderen Abrüstungsgebieten erreicht sind.
Wenn die Sowjetunion einer Einstellung der Produktion spaltbaren
Materials für Waffenzwecke zustimmt, dann könnten einige Produktionsstätten unverzüglich geschlossen werden. Die Vereinigten Staaten würden
bereit sein, genau die gleiche Zahl großer Fabriken zur Produktion spaltbaren Materials zu schließen wie die Sowjetunion, Fabrik um Fabrik, unter
einer internationalen Inspektion und Verifizierung.
Die Vorgeschlagene Arbeitsgruppe von Experten könnte ferner prüfen,
auf welche Weise die völlige Beseitigung der Atomwaffen verifiziert
werden kann, die Teil der dritten Phase unseres vorgeschlagenen Abrüstungsprogramms ist. Bis jetzt sind noch keine Mittel bekannt, durch
die dies wirklich erreicht werden kann; wir hoffen, daß die Experten ein
System entwickeln können.
Vertreter der Vereinigten Staaten sind bereit, umgehend mit Vertretern der übrigen Länder zu einem ersten Gedankenaustausch über diese
Vorschläge zusammenzutreffen. Wer die zahlreichen fruchtlosen Abrüstungsgespräche seit dem Kriege genau verfolgt hat, könnte vielleicht zynisch
werden und behaupten, daß die Aufgabe hoffnungslos ist. Dies ist nicht
der Standpunkt der Vereinigten Staaten.
Überall auf der Welt wollen die Menschen die Abrüstung. Sie wünschen,
daß ihr Besitz und ihre Arbeit nicht für den Krieg, sondern für Lebensmittel, Kleidung, Wohnung, für die Gesundheit und für Schulen verwendet
werden.
Immer und immer wieder hat das amerikanische Volk diese seine Sehnsucht zum Ausdruck gebracht: sich mit Menschen guten Willens überall auf
der Welt zusammenzuschließen, um eine bessere Welt aufzubauen. Wir waren
immer jederzeit bereit, jeden nur möglichen Vorschlag auf dieses Ziel
hin zu prüfen. Wir fordern nur eins - daß ein solches Programm nicht
irgendeinem Land militärische Vorteile bringt und daß es die Inspektion
der Rüstungen anderer Länder gestattet. Ein Abrüstungsprogramm, das nicht
einer Inspektion unterliegt und das nicht garantiert wird, würde die Kriegs
gefahr nicht reduzieren, sondern sie noch vergrößern. Die internationale
Kontrolle der Atomenergie sowie eine allgemeine und völlige Abrüstung
können genauso wenig durch Reden erreicht werden wie die wirtschaftliche
Entwicklung der neuen unabhängigen Länder. Diese beiden gewaltigen Aufgaben, vor denen die Menschheit steht, erfordern ernsthafte, sorgfältige,
kostspielige, mühevolle und unpropagandistische Maßnahmen.
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Ich habe es ausdrücklich vermieden, in .dieser Ansprache mehrere brennende Probleme zu erwähnen, die die Vereinigten Staaten und andere Länder
beunruhigen. Wenn ich dies nicht getan habe, so bedeutet dies keinesfalls,
daß diese für die Vereinigten Staaten und die gesamte internationale
Völkergemeinschaft nicht eine große Sorge darstellen.
Zum Beispiel beunruhigen uns die sich häufenden Anzeichen drohender
Eingriffe in die Freiheit der Bevölkerung West-Berlins weiterhin zutiefst.
Besondere Sorge bereitet den USA ebenfalls der Abschuß eines amerikanischen Flugzeuges am 1. Juli dieses Jahres über internationalen Gewässern
sowie der augenscheinliche Tod von vier seiner Besatzungsmitglieder und
die Gefangensetzung der beiden anderen Besatzungsmitglieder auf Grund abgekarteter Spionageanschuldigungen. Dies ist auch ein empörender Affront
gegen das Recht aller Länder auf friedliche Benutzung der offenen See.
Durch ihr Veto im Sicherheitsrat hat die Sowjetunion eine umfassende Untersuchung der Tatsachen bei diesem Vorfall verhindert. Diese Tatsachen
fordern eine Anhörung - als eine Angelegenheit, die von einem unparteiischen Gericht geprüft werden sollte.
Die von mir soeben erwähnten besonderen Probleme sind nicht lediglich isoliert dastehende Fälle von Meinungsverschiedenheiten zwischen
einigen wenigen Nationen. Sie sind Kernstück der Frage des Friedens selbst
und zeigen das Zusammenhängende und Ineinanderverwobene der Natur unserer
jeweiligen nationalen Belange. Ihnen muß mit dem Ernst und der Sorgfalt
begegnet werden, die ihre Bereinigung erfordert.
Die grundlegende Tatsache aller Veränderungen im Bereich der internationalen Angelegenheiten ist heute die Notwendigkeit, die Bande und
das Gebäude einer echten Weltgemeinschaft zu schaffen und zu festigen.
Die Vereinten Nationen stehen der Menschheit bei dem Vorhaben zur Verfügung, genau diese Gemeinschaft zu schaffen. Sie haben zustande gebracht,
was keine Nation allein und auch keine begrenzte Gruppe von Nationen
hätte zustande bringen können. Die Weltorganisation ist zum Forum aller
Völker geworden und zu einem tragenden Gerüst, um das sich ihre gemeinsamen
Bemühungen um die Schaffung einer besseren Zukunft für unsere Welt kristallisieren können.
Wir müssen überaus wachsam sein gegenüber denjenigen, die je nach
Stimmung in den Vereinten Nationen entweder ein Werkzeug zu ihrem Nutzen
oder zum Mißbrauch sehen. Die Vereinten Nationen sind nicht als eine Art
Olympische Fanfare zur Verstärkung der Propagandatöne einzelner Nationen
gedacht.
Die treibende Kraft hinter einer erfolgreichen UN muß der hehre Gedanke
sein, daß eine echte internationale Gemeinschaft einen Frieden in Gerechtigkeit schaffen kann, wenn die Völker nur geduldig in einer Atmosphäre offenen
Vertrauens zusammenarbeiten.
Wenn ich einen Fortschritt in Richtung auf eine Weltgemeinschaft forder
so möchte ich auf die amerikanische Konzeption von der Schicksalhaftigkeit
einer progressiven Gesellschaft verweisen. Hier, wo einst eine Wildnis war,
haben wir eine Gesellschaft und eine Zivilisation aufgebaut, die sich von
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von zahlreichen Ursprüngen herleitet* Und aus dieser Mischung zahlreicher Völkerschaften und Glaubensrichtungen haben wir eine Einheit
in Freiheit geschaffen - eine Einheit mit dem Ziel, die Rechte jedes
einzelnen zu schützen, während die Freiheit und der Wohlstand aller
vergrößert wird.
Diese Konzeption der Einheit in Freiheit, die auf eine Vielzahl
rassischer und kultureller Ursprünge zurückgeht, möchten wir gerne zu
einer Realität für die gesamte Menschheit werden lassen. Diese Konzeption sollte in jedem Volke wie auch unter den Völkern Geltung haben.
Wir glauben, daß das Recht jedes einzelnen, durch seine Stimme an der
Selbstregierung teilzunehmen, genauso wertvoll ist wie das Recht jedes
einzelnen hier vertretenen Landes, in dieser Vollversammlung für seine
eigenen Überzeugungen zu stimmen. Ich würde gerne eine weltweite
Volksabstimmung erleben, die jedem einzelnen auf der Welt die Gelegenheit geben würde, frei und geheim auf folgende Frage zu antworten:
"Wollen Sie dieses Recht für sich?"
Wir lehnen den Gedanken zweier feindlicher, in einem ewigen erbitterten Konflikt stehenden Welten ab; uns schwebt eine einzige Weltgemeinschaft vor, die zwar bisher noch nicht verwirklicht ist, aber auf Grund
unserer Pläne, unserer Bemühungen und unserer gemeinsamen Schritte ihrer
Verwirklichung stetig entgegengeht.
Das betrachten wir als unser Ziel, nicht einen Superstaat, der über
den Nationen steht, sondern eine Weltgemeinschaft, die sie alle umfaßt,
in der Gesetz und Recht fest verwurzelt sind und die die Möglichkeiten und
gemeinsamen Ziele aller Völker fördert.
Lassen Sie uns nun, da wir in das neue Jahrzehnt eintreten, darangehen, diese internationale Gemeinschaft erneut zu stärken und neue Bande
der Freundschaft zwischen ihren Mitgliedern zu knüpfen, indem wir neue
Wagnisse zum Wohle der gesamten Menschheit unternehmen.
Und wenn wir an diese Aufgabe herangehen, wollen wir uns nicht der
Täuschung hingeben, daß das Nichtvorhandensein eines Krieges allein schon
eine ausreichende Grundlage für eine friedliche Welt darstellt . Ich wiederhole noch einmal: Wir müssen ebenfalls eine Welt der Gerechtigkeit
unter dem Gesetz aufbauen, und wir müssen Armut, Unwissenheit und Krankheit besiegen.
Wir aus den Vereinigten Staaten werden uns gemeinsam mit Ihnen noch
mehr dafür einsetzen, die Grundlage eines wahren Friedens zu schaffen eines Friedens, in dem alle Völker ständig Fortschritte zu höheren Stufen
menschlicher Leistung erzielen. Die Mittel dafür haben wir an der Hand.
Wir müssen sie nur mit der Klugheit und der Energie einsetzen, die dieser
unserer Sache wert sind.
Ich lege Ihnen diese große Aufgabe ans Herz, ich stelle sie Ihrem
Geist und lege sie in Ihre bereiten Hände. Lassen Sie uns gemeinsam voranschreiten und niemand zurücklassen.
* * * * *

-

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./25.11.60
DIREKTIVE PRÄSIDENT EISENHOWERS ZUR VERBESSERUNG DER
AMERIKANISCHEN ZAHLUNGSBILANZ

WASHINGTON - (AD) - Präsident Eisenhower hat am
Mittwoch, dem 18. November 1960,eine Direktive
erlassen, in der Maßnahmen zur Verbesserung der
Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten angeordnet
werden. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Dollarausgaben der Regierung im Ausland zu reduzieren und
den Goldabfluß nach anderen Ländern einzudämmen.
Die vom Präsidenten erlassene Direktive hat folgenden
Wortlaut:

Direktive des Präsidenten bezüglich der Schritte, die im Hinblick auf
die amerikanische Zahlungsbilanz ergriffen werden sollen

Die Vereinigten Staaten haben nach dem zweiten Weltkrieg durch den
Marshall-Plan und andere Programme eine bisher nie dagewesene Reihe von
Maßnahmen eingeleitet und aufrechterhalten, die darauf abzielten, den vom
Kriege verwüsteten Staaten in Europa und Asien beim Wiederaufbau zu helfei
Während der Jahre des Wiederaufbaus haben die Vereinigten Staaten
diesen Nationen auf verschiedene Weise Dollarbeträge zur Verfügung gestellt, um sie in die Lage zu versetzen, im Zuge ihres Wiederaufbaus
Dienstleistungen und Güter zu kaufen, die in der ersten Zeit nach dem
Kriege nur die Vereinigten Staaten liefern konnten/
Wir waren uns völlig darüber im klaren, daß diese Länder eine
Steigerung ihrer Exporte brauchten, um nicht mehr von den Vereinigten
Staaten abhängig zu sein, und daß dies einen 'Wettbewerb mit den amerikanischen Exporten auf den Weltmärkten mit sich bringen würde.
Die Auswirkungen dieser Politik auf unsere Zahlungsbilanz begannen
sich etwa seit 1950 bemerkbar zu machenj sie führten in jedem Jahr außer 1957 wegen der Suezkrise - zu leichten Defiziten in der Zahlungsbilanz. Vor nunmehr zwei Jahren wurden jedoch die Auswirkungen des Wiederaufbaus und der Wiedergesundung der europäischen Volkswirtschaften
- und auch der Wirtschaft Japans - mit aller Wucht und in nahezu dramatischer Plötzlichkeit deutlich. Diese ehemals durch den Krieg zerstörten
Länder sind jetzt auf den Märkten der freien Welt mit den Vereinigten
Staaten voll im Wettbewerb getreten.
_.
&amp;
Die
1

-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. November

1960

Die Vereinigten Staaten haben auch die militärische Sicherheit
der befreundeten Länder gestärkt, um auf diese Weise zur gemeinsamen
Sicherheit beizutragen und vor Aggressionsdrohungen von außen abzuschrekken. Die Programme, durch die dies« Ziele verwirklicht werden, haben»
weitgehend als Ergebnis der Stationierung unserer Truppen in fremden
Ländern,gl eichfalls zu einem Abfluß des Dollars ins Ausland geführt.
Zur gleichen Zeit haben die Vereinigten Staaten in dem Bemühen
um die Schaffung der für einen dauerhaften Frieden in der gesamten
Welt notwendigen wirtschaftlichen Vorbedingungen bedeutende Anstrengungen
unternommen, um den wirtschaftlichen Fortschritt der Entwicklungsländer
zu fördern. Insofern als diese Programme nicht zu einer Exportsteigerung
amerikanischer Güter und Dienstleistungen führen, haben auch sie einen
Dollarabfluß nach den mit uns konkurrierenden Staaten in Europa und nach
Japan verursacht.
Das Problem der Zahlungsbilanz
Infolge dieser soeben erwähnten und anderer Faktoren sahen sich die
Vereinigten Staaten einem anhaltenden Defizit in ihrer Zahlungsbilanz
gegenüber. In den letzten drei Jahren wurden insgesamt rund 10 Milliarden
Dollar mehr verausgabt als eingenommen. Die entsprechenden Defizite brachten beachtliche Goldabflüsse und das Anwachsen unserer Dollarpassiva. Ein
bedeutender Teil unseres Defizits wurde in Gold beglichen, was zu einer
Abnahme der Goldvorräte des Schatzamtes um rund 4»5 Milliarden Dollar
seit Ende 1957 geführt hat.
Was ist hinsichtlich dieses Problems getan worden?
Die Regierung hat dieses Problem frühzeitig erkannt, genauso wie die
Finanzinstitute der freien Welt. Die Regierung hat ihm große Aufmerksamkeit geschenkt und Maßnahmen ausgearbeitet und in Kraft gesetzt, die zur
Verbesserung der Zahlungsbilanz sowie zur Erhaltung des Vertrauens in den
Dollar beitragen sollen.
Hier in den USA haben wir uns ständig um eine vorsichtige Führung
unserer eigenen Finanz- und Währungspolitik bemüht in der Erkenntnis,
daß eine solche Politik unbedingt notwendig ist, wenn die Wirtschaft
nicht nur der USA, sondern auch der freien Welt gesund bleiben soll. Wir
haben die Inflation im wesentlichen zum Stillstand gebracht und Überschüsse in unserem Bundeshaushalt erzielt.
Ohne ein derartiges vorsichtiges Vorgehen auf fiskalischem Gebiet
könnten wir nicht hoffen, die Stabilität der Preise zu gewährleisten;
und ohne eine vernünftige Preisstabilität und die Ausschaltung der gefährlichen Auswirkungen inflatorischer Tendenzen könnten wir eine Kürzung unserer Ausfuhren nicht umgehen und auch .nicht hoffen, daß wir uns weiterhin
des Vertrauens erfreuen, dessen wir im Hinblick auf unsere Rolle als Banki
der Welt bedürfen.
Auf

�ALIERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. November i960

Auf internationaler Ebene haben wir eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um unsere Zahlungsbilanz gegenüber der übrigen Welt auszugleichen.
Um weitere Fortschritte zu erzielen und neue Methoden zur Verbesserung
der Zahlungsbilanz zu entwickeln, habe ich im vergangenen Jahr einen
Kabinetisbeschluß gebilligt, in dem der Finanzminister als Vorsitzender
des Nationalen Beirats für Internationale V/ährungs- und Finanzfragen
angewiesen wird, die erforderlichen Schritte zur Ausarbeitung und Koordinierung von Maßnahmen der mit Fragen der Zahlungsbilanz befaßten Ministerien und Regierungsämter zu ergreifen.
Als Folge dieser Koordinierung sowie anderer Tätigkeiten haben wir
z.B. weiter auf die Beseitigung der von anderen Ländern errichteten
Handelsschranken gedrängt, die den Absatz amerikanischer Güter behindern.
Wir haben die Gründung der Internationalen Entwicklungsgemeinschaft als
einer Tochtergesellschaft der Weltbank geplant und gefördert, über die
andere Länder mit uns die Last der Hilfe für die Entwicklungsländer teilen. Wir haben ferner die Führung bei der Gründung der Entwicklungshilfegruppe (DAG) ergriffen - einer anderen Körperschaft, über die wir andere
wirtschaftlich hochentwickelte Länder drängen, einen größeren Teil der
Hilfe für die neuen Entwicklungsgebiete der Welt zu übernehmen. Wir haben
zur Förderung des Exports amerikanischer Waren ein Exportfinanzierungsund Garantieprogramm eingeführt. Und der Entwicklungsanleihefonds hat im
Oktober 1959 seine Politik geändert, um den Nachdruck auf die Finanzierung
von Gütern und Dienstleistungen amerikanischen Ursprungs zu legen.
Warum mehr getan werden muß
Wären diese vernünftigen Maßnahmen, von denen ich gesprochen habe,
nicht ergriffen worden, dann würde das Problem unserer Zahlungsbilanz
heute noch schwieriger sein als es ohnehin ist. Aber trotz des erzielten
Fortschritts bleibt noch sehr viel zu tun.
Es ist richtig, daß wir während dieses Jahres eine bemerkenswerte
und ermutigende Steigerung im Export unserer Güter zu verzeichnen haben.
Im Jahre 1959 erreichte unser Außenhandelsüberschuß einen Nachkriegstiefstand von rund 1 Milliarde Dollar, während wir in diesem Jahr wahrscheinlich eine Jahresrate von über 4 Milliarden Dollar erreichen werden.
Wenn wir die auf Grund unserer militärischen Ausgaben im Ausland geleisteten Zahlungen ausklammern, dann erreichte unser Exportüberschuß an Gütern
und Dienstleistungen im Jahre 1959 einen Tiefstand von 3 Milliarden Dollar,
während wir in diesem Jahr - auf der gleichen Basis berechnet - voraussichtlich einen Überschuß von rund 6,5 Milliarden Dollar verzeichnen können.
Für unsere militärischen Aufwendungen im Ausland, für die von der
Regierung durchgeführten Wirtschaftshilfsprogramme, für private langfristige Kapitalinvestitionen im Ausland und für den Erwerb kurzfristiger
Auslandskapitalien geben wir pro Jahr rund 8,5 Milliarden Dollar aus.
Selbst nach Aufrechnung dieser Zahl gegen unseren Überschuß aus dem Export
von Gütern und Dienstleistungen von fast 6,5 Milliarden Dollar haben wir
bei diesen Positionen einen Auszahlungs üb erhäng von rund 2 Milliarden
Dollar.
Aber

^

�AMERIKA DIENST"- WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. November i960

Aber auf Grund der Nettobewegungen bei anderen Positionen haben wir
noch ein weit größeres Gesamtdefizit in der Zahlungsbilanz zu gewärtigen,
das gegenwärtig eine Jahresrate von über 5 Milliarden Dollar erreicht und
vielleicht sogar nicht weit hinter dem Defizit des Jahres 1959 "von fast
4 Milliarden Dollar zurückbleibt. Dies hat zu einer Anhäufung von Gold
und liquiden Dollarguthaben vor allem bei den Industrieländern geführt.
Wir haben in diesem Jahr eine starke Abwanderung von kurzfristigem
Kapital zu verzeichnen gehabt, die sich zum Teil auf die höheren Zinssätze
und das begrenzte Kapitalangebot in den anderen Industriestaaten zurückführen läßt. Diese Bewegung ist ein bedeutender Faktor in unserem Gesamtdefizit gewesen. Das Ausmaß und die Richtung dieses Auf und Ab eines derartigen Kapitalstroms lassen sich unmöglich voraussagen; es ist jedoch klar,
daß wir - ganz allgemein gesprochen - heute mit internationalen Kapitalbewegungen in einem größeren Umfang rechnen müssen als in den ersten Nachkriegsjahren. Das Volumen dieser Kapitalbewegungen in der jüngsten Zeit und
die umfangreichen Goldkäufe durch ausländische Währungsbehörden während der
vergangenen vier Monate machen es erforderlich, daß wir unsere Anstrengungen
verdoppeln, um eine weitere Verbesserung unserer Zahlungsbilanz zu erzielen.
Dieses Problem betrifft nicht nur die amerikanische Bundesregierung,
sondern auch alle Bürger, die mit dem internationalen Handel zu tun haben.
Deshalb muß eine Steigerung unserer kommerziellen Exporte auch weiterhin
das Ziel einer intensivierten und gemeinsamen Kampagne der staatlichen
Stellen und der privaten Gruppen sein. Da wir uns aber in der Welt Wettbewerbsbedingungen gegenübersehen, die es schwierig machen, sich ausschließlich auf eine Vergrößerung der Bareinnahmen aus Exporten zu verlassen, müsse
wir in unsere Bemühungen auch eine Reduzierung gewisser Dollarzahlungen der
Regierung an fremde Länder einschließen.
Eine definitive Verbesserung in unserer Zahlungsbilanzsituation ist
nicht nur dringend erforderlich, um unser wirtschaftliches Wohlergehen
und unsere militärische Sicherheit hier in den USA zu gewährleisten,
sondern ebenso, um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten auch
in Zukunft als ein starker Partner am wirtschaftlichen Wachstum und an
der militärischen Stärke der freien Welt partizipieren können. Wir suchen
diese Verbesserung mit einer Politik zu erreichen, die unsere militärische
Stärke nicht vermindert und unsere internationalen Wirtschaftsprogramme
nicht beeinträchtigt und die es uns ermöglicht, unser Ziel - eine Ausweitung
des Welthandels und des damit verbundenen freien Zahlungsverkehrs - weiterhi
zu verfolgen.
Das Währungssystem der Vereinigten!Staaten hat eine doppelte Aufgabe.
Es dient einmal den Bedürfnissen unseres Landes; zum anderen ist der Dollar
zu einem wesentlichen Stützpfeiler im internationalen Finanzsystem der freie
Welt geworden. Es ist deshalb ein dring endesGebot, daß die Vereinigten
Staaten der Erzielung eines vernünftigen Gleichgewichts in ihrer internationalen Zahlungsbilanz eine dem entsprechende hohe Vorrangstellung einräumen.

Zu

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. November 196O

Zu diesem Zwecke müssen wir alle diejenigen im Bereich des Tätigkeitsfeldes der amerikanischen Regierung liegenden Schritte unternehmen, die unverzüglich dazu beitragen, das Defizit in unseren internationalen Zahlungen zu verringern. Darüber hinaus müssen wir u.a.
diejenigen Maßnahmen der Regierung fortführen und verstärken, die, auf
längere Sicht gesehen,zu diesem Ziel beitragen werden.
1. Auf dem Gebiet des Welthandels müssen wir
a) bei anderen Ländern - und insbesondere bei denen, die wirtschaftlich
und finanziell stark sind - mit Nachdruck auf eine Reduzierung der Zölle,
eine Lockerung der Quoten und einen Abbau der Handelsrestriktionen drängen,
die die Exporte der Vereinigten Staaten behindern, und diese Länder auffordern, die internen Abgaben sowie andere Maßnahmen, die sich auf die
Käufe amerikanischer Waren und Dienstleistungen besonders einschränkend
auswirken, zu reduzieren oder zu beseitigen;
b) weiterhin alle vernünftigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Exporte
zu steigern, einschließlich der Erleichterung der Exportfinanzierung, wo
dies zur Erhöhung unseres Absatzes sowohl an Verbrauchsgütern als auch an
Kapitalgütern notwendig ist.
2. Auf dem Gebiet der internationalen Finanz müssen wir
a) darauf bestehen, daß unsere Freunde und Verbündeten ihren vollen
Anteil an den Kosten für die Aufrechterhaltung der Sicherheit der freien
Welt tragen;
b) weiterhin dringend darauf bestehen, daß die anderen wirtschaftlich
hochentwickelten Länder der freien Welt ihren Anteil an jener langfristigen und wahrhaft aufbaufördernden Art der Finanzierung übernehmen, die den
Entwicklungsländern zuteil wird;
c) die internationalen Institutionen drängen, soweit wie möglich andere
ihnen zur Verfügung stehende Währungen als den Dollar zu benutzen, wann
und wo immer dies möglich ist;
d) die anderen starken Länder dazu ermutigen, die Aufnahme von Krediten
durch diese Institutionen und andere Kreditnehmer auf ihren Kapitalmärkten
zu gestatten, wo dies angebracht ist;
e) fortfahren, unsere gesamte Regierungstätigkeit - sowohl im eigenen
Lande wie im Ausland - zu überprüfen, um ihre Auswirkungen auf unsere Zahlungsbilanz zu verringern.
3V Gleichermaßen wichtig sind Maßnahmen in bezug auf unsere einheimische
Wirtschaft.
Auf diesem Gebiet müssen wir
a) die Steuer-, Finanz-, Währungs- und Schuldenpolitik der Regierung
und des Zentralbankensystems fortführen, die darauf abzielt, eine Inflatior
in den Vereinigten Staaten zu vermeiden;
,\

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25. November 196O

b) den Unternehmern und den Gewerkschaften weiterhin nahelegen,
alle zumutbaren Schritte zu unternehmen, um die Wettbewerbsfähigkeit
der in den USA erzeugten Güter auf den Exportmärkten sicherzustellen,
und aktiv nach Möglichkeiten auf diesen Märkten forschen.
Während diese und andere Maßnahmen und Verfahren einer kritischen
Prüfung unterzogen werden, können und müssen meines Erachtens bestimmte
Maßnahmen jetzt durch die Regierung unternommen werden, und ich ordne
daher folgendes an:
1. Der Verteidigungsminister soll, ohne unsere effektive militärische
Stärke zu verringern und unter Rücksichtnahme darauf, daß die unten angeführten Maßnahmen Anpassungen im Haushalt zur Folge haben können^
a) die Zahl der gleichzeitig im Ausland lebenden Familienangehörigen
des Militär- und Zivilpersonals auf eine Höchstzahl von 200 000 verringern
und fortan auf diesen Stand beschränkt halten, wobei diese Höchstzahl
einer jährlichen Überprüfung durch den Präsidenten unterliegen soll.
Diese Reduzierung soll, beginnend mit dem 1. Januar 1961, gemäß den Richtlinien und Bestimmungen vorgenommen werden, die der Verteidigungsminister
erläßt, und so weitgehend wie möglich die in den hochindustrialisierten
Ländern mit harter Währung lebenden Familienangehörigen erfassen. Ausnahmen bei den obigen Einschränkungen bedürfen der persönlichen Genehmigung
durch den Verteidigungsminister oder den stellvertretenden Verteidigungsminister;
b) umgehend alle möglichen Schritte unternehmen, um die Ausgaben aus
den Bewilligungen für die Streitkräfte und das militärische Hilfsprogramm,
die im Kalenderjahr 1961 für Beschaffungen im Ausland geplant sind, um
einen sehr wesentlichen Betrag dadurch zu reduzieren, daß er einen Mindestbetrag festsetzt, um den solche Beschaffungen zu kürzen sind;
c) den Ankauf ausländischer Waren im Rahmen der aus nichtzugewiesenen
Geldern finanzierten Einkaufstätigkeit der Militärstellen untersagen,
wobei Ausnahmen von diesem Verbot auf Grund einer persönlichen Genehmigung
des Verteidigungsministers oder des stellvertretenden Verteidigungsministers möglich sind.
2. Der Finanzminister soll
jfür den Küstenwachdienst der Vereinigten Staaten dieselben Maßnahmen
ergreifen, wie sie unter Abschnitt 1 (a), (b) und (c) oben dargelegt sind.
3» Der Außenminister soll
a) den Direktor der Verwaltung für Internationale Zusammenarbeit (ICA) eine amerikanische Behörde für Auslandshilfe, die öffentliche Gelder verwendet - anweisen, eine Politik zu verfolgen, in deren Rahmen bei allen
ihren Maßnahmen der Nachdruck auf die Finanzierung von Gütern und Dienstleistungen amerikanischen Ursprungs gelegt wird. Außerdem soll allen Transaktionen, die nicht der Finanzierung der Direktbeschaffung amerikanischer
Güter und Dienstleistungen dienen, ein Limit gesetzt und jede Anstrengung

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6

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25. November 1 96O

Anstrengung gemacht werden, um die Auswirkungen dieser Transaktionen
auf die Zahlungsbilanz auf ein Mindestmaß zu verringern. Der Umfang der
jetzt mit ICA-Mitteln im Ausland getätigten Käufe soll auf den geringstmöglichen Stand reduziert werden. Es ist klar, daß eine solche Reduzierung
- durch maximale Beschaffung amerikanischer Güter und Dienstleistungen
mit Mitteln der US-Auslandshilfe - unter Umständen Anpassungen im Haushalt erforderlich machen kann;
b) zusammen mit den anderen betroffenen Behörden, das Gebiet der amerikanischen Handelsbeziehungen und -besprechungen mit dem Ziel überprüfen,
die gegenwärtigen Einkünfte der USA aus Auslandsverkäufen zu verbessern.
Besondere Aufmerksamkeit soll dabei im Rahmen der gegenwärtigen Zollverhandlungen auf die größtmögliche Gewährung von Zollvergünstigungen durch
andere Länder und auf die Garantie verwendet werden, daß diese wie auch
bereits früher den USA eingeräumte Konzessionen zum Vorteil der amerikanischen Exporte voll wirksam werden. Selbst wo keine formellen Verpflichtungen bestehen, sollen die wirtschaftlich starken Länder aufgefordert
werden, damit fortzufahren, ihre mengenmäßigen Beschränkungen abzubauen,
überhöhte Zölle zu senken und diskriminierende Maßnahmen sowie andere
Hindernisse für eine Steigerung der Ausfuhr amerikanischer Waren und
Dienstleistungen, vor allen amerikanischer Agrarprodukte, zu beseitigen.
Ferner sollen verstärkte Anstrengungen unternommen werden, andere Staaten
dazu zu veranlassen, ihre Staatsbürger durch eine liberalere Behandlung
bei Reisen nach den Vereinigten Staaten, einschließlich weitgehender Zollbefreiungen heimkehrender Touristen, zu solchen Reisen zu ermutigen, so,
wie die Vereinigten Staaten Auslandsreisen ihrer Bürger gefördert haben;
c) wirksame Schritte unternehmen, um den Ankauf von ausländischen Waren
durch Verkaufsstellen und Läden zu unterbinden, die unter der Aufsicht
des amerikanischen Außenministeriums oder amerikanischer Botschaften betrieben werden, wobei Ausnahmen auf Grund einer persönlichen Genehmigung
des Außenministers oder des Staatssekretärs möglich sind.
4. Der Landwirtschaftsminister soll
bei der Durchführung von Verkäufen im Rahmen der Abstoßung überschüssiger Produkte und anderer auf Konzessionen beruhender Programme,
einschließlich Tauschaktionen, verstärkte Anstrengungen unternehmen, um
sicherzustellen, daß derartige Verkäufe nicht zu einer Verringerung der
Dollar-Barverkäufe amerikanischer Produkte führen.
5- Das Direktorium des Entwicklungsanleihefonds als eine Behörde, die Entwicklungsanleihen im Ausland aus öffentlichen Geldern gewährt,soll
nachdrücklich die für den Entwicklungsanleihefonds geltenden Richtlinien vom Oktober 1959 befolgen, denen zufolge größter Nachdruck auf die
Finanzierung von Gütern und Dienstleistungen amerikanischen Ursprungs zu
legen ist. Um eine anderweitige Finanzierung auf den niedrigstmöglichen
Stand zu reduzieren, sollte für Transaktionen des Entwicklungsanleihefonds
die nicht zur Finanzierung der direkten Beschaffung amerikanischer Güter
und Dienstleistungen dienen, ein Limit gesetzt und Anstrengungen gemacht
werden, die Auswirkung dieser Transaktionen auf die Zahlungsbilanz auf ein
Minimum zu beschränken.
6. Die

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25. November 196O

6. Die Leiter aller Ministerien und Behörden, die Personal im Ausland
stationiert haben, sollen
alle angängigen Maßnahmen ergreifen, um die Zahl ihres im Ausland
stationierten Personals und der Angehörigen zu verringern, soweit derartige Kürzungen ohne eine Beeinträchtigung der Erfüllung wesentlicher
Zielsetzungen der amerikanischen Politik vorgenommen werden können.
In gleicher V/eise sollen alle Ministerien und Behörden,die sich mit der
Beschaffung im Ausland "befassen, ihre Tätigkeit mit dem Ziel überprüfen,
wo immer möglich Schritte zur Reduzierung dieser Beschaffungen zu unternehmen.
7. Jeder der vorstehend angeführten Regierungsangehörigen und jeder
Leiter eines Ministeriums und einer Behörde, auf den der oben angeführte
Absatz 6 zutrifft, soll
mir bis spätestens 15» Dezember i960 einen Bericht erstatten und
darin die Schritte anführen, die in Durchführung der hiermit erlassenen
Direktive unternommen worden sind. Darüber hinaus sollen die oben angeführten Regierungsangehörigen und alle anderen zuständigen Personen zu
Beratungen zusammentreffen, um den Stand der Zahlungsbilanz zu erörtern
und festzustellen, ob weitere zusätzliche Maßnahmen getroffen werden
sollten; diese Beratungen sollen unter dem Vorsitz des Finanzministers
und im Rahmen des Nationalen Beirates für Internationale Währungs- und
Finanzfragen beibehalten werden.

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./2.12.1960
PRÄSIDENT EISENHOWER ZU DEN DEUTSCH-AMERIKANISCHEN
FINANZVERHANDLUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister Robert
B. Anderson und Staatssekretär C. Douglas Dillon haben am
Montag, dem 28. November 1960, Präsident Eisenhower über ihre
jüngste Reise nach Europa und im besonderen über ihre Besprechungen mit Vertretern der Bundesrepublik in Bonn Bericht
erstattet. In einer anschließend vom Weißen Haus herausgegebenen Erklärung gab Präsident Eisenhower seiner Überzeugung
Ausdruck, daß die Mission der beiden amerikanischen Politiker
im Ausland zu einem größeren Verständnis für den amerikanischen Standpunkt geführt hat, daß eine grundlegende Verbesserung
der amerikanischen Zahlungsbilanz für die Erhaltung des Finanzsystems der freien Welt unerläßlich ist. Eisenhower betonte
weiter, daß die Besprechungen in Bonn "äußerst nützlich" gewesen seien und daß man sich hinsichtlich der Notwendigkeit
der Erhaltung eines gesunden internationalen Währungssystems
einig sei.
Die Erklärung des amerikanischen Präsidenten hat folgenden
Wortlaut:

Der Finanzminister und der Staatssekretär haben mir heute morgen
persönlich über die Gespräche Bericht erstattet, die sie in der vergangenen Woche mit Vertretern der Bundesrepublik Deutschland hatten
und die von den Delegationen beider Seiten in einem Geiste der Zusammenarbeit- und der Freundschaft geführt wurden, wobei beiderseits die
volle Bereitschaft zu einer Prüfung der Vorschläge bestand.
Ich glaube, daß diese Gespräche äußerst nützlich waren. Sie
führten zu einer Übereinstimmung der beiden Länder darüber, daß die
Erhaltung eines gesunden internationalen Finanzsystems notwendig ist,
und zwar nicht nur für den wirtschaftlichen Wohlstand der beiden Länder, sondern auch in der Weise, daß jedes Land weiterhin Hilfsquellen
zur Verfügung stellen kann, die die Grundlage für die gemeinsame Sicherheit der Länder der freien Welt bilden. Als Folge dieser Gespräche
besteht ein größeres Verständnis für den amerikanischen Standpunkt, daßl
-

1

-

�"AMERIKA DIENST

2 . Dezember 196O

daß eine grundlegende Verbesserung der amerikanischen Zahlungsbilanz
unerläßlich ist für die Erhaltung des Finanzsystems der freien Welt, das
auf dem Dollar als Grundlage beruht.
Finanzminister Anderson und Staatssekretär Dillon haben, was Möglichkeiten und Vorschläge anbetrifft, meine Anweisungen ausgeführt.
Diese sind mit dem Außenminister und dem Verteidigungsminister voll und
ganz abgesprochen und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland im
voraus zur Kenntnis gebracht worden. Obwohl die Frage einer Aufteilung
eines Teiles der Gesamtkosten der amerikanischen Truppen in Westdeutschland, entsprechend der am 15• November in Augusta abgegebenen Erklärung,
erörtert wurde, konnte hier keine Übereinstimmung erzielt werden. Die
Aussprache trug jedoch wesentlich zu einem wachsenden Verständnis für
dieses Problem bei.
Es wurde mit der Bundesrepublik Deutschland vereinbart, daß die
Besprechungen über eine Reihe anderer Punkte fortgesetzt werden sollen,
die bei der kurzen Zusammenkunft nicht eingehend genug geprüft werden
konnten und die zu einer Besserung der amerikanischen Zahlungsbilanz
führen sollen. Über diese verschiedenen Vorschläge, von denen einige
von den deutschen und einige von den amerikanischen Vertretern als mögliche Teillösungen zu unserem gemeinsamen Problem vorgebracht wurden,
werden weitere Verhandlungen in Bonn und Washington stattfinden.
Die amerikanische Delegation brachte ihre Anerkennung über die beschlossene Beschleunigung und die größere Flexibilität des vorgeschlagenen deutschen Entwicklungshilfe-Programms für die Entwicklungsländer
zum Ausdruck, wobei die große Bedeutung dieses neuen, erst in jüngster
Zeit von der Bundesrepublik Deutschland aufgenommenen Programms voll
und ganz anerkannt wurde.
Zu den anderen Problemen, über die weitere Besprechungen stattfinden
sollen, gehören der Abbau der noch bestehenden Beschränkungen für den Import
von Agrarerzeugnissen aus den USA, die Steigerung der militärischen Beschaffungskäufe der Bundesrepublik Deutschland für ihre eigenen Streitkräfte sowie die Erörterung einer Beschaffung militärischer Güter für
die Versorgung anderer Länder der NATO-Allianz.
Auf dem Rückweg von Bonn haben Finanzminister Anderson und Staatssekretär Dillon mit französischen und britischen Vertretern sowie amerikanischen Stellen in Paris und London einen inoffiziellen Gedankenaustausch
über Fragen gemeinsamen Interesses und im besonderen über das Finanzsystem
der Welt geführt. Ich bin zuversichtlich, daß diese Gespräche zu einem
größeren Verständnis in der Welt führen und sowohl unseren nationalen wie
auch unseren internationalen Interessen dienen werden, indem sie zu einer
erneuten Stärkung des Finanzsystems der freien Welt beitragen. Die Vereinigten Staaten sind entschlossen, alle Maßnahmen zu treffen, die im Zusammenhang mit ihrem Eintreten für eine freie Wirtschaft notwendig und
angebracht und für den Schutz der Integrität des Dollars erforderlich sind,
* * * * *

2

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A 8.I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower: Botschaft über die Lage der Nation&lt;br /&gt;Wortlaut der dem US-Kongress am 7. Jan. 1960 in Washington unterbreiteten Botschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 22. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower legt neuen US-Haushalt vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 22. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower legt Wirtschaftsbericht vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 19. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower unterbreitet Kongress Auslandshilfeprogramm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 26. II.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;/strong&gt;Herter: Amerikanisches Streben nach kontrollierter Abrüstung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 26. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: Gerechter Frieden nur im Schutze militärischer Stärke zu erhoffen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 18. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Westmächte veröffentlichen gemeinsamen Abrüstungsplan&amp;nbsp;&lt;br /&gt;US-Außenministerium veröffentlichte am 15. März 1960 den Fünf-Mächte-Arbeitsplan für Genf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 8. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Herter: Ziele der amerikanischen Außenpolitik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Außenministers vom 4. April 1960 auf der in Chicago tangenden Jahresversammlung des Rundfunkverbandes der USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A 15. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abrüstung - aber wie?&lt;br /&gt;Die Vorschläge des Westens und des Sowjetblocks im vergleichenden Überblick&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dillon: Die amerikanische Außenpolitik von heute&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Ansprache des stellvertretenden US-Außenministers C. Douglas Dillon vom 20. Apr. 1960 vor der AFL-CIO-Konferenz in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 6. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltraum - Neuland der praktischen Forschung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Ergebnisse des zivilen Weltraumprogramms der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: Ziel der USA weiterhin Frieden und Gerechtigkeit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache vom 25. Mai 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Herter: Wortlaut der Ausführungen des US-Außenministers vor dem außenpolitischen Ausschuss des amerikanischen Senats am 27. Mai 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsidentschaftswahlen in den USA&lt;br /&gt;Fragen und Antworten zu Wahlrecht, Wahlverfahren und politischer Tradition der USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A 1. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ostblock brach Genfer Abrüstungsverhandlungen ab&lt;br /&gt;1. Wortlaut der Erklärung des amerikanischen Chefdelegierten Frederick M. Eston vom 27. Juni 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;2. Wortlaut des Kommuniqués der Abrüstungskonferenz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3. Wortlaut der Erklärung des US-Außenministeriums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4. Der neue amerikanische Abrüstungsplan&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;5. Chronologische Zusammenfassung der jüngsten Entwicklung in Genf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 1. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower berichtet über seine Fernostreise&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des amerikanischen Präsidenten vom 27. Juni 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frieden durch Abrüstung&lt;br /&gt;Der neue amerikanische Verschlag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 2. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das Geduldsspiel in Genf&lt;br /&gt;Seit 22 Monaten Verhandlungen über Einwilligung von Atomversuchen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 30. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frieden und Gerechtigkeit für alle&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Präsidenten Eisenhower vom 22. September 1960 vor der 15. Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 25. XI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Direktive Präsident Eisenhowers zur Verbesserung der amerikanischen Zahlungsbilanz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Direktive des US-Präsidenten vom 18. Nov. 1960&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 2. XII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower zu den deutsch-amerikanischen Finanzverhandlungen&lt;/p&gt;</text>
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Ä

3.

I»

Rueckschau und Ausblick 1957/58

15»

I«

Praesident Eisenhower ueber die Lage der Nation.

9»

I«

12«

I,

7*

I«

praesident Eisenhower legt neuen US-Haushalt vor.
Auszuege aus der Budget-Kongresabotschaft

13«

I«

John Forster Dulles: Gipfelkonferenz nur bei
wirklicher Aussicht auf Erfolg»
Wortlaut der Rede vor dem amerikanischen Presseklub in Washington»
/

16«

I,

24«

I&lt;

Fraesident Eisenhower antwortet Bulganin«
Amerika und seine Fuehrungsrolle in der Technik»
Wortlaut einer Rede von James R. Killian
W

A

15«

22»

X«

I»

W

22«

I, praesident Eisenhower unterbreitet Kongress Wirtschaf tsbericht.
1« Text des Begleitschreibens
2, Auszuege aus dem Wirtschaftsbericht
/

A

29»

X«

Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Kernverschmelzung«
Wortlaut der Erklaerung v«n Lewis L. Strauss
Vorsitzender der amerikanischen AEC - ^

Die Amerikanischen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet
der kontrollierten Kernverschmelzungspr«zesse.
Hintergrundmaterial, vorgelegt von Dr. Arthur E. Ruark,
Leiter der Forschungsabteilung der AEC fuer Kontrollierte Kernverschmelzungsprozesso»
^

A

5» II»

Ziel der USAi Aufrechterhaltung der nationalen
Unabhaengigkeit der Voelker im mittleren Osten,
Wortlaut einer Rede v«n John Forster Dulles v«r der
Bagdadpakt-Konferena.
_^

27* I«

Da» amerikanisch- sowjetische Abkommen ueber den
kulturellen 'ustausch
*

2f •

A

12. II.

Der Griff nach den Sternen

W

12» II.

Die Zivilluftfahrt in den Vereinigten Staaten-"^

A

19» II»

Wortlaut des Antwortschreibens Praesiden Eisenhowers
an Ministerpraesident Bulganin
'

17« II.

Eisenhower tritt fuer Staerkung des gemeinsamen
Sicherheitsprogramines der USA ein.

25. II.

W

26. II.

�W 26» II*

Praesident Eisenhower unterbreitet Auslands hilfeprogramm

A 2i»III»

Bruecken der Verstaendigung.
Die Rolle der amerikanischen Stiftungen»

W 28.III*

^

s

Atompolitik im Zeitalter der Raumfahrt»
Auszug einer Rede, die Robert M. McKinney in
Chicago gehalten hat.
/

18* III»

A

3« IV»

Einfuehrung in die Probleme und Möglichkeiten
der Raumfahrt»
Auf Veranlassung Dwight D. Eisenhewers Terfasst
und herausgegeben vom Wissenschaftlichen Beirat des
US-Praesidenten.
**'

W

3* IV»

Aussenminister Dulles fordert Verlaengerung des
Gesetzes ueber gegenseitige Handelsabkommen,
Wortlaut einer Rede« die US-Aussenminister Dulles
am 27. Maerz 1958 in Washington gehalten hat. ^

27* III.

A IL» IV*

Die Abruestung - ein amerikanisches Anliegen
(Hintergrundmaterial)
^

A 25» IV.

Die Gruende der USA fuer die vorlaeufige Fortsetzung der Kernwaffenversuche.
Auszuege aus einer Erklaerung des Vorsitzenden
der amerikanischen Atomenergie-Kommission,
AAmiral Lewis L* Strauss, vom 17»IV-^

17«

IV»

Praesident Eisenhower antwortet Chruschtschow.
Wortlaut des Antwortschreibens
^

28»

IT«

A
W

2.
2*

V»
V»

Gemeinsame Sicherheit und Welthandel.
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretaers fuer Wirtschaftsfragen im US-Aussen«
ministerium, C. Douglas Dillon»
'
Die OEEC und der wirtschaftliche Fortschritt in
Westeuropa.
Wortlaut der Rede des Staatssekretaers im US-Aussen«
ministerium, Christian A* Herter, anlaesslich der
Feierlichkeiten zum zehnjaehrigen Bestehen des
europaeischen Wirtschaftsrates»
/

A

9*

V»

Sicherheitsmassnahmen der USA fuer die Kernwaffenversuche im Pazifik.
Wortlaut der Verlautbarung der US-Atomenergie-kommission
und des US-Verteidigungsministeriums.
_^
Lodge erlaeutert amerikanischen Inspektionsplan fuer die Arktis
Wortlaut der Erklaerung des US-Chefdelegierten bei den
Voreinten Nationen
29, IV.
^

*

�A

9»

V»

John Forster Dulles umreisst amerikanische
Aussenpolitik»
Wortlaut einer Rede vor dem Institut fuer
Atomenergiewirtschaft der Universitaet New
Hampshire

2»

V

3»

V.

Probleme der Entwicklung und Stabilitaet der
Wirtschaft»
Rede des Wirtschaftsberaters des US-Praesidenten,
Dr» Gabriel Hauge, v«r der deutschen Gruppe
der internationalen Handelskammer in Berlin
^ 30»

IV«

USA: Rapaki-Plan nicht umfassend genug«
Wortlaut der US-Note an Polen
W

W

9»

23«

30»

V»

V«

V«

^

US-Auslandshilfe eine Investition fuer den
Aufbau einer friedlichen Welt.
Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten
bei den Vereinten Nationen, Henry Cabot L«dge.

/6. v.

Eisenhower schlaegt Sachverstaendigen-Besprechung
in Genf v»r»
Wortlaut des Schreibens Praesident Eisenhowers
an den sowjetischen Ministerpraesidenten
Chruschtschow, ueberreicht an Meskau
24»

V»

13»

VI. Eisenhower: Die hoechste Aufgabe des Offiziers
ist die Verhinderung des Krieges»
W»rtlaut-Auszuege aus der Ansprache Praesident Eisenhowers
vor den Absolventen der US-Marineakademie in
Annapelis ( Maryland) vom
-^ 4«
VI»

27*

VI. USA veroeffentlichen Dokumente zu den vorbereitenden Besprechungen fuer eine Gipfel»
konferenz ( 16« Juni 1958)
1) Wortlaut des westlichen Memorandums vom
Wortlaut des westlichen *ide Memoire vom
Verschlag zur Oeberpruefung der einzelnen
Punkte zur Tagesordnung, der der UdSSR am
zugestellt worden ist.
^

4»

11»

28»
28»

V.
V»

31»

V»

VII. Herbert Hoover, ehemaliger Praesident der
Vereinigten Staaten, spricht am 4« Juli
in Bruessel:
Ueber die amerikanischen Ideale. ^
VII* Murphy: USA jederzeit zu Verhandlungen bereit.
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden
Staatssekretaers im US-Aussenministerium
Robert Murphy vom 1. Juli
in Hamilton ( New York).
*&lt;

1, VII»

�lli VII»

25» VII»

Praesident Eisenhower ersucht Kongress um
gesetzliche Regelung der Befugnisse des
Aussenrainisters bezueglich der Beschraenkung
v»n Reisepaessen»
Wortlaut der Botschaft vom

7»

VII*

Praesident Eisenhower gibt Entsendung amerikanischer Truppen nach dem Libanon bekannt»
Wortlaut der Erklaerung.
Lodge informiert Vereinte Nationen ueber
amerikanische Truppenlandung im Libanon»
Wortlaut der Erklaerung.
Rundfunk und Fernsehansprache Praesident Eisenhowers
ueber die Lage im nahen Osten»
Wortlaut.
Eisenhower begruendet den amerikanischen
Schritt in nah Ost vor dem Kongress»
Wortlaut der Botschaft»
US-Aussenministerium gibt Einzelheiten der
Infiltration im Libanon bekannt.
,
Wprtlaut des Berichts»
^
UN-Ausschuss fordert Wiederherstellung der
Menschenrechte in Ungarn.
^s~
Wortlaut des Berichts,

l.VIII»

Dulles: Entwicklungen in Nahost unterstreichen
Notwendigkeit der Auslandshilfe.
^
Wortlaut der Erklaerung v«m
/

18» VII»

Briefwechsel zur Frage einer Gipfelkonferenz
ueber die Situation im nahen Osten.
Antwortschreiben Praesident Eisenh«wers v»m
22.7» 58 auf das Schreiben Ministerpraesident
Chruschtschows vom 19»7»58»
Beide Schreiben im Wortlaut.
Die Zusammenarbeit zwischen Euratom und USA.
Wortlaut einer Erklaerung vtn C» Bauglas Dill»n ' 2 2. VII»
US-Aussenminister ersucht Kongress um Befugnis zur
Verminderung v«n Auslandsreisen amerik. Kommunisten.
Wortlaut einer Erklaerung von Robert D. Murphy
16» VII»
8.VIII.

Praesident Eisenh»wer schlaegt Sicherheitsratsitzung fuer 12. August v«r.
Wortlaut des Schreibens
'

l.VIII»

�A

A

8* VIII»

15» Till»

Atome fuer den Frieden.
Ausstellung unÄ Filmprogramm fuer die
II» Genfer Atomkonferenx«
lortlaut der Bede praeaident Eisenhowera
Tor der UR-Yollveraammlung.

/
'
/
15» Till«

US^i veroeffentlicien Memorandum ueber OhinaPolitik,
Wortlaut des vom Uß-Aussenministerium herausgegebenen Memorandums
/

11« Till«

A

221 Till« John Forrter Bullesi Frieden nur durch Recht
und Gerechtigkeit«
Wortlaut einer Ansprache vor der Jahrestagung
des Kr_egsteilnehinerverbandes
"Teterans of Foreign War8 of the US" in New York / 1 8 . Till.

A

29, Till« Eisenhower sohlaegt Einstellung der Kirnivaffen.
versuche vor.
Wortlaut der Erklaerung vom

22» Till.

Konferenz der Atomsachverstaendigen in Genf
beendet»
Wortlaut des Kommuniques
Wortlaut einer Erklaerung von Dr.James
Brown Fisk, Leiter der westlichen Bxpertengruppe»^-

ij

John Forster Bullest Sicherheit der kleinen
lationen iruss gewaehrt werden.
Wortlaut dei Rede zum arabischen Kompromissvorschlag vor der Tollversammlung der Tereinten
lationem«
S
IX. Atomsaohvarstaendige veroeffentlichen Bericht«
Erlaeuterungen der US-Regierung zu dem Bericht,
den die technischen Experten aus Ost und West
als Ergebnis ihrer Genfer Besprechungen aa
/
veroeffentllcht haben.
A

19.

IX. Praesiden Eisenhower unterstreicht feste Haltung
der USA. in der Fernostkriese«
Wortlaut der Rede des US-Praesidenten vom
/
Praeaident Eisenhower ant./ortet Chruschtschow.
Wortlaut des Schreibens vom
/

A

26.

IX« Bulles umre-'.sst Aussenpjlitik der USA
vor der UH-Tollversammlung in lew York*
Wortlaut der Rede des US-Aussenministera vom

21. Till.

50» Till.

11.

IX.

15.

IX,

18.

IX.

25«

IX.

/

A

3,

X. Bulles umreis3t Fernostpolitik der USA»
Wortlaut der Rede vor dem Fernost-Amerikarat
fuer Eandel und Industrie in New York.

�A

1

A

A

3*

10»

17*

X. Formosakrise
NATO.
Wortlaut der
John Forster
Gesellschaft

beruehrt die Grundprinzien der
Rede des JS-Au-senministers
Dulxes vor der Atlantikpaktin Boston.

27«

IX*

4»

X*

X* Lodge umreisst US-Einstellung zur Abruastungzfrage,
fsrtlaut eir?«r Rade des US-Chefdeiegierten
büi den Vereinten Rationen vom lO.X.^Ö vor
dem Ersten Politischen Ausschuss der UR-Yell« Versammlung in Bew Yerk.
10»

X*

X. Eisenhower umreisst Ziele der amerikanischen
FerrOstpolitik,
Wortlaut des Antwortschreibens praesident
Eisenhowers an Senator Theodore Green,
Vorsitzender des Aussenpolitischen Senats*
Ausschusses» Tom

12« XII* Bulles umrdisst US-Aussenpolitik»
Wortlaut einer Reue des US-Aussenministers,
gehalten ver der Hände1ska; mer in Kalifornien
in Sun Francisco am

s

A

19* XII* Das internationale geophysikalische Jahr 1957/58
Die Wissenschaft machte Inventur«
*

A

22* XII* USA-Memorandum zu Berlin*
Wortlaut des vom US-Ministerium veroeffantliehten
Memorandums ueber die rechtlichen Aspekte der
Berlinfraje«

4* XII*

20* XII*

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XI. Jahrgang, Nr. 1

Allgemeines
8. Januar 1958

INHALTSVERZEICHNIS

AMERIKANISCHE GROSSSTÄDTE IM ULIBAU
Ein Jahrzehnt städtebaulicher Neugestaltung
in den USA
(85 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
Serumähnliche Substanz hemmt Wachstum
der Krebszellen
(22 Zeilen)

Seite

1

Der Virulenzursache von Tuberkelbazillen
auf der Spur
(19 Zeilen)

Seite

Chemischer Stoff verursacht Bluthochdruck
(9 Zeilen)

Seite

Rheumatoid-Faktor isoliert
(17 Zeilen)

Seite

6

Seite

7

WIE DER SCHREI EINES GEFANGENE»
Tennessee Williams über seine Beziehung zu
den Mitmenschen
(98 teilen)

* * * * *

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XI. Jahrgang. Nr. 2

15. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
ZU PRÄSIDENT EISENHOWERS BOTSCHAFT ÜBER
DIE LAGE DER NATION
Kommentar von John Kerigan
(82 Zeilen)
FORSCHUNG UND TECHNIK
MIKROANALYSE ÜBER DEN FERNSEHSCHIRM
(14 Zeilen, 1 Bild)
EBWR-KRAFTWERKSREAKTOR EIN JAHR IN BETRIEB
Leistung weit höher als erwartet
(40 Zeilen)
VAKUUMSCHMELZVERFAHREN FÜR NIOB
(15 Zeilen)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
EINE GROSSE FERNSEHNACHT
(42 Zeilen, 3 Bilder)
DAS RELATIVE UND DAS ABSOLUTE
Zur Uraufführung von Aaron Coplands
Piano Fantasy
(56 Zeilen)
ANHANG
PRÄSIDENT EISENKOWER ÜBER DIE LAGE DER NATION
Wortlaut der Botschaft vom 9« Januar 1958}
PRÄSIDENT EISENHOWER ANTWORTET BULGANIN
Wortlaut des Schreibens vom 12. Januar 1958
AMERIKA UND SEINE FÜHRUNGSROLLE IN DER TECHNIK
Wortlaut einer Rede von James R. Killian vom
7. Januar 1958

* * * * *

Seite

Seite

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XI. Jahrgang, Nr. 5

22. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
... UND 98 PROZENT MUSSEN GEHORCHEN
Die Kommunistische Partei in China findet
wenig Zuneigung
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

ISOTOPE KLÄREN RÄTSEL DER MEDIZIN
Wertvolle Helfer für Diagnose und Therapie
(82 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

5

FERNSEHSCHIRM ERLEICHTERT STRAHLENBEHANDLUNG
BEI KREBS
(14 Zeilen)

Seite

8

Seite

9

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG

VON KUNST UND KÜNSTLERN
FESTIVAL ZWEIER WELTEN
Italien ist in diesem Jahr Schauplatz
europäisch-amerikanischer Festspiele
(70 Zeilen)
KURZ BERICHTET
PRINCETON-UNIVERSITÄT ERHIELT DEUTSCHE BIBLIOTHEK
(12 Zeilen)
Seite
LEONARD BERNSTEIN NEUER LEITER DER
NEW YORKER PHILHARMONIE
(6 Zeilen)
Seite

12

12

ANHANG
JOHN FOSTER DULLES: GIPFELKONFERENZ NUR BEI WIRKLICHER
AUSSICHT AUF ERFOLG
Wortlaut der Rede vom 16. Januar 1958 vor dem amerikanischen
Pressekluh in Washington

* * * * *

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29. Januar

XI. J a h r g a n g . Nr. 4

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
MEILENSTEINE
ABRAHAM LINCOLN, DIE PERSONIFIZIERUNG
DES BESSEREN AMERIKA
Zum Geburtstag Abraham Lincolns am 12. Februar
(85 Zeilen, 1 Bild)

Seite

HOCHSCHULWESEN
DER TYP DES NEUEN AMERIKANISCHEN
HOCHSCHULPROFESSORS: LEHRER UND GELEHRTER
Von John B. Oakes
(110 Zeilen, 1 Bild)

Seite

VON
DIE
Von
(90

Seite

KUNST UND KÜNSTLERN
BROADWAY MUSICALS UND DER FILM
Norman Smith
Zeilen)

KURZ BERICHTET
DAS DEUTSCHE THEATER IN SALT LAKE CITY
(17 Zeilen)

Seite

4

LISTE DER GEDENKTAGE IM FEBRUAR 1958

Seite

12

ANHANG
FORSCHUNGSERGEBNISSE AUF DEM GEBIET DER KERNVERSCHMELZUNG
Neue Perspektiven für die Lösung des Energieproblems
Wortlaut der Erklärung von Lewis L. Strauss, Vorsitzender
der amerikanischen AEC, vom 24. Januar 1958
DIE AMERIKANISCHEN FORSCHUNGSARBEITEN AUF DEM GEBIET DER
KONTROLLIERTEN KERNVERSCHMELZUNGSPROZESSE
Hintergrundmaterial, vorgelegt von Dr. Arthur E. Ruark, Leiter
der Forschungsabteilung der AEC für kontrollierte Kernverschmelzungsprozesse
ZIEL DER USA: AUFRECHTERHALTUNG DER NATIONALEN UNABHÄNGIGKEIT
DER VÖLKER IM MITTLEREN OSTEN
Wortlaut einer Rede von John Foster Dulles vor der BagdadpaktKonferenz vom 27. Januar 1958

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XI. Jahrgang« Nr. 5

5. Februar 1958
INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
REPORTAGE AUS DEM WELTRAUM
Erdsatelliten als Mittler neuen Wissens
(76 Zeilen, 1 Bild)
•nV.*TOFOT.GREICHESTART DES US-ERDSATELLITEN
ist vor allem drei Wissenschaftlern zu verdanken:
William H. Pickering
James A. van Allen
Wernher von Braun
(Hintergrundmaterial)
(98 Zeilen)
"OPERATION M00NWATCH" ANGELAUFEN
Amateurgruppen liefern wichtige Hinweise
zur Beobachtung von "Explorer" auf seiner
Umlaufbahn
(90 Zeilen, 3 Bilder)
ZWEITE JUPITER-C-RAKETE IN KÜRZE STARTKLAR
Verwendung als Postrakete geplant
(32 Zeilen)

Seite

Seite

Seite

8

Seite

12

KERNPHYSIKALISCHE FORSCHUNG
GESTEUERTE KERNFUSION
Der Weg zu einer endgültigen Lösung des
Energieproblems (95 Zeilen, 3 Fotos, 1 Schaubild) Seite

15

KURZNACHRICHT
US-LUFTWAFFE ENTWICKELT SCHUTZANZUG
FÜR WELTRAUMFAHRER
(14 Zeilen)
ANHANG
DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE ABKOMMEN ÜBER DEN
KULTURELLEN AUSTAUSCH VOM 27. JANUAR 1958
(Wortlaut)

* * * * *

Seite

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XI.Jahrgang. Nr. 6

12. Februar

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
1958 - ALPHA
Leicht gekürzte Passung eines Artikels aus
der amerikanischen Wochenzeitschrift "TIME"
(165 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

VOLLAUTOMATISCHE NAVIGATION BEI AMERIKANISCHEN
FERNRAKETEN
Keine Kursablenkung durch Störmanöver möglich
(65 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

7

Seite

10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
AM PULTs DER KOMPONIST
Igor Strawinskijs' Schallplattenaufnahmen
eigener Werke als Ergänzung der Partitur
Von Alfred Frankenstein
(75 Zeilen)

ANHANG
DER GRIFF NACH DEN STERNEN

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XI. Jahrgang. Nr. 7

19. Februar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
DIE FERNSEHUNIVERSITÄT: EINE NEUE FORM
DER HOCHSCHULBILDUNG?
Zwei Experimente, die von sich reden machen
(95 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

GEWEBEBANK ERWEITERT MÖGLICHKEITEN DER
KREBSFORSCHUNG
Kältekonservierung bei minus 76 Grad
(69 Zeilen)

Seite

DIE GUTENBERGBIBEL IN EINER PRIVATSAMMLUNG
Bibliophile Leidenschaften eines
amerikanischen Mäzens
(63 Zeilen)

Seite

KURZNACHRICHTEN
CHLOROTHIAZID, EIN NEUES MEDIKAMENT
GEGEN BLUTHOCHDRUCK
(10 Zeilen)
CARL-SANDBURG-AUSSTELLUNG DER STAATSUNIVERSITÄT
VON ILLINOIS
(6 Zeilen)

8

Seite

Seite

ANHANG
WORTLAUT DES ANTWORTSCHREIBENS PRÄSIDENT EISENHOWERS AN DEN
SOWJETISCHEN MINISTERPRÄSIDENTEN BULGANIN V. 17. FEBRUAR 1958

* # * * *

1

10

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Allgemeines
26. Februar 1958

XI. Jahrgang, Nr» 8

INHALTSVERZEICHNIS
ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
DIE ERSCHLIESSUNG DER ATMOSPHÄRE FÜR
DIE GEOPHYSIKALISCHE WISSENSCHAFT
Raketen als unentbehrliches Hilfsmittel
(120 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

FERNSEHEN
GEBÜHRENPFLICHTIGE ODER GEBÜHRENFREIE
FERNSEHPROGRAMME
Das Publikum hat die Wahl
Von John Kerigan
(58 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
ART t USA t 58
Überblick über das zeitgenössische
Kunstschaffen in USA
(50 Zeilen)

Seite

AMERIKAS SCHÖNSTER KONZERTSAAL
Die Konzerte der Washingtoner National Gallery
of Art
(58 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

Seite

12

LISTE DER GEDENKTAGE IM MÄRZ 1958

*

*

#

*

*

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5. März

XI. Jahrgang. Nr. 9

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
DAS KULTURELLE LEBEN EINER AMERIKANISCHEN
PROVINZSTADT
Von Norman Smith
(73 Zeilen)

Seite

1

STEINE FALLEN VOM HIMMEL
Zeugen längst versunkener Welten
(110 Zeilen)

Seite

4

SCHtlLERBESUCH IN FORSCHUNGSSTÄTTEN DER AEC
(37 Zeilen)

Seite

8

PLUTONIUM ALS KERNBRENNSTOFF
(21 Zeilen)

Seite

9

FAST 7000 AUSLANDSÄRZTE KAMEN 1957
ZUR FORTBILDUNG NACH USA
(11 Zeilen)

Seite

10

LANDEBREMSVORRICHTUNG FÜR ÜBERSCHALLFLUGZEUGE
(10 Zeilen)

Seite

10

ATOM - WISSENSCHAFT - TECHNIK

KURZ BERICHTET
ERGEBNIS EINER MEINUNGSUMFRAGE über die
Gleichberechtigung von Mann und Frau, durchgeführt
in 13 Ländern der freien Welt
(14 Zeilen)

* * * * *

Seite

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XI. Jahrgang. Nr. 10

Allgemeines
14. März

1958

INHALTSVERZEICHNIS
ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
BESTANDSAUFNAHME AN DEN EISMASSEN UNSERER ERDE
Gletscherforschungen von 2f Ländern im IGJ
(98 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1

Seite

5

Seite

5

Seite

8

ARCHITEKTUR
ARCHITEKTUR MUSS IM LEBEN SELBST WF 7.ELN
Eero Saarinen ist heute einer der führenden
Architekten der Vereinigten Staaten
(90 Zeilen, 3 Bilder)
POLITIK
GLEICHBERECHTIGUNG DER FRAUEN
und was die Kommunisten darunter verstehen
Betrachtung zum Internationalen Frauentag
der IDFF
(86 Zeilen)
KURZNACHRICHTEN
MRS. R00SEVELT ERNEUT AUSGEZEICHNET
(10 Zeilen)

* * * * *

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XI. Jahrgang, Nr. 11

Allgemeines
21. März 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
DAS EISENHOWER-NIXON-ABKOMMEN
über den "amtierenden Präsidenten"
Von John Kerigan
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

ATOM-FORSCHUNG-TECHNIK
Brief aus Argonne
Die Merkmale des EBWR-Reaktors
Unkompliziert - zuverlässig - billig
(58 Zeilen)

Seite

5

Seite

7

Seite

10

Seite

4

Seite

11

Neuer Elektronenbeschleuniger für
radiochemische Forschung
(80 Zeilen, 2 Bilder)
BIBELFUND BEGRÜNDET FREUNDSCHAFT
Düsseldorfer Dekan widmet seine Bibel
amerikanischem Kongreßabgeordneten
(20 Zeilen)
KULTURNOTIZEN
SKULPTUREN FÜR BRÜSSEL
US-KONGRESSBIBLIOTHEK VERÖFFENTLICHT ERSTEN
NATIONAL UNION CATALOGUE IN BUCHFORM
(9 Zeilen)
LISTE DER GEDENKTAGE FÜR APRIL 1958

* * * * *

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X I . Jahrgang, N r . 12

Allgemeines
28. März 1958

INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
AUFGABEN DER NATO IN DER ZUKUNFT
Zum 9» Jahrestag der Gründung des
NATO-Bündnisses am 4. April
(135 Zeilen)

Seite

\

DIE ERNTE DER ERNTE
Die Huntington Library in San
Marino (Kalifornien)
(75 Zeilen)

Seite

6

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
Sonnenstrahlen als Energiequelle für
VANGUARD-1-Sender
Temperaturmessung mit Hilfe elektrischer
Schwingungen
(70 Zeilen)

Seite

9

Seite

8

KURZNACHRICHTEN
LITERATURPREIS FÜR KATHRYN HULME
(8 Zeilen)
ANHANG
BRÜCKEN DER VERSTÄNDIGUNG
Die Rolle der amerikanischen Stiftungen
Vorwort - Textteil - Anhang

*

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»

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XI. Jahrgang, Nr« 13

3. April 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
DAS ERZIEHUNGSWESEN DER SOWJETUNION
Versuch einer kritischen Wertung
Von Alexander Korol, Mitarbeiter des
Instituts für Internationale Studien
der Technischen Hochschule von Massachusetts
(MIT)
(145 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
Leonard Bernstein - der neue Musikdirektor
der New Yorker Philharmoniker
(115 Zeilen, 1 Bild)

Seite

7

Ehrung für acht Millionen Sonntagsmaler
Metropolitan Museum of Art stellt
Churchill aus
(46 Zeilen)

Seite

11

KURZNACHRICHTEN
Neues William Inge-Stück in New York uraufgeführt
(10 Zeilen)

Seite

ANHANG
EINFÜHRUNG IN DIE PROBLEME UND MÖGLICHKEITEN DER RAUMFAHRT
Auf Veranlassung Dwight D. Eisenhowers verfaßt und herausgegeben
vom Wissenschaftlichen Beirat des US-Präsidenten

* * * * *

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11 . April 1958

XI. Jahrgang. Nr. 14
INHALTSVERZEICHNIS

DIE WISSEHSCHAFT NOTIERT
THEORIE ÜBER VIREN ALS KREBSERREGER WEITER ERHÄRTET
Ergebnisse einer internationalen Wissenschaftlertagung in New York
(62 Zeilen)

Seite 1

KRYPT0N-85 ZUR DIAGNOSE VON HERZKAMMERTRENNWANDSCHÄDEN
(52 Zeilen)

Seite 3

NEUES ANTIBIOTIKUM ZUR BEKÄMPFUNG
VON STAPHYLOKOKKEN
(12 Zeilen)

Seite

4

VON KUNST UND KÜNSTLERN
AMERIKA AUF DEM WEGE ZU EINER EIGENEN
BODENSTÄNDIGEN OPER
Von Howard Taubmann, Musikkritiker der
"New York Times"
(115 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

5

DER NEUE BROADWAY HIT; "SCHAU HEIMWÄRTS.ENGEL"
Thomas Wolfes erster Roman als Bühnenstück
(58 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

10

MAHALIA JACKSON ALS BESSIE MAY IM PARAMOUNT-FILM
"ST. LOUIS BLUES"
(5 Zeilen)

Seite

12

ANHANG
DIE ABRÜSTUNG - EIN AMERIKANISCHES ANLIEGEN
(Hintergrundmaterial)

* * * * *

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18. April 1958

XI. Jahrgang. Nr. 15
INHALTSVERZEICHNIS

FAMILIENZUSAMMENFÜHRUNG IST EIN GEBOT DER MENSCHLICHKEIT
Das Kennedy-Gesetz und seine Auswirkungen
(60 Zeilen)

Seite

1

BRÜSSELER WELTAUSSTELLUNG
165 .junge Amerikaner als Fremdenführer in Brüssel
(12 Zeilen)

Seite

3

ATOM - WISSENSCHAFT - TECHNIK
Ionenmotor für Raumraketen
(40 Zeilen)

Seite

4

Dispersionsverfahren erleichtert Behandlung
radioaktiver- Abfälle
(20 Zeilen)

Seite

5

Hochreines Uran-Metall
(12 Zeilen)

Seite

6

Tonband und Kleinempfänger als Museumsführer
(60 Zeilen, 1 Bild)

Seite

6.

VON KUNST UND KUNSTLERN
Poesie - Eine Liebhaberzeitschrift mit Tradition
Von Norman Smith
(56 Zeilen)

Seite

3

* * * * *

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XI. Jahrgang, Nr. 16

Allgemeines
25. April 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
ATOMREAKTOR SONNE
Energieströme beeinflussen Lebensrhythmus
und Umwelt
(125 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1

POLITIK
ZWEIERLEI MASSSTÄBE FÜR NATURWISSENSCHAFTLER
UND GEISTESWISSENSCHAFTLER IN DER UdSSR
Die relative Freiheit der sowjetischen Naturwissenschaftler
(86 Zeilen)

Seite

6

WELTAUSSTELLUNG BRÜSSEL
Der kulturelle Beitrag der USA zur Brüsseler
Weltausstellung
(55 Zeilen)

Seite

9

LISTE DER GEDENKTAGE IM MAI 1958

Seite

11

ANHANG
DIE GRÜNDE DER USA FÜR DIE VORLÄUFIGE
FORTSETZUNG DER KERNWAFFENVERSUCHE
Auszüge aus einer Erklärung des Vorsitzenden
der amerikanischen Atomenergie-Kommission,
Admiral Lewis L. Strauss, vom 17« April 1958
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XI. Jahrgang, Nr. 17

2. Mai 1958
INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
REORGANISATION DER MILITÄRISCHEN FÜHRUNG
IN DEN USA
Präsident Eisenhower unterbreitet dem Kongreß
umfassenden Plan
Von John Kerigan
(78 Zeilen)

Seite

"EKMY" FÜR "REQUIEM FÜR EINEN SCHWERGEWICHTLER"
Wege des amerikanischen Fernsehens
(95 Zeilen, 1 Bild)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
Der Vater des Blues
William C. Handy lebt im amerikanischen
Jazz weiter
(62 Zeilen, 1 Bild)

Seite

8

AUSLÄNDISCHE JOURNALISTEN BESICHTIGEN ARGONNE
unter ihnen auch Vertreter der Bundesrepublik
(16 Zeilen)

Seite

11

ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER ANTWORTET CHRUSCHTSCHOW
Wortlaut des Antwortschreibens vom 28. April 1958

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XI. Jahrgang. Nr. 18

9. Mai 1958
INHALTSVERZEICHNIS

SPORT
BLICKRICHTUNG KALIFORNIEN
Zwei der großen Baseballvereine Amerikas haben
neues Heim in Kalifornien bezogen
(55 Zeilen, 1 Bild)
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
PLAZENTA-UNTERSUCHUNGEN ZUM SCHUTZ DES NEUGEBORENEN
(45 Zeilen)
HEPARIN STEIGERT WIRKSAMKEIT VON ANTIBIOTIKAS
(20 Zeilen)
SZINTILLATIONSZÄHLER ALS WICHTIGES HILFSMITTEL
BEI METASTASENLOKALISIERUNG
(24 Zeilen)

Seite

Seite

3

Seite

4

Seite

5

MINIATUR-SCHWIMMGÜRTEL
6
(10 Zeilen)
Seite
VON KUNST UND KÜNSTLERN
KLYTÄMNESTRA TRÄGT MODERNE ABENDKLEIDUNG
Martha Grahams ehrgeizigster Tanzzyklus
"Klytämnestra" begeisterte New York
(68 Zeilen, 2 Bilder)
Seite
ANHANG
SICHERHEITSMASSNAHMEN DER USA FÜR DIE KERNWAFFENVERSUCHE IM PAZIFIK
Wortlaut der Verlautbarung der US-Atomenergie-Kommission und des
US-Verteidigungsministeriums
LODGE ERLÄUTERT AMERIKANISCHEN INSPEKTIONSPLAN FÜR DIE ARKTIS
Wortlaut der Erklärung des US-Chefdelegierten bei den Vereinten
Nationen vom 29. April 1958
JOHN FOSTER DULLES UMREISST AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
Wortlaut einer Rede vom 2. Mai 1958 v o r dem Institut für
Atomenergiewirtschaft der Universität von New Hampshire
USA; RAPACKI-PLAN NICHT UMFASSEND GENUG
Wortlaut der US-Note an Polen, überreicht am 3. Mai 1958

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16. Mai 1958

X I . J a h r g a n g , N r . 19

INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
Das Rätsel der kosmischen Strahlen
Erdsatelliten bewähren sich als wertvolle
Hilfsmittel der wissenschaftlichen Untersuchungen
(120 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1

Verleihung am 3• Juni 1958
(68 Zeilen)

Seite

6

Weinberg-Stiftung stiftet 100 000 Dollar für
Bibliotheksbau der Cornell-Universität,
Ithaca (New York)
(13 Zeilen)

Seite

8

Amerika ehrt James Monroe anläßlich seines
200. Geburtstages
(56 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

Seite

11

PREISE - STIFTUNGEN - EHRUNGEN
V/eltbrüderlichkeits-Preise
Städte

für

amerikanische

VON KUNST UND KÜNSTLERN
Gutes Theater ist Sache der Kritiker
Zur Stiftung des George-Jean-Nathan-Preises
für Theaterkritik
Von Norman Smith
(90 Zeilen)

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XI. Jahrgang, Nr. 20

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23. Mai

1958

INHALTSVERZEICHNIS

M S PORTRÄT
LEE DE FOREST
Ein Leben für die Entv/icklung der Radiound Tontechnik
(125 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

Seite

6

Seite

8

DIE BRÜSSELER V/ELTAUSSTELLUNG
KULTURELLE VERANSTALTUNGEN DER USA
Liste der Programme, chronologisch geordnet
(66 Zeilen)

Seite

9

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR JUNI 1958

Seite

11

WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
LANDWIRTSCHAFTLICHE FORSCHUNG
Die ersten beiden GrundlagenforschungsLaboratorien eröffnet - Reine Forschung
regt angewandte Forschung an
(50 Zeilen, 2 Bilder)
ÖFFENTLICHER GESUNDHEITSDIENST IN DEN USA
UNTERSTÜTZT FORSCHUNG IM AUSLAND
(12 Zeilen)

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30. Mai

XI. Jahrgang, Nr. 21

1958

INHALTSVERZEICHNIS

DER KAMPF UM DIE EINHEIT EUROPAS
Professor Zürcher von der New York Universitär
unterstreicht die Einzigartigkeit der europäischen Integrationsbestrebungen
(62 Zeilen)

Seite

ATOM - WISSENSCHAFT - TECHNIK
NEUE ERKENNTNISSE ÜBER DEN RADIOAKTIVEN
ZERFALL DER NEUTRONEN
(120 Zeilen)

Seite

4

VON KUNST UND KÜNSTLERN
MITTWOCHS IST MALTAG
Kurse für die Kunsterziehung der
Hausfrauen machen Schule
(34 Zeilen, 1 Bild)

Seite

8

GELDPREISE FÜR SAMUEL BARBER UND ARTHUR HONEGGER
(9 Zeilen)

Seite

3

FRIEDRICH GULDA SPIELT JAZZ
im Rahmen der "Music-USA"-Reihe der
"Stimme Amerikas"
(18 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

ANHANG
EISENHOWER SCHLÄGT SACHVERSTÄNDIGEN-BESPRECHUNGEN IN GENF VOR
Wortlaut des Schreibens Präsident Eisenhowers an den sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow, überreicht in Moskau
am 24. Mai 1958.

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6. Juni

XI. Jahrgang. Nr. 22

1958

INHALTSVERZEICHNIS

SCHULWESEN
UNTERRICHT VIA FERNSEHSCHIRM
Die jüngsten Entwicklungen in den USA
Inwieweit wird der Fernsehschirm den
Katheder ersetzen?
Von John Kerigan
(76 Zeilen)

Seite

1

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
REAKTORABDÄMPFE ZUR KÜNSTLICHEN HERBEIFÜHRUNG
VON REGEN VERWENDBAR?
(80 Zeilen)

Seite

4

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
DIE BEDEUTUNG KÜNSTLICHER ERDSATELLITEN
FÜR DIE GEODÄSIE
Erdvermessung mit neuen Methoden
(110 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

7

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13. Juni

X I . J a h r g a n g . N r . 23

1958

INHALTSVERZEICHNIS

DIE KERNPHYSIKALISCHE FORSCHUNG
NEUE THEORIEN AMERIKANISCHER WISSENSCHAFTLER
ZUM PROBLEM DER KONTROLLIERTEN KERNVERSCHMELZUNG
(54 Zeilen)

Seite 1

FERNKURSE IN KERNTECHNIK
(11 Zeilen)

Seite

TRITIUM ALS STRAHLENQUELLE IN WISSENSCHAFTLICHEN
INSTRUMENTEN
(12 Zeilen)

Seite 3

WISSENSCHAFT
HUNDERT JAHRE AMERIKANISCHE GESELLSCHAFT
ZUR FÖRDERUNG DER WISSENSCHAFTEN (AAAS)
Das Parlament der amerikanischen Naturwissenschaftler
(95 Zeilen)

3

Seite

4

Seite

7

Seite

8

KURZNACHRICHTEN
ELEKTRONENHIRNE VERDRÄNGEN ROUTINEARBEIT
(16 Zeilen)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
BESEELTER DRAHT
Mobiles von Alexander Calder in der CorcoranGalerie - Zum 60. Geburtstag A. Calders am
22. Juli 1958
(70 Zeilen, 3 Bilder)

ANHANG
EISENHOWER: DIE HÖCHSTE AUFGABE DES OFFIZIERS IST
DIE VERHINDERUNG DES KRIEGES
Wortlaut-Azszüge aus der Ansprache Präsident Eisenhowers
vor den Absolventen der US-Marineakademie in Annapolis
(Maryland) vom 4. Juni 1958
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)

20. Juni 1958

XI. Jahrgang, Nr. 24
INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
S C EWERKRAFTI.1ES S UN GEN
(54 Zeilen)

Seite

T

DIE ERSTEN AUFNAHMEN V.OM GRUND D E D SÜDATLANTIK
(23 Zeilen)

Seite

3

DIE "STILLE REVOLTE" DER UNGARISCHEN SCHRIFTSTELLER
I. Teil
Von Paul Landy, Wien
(92 Zeilen)

Seite

4

EIN DOLLAR FÜR DIE PARTEI
Wähler sollen Wahlkampagnen mitfinanzieren
Von John Kerigan
(66 Zeilen)

Seite

7

POLITIK

VON KUNST UND KÜNSTLERN
PHANTASIE UND GESCHMACXAN DEN KLASSIKERN GEBILDET
"King-Coit", Schule und Theater für Kinder
(75 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 10

KURZNACHRICHT
IAEA PLANT HANDBUCH FÜR DIE VERWENDUNG VON
RADIOISOTOPEN
(13 Zeilen)

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Seite

9

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27. Juni 19J\Q

XI. Jahrgang. Nr. 25
INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
DIE "STILLE REVOLTE" DER UNGARISCHEN
SCHRIFTSTELLER (II und Schluß)
"Volks"- oder "Bauern"-Schriftsteller
Von Paul Landy, Wien
(98 Zeilen)

Seite

1

75 JAHRE AMERIKANISCHER BUNDESDIENST
Rund 2,4 Millionen Bedienstete in 16 000
Berufssparten
(90 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

5

GEISTESTRAINING IN NEW YORK
Unterricht für überdurchschnittlich begabte
Schüler
(78 Zeilen)

Seite

9

AMERIKANISCHE PÄDAGOGEN BESUCHEN DEUTSCHLAND
(9 Zeilen)

Seite

12

AMERIKANISCHE GESELLSCHAFT FÜR DIE
SCHÖNEN KÜNSTE VERTEILT KUNSTPREISE
(10 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

KURZ BERICHTET

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR JULI 1958
ANHANG

USA VERÖFFENTLICHEN DOKUMENTE ZU DEN VORBEREITENDEN
BESPRECHUNGEN FÜR EINE GIPFELKONFERENZ (16. Juni 1958)
1) Wortlaut des westlichen Memorandums vom 28. Mai
2) Wortlaut des westlichen Aide Memoire vom 28. Mai
3) Vorschlag zur Überprüfung der einzelnen Punkte zur
Tagesordnung, der der UdSSR am 31. Mai zugestellt
worden ist.

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XJ. Jahrgang« Nr. 26.

Allgemeines
4. Juli 1958

INHALTSVERZEICHNIS
ATOM - WISSENSCHAFT r- TECHNIK
AMERIKANISCHES AUSSTELLUNGSPROGRAMM
FÜR GENFER ATOMKONFERENZ
(65 Zeilen)

Seite

TATKRÄFTIGE UNTERSTÜTZUNG AMERIKANISCHER
UNIVERSITÄTEN DURCH DIE AEC
(16 Zeilen)

Seite

HERZDIAGNOSE MIT ULTRASCHALL UND RADIOJOD
(17 Zeilen)

Seite

1

4

DER AMERIKANISCHE LUFTRETTUNGSDIENST
(55 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
MUSIKERZIEHUNG EINMAL ANDERS
Van Vactor dirigiert vor deutschen Schülern
(50 Zeilen)

Seite

8

KULTURELLE KURZNACHRICHTEN
(12 Zeilen)

Seite

7

ANHANG
HERBERT HOOVER, EHEMALIGER PRÄSIDENT DER VEREINIGTEN STAATEN,
SPRICHT AM 4. JULI 1958 IN BRÜSSEL:
ÜBER DIE AMERIKANISCHEN IDEALE
ACHTUNG REDAKTIONEN:

Wir bitten Sie um Einhaltung der
angegebenen Sperrfrist

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XI. Jahrgang. Nr» 27

11

J u l i 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
AUSLÄNDERN ZUTRITT VERBOTEN
Sperrzonen in der Sowjetunion
(140 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite 1

LEHRBUCH SCHALLPLATTE
Freiwilliges Hilfswerk hilft blinden
Studenten
Von Meyer Berger, New York
(52 Zeilen)

Seite

7

AMERIKA RICHTET LUFTKORRIDORE FÜR DEN
INNERAMERIKANISCHEN FLUGVERKEHR EIN
Präsident Eisenhower schlägt Schaffung
eines zentralen Luftfahrtamtes vor
Von John Kerigan
(85 Zeilen)

Seite

9

ANHANG
MURPHY; USA JEDERZEIT ZU VERHANDLUNGEN BEREIT
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretärs
im US-Außenministerium Robert Murphy vom 1. Juli 1958
in Hamilton (New York)
PRÄSIDENT EISENHOWER ERSUCHT KONGRESS
um gesetzliche Regelung der Befugnisse des Außenministers
bezüglich der Beschränkung von Reisepässen (Wortlaut der
Botschaft vom 7. Juli 1958)

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XI. Jahrgang, Nr. 28

Allgemeines
18. Juli 1958

INHALTSVERZEICHNIS
!

\

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
EXPLORER III ERFORSCHTE WISSENSCHAFTLICHES NEULAND
(60 Zeilen, 1 Bild)

Seile

PARALLELSTROM ZUM ÄQUATOR IM STILLEN OZEAN
(28 Zeilen)

Seite

POLARLICHTBEOBACHTUNGEN IM ANTARKTISCHEN WINTER
(26 Zeilen)

Seite

TECHNISCHER FORTSCHRITT
HANDELS-UNTERSEEBOOTE UND FLÜGELSCHIFFE
Amerikanische Forschung auf der Suche nach
neuen Möglichkeiten im Schiffbau
(60 Zeilen)

Seite

POLITIK
DIE FEINDE DES REGIMES
Die Minderheiten machen Peking zu schaffen
Von James W. Berner
I. Teil
(130 Zeilen, 1 Schaubild)

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Seite

1

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XI» Jahrgang, N r . 29
INHALTSVERZEICHNIS

•jemeines
2 5 . J u l T 1958

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
BIOCHEMISCHE FORSCHUNG AUF NEUEN WEGEN
(48 Zeilen)
NEUES DIAGNOSEVERFAHREN BEI ARTHRITIS
(6 Zeilen)
BROT FÜR REKONVALESZENTEN
(20 Zeilen)
KIEFERANÄSTHESIE DURCH SPRÜHINJEKTION
(14 Zeilen)
FARBTEST AUF SCHUPPENFLECHTE
(15 Zeilen)

Seite

1

Seite

2

Seite

3

Seite

3

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4

POLITIK
DIE FEINDE DES REGIMES
Die Minderheiten machen Peking zu schaffen
Von James W. Berner - II. Teil
(100 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
MODERNES WOHNEN
Ausstellung in der Corcoran Gallery in Washington
Von Norman Smith
(60 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

LISTE DER GEDENKTAGE IM AUGUST 1958
ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER GIBT ENTSENDUNG AMERIKANISCHER
TRUPPEN NACH DEM LIBANON BEKANNT
(Wortlaut der Erklärung)
LODGE INFORMIERT VEREINTE NATIONEN ÜBER AMERIKANISCHE
TRUPPENLANDUNG IM LIBANON
(Wortlaut der Erklärung)
RUNDFUNK- UND FERNSEHANSPRACHE PRÄSIDENT EISENHOWERS
ÜBER DIE LAGE IM NAHEN OSTEN
(Wortlaut)
EISENHOWER BEGRÜNDET DEN AMERIKANISCHEN SCHRITT IN
NAHOST VOR DEM KONGRESS
(Wortlaut der Botschaft)
US-AUSSENMINISTERIUM GIBT EINZELHEITEN DER INFILTRATION
IM LIBANON BEKANNT
(Wortlaut des Berichts)
UN-AUSSCHUSS FORDERT WIEDERHERSTELLUNG DER MENSCHENRECHTE IN UNGARN
(Wortlaut des Bericht«)

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1 . August 1958

XI. Jahrgang, Nr. 50
INHALTSVERZEICHNIS
DIE KERNPHYSIKALISCHE FORSCHUNG

ATOMZERTRÜMMERER ERFORSCHEN DAS INNERSTE DER MATERIE
Leitsätze von gestern müssen neuer Erkenntnis
weichen
Von Robert K. Plumb
(130 Zeilen, 1 Bild)

Seite

POLITIK
DIE FEINDE DES REGIMES
Die Minderheiten machen Peking zu schaffen
Von James W. Berner III. Teil und Schluß
(126 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE SCHALLPLATTE IM BÜCHERSCHRANK
Die neuesten literarischen Aufnahmen
in den USA
Von Norman Smith
(62 Zeilen)

Seite

11

Seite

10

Seite

13

KURZNACHRICHTEN
STARKES INTERESSE FÜR ERWACHSENENBILDUNG
(18 Zeilen)
KATALOG ZUM AMERIKANISCHEN PAVILLON
(13 Zeilen)
ANHANG
DULLES: ENTWICKLUNGEN IN NAK0ST UNTERSTREICHEN
NOTWENDIGKEIT DER AUSLANDSHILFE
(Wortlaut der Erklärung
vom 18. Juli 1958)
BRIEFWECHSEL ZUR FRAGE EINER GIPFELKONFERENZ ÜBER
DIE SITUATION IM NAHEN OSTEN
(Antwortschreiben Präsident Eisenhowers vom 22. Juli 1958
auf das Schreiben Ministerpräsident Chruschtschows vom
19. Juli 1958; beide Schreiben im Wortlaut)
DIE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN EURATOM UND USA
(Wortlaut einer Erklärung von C. Douglas Dillon vom 22. 7. 1958)
US-AUSSENMINISTER ERSUCHT KONGRESS UM BEFUGNIS ZUR VERMINDERUNG
VON AUSLANDSREISEN AMERIKANISCHER KOMMUNISTEN
(Wortlaut einer Erklärung von Robert D. Murphy vom 16. 7~» 1958)
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8. Äug

XI. Jahrgang, Nr. 31
INHALTSVERZEICHNIS
AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
STIMMEN DER TIEFE
Die Fische sind nicht stumm
Von Marie Poland Fish
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite

EXPLORER IV ERKUNDET INTENSIVE STRAHLUNG
IN 1000 KM HÖHE
(40 Zeilen)

Sei*«

5

WINDTUNNEL FÜR DIE RAUMFORSCHUNG
(14 Zeilen)

Seite

6

POLITIK
400 000 AMERIKANER STAMMEN AUS DEM LIBANON
Skizze der libanesisch-amerikanischen
Beziehungen
Von John Kerigan
(52 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
VON DER KAMERA FASZINIERT
Alfred-Stieglitz-Ausstellung in der National
Gallery of Art in Washington
Von Norman Smith
(85 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

10

ERFOLGREICHE TOURNEE DER NEW YORKER
PHILHARMONIKER
(6 Zeilen)

Seite

15

EHRENDOKTOR FÜR MARIAN ANDERSON
(5 Zeilen)

Seite

13

ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER SCHLÄGT SICHERHEITSRATSITZUNG
FÜR 1 2 . AUGUST VOR
(Wortlaut des Schreibens vom 1. August 1958)
ATOME FÜR DEN FRIEDEN
(Ausstellungs- und Filmprogramm der USA für die II,
Genfer Atomkonferenz)
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XI. Jahrgang. Nr. 52

15- August 1958
INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER KERNPHYSIKALISCHEN FORSCHUNG
AT0MF0RSCKUNCSZENTRUM ARGONNE NATIONAL LAB0RAT0RY
Treffpunkt für Wissenschaftler aus aller Welt
'(120 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

GESUNDHEITSWESEN
GESUNDHEITSFÜRSORGE IM AMERIKANISCHEN
PAZIFIK-TREUHANDGEBIET
Die einheimischen Hilfsärzte haben sich
ausgezeichnet bewährt
(110 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

6

DIE ERSTEN ZEHN JAHRE DER WELTGESUNDHEITSORGANISATION
(5 Zeilen)
Seite

10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
JAZZ-IMPRESSIONEN AUS EUROPA UND ASIEN
Dave Brubeck kündigt Schallplattenalbum mit
musikalischen Reminiszenzen seiner Tournee an
(36 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

ANHANG
WORTLAUT DER REDE PRÄSIDENT EISENHOWERS VOR DER
UN-VOLLVERSAMMLUNG VOM 13.8.1958
USA VERÖFFENTLICHEN MEMORANDUM ÜBER CHINAPOLITIK
Wortlaut des am 11. August 1958 vom US-Außenministerium
herausgegebenen Memorandums

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XI. Jahrgang, Nr. 55

22. August 1958
INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER KERNPHYSIKALISCHEN FORSCHUNG
BROOKHAVEN NATIONAL LABORATORY
Arbeitsstätte neun amerikanischer Universitäten
zur Förderung der Atomforschung
(115 Zeilen, 3 Bilder)

Seite 1

SEEWEG LONDON - TOKIO UM 5000 MEILEN KÜRZER
Die Pionierfahrt der "Nautilus" und ihre möglichen
Auswirkungen auf den gesamten internationalen Handel
Von John Kerigan
(56 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
AMERIKAS KOMPONISTEN SYMPHONISCHER MUSIK
Über die deutsche Tradition zum eigenen musikalischen
Stil
Von Paul Henry Lang, Professor für Musikwissenschaft
an der Columbia-Universität und Musikkritiker der
"New York Herald Tribüne", New York
(140 Zeilen)
Seite
KURZ BERICHTET
STARKER SCHIFFSVERKEHR DURCH NEUE US-SCHLEUSEN
AUF DEM ST. LORENZSTROM
(7 Zeilen)

Seite

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR SEPTEMBER 1958

Seite 14

ANHANG
JOHN FOSTER DULLES: FRIEDEN NUR DURCH RECHT UND GERECHTIGKEIT
Wortlaut einer Ansprache des US-Außenministers vom 18. August
1958 vor der Jahrestagung des Kriegsteilnehmerverbandes
'TVeterans of Foreign Wars of the US"
in New York

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29. August 1958

! XI. Jahrgang, Nr. 34
INHALTSVERZEICHNIS
AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
HERZDIAGNOSE MIT RADIOAKTIVEM GAS
Operationen zur Korrektur angeborener
Herzfehler erleichtert
Von Nate Haseltine
(95 Zeilen)

Seite 1

SUPEREMPFINDLICHER STRAHLENDETEKTOR
(11. Zeilen)

Seite

4

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5

Seite

8

LUFTFAHRT
US-ZIVILLUFTFAHRT AN DER SCHWELLE DES
DÜSENZEITALTERS
Transatlantikverkehr mit Düsenflugzeugen
beginnt im November
(74 Zeilen, 2 Bilder)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
AM PULT» DIE DIRIGENTEN AMERIKAS
Von Paul Henry Lang
(130 Zeilen)
ANHANG
EISENHOWER SCHLÄGT EINSTELLUNG DER
KERNWAFFENVERSUCHE FÜR EIN JAHR VOR
Wortlaut der Erklärung des US-Präsidenten
vom 22. August 1958
KONFERENZ DER ATOMSACHVERSTÄNDIGEN IN
GENF BEENDET
1) Wortlaut des Kommuniques
2) Wortlaut einer Erklärung von Dr. James
Brown Fisk, Leiter der westlichen Expertengruppe
JOHN FOSTER DULLESJ SICHERHEIT DER KLEINEN
NATIONEN MUSS GEWÄHRLEISTET WERDEN
Wortlaut der Rede zum arabischen Kompromißvorschlag
vom 21. August 1958 vor der Vollversammlung
Ho-n Veraintsn Nationen

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5. September 1958

X I . J a h r g a n g . N r . 35
INHALTSVERZEICHNIS

DIE RASSENTRENNUNG IN EINER INDUSTRIALISIERTEN GESELLSCHAFT
Von J. Milton Yinger und George E. Simpson,
Professoren für Soziologie und Anthropologie
am Oberlin College
(200 Zeilen)
ATOM

Seite 1

FORSCHUNG TECHNIK
PLUTONIUM-SPALTSTOFF FÜR MTR-REAKTOR
(34 Zeilen)

Seite

8

BAKTERIENKULTUREN FABRIZIEREN SCHWERES WASSER
(8 Zeilen)

Seite

9

MOLEKÜLSTRÖME BESEITIGEN ELEKTROMAGNETISCHE
STÖRFELDER
(15 Zeilen)

Seite

9

ALPR-REAKTOR IM BETRIEB
(22 Zeilen)

Seite 10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE FREER-GALERIE ERFORSCHT DIE ALTEN KULTUREN
DES ORIENTS
(58 Zeilen, 3 Bilder)

Seite 11

AMERIKAREISE DER AUSLANDSKORRESPONDENTEN
(10 Zeilen)

Seite 13

ANHANG
ATOMSACHVERSTÄNDIGE VERÖFFENTLICHEN BERICHT
Erläuterungen der US-Regierung zu dem Bericht, den die
technischen Experten aus Ost und West als Ergebnis ihrer
Genfer Besprechungen am 30« August 1958 veröffentlicht haben

* * * * *

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XI. Jahrgang. Nr. 56

12. September 1958
INHALTSVERZEICHNIS

POLITIK
GETREU DER TRADITION UND DEN DEMOKRATISCHEN
PRINZIPIEN
USA gewähren Territorien die Selbstbestimmung
Von John Kerigan
(47 Zeilen)

Seite

1

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
KÖ'RPERKQNSTITUTION UND BLUTDRUCK
Fettleibigkeit vermutlich Ursache für
ungenaue Messungen
(32 Zeilen)

Seite

3.

GEWEBEPRODENENTNAHME AM DÜNNDARM OHNE OPERATION
(25 Zeilen)

Seite

4

MIKROFILTER ERLEICHTERT KREBSDIAGNOSE
(28 Zeilen)

Seite

5

VON KUNST UND KÜNSTLERN
EINE KAMERA UNTER DEN STREICHERN
Adrian Siegel, Cellist des Philadelphia Orchestra,
photographiert berühmte Dirigenten und Solisten
(26 Zeilen, 4 Bilder)

Sei te

ISLÄNDISCHER KOMPONIST FINDET AMERIKAS
MUSIKLEBEN "ERSTAUNLICH"
Jon Thorarinsson berichtet über seine Amerikareise
(30 Zeilen)

Seite

* * * * *

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19. September

XI. Jahrgang, Fr. 37

1958

INHALTSVERZEICHNIS

HOCHSCHULWESEN
AKA.DELIISCHE TRADITION UND 9U0-MILLI0NEND0LLAR-GE5ETZ
Erster Schritt zu einer B ndes-Hochschulpolitik
in den USA
(130 Zeilen)

Seite

1

Seite

6

GEORGE GERSHWIN. DER MUSIKALISCHE INTERPRET AMERIKAS
Gf-rshvvin wäre nun 60 Jahre alt
(70 Zfcilen, 2 Bilder)
Seite

12

Seite

15

VEREINTE NATIONEN
GROSSE WTEPERAUK3AULEISTUMG DEF UN IN SÜDKOREA
Nacix Abwphr der Aggression Leisteten 39 Länder
tatxräftxge Hilfe
(190 Zeilen, 2 Bilder)
VON KUNST UND KÜNSTLERN

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR OKTOBER 1953
ANHANG

PRÄSIDENT EISENHOWER UNTERSTREICHT FESTE HALTUNG DER USA
IN DER FERNOSTKRISE
Wortlaut der Rede des US-Präsidenten vom 11. September 1958

PRÄSIDENT EISENHOWER ANTWORTET CHRUSCHTSCHOW
Wortlaut des Schreibens vom 13. September 1958

* * * * *

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26. September 1°58

X I . J a h r g a n g » N r . 58

INHALTSVERZEICHNIS
DAS BUCH- UND ZEITSCHRIFTENWESEN
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (i)
Erster in einer Serie von drei Artikeln über die
amerikanischen Buch- und Zeitschriftenverlage und
die Rolle, die diese im Leben des Amerikaners
spielen
(85 Zeilen)

Seite

WISSENSCHAFT - FORSCHUNG - TECHNIK
NEUBESTIMMUNG DER SCHWERKRAFT-FALLBESCHLEUNIGUNG
FÜR WASHINGTON
(30 Zeilen)

Seite

AUTOMATISCHE WETTERFRÖSCHE BERICHTEN
NACH WASHINGTON
(45 Zeilen)

Seite

6

IDEALER MAGNETKREIS FÜR EIN SYNCHROTRON
(24 Zeilen)

Seite

8

VON KUNST UND KÜNSTLERN
NEUNZEHNHUNDERT JAHRE ABSTRAKTE KUNST IN AMERIKA
Die indianischen Felsmalereien in Wyoming
Von David Gebhard, Direktor des Roswell Museum
(Neu-Mexiko)
(80 Zeilen, 3 Bilder)
ANHANG
DULLES UMREISST AUSSENPOLITIK DER USA
VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG IN NEW YORK
Wortlaut der Rede des US-Außenministers
vom 1 a. September 1958

* * * * *

Seite

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XI, Jahrgang. Nr. 59

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3. Oktober

1958

INHALTSVERZEICHNIS
DAS BUCH- UND ZEITSCHRIFTENWESEN
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (il)
Die Buchklubs, die Buchexporte und -importe,
die Universitätsverlage
(140 Zeilen)

Seite

AMERIKAS INDIANER HEUTE
Von Glenn L. Emmons
Leiter des US-Bundesamtes für indianische
Angelegenheiten im US-Innenministerium
(120 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

6

VON KUNST UND KUNSTLERN
ZUM 75. GEBURTSTAG DER "MET"
Die Geschichte der Metropolitan Opera
Von David Ewen
(130 Zeilen, 1 Bild)

Seite

11

ANHANG
DULLES UMREISST FERNOSTPQLITIK DER USA
V/ortlaut der Rede des US-Außenministers vom 25. September 1958
vor dem Fernost-Amerikarat für Handel und Industrie in New York
FQRMOSAKRISE BERÜHRT DIE GRUNDPRINZIPIEN DER NATO
Wortlaut der Rede des US-Außenministers John Foster Dulles vom
27. September 1958 vor der Atlantikpakt-Gesellschaft in Boston

# * * * *

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10. Oktober

XI. J a h r g a n g . Nr. 40
INHALTSVERZEICHNIS
DAS BUCH- UND ZEITSCHRIFTENWESEN IN DEN USA (III)
Dritter und letzter Artikel dieser Reihe.
Die US-Zeitschriften - wirtschaftliche Seite des
Verlagswesens - Auswirkungen des Fernsehens und
der kürzeren Arbeitszeiten auf das Buchgeschäft
(98 Zeilen)

Seite

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
IM KAMPF GEGEN DEN KREBS
Ergebnisse von Tierversuchen stützen Virustheorie
(90 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KUNSTLERN
"JUNGE AMERIKANER 1958"
Zeitgenössisches Kunsthandwerk in New York
(60 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

ANHANG
EISENHOWER UMREISST ZIELE DER AMERIKANISCHEN
FERNOST-POLITIK
Wortlaut des Antwortschreibens Präsident Eisenhowers an
Senator Theodore Green, Vorsitzender des Außenpolitischen
Senatsausschusses, vom 4« Oktober 1958

* * * * *

1958

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17. Oktober 1958

X I . J a h r g a n g . Mr. 41
INHALTSVERZEICHNIS

ZUM 23. OKTOBER 1958, DEM 2. JAHRESTAG DES
BEGINNS DER VOLKSERHEBUNG IN UNGARN
Chronologie der Ereignisse in den Oktober- und
Novembertagen des Jahres 1956 und kurze Zusammenfassung der Zustände in Ungarn heute - Zwei Jahre danach
(270 Zeilen, 3 Bilder)

Seite 1.

ZUM TAG DER VEREINTEN NATIONEN (24. Oktober)
DIE AUTORITÄT DER GEMEINSCHAFT
Ansätze zu einer neuen Ordnung
(95 Zeilen, 4 Bilder)

Seite

11

IM HAMEN DER UNPARTEILICHKEIT DES RECHTS
Betrachtungen zur Ernennung des neuen
Bundesrichters Potter Stewart
Von John Kerigan
(68 Zeilen)

Seite

16

ANHANG
LQDGE UMREISST US-EINSTELLUNG ZUR ABRÜSTUNGSFRAGE
Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten bei den
Vereinten Nationen vom 10. Oktober 1958 vor dem
Ersten Politischen Ausschuß der UN-Vollversammlung
in New York

* * * * *

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XI. Jahrgang. Nr. 42

24. Oktober

1958

INHALTSVERZEICHNIS
NEUES AUS DER RAÜMFAHRTFORSCKUNG
PIONIER-I ALS WEGBEREITER
Keine unüberwindlichen Hindernisse für
den Raumflug
Von John Kerigan (74 Zeilen, 1 Foto, 1 Schaubild)

Seite

ATOM-U-BOOTSNAVIGATION LIEFERT WICHTIGES
ERFAHRUNGSGUT FÜR KÜNFTIGEN RAUMFLUG
(18 Zeilen)

Seite

A

IST DER MENSCH PSYCHISCH DER RAUMFAHRT GEWACHSEN?
(23 Zeilen)

Seite

5

NEUE RAKETENTRIEBWERKE IN DER ENTWICKLUNG
(12 Zeilen]

Seite

6

1

AUS DER ARBEIT DER VEREINTEN NATIONEN
DAS NEUE STÄNDIGE HAUPTQUARTIER DER UNESCO IN PARIS
wird am 3• November 1958 eingeweiht
(52 Zeilen, 3 Bilder)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
KULTURELLE KURZNACHRICHTEN
Richard-Strauss-Erstaufführung in Amerika
(9 Zeilen)
20 000 Jahre altes Relief entdeckt
(8 Zeilen)
Das neue New Yorker Kulturzentrum
(15 Zeilen)
Fernsehen als Lehrer
(16 Zeilen)
San Franciscos Symphoniker geben 54 Konzerte
(6 Zeilen)
Die neue Konzertsaison des New York Philharmonie
Orchestra
(17 Zeilen)
LISTE DER GEDENKTAGE IM NOVEMBER 1958
* * * * *

Seite

Seite

10

Seite

10

Seite

10

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11

Seite

11

Seite

12

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13

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31. Oktober

XI. Jahrgang. Nr. 43

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
RADIOISOTOPE IN DER ATMOSPHÄRE
Ein Hilfsmittel der meteorologischen
Forschung
(80 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE WIEDERENTDECKUNG EUGENE O'NEILLS
Von Joseph Wood Krutch, Professor für
Theaterliteratur an der Columbia-Universität, New York
(170 Zeilen)

Seite

4

ATOMTECHNIK
REAKTOR FÜR ATOMKRAFTWERK KAHL IN AUFTRAG
GEGEBEN
(30 Zeilen)

Seite

10

Seite

11

ACHTER LEHRGANG DER INTERNATIONALEN AKADEMIE
FÜR KERNWISSENSCHAFT UND KERNTECHNIK (ISNSE)
(8 Zeilen)

* * * * *

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X I . Jahrgang, Nr. 44

7. November 1958
INHALTSVERZEICHNIS

HOCHSCHULWESEN
EMPFEHLUNGEN DES AMERIKANISCHEN ERZIEHUNGSRATS
ZUR HOCHSCHULREFORM
Strukturanalyse zeigt Mentalitätswandel der
Studentenschaft
Von John Kerigan
(78 Zeilen)

Seite

DIE WELT DER FRAU
FRAUEN IM ÖFFENTLICHEN DIENST DER USA
Jahresbericht 1958 enthüllt interessantes
Zahlenmaterial
(72 Zeilen)

Seite

4

Seite

7

Seite

11

Höhenforschung mit Riesenballons
(25 Zeilen)

Seite

11

Raketentechnik braucht besondere Baustoffe
(8 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

Drei neue Lincoln-Briefmarken
(14 Zeilen)

Seite

13

Konstantin Stannislawskij-Aussteilung
in der New York Public Library
(5 Zeilen)

Seite

13

UNTER DEM ZAUBER DES GESCHRIEBENEN WORTS
(90 Zeilen, 2 Bilder)
NEUES AUS DER RAUMFAHRTFORSCHUNG
Lenkflugkörper mit vierfacher Schallgeschwindigkeit
(9 Zeilen}

NACHRICHTEN AUS DEM KULTURELLEN LEBEN DER USA
Prokofieffs "Peter und der Wolf" im
amerikanischen Fernsehen
(4 Zeilen)

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Allgemeines
14. November 1958

XI. Jahr^anff, Nr f **&gt;
INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
Sonnenbeobaiphtung mit Raketen
ElektrischeiStröme in der Erdrinde
Tiefste gemessene Temperatur - minus 95 Grad
(90 Zeilen)

Seite

1

TECHNIK UND FORSCHUNG
ROBOTER MIT' LERNVERMÖGEN
Neues Prinz ip für den Bau elektronischer
Rechenanlag sn
(80 Zeilen)

Seite

5

Seite

8

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE ZAUBERKRAFT DER MUSIK
oder "Das gar nicht so geheimnisvolle
musikalisch e Leben Danny Kayes"
(75 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

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X I . J a h r g a n g . N r . 46

Allgemeines
21 . November 1 958

INHALTSVERZEICHNIS

)

POLITIK
MILITARISIERUNG DER ARBEIT DURCH DIE
"VOLKSKOMMUNEN"

Die v i e r t e Etappe der c h i n e s i s c h e n Revolution
(160 Z e i l e n , 1 B i l d )

Seite

1,

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
RADIOISOTOPE ZUR DIAGNOSTIZIERUNG VON
FUNKTIONSSTÖRUNGEN DER LEBER UND NIERE
(52 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
BROADWAY 1958/59
Neue Werke bekannter Dramatiker
Von Norman Smith
(86 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

KURZNACHRICHTEN
Amerikareise für Auslandskorrespondenten
in den USA
__^
(18 Zeilen)

Seite

12

Seite

12

UNICEF wünscht "Fröhliche Weihnachten"
(20 Zeilen)
* * * * *

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XI. Jahrgang, Nr» 47

Allgemeines
28. November

1958

Seite

1

Seite

4

STUDIUM-ARBEIT-PROGRAMME ALS MITTEL
ZUR STUDENTENFÖRDERUNG
Ein neuer Typ des Werkstudenten
(46 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

7

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
KORALLENFUND IM NÖRDLICHEN EISMEER
Wertvolle wissenschaftliche Ausbeute der
amerikanischen EisinselStationen
(120 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

KURZNACHRICHT
Uraufführung von Norman Corwins Lincoln-Drama
zum 150. Geburtstag Abraham Lincolns am
12. Februar 1959
(8 Zeilen)

Seite

3

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
AKADEMIKER ALS POLITIKER
Hochschulprofessoren im US-Senat
Von John Kerigan
(68 Zeilen)
HOCHSCHULWESEN
UNI WASHINGTON BERÄT UNI LAHORE
Die akademische Auslandshilfe
amerikanischer Hochschulen
(83 Zeilen)

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR DEZEMBER 1958

* * * * *

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5. Dezember

1958

GIBT ES IHN WIRKLICH, DEN WEIHNACHTSMANN?
Eine Betrachtung für große und kleine Leute
(58 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

WEIHNACHTEN IN DER HEIMATLICHEN HÜTTE EINES
GROSSEN MANNES
Eine Weihnachtsgeschichte aus der Kinderzeit
Abe Lincolns
(63 Zeilen)

Seite

POSTSTEMPEL: SANTA CLAUS
Hochbetrieb im Hauptpostamt des
amerikanischen Weihnachtsmannes
(85 Zeilen)

Seite

WEIHNACHTEN IN EINER KLEINEN STADT
Camden im Neuenglandstaat Maine feiert Weihnachten
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

DIE AMERIKANISCHE WEIHNACHT IM BILD

Seite

13

XI. Jahrgang, Nr. 48
INHALTSVERZEICHNIS

* * * * *

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XI. Jahrgang, Nr. 4 9

12. Dezember 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
STRAHLENCHEMIE VON NAHRUNGSMITTELN
Zur industriellen Strahlenkonservierung
ist noch ein weiter Weg
(140 Zeilen)

Seite

US-BUNDESANSTALT FÜR TECHNISCHE NORMEN
ENTWICKELT PRÜFGERÄT FÜR HÖRAPPARATE
(55 Zeilen)

Seite

ÜS-WETTERAMT UNTERSUCHT VERHALTEN VON
TORNADOS AN HAND PHOTOGRAPHISCHER AUFNAHMEN
(32 Zeilen)

Seite

KUNSTSPRACHE FÜR ELEKTRONENANLAGEN
"Bündige" Sprache soll "unbändige" Umgangssprache "maschinengerecht" machen
(50 Zeilen)

Seite

10

Seite

12

VON KUNST UND KÜNSTLERN
ZWECKMÄSSIGKEIT - WÄRME - PERSÖNLICHKEIT
Der Architekt Richard Joseph Neutra und sein
Einfluß auf die Entwicklung der Architektur
in den USA
(110 Zeilen, 1 Bild)
ANHANG
DULLES UMREISST US-AUSSENPOLITIK
Wortlaut einer Rede des US-Außenministers,
gehalten vor der Handelskammer von Kalifornien
in San Francisco am 4*12.1958
* * * » *

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XI. Jahrgang, Nr. 50

19. Dezember 1958
INHALTSVERZEICHNIS

POLITIK
SIE KOMMUNISTISCHE STUDENTEN-INTERNATIONALE
ISB verlor binnen drei Jahren fast drei
Millionen Mitglieder
(150 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
DIE WELTMEERE ALS ROHSTOFFQUELLE VON MORGEN
Unerschöpfliche Mineralvorkommen geringer
Ergiebigkeit
(120 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
ZWISCHEN 1908 UND 1958
Der Tanz als Bestandteil der amerikanischen
Kultur
(100 Zeilen, 2 Bilder)
LISTE DER GEDENKTAGE FÜR JANUAR 1959
ANHANG
DAS INTERNATIONALE GEOPHYSIKALISCHE JAHR 1957/58
Die Wissenschaft machte Inventur
(5 Bilder)
ZUR BEACHTUNG:

Unsere nächste Ausgabe ALLGEMEINES
erscheint am 9• Januar 1959
# * * # *

Seite

11

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8. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (i)
Die Mähmaschine des Cyrus McCormick
(72 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE US-LANDWIRTSCHAFT AM JAHRESANFANG
Ein Überblick über die wichtigsten landwirtschaftlichen Märkte
(67 Zeilen)

Seite

AUSSENHANDEL WICHTIGER BESTANDTEIL
DES US-WIRTSCHAFTSLEBENS
US-Handelsministerium veröffentlicht vier
Studien zu Import-Exportfragen - 4»5 Mio
Amerikaner durch den Export beschäftigt
(72 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
STRUKTURUNTERSUCHUNG UND STAHLANALYSE
MIT RÖNTGENGERÄT
(20 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTSFUNKTIONÄRE STUDIEREN
ARBEITSBEWERTUNGSMETHODEN
Erste Studienwoche im ersten von der AFL-CIO
geförderten Zeitstudieninstitut - Sachkenntnis
wichtig bei Abschluß von Tarifverträgen
(65 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

Seite

Seite

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15. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS

'.VIRT S G HA FT SREP ORT AGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (ll^
Die Nähmaschine des Elias Howe
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
US-IMPORTE DÜRFTEN AUCH 1958 BISHERIGEN
TREND FORTSETZEN
Bisher noch keine Anzeichen für eine rückläufige Bewegung
(64 Zeilen)

Seite

GROSSES INTERESSE VON US-FIRMEN AN DER ERRICHTUNG
VON PRODUKTIONSSTÄTTEN IN EUROPA
(12 Zeilen)

Seite

7

STARKE ZUNAHME DES TRANSATLANTIK-LUFTVERKEHRS
(11 Zeilen)

Seite

7

145 NEUE SCHIFFE LIEFEN 1957 NEW YORK AN
(l6 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MASCHINELLE REGISTRIERUNG HANDGESCHRIEBENER ZEICHEN
(32 Zeilen, 1 Bild)

Seite

WELT DER ARBEIT
DIE US-GEWERKSCHAFTEN UND DAS VERGANGENE JAHR
Innere Spannungen wegen Korruptionsfällenüberwunden Mitgliederbestand stieg auf 18,5 Millionen an
(53 Zeilen, 2 Bilder)
Seite
ANHANG
PRÄSIDENT EISENHQWER LEGT NEUEN US-HAUSHALT VOR
Auszüge aus der Budget-Kongreßbotschaft Präsident Eisenhowers
vom 13« Januar 1958.

* * * * *

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22. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (Hl)
Die "Cotton Gin" des Eli Whitney revolutionierte
die Landwirtschaft der amerikanischen Südstaaten Schuf Voraussetzungen der industriellen Massenproduktion
(78 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
"FEDERAL RESERVE BOARD" LOCKERTE ERNEUT KREDITPOLITIK
Bareinzahlungssatz bei Kauf von Wertpapieren von
70 auf 50 Prozent herabgesetzt - Überraschende
Maßnahme wurde in Finanzkreisen begrüßt
(64 Zeilen)
Seite

4

DIE LANDWIRTSCHAFTSBOTSCHAFT PRÄSIDENT EISENHOWERS
Der amerikanische Präsident legte Neun-Punkte-Programm zur Gesundung der Landwirtschaft vor
(85 Zeilen)
.
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"GENERAL ELECTRIC" VERÖFFENTLICHTE EINZELHEITEN
ÜBER DEN J-79-MOTOR .
(13 Zeilen)
MAGNESIUMSTAB VERLÄNGERT LEBENSDAUER VON MOTOREN
(11 Zeilen)

Seite

6

Seite

9

Seite

9

Seite

10

WELT DER ARBEIT
BETRÄCHTLICHE FORTSCHRITTE DER NEGERBEVÖLKERUNG
AUF WIRTSCHAFTLICHEM UND SOZIALEM GEBIET
(43 Zeilen)
ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER UNTERBREITET . KONGRESS WIRTSCHAFTSBERICHT
1.

Text des Begleitschreibens

2.

Auszüge aus dem Wirtschaftsbericht

* * * * *

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29. Januar 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (IV)
Das Dampfschiff von Robert Fulton leitete eine
neue Epoche in der Schiffahrt ein
(95 Zeilen, 1 Bild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
PRÄSIDENT EISENHOWER LEGTE REFORMVORSCHLÄGE
ZUR ARBEITSGESETZGEBUNG VOR
Schließung bestehender Gesetzeslücken angestrebt
Ziels Schutz der Öffentlichkeit vor negativen
Auswirkungen
(60 Zeilen)
STARK AUSGEWEITETER MARKT FÜR
M0T0RWAS SERSPORTFAHRZEUGE
New Yorker Motorbootausstellung offenbarte
starkes ausländisches Interesse am US-Markt
(27 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
TRANSISTOREN FÜR STÄRKSTE BEANSPRUCHUNG
(24 Zeilen)

Seite

Seite

5

Seite

Seite

WELT DER ARBEIT
WALTER REUTHER UMRISS FORDERUNGEN SEINER GEWERKSCHAFT
Gewinnbeteiligung und höhere Löhne - Industrie lehnte
ab - Neue Kollektivverhandlungen beginnen am 1.April
(36 Zeilen)
Seite
KURZER STREIK DER HUTMACHERGEWERKSCHAFT
NACH 25 JAHREN
(26 Zeilen)

* * * * *

Seite

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5. Februar 1958

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INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN, DIE GESCHICHTE MACHTEN (V)
Die "Line o'Type" von Ottmar Mergenthaler
revolutionierte die Druckereitechnik
(94 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCKAFT
DIE US-WIRTSCHAFTSLAGE IM SPIEGEL
DER BESCHÄFTIGUNGSSTATISTIKEN
Trotz Zunahme der Erwerbslosenziffer auf rund
. 4 Mio nur 6 Prozent aller Werktätigen ohne
Beschäftigung
(78 Zeilen)

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4

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7

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10

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11

DIE WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN ZIELE DER US-REGIERUNG
Das Regierungsprogramm für das kommende Jahr
(68 Zeilen)
AUS 7/ISSENSCHAFT UND TECHNIK
BESTIMMUNG DER ZIELGENAUIGKEIT VON BORDWAFFEN
IN KNAPP DREI MINUTEN
(30 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
ZIELE UND AUFGABEN DES US-ARBEITSMINISTERIUMS (i)
Von James P. Mitchell, US-Arbeitsminister
(72 Zeilen)

* * * * *

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12. Februar 1958

X. J a h r g a n g . Nr. 6/c
INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (Vi)
Die Schreibmaschine des Christopher Sholes
revolutionierte die Büros, brachte dem Erfinder
aber nur einige Tausend Dollar
(70 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE KQNJUNKTUREINDÄMMENDEN UND BELEBENDEN
FAKTOREN DER US-WIRTSCHAFT
Faktoren, die das derzeitige Konjunkturbild
bestimmen
(80 Zeilen)

Seite

WOHNUNGSBAU UND WIRTSCHAFTSKONJUNKTUR
Die möglichen Einflüsse der Bauwirtschaft
auf die Gesamtkonjunktur
(50 Zeilen)

Seite

6

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
FLUGZEUG MIT DREIFACHER SCHALLGESCHWINDIGKEIT
(7 Zeilen)

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9

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9

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10

CHEMISCHER SCHUTZ GEGEN WASSERDUNSTUNG
(8 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
ZIELE UND AUFGABEN DES US-ARBEITSMINISTERIUMS
(II und Schluß)
Von James P. Mitchell, US-Arbeitsminister
(98 Zeilen)
ANHANG
DIE ZIVILLUFTFAHRT IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

* * * * *

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7/C

19. Februar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (VIl)
Der elektromagnetische Telegraph von Samuel
Morse eröffnete das Zeitalter der schnellen
Nachrichtenübermittlung
(98 Zeilen, 1 Bild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE WACHSTUMSRATE IN DER US-WIRTSCHAFT
Die Wandlung der stimulierenden Faktoren •
Durchschnittliche Wachstumsrate zwischen
1909 und 1945 3,2 - seitdem 3,38 Prozent
(96 Zeilen)
VERSTÄRKTE ENTWICKLUNGSHILFE DER US-REGIERUNG
Ausleihebefugnisse der Export-Importbank sollen
erhöht werden - Entwicklungsfonds nimmt Tätigkeit
auf
(57 Zeilen)

Seite

Seite

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRONISCHES ZEHNSPRACHEN-GESCHICHTSARCHIV
(23 Zeilen)

Seite

10

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (i)
Ein Überblick über Geschichte, Entwicklung,
Struktur und Stellung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
(130 Zeilen)

Seite

11

* * * * *

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X. Jahrgang. Nr. 8/C

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26. Februar 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (VIII)
Der Gummivulkanisierungsprozeß schuf die Grundlage für eine neue Industrie - Charles Goodyear,
ein Erfinder aus Leidenschaft
(120 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ENTSCHEIDENDE WOCHEN
Umfang des konjunkturellen Aufschwungs im
März wird über weitere wirtschaftsfordernde
Maßnahmen der Regierung entscheiden
(80 Zeilen)

Seite

DIE MINDESTRESERVESÄTZE WURDEN GESENKT
"Federal Reserve Board" hofft Kreditgeschäft
zu aktivieren
(54 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUE MINIATUR-TROCKENZELLENBATTERIE
(9 Zeilen)
DER PERFEKTE SCHUH
(10 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (il)
Ideologische Einflüsse und Trends
ANHANG
PRÄSIDENT EISENH0WER UNTERBREITET AUSLANDSHILFEPROGRAMM *

#

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10

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X. Jahrgang. Nr. 9/C

5. März 1958
INHALTSVERZEICHNIS

faadui k»&gt;
WIRT SCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (IX)
George Westinghouse bremst Züge mit Luft
meinte: "Keine Zeit für solchen Quatsch"
(75. Zeilen, 1 Bild)

Vanderbilt

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
US-IMPORTE ERREICHTEN 1957 NEUE REKORDHÖHE
Gesamtwert fast 15 Mrd. Dollar - Dezember mit
höchstem Monatsergebnis - Auch im Januar noch
keine Abschwächung
(68 Zeilen)
DIE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFT IM FEBRUAR
Ein Überblick über die wichtigsten landwirtschaftlichen Märkte
(45 Zeilen)

Seite

Seite

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
USA ERSTELLEN GROSSE PRODUKTIONSKAPAZITÄTEN
FÜR RAKETENTREIBSTOFFE
(35 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (ill)
Die Struktur der amerikanischen Gewerkschaften
(98 Zeilen)

* * * * *

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6

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10/C

14. März

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. SIE GESCHICHTE MACHTEN (X)
Das erste brauchbare Telefon des Alexander Bell
(85 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AMERIKANISCHE REGIERUNG KÄMPFT UM AUSLANDSHILFE
Beantragte 3»9 Mrd, Dollar als dringend erforderlich erachtet
(62 Zeilen)

Seite

KONGRESSAUSSCHUSS LEGTE WIRTSCHAFTSBERICHT VOR
Weitgehende Übereinstimmung mit der Wirtschaftsbotschaft des Präsidenten
(75 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
PHOTOZELLEN-RELAISSYSTEM MIT ATOMSTRAHLEN
(16 Zeilen)
NEUE TITANLEGIERUNG FÜR DEN RAKETENBAU
(13 Zeilen)

4

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9

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10

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11

WELT DER ARBEIT
DIE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG (IV)
Gewerkschaften und Arbeitsgesetzgebung
(87 Zeilen)

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21. März

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN, DIE GESCHICHTE MACHTEN (Xl)
Der Drehstrommotor von Nikola Tesla leitete die
Ära der Elektroenergie ein
(58 Zeilen, 1 Bild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
STEIGENDE PRIVATE AUSLANDSINVESTITIONEN
Durchschnittsinvestitionen der vergangenen
zwei Jahre 4»3 Mrd. Dollar
(58 Zeilen)
WIRTSCHAFTSPROGNOSEN UND TATSÄCHLICHE ENTWICKLUNGEN
Ein Vergleich zwischen gemachten Voraussagen und
den wirklichen Trends
(82 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"GENERAL ELECTRIC" FÜHRTE NEUES DÜSENAGGREGAT VOR
(10 Zeilen)
ELEKTRONISCHES SUPERSCHREIBGERÄT
(12 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (V)
Das Kollektivverhandlungswesen
(110 Zeilen)

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5

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X. Jahrgang. Nr. 12/c

28. März 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XIl)
George Eastman als Wegbereiter der Amateurphotographie - Von einer Wissenschaft zum
Millionenhobby
(120 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE GEWANDELTE KAPAZITÄTSKONZEPTION
Investitionen der Wirtschaft folgten nicht dem
klassischen Konjunkturzyklus - Überraschend hohe
Investitionen der US-Wirtschaft für 1958
(82 Zeilen)

Seite

6

Seite

9

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
. CHRYSLER ENTWICKELTE NEUE BENZIN-EINSPRITZPUMPE
(32 Zeilen)

Seite

12

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
(VI und Schluß)
Die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
(78 Zeilen)

Seite

13

AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE AUSLANDSHILFE
US-Auslandshilfe von wirtschaftlichen, sowjetische
von politischen Motiven getragen
(80 Zeilen)

ANHANG
ATOMPQLITIK IM ZEITALTER DER RAUMFAHRT
Auszug aus einer Rede, die Robert M. McKinney
am 18. März 1958 in Chicago gehalten hat

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X. Jahrgang, Nr. 13/c

3. April

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XIIl)
Der Phonograph Thomas A. Edisons - Die menschliche
Stimme von einem Stückchen Silberpapier
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EUROPÄISCHE INVASION AUF DEM NEW YORKER AUTOSALON
Großbritannien am stärksten vertreten, aber auch
Bundesrepublik zeigt repräsentativen Querschnitt
(65 Zeilen)

Seite

5

NUTZUNG VON ATOMEXPLOSIONEN FÜR FRIEDLICHE
ZWECKE IN SICHT?
Revolutionäre Aspekte für einige Industrien Radioaktive Auswirkungen lassen sich auf ein
Mindestmaß zurückführen
(82 Zeilen)

Seite

7

Seite

10

Seite

10

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
BEFRACHTUNG EINES FLUGZEUGES IN 40 SEKUNDEN
(12 Zeilen, 2 Bilder)
DIAMANTEN IN MASSENFABRIKATION
(13 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN UND KRANKENFÜRSORGE
Die Gesundheitszentren und Kliniken der ILGW
behandeln mehr als 100 000 Patienten pro Jahr Allein in New York 170 Ärzte in der Gfewerkschaftsklinik tätig
(70 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 11.

ANHANG
AUSSENMINISTER DULLES FORDERT VERLÄNGERUNG DES GESETZES ÜBER
GEGENSEITIGE HANDELSABKOMMEN
Wortlaut einer Rede, die US-Außenminister Dulles am 27. März
1958 in Washington gehalten hat.
* * * * *

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11 . April 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XIV)
Das Elektrolyseverfahren von Tonerde schuf die
Grundlagen für die Aluminiumindustrie
(78 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WERTPAPIERBÖRSEN VON DER REZESSION UNBEEINDRUCKT
Die Gründe für die Stabilität der Wertpapierpreise
(68 Zeilen)

Seite

ARBEITSLOSENVERSICHERUNG SOLL AUSGEDEHNT WERDEN
Präsident Eisenhower unterbreitete Kongreß Vorschläge
zur Verlängerung der Versicherungsdauer
(76 Zeilen)

4

Seite 6

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
STQSSFREIE AUTOBAHNEN DURCH "GUMMIFUGEN"
(20 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

9

WELT DER ARBEIT
DIE AMERIKANISCHE ARBEITSGESETZGEBUNG
Geschichtliche Entwicklung und Inhalt der
wichtigsten Gesetze
(140 Zeilen)

Seite

10

* * * * *

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Wirtschaft
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18. April

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XVl
Wilbur und Orville Wright erobern die Luft
durch Motorenkraft
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WAS IST MIT DEN PREISEN LOS?
Trotz Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität
ist der Lebenshaltungskostenindex weiter
angestiegen
(70 Zeilen)

Seite

DIE AMERIKANISCHEN IMPORTE ZEIGTEN BISHER
NOCH KEINE ABSCIIWÄCKUNGEN
Gesamtentwicklung für 1958 allgemein günstig
beurteilt
(58 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WIRTSCHAFTLICHES KUNSTSTOFFSPRITZVERFAHREN
(20 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

Seite

WELT DER ARBEIT
"CAFETERIA ZUR VERABREICHUNG GEISTIGER NAHRUNG"
Bücherständer erfreuen sich immer größerer Beliebtheit 1500 amerikanische Betriebe stellen ihren Mitarbeitern
ausgewählten Lesestoff kostenlos zur Verfügung
(62 Zeilen, 1 Bild)
Seite

* * * * *

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25. April 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XVl)
Die synthetische Harzpolymerisierung leitete das
KunststoffZeitalter ein - Das Bakelit von Leo H.
Baekeland als Wegbereiter
(72 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

BESCHÄFTIGUNGSSTATISTIK MIT ZWEIERLEI AKZENTEN
Bedeutender Anstieg der Zahl der Beschäftigten
im März bei gleichzeitiger geringer Zunahme der
Erwerbslosenziffer
(80 Zeilen)

Seite

4

WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG UND SOWJETISCHES
WIRTSCHAFTSSYSTEM
Die Leistungen in einer freien und einer
Zwangswirtschaft
(80 Zeilen)

Seite

7

Seite

9

Seite

11

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRONEN-MIKROSKOPE ALS HELFER DER WISSENSCHAFT
"Radio Corporation of America" will Massenproduktion von Elektronen-Mikroskopen aufnehmen
(45 Zeilen, 1 Bild)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFT ENTWICKELTE ZUSAMMEN MIT UNTERNEHMEN
NEUES ERNTEGERÄT
Ernte von Rizinussamen jetzt rationell durch
Maschineneinsatz möglich
(60 Zeilen, 1 Bild)
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2. Mai

195®

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIREKTE UMWANDLUNG VON WÄRME IN ELEKTRIZITÄT
Der therm-ionische Konverter eröffnet neue Möglichkeiten zur Elektrizitätserzeugung - Wissenschaftler
glauben Nutzeffekt auf 50 7° steigern zu können
(50 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE DERZEITIGE WIRTSCHAFTSLAGE DER USA
UND DIE KÜNFTIGE ENTWICKLUNG
Führende V/irtschaftsexperten untersuchten
Möglichkeiten zur Aktivierung der Wirtschaft
und künftige Wachstumstrends
(56 Zeilen)
WANDLUNG IN DER INVESTITIONSPOLITIK ZEICHNET SICH AB
Geringere Aufwendungen für Kapazitätsausweitungen
bei zunehmenden Ausgaben für Forschung und
Entwicklung (67 Zeilen)

Seite

3

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5

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7

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8

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MINIATUR-WASSERAUFBEREITUNGSANLAGE
Tagesleistung 1900 Liter Trinkwasser
(18 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
SCHÖPFERISCHE FREIZEITPROGRAMME FÜR PENSIONÄRE
Amerikanische Gewerkschaften wollen älteren Mitgliedern Übergang in den Ruhestand erleichtern
helfen (64 Zeilen, 3 Bilder)

ANHANG
GEMEINSAME SICHERHEIT UND WELTHANDEL
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretärs für
Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium, C. Douglas Dillon.
DIE OEEC UND
Wortlaut der
Christian A.
Bestehen des

DER WIRTSCHAFTLICHE FORTSCHRITT IN WESTEUROPA
Rede des Staatssekretärs im US-Aussenministerium,
Herter, anläßlich der Feierlichkeiten zum zehnjährigen
Europäischen Wirtschaftsrates.

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und Arbeit
9. Mai 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
TROTZ TEILAUSLASTUNG HOHE INVESTITIONSRATE
DER STAHLINDUSTRIE
Gesamtinvestitionen rund 1 Mrd. Dollar in 1958 Gegenwärtige Kapazität 140 Mio Tonnen
(78 Zeilen)

Seite

1

MASSENEINKOMMEN NUR UNWESENTLICH ZURÜCKGEGANGEN
Gegenüber Mitte vorigen Jahres nur um 1,5 f°
abgesunken - Auch Verbrauchsrausgaben gut behauptet
(75 Zeilen)

Seite

4

US-REGIERUNG WILL LAGE DES ERZBERGBAUES VERBESSERN
Preisstützungsprogramm für fünf wichtige Metalle
vorgeschlagen
(70 Zeilen)

Seite

7

Seite

9

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WINDKANAL FÜR GESCHWINDIGKEITEN BIS 5700 MEILEN
(24 Zeilen, 2 Bilder)
WELT DER ARBEIT
INDUSTRIELLE FÖRDERUNGSPROGRAMME FÜR HANDWERKLICHEN
UND TECHNISCHEN NACHWUCHS
Wachsendes Interesse und steigenue finanzielle Zuwendungen der amerikanischen Industrie für Er^iehungsund Ausbildungsprojekte
(42 Zeilen, 5 Bilder)
ANHANG
PROBLEME DER ENTWICKLUNG UND STABILITÄT DER WIRTSCHAFT
Rede des Wirtschaftsberaters des US-Präsiuenten, Dr.
Gabriel Hauge, vor der Deutschen Gruppe der Internationalen Handelskammer in Berlin am '0.4.1958
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Seite 11

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16. Mai 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
INNERBETRIEBLICHE SCHULUNGSMASSNAHMEN SORGEN
FÜR NACHSCHUB AN FACHKRÄFTEN
Umschichtungen innerhalb der amerikanischen
Arbeiterschaft - Größere Aufstiegsmöglichkeiten
für den einzelnen
(63 Zeilen, 2 Bilder)

Seit«

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
"AUFWEICHUNG" DER INTERNATIONALEN ROHSTOFFMÄRKTE
DURCH DIE SOWJETBLOCKSTAATEN
Nach dem Baumwoll- und Aluminiummarkt ist jetzt
der Zinnmarkt an der Reihe - Stark forcierte Exporte
seit Beginn dieses Jahres
(80 Zeilen)
Seite
EINSTELLUNG DES AMERIKANERS GEGENÜBER DEM "BIG
BUSINESS" HAT SICH GEWANDELT
Positivere Beurteilung als früher - Interessante
Studie der "National Planning Association"
(52 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUE STAHLTYPE FÜR ÜBERSCHALLFLUGZEUGE
(14 Zeilen)

Seite

KOHLEVERKOKUNG UNTER TAGE
(15 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
JOHN L. LEWIS FORDERT AUSWEITUNG DER SICHERHEITSBESTIMMUNGEN IM BERGBAU
Auch Kleinzechen sollen erfaßt werden - Erheblicher
Rückgang der Unfallrate in den vergangenen 25 Jahren
(50 Zeilen)
Seite
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Wirtschaft
undArbeit
23. Mai

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
"DIGITAPE"-VERFAHREN ERMÖGLICHT AUTOMATION
BEI KLEINSERIEN
Umrüsten der Maschinengruppen entfällt praktisch
Durch Umwechseln der Lochstreifen erfolgt Produktionsumstellung (62 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
VERSCHIEDENE FAKTOREN LEUTEN BALDIGES ENDE
DES WIRTSCHAFTLICHEN RÜCKGANGS AN
Das Schlimmste scheint überstanden - Stärkerer
Auftrieb allerdings nicht vor Spätsommer erwartet
(65 Zeilen)

Seite

4

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11

DER EINFLUSS DER VERTEIDIGUNGSAUSGABEN AUF DIE
WIRTSCHAFTLICHE AKTIVITÄT
.Anteil nur 10 Prozent am Bruttosozialprodukt Konjunktureller Einfluß unbedeutend (85 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUARTIGER VERSTÄRKER FÜR RADIOTELESKOPE
(18 Zeilen)
CHEMISCHES "BERUHIGUNGSMITTEL" FÜR PFLANZEN
ERHÖHT ERTRÄGE
(19 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
DISNEYLAND IST VOLL GEWERKSCHAFTLICH ORGANISIERT
(2a Zeilen, 1 Bild)
ANHANG

US-AUSLANDSHILFE EINE INVESTITION FÜR DEN AUFBAU EINER
FRIEDLICHEN WELT
Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten bei den Vereinten
Nationen, Henry Cabot Lodge.

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und Arbeit
30. Mai

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPQRTAGE
DIE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFT HEUTE (i)
Wirtschaftliche Stellung und Agrarstruktur
(98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
NEW YORKER MESSE ALS SPRUNGBRETT FÜR US-MARKT
Diesjährige "World Trade Fair" übertraf Vorjahresergebnis beträchtlich - 3000 Aussteller aus
60 Ländern (50 Zeilen)

Seite

5

PROSPERIERENDE LANDWIRTSCHAFT IN ZEITEN
RÜCKLÄUFIGER WIRTSCHAFTLICHER AKTIVITÄT
Farmereinkommen gegenwärtig um 10 Prozent
höher als im Vorjahr - Landmaschinenindustrie
verzeichnet starke Belebung
(80 Zeilen)

Seite

7

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11

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES OPTISCHES GERÄT ERMÖGLICHT GENAUERES
STUDIUM DES UNIVERSUMS
(14 Zeilen)
NEUES CHEMISCHES PRÄPARAT GEGEN BLUTGERINNSEL
(12 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
AUS DEM AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTSLEBEN
Stahlarbeiter melden Tarifforderungen an Textilarbeiter-Wohlfahrtsfonds 142 Mio Dollar Petrillo lehnt erneute Kandidatur ab - Gewerkschaftsversicherung mit 1,0 Mrd. Dollar Bestand
(55 Zeilen)

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Wirtschaft
undArbeit
6. Juni

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFT HEUTE (il)
Die Produktivität und der Einfluß auf die
Mechanisierung (98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AKTIENSTREUUNG WIRD IMMER BREITER
Aktiensparprogramme tragen sehr zur Popularisierung
des Wertpapiers bei - Erhebliche Steigerung in der
Zahl der Aktionäre bei Großunternehmen
(70 Zeilen)

Seite

US-WIRTSCHAFT VERTRAUT AUF SELBSTHILFE
Rationalisierung von Produktion und Verkauf
sowie verstärkte Forschungs- und Entwicklungsprogramme sollen Konjunkturauftrieb einleiten
(54 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK •
EINFLUSS VON KUNSTDÜNGER UND BEWÄSSERUNG
AUF DIE ERTRÄGE
Ausgedehnte Versuche des US-Landwirtschaftsministeriums offenbarten auffallende Wechselbeziehung zwischen Kunstdünger und Bodenfeuchtigkeit
(35 Zeilen)

Seite

10

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFT UNTERHÄLT EIGENE BLUTBANK ZUM
WOHLE DER GEMEINDE
Als Ergänzung wurde jetzt fahrbare Blutsammelstelle in Betrieb genommen
(37 Zeilen, 1 Bild)

Seite

11

* * * * *

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13. Juni 1958

X. J a h r g a n g . N r . 23/C

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFT HEUTE (ill)
Absatzorganisationen, Agrarpreise und wirtschaftliche
Lage der Farmer (98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
LAGE IN DER STAHLINDUSTRIE HAT SICH GEBESSERT
Erhöhte Auftragseingänge und höhere Produktionsrate Ausdruck allgemeiner Belebung der Wirtschaft
(65 Zeilen)
ELEKTRIZITÄT AUS ATOMKRAFTWERKEN
Shippingport leitete neue Ära ein - Vier weitere
A-Kraftwerke bis 196O fertiggestellt
(70 Zeilen)

Seite 7

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
GELÄNDEGÄNGIGE "RAKETEN-SELBSTFAHRLAFETTE" MIT
"SCHLUMMERROLLEN"
(22 Zeilen, 1 Bild)

Seite 10

WELT DER ARBEIT
STUDIE UMREISST FORTSCHRITTE DER
AMERIKANISCHEN ARBEITNEHMER
(28 Zeilen)

Seite 11

IAM-GEWERKSCHAFT FEIERTE 70. GRUNDUNGSTAG
(16 Zeilen)

* * * * *

Seite 5

Seite 12

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und Arbeit

3 0 0 • Telefon Bad Godesbert; 713240

X. Jahrgang. Nr. 24/c

20. Juni 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
Mr. KELLY VERMIETET BÜROFACHKRÄFTE ALLER ART
50 000 Angestellte in 81 Städten der USA - Ein Anruf
genügt, und Mr. Kelly beseitigt plötzliche Personalschwierigkeiten
(76 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EIE ENTWICKLUNG DER FAMILIENEINKOMMEN ZWISCHEN
1947 ÜKD 1957
Zunahme der durchschnittlichen Realeinkommen von
461O auf 5480 Dollar - Aufrücken der unteren
Einkommengruppen in die höheren Klassen
(57 Zeilen)

Seite

4

KONJUNKTURPROBLEME HEUTE UND GESTERN
Die grundlegenden Unterschiede zwischen wirtschaftlichen ALschwächungspe rioden der Vor- und Nachkriegszeit
(98 Zeilen)
Seite

£

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
CIIEMIKALIE GEGEN V/ASSERVERDÜNSTUNG
(15 Zeilen)

Seite

SCHNELLSTE FIRNSCHRSIBMASCHINE DER Y.ELT
(7 Zeilen)

Seite

10

Seite

10

V&gt;ELT DER ARBEIT
AUSBILDUNG VON GEWERKSCHAFTLICHEM NACHWUCHS
AN DER Hi&gt;R7i.RD-UNIVERSIT£T
Gewerkschaftliche Schulungo- und Fortbildungsprogramme gev/innen immer mehr an Bedeutung
(52 Zeilen)

* * * * *

�!.

AMKRIKA

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und Arbeit

3 0 0 • Telefon Bad Godesberg 713240

X. Jahrgang. Nr. 25/C

27. Juni

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE REORGANISATION DER SOWJETISCHEN LANDWIRTSCHAFT
UND IHRE BEDEUTUNG (i)
\
Die Traktorenstationen und ihre wirtschaftlichen und
politischen Aufgaben
(165 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE US-WIRTSCHAFT ZUR JAHRESMITTE
Allgemeine wirtschaftliche Aktivität nimmt wieder
zu - Zufriedenstellende Entwicklung im Mai und Juni
(62 Zeilen)

Seite

AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE AUSLANDSHILFE
US-Aussenministerium veröffentlichte Studie über
Umfang und Ziel der sowjetischen Hilfe- und
Wirtschaftsoffensive
(98 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MODELL EINER RAUMSTATION
Wissenschaftliche Forschungsstation in 720 km Etfg. von
der Erde - Vier Mann Besatzung - 500 Mio DollarProjekt
(30 Zeilen, 2 Bilder)
Seite

13

WELT DER ARBEIT
20 JAHRE "FAIR LABOR STANDARDS ACT"
Vor 20 Jahren wurde eines der wichtigsten Arbeitsgesetze der USA in Kraft gesetzt
(56 Zeilen)

15

* * * * *

Seite

�AMERIKA

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3 0 0 • Telefon Bad Godesbert; 713240

X. J a h r g a n g . Nr, 26/C

Wirtschaft
und Arbeit
4. Juli 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE REORGANISATION DER SOWJETISCHEN LANDWIRTSCHAFT
UND IHRE BEDEUTUNG (il)
Die strukturellen Veränderungen im Kolchossystem
(120 Zeilen)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
MODIFIZIERTES STÜTZUNGSPROGRAMM FÜR MINERALIEN
Weitgehende Rücksichtnahme auf ausländische
Erzeuger - Kleinbetriebe am meisten begünstigt
(86 Zeilen)
LAGE IM AUSSENHANDEL SCHEINT SICH ZU STABILISIEREN
Importe konnten hohes Volumen halten - Exporte
hatten beträchtliche Rückgänge im ersten Quartal
1958 zu verzeichnen
(80 Zeilen)

Seite

Seite

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MESSUNG DES VERSCHLEISSES VON KOLBENRINGEN
MITTELS RADIOAKTIVER SPURENELEMENTE
(14 Zeilen)

Seite

11

WELT DER ARBEIT
SENAT VERABSCHIEDETE WICHTIGEN ARBEITSGESETZENTWURF
(35 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

HERMAN D. KENIN ZUM NACHFOLGER PETRILLOS GEWÄHLT
(28 Zeilen)

# * * * *

�AMFRIKA

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Wirtschaft
und Arbeit

3 0 0 • Triefon Bad Godesbrr« 713240

X. Jahrgang. Hr. 27/C

11 . Juli 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE REORGANISATION DER SOWJETISCHEN LANDWIRTSCHAFT
UND IHRE BEDEUTUNC (III UND SCHLUSS)
Übergangsprobleme und Einfluß auf die Erzeugung
und Gesamtstruktur (120 Zeilen, 2 Karikaturen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE WIRTSCHAFTLICHE HILFE DER USA AN DIE PHILIPPINEN
Philippinen mit größter wirtschaftlicher Wachstumsrate
aller fernöstlichen Staaten (75 Zeilen)
Seite
AMERIKANER GABEN 1957 INSGESAMT 1,8 MRD. DOLLAR
FÜR AUSLANDSREISEN AUS
Auch für 1958 mit weiterem Anstieg zu rechnen
(60 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
BEOBACHTUNGS-FERNSEHKAMERA IN DER NEUEN "B-52G"
(15 Zeilen)

Seite

11

WELT DER ARBEIT
INVESTITIONEN PRO ARBEITSPLATZ 16 000 DOLLAR
MITTE 1957
Steigende Investitionen pro Produktionsarbeiter
in den USA - Doppelte Summe gegenüber 194&amp;
(40 Zeilen)

Seite

12

* * * * *

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Wirtschaft
und Arbeit

3 0 0 • Telefon Bad Godeiberg 713240

X. Jahrgang, Nr. 28/C

18. Juli 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN PRODUKTIVITÄT (i)
Die historischen Hintergründe - Größerer Anteil
aller am Bruttosozialprodukt
(76 Zeilen, 1 Bild)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ZUNEHMENDE ENTSPANNUNG IN DER US-WIRTSCHAFT
Auch bei den Fabrikationsbetrieben zeichnet sich
jetzt ein Aufschwung ab - Dauergüterindustrie
mit größten Zunahmen
(64 Zeilen)
Seite
WICHTIGSTE INDICES FOLGTEN WIEDER AUFWÄRTSTREND
"Führungsfaktoren" zeigen erneuten Auftrieb für
die nächsten Monate an
(84 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUARTIGES ELEKTRONISCHES RECHENGERÄT FÜR
KLEINERE BETRIEBE
Anschaffungspreis zwischen 8000 und 15 000
Dollar - Leichte Bedienung
(46 Zeilen, 1 Bild)

Seite

WELT DER ARBEIT
DIE US-GEWERKSCHAFTEN V/ENDEN SICH AN DIE ]
KUNST UND DIE KÜNSTLER
Immer stärkere Heranziehung von Künstlern
zur Ausgestaltung von Gewerkschaftsbauten
(46 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

* # * * *

11

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X» J a h r g a n g , N. «

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J/Q

Wirtschaft
und Arbeit
25. Juli 1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORT G^
DIE GESCHICHTE DER AMEi IRANISCHEN PRODUKTIVITÄT (il)
Die sozio og:sehen und wirtschaftlichen Faktoren
(90 Zeilen 1 ,cnaubild)
Seite
STREIFLICHTER AUS DLR US-' IR'T'SCl^FT
DIE WIRTSCHAFmLTCHE B^DEUTrNG ALASKAS
Unermeßlic . • Bodenschätze - aber nur wenige
Menschen
(52 Zeilen)

Seite

T

STARK VERBESSERTE E£^CHA&gt;T G JNGSLAGE IM JUNI
Anstieg der Besehaf t-g .en am 920 000
(82 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
GRÜSSTER LASTKRAFTWAGEN DER WELT
Gewicht im beladenen Zustand fast 200 Tonnen
(16 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

WELT DER ARBEIT
AUS DEM AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTLICHEN LEBEN
Durchschnittslöhne weiter angestiegen - Niedrigste Streikziffer der Nachkriegszeit für Mai Alaska gewerkschaftlich stark organisiert
(52 Zeilen)
# # * * *

Seite

10

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Wirtschaft
und Arbeit

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X. Jahrgang. Nr. 50/C

1 . August 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN PRODUKTIVITÄT

IUI}
Maschinenkraft, Erziehung und Fähigkeiten von
Management und Arbeitern
(98 Zeilen, 1 Schaubild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EINE "NEUE DIMENSION" IM US-EINZELHANDEL
Supermarkets mit Warenhausangebot probeweise
gestartet - Abkehr vom reinen Lebensmittelladen - Supermarketumsatz jährlich 25,2 Mrd.
Dollar (88 Zeilen, 2 Bilder)
VERSTÄRKTER WIRTSCHAFTLICHER AUFTRIEB IM JUNI
Wirtschaftlicher Auftrieb zeichnet sich immer
klarer ab - Zunahmen berühren fast alle Sektoren
(63 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
SPURELEMENTE UND ATOMSTRAHLEN IN DER
LANDWIRTSCHAFTSFORSCHUNG
Künstlich hervorgerufene Mutationen führen zu
ertragreicheren und widerstandsfähigeren Sorten
(70 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

Seite

Seite

Seite

10

DIE PRAXIS DER ZAHLUNG VON ENTLASSUNGSGELDERN
IN DER US-WIRTSCHAFT (i)
Verstärkte Bemühungen der Gewerkschaften um
Aufnahme von Abfindungsplänen in die Tarifverträge
(90 Zeilen)
Seite

14

WELT DER ARBEIT

* * * * *

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G o d e . b r rg I • P o i l l . r h

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8 . August

X. J a h r g a n g . N r . 51/C

1958

INHALTSVERZEICHNIS

V/IRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN PRODUKTIVITÄT

im

Die Einflüsse von Arbeits- und Kapitalmobilität
und der Spezialisierung (68 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ROHSTOFFMÄRKTE ZEIGEN STABILISIERUNGSTENDENZEN
Stärkste Einflüsse auf die künftige Preisstruktur
von der wirtschaftlichen Erholung in den USA zu
erwarten
(64 Zeilen)

Seite

DIE LAGE AUF DEN LANDWIRTSCHAFTLICHEN
MÄRKTEN IM JULI
Stark veränderte Verbrauchergewohnheiten
bei Kartoffeln - Viertgrößte Weizenernte
in diesem Jahr zu erwarten (68 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUARTIGE KÜCHENGERÄTE MIT "PFIFF"
(28 Zeilen, 5 Bilder)

Seite

10

WELT DER ARBEIT
DIE PRAXIS DER ZAHLUNG VON ENTLASSUNGSGELDERN
IN DER US-WIRTSCHAFT (il)
Die verschiedenen Pläne in Wirtschafts- und
Industrieunternehmen (98 Zeilen)

Seite

12

* * * * *

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X. Jahrgang. Nr. 52/c

Wirtschaft
und Arbeit
15. August 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN PRODUKTIVITÄT
(V und Schluß)
Die Rolle von Wissenschaft und Erfindungen
(70 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE AUSWIRKUNGEN VON FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
AUF DIE CHEMISCHE INDUSTRIE
Industriezweig mit weitaus größter Wachstumsrate Trotz rückläufiger wirtschaftlicher Entwicklung
wurden hohe Investitionen vorgenommen
(78 Zeilen)
^
Seite
ÄUSSERST GÜNSTIGE ZUKUNFTSAUSSICHTEN FÜR
DIE BAUWIRTSCHAFT
"Architectural Forum" erwartet Zunahme der
Aufwendungen für Neubauten aller Art um ^&gt;0ffo
in den nächsten zehn Jahren
(58 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
SCHNELLERE AUFTRAGSENTWICKLUNG DURCH
?o PCO km LAN3ES FERNSCHREIBNETZ
Neuartiger Kundendienst - Mobilisierung
der Hersteller- und Händlerläger
(50'Zeilen, 1 Bild)

Seite

WELT DER ARBEIT
DIE PRAXIS DER ZAHLUNG VON ENTLASSUNGSGELDERN
IN DER US-WIRTSCHAFT (III und Schluß)
Verstärkte Bemühungen der Gewerkschaften um
Aufnahme von Abfindungsplänen in die
Tarifverträge
(98 Zeilen)

Seite

* * * * #

11

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22. August 1958

X. Jahrgang. Nr. 35/C
INHALTSVERZEICHNIS

WELT DER ARBEIT
SONDERREPORTAGE
TAG DER ARBEIT 1956 : US-GEWERKSCHAFTEN ZIEHEN BILANZ
Feiertag des ganzen Volkes - Soziale Gerechtigkeit
bleibt das Ziel (220 Zeilen , 3 Bilder)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
VIERJÄHRIGE VERLÄNGERUNG DES US-GESETZES
ÜBER GEGENSEITIGE HANDELSABKOMMEN
Erfolg der liberalen Kräfte der amerikanischen
Handelspolitik - 20prozentige Zollsenkung bis
1962
(65 Zeilen)
MEHR ARBEITSPARENDE MASCHINEN FÜR DIE
US-LANDWIRTSCHAFT
Trends in der amerikanischen Landmaschinenindustrie
Mechanisierung - ein Mittel zur Leistungs- und
Rentabilitätssteigerung (90 Zeilen, 1 Bild)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUER REAKTOR FÜR MEDIZINISCHE ZWECKE
Therapie und Forschung auf neuen Wegen Möglichkeiten der Krebsbekämpfung (52 Zeilen)

* * * * *

Seite

5

Seite

8

Seite

11

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X. Jahrgang, Nr. 34/C

29. August 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS PROBLEM DER WIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG UND
DIE GEGENSEITIGE ABHÄNGIGKEIT DER STAATEN (i)
Die Welt als wirtschaftlich-soziale Einheit Neuordnung des internationalen Wirtschaftsgefüges
unaufschiebbar
(98 Zeilen)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ANZEICHEN EINER WIEDERBELEBUNG DER WIRTSCHAFTSTXTIGKEIT MEHREN SICH
Geld wird teurer - Mehr Aufträge erwartet Beendigung des Lagerabbaus
(92 Zeilen)

Seite

1,

Seite

DAS WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNGSPROGRAMM DER
USA NIMMT GESTALT AN
Eisenhowers Vorschlag zur Errichtung einer
Entwicklungsbehörde für den Nahen Osten Lateinamerika ein weiterer Schwerpunkt
(92 Zeilen)

Seite

8

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
EIN NEUES PAPIER - ELASTISCH UND REISSFEST
(18 Zeilen)

Seite

11

Seite

11

Seite

12

Seite

12

Seite

13

BRUCHSICHERE KUNSTSTOFF-FENSTER
(10 Zeilen)
EIN "KUGELSCHREIBER" FÜR LEIM
(8 Zeilen)
EINE FARBE. DIE GEFÄHRLICHE HITZE ANZEIGT
(6 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
INDUSTRIEUNTERNEHMEN WIRBT UM ÖFFENTLICHES
VERTRAUEN
Tag der offenen Tür hat großen Erfolg Partnerschaftsprogramm findet Unterstützung
der Gewerkschaften
(72 Zeilen, 1 Bild)

�1

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5. September

X» Jahrgang. Nr. 55/C

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS PROBLEM DER WIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG
UND DIE GEGENSEITIGE ABHÄNGIGKEIT DER STAATEN (II)
Enorme Investitionsmöglichkeiten in Europa - Auslandskapital als Anstoß zu selbständigem Wachstum
in den Entwicklungsländern (118 Zeilen)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ZAHLEN DES US-HANDELSMINISTERIUMS BEWEISEN
ENDE DER REZESSION
Neue Rekordhöhe des Personaleinkommens Verteidigungsausgaben kein Anti-Rezessionsmittel
(76 Zeilen)
DREI-PUNKTE-PROGRAMM FÜR WELTBANK UND
WAHRUNGSFONDS
Eisenhowers neue Initiative - Entwicklungsinstitut
als Tochtergesellschaft der Weltbank vorgeschlagen
(68 Zeilen)

Seite

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
EIN NEUES ELEKTRONENGEHIRN, DAS SICH SELBST
SEINE INSTRUKTIONEN SCHREIBT
(20 Zeilen)
Seite
ELEKTRONENMASCHINE LIEST ADRESSEN UND SORTIERT POST
(20 Zeilen)
Saite
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTLER BESUCHEN DIE UNIVERSITÄT
Erstklassige Ausbildung für Funktionäre und
Gewerkschaftsmitarbeiter - Grundlage für Rolle
im öffentlichen Leben
(52 Zeilen, 1 Bild)

* * * * *

Seite

11
12

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12. September 1958

X. Jahrgang« Nr. 56/C
INHALTSVERZEICHNIS

V/IRTSCHAFTSREPORTAGE
WISSENSCHAFTLER VERHELFEN HOLZ UND HOLZPRODUKTEN
ZU NEUER BEDEUTUNG
US-Holzindustrie produziert nach Rezepten eines
Staatslaboratoriums - Erfolg: ein Material, das
billiger, aber widerstandsfähiger ist als Sperrholz
(98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ERHOLUNG DES US-AUSSENHANDELS ALS FOLGE
DES V/IRTSCIIAFTSAUFSCHWUNGS
Juni-Einfuhren höher als die des Vergleichsmonats
1957 - Hauptwirkung der steigenden Wirtschaftstätigkeit auf den Außenhandel erst 1959 zu erwarten
(65 Zeilen)

Seite

5

Seite

8

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
RENTABILITÄTSGRENZE FÜR ATOMSCHIFFE IN SICHT
Betriebskosten für Atom- und konventionelle
Schiffe 1980 etwa auf gleicher Höhe - Unterseetanker bieten große Vorteile
(40 Zeilen, 1 Bild)

Seite

11,

WELT DER ARBEIT
20 JAHRE US-GESETZ ÜBER DIE ARBEITSBEDINGUNGEN
UND LÖHNE
Bestimmungen, die für den amerikanischen Arbeiter
bares Geld bedeuten
(54 Zeilen)

Seite

15

NEUES US-GESETZ ZUR FÖRDERUNG DER KLEIN- UND
MITTELBETRIEBE
Bessere Kreditversorgung und Steuererleichterungen Selbständiges Amt für Klein- und Mittelbetriebe
(85 Zeilen)

* * * # *

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und Arbeit

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X. Jahrgang. Nr. 57/c

19. S

temb^r 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTEREPORTAGE
PliERTO RICO RUNDET WIRTSCHAFTLICHES Al'FBAUPRQGRAMM AB
Verstärkte Bemühungen zur Verbreiterung der landwirtschaftlichen Struktur - Schaffung von Verarbeitungsanlagcn landwirtschaftlicher Erzeugnisse und Ausbau
von Absatzorganisationen (98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AIS DER US-WIRTSCKAFT
WACHSENDES AUSLANDSANLEIHEGESCHÄFT DER
US-KANDELSBANKEN

Durchschnittliche Gesamthöhe der langfristigen
Anleihen gegenwärtig bereits 1,0 Mrd. Dollar pro Jahr
(60 Zeilen)

Seite

DIE ATOMVERSICHERÜ'NG GEWINNT ILILIKR i.lEHR AN BEDEUTUNG
Amerikanische Versicherungounternehmen bieten bereits
umfassende Risikodeckung (80 Zeilen)

Seite

7

AMERIKANISCHE KOLLEKTIVSCHAU AUF DER IKOFA
(28 Zeilen)

Seite

10

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WIDERSTANDSFÄHIGE VERSANDBEHÄLTER AUS ZUCKERROHRBACASSE
(16 Zeilen)
Seite 11;
UNSINK3ARES BOOT AUS EINEM GUMMI- UND KUNSTSTOFFQEMISCH
(18 Zeilen)
Seite 12
WELT DER ARBEIT
UNFALLVERHÜTUNGSMASSNAHMEN MIT GEWERKSCHAFTLICHER
UNTERSTÜTZUNG FÜHREN ZUM ERFOLG
Eigene Sicherheitsausschüsat; der Gewerkschaften Sicherheitsbestimmungen in den Tarifverträgen
(72 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

Seite

13

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26. September 1958

X. Jahrgang. Nr. 38/c
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ANTIBIOTIKA ALS HELFER DER LANDWIRTSCHAFT
Schnellere und wirtschaftlichere Tieraufzucht Wirksame Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten Große Erfolge auf dem Gebiet der Nahrungsmittelkonservierung
(98 Zeilen)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WIRTSCHAFTLICHER AUFTRIEB SETZT SICH VERSTÄRKT FORT
Produktionsindex bereits wieder um 11 Punkte
gestiegen - Stahlindustrie weist höhere Auftragseingänge auf
(78 Zeilen)
Seite
REKORDWEIZENERNTE TROTZ*VERMINDERUNG DER ANBAUFLÄCHE
Gesamtertrag 1,4 Mrd. Bushel - Gesamtvorrat an
Weizen 2,3 Mrd. Bushel - Eigenverbrauch nur 610
Mio Bushel - Auch andere Getreidearten im Überfluß
(50 Zeilen)
Seite
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ARMBANDUHRGROSSE. AUFLADBARE TROCKENZELLENBATTERIE
Große Unempfindlichkeit - Lebensdauer von zehn Jahren
(30 Zeilen, 1 Bild)
Seite

10

WELT DER ARBEIT
TROTZ WIRTSCHAFTLICHER ABSCHWÄCHUNG STIEGEN
DIE LÖHNE WEITER AN
(28 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

Seite

14

GERINGFÜGIGER ANSTIEG DER UNFALLRATE IM II.QUARTAL
(23 Zeilen)
GÜNSTIGE ENTWICKLUNG DER BESCHAFTIGUNGSLAGE
IM AUGUST
(14 Zeilen)

* * * * *

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X. J a h r g a n g , N r .

39/C

3. Oktober

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
PRAKTISCHE ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR
SONNENENERGIE
Verschiedene Geräte werden bereits auf kommerzieller
Basis hergestellt - "Sonnenuhr", Radios und Warnlampen - Viele neuen Anwendungsmöglichkeiten
(76 Zeilen, 2 Bilder)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EINE VIEL BEACHTETE ENTSCHEIDUNG
Präsident Eisenhower verfügte Importquoten für
Blei und Zink
(62 Zeilen)
SELBST AUF DEM INVESTITIONSSEKTOR IST SCHON
EINE BELEBUNG FESTZUSTELLEN
Schnellere Erholung als erwartet - Investitionen
folgen diesmal nicht dem "klassischen" Trend
(78 Zeilen)
.
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"KQDEL" - EINE NEUE CHEMIEFASER
(20 Zeilen)
NEUES LEICHTES MILITÄRFAHRZEUG
(16 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
MECHANIKER IM AÜT0HANDWERK ERRINGEN ANERKENNUNG
ALS FACHARBEITER
IAM-Gewerkschaft stellte sich hinter die Automechaniker - Verbesserung der Arbeitsbedingungen auch
für unorganisierte Automechaniker erwartet
(53 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

Seite

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4

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11:

Seite

12

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Wirtschaft
und Arbeit

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10. Oktober 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
WUNDER AUS MOLEKÜLEN (i)
Von der Schießbaumwolle bis zum Bakelit
(62 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ÜBERRASCHEND HOHER ANSTIEG DER PRODUKTIVITÄT
IN DEN USA
W a c h s t u m s r a t e im I I . Q a r t a l um s i e b e n P r o z e n t
h ö h e r a l s 1957 - N i c h t u n e r h e b l i c h e Auswirkungen
a u f den A r b e i t s m a r k t
(90 Z e i l e n )

Seite

STEIGENDE TÄTIGKEIT DER EXPORT-IMPORT-BANK
ERWARTET

Gesamtkreditsumme im Rechnungsjahr 1959 a^f
1,1 Mrd. Dollar geschätzt - Ausweitung des
Welthandels im Sog des neuen Konjunkturaufschwungs in den USA
(60 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"PIPEMOBILE" - EIN NEUARTIGES GERÄT FÜR
DEN KANALISATIONSBAU
(14 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

9

NEUE VERWENDUNGSZWECKE FÜR "PYROCERAM"
(12 Zeilen)

Seite

10

Seite

11

WELT DER ARBEIT
FERNSEHFILME ZEIGEN "AMERIKANER BEI DER ARBEIT"
Gewerkschaften kommen über TV ins Haus - Gewerkschaftliche Öffentlichkeitsarbeit auf neuen Wegen
(44 Zeilen)
* * * * *

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17. Oktober

X. J a h r g a n g . N r . 41/C

1958

IMIIALT SVERZEI CiiNI S

WIRTSCKAFTSREPORTAGE
WUNDER AUS MOLEKILEN (II)
Die Geheimnisse der Riesenmoleküle
(95 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

' ERSTES ABSINKEN DER LEBENSHALTUNGSKOSTEN
SEIT ZWEI JAHREN
Stabilisierung des Verbraucherpreisindexes
trotz Konjunkturaufschwung - Aber leichte
Preiserhöhungen bei einigen wichtigen Metallen
(70 Zeilen)

Seite

5

STÜRMISCHE ENTWICKLUNG DER PETROCHEMISCHEN
INDUSTRIE
Weltproduktion bis 1965 verdoppelt - Gesamtinvestitionen in der petrochemischen Industrie
Westeuropas 196O auf 1,2 Mrd. Dollar geschätzt
(55 Zeilen)

Seite

8

NEUARTIGER KLEINER, ABER KOCHLEISTUNGSFÄHIGER
GASTURBINENMOTOR
(16 Zeilen)

Seite

10

SPSZIALBINDEMITIEL FÜR METALLTEILE
(13 Zeilen)

Seite

11

BRACHTE TARIFABKOMMEN MIT DEN
"GROSSEN DREI" UNTER DACH
|
(26 Zeilen)

Seite

12

EINNAHMERÜCKGANG DER "APL-CIO" IM LETZTEN
FINANZJAHR
(19 Zeilen)

Seite

13

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK

WELT DER ARBEIT
UAW-GEV/ERKSCHAFT

* * * * #

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X. Jahrgang. Nr. 42/c

24. Oktober

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
WUNDER AUS MOLEKÜLEN (ill)
Die Invasion der Kunstharze und Silikone
(95 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EIN NEUER ABSCHNITT IN DER INTERNATIONALEN
ZUSAMMENARBEIT
Verstärkte Bemühungen des Westens zur Förderung
des wirtschaftlichen Aufbaues in den Entwicklungsländern
(62 Zeilen)

Seite

WIRTSCHAFTLICHE EXPANSION, ERHÖHTE SOZIALE
SICHERHEIT UND BEVÖLKERUNGSZUWACHS
Bevölkerungszahl der USA stieg in den vergangenen
neun Jahren um 25 Millionen an - Folge der
NachkriegsProsperität
(85 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"AUTO-ABSTRACT,, - SCHREIBT KURZFASSUNGEN VON
ARTIKELN AUTOMATISCH
(15 Zeilen)

Seite

Seite

11

Seite

11

WELT DER ARBEIT
NEUE TARIFVERTRÄGE IN DER US-AUTOMOBILINDUSTRIE
MIT BEDEUTENDEN VERBESSERUNGEN
"Jährlicher Verbesserungsfaktor" und "Steigerungsbonus"
gewährleisten regelmäßige Lohnaufbesserungen - Vorteile
für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Verbraucher
(82 Zeilen)
Seite

12

NEUER INDUSTRIE-RÖNTGENFILM
(8 Zeilen)

* * * * *

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X. Jahrgang, Nr. 45/c

31. Oktober
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
WUNDER AUS MOLEKÜLEN (IV)
Von der Kunstseide zu den Chemiefasern
(98 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DAS GATT
USA auf neue Zollsenkungsrunde vorbereitet
(74 Zeilen)
'

Seite

BUDGETDEFIZIT UND WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG
Geringeres Defizit auf Grund der günstigen
Einnahaeentwicklung möglich
(64 Zeilen)

• Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
FERNSEHTELESKOP FÜR HIMMELSAUFNAHMEN
(16 Zeilen)

Seite

NEUES ANTIBIOTIKUM GEGEN PFLANZENKRANKHEITEN
(10 Zeilen)

Seite

SOJABOHNE "SHELBY" VERSPRICHT PRODUKTIONSREKORDE
(5 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
DIE ENTWICKLUNG VON LOHN, PRODUKTIVITÄT
UND BEZAHLTEM URLAUB IN DEN USA
Zwei Studien des Bundesamts für Arbeitsstatistik
- Lohnanstieg 2,9 Prozent, Produktivitätszuwachs
2,5 Prozent pro Jahr
(52 Zeilen)

Seite

*

* * * *

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7 . November 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
STROM AUS RADIOISOTOPEN
Reaktor-Rückstände a l s Kraftquelle
(86 Z e i l e n , 2 S c h a u b i l d e r )

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ENTWICKLUNGS-ANLEIHEFONDS HAT SICH BEWAHRT
Seit Januar Anleihen in Höhe von 464 Mio
Dollar an Entwicklungsländer vergeben
(60 Zeilen)

Seite

BINNENKONJUNKTUR HAUPTANTRIEBSFEDER FÜR
WIRTSCHAFTLICHE ERHOLUNG IN DEN USA
Exporte hatten bisher keinen Einfluß Rückgang gegenüber 1957 um 18 Prozent
(80 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ERWEITERTE ISOTOPENANWENDUNG IN DER INDUSTRIE
Gemeinschaftsprogramm von US-Regierung und
Privatwirtschaft'
(JO Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
FRAUENARBEIT IN DEN USA GE.VINNT AN BEDEUTUNG
22 Mio weibliche Arbeitskräfte - Die meisten
gut bezahlten Stellen von 45-54jährigen bekleidet
(52 Zeilen)
Seite 11
* * * * *

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14. November 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
MEHR AKTIONÄRE ALS ARBEITNEHMER
Die 100 größten US-Unternehmen demonstrieren
Wesen und Wirken des "Jedermannskapitalismus"
(120 Zeilen)

Seite

1

US-ANTITRUSTGESETZGEBUNG ZEITIGTE GÜNSTIGE
AUSWIRKUNGEN
Ergebnisse einer Studie - Sicherung der Gleichheit der Chancen und fairer Geschäftsbedingungen
(86 Zeilen)

Seite

6

AUSSICHTEN FÜR DAS JAHR 1959 SIND GUT
Allgemein stetige Aufwärtsentwicklung vorausgesagt Preise und Lebenshaltungskosten dürften weiterhin
stabil bleiben (70 Zeilen)

Seite

9

Seite

12

AUTOMATISCHE BLINDLANDUNG MIT 10OPR0ZENTIGER SICHERHEIT
(16 Zeilen)
" Seite

13

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES VERFAHREN ZUR GASGEWINNUNG AUS ÖLSCHIEFER
(16 Zeilen)

WELT DER ARBEIT
JÄHRLICH 26 MILLIARDEN DOLLAR FÜR FREIWILLIGE
SOZIALLEISTUNGEN
(24 Zeilen)

Seite

14

DIE STREIKGELDER DER US-GEWERKSCHAFTEN
(18 Zeilen)

Seite

15

FAST 210 000 PERSONEN ERHIELTEN 1957/58 ZUWENDUNGEN
AUS DEM PEKSIONSFQNDS DER UMW-GEWERKSCHAFT
(18 Zeilen)

Seite

15

* * x * *

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21 . November 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
WASHINGTON ERHÄLT EINEN NEUEN DÜSENFLUGPLATZ
Vollkommen neuer Platz - Baukosten 100 Millionen
Dollar - Inbetriebnahme 1961
(48 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite

1;

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
FÜNF-PUNKTE- PROGRAMM FÜR EINE INTERNATIONALE
WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
Die Vorschläge Präsident Eisenhowers auf der
Ministerratstagung der Colomboplanstaaten
(76 Zeilen)

Seite

EIGEN-ERSATZKAPITAL FÜR KLEIN- UND MITTELBETRIEBE
Gedanken zum "Small Business Investment Act"
(84 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT -UND TECHNIK
NEUE ALUMINIUMLEGIERUNG ALS SCHUTZHÜLSE FÜR
BRENNSTOFFELEMENTE
(24 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
16 MILLIONEN DOLLAR FÜR VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE
(20 Zeilen)

Seite

10

GEWERKSCHAFTS- UND ARBEITGEBERVERTRETER
FORDERN LEHRLINGSWOCHE
(14 Zeilen)

Seite

11

ERSTES HALBJAHR 1958: NIEDRIGSTER STREIKSTAND
DER NACHKRIEGSZEIT
(9 Zeilen)

Seite

11,

* * * * *

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28. November

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER VERBRAUCHERSCHUTZ IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (i)
Die Nahrungsmittel- und Drogenschutzgesetze
(120 Zeilen)
Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE ANSTRENGUNGEN DER USA AUF DEM GEBIET DER
INTERNATIONALEN WIRTSCHAFT
Dulles1 Konzept einer internationalen Wirtschaftspolitik - Schaffung einer Weltgemeinschaft
unerläßlich
(72 Zeilen)

Seite

6

Seite

9

Seite

11

Seite

12

Seite

15

Seite

14

US-AUSSENWIRTSCHAFTSPOLITIK AUS DER PERSPEKTIVE
DER PRIVATWIRTSCHAFT
Meinungen und Ansichten auf der 45» Jahrestagung
des "National Foreign Trade Council"
(62 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUE METHODE ZUR FRÜHZEITIGEN LOKALISIERUNG
EINES HURRIKANS
(24 Zeilen)
1500 ASBESTFASERN DÜNNER ALS EIN MENSCHENHAAR
(14 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
NEUES EINSTELLUNGSSYSTEM FÜR HAFENARBEITER
($2 Zeilen)
ZWEI NEU-ERNENNUNGEN IM US-ARBEITSMINISTERIUM
(18 Zeilen)

* * * * *

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5. Dezember

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER YERBRAUCHERSCHUTZ IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (il)
Die Antitrustgesetzgebung und ihr Einfluß auf die
Wirtschaftsstruktur
(120 Zeilen)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AMERIKAS WIRTSCHAFTLICHE VORMACHTSTELLUNG
NICHT BEDROHT
US-Bericht über die Sowjetwirtschaft - Unterschied
zwischen Verbrauchs- und investitionsorientiertem
Wirtschaftssystem (90 Zeilen)
NUN AUCH AUFSCHWUNG IN DEN US-INVESTITIONSGÜTERINDUSTRIEN
25prozentige Auftragszunahme im Maschinenbau Kontinuierlicher Aufwärtstrend vorausgesagt
(75 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES INSTRUMENT ZUR ERFORSCHUNG DER ERDSTRUKTUR
(22 Zeilen)
WASSER-ENTSALZUNGSANLAGE HILFT KOSTEN SPAREN
(18 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
STÄNDIG STEIGENDER LEBENSSTANDARD
Ergebnisse einer Untersuchung in US-Unternehmen
Mehr materieller Wohlstand, aber auch größeres
Interesse an öffentlichen und ku-lturellen Angelegenheiten (64 Zeilen)

* *- * * *

Seite

Seite

Seite

11

Seite

12

Seite

13

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12 . Dezember 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER VERBRAUCHERSCHUTZ IN DEN VEREINIGTEN
STAATEN (III)
Die Gesetze zur Verhinderung des Mißbrauchs
von Rauschgiften - Die Aufgaben des USBundesamtes für Normen
(98 Zeilen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
LETZTE REZESSION VERMITTELTE NEUE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE ERKENNTNISSE
Amerikas Wirtschaftswissenschaftler analysierten
Ablauf der konjunkturellen Entwicklung im
vergangenen Jahr
(78 Zeilen)
Seite
MIT ZUNEHMENDEN VERBRAUCHERAUSGABEN ZU RECHNEN
Jüngste Verbraucheranalyse deutet auf höhere
Ausgaben, aber nicht auf Ausgabenboom hin
(68 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRONENHIRN FÜR SEENOTDIENST EINGESETZT
(15 Zeilen)

Seite

10

ZELLULOSEBILDUNG MIT RADIOAKTIVEM KOHLENSTOFF
UNTERSUCHT
(14 Zeilen)

Seite

10

Seite

11.

Seite

12

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFT MUSS ANDERE ARBEITNEHMER ÜBER
STREIKGRÜNDE INFORMIEREN
(24 Zeilen)
10 000-DOLLAR-PRÄMIE FÜR VERBESSERUNGSVORSCHLAG
(22 Zeilen)
WAHL VON SPITZENFUNKTIONÄREN UND GEHÄLTER
VON GEWERKSCHAFTSFÜHRERN

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50/C

19. Dezember 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER VERBRAUCHERSCHUTZ IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (IV)
Schutz von Spareinlagen und Hypotheken
(130 Zeilen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AUSSENHANDELSBILANZ 1958
Starker Rückgang der Exporte bei behaupteten
Importen - Erhöhung der Gold- und Dollarreserven
der anderen Länder um rund 3»5 Mrd. Dollar
(88 Zeilen)

Seite

INVESTITIONEN FOLGEN DEFINITIV DEM'AUFWARTSTREND
Jahresrate im IV. Quartal 1958 rund 29,9 Mrd.
Dollar - Anstieg im I. Vierteljahr 1959 a u f
30,5 Mrd. Dollar erwartet
(46 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES FRISCHHALTEVERFAHREN FÜR SEEFISCHE
(19 Zeilen)
"THERMALINE"
EINZELRAUM
(14 Zeilen)

Seite

11

Seite

12

Seite

13

Seite

14

Seite

15

DIE KLIMAANLAGE FÜR DEN

WELT DER ARBEIT
MITCHELL WILL "FAIR LABOR STANDARDS ACT"
VERBESSERN
(32 Zeilen)
"UMW"-GEWERKSCHAFT SCHLOSS NEUEN TARIFVERTRAG
(20 Zeilen)
AUCH "STUDEBAKER-PACKARD" SCHLOSS NUN NEUEN
VERTRAG MIT "UAW"-GEWERKSCHAFT
(30 Zeilen)
ZUR BEACHTUNG:

Seite

Unsere nächste Ausgabe WIRTSCHAFT
UND ARBEIT erscheint am 9. Januar 1959
* * * # *

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IX. Jahrgang, Nr. 1/Y

Für die Jugend
Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
AUS SEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (l)
Emily Dickinson, die dichtende Jungfer mit
dem strengen, wilden Herzen wurde zum Vorläufer der modernen Lyrik
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

BABYSITTER STARK GEFRAGT
Ein Nebenberuf wird zum Milliardengeschäft
(45 Zeilen, 1 Bild)

Seite

DER AMERIKANISCHE TEENAGER
Der amerikanische Jugendliche unter
20 Jahren und was ihn beschäftigt
(54 Zeilen, 4 Bilder)

Seite

DAS SCHWARZE BRETT
NOTIZEN VON DRÜBEN UND HÜBEN
(45 Zeilen)

* * * * *

Seite

1

10

�AM K K I K A D I L N S T
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IX. Jahrgang. Nr. 2/Y

F Ü T CÜC J u S C I l C t

Februar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
MEILENSTEINE IN DER GESCHICHTE DER USA
Abraham Lincoln (zum Geburtstag des 16. Präsidenten
der USA am 12. Februar)
George Washington (zum Geburtstag des 1. Präsidenten
der USA am 22. Februar, der in
Amerika als Nationalfeiertag
begangen wird)
(128 Zeilen, 2 Bilder)
Seite

1

ÜBER DEN STUFEN DES KAPITOLS
Wo die amerikanischen Gesetze entstehen
(80 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

6

TEILE DEINE GEBURTSTAGSGESCHENKE
Die Freundschaft unserer Kinder sichert
den Frieden von Morgen
(30 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

Seite

11

IMMER EINE FREUDE

Seite

12

FÜNFZIG JAHRE HOLLYWOOD

Seite

12

"GULLIVERS REISEN" WERDEN VERFILMT

Seite

13

EINE FRAU AM RADIOTELESKOP

Seite

13

DIEBSTAHL VON STAATSEIGENTUM EIN
KAPITALVERBRECHEN
(69 Zeilen)

Seite

13

DAS SCHWARZE BRETT
WIE ENTSTEHEN SCHNEEFLOCKEN?
KÜNSTLICHE NIEDERSCHLÄGE - NICHT

* * * * *

�A M KRIK A

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Für die Jugend

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IX. Jahrgang, Nr.

3/Y

März 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL

AUS DEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (il)
Der Mensch in Auflehnung gegen ein blindes
Schicksal - Das Tragische in Herman Melvilles
Werk und Leben
(86 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

DIE
Die
Von
(60

Seite

BESTEN AMERIKANISCHEN FILME VON 1957
Filmindustrie umwirbt das Publikum
Norman Smith
Zeilen)

ERDSATELLITEN ENTHÜLLEN GEHEIMNISSE DER IONOSPHÄRE
Wissenschaftliche "Überraschungen" durch EXPLORER
(94 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

DAS SCHWARZE BRETT
WUSSTEIT IHR DAS.
(24 Z e i l e n )

Seite

#

*

*

*

*

1.0

�AM F. RI KA DI E N S T
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IX. J a h r g a n g . N r . 4/Y

Für die Jugend
April 1958

INHALTSVERZEICHNIS
AUS DEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (ill)
Robert Frost - ein Dichter des Alltags
Zum 84- Geburtstag des Nestors der
amerikanischen Lyriker
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite

LAND UND LEUTE
Osterbräuche in den Vereinigten Staaten
(65 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

DIE BRÜSSELER WELTAUSSTELLUNG
Ein Gang durch den Pavillon der Vereinigten Staaten
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

DAS INTERNATIONALE JUGENDFORUM IN NEW YORK
"Die Welt, die wir erstreben"
(38 Zeilen)

Seite

»
11

DAS SCHWARZE BRETT
Kinder
adoptieren Großeltern
Kinder aflopl
(15 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

Hundert Millionen selbstgeschneiderte
Kleidungss tücke
(10 Zeilen)
* * * * * * *

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IX. J a h r g a n g . Nr. 5/Y

Für die Jugend
Mai 1958

INHALTSVERZEICHNIS

AUS DEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (IV)
über den Jordan und ins Paradies
Die Spirituals der amerikanischen Neger
(64 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1

Seite

4

Seite

6

DIE WELT. DIE WIR ERSTREBEN
Das 12. Jugendforum der "New York
Herald Tribüne"
(60 Zeilen, 1 Bild)
VIEHZUCHT UND FUTTERKUNDE
I

I

!

I

Die Lieblingsfächer der Cecilia Marks
aus Louisiana
(36 Zeilen, 1 Bild)

DAS SCHWARZE BRETT
Amerikanische Filme auf der Weltausstellung
(14 Zeilen)

Seite

Unser Freund, das Atom - ein neuer
Dokumentarfilm
(4 Zeilen)

Seite

8

Was lesen die Amerikaner zur Zeit?
(15 Zeilen)

Seite

9

Amerikanische Geschichte in Wachs
(7 Zeilen)

Seite

9

Neuer Schallplattenjockei für "Music USA"
(9 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

*

* * * * * *

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IX. J a h r g a n g , N r . 6/Y

Für die Jugend
Juni 1958

INHALTSVERZEICHNIS

DAS INTERNATIONALE GEOPHYSIKALISCHE JAHR
WINTER AM SÜDPOL
Wissenschaftliche Arbeit unter Strapazen
und Entbehrungen
(120 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1,

Seite

6

Seite

8

Der Büchermarkt Amerikas im Jahre 1957
(10 Zeilen)

Seite

10

Mehr Museumsbesuche als Baseballbegeisterte
(11, Zeilen)

Seite

U

Welturaufführung einer Menottioper in Brüssel
(6 Zeilen)

Seite

11

Erfolgreiches "Sonnenaufgangs"-Semester
(9 Zeilen)

Seite

12

ASTRONOMIE
ZEHN JAHRE RIESENAUGE AUF DEM MOUNT PALOMAR
Die Erfindung eines deutschen Optikers ermöglicht die Konstruktion des größten Teleskops der Welt
(65 Zeilen, 2 Bilder)
FARMJUGEND
JUGEND ZWISCHEN FARM UND FELDERN - DIE
A-E CLUBS
(46 Zeilen, 1 Bild)
DAS SCHWARZE BRETT

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IX. J a h r g a n g . Nr.

Für die Jugend
Juli

7/Y

1958

INHALTSVERZEICHNIS

MEILENSTEINE IN DER GESCHICKTE DER USA
STATIONEN AUF DEM 7/EGE ZUR DEMOKRATIE
Zum amerikanischen Unabhängigkeitstag
am 4« Juli
(85 Zeilen, 5 Bilder)

Seite 1

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
UTOPIE '.VIRD '.7IRKLICHKEIT
Flug zum Mond technisch bereits möglich
(98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

5

DAS PORTRAT
IRVING BERLIN - EIN AMERIKANISCHES EPOS
Er komponiert nur in Fis-Dur und kann nicht
Noten lesen
(58 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

DAS SCHWÄRZE BRETT
MIT 82 JAHREN AUF DER SCHULBANK
(16 Zeilen)

Seite

11

Seite

12

WUSSTET IHR SCHON?
(26 Zeilen)

* * * * *

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IX. Jahrgang. Nr. 8/Y

Für die Jugend
August 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
ALASKA - DER 49. STERN IN DER AMERIKANISCHEN
FLAGGE
Das "Große Land" im Norden der Vereinigten
Staaten
(156 Zeilen, 5 Bilder)

Seite

1

WUNDER DER WISSENSCHAFT AUF DER BRÜSSELER
WELTAUSSTELLUNG
Bunte Schneeflocken, künstliche Diamanten
und ein gummiweiches Metall
(120 Zeilen)

Seite

5

TEENAGER BRAUCHEN IMMER GELD
Nebenbeschäftigung für Jugendliche
(82 Zeilen)

Seite

10

Seite

13

DAS SCHWARZE BRETT
Europäer wählen Lincoln
(6 Zeilen)
Verständnis für zeitgenössische Kunst
(9 Zeilen)
Lateinisch-amerikanischer Plautus
(9 Zeilen)

Seite

13

Seite

1

Orientalistik gefragt
(9 Zeilen)

Seite

14

Hausfrauen springen für Lehrer ein
(10 Zeilen)

Seite

14

* * * **

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Für die Jugend
September 1958

IX. Jahrgang, Nr. 9/Y
INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
KONZERTE, DISKUSSIONSFCREN UND EINE
INTERNATIONALE BAND
Rückblick auf das Newport Jazz Festival 1958
Von Norman Smith
(60 Zeilen, 1 Bilc.

Seite

1

GRANDMA MOSES
Eine Sonntagsmalerin von 98 Jahren
(64 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

3

JUNGE FORSCHERTALENTE STELLEN SICH VOR
"Science Shows" als wirksames Mittel der
Begabtenförderung
(66 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

6

DAS SCHWARZE BRETT
165 Jahre Kapitol in Washington
(16 Zeilen, 1 Bild)

Seite

Vor hundert Jahren« Erste Postkutschenverbindung
Kutschenvorbindung St. Louis-San Francisco
(6 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

Gershwin wäre sechzig Jahre alt
(15 Zeilen, 1 Bild)

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10

Universität von Südkalifornien vergibt
Doktortitel für Filmkunst
(20 Zeilen)

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11

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�AMKRIK A

RIENST
U. S. Feature Serviee

Für die Jugend

Bad G o d e i b e r g 1 • P o s t f a c h 300 • Telefon Bad Godesberg 713257

Oktober 1958

IX. Jahrgang. Nr. 1 Q/Y
INHALTSVERZEICHNIS

AUS DEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (v)
• 75 JAHRE "MET"
Glorreiche Operntradition zwischen Wolkenkratzern
(60 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

1850 MEILEN TAUCHFAHRT UNTER DEM POLAREIS
Die große Pionierfahrt der USS Nautilus
(120 Zeilen, 5 Bilder)

Seite

4

VIER MILLIONEN ALIERIKANIS CHE MÄDCHEN SCHNEIDERN SELBST
(12 Zeilen)

Seite

9

DAS SCHWARZE BRETT
DENKWÜRDIGE DATEN
TT)Germantown
(20 Zeilen)

Seite 10

(2) Fragen Sie Herrn Webster
(16 Zeilen, 1 Bild)

Seite 11

(3) Theodore-Roosevelt-Gedenkjähr
(16 Zeilen)

Seite 12

(4) 51. Oktober, Halloween - Nacht der
Hexen und Geister
(35 Zeilen)

Seite 12

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�AMERIKA

DIENST
U. S. Feature Service

Bad

Godesberg

1 • Postfach

300

• Telefon Bad Godesberg 7 1 3 2 4 0

Für die Jugend
November

IX. Jahrgang. Nr. 11/Y

1958

INHALTSVERZEICHNIS
MEILENSTEINE IN DER ALIERIKANISCHEN GESCHICHTE
THANKSGIVING - DER AN TRADITION REICHSTE
FESTTAG AMERIKAS
Zum 27« November 1958
(78 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

KREUZ UND QUER DURCH DIE USA
MASSACHUSETTS - KEIMZELLE DER USA
Glückliche Synthese von Vergangenheit
und Gegenwart
(100 Zeilen, 4 Bilder)

Seite

4

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
DAVID MORRISON - EIN JUNIOR DER WISSENSCHAFT
Beobachtung der Sonnenfinsternis im Pazifik
(75 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

8

DAS SCHWARZE BRETT
KINDER ILLUSTRIEREN "ANDERSONS MÄRCHEN1
(5 Zeilen)

Seite

11

DISNEY STÖSST IN "WEISSE WILDNIS" VOR
(5 Zeilen)

Seite

11

UNICEF-BUCH ÜBER KINDER IN ALLER WELT
(12 Zeilen)

Seite

11

DER COWBOY BEKOMMT EIN DENKMAL
(7 Zeilen)

Seite

12

KATHOLISCHE KNABENSCHULE IN DER
JÜDISCHEN GEMEINDE
(9 Zeilen)

Seite , 12

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�AM KR IKA

DILNST
U. S. Feature Service

Bad

Gadeiberg1 • Pottfach

30«

• Telefoa Baal GaaVtberg 7 1 3 2 4 «

IX. Jahrgang. Nr. 12/Y

Für die Jugend
Dezember

1958

INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
"PUTZ" HEISST "KRIPPE"
Weihnachten im amerikanischen Bethlehem
(60 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

AUS DER ARBEIT EINES AMERIKANISCHEN
JUGKND-ROT-KREUZ-KLUBS
Weihnachtsfest für Ungarnflüchtlinge
(40 Zeilen, 1 Bild)

Seite

4

SCHULE AM RANDE DER WÜSTE
Das Leben auf einer Ranchschule in Arizona
(54 Zeilen, 1 Bild)

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DAS SCHWARZE BRETT
Eine Schule reist um die Welt
(9 Zeilen)

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Weihnachtssingen mit Bing Crosby
(8 Zeilen)

Seite

Flugschüler der Brüder Wright gründet
Luftfahrthistorisches Museum auf Long Island
(8 Zeilen)

Seite

Alte Indianersiedlungen in Colorado werden
freigelegt
(8 Zeilen)

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Kinder senden für Kinder
(12 Zeilen)

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�</text>
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                <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;3. I. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rückschau und Ausblick 1957/58&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 15. I. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower antwortet Bulganin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerika und seine Führungsrolle in der Technik&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede von James R. Killian&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 15. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower legt neuen US-Haushalt vor&lt;br /&gt;Auszüge aus der Budget-Kongressbotschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 22. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John Forster Dulles: Gipfelkonferenz nur bei wirklicher Aussicht auf Erfolg&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede vor dem amerikanischen Presseklub in Washington&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 22. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower unterbreitet Kongress Wirtschaftsbericht&lt;br /&gt;1. Text des Begleitschreibens&lt;br /&gt;2. Auszüge aus dem Wirtschaftsbericht&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Kernverschmelzung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung von Lewis L. Strauss&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Vorsitzender der amerikanischen AEC&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die amerikanischen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der kontrollierten Kernverschmelzungsprozesse&lt;br /&gt;Hintergrundmaterial, vorgelegt von Dr. Arthur E. Ruark, Leiter der Forschungsabteilung der AEC für Kontrollierte Kernverschmelzungsprozesse&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ziel der USA: Aufrechterhaltung der nationalen Unabhängigkeit der Völker im mittleren Osten&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede von John Forster Dulles vor der Bagdadpakt-Konferenz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 5. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das amerikanisch-sowjetische Abkommen über den kulturellen Austausch&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 12. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Griff nach den Sternen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 12. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Zivilluftfahrt in den Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 19. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des Antwortschreibens Präsident Eisenhowers an Ministerpräsident Bulganin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 26. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower tritt für Stärkung des gemeinsamen Sicherheitsprogrammes der USA ein&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 26. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower unterbreitet Auslandshilfeprogramm&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 28. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Brücken der Verständigung&lt;br /&gt;Die Rolle amerikanischer Stiftungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 28. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atompolitik im Zeitalter der Raumfahrt&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Auszug einer Rede, die Robert M. McKinney in Chicago gehalten hat&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Einführung in die Probleme und Möglichkeiten der Raumfahrt&lt;br /&gt;Auf Veranlassung Dwight D. Eisenhowers verfasst und herausgegeben vom Wissenschaftlichen Beirat des US-Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 3. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles fordert Verlängerung des Gesetzes über gegenseitige Handelsabkommen&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede, die US-Außenminister Dulles am 27. März 1958 in Washington gehalten hat&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 11. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Abrüstung - ein amerikanisches Anliegen&lt;br /&gt;(Hintergrundmaterial)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 25. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Gründe der USA für die vorläufige Fortsetzung der Kernwaffenversuche&lt;br /&gt;Auszüge aus einer Erklärung des Vorsitzenden der amerikanischen Atomenergie-Kommission, Admiral Lewis L. Strauss, vom 17.IV.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 2.V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower antwortet Chruschtschow&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut des Antwortschreibens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 2.V.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gemeinsame Sicherheit und Welthandel&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretärs für Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium, C. Douglas Dillon&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die OEEC und der wirtschaftliche Fortschritt in Westeuropa&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des Staatssekretärs im US-Außenministerium, Christian A. Herter, anlässlich der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen des europäischen Wirtschaftsrates&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 9. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sicherheitsmaßnahmen der USA für die Kernwaffenversuche im Pazifik&lt;br /&gt;Wortlaut der Verlautbarung der US-Atomenergie-kommission und des US-Verteidigungsministeriums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lodge erläutert amerikanischen Inspektionsplan für die Arktis&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung des US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 9. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John Forster Dulles umreißt amerikanische Außenpolitik&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede vor dem Institut für Atomenergiewirtschaft der Universität New Hampshire&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA: Rapaki-Plan nicht umfassend genug&lt;br /&gt;Wortlaut der US-Note an Polen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 9. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Probleme der Entwicklung und Stabilität der Wirtschaft&lt;br /&gt;Rede des Wirtschaftsberaters des US-Präsidenten, Dr. Gabriel Hauge, vor der deutschen Gruppe der internationalen Handelskammer in Berlin&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W 23. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Auslandshilfe eine Investition für den Aufbau einer friedlichen Welt&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen, Henry Cabot Lodge&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 30. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower schlägt Sachverständigen-Besprechung in Genf vor&lt;br /&gt;Wortlaut des Schreibens Präsident Eisenhowers an den sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow, überreicht an Moskau&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 13. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower: Die höchste Aufgabe des Offiziers ist die Verhinderung des Krieges&lt;br /&gt;Wortlaut-Auszüge aus der Ansprache Präsident Eisenhowers vor den Absolventen der US-Marineakademie in Annapolis (Maryland)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 27. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA veröffentlichen Dokumente zu den vorbereitenden Besprechungen für eine Gipfelkonferenz (16. Juni 1958) vom 04.06.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. Wortlaut des westlichen Memorandums vom 28.05&lt;br /&gt;2. Wortlaut des westlichen Aide Memoire vom 28.05&lt;br /&gt;3. Vorschlag zur Überprüfung der einzelnen Punkte zur Tagesordnung, der der UdSSR am 31.05 zugestellt worden ist&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 4. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Herbert Hoover, ehemaliger Präsident der Vereinigten Staaten, spricht am 4. Juli in Brüssel: Über die amerikanischen Ideale&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 11. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Murphy: USA jederzeit zu Verhandlungen bereit&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretärs im US-Außenministerium&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Robert Murphy vom 1. Juli in Hamilton (New York)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 11. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower ersucht Kongress um gesetzliche Regelung der Befugnisse des Außenministers bezüglich der Beschränkung von Reisepässen&lt;br /&gt;Wortlaut der Botschaft vom 07.07.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 25. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower gibt Entsendung amerikanischer Truppen nach dem Libanon bekannt&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lodge informiert Vereinte Nationen über amerikanische Truppenlandung im Libanon&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rundfunk und Fernsehansprache Präsident Eisenhowers über die Lage im nahen Osten&lt;br /&gt;Wortlaut&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower begründet den amerikanischen Schritt in nah Ost vor dem Kongress&lt;br /&gt;Wortlaut der Botschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Außenministerium gibt Einzelheiten der Infiltration im Libanon bekannt&lt;br /&gt;Wortlaut des Berichts&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;UN-Ausschuss fordert Wiederherstellung der Menschenrechte in Ungarn&lt;br /&gt;Wortlaut des Berichts&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 1. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dulles: Entwicklungen in Nahost unterstreichen Notwendigkeit der Auslandshilfe&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung vom 18.07.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Briefwechsel zur Frage einer Gipfelkonferenz über die Situation im nahen Osten&lt;br /&gt;Antwortschreiben Präsident Eisenhowers vom 22.07.58 auf das Schreiben Ministerpräsident Chruschtschows vom 19.07.58&lt;br /&gt;Beide Schreiben im Wortlaut&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Zusammenarbeit zwischen Euratom und USA&lt;br /&gt;Wortlaut einer Erklärung von C. Douglas Dillon&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;US-Außenminister ersucht Kongress um Befugnis zur Verminderung von Auslandsreisen amerik. Kommunisten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut einer Erklärung von Robert D. Murphy&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 8. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower schlägt Sicherheitsratsitzung für 12. August vor&lt;br /&gt;Wortlaut des Schreibens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 8. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atome für den Frieden&lt;br /&gt;Ausstellungs und Filmprogramm für die II. Genfer Atomkonferenz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 15. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede Präsident Eisenhowers vor der UN-Vollversammlung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA veröffentlichen Memorandum über Chinapolitik&lt;br /&gt;Wortlaut des vom US-Außenministerium herausgegebenen Memorandums&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 22 VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;John Forster Dulles: Frieden nur durch Recht und Gerechtigkeit&lt;br /&gt;Wortlaut einer Ansprache vor der Jahrestagung des Kriegsteilnehmerverbandes&lt;br /&gt;"Veterans of Foreign Wars of the US" in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 29. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower schlägt Einstellung der Kernwaffenversuche vor&lt;br /&gt;Wortlaut der Erklärung vom 22.08.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Konferenz der Atomsachverständigen in Genf beendet&lt;br /&gt;1. Wortlaut des Kommuniqués&lt;br /&gt;2. Wortlaut einer Erklärung von Dr. James Brown Fisk, Leiter der westlichen Expertengruppe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;John Forster Dulles: Sicherheit der kleinen Nationen muss gewährt werden&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede zum arabischen Kompromissvorschlag vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 5. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomsachverständige veröffentlichen Bericht&lt;br /&gt;Erläuterungen der US-Regierung zu dem Bericht, als Ergebnis ihrer Genfer Besprechungen am 30.08. veröffentlicht haben&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 19. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower unterstreicht feste Haltung der USA in der Fernostkrise&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Präsidenten vom 11.09.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower antwortet Chruschtschow&lt;br /&gt;Wortlaut des Schreibens vom 13.09.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 26. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dulles umreißt Außenpolitik der USA vor der UN-Vollversammlung in New York&lt;br /&gt;Wortlaut des Schreibens vom 13.09.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dulles umreißt Fernostpolitik der USA&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede vor dem Fernost-Amerikarat für Handel und Industrie in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 3. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Formosakrise berührt die Grundprinzipien der NATO&lt;br /&gt;Wortlaut der Rede des US-Außenministers John Forster Dulles vor der Atlantikpakt-Gesellschaft in Boston&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 10. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower umreißt Ziele der amerikanischen Fernostpolitik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut des Antwortschreibens Präsident Eisenhowers an Senator Theodore Green, Vorsitzender des außenpolitischen Senats-Ausschusses vom 04.10.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 17. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Lodge umreißt US-Einstellung zur Abrüstungsfrage&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten bei den Vereinten Nationen vom 10.10.58 vor dem Ersten Politischen Ausschuss der UN-Vollversammlung in New York&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 12. XII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dulles umreißt US-Außenpolitik&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Wortlaut einer Rede des US-Außenministers, gehalten vor der Handelskammer in Kalifornien in San Francisco am 04.12.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 19. XII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Das internationale geophysikalische Jahr 1957/58&lt;br /&gt;Die Wissenschaft machte Inventur&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 22. XII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA-Memorandum zu Berlin&lt;br /&gt;Wortlaut des vom US-Ministerium veröffentlichten Memorandums über die rechtlichen Aspekte der Berlinfrage&lt;/p&gt;</text>
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3.

I»

Rueckschau und Ausblick 1957/58

15»

I«

Praesident Eisenhower ueber die Lage der Nation.

9»

I«

12«

I,

7*

I«

praesident Eisenhower legt neuen US-Haushalt vor.
Auszuege aus der Budget-Kongresabotschaft

13«

I«

John Forster Dulles: Gipfelkonferenz nur bei
wirklicher Aussicht auf Erfolg»
Wortlaut der Rede vor dem amerikanischen Presseklub in Washington»
/

16«

I,

24«

I&lt;

Fraesident Eisenhower antwortet Bulganin«
Amerika und seine Fuehrungsrolle in der Technik»
Wortlaut einer Rede von James R. Killian
W

A

15«

22»

X«

I»

W

22«

I, praesident Eisenhower unterbreitet Kongress Wirtschaf tsbericht.
1« Text des Begleitschreibens
2, Auszuege aus dem Wirtschaftsbericht
/

A

29»

X«

Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Kernverschmelzung«
Wortlaut der Erklaerung v«n Lewis L. Strauss
Vorsitzender der amerikanischen AEC - ^

Die Amerikanischen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet
der kontrollierten Kernverschmelzungspr«zesse.
Hintergrundmaterial, vorgelegt von Dr. Arthur E. Ruark,
Leiter der Forschungsabteilung der AEC fuer Kontrollierte Kernverschmelzungsprozesso»
^

A

5» II»

Ziel der USAi Aufrechterhaltung der nationalen
Unabhaengigkeit der Voelker im mittleren Osten,
Wortlaut einer Rede v«n John Forster Dulles v«r der
Bagdadpakt-Konferena.
_^

27* I«

Da» amerikanisch- sowjetische Abkommen ueber den
kulturellen 'ustausch
*

2f •

A

12. II.

Der Griff nach den Sternen

W

12» II.

Die Zivilluftfahrt in den Vereinigten Staaten-"^

A

19» II»

Wortlaut des Antwortschreibens Praesiden Eisenhowers
an Ministerpraesident Bulganin
'

17« II.

Eisenhower tritt fuer Staerkung des gemeinsamen
Sicherheitsprogramines der USA ein.

25. II.

W

26. II.

�W 26» II*

Praesident Eisenhower unterbreitet Auslands hilfeprogramm

A 2i»III»

Bruecken der Verstaendigung.
Die Rolle der amerikanischen Stiftungen»

W 28.III*

^

s

Atompolitik im Zeitalter der Raumfahrt»
Auszug einer Rede, die Robert M. McKinney in
Chicago gehalten hat.
/

18* III»

A

3« IV»

Einfuehrung in die Probleme und Möglichkeiten
der Raumfahrt»
Auf Veranlassung Dwight D. Eisenhewers Terfasst
und herausgegeben vom Wissenschaftlichen Beirat des
US-Praesidenten.
**'

W

3* IV»

Aussenminister Dulles fordert Verlaengerung des
Gesetzes ueber gegenseitige Handelsabkommen,
Wortlaut einer Rede« die US-Aussenminister Dulles
am 27. Maerz 1958 in Washington gehalten hat. ^

27* III.

A IL» IV*

Die Abruestung - ein amerikanisches Anliegen
(Hintergrundmaterial)
^

A 25» IV.

Die Gruende der USA fuer die vorlaeufige Fortsetzung der Kernwaffenversuche.
Auszuege aus einer Erklaerung des Vorsitzenden
der amerikanischen Atomenergie-Kommission,
AAmiral Lewis L* Strauss, vom 17»IV-^

17«

IV»

Praesident Eisenhower antwortet Chruschtschow.
Wortlaut des Antwortschreibens
^

28»

IT«

A
W

2.
2*

V»
V»

Gemeinsame Sicherheit und Welthandel.
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretaers fuer Wirtschaftsfragen im US-Aussen«
ministerium, C. Douglas Dillon»
'
Die OEEC und der wirtschaftliche Fortschritt in
Westeuropa.
Wortlaut der Rede des Staatssekretaers im US-Aussen«
ministerium, Christian A* Herter, anlaesslich der
Feierlichkeiten zum zehnjaehrigen Bestehen des
europaeischen Wirtschaftsrates»
/

A

9*

V»

Sicherheitsmassnahmen der USA fuer die Kernwaffenversuche im Pazifik.
Wortlaut der Verlautbarung der US-Atomenergie-kommission
und des US-Verteidigungsministeriums.
_^
Lodge erlaeutert amerikanischen Inspektionsplan fuer die Arktis
Wortlaut der Erklaerung des US-Chefdelegierten bei den
Voreinten Nationen
29, IV.
^

*

�A

9»

V»

John Forster Dulles umreisst amerikanische
Aussenpolitik»
Wortlaut einer Rede vor dem Institut fuer
Atomenergiewirtschaft der Universitaet New
Hampshire

2»

V

3»

V.

Probleme der Entwicklung und Stabilitaet der
Wirtschaft»
Rede des Wirtschaftsberaters des US-Praesidenten,
Dr» Gabriel Hauge, v«r der deutschen Gruppe
der internationalen Handelskammer in Berlin
^ 30»

IV«

USA: Rapaki-Plan nicht umfassend genug«
Wortlaut der US-Note an Polen
W

W

9»

23«

30»

V»

V«

V«

^

US-Auslandshilfe eine Investition fuer den
Aufbau einer friedlichen Welt.
Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten
bei den Vereinten Nationen, Henry Cabot L«dge.

/6. v.

Eisenhower schlaegt Sachverstaendigen-Besprechung
in Genf v»r»
Wortlaut des Schreibens Praesident Eisenhowers
an den sowjetischen Ministerpraesidenten
Chruschtschow, ueberreicht an Meskau
24»

V»

13»

VI. Eisenhower: Die hoechste Aufgabe des Offiziers
ist die Verhinderung des Krieges»
W»rtlaut-Auszuege aus der Ansprache Praesident Eisenhowers
vor den Absolventen der US-Marineakademie in
Annapelis ( Maryland) vom
-^ 4«
VI»

27*

VI. USA veroeffentlichen Dokumente zu den vorbereitenden Besprechungen fuer eine Gipfel»
konferenz ( 16« Juni 1958)
1) Wortlaut des westlichen Memorandums vom
Wortlaut des westlichen *ide Memoire vom
Verschlag zur Oeberpruefung der einzelnen
Punkte zur Tagesordnung, der der UdSSR am
zugestellt worden ist.
^

4»

11»

28»
28»

V.
V»

31»

V»

VII. Herbert Hoover, ehemaliger Praesident der
Vereinigten Staaten, spricht am 4« Juli
in Bruessel:
Ueber die amerikanischen Ideale. ^
VII* Murphy: USA jederzeit zu Verhandlungen bereit.
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden
Staatssekretaers im US-Aussenministerium
Robert Murphy vom 1. Juli
in Hamilton ( New York).
*&lt;

1, VII»

�lli VII»

25» VII»

Praesident Eisenhower ersucht Kongress um
gesetzliche Regelung der Befugnisse des
Aussenrainisters bezueglich der Beschraenkung
v»n Reisepaessen»
Wortlaut der Botschaft vom

7»

VII*

Praesident Eisenhower gibt Entsendung amerikanischer Truppen nach dem Libanon bekannt»
Wortlaut der Erklaerung.
Lodge informiert Vereinte Nationen ueber
amerikanische Truppenlandung im Libanon»
Wortlaut der Erklaerung.
Rundfunk und Fernsehansprache Praesident Eisenhowers
ueber die Lage im nahen Osten»
Wortlaut.
Eisenhower begruendet den amerikanischen
Schritt in nah Ost vor dem Kongress»
Wortlaut der Botschaft»
US-Aussenministerium gibt Einzelheiten der
Infiltration im Libanon bekannt.
,
Wprtlaut des Berichts»
^
UN-Ausschuss fordert Wiederherstellung der
Menschenrechte in Ungarn.
^s~
Wortlaut des Berichts,

l.VIII»

Dulles: Entwicklungen in Nahost unterstreichen
Notwendigkeit der Auslandshilfe.
^
Wortlaut der Erklaerung v«m
/

18» VII»

Briefwechsel zur Frage einer Gipfelkonferenz
ueber die Situation im nahen Osten.
Antwortschreiben Praesident Eisenh«wers v»m
22.7» 58 auf das Schreiben Ministerpraesident
Chruschtschows vom 19»7»58»
Beide Schreiben im Wortlaut.
Die Zusammenarbeit zwischen Euratom und USA.
Wortlaut einer Erklaerung vtn C» Bauglas Dill»n ' 2 2. VII»
US-Aussenminister ersucht Kongress um Befugnis zur
Verminderung v«n Auslandsreisen amerik. Kommunisten.
Wortlaut einer Erklaerung von Robert D. Murphy
16» VII»
8.VIII.

Praesident Eisenh»wer schlaegt Sicherheitsratsitzung fuer 12. August v«r.
Wortlaut des Schreibens
'

l.VIII»

�A

A

8* VIII»

15» Till»

Atome fuer den Frieden.
Ausstellung unÄ Filmprogramm fuer die
II» Genfer Atomkonferenx«
lortlaut der Bede praeaident Eisenhowera
Tor der UR-Yollveraammlung.

/
'
/
15» Till«

US^i veroeffentlicien Memorandum ueber OhinaPolitik,
Wortlaut des vom Uß-Aussenministerium herausgegebenen Memorandums
/

11« Till«

A

221 Till« John Forrter Bullesi Frieden nur durch Recht
und Gerechtigkeit«
Wortlaut einer Ansprache vor der Jahrestagung
des Kr_egsteilnehinerverbandes
"Teterans of Foreign War8 of the US" in New York / 1 8 . Till.

A

29, Till« Eisenhower sohlaegt Einstellung der Kirnivaffen.
versuche vor.
Wortlaut der Erklaerung vom

22» Till.

Konferenz der Atomsachverstaendigen in Genf
beendet»
Wortlaut des Kommuniques
Wortlaut einer Erklaerung von Dr.James
Brown Fisk, Leiter der westlichen Bxpertengruppe»^-

ij

John Forster Bullest Sicherheit der kleinen
lationen iruss gewaehrt werden.
Wortlaut dei Rede zum arabischen Kompromissvorschlag vor der Tollversammlung der Tereinten
lationem«
S
IX. Atomsaohvarstaendige veroeffentlichen Bericht«
Erlaeuterungen der US-Regierung zu dem Bericht,
den die technischen Experten aus Ost und West
als Ergebnis ihrer Genfer Besprechungen aa
/
veroeffentllcht haben.
A

19.

IX. Praesiden Eisenhower unterstreicht feste Haltung
der USA. in der Fernostkriese«
Wortlaut der Rede des US-Praesidenten vom
/
Praeaident Eisenhower ant./ortet Chruschtschow.
Wortlaut des Schreibens vom
/

A

26.

IX« Bulles umre-'.sst Aussenpjlitik der USA
vor der UH-Tollversammlung in lew York*
Wortlaut der Rede des US-Aussenministera vom

21. Till.

50» Till.

11.

IX.

15.

IX,

18.

IX.

25«

IX.

/

A

3,

X. Bulles umreis3t Fernostpolitik der USA»
Wortlaut der Rede vor dem Fernost-Amerikarat
fuer Eandel und Industrie in New York.

�A

1

A

A

3*

10»

17*

X. Formosakrise
NATO.
Wortlaut der
John Forster
Gesellschaft

beruehrt die Grundprinzien der
Rede des JS-Au-senministers
Dulxes vor der Atlantikpaktin Boston.

27«

IX*

4»

X*

X* Lodge umreisst US-Einstellung zur Abruastungzfrage,
fsrtlaut eir?«r Rade des US-Chefdeiegierten
büi den Vereinten Rationen vom lO.X.^Ö vor
dem Ersten Politischen Ausschuss der UR-Yell« Versammlung in Bew Yerk.
10»

X*

X. Eisenhower umreisst Ziele der amerikanischen
FerrOstpolitik,
Wortlaut des Antwortschreibens praesident
Eisenhowers an Senator Theodore Green,
Vorsitzender des Aussenpolitischen Senats*
Ausschusses» Tom

12« XII* Bulles umrdisst US-Aussenpolitik»
Wortlaut einer Reue des US-Aussenministers,
gehalten ver der Hände1ska; mer in Kalifornien
in Sun Francisco am

s

A

19* XII* Das internationale geophysikalische Jahr 1957/58
Die Wissenschaft machte Inventur«
*

A

22* XII* USA-Memorandum zu Berlin*
Wortlaut des vom US-Ministerium veroeffantliehten
Memorandums ueber die rechtlichen Aspekte der
Berlinfraje«

4* XII*

20* XII*

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XI. Jahrgang, Nr. 1

Allgemeines
8. Januar 1958

INHALTSVERZEICHNIS

AMERIKANISCHE GROSSSTÄDTE IM ULIBAU
Ein Jahrzehnt städtebaulicher Neugestaltung
in den USA
(85 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
Serumähnliche Substanz hemmt Wachstum
der Krebszellen
(22 Zeilen)

Seite

1

Der Virulenzursache von Tuberkelbazillen
auf der Spur
(19 Zeilen)

Seite

Chemischer Stoff verursacht Bluthochdruck
(9 Zeilen)

Seite

Rheumatoid-Faktor isoliert
(17 Zeilen)

Seite

6

Seite

7

WIE DER SCHREI EINES GEFANGENE»
Tennessee Williams über seine Beziehung zu
den Mitmenschen
(98 teilen)

* * * * *

5

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XI. Jahrgang. Nr. 2

15. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
ZU PRÄSIDENT EISENHOWERS BOTSCHAFT ÜBER
DIE LAGE DER NATION
Kommentar von John Kerigan
(82 Zeilen)
FORSCHUNG UND TECHNIK
MIKROANALYSE ÜBER DEN FERNSEHSCHIRM
(14 Zeilen, 1 Bild)
EBWR-KRAFTWERKSREAKTOR EIN JAHR IN BETRIEB
Leistung weit höher als erwartet
(40 Zeilen)
VAKUUMSCHMELZVERFAHREN FÜR NIOB
(15 Zeilen)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
EINE GROSSE FERNSEHNACHT
(42 Zeilen, 3 Bilder)
DAS RELATIVE UND DAS ABSOLUTE
Zur Uraufführung von Aaron Coplands
Piano Fantasy
(56 Zeilen)
ANHANG
PRÄSIDENT EISENKOWER ÜBER DIE LAGE DER NATION
Wortlaut der Botschaft vom 9« Januar 1958}
PRÄSIDENT EISENHOWER ANTWORTET BULGANIN
Wortlaut des Schreibens vom 12. Januar 1958
AMERIKA UND SEINE FÜHRUNGSROLLE IN DER TECHNIK
Wortlaut einer Rede von James R. Killian vom
7. Januar 1958

* * * * *

Seite

Seite

Seite

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b

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XI. Jahrgang, Nr. 5

22. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
... UND 98 PROZENT MUSSEN GEHORCHEN
Die Kommunistische Partei in China findet
wenig Zuneigung
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

ISOTOPE KLÄREN RÄTSEL DER MEDIZIN
Wertvolle Helfer für Diagnose und Therapie
(82 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

5

FERNSEHSCHIRM ERLEICHTERT STRAHLENBEHANDLUNG
BEI KREBS
(14 Zeilen)

Seite

8

Seite

9

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG

VON KUNST UND KÜNSTLERN
FESTIVAL ZWEIER WELTEN
Italien ist in diesem Jahr Schauplatz
europäisch-amerikanischer Festspiele
(70 Zeilen)
KURZ BERICHTET
PRINCETON-UNIVERSITÄT ERHIELT DEUTSCHE BIBLIOTHEK
(12 Zeilen)
Seite
LEONARD BERNSTEIN NEUER LEITER DER
NEW YORKER PHILHARMONIE
(6 Zeilen)
Seite

12

12

ANHANG
JOHN FOSTER DULLES: GIPFELKONFERENZ NUR BEI WIRKLICHER
AUSSICHT AUF ERFOLG
Wortlaut der Rede vom 16. Januar 1958 vor dem amerikanischen
Pressekluh in Washington

* * * * *

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Allgemeines
29. Januar

XI. J a h r g a n g . Nr. 4

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
MEILENSTEINE
ABRAHAM LINCOLN, DIE PERSONIFIZIERUNG
DES BESSEREN AMERIKA
Zum Geburtstag Abraham Lincolns am 12. Februar
(85 Zeilen, 1 Bild)

Seite

HOCHSCHULWESEN
DER TYP DES NEUEN AMERIKANISCHEN
HOCHSCHULPROFESSORS: LEHRER UND GELEHRTER
Von John B. Oakes
(110 Zeilen, 1 Bild)

Seite

VON
DIE
Von
(90

Seite

KUNST UND KÜNSTLERN
BROADWAY MUSICALS UND DER FILM
Norman Smith
Zeilen)

KURZ BERICHTET
DAS DEUTSCHE THEATER IN SALT LAKE CITY
(17 Zeilen)

Seite

4

LISTE DER GEDENKTAGE IM FEBRUAR 1958

Seite

12

ANHANG
FORSCHUNGSERGEBNISSE AUF DEM GEBIET DER KERNVERSCHMELZUNG
Neue Perspektiven für die Lösung des Energieproblems
Wortlaut der Erklärung von Lewis L. Strauss, Vorsitzender
der amerikanischen AEC, vom 24. Januar 1958
DIE AMERIKANISCHEN FORSCHUNGSARBEITEN AUF DEM GEBIET DER
KONTROLLIERTEN KERNVERSCHMELZUNGSPROZESSE
Hintergrundmaterial, vorgelegt von Dr. Arthur E. Ruark, Leiter
der Forschungsabteilung der AEC für kontrollierte Kernverschmelzungsprozesse
ZIEL DER USA: AUFRECHTERHALTUNG DER NATIONALEN UNABHÄNGIGKEIT
DER VÖLKER IM MITTLEREN OSTEN
Wortlaut einer Rede von John Foster Dulles vor der BagdadpaktKonferenz vom 27. Januar 1958

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XI. Jahrgang« Nr. 5

5. Februar 1958
INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
REPORTAGE AUS DEM WELTRAUM
Erdsatelliten als Mittler neuen Wissens
(76 Zeilen, 1 Bild)
•nV.*TOFOT.GREICHESTART DES US-ERDSATELLITEN
ist vor allem drei Wissenschaftlern zu verdanken:
William H. Pickering
James A. van Allen
Wernher von Braun
(Hintergrundmaterial)
(98 Zeilen)
"OPERATION M00NWATCH" ANGELAUFEN
Amateurgruppen liefern wichtige Hinweise
zur Beobachtung von "Explorer" auf seiner
Umlaufbahn
(90 Zeilen, 3 Bilder)
ZWEITE JUPITER-C-RAKETE IN KÜRZE STARTKLAR
Verwendung als Postrakete geplant
(32 Zeilen)

Seite

Seite

Seite

8

Seite

12

KERNPHYSIKALISCHE FORSCHUNG
GESTEUERTE KERNFUSION
Der Weg zu einer endgültigen Lösung des
Energieproblems (95 Zeilen, 3 Fotos, 1 Schaubild) Seite

15

KURZNACHRICHT
US-LUFTWAFFE ENTWICKELT SCHUTZANZUG
FÜR WELTRAUMFAHRER
(14 Zeilen)
ANHANG
DAS AMERIKANISCH-SOWJETISCHE ABKOMMEN ÜBER DEN
KULTURELLEN AUSTAUSCH VOM 27. JANUAR 1958
(Wortlaut)

* * * * *

Seite

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XI.Jahrgang. Nr. 6

12. Februar

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
1958 - ALPHA
Leicht gekürzte Passung eines Artikels aus
der amerikanischen Wochenzeitschrift "TIME"
(165 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

VOLLAUTOMATISCHE NAVIGATION BEI AMERIKANISCHEN
FERNRAKETEN
Keine Kursablenkung durch Störmanöver möglich
(65 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

7

Seite

10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
AM PULTs DER KOMPONIST
Igor Strawinskijs' Schallplattenaufnahmen
eigener Werke als Ergänzung der Partitur
Von Alfred Frankenstein
(75 Zeilen)

ANHANG
DER GRIFF NACH DEN STERNEN

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XI. Jahrgang. Nr. 7

19. Februar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
DIE FERNSEHUNIVERSITÄT: EINE NEUE FORM
DER HOCHSCHULBILDUNG?
Zwei Experimente, die von sich reden machen
(95 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

GEWEBEBANK ERWEITERT MÖGLICHKEITEN DER
KREBSFORSCHUNG
Kältekonservierung bei minus 76 Grad
(69 Zeilen)

Seite

DIE GUTENBERGBIBEL IN EINER PRIVATSAMMLUNG
Bibliophile Leidenschaften eines
amerikanischen Mäzens
(63 Zeilen)

Seite

KURZNACHRICHTEN
CHLOROTHIAZID, EIN NEUES MEDIKAMENT
GEGEN BLUTHOCHDRUCK
(10 Zeilen)
CARL-SANDBURG-AUSSTELLUNG DER STAATSUNIVERSITÄT
VON ILLINOIS
(6 Zeilen)

8

Seite

Seite

ANHANG
WORTLAUT DES ANTWORTSCHREIBENS PRÄSIDENT EISENHOWERS AN DEN
SOWJETISCHEN MINISTERPRÄSIDENTEN BULGANIN V. 17. FEBRUAR 1958

* # * * *

1

10

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Allgemeines
26. Februar 1958

XI. Jahrgang, Nr» 8

INHALTSVERZEICHNIS
ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
DIE ERSCHLIESSUNG DER ATMOSPHÄRE FÜR
DIE GEOPHYSIKALISCHE WISSENSCHAFT
Raketen als unentbehrliches Hilfsmittel
(120 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

FERNSEHEN
GEBÜHRENPFLICHTIGE ODER GEBÜHRENFREIE
FERNSEHPROGRAMME
Das Publikum hat die Wahl
Von John Kerigan
(58 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
ART t USA t 58
Überblick über das zeitgenössische
Kunstschaffen in USA
(50 Zeilen)

Seite

AMERIKAS SCHÖNSTER KONZERTSAAL
Die Konzerte der Washingtoner National Gallery
of Art
(58 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

Seite

12

LISTE DER GEDENKTAGE IM MÄRZ 1958

*

*

#

*

*

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5. März

XI. Jahrgang. Nr. 9

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
DAS KULTURELLE LEBEN EINER AMERIKANISCHEN
PROVINZSTADT
Von Norman Smith
(73 Zeilen)

Seite

1

STEINE FALLEN VOM HIMMEL
Zeugen längst versunkener Welten
(110 Zeilen)

Seite

4

SCHtlLERBESUCH IN FORSCHUNGSSTÄTTEN DER AEC
(37 Zeilen)

Seite

8

PLUTONIUM ALS KERNBRENNSTOFF
(21 Zeilen)

Seite

9

FAST 7000 AUSLANDSÄRZTE KAMEN 1957
ZUR FORTBILDUNG NACH USA
(11 Zeilen)

Seite

10

LANDEBREMSVORRICHTUNG FÜR ÜBERSCHALLFLUGZEUGE
(10 Zeilen)

Seite

10

ATOM - WISSENSCHAFT - TECHNIK

KURZ BERICHTET
ERGEBNIS EINER MEINUNGSUMFRAGE über die
Gleichberechtigung von Mann und Frau, durchgeführt
in 13 Ländern der freien Welt
(14 Zeilen)

* * * * *

Seite

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XI. Jahrgang. Nr. 10

Allgemeines
14. März

1958

INHALTSVERZEICHNIS
ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
BESTANDSAUFNAHME AN DEN EISMASSEN UNSERER ERDE
Gletscherforschungen von 2f Ländern im IGJ
(98 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1

Seite

5

Seite

5

Seite

8

ARCHITEKTUR
ARCHITEKTUR MUSS IM LEBEN SELBST WF 7.ELN
Eero Saarinen ist heute einer der führenden
Architekten der Vereinigten Staaten
(90 Zeilen, 3 Bilder)
POLITIK
GLEICHBERECHTIGUNG DER FRAUEN
und was die Kommunisten darunter verstehen
Betrachtung zum Internationalen Frauentag
der IDFF
(86 Zeilen)
KURZNACHRICHTEN
MRS. R00SEVELT ERNEUT AUSGEZEICHNET
(10 Zeilen)

* * * * *

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XI. Jahrgang, Nr. 11

Allgemeines
21. März 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
DAS EISENHOWER-NIXON-ABKOMMEN
über den "amtierenden Präsidenten"
Von John Kerigan
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

ATOM-FORSCHUNG-TECHNIK
Brief aus Argonne
Die Merkmale des EBWR-Reaktors
Unkompliziert - zuverlässig - billig
(58 Zeilen)

Seite

5

Seite

7

Seite

10

Seite

4

Seite

11

Neuer Elektronenbeschleuniger für
radiochemische Forschung
(80 Zeilen, 2 Bilder)
BIBELFUND BEGRÜNDET FREUNDSCHAFT
Düsseldorfer Dekan widmet seine Bibel
amerikanischem Kongreßabgeordneten
(20 Zeilen)
KULTURNOTIZEN
SKULPTUREN FÜR BRÜSSEL
US-KONGRESSBIBLIOTHEK VERÖFFENTLICHT ERSTEN
NATIONAL UNION CATALOGUE IN BUCHFORM
(9 Zeilen)
LISTE DER GEDENKTAGE FÜR APRIL 1958

* * * * *

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X I . Jahrgang, N r . 12

Allgemeines
28. März 1958

INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
AUFGABEN DER NATO IN DER ZUKUNFT
Zum 9» Jahrestag der Gründung des
NATO-Bündnisses am 4. April
(135 Zeilen)

Seite

\

DIE ERNTE DER ERNTE
Die Huntington Library in San
Marino (Kalifornien)
(75 Zeilen)

Seite

6

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
Sonnenstrahlen als Energiequelle für
VANGUARD-1-Sender
Temperaturmessung mit Hilfe elektrischer
Schwingungen
(70 Zeilen)

Seite

9

Seite

8

KURZNACHRICHTEN
LITERATURPREIS FÜR KATHRYN HULME
(8 Zeilen)
ANHANG
BRÜCKEN DER VERSTÄNDIGUNG
Die Rolle der amerikanischen Stiftungen
Vorwort - Textteil - Anhang

*

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XI. Jahrgang, Nr« 13

3. April 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
DAS ERZIEHUNGSWESEN DER SOWJETUNION
Versuch einer kritischen Wertung
Von Alexander Korol, Mitarbeiter des
Instituts für Internationale Studien
der Technischen Hochschule von Massachusetts
(MIT)
(145 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
Leonard Bernstein - der neue Musikdirektor
der New Yorker Philharmoniker
(115 Zeilen, 1 Bild)

Seite

7

Ehrung für acht Millionen Sonntagsmaler
Metropolitan Museum of Art stellt
Churchill aus
(46 Zeilen)

Seite

11

KURZNACHRICHTEN
Neues William Inge-Stück in New York uraufgeführt
(10 Zeilen)

Seite

ANHANG
EINFÜHRUNG IN DIE PROBLEME UND MÖGLICHKEITEN DER RAUMFAHRT
Auf Veranlassung Dwight D. Eisenhowers verfaßt und herausgegeben
vom Wissenschaftlichen Beirat des US-Präsidenten

* * * * *

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11 . April 1958

XI. Jahrgang. Nr. 14
INHALTSVERZEICHNIS

DIE WISSEHSCHAFT NOTIERT
THEORIE ÜBER VIREN ALS KREBSERREGER WEITER ERHÄRTET
Ergebnisse einer internationalen Wissenschaftlertagung in New York
(62 Zeilen)

Seite 1

KRYPT0N-85 ZUR DIAGNOSE VON HERZKAMMERTRENNWANDSCHÄDEN
(52 Zeilen)

Seite 3

NEUES ANTIBIOTIKUM ZUR BEKÄMPFUNG
VON STAPHYLOKOKKEN
(12 Zeilen)

Seite

4

VON KUNST UND KÜNSTLERN
AMERIKA AUF DEM WEGE ZU EINER EIGENEN
BODENSTÄNDIGEN OPER
Von Howard Taubmann, Musikkritiker der
"New York Times"
(115 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

5

DER NEUE BROADWAY HIT; "SCHAU HEIMWÄRTS.ENGEL"
Thomas Wolfes erster Roman als Bühnenstück
(58 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

10

MAHALIA JACKSON ALS BESSIE MAY IM PARAMOUNT-FILM
"ST. LOUIS BLUES"
(5 Zeilen)

Seite

12

ANHANG
DIE ABRÜSTUNG - EIN AMERIKANISCHES ANLIEGEN
(Hintergrundmaterial)

* * * * *

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18. April 1958

XI. Jahrgang. Nr. 15
INHALTSVERZEICHNIS

FAMILIENZUSAMMENFÜHRUNG IST EIN GEBOT DER MENSCHLICHKEIT
Das Kennedy-Gesetz und seine Auswirkungen
(60 Zeilen)

Seite

1

BRÜSSELER WELTAUSSTELLUNG
165 .junge Amerikaner als Fremdenführer in Brüssel
(12 Zeilen)

Seite

3

ATOM - WISSENSCHAFT - TECHNIK
Ionenmotor für Raumraketen
(40 Zeilen)

Seite

4

Dispersionsverfahren erleichtert Behandlung
radioaktiver- Abfälle
(20 Zeilen)

Seite

5

Hochreines Uran-Metall
(12 Zeilen)

Seite

6

Tonband und Kleinempfänger als Museumsführer
(60 Zeilen, 1 Bild)

Seite

6.

VON KUNST UND KUNSTLERN
Poesie - Eine Liebhaberzeitschrift mit Tradition
Von Norman Smith
(56 Zeilen)

Seite

3

* * * * *

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XI. Jahrgang, Nr. 16

Allgemeines
25. April 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
ATOMREAKTOR SONNE
Energieströme beeinflussen Lebensrhythmus
und Umwelt
(125 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1

POLITIK
ZWEIERLEI MASSSTÄBE FÜR NATURWISSENSCHAFTLER
UND GEISTESWISSENSCHAFTLER IN DER UdSSR
Die relative Freiheit der sowjetischen Naturwissenschaftler
(86 Zeilen)

Seite

6

WELTAUSSTELLUNG BRÜSSEL
Der kulturelle Beitrag der USA zur Brüsseler
Weltausstellung
(55 Zeilen)

Seite

9

LISTE DER GEDENKTAGE IM MAI 1958

Seite

11

ANHANG
DIE GRÜNDE DER USA FÜR DIE VORLÄUFIGE
FORTSETZUNG DER KERNWAFFENVERSUCHE
Auszüge aus einer Erklärung des Vorsitzenden
der amerikanischen Atomenergie-Kommission,
Admiral Lewis L. Strauss, vom 17« April 1958
# * * » »

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XI. Jahrgang, Nr. 17

2. Mai 1958
INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
REORGANISATION DER MILITÄRISCHEN FÜHRUNG
IN DEN USA
Präsident Eisenhower unterbreitet dem Kongreß
umfassenden Plan
Von John Kerigan
(78 Zeilen)

Seite

"EKMY" FÜR "REQUIEM FÜR EINEN SCHWERGEWICHTLER"
Wege des amerikanischen Fernsehens
(95 Zeilen, 1 Bild)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
Der Vater des Blues
William C. Handy lebt im amerikanischen
Jazz weiter
(62 Zeilen, 1 Bild)

Seite

8

AUSLÄNDISCHE JOURNALISTEN BESICHTIGEN ARGONNE
unter ihnen auch Vertreter der Bundesrepublik
(16 Zeilen)

Seite

11

ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER ANTWORTET CHRUSCHTSCHOW
Wortlaut des Antwortschreibens vom 28. April 1958

* * * * *

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XI. Jahrgang. Nr. 18

9. Mai 1958
INHALTSVERZEICHNIS

SPORT
BLICKRICHTUNG KALIFORNIEN
Zwei der großen Baseballvereine Amerikas haben
neues Heim in Kalifornien bezogen
(55 Zeilen, 1 Bild)
DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
PLAZENTA-UNTERSUCHUNGEN ZUM SCHUTZ DES NEUGEBORENEN
(45 Zeilen)
HEPARIN STEIGERT WIRKSAMKEIT VON ANTIBIOTIKAS
(20 Zeilen)
SZINTILLATIONSZÄHLER ALS WICHTIGES HILFSMITTEL
BEI METASTASENLOKALISIERUNG
(24 Zeilen)

Seite

Seite

3

Seite

4

Seite

5

MINIATUR-SCHWIMMGÜRTEL
6
(10 Zeilen)
Seite
VON KUNST UND KÜNSTLERN
KLYTÄMNESTRA TRÄGT MODERNE ABENDKLEIDUNG
Martha Grahams ehrgeizigster Tanzzyklus
"Klytämnestra" begeisterte New York
(68 Zeilen, 2 Bilder)
Seite
ANHANG
SICHERHEITSMASSNAHMEN DER USA FÜR DIE KERNWAFFENVERSUCHE IM PAZIFIK
Wortlaut der Verlautbarung der US-Atomenergie-Kommission und des
US-Verteidigungsministeriums
LODGE ERLÄUTERT AMERIKANISCHEN INSPEKTIONSPLAN FÜR DIE ARKTIS
Wortlaut der Erklärung des US-Chefdelegierten bei den Vereinten
Nationen vom 29. April 1958
JOHN FOSTER DULLES UMREISST AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
Wortlaut einer Rede vom 2. Mai 1958 v o r dem Institut für
Atomenergiewirtschaft der Universität von New Hampshire
USA; RAPACKI-PLAN NICHT UMFASSEND GENUG
Wortlaut der US-Note an Polen, überreicht am 3. Mai 1958

* * * * *

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16. Mai 1958

X I . J a h r g a n g , N r . 19

INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
Das Rätsel der kosmischen Strahlen
Erdsatelliten bewähren sich als wertvolle
Hilfsmittel der wissenschaftlichen Untersuchungen
(120 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1

Verleihung am 3• Juni 1958
(68 Zeilen)

Seite

6

Weinberg-Stiftung stiftet 100 000 Dollar für
Bibliotheksbau der Cornell-Universität,
Ithaca (New York)
(13 Zeilen)

Seite

8

Amerika ehrt James Monroe anläßlich seines
200. Geburtstages
(56 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

Seite

11

PREISE - STIFTUNGEN - EHRUNGEN
V/eltbrüderlichkeits-Preise
Städte

für

amerikanische

VON KUNST UND KÜNSTLERN
Gutes Theater ist Sache der Kritiker
Zur Stiftung des George-Jean-Nathan-Preises
für Theaterkritik
Von Norman Smith
(90 Zeilen)

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XI. Jahrgang, Nr. 20

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23. Mai

1958

INHALTSVERZEICHNIS

M S PORTRÄT
LEE DE FOREST
Ein Leben für die Entv/icklung der Radiound Tontechnik
(125 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

Seite

6

Seite

8

DIE BRÜSSELER V/ELTAUSSTELLUNG
KULTURELLE VERANSTALTUNGEN DER USA
Liste der Programme, chronologisch geordnet
(66 Zeilen)

Seite

9

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR JUNI 1958

Seite

11

WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
LANDWIRTSCHAFTLICHE FORSCHUNG
Die ersten beiden GrundlagenforschungsLaboratorien eröffnet - Reine Forschung
regt angewandte Forschung an
(50 Zeilen, 2 Bilder)
ÖFFENTLICHER GESUNDHEITSDIENST IN DEN USA
UNTERSTÜTZT FORSCHUNG IM AUSLAND
(12 Zeilen)

*

* * *

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30. Mai

XI. Jahrgang, Nr. 21

1958

INHALTSVERZEICHNIS

DER KAMPF UM DIE EINHEIT EUROPAS
Professor Zürcher von der New York Universitär
unterstreicht die Einzigartigkeit der europäischen Integrationsbestrebungen
(62 Zeilen)

Seite

ATOM - WISSENSCHAFT - TECHNIK
NEUE ERKENNTNISSE ÜBER DEN RADIOAKTIVEN
ZERFALL DER NEUTRONEN
(120 Zeilen)

Seite

4

VON KUNST UND KÜNSTLERN
MITTWOCHS IST MALTAG
Kurse für die Kunsterziehung der
Hausfrauen machen Schule
(34 Zeilen, 1 Bild)

Seite

8

GELDPREISE FÜR SAMUEL BARBER UND ARTHUR HONEGGER
(9 Zeilen)

Seite

3

FRIEDRICH GULDA SPIELT JAZZ
im Rahmen der "Music-USA"-Reihe der
"Stimme Amerikas"
(18 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

ANHANG
EISENHOWER SCHLÄGT SACHVERSTÄNDIGEN-BESPRECHUNGEN IN GENF VOR
Wortlaut des Schreibens Präsident Eisenhowers an den sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow, überreicht in Moskau
am 24. Mai 1958.

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6. Juni

XI. Jahrgang. Nr. 22

1958

INHALTSVERZEICHNIS

SCHULWESEN
UNTERRICHT VIA FERNSEHSCHIRM
Die jüngsten Entwicklungen in den USA
Inwieweit wird der Fernsehschirm den
Katheder ersetzen?
Von John Kerigan
(76 Zeilen)

Seite

1

DIE WISSENSCHAFT NOTIERT
REAKTORABDÄMPFE ZUR KÜNSTLICHEN HERBEIFÜHRUNG
VON REGEN VERWENDBAR?
(80 Zeilen)

Seite

4

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
DIE BEDEUTUNG KÜNSTLICHER ERDSATELLITEN
FÜR DIE GEODÄSIE
Erdvermessung mit neuen Methoden
(110 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

7

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13. Juni

X I . J a h r g a n g . N r . 23

1958

INHALTSVERZEICHNIS

DIE KERNPHYSIKALISCHE FORSCHUNG
NEUE THEORIEN AMERIKANISCHER WISSENSCHAFTLER
ZUM PROBLEM DER KONTROLLIERTEN KERNVERSCHMELZUNG
(54 Zeilen)

Seite 1

FERNKURSE IN KERNTECHNIK
(11 Zeilen)

Seite

TRITIUM ALS STRAHLENQUELLE IN WISSENSCHAFTLICHEN
INSTRUMENTEN
(12 Zeilen)

Seite 3

WISSENSCHAFT
HUNDERT JAHRE AMERIKANISCHE GESELLSCHAFT
ZUR FÖRDERUNG DER WISSENSCHAFTEN (AAAS)
Das Parlament der amerikanischen Naturwissenschaftler
(95 Zeilen)

3

Seite

4

Seite

7

Seite

8

KURZNACHRICHTEN
ELEKTRONENHIRNE VERDRÄNGEN ROUTINEARBEIT
(16 Zeilen)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
BESEELTER DRAHT
Mobiles von Alexander Calder in der CorcoranGalerie - Zum 60. Geburtstag A. Calders am
22. Juli 1958
(70 Zeilen, 3 Bilder)

ANHANG
EISENHOWER: DIE HÖCHSTE AUFGABE DES OFFIZIERS IST
DIE VERHINDERUNG DES KRIEGES
Wortlaut-Azszüge aus der Ansprache Präsident Eisenhowers
vor den Absolventen der US-Marineakademie in Annapolis
(Maryland) vom 4. Juni 1958
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)

20. Juni 1958

XI. Jahrgang, Nr. 24
INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
S C EWERKRAFTI.1ES S UN GEN
(54 Zeilen)

Seite

T

DIE ERSTEN AUFNAHMEN V.OM GRUND D E D SÜDATLANTIK
(23 Zeilen)

Seite

3

DIE "STILLE REVOLTE" DER UNGARISCHEN SCHRIFTSTELLER
I. Teil
Von Paul Landy, Wien
(92 Zeilen)

Seite

4

EIN DOLLAR FÜR DIE PARTEI
Wähler sollen Wahlkampagnen mitfinanzieren
Von John Kerigan
(66 Zeilen)

Seite

7

POLITIK

VON KUNST UND KÜNSTLERN
PHANTASIE UND GESCHMACXAN DEN KLASSIKERN GEBILDET
"King-Coit", Schule und Theater für Kinder
(75 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 10

KURZNACHRICHT
IAEA PLANT HANDBUCH FÜR DIE VERWENDUNG VON
RADIOISOTOPEN
(13 Zeilen)

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Seite

9

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27. Juni 19J\Q

XI. Jahrgang. Nr. 25
INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
DIE "STILLE REVOLTE" DER UNGARISCHEN
SCHRIFTSTELLER (II und Schluß)
"Volks"- oder "Bauern"-Schriftsteller
Von Paul Landy, Wien
(98 Zeilen)

Seite

1

75 JAHRE AMERIKANISCHER BUNDESDIENST
Rund 2,4 Millionen Bedienstete in 16 000
Berufssparten
(90 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

5

GEISTESTRAINING IN NEW YORK
Unterricht für überdurchschnittlich begabte
Schüler
(78 Zeilen)

Seite

9

AMERIKANISCHE PÄDAGOGEN BESUCHEN DEUTSCHLAND
(9 Zeilen)

Seite

12

AMERIKANISCHE GESELLSCHAFT FÜR DIE
SCHÖNEN KÜNSTE VERTEILT KUNSTPREISE
(10 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

KURZ BERICHTET

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR JULI 1958
ANHANG

USA VERÖFFENTLICHEN DOKUMENTE ZU DEN VORBEREITENDEN
BESPRECHUNGEN FÜR EINE GIPFELKONFERENZ (16. Juni 1958)
1) Wortlaut des westlichen Memorandums vom 28. Mai
2) Wortlaut des westlichen Aide Memoire vom 28. Mai
3) Vorschlag zur Überprüfung der einzelnen Punkte zur
Tagesordnung, der der UdSSR am 31. Mai zugestellt
worden ist.

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XJ. Jahrgang« Nr. 26.

Allgemeines
4. Juli 1958

INHALTSVERZEICHNIS
ATOM - WISSENSCHAFT r- TECHNIK
AMERIKANISCHES AUSSTELLUNGSPROGRAMM
FÜR GENFER ATOMKONFERENZ
(65 Zeilen)

Seite

TATKRÄFTIGE UNTERSTÜTZUNG AMERIKANISCHER
UNIVERSITÄTEN DURCH DIE AEC
(16 Zeilen)

Seite

HERZDIAGNOSE MIT ULTRASCHALL UND RADIOJOD
(17 Zeilen)

Seite

1

4

DER AMERIKANISCHE LUFTRETTUNGSDIENST
(55 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
MUSIKERZIEHUNG EINMAL ANDERS
Van Vactor dirigiert vor deutschen Schülern
(50 Zeilen)

Seite

8

KULTURELLE KURZNACHRICHTEN
(12 Zeilen)

Seite

7

ANHANG
HERBERT HOOVER, EHEMALIGER PRÄSIDENT DER VEREINIGTEN STAATEN,
SPRICHT AM 4. JULI 1958 IN BRÜSSEL:
ÜBER DIE AMERIKANISCHEN IDEALE
ACHTUNG REDAKTIONEN:

Wir bitten Sie um Einhaltung der
angegebenen Sperrfrist

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XI. Jahrgang. Nr» 27

11

J u l i 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
AUSLÄNDERN ZUTRITT VERBOTEN
Sperrzonen in der Sowjetunion
(140 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite 1

LEHRBUCH SCHALLPLATTE
Freiwilliges Hilfswerk hilft blinden
Studenten
Von Meyer Berger, New York
(52 Zeilen)

Seite

7

AMERIKA RICHTET LUFTKORRIDORE FÜR DEN
INNERAMERIKANISCHEN FLUGVERKEHR EIN
Präsident Eisenhower schlägt Schaffung
eines zentralen Luftfahrtamtes vor
Von John Kerigan
(85 Zeilen)

Seite

9

ANHANG
MURPHY; USA JEDERZEIT ZU VERHANDLUNGEN BEREIT
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretärs
im US-Außenministerium Robert Murphy vom 1. Juli 1958
in Hamilton (New York)
PRÄSIDENT EISENHOWER ERSUCHT KONGRESS
um gesetzliche Regelung der Befugnisse des Außenministers
bezüglich der Beschränkung von Reisepässen (Wortlaut der
Botschaft vom 7. Juli 1958)

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XI. Jahrgang, Nr. 28

Allgemeines
18. Juli 1958

INHALTSVERZEICHNIS
!

\

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
EXPLORER III ERFORSCHTE WISSENSCHAFTLICHES NEULAND
(60 Zeilen, 1 Bild)

Seile

PARALLELSTROM ZUM ÄQUATOR IM STILLEN OZEAN
(28 Zeilen)

Seite

POLARLICHTBEOBACHTUNGEN IM ANTARKTISCHEN WINTER
(26 Zeilen)

Seite

TECHNISCHER FORTSCHRITT
HANDELS-UNTERSEEBOOTE UND FLÜGELSCHIFFE
Amerikanische Forschung auf der Suche nach
neuen Möglichkeiten im Schiffbau
(60 Zeilen)

Seite

POLITIK
DIE FEINDE DES REGIMES
Die Minderheiten machen Peking zu schaffen
Von James W. Berner
I. Teil
(130 Zeilen, 1 Schaubild)

* * * * *

Seite

1

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XI» Jahrgang, N r . 29
INHALTSVERZEICHNIS

•jemeines
2 5 . J u l T 1958

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
BIOCHEMISCHE FORSCHUNG AUF NEUEN WEGEN
(48 Zeilen)
NEUES DIAGNOSEVERFAHREN BEI ARTHRITIS
(6 Zeilen)
BROT FÜR REKONVALESZENTEN
(20 Zeilen)
KIEFERANÄSTHESIE DURCH SPRÜHINJEKTION
(14 Zeilen)
FARBTEST AUF SCHUPPENFLECHTE
(15 Zeilen)

Seite

1

Seite

2

Seite

3

Seite

3

Seite

4

POLITIK
DIE FEINDE DES REGIMES
Die Minderheiten machen Peking zu schaffen
Von James W. Berner - II. Teil
(100 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
MODERNES WOHNEN
Ausstellung in der Corcoran Gallery in Washington
Von Norman Smith
(60 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

LISTE DER GEDENKTAGE IM AUGUST 1958
ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER GIBT ENTSENDUNG AMERIKANISCHER
TRUPPEN NACH DEM LIBANON BEKANNT
(Wortlaut der Erklärung)
LODGE INFORMIERT VEREINTE NATIONEN ÜBER AMERIKANISCHE
TRUPPENLANDUNG IM LIBANON
(Wortlaut der Erklärung)
RUNDFUNK- UND FERNSEHANSPRACHE PRÄSIDENT EISENHOWERS
ÜBER DIE LAGE IM NAHEN OSTEN
(Wortlaut)
EISENHOWER BEGRÜNDET DEN AMERIKANISCHEN SCHRITT IN
NAHOST VOR DEM KONGRESS
(Wortlaut der Botschaft)
US-AUSSENMINISTERIUM GIBT EINZELHEITEN DER INFILTRATION
IM LIBANON BEKANNT
(Wortlaut des Berichts)
UN-AUSSCHUSS FORDERT WIEDERHERSTELLUNG DER MENSCHENRECHTE IN UNGARN
(Wortlaut des Bericht«)

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1 . August 1958

XI. Jahrgang, Nr. 50
INHALTSVERZEICHNIS
DIE KERNPHYSIKALISCHE FORSCHUNG

ATOMZERTRÜMMERER ERFORSCHEN DAS INNERSTE DER MATERIE
Leitsätze von gestern müssen neuer Erkenntnis
weichen
Von Robert K. Plumb
(130 Zeilen, 1 Bild)

Seite

POLITIK
DIE FEINDE DES REGIMES
Die Minderheiten machen Peking zu schaffen
Von James W. Berner III. Teil und Schluß
(126 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE SCHALLPLATTE IM BÜCHERSCHRANK
Die neuesten literarischen Aufnahmen
in den USA
Von Norman Smith
(62 Zeilen)

Seite

11

Seite

10

Seite

13

KURZNACHRICHTEN
STARKES INTERESSE FÜR ERWACHSENENBILDUNG
(18 Zeilen)
KATALOG ZUM AMERIKANISCHEN PAVILLON
(13 Zeilen)
ANHANG
DULLES: ENTWICKLUNGEN IN NAK0ST UNTERSTREICHEN
NOTWENDIGKEIT DER AUSLANDSHILFE
(Wortlaut der Erklärung
vom 18. Juli 1958)
BRIEFWECHSEL ZUR FRAGE EINER GIPFELKONFERENZ ÜBER
DIE SITUATION IM NAHEN OSTEN
(Antwortschreiben Präsident Eisenhowers vom 22. Juli 1958
auf das Schreiben Ministerpräsident Chruschtschows vom
19. Juli 1958; beide Schreiben im Wortlaut)
DIE ZUSAMMENARBEIT ZWISCHEN EURATOM UND USA
(Wortlaut einer Erklärung von C. Douglas Dillon vom 22. 7. 1958)
US-AUSSENMINISTER ERSUCHT KONGRESS UM BEFUGNIS ZUR VERMINDERUNG
VON AUSLANDSREISEN AMERIKANISCHER KOMMUNISTEN
(Wortlaut einer Erklärung von Robert D. Murphy vom 16. 7~» 1958)
* * * * *

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8. Äug

XI. Jahrgang, Nr. 31
INHALTSVERZEICHNIS
AUS WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG
STIMMEN DER TIEFE
Die Fische sind nicht stumm
Von Marie Poland Fish
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite

EXPLORER IV ERKUNDET INTENSIVE STRAHLUNG
IN 1000 KM HÖHE
(40 Zeilen)

Sei*«

5

WINDTUNNEL FÜR DIE RAUMFORSCHUNG
(14 Zeilen)

Seite

6

POLITIK
400 000 AMERIKANER STAMMEN AUS DEM LIBANON
Skizze der libanesisch-amerikanischen
Beziehungen
Von John Kerigan
(52 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
VON DER KAMERA FASZINIERT
Alfred-Stieglitz-Ausstellung in der National
Gallery of Art in Washington
Von Norman Smith
(85 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

10

ERFOLGREICHE TOURNEE DER NEW YORKER
PHILHARMONIKER
(6 Zeilen)

Seite

15

EHRENDOKTOR FÜR MARIAN ANDERSON
(5 Zeilen)

Seite

13

ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER SCHLÄGT SICHERHEITSRATSITZUNG
FÜR 1 2 . AUGUST VOR
(Wortlaut des Schreibens vom 1. August 1958)
ATOME FÜR DEN FRIEDEN
(Ausstellungs- und Filmprogramm der USA für die II,
Genfer Atomkonferenz)
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XI. Jahrgang. Nr. 52

15- August 1958
INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER KERNPHYSIKALISCHEN FORSCHUNG
AT0MF0RSCKUNCSZENTRUM ARGONNE NATIONAL LAB0RAT0RY
Treffpunkt für Wissenschaftler aus aller Welt
'(120 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

GESUNDHEITSWESEN
GESUNDHEITSFÜRSORGE IM AMERIKANISCHEN
PAZIFIK-TREUHANDGEBIET
Die einheimischen Hilfsärzte haben sich
ausgezeichnet bewährt
(110 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

6

DIE ERSTEN ZEHN JAHRE DER WELTGESUNDHEITSORGANISATION
(5 Zeilen)
Seite

10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
JAZZ-IMPRESSIONEN AUS EUROPA UND ASIEN
Dave Brubeck kündigt Schallplattenalbum mit
musikalischen Reminiszenzen seiner Tournee an
(36 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

ANHANG
WORTLAUT DER REDE PRÄSIDENT EISENHOWERS VOR DER
UN-VOLLVERSAMMLUNG VOM 13.8.1958
USA VERÖFFENTLICHEN MEMORANDUM ÜBER CHINAPOLITIK
Wortlaut des am 11. August 1958 vom US-Außenministerium
herausgegebenen Memorandums

* * * * *

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XI. Jahrgang, Nr. 55

22. August 1958
INHALTSVERZEICHNIS

AUS DER KERNPHYSIKALISCHEN FORSCHUNG
BROOKHAVEN NATIONAL LABORATORY
Arbeitsstätte neun amerikanischer Universitäten
zur Förderung der Atomforschung
(115 Zeilen, 3 Bilder)

Seite 1

SEEWEG LONDON - TOKIO UM 5000 MEILEN KÜRZER
Die Pionierfahrt der "Nautilus" und ihre möglichen
Auswirkungen auf den gesamten internationalen Handel
Von John Kerigan
(56 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
AMERIKAS KOMPONISTEN SYMPHONISCHER MUSIK
Über die deutsche Tradition zum eigenen musikalischen
Stil
Von Paul Henry Lang, Professor für Musikwissenschaft
an der Columbia-Universität und Musikkritiker der
"New York Herald Tribüne", New York
(140 Zeilen)
Seite
KURZ BERICHTET
STARKER SCHIFFSVERKEHR DURCH NEUE US-SCHLEUSEN
AUF DEM ST. LORENZSTROM
(7 Zeilen)

Seite

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR SEPTEMBER 1958

Seite 14

ANHANG
JOHN FOSTER DULLES: FRIEDEN NUR DURCH RECHT UND GERECHTIGKEIT
Wortlaut einer Ansprache des US-Außenministers vom 18. August
1958 vor der Jahrestagung des Kriegsteilnehmerverbandes
'TVeterans of Foreign Wars of the US"
in New York

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29. August 1958

! XI. Jahrgang, Nr. 34
INHALTSVERZEICHNIS
AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
HERZDIAGNOSE MIT RADIOAKTIVEM GAS
Operationen zur Korrektur angeborener
Herzfehler erleichtert
Von Nate Haseltine
(95 Zeilen)

Seite 1

SUPEREMPFINDLICHER STRAHLENDETEKTOR
(11. Zeilen)

Seite

4

Seite

5

Seite

8

LUFTFAHRT
US-ZIVILLUFTFAHRT AN DER SCHWELLE DES
DÜSENZEITALTERS
Transatlantikverkehr mit Düsenflugzeugen
beginnt im November
(74 Zeilen, 2 Bilder)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
AM PULT» DIE DIRIGENTEN AMERIKAS
Von Paul Henry Lang
(130 Zeilen)
ANHANG
EISENHOWER SCHLÄGT EINSTELLUNG DER
KERNWAFFENVERSUCHE FÜR EIN JAHR VOR
Wortlaut der Erklärung des US-Präsidenten
vom 22. August 1958
KONFERENZ DER ATOMSACHVERSTÄNDIGEN IN
GENF BEENDET
1) Wortlaut des Kommuniques
2) Wortlaut einer Erklärung von Dr. James
Brown Fisk, Leiter der westlichen Expertengruppe
JOHN FOSTER DULLESJ SICHERHEIT DER KLEINEN
NATIONEN MUSS GEWÄHRLEISTET WERDEN
Wortlaut der Rede zum arabischen Kompromißvorschlag
vom 21. August 1958 vor der Vollversammlung
Ho-n Veraintsn Nationen

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5. September 1958

X I . J a h r g a n g . N r . 35
INHALTSVERZEICHNIS

DIE RASSENTRENNUNG IN EINER INDUSTRIALISIERTEN GESELLSCHAFT
Von J. Milton Yinger und George E. Simpson,
Professoren für Soziologie und Anthropologie
am Oberlin College
(200 Zeilen)
ATOM

Seite 1

FORSCHUNG TECHNIK
PLUTONIUM-SPALTSTOFF FÜR MTR-REAKTOR
(34 Zeilen)

Seite

8

BAKTERIENKULTUREN FABRIZIEREN SCHWERES WASSER
(8 Zeilen)

Seite

9

MOLEKÜLSTRÖME BESEITIGEN ELEKTROMAGNETISCHE
STÖRFELDER
(15 Zeilen)

Seite

9

ALPR-REAKTOR IM BETRIEB
(22 Zeilen)

Seite 10

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE FREER-GALERIE ERFORSCHT DIE ALTEN KULTUREN
DES ORIENTS
(58 Zeilen, 3 Bilder)

Seite 11

AMERIKAREISE DER AUSLANDSKORRESPONDENTEN
(10 Zeilen)

Seite 13

ANHANG
ATOMSACHVERSTÄNDIGE VERÖFFENTLICHEN BERICHT
Erläuterungen der US-Regierung zu dem Bericht, den die
technischen Experten aus Ost und West als Ergebnis ihrer
Genfer Besprechungen am 30« August 1958 veröffentlicht haben

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XI. Jahrgang. Nr. 56

12. September 1958
INHALTSVERZEICHNIS

POLITIK
GETREU DER TRADITION UND DEN DEMOKRATISCHEN
PRINZIPIEN
USA gewähren Territorien die Selbstbestimmung
Von John Kerigan
(47 Zeilen)

Seite

1

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
KÖ'RPERKQNSTITUTION UND BLUTDRUCK
Fettleibigkeit vermutlich Ursache für
ungenaue Messungen
(32 Zeilen)

Seite

3.

GEWEBEPRODENENTNAHME AM DÜNNDARM OHNE OPERATION
(25 Zeilen)

Seite

4

MIKROFILTER ERLEICHTERT KREBSDIAGNOSE
(28 Zeilen)

Seite

5

VON KUNST UND KÜNSTLERN
EINE KAMERA UNTER DEN STREICHERN
Adrian Siegel, Cellist des Philadelphia Orchestra,
photographiert berühmte Dirigenten und Solisten
(26 Zeilen, 4 Bilder)

Sei te

ISLÄNDISCHER KOMPONIST FINDET AMERIKAS
MUSIKLEBEN "ERSTAUNLICH"
Jon Thorarinsson berichtet über seine Amerikareise
(30 Zeilen)

Seite

* * * * *

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19. September

XI. Jahrgang, Fr. 37

1958

INHALTSVERZEICHNIS

HOCHSCHULWESEN
AKA.DELIISCHE TRADITION UND 9U0-MILLI0NEND0LLAR-GE5ETZ
Erster Schritt zu einer B ndes-Hochschulpolitik
in den USA
(130 Zeilen)

Seite

1

Seite

6

GEORGE GERSHWIN. DER MUSIKALISCHE INTERPRET AMERIKAS
Gf-rshvvin wäre nun 60 Jahre alt
(70 Zfcilen, 2 Bilder)
Seite

12

Seite

15

VEREINTE NATIONEN
GROSSE WTEPERAUK3AULEISTUMG DEF UN IN SÜDKOREA
Nacix Abwphr der Aggression Leisteten 39 Länder
tatxräftxge Hilfe
(190 Zeilen, 2 Bilder)
VON KUNST UND KÜNSTLERN

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR OKTOBER 1953
ANHANG

PRÄSIDENT EISENHOWER UNTERSTREICHT FESTE HALTUNG DER USA
IN DER FERNOSTKRISE
Wortlaut der Rede des US-Präsidenten vom 11. September 1958

PRÄSIDENT EISENHOWER ANTWORTET CHRUSCHTSCHOW
Wortlaut des Schreibens vom 13. September 1958

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26. September 1°58

X I . J a h r g a n g » N r . 58

INHALTSVERZEICHNIS
DAS BUCH- UND ZEITSCHRIFTENWESEN
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (i)
Erster in einer Serie von drei Artikeln über die
amerikanischen Buch- und Zeitschriftenverlage und
die Rolle, die diese im Leben des Amerikaners
spielen
(85 Zeilen)

Seite

WISSENSCHAFT - FORSCHUNG - TECHNIK
NEUBESTIMMUNG DER SCHWERKRAFT-FALLBESCHLEUNIGUNG
FÜR WASHINGTON
(30 Zeilen)

Seite

AUTOMATISCHE WETTERFRÖSCHE BERICHTEN
NACH WASHINGTON
(45 Zeilen)

Seite

6

IDEALER MAGNETKREIS FÜR EIN SYNCHROTRON
(24 Zeilen)

Seite

8

VON KUNST UND KÜNSTLERN
NEUNZEHNHUNDERT JAHRE ABSTRAKTE KUNST IN AMERIKA
Die indianischen Felsmalereien in Wyoming
Von David Gebhard, Direktor des Roswell Museum
(Neu-Mexiko)
(80 Zeilen, 3 Bilder)
ANHANG
DULLES UMREISST AUSSENPOLITIK DER USA
VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG IN NEW YORK
Wortlaut der Rede des US-Außenministers
vom 1 a. September 1958

* * * * *

Seite

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XI, Jahrgang. Nr. 59

Allgemeines
3. Oktober

1958

INHALTSVERZEICHNIS
DAS BUCH- UND ZEITSCHRIFTENWESEN
IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (il)
Die Buchklubs, die Buchexporte und -importe,
die Universitätsverlage
(140 Zeilen)

Seite

AMERIKAS INDIANER HEUTE
Von Glenn L. Emmons
Leiter des US-Bundesamtes für indianische
Angelegenheiten im US-Innenministerium
(120 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

6

VON KUNST UND KUNSTLERN
ZUM 75. GEBURTSTAG DER "MET"
Die Geschichte der Metropolitan Opera
Von David Ewen
(130 Zeilen, 1 Bild)

Seite

11

ANHANG
DULLES UMREISST FERNOSTPQLITIK DER USA
V/ortlaut der Rede des US-Außenministers vom 25. September 1958
vor dem Fernost-Amerikarat für Handel und Industrie in New York
FQRMOSAKRISE BERÜHRT DIE GRUNDPRINZIPIEN DER NATO
Wortlaut der Rede des US-Außenministers John Foster Dulles vom
27. September 1958 vor der Atlantikpakt-Gesellschaft in Boston

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10. Oktober

XI. J a h r g a n g . Nr. 40
INHALTSVERZEICHNIS
DAS BUCH- UND ZEITSCHRIFTENWESEN IN DEN USA (III)
Dritter und letzter Artikel dieser Reihe.
Die US-Zeitschriften - wirtschaftliche Seite des
Verlagswesens - Auswirkungen des Fernsehens und
der kürzeren Arbeitszeiten auf das Buchgeschäft
(98 Zeilen)

Seite

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
IM KAMPF GEGEN DEN KREBS
Ergebnisse von Tierversuchen stützen Virustheorie
(90 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KUNSTLERN
"JUNGE AMERIKANER 1958"
Zeitgenössisches Kunsthandwerk in New York
(60 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

ANHANG
EISENHOWER UMREISST ZIELE DER AMERIKANISCHEN
FERNOST-POLITIK
Wortlaut des Antwortschreibens Präsident Eisenhowers an
Senator Theodore Green, Vorsitzender des Außenpolitischen
Senatsausschusses, vom 4« Oktober 1958

* * * * *

1958

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17. Oktober 1958

X I . J a h r g a n g . Mr. 41
INHALTSVERZEICHNIS

ZUM 23. OKTOBER 1958, DEM 2. JAHRESTAG DES
BEGINNS DER VOLKSERHEBUNG IN UNGARN
Chronologie der Ereignisse in den Oktober- und
Novembertagen des Jahres 1956 und kurze Zusammenfassung der Zustände in Ungarn heute - Zwei Jahre danach
(270 Zeilen, 3 Bilder)

Seite 1.

ZUM TAG DER VEREINTEN NATIONEN (24. Oktober)
DIE AUTORITÄT DER GEMEINSCHAFT
Ansätze zu einer neuen Ordnung
(95 Zeilen, 4 Bilder)

Seite

11

IM HAMEN DER UNPARTEILICHKEIT DES RECHTS
Betrachtungen zur Ernennung des neuen
Bundesrichters Potter Stewart
Von John Kerigan
(68 Zeilen)

Seite

16

ANHANG
LQDGE UMREISST US-EINSTELLUNG ZUR ABRÜSTUNGSFRAGE
Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten bei den
Vereinten Nationen vom 10. Oktober 1958 vor dem
Ersten Politischen Ausschuß der UN-Vollversammlung
in New York

* * * * *

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XI. Jahrgang. Nr. 42

24. Oktober

1958

INHALTSVERZEICHNIS
NEUES AUS DER RAÜMFAHRTFORSCKUNG
PIONIER-I ALS WEGBEREITER
Keine unüberwindlichen Hindernisse für
den Raumflug
Von John Kerigan (74 Zeilen, 1 Foto, 1 Schaubild)

Seite

ATOM-U-BOOTSNAVIGATION LIEFERT WICHTIGES
ERFAHRUNGSGUT FÜR KÜNFTIGEN RAUMFLUG
(18 Zeilen)

Seite

A

IST DER MENSCH PSYCHISCH DER RAUMFAHRT GEWACHSEN?
(23 Zeilen)

Seite

5

NEUE RAKETENTRIEBWERKE IN DER ENTWICKLUNG
(12 Zeilen]

Seite

6

1

AUS DER ARBEIT DER VEREINTEN NATIONEN
DAS NEUE STÄNDIGE HAUPTQUARTIER DER UNESCO IN PARIS
wird am 3• November 1958 eingeweiht
(52 Zeilen, 3 Bilder)
VON KUNST UND KÜNSTLERN
KULTURELLE KURZNACHRICHTEN
Richard-Strauss-Erstaufführung in Amerika
(9 Zeilen)
20 000 Jahre altes Relief entdeckt
(8 Zeilen)
Das neue New Yorker Kulturzentrum
(15 Zeilen)
Fernsehen als Lehrer
(16 Zeilen)
San Franciscos Symphoniker geben 54 Konzerte
(6 Zeilen)
Die neue Konzertsaison des New York Philharmonie
Orchestra
(17 Zeilen)
LISTE DER GEDENKTAGE IM NOVEMBER 1958
* * * * *

Seite

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31. Oktober

XI. Jahrgang. Nr. 43

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
RADIOISOTOPE IN DER ATMOSPHÄRE
Ein Hilfsmittel der meteorologischen
Forschung
(80 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE WIEDERENTDECKUNG EUGENE O'NEILLS
Von Joseph Wood Krutch, Professor für
Theaterliteratur an der Columbia-Universität, New York
(170 Zeilen)

Seite

4

ATOMTECHNIK
REAKTOR FÜR ATOMKRAFTWERK KAHL IN AUFTRAG
GEGEBEN
(30 Zeilen)

Seite

10

Seite

11

ACHTER LEHRGANG DER INTERNATIONALEN AKADEMIE
FÜR KERNWISSENSCHAFT UND KERNTECHNIK (ISNSE)
(8 Zeilen)

* * * * *

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X I . Jahrgang, Nr. 44

7. November 1958
INHALTSVERZEICHNIS

HOCHSCHULWESEN
EMPFEHLUNGEN DES AMERIKANISCHEN ERZIEHUNGSRATS
ZUR HOCHSCHULREFORM
Strukturanalyse zeigt Mentalitätswandel der
Studentenschaft
Von John Kerigan
(78 Zeilen)

Seite

DIE WELT DER FRAU
FRAUEN IM ÖFFENTLICHEN DIENST DER USA
Jahresbericht 1958 enthüllt interessantes
Zahlenmaterial
(72 Zeilen)

Seite

4

Seite

7

Seite

11

Höhenforschung mit Riesenballons
(25 Zeilen)

Seite

11

Raketentechnik braucht besondere Baustoffe
(8 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

Drei neue Lincoln-Briefmarken
(14 Zeilen)

Seite

13

Konstantin Stannislawskij-Aussteilung
in der New York Public Library
(5 Zeilen)

Seite

13

UNTER DEM ZAUBER DES GESCHRIEBENEN WORTS
(90 Zeilen, 2 Bilder)
NEUES AUS DER RAUMFAHRTFORSCHUNG
Lenkflugkörper mit vierfacher Schallgeschwindigkeit
(9 Zeilen}

NACHRICHTEN AUS DEM KULTURELLEN LEBEN DER USA
Prokofieffs "Peter und der Wolf" im
amerikanischen Fernsehen
(4 Zeilen)

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Allgemeines
14. November 1958

XI. Jahr^anff, Nr f **&gt;
INHALTSVERZEICHNIS

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
Sonnenbeobaiphtung mit Raketen
ElektrischeiStröme in der Erdrinde
Tiefste gemessene Temperatur - minus 95 Grad
(90 Zeilen)

Seite

1

TECHNIK UND FORSCHUNG
ROBOTER MIT' LERNVERMÖGEN
Neues Prinz ip für den Bau elektronischer
Rechenanlag sn
(80 Zeilen)

Seite

5

Seite

8

VON KUNST UND KÜNSTLERN
DIE ZAUBERKRAFT DER MUSIK
oder "Das gar nicht so geheimnisvolle
musikalisch e Leben Danny Kayes"
(75 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

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X I . J a h r g a n g . N r . 46

Allgemeines
21 . November 1 958

INHALTSVERZEICHNIS

)

POLITIK
MILITARISIERUNG DER ARBEIT DURCH DIE
"VOLKSKOMMUNEN"

Die v i e r t e Etappe der c h i n e s i s c h e n Revolution
(160 Z e i l e n , 1 B i l d )

Seite

1,

AUS DER MEDIZINISCHEN FORSCHUNG
RADIOISOTOPE ZUR DIAGNOSTIZIERUNG VON
FUNKTIONSSTÖRUNGEN DER LEBER UND NIERE
(52 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
BROADWAY 1958/59
Neue Werke bekannter Dramatiker
Von Norman Smith
(86 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

KURZNACHRICHTEN
Amerikareise für Auslandskorrespondenten
in den USA
__^
(18 Zeilen)

Seite

12

Seite

12

UNICEF wünscht "Fröhliche Weihnachten"
(20 Zeilen)
* * * * *

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XI. Jahrgang, Nr» 47

Allgemeines
28. November

1958

Seite

1

Seite

4

STUDIUM-ARBEIT-PROGRAMME ALS MITTEL
ZUR STUDENTENFÖRDERUNG
Ein neuer Typ des Werkstudenten
(46 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

7

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
KORALLENFUND IM NÖRDLICHEN EISMEER
Wertvolle wissenschaftliche Ausbeute der
amerikanischen EisinselStationen
(120 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

KURZNACHRICHT
Uraufführung von Norman Corwins Lincoln-Drama
zum 150. Geburtstag Abraham Lincolns am
12. Februar 1959
(8 Zeilen)

Seite

3

INHALTSVERZEICHNIS
POLITIK
AKADEMIKER ALS POLITIKER
Hochschulprofessoren im US-Senat
Von John Kerigan
(68 Zeilen)
HOCHSCHULWESEN
UNI WASHINGTON BERÄT UNI LAHORE
Die akademische Auslandshilfe
amerikanischer Hochschulen
(83 Zeilen)

LISTE DER GEDENKTAGE FÜR DEZEMBER 1958

* * * * *

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Allgemeines
5. Dezember

1958

GIBT ES IHN WIRKLICH, DEN WEIHNACHTSMANN?
Eine Betrachtung für große und kleine Leute
(58 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

WEIHNACHTEN IN DER HEIMATLICHEN HÜTTE EINES
GROSSEN MANNES
Eine Weihnachtsgeschichte aus der Kinderzeit
Abe Lincolns
(63 Zeilen)

Seite

POSTSTEMPEL: SANTA CLAUS
Hochbetrieb im Hauptpostamt des
amerikanischen Weihnachtsmannes
(85 Zeilen)

Seite

WEIHNACHTEN IN EINER KLEINEN STADT
Camden im Neuenglandstaat Maine feiert Weihnachten
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

DIE AMERIKANISCHE WEIHNACHT IM BILD

Seite

13

XI. Jahrgang, Nr. 48
INHALTSVERZEICHNIS

* * * * *

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12. Dezember 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
STRAHLENCHEMIE VON NAHRUNGSMITTELN
Zur industriellen Strahlenkonservierung
ist noch ein weiter Weg
(140 Zeilen)

Seite

US-BUNDESANSTALT FÜR TECHNISCHE NORMEN
ENTWICKELT PRÜFGERÄT FÜR HÖRAPPARATE
(55 Zeilen)

Seite

ÜS-WETTERAMT UNTERSUCHT VERHALTEN VON
TORNADOS AN HAND PHOTOGRAPHISCHER AUFNAHMEN
(32 Zeilen)

Seite

KUNSTSPRACHE FÜR ELEKTRONENANLAGEN
"Bündige" Sprache soll "unbändige" Umgangssprache "maschinengerecht" machen
(50 Zeilen)

Seite

10

Seite

12

VON KUNST UND KÜNSTLERN
ZWECKMÄSSIGKEIT - WÄRME - PERSÖNLICHKEIT
Der Architekt Richard Joseph Neutra und sein
Einfluß auf die Entwicklung der Architektur
in den USA
(110 Zeilen, 1 Bild)
ANHANG
DULLES UMREISST US-AUSSENPOLITIK
Wortlaut einer Rede des US-Außenministers,
gehalten vor der Handelskammer von Kalifornien
in San Francisco am 4*12.1958
* * * » *

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XI. Jahrgang, Nr. 50

19. Dezember 1958
INHALTSVERZEICHNIS

POLITIK
SIE KOMMUNISTISCHE STUDENTEN-INTERNATIONALE
ISB verlor binnen drei Jahren fast drei
Millionen Mitglieder
(150 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
DIE WELTMEERE ALS ROHSTOFFQUELLE VON MORGEN
Unerschöpfliche Mineralvorkommen geringer
Ergiebigkeit
(120 Zeilen)

Seite

VON KUNST UND KÜNSTLERN
ZWISCHEN 1908 UND 1958
Der Tanz als Bestandteil der amerikanischen
Kultur
(100 Zeilen, 2 Bilder)
LISTE DER GEDENKTAGE FÜR JANUAR 1959
ANHANG
DAS INTERNATIONALE GEOPHYSIKALISCHE JAHR 1957/58
Die Wissenschaft machte Inventur
(5 Bilder)
ZUR BEACHTUNG:

Unsere nächste Ausgabe ALLGEMEINES
erscheint am 9• Januar 1959
# * * # *

Seite

11

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8. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (i)
Die Mähmaschine des Cyrus McCormick
(72 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE US-LANDWIRTSCHAFT AM JAHRESANFANG
Ein Überblick über die wichtigsten landwirtschaftlichen Märkte
(67 Zeilen)

Seite

AUSSENHANDEL WICHTIGER BESTANDTEIL
DES US-WIRTSCHAFTSLEBENS
US-Handelsministerium veröffentlicht vier
Studien zu Import-Exportfragen - 4»5 Mio
Amerikaner durch den Export beschäftigt
(72 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
STRUKTURUNTERSUCHUNG UND STAHLANALYSE
MIT RÖNTGENGERÄT
(20 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTSFUNKTIONÄRE STUDIEREN
ARBEITSBEWERTUNGSMETHODEN
Erste Studienwoche im ersten von der AFL-CIO
geförderten Zeitstudieninstitut - Sachkenntnis
wichtig bei Abschluß von Tarifverträgen
(65 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

Seite

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15. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS

'.VIRT S G HA FT SREP ORT AGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (ll^
Die Nähmaschine des Elias Howe
(90 Zeilen, 1 Bild)

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STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
US-IMPORTE DÜRFTEN AUCH 1958 BISHERIGEN
TREND FORTSETZEN
Bisher noch keine Anzeichen für eine rückläufige Bewegung
(64 Zeilen)

Seite

GROSSES INTERESSE VON US-FIRMEN AN DER ERRICHTUNG
VON PRODUKTIONSSTÄTTEN IN EUROPA
(12 Zeilen)

Seite

7

STARKE ZUNAHME DES TRANSATLANTIK-LUFTVERKEHRS
(11 Zeilen)

Seite

7

145 NEUE SCHIFFE LIEFEN 1957 NEW YORK AN
(l6 Zeilen)

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AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MASCHINELLE REGISTRIERUNG HANDGESCHRIEBENER ZEICHEN
(32 Zeilen, 1 Bild)

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WELT DER ARBEIT
DIE US-GEWERKSCHAFTEN UND DAS VERGANGENE JAHR
Innere Spannungen wegen Korruptionsfällenüberwunden Mitgliederbestand stieg auf 18,5 Millionen an
(53 Zeilen, 2 Bilder)
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ANHANG
PRÄSIDENT EISENHQWER LEGT NEUEN US-HAUSHALT VOR
Auszüge aus der Budget-Kongreßbotschaft Präsident Eisenhowers
vom 13« Januar 1958.

* * * * *

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22. Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (Hl)
Die "Cotton Gin" des Eli Whitney revolutionierte
die Landwirtschaft der amerikanischen Südstaaten Schuf Voraussetzungen der industriellen Massenproduktion
(78 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
"FEDERAL RESERVE BOARD" LOCKERTE ERNEUT KREDITPOLITIK
Bareinzahlungssatz bei Kauf von Wertpapieren von
70 auf 50 Prozent herabgesetzt - Überraschende
Maßnahme wurde in Finanzkreisen begrüßt
(64 Zeilen)
Seite

4

DIE LANDWIRTSCHAFTSBOTSCHAFT PRÄSIDENT EISENHOWERS
Der amerikanische Präsident legte Neun-Punkte-Programm zur Gesundung der Landwirtschaft vor
(85 Zeilen)
.
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"GENERAL ELECTRIC" VERÖFFENTLICHTE EINZELHEITEN
ÜBER DEN J-79-MOTOR .
(13 Zeilen)
MAGNESIUMSTAB VERLÄNGERT LEBENSDAUER VON MOTOREN
(11 Zeilen)

Seite

6

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10

WELT DER ARBEIT
BETRÄCHTLICHE FORTSCHRITTE DER NEGERBEVÖLKERUNG
AUF WIRTSCHAFTLICHEM UND SOZIALEM GEBIET
(43 Zeilen)
ANHANG
PRÄSIDENT EISENHOWER UNTERBREITET . KONGRESS WIRTSCHAFTSBERICHT
1.

Text des Begleitschreibens

2.

Auszüge aus dem Wirtschaftsbericht

* * * * *

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X. Jahrgang. Nr. 4/C

29. Januar 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (IV)
Das Dampfschiff von Robert Fulton leitete eine
neue Epoche in der Schiffahrt ein
(95 Zeilen, 1 Bild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
PRÄSIDENT EISENHOWER LEGTE REFORMVORSCHLÄGE
ZUR ARBEITSGESETZGEBUNG VOR
Schließung bestehender Gesetzeslücken angestrebt
Ziels Schutz der Öffentlichkeit vor negativen
Auswirkungen
(60 Zeilen)
STARK AUSGEWEITETER MARKT FÜR
M0T0RWAS SERSPORTFAHRZEUGE
New Yorker Motorbootausstellung offenbarte
starkes ausländisches Interesse am US-Markt
(27 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
TRANSISTOREN FÜR STÄRKSTE BEANSPRUCHUNG
(24 Zeilen)

Seite

Seite

5

Seite

Seite

WELT DER ARBEIT
WALTER REUTHER UMRISS FORDERUNGEN SEINER GEWERKSCHAFT
Gewinnbeteiligung und höhere Löhne - Industrie lehnte
ab - Neue Kollektivverhandlungen beginnen am 1.April
(36 Zeilen)
Seite
KURZER STREIK DER HUTMACHERGEWERKSCHAFT
NACH 25 JAHREN
(26 Zeilen)

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5. Februar 1958

X. Jahrgang. Nr. 5/C
INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN, DIE GESCHICHTE MACHTEN (V)
Die "Line o'Type" von Ottmar Mergenthaler
revolutionierte die Druckereitechnik
(94 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCKAFT
DIE US-WIRTSCHAFTSLAGE IM SPIEGEL
DER BESCHÄFTIGUNGSSTATISTIKEN
Trotz Zunahme der Erwerbslosenziffer auf rund
. 4 Mio nur 6 Prozent aller Werktätigen ohne
Beschäftigung
(78 Zeilen)

Seite

4

Seite

7

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Seite

11

DIE WIRTSCHAFTSPOLITISCHEN ZIELE DER US-REGIERUNG
Das Regierungsprogramm für das kommende Jahr
(68 Zeilen)
AUS 7/ISSENSCHAFT UND TECHNIK
BESTIMMUNG DER ZIELGENAUIGKEIT VON BORDWAFFEN
IN KNAPP DREI MINUTEN
(30 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
ZIELE UND AUFGABEN DES US-ARBEITSMINISTERIUMS (i)
Von James P. Mitchell, US-Arbeitsminister
(72 Zeilen)

* * * * *

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12. Februar 1958

X. J a h r g a n g . Nr. 6/c
INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (Vi)
Die Schreibmaschine des Christopher Sholes
revolutionierte die Büros, brachte dem Erfinder
aber nur einige Tausend Dollar
(70 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE KQNJUNKTUREINDÄMMENDEN UND BELEBENDEN
FAKTOREN DER US-WIRTSCHAFT
Faktoren, die das derzeitige Konjunkturbild
bestimmen
(80 Zeilen)

Seite

WOHNUNGSBAU UND WIRTSCHAFTSKONJUNKTUR
Die möglichen Einflüsse der Bauwirtschaft
auf die Gesamtkonjunktur
(50 Zeilen)

Seite

6

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
FLUGZEUG MIT DREIFACHER SCHALLGESCHWINDIGKEIT
(7 Zeilen)

Seite

9

Seite

9

Seite

10

CHEMISCHER SCHUTZ GEGEN WASSERDUNSTUNG
(8 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
ZIELE UND AUFGABEN DES US-ARBEITSMINISTERIUMS
(II und Schluß)
Von James P. Mitchell, US-Arbeitsminister
(98 Zeilen)
ANHANG
DIE ZIVILLUFTFAHRT IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

* * * * *

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7/C

19. Februar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (VIl)
Der elektromagnetische Telegraph von Samuel
Morse eröffnete das Zeitalter der schnellen
Nachrichtenübermittlung
(98 Zeilen, 1 Bild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE WACHSTUMSRATE IN DER US-WIRTSCHAFT
Die Wandlung der stimulierenden Faktoren •
Durchschnittliche Wachstumsrate zwischen
1909 und 1945 3,2 - seitdem 3,38 Prozent
(96 Zeilen)
VERSTÄRKTE ENTWICKLUNGSHILFE DER US-REGIERUNG
Ausleihebefugnisse der Export-Importbank sollen
erhöht werden - Entwicklungsfonds nimmt Tätigkeit
auf
(57 Zeilen)

Seite

Seite

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRONISCHES ZEHNSPRACHEN-GESCHICHTSARCHIV
(23 Zeilen)

Seite

10

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (i)
Ein Überblick über Geschichte, Entwicklung,
Struktur und Stellung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung
(130 Zeilen)

Seite

11

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X. Jahrgang. Nr. 8/C

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26. Februar 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (VIII)
Der Gummivulkanisierungsprozeß schuf die Grundlage für eine neue Industrie - Charles Goodyear,
ein Erfinder aus Leidenschaft
(120 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ENTSCHEIDENDE WOCHEN
Umfang des konjunkturellen Aufschwungs im
März wird über weitere wirtschaftsfordernde
Maßnahmen der Regierung entscheiden
(80 Zeilen)

Seite

DIE MINDESTRESERVESÄTZE WURDEN GESENKT
"Federal Reserve Board" hofft Kreditgeschäft
zu aktivieren
(54 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUE MINIATUR-TROCKENZELLENBATTERIE
(9 Zeilen)
DER PERFEKTE SCHUH
(10 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (il)
Ideologische Einflüsse und Trends
ANHANG
PRÄSIDENT EISENH0WER UNTERBREITET AUSLANDSHILFEPROGRAMM *

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X. Jahrgang. Nr. 9/C

5. März 1958
INHALTSVERZEICHNIS

faadui k»&gt;
WIRT SCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (IX)
George Westinghouse bremst Züge mit Luft
meinte: "Keine Zeit für solchen Quatsch"
(75. Zeilen, 1 Bild)

Vanderbilt

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
US-IMPORTE ERREICHTEN 1957 NEUE REKORDHÖHE
Gesamtwert fast 15 Mrd. Dollar - Dezember mit
höchstem Monatsergebnis - Auch im Januar noch
keine Abschwächung
(68 Zeilen)
DIE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFT IM FEBRUAR
Ein Überblick über die wichtigsten landwirtschaftlichen Märkte
(45 Zeilen)

Seite

Seite

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
USA ERSTELLEN GROSSE PRODUKTIONSKAPAZITÄTEN
FÜR RAKETENTREIBSTOFFE
(35 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (ill)
Die Struktur der amerikanischen Gewerkschaften
(98 Zeilen)

* * * * *

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6

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14. März

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. SIE GESCHICHTE MACHTEN (X)
Das erste brauchbare Telefon des Alexander Bell
(85 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AMERIKANISCHE REGIERUNG KÄMPFT UM AUSLANDSHILFE
Beantragte 3»9 Mrd, Dollar als dringend erforderlich erachtet
(62 Zeilen)

Seite

KONGRESSAUSSCHUSS LEGTE WIRTSCHAFTSBERICHT VOR
Weitgehende Übereinstimmung mit der Wirtschaftsbotschaft des Präsidenten
(75 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
PHOTOZELLEN-RELAISSYSTEM MIT ATOMSTRAHLEN
(16 Zeilen)
NEUE TITANLEGIERUNG FÜR DEN RAKETENBAU
(13 Zeilen)

4

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11

WELT DER ARBEIT
DIE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG (IV)
Gewerkschaften und Arbeitsgesetzgebung
(87 Zeilen)

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21. März

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN, DIE GESCHICHTE MACHTEN (Xl)
Der Drehstrommotor von Nikola Tesla leitete die
Ära der Elektroenergie ein
(58 Zeilen, 1 Bild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
STEIGENDE PRIVATE AUSLANDSINVESTITIONEN
Durchschnittsinvestitionen der vergangenen
zwei Jahre 4»3 Mrd. Dollar
(58 Zeilen)
WIRTSCHAFTSPROGNOSEN UND TATSÄCHLICHE ENTWICKLUNGEN
Ein Vergleich zwischen gemachten Voraussagen und
den wirklichen Trends
(82 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"GENERAL ELECTRIC" FÜHRTE NEUES DÜSENAGGREGAT VOR
(10 Zeilen)
ELEKTRONISCHES SUPERSCHREIBGERÄT
(12 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (V)
Das Kollektivverhandlungswesen
(110 Zeilen)

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28. März 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XIl)
George Eastman als Wegbereiter der Amateurphotographie - Von einer Wissenschaft zum
Millionenhobby
(120 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE GEWANDELTE KAPAZITÄTSKONZEPTION
Investitionen der Wirtschaft folgten nicht dem
klassischen Konjunkturzyklus - Überraschend hohe
Investitionen der US-Wirtschaft für 1958
(82 Zeilen)

Seite

6

Seite

9

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
. CHRYSLER ENTWICKELTE NEUE BENZIN-EINSPRITZPUMPE
(32 Zeilen)

Seite

12

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN
(VI und Schluß)
Die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
(78 Zeilen)

Seite

13

AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE AUSLANDSHILFE
US-Auslandshilfe von wirtschaftlichen, sowjetische
von politischen Motiven getragen
(80 Zeilen)

ANHANG
ATOMPQLITIK IM ZEITALTER DER RAUMFAHRT
Auszug aus einer Rede, die Robert M. McKinney
am 18. März 1958 in Chicago gehalten hat

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X. Jahrgang, Nr. 13/c

3. April

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XIIl)
Der Phonograph Thomas A. Edisons - Die menschliche
Stimme von einem Stückchen Silberpapier
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EUROPÄISCHE INVASION AUF DEM NEW YORKER AUTOSALON
Großbritannien am stärksten vertreten, aber auch
Bundesrepublik zeigt repräsentativen Querschnitt
(65 Zeilen)

Seite

5

NUTZUNG VON ATOMEXPLOSIONEN FÜR FRIEDLICHE
ZWECKE IN SICHT?
Revolutionäre Aspekte für einige Industrien Radioaktive Auswirkungen lassen sich auf ein
Mindestmaß zurückführen
(82 Zeilen)

Seite

7

Seite

10

Seite

10

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
BEFRACHTUNG EINES FLUGZEUGES IN 40 SEKUNDEN
(12 Zeilen, 2 Bilder)
DIAMANTEN IN MASSENFABRIKATION
(13 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTEN UND KRANKENFÜRSORGE
Die Gesundheitszentren und Kliniken der ILGW
behandeln mehr als 100 000 Patienten pro Jahr Allein in New York 170 Ärzte in der Gfewerkschaftsklinik tätig
(70 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 11.

ANHANG
AUSSENMINISTER DULLES FORDERT VERLÄNGERUNG DES GESETZES ÜBER
GEGENSEITIGE HANDELSABKOMMEN
Wortlaut einer Rede, die US-Außenminister Dulles am 27. März
1958 in Washington gehalten hat.
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11 . April 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XIV)
Das Elektrolyseverfahren von Tonerde schuf die
Grundlagen für die Aluminiumindustrie
(78 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WERTPAPIERBÖRSEN VON DER REZESSION UNBEEINDRUCKT
Die Gründe für die Stabilität der Wertpapierpreise
(68 Zeilen)

Seite

ARBEITSLOSENVERSICHERUNG SOLL AUSGEDEHNT WERDEN
Präsident Eisenhower unterbreitete Kongreß Vorschläge
zur Verlängerung der Versicherungsdauer
(76 Zeilen)

4

Seite 6

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
STQSSFREIE AUTOBAHNEN DURCH "GUMMIFUGEN"
(20 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

9

WELT DER ARBEIT
DIE AMERIKANISCHE ARBEITSGESETZGEBUNG
Geschichtliche Entwicklung und Inhalt der
wichtigsten Gesetze
(140 Zeilen)

Seite

10

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18. April

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XVl
Wilbur und Orville Wright erobern die Luft
durch Motorenkraft
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WAS IST MIT DEN PREISEN LOS?
Trotz Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität
ist der Lebenshaltungskostenindex weiter
angestiegen
(70 Zeilen)

Seite

DIE AMERIKANISCHEN IMPORTE ZEIGTEN BISHER
NOCH KEINE ABSCIIWÄCKUNGEN
Gesamtentwicklung für 1958 allgemein günstig
beurteilt
(58 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WIRTSCHAFTLICHES KUNSTSTOFFSPRITZVERFAHREN
(20 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

Seite

WELT DER ARBEIT
"CAFETERIA ZUR VERABREICHUNG GEISTIGER NAHRUNG"
Bücherständer erfreuen sich immer größerer Beliebtheit 1500 amerikanische Betriebe stellen ihren Mitarbeitern
ausgewählten Lesestoff kostenlos zur Verfügung
(62 Zeilen, 1 Bild)
Seite

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Wirtschaft
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25. April 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ERFINDUNGEN. DIE GESCHICHTE MACHTEN (XVl)
Die synthetische Harzpolymerisierung leitete das
KunststoffZeitalter ein - Das Bakelit von Leo H.
Baekeland als Wegbereiter
(72 Zeilen, 1 Bild)

Seite

1

BESCHÄFTIGUNGSSTATISTIK MIT ZWEIERLEI AKZENTEN
Bedeutender Anstieg der Zahl der Beschäftigten
im März bei gleichzeitiger geringer Zunahme der
Erwerbslosenziffer
(80 Zeilen)

Seite

4

WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG UND SOWJETISCHES
WIRTSCHAFTSSYSTEM
Die Leistungen in einer freien und einer
Zwangswirtschaft
(80 Zeilen)

Seite

7

Seite

9

Seite

11

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRONEN-MIKROSKOPE ALS HELFER DER WISSENSCHAFT
"Radio Corporation of America" will Massenproduktion von Elektronen-Mikroskopen aufnehmen
(45 Zeilen, 1 Bild)
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFT ENTWICKELTE ZUSAMMEN MIT UNTERNEHMEN
NEUES ERNTEGERÄT
Ernte von Rizinussamen jetzt rationell durch
Maschineneinsatz möglich
(60 Zeilen, 1 Bild)
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2. Mai

195®

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIREKTE UMWANDLUNG VON WÄRME IN ELEKTRIZITÄT
Der therm-ionische Konverter eröffnet neue Möglichkeiten zur Elektrizitätserzeugung - Wissenschaftler
glauben Nutzeffekt auf 50 7° steigern zu können
(50 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE DERZEITIGE WIRTSCHAFTSLAGE DER USA
UND DIE KÜNFTIGE ENTWICKLUNG
Führende V/irtschaftsexperten untersuchten
Möglichkeiten zur Aktivierung der Wirtschaft
und künftige Wachstumstrends
(56 Zeilen)
WANDLUNG IN DER INVESTITIONSPOLITIK ZEICHNET SICH AB
Geringere Aufwendungen für Kapazitätsausweitungen
bei zunehmenden Ausgaben für Forschung und
Entwicklung (67 Zeilen)

Seite

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8

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MINIATUR-WASSERAUFBEREITUNGSANLAGE
Tagesleistung 1900 Liter Trinkwasser
(18 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
SCHÖPFERISCHE FREIZEITPROGRAMME FÜR PENSIONÄRE
Amerikanische Gewerkschaften wollen älteren Mitgliedern Übergang in den Ruhestand erleichtern
helfen (64 Zeilen, 3 Bilder)

ANHANG
GEMEINSAME SICHERHEIT UND WELTHANDEL
Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretärs für
Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium, C. Douglas Dillon.
DIE OEEC UND
Wortlaut der
Christian A.
Bestehen des

DER WIRTSCHAFTLICHE FORTSCHRITT IN WESTEUROPA
Rede des Staatssekretärs im US-Aussenministerium,
Herter, anläßlich der Feierlichkeiten zum zehnjährigen
Europäischen Wirtschaftsrates.

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Wirtschaft
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9. Mai 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
TROTZ TEILAUSLASTUNG HOHE INVESTITIONSRATE
DER STAHLINDUSTRIE
Gesamtinvestitionen rund 1 Mrd. Dollar in 1958 Gegenwärtige Kapazität 140 Mio Tonnen
(78 Zeilen)

Seite

1

MASSENEINKOMMEN NUR UNWESENTLICH ZURÜCKGEGANGEN
Gegenüber Mitte vorigen Jahres nur um 1,5 f°
abgesunken - Auch Verbrauchsrausgaben gut behauptet
(75 Zeilen)

Seite

4

US-REGIERUNG WILL LAGE DES ERZBERGBAUES VERBESSERN
Preisstützungsprogramm für fünf wichtige Metalle
vorgeschlagen
(70 Zeilen)

Seite

7

Seite

9

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WINDKANAL FÜR GESCHWINDIGKEITEN BIS 5700 MEILEN
(24 Zeilen, 2 Bilder)
WELT DER ARBEIT
INDUSTRIELLE FÖRDERUNGSPROGRAMME FÜR HANDWERKLICHEN
UND TECHNISCHEN NACHWUCHS
Wachsendes Interesse und steigenue finanzielle Zuwendungen der amerikanischen Industrie für Er^iehungsund Ausbildungsprojekte
(42 Zeilen, 5 Bilder)
ANHANG
PROBLEME DER ENTWICKLUNG UND STABILITÄT DER WIRTSCHAFT
Rede des Wirtschaftsberaters des US-Präsiuenten, Dr.
Gabriel Hauge, vor der Deutschen Gruppe der Internationalen Handelskammer in Berlin am '0.4.1958
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16. Mai 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
INNERBETRIEBLICHE SCHULUNGSMASSNAHMEN SORGEN
FÜR NACHSCHUB AN FACHKRÄFTEN
Umschichtungen innerhalb der amerikanischen
Arbeiterschaft - Größere Aufstiegsmöglichkeiten
für den einzelnen
(63 Zeilen, 2 Bilder)

Seit«

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
"AUFWEICHUNG" DER INTERNATIONALEN ROHSTOFFMÄRKTE
DURCH DIE SOWJETBLOCKSTAATEN
Nach dem Baumwoll- und Aluminiummarkt ist jetzt
der Zinnmarkt an der Reihe - Stark forcierte Exporte
seit Beginn dieses Jahres
(80 Zeilen)
Seite
EINSTELLUNG DES AMERIKANERS GEGENÜBER DEM "BIG
BUSINESS" HAT SICH GEWANDELT
Positivere Beurteilung als früher - Interessante
Studie der "National Planning Association"
(52 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUE STAHLTYPE FÜR ÜBERSCHALLFLUGZEUGE
(14 Zeilen)

Seite

KOHLEVERKOKUNG UNTER TAGE
(15 Zeilen)

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WELT DER ARBEIT
JOHN L. LEWIS FORDERT AUSWEITUNG DER SICHERHEITSBESTIMMUNGEN IM BERGBAU
Auch Kleinzechen sollen erfaßt werden - Erheblicher
Rückgang der Unfallrate in den vergangenen 25 Jahren
(50 Zeilen)
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23. Mai

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
"DIGITAPE"-VERFAHREN ERMÖGLICHT AUTOMATION
BEI KLEINSERIEN
Umrüsten der Maschinengruppen entfällt praktisch
Durch Umwechseln der Lochstreifen erfolgt Produktionsumstellung (62 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
VERSCHIEDENE FAKTOREN LEUTEN BALDIGES ENDE
DES WIRTSCHAFTLICHEN RÜCKGANGS AN
Das Schlimmste scheint überstanden - Stärkerer
Auftrieb allerdings nicht vor Spätsommer erwartet
(65 Zeilen)

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11

DER EINFLUSS DER VERTEIDIGUNGSAUSGABEN AUF DIE
WIRTSCHAFTLICHE AKTIVITÄT
.Anteil nur 10 Prozent am Bruttosozialprodukt Konjunktureller Einfluß unbedeutend (85 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUARTIGER VERSTÄRKER FÜR RADIOTELESKOPE
(18 Zeilen)
CHEMISCHES "BERUHIGUNGSMITTEL" FÜR PFLANZEN
ERHÖHT ERTRÄGE
(19 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
DISNEYLAND IST VOLL GEWERKSCHAFTLICH ORGANISIERT
(2a Zeilen, 1 Bild)
ANHANG

US-AUSLANDSHILFE EINE INVESTITION FÜR DEN AUFBAU EINER
FRIEDLICHEN WELT
Wortlaut einer Rede des US-Chefdelegierten bei den Vereinten
Nationen, Henry Cabot Lodge.

* * * * *

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X. J a h r g a n g . N r .

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Wirtschaft
und Arbeit
30. Mai

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPQRTAGE
DIE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFT HEUTE (i)
Wirtschaftliche Stellung und Agrarstruktur
(98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
NEW YORKER MESSE ALS SPRUNGBRETT FÜR US-MARKT
Diesjährige "World Trade Fair" übertraf Vorjahresergebnis beträchtlich - 3000 Aussteller aus
60 Ländern (50 Zeilen)

Seite

5

PROSPERIERENDE LANDWIRTSCHAFT IN ZEITEN
RÜCKLÄUFIGER WIRTSCHAFTLICHER AKTIVITÄT
Farmereinkommen gegenwärtig um 10 Prozent
höher als im Vorjahr - Landmaschinenindustrie
verzeichnet starke Belebung
(80 Zeilen)

Seite

7

Seite

9

Seite

10

Seite

11

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES OPTISCHES GERÄT ERMÖGLICHT GENAUERES
STUDIUM DES UNIVERSUMS
(14 Zeilen)
NEUES CHEMISCHES PRÄPARAT GEGEN BLUTGERINNSEL
(12 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
AUS DEM AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTSLEBEN
Stahlarbeiter melden Tarifforderungen an Textilarbeiter-Wohlfahrtsfonds 142 Mio Dollar Petrillo lehnt erneute Kandidatur ab - Gewerkschaftsversicherung mit 1,0 Mrd. Dollar Bestand
(55 Zeilen)

* * * * *

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X. Jahrgang:. Nr. 22/c

Wirtschaft
undArbeit
6. Juni

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFT HEUTE (il)
Die Produktivität und der Einfluß auf die
Mechanisierung (98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AKTIENSTREUUNG WIRD IMMER BREITER
Aktiensparprogramme tragen sehr zur Popularisierung
des Wertpapiers bei - Erhebliche Steigerung in der
Zahl der Aktionäre bei Großunternehmen
(70 Zeilen)

Seite

US-WIRTSCHAFT VERTRAUT AUF SELBSTHILFE
Rationalisierung von Produktion und Verkauf
sowie verstärkte Forschungs- und Entwicklungsprogramme sollen Konjunkturauftrieb einleiten
(54 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK •
EINFLUSS VON KUNSTDÜNGER UND BEWÄSSERUNG
AUF DIE ERTRÄGE
Ausgedehnte Versuche des US-Landwirtschaftsministeriums offenbarten auffallende Wechselbeziehung zwischen Kunstdünger und Bodenfeuchtigkeit
(35 Zeilen)

Seite

10

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFT UNTERHÄLT EIGENE BLUTBANK ZUM
WOHLE DER GEMEINDE
Als Ergänzung wurde jetzt fahrbare Blutsammelstelle in Betrieb genommen
(37 Zeilen, 1 Bild)

Seite

11

* * * * *

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13. Juni 1958

X. J a h r g a n g . N r . 23/C

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE AMERIKANISCHE LANDWIRTSCHAFT HEUTE (ill)
Absatzorganisationen, Agrarpreise und wirtschaftliche
Lage der Farmer (98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
LAGE IN DER STAHLINDUSTRIE HAT SICH GEBESSERT
Erhöhte Auftragseingänge und höhere Produktionsrate Ausdruck allgemeiner Belebung der Wirtschaft
(65 Zeilen)
ELEKTRIZITÄT AUS ATOMKRAFTWERKEN
Shippingport leitete neue Ära ein - Vier weitere
A-Kraftwerke bis 196O fertiggestellt
(70 Zeilen)

Seite 7

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
GELÄNDEGÄNGIGE "RAKETEN-SELBSTFAHRLAFETTE" MIT
"SCHLUMMERROLLEN"
(22 Zeilen, 1 Bild)

Seite 10

WELT DER ARBEIT
STUDIE UMREISST FORTSCHRITTE DER
AMERIKANISCHEN ARBEITNEHMER
(28 Zeilen)

Seite 11

IAM-GEWERKSCHAFT FEIERTE 70. GRUNDUNGSTAG
(16 Zeilen)

* * * * *

Seite 5

Seite 12

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X. Jahrgang. Nr. 24/c

20. Juni 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
Mr. KELLY VERMIETET BÜROFACHKRÄFTE ALLER ART
50 000 Angestellte in 81 Städten der USA - Ein Anruf
genügt, und Mr. Kelly beseitigt plötzliche Personalschwierigkeiten
(76 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EIE ENTWICKLUNG DER FAMILIENEINKOMMEN ZWISCHEN
1947 ÜKD 1957
Zunahme der durchschnittlichen Realeinkommen von
461O auf 5480 Dollar - Aufrücken der unteren
Einkommengruppen in die höheren Klassen
(57 Zeilen)

Seite

4

KONJUNKTURPROBLEME HEUTE UND GESTERN
Die grundlegenden Unterschiede zwischen wirtschaftlichen ALschwächungspe rioden der Vor- und Nachkriegszeit
(98 Zeilen)
Seite

£

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
CIIEMIKALIE GEGEN V/ASSERVERDÜNSTUNG
(15 Zeilen)

Seite

SCHNELLSTE FIRNSCHRSIBMASCHINE DER Y.ELT
(7 Zeilen)

Seite

10

Seite

10

V&gt;ELT DER ARBEIT
AUSBILDUNG VON GEWERKSCHAFTLICHEM NACHWUCHS
AN DER Hi&gt;R7i.RD-UNIVERSIT£T
Gewerkschaftliche Schulungo- und Fortbildungsprogramme gev/innen immer mehr an Bedeutung
(52 Zeilen)

* * * * *

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X. Jahrgang. Nr. 25/C

27. Juni

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE REORGANISATION DER SOWJETISCHEN LANDWIRTSCHAFT
UND IHRE BEDEUTUNG (i)
\
Die Traktorenstationen und ihre wirtschaftlichen und
politischen Aufgaben
(165 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE US-WIRTSCHAFT ZUR JAHRESMITTE
Allgemeine wirtschaftliche Aktivität nimmt wieder
zu - Zufriedenstellende Entwicklung im Mai und Juni
(62 Zeilen)

Seite

AMERIKANISCHE UND SOWJETISCHE AUSLANDSHILFE
US-Aussenministerium veröffentlichte Studie über
Umfang und Ziel der sowjetischen Hilfe- und
Wirtschaftsoffensive
(98 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MODELL EINER RAUMSTATION
Wissenschaftliche Forschungsstation in 720 km Etfg. von
der Erde - Vier Mann Besatzung - 500 Mio DollarProjekt
(30 Zeilen, 2 Bilder)
Seite

13

WELT DER ARBEIT
20 JAHRE "FAIR LABOR STANDARDS ACT"
Vor 20 Jahren wurde eines der wichtigsten Arbeitsgesetze der USA in Kraft gesetzt
(56 Zeilen)

15

* * * * *

Seite

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X. J a h r g a n g . Nr, 26/C

Wirtschaft
und Arbeit
4. Juli 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE REORGANISATION DER SOWJETISCHEN LANDWIRTSCHAFT
UND IHRE BEDEUTUNG (il)
Die strukturellen Veränderungen im Kolchossystem
(120 Zeilen)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
MODIFIZIERTES STÜTZUNGSPROGRAMM FÜR MINERALIEN
Weitgehende Rücksichtnahme auf ausländische
Erzeuger - Kleinbetriebe am meisten begünstigt
(86 Zeilen)
LAGE IM AUSSENHANDEL SCHEINT SICH ZU STABILISIEREN
Importe konnten hohes Volumen halten - Exporte
hatten beträchtliche Rückgänge im ersten Quartal
1958 zu verzeichnen
(80 Zeilen)

Seite

Seite

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
MESSUNG DES VERSCHLEISSES VON KOLBENRINGEN
MITTELS RADIOAKTIVER SPURENELEMENTE
(14 Zeilen)

Seite

11

WELT DER ARBEIT
SENAT VERABSCHIEDETE WICHTIGEN ARBEITSGESETZENTWURF
(35 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

HERMAN D. KENIN ZUM NACHFOLGER PETRILLOS GEWÄHLT
(28 Zeilen)

# * * * *

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und Arbeit

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X. Jahrgang. Hr. 27/C

11 . Juli 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE REORGANISATION DER SOWJETISCHEN LANDWIRTSCHAFT
UND IHRE BEDEUTUNC (III UND SCHLUSS)
Übergangsprobleme und Einfluß auf die Erzeugung
und Gesamtstruktur (120 Zeilen, 2 Karikaturen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE WIRTSCHAFTLICHE HILFE DER USA AN DIE PHILIPPINEN
Philippinen mit größter wirtschaftlicher Wachstumsrate
aller fernöstlichen Staaten (75 Zeilen)
Seite
AMERIKANER GABEN 1957 INSGESAMT 1,8 MRD. DOLLAR
FÜR AUSLANDSREISEN AUS
Auch für 1958 mit weiterem Anstieg zu rechnen
(60 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
BEOBACHTUNGS-FERNSEHKAMERA IN DER NEUEN "B-52G"
(15 Zeilen)

Seite

11

WELT DER ARBEIT
INVESTITIONEN PRO ARBEITSPLATZ 16 000 DOLLAR
MITTE 1957
Steigende Investitionen pro Produktionsarbeiter
in den USA - Doppelte Summe gegenüber 194&amp;
(40 Zeilen)

Seite

12

* * * * *

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X. Jahrgang, Nr. 28/C

18. Juli 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN PRODUKTIVITÄT (i)
Die historischen Hintergründe - Größerer Anteil
aller am Bruttosozialprodukt
(76 Zeilen, 1 Bild)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ZUNEHMENDE ENTSPANNUNG IN DER US-WIRTSCHAFT
Auch bei den Fabrikationsbetrieben zeichnet sich
jetzt ein Aufschwung ab - Dauergüterindustrie
mit größten Zunahmen
(64 Zeilen)
Seite
WICHTIGSTE INDICES FOLGTEN WIEDER AUFWÄRTSTREND
"Führungsfaktoren" zeigen erneuten Auftrieb für
die nächsten Monate an
(84 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUARTIGES ELEKTRONISCHES RECHENGERÄT FÜR
KLEINERE BETRIEBE
Anschaffungspreis zwischen 8000 und 15 000
Dollar - Leichte Bedienung
(46 Zeilen, 1 Bild)

Seite

WELT DER ARBEIT
DIE US-GEWERKSCHAFTEN V/ENDEN SICH AN DIE ]
KUNST UND DIE KÜNSTLER
Immer stärkere Heranziehung von Künstlern
zur Ausgestaltung von Gewerkschaftsbauten
(46 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

* # * * *

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J/Q

Wirtschaft
und Arbeit
25. Juli 1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORT G^
DIE GESCHICHTE DER AMEi IRANISCHEN PRODUKTIVITÄT (il)
Die sozio og:sehen und wirtschaftlichen Faktoren
(90 Zeilen 1 ,cnaubild)
Seite
STREIFLICHTER AUS DLR US-' IR'T'SCl^FT
DIE WIRTSCHAFmLTCHE B^DEUTrNG ALASKAS
Unermeßlic . • Bodenschätze - aber nur wenige
Menschen
(52 Zeilen)

Seite

T

STARK VERBESSERTE E£^CHA&gt;T G JNGSLAGE IM JUNI
Anstieg der Besehaf t-g .en am 920 000
(82 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
GRÜSSTER LASTKRAFTWAGEN DER WELT
Gewicht im beladenen Zustand fast 200 Tonnen
(16 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

WELT DER ARBEIT
AUS DEM AMERIKANISCHEN GEWERKSCHAFTLICHEN LEBEN
Durchschnittslöhne weiter angestiegen - Niedrigste Streikziffer der Nachkriegszeit für Mai Alaska gewerkschaftlich stark organisiert
(52 Zeilen)
# # * * *

Seite

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X. Jahrgang. Nr. 50/C

1 . August 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN PRODUKTIVITÄT

IUI}
Maschinenkraft, Erziehung und Fähigkeiten von
Management und Arbeitern
(98 Zeilen, 1 Schaubild)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EINE "NEUE DIMENSION" IM US-EINZELHANDEL
Supermarkets mit Warenhausangebot probeweise
gestartet - Abkehr vom reinen Lebensmittelladen - Supermarketumsatz jährlich 25,2 Mrd.
Dollar (88 Zeilen, 2 Bilder)
VERSTÄRKTER WIRTSCHAFTLICHER AUFTRIEB IM JUNI
Wirtschaftlicher Auftrieb zeichnet sich immer
klarer ab - Zunahmen berühren fast alle Sektoren
(63 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
SPURELEMENTE UND ATOMSTRAHLEN IN DER
LANDWIRTSCHAFTSFORSCHUNG
Künstlich hervorgerufene Mutationen führen zu
ertragreicheren und widerstandsfähigeren Sorten
(70 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

Seite

Seite

Seite

10

DIE PRAXIS DER ZAHLUNG VON ENTLASSUNGSGELDERN
IN DER US-WIRTSCHAFT (i)
Verstärkte Bemühungen der Gewerkschaften um
Aufnahme von Abfindungsplänen in die Tarifverträge
(90 Zeilen)
Seite

14

WELT DER ARBEIT

* * * * *

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8 . August

X. J a h r g a n g . N r . 51/C

1958

INHALTSVERZEICHNIS

V/IRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN PRODUKTIVITÄT

im

Die Einflüsse von Arbeits- und Kapitalmobilität
und der Spezialisierung (68 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ROHSTOFFMÄRKTE ZEIGEN STABILISIERUNGSTENDENZEN
Stärkste Einflüsse auf die künftige Preisstruktur
von der wirtschaftlichen Erholung in den USA zu
erwarten
(64 Zeilen)

Seite

DIE LAGE AUF DEN LANDWIRTSCHAFTLICHEN
MÄRKTEN IM JULI
Stark veränderte Verbrauchergewohnheiten
bei Kartoffeln - Viertgrößte Weizenernte
in diesem Jahr zu erwarten (68 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUARTIGE KÜCHENGERÄTE MIT "PFIFF"
(28 Zeilen, 5 Bilder)

Seite

10

WELT DER ARBEIT
DIE PRAXIS DER ZAHLUNG VON ENTLASSUNGSGELDERN
IN DER US-WIRTSCHAFT (il)
Die verschiedenen Pläne in Wirtschafts- und
Industrieunternehmen (98 Zeilen)

Seite

12

* * * * *

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X. Jahrgang. Nr. 52/c

Wirtschaft
und Arbeit
15. August 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DIE GESCHICHTE DER AMERIKANISCHEN PRODUKTIVITÄT
(V und Schluß)
Die Rolle von Wissenschaft und Erfindungen
(70 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE AUSWIRKUNGEN VON FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
AUF DIE CHEMISCHE INDUSTRIE
Industriezweig mit weitaus größter Wachstumsrate Trotz rückläufiger wirtschaftlicher Entwicklung
wurden hohe Investitionen vorgenommen
(78 Zeilen)
^
Seite
ÄUSSERST GÜNSTIGE ZUKUNFTSAUSSICHTEN FÜR
DIE BAUWIRTSCHAFT
"Architectural Forum" erwartet Zunahme der
Aufwendungen für Neubauten aller Art um ^&gt;0ffo
in den nächsten zehn Jahren
(58 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
SCHNELLERE AUFTRAGSENTWICKLUNG DURCH
?o PCO km LAN3ES FERNSCHREIBNETZ
Neuartiger Kundendienst - Mobilisierung
der Hersteller- und Händlerläger
(50'Zeilen, 1 Bild)

Seite

WELT DER ARBEIT
DIE PRAXIS DER ZAHLUNG VON ENTLASSUNGSGELDERN
IN DER US-WIRTSCHAFT (III und Schluß)
Verstärkte Bemühungen der Gewerkschaften um
Aufnahme von Abfindungsplänen in die
Tarifverträge
(98 Zeilen)

Seite

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22. August 1958

X. Jahrgang. Nr. 35/C
INHALTSVERZEICHNIS

WELT DER ARBEIT
SONDERREPORTAGE
TAG DER ARBEIT 1956 : US-GEWERKSCHAFTEN ZIEHEN BILANZ
Feiertag des ganzen Volkes - Soziale Gerechtigkeit
bleibt das Ziel (220 Zeilen , 3 Bilder)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
VIERJÄHRIGE VERLÄNGERUNG DES US-GESETZES
ÜBER GEGENSEITIGE HANDELSABKOMMEN
Erfolg der liberalen Kräfte der amerikanischen
Handelspolitik - 20prozentige Zollsenkung bis
1962
(65 Zeilen)
MEHR ARBEITSPARENDE MASCHINEN FÜR DIE
US-LANDWIRTSCHAFT
Trends in der amerikanischen Landmaschinenindustrie
Mechanisierung - ein Mittel zur Leistungs- und
Rentabilitätssteigerung (90 Zeilen, 1 Bild)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUER REAKTOR FÜR MEDIZINISCHE ZWECKE
Therapie und Forschung auf neuen Wegen Möglichkeiten der Krebsbekämpfung (52 Zeilen)

* * * * *

Seite

5

Seite

8

Seite

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X. Jahrgang, Nr. 34/C

29. August 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS PROBLEM DER WIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG UND
DIE GEGENSEITIGE ABHÄNGIGKEIT DER STAATEN (i)
Die Welt als wirtschaftlich-soziale Einheit Neuordnung des internationalen Wirtschaftsgefüges
unaufschiebbar
(98 Zeilen)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ANZEICHEN EINER WIEDERBELEBUNG DER WIRTSCHAFTSTXTIGKEIT MEHREN SICH
Geld wird teurer - Mehr Aufträge erwartet Beendigung des Lagerabbaus
(92 Zeilen)

Seite

1,

Seite

DAS WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNGSPROGRAMM DER
USA NIMMT GESTALT AN
Eisenhowers Vorschlag zur Errichtung einer
Entwicklungsbehörde für den Nahen Osten Lateinamerika ein weiterer Schwerpunkt
(92 Zeilen)

Seite

8

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
EIN NEUES PAPIER - ELASTISCH UND REISSFEST
(18 Zeilen)

Seite

11

Seite

11

Seite

12

Seite

12

Seite

13

BRUCHSICHERE KUNSTSTOFF-FENSTER
(10 Zeilen)
EIN "KUGELSCHREIBER" FÜR LEIM
(8 Zeilen)
EINE FARBE. DIE GEFÄHRLICHE HITZE ANZEIGT
(6 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
INDUSTRIEUNTERNEHMEN WIRBT UM ÖFFENTLICHES
VERTRAUEN
Tag der offenen Tür hat großen Erfolg Partnerschaftsprogramm findet Unterstützung
der Gewerkschaften
(72 Zeilen, 1 Bild)

�1

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5. September

X» Jahrgang. Nr. 55/C

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DAS PROBLEM DER WIRTSCHAFTLICHEN ENTWICKLUNG
UND DIE GEGENSEITIGE ABHÄNGIGKEIT DER STAATEN (II)
Enorme Investitionsmöglichkeiten in Europa - Auslandskapital als Anstoß zu selbständigem Wachstum
in den Entwicklungsländern (118 Zeilen)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ZAHLEN DES US-HANDELSMINISTERIUMS BEWEISEN
ENDE DER REZESSION
Neue Rekordhöhe des Personaleinkommens Verteidigungsausgaben kein Anti-Rezessionsmittel
(76 Zeilen)
DREI-PUNKTE-PROGRAMM FÜR WELTBANK UND
WAHRUNGSFONDS
Eisenhowers neue Initiative - Entwicklungsinstitut
als Tochtergesellschaft der Weltbank vorgeschlagen
(68 Zeilen)

Seite

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
EIN NEUES ELEKTRONENGEHIRN, DAS SICH SELBST
SEINE INSTRUKTIONEN SCHREIBT
(20 Zeilen)
Seite
ELEKTRONENMASCHINE LIEST ADRESSEN UND SORTIERT POST
(20 Zeilen)
Saite
WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFTLER BESUCHEN DIE UNIVERSITÄT
Erstklassige Ausbildung für Funktionäre und
Gewerkschaftsmitarbeiter - Grundlage für Rolle
im öffentlichen Leben
(52 Zeilen, 1 Bild)

* * * * *

Seite

11
12

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12. September 1958

X. Jahrgang« Nr. 56/C
INHALTSVERZEICHNIS

V/IRTSCHAFTSREPORTAGE
WISSENSCHAFTLER VERHELFEN HOLZ UND HOLZPRODUKTEN
ZU NEUER BEDEUTUNG
US-Holzindustrie produziert nach Rezepten eines
Staatslaboratoriums - Erfolg: ein Material, das
billiger, aber widerstandsfähiger ist als Sperrholz
(98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ERHOLUNG DES US-AUSSENHANDELS ALS FOLGE
DES V/IRTSCIIAFTSAUFSCHWUNGS
Juni-Einfuhren höher als die des Vergleichsmonats
1957 - Hauptwirkung der steigenden Wirtschaftstätigkeit auf den Außenhandel erst 1959 zu erwarten
(65 Zeilen)

Seite

5

Seite

8

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
RENTABILITÄTSGRENZE FÜR ATOMSCHIFFE IN SICHT
Betriebskosten für Atom- und konventionelle
Schiffe 1980 etwa auf gleicher Höhe - Unterseetanker bieten große Vorteile
(40 Zeilen, 1 Bild)

Seite

11,

WELT DER ARBEIT
20 JAHRE US-GESETZ ÜBER DIE ARBEITSBEDINGUNGEN
UND LÖHNE
Bestimmungen, die für den amerikanischen Arbeiter
bares Geld bedeuten
(54 Zeilen)

Seite

15

NEUES US-GESETZ ZUR FÖRDERUNG DER KLEIN- UND
MITTELBETRIEBE
Bessere Kreditversorgung und Steuererleichterungen Selbständiges Amt für Klein- und Mittelbetriebe
(85 Zeilen)

* * * # *

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X. Jahrgang. Nr. 57/c

19. S

temb^r 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTEREPORTAGE
PliERTO RICO RUNDET WIRTSCHAFTLICHES Al'FBAUPRQGRAMM AB
Verstärkte Bemühungen zur Verbreiterung der landwirtschaftlichen Struktur - Schaffung von Verarbeitungsanlagcn landwirtschaftlicher Erzeugnisse und Ausbau
von Absatzorganisationen (98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AIS DER US-WIRTSCKAFT
WACHSENDES AUSLANDSANLEIHEGESCHÄFT DER
US-KANDELSBANKEN

Durchschnittliche Gesamthöhe der langfristigen
Anleihen gegenwärtig bereits 1,0 Mrd. Dollar pro Jahr
(60 Zeilen)

Seite

DIE ATOMVERSICHERÜ'NG GEWINNT ILILIKR i.lEHR AN BEDEUTUNG
Amerikanische Versicherungounternehmen bieten bereits
umfassende Risikodeckung (80 Zeilen)

Seite

7

AMERIKANISCHE KOLLEKTIVSCHAU AUF DER IKOFA
(28 Zeilen)

Seite

10

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
WIDERSTANDSFÄHIGE VERSANDBEHÄLTER AUS ZUCKERROHRBACASSE
(16 Zeilen)
Seite 11;
UNSINK3ARES BOOT AUS EINEM GUMMI- UND KUNSTSTOFFQEMISCH
(18 Zeilen)
Seite 12
WELT DER ARBEIT
UNFALLVERHÜTUNGSMASSNAHMEN MIT GEWERKSCHAFTLICHER
UNTERSTÜTZUNG FÜHREN ZUM ERFOLG
Eigene Sicherheitsausschüsat; der Gewerkschaften Sicherheitsbestimmungen in den Tarifverträgen
(72 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

Seite

13

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Wirtschaft
und Arbeit

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26. September 1958

X. Jahrgang. Nr. 38/c
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
ANTIBIOTIKA ALS HELFER DER LANDWIRTSCHAFT
Schnellere und wirtschaftlichere Tieraufzucht Wirksame Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten Große Erfolge auf dem Gebiet der Nahrungsmittelkonservierung
(98 Zeilen)

Seite 1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
WIRTSCHAFTLICHER AUFTRIEB SETZT SICH VERSTÄRKT FORT
Produktionsindex bereits wieder um 11 Punkte
gestiegen - Stahlindustrie weist höhere Auftragseingänge auf
(78 Zeilen)
Seite
REKORDWEIZENERNTE TROTZ*VERMINDERUNG DER ANBAUFLÄCHE
Gesamtertrag 1,4 Mrd. Bushel - Gesamtvorrat an
Weizen 2,3 Mrd. Bushel - Eigenverbrauch nur 610
Mio Bushel - Auch andere Getreidearten im Überfluß
(50 Zeilen)
Seite
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ARMBANDUHRGROSSE. AUFLADBARE TROCKENZELLENBATTERIE
Große Unempfindlichkeit - Lebensdauer von zehn Jahren
(30 Zeilen, 1 Bild)
Seite

10

WELT DER ARBEIT
TROTZ WIRTSCHAFTLICHER ABSCHWÄCHUNG STIEGEN
DIE LÖHNE WEITER AN
(28 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

Seite

14

GERINGFÜGIGER ANSTIEG DER UNFALLRATE IM II.QUARTAL
(23 Zeilen)
GÜNSTIGE ENTWICKLUNG DER BESCHAFTIGUNGSLAGE
IM AUGUST
(14 Zeilen)

* * * * *

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39/C

3. Oktober

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
PRAKTISCHE ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN FÜR
SONNENENERGIE
Verschiedene Geräte werden bereits auf kommerzieller
Basis hergestellt - "Sonnenuhr", Radios und Warnlampen - Viele neuen Anwendungsmöglichkeiten
(76 Zeilen, 2 Bilder)
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EINE VIEL BEACHTETE ENTSCHEIDUNG
Präsident Eisenhower verfügte Importquoten für
Blei und Zink
(62 Zeilen)
SELBST AUF DEM INVESTITIONSSEKTOR IST SCHON
EINE BELEBUNG FESTZUSTELLEN
Schnellere Erholung als erwartet - Investitionen
folgen diesmal nicht dem "klassischen" Trend
(78 Zeilen)
.
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"KQDEL" - EINE NEUE CHEMIEFASER
(20 Zeilen)
NEUES LEICHTES MILITÄRFAHRZEUG
(16 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
MECHANIKER IM AÜT0HANDWERK ERRINGEN ANERKENNUNG
ALS FACHARBEITER
IAM-Gewerkschaft stellte sich hinter die Automechaniker - Verbesserung der Arbeitsbedingungen auch
für unorganisierte Automechaniker erwartet
(53 Zeilen, 2 Bilder)

* * * * *

Seite

Seite

4

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7

Seite

10

Seite

11:

Seite

12

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X. Jahrgang. Nr. 40/C

10. Oktober 1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
WUNDER AUS MOLEKÜLEN (i)
Von der Schießbaumwolle bis zum Bakelit
(62 Zeilen, 1 Bild)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ÜBERRASCHEND HOHER ANSTIEG DER PRODUKTIVITÄT
IN DEN USA
W a c h s t u m s r a t e im I I . Q a r t a l um s i e b e n P r o z e n t
h ö h e r a l s 1957 - N i c h t u n e r h e b l i c h e Auswirkungen
a u f den A r b e i t s m a r k t
(90 Z e i l e n )

Seite

STEIGENDE TÄTIGKEIT DER EXPORT-IMPORT-BANK
ERWARTET

Gesamtkreditsumme im Rechnungsjahr 1959 a^f
1,1 Mrd. Dollar geschätzt - Ausweitung des
Welthandels im Sog des neuen Konjunkturaufschwungs in den USA
(60 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"PIPEMOBILE" - EIN NEUARTIGES GERÄT FÜR
DEN KANALISATIONSBAU
(14 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

9

NEUE VERWENDUNGSZWECKE FÜR "PYROCERAM"
(12 Zeilen)

Seite

10

Seite

11

WELT DER ARBEIT
FERNSEHFILME ZEIGEN "AMERIKANER BEI DER ARBEIT"
Gewerkschaften kommen über TV ins Haus - Gewerkschaftliche Öffentlichkeitsarbeit auf neuen Wegen
(44 Zeilen)
* * * * *

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17. Oktober

X. J a h r g a n g . N r . 41/C

1958

IMIIALT SVERZEI CiiNI S

WIRTSCKAFTSREPORTAGE
WUNDER AUS MOLEKILEN (II)
Die Geheimnisse der Riesenmoleküle
(95 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

' ERSTES ABSINKEN DER LEBENSHALTUNGSKOSTEN
SEIT ZWEI JAHREN
Stabilisierung des Verbraucherpreisindexes
trotz Konjunkturaufschwung - Aber leichte
Preiserhöhungen bei einigen wichtigen Metallen
(70 Zeilen)

Seite

5

STÜRMISCHE ENTWICKLUNG DER PETROCHEMISCHEN
INDUSTRIE
Weltproduktion bis 1965 verdoppelt - Gesamtinvestitionen in der petrochemischen Industrie
Westeuropas 196O auf 1,2 Mrd. Dollar geschätzt
(55 Zeilen)

Seite

8

NEUARTIGER KLEINER, ABER KOCHLEISTUNGSFÄHIGER
GASTURBINENMOTOR
(16 Zeilen)

Seite

10

SPSZIALBINDEMITIEL FÜR METALLTEILE
(13 Zeilen)

Seite

11

BRACHTE TARIFABKOMMEN MIT DEN
"GROSSEN DREI" UNTER DACH
|
(26 Zeilen)

Seite

12

EINNAHMERÜCKGANG DER "APL-CIO" IM LETZTEN
FINANZJAHR
(19 Zeilen)

Seite

13

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK

WELT DER ARBEIT
UAW-GEV/ERKSCHAFT

* * * * #

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X. Jahrgang. Nr. 42/c

24. Oktober

1958

INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFTSREPORTAGE
WUNDER AUS MOLEKÜLEN (ill)
Die Invasion der Kunstharze und Silikone
(95 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
EIN NEUER ABSCHNITT IN DER INTERNATIONALEN
ZUSAMMENARBEIT
Verstärkte Bemühungen des Westens zur Förderung
des wirtschaftlichen Aufbaues in den Entwicklungsländern
(62 Zeilen)

Seite

WIRTSCHAFTLICHE EXPANSION, ERHÖHTE SOZIALE
SICHERHEIT UND BEVÖLKERUNGSZUWACHS
Bevölkerungszahl der USA stieg in den vergangenen
neun Jahren um 25 Millionen an - Folge der
NachkriegsProsperität
(85 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
"AUTO-ABSTRACT,, - SCHREIBT KURZFASSUNGEN VON
ARTIKELN AUTOMATISCH
(15 Zeilen)

Seite

Seite

11

Seite

11

WELT DER ARBEIT
NEUE TARIFVERTRÄGE IN DER US-AUTOMOBILINDUSTRIE
MIT BEDEUTENDEN VERBESSERUNGEN
"Jährlicher Verbesserungsfaktor" und "Steigerungsbonus"
gewährleisten regelmäßige Lohnaufbesserungen - Vorteile
für Arbeitgeber, Arbeitnehmer und Verbraucher
(82 Zeilen)
Seite

12

NEUER INDUSTRIE-RÖNTGENFILM
(8 Zeilen)

* * * * *

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31. Oktober
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
WUNDER AUS MOLEKÜLEN (IV)
Von der Kunstseide zu den Chemiefasern
(98 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DAS GATT
USA auf neue Zollsenkungsrunde vorbereitet
(74 Zeilen)
'

Seite

BUDGETDEFIZIT UND WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG
Geringeres Defizit auf Grund der günstigen
Einnahaeentwicklung möglich
(64 Zeilen)

• Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
FERNSEHTELESKOP FÜR HIMMELSAUFNAHMEN
(16 Zeilen)

Seite

NEUES ANTIBIOTIKUM GEGEN PFLANZENKRANKHEITEN
(10 Zeilen)

Seite

SOJABOHNE "SHELBY" VERSPRICHT PRODUKTIONSREKORDE
(5 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
DIE ENTWICKLUNG VON LOHN, PRODUKTIVITÄT
UND BEZAHLTEM URLAUB IN DEN USA
Zwei Studien des Bundesamts für Arbeitsstatistik
- Lohnanstieg 2,9 Prozent, Produktivitätszuwachs
2,5 Prozent pro Jahr
(52 Zeilen)

Seite

*

* * * *

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7 . November 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
STROM AUS RADIOISOTOPEN
Reaktor-Rückstände a l s Kraftquelle
(86 Z e i l e n , 2 S c h a u b i l d e r )

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
ENTWICKLUNGS-ANLEIHEFONDS HAT SICH BEWAHRT
Seit Januar Anleihen in Höhe von 464 Mio
Dollar an Entwicklungsländer vergeben
(60 Zeilen)

Seite

BINNENKONJUNKTUR HAUPTANTRIEBSFEDER FÜR
WIRTSCHAFTLICHE ERHOLUNG IN DEN USA
Exporte hatten bisher keinen Einfluß Rückgang gegenüber 1957 um 18 Prozent
(80 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ERWEITERTE ISOTOPENANWENDUNG IN DER INDUSTRIE
Gemeinschaftsprogramm von US-Regierung und
Privatwirtschaft'
(JO Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
FRAUENARBEIT IN DEN USA GE.VINNT AN BEDEUTUNG
22 Mio weibliche Arbeitskräfte - Die meisten
gut bezahlten Stellen von 45-54jährigen bekleidet
(52 Zeilen)
Seite 11
* * * * *

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14. November 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
MEHR AKTIONÄRE ALS ARBEITNEHMER
Die 100 größten US-Unternehmen demonstrieren
Wesen und Wirken des "Jedermannskapitalismus"
(120 Zeilen)

Seite

1

US-ANTITRUSTGESETZGEBUNG ZEITIGTE GÜNSTIGE
AUSWIRKUNGEN
Ergebnisse einer Studie - Sicherung der Gleichheit der Chancen und fairer Geschäftsbedingungen
(86 Zeilen)

Seite

6

AUSSICHTEN FÜR DAS JAHR 1959 SIND GUT
Allgemein stetige Aufwärtsentwicklung vorausgesagt Preise und Lebenshaltungskosten dürften weiterhin
stabil bleiben (70 Zeilen)

Seite

9

Seite

12

AUTOMATISCHE BLINDLANDUNG MIT 10OPR0ZENTIGER SICHERHEIT
(16 Zeilen)
" Seite

13

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES VERFAHREN ZUR GASGEWINNUNG AUS ÖLSCHIEFER
(16 Zeilen)

WELT DER ARBEIT
JÄHRLICH 26 MILLIARDEN DOLLAR FÜR FREIWILLIGE
SOZIALLEISTUNGEN
(24 Zeilen)

Seite

14

DIE STREIKGELDER DER US-GEWERKSCHAFTEN
(18 Zeilen)

Seite

15

FAST 210 000 PERSONEN ERHIELTEN 1957/58 ZUWENDUNGEN
AUS DEM PEKSIONSFQNDS DER UMW-GEWERKSCHAFT
(18 Zeilen)

Seite

15

* * x * *

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21 . November 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
WASHINGTON ERHÄLT EINEN NEUEN DÜSENFLUGPLATZ
Vollkommen neuer Platz - Baukosten 100 Millionen
Dollar - Inbetriebnahme 1961
(48 Zeilen, 1 Schaubild)

Seite

1;

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
FÜNF-PUNKTE- PROGRAMM FÜR EINE INTERNATIONALE
WIRTSCHAFTLICHE ZUSAMMENARBEIT
Die Vorschläge Präsident Eisenhowers auf der
Ministerratstagung der Colomboplanstaaten
(76 Zeilen)

Seite

EIGEN-ERSATZKAPITAL FÜR KLEIN- UND MITTELBETRIEBE
Gedanken zum "Small Business Investment Act"
(84 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT -UND TECHNIK
NEUE ALUMINIUMLEGIERUNG ALS SCHUTZHÜLSE FÜR
BRENNSTOFFELEMENTE
(24 Zeilen)

Seite

WELT DER ARBEIT
16 MILLIONEN DOLLAR FÜR VERBESSERUNGSVORSCHLÄGE
(20 Zeilen)

Seite

10

GEWERKSCHAFTS- UND ARBEITGEBERVERTRETER
FORDERN LEHRLINGSWOCHE
(14 Zeilen)

Seite

11

ERSTES HALBJAHR 1958: NIEDRIGSTER STREIKSTAND
DER NACHKRIEGSZEIT
(9 Zeilen)

Seite

11,

* * * * *

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28. November

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER VERBRAUCHERSCHUTZ IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (i)
Die Nahrungsmittel- und Drogenschutzgesetze
(120 Zeilen)
Seite

1

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
DIE ANSTRENGUNGEN DER USA AUF DEM GEBIET DER
INTERNATIONALEN WIRTSCHAFT
Dulles1 Konzept einer internationalen Wirtschaftspolitik - Schaffung einer Weltgemeinschaft
unerläßlich
(72 Zeilen)

Seite

6

Seite

9

Seite

11

Seite

12

Seite

15

Seite

14

US-AUSSENWIRTSCHAFTSPOLITIK AUS DER PERSPEKTIVE
DER PRIVATWIRTSCHAFT
Meinungen und Ansichten auf der 45» Jahrestagung
des "National Foreign Trade Council"
(62 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUE METHODE ZUR FRÜHZEITIGEN LOKALISIERUNG
EINES HURRIKANS
(24 Zeilen)
1500 ASBESTFASERN DÜNNER ALS EIN MENSCHENHAAR
(14 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
NEUES EINSTELLUNGSSYSTEM FÜR HAFENARBEITER
($2 Zeilen)
ZWEI NEU-ERNENNUNGEN IM US-ARBEITSMINISTERIUM
(18 Zeilen)

* * * * *

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5. Dezember

1958

INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER YERBRAUCHERSCHUTZ IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (il)
Die Antitrustgesetzgebung und ihr Einfluß auf die
Wirtschaftsstruktur
(120 Zeilen)
Seite
STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AMERIKAS WIRTSCHAFTLICHE VORMACHTSTELLUNG
NICHT BEDROHT
US-Bericht über die Sowjetwirtschaft - Unterschied
zwischen Verbrauchs- und investitionsorientiertem
Wirtschaftssystem (90 Zeilen)
NUN AUCH AUFSCHWUNG IN DEN US-INVESTITIONSGÜTERINDUSTRIEN
25prozentige Auftragszunahme im Maschinenbau Kontinuierlicher Aufwärtstrend vorausgesagt
(75 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES INSTRUMENT ZUR ERFORSCHUNG DER ERDSTRUKTUR
(22 Zeilen)
WASSER-ENTSALZUNGSANLAGE HILFT KOSTEN SPAREN
(18 Zeilen)
WELT DER ARBEIT
STÄNDIG STEIGENDER LEBENSSTANDARD
Ergebnisse einer Untersuchung in US-Unternehmen
Mehr materieller Wohlstand, aber auch größeres
Interesse an öffentlichen und ku-lturellen Angelegenheiten (64 Zeilen)

* *- * * *

Seite

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11

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12

Seite

13

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12 . Dezember 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER VERBRAUCHERSCHUTZ IN DEN VEREINIGTEN
STAATEN (III)
Die Gesetze zur Verhinderung des Mißbrauchs
von Rauschgiften - Die Aufgaben des USBundesamtes für Normen
(98 Zeilen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
LETZTE REZESSION VERMITTELTE NEUE WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTLICHE ERKENNTNISSE
Amerikas Wirtschaftswissenschaftler analysierten
Ablauf der konjunkturellen Entwicklung im
vergangenen Jahr
(78 Zeilen)
Seite
MIT ZUNEHMENDEN VERBRAUCHERAUSGABEN ZU RECHNEN
Jüngste Verbraucheranalyse deutet auf höhere
Ausgaben, aber nicht auf Ausgabenboom hin
(68 Zeilen)

Seite

AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
ELEKTRONENHIRN FÜR SEENOTDIENST EINGESETZT
(15 Zeilen)

Seite

10

ZELLULOSEBILDUNG MIT RADIOAKTIVEM KOHLENSTOFF
UNTERSUCHT
(14 Zeilen)

Seite

10

Seite

11.

Seite

12

WELT DER ARBEIT
GEWERKSCHAFT MUSS ANDERE ARBEITNEHMER ÜBER
STREIKGRÜNDE INFORMIEREN
(24 Zeilen)
10 000-DOLLAR-PRÄMIE FÜR VERBESSERUNGSVORSCHLAG
(22 Zeilen)
WAHL VON SPITZENFUNKTIONÄREN UND GEHÄLTER
VON GEWERKSCHAFTSFÜHRERN

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50/C

19. Dezember 1958
INHALTSVERZEICHNIS

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
DER VERBRAUCHERSCHUTZ IN DEN VEREINIGTEN STAATEN (IV)
Schutz von Spareinlagen und Hypotheken
(130 Zeilen)

Seite

STREIFLICHTER AUS DER US-WIRTSCHAFT
AUSSENHANDELSBILANZ 1958
Starker Rückgang der Exporte bei behaupteten
Importen - Erhöhung der Gold- und Dollarreserven
der anderen Länder um rund 3»5 Mrd. Dollar
(88 Zeilen)

Seite

INVESTITIONEN FOLGEN DEFINITIV DEM'AUFWARTSTREND
Jahresrate im IV. Quartal 1958 rund 29,9 Mrd.
Dollar - Anstieg im I. Vierteljahr 1959 a u f
30,5 Mrd. Dollar erwartet
(46 Zeilen)
AUS WISSENSCHAFT UND TECHNIK
NEUES FRISCHHALTEVERFAHREN FÜR SEEFISCHE
(19 Zeilen)
"THERMALINE"
EINZELRAUM
(14 Zeilen)

Seite

11

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12

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13

Seite

14

Seite

15

DIE KLIMAANLAGE FÜR DEN

WELT DER ARBEIT
MITCHELL WILL "FAIR LABOR STANDARDS ACT"
VERBESSERN
(32 Zeilen)
"UMW"-GEWERKSCHAFT SCHLOSS NEUEN TARIFVERTRAG
(20 Zeilen)
AUCH "STUDEBAKER-PACKARD" SCHLOSS NUN NEUEN
VERTRAG MIT "UAW"-GEWERKSCHAFT
(30 Zeilen)
ZUR BEACHTUNG:

Seite

Unsere nächste Ausgabe WIRTSCHAFT
UND ARBEIT erscheint am 9. Januar 1959
* * * # *

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IX. Jahrgang, Nr. 1/Y

Für die Jugend
Januar

1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
AUS SEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (l)
Emily Dickinson, die dichtende Jungfer mit
dem strengen, wilden Herzen wurde zum Vorläufer der modernen Lyrik
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

BABYSITTER STARK GEFRAGT
Ein Nebenberuf wird zum Milliardengeschäft
(45 Zeilen, 1 Bild)

Seite

DER AMERIKANISCHE TEENAGER
Der amerikanische Jugendliche unter
20 Jahren und was ihn beschäftigt
(54 Zeilen, 4 Bilder)

Seite

DAS SCHWARZE BRETT
NOTIZEN VON DRÜBEN UND HÜBEN
(45 Zeilen)

* * * * *

Seite

1

10

�AM K K I K A D I L N S T
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IX. Jahrgang. Nr. 2/Y

F Ü T CÜC J u S C I l C t

Februar

1958

INHALTSVERZEICHNIS
MEILENSTEINE IN DER GESCHICHTE DER USA
Abraham Lincoln (zum Geburtstag des 16. Präsidenten
der USA am 12. Februar)
George Washington (zum Geburtstag des 1. Präsidenten
der USA am 22. Februar, der in
Amerika als Nationalfeiertag
begangen wird)
(128 Zeilen, 2 Bilder)
Seite

1

ÜBER DEN STUFEN DES KAPITOLS
Wo die amerikanischen Gesetze entstehen
(80 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

6

TEILE DEINE GEBURTSTAGSGESCHENKE
Die Freundschaft unserer Kinder sichert
den Frieden von Morgen
(30 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

Seite

11

IMMER EINE FREUDE

Seite

12

FÜNFZIG JAHRE HOLLYWOOD

Seite

12

"GULLIVERS REISEN" WERDEN VERFILMT

Seite

13

EINE FRAU AM RADIOTELESKOP

Seite

13

DIEBSTAHL VON STAATSEIGENTUM EIN
KAPITALVERBRECHEN
(69 Zeilen)

Seite

13

DAS SCHWARZE BRETT
WIE ENTSTEHEN SCHNEEFLOCKEN?
KÜNSTLICHE NIEDERSCHLÄGE - NICHT

* * * * *

�A M KRIK A

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Für die Jugend

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IX. Jahrgang, Nr.

3/Y

März 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL

AUS DEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (il)
Der Mensch in Auflehnung gegen ein blindes
Schicksal - Das Tragische in Herman Melvilles
Werk und Leben
(86 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

DIE
Die
Von
(60

Seite

BESTEN AMERIKANISCHEN FILME VON 1957
Filmindustrie umwirbt das Publikum
Norman Smith
Zeilen)

ERDSATELLITEN ENTHÜLLEN GEHEIMNISSE DER IONOSPHÄRE
Wissenschaftliche "Überraschungen" durch EXPLORER
(94 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

DAS SCHWARZE BRETT
WUSSTEIT IHR DAS.
(24 Z e i l e n )

Seite

#

*

*

*

*

1.0

�AM F. RI KA DI E N S T
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IX. J a h r g a n g . N r . 4/Y

Für die Jugend
April 1958

INHALTSVERZEICHNIS
AUS DEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (ill)
Robert Frost - ein Dichter des Alltags
Zum 84- Geburtstag des Nestors der
amerikanischen Lyriker
(98 Zeilen, 1 Bild)

Seite

LAND UND LEUTE
Osterbräuche in den Vereinigten Staaten
(65 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

DIE BRÜSSELER WELTAUSSTELLUNG
Ein Gang durch den Pavillon der Vereinigten Staaten
(90 Zeilen, 1 Bild)

Seite

DAS INTERNATIONALE JUGENDFORUM IN NEW YORK
"Die Welt, die wir erstreben"
(38 Zeilen)

Seite

»
11

DAS SCHWARZE BRETT
Kinder
adoptieren Großeltern
Kinder aflopl
(15 Zeilen)

Seite

12

Seite

13

Hundert Millionen selbstgeschneiderte
Kleidungss tücke
(10 Zeilen)
* * * * * * *

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Für die Jugend
Mai 1958

INHALTSVERZEICHNIS

AUS DEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (IV)
über den Jordan und ins Paradies
Die Spirituals der amerikanischen Neger
(64 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1

Seite

4

Seite

6

DIE WELT. DIE WIR ERSTREBEN
Das 12. Jugendforum der "New York
Herald Tribüne"
(60 Zeilen, 1 Bild)
VIEHZUCHT UND FUTTERKUNDE
I

I

!

I

Die Lieblingsfächer der Cecilia Marks
aus Louisiana
(36 Zeilen, 1 Bild)

DAS SCHWARZE BRETT
Amerikanische Filme auf der Weltausstellung
(14 Zeilen)

Seite

Unser Freund, das Atom - ein neuer
Dokumentarfilm
(4 Zeilen)

Seite

8

Was lesen die Amerikaner zur Zeit?
(15 Zeilen)

Seite

9

Amerikanische Geschichte in Wachs
(7 Zeilen)

Seite

9

Neuer Schallplattenjockei für "Music USA"
(9 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

*

* * * * * *

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Für die Jugend
Juni 1958

INHALTSVERZEICHNIS

DAS INTERNATIONALE GEOPHYSIKALISCHE JAHR
WINTER AM SÜDPOL
Wissenschaftliche Arbeit unter Strapazen
und Entbehrungen
(120 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

1,

Seite

6

Seite

8

Der Büchermarkt Amerikas im Jahre 1957
(10 Zeilen)

Seite

10

Mehr Museumsbesuche als Baseballbegeisterte
(11, Zeilen)

Seite

U

Welturaufführung einer Menottioper in Brüssel
(6 Zeilen)

Seite

11

Erfolgreiches "Sonnenaufgangs"-Semester
(9 Zeilen)

Seite

12

ASTRONOMIE
ZEHN JAHRE RIESENAUGE AUF DEM MOUNT PALOMAR
Die Erfindung eines deutschen Optikers ermöglicht die Konstruktion des größten Teleskops der Welt
(65 Zeilen, 2 Bilder)
FARMJUGEND
JUGEND ZWISCHEN FARM UND FELDERN - DIE
A-E CLUBS
(46 Zeilen, 1 Bild)
DAS SCHWARZE BRETT

�AMKRIKA

DIENST
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B a d G o d e t b e r g I • P o s t f a c h 300 • Telefon Bad Godeiberg 713257

IX. J a h r g a n g . Nr.

Für die Jugend
Juli

7/Y

1958

INHALTSVERZEICHNIS

MEILENSTEINE IN DER GESCHICKTE DER USA
STATIONEN AUF DEM 7/EGE ZUR DEMOKRATIE
Zum amerikanischen Unabhängigkeitstag
am 4« Juli
(85 Zeilen, 5 Bilder)

Seite 1

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
UTOPIE '.VIRD '.7IRKLICHKEIT
Flug zum Mond technisch bereits möglich
(98 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

5

DAS PORTRAT
IRVING BERLIN - EIN AMERIKANISCHES EPOS
Er komponiert nur in Fis-Dur und kann nicht
Noten lesen
(58 Zeilen, 1 Bild)

Seite

9

DAS SCHWÄRZE BRETT
MIT 82 JAHREN AUF DER SCHULBANK
(16 Zeilen)

Seite

11

Seite

12

WUSSTET IHR SCHON?
(26 Zeilen)

* * * * *

�AMERIKA

D I E N ST
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IX. Jahrgang. Nr. 8/Y

Für die Jugend
August 1958

INHALTSVERZEICHNIS

ARTIKEL
ALASKA - DER 49. STERN IN DER AMERIKANISCHEN
FLAGGE
Das "Große Land" im Norden der Vereinigten
Staaten
(156 Zeilen, 5 Bilder)

Seite

1

WUNDER DER WISSENSCHAFT AUF DER BRÜSSELER
WELTAUSSTELLUNG
Bunte Schneeflocken, künstliche Diamanten
und ein gummiweiches Metall
(120 Zeilen)

Seite

5

TEENAGER BRAUCHEN IMMER GELD
Nebenbeschäftigung für Jugendliche
(82 Zeilen)

Seite

10

Seite

13

DAS SCHWARZE BRETT
Europäer wählen Lincoln
(6 Zeilen)
Verständnis für zeitgenössische Kunst
(9 Zeilen)
Lateinisch-amerikanischer Plautus
(9 Zeilen)

Seite

13

Seite

1

Orientalistik gefragt
(9 Zeilen)

Seite

14

Hausfrauen springen für Lehrer ein
(10 Zeilen)

Seite

14

* * * **

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Für die Jugend
September 1958

IX. Jahrgang, Nr. 9/Y
INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
KONZERTE, DISKUSSIONSFCREN UND EINE
INTERNATIONALE BAND
Rückblick auf das Newport Jazz Festival 1958
Von Norman Smith
(60 Zeilen, 1 Bilc.

Seite

1

GRANDMA MOSES
Eine Sonntagsmalerin von 98 Jahren
(64 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

3

JUNGE FORSCHERTALENTE STELLEN SICH VOR
"Science Shows" als wirksames Mittel der
Begabtenförderung
(66 Zeilen, 3 Bilder)

Seite

6

DAS SCHWARZE BRETT
165 Jahre Kapitol in Washington
(16 Zeilen, 1 Bild)

Seite

Vor hundert Jahren« Erste Postkutschenverbindung
Kutschenvorbindung St. Louis-San Francisco
(6 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

Gershwin wäre sechzig Jahre alt
(15 Zeilen, 1 Bild)

Seite

10

Universität von Südkalifornien vergibt
Doktortitel für Filmkunst
(20 Zeilen)

Seite

11

* * * # *

�AMKRIK A

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Für die Jugend

Bad G o d e i b e r g 1 • P o s t f a c h 300 • Telefon Bad Godesberg 713257

Oktober 1958

IX. Jahrgang. Nr. 1 Q/Y
INHALTSVERZEICHNIS

AUS DEM KULTURELLEN LEBEN AMERIKAS (v)
• 75 JAHRE "MET"
Glorreiche Operntradition zwischen Wolkenkratzern
(60 Zeilen, 1 Bild)

Seite 1

1850 MEILEN TAUCHFAHRT UNTER DEM POLAREIS
Die große Pionierfahrt der USS Nautilus
(120 Zeilen, 5 Bilder)

Seite

4

VIER MILLIONEN ALIERIKANIS CHE MÄDCHEN SCHNEIDERN SELBST
(12 Zeilen)

Seite

9

DAS SCHWARZE BRETT
DENKWÜRDIGE DATEN
TT)Germantown
(20 Zeilen)

Seite 10

(2) Fragen Sie Herrn Webster
(16 Zeilen, 1 Bild)

Seite 11

(3) Theodore-Roosevelt-Gedenkjähr
(16 Zeilen)

Seite 12

(4) 51. Oktober, Halloween - Nacht der
Hexen und Geister
(35 Zeilen)

Seite 12

* * * * *

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Für die Jugend
November

IX. Jahrgang. Nr. 11/Y

1958

INHALTSVERZEICHNIS
MEILENSTEINE IN DER ALIERIKANISCHEN GESCHICHTE
THANKSGIVING - DER AN TRADITION REICHSTE
FESTTAG AMERIKAS
Zum 27« November 1958
(78 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

KREUZ UND QUER DURCH DIE USA
MASSACHUSETTS - KEIMZELLE DER USA
Glückliche Synthese von Vergangenheit
und Gegenwart
(100 Zeilen, 4 Bilder)

Seite

4

ZUM INTERNATIONALEN GEOPHYSIKALISCHEN JAHR
DAVID MORRISON - EIN JUNIOR DER WISSENSCHAFT
Beobachtung der Sonnenfinsternis im Pazifik
(75 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

8

DAS SCHWARZE BRETT
KINDER ILLUSTRIEREN "ANDERSONS MÄRCHEN1
(5 Zeilen)

Seite

11

DISNEY STÖSST IN "WEISSE WILDNIS" VOR
(5 Zeilen)

Seite

11

UNICEF-BUCH ÜBER KINDER IN ALLER WELT
(12 Zeilen)

Seite

11

DER COWBOY BEKOMMT EIN DENKMAL
(7 Zeilen)

Seite

12

KATHOLISCHE KNABENSCHULE IN DER
JÜDISCHEN GEMEINDE
(9 Zeilen)

Seite , 12

* * * * *

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IX. Jahrgang. Nr. 12/Y

Für die Jugend
Dezember

1958

INHALTSVERZEICHNIS
ARTIKEL
"PUTZ" HEISST "KRIPPE"
Weihnachten im amerikanischen Bethlehem
(60 Zeilen, 2 Bilder)

Seite

1

AUS DER ARBEIT EINES AMERIKANISCHEN
JUGKND-ROT-KREUZ-KLUBS
Weihnachtsfest für Ungarnflüchtlinge
(40 Zeilen, 1 Bild)

Seite

4

SCHULE AM RANDE DER WÜSTE
Das Leben auf einer Ranchschule in Arizona
(54 Zeilen, 1 Bild)

Seite

6

DAS SCHWARZE BRETT
Eine Schule reist um die Welt
(9 Zeilen)

Seite

Weihnachtssingen mit Bing Crosby
(8 Zeilen)

Seite

Flugschüler der Brüder Wright gründet
Luftfahrthistorisches Museum auf Long Island
(8 Zeilen)

Seite

Alte Indianersiedlungen in Colorado werden
freigelegt
(8 Zeilen)

Seite

Kinder senden für Kinder
(12 Zeilen)

Seite

*

* * *

*

10

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A»
A.

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A.

9.

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*.

16.

I

16.
A.

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23.
30.

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I

A.

6.

II

A.

6.

II

20.

I •

.

20.
20.

II.
II.

27.

II.

A.

27.

II.

A.
A.

Praesident Eisenhower berichtet ueber die
Lage der Nation
Botschafter Lodge legt dem UN-Abruestungsausschuss den neuen Abruestungsplan der USA vor.

6. I I I .

18. XII. 1956
5. I.
7» I.

10. I.
14» I»

''ortlaut der Ansprache Praesident Eisenhowers
bei Antritt seiner zweiten Amtsperiode

21. I.

Iraesident Eisenhower legt die Wirtschrftsbotscheft vor.

23. I.

General Lauris Norstad: NATO - Abschreckungsmittel und Schutzschild
29. I
Sonderbotschpft Praesident Eisenhowers ueber die
Revision der Einwenderungsgesetzgebung
31« I«

II. Botsch'fter Lodge antwortet den russischen Beschuldigungen gegen die USA in den Vereinten
Nationen

A.

A.

Wortlaut der Pressekonferenz von Aussenminister
Dulles
Eisenhower fordert Vollmachten zum Schutze der
Mittelost-Staaten (Eisenhower-Doktrin)
Aussenminister Dulles erleeutert den Plan des
Praesidenten
Vizepresident Nixon "berichtet ueber die Lage
der ungarischen Fluechtlinge

Jahresbericht Praesident Eisenhowers zu Fragen
betreffend die Revision der US-Handelsabkommen
Thurston V. Kalijaveri: Aufgaben und Stellung
der USA in der 'Weltwirtschaft

12. II.
11. II.
12. II.

Fraeädent Eisenhower: Israel muss sich den Beschluessen der Vereinten Nationen beugen.
20. II.
Praesident Eisenhower anlaesslich des 15« Jahrestages der Stimme Amerikas: "Amerika wird sich
immer fuer den Frieden einsetzen".
25. II.

Botschrfter L^dge: Amerika het Osteuropa nicht
v rgessen.
28. II.
6.
6. IIII.
I I . Botschefter Lodge: Die USA und die Raeumung des
Gaza-Streifens
1. III.
6.
6. :
I I II.
. V/alter S. Robertson auf der Konferenz der Kolombo-Plan-Maechte: "Gemeinsame Anstrengungen zum
Wohle aller"

1957

�Aussenminister Dulles auf der Tagung des SeatoRates in Canberra: "Die SEATO - ein Bollwerk
des Friedens".
Aussenminister Dulles in Canberra: "Die USA halten en ihrer bisherigen China-Politik fest"

12. III.

Kommuniquft zum Abschluss der SEATO Tagung

13. III.

Gordon Gray: Die NATO ist der Grundstein fuer
das Bündnissystem des Westens.
Vorwort yur Neuauflage des Buches von John foster
Dullesi Krieg oder Frieden
Dr. Gabriel Hauge: Konjunkturprobleme in den
USA
Botschrfter Perkins: Die Vereinigten Staften
und die Atlantische Allianz
Robert D. Murphy: Internationaler Kulturaustausch
und Passbeschraenkungen
Robert D. Murphy: Die Wiedervereinigung Deutschlands ist ein Eckpfeiler des Friedens.
Aussenminister Dulles fordert die Schaffung eines
Anleihefonds.

11. III.

4« IV.

11. III.
27. III.
4» IV.
4. IV.
8. IV.

,p

rancis 0. Wilcox: Die Vereinten Nationen haben
positive Arbeit geleistet.
Aussenminister Dulles: Die USA stehen fuer Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit ein.

12. IV.
22. IV.

Sonderbotscbeft PraesL&amp;ent Sisenhowers an den Congress ueber Plaene zur Verbesserung des Luftv rkehrswesens
Dr. Libby antwortet Dr. Sc weitzer euf seinen Appell zur Einstellung der Atomwaffenversuche

25. IV.

Harold S. Vance, AECi USA befuerworten internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Atomforschung

25. iv.

Thorston V. Kali^jarvi: Die kuenftige amerikanische
Aussenhandelspolitik

25. IV.

11. IV.

Fraesident Eisenhower: Das .'«uslandshilf eprogramm
dient der Sicherheit der USA
Aussenminister Dulles ersucht den Kongress um
Zustimmung zum Beitritt der USA in die Internationale Atombehoerde

10. V.

Willard F. Libbyl Kuenstliche Radioaktivitaet
als Folgen von Kernwaffenversuchen

26. IV.

1. V.

�I

A.

A.
A.

A.
A.
A.

A.

29. V.

Praesident ^isenhower ersucht den Kongress um
Bewilligung von $ 3f8 Milliarden fuer die Auslands hilfeprogramme

21. V.

5« Tl. Eleanor L. I*ulles$ Berlin und die Methoden der
Sowjets in Deutschland.

22. V.

19. VI. Ungarn-Ausschuss der Vereinten Nationen legt
Bericht ueber den ungarischen Freiheitskampf
vor.
J. VII. Aussenminister Dralles umreisst die China-Politik der USA

28. VI.

10. VII. Francis 0. Wilcox: Amerika strebt die Er' altung
des Weltfriedens an.

2J, VI.

17» VII. Christian A. Herter: Die Herrscheft des Rechts
muss an die Stelle der Herrschaft des Krieges
treten.

15. VII.

24. v i i . Aussenminister Mulles erleeutert die juengsten
Abru stungsvorschlaege der USA

A.
A.

7. V I I I . Aussenminister Dulles legt den westlichen Plan
eine Luft- und Bodeninspektion dar
7. V I I I . Iraesident ^isenhower: Die Uahost-Resolution hat
zur Verringerung der Spannungen Beigetragen.

A.

4.

ix.

A.

11.

IX.

:'.
A.

18.

25.

25.
A.

20. VI.

2.

Die Abruestun~svorschlaege der ''estmaechte

Robert Murphy: Probleme der US Ausrenpolitik
*\Vuerdigung von Dr. Suhr*
I X . Die staatsrechtlichen Aspekte der Spannungen
in Little Rock
i x . Aussenminister Mulles fordert vertrauensvolle
Atmosphaere als Grundlage fuer ein Abruestunrsabkommen.

22. VII.
2. VIII.
5« VIII.
29. VIII.
9» IX.
18. 12 .

19. IX.

IX. Praesident Eisenhower: Zehn Jahre Gesetz ueber
die Nationale Sicherheit
'

23. IX.

X. Botschaft Praesident Eisenhowers und Ansprache
von Admiral Lewis L. Strauss zur Eroeffnung
der ersten Konferenz der Internationalen Atomenergiebehoerde

1. X.

�X. Botschrfter Lodge: USA wird an dem Problem der Veltreumkontrolle mitarbeiten
X« Vizepresident Nixonj ".Veitwirtschaftsprobleme
X. Arthur H. Compton: Die Zivilisation steht auf dem
Spiel.
X« Abschlusskoir.munique zu den Britisch-Amerikanischen Verhandlungen
XI. Jemes J. Y'adsworth: Auswirkungen atomarer Strahlung
XI. Praesident Eisenhower umreisst Verteidigungsaufgeben der freien Walt
XI. Praesident Eisenhower unterbreitet ein FuenfFunkte-Programm fuer Forschung und .'issenschsft

10. X.
15« X«
24. X.
25. X.
7. XI.
13« XI.
7« XI.

XI. Soziale Sicherheit in den USA
XII. Fraesident Eisenhower fordert gemeinsame Massnahmen zur Foerderung des Friedens

16. XII

�KULTUR

• POLITIK

• WIRTSCHAFT UND ARBEIT

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ALLGEMEINES

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AMERIKADIENST

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FÜR DIE FRAU

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FÜR DIE JUGEND

�2. Janua
INHALTSVERZEICHNIS
WIRTSCHAFT
Rückschau und Ausblick auf die Außenhandelspolitik der USA 1956-1957
Von Guy Sims Pitch
(90 Zeilen)
Die amerikanische Wirtschaftshilfe
im Jahre 1956
(72 Zeilen)
Jahresbericht der amerikanischen
Atomindustrie
(65 Zeilen)
ERZIEHUNG

- WISSENSCHAFT

Seite

Seite

Seite

- KULTUR

Brücken des Wissens und der Verständigung
- Das Austauschprogramm der USA (70 Zeilen)
.
Die Internationale der Wissenschaft
An der Schwelle des Internationalen
Geophysikalischen Jahres
(93 Zeilen)
Amerikanische Literatur 1956
Die erfolgreichsten Bücher des Jahres
(100 Zeilen)
Amerikanische Wissenschaft und Forschung
im Jahre 1956
(100 Zeilen)
DIE TOTEN DES JAHRES 1956

Seite

Seite

Seite

Seite
Seite

* * * * *

�"AMERIKA DIENST"

2. Januar 1957

RÜCKSCHAU UND AUSBLICK AUF DTE AUSSENHANDELSPOLITIK DER USA

1956/57
Von Guy Sims Fitch
(90 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Die Richtigkeit der liberalen Außenhandelspolitik der Vereinigten Staaten ist von der Entwicklung der letzten
Wochen voll bestätigt worden. Zunächst einmal hat Präsident Eisenhower
eine Empfehlung der US-Zollkommission bezüglich einer Erhöhung der Zölle
auf Fischfilets zurückgewiesen. Daraufhin hat die Kommission selbst
einen Vorschlag des Landwirtschaftsministeriums abgelehnt, eingeführte
Feigen und Feigenpasten mit Zoll zu belegen.
Bemerkenswert ist dabei, daß in beiden Fällen die Entscheidung
nicht in enger Anlehnung an den Buchstaben des Gesetzes getroffen wurde.
Sie gründete sich vielme.hr auf eine großzügige liberale Auslegung des
Gesetzes - eine Auslegung, die sowohl dem wirtschaftlichen Wohl der befreundeten exportierenden Länder als auch den Interessen der betreffenden amerikanischen Industriezweige voll Rechnung trug. Der Präsident
hat im Zusammenhang mit der Bekanntgabe seiner Entscheidung erneut betont, wie sehr es ihm widerstrebt, irgendwelche Zollbeschränkungen zu
verfügen, solange sie nicht von entscheidender Bedeutung für die Gesamtwirtschaft der Vereinigten Staaten sind oder bestimmten Wirtschaftszweigen, die eindeutig gerade einer derartigen Unterstützung bedürfen,
eine wesentliche Hilfe versprechen.
Auf Grund dieser beiden Entscheidungen sind Sachverständige zu
dem Schluß gelangt, daß Präsident Eisenhower in seiner zweiten Amtsperiode eine ebenso liberale Handelspolitik verfolgen werde wie in der
ersten. Wohl selten, wenn überhaupt jemals, wurde eine liberale Außenhandelspolitik mit einem derartigen Eifer verfochten wie dies in den
letzten vier Jahren der Fall war - eine Tatsache, die gelegentlich dadurch überschattet wurde, daß die wenigen Fälle, in denen der Präsident
einer Erhöhung der Zollsätze zustimmte, durch die Presse stark herausgestellt wurden.
Das Interesse der Vereinigten Staaten an einer Ausweitung ihrer
Handelsbeziehungen mit den übrigen Ländern der Welt war bereits in der
Tatsache zum Ausdruck gekommen, daß der Kongreß im Jahre 1956 einer vom
Präsidenten vorgeschlagenen umfassenden Vereinfachung der Zollverfahren

�"AMERIKA DIENST"

2. Januar 195?

Zollverfahren zugestimmt hat. Diese nach einem Jahr eingehender Debatten
ergriffene Maßnahme brachte eine gewisse Klärung und manche Erleichterungen hinsichtlich der Einfuhrbestimmungen für ausländische 7/aren. Im Endergebnis wird sie in vielen '.Varengattungen eine Senkung der bestehenden
Zölle mit Sich bringen - eine Tatsache, über die sich der Kongreß bei
Erlaß dieser gesetzlichen Bestimmung voll im klaren war.
Diesem Beschluß des Kongresses, der einen neuen Meilenstein in
der Außenhandelsgesetzgebung der Vereinigten Staaten darstellt, ging
eine Ausweitung des Gesetzes über gegenseitige Handelsabkommen voraus,
mit dem der Präsident ermächtigt wurde, mit anderen Ländern Vereinbarungen über die allmähliche Beseitigung der Handelsschranken auf der Basis der
vegenseitigkeit zu treffen. Seit 1934 wurden die Handelsbeziehungen der Ver
einigten Staaten mit der übrigen Welt nach diesem Gesetz geregelt.

Es

hat den Kongreß der Notwendigkeit enthoben, für jede einzelne Warengattung
- und es gibt deren Tausende - auf gesetzlichem Wege eigene Zollsätze
festzulegen.
Dieses Gesetz hat die Aushandlung von Handelsabkommen mit anderen
Ländern erleichtert und die amerikanischen Zollvorschriften vor einem
allzu starken Druck protektionistischer Kreise geschützt. Im Laufe der
letzten 22 Jahre sind die amerikanischen Zölle für zollpflichtige Importe
von über 50fo auf durchschnittlich etwa 12$ gesenkt worden.
Das Verlängerungsgesetz von 1955 brachte einige recht bedeutsame zusätzliche Regelungen:

Die Verlängerung wurde auf einen Zeitraum von drei

Jahren ausgedehnt, um eine größere Kontinuität der amerikanischen Handelspolitik sicherzustellen, die Befugnisse des Präsidenten zur Senkung der
Zollsätze wurden erheblich erweitert. All dies ebnete den Weg für eine
umfassende Beteiligung der Vereinigten Staaten an den ZollSenkungen, die
Anfang dieses Jahres in Genf im Rahmen des GATT, dem die Vereinigten Staaten seit seiner Gründung im Jahre 1947 angehören, auf multilateraler Basis
ausgehandelt wurden.
Dieses Interesse dor Vereinigten Staaten an einer Verbesserung der
internationalen Handelsbeziehungen im Verein mit einem allgemeinen
Wirtschaftsaufschwung in der ganzen Welt war einer der Hauptfaktoren
für die bemerkenswerte Ausweitung des Welthandels. In den letzten vier
Jahren nahm sein Volumen - einschließlich der Länder dos kommunistischen
Blocks, aus dem zuverlässiges Unterlagenmaterial kaum zu erhalten ist Im

um über 15$ zu.
- 2 -

�"AMERIKA DIENST"

2. Januar 1957

Im gleichen Zeitraum hat der Außenhandel der Vereinigten Staaten
sogar eine noch stärkere Ausweitung erfahren. Die Einfuhr stieg um
17$» während die Ausfuhr - die Hilfslieferungen der Regierung nicht
eingerechnet - um etwa 35$ zugenommen hat. Im Jahre 1956 werden die
Einfuhren und Ausfuhren der Vereinigten Staaten die erstaunliche
Rekordsumme von insgesamt annähernd 13 Milliarden Dollar beziehungsweise 17 Milliarden Dollar erreichen.
An dieser Entwicklung des amerikanischen Außenhandels haben alle
Länder der Welt und praktisch alle Arten von Waren teil.

Seit 1953

sind die Einfuhren der USA aus Afrika auf 6$ gestiegen, aus Südamerika
auf 7$&gt; aus anderen Ländern des nordamerikanischen Kontinents auf 17$»
aus Asien und Ozeanien auf 23$ und aus Europa ebenfalls auf 23$.
Die Tatsache, daß die Einfuhr von Fertigwaren, die zu einem großen
Teil qualitativ mit den amerikanischen Erzeugnissen konkurrieren können,
seit 1953 um rund 40$ gestiegen ist, läßt darauf schließen, daß die
Amerikaner in zunehmendem Maße Erzeugnisse anderer Länder kaufen.
Die Einfuhr von Rohstoffen für die amerikanische Industrie beläuft
sich auf 18$.
Die Fachleute des amerikanischen Außenhandels rechnen in den
kommenden Jahren mit einer noch stärkeren Ausweitung des Außenhandels.
Sie stützen diese Ansicht nicht nur auf die zu erwartende weitere Intensivierung der Wirtschaft, sondern auch auf die Bereitschaft der
Vereinigten Staaten, bei dem allmählichen Abbau der noch bestehenden
Handelsschranken beispielgebend voranzuschreiten.

* * * * *

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2. Januar

1957

DIE AMERIKANISCHE WIRTSCHAFTSHILFE IM JAHRE 1956

( 72 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Der Schwerpunkt der Programme des US-Amtes
für internationale Zusammenarbeit (iCA) , der für die amerikanische
Wirtschaftshilfe zuständigen Behörde, lag auch im Jahre 1956 wieder
auf der Wirtschaftshilfe für Asien und dem Nahen Osten. Während die
Wirtschaftshilfe für Asien in den vergangenen Jahren gewaltig gesteigert wurde, ist die wirtschaftliche Unterstützung, die die USA den
europäischen Ländern gewährten, auf Grund der wirtschaftlichen Erholung Europas auf rund 100 Millionen Dollar im Finanzjahr 1956 abgesunken, gegenüber 3»4 Milliarden Dollar im Jahre 1950. Im Augenblick
ist die US-Wirtschaftshilfe für Europa auf zwei Länder, Spanien und
Jugoslawien, beschränkt.
Zu den Ländern des Nahen und Fernen Ostens, die in erster Linie
mit amerikanischer Wirtschaftshilfe bedacht wurden, gehören Korea,
Vietnam, Pakistan, Formosa, Persien, die Türkei, Indien, Laos,
Kambodscha und Thailand. Zweidrittel dieser Hilfe entfielen auf Korea,
Vietnam, die Türkei, Pakistan, Formosa und Persien.
Neben der amerikanischen Wirtschaftshilfe, die im Rahmen des
gemeinsamen Sicherheitsprogrammes der USA gewährt wird, überwacht das
US-Amt für internationale Zusammenarbeit auch die militärische Phase
dieses Programms, für die an sich das US-Verteidigungsministerium zuständig ist. Nach den bisher vorliegenden Informationen belief sich
die Militärhilfe der USA im Rahmen des gemeinsamen Sicherheitsprogramms im Jahre 1956 auf insgesamt 1,9 Milliarden Dollar, von denen
der größte Teil an europäische Länder ging. An nächster Stelle stehen
Asien und der pazifische Raum, Nach den Angaben des US-Verteidigungsministeriums bestanden über 50 Prozent der militärischen Lieferungen
aus Flugzeugen sowie anderen militärischen Ausrüstungsgegenständen
für die Luftstreitkräfte. Weitere 40 Prozent der Gesamtsumme entfielen
auf Lieferungen von Munition, Panzern, gepanzerten Fahrzeugen, Artillerie und anderen Ausrüstungsgegenständen für die Bodentruppen. Der Rest
der Summe wurde für Kriegsschiffe, Marineflugzeuge sowie ähnliche Güter

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�'AMERIKA DIENST

2. Januar 1957

Güter aufgewendet.
Bis Mitte 1956 hatten die USA seit Anlaufen dieses Programmes im
Jahre 1950 militärische Ausrüstungsgegenstände sowie Nachschubgüter
im Werte von insgesamt 14»2 Milliarden Dollar an die mit ihnen befreundeten Länder geliefert.
Die Wirtschaftshilfe der USA gliedert sich in die Verteidigungsunterstützung (worunter Wirtschaftshilfe für Länder verstanden wird,
die ebenfalls militärische Hilfe der USA erhalten), Entwicklungsunterstützung (Wirtschaftshilfe für Länder, die keine Militärhilfe bekommen)
und die technische Unterstützung, in deren Rahmen den neu aufstrebenden
Ländern amerikanische Hilfe gewahrt wird. Ferner fallen unter die USWirtschaftshilfe auch die Beträge, die die USA für den Kinderhilfsfonds
der Vereinten Nationen, für den Zwischenstaatlichen Ausschuß für die
Auswanderung aus Europa sowie für andere ähnliche Projekte aufwenden.
Für das Finanzjahr 1957 stehen zur Verfügung:
1,16 Milliarden Dollar für die Verteidigungsunterstützung;
250 Millionen Dollar für die Entwicklungsunterstützung; 127 Millionen
Dollar für die technische Unterstützung; 193 Millionen Dollar für die
verschiedenen Fonds der Vereinten Nationen sowie für andere Hilfsprojekte .
Ferner verfügt Präsident Eisenhower über einen Sonderfonds, mit
dem besondere Vorhaben finanziert werden. So wurde dieser Fonds beispielsweise für die den Ungarnflüchtlingen gewährte amerikanische Hilfe
herangezogen.
V/ährend des vergangenen Jahres verfügte Präsident Eisenhower, daß
die amerikanische Wirtschaftshilfe für Jugoslawien fortgesetzt werden
soll; ferner wurde Ceylon auf die Liste derjenigen Länder gesetzt,
die Wirtschaftshilfe von den USA erhalten können.
Zu den Sonderprojekten des US-Amtes für internationale Zusammenarbeit gehörten im Kalenderjahr 1956 auch die zur Errichtung des asiatischen Atomforschungszentrums gewährte Hilfe, verschiedene Spezialvorhaben in Korea und auf Formosa sowie mehrere Anleihen für Pakistan und
Afghanistan, mit denen diese Länder Bewässerungs- sowie Transportprojekte

finanzieren wollen.

_ ..,
Darüber

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�"AMERIKA DIENST'

2. Januar

1957

Darüber hinaus wurden verschiedene wirtschaftliche und technische
Programme mit Indien abgewickelt, die das Ziel haben, die Durchführung
des neuen indischen Fünfjahresplanes zu fördern. Bis zum Juli 1956 betrug
die Gesamthilfe der USA für Indien seit 1951 rund 520 Millionen Dollar,
wovon 272 Millionen Dollar als Anleihen gewährt wurden.
Ferner verkaufte die amerikanische Regierung verschiedenen Ländern
größere Mengen aus ihren landwirtschaftlichen Überschußbeständen gegen
Landeswährung. Dieser Erlös wurde wiederum für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder aufgewendet. So wurden im Verlaufe der letzten
beiden Jahre landwirtschaftliche Güter im Gesamtwert von 1,5 Milliarden
Dollar verteilt.

* * * * *

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�"AMERIKA DIENST"

2. Januar 1957

JAHRESBERICHT DER AMERIKANISCHEN ATOMINDUSTRIE
( 65 Zeilen)
NEW YORK - (AD) - Das amerikanische Industriekuratorium für
Atomenergie (Atomic Industrial Forum) veröffentlichte einen Jahresrückblick über den Anteil der amerikanischen Privatindustrie und
-Wirtschaft an der Nutzbarmachung der Atomenergie für friedliche
Zwecke, aus dem die bedeutende Steigerung der wirtschaftlichen Aktivität in den USA auf allen Gebieten der Atomenergieentwicklungsprogramme während des vergangenen Jahres hervorgeht.
Der Bericht des Industriekuratoriums, dem über 270 amerikanische
Privatfirmen angehören, hebt hervor, daß die amerikanische Atomindustrie
während des Jahres 1956 Bauaufträge über 59 neue Atomreaktoren abgeschlossen hat und mit der Konstruktion eines Teils dieser Anlagen bereits begonnen wurde. Bei dreißig dieser Reaktoren handelt es sich um
Forschungs- oder Materialprüfungsanlagen, bei den übrigen 29 um Kraftreektoren.
Die Forschungs- und Materialprüfungsreaktoren wurden von privater
amerikanischer Seite, von der US-Regierung und ausländischen Käufern
bestellt. Die Kraftreaktoren sind für den Antrieb von Kriegs- und
Handelsschiffen sowie als Modellanlagen für die US-Atomenergie-Kommission
(AEC) und für kleinere Elektrizitätswerke in den Vereinigten Staaten
bestimmt.
Außer den 59 Bauaufträgen, so heißt es in dem Bericht weiter, hat
die amerikanische Atomindustrie im vergangenen Jahr den Bau von 17 anderen Reaktoren weitergeführt, die bereits früher in Auftrag gegeben
worden waren. Dazu gehören sieben Reaktoren oder Reaktormodelle für
den Antrieb von Kriegsschiffen; drei Kraftreaktoren, die von der USRegierung bestellt wurden - darunter die 65 OOO-Kilowatt-Anlage für
das Elektrizitätswerk in Shippingport, die bis 1958 fertiggestellt
werden soll; vier Kraftreaktoren, die von privater Seite in Auftrag gegeben worden waren; zwei Forschungsreaktoren für die AEC und ein weiterer für eine Universität.
Zwei von der "Armour Research Foundation" in Chicago und dem
"Battle Memorial Institute" in Columbus bestellte Forschungsreaktoren
für industrielle Aufgaben wurden im vergangenen Jahr fertiggestellt.
Bis

�"AMERIKA DIENST"

2. Januar 1957

Bis zum Jahre 1956, so geht aus dem Bericht hervor, hatte die
amerikanische Atomindustrie 28 von verschiedenen Stellen der amerikanischen Regierung in Auftrag gegebene Reaktoren gebaut. In dieser Zahl
sind die von der AEC gebauten Atomkraftanlagen und -reaktoren nicht
enthalten.
Die im vergangenen Jahr von privater amerikanischer Seite erteilten Bauaufträge für Kraftreaktoren kommen zum Teil von kleineren
Elektrizitätsgesellschaften und Städten. So haben sich drei Elektrizitätsgesellschaften aus Florida zusammengeschlossen, um eine Atomkraftanlage von 200 000 Kilowatt zu bauen, die voraussichtlich bis
1963 fertiggestellt werden soll.
Die 14 ExTDortaufträge für Porschungs- und Testreaktoren wurden
der amerikanischen Atomindustrie von folgenden Ländern erteilt:
Italien, Holland, Schweden, Kanada, Bundesrepublik Deutschland, Japan,
Brasilien, Dänemark, Spanien und Venezuela.
".'eitere neun Forschungsreaktoren werden, wie der Bericht betont,
im Auftrage der amerikanischen Regierung getaut und sind für das Atomflugzeug-Entwicklungsprogramm und die medizinische Forschung bestimmt.
Außerdem hat die amerikanische Industrie im vergangenen Jahr Kontrakte für den Bau von acht Uranerzaufbereitungswerken, fünf Anlagen
für die Herstellung von Kernbrennstoffen und einer Reihe anderer für
die Grundstoffe der Atomindustrie notwendiger Werke abgeschlossen.
V/eitere 134 amerikanische Firmen haben, wie es in dem Bericht
heißt, im vergangenen Jahr zum ersten Mal Radioisotope für ihre experimentellen Entwicklungsarbeiten verwendet, womit die Gesamtzahl der
amerikanischen Firmen, die Abnehmer für Radioisotopen sind, sich auf
1121 erhöhte. Außerdem haben 20 US-Industriegesellschaften im vergangenen Jahr größere Strahlenforschungslaboratorien gebaut oder mit deren
Bau begonnen.
Der Bericht hebt außerdem als besonders bedeutungsvoll die Tatsache hervor, daß sich im vergangenen Jahr private amerikanische Versicherungsgesellschaften zu drei Syndikaten zusammengeschlossen haben,
die für die verschiedenen Atomanlagen und die in ihnen beschäftigten Arbeiter Versicherungen in der Gesamthöhe von über 110 Millionen Dollar
abgeschlossen haben.
* * * * *

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2 . Januar 1957

BRÜCKEN DES WISSENS UND DER VERSTÄNDIGUNG
Über 10 500 Personen besuchten 1956 auf Einladung der USRegierung die Vereinigten Staaten
( 70 Zeilen)
VASHIJJGTOH - (AD) - Im Rah-nen der Austauschprogramme der Regierung der Vereinigten Staaten haben im Jahre 1956 über 10 500 Personen
die Vereinigten Staaten besucht. Sie kamen aus 77 Ländern der freien
Welt, auf welche die USA diese Programme zur Pflege der gegenseitigen
kulturellen Beziehungen und zum Austausch von wirtschaftlichen, technischen und pädagogischen Erfahrungen ausgedehnt haben. Im gleichen
Jahr finanzierte die amerikanische Regierung die Auslandsbesuche von
rund 4 600 amerikanischen Wissenschaftlern, Technikern und Studenten.
Seit dem Jahre 1943, in dem die Austauschprogramme im nennenswerten Maße anliefen, haben damit bisher insgesamt 82 000 Personen als
Gäste der amerikanischen Regierung die Vereinigten Staaten besucht.
Das Amt für internationale Zusammenarbeit (iCA), das für die
Durchführung des Programms für die gemeinsame Sicherheit und der
technischen Hilfe zuständig ist, hat bekanntgegeben, daß im Jahre 1956
ungefähr 6 500 Personen in die Vereinigten Staaten kamen, um hier ihre
Ausbildung zu vervollkommnen oder Einrichtungen der Industrie, der Erziehung und des Staates kennenzulernen. Im Rahmen derselben Aktion
reisten mehr als 2600 amerikanische Spezialisten in die diesem Programm
angeschlossenen Länder.
Das amerikanische Außenministerium, welches das kulturelle und
erzieherische Austauschprogramm durchführt, berichtet, daß 4050 Studenten, Wissenschaftler, Politiker, Vertreter der Y/irtschaft und des Sozialwesens im Jahre 1955 nach den Vereinigten Staaten eingeladen wurden,
während 2000 Amerikaner Studienreisen außerhalb Amerikas unternahmen.
Im Jahre 1956 studierten 36 494 Studenten aus rund 80 Ländern an
amerikanischen Colleges und Universitäten.

16 950 von ihnen taten dies

auf eigene Kosten, etwa 10 400 wurden von privaten Organisationen in
den Vereinigten Staaten oder in ihre-n Heimatlande unterstützt. Die
amerikanische Regierung finanzierte das Studium von 1800 dieser Studenten, das Studium von 1750 Studenten wurde mit öffentlichen Mitteln ihrer
Heimatländer durchgeführt.

Andere

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2. Januar 1957

Andere Studenten erhalten die Studiengelder aus mehreren Quellen,
so von der US-Regierung und privaten Organisationen innerhalb und außerhalb der Vereinigten Staaten oder auch von ihren Heimatländern und privaten Organisationen.
Die US-Regierung kam im Jahre 1956 ferner für das Studium von 1200
Ausländern auf, die Äußerhalb der Vereinigten Staaten in anderen als ihren
Heimatländern ausgebildet werden. In diese Zahl nicht eingeschlossen sind
etwa 1000 Personen, die unter der Schirmherrschaft des Amtes für Internationale Zusammenarbeit (iCA) weniger als 30 Tage in anderen Ländern (ausschließlich USA) ausgebildet wurden. Hier handelte es sich meist um die
Teilnahme an Seminaren, Konferenzen, Diskussionen oder
Ausstellungen. Diese sogenannten "Dritten-Länder-Programme" ermöglichen
es '.Yisr-enschaftlern, Technikern und Regierungsbeamten, Studienreisen in
andere Länder (ausschließlich USA) zu unternehmen, und dort Einrichtungen
zu studieren, die in ihren eigenen Ländern übernommen werden könnten. So
gingen zum Beispiel Spezialisten aus Indien nach Japan und ein Beamter aus
Pakistan nach Belgien.
Eine der meistversprechenden Entwicklungen innerhalb des technischen
Hilfeprogramms ist die Bereitschaft der amerikanischen Universitäten und
Colleges, das ihre dazu beizutragen, in den sich neu entwickelnden Ländern
wertvolle Arbeit zu leisten. Bisher haben 50 amerikanische Universitäten
und andere pädagogische Einrichtungen mit entsprechenden Instituten in anderen Ländern 81 verschiedene Verträge abgeschlossen, die den Austausch von
Mitgliedern der Lehrkörper vorsehen und die heute bereits für beide Seiten
außerordentliche Ergebnisse gezeigt haben.
Die amerikanische Atomenergie-Kommission hat im vergangenen Jahr mehr
ihrer Mitglieder in andere Länder geschickt und mehr ausländische Techniker
in den USA ausgebildet als je r.uvor. Ungefähr 200 Wissenschaftler und Techniker aus den verschiedensten Ländern haben in Aufenthalten von drei Monaten bis zu einem Jahr die Anlagen und Einrichtungen studiert, die der USAtomenergie-Kommission unterstehen und sind dort ausgebildet worden. Des
weiteren haben über 700 Wissenschaftler, Politiker und Techniker aus anderen Ländern kürzere Besichtigungs- und Informationsreisen unternommen. Seit
dem Jahre 1953 hat die US-Atomenergie-Kommission 46 Bibliotheken mit Literatur über die Atomenergie an 43 Länder verteilt.
Unter den Auspizien des internationalen Austauschprogramms für die
bäuerliche Jugend, das von der Fordstift inj m d anderen privaten Organisationen getragen wird, kamen im Jahre I956 181 junge Bauern und Bäuerinnen in die Vereinigten Staaten, um hier mit amerikanischen Farmerfamilien
zu leben und zu arbeiten, während 125 amerikanische Jugendliche in 41
verschiedene Länder gingen.
* * * * *

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1957

DIE INTERNATIONALE DER WISSENSCHAFT
An der Schwelle zum Internationalen Geophysikalischen Jahr

( 93 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - über zwei Jahre lang sind außer den Vereinigten
Staaten auch einige wenige Länder der übrigen Welt dabei, die notwendigen Vorbereitungen für die Durchführung des Internationalen Geophysikalischen Jahrs (IGJ) zu treffen. Es ist in dieser Hinsicht schon außerordentlich viel getan worden, man braucht hierbei nur an solche Unternehmen wie die "Operation Deepfreeze" in der Antarktis und an all die
anderen Expeditionen und Vorkommandos zu erinnern, die im Norden und
Süden der Erde, auf Inseln im Pazifik und wo überall sonst eingesetzt
sind, um Stützpunkte, Beobachtungsstationen und Abschußbasen für Raketen
zu bauen, beziehungsweise auszurüsten.
Aber was bisher auch getan wurde, waren letztlich nur Vorarbeiten
fürr das IGJ, das am 1, Juli dieses Jahres beginnt und bis zum 31. Dezember 1958 währen soll. Wirklich wichtig ist darum weniger, was bis jetzt
in dieser Beziehung geschah, als das, was während dieses wissenschaftlichen Großunternehmens geschehen soll, an dem sich über 5000 Fachwissenschaftler und einige Tausend Mann technischen Personals von mehr als
50 Ländern beteiligen.
Es ist dies das erste Mal in der Geschichte, daß solche Forschungen ganz systematisch durchgeführt und mit Hilfe eines internationalen
Arbeitsprogramms auch tatsächlich koordiniert werden können, obgleich
man sie auf weltweiter Ebene betreibt und auch betreiben muß. Mit Rücksicht hierauf ist eben auch die strenge Koordinierung der Arbeiten erforderlich, da die zu untersuchenden Erscheinungen zu einem großen Teil
ja Beobachtungen voraussetzen, die sich nicht nur über den ganzen Erdball erstrecken, sondern auch gleichzeitig vorgenommen werden müssen.
Außerdem umfassen sie eine solche Menge von Einzeluntersuchungen, daß
es schon darum notwendig ist, sie nach genau bestimmten Gesichtspunkten
auszurichten, um sie überhaupt richtig auswerten zu können und zu wirklich brauchbaren Ergebnissen zu kommen.
"Des
11,

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1957

"Des Krieges und der Zwietracht müde, haben Menschen aller Nationen
gemeinsam sich wieder der Mutter Erde, das heißt einer Aufgabe zugewandt,
die es ihnen nicht schwer macht, sich zu einigen", sagte Dr. L.V.'
Berkner, der amerikanische Präsident des Internationalen Forschungsrates
in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Sonderausschusses für das IGJ.
Und tatsächlich dürfte die Zusammenarbeit von Wissenschaftlern so
vieler Länder an der Lösung einer Aufgabe, die sich mit Fakten, Erscheinungen und Vorgängen nicht nur der Erde und ihrer Atmosphäre, sondern
auch des interplanetarischen Raumes befaßt\, die Menschen schneller zusammenbringen und bis zu einem gewissen Grade auch enger zusammenschließen,
als wenn das Objekt die Menschen selbst und den Ausgleich ihrer verschiedenen Interessen beträfe. Das IGJ aber stellt alle Forscher, gleich welcher Nationalität, vor Aufgaben, die für alle dieselben und vor allem
von ganz demselben Interesse sind.
Was sind beispielsweise die Ursachen des sich dauernd ändernden
Wetters? Diese und ähnliche Fragen, die wohl täglich gestellt werden,
kann man aber nur beantworten, wenn man die größeren Zusammenhänge kennt.
Diese wiederum werden bestimmt durch Faktoren wie Sonneneinstrahlung,
Luft- und Bodentemperaturen, Feuchtigkeit, Luftdruck in den verschiedenen atmosphärischen Schichten, Luftströmungen, Elektrizität und so
fort - alles Erscheinungen, die einzeln und insgesamt Gegenstand der
Untersuchungen im IGJ sein werden. Zu ihrer Durchführung werden außer
den arktischen, antarktischen Gebieten und der Äquatorlinie fünf Längengrade besonders dicht mit Stationen besetzt, die mit Hilfe von Spezialgeräten und hochempfindlichen Instrumenten alle wichtigen Daten über
die Bewegungen, Gesetzmäßigkeiten und Wechselwirkungen in den verschiedenen Höhen des Luftozeans sowie über Auftreten und Ablauf von solaren
und atmosphärischen Störungen samt den Einwirkungen kosmischer

Erschei-

nungen und den damit verbundenen unsichtbaren Strahlen sammeln sollen.
Es werden Tausende von Ballonen und Hunderte von Raketen aufgelassen,
die mit entsprechenden Instrumenten ausgerüstet sind und automatisch
die verschiedenen Meßwerte in Höhen zwischen 100 und 320 Kilometern
registrieren. Die USA verwenden zu diesem Zweck hauptsächlich "AerobeeHI"-Raketen, die bei einer Länge von rund sechs Metern etwa
gramm wiegen.

562,5 KiloEine

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1957

Eine besondere Rolle bei diesen Untersuchungen werden die künstlichen Erdsatelliten spielen, die - von Mehrstufenraketen in die äußeren
Schichten der Atmosphäre transportiert - eine gewisse Zeit den Erdball
mit einer Stundengeschwindigkeit von etwa 28 000 Stundenkilometern umkreisen und laufend wissenschaftlich wichtige Daten zur Erde funken.
Andere Studienobjekte von Bedeutung sind: Die Erdrinde, ihre Mächtigkeit und ihr Aufbau, Zusammensetzung und besondere Merkmale des Erdinnern, Erdbeben, Vereisung der Erde, Schwankungen des erdmagnetischen
Feldes, Tiefsee, Meeresbiologie und Klimaforschung. Eine überaus starke
Beachtung wird man außerdem der Physik und Chemie der Ionosphäre, das
heißt also den atmosphärischen Höhenlagen zwischen 80 und 400 Kilometern,
den Leuchtphänomenen der Luft und Polarlichtern sowie den damit verbundenen Störungen im internationalen Funkverkehr widmen. Als besonders praktisch für den Flugverkehr der Zukunft dürfte sich schließlich die genaue
Erforschung der sogenannten Jetstreams, also jener Strahlströme erweisen,
die in großen Höhen in einem verhältnismäßig schmalen Bereich Windgeschwindigkeiten von mehr als 500 Stundenkilometern erreichen. Man hofft,
durch die Ergebnisse all dieser Untersuchungen Unterlagen für wesentliche
Verbesserungen des Funkverkehrs auf große Entfernungen, der Wettervorhersage, Erdbebenwarnung und des internationalen Flugverkehrs zu erzielen.
Und da man in der Antarktis, dem größten Eis- und Kältereservoir
der Erde, einen der wichtigsten Faktoren für den Wetterablauf auf dem
gesamten Planeten sieht, machen vor allem die Vereinigten Staaten die
größten Anstrengungen, um den noch weitestgehend unbekannten weißen Kontinent selbst und das Ausmaß seiner klimatischen und atmosphärischen Auswirkungen zu erforschen. Die USA haben in den letzten Monaten in diesem
Raum neben einer Reihe von Stützpunkten allein sechs ständig besetzte
Beobachtungsstationen errichtet, von denen die eine direkt am Südpol liegt.
Das gigantische Unternehmen des IGJ, das Präsident Eisenhower ein
"überwältigendes Beispiel für die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen den Völkern der Erde" bezeichnete, trägt in bedeutsamer Weise bei,
mit Hilfe der immer fortschreitenden Forschung nicht nur das Äußerliche
der Welt, in der wir leben, besser zu verstehen, sondern ebenso die materiellen wie immateriellen Werte der anderen Menschen vollauf würdigen zu
können.

# # #

_

„ „
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AMERIKANISCHE LITERATUR 1 956
Die erfolgreichsten Bücher des Jahres

(

100 Zeilen)
(AD) - Fast gleichzeitig mit der immer stärkeren Verlagerung des

politischen und wirtschaftlichen Schwergewichts der westlichen Hemisphäre
nach den Vereinigten Staaten, hat sich auch auf dem Gebiete der Wissenschaft und - wenn auch in ungleich geringerem Umfange - auf dem der
Literatur eine ähnliche Entwicklung vollzogen. Man kann sagen, daß
seit etwa drei Jahrzehnten die amerikanische Literatur über ein Maß
an Weltgeltung verfügt, wie sie es niemals zuvor besessen hat, ungeachtet der Tatsache, daß bereits früher einzelne ihrer Autoren, wie
beispielsweise Cooper, Edgar Allan Poe, Hawthorne, Melville, Walt
Whitman, Emerson, Bret Harte, Mark Twain und andere, ihre begeisterten
Bewunderer und Leser in der ganzen Welt hatten. Der Wirkungsradius
englisch geschriebener Bücher ist sowieso dank der weiten Verbreitung
des Englischen als Weltsprache erheblich größer als der anderer; dazu
kommt, daß in allen in Frage stehenden Ländern ein Heer von Übersetzern
sich bereit hält, alles, was auch nur einigermaßen auf die Beachtung
ihrer Landsleute rechnen kann, diesen durch eine Übertragung in deren
Muttersprache zugänglich zu machen.
Auch im nun vergangenen Jahre wartete der amerikanische Büchermarkt mit einer Reihe von Neuerscheinungen auf, die im Ausland auf
starkes Interesse stießen und die zum Teil auch bereits ins Deutsche
übersetzt worden sind. Literarische Welterfolge von der Art, wie sie
in den vergangenen Jahren die Romane eines Hemingway, Faulkner, Thomas
Wolfe oder die dramatischen Schöpfungen eines O'Neill, Thornton Wilder,
Saroyan und Tennessee Williams darstellten, gab es allerdings nicht,
wenn man nicht etwa die mit dem Pulitzer-Ereis für das beste Theaterstück ausgezeichnete Dramatisierung des "Das Tagebuch

der Anne Frank"

durch das Schriftstellerehepaar Frances und Albert Hackett als solchen
rechnen will. Denn dieses auf den schlichten, ergreifenden Aufzeichnungen eines dreizehnjährigen jüdischen Mädchens aufgebaute Stück ist nicht

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nicht nur in den Vereinigten Staaten selbst, sondern auch in Deutschland
und anderen Ländern bereits über unzählige Bühnen gegangen und erobert
sich täglich neue, überall die Menschen aufs tiefste erschütternd.
In diesem Zusammenhang mögen gleich die übrigen Empfänger der
vorjährigen Pulitzer-Preise für Literatur und deren Werke genannt werden.
Den Preis für den besten Roman erhielt MacKinlay Kantor für seine im
amerikanischen Bürgerkrieg spielende Geschichte "Andersonville", deren
eigentlicher Wert vor allem in der geradezu minutiösen Wiedergabe des
historischen Details liegt, das Kantor in zwanzigjähriger mühseliger
Forschungsarbeit zusammengetragen hat. Der Preis für das beste Gedichtwerk wurde der Lyrikerin Elizabeth Bishop für ihre "Poems: "North and
South - Cold Spring" ("Gedichte: Nord und Süd - Kalter Frühling")
zuerkannt. Empfänger des Preises für ein "hervorragendes Werk über die
Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika" schließlich war der
Professor an der Columbia-Universität Richard Hofstadter mit seinem
Buche "The Age of Reform" ("Das Zeitalter der Reformen") das die einschlägigen politischen und sozialen Verhältnisse und Reformbestrebungen
in den USA in den Jahren zwischen 1890 und 1940 behandelt.
Überhaupt standen in dem verflossenen Jahre die zeitgeschichtlichen
und politischen Bücher in Amerika fast mehr im Vordergrund des Interesses
als die schöngeistigen. Allerdings befand sich unter diesen auch ein
posthumer O'Neill mit dem Titel "Long Day's Journey into Night" (Eines
langen Tages Reise in die Nacht").Aber auch an diesem nachgelassenen
Stück des großen amerikanischen Dramatikers, das bereits über einige
deutsche Bühnen gegangen ist, interessiert eigentlich mehr das Historische, Persönliche. Denn es ist im wesentlichen eine Autobiographie
des 1953 verstorbenen Dichters, in die Form eines Bühnenstückes gekleidet .
Unter den sonstigen Werken der amerikanischen Schönen Literatur
erwies sich im vergangenen Jahre Edwin O'Connors Roman "Last Hurrah"
("Das letzte Hurrah") als eines der erfolgreichsten. Es gibt die Geschichte eines amerikanischen Politikers irischer Abstammung wieder,
der jahrzehntelang als Bürgermeister mit Umsicht und Erfolg, zugleich
jedoch auch mit einer harten, aber sicheren Hand die Geschicke seiner
Heimatstadt lenkt und auch zweimal zum Gouverneur seines Staates gewählt

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gewählt wird, aber schließlich, als er sich noch einmal aufstellen läßt,
seinem jungen Gegenkandidaten, dem Repräsentanten einer neuen Zeit, unterliegt. Nicht unerheblich dürfte zu dem großen Erfolg des Buches in den
USA die im Mittelpunkt stehende spannungsreiche Schilderung einer amerikanischen Wahlkampagne beigetragen haben.
Ein sehr lustiges Buch, das in Amerika großen Anklang gefunden hat,
ist William Brinkleys "Don't go near the water" ("Gehe nicht zu nahe
ans Wasser heran"). Es ist echtes, rechtes Seemannsgarn, das in diesem
unterhaltenden, humoristischen und satirischen Roman gespannen wird, der
von amerikanischen Blättern als eines der drolligsten Bücher über die
Männer der US-Kriegsmarine im zweiten Weltkrieg bezeichnet wird.
Zu den meistgelesenen belletristischen Neuerscheinungen des vergangenen Jahres in Amerika gehörte ferner der Roman von John Hersey
"A Single Pebble" (Ein winziges Steinchen"). Er erzählt von einem jungen
amerikanischen Ingenieur, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Wasserkräfte des Yangtse-Stromes nutzbar zu machen, und zu diesem Zwecke in
einer Dschunke stromaufwärts fährt, um festzustellen, wo ein Staudamm
errichtet werden könnte. Auf dieser Reise findet er sich selbst. Der
Roman, mit seltenem Feingefühl und in einem ausgezeichneten Stil geschrieben, offenbart ein ungewöhnliches Verständnis für die Gefühle der
Menschen eines fremden Volkes, die nicht über die steilen felsigen Uferwände des Yangtse hinauszublicken vermögen.
Zum Biographischen, Historischen hinüber leiten die gegen Ende des
vergangenen Jahres von Elizabeth Nowell herausgegebenen Briefe des
verstorbenen großen amerikanischen Romanciers Thomas Wolfe. In diesen
Briefen, die von der Schulzeit des Dichters in Nord-Karolina bis zu
seinem letzten Aufenthalt im Krankenhaus reichen, tritt uns der glänzende Schriftsteller noch einmal in seiner ganzen Vielseitigkeit und
Liebenswürdigkeit entgegen.
Zu den Büchern, die stärkste Beachtung nicht nur in den interessierten militärischen Kreisen, sondern auch beim großen Publikum gefunden
haben, gehört General Bedell Smiths Buch "Eisenhower1s Six Great
Decisions: Europe, 1944-45" ("Eisenhowers sechs große Entscheidungen:
Europa 1944-45")- Bedell Smith, der Generalstabschef des alliierten
Expeditionskorps in Europa war, legt in dem Buch an Hand von Dokumenten

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Dokumenten die großen Entscheidungen von dem Befehl zur Invasion in der
Normandie bis zu den Kämpfen an der Elbe dar, die Eisenhower eine wahrhaft erdrückende Verantwortung auferlegten.
Neben dem Soldaten hat auch der Staatsmann und Politiker Eisenhower
seinen Historiographen gefunden in dem Buch von Robert J. Donovan
"Eisenhower: The Inside Story". Was die Darstellung Donovans, der Korrespondent der "New York Herald Tribüne" für das Weiße Haus ist, besonders
bemerkenswert macht, ist der Umstand, daß sie sich auf die Originaldokumente und Aufzeichnungen aus dem Weißen Hause selbst stützt, die dem
Korrespondenten für seine Arbeit zur Verfügung standen.
Die letzten sechs Jahre vor der Amtszeit Eisenhowers behandelt
der zu Anfang des verflossenen Jahres - auch in deutscher Übersetzung erschiedene zweite Band der "Memoirs by Harry S. Truman" ("Memoiren von
Harry S. Truman"), dem der frühere amerikanische Präsident den Untertitel "Years of Trial and Hope" ("Jahre der Prüfung und Hoffnung")
gegeben hat. Die Darstellungen Trumans liefern wertvolles Material
für die Beurteilung jener Nachkriegs jähre mit ihrer verwirrenden Fülle
von oft einander widersprechenden Einzelereignissen und werfen auf
viele Dinge ein ganz neues Licht.
Die Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion, die durch
die Vorgänge in Ungarn und andere Ereignisse der letzten Zeit wieder
stark in den Vordergrund des Interesses gerückt sind, bilden das Thema
eines auf vier Bände berechneten historischen Werkes des ehemaligen
amerikanischen Botschafters in Moskau und Beraters im US-Außenministerium George F. Kennan. Der 1956 im Verlag der Princeton University
Press herausgekommene erste Band bietet eine Studie über die bolschewistische Machtergreifung im November 1917 bis zur Unterzeichnung des
Friedens von Brest-Litowsk im März 1 91 Q•
Als ein außerordentlich wertvolles Buch wurde von der amerikanischen
Kritik Samuel Lubells "Revolt of the Moderates" ("Aufruhr der Gemäßigten")
gerühmt. Es behandelt, vornehmlich vor dem Hintergrunde der Präsidentschaft General Eisenhowers, den Aufstieg der amerikanischen Mittelklasse
in der Politik seit dem zweiten Weltkrieg.
Einen

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Einen großen Leserkreis fanden auch John F. Kennedys "Profiles in
Courage". Der Autor, der die Lebensgeschichte bedeutender amerikanischer
Politiker von John Quincy Adams bis zu Robert A. Taft verfolgt, ist
beeindruckt von dem sittlichen Mut dieser Männer, mit dem sie sich
häufig gegen die größten Schwierigkeiten durchzusetzen hatten und den er
für die wesentlichste Tugend eines Politikers hält.
Zum Schluß dieser - naturgemäß nur sehr unvollständigen - Aufzählung wichtiger Neuerscheinungen des vergangenen Jahres möge noch ein
',Verk der Literaturkritik Erwähnung finden. Es handelt sich um die
"Essays in Literary Criticism" des im Jahre 1952 verstorbenen amerikanischen Philosophen George Santayana, die von Irving Singer herausgegeben wurden. Die Sammlung enthält unter anderem die großen Essays über
Dante und Goethes "Faust", daneben kleinere, aber ebenso bedeutende
Arbeiten über Cervantes, Shakespeares "Hamlet", Shelley, Leopardi,
Dickens, Emerson und Proust. In allen bewundert man den geistreichen
und glänzenden Stil, das ausgewogene Urteil des Philosophen und Literaturkritikers und freut sich seiner überall durchschimmernden, tief in seinem Wesen verwurzelten Humanität,.

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AMERIKANISCHE 'WISSENSCHAFT UND FORSCHUNG IM JAHRE 1956

(100 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - In dieser Zeit wird soviel von Wundern auf allen
möglichen Gebieten gesprochen, daß sie selbst dort, wo sie wirklich geschehen, kaum noch als solche empfunden werden. Die Höhe der erreichten
technischen Zivilisation macht das Wunder alltäglich, indem sie jeden
daran teilhaben läßt und dadurch sogar das schöpferisch Große verkleinert. Es ist bezeichnend für diese Zeit, daß jeder in der Lage ist, durch
den Druck auf irgendeine Taste die verwickeisten und wahrhaft wunderbarsten Vorgänge auszulösen, ohne eine Vorstellung von dem zu haben, was
da geschieht. Die breite Masse der zivilisierten Völker ist Nutznießer,
gleichsam Konsument eines Geistes, der sie in Wirklichkeit gar nicht
oder nur wenig bewegt.
Die Presse eines Jahres bringt zahllose Berichte über Neuerungen,
wesentliche Verbesserungen oder sogar

Erfindungen, die nicht selten noch

vor kurzer Zeit als unmöglich erschienen. Sie wurden dadurch wirklich,
daß eines Menschen Geist neue Wsge ging oder zum mindesten sah, was
jedem anderen Auge verborgen blieb. Aber das berührt die Mehrzahl der
Menschen nicht, da sie es sowieso nicht begreift und ja auch nicht zu
verstehen braucht, was über kura oder lang Teil ihres Alltags wird.
Deshalb wird ja auch immer wieder die Überlegung angestellt,
ob die Neuerungen, die auf so vielen Gebieten "präsentiert" wurden, wirklich Erfindungen sind oder nicht bloß Früchte, die am Wege der ganzen
Entwicklung gelegen sind und geradezu darauf gewartet haben, aufgehoben
zu werden. Und dennoch! Wenn sie nämlich tatsächlich darauf "gewartet"
hätten, so mußte es auch noch Manschen geben, die sie fanden, aufnahmen
und den anderen in einer auch für sie brauchbaren Form weiterreichten.
Denn darauf kommt es ja an: einer Entwicklung, die - alles in allem vielleicht gar nicht einmal aufgehalten werden könnte, die für den
Menschen beste und ersprießlichste Form und Richtung zu geben. Selbst
wenn dies gewissermaßen nur am Rande geschieht, auch nur am Rande jenes
Weges, dessen Tiefen und Höhen durch Marksteine des Geistes gekennzeichnet sind. Und in dieser Beziehung ist im nun vergangenen Jahr, dem Jahre

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�"AMERIKA DIENST"

2. Januar

1957

Jahre 1956, allein in den Vereinigten Staaten so viel geschehen, daß
es unmöglich ist, hier mehr als nur ein paar Beispiele anzuführen.
Im Bereich der Medizin und Physiologie drängen sich dem Rückschauenuen selbstverständlich sofort drei Namen auf, und zwar die Namen jener
drei Ärzte, die im vorigen Jahr für ihre bahnbrechenden Arbeiten zur
Verbesserung der diagnostischen Technik bei Herzkrankheiten und krankhaften Veränderungen des Kreislaufsystems durch "Kathetisierung des Herzens"
mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden sind. Vielleicht werden die drei
Mediziner - es handelt sich um den Deutschen Dr. Werner Forssmann sowie
die beiden Amerikaner Dr. Andre

F. Cournand und Dr. Dickinson ff«

Richards, Professoren an der Columbia-Universität - im Rahmen solcher
Jahresrückschauen größtenteils überhaupt nicht genannt, da das, was
sie geleistet haben, ja nicht die "Erfindung" eines Jahres, sondern
die Arbeit vieler Jahre ist.
Aber das ist, besonders in der Medizin, ja eigentlich stets der
Fall, selbst dann, wenn es heißt, daß es durch Anwendung eines außerordentlich gewagten herzchirurgischen Verfahrens zum ersten Mal in der
Geschichte der Medizin gelungen ist ... beispielsweise durch Einführung eines konisch geformten Stöpsels aus gepreßtem Kunststoff in die
äußere Wand einer Herzkammer einen lebensgefährlichen Riß der Gefäßwand zu verstopfen und dadurch das sich ständig wiederholende Zurückströmen des Blutes in die rechte Herzkammer zu unterbinden. Die Ärzte,
die dieses Kunststück zuwege brachten, arbeiten in einer Klinik des
bekannten amerikanischen Instituts für Herzkrankheiten in Bethesda
in Maryland. Dieses Bravourstück wäre ihnen jedoch nicht geglückt,
wenn sie sich nicht einer schon vor Jahren entwickelten "Technik"
hätten bedienen können, nämlich der Operation des Patienten in einem
Kälteschlaf mit so starker Unterkühlung, daß der Blutbedarf des
Körpers weit genug vermindert ist, um eine Unterbrechung des Kreislaufs wenigstens für einige Minuten zu ermöglichen. Aber diese Herzoperationen im Kälteschlaf haben oder - wie man heut vielleicht schon
sagen darf - hatten bisher ihre besondere Gefahr, das sogenannte
schnelle Herzkammerflimmern, das bei Anwendung von Hypothermie häufig
auftritt und einen völligen Ausfall der normalen rhythmischen Herzmuskel-

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�"AMERIKA DIENST"

2. Januar

1957

Herzmuskelbewegungen mit nachfolgendem Herzstillstand zur Folge hat.
Diese Gefahr scheint jetzt so gut wie behoben zu sein, und zwar "ganz
einfach" durch Novocain-Injektionen in den oberen Aurikularanhang - ein
Verfahren, das ebenfalls von zwei amerikanischen Ärzten entwickelt und,
nachdem es sich im Tierversuch bewährt hatte, im vorigen Jahr bei vielen
Herzoperationen angewendet worden war.
Warum aber kommt es überhaupt zu so vielen Schädigungen des Herzens
und des gesamten Kreislaufsystems? Nun, der Feind Nr. 1 ist nach systematisch durchgeführten und im Vorjahr beendeten Versuchen dreier Ärzte
eines Chicagoer Krankenhauses zweifellos eine komplexe Störung im
Hormon- und Ernährungsgleichgewicht durch Aufnahme von zuviel "leeren"
Kalorien, Fetten und Cholesterin gegenüber viel zu wenig Proteinen,
Vitaminen und Mineralien. Die Folge davon sind in der Hauptsache Koronarerkrankungen, Atherosklerose und Aortaschaeden aller Art.
Wohl das am meisten Aufsehen erregende Arbeitsergebnis amerikanischer
Forscher auf diesem Gebiet war die - ebenfalls in Bethesda - gelungene
"Dressur" bestimmter Viren mit tumorauflösender Wirkung auf Krebsgeschwülste. Diese Art der Krebsbekämpfung, die allerdings eine eingehende
Vorbehandlung der Viren erfordert, scheint nach allen Erfahrungen in
dieser Hinsicht die meistversprechende zu sein, obgleich sie systematisch bisher erst im Tierversuch erprobt wurde, aber eben mit Hilfe
von Krebsgeweben, die vom Menschen auf die Versuchstiere übertragen
worden sind.
Die Auseinandersetzung um den Salkschen Impfstoff gegen Kinderlähmung ist im Vorjahr zugunsten dieses Vakzins entschieden; es hat
alle Erwartungen erfüllt, die Zahl der Neuerkrankungen ist außerordentlich zurückgegangen. Und daraufhin haben auch eine ganze Reihe anderer
Staaten regelmäßige Impfungen mit dem ihnen von den Vereinigten Staaten überlassenen Salkschen Vakzin aufgenommen. Trotzdem ist - auch in
den USA - die Suche nach einem noch besseren, vor allem länger wirksamen Mittel gegen die Kinderlähmung weitergegangen. Und tatsächlich ist
es - wie Ausgang des Sommers aus der Medizinischen Hochschule in Cincinnatti gemeldet wurde - gelungen, einen Stoff zu entwickeln, der,
im Gegensatz zum Salkschen Vakzin, lebende Viren enthält und angeblich
eine vieljährige, möglichenfalls sogar lebenslängliche Immunität

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�'• AMERIKA DIENST"

2. Januar

1957

Immunität erzeugten;es braucht nicht injiziert zu werden, sondern wird
in flüssiger Form eingenommen. Ob es alle die ihm zugesprochenen Eigenschaften auch wirklich besitzt, kann jedoch erst die Erfahrung zeigen.
Verbesserte Augenlinsen für Starerkrankte, neue Brillensysteme,
die einem bestimmten Kreis von Teilerblindeten fast das volle Sehvermögen wiedergeben, und eine große Anzahl von Spezialgeräten, die den
Vollerblindeten Leben und Arbeit erleichtern - auch in dieser Hinsicht
ist im Vorjahr vieles entwickelt worden, was geeignet ist, den Schwerstbetroffenen unter uns zu helfen.
Aber mit diesen Neuerungen beziehungsweise Erfindungen befinden
wir uns schon mehr auf technischem Gebiet. Und gerade auf diesem ist so
viel geleistet worden, daß es unmöglich ist, hier mehr als ein paar
Beispiele zu geben von Neuerungen, die der großen Masse nur indirekt
dienstbar sind, aber angetan, auch ihre Phantasie zu erregen. Hierher
gehört etwa das Radioteleskop, das in Kalifornien errichtet wird und
der Bestimmung der von unbekannten Quellen ausgehenden elektromagnetischen Strahlungen aus großen Entfernungen, nämlich der Lokalisierung
von sogenannten Radiosternen, dient. Die beiden nach jeder Richtung
schwenkbaren Parabolspiegel dieses Geräts haben einen Durchmesser von
je JO Meter. Da sie fahrbar sind und nach Bedarf mehrere Hundert Meter
voneinander stationiert werden können, haben sie denselben Nutzeffekt
wie ein einziger Antennenspiegel von etwa 1200 Metern Durchmesser.
Das sogenannte "Lumicon" dagegen, das von zwei Wissenschaftlern
der Johns-Hopkins-Universität entwickelt wurde, kann, in die Apparatur
eines Teleskops eingebaut, alle auf die Kamera einwirkenden Lichtimpulse um das 50 OOOfache verstärken; dadurch werden Aufnahmen von
Objekten ermöglicht, die "normalerweise" überhaupt nicht sichtbar sind.
In diesen selben Bereich gehört ein Gerät, das von der V/estinghouse Electric Corporation konstruiert wurde. Es ist im Grunde genommen weiter nichts als ein Bildverstärker, nicht größer als eines
Menschen Faust und dennoch imstande, die Lichtstärke des größten Spiegelteleskops der Welt um das Hundertfache zu erhöhen. Man soll damit
Sternenhaufen Photographieren können, die drei bis sechs Milliarden
Lichtjahre von der Erde entfernt sind.
Unvorstellbare

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2. Januar

1957

Unvorstellbare Weiten, unbegreifliche Welten - und dennoch vom
Menschengeist nicht nur entdeckt, sondern in gewisser Beziehung auch
bezwungen. Man denke nur an die sich geradezu überstürzende Entwicklung auf dem Gebiet der Atomforschung, als deren neuestes Ergebnis gerade
jetzt die Entdeckung eines neuen atomaren Fusionsprozessee gemeldet
wurde. Bei dem neuen Prozeß wird die Fusion von schweren und normalen
Wasserstoffkernen zu einem Heliumatom durch negative Mesonen ausgelöst;
dazu sollen keine solchen Auslösungsenergien beziehungsweise ungeheuere
Temperaturen erforderlich sein, wie sie für die bisher bekannten thermonuklearen Reaktionen unumgänglich sind. Sollte es möglich sein, den
neuen Prozeß auch wirtschaftlich nutzbar zu machen, was infolge der
unvorstellbaren "Kurzlebigkeit" der negativen Mesonen allerdings noch
sehr fraglich ist, so käme der Mensch dadurch vielleicht wirklich in die
Lage, den uralten Traum der Wissenschaftler von einer praktisch überhaupt nicht mehr zu erschöpfenden Energiequelle erfüllt zu sehen.

x * * * *

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�'ALIERIKA DIENST"

2. Januar

1957

DIE TOTEN DES JAHRES 1956

3.

Januar

5.

n

William S. Haas, 72, deutschbürtiger Orientalist,
in New York
Christopher LaFarge, 58, Dichter und Schriftsteller,
in Providence, R.I.

13.

11

Lyonel Feininger, 84, Maler und ehemaliger Professoram Bauhaus, in New York, N.Y.

24.

11

Oscar Karlweiss, 60, Österreich-gebürtiger Schauspieler,
in New York, N.Y.

29.

ti

Henry Louis Mencken, 75, Kritiker und Schriftsteller,
in Baltimore, Md.

28.

Februar

Harley M. Kilgore, 63, demokratischer Senator von
V/est-Virginia, in 7/ashington, D.C.

18.

März

Louis Bromfield, 59, Schriftsteller, in Columbus, Ohio.

30.

April

25.

Juni

Alben Barkley, Senator, ehemals Vizepräsident der USA,
78 Jahre
Admiral Ernest Joseph King, 77 Jahre, ehemals Befehlshaber der US-Kriegsmarine während des zweiten '.Veitkrieges

16.

August

Vizeadmiral Lynde D. McCormick, 1952-54 Oberbefehlshaber der Seestreitkräfte der NATO

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

DULLES-PRESSEKONFERENZ YOM 18. DEZEMBER

1956

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut der Pressekonferenz, die der amerikanische Außenminister John Foster Dulles am 18. Dezember 1956 in'Washington
abgehalten hat.

Frage: Herr Außenminister, es sind eine Unmenge Spekulationen
angestellt worden über die Möglichkeiten einer positiven Reaktion
auf einen Punkt in der Abrüstungsnote, die Ministerpräsident Bulganin am 17« November über die Reduzierung der Streitkräfte in
Europa übersandte. Soviel ich weiß, sprach er erstens von einer
Reduzierung, zweitens von einem schließlichen Abzug aller Streitkräfte. Können Sie sagen, welche Art Antwort es auf diesen Vorschlag
geben könnte, oder welche Schritte überhaupt auf diesem Gebiet möglich sind?
Antwort: Nun, ich kann Ihnen heute natürlich nicht voraussagen,
wie die Antwort, die Präsident Eisenhower Ministerpräsident Bulganin
geben wird, im einzelnen ausfallen wird. Ich glaube, die vorgeschlagene Antwort wird gegenwärtig vom Ständigen Militärausschuß der NATO
erwogen, was unserer Politik des Meinungsaustausches mit den unmittelbar betroffenen Verbündeten Mächten entspricht. Ich glaube, soviel
sagen zu können, daß kein solcher Plan existiert, und ich glaube, die
Antwort wird nichts dahingehend enthalten, daß unsere Stärke in
Europa reduziert wird. Wir haben diese Angelegenheit ziemlich eingehend auf der NATO-Konferenz besprochen sowie in unserer Diskussion
über die an unsere Militärbehörden herauszugebende neue Direktive
behandelt. Dabei wird von der Voraussetzung ausgegangen, daß die
militärische Stärke der Vereinigten Staaten in Europa beibehalten
wird. Das bedeutet nicht, daß nicht etwa eine gewisse Angleichung oder
Anpassung der dort stationierten Divisionen vorgenommen werden könnte,
denn hier handelt es sich um ein Programm, das vom Verteidigungsministerium in bezug auf alle unsere Divisionen, wo sie auch stationiert
sein mögen, im Rahmen unserer Bemühungen um eine größere Beweglichkeit und bessere Anpassung unserer Truppen an die moderne Kriegführung und die neuen Waffen ausgearbeitet wird. Doch werden zur Zeit
keinerlei Pläne über eine Reduzierung der Stärke der Vereinigten
Staaten in Europa erwogen.
„
Frage:
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�AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

Frage: Herr Außenminister, könnte ich die Frage vielleicht folgendermaßen formulieren: Sie vertreten seit langen, den Standpunkt, daß
in der Sowjetunion sehr viel im Gange ist, una es gibt genügend Beweise
dafür, daß dies auch für die Satellitenstaaten zutrifft, anscheinend
hat sich auch die Einstellung hier insofern gewandelt, daß sich die
Situation in den Satellitenländern geändert hat - das militärische
Kräfteverhältnis -, da die Russen bei einem Konflikt mit dem Westen
nicht mehr mit den Truppen der Satellitenländ^r: rechnen können. Ist
dies vielleicht eine Gelegenheit, nach einem neuen Weg zu einer politischen Bereinigung der europäischen Frage zu suchen und, sofort) dies
zutrifft, wäre damit eine Änderung der militärischen Pos tion beide^.
Seiten verbunden?
Antwort: Ich sollte meinen, wenn die weitere Entwicklung innerhalb
der Satellitenländer so verläuft, daß sie wirklich unabhängige Nationen
werden, so würde das eine allgemeine Iberprüfu ig der Lage rechtfertigen.
Die Vereinigten Staaten haben keinen Zweifel darüber gelassen - ich
habe dies in meiner Rede in Dallas, ich glaube es war Ende Oktober,
zum Ausdruck gebracht, und Präsident Eisenhower Scg*e das gleiche kurz
darauf -, daß die Vereinigten Staaten in keiner .Veise die Abs cht habe.:,
diese Satellitenländer Z J ihren Verbündeten zu machen, das heißt, wir
haben nicht die Absicht, einen Ring feindlicher Staaten um die Sowjetunion zu schaffen und damit den sogenannten Cordon sanitaire wieder
ins Leben zu rufen, der nach dem ersten Weltkrieg hauptsächlich von
den Franzosen geschaffen wurde in der Absicht, die Sowjetunion d. rch
feindliche Mächte einzukreisen. Wir haben in dieser Beziehung unsere
Politik eindeutig klargelegt in der Hoffnung, auf diese Weise einer
Entwicklung der Satell tenländer - einer friedlichen Entwicklung - zu
echter Unabhängigkeit den Weg zu ebnen. Bisher lat es hierauf noch
keine Reaktion gegeben, die eine grundlegende Revidierung der militärischen Position gerechtfertigt hätte. Es ist natürlich absolut
richtig, daß die Situatxor sich geändert hat - da sich das militärische
Kräfteverhältnis geändert hat -.insofern anlich, als vor einer Reihe
von Jahren die Sowjetunion, und vielleicht auch wi selbst glaubten, die
UdSSR könne a^f 60 oder me r Divisionen aus den Satellitenländern rechnen, die auf ihrer Seite kämpfen werden, während es heute so aussieht,
als kennte die Sowjetunion nicht mehr darauf rechnen, daß sie an ihrer
Seite kämpfen.
S~e könnten womögLichdie Gewehre umkehren, man mußre also gewisse ibstriche an der Zahl der Streitkräfte der Sowjetunion vornehmen,
um diesen Fa tor auszugleichen. Immerhin ist selbst unter Berücksichtigung dieses Umstandes die potentielle militärische Stärke der Sowjets
in Saropa so groß, daß selbst unter Berücksichtigung dieses Umstandes,
wie ich schon sagte, das Problem des Gleichgewichts der militärischen
Kräfte es meiner Meinung nach - und auch nach Ansicht unserer militärischen Berater - noch nicht gestattet, irgendwelche Reduzierungen
in er Stärke der NATO-Streitkräfte in Europa vorzunehmen.
Frage:

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�AMERIKA DIENST"

9. Januar 1957

Frage: Herr Außenminister, wollen Sie damit also sagen, daß die
Beibehaltung der Teilung Deutschlands und die vollständige Unabhängigkeit aller Satellitenländer die Vorbedingungen für die Annahme eines
alleuropäischen Sicherheitapaktes durch die Amerikaner ist?
Antwort: Nun, dazu möchte ich folgendes sagen: Wenn die Satellitenländer wirklich unabhängig wären, so würde das meiner Ansicht nach ganz
sicherlich eine Revidierung in der Art, wie sie angeregt wurde, erleichtern. Desgleichen würde ich sagen, daß wir nicht bereit sind, die
militärische Situation auf dem europäischen Kontinent auf der Basis
einer Trennungslinie mitten durch Deutschland und damit der Beibehaltung der Teilung Deutschlands einer Überprüfung zu unterziehen.
Frage: Herr Außenminister, haben Sie nach Ihrem Pariser Besuch
den Eindruck, daß wieder so etwas wie ein gutes Einvernehmen, das vor der
Suezkrise zwischen uns und unseren Verbündeten bestand, im Entstehen
begriffen ist?
Antwort: Ich glaube, es kann überhaupt kein Zweifel darüber bestehen, daß die Beziehungen wieder besser sind als vor meiner Reise
nach Paris zu den Besprechungen im NATO-Rat und mit anderen Stellen.
Ich würde allerdings nicht so weit gehen zu sagen, daß nicht noch gewisse Narben geblieben sind - daß keinerlei Differenzen mehr bestehen
über gewesene Dinge. Aber das beste Mittel, die Vergangenheit zu vergessen, ist das Planen in die Zukunft. Diese Regel gilt meiner Ansicht
nach für das Leben überhaupt, auch für die internationalen Beziehungen.
Wenn wir uns mit der Zukunft beschäftigen und gemeinsame Pläne für die
Zukunft machen, dann beginnen die alten Wunden zu heilen, und ich habe
den Eindruck, daß dieser Prozeß bereits im Gange ist.
Frage: Herr Außenminister, man spricht davon, daß der Amerikabesuch des Ministerpräsidenten Nehru vielleicht unter anderem eine Beilegung der Schwierigkeiten in Nahost mit sich bringen werde. Können Sie
uns irgend etwas darüber sagen oder einen Hinweis geben, in welcher
Richtung die Gespräche verlaufen dürften?
Antwort: Nein, leider bin ich nicht in der Lage, Ministerpräsident Nehrus Besuch in den Vereinigten Staaten zu kommentieren, solange
dieser Besuch noch nicht abgeschlossen ist. Ich habe bisher noch keine
Möglichkeit gehabt, den Präsidenten zu:sprechen, da er sich jetzt erst
auf dem Rückweg aus Gettysburg befindet und ich nicht weiß, was sich
dort ereignet hat. Am Sonntag nachmittag habe ich Ministerpräsident
Nehru selbst gesprochen. Da aber die Gespräche noch weitergehen, möchte
ich lieber keinen Kommentar dazu abgeben.
Frage: Herr Außenminister, in welchem Maße sind die Vereinigten
Staaten durch ihre in Paris eingegangenen Verpflichtungen gebunden,
ihre Verbündeten zu konsultieren, und inwieweit sind sie nicht verpflichtet, sich mit ihren Verbündeten über internationale Probleme
zu besprechen?
Antwort:

�AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

Antwort: Nun, ich habe in Paris deutlich zum Ausdruck gebracht,
daß wir, was die gegenseitige Konsultierung anbetrifft, bereit sind,
uns mit unseren Verbündeten über alle unsere Probleme und politischen
Maßnahmen in der gesamten Welt zu besprechen. Ich erklärte, daß unsere
Politik bekannt ist, daß es hierbei keine Geheimnisse gibt, und daß
wir sie gerne diskutieren, erklären würden, und daß wir gerne jeden
Vorschlag unserer Verbündeten in Erwägung ziehen. Und ich erklärte
ferner, daß dies für unsere Politik in bezug auf den Fernen Osten ebenso gelte wie für den Vorderen Orient oder die amerikanische Hemisphäre.
Ich brachte dann jedoch einen anderen Punkt zur Sprache, nämlich
den, daß wir in diesen Gebieten vertraglich verpflichtet sind, unter
bestimmten Voraussetzungen aktiv einzugreifen. Dasralles ist bereits
bekannt. Es ist zum Beispiel bekannt, und ich habe darauf auch in Paris
hingewiesen, daß wir gegenüber der nationalchinesischen Republik auf
Formosa vertraglich verpflichtet sind, sie im Falle eines Angriffs bei
der Verteidigung Formosas und der Pescadoren zu unterstützen. Falls
ein solcher Angriff erfolgen sollte, müssen wir unsere vertraglichen
Verpflichtungen einhalten. Gerade jetzt ist der richtige Zeitpunkt,
diese Politik zu erörtern, falls die andere Seite dies wünscht, und
ich habe sie vor einem Jahr mit dem Außenministerrat der NATO ja auch
tatsächlich schon erörtert. Wir sind daher bereit, mit den anderen
Staaten über unsere Politik in allen Teilen der V/elt zu diskutieren
und uns mit ihnen zu beraten. Doch wenn wir handeln müssen, können wir
uns nicht darauf einlassen, die Erfüllung vertraglicher Verpflichtungen
gegenüber anderen Verbündeten auszusetzen. Wir können nicht im Rahmen
eines solchen Vertrages erforderliche Maßnahmen verschieben, um sie
dann in dieser Phase mit den NATO-Verbündeten zu diskutieren.
Bei dieser Gelegenheit möchte ich hier noch etwas zur Sprache
bringen, da, wie ich in Paris feststellte, zur Frage der Konsultierung
erhebliche Mißverständnisse bestehen. Es wird allgemein angenommen,
daß unsere Kritik gegenüber der britischen und französischen Haltung
in erster Linie darin besteht, daß sie es unterließen.weder uns noch
den NATO-Rat zu konsultieren. Das ist nicht der Fall. Es stimmt wohl,
daß der eigentliche Angriff ohne unser Wissen erfolgte und daß er uns
vollkommen überraschte. Es wurdan allerdings seit nahezu drei Monaten
Konsultationen in dieser Angelegenheit gepflögen.
Die Auffassung der Vereinigten Staaten war hinreichend bekannt,
und es war auch bekannt, aus welchen Gründen wir ein solches Vorgehen
ablehnen. Wir haben dies während der drei Besuche erörtert, die ich
London abgestattet habe, und zwar bereits anlässlich meines ersten
Besuchs Ende Juli. Dies wurde auch bei unserem Zusammentreffen mit den
britischen und französischen Ministern anlässlich der Sitzung des
Sicherheitsrates diskutiert. Die ganze Frage ist gründlich erörtert
worden; unsere Meinung war ihnen bekannt; sie wußten, warum wir ein
solches Vorgehen ablehnten. Und unser Vorwurf geht nicht dahin, daß
keine Erörterungen über diese Frage gepflogen worden sind, auch nicht
dahin, daß wir keine Gelegenheit hatten, unsere Ansichten darzulegen es ging vielmehr darum, daß wir einen solchen Angriff unter den

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�"AMERIKA DIENST"

9. Januar 1957

den gegebenen Umständen als eine Verletzung der Charta der Vereinten
Nationen und einen Verstoß auch gegen Artikel 1 des Nordatlantikpaktes
ansahen, der alle Vertragspartner verpflichtet, auf die Anwendung von
Gewalt zu verzichten und Streitigkeiten auf friedlichem 7/ege zu regeln.
Unser Vorwurf richtete sich mithin dagegen, daß der Vertrag verletzt
wurde, nicht daß keine Konsultation stattgefunden hat. Und wir ließen
keinen Zweifel daran, daß wir für unseren Teil den vertraglichen
Verpflichtungen, wie wir sie verstehen, getreu nachzukommen wünschten.
-Vir sind bereit, diese Verpflichtungen im einzelnen auseinanderzusetzen
und unsere Auffassung dazu darzulegen, damit jedermann verstehen kann,
welche Politik wir betreiben. Wenn wir aber vertraglich verpflichtet
sind, etwas zu tun, oder wenn wir vertraglich verpflichtet sind, etwas
zu unterlassen, dann sind wir willens, uns an diese Verträge zu halten.
Diese Verträge an sich stehen nicht in dem Sinne zur Diskussion, daß
wir den Ministerrat der NATO anrufen müssen, ob wir unsere vertraglichen
Verpflichtungen erfüllen sollen oder nicht.
Frage: Herr Minister, es wird allgemein angenommen, daJ die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Europas proportional zur Dauer der Blockierung des Suezkanals für die Schiffahrt zunehmen werden. Es bestehen
gegenwärtig bestimmte Schwierigkeiten bezüglich der Räumung der Fahrrinne des Kanals, die besonders Ägypten, die Vereinten Nationen, Großbritannien und Frankreich angehen. Besteht eine von uns gesetzte Frist,
bis zu der der Kanal geräumt sein muß, und was geschieht seitens der
Vereinigten Staaten - gleichgültig ob nun eine solche Frist gesetzt
ist oder nicht -, um Herrn Nasser in dieser Angelegenheit zur Zusammenarbeit zu bewegen?
Antwort: Soweit mir bekannt ist, gibt es keine derartige Frist,
mit der ein bestimmter Zeitpunkt für den Abschluß der Räumungsarbeiten
im Kanal festgesetzt worden wäre. Es wäre ganz unmöglich, eine solche
Frist festzusetzen, weil die mit dem Studium dieser Probleme beschäftigten Techniker bisher selbst noch keine klare Vorstellung von
Art und Umfang der Hindernisse haben und deshalb auch nicht wissen
können, wieviel Zeit die Beseitigung der Hindernisse erfordern wird.
Eine Frist für den Abschluß der Räumungsarbeiten wäre daher praktisch
und technisch ein Unding. Nun sind wir natürlich stark daran interessiert, daß der Kanal sobald wie möglich wieder voll in Betrieb genommen
wird. Das ist eine Frage, an der die europäischen Nationen ebenso wie
die asiatischen Staaten wirtschaftlich und finanziell interessiert sind,
ebenso die Vereinigten Staaten, die einen Teil der finanziellen Lasten
dieser Unterbrechung des Verkehrs tragen. Es liegt daher in unserem
eigenen nationalen Interesse und auch im Interesse unserer Außenpolitik,
daß der Kanal so schnell wie möglich wieder in Betrieb- genommen wird.
Damit hängt eine große Zahl praktischer und psychologischer Probleme
zusammen, und wir sind überzeugt, daß wir dieses Ziel am ehesten erreichen, wenn wir den Generalsekretär der Vereinten Nationen unterstützen,
dem die oberste Verantwortung für diese Frage übertragen wurde. Ihm
stehen bewährte Ratgeber zur Seite. 7/ir stehen ihm mit unserem Rat
jederzeit zur Verfügung, wenn er ihn brauchen kann. Jedenfalls unterstützen wir Mr. Hamm«rskjöld in dieser Angelegenheit, da wir dies für

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�"AMERIKA DIENST"

9. Januar 1957

für den besten Y/eg halten, die Aufgabe zu bewältigen.
Frage: Herr Außenminister, nach Berichten westlicher Korrespondenten und Diplomaten in Moskau läßt sich die sowjetische Regierung anscheinend erneut von dem Gedanken leiten, daß die amerikanische Regierung in
Y'/ashington ein Wiederaufleben des Kalten Krieges wünscht und beabsichtigt.
Y/ürden Sie bitte darlegen, welche Politik die amerikanische Regierung
in dieser Frage tatsächlich verfolgt?
Antwort: Nun, ich kann ganz entschieden erklären, daß die Vereinigten Staaten kein "Y/iederauf leben des Kalten Krieges" wünschen. Selbstverständlich hat dieser Ausdruck "Kalter Krieg" einen etwas zweideutigen
Sinn, und ich glaube nicht, daß Sie eine Definition des Begriffs im
Webster oder im Oxford Dictionary finden werden. Es kommt also immer
auf die Definition an, wenn unklare Ausdrücke dieser Art benutzt werden.
Jedenfalls ist die Veränderung der Atmosphäre, die nach der Genfer Konferenz eingetreten ist, nicht auf irgendeinen mir bekannten Schritt der
Vereinigten Staaten zurückzuführen; sicherlich nicht auf einen Wunsch
unsererseits. Sie ist allein auf die Politik der Sowjets zurückzuführen.
Die Sowjets haben versucht, im Vorderen Orient Unruhe zu stiften; bei
den Suez-Konferenzen haben sie versucht, eine Regelung der Nah-Ostprobleme zu verhindern. Das Vorgehen des sowjetischen Außenministers
zielte offensichtlich stets darauf ab, eine Einigung zwischen Ägypten
und den Engländern und Franzosen nach Möglichkeit zu hintertreiben^
Und immer wenn man anscheinend kurz vor einer Einigung schien, war es
die sowjetische Regierung, die in dön arabischen Ländern einen Propagandafeldzug startete, in dem sie das geplante Abkommen bekämpfte und
diskreditierte und es damit für die arabischen Länder tatsächlich sehr
schwer machte, die Regelung zu akzeptieren. Und dann kennen wir ja alle
die tragischen Ereignisse, die sich in Ungarn abspielten. Ich darf wohl
noch hinzufügen, daß auf der Gipfelkonferenz in Genf eine eindeutige
Einigung erzielt wurde, daß Deutschland auf der Grundlage freier ..ahlen
wiedervereinigt werden solle. Die Vereinbarung wurde gebrochen. All
dies hat der. Eindruck erweckt, daß die Politik der Sowjets mit de;.;,
sie in Genf glauben machten, nicht recht in Einklang zu bringen
ist. Wenn man sieht, was in bezug auf die Genfer Abmachungen über Deutschland getan wurde, und wenn man die Politik im Nahen Osten und das Vorgehen in Ungarn betrachtet, dann sieht es nicht so aus, als wünschten
die Sowjets wirklich die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen
mit der freien Welt. Die Verantwortung hierfür aber trägt meiner Meinung
nach die Sowjetunion, denn wir haben unsererseits dies weder gewünscht
noch durch irgendwelche Machenschaften zu erreichen versucht.
Frage: Herr Außenminister, hat Großbritannien den Vereinigten
Staaten erklärt, daß es beabsichtigt, seine Truppenverpflichtungen für
die NATO um etwa 50 Prozent zu kürzen?
Antwort: Sowohl auf der NATO-Konferenz in Paris als auch anläßlich
einiger Besprechungen in engerem Kreise, die in Zusammenhang mit der
Tagung des NATO-Rates stattfanden, war davon die Rede, daß die gegenwärtige Lage eine Überprüfung der Stärke der von Großbritannien auf

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�•'AMERIKA DIENST"

9. Januar

1957

auf dem europäischen Kontinent stationierten Streitkräfte erfordere,
Sie werden sich vielleicht erinnern, daß damals, als die Briten diese
Zusagen bezüglich jener Streitkräfte machten, das heißt zur Zeit der
Londoner und Pariser Abmachungen und des Abschlusses oder besser der
Revision des Brüsseler Paktös, die Zusicherungen der Briten einen Hinweis auf gewisse finanzielle Erwägungen enthielten,die eine Überprüfung
dieser Zusicherungen rechtfertigen könnten. Und mir scheint, es besteht
die Auffassung, daß die finanzielle Lage Großbritanniens im gegenwärtigen Augenblick eine gewisse Überprüfung seiner Verpflichtung durchaus
rechtfertige. Diese Überprüfung wird zur Zeit vorgenommen. Bisher ist
aber noch keine Entscheidung darüber getroffen worden, was geschehen
wird.
Frage: Herr Außenminister, wir wissen, daß Frankreich und Großbritannien Roh- und Heizöl brauchen, und wir wissen, daß sie an Benzinmangel leiden. V/ir sind bereit, ihnen alles zu geben, was sie brauchen, und wir verfügen zur Zeit auch über überschüssigen Tankschiffräum
für den Transport. Warum haben sie nun unserer Regierung erklärt, daß
sie kein Benzin von uns nehmen wollen, obwohl bei ihnen Mangel daran
besteht?
Antwort: Nun, da kann ich ihnen sagen, daß Sie besser unterrichtet
sind als ich. ICh wußte bisher nicht, daß sie uns eine derartige Mitteilung gemacht haben.
Frage: Nun, wenn Sie nichts davon wissen, dann haben sie es vielleicht
auch nicht getan.
Antwort: Ich erhebe nicht den Anspruch, allwissend zu sein. Es geschehen eine Menge Dinge, von denen ich nichts weiß.
Frage: Man hat uns bei anderen Pressekonferenzen, die Vertreter
der Regierung abhielten, erklärt, Großbritannien und Frankreich wollten
kein Benzin.
Antwort: Es mag sein, daß sie in erster Linie Rohöl haben wollen.
Frage: Herr Außenminister, heute und vielleicht in diesem Augenblick soll Japan das 80. Mitglied der Vereinten Nationen werden.
Hätten Sie irgend etwas zu Japans künftiger Mitgliedschaft in der UNO
zu sagen?
Antwort: Ich erhielt eben die Mitteilung, daß Japan mit 77 Stimmen
bei keiner Gegenstimme Mitglied der Vereinten Nationen geworden ist.
Dies ist ein Ereignis, das die Vereinigten Staaten freudig begrüßen.
Wir haben dies seit einigen Jahren angestrebt. Der Weg war lang und
steinig, wegen des Vetos der Sowjetunion, das Japans Aufnahme lange
Zeit verhindert hat. Es ist Ihnen vielleicht bekannt, daß ich ein ganz
besonders reges Interesse für Japan hegej habe ich doch an der Aushandlung des Friedensvertrages mit Japan teilgenommen. Wir gaben damals
unserer Hoffnung Ausdruck, daß Japan schon bald in die Vereinten Nationen aufgenommen werde. Denn Japan hat ganz sicherlich ein Recht, seinen

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�"AMERIKA DIENST"

9. Januar 1957

seinen Platz in dieser Institution der Völkerfamilie einzunehmen. Wir
sind zuversichtlich, daß Japan durch seine Anwesenheit die Vereinten
Nationen stärken und daß es einen konstruktiven Beitrag leisten wird.
Somit ist es nicht nur ein Gewinn, auf den die Japaner einen Anspruch
haben und über den wir uns von Herzen freuen; es ist auch ein Gewinn für
die Vereinten Nationen, auf den diese einen Anspruch haben, und auch dies
ist etwas, worüber wir uns freuen.
Frage: Herr Außenminister, was halten Sie von dem jüngsten Vorschlag der Sowjetunion bezüglich der Aufnahme Rotchinas in die Vereinten Nationen?
Antwort: Nun, ich wünschte, dies wäre eine rein akademische Frage.
Die Vereinigten Staaten lehnen eine Aufnahme Rotchinas in die Vereinten
Nationen strikt ab. Ich glaube, ich brauche hier nicht alle Gründe
für diese Haltung anzuführen, doch scheint mir, es gibt ihrer eine
ganze Menge. Sie wurden bereits in der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Ausdruck gebracht, und wir haben unsere Ansicht
zu diesem Punkt nicht geändert.
Frage: Herr Außenminister, können Sie uns etwas Bestimmtes darüber sagen, welche Art Auslandshilfeprogramm zur Zeit erwogen wird, und
darüber, welche Bewilligungsanträge in diesem Zusammenhang dem Kongreß in seiner kommenden Sitzungsperiode zugeleitet werden sollen zum Beispiel wird es irgendeine Möglichkeit einer 'tfirtichaftshilfe
für Polen geben? Ist eine Bewilligungsvorlage für eine Art kleinen
Marshallplan für Westeuropa geplant?
Antwort: Ich bin nicht in der Lage, irgend etwas über den in
Vorbereitung befindlichen künftigen Haushaltsplan zu sagen. Es besteht
für sämtliche Ministerien ein striktes Verbot, sich zum Haushaltsplan zu äußern, solange er nicht vom Präsidenten gebilligt wurde und
den Mitgliedern des Kongresses bekanntgegeben werden kann. Soviel sei
aber hier gesagt, daß - abgesehen von den Einzelheiten des Haushaltsplanes und der Ausgabenpolitik der Regierung - es meiner Ansicht nach
allgemein bekannt ist, daß die Vereinigten Staaten mit der neuen
polnischen Regierung Verbindung aufgenommen haben, um festzustellen,
ob es irgendein für beide Seiten annehmbares Programm gibt, mit dem
wir Polen Unterstützung gewähren können , die zur Erhaltung seiner
zunehmenden Unabhängigkeit beizutragen vermag. Doch ist es unwahrscheinlich, daß der hierfür in Frage kommende Betrag den zur Zeit
in Ausarbeitung befindlichen Haushalt besonders belasten wird. Soviel
ich weiß, gibt es keinen Plan, der zur Zeit ausgearbeitet wird und
der so etwas wie einen "kleiner Marshallplan" darstellt.
Frage: Herr Außenminister, wollen Sie bitte versuchen, einen
Punkt hinsichtlich der militärischen Stärke in Europa zu klären. Sie
sagten heute morgen, daß wir gegen eine Reduzierung unserer militärischen Stärke sind und eine derartige Reduzierung auch nicht in Betracht
ziehen und daß wir die Trennungslinie durch Deutschland nicht hinnehmen
werden, daß aber diese Dinge eine mögliche Angleichung oder Anpassung

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Anpassung der Streitkräfte nicht ausschließen. Bedeutet dies aber,
daß wir auch einen Absug der Streitkräfte beider Seiten aus Deutschland mit dem Ziel der Wiedervereinigung Deutschlands nicht in Erwägung ziehen?
Antwort: Ich sehe zur Zeit nicht die geringste Wahrscheinlichkeit,
daß sich eine derartige Frage in der Praxis erheben könnte.
Frage: --Herr Außenminister, würden Sie einen Besuch Marschall Titos
in den Vereinigten Staaten in der nächsten Zukunft begrüßen?
Antwort: Nun, mir scheint, ein Besuch Marschall Titos wäre sehr
zweckdienlich. Es gibt Dinge, die dann mit Aussicht auf Erfolg besprochen
werden könnten. Wie Sie wissen, fuhr ich selbst im November vor einem
Jahr nach Brioni und sprach dort mit Marschall Tito, und wie ich feststellte, hat sich die Unterredung durchaus gelohnt. Es hat sich jjezeigt,
daß es sehr nützlich war, über manche Dinge zu sprechen und daß Marschall
Tito viele Probleme der Satellitenländer versteht, was dann durch die
folgenden Ereignisse bestätigt wurde. Meiner Ansicht nach war diese
Unterredung sehr nutzbringend, und ich glaube, daß sich solche Besprechungen auf höchster Ebene als ebenso nutzbringend erweisen würden.
Frage: Ist bereits eine Entscheidung über eine Einladung an Marschall Tito getroffen worden?
Antwort: Nun, eine derartige Einladung wird zur Zeit mit Wohlwollen erwogen, doch ist es bisher noch nicht zu einer formellen Einladung zu einem festen Zeitpunkt gekommen, und wir wissen auch nicht,
ob dieser Gedanke sich je verwirklichen wird. Im derzeitigen Stadium
ist, könnte man sagen, in bezug auf den Besuch Marschall Titos alles
noch im Fluß.
Frage: Herr Außenminister - in Europa scheint das Gefühl noch immer
nicht ganz geschwunden zu sein, wir hätten auf die Engländer, Franzosen
und Israelis einen sehr starken Drück ausgeübt, daß sie sich den Beschlüssen der Vereinten Nationen fügen, während wir die Ägypter nicht
ebenso unter Druck gesetzt hätten, damit sie an der Lösung des Kanalproblems auf weite Sicht und an der Frage der Beseitigung der Hindernisse im Kanal konstruktiv mitarbeiten. Was können äie speziell zu diesem Punkt sagen, und welchen Standpunkt nimmt die Regierung der Vereinigten Staaten in der Frage ein, ob die Räumungsarbeiten im Kanal
noch vor Beendigung des Abzugs fremder Truppen aus Ägypten in Angriff
genommen werden sollen?
Antwort: Nun, was den letzten Punkt betrifft, so würde ich sagen,
daß in gewissem Sinne die Aufräumungsarbeiten am Kanal bereits im
Gange sind. Sie sind natürlich schon seit einiger Zeit in jenem Teil
des Kanals im Gang, der unter britischer und französischer Kontrolle
steht beziehungsweise stand. Auch in dem anderen Teil des Kanals haben
sie begonnen, denn dort werden jetzt die technischen Vorarbeiten geleistet, die den eigentlichen Aufräumungsarbeiten vorausgehen müssen.
Man weiß jetzt, wo sich die Hindernisse befinden, welcher Art diese

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diese Hindernisse sind, man ist daran gegangen, Pläne auszuarbeiten,
wie man sie aus dem Wege zu räumen gedenk't, ob sie ganz zu entfernen
oder nur beiseite zu räumen sind, kurzum,was überhaupt geschehen soll.
Eine gewisse Planung muß unbedingt der praktischen Inangriffnahme des
Problems vorausgehen. In dieser Phase befinden wir uns jetzt, und die
Leitung hat General Wheeler. Und ich glaube, daß die Arbeit dann nach
Beendigung des Abzugs ddr- Engländer und Franzosen ohne Unterbrechung
weitergehen wird.
Die Frage, ob britische Einheiten dort eingesetzt werden oder
nicht, ist ein höchst kompliziertes Problem; aber ich glaube nicht,
daß es zu einer ernstlichen Unterbrechung der Arbeiten kommt, da, wie
ich schon sagte, zunächst einmal diese vorbereitenden technischen
Erkundungen und Planungen duröhgeführt werden müssen.
Frage: Herr Außenminister, Sie haben heute vom militärischen Kräfteverhältnis gesprochen, von der geplanten Antwort der amerikanischen Regierung auf den Brief Bulganins sowie von den Beratungen mit unseren
NATO-Verbündeten in Paris. Werden, wir jetzt zu diesem nach Ansicht mancher Leute für die freie Welt günstigen Zeitpunkt die Initiative ergreifen oder sind irgendwelche aufsehenerregenden neuen Vorschläge in
Vorbereitung?
Antwort: Nun, ich möchte unsere Pläne nicht gerade als aufsehenerregend oder neu in diesem Sinne bezeichnen. Die Dinge nehmen ihren
Lauf. Wir sind sehr zuversichtlich, daß die Entwicklung zu einer bedeutsamen Veränderung der weltpolitischen Lage führen wird. Ich bezweifle, daß diese von uns erhoffte Änderung durch irgend etwas Aufsehenerregendes vorweggenommen werden könnte.
Ich habe schon angedeutet, daß die Vereinigten Staaten sehr aufgeschlossen allen Vorschlägen gegenüber stehen, die hinsichtlich der
Stellung der Satellitenländer - sei es nun deren Neutralisierung oder
etwas anderes - vorgebracht werden und die, so möchte ich hoffen, dazu
angetan sind, alle Befürchtungen der Sowjetunion zu zerstreuen, daß
sie sich selbst materiell oder militärisch gefährdet, wenn sie dieser
Entwicklung zur Unabhängigkeit Vorschub leistet.
Dies ist nun eine grundsätzliche politische Einstellung, zu der
sich Präsident Eisenhower und ich schon seit längerer Zeit bekennen.
Sie wurde nicht weiter entwickelt, da sie keinen besonderen Widerhall
gefunden hat. Aber ich hoffe doch, daß wir vielleicht durch diese
Gedankengänge irgendwann einmal dazu beitragen können, eine Situation
zu schaffen, die für alle, auch für die Sowjetunion, günstiger ist.
Ich glaube, es war vor etwa sechs Monaten, als ich mit einem der
führenden Männer in Europa sprach, der die Situation in den Satellitenländern sehr gut zu beurteilen vermochte. Und er sagte mir damals:
"Es ist sehr wichtig, daß sich die Lage in den Satellitenstaaten so
entwickelt, daß die Sowjetunion von ihr freundlich gesinnten Ländern
umgeben ist." Barauf erklärte ich: "Wir wollen durchaus nicht, daß die
Sowjetunion Länder zu Nachbarn hat, die ihr nicht freundlich gesinnt
sind". "Aber", so fuhr ich fort, "dies ist nicht eine Angelegenheit, die

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die wir entscheidend beeinflussen könnten, ebensowenig wie dies die
Sowjetunion kann". Weiter sagte ich: "Wenn sie nicht bald etwas tut,
wird sie feststellen müssen, daß sie von immer mehr ihnen unfreundlich gesonnenen Völkern und daher schließlich auch von ihnen unfreundlich gesonnenen Regierungen umgeben ist. Sie muß schnell handeln, andernfalls wird sie von den Ereignissen überrumpelt werden".
Das sagte ich vor sechs Monaten. Und so ist es dann auöh gekommen, aber nicht deshalb, weil die Vereinigten Staaten dies so gewollt hätten. Wir hätten lieber eine vollständigere und geordnetere
Entwicklung gesehen, und wir sind jederzeit bereit, so klar wie
irgend möglich zum Ausdruck zu bringen, daß die Vereinigten Staaten
nicht den Wunsch haben.aus dieser Situation im Rahmen irgendeines
gegen die Sowjetunion gerichteten Programms Kapital zu schlagen.
Frage: Darf man also aus Ihren Äußerungen bezüglich der Satellitenländerr schließen, Mr. Dulles, daß die Regierung der Vereinigten
Staaten der Ansicht ist, es handle sich hier im wesentlichen um ein
ausschließlich sowjetisches Problem, daß wir nicht bereit sind, #it
den Russen über die Stellung der Satellitenländer öder ihrer Streitkräfte in bezug auf die Streitkräfte der Westmächte in Westeuropa
zu sprechen?
Antwort: Die Sowjetunion hat immer die Meinung vertreten, daß
sie mit dieser Angelegenheit allein fertig werden könnte, und daß
dies keine Sache sei, die sie mit uns zu besprechen gedächte. Sie
werden sich erinnern, daß auf der Konferenz der Regierungschefs
Präsident Eisenhower dieses Problem in seiner Eröffnungsansprache
anschnitt, und Bulganin als Vorsitzender in seiner Antwort seinerseits
erklärte: "Dies ist eine Angelegenheit, mit der wir allein fertig
werden, und wir lassen uns darüber mit niemanden in irgendwelche
Diskussionen ein". So hat
sie sich selbst entschieden. Falls die
Sowjetunion einmal eine detailliertere offizielle Darlegung unserer
Ansichten wünschen sollte, so würden wir diese jederzeit gerne geben.
Frage: Aber in dem Bulganin-Brief, im letzten Brief Bulganins,
wurde doch auf die Möglichkeit eines Zusammenhanges zwischen dem System
des Warschauer Paktes und der NATO hingewiesen. Würden Sie darin eine
Verhandlungsgrundlage sehen?
Antwort: Nicht in dem Sinne, daß Warschauer Pakt und NATO gleicht
gesetzt werden, nein. Dies ist nicht der Rahmen, in dem meiner Ansicht
nach das Problem besprochen werden sollte; da der Warschauer Pakt etwas völlig anderes ist als die NATO, möchten wir diesen Warschauer
Pakt, der in Wirklichkeit gar kein Mittel zur Schaffung einer gemeinsamen Sicherheit für diese Länder, sondern vielmehr ein Mittel zur
Verewigung der sowjetischen Kontrolle über diese Länder ist, nicht
anerkennen oder den Anschein erwecken, daß wir ihn sanktionieren.

Fraget

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"AMERIKA DIENST"

,

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y

— ^ Frage: Herr Außenminister, besteht Ihrer Ansicht nach in absehbarer
Zeit "'fitaffnung auf -eine friedliche Regelung zwischen Israel und seinen
arabische^ Nachbarn, besonders Ägypten, angesichts der konstanten Weigerung dieser Nachbarstaaten, die Souveränität Israels anzuerkennen;
wenn ja, v'ie könnten die Vereinigten Staaten eine friedliche Entwicklung
fördern?
V

Antwort: Sicherlich hoffen die Vereinigten Staaten auf eine Lösung der
politischen Probleme, der wirtschaftlichen Probleme, der Flüchtlingsprobleme und ähnlicher Fragen in diesem Raum. Unsere Grundeinstellung
bleibt dasei im wesentlichen dieselbe - das heißt, ich glaube, ich
kann sagen, *%ie bleibt dieselbe - wie ich zu diesem Thema bereits in
meiner Rede 4n: 26. August vergangenen Jahres (1955) ausgeführt habe.
Natürlich fragen unsere Hoffnungen durch die Ereignisse in der Zwischenzeit eine ziemliche Dämpfung erfahren. Und im Augenblick ist die Atmosphäre,
so fürchte i0;h, auch nicht gerade dazu angetan, in Bälde eine derartige
Lösung zu ef3-eichen. Jedenfalls werden die Vereinigten Staaten ihre
Bemühungen i^rtsetzen, eine Lösung in der in meiner Erklärung vom 26.
August angedeuteten Richtung herbeizuführen.

* * * * *

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�M E R I K A

D I E N S T

EISENHOWER FORDERT VOM KQKGRESS VOLLMACHTEN ZUM
SCHUTZ DER MITTELOSTSTAATEN

DULLES ERLÄUTERT MITTELOSTPLAN PRÄSIDENT EISENHÜ.

�V M E R I K A

D I E N S T

EISENHOWER FORDERT VOLLMACHTEN ZUM SCHUTZ DER MITTELOSTSTAATEN

Washington - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut der
Mittelost-Botschaft, die Präsident
Eisenhower am 5 • Januar 1957 d-ern amerikanischen Kongreß in einer Sondersitzung unterbreitete.

"An den Kongreß der Vereinigten Staaten
Zunächst darf ich Ihnen allen meinen tiefen Dank dafür zum
Ausdruck bringen, daß Sie mir trotz mancher für Sie entstehender Unbequemlichkeiten so entgegengekommen sind und mir eine
so baldige Gelegenheit geben, mich in einer Angelegenheit an
Sie zu wenden, die nach meiner Überzeugung von ernster Bedeutung für unser Land ist.
In meiner bevorstehenden Botschaft über die Lage der Nation
werde ich die internationale Situation im allgemeinen umreißen.
Wir dürfen mit einigem Recht große Hoffnungen haben; es gibt
aber auch eine weltweite Verantwortung, die wir übernehmen müssen,
um sicher zu gehen, daß die Freiheit - einschließlich der unsrigen - gesichert wird.
Im Mittleren Osten existiert jedoch eine besondere Situation, die ich Ihnen, wie ich glaube, gerade jetzt darlegen sollte.
Ehe ich dies jedoch tue, sollten wir uns daran erinnern,
daß das grundsätzliche Ziel, das wir in der Weltpolitik verfolgen, weiterhin der Friede bleibt - ein auf Gerechtigkeit gegründeter Weltfriede. Ein derartiger Friede muß alle Gebiete
und alle Völker der Welt umspannen, wenn er von Dauer sein soll.
Es gibt keine Nation, groß oder klein, mit der wir nicht in
beiderseitigem guten Glauben, mit Geduld und der Entschlossenheit,
ein besseres Verständnis zwischen uns zu gewährleisten, verhandeln würden. Aus einem solchen Verständnis heraus muß und wird
am Ende Zutrauen und Vertrauen erwachsen, die unerläßlich für
ein Programm df Friedens und für alle Pläne sind, die Last der
kostspieligen Rüstungen von uns allen zu nehmen. Um diesen Zielen
näher zu kommen, arbeitet unsere Regierung unermüdlich, Tag für
Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Aber bis unsere Bemühungen
von einem gewissen Maß an Erfolg gekrönt sind, das allen Nationen eine friedliche Existenz sichern wird, müssen wir im Interesse des Friedens selbst wachsam, auf der Hut und stark bleiben.
Der
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9. Januar 1957

Der Mittlere Osten hat in seiner langen und bedeutsamen Geschichte ganz plötzlich ein neues und kritisches Stadium erreicht.
Zahlreiche Länder in diesem Gebiet wurden in den vergangenen Jahrzehnten nicht völlig selbstregiert. Andere Nationen übten dort beachtliche Vollmachten in dieser Hinsicht aus, und die Sicherheit des Gebietes wurde weitgehend auf ihrer Stärke aufgebaut. Seit dem ersten
Weltkrieg jedoch fand eine stetige Evolution zur Selbstregierung und
Unabhängigkeit statt. Die Vereinigten Staaten haben diese Entwicklung
begrüßt und ermutigt. Unser Land unterstützt rückhaltlos die völlige
Souveränität und Unabhängigkeit jeder einzelnen Nation im Mittleren
Osten.
Die Evolution in Richtung auf die Unabhängigkeit wickelte sich
im wesentlichen als ein friedlicher Prozeß ab. Allerdings wurde dieses
Gebiet häufig von Unruhen heimgesucht. Ständiges gegenseitiges Mißtrauen und Furcht voreinander sowie Überfälle über die Landesgrenzen
hinaus haben in einem großen Teil des Mittleren Ostens zu einem hohen
Maß an Unsicherheit geführt. Erst vor kurzem kam es zu Feindseligkeiten, in die auch Westeuropäische Länder verwickelt waren, die einst
einen großen Einfluß in diesem Gebiet ausübten. Ferner hat der verhältnismäßig großangelegte Angriff Israels im Oktober die grundlegenden Differenzen zwischen diesem Land und seinen arabischen Nachbarn
verschärft. Diese ganze Unsicherheit wurde durch den internationalen
Kommunismus noch vergrößert und zeitweilig wesentlich genährt.
Seit langem haben die russischen Machthaber danach getrachtet,
den Mittleren Osten zu beherrschen. Das galt von den Zaren und trifft
ebenso auf die Bolschewisten zu. Die Gründe hierfür sind unschwer zu
finden. Sie betreffen nicht die Sicherheit Rußlands, da niemand die
Absicht hat, den Mittleren Osten als eine Basis für einen gegen Rußland gerichteten Angriff zu benutzen. Nicht einen Augenblick lang
haben die Vereinigten Staaten einen derartigen Gedanken gehegt.
Die Sowjetunion hat von den Vereinigten Staaten weder im Mittleren Osten noch sonstwo in der Welt überhaupt etv/as zu befürchten,
solange ihre Machthaber nicht als erste einen Angriff auslösen.
Ich gebe diese Erklärung mit aller Eindringlichkeit und Feierlichkeit ab. Der Wunsch Rußlands nach einer Beherrschung des Mittleren Ostens entspricht auch nicht seinem eigenen Wirtschaftsinteresse in diesem Gebiet. Rußland benutzt weder den Suezkanal in
nennenswertem Umfang noch hängt es von ihm ab. Im Jahre 1955 betrug
der sowjetische Anteil an dem gesamten Durchgangsverkehr durch den
Kanal nur drei Viertel Prozent. Die Sowjets Brauchen aber auch weder
die Erdölquellen, die den wichtigsten natürlichen Reichtum dieses
Gebietes darstellen, noch können sie dafür einen Absatzmarkt bieten.
Vielmehr ist die Sowjetunion selbst ein bedeutender Exporteur von
Erdölprodukten«
Der Grund für das Interesse Rußlands am Mittleren Osten liegt
vielmehr einzig in der Machtpolitik» Zieht man das von Moskau verkündete Ziel der kommunistischen Weltherrschaft in Betracht, so
ist seine Hoffnung auf eine Beherrschung des Mittleren Ostens leicht
zu verstehen.
Dieses
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9. Januar 1957

Dieses Gebiet ist immer der Knotenpunkt der Kontinente in der
östlichen Hemisphäre gewesen. Der Suezkanal ermöglicht den Nationen
Asiens und Europas, den Handel zu treiben, der notwendig ist, wenn
diese Länder eine wohlausgeglichene und florierende Wirtschaft aufrechterhalten wollen. Der Mittlere Osten schlägt eine Brücke zwischen
dem europäischen Kontinent und Afrika.
Er birgt rund zwei Drittel der gegenwärtig bekannten Erdölvorkommen in der Welt und befriedigt den normalen Erdölbedarf zahlreicher
Nationen in Europa, Asien und Afrika. Vor allem die europäischen
Länder sind von diesen Lieferungen abhängig, und diese Abhängigkeit
trifft sowohl auf den Transport wie auf die Produktion zu. Dies ist
seit der Schließung des Suezkanals und einiger Ölleitungen besonders
deutlich geworden. Wenn notwendig, können andere Transportwege und
sogar andere Energiequellen entwickelt werden. Aber diese Alternativen
lassen sich nicht in naher Zukunft verwirklichen.
Diese Dinge unterstreichen die ungeheuere Bedeutung des Mittleren
Ostens. Wenn die Nationen dieses Gebietes ihre Unabhängigkeit verlieren sollten, wenn sie von ausländischen, ihrer eigenen Freiheit
feindlich gegenüberstehenden Kräften beherrscht würden, so würde dies
sowohl für dieses Gebiet als auch für die zahlreichen anderen freien
Nationen eine Tragödie bedeuten, deren Wirtschaftsleben dann nahezu
abgewürgt werden könnte. Westeuropa wäre so gefährdet, als ob es
keinen Marshallplan, keine Nordatlantikpaktorganisation gegeben hätte.
Die freien Nationen in Asien und Afrika wären ebenfalls ernsthaft gefährdet. Und die Länder des Mittleren Ostens würden die Absatzmärkte verlieren, von denen ihre Volkswirtschaften abhängig sind. Alles dies
würde äußerst abträgliche, wenn nicht gar verheerende Auswirkungen
auf das Wirtschaftsleben unseres eigenen Landes und auf die politischen
Zukunftsaussichten haben.
Aber es gibt noch andere Faktoren, die über das Materielle hinausgehen. Der Mittlere Osten ist die Geburtsstätte dreier großer Religionen
- der mohammedanischen, der christlichen und der jüdischen. Mekka und
Jerusalem sind mehr als lediglich Orte auf der Landkarte. Sie symbolisieren Religionen, welche lehren, daß der Geist über der Materie
steht und daß das Individuum Würde besitzt und Rechte hat, die keine
despotische Regierung ihm unter irgendeinem Rechtsanspruch rauben
kann. Es wäre unerträglich, wenn die heiligen Stätten des Mittleren
Ostens einer Herrschaft unterworfen würden, die den atheistischen
Materialismus verherrlicht.
Natürlich

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9. Januar

1957

Natürlich versucht der internationale Kommunismus, seine Herrschaftsziele dadurch zu maskieren, daß er Erklärungen des guten Willens abgibt
und auf den ersten Blick verlockende Angebote auf politische, wirtschaftliche und militärische Hilfe macht. Aber jede freie Nation, die den
sowjetischen Verlockungen ausgesetzt ist, sollte in elementarer Klugheit sehen, was hinter dieser Maske steckt.
Erinnern wir uns an Estland, Lettland und Litauen. Im Jahre 1959
schloß die Sowjetunion gegenseitige Beistandspakte mit diesen unabhängigen Ländern ab, und im Oktober 1939 erklärte der sowjetische Außenminister auf der fünften Sondersitzung des Obersten Sowjet feierlich vor
aller Öffentlichkeit, daß 'wir für die gewissenhafte und genaue Einhaltung der Pakte auf der Grundlage völliger Gegenseitigkeit eintreten,
und wir erklären, daß das ganze unsinnige Gerede über die Sowjetisierung
der baltischen Staaten nur im Interesse unserer gemeinsamen Feinde
und aller antisowjetischen Provokateure liegt.1
Doch im Jahre 1940 wurden Estland, Lettland und Litauen mit Gewalt in die Sowjetunion eingegliedert.
Die sowjetische Kontrolle über die Satellitenstaaten Osteuropas
wurde trotz feierlicher gegenseitiger Versprechen, die während des
zweiten Weltkrieges gegeben wurden, weiterhin mit Zwang aufrechterhalten.
Stalins Tod gab Hoffnung, daß sich dieses Schema ändern würde.
Wir lasen das feierliche, im Warschauer Pakt vom Jahre 1955 gegebene
Versprechen, daß die Sowjetunion in den Satellitenstaaten ' Die Grundsätze der gegenseitigen Achtung ihrer Unabhängigkeit und Souveränität
und der Nichteinmischung in ihre inneren Angelegenheiten1 beachten
würde. Aber wir wurden gerade erst Zeuge der Unterjochung Ungarns
durch nackte Waffengewalt. Als Folge dieser ungarischen Tragödie
sind die Achtung der Welt für und ihr Glauben an die sowjetischen
Versprechen auf einen neuen Tiefstand gesunken. Der Weltkommunismus
braucht und sucht einen sichtbaren Erfolg.
Wir stehen also folgenden einfachen und unzweifelhaften Tatsachen gegenüber:
Erstens: Der Mittlere Osten, der immer von Rußland begehrt worden
ist, würde heute mehr denn je zu einer Beute des internationalen
Kommunismus werden.
Zweitens: Die sowjetischen Machthaber zeigen weiterhin, daß sie
keine Skrupel haben, jedes Mittel zur Erreichung dieses Ziels einzusetzen.
Drittens: Die freien Länder im Mittleren Osten benötigen zusätzliche Stärke, damit sie ihre Unabhängigkeit weiterhin sicherstellen
können, und die meisten von ihnen wollen dies auch.
Unsere

�9. Januar

"AMERIKA DIENST

1957

Unsere Gedanken wenden sich ganz folgerichtig den Vereinten
Nationen als einem Beschützer der kleinen Nationen zu. Ihre Charta
überträgt der Weltorganisation die Hauptverantwortung für die Erhaltung
des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit. Unser Land hat
den Vereinten Nationen, was die Feindseligkeiten in Ungarn und in
Ägypten anbetrifft, seine volle Unterstützung gegeben. Die Vereinten
Nationen konnten eine Feuereinstellung und einen Abzug der feindlichen
Truppen aus Ägypten erreichen, weil sie es hier mit Regierungen und
Völkern zu tun hatten, die der Weltmeinung, wie sie in der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Ausdruck kam, einen angemessenen
Respekt zollten. Im Falle Ungarns jedoch war die Lage anders. Die Sowjetunion legte gegen Beschlüsse des Sicherheitsrates, den Abzug der bewaffneten sowjetischen Streitkräfte zu fordern, ihr Veto ein. Und sie zeigte
sich den Empfehlungen der Generalversammlung, ja sogar ihrem Tadel gegenüber, empfindungslos und indifferent. Die Vereinten Nationen können
immer Hilfe bringen, sie können jedoch nicht ein völlig zuverlässiger
Beschützer der Freiheit sein, wenn die ehrgeizigen Zielsetzungen der
Sowjetunion im Spiele sind»
Aus all den Umständen, die ich Ihnen hier dargelegt habe, erwächst
jetzt eine größere Verantwortung für die Vereinigten Staaten. Wir haben
in unmissverstähdlicher Weise unser Eintreten für den Grundsatz deutlich gemacht, daß auf internationaler Ebene die Gewalt nicht für irgendeinen aggressiven Zweck angewandt werden darf und daß die Integrität
und die Unabhängigkeit der Staaten des Mittleren Ostens unverletzlich
sein müssen. Selten in der Geschichte ist die Hingabe einer Nation an
ein Prinzip so schweren Prüfungen unterzogen worden wie die unsrige
während der vergangenen Wochen.
Sowohl im Mittleren Osten als auch andorswo wird allgemein anerkannt, daß die Vereinigten Staaten weder eine politische noch eine
wirtschaftliche Beherrschung irgendeines Volkes anstreben.
Unser Wunsch ist eine Welt, die in Freiheit und nicht in Sklaverei
lebt. Andererseits sind viele - wenn nicht alle - Nationen des Mittleren Ostens sich über die Gefahr im klaren, die von dem internationalen Kommunismus ausgeht, und begrüßen eine engere Zusammenarbeit mit
den Vereinigten Staaten, damit für sie die von den Vereinten Nationen
proklamierten Ziele der Unabhängigkeit, des wirtschaftlichen Wohlstandes
und des geistigen Wachstums verwirklicht werden.
Wenn der Mittlere Osten seine geographische Rolle bewahren soll,
den Osten und Westen mehr zu einigen als zu trennen, wenn seine ungeheueren wirtschaftlichen Hilfsquellen der Wohlfahrt der dort lebenden
Völker wie der anderen Nationen dienen sollen, und wenn seine Kulturen
und Religionen sowie heiligen Stätten für die geistige Erbauung der
Völker erhalten werden sollen, dann müssen die Vereinigten Staaten ihre
Bereitschaft, die Unabhängigkeit der freiheitsliebenden Nationen in dem
Gebiet zu unterstützen, noch deutlicher formulieren. Unter diesen Umständen halte ich es für erforderlich, um die Mitarbeit des Kongresses
zu ersuchen. Denn nur durch diese Zusammenarbeit können wir die Zusicherungen geben, die für eine Abschreckung vor einer Aggression notwendig

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9. Januar

1957

notwendig sind, nur so können wir jenen Mut und Vertrauen einflößen,
die sich der Freiheit verschrieben haben, und nur so können wir daher
eine Kette von Ereignissen verhindern, die die gesamte freie Welt in
ernsthafte Gefahr bringen würden.
Die Vereinigten Staaten haben in bezug auf den Mittleren Osten
verschiedene Regierungserklärungen abgegeben. Da ist einmal die
Dreimächteerklärung vom 25. Mai 1950» der dann die Zusicherung des
Präsidenten an den König von Saudi-Arabien vom 31. Oktober 1950
folgte. Ferner ist zu nennen die am 9» April 1956 vom Präsidenten
abgegebene Erklärung, daß die Vereinigten Staaten im Rahmen ihrer
verfassungsmäßigen Bestimmungen jeder Aggression in diesem Gebiet
Widerstand entgegensetzen würden, außerdem unsere Erklärung vom
29. November 195^, daß eine Bedrohung der territorialen Integrität
oder der politischen Unabhängigkeit Persiens, des Irak, Pakistans
oder der Türkei von den Vereinigten Staaten als außerordentlich ernst
angesehen werden würde.
Trotzdem bringen die Schwächen in der derzeitigen Situation
und die wachsende Gefahr, die vom internationalen Kommunismus ausgeht, mich zu der Überzeugung, daß die grundsätzliche amerikanische
Politik nunmehr ihren Ausdruck in einer gemeinsamen Aktion des Kongresses und der Regierung finden sollte. Weiterhin sollte unser gemeinsamer Entschluß so formuliert werden, daß daraus klar hervorgeht,
daß hinter unseren Worten, wenn notwendig, auch Taten stehen werden.
Es ist nichts Neues, wenn der Präsident und der Kongreß gemeinsam
feststellen, daß die nationale Integrität der übrigen freien Nationen
in direktem Zusammenhang mit unserer eigenen Sicherheit steht.
Wir handelten gemeinsam, um das Sicherheitssystem der Vereinten
Nationen aufzubauen und zu unterstützen. Wir haben das kollektive Sicherheitssystem der Vereinten Nationen durch eine Reihe kollektiver
Verteidigungsvereinbarungen noch verstärkt. Wir haben heute Sicherheitspakte mit 42 anderen Nationen, die zur Einsicht gelangt sind, daß
Frieden und Sicherheit für sie und für uns untrennbar miteinander verbunden sind. Wir handelten gemeinsam, um entscheidende Maßnahmen in
bezug auf Griechenland und die Türkei und in bezug auf Formosa zu
ergreifen.
Auf diese Weise haben die Vereinigten Staaten durch gemeinsame
Maßnahmen des Präsidenten und des Kongresses oder im Falle von Verträgen des Senates in zahlreichen gefährdeten Gebieten ihre Ziele manifestiert, freie und unabhängige Regierungen - und den Frieden - gegen
die Bedrohung von außen, vor allem gegen die Bedrohung durch den inter
nationalen Kommunismus, zu unterstützen. Hierdurch haben wir mit dazu
beigetragen, in einer Zeit großer Gefahren Frieden und Sicherheit zu
erhalten. Es ist nunmehr unerlässlich, daß die Vereinigten Staaten
durch gemeinsame Maßnahmen des Präsidenten und des Kongresses ihre
Entschlossenheit zum Ausdruck bringen, den Nationen im Gebiet des
Mittleren Ostens zu helfen, die diese Hilfe begehren.
Die von mir vorgeschlagenen Maßnahmen würden auf folgendes hinauslaufen:
0.

�9* Januar 1957

"AMERIKA DIENS..

I
Sie würden in erster Linie die Vereinigten Staaten ermächtigen,
mit jedem einzelne:;. Lana una jeder Gruppe von Ländern im Gebiet des
Mittleren Ostens bt
Lern Aufbau ei ner wirtschaftlichen Stärke zusammen»
zuarbeiten, Wie sie für die Erhaltung der nationalen Unabhängigkeit
notwendig isi
Sie wür^ e n &amp;wei .os iie Regierung ermächtigen, in diesem Raum
Programme uer mili*
sehen UrteTstützung und Zusammenarbeit mit
jedem Staate ""i^r j j?r Star.tt ,'•• pe durchzuführen, di« eine : lche
Hixfe wünschen.
Sie würden dritten;; die E rn scitigung enthalten., daß eine solche
Unterstützung v.ind Zusammen,, bei t &lt;. en Einsatz der Streitkräfte der
Vereinigten ^ aaten zur Sicherung und zum Sc) M
.-jr territorialen Inten
grität und &lt;ier politischen Una • ht: igigkeit a ler ei . derartige Hilfe
anforderndem Nationen vor einem offenen bev,afj;r.
:i Angriff seitens
irgendeines vom internationalen Kommunisn o '
jllierten Staates
einschließt,
Diese Maßnahmen würden mit den vertraglichen Verpflichtungen
der Vereinigten S -aaten, einschließlich der Cnarta der Vereinten
Nationen, sowie mit den Beschlüssen oder Empfehlungen der Weltorganisation übereinstiiZimen müssen.
Sie würden außerdem im ISallt. sines bewaffneten Angriffs der
Zustimmung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen als oberster Autorität in Übereirts/timmung mit uer UN-Charta unterliegen.
Der gegenwärtige Vc&amp;rsohiag würde viertens den Präsidenten ermächtigen, für wirtschatftliche sowie auf die Verteidigung ausgerichtete militärische/Zwecke Geldmittel einzusetzen, die im Rahmen des
Gesetzes über die gemeinsame Sicherheit vom Jahre 1954 in seiner erweiterten Form zur Verfügung stehen, una zwar ohne Rücksicht auf bestehende Begrenzungen.
Die gesetzgeberische Maßnahme, um die hier ersucht wird, sollte
jedoch nicht die Ermächtigung oder Bewilligung von Mitteln einschließen,
da ich glaube, laß unter den von mir genannten Bedingungen die zur Zeit
bewilligten Geldmittel für den Rest des derzeitigen Haushaltsjahres,
das am 30. Juni endet, ausreichen. Ich werde jedoch in einer weiteren
Gesetzesvorlage um die Ermächtigung von 200 Millionen Dollar ersuchen,
die für jedes der beiden Haushaltsjahre 1958 und 1959 zur Verfügung
gestellt und nach Ermessen in diesem Gebiet verwendet werden sollen,
und zwar zusätzlich zu d.en anderen gemeinsamen Sicherheitsprogrammen
für das Mittelostgebiet, die vom Kongreß künftig vorgesehen werden.
Dieses Programm wird nicht alle Probleme des Mittleren Ostens
lösen. Es stellt auch nicht die Gesamtheit unserer Politik für jenen
Rau"i n a r. Da sind das Problem Palästinas und der Beziehungen zwischen
Tsra J und den arabischen Staaten sowie das Problem der Zukunft der
ar ,^i sehen Flüchtlinge und das Problem, welchen Status der Suezkanal
in Zukunft erhalten soll. Diese Schwierigkeiten werden durch den
internatiora^-u Kommunismus vergrößert, sie würden jedoch auch ohne
diese Bedrohung bestehen. Es ist nicht der Zweck des von mir vorgeschlagenen Gesetzes, sich mit diesen Problemen direkt auseinanderzusetzen. Die Vereinten Nationen haben sich in all diese Dinge aktiv

�\

"AMERIKA DIENST"

9. Januar 1957

aktiv eingeschaltet, und wir unterstützen die Vereinten Nationen.
Die Vereinigten Staaten haben vor allem in der Rede von Außenminister
Dulles am 26. August 1955 klargemacht, daß wir bereit sind, die
Vereinten Nationen 1 ei der Lösung der grundlegenden Probleme Palästinas
tatkräftig ?u unte - .ützei ,
Das vorgesc*-". ,.,. ,fe C-esetz soll sich in erster Linie mit der
Möglichkeit ei -1" ' -:L .istischen Aggression, der direkten wie auch
der indirekten, L-vj ..-srn. Es besteht die zwingende Notwendigkeit
für einen Ausgl ich j^der etwa fehlenden Stärke in diesem Gebiet,
nicht durch ausi ndische oder fremde Macht, sondern durch vermehrte
Stärke und Siehe. it der unabhängigen Nationen dieses Gebietes.
Die Erfahrung zeigt, daß eine indirekte Aggression selten, wenn
überhaupt jemals Erfolg hat, sofern eine annehmbare Sicherheit vor
einer direkten Aggression besteht, sofern die Regierung über loyale
Sicherheitsstreitkräfte verfügt und sofern die wirtschaftlichen Bc=
dingungen dergestalt sind&gt; daß sie den Kommunismus nicht zu einer
attraktiven Alternative- irachen. Das von mir vorgeschlagene Programm
befaßt sich mit allen drei Aspekten diec"r' Problems und somit auch
mit dem Problem der indirekten Aggr?ssior .
Ich glaube und ho ffe, gerade ^ e Ta;sache
.•
Jhse"rV ^ZTeTLSetzungen bekanntgemac;ht werden, wie die lia uese^tzesvorlage vor=
schlägt, wird dazu die/nen, jeder geplanter fu^gre-ssion Einhalt zu
gebieten. V/ir werden d
..ue Pai-ioten ermutigen, die sich der
Unabhängigkeit ihrer Nationen verschrieben ha"« ~n,,. Sie werden
nicht das Gefühl habe ., &gt;-^ _-;.-- angesichts dfx "jrohung einer
Großmacht alleinsteheu, fTipr r -v'- -oh hin z vi «gen, daß der Patriotismus
gerade in diesem ges£Q'ct'• •••^n;;, mächtigen Gefühlsfaktor darstellt. Es i
'«ihr, 3-*'ß i_~
häufig ein echtes patriotisches Gefühl
zu Fanatismus eulölö'Ht und a.Li- Möglichkeit ' egünstigt, von außen
kommenden gefährlichen Lockung n 7U erlieft » Wenn aber jene Furch*
gemildert werden ka&gt;ln&gt; dann wii..&lt;i e j. n Klima entstehen, das die Verwirklichung würdiger nationaler Zi&lt;yie begünrstigt.
Es wird ferner, wie ich bt&gt; reits --gedeutet
habe, für uns notwendig sein, wirtschaftlich z u r Stärkimg der Länder oder Ländergruppen beizutrage-., &lt;i»re^ ?Ag erunger sich eindeutig zur Erhaltung
der Cnabhäng kei' ur.j
_.,_ ,_i/ia ge gen eine Subversion bekannt
haben. Derartige Maßnahmen wjrde" die größte Sicherheit gegen
Übergriffe der K o i r m n n i s t e n b i e t
-\'crte allein sind nicht genug.
Lassen Sie m c ü h erneut auf o.ie beantragte Ermächtigung zurückkommen, die bewaffneten Streitkräfte der Vereinigten Staaten dafür
einzusetzen, um iiv Verteidigung der territorialen Integrität
und der politischen Unabhängigkeit jedes einzelnen Landes in diesem
Gebiet gegen eine bewaffnete kommunistische Aggression zu unterstützen.
Von einer derartigen Ermächtigung würde nur Gebrauch gemacht werden,
w e m if angegrifft ,- r ,.i dies wünscht. Darüber hinaus hoffe ich zutief'
- ß v ü u a±e jer Ermächtigung überhaupt niemals Gebrauch gemacht
werden muß.
Um dies zu gfcwäi.rleio 1-fü .
. t-s unbedingt notwendig, daß unsere
Politik in be^.ug s,,f ^
if»i1i6iH.p-.,. g dieses Gebietes unverzüglich
. 8 -

�"AMERIKA DIENST

9. Januar 1957

unverzüglich und klar festgelegt und zum Ausdruck gebracht wird.
Auf diese Weise werden die Vereinten Nationen und alle befreundeten
Regierungen und natürlich auch die Regierungen, die nicht freundlich
gesonnen sind, wissen, wo wir stehen.
Wenn - entgegen der von mir gehegten Hoffnung und Erwartung sich eine Situation ergeben sollte, die eine militärische Anwendung
der Politik erforderlich machen sollte, die ich den Kongreß gemeinsam
mit mir su proklamieren ersuche, dann würde ich natürlich von Stunde
zu Stunde mit dem Kongreß, falls er tagt, in Kontakt bleiben. Wenn
der Kongreß jedoch gerade nicht tagen sollte und die Situation schwerwiegende Konsequenzen in sich trägt, dann würde ich selbstverständlich
den Kongreß sofort zu einer Sondersitzung einberufen.
Angesichts der gegenwärtigen Lage besteht das größte Risiko - wie
dies häufig der Fall ist - darin, daß sich ehrgeizige Despoten einer
Täuschung hingeben könnten. Wenn die machthungrigen Kommunisten entweder fälschlicherweise oder richtigerweise der Ansicht sein sollten,
daß der Mittlere Osten nicht ausreichend verteidigt ist, dann könnten
sie der Versuchung erliegen, zu Mitteln des offenen bewaffneten Angriffs
zu greifen. Wäre dies der Fall, dann würde es eine Kette von Umständen
auslösen, die fas«t mit Sicherheit militärische Maßnahmen der Vereinigten Staaten zur Folge haben würden. Meiner Überzeugung nach liegt die
beste Garantie für die Ausschaltung einer derartig gefährlichen Möglichkeit darin, schon jetzt unsere Bereitschaft klarzustellen, daß wir
mit unseren Freunden im Mittleren Osten voll und ganz auf Wegen zusammenarbeiten, die mit den Zielsetzungen und Grundsätzen der Vereinten Nationen in Einklang stehen. Ich habe die. Absicht, unverzüglich
eine Sondermission in den Mittleren Osten zu entsenden, um die Zusammenarbeit zu erläutern, die wir durchführen wollen.
Die von mir umrissene Politik bringt gewisse Lasten und Allerdings auch Risiken für die Vereinigten Staaten mit sich. Was ich vorgeschlagen habe, wird denen, die es nach diesem Gebiet gelüstet, nicht
gefallen. Aber auch schon früher haben Amerikaner die lebenswichtigen
Interessen unserer Nation und die menschliche Freiheit bedroht gesehen
und ihre Stärke und Entschlossenheit war der Krise stets gewachsen,
gleichgültig in welch feindseliger Weise unsere V/orte, unsere Motive
und Taten entstellt worden sind.
Ja schon die Opfer, die das amerikanische Volk seit Ende des
zweiten Weltkrieges für die Sache der Freiheit gebracht hat, zählen
nach vielen Milliarden Dollar und Tausenden der kostbaren Leben unserer Jugend. Diese Opfer, durch die große Gebiete der ".Veit für die
Freiheit erhalten blieben, dürfen nicht vergeblich gewesen sein.
In diesen bedeutsamen Epochen der Vergangenheit haben sich der
Präsident und der Kongreß ohne Rücksicht auf Parteizugehörigkeit
zusammengeschlossen, um den lebenswichtigen Interessen der Vereinigten
Staaten und der freien Welt zu dienen.
Es

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�9. Januar 1957

"AMERIKA DIENST"

Es ist nunmehr der Zeitpunkt für uns gekommen, erneut unsere
nationale Einigkeit in der Unterstützung der Freiheit zu manifestieren
und unsere tiefe Achtung vor den Rechten und der Unabhängigkeit einer
jeden Nation, wie groß oder klein sie auch immer sein mag, zu zeigen.
Wir suchen nicht Gewalt, sondern Frieden. Diesem Ziele müssen wir jetzt
unsere Kräfte, unsere Entschlossenheit, ja uns selbst weihen.

gez.: Dwight D. Eisenhower
Im Weißen Haus, 5. Januar 1957."

* * * * *

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�M E R I K A

D I E N S T

DULLES ERLÄUTERT MITTELOSTPLAN PRÄSIDENT EISENHOWERS

Washington - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut der
Erläuterungen des US-Außenministers
John Foster Dulles zum Mittelostplan
Präsident Eisenhowers. Dulles sprach
am 7 • Januar 1957 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen
Repräsentantenhauses•

I.
"Seit dem zweiten Weltkrieg mußten die Vereinigten Staaten
durch starke Maßnahmen, die sich auf die Einheit der Nation stützten, einer Anzahl kritischer Situationen entgegentreten.
Im Jahre 1947 verabschiedete der Kongreß ein großes militärisches und wirtschaftliches Hilfsprogramm für Griechenland und die
Türkei, die damals durch die kommunistische Aggression bedroht
wurden»
Im Jahre 1948 billigte der Kongreß das Wiederaufbauprogramm
für Europa (Marshallplan), um in Europa Freiheit und Unabhängigkeit zu erhalten.
1949 traten wir der Nordatlantikpakt-Organisation bei.
1950 kämpften die Vereinigten Staaten in Korea gegen die bewaffnete Aggression der Kommunisten.
1953 schlössen wir ein gegenseitiges Verteidigungsabkommen
mit der Republik Korea ab.
1954 unterstützten wir die Deklaration von Caracas, die zu
Maßnahmen gegen den internationalen Kommunismus in der westlichen
Hemisphäre aufrief.
1954 unterzeichneten wir den südostasiatischen kollektiven
Verteidigungsvertrag.
1955 bevollmächtigte der Kongreß den Präsidenten, die Streitkräfte der Vereinigten Staaten zum Schutz Formosas und der Pescadores-Inseln sowie der dazugehörigen Gebiete einzusetzen, und später
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später in diesem Jahr ratifizierten wir einen gemeinsamen Verteidigungsvertrag mit der Republik China.
Dies sind einige der entscheidenden Maßnahmen, die aie Vereinigten
Staaten während der vergangenen zehn Jahre ergriffen haben, nachdem
ein Gebiet nach dem anderen durch direkte und indirekte Aggression der
Kräfte des internationalen Kommunismus bedroht wurde.

II.
Den Gefahren ist in verschiedener Weise entgegengetreten worden,
wie es die jeweiligen Umstände diktierten. In einigen Fällen geschah dies
durch Wirtschaftshilfe allein. In anderen Fällen trat zu der Wirtschaftshilfe die Militärhilfe hinzu. In noch anderen Fällen befaßten wir uns
nur mit dem militärischen Aspekt des Problems. In einigen Fällen verabschieuete der Kongreß auch entsprechende Gesetze. In einigen weiteren
Fällen wuraen entsprechende Verträge abgeschlossen, und in wieder anderen Fällen handelte die Regierung mit stillschweigendem Einverständnis
des Kongresses.
Aber obwohl die Erfordernisse und die verfassungsmäßigen Maßnahmen
verschieden waren, so waren doch die zugrunde liegenden Faktoren im
wesentlichen die gleichen.
In jedem Falle gingen wir von der Prämisse aus, daß, wie Präsident
Truman es in seiner Botschaft an Griechenland und die Türkei ausdrückte,
•totalitäre Regime, die freien Völker; durch direkte oder indirekte
Aggression aufgezwungen werden, die Grundlagen des Weltfriedens und
damit auch die Sicherheit der Vereinigten Staaten untergraben' .
Darüber hinaus zielten alle unsere Verträge und gesetzgeberischen
Maßnahmen darauf ab, den Frieden zu fördern, indem wir unsere Stellung
von vornherein klar zum Ausdruck brachten, um dadurch vor einer Aggression
abzuschrecken und gefährliche Fehlkalkulationen möglicher Aggressoren
auszuschalten.
In jedem dieser Fälle war die zum Ausdruck gebrachte Entschlossenheit auf Grund der dahinter stehenden nationalen Einheit eindrucksvoll.
Wir haben in jedem Falle, in dem wir so handelten, auch tatsächlich
die Freiheit gerettet.

III.
Heute befassen wir uns mit dem Mittleren Osten. Kaum jemand von
uns wird daran zweifeln, daß es eine gewaltige Katastrophe für die
Nationen und Völker des Mittleren Ostens, ja für die ganze Welt bedeuten würde, wenn dieses Gebiet dem Würgegriff des internationalen
Kommunismus anheimfallen würde.
Für die Nationen des Mittleren Ostens würde dies eine politische
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politische Katastrophe bedeuten, da diese Nationen dann wie uie
europäischen Satelliten ihre Unabhängigkeit verlieren würden, die
sie so glühend wünschen und uie sie jetzt gerade anfangen, in
vollem Maße auszuüben.
Dies würde auch eine wirtschaftliche Katastrophe für sie bedeuten, denn das wichtigste wirtschaftliche Kapital dieses Gebietes
ist das Erdöl, für das nur die freien Nationen einen aufnahmebereiten
Markt bieten können.
Es wäre für die Völker des Mittleren Ostens ein großes Unglück,
wenn sie das Schicksal anderer religiöser Völker erleiden würden,
die unter die Herrschaft des atheistischen materialistischen Kommunismus geraten sind, denn es handelt sich hier um tief religiös empfindende Völker und ihr seelisches Leid wäre entsetzlich.
Dieses Unheil würde sich weit über die Grenzen des Mittleren
Ostens hinaus ausbreiten. Die Volkswirtschaften zahlreicher Länder
der freien Welt sind direkt abhängig von den Rohstoffen des Mittleren
Ostens und von den Transportwegen durch den Mittleren Osten. Und indirekt ist die gesamte Wirtschaft der freien Welt betroffen. Westeuropa
ist in besonderem Maße abhängig vom Mittleren Osten. Die großen
Opfer, die die Vereinigten Staaten für den Wiederaufbau und die militärische Verteidigung Europas gebracht haben, würden praktisch umsonst gewesen sein, wenn der Mittlere Osten unter die Kontrolle des
internationalen Kommunismus fiele.

IV.
Schließlich würde ein kommunistischer Durchbruch im Mittleren
Osten die sowjetischen Machthaber ermutigen, überall zu einer aggressiv
veren Politik überzugehen. Er würde die innerhalb der sowjetischen
Welt bestehende Forderung nach einer liberaleren Politik wesentlich
abschwächen. Er würde einen schweren Schlag für die hart ringenden
Völker Ungarns und Polens beueuten, die so tapfer um eine größere Unabhängigkeit kämpfen. Er würde überall in der Welt viele der Vorteile
aufheben, die die hier angeführten früheren Maßnahmen für uns brachten.
Aus all diesen Gründen müssen die Vereinigten Staaten alles in
ihren Kräften Stehende tun, um die Nationen des Mittleren Ostens bei
der Aufrechterhaltung ihrer Unabhängigkeit zu unterstützen.
Die Frage, was zu tun ist, ist außerordentlich schwierig. Das
Gebiet ist in sich weitgehend unterteilt. Es besteht ein hohes Maß
an Uneinigkeit zwischen den arabischen Staaten und Israel - ein
Gegensatz, der durch die kürzlichen militärischen Aktionen Israels in
Ägypten nur noch verschärft wurde. Aber auch unter den arabischen
Staaten selbst existiert ein starkes Maß an Uneinigkeit. Weiter besteht gegenüber jeder von außen herantretenden Macht ein Mißtrauen, es
könnte sich um Versuche handeln, den Kolonialismus wieder einzuführen.
Dieses Mißtrauen wurde durch die jüngsten Ereignisse noch verstärkt die die gegenseitigen Beziehungen zwischen dca Mittleren Osten und

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und Europa in Frage stellten. Ferner existiert das Problem des Suezkanals .
Es ist wohl unmöglich, eine ganz einfache Antwort auf die Frage zu
finden, wie die Vereinigten Staaten dazu beitragen können, die Freiheit
dieses Gebietes zu erhalten. Es ist schwer, auf der einen Seite zu helfen, ohne auf aer anderen Mißtrauen hervorzurufen. All die Probleme des
Kittleren Ostens werden nicht mit Hilfe einer einzigen Formel gelöst
werden können. Diese Probleme werde.i auf verschiedenen Wegen angegangen
werden müssen, so wie wir dies schon immer versucht haben und auch
weiterhin tun werden. Aber der Verlauf der Ereignisse zwingt uns jetzt,
ein neues Element zum Tragen zu bringen, um unseren sonstigen Maßnahmen in diesem Gebiet mehr Gewicht zu verleihen.

V.
Nach der gründlichsten Prüfung ist Präsident Eisenhower zu der
Ansicht gelangt - und hat dem Kongreß empfohlen -, daß Maßnahmen ergriffen werden, die es zu allererst unmißverständlich klar machen, daß
es die vom Kongreß und vom Präsidenten erklärte Politik ist, mit den
Nationen des Mittleren Ostens zur Bewahrung ihrer Unabhängigkeit zusammenzuarbeiten .
Zweitens würden diese Maßnahmen den Präsidenten ermächtigen,
jedes Land oder jede Gruppe von Ländern in jenem Gebiet beim Aufbau der
wirtschaftlichen Stärke zu unterstützen, durch die die nationale Unabhängigkeit aufrechterhalten werden soll.
Drittens würden diese Maßnahmen den Präsidenten ermächtigen, mit
jedem Land oder mit jeder Gruppe von Ländern Programme der militärischen Unterstützung durchzuführen, wenn diese eine solche Hilfe wünschen.
Diese Maßnahmen würden den Präsidenten viertens ermächtigen, die
Streitkräfte der Vereinigten Staaten zur Sicherheit und zum Schutz der
territorialen Integrität und politischen Unabhängigkeit aller eine derartige Hilfe anfordernden Länder oder Gruppen von Ländern vor einem
offenen bewaffneten Angriff seitens irgendeines vom internationalen
Kommunismus kontrollierten Staates einzusetzen.
Um den Präsidenten in die Lage zu versetzen, die wirtschaftlichen
und militärischen Hilfsprogramme besser durchzuführen, wird vorgeschlagen,
daß von den bereits im letzten gemeinsamen Sicherheitsgesetz bewilligten
Geldern bis zu 200 Millionen Dollar nach dem Ermessen des Präsidenten
für den Mittleren Osten verwendet werden können und daß diese Ermächtigung zusätzlich zu der ihm bereits auf Grund bestehender Gesetze übertragenen besonderen Vollmachten ausgesprochen werden soll. Dies schließt
nicht die Bewilligung oder Bereitstellung irgendwelcher zusätzlicher
Gelder ein. Wir streben vielmehr eine größere Flexibilität hinsichtlich
der schon bereitgestellten Mittel an, damit die vom Kongreß bereits zur
Verfügung gestellte 'Munition des Friedens1 freier und wirksamer in
einem Gebiet eingesetzt werden kann, das seit dem vergangenen Juni einen
größeren Bedarf an Hilfe hat, als ursprünglich angenommen worden war. Die

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Die Frage der Mittel für künftige Haushaltsjahre wird später behandelt
werden, wie uies in der Botschaft des Präsidenten dargelegt worden ist«
Die Vollmacht zum Einsatz der Streitkräfte der Vereinigten Staaten
soll in Fällen einer offenen bewaffneten Aggression zum Tragen kommen,
die von irgendeinem 'durch den internationalen Kommunismus kontrollierten Land'ausgeht. Dieser Begriff ist dem Gesetz über die gemeinsame Siehe
heit entnommen. Jeder Einsatz der Streitkräfte würde mit der Charta der
Vereinten Nationen sowie den anderen vertraglichen Verpflichtungen der
Vereinigten Staaten übereinstimmen, vor allem mit der in der Charta der
Vereinten Nationen und in unseren Sicherheitsverträgen festgelegten Bestimmung, wonach wir uns in unseren internationalen Beziehungen jeder
Gewaltandrohung oder Gewaltanwendung gegen die territoriale Integrität
oder die politische Unabhängigkeit eines jeden Staates enthalten sollen.
Darüber hinaus würde eine derartige Anwendung von Gewalt unter Artikel
51 der Charta der Vereinten Nationen fallen, der das jedem zustehende
Recht auf kollektive Selbstverteidigung im Falle eines Angriffs anerkennt, der aber auch besagt, daß die Ausübung dieses Rechtes der Selbstverteidigung in keiner V/eise die Autorität und Verantwortlichkeit des
Sicherheitsrates berühren darf, solche Maßnahmen zu ergreifen, die der
Rat zur Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung des Weltfriedens und
der internationalen Sicherheit für angebracht hält. Eine Koordinierung
mit den Vereinten Nationen würde ferner durch eine Bestimmung gewährleistet sein, welche besagt, daß jeder Einsatz der Streitkräfte der
Vereinigten Staaten in Übereinstimmung mit den Maßnahmen und Empfehlungen
der Vereinten Nationen stehen muß.
Die vorgeschlagene Gesetzgebung ist nach Auffassung unseres
Präsiuenten notwendig, um der Gefahr Herr zu werden.
Die Gefahr kann in dieser oder jener Form auftreten. Es besteht
die Möglichkeit einer bewaffneten Aggression. Es besteht die Möglichkeit der Subversion - eine Gefahr, die noch großer wird, wenn ein Gefühl der Unsicherheit vorhanden wäre. Es besteht weiter die Gefahr, daß
die existierenden wirtschaftlichen Verhältnisse den Kommunismus als
einen verlockenden Ausweg erscheinen lassen könnten. Jedes den Verhältnissen gerecht werdende Programm muß so ausgearbeitet sein, daß es
allen dreien dieser Gefahren sowie jeder Kombination dieser Gefahren
Rechnung trägt. Wir können diesen Anforderungen unter den gegenwärtigen Verhältnissen nur dann gerecht werden, wenn wir jetzt in bezug auf
den Mittleren Osten klarstellen, was wir bezüglich so vieler anderer
Gebiete eindeutig dargelegt haben, daß nämlich einem bewaffneten
kommunistischen Angriff wenn notwendig mit den Streitkräften der Vereinigten Staaten entgegengetreten werden muß.
Besteht denn in der Tat irgendein Zweifel daran, daß die Vereinigten Staaten früher oder später mit Gewalt reagieren würden, wenn kommunistisch kontrollierte Regierungen offene Gewalt anwenden sollten, um den
Mittleren Osten zu erobern? Wäre es dann nicht offensichtlich, daß die
Vereinigten Staaten selbst in Gefahr zu geraten drohten? Aber wenn dem
so ist, dann ist es jetzt und heute an der Zeit, unsere Entschlossenheit
klarzumachen. Nur dadurch können wir wirklich der Sache der Freiheit
und des Friedens dienen.
Sie

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Sie mögen ebenso wie ich der Überzeugung sein, daß in der Tat
kein Zweifel darüber bestehen kann, was der Kongreß unternähme, wenn
der internationale Kommunismus sich daran machen würde, die «Veit Stück
um Stück durch Krieg zu erobern. Aber solange der Kongreß nicht tatsächlich gesprochen hat, kann es im Mittleren Osten Zweifel geben,
und ebenso könnte man in der Sowjetunion Zweifel hegen. Wenn diese
Zweifel nicht zerstreut werden, dann dauert die Gefahr an und wird
nur noch größer. Wenn wir uns entschließen, abzuwarten, um uns zu
entscheiden, wenn es soweit ist, dann wird diese Wartezeit die Verletzbarkeit sowohl gegenüber einem direkten Angriff mit überlegenen
Kräften als auch gegenüber einer indirekten Aggression außerordentlich
vergrößern. Wir werden dann nicht vor einer Aggression abgeschreckt
haben.
Nur wenn der Kongreß alle diese Zweifel rasch zerstreut, nur
wenn er den Stempel der Bewilligung auf ein abgerundetes Programm
der wirtschaftlichen und militärischen Hilfe und der Versicherung
für den Mittleren Osten drückt, dann wird er das Maximum dessen getan
haben, -was er tun kann, um Frieden und Freiheit zu erhalten.
Der Zweck der vorgeschlagenen Resolution ist nicht der Krieg,
sondern der Friede. Der Zweck ist wie in den anderen Fällen, in
denen der Präsident und der Kongreß gemeinsam gehandelt haben, um
dem internationalen Kommunismus entgegenzutreten, den dritten .Veitkrieg zu beenden, noch bevor er überhaupt angefangen hat."

Dulles beantwortet Fragen der Ausschußmitglieder
Anschließend an seine Erklärung beantwortete der amerikanische
Außenminister Fragen der Ausschußmitglieder und gab dabei seiner
festen Überzeugung Ausdruck, daß praktisch alle Nationen des Mittleren Ostens die Politik Präsident Eisenhowers hinsichtlich dieses
Gebietes begrüßen werden. Gleichzeitig wandte sich Dulles gegen
Berichte, daß das Programm des Präsidenten den guten '.Villen und das
Ansehen zunichte machen würde, die die Vereinigten Staaten in den
Vereinten Nationen während der Suezkrise für sich aufbauen konnten.
Die vorgeschlagene Politik, so sagte der Außenminister, stelle praktisch lediglich eine Bekräftigung der amerikanischen Haltung in den
UN dar - daß nämlich der Anwendung von Gewalt gegen die territoriale
Integrität einer Nation entgegengetreten werden müsse.
Dulles erklärte wörtlich vor dem Ausschuß» "Vv'ir müssen dieses
Gebiet stärken. '.Vir wollen es keineswegs beherrschen und unser feierliches Versprechen, daß wir dies nicht wollen, liegt in der Charta
der Vereinten Nationen begründet."
Dulles gab in der Diskussien erneut seiner Überzeugung Ausdruck,
daß das kombinierte wirtschaftliche und militärische Hilfsprogramm
des Präsidenten die Nationen im Mittleren Osten in die Lage versetzen
werde, jeder Bedrohung durch den Kommunismus erfolgreich zu widerstehen.
Dulles

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Dulles teilte weiter mit, die USA seien nur dann zum Einsatz
ihrer Streitkräfte in diesem Gebiet bereit, wenn einwandfrei feststehe,
daß die Vereinten Nationen und der Sicherheitsrat nicht mehr in der
Lage wären, mit einer etwa, entstehenden Situation fertig zu werden.
Er erinnerte den Ausschuß daran, daß die Sowjetunion möglicherweise
im Sicherheitsrat ihr Veto einlegen und damit die UN praktisch handlungsunfähig machen könnte.
Er sei überzeugt, so betonte Dulles, daß die Stellung der führenden Patrioten in den Mittelost-Staaten gestärkt, der Aufbau loyaler
Streitkräfte und Polizeitruppen in diesen Ländern gefördert und die
wirtschaftliche Lage der dortigen Völker verbessert würde, wenn die
USA durch die vorgeschlagene Resolution den Nationen im Mittleren
Osten die Gewißheit des Schutzes im Falle eines offenen bewaffneten
Angriffes geben. Die Schaffung einer solchen starken Position würde
jede Möglichkeit auf ein Minimum beschränken, daß der Kommunismus durch
einen offenen bewaffneten Angriff oder durch Subversion die Regierung
dieser Länder übernehmen könnte.
Im weiteren Verlauf der Diskussion hob Dulles hervor, daß die Regierung bei der Behandlung von Problemen, die zu einem Krieg führen
könnten, zum gegenwärtigen Zeitpunkt vor allem eine größere Freizügigkeit bei der Verwaltung von Mitteln und dem Einsatz bereits erteilter
Vollmachten brauche. In diesem Zusammenhang teilte der Außenminister
mit, daß die USA nicht beabsichtigen, im Rahmen der vorgeschlagenen
Programme den Assuan-Staudamm in Ägypten zu finanzieren.
Auf die Frage, ob er, Dulles, an den Einsatz der UN-Polizeistreitkräfte auf einer ausgedehnteren Basis im Mittleren Osten denke, erinnerte der Außenminister daran, daß sich die USA bereits vor einigen
Jahren in den Vereinten Nationen für die Schaffung einer ständigen
UN-Polizeitruppe eingesetzt haben. Dieser Vorschlag sei jedoch damals
nicht durchgeführt worden. Jetzt, da für einen Notfall eine solche
Streitmacht geschaffen worden sei, so fügte Dulles hinzu, hoffe er,
daß sie auch in anderem Zusammenhang und zur Lösung anderer Probleme
eingesetzt werden könne.
Dulles unterstrich weiter erneut, daß die USA niemals an eine
einseitige Maßnahme im Mittleren Osten dächten. Amerikanische Streitkräfte würden nur dann gegen eine Aggression eingesetzt, wenn das
Ersuchen eines anderen Landes gestellt werde.
Dulles bemerkte, daß der sowjetische Einfluß im Mittleren Osten
schon seit langem beobachtet worden sei, es sei jedoch nicht anzunehmen,
daß der internationale Kommunismus tatsächlich bereits die Kontrolle
in irgendeinem Land dieses Gebietes an sich gerissen habe.
"Dieses Programm", so unterstrich der Außenminister, "soll gerade
verhindern, daß dies geschieht, oder wenn es geschehen ist, daß irgendein andereB Land einer Aggression zum Opfer fällt".
Der

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Der US-Außenminister betonte nachdrücklich, daß die USA weder im
Mittleren Osten noch sonst irgendwo irgendwelche aggressiven Ziele
verfolgen und daß das vorliegende Programm ausschließlich darauf abziele, einen Krieg zu verhüten und die Sache des Friedens zu stärken.
"Kein Land der Welt", so sagte Dulles, "will vom internationalen
Kommunismus beherrscht werden". Die Länder des Mittleren Ostens seien
sich der kommunistischen Gefahr besonders bewußt, da die Völker dort
tief religiös seien und von jeder Beherrschung durch eine fremde
atheistische und materialistische Macht frei sein wollten.
Er nehme nicht an, so führte Dulles abschließend aus, daß die
Sowjetunion dem amerikanischen Programm durch Angebote einer ausgedehnten Wirtschaftshilfe für die Länder des Mittleren Ostens entgegenwirken werde. Im übrigen hätten die Sowjets in dieser Richtung "noch
nicht sehr viel getan".

* * * * *

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�M E R I K A

NIXON ÜBER DIE LAGE DER UNGARNFLb'CHTLINGE

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut das Berichts, den Vizepräsident Nixon dem Präsidenten der Vereinigten Staaten über den Stand der Hilfsaktionen für die ungarischen Flüchtlinge unterbreitet hat.

Einführung
Dieser Bericht behandelt nur ein Symptom des Flüchtlingsproblems,
nicht das Problem selbst. Ungeachtet dessen, wie wir für die Opfer
der Unterdrückung sorgen mögen, die Schuld derjenigen, die sie von
Haus und Hof vertrieben, die ihre Landsleute ermordeten und heute
die Menschen ihrer Heimat in Sklaverei halten, darf darüber niemals
vergessen werden.
Der Aufstand des tapferen ungarischen Volkes gegen seine Unterdrücker ist eines der bedeutsamsten Ereignisse in der Geschichte der
Menschheit. Ohne daß dieser Aufstand geplant oder organisiert worden
war, erhob sich das Volk in äußerster Qual gegen die Unterjochung und
die an ihm verübten Grausamkeiten. Was diese Menschen taten und noch
immer tun, war nicht umsonst, denn mit ihren Taten haben sie, aller
Welt vernehmlich, die Totenglocken für den internationalen Kommunis- .
mus eingeläutet.
Wir sind uns darüber klar, daß wir in einem Bericht, der sich
wie dieser auf die gegenwärtige Not der ungarischen Flüchtlinge beschränkt, in keiner Weise die grundlegende Frage behandeln können,
wie Ungarn die Freiheit zu geben sei. Denn die einzig mögliche und
bleibende Lösung dieses Problems sowie aller Schwierigkeiten, mit
denen das ungarische Volk zu kämpfen hat, wäre die Anerkennung der
Resolution der Vereinten Nationen über den Abzug der sowjetischen
Truppein aus Ungarn seitens der UdSSR. Alle Lösungen, die diese
Forderung nicht erfüllen, müssen als zeitweiliger Notbehelf, als
im Grunde unbefriedigende Lösungen gelten.
Auf Grund von Erhebungen, die in direktem Kontakt mit den ungariseheji Flüchtlingen von dem Augenblick ihres Übertritts über die
Grenze1 nach Österreich bis zum Verlassen des Auffanglagers Camp
Kilmer angestellt wurden, unterbreite ich hiermit folgende Ergebnisse
und Empfehlungen.
Anzahl
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9. Januar

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Anzahl und Art der Flüchtlinge
Zwischen dem 25« Oktober 1956 und dem 1. Januar 1957 haben annähernd 155 000 Flüchtlinge die österreichische Grenze überschritten.
Gegenwärtig kommen im Tag durchschnittlich etwa 800 Personen über die
Grenze.
Diese aus Ungarn geflohenen Menschen gehören zu den wertvollsten
des ungarischen Volkes. Zum größten Teil standen sie bei dem Kampf um
die Freiheit in vorderster Front und flohen erst, als sie nur noch
die Wahl hatten zwischen Tod oder Deportation durch die fremden Eindringlinge oder aber vorübergehende Flucht ins Ausland, um dort die
Befreiung Ungarns, die eines Tages kommen muß, abzuwarten. Es sind in
der großen Mehrheit junge Menschen - Studenten, Techniker, Handwerker
und Angehörige der freien Berufe. Auch zahlreiche Familien sind unter
den Flüchtlingen mit vielen Kindern,
Die" meisten der befragten Flüchtlinge erklärten, daß sie Ungarn
aus Furcht vor Liquidierung oder Deportation verlassen hätten. Die
Zahl derjenigen, die als "Treibsand" des Flüchtlingsstromes mitkommen
sowie derjenigen, die Ungarn aus rein wirtschaftlichen Gründen verlassen haben, ist verhältnismäßig gering.
Die Mehrheit der bisher Befragten hat den Wunsch geäußert, im
Falle eines Regierungswechsels nach Ungarn zurückzukehren, sofern sie
dies ohne Gefahr tun können.
Das Problem der Überprüfung der Flüchtlinge aus Gründen der politischen Sicherheit ist in diesen Fällen nicht so schwierig als sonst,
da neben dem vorliegenden Unterlagenmaterial auch andere Flüchtlinge,
die die Spitzel und Agenten in ihren Ortschaften genau kennen, bereitwillig diesbezügliche Aussagen und Angaben machen.
Ich bin überzeugt, daß bei Beibehaltung des derzeitig angewandten
Untersuchungsverfahrens die in die Vereinigten Staaten aufgenommenen
ungarischen Flüchtlinge kein irgendwie nennenswertes Risiko für die
innere Sicherheit unseres Landes darstellen werden.
Unter Berücksichtigung aller oben erwähnten Faktoren glaube ich
sagen zu dürfen, daß die Länder, die diese Flüchtlinge aufnehmen, feststellen werden, weniger eine Verpflichtung übernommen als vielmehr
einen Gewinn erzielt zu haben. Wie Mr. Herbert Hoover am 27« Dezember
vorigen Jahres erklärte, haben "die ungarischen Flüchtlinge durch ihren Mut und ihre Opferbereitschaft bewiesen, daß sie ganz und gar zu
jener Sorte Menschen gehören, die gute Amerikaner werden".
Die derzeitige Lage der Flüchtlinge
Bis zum 1. Januar 1957 wurden von den 155 000 Flüchtlingen 88 000
in Ländern außerhalb Österreichs aufgenommen. Von diesen 88 000 gingen
15 000 nach den Vereinigten Staaten, die restlichen 73 000 nach anderen

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9. Januar 1957

Von den 67 000 zur Zeit in Österreich sich aufhaltenden Flüchtlingen können, wie die österreichische Regierung andeutete, schätzungsweise 30 000 von der österreiehischen Wirtschaft assimiliert werden,
vorausgesetzt, daß Österreich für den Bau von Unterkünften und anderen
Anlagen für die Unterbringung der Flüchtlinge während der Übergangsperiode
eine gewisse Unterstützung erhält.
Das heißt, daß sich gegenwärtig mindestens 57 000 ungarische Flüchtlinge in Österreich "befinden, für die noch in anderen Ländern eine neue
Heimat gefunden werden muß.
Ausblick auf die weitere Entwicklung
Wie lange der Flüchtlingsstrom aus Ungarn nach Österreich noch anhalten wird, hängt von den weiteren Ereignissen in Ungarn ah. Falls es
zu Veränderungen in der ungarischen Regierung in der Weise kommt, daß dem
ungarischen Volk ein gewisses Maß an Freiheit gewährt wird, so dürfte es
keine Frage sein, daß die Zahl der Flüchtlinge aus Ungarn wesentlich zurückgehen und viele derjenigen, die Ungarn verlassen haben, in ihre Heimat zurückkehren würden.
Es besteht auch die Möglichkeit, daß die ungarische Regierung beschließt, noch schärfere Maßnahmen zur Sperre der Landesgrenzen zu ergreifen, und auch in diesem Falle würde die Zahl der Flüchtlinge aus
- Ungarn wesentlich zurückgehen.
Ein weiterer Faktor, den man bei einer Untersuchung des Gesamtproblems berücksichtigen muß, ist die Tatsache, daß ein Teil der 73 000
Ungarnflüchtlinge, die in andere Länder gegangen sind, dies in der Annahme taten, es handle sich nur um eine vorübergehende Unterbringung,
und sie letztlich doch die Möglichkeit erhielten, in die Vereinigten
Staaten einzuwandern.
Präsident Eisenhower hat erklärt, daß die Vereinigten Staaten
diejenigen, die in dieser Annahme in andere Länder gingen, aufnehmen
würden.
Die Gesamtzahl der Flüchtlinge in den oben erwähnten Kategorien
kenn man wohl überhaupt nicht mit Gewißheit abschätzen - aber in jedem
Fall gibt es nur eine einzige Schlußfolgerung. Die Vereinigten Staaten
wie auch die anderen freien Nationen müssen eine wesentlich größere
Anzahl von Ungarnflüchtlingen aufnehmen, als sie bisher zugestanden
haben.
Empfehlungen für künftige Maßnahmen der Vereinigten Staaten
betreffs der Aufnahme von mehr Flüchtlingen
Es wurde angeregt, die Vereinigten Staaten sollten bereits jetzt
bekanntgeben, daß sie eine bestimmte Anzahl zusätzlicher Flüchtlinge
aufnehmen werden.
Weiter

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9. Januar

1957

Weiter wurde angeregt, die Vereinigten Staaten sollten sich bereit
erklären, einen bestimmten Prozentsatz aller sich gegenwärtig noch in
Österreich befindlichen sowie der womöglich noch aus Ungarn nach Österreich einströmenden ungarischen Flüchtlinge aufzunehmen.
Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß es für die Vereinigten
Staaten nicht klug wäre, sich an einen festen Prozentsatz öder an eine
feste Zahl zu binden.
Unsere Politik sollte es sein, gemeinsam mit anderen Nationen der
freien Welt den der kommunistischen Gewaltherrschaft entronnenen Flüchtlingen ohne zahlenmäßige Einschränkung Aufnahme zu gewähren.
Im Rahmen der Maßnahmen, die wir in Erfüllung unserer traditionellen Mission, Opfern der Gewaltherrschaft eine Zufluchtsstätte zu geben,
treffen werden, sollten wir keine Höchstgrenze festsetzen. Infolge der
unklaren Lage in Ungarn ist es uns überdies gar nicht möglich, genaue
Angaben darüber zu machen, in welcher Höhe eine solche Zahl festzusetzen
sei.
Es wäre auch unrealistisch, wenn wir uns auf einen bestimmten Prozentsatz bei der Aufnahme der Flüchtlinge festlegen würden. Die Verhältnisse innerhalb der verschiedenen Länder, die den Flüchtlingen eine
Heimat bieten, können sich ändern, und unsere Politik muß elastisch
genug sein, um solchen Änderungen Rechnung zu tragen.
Unsere Politik sollte auf folgenden Grundsätzen fußen*
1) Sämtliche freien Nationen sollten sich im Rahmen der ihnen zu
Gebote stehenden Möglichkeiten in die Verantwortung teilen, die Flüchtlinge wieder anzusiedeln. Die Regierung der Vereinigten Staaten sollte
sich sowohl über die Vereinten Nationen wie über die normalen diplomatischen Beziehungen bemühen, dieses Ziel verwirklichen zu helfen. Im
Hinblick auf dieses Ziel sollten das amerikanis che Flüchtlingshilfsprogramm, der Zwischenstaatliche Ausschuß für die Auswanderung aus
Europa (iCEM) und der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für das
Flüchtlingswesen, die sich alle in der einen oder anderen Phase mit der
Umsiedlung von Flüchtlingen befassen, von uns unterstützt werden.
2) Bis zum Erlaß entsprechender Gesetze durch den Kongreß sollte
die Aufnahme von Ungarn in die Vereinigten Staaten weiterhin gemäß
den gegenwärtig in Kraft befindlichen Sondergenehmigungen erfolgen.
Die Mehrzahl dieser Aufnahmegenehmigungen müßten auch in Zukunft
solche Ungarn erhalten, die sich gegenwärtig in Österreich aufhalten,
um so den Druck von diesem Land etwas zu nehmen. Ein Teil der Genehmigungen jedoch sollte den Ungarn vorbehalten sein, die in westeuropäischen Ländern außerhalb Österreichs vorübergehend Asyl gefunden
haben, aber von vornherein überzeugt waren, schließlich die Einreise
nach den Vereinigten Staaten zu erhalten. Bei dieser letztgenannten
Gruppe sollten au* gegenwärtigen Zeitpunkt vor allem diejenigen bevorzugt behandelt werden, die Verwandte in den Vereinigten Staaten besitzen; mit diesem Ziel vor Augen sollten nun die Anträge von Flücht-

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�&gt;

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9. Januar

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Flüchtlingen aus Ländern außerhalb Österreichs bearbeitet werden. Die
diplomatischen Vertreter der USA in Staaten, die Ungarnflüchtlingen
gegenwärtig Asyl gewähren, sollten wo immer möglich Abmachungen treffen,
denen zufolge an die Stelle derjenigen Flüchtlinge, die aus diesen
Ländern von den Vereinigten Staaten zur 'Viederansiedlung übernommen
werden, solche aus Österreich nachrücken können.
J&gt;) Dem Kongreß sollte zur sofortigen Beratung eine Abänderung des
Einwanderungs- und Naturalisierungsgesetzes (Immigration and Nationality
Act) vorgelegt werden, die
a) den Status der Ungarnflüchtlinge regelt, die auf Grund der Ausnahmegenehmigungen in die Vereinigten Staaten kamen, und die vorsieht,
daß
b) unter großzügiger Auslegung der Gesetze einer zusätzlichen Zahl
von Ungarn sowie von anderen vor der kommunistischen Verfolgung geflohenen Personen die Einwanderung durch die Ausgabe von Visa, die nicht
unter die Einwanderungsquoten fallen, im Rahmen eines jährlichen Höchstsatzes gestattet wird.
Derartige Bestimmungen sollten auch Flüchtlinge berücksichtigen,
die vor Oktober 1956 Ungarn verlassen haben, sowie solche Personen aus
anderen osteuropäischen Ländern, die eine Bevorzugung verdienen, jedoch
wegen des Ablaufs des Flüchtlingsprogramms und des Fehlens entsprechender
anderer gesetzlicher Bestimmungen für eine Einwanderung noch keine neue
Heimat in den Vereinigten Staaten finden konnten.
c) Ich befürworte dringend die Verabschiedung der vom Präsidenten
dem 84. Kongreß vorgeschlagenen Änderungen zum Einwanderungs- und Naturalisierungsgesetz. Solche Änderungen würden unserer Einwanderungspolitik
eine angemessene Elastizität verleihen und unserer Verantwortung der
Welt gegenüber besser Rechnung tragen. Beispielsweise würden Maßnahmen
dieser Art auch die Berücksichtigung von Personen gestatten, die zwar
ebenfalls vor dem Kommunismus geflohen sind, aber aus anderen als aus
osteuropäischen Ländern kommen; zu dieser Gruppe würden auch chinesische
Nationalisten gehören, die vor dem kommunistischen Regime in ihrer Heimat
flüchten müssen.
4.) Man hat behauptet, daß keine Änderung des Gesetzes notwendig
sei und das ganze Problem der Flüchtlinge aus kommunistischen Ländern
in hinreichendem Maße im Rahmen der Sonderbestimmungen des zur Zeit
geltenden Gesetzes behandelt werden könnte. Obwohl durch den Justizminister die Sonderbestimmungen in einer Weise ausgelegt wurden, daß
sie auf die bis jetzt aufgenommenen 15 000 Ungarn angewendet werden
konnten, und obwohl ich der Ansicht bin, daß die Einwanderungsanträge
zusätzlicher ungarischer Flüchtlinge auch weiterhin im Sinne dieser Bestimmungen bearbeitet werden sollten, bis sich der Kongreß mit Abänderungen zum Gesetz befassen kann, sollte der Kongreß doch die Umstände
und die Beschränkungen für die künftige Anwendung dieser Bestimmung genau
darlegen.
Wie

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Wie der Justizminister erklärte, sollte weder er selbst noch ein
anderer Verwaltungsbeamter unbeschränkte Vollmachten besitzen, um
Ausländern auf Grund von Ausnahmebestimmungen die Einwanderung in die
Vereinigten Staaten zu ermöglichen. Es liegt auf der Hand, daß solche
Befugnisse, wenn sie willkürlich angewandt werden, zu einer völligen
Umgehung des Einwanderungsgesetzes nach seinem eigentlichen Sinn und
Zweck führen können.
Wirtschaftliche Unterstützung durch die Vereinigten Staaten
Die Beiträge unserer Regierung zur Betreuung und zum Unterhalt
der ungarischen Flüchtlinge wurden zum Teil über die Vereinten Nationen
geleitet. Wir sollten uns auch weiterhin gemeinsam mit den übrigen freien
Nationen an der Hilfsaktion beteiligen, um eine möglichst wirksame
Kombination unserer Hilfsquellen zu gewährleisten. Doch wird es außerdem auch nötig sein, mit der österreichischen Regierung und den Hilfsorganisationen unmittelbar über die verschiedenen Maßnahmen zu verhandeln, so insbesondere über alle diejenigen, die eine Belastung der
österreichischen Wirtschaft darstellen.
Hinsichtlich einer etwaigen wirtschaftlichen Unterstützung an
Österreich muß darauf hingewiesen werden, daß die der österreichischen
Regierung bisher erwachsenen Kosten ganz beträchtlich sind. Österreich
ist ein verhältnismäßig kleines Land mit nur rund sieben Millionen
Einwohnern. Es herrscht dort Wohnungsnot. Sein wirtschaftlicher Wiederaufbau, so bemerkenswert er auch ist, war durch die lange Besetzung
des Landes, die erst 1955 endete, erheblich behindert. Der Staatshaushalt ist bereits reichlich belastet. Schon ehe dieser neue Flüchtlingsstrom aus Ungarn einsetzte, unterhielt Österreich ein umfassendes
Flüchtlingshilfeprogramm, und die hierfür zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten waren zum größten Teil überfüllt. Die Beköstigung eines
einzigem Flüchtlings kostet ungefähr einen Dollar täglich; daneben müssen beträchtliche Summen für die Verbesserung oder Renovierung der vorhandenen Unterkünfte und anderer Baulichkeiten, für Transporte, Einrichtungsgegenstände, ärztliche Betreuung und ähnliches aufgebracht
werden .
Die Flüchtlinge besitzen nichts außer dem, was sie auf dem Leibe
tragen, und sie müssen zunächst mit Kleidungsstücken und den lebensnotwendigsten Dingen versorgt werden. Obgleich die karitativen Organisationen, vor allem das Rote Kreuz, reichlich Geldmittel zur Verfügung
gestellt haben und noch viel mehr von ihnen zu erwarten ist, bleibt
doch die Tatsache bestehen, daß die gesamte restliche finanzielle
Last von der österreichischen Regierung zu tragen ist. Dies macht nun
wieder die Hilfe anderer Regierungen, einschließlich unserer eigenen,
dringend erforderlich.
Die Liga der Rot-Kreuz-Gesellschaften, der auch das Amerikanische
Rote Kreuz angehört, hat die Verantwortung für die Betreuung und den
Unterhalt von 35 000 Flüchtlingen in den großen Lagern in Österreich
übernommen. Die Gelder, die wir den Vereinten Nationen überwiesen

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überwiesen haben (fünf Millionen Dollar), wurden der österreichischen
Regierung und der Rot-Kreuz-Liga entsprechend den jeweiligen Bedürfnissen zugeteilt. Doch "braucht die Rot-Kreuz-Liga weitere finanzielle
Unterstützung durch die Vereinten Nationen, die ihr unbedingt gegeben
werden sollte.
Weiter wird empfohlen, daß die in Präge kommenden amerikanischen
Regierungsstellen sich über die bestmögliche Verwendung überschüssiger
landwirtschaftlicher Erzeugnisse sowohl für die Ernährung der Flüchtlinge als auch zur Ansammlung von Gegenwertmitteln informieren; aus
letztwen könnten teilweise die erforderlichen Barmittel für die Flüchtlingshilfe aufgebracht werden.
Die von unserer Regierung zur Verfügung gestellten Bargeldmittel
wurden bisher zum größten Teil dem gemäß Paragraph 401 des Gesetzes über
die gemeinsame Sicherheit bereitgestellten Sonderfonds für Dringlichkeitsfälle entnommen. Nach den derzeitigen Schätzungen werden die zur
Zeit bewilligten Mittel ausreichen, um die im Rahmen des Ungarn-Hilfsprogramms in diesem Haushaltsjahr voraussichtlich entstehenden Kosten
bis zum 1. Juli 1957 zu decken.
Die freiwilligen Hilfsorganisationen der Vereinigten Staaten werden womöglich im gleichen Zeitraum in beschränktem Umfange eine finanzielle Unterstützung seitens der Regierung benötigen, um ihre Aufgaben
im Rahmen des Ansiedlungsprogramms für ungarische Flüchtlinge erfüllen
zu können. Unter gewöhnlichen Umständen wäre eine solche Unterstützung
nicht erforderlich; aber der plötzliche Zustrom ungarischer Flüchtlinge
stellt an manche dieser Organisationen besonders hohe finanzielle Anforderungen, denen sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden freiwilligen
Spenden nicht gerecht zu werden vermögen. Wo die freiwilligen Spenden
nicht ausreichen, bleibt kein anderer Weg, als diese Organisationen aus
staatlichen Mitteln zu unterstützen.
Die Koordinierung der Tätigkeit der freiwilligen Hilfsorganisationen
und der mit der Ansiedlung der Flüchtlinge befaßten Bundesdienststellen
sollte auch weiterhin Aufgabe des Ungarnhilfsausschusses des Präsidenten
bleiben. Dieser Ausschuß, der unter der bewährten Leitung von Mr. Tracy
Voorhees steht, hat hier bereits Hervorragendes geleistet.
Allgemeine Bemerkungen
In diesem Bericht sollen nicht alle Aspekte des Flüchtlingsproblems
behandelt werden. Ein ausführlicher Bericht wurde dem Präsidenten bereits mündlich vorgetragen, und weitere Unterlagen über die wirtschaftliche Hilfe werden von Mr. Hollister noch vorgelegt werden. Nach sorgfältiger Überprüfung der Maßnahmen zur Weiterleitung, der Flüchtlinge
vom Auffanglager Camp Kilmer bin ich überzeugt, daß die amerikanische
Wirtschaft die in den Vereinigten Staaten aufgenommenen ungarischen
Flüchtlinge ohne Frage leicht unterzubringen vermag, so daß diese für
sie sogar einen Gewinn darstellen.
Der

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9. Januar

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Der Vollständigkeit halber darf die Arbeit der freiwilligen Hilfsorganisationen, die ein leuchtendes Beispiel privater Hilfsbereitschaft
nach bester amerikanischer Tradition gegeben haben, nicht unerwähnt
bleiben. Sie waren sofort zur Stelle, als der Flüchtlingsstrom aus
Ungarn einsetzte. Sie sorgten in den ersten chaotischen Tagen für
Essen und Kleidung und kümmerten sich um die Flüchtlinge. Sie sorgen
für die V/eiterleitung dieser Menschen von Österreich aus nach anderen
Ländern, und wir erwarten von diesen Organisationen außerdem, daß sie
die Flüchtlinge aus Ungarn und anderen Ländern hinter dem Eisernen Vorhang, die nach den Vereinigten Staaten und anderen Ländern gehen,
glücklich in ihrer neuen Heimat unterbringen. Sie haben daher ein
Recht auf eine laufende und großzügige finanzielle Unterstützung des
gesamten amerikanischen Volkes.
Ebenso möchte ich den Beamten der amerikanischen Regierungsstellen
meinen Dank aussprechen, die in den vergangenen zwei Monaten so bereitwillig und tatkräftig im Rahmen der Flüchtlingshilfe gearbeitet haben.
Der amerikanische Botschafter in Österreich und seine Mitarbeiter,
die Angestellten des Bundesamtes für Einwanderungs- und Naturalisierungsfragen, des öffentlichen Gesundheitsdienstes und des Arbeitsministeriums sie alle haben in diesen Wochen Ausgezeichnetes geleistet. Auch die USStreitkräfte haben mit der Einrichtung und Durchführung der Luft- und
Seebrücke einen Beitrag geleistet, der mit der Tradition der Waffengattungen in bestem Einklang steht. Nirgends habe ich ein so eindrucksvolles Beispiel für die großzügige Hilfsbereitschaft Amerikas gesehen
als in der Arbeit der Frauen unserer Soldaten, die an den verschiedenen
Stationen, die die Flüchtlinge auf ihrem Wege nach den Vereinigten
Staaten passieren mußten, alles getan haben, um sie mit besonderer Sorgfalt zu betreuen.
Auch die von den Frauen der amerikanischen Regierungsstellen in
Wien eingerichtete Suppenküche, in der täglich 3000 bis 4000 Flüchtlinge beköstigt werden, ist ein schönes Beispiel tätiger Nächstenliebe.
Dies sind nur einige Beispiele für die Hilfsaktionen an den verschiedenen Stellen, wo amerikanische Angestellte und Angehörige der USStreitkräfte mit Aufgaben im Rahmen der Flüchtlingshilfe betraut wurden.
Abschließend möchte ich noch mit besonderem Nachdruck (darauf
hinweisen, daß wir in unserer notwendigen und verständlichen Sorge um
die Lösung des unmittelbaren Problems, nämlich der Linderung der
Flüchtlingsnot, nicht die historische Bedeutung dieser Massenauswanderung aus einer Welt der Sklaverei in die Welt der Freiheit übersehen dürfen. Die kommunistische Führung glaubte, eine neue Ordnung
in Ungarn zu errichten. Statt dessen hat sie lediglich dem völligen
Versagen des internationalen Kommunismus ein Monument gesetzt, das für
immer in der-Geschichte erhalten bleiben wird. Und die Menschen in
und außerhalb Ungarns, die den Mut besaßen, durch ihre Taten diese
Ideologie in ihrer ganzen Schändlichkeit bloßzustellen, verdienen alle
Dankbarkeit und Hilfe, die wir Menschen der freien Welt ihnen heute
von Herzen gerne gewähren.
* * * * *

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�In der gegenwärtigen Wtlt wird die anwachsende und verständlicheff«11« des Nationalismus durch weitverbreitete Aufstände und
Revolten gegen die Tyrannei, die Ungerechtigkeit, die Ungleichheit
und die Armut gekennzeichnet. Als Einzelpersonen, denen die Sehnsucht nach Freiheit gemeinsam ist, stellen Männer, Frauen und sogar
Kinder Kanonen und Panzern ihren Geist entgegen. Auf breiterer
Basis lösen die Völker in einem vielleicht noch hartnäckigeren
Streben nach der von echter Souveränität und der für die nationale
Unabhängigkeit notwendigen wirtschaftlichen Grundlage ausgehenden
Selbstachtung ihre alten Bande, suchen neue Bündnisse und experimentieren in ihrem Kampfe - manchmal in gefährlicher Weise -, um
dieses menschliche Trachten zu erfüllen.
Diese Tendenz hat besonders im letzten Jahr die Haltung und
Einstellung von Millionen von Menschen verändert. Die bereits verwirklichten Änderungen lassen eine V/elt erahnen, die durch den
Geist der Freiheit verwandelt ist. Dies ist keine ferne und fromme
Hoffnung.' Die gegenwärtig in den Seelen und Herzen der Menschen

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16. Januar 1957

Menschen arbeitenden Kräfte werden in vielen Jahren nicht aufgezehrt sein. Im großen und ganzen sind die nationalen Gefühle, wie
sie sich heute manifestieren, in ihrem geistigen Fundament ein
Spiegelbild des Freiheitskampfes unserer Vorväter.
Unsere Republik kann sich von diesen Ereignissen nicht distanzieren, die von einer neuen Ära der Menschheitsgeschichte künden.
Unser feierlich verpfändetes '"'ort, unser vernünftiges Eigeninteresse, unser Charakter als Kation legen uns in der Außenpolitik
eine hohe Verpflichtung auf: Die Rolle einer energischen Führung,
einer immer einsatzbereiten Stärke, eines wohlwollenden Verständnisses .
Bei der Eröffnung des 85.Kongresses beweist die Lage der Nation
erneut die Klugheit und Richtigkeit der Grundsätze, auf denen unser
-taatsgefüge beruht. Niedergelegt in der Verfassung unseres Landes
und in zahlreichen historischen Dokumenten und in religiösen Über- .
Zeugungen demütig wurzelnd, verkünden diese Prinzipien:
eine wache Sorge um die menschliche Freiheit; ein kluges SichKümmern um das menschliche Wohlergehen; ein unermüdliches Streben
nach Forderung des menschlichen Fortschritts.
Unsere Treue diesen Grundsätzen gegenüber hat uns in unseren
Beziehungen zu den anderen Völkern neue Freundschaft gebracht und
damit unsere Chance vergrößert, der Völkerfamilie unsere Dienste angedeihen zu lassen. Der von diesen Grundsätzen ausgehende Ruf richtet
sich 8n alle, und läßt in den Herzen aller Menschen eine leuchtende
Flamme auflodern. Wir werden diese Grundsätze weiterhin aufrechterhalten gegen diejenigen, die sie negieren - und in gemeinsamem Rat
mit unseren Freunden.
In unserem eigenen Lande hat die Anwendung dieser Grundsätze
auf die verzweigten Probleme unseres staatlichen Lebens uns zu
einer einmaligen Höhe wirtschaftlichen Wohlstandes gebracht und
den unvergänglichen Werten des menschlichen Geistes und Herzens
exemplarisch in unserer amerikanischen Lebensform Ausdruck
verliehen.
Während der vergangenen vier Jahre haben diese Grundsätze das
Gesetzgebungsprogramm geleitet, das dem Kongreß von der Regierung
unterbreitet worden ist. Bei dem Versuch, diese Prinzipien auf die
gegenwärtigen Verhältnisse sowohl in innen- als auch in außenpolitischer Hinsicht anzuwenden, müssen wir das vielfältige Ganze in
Rechnung stellen, das die Vereinigten Staaten von Amerika bilden,
sowie berücksichtigen, was dieses Ganze gefährdet und was es stärker
machen kann.
Die sichtbare Struktur dieses Ganzen ist die amerikanische Wirtschaft selbst. Nach mehr als 150 Jahren der konstanten Expansion verfügt diese '.Virtschaft immer noch in reichhaltigem Maße über eine Vielfalt natürlicher Hilfsquellen. Was das fachtechnische Können der Bevölkerung anbetrifft, steht die amerikanische Wirtschaft an erster
Stelle unter den Ländern der Welt. Sie erzeugt weitaus mehr Lebens- 2 -

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16. Januar 1957

Lebensmittel und Industrieprodukte als wir benötigen. Sie gibt all
unseren Bürgern die lohnende Möglichkeit, zu verdienen, ihre Ziele
zu verwirklichen und sich frei zu entfalten. Wir sind reich gesegnet
mit Bildungsstätten sowie mit kulturellen und religiösen Einrichtungen. Unser Wirtschaftssystem ist von unerhörter Dynamik in seiner unbegrenzten Initiative und Bereitschaft, das zu wagen, was ein freies
Unternehmertum charakterisiert. Unsere Wirtschaft bringt einen Wohlstand hervor, an dem weiteste Kreise Anteil haben.
Unsere Wirtschaft ist stark, sie weitet sich ständig aus und
ist in ihren Fundamenten gesund. Aber bei einer realistischen Bewertung wird selbst der optimistische Analytiker anerkennen, daß in einer
Zeit der Prosperität die Hauptgefahr für ein wirksames Funktionieren
einer freien Unternehmerwirtschaft die Inflation ist. fix blicken auf
vier Jahre der Prosperität zurück,, in denen die Preise, die Lebenshaltungskosten relativ stabil blieben - das heißt, der Inflation wurde
Einhalt geboten. Es ist jedoch klar, daß die Gefahr stets gegenwärtig
ist, besonders wenn die Regierung in ihren Ausgaben verschwenderisch
werden sollte oder private Gruppen alle die möglichen Auswirkungen
ignorieren sollten, die unkluge Kämpfe um unmittelbare Gewinne auf
unsere Wirtschaft haben könnten.
Diese Gefahr erfordert den festen Entschluß, daß die Bundesregierung nur einen vernünftigen Teil der Hilfsquellen der Nation einsetzen
darf, daß sie sich im Rahmen ihrer verfügbaren Mittel bewegen soll,
wobei sie andere Vorschläge, die erneute Ausgaben vorsehen, sorgfältig
gegen die Bedürfnisse abwägen muß.
In den kommenden vier Jahren werde ich weiterhin darauf bestehen,
daß die Ministerien und Regierungsbehörden nach neuen Mitteln und Wegen
Ausschau halten, um Geld und Arbeitskräfte einzusparen. Ich ersuche den
Kongreß, ebenfalls sein Augenmerk auf diese Angelegenheit zu richten.
Wir verpflichten uns feierlich, daß die Regierung weiterhin das
Ihre dazu tun wird, um über die Integrität des Dollars zu wachen. Die
Bemühungen der Regierung allein reichen jedoch nicht aus, um den Feldzug gegen die Inflation zu führen. Die Inflation ist der Dieb, der den
einzelnen des Wertes seiner Renten und sozialen Sicherheit berauben kann,
welche er sich während seines Arbeitsreichen Lebens verdient hat. Um Erfolg zu haben, müssen die Anstrengungen der Regierung mit der Einstellung
und den Maßnahmen des Einzelbürgers Hand in Hand gehen.
Ich habe oft von de"? Ziel dieser Regierung - dem Dienst an dem
nationalen Interesse von 170 Millionen Menschen - gesprochen. Das
nationale Interesse muß über allen temporären Vorteilen stehen, die
von bestimmten Gruppen auf Kosten des ganzen Volkes erlangt werden
könnten.
In diesem Zusammenhang fordere ich von den führenden Vertretern
des Unternehmertums und der Arbeiterschaft, wirklich an ihre Verantwortung gegenüber dem amerikanischen Volk zu denken. Zusammen mit allen
anderen Teilen unserer Gesellschaft sind sie der Nation gegenüber zu ständiger Wachsamkeit gegen alle inflationistischen Tendenzen verpflichtet,
die in einer dynamischen Wirtschaft mit einem so hohen Stand wie dem gegenwärtigen stets am Werk sind. Sie können durch ihre Lohn- und Preis-

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Preispolitik mit dazu beitragen, solchen Tendenzen machtvoll entgegenzuwirken oder sie zu verstärken.
Die Wirtschaft sollte in ihrer Preispolitik alle unnötigen Preiserhöhungen vermeiden, besonders zu einem Zeitpunkt wie dem gegenwärtigen, da die Nachfrage auf so vielen Gebieten zu einem starken Brück
auf die knappen Vorräte führt. Ein angemessener Gewinn ist für neue
Investitionen unbedingt notwendig, durch die in einer sich ständig ausweitenden* Wirtschaft mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Aber die
Maßgebenden Männer der 'Wirtschaft müssen im nationalen Interesse eifrig
bedacht sein, solche Preiserhöhungen zu vermeiden, die nur auf Grund
des lebenswichtigen oder ungewöhnlichen Bedarfs des gesamten Landes
möglich wären.
Wenn unsere Wirtschaft gesund bleiben soll, müssen Lohnerhöhungen
und die Verbesserung anderer Zuwendungen an die Arbeitnehmer, wie sie
zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ausgehandelt werden, zu dem
Produktivitätszuwachs in einem angemessenen Verhältnis stehen. Nur
solche Erhöhungen sind von Nutzen, denn sie bringen den Lohnempfängern
eine größere Kaufkraft ein. Mit Ausnahme der Fälle, in denen die Korrektur offensichtlicher Ungerechtigkeiten notwendig ist, sind alle Lohnerhöhungen, die über den Produktivitätszuwachs hinausgehen, inflationär.
Sie führen zu höheren Preisen für die Öffentlichkeit im allgemeinen und
zu besonderen Härten für diejenigen, deren Wohlergehen von der Kaufkraft
ihrer Pensionen und Ersparnisse abhängig ist. Lohnverhandlungen sollten
auch dem Recht der Öffentlichkeit im allgemeinen Rechnung tragen, an
den Segnungen der technischen Errungenschaften teilzuhaben.
Die Freiheit ist als die Gelegenheit zur Selbstdisziplin definiert
worden. Liese Definition ist in einer freien Wirtschaft im besonderen
auf die Gebiete der Lohn- und Preispolitik anzuwenden. Sollten wir ständig dabei versagen, Selbstdisziplin zu halten, so würde schließlich auf
die Regierung ein wachsender Druck ausgeübt werden, diesen Fehler auszu=
gleichen. Dadurch würde aber die Freiheit Schritt für Schritt verschwinden. Keinem Punkt auf dem Gebiet der Innenpolitik sollte die Besorgnis d
Freunde der arbeitenden amerikanischen Männer und Frauen und der freien
Wirtschaftsunternehmen mehr gelten als den Kräften, die zu einer ständigen Minderung des Wertes unseres Geldes zu führen drohen.
Was die Entwicklungen auf einem anderen entscheidend wichtigen
Sektor unserer Wirtschaft anbetrifft, nämlich der Landwirtschaft, so
bin ich dankbar, daß dem seit langem anhaltenden Rückgang fie* landwirtschaftlichen Einkommen Einhalt geboten worden ist und daß eine
weitere Verbesserung in Aussicht steht. Lies ist ein ermutigender
Fortschritt. Drei von uns entwickelte Maßnahmen - der stärkere Absatz
überschüssiger Agrarerzeugnisse, die verbesserten Preisstützungsgesetze
sowie die Bodenbank - tragen zum Abbau der auf die Preise drückenden
Regierungsbestände an Agrarprodukten bei. Unsere Fürsorge für das Wohlergehen unserer Farmerfamilien erfordert es, daß wir ständig nach neuen
Wegen suchen, wie diese in stärkerem Maße an unserer noch nie zuvor dagewesenen Prosperität teilhaben können. Gesetzesempfehlungen auf dem
Gebiet der Landwirtschaft werden in der Haushaltsbotschaft enthalten
sein .
Unsere natürlichen Hilfsquellen, wie landwirtschaftliche Nutzflächen, Wasserkräfte, Mineralvorkommen, der Wald- und Wildbestand und

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16. Januar 1957

und das Fischereiwesen werden erhalten und in wirksamerer Weise verbessert. Die Erhaltung und Weiterentwicklung dieser Hilfsquellen ist
für die derzeitige und künftige Stärke der Nation von entscheidender
Bedeutung. Dies aber darf nicht nur eine der Bundesregierung obliegende
Aufgabe sein, sondern auch die Einzelstaaten und kommaer sollten ermutigt werden, an derartigen Projekten teilzunehmen.
Ich möchte vor allem die Programme für eine optimale Nutzung
der Wasserreserven erwähnen, die sich rasch zu unserer wertvollsten
natürlichen Hilfsquelle entwickeln und die - wenn sie vernachlässigt
werden - genauso rasch zu einem Zerstörer sowohl des Lebens wie des
Wohlstands werden können. Ein umfassender Bericht über die Wasserreserven, in dem alle Phasen dieses speziellen Problems Berücksichtigung
finden, ist von einem Kabinettsausschuß zusammengestellt und veröffentlicht worden.
Im Lichte dieses Berichtes gibt es meiner Meinung nach zwei Punkte,
die wir ständig im Auge behalten sollten. Der erste ist, daß jedes unserer großen Stromtäler als Ganzes betrachtet werden muß. Einzelmaßnahmen, die sich in dem engen Rahmen eines Kanalisationsgebietes von
geringerer Größenordnung bewegen, können zum Scheitern verurteilt sein
oder sich zumindest als unnötig kostspielig erweisen. Der zweite ist,
daß der inländische und industrielle Wasserbedarf bei weitem schneller
ansteigt als unsere Bevölkerung.
Das gesamte Problem besteht darin, wie man jeden Wassertropfen von
dem Augenblick an, wo er unseren Boden berührt bis er den Ozean erreicht,
am besten ausnutzt; solche Zwecke der Bewässerung, der Flußregulierung,
der Energieerzeugung sowie des inländischen und industriellen Bedarfs
machen die engste und umfassendste Zusammenarbeit und Partnerschaft
zwischen den Kommunen, Bundesstaaten und der Bundesregierung erforderlich. Durch die Mitarbeit der Behörden des Bundes der Staaten und
Gemeinden an diesen gewaltigen Vorhaben können wir eine sparsame und
wirkungsvolle Entwicklungsarbeit leisten, die sich aus einem wachen
Sinn für kommunales Verantwortungsgefühl ergibt.
Solange nicht eine ordentliche und vernünftige Basis für eine
solche Partnerschaft geschaffen ist, wobei Zuständigkeit, Verantwortung und Kosten geteilt werden, wird unser Lind weder einen vollen
produktiven Nutzen aus den Wasserkräften ziehen können, wie dies
offensichtlich notwendig ist, noch vor verheerenden Überschwemmungen
sicher sein.
Wenn wir hier versagen, können die zahlreichen Aufgaben, die in
Amerika getan werden müssen, nur unter großen zusätzlichen Kosten,
unter dem Wachsen einer erdrückenden Bürokratie und unter Umständen
unter einem gefährlichen Maß zentraler Kontrollen über unser nationales
Leben durchgeführt werden.
In allen innerpolitischen Fragen, so glaube ich, wird das amerikanische Volk von uns wirksame Maßnahmen erwarten, um vergangene Fehler
in entscheidend wichtigen Fragen wieder gut zu machen.
Das Gesetz über den Schulbau sollte mit Vorrang behandelt werden.
Es kommt den Kindern aller Rassen überall in den USA zugute - und die
Kinder aller Rassen benötigen diese Schulräume jetzt. Das Bauprogramm,

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�"AMERIKA LIEBST"

16. Januar 1957

Bauprogramm, das der großen Schulraumnot abhelfen soll, sollte ohne
Verzögerung verwirklicht werden. Ich hoffe, daß dieses Programm um
seiner selbst willen durchgeführt werddn kann und nicht durch Bestimmungen kompliziert wird, die sich mit den komplexen Problemen der
Integration befassen. Ich fordere daher die Bevölkerung in allen Teilen
des Landes auf, an diese Probleme mit Ruhe und Vernunft heranzugehen,
mit gegenseitigem Verständnis und gutem Willen sowie in der amerikanischen Tradition der tiefen Achtung vor dem ordnungsmäßigen Prozeß von
Recht und Gerechtigkeit.
Ich darf an dieser Stelle darauf hinweisen, daß wir guten Grund
haben, auf den Fortschritt stolz zu sein, den die amerikanische Bevölkerung im Hinblick auf ein gegenseitiges Verstehen - die Hauptstütze der Menschen- und Bürgerrechte - macht. Wir nähern uns beständig dem Ziel einer gerechten und gleichen Behandlung aller Bürger ohne Rücksicht auf Rasse oder Hautfarbe. Leider muß in dieser
Hinsicht jedoch noch vieles getan werden.
Die Regierung hat dem Kongreß im vergangenen Jahr ein Vierpunkteprogramm zur Stärkung der Bürgerrechte unterbreitet. Dieses Programm
sah vor:
Erstens: Die'.Bildung einer überparteilichen Kommission, die
engebliche Verstöße gegen die Bürgerrechte untersuchen und entsprechende Empfehlungen unterbreiten soll.
Zweitens: Die Bildung einer Abteilung für Bürgerrechte im
Justizministerium unter der Leitung eines Staatssekretärs.
Drittens: Die Verabschiedung von neuen Gesetzen durch den
Kongreß, die zur Sicherung der Ausübung des Stimmrechts beitragen
sollen.
Und viertens: Eine Änderung der Gesetze, die es der Bundesregierung gestattet, bei den zivilen Gerichtshöfen um eine vorbeugende Rechtshilfe in Bürgerrechtsfällen nachzusuchen.
Ich fordere den Kongreß dringend auf, diese Gesetzgebung zu
verabschieden.
Wichtig für das von uns angestrebte stabile Wachstum unserer
Wirtschaft ist ein System von änpassungs- und leistungsfähigen finanzinstituten. Meiner Ansicht nach ist der Zeitpunkt gekommen, auf
nationaler Basis eine umfassende Untersuchung über die Art, Leistung
und Zulänglichkeit unseres Finanzsystems durchzuführen, wobei sowohl
seine dienende Leitfunktion für die Gesamtwirtschaft als auch seine
Funktion als derjenige Mechanismus untersucht werden soll, durch den
die Geld- und Kreditpolitik verwirklicht wird. Ich glaube, der Kongreß sollte seine Ermächtigung für die Bildung einer Kommission von
befähigten und qualifizierten Bürgern erteilen, um diese lebenswichtige
Aufgabe durchzuführen. Auf Grund ihrer Untersuchungsergebnisse und
Empfehlungen würde die Regierung entsprechende gesetzgeberische Vorschläge ausarbeiten, die zur Verbesserung unseres Finanzierungsapparates vielleicht erforderlich sein könnten und würde diese dann dem
Kongreß unterbreiten.
Es_

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"AMERIKA DIENST"

Januar 1957

Es erscheint mir nicht notwendig, in dieser Botschaft die unsere
innenpolitischen Angelegenheiten betreffenden Empfehlungen zu wiederholen, die dem Kongreß während der vergangenen vier Jahre zugeleitet
wurden, die aber in einigen Fällen nicht das Stadium einer vollkommen
zufriedenstellenden Gesetzgebung erreichten.
Die Regierung wird in künftigen Botschaften - entweder durch mich
direkt oder die Leiter der Ministerien und einzelnen Behörden - dem
Kongreß Empfehlungen über unsere finanziellen und fiskalischen Angelegenheiten, unsere militärische und zivile Verteidigung, die Justiz, unsere
Landwirtschaft, den Binnen- und Außenhandel, die dringend notwendige
Erhöhung unserer Postgebühren, die Entwicklung unserer natürlichen
Hilfsquellen, unsere Arbeitsgesetzgebung einschließlich der Gesetzgebung über die Beziehungen zwischen den Sozialpartnern und die wichtigen Fragen des Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesens unserer
Nation vorlegen. Weiterhin werden besondere Empfehlungen über Fragen
wie die der Atomenergie, der Förderung der öffentlichen Arbeiten und
der Fortführung der Bemühungen um Ausschaltung jeder Konkurrenz der
Regierung mit der Erwerbstätigkeit der steuerzahlenden Bürger unterbreitet werden.
Eine Reihe von gesetzgeberischen Empfehlungen wird im einzelnen
in meiner bevorstehenden Haushaltsbotschaft Erwähnung finden, die
Ihnen binnen einer Woche zugehen wird. In dieser Botschaft wird auch
die Bereitstellung der für die Durchführung der vorgeschlagenen Maßnahmen notwendigen Finanzmittel empfohlen werden.
Die Existenz einer Waffenstarken imperialistischen Diktatur
stellt für die Sicherheit und den Frieden der freien Welt und damit
für die Sicherheit und den Frieden unserer eigenen Nation eine ständige Bedrohung dar. Man muß sich in diesem Zusammenhang gewisse Wahrheiten vergegenwärtigen.
Erstens, ein isoliertes Amerika kann allein und auf sich gestellt
nicht einmal seine eigene Sicherheit gewährleisten. Uns muß die Fähigkeit und Entschlossenheit der Nationen, die sich als zuverlässige Verteidiger der Freiheit erwiesen haben, zur Seite stehen. Sich von ihnen
zu isolieren, heißt einen Krieg herauszufordern. Unsere Sicherheit
wird außerdem durch das nicht meßbare Interesse vergrößert, das uns
mit all den Völkern verbindet, die daran glauben, daß der Friede in
Gerechtigkeit erhalten werden muß und daß Aggressionskriege Verbrechen
gegen die Menschlichkeit sind.
Eine weitere Wahrheit besteht darin, daß unser nationales Sein
oder Nichtsein in der heutigen Welt von einer modernen, ausreichenden
und verläßlichen militärischen Macht abhängt. Unsere Nation hat weitreichende Schritte unternommen, um eine moderne Verteidigung sicherzustellen, die so mit neuen Waffen ausgestattet, so eingesetzt und ausgerüstet ist, daß unsere Sicherheitsstreitmacht heute die mächtigste
darstellt, über die wir je in Friedenszeiten verfügt haben. Sie kann
Jeden Gegner, der uns anzugreifen wagt, schwer bestrafen. Sie stellt
eine wesentliche Abschreckung vor einem Krieg dar.
•
Durch unsere Forschungs- und Entwicklungsarbeiten entstehen ständig
bessere Waffen - von denen einige eine erstaunliche Wirkung aufweisen.
Diese

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�•AMERIKA DIENST"

16. Januar 1957

Diese lebenswichtigen Bemühungen werden wir fortsetzen. Wir dürfen
uns aber nicht der Selbsttäuschung hingeben, daß sich die Sicherheit
notwendigerweise verstärkt, wenn sich die Ausgaben für militärische
Forschungszwecke oder die Streitkräfte erhöhen. Ja, wenn über einen
gewissen vernünftigen und vertretbaren Rahmen hinaus - der sich ständig
ändert und laufend geprüft wird - Geld für Waffen ausgegeben wird, dann
kann der Fall eintreten, daß dieses Geld für totes Metall oder auf Grund
überhöhter Preise vergeudet und dadurch die Sicherheit und Stärke, die
wir anstreben, gerade geschwächt wird.
Die nationale Sicherheit erfordert weitaus mehr als lediglich
militärische Stärke. Wirtschaftliche und moralische Faktoren spielen
hier eine unerläßliche Rolle. Jedes Programm, das unsere Wirtschaft
gefährdet, kann uns eine Niederlage bereiten. Jede Schwächung des
Willens und der Entschlossenheit unserer Nation, jede Verminderung
der Kraft und Initiative unserer einzelnen Bürger würde einen Schlag
gegen des Herz unserer Verteidigung führen.
Die beste militärische Einrichtung, die wir schaffen können, muß
eng mit den Kräften unserer Freunde zusammenarbeiten. Unser System regionaler Pakte, das im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen entwickelt
wurde, dient gleichzeitig der Erhöhung unserer eigenen Sicherheit und
der Sicherheit der anderen Nationen iDieses System ist erst in jüngster Zeit in unserem '.Veitbild aufgetaucht. Es bringt zahlreiche und schwierige Probleme mit sich, da es
die Gleichheit zwischen seinen Mitgliedern fordert und einige Nationen
zueinander in Beziehungen bringt, die traditionelle Gegner waren. In
den vergangenen Moneten ist immer wieder der Zusammenbruch dieser regionalen Bündnisse vorausgesagt worden, In der Tat waren sie zeitweise
schweren Beanspruchungen unterworfen. Aber trotzdem haben sich unsere
regionalen Bündnisse als dauerhaft und stark und die düsteren Prognosen
in bezug auf ihre Auflösung als völlig falsch erwiesen.
Im Bunde mit anderen freien Nationen sollten wir mit Nachdruck
Maßnahmen treffen, die die gemeinsame Stärke, die gemeinsame Prosperität und das gemeinsame Wohlergehen innerhalb der freien Welt fördern
werden. Stärke ist zwangsläufig das Produkt einer gesunden Wirtschaft
und sozialen Wohlstandes. Infolgedessen müssen wir, auch während wir
unsere militärischen Hilfsprogramme fortführen, unsere Freunde beim
Aufbau noch produktiverer Volkswirtschaften und bei Maßnahmen, die die
natürlichen Forderungen ihrer Bevölkerung nach Fortschritt besser zufrieden stellen, tatkräftig unterstützen. Dabei werden wir auf dem
Wege zu einer friedlichen Welt ein großes Stück vorankommen.
Ein auf vernünftigen Prinzipien beruhendes und gesichertes Abkommen
der Offenen Himmel, unbewaffnete Luftpatrouillenflüge und eine verminderte Rüstung würden einen wertvollen Beitrag zu einem dauerhaften Frieden in den vor uns liegenden Jahren leisten. Wir haben in unseren auf die
Erreichung eines solchen Abkommens hinzielenden Bemühungen nicht nachgelassen. Wir sind bereit, weitere Vorschläge vor den Vereinten Nationen
zu unterbreiten. Wir sind gewillt, jedes verläßliche Abkommen einzugehen, das die Tendenz zur Entwicklung immer verheerenderer Kernwaffen
umkehrt, das gegenseitigen Schutz gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffes bietet, die Entwicklung von künstlichen Erdtrabanten
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�"AMERIKA TIEFST"

16. Januar 1957

Erdtrabanten und Raumraketen unter gemeinsame Kontrolle bringt, eine
Herabsetzung der Rüstung und der Stärke der Streitkräfte ermöglicht
und damit die Last der militärischen Ausgaben vermindert. Unsere andauernden Verhandlungen auf diesem Gebiet bilden einen wesentlichen
Bestandteil unseres Strebens nach Frieden und Vertrauen in diesem
Zeitalter des Atoms.
Dieses Streben setzt ebenso eine konstruktive Einstellung aller
Nationen der freien Veit gegenüber einer Ausweitung von Handel und
Investitionen voraus, die uns allen die Gelegenheit bietet, auf eine
wirtschaftliche Besserung hinzuarbeiten.
^in unerläßlicher Schritt auf diesem Gebiet ist die Schaffung
einer Verwaltungsorganisation, die eine ordnungsgemäße und reibungslose Durchführung der bestehenden Vereinbarungen gewährleistet, auf
Grund deren der multilaterale Handel gegenwärtig abgewickelt wird.
Aus diesem Grunde ersuche ich um eine Ermächtigung des Kongresses,
damit die Vereinigten Staaten der vorgeschlagenen Organisation für
eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Handels (OTC) beitreten können eine Maßnahme, die eine Beseitigung der Diskriminierungen unseres
Exporthandels beschleunigen würde.
Wir begrüßen die Bemühungen einer Anzahl unserer europäischen
Freunde, eine integrierte Gemeinschaft für die Schaffung eines gemeinsamen Marktes zu erreichen i Wir begrüßen in gleicher Weise ihre
Bemühungen um eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Atomenergie.
Um erneut unser unwandelbares Ziel zu demonstrieren, das Atom zu
einem friedlichen Diener der Menschheit zu machen, werde ich den Kongreß
in Kürze um die Ermächtigung für den Beitritt der USA als Vollmitglied
zu der Internationalen Atomenergiebehörde ersuchen.
Die internationalen Ereignisse haben sowohl die Aufgaben als
auch die Möglichkeiten des US-Informationsamtes (USIA) vergrößert.
Da gerade in den jüngsten Moneten die Stimme des Kommunismus in beträchtlichem Maß an Kraft verloren hat und unsicher geworden ist,
muß sich die Stimme der Wahrheit stärker Gehör verschaffen. Um es
unserem Informationsamt zu ermöglichen, diesen neuen Aufgaben und
Möglichkeiten Rechnung zu tragen, ersuche ich den Kongreß, die Zuwendungen für dieses Programm beträchtlich zu steigern und gesetzgeberische Maßnahmen zur Schaffung einer eigenen Laufbahn für die im
Auslandsdienst tätigen Beamten dieser Behörde zu treffen.
Die jüngsten geschichtlichen Ereignisse in Ungarn gebieten,
daß slle freien Nationen sich ihren Möglichkeiten entsprechend .
an der Aufgabe beteiligen, den Opfern der kommunistischen Verfolgung
Asyl zu gewähren.
Ich ersuche den Kongreß um unverzügliche Verabschiedung eines Gesetzes, das den Status der unter dem Paroleverfahren
nach den Vereinigten Staaten gebrachten Ungarn-Flüchtlinge regelt. Ich
werde in Kürze in einer Sonderbotschaft an den Kongreß Abänderungen
unserer Einwanderungsgesetze vorschlagen, die ich angesichts unserer
globalen Aufgaben und Verantwortungen für notwendig erachte.
Wir

�AMERIKA DIENST"

16. Januar 1957

'.Vir müssen den für den Frieden zu zahlenden Preis kühn und
furchtlos entrichten; abgesehen von den finanziellen Aufwendungen
gehören dazu Änderungen unserer gewohnten Einstellungen, das Aufgeben alter Vorurteile, ja sogar das Opfer eines gewissen Teils
scheinbaren Et#8»interesses•
Erst vor fünf Tagen habe ich Ihnen gegenüber die ernste Sorge
der Regierung über die Drohung einer sowjetischen Aggression im
Mittleren Osten zum Ausdruck gebracht. Ich habe den Kongreß um die
Ermächtigung ersucht, einen Beitrag für die Abwehr einer solchen
Drohung zu leisten. Ich erkläre erneut, daß diese Angelegenheit von
lebenswichtiger und unmittelbarer Bedeutung für die Sicherheit unserer Nation und der freien Welt sowie die Aufrechterhaltung des
Friedens ist. Durch unsere vorgeschlagenen Programme für den Mittleren
Osten hoffen wir zur Schaffung eines Klimas beizutragen, in dem konstruktive und dauerhafte Lösungen für die grundlegenden Probleme in
jenem Raum gefunden werden können.
Von Zeit zu Zeit werden dem Kongreß Gesuche für weitere gesetzgeberische Maßnahmen auf dem weiten Gebiet der Außenpolitik unterbreitet werden. Alle Gesuche werden das feste Ziel unserer Regierung
zum Ausdruck bringen, einen auf Gerechtigkeit basierenden Frieden anzustreben. Obwohl hierbei in einigen Fällen die Einzelheiten andere
sind, werden die zugrunde liegenden Absichten und Zielsetzungen dieselben bleiben.
Alle von der Regierung auf diesem Gebiet gemachten Vorschläge
gehen von der Einigkeit der freien Welt aus. Diese Einigkeit wird vielleicht nicht unmittelbar offensichtlich sein, sofern wir nicht Glied für
Glied die Kette der Beziehungen prüfen, die uns mit jedem einzelnen Gebiet und mit jedem einzelnen Land verbinden. Auf geistigem Gebiet ist
die freie Welt eins, weil ihre Völker das Recht aller Nationen auf
eine unabhängige Existenz bejahen. Ich habe bereits auf ihre gegenseitige Abhängigkeit in wirtschaftlicher Hinsicht hingewiesen.. Aber
ihre gegenseitige Abhängigkeit voneinander erstreckt sich auch auf
das Gebiet äer Sicherheit.
Zunächst einmal wird wohl kein klar denkender Mensch die absolute
Notwendigkeit in Zweifel stellen, daß unsere amerikanischen Nachbarn
Wohlstand und Sicherheit haben müssen. Ihre Sicherheit und ihr Wohlstand sind untrennbar mit den. unsrigen verbunden. Und wir sind tatsächlich bereits durch feierliche Versprechen mit diesen Nachbarn verbunden.
Kein klar denkender Mensch wird ferner ableugnen, daß Freiheit,
Wohlstand und Sicherheit Westeuropas von entscheidender Bedeutung für
unseren eigenen Wohlstand und unsere eigene Sicherheit sind. Sollten die
Institutionen, das technische Können, das Menschenpotential dieser Völker unter die Herrschaft eines aggressiven Imperialismus geraten, dann
würde diese gewaltsame Änderung im Gleichgewicht der Weltkräfte sowie
im Gefüge des Welthandels nicht völlig durch irgendwelche Maßnahmen
seitens der USA, sei es auf militärischem oder auf wirtschaftlichem
Gebiet, kompensiert werden können.
Aber diese Völker, deren wirtschaftliche Stärke in hohem Maße von
einem freien und unbehinderten Transport des Erdöls aus dem Mittleren
- 10 -

�•AMERIKA DIENST"

16. Januar 1957

Mittleren Osten abhängig ist, können nicht blühen, ja ihre Volkswirtschaften würden sogar hart getroffen werden, wenn dieses Gebiet
von einem Gegner kontrolliert würde und der Transport des Erdöls
areinen Entscheidungen unterworfen wäre«
Und weiter im Osten haben asiatische und fernöstliche Völker in
jüngster Zeit die Unabhängige Kontrolle ihrer eigenen Angelegenheiten
wiedergewonnen oder befinden sich gegenwärtig in einem Stadium des Übergangs zu einem souveränen Staat. Ihre potentielle Stärke gibt neue
Gewißheit für Stabilität und Frieden in der Welt, sofern sie sich ihre
Unabhängigkeit erhalten können. Sollten sie die Freiheit verlieren und
von einem Aggressor beherrscht werden, dann würden die weltweiten Auswirkungen die Sicherheit der freien Welt gefährden.
Kurz gesagt, die 'Veit ist so zusammengeschrumpft, daß alle freien
Nationen unsere Nachbarn sind. Ohne Nachbarn, die mitarbeiten, können
die Vereinigten Staaten sich nicht ihre eigene Sicherheit und ihren
eigenen Wohlstand erhalten, weil»
erstens die lebenswichtigen Interessen Amerikas weltweiter
Natur sind und beide Hemisphären sowie jeden Kontinent umfassen;
zweitens wir mit jedem einzelnen Land innerhalb der freien Welt
eine Interessengemeinschaft haben;
Qrittens das gegenseitige Voneinanderabhängen der Interessen eine
angemessene Achtung der Rechte und des Friedens aller Völker voraussetzt.
Diese Grundsätze sind das Motiv für unsere Handlungen innerhalb
der Vereinten Nationen. Dort wollen wir durch unsere Loyalität ihnen
gegenüber und dadurch, daß wir diese in die Praxis umsetzen, voe aller
Welt danach streben, einen Maßstab zu schaffen, an den sich alle halten
können, die die Gerechtigkeit suchen und nach Frieden hungern.
Lassen Sie uns alle hier in unserem eigenen Land, in unserem
Regierungssitz, unseren großen und kleinen Städten und auf den Farmen
Amerikas diese Grundsätze durch persönliches Eintreten und persönliche
Hingabe unterstützen. Auf diese Weise kann jeder von uns an der Schaffung
einer sicheren Weltordnung mitwirken, in der allgemein günstigere Bedingungen für Freiheit und Gerechtigkeit herrschen und wo die jetzt für
Kriegsrüstungen vergeudeten Mittel für das Leben und Gedeihen der gesamten
Menschheit etgesetzt werden können.
Als unsere Vorväter das unsterbliche Dokument ausarbeiteten, das
unsere Unabhängigkeit proklamiert, haben sie den Standpunkt verfochten,
daß jeder einzelne von seinem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen
Rechten ausgestattet worden ist. Werfen wir unsere Blicke auf die Geschichte und auf jenes Datum zurück, so ist es klar, daß unsere Nation
danach gestrebt hat, gemäß dieser Deklaration zu leben, indem sie diese
gegenüber Nationen wie Einzelmenschen anwandte.
Heute weisen wir stolz darauf hin, daß sich die Regierung der
Vereinigten Staaten bei ihren Maßnahmen im In- und Ausland noch immer
diesen- Konzeption verschrieben hat.
-p.
11 -

�"AMERIKA DIENST"

16. Januar 1957

Das Ziel ist göttlichen Ursprungs, seine Verwirklichung dem
Menschen anheimgestellt.
Unser Land und unsere Regierung haben Fehler, menschliche
Fehler begangen. Sie entsprangen unserem Denken, nicht unserem
Herzen. Und es ist noch immer wahr, daß die große Konzeption von
der Würde aller Menschen, die alle nach dem Bilde des Allmächtigen
geschaffen worden sind, der Kompaß gewesen ist, nach dem wir unseren
Kurs zu steuern suchten und auch heute steuern wollen.
Solange wir uns diesem Kompaß weiter envertrauen, werden wir
in den menschlichen Angelegenheiten bei uns und bei denen,mit denen
wir zusammenarbeiten, wirkliche Fortschritte machen.
Ein noch getreueres Festhalten an diesem Kurs ist, so glaube ich,
unseres Strebens wert, wenn wir in diesen Tagen zur ersten Sitzungsperiode des 85»Kongresses zusammenkommen."

- 12

�nen können darauf vertrauen, daß er sich mit Nachdruck für die
Schaffung eines dauerhaften und gerechten Friedens einsetzen wird.
Er wird auch fortan unserem Lande vorangehen in seinem erneuten
Bemühen, einen ",'eg zu finden, um die Hilfsquellen der Menschheit
mehr für einen Frieden in Yohlstand als für Rüstungen und Streitkraft« einsetzen zu können ; um die Spannungen zu vermindern und
das Vertrauen unter den Völkern durch die Schaffung eines verläßlich kontrollierbaren niedrigen Rüstungsstandes zu heben, und um
die Gefahr eines Kriegsausbruches durch die Ausschaltung der Gefahr einer großen Überraschungsangriffes herabzusetzen.
In seinem kürzlichen Schreiben an Marschall 3ulganin vom
31.Dezember 1956 hat Präsident Eisenhower erneut seine Ansicht
zum Ausdruck gebracht, daß 'die Beratungen im Rahmen der Vereinten
Nationen in dem äußerst komplizierten Abrüstungsproblem soweit gediehen sind, daß ein Schritt vorwärts höchst wahrscheinlich' sei.
Ein
- 1 -

�"A'^TKA DIENST"

16. Januar 195?

Ein Abkommen ohne eine -virksame Inspektion würde sich sofort
als Quelle von Zweifeln und Verdächtigungen, von Mißtrauen und
Schmähungen, von Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen erweisen.
Ein derart ungesundes Abkommen würde die Spannungen verschärfen
und die Kriegsgefahr vergrößern.
So fest, wie wir von der Wünschbarkeit eines verläßlichen
Abkommens und von den Gefahren bei dem Eehlen eines solchen Abkommens überzeugt sind, so sind wir nichtsdestoweniger zu dem
Schluß gekommen, daß ein schlechtes Abkommen der Sache des Friedens weniger dient als überhaupt kein Abkommen. Ein Abkommen ohne
Inspektionsmöglichkeit oder ein Abkommen ohne ausreichende Kontrollmsßnahmen oder ein einseitiges Abkommen würde ein schlechtes Abkommen darstellen. Es würde dem Ziel des Friedens nicht dienen.
'.Vir sind der Ansicht, daß erneute Verhandlungen die folgenden
Ziele anstreben sollten:
erstens, die Tendenz der Anlegung von größeren Vorratslagern
an Kernwaffen in ihr Gegenteil zu verkehren und die künftige Atoradrohung zu reduzieren;
zweitens, Vorkehrungen gegen einen umfassenden Überraschungsangriff zu treffen und dadurch die Gefahr eines Weltkrieges zu verringern ;
drittens, die Rüstungslasten zu reduzieren und einen erhöhten
Lebensstandard zu ermöglichen;
viertens sicherzustellen, daß die Forschung und Entwicklung
von Geschossen, die in den Weltenraum eindringen,ausschließlich
wissenschaftlichen und friedlichen Mitteln dienen;
fünftens, die Spannungen zu vermindern und die Regelung schwieriger politischer Fragen zu erleichtern.
Um diese Ziele zu erreichen, machen die Vereinigten Staaten die
folgenden Vorschläge. Spezifische Einzelheiten sind im Rahmen der Verhandlungen in dem Unterausschuß auszuarbeiten;
Erstens: Die Vereinigten Staaten schlagen ein Abkommen vor,
im Rahmen dessen unter einer wirksamen internationalen Inspektion
zu einem baldigen Zeitpunkt die gesamte künftige Produktion an
spaltbarem Material ausschließlich für unter internationaler Überwachung stehende., friedliche Zwecke verwendet oder eingelagert werden soll. Die Mitglieder dieser Versammlung sowie die Wissenschaftler in aller Welt wissen, daß es unmöglich ist, das gesamte in der
Vergangenheit produzierte spaltbare Material oder die gesamten bestehen
den Atomwaffenvorräte mit der notwendigen Sicherheit festzustellen oder
durch die der Wissenschaft bisher bekannten Mittel aufzuspüren. Es ist
nicht möglich,hinsichtlich der Entdeckung und Entwicklung des Atoms
die Uhr zurückzudrehen oder das Atomzeitalter rückgängig zu machen.
Etwas, was getan werden kann, und was daher die Vereinigten Staaten
zum Heil der Menschheit vorschlagen, ist die Errichtung einer wirk-

�'AMERIKA DIENST"

16. Januar 1957

wirksamen internationalen Kontrolle der künftigen Produktion spaltbaren Materials sowie die gegenseitige feste Zusicherung, die künftige Produktion ausschließlich für nichtkriegerische Zwecke einzusetzen .
'A'enn diese Verpflichtungen eingehalten würden, dann wäre es
uns möglich, auf verläßliche '.Veise an die Reduzierung der bestehenden
Kernwaffenvorräte heranzugehen. Wenn die künftige Erzeugung kontrolliert wird, sollte es leichter sein, die voraussichtliche Menge des
früher hergestellten spaltbaren Materials einigermaßen genau festzulegen, als dies auf Grund der jetzt verfügbaren Informationen möglich ist, so daß eine gerechte und angemessene Übertragung weiterer
aufgestockter Bestände aus der früheren Produktion für die Zwecke
der international überwachten nationalen oder internationalen friedlichen Verwendung derartigen Materials durchgeführt werden könnte.
Die Mitglieder dieser Versammlung werden erkennen, daß dieser Vorschlag die logische '.Veiterführung und Verwirklichung der von Präsident Eisenhower in seiner Botschaft vor der UN-Generalversammlung am
8.Dezember 1953 herausgearbeiteten Konzeption darstellt, als er das
"Atome-für-den-Frieden"-T"rogra-im vorschlug. Der Vorschlag wird von
denselben Motiven inspiriert, die durch die Mitarbeit der Nationen
der V/elt zur Schaffung der Internationalen Atomenergiebehörde führten.
Im Rahmen dieses Programms würden die Vereinigten Staaten ihrerseits großzügig und in zunehmendem Maße spaltbares Material solchen
Verbrauchern überlassen, die dieses für friedliche Zwecke verwenden,
genau wie sie bereits zu einem früheren Zeitpunkt ihre Absicht bekanntgegeben haben, zu der Internationalen Atomenergiebehörde beizusteuern.
Die USA werden euch weiterhin fortfahren, die einzelnen Nationen zu
ermutigen, ihren vollen Beitrag zu den konstruktiven Verwendungszwecken
der Atomenergie zu leisten.
Im Rahmen eines derartigen Programms könnte vielleicht die gesamte
künftige Entwicklung gewandelt werden. Die Entwicklung des Atoms wird
in ihrem weiteren Verlauf eine segensreiche Richtung einschlagen und
dann nicht zu einem bösen Ende führen.
Zweitens l Wenn eine derartige Vereinbarung zur Kontrolle der
künftigen Produktion ausgehandelt und in Kraft gesetzt werden kann,
dann würde es möglich sein, alle Atomwaffenversuche auf sichere Weis
Lse
zu begrenzen und schließlich einzustellen. Die Vereinigten Staaten
schlagen vor, daß dies geschieht. Unabhängig von den Verhandlungen
über ein derartiges Abkommen sind die Vereinigten Staaten ferner bereit, sofort Methoden auszuarbeiten, um im voraus Atomwaffenversuche
bekanntzugeben sowie diese zu registrieren, wie dies von der norwegischen Delegation vorgeschlagen worden ist. Derartige Methoden könnten
einen wirksamen Vorläufer für ein umfassendes Abkommen zum Banne der
Atomgefahr an sich und der Versuche im besonderen darstellen.
Drittens: Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß wir unter
angemessener Inspektion an die Verwirklichung der ersten Phase der Reduzierung der herkömmlichen '.Vaffen und Streitkräfte herangehen, wobei
für die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten als Bemessungsgrundlage
je 2,5 Millionen Mann und 750 000 Mann für Großbritannien vorgesehen

�AMERIKA DIENST"

16. Januar 1957

vorgesehen worden sind. Hierin scheinen die in dem Unterausschuß
vertretenen Länder übereinzustimmen. Die Vereinigten Staaten schlagen
vor, daß wir diesen Schritt vorwärts im Zuge eines schrittweisen Aufbaues eines wirksamen Inspektionssystems tun, der mit derartigen Reduzierungen einhergeht. Ein wirksames! Inspektionssystem würde angemessene Luftinspektiorrorgane sowie Bodentruppen erforderlich machen.
Die Vereinigten Staaten erkennen die Notwendigkeit an, über die Luftinspektion hinaus Beobachter an wichtigen Bodenpunkten zu stationieren,
wie dies von "arschall Bulganin allgemein vorgeschlagen wurde. Die
vorgeschlagene erste Phase der Reduzierung kann unter der Voraussetzung
verwirklicht werden, daß es alle Seiten mit der Schaffung eines Inspektionssjrstems, das faktisch verifizieren kann, daß alle ihren Verpflichtungen nachkommen, ehrlich meinen.
Es würde ferner auch für die übrigen Nationen angebracht erscheinen,
wenn sie sich für den Fall, daß die Durchführung solcher für die erste
Phase vorgesehener Reduzierungen in den kommenden Verhandlungen des
Unterausschusses sichergestellt werden kann, Gedanken über das Verhältnis zwischen ihren eigenen Streitkräften und den für die erste Phase
vorgesehenen Truppenstärken machen.
Die Vereinigten Staaten sind nicht der Ansicht, daß weitergehende
Reduzierungen, als sie für die erste Phase vereinbart sind, durchgeführt
werden kennen, solange nicht hinsichtlich einer Lösung der großen politischen Streitfragen, die gegenwärtig die Welt trennen, gewisse Fortschritte erzielt worden sind. Die Durchführung der für die erste Phase
vorgesehenen Reduzierungen würde jedoch unbedingt das Klima für die
Verhandlungen über derartige politische Lösungen verbessern.
Viertens: Die Wissenschaftler zahlreicher Nationen arbeiten gegenwärtig daran, Objekte in den Weltenraum zu schießen und in die weiten
Räume außerhalb der Erdatmosphäre vorzustoßen. Der Umfang dieser Experimente klingt in Begriffen 'Erdsatelliten', 'Interkontinentalraketen1,
'unbemannte Fernwaffen' und 'Weltraumstationen' in vielfältiger Weise
an. Niemand kann mit Sicherheit voraussagen, was sich aus dem Vorstoß
der Menschheit in dieses neue Gebiet ergeben wird. Es ist jedoch klar, daß
die Bemühungen aller Nationen in den Bereich eines verläßlichen Rüstungskontroll-Systems gerückt werden müssen, wenn dieser Vorstoß ins Unbekannte ein Segen und kein Fluch sein soll.
Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß der erste Schritt in
Richtung auf die angestrebte Garantie, daß die künftigen Entwicklungen
in bezug auf den Weltenraum ausschließlich friedlichen und wissenschaftlichen Zielen dienen werden, sein müßte, die Erprobung solcher Objekte
unter internationale Inspektion und Beteiligung zu bringen. Der Erdsatellit der Vereinigten Staaten, dessen Auflassen gegenwärtig für
das Internationale Geophysikalische Jahr geplant ist, bietet ein Beispiel für ein offen durchgeführtes Projekt, das ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken dient und mit Wissen und Billigung der Wissenschaftler aller Nationen, die sich am Internationalen Geophysikalischen
Jahr beteiligen, entwickelt wird. In dieser Angelegenheit - wie auch
in anderen Fragen - sind wir zur Beteiligung an einem fairen, ausgewogenen und verläßlichen Kontrollsystem bereit.
Fünftens:

�16. Januar 1957
Fünftens: Die Vereinigten Staaten weisen erneut darauf hin,
•vie wichtig es ist, Maßnahmen gegen die MHglichkeit eines umfasser.den '.. berraschungsangrif fes zu treffen. Dies ist kein unwichtiger oder nebensächlicher Vorschlag. Die modernen Waffen sind so
beschaffen, daß, wenn sich alle vatior.en gegen einen umfassenden
'Jberraschungsangriff abgesichert haben, eine weit geringere Wahrscheinlichkeit besteht, da? im Atomzeitalter ein vorbereiteter
'"eltkrieg ausgelöst werden könnte. Tn ähnlicher V/eise würden derartige gegenseitige Zusicherungen, keinen umfassenden Überraschungsangriff zu beginnen, wesentlich dazu beitragen, alle Nationen in
bezug auf die gegenseitigen Absichten an einer falschen Einschätzung der Lage zu hindern.
Je großer das Tempo eines abglichen Angriffs und je vernichtender die Schläge sind, die ausgeteilt werden können, um so größer
ist die Gefahr, daß ängstliche Vorstellungen, die sich aus der Unkenntnis der Dläne und Absichten anderer Nationen ergeben, die Entscheidungen der Nationen nachteilig und gefährlich beeinflussen
könnten•
Es liegt im Interesse eines jeden einzelnen Landes, genau zu
wissen, daß andere Länder keinen großangelegten Überraschungsangriff auf es vorbereiten, und ebenso im Interesse dieser anderen
Länder, sicher zu sein, daß kein großangelegter Überraschungsangriff gegen sie geplant ist. Heute kennen zahlreiche Länder die
genaue Lage der Schlüsselpunkte, der strategisch wichtigen Gebiete
und der militärischen Konzentrationen in anderen Ländern. Diese
Informationen würden für die Führung eines Vernichtungskrieges ausreichen. Aber solange nicht ein zuverlässiges Inspektionssystem geschaffen ist, mit einer Überwachung der Himmel, der Häfen und der
Schlüsselpunkte, wird jedes einzelne Land nicht über ausreichende
genaue und zuverlässige Informationen verfügen, wie sie notwendig
sind, um eine sichere Basis für einen dauerhaften Frieden zu bilden. Die Vereinigten Staaten schlagen daher vor, schrittweise
Inspektionssysteae zu errichten, die Schutz gegen die Möglichkeit
eines großangelegten Überraschungsangriffes bieten. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, den gesamten von Präsident Eisenhower auf der
Genfer Konferenz auf höchster Ebene unterbreiteten Vorschlag durchzuführen .
Wie auch immer die ersten Schritte beschaffen sein mögen, so
ist es klar, daß eine Kontrollmethode, eine Organisation zur Überwachung und ein Mechanismus für die Durchführung erforderlich sein
werden. Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß die Schaffung
einer derartigen internationalen Behörde für die Regelung und Überwachung der Rüstungen mit dem Beginn des Programms Hand in Hand
gehen sollte. Diese kann inmitten der grausamen Auswirkungen, die
sich aus der Vernichtungsgewalt der modernen Waffentechnik ergeben,
ein Strahl der Hoffnung sein. D-?rf ich bei der Unterbreitung dieser
neuen Vorschläge noch einmal betonen, daß die Vereinigten Staaten
weiterhin zu den Vorschlägen und Plänen stehen, die sie auf der
Konferenz BUf höchster Ebene in Genf und auf den Sitzungen des Abrüstungsunterausschusses seit jener Zeit gemacht haben»
Sie

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�"A»«3PTKA DI3NST"

15. Januar 1957

Sie werden in dem Bericht des Unterausschusses Vorschläge
finden, die von den Vereinigten Staaten in London im Mai 1955
unterbreitet wurden und die die ersten Schritte für eine Demonstration der Uberwachungsmethoden, für gemeinsame technische
Studien sowie für die Festlegung eines Anfangsstandes der reduzierten Rüstungen vorsehen. Ich will Sie nicht mit einer '"iederholung der Einzelheiten belasten. Das Sitzungsprotokoll liegt
Ihnen vor. Wir haiton un*; daran und wir unterbreiten unsere neuen
Vorschläge im Geiste eifrigen Bemühens, den Ansichten der übrigen
Länder zu entsprechen. Wir versuchen ein Abkommen zu erreichen,
wobei wir lediglich voraussetzen, daß ein derartiges Abkommen entsprechend vertrauenswürdig und wirksam ist.
Wir sind uns voll und ganz über das Ausmaß der Zerstörungen
im klaren, die ein dritter Weltkrieg, sollte es zu einem solchen
Kriege kommen, über die Welt bringen würde. Wir sind der Ansicht,
daß es im Interesse aller Nationen ist, weitreichende Maßnahmen zur
Verringerung dieser Gefahr zu treffen. Wir sind überzeugt, daß ein
Abkommen über die Kontrolle der Rüstungen, das für beide Seiten
fair ist und das genau überwacht wird, so daß sich keinerlei Zweifel
hinsichtlich seiner Durchführung ergeben, praktisch wie theoretisch
möglich ist. Ein derartiges Übereinkommen sollte politisch erreichbar sein, wenn die Regierungen der Welt diesem Problem unverzüglich ihre aufrichtige und eingehende Aufmerksamkeit schenken.
Dies isl der Geisl, in dem ich heute im Namen der Vereinigten
Staaten sureche."

x x x * x

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�M E R I K A

D I E N S T

PRÄSIDENT SISENHOWEB STELLT SEINE ZWEITE AMTS PERIODE
IN DEN DIENST DES FRIEDENS

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den V/ortlaut der Rede
Präsident Eisenhowers vom 21.Januar 1957
zum Antritt seiner zweiten Amtsperiode.

"'.Vir eP'&lt; - heute, wie vor vier Jahren, wieder hier zusammen, und wie damals wurden Sie Zeuge meines feierlichen Eides,
Ihnen zu dienen. Und auch ich erscheine hier heute als Zeuge,
der sich in Ihrem Namen zu den Grundsätzen und Zielen bekennt,
denen wir uns als Volk verschrieben haben.
Vor allem anderen erbitten wir als Lohn unserer gemeinsamen Arbeit als Nation den Segen des allmächtigen Gottes, und
aus der Hoffnung unserer Herzen kommen die innigsten Gebete unseres Volkes.
Mögen wir dem Pfad des Rechtes folgen, ohne selbstgerecht
zu werden. Mögen wir Einigkeit gewinnen, ohne alles in eine Form
zu pressen.
Mögen wir in unserer Stärke wachsen, ohne hochmütig zu werden.
Mögen wir in unseren Verhandlungen mit allen Völkern der Erde
immer die Wahrheit sprechen und der Gerechtigkeit dienen.
Und so soll Amerika sich - vor allen Menschen guten Willens den ehrenhaften Zielsetzungen getreu erweisen, die uns als Volk
in dieser Zeit der Prüfungen, durch die wir schreiten, verbinden
und leit.en.
Wir leben in einem Lande der Fülle, aber die Erde hat wohl
kaum jemals solchen Gefahren gegenübergestanden wie heute.
In unserer Nation gibt es Arbeit und Wohlstand übergenug.
Unsere Bevölkerung ist im Wachsen. Handel und Wendel blühen auf
unseren Flüssen, Straßen und Schienenwegen, in den Lüften und in
unseren Häfen. Unser Boden ist fruchtbar, unsere Landwirtschaft
produktiv. Die Luft hallt von dem Gesang unserer Maschinen wider,
dem Lärm der Walzwerke, der Hochöfen, Dynamos und Fließbänder das Lied Amerikas ist vielstimmig.
Dies
1 -

�"AMERIKA DIENST"

25. Januar 1957

Dies ist unsere Heimat - es ist ober nicht unsere ganze Welt.
Denn unsere Walt ist dort, wo sich die Gesamtheit unseres Schicksals
erfüllt - im Zusammenleben mit den Menschen aller Völker und Nationen,
die frei sind oder frei sein wollen. Für sie wie für uns ist keine
Zeit, zu ruhen und zu rasten.
Zu viele Gebiete der Erde gibt es, wo Armut, Uneinigkeit und
Gefahren herrschen. Neue Kraft« und neue Nationen, die aufgetaucht
sind und auf der Erde um Einfluß ringen, haben die Macht, durch ihr
Schicksal für die Zukunft der freier. Welt viel Gutes oder viel Böses
zu bringen. Von den T.Yüsten Nordafrikas bis zu den Inseln des Südpazifik ist ein Drittel der gesamten Menschheit in die historische Phase
eingetreten, für eine neue Freiheit zu kämpfen; die Freiheit von bedrückender Armut, l'ber alle Kontinente hinweg suchen fast eine Milliarde Menschen bisweilen verzweifelt danach, sich die beruflichen Fertigkeiten und das Wissen anzueignen und die Hilfe zu erhalten, durch die
sie aus ihren eigenen Hilfsquellen Nutzen ziehen können und mit denen
sie ihre materiellen Bedürfnisse befriedigen können, die der gesamten
Menschheit gemeinsam sind.
Keine Nation, wie alt oder groß sie auch sein mag, kann sich
diesem '.Virbel der Veränderungen und Umwälzungen entziehen. Einige,
die verarmt aus dem letzten "Veitkrieg hervorgingen, versuchen, sich
die Mittel für ihre Existenz wieder zu schaffen. Im Herzen Europas
liegt Deutschland, das in tragischer Weise geteilt ist - und so ist
der gesamte Kontinent, ja sogar die gesamte Welt geteilt.
Die Kraft, die diese Teilung bewirkt, ist der internationale
Kommunismus und die Macht, über die er gebietet.
Das Vorgehen dieser Macht, so dunkel ihre Absichten im einzelnen
sind, ist in der Praxis ganz klar. Sie versucht das Schicksal der von
ihr Unterjochten ein für allemal zu besiegeln. Sie versucht die Bande,
die die freien Menschen miteinander verbinden, zu zerreißen. Sie versucht außerdem alle auf eine Veränderung der Welt zielenden Kräfte für
sich zu gewinnen - und sie für ihr eigenes Machtstreben auszunutzen -,
besonders aber die Nöte der Hungrigen und die Hoffnungen der Unterdrückten .
Und doch ist die Welt des internationalen Kommunismus in sich
selbst durch eine starke und mächtige Kraft erschüttert worden:
die Bereitschaft der Menschen, die die Freiheit lieben, ihr Leben
für sie einzusetzen. In der Nacht ihrer Knechtschaft hat der unbezwingbare Wille von Helden so schnell und scharf zugeschlagen wie
ein Blitz. Budapest ist nicht länger mehr lediglich der Name einer
Stadt ; von nun an ist es ein neues und strahlendes Symbol für das
Streben der Menschen nach Freiheit.
So weht überall auf dem Erdball gegenwärtig der scharfe Wind des
7/andels. Und wir - so gut es das Schicksal auch mit uns meinen mag wissen, daß wir nie-nals ihm unseren Rücken zukehren können.
Wir blickten auf diese in ihren Grundfesten erschütterte Welt
und erklären, daß es unser klares und festes Ziel ist, einen Frieden
in Gerechtigkeit in einer Welt aufzubauen, in der das Gesetz der Moral
herrscht.
Der

�"AMERIKA DIENST"

23. Januar 1957

Der Aufbau eines solchen Friedens ist ein kühnes und hohes Ziel.
Es zu proklamieren, ist leicht. Ihm zu dienen, ist schwer. Und um
ihn zu erhalten, müssen wir uns seiner vollen Bedeutung bewußt sowie bereit sein, den vollen Preis hierfür zu entrichten. Wir wissen
genau, was wir suchen und warum wir dies suchen. Wir suchen den Frieden und wir wissen - wie dies die Menschen in allen Jahrhunderten gewußt haben -, daß-Frieden eine Atmosphäre der Freiheit bedeutet. Heute
wie in keinem anderen Zeitalter suchen wir den Frieden, weil wir durch
die Gewalt moderner Waffen warnend darauf hingewiesen worden sind, daß
nur der Frieden das einzig mögliche Klima für das Leben der Menschheit
ist.
Dieser Friede, den wir suchen, kann jedoch nicht allein aus Furcht
geboren werden: er muß tief in dem Leben der Völker verwurzelt sein.
Ea muß eine Gerechtigkeit herrschen, die alle Völker verstehen und an
der alle teilhaben, denn ohne Gerechtigkeit kann auf der V/elt nur ein
gespannter und unsicherer Waffenstillstand herrschen. Es muß ein Gesetz
geben, das stets gleichmäßig angewandt und von allen Nationen respektiert
wird.
Denn ohne Gesetze verheißt die Welt nur wenig Gerechtigkeit, in dem
Maß nämlich, wie sie die Starken den Schwachen aus Mitleid zukommen lassen.
Das Gesetz jedoch, von dem wir sprechen, umfaßt die Werte der Freiheit
und bekräftigt die Gleichheit aller Nationen, ob groß oder klein.
So schön die Segnungen eines solchen Friedens sein können, so hoch
werden auch seine Kosten sein - wobei die Härten geduldig getragen, die
Hilfe ohne Hintergedanken gewährt und die Opfer ruhig gebracht werden
müssen.
Wir sind aufgerufen, den Preis für diesen Frieden zu entrichten.
Um der Bedrohung durch diejenigen zu begegnen, die mit Gewalt zu herrschen suchen, müssen wir die Kosten für unsere eigene notwendige militärische Stärke sowie die Hilfe tragen, die für den Aufbau der Sicherheit der anderen erforderlich ist.
Wir müssen unser Können und Wissen und manchmal unsere Substanz
einsetzen, um den enderen zu helfen, sich aus dem Elend zu erheben,
ganz gleich wie weit der Schauplatz ihres Leidens von unseren Grenzen
entfernt liegt. Denn wo immer in der Veit ein Volk verzweifelte Not
leidet, muß es zumindest einen Funken der Hoffnung geben, der Hoffnung
auf Fortschritt - oder es werden mit Sicherheit schließlich Konflikte
aufflammen.
"Vir wissen um unser eigenes tiefes Verbundensein mit dem Schicksal aller Menschen auf der Welt, und wir entziehen uns dem nicht. Wir
haben uns demgemäß feierlich verpflichtet, die Autorität der Vereinten
Nationen zu achten und anzuerkennen und alles zu tun, um sie zu stärken,
denn in dieser Körperschaft ruht die beste Hoffnung unserer Zeit, daß
das Gesetz, das allen Nationen die Möglichkeit gibt, in Würde zu leben,
Anerkennung findet.
Außer diesem allgemeinen Entschluß aber ergeht an uns die Forderung,
eine verantwortungsbewußte Holle in den großen, die Welt bewegenden Fragen oder Konflikten zu übernehmen - gleichgültig"ob es die Angelegen-

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�'AMERIKA DIENST"

23. Januar 1957

Angelegenheiten eines weiträumigen Gebietes betrifft oder das
Schicksal einer Insel im Pazifik oder die Benutzung eines Kanals
im Mittleren Osten. Nur indem wir die Hoffnungen und auch die Kulturen
der anderen respektieren, werden wir das Prinzip der Gleichheit aller
Nationen in die Tat umsetzen.
Nur wenn wir den '.Villen und die Klugheit besitzen, Ratschläge zu
erteilen und Ratschläge entgegenzunehmen, nur wenn '.vir bereit sind,
die Lasten mitzutragen, werden wir das Werk des Friedens weise durchführen .
Denn eine Wahrheit muß alles beherrschen, was wir glauben und tun.
Kein Volk kann auf sich allein gestellt leben. Die Einigkeit aller, die
in Freiheit leben, ist ihre einzige Sichere Verteidigung. Die wirtschaftlichen Bedürfnisse aller Nationen, die in gegenseitiger Abhängigkeit
leben, machen die Isolierung zu einer Unmöglichkeit: nicht einmal der
Wohlstand Amerikas könnte lange erhalten bleiben, wenn die anderen Nationen nicht auch blühen und gedeihen. Keine Nation kann länger eine
einsame, starke und sichere Festung sein. Und jedes Volk, das diesen
Schutz für sich allein sucht, wird heute nur sein eigenes Gefängnis
bauen.
Vir werden immer für diese Grundsätze eintreten und ihnen verschrieben bleiben, weil wir fest daran glauben, daß sie richtig sind.
Wir fürchten uns nicht vor dieser sich ändernden Welt. Amerika
ist vieles von dem Geist dieser Welt nicht fremd. Überall sehen wir
die Anfänge desselben Wachstums, das Amerika selbst durchgemacht hat.
Das amerikanische Experiment hat durch Generationen hindurch die Leidenschaft und den Mut von Millionen anderswo auf der Welt angeführt,
die nach Freiheit, Gleichheit und gleichen Chancen für alle gesucht
haben. Das amerikanische Beispiel des materiellen Fortschritts hat
mitgeholfen, daß das Sehnen aller notleidenden Völker nach Befriedigung ihrer menschlichen Wünsche Auftrieb erhielt. Wir können dazu beitragen, daß diese Hoffnungen, die wir inspirieren halfen, sich erfüllen.
Aus dieser Überzeugung heraus sprechen wir offen und klar zu allen
Völkern.
Wir pflegen unsere Freundschaft mit all den Nationen, die frei
sind oder frei sein wollen. .Vir respektieren genauso sehr ihre Unabhängigkeit. Und wenn sie in Zeiten der Not oder Gefahr uns um Hilfe
bitten, so werden sie diese ohne Hintergedanken erhalten; denn wir
versuchen genauso wenig ihre Souveränität zu kaufen wie wir selbst
unsere eigene verkaufen würden. Die Souveränität ist uniter freien
Menschen keine Sache eines Geschäfts.
Wir ehren die Hoffnungen und Bestrebungen aller der Nationen,
die jetzt noch unterdrückt sind und sich nach Freiheit sehnen. Wir
suchen weder ihre militärische Allianz noch wollen wir, daß sie unsere
Gesellschaftsform in irgendeiner künstlichen Weise imitieren. Sie dürfen
der Herzlichkeit und Wärme des sie erwartenden Willkommens gewiß sein,
wenn sie - wie es einmal der Fall sein muß - erneut in die Reihen der
freien Völker eintreten.
In

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�"AMERIKA DIENST"

23. Januar 1957

In dieser gespaltenen Welt achten wir das russische Volk nicht
weniger, als wenn wir in einer nicht so zerrissenen 7/elt lebten.
Wir fürchten die von dem russischen Volk gemachten Fortschritte auf
erzieherischem und industriellem Gebiet nicht, wir begrüßen sie sogar.
Wir wünschen ihm bei seiner Forderung nach größerer geistiger Freiheit,
nach größerer Sicherheit ihren eigenen Gesetzen gegenüber Erfolg, und
begrüßen es, wenn ihre Forderung nach besserem Lohn ihrer Mühen verwirklicht wird. Denn in dem Maße, wie jene Dinge verwirklicht werden,
wird um so gewisser jener Tag heraufdämmern, an dem sich unsere beiden
Völker in Freiheit und Freundschaft begegnen können.
So geben wir unserer Hoffnung und unserem Glauben Ausdruck, daß
wir mit dazu beitragen können, die Spaltung dieser Welt zu heilen.
Auf diese V/eise könnten die Nationen aufhören, zitternd und zagend
vor der Drohung der Gewalt zu leben. Dann könnten die Lasten der Furcht
und die Bürden der Rüstung von den gekrümmten Schultern der Menschheit
genommen werden.
Dies und nichts Geringeres ist das Werk, zu dem wir aufgerufen
werden und dem unsere Stärke geweiht ist.
Und so gehen die Gebete unseres Volke weit über unsere eigenen
Grenzen hinaus in die große Welt unserer Pflichten und unseres Schicksals. Möge das Licht der Freiheit in alle gegenwärtig dunkle» Lande
kommen und dort hell aufleuchten - bis es schließlich kein Dunkel
mehr gibt.
Mögen die Unruhen unseres Zeitalters zu einer wirklichen Zeit
des Friedens führen, in der Menschen und Völker so miteinander leben,
daß die Würde jedes einzelnen von ihnen und die brüderliche Gemeinschaft aller geachtet wird."

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

EISENHOWER LEGT WIRTSCHAFTSBOTSCHAFT VOR
1) Wortl aut des Begleitbriefes Präsident
Eisenhowers zur Wirtschaftsbotschaft

2) Auszüge aus der Wirtschaftsbotschaft

* * *

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

30. Januar 1957

PRÄSIDENT EISENHOWER LEGT WIRTSCHAFTSBOTSCHAFT VOR

(AD) - Präsident Eisenhower hat dem amerikanischen Kongreß
am 23. Januar 1957 den Wirtschaftsbericht übersandt,
der einen umfassenden Überblick über die wirtschaftliche Entwicklung der USA während des letzten Jahres
gibt. Dem Bericht ist als erster Teil ein Begleitschreiben (Letter of Transmittal) beigefügt, der
die wesentlichsten Aspekte des Berichts zusammenfassend herausstellt und der folgenden Wortlaut hat*

"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Ich lege hiermit meinen Wirtschaftsbericht vor, wie dies auf
Grund des Paragraphen 3 (A) des Arbeitsgesetzes von 1946 gefordert wird.
Bei der Ausarbeitung dieses Berichtes hat mir der Wirtschaftsbeirat mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Ferner haben mich die
Leiter der einzelnen Ministerien und unabhängigen Regierungsämter
beraten.
Nachstehend unterbreite ich - wobei im wesentlichen der Bericht
selbst zitiert wird -, was nach meiner Ansicht die wesentlichsten
Schlußfolgerungen und Empfehlungen dieses Dokumentes sind.
Gleiche Chancen und Verantwortung in einer freien Wirtschaft
Die gewaltige Produktionskapazität der amerikanischen Wirtschaft
wurde im Jahre 1956 erneut in Form eines Rekord-Bruttosozialproduktes
von 412 Milliarden Dollar unter Beweis gestellt.
Über die Schaffung dieser materiellen Basis für ein besseres
Leben hinaus gewährt unser freies Wirtschaftssystem unserer Form des
politischen Lebens eine gewaltige Unterstützung und bietet dem .einzelnen im Hinblick auf die persönliche Berufswahl und seine Entwicklung einmalige Möglichkeiten.
Hand in Hand mit diesen Möglichkeiten geht aber auch eine große
Verantwortung. Diese Verantwortung wird zum Teil von der Regierung
getragen. Aber auch der einzelne muß sie sowohl in seiner eigenen
wirtschaftlichen Tätigkeit als auch im Zusammenwirken mit anderen
auf sich nehmen.
Die Regierung muß alle geeigneten Mittel anwenden, um einen
hohen Produktions- und Beschäftigungsstand zu erreichen, und sie
muß ferner dazu beitragen, damit ein sich ausweitendes Nationaleinkommen gewährleistet wird, an dem viele teilhaben und das in
Dollar von stabiler Kaufkraft verdient wird. Die Regierung muß eine

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30. Januar 1957

eine Politik verfolgen, die den Unternehmergeist unseres Volkes fördert
und den Anreiz zur Arbeit, zum Sparen und zur Kapitalinvestierung
schützt v Sie muß hinsichtlich ihrer Ausgaben eine harte Disziplin üben
und es vermeiden, das Einkommen der Einzelpersonen sowie die Geschäftsgewinne zu stark zu besteuern. Sie muß danach streben, Wettbewerbsmärkte zu stärken und die in einer dynamischen Wirtschaft notwendigen
Änderungen und Anpassungen zu erleichtern.
Aber sogar noch dringender sind die Aufgaben und die Verantwortung
der Einzelpersonen und Wirtschaftsgruppen. Die Unternehmer sollten ihre
Pläne so ausarbeiten und durchführen, daß sie zu einem ständigen Wachstum unserer Wirtschaft beitragen. Sie müssen auch das große Interesse
der Öffentlichkeit an den für ihre Erzeugnisse und Dienstleistungen
festgesetzten Preisen in Rechnung stellen.
Sowohl Arbeitgeber wie Arbeitnehmer sollten die Restriktionen
in bezug auf die Betätigung auf Wettbewerbsmärkten fallen lassen und
damit die Anpassungsfähigkeit der Wirtschaft an wechselnde Verhältnisse
erhöhen. Von besonderer Bedeutung in einer florierenden Wirtschaft ist
die den führenden Vertretern der Industrie und der Arbeiterschaft obliegende Aufgabe, in bezug auf die Löhne und Sozialzuwendungen zu
tbereinkommen zu gelangen, die mit der Produktivitätsentwicklung und
der Erhaltung der Dollarstabilität in Einklang stehen.
Das Vertrauen in die Stabilität des wirtschaftlichen Wachstums
kann nicht allein auf die Finanz- und Währungspolitik der Regierung
gestützt werden. Eine erfolgreiche Erhöhung der Prosperität bei stabilen Preisen fordert eine gemeinsame Anstrengung, bei der die Maßnahmen der einzelnen und der Wirtschaftsgruppen und aller Regierungsstellen aufeinander abgestimmt sind und sich gegenseitig stärken.
Wachstum und Fortschritte der Wirtschaft in den Jahren 1955/56
Die Möglichkeiten, die unsere freie Wirtschaft für die Hebung
des Wohlstandes bietet, werden durch die Entwicklungen der letzten
vier Jahre eindeutig aufgezeigt. Die zivile Beschäftigungsziffer
stieg um 3,7 Millionen an. Das Personaleinkommen pro Kopf der Bevölkerung und nach Abzug der Steuern nahm - in konstanter Währung gemessen - um zehn Prozent zu. Rund fünf Millionen Wohnungen wurden
neu gebaut,und die Zahl der Eigentumswohnungen und Eigenheime nahm
ständig zu. Die steigenden Einkommen ermöglichten es den Verbrauchern,
in immer stärkerem Maße Güter aller Art zu kaufen und somit hinsichtlich ihrer eigenen Vorsorge für eine finanzielle Sicherheit wesentliche Fortschritte zu erzielen. Die Teilnahme an und die Unterstützung
von religiösen, kulturellen, erzieherischen und anderen privaten Einrichtungen und Vorhaben nahm wesentlich zu.
Hinsichtlich der Expansion und Verbesserung der Produktionseinrichtungen des Landes wurden große Fortschritte gemacht. Wirtschaft
und Landwirtschaft wendeten über 150 Milliarden Dollar für diesen
Zweck auf. Diese Aufwendungen für Investitionszwecke verheißen ein
weiteres Ansteigen des Bruttosozialproduktes sowie eine höhere Lebenshaltung in den kommenden Jahren.
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Die Landwirtschaft sah sich während dieses Zeitraumes schwierigen
Problemen gegenüber, die im wesentlichen auf das Anhalten der Tendenz
zurückzuführen sind, daß die Produktion die Nachfrage auf den Absatzmärkten überstieg. Es wurden jedoch Fortschritte in Richtung auf einen
besseren Ausgleich der landwirtschaftlichen Erzeugung erzielt, und in
der letzten Zeit zeigte sich hinsichtlich der landwirtschaftlichen
Einkommen eine gewisse Verbesserung. Die Erfahrung zeigt, daß, um ein
Anhalten der Fortschritte in der Landwirtschaft zu ermöglichen, auch
weiterhin ein ständiger Nachdruck auf die Verwirklichung der grundlegenden Zielsetzungen der vergangenen vier Jahre gelegt werden muß unsere Farmer müssen in ihren Betriebsdispositionen, was die geschäftliche Seite anbetrifft, größere Freiheit haben; in bezug auf die Bestellung der landwirtschaftlichen Nutzfläche muß ein angemessener und
zweckentsprechender Wechsel erfolgen; das Stützpreissystem muß weiter
verbessert werden, und zur Entwicklung neuer Produkte und «ur Erschließung
neuer Absatzmärkte und neuer Verwendungsmöglichkeiten müssen Forschungsprogramme durchgeführt werden.
Dieser Zeitraum wurde durch einen wirtschaftlichen Aufschwung
in der freien Welt und durch eine bemerkenswerte Expansion des Welthandels und des internationalen 'Geldwesens, einschließlich unserer
eigenen Exporte und Importe, gekennzeichnet. Unsere Exporte nach
Industrieländern mit einem hohen Einkommen pro Kopf der Bevölkerung
sowie nach anderen Ländern, deren wirtschaftliche Expansionsrate
schnell wächst, sind stark angestiegen. Dies zeigt, daß eine Prosperität in anderen Teilen der Welt die Märkte für die Produkte unserer
eigenen Farmen, Bergwerke und Fabriken ausweitet.
Die Beiträge, die die Regierung zur Erreichung eines stabilen
wirtschaftlichen Wachstums leisten kann, sind während der letzten
vier Jahre evident geworden.
Das Experiment der Jahre 1953/54 bewies, daß - wenn das Vertrauen
des Verbrauchers und der Wirtschaft vorhanden ist - eine rechtzeitige
öffentliche Politik dazu beitragen kann, alle rückläufigen Tendenzen
aufzufangen. Die Politik, die die Regierung in den Jahren 1955 und 1956
verfolgt hat, trug mit dazu bei, daß die ansteigende Tendenz der Preise
abgeschwächt und eine Situation verhindert wurde, die die wirtschaftliche Stabilität gefährdet hätte.
Die Wirtschaft im Jahre 1956
Das Bruttosozialprodukt unseres Landes lag 1956 um 21,5 Milliarden Dollar höher als 1955» obwohl in einigen Sektoren unserer Wirtschaft, vor allem auf dem Gebiet der Autoproduktion und des Wohnungsbaus,eine verminderte Aktivität festzustellen war. Die hohen Ausgaben
der Wirtschaft für neue Anlagen und Ausrüstungen, die Steigerung des
Außenhandels und erhöhte Kapitalinvestierungen, die hohen Verbraucherausgaben und die erhöhten Ausgaben der Staats- und Kommunalbehörden
haben zu dieser Expansion beigetragen« Rund die Hälfte dieser Zunahme
war einer Erhöhung der tatsächlichen Gütererzeugung, der Rest den
mäßig gestiegenen Preisen zuzuschreiben.
. .

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Auf wichtigen Gebieten unserer Wirtschaft wurde eine wesentliche
Erhöhung der Beschäftigtenzahl erreicht; für das Jahr im ganzen gesehen
war gegenüber dem Vorjahr in der Gesamtzahl der Beschäftigten ein Zuwachs
von 1,8 Millionen festzustellen. Bei allen wichtigen Gruppen der Gehaltsund Lohnempfänger stieg das Einkommen an.
Im Verlauf des Jahres haben sich auch die landwirtschaftlichen Einkommen verbessert. Ebenso ist der Wert des Farmlandes und der Nettowert
des landwirtschaftlichen Besitzes sowie der landwirtschaftlichen Exporte
weiter angestiegen. Die technische Entwicklung in der Landwirtschaft
ist weiter vorangeschritten.
Der Kapitalmarkt und die Preise waren einem ständigen Druck ausgesetzt. Die Zinssätze stiegen, da die Kreditnachfrage im Verhältnis
zu dem Kapitalangebot weiterhin sehr groß war. Die ungewöhnlich starke
Nachfrage der Wirtschaft führte zu einer Erhöhung der Preise für Kapitalgüter und damit in Beziehung stehender Waren. Die hohen Rohstoffpreise und die Lohnsteigerungen, die den kleinen Produktivitätszuwachs
des Jahres zu überflügeln drohten, waren entscheidende Faktoren für «ine
Erhöhung der Preise.
Der im Jahre 1956 auf den Preisen, Kosten und finanziellen Hilfsquellen lastende Druck machte eine Fortführung der auf die Abwehr inflationistischer Tendenzen abzielenden Politik erforderlich. Der Haushaltsüberschuß der Bundesregierung trug diesem Ziel genauso Rechnung
wie die von dem Federal Reserve-Bankensystem verfügten Kreditrestriktionen. Die Ereignisse des Jahres haben indessen gezeigt, daß bei einem
hohen Produktions- und Beschäftigtenstand die Erhöhungen im Lohn- und
Preisgefüge der wichtigen Industriezweige einen kostenerhöhenden und
preissteigernden Druck hervorrufen können, und daß die Finanz- und
Steuerpolitik der Regierung von entsprechenden Maßnahmen der Privathand unterstützt werden muß, um eine hohe Wirtschaftstätigkeit wie auch
stabile Preise zu gewährleisten.
Die Ausweitung des wirtschaftliche-n Fortschritts.
Dieser Bericht umreißt die gesetzgeberischen Vorschläge, mit deren
Hilfe die im Arbeitsgesetz zum Ausdruck gebrachten Zielsetzungen verwirklicht werden sollen. Diese Vorschläge enthalten Maßnahmen zur Stärkung unseres Wirtschaftssystems, zur Vergrößerung unserer nationalen
Hilfsquellen und zur Verbesserung unseres Lebensstandards.
Die Regierung kann unsere Wirtschaft zum gegenwärtigen Zeitpunkt
durch die Erhaltung eines ausgeglichenen Haushaltes stärken. Dementsprechend sollte der Kongreß an den Steuersätzen in ihrer gegenwärtigen
Höhe festhalten, und die Ausgaben des Bundes sollten genau begrenzt
sein.
Unser Wirtschaftssystem würde auch durch gesetzgeberische Maßnahmen
zur Unterstützung der Kleinbetriebe und zur Förderung des Wettbewerbs
eine Stärkung erfahren. Diese Maßnahmen, zu deren Prüfung der Kongreß
dringend aufgefordert wird, umfassen eine Erweiterung des Gesetzes zur

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zur Förderung der Kleinbetriebe; einen leichteren Zugang zum Kapitalmarkt für die kleinen und mittleren Unternehmen; solche Steuerangleichungen, die mit einem Minimalverlust an Einnahmen erfolgen können,
sowie eine Reduzierung des von der Regierung eingeführten Verwaltungsaufwandes. Ferner wird der Kongreß dringend ersucht, Vorsorge für die
erforderlichen Verbesserungen der Antitrust-Gesetzgebung sowie der den
Durchführungsorganen zur Verfügung stehenden Mittel und Wege zu treffen.
Die jüngsten Veränderungen in unserer Finanzstruktur und unseren
Finanzpraktiken machen eine sorgfältige Untersuchung darüber erforderlich, ob die bestehenden Einrichtungen noch ausreichend sind, um dem
Kapital- und Kreditbedarf unseres Landes Rechnung zu tragen; weiter
sollen hierbei die Mittel und Wege zur Ausübung ausreichender Kreditkontrollen geprüft werden. Wie bereits in der Botschaft über die Lage
der Nation dargelegt wurde, sollte der Kongreß seine Zustimmung für
die Bildung einer Währungs- und Finanzkommission zur Durchführung
dieser wichtigen Aufgabe geten.
Unsere Wirtschaft würde ferner aus der Mitgliedschaft der Vereinigten Staaten in der Organisation für die Zusammenarbeit auf dem
Gebiete des Handels (OTC) und in der Internationalen Atomenergiebehörde
sowie aus der Weiterführung der Wirtschaftshilfe einschließlich der
Verteidigungsunterstützung im Rahmen des gemeinsamen Sicherheitsprogramms Nutzen ziehen.
Zum Ausbau und zur Verbesserung unserer nationalen Hilfsquellen
sind weitere zusätzliche Maßnahmen notwendig. Dem Prinzip der Partnerschaft, durch das die örtlichen Stellen ermutigt werden, die Initiative zu ergreifen und sich an der Entwicklung von Wasser- und Kraftquellen zu beteiligen, sollte auch weiterhin im Rahmen der laufenden
Ermächtigungen und Bewilligungen eingehende Beachtung geschenkt werden.
Um den Anpassungsprozeß in der Landwirtschaft zu unterstützen,
werden dem Kongreß Empfehlungen für eine verbesserte Landaufteilung
und ein Stützpreisprogramm für Mais sowie für Maßnahmen vorgelegt
werden, die sich mit den Problemen der Landbestellung und der Wasserverknappung befassen, die durch die jüngste Dürre noch vergrößert
wurden. Eine Verlängerung der Gültigkeitsdauer des Absatzes 1 des
Gesetzes über die Entwicklung und Förderung des Handels mit Agrarprodukten um ein weiteres Jahr sowie eine begrenzte Erhöhung der
zulässigen Verluste würden eine nützliche kurzfristige Maßnahme darstellen, die zum Abbau der Überschußbestände an landwirtschaftlichen
Erzeugnissen beiträgt.
Der Kongreß wird erneut ersucht, ein Programm zu verabschieden.^
durch das die wirtschaftliche Grundlage jener örtlich begrenzten Gebiete mit Bundesunterstützung gestärkt werden soll, in denen ständige
Arbeitslosigkeit herrscht.

Von

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Von all den Vorschlägen zur Vergrößerung unserer nationalen Hilfsquellen kommt wohl keinem größere Bedeutung zu als dem zur Beseitigung
der kritischen Schulraumnot mit Unterstützung des Bundes. Der Kongreß
wird um die Verabschiedung eines Programms gebeten, welches dazu beitragen würde, diesen Rückstand innerhalb von vier Jahren aufzuholen.
Danach soll die volle Verantwortung für den Bau von Schulen wieder den
Regierungen der Einzelstaaten und den Kommunalbehörden zufallen.
Weitere Portschritte in bezug auf den Lebensstandard sollen durch
Maßnahmen ermöglicht werden, um den Wohnungs- und Gesundheitsstand
unseres Volkes zu heben sowie die Existenzsicherheit defl einzelnen zu
stärken. Wohnungsbau und der Bau von Eigentumswohnungen und Eigenheimen
würden durch eine Anpassung gefördert werden, durch die der Höchstzinssatz der Wohnungsbaukredite den auf den freien Markt üblichen Sätzen
stärker angeglichen würde; sie sollten weiter durch eine Erhöhung der
Mittel für die Bundes-Hypotheken-Anstalt zur Vergebung zweitstelliger
Hypotheken sowie durch eine Ausweitung des freiwilligen Hypothekenprogramms für den Wohnungsbau unterstützt werden.
Die Volksgesundheit würde durch gesetzliche Maßnahmen zur Unterstützung freiwilliger Gesundheitspläne sowie durch ein Programm zur
Bereitstellung von Geldmitteln für den Bau medizinischer und zahnärztlicher Ausbildungsstätten gefördert werden.
Die Sicherheit des einzelnen würde ferner erhöht werden, wenn die
Arbeitslosenunterstützung auf die Angestellten kleiner Firmen und gewisse andere Gruppen erweitert würde, indem das Gesetz über den Mindestlohn so umfassend gemacht wird, daß es weitere Arbeiter, die dieses
Schutzes bedürfen, einschließt; sowie durch die Forderung, daß die
privaten Pensions- und Versicherungsfonds beim Bund registriert werden
und ihm Rechenschaft ablegen; und letztlich durch ein Programm der
technischen Hilfe und einer begrenzten finanziellen Unterstützung der
Einzelstaaten bei ihren Maßnahmen zur Sicherung der Arbeitsplätze.
Schlußfolgerungen
Es besteht durchaus Grund zur Zuversicht, daß die Gesamtprosperität
des Landes in den kommenden Monaten weiter ansteigen wird. Eine mäßige
Zunahme der Kapitalaufwendungen der Wirtschaft zeichnet sich bereits
ab. Die Aufwendungen auf dem Bausektor sowie der Außenhandel und die
Investitionen werden auch weiterhin eine wirtschaftliche Expansion begünstigen. Die Gesamtausgaben der Bundesregierung, der Einzelstaaten
und der Kommunen werden höher sein. Die Verbraucherausgaben werden
durch die günstige Beschäftigungslage und die guten Einkommen weiterhin
eine Zunahme erfahren»
Die wirtschaftliche Lage weist jedoch stets Unsicherheitsfaktoren
und Probleme auf, die sorgfältige Beachtung erfordern. Hierunter fallen
die gegenwärtige internationale Lage, die steigende Tendenz der Kosten
und Preise, die die Kapitalaufwendungen der Wirtschaft beeinträchtigenden

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beeinträchtigenden Faktoren sowie die Gewährleistung eines ausreichenden
Zuflusses neuer Spargelder, damit der voraussichtliche starke Geldbedarf gedeckt werden kann.
Diese und andere Unsicherheitsfaktoren und Probleme, die eine
dynamische Wirtschaft nun einmal mit sich bringt, machen es erforderlich, daß jeder einzelne, alle Wirtschaftagruppen und die Regierung
auf ihrem jeweiligen Gebiet die Verantwortung für die Aufrechterhaltung
eines stabilen wirtschaftlichen Wachstums tragen. Wenn alle die ihnen
zukommende Verantwortung auf sich nehmen, dann wird die Fähigkeit unserer
Wirtschaft, den hohen Beschäftigten- und Produktionsstand sowie die
Kaufkraft beizubehalten - wie es im Arbeitsgesetz vorgesehen ist und im
großen und ganzen im vergangenen Jahr auch erreicht wurde - auch weiterhin gestärkt."

* -.-.

AUSZÜGE AUS DER WIRTSCHAFTSBOTSCHAFT
Rechte und Pflichten in einer freien Wirtschaft
Das Jahr 195&amp;» i n dem die Gesamterzeugung von Gütern und Dienstleistungen einen Wert von 412 Milliarden Dollar erreichte, zeigte erneut, über welche gewaltigen Produktivkräfte die amerikanische Wirtschaft verfügt. Diese ungeheure und ständig zunehmende Produktion gibt
uns die Mittel an die Hand, die Sicherheit unseres Landes zu wahren,
unseren derzeitigen Bedarf zu decken sowie unsere Produktionskapazität
auszuweiten. Darüber hinaus bringt diese hohe Produktion dem einzelnen
mehr Zeit und Muße, die er sowohl zu seiner Weiterbildung als auch zu
einem intensiveren Genuß der materiellen Güter verwerten kann. Somit
bietet unsere freie Wirtschaft dem amerikanischen Volk die Möglichkeiten für ein besseres Leben in jeglicher Hinsicht.
An diesen Erfolgen ist wohl abzulesen, welch brauchbares und wertvolles Instrument die freie Wirtschaft für die Organisierung und Ausweitung von Produktion und Konsum ist; doch sie offenbart an sich nicht
die Vorzüge, die eine freie Gesellschaft sowohl dem einzelnen als auch
der Gesamtheit in sozialer Hinsicht zu bieten vermag.
Da wären unter anderem zu nennen der unbehinderte Zugang zu Erziehung und Ausbildung, die freie Berufswahl aus einer Vielfalt von
Möglichkeiten in abhängiger oder selbständiger Position, das Recht auf
die Früchte der eigenen Arbeit und die vollkommene Freiheit, über den
eigenen Verbrauch und da.p Verwendung der Mittel nach eigenem Ermessen
zu verfügen. Darüber hinaus bildet unsere freie Wirtschaft eine unerlässliche Stütze für die von uns verfochtene Form des politischen Lebens.
Es

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Es gibt sehr aufschlußreiche Parallelen zwischen unseren politischen
und wirtschaftlichen Institutionen. Keine andere Staatsform bietet dem
einzelnen mehr Möglichkeiten zur Mitsprache, und keine andere Staatsform beruht in so starkem Maße auf dem Vertrauen in die Führungsqualitäten und die Integrität des einzelnen. Und ebenso bietet kein anderes Wirtschaftssystem dem einzelnen größere Erfolgsmöglichkeiten
oder überträgt ihm ein so hohes Maß an Verantwortung. So klar die
durch ein solches Wirtschaftssystem gebotenen Möglichkeiten auch zutage liegen, die Verpflichtungen des einzelnen, auf denen es beruht,
sind weniger klar erkennbar, und so werden sie oftmals nicht restlos
richtig verstanden.
Diese Verpflichtungen, die in erster Linie die Notwendigkeit der
Erhaltung und Festigung der Institutionen der freien Wettbewerbswirtschaft betreffen, trägt zu einem Teil die Regierung. Erstens muß die
Regierung eine Politik verfolgen, die den Geist des freien Unternehmertums konstruktiv fördert, und die wesentlichen Anreizmittel zu
arbeiten, zu sparen und zu investieren, schützen. Bei Konzipierung
dieser Politik dürfen nicht nur ihre unmittelbaren Auswirkungen auf
die Lebenskraft und Elastizität der Wirtschaft in Betracht gezogen,
es muß auch ihre Wirkung auf lange Sicht berücksichtigt werden. Zweitens muß die Regierung in ihrer Haushaltspolitik strenge Disziplin
wahren und darf das Einkommen des einzelnen und der Unternehmen nicht
höher besteuern als unbedingt erforderlich. Drittens"muß die Regierung
alle monopolitischen Tendenzen eindämmen und Wirtschaftsverhältnisse
anstreben, die dem einzelnen und auch neuen Verfahren und Erzeugnissen
die Möglichkeit bieten, sich im freien Wettbewerb zu bewähren. So
wie unsere Vorväter vor der Aufgabe standen, eine vernünftige Aufteilung der politischen Macht sicherzustellen, so obliegt es heute unserer Regierung, eine ebenso vernünftige Aufteilung der wirtschaftlichen Macht zu garantieren. Viertens muß die Regierung eine Politik
verfolgen, die die für eine dynamische Wirtschaft so wesentliche Anpassung an die fortschreitende technische Entwicklung und die sich
ständig wandelnden Konsumentenwünsche erleichtert. Maßnahmen, die diese Angleichung erschweren, muß sie vermeiden. Schließlich muß sie eine
Politik verfolgen, die dazu beiträgt, einen hohen Produktions- und
Beschäftigungsstand sicherzustellen und die Wirtschaft dem Ziele näherbringt, das Volkseinkommen bei stabiler Kaufkraft des Dollars zu erhöhen und möglichst allen Bevölkerungskreisen einen gerechten Anteil
an dieser Erhöhung zukommen zu lassen.
Doch kann die Regierung weder die ausschließliche Verantwortung
für ein reibungsloses Funktionieren unseres freien Wettbewerbssystems
übernehmen noch eine ununterbrochene Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft
garantieren. Selbst ein Versuch in dieser Richtung würde ein Eingreifen des Staates in einem Ausmaße mit sich bringen, das mit dem grundsätzlichen Wesen unserer freien Wettbewerbswirtschaft unvereinbar ist;
denn diese beruht auf der Überzeugung, daß bei einem Mindestmaß an staatlicher Einmischung der einzelne seine Kräfte und Begabungen am besten
zu entfalten und dadurch zur wirtschaftlichen Entwicklung beizutragen
vermag. In einer so gearteten Wirtschaft trägt der einzelne in seiner
eigenen Wirtschaftstätigkeit und in seinem Zusammenwirken mit anderen
große Verantwortung für ein erfolgreiches und gleichmäßiges, Funktionieren von Produktion und Absatz.
Eine

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Eine besonders schwere Verantwortung fällt den leitenden Männern
der Großbetriebe zu, insbesondere wenn es sich um Firmen mit umfassendem Tätigkeitsbereich an den verschiedensten Orten handelt; sie
müssen mit ihrer Arbeit zur Vermeidung von Wirtschaftsschwankungen
und -Störungen beitragen. Daß die Privatwirtschaft sich in zunehmendem Maße dieser ihrer Verantwortung bewußt wird, geht daraus hervor, daß sie immer mehr zu einer Planung auf weite Sicht übergeht
und in ihrer Tätigkeit auf die Erfordernisse einer größeren Stabilität des Beschäftigtenstandes Rücksicht nimmt. Dennoch war unsere
Wirtschaft gelegentlich schweren Belastungsproben ausgesetzt, da die
Unternehmer hinsichtlich der Ausrüstung der Betriebe, dem Ausbau der
Anlagen und insbesondere der Aufnahme von Krediten gelegentlich nicht
genügend Maß zu halten verstanden. Die Unternehmer haben eindeutig
die Verpflichtung, in ihrem eigenen und im Interesse des Landes sich
jeder Maßlosigkeit zu enthalten und ihre Pläne so auszuarbeiten und in
die Praxis umzusetzen, daß damit zu einer ständigen und allmählichen
Wirtschaftsausweitung beigetragen wird.
Desgleichen haben die Arbeitgeber, ebenso wie die Arbeitnehmer
und Gewerkschaften die Verpflichtung, alle Beschränkungen des freien
Wettbewerbs zu beseitigen und für eine größere Anpassung der Wirtschaft
an die neuen technischen Errungenschaften und Markterfordernisse Sorge
zu tragen. Und einsichtige führende Männer der Landwirtschaft werden
nicht den Versuch machen, die wirtschaftliche Lage auf diesem Sektor
mit Mitteln zu verbessern, die die so wichtige Anpassung an die sich
verändernden Marktverhältnisse vereiteln würden. Wettbewerbsmärkte
und die Möglichkeit, sich innerhalb der durch die persönliche Veranlagung, technischen Erfordernisse und Marktbedürfnisse gesetzten
Grenzen auf jedem Wirtschaftsgebiet zu betätigen, sind wichtige Vorbedingungen einer starken freien Marktwirtschaft.
Eine weitere Verantwortung der leitenden Männer auf Seiten der
Arbeitgeber und Arbeitnehmer erwächst aus der Tatsache, daß sie auf
Grund der Machtkonzentrationen in der Lage sind, Maßnahmen zu treffen,
die infolge der hohen Empfindlichkeit unseres Wirtschaftssystems die
Nation als Ganzes entscheidend beeinflussen.
Unternehmer und Gewerkschaftsführer haben insbesondere die
Pflicht, nur solche Vereinbarungen über Löhne und andere Sozialleistungen zu schließen, die sowohl den unmittelbar Beteiligten
als auch den übrigen Bürgern gerecht werden. Die ausgehandelten
Lohnerhöhungen und Sozialleistungen sollten auf die voraussichtliche Entwicklung der Produktivität und die Erhaltung einer stabilen
Dollarwährung abgestimmt sein. Und die Unternehmen müssen sich darüber im klaren sein, daß die breite Öffentlichkeit an den für ihre
Erzeugnisse und Dienstleistungen festgesetzten Preisen interessiert ist.
Eine Inflation der Preise zu verhüten, die in einer expandierenden
und an die Grenze ihrer Kapazität operierenden Wirtschaft eine stets,
gegenwärtige Gefahr bildet, läßt sich durch eine regulierende Finanzund Steuerpolitik der Regierung allein nicht bewerkstelligen. Wollte
man sich ausschließlich auf Regierungsmaßnahmen verlassen so würde man
das Risiko eingehen, daß im Gefüge unserer Wirtschaft und in unserem
Wirtschaftsleben Wirkungen hervorgerufen werden, die in den kommenden

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kommenden Jahren den freien Wettbewerb daran hindern könnten, sich frei
zu entfalten. Und wollte man sich andererseits weigern, die Verantwortung zu übernehmen, die eine freie Wirtschaft mit sich bringt, so
würden bald schon Forderungen laut werden, diese Verantwortung der Regierung zu übertragen, was stärkere Eingriffe des Staates in das Wirtschaftsleben und den Verlust an Freiheit zur Folge haben würde die
ein solches Vorgehen zwangsläufig nach sich ziehen müßte. Die erfolgreiche Ausdehnung der Prosperität bei gleichzeitiger Erhaltung der
Preisstabilität muß das Ziel der vereinten Bemühungen jedes Amerikaners,
aller Wirtschaftsgruppen und sämtlicher Regierungsbehörden sein, wobei
alle Schritte aufeinander abgestimmt und so geartet sein sollten, daß
sie sich gegenseitig ergänzen ...
Verstärkte wirtschaftliche Beziehungen mit anderen Ländern
Es bleibt auch weiterhin eines der wichtigsten Ziele der Außenhandelspolitik der Vereinigten Staaten, den internationalen Güter- und
Kapitalaustausch auf einer Grundlage zu ermöglichen und zu verstärken,
die jede Diskriminierung gegenüber anderen ausschließt. Da unser Einfuhrvolumen und die Verfügbarkeit von Kapital für Auslandsinvestitionen
aus privaten Quellen von der Prosperität unserer Binnenwirtschaft abhängen, bildet eine stabile und expandierende amerikanische Wirtschaft
eine wichtige Voraussetzung für ein gesundes Welthandelsgefüge. Doch
sind positive Maßnahmen zur Unterstützung anderer Nationen erforderlich, damit diese an der wirtschaftlichen Expansion und der Prosperität der freien Welt teilnehmen können. In den vergangenen vier Jahren
sind beträchtliche Fortschritte in dieser Richtung erzielt worden, doch
bieten sich gerade auf diesem Gebiet immer noch große Möglichkeiten.
Durch den Abbau von Handelsschranken auf der Basis der Gegenseitigkeit haben die Vereinigten Staaten den internationalen Güteraustausch ohne diskriminierende Einschränkungen gefördert, ohne jedoch
dabei ihr Recht aufzugeben, die einheimische Industrie vor ernstlichem
Schaden zu bewahren. Die der Regierung ursprünglich im Gesetz über
Gegenseitige Handelsabkommen vom Jahre 1934 erteilten Befugnisse wurden,
mit bestimmten Abänderungen, durch das im Jahre 1955 erlassene Ergänzungsgesetz zum Gesetz über Gegenseitige Handelsabkommen bis zum 30«
Juni 1958 verlängert. Das Ergänzungsgesetz von 1955 erweiterte die
Befugnisse des Präsidenten in mancher Hinsicht. Insbesondere ermächtigte es ihn, auf der Basis der Gegenseitigkeit Zollsenkungen bis zu
fünf Prozent'jährlich für die Dauer von drei Jahren vorzunehmen und
es ermöglicht ferner die jahresweise zu staffelnde Senkung der über
50 Prozent des Wertzolls betragenden Zollsätze auf 50 Prozent. Auf
Grund dieses Gesetzes wurden im Rahmen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) mit 21 Ländern Abmachungen über gegenseitige Zollzugeständnisse getroffen, von denen amerikanische Aus- und Einfuhren
im Werte von 1 Milliarde Dollar betroffen werden. Im Jahre 1955» noch
vor Annahme des Ergänzungsgesetzes, schlössen die Vereinigten Staaten
gemeinsam mit 16 weiteren Ländern im Rahmen des GATT mit Japan wichtige
Zollabkommen, die dieses Land wirtschaftlich enger an die freie Welt
banden. Die im Gesetz über Gegenseitige Handelsabkommen enthaltenen
"Rücktrittsklauseln" und "Gefahrenpunktbestimmungen", die den Zweck

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Zweck haben, die einheimische Industrie gegenüber größeren Benachteiligungen zu schützen, wie sie aus Zollkonzessionen resultieren könnten,
bieten d«r amerikanischen Wirtschaft nach wie vor ausreichende Sicherheiten, ohne dabei die Liberalisierung des Handels im großen und ganzen
zu beeinträchtigen.
Beim Abbau von Handelsschranken und in der Beseitigung diskriminierender Beschränkungen gegenüber amerikanischen Exportfirmen haben die
im Rahmen des GATT geführten mehrseitigen Verhandlungen größere Erfolge
gezeitigt als die zweiseitigen Verhandlungen. Um GATT zu einem noch
wirksameren Instrument zur Beseitigung von Diskriminierungen gegenüber
unsere!" Exporthandel 'zu machen, ist eine Verwaltungsbehörde - die Organisation für Gemeinsamen Handel - notwendig. Um die von GATT heute
bereits gebotenen Vorteile noch zu erhöhen, wird der Kongreß ersucht,
ein Gesetz zu verabschieden, das den Beitritt der Vereinigten Staaten
zur Organisation für Gemeinsamen Handel genehmigt...
Die Vereinigten Staaten haben in Form staatlicher Zuwendungen
und Kredite sowie privater Investitionen beträchtliche Summen aufgebracht, um andere Länder bei der Entwicklung ihrer Wirtschaft zu unterstützen. In den drei letzten Wirtschaftsberichten ist bereits nachdrücklich darauf hingewiesen worden, wie wünschenswert die Förderung privater
Investitionen in Ländern sei, die sich um einen schnellen Aufbau ihrer
Wirtschaft bemühen. Private Investitionen sind im allgemeinen mit der
Bereitstellung von technischem und leitendem Personal verbunden, das
ebenso notwendig wie das Kapital selbst, aber oft schwerer zu beschaffen
ist. Gegenwärtig werden die in anderen Ländern gebotenen steuerlichen
Anreize für Investitionen mitunter dadurch wieder aufgehoben, daß die
von den Regierungen der Empfängerländer gewährten steuerlichen Erleichterungen bei der Berechnung der von den Firmen in den Vereinigten
Staaten zu zahlenden Einkommensteuer unberücksichtigt bleiben. Private
Auslandsinvestitionen würden durch'Steuerabkommen, in denen die Gesetze
anderer Länder zum Anreiz von Neuinvestitionen ausländischer Kapitalgeber unter Wahrung der als notwendig erachteten Sicherungsvorkehrungen
entsprechend berücksichtigt werden müßten, wesentlich gefördert werden.
Die von der amerikanischen Regierung gewährten Zuwendungen und
Kredite haben die wirtschaftliche Entwicklung in den Ländern der
freien Welt erheblich begünstigt. Im Rahmen des Programms für Gemeinsame Sicherheit wurden im laufenden Haushaltsjahr 1,8 Milliarden
Dollar für nichtmilitärische Hilfsprogramme bewilligt, einschließlich wirtschaftlicher Verteidigungshilfe und Aufbauhilfe sowie des
Programmes bezüglich der technischen Zusammenarbeit und anderer Formen
der Unterstützung. Dem Kongreß werden Empfehlungen zugeleitet werden,
die die Weitergewährung dieser Unterstützung und Maßnahmen zum Gegenstand haben, die darauf abzielen, diese Programme elastischer zu gestalten, damit sie den Erfordernissen der sich schnell ändernden internationalen Situation angepaßt werden können.

Die

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Die Export-Importbank hat beträchtliche Summen in Form von
Krediten zur Finanzierung amerikanischer Exporte und zur Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung anderer Länder zur Verfügung gestellt. An diesen Krediten war vielfach auch privates Kapital beteiligt, was eine verstärkte Tätigkeit der Bank ermöglichte.
Die bis 30.Juni 1958 befristete Befugnis der Export-Importbank zur
Gewährung von Krediten sollte daher verlängert werden.
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds, die beide
größtenteils aus Kapitaleinlagen und Garantien der amerikanischen
Regierung gespeist beziehungsweise gedeckt werden, haben ihre Dollartransaktionen im Jahre 1956 in bemerkenswerter Weise erweitert.
Die von der Weltbank vergebenen Kredite tragen zu einer gesunden wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Mitgliedstaaten bei. Der Internationale Währungsfonds unterstützt die ihm angehörenden Länder dabei,
vorübergehende Schwierigkeiten in den Zahlungsbilanzen zu beheben
und fördert eine gesunde internationale Finanzpolitik sowie den
freien Währungsaustausch. Vor kurzem erst stellte er Mittel zur
Stärkung der Währungsposition Großbritanniens zur Verfügung.
Die amerikanischen Zollverfahren wurden vereinfacht und bestehende
Härten durch die im Jahre 1953 und 1956 erlassenen Gesetze beseitigt.
Auf Grund des Gesetzes vom Jahre 1953 wurden verschiedene Verwaltungsvorschriften erlassen, die die Rechnungslegung bei Einfuhren vereinfachten.
Das Gesetz über die Vereinfachung des Zollwesens vom Jahre 1956
verfolgt den Zweck, die für die Wertzollfestsetzung für Einfuhrgüter
angewandten Verfahren zu vereinfachen und lästige Verzögerungen und
bestehende Ungewißheiten zu beseitigen. Auf Grund weiterer Gesetze
werden zur Zeit von der Zollkommission Mittel und Wege geprüft, um das
gegenwärtige System der Warenkategorien und die Zolltarife zu verbessern.
Zwei vielversprechende Projekte, die gegenwärtig geprüft werden,
würden die wirtschaftliche Integration Westeuropas fördern. Das eine
ist die Schaffung eines gemeinsamen Marktes und die Beseitigung der
nationalen Zollschranken zwischen den sechs kontinentalen Ländern,
die zusammen die Montanunion bilden. Das andere ist ein Zusammengehen
Großbritanniens mit dieser Staatengruppe und anderen kontinentalen
Ländern zwecks Bildung eines gemeinsamen Freihandelsgebiets. Diese Projekte dürften, falls sie zu einem positiven Abschluß gebracht werden, wesentlich zum wachsenden wirtschaftlichen Aufschwung und zum politischen
Zusammenschluß Europas beitragen und würden sich sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für die gesamte freie Welt vorteilhaft auswirken.
Die fortschreitende Industrialisierung Westeuropas und eines großen
Teils der übrigen Welt erfordert den Ausbau wirtschaftlich rentabler Energiequellen. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft für Kohle
und Stahl planen zur Zeit gemeinsame Maßnahmen auf dem Gebiet der friedlichen Nutzung der Atomenergie. Der Kongreß sollte daher die erforderlichen
Schritte unternehmen, um die Vereinigten Staaten zur uneingeschränkten
Teilnahme an der Arbeit der Internationalen Atomenergiebehörde der Vereinten Nationen zu ermächtigen, damit wir unsere Bemühungen, auch andere
Nationen der freien'Welt an den Segnungen einer friedlichen Nutzung der
Atomenergie teilnehmen zu lassen, weiter verstärken können.
Die

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30. Januar 1957

Die gegenwärtige Wirtschaftslage
Die Wirtschaftstätigkeit hatte Ende 1956 einen hohen Stand erreicht.
Die Investitionen der Wirtschaft haben ständig an Umfang zugenommen.
Die Zahl der Beschäftigten und die tatsächlich gezahlten Löhne in den
nichtlandwirtschaftlichen Betrieben sind angestiegen; die Arbeitslosigkeit war gering. Der Umsatz im Einzelhandel hat während des letzten
Quartals des vergangenen Jahres zugenommen. Der Außenhandel sowie die
Auslandsinvestitionen hielten sich auf einem hohen Stand, und die Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse war besonders hoch. Die Aufwendungen der einzelstaatlichen und kommunalen Verwaltungen nahmen weiterhin stetig zu, und auch die Ausgaben der Bundesregierung haben in bescheidenem Umfang zugenommen.
Andererseits sanken die Ausgaben für den Wohnungsbau sowie der
Ausstoß einiger dafür erforderlichen Industrieerzeugnisse weiterhin
ab, obgleich die Zahl der in den letzten Monaten des Jahres in Angriff
genommenen Neubauten einer Jahresrate von mehr als 1 Million entspricht.
Durch den ständigen und heftigen Druck der Konkurrenz haben die Hersteller einiger der wichtigsten Haushaltsgeräte Produktionsanpassungen
vorgenommen. Auf dem Kapitalmarkt war die Nachfrage im Verhältnis zum
Angebot im allgemeinen sehr groß, und die Großunternehmen und Finanzinstitute waren auf Grund der hohen finanziellen Anforderungen während
des ganzen Jahres weniger liquide.
In den letzten Monaten des Jahres 1956 haben die Warenbestände
zugenommen, was sich vor allem in den erhöhten Lagerbeständen der
Automobilhändler und der Herstellerfirmen zeigt, in weiteren Anschaffungen seitens der Maschinenausrüstungsindustrie, deren Produktion
und Umsatz angestiegen sind, sowie schließlich in der Auffüllung der
Lagerbestände bei der stahlverarbeitenden Industrie im allgemeinen. Im
ganzen jedoch waren die Bestände im Verhältnis zum Absatz nicht übermäßig hoch.
Wie die Wirtschaftstätigkeit sich in den kommenden Monaten entwickeln wird, kann man nicht mit Sicherheit voraussehen; doch lassen
einige bereits bekannte Tatsachen Rückschlüsse auf die mögliche Entwicklung von Ausgaben iiuuiL-Nachfrage in gewissen wichtigem Kategorien
zu. Erstens deutet einiges darauf hin, daß die Kapitalaufwendungen in
den kommenden Monaten leicht ansteigen werden. Die Ordern für Anlagegüter sind seit einiger Zeit höher als das Produktionsvolumen, so daß
der Auftragsbestand,insbesondere für industrielle und elektrische
Maschinen, weiterhin zugenommen hat. Auch Untersuchungen über geplante
Kapitalaufwendungen der Wirtschaft im Jahre 1957 deuten auf ein weiteres Anwachsen über den derzeitigen Stand hinaus hin. Allerdings
dürfte die Zuwachsrate niedriger sein als im Jahre 1956. Einige der
außergewöhnlich umfangreichen Ausbauprogramme, die vor ein oder zwei
Jahren in Angriff genommen wurden, sollen in diesem Jahre abgeschlossen werden. Demgegenüber wurden andere Projekt« auf Grund finanzieller
Erwägungen zunächst zurückgestellt. Und ein weiteres Ansteigen der
Produktion von Anlagegütern wird zwangsläufig durch die Tatsache" begrenzt werden, daß einige der Herstellerfirmen selbst ihre Produktionskapazität bereits voll oder nahezu voll ausgenutzt haben.
Zweitens

- 13 -

�•AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

30. Januar 1957

Zweitens kann damit gerechnet werden, daß die bereits seit langer
Zeit ständig anwächsenden Ausgaben der einzelstaatlichen und kommunalen
Verwaltungen - rund 3 Milliarden Dollar jährlich - in den letzten Jahren
auch weiterhin ansteigen werden, da diese Stellen bestrebt sind, den
rasch ansteigenden Anforderungen durch Ausbau ihrer Einrichtungen und
Dienstleistungsbetriebe gerecht zu werden. Auch die Ausgaben der Bundesregierung dürften im Kalenderjahr 1957 auf Grund der Aufwendungen
für Verteidigungszwecke und der für wichtige zivile Dienstleistungen
sich ergebenden Verpflichtungen um einiges höher liegen.
Drittens dürften auf Grund der in Aussicht genommenen Projekte
der öffentlichen Hand im Verein mit den hohen Kapitalaufwendungen der Privatwirtschaft und der zunehmenden Zahl der Verwaltungsbauten die Gesamtaufwendungen für Neubauten in den kommenden Jahren beträchtlich
ansteigen. Im Wohnungsbau scheint sich hingegen die angespannte Lage
auf dem Hypothekenmarkt in der kommenden Bausaison eindämmend auszuwirken, obwohl die jüngst von der Regierung ergriffenen Maßnahmen
die Auswirkungen der angespannten Kreditlage im Wohnungsbauwesen etwas
mildern sollten. Das verminderte Angebot an neuen Wohnungen dürfte
Marktbedingungen schaffen, die einer zusätzlichen Bautätigkeit günstig
sind.
Viertens hat es den Anschein, daß trotz der äußerst komplexen und
mannigfaltigen Faktoren, die unsere Auslandsmärkte beeinflussen, die
Außenhandels- und die Investitionsvolumen weiterhin ihren derzeitig
hohen Stand beibehalten werden.
Schließlich künden die positiven Faktoren in der derzeitigen
Wirtschaftslage einen hohen Beschäftigtenstand an, was im Verein mit
gutem Verdienst eine Steigerung des Konsums in den kommenden Monaten
bewirken dürfte. Das Vertrauen des amerikanischen Volkes in die Stärke
unserer Wirtschaft ist unverändert groß und begünstigt auch in Zukunft
hohe Verbraucherausgaben. Das beharrliche Drängen unserer Bevölkerung
nach einer ständigen Steigerung des Lebensstandards und ihre Bereitschaft,
zur Erreichung dieses Zieles hart zu arbeiten, sind sowohl für die wirtschaftliche Entwicklung in der allernächsten Zukunft als auch für die
Lebenskraft unseres Wirtschaftssystems auf weite Sicht von großer
Bedeutung.
Allerdings gibt es immer gewisse Unsicherheitsfaktoren, die wir
in Rechnung stellen müssen. Einer der bedeutsamsten dieser Faktoren
ist die gegenwärtige weltpolitische Lage. Ein anderer ergibt sich aus
den Preisbewegungen. Zwar dürfte die geringe Aufwärtstendenz der Preise
noch kaum ihr Ende erreicht haben, doch können der erhöhte Ausstoß, die
gesteigerte Produktivität und der lebhafte Wettbewerb, unterstützt durch
entsprechende öffentliche und private Maßnahmen, dieser Entwicklung
zu höheren Preisen entgegensteuern.
Ein drittes Element der Unsicherheit ergibt sich aus den verschiedenen Faktoren, die die Vornahme neuer Kapitalaufwendungen seitens
der Privatwirtschaft bestimmen. Obgleich gegen Ende des Jahres 1956
manches auf eine günstigere Entwicklung der Situation hindeutete, sind

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

50. Januar 1957

sind sowohl die Gewinnspannen als auch die Gesamtgewinne in vielen Industriezweigen infolge der steigenden Herstellungskosten gesunken. In
manchen Fällen bewirken sinkende Gewinne eine Beschleunigung der Kapitalaufwendungen, da die Unternehmer versuchen, die Betriebskosten
durch die Anschaffung leistungsfähiger und produktiverer Anlagen und
Maschinen zu senken; in anderen Fällen wiederum zeigen sich gegenteilige Auswirkungen auf die Kapitalaufwendungen, da mit dem Rückgang
des Gewinns auch der Anreiz und die finanzielle Möglichkeit, die
Aufwendungen auf gleicher Höhe zu halten oder gar zu steigern, zurückgehen. Und obgleich schließlich der für Investitionszwecke verfügbare
Zustrom an neuen Spareinlagen auch weiterhin erheblich sein dürfte,
werden die zu erwartenden hohen Anforderungen der Privatwirtschaft
sowie der einzelstaatlichen Regierungen und Kommunalverwaltungen nach
wie vor Probleme hinsichtlich der zeitlichen Koordinierung und des
Gleichgewichts auf dem Kapitalmarkt stellen.
Diese und andere Faktoren der Unsicherheit und die sonstigen
Probleme, die zwangsläufig in einer dynamischen Wirtschaft auftauchen,
verpflichten die Regierung, den einzelnen und die verschiedenen Gruppen innerhalb der Wirtschaft, in ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich
für eine stetige und gleichmäßige wirtschaftliche Entwicklung zu sorgen.
Wenn alle diesen Verpflichtungen gerecht werden, dann dürfen wir mit
Recht darauf vertrauen, daß die Prosperität, deren unser Land sich
erfreut, auch in den kommenden Monaten anhält, und daß unsere Wirtschaft
in noch stärkerem Maße als bisher in der Lage sein wird, den mit dem
Employment Act in Aussicht genommenen hohen Stand der Beschäftigung,
der Produktion und der Kaufkraft zu fördern. Ein eingehendes und wohlwollendes Studium des im folgenden Abschnitt umrissenen Wirtschaftsprogramms durch den Kongreß dürfte uns diesem Ziele um ein wesentliches
näher bringen.
Künftige Aufgaben
Die unterbreiteten Vorschläge ... sind so formuliert worden, daß
in erster Linie die Erfordernisse der unmittelbaren Zukunft Berücksichtigung finden; die Regierung ist jedoch auch verpflichtet, für die
fernere Zukunft vorzusorgen, obgleich dies nur unvollkommen getan
werden kann. Selbst bereits seit langem klar ausgeprägte Trends können
sich ändern, und es gibt vieles, was sich überhaupt nicht voraussehen
läßt. Bestimmte Faktoren aber, die unsere Wirtschaft in den kommenden
Jahren beeinflussen werden, sind schon mit gewisser Deutlichkeit zu
erkennen. Zwei der wichtigsten davon sind die Zunahme unserer Bevölkerungszahl und die Veränderungen in der Alterspyramide.
Vor dem zweiten Weltkrieg und kurz danach hatten die Fachleute
errechnet, daß die Bevölkerungszahl der Vereinigten Staaten immer langsamer wächst, in ein paar Jahrzehnten einen Gipfelpunkt erreichen und
dann allmählich abnehmen werde. Tatsächlich betrug der Faktor für die
Bevölkerungszunahme in den letzten zehn Jahren mehr als das Doppelte
dessen der dreißiger Jahre. Es sind auch merkliche und ganz unterschiedliche Veränderungen in der Zunahme der Bevölkerungszahl in den einzelnen Bevölkerungselementen unserer Nation vor sich gegangen. Diese
Veränderung und die Zunahme der Gesamtbevölkerungszahl haben unsere
Wirtschaft bereits nachhaltig beeinflußt. Neue Aufgaben ergeben sich

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30. Januar 1957

sich für die Zukunft, wenn der starke Anstieg der Geburtenziffer seit
den vierziger Jahren, besonders seit 1946, in den Zahlen für die
wichtigen Altersgruppen spürbar werden wird. Die Zahl der jungen
Menschen, die das 18. Lebensjahr vollenden,wird zwischen 1970 und
1980 fast doppelt so hoch sein wie im Jahr 1956. Es ist zu erwarten,
daß die Zahl der Jugendlichen im College-Alter 1970 etwa Sofo höher
liegt als heute; gleichzeitig erwartet man aber, daß im Jahr 1970
die Einschreibungen für die regulären Lehrgänge an den vorhandenen
Fach- und Hochschulen mehr als doppelt so hoch sein werden als heute.
Die Zahl erster Eheschließungen, die ihren Niederschlag auch in der
Zahl der Hausstandsgründungen findet, wird wahrscheinlich um 1965 höher
als jetzt und Ende der sechziger Jahre und in den siebziger Jahren
sogar erheblich höher sein. Die tatsächliche Höhe der Beschäftigtenzahl wird so sehr von der persönlichen Entscheidung des einzelnen
bestimmt, sich eine Arbeit zu suchen oder nicht zu suchen,
daß
hierüber keinerlei Voraussagen gemacht werden können. Obgleich über
die Zahl der Personen, die nur in den Arbeitsprozeß eingegliedert
werden, im voraus keine bestimmten Angaben gemacht werden können,
so läßt sich doch mit Sicherheit sagen, daß sie im Verhältnis zu
heute wesentlich höher sein wird.
Diese wenigen Beispiele für die zu erwartende Entwicklung aus
der Zunahme und der veränderten Alterspyramide unserer Bevölkerung
lassen zum Teil die Aufgaben erkennen, die in den kommenden Jahren
von öffentlicher und privater Seite gemeistert werden müssen ...
Das Ausmaß, in dem sich das Bruttosozialprodukt infolge der
wahrscheinlichen Erhöhung der Bevölkerungszahl vergrößern wird,
hängt im wesentlichen davon ab, ob es uns gelingt, einen hohen
Beschäftigungsstand und unsere Produktivitätszuwachsrate zu erhalten.
Der Ausstoß pro Mann und Arbeitsstunde hat sich über lange Zeit hinweg durchschnittlich um etwa 2 % jährlich erhöht; seit dem zweiten
Weltkrieg beträgt (ier Steigerungsfaktor weit über 3 c/o im Jahr. Die
Produktivität dürfte sich auch weiterhin in dem gewohnten Umfang
oder in dem Ausmaß der jüngsten Zeit erhöhen, jedoch kann ein solcher Faktor nicht als automatisch vorhanden oder als sichere Größe
ohne Relation zu anderen Faktoren angesehen werden. Ein erheblich
größeres Angebot an fachlich geschulten Arbeitskräften, Energie,
Rohstoffen und Anlagegütern wird erforderlich sein, wenn die Chancen, die uns der technische Fortschritt bietet, wahrgenommen und
die Erfordernisse einer rasch anwachsenden Bevölkerung bei einem
verbesserten Lebensstandard befriedigt werden sollen. Eine solche
Aufwärtsentwicklung setzt eine gesteigerte Spar- und Investitionstätigkeit voraus. Die Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten für
unsere freie Wirtschaft sind für die nächsten 25 Jahre - selbst

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

30. Januar 1957

selbst bei vorsichtiger Schätzung - außerordentlich groß. Ebenso
groß ist aber auch die Verantwortung, die Regierung und Staatsbürger tragen müssen. Hauptziel der Regierung muß es sein, ein ausgewogenes und fest fundiertes Wachstum der Wirtschaft zu fördern, und
zwar in einer Atmosphäre, die dem Geist des freien Unternehmertums
dienlich ist. Dieses Bemühen muß durch private Maßnahmen gestützt
werden, die ihrerseits mithelfen, die Lebenskraft der freien Wettbewerbswirtschaft und eine ständige Erweiterung des wirtschaftlichen
Volumens ohne Preisinflation zu gewährleisten. Gelingt es uns, dieser
Verantwortung gerecht zu werden, so haben wir damit viel dazu beigetragen, unserem Volk eine weitere gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung zu sichern,und dies wiederum kann sich außerordentlich segensreich auf den Frieden und den Fortschritt der ganzen Welt auswirken.

* * * * *

�Allg./6.2.1957
DIE NATO - ABSCHRECKUNGSMITTEL UND SGHUTZSCHILD

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut einer Rede, die General Lauris Norstad, der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa, am
29. Januar 1957 vor der Amerikanischen NATO-Gesellschaft
anlässlich eines Festessens im Waldorf-Astoria-Hotel in
New York gehalten hat.
Ich überbringe Ihnen die Grüße der in Europa stationierten
amerikanischen Streitkräfte. Diese Grüße sollen Sie daran erinnern,
daß sie dort zusammen mit ihren Kameraden aus anderen Ländern auf
Wache stehen, um den Frieden der Welt zu wahren. Ich sagte ausdrücklich "in Europa", weil Europa in meinen Verantwortungsbereich fällt.
Lassen Sie mich nachdrücklich feststellen, daß ich den Oberbefehl
lediglich über einen Teil der NATO-Streitkräfte innehabe. Admiral
Wright, der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte im Atlantik
und Admiral Creasy, der Oberbefehlshaber im Kommandobereich Ärmelkanal, tragen eine ähnliche Verantwortung. Daneben gibt es noch die
Befehlshaber der nationalen Streitkräfte, deren Truppen gemeinsam
mit unseren das gewaltige Kräftereservoir ausmachen, das die Nordatlantikpakt-Organisation darstellt. Patrouillenboote unter griechischer Flagge, ein Zug der norwegischen Gebirgstruppen, ein französisches Pionier-Bataillon und eine kanadische Düsen-Staffel sie alle sind Teil der NATO und eng miteinander verbunden.
Ich wiederhole: eng miteinander verbunden. Das Bündnis ist
für jedes seiner 15 Mitglieder von lebenswichtiger Bedeutung, und
ebenso ist jedes Mitglied für das gesamte Bündnis von lebenswichtiger Bedeutung. Ob ein Mitgliedstaat soweit ab von der Sowjetunion
liegt wie die Vereinigten Staaten oder an sie angrenzt wie die
Türkei - sie alle sind gleichermaßen bedroht.
Schon oft haben Menschen Streitkräfte dazu benutzt, den Frieden wieder herzustellen; die NATO jedoch ist das schönste Beispiel
ihrer Verwendung um der Erhaltung des Friedens willen. Der Geist
dieses Unternehmens kommt in der Präambel des Nordatlantikpaktes,
der am 4« April 1949 unterzeichnet worden ist, zum Ausdruck.
"Die vertragschließenden Parteien ... sind zur Wahrung der
Freiheit, des gemeinsamen Kulturerbes ihrer Völker, entschlossen,
die auf die Prinzipien der Demokratie, die Freiheit des einzelnen
und die Grundsätze des Rechts gegründet ist ...
q.

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�6. Februar

"AMERIKA DIENST

1957

Sie sind entschlossen, ihre Bemühungen um eine gemeinsame Verteidigung und zur Erhaltung von Frieden und Sicherheit zu vereinigen."
Diese Zielsetzungen, die so klar zum Ausdruck kommen und Zeichen
des Vertrauens sind, bilden die Grundlage der in der NATO vereinigten
militärischen Befehlsgewalt. Sie stellen eine Zusammenfassung alles
dessen dar, was den Sinn unseres Bündnisses ausmacht. Und was noch
wichtiger ist, diese Zielsetzungen werden auch in die Tat umgesetzt.
Die Prinzipien der NATO haben sich nicht nur als brauchbar erwiesen,
sondern auch bereits ganz unverkennbare Auswirkungen gezeigt. Die
Reaktion der Sowjets beweist das ganz deutlich. Gehört es doch zu
den augenfälligsten Zielen Rußlands, dieses Bündnis zu zerschlagen,
das ihm jenseits der empfindlichsten und der am schärfsten zutage
tretenden politischen Trennuhgslinien zwischen Ost und West gegenübersteht .
Man braucht kein Politiker und kein Stratege zu sein, um zu begreifen, warum sich die Sowjets so gewaltige Mühe geben, die NATO zu unterminieren. Man braucht sich nur der Atmosphäre der Furcht zu erinnern,
die das Frühjahr 1951 charakterisierte. In Korea tobte ein fürchterlicher Krieg. In Westeuropa, das sich eben erst vom zweiten Weltkrieg
zu erholen begann, lautete die Fragestellung damals: Welches Land wird
als nächstes unter die Herrschaft der Sowjetunion geraten und nicht ob,
sondern wann ein dritter Weltkrieg beginne.
Damals wurde General Eisenhower wieder zurückberufen, um in Paris
das Oberkommando der Alliierten Streitkräfte in Europa - SHAPE - aufzubauen, das uns heute allen ein fester Begriff ist. Die Berufung dieses Mannes mit seinem unerhörten Prestige gab der NATO Auftrieb. Die
Furcht begann zu schwinden und die Hoffnung stieg. Die Menschen in Westeuropa maßen selbst völlig beiläufigen Handlungen eine Bedeutung zu, die
ihnen oftmals gar nicht zukam. Als ich beispielsweise meine Dienstgeschäfte in Wiesbaden aufnahm, konnte ich so quasi Seufzer der Erleichterung hören und spüren, wie die Spannung nachließ. Warum? Einfach deshalb, so sagte man mir, weil ich meine Frau und meine kleine Tochter
mitgebracht hatte - für die Deutschen ein Beweis dafür, daß offizielle
Kreise der Auffassung waren, die Gefahr eines Krieges sei geringer geworden.
Als wir dann damit begannen, unsere Verteidigung zu organisieren,
nachgeordnete Befehlsstellen einrichteten, militärische Ausrüstungen
nach Europa brachten und die Ausbildung mit verstärkten Kräften betrieben, wuchs die Erkenntnis, daß sich der Westen verteidigen ließe
und auch verteidigt werden würde.
Die Gefahr schien für den Augenblick nachzulassen. Daß es offensichtlich gelungen war, der sowjetischen Bedrohung der Jahre 1951/52
Einhalt zu gebieten, war keineswegs der einzige Vorteil, der auf das
Konto des Kräftereservoirs der NATO kommt. Aus dem neugewonnenen Gefühl
eines gemeinsamen Zweckes und aus der Erfahrung einer Partnerschaft,
die sich in einer Zeit der Gefahr so erfolgreich aufgetan hatte, erwuchs

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�'AMERIKA DIENST

6. Februar 1957

erwuchs ein neuer Geist, der ganz Westeuropa verwandelte. Ein außergewöhnlich großer wirtschaftlicher Aufschwung folgte dem nach. Diese
Entwicklung wäre kaum so schnell vor sich gegangen und so weit fortgeschritten, wenn nicht jene Sicherheit gegeben gewesen wäre, die die
NATO bot.
Heute zeigt sich diese Gefahr wiederum in scharfen Umrissen. Die
Offensive des Lächelns, die Chruschtschow und Bulganin gestartet haben,
hat sich in Nichts aufgelöst. Und wieder hören wir aus dem Osten den
vertrauten Chor der Tatsachenverdrehung und Entstellungen. Der massive
Vorstoß sowjetischer Panzer in Ungarn hat den Beweis geliefert - sofern
es überhaupt eines weiteren Beweises bedurfte -, daß die Zielsetzungen
des Kreml die gleichen geblieben sind, und daß die Gewalt nach wie vor
das bevorzugte Mittel seiner Politik ist. Und wieder einmal wurde damit
für die Amerikaner und darüber hinaus für alle Völker der freien Welt
die Bedeutung der Stärke der NATO unterstrichen.
Nur wenn wir auf die Vergangenheit zurückblicken, können wir erfassen, was bereits geleistet worden ist. Es gab auch Augenblicke des
Zweifels. So im vergangenen Herbst, als die Ereignisse in Osteuropa und
im Mittelmeer einigen ein Durcheinandergeraten, wenn nicht sogar den
restlosen Zusammenbruch unseres Bündnisses anzukünden schien. Solche
düsteren Vorhersagen basierten ebenso wie ähnliche Prognosen aus der
Zeit vorher und nachher auf einer falschen Beurteilung der Stärke der
NATO. Ich habe das Vertrauen nie verloren. Dies erinnert mich an die
Geschichte jener beiden Männer, die jeder ein Glas Wein vor sich
stehen haben, und von denen der Melancholiker sagte: "Mein Glas ist
halb leer", während der andere sagt: "das meine ist noch halb voll".
Im Vergleich zu dem, was im NATO-Glas angesichts der gewaltigen Hilfsquellen der Atlantikpakt-Gemeinschaft sein sollte, kann man es in der
Tat als nur halb voll bezeichnen. Wir haben aber die Möglichkeit, noch
nachzugießen und es bis zum Rande anzufüllen.
Im Zeitpunkt der Planung der NATO, vor mehr als acht Jahren also,
wurde die Konzeption dessen entwickelt, was man später als AbschreckungsStrategie bezeichnen sollte. Diese Strategie - und einige der hier anwesenden hohen Gäste gehören mit zu ihren Vätern - konzentriert sich
auf die Schaffung von Streitkräften, die nicht so sehr auf die Erringung
eines Sieges im Kriegsfalle, als vielmehr auf die Verhinderung des
Ausbruchs eines Krieges überhaupt zugeschnitten sein sollten. Kurz gesagt, es sollte ihre Aufgabe sein, abzuschrecken, und dieses Abschrekkungsmittel müßte, um wirksam zu sein, mehrere eng miteinander verbundene Elemente einschließen.
Es mußte innerhalb der NATO militärische Streitkräfte von hinreichender Stärke und Vielseitigkeit geben, um sicherzustellen, daß
ein Angriff auf sie nicht erfolgreich sein könne.
Es mußte allenthalben innerhalb der NATO der Wille bestehen, diese
Streitkräfte immer dann zum Einsatz zu bringen, wenn dies notwendig
sein sollte.
Schließlich

�'AMERIKA DIENST"

6. Februar 1957

Schließlich mußte den potentiellen Aggressoren klar gemacht
werden, daß die NATO sowohl über diese Streitkräfte als auch über
den genannten Willen verfüge.
Das also waren die Grundelemente unserer Strategie der Abschrekkung. Wir erkannten von Anfang an, daß Stärke allein, so groß sie
auch immer sein mochte, nicht ausreicht, einen entschlossenen Gegner
einzuschüchtern. Sie würde ihn nur dann einschüchtern, wenn er zu
der Überzeugung gelangte, daß sein auserwähltes Opfer bereit ist,
sie immer dann einzusetzen, wenn man ihren Einsatz herausforderte.
Diese Strategie hat sich als wirksam erwiesen. Heute jedoch, wo
wir den Kragen hochschlagen gegen den eisigen Wind, der von neuem aus
dem Osten weht, mögen wir uns alle fragen, ob sich die NATO auch in
Zukunft bewähren wird. In den vergangenen Jahren sind wir Zeuge zahlreicher Veränderungen auf militärischem Gebiet und im Kräfteverhältnis der Nationen gewesen. Sind unsere Mittel ausreichend und ist
unsere Entschlossenheit stark genug? Und haben wir unsere Haltung
einem unbarmherzigen Gegner, dessen Ziel nach wie vor unsere Vernichtung ist, klar genug zu verstehen gegeben?
Ich bin überzeugt, daß sich die Russen bezüglich der Stärke und
der Entschlossenheit der Nordatlantik-Gemeinschaft keinen Illusionen
hingeben. Ich habe bereits erklärt, daß die in nordsüdlicher Richtung
verlaufende, rund 65OO km lange Linie, die die NATO von den Ländern
des Sowjetblockes trennt, die politisch empfindlichste Trennungslinie
auf diesem Erdball überhaupt ist. Niemals in der Geschichte der kollektiven Sicherheitsbemühungen hat eine Gruppe von Großmächten eine so
scharfe Trennungslinie gezogen. An keiner anderen Trennungslinie sind
die Partnerstaaten des Westens so feste und unzweideutige Verpflichtungen eingegangen. Das ist den Russen bekannt. Letzten Endes ist es
das Vorhandensein dieser Linie gewesen, das sie von Westeuropa ferngehalten hat.
Und wie steht es um die militärischen Machtmittel? Das Rückgrat
der westlichen militärischen Stärke bilden Streitkräfte, die für die
Führung eines VergeltungsSchlages ausgerüstet sind. Ihr stärkster
Arm ist das dem Gemeinsamen Stab der US-Streitkräfte unterstehende
Strategische Bomberkommando. Bei einer Verletzung dieser NATO-Trennungslinie, bei einem Angriff auf unsere Allianz, würde das mächtige Instrument des Strategischen Bomberkommandos ebenso wie das britische Bomberkommando sofort eingesetzt werden.
Hinzu kommen noch, unmittelbar unter meinem Kommando als Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa, die von den Mitgliedstaaten der NATO zugeteilten Streitkräfte. Bei diesen handelt es sich
um Landstreitkräfte, die mit den modernsten Waffen, einschließlich
Raketen und Fernlenkwaffen, ausgerüstet sind, um Seestreitkräfte insbesondere die im Mittelmeer stationierte sechste Amerikanische
Flotte; und um Luftstreitkräfte, die sowohl für die Verteidigung als
auch für die Offensive ausgerüstet sind. Diese Streitkräfte sind umfangreich und stark - viel stärker, möchte ich meinen, als allgemein

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�"AMERIKA DIENST"

6. Februar 1957

allgemein angenommen wird. Ihrer Zahl nach sind sie vier- bis fünfmal
stärker als noch vor fünf Jahren, auch ihre Kampfkraft hat sich vervielfacht.
Und diese Kampfkraft wird noch immer weiter gesteigert. Das Oberkommando der Alliierten Streitkräfte in Europa verfügt selbst über ein
beträchtliches Potential an Atomwaffen. Sollte es jemals notwendig werden, daß wir uns verteidigen, dann kann und wird das Oberkommando die
ihm übertragene Rolle bei der Vernichtung des Angreifers voll und ganz
erfüllen. Natürlich würden unsere Operationen mit denen des Strategischen Bomberkommandos und des britischen Bomberkommandos koordiniert
werden.
Bezüglich unserer Fähigkeit, einen Vernichtungsschlag zu führen,
hege ich keinerlei Zweifel. Die Gültigkeit des Prinzips der Abschrekkung hängt nicht von der Stärke der Luftflotte der Sowjets oder der
Zahl ihrer Fernlenkwaffen ab. Auch wenn die diesbezügliche Stärke des
Gegners 80, 90 oder sogar 100 Prozent unserer eigenen betragen sollte,
werden wir immer noch über genügend V/affen, genügend Flugzeuge, die diese
Waffen zum Einsatz bringen können, und genügend Stützpunkte für diese
Flugzeuge verfügen, um den Feind zu vernichten. Er könnte uns keineswegs daran hindern. Zudem wird die Wahrscheinlichkeit eines sowjetischen
Angr'ffes, in welcher Form er auch erfolgen mag, gleichgültig ob mit
Atomwaffen oder herkömmlichen Waffen, um ein vielfaches dadurch verringert, daß die Streitkräfte der NATO auf ihren vorgeschobenen Basen in
Europa stehen.
Diese unsere Fähigkeit zur Führung eines Vernichtungsschlages und diese Fähigkeit können wir erhalten, wenn wir die Einheit und
Stärke der NATO wahren - führt mich zu dem zweiten Element der Abschreckung, nämlich unserem Willen, diese Kräfte auch zum Einsatz zu
bringen, falls dies notwendig sein sollte. Heute besteht dieser Wille.
Er ist jedoch mehr als unser anderer Aktivposten der Gefahr ausgesetzt,
zu zerbröckeln. Er läßt sich nicht wie Waflen produzieren und stapeln.
Vielmehr bedarf er wie eine Pflanze oder ein Lebewesen ständiger
Pflege. Nichts könnte dem Geist, der die NATO bisher erfüllt hat,
mehr schaden, als der Verdacht, und sei er noch so schwach, daß sich
einige ihrer Mitglieder hinter ihre eigenen Grenzen zurückziehen und
sich zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Kräfte allein auf
ihre weittragenden "Waffen verlassen könnten.
Bündnisse gewinnen erst durch beispielgebende Vorbilder und
durch die Bereitschaft zur Übernahme eines gerechten Anteils an den
Risiken und nicht nur an den Vorteilen wirkliches Leben. Deshalb
ist es für die Stärkung dieses Bündnisses von größter Bedeutung,
daß die Vereinigten Staaten, Kanada und Großbritannien Truppenkontingente in ausreichender Stärke auf dem europäischen Festland stationieren. Darüber hinaus wird die Anwesenheit dieser Truppen auf
europäischem Boden - ihre physische, sichtbare und spürbare Gegenwart
Seite an Seite mit den Land- und Luftstreitkräften der europäischen
Nationen - den Russen ständig vor Augen halten, daß jede Aggression
mit einem sofortigen Gegenschlag der gesamten verbündeten Streitkräfte
beantwortet werden würde.
.
m

�"AMERIKA DIENST"

6. Februar 1957

Trotz der für einen Vergeltungsschlag bereitstehenden Streitkräfte
besteht aber nach wie vor die Möglichkeit, daß es zu einem-Krieg kommt,
sei es weil der Gegner die Lage falsch beurteilt oder unbesonnen oder
opportunistisch handelt. Weil wir jederzeit mit einer solchen Möglichkeit - beziehungsweise einem solchen Unglück - rechnen müssen,
dürfen wir an keinem Punkt unserer östlichen Verteidigungslinie die
uns durch die sowjetische Bedrohung auferzwungene Verteidigungsfront
schwächen oder verdünnen. Denn wenn die Front nicht lückenlos verteidigt wird, dann könnte der Feind sehr leicht unter irgendeinem
Vorwand den Versuch machen, sie zu überschreiten. In einem solchen
Falle würden wir nicht nur vor vollendete Tatsachen gestellt werden,
sondern uns auch einem Dilemma gegenübersehen* Wenn wir nicht sofort
handeln, kommen wir unseren Bündnisverpflichtungen nicht nach; wenn
wir handeln, beginnen wir einen Krieg.
Wenn umgekehrt diese Trennungslinie mit genügend starken Kräften
besetzt ist, und der Gegner dies ganz zweifelsfrei weiß, dann würde
ihn ein eventuell beabsichtigtes Überschreiten dieser Trennungslinie
vor die furchtbare Entscheidung stellen, ob er den Funken in das Pulverfaß schleudern und damit den dritten Weltkrieg entfachen will, der
ihm die sichere Aussicht auf seine eigene Vernichtung bietet. Unsere
entlang der Ostgrenze aufgestellten Streitkräfte sind somit ein wichtiges Element unserer Abschreckungsmittel.
Ihrem eigentlichen Wesen nach ist es demnach Aufgabe der NATO,
jetzt und in Zukunft als Abschreckungsmittel zu wirken, und dies in
einer Belastungsprobe von unbekannter Dauer. Sollten wir dieses unser
erstes Ziel nicht erreichen, so müssen wir uns darauf einrichten, uns
zu verteidigen und den Feind zu schlagen. Ich bediene mich der beiden
Ausdrücke "verteidigen" und "schlagen", weil die Streitkräfte, die erforderlich sind, um den Feind zu schlagen, nicht notwendigerweise mit
denen identisch sind, die zur Verteidigung benötigt werden. Es ist
vorstellbar, daß wir dem Gegner von weit abliegenden Stützpunkten aus
einen vernichtenden Schlag beibringen können, allerdings niemals so
schnell, daß er nicht vorher weite Gebiete der NATO-Mitgliedstaaten
uberrannt hätte. Zwischen dem feindlichen Angriff und unserer Vergeltungsaktion würde eine gewisse Zeitdifferenz klaffen. Während dieser
Zeitspanne würde ein großer Teil der freien Welt in höchster Gefahr
schweben. Aus diesem Grunde müssen Streitkräfte zur Verteidigung
Europas zur Verfügung stehen.
Ich meine keine symbolischen Streitkräfte, sondern Streitkräfte,
die einen Schutzschild bilden, die zahlenmäßig stark sind und deren
entscheidende Mission darin besteht, das gesamte Gebiet der NATOMitgliedstaaten und ihre Bevölkerung zu verteidigen. Nur so kommen
wir den im Rahmen des Nordatlantikpaktes eingegangenen gegenseitigen
Verpflichtungen nach. Eine Verteidigung, die unsere europäischen Verbündeten nicht vor einer Invasion bewahren könnte, wäre überhaupt
keine Verteidigung.
Diese

�'AMERIKA DIENST"

6. Februar 1957

Diese Abschirmstreitkräfte haben noch eine weitere Aufgabe zu
erfüllen; sie müssen die Stützpunkte halten, von denen aus die Vergeltungsstreitkräfte operieren. Bei einem Verlust dieser Stützpunkte
würden die Luftoperationen der NATO in gefährlicher Weise an Durchschlagskraft einbüßen.
Solange also die sowjetische Bedrohung fortbesteht, so lange bedarf die NATO dieses festen Schildes. In Wirklichkeit ist dieser Schild
jedoch immer noch nicht ötark genüg. Unser Luftverteidigungssystem
weist immer noch eindeutige Schwächen auf. Auch unsere Landstreitkräfte sind nicht das, was sie sein sollten. Wir sind dabei, diese
Mängel zu beseitigen. Und ich bin in der glücklichen Lagef Ihnen
sagen zu können, daß die deutsche Regierung uns davon in Kenntnis
gesetzt hat, daß sie noch in diesem Jahr dem gesteckten Ziel - Seestreitkräfte, 12 Heeresdivisionen sowie eine Luftstreitmacht von 1500
Flugzeugen zur NATO beizutragen - einen großen Schritt näherkommen
wird.
Ich selbst bin Amerikaner, aber ich habe die Pflicht, als Befehlshaber einer internationalen Streitmacht zu denken. Und hier bereitet
mir etwas große Sorge. Es sind dies die Unterschiede, die zwischen
uns Amerikanern und unseren Verbündeten hinsichtlich der Bewaffung
bestehen. Ich denke dabei besonders an die Ausrüstung der Einheiten
für nukleare Waffen.
Daß die Vereinigten Staaten Waffen herstellen können, die die
Kampfkraft des einzelnen auf dem Schlachtfeld um ein vielfaches erhöhen,
mehrt die Gesamtstärke des Bündnisses. Denn was die Stärke eines der
NATO-Partner erhöht, erhöht die Stärke aller. Und wir Amerikaner sind
gut beraten, wenn wir uns immer wieder daran erinnern, daß unsere
Allianz auch eine Partnerschaft von gleichberechtigten Menschen ist.
Und als solche fordert sie Achtung vor den elementaren Gesetzen von
Recht und Billigkeit, Die Soldaten, die an der NATO-Linie stehen, seien
sie nun Amerikaner, Franzosen, Türken, Deutsche oder Dänen, haben etwas ganz Wichtiges gemeinsam: jeder kann nur ein Leben für die Verteidigung der Freiheit hingeben.
Worin sich der europäische Soldat am augenfälligsten vom amerikanischen unterscheidet, ist die Schlagkraft der Waffen in seiner Hand.
Und ich spreche immer noch als Befehlshaber einer internationalen
Truppe, wenn ich sage, daß ich den Vereinigten Staaten für die Maßnahmen dankbar bin, mit denen sie diese Ungleichheit zu beseitigen
suchen.
Bis hierher habe ich mich ausschließlich mit den.militärischen
Aspekten des NATO-Bündnisses befaßt. Aber die NATO bedeutet heute
ein gut Teil mehr als nur einen Schlachtenplan, eine Strategie, eine
aus der Not geborene Mächtekoalition, die andernfalls uneins wäre.
Teil des NATO-Gedankens war auch die Konzeption von einem Sichfinden,
vieler Nationen,, die weitgehend die gleichen Ideale, die gleiche Geschichte und auch die gleichen politischen und wirtschaftlichen Interessen haben, in einem neuartigen und fruchtbaren Bündnis.
In

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In den letzten Monaten sind unsere Hoffnungen erheblich gedämpft
worden. Zweifel ergaben sich bezüglich vieler Dinge, die für selbstverständlich gehalten worden waren. Die Partnerschaft wurde einer harten
Belastungsprobe unterworfen, man sagte ihren Zusammenbruch voraus, ja
man verkündete ihren Tod.
Es ist dies nicht das erste Mal, daß die NATO ihre eigene Grabrede anhören mußte. Erst vor eineinhalb Jahren, als sich der Kreml
vom Stalinismus abzuwenden schien, fragten sich viele, ob unsere Allianz
überhaupt noch notwendig sei. Die Tage der jüngsten Zweifel gehen zu
Ende, aber ich wage zu behaupten, daß wir in ein oder zwei Jahren sicher
abermals Grabreden zu hören bekommen werden.
Die Allianz lebt. Und dennoch können wir diese immer wieder auftauchenden Zweifel nicht einfach mit einem Achselzucken abtun. Es ist
eben einfach eine Tatsache, daß es keine natürliche Geburt war, als
die NATO im Jahre 1949 das Licht der Welt erblickte. Es war kein höheres Gesetz, das ihr diesen Zeitpunkt bestimmt hatte. Sie war das Ergebnis unnatürlichen Drucks. Die NATO wurde geschaffen, weil sich
gleichgesinnte Nationen darin einig waren, daß durch sie ihr Land,
ihre Kultur und ihre Freiheit am besten zu schützen waren. Aber was
unter ("dem . Zwang der Furcht entstand, hat sich in acht Jahren zu einer
Gemeinschaft entwickelt, in deren Schutz 450 Millionen Menschen leben,
in einem Grade geeint und gelenkt von gemeinsamen Absichten, wie dies
in den Beziehungen moderner Völker zuvor noch niemals der Fall war.
Diese Situation ist ein Resultat der Unterstützung, die die NATO
durch ihre Mitglieder erfährt. Sie braucht diese Unterstützung heute
genauso wie bisher. Sie braucht sogar noch tatkräftigere Unterstützung.
Ja ich möchte sagen, vieles muß erst einmal wiedergutgemacht werden.
Wir müssen mit Geduld zu Werke gehen. Und da die NATO-Idee für uns
alle - ob wir nun Amerikaner oder Europäer sind - von so großer Bedeutung ist, verdient diese Aufgabe unsere ganze geistige Kraft und unsere
größten Anstrengungen.
Die ungarische Tragödie hat uns in. der Überzeugung bestärkt, daß
die NATO für uns der einzige Schutzwall ist. Wir müssen zusammenstehen
und fest stehen. In einer Allianz wahrhaft freier Nationen, wie wir es
sind, kann die Einheit - und der Wille, von dem ich so oft gesprochen
habe - nur erlangt werden, wenn ihrer Aufgabe bewußte Bürger gemeinsam
handeln.
Obgleich unser Bündnis die Basis für die Außen- und Verteidigungspolitik aller Partner ist, herrscht lunter "der 'Bevölkerung der einzelnen
NATO-Jiitgliedstaaten eine weitgehende Unkenntnis der Ziele und Fortschritte dieses Bündnisses. Es ist aber überaus wichtig, daß sie darüber
gut informiert ist. Aus diesem Grunde können freiwillige Organisationen
wie die Amerikanische NATO-Gesellschaft unermesslich wertvolle Dienste
leisten.
Herr

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Herr Vorsitzender, ich wünsche Ihrer Organisation allen nur erdenklichen Erfolg für ihre Arbeit. Sie sollen wissen, das wir im Obersten Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte in Europa dankbar für
das sind, was Sie geleistet haben, und große Hoffnungen in Ihre künftige Arbeit setzen. Mit unserem Bündnis ist bereits vieles erreicht
worden. Durch Ihre Hilfe können wir noch mehr erreichen. Denn wir sind
überzeugt, daß die NATO-Idee, wenn sie ständig genährt und aufrichtig
unterstützt wird, einen starken Einfluß zum Guten in der vor uns liegenden aufgabenreichen Zeit ausüben kann.
Abraham Lincoln sagte einmal von einer anderen großen Union zu
einem Zeitpunkt, der ebenfalls kritisch war:
"Die Welt ist sicher, daß wir wissen, wie sie zu retten ist.
Wir - und sogar wir hier - haben es in der Hand und tragen die Verantwortung. Der Weg ist einfach, friedvoll, fruchtbar, gerecht - ein Weg,
dem die Welt - wird er erst beschritten - immer Beifall zollen wird,
und ein Weg, den Gott immer segnen wird. "

* * * *• *

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�In bezug auf die Revision und Verbesserung des Gesetzes sind
unverzügliche Maßnahmen des Kongresses notwendig.
Im Oktober vergangenen Jahres hat sich das ungarische Volk
aus spontanem Antrieb heraus und gegen eine gewaltige Übermacht
ankämpfend erhoben und hat gegen die kommunistische Herrschaft revoltiert. Als es sich herausstellte, daß es erbarmungslosen Deportationsmaßnahmen oder seiner Vernichtung entgegengehen würde, setzte
eine Massenflucht nach Österreich ein. Um ihr Leben zu retten, haben
Zehntausende von Menschen die österreichische Grenze überschritten
und in jenem Land um Asyl nachgesucht. Trotz seiner eigenen großen
wirtschaftlichen Probleme hat Österreich selbstlos und ohne 2ögern
diese verzweifelten Flüchtlinge aufgenommen. Über zwanzig Nationen
haben ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, einen großen Teil
dieser Menschen bei sich aufzunehmen.
Am

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Am 8. November gab ich die Anweisung, außergewöhnliche Maßnahmen
zu ergreifen, um die Bearbeitung von 5000 ungarischen Visumanträgen
gemäß den Bestimmungen dec Flüchtlingsgesetzes zu beschleunigen. Am
19« November reisten die ersten dieser Gruppe von Wien nach den Vereinigten Staaten ab. Bis zum 29. November war es dann jedoch klar geworden, daß die Flucht der Männer, Frauen und Kinder aus Ungarn in die
Freiheit immer größere Ausmaße annahm.
Am 1. Dezember gab ich die Anweisung, daß über die nach dem
Flüchtlingshilfsgesetz zur Verfügung stehenden Visa hinaus ? es handelte sich um insgesamt rund 65OO - 15 000 weiteren Ungarn unter einer
Notstandsklausel Aufnahme in den USA gewährt werden sollte, indem der
Justizminister von der ihm gemäß Abschnitt 212 (ü) (5) des Einwanderungs- und Nationalitätengesetzes zustehenden Ermessensvollmacht Gebrauch machte, und daß nach Erschöpfung dieses Kontingents die Lage
einer erneuten Prüfung unterzogen würde.
Am 12. Dezember bat ich den Vizepräsidenten, Österreich zu besuchen, damit er an Ort und Stelle die tragische Lage prüfen möge, der
sich die Flüchtlinge dort gegenübergestellt sahen. Ich rief ferner einen
Ausschuß zur Koordinierung der ungarischen Flüchtlingshilfe ins Leben,
der die Arbeit der freiwilligen Hilfsorganisationen untereinander sowie
mit den zahlreichen zuständigen Regierungsorganen zusammenfassen sollte.
Am 1. Januar 1957 überzeugte sich der Vizepräsident nach seiner
Rückkehr in die USA persönlich von dem Zustand unseres Sammellagers
in Camp Kilmer und teilte mir anschließend]seine Resultate und Empfehlungen mit. Er berichtete, daß die aus Ungarn geflüchteten Personen
zum großen Teil zu jenem Kreis von Menschen gehörten, die in dem Kampf
um Freiheit in vorderster Reihe standen. Er erklärte zusammenfassend,
daß 'die Länder, welche diese Flüchtlinge aufnehmen, zu der Feststellung
kommen werden, daß sie damit eher einen wertvollen nationalen Zuwachs
erhalten haben als daß sie ein Risiko eingegangen sind'.
Die Mehrzahl der nach den Vereinigten Staaten gekommenen Flüchtlinge wurde nur vorübergehend und auf der Grundlage eines bestehenden
Notstandes aufgenommen. Einige von ihnen werden sich vielleicht dafür
entscheiden, daß sie sich einmal anderswo endgültig niederlassen möchten. Viele von ihnen jedoch werden für immer in den Vereinigten Staaten zu bleiben wünschen. Die Aufnahme in den USA im Rahmen des Paroleverfahrens erlaubt es ihnen jedoch nicht, einen festen Wohnsitz in
den USA zu nehmen oder die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erwerben.
Nach meiner Ansicht sollte ihnen diese Möglichkeit im Rahmen eines
Gesetzes gegeben werden, das sich sowohl auf das derzeitige Flüchtlingsproblem als auch auf jedes andere, ähnlich gelagerte Notstandsproblem anwenden läßt, dem die freie Welt sich später womöglich einmal
gegenübersehen könnte.
Ich empfehle erstens, daß der amerikanische Kongreß ein Gesetz erläßt, das dem Präsidenten das Recht gibt, den Justizminister zu ermächtigen, unter dem Paroleverfahren und unter von ihm festgesetzten Bedingungen Flüchtlinge für eine begrenzte Zeit in den Vereinigten Staaten

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Vereinigten Staaten aufzunehmen, die vom Außenminister ausgewählt wurden
und die vor der kommunistischen Tyrannei und Verfolgung geflohen sind
oder in Zukunft fliehen werden. Die Zahl derjenigen, denen ein solches
Paroleverfahren zugestanden werden kann, sollte in keinem einzelnen
Jahr die durchschnittliche Zahl der Ausländer überschreiten, denen
während der vergangenen acht Jahre durch Sondergesetze des Kongresses
die Erlaubnis zur Einreise nach den Vereinigten Staaten außerhalb des
allgemeinen Einwanderungssystems gegeben wurde.
Zweitens ersuche ich den Kongreß, unverzüglich gesetzgeberische
Maßnahmen zu verabschieden, die dem Justizminister die erforderliche
Ermessensvollmacht erteilen, den im Rahmen des Paroleverfahrens nach
den USA gekommenen Ausländern das Recht auf ständigen Wohnsitz zu gewähren, wenn diese in den USA bleiben wollen. In Übereinstimmung mit
den bestehenden Verfahren sollten Vorkehrungen getroffen werden, um diese
Fälle dem Kongreß zu unterbreiten, damit nicht solche Ausländer einen
ständigen Wohnsitz erwerben, bei denen nach Ansicht des Kongresses
ein solcher Status nicht angemessen ist. Gesetzgeberische Maßnahmen
dieser Art würden das Problem der bereits in den USA eingetroffenen
ungarischen Flüchtlinge wirksam lösen und darüber hinaus ein Mittel
an die Hand geben, um jene Fälle zu klären, unter die bestimmte koreanische Waisen, adoptierte Kinder und andere Ausländer fallen, welche im
Rahmen einer Notstandsklausel in den USA aufgenommen wurden und nun
hier in einem ungeklärten Status leben. Diese gesetzgeberischen Maßnahmen sollten für alle Zeit gültig sein, so daß es den Verwaltungsorganen
ermöglicht werde, bei der Behebung von Notständen, die sich in Zukunft
ergeben könnten, sofortige und zweckdienliche Schritte zu ergreifen.
Das Einwanderungs- und Nationalitätengesetz vom Jahre 1952, im
wesentlichen eine Kodifizierung des bestehenden Gesetzes, behielt das
für die enzelnen Nationalitäten im Jahre 1924 festgesetzte Quotensystem
bei. DieE rfahrungen des seitdem vergangenen ViertelJahrhunderts haben
jedoch gezeigt, daß die in dem Gesetz für die Aufnahme von Ausländern
niedergelegte Methode einer Überprüfung bedarf. Ich weiß, daß der Kongreß seine eigenen Untersuchungen der dargelegten Probleme weiterführen
und dabei die Bedürfnisse und die Aufgaben der Vereinigten Staaten
berücksichtigen wird. Es gibt jedoch bestimmte Interimsmaßnahmen, die
sofort ergriffen werden sollten, um die offensichtlichen Mängel des
derzeitigen Quotensystems zu beseitigen.
Erstens sollte für die Festlegung der Quoten die Volkszählung vom
Jahre 1950 und nicht die des Jahres 1920 zugrunde gelegt werden. Unter
Zugrundelegung der Volkszählung vom Jahre 1920 liegt das Maximum der
jährlichen Einwanderungsquote jetzt bei 154 857« Ich glaube, daß die
wirtschaftliche Entwicklung während der letzten dreißig Jahre und
die derzeitigen Wirtschaftsverhältnisse eine Erhöhung der Quoten um
rund 65 000 rechtfertigen.
Zweitens sollten die zusätzlichen Quoten gerecht verteilt werden.
Unter dem gegenwärtigen Quotensystem weisen zahlreiche Länder beträchtliche unausgenutzte Quoten auf, während andere Länder ihre Quoten in
der Regel überzogen haben. Ich empfehle, daß die Zusätzlichen Quoten auf

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6. Februar

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auf die verschiedenen Länder verteilt werden und zwar im Verhältnis
zur tatsächlichen Einwanderung in die Vereinigten Staaten seit Einführung des Quotensystems im Jahre 1924 und bis zum 1. Juli 1955«
Drittens sollten die im Verlauf eines Jahres unausgenutzten
Quoten auch im nächsten Jahre zur Verfügung stehen. Nach den bestehenden
gesetzlichen Vorschriften verliert eine während des Jahres nicht ausgenutzte Quote ihre Gültigkeit. Meiner Ansicht nach sollte der Kongreß
die nicht ausgenutzten Quoten gebietsweise für Europa, Afrika, Asien
und den Raum des Pazifischen Ozeans zusammenfassen. Jene Quoten sollten
innerhalb von zwölf Monaten auf der Basis des 'Wer zuerst kommt, wird
zuerst bedient' ohne Rücksicht auf das Heimatland innerhalb des betreffenden Gebietes ausgenutzt werden. Ich empfehle jedoch, daß diese
nicht ausgenutzten Quoten nur denjenigen Ausländern zugute kommen, die
auf Grund der bestehenden gesetzlichen Vorschriften einen bevorrechteten
Status genießeni- es sind solche Personen, die über berufliche Fachkenntnisse verfügen oder Verwandte in den USA haben.
Viertens sollte die sogenannte Anrechnung auf Quoten, die sich aus
der Ausstellung von Visa im Rahmen des Gesetzes über Verschleppte Personen und andere Sondergesetze ergibt, abgeschafft werden. Visa, die
unter diesen Gesetzen ausgegeben wurden, mußten bisher gegen die regulären Einwanderungsquoten verrechnet werden, was dazu führte, daß die
Quoten in einzelnen Fällen bis weit in die Zukunft hinein im voraus belastet sind. Ich empfehle, daß diese so geschaffenen Vorausbelastungen
gestrichen werden in Übereinstimmung mit der vom amerikanischen Kongreß
bei Verabschiedung des Flüchtlingshilfsgesetzes vom Jahre 1955» das
spzielle, nicht unter die Quoten fallende Visa vorsah, getroffenen
Maßnahme.
Fünftens sollte der Kongreß in unsere Einwanderungsgesetze Bestimmungen einarbeiten, um die alljährliche Aufnahme von Waisen zu
ermöglichen, die von amerikanischen Bürgern adoptiert wurden oder
adoptiert werden sollen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die unter einem
früheren Sondergesetz aufgenommenen Waisenkinder sich gut in das amerikanische Familienleben eingefügt haben. Sie hat ferner gezeigt, daß viele
Amerikaner gerne ausländische Kinder adoptieren möchten.
Die große und ständig anwachsende Zahl von Einwanderungsvorlagen
zur Beseitigung von Härtefällen für Ausländer stellt weiterhin eine
unnötige Belastung für den Kongreß und den Präsidenten dar. Die in den
letzten Jahren verabschiedeten Einwanderungsgesetze für Privatpersonen
haben über ein Drittel aller öffentlichen und privaten Gesetzesmaßnahmen
ausgemacht. Wie bei jeder anderen gesetzlichen Maßnahme muß jeder Einzelfall für sich durchgearbeitet und vom Kongreß und vom Präsidenten auf
seinen Wert hin geprüft werden. Das Problem besteht in der Regel darin,
darüber zu entscheiden, ob die in dem besonderen Fall vorliegenden
Härten,und-anderen Faktoren eine Ausnahme von den gewöhnlichen Vorschriften der Einwanderungsgesetze gestatten. Diese Entscheidungen könnten
auch ohne Zuhilfenahme gesetzgeberischer Prozeduren getroffen werden,
wenn die nötigen Verwaltungsvollmachten vorhanden sind. Ich empfehle,
daß der Justizminister die etwaigen Sicherheitsbestimmungen des Kongresses

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6. Februar 1957

Kongresses unterliegende Vollmacht erhält, den Ausschluß und die Ausweisung von solchen Ausländern aufzuheben, die nahe Verwandte in den
USA haben, Kriegsteilnehmer oder Beauftragte von religiösen Organisationen sind. Dies sind im allgemeinen die Fälle, die wegen der damit
verbundenen Härten eine wohlwollende Beurteilung durch den Kongreß
erfahren haben.
Die mit dem derzeit bestehenden Einwanderungsgesetz gemachten
Erfahrungen haben gezeigt, daß außer einer Revision der Quotenbestimmungen, eine Reihe von weiteren Abänderungen im Einwanderungs- und
Nationalitätengesetz von 1952 vorgenommen werden sollten. Einige der
Bestimmungen schaffen unnötige Einengungen und Beschränkungen bei
Reisen in die Vereinigten Staaten, während andere für die davon betroffenen Ausländer große Härten mit sich bringen. Ich habe eine Reihe
von Abänderungsvorschlägen gemacht. Ich unterbreite mit einigen kleineren
Modifikationen diese Empfehlungen erneut und ich verweise besonders auf
einige davon.
Eine der Schwierigkeiten für den Reiseverkehr und ein Hindernis
für den freien Ideenaustausch und die Freiheit des Handels ist die
unter dem gegenwärtigen Gesetz bestehende Bestimmung, daß von jedem
Ausländer, der ein Visum beantragt oder der nach den USA ohne Visum
kommt, aber sich länger als 30 Tage hier aufhalten will, Fingerabdrücke
genommen werden müssen. In einigen Ländern wird die Abnahme von Fingerabdrücken mißbilligt. Da diese Maßnahme nicht wesentlich zu der Erhöhung
der Sicherheit unseres Landes beiträgt, sollte das Gesetz dahingehend
abgeändert werden, daß auf das Erfordernis von Fingerabdrücken bei Ausländern, die vorübergehend nach den Vereinigten Staaten kommen, verzichtet wird.
Ich empfehle ferner eine Änderung des Gesetzes, die es Ausländern,
welche von einem Land in ein anderes reisen und dabei die Vereinigten
Staaten lediglich berühren, gestattet, unser Land zu passieren, ohne
daß sie sich einer Inspektion und Überprüfung unterziehen müssen und
die üblichen Zulassungsbestimmungen auf sie Anwendung finden. Dies würde
manche Härte für den Reisenden beseitigen, das gute Einvernehmen erhalten und den Verkehrsgesellschaften viele Ausgaben ersparen.
Das Gesetz sollte weiterhin geändert werden, damit für die Einwanderungsbehörden die Notwendigkeit entfällt, alle Gründe für die
Ablehnung des Wunsches von Ausländern, von Alaska und Hawaii aus den
Boden der Vereinigten Staaten zu betreten, zu prüfen und in Betracht
zu ziehen. Diese Territorien sind ein Teil der Vereinigten Staaten,
und die Ausländer, die in diese Gebiete eingereist sind und sich darin
aufhalten, fallen unter die gesamten Bestimmungen des Gesetzes. Wenn
bei dem Ausländer ein Grund für die Ausweisung bestanden hat, bevor
er den Boden des amerikanischen Festlandes betrat, dann bleibt dieser
Grund auch weiterhin bestehen.
Ich empfehle ferner die Aufhebung jener Vorschrift des Gesetzes,
wonach Ausländer bei der Beantragung eines Visums ihre rassische und
ethnische Zugehörigkeit angeben müssen.
Eine

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6. Februar 1957

Eine große Zahl von Flüchtlingen - wahrscheinlich Tausende - haben,
als sie vor einigen Jahren ihre Visa erhielten, falsche Angaben über
ihre Identität gemacht, um auf diese V/eise einer zwangsweisen Repatriierung
in die Länder jenseits des Eisernen Vorhangs zu entgehen. Derartige
Fälschungen machen aber eine Ausweisung zur Pflicht. In bezug auf diese
unglücklichen Menschen sollte der Kongreß einigen Lockerungen der gesetzlichen Bestimmungen zustimmen. Auch die ungerechten Bestimmungen
des Einwanderungsgesetzes in bezug auf den Status von Ehegatten asiatischer Herkunft sowie von adoptierten und anderen Kindern sollten aufgehoben werden.
Ausländische Angehörige und Veteranen unserer Streitkräfte, die
zumindest eine dreijährige Dienstzeit hinter sich haben, können keinen
Naturalisierungsantrag stellen, wenn sie den Beweis eines ständigen
Wohnsitzes nicht erbringen können. Ich empfehle, daß diese Vorschrift
in derartigen Fällen wegfällt, und daß das für solche Personen anwendbare Naturalisierungsgesetz vollständig überholt wird.
Während das derzeitige Gesetz es bestimmten Ausländern ermöglicht,
einen Status zu erlangen, der zu dauerndem Wohnsitz in den USA berechtigt, wirkt es sich in unnötiger Weise beschränkend für mit amerikanischen
Staatsbürgern verheiratete Ausländer aus. Die Gewährung eines ständigen
Wohnsitzes ist dann untersagt, wenn der Ausländer sich vor der Heirat
weniger als ein Jahr in den USA aufgehalten hat. Dies führt zu einer
Trennung der Familie und bedeutet unnötige Ausgaben für den Ausländer,
der gezwungen wird, die USA zu verlassen, um ein Visum außerhalb der
Quote zu erhalten. Ich empfehle, daß die Forderung einer einjährigen
Anwesenheit in den USA vor der Heirat fallengelassen wird.
Ich habe die Aufmerksamkeit des Kongresses schon früher auf die
Notwendigkeit gelenkt, unsere Gesetzgebung in bezug auf diejenigen
Ausländer zu stärken, die zu wiederholten Anträgen auf Überprüfung
der rechtlichen Bestimmungen Zuflucht nehmen aus dem einzigen Grund,
um dadurch ihre gerechtfertigte Ausweisung aus den USA hinauszuzögern.
Welches auch immer der Grund für eine Deportation sein mag, so hat jeder
Ausländer das Recht, die von der Regierung getroffene Entscheidung
über seine Ausweisung durch legale Verfahren anzufechten. Dies sollte
auch so sein. Aber das starke Anwachsen der Fälle, in denen eine Verzögerungstaktik besonders von solchen Ausländern angewandt wird, die sich
als Verbrecher oder als Rauschgifthändler oder als subversive Elemente
erwiesen haben, macht die Notwendigkeit für eine Einschränkung der gesetzgeberischen Möglichkeiten und eine sorgfältige Definition der Prozessordnung dringlich.
Ich habe daher den Justizminister beauftragt, dem Kongreß gesetzgeberische Vorschläge zu unterbreiten, die diese Empfehlungen in die
Tat umsetzen werden."
* * * * *

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�A M E R I K A

1) I

K N

S T

Allg./20.2.1957
HENRY CABOT LODGE ANTWORTET KUSNETZOW

NEW YORK -(AD)
Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Erklärung, die Botschafter Henry Cat&gt;ot Lodge, der Chefdelegierte der
Vereinigten Sta aten bei den Vereinten Nationen,
am 12. Februar 1957 vor dem Lenkungsausschuß der
UN-Generalversa mmlung zu dem sowjetischen Antrag
abgegeben hat, eine Debatte der von der Sowjetunion gegen die USA erhobenen Beschuldigungen
auf die Tagesor dnung der Generalversammlung zu
setzen.

Manches wäre zu den Umständen zu sagen, unter denen die
Sowjetunion die Aufnahme dieses Punktes vorgeschlagen hati
Etwa die einzigartige grobe Unhöflichkeit, mit der dies zunächst
der Weltpresse und erst später den Mitgliedern dieses Ausschusses
bekanntgemacht wurde, und andere Tatsachen, die über die Motive
des Antragstellers keinen Zweifel lassen. Vieles ließe sich darüber sagen, welch große Ähnlichkeit das alles mit den mitternächtlichen Propagandamanövern hat, die die Sowjetdelegation hier in der
Ära des inzwischen verstorbenen Herrn Wyschinski zu inszenieren
pflegte. Aber was diese Dinge betrifft, so will ich es damit bewenden lassen und nunmehr auf die Anwürfe in dem beigefügten Memorandum eingehen.
1. Als allererstes bitte ich zu beachten, wie der Punkt
überschrieben ist, nämlich: "Frage aggressiver Handlungen der
Vereinigten Staaten von Amerika", und so fort. Die Vereinigten
Staaten von Amerika sind in jedem großen Krieg, an dem sie irgendwie beteiligt waren, entweder selbst angegriffen worden oder
dem Opfer der Aggression zu Hilfe gekommen - selbst der Sowjetunion zu Hilfe gekommen, wenn ich das hier bemerken darf, und zwar
war dies erst vor 15 Jahren.
Unsere Tradition und unsere Regierungsform machen es uns Amerikanern praktisch unmöglich, aggressive Handlungen zu begehen. Niemals würde die öffentliche Meinung in unserem Land so etwas unterstützen, selbst wenn eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens
dies vorschlagen würde. Und wer in den Vereinigten Staaten im
öffentlichen Leben steht, ist - ebenso wie das amerikanische Volk aus dem ganz einfachen Grund dagegen, weil wir den Krieg hassen
und Frieden wollen.
2.
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20. Februar 1957

2. Die sowjetische Erklärung bezieht sich auf "herrschende
Kreise" in den Vereinigten Staaten. Es gibt überhaupt keine "herrschenden Kreise" in den Vereinigten Staaten. Niemand herrscht in
diesem Land, es sei denn, man meint die 62 Millionen Staatsbürger,
die bei unseren letzten Wahlen ihre Stimme abgegeben haben. Dies
ist ein Land einer permanenten friedlichen Revolution. Diejenigen,
die in der Regierung sind, herrschen nicht. Sie sind die Diener der
Allgemeinheit; das ist natürlich etwas - und dessen bin ich mir
völlig bewußt -, was ein sowjetischer Funktionär unmöglich verstehen
kann. In unserem Land ist die Regierung dazu da, dem Volk als Ganzem, •
ob arm oder reich, zu dienen, oder vielmehr weder reich noch arm,
denn die große Mehrheit unseres Volkes gehört nicht zu diesen Extremen. Es gibt bei uns nicht die Frage eines Superstaates, der die
Menschen reglementiert und als Kanonenfutter behandelt, wie es täglich in der Sowje union geschieht. Deshalb ist schon allein die
Formulierung, irgendeiner amerikanischen herrschenden Gruppe sei
der VolkswilZe gleichgültig, eine phantastische Verdrehung der Wahrheit, ein Gespenst der kommunistischen Ideologie, an das niemand
glaubt. Ich bezweifle sogar, ob die Urheber dieser Behauptung, die
Herren im Kreml, überhaupt selbst daran glauben, und ich bin ganz
sicher, daß Herr Kusnetzow nicht daran glaubt. Denn er ging hier in
Amerika zur S-hule und er arbeitete in diesem Land} und so weiß er
sehr wohl über die wahren Verhältnisse Bescheid.
5. In dem Antrag heißt es, die Vereinigten Staaten unternehmen Schritte, um die internationalen Beziehungen zu belasten. Dabei
waren es die Vereinigten Staaten von Amerika, die die Initiative ergriffen, um die Angelegenheit des Angriffs auf Ägypten vor den Sicherheitsrat zu bringen. Die Vereinigten Staaten von Amerika waren es,
die, nachdem dagegen im Sicherheitsrat das Veto eingelegt worden war,
die Angelegenheit vor die UN-Generalversammlung brachten. In all diesen Monaten, in denen die Lage im Nahen Osten diskutiert wurde, haben
sich die Vereinigten Staaten immer wieder mit Kanada, mit Indien, mit
vielen anderen Mitgliedstaaten, die guten Willens sind, zusammengesetzt und immer wieder die Initiative ergriffen mit dem einen Ziel,
eine faire und friedliche Lösung zu finden. Und wir werden auch weiterhin alles tun, was wir nur irgend tun können, um den Krieg zu verhindern, um den Frieden herbeizuführen. Jedermann hier weiß, daß dies
die '.Yahrheit ist, einschließlich der streitenden Parteien.
Durch völlige Verdrehung der Wahrheit wird überhaupt nichts gewonnen - höchstens das eine, daß derjenige, der dies tut, seinem Ruf
als Verfechter der Wahrheit außerordentlich schadet.
Das Verhalten der Vereinigten Staaten war so, wie ich es hier
geschildert habe. Demgegenüber hat die Sowjetunion ein Verhalten an
den Tag gelegt, das nur zu sehr an die schlimmste Zeit in der Ära
Stalin erinnert.
Als die Vereinigten Staaten im Politischen Ausschuß der Vereinten
Nationen einen ernst gemeinten ehrlichen Vorschlag zur Abrüstung präsentierten, speiten die Sowjets Gift und Galle, und diese Ausbrüche
entmutigten die Vertreter aller Nationen, die anwesend waren.
A,
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�AMERIKA DIENST"

20. Februar 1957

Als das erschreckende Verha'ten der Sowjets in Ungarn angeprangert wurde, setzten sich die Sow' s auch in diesem Fall darüber hinweg, und diese Mißachtung se v. s der Sowjetunion war derart
zügellos, daß die dadurch ausgelöste Empörung schließlich zu einer
Resolution in der UN-Generalversamm ng führte, in der der Sowjetunion formell die Schuld dafür u erantwortet wurde, was dem armen ungarischen Volk angetan worden war.
In all den vielen Monaten, in denen diese Frage erörtert wurde,
hat die Sowjetunion keinen einzigen konstruktiven Schritt untern mmen.
Der Sachverhalt ist völlig klar, /an möchte fast den Schluß ziehen
daß es ihr ganz gleichgültig ist, ob im Nahen Osten gekämpft wir , b
Soldaten ihr Leben lassen müssen and cue Zivilbevölkerung von Haus
und Hof vertrieben wird, wenn nur die Sowjetunion dabei gewinnt.
In der sowjetischen Erklärung heißt es "man hätte erwarten
müssen, daß im Anschluß an die Maßnahmen, die gegen die anglofranzösisch-israelische Aggression in Ägypten und die Beendigung
der Feindseligkeiten im Nahen Osten getroffen wurden, die Vereinigten Staaten von Amerika zusammen mit anderen Staaten weitere Schritte
unternehmen würden, um die Weltsituation zu normalisieren." Genau
das ist geschehen, und zwar ohne auch 'ur die geringste Hilfe seitens
der Sowjetunion.
Da wir schon einmal bei der Frage der Aggression sind, möchte ich
gegenüber den Konferenzteilnehmern hier u d gegenüber der Öffentlichkeit ganz allgemein darauf hinweise , daß die Sowjetunion es war, die
bisher den von der UN-Generalversammlung mit überwältigender Mehrheit
unterstützten Plan zur Inspektion milit ri eher Einrichtungen mit
Hilfe von Luftaufnahmen abgelehnt hat. Di s st ein Plan, der einen
massiven Überraschungsangriff unmöglich mac en würde. Er vereinigt
Vernunft und Einfachheit. Welchen Grund K T n e wohl ein Land haben,
diesen Plan abzulehnen, außer den, daß es s lbst aggressive Handlungen
vorhat? Im Lichte dieser Erwägung möchte ich die Mitglieder des Lenkungsausschusses darauf aufmerksam machen, daß die Sowjetunion keine
reine Weste hat und wohl als allerletzte hier irgend jemanden anderen
beschuldigen darf, aggressive. Handlungenzu egehen oder aggressive Absichten zu haben. Und wenn sie keine Aggression plant, nun, so soll
sie doch, wie wir es getan haben, dem Plan der Luftinspektion für ihr
Land zustimmen.
4. Das sowjetische Schriftstück nim t da n Bezug auf die Botschaft Präsident Eisenhowers vom 5« Januar an den Kongreß und behauptet, daß diese Botschaft "dazu bestimmt ist, die direkte Einmischung der Vereinigten Staaten in die inneren Angelegenheiten souveräner Staaten im Nahen und Mittleren Osten zu bewirken."
Das ist genau das Gegenteil von dem, was die Nahost-Politik
Präsident Eisenhowers bezweckt. Seine Politik ist eine Politik zur
Verhinderung der Aggression. Es ist eine Politik, die auf den Frieden gerichtet ist. Es ist eine Politik, die nur mit der Zustimmung
der beteiligten Länder geführt werden kann. Es ist eine Politik, die
die Erhaltung der nationalen Souveränität und Unabhängigkeit kleiner
Staaten bezweckt und eine Einmischung von außen in deren Angelegen-

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20. Februar 1957

Angelegenheiten verhindern soll. Sie ist darauf gerichtet, die
Wirtschaft, die militärische Verteidigung dieser Länder und die
Entschlossenheit der Patrioten dort zu stärken, sich kommunistischen Unterwanderungsversuchen zu widersetzen. Es ist eine Politik, die darauf abzielt, zu verhindern, daß souveränen Staaten im
Nahen Osten das gleiche Schicksal blüht wie Litauen, Estland, Lettland, der Tschechoslowakei, Polen, Bulgarien, Rumänien und Albanien,
von Nordkorea und Nordvietnam ganz zu schweigen. Dies ist zweifellos
der Grund, weshalb die Sowjetunion sich dagegen sträubt.
Die Nahost-Politik Präsident Eisenhowers ist ein Programm zur
Stärkung und Stützung der Vereinten Nationen.
Das, Herr Vorsitzender, ist die Wahrheit über die Botschaft
Präsident Eisenhowers. Die Beschuldigungen der Sowjetunion hinsieht
lieh einer Einmischung der Vereinigten Staaten in diesem Raum, h m
sichtlich sogenannter imperialistischer Pläne der Vereinigten Staaten,
geheimer Absichten der Vereinigten Staaten, den Nahen Osten als Ausgangspunkt für eine Aggression gegen die Sowjetunion zu benutzen
dies alles sind glatte Lügen. Die Sowjets wären es, die derart handeln würden, wenn sie könnten, und die deshalb solche Handlungswelsen uns zuschreiben.
5- Das Schriftstück nimmt ferner Bezug auf Stützpunkte, die in
Westeuropa, der Türkei, Persien, Japan und so weiter errichtet wurden.
Es gibt keinen einzigen der von den Vereinigten Staaten benutzten
Stützpunkte, der nicht mit dem Einverständnis des Landes, auf dessen
Territorium er sich befindet, benutzt wird. Es ist dies anders als
bei den sowjetischen Stützpunkten, die versklavten und unter Druck
leidenden Völkern einfach aufgezwungen werden. Unsere Stützpunkte
sind Teil der freien und freiwilligen gemeinsamen Maßnahmen der
Vereinigten Staaten und ihrer Alliierten. Wäre dies nicht so, dann
würde die Bevölkerung dieser Länder mit Recht sehr rasch laut dagegen protestieren - sie kann das ohne weiteres, denn schließlich sind
diese Menschen ja Bürger der freien Welt und nicht Opfer kommanisti
scher Unterdrückung.
Ehe ich das Thema Stützpunkte verlasse, möchte ich noch bemerken,
daß die Sowjetunion in einer Reihe von Ländern militärische Stütz
punkte unterhält, und daß nach den letzten Schätzungen, die ich gesehen habe, die sowjetischen Truppen von sowjetischen Stützpunkten
in Ungarn aus 25 000 Ungarn im Verlauf der Wiederversklavung des ungarischen Volkes getötet haben. Amerikanische Truppen m überseeischen
Stützpunkten führen keinen Krieg gegen die Länder, in denen sie statio
niert sind, und der sowjetische Delegierte ist der letzte - oder sollte
vielmei» der letzte sein -, der moralisierende Reden über Stützpunkte
oder über Versklavung halten könnte.
6. In der sowjetischen Erklärung heißt es ferner, Ziel der Vereinigten Staaten sei, "im Fall des Ausbruches eines Atomkrieges, der
von den herrschenden Kreisen der Vereinigten Staaten vom Zaun gebrochen
wird, den Hauptvergeltungsschlag von den Vereinigten Staaten abzuhalten",
und so fort. Dies ist ein ganz charakteristisches Stück durchsichtigster

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20. Februar 1957

durchsichtigster kommunistischer Demagogie. Es ist die ungeschminkte
Demagogie von Männern aus einem Land, in dem es keine Volksregierung
gibt, und die damit auch dem Volk die Denkfähigkeit absprechen. In
allen Ländern gibt es Demagogen, Herr Vorsitzender, aber sie treiben
keine so ungeschminkte Demagogie, wie es diese hier ist. Die ganze
Welt weiß, daß in Wahrheit der schrecklichste Krieg der letzten zehn
Jahre durch Befehl der Sowjetunion in Korea vom Zaun gebrochen worden
war, obgleich es Koreaner und Chinesen, aber nicht Russen waren, die
dort in den Tod geschickt wurden. Es ist eine Binsenwahrheit, daß für
den Fall, das Unheil eines dritten Weltkrieges bräche jemals über uns
herein, kein Land außerhalb der Reichweite der großen Bomber liegt,
insbesondere nicht die Vereinigten Staaten. Auf keinen Fall sind die Vereinigten Staaten mit von der Partie, wenn ein Atomkrieg oder irgendein
anderer Krieg vom Zaun gebrochen wird.
Der Hinweis auf Westdeutschland und die Erklärung, daß es zwangsweise militarisiert wird, ist gleicher-maßen absurd. Die NATO ist eine
Verteidigungsorganisation. Einzig und allein wegen der deutlich aggressiven Drohung der Sowjetunion wurde sie geschaffen. Wäre die Sowjetunion eine friedliebende Demokratie, dann wäre die NATO überhaupt nicht
erforderlich. Die Bundesrepublik Deutschland ist der NATO aus freiem
Entschluß beigetreten. Niemand hat sie dazu gezwungen. Der einzige
Zwang war der Zwang der Umstände, die Sie in der Sowjetunion geschaffen haben.
Die Bezugnahme auf den Verteidigungsetat der Vereinigten Staaten
steht auf der gleichen Stufe mit den anderen falschen Behauptungen.
Der Verteidigungsetat der USA würde sich sehr rasch verkleinern, wenn
der aggressive Druck seitens der Sowjetunion ein Ende nähme. Selbst
unser gegenwärtiger Verteidigungsetat ist wahrlich kfein im Vergleich
zu unserer gesamten Volkswirtschaft - wohingegen die ganzen sowjetischen Anstrengungen darauf abzielen, einen Militärstaat zu schaffen.
Sie sind nicht darauf gerichtet, das Los der breiten Masse in Rußland
zu verbessern. Sie machen nicht den Versuch, diese Menschen mehr an
den Annehmlichkeiten des Lebens teilhaben zu lassen. Sie versuchen,
die Stahlerzeugung auszubauen. Sie versuchen, die Schwerindustrie auszubauen. Und mit Hilfe dieser Schwerindustrie versuchen Sie, eine
große Militärmaschine auf die Beine zu stellen. Sie sind auch noch
stolz darauf. Sie brüsten sich damit. Ich habe es selbst gehört.
Was wir für militärische Zwecke aufwenden, tun wir mit Murren und
nur deshalb, weil wir bereit sind, Opfer zu bringen, um das freie
Leben und das freie Denken zu erhalten, das Sie uns nehmen wollen.
Sie wissen genau, daß dies die Wahrheit ist. Die Welt weiß, daß die
Dinge in Wahrheit so liegen.
Damit, Herr Vorsitzender, bringe ich Ihnen unsere Reaktion auf
dieses jüngste Bemühen, die internationalen Spannungen zu mildern,
zur Kenntnis. Es ist eine offenkundige und dumme Wortverdrehung
von A bis Z. Es ist eine gigantische Lügengeschichte.
Wir werden uns jedoch der Aufnahme dieses Punktes in die Tagesordnung nicht widersetzen, da wir dies stets so gehalten haben, wann
immer ein solches Ansinnen - und mag es noch so dumm und niederträchtig gewesen sein - gestellt wurde, speziell wenn es sich gegen die
Vereinigten Staaten richtet. Wir sind uns natürlich bewußt, daß andere

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AMERIKA DIEN3T"

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andere hierüber vielleicht anders denken. Wir haben nichts dagegen,
wenn jemand dem Glauben nachhärgt, daß die Mitgliedschaft in den Ver
einten Nationen jeder Mitgliedregierung das Recht gibt sich selbst zum
Narren zu machen, wenn sie will und daß die Sowjetunion in diesem
Fall von diesem Recht im vollen Umfange Gebrauch gemacht hat.
Wenn wir wollten, könnten wir jetzt eine für die Sowjetunion
vernichtende Angelegenheit zur Diskussion stellen - nämlich die
Unterdrückung der Satellitenstaaten, die Diskriminierung der Christen,
'.'.amraedaner und Juden in der Sowjetunion, das Schüren der Aggression
in Korea und die blutigen Untaten in Lngarn. Wir halten jedoch nicht
viel davon, mit solchen Dingen zu argumentieren. Das Forum der Vereinten Nationen für die Propaganda des Kalten Krieges zu benutzen
ist eine sowjetische Spezialitat. Wir werden aber, Her* Vorsitzender
jederzeit solchen Argumenten, wenn sie gegen uns gerichtet sind, den
Garaus machen- Wir werden nicht zögern, das Iorum der Vereinten Na
tior.en zu benutzen, um sowjetische Verdrehungen richtigzustellen und
die 'Vahrheit in aller Öffentlichkeit zu verkünden.
Herr Präsident, ich will Ihnen sagen, was der sowjetische Vorschlag wirklich ist. Er ist ein schlecht getarnter Angriff zu einem
mit Vorbedacht gewählten Zeitpunkt auf die Nahost-Politik Präsident
Eisenhowers, da diese Politik eine sowjetische Unterminierung der
Souveränität all der kleinen Staaten im Nahen Osten verhindern würde.
Er zielt darauf ab, die Verwirklichung der Politik Präsident Lisenhowers
zu unterbinden. Mit seiner Erklärung hat nun der sowjetische Vertreter
die Katze aus dem Sack gelassen.
Nun, Herr Präsident, wir nehmen diese Herausforderung an. Wir be
fürworten es, daß diese Debatte stattfindet. Wir sind überzeugt daß die
Sowjets keine einzige Anschuldigung halten können.
Wir warten darauf, daß diese Angelegenheit debattiert wird, um
es mit all den vielen ritualistischen Plumpheiten und pathetischen
Lügen aufnehmen und sie als das entlarven zu können was sie in Wahrheit sind.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

W1./20.2.1957
JAHRESBERICHT DES AMERIKANISCHEN PRÄSIDENTEN ZU FRAGEN DER
REVISION DER US-HANDELSABKOMMEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut des ersten Jahresberichts über das Handelsabkommen-Revisionsprogramm, den Präsident Eisenhower am 11. Februar 1957 dem Kongreß unterbreiten
ließ.

Be^lei tbrief
Dies ist mein ers ter Jahresbericht über die Durchführung des
Handelsabkommen-Revi sionsprogrammes. Ich unterbreite ihn dem Kongreß jjemäß Abschnitt 350 (E) (i) des Zollgesetzes vom Jahr 1930
in der durch Abschni tt 3 (D) des Ergänzungsgesetzes vom Jahr 1955
zum Gesetz über gege nseitige Handelsabkommen geänderten Fassung»
Das Handelsabkommen-Revisionsprogramm leitet sich aus den Bestimmungen, des Gesetzes über gegenseitige Handelsabkommen vom Jahr
1934 und den verschi edenen Xnderungs- und Ergänzungsgesetzen hier«
zu ab.
Unsere gege nwärtigen Außenhandelsziele, die ich in meiner
Sonderbotschaft über die Außenhandelspolitik vom 30. März 1954
dargelegt habe, wurden auf Grund einer Untersuchung des von beiden Parteien bes chickten Ausschusses für Fragen der Außenhandelspolitik formulie rt, der im Jahr 1953 gemäß Public Law 215 (öffentlich-rechtliches Gesetz) des 83. Kongresses gebildet worden war.
Die meisten Empf ehlungen des Ausschusses wurden gebilligt und
in die Tat umgesetzt. Der vorliegende Bericht umreißt die Schritte,
die unternommen worden sind, um diese Ziele unserer Außenhandelspolitik zu verwi rklichen.
Der größte Teil unserer Bemühungen der letzten Jahre konzentrierte sich zunächst auf die Verbesserung des bestehenden Handelsvertragssystems und auf seine Handhabung. Die diesbezüglichen Maßnahmen sind in Abschnitt I des Berichtes aufgeführt. Sie richteten sich in erster Linie auf eine grundlegende Revision des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT). Diesq Überprüfung hatte
die Ausarbeitung von Vorschlägen für die Verbesserung wichtiger

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20. Februar 1957

wichtiger Bestimmungen des Abkommens und eines Vertrags über die
Errichtung der Organisation für gemeinsamen Handel (OTC) zur Folge.
Ich habe den Kongreß ersucht, seine Zustimmung zum Beitritt der
Vereinigten Staaten zu dieser Organisation zu erteilen. Die Schaffung der Organisation für den gemeinsamen Handel ist eine der wich
tigsten Voraussetzungen dafür, daß unser Handelsabkommen-Revisionsprogramm im Interesse der amerikanischen Industrie und Landwirtschaft
sowie der arbeitenden Bevölkerung wirksam durchgeführt werden kann.
Die Regierung der Vereinigten Staaten war im Sinne der vom Kongreß erteilten Befugnisse bemüht, bestehende Handelsschranken durch
gegenseitige Zollabkommen Schritt für Schritt zu beseitigen. Di»
jüngsten derartigen Verhandlungen fanden im Einklang mit den neuen
Vollmachten statt, wie sie mit Public Law 86 des 84. Kongresses eteilt worden sind. Die zum Schutze der heimischen Industrie notwedigen Sicherungen sind in Form der Rücktrittsklausel und der Gefahrenpunktbestiramungen dieses Gesetzes sowie der auf Grund dieses
Gesetzes erlassenen Verwaltungsvorschriften gegeben. Eine detaillierte
Darstellung dieser Verhandlungen findet sich in Abschnitt II.
Die Vereinigten Staaten waren über das GATT mit Erfolg bemüht, .
eine Reduzierung oder völlige Beseitigung von Einfuhrquoten anderer
Länder zu erreichen, die den amerikanischen Ausfuhrhandel bisher
stark behinderten.
In Abschnitt IV dieses Berichtes werden die Maßnahmen dargelegt, die auf Grund einzelner Gesetzesbestimmungen getroffen worden
sind und die Durchführung des Handelsabkommen-Revisionsprogrammes
berühren» Die Rücktrittsklausel und die Änderungsbestimmung bezüglich der Gewährleistung der nationalen Sicherheit.
Im Schlußteil des Berichtes, in Abschnitt V, werden kurz alle
jene Entwicklungen zusammengefaßt, die unsere Handelsbeziehungen
mit Ländern betreffen, die selbst nicht Mitglied des Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommens sind, mit denen die Vereinigten Staaten
jedoch zweiseitige Handelsverträge geschlossen haben.
Da dies der erste Bericht des Präsidenten über ein Programm
ist, das bereits seit einer Reihe von Jahren läuft, beschränkt er
sich nicht auf das Kalenderjahr 19&amp;6, sondern schließt auch weiter
zurückliegende Entwicklungen ein, soweit sie dazu nötig sind, die
Ereignisse der jüngeren Zeit in der richtigen Perspektive erscheinen
zu lassen. Eine ins einzelne gehende Übersicht über die verschiedenen Schritte, die im Rahmen des Handelsabkommen-Revisionsprogramms
unternommen worden sind, enthält der Jahresbericht der Bundeszollkommission an den Kongreß.
Der Ausfuhr- und Einfuhrhandel ist für die wirtschaftliche Stärke
und die Wohlfahrt des gesamten Volkes sehr wichtig. Der internationale
Warenaustausch bringt der Gemeinschaft der Völker Nutzen und fördert
die Schaffung eines gerechten und dauerhaften Friedens in der Welt.
unsere Außenhandelspolitik, die darauf gerichtet ist, ein ständiges
Wachstum eines für alle Teile gewinnbringenden Welthandels zu begünstigen, liegt somit im doppelten Sinne im Eigeninteresse der

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- WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. Februar

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der Vereinigten Staaten; sie fördert die Prosperität unseres Landes
und stärkt die nationale Sicherheit.

gez.: Dwight D. Eisenhower

Abschnitt I
Die Konsolidierung der Erfolge, die im Rahmen des
Handelsabkommen-RevisionsProgramms hinsichtlich
der Neugestaltung des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens erzielt worden sind

Im Jahre 1954 verfügten die Vereinigten Staaten und die anderen
Partnerstaaten des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) bereits
über eine mehr als sechsjährige Erfahrung im Umgang mit seinen Bestimmungen. Man war sich allgemein darüber einig, daß sich dieses Multilaterale System für die Behandlung von Außenhandelsfragen im großen und
ganzen gut bewährt hatte und jedem streng bilateralen System weit überlegen war. Man war sich aber auch darüber einig, daß das Abkommen im
Lichte der gesammelten Erfahrungen überprüft werden müßte. Die Vereinigten Staaten vertraten gleichfalls diese Auffassung. Der Präsident
hatte darüber hinaus auf eine Neufassung der rein organisatorischen
Bestimmungen des Abkommens gedrängt und angekündigt, daß er die in solchen Verhandlungen etwa ausgearbeiteten organisatorischen Vorschläge
dem Kongreß zur Billigung unterbreiten werde.
Demzufolge kam man überein, die 9« Arbeitstagung des GATT zu
einer Überprüfung des Abkommens zu benutzen. Sie fand vom 28. Oktober
1954 bis 7. März 1955 in Genf statt.
Die Ausarbeitung der Instruktionen für Delegationen der Vereinigten Staaten zu Tagungen der vertragschließenden Parteien war schon
immer Aufgabe des Interministeriellen Ausschusses für Handelsabkommen,
eines Ausschusses aus Vertretern des Außen-, Handels-, Landwirtschafts-,
Verteidigungs-, Finanz-, Innen- und Arbeitsministeriums sowie des Amtes
für Internationale Zusammenarbeit und einem Mitglied der Bundeszollkommission. Die Hinzuziehung dieser Behörden gibt die Gewähr, daß die
Interessen der amerikanischen Landwirtschaft, der Arbeitnehmerschaft
und der Wirtschaft bei der Festlegung einer Haltung, die den Interessen
unseres Landes am besten zu dienen geeignet scheint, gebührend berücksichtigt werden. Die von den einzelnen Regierungsorganen in den Aus- .
schuß für Handelsabkommen entsandten Mitglieder gelten als offizielle
Vertreter ihrer Behörden. In besonderen Fällen, so beispielsweise bei
den Vorbereitungen auf jenen Teil der $. Arbeitstagung, der einer
Überprüfung des GATT-Abkommens vorbehalten war, wird ein interministerieller Arbeitsstab aus Unterstaatssekretären oder sogar auf noch
höherer Ebene gebildet» d e r grundlegende Fragen bezüglich der einzu-

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einzunehmenden Haltung erörtert. Ehe der Präsident den Chef der Vereinigten Staaten zur Unterzeichnung der auf der 9« Arbeitstagung zustande gekommenen Vereinbarungen ermächtigte, wurden diese Dokumente
von einem derartigen Sonderausschuß no.h einmal gründlich geprüft.
Alle interessierten privaten Gruppen und Personen wurden entweder
mündlich oder schriftlich aufgefordert, ihre Ansichten bezüglich der
am Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen vorzunehmenden Änderungen ;m
Verlauf einer Öffentlichen Informationssitzung, die im September 1954
stattfand, bekanntzugeben. Die bei dieser Gelegenheit vorgebrachten
Meinungen zeigten, daß der Gedanke eines multilateralen Vorgehens im
Sinne des amerikanischen Handelsabkommen-Revisionsprogramms und der
Schaffung eines wirksameren Allgemeinen Abkommens die Unterstützung
weiter Kreise besaß.
Der Delegation der Vereinigten Staaten zur 9« Arbeitstagung gehörten auch 6 beratende Mitglieder an, die nicht von Behörden der Exekutive bestellt worden waren. Es handelte sich um 4 Kongreßabgeordnete
und 2 Männer aus der Wirtschaft. Vom Senat wurden die Senatoren Frank
Carlson und Albert Gore und vom Repräsentantenhaus die Abgeordneten
Jere Cooper und Richard Simpson bestellt. Bei den beiden Mitgliedern,
die nicht im Dienste der Regierung stehen, handelte es sich um die
Aufsichtsratsvorsitzenden Lamar Fleming jun. der Anderson, Clayton
and Company, und Cola G. Parker von der Kimberly-Clark Corporation.
Mit Ausnahme eines einzigen Mitgliedes, das durch anderweitige Verpflichtungen in Washingtonfestgehalten wurde, verbrachten diese Berater mehrere Wochen in Genf, wo sie unmittelbar mit der amerikanischen Delegation zusammenarbeiteten. Sie trugen erheblich zu dem Erfolg bei, den
die Vereinigten Staaten bei diesen Verhandlungen erzielt haben.
Die wesentlichsten Ziele, die die Vereinigten Staaten auf der 9»
Arbeitstagung verfolgten, waren: Erstens, eine wirksamere Organisation
für die Durchführung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens zu
schaffen; zweitens, eine kontinuierliche Anwendung jener Zollkonzessionen sicherzustellen, die im Rahmen des Abkommens bereits ausgehandelt worden sind und gleichzeitig den Regierungen genügend Spielraum
für eine Modifizierung einzelner Konzessionen zuzusichern; drittens,
die Bestimmungen über die Anwendung von Einfuhrbeschränkungen, die
mit der Zahlungsbilanz gekoppelt sind, zu vereinfachen und zu verschärfen; viertens, gewisse Normen für die Gewährung von Ausfuhrbeihilfen im Sinne der von den Vereinigten Staaten geübten Praxis aufzustellen; und fünftens, die Bestimmungen, die gewisse Sondermaßnahmen
um der Entwicklung der eigenen Wirtschaft willen gestatten, zu revidieren.
Es war des weiteren unser Ziel, unsere Partnerstaaten zu dem Zugeständnis zu bewegen, daß Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten
auf Grund Abschnitt 22 des Gesetzes über die Angleichung der Landwirtschaft treffen, um eine Beeinträchtigung der landwirtschaftlichen Programme im eigenen Lande zu verhindern, nicht als den Verpflichtungen
dpr Vereinigten Staaten aus dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen
zuwiderlaufend angesehen werden. Bei den Verhandlungen über eine

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eine get" ennte Abmachung bezüglich einer 0 gan sati n für gern
samen
Ha el (OTC) suchten die Vereinigten Staaten zu e'ner . eremb r ng zu
ge angen die eine kontinuierliche und bessere Durchführu g de sub
sta tiellen Bestimmungen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens
gestatten würden.
Di-1 Ergebnisse der 9« GATT-Tagung waren für die Ver^ini^t n
Staaten höchst befriedigend. Abänderungen des Abkommens so len u
einer g ößeren Stabilität in den bereits existierenden V r inba ungen über Zolltarifkonzessionen führen. Es wurden w rksamere n
einfachere Bestimmungen über den Ausgleich der Z a h u gsbilanzen ausgear e tet darunter Sonderbestimmungen, die den spe iellen Bedirf
niss n junger Staaten Rechnung tragen. Diese revidiert n Be c t nmungen
treten in Kraft, sobald sie von den Partnerstaaten d^s GATT akzeptiert worden sind.
Darüber hinaus wurde ein Abkommen über die Organisa l
für
gemeinsamen Handel vorbereitet. Dieses Abkommen ist dem ong eß der
Vereinigten Staaten zur Billigung unterbreitet worden Ha ptzweck
der Organisation soll die Verwaltung d s Allgemeinen Z I - und Hände sabkommens sein. Die Funktionen der Organisation si d in hren
Statuten definiert.
Ausführliche Einzelheiten über die Ergebnisse der 9« Tagung
sowie der 8. Tagung, in deren Verlauf der Vorschlag z r Revidier ng
des GATT-Abkommens eingebracht worden war, finden sich in den Berichten
des Leiters der amerikanischen Delegation.
Abschnitt II
Zolltarifverhandlungen über die Beseitigung von Handelsschranken
sowie Angleichungen in den bestehenden Konzess onen
Zu den wichtigsten Ereignissen der jüngeren Ze t im nternati nalen Hände gehört die Aufnahme Japans in die Gemeinschaft der GATT-Länd
im September 1955. Japan hatte bereits bei der 8. Tagung der GATT-Lander hospitiert'., Die Aufnahme Japans war ein bedeutsamer Schritt auf
dem Wege zur Wiedereingliederung Japans in die Weitgemeinschaft de
handeltreibenden Völker.
Wenn Japan eine gesunde Wirtschaft haben und auf e genen Füßen
stehen soll, s muß ihm Gelegenheit für eine verst rkte Einschal+ung
in den internationalen Handel geboten werden, so w e dies durch d
Aufnahme in den GATT-Vertrag geschehen wird* Die B-teiligung an diesem
Abkommen mit den Aussichten auf größere Handelschan en für Japan verringert nicht nur d.e Gefahr, daß Japan immer mehr uf das von den
Kommunisten beherrschte asiatische Festland angewiesen ist, sondern
erweitert auch die Zahl der den Japanern offenstehe den Märkte der
freien Welt. Die Verhandlungen über die Aufnahme Jap ns begannen am
21. Februar 1955 in Genf, und am 7. Juni 1955 wurde -ch l-ßlich die
Urkunde zur Unterzeichnung aufgelegt. Siebzehn Lände , die alle Partnerstaaten des GATT sind, verhandelten mit Japan. Dies*- Länder waren

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waren Burma, Chile, Dänemark, die Dominikanische Republik, Finnland,
Deuts hland, Griechenland, Indonesien, Italien, Kanada, Nikarag a.
Norwegen, Pakistan, Peru, Schweden, Uruguay und die Vereinigten Staaten. Die dabei ausgehandelten Konzessionen wurden im einzelnen vom
US Außenministerium am 1. Juni 1955 mit Drucksache Nr. 588 veröffentlicht .
Eine Anzahl von Ländern, die ebenfalls Mitgliedstaaten des GATT
sind, machten unter Berufung auf Artikel XXXV des GATT von hr-m Recht
Gebrauch nicht an den Verhandlungen teilzunehmen und gegenübe Japan
die GATT-Verpflichtungen, darunter auch die Bestimmung zur Einräumung
der Meistbegünstigungs-Klausel nicht anzuerkennen. Die Vereinig en
Staaten haben diese Länder immer wieder dazu zu bewegen versuch , ihre
Entscheidung zu revidieren und die Beziehungen mit Japan im vollen
Umfange der GATT-BeStimmungen aufzunehmen. Etwa die Hälfte dieser
Länder gesteht aber Japan jetzt schon de facto die Meistbegünstigung
zu, obgleich keine juristische Verpflichtung hierzu besteht.
Die Delegation der Vereinigten Staaten wurde bei den Verhandlu
gen über die Handels- und Zollbestimmungen von folgenden Persönlichkeiten beraten:
Allan B. Kirne, Western Spring (Illinois), ehemaliger Präsident
des Amerikan sehen Bauernverbandes;
Bert Seidman, Washington D.C. Wirtschaftssachverständiger des
amerikanischen Gewerkschaftsverbandas AFL;
Russell G. Smith, San Francisco, Vizepräsident und Leiter der
Ausländsabteilung der Bank von Amerika;
Lawrence F. Whittemore, Concord (New Hampshire), Aufsichtsratsvorsi!zender der Brown Company (Holzschliff- und Papierfabrikation).
Die Genfer Zollkonferenz von 1956
In den ersten Monaten des Jahres 1956 nahmen die Vereinigten
Staaten an weiteren multilateralen Zollverhandlungen im Rahmen des
Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens teil. Dieses Mal verhande ten
die Vereinigten Staaten auf Grund der Vollmachten, die dem Präsidenten
mit dem Ergänzungsgesetz von 1955 zum Gesetz über gegenseitige Handelsabkommenerteilt worden waren. Dieses Gesetz ermöglichte es dem Präsidenten, bestehende Zolltarife um insgesamt 15 Prozent in drei aufeinanderfolgenden Jahren zu senken. Ferner ermächtigte es den Präsidenten,
die über 50 Prozent des Warenwertes liegenden Zölle allmählich auf
50$ ad valorem zu reduzieren.
Die Verhandlungen, die auf dieser Ermächtigung basierten, führten zum Austausch von Zollkonzessionen auf der Basis der Gegenseitigkeit mit 21 Ländern (Australien, Belgien,
Bundesrepublik Deutschland, Chile, Dänemark, Dominikanische Republik, Finnland, Frankreich,
Haiti, Italien, Japan, Kanada, Kuba, Luxemburg, Niederlande, Norwegen,

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Norwegen, Österreich, Peru, Schweden, Türkei und Großbritannien). Die
Teilnahme der Hohen Behörde der Mortanunion an den Verhandlungen war
ein bemerkenswertes neues Charakteristikum. Hinsichtlich der Zölle
für Stahl und Eisen war die Köhe Behörde ermächtigt, als Vertreter
der sechs Mitgliedstaaten (Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien,
Luxemburg und Niederlande) zu fungieren. Einzelheiten dieser Verhandlungen sind im Juni 1956 in Drucksache Nr. 63^8 des US-Außenministeriums
veröffentlicht worden.
Während dieser Zollverhandlungen fungierten als private Berater
der Delegation der Vereinigten Staaten:
Ellott V. Bell, Herausgeber und Verleger von "Business Week" lind
Generaldirektor der McGraw-Hill Publishing Company, Inc.;
Homer L. Brinkley, Vizepräsident des Nationalrates der Farmergenossenschaften ;
Bryant Essick, Präsident der Essick Manufacturing Company,, Los
Angeles, Kalifornien;
Stanley H. Ruttenberg, Leiter der Forschungsabteilung der Vereinigten Gewerkschaftsverbände AFL-CIO.
Angleichung bestehender Zollkonzessionen
Seit Anfang 1955 sind von den Vereinigten Staaten mit verschiedenen Ländern weitere Zollverhandlungen mit dem Ziel geführt worden,
bestehende Zollkonzessionen, die im Rahmen des GATT vereinbart worden
waren, zum Teil rückgängig zu machen. Diese Verhandlungen wurden auf
Grund der Bestimmungen von Artikel XXVITI des GATT und gemäß den in
der Deklaration vom 10.März 1955 festgelegten Verfahrensweisen geführt. Hierbei kamen die Partnerstaaten überein, auch in Zukunft die
bestehenden GATT-Tarife anzuwenden. Die Verhandlungen wurden so geführt, daß der allgemeine Stand der Zollkonzessionen durch Gewährung
neuer Konzessionen für abgeänderte Vereinbarungen erhalten wurde.
Im Rahmen dieser Bestimmungen haben die Vereinigten Staaten
Vereinbarungen mit 21 Ländern getroffen. Diese Länder sind Italien,
Peru, die Südafrikanische Union, die Türkei, Indien, die Niederländischen Antillen, Neuseeland, Nikaragua, Pakistan, Österreich; Ceylon,
Kuba, die Niederlande, Schweden, die Dominikanische Republik, Finnland,
Frankreich, Belgien, Kanada, Griechenland und die Bundesrepublik
Deutschland. Mit drei Ausnahmen (das heißt in den Verhandlungen
mit Kuba, den Niederländischen Antillen und Peru) stand in den Verhandlungen jeweils nur eine sehr geringe Anzahl von Artikeln zur Debatte. In jedem Fall wurde für eine zurückgezogene Konzession eine
andere gewährt.
Ein Widerruf bestehender Konzessionen erfolgte bei zirka 225 Artikeln, die für die Vereinigten Staaten von direktem Interesse sind.
Darüber hinaus waren die Vereinigten Staaten hinsichtlich eines Teiles der anderen Konzessionen, die in Verhandlungen zwischen anderen

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anderen Ländern abgeändert worden sind, auf Grund wesentlicher Handelsinteressen an den in Frage stehenden Artikeln indirekt betroffen.
Da die im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen vorgelegten Handelsstatistiken entsprechend dem Jahr, das den Verhandlungen zugrunde
gelegt wurde, variierten, kann hinsichtlich des Gesamt-Dollarwertes
des von den zurückgezogenen oder modifizierten Konzessionen betroffenen
Handelsvolumens keine exakte Angabe gemacht werden. Schätzungen ergeben,
daß der gesamte von den Abänderungen betroffene Handel - unter Zugrundelegung der Zahlen für 1954 - dreißig Millionen Dollar nicht übersteigt
und daß sich die neuausgehandelten Ausgleichskonzessionen in etwa der
gleichen Höhe bewegen. Am 1. Oktober 1956 machten die Vereinigten Staaten von einem Recht Gebrauch, das sie sich bei den ersten GATT-Verhandlungen von 1947 vorbehalten hatten, als sie die damals ausgehandelten
reduzierten Zollsätze für Wollgewebe in jedem Kalenderjahr auf eine
Importmenge beschränkten, die fünf Prozent der durchschnittlichen einheimischen Jahresproduktion entsprechender Gewebe, errechnet aus den
drei vorangegangenen Kalenderjahren, entspricht. Auf Grund des neuen
Verfahrens werden auch weiterhin in jedem Jahr Einfuhren bis zu einer
gewissen Menge (die nach der genannten Formel jährlich neu errechnet
und bekanntgegeben werden muß) nach den seit Anfang 1948 in Kraft befindlichen ermäßigten Tarifen importiert, während auf alle Einfuhren,
die über der genannten Menge liegen, die höheren, in der Vorbehaltsklausel spezifizierten Tarife erhoben werden. Für das vierte Quartal
1956 war die Quote auf 3,5 Millionen Ib. festgesetzt worden, den vierten Teil der Menge, die ihrerseits nicht weniger als fünf Prozent der
durchschnittlichen einheimischen Jahresproduktion entsprechender Gewebe
in den Vereinigten Staaten in den Jahren 1953 bis 1955 ausmacht. Innerhalb dieser Quote wurde keine weitere Kontingentierung etwa nach Jahreszeit, Ländern oder anderen Gesichtspunkten vorgenommen.
Abschnitt III
Reduzierung beziehungsweise Beseitigung von
Handelsschranken
Während der Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre und in verstärktem Maße nach dem zweiten Weltkriege haben zahlreiche Länder zum Schutze
ihrer Zahlungsbilanz und aus verschiedenen anderen Gründen ihre Zuflucht
zu Devisenkontrollen und einer mengenmäßigen Einfuhrbeschränkung genommen. Als sich die Zahlungsbilanzen dieser Länder in den vergangenen
Jahren besserten, verstärkten die Vereinigten Staaten ihre Bemühungen
um eine Reduzierung beziehungsweise Beseitigung dieser Handelsschranken.
Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen hat sich als ein brauchbares Instrument für diese Bemühungen erwiesen. Mit dem Beitritt zu
diesem Abkommen verpflichteten sich die einzelnen Länder, die zum Schutze
ihrer Zahlungsbilanz eingeführten Beschränkungen zu lockern und schließlich ganz aufzuheben, wenn sich ihre Zahlungsposition festigen sollte
und wenn ihre Gold- und Dollarreserven zunehmen würden. Diese internationalen Verpflichtungen bilden eine Diskussionsgrundlage bei den Tagungen
der im GATT zusammengeschlossenen Vertragsp'a'rtner. . Außerdem fallen sie

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sie ins Gewicht, wenn die Vereinigten Staaten über die traditionellen
diplomatischen Kanäle bei anderen Ländern in dieser Frage vorstellig
werden.
Das hatte zur Folge, daß die mengenmäßigen Beschränkungen für
amerikanische Güter erheblich reduziert wurden. Auch auf Seiten jener
Länder, die mit Schwierigkeiten im Hinblick auf den Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz zu kämpfen haben, ist die erfreuliche Tendenz zu beobachten,
ihre Außenhandelsbilanz nicht mehr allein durch mengenmäßige Einfuhrbeschränkungen, sondern vornehmlich durch andere geeignete Maßnahmen ausgleichen zu wollen. So ergriff zum Beispiel Großbritannien in dem Bestreben, seine internationalen Zahlungsschwierigkeiten auszugleichen,
in den vergangenen Jahren zu inneren währungs- und finanzpolitischen
Maßnahmen, um den inflatorischen Druck zu verringern, der die Zahlungsbilanz und Devisenlage des Landes ungünstig beeinflußt hatte. Als der
Sterlingkurs infolge der Suezkrise erneut erschüttert zu werden drohte,
bewies Großbritannien wiederum seine Entschlossenheit, neue quantitative
Beschränkungen des Handels zu vermeiden. Im Dezember 1956 erhielt Großbritannien vom Internationalen Währungsfonds eine Kreditzusage mit
einem Limit von 1,5 Milliarden Dollar. Bei Bekanntgabe dieser Vereinbarung wies der Internationale Währungsfonds darauf hin, daß bei der
Einräumung eines Kredits in solcher Höhe der britische Entschluß,
keine neuen Handelsbeschränkungen einzuführen, eine wichtige Rolle
gespielt habe.
Die Arbeitstagungen des GATT als Mittel zur Reduzierung quantitativer
Einfuhrbeschränkungen
Drei verschiedene Verfahren stehen den Vereinigten Staaten bei
ihren Bemühungen, auf den Arbeitstagungen des GATT eine Reduzierung
oder gänzliche Beseitigung der den amerikanischen Handel behindernden
Restriktionen zu erreichen, zur Auswahl:
1. Formelle mehrseitige Konsultationen zwischen den Partnerstaaten mit dem Ziel, die Zahlungsposition eines Landes unter dem Gesichtspunkt seiner finanziellen Lage zu überprüfen und Mittel und
Wege zu finden, wie sich die dem Handel mit anderen Ländern auferlegten Beschränkungen am besten in ihren Auswirkungen mildern lassen.
Früher mußten nur diejenigen Länder, die auf Grund einer Ermessensbestimmung des Abkommens an den diskriminierenden Handelsrestriktionen
festhielten (im Jahre 1956 waren es Australien,Caiylon, Großbritannien,
Neuseeland und die Zentralafrikanische Union), einmal im Jahr an solchen Konsultationen teilnehmen, während sich die übrigen Länder nur
dann gegenseitig zu konsultieren brauchten, wenn sie irgendwelche
Handelsbeschränkungen zu verschärfen beabsichtigten. 'Wenn jedoch die
bereits fixierten Änderungen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens in Kraft treten, müssen alle Länder, die im Interesse ihrer
Zahlungsbilanz irgendwelche Beschränkungen beibehalten, sich gegenseitig regelmäßig konsultieren - und zwar die industriell entwickelten
Länder jährlich und die wirtschaftlich rückständigen Länder alle
zwei Jahre. In der Zwischenzeit wird als Überbrückungsmaßnahme im
Jahre 1957 ein erheblich erweitertes Programm gegenseitiger Konsultationen durchgeführt werden. Die Vertragspartner haben deshalb auf

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auf ihrer 11. Tagung einem amerikanischen Vorschlag zugestimmt, der
dahin geht, daß Länder, die aus finanziellen Gründen immer noch an
Einfuhrquoten festhalten, aufgefordert werden sollen, noch vor Beendigung der nächsten Tagung in Konsultationen einzutreten.
2. Die Vereinigten Staaten führen auf jeder dieser Tagungen aus
eigener Initiative zweiseitige Beratungen mit einer bestimmten Gruppe
von Ländern; solche Verhandlungen wurden durch die Anwesenheit von
Wirtschaftsexperten dieser Länder auf der Tagung und die dort allgemein herrschende günstige und wohlwollende Atmosphäre begünstigt.
Bei diesen zweiseitigen Konsultationen geht es nicht um generelle Fragen, wie etwa die Entwicklung auf finanziellem Gebiet. Vielmehr haben
sie das Ziel, die Auswirkungen solcher Restriktionen auf den Handel
mit bestimmten Erzeugnissen, an denen den Vereinigten Staaten besonders
gelegen ist, zu überprüfen und die Aussichten für einen verstärkten
Handel mit diesen Erzeugnissen zu bessern.
3. Das im GATT-Vertrag vorgesehene "Beschwerdeverfahren". Im
Rahmen dieses Verfahrens können die Vereinigten Staaten gegen ein Land,
das dem amerikanischen Handel unzulässige Beschränkungen auferlegt, Beschwerde führen und versuchen, von den Vertragspartnern eine Empfehlung
bezüglich eines Vorgehens zu erwirken, das dazu beitragen kann, diese
Beschränkungen zu lockern oder ganz zu beseitigen. Normalerweise werden
die Vereinigten Staaten sich erst dann dieses Verfahrens bedienen, wenn
diplomatische Vorstellungen oder die anderen vorstehend genannten Verfahren zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt haben.
Die Maßnahmen, die auf der 10. und 11. Tagung der GATT-Länder
(27. Oktober bis 3- Dezember 1955 beziehungsweise 11. Oktober bis 17.
November 1956) getroffen worden sind, um eine Lockerung der zum Schutze
einer ausgeglichenen Zahlungsbilanz festgesetzten Einfuhrbeschränkungen
herbeizuführen, zeigen, wie diese drei Verfahren praktisch gehandhabt
werden.
Auf diesen Tagungen fanden multilaterale Beratungen mit Australien, Ceylon, Großbritannien, Neuseeland und der Zentralafrikanischen
Union statt, den fünf au jährlichen Konsultationen verpflichteten Ländern. Diese Beratungen wurden im Sinne der im Jahre 1955 niedergelegten
Richtlinien geführt, die sich als wesentlich geeigneter erwiesen, um
die Schwierigkeiten aufzuzeigen, die den exportierenden Ländern aus den
Handelsbeschränkungen erwachsen und Klarheit darüber zu gewinnen, ob
eine vollständige Aufrechterhaltung der bestehenden Einfuhrbeschränkungen tatsächlich notwendig ist. Auf der 11. GATT-Tagung konnten sämtliche
Länder über gewisse Fortschritte hinsichtlich einer Lockerung der Restriktionen im Handel mit Dollarwaren berichten. Insbesondere Ceylon
hat praktisch sämtliche diskriminierenden Maßnahmen aufgehoben.
Während der 10. Tagung erörterte die amerikanische Delegation in
bilateralen Verhandlungen mit den Delegationen von neun anderen GATTLändern bestimmte Außenhandelsprobleme, die sich durch die Handhabung
der Einfuhrquoten ergeben hatten. Auf der 11. Tagung wurden mit 13
Ländern ähnliche Besprechungen geführt. Diese Diskussionen erwiesen
sich als äußerst nützlich, um die Aufmerksamkeit anderer Regierungen auf

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auf die Probleme zu lenken, die die Aufrechterhaltung der Einfuhrbeschränkungen für einzelne amerikanische Industrien mit sich bringt,
und um feste Zusicherungen zu erhalten, daß Maßnahmen zu einer Lockerung
dieser Beschränkungen getroffen oder erwogen werden.
Auf der 10. Tagung erörterten die Vertragspartner eine Beschwerde
der Vereinigten Staaten gegen die Bundesrepublik Deutschland, der vorgeworfen wurde, daß gewisse von ihr erlassene Vorschriften eine Beschränkung der amerikanischen Kohleneinfuhren bewirkt hätten. Die Beschwerde war bereits auf der 9» Tagung vorgebracht und dann bis zur
nächsten Tagung zurückgestellt worden, Schon kurz nach Beginn der
10. Tagung zogen die Vereinigten Staaten ihre Beschwerde zurück, nachdem Deutschland die Importrestriktionen auf amerikanische Kohle erheblich gelockert hatte. Im Juni 1956 wurde Kohle auf die DollarFreiliste gesetzt und kann seitdem nach Deutschland ohne jegliche Beschränkung eingeführt werden.
Eine wirksame Handhabung der sich bietenden Verfahren zusammen
mit einer Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in vielen Teilen
der Welt haben zu einer wesentlichen Lockerung der mengenmäßigen Beschränkungen amerikanischer Einfuhren geführt. Insbesondere gilt das
für die Zeit nach 1955»
Abschnitt IV
Besondere gesetzliche Vorschriften: "Rücktrittsklausel" und die
"Bedürfnisse unserer nationalen Sicherheit"
Unter den Fällen aus jener Zeit, bei denen es um die Anwendung
der Rücktrittsklausel ging, stand bei der Klage der Fahrradindustrie
am meisten auf dem Spiele. Die Zollkommission hatte in ihrer Mehrheit
festgestellt, daß die amerikanische Fahrradindustrie durch ausländische
Importe geschädigt werde; der Präsident schloß sich dieser Auffassung
an, setzte allerdings den Zoll nicht soweit herauf, wie dies beantragt
worden war. Der Präsident wies im Zusammenhang mit diesem Fall darauf
hin, daß neben den Feststellungen der Zollkommission und ihren Empfehlungen auch andere Faktoren zu berücksichtigen seien, es gelte auch
erstens den amerikanischen Konsumenten gegen unnötige und ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu schützen; zweitens den Erzeugnissen der
amerikanischen Landwirtschaft, unserer Industrie und dem Bergbau neue
Märkte zu erschließen; drittens das im Hinblick auf unsere eigene
nationale Sicherheit bestehende Interesse an der wirtschaftlichen
Stärke anderer Länder zu wahren und viertens den Verpflichtungen bezüglich der Kompensierung anderer Staaten im Falle der Annullierung
bestehender Konzessionen nachzukommen, die wir im Allgemeinen Zollund Handelsabkommen eingegangen sind.
Am 18. Januar 1956 legte die Zollkommission einen Bericht über
die Lage jener Betriebe vor, die Flußspat für Säuregewinmmg verarbeiten. In dem Bericht wurden gegenteilige Meinungen zum Ausdruck gebracht. Drei Mitglieder der Kommission vertraten die Ansicht, daß
die einheimische Industrie durch Einfuhren ernsthaft geschädigt werde,
und empfahlen eine Erhöhung der Zollsätze von 2,10 auf 5»6 Dollar pro
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pro Longton; die drei anderen Mitglieder der Kommission erblickten
dagegen in derartigen Einfuhren keine ernsthafte Schädigung der einheimischen Industrie. Bei Stimmengleichheit in der Zollkommission bestimmt das Gesetz, daß
der Präsident nach eigenem Ermessen jede
der beiden Feststellungen als Auffassung der gesamten Kommission ansehen kann. In diesem Falle entschied sich der Präsident für die Feststellung, daß die heimische Industrie zur Verarbeitung von hochwertigemFlußspat durch erhöhte Importe nicht ernsthaft geschädigt werde.
Der Antrag auf Anwendung der "Rücktrittsklausel" im Falle von Flußspat ist nicht identisch mit dem Ersuchen um Abhilfe, das die heimische
Industrie an das Amt für Verteidigungshilfe gemäß den Abänderungsbestimmungen bezüglich der Gewährleistung der nationalen Sicherheit aus
dem Jahre 1956 zum Ergänzungsgesetz zum Gesetz über gegenseitige Handelsabkommen gerichtet hat.
Im Falle von Leinendrell-Handtüchern kam die Bundeszollkommission
zu dem Schluß, daß die heimischen Herstellerfirmen durch Einfuhren gefährdet seien. Sie empfahl daher, daß der Zoll auf Handtücher aus
Flachs, Hanf und Nessel, die nach Absatz 1010 des Zollgesetzes vom
Jahr 1930 zollpflichtig sind, von 10 auf 40$ ad valorem erhöht wird,
um dieser Gefährdung der einheimischen Wirtschaft zu begegnen. Diese
Empfehlung wurde angenommen.
Am 14. Juni 1956 gab die Zollkommission einen Bericht bezüglich
der Paraaminosalizylsäure und deren Salze ab, in dem gegenteilige
Meinungen zum Ausdruck kamen. Drei der Mitglieder der Kommission vertraten die Auffassung, daß amerikanische Firmen durch Importe gefährdet seien und empfahlen, daß der Zoll von 3/5 Cent pro Pfund
plus 25&gt; ad valorem auf 5 Cent pro Pfund zuzüglich 35/° ad valorem
erhöht wird. Die anderen drei Mitglieder der Kommission sahen dagegen
eine Gefährdung der heimischen Industrie als nicht gegeben an. Der
Präsident schloß sich am 10. August 1956 der Auffassung an, daß die
heimische Industrie keine Schädigung erleide.
Am 13. November 1956 wies der Präsident eine Empfehlung der
Zollkommission zurück, mit der eine Erhöhung des Zolls auf Ferrocer
(für Feuerzeuge) und alle anderen metallischen Cerverbindungen um
]QQa/c angestrebt wurde. Der Präsident brachte in einem Schreiben an
die Vorsitzenden des Senatsausschusses für Haushalts- und Finanzfragen beziehungsweise des Ausschusses für Haushalts-, Steuer- und
Finanzfragen des Repräsentantenhauses zum Ausdruck, daß er keinerlei
hinreichende Beweise dafür als gegeben erachte, daß die Schwierigkeiten der einschlägigen amerikanischen Industrie auf Einfuhren zurückzuführen seien.
Am 12. Oktober 1956 empfahl die Zollkommission dem Präsidenten
die Zölle für Seefischfilet, soweit sie gegenwärtig 1 7/8 Cent pro
Pfund betragen,auf 2,8125 Cent pro Pfund und soweit sie 2 1/2 Cent
pro Pfund betragen,auf 3»75 Cent pro Pfund heraufzusetzen. Am 10.
Dezember 1956 wies der Präsident unter Hinweis auf die seitens der
Bundesregierung getroffenen Maßnahmen zur Unterstützung der Fischfilet-Verarbeitungsbetriebe den Antrag der Zollkommission zurück und

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20. Februar 1957

und gab seinen Zweifeln Ausdruck, daß eine Zollerhöhung die grundlegenden Probleme dieses Industriezweiges zu lösen vermöchte. Er verwies auch auf die Tatsache, daß die davon betroffenen Staaten eng mit
uns befreundet sind, und daß ihre wirtschaftliche Stärke für uns in
dem fortgesetzten Ringen gegen die Bedrohung des Weltkommunismus von
strategischer Bedeutung sei.
Am 24. Oktober 1956 traf die Kommission die Feststellung, daß die
Einfuhr an Baumwollsamt die heimische Industrie erheblich schädige.
Die Kommission empfahl, daß der Zoll auf ungemusterten Baumwollsamt
von 25% ad val'orem auf 46 7/8/0 erhöht und der Zoll auf gemusterten
Baumwollsamt von gegenwärtig 25 Cent pro Quadratyard bei mindestens
22 l/2%, aber höchstens 30% ad valorem auf 56 1 /A/e ad valorem erhöht
wird. Eines der Mitglieder der Kommission vertrat eine abweichende
Meinung und schlug eine Erhöhung auf 44% ad valorem für beide Baumwollsamtarten vor. Am 21. Dezember 1956 teilte der Präsident den
Vorsitzenden des Senatsausschusses für Haushalts- und Finanzfragen
beziehungsweise des Ausschusses für Haushalts-, Steuer- und Finanzfragen des Repräsentantenhauses mit, daß die Exekutive den Bericht
der Zollkommission eingehend überprüfen werde, daß hierzu jedoch im
Hinblick auf die besondere Lagerung dieses Falles der übliche Zeitraum
von 60 Tagen nicht ausreichen werde.*
Neben den vorstehend erwähnten Fällen sind gegenwärtig noch weitere 5 Anträge auf Anwendung der Rücktrittsklausel anhängig. Sie
beziehen sich auf Geigen und Bratschen, Gingham-Baumwollstoffe **,
Nadeln, Sicherheitsnadeln und bestimmte Juteerzeugnisse.
Das Gesetz sieht vor, daß Maßnahmen auf Grund der Rücktrittsklausel solange in Kraft bleiben sollen, als dies für die Vermeidung
beziehungsweise Beseitigung von Schwierigkeiten erforderlich ist.
Der Präsident hat die Zollkommission in einem Erlaß angewiesen, die
Entwicklung im Falle von Waren, bei denen Maßnahmen im Sinne der
Rücktrittsklausel verfügt worden sind, laufend zu beobachten und in
periodischen Abständen über sie zu berichten. Nach dem 1. Juli 1955
hat die Zollkommission solche Berichte über Damen-Felbelhüte und
Hutstumpen, Hutpelzbesatz, getrocknete Feigen sowie Uhren und Uhreneinzelteile vorgelegt. Die Kommission kam in jedem einzelnen Falle
zu der Feststellung, daß sich eine erneute Überprüfung der bezüglich dieser Waren getroffenen Maßnahmen nicht rechtfertige; der
Präsident schloß sich dieser Auffassung an.
Nationale
*

Am 22. Januar 1957 gab der Präsident bekannt, daß er sich im Hinblick
auf die Ankündigung Japans über eine zu errichtende eingehende Kontrolle der japanischen Ausfuhren an Baumwollstoffen nach den Vereinigten Staaten entschlossen habe, hinsichtlich der Empfehlung der
Zollkommission bezüglich der Anwendung der Rücktrittsklausel auf
Baumwollsamt weiter nichts mehr zu unternehmen.
**

Die Zollkommission gab am 29. Januar 1957 bekannt, daß sie ihre Erhebungen im Falle von Gingham-Baumwollstoffen auf Ersuchen der Antragsteller eingestellt habe.
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20. Februar 1957

Nationale Sicherheit und Expansion des Außenhandels
Abschnitt 7 des Ergänzungsgesetzes vom Jahr 1955 zum Gesetz über
gegenseitige Handelsabmachungen weist den Direktor des Amtes für
Verteidigungsmobilisierung an, dem ffräsidenten davon Mitteilung zu
machen, falls er zu der Auffassung gelangen sollte, daß irgendeine
Ware in Mengen nach den Vereinigten Staaten eingeführt wird, die geeignet scheinen, die nationale Sicherheit zu gefährden. Gelangt der
Präsident nach einer Untersuchung der Angelegenheit zu der Auffassung,
daß tatsächlich eine solche Bedrohung vorliegt, so ist er ermächtigt/
"ihm geeignet erscheinende Maßnahmen zu ergreifen, um die entsprechenden Einfuhren auf einen Stand zu bringen, der eine Gefährdung der nationalen Sicherheit ausschließt."
Am 26. Februar 1955» also vor dem Erlaß des Ergänzungsgesetzes
von 1955 zum Gesetz über gegenseitige Handelsabkommen, hatte der Beratungsausschuß des Präsidenten für Fragen der Energiewirtschaft,
dessen Vorsitz der Direktor des Amtes für Verteidigungsmobilisierung
führt, dem Präsidenten Vorschläge bezüglich der Einfuhren von Rohöl
und Schwerölen unterbreitet. Der Direktor des Amtes für Verteidigungsmobilisierung hatte damals angeregt, daß Ölimporteure von sich aus
ihre Einfuhren freiwillig auf der yom Ausschuß empfohlenen Höhe halten
sollen. Der Beratungsausschuß bestätigte am 17- Oktober 1956 die im
Jahr 1955 festgesetzten Einfuhrmengen.
Auf Grund eines Antrages, dem eine Gruppe von Erdölfirmen gemäß
Abschnitt 7 des Gesetzes gestellt hatte, hielt das Amt für Verteidigungsmobilisierung am 22. Oktober 1956 eine öffentliche Informationssitzung zur Frage der öleinfuhr ab. Am 4« Dezember 1956 teilte der
Direktor des Amtes für Verteidigungsmobilisierung mit, daß er angesichts der Lage im Nahen Osten die weitere Behandlung des Antrags der
Erdölindustrie ausgesetzt habe. Er wies in der diesbezüglichen Mitteilung darauf hin, daß die Einfuhrprogramme der Importfirmen, wie
sie dem Amt für Verteidigungsmobilisierung unterbreitet worden sind,
erkennen lassen, daß die Pläne, die die Importfirmen für das Jahr
1957 aufgestellt hatten, im Falle ihrer Durchführung als den Empfehlungen des Ausschusses zuwiderlaufend hätten angesehen werden müssen.
Sie hätten damit eine Bedrohung der nationalen Sicherheit dargestellt,
so daß ihm keine andere Wahl geblieben wäre, als dem Präsidenten
gemäß Abschnitt 7 des Ergänzungsgesetzes vom Jahr 1955 zum Gesetz
über gegenseitige Handelsabmachungen hierüber Mitteilung zu machen.
Am Jahresende lagen dem Amt für Verteidigungsmobilisierung Anträge auf Einfuhrbeschränkungen vor, gemäß der Zusatzklausel über die
Gewährleistung der nationalen Sicherheit, von Seiten amerikanischer
Herstellerfirmen von Seilerwaren, steingelagerten Uhren, Weckern und
Wanduhren, körnergelagerten Uhren, Analysen-Waagen, Fieberthermometern, Wollfilz, Wollstoffen und Holzbooten. Im Falle der Seilererzeugnisse wurde eine öffentliche Informationssitzung abgehalten.
Zur Frage der Einfuhr von steingelagerten Uhren, Weckern und Wanduhren sowie körnergelagerten Uhren wurde eireInformations sitzung
auf den 7. Januar 1957 anberaumt. Eine Inlormationssitzung im Falle
von Flußspätwurde auf Ersuchen der einschlägigen Industrie abgesagt.
Abschnitt V
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20. Februar 1957

Abschnitt V
Die Entwicklung auf Grund bilateraler Handelsverträge
Die Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Argentinien, Honduras, Persien, Island, Paraguay, Salvador, Schweiz und
Venezuela, die sämtliche nicht der GATT angehören, wurden auch weiterhin über bilaterale Handelsverträge abgewickelt, die gemäß der Gesetzgebung über Handelsverträge abgeschlossen worden sind.
Am 8. Juni 1955 wurde mit der Schweiz ein Zusatzabkommen zum Handelsvertrag abgeschlossen. Es sah zusätzliche Zollkonzessionen seitens
der Vereinigten Staaten vor, um die Schweiz für die Erhöhung der Zollsätze auf die Einfuhren bestimmter Uhren und Uhrwerke nach den Vereinigten Staaten zu entschädigen. Diese Erhöhung der Zollsätze trat am
27. Juli 1954 in Kraft und geht auf eine Entscheidung des Präsidenten
bezüglich einer Empfehlung der Zollkommission über die Anwendung der
Rücktrittsklausel zurück.
Ein Notenwechsel mit Island vom 5« und 6. März 1956 hatte eine
Vereinbarung zum Inhalt, die Sparte "Büchsenthunfisch in Salzlauge"
von den amerikanischen Zollkonzessionen auf Fische in Dosen,die mit
dem Handelsabkommen zwischen den beiden Ländern vom Jahre 1943 eingeräumt worden waren, auszunehmen. In ähnlicher Weise machten die Vereinigten Staaten von dem Recht Gebrauch, das sie sich bei den Verhandlungen mit Japan zum Zeitpunkt der Aufnahme dieses Landes in die GATT
im Jahre 1955 ausbedungen hatten, den Zoll auf Einfuhren von Büchsenthunfisch in Salzlauge zu erhöhen, soweit diese 20$ der heimischen
Produktion an Thunfischen in Dosen überschreiten. In Zukunft wird
der Zolltarif auf Büchsenthunfisch in Salzlauge immer dann automatisch
von 12,5$ auf 25$ ad valorenr. erhöht werden, wenn die Einfuhren eines
Jahres 20$ der heimischen Produktion an Büchsenthunfisch aus dem Vorjahr erreichen.
Ein zweiseitiges Handelsabkommen mit Guatemala wurde am 14» Oktober 1955 in gegenseitigem Einverständnis aufgehoben. Guatemala hatte
größere Schwierigkeiten, den Verpflichtungen aus dem Abkommen voll
nachzukommen. Zum Zeitpunkt der Aufhebung erklärte die guatemaltekische Regierung, daß sie einen Anschluß an die GATT in Erwägung ziehe
und eine diesbezügliche Untersuchung einleiten werde.
Ein zweiseitiges Handelsabkommen zwischen den Vereinigten Staaten
und Ekuador wurde gleichfalls mit gegenseitigem Einverständnis zum
16. Juli 1956 außer Kraft gesetzt. Der Grund für die Kündigung dieses
Abkommens ist in der Tatsache zu sehen, daß Ekuador nicht in der Lage
war, die Zollsätze aufrechtzuerhalten, die es im Rahmen dieses Abkommens zugestanden hatte.
Gemäß Abschnitt 6 des Ergänzungsgesetzes von 1951 zum Gesetz
über gegenseitige Handelsabkommen führten die Vereinigten Staaten
Verhandlungen mit anderen Ländern mit dem Ziel, bestehende Handelsabkommen um Bestimmungen im Sinne der Rücktrittsklausel zu erweitern

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20. Februar 1957

erweitern und somit den Verpflichtungen aus dem genannten Abschnitt
des Gesetzes gerecht zu werden. Nach Kündigung des Handelsvertrags
mit Ekuador bestehen nur noch 2 amerikanische bilaterale Handelsabkommen, die keine Rücktrittsklausel beinhalten .Es sind dies die Handelsabkommen mit Honduras und Salvador. Wie in dem Bericht des Präsidenten über die Rücktrittsklauseln in Handelsverträgen an den Kongreß (10. Juli 1952) angekündigt, wurden im Hinblick auf die beiden
genannten zweiseitigen Handelsabkommen keine weiteren Schritte unternommen. Es wäre nämlich bei jedem diesbezüglichen Schritt damit zu
rechnen gewesen, daß der Versuch gemacht werden würde, die Handelsverträge voll neu auszuhandeln,' damit hätte man eine Situation heraufbeschworen, die noch weit weniger befriedigend wäre als die gegenwärtige.

* * * * *

�WJ./20.2.1957
AUFGABE UND STELLUNG DER USA IN DER WELTWIRTSCHAFT

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die der amtierende stellvertretende Staatssekretär für
Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium,Thorston
V. Kalijarvi, am 12. Februar 1957 vor der 4« Bundeskonferenz für Fragen der Internationalen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in Washington gehalten hat.

In unregelmäßigen Abständen flackert bald hier, bald da die
Flamme der Krisis auf und beleuchtet dann bald diese, bald jene gefährliche weltpolitische Situation. Und in ihrem hellen Licht begreifen dann wohl die meisten beobachtenden Zuschauer, daß sie nicht nur
Zeuge einer politischen, sondern auch einer wirtschaftlichen Entwicklung sind. Die Suezkrise zum Beispiel zeigt, welch -enger Zusammenhang
zwischen öl, Schiffahrtsrouten und Bewässerungsproblemen einerseits
und Fragen der nationalen Würde, des persönlichen Prestiges, der
nationalen Sicherheit und des Kolonialgeistes andererseits bestehen
kann.
Es ist sehr bedauerlich, daß manche Menschen wohl einen klaren
Blick für die wirtschaftlichen Aspekte großer Umwälzungen und Krisen
besitzen, daß ihr Blick aber immer dann unscharf wird, wenn es darum
geht, die in der Tagespraxis bestehenden wirtschaftlichen Beziehungen beispielsweise den gegenseitigen Handelsaustausch und die technische
Hilfe - in ihrer Bedeutung richtig einzuschätzen.
Die feste Grundlage, die die Tagespraxis der wirtschaftlichen
Zusammenarbeit und der damit verbundene segensreiche Wandel ohne das
lähmende Chaos der Zerstörung geschaffen hat, ist eine unabdingbare
Notwendigkeit für unsere Sicherheit und unsere Wohlfahrt in einer
Welt, die in atemberaubendem Tempo von einer Änderung zur anderen
hastet. In der Welt von heute ist eine wirtschaftliche "Festung
Amerika" ebenso wenig mit unseren nationalen Interessen vereinbar,
wie irgendeine andere Art "Festung Amerika". Unser Land kann sich
weder militärisch, noch politisch oder wirtschaftlich allein auf
sich selbst verlassen, denn wir haben heute eine völlig veränderte
Welt vor uns.
Wer

1

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20. Februar 1957

Wer unter Ihnen das Buch "The Education of Henry Adams" (Die Erziehung des Henry Adams), die Autobiographie eines Großenkels des Präsidenten John Adams, gelesen hat, wird sich vielleicht daran erinnern,
daß Henry Adams zu der Schlußfolgerung gelangt, der Westen sei in der
Zeit vom 12. Jahrhundert bis 1900 auf einem ununterbrochenen Weg und
mit sich ständig steigerndem Tempo von einer einheitlichen Gesellschaft
zu einer multiplen Gesellschaft übergegangen, Adams, der sein Buch im
ersten Jahrzehnt unseres Jahrhunderts geschrieben hat, führte aus, daß
die Kohlenförderung der Welt beziehungsweise die aus ihr gewonnene
Energie sich von 1840 bis 1900 von Jahrzehnt zu Jahrzehnt verdoppelt
habe. Eine ähnliche Entwicklung sei auf dem Sektor der Energiegewinnung
aus chemischen Umsetzungen, der elektrischen Energie und anderer Energiequellen zu verzeichnen. Sowohl die zur Verfügung stehenden Energiequellen als auch die Komplexität der geistigen Entwicklung übersteigen
jedes bisherige Maß. Adams vertrat die Überzeugung "je mehr die Natur
die verborgenen Energien entwickelt, je mehr zeigen sie die Tendenz,sich
zerstörend auszuwirken", und er fährt fort, daß der Mensch "hilflos
stöhnte, aufschrie und zurückschauderte und dennoch die Entwicklung
nicht eine Sekunde anhalten konnte."
Adams war überzeugt, daß sich die Schwierigkeiten im Erziehungsund Bildungswesen im Rhythmus des Anstiegs der Kohlenförderung verdoppelt haben. Er erklärte, daß die Entwicklung in Richtung auf eine multiple
Gesellschaft, sofern sie sich noch eine weitere Generation mit gleicher
Beschleunigung fortsetzt, "ein neues soziales Denken notwendig machen
werde". Und nun kommt das Entscheidende; die Entdeckung des Radiums veranlaßte Adams zu der Feststellung, daß der Mensch eine völlig neue
Energieform gefunden habe, daß die menschliche Erkenntnis" in eine neue
Phase eingetreten sei, die neuen Gesetzen unterliege", und daß das
Denken, sofern es erfolgreich auf diese Entwicklung reagieren soll,
"einen Sprung machen müsse".
Diese Worte, die uns so modern anmuten, wurden vor 50 Jahren geschrieben, Ich muß es den Philosophen und vielleicht auch den Theologen
überlassen, die Gültigkeit der Geschichtstheorie von Henry Adams zu beurteilen, und nur sie können eine Voraussage darüber machen, wohin uns
das Gesetz der Beschleunigung, sofern es hier gültig ist, eines Tages
noch führen wird. Wir müssen aber auf jeden Fall zugeben, daß diese Beschleunigung mit Bezug auf die
Entwicklung der Energiequellen und
hinsichtlich der wachsenden Vielschichtigkeit des Lebens im 20.Jahrhundert angehalten hat, und daß dadurch die politischen Probleme noch
verschärft worden sind. Wenn Adams schon die Entwicklung des 19.Jahrhunderts
mit Schrecken verfolgte, was würde er zu der Welt von 1957» zu Atomkraft,
Düsenflugzeugen und Elektronenrechenanlagen, sagen?
Ich habe Henry Adams erwähnt, um die Dynamik der modernen Geschichte
zu illustrieren. Wir können dem nationalen Interesse nicht damit dienen,
daß wir uns selbst glauben machen, das Leben auf diesem Planeten sei noch
das gleiche wie vor 100 Jahren oder auch nur wie vor 10 Jahren. Und wir
wissen ferner, daß der Wandel weitergehen wird und voraussichtlich sogar
noch schneller als gegenwärtig.
Es ist nicht damit getan, daß wir uns mit der Unvermeidbarkeit des
Wandels abfinden. Wir müssen uns in unserem Denken auf diesen Wandel
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20. Februar 1957

Wandel einstellen. Wir verzweifeln nicht an ihm, denn wir vertrauen
auf die Fähigkeit des Menschen, den Gang des Wandels zu beeinflussen.
Es ist richtig, wir haben nicht denselben zweifelfreien Glauben an den
automatischen und unausweichlichen Fortschritt, den die meisten Amerikaner im 19«Jahrhundert besessen haben. Das heitere und rosige Bild,
das wir uns von der Zukunft gemacht hatten, wurde zerschlagen; und vielleicht ist das sogar gut, sofern wir uns unseren Mut,unsere Tatkraft und
unsere Prinzipien als unverlierbaren Besitz erhalten können. Wir wissen
heute, daß sich der Mensch den Fortschritt sauer verdienen muß - und
unter Fortschritt verstehe ich die Entwicklung des menschlichen Denkens
in einer Weise, die es uns gestattet, jener Kombination von physischen
und menschlichen Kräften Herr zu werden, die uns zu verschlingen droht.
Das ist sowohl die Aufgabe als auch das Risiko, denen sich die Völker
dieser Erde gegenübersehen.
Worin besteht nun die eigentliche Hoffnung des Menschen, dieser
Kräfte Herr zu werden? Wenngleich niemand eine vollständige Antwort
auf diese Frage zu geben vermag, so kann man doch wohl mit Sicherheit
sagen, daß Völker, die ihren Weg allein für sich gehen wollen, dieser
Kräfte nicht Herr werden können. Vielleicht hat das menschliche Denken
noch nicht jenen "Sprung" getan. Es hat aber wohl erfaßt, daß es notwendig ist, gemeinsam Hand an diese Aufgabe zu legen. Und so ist es auf
weltpolitischem Gebiet heute doch ein sehr ermutigender Tatbestand, daß
das stärkste Land der Erde seine Außenpolitik auf eine internationale
Zusammenarbeit abgestellt hat.
Wenn ich über die Wandlungen spreche, die sich in der uns umgebenden Welt vollziehen, dann darf ich wohl sicher sein, daß Sie meine,Zuhörer, wissen, daß ich mich nicht nur auf Dinge und Ereignisse in anderen Kontinenten beziehe, auch wenn die dortigen Ereignisse von größter
Tragweite sind. Auch unsere Welt ist im Wandel begriffen,und Sie, die
Sie hier versammelt sind, haben mit zu diesem Wandel beigetragen. Unter
den historischen Veränderungen globalen Ausmaßes unserer Zeit gehören die
sprunghafte Expansion der Wirtschaft der Vereinigten Staaten und das
daraus resultierende Vorrücken unseres Landes auf eine dominierende Position in der Weltpolitik mit zu den bedeutendsten Entwicklungen.
Während der letzten beiden Jahrzehnte haben die Amerikaner erkannt,
daß ihr Land eine Weltmacht geworden ist und damit auch die Verantwortung für die Welt mittragen muß. Und sie haben Zug um Zug einsehen gelernt, daß ein Land unserer Stärke angesichts seiner Tradition der Achtung vor dem einzelnen seinen großen Einfluß nur unter völliger Anerkennung des Grundsatzes geltend machen darf, daß alle Menschen mit den
gleichen Rechten und mit der gleichen Würde ausgestattet sind und den
gleichen Wert besitzen - unabhängig davon, ob sie in den Vereinigten
Staaten oder sonstwo auf dieser Erde leben. Die Amerikaner haben begriffen, daß ohne Anerkennung dieser Wahrheiten jede echte Zusammenarbeit unmöglich ist, und daß sich ohne sie die Probleme der Menschheit
nicht lösen lassen.
Die meisten unter uns gehensich aber mit diesen großen, festgefügten und unverpflichtenden Verallgemeinerungen zufrieden; die Schwierigkeiten setzen immer dann ein, wenn solche Verallgemeinerungen der harten

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20. Februar 1957

harten Belastungsprobe der Realität ausgesetzt werden. Und unglücklicherweise gibt es unter uns viele, die in ihrem Denken auf halbem Wege
stehen geblieben sind und deshalb gelegentlich so handeln können, als
sei die Zusammenarbeit eine restlos einseitige Angelegenheit.
So befürworten sie beispielsweise eine Ausweitung unseres Exports
und sträuben sich gegen jede Erhöhung unserer Einfuhr.
Sie begreifen die lebenswichtige Bedeutung einer Expansion des
Handelsvolumens für die Sicherheit und das Wohlergehen unseres Landes,
aber sie gehen darin nicht so weit, die Schaffung eines leistungsfähigeren internationalen Apparates für den gemeinsamen Handel zu unterstützen.
Sie glauben, daß Freiindschafts-, Handels- und Schiffahrtsverträge
eine feine Sache sind, insofern als sie die Rechtstellung unserer Bürger
gewährleisten; sie scheinen aber der Auffassung zu sein, daß irgend
etwas nicht stimme, wenn solche Verträge die Waren eines anderen Landes
gegen jegliche Diskriminierungen auf unseren eigenen Märkten schützen.
Sie verlangen von anderen Ländern, daß sie das Klima für amerikanische private Auslandsinvestitionen günstiger gestalten, aber sie
stellen sich hinter Gesetze der Einzelstaaten, die ausländischen Privatfirmen das Recht untersagen können, auf amerikanischem Boden einen
Zweigbetrieb zu errichten«
Sie haben es versäumt, sich den Grundsatz zu eigen zu machen, daß
unser Programm zur gemeinsamen Sicherheit - einschließlich des wirtschaftlichen Teiles - sowohl unserer eigenen Sicherheit und Prosperität
als auch der Unabhängigkeit und dem Wohl anderer Staaten zu dienen habe.
Deshalb glauben sie, sobald sich irgendein Land als nicht besonders
dankbar erweist, dieses Programm sei ein völliger Fehlschlag und sollte
am besten restlos über Bord geworfen werden.
Wir alle pflichten der Auffassung bei, daß eine freie Wirtschaft
mehr produzieren und den Menschen einen höheren Lebensstandard verschaffen kann, als eine Wirtschaft, die monopolistischen Praktiken,
Handelsbeschränkungen und übermäßigen Regierungskontrollen unterliegt.
Deshalb ist es die Politik der Vereinigten Staaten, die freie Wirtschaft
überall in der freien Welt zu fördern. Aber andere Länder haben das
Recht, selbst darüber zu entscheiden, welche Wirtschaftsform sie sich
zu geben wünschen. Wir wollen lediglich die anderen Völker in ihrem
Vertrauen darauf bestärken, daß auch sie die Fähigkeit besitzen,über
freie eigene Institutionen am allgemeinen Fortschritt teilzuhaben.
Ich sage mit Absicht "eigene" Institutionen, weil es Leute gibt, die
diesen Unterschied noch nicht bemerkt haben, und die es als eine unverzeihliche Sünde ansehen, wenn andere Völker sich unser Wirtschaftssystem nicht von heute auf morgen und ohne jegliche Rücksichtnahme
auf ihre eigene politische und wirtschaftliche Situation zu eigen
machen.

Es

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20. Februar 1957

Es ist gelegentlich so, daß Menschen die Realitäten einer internationalen Zusammenarbeit klar erkennen, mit Ausnahme der Realitäten in
jenem kleinen toten Gesichtswinkel, in dem ihre eigenen privaten Interessen liegen.
Aber all diese Privatinteressen, die in dem toten Gesichtswinkel
des einzelnen liegen, summieren sich zu einem gewaltigen Faktor, der
einen erheblichen Druck ausübt und geeignet ist, unsere Außenpolitik
zu schwächen und den Einfluß der Vereinigten Staaten auf das Weltgeschehen zu verringern.
Nun, es sind nicht nur wir in den Vereinigten Staaten, die einen
solchen toten Blickwinkel haben, auch in anderen Teilen der freien
Welt gibt es Menschen, die in ihrem Denken noch nicht jenen Sprung getan haben, der sie die Realitäten einer Zusammenarbeit auf der Basis
der Gegenseitigkeit voll begreifen ließe. Da gibt es Menschen im Ausland, die glauben, daß ihre Regierungen den Vereinigten Staaten einen
großen und einmaligen Gefallen damit tue, wenn sie uns Stützpunkte
innerhalb ihrer Grenzen einräumen - Stützpunkte, die sowohl sie als
auch uns schützen. Dann gibt es jene, die nur unsere große wirtschaftliche Stärke wahrhaben und einfach nicht einsehen wollen, daß auch wir
unsere Probleme haben. Und wieder glauben welche, in jeder kleinen Änderung unserer Zolltarife gleich einen Umschwung unserer gesamten Außenhandelspolitik, in unserer Prosperität einen hemmungslosen Materialismus und in einer unvermeidbaren Weigerung unsererseits, ihnen Hilfe
in jedem gewünschten Ausmaß zu gewähren, eine brutale Mißachtung ihrer
eigenen Rechte erblicken zu müssen. Wir wollen frank und frei zugeben,
daß wir hier im eigenen Lande auf genau die gleiche Einstellung treffen
können, wie sie sich auch in anderen Ländern findet. Die Existenz einer
solchen Auffassung ist aber noch lange kein gültiges Argument zur Rechtfertigung einer einseitigen Einstellung unsererseits.
Wir müssen beharrlich und geduldig am Prinzip der Gegenseitigkeit,
der Zusammenarbeit mit anderen festhalten; wir müssen inmitten einer
Welt, die von Krisen bedroht ist und in der sich Veränderungen in
immer rasdherer Geschwindigkeit abspielen, schon im eigenen nationalen
Interesse so handeln.
Glücklicherweise setzt sich aber die Erkenntnis durch, daß es
ebenso klug wie vorteilhaft ist, unbeirrbar für eine wirtschaftliche
Zusammenarbeit einzutreten. Das zeigt sich nirgendwo besser als bei
der Zusammenarbeit auf dem Gebiet der technischen Hilfs- und Austauschprogramme r an denen die Länder der freien Welt beteiligt sind. Die
Vereinigten Staaten gehören auf Grund der Bemühungen der privaten Wirtschaft, ihrer bilateralen Abmachungen mit freien Partnerstaaten und
ihrer Mitarbeit an internationalen Organisationen zu den eifrigsten
Befürwortern eines Austausches von Informationen und technischen Erfahrungen.
In der Antrittsrede zu seiner zweiten Amtsperiode erklärte Präsident Eisenhower: "... das amerikanische Beispiel des materiellen
Fortschritts hat mitgeholfen, daß das Sehnen aller notleidenden Völker

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Völker nach Befriedigung ihrer menschlichen Wünsche Auftrieb erhielt.
Wir können dazu beitragen, daß sich diese Hoffnungen, die wir inspirieren halfen, erfüllen."
Beim Aufbau ihrer eigenen Wirtschaft haben sich die Vereinigten
Staaten ausländischer Erfindungen, Erzeugnisse, Verfahren und auch
Gelder bedient, Kapital aus Frankreich und später aus Großbritannien,
den Niöderlanden und verschiedenen anderen Herkunftsländern wurde dazu
benutzt, den imposanten Bau, den unsere Wirtschaft heute darstellt,
aufzurichten. Noch im 20. Jahrhundert wurden verschiedene ausländische
Vieh- und Pflanzenrassen in den Vereinigten Staaten heimisch gemacht.
Wissenschaftler und Forscher aus der Alten Welt haben einen unermesslichen
Beitrag zu unserem Erziehungs- und Bildungswesen sowie zu unserer Wissenschaft geleistet, nicht nur in der Weise, daß Leistungen der Vergangenheit mit unserem gemeinsamen Kulturerbe auf uns überkommen sind,
sondern auch durch immer neue Beiträge in jeder Generation bis auf den
heutigen Tag, Unsere gesamte Atomforschung, die fortschrittlichste der
ganzen Welt, ist das gemeinsame Werk amerikanischer und ausländischer
Wissenschaftler. Diese Tatsachen werden leider nur allzuoft vergessen.
In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg befanden sich die Vereinigten Staaten, deren Industrie gerade einen Aufschwung erlebte, und
deren Land von jeglichen Zerstörungen verschont geblieben war, in der
einzigartigen Lage, ihre Methoden anderen Völkern jenseits ihrer nationalen Grenzen anbieten zu können. Über die Beihilfen und Anleihen
hinaus, die wir anderen Ländern gewährt haben, führten wir auf Wunsch
fremder Regierungen mehrere technische Hilfsprogramme durch. Wir erklärten uns dazu in dem Bewußtsein bereit, daß technische Fertigkeiten
nicht von allen in dem gleichen raschen Tempo erworben werden können,
so dringend sie auch gebraucht werden.
Wenn wir Amerikaner unser technisches Wissen mit den Entwicklungsländern geteilt haben, so geschah dies aus humanitären Überlegungen
heraus. Man verwechsle dies nicht mit Wohltätigkeit, denn wir verfolgen
eine Politik, die auf der Überzeugung beruht, daß sich eine solche
Zusammenarbeit auf lange Sicht gesehen für uns als auch für die Empfängerländer als vorteilhaft erweisen wird.
Ich habe heute weder die Zeit noch die Absicht, einen umfassenden
Überblick über die weltweiten Programme zur technischen Zusammenarbeit
zu geben, ganz zu schweigen von einer Würdigung unseres gesamten Auslandshilfeprogramms und dem verdienstvollen Wirken verschiedener privater Organisationen und Stiftungen auf diesem Gebiet.
In der mir noch zur Verfügung stehenden Zeit möchte ich statt
dessen auf zwei Dinge näher eingehen.

Als

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. Februar 1957

Als erstes möchte ich die Tatsache hervorheben, daß die Vereinigten Staaten - auch unabhängig von dem lebenswichtigen politischen Problem der Bekämpfung des Kommunismus - ein grundlegendes,
tiefverwurzeltes und bleibendes Interesse am wirtschaftlichen Wachstum
anderer Länder haben. Es sind heute fast zehn Jahre vergangen, seit der
ehemalige amerikanische Außenminister Henry L. Stimson die folgenden
Sätze niederschrieb.
"Ich habe nicht die Absicht, die Aufgaben zu bagatellisieren, vor
die wir uns angesichts des Kommunismus gestellt hehen. Ich möchte vielmehr darlegen, daß wir es mit einem Problem von wesentlicher Bedeutung
zu tun haben, das wir auch dann lösen müßten, wenn es überhaupt keinen
Kommunismus gäbe« Können wir Freiheit und Wohlstand zu einer Realität
unserer Welt von heute machen? Gelingt uns dies, dann stellt der Kommunismus keine Bedrohung mehr dar. Gelingt uns dies nicht, dann würde unsere Zivilisation schließlich mit oder ohne Kommunismus untergehen."
Diese Sätze Außenminister Stimsons haben auch heute noch ihre Gültigkeit. Wir bemühen uns,die Lebensbedingungen der Menschen zu bessern,
nicht um irgend etwas zu bekämpfen, sondern um etwas Positives zu
leisten.
Die Besserung der Lebensbedingungen der Menschen ist nicht nur
für die betreffenden Menschen selbst etwas Positives, sondern auch
für uns und für die gesamte Menschheit. Sie hilft den sogenannten
unterentwickelten Ländern ebenso wie den industriell hochentwickelten. Sie fördert den friedlichen Handelsaustausch, erschließt die
von uns benötigten Rohstoffquellen und begünstigt das Zusammenleben
der-Völker und das so notwendige gegenseitige Verständnis zwischen
ihnen.
Die alte, in früheren Jahrhunderten vorherrschende Auffassung,
eine hochentwickelte Volkswirtschaft könne es sich nicht erlauben,
die Entstehung anderer hochentwickelter - und damit angeblich mit ihr
in Wettbewerb tretender - Volkswirtschaften zu fördern, ist ebenso überholt wie die alte Pferdebahn.
Als zweites möchte ich noch einiges zur Teilnahme der Vereinigten
Staaten an multilateralen Programmen zur Verbreitung des technischen
Wissens bemerken. Mit diesen meinen Ausführungen über den Geist multilateraler Abmachungen möchte ich jedoch keineswegs die konkrete Bedeutung unserer bilateralen Programme für wirtschaftliche und technische
Zusammenarbeit verkleinern. Ich spreche über die multilateralen Programme,
weil die zweiseitigen Programme von anderen Rednern Ihrer Tagung ohnehin
eingehend erörtert werden.
Ich tue das auch in dem Bewußtsein, daß
bestimmte multilaterale Programme gerade gegenwärtig von den Vereinten
Nationen erörtert werden. Ich möchte mich hier auch auf jene Gruppe
von Programmen beschränken, mit denen wir bereits langjährige Erfahrungen sammeln konnten: die multilateralen technischen Hilfsprogramme .
Die

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20. Februar 1957

Die Vereinigten Staaten haben sich an der Verbreitung des technischen Wissens beteiligt, wie sie von den Vereinten Nationen über Sonderorganisationen wie der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation,
der Weltgesundheitsorganisation, des Internationalen Arbeitsamtes und
der Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur versucht wird.
Wir gehören ferner noch weiteren internationalen Organisationen an,
deren Tätigkeit hauptsächlich auf die Förderung der wirtschaftlichen
Entwicklung durch Zusammenarbeit auf technischem Gebiet gerichtet ist.
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds, die gleichfalls
Sonderorganisationen der Vereinten Nationen sind, entfalten auf diesem
Gebiet ebenfalls eine rege Tätigkeit. Die Organisation für die Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa, die Organisation der amerikanischen Staaten und der Colomboplan dienen gleichfalls dem Ziel, die
technische Zusammenarbeit zu fördern.
Niemals zuvor sind die Hilfsmittel so vieler Länder für ein
wirklich weltumspannendes Projekt internationaler Zusammenarbeit mobilisiert worden, wie im Falle des erweiterten technischen Hilfsprogramms der Vereinten Nationen. In den seit Anlaufen des Programms
verstrichenen sechs Jahren wurden Sachverständige aus 77 Ländern für
die Aufgabe gewonnen, technische Kenntnisse und Erfahrungen auf den
verschiedensten Gebieten zu vermitteln.
Ich glaube, daß die meisten unter Ihnen wissen werden, welche
außerordentliche! Leistungen im Rahmen dieser Programms in allen Teilen der Welt erzielt wurden. Viele unter Ihnen haben selbst jene Länder besucht, auf die äich~das-Programm erstreckt und konnten sich von
den Vorteilen überzeugen, die es den Völkern dort bringt.
Auf Grund Ihrer eigenen persönlichen Erfahrungen, werden Sie
selbst Beispiele für solche Leistungen anführen können: Ausrottung
von Seuchen, Verbesserung des Erziehungswesens, erfolgreiche. Bekämpfung
des Analphabetentums,
• Steigerung der landwirtschaftlichen und industriellen Produktivität sowie Verbesserang der Staatsverwaltung und
des Straßen-, Eisenbahn- und Lufttransportwesens.
Es dürfte sich wohl erübrigen, ein Programm zu rühmen, das
allgemein als eine der erfolgreichsten Leistungen der Vereinten Nationen gilt; ich will daher lieber auf verschiedene Aspekte eingehen,
die unsere eigene Teilnahme an diesem Programm betreffen.
In den ersten sechs Jahren des Bestehens des erweiterten technischen Hilfsprogramms haben die Vereinigten Staaten eine führende Rolle
gespielt und sich beharrlich für eine uneingeschränkte Weiterführung
eingesetzt. Wir haben in diesen Jahren etwa 55 Prozent der insgesamt
143 Millionen Dollar, die diesem Programm freiwilliger Beiträge zugeflossen sind, aufgebracht. Wir haben übrigens unseren Anteil allmählich von 60 auf 50 Prozent reduziert. Unsere Zusicherungen für das
Kalenderjahr 1957 betragen 15»5 Millionen Dollar unter der Voraussetzung, daß die übrigen Staaten ihren Verpflichtungen voll nachkommen; es ist damit zu rechnen, daß unser Anteil im Jahre 1957 etwas
unter 50 Prozent sinken wird.
T

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20. Februar 1957

Im Bewilligungsgesetz zum Programm für gemeinsame Sicherheit vom
Jahre 1957 bestimmte der Kongreß, daß der amerikanische Beitrag zum
technischen Hilfsprogramm im Jahre 1958 nicht mehr als 35 1/5 Prozent
der Gesamtaufwendungen betragen dürfe. Die Frage, wie die einzelnen
Länderbeiträge zu bemessen sind, ist nicht leicht zu lösen. Natürlich war damit zu rechnen, daß die hohen Beiträge, die die Vereinigten
Staaten in der Anlaufzeit des Programms geleistet haben, allmählich
verringert und der Anteil der übrigen Länder etwas erhöht werden würden.
Doch darum geht es hier nicht. Es geht vielmehr um folgende Fragen:
Wie rasch läßt sich unser Beitrag reduzieren, ohne daß das Programm
einen Rückschlag erleidet? Wie hoch soll unser Beitrag schließlich sein?
Und welcher Schlüssel ist für die Bestimmung des angemessenen Anteils
eines jeden Landes anzuwenden? Auf diese Fragen ist bisher keine endgültige Antwort gefunden worden.
Ich freue mich, daß Sie noch im Laufe dieses Tages Fragen des wirtschaftlichen Fortschritts, also Fragen der Zukunft behandeln und das Urteil hervorragender Sachverständiger zu diesem Thema hören werden. In
diesem besonderen Zusammenhang möchte ich auf einen Untersuchungsbericht
verweisen, der im vergangenen Mai von der Aufsichtsbehörde für das
technische Hilfsprogramm herausgegeben und im letzten Sommer vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen erörtert worden ist. Der
Generalsekretär der Vereinten Nationen hat alle am erweiterten Programm
beteiligten Regierungen um Stellungnahme zu diesem Bericht gebeten, der
weitreichende Folgen für die künftige Entwicklung des Programms haben
kann. Wir sind daran interessiert, zu erfahren, zu welchen Folgerungen
Sie im Hinblick auf dieses unerquickliche Thema gelangen werden.
Ein anderer Aspekt des erweiterten UN-Programms, der unsere ständige Aufmerksamkeit verdient und mehr oder weniger auch erfährt, ist
der Aufbau des Programms und seine Durchführung. Wir betrachten das
Programm nicht als etwas Statisches, und wir sind jederzeit bereit, konstruktive Vorschläge über notwendig erscheinende Verbesserungen zu prüfen. Wir sind dabei der Auffassung, daß das gegenwärtige System der frei
willigen Beiträge die geeignetste und wirksamste Finanzierungsmethode
ist. Die jetzige Methode der Ausarbeitung des Programms auf Grund der
Anträge der Empfängerländer, die damit selbst bestimmen können, was
ihnen für ihre wirtschaftliche Entwicklung als vordringlich erscheint,
hat sich bewährt und dient den Interessen sowohl aller beteiligten
Länder als auch der zuständigen Sonderorganisationen der Vereinten
Nationen. Wenn wir auch nicht glauben, daß wir hier - oder auf irgendeinem anderen Gebiet - etwas Vollkommenes geschaffen haben, so müssen
wir doch Änderungsvorschläge sorgfältig prüfen, um sicherzustellen, daß
es sich um konstruktive Änderungen handelt.
Wie im Falle der Frage der bilateralen und multilateralen Abmachungen über die technische Zusammenarbeit handelt es sich auch hier
nicht um ein "Entweder-oder", sondern um ein "Sowohl-als-auch". Es
geht um die Fragen: Wem, wie, in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt geholfen werden soll.
Ganz

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. Februar

1957

Ganz davon abgesehen aber hat das Prinzip, unsere technischen
Fertigkeiten mit anderen zu teilen, einen festen Platz in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten gefunden.
Es liegt nicht in unserer Macht, dem Wandel Einhalt zu gebieten.
Die Welt verändert sich ganz von selbst. Es liegt jedoch in der Hand
des Menschen, ob wir im Laufe des sich vollziehenden Wandels in ein
Chaos gestürzt werden, oder ob wir begreifen, daß wir unseren Weg Hand
in Hand gehen müssen.
Hierin sehe ich das wichtigste Problem, das wir zu lösen haben,
und wir wollen unsererseits nach Kräften zu seiner Lösung beitragen.
* * * * *

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I) I E N S T

Allg./27.2.1957

EISENHOWERt ISRAELI MUSS BESCHLÜSSEN DER
VEREINTEN NATIONEN NACHKOMMEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache Präsident Eisenhowers vom 20» Februar
1957»in der er zu der gegenwärtigen kritischen
Lage im Mittleren Osten Stellung nahm.

"Ich trete heute erneut vor Sie hin, um über die Situation im
Mittleren Osten zu sprechen. Die Zukunft der Vereinten Nationen und
der Friede im Mittleren Osten stehen vielleicht auf dem Spiel.
In den vier Monaten, seit ich zuletzt über die Krise in diesem
Raum zu Ihnen sprach, haben die Vereinten Nationen beträchtliche
Fortschritte bei der Lösung einiger dieser schwierigen Probleme gemacht. Wir sehen uns heute jedoch vor einem schicksalsschweren Augenblick, da Israel sich weigert, seine Streitkräfte hinter die Waffenstillstandslinien zurückzuziehen, wie dies in den Resolutionen der
Vereinten Nationen zu dieser Frage vorgesehen ist.
Ich habe heute bereits mit den führenden Vertretern beider
Parteien im Senat und im Repräsentantenhaus konferiert, und wir
hatten einen überaus nützlichen Meinungsaustausch. Auf dieser Konferenz herrschte allgemein die Ansicht vor, daß ich die Situation
vor dem amerikanischen Volk darlegen sollte.
Bevor ich nun zu Ihnen über einzelne spezifische Fragen, um
die es geht, spreche, möchte ich klarstellen, daß es sich dabei
nicht um etwas weit Abliegendes und Abstraktes handelt, sondern um
Fragen, die die Zukunft eines jeden von uns in entscheidender
Weise berühren.
Der Mittlere Osten stellt eine Landbrücke zwischen dem eurasischen und dem afrikanischen Kontinent dar. Millionen von Tonnen
an Handelswaren gehen jährlich durch dieses Gebiet. Seine eigenen
Produkte, insbesondere das Erdöl, sind für Europa und die westliche

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27. Februar 1957

westliche Welt von entscheidender Bedeutung.
Die Vereinigten Staaten haben keine Ambitionen oder Wünsche in
bezug auf dieses Gebiet, die über den Wunsch hinausgingen, daß jedes
der dortigen Länder seine Unabhängigkeit aufrechterhalten und im
Innern sowie mit seinen Nachbarn in Frieden leben und durch eine
friedliche Zusammenarbeit mit anderen seine eigenen geistigen und
materiellen Hilfsquellen erschließen kann. Aber daß dies geschieht,
ist für den Frieden und unser aller Wohlergehen unerlässlich, dies
ist unser heutiges Anliegen.
Soomöchte ich Ihnen heute abend über die schwebenden Streitfragen berichten und die nach meiner Ansicht notwendige Haltung der
Vereinigten Staaten darlegen.
Als ich Oktober vergangenen Jahres zu Ihnen sprach, habe ich betont, die Vereinigten Staaten hätten voll und ganz eingesehen
daß
die militärischen Maßnahmen gegen Ägypten schweren und
wiederholten Provokationen entsprangen. Ich habe aber auch gesagt,
daß die Anwendung von militärischer Gewalt zur Lösung internationaler
Streitfragen nicht mit den Grundsätzen und Zielen der Vereinten Nationen, denen wir alle angehören, in Einklang gebracht werden kann.
Ich fügte hinzu, unser Land könne nicht die Überzeugung teilen, daß
der Ausweg zur Gewalt und zum Krieg auf lange Sicht den dauernden
Interessen der angreifenden Nationen - Großbritannien, Frankreich
und Israel - dienen würde.
So versprach ich damals, daß die Vereinigten Staaten durch die
Vereinten Nationen den Konflikt beizulegen suchen würden, um dann
einen Abzug der Invasionsstreitkräfte zu bewirken und erneute und
ernsthafte Anstrengungen durch die Weltorganisation machen zu können,
um für alle Beteiligten im Rahmen des Völkerrechtes die Gerechtigkeit
sicherzustellen.
Seit jener Zeit ist viel erreicht worden, und viele der durch
die Lage bedingten Gefahren konnten gebannt werden. Die Regierungen
Großbritanniens und Frankreichs haben ihre Streitkräfte aus Ägypten
abgezogen. Sie bewiesen damit ihre Achtung vor der öffentlichen Meinung der Welt, wie sie fast einstimmig durch die 80 Mitglieder der
Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Ausdruck gebracht worden war.
Ich möchte der Klugheit dieses Handelns unserer Freunde und Verbündeten meine Achtung zollen. Sie haben einen ungeheuren Beitrag zur
Ordnung der Welt geleistet. Sie haben damit auch die anderen Nationen
der Welt vor die ernste Verpflichtung gestellt, darauf zu achten,
daß diese beiden Länder auf Grund ihrer Befolgung der Resolutionen
der Vereinten Nationen keine Nachteile haben. Dies gilt meiner Ansicht nach insbesondere für ihre vertraglichen Rechte in bezug auf
die Durchfahrt durch den Suezkanal, der durch den Vertrag aus dem
Jahre 1888 zu einem internationalen Wasserweg gemacht wurde.
Der
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27. Februar

1957

Der israelische Ministerpräsident versicherte mir Anfang November
in Beantwortung eines persönlichen Schreibens, daß Israel seine Streitkräfte bereitwillig zurückziehen würde, falls eine Polizeitruppe der
Vereinten Nationen ins Leben gerufen und in das Suezkanalgebiet einrükken würde. Diese Streitmacht wurde geschaffen und ist in das Kanalgebiet
einmarschiert.
In der Folge wurden daher die israelischen Streitkräfte aus einem
großen Teil des von ihnen besetzten ägyptischen Gebietes zurückgezogen.
Aber es befinden sich immer noch israelische Truppen außerhalb der Waffenstillstandslinien - vor allem an der Einfahrt zum Golf von Akaba, die
ungefähr 160 Kilometer von dem amnächsten gelegenen israelischen Gebiet
entfernt ist, und im Gaza-Streifen, der laut Waffenstillstandsabkommen
von Ägypten besetzt werden sollte. Diese Tatsachen schaffen die gegenwärtige Krise.
Wir nähern uns dem schicksalsschweren Augenblick, wo wir entweder
anerkennen müssen, daß die Vereinten Nationen zur Wiederherstellung des
Friedens in diesem Raum nicht in der Lage sind, oder wo die Vereinten
Nationen mit vermehrter Kraft ihre Anstrengungen erneuern müssen, um
einen Rückzug Israels zustande zu bringen.
Es sind wiederholte - bisher allerdings erfolglose - Anstrengungen
gemacht worden, um Israel zu einem freiwilligen Rückzug zu bewegen.
Diese Anstrengungen wurden sowohl von den Vereinten Nationen als auch
von den Vereinigten Staaten und anderen Mitgliedstaaten unternommen.
Darüber hinaus wurden ebenso ernste Anstrengungen zur Schaffung
von Verhältnissen gemacht, die eine größere Sicherheit und Ruhe für
Israel gewährleisten sollen, falls Israel sich in Übereinstimmung mit
den wiederholten Aufforderungen der Vereinten Nationen zurückzieht.
Dies bedeutet, daß die Vereinten Nationen mit Entschlossenheit dafür
Sorge tragen würden, daß im Mittleren Osten mehr Gerechtigkeit herrscht
und das Völkerrecht in höherem Maße befolgt wird, als dies vor den Ereignissen vom Oktober und November des letzten Jahres der Fallvwar.
Die Polizeitruppe der Vereinten Nationen ist mit Ägyptens Zustimmung in ägyptisches Gebiet eingerückt, um zur Aufrechterhaltung der
Waffenruhe beizutragen, die die Vereinten Nationen am zweiten November
gefordert hatten. Der Generalsekretär, der in fähiger und hingebungsvoller Weise den Vereinten Nationen dient, hat eine Anzahl von Maßnahmen empfohlen, die von der Weltorganisation und ihrer Polizeitruppe
ergriffen werden könnten, um zukünftige kriegerische Handlungen von beiden
Seiten zu verhindern.
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat am 2. Februar
mit überwältigender Mehrheit eine Resolution angenommen, in der es hieß,
daß nach dem völligen Rückzug Israels vom Golf von Akaba und dem GazaStreifen die Poliezeistreitmacht der Vereinten Nationen an die ägyptischisraelischen Waffenstillstandslinien verlegt werden sollte, um die genaue Einhaltung des Waffenstillstandsabkommens sicherzustellen. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen forderte ferner die Durchführung

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AMERIKA DIENST"

27. Februar

1957

Durchführung weiterer, vom Generalsekretär vorgeschlagener Maßnahmen.
Diese anderen Maßnahmen sahen unter anderem den Einsatz der UN-Polizeistreitkräfte am Eingang des Golfes von Akaba vor, um alle Feindseligkeiten in diesem Gebiet auszuschalten.
Die Vereinigten Staaten gehörten zu den Mächten, die diese Resolution in den Vereinten Nationen eingebracht haben. Damit suchten die
Vereinigten Staaten sicherzustellen, daß Israel in Zukunft seiner Rechte
im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens und des Völkerrechtes zuteil
würde.
Angesichts der hochgeschätzten freundschaftlichen Beziehungen,
die die Vereinigten Staaten zu Israel unterhalten haben, schrieb ich
am 3» Februar an Ministerpräsident Ben Gurion. Ich erinnerte ihn an
seine am 8. November mir gegenüber abgegebene Erklärung, daß die israelischen Streitkräfte unter bestimmten Bedingungen abgezogen würden,
und -forderte ihn dringend auf, daß Israel im Hinblici auf die Resolutionen der Generalversammlung vom 2. Februar diesen Abzug seiner
Truppen zum Abschluß bringen sollte.
Der Ministerpräsident vertrat in seiner Antwort jedoch den Standpunkt, daß Israel seine Streitkräfte nicht aus dem Gaza-Streifen zurückziehen würde, solange es nicht die zivile Verwaltung und die Polizeihoheit in diesem Gebiete übertragen bekäme. Dies würde im Widerspruch zu dem Waffenstillstandsabkommen stehen. In der Antwort hieß
es weiter, daß Israel seine Streitkräfte nicht aus dem Golf von Akaba
zurückziehen würde, solange die freie Durchfahrt durch die Meerenge
nicht gesichert sei.
Es war für uns eine schwere Enttäuschung, daß sich die israelische
Regierung trotz der Entscheidung der Vereinten Nationen weigerte, ihre
Truppen abzuziehen.
In einem weiteren Versuch, den Ansichten Israels in dieser Hinsicht entgegenzukommen, hat dann Außenminister Dulles auf meine Anweisung der israelischen Regierung am 11. Februar eine Erklärung über
die amerikanische Politik überreicht. Diese Erklärung ist jetzt veröffentlicht worden. In ihr wurde festgestellt, daß weder die Vereinigten
Staaten noch die Vereinten Nationen die Vollmacht haben, den Vertragschließenden eine wesentliche Änderung des Waffenstillstandsabkommens
aufzuzwingen, das von Israel und Ägypten freiwillig unterzeichnet wurde.
Die Vereinigten Staaten, so hieß es in der Erklärung, würden trotzdem
als Mitglied der Vereinten Nationen eine Stationierung der UN-Polizeistreitkräfte anstreben, die sicherstellen würde, daß der Gaza-Streifen
nicht länger als Ausgangsbasis für eine bewaffnete Infiltration und
Vergeltungsangriffe benutzt werden kann.
Der Außenminister hat den israelischen Botschafter in den Vereinigten Staaten mündlich davon in Kenntnis gesetzt, daß die Vereinigten Staaten, mit ägyptischer Zustimmung, gerne auch eine gewisse Beteiligung der Vereinten Nationen an der Verwaltung des Gaza-Streifens
fordern und unterstützen würden. Die Bevölkerung des Gaza-Streifens
besteht in der Hauptsache aus etwa 200 000 arabischen Flüchtlingen, die

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27. Februar 1957

die im wesentlichen von der Wohltätigkeit der Vereinten Nationen und
ihrer Mitglieder abhängen.
In bezug auf die Einfahrt in und die Durchfahrt durch den Golf
von Akaba haben wir die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß der
Golf ein internationales Gewässer darstellt und daß kein Land das
Recht hat, eine freie und friedliche Durchfahrt durch den Golf zu
verhindern. Wir haben erklärt, daß die Vereinigten Staaten bereit seien,
dieses Recht selbst auszuüben und gemeinsam mit anderen Ländern eine
allgemeine Anerkennung dieses Rechtes sicherzustellen. Die israelische
Regierung hat die weitgehende Resolution der Vereinten Nationen vom
zweiten Februar sowie die wichtige Erklärung über die Politik der Vereinigten Staaten, die unser Außenminister am elften Februar abgegeben
hat, noch nicht als angemessene Gewährleistung ihrer eigenen Sicherheit nach erfolgtem Rückzug anerkannt.
Israel will jedoch mehr. Es besteht auf festen Garantien als
einer Bedingung für den Rückzug seiner Invasionstruppen.
Damit erhebt sich eine grundlegende Prinzipienfrage: Sollte es
einer Nation, die trotz der Mißbilligung der Vereinten Nationen fremdes
Gebiet a.ngreift und besetzt, gestattet werden, Bedingungen für seinen
Rückzug aufzuzwingen?
Wenn wir zustimmen, daß durch einen bewaffneten Angriff die
Ziele des Angreifers zu Recht erreicht werden, dann, so fürchte ich,
stellen wir damit die Uhr der internationalen Ordnung zurück. Damit
hätten wir praktisch die Anwendung von Gewalt als ein Mittel zur Lösung internationaler Meinungsverschiedenheiten und zur Sicherung nationaler Vorteile gutgeheißen.
Ich für meine Person sehe nicht, wie dies mit der Charta der
Vereinten Nationen in Übereinstimmung gebracht werden könnte. Die
grundlegende Verpflichtung aller Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen besteht doch darin, daß sie ihre internationalen Streitfälle
durch friedliche Mittel beilegen und keine Gewalt gegen die territoriale Integrität eines anderen Staates anwenden.
Wenn die Vereinten Nationen auch nur einmal zugestehen, daß internationale Streitfälle durch die Anwendung von Gewalt gelöst werden
können, dann werden wir das Fundament der Organisation und damit unsere beste Hoffnung auf die Schaffung einer wahren Weltordnung zerstört haben. Das wäre eine Katastrophe für uns alle.
Ich glaube, ich würde den Anforderungen des hohen Amtes, für
das Sie mich gewählt haben, nicht gerecht, wenn ich den Einfluß der
Vereinigten Staaten zugunsten des Vorschlages in die Waagschale werfen würde, daß eine Nation, die in das Gebiet einer anderen eingedrungen ist, die Möglichkeit erhalten sollte, Bedingungen für ihren
Abzug zu stellen.
Selbstverständlich

�"AMERIKA DIENST"

27. Februar 1957

Selbstverständlich müssen wir und alle anderen Mitglieder der
Vereinten Nationen die Gerechtigkeit und die Einhaltung des Völkerrechts
unterstützen. Der erste Artikel der Charta besagt, daß es Zweck und
Ziel der Vereinten Nationen ist, 'Aggressionshandlungen und andere Verletzungen des Friedens zu unterdrücken und mit friedlichen Mitteln sowie
in Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit und dem Völkerrecht eine Beilegung oder Lösung internationaler Streitfragen zu erreichen'. Aber dabei ist zu beachten, daß die Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit und
dem Völkerrecht durch 'friedliche Mittel' herbeigeführt werden soll.
Wir können die bewaffnete Invasion und die Besetzung eines anderen
Landes nicht als 'friedliche Mittel' oder als geeignete Mittel ansehen,
um Gerechtigkeit und Übereinstimmung mit dem Völkerrecht herzustellen.
Wir sind jedoch der Überzeugung, daß die Vereinten Nationen und
ihre Mitglieder über die Unterdrückung der gegenwärtigen Aggressionshandlung und der Verletzung des Friedens hinaus umfassendere Bemühungen
anstellen sollten, um die Gerechtigkeit und die Übereinstimmung mit dem
Völkerrecht zu sichern. Friede und Gerechtigkeit sind die beiden Seiten
der gleichen Münze.
Die Völkergemeinschaft der Welt hat es vielleicht versäumt,
dieser Wahrheit genügend Beachtung zu schenken. Die Vereinigten Staaten ihrerseits werden mit allen Kräften Lösungen für die Probleme dieses Gebietes anstreben, die in Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit
und dem Völkerrecht stehen. Wir werden in diesem großen Bemühen die
Mitarbeit anderer gleichgesinnter Nationen suchen, die wie wir erkannt
haben, daß auf lange Sicht Frieden und Gerechtigkeit untrennbar sind.
Aber die Vereinten Nationen stehen jetzt vor dem Problem, was als
nächstes zu tun ist. Wenn sie nichts unternehmen, wenn sie die Ignorierung ihrer wiederholten Resolutionen, in denen der Rückzug der Invasionsstreitkräfte gefordert wurde, akzeptieren, dann geben sie damit
ihr Versagen zu. Dieses Versagen würde der Autorität und dem Einfluß
der Vereinten Nationen in der Welt und den Hoffnungen, die die Menschheit in die Vereinten Nationen als Mittel zur Erreichung eines Friedens
in Gerechtigkeit gesetzt haben, einen schweren Schlag versetzen.
Dieses Versagen würde auf lange Sicht gesehen auch Israel schädlich sein; es würde über den damit der Weltorganisation zugefügten Schaden hinaus die Aussichten für die friedliche Lösung der Probleme des
Mittleren Ostens in Frage stellen. Dies könnte unseren Freunden, ja,
auch selbst unserem Land unübersehbares Übel bringen. Es würde die
Verwirklichung der Ziele, die ich in meiner Mittelostbotschaft vom
fünften Januar an den Kongreß darlegte und die auf die Stärkung dieses
Gebietes gegen einen kommunistischen Angriff, sei er direkt oder indirekt,
abgestellt sind, unendlich schwieriger machen.
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Die Vereinten Nationen dürfen nicht versagen. Ich bin der Überzeugung, daß die Vereinten Nationen im Interesse des Friedens keine andere
Wahl haben, als Druck auf Israel auszuüben, damit es den Resolutionen
über einen Abzug nachkommt. Natürlich hoffen wir immer noch, daß die
israelische Regierung einsehen wird, daß ihre besten Interessen .jetzt

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27. Februar 1957

jetzt und später darin liegen, den Vereinten Nationen zu entsprechen
und auf die Resolutionen der Weltorganisation sowie die Erklärung der
Vereinigten Staaten im Hinblick auf die Zukunft zu vertrauen.
Ich bin nicht der Ansicht, daß Israels Weigerung ignoriert werden
sollte, weil die Vereinten Nationen nicht in der Lage waren, ihre Resolutionen, in denen die Sowjetunion für die bewaffnete Unterdrückung
des ungarischen Volkes verurteilt wurde, wirksam auszuführen. Vielleicht
ist dies ein Fall, auf den das Sprichwort: 'Neues Unrecht schafft kein
Recht' zutrifft.
Niemand bedauert die Tatsache, daß die Sowjetunion die Resolutionen der Vereinten Nationen ignoriert, mehr als ich. Die Vereinigten
Staaten sind mehr als jede andere Nation darauf bedacht, einen moralischen Druck auf die Sowjetunion auszuüben, die auf Grund ihrer Größe
und ihrer Macht sowie ihres Vetorechtes im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gegenüber Sanktionen anderer Art r'.elativ unempfindlich
ist.
Die Vereinigten Staaten und andere freie Nationen stellen mit
allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln das Unrecht des sowjetischen
Verhaltens in Ungarn heraus. Es wäre in der Tat ein schwarzer Tag, wenn
die Vereinigten Staaten jemals zur Überzeugung gelangen müßten, daß sie
Israel dem gleichen moralischen Druck aussetzen müßten, wie er auf die
Sowjetunion ausgeübt wird.
Man kann natürlich eine Nation wie Israel nicht mit der Sowjetunion gleichstellen. Die Bevölkerung Israels gehört wie die Bevölkerung
in den Vereinigten Staaten einem religiösen Glauben an und ist von
moralischen Werten überzeugt. Wir dürfen von einem solchen Volk der
freien Welt einen Beitrag zur Weltordnung erwarten - und erwarten ihn
auch -,den wir von einer von atheistischen Despoten beherrschten Nation leider nicht erwarten können.
Es ist vorgeschlagen worden, daß kein Druck hinter die Maßnahmen
der Vereinten Nationen gegen Israel gesetzt werden sollte, da Ägypten
in der Vergangenheit das WaffenstilDs tandsabkommen und das Völkerrecht
verletzt hat. Es stimmt, daß sowohl Ägypten als auch Israel vor dem
Oktober vergangenen Jahres in Vergeltungsangriffe verwickelt waren,
die eine Verletzung des Waffenstills tandsabkommens darstellten, und
daß Ägypten durch Ausübung des Kriegsrechts in bezug auf die israelische
Schiffahrt im Suezkanal und im Golf von Akaba die Vereinten Nationen
ignoriert hat. Derartige Verletzungen stellen jedoch keine Rechtfertigung für die bewaffnete Invasion Ägyptens durch Israel dar, die die
Vereinten Nationen jetzt auszuheben suchen.
Ägypten hat sich durch die Annahme der im Oktober vergangenen Jahres vom Sicherheitsrat in bezug auf den Suezkanal gebilligten sechs
Grundsätze verpflichtet, den freien und ungehinderten Durchgangsverkehr durch den Kanal ohne Diskriminierung zu gestatten, und hat dem
Grundsatz zugestimmt, daß der Betrieb des Kanals von der Politik eines
jeden Landes isoliert werden soll.
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27. Februar 1957

Wir dürfen nicht annehmen, daß Ägypten nach dem Rückzug Israels
die israelische Schiffahrt im Suezkanal oder im Golf von Akaba verhindern wird. Wenn Ägypten danach unglückseligerweise das Waffenstillstandsabkommen oder andere internationale Verpflichtungen verletzt,
dann sollte sich die Gemeinschaft der Nationen entschlossen damit befassen.
Die gegenwärtigen Entwicklungen sind ernst, aber wir hoffen, daß
Vernunft und Recht die Oberhand behalten werden. Seit den Ereignissen
vom vergangenen Oktober und November ist in Einklang mit der Charta
der Vereinten Nationen ein solider Fortschritt erzielt worden. Die
Kampfhandlungen sind eingestellt, die britischen und französischen
Truppen abgezogen worden, die israelischen Streitkräfte haben sich
teilweise zurückgezogen, und die Räumung des Suezkanals steht vor dem
Abschluß. Wenn Israel seinen Rückzug beendet hat, wird damit ein entscheidendes Hindernis für einen weiteren Fortschritt beseitigt sein.
Ist dieses Hindernis beseitigt, dann werden die Vereinten Nationen
ernste und schöpferische Aufgaben zu bewältigen haben. Das Recht Israels
auf nationale Existenz und innere Entwicklung muß respektiert werden. Es
werden komplizierte Bestimmungen, die eine wirksame internationale Benutzung des Suezkanales, sicherstellen, in allen Einzelheiten ausgearbeitet werden müssen. Das Problem der arabischen Flüchtlinge muß gelöst werden. Wie ich bereits in meiner Sonderbotschaft an den Kongreß
vom 5« Januar sagte, muß sichergestellt werden, daß der gesamte Mittlere
Osten von jeder Aggression und Infiltration freigehalten wird.
Schließlich sollten alle, die die Freiheit lieben, darunter auch
wir, den Nationen des Mittleren Ostens helfen, ihr berechtigtes Streben nach Verbesserung des Wohlstandes ihrer Völker zu verwirklichen.
Worüber ich heute abend zu Ihnen gesprochen habe, ist lediglich
ein Schritt in einem langen Prozeß, der Geduld und Sorgfalt erfordert.
Aber im Augenblick ist dies die kritische Frage, von der ein künftiger
Fortschritt abhängt. Es ist eine Streitfrage, die nur gelöst werden
kann, wenn wir die Prinzipien der Vereinten Nationen zur Anwendung
bringen.
Und aus diesem Grunde, meine amerikanischen Mitbürger, weiß ich
auch, daß es Ihr Wunsch ist, wenn die Vereinigten Staaten auch weiterhin ihren größten Einfluß dafür zum Tragen bringen, daß diese Prinzipien als der Welt größte Hoffnung auf Frieden erhalten bleiben."

* * * * *

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�M E R I K A

D I E N S T

Allg./

27.2.1957

EISENHOWER; USA WERDEN SICH IMMER FÜR DEN FRIEDEN
EINSETZEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Ansprache,
die Präsident Eisenhower am 25. Februar 1957
aus Anlaß des 15jährigen Bestehens der
"Stimme Amerikas" gehalten hat.
"Fünfzehn Jahre lang hat die Stimme Amerikas nunmehr den Menschen in aller Welt die Tatsachen über internationale Ereignisse
und über die amerikanische Politik in bezug auf diese Ereignisse
übermittelt.
Dies ist daher eine passende Gelegenheit, um auf einige Aspekte
der amerikanischen Außenpolitik einzugehen. Der Leitgedanke unserer
Außenpolitik ist dieser: Wir sind der Überzeugung, daß unser Land
auf die Dauer nur blühen und gedeihen und sich eines dauerhaften
Friedens nur erfreuen kann, wenn alle Völker sich gedeihlich entwickeln und des Friedens erfreuen.
Wenn ich jetzt hierüber zu Ihnen spreche, so möchte ich dies
nicht in abstrakten Begriffen tun, sondern ich möchte lieber ein
klares Bild aufzeichnen. Und zwar handelt es sich im wesentlichen
um das Bild einer Welt, wie wir sie für uns und unsere Kinder gerne
sehen möchten und von der wir glauben, daß sie die meisten Menschen
für sich und für ihre Kinder wünschen.
Dieses Bild hat zwei Seiten. Die eine Seite betrifft den
Aufbau der einzelnen Länder und die Förderung ihrer Menschen.
Es ist die entscheidende Tatsache dieses Jahrhunderts, daß
Dutzende neuer Nationen in Erscheinung getreten sind. Diese Nationen führen gemeinsam mit den älteren Nationen - jede auf ihre
eigene Art - einen Kampf um die Verbesserung des Loses ihrer Menschen durch einen höheren Lebensstandard, durch eine vielseitigere
Industrie und eine rationeller arbeitende Landwirtschaft, durch
eine Erhöhung der politischen Stabilität und durch die Verwirklichung der kulturellen und religiösen Traditionen, die manchmal
Tausende von Jahren alt sind.
Die

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�AMERIKA DIENST"

27. Februar 1957

Die erste Aufgabe dieses neuen Zeitalters besteht darin, sicherzustellen, daß sich der großartige Fortschritt zu einem besseren Leben - sowohl für den einzelnen wie für die Nationen - in allen diesen Ländern so rasch und sicher wie möglich vollzieht.
Die Vereinigten Staaten haben den meisten dieser Nationen zur
Seite gestanden, während sie ihre großen Fortschritte auf dem Gebiet
der Erziehung, der landwirtschaftlichen Methoden, der Kontrolle der
Krankheiten, der Errichtung von Krankenhäusern, Straßen, Schulen,
des Baues von Dämmen und Bewässerungsanlagen und der Verbesserung
des politischen Gefüges, der Gesetzgebung und der Beziehungen zwischen
Arbeitgebern und Arbeitnehmern machten.
Aber dieses Bild hat noch eine andere Seite. Gesetzt den Fall,
es gelänge uns, eine Welt gesunder, freier und souveräner Nationen
zu schaffen, dann stünden wir immer noch vor dem Problem: Wie sollen
sie die zwischen ihnen bestehenden Interessenunterschiede ausgleichen?
Verschiedenheiten der Interessen aber wird es immer geben, und es muß
daher irgendein Prinzip der internationalen Ordnung bestehen.
Eine wichtige Stütze der Ordnung in.der Welt - und eine, die
einen allgemeinen Rahmen geben kann - sind die Vereinten Nationen.
Und so wie wir die lebendige und kraftvolle Unabhängigkeit
der zahlreichen einzelnen Nationen, die es heute gibt, unterstützen,
so treten wir auch mit dem gleichen Nachdruck für die Praxis ein, die
unvermeidlichen Streitigkeiten zwischen diesen Nationen gemäß den
Prinzipien und Verfahrensregeln der Vereinten Nationen beizulegen.
Die Geschichte der Vereinigten Staaten ist die eines Kampfes
um das Recht der Selbstbestimmung und der menschlichen Würde. Unsere
Geschichte beginnt mit einer Deklaration, die einen weiten Widerhall
gefunden und Millionen freier Menschen in allen Teilen der Welt begeistert hat, daß 'alle Menschen ... von ihrem Schöpfer mit bestimmten
unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, zu denen Leben, Freiheit
und das Streben nach Glück gehören.' Aber diese gleiche Deklaration
erklärt auch, daß wir zusammen mit dieser Selbstbestimmung 'der Meinung
der Menschheit eine angemessene Achtung' entgegenbringen müssen.
In weltpolitischer Hinsicht hat unsere Nation stets danach gestrebt, diese edlen und hohen Begriffe zu bekräftigen und ihnen Bedeutung zu verleihen. Durch all die Jahre haben wir den neuen Staaten
geholfen, ihre politische und wirtschaftliche Stärke zu erlangen. Die
Art und Weise, wie wir die S uez krise und ihre Auswirkungen in den
Vereinten Nationen behandelten, stellte gleichfalls in der Praxis
unsere Überzeugung unter Beweis, daß jede internationale Harmonie mit
einer 'gebührenden Achtung vor der Meinung der Menschheit' beginnt.
Vor kurzem legte ich dem amerikanischen Kongreß Vorschläge in
bezug auf den Mittleren Osten vor, die dazu bestimmt sind, diesem
von Unruhen heimgesuchten Gebiet Stabilität zu geben. Ich möchte Ihnen

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�"AMERIKA DIENST"

27. Februar 1957

Ihnen zeigen, wie diese Vorschläge mit dem übereinstimmen, was ich
soeben als unsere Ziele beschrieben habe.
Ich bin der Ansicht, daß das Wohlergehen der Völker des Mittleren
Ostens von den Ländern dieses Gebietes den Aufbau und die Stärkung ihrer Wirtschaften und ihrer Institutionen erfordert. Wir möchten einen
derartigen Portschritt gerne sehen. Meine Vorschläge werden diesem
Ziel völlig gerecht, denn sie sehen zwei Dinge vor.
Erstens: Damit sich eine solche konstruktive Arbeit in diesen
Ländern abwickeln kann, müssen sie frei von der Bedrohung durch den
internationalen Kommunismus sein, der ihre schwer errungenen Erfolge
über Nacht zunichtemachen könnte. Daher geben wir diesen Ländern die
Zusicherung,daß -wenn eine derartige Gefahr entsteht und die Vereinten
Nationen sich mit dieser Gefahr nicht befassen können und ein bedrohtes
Land uns um Hilfe anruft - dieses Land auf unsere Unterstützung rechnen kann. Hinter dem Schutzschild dieser Zusicherung kann also die
aufbauende Arbeit des Fortschrittes vorangetrieben werden, und um
diese schöpferische Arbeit zu beschleunigen, beinhalten meine Vorschläge zweitens ein besonderes Maß an wirtschaftlicher Unterstützung
für diesen Raum.
Wir müssen uns der Tatsache bewußt sein, daß - während wir versuchen, eine Welt der Freiheit und der Gerechtigkeit zwischen souveränen
Völkern mit aufzubauen - die Machthaber des internationalen Kommunismus sich ständig bemühen, eine solche Welt niederzureißen.
Der Kommunismus muß nach dem Zeugnis seiner eigenen Führer ein
System internationaler Kontrollen und des Konformismus sein. Damit
ist er aus seinem eigensten Wesen heraus der völlige Gegensatz und
der Feind jeder Art des Nationalismus. Sein erklärtes Programm besteht darin, die Religion, die Regierungen, die Institutionen und
Traditionen der christlichen Welt, der buddhistischen, der islamischen,
der jüdischen, ja, der Welt jeder Religion und Kultur gänzlich zu zerstören. Die kommunistischen Machthaber schlagen vor, dafür ein völlig
neues Gedanken- und Kontrollsystem an ihre Stelle zu setzen, das von
der kommunistischen Parteizentrale diktiert wird. Sie glauben, daß
einige wenige Theoretiker und Machthaber wissen, was für jeden einzelnen am besten ist, und sie sind entschlossen, jeden in diese Welt
hineinzutreiben.
Ein kleines Land nach dem anderen wurde von dem internationalen
Kommunismus verschluckt. Sie alle haben ihre Freiheit verloren, ihr
Nationalstolz wurde zerstört, ihre Religion zertreten, und ihre Wirtschaften werden von der Rußlands aufgesogen. Wenn sie aber etwa versuchen, ihre traditionelle Freiheit wieder zu erringen, dann wird ihr
Volk zu Tausenden hingemordet. Das Zeugnis liefert Ungarn.
Ich möchte gerne einige besondere V/orte an die Menschen richten,
die gegenwärtig unter der Tyrannei des internationalen Kommunismus
leben:
Wir

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�"AMERIKA DIENST"

27. Februar 1957

Wir wollen Ihre Freundschaft. Wir halten an den Bindungen fest,
die uns in der Vergangenheit verbunden haben. Wir wünschen Ihnen bei
Ihrem Streben nach Freiheit alles Gute. Denn wir wissen, daß - welche
Ziele auch immer die machthungrigen Herrscher verfolgen mögen - tief
in dem Herzen jedes einzelnen diese gleiche von Gott gegebene Sehnsucht brennt, frei sein eigenes Schicksal zu bestimmen.
Und allen Menschen in aller Welt möchte ich feierlich das versichern: Gemeinsam mit Ihnen blicken wir einer Welt entgegen, die sich
auf Gerechtigkeit begründet, und wir werden niemals aufhören, darauf
hinzuarbeiten. Möge unser aller Gott Sie beschützen und diesen Tag schnell
herbeiführen."

* * * * *

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�Allg/ 6.5.1957

AMERIKA HAT OSTEUROPA NICHT VERGESSEN

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
den Wortlaut einer Erklärung, die der Chefdelegierte der Vereinigten Staaten bei den Vereinten
Nationen, Botschafter Henry Cabot Lodge, am
28.Februar 1957 vor der Generalversammlung der
Vereinten Nationen abgab und mit der er zu dem
Bericht des zweiten Politischen Ausschusses über
einen von der Sowjetunion eingebrachten Resolutionsentwurf Stellung nahm, in dem die Vereinigten Staaten der Einmischung und umstürzlerischen Tätigkeit
in kommunistischen Staaten beschuldigt wurden.

7/enn wir uns hier vor dem Forum der Vereinten Nationen auch
fast ausschließlich mit Fragen und Ereignissen beschäftigen, bei
denen große Schwierigkeiten auftreten, so dürfen wir doch die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, daß die Menschheit, auf ihrem
Weg in die Zukunft voranschreitet und daß alle Völker die Fähigkeit besitzen, ihr eigenes Los zu bessern.
Wenn ich von dieser Fähigkeit der Völker spreche, dann
schließe ich dabei selbstverständlich auch das russische Volk
ein, für das wir Amerikaner Gefühle aufrichtiger Freundschaft
hegen.
Es finden sich, Herr Präsident, allenthalben in der Welt
Anzeichen dafür, daß auch die Regierungen eine solche Fähigkeit
zu ihr»r eigenen Perfektionierung besitzen. Wenn wir nun aber
das zur Erörterung stehende Opus der Sowjetpropaganda betrachten,
dann kann man auf seiten der Sowjetregierung leider nicht viel
von dieser Fähigkeit zur eigenen Perfektionierung bemerken.
Es versteht sich meiner Meinung nach wohl von selbst, daß
sich dieser erfolglose Versuch, die Vereinigten Staaten zu verleumden, nicht auf die 7/ahrheit stützt und daß er nichts Neues
darstellt. Es sei hier ausdrücklich festgestellt, daß er noch nicht
einmal sehr geschickt ist. Und selbst seine Formulierungen entsprechen nicht dem angestrebten Zweck. Er ist noch nicht einmal
zur Verwendung eis unwahre kommunistische Propaganda geeignet.
Und wenn ich dies hier sage, so sage ich damit eine ganze Menge.
Wenn
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�AMERIKA DIENST"

6. März 1957

Wenn die Sowjets endlich damit aufhörten, sich vom Schwall
ihrer eigenen Reden umnebeln zu lassen und den nüchternen Tatsachen
ins Angesich.t sehen wollten, dann würden sie auch jene bedeutsame
Entwicklung erkennen, die sich gerade in dieser Sitzungsperiode der
Generalversammlung vollzogen hat, daß nämlich auch jene Völker, die
in der Vergangenheit die friedlichen Absichten der Sowjets nicht
bezweifelten, über die Berichte über das sowjetische Vorgehen in
Ungarn so bestürzt waren, daß sie heute in der Sowjetregierung den
meuchlerischen Mörder der Menschenrechte sehen. Die Haltung zahlreicher Länder gegenüber der Sowjetunion hat sich während der letzten vier bis fünf Monate hier vor den Vereinten Nationen geradezu
in das Gegenteil verkehrt - das ist eine weit wichtigere Tatsache
als all die alten Walzen, die man uns hier wieder vorgesetzt hat.
Und diese Länder werden darin no'ch durch ein natürliches Mißtrauen bestärkt, das eine Folge beispielsweise der Ablehnung des
Planes des offenen Himmels, der Luftüberwachung militärischer Einrichtungen, durch die Sowjetunion ist. So fragen sich diese Länder
selbst - und einige ihrer Vertreter fragten mich -, warum lehnt die
Sowjetunion diesen so segensreichen und den Frieden fördernden Plan
ab, wenn sie wirklich bereit ist, auf die Möglichkeit zur Führung
eines Überraschungsangriffs zu verzichten? Dies ist eine sehr vernünftige Frage, eine Frage, auf die bisher noch keiner der Sprecher
der Sowjetunion eine zufriedenstellende Antwort gegeben hat.
Herr Präsident, ich erwähne diese beiden Beispiele, denen ich
noch beliebig viele andere hinzufügen könnte, um klarzustellen, daß
die Vereinigten Staaten - wären wir nicht der Auffassung, daß die
Zeit zu schade hierzu ist - hier vor der Generalversammlung so schwere
Angriffe gegen die Sowjetunion führen könnten, daß Ihnen, auch wenn
wir uns restlos auf klar erwiesene Tatsachen beschränken, die Haare
zu Berge stehen würden. Sine solche Handlungsweise liegt uns aber fern.
Die sowjetische Vorlage wirft aber noch eine andere Frage auf,
eine sehr ernste Frage sogar, die ich hier kurz noch erläutern möchte.
Es ist dies die tragische Situation in Osteuropa. Wie sich diese
Situation entwickelt hat, ist eine sehr traurige Geschichte, die
allerdings für uns alle, gleichgültig aus welchem Land der Erde wir
kommen, höchst lehrreich ist.
Vor nahezu vierzig Jahren riß eine kleine Gruppe von Verschwörern
mit Gewalt und List die Macht im größten Staat Osteuropas an sich das ist eine in der Geschichte erwiesene Tatsache. Liese Verschwörer
nahmen dann sogleich ein auf lange Sicht bemessenes Programm in Angriff,
das darauf abzielt, die gesamte Welt unter ihre Herrschaft zu bringen.
Zu diesem Zweck schufen sie einen auf dieser Welt einmaligen Apparat
für direkte und indirekte Propaganda, für umstürzlerische Umtriebe und
Sabotage. Ich kenn mit vollem Recht behaupten, daß jedes einzelne der
in diesem Saal vertretenen Länder schon die Auswirkungen dieser Maschinerie des Weltkommunismus zu spüren bekommen hat.
Die Geschichte lehrte jedoch, daß dieser Apparat nicht ausreichte,
um den kommunistischen Verschwörern jenen Erfolg zu verschaffen, den sie

�"AMERIKA DIENST"

6. März 1957

sie sich so sehnlich wünschten. Sie haben lediglich dann Fortschritte
auf ihrem Weg erzielt, wenn sie ihre gewaltige Rote Armee ins Treffen
führen konnten. So gelang es der Sowjetunion unter Verletzung feierlich
bekräftigter Vereinbarungen, einschließlich der in der Charta der Vereinten Nationen niedergelegten Verpflichtungen, zehn kleinere Länder
in Europa in ihren Machtbereich einzubeziehen, wobei sie einige einfach
annektierten, anderen ein Marionettenregime aufzwangen.
Im Anschluß daran gingen sie zur systematischen Ausbeutung
ihrer Opfer über und zwar mit dem klar ersichtlichen Ziel, das Imperium
Moskaus aufzurichten. Um dieses Ziel zu erreichen, mußten sie ihre Zuflucht zu zügelloser Gewalt, Terror und Unterdrückung nehmen, die so oft
schon kennzeichnend für die russische Geschichte waren. Man kann ohne
Übertreibung sagen, daß die Machthaber der Sowjetunion seit Jahren in
einem erbitterten Kampf mit ihrem eigenen Volk und den Völkern der unterworfenen Länder liegen. Es ist diesen Völkern zu verdanken, das muß
hier gesagt werden, Herr Präsident, daß der Ausgang dieses Kampfes noch
immer offen ist.
Eines der unabdingbaren Elemente dieser Art Kampf ist, vom sowjetischen Standpunkt aus, die Kontrolle - die Kontrolle über das Denken der
unterjochten Völker. Jahrhundertealte Wurzeln des kulturellen und wissenschaftlichen Lebens müssen herausgerissen und alte Bande der Freundschaft
zerschnitten werden. Der religiöse Glaube muß unterdrückt oder, sofern
dies nicht gelingt, gelenkt werden. An die Stelle jener Begriffe muß
eine mechanistische Weltanschauung des blinden Gehorsams gegenüber Befehlen von oben treten. Gerade dieses Bedürfnis der Kommunisten, eine
lückenlose psychische und physische Kontrolle über die Menschen im
Sinne einer im höchsten Maße materialistischen Denkweise zu errichten,
erklärt die Tatsache, daß die Sowjetunion in Osteuropa so unüberwindliche Schranken gegen die Gedanken- und Informationsfreiheit errichtet
hat: strenge Zensur, Störung von Rundfunksendungen, Überwachung des
Reiseverkehrs, Grenzkontrollen, das Umschreiben der Geschichtsbücher
und die Verfälschung von Nachrichten.
Das sind die Bedingungen, wie sie in Osteuropa im allgemeinen anzutreffen sind. Und diese Bedingungen sollte die übrige Welt, so wünschen es jedenfalls die Sowjets, übersehen und vergessen. Die vorliegende sowjetische Beschwerde richtet sich, ebenso wie alle vergleichbaren Beschwerden der Sowjets aus früheren Zeiten, in ihrem Kern dagegen, daß sich das amerikanische Volk und die übrigen Völker der freien
Welt weigern, diese Bedingungen zu vergessen und zu übersehen.
Das amerikanische Volk - das möchte ich hier ausdrücklich sagen,
Herr Präsident - kann die Lage, die die Sowjets in Osteuropa geschaffen
haben, nicht mit Gleichgültigkeit oder Apathie hinnehmen. Wir können uns
nicht mit diesen rücksichtslosen Angriffen auf die Würde und Freiheit
des Menschen abfinden. Ich hoffe, daß man sich darüber keinerlei Täuschungen hingibt.
Wie alle zivilisierten Länder haben auch die Vereinigten Staaten
Anteil an dem Kulturerbe Osteuropas. Zahlreiche Bürger unseres Landes
kommen aus diesem Gebiet. Es ist ganz natürlich, daß wir an Osteuropa
interessiert sind und uns um das Schicksal seiner Menschen kümmern.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

6. März 1957

'.Vir wünschen, daß sie sich frei und unabhängig fühlen und daß sie die
Möglichkeit nahen, ihr eigenes Leben zu führen und ihr Geschick selbst
in die Hand zu nehmen. Wenn ich unabhängig sage, so meine ich damit
unabhängig von der Kontrolle der Sowjets, unabhängig von der Kontrolle
der Amerikaner und unabhängig von jeglicher Kontrolle.
Solange sich diese Unabhängigkeit aber nicht herstellen läßt und
solange sich die Sowjetunion weiter in die Angelegenheiten dieser
Völker einmischt, können und werden wir weder schweigen noch unsere
Proteste einstellen. '.Vir haben gar keine Veranlassung hierzu. Wir
werden tun, was wir können, und zwar immer im Einklang mit den Zielen
und Grundsätzen der Vereinten Nationen, um diesen unglücklichen Opfern
der Sowjets zu zeigen, daß sie nicht vergessen und aufgegeben sind.
Wir werden gemeinsam mit anderen Völkern der freien Welt die Aufgabe
erfüllen, diesen Völkern dabei zu helfen, ihre geistigen und kulturellen
Traditionen zu wahren. Wir werden auch weiterhin diesen Menschen die
Wahrheit über unsere Welt und auch über ihre Welt sagen. Wir werden ihnen
bei jeder Gelegenheit versichern, daß die alten Bande des Blutes und
der Freundschaft, ungeachtet all dessen, was sie von ihren gegenwärtigen Machthabern hören, nicht zerschnitten sind und daß das, was sie
heute durchmachen, nur eine lange Nacht ist, an deren Ende die Morgendämmerung anbrechen wird.
Das, was ich hier sage, entspringt keinerlei dunklen Beweggründen
und hat nichts mit Umsturz zu tun. Wir rufen nicht nach Gewalt, wir
ermuntern nicht zum Umsturz, und wir hetzen nicht zur Sabotage. Noch
niemals wurde auch nur ein Mensch durch irgendeine Handlung der Vereinigten Staaten zur Anwendung von Gewalt bewogen. Wir planen keine
Aggression gegen die Sowjetunion oder gegen irgendein anderes Land.
Eine solche Handlung wäre unserer Natur zuwider und mit unserem demokratischen System unvereinbar. Wir haben keine territorialen Ambitionen, weder in Osteuropa noch anderswo. Und wir versuchen auch nicht,
anderen unsere Auffassungen zu wirtschaftlichen und sozialen Fragen
aufzuzwingen. In diesem Zusammenhang kann ich nichts Besseres tun als
die feierlichen Worte zu wiederholen, die Präsident. Eisenhower anläßlich des Antritts seiner zweiten Amtsperiode vor kurzer Zeit erst, im
Januar, gesprochen hat:
"'.Vir ehren die Hoffnungen und Bestrebungen aller der Nationen,
die jetzt noch unterdrückt sind und sich nach Freiheit sehnen. Wir
suchen weder ihre militärische Allianz noch wollen wir, daß sie unsere Gesellschaftsform in irgendeiner künstlichen Weise imitieren.
Sie dürfen der Herzlichkeit und Wärme des sie erwartenden Willkommens
gewiß sein, wenn sie - wie es einmal der Fall sein muß - erneut in die
Reihen der freien Völker eintreten."
Das also ist, Herr Präsident, die Politik, die alle unsere Handlunge
gegenüber Osteuropa bestimmt. Diese Politik ist alles andere als unvereinbar mit den Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen, ja ganz im
Gegenteil, sie sucht diese Grundsätze in jeder möglichen Form zu fördern.
Denn wir sind überzeugt, daß in dem Augenblick, in dem Freiheit, Unabhängigkeit und Achtung vor den Menschenrechten wieder in diesem lebenswichtigen Teil Europas hergestellt worden sind, eine der wichtigsten
Quellen internationaler Spannungen zu bestehen aufgehört hat und daß die
Welt damit einen gewaltigen Fortschritt in Richtung auf den von uns allen
erstrebten Frieden gemacht haben wird.
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Allg./6.3.1957
CABOT LODGE JR. ZUR RÄUMUNG DES GAZA^STREIFENS

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Erklärung
des amerikanischen Chefdelegierten Henry
Cabot Lodge jr., abgegeben am 1. März
1957 vor der UN-Generalversammlung in
New York.

Während der langen Wochen, in denen die Generalversammlung der
Vereinten Nationen sich mit der ernsten Situation im Nahen Osten beschäftigt hat, haben die Vereinigten Staaten sich um eine Lösung bemüht, die auf Gerechtigkeit beruht und die den legitimen Interessen
aller Parteien Rechnung trägt.
Die Haltung der Vereinigten Staaten wurde von Anfang an durch
ihre im Sicherheitsrat eingebrachte Entschließung offenbar, in der
Israel zum Rückzug aufgefordert wurde und die im Falle einer Weigerung Israels die Einstellung der Unterstützung an Israel verlangte.
Die Ansichten der Vereinigten Staaten in dieser Angelegenheit sind
unverändert. Sie wurden erst vor kurzer Zeit und von maßgeblicher
Stelle durch Präsident Eisenhower in seiner Rede vom 20. Februar
dargelegt. Wir haben festgestellt, daß es für ein Mitglied der UN
mit den Grundsätzen der Charta und mit der Mitgliedschaft bei den
Vereinten Nationen unvereinbar ist, politische' Vorteile durch die
Anwendung von Gewalt erlangen zu wollen oder etwas zum Handelsobjekt zu machen, das mit den Mitteln der Gewalt erlangt worden ist.
Es hat den Anschein, daß die Bemühungen der Generalversammlung, in diesem Gebiet nach den Feindseligkeiten vor vier Monaten
den friedlichen Zustand wiederherzustellen, nun Früchte tragen werden. In ihrem allerjüngsten Bestreben um eine Lösung hat die Generalversammlung am 2. Februar zwei Entschließungen angenommen. Die
erste wiederholte die früher an Israel ergangene Aufforderungen,
sich hinter die Waffenstillstandslinie zurückzuziehen. In der zweiten Entschließung wird der Generalsekretär aufgefordert, sobald
der Rückzug erfolgt ist, die Maßnahmen zu ergreifen, die in seinem
Bericht vom 24. Januar vorgeschlagen werden. Die Durchführung dieser
Maßnahmen wäre ein großer Fortschritt in Richtung auf einen dauerhaften Frieden in diesem Gebiet, und die Vereinigten Staaten sind der

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�"AMERIKA DIENST"

6. März 1957

der Auffassung, daß alle diese Maßnahmen, die von der Generalversammlung gutgeheißen wurden, ohne Verzögerung ergriffen werden sollten.
Israel gibt nun bekannt, daß es sich in Übereinstimmung mit der
ersten Resolution vom 2. Februar 1957 vollständig und schnell hinter
die Waffenstillstandslinie zurückziehen will. Die Vereinigten Staaten
begrüßen diese Verlautbarung. Die Vereinigten Staaten interpretieren
diese Erklärung dahin, daß der Rückzug sofort erfolgen wird.
Die Vereinigten Staaten nehmen außerdem von den Feststellungen
Kenntnis, die in der Erklärung des Vertreters von Israel gemacht worden sind. Wir sind nicht der Meinung, daß diese Feststellungen den
Rückzug Israels von Bedingungen abhängig machen. Der größte Teil dieser Erklärung ist nach unserer Auffassung eine Wiederholung dessen,
was bereits von dieser Versammlung oder von dem Generalsekretär in
seinen Berichten gesagt wurde, oder es sind Hoffnungen und Erwartungen, die uns im Licht der vorhergegangenen Maßnahmen dieser Versammlung nicht unvernünftig erscheinen.
Hinsichtlich der Maßnahmen der Vereinten Nationen, die für den
Gaza-Streifen beabsichtigt sind, haben die Vereinigten Staaten von
der Erklärung des Generalsekretärs vom 22. Februar Kenntnis genommen.
Er sagte darin:
"Es ist der Wunsch der ägyptischen Regierung, daß die Übernahme
von Gaza aus der militärischen und zivilen Kontrolle Israels - wie
bereits früher zuerst ausschließlich durch die Polizeitruppe der Vereinten Nationen - ordnungsgemäß und sicher erfolgt, wie es an anderer
Stelle bereits geschehen ist. Mit gleicher Zuversicht kann hinzugefügt
werden, daß die ägyptische Regierung in Anerkennung der gegenwärtigen
besonderen Probleme und Schwierigkeiten im Gaza-Gebiet und im Hinblick
auf die seit langem bestehende Verantwortlichkeit der Vereinten Nationen
für die Unterstützung der arabischen Flüchtlinge sowie unter Berücksichtigung der Verpflichtungen und der Ziele des Waffenstillstandsabkommens, den Willen und die Bereitschaft hat, mit den Vereinten Nationen und einigen ihrer Hilfsorganisationen, wie der UN-Hilfsbehörde
für Palästina und der Polizeitruppe der UN, besondere und nützliche
Abmachungen zu treffen. So sollte zum Beispiel die Übereinkunft über
den Einsatz der Polizeitruppe der UN an der Waffenstillstandslinie am
Gaza-Streifen die wirkungsvolle Stellung dieser Truppe zwischen den
Armeen von Israel und Ägypten sicherstellen. In gleicher Weise würde
die Unterstützung der Vereinten Nationen und ihrer Hilfsorganisationen
zur endgültigen Beendigung aller Überfälle und Angriffe über die Grenze
hinaus und von jeder Seite beitragen.
Für die Übergangszeit können ferner mit den Vereinten Nationen
solche Vereinbarungen getroffen werden, die dazu beitragen, durch die
Stellung eines wirksamen und leistungsfähigen Polizeischutzes das Leben und das Eigentum in diesem Gebiet zu schützen, eine gute zivile
Verwaltung zu garantieren, ein Maximum von Unterstützung für das Flüchtlingsprogramm der Vereinten Nationen zu gewährleisten und die wirtschaftliche Entwicklung dieses Gebietes und seiner Bevölkerung _z_u

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6. März 1957

"AMERIKA DIENST
zu begünstigen und zu schützen."

Es ist die Ansicht der Vereinigten Staaten, daß vom rechtlichen
Standpunkt aus die Zukunft des Gaza-Streifens im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens ausgearbeitet werden muß, wie der Generalsekretär sagte.
Natürlich sind diese Dinge nicht von den Vereinigten Staaten allein
zu entscheiden, aber ich glaube, die Vereinigten Staaten können mit
Recht die Hoffnung hegen, daß die Vereinten Nationen und ihre entsprechenden Nebenorganisationen, eine so segensreiche Rolle wie sie der
Generalsekretär beschrieben hat, nutzbringend fortsetzen könnten, bis
eine endgültige Lösung für den Gaza-Streifen gefunden oder irgendeine
endgültige allgemeine Übereinkunft zwischen den Parteien getroffen ist.
Bezugnehmend auf die Lage im Gebiet am Golf von Akaba und die
Straße von Tiran erklärte ich am 28. Januar und erneut am 2. Februar,
daß "es wesentlich ist, daß Einheiten der UN-Polizeitruppen an der
Straße von Tiran stationiert werden, um dort für eine Trennung der
ägyptischen und israelischen Land- und Seestreitkräfte zu sorgen. Diese
Trennung ist wichtig, bis erwiesen ist, daß die Nichtausübung jeglicher
von den kriegführenden Parteien beanspruchten Rechte die friedlichen
Bedingungen geschaffen hat, unter welchen die Schiffahrt auf Wasserstraßen von derartig internationalem Interesse vor sich gehen muß. All
dies würde natürlich nicht eine endgültige Entscheidung präjudizieren,
die über rechtliche Fragen hinsichtlich des Golfs von Akaba getroffen
werden mögen."
Es ist zu diesem Zeitpunkt angemessen, sich die Haltung der Vereinigten Staaten zu der Schiffahrt durch die Straße von Tiran und den
Golf von Akaba zu vergegenwärtigen. In einem am 17. Februar veröffentlichten Memorandum vom 11. Februar 1957 erklärte die amerikanische
Regierung:
"Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß der Golf internationale Gewässer umfaßt und daß keine Nation das Recht hat, die freie
und friedliche Schiffahrt im Golf und durch die den Eingang dazu bildende Straße zu verhindern. Wir denken dabei nicht nur an die kommerzielle Benutzung, sondern auch die Durchfahrt von Pilgern in religiösen
Missionen, die voll respektiert werden sollten.
Die Vereinigten Staaten erinnern, daß das ägyptische Außenministerium am 28. Januar die Vereinigten Staaten davon in Kenntnis gesetzt
hat, daß die Besetzung der beiden Inseln Tiran und Sanafir am Eingang
zum üolf von Akaba durch Ägypten nur den Zweck verfolge, die Inseln
vor möglichem Schaden oder Gewalt zu bewahren und daß diese Besetzung
in keiner Weise in einem Geiste erfolge, der die friedliche Schiffahrt
durch die Wasserstraße, die diese beiden Inseln von der ägyptischen
Küste von Sinai trennt, behindert. Es folgt, daß diese Durchfahrt die einzig möglich - in Übereinstimmung mit internationalen Praktiken
und den anerkannten Prinzipien des Völkerrechts, wie in der Vergangenheit frei sein wird.
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"AMERIKA DIENST"

6. März 1957

Da vom Internationalen Gerichtshof keine gegenteilige Entscheidung getroffen worden ist, sind die Vereinigten Staaten bereit, für
Schiffe unter amerikanischer Plagge von dem Recht der freien und friedlichen Durchfahrt Gebrauch zu machen und sich mit anderen Staaten zu
verbinden, um diesem Recht allgemeine Anerkennung zu sichern."
Diese Ansichten sind im Sinne der hierauf anwendbaren Teile des
Berichts der Völkerrechtskommission der Vereinten Nationen über die
Arbeit der Kommission während ihrer 8. Sitzungsperiode - vom 23. April
bis 4« Juli 1956 - zu verstehen.
In Zusammenhang mit der Dauer des Einsatzes der UN-Polizeitruppen
in diesem Gebiet erhob sich die Frage, ob der Generalsekretär die
Generalversammlung über eine bevorstehende Zurückziehung der Polizeitruppen in Kenntnis setzen würde. Wir haben die Erklärung des Generalsekretärs in seinem Memorandum vom 26. Februar zur Kenntnis genommen,
derzufolge "das für den Generalsekretär angezeigte Verfahren es wäre,
den Beratungsausschuß der UN-Polizeitruppen zu informieren, der dann
entscheiden würde, ob die Angelegenheit vor die Versammlung gebracht
werden sollte" .
Ich möchte bei dieser Gelegenheit darauf hinweisen, wie außerordentlich notwendig es ist, daß sowohl Israel als auch Ägypten ihren
internationalen Verpflichtungen einschließlich des Waffenstillstandsabkommens unverzüglich und in vollem Umfange nachkommen. Eingedenk
ihrer Verpflichtungen durch die Charta der Vereinten Nationen, sollten
Israel und Ägypten die absolute Einhaltung der Waffenstillstandsbedingungen zur Grundlage ihrer Beziehungen machen. Die Generalversammlung hat in ihren verschiedenen Entschließungen, die sich mit diesem
Problem befassen, diese Notwendigkeit klar anerkannt. Ja, in ihrer
ersten Entschließung vom 2. November 195&amp; hat die Versammlung festgestellt, daß die so häufige Nichtbeachtung der Waffenstillstandsbedingungen seitens der beiden beteiligten Länder bereits die Feindseligkeiten vorbereitete, die dann Ende Oktober zum Ausbruch kamen.
Hat Israel erst einmal gemäß den Entschließungen der Generalversammlung den Abzug seiner Truppen beendet, so hat angesichts der von
den Vereinten Nationen zur Beilegung der Schwierigkeiten ergriffenen
Maßnahmen keine der beiden Parteien des Waffenstillstandsabkommens
mehr irgendeinen Anlaß, zu kriegerischem Vorgehen.
Die Vereinigten Staaten haben von Anfang an ihrer Überzeugung
eindeutig Ausdruck verliehen, daß nach dem Abzug der britischen, der
französischen und der israelischen Streitkräfte andere Verhältnisse
in diesem Raum zu schaffen seien. Wie Außenminister Dulles am 1. November 1956 vor der Generalversammlung erklärte: "Es muß etwas Besseres
an die Stelle der unsicheren V/affenstill Standsabkommen treten, auf die
sich in den letzten acht Jahren die Beziehungen Israels zu seinen arabischen Nachbarn gründeten" •
Die

�"AMERIKA DIENST*

6. März 1957

Die Vereinigten Staaten sähen es daher gerne, daß, sobald dies
irgend durchführbar erscheint, eine endgültige Regelung des PalästinaProblems vorgenommen wird - nämlich die Schaffung eines Friedens, wie
er in den Waffenstillstandsabkommen vorgesehen ist. In realistischer
Erkenntnis der Sachlage müssen wir uns mit der Tatsache abfinden, daß
dies im Augenblick nicht zu erreichen ist. Daher ist es eine unserer
vernehmlichsten Aufgaben, in diesem Gebiet friedliche Verhältnisse und
Ruhe zu schaffen, indem wir jede Art der Aggression verhindern. Wenn
auch im gegenwärtigen Zeitpunkt eine endgültige Regelung durch einen
formellen Friedensvertrag nicht zu erreichen ist, so sind wir doch
der Ansicht, daß wir uns mit allen Kräften bemühen sollten, Ruhe und
Sicherheit in diesem Gebiet herzustellen, um eine möglichst baldige
friedliche Regelung vorzubereiten; in der Zwischenzeit haben sowohl
Israel als auch Ägypten ihren internationalen Verpflichtungen strikt
nachzukommen.
Sofern nach dem Abzug der israelischen Streitkräfte erneut Feindseligkeiten aufflammen sollten oder eine der beiden Parteien ihre internationalen Verpflichtungen einschließlich des Waffenstillstandsabkommens verletzen sollte, so müßten die Vereinten Nationen sich
mit der dadurch entstandenen neuen Situation befassen. Die Vereinigten
Staaten würden sich mit anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen
dahingehend beraten, welche geeigneten Maßnahmen sie oder die Vereinten Nationen ergreifen könnten, um Frieden und harmonische Verhältnisse in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit
und des internationalen Rechts wiederherzustellen.
In derartig schwierigen Fragen haben die Vereinten Nationen
die in unserer Charta niedergelegte fundamentale Verpflichtung, Aggressionsakte aller Art oder andere Verstöße gegen den Frieden im Keime
zu ersticken, um auf friedlichem Wege und in Übereinstimmung mit den
Grundsätzen der Gerechtigkeit und des internationalen Rechts Streitigkeiten zwischen verschiedenen Ländern und alles, was zum Bruch des
Friedens führen könnte, beizulegen und wieder einzurenken. Wir wissen
auch, daß nach Artikel 2 der Charta die Mitgliedstaaten, sofern sie
in den Genuß der ihnen aus der Mitgliedschaft erwachsenden Rechte und
Vorteile gelangen wollen, nach bestem Wissen und Gewissen die ihnen
durch die Charta auferlegten Verpflichtungen erfüllen müssen, und daß
zu diesen Verpflichtungen auch die friedliche Beilegung etwaiger Streitigkeiten untereinander gehört, und daß sie von jeder gewaltsamen
Verletzung der territorialen Integrität anderer Staaten Abstand zu
nehmen haben.
Wir stehen heute an einem Wendepunkt in den langjährigen Bemühungen der Vereinten Nationen, in diesem unruhvollen Gebiet in Nahost Ruhe
und Ordnung zu schaffen. Wir haben soeben alle Israels Erklärung zur
Kenntnis genommen, daß es der Aufforderung der Generalversammlung
zum Abzug seiner Truppen Folge leisten wird. Nunmehr obliegt es allen
Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen, und insbesondere den unmittelbar betroffenen, sich uneingeschränkt an der Durchführung der vom Generalsekretär in seinem Bericht vom 24. Januar vorgeschlagenen und
von der Generalversammlung am 2. Februar gebilligten Maßnahmen zu beteiligen.
Erlauben

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"AMERIKA DIENST"

6. März 1957

Erlauben Sie mir auch darauf hinzuweisen, daß Ägypten in diesen
aufreibenden Wochen eine vorbildliche Geduld in der Behandlung der
Streitfragen an den Tag gelegt hat, denen wir uns heute gegenübersehen.
Wir vertrauen darauf, daß Ägypten auch in Zukunft in diesem Geiste handeln wird.
Desgleichen geben die Vereinigten Staaten ihrer aufrichtigen
Hochachtung für die unermüdlichen Bemühungen des Generalsekretärs
und seiner unmittelbaren Mitarbeiter zur Erreichung der in den Entschließungen der Generalversammlung formulierten Ziele Ausdruck.
Unsere Organisation hat das große Glück', an ihrer Spitze einen
Staatsmann und Diplomaten zu haben, der seine große Tatkraft und seine
ganze Klugheit tagaus tagein in den Dienst des Friedens stellt.
Aber Mr. Hammarskjoeld wird noch größere Aufgaben zu bewältigen
haben. Doch sind wir dessen gewiß, daß seine Weisheit und seine Geduld
uns auch in Zukunft helfen werden.
Wenn wir guten Willens und entschlossen sind, den in der Charta
der UN niedergelegten Zielen zu dienen, dann können wir auf dem Wege
zu einer friedlicheren, reicheren und glücklicheren Welt bedeutsame
Fortschritte machen.

* * * * *

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Allg./6.3.1957
GEMEINSAME ANSTRENGUNGEN ZUM WOHLE ALLER

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der Unterstaatssekretär für Fernost-Angelegenheiten im
US-Außenministerium, Walter S. Robertson, anlässlich einer Konferenz der Colombo-Plan-Staaten
ten gehalten hat.
Es ist mir eine Ehre und eine Freude, heute unter Ihnen weilen
zu können. Eine Ehre deshalb, weil meine Regierung stolz darauf ist,
mit dem Colombo-Plan schon seit den ersten Phasen des Aufbaus verbunden zu sein. Und ich freue mich, die Freunde wiederzusehen, die
ich und die übrigen Mitglieder meiner Delegation durch diese Verbindung nun schon seit geraumer Zeit Freunde nennen können.
Der Colombo-Plan ist eine bemerkenswerte Einrichtung. Seine Lebenskraft und Stärke ergeben sich, so glaube ich, aus der Einzigartigkeit des Zieles, das er verfolgt. Jedes Jahr kommen wir zusammen,
um miteinander zu beraten, Erfahrungen auszutauschen und Fortschritte
zu untersuchen, die in den dazwischenliegenden Monaten gemacht worden
sind.
Unsere Tagesordnung ist einfach und nicht mit Einzelproblemen
überlastet. Uns obliegen keine politischen oder militärischen Aufgaben in dieser unruhigen Zeit. Was uns zu enger Partnerschaft verbindet, ist die Tatsache, daß wir uns zum Ziele gesetzt haben, dem wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt den Weg zu ebnen und in den
betreffenden Ländern einen höheren Lebensstandard zu erreichen.
Sie alle sind sich der Probleme bewußt, denen wir uns gegenübersehen. Ich werde nicht versuchen, die Probleme hier im einzelnen
darzulegen. Ich.möchte vielmehr gemeinsam mit Ihnen die geistige
Einstellung und die Ideen meines Landes erörtern, die es für diese
Konferenz und für diese Partnerschaft mitbringt.
Präsident Eisenhower brachte im März vergangenen Jahres in seiner Kongreßbotschaft über die amerikanische Auslandshilfe deutlich
zum Ausdruck, wie sehr er sich diesem Programm verpflichtet fühlt;
er sagte damals wörtlich:

"Einer
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

6. März 1957

"Einer noch weniger fortgeschrittenen Nation bei ihren ersten
Bemühungen um den Aufbau einer Wirtschaft zu helfen, die Freiheit
und Unabhängigkeit zu erhalten und eine Gelegenheit zu bieten, den
Lebensstandard zu erhöhen, kann für unser Land die Aufschiebung wünschenswerter Projekte bedeuten. Wir müssen auch weiterhin zu solchen
Opfern bereit sein, denn was wir dafür im Interesse des Friedens gewinnen, ist den Preis wert."
Das amerikanische Hilfeprogramm für das laufende Haushaltsjahr
beläuft sich auf annähernd eindreiviertel Milliarden Dollar. Von diesen
1,75 Milliarden gehen etwa zwei Drittel nach Asien. Diese Tatsache gibt
ebenso wie auch die Jahresberichte des Colombo-Plans seit seiner Gründung bis auf den heutigen Tag Zeugnis davon, daß die Stärkung der
Wirtschaft in Asien eines der Hauptziele der amerikanischen Politik
geworden ist. Außenminister Dulles hat nur den Gedanken und dem Verantwortungsbewußtsein aller Ausdruck gegeben, wenn er sagte:
"Die Zeit ist vorbei, in der die Völker Asiens eine Führung
dulden, die sie wirtschaftlich und sozial auf dem toten Punkt hält
und bei der jede Generation auf dem Existenzminimum ein kümmerliches
Dasein fristet, ein Dasein, in dem die Lebenserwartung niedrig ist
und in dem die nächste Generation nichts Besseres zu erwarten hat."
Unser eigener Wunsch, diese Lebensaussichten zu verbessern, hat
seinen Ursprung in einer der am tiefsten verwurzelten amerikanischen
Traditionen. Wir sehen in den Bestrebungen vieler asiatischer Völker
ein Spiegelbild unserer eigenen Hoffnungen und unserer eigenen Geschichte. Wir erkennen in ihren Problemen viele der gleichen Probleme
wieder, vor die wir uns selbst gestellt sahen und die wir in der Zeit
unserer Gründerväter und des Ringens um den Aufbau einer neuen Republik
überwunden haben.
Auch auf wirtschaftlichem Gebiet gibt es da eine Verbindung zu
der Vergangenheit unseres Volkes. Für lange Zeit in unserer Geschichte
hatten wir, ebenso wie die Länder Asiens, eine Wirtschaft, deren Hauptaufgabe in der Produktion von Nahrungsmitteln für den Verbrauch im
eigenen Land und im Export von Rohstoffen für die Industrieländer der
übrigen Welt bestand. Es gibt heute noch viele Amerikaner, die sich
sehr wohl an diese Epoche in unserer Geschichte erinnern können. So
ist es auch verständlich, weshalb Amerikaner fasziniert von der Aussicht für die Völker Asiens sind, die jetzt versuchen, für sich ein
besseres und lohnenderes Leben zu schaffen, wie auch wir uns darum
gemüht haben und noch immer mühen. Die Völker Asiens werden von den
gleichen Grundsätzen geleitet - mögen sie sich auch dem Wortlaut nach
in den verschiedenen Sprachen unterscheiden -, nämlich "Leben, Freiheit
und Streben nach Glück" - die das Fundament unserer Unabhängigkeit sind.
Wir erkennen gemeinsam die über allem stehende Würde und den Wert
des Individuums an, und wir sind bestrebt, ihm dabei zu helfen, diese
ihm von Gott gegebenen Rechte zu erlangen und zu erhalten.
Wir

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

6. März 1957

Wir sehen ferner in den Bestrebungen der asiatischen Völker zur
Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage das Anbrechen eines neuen
Tages für alle Völker; denn wir wissen sehr wohl, daß eine stetig
wachsende Wirtschaft in einem Teil der Welt eine entsprechende Ausweitung in der übrigen Welt verlangt.
Oft wird die Frage gestellt: Welchen zwingenden Grund hat die
Regierung der Vereinigten Staaten, den Ländern Asiens wirtschaftliche
Hilfe anzubieten? Hierzu ist grundsätzlich folgendes zu sagen:
Bei der Durchführung unserer Programme setzen wir uns manchmal
Mißverständnissen aus. Im besonderen übt man manchmal an uns Kritik
für etwas, was als unnötige Komplizierung und Schwerfälligkeit in den
angewandten Verfahren betrachtet wird. Es heißt, diese Verfahren führten nicht nur zu Verzögerungen in der Durchführung, sondern könnten hie
und da sogar in die inneren Angelegenheiten des betreffenden Landes
eingreifen.
Manchmal werden diese Verfahren als "Gängelband" bezeichnet. Es
wäre viel einfacher für die betreffenden Regierungen, von allen Formularen und Berichten befreit zu werden. Aber es gehört nun einmal zu
den Aufgaben einer repräsentativen Demokratie, daß die Regierung für
die staatlichen Ausgaben verantwortlich zeichnet.
Das amerikanische Volk ist an den Ergebnissen dieser Programme
sehr interessiert. Eine Million Dollar mag in einer Zeit, in der Milliardenbeträge ausgegeben werden, eine verhältnismäßig kleine Summe sein.
Aber eine Million Dollar bedeutet eine Collegeausbildung für mehrere
Hundert Amerikaner oder die Anschaffung von Traktoren für 500 amerikanische Farmer. Die amerikanischen Bürger, die diese Million Dollar in
Form von Steuern aufbringen, bestehen darauf, daß die Verwendung dieser
Million Dollar für die vorgesehenen Zwecke gewährleistet wird. Dieser
Umstand macht die Verfahren erforderlich, die manchmal so kompliziert
erscheinen. Sie sind notwendig, um unseren Kongreß voll und ganz über
die Verwendung der von ihm bewilligten Gelder zu informieren.
Totalitäre Regierungen kümmern sich nicht um dieses Problem. Sie
haben ihrem Volk für keine ihrer Handlungen Rechenschaft abzulegen aus
dem einfachen Grund, weil ihr Volk nicht das geringste Mitspracherecht
besitzt.
Wir sind bemüht, unsere Verfahren zu vereinfachen und dennoch den
Forderungen des Kongresses nach allen wichtigen Informationen, die ihm
im Zusammenhang mit diesen Programmen zustehen, gerecht zu werden. Wir
wissen sehr wohl, daß ein Auslandshilfeprogramm, das zu Ressentiments
führt, falsch ist, gleichgültig, was damit sonst erreicht werden mag.
Lassen Sie mich dies noch etwas anders formulieren.
Die Art des Einvernehmens zwischen Asien und dem Westen, das ich
meine, umfaßt ganz speziell die Erkenntnis unsererseits, daß wir in
bezug auf irgendein Land gar nichtBanderes tun können als daß das, was

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

6. März 1957

was wir zu tun versuchen, im Sinne der Bevölkerung des betreffenden
Landes liegt. Nur die Asiaten selbst können bestimmen, welche Art
Hilfe sie von uns und den anderen Nationen wünschen, deren Vertreter
hier an diesem Tisch sitzen. Nur die Asiaten selbst können uns in
die Lage versetzen, mehr Verständnis für ihre Erfordernisse aufzubringen.
Andererseits hoffen wir, daß auch die Asiaten unsere Absichten
und Motive verstehen. Wir erwarten nicht, daß alle unsere Freunde mit
uns einer Meinung sind, aber wir Amerikaner hoffen zutiefst, daß man
uns versteht.
Dies gilt für die Gemeinschaft ebenso wie für den einzelnen. Soll
der elementare Wunsch eines Menschen von seinen Mitmenschen verstanden
werden, dann gilt dies gewiß auch für ganze Nationen, die weiter nichts
sind als die Summe der Einzelmenschen, die ihnen angehören.
Hierin unterscheiden wir uns in keiner Weise von anderen.
Aber da gib^t es ein weiteres Gebiet, auf dem die Bande, die die
hier anwesenden Nationen miteinander verknüpfen, sehr fest und stark
sind. Es ist dies unsere gemeinsame Liebe zur Freiheit für den einzelnen wie für die Nationen. Und, als Gegenstück zu dieser Liebe, ein
tiefverwurzelter und ewiger Haß gegen die Tyrannei in jeder Form.
Das eine steht fest, daß, solange es die Tyrannei und ihren Blutsbruder, den Krieg - oder die Drohung des Krieges - in der Welt gibt,
es keine echte Stabilität, keine Prosperität von Dauer geben kann.
Auch noch so sorgfältig ausgearbeitete kollektive Pläne für eine neue
Welt von Nationen, die in Frieden und Prosperität leben, die ihre Waren
und Dienstleistungen zum Wohle aller untereinander austauschen, sind
zum Scheitern verdammt, wenn nicht die Integrität und Unabhängigkeit
aller Nationen, ob große oder kleine, gewährleistet werden kann.
Gewiß sind wir uns alle darüber einig, daß die edlen Absichten
und friedlichen Ziele solcher kollektiver Anstrengungen, zu denen beispielsweise der Colombo-Plan gehört, scheitern müssen, wenn der Welt
nicht die Schrecken eines neuen Weltkrieges erspart bleiben. Die Anwesenheit eines jeden einzelnen von uns hier ist Beweis genug für unsere Überzeugung, daß der Krieg verhindert werden kann und muß. Selbst
wenn wir hinsichtlich der Wirksamkeit der Mittel nicht immer einer Meinung sind , so sind wir uns doch über das Ziel und im Glauben einig.
Und so kommen wir fast unweigerlich zu einem Thema, bei dem sich
die schlimmsten Befürchtungen der Menschheit mit ihren hochfliegendsten
Träumen vereinen. Es ist dies das Thema Atomkraft.
Auf der Konferenz der Colombo-Plan-Staaten in Singapur vor einem
Jahr machte die Delegation der Vereinigten Staaten den Vorschlag, daß
die asiatischen Länder sich gemeinsam darum bemühen, die Fachkräfte
heranzubilden, die, für die volle Ausschöpfung der Möglichkeiten einer
friedlichen Nutzung der Atomenergie unerlässlich sind. Meine Regierung

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6. März 1957

Regierung wies darauf hin, daß die Errichtung einer Zentralstelle für
Kernforschung und Ausbildung mit Förderung des Colombo-Plans ein logischer Anfang wäre. Die Vereinigten Staaten deuteten an, daß sie bereit wären, einen wesentlichen Beitrag zur Errichtung eines solchen Zentrums zu leisten.
Ich möchte nunmehr einen kurzen Fortschrittsbericht über die Maßnahmen geben, die im vergangenen Jahr' zur Förderung dieses Projekts
unternommen worden sind. Gleichzeitig möchte ich über weitere Maßnahmen sprechen, die eventuell unternommen werden, um es sobald wie nur
irgend möglich Wirklichkeit werden zu lassen.
Sie werden sich erinnern, welch freundliche Aufnahme dieser Vorschlag im vergangenen Jahr erfahren hat. Die erste Entscheidung, die
nach der Konferenz getroffen werden mußte, betraf den Ort, an dem dieses
Forschungszentrum errichtet werden sollte. Nachdem die Vereinigten Staaten hatten wissen lassen, daß ein solches Projekt ihr Interesse fände,
erklärte man sich von verschiedener Seite zur Aufnahme dieses Zentrums
bereit. Sie alle werden verstehen, wie schwierig es ist, hier die endgültige Wahl zu treffen. Nach sorgfältigem Abwägen aller Faktoren wurde
schließlich Manila, die Hauptstadt der Philippinen, gewählt.
Es gab noch viele Fragen, für die eine Antwort gefunden werden
mußte. Dazu gehörten auch die Art des ganzen Aufbaus einer solchen Institution, ihre Ziele und Erfordernisse, wenn sie den Bedürfnissen
dieses Raumes in zufriedenstellender Weise Rechnung tragen sollte.
Das Verfahren der Finanzierung und die Probleme, mit denen in den
Phasen der Gründung und des Aufbaus gerechnet werden mußte, machten
ebenfalls vordringliche Untersuchungen notwendig. Man war sich von Anfang an darüber klar, daß das Forschungszentrum Wegbereiter für die
Anwendung der Kernenergie bei der Lösung regionaler Probleme in Landwirtschaft, Medizin und Industrie sein müsse.
"Wenn eine solche Institution Lebenskraft haben und den Bedürfnissen der asiatischen Welt auf diesem neuen Gebiet gerecht werden
soll", so erklärte im vergangenen Jahr Mr. John Hollister, der Direktor de» US-Amtes für Internationale Zusammenarbeit, "dann muß sie fest
in den Interessen und in der Unterstützung Asiens verankert sein. Das
Forschungszentrum, so wie wir es uns vorstellen, würde für Studenten
aus diesem Räume errichtet, an ihm würden in der Hauptsache Wissenschaftler aus diesem Räume unter der Direktion einer Easiatischen Verwaltung und mit Unterstützung von Regierungen aus dem asiatischen Raum
arbeiten. Den asiatischen Mitgliedstaaten des Colombo-Planes würde es
obliegen, das Zentrum aufzubauen und zu unterhalten und den Arbeitsstab zu stellen. Die Früchte dieser Bemühungen würden ebenfalls Asien
zufallen."
Als bester Weg, über die erste Reaktion Asiens auf dieses Programm Klarheit zu gewinnen und den Umfang der damit verbundenen Probleme
abzuschätzen, schien uns eine Untersuchung an Ort und Stelle. Die Regierung der Vereinigten Staaten veranlaßte daher das Brookhaven National

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6. März 1957

National Laboratory, eine von neun bekannten amerikanischen Universitäten getragene nichtstaatliche Organisation, eine Gruppe führender
Kernwissenschaftler in die hier vertretenen asiatischen Länder zu entsenden. Ihre Aufgabe war es, mit einheimischen Wissenschaftlern und
Regierungsbeamten Fühlung zu nehmen und ein Gutachten über die Errichtung des geplanten Forschungszentrums auszuarbeiten.
Ein Bericht der Brookhaven-Gruppe ist inzwischen der amerikanischen
Regierung unterbreitet worden. Kopien davon sind nunmehr verfügbar und
wurden jeder Delegation zugeleitet.
Meine Regierung hofft, daß wir jetzt rasch zur Realisierung dieses
Planes schreiten können. Hinsichtlich der Bildung einer Arbeitsgruppe,
die die im Brookhaven-Bericht angeschnittenen Probleme erörtert und
allen beteiligten Regierungen besondere Empfehlungen zur Lösung dieser
Probleme unterbreitet, sind wir gerne bereit, in Konsultationen mit
jedem von Ihnen detailliertere Vorschläge zu machen.
Daß es noch eine Anzahl wichtiger Probleme gibt, für deren Lösung
Gruppe nempfehlungen erforderlich sind, ist aus dem Bericht klar ersichtlich.
In dem Bericht heißt es unter anderem wörtlich: "Um die gesteckten
Ziele erreichen zu können, muß das Forschungszentrum über bestqualifizierte Mitarbeiter der verschiedensten Fachrichtungen verfügen. Die
Verpflichtung qualifizierter Wissenschaftler wird eines der Hauptprobleme
sein, und es ist zu erwarten, daß der Mitarbeiterstab mit der Erweiterung des Programms wesentlich wächst. Wenn auch schließlich der wissenschaftliche Mitarbeiterstab sich aus den beteiligten asiatischen
Ländern rekrutieren soll, so wird man doch in der ersten Zeit auf Fachleute aus den westlichen Ländern zurückgreifen müssen.
Ein leistungsfähiges Forschungszentrum muß über Laboratorien und
Forschungseinrichtungen in den wichtigsten Wissenschaftszweigen ebenso
verfügen wie über allgemeine Einrichtungen der kernphysikalischen Forschung, beispielsweise über einen Forschungsreaktor, ein Strahlenlaboratorium, Strahlungsquellen und ein Isotopenlaboratorium, ferner über
umfangreiche Spezialanlagen für die angewandte Forschung in Medizin,
Landwirtschaft und Industrie.
Angesichts des überaus großen Mangels an geschultem Fachpersonal
muß ein Lehr- und Ausbildungsprogramm in Angriff genommen werden. In
den ersten Jahren würde das Schwergewicht auf die Ausbildung und die
unmittelbare Anwendung kernphysikalischer Verfahren zur Lösung regionaler Probleme gelegt werden. Es liegt der Plan für ein Studenten-Ausbildungsprogramm vor, mit dessen Durchführung unmittelbar nach Genehmigung des Forschungszentrums begonnen werden soll. Für eine Sonderausbildung der zur Mitarbeit vorgesehenen Wissenschaftler müßte ebenfalls
sobald wie möglich Sorge getragen werden.
Auf

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

6. März 1957

Auf dieser Grundlage", so heißt es abschließend in diesem Bericht,
"wird die Schaffung eines asiatischen Kernforschungszentrums als durchaus möglich erachtet. Ein solches Zentrum dürfte auch in hohem Maße
zur wissenschaftlichen und technischen Entwicklung in diesem Gebiet
beitragen."
Die Regierung der Vereinigten Staaten ist nach einer sorgfältigen
Untersuchung der finanziellen Implikationen des Brookhaven-Berichtes
bereit, etwa 20 Millionen Dollar für die Errichtung dieses Kernforschungszentrums zur Verfügung zu stellen. Diese Summe ist als Beitrag für die
Errichtung und den Betrieb der Anlagen in der Anlaufzeit gedacht. Dieser Beitrag wird unter der Voraussetzung gewährt, daß eine befriedigende Vereinbarung mit den übrigen Teilnehmerstaaten zustande kommt.
Der Bericht läßt auch erkennen, daß die Colombo-Plan-Staaten voraussichtlich auf Jahre hinaus nicht von sich aus in der Lage sind, die für
den Betrieb des Forschungszentrums benötigten wissenschaftlichen Fachleute und Verwaltungskräfte zu stellen. Deshalb, so wird in dem Bericht
gefolgert, müßten die Vereinigten Staaten bereit sein, dafür Sorge zu
tragen, daß die für die Besetzung der Spitzenpositionen benötigten Fachkräfte von außerasiatischen Ländern herangeholt werden. Besonders in
der Anfangsphase wird es von größter Bedeutung sein, ein erfolgreiches
und nutzbringendes Arbeiten des Forschungszentrums zu gewährleisten.
Meine Regierung, die während dieser Phase damit rechnet, einen erheblichen Beitrag in Form von Fachkräften, Geld, Material und technischem
Wissen leisten zu müssen, hat größtes Interesse daran, daß diese im
gemeinsamen Interesse so nutzbringend wie nur möglich eingesetzt werden.
Wir werden zur Lösung dieser Frage Vorschläge unterbreiten, die nach
unserer Ansicht alle Beteiligten zufriedenstellen, und wir werden sie
Ihren Regierungen zu gegebener Zeit zuleiten. Dann sind da weitere Fragen im Zusammenhang mit Personal, Finanzierung und Organisation, die
von gemeinsamem Interesse sind, über die aber unsere Meinungen noch
nicht in vollem Umfange festliegen. Überdies läßt die Vielschichtigkeit
dieser Angelegenheiten ratsam erscheinen, sie statt auf einer Konferenz
wie dieser im einzelnen zu erörtern.
Aus dem Studium des Brookhaven-Berichtes ergibt sich eindeutig,
daß dieses Projekt nur durch uneingeschränkt kooperative Maßnahmen
zu dem Erfolg gelangen kann, den es seiner Bedeutung nach erreichen
muß.
Meine Regierung ist überzeugt, daß dieser Gemeinschaftsplan für
die friedliche Nutzbarmachung der Kernenergie in Asien Möglichkeiten
ohne Grenzen eröffnet. Wir sehen in diesem ersten kernphysikalischen
Ausbildungszentrum in Asien einen Schrittmacher für Lehrstätten auf
dem Gebiet dieser technischen Wissenschaft, die von allen, die die
Menschheit bis jetzt kennt, am weitesten vorstößt und bisher bestehende
Grenzen einfach niederreißt.
Wenn das Forschungszentrum sein hohes Ziel zu erreichen vermag, wird
dies eine der wichtigsten Errungenschaften des Colombo-Plans überhaupt
sein. Kühn und konstruktiv wird es der Welt demonstrieren, aus welchem
Geist der Plan geboren wurde und seine wachsende Lebenskraft erhält:
den Geist des gemeinsamen Bemühens zum Wohl aller.
(Diese Rede wurde am 5« Dezember 195&amp; gehalten)
* * * * *

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DIE SEATO

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EIN BOLLWERK DER FREIEN WELT

CANBERRA - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der
amerikanische Außenminister, John Poster
Dulles, am 11.März 1957, anläßlich der Eröffnung der Tagung des SEATO-Rates in der
australischen Hauptstadt Canberra gehalten
hat.
Es ist mir eine große Genugtuung, daß ich heute zum dritten
Male als Vertreter der Vereinigten Staaten an einer Jahrestagung
des SEATO-Rates teilnehmen darf. Es ist durchaus angebracht, daß
wir uns hier versammeln, um uns Rechenschaft über unsere Stärke
im Bereich des Südostasien-Paktes zu geben, der von lebenswichtiger
Bedeutung für uns ist. Wir schätzen uns glücklich, daß diese Zusammenkunft in dem so gastfreundlichen Land Australien stattfindet.
Während der drei Jahre, die seit der Unterzeichnung unseres
Verteidigungsbündnisses verstrichen sind, hat sich die Südostasienpakt-Organisation als ein starkes Bollwerk erwiesen. Sie
hat in hohem Maße dezu beigetragen, daß alle Mitgliedstaaten
im wesentlichen in Frieden und Sicherheit leben konnten. Die
SEATO ist ein wirksames Instrument gegen Aggression und umstürzlerische Kräfte.
Diese Tatsache hat konstruktive Entwicklungen auf den verschiedensten Gebieten begünstigt. Die Verhältnisse im Bereich des
SEATO-Paktes haben sich, wie man überall sehen kann, sehr stabilisiert. Ein bemerkenswertes Beispiel hierfür ist die Einheit und
Stärke, die ein Land wie die Republik Vietnam entwickelt hat. Ein
ernstes Problem stellt aber nach wie vor Laos dar, wo der Weltkommunismus in Mißachtung des Genfer Waffenstillstandsabkommens
nach wie vor die aufrührerischen Kräfte des Pathet-Lao unterstützt.
Die Republik Korea, Japan und die Republik China liegen zwar
außerhalb des Vertragsgebietes, es besteht jedoch eine enge Bindung
zu ihnen insofern, als die Vereinigten Staaten Kollektivverteidigungsverträge mit diesen anderen freien Nationen Asiens geschlossen haben.
Deshalb sei hier die Feststellung erlaubt, daß auch diese drei freien
Staaten zunehmend an Stärke gewinnen.
Der
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"AMERIKA DIENST"

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195?

Der politische Fortschritt im Bereich des SEATO-Paktes läßt
sich auch an der Tatsache ablesen, daß der Malaiische Staatenbund
bald seine völlige Unabhängigkeit erhalten wird. Bezüglich Singapur
sind gegenwärtig freundschaftliche und fruchtbringende Gespräche
im Gange.
In der Zeit des Bestehens der SEATO haben die freien Staaten in
diesem Gebiet ordnungsgemäße Wahlen auf Landesebene durchgeführt} es
war ihnen auch möglich, ihre Vorstellungen vom allgemeinen Wahlrecht
und von freien Wahlen in die Tat umzusetzen. Sämtliche Mitgliedstaaten
konnten erhebliche Fortschritte auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet erzielen.
Ein lebhafter Austausch offizieller Besuche zwischen den freien
asiatischen Staaten hat mit dazu beigetragen, daß neue Bande der
Freundschaft und des gegenseitigen Verständnisses geknüpft werden konnten. Ein nützlicher Austausch fand auch zwischen den freien asiatischen
Völkern und dem Westen statt. Erst kürzlich hatte ich das Vergnügen,
in meinen Diensträumen den tausendsten thailändischen Besucher zu
empfangen, der im Rahmen des technischen Ausbildungsprogrammes des
Amtes für internationale Zusammenarbeit (iCA) nach den Vereinigten
Staaten gekommen war.
Durch einen solchen Austausch zwischen den Ländern lernt das
amerikanische Volk die alte Kultur und die derzeitigen Aspirationen
der freien asiatischen Völker kennen. Ich hoffe, daß diese Menschen
umgekehrt auch wertvolles Wissen sammeln, das ihnen sowohl in ihrer
persönlichen Laufbahn zugute kommen als auch zum Glück und zur Wohlfahrt
ihrer Völker beitragen wird.
Die Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und ihren
asiatischen Bündnispartnern wird auch weiterhin über bilaterale Abmachungen über wirtschaftliche Hilfe, technische Unterstützung und
einen Kulturaustausch fortgeführt. Hierzu rechnet auch das von uns
kürzlich in Angriff genommene Programm der SEATO-Kulturbeihilfen.
Von großem Nutzen sind auch unsere Teilnahme am Colombo-Plan und
der UN-Wirtschaftskommission für Asien und den Fernen Osten (ECAFE)
sowie unsere zweiseitigen Abkommen über den Austausch von Informationen und Materialien im Zusammenhang mit den Bemühungen um die friedliche Nutzung der Atomenergie.
Die Colombo-Plan-Staaten prüfen gegenwärtig die Pläne für die
Errichtung eines asiatischen Atomforschungszentrums in Manila, für
das die Vereinigten Staaten die Bereitstellung erheblicher technischer und finanzieller Hilfe zugesichert haben. Unsere gegenseitigen
Sicherheitspakte, zu denen auch der SEATO-Pakt gehört, sind weitere
Manifestationen derselben Absichten. Niemand, weder Freund noch
Feind, sollte daran zweifeln, daß sich das amerikanische Volk in
dem Entschluß einig ist, den aus diesen Verträgen erwachsenden Verpflich
tungen voll nachzukommen und daß entsprechende Machtmittel - an geeigneter Stelle postiert - hinter dieser Entschlossenheit stehen.
Wir
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�"AMERIKA DIENST"

15. M ärz 1957

Wir müssen aber unseren Blick noch über die Grenzen des Bereichs des
SEATO-Paktes hinaus schweifen lassen. Die Ereignisse in anderen Teilen
der Welt verliefen dramatisch und sind sehr lehrreich. Seit wir zum
letzten Mal zusammengekommen sind, wurde uns mit einer jeden Zweifel
ausschließenden Deutlichkeit demonstriert, daß die materialistische
Herrschaft des Kommunismus niemals die Ziele und Wünsche zu erfüllen
vermag, mit denen der Mensch von seinem Schöpfer ausgestattet worden
ist.
Die Machthaber in der Sowjetunion mußten dem Kommunismus Stalinscher Prägung abschwören. Sie sahen sich sogar genötigt, ihrem Volk,
wenn auch langsam, mehr persönliche Sicherheit, größere Gedanken- und
Gewissensfreiheit und einen höheren Anteil an den Früchten seiner
Arbeit zuzugestehen.
In Polen und Ungarn reichten 12 Jahre der geistigen Durchdringung
nicht aus, die Jugend glauben zu machen, daß das sowjetische System
ihren nationalen oder individuellen Wünschen entspreche. Im gesamten
Gebiet der Satellitenstaaten regt sich der Widerstand gegen den brutalen Kolonialimperialismus und die Ausbeutungspolitik der Sowjets.
Wir können daraus mit Sicherheit schließen, daß es sich beim
internationalen Kommunismus, dem gegenwärtig viele Völker Asiens
unterworfen sind, um eine vorübergehende und nicht um eine ständige
Erscheinung handelt. Auf der anderen Seite haben die Entwicklungen in
anderen Teilen der Welt einen Charakter angenommen, der es uns geraten
scheinen läßt, weiter auf der Hut zu bleiben. Als es den in Ungarn
stehenden Einheiten der Roten Armee nicht gelang, den Volksfiufstand
zu unterbinden, fielen sowjetische Divisionen einfach in das Land ein
und brachen jeden Widerstand. Unter dem Schutz von Panzern metzelten
sie das ungarische Volk brutal nieder, das seinem Verlangen nach Freiheit Ausdruck gegeben hatte.
Dieses Vorgehen der sowjetischen Machthaber erfolgte im Widerspruch zu den wiederholten Aufforderungen der Vereinten Nationen, sich
eines bewaffneten Angriffs gegen einen Mitgliedstaat zu enthalten.
In Verletzung der Charta der Vereinten Nationen haben die
sowjetischen Machthaber ständig versucht, im Nahen Osten Unruhe
zu stiften. Wenn immer es den Anschein hatte, daß sich die in diesem
Gebiet bestehenden-Schwierigkeiten auf friedlichem Wege würden lösen
lassen, haben sich die Sowjets eingemischt und durch eine hinterhältige Propaganda und große Waffenlieferungen versucht, die Völker
dieser Gebiete aufeinander zu hetzen. Diese Handlungen stehen ebenfalls im klaren Widerspruch zu den von ihnen eingegangenen Verpflichtungen, sich um eine Regelung internationaler Strei4
auf friedlichem Wege und in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit
und des Völkerrechts zu bemühen.
Wir müssen uns ein für allemal darüber klar sein, daß der WeltKommunismus keine Rücksicht auf Legalität oder Humanität oder auf die
moralischen Kräfte der Weltmeinung nimmt, wie sie in der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Ausdruck kommen. Aus diesen Gründen ist er bestenfalls nur eine vorübergehende, wenn auch schmerzliche
Episode in der Geschichte der Menschheit.
Die

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�"AMERIKA DIENST"

13• März 1957

Die offene Unterstützung, die Rotchina dem sowjetischen
Kolonialismus und Imperialismus gewährt und die Art, wie dieses
Land die sowjetische Herausforderung gegenüber den Vereinten
Nationen unterstützt, wirken sich für alle freien Nationen unheilvoll aus. Diese Politik ist eine ernste Warnung für uns und
zeigt den wahren Charakter des rotchinesischen Regimes.
Diese Politik unterstreicht auch, welch bleibende Bedeutung
der militärischen Seite der SEATO - der Arbeit unserer Militärberater und unseren gemeinsamen militärischen Planungen -, zukommt.
Diese haben sich insgesamt als sehr wirksam erwiesen.
Vor einem Jahr habe ich in Karatschi erklärt, daß die Erfolge
unserer Handelspolitik und unserer wirtschaftlichen uni kulturellen
Austauschprogramme Nachahmer finden würden. Diese Nachahmer, so
sagte ich, würden solche Programme für völlig andere Zwecke verwenden. Unsere Absicht ist, diese freien Völker im Aufbau zu unterstützen. Ihr Ziel dagegen ist die Vernichtung der Freiheit und
Unabhängigkeit der Völker.
Ich habe ferner vorausgesagt, daß die führenden Persönlichkeiten der freien asiatischen Länder, die bei der Gewinnung der Unabhängigkeit ihrer Länder so hohe politische Fähigkeiten entwickelt haben, ohne Schwierigkeit zwischen Freiheit und Unterdrückung zu unterscheiden vermögen. Sie würden die Unterdrücker
erkennen, selbst wenn sie sich in den gestohlenen Mantel der
Freiheit hüllen.
Ich glaube nicht, daß sich auch nur einer der Führer Asiens
hat täuschen lassen. Einige unter ihnen mögen sich nicht voll und
ganz der Gefahr bewußt sein, die ihnen von den zahlreichen dunklen
Kräften droht, deren sich die kommunistischen Verschwörer aus alter
Tradition zu bedienen pflegen.
Loch liegen bereits Beweise dafür vor, daß die Regierungen verschiedener freier Länder Asiens Maßnahmen ergreifen werden, um der
kommunistischen Durchsetzung der Schulen, der Gewerkschaften und
der Minderheiten zu begegnen. Damit ist ein hoffnungsvoller Anfang
gemacht, um einer großangelegten und ständig wachsenden Gefahr entgegenzutreten.
Wir als Mitglieder der SEATO können, wenn wir mit gutem Beispiel vorangehen, über die gefährdeten Gebiete hinaus unsern Einfluß erweitern. Zuerst jedoch wollen wir einmal unser eigenes
Haus in Ordnung bringen. Wir wollen den Köder der Kommunisten
nicht schlucken und nicht in die Falle gehen, die sie uns mit
Handels- und Hilfsangeboten stellen. Lassen Sie uns gemeinsam
die kommunistische Technik der Unterminierung klar anprangern.
Lassen Sie uns gemeinsam auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet
fortschreiten. Lassen Sie uns unser Erziehungswesen ausbauen.
Lassen Sie uns unsere Minderheiten gerecht behandeln und ihnen
Schutz gewähren. Lassen Sie uns tüchtige Gewerkschaftsführer ausbilden. Auf solche Weise können wir viel tun, um anderen freien
Nationen zu beweisen, wie sich die traditionellen Kanäle kommunistischer Infiltration wirksam verstopfen lassen.
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�"AMERIKA DIENST"

13. März 1957

Von den verschiedenen Ausschüssen der SEATO sind großangelegte
Planungen durchgeführt worden, um ihre Mitgliedstaaten bei der
Erreichung dieses Zieles zu unterstützen. Ich beglückwünsche all
diejenigen, die dabei mitgeholfen haben, den Grundstein für diese
Aktivität der SEATO sowie die Zusammenarbeit auf zahlreichen anderen Gebieten zu legen. In den kommenden Monaten und Jahren werden
wir diese Pläne verwirklichen und erweitern müssen. Ich bin überzeugt, daß wir durch diese Konferenz hier in Canberra einen großen
Beitrag zur Verwirklichung dieser Zielsetzungen leisten werden.

* * * * *

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A1U./13.5.19-57

DULLES:

USA HALTEN AN BISHERIGER CHINA-POLITIK FEST

CANBERRA - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Erklärung des US-Außenministers John Foster Dulles vom 12.März 1957
auf der SEATO-Konferenz in Canberra zur amerikanischen Chinapolitik.

"Die Vereinigten Staaten halten weiterhin entschlossen an den
drei Hauptaspekten ihrer China-Politik fest, das heißt, sie erkennen die Republik China an, sie erkennen die sogenannte Volksrepublik China nicht an, und sie widersetzen sich der Aufnahme
dieser 'Volksrepublik' in die Vereinten Nationen als akkreditierten Repräsentant der - wie es in der Charta heißt - 'Republik
China'.
Diese Politik ist nicht allein ein Ausdruck der gefühlsmäßigen Abneigung gegenüber dem chinesischen Kommunismus; obwohl das Credo und die Praktiken der chinesischen Kommunisten
uns in der Tat widerwärtig sind.
Auch will unsere Politik nicht lediglich eine gefühlsmäßige Loyalität gegenüber der Republik China zum Ausdruck
bringen; obwohl wir gegenüber einer Regierung, die sich selbst
in den dunkelsten Tagen des zweiten Weltkrieges der Sache der
Alliierten gegenüber treu verhielt, eine Loyalität empfinden.
Unsere Politik wird in erster Linie durch Erwägungen von
nationalem und, wie wir glauben, von internationalem Interesse
bestimmt.
In erster Linie stellen wir uns die Frage: Wird den Interesse© der Vereinigten Staaten durch diplomatische Anerkennung
des kommunistischen Regimes in China gedient? Die Antwort hierauf
ist unserer Ansicht nach eindeutig negativ.
Die diplomatische Anerkennung: des kommunistischen Regimes
in China durch die Vereinigten Staaten würde keinen nationalen
Zwecken dienen, jedoch die gegen uns und unsere Verbündeten gerichteten feindseligen Einflüsse stärken und ermutigen sowie
weiter Länder gefährden, deren Unabhängigkeit in Beziehung zu
unserem eigenen Frieden ufid unserer eigenen Sicherheit steht.

In

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�"AMERIKA DIENST"

13. März 1957

In diesem Zusammenhang weisen wir darauf hin, daß Millionen
von ausgewanderten Chinesen aus allen Schichten der Bevölkerung
in den freien asiatischen Ländern leben. Auch heute noch stehen
viele, vielleicht sogar die meisten von ihnen, der Republik China
loyal gegenüber, die gegenwärtig ihren Sitz auf Pormosa hat und das
China symbolisiert, das sie kennen. Wir können nur Nachteile und
keinen Gewinn in Maßnahmen sehen, die diese im Ausland lebenden
Chinesen geneigter machen würden, der subversiven Politik des
kommunistischen Regimes in China zu dienen.
Wenn wir diese Frage vom Standpunkt der Vereinten Nationen
aus untersuchen, so kommen wir zu einem ähnlichen Schluß. Die
Vereinten Nationen würden nicht gestärkt werden, wenn die Kommunisten China dort repräsentieren würden, und wir können nicht einsehen, daß sie irgendein Recht hierzu haben.
Die UN-Charta will, daß sich die Mitglieder nur aus friedliebenden Regierungen zusammensetzen, die in der Lage und gewillt sind,
ihre unter der Charta übernommenen Verpflichtungen durchzuführen.
Es liegen keine Anzeichen .dafür vor, daß das chinesische kommunistische Regime China in einem Geiste vertreten würde, wie ihn die
Charta fordert.
Die chinesischen Kommunisten haben die Vereinten Nationen in
Korea bekämpft und stehen immer noch als Aggressor gegen die Vereinten Nationen verurteilt da. Sie haben Tibet mit Gewalt besetzt.
Sie haben den Krieg in Indochina gefördert. Sie haben sich geweigert, in bezug auf Formosa und die Pescadores jeglicher Zufluchtnahme zu einem Krieg als Instrument ihrer Politik zu entsagen.
Ihr Verhalten gegenüber anderen Nationen und deren Bürgern weist
nicht die Toleranz und die gutnachbarlichen Beziehungen auf, die
von Mitgliedern der Vereinten Nationen erwartet werden.
Wenn es dem kommunistischen Regime erlaubt würde, die Republik China in den Vereinten Nationen zu vertreten, so würde es
wahrscheinlich auch als Ständiges Mitglied und mit Vetorecht ausgestattet einen Sitz im Weltsicherheitsrat erhalten. Dieser
Sicherheitsrat ist das Gremium, dem die Charta die Hauptverantwortung
für die Erhaltung von Frieden und Sicherheit im Einklang mit den
Prinzipien der Gerechtigkeit und des Völkerrechts übertragen hat.
Es würde grotesk sein, wenn diese hohe Verantwortung einem Regime
übertragen würde, das selbst als bewaffneter Aggressor gegen die
Vereinten Nationen verurteilt dasteht und das selbst am stärksten
gegen die Gerechtigkeit und das Völkerrecht verstoßen hat.
Die Vereinten Nationen sehen sich einer immer größer werdenden Verantwortung gegenüber. Wir können uns nicht sträflicher
dieser Verantwortung entziehen, als daß wir den chinesischen Kommunisten eine Gelegenheit einräumen, dort Unheil anzustellen.
Wir glauben, daß diese Politik der Vereinigten Staaten nicht nur
in unserem eigenen Interesse und im Interesse der freien Welt, sondern
daß sie auch im Interesse des chinesischen Volkes selbst ist, zu dem
das amerikanische Volk historische Bande der Freundschaft hat."
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1) I

K N

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Allg./15.3.57

KOMMUNIQUE DER SEATO-RAT-TAGUNG IN CANBERRA

CANBERRA - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut des Kommuniques über die
dritte Jahrestagung des Rates der SüdostasienOrganisation (SEATO), das am 13.März 1957 in
der australischen Hauptstadt Canberra veröffentlicht wurde.

Die Pläne zur Konsolidierung und weiteren Beschleunigung des
Portschrittes, der in der Wahrung der Freiheit aller Länder in Südostasien erzielt worden ist, wurden vom Rat der Südostasien-Organisation (SEATO) auf seiner dritten Tagung gebilligt, auf der
R.G. Casey, der Außenminister Australiens, den Vorsitz führte.
Diese Pläne sehen vorl
Die Aufrechterhaltung der Verteidigungskapazität der Mitgliedstaaten des Vertrages, um einer bewaffneten Aggression wirksam entgegentreten zu können.
Die Ausweitung der Bestrebungen, jede von außen gelenkte umstürzlerische Tätigkeit aufzudecken, in ihrem gesamten Ausmaß zu
erkennen, bloßzustellen und zu bekämpfen.
Die Entwicklung der wirtschaftlichen Hilfsquellen der Signatarmächte, insbesondere der asiatischen Mitgliedstaaten, durch
Maßnahmen innerhalb und außerhalb der SEATO.
Verteidigungspläne - Die Minister sind der Auffassung, daß
die Kräfte des Weltkommunismus nach wie vor auf ihr eigentliches
Ziel der Weltherrschaft hinarbeiten, auch wenn die unmittelbare Bedrohung des Friedens in Südostasien geringer geworden ist.
Der
Asien in
ist. Die
vietnams

Rat stellte fest, daß die sogenannte Friedensfront in
Wirklichkeit eine Front von Millionen bewaffneter Männer
militärische Stärke des kommunistischen Chinas und Nordwird fortlaufend erhöht.

Unter den gegebenen Umständen kam der Rat überein, daß die
SEATO nicht in ihrer Wachsamkeit nachlassen dürfe und ihre Kapazität zur Abschreckung vor einer Aggression und zu ihrer Abweisung
beibehalten müsse. Angesichts der Bedrohung, die ihrerseits nicht
statisch ist, mehren die SEATO-Mitgliedstaaten durch gemeinsame
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�AMERIKA DIENST"

13. März 1957

gemeinsame Anstrengungen fortlaufend und in Anpassung an die jeweiligen Umstände ihre Kapazität, um ihrer Herr zu werden. Wenn
sich die Kommunisten nunmehr aus taktischen Erwägungen heraus
dazu entschlossen haben, ihren Druck im gegenwärtigen Zeitpunkt
durch andere als militärische Mittel zur Geltung zu bringen, so
bedeutet das nicht, daß sie nicht versuchen werden, jede Schwäche in
der militärischen Bereitschaft der SEATO für sich auszubeuten, sofern sich ihnen eine Gelegenheit hierzu bieten sollte.
Als Ergebnis der Arbeit der militärischen Berater im Verlaufe
des vergangenen Jahres sind die SEATO-Regierungen einer Meinung
hinsichtlich der Natur der kommunistischen Drohung in dem von dem
Vertrag erfaßten Raum sowie der Art der militärischen Maßnahmen,
die zu seiner Verteidigung erforderlich wären.
Die militärische Planung ist ein kontinuierlicher Prozeß und
wird durch die Errichtung eines ständigen militärischen Planungsamtes in Bangkok, in dessen Stab alle Mitgliedstaaten vertreten sind,
unterstützt.
Die enge Zusammenarbeit zwischen den Streitkräften der Mitgliedstaaten wird durch Ausbildungsübungen unter kriegsmäßigen Bedingungen gefördert, die von den militärischen Beratern der SEATO angesetzt werden.
Bekämpfung umstürzlerischer Tätigkeit - Der Rat ist der Ansicht,
daß die militärische Bedrohung des Raumes schon allein durch die
Existenz der SEATO und des kollektiven Verteidigungssystems, wie es
die Partnerstaaten der Organisation repräsentieren, in Schach gehalten wird. Das Schwergewicht kommunistischer und kommunistisch inspirierter Taktiken in dem betreffenden Gebiet muß sich deshalb weiterhin von offener Drohung mit Gewalt auf elastischere Taktiken der Infiltration ohne direkte Gewaltanwendung und der ünterminierung nichtkommunistischer Staaten verlagern, was in manchen Fällen mit bewaffneten Aufständen einhergeht.
Da der Rat der Auffassung ist, daß die Kenntnis dieser Tatsachen in der Öffentlichkeit - nämlich wie und wo der Tatbestand
umstürzlerischer Tätigkeit gegeben ist - eine wesentliche Voraussetzung für wirksame Gegenmaßnahmen darstellt, kam er überein, seine
zivile Organisation anzuweisen, die Arbeit hinsichtlich der Aufdeckung und Klarstellung aller Phasen umstürzlerischer Taktiken zu
intensivieren, die Ergebnisse dieser Arbeit den Mitgliedregierungen
bekanntzugeben und sie durch die öffentliche Meinung nachprüfen zu
lassen.
Damit hat der Rat ganz spezifische Projekte zur Entlarvung solcher Tätigkeit gutgeheißen. Das Unterlagenmaterial für diese Projekte
werden Analysen des Sachverständigenausschusses für Sicherheitsfragen
und Informationen bilden, die die Untersuchungszentrale der SEATO
sowie die Regierungen der Mitgliedstaaten zur Verfügung stellen.
Der Rat war sich bewußt, daß die Bekämpfung der Wühltätigkeit in
erster Linie Aufgabe jeder einzelnen Regierung ist, die dabei, wenn
nötig, von den befreundeten Staaten unterstützt wird. Die Arbeit der
SEATO kann aber in diesem Zusammenhang eine wichtige Ergänzung darstellen,
und Entscheidungen des Rates auf seiner gegenwärtigen Konferenz werden
diese Rolle noch wirksamer gestalten.
Wirtschaftlicher
.

9 m

�AMERIKA DIENST"

13- März 1957

Wirtschaftlicher und sozialer Fortschritt - Der Rat befaßte
sich mit den Maßnahmen auf wirtschaftlichem Gebiet gemäß Artikel 3
des Vertrages. Die Vertreter Pakistans, der Philippinen und Thailands verwiesen auf die wirtschaftlichen Probleme ihrer Länder,
die ein gemeinschaftliches Vorgehen mit anderen Mitgliedstaaten
erforderlich machen, und der Rat suchte zu ergründen, welche Maßnahmen am geeignetsten sind, um diese Probleme zu lösen.
Die Sachverständigen-Ausschüsse der SEATO haben spezifische
Maßnahmen vorgeschlagen, die geeignet erscheinen, die wirtschaftliche Belastung durch die Verteidigung zu verringern und zu einer
Fortsetzung der wirtschaftlichen Entwicklung hinter dem Schutzschild der SEATO beizutragen. Die Mitglieder des Rates erklärten
sich bereit, die Ausführung dieser Empfehlungen zu erwägen.
Der Rat nahm mit Befriedigung von dem Fortschritt Kenntnis,
der hinsichtlich der Entwicklung der Wirtschaft in den asiatischen
Mitgliedstaaten erzielt worden ist. Der Rat nahm ferner zur Kenntnis, daß eine Reihe von Ländern, insbesondere die Vereinigten Staaten,
auf der Basis der Zweiseitigkeit erhebliche Wirtschaftshilfe als
direkten Beitrag zur Erreichung der Vertragsziele gewähren. Über
diese bilateralen Programme hinaus wird Unterstützung in kleinerem
Maße auch unmittelbar im Rahmen der SEATO gewährt. So stellt beispielsweise die australische Regierung in diesem Rahmen 2 Millionen
Pfund Sterling zur Verfügung.
Der Rat entschied, daß die Förderung und Intensivierung des
kulturellen Lebens in den einzelnen Mitgliedataaten in die kulturellen Maßnahmen einzubeziehen seien. Er forderte die Regierungen
der Migliedstaaten auf, den zweiseitigen Kulturaustausch innerhalb
der SEATO-Gemeinschaft zu fördern.
Der Rat billigte darüber hinaus eine Reihe von Multilateralen
Vorhaben auf dem Gebiet der kulturellen Beziehungen.
Dies ist eine neue und vielversprechende Entwicklung, die den
Geist der Freundschaft stärken wird, der die Beziehungen zwischen
den 8 Mitgliedstaaten ohnehin kennzeichnet. Eines der wichtigsten
Kulturprogramme, desseO Inangriffnahme gebilligt wurde, ist die Errichtung eines SEATO-Stipendiums, durch das Wissenschaftler aus den
SEATO-Staaten angeregt werden sollen, sich in einem Fachstudium jene
Kenntnisse zu erwerben, die für die SEATO von besonderer Wichtigkeit
sind.
Ein weiteres wichtiges Vorhaben, das auf der Tagung gebilligt
wurde, ist die Einberufung einer Round-Table-Konferenz zur Erörterung
von zivilisatorischen und kulturellen Problemen Asiens, die in einem
der asiatischen Mitgliedstaatten stattfinden und mit hervorragenden
Experten beschickt werden soll.
Der

�'AMERIKA DIENST"

13. März 1957

Der Rat nahm ferner einen französischen Vorschlag an, demzufolge die zuständigen Organe der SEATO das Problem der Unterstützung des Erziehungswesens im Geltungsbereich des Vertrages
erörtern und Maßnahman empfehlen sollen, die auf diesem Gebiet
im Rahmen der SEATO getroffen werden können.
Ständige Organisation und Finanzierung - Der Rat erörterte
die Stärkung der ständigen zivilen Organisation in Bangkok und entschied1 sich schließlich dafür, einen Generalsekretär und einen stellvertretenden Generalsekretär zu ernennen. Er wies die Ministervertreter an, die Kompetenzen dieser Beamten und den Zeitpunkt ihrer
Ernennung zu bestimmen sowie Nominierungen, die von den Regierungen
der Mitgliedstaaten für diese Ämter unterbreitet werden, zu erwägen
und darüber zu berichten.
Der Rat genehmigte einen Etat von 787 145 Dollar für die 15 mit
dem 30.Juni 1958 zu Ende gehenden Monate, um die für das ständige
zivile und militärische Hauptquartier in Bangkok erwachsenden Kosten
zu decken und gewisse gemeinsame Programme zu finanzieren.
Schlußbetrachtungen - Zu den Themen, die von dem Rat erörtert
worden siKä, gahöüfe äUöll älfi Frage des Neutralismus. Mit Besorgnis
wurde festgestellt, daß einige Regierungen mehr oder weniger ausgeprägt eine Linie aktiver Opposition gegenüber kollektiven Sicherheitsübereinkommen wie beispielsweise der SEATO, die mit der Charta
der Vereinten Nationen voll im Einklang steht, eingeschlagen haben.
Es wurde der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß im Laufe der Zeit,
wenn der Wert der SEATO immer mehr erkannt würde, ihr schließlich
auch jene zustimmen, die sie heute kritisieren. Die SEATO ist keine
exklusive Organisation, sondern steht allen Ländern in Südostasien
offen, die bereit sind, die daraus erwachsenden Vorteile und Pflichten zu teilen. Die Mitglieder des Rates möchten betonen, daß echte
Besorgnis um die Sicherheit des Gebietes der Beweggrund für ihren
freiwilligen Zusammenschluß in der SEATO war und alle Völker in diesem Raum, ob sie nun Mitglied der SEATO sind oder nicht, von dem
Schutz profitieren, den die kollektive Stärke der SEATO gewährt.
Die Mitglieder des SEATO-Rates gaben ihrem Abscheu gegenüber
dem Einsatz sowjetischer Streitkräfte zur Erstickung des Kampfes des
ungarischen Volkes um seine Unabhängigkeit Ausdruck. Sie stellten fest
daß das sowjetische Vorgehen von Rotchina gebilligt und unterstützt
wurde. Sie nahmen ferner zur Kenntnis, in welch lebhaftem und bezeichnendem Gegensatz hierzu die politische Haltung mehrerer der Mitgliedstaaten der SEATO steht, die verschiedenen früher einmal abhängigen
Gebieten ihre volle Unabhängigkeit bereits eingebracht hat oder in
Kürze einbringen wird. Die Konferenz fand in einer Atmosphäre herzlicher Freundschaft, gegenseitigen Verständnisses und Vertrauens statt
Angesichts des Eintretens der SEATO in eine neue Phase verstärkter
Aktivität sind die Mitglieder des Rates entschlossen, dafür Sorge zu
tragen, daß die Organisation in Übereinstimmung mit den Grundsätzen
und Zielen der Charta der Vereinten Nationen für die Bereicherung und
Verteidigung von Leben und Freiheit arbeitet.
Auf

�"AMERIKA DIENST"

13. März 1957

Auf der dritten Tagung des SEATO-Rates waren vertreten:
Australien durch R.G. Casey; Frankreich durch Pierre de
Nelice; Neuseeland durch T.L. MacDonald; Pakistan durch
S. Amjad Ali; die Philippinen durch den Vizepräsidenten
Carlos P. Garcia; Thailand durch Rak Panyarachun; Großbritannien durch den Earl of Home und die USA durch
John Foster Dulles.

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D I E N S T

A1U./27.5.1957
DIE NATO IST DER GRUNDSTEIN DER BÜNDNISSYSTEME
DES WESTENS

. BOSTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die der
Leiter des US-Amtes für Verteidigungsmobilisierung, Gordon Gray, am 23.März 1957 anläßlich des NATO-Tages in Boston (Massachusetts)
gehalten hat. Der NATO-Tag wurde von der
Bostoner Regionalkonferenz für Fragen der
Nordatlantikpakt-Organisation, die am
4»April 1957 acht Jahre besteht, durchgeführt .

Gestatten Sie mir bitte, auch wenn es mir eigentlich nicht
zukommt, daß ich allen jenen meinen Glückwunsch ausspreche, die
am Zustandekommen dieser großen Veranstaltung zu Ehren der militärischen Vertreter der NATO Anteil haben. Diese Veranstaltung
ist von großer Wichtigkeit und ein sehr verdienstvoller Versuch.
Ich darf wohl zu Recht annehmen, daß Ihre Anwesenheit hier in
diesem Raum es unnötig macht, daß ich - und insbesondere zu so vorgerückter Stunde - meine eigenen Auffassungen von Freiheit und
kollektiver Sicherheit darlege. Man hat mich nun aber einmal aufgefordert, hier zu sprechen und so möchte ich hier zunächst zwei
Fragen aufwerfens Dürfen wir davon ausgehen, daß die Sowjetunion
und der Weltkommunismus in unserer Zeit eine Bedrohung aller jener
Dinge darstellen, die wir vor anderen als erstrebenswert ansehen?
Und was sehen wir eigentlich als erstrebenswert an?
Wünschen wir nicht für uns, unsere Familie, unsere Gemeinde,
unseren Staat, ja sogar für alle Völker der Erde Frieden und Freiheit, die in gewisser Hinsicht untrennbar voneinander sind? Sehnen
wir uns nicht alle wirklich nach echter Ruhe und nach einem gottgefälligen Leben?
Ich für meinen Teil möchte der Welt nur ein Rezept geben,
das sich in einem Wort zusammenfassen läßt: verantwortungsbewußte
Freiheit.
Das heißt: Recht, auf Selbstregierung; Freiheit der Rede
und Kritik - und selbst des Lobes, wenn wir es ernst meinen;
Freizügigkeit, Versammlungsfreiheit und das Recht, eingegangene
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�"AMERIKA DIENST"

27. März 1957

eingegangene Bindungen wieder zu lösen; das Recht, seinen Glauben
offen und freudig zu bekennen; Garantie des Besitzes und Schutz
vor Enteignung; das Recht auf den Ertrag des eigenen persönlichen
Fleißes - oder auf die zweifelhaften Früchte der eigenen Faulheit,
für den, dem dies der gegebene Weg scheint; Gewährleistung der Unantastbarkeit der Familie; und das Recht, unseren Nächsten zu lieben und von ihm geliebt zu werden.
Dies sind die Antithesen der Praktiken des sowjetischen
Kommunismus, was auch immer seine Wortführer predigen mögen. Diese
Begriffe umreißen einen Lebensstil - unseren Lebensstil. Wir können
aber nicht auf einfache Begriffe bauen, auch wenn wir nach ihnen
leben wollen.
Man ist versucht, die Feststellung zu treffen - auch wenn sie eine
allzu grobe Vereinfachung ist -, daß wir genau für jene Dinge eintreten, gegen die sich die Sowjetmachthaber wenden. Zweifellos wollen
auch sie den Frieden - aber nur zu den von ihnen diktierten Bedingungen. Wir tun gut daran, einmal die Frage zu untersuchen, welches die
besonderen Motive für ihr Handeln sein mögen.
Lassen Sie mich zunächst einmal die NATO herausgreifen« auch
hier stehen die Sowjets in der Opposition. Und dabei gibt es meiner
Meinung nach so etwas wie eine kollektive Verantwortung; ich darf
dafür die Senfer Konferenz der Regierungschefs als Beweis nennen,
die so viel dazu beitrug, einige der großen Fragen unserer Epoche
herauszustellen und in den Brennpunkt des Interesses zu rücken.
Das wichtigste außenpolitische Ziel, das die Sowjets auf den
Genfer Konferenzen verfochten haben, war die Auflösung der NATO und
der gleichzeitige Abzug der amerikanischen, britischen und kanadischen
Truppen vom europäischen Festland sowie die Aufgabe der US-Stützpunkte
in den der Sowjetunion benachbarten Gebieten. Es ist von besonderer
Bedeutung, daß die Sowjetunion eben diese Haltung gegenüber der
NATO einnimmt, denn die Stärke, die wir sowohl auf politischem als
auch militärischem Gebiet im Laufe der Jahre aufgebaut haben, ist
tatsächlich beachtlich. Zum ersten Mal seit Beginn der Geschichtsschreibung haben wir im Frieden eine brauchbare politische und militärische Organisation aufgebaut, die sich auf den Gedanken der
kollektiven Sicherheit und nicht ausschließlich auf die Leistungsfähigkeit einzelner Staaten gründet. Die NATO ist der Grundstein
unserer verschiedenen Verteidigungsbündnisse. Deshalb können wir
es nicht zulassen, daß diese Institution zerschlagen oder geschwächt
wird. Wir müssen vielmehr jede nur mögliche Anstrengung unternehmen,
ihre Stärke in allen Bereichen - im politischen, militärischen und
wirtschaftlichen Bereich - zu mehren.
Seit der Gründung der NATO hat die Sowjetunion eine ganze
Reihe verschiedener Vorschläge bezüglich der europäischen Sicherheit, der Wiedervereinigung Deutschlands und der Abrüstung gemacht,
von denen sie hoffte, daß sie, sofern sie angenommen werden sollten,
die Solidarität der NATO zerstören oder ihr doch erheblich Abbruch
tun würden. Sie haben - in verschiedenen Kombinationen - Vorschläge
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�»AMERIKA DIENST"

27» März 1957

Vorschläge über eine Beschränkung der Streitkräfte, entmilitarisierte Zonen, neutralisierte Gebiete und eine Inspektion und
Überwachung von Waffen vorgebracht.
Keiner ihrer Vorschläge hat aber eine Anerkennung jener Grundvoraussetzung gebracht, die der Westen als wesentlich erachtet i die
Wiedervereinigung Deutschlands. Die drei westlichen Regierungschefs
haben 1955 in Genf eine Reihe von militärischen Zusicherungen im Zusammenhang mit der Frage der europäischen Sicherheit und der Wiedervereinigung Deutschlands angeboten. Der Westen ging sogar so weit,
den Sowjets eine Zusicherung gegenseitigen Beistands im Falle eines
Angriffs auf die Sowjetunion anzubieten. Diese Verpflichtung sollte
dann in Kraft treten, wenn ein wiedervereinigtes Deutschland sich
der NATO anschließen sollte« Ich möchte ausdrücklich betonen, daß
das wiedervereinigte Deutschland die freie Wahl haben sollte, ob
es der NATO beitreten wolle oder nicht.
Die Sowjets aber zogen es vor, die Bemühungen des Westens,
ihren früheren Vorschlägen entgegenzukommen, zu bagatellisieren.
Es hat sich gezeigt, daß die Sowjetunion keine militärischen Zusicherungen und keine Vereinbarungen über die europäische Sicherheit in Verbindung mit der Wiedervereinigung Deutschlands durch
freie Wahlen wünschte:;
sie haben vielmehr den Fortschritt auf
diesem Gebiet aus rein politischen Erwägungen heraus - und nicht
aus Gründen der Sicherheit - gehemmt.
Wenn die NATO ihre Stärke aufrechterhalten und noch an Gewicht
gewinnen soll, dann müssen wir unablässig bemüht bleiben, eine echte
Lösung für jene beiden Probleme zu finden, die unserer Auffassung
nach bisher eher unzufriedenstellend gelöst und für die westliche
Welt besonders gefährlich sind. Neben der Frage der Wiedervereinigung
Deutschlands, ohne die es keine echte Stabilität in Europa geben kann,
steht die Frage der osteuropäischen Satellitenstaaten, die die Sowjetunion seit Ende des zweiten Weltkrieges in einem Abhängigkeitsverhältnis zu sich selbst hält. Im Verlauf der letzten zwei Jahre sind
viele Entwicklungen eingetreten, die uns Hoffnung auf einen günstigen Wandel der Verhältnisse in Osteuropa geben.
Es gibt zwei Theorien darüber, was sich seit 1955 in den Satellitenstaaten abgespielt hat. Die eine besagt, daß unter dem Druck der
sowjetischen Gesellschaft selbst eine Tendenz zur Liberalisierung der
sowjetischen Politik erzwungen wurde, die nicht mehr aufzuhalten ist.
Dieser Druck, so nimmt man an, geht vom Volk aus, in dem durch zunehmen
de Verbreitung der Bildung und die voranschreitende Industrialisierung
der Wunsch nach größerer Handlungsfreiheit in politischen und wirtschaftlichen Angelegenheiten geweckt wurde. In manchen Kreisen glaubt
man, daß diese augenscheinliche Liberalisierung dem Westen in zunehmendem Maße die Möglichkeit bieten wird, mit der Sowjetunion ins Gespräch zu kommen.
Die andere Theorie geht dahin, daß die Satellitenstaaten nach wie
vor der strengen Kontrolle der Sowjetführung unterliegen, die den politischen Kurs von einem Augenblick zum anderen ändern kann., Ich

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27. März 1957

Ich persönlich glaube, wir sollten von der Annahme ausgehen, daß
diese Theoria eher den Tatsachen entspricht und daß wir uns von
dieser Erwägung leiten lassen sollten, bis wir mehr Grund zu der
Auffassung haben, die sowjetische Kontrolle über die Satellitenstaaten habe sich tatsächlich gelockert und sei nicht mehr länger
durchführbar und aufrechtzuerhalten.
In den Satellitenstaaten ist es zu Ausbrüchen eines angestauten
Hasses gegen die Fremdherrschaft gekommen. Dieser Haß wurde noch
verstärkt durch den langsamen Portgang der wirtschaftlichen und
sozialen Entwicklung, die in keiner Weise geeignet war, der extremen
Armut und der Unterdrückung der bürgerlichen Rechte in diesem Gebiet ein Ende zu bereiten. Der Westen darf ferner nicht in seinen
Bemühungen nachlassen, die Sehnsucht dieser Völker nach Freiheit
durch die Pflege kultureller Beziehungen und durch wirtschaftliche
Durchdringung zu nähren. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir sicher
sein können, daß die Deutschen die Wiedervereinigung in Freiheit
vollziehen können und daß die östlichen Satellitenstaaten Gelegenheit erhalten, unter einer von ihnen selbst gewählten Regierungsform zu leben und damit alle jene Freiheiten zu genießen, die dies
impliziert, wird man uns kaum dazu bewegen können, eine Aufgabe
jener Stärke in Erwägung zu ziehen, die wir mit so großen Anstrengungen in der NATO aufgebaut haben. Wir dürfen in unseren Bemühungen, zu einer Verständigung mit den Sowjets zu gelangen, nicht nachlassen; wir können uns aber um eine solche Verständigung nicht um
einen Preis bemühen, der unseren demokratischen Lebensstil aufs
Spiel setzt.
Die NATO sah sich in den letzten Jahren manchen sehr realen
Problemen gegenüber. In der Zeit nach der Genfer Konferenz wurden
von den meisten NATO-Mitgliedstaaten manche Wunschvorstellungen genährt, die dann die Forderung nach einer Verringerung der Verteidigungslasten entstehen ließen. Die NATO-Streitkräfte wurden durch
eine Verlegung von französischen Einheiten in außerhalb des B reichs
der NATO gelegenes Gebiet reduziert. Großbritannien hat seine Absicht bekundet, seinen Beitrag zum NATO-Schutzschild etwas zu v rringern. Der deutsche Beitrag realisiert sich nur sehr sehr s'h'eppend.
Zu diesen Schwierigkeiten, denen sich die NATO gegenübersah ka^en
noch die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Su.zkrise,
die uns ernste Schwierigkeiten im Verhältnis zu unseren alten Freunden und hochgeschätzten Verbündeten eingebracht haben.
Außer diesen besondere?) Belastungen zeigen die Erfahrungen,
die wir mit unseren NATO-Verbündeten gemacht haben, daß ei.:ar erfolgreichen Politik der kollektiven Sicherheit bestimmte Grenzer
gesetzt sind. Verschiedene Nationen, die gegenüber der s^w -tischen
Bedrohung die gleiche Haltung wie wir selbst einnehmen, vertreten
anderen Problemen gegenüber Auffassungen, die sich von den unseren stark
unterscheiden. So ist es jederzeit möglich, daß unsere NAT' Verbündeten
im Interesse ihres Landes unsere gemeinsamen Probleme andere bewerten als
wir. Wenn die sowjetische Gefahr für manche Mitgliedstaater anscheinend
an Gewicht verliert, treten für sie andere Probleme in den Vordergrund,
die nicht für alle Verbündeten die gleiche Bedeutung haben.
während

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27. März 1957

Während diese Schwierigkeiten und auseinanderstrebenden Interessen
geeignet scheinen, das NATO-Bündnis zu schwächen, bewirken andere und
stärkere Kräfte wiederum einen engeren Zusammenschluß als jemals zuvor.
Vielleicht ist die stärkste bindende Kraft die so klar während der Suezkrise in Erscheinung getretene Erkenntnis, daß keine der NATO-Mächte von
sich aus allein handeln kann, ohne daß sich möglicherweise die ernstesten Konsequenzen daraus entwickeln könnten. Mit anderen Worten, wir sind
aufeinander angewiesen. Von unserem Standpunkt aus gesehen, verfügt
Europa über vieles, was wir benötigen. Wir benötigen zum Beispiel den
großen militärischen Beitrag unserer europäischen Verbündeten, den sie
in Höhe von 12 Milliarden Dollar jährlich für ihre gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen leisten, das heißt sie selbst geben ungefähr 6
Dollar für jeden Dollar aus, den sie von uns in Form amerikanischer Unterstützung erhalten. Wir brauchen ferner ihre Landstreitkräfte und ihre
See- und Luftstützpunkte, die für uns unbedingt notwendig sind, um
unsere Abschreckungsstreitkräfte wirksam einsetzen zu können. Wir benötigen den materiellen Beitrag, den uns ihre Industrien und Bergwerke
liefern, und der es zusammen mit unserem eigenen Beitrag der atlantischen Gemeinschaft ermöglicht, über fast 70 Prozent der Industrieproduktion der Welt zu verfügen. Ihre Wissenschaft und ihre Technik sind
uns unentbehrlich. Unsere NATO-Verbündeten ihrerseits benötigen unsere
feste Zusicherung, daß wir sie unterstützen werden. Die grundlegende
strategische Konzeption des NATO-Bündnisses verlangt die Unterstützung
durch die starke Waffe unseres Strategischen Bomberkommandos. Innerhalb
der NATO sind unsere Bedürfnisse im wesentlichen die gleichen.
Diese Erkenntnis hatte zur Folge, daß eine beträchtliche Aktivität
entwickelt wurde, um die Solidarität innerhalb der NATO zu stärken. Im
Dezember 1956 stimmte der Nordatlantikrat den Empfehlungen der Drei
Weisen über gegenseitige politische Konsultationen und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten zu. Wir sind gegenwärtig dabei, die durch die Suezkrise entstandenen Probleme zu überwinden und arbeiten auf eine engere Zusammenarbeit zwischen uns und unseren NATO-Verbündeten auch auf nichtmilitärischem Gebiet hin. Die
hoffnungsvollen Entwicklungen der jüngsten Zeit, so die Schaffung solcher
Einrichtungen wie Euratom und des Gemeinsamen Marktes, werden von uns
unterstützt und gefördert.
Auf militärischem Gebiet machen sämtliche in Technik und Wissenschaft eingetretenen Veränderungen eine Überprüfung der Strategie und
Taktik der NATO notwendig. Bei der NATO wird eine solche Überprüfung
zur Zeit vorgenommen, und es wird nach Mitteln und Wegen gesucht, um
die Streitkräfte der NATO den Bedingungen der Atomkriegführung anzupassen und dabei zugleich die als Schild benötigten konventionellen
Verteidigungsstreitkräfte beizubehalten. Beträchtliche Fortschritte
sind im Hinblick auf eine Integrierung der NATO-Luftverteidigung erzielt worden, die einen Teil der gesamten koordinierten Verteidigungsstruktur bildet und mit der sich die NATO-Kommandobehörden routinemäßig
beschäftigen. Im Zusammenhang damit verfügen wir über einen gemeinsamen
Oberbefehl, ein sich über ganz Europa erstreckendes, gemeinsam finanziertes Stützpunktsystem und den Vorteil der strategisch günstigen
geographischen Lage. Damit besitzen wir eine gemeinsame militärische

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27. März 1957

militärische Verteidigungsorganisation, wie sie keiner der in diesem
Bündnis zusammengeschlossenen Staaten für sich allein aus eigener Kraft
aufzubauen in der Lage wäre. Nach wie vor verfolgen die Vereinigten
Staaten eine Politik, die sich auf ihre eigene Kraft und auf Bündnisse
stützt.
Unsere Verbündeten haben beim Wiederaufbau ihrer vom Kriege zerstörten Wirtschaft, die die Sowjets so gerne für ihre eigenen Zwecke
ausgenutzt hätten, große Fortschritte erzielt. Gegen diese stets gegenwärtige Bedrohung müssen sie auch weiter gewappnet sein. Sie sowohl als
auch wir selbst dürfen uns nicht selbstgefällig in dem Glauben wiegen,
daß wir an einem Punkt angelangt sind, wo wir uns gehen lassen dürfen.
Es ist richtig, daß unsere vereinte militärische Stärke die Kommunisten
von einer Aggression abgeschreckt hat und daß die Sowjetunion seit
Gründung der NATO in deren Bereich keinerlei Gewinne mehr erzielen
konnte. Wirtschaftlich ist der Westen den Ländern des Sowjetblocks
immer noch weit überlegen, doch wenn wir in unserer ständigen Wachsamkeit gegenüber der wachsenden Herausforderung der Sowjetunion nachlassen, können wir sehr wohl in die Lage kommen, daß wir unzureichend
vorbereitet sind und die Freiheit nicht verteidigen können.
Ich möchte um Ihre Nachsicht bitten, wenn ich abschließend noch
einen Augenblick dabei verweile, ganz allgemein über moralische Grundsätze und über Waffen, über Gewissen und über Abrüstung zu sprechen.
Ich zitiere hier ein paar Worte, die ich noch vor den Ereignissen der
jüngsten Zeit in Ungarn niedergeschrieben habe.
Wir müssen, selbst auf die Gefahr hin, übermäßig zu vereinfachen,
uns die Fragen stellen: Ist die Entwicklung von Waffen etwas Amoralisches
Ist ständiges Rüsten gewissenlos? Ist die Aufrechterhaltung einer umfassenden militärischen Stärke unvereinbar mit den geistigen und ethischen Grundlagen gerade der Gesellschaft, die wir zu erhalten trachten zerstören wir sie nicht sogar damit? Auf diese Fragen kann eine Antwort
nur im Zusammenhang mit unseren Zielen und Absichten in einer vom Meinungsstreit zerrissenen und unheilschwangeren Welt gegeben werden.
Wir müssen mit der Möglichkeit einer aggressiven militärischen
Aktion der Sowjetunion und ihres Satellitenblocks rechnen. Wir wissen,
daß wir niemals Feindseligkeiten beginnen würden. Wir streben nach einer
Welt des Friedens, in der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Redhtschaffenheit herrschen und in der der Würde des Menschen der erste Platz
eingeräumt &lt;frlrd - sowohl innerhalb der einzelnen Länder als auch in den
Beziehungfen der Völker untereinander. Wir haben den Wunsch, diese Absicht durch friedliche Mittel zu verwirklichen. Aber während wir an
diesem Werk arbeiten, müssen wir gleichzeitig die militärische Überrumpelung der freien Welt durch ein feindliches System verhindern,
das die Vernichtung unserer elementaren Ideale und Konzeptionen anstrebt.
Deshalb bin ich überzeugt, daß die Wahrung unserer Verteidigungs- und
Abjschreckungsstärke mit den ethischen Werten, die wir zu erhalten suchen und die das moralische Fundament unserer Gesellschaft darstellen,
voll vereinbar ist.
Mit

�"AMERIKA DIENST"

27- März 1957

Mit der überaus raschen Entwicklung der sowjetischen Industrie,
Technik, Wissenschaft und Wirtschaft schwinden die äußerlich greifbaren Unterschiede zwischen ihrem und unserem System immer mehr. Die
Sowjetunion scheint entschlossen zu sein, uns auf jedem Sektor der
Stärke und Überlegenheit in die Schranken zu fordern. Die wesentlichen Unterschiede in den Systemen bleiben jedoch bestehen. Sie sind
die geistige und moralische Grundlage unserer Gesellschaft - die
Quelle aller Freiheit« . Und diese Unterschiede im Geist und in der
Wahrheit sind es auch, die der freien Welt den Sieg einbringen werden.
Da sich die moralischen Kräfte, von denen ich gesprochen habe, behaupten werden, können wir der Abrüstung und Reduzierung von Streitkräften mit allen Folgerungen, die diese Maßnahmen haben werden, in
aller Ruhe entgegensehen. Denn wenn die Sowjets uns. die Gewähr geben,
daß wir uns auf die von ihnen eingegangenen Verpflichtungen verlassen können - wenn also wirklich einmal Wahrheit und Integrität in
Erscheinung treten -,dann können wir uns den höchsten Zielsetzungen
der vQn Friedenssehnsucht erfüllten Menschen zuwenden. Schon die
Anerkennung der einfachen, ohne Schwierigkeit zu praktizierenden
Fairness, die Zustimmung zu einem System, das eine angemessene Inspektion und Kontrolle von Waffen und deren Entwicklung vorsieht,
wäre ein wichtiger Schritt in dieser Richtung - wahrlich, ein
Schritt mit Siebenmeilenstiefeln auf dem Wege zum Frieden.
Wir erinnern uns an das Lied aus dem zweiten Weltkrieg! "Lobe
den Herrn - und reich die Munition". Ich hoffe nicht, daß Sie mich
für frivol oder kriegslüstern halten. Aber irgendwie charakterisiert
dieses Lied unsere Situation, unterstreicht und rechtfertigt unser
gegenwärtiges Dilemma in bezug auf Gewissen und Waffen. Wir können
und müssen auf der Würde und Bruderschaft der Menschen unter Gott
bestehen, sowohl in unseren Handlungen als auch in unserer Bereitschaft, diese Ideale und Ideen zu verteidigen.
Ich bin überzeugt, daß der moralische Kern unserer Außen- und
Militärpolitik klar und deutlich sichtbar ist. Wir sind weder
aggressiv noch wollen wir uns etwas erraffen. Wir leben in den
Freiheiten, die uns Gott gegeben und die zu bewahren er uns geholfen hat; und wir wollen weiter nichts als daß alle Völker
der Welt an diesen segensreichen Dingen teilhaben.
Meiner Ansicht nach müssen wir die NATO unterstützen. Meiner
Ansicht nach müssen wir Toleranz und Verständnis für einander aufbringen und zu Stärke und Einigkeit entschlossen sein. Wenn wir
das tun, dann wird, so bin ich überzeugt, die Geschichte zeigen,
daß wir uns der großen Aufgabe unserer Zeit würdig erwiesen haben.

* * * * *

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Allg./5.4.1957

FRIEDE UND GERECHTIGKEIT LASSEN SICH NUR IN
GEMEINSAMER ANSTRENGUNG ERRINGEN

WASHINGTON - (AD) - Im Vorwort zu einer Neuauflage
seineS Anfang 1950 erschienenen Buches "Krieg oder
Frieden" geht der amerikanische Außenminister John
Foster Dulles auf die internationale Entwicklung
der letzten sieben Jahre ein. Er kommt zu dem
Schluß, daß die Erfahrungen im großen und ganzen
seinen bereits damals vertretenen Ansichten Recht
gegeben haben. Die Aufgabe der Gegenwart und Zukunft aber, Frieden und Gerechtigkeit zu gewinnen,
erfordere die höchsten Anstrengungen und bedürfe
der Unterstützung nicht nur eines jeden Landes,
sondern jedes einzelnen von uns.

Das Vorwort zu der Neuauflage yon "Krieg oder Frieden" hat
folgenden Wortlaut:
Es erfüllt mich mit Genugtuung, daß "Krieg oder Frieden" weiterhin in verschiedenen Sprachen erscheint. Dieses Buch wurde in
den ersten Wochen des Jahres 1950 geschrieben. Es versuchte die
Gefahr des Krieges zu skizzieren und die politischen Maßnahmen wie
auch die geistige Haltung darzulegen, die für die Erringung des
Friedens notwendig sind. Während ich nun, sieben Jahre später,
dieses Vorwort schreibe, finde ich, daß nur wenig von dem damals
Gesagten an Aktualität verloren hat. Aber in der Zwischenzeit hat
sich manches ereignet, was einer Erörterung bedarf.
In Kapitel II, das den Titel trägt: "Erkenne deinen Feind",
werden in erster Linie die Schriften Stalins zitiert, vor allem
seine "Fragen des Leninismus". Stalin ist in den Ländern des sowjetischen Blocks in der Zwischenzeit etwas in Ungnade gefallen. Der
Sowjetkommunismus hält sich jedoch noch immer an die zitierte
Stalindoktrin.
Kapitel VI erörtert die von den Vereinten Nationen getroffenen
Maßnahmen zur Schaffung der Republik Korea. Es wird darauf hingewiesen, daß bis zu der Zeit, in der das Buch geschrieben wurde, das

�"AMERIKA DIENST"

3. April 1957

das heißt also bis Anfang 1950» der Einfluß" der Weltmeinung, wie sie
sich durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen repräsentierte, eine kommunistische Invasion vom Norden her wirksam verhindert hat. Aber "es wäre natürlich voreilig", so schrieb ich damals,
"zu prophezeien, daß diese Situation ewig andauern wird". Sie war
in der Tat nicht von Dauer. Im Juni 1950 holten die Kommunisten
unter Mißachtung der Vereinten Nationen mit einem bewaffneten Überfall zum Schlag gegen die Republik Korea aus.
Die Reaktion der Vereinten Nationen ist allgemein bekannt und"
ein historisches Faktum. Sie kennzeichnet eine wichtige Phase in
der Entwicklung dieser Weltorganisation. Denn welcher Art auch immer
die Gründe gewesen sein mochten, die die Kommunisten veranlassten,
zu glauben, sie könnten ihren Angriff ungestraft und ohne jegliche
Opposition führen - Tatsache ist, daß es sehr wohl eine Opposition
gab, eine wirksame Opposition, und daß die Aggressoren noch hinter
ihre Ausgangslinie zurückgeworfen wurden. Es ist dies das erste Mal
in der Geschichte, daß eine bereits bestehende Organisation der Völker mit vereinter Kraft der Aggression entgegengetreten ist und sie
geahndet hat.
Diese Episode wirft jedoch noch ein besonderes Licht auf das
Problem der Weltorganisation, das in Kapitel XVI behandelt wird. Die
rasche Reaktion der Vereinten Nationen auf die Aggression in Korea
war nur möglich, weil gerade zu diesem Zeitpunkt die Sowjetunion
den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen "boykottierte" und so versäumte, von ihrem Vetorecht Gebrauch zu machen.
Die Lehre, die aus diesem Vorfall gezogen wurde, hat zu einer
bemerkenswerten Entwicklung des Systems regionaler Bündnisse geführt,
wie es in den Kapiteln VIII und XVI beschrieben wird. Zu Beginn des
Jahres 1950 existierten als einzige kollektive Verteidigungsmaßnahmen die Vereinbarungen aus dem 1947 geschlossenen Pakt von Rio de
Janeiro und dem 1949 geschlossenen Nordatlantikpakt. In der Zwischenzeit ist der Nordatlantikpakt durch den Beitritt Griechenlands,
der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland erweitert worden.
Außerdem sind in bezug auf Asien mehrere Sicherheitspakte neu zustandegekommen, nämlich der Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten
und den Philippinen vom 30. August 1951» der Vertrag zwischen den
Vereinigten Staaten, Australien und Neuseeland (ANZUS-Pakt) vom
1. September 1951» das amerikanisch-japanische Sicherheitsabkommen
vom 8. September 1951» der Vertrag zwischen den Vereinigten Staaten und der Republik Korea vom 1. Oktober 1953» der am 8. September
1954 geschlossene südostasiatische Sicherheitspakt (SEATO) , dem
Australien, Frankreich, Großbritannien, Neuseeland, Pakistan, die
Philippinen, Thailand und die Vereinigten Staaten angehören und der
dem Protokoll zufolge auch die Gebiete von Kambodscha, Laos und der
Republik Vietnam einbezieht, sowie der Sicherheitsvertrag zwischen
den Vereinigten Staaten und der Republik China vom 2. Dezember 1954«
Die

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3. April 1957

Die Vereinigten Staaten sind nunmehr mit 42 anderen Ländern
im Rahmen kollektiver Sicherheitsverträge gemäß Artikel 51 der
Charta der Vereinten Nationen verbündet.
Die unerwartet rasche Entwicklung solcher Bündnisse, die inzwischen einen Schutz für die meisten Länder der Welt darstellen,
ist eine direkte Folge der kommunistischen bewaffneten Aggression
gegen die Republik Korea wie auch der Befürchtung, daß im Falle
einer weiteren derartigen Aggression infolge des sowjetischen Vetorechts eine wirksame Reaktion der Vereinten Nationen nicht mehr
möglich sein könnte.
Solche Verträge sind jedoch nicht die einzige Alternative
zum Veto im Sicherheitsrat. Die Generalversammlung der Vereinten
Nationen unternahm im Herbst 1950 entsprechende Schritte zur Annahme
von Resolutionen und Verfahren, die im Falle eines bewaffneten Angriffs, bei dem der Sicherheitsrat infolge des Vetos eines oder mehrerer seiner ständigen Mitglieder handlungsunfähig ist, eine schnelle
Reaktion erlauben. Dieses Vorgehen der Generalversammlung fand seinen Niederschlag in der Resolution "Einheit für den Frieden", die
auch bei dem bewaffneten Eingreifen im Nahen Osten im Oktober/November 1956 herangezogen wurde. Die Generalversammlung der Vereinten
Nationen hat damit eine neue Position gewonnen.
Kapitel XII, das die "Bilanz aus den letzten fünf Jahren" zieht,
hat einen etwas pessimistischen Ausklang. Es wird darin der Leitartikel der "Iswestija" vom 1. Januar 1950 zitiert, der all die Länder aufführt, die der Herrschaft des Sowjetkommunismus unterworfen
wurden; ausdrücklich wird auf den Schluß des Leitartikels verwiesen, der lautet: "Der Kommunismus wird triumphieren! Ein glückliches Neues Jahr, Genossen, ein recht glückliches Neues Jahr!"
Es ist jedoch zu beachten, daß seit der Zeit, in der jener
prahlerische Leitartikel geschrieben wurde, das "Lager der Demokratie und des Sozialismus", wie es die "Iswestija" nennt, nicht
wesentlich erweitert werden konnte. Tibet kam in die Gewalt der
chinesischen Kommunisten; und in Vietnam setzte eine kommunistische
Infiltration von Norden nach Süden ein. Aber der Süden Vietnams
ist von den kommunistischen Elementen gesäubert worden; die Republik
Vietnam scheint sich zu behaupten, obgleich der Norden unter dem
Regime der sogenannten "Volksrepublik" steht. Die von den freien
Nationen ergriffenen kollektiven Maßnahmen haben, allgemein gesehen,
wesentlich dazu beigetragen, dem weiteren Vordringen des Kommunismus,
wie er von der "Iswestija" am 1. Januar 1950 vorausgesagt wurde,
Einhalt zu gebieten. Und in Guatemala, Persien und Österreich ist
die kommunistische Macht weitgehend erloschen.
Abschnitt IV befaßt sich damit, "Was getan werden muß". Manches
davon ist bereits getan, und die Tatsache, daß es getan wurde, hat
einem großen Teil der Welt die Freiheit erhalten und manchen Gebieten die Freiheit gebracht. Die Weltorganisation ist bis zu einem

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�3. April 1957

"AMERIKA DIENST"

einem gewissen Grade so ausgebaut worden, wie es in Kapitel XVI befürwortet wird. Die Vereinten Nationen haben mit nunmehr 80 Mitgliedstaaten weiter an Einfluß in der Welt gewonnen.
In der ersten Ausgabe von "Krieg oder Frieden" wies ich darauf
hin, daß es wünschenswert sei, ein Stimmrecht nach der Art der Verhältniswahl einzuführen. Das Anwachsen der Mitgliederzahl in der Folgezeit unterstreicht nur noch die Unzulänglichkeit der Abstimmungsverfahren sowohl in der Generalversammlung als auch im Sicherheitsrat.
Unter den gegebenen Umständen ist eine Überprüfung der Stimmrechte
sogar noch dringlicher geworden.
Die Generalversammlung hat sich im Prinzip damit einverstanden
erklärt, eine Konferenz zur Revision der UN-Charta einzuberufen, wie
dies in Kapitel XVI empfohlen wird; aber es ist immer noch zweifelhaft, ob eine solche Konferenz tatsächlich Zustandekommen wird.
Nach wie vor bin ich von der Nützlichkeit einer Konferenz überzeugt, die auf eine Überprüfung der Charta abzielt. Vielleicht erlaubt zum Zeitpunkt des Zusammentretens einer solchen Konferenz die
internationale Atmosphäre eine formelle Abänderung und Anpassung
der Charta an die Erfordernisse des Atomzeitalters. Jedenfalls würde
eine Untersuchung der von den Vereinten Nationen erzielten Fortschritte
von Nutzen sein und die Frage klären helfen, auf welche Weise sich
die Charta zu einem wirksameren Instrument im Interesse des Weltfriedens entwickeln ließe.
In Kapitel XVI des Buches wird zwecks Erzielung einer größeren
"Universalität" die Möglichkeit einer Aufnahme Rotchinas in die Vereinten Nationen behandelt. Es wird jedoch darauf hingewiesen, daß
"ein Regime, das den Anspruch erhebt, durch einen Bürgerkrieg an die
Macht gekommen zu sein, nicht anerkannt werden sollte, solange es nicht
über einen angemessenen Zeitraum hinweg der Prüfung und Beobachtung
unterzogen wurde."
Diese Prüfung und Beobachtung hat ergeben, daß sich das kommunistische Regime bisher an der Macht zu halten vermochte - allerdings
mit Hilfe rücksichtsloser polizeistaatlicher Methoden. Ebenso ist
erwiesen, daß das Regime nicht die Voraussetzungen erfüllt, um das
Recht für sich beanspruchen zu können, China in den Vereinten Nationen
zu vertreten, und zwar weder in der Generalversammlung und noch viel
weniger im Sicherheitsrat, der von sämtlichen Mitgliedstaaten ermächtigt ist, "die Hauptverantwortung für die Aufrechterhaltung von
Frieden und Sicherheit in der Welt" zu tragen.
Seit der Zeit, in der das Buch "Krieg oder Frieden" geschrieben
wurde, hat das rotchinesische Regime eine Anzahl bezeichnender Aktionen
durchgeführt. Es hat an der bewaffneten Aggression gegen Korea teilgenommen. Auf Grund dieser Aktion wurde das rotchinesische Regime durch
die Vereinten Nationen verurteilt, und die Aktion selbst löste wirtschaftliche Sanktionen gegen dieses Regime aus. Diese Sanktionen sind

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sind von der Generalversammlung der Vereinten Nationen bisher nicht
aufgehoben worden. Diese Maßnahme der Vereinten Nationen völlig
mißachtend, hält das rotchinesische Regime den nördlichen Teil Koreas
militärisch besetzt. Ferner hat es Tibet gewaltsam unterjocht. In
Indochina hat es den Krieg aktiv gefördert. Es drohte, sich Formosas
gewaltsam zu bemächtigen, und hat es abgelehnt, auf die Anwendung
von Gewalt in diesem Gebiet zu verzichten, dies steht im Widerspruch
zu dem in der Charta niedergelegten Prinzip, das von allen Mitgliedern fordert, sich der Anwendung von Gewalt zu enthalten, es sei
denn, sie würden damit nicht gegen die Prinzipien der Charta verstoßen. Es ist mit Truppen in Burma eingefallen. Es hat das koreanische Waffenstillstandsabkommen verletzt, indem es Militärpersonen
der Vereinten Nationen gefangen hält; und entgegen seinen eigenen
formellen Zusicherungen hat es amerikanische Zivilpersonen zu Gefängnisstrafen verurteilt«
Solange die UN-Charta als der Maßstab für die Mitgliedschaft
in den Vereinten Nationen gilt (vergl. Artikel 4»5 und 6 der Charta)
und solange das rotchinesische Regime die Charakteristika1 beibehält,
wie sie eben dargelegt wurden, sollte ihm nicht gestattet werden, in
den Vereinten Nationen vertreten zu sein.
Abschließend möchte ich die grundsätzliche These des Buches
"Krieg oder Frieden" nochmals hervorheben, daß der Friede nur dann
gewonnen werden kann, wenn man sich um seine Erhaltung ständig bemüht. Jedes Nachlassen in diesen Bemühungen ist gefährlich.
In seiner "Study of War" (Studie über den Krieg) führt Q,uincy
Wright aus, daß zwischen 1480 und 1941 insgesamt 278 Kriege geführt
worden sind. Das heißt durchschnittlich alle 5 Jahre 3 Kriege. Verschiedene dieser Kriege, darunter der zweite Weltkrieg, fanden statt,
nachdem der Völkerbund gegründet worden war und nachdem sich sämtliche Nationen im Kellogg-Pakt zur Abschaffung des Krieges verpflicht
hatten. Auch seit Gründung der Vereinten Nationen im Jahre 1945 sind
verschiedene Kriege geführt worden.
Unter diesen sind zu nennen der Koreakrieg, der Krieg in Indochina und die Kriege zwischen Israel und den arabischen Ländern.
Ferner haben Großbritannien und Frankreich gegen Ägypten militärische
Aktionen unternommen. Und heute besteht in verschiedenen Teilen der
Welt die Gefahr, daß ein Krieg ausbrechen könnte.
Tatsächlich stellt der Krieg eine ständig drohende Gefahr dar,
solange es keine besseren Institutionen gibt, um den Frieden zu sichern, was zum Beispiel durch einen anerkannten Kodex des internationalen Rechts, eine internationale Polizeimacht und die Beschränkung der nationalen Rüstungen geschehen könnte. »Vir leben heute im
Schatten des Krieges, und ich fürchte, das wird noch für lange Zeit
der Fall sein. Nur wenn wir uns dieser Tatsache voll und ganz bewußt
sind, werden wir die notwendigen Anstrengungen unternehmen, um den
Krieg zu verhindern.
Wir

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Wir müssen uns darüber klar sein, daß Kriege sich nicht lediglich dadurch verhindern lassen, daß man sie haßt und den Frieden liebt.
Seit Urbeginn haben die Völker den Krieg gehaßt und den Frieden geliebt. Das hat ihnen jedoch nicht den Frieden eingebracht. Selbst
eine aus so aufrichtiger Gesinnung heraus unternommene Bemühung wie
der Kellogg-Pakt hat bewiesen, daß alle Versuche, den Krieg abzuschaffen, fehlschlagen, wenn nicht gleichzeitig an seine Stelle geeignete und wirksame andere Einrichtungen treten.
Tatsächlich hat bloße Friedensliebe allein niemals genügt, um
einen Krieg zu verhindern.
Einer der großen Fortschritte unserer Zeit ist die Erkenntnis,
daß eine Möglichkeit, Kriege zu verhindern, darin besteht, den Angreifer abzuschrecken, indem man sich entschlossen und stark genug
zeigt, ihn zu bestrafen. Dazu gehört, daß sich die Völkergemeinschaft um die Anwendung des gleichen Prinzips bemüht, das die einzelnen Völker zur Verhinderung von Gewaltakten innerhalb ihrer
eigenen Gemeinschaft anwenden. Dort werden Gesetze angenommen, die
die Verbrechen und ihre entsprechende Bestrafung definieren. Es
wird eine Polizei und ein Justizsystem geschaffen. Auf diese V/eise
wird ein machtvolles Instrument der Abschreckung gegen Gewaltverbrechen geschaffen. Dieses Abschreckungsprinzip hat sich selbst in
den bestgeordnetsten Gemeinwesen nicht als hundertprozentig erfolgreich erwiesen. Doch wird im allgemeinen zugegeben, daß es seine
Wirkung nicht verfehlt und geeignet erscheint, auch auf die Gemeinschaft der Nationen ausgedehnt zu werden. Wie wir gesehen haben,
hat sich das Prinzip tatsächlich schon in eindrucksvoller Weise
erwiesen.
Daß ohne Recht und Gerechtigkeit auf die Dauer gesehen niemals
wirklicher Friede herrschen wird, ist ein weiterer Aspekt des Problems. Selbst während ich diese Zeilen niederschreibe, gibt es
große Ungerechtigkeiten in der Welt, beispielsweise die Versklavung
der sowjetischen Satellitenländer und die Teilung Deutschlands,
Koreas und Vietnams. Und selbst wenn es uns gelänge, diese Ungerechtigkeiten aus der Welt zu schaffen, würde die Lage, die daraus resultierte, auch nicht ewig währen. Veränderung ist das Gesetz des Lebens. Es entstehen ständig neue Situationen, die nach Veränderung
verlangen, wenn dem Recht Genüge getan werden soll. Unrecht bewirkt,
daß die Völker schließlich zur Gewalt ihre Zuflucht nehmen, wenn es
keine anderen Möglichkeiten gibt, um Veränderungen herbeizuführen.
Wer den Frieden liebt und für friedliche Verhältnisse in der
Welt eintritt, muß begreifen, daß er weder den Frieden gewinnen
noch der Gerechtigkeit zum Siege verhelfen wird, wenn er nicht
selbst nach dem Frieden ebenso energisch strebt wie nach dem Sieg
und sich für die Gerechtigkeit nicht ebenso energisch einsetzt wie
für den Frieden. Er wird weder Frieden noch Gerechtigkeit verlangen.
Wie jede Münze hat auch der Friede seine zwei Seiten. Die eine Seite
ist der Verzicht auf Gewalt, die andere das Handeln im Geiste der

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�'AMERIKA DIENST"

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der Gerechtigkeit. Friede und Gerechtigkeit lassen sich nicht voneinander trennen. Das kommt auch in Artikel 1 der Charta der Verein+e.: Natio •: m Ausdruck.
D
A;fgabe, den Frieden zu gewinnen und der davon nicht zu trennenden
rechtigkeit zum Siege zu verhelfen, ist die höchste Aufgab ,
die ins allen gestellt wird. Jede einzelne Nation muß ihren Beitrag
dazu leisten, wie es auch unser Bemühen ist, den Frieden zu einer Art
Institution zv machen, ihn fest zu verankern. Der Friede hängt überdies -.o
e • stre-.gungen jedes einzelnen ab, der sich remüh", die
Politik se'n' • Nation mitzuformen, und der zu dem einen ode:1 anderen
der ?ahVose" Aspekte der internationalen Politik einen direkten Beitrag leistet«
Bisher hat es :i stetigen und opfervollen Bemühungen des einzelnen wip der Völker gemangelt, ohne die die Welt nicht v r Kriegen
zu bewahre- ist« Da- ist gewiß eine Unzulänglichkeit, die gerade
heute, angesichts der Tatsache, daß sich ein Krieg zu einer furchtbaren und 'unausdenkbaren Katastrophe ausweiten kann, beseitigt werden muß.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

W1./3.4.1957
KONJÜNKTURPROBLEME IN DEN USA

DETROIT - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
Auszüge aus einer Rede, die der Wirtschaftsberater
des amerikanischen Präsidenten, Dr. Gabriel Hauge,
am 11. März 1957 vor dem Wirtschaftsklub in Detroit
zu Konjunkturfragen in den USA gehalten hat.

Kürzlich las ich das Protokoll einer öffentlichen Informationssitzung eines Unterausschusses des Ausschusses für Haushalt, Steuerund Finanzfragen des Repräsentantenhauses, die gegen Ende des vergangenen Jahres zu dem stets faszinierenden Thema "Geld" stattfand. Im
Verlaufe des lebhaften Wortgefechtes zwischen den Ausschußmitgliedern
und den geladenen Zeugen kamen viele Probleme zur Sprache: der Druck,
den die starke Nachfrage nach Kapital und Krediten auf das Warenangebot ausübt, der dadurch bedingte Anstieg der Zinssätze, die erfolglosen Bemühungen von Kreditsuchenden - Einzelpersonen, Privatfirmen sowie staatliche und kommunale Stellen - um Fremdkapital und natürlich
auch die Versuche des Zentralbankensystems, der Aufwärtsbewegung der
Preise durch Kreditrestriktionen entgegenzuwirkeno
Gegen Ende der J^formationssitzung rief ein Mitglied dem im
Saal anwesenden Vertreter des Zentralbankensystems mahnend zu, daß
ein gesundes Volk wichtiger sei als eine gesunde Währung.
Diese Mahnung ging mir lange nicht aus dem Kopf und ließ mir
keine Ruhe. Wenn wir wirklich schon so weit gekommen sein sollten,
daß wir zwischen einem gesunden Volk und einer gesunden Währung zu
wählen haben, wie es jener Kongreßabgeordnete ausdrückte, dann kann
bei uns in Amerika etwas nicht mehr stimmen.- Denn eines lehrt uns
die Geschichte ganz eindeutig - und die Geschichte hat einen noch

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

3. April 1957

noch größeren Einfallsreichtum aufzuweisen als der Mensch -, daß eine
gesunde Wirtschaft, ein gesunder Staat und ein gesundes Volk den gleichen Weg gehen wie eine gesunde Währung - und nicht etwa einen anderen
Weg.
Je länger ich über den angeblichen Widerspruch zwischen einem gesunden Volk und einer gesunden Währung nachdachte, um so mehr scheint
er mir ein Ausdruck der Verwirrung zu sein, die uns angesichts der neuartigen Probleme befallen hat, vor die wir uns, wie die Untersuchung
verschiedener Aspekte der derzeitigen Prosperität durch den genahnten
Kongreßausschuß gezeigt hat, heute gestellt sehen.
Diese Fragen scheinen uns vor allem deshalb auch so seltsam und
verwickelt, weil wir uns seit mehr als einem Menschenalter mit gerade
entgegengesetzten Problemen befassen mußten: den Problemen einer Depression und Deflation.
Unsere derzeitige Konjunktur ist im wesentlichen Ausdruck der Prosperität unserer privaten Wirtschaft, die von den Ausgaben von Privatleüten für private Zwecke lebt, und zwar in einem allgemeinen Wirtschaftsklima, das durch eine ausgeglichene Haushaltspolitik der Regierung und
eine restriktive Kreditpolitik des Zentralbankensystems bestimmt wird.
Das ist also die Wirtschaft, von der ich spreche, wenn ich nunmehr
auf die Probleme unserer derzeitigen Hochkonjunktur eingehe...
Es ist eine bekannte Tatsache, daß heute in Amerika mehr Menschen
in Arbeit stehen und mehr produzieren und öauen als je zuvor in der Geschichte unseres Landes. Wir sind darüber sehr froh, denn auf diesen
Fels gründet sich unser Verteidigungssystem und von da stammen jene
Dinge, die wir alle als die Annehmlichkeiten des Lebens empfinden. Ich
brauche also wohl nicht erst extra zu betonen, daß wir diese Prosperität als das Instrument zu erhalten suchen, mit dessen Hilfe wir unserem
gesamten Volk immer bessere Lebensbedingungen schaffen können.
Wenn ich davon spreche, daß wir diese Prosperität aufrechterhalten
wollen, dann möchte ich aber ausdrücklich vorausschicken, daß ich nicht
in der Illusion befangen bin, unsere Wirtschaft ließe sich in eine Art
Förderband verwandeln, das ununterbrochen zu neuen Rekorden in Produktion und Beschäftigtenstand führt.
Gegenwärtig erleben wir beispielsweise ein Nachlassen des gewaltigen Drucks, der sich innerhalb unserer Wirtschaft gegen Ende des
vergangenen Jahres herausgebildet hatte. Solange die Entscheidung über
den Fortgang der Wirtschaft bei Millionen von Farmen und Betrieben liegt,
wie dies in unserer dem Zentralismus abholden Gesellschaft der Fall
ist, solange werden wir auch ein Auf und Ab in der Wirtschaft erleben.
In einer freien Wirtschaft ist es eben nicht möglich, den Konjjunkturzyklus zu umgehen. Wir können aber durchaus versuchen, unserer Prosperität durch vernünftiges Handeln sowohl seitens der privaten Wirtschaft
als auch des Staates ein kontinuierliches Wachstum zu sichern, das
Schwankungen, wie sie 1948-49 und 1953-54 auftraten, auszugleichen
vermag. Es besteht Grund zu der Annahme, daß man heute mehr Verständnis

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

3. April 1957

Verständnis für die Hintergründe wirtschaftlicher Veränderungen aufbringt als früher, daß somit weit mehr Möglichkeiten für eine Regulierung durch Vernunft bestehen - eine Regulierung, deren Notwendigkeit
allgemein anerkannt wird - und daß das Vertrauen in die Zukunft, das
für die weitere Expansion der Wirtschaft unerlässlich ist, wiederhergestellt ist.
Die beste Methode, unsere Prosperität in dem genannten Sinne aufrecht zu erhalten, ist meiner Meinung nach, unsere Wirtschaft gesund zu
erhalten. Um sie aber gesund erhalten zu können, müssen wir
1. die Gefahr bannen, daß die Konjunktur sich unter dem Druck inflatorischer Tendenzen selbst überschlägt und damit der Boden für einen
späteren ernsten Rückschlag bereitet wird;
2. der Versuchung widerstehen, im Namen einer Verbesserung ohnehin
guter Zeiten Eingriffe in das Marktgefüge vorzunehmen; und
3. die Notwendigkeit einsehen, den Sparwillen als Voraussetzung
einer gesunden Wirtschaftsexpansion zu heben.
Das erste Problem ist genau das gleiche, das der Präsident in
seinen beiden letzten Wirtschaftsberichten an den Kongreß meinte, als
er von der Aufrechterhaltung der Prosperität bei gleichzeitiger Stabilität der Preise sprach. Die Gefahr, die hinter diesem Problem lauert
ist gerade in jüngerer Zeit mehrmals deutlich in Erscheinung getreten.
Nach einer vier Jahre währenden bemerkenswerten Stabilität haben die
Großhandelspreise im vergangenen Jahr um tyfo angezogen, während die
Verbraucherpreise im Durchschnitt um yfo stiegen. Die Zinssätze - der
Preis des Geldes - sind gleichfalls gestiegen. Und die angespannte
Lage auf dem Arbeitsmarkt hat zu einer Erhöhung der Löhne um das
Doppelte der Produktivitätszuwachsrate geführt.
In den letzten 25 Jahren haben wir tatsächlich kaum irgendwelche
Erfahrungen in bezug auf die Schaffung einer Konjunktur bei gleichzeitiger Stabilität der Preise unter normalen Bedingungen sammeln können.
Diese Tatsache mag manche Kreise zu der Überzeugung geführt haben,
daß unsere Bemühungen um die Erreichung jenes Zieles zu einer Deflation, zu einer Unterbindung des wirtschaftlichen Wachstums und zu
Arbeitslosigkeit führen werden. Für Menschen dieser Denkart ist die
Prosperität noch immer ein vorübergehender und anomaler Zustand, ein
sehr angenehmes, aber eben doch zerbrechliches Ding - sie sind der
Auffassung, daß selbst die geringsten Versuche eines Eingreifens die
Gefahr in sich bergen, daß die gesamte Wirtschaft wieder in eine
Depression gestoßen wird.
Es ist richtig, in der Wirtschaft weiß man nie, was der nächste
Augenblick bringen wird. Aber jede Beibehaltung von Maßnahmen zur Bekämpfung inflatorischer Tendenzen,selbst nach dem Einsetzen einer entgegengesetzten Entwicklung wäre fehl am Platze, ebenso wie es falsch
wäre, aus Furcht vor einer Depression den inflatorischen Tendenzen
einfach freien Lauf zu lassen. Wir sollten weder im einen noch im

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

3. April 1957

im anderen Falle doktrinär handeln. Wir müssen vielmehr bereit und
willens sein, uns der deflatorischen Kälteschauer ebenso zu erwehren
wie des inflatorische,n Fiebers, Was die Gestaltung der Wirtschaftspolitik angeht, ergeben sich deshalb für die Regierung sehr ernste Probleme, deren Lösung viel Urteilskraft und auch Geschick in der Wahl
des Zeitpunktes für eventuelle Maßnahmen erfordert.
Ich bezweifle, daß eine planmäßig betriebene Politik der schleichenden Inflation Befürworter in nennenswerter Zahl findet. Kein Mensch
argumentiert heute, wie dies noch vor einigen Jahren der Fall war, daß
die Wirtschaft eben ohne "erhöhte Temperatur" nicht gesund sei. Manche
Kreise sehen dagegen in der schleichenden Inflation den unumgänglichen,
aber erträglichen Preis für die Vermeidung einer Arbeitslosigkeit und
anderer Schwierigkeiten,
Es ist mir bekannt, daß es in den Vereinigten Staaten mächtige
Wirtschaftskreise gibt, die die Auffassung zu vertreten scheinen, sie
könnten der schleichenden Inflation durch eine über die Erhöhung der
Gestehungskosten hinausgehende Erhöhung der Preise entgehen. Ich gebe
zu, daß ein Dollar in der Lohntüte von heute dem einzelnen weit mehr
als Realität vorkommen mag als der durch die inflatorische Entwicklung
bedingte Wertschwund der Ersparnisse von morgen. Ich weiß auch, daß
eine expansionistische Preispolitik den meisten Farmern als die einzig
vernünftige Lösung erscheint, während doch gerade die Landwirtschaft
heute mit am schwersten unter der Kosteninflation zu leiden hat und
eine Inflation in Zeiten eines Überangebotes mit Sicherheit die Gestehungskosten der Landwirtschaft mehr ansteigen läßt als ihre Verkaufspreise. Ich weiß ferner, daß auch in Industrie und Handel der
Glaube weit verbreitet ist, dieses Verhalten mit den Preisen gegenüber
den Gestehungskosten werfe höhere Gewinne ab.
Ich bin aber überzeugt, daß all diese Gruppen und auch alle anderen Amerikaner eine kontinuierliche Prosperität bei stabilen Preisen
noch viel lieber sähen. Arbeiter und Angestellte sind sich darüber im
klaren, daß Lohnerhöhungen parallel zu steigenden Lebenshaltungskosten
fiktiv und nicht echt sind. Die Bauern haben in den letzten Jahren die
Auswirkungen steigender Preise für Industrieprodukte am eigenen Leib
zu spüren bekommen. Und in der Wirtschaft spricht man mehr und mehr
von einer "profitlosen Prosperität" und dem Fehlen hinreichender Abschreibungsreserven im Angesicht der heutigen Preissituation. Die
Wirtschaft fürchtet also, mit anderen Worten, daß sie in dem Wettrennen zwischen Kosten und Preisen den kürzeren ziehen wird. Ich bin
der Auffassung, daß die meisten Amerikaner den negativen Auswirkungen
einer Inflation aus dem Weg gehen möchten, sofern sie dafür nicht
den Preis einer Depression entrichten müssen.
Im Hinblick auf unsere Konzeption von Prosperität scheint es
mit unsere Aufgabe zu sein, den engen Bereich zwischen Inflation und
Deflation auszuweiten. Wir dürfen die angestrebte Konjunktur nicht
so eng definieren, daß darin kein Platz mehr für gelegentliche Perioden
der Angleichung ist. Wenn wir jede Wirtschaftsbewegung, die keinen
inflatorischen Charakter hat, gleich als deflatorisch bezeichnen und

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIf

3. April 1957

und glauben wollten, daß alle Wirtschaftszweige ständig bis an die
Grenze ihrer Kapazität ausgelastet sein müssen und daß der Verkäufermarkt das unabänderliche Ziel zu sein habe, dann müßten wir die Inflation als Bestandteil unseres nationalen Lebens hinnehmen. Wir sollten
uns vielmehr zu der Erkenntnis durchringen, daß Hochkonjunktur und maxi»
male Expansion auf lange Sicht nicht identisch zu sein brauchen mit Hochkonjunktur und maximaler Expansion im Augenblick.
Da das vor uns liegende Jahrzehnt, so scheint es mir jedenfalls,
eher eine Überbeanspruchung denn eine Unterbeanspruchung unserer Wirtschaft und damit eher eine Verknappung denn ein Überangebot an Arbeitskräften mit sich bringen dürfte, müssen wir zur Erreichung des Zieles
einer Prosperität bei stabilen Preisen von Zeit zu Zeit vorsichtige Konjunkturbremsen entwickeln und anwenden, und zwar immer dann, wenn eine
Konjunkturüberhitzung zu einem allgemeinen Anstieg des Preisniveaus zu
führen droht. Diese Konjunkturbremsen, die unserem Wirtschaftssystem
angemessen sein müssen, sollten so allgemeiner Natur sein, daß dem
einzelnen noch ein Höchstmaß an freiem Spielraum gewährleistet bleibt.
Das heißt mit anderen Worten, sie sollten über den Marktmechanismus
zur Anwendung kommen. Zu diesen restriktiven Maßnahmen zählen die generelle Währungskontrolle, die die Kosten und das Angebot von Kapital
beeinflußt, und die staatliche Finanzpolitik, die sich über das Ausgaben-, Steuer- und Schuldengebaren der öffentlichen Hand auswirken. ...
Ich bin mir darüber klar, daß Kreditrestriktionen ihrerseits wieder besondere Probleme aufwerfen: es ist dann einfach nicht genügend
Geld verfügbar. Es ist bedauerlich» daß mancher Industriezweig darunter
zu leiden haben wird. Solche Maßnahmen werden zwangsläufig den einen mehr
und den anderen weniger treffen, wie dies bei allen Wirtschaftsbewegungen der Fall ist. Ich halte es" durchaus für angebracht, daß die Regierung, so wie dies ohnehin der Fall ist, durch besondere Maßnahmen die
Klein- und Mittelbetriebe, die Landwirtschaft und den Wohnungsbau unterstützt - allerdings nur unter der Voraussetzung, daß mit der Rationierung
des Geldmarktes nicht unzureichende Mittel eingesetzt und damit die gesamte restriktive Politik ausgehöhlt wird. Ich glaube auch, daß wir
ständig uns darum bemühen sollten, Mittel und Wege für eine Verbesserung
des Apparates zu finden, dem die Ausführung der Währungspolitik anvertraut ist. Hier könnte die vom Präsidenten vorgeschlagene nationale
Währungskommissianein dankbares Arbeitsgebiet finden.
Was die Finanzpolitik der öffentlichen Hand angeht, so ist es klar,
daß die Ausgaben und Käufe in Zeiten der Konjunkturüberhitzung, die sich
am Preisthermometer ablesen läßt, auf ein Maß reduziert werden müssen,
das von der Notwendigkeit der Gesunderhaltung der Gesamtwirtschaft diktiert wird; die Einnahmen sollten in solchen Zeiten die Ausgaben übersteigen, und die öffentliche Hand sollte die Lage auf dem Kapitalmarkt
nicht durch Aufnahmen von Anleihen weiter verschärfen und damit dem
Kapitalmarkt Investitionsmittel entziehen.
Eines der wichtigsten Ziele der gegenwärtigen Regierung bei Übernahme ihrer Funktionen vor vier Jahren war es deshalb auch, den Staatshaushalt wieder unter Kontrolle zu bringen. Im abgelaufenen Finanzjahr

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

3. April 1957

Finanzjahr wurde der Haushalt ausgeglichen. Er wird auch in diesem Finanzjahr ohne Defizit abschließen, und auch der Haushaltsvoranschlag
für das Finanzjahr 1958 ist in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen.
Die Regierung ist darüber hinaus um eine Verringerung der Steuerlast
bemüht, damit jeder einzelne einen größeren Anteil seines Einkommens
zur Deckung seines eigenen Bedarfes oder für Zwecke des Sparens übrigbehält .
Wenn diese Währungs- und Finanzkontrollen auch zur Schaffung eines
Wirtschaftsklimas geeignet scheinen, das die Erreichung des Zieles der
Prosperität bei stabilen Preisen begünstigt, so muß aus Gründen der
Fairness doch auch gesagt werden, daß hierzu auch noch einige Mithilfe
in Gestalt anderer Maßnahmen notwendig ist. Wie bereits erwähnt, sollte
man sich diese Hilfe nicht von Lohn-, Preis- und Rohstoffkontrollen erhoffen. Wollten wir von ihnen unser Heil erwarten, dann käme dies dem
Eingeständnis gleich, daß uns unser Wirtschaftssystem nicht zu dem erstrebtön Ziel zu bringen vermag. Wir sollten Hilfe vielmehr von jener
Seite erwarten, auf die der Präsident in seinen Kongreßbotschaften vom
Januar verwiesen hat.
Es sei daran erinnert, daß er die Unterstützung der Gewerkschaften
und des Unternehmertums für die Bemühungen zur Eindämmung des inflatorischen Druckes steigender Kosten zu gewinnen suchte. Er verwies die
führenden Männer unserer industrialisierten Wirtschaft auf die Auswirkungen ihres Verhaltens bei Lohnverhandlungen auf die gesamte Wirtschaft
und ermahnte sie, durch ihre Entscheidungen nicht die Lohn-Preisspirale
in Bewegung zu setzen. Er forderte sie auf, sich von ihren langfristigen
und nicht von ihren Tageszielen leiten zu lassen.
Dieser Appell des Präsidenten erhielt keinen ungeteilten Beifall.
Er wurde als naiv, praktisch undurchführbar und phantastisch bezeichnet.
Vielleicht ist das auch richtig, ich allerdings wage dies zu bezweifeln.
Immerhin wurden dadurch eine sehr nützliche Diskussion in der breiten
Öffentlichkeit sowie eingehende Untersuchungen über die Zusammenhänge
zwischen Produktivität und Löhnen, Gestehungskosten und Preisen ausgelöst. Die große Masse, die am Ende des Weges vom Rohstoff zum fertigen
Produkt steht und die Preise für es zu zahlen hat, dürfte in Zukunft
bei Lohnverhandlungen in den Schlüsselindustrien als stiller Partner
durchaus etwas besser vertreten sein. Und schließlich glaube ich auch,
daß der Präsident manchen Amerikaner dazu veranlaßt hat, sich etwas
mehr Gedanken darüber zu machen, daß nicht nur die Regierung, sondern
jeder' einzelne für die Entwicklung der Wirtschaft mitverantwortlich
ist. Wir können unser Ziel nur dann erreichen, wenn die Erkenntnis
Verbreitung findet, daß das Gesamtproblem der Stabilisierung der Wirtschaft nicht einfach der Regierung in die Schuhe geschoben werden kann«
Ein weiteres mit der Aufrechterhaltung der Konjunktur eng zusammenhängendes Problem ist die Tendenz, nach Regierungseingriffen in
das Marktgefüge zu rufen, um diesem oder jenem Industriezweig eine
Teilnahme an der allgemeinen konjunkturbedingten Aufwärtsentwicklung
der Wirtschaft zu sichern. Gerade der Wettbewerb aber ist eine der
wichtigsten Kräfte, auf die wir uns in unseren Bemühungen um die Fortdauer einer gesunden Konjunktur stützen können. Jeder Versuch, den

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J. April 1957

den Wettbewerb irgendwie einzuschränken, ist daher für die Gesamtwirtschaft höchst gefährlich. Solche Tendenzen sind natürlich durchaus
verständlich, weil in einer Periode der Hochkonjunktur ein Nachhinken
eines Wirtschaftszweiges oder einer Firma hinter der Gesamtentwicklung
sehr leicht von den Betroffenen als Krisenzeichen und von Außenstehenden
als schwacher Punkt der Prosperität angesehen werden kann. Ich bin
tief beeindruckt davon, daß mir in meiner amtlichen Funktion in unserer
gegenwärtigen Zeit der Wirtschaftsblüte von allen möglichen Seiten recht
eigenartige Vorschläge gemacht werden, wie Senkung dieser oder jener
Steuer, Förderung des Kapitalmarktes durch die Bereitstellung von Mitteln oder Übernahme von Garantieverpflichtungen durch die Regierung,
Einschränkung des freien Wettbewerbs, Ankauf von Waren zu höheren als
den Marktpreisen durch die Regierung und andere, künstliche Stützmaßnahmen
für die von der Konjunktur weniger begünstigten Wirtschaftszweige. Bei
Betrachtung dieser Vorschläge gewinnt man fast den Eindruck, daß manche
Kreise glauben, die Regierung solle bei jeder auftretenden rückläufigen Tendenz auf irgendeinem Wirtschaftssektor gleich mit einer Bereitstellung zinsgünstiger Kredite reagieren. Eine derartige Einstellung
ist im Grunde genommen natürlich eine Negierung der Wirksamkeit des
Systems der freien Marktwirtschaft und sollte deshalb mit größter Vorsicht behandelt werden. Das gleiche gilt für die Auffassung, daß jedes
Wirtschaftsunternehmen, gleichgültig welcher Art und unabhängig von den
sonstigen Umständen ein Recht auf Erfolg habe.
Eine freie und dynamische Wirtschaft muß elastisch genug sein, um
konjunkturbedingte Schwankungen in den einzelnen Wirtschaftsbereichen
auszugleichen. Sie kann von sich aus die unterschiedlichen Belastungen,
die sich aus Verlagerungen in der Nachfrage und dem technischen Fortschritt ergeben, laufend auspendeln. Sollte die Regierung von ihrer
Aufgabe ablassen, die Voraussetzungen für einen gesunden Wandel und
eine laufende Anpassung an die jeweiligen Umstände zu schaffen und
statt dessen dazu übergehen, spanische Wände gegen den frischen Wind
eines echten Wettbewerbs zu errichten, dann leistet sie unseren Hoffnungen auf ein gesundes Wachstum der Wirtschaft sowohl im gegenwärtigen
Augenblick als auch in Zukunft einen sehr schlechten Dienst.
Das amerikanische Bruttosozialprodukt in konstanten Dollars stieg
im Jahre 1955 gegenüber dem Vorjahr um 27 Milliarden. In allen größeren Sparten - abgesehen von den Regierungskäufen - war eine entsprechende Zunahme zu verzeichnen, die bei den Aufwendungen für langlebige
Verbrauchsgüter und Neubauten prozentual am höchsten lag. Im Jahre
1956 dagegen gingen die Aufwendungen für langlebige Verbrauchsgüter
und Neubauten und hier insbesondere die Aufwendungen für den Erwerb
von Kraftfahrzeugen und im Wohnungsbau zurück. Trotz dieses Rückganges
war bei den Ausgaben für die Beschaffung von Produktionsmitteln eine
Verdoppelung der Zuwachsrate des Vorjahres zu verzeichnen, und so
stieg das Bruttosozialprodukt 1956 dennoch um weitere 2,5$. Dies ist
ein Beispiel für eine echte Elastizität der Wirtschaft, die die Möglichkeit schafft, ein Nachlassen der Geschäftstätigkeit in einem Wirtschaftssektor durch verstärkte Tätigkeit in einem anderen auszugleichen.
Sie bietet die Gewähr für ein ununterbrochenes starkes Wachstum der
Gesamtwirtschaft.
„.

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

3. April 1957

Ein Gegenbeispiel bildet die Landwirtschaft, die sich innerhalb
der letzten eineinhalb Jahrzehnte zweimal vor die Notwendigkeit gestellt
sah, einen kriegsbedingten erhöhten Bedarf an Nahrungsmitteln und Rohstoffen zu decken. Die anschließende Umstellung der Landwirtschaft auf
die normalen friedenswirtschaftlichen Marktverhältnisse war ein sehr
schmerzlicher Prozeß. Eine endgültige Anpassung wird sich aber nie vollziehen, wenn die Entwicklung auf diesem Sektor durch unrealistische
und umfassende Preisstützungsgesetze von den Einflüssen der Märkte isoliert wird, wo die Verbraucher ihre Wünsche zum Ausdruck bringen. Wir
müssen uns der marktregulierenden Kräfte bedienen und dürfen sie nicht
lahmlegen, wenn die Landwirtschaft einen Ausweg aus ihrer gegenwärtigen
Zwangslage finden soll.
Ein drittes Problem, das wir im Zusammenhang mit der Aufrechterhaltung unserer Prosperität lösen müssen, ist die Förderung der Spartätigkeit. Denn allein durch eine rege Spartätigkeit können die für
ein gesundes Wachstum der Wirtschaft erforderlichen finanziellen Mittel
beschafft werden. Voraussetzung hierzu ist aber das Abrücken von der
aus der Zeit der großen Wirtschaftskrise herrührenden Vorstellung, daß
die Schwierigkeiten unserer Wirtschaft auf eine zu lebhafte Spartätigkeit
und einen zu geringen Verbrauch zurückzuführen seien. Trotz des gegenwärtigen Rekordsparvolumens reichen in den Vereinigten Staaten die vorhandenen Ersparnisse nicht aus, um den Investitionsbedarf voll befriedigen zu können; dies läßt sich ganz deutlich an den steigenden Zinssätzen und an der Tatsache ablesen, daß viele kreditwürdige Firmen die
benötigten Mittel nicht erhalten können. Wir wollen aber dennoch die
zwischen Spareinlagen und Investitionsbedarf klaffende Lücke nicht durch
übermäßige Gewährung von Bankkrediten überbrücken.
Um eine Lösung für dieses Problem finden zu können, müssen wir zunächst einmal begreifen lernen, daß einige unserer Steuergesetze, die
in den dreißiger Jahren mit dem Ziel erlassen worden sind, den Verbrauch
zu fördern und die Spartätigkeit zu beschränken, inzwischen restlos
unzeitgemäß geworden sind. Wir sollten uns beim Erlaß neuer Steuergesetze darüber im klaren sein, daß die Zeiten vorüber sind, in denen man
ein Loch zustopfen konnte, indem man ein anderes aufriß. Wir müssen die
Spartätigkeit fördern, um die für das weitere Wachstum unserer Wirtschaft
benötigten Mittel zu beschaffen. Ich kann den Leuten, die die Rolle der
Spareinlagen für die Entwicklung der Gesamtwirtschaft unterstreichen
nur recht geben, denn gerade die Ersparnisse sind von entscheidender
Bedeutung für die Mehrung unserer materiellen Hilfsquellen. Wir Amerikaner täten gut daran, uns das Motto der Sparbewegung in England zu eigen
zu machen: "Gib nicht in einer Woche das ganze Geld aus, das du in
einer Woche verdient hast."
Diese richtige Einschätzung der Bedeutung der Spartätigkeit macht
aber auch eine Rückkehr zur Vernunft bei den Erörterungen um die Zinssätze notwendig. Unter allen Preisen, die von unserer Wirtschaft gefordert und bezahlt werden, sehen manche Kreise gerade in den Zinssätzen etwas Schädliches. Trotz der Tatsache, daß die meisten Ersparnisse heute in Industrieaktien und Obligationen gesteckt werden und

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

3. April 1957

und die noch verbleibenden Beträge größtenteils vertraglich auf längere Zeit festgelegt werden und damit dem Einfluß von Zinsänderungen
nur in geringem Maße unterliegen, ist dennoch mit Sicherheit anzunehmen, daß eine höhere Verzinsung der Ersparnisse dem Sparwillen neuen
Auftrieb verleihen dürfte. Wer in den Zinsen lediglich Kosten erblickt,
sollte sich auch einmal überlegen, daß sie eben der Lohn für das Sparen
sind. Wenn wir uns zu keinem besseren Verständnis dieser Grundtatsache
durchringen, so schaffen wir damit ein sehr ernstes Hindernis für ein
weiteres gesundes Wachstum unserer Wirtschaft.
Unsere Generation steht vor neuen großen Aufgaben und Möglichkeiten. Es bietet sich uns die Chance, einen weiteren gewaltigen Schritt
auf dem Weg zu wirtschaftlichem Aufstieg aller Angehöriger unseres
Volkes vorwärts zu tun. Wir haben ein Produktions- und Verteilungssystem, das seinesgleichen sucht, ein System, das die Unterstützung
des gesamten amerikanischen Volkes genießt. Die breite Masse in Amerika
ist der Treuhänder dieses Wirtschaftssystems, und sie erntet die Früchte
der gegenwärtigen Prosperität. Wir müssen die Wirtschaft gesund erhalten,
damit sie unseren Bedürfnissen und denen nachfolgender Generationen
auch in Zukunft gerecht zu werden vermag. Wir müssen unsere freie Marktwirtschaft erhalten und das Wettbewerbssystem, auf das sie sich gründet. Wir müssen allen Wunderdoktoren und Kurpfuschern das Handwerk legen,
denn ihre noch so wohlmeinenden Bemühungen würden unsere Wirtschaft auf
den Weg der Mittelmäßigkeit drängen. Diese Aufgabe fordert von uns sowohl die Bereitschaft, unser System durch Beseitigung von Schwächen
immer mehr zu vervollkommnen als auch die Entwicklung des Gefühls dafür, wo seine Belastungsgrenze liegt. Welche große Forderungen aber
diese Aufgabe auch an uns stellen mag, es lohnt sich, sie auf sich
zu nehmen.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./3.4.1957
DIE VEREINIGTEN STAATEN UND DIE
ATLANTISCHE ALLIANZ

PARIS - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut einer Ansprache, die der Ständige
Vertreter der Vereinigten Staaten bei der Nordatlantik-Pakt-Organisation, Botschafter George
Perkins, am 27. März in Paris vor der französischen NATO-Gesellschaft in Anwesenheit ihres
Präsidenten, des ehemaligen französischen Außenministers George Bidault, gehalten hat.

Ich freue mich darüber, daß man mich gebeten hat, heute hier
vor Ihnen über das Thema "Die Vereinigten Staaten und die atlantische
Allianz" zu sprechen. Es ist immer ein Vergnügen, ein Thema zu behandeln, für das man selbst begeistert ist. Ich darf an den Beginn
meiner Rede das bemerkenswerte Ergebnis einer demoskopischen Umfrage in den Vereinigten Staaten stellen, bei der sich zeigte, daß
mehr als BOjk aller Amerikaner für eine Teilnahme der USA an der
NATO und für eine Unterstützung dieser Organisation eintreten. Sie
werden sich sicher darüber im klaren sein, daß dies ein sehr hoher
Prozentsatz für ein Land ist, das in seiner bisherigen Geschichte
einen isolationistischen Kurs verfolgt hat.
Um aber die gegenwärtige Einstellung der Vereinigten Staaten
zur NATO völlig verstehen zu können, muß man sich einmal überlegen,
wie sich diese Haltung herausgebildet hat. Ich sage dies, weil ich
restlos davon überzeugt bin, daß das gegenwärtige Interesse der
Vereinigten Staaten an der NATO weit über die ursprünglichen Absichten hinausgeht, die wir zur Zeit der Unterzeichnung des Nordatlantik-Paktes hatten.
Ich war zu dem Zeitpunkt, als der Nordatlantik-Pakt ausgehandelt wurde, nicht in Washington. Ich gehörte damals gerade zur USMission beim Europäischen Wirtschaftsrat (OEEC) hier in Paris, an
deren Spitze Mr. Harriman stand, und befaßte mich im Zusammenhang
mit der Durchführung des Marshall-Plans mit Fragen des industriellen Wiederaufbaus. Auf Grund meiner in der Folgezeit gesammelten
Erfahrungen bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß die Vereinigten Staaten vor allem an der in den Vertrag einbezogenen Erklärung

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�"AMERIKA DIENST

3. April 1957

Erklärung interessiert waren, die besagt: "Die vertragschließenden
Staaten kommen dahingehend überein, daß ein bewaffneter Angriff gegen einen oder mehrere von ihnen in Europa oder Nordamerika als ein
Angriff gegen alle anzusehen ist," In dem betreffenden Artikel heißt
es ferner, daß jeder Partnerstaat im Falle eines solchen Angriffs
dem Angegriffenen mit solchen Maßnahmen - unter Einschluß des Einsatzes bewaffneter Streitkräfte - zur Hilfe kommen wird, die er als
notwendig erachtet, um die Sicherheit des nordatlantischen Raumes
wiederherzustellen und zu wahren. Ich bin sicher, daß die Vereinigten Staaten der Auffassung waren, diese Formulierung würde j§&lt;iem
möglichen Aggressor eindeutig zu verstehen geben, daß er sich im
Falle eines Angriffs der kombinierten Stärke sämtlicher Signatarmächte gegenübersehen werde. Um ganz klarzustellen, warum die Vereinigten Staaten dieser Erklärung soviel Gewicht beigemessen haben,
müssen Sie mir gestatten, noch etwas weiter in die Geschichte zurückzugehen. Ich brauche wohl nicht erst daran zu erinnern, daß die
Vereinigten Staaten erst spät in die beiden V/eltkriege eingegriffen
haben. In den Vereinigten Staaten setzte sich in der Zwischenzeit
allmählich die Überzeugung durch, daß es besser gewesen wäre, wir
hätten früher gehandelt. Man gewann ferner, so will es mir scheinen,
die Überzeugung, daß es im Falle eines solchen frühzeitigen Handelns
sogar möglich gewesen wäre, diese furchtbaren Konflikte überhaupt
zu vermeiden. Aber selbst wenn das nicht der Fall gewesen wäre, so
hätte doch ein rascheres Handeln unsererseits diese Kriege viel frühzeitiger und unter geringeren Verlusten an Gut und Blut beenden können. Man war also, in kurzen Worten ausgedrückt, zu der Schlußfolgerung gelangt, daß eine Politik der Neutralität für ein Land, das
zwangsläufig früher oder später in einen etwaigen Krieg verwickelt
werden würde, nicht als eine konstruktive Politik gelten dürfe.
Diese Gedankengänge wurden in den Vereinigten Staaten erstmals im
ersten Weltkrieg vorgebracht. So kann ich mich selbst noch an einen
Vorfall erinnern, der sich zur Zeit des ersten Weltkrieges noch vor
dem Eingreifen der Vereinigten Staaten abspielte. Mein Vater nahm
mich eines Tages mit zu Ex-Präsident Theodore Roosevelt, der ihn
zum Essen eingeladen hatte. Theodore Roosevelt war, wie Sie sicher
alle wissen werden, ein Mann mit einer sehr festen Meinung und zögerte auch nicht, diese unverblümt auszusprechen. Während des Essens
vertrat Roosevelt die Auffassung, daß er den Krieg, falls er im Zeitpunkt seines Ausbruchs noch Präsident gewesen wäre, sicherlich hätte
verhindern können. Auf erstaunte Einwände erwiderte Roosevelt, er
hätte dem deutschen Kaiser mitteilen lassen, daß die Vereinigten
Staaten für den Fall, daß Deutschland einen Krieg beginne, den
Alliierten zur Hilfe eilen werden. Ob eine solche Erklärung einen
Krieg hätte verhindern können oder nicht, bleibt fraglich; es steht
aber meiner Meinung nach fest, daß das amerikanische Volk heute sehr
für jene Handlungsweise eintritt, für die sich Roosevelt bei jenem
Essen aussprach.
Solche Erwägungen ließen im Winter 1948/49 di e Vereinigten
Staaten zu der Einsicht gelangen, wie recht die Signatarstaaten des
Brüsseler Paktes gehandelt hatten, als sie sich für Zwecke der Verteidigung zusammenschlössen. Die Vereinigten Staaten kamen ferner

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�"AMERIKA DIENST"

3. April 1957

ferner zu dem Schluß, daß sie sich diesen Bestrebungen anschließen
sollten, und daß die entsprechenden Bemühungen womöglich noch erheblich verstärkt werden sollten. Das Ergebnis war der Abschluß des
Nordatlantik-Paktes, der am 4» April 1949 v ° n 12 Staaten in Washington unterzeichnet wurde.
Um meine These noch zu untermauern, daß Artikel V des Vertrags
für die Vereinigten Staaten von größtem Interesse war, darf ich hier
nochmals auf meine eigenen Erfahrungen zu sprechen kommen. Im Sommer
1949 wurde ich nach Washington beordert, um das Amt eines Unterstaatssekretärs für europäische Angelegenheiten im US-Außenministerium zu
übernehmen. Die Ratifikationsurkunden des Nordatlantik-Paktes wurden
kurz darauf, Anfang September, in Washington hinterlegt, und die
erste Tagung des Nordatlantikrates wurde zum 17. September einberufen.
Es war einer meiner ersten Aufträge nach Antritt meines neuen Amtes
im Außenministerium, den Vorsitz in einem internationalen Arbeitsstab zu führen, der den im Nordatlantik-Pakt vorgesehenen Apparat
aufbauen sollte. Ich muß Ihnen offen gestehen, daß ich mir damals
als erstes zunächst den Vertragstext kommen lassen mußte, da ich
ihn bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal gelesen hatte. Inzwischen habe ich das aber mehr als nachgeholt.
Der internationale Arbeitsstab machte sich sogleich an seine
Aufgabe. Der Vertrag sah bestimmte, allerdings nicht genau umrissene
ständige Einrichtungen vor, vor allem auf militärischem Gebiet. Wir
stellten die diesbezüglichen Pläne fertig, einigten uns dabei aber
darauf, den Apparat so klein wie möglich zu halten. '.Vir kamen ferner
zu dem Ergebnis - und das wird sicherlich Herrn Bidault besonders
interessieren -, daß diese Probleme für die Außenminister zu schwierig und auch zu sehr technischer Natur seien, und daß wir deshalb
die von ihnen auf dieser Tagung zu fassenden Entschlüsse in allen
Einzelheiten vorbereiten sollten. Wir stellten ein Programm auf,
das man schon fast als eine vollständige Regieanweisung bezeichnen
kann, in der die Rolle eines jeden Ministers genau festgelegt war.
Das Ergebnis war eine Tagung, die man vielleicht als einen Triumph
der Organisationskunst bezeichnen könnte. Zwölf Außenminister kamen
zur Erörterung wichtiger Probleme zusammen und trafen alle notwendigen
Entscheidungen - einschließlich des Kommuniques - in einer knappen
Stunde. Wir haben niemals den Versuch gemacht, einen solchen Triumph
ein zweites Mal zu erringen, weil wir uns sehr schnell darüber klar
wurden, daß die Außenminister nicht nur selbst den Wunsch hatten,
sich frei untereinander auszusprechen, sondern es auch wünschenswert sei, daß eine solche Aussprache stattfindet.
Wie ich bereits ausführte, lag das Schwergewicht im organisatorischen Aufbau zunächst auf militärischem Gebiet. Aber auch hier gab
es keine wirklich internationale Organisation.
Es wurden Ausschüsse gebildet, aber auch diese setzten sich
wiederum aus Landesvertretern zusammen. Und im nichtmilitärischen
Bereich gab es überhaupt keinerlei Organisation. Man nahm es allgemein einfach als Tatsache hin, daß alle Funktionen, wie sie ein

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ein internationales Sekretariat normalerweise ausübt, von meiner
Dienststelle im US-Außenministerium ausgeübt werden. In praxi wurde
ein einziger Beamter mit der Ausführung dieser Aufgaben betraut,
und auch er verwandte nur die Hälfte seiner Zeit auf NATO-Fragen.
Heute haben wir in der Zivilorganisation im Palais Chaillot einen
internationalen Stab mit rund 600 Mitarbeitern, zu denen noch die
Angehörigen der Delegationen der Mitgliedstaaten hinzuzurechnen sind.
Die Vereinigten Staaten waren zunächst einmal mit diesem Mindestmaß an organisatorischem Aufbau einverstanden, während einige der Mitgliedstaaten die Auffassung vertraten, daß man damit nicht auskommen
könne. Ich erinnere mich, daß besonders Frankreich die Auffassung
vertrat, daß weit mehr getan werden müsse, wenn die Wiederaufrüstung
Europas Wirklichkeit werden solle. Die Vereinigten Staaten hatten
jedoch ihren Militärhaushalt drastisch gekürzt und waren wenig geneigt, ein rascheres Tempo einzuschlagen. Diese Darstellung dürfte
meiner Meinung nach ausreichen, unsere ursprünglichen Intentionen
verständlich zu machen.
Im Verlauf des Winters 1949/50 zeigte sich, daß die lockere Organisation, die ich eben geschildert habe, unzureichend war und daß
sie einer Stärkung bedurfte. So gehörten die Vereinigten Staaten auf
der Londoner Konferenz vom Mai 1950 zu den Ländern, die sich für die
Schaffung des Rates der Stellvertreter einsetzten. Die USA wurden
aufgefordert, den Vorsitzenden dieser Körperschaft zu bestellen, ein
Ersuchen, dem sie gerne nachkamen. Noch immer aber gab es keine
wirklich internationale Organisation. Die gesamte Arbeit wurde von
Vertretern der einzelnen Länder ausgeführt, die in den verschiedenen
Ausschüssen saßen. Dennoch hatten wir damit schon ein beachtliches
Stück Weges zurückgelegt; hatten die Vereinigten Staaten doch nunmehr statt jenes einen Beamten in meiner Dienststelle ebenso wie
andere Länder eine richtige Delegation in London bei der NATO.
Dann begann der Korea-Konflikt. Die Haltung sämtlicher NATOMitgliedstaaten erfuhr in diesem Augenblick eine ganz einschneidende
Veränderung. Militärische Fragen rückten stark in den Vordergrund.
Die Streitkräfte der einzelnen europäischen Mitgliedstaaten der NATO
waren damals noch sehr schwach. Sie mußten verstärkt, bewaffnet und
zu einer einheitlichen schlagkräftigen Streitmacht zusammengefaßt
werden. Das Gebiet, in dem Europa zu verteidigen war, zog sich entlang der Ostgrenzen Deutschlands hin. Wie hätte dieses Problem ohne
eine Beteiligung Deutschlands gelöst werden sollen? Die Wiederbewaffnung Deutschlands warf aber natürlich für Frankreich und viele andere
Staaten ein ernstes Problem auf. Wir alle hegen größte Bewunderung
für die Art und Weise, wie Frankreich sich auf dieses Problem eingestellt hat und auch dafür, wie es die Frage seiner Beziehungen zu
Deutschland gelöst hat.
Nach Beginn des Korea-Konfliktes verstärkten die Vereinigten
Staaten ihre Aktivität innerhalb der NATO weiter. Wir erhöhten das
militärische Potential in Europa. Wir stimmten im Dezember 1950 in

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3. April 1957

in Brüssel der Schaffung einer internationalen Befehlsstruk^ur zu
und ernannten auf Ersuchen General Eisenhower zum Oberbefehlshaber.
Seit jener Zeit haben wir unsere Streitkräfte hier belassen und
große Mengen an Ausrüstungsmaterial nach Europa gesandt, um den europäischen Staaten bei der Aufrüstung zu helfen. Diese Hilfe wird noch
fortgesetzt.
Auf dem zivilen Sektor setzten wir uns auf der Lissabonner Konferenz Tom Februar 1951 tatkräftig für die Schaffung eines wirklich
internationalen Stabes ein, der in den vergangenen fünf Jahren von
Lord Ismay so hervorragend geleitet worden ist. Wir bedauern es, daß
er sich veranlaßt sieht, dieses Amt aufzugeben und freuen uns aufrichtig darüber, daß ein Mann wie Paul Henry Spaak sein Nachfolger sein
wird. Die Vereinigten Staaten haben auch hier, wie gesagt, bereitwillig
mitgearbeitet und sind auch weiterhin zur Mitarbeit bereit; wir erwarten, daß auch die anderen NATO-Mitgliedstaaten ihren vollen Beitrag
leisten. Nach dieser kurzen und zusammenfassenden Erörterung des
Interesses und der Beteiligung der Vereinigten Staaten an der NATO
werden Sie wohl, wie ich hoffe, verstehen, was ich damit meinte, als
ich erklärte, daß das gegenwärtige Interesse der USA an der NATO über
unsere ursprünglichen Intentionen hinausgeht.
Was die Vereinigten Staaten getan haben, kann man als Illustration
ihres Interesses an der NATO werten. Noch wichtiger für einen Ausblick
auf die künftige Entwicklung ist aber vielleicht das Warum. Es ist
nicht leicht, die Gründe für unser Handeln zu analysieren. Sie leiten
sich aus einer Vielzahl sehr verwickelter Motive und Erwägungen her.
Es dürfte aber ganz nützlich sein, einige der für unser Denken wichtigsten Faktoren hier zu erörtern.
Zunächst einmal ist sich das amerikanische Volk meiner Meinung
nach restlos darüber klar geworden, daß es nicht für sich allein auf
der Welt existieren kann, auch wenn unser Land noch so stark und kräftig ist. Die wissenschaftliche und technische Entwicklung hat uns im
Verein mit der Produktionskapazität unserer gewaltigen Industrie einen
Lebensstandard eingebracht, von dem man früher noch nicht einmal zu
träumen wagte. Dieselbe Entwicklung hat aber auch Zeit und Raum so
sehr zusammenschrumpfen lassen, daß sie aufgehört haben, eine Art
Schutzschild für unseren Kontinent zu bilden. Und in Auswirkung eben
dieser Entwicklung können wir den Rohstoffbedarf unserer Industrie
nicht mehr ausschließlich aus unserem eigenen Lande decken; wir
decken ihn vielmehr in zunehmendem Maße aus anderen Teilen der freien
Welt. Diese Dinge haben sehr dazu beigetragen, daß wir viel von unserer Unabhängigkeit von der übrigen Welt verloren haben.
Aber selbst wenn wir in keinem solchen Abhängigkeitsverhältnis
zu anderen stünden, würden wir uns doch wohl kaum von der übrigen
Welt zurückziehen. Wir glauben an Begriffe wie Demokratie, Freiheit
und Gerechtigkeit. Wir würden nicht zusehen wollen, wie andere Teile
der Welt, die frei sind, diese ihre Freiheit verlieren, während wir

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3. April 1957

wir untätig dabeisitzen.
In diesem Gesamtzusammenhang wird unser besonderes Interesse an
der NATO sicherlich leicht verständlich. Fast alle Bewohner der Vereinigten Staaten sind europäischer Abstammung, und wir teilen uns in
das kulturelle und religiöse Erbe. Natürlich gibt es zwischen uns auch
einige Meinungsverschiedenheiten. Dabei handelt es sich aber um Unstimmigkeiten, wie sie im Familienkreis vorkommen; und wie bei allen
Familienstreitigkeiten ist es für Außenstehende unklug, sich einzumi sehen.
Auf der rein praktischen Seite verfügen die europäischen NATQMitgliedstaaten über eine große Produktionskapazität, ein Heer an
Facharbeitern und zahlreiche führende Köpfe in praktisch allen Lebensbereichen. Es ist undenkbar, daß sich die freie Welt ohne ein tatkräftiges Mitwirken Europas zusammenhalten ließe.
Die Vereinigten Staaten sind zu der Überzeugung gelangt, daß
der einzige mögliche Weg, einen weiteren Weltkrieg zu verhindern,
darin besteht, bereit zu sein und bereit zu bleiben. Wir wissen, was
mangelnde Bereitschaft bedeutet, und wir wissen auch, daß wir uns
nicht länger erst dann auf einen Krieg vorbereiten können, wenn dieser bereits angefangen hat. Obwohl wir über eine leistungsfähige Industrie verfügten und seit Jahren schon gewarnt waren, mußten unsere
Truppen im Jahre 1918 das hervorragende französische 7»5-cm-Geschütz'
benutzen, da wir nicht in der Lage waren, unsere Truppen rechtzeitig
mit geeigneten Geschützen auszustatten. Dies weiß ich aus eigener
Erfahrung, war ich doch in jenen Tagen selbst Artillerist hier in
Frankreich.
Die Entwicklung der modernen Waffen macht eine ganz andere Art
militärischer Bereitschaft erforderlich. Die Kernwaffen allein stellen
schon eine revolutionäre Entwicklung dar. Darüber hinaus werden beständig neue und immer schnellere Mittel entwickelt, diese Waffen
zum Einsatz zu bringen. Das bedeutet, daß wir ständig vorbereitet
sein müssen: die Männer müssen geschult und das Gerät stets bereit
und an Ort und Stelle verfügbar gehalten werden, damit sie von einem
zum anderen Augenblick eingesetzt werden können. Dieses Vorbereitetsein auf jederzeitiges blitzschnelles Handeln läßt keinen Raum mehr
für halbe Maßnahmen.
Noch sind die NATO-Streitkräfte nicht so stark, wie sie sein
sollten; wir sind aber alle ständig um die Erreichung des Ziels bemüht, an Ort und Stelle genügend Menschen und Waffen verfügbar zu
halten, die jederzeit bereit zum Einsatz sind. Wir haben auch Fortschritte auf unserem Weg zu diesem Ziel gemacht. Die Vereinigten
Staaten haben selbst große Anstrengungen unternommen und auch die
Bemühungen ihrer Alliierten unterstützt, entsprechende Streitkräfte
aufzustellen. Sie schlagen vor, daß diese Bemühungen fortgesetzt
werden.
Ein

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3. April 1957

Ein weiterer Grund, der uns in unserem Glauben an die NATO
bestärkt, ist die Überzeugung, daß sie eine entwicklungsfähige
Organisation ist. Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß vieles
noch geschehen muß, ehe wir uns in dem Gedanken zufrieden geben
können, wir wären nunmehr stark genug, den Ausbruch eines weiteren
Krieges zu verhindern; dies ist unser eigentliches Ziel. Ein Blick
auf die Vergangenheit zeigt uns, daß bereits beträchtliche Fortschritte in dieser Richtung erzielt worden sind. Zunächst verfügen
wir seit fünf Jahren über ein gut eingespieltes internationales
Kommandosystem; dergleichen hat es niemals zuvor in Friedenszeiten
gegeben. Dieses Kommandosystem wird noch ständig verbessert, und
auch die Schlagkraft der diesem Kommando unterstehenden Truppen
nimmt noch immer zu. Die Streitkräfte haben gelernt, gemeinsam^
zu operieren, und sie stellen heute tatsächlich eine internationale
Kampftruppe dar. Die Streitkräfte unterstehen aber nicht nur einem
internationalen Kommando - auch das Sekretariat der NATO ist international. Der internationale Stab arbeitet als ein einheitliches
Ganze auf das erfolgreichste.
Ferner ist auf die Erfolge zu verweisen, die hinsichtlich der
Infrastruktur erzielt wurden. Im Rahmen dieses Programms wurden
errichtet: 150 Flugplätze, ein noch im weiteren Ausbau befindliches
Netz von Nachrichtenmitteln und ein Radarfrühwarnsystem, das eng
mit dem Nachrichtennetz verbunden ist; ein Ölleitungssystem - von
9000 km Länge mit allen dazugehörigen Lageranlagen, das in diesem
Jahr seiner Vollendung entgegengeht sowie Befehlsstände, Marinestützpunkte und zahlreiche andere militärische Einrichtungen. Heute wurde
bekanntgegeben, daß weitere beträchtliche Summen bewilligt worden
sind, um diese Anlagen weiterzuentwickeln.
Alle diese Einrichtungen der Infrastruktur stehen allen Mitgliedern der NATO zur Verfügung und werden sämtlich aus einem gemeinsamen Fonds finanziert, zu dem jedes Land seinen entsprechenden Teil
beiträgt. Vielleicht sollte ich bei dieser Gelegenheit nicht unerwähnt lassen, daß jedes Land seinen Anteil für größer hält als er
tatsächlich ist und daß alle übrigen Länder ihn wiederum als für zu
niedrig erachten. Aber vielleicht muß das so sein. Hier zeigt sich
wiederum die einzigartige Form einer internationalen Zusammenarbeit
in Friedenszeiten.
Die Mitgliedstaaten der NATO haben sich in der Zusammenarbeit
hervorragend bewährt. Der Nordatlantik-Pakt sieht auch keir.e anderen
Methoden vor. Theoretisch ist wohl Einstimmigkeit für jede Beschlußfassung notwendig, praktisch jedoch benötigen wir nur Einstimmigkeit
in bestimmten Fragen. Über kleine und große Fragen sind ständig Entscheidungen zu treffen. Wir alle haben in der uns übertragenen Stellung gelernt, uns nicht gegenüber Vernunftsgründen zu verschließen,
so daß Entscheidungen leichter fallen. Ich glaube, das die in der
NATO vertretenen Länder ausnahmslos mitunter Zugeständnisse gemacht
haben, die mit ihren eigenen Interessen nicht mehr ganz im Einklang
standen. Die von uns in der NATO angewandten Verfahren bilden also
keinen Hemmschuh für den Fortschritt. Sie haben sich vielmehr zu

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�"Ai.IERIKA DIENST"

3. April 1957

zu einer
l.'ethodik entwickelt, die die Gewähr dafür bietet,
daß wir unseren Weg guten Willens jene ins am fortsetzen v/erden.
Die Entwicklung der NATO hat ferner gezeigt, daß sie eine ungewöhnliche Fähigkeit besitzt, Rückschläge zu überwinden. Es hat unter den NATO-IIitgliedern Unstimmigkeiten gegeben, die meistens Fragen
außerhalb der NATO betrafen, und verschiedene dieser Unstimmigkeiten
sind ernster Natur gev/er:en und konnten erst nach lan;;er Zeit überwunden werden. Doch hat keine dieser Unstimmigkeiten in irgendeiner
Weise die Arbeit des NATO-Rates, seiner zahlreichen Ausschüsse oder
des internationalen Stabes beeinträchtigt. Wir konnten stets in kameradschaftlichem Geiste zusammenarbeiten. Ich glaube, daß die Existenz
der NATO und die Tatsache, daß ihr alle so große Bedeutung beimessen,
uns wirklich dabei geholfen hat, auftretende Schwierigkeiten zu verringern und dem Gedanken Geltung zu verschaffen, daß sich die I.Iitglieder der NATO über gemeinsame Probleme öfter gegenseitig konsultieren.
In den im vergangenen Dezember veröffentlichten Bericht der drei Weisen wurde dieser Gedanke besonders hervorgehoben. Auch in der Frage
der gegenseitigen Konsultationen über politische Fragen sind Fortschritte erzielt worden, und die Zukunft wird sicher weitere Fortschritte bringen. Es ist jedoch klar, daß das von uns erstrebte Ziel
schwer zu erreichen ist und daß es zahlreiche Hindernisse zu überwinden gilt. Zeitliche Begrenzungen und anderweitige Verpflichtungen
innerhalb und außerhalb der NATO machen es äußerst schwierig, die
von den NATO-I.lit~liedern gewünschten Konsultationen auch immer ganz
durchzuführen. Wir müssen daher die mit dem Problem zusammenhängenden
Schwierigkeiten berücksichtigen und für die bisher erzielten Fortschritte dankbar sein.
Zum Schluß möchte ich noch ein 'Tort zu dem Verhältnis der Vereinigten Staaten zur NATO sagen. Ich weiß, daß unsere NATO-Partner,
oder wenigstens einige unter ihnen, mitunter den Eindruck haben, als
kümmerten sich die Vereinigten Staaten mehr um andere Teile der Welt
als um die NATO. Wenn es auch den Anschein haben mag, daß diese Ansicht
berechtigt ist, sind wir uns doch der Bedeutung bewußt, die die NATO
für uns besitzt, und ich kann Ihnen versichern, daß unsere Interessen
in anderen Teilen der Welt - Interessen, die mit der Verantwortung,
die wir übernehmen mußten, gewachsen sind - uns nicht von dem Bündnis abbringen werden, das den Eckpfeiler unserer westlichen Politik
bildet, wie Präsident Eisenhower es auf den Bermudas ausdrückte.
In dieser kurzen Zeit habe ich Ihnen einige persönliche und
sachliche Eindrücke skizziert - in einer Sprache, die nicht meine
Muttersprache ist -, die Amerikas Interesse an der NATO beweisen»
Ich hoffe, daß es mit meinen Ausführungen gelungen ist, Ihnen klar
zu machen, daß die Vereinigten Staaten ein echtes und bleibendes
Interesse sowohl an Europa als auch an der NATO haben. 'Venn ich
nicht deutlich L;enug herausgestellt haben sollte, wie notwendig und
von welch unersetzlichem Wert die NATO für die Vereinigten Staaten
ist, dann liegt das daran, daß ich mich schlecht ausgedrückt habe.

Die

�3. April 1957

"AMERIKA DIENST"

Die von der NATO geleistete Arbeit habe ich sowohl in Washington
wie in Paris beobachtet. Besonders beeindruckt hat mich die bereitwillige Mitarbeit Frankreichs in der NATO, für die sich gerade Ihre
Gesellschaft so stark einsetzt. Mehr denn je bin ich davon überzeugt,
daß wir in der atlantischen Geneinschaft die gleichen Vorstellungen
von unserer Aufgabe haben, und wenn wir auch nicht die gleiche Sprache
sprechen, so sind doch unsere Ziele die gleichen.

* # * *

9 -

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Allg./ 10.4.57

MURPHY ZUR FRAGK

DER PASSBESCHRÄNKUNGEN UND DES

INTERNATIONALEN KULTURAUSTAUSCHES

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Erklärung, die Robert D. Murphy, der stellvertretende Staatssekretär im US-Außenministerium, am 4« April vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats abgegeben hat.

Es ist mir eine besondere Ehre, hier vor Ihnen erscheinen zu dürfen und mit Ihnen die Frage der Beschränkungen, die das
US-Außenministerium in bezug auf Auslandsreisen amerikanischer
Staatsbürger verhängt hat, sowie gewisse verwandte Probleme zu
überprüfen, die sich auf den Personenaustausch zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Ländern auswirken.
Auf Ihren ausdrücklichen Wunsch hin, Herr Vorsitzender, werde ich die Frage des Reiseverbots für amerikanische Journalisten
nach Rotchina ebenfalls behandeln und michmitdan politischen Aspekten der Beschränkungen von Auslandsreisen amerikanischer Bürger
und eines Kulturaustausches im allgemeinen befassen.
Es ist eine lange Tradition, die maßgeblich und exakt bestimmt,
was ein Paß . ist und welche Rechte Bürger haben, die im Besitz eines
Passes sind. Das erste Paßgesetz geht auf das Jahr 1856 zurück,
obgleich Pässe bereits seit der Gründung des Landes vom Außenministerium ausgegeben wurden. Schon in den Jahren 1803 und 1815 wurde
in Gesetzen, die der Kongreß erließ, ausdrücklich die Tatsache festgestellt, daß dem Außenminister die Ausgabe von Pässen im Rahmen
seiner allgemeinen Vollmachten zur Pflege der auswärtigen Beziehungen obliegt.
Im Jahre 1856 wurde vom Kongreß ferner anerkannt, daß der
Präsident für den Schutz der amerikanischen Bürger im Ausland verantwortlich sei. Durch besonderen Kongreßbeschluß vom 27. Juli
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�"AMERIKA DIENST"

10. April 1957

Juli 1868 wurde später diese Verantwortung dem Präsidenten offiziell
übertragen, wodurch der Präsident ermächtigt wurde, geeignete Maßnahmen
- "die nicht bis zu kriegerischen Handlungen gehen dürfen" - zu ergreifen, um die Freilassung jedes amerikanischen Bürgers zu gewährleisten,
der "auf Veranlassung oder kraft der Gerichtbarkeit der Behörden irgendeines fremden Landes unrechtmäßig seiner Freiheit beraubt ist".
Obgleich der Kongreß die Verantwortlichkeit des Präsidenten anerkennt,
amerikanische Bürger im Ausland zu schützen und ihre Freilassung zu
sichern, falls sie von fremden Regierungen unrechtmäßig in Haft gehalten
werden, hat der Kongreß immer wieder die Vollmacht des Außenministers zur
Ausgabe von Pässen gutgeheißen. Nicht zuletzt geht dies auch aus dem
Kongreßbeschluß vom 3» Juli 1926 hervor. Dieser sieht vor, daß der Außenminister oder sein offizieller Vertreter "unter solchen Bestimmungen,
wie sie der Präsident für die Vereinigten Staaten im Interesse dieses
Landes bestimmen und vorschreiben wird", Pässe genehmigen und ausgeben
kann .
Von jeher entschied also der Außenminister, welche Bürger einen
Paß bekommen und für welches Land dieser gelten soll. Nach Abschnitt
51.135 der Dienstvorschriften des Außenministeriums laut Abänderung
vom 1.0. Januar 1956 werden an Mitglieder der Kommunistischen Partei
und gewisse andere Bürger, die die kommunistische Bewegung unterstützen,
keine Pässe ausgegeben. Darüber hinaus behandelt Abschnitt 51*136 die
Ausgabe von Pässen an gewisse andere Personen. Diese Verfügung lautett
"Zum Schutze der Interessen der Vereinigten Staaten wird - die
direkte und sofortige Rückkehr nach den Vereinigten Staaten ausgenommen einer Person die Inanspruchnahme der mit dem Paßbesitz verbundenen Einrichtungen verweigert, wenn für den Außenminister hinreichend Grund zu
der Annahme besteht, daß das Verhalten und die Tätigkeit des oder der
Betreffenden 1) gegen die Gesetze der Vereinigten Staaten verstößt,
2) der ordnungsgemäßen Aufrechterhaltung von Auslandsbeziehungen oder
3) anderweitig den Interessen der Vereinigten Staaten abträglich sein
würde" .
Neben der in sein Ermessen gestellten Kontrolle darüber, an welche
Personen Pässe ausgegeben werden, kann der Außenminister auch entscheiden,
welche Länder besucht werden dürfen-. Dies wird mit dem Gültigkeitsstempel
im Paß zum Ausdruck gebracht, der genau anführt, welche Länder besucht
und welche nicht besucht werden dürfen. Verfahrensentscheidungen darüber,
welche Länder in das Verbot einbezogen werden sollen, unterliegen, entsprechend der laufenden Entwicklung, einer ständigen Überprüfung. In
Kriegszeiten gelten Pässe nur für verhältnismäßig wenig Länder, und es
wird ständig nachgeprüft, welche Gebiete von Amerikanern sicher bereist
werden können. Beispielsweise hatte der amerikanische Paß während des
zweiten Weltkrieges eine Gültigkeitsdauer von nur sechs Monaten, und
bei der Rückkehr in die Vereinigten Staaten mußte der Bürger seinen Paß
an der Grenze wieder abgeben.
Allgemein gesprochen werden die Vereinigten Staaten die Gültigkeit
eines Passes für den Besuch von Ländern, mit denen wir keine diplomatischen

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10. April 1957

diplomatischen Beziehungen unterhalten, nicht anerkennen. Amerikaner,die
in solche Länder reisen, können nicht in den Genuß des für amerikanische
Bürger und amerikanisches Eigentum im Ausland von unseren ausländischen
Botschaften und Konsulaten gewährten Schutz kommen. Gegenwärtig trägt
jeder amerikanische Paß folgenden gedruckten Vermerk»
"Dieser Paß gilt nicht für Reisen nach Gebieten, die unter der Kontrolle oder Verwaltung von folgenden Ländern stehen, mit denen die
Vereinigten Staaten keine diplomatischen Beziehungen unterhalten«
Albanien, Bulgarien und die kommunistischer Kontrolle unterliegenden
Teile Chinas, Koreas und Vietnams."
Neben der Ungültigkeitserklärung des Passes für Länder, mit denen wir
keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, kann der Außenminister von
Zeit zu Zeit darüber entscheiden, ob die Sicherheit amerikanischer Bürger
in gewissen Ländern noch voll gewährleistet ist. Dies ist einer der Gründe für das gegenwärtige Verbot von Reisen nach Ungarn und das kürzlich
verfügte Reiseverbot nach den vier Ländern Israel, Ägypten, Jordanien und
Syrien im Mittleren Osten. Der Außenminister behält sich, wenn er es für
ratsam hält, die Pässe beispielsweise für Reisen nach Ungarn für ungültig
zu erklären, dennoch das Recht vor, bestimmte Personengruppen, deren Reise
in die genannten Gebiete im Interesse der Vereinigten Staaten läge, von
dem Verbot auszunehmen.
Bei Angehörigen des Roten Kreuzes und von Wohlfahrtsverbäriden, bei
Geistlichen, Missionaren und Pressevertretern werden häufig derartige
Ausnahmen gemacht.
Wenn der Außenminister der Ansicht ist, daß in dem oder jenem Land
sich die Lage wieder stabilisiert hat, kann er das Reiseverbot entweder
für bestimmte Personengruppen oder für alle amerikanischen Staatsbürger
aufheben. Seit gestern - um hier das aktuellste diesbezügliche Ereignis
anzuführen - wird die Lage im Mittleren Osten als ausreichend stabil angesehen, so daß das Reiseverbot nach den vier Ländern wieder aufgehoben
werden konnte.
Neben Erwägungen, die der persönlichen Sicherheit des Reisenden gelten,
ist auch einer der Gründe, weshalb amerikanischen Staatsbürgern die Reise
nach bestimmten Ländern verwehrt wird, der auf ein bestimmtes Land möglicherweise auszuübende psychologische Druck, wenn Amerikaner von ihrer Regierung
nicht die Erlaubnis erhalten, es zu betreten. Beispielsweise unterbanden
die Vereinigten Staaten den Reiseverkehr nach der Tschechoslowakei, nachdem dort ein amerikanischer Journalist, William Oatis, inhaftiert worden
war. Der unfreundliche Ton, mit dem die Auslandspresse den Tschechen begegnete, und ihr Wunsch, daß amerikanische Presseleute und Touristen die
Tschechoslowakei besuchen, haben zweifellos zu der Freilassung von Mr.
Oatis beigetragen. Ein solcher Druck wäre nicht möglich gewesen, wenn
der Außenminister nicht die Befugnis besäße, Reisen nach der Tschechoslowakei zu unterbinden.
Vielleicht wünscht der Ausschuß als Beispiel eines besonderen Falles
eine kurze Analyse der politischen Gründe dafür, daß Amerikanern nicht

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nicht erlaubt wird, Rotchina zu bereisen - abgesehen davon, daß wir keine
diplomatischen Beziehungen zu Rotchina unterhalten. Die Aufmerksamkeit
der Öffentlichkeit konzentriert sich darauf, daß Journalisten die Reiseerlaubnis verweigert wurde, aber ich möchte hier klar herausstellen, daß
dies auch für alle anderen Staatsbürger gilt.
Vielen anderen Personengruppen - Missionaren, Gelehrten, Pädagogen,
Behördenvertretern, Angehörigen von in Haft gehaltenen Amerikanern wurde ebenfalls kein Paß für eine Reise nach Rotchina ausgestellt. Vielleicht darf ich dies so formulieren: Die besonderen, mit der Erteilung
der Reiseerlaubnis für irgendeine Personengruppe verbundenen Vorteile
oder Nachteile waren nicht maßgebend. Die getroffene Entscheidung - und
die Gründe hierfür - war gleichermaßen für alle Amerikaner bindend.
Und vielleicht darf ich hier noch einen Punkt herausstellen, ehe ich
auf die eigentlichen Gründe eingehe: Das Können und die Unparteilichkeit
amerikanischer Korrespondenten standen niemals zur Debatte. Man ist
sich sehr wohl bewußt, wie wichtig eine vollständige Informierung über
die Verhältnisse auf dem chinesischen Festland ist.
Der Grund für die Verweigerung der Reisegenehmigung, der sich aus
den allgemeinen Grundsätzen der amerikanischen Außenpolitik ergibt,
läßt sich etwa folgendermaßen skizzieren:
1) Die Vereinigten Staaten und die Vereinten Nationen einerseits und
Rotchina andererseits befinden sich im Stadium eines noch ungelösten
Konflikts. Der im Jahr 1953 unterzeichnete Waffenstillstand sollte bis zu
einer politischen Regelung Gültigkeit haben. Infolge der Weigerung der
chinesischen Kommunisten, irgendwelche für die Vereinten Nationen annehmbaren Bedingungen auch nur in Erwägung zu ziehen, ist es bisher noch zu
keiner derartigen Regelung gekommen. Der nationale Notstand, der vom
Präsidenten zum Zeitpunkt des ersten kommunistischen Angriffs in Korea
verkündet wurde, ist noch immer in Kraft. Nach amerikanischen Gesetzen
und Verfügungen sind alle Handelsgeschäfte und finanziellen Transaktionen
mit dem kommunistischen China verboten. In dem gegenwärtigen Stadium des
nationalen Notstandes ist eine Reise nach Rotchina ebenfalls untersagt.
2) Die rotchinesische Bedrohung der Republik China, mit der die
Vereinigten Staaten einen Beistandspakt geschlossen haben, ist weiterhin
eindeutig und akut. Die rotchinesischen Vorbereitungen auf dem Formosa
gegenüberliegenden Festland werden weitergeführt. Die Kommunisten haben
sich im besonderen geweigert, auf irgendeine Vereinbarung einzugehen, in
der sie auf die Anwendung von Gewalt im Raum von Formosa verzichten.
Unter derartigen Verhältnissen halten die Vereinigten Staaten es für
unklug, daß ihre Bürger das chinesische Festland bereisen.
3) Da die Vereinigten Staaten, wie ich schon sagte, das chinesische
kommunistische Regime nicht anerkennen, kann der übliche diplomatische
und konsularische Schutz nicht auf Reisen amerikanischer Staatsbürger in
dieses Gebiet ausgedehnt werden. Diese Situation wird noch durch die Tatsache in ein besonderes Licht gerückt, daß die chinesischen Kommunisten
politische Geiseln festgenommen haben und noch immer in Haft halten. Hier

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Hier dokumentiert sich ganz besonders die Notwendigkeit eines solchen
Schutzes. Selbst wenn ein amerikanischer Bürger, der einen Paß beantragt, auf sein Recht auf diesen Schutz verzichtet, ist die Regierung
doch verpflichtet, ihm diesen bis an die Grenzen des Möglichen angedeihen zu lassen.
4) Das rotchinesische Regime, das durch einen bewaffneten Aufstand
an die Macht gelangte, hat diese Macht durch eine Reihe ungesetzlicher
Aktionen konsolidiert. Zu diesen gehören der Einfall in Nordkorea und
der Angriff auf die Streitkräfte der Vereinten Nationen in diesem Gebiet
sowie die unrechtmäßige Inhaftierung amerikanischer Staatsbürger ohne
jegliches Gerichtsverfahren. Zu ihnen zählt ferner die flagrante Verletzung des koreanischen Waffenstillstandsabkommens durch die Einführung
neuer Waffen und Plugzeuge in Nordkorea und, wie wir gesehen haben, die
stetig fortschreitende Aufstellung von Truppenverbänden auf dem Formosa
gegenüberliegenden chinesischen Pestland. In allen diesen Fällen wurde
die Meinung der übrigen Welt zynisch mißachtet. Rotchina scheint es nunmehr für notwendig zu halten, von der Familie der Völker respektiert und
in diese aufgenommen zu werden. Eines der Erfordernisse einer solchen
Respektierung ist die Aufnahme von Handelsbeziehungen und eines kulturellen
Austausches mit den Vereinigten Staaten. Die Voraussetzung ist also eine
Lockerung der von der amerikanischen Regierung verhängten Reisebeschränkungen.
Der Wunsch der chinesischen Kommunisten nach größerer Respektierung
ist in einer Reihe von Konferenzen in Genf zwischen dem amerikanischen
Botschafter U. Alexis Johnson und dem rotchinesischen Botschafter Wang
Ping-nan, die am 1. August 1955 aufgenommen wurden, bestätigt worden.
In diesen Gesprächen erklärte man sich auf rotchinesischer Seite auch
einverstanden, allen amerikanischen Staatsbürgern in Rotchina, die den
Wunsch hätten, nach den Vereinigten Staaten zurückzukehren, diese Rückkehr zu erlauben und Schritte zur Erleichterung der Rückkehr einzuleiten.
Trotz dieser eindeutigen Zusicherung vom 10. September 1955 werden noch
immer acht amerikanische Staatsbürger in Haft gehalten. Botschafter
Johnson steht auf dem Standpunkt, daß Kulturaustausch und Besuche von
Journalisten, wie dies jetzt von den chinesischen Kommunisten gewünscht
wird, nicht in Betracht gezogen werden können, solange amerikanische
Staatsbürger noch in Haft gehalten werden. Andernfalls würde man womöglich
die letzte Chance dieser Menschen, ihre Freiheit wiederzuerlangen, zerstören, und man würde höchstwahrscheinlich einer Art Erpressung nachgeben.
Natürlich ist außerdem zu prüfen, wie unsere Freunde und Verbündeten
reagieren würden, wenn die Vereinigten Staaten einem solchen Druck nachgäben.
Das Vertrauen in unsere Entschlossenheit, aggressiven Absichten des Kommunismus Widerstand entgegenzusetzen, würde geschwächt. Die Führerstellung,
die Amerika übernommen hat, würde ernstlich untergraben werden. Es wäre
äußerst schwierig für uns, andere Länder, von denen viele zum Teil auf
unsere Stärke angewiesen sind, zu veranlassen, sich furchtlos und energisch
gegen die kommunistische Bedrohung zur Wehr zu setzen. Es ist allgemein
bekannt, daß sich diese Bedrohung häufig in Form eines Vordringens in
den wirtschaftlichen und kulturellen Bereich äußert.
Wie Außenminister Dulles kürzlich auf einer seiner Pressekonferenzen erklärte, wird die gesamte Frage der Reisen von Pressevertretern nach Rotchina ständig überprüft. Falls sich Mittel und Wege

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"AMERDKA DIENST"

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Wege finden, die es gestatten, über die dort herrschenden Verhältnisse berichten zu können, ohne daß Amerikaner deshalb für ihr Leben
fürchten müssen und ohne daß man, nur um des lieben Friedens willen,
einer Art Erpressung nachgeben muß, würden wir das nur begrüßen.
Was die verwandte Frage des Kulturaustausches mit anderen kommunistischen Ländern und die Beschränkungen, dem dieser unterliegt, betrifft, so möchte ich einige Punkte klar herausstellen: Erstens bestehen keine Austauschprogramme irgendwelcher Art mit Ländern, die von
uns nicht anerkannt werden - d.h. mit Albanien, Bulgarien, Ostdeutschland, Nordvietnam und Nordkorea, ebensowenig wie mit Rotchina.
Sowohl offizielle als auch private Austauschvorhaben mit Ungarn
sind zur Zeit ausgesetzt. Amerikanische Pässe haben zur Zeit für Ungarn
keine Gültigkeit - von bestimmten Personengruppen abgesehen, wie wir
bereits wissen.
Seit geraumer Zeit hat das amerikanische Außenministerium keine
Initiative mehr entwickelt, um den Kultur- und Personenaustausch mit
der UdSSR zu fördern. Dagegen findet mit Polen ein lebhafter und umfangreicher Austausch statt, und in geringerem Maße auch mit der
Tschechoslowakei und mit Rumänien. Zwei polnische Delegationen, von
denen die eine über Kohlenlieferungen, die andere über Wirtschaftshilfe
verhandelt, befinden sich gegenwärtig in den Vereinigten Staaten. Eine
private amerikanische Gruppe, die sich über Fragen des Wohnungsbaus
informieren will, wird, hoffe ich, im Juni nach Polen reisen können,
um den Besuch einer polnischen Gruppe in den Vereinigten Staaten im
November vergangenen Jahres zu erwidern. Drei rumänische Beobachter
hielten sich, wie Sie wissen, im vergangenen November anläßlich der
Präsidentschaftswahlen in den USA auf, und wir hoffen, daß in Kürze
ein Gegenbesuch in Rumänien durch eine Gruppe amerikanischer politischer Sachverständiger und Wissenschaftler zustande kommen wird.
Die Weigerung der kommunistischen Länder, unsere Bestimmungen
betreffs der Erteilung von Visa anzuerkennen und die Vornahme von
Fingerabdrücken bei Staatsangehörigen dieser Länder zu gestatten,
hat den Kulturaustausch wesentlich eingeschränkt. Es ist klar, daß
wir eine Schauspielertruppe nicht als Vertreter der Regierung betrachten können. Die Erteilung von Einreisevisa ist daher zur Zeit
gewissermaßen blockiert. Falls die Bestimmung über die Abnahme von
Fingerabdrücken bei nicht-amtlichen Personen gesetzlich nicht aufgehoben wird, ist zu erwarten, daß der Sowjetblock diesen Umstand auch
weiter als Vorwand für seine Propaganda benutzen wird, daß wir einen
eigenen Eisernen Vorhang aufgerichtet hätten. Ferner gibt es ihnen
wegen des scheinbaren geringen Entgegenkommens unsererseits die Möglichkeit, Vertretern amerikanischer kultureller Institutionen die
Einreisevisa zu verweigern.
Dieser so bescheidene Kulturaustausch mit bestimmten kommunistischen Ländern, so hoffen wir, nur eine vorübergehende Erscheinung
ist.
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Der Außenminister unterzieht dieses Problem gegenwärtig einer
Überprüfung,und zwar mit dem Gedanken an eine eventuelle Ausweitung
des Programms. Wir glauben, daß der Austausch von Menschen aus den
verschiedensten Berufen und Bevölkerungsschichten die Verständigungsbereitschaft und das gegenseitige Verständnis zu fördern vermag. Unser
eigenes internationales Austauschprogramm auf dem Gebiet des Erziehungswesens, das wir für Länder außerhalb des Eisernen und des Bambusvorhangs
entwickelt haben, ist zu einer blühenden und erfolgreichen Einrichtung
geworden, so daß wir den Eindruck haben, daß es bei unseren Verbündeten
und den übrigen Ländern der freien Welt ein stetig wachsendes Verständnis
für Amerika weckt, und wir haben allen Grund zu der Annahme, daß es dazu
beitragen wird, das Ausland mit unserem amerikanischen Lebensstil vertraut zu machen.
Ein aktuelles Beispiel dafür, wie dieses sich auf die ganze freie
Welt erstreckende Programm funktioniert, ist die erhebliche Ausweitung
der Austauschpläne für die afrikanischen Länder. Der Zug zur Erlangung
der politischen Unabhängigkeit bei früheren Kolonien und den unter Treuhänderverwaltung stehenden Gebieten dominiert auch weiterhin, sobald
diese für die Übernahme der Regierungsverantwortung reif geworden sind.
Die vorgesehene Erweiterung unseres Programmes für das Haushaltsjahr
1958 »zielt besonders auf ,den Ausbau der Erziehungs- und Bildungseinrichtungen für Afrika und eine Ausweitung des Sonderprogramms für führende
Persönlichkeiten und Spezialisten ab. So hoffen wir beispielsweise,
die Zahl der Studienplätze im Rahmen des Austauschprogramms für Angehörige des erst kürzlich unabhängig gewordenen Staates Ghana von 13
auf 40 erhöhen zu können.
Wenn darüber hinaus weitere Gründe für die Notwendigkeit eines verstärkten gegenseitigen Verstehens der Völker notwendig wären, so genügte
wohl der Hinweis, daß seitens der Kommunisten ein bemerkenswert großes
Interesse an diesen jungen Nationen besteht und in der Form einer Bereitstellung von Erziehungs- und Bildungsmöglichkeiten für die jetzigen und
künftigen Führerpersönlichkeiten Afrikas zum Ausdruck kommt . Und ebenso
ist auch das Interesse, das die Kommunisten an anderen Ländern nehmen,
nach wie vor das gleiche. Nach der Rückkehr von seiner kürzlichen Afrikareise unterstrich Vizepräsident Nixon z.B. die Bedeutung, die dem Austauschprogramm als solchem mit den afrikanischen Ländern wie auch den
Auswirkungen auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet beizumessen ist.
Wenn wir daher überzeugt sind - und keiner von uns zweifelt daran -,
daß unsere Lebensform wahrhaftig, die der Kommunisten aber verlogen ist,
dann bin ich überzeugt, daß ein lebhaftes und erfolgreiches Austauschprogramm, das die amerikanische Lebensform und die der freien Welt zu
vermitteln vermag, in dem ständigen Ringen um Gefolgschaft eine absolute
Notwendigkeit ist.
* * * * *

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MURPHY: WIEDERVEREINIGUNG DEUTSCHLANDS, EIN
ECKPFEILER DES FRIEDENS

BOULDER (Colorado) - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Rede, die
der stellvertretende Staatssekretär im USAußenministerium, Robert D. Murphy, anläßlich
der zehnten, von der Universität Colorado veranstalteten Jahrestagung über internationale
Angelegenheiten am 4» April in Boulder (Colorado)
gehalten hat.

Die Tagungen der Universität Colorado über internationale Angelegenheiten haben als Institution Berühmtheit erlangt. Hervorragende Vertreter des Auslandes weilen unter uns. Ich habe hier viele Bekannte getroffen, und ich freue mich besonders, daß es auch Botschafter Yang und
Botschafter Facio möglich war, von Washington hierher zu kommen, um an
diesen anregenden Gesprächen teilzunehmen und die Schönheiten von Boulder kennenzulernen.
Ich habe schon immer die US-Luftstreitkräfte um ihre strategische
"Stationierung" in Colorado Springs beneidet. Falls das Außenministerium
eines Tages eine Diplomatenschule einrichten sollte, könnte ich mir keinen schöneren Platz denken als diesen Teil Colorados. Und wir hätten
manche Gelegenheit zu lernen - durch den Kontakt mit den Lehrern dieser großen Universität ebenso wie aus deren Lehrplänen.
Als ich das Programm für diese einwöchige Konferenz überflog, war
ich beeindruckt von der Vielfalt und dem schöpferischen Geist, mit dem
hier aktuellen Problemen zu Leibe gegangen wird. Der Mittlere Osten,
Mitteleuropa und Asien sind Weingärten, in denen wir im Außenministerium uns redlich abmühen. Es wäre gewiß sehr anregend, an Ihren Arbeitsgruppen über "Wirkungsbereich und Aufgaben des schöpferischen Denkens in unserer Zeit" und "Die Krisis im amerikanischen Erziehungswesen"
teilnehmen zu können.

In
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In Anbetracht des breitangelegten Programms für diese Tagung
halte ich es für nützlich, mit Ihnen einige Grundaspekte unserer
Außenpolitik und einige wichtige Probleme zu erörtern, denen wir
uns heute auf der internationalen Bühne gegenübersehen.
Die Welt steht am Beginn des zweiten Jahrzehnts seit Beendigung des zweiten Weltkrieges. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren eine Menge gelernt. In Europa, Asien und Afrika sind einschneidende Veränderungen vor sich gegangen. Unsere auswärtigen Beziehungen
haben zum mindesten drei wichtige Phasen durchlaufen: im Jahr 1947
war es der Marshall-Plan, in den Jahren 194ö/50 die Berliner Luftbrücke, der kommunistische Angriff in Korea und die Schaffung der
NATO, und im Jahr 1953 die Entscheidung, daß unser nationales Kräftereservoir in unserem Ringen mit dem Weltkommunismus auf einen großen
Zeitraum verteilt werden müsse.
In unseren Planungen für das kommende Jahrzehnt müssen wir die be
stimmenden Kräfte und Trends, die am Werke sind, klar erkennen und
verstehen. Dann müssen wir sicherstellen, daß unsere politischen Maßnahmen so berechnet sind, um mit den uns zu Gebote stehenden Mitteln
diese Kräfte so sinnvoll wie nur irgend möglich ansetzen zu können.
Wir müssen uns darüber klar sein, daß unsere Mittel nicht ausreichen,
um diesen Kräften ein "Halt" entgegenzusetzen oder sie in ihr Gegenteil zu verkehren; unser Ziel muß es vielmehr sein, sie in bestimmte
Kanäle zu lenken, sie eventuell auch abzulenken und so zu dirigieren,
daß sie mit unseren Interessen vereinbar sind.
Zum mindesten drei dieser Kräfte und Trends sind von überragender
Bedeutung - die feindselige Sowjetmacht, die rasch voranschreitende
militärisch-technische Entwicklung und der Aufbruch der Völker Asiens
und Afrikas. Diese Kräfte verdienen in den kommenden Jahren unsere
allergrößte Aufmerksamkeit.
Die größte Bedrohung unserer Sicherheit wie auch der Sicherheit
der anderen freien Nationen liegt in der feindseligen Haltung und
Stärke des internationalen Kommunismus. Es ist unser Bestreben, dieser
Bedrohung zu begegnen, ohne fundamentale Werte und Institutionen der
amerikanischen Tradition zu zerstören oder der amerikanischen Wirtschaft zu schaden.
Der kommunistische Block verfügt über ein wohlausgewogenes militärisches Aufgebot, das von sehr umfangreichen bewaffneten Streitkräften bis zu einem beträchtlichen Arsenal an Kernwaffen und modernen
Abschußbasen reicht. Seine Ideologie ist kompromißlos feindselig. In
den Händen einiger weniger konzentriert sich die absolute politische
Macht. Er wendet auch weiterhin einen hohen Prozentsatz seiner Hilfsquellen für die Entwicklung militärischer Stärke und den Ausbau der
Schwerindustrie auf.
Gleichzeitig sehen sich die sowjetischen Machthaber sowohl innenals auch außenpolitisch einem starken Druck ausgesetzt, der nach Änderungen und einer Lockerung der straffen Kontrollen verlangt. Das

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Das Entstalinisierungsprogramm - die gärende, treibende Kraft bei
der sowjetischen Intelligenz und den Repräsentanten der Kultur wie auch die Vorgänge in den Satellitenlähdern reflektieren alle
diesen Druck und die Bemühungen der sowjetischen Führung, ihm
nachzugeben.
Die erstaunliche Entwicklung der Kriegstechnik läßt sich durch
ein paar konkrete, harte Tatsachen aufzeigen. Fachleute haben eine
eingehende Untersuchung der Zunahme der Zerstörungskraft seit der
Erfindung des Schießpulvers vorgenommen. Der von ihnen als "Explosivkraft-Index" bezeichnete Faktor ist vom Wert eine im Mittelalter
auf den Wert acht am Vorabend von Hiroshima angewachsen. Dieses Verhältnis ist dann buchstäblich über Nacht auf 1 : 10 000 emporgeschnellt.
Mit der Entwicklung der Wasserstoffbombe erreichte es 10 000 000. Die
militärische Zerstörungskraft hat sich somit, vergleicht man sie mit
dem Stand-von 1945 vor dem Abwurf der ersten Atombombe, um den Faktor 1 000 000 vervielfacht. Mit der Entwicklung der Fernlenkwaffen
steht überdies die Möglichkeit, diese furchtbare zerstörerische Kraft
zur Anwendung zu bringen, an der Schwelle einer atemberaubenden Potenz ierung.
Der Aufbruch der jungen Staaten Asiens und Afrikas ist ein verheißungsvoller Zug in den Entwicklungen der Nachkriegszeit. Seit dem
Ende des Krieges haben 19 junge Staaten mit einer Gesamtbevölkerung
von über 700 Millionen Menschen ihre Unabhängigkeit erlangt. Und schon
in den nächsten Jahren werden es noch eine ganze Reihe mehr sein. Diese
Nationen sind durchdrungen von Patriotismus und dem Wunsch nach wirtschaftlichem Fortschritt. Sie möchten ihre Länder möglichst"schnell
in moderne Staatsgebilde umwandeln. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, sind tatsächlich ungewöhnlich
groß, da in den jungen Staaten - pro Kopf der Bevölkerung gerechnet durchschnittlich nur über etwa den zehnten Teil des Sozialproduktes
der fortgeschrittenen Länder verfügt wird. Moskau und Peking versuchen nun, diese jungen Nationen für ihre eigenen Interessen auszunutzen, sie auf falsche Ziele zu lenken und ihr Mißtrauen gegenüber
den sogenannten Kolonialmächten zu nähren.
In gewisser Hinsicht wird sich unser Staat in dem vor uns liegenden Jahrzehnt wesentlich anderen Aufgaben und Anforderungen gegenübersehen als in den vergangenen zehn Jahren. Doch die grundsätzlichen Gesichtspunkte der amerikanischen Politik werden auch in Zukunft die gleichen bleiben und auf die gleichen Ziele gerichtet sein.
Zunächst einmal müssen wir selbst stark bleiben, da unsere Stärke
für die freie Welt von wesentlicher Bedeutung ist.
Zweitens müssen wir unsere Bündnisse stark und einsatzfähig erhalten, und zwar aus Gründen, die sowohl mit den geistigen Zielen unseres Volkes als auch mit den strategischen Erfordernissen dieses
technischen Zeitalters im Einklang stehen.
Und

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Und schließlich müssen wir auf eine enge Verbindung und Zusammenarbeit zwischen denjenigen Ländern, die sich keinem der beiden großen Machtblöcke angeschlossen haben, und den jungen Nationen
mit der aktiven Gemeinschaft der freien Welt hinwirken, damit der
Bereich der Freiheit größer, nicht aber kleiner werde.
Diese drei grundsätzlichen Aufgaben sind konstante Ziele der
amerikanischen Politik seit Ende des zweiten Weltkrieges gewesen.
Sie waren zehn Jahre lang die dominierende Kraft in all unseren Bemühungen seit jener kurzen Zeitspanne, in der wir große Hoffnungen
in eine ehrliche Zusammenarbeit mit der Sowjetunion setzten, die
dann an der ehrgeizigen stalinistischen Expansionspolitik scheiterten. Sie waren charakteristisch für die Zeit bis zum offenen Ausbruch des kalten Krieges - für das Programm zur Unterstützung Griechenlands, das Auslandshilfsprogramm und die Gründung der NATO. Sie
kennzeichneten die Jahre des heißen Krieges in Korea und Indochina
und die immer neuen Krisen im Fernen Osten. Sie lagen der weiten
Entwicklung der großen kollektiven Sicherheitssysteme ebenso zugrunde
wie unseren Verhandlungzielen mit den auf Stalin folgenden Führern
der kommunistischen Welt.
Unter dem Gesichtspunkt der Erfordernisse unserer nationalen
Strategie, auf die Kräfte und Entwicklungen, die in der Welt am Werke
sind, Einfluß zu nehmen, lohnt es sich vielleicht,einen Blick auf die
für die internationale Politik wichtigsten Räume zu werfen.
Europa ist der Raum, an den wir geschichtlich die engsten Bindungen haben. Die meisten unserer Grundkonzeptionen sind Produkte europäischen Geistes. Unsere sozialen Institutionen, die bei uns vorherrschenden Glaubensrichtungen und unser Kulturerbe haben Europäer nach
Amerika gebracht, deren Nachkommen heute den Großteil unserer Bevölkerung bilden.
Man kann wohl behaupten, daß die Vereinigten Staaten in Friedenszeiten noch nie enger mit Europa verbunden gewesen sind als heute.
Gemeinsam mit ihren Verbündeten stehen amerikanische Truppen bereit,
das freie Europa zu verteidigen. Die Handelsbeziehungen, die wir mit
Westeuropa unterhalten, haben einen noch nie dagewesenen Höchststand
erreicht. Wie nie zuvor in der Geschichte war der Gedankenaustausch
mit unseren europäischen Freunden über politische Fragen so lebhaft
wie in den letzten paar Jahren. Die kürzlich in Bermuda erfolgreich
abgeschlossene Konferenz bietet ein gutes Beispiel für diese Konsultationen mit einem unserer wichtigsten Verbündeten. Als Folge einer
vor kurzem getroffenen Entscheidung bildet der Nordatlantikrat für
seine 15 Mitgliedstaaten eines der wichtigsten Foren für den Gedankenaustausch über politische Probleme, wie er auch ein hervorragendes
Beispiel für kollektive Verteidigungsanstrengungen bietet. Es entspricht
ganz der Absicht der Vereinigten Staaten, ebenso wie ihrer Verbündeter,
die NATO in Zukunft als geeignetes Forum für eine fruchtbare Erörterung
internationaler Probleme weiter zu stärken.
In

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In Westeuropa sind Schritte unternommen und Abkommen abgeschlossen worden, die noch vor zehn Jahren auf Ablehnung gestoßen und als
phantastisch abgetan worden wären. Dazu gehört unter anderem die Entwicklung der deutsch-französischen Zusammenarbeit. Diese beiden Länder arbeiten heute in der Montanunion sowie als Mitglieder der NATO
im Interesse ihrer gemeinsamen Verteidigung zusammen, und es ist ihnen gelungen, auf freundschaftlicher Basis die äußerst schwierige
Saarfrage zu regeln. Vor kurzem erst haben sie sich zusammengetan, um
gemeinsam mit anderen Nationen ein Abkommen über die Europäische
Atomgemeinschaft und den Gemeinsamen Markt abzuschließen.
Diese beiden Abkommen, über die kürzlich viel in der Presse
berichtet wurde, möchte ich hier kurz erörtern.
Der Begriff "Gemeinsamer Markt" umfaßt ein Abkommen, das vor
kurzem zwischen Belgien, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland,
Italien, Luxemburg und den Niederlanden abgeschlossen wurde. Damit
ist im wesentlichen die Beseitigung der zwischen diesen Ländern bestehenden Handelsschranken und die Errichtung eines gemeinsamen
Zollsystems gegenüber Ländern verbunden, die dem Gemeinsamen Markt
nicht angehören. Großbritannien hat dem Wunsch. Ausdruck gegeben, sich
im Rahmen einer Freihandelszone diesem Gemeinsamen Markt anzuschließen.
Die Unterstützung der europäischen Vorschläge über die Schaffung
eines Gemeinsamen Marktes und einer Freihandelszone seitens der Vereinigten Staaten beruht auf zwei Grundsätzen, von denen die amerikanische Politik seit jeher bestimmt wird} Förderung jeder Initiative
und Maßnahme zur Erhöhung der politischen und wirtschaftlichen Stärke
und der Integration Westeuropas innerhalb einer stetig sich ausweitenden atlantischen Gemeinschaft, und die traditionelle Bereitschaft
zur Förderung jeden Fortschritts in Richtung auf einen freien, multilateralen Handel ohne jegliche Diskriminierung sowie auf eine freie
Konvertierbarkeit der Währungen.
Die Europäische Atomgemeinschaft - Euratom - soll die technischen und industriellen Hilfsquellen Europas zur Erzeugung von Atomkraftstrom erschließen, um den steigenden Energiebedarf dieses Gebiets zu decken. Gleichzeitig würde diese Gemeinschaft eine politische
Einheit darstellen, die in der Lage und fähig ist, die erforderlichen
Sicherheitsmaßnahmen zu treffen und umfassende und praktisch durchführbare Abmachungen mit der Regierung der Vereinigten Staaten zu
treffen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten begrüßt diese Initiative,
die eine kühne und mannigfaltige Anwendung der Kernenergie ermöglicht,.
und wir erwarten eine tätige Verbindung mit der Europäischen Atomgemeinschaft .
Was Osteuropa betrifft, so haben im letzten Jahr dort aufsehenerregende Ereignisse stattgefunden.
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"AMERIKA DIENST"

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Es kann gar kein' Zweifel darüber bestehen, daß die Geschehnisse
in Ungarn im Oktober und November vergangenen Jahres den Kreml vor
ernste und schwere Probleme stellten. Damit waren die sowjetischen
Herrscher vor die Wahl gestellt, entweder die von ihnen gegebenen
Versprechungen zu erfüllen oder mit brutalen Mitteln ihr Kolonialreich zu erhalten. Sie wählten das letztere. Eiligst wurden Truppenverstärkungen nach Ungarn geworfen, und innerhalb eines Monats blutiger Kämpfe wurden die Ungarn mit Zustimmung einer von Janos Kadar geführten Marionettenregierung wieder in die Knie gezwungen. Damit aber
waren sowohl die kommunistische Ideologie als auch die kommunistischen
Methoden in der ganzen Welt diskreditiert. Denn die Sowjets haben mit
ihrer Beschuldigung, daß es sich um "eine von amerikanischen und anderen westlichen Agenten angezettelte Konterrevolution" handle, außerhalb des sowjetischen Machtbereichs niemanden und innerhalb der Grenzen dieses Machtbereichs wohl nur sehr wenige irreleiten können.
Haben die Ereignisse in Ungarn nun zu einer Rückkehr der Sowjets
zu ihrer harten Politik geführt? Diese Frage läßt sich bisher noch
nicht mit Sicherheit beantworten. Immerhin gibt es einige Anhaltspunkte.
Dazu gehört die gegenüber Großbritannien, Norwegen und Dänemark ausgesprochene Drohung einer Vergeltung mit Atomwaffen. Weiter die zornigen
Ermahnungen gegenüber Schweden und Finnland, wie sie sich zu verhalten
haben, wenn sie es vermeiden wollen, mit den Sowjets in Feindschaft
zu geraten. Und drittens die Ablehnung der Theorie von "den vielen
Wegen zum Sozialismus" seitens der Sowjets und der Satellitenländer.
Hingegen hören wir in zunehmendem Maße, daß es nur einen einzigen
Weg gebe, daß so etwas wie "Nationalkommunismus" nicht existiere und
daß alle kommunistischen Länder (die gesamte kommunistische Bewegung)
"unter der großen Führung der Sowjetunion stehen müsse". Und schließlich erleben wir die immer schärfer werdenden Unterdrückungsmaßnahmen
in Ungarn ja in allen von den Sowjets besetzten Ländern. Jugoslawien,
die Geburtsstätte des "Nationalkommunismus", scheint abermals kurz vor
seiner Exkommunikation als Ketzer zu stehen.
Gomulka in Polen führt einen äußerst heiklen Balanceakt durch, der
vielleicht sein Bestreben veranschaulicht, seine Experimente durch das
nötige Maß an kommunistischer Orthodoxie auszugleichen. Polens wirtschaftliche Lage ist äußerst angespannt, und die polnische Regierung
bemüht sich um eine Milderung der Not, indem sie Verhandlungen mit verschiedenen westlichen Ländern aufgenommen hat.
Präsident Eisenhower hat die Haltung der Vereinigten Staaten wie
folgt umrissen:
"Wir ehren die Bemühungen jener Nationen, die unter dem Joch nach
Freiheit verlangen. Wir erstreben weder ein militärisches Bündnis mit
ihnen noch eine künstliche Nachahmung unserer Gesellschaftsform durch
sie. Und sie können einer herzlichen Aufnahme gewiß sein, wenn sie,
wie es eines Tages kommen muß, wieder in die Reihen der freien Völker
zurückkehren.
Und

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�"ALIERIKA DIENST"

10. April 1957

Und wir ehren auch in dieser geteilten Welt, nicht weniger als
wir dies in weniger schrecklichen Zeiten tun, das russische Volk. Wir
fürchten die Fortschritte nicht, die es auf den Gebieten des Wissens
und der industriellen Entwicklung macht - ja wir begrüßen sie vielmehr.
Wir wünschen ihm, daß seine Forderungen nach größerer geistiger Freiheit, größerer Rechtssicherheit, nach einem reicheren Genuß der Früchte
seiner Arbeit, von Erfolg gekrönt sein mögen. Denn je mehr diese Dinge
sich verwirklichen, um so sicherer wird auch der Tag kommen, an dem
unsere beiden Völker einander in Freundschaft entgegentreten."
In jeder Diskussion über die von den Sowjets besetzten Gebiete
gebührt Deutschland besondere Aufmerksamkeit. In der Ostzone werden
17 Millionen Deutsche immer noch gegen ihren Willen durch die sowjetische Armee und eine von Moskau gelenkte Marionettenregierung in Unfreiheit gehalten. So wie die Ungarn haben auch diese Deutschen ihre
bitteren Erfahrungen mit sowjetischen Panzern und Waffen gemacht. Sie
und ihre Brüder in der Bundesrepublik wünschen ein freies, wiedervereinigtes Deutschland mit einer auf freien Wahlen gegründeten Regierung.
Seit Jahren schon drängen die Vereinigten Staaten darauf, daß ihnen
diese Möglichkeit geboten werde. Gemeinsam mit den anderen unmittelbar
interessierten Ländern werden die Vereinigten Staaten ihre Bemühungen
um die Wiedervereinigung Deutschlands weiterhin fortsetzen. Wir sind
überzeugt, daß dies einer der Eckpfeiler ist, auf dem der Friede in
Europa ruht.
Ein anderes Gebiet, das Anlaß zu ernster Besorgnis gibt, ist der
Mittlere Osten. Obgleich die Vereinten Nationen in der Beseitigung der
Gefahren, die den Weltfrieden bedrohten, erhebliche Fortschritte erzielten, ist in der Behebung der grundlegenden Ursachen, die zum Ausbruch der Feindseligkeiten führten, bisher nur wenig Positives erzielt
worden.
Die beiden ungelösten Probleme, die zu der Explosion im vergangenen Oktober und November geführt haben, sind die arabisch-israelische
Frage und das Problem des Suez-Kanals.
Die Geschichte der arabisch-israelischen Frage in den sieben Jahren
zwischen 1949 u nd 1956 ist ein trauriges Kapitel der Nichtbeachtung von
Beschlüssen der Vereinten Nationen und beiderseitigen Verletzungen des
Waffenstillstandsabkommens. Die Araber waren verstimmt und fühlten sich
betrogen, besonders im Hinblick auf die Tatsache, daß etwa 900 000 ihrer
arabischen Brüder Heimat und Eigentum verloren haben und als Flüchtlinge in Lagern entlang der Grenze des neuen Staates Israel ein erbärmliches Dasein fristen. Die Israelis andererseits waren enttäuscht und
verzweifelt darüber, daß es ihnen nicht gelang, die Anerkennung ihrer
Nachbarn zu erlangen oder mit ihnen die Handels- und Verkehrsverbindungen herzustellen, die allein ihnen eine sichere Zukunft garantieren
konnten.
Die

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10. April 1957

Die Ereignisse im letzten Oktober und November ließen bei den
Mitgliedern der Vereinten Nationen die Entschlossenheit reifen, den
Ursachen, die eine Lösung des Problems bisher verhindert hatten, bis
an die Wurzel nachzugehen. Dieser Entschluß wurde ohne Zweifel irgendwie aus der Erkenntnis heraus geboren, daß die Bedrohung des Weltfriedens durch die mit Explosivstoff geladene Situation bisher nicht genügend beachtet und nicht fester auf die Befolgung der UN-Beschlüsse
bestanden worden sei.
In ähnlicher V/eise ist die Suezkanalfrage nach einer entmutigenden Geschichte von Provokationen und Gegenprovokationen, die die
Aussichten für eine Lösung verringert hatten, vor die Vereinten Nationen gebracht worden. Unter der Ägide der Vereinten Nationen einigte
man sich am 13« Oktober im Weltsicherheitsrat auf sechs Grundsätze,
die von den am meisten betroffenen Parteien, den Briten, Franzosen
und Ägyptern,als Basis für eine gerechte Lösung ausgearbeitet worden
waren. Die Ereignisse im November zerstörten gleichfalls den Versuch,
die Entwicklung in geordnete Bahnen zu lenken; zur Zeit aber ist die
Situation wieder so, daß wir annehmen, dieses Problem nunmehr auf
dem Verhandlungswege angehen zu können.
Im Laufe der Monate unmittelbar nach dem Ausbruch der Unruhen
im Oktober-November wurde klar, daß im ganzen gesehen im Hinblick
auf dieses Gebiet noch eine weitere Schwierigkeit besteht. Das unverantwortliche und rücksichtslose Verhalten der Sowjetunion, die in
diesem Streit um des politischen Vorteils willen mit einseitiger
Intervention drohte, ließ klar erkennen, daß die zersetzende und umstürzlerische Tätigkeit der Sowjetunion alle Bemühungen um Stabilität
und Ruhe in diesem Gebiet zunichte machen würde, wenn es nicht mit
einer Art Schutzschild versehen würde.
Da die Vereinten Nationen nicht in der Lage sind, sich mit diesem letzten Problem zu befassen, hat die Regierung der Vereinigten
Staaten eine Doktrin für den Mittleren Osten formuliert, die der
Präsident dem Kongreß am 5» Januar dieses Jahres vorgelegt hat. Ihr
Ziel ist, den Ländern dieses Gebiets, die es wünschen, wirtschaftliche
und militärische Hilfe zu gewähren, um so in Zusammenarbeit mit den
Vereinigten Staaten die sowjetischen Eingriffe abzuwehren und die
wirtschaftliche Stabilität und die innere Sicherheit sowie eine angemessene nationale Selbstverteidigung zu fördern, die diesen Staaten
mehr Selbstvertrauen und ein größeres Sicherheitsgefühl geben könnten.
Die Regierung der Vereinigten Staaten unterrichtete die Sowjetunion und die Welt davon, daß wir unsere militärische Kraft gebrauchen
würden, um eine offene Aggression gegen einen der Staaten in diesem
Gebiet der unsere Hilfe wünscht, zu verhindern oder abzuwehren. Dieses Programm wird von einer US-Mission durchgeführt, die unter der
fähigen Leitung von Botschafter Richards, dem früheren Kongreßabgeordneten aus Süd-Karolina und Vorsitzenden des Außenpolitischen Ausschusses im Repräsentantenhaus, steht, der nun die Länder in diesem
Gebiet besucht. Seine Bemühungen in diesem Gebiet Stabilität und
Ruhe einkehren zu lassen - von denen wir glauben, daß sie wesentliche

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10. April 1957

wesentliche Friedensgarantien sind - machen gute Fortschritte.
In ihrem weiteren Bemühen, das Gebiet des Mittleren Ostens gegen
einen möglichen Angriff zu verteidigen, gaben die Vereinigten Staaten
kürzlich ihre Bereitschaft bekannt, sich an der Arbeit des Militärausschusses der fünf im Bagdad-Pakt zusammengeschlossenen Mächte zu
beteiligen. Diese Aktion findet statt im Rahmen einer vom Kongreß
am 9« März gebilligten gemeinsamen Resolution.
Unsere Erfahrungen, die wir im Fernen Osten gemacht haben, geben
uns weiteres Vertrauen in die kollektive Sicherheit als wirksames Mittel gegen Aggression und Krieg. Unter dem Druck der offenen Aggression
durch die chinesischen Kommunisten, die von der Sowjetunion unterstützt
wurden, hat sich die kollektive Verteidigungsmaschinerie in diesem Gebiet schnell und schlagkräftig entwickelt.
Die vor kurzem stattgefundene Konferenz der SEATO in Canberra stand
im Zeichen der kollektiven Verteidigung im Fernen Osten.
Die dort vertretenen acht Länder waren einstimmig der Ansicht, daß
ihre Verbindung zum Zwecke des Widerstandes gegen die kommunistische
Bedrohung sich sowohl als ein wirkungsvolles Abschreckungsmittel als
auch als eine wirkliche Kraft des Friedens und der Sicherheit in diesem
Gebiet erwiesen habe. So verbuchte der Rat zum Beispiel als Positivum
die nationale Entwicklung von neuen asiatischen Staaten, wie etwa die
Republik Vietnam, und die in Aussicht stehende Unabhängigkeit für Malaya.
Wie Außenminister Dulles feststellte, hat die zunehmende Stärke
und Einigkeit und der eindeutig bekundete Widerstandswille es den chinesischen Kommunisten nicht ratsam erscheinen lassen, weiterhin Gewaltmethoden zur Erreichung ihrer Ziele anzuwenden.
Wohl dürfen die Erfolge der SEATO und anderer kollektiver Sicherheitsabkommen wie des ANZUS-Paktes (durch den wir mit Australien und
Neuseeland verbündet sind) und unserer bilateralen Abkommen mit der
Republik Korea, mit Japan, Nationalchina und den Philippinen uns zuversichtlich stimmen, doch dürfen wir uns damit keinesfalls zufriedengeben.
Die Unterstützung des sowjetischen Vorgehens in Ungarn durch die
chinesischen Kommunisten und ihre ständige Herausforderung der Vereinten'
Nationen können ernste Folgen für die freien Nationen Asiens mit sich
bringen. Die Gefahr einer offenen Aggression liegt nach wie vor wie ein
Schatten über dem Fernen Osten, und die freien Nationen haben keine andere Wahl, als ihre militärische Stärke auf nationaler und kollektiver
Basis aufrechtzuerhalten.
Es steht außer Frage, daß die Kommunisten die Kontrolle über ganz
Asien weiterhin als eines ihrer vornehmlichsten Ziele auf dem Wege zur
Weltherrschaft betrachten, und an allen Fronten stoßen sie immer weiter
vor, indem sie mit einer Mischung aus subversiver Tätigkeit, Handelsund Hilfeangeboten, Kulturaustausch und Drohungen arbeiten^ wie immer
sind sie eifrig dabei den Mantel nach dem Wind zu drehen.
Während

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10. April 1957

Während sie ihre Streitkräfte in Nordkorea unter Verletzung
ihrer Waffenstillstandsverpflichtungen verstärken, bemühen sie sich
mit lächelndem Gesicht und ausgestreckter Hand um Japan, das, wie
sie wissen, dringend darauf angewiesen ist, seinen Handel auszubauen
und der Versorgung des Landes eine breitere Grundlage zu geben.
Während sie die militärischen Kräfte der Vietminh in Nordvietnam
stärken und die Herausforderung der königlichen Regierung von Laos
durch die Pathet-Laos-Bewegung unterstützen, bieten sie dem benachbarten Kambodscha Hilfe und technische Unterstützung an. 'Während sie
immer wieder drohen, Formosa notfalls mit Gewalt zu nehmen, sprechen
sie behaglich von Frieden und Freundschaft.
Die Sicherheit unseres Landes hängt davon ab, daß wir dieser
Taktik gegenüber wachsam bleiben, wo immer sie angewandt wird, und
vor allem, daß wir geeint und stark bleiben. Wir unterstützen jene
Nationen Asiens, die unsere Hilfe wünschen, oder werden sie unterstützen.
Dies geschieht durch Stärkung ihrer Hilfsquellen und ihrer Stabilität,
so daß sie dem Ansturm des Kommunismus begegnen und die Abwehrkraft der
freien Welt stärken können.
Es ist klar, daß die Völker Asiens und Afrikas eine Zeit revolutionären Wandels durchmachen. Das Streben nach wirtschaftlicher Entwicklung und einem besseren Leben ist weit verbreitet und stark. Wohl
werden viele Elemente die Zukunft dieser Nationen beeinflussen, einer
der entscheidenden Faktoren ihrer Stabilität und gesicherten Freiheit
aber wird es sein, wieweit ihr Wunsch nach wirtschaftlicher Entwicklung
sich der Erfüllung nähert.
Es kann jedoch kein Zweifel darüber bestehen, daß die Förderung
des wirtschaftlichen Aufbaus in jenen Ländern, die Unterstützung brauchen, eine nützliche Verwendung amerikanischer Mittel im Interesse unseres eigenen Landes ist. Ich darf vielleicht auf Indien als prominentes Beispiel hinweisen, und zwar als Beispiel eines Landes, dessen Wettlauf mit Rotchina um die wirtschaftliche Entwicklung wichtige Folgerungen für uns hat.
Wir können insofern einen Anreiz für eine gesunde Entwicklung
bieten, daß die Geldmittel kontinuierlich und in Anpassung an die jeweilige Lage verfügbar gemacht werden. Wenn es möglich ist, unter den
von uns unterstützten Projekten eine schärfere Auswahl zu treffen und
die besten von ihnen laufend zu unterstützen, so können wir die um
Unterstützung Nachsuchenden dazu bringen, die bestmöglichen Projekte
zu entwerfen. Außerdem können wir den Empfängerländern bei der Entwicklung besserer Projekte behilflich sein und gleichzeitig die private
Investitionstätigkeit anregen, wenn wir nicht nur bei der Durchführung
von Programmen, sondern auch bei deren Ausarbeitung unsere technische
Unterstützung zur Verfügung stellen.
Wir

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Wir sind uns völlig darüber im klaren, daß der Kongreß in diesem
Frühjahr die Auslandshilfe scharf unter die Lupe nehmen wird. Das ist
gut so, und wir hoffen, daß die gegenwärtig angestellten Untersuchungen
eine bessere Durchführung unserer Auslandshilfe ermöglichen werden.
Der kürzlich veröffentlichte Bericht des Beratungsausschusses des Präsidenten unter dem Vorsitz von Benjamin Pairless bestätigte weitgehendi
die Ansicht, daß unsere allgemeinen Auslandshilfeprogramme notwendig
und nutzbringend sind.
Hier in unserer westlichen Hemisphäre geben die amerikanischen
Republiken der übrigen Welt ein Vorbild für internationale Zusammenarbeit. Die Stärke und Kameradschaft der Organisation der Amerikanischen Republiken (OAS), die sich aus den Vereinigten Staaten und den
20 benachbarten Republiken zusammensetzt, ist nicht nur eine hemisphärische, sondern eine globale Macht. Die Unterstützung, die der freien
Welt von den amerikanischen Völkern und ihren Regierungen gewährt wird,
ist - das ist eine reale Tatsache - ein unerlässliches Bollwerk des
Friedens, das wir um keinen Preis mehr aufgeben.
Die Organisation der Amerikanischen Republiken bildet den Rahmen
unseres interamerikanischen Systems. Durch sie und in dem größeren Rahmen der Verßinten Nationen suchen die amerikanischen Republiken ihre
gemeinsamen Interessen zu fördern. Wie es in der Panama-Deklaration
heißt, die gemeinsam von den Präsidenten der amerikanischen Republiken
bei ihrem historischen Zusammentreffen im Juli vorigen Jahres herausgegeben wurde, ist es das Ziel der amerikanischen Völker, "eine Kultur
zu schaffen, die dem Begriff der Freiheit des Menschen einen greifbaren Inhalt geben wird."
Eines der unmittelbaren Ergebnisse der Panama-Konferenz war die
Bildung des Interamerikanischen Komitees aus Vertretern der Präsidenten, das Methoden zur Bekämpfung von Armut, Krankheit und Unwissenheit
in der gesamten Hemisphäre studieren und der Organisation der Amerikanischen Staaten (OAS) auf wirtschaftlichem, finanziellem, sozialem und
technischem Gebiet Empfehlungen unterbreiten wird.
Geographie, Geschichte,und Wirtschaft haben die individuell unabhängigen Völker dieser Hemisphäre kollektiv voneinander abhängig gemacht. Unsere 21 Republiken haben eine Gesamtbevölkerung von über
380 Millionen Menschen in einem Gebiet von etwa 28 490 000 Quadratkilometer. Südamerika hat, übrigens, die am schnellsten wachsende Bevölkerung, der Erde: 2,5 Prozent jährlich gegenüber der durchschnittlichen Zuwachsrate der Erdbevölkerung von 1 Prozent.
Es liegt auf der Hand, daß unsere wirtschaftlichen Beziehungen
zu diesem Gebiet, das sowohl hinsichtlich seiner Bevölkerung als auch
territorial gewaltige Ausmaße besitzt, notwendigerweise einen der
Hauptfaktoren sowohl unserer als auch seiner Wirtschaft darstellen.
Etwa ein Fünftel unseres Exports geht nach Lateinamerika. Und wir
erhalten von Lateinamerika ungefähr ein Fünftel dessen, was wir insgesamt importieren. Wir versorgen die lateinamerikanischen Republiken
mit zirka 47 Prozent ihrer Importe und übernehmen 43$ ihres Exports.
In
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10. April 1957

In anderen Worten heißt das, daß rund 44$ des lateinamerikanischen
Handels über uns gehen. Das private Unternehmertum der Vereinigten
Staaten beweist gegenwärtig seinen Glauben an die Zukunft Lateinamerikas durch Direktinvestitionen von annähernd 7 Milliarden Dollar.
Die Auswirkungen dieses starken Kapitalzustroms spiegeln sich in der
gesamten Entwicklung der Hemisphäre wider: im höheren Lebensstandard,
in dem verbesserten Gesundheits- und Erziehungswesen, in der vielschichtigen Struktur der Landwirtschaft, in der erhöhten Industrialisierung und in den immer reicheraa Lebensmöglichkeiten.
Die jüngsten Monate haben eindringlich bewiesen, welch ein wertvolles Instrument zur Förderung des Rechtsgedankens in den Beziehungen
der Völker untereinander die Vereinten Nationen darstellen. Wir haben
erlebt, wie sehr dem Frieden gedient wird, wenn die Länder die Ansichten der Vereinten Nationen achten und stützen, besonders dann, wenn
eine überwältigende Übereinstimmung hinsichtlich konstruktiver Maßnahmen besteht. Meine Regierung verfolgt die Politik, die Vereinten
Nationen bei ihrer legitimen Aufgabe, den Weltfrieden durch Gerechtigkeit zu fördern, zu stärken.
In den jüngsten außerordentlichen Sitzungen der Generalversammlung und der regulären elften Sitzungsperiode haben sich neue Ausblicke für die Tätigkeit der Vereinten Nationen eröffnet und neue
Kraftquellen für sie erschlossen. Im Mittleren Osten wurde die Feuereinstellung und die Rückziehung der Truppen aus dem Kampfgebiet erreicht.
Die Aufstellung und der Einsatz der UN-Streitkräfte stellt ein in der
Geschichte der Menschheit bisher einmaliges Ereignis dar.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

W1./17.4.1957
AUSSENMINISTER DULLES. FORDERT SCHAFFUNG EINES ANLEIHEFONDS

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Erklärung, die
der US-Außenminister John Foster Dulles am
8. April 1957 vor dem Sonderausschuß des
amerikanischen Senats für das US-Auslandshilfeprogramm abgegeben hat und in der er
die Schaffung eines neuen Anleihefonds forderte, aus dem den Ländern der freien Welt
Mittel für den Aufbau ihrer Volkswirtschaften
zur Verfügung gestellt werden sollen.

Ich freue mich, der Aufforderung des Ausschusses nachzukommen,
um mit Ihnen gewisse Aspekte des Programms für gemeinsame Sicherheit
zu diskutieren.
Bevor ich mich den besonderen Fragen zuwende, möchte ich vorangehend den fundamentalen Zweck herausstellen, dem, wie ich glaube,
dieses Gesetz dienen soll. Diese Ziele geben dabei die beste Anleitung für die Entscheidung, welche Form das Gesetz haben sollte.
Diese Überlegungen sind!

Die Sicherheit und der Wohlstand der Vereinigten Staaten sind
auf das engste mit dem Fortbestand der Sicherheit und des Wohlergehens von anderen freien Völkern verbunden. Die Entwicklung in
internationalen politischen Angelegenheiten, im Wirtschaftsleben
und am meisten von allen in der militärischen Technik bindet unser
Schicksal noch enger an das der anderen Mitglieder in der Gemeinschaft der freien Völker. Unsere Politik muß diese fundamentale
Tatsache widerspiegeln. Wenn das nicht der Fall ist, dann werden
wir uns einer Gefahr gegenübersehen, wie wir sie noch niemals gekannt haben.
Zur

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17. April 1957

Zur Begegnung dieser Gefahr haben wir zahlreiche Maßnahmen ergriffen, die ineinandergreifen und sich gegenseitig stärken. Vielleicht
ist das auch die Ursache, daß sie etwas verwirrend geworden sind.
Man kann
Programms zur
Möglichkeiten
Ansichten des

vom Kongreß nur dann die Unterstützung eines ständigen
Schaffung von Sicherheit, Stärke und wirtschaftlichen
in Übersee erwarten, wenn dieses den grundsätzlichen
amerikanischen Volkes entspricht.

Ein Gesetz wie das vorliegende, das für das Wohlergehen des
amerikanischen Volkes so lebenswichtig ist, sollte eine Form haben,
die allen verständlich ist und vor allen mit Überzeugung unterstützt
werden kann.
II
Die Gewährleistung der Sicherheit des Volkes ist die erste Aufgabe der Regierung. Das ist ein Aspekt, und zwar ein Hauptaspekt,
unserer Außenpolitik.
Wir sind bemüht, unter den freien Völkern eine gemeinsame Verteidigung aufzubauen, die größere Sicherheit bieten wird, als sie
von einem Volk allein erlangt werden kann.
Der Begriff einer "gemeinsamen Verteidigung" ist unserem Volk
nicht fremd. Unser Staat wurde in der Hauptsache zu dem Zweck gegründet, eine gemeinsame Verteidigung zu schaffen, und unsere Verfassung
bezeichnet dieses als eines der Hauptziele.
Dieselben Überlegungen, die unsere Staaten im Jahre 1787 dazu
führten, die Notwendigkeit einer gemeinsamen Verteidigung anzuerkennen,
bewegen heute auch die Völker der freien Welt, eine gemeinsame Verteidigung zu suchen.
Der internationale Kommunismus kontrolliert heute fünfmal mehr
Menschen als in den Vereinigten Staaten leben. Er hat große Möglichkeiten, die modernsten Massenvernichtungsmittel zu schaffen. Er kontrolliert Gebiete, die als Bereitstellungsräume für den Angriff von
weit größerer Mannigfaltigkeit und von viel größerem strategischen
Wert sind als die Gebiete unter der Souveränität der Vereinigten Staaten.
Unter diesen Umständen wäre es eine Torheit, sich nicht um eine
gemeinsame Verteidigung mit anderen Völkern zu bemühen. Diese Torheit würde erlauben, daß immer mehr Menschen, immer mehr natürliche
Hilfsquellen und immer mehr strategisch wichtige Gebiete unter die
Herrschaft derjenigen fallen, die uns und unseren demokratischen
Einrichtungen so feindselig gesonnen sind.
Wir haben viele Verträge und Kongreßbeschlüsse, die proklamieren,
daß es für die Sicherheit und für den Frieden der Vereinigten Staaten
gefährlich wäre, wenn andere freie Völker dem Zugriff des internationalen

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

17. April 1957

internationalen Kommunismus erliegen würden. Wir haben kollektive Verteidigungsverträge mit 42 anderen Staaten geschlossen, und die vor kurzem gebilligte Resolution über den Mittleren Osten erlaubt eine weitere
Ausdehnung des Gebietes für eine gemeinsame Verteidigung.
Auf diesen politischen Grundlagen bauen wir die militärische Verteidigung auf. Andere tragen viel dazu bei. Aber auch wir müssen unseren
Beitrag leisten, wenn das Ganze ausreichend sein soll. Denn viele Staaten sind nicht in der Lage, diejenigen militärischen Einrichtungen zu
unterhalten, die im gemeinsamen Interesse auf ihrem Gebiet bestehen
sollten.
Die gemeinsame Verteidigung, die die Vereinigten Staaten mit anderen Ländern verbindet, nützt nicht nur diesen, sondern auch uns.
Ich darf in diesem Zusammenhang an die Ausführungen des Chefs des
gemeinsamen Stabes der US-Streitkräfte erinnern:
"Das militärische Hilfeprogramm ist ein wesentlicher Bestandteil
des Programms des US-Verteidigungsministeriums, Die Ausgaben in Übersee
zur Unterstützung unserer Bündnisse unterscheiden sich in Zweck, Ziel
und Möglichkeiten nicht von unseren eigenen militärischen Aufwendungen."
Es ist das wohlüberlegte Urteil des Präsidenten und seiner militärischen Berater, daß das System der gemeinsamen Verteidigung, für das
unser militärischer Beistand wichtig ist, gleichfalls das wirksamste
Mittel für die Verteidigung der Vereinigten Staaten darstellt. Dieses
System durch eine Kürzung unseres Beitrages zu schwächen, wäre keine
Ersparnis für die Vereinigten Staaten. Im Gegenteil, das würde ein
weit kos tspieligeres Verteidigungsprogramm hier bei uns daheim erfordern. Selbst dann wären wir weniger sicher.
Unser Volk trägt die militärischen Lasten als eine elementare
Notwendigkeit und nicht aus Machterweiterungsdrang. Ich zweifle nicht,
daß das amerikanische Volk damit fortfahren wird, aus dieser Notwendigkeit heraus das Verteidigungsprogramm der gemeinsamen Sicherheit zu
unterstützen.
III
Die Programme der militärischen Verteidigung allein jedoch können
noch keine Sicherheit dafür bieten, daß die freie Welt unversehrt bleibt.
Auch in Zukunft ist die Freiheit und Unabhängigkeit dort bedroht, wo
gemäßigte Staatsmänner verzweifeln, weil es ihnen nicht gelingt, ihre
Völker aus einer hoffnungslosen Armut und Stagnation herauszuführen.
Dazu sagte Präsident Eisenhower in seiner Rede anläßlich des
Antritts seiner zweiten Amtsperiode:
"Zu viele Gebiete der Erde gibt es, wo Armut, Uneinigkeit und
Gefahren herrschen. Neue Kräfte und neue Nationen, die aufgetaucht
sind und auf der Erde um Einfluß »ringen, haben die Macht, durch ihr

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17. April 1957

ihr Schicksal für die Zukunft der freien Welt viel Gutes oder viel
Böses zu bringen. Von den Wüsten Nordafrikas bis zu den Inseln des Südpazifiks ist ein Drittel der gesamten Menschheit in die historische Phase
getreten, für eine neue Freiheit zu kämpfen; die Freiheit von bedrükkender Armut. Über alle Kontinente hinweg suchen fast eine Milliarde
Menschen bisweilen verzweifelt danach, sich die beruflichen Fertigkeiten
und das Wissen anzueignen und die Hilfe zu erhalten, durch die sie aus
ihren eigenen Hilfsquellen Nutzen ziehen können und mit denen sie ihre
materiellen Bedürfnisse befriedigen können, die der gesamten Menschheit
gemeinsam sind."
Es liegt in unserem direkten Selbstinteresse, daß diese neuen Staaten in diesem historischen Daseinskampf den Erfolg haben werden, von
dem der Präsident sprach.
Unsere Anteilnahme resultiert aus der historischen Auffassung des
amerikanischen Volkes von seiner Rolle in der Welt.
Das amerikanische Volk glaubt an ein moralisches Gesetz und daran,
daß Menschen und Staaten an dieses Gesetz gebunden sind. George Washington sagte in seiner Abschiedsrede: "Religion und Moral sind unentbehrliche Gebote für unsere freie Regierung. Und von allen Geboten der Moral
und der Religion ist das der Brüderlichkeit eines der wichtigsten."
Daher hat unser Volk auch niemals den Versuch unternommen, Amerika
inmitten einer Weltwüste des menschlichen Elends zu einer Oase des
Wohlstands zu machen.
Ein anderer Punkt unseres Glaubensbekenntnisses ist das Vertrauen
in die Würde und den Wert jeden menschlichen Lebens. Alle Menschen, so
sagt unsere Unabhängigkeitserklärung, haben die unveräußerlichen Rechte
auf ein Leben in Freiheit und auf ein Streben nach Glück.
Aus diesem Grunde hassen wir ein System, das die Menschen lediglich wie Objekte behandelt, als ob sie Zahnräder einer überdimensionalen
Staatsmaschinerie wären. Daher fordern wir die Freiheit für alle Menschen, und deshalb sind wir bereit, die Freiheit zu verteidigen, wo sie
erhalten blieb, und darum wollen wir sie dort wiederhergestellt sehen,
wo sie verloren gegangen ist.
Die Gründer unseres Staates betrachteten ihre Aufgabe nicht als
selbstsüchtiges Unternehmen. Sie hatten den Mut, ihre Prinzipien in
die Welt zu tragen. Was sie taten, wurde in der Welt als das "große
amerikanische Experiment" bekannt. Abraham Lincoln sagte von unserer
Unabhängigkeitserklärung, sie bedeute "nicht nur Freiheit für unser
Volk, sondern auch Hoffnung für die Welt für alle Zukunft. Sie gibt
die Hoffnung, daß zu gegebener Zeit die Lasten von den Schultern aller
Menschen genommen werden."
Wir

�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

17. April 1957

Wir stehen immer noch zu dieser Interpretation unserer Aufgabe
und sind daher darauf bedacht, daß andere Länder und andere Völker
die Segnungen der Freiheit kennenlernen - sollen.

IV
Daraus sollten wir, so glaube ich, erkennen, daß das sogenannte
Programm für gemeinsame Sicherheit unter modernen Bedingungen der Ausdruck für zwei Notwendigkeiten ist:
1) Die Notwendigkeit für eine gemeinsame Verteidigung mit anderen
freien Völkern, die gewillt sind, mit uns die Lasten und die Vorteile
dieser Verbindungen zu teilen und 2) die Notwendigkeit für eine realistische Offenbarung des Glaubens, der unser Land seit Anbeginn erfüllt,
ein Glaube, der unser Land im besten Sinne dieses oft mißbrauchten Wortes groß gemacht hat.
Und lassen Sie mich hinzufügen, daß die Unterdrückung und die Beschränkung der Offenbarung dieses Glaubens uns schlecht bekommen würde.
Keine Gesellschaft kann lange ohne einen Geist bestehen, der dynamisch
und schöpferisch ist, und der auch andere erfaßt. Wenn jemals der Tag
kommen sollte, an dem unsere Nation nicht mehr für die lebensspendenden
Eigenschaften empfänglich ist, die sich in der fortschreitenden Entwicklung unseres Programms zeigen, dann wird das der Anfang von unserem Ende
sein.

I
Ich komme nun zu der Frage, welche größeren Änderungen in der
diesbezüglichen Gesetzgebung erforderlich sind, damit sie ihrem doppelten Zweck besser gerecht wird.
Es scheint, als stamme die Verwirrung wenigstens teilweise daher,
daß man alle Arten der wirtschaftlichen Beihilfen für Länder, deren
militärische Programme wir unterstützen, als"Verteidigungshilfe" bezeichnet. Eine solche Verwirrung kann und sollte man beenden.
Unsere Unterstützung für jene Länder besteht aus drei Grundformen:
1) Hilfe durch Lieferung tatsächlicher militärischer Güter, der sogenannten "Fertigfabrikate"; 2) Unterstützung der Volkswirtschaften
bis zu jenem Punkte, der erforderlich ist, um diese Länder zum Tragen
der wirtschaftlichen Lasten zu befähigen, die ihnen die Existenz der
bewaffneten Streitkräfte aufbürdet, welche für die allgemeine Verteidigung notwendig sind, worin sowohl sie als auch wir übereinstimmen.
Und dann 3) die Programme zur wirtschaftlichen Entwicklung einschließlich der technischen Hilfe, in welchen wir uns ungeachtet unserer militärischen Bindungen engagiert haben.
Unserer

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17. April 1957

Unserer Ansicht nach soll die sogenannte "Verteidigungshilfe"
künftig nur so hoch sein, daß sie jene durch die militärische Verteidigung entstehenden wirtschaftlichen Lasten, die das betreffende
Land selbst nicht tragen kann, aufwiegt. Bewilligungen für die Militärhilfe und für diese neu definierte Kategorie der Verteidigungshilfe
würden dann laufend gebilligt und in Zukunft jährlich vom Präsidenten
im Rahmen der Bewilligungen für das Verteidigungsministerium angefordert werden.
Wir glauben, daß die Behandlung der Militärhilfe auf eine solche
Weise, wie sie übrigens durch viele kürzlich vollendete Studien zu diesem Gegenstand empfohlen wird, das Mißverständnis draußen und zu Hause
weitgehend dadurch verhindern würde, daß wir zeigen, wie groß unser
Wunsch ist, durch unsere Hilfe der militärischen Verteidigung zu dienen.
II
Ich wende mich nunmehr dem Aspekt der wirtschaftlichen Entwicklung
innerhalb des Programms zu.
Wir sind der Ansicht, daß die gesamte wirtschaftliche Entwicklung
einschließlich jener, welche die Länder betrifft, mit denen uns ein
gemeinsames Verteidigungsprogramm verbindet, als Ganzes betrachtet
werden sollte. Wir sind weiter der Meinung, daß mehr Nachdruck auf eine
langfristige Entwicklungshilfe gelegt werden sollte.
Es ist wahr, daß unsere Wirtschaftshilfe nicht mehr sein kann
als ein kleiner Beitrag zu den Entwicklungsbemühungen irgendeines
Landes. Dennoch kann dieser Beitrag bedeutsam und unter Umständen
entscheidend sein. Er kann Zahlungsbilanzschwierigkeiten überwinden
helfen, und er kann für ein Land zum Stimulans für ein wirkungsvolleres eigenes Entwicklungsprogramm werden. Wenn unsere Entwicklungsbeihilfe diese Wirkung haben soll, müssen wir zwei Dinge tun:
1) Mit dem Zyklus der jährlichen Bewilligungen brechen und
2) die Vorausbewilligungen für die Einzelländer abschaffen.
Die wirtschaftliche Entwicklung ist ein kontinuierlicher Prozeß
und kein jährlich wiederkehrendes Ereignis. Die gegenwärtige Art der
jährlichen Bewilligungen hat zu Verfahren geführt, die es weder uns
noch den empfangenden Ländern erlauben, den wirkungsvollsten Gebrauch
von den Mitteln zu machen, die wir bereitstellen.
Der beste Weg zur Erreichung einer größeren Wirkung ist die
Errichtung eines wirtschaftlichen Entwicklungfonds aus dem Anleihen
unter günstigeren Bedingungen bereitgestellt werden können als es auf
Grund der bestehenden Einrichtungen möglich ist. Für solch einen Fonds
brauchte man, um ihn wirkungsvoll zu verwenden, eine sich über einen
längeren Zeitraum erstreckende Ermächtigung und Bereitstellung der
Mittel, die dann, wenn es notwendig wird, erneuert werden müssen.
Ein

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Ein solcher Fonds könnte für besondere Programme oder Projekte,
die von einem Bewerberland unterbreitet werden, eine erweiterte Hilfe
bedeuten. Jede Bitte um eine Anleihe aus diesem Fonds sollte von gewissen Bedingungen abhängig gemacht werden. Es müßte ausdrücklich klar
gemacht werden, daß 1) die Finanzierung aus anderen Quellen nicht möglich ist, 2) daß das fragliche Projekt technisch durchführbar ist,
3) daß es einen direkten oder indirekten Beitrag zur Erhöhung der Produktivität einer Nation zu leisten verspricht.
Der Fonds könnte bei der Finanzierung besonderer Projekte auf
nützliche Weise die Arbeit solcher Institutionen wie der Weltbank
oder der Export-Import-Bank ergänzen. Mit Hilfe dieses Fonds könnten
diese Banken in die Lage versetzt werden, ihre Tätigkeit durch Unterstützung von Projekten zu erweitern, die in ihrer Gesamtheit keine
Qualifikation für Anleihen hätten. Um nicht andere Kreditquellen auszuschalten, sollten Anleihen aus dem Entwicklungsfonds auf einer den
Ansprüchen der Weltbank, der Export-Import-Bank und privater Kreditinstitute untergeordneten Basis rückzahlbar sein.
Um die Entwicklungshilfe wirtschaftlich und hochwirksam einzusetzen, müssen wir geschäftsmäßig abwickeln. Und ich bin der Meinung,
daß der weiter oben erklärte Geschäftsgang diese Wirkung erreichen wird.
III
Zusätzlich zu den für die Auslandshilfe, die Militärprogramme und
die Anleihen zur wirtschaftlichen Entwicklung benötigten Mittel sind
ohne Zweifel noch weitere Mittel für nichtrückzahlbare Auslandsfinanzhilfen notwendig.
Der internationale Kommunismus führt gegen uns einen Kampf, den
man allgemein als "kalten Krieg" bezeichnet. Er kann ohne Rechenschaft
über seine Haushaltsmittel und ohne parlamentarische Billigung Gelegenheiten zu seinem Vorteil ausnutzen, die sich ihm durch seine eigene subversive Tätigkeit, durch die Fehler noch nicht auf solider Basis stehender, freier Regierungen oder durch Naturkatastrophen eröffnen.
Deswegen ist es notwendig, daß unsere Regierung ebenfalls beschränkte,
aber frei verfügbare Mittel besitzt, so daß wir und nicht nur der internationale Kommunismus allein in solchen entscheidenden Situationen beweglich sind. Ohne diese Fähigkeit würden wir dem Despotismus einen
Vorteil einräumen, aus welchem er großen Nutzen zu ziehen vermag.
Wir haben bereits einen besonderen Fonds zur Verfügung des Präsidenten durch Teil 401 des Gesetzes bewilligt, um mit seinen Mitteln
Dringlichkeits- und Notfällen begegnen zu können. Ein Fonds, der diesen
Zwecken dient, soll bestehen bleiben.

IV

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'AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

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IV
Technische Unterstützung ist ein erprobtes und außerordentlich
wirksames Verfahren, anderen Ländern die Erschließung ihrer Hilfsquellen
zu ermöglichen. Unserer Ansicht nach sollte die technische Unterstützung,
sowohl unmittelbar als auch im Rahmen des technischen Hilfsprogramms
der Vereinten Nationen, weitgehend auf der gegenwärtig gültigen Basis
fortgesetzt werden.
V
Was die Verwaltung des revidierten Programms anbelangt, so sollte
unserer Meinung nach die Militärhilfe durch Lieferung von Waffen und Geräten auch weiterhin der Überwachung durch das Verteidigungsministerium
unterstehen, während die Wirtschaftshilfe in den von mir beschriebenen
verschiedenen Formen nach wie vor durch das Amt für Internationale Zusammenarbeit verwaltet werden sollte.
Wir glauben nicht, daß es klug wäre, auch die Verwaltung der allgemeinen Militärhilfe dem Verteidigungsministerium zu übertragen. Dies
würde eine überflüssige Parallelarbeit innerhalb der Abteilung für Verteidigungshilfe in der so gut funktionierenden wirtschaftlichen Organisation der ICA erfordern. Außerdem würde damit die Verantwortung für die
Verwaltung der Wirtschaftsprogramme auf zwei verschiedene Dienststellen
aufgeteilt werden: diese Programme aber müssen eng koordiniert bleiben,
wenn sie erfolgreich und zufriedenstellend geleitet werden sollen.
Wir sind daher der Ansicht, das Amt für Internationale Zusammenarbeit sollte fortgeführt werden, und zwar in seiner derzeitigen Form,
nämlich als eine halbautonome Dienststelle.
Wir sind der Meinung, daß unser Programm für gemeinsame Sicherheit
in allen seinen Aspekten der erfolgreichen außenpolitischen Lenkung
durch den Präsidenten und den Außenminister unterstellt werden sollte.
Dies ist auf Grund der Machtbefugnisse des Präsidenten als Leiter der
Exekutive zu ermöglichen. Um dies zu erreichen, brauchen dem Außenministerium nicht erst neue große Verpflichtungen auferlegt zu werden.
VI
Ich komme nunmehr zur Frage der Größenordnung unserer verschiedenen
Programme:
1. Vorausgesetzt, daß das derzeitige Klima in den internationalen
Beziehungen auch weiterhin anhält,, so würden sich meiner Schätzung nach
die Aufwendungen für militärische Zwecke im Rahmen der bewilligten Hilfeleistungen noch einige Jahre in etwa der derzeitigen Höhe halten müssen.
In einigen Fällen kann die Stärke der örtlichen Streitkräfte, die mit
Mitteln des Programms für gemeinsame Sicherheit unterstützt werden,
vielleicht .unne größeres politisches oder militärisches Risiko vermindert werden. Das wüjpele eine Senkung unserer Ausgaben bedeuten. Andererseits

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17. April 1957

Andererseits könnte es nötig werden, die Streitkräfte unserer Verbündeten zu reorganisieren und mit moderneren Waffen auszurüsten. Das
würde wiederum steigende Kosten bedeuten. Vielleicht gleichen sich diese
beiden Posten einigermaßen aus.
2. Vorausgesetzt, daß in Zukunft die wirtschaftliche Entwicklung
mit Hilfe von Darlehen und nicht durch Zuwendungen ermöglicht wird, so
würde dies einen Entwicklungsfonds erfordern, aus dem Darlehen bis
zu einer Höhe von schätzungsweise 750 Millionen Dollar nicht nur für
das Haushaltsjahr 1958» sondern für die kommenden Jahre überhaupt geleistet werden können. Die von uns vorgeschlagenen Verfahren sollten
wesentliche Einsparungen in Form geringerer Verwaltungskosten mit
sich bringen und die Möglichkeit bieten, mit weniger Mitteln mehr zu
erreichen. Andererseits könnte die Notwendigkeit zu derartigen Aufwendungen noch zwingender werden.
3. Hinzu kommen die von mir bereits erwähnten laufenden Hilfsaufwendungen in begrenztem Umfange zur Deckung der durch unvorhergesehene
Ereignisse und zwingende Notwendigkeiten entstehenden Kosten, die durch
Darlehen nicht ausreichend befriedigt werden können. Außerdem laufen ja
noch die technischen Hilfsprogramme mit gegenwärtig 150 Millionen Dollar
jährlich.
VII
Abschließend möchte ich noch an den Bericht des Außenpolitischen
Senatsausschusses vom Juni vorigen Jahres hinsichtlich des Programms
für gemeinsame Sicherheit erinnern. In dem Bericht des Ausschusses
hieß es: "... Die kommenden Jahre dürften in mancher Beziehung schwieriger werden als die letzten. Die Probleme werden diffiziler und komplexer. Das Programm für gemeinsame Sicherheit muß den neuen Umständen
angepaßt werden."
Wir sind der Ansicht, daß die von mir heute Vormittag umrissenen
Vorschläge "den neuen Umständen angepaßt" sind. Sie fußen auf den von
Ihnen angeforderten eingehenden Untersuchungen sowie auf den von der
und für die Exekutive durchgeführten Studien.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen stimmen vielfach weitgehend
nicht nur darin überein, daß unsere anderen Ländern gewährte militärische
und wirtschaftliche Hilfe auch für uns selbst von Nutzen ist, sondern
auch hinsichtlich der Änderungen unseres Programms für gemeinsame Sicher
heit, durch die es schon im Interesse unseres eigenen Landes noch wirksamer gestaltet werden soll.
Wir übernehmen wohl die volle Verantwortung für unsere Vorschläge,
beanspruchen jedoch nicht das alleinige Verdienst für ihre Ausarbeitung.
Wir betrachten sie vielmehr als das Ergebnis sowohl der Arbeit des Kongresses als auch der Bemühungen der Exekutive. Unserer Überzeugung nach
sind sie in ihren groben Umrissen vernünftig. Wir sind uns durchaus klar
darüber, daß es verschiedene Möglichkeiten gibt, diese grob umrissenen
Vorschläge im einzelnen zu formulieren. Wir bitten Sie daher um Ihre
Stellungnahme und eine eingehende Beratung über die besten Mittel und
Wege, diese Vorschläge so zu formulieren, daß sie zu einem möglichst
wirksamen Instrument unserer Politik werden.
* * * * *

- 9-

�A M E R I K A

1)1

Allg./

WILCOX:

I

S

T

24-4-1957

VEREINTE NATIONEN HABEN POSITIVE ARBEIT GELEISTET

PITTSBURGH (Pennsylvanien) - (AD) - Nachstehend
übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Rede
von Francis 0. Wilcox, Unterstaatssekretär im
US-Außenministerium, die dieser am 12.April 1957
vor der Gesellschaft für Außenpolitik in
Pittsburgh gehalten hat.

Ich freue mich, wieder einmal in Pittsburgh zu sein und an dem
siebenten öffentlichen Jahresforum über Fragen der Weltpolitik teilnehmen zu können. Ich erinnere mich mit Vergnügen an den Besuch, den
ich dieser Stadt vor einigen Jahren als Mitglied des Außenpolitischen
Senatsausschusses abgestattet habe.
In meiner heutigen Rede möchte ich mir erlauben, Ihre Aufmerksamkeit auf die veränderte Zusammensetzung und Größe der Generalversammlung der Vereinten Nationen zu lenken. Es ist nicht weiter erstaunlich, daß die Generalversammlung im Brennpunkt unseres Interesses
steht. Denn wenn v/ir die Ereignisse der letzten zehn Jahre kurz überblicken, so gewinnen wir den Eindruck, daß die Vereinten Nationen
heute eine etwas andere Organisation darstellen als sie einst in
San Francisco geplant wurde.
Im Jahre 1945 erhoffte man vom Sicherheitsrat, er werde den
Frieden wiederherstellen und erhalten. Dieses Gremium war eine geschickte Kombination von Macht und Verantwortung. Aber die zehn Jahre
kalten Krieges, scharfer Gegensätze zwischen dem sowjetischen Machtbereich und der freien Welt und insbesondere des immer wiederholten
Mißbrauchs des Vetorechts durch die UdSSR, haben den Sicherheitsrat
in eine Rolle von zweitrangiger Bedeutung gedrängt. Heute ist der
Sicherheitsrat, der ja nach wie vor existiert, vor allem in solchen
Situationen von größtem Wert, die die Möglichkeit in sich tragen,
daß Ost und West eine gemeinsame Plattform finden. In anders gelagerten Situationen jedoch wurde von dieser Institution immer
seltener Gebrauch gemacht.

Im

�"AMERIKA DIENST

24. April 1957

Im Gegensatz dazu ist die Generalversammlung in eine Rolle hineingewachsen, die alle von den Verfassern der UN-Charta in sie gesetzten
Erwartungen weit übertroffen hat. Denn ursprünglich sollte die Generalversammlung das mit geringeren Vollmachten ausgestattete Organ sein.
Es war vorgesehen, daß sie alljährlich zu regelmäßigen Sitzungen zusammentritt. Sie war nicht, wie der Sicherheitsrat, zu Entscheidungen, sondern
lediglich zu Empfehlungen befugt. Ihre Hauptwaffen waren Diskussion und
Aussprache. In diesem Gremium waren Macht und Verantwortung nicht den
wirklichen Verhältnissen entsprechend auf die einzelnen Mitglieder verteilt r- die Stimme eines kleinen Staates besaß das gleiche Gewicht wie
die einer Großmacht. Wenn die Entwicklung des Sicherheitsrates durch
seine immer seltenere Anrufung gekennzeichnet ist, so trifft für die
Generalversammlung genau das Gegenteil zu.
Wenn "das Gewesene erst der Anfang" ist, dann dürfte es wohl angebracht erscheinen, sich einmal zu vergegenwärtigen, welche Folgen für
die Zukunft aus der Tatsache erwachsen, daß die Generalversammlung soviel größer geworden ist und daß diese Körperschaft in den vergangenen
Jahren soviel umfassendere Verantwortlichkeiten übernommen hat. Es sind
dies Veränderungen, die den Vereinten Nationen ganz neue Dimensionen
verleihen und daher ihre Mitglieder vor ganz neue Probleme und, ich
glaube, auch vor ganz neue Möglichkeiten stellen.
In den letzten anderthalb Jahren ist die Zahl der Mitglieder der
UN von 60 auf 81 gestiegen. Dabei ist es interessant festzustellen,
daß diese Zunahme vorwiegend auf die Aufnahme neugeschaffener souveräner
Staaten in Afrika umd dem Nahen und Fernen Osten - gewöhnlich als
"Afro-Asien" bezeichnet - zurückzuführen ist.
Im letzten Halbjahr hat die Generalversammlung unter der im Jahre
1950 im Anschluß an die kommunistische Aggression in Korea gefaßten
Resolution "Einheit für den Frieden" bisher einmalige Aufgaben übernommen und erfüllt. Von der durch diese Resolution geschaffenen Möglichkeit wurde erstmals Gebrauch gemacht, als der Sicherheitsrat durch
das Veto einiger seiner ständigen Mitglieder nicht in der Lage war, sich
mit der Nah-Ost- und der Ungarn-Krise zu befassen.
Die immer bedeutsamere Rolle, die die Generalversammlung und ihre
um soviel größer gewordene Mitgliedschaft spielen, bereiten einigen
Mitgliedern der Vereinten Nationen und manchen erfahrenen Kennern und
Kritikern der Weltpolitik Sorgen. Einige unserer zuverlässigsten Verbündeten fragen sich, ob die Generalversammlung bedrohlichen Streitfällen, die den Frieden gefährden oder erschüttern, tatsächlich gewachsen sei.
Ich glaube, es wäre angebracht, auf einige dieser Befürchtungen
und Warnungen näher einzugehen. Vielleicht können wir uns dann ein Urteil bilden, ob die Generalversammlung tatsächlich Gefahr läuft, sich
zu einem Ungeheuer a la Frankenstein auszuwachsen, das drauf und dran
ist, sich selbst zu vernichten, wie manche uns glauben machen wollen.
Erstens,

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�'AMERIKA DIENST"

24. April 1957

Erstens, so wird behauptet, wird es in der Generalversammlung
immer mehr Brauch, en bloc abzustimmen, wobei die Loyalität gegenüber
dem Block den Vorrang vor jedem echten Versuch hat, Streitfragen objektiv
und ihrem Wert entsprechend zu klären. Dies wird als eine unverantwortliche, ja gefährliche Entwicklung betrachtet, wenn der afro-asiatische
Block allein bei einer en-bloc! -Abstimmung über ein Drittel der Stimmen
für sich beanspruchen kann.
Zweitens wird der Vorwurf erhoben, es bestehe die wachsende Tendenz,
Resolutionen zu verwässern, um so eine Zweidrittel-Mehrheit für die Resolution zu gewinnen, wenn wichtige Streitfälle zur Diskussion stehen.
Durch diese Tendenz, so wird behauptet, entstehen blutleere Resolutionen,
die wenig Kraft und Wirksamkeit besitzen.
Drittens ist der Grundsatz der Gleichberechtigung souveräner Staaten,
demzufolge jeder Staat eine Stimme besitzt, erneut kritisiert worden,
da er der relativen Macht und dem Einfluß der verschiedenen Staaten in
internationalen Fragen nicht in realistischer und klarer Weise gerecht
werde. Ist es richtig, so fragt man, daß bei der Stimmenzählung ein
kleines, wirtschaftlich und politisch schwaches Land das gleiche Gewicht
besitzt wie ein großer und starker Staat; wird dadurch nicht die Tendenz
bestärkt, sich gegenüber den größeren Staaten "zu verbünden"?
Viertens wird geltend gemacht, daß die Generalversammlung eine
doppelte Moral und Rechtsprechung habe; eine für diejenigen Länder,
die sich an ihre Empfehlungen halten, eine andere für diejenigen
Staaten, die sich dem widersetzen. Damit erhebt sich gleichzeitig die
Frage, ob es nicht falsch sei, die UN in Streitfällen anzurufen, die
zu lösen sie nicht die Macht besitzen, was zu Enttäuschungen oder gar
zum Verlust des Glaubens an die Organisation selbst führen könnte.
Diese Anwürfe sind ernster Natur und verdienen unsere sorgfältige
Erwägung. Ich glaube, ein Blick in das Protokoll über die elfte Generalversammlung wird uns helfen, festzustellen wieweit sie berechtigt
sind. Ich möchte in bezug auf alle diese Anwürfe die allgemeine Feststellung treffen, daß sie eine größere Autorität und Macht voraussetzen,
als die Generalversammlung sie tatsächlich besitzt. Die Zusammensetzung
und die Rolle der Generalversammlung mag dem Wechsel unterworfen sein;
aber ihre in der Charta festgelegten Pflichten bleiben unverändert.
Sie ist eine Körperschaft, die Empfehlungen gibt und deren Einfluß von
der freiwilligen Mitarbeit ihrer Mitglieder abhängt.

Nehmen

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"AMERIKA DIENST"

Nehmen wir zum Beispiel die Frage der Blockbildung bei Abstimmungen.
Die einzig wirklich feste Blockbildung bei Abstimmungen in der Generalversammlung ist die durch die Sowjetunion und ihre Satellitenstaaten,
und sie wird mit monotoner Regelmäßigkeit durchgeführt. Aber dies ist
seit langem Brauch und daher kein neues Phänomen. Die derzeit geäußerten Befürchtungen gehen dahin, daß die afro-asiatische Nationengruppe
sich geeinigt haben könnte, geschlossen abzustimmen und damit das Vorgehen der Generalversammlung in wichtigen Angelegenheiten entgegen unserem Interesse zu bestimmen. Meiner Ansicht nach ist dies jedoch eher
eine mathematische Möglichkeit als eine logisch begründete Erwartung
oder Gewißheit. Die mathematischen Fakten sind folgende:
Bei der gegenwärtigen Zusammensetzung der Generalversammlung sind
zur Beschlußfassung in Fragen, deren Entscheidung eine ZweidrittelMehrheit erfordert, 54 Stimmen nötig, sofern sich alle 81 Mitglieder
an der Abstimmung beteiligen. Ylenn sich alle afro-asiatischen Staaten
zusammenschlössen, brächten sie eine "blockierende Minderheit" von
28 Stimmen zusammen, die ausreicht, die Beschlußfassung in allen, eine
Zweidrittel-Mehrheit erfordernden Fragen zu verhindern und ihnen eine
wichtige Stimme bei der Entscheidung über alle bedeutsamen Angelegenheiten zu geben. Im Gegensatz dazu verfügen in der "neuen" Versammlung
die südamerikanischen Staaten nur über 24$» das nichtkommunistische
Europa über 19$* der Sowjetblock über 11$ und die Länder des alten
britischen Commonwealth über 5$ der Stimmen.
Wie dem auch sei, in der Praxis stimmt die afro-asiatische Gruppe
nicht regelmäßig als Block. Wenn sie es jedoch tut, geschieht dies
meist in solchen Fällen, in denen die überwiegende Mehrheit auch der
Staaten außerhalb des afro-asiatischen Gebiets sie unterstützt. Ich
glaube, wir sollten abermals einen Blick in die Protokolle der letzten
Generalversammlung werfen.
Nehmen wir zuerst die Abstimmung über die wichtigen Resolutionen
hinsichtlich der Nahostkrise. Hier hätte man mit Sicherheit ein solidarisches Vorgehen der afro-asiatischen Länder erwarten können. Dennoch
stimmte dieser Block geschlossen nur für zwei von den 11 der zwischen
dem I.November 1956 und dem 2.Februar 1957 angenommenen wichtigen Resolutionen. Und in diesen beiden Fällen stimmten ohnehin insgesamt 74 für
die Annahme, während bei zwei Stimmenthaltungen zwei Gegenstimmen abgegeben wurden. In der Tat konnte allgemein beobachtet werden, daß die
afro-asiatische Gruppe eine beachtliche Einigkeit bei der Zustimmung
zu den Resolutionen an den Tag legte, die von einer eindrucksvollen
oder überwältigenden Mehrheit angenommen wurden. Das heißt in anderen
Worten, sie traf nicht als verantwortungslose Splittergruppe in
Opposition zum Willen der Mehrheit auf.
Die Abstimmungsergebnisse in der Ungarnfrage zeigten weniger Einmütigkeit, obgleich sich unter allen Mitgliednationen, einschließlich
der des afrikanisch-asiatischen Raums, eine wachsende Tendenz bemerkbar
machte, das brutale Vorgehen der Sowjets um so schärfer zu kritisieren,
je mehr darüber bekannt wurde. Ich darf wohl bemerken, daß wir in dieser
Angelegenheit eine feste afro-asiatische Blockabstimmung-begrüßt hätten.
Aber nur drei von den zehn Resolutionen erhielten mehr als 20 afro-

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20 afro-asiatische Stimmen, und diese Resolutionen betrafen die weniger strittigen Fragen der Hilfe für die ungarischen Flüchtlinge. Bei
den Abstimmungen über die sieben übrigen Resolutionen zeigte es sich,
daß innerhalb des Blocks große Divergenzen bestehen. Der Punkt, den
ich betonen möchte, ist die Tatsache, daß sich die afro-asiatische
Gruppe nicht als monolithischer Block darstellt.
Natürlich besteht bei Staaten mit gemeinsamen Interessen und Problemen die Tendenz, gemeinsam zu stimmen, wenn sie der Ansicht sind,
so diesen Interessen zu dienen. V/o immer derartige Tendenzen auftreten,
stellen sie Probleme für alle diejenigen dar, die wünschen, daß internationale Angelegenheiten ihren Werten entsprechend behandelt werden.
Gleichzeitig jedoch sollten wir weder die Bedeutung einer solchen Blockabstimmung noch die praktischen Konsequenzen, die sich daraus ergeben,
übertreiben.
Lassen Sie mich nun die so häufig erwähnte "Verwässerung" von Resolutionen untersuchen. Nun, es ist richtig, daß eine Resolution im
Ausschuß selten in der Form angenommen wird, in der sie unterbreitet
worden ist. Würde dies so sein, wäre es nicht nur für die Generalversammlung, sondern für jede politische beratende Körperschaft eine bemerkenswertes Ereignis. Wir brauchen uns zum Beispiel nur den umständlichen
Gang einer Gesetzesvorlage oder der Verabschiedung einer einfachen Resolution in unserem eigenen Kongreß anzusehen.
Dieser Prozeß des Kompromisse-Schließens ist ganz gewiß ein demokratischer Prozeß. Er ist der Versuch, eine gemeinsame Basis zu finden und
der größtmöglichen Unterstützung sicher zu sein. Es ist eine Maßnahme
von entscheidender Bedeutung, wenn die Generalversammlung der Bestimmung
der Charta, die Meinungen und Handlungen der Nationen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, gerecht werden soll. Dadurch wird das Vorgehen
der einzelnen Nationen gemildert, während vernünftige Maßnahmen, die
nicht das Interesse kleiner Gruppen, sondern umfassenderer Kreise widerspiegeln, in den Vordergrund gerückt werden.
Ein gutes Beispiel für die Weisheit und Wirksamkeit dieses Prozesses ist die Behandlung der Algerienfrage durch die Generalversammlung. Sie werden sich erinnern, daß Frankreich vor einem Jahr, als die
Algerienfrage auf die Tagesordnung gesetzt wurde, seine Delegation zurückgezogen hat. In diesem Jahr, in der 11. Generalversammlung, bestritt Frankreich zwar nach wie vor die Zuständigkeit der Generalversammlung, widersetzte sich aber nicht länger der Aufnahme dieses Punktes auf die Tagesordnung. Dann, als diese Angelegenheit im Februar 1957
vor den Politischen Ausschuß kam, wurde eine von 18 afro-asiatischen
Mitgliedstaaten entworfene, scharf formulierte Resolution eingebracht.
Obwohl diese Resolution ohne Zweifel die Überzeugung ihrer Schöpfer
ausdrückte, war es doch von Anbeginn an klar, daß sie niemals die zu
ihrer Annahme notwendige Zweidrittel-Mehrheit hätte erreichen können.
Tatsächlich hat niemals eine Abstimmung über diese Resolution als Ganzes stattgefunden.
In

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In dem Bestreben, wenigstens ein gewisses Maß von Übereinstimmung
zu erzielen, wurde am 11.Februar von Japan, den Philippinen und Thailand eine milder formulierte Entschließung eingebracht. Und am folgenden Tage machte auch eine Anzahl anderer Mächte den Versuch, eine annehmbare Resolution auszuarbeiten. Beide Entschließungen gelangten
im Ausschuß zur Abstimmung und wurden dort angenommen. Keine von
beiden erhielt jedoch eine Zweidrittel-Mehrheit.
Am 15»Februar nahm dann die Generalversammlung in ihrer Plenarsitzung den Bericht des Politischen Ausschusses entgegen, daß es nicht
gelungen sei, die Unterstützung einer Zweidrittel-Mehrheit für irgendwelche Resolution über Algerien zu erlangen. In diesem kritischen Augenblick brachten die Mächte, von denen die beiden Entschließungen ausgegangen waren, die im Ausschuß nur eine einfache Mehrheit gefunden hatten,
im Plenum eine gemäßigte Kompromißresolution ein. Diese Resolution, welche die Hoffnung zum Ausdruck brachte, daß eine friedliche, demokratische
und gerechte Lösung des algerischen Problems in Übereinstimmung mit den
Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen gefunden werden würde, wurde
einstimmig angenommen. Frankreich enthielt sich der Stimme, in Übereinstimmung mit dem von ihm vertretenen Standpunkt, daß die Generalversammlung nicht dafür zuständig sei, sich mit der Lage in Algerien zu befassen.
Dieses Ergebnis könnte, nach meinem Dafürhalten, als Beispiel einer
"verwässerten" Resolution bezeichnet werden. Ich bin jedoch der Meinung,
daß man es richtiger kennzeichnet, wenn man es als ein brauchbares Kompromiß ansieht, zu dem man nach einer erschöpfenden Aussprache gelangte,
in der alle Seiten Gelegenheit hatten, ihre Ansichten zum Ausdruck zu
bringen. Diese Aussprache reinigte die Atmosphäre, und es wurde dadurch
eine substantielle Aktion von Seiten der Versammlung vermieden, die eine
Lösung eher behindert als gefördert hätte. Aus dem einhelligen Abstimmungsergebnis geht klar hervor, daß im Verlauf dieser Aussprache die
hauptsächlich beteiligten Staaten zum Verständnis, wenn nicht sogar zu
einer Billigung der Haltung und Interessen jedes der anderen Staaten
gelangt waren. Sämtliche Mitglieder sahen sich unmißverständlich der
Tatsache gegenüber, daß die Generalversammlung von sich aus keine Lösung
der Algerienfrage herbeiführen konnte. Einen Fortschritt zu erzielen,
war jedoch möglich, und ein solcher Fortschritt wurde denn auch erreicht,
weil die Versammlung verantwortungsbewußt handelte, indem sie sich die
Aufrechterhaltung einer Atmosphäre angelegen sein ließ, die einer künftigen brauchbaren Lösung seitens der unmittelbar beteiligten Parteien
förderlich war. Auch bei der Betrachtung der Zypernfrage nahm sich die
Versammlung in sehr weitem Maße dasselbe Vorgehen zum Vorbild.
Ich bin der Ansicht, daß auch das Verfahren der Versammlung in der
Abrüstungsfrage ein Beispiel verantwortungsbewußten Handelns darstellte.
Die Versammlungsmitglieder erkannten in vollem Umfange an, daß, bevor
eine Abrüstung durchgeführt werden kann, die Hauptmächte in ruhig und
ungestört geführten Verhandlungen Übereinstimmung erzielen müssen. Die
Versammlung war sich bewußt, daß das Forum der 81 Nationen nicht der
richtige Ort sei, um den Versuch zu unternehmen, Übereinstimmung über
in höchstem Maße technische Einzelheiten zu erreichen, von denen die
Sicherheit vieler Völker und zahlreicher Länder abhängt. Aus diesen
Gründen beschloß die Generalversammlung einstimmig, sämtliche ihr vor- 6 -

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vorliegenden Abrüstungsvorschläge dein Abrüstungsausschuß und dessen
Unterausschuß zur unverzüglichen ruhigen und eingehenden Beratung zu
überweisen. Dies ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, daß die Versammlung sich klar bewußt ist, was sie in einer gegebenen Situation
zu tun oder nicht zu tun hat.
Selbstverständlich sind nun nicht alle von der Versammlung angenommenen Entschließungen, die auf einem Kompromiß beruhen, allgemein
als das beste erreichbare Ergebnis anzusehen. Beispielsweise betrachteten viele Delegationen die letzte Resolution der Versammlung über den
Einsatz der Polizeistreitkräfte der Vereinten Nationen in Ägypten als
wenig befriedigend. Es wäre unverkennbar vorzuziehen gewesen, wenn die
Versammlung die Rolle der UN-Polizeistreitkräfte im Gaza-Streifen oder
am Eingang zum Golf von Akaba von vornherein genauer umgrenzt hätte.
Iber hier, wie bei anderen Gelegenheiten, wurde das Ergebnis in der
Versammlung dadurch bestimmt, daß dort in erster Linie ein Ausgleich
der durch diesen Fall in Mitleidenschaft gezogenen Interessen seitens
derjenigen erstrebt wurde, die eine weniger bestimmte Formulierung
vorzogen. Nichtsdestoweniger ermöglichte das Ergebnis, wenn es auch
nicht ideal war, ein wirksames Dazwischenschieben der UN-Polizeitruppe
zwischen die Streitkräfte der Israeli und der Ägypter.
Ich bin mir nun durchaus klar darüber, daß solche, auf halbem
V/ege haltmachenden Maßnahmen niemals diejenigen befriedigen werden,
die erwarten, daß die Vereinten Nationen rasche, klar durchdachte und
durchsetzbare Entscheidungen treffen, die sich in einem gegebenen
Streitfall auf allgemein anerkannte Begriffe von Recht und Unrecht
stützen. Gleichwohl sind solche präzise und vollkommenen Lösungen
von irgendwelchen Problemen nicht immer möglich. Heutzutage lassen
sich bei internationalen Streitfragen häufig nur maßvolle Lösungen
in Anwendung bringen. Die Bereitwilligkeit der UN-Versammlung, in
konkreten Fällen stets sowohl ihre eigenen Möglichkeiten als auch
deren Grenzen klar im Auge zu behalten, bedeutet einen Schritt vorwärts in der Richtung auf eine noch erweiterte verantwortungsbewußte
Tätigkeit innerhalb der Versammlung.
Einer der allerersten Schritte, die ein eben souverän gewordener
Staat auf internationalem Gebiet unternimmt, besteht darin, daß er sich
um die Zulassung zu den Vereinten Nationen bewirbt. Die Mitgliedschaft
dieser Körperschaft wird als der endgültige Stempel der Anerkennung
durch die internationale Gemeinschaft angesehen. Einmal aufgenommen,
ist der neue Staat darauf bedacht, den Beweis zu erbringen, daß er die
Fähigkeit besitzt, zu den Zielen der Charta seinen Beitrag zu leisten;
gleichermaßen ist er, wie ich glaube, von dem Streben beseelt, seine
neu gewonnene Unabhängigkeit und Souveränität geltend zu machen und zu
behaupten. Der neue Staat neigt daher dazu, alle Handlungen zu vermeiden,
die den Anschein erwecken könnten, daß sein Votum, sein Stimmschein "in
irgendeines anderen Tasche stecke".
Ich bin der Meinung, daß, im großen und ganzen, diese neuen Staaten
sowie die sogenannten kleinen oder schwachen Staaten durchaus verantwortungsbewußt und dem gemeinsamen Interesse entsprechend gehandelt haben.
Selbstverständlich gibt es Gelegenheiten, bei denen ein Staat oder eine

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eine Gruppe von Staaten Vorschläge unterbreiten, die auszuführen
für die Vereinten Nationen unmöglich oder doch ganz außergewöhnlich
schwierig ist, und welche die größeren Mächte in erhebliche Verlegenheit bringen« Ganz besonders bei derartigen Anlässen mögen wir
wohl das Empfinden haben, daß die Formel: ein Staat - eine Stimme
de facto eine Unbilligkeit bedeutet, und man sollte vielleicht
Mittel zu einer Bewertung der Stimmen in Erwägung ziehen.
Aber es ist schwer, diese Staaten dafür zu tadeln, daß sie gelegentlich die Generalversammlung als günstige Gelegenheit benutzen,
um die größeren Staaten zu veranlassen, ihre Aufmerksamkeit auf sie
zu richten und von ihren Anliegen Kenntnis zu nehmen. Mitunter mag
dies einem durchaus entscheidenden und konstruktivem Zwecke dienen.
Die Generalversammlung ist einem Staatenparlament so nah gekommen
wie die Welt für dessen Schaffung reif ist. Als internationale Institution tendiert sie dazu die politischen, wirtschaftlichen und sozialen
Strömungen der Welt genau zu reflektieren. Sie sollte - wie eine Demokratie - die Energie und geistigen Kräfte all ihrer Mitglieder heranziehen. Die Atmosphäre der Gleichheit, die hier herrscht, ermutigt sogar dazu. Wir sollten auch bedenken, daß die Versammlung als eine
Körperschaft, deren Aufgabe es ist, Empfehlungen auszuarbeiten, über
Sicherungen verfügt, die verhindern, daß die Mehrheit einer Minderheit
ihren Willen aufzwingt, selbst wenn diese Minderheit nur eine Stimme
hat. Ihre Empfehlungen können außer acht gelassen werden»
Wenn jedoch die Majorität überwältigend ist und die Billigkeit
oder Vernunft eines Vorschlages klar auf der Hand liegen, wird eine
oder werden mehrere der großen Nationen durch ihre Opposition oder
Weigerung, ihn zu unterstützen, Gefahr laufen, die öffentliche Meinung der Welt gegen sich zijl mobilisieren. Im Laufe der Zeit hat sich
dies als eine große ungeschriebene Macht der Generalversammlung erwiesen. Keine Nation kann sich leicht ihrer begrenzten Autorität
widersetzen.
Ich würde jetzt gern ein Wort über das sogenannte "zweierlei Maß"
sagen. Das Mißlingen des Versuchs der Generalversammlung, im Gegensatz
zu ihrem Erfolg in der Nahost-Krise einen Rückzug der sowjetischen
Streitkräfte aus Ungarn zu erreichen, hat Sorge erweckt.
Die Art und Weise, wie diese beiden Fragen vor der Versammlung behandelt worden sind, rechtfertigt nicht die gegen sie erhobenen Beschuldigungen. Die Resolutionen, die gegen die Sowjetunion und das
kommunistische Regime Ungarns gefaßt wurden, waren schärfer formuliert
als dies bei der Behandlung der Nahost-Angelegenheit der Fall war. Die
Versammlung krönte ihre Aktion mit einer vorbehaltlosen Verurteilung der
UdSSR - einem Schritt, der die Grundfesten der sowjetischen Propagandafeldzüge der letzten Jahre sprengte. Sich der Aktion der Vereinten Nationen widersetzt zu haben, ist die Sowjetunion teuer zu stehen gekommen.
Mit

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Bit der Bestimmung, daß für Entschließungen des Sicherheitsrates
die Einstimmigkeit der Großmächte erforderlich ist, war die Möglichkeit der Nichtbeachtung einer Aktion der UN bei der Abfassung der
Charta in Betracht gezogen worden. Man hoffte natürlich, daß Einstimmigkeit in Fragen der Aggression oder drohender Aggression herrschen würde, aber wir drängten wie die anderen darauf, daß diese
Klausel mit aufgenommen wurde. Es ist richtig, daß die Einheit-fürden-Frieden-Resolution die Generalversammlung ermächtigt, in Fällen
zu handeln, in denen der Sicherheitsrat versagt. Aber dies war eine
Entschließung, kein Zusatzartikel zur Charta. Die grundlegenden Verantwortlichkeiten und die Autorität des Sicherheitsrates und der
Generalversammlung bleiben unangetastet.
In der Gemeinde, im Staat und in der Welt gibt es und wird es
immer solche geben, die versuchen gegen das Gesetz zu verstoßen.
Wenn keine Möglichkeit besteht, die Befolgung des Gesetzes zu erzwingen, oder wenn es "am gebührlichen Respekt vor den Überzeugungen der
Menschheit" fehlt, dann können sie - wenigstens auf kurze Zeit - damit
durchkommen. Es ist richtig, daß dies eine Bedrohung für die Ordnung
des Gesetzes darstellt, aber es bedeutet nicht seine Aufhebung.
Die Sowjetunion bleibt vor der Menschheit mit der Schuld einer
brutalen und flagranten Verletzung der Charta im Falle Ungarns behaftet.
Was die Aktion der Generalversammlung anbelangt, so glaube icH., daß,
soweit es die Möglichkeiten dieser Körperschaft unter den obwaltenden
Umständen zuließen, der Sache der Freiheit gedient worden ist, und der
Sache des sowjetischen Kommunismus ein ernster und nicht mehr gut zu
machender Schlag versetzt worden ist.
Ich bin der Ansicht, daß wir die eindrucksvolle und anhaltende
Wirkung tage- und nächtelanger heißer Debatten und Prüfungen der ungarischen Frage durch die Generalversammlung auf die Regierungen und
Völker der Welt unterschätzen. Als Einzelheiten über die Härte, den
Zynismus und die Falschheit der Kommunisten enthüllt wurden, da wurden
vielen zum ersten Mal die Augen über den sowjetischen Imperialismus geöffnet. Dies trifft insbesondere zu auf die Vertreter von Staaten, die
sich aus verschiedenen Gründen bemüht haben, vor allem in Fragen, die
nach kaltem Krieg klangen, eine unverbindliche und neutrale Haltung
einzunehmen.
Zur Veranschaulichung würde ich gerne eine Episode aus der ^.Sitzungsperiode der Generalversammlung erzählen, nachdem die Ungarnfrage
seit fast einem Monat erörtert worden war. Die Versammlung behandelte
eine Resolution zur Verurteilung der Sowjetunion. Der Vertreter Burmas
bat um das Wort und sagte: "Meine Delegation hat mit Unvoreingenommenheit und Objektivität die.Argumente der sowjetischen Regierung und ihrer
Verbündeten zur Verteidigung der sowjetischen Aktion in Ungarn gehört.
Wir haben 0er. i I so sagte er, "daß die wirklich maßvollen Schritte, die
diese Generalversammlung vorschlug, einstimmig gutgeheißen werden würden.
Wir enthielten uns der Stimme und verhielten uns in der Woche vom 2.Dezember abwartend, alles in der Annahme, daß der Generalsekretär der Vereinten
Nationen selbstverständlich in jedem Mitgliedstaate zu jeder Zeit gebührend aufgenommen werde. Wir enthielten uns der Stimme und warteten ab,
während der Generalsekretär uns mitteilte, es bestünde eine Möglichkeit,
daß

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daß ihm der Besuch Ungarns zu einem verabredeten Zeitpunkt an einem
der nächsten Tage gestattet werde". Dann, als er der Versammlung erklärte, daß er nunmehr bereit sei, für die Verurteilung der UdSSR zu
stimmen, sagte der burmesische Delegierte: "Wir tun dies, um unsere
Selbstachtung zu bewahren. Verantwortungsbewußt haben wir auf eine
Aktion gewartet. Wir können nicht anders. Dies", und damit meinte er
Ungarn, "hätte nach Gottes Ratschluß jedem von uns geschehen können."
Am Ende dieser Debatte stimmte Burma mit 14 anderen Ländern Asiens
und Afrikas für die Verurteilung der Sowjets wegen ihrer Verletzung der
Charta. Meiner Ansicht nach hat diese Brandmarkung und Verurteilung des
kommunistischen Imperialismus dazu gedient, das Zusammengehörigkeitsgefühl der freien Welt zu stärken. Sie kann sich sehr wohl als einer der
größten Schläge erweisen, die die Sowjetunion und das Satellitensystem
im vergangenen Jahrzehnt erlitten haben. Bei jeder Betrachtung über ein
"zweierlei Maß" muß sie mit zu den positiven Errungenschaften der Generalversammlung gezählt werden. Denn jede Maßnahme, die Methoden des Despotismus und der Preiheitsunterdrückung aufdeckt, dient den Belangen beider,
den Belangen der Unterdrückten wie der Freien, die frei bleiben wollen.
Bei der Diskussion der veränderten Zusammensetzung und Aufgabe der
UN-Generalversammlung habe ich versucht, die sich ergebenden Probleme ins
Licht unserer gegenwärtigen Erfahrungen zu setzen. Wir werden uns noch
lange mit diesen Problemen beschäftigen müssen, und neue werden dazu
kommen, wenn die Hilfsmittel, die der Generalversammlung zur Verfügung
stehen, weiter ausgebaut werden.
Zusammenfassend möchte ich einige Richtlinien für zukünftige Entscheidungen vorschlagen:
Wir sollten im Rahmen der Generalversammlung en-bloc-Abstimmungen
und automatische Stimmenmehrheiten - ausgenommen die der Sowjetunion
und ihrer Satellitpn - als nicht gegeben annehmen.
Wir dürfen nicht vergessen, daß die Staaten im allgemeinen so
handeln, wie es ihren eigenen Interessen am besten dient, daß der Grad
des Interesses an den verschiedenen Problemen unterschiedlich groß ist,
daß ferner vieles im internationalen Verkehr zur Einigkeit drängt, aber
ebenso vieles zu Uneinigkeiten führt.
YÜT sollten uns vergegenwärtigen, daß immer dann, wenn eine Zweidrittelmehrheit bei einer Abstimmung erforderlich ist, dies oft Verhandlungen mit den regionalen Gruppen oder Staatenblöcken innerhalb
der Generalversammlung notwendig macht. Wenn wir jedoch unsere Führungseignung weiterhin auf konstruktive Weise demonstrieren und unser Bestes
tun, unsere Interessen mit den Interessen des Weltfriedens und des
Fortschritts zu identifizieren, dann glaube ich, ist die Generalversammlung keine Körperschaft, die man fürchten muß, nicht jetzt und nicht in
der Zukunft.
Wenn ich früher von abwägender Stimmenabgabe gesprochen habe, so
meinte ich nicht Beschluß oder Verfügung über die zur Abstimmung stehende Angelegenheit. Denn es mag schon etwas Wahres an der Behauptung sein,
daß
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daß die Generalversammlung ein AbstimmungsSystem eingeführt habe, das
dazu angetan sei die Macht und den internationalen Einfluß einzelner
UN-Mitgliedstaaten verzerrt zu reflektieren. Wie ich jedoch bereits
früher angedeutet habe, sind Beweise für eine verantwortungsbewußte
Zurückhaltung von Mitgliedern der Generalversammlung vorhanden. Dies
ist zum großen Teil auf die Erkenntnis zurückzuführen, daß eine" von a«x
Generalversammlung gebilligte Resolution immer nur eine Empfehlung sein
kann und ihre Wirksamkeit abhängig ist von dem Grad der ihr insbesondere
von den stärkeren und einflußreicheren Nationen gezollten Beachtung.
Die bloße Tatsache, daß ein Staatenblock die erforderliche ZweidrittelMehrheit in einer wichtigen Entscheidung aufbringen kann, bedeutet nicht,
daß die Nationen sich nun notwendigerweise auch entsprechend verhalten.
Ich erwähne als Beispiel das Verhalten der Generalversammlung in der
Frage der Verhängung von Sanktionen gegen Israel, als dieses sich weigerte,
seine Truppen zurückzunehmen. Einer der Nahoststaaten hatte
tatsächlich eine solche Resolution eingebracht. Es wäre zu diesem Zeitpunkt leicht möglich gewesen, diese Resolution mit der erforderlichen
Zweidrittel-Mehrheit durchzubringen. Aber diese mögliche Mehrheit legte
sich eine lobenswerte Zurückhaltung und Umsicht auf, sie wartete zunächst
die Stellungnahme jener Staaten ab, deren Stimme entscheidend sein konnte.
Wie ich schon ausführte, wurde über diese Resolution nicht abgestimmt, und
Israel hat seine Truppen schließlich zurückgenommen.
Derartig verantwortungsbewußtes Handeln ist ein Beispiel für die
Wirksamkeit der Generalversammlung als eine Einrichtung, durch welche
unsere aufeinander angewiesene Menschheit ihre gegenseitige Abhängigkeit
erkennt und akzeptiert.
Die einflußreicheren Staaten müssen begreifen, daß Macht und Verantwortung Hand in Hand gehen und daß ihre Führungsposition keine Selbstverständlichkeit ist.
Die weniger einflußreichen Nationen sollten dafür Sorge tragen, daß
der Wert der Organisation, die sie schützt und ihnen eine gleichwertige
Stimme im Rat der Nationen ermöglicht, durch ihre Handlungen weder herabgesetzt noch zerstört wird. Die Vereinten Nationen sollten akzeptiert werden
als das, was sie sind: ein Hilfsmittel im diplomatischen Bemühen der
Nationen um eine friedlichere Welt, ein Instrument, das die traditionellen
Gepflogenheiten der Diplomatie oder die verantwortungsbewußte internationale Führung ergänzt aber nicht ersetzt. Sie wird auf keinen Fall eine
Art politisches Elektronengehirn, bei den man die Rechenaufgabe auf der
einen Seite einstellt und auf der anderen die Lösung ablesen kann.
In diesem Zusammenhange haben wir oft festgestellt, daß bestimmte
internationale Angelegenheiten wirksamer außerhalb des Rahmens der Vereinten Nationen behandelt werden könnten. Wir haben ferner festgestellt,
daß die Vereinten Nationen niemals eine kühn, imaginativ und realistisch
geführte Außenpolitik und eigene Programme ersetzen können und wir viele
unserer nationalen Interessen und Ziele weiterhin auf dem Wege über unsere
verschiedenen regionalen Abkommen und bilateralen Beziehungen verfolgen
müssen.
Ich bin der Ansicht, daß kein Zweifel darüber besteht, daß die
Vereinten Nationen dazu übergehen sollten, einen wirksameren Druck auszu- 11 -

�24« April 1957

"AMERIKA DIENST"

auszuüben, um die Mitglieder dazu zu bringen, dann, wenn der Frieden
bedroht ist, an ihren Entscheidungen und Empfehlungen festzuhalten.
Darum glaube ich auch, ist die Aufstellung und der Einsatz der UNPolizeitruppe ein Portschritt in der Entwicklung freiwillig unternommener und dem Frieden dienender Einrichtungen. Die hierbei gemachten Erfahrungen mögen sich als unschätzbar für die Zukunft erweisen.
Wir sind optimistisch im Hinblick auf die Vereinten Nationen und
die Rolle der Generalversammlung in diesem Forum. Sie hatte sich kürzlich mit schwierigen Fragen zu beschäftigen und ist daraus stärker und
gereifter hervorgegangen.
Wir und die anderen Mitgliedstaaten werden, damit die Institution
ihrem Ziele, um derentwillen sie gegründet worden, dienen kann, die
Aufgabe haben, innerhalb ihrer Möglichkeiten alle Hilfsquellen auszuschöpfen. Die Vereinigten Staaten v/erden auch weiterhin ihren vollen
Teil dazu beitragen.

* * * * #

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�Allg./24.4.1957
DULLESt USA FÜR FRIEDEN, FREIHEIT UND GERECHTIGKEIT

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Ansprache des
US-Außenministers John Foster Dulles vom
22. April 1957 anläßlich des traditionellen
Jahresessens der amerikanischen Nachrichtenagentur "Associated Press" in New York.

"Ich erinnere mich gerne an Ihr Essen vor einem Jahr. Es
ist eine große Auszeichnung für mich, daß Sie mich ein zweites
Mal gebeten haben, zu Ihnen zu sprechen. Da dies meine erste Rede
in der zweiten Amtsperiode Präsident Eisenhowers ist, mag es angebracht sein, die grundlegenden Konzeptionen zu umreißen, von denen unsere Außenpolitik geleitet wird. Es ist wichtig, daß sowohl
unsere Freunde als auch unsere Gegner die Grundsätze kennen, nach
denen wir unseren Kurs abstecken.
Gegen Ende des zweiten Weltkrieges trafen sich die Staatsmänner der Welt in San Francisco, um eine bessere Zukunft für
eine vom Krieg heimgesuchte Welt auszuarbeiten. Sie schrieben die
Charta der Vereinten Nationen nieder, und in deren erstem Artikel
stellten sie drei grundlegende und miteinander eng zusammenhängende
Prinzipien auf. Es müssen Frieden und Gerechtigkeit herrschen,und
die Nationen und Menschen müssen frei sein.
Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit, dies sind die gleichen
Fundamente, auf denen auch die Außenpolitik der Vereinigten Staaten beruht. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Konzeption in einer
Welt zu realisieren, die einer schnellen und immer schneller werdenden Veränderung unterliegt.
Vor zwei Jahrzehnten schrieb ich, daß der Weltfrieden nicht
von der Erhaltung des Status quo abhängt, sondern daß er vielmehr
darauf beruht, Mittel und Wege einer friedlichen Veränderung zu
finden. Heute ist dieses Erfordernis dringlicher denn je zuvor.
Unsere

�'AMERIKA DIENST"

24. April 1957

Unsere Außenpolitik erkennt die Veränderung als Lebensgesetz
an. '.Vir wollen sicherstellen, daß diese Veränderung zum Guten ausschlägt und nicht zerstörerisch wirkt, damit wir nicht lediglich
überleben, sondern auch der Freiheit und dem allgemeinen Wohl dienen
können.
Dazu ist als erstes erforderlich, daß jede Veränderung durch
gewaltsame Aggressionen ausgeschlossen wird.
Die vornehmste Aufgabe jeder Regierung besteht darin, ihre Bürger gegen Gewalt zu schützen. Ein solcher Schutz kann nur dann wirksam
sein, wenn er durch eine kollektive Bemühung zustandekommt. So leisten
in jeder zivilisierten Gemeinschaft die Mitglieder ihren Beitrag zur
Unterhaltung einer Polizeimacht, die das Gesetz und die Ordnung schützt.
Nur die Gemeinschaft der Nationen hat es bisher versäumt, dieses
Urprinzip jedes zivilisierten Lebens zur Anwendung zu bringen.
Von den Vereinten Nationen wurde der Versuch gemacht, eine bewaffnete Streitmacht zu schaffen, die dem Sicherheitsrat zur Aufrechterhaltung der internationalen Ordnung unterstellt sein sollte. Aber
die Sowjetunion legte ihr Veto dagegen ein.
Die Mitgliedstaaten hatten jedoch immer noch die Möglichkeit,
auf kooperativer Basis gegen eine Aggression vorzugehen. Denn die UNCharta hatte mit kluger Voraussicht proklamiert, daß allen Nationen
das Recht zu kollektiver Selbstverteidigung zusteht.
Die freien Nationen haben von diesem Recht weitgehend Gebrauch
gemacht. Die Vereinigten Staaten schlössen mit 42 Nationen kollektive
Verteidigungsabkommen ab, und das Gebiet der gemeinsamen Verteidigung
kann nunmehr infolge der jüngsten Nahostresolution noch erweitert
werden.
Dieses kollektive Sicherheitssystem ist äußeren Angriffen und
inneren Unzulänglichkeiten ausgesetzt.
Die sowjetischen Machthaber ziehen es verständlicherweise vor,
daß die freien Nationen schwach und untereinander uneins sind wie
damals, als die Männer des Kreml nacheinander die Unabhängigkeit
von einem Dutzend Ländern vernichteten. Daher prangern die KremlMachthaber bei jeder Ausdehnung des kcf.ektiven Verteidigungssystems
die sogenannten 'militaristischen Gruppierungen1 scharf an. Und
sobald die freien Nationen Maßnahmen zur Stärkung ihrer gemeinsamen
Verteidigung treffen, stoßen die Sowjetherrscher Drohungen aus. W
können aber, so meine ich, zuversichtlich sein, daß solche sowjetischen Angriffe nicht die Einigkeit der freien Welt sprengen. Die
kollektiven Maßnahmen hier müssen bestehen bleiben.

Eine

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Eine größere Gefahr können internationale Verwicklungen heraufbeschwören. Ein kollektives Verteidigungssystem, in dessen Rah e jede
Mitgliednation völlig souver'"n ist, erfordert ein hohes Maß an freiwilliger Zusammenarbeit und Übereinstimmung. Glücklicherweis ha en
wir dies. Beispielsweise stimmen wir darin überein, daß die v dringlichste Aufgabe darin besteht, vor einem Krieg abzuschrecken. D"" € modernen Kampfmittel besitzen eine derartig ungeheure Zerstörungskraft,
daß es, sollte ein Weltkrieg jemals ausbrechen, keinen echten Sieger'
geben kann.
Wir sind uns ferner darin einig, daß das Hauptabschreci'ungpmittel
gegen einen Aggressionskrieg in einer beweglichen Vergeltungsstä 'ke
besteht. Diese Vergeltungsstärke muß - was ihr Potential angeht gewaltig sein. Aber das Ausmaß, in dem sie ange endet würde, hängt
natürlich von den Umständen ab. Entscheidend ist, daß ein eve tue 1er
Aggressor sich darüber im klaren sein muß, daß er einen Angriff nicht
zu öin-in lohnenden Geschäft machen kann.
Wir stimmen weiter darin überein, daß es unvorsichtig wäre, würden wir alles auf einen einzigen militärischen Machtaspekt abstellen.
Es muß Land-, See- und Luftstreitkräfte für örtlich begrenzte Maßnahmen sowie für eine Verteidigung geben, die es ermöglicht, daß die bewegliche Schlagkraft zum Tragen kommt.
Wir s'nd uns also über die allgemeinen Ziele der gemeinsamen Verteidigung weitgehe d einig. Ihre Anwendung im einzelnen wird natürlich
immer wieder Schwierigkeiten mit sich bringen. Auch die Aufteilung der
Lasten schuf Problem . Moderne Waffen sind außerordentlich kostspielig. Gewal 'ge Sumnen müssen für die Forschung und Entwicklung sowie
für die Herste lung von Waffen ausgegeben werden, die unter Umständen
schon wieder überholt sind, bevor ihre Serienproduktion anläuft.
Die Vere'mgt n Staaten sind das einzige Land der freien Welt,
das in der Lage ist, die Kosten für die Entwicklung einer Vergeltungskapazität zu t agi-n, die ausreicht, um einen etwaigen Aggressor abzuschrecken, der selbst über eine große und wachsende Aggressionsstärke verfügt.
Außerdem aber versorgen die Vereinigten Staaten andere Nationen
m t militärischen Ausrust ngsgegenständen und helfen in einigen Fällen mit, die Wirtschaft ihrer Verbündeten zu stabilisieren, da diese
s nst in dem gemeinsamen Verteidigungsschema nicht die ihnen entsprechende Rolle übernehmen können.
Es gibt für den Präsidenten wohl keine größere Aufgabe, als gerade
auf dem Gebiet der Verteidigung d e schwerwiegende Entscheidung zu
fällen, welche Summen für welche Zwecke aufgebracht werden müssen und
wie diese Ausgaben in ein Budget einzugliedern sind, das auch für ande e wichtige Aufgaben Geldmittel bere tstellt und dies alles tut,
o' ne zu einer Geldentwertung oder übermäßigen steuerlichen Belastung
zu führen.
Einige

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Einige möchten in ihrem Sparsamkeitseifer den Teil unseres
Budgets kürzen, der oft fälschlich' 'Auslandshilfe1 genannt wird,
gerade so als ob dies nicht auch eine Hilfe für uns selbst wäre.
Das aber wäre keine Sparsamkeit mehr, sondern Verschwendung.
Wenn die Streitkräfte und Einrichtungen, die die anderen Mitglieder zur Verfügung stellen, der gemeinsamen Verteidigung entzogen
wären, dann würde der gegenwärtige amerikanische Verteidigungshaushalt sehr beträchtlich erhöht werden müssen. Das ist die wohlerwogene
Auffassung des Präsidenten und seiner militärischen Berater.
•

Die kollektiven Verteidigungsmaßnahmen der freien Welt stellen
keinen Idealfall dar. Sie erfolgen 'auch nicht automatisch, sondern
erfordern eine dauernde und bewußte Anstrengung vieler Nationen in
der Zusammenarbeit und der Überwindung kleinlicher Selbstsucht und
des extremen Nationalismus, die ihre Beziehungen vergiften könnten.
Diese Beziehungen aber basieren hauptsächlich auf gutem Willen und
Vertrauen. Sie stellen einen bedeutenden Schritt in dem längst
überfälligen Prozeß dar, den die internationale Gesellschaft auf
dem Wege von der Anarchie zur Ordnung durchgemacht hat. Die Aufrechterhaltung und Fortentwicklung dieses Prozesses ist ein Fundament
unserer Außenpolitik.
Wir glauben jedoch nicht, daß der einzige Weg zur Sicherheit in
einer immer größeren Rüstung besteht. Wir halten Kontrollen und eine
Reduzierung der Rüstung für möglich, wünschenswert und letztlich für
unerläßlich. Es ist nicht unbedingt notwendig, daß die Kontrollen sofort alles einschließen. Vielmehr wird aller Wahrscheinlichkeit nach
erst durch sorgfältig abgewogene und in Angriff genommene Einzelmaßnahmen ein Fortschritt herbeigeführt werden. Bisher ist es nicht möglich gewesen, eine Überwachung und andere Garantien sicherzustellen,
die es für uns klug erscheinen lassen würden, unsere Effektivstärke
zu reduzieren. Aber wir werden dieses Ziel auch weiterhin anstreben.
Wir sehnen uns in keiner Weise, nach einer Rüstung. Die Rüstung
ist uns vielmehr durch die aggressiven und hinterhältigen Absichten
des internationalen Kommunismus aufgezwungen worden.
Ein Wettrüsten ist kostspielig, unfruchtbar und gefährlich.
Wir werden in unserem Streben nicht nachlassen, diesem Wettrüsten
ein Ende zu machen, auf das Verlaß ist.
Jedes Polizeisystem ist seinem Wesen nach negativ. Es soll die
Gewaltanwendung unterdrücken und ein Gefühl der Sicherheit geben.
Aber dieses Sicherheitsgefühl ist illusorisch, wenn hinter seinem
Schutz nicht Wachstum und Entwicklung steht. Eine militärische Zusammenarbeit zur Erhaltung des Friedens wird zusammenbrechen, wenn
wir nicht genauso zusammenarbeiten, um die Segnungen der Freiheit zu
verbreiten.
Der

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Der Handel ist von den frühesten Tagen der Geschichte her immer
eine der großen Aufbaukräfte wirtschaftlichen Wohlstandes gewesen.
Aus diesem Grunde empfiehlt die derzeitige amerikanische Regierung
eine Handelspolitik, die den Güteraustausch zum gegenseitigen Nutzen
fördert.
Genauso helfen die Vereinigten Staaten als die ßroduktionsstärkste
und wohlhabendste Nation anderen Staaten, die noch auf einer früheren
Stufe ihrer Entwicklung stehen.
Es gibt doch zu denken, wenn man sich die Tatsache vor Augen hält,
daß etwa zwei Drittel all der Völker, die der kommunistischen Herrschaft widerstehen, in einem Zustand stagnierender Armut leben. Der
Kommunismus rühmt sich, dies alles ändern zu können, und verweist auf
die industrielle Entwicklung, die er in Rußland mit furchtbaren - aber
weitgehend verborgengehaltenen - Opfern in Form von menschlicher Sklaverei und menschlichem Elend zustandegebracht hat. Es ist die Frage,
ob die freien, aber noch nicht entwickelten Länder die Stagnierung
ihrer Völker überwinden können, ohne einen so furchtbaren Preis zahlen
zu müssen. Die befreundeten Nationen rechnen damit, daß diejenigen,
denen die Segnungen der Freiheit in überreichem Maße zuteil geworden
sind, den anderen helfen, die auf diese Segnungen noch warten.
Natürlich muß sich jedes Land in erster Linie selbst um eine Verbesserung seines Geschickes bemühen. Aber andere können einen Ansporn
und den Ausschlag geben zwischen Hoffnung und Verzweiflung und vielleicht zwischen Erfolg und Fehlschlag. Sie können dies dadurch tun,
daß sie Interesse und Anteilnahme zeigen, daß sie technische Hilfe
gewähren und daß sie Kapital für Entwicklungsvorhaben zur Verfügung
stellen.
Vieles hiervon wird unter privaten Auspizien getan, und wir wünschten, daß alles in dieser Weise geschehen könnte. Aber manchmal sind die
Risiken größer als daß sie vom Privatkapital getragen werden können.
Daher stellt unsere Regierung Mittel für wirtschaftliche Entwicklungsprojekte zur Verfügung.
Wenn man die Absatzmärkte mit anderen teilt und anderen Entwicklungskapital zur Verfügung stellt, so ist das kein Verschenken. Dadurch
wird sichergestellt, daß die freie Welt, von der wir ein Teil sind,
zu einer kräftigen und hoffnungsvollen Gemeinschaft wird. Dies steht
in Einklang mit unseren Interessen und Idealen. Unser gemeinsames
Sicherheitsprogramm kann unsere Politik klarer und stabiler machen
und sollte dies auch tun. Vor zwei Wochen habe ich vor einem Sonderausschuß des Senats entsprechende Vorschläge unterbreitet. Mit Hilfe
des Kongresses und mit Unterstützung des amerikanischen Volkes kann
unsere Handels- und Wirtschaftspolitik in beträchtlichem Ausmaß mit
dazu beitragen, der Welt zu zeigen, daß der Friede freier Menschen
nicht der zum Scheitern verurteilte Friede menschlicher Stagnierung,
sondern ein Friede von fortdauernder Lebenskraft ist.
So

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So wie sich unsere Politik mit der wirtschaftlichen Entwicklung
beschäftigt, befaßt sie sich auch mit den politischen Änderungen.
Im Lauf des vergangenen Jahrzehnts sind innerhalb der freien Welt
19 neue Nationen mit einer Bevölkerung von 700 Millionen Menschen
entstanden. Darüber hinaus haben viele Nationen, die nicht vollständig
souverän waren, die volle Souveränität erhalten. Innerhalb dieser kurzen
Zeitspanne hat fast ein Drittel der gesamten Menschheit die erregende
und bisweilen berauschende Erfahrung machen können, ihre volle Unabhängigkeit errungen zu haben.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß jedes Volk seine
eigene Regierungsform und Unabhängigkeit haben sollte, sofern es dies
wünscht und sie sich zu erhalten in der Lage ist. Wir freuen uns, daß
es Fortschritte auf dem Weg zu diesem Ziel gibt.
Freiheit aber ist mehr als das bloße Zerbrechen alter, inzwischen
unwillkommen gewordener politischer Bindungen.
Jene Patrioten, die für uns die Unabhängigkeit gewannen, wußten
und haben dies proklamiert, daß unsere freien Institutionen
und unsere Unabhängigkeit nur dann erhalten werden können, wenn
unsere Nation sich der durch Religion und Erziehung geschaffenen Zucht
unterwirft. Dies aber ist eine unerlässliche Vorbedingung für jede verantwortungsbewußte Führung, die in der Lage sein soll, eine junge Nation
durch die ihr begegnenden Gefahren zu führen.
Wenn heutzutage Nationen ihre Unabhängigkeit erlangen, dann werden sie in eine Welt hineingestellt, von der ein Teil durch Despotismus beherrscht wird und deren anderer Teil dadurch frei bleibt, daß er
die Konzeption des Aufeinanderangewiesenseins akzeptiert. Es gibt keinen
sicheren Mittelweg.
Der internationale Kommunismus wartet nur darauf, von jenen Ländern Besitz zu ergreifen, deren verantwortliche Staatsmänner der Ansicht
sind, die neuerworbenen Souveränitätsrechte müßten dadurch zur Geltung
gebracht werden, daß andere souveräne Staaten verunglimpft werden. Eine
solche Souveränität ist eine selbstmörderische Souveränität.
Die Vereinigten Staaten sind ein aufrichtiger und machtvoller
Verfechter der Grundsätze ihrer Unabhängigkeitserklärung. Und wir
möchten, daß die neuerlangte Unabhängigkeit anderer Staaten etwas
Besseres wird als eine zwielichtige Periode, die der völligen Uacht
des kommunistischen Despotismus vorangeht.
Nirgendwo ist der Drang nach einer Veränderung größer als im
sowjetischen Machtbereich. Denn dort werden die wesentlichsten menschlichen Aspirationen am-'meisten unterdrückt.

Vor

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Vor einem Jahr brüstete sich Chruschtschow auf dem zwanzigsten
Kongreß der Kommunistischen Partei der UdSSR, daß der Kommunismus
auf Grund seiner Verdienste überall in der Welt als Ideengebäude
und Regierungsform triumphieren werde.
Wieviele Kommunisten konnten aber in dem angeblich kommunistischen
Ungarn im Oktober angetroffen werden? Es waren ein Paar Hundert Geheimpolizisten, die in die Verbrechen des Regimes hoffnungslos verstrickt waren, und es waren eine Handvoll Verräter, die bereit waren,
mit Hilfe der sowjetischen Panzer zu regieren.
In der Praxis hat sich der Kommunismus als tyrannisch, reaktionär
und phantasielos herausgestellt. Sein Despotismus, der alles andere als
revolutionär war, ist so alt wie die Geschichte. Die überwiegende Mehrheit seiner Untertanen haßt das System und sehnt sich nach einer freien
Gesellschaftsform. Die Frage, wie sich die Vereinigten Staaten gegenüber diesem Problem verhalten sollen, kann nicht leicht beantwortet
werden. Jedoch gibt uns unsere eigene Geschichte einen Hinweis. Die
Vereinigten Staaten sind als Nation zu einer Zeit entstanden, wo ein
großer Teil der Welt von fremden Despoten regiert wurde. Das war eine
Tatsache, die wir zu ändern hofften. Wir wollten mit unserem Beispiel die freiheitlichen Kräfte in der ganzen Welt fördern und ein
Klima schaffen, in welchem der Despotismus zurückgehen würde. Praktisch haben wir dies auch getan.
Ich bin der Ansicht, daß diese Konzeption von damals uns auch
heute auf nützliche Weise leiten kann.
Laßt uns ein Beispiel geben, das die Segnungen der Freiheit demonstriert. Laßt uns dies in aller Welt verkünden. Laßt uns dafür
Sorge tragen, daß die geteilten oder versklavten Völker wissen, daß
sie nicht vergessen sind, daß wir niemals eine politische Lösung
auf ihre Kosten zulassen werden und daß ein herzliches Willkommen
und neue Möglichkeiten ihrer warten, wenn sie mehr Freiheit erlangen.
Laßt uns auch den sowjetischen Machthabern gegenüber unsere
Ziele, so wie sie sind, klarstellen. Wir verurteilen ihren Imperialismus und treten ihm eintgegen. Wir streben die Befreiung der unterdrückten Völker an. Wir wollen dies jedoch nicht, um Rußland mit feindlichen Kräften zu umgeben, sondern weil der Friede solange gefährdet
ist und das Wort Freiheit solange ein Gespött bleibt, bis die geteilten
Nationen wiedervereinigt und die unterdrückten Länder frei geworden sind.
Wir würdigen und verehren diejenigen, die als Märtyrer ihr Blut
für die Freiheit gaben. Aber wir stachele unsererseits nicht zu einer
gewaltsamen Revolte auf, sondern ermutigen vielmehr eine Evolution der
Freiheit.
Die Stimme Amerikas, unsere Informations- und Kulturaustauschprogramme verbreiten in der ganzen Welt das Wissen um die Bedeutung und die
Wirkung* der Freiheit. Als Ungarn überfallen und die Freiheit vernichtet
wurde, traten wir für eine Verurteilung der Sowjetunion durch die Vereinten Nationen ein. Und sobald bestimmte Schritte zur Erlangung der Unabhängigkeit erfolgten, wie kürzlich im Falle Polen, zeigen wir uns bereit, .
mit freundschaftlichen Maßnahmen zu antworten.
Die

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Die Ereignisse des vergangenen Jahres deuten darauf hin, daß
der Drang nach Freiheit im Wachsen ist.
Innerhalb der Sowjetunion sind die Forderung nach größerer persönlicher Sicherheit und größerer Geistesfreiheit sowie das Verlangen,
größeren Nutzen aus der geleisteten Arbeit zu ziehen, im ständigen
Wachsen.
Der Weltkommunismus hat sich mit doktrinären Schwierigkeiten auseinanderzusetzen. Und das grausame Verhalten des sowjetischen Kommunismus in
Ungarn hat viele veranlaßt, die kommunistischen Parteien in der ganzen
Welt zu verlassen. Nicht länger mehr stellen die Satellitenländer ein
willfähriges Element dar, das zur Stärkung der Sowjets beiträgt. In der
Tat muß nun die militärische und wirtschaftliche Stärke der Sowjets ausgeweitet werden, damit man jene unterdrücken kann, die ihre Unzufriedenheit gegen die Sowjetherrschaft offen zur Schau tragen.
Die Sowjetregierung zahlt mit ihrer moralischen Isolierung einen
hohen Preis.
Die sowjetischen Machthaber stehen in dem Rufe, nüchterne Rechner
zu sein. Wie lange noch, so dürfen wir fragen, werden sie dann ihre Möglichkeiten dafür einsetzen, die nach nationaler Einheit und Freiheit
strebenden historischen Kräfte zu bekämpfen, die letzten Endes doch die
Oberhand behalten werden?
Lassen Sie mich jetzt von den Vereinten Nationen sprechen. Die
Charta der Vereinten Nationen koppelt den Frieden mit der Gerechtigkeit
und stellt das bedeutsamste völkerrechtliche Gesetzeswerk dar, das bisher bekannt ist.
Die Vereinigten Staaten haben diesen Grundsätzen zugestimmt und
bemühen sich, ihnen gerecht zu werden; und wir erwarten von den anderen
Signatarstaaten dasselbe. Von Zeit zu Zeit machen wir von den durch die
Vereinten Nationen gegebenen rechtlichen Möglichkeiten Gebrauch, um
dazu beizutragen, daß die in der Charta niedergelegten Prinzipien wirksam
werden. Wir als ein mächtiges Land schämen uns nicht, der Weltmeinung
die gleiche schuldige Achtung entgegenzubringen, die wir für richtig
hielten, als wir, jung und schwach, unsere eigene Unabhängigkeit anstrebten.
Das ist kein Verzicht auf eine Außenpolitik. Es ist vielmehr die
Ausübung einer Außenpolitik, und^zwar in einer Form, die die beste Hoffnung für die Menschheit darstellt.
Unser Eintreten für die Prinzipien der UN-Charta wurde durch die
jüngste Krisis im Nahen Osten hart auf die Probe gestellt. Wir standen
damals in einem qualvollen und beispiellosen Konflikt der Gesinnungstreue. Die historischen Bande würden uns zu einer Duldung der begonnenen
gewaltsamen Aktion bewogen haben. Dies aber hätte einen Treuebruch gegenüber dem Gelöbnis der Vereinten Nationen bedeutet, daß alle UN-Mitglieder sich der Anwendung von Gewalt entsagen, es sei denn um einen bewaffneten Angriff abzuwehren. Diese gleiche feierliche Verpflichtung ist auch

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auch in all unseren Bündnisverträgen niedergelegt. Wir entschlossen
uns, treu zu dieser Verpflichtung zu stehen.
Dies war eine schwere, wenn auch für die direkt Betroffenen nicht
unerwartete Entscheidung.
Die Entscheidung war wohl nicht populär, aber sie war unbedingt
erforderlich, wenn die Welt nicht wieder dahin gelangen sollte, wohin
sie trieb, als die Satzungen des Völkerbundes mißachtet wurden.
Die UN-Charta aber fordert nicht nur, wie wir gesehen haben, eine
friedliche Lösung, sondern auch eine Lösung in Übereinstimmung mit der
Gerechtigkeit und dem Völkerrecht.
Wir müssen danach trachten, jenem Ziel näherzukommen, und wir tun
dies auch. Beispielsweise streben wir jetzt danach, im Nahen Osten bessere als jene provokatorischen und gefährlichen Bedingungen zu schaffen,
die die kürzlichen Gewalttätigkeiten ausgelöst haben.
Dies kann nicht schnell oder auf einmal geschehen. Wo die Erregung hohe Wellen schlägt und ein tiefes Gefühl der Verbitterung besteht,
da sind die hauptsächlich Betroffenen mehr daran interessiert, Bundesgenossen zu gewinnen, als unparteiische Ratschläge zu befolgen. Wo immer
solche Situationen entstehen, so werden sie stets durch sowjetische Machenschaften noch verschlimmert. Der Kreml liebt trübe Gewässer, in denen
er fischt.
Bei innerpolitischen Problemen wissen wir, daß es schwierig ist,
gerechte Lösungen anzuwenden, wenn Rassen- oder Klassenleidenschaften
hohe Wellen schlagen. Genauso schwierig ist die Aufgabe auf außenpolitischem Gebiet, und manchmal scheint der Krieg eine Lösung anzubieten,
die zu dem gewünschten Ziel hinführen könnte. Aber dieser Schein ist
eine Illusion. Die einzig dauerhafte Lösung läßt sich nur so erzielen,
daß man mit Geduld, Entschlossenheit und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln nach Gerechtigkeit und der Herrschaft des Rechts trachtet.
Dies zumindest ist der Glaube unserer Regierung, und diesem Grundsatz
hat sie sich verschrieben.
Ich habe versucht, die Prinzipien aufzuzeigen, die die Außenpolitik
der Vereinigten Staaten leiten. So wesentlich derartige Leitprinzipien
aber auch sind, so sind sie als solche doch nicht genug. Sie müssen
durch tägliche Aktionen gestärkt werden, in dem Maße wie überall in der
Welt unsere Stellungnahme gesucht und unser Einfluß zur Geltung gebracht
wird.
Dies ist eine Aufgabe, die zuweilen als 'Feldzug des Friedens1
bezeichnet wird. Es ist eine schwere Aufgabe, und sie ist meist nicht
mehr dramatisch. Viele, die an ihr mitwirken, werden vielleicht niemals
als Helden bekannt werden. Dennoch vollbringen sie Leistungen und in
manchen Fällen Opfer, die denjenigen gleichen, die in einem Krieg zum
Sieg erforderlich sind. Durch ihren Einsatz ersparen sie uns das unendlich größere Opfer des Krieges selbst.
Gewiß

�"AMERIKA DIENST"

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Gewiß rechtfertigt das, was auf dem Spiel steht, diese Anstrengung. Da ich über die Leistung der modernen Zerstörungswaffen unterrichtet bin, erkenne ich klar, daß es unmöglich ist, die ganze und
tatsächlich entsetzliche Bedeutung der hier verwandten Zahlen und Begriffe zu erfassen.
Und doch wäre es leichtsinnig, zu verkennen, daß eine
Katastrophe im Bereich des Möglichen liegt. Die Geschichte
sogar die Annahme nahe, daß ein so grundlegender Konflikt,
der die Welt der Freiheit und die Welt des internationalen
trennt, sich schließlich in einem Krieg Luft macht.

solche
legt
wie der,
Kommunismus

Diese Annahme lehnen wir ab. Eine Ablehnung durch Worte und Hoffnungen allein genügt jedoch nicht. Wir müssen darüber hinaus die äußersten Anstrengungen unternehmen, um dies zu verhindern. Hierfür muß
das amerikanische Volk in den kommenden Jahren unermüdlich sein ganzes
Sinnen und Trachten einsetzen.
Damit erwartet man nicht zuviel, denn die Amerikaner sind ein
gläubiges Volk. Sie haben stets ein Sendungsbewußtsein gehabt und waren
immer zu Opfern bereit, um große Ziele zu erreichen. Bestimmt hat unsere Nation nicht deshalb einen neuen Höhepunkt der Macht und der Verantwortung erreicht, um an der größten und vielleicht letzten aller
menschlichen Katastrophen teilzuhaben.
Wenn wir unserer Vergangenheit treu bleiben, dann werden wir um
unsere Zukunft nicht zu fürchten haben. Die Sache des Friedens, der
Gerechtigkeit und der Freiheit braucht nicht und darf nicht scheitern".

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

V/Wl.5.1957
USA PLANEN VERBESSERUNG DES LUFTVERKEHRSWESENS

V/ASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Botschaft Präsident
Eisenhowers an den US-Kongreß, in der er die
Schaffung einer Planungsstelle für die Llodernisierung des Verkehrswesens empfiehlt. Die Botschaft wurde dem Kongreß am 11.April unterbreitet .
An den Kongreß der Vereinigten Staaten,
Die Notwendigkeit, die Sicherheit und die reibungslose Abwicklung des Zivil- und Militärluftverkehrs durch energische Maßnahmen
zu gewährleisten,findet in der Öffentlichkeit starke Beachtung.
Am I.März 1956 habe ich einen Sonderbeauftragten für Fragen der
Luftverkehrsplanung ernannt und ihn angewiesen, detaillierte Vorschläge darüber auszuarbeiten, wie sich die im Interesse der Vereinigten Staaten erforderliche Ausweitung der Flugüberwachungs- und
Flugsicherungseinrichtungen am besten bewerkstelligen ließe.
Ich lege hiermit einen von meinem Sonderbeauftragten für Luftverkehrsplanung ausgearbeiteten Zwischenbericht vor. Dieser Bericht
verweist auf die ernsten Probleme, denen sich die amerikanische Luftfahrt bereits heute gegenübersieht und noch mehr in Zukunft gegenübersehen wird. In ihm wird ferner die Schaffung einer Planungsstelle
für die Modernisierung des Luftverkehrswesens empfohlen und deren
Arbeitsgebiet umrissen.
Der Direktor der Abteilung Bundeshaushaltsplanung wird dem Kongreß einen Gesetzentwurf über die Errichtung einer Planungsstelle
für die Modernisierung des Luftverkehrswesens unterbreiten. Die vorgeschlagene Maßnahme wird die Verbesserung der Flugüberwachungs- und
Flugsicherungseinrichtungen wesentlich beschleunigen, und so ersuche
ich den Kongreß um eine baldige Verabschiedung der Vorlage.

gez.: Dwight D. Sisenhower

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai 1957

Zwischenbericht des Sonderbeauftragten für Luftverkehrsplanung
Kurz nachdem ich im vergangenen Jahr mein Amt als Sonderbeauftragter für Luftverkehrsplanung übernommen hatte, gingen meiner Dienststelle
zahlreiche Informationen über die Luftverkehrsverhältnisse in den Vereinigten Staaten zu. Die in der Vergangenheit verschiedentlich geäußerten Befürchtungen wurden durch zahlreiche Anzeichen erhärtet, die darauf
hindeuten, daß unsere Luftverkehrswege und Großflughäfen immer mehr überlastet werden.
In den Vereinigten Staaten werden täglich 65 000 Flugstunden zurückgelegt. Mit Hilfe von Radargeräten wurden im Luftraum einer einzigen
Großstadt gleichzeitig 220 Flugzeuge registriert. Tausende von Düsenflugzeugen der amerikanischen Luftstreitkräfte tragen das Ihre zu einer
weiteren Überlastung der amerikanischen Luftverkehrswege bei und erhöhen
so die Gefahren des "Auf-Sicht-Fliegens". Ohne entsprechende technische
Hilfsmittel können die Piloten den Anforderungen der stark erhöhten Fluggeschwindigkeiten nicht mehr gerecht werden, so daß sich die Gefahr von
Zusammenstößen ständig erhöht.
Die gegenwärtige Situation ist vielleicht nicht minder erstaunlich
als die außerordentliche Zunahme des Luftverkehrs, wie sie von der
Öffentlichkeit gewünscht und von der Wirtschaft auch künftig getragen
und gefördert wird.
Im Jahre 194&amp; wurden von den Luftfahrtgesellschaften in den Vereinigten Staaten lediglich 10 Milliarden Passagierkilometer zurückgelegt. Im Jahre 1956 hatte sich diese Zahl bereits auf 32 Milliarden
erhöht. Nach den von mir angestellten Untersuchungen dürften es im Jahre
1975 112 Milliarden Passagierkilometer sein. Außerdem ist damit zu rechnen, daß sich auch die Zahl der gegenwärtig in den Vereinigten Staaten
vorhandenen 61 000 Privatf lugzeuge:-,' bis zum Jahre 1975 auf über 100 000
erhöhen wird.
Aus Gründen der Sicherheit und im gegenwärtigen und künftigen Interesse der Öffentlichkeit ist es erforderlich, mit Einfallsreichtum
und Tatkraft zu Werke zu gehen. Bei der Unterstützung dieser Bemühungen
kommt der Bundesregierung eine führende Rolle zu. Das von der Bundesanstalt für Flugsicherung gegenwärtig mit Nachdruck durchgeführte Programm des Ausbaus bestehenden? Einrichtungen unter Verwendung bereits
bekanntet Methoden, ist sehr zu begrüßen und verdient uneingeschränkte
Unterstützung. Diese Aufgabe erfordert den Einsatz aller ihr zu Gebote
stehenden Kräfte. Der diesem Bericht beigefügte Gesetzentwurf berührt
die von der Bundesanstalt für Flugsicherung geplanten technischen Verbesserungen in keiner Weise.
Ich habe mich eingehend darum bemüht, die tieferen Ursachen unserer
Luftverkehrsprobleme aufzuspüren und bin dabei zu dem Schluß gelangt,
daß den militärischen und zivilen Bundesbehörden, die mit der Überwachung
und Entwicklung der Luftfahrt betraut sind, keine als brauchbar anzusehenden technischen Systeme bekannt sind, mit deren Hilfe sich eine Modernisierung de?'.'Luftverkehrs bewerkstelligen ließe. Welche Systeme aber

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai 1957

aber als brauchbar anzusehen sind, ist nuK in Versuchen und Untersuchungen zu ermitteln, die von Militär- und Zivilfliegem in Zusammenarbeit mit Flugsicherungssachverständigen durchgeführt werden. Die
Bundesregierung kann bereits jetzt geeignete Schritte zur Lösung dieser Probleme unternehmen, und ich gestatte mir, meinem Bericht den
Entwurf zu einer diesbezüglichen Gesetzesvorlage beizuschließen. Aus
diesem Gründe möchte ich auf dieses Problem näher eingehen und seine
unerlässliche Lösung aufzeigen. Dies ist der Zweck des Zwischenberichts.
Meine Untersuchungen waren zunächst darauf gerichtet, einmal festzustellen, auf welchen Gebieten die in den vergangenen zehn Jahren
unternommenen Bemühungen um eine Modernisierung des Luftverkehrs, sowohl der technischen Systeme als auch der angewendeten Methoden, unzureichend waren. Ich habe festgestellt, daß es an Vorschlägen von
technischer Seite nicht gefehlt hat. Im Gegenteil, in unseren Laboratorien wurden bereits viel zu viele elektronengesteuerte Flug- und
Landesysteme mit dem Ziel entwickelt, die Abwicklung des Luftverkehrs
zu erleichtern. Die meisten dieser Vorschläge wurden nicht aufgegriffen
und somit auch niemals praktisch erprobt. Der Ausweg aus diesem Dilemma
dürfte in organisatorischen Maßnahmen innerhalb der Bundesregierung zu
suchen sein, die darauf abzielen, die Ziele klar abzustecken und Systeme und Methoden zu entwickeln und auszuwählen, mit deren Hilfe sich
diese Ziele erreichen lassen.
Bereits im Jahre 1948 hatte man klar erkannt, daß die Modernisierung des Luftverkehrs ein vordringliches Problem darstelle. Die seinerzeit ergriffenen Maßnahmen haben jedoch zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt. Die Regierung versuchte damals die auf dem Gebiet der
Flugüberwachung gegebenen technischen Schwierigkeiten durch Einsetzung
eines Ausschusses zur Entwicklung der Flugnavigation zu lösen. Dieser
Ausschuß wurde auf Grund einer interministeriellen Vereinbarung zwischen dem Verteidigungs- und dem Handelsministerium eingesetzt,und zahlreiche hervorragende Männer haben sich energisch bemüht, den Ausschuß
zu einem wirksamen Instrument zu machen. Doch die scharfe Abgrenzung
der gesetzlichen Befugnisse der beiden Ministerien gegeneinander und
die Überschattung der auf dem Gebiet der Flugüberwachung gegebenen
Probleme durch ein allerdings verständliches Beharren der beiden Ministerien auf die in ihre«|p jeweiligen Zuständigkeitsbereich fallenden
Aufgaben haben den Ausschuß^dm. seiner Tätigkeit mehr behindert als
anfangs angenommen worden waLr. j)a der Ausschuß nur aus zwei stimmberechtigten Mitgliedern bestand, jfnußten alle Maßnahmen mit Einstimmigkeit getroffen werden. Diesel? aus zwei Mitgliedern bestehende Ausschuß,
der keine gesetzlich verankertet Befugnisse hatte und über keine eigenen
Mittel verfügte, war nicht imstande, die Luftverkehrsprobleme mit
genügender Autorität zu behandeln, notwendige Entscheidungen zu treffen oder der Entwicklung klare Ziele zu setzen.
Darüber hinaus haben in den letzten zehn Jahren verschiedene Ausschüsse von Vertretern der Regierung und der Wirtschaft über Ziele
und Methoden der Flugüberwachung und Flugnavigation beraten. Trotz der
bei der Arbeit von Ausschüssen gewöhnlich auftretenden Schwierigkeiten
haben diese in der Vergangenheit doch mehrere brauchbare Ratschläge
erteilt. Doch es gab keine Behörde, die befugt und fähig gewesen wäre,
diese Vorschläge entgegenzunehmen.
_.

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai 1957

Die Festsetzung unserer Ziele und die Auswahl von technischen
Systemen und Methoden für die Überwachung des Luftverkehrs erfolgte
in gefährlicher Langsamkeit. Sie läßt sich nicht durch eine Koordinierung der Arbeit der verschiedenen Ausschüsse und Regierungsbehörden beschleunigen. Dies hatte man vor zehn Jahren bei der Reorganisation übersehen, und so haben wir heute ein veraltetes und unzureichendes Luftverkehrswesen.
Die rasche und stetige Zunahme des Flugverkehrs läßt zukünftige
Verhältnisse ahnen, die bereits heute eine mit entsprechenden Entscheidungsbefugnissen ausgestattete Behörde notwendig machen, eine nach
neuzeitlichen Grundsätzen aufgebaute Organisation,um die für den Luftverkehr von Morgen notwendigen Anlagen zu prüfen und auszuwählen.
Diese Lücke ist inzwischen erkannt worden, und man hat gelernt,
diese Dinge getrennt von anderen Problemen der Luftfahrt zu sehen. Die
Suche nach einer Abhilfe und die Dringlichkeit der Angelegenheit haben
mich veranlaßt, einen Gesetzentwurf auszuarbeiten und ihn mit den
interessierten Regierungsstellen abzustimmen. Diese Gesetzesvorlage
soll dem Kongreß die Schaffung einer fflanungsstelle für die Modernisierung des Luftverkehrswesens erleichtern. Die Ernennung des Vorsitzenden der Planungsstelle, der keinerlei Weisungsbefugnissen von
anderen Regierungsbehörden unterstellt sein soll, erfolgt durch den
Präsidenten. D3? Handelsministerium und das Verteidigungsministerium
sollen im Hinblick auf ihr grundlegendes Interesse an der Arbeit der
Planungsstelle je einen Vertreter in sie entsenden.
Die Planungsstelle für die Modernisierung des Luftverkehrswesens
hätte als selbständige Bundesbehörde die Aufgabe, die Erfordernisse
der Zukunft zu ermitteln und auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen,
um sicherzustellen, daß die für die Abwicklung des künftigen Flugverkehrs in den Vereinigten Staaten benötigten Nachrichtenmittel, Navigationshilfen und Flugüberwachupgsanlagen jeweils vorhanden sind. Sie
wäre ferner für die technisch^ Durchführung der Entwicklungsarbeiten
solcher Systeme sowie für die Prüfung und Auswahl der für die Verwendung im Luftverkehr geeigneten Hilfsmittel verantwortlich.
In der Gesetzesvorlage wird von der Tatsache ausgegangen, daß
Militär- und Zivilluftfahrt sich in den vorhandenen Luftraum teilen
müssen. In ihr wird ferner der Grundsatz zum Ausdruck gebracht, daß
die Auswahl von künftigen Systemen und Methoden zur Regelung des
Flugverkehrs eine öffentliche Aufgabe im weitesten Sinne darstellt.
Die Planungsstelle wäre befugt, sowohl Militär- als auch Zivilluft~fährtsachverständige zur Erledigung der gestellten Aufgaben heranzuziehen. Sie soll sich in reichlichem Maße den unparteiischen Rat
der Benutzer des Flugnetzes und die technischen Fertigkeiten der Industrie zunutze machen. Sie soll also, mit anderen Worten, gemeinsam
mit anderen Stellen und Fachleuten eine Anämie der künftigen Erfordernisse vornehmen, Versuche anstellen und eine entsprechende Auswahl treffen, wobei sie sich von dem Gedanken leiten lassen muß, daß
das nationale Flugsicherungssystem zur Abwicklung der Zivil- und Militärluftfahrt in Krieg und Frieden geeignet sein muß.
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai 1957

Das Gesamtsystem ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Luftverteidigung. Es muß aber gleichzeitig auch den zunehmenden Anforderungen auf dem zivilen Sektor gerecht werden. Für diese offensichtlich
auseinandergehenden Erfordernisse konnte nach dex bisher angewandten
Verfahrensweise - der Verhandlung vor Ausschüssen - keine befriedigende
Lösung gefunden werden. Deshalb darf von der Planungsstelle für die Modernisierung des Luftverkehrswesens erwartet werden, daß sie eingehende
Versuche und Tests auf diesem Gebiet durchführen wird, in deren Verlauf sich Verfahrensweisen sowie technische Anlagen erproben lassen
und Piloten und Flugsicherungssachverständige Gelegenheit zu gemeinsamen Experimenten erhalten. Auf diese Weise wird sichergestellt, daß die
neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf die Lösung der gegebenen
Probleme angewandt werden. Die Planungsstelle, an deren Spitze ein
unparteiischer Mann stehen soll, gewinnt so die Möglichkeit, klare
Entscheidungen zu treffen und diejenigen Systeme zu ermitteln, die vom
Standpunkt der Wirtschaftlichkeit, der Betriebserfordernisse und der
technischen Leistungsfähigkeit am besten geeignet sind.
Es ist geplant, daß die Planungsstelle den interessierten militärischen und zivilen Stellen Systeme namhaft machen wird, die den
Bedürfnissen der Flugnavigation und der Flugsicherung voll gerecht
werden. Sie soll aber nach den gegenwärtigen Plänen nicht die Befugnis erhalten, die für den Flugbetrieb zu verwendenden Boden- und Bordeinrichtungen selbst zu entwickeln und zu beschaffen.
Die Planungsstelle für die Modernisierung des Luftverkehrswesens
soll nur eine temporäre Institution sein und lediglich als Sammelpunkt
aller Bemühungen um die Entwicklung und Auswahl geeigneter Systeme
dienen. Gegenwärtig befassen sich zwei einschlägige Bundesbehörden
mit solchen Aufgaben. Die Gesetzesvorlage wird in der Absicht vorgelegt, die diesbezüglichen Anstrengungen zusammenzufassen und ein gemeinsames Vorgehen in bezug auf die Versuchsarbeiten und deren Auswertung in die Wege zu leiten. Dies ist eine gebieterische Notwendigkeit,
wenn hier in den Vereinigten Staaten eine ständig zunehmende Behinderung des Luftverkehrs und ein Anstieg der Unfallzahlen Termieden marden
soll.
Die Funktionen, die die Planungsstelle übernehmen soll, sind gänzlich auf die Überlegungen abgestimmt, die im Zusammenhang mit einer
weitergehenden Reorganisierung der für Luftfahrtfragen zuständigen Regierungsbehörden angestellt worden sind. In meinem Schlußbericht werde
ich voraussichtlich auf diesbezügliche Gesamtplanung näher eingehen.
Es ist jedoch heute bereits klar, daß noch sehr eingehende Untersuchungen notwendig sind, um eine leistungsfähige ständige Organisation aufbauen zu können. Eine als Dauerzustand gedachte Lösung vorschnell vorzuschlagen, würde sehr leicht zu improvisierten Maßnahmen führen, die
ihrerseits die für eine reibungslose Abwicklung des Flugverkehrs in
der Zukunft notwendigen Schritte noch komplizieren und verzögern könnten.

Aus

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai 1957

Aus diesem Grunde wird die Schaffung einer Planungsstelle für
die Modernisierung des Luftverkehrswesens als der rascheste und wirksamste Schritt zur Inangriffnahme einer auf lange Sicht geplanten
Verbesserung des amerikanischen Luftverkehrs vorgeschlagen. Die Befristung der Befugnisse der Planungsstelle auf drei Jahre wird aus der
Erwägung heraus nahegelegt, daß diese Zeit ausreicht, ein Verfahren
zur Koordinierung aller Versuchsarbeiten sowie zur Prüfung nrui "jU^siräül
•von brauchbaren Flugsicherungssystemen zu entwickeln. Dieser Zeitraum
ist auch so bemessen, daß die Exekutive Gelegenheit hat, weiter Reorganisierungsmaßnahmen zu ergreifen, in die sich die Tätigkeit der Planungsstelle logisch einbauen läßt.
Mit der Bitte um wohlwollende Behandlung unterbreitet

gez.: Edward P. Curtis

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* * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Alig./i»5.1957
DR. LIBBY ANTWORTET DR. SCHWEITZER

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut eines
Briefes, den Dr. W.F. Libby von der USAtomenergie-Kommission am 25«April 1957
an Dr. Albert Schweitzer gesandt hat, und
in dem er zur Frage von Strahlenschädigungen als Auswirkung der Atomwaffenversuche
Stellung nimmt.

Sehr verehrter Herr Dr. Schweitzer
Ich schreibe Ihnen als Wissenschaftler, um Ihnen Daten bezüglich eines wissenschaftlichen Faktums zur Kenntnis zu geben:
den Grad der Gefährdung der I.Ienschheit durch radioaktive Ausfällungsprodukte, die von Kernwaffenversuchen herrühren.
Ich las in den Zeitungen vom 24«April Ihre Osl oer Erklärung
über die Gefährdung durch Kernwaffenversuche, und i ch habe auf
diese Weise von Ihren Befürchtungen Kenntnis erhalt en, daß das gegenwärtige Versuchsprogramm gefährlich sein könnte, Da ich während
der letzten Jahre sehr viel Zeit auf das Studium di eser Frage verwendet habe, gestatte ich mir, Ihnen zu schreiben Da Ihre Erklärung über Rundfunk und Presse verbreitet worden ist und starke
Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden hat, mache ich auch diesen Brief publik und zwar in dem Glauben, daß alle nur möglichen
Schritte unternommen werden sollten, das Verständni s der Öffentlich.
keit für die bedeutsame Frage der Waffenversuche zu verbreitern.
Ihr Glaube an die Heiligkeit des Lebens, und die Hingabe, mit
der Sie Ihr Leben und Ihre Fähigkeiten in den Dienst selbstloser
Unternehmungen gestellt haben, machen einen tiefen Eindruck auf
zahlreiche Menschen in allen Teilen der Welt. Ihre Besorgnis um
die möglichen Auswirkungen von Kernwaffenversuchen ist bezeichnend für Ihre Menschlichkeit und Ihr Mitempfinden, die Sie schon
immer zu erkennen gegeben haben und für die man Sie mit Recht
so sehr verehrt. Darüber hinaus besitzen Sie, wie ich sehr wohl
weiß, die geistige Macht und Integrität, um die Wahrheit zu
suchen, wo immer sie liegt. Aus eben diesem Geist heraus schreibe
ich Ihnen, in dem Glauben auch, daß Sie Tatsachen, die ich Ihnen

�"AMERIKA DIENST"

1. Mai 1957

Ihnen vielleicht im Zusammenhang mit radioaktiven Ausfällungsprodukten auf Grund von Atomwaffenversuchen verfügbar machen kann,
gerne zur Kenntnis nehmen werden.
Ich weiß nicht, auf welches Material Sie sich bei Ihrem Studium
dieser Frage stützten, ich bezweifle allerdings im Hinblick auf die
in Ihrer Erklärung angeführten Beweisgründe ernsthaft, daß Ihnen
Informationen neuesten Datums zur Verfügung standen. Unmittelbar
nach Lektüre Ihrer Erklärung sandte ich Ihnen eine Kopie einer
Rede, die ich kürzlich über die Frage gehalten habe, was wir auf
Grund wissenschaftlicher Untersuchungen über radioaktive Ausfällung
beziehungsweise deren Auswirkungen wissen. Ich schließe diesem
Brief das Manuskript eines wissenschaftlichen Vortrags bei, den
ich am 26.April vor der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft
halten werde* Ich hoffe, daß Ihnen diese beiden Schriften von Nutzen
sein werden. Sie zeigen, daß eingehende Bemühungen unternommen worden
sind, die tatsächlichen radioaktiven Konzentrationen im Boden, im
V/asser, in den Nahrungsmitteln und im menschlichen Körper als Auswirkung der Kernwaffenversuche theoretisch zu berechnen und durch
Analysen von Proben nachzuweisen.
Falls Sie den Eindruck gewonnen haben sollten, daß in Erklärungen offizieller Sprecher der Vereinigten Staaten einer möglichen Gefährdung durch inkorporierte Strahlung nicht Rechnung getragen wird und ich fürchte auf Grund Ihrer Erklärung, daß Sie d'ies glauben -,
beeile ich mich, Ihnen zu versichern, daß dem nicht so ist. In
Erklärungen, die die Regierung abgegeben hat, wurde diese Frage
eingehend behandelt. Sie wurde auch in aller Ausführlichkeit erörtert, so in einem Bericht, der von einer großen Anzahl hervorragender Y,rissenschaftler im Auftrag der Nationalen Akademie der
Wissenschaften ausgearbeitet worden ist und in England in einem
Bericht des Britischen Medizinischen Forschungsrates; beide Berichte sind im Juni vergangenen Jahres erschienen.
Insbesondere seit dem Sommer des Jahres 1953 hat die Atomenergie-Kommission in aller Welt eingehende Untersuchungen von
Ausfällungen angestellt, auf die der größte Teil der gegenwärtig
zu dieser Frage verfügbaren Informationen zurückgeht. Diese Studien
schlössen Analysen von Boden-, Pflanzen-, Nahrungsmittel- und
Materialproben aus vielen Teilen der V.relt ein. Die Regierung der
Vereinigten Staaten hat die diesbezüglichen Unterlagen dem \7issenschaftlichen Ausschuß für Atomstrahlung der Vereinten Nationen
lückenlos zugängig gemacht, der auf Grund einer Empfehlung der Vereinigten Staaten geschaffen worden ist und auch die von anderen Ländern unterbreiteten Daten überprüft hat.
V/enngleich hinsichtlich der Untersuchungsergebnisse von Wissenschaftlern aus den Vereinigten Staaten und aus dem Ausland einige
Abweichungen festzustellen waren, so herrscht doch allgemeine Übereinstimmung hinsichtlich der annähernden Größenordnung der Ausfällungen und der Geschwindigkeit, mit der sie aus der Stratosphäre herabregnen. Möglicherweise besteht hinsichtlich der Größenordnung der
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�"AMERIKA DIENST"

1. Hai 1957

der physiologischen Auswirkungen, die sich aus der Strahlung von
Ausfällungsprodukten ergeben können, keine so große Übereinstimmung.
Dennoch herrscht unter denjenigen, die sich mit dieser Frage befaßt
haben, ziemlich allgemein die Auffassung, daß die Strahlungsbelastung
durch Ausfällungen weit geringer ist als die Strahlungsbelastung,
die nötig wäre, um erkennbare Auswirkungen auf die Bevölkerung hervorzurufen. Die amerikanischen Regierungsstellen waren unablässig
bemüht, diesen Grad einer nur sehr geringen Strahlungsgefährdung
durch Kernwaffenversuche aufrechtzuerhalten und haben niemals in
ihren Untersuchungen und in ihren Vorkehrungen nachgelassen, eine
Verringerung zu erreichen.
Ich möchte nicht sagen, daß überhaupt kein Risiko besteht.
Was ich Ihnen darlegen möchte, ist vielmehr, daß das Risiko äußerst
gering im Vergleich zu anderen Risiken ist, die die Menschen allenthalben als normalen Teil des Lebens hinnehmen. Ich bitte Sie gleichzeitig, dieses Risiko gegen jenes meiner Meinung nach - für die freiheitsliebenden Völker in allen Teilen der Welt - weit größere Risiko
aufzuwägen, nämlich das Versäumnis, unsere Verteidigung gegen die
totalitären Kräfte, die in der Welt am Werke sind, bis zu jenem Zeitpunkt aufrechtzuerhalten, an dem eine Abrüstung bei gleichzeitiger
Gewährleistung der Sicherheit erreicht werden kann. Selbstverständlich stellt ein brauchbares und mit entsprechenden Sicherheiten ausgestattetes internationales Abrüstungssystem eines der vordringlichsten Ziele der Regierung der Vereinigten Staaten dar, ein Ziel, für
das wir arbeiten müssen und für das wir hoffen und beten, daß es erreicht werde.
Um auf die Frage der Gefährdung durch radioaktive Ausfällung
überall auf der Erde noch näher einzugehen, gibt es zwei mögliche
Formen der Gefährdung. Die erste ist die genetische Gefährdung,
die aus der Einwirkung durchdringender Gammastrahlen auf die Fortpflanzungsorgane resultiert; und die zweite, die Gefährdung, die
auf die Bestrahlung der Knochen durch absorbiertes Strontium-90
zurückzuführen ist, das größtenteils über die Nahrung aufgenommen wird.
Diese beiden möglichen Arten der Gefährdung sollte man nicht miteinander verwechseln; es besteht keinerlei Grund, irgendwelche
genetischen Schädigungen auf Grund von Strontium-90 zu befürchten,
da sich dieses in den Knochen ablagert und die Fortpflanzungsorgane
nicht in merklichem Maße bestrahlt.
Um den Grad solcher Gefährdungen verstehen zu können, ist es
notwendig, die Menge der Strahlungsdosen, die aus der Ausfällung
aufgenommen wird, mit der Menge der Strahlungsdosen zu vergleichen,
die normalerweise von allen lebenden Organismen auf Grund der natürlichen Radioaktivität der Umwelt aufgenommen wird. Auf diese Weise ist
es möglich, die Gefährdung, die sich aus Atomwaffenversuchen ergibt,
mit normalen menschlichen Erfahrungstatsachen in Verbindung zu bringen.
Wenn man diese Art von Vergleich anstellt, so zeigt sich, daß wir
alle in unserem Körper Mengen von Radioaktivität mit uns führen und auch
Mengen in unserer Umwelt begegnen, die weit größer sind als jene, die
aus radioaktiven Ausf ällungeprodukten herrühren.
KY&gt;=sm-i sehe

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�"AMERIKA DIENST"

1. Mai 1957

Kosmische Strahlen, die aus dem Raum kommen, werden in ihrer
Strahlungsintensität auf ihrem Weg durch die Atmosphäre allmählich
abgeschwächt. Auf diese V/eise wird ein Mensch, der in einer Höhe
von etwa 1700 Metern über dem Meeresspiegel lebt, einer doppelt
so intensiven Höhenstrahlung ausgesetzt sein, wie ein Mensch, der
in Meereshöhe wohnt. Es gibt auch noch andere Varianten der natürlichen Umweltstrahlung. So werden beispielsweise Menschen, die in
unmittelbarer Nachbarschaft von Uran- oder Thoriumvorkommen leben,
weit stärkerer Strahlung ausgesetzt sein als der Durchschnitt, und
ihre Torfahren haben diese weit höheren Strahlungsdosen in vielen
Teilen der Welt seit Jahrhunderten aufgenommen. Wer in einem Ziegelsteingebäude aus bestimmten Ziegeln in bestimmten Teilen der Erde
wohnt, wird im Vergleich zu dem Bewohner eines Holzhauses einer
Strahlungsmehrbelastung ausgesetzt sein, die die Strahlungsbelastung
aus Atomversuchen um ein vielfaches übertrifft.
Die zusätzliche Strahlung, die Menschen auf Grund von solchen
Ausfällungen aufnehmen, sind im Vergleich zur natürlichen Umweltstrahlung und selbst zu den Schwankungen in der Umweltstrahlung gering.
Um noch mehr ins einzelne zu gehen: die von Strontium-90 herrührende
Strahlungsdosis, im Aufbau befindliche Knochengewebe, beispielsweise
bei Kindern, ausgesetzt sind, ist gegenwärtig etwa ebenso groß wie die
zusätzliche Dosis, der ein Küstenbewohner im Falle eines Umzugs auf
einen kleinen Hügel auf Grund der kosmischen Strahlung ausgesetzt wäre.
Es ist keine Frage, daß übermäßige Strahlungsdosen von radioaktivem
Strontium bei Tieren Knochenkrebs und Leukämie hervorrufen können, und
somit dürfen wir die Möglichkeit schädlicher Auswirkungen der Ausfällungen, die von Kernwaffenversuchen herrühren, nicht als beiläufig abtun.
Wenn man jedoch bedenkt, daß die Menschheit einer natürlichen Umweltstrahlung ausgesetzt ist, die die Ausfällungsstrahlung weit übersteigt,
dann können wir den Versuch machen, festzustellen, ob diese irgendwelche feststellbaren Auswirkungen gezeitigt haben. Wir können beispielsweise untersuchen, ob bei Personen, die in höheren Regionen oder
in Gebieten mit Uranvorkommen wohnen, eine augenfällig größere Häufigkeit von Knochenkrebs und Leukämie zu verzeichnen ist.
Eine Überprüfung der verfügbaren Unterlagen läßt keine solche
Auswirkungen erkennen. Allerdings wurden die Lebensstatistiken nicht
immer sorgfältig geführt, und so werden im Auftrag des UN-Ausschusses
weitere Untersuchungen angestellt, um festzustellen, ob sich irgendwelche derartigen Auswirkungen nachweisen lassen. Eine Tatsache liegt
allerdings auf der Hand: Es entspricht sicherlich nicht unseren normalen Erfahrungen, daß bei Menschen, die in höhere.. Regionen umsiedeln,
ihren Wohnsitz von einem Ort auf Sedimentärgestein mit geringem Urangehalt nach einem Ort auf Eruptivgestein oder Granit mit weit höherem
Urangehalt verlegen oder von einem Holzhaus in ein Ziegel- oder
Zementbauwerk umziehen, die Häufigkeit dieser gefürchteten Krankheit steigt.
Eine

�"AMERIKA DIENST"

1 . Mai' 1957

Eine weitere Art
der Beurteilung der möglichen Gefährdung
durch die Bildung von Strontium-90 ergibt sich aus einem Vergleich
mit der zulässigen Konzentration an Strontium-90» wie sie von kompetenten Stellen errechnet worden ist. Die zulässige Menge von
Strontium-90 für Atomarbeiter in den Vereinigten Staaten beträgt etwa
das Zweitausendfache der gegenwärtig in den Vereinigten Staaten auf
Ausfällung zurückzuführenden Menge von Strontium-90 bei im Aufbau begriffenem Knochengewebe, (Die Konzentration von Strontium-90 ist in der
übrigen Welt im allgemeinen geringer als in den Vereinigten Staaten.)
Kompetente,Stellen haben empfohlen, daß der zulässige Höchstwert für
Populationen aus Sicherheitsgründen ein Zehntel der für Atomarbeiter
zugestandenen Werte betragen solle. Auf dieser Grundlage beträgt die
gegenwärtige Menge in jungem Knochengewebe, das heißt also bei Kindern,
in den Vereinigten Staaten noch nicht einmal \f&gt; der für Populationen
höchsten zulässigen Konzentration.
Vielleicht sollte ich zu diesen höchst zulässigen Konzentrationen
noch ein Wort der Erklärung sagen. Wie Sie wissen, sprechen Wissenschaftler von Risiken und Gefährdungen nicht in dem Sinne, in dem diese Worte
gewöhnlich verwendet werden. Sie versuchen, die Möglichkeiten fast bis
an ihre letzten Grenzen durchzudenken; deshalb schließt "Risiko" die
Möglichkeit von Wirkungen ein, die weit über den Bereich-des Wahrscheinlichen oder Nachweisbaren hinausgehen. Die höchstzulässigen Konzentrationen sind keine Belastungsgrenzen, sie geben vielmehr an, daß bei
weit höherer Konzentration, bei zehnfacher Konzentration vielleicht,
eindeutig nachweisbare Auswirkungen auftreten können.
Im Vorausgehenden habe ich in erster Linie mögliche Gefährdungen
durch radioaktives Strontium behandelt. Radioaktive Ausfällungen enthalten auch andere Stoffe, die sich zwar nicht im Körper ablagern, aber
durchdringende Strahlen emittieren, die die Geschlechtsorgane und andere
Teile des Körpers von außen her bestrahlen. Eine derartige Bestrahlung
kann Mutationen hervorrufen^
&amp;
Wir sollten bei einer Beurteilung der Möglichkeit genetischer Wirkungen auf Grund von Ausfällungen wiederum versuchen, sie mit unseren
normalen Erfahrungen zu vergleichen. Die äußere Strahlung aus Ausfällungen, das heißt also die Strahlung, die genetische Wirkungen zeitigen
könnte, hielt sich in den Vereinigten Staaten während der letzten drei
oder vier Jahre im Durchschnitt zwischen 1 und 5 Tausendstel eines Röntgen pro Jahr. Diese.Zahl sollte man mit der Normaldosis von 150 Tausendstel eines Röntgen pro Jahr vergleichen, die von kosmischen Strahlen
und natürlichem radioaktiven Material aus der Umwelt herrührt. Mit anderen Worten betrug die äußere Ausfällungs-Strahlung zwischen 0,7 bis
yfo der natürlichen Strahlungsbelastung.

Als

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�r
"AMERIKA DIENST"

1. Mai 1957

Als weiteres Beispiel sei angeführt, daß die Wände eines Ziegelsteingebäudes in bestimmten Teilen der Welt oftmals so viel natürliches radioaktives Material enthalten, daß daraus gegenüber
einem Holzhaus eine Strahlungsmehrbelastung bis zu 40 Tausendstel
eines Höntgen im Jahr resultiert; ein Zementgebäude bewirkt sogar
rund 100 Tausendstel eines Röntgen mehr pro Jahr. Diese Dosen bewegen sich in der Größenordnung zwischen dem 8- und 100fachen der
Strahlung, die aus Ausfällungen von Atomversuchen herrührt.
Ganz offensichtlich müssen die genetischen Wirkungen der Ausfällungs-Strahlung im Vergleich zu den genetischen Wirkungen der
natürlichen Strahlung sehr gering sein.
Wie Sie in Ihrer Erklärung ausgeführt haben, ist Radioaktivität,
die von den bereits durchgeführten Versuchen herrührt, in der Stratosphäre vorhanden; und sie wird in Jahren hoch aus ihr
herabregnen. Die Radioaktivität dieser Stoffe verringert sich beständig auf Grund des normalen radioaktiven Zerfalls. Die winzigen
radioaktiven Partikel regnen so langsam aus der Stratosphäre herab,
daß die laufende Ausfällung in den Vereinigten Staaten in etwa gerade
dem radioaktiven Zerfall des bereits abgelagerten Radio-Strontium
gleichkommt. Somit hat die gegenwärtige Konzentration von RadioStrontium im Boden einen Stand erreicht, der im großen und ganzen
dem Höchststand entspricht, den wir je auf Grund der bereits durchgeführten Versuche erreichen werden. •
Eine Fortsetzung der Versuche würde die Radioaktivität nicht
nach der Gesetzmäßigkeit der Addition vermehren, da sich ein Gleichgewicht zwischen der hinzukommenden Radioaktivität und dem radioaktiven Zerfall einstellen würde. Wollte man die Versuche im gleichen
Ausmaß wie in den vergangenen fünf Jahren bis 1983 fortführen, dann
würden die Konzentrationen in den Vereinigten Staaten voraussichtlich
das 4fache des gegenwärtigen Standes erreichen. Und im Jahre 2011
würde das Sechsfache der gegenwärtigen Konzentrationen erreicht werden, sofern die Versuche bis zu diesem Zeitpunkt fortgesetzt werden
sollten.
Ich hoffe, daß ich genügend Material angeführt habe, um zu zeigen,
daß die Gefährdung durch Kernwaffenversuche im gegenwärtigen Ausmaß gering ist. Selbstverständlich ist eine Fülle weiteren detaillierten Materials verfügbar, und ich werde es Ihnen, falls Sie es wünschen, gerne
zugänglich machen. Kein Wissenschaftler behauptet, daß keinerlei Risiko
besteht. Wir akzeptieren ein Risiko als den Preis für die Annehmlichkeiten des Lebens und unseren materiellen Fortschritt. Hier scheint die
Wahl viel klarer zu sein: das entsetzliche Risiko eines Ablassens von
unseren Verteidigungsbemühungen, die angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse von so entscheidender Bedeutung für den Fortbestand der freien
Welt sind einerseits, und das geringe und kontrollierbare Risiko auf
Grund der Kernwaffenversuche andererseits.
Mit vorzüglicher Hochachtung,
gez: W.P. Libby
* * * * #
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�A M E R I K A

D I E N S T

'.Vi ./1 .5.1957
USA BEFÜRWORTEN ENGE INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT
ZUM AUSBAU EINES WELTWEITEN KERNENERGIEPROGRAMMS
NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede, die Harold S.
Vance, Mitglied der US-Atomenergie-Kommission,
am 25. April 1957 auf einer internationalen
Problemen der Atomwirtschaft gewidmeten Tagung
des "Atomic Industrial Forum" in New York,
einer Arbeitsgemeinschaft der amerikanischen
Industrie, gehalten hat.
Ich freue mich, Gelegenheit zu haben, heute an diesem Symposium
teilnehmen zu können, da Sie sich mit der Frage der internationalen
Entwicklung der Atomenergie, also einem Thema befassen, das. ich für
ein dringliches, wenn nicht sogar das wichtigste Problem in allen
Einzelphasen unseres Programms zur friedlichen Entwicklung der Atomenergie betrachte - aber das ist wohl mehr oder weniger Ansichtssache.
Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß mit der Zeit die Nutzbarmachung der Kernenergie für die Erzeugung von Wärme und Kraft für
praktisch alle Gebiete der Welt große Bedeutung erlangen wird. Aber
der Zeitplan ist nicht für alle Nationen einheitlich, ja nicht einmal
für alle Teile eines größeren Landes, da gewisse variable Größen, vor
allem die.Reserven und die Verfügbarkeit der herkömmlichen Brennstoffe,
die relativen Gestehungskosten für die daraus erzeugte Kraft und natürlich das Ausmaß des vorhandenen oder in Kürze zu erwartenden Energiemangels dabei eine große Rolle spielen.
Ich hoffe, daß wir unser Denken auf die Situation einstellen werden, die ich hier eben skizziert habe, und daß wir dabei die glückliche
Lage in Betracht ziehen, in der wir uns im Vergleich zu derjenigen der
Mehrzahl unserer ausländischen Freunde befinden, und daß wir deshalb
das Problem der Energieerzeugung aus Kernkraft für die 'Welt als Ganzes,
uns eingeschlossen, nicht mehr länger, generalisieren, sondern erkennen-,
daß die Förderung der Atomstromerzeugung im Ausland ein Problem für
sich ist, die Förderung der Atomstromerzeugung bei uns dagegen ein
völlig anderes, zweites Problem, und daß beide daher zwei verschiedene Wege der Lösung erfordern.
Noch

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai

1957

Noch vor wenigen Monaten verfolgten viele von uns, so glaube i®h,
mit Interesse die Entwicklung von Kernkraftanlagen im Ausland, die
sich in einem ganz normalen Rythmus vollzog und uns sehr viel Zeit
ließ, unsere eigene Position abzustecken und die erforderlichen Maßnahmen vorzubereiten, um die Vorhaben in einer Weise zu fördern, die
sowohl für unsere Freunde im Ausland als rauch für uns selbst vorteilhaft wäre. Dann hatten wir im Februar den Besuch der drei "Atomweisen" als Vertreter von EURATOM, der europäischen Atomgemeinschaft.
Sie legten uns ein Programm vor, das verblüffend in seinem Umfang
und von großer Dringlichkeit in bezug auf seine Natur war; und so
wurden wir gewissermaßen über Nacht vor ein großes Problem gestellt,
mit dem wir fertig zu werden hatten, das wichtige Entscheidungen verlangte, welche wichtige Folgerungen nach sich zogen. Ich werde mir
die Zeit nehmen, hier noch einmal die EURATOM-Situation zu umreißen,
denn sie hat keine geringe Auswirkung auf das Thema, unter dem Ihre
heutige Tagung steht.
In Westeuropa macht sich bereits ein empfindlicher Mangel an
einheimischen fossilen Brennstoffen bemerkbar. Gegenwärtig ist dieses
Gebiet gezwungen, das Äquivalent von hundert Millionen Tonnen Kohlen
bei einem Kostenaufwand von zwei Milliarden Dollar jährlich einzuführen.
Und in nicht einmal zwanzig Jahren wird der zunehmende Energiebedarf
den Import von dreihundert Millionen Tonnen Kohle bei einem Aufwand
von 6 Milliarden Dollar jährlich erfordern. Eine solche finanzielle
Belastung wäre nahezu untragbar, und fast ebenso schlimm wäre die
wirtschaftliche Gefahr einer so großen Abhängigkeit von importierten
Treibstoffen. Die Ereignisse im Zusammenhang mit Suez haben uns dies
hinreichend klargemacht.
Ein weiterer wichtiger Faktor in der EURATOM-Situation ist die
Tatsache, daß Importbrennstoffe in so großer Menge in Westeuropa
gestapelt werden müssen, daß der daraus produzierte elektrische Strom
über 50 Prozent mehr kostet als im Durchschnitt bei uns, das heißt
etwa 1,2 Cent pro Kilowattstunde,' aus -diesem Grunde ist der Aufwand
für die Gewinnung von Atomstrom im gegenwärtigen Stadium der Entwicklung in Westeuropa - allerdings nur als Ersatz für Strom aus
Importbrennstoffen - relativ dem Punkt nahe, an dem dies wirtschaftlich vertretbar ist. Und es besteht die hohe Wahrscheinlichkeit,
daß in nicht allzuferner Zeit Atomstrom in Europa billiger sein
wird als die aus Importbrennstoffen gewonnene Energie.
In dieser Situation haben nun die drei "Atomweisen" ein Programm
ausgearbeitet, das bis zum Jahr 1967 die Erzeugung von fünfzehn Millionen Kilowatt in Atomkraftwerken vorsieht; dies ist aber nur die erste
Phase eines noch viel ehrgeizigeren Programms, das bis zum Jahre 1975
laufen soll.
Die drei "Atomweisen" sprachen sich sehr klar darüber aus, daß
sie nicht um finanzielle Hilfe, sondern um technische Hilfe zu uns
gekommen seien, daß wir ihnen helfen sollten, angereichertes Uran als
Kernbrennstoff zu erhalten, verbrauchte Brennstoffelemente chemisch

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai 1957

chemisch wieder aufzubereiten und einen Absatzmarkt oder eine Verwendung für das Plutonium zu finden, das in ihren Kraftreaktoren anfällt,
und schließlich die Hilfe der amerikanischen Industrie in der Durchführung eines Programms in Anspruch nehmen zu können, das in seinem
Anfahgsstadium offensichtlich weit über die Möglichkeiten der einheimischen Industrie hinausgeht.
Um Ihnen einen besseren Begriff von dem Umfang des EURATOM-Projektes geben zu können, darf ich hier vielleicht folgendes erwähnen: Wenn
alle in Westeuropa geplanten Reaktoren, die bis 1367 in Betrieb genommen
sein sollen, mit angereichertem Uran arbeiten, was wir als den wirtschaftlichsten Reaktortyp vorziehen, würden allein die Aufwendungen
für den Kernbrennstoff 1,7 Milliarden Dollar erfordern; der zusätzliche
Aufwand für den Bau der Anlagen und die erforderlichen anderen Ausrüstungen wäre natürlich noch erheblich höher, er dürfte sich etwa in
der Größenordnung von 5 Milliarden Dollar bewegen.
Wir haben den drei "Atomweisen" versichert, daß wir bereit sind,
ihnen die erbetene Hilfe nach besten Kräften zu gewähren, natürlich
soweit sich dies mit unseren eigenen Verpflichtungen vereinbaren läßt.
An diesem Punkt muß vielleicht die Frage gestellt und eine entsprechende
Antwort gefunden werden: "Weshalb tun wir dies und jenes, und wenn wir
es tun, welchen Vorteil haben wir davon?"
Ich argumentiere hier weder für oder gegen die Auslandshilfe, aber
die Tatsache bleibt bestehen, daß wir viele Millionen Dollar investiert
haben, um Europa im Kreis der "freien Nationen" zu halten. Westeuropa
gehört noch immer zu diesem Kreis, und ich bin.überzeugt, auch die
schärfste Kritik an der Auslandshilfe muß einräumen, daß dies ein wesentlicher Pluspunkt ist^ denn die Verlagerung der industriellen Kapazität Westeuropas zur anderen Seite wäre einfach eine Katastrophe.
Energie ist lebenswichtig für die westeuropäische Wirtschaft.
Wenn wir unseren Freunden helfen können, das, was sie benötigen,
in erster Linie oder sogar ausschließlich durch eine Unterstützung zu
erlangen, die nicht den Charakter einer finanziellen Hilfe trägt, so
sollten wir das tun und sie damit politisch und wirtschaftlich stärken,
ihr Verhältnis zu uns festigen und die Stärke der freien Welt als
Ganzes damit weiter erhöhen.
Wir kommen dabei in den Genuß eines weiteren Vorteils, eines unpolitischen Vorteils, der uns wesentliche Aufwendungen ersparen könnte.
Dieser Vorteil liegt in den uns von der Gegenseite vermittelten Erfahrungstatsachen über Kosten und andere Einzelheiten des Reaktorbetriebs, was man uns bereits zugesagt hat. Die so gewonnenen Kenntnisse
können uns zur Erreichung unseres Zieles dienlich sein, Atomstrom so
wirtschaftlich zu produzieren, daß wir mit seiner Verwendung auf breitester Basis in unserem Land beginnen können. Ich werde hier nicht
versuchen, dieses Wissen.nach materiellen Vorteilen bewerten zu wollen,
die uns unsere Hilfe unter anderem einbringen würde; aber ich bin sicher,
daß bei Berücksichtigung auch der politischen Vorteile und der Möglichkeiten für die amerikanische Industrie die Unterstützung, die man von uns

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�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai 1957

uns erwartet, sehr wohl gerechtfertigt wäre.
Man hat mich gebeten, speziell darüber zu sprechen, welche Rolle
die amerikanische Atomenergie-Kommission übernehmen wird, um die EntWicklung einer Atomenergiewirtschaft im Ausland zu fördern. Statt des-*
sen möchte ich aber über die Rolle der Regierung samt aller zuständigen
Stellen sprechen, einschließlich der^ Rolle der Export-Import-Bank und,
was das Ausmaß der eventuell erforderlichen neuen Gesetze anbetrifft,
sogar der Rolle des Kongresses.
Meiner Meinung nach sind die,wichtigsten Schritte, die wir zur
Entwicklung einer Atomenergiewirtschaft im Ausland sofort zu unternehmen hätten, folgende:
1) '.Vir sollten, natürlich unter Aufhebung der Geheimhaltung,
alles technische Wissen, das wir über die Entwicklung von Leistungsreaktoren besitzen, zur Verfügung stellen. Und wir sollten Vorsorge
treffjjn, daß weitere Informationeh dieser Art leicht und prompt ausgetauscht Verden können.
v^-w-O 2 ^
2) Wir sollten bereit sein, feste Zugeständnisse zur Bereitstellung der jeweiligen für einen bestimmten Reaktortyp benötigten Menge
angereicherter Uranbrennstoffe zu machen, und zwar über einen bestimmte;! Zeitraum hinweg, der in manchen Fällen mit der errechneten
Amortisierungsspanne des Reaktors gleichbedeutend ist; denn wir sind
gegenwärtig für die freien Nationen die einzige Quelle zUr Beschaffung
solcher Brennstoffe. Diese Verpflichtungen-sollten uns die Möglichkeit
of,fTAlassen, plutoniumhalttge Brennstoffe zu liefern, sobald eine
brauchbare Methode für^ctie Verwendung von Plutonium als Kernbrennstoff
entwickelt worden ist.
3) Wir sollten bereit sein, Einrichtungen für die sofortige chemische Wiederaufbereitung von Brennstoffelementen solange, wie dies
erforderlich ist, zu angemessenen Preisen zur Verfügung zu stellen.
n o
4) Wir sollten uns einverstanden erklären, das in den ausländischen Reaktoren anfallendet Plutonium über einen angemessenen Zeitraum
hinwög-anzukaufen, wie wir es bereits mit dem in den amerikanischen
Reaktoren gewonnenen Plutonium tun, bis unser gegenwärtiges Forschungsprogramm eine brauchbare Möglichkeit ergibt, Plutonium in den Reaktorkreislauf einzuschalten und es in dem Reaktor, in dem es produziert wird,
unmittelbar als Kernbrennstoff zu verwenden.
__5-) Ü I sollten bereit sein, die Forschung auf bestimmten, genau
abgegrenzten Gebieten energisch weiter zu betreiben, beispielsweise
was die Beschaffenheit und Herstellung von Brennstoffelementen, verbesserte Verfahren der chemischen Aufbereitung, und wi."" bereits erwähnt,
die Einschaltung von Plutonium in den Reaktorprozeß anbetrifft.

il
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Mai

1957

6) In gewissen Fällen, in denen dies angebracht erscheint, sollten
wir bereit sein, kernreaktive Spezialstoffe und Reaktorbetriebsstoffe
wie schweres Wasser pachtweise zur Verfügung zu stellen, zu verkaufen
oder auf Ratenzahlungsbasis abzugeben.
7) Durch die Export-Import-Bank sollten wir Kapital in Form von
Krediten für Leistungsreaktoranlagen unter den gleichen Bedingungen
wie jene Kredite anbieten, die zur Finanzierung herkömmlicher Kraftwerksanlagen dienen.
8) Wir sollten uns eingehend mit dem Problem befassen, wie wir
am besten die versicherungstechnischen Verpflichtungen amerikanischer
Herstellerfirmen begrenzen können, die vollständige Einrichtungen,
Montageelemente und Einzelteile hierzu ins Ausland liefern.
Zu all dem kommt nun die wichtige Rolle hinzu, die zu übernehmen
nur die Industrie in der Lage ist, wenn unser internationales Programm
sich so entwickeln soll, wie wir sicherlich alle hoffen, daß es sich
entwickeln wird.
Die amerikanische Industrie muß sich, im Wettbewerb mit der britischen Industrie und später auch der Industrie anderer Länder, energisch
um die Möglichkeiten des Auslandsgeschäftes auf dem Sektor der Atomenergiewirtschaft kümmern. In dem Maße, in dem andere Industriegruppen
feste Verpflichtungen eingehen, müssen auch wir dies tun. In diesem Zusammenhang möchte ich bemerken, daß wir mit unserem Druckwasserreaktor
mehr Erfahrungen - und bessere Erfahrungen - haben sammeln können als
die Engländer mit dem gasgekühlten Reaktortyp.
Nach Ansicht vieler unserer maßgebenden Leute ist der Druckwasserreaktor mindestens ebenso aussichtsreich , wenn nicht noch aussichtsreicher, wie der britische Reaktortyp. Deshalb ist die amerikanische
Industrie im gegenwärtigen Wettbewerb keineswegs im Nachteil, ungeachtet der Tatsache, daß wir mit vielen Reaktortypen experimentieren
und ständig mit der Möglichkeit rechnen können, daß schließlich der
eine oder andere von ihnen selbst dem Druckwasserreaktor, der gegenwärtig in der Entwicklung am weitesten gediehen ist, noch überlegen
ist.
Obgleich ich bereits ausführlich über EURATOM gesprochen habe,
stellt dieses Projekt keineswegs das einzige auf dem internationalen
Sektor dar, das unsere Aufmerksamkeit verdient. Man schätzt, daß in
anderen Teilen der Welt ein Gesamtbedarf von mindestens 1,5 Millionen
Kilowatt.an Atomstrom besteht, der mit Hilfe kleiner Anlagen, etwa
zwischen 5000 und 10 000 Kilowatt, gedeckt werden könnte.
Die Notwendigkeit für die Errichtung von Anlagen dieser Größe
scheint besonders in Südamerika, Mittelamerika, Westindien und Teilen
von Afrika gegeben. Vom Standpunkt der amerikanischen Industrie aus
gesehen mag sich dieser Markt für Kleinanlagen auf die Dauer attraktiver erweisen als der Markt für Großanlagen in Ländern, die selbst
hoch industrialisiert sind.
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UTD ARBEIT

1 . Mai 1957

Dann und wann werden Befürchtungen geäußert, daß wir die Initiative
den Engländern oder dem Russen überlassen und in der Entwicklung von
Leistungsreaktoren unsere führende Stellung einbüßen könnten. Eine führende
Rolle in einer Situation wie der gegenwärtigen zu spielen, ergibt sich
jedoch aus der öffentlichen Meinung außerhalb der Vereinigten Staaten,
nicht aber innerhalb der USA. Wer um die Dinge Bescheid weif?., besonders
wer in einem Land lebt, .dem es an fossilen Brennstoffen mangelt und wo
die Stromkosten aus der Erzeugung nach herkömmlichen Verfahren hoch sind,
ist sich der günstigeren Situation der USA und der Tatsache wohl bewußt,
daß wir nicht, wie solche Länder unter wirtschaftlichem Druck stehen,
Atomkraftwerke zu bauen.
Deshalb scheint mir völlig klar zu sein, daß die Frage, ob wir unsere
führende Rolle behalten oder verlieren, viel stärker davon abhängt, was
wir im Ausland unternehmen, als was wir in den nächsten Jahren bei uns
unternehmen.
Zu Beginn sagte ich, daß die Frage, ob die Entwicklung von Atomkraftanlagen auf internationaler Basis die wichtigste Phase unseres Programms für die friedliche Nutzung der Kernenergie ist, Ansichtssache
sei. Was meine persönliche Meinung betrifft, so sehe ich darin tatsächlich die wichtigste Phase.

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�A M E R I K A

D I E N S T

v/i./8.5.1957
DER KÜNFTIGE WEG DER AMERIKANISCHEN AUSSENHANDELSPOLITIK

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die der
Unterstaatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten im US-Außenministerium, Thorsten
V. Kalijarvi, am 25»April in New York vor dem
Verband amerikanischer Importkaufleute gehalten hat.

Es ist mir ein Vergnügen, heute unter Ihnen zu weilen, die
Sie aktiv im Außenhandel tätig sind. Als Import-Exportkaufleute
gehören Sie zu den wagemutigsten unter den Llännern der Wirtschaft
unseres Landes. Sie helfen mit, unser Blickfeld zu weiten und unseren hohen Lebensstandard noch immer weiter zu erhöhen.
Wenn ich auch als Thema meiner Ansprache "Der künftige Weg
unserer Außenhandelspolitik" gewählt habe, so möchte ich mich doch
in erster Linie mit dem im Entstehen begriffenen europäischen
Gemeinsamen Markt und mit der damit verbundenen Freihandelszone
sowie mit der Verbesserung des internationalen Mechanismus zur
Abwicklung des Außenhandels befassen. Dort liegt, nach unserer
Auffassung, einer der Ansatzpunkte für eine maximale Ausweitung
des amerikanischen Außenhandels. Auf diesen Gebiet bestehen nach
unserer Auffassung Aussichten, die wirtschaftliche und politische
Stärke eines wichtigen Teils der freien Welt zu mehren. Und dort
liegen nach unserer Auffassung auch zahlreiche Chancen für den
amerikanischen Außenhandel.
Die Bedeutung des Außenhandels
Wir alle wissen, welche Bedeutung dem Außenhandel zukommt.
Wir wissen auch, daß der Außenhandel nicht nur im Austausch von
Waren und Dienstleistungen besteht, sondern daß er neue Kräfte
auf den Plan ruft, Wohlstand schafft und auch der nationalen
Sicherheit zugute kommt».
Ohne solide wirtschaftliche Grundlage würde die freie Welt
mit ihren Verteidigungsanstrengungen auf Sand gebaut haben. Wir
können unmöglich in wirtschaftlicher Isolation leben und von
anderen erwarten, daß sie dann, auf außenpolitischem Gebiet mit
uns zusammenarbeiten. Wollten wir den unklugen Versuch unternehmen, ausländische Unternehmen daran zu hindern, ihre Waren

�"ALIERIKA PIEKST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Mai 1957

Waren auf dem amerikanischen Markt abzusetzen, dann wäre das Ausland
seinerseits nicht in der Lage, amerikanische Produkte zu kaufen. Dies
ist eine Tatsache, die durch unser Absatzprogramm für überschüssige
landwirtschaftliche Produkte schlaglichtartig beleuchtet worden ist.
Das Absatzprogramm hat unsere Abhängigkeit von den Exportmärkten bei
vielen Waren klar hervortreten lassen. Für Sie als Außenhandelsfachleute ist es ebenso klar wie für uns, daß zwischen Ausfuhren und
Einfuhren eine enge Wechselbeziehung besteht. Selbstverständlich
zielen Warenimporte nicht lediglich darauf ab, den Export zu fördern.
Dennoch sind wir der grundsätzlichen Auffassung, daß unsere gesamte
Wirtschaft von den Einfuhren ebenso profitiert wie von den Ausfuhren.
Ein solcher Warenaustausch kommt allen 170 Millionen Amerikanern
zugute und nicht nur jenen, die unmittelbar an diesen Transaktionen
teilhaben.
Im Gegensatz zu weitverbreiteten Vorstellungen hat sich der
Außenhandel nicht nur als bedeutsamer, sondern auch verläßlicher
Beitrag zu unserer eigenen Volkswirtschaft erwiesen, von dem man
sich auch in Zukunft etwas versprechen darf. Sie werden sich sicher
daran erinnern, daß weite Kreise in der unmittelbaren Nachkriegszeit,
als der Marshall-Plan bereits angelaufen war, die Auffassung vertraten,
unsere Außenhandelsgewinne würden bald wieder aufhören. Ohne Auslandshilfe und ohne die Verwüstung so zahlreicher Produktionsstätten
in vielen Teilen der Welt - so argumentierte man damals -, würde
unser Export sehr rasch zurückgehen und unser Land seinerseits durch
Einfuhren aus Ländern mit niedrigerem Lohnniveau überschwemmt werden,
die unserer eigenen Produktion Konkurrenz maohen und in unserer
eigenen Wirtschaft eine Arbeitslosigkeit auslösen würden.
Die Tatsachen liegen aber nun doch ganz anders. Unsere Aufwendungen für Hilfslieferungen gingen zurück, und heute herrschen auf
den Y/eltmärkten einigermaßen normale Wettbewerbsbedingungen. Im Jahre
1956 erreichte der amerikanische Außenhandel den bisher höchsten
Stand in der Geschichte und übertraf damit selbst das Rekordjahr
1947« Auch unsere Einfuhren stiegen und mit ihnen stieg 1956 auch
der Ausfuhrüberschuß.
Vor uns liegende Probleme
Lassen Sie mich nun die Probleme des vor uns liegenden Weges
erörtern. Einige der wichtigsten Probleme und auch einige der größten Chancen, denen wir uns in den nächsten Jahren gegenübersehen
werden, stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem im Aufbau begriffenen Gemeinsamen Markt in Europa und der damit verbundenen
Freihandelszone. Wenn auch dieser epochemachende Zusammenschluß
erst in Zukunft erfolgen wird, so zeichnet sich der Verlauf der
künftigen Entwicklung doch schon deutlich ab. Angesichts dieser
zeitlichen Ferne sind die Auswirkungen, die dieser Zusammenschluß
auf die Außenhandelspolitik der Vereinigten Staaten haben wird, in
vieler Hinsicht noch nicht klar zu erkennen. Wir sind aber ganz allgemein davon überzeugt, daß diese Entwicklung auch für uns von großer
Bedeutung sein wird.
...

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Hai 1957

Was den-Außenhandel angeht, nähert sich die Nachkriegszeit
ihrem Abschluß. Sie war durch die Schaffung gewisser Institutionen
zur Erleichterung der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit gekennzeichnet, insbesondere des Internationalen Währungsfonds, der Weltbank und des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens
(GATT).
Die Tätigkeit des Internationalen Währungsfonds erstreckt sich
auf das Gebiet der Finanz- und Währungspolitik. Er wurde mit dem
Ziel geschaffen, ger/issen Ländern durch Gewährleistung er Liquidität und Gewährung von Krediten über kurzfristige Schwierigkeiten im
Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz hinwegzuhelfen und es ihnen somit zu
ermöglichen, auf Restriktionen zu verzichten, die ihrerseits depressive
Auswirkungen auf den Welthandel hätten haben können.
Die Weltbank wurde geschaffen, um Investitionskredite für die
Finanzierung der Einfuhren von Maschinen -und anderen Ausrüstungen,
die für den Wiederaufbau in den vom Krieg heimgesuchten Ländern und
die Ausweitung der Produktion in wirtschaftlich unterentwickelten
Gebieten benötigt wurden, bereitzustellen.
Das Allgemeine Zoll- und H ndelsabkommen, das I m e n allen sehr
vertraut ist, wurde im Jahre 1947 abgeschlossen. Dieses Abkommen,
dem gegenwärtig 35 Länder angehören, brachte im Talle zahlreicher
Länder der Erde eine Verlagerung der Zollverhandlun^en von einer
bilateralen auf eine weit zweckmäßigere multilaterale Basis mit
sich. Durch das Abkommen wurde auch eine Art Ehrenkodex iur faires
Verhalten im internationalen Handel entwickelt sowie ein AD;.arnt
für eine gegenseitige Konsultation und die Austragung vun Zollund Handelsstreitigkeiten. Seit Inkrafttreten des Allgemeinen Zollund Handelsabkommens ist eine gütliche Bereinigung solcher S+reitigkeiten ohne die unglückseligen Konsequenzen von Wirtschaftskriegen
möglich geworden, von denen die Welt in der Zeit vor der Schaffung
des GATT oftmals heimgesucht war.
Diese Institutionen und Vereinbarungen, die die Ausv.eitung des
Bereiches wirtschaftlicher Freiheit und Verantwortlichkeit in den
internationalen Handelsbeziehungen bezweckten, erv.ucisen aus den
während der zwanziger Jahre und in den Anfängen der dreißiger J-ihre
gesammelten Erfahrungen und spiegeln diese demgemäß auch wider* In
diesen beiden Jahrzehnten versuchte jedes einzelne Land für sich
allein, sich durch Handelsrestriktionen, durch Drosselung der Einfuhren und dirch angestrengte Bemüh mgen um eine Ausweitung der
Ausfuhren gegen die Ausweitung der Weltwirtschaftskrise abzuschirmen.
Diese Hinwendung zur Autarkie, die begleitet war von einer strengen
zentralen Lenkung des Außenhandels, der Finanzwirtschaft und des
Devisenverkehrs, fand inren reinsten Ausdruck in den kommunistischen
und faschistischen Ländern. Das letzte Ergebnis dieser Hinwendung
zur Autarkie war eine Verschiebung- und Verzerrung des Welthandelsgefüges und der Verlust jener Frei leiten, die man gewöhnlich mit
dem Begriff der privaten Wirtschaft verbindet. Bald folgte eine ganze
Reihe von Währungsabwertungen, die aus Wettbewerbsgründen vorgenommen
wurden. Die Errichtung immer neuer Handelsschranken als Gegenmaßnahmen

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�"A::ERII:A D I E N S T "

- WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. iiai 1957

Gegenmaßnahmen gegen ähnliche Schritte anderer Staaten wurde zur
Regel.
Die genannten internationalen Institutionen stellten einen bewußten Versuch seitens der Siegermächte dar, dieser unerwünschten
Situation ein Ende zu setzen und eine Wiederholung einer solchen
Entwicklung in der Nachkriegszeit zu verhindern. Diese Organisationen haben in den letzten zehn Jahren eine sehr segensreiche Tätigkeit
entfaltet, wenn sie auch selbstverständlich nicht sämtliche Außenhandelsprobleme lösen konnten. Sicherlich werden sie auch nicht für
sämtliche der in Zukunft auftretenden Probleme eine Lösung anbieten
können. Immerhin sind Ziele wie ein expandierender Außenhandel, die
Ausweitung von Zollverhandlungen und die Anerkennung gewisser fester
Regeln im Außenhandel heute näher gerückt als je zuvor, \7enn diese
Bestrebungen mit Entschlossenheit weiter elührt werden, so können
die nach dem Krieg geschaffenen Institutionen in Zukunft noch mehr
als bisher einem stark expandierten Außenhandel Ziel und Richtung
geben.
In diesem größeren Zusammenhang möchte ich nunmehr auf den
Gemeinsamen Markt in Europa und auf die sich daraus ergebenden
Aufgaben näher eingehen.
Aufgaben, die sich aus den Gemeinsamen Harkt ergeben
Der vorgeschlagene Gemeinsame Markt und die Freihandelszone
stellen einen neuen wichtigen Faktor in der Wirtschaft von heute dar.
Wie Sie wissen, soll der geplante Gemeinsame Europäische Harkt eine
Einrichtung werden, der Belgien, die Bundesrepublik Deutschland,
Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande angehören. Die
sechs Staaten unternehmen einen bisher einmaligen Schritt, indem sie
nämlich nahezu alle Beschränkungen, denen der gegenseitige Warenverkehr unterliegt, beseitigen. Zu den Schranken, die abgebaut werden
sollen, zählen die Zollrestriktionen und Quoten sowohl im staatlichen
als auch im privaten Warenverkehr. Deutsche Volkswagen werden beispielsweise eines Tages ohne irgendwelche mengenmäßigen Beschränkungen
und Zölle nach den übrigen fünf Ländern eingeführt werden können. Das
gleiche gilt für französische Parfüms, belgische Maschinen, italienische Lederwaren, holländische Tulpenzwiebeln und eine Vielzahl anderer
Produkte.
Der Gemeinsame Markt bringt aber nicht nur die Beseitigung nahezu
sämtlicher Handelsschranken zwischen den sechs Teilnehmerstaaten,
sondern auch die Schaffung eines gemeinsamen einheitlichen Zolltarifs
im Handel mit allen übrigen Ländern. Mit anderen Worten, amerikanische
Kraftfahrzeuge, Lederwaren und andere Exportartikel werden in allen
sechs Ländern den gleichen Zöllen unterworfen sein.
Es ist zu erwarten, daß der Trend zu einem wirtschaftlichen
Zusammenschluß über die sechs Länder hinausgehen wird« Großbritannien
und zehn weitere westeuropäische Staaten haben ihr Interesse bekundet,
sich mit den sechs Ländern in einer Freihandelszone zusammenzuschließen.
Auf Grund einer solchen Vereinbarung würden bei einer großen Zahl von

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Mai 1957

von Warengattungen die bisherigen Beschränkungen zwischen jenen elf
Ländern und den sechs Teilnehmerstaaten des Gemeinsamen Marktes fallen.
Die elf Länder würden allerdings ihre eigenen Zölle gegenüber Ländern
außerhalb der Freihandelszone beibehalten. Die sechs Länder würden
mit ihren einheitlichen Zolltarifen gleichermaßen verfahren.
Um Ihnen eine Vorstellung von der Größe und Bedeutung des zu
schaffenden Marktes zu geben, sei erwähnt, daß die Gesamtbevölkerung
der sechs Staaten im Jahre 1955 mehr als 162 Millionen, ihr gesamtes
Bruttosozialprodukt 126 Milliarden Dollar und ihr Anteil am Welthandel
22$ betrug. Die Gesamtbevölkerung der 17 voraussichtlichen Teilnehmerstaaten am Gemeinsamen Markt und an der Freihandelszone bezifferte sich
1955 auf rund 285 Millionen.
Einige Zahlen aus der amerikanischen Außenhandelsstatistik sind
vielleicht geeignet, Ihnen die Bedeutung klarzumachen, die dieses Gebiet für uns hat. Die Vereinigten Staaten exportierten im Jahre 1955
Waren und Dienstleistungen im Werte von 15 Milliarden Dollar. Von
diesem Gesamtexport entfielen nahezu 4»5 Milliarden Dollar oder rund
29% auf die 17 Staaten und von diesen wiederum mehr als 2 Milliarden
auf die sechs Länder des Gemeinsamen Marktes.
Ganz offensichtlich verspricht ein von inneren Handelsschranken
freier gemeinsamer Markt der Größenordnung, wie ihn das Gebiet dieser
sechs Länder darstellt, eine Entwicklung, die eine Leistungssteigerung
in der Produktion und eine Erhöhung des Lebensstandards in Europa mit
sich bringen wird.
Die Vereinigten Staaten begrüßen diese Entwicklung. Wir sind
überzeugt, daß die freie Welt nur gewinnen kann, wenn die wichtigsten
sechs Länder in Westeuropa durch einen wirtschaftlichen Zusammenschluß
zu dauerhafter Stärke gelangen. Politisch gesehen, könnte ein solches
Gebilde zu einem mächtigen Faktor in der Welt werden. Von wirtschaftlichen Gesichtspunkten aus betrachtet, könnte es zu einer Ausweitung
des Welthandels, ohnegleichen führen. In demselben Maße, in dem die
Handelsschranken abgebaut und der Wettbewerb innerhalb der Gemeinschaft
einer Leistungssteigerung und eine Erhöhung der Produktivität nach sich
zieht, wird auch der Lebensstandard steigen. Daraus wiederum dürfte sich
eine erhöhte Nachfrage nach amerikanischen Waren und auch nach Einfuhren
aus anderen Ländern ergeben.
Darin also liegen die Hoffnungen des Gemeinsamen Marktes und der
Freihandelszone begründet. Die teilweise oder restlose Erfüllung dieser
Hoffnungen hängt jedoch von der Art der Bindungen ab, die die sechs Länder
eingehen, um das gesteckte Ziel einer Ausweitung des Handels nicht nur
untereinander, sondern auch mit anderen Ländern zu erreichen. Das ist
eine Frage, die uns sehr, viel angeht; und nicht nur uns. Unser Nachbarland Kanada nimmt eine ähnliche Haltung ein. Das gleiche gilt für
Großbritannien und auch andere Staaten.
Die Idee des Gemeinsamen Marktes beginnt sich zu realisieren. Die
sechs Staaten haben einen Vertrag unterzeichnet, die seine Schaffung
vorsieht, und die zur Ratifizierung des Vertrages notwendigen Schritte
werden zur Zeit in den Parlamenten der sechs Staaten eingeleitet. Diese

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBBIT

8. Mai 1957

Diese stehen aber vor zahlreichen Problemen'. Wie Sie sich vorstellen können, v/erden sich sehr ernste Schwierigkeiten ergeben,
wenn sich die relativ stabile Industrie mancher Hitgliedstaaten
den gleichen Marktbedingungen wie die expandierenden Industrien
anderer Länder stellen soll, und auch im Zusammenhang mit der
Einbeziehung der überseeischen Gebiete einiger der sechs Länder
in den Gemeinsamen Markt, gilt es zahlreiche Probleme zu lösen.
Je größere Schwierigkeiten sich in den einzelnen Ländern der
Billigung der Beseitigung der Handelsschranken innerhalb des gemeinsamen Marktes, entgegenstellen, um so größer wird die Versuchung
sein, gemeinsame Schranken gegen Waren aus Ländern außerhalb des
Gemeinsamen Marktes zu errichten.
Der Kurs der Vereinigten Staaten
Sofern die Teilnehmerstaaten am Gemeinsamen Markt und der
Freihandelszone wirklich gewillt und entschlossen sind, einzeln
und gemeinsam tatkräftig auf eine Expansion nicht nur des gegenseitigen Handels, sondern auch des Handels mit der übrigen Welt
hinzuarbeiten, können sie sicher jede wohlwollende Unterstützung
von außen gut gebrauchen. Unter dieser Voraussetzung kann sich die
Außenhandelspolitik der Vereinigten Staaten im Verlauf der nächsten
Jahre sehr wohl als ein entscheidender Faktor erweisen» Wenn unser
Land seine Bereitwilligkeit zu erkennen gibt, seine liberale Außenhandelspolitik weiter fortzusetzen, so wird dies für die Mitgliedstaaten der westeuropäischen Gemeinschaft voraussichtlich einen gewaltigen Anreiz darstellen, auf dem eingeschlagenen Weg fortzuschreiten und ihre Pläne in die Tat umzusetzen. Die Übergangszeit wird
für sie auf jeden Fall viele Schwierigkeiten mit sich bringen. Von
unserem Standpunkt aus betrachtet, ist es deshalb von größter Wichtigkeit, daß die sechs Länder auch in diesem Zeitraum ihren Blick
nach außen richten, auf die Weltmärkte und auf globale Handelsvereinbarungen. Sollten sich die sechs Länder umgekehrt in anderen
Teilen der Welt immer größeren Restriktionen gegenübersehen, so
dürfte dies auf ihrer Seite höchstwahrscheinlich die Tendenz auslösen, ihren Blick nach innen, auf ihren großen einheitlichen Markt,
zu richten und zum Schaden auch des amerikanischen Handels, Schranken
gegen Außenstehende zu errichten.
Mir haben damit einen Überblick sowohl über die Hoffnungen als
auch die Befürchtungen gewonnen, die im Zusammenhang mit dem eingeschlagenen Kurs auftauchen und auch über die Auswirkungen, die die
Politik der Vereinigten Staaten auf den weiteren Verlauf der Dinge
haben kann. Die Implikationen, die sich aus dieser neuen Entwicklung
für den amerikanischen Außenhandel ergeben, sollten weder übersehen
noch beschönigt werden. Der Wettbewerb sowohl auf den Weltmärkten als
auch auf dem amerikanischen Binnenmarkt dürfte sich voraussichtlich
verschärfen. Jeder Wettbewerb führt aber im allgemeinen in der freien
Welt zu einer Steigerung der Leistungskraft der einzelnen Volkswirtschaften, gleichgültig, ob es sich dabei um den Wettbewerb, auf ausländischen oder heimischen Märkten handelt. Der Wettbewerb ist die wichtigste Voraussetzung des Erfolgs der freien Wirtschaft»
Ea

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8. Hai 1957

Es darf von dieser neuen Entwicklung erwartet werden, daß sie
der amerikanischen Industrie neue Exportmöglichkeiten eröffnen wird
- Exportmöglichkeiten, wie sie von amerikanischen Außenhandelskaufleuten stets gewünscht und mit großem Eifer verfolgt worden sind.
In dem gleichen Maße, in dem sich die Zahlungsbilanz verschiedener
Länder verbessert, entfällt auch die Rechtfertigung für Einfuhrquoten
und andere restriktive Haßnahmen. Ein bedeutsamer Schritt in dieser
Richtung wird noch im Laufe dieses Jahres in Genf erfolgen, v/o die
Vereinigten Staaten mit 20 Ländern Besprechungen führen werden, die
aus Sorge um den Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz gegenwärtig noch
mengenmäßig Einfuhrbeschränkungen aufrechterhalten. Diese Beratungen
werden Gelegenheit bieten, das Ausmaß gegenwärtig noch bestehender
Restriktionen im Warenverkehr mit anderen Ländern zu erörtern sowie
die Aussichten für den weiteren Abbau und die schließliche Beseitigung
solcher Handelsschranken zu prüfen.
Erhöhung der Wirksamkeit des GATT
Was die Vereinigten Staaten auf dem Gebiet des Außenhandels unternehmen, kann wesentlich dazu beitragen, die angeschlossenen Länder
zum Festhalten an einem Kurs zu bewegen, der zu einer weiteren Liberalisierung des Außenhandels und zur freien Konvertibilität der Währungen
führt. Die Schaffung des Gemeinsamen Marktes läßt aber noch einen
weiteren bedeutsamen Aspekt hervortreten. Diese neugeschaffene Wirtschaftseinheit macht - wenn wir mit der Entwicklung Schritt halten
wollen - einige tatkräftige Haßnahmen seitens der Vereinigten Staaten
und auch anderer Länder erforderlich.
Die sechs Länder haben die Absicht, einen neuen Apparat für die
Festlegung und Durchführung ihrer Handelspolitik zu schaffen. Dieser
Apparat schließt einen Rat, eine Kommission, einen Gerichtshof und
eine Vollversammlung ein, die als Meinungsforum dienen soll. Die
anderen elf assoziierten Staaten werden sicherlich viele geneinsame
Interessen mit einer solchen Organisation haben und dürften voraussichtlich weitgehend Hand in Hand mit ihr arbeiten.
Angesichts dieser im Fluß befindlichen Entwicklung benötigen
die übrigen, außerhalb des Geneinsamen Marktes stehenden 18 Mitgliedstaaten des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens, zu denen auch
die USA gehören, eine ständige Verwaltungsorganisation, um die Politik,
die Pläne und das Vorgehen der 17 Staaten, die sich voraussichtlich
der neuen Handelsvereinbarung anschließen werden, laufend zu beobachten.
Diese Organisation muß auch über die Organe verfügen, die nötig sind,
um solche Entwicklungen sämtlichen Regierungen der GATT-I.Iitgliedstaaten zur Kenntnis bringen zu können und gleichzeitig ein Forum
für eine alsbaldige Erörterung dieser Entwicklungen bieten. Es liegt
auf der Hand, daß die Schaffung einer derartigen Organisation im
Interesse der amerikanischen Wirtschaft - sowohl des Exports als auch
des Imports - liegt.
Angesichts der vor uns liegenden Entwicklung auf dem Gebiet des
Außenhandels müßten wir die Schaffung der Organisation für Gemeinsamen
Handel (OTC) heute noch vorschlagen, wenn diese nicht schon längst vorge-

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�"AI.IERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Mai 1957

vorgeschlagen worden wäre. Der Präsident hat dies klar erkannt.
Er hat den Kongreß gegenüber nachdrücklich betont, wie notwendig
seine baldige Zustimmung zur Schaffung der OTC ist, damit diese
sobald wie möglich eine erfolgreiche Tätigkeit entfalten kann.
Die OTC wird ein ständiges Forum für die laufende Beobachtung
und Erörterung der Pläne und Maßnahmen der 17 Hitgliedstaaten des
Gemeinsamen Marktes und der Freihandelszone abgeben. Sie wird den
Apparat darstellen, mit dessen Hilfe sich eine Abstimmung der Bestimmungen und allgemeinen Zielsetzungen des GATT mit denen des
Gemeinsamen Marktes und der Freihandelszone bewerkstelligen lassen
wird.
Wir dürfen nichts unversucht lassen, um den Gemeinsamen Markt
und die Freihandelszone mit der GATT abzustimmen. Andernfalls
besteht die große Gefahr, daß sich die angeschlossenen Staaten
als eine völlig selbständige regionale Gruppe absondern und mit
Zöllen und Einfuhrquoten ohne irgendwelche Verpflichtung gegenüber
den übrigen Ländern der Erde ihre eigenen Wege gehen werden.
Auf diese Weise also können wir unsere eigenen nationalen
Interessen am ehesten wahren.
Lassen Sie mich bitte zum Schluß die zwei wichtigsten Gesichtspunkte, die wir hier nun erörtert haben, noch einmal zusammenfassen.
Erstens: Der im Entstehen begriffene Geneinsame Harkt in Europa
und die Freihandelszone sind wichtige neue Faktoren in der Welt der
Wirtschaft. Der künftige Kurs der US-Außenhandelspolitik ist darauf
abgestellt, die sechs Länder und auch andere Staaten dazu zu ermutigen,
ihre Handelsschranken abzubauen und auf einen Welthandel hinzuarbeiten,
der frei von jeglicher Diskriminierung ist und auf multilateraler Basis
beruht.
Zweitens: Die Schaffung der Organisation für Gemeinsamen Handel
(OTC) ist angesichts der Ära, die durch den Gemeinsamen Markt eingeleitet wird, eine Notwendigkeit.
Wir stehen an der Schwelle eines neuen Zeitalters eines expandierenden Welthandels. Unser Anteil an ihm wird sich danach bemessen,
inwieweit Sie als Außenhandelskaufleute und wir als Regierungsbeamte
bei der Nutzung der sich bietenden Gelegenheiten mit Weitblick zu
Werke gehen.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wi,/H5-5.1957

DIE AUSLANDSHILFE DIENT DER SICHERHEIT UND
STÄRKE DER VEREINIGTEN STAATEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die Präsident
Eisenhower am 1. Mai vor Mitgliedern der Amerikanischen Wählerinnenvereinigung gehalten hat. Präsident Eisenhower hat sich mit dieser Rede, in der
er auf die Gefahren einer Kürzung der Auslandshilfe
hinwies, in der gegenwärtigen Auseinandersetzung
zwischen Kongreß und Exekutive um den Haushaltsvorschlag für das Finanzjahr 1958 an die breite Öffentlichkeit gewandt.

Sollten Sie von mir einen Kommentar zur Außenpolitik und zu den
Methoden ihrer Verwirklichung erhoffen, so hieße das, daß Sie eine
Art Marathonveranstaltung erwarten, die sicherlich weit mehr Zeit in
Anspruch nehmen würde als Sie erübrigen können.
Zunächst einmal mö chte ich Ihnen meine aufrichtige Anerkennung
dafür aussprechen, daß Sie sich so sehr für diese Frage interessieren,
Die Außenpolitik übersc hattet praktisch alles, was wir hier im eigenen Lande an Argumenten in die Waagschale der Politik werfen und auch
alles das, was wir als innenpolitische Probleme ansehen. Entweder
ruft sie derartige Prob lerne erst hervor oder gibt ihnen zumindest
ihr besonderes Kolorit, Unsere Verteidigungsanstrengungen in ihren
verschiedensten Formen nehmen allein rund 63$ unseres Staatshaushaltes in Anspruch. Somit wirkt sich jede Steuersenkung und jede Einsparung in unseren Haus haltsausgaben letzten Endes - sofern es sich
um große Beträge handel t - auf unsere Außenpolitik aus und auf die
Problemstellung, der wi r uns auf diesem Gebiet gegenübersehen.
In diesem Zusammenhang muß man sich meiner Meinung nach erst
einmal über einige besondere Fragen klarwerden. Wir wollen den Frieden - ein für allemal und zwar aus sehr plausiblen Gründen. Wir wissen, daß Amerika nur in einer Atmosphäre des Friedens - und zwar
eines gerechten Friedens, auf den wir vertrauen können - eine gedeihliche Entwicklung zu nehmen vermag, so wie wir sie in der Vergangenheit genommen haben. Es ist dies der einzige Weg, der unserem

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

15. Mai 1957

unserem Volk - auf lange Sicht betrachtet - die Befreiung von großen
Lasten und die Chance bringen kann, sich mit seiner ganzen Kraft konstruktiven Zielsetzungen zuzuwenden: dem Bau von Schulen und Krankenhäusern und der Förderung des Allgemeinwohls in jeder nur denkbaren
Weise.
Wir streben nach diesem Frieden aus einer Position der Stärke
heraus. Solange in der Welt noch eine räuberische Macht am Werke ist,
die unsere Regierungsform zu vernichten trachtet, müssen wir stark
bleiben. Das ist nichts anderes als eine Vorsichtsmaßnahme und wirklich der einzig mögliche Weg, uns erfolgreich zu behaupten. Wenn man
mit Menschen zu verhandeln hat, denen einzig Gewalt Respekt abnötigt,
dann muß man auch in der Lage sein, selbst Gewalt zu gebrauchen.
Wir sind uns aber dessen bewußt, daß diese unerlässlichen Anstrengungen
im Grunde negativ und unfruchtbar sind. Somit wird unser Wunsch, uns
dieser Bürde zu entledigen, nur um so verständlicher.
In Ausführung unserer Friedenspolitik haben wir - oder besser,
haben wir mit anderen - vor Jahren die Vereinten Nationen errichtet.
Die Vereinten Nationen waren selbstverständlich in ihren Bemühungen
nicht in jedem einzelnen Falle erfolgreich, das liegt an den Verhältnissen. Sie stellen aber, so wie wir die Dinge ansehen, die größte
Hoffnung auf die Schaffung eines Forums dar, vor dem gegensätzliche
Standpunkte vertreten, Argumente verfochten und notwendig gewordene
Regelungen getroffen werden können, sofern schließlich alle zu der
Einsicht gelangen, daß wir in Frieden miteinander leben müssen. Die
Vereinten Nationen können deshalb mit dazu beitragen, Frieden zu
stiften, und sie können noch mehr zur Aufrechterhaltung eines Friedens
der Gerechtigkeit beitragen, wenn wir erst zu einer praktisch durchführbaren Vereinbarung gelangt sind, die uns eine Verringerung unserer
Rüstungen gestattet.
Ergibt sich ein besonderes Problem, beispielsweise der Suezkonflikt vom vergangenen Herbst, so wird wohl niemand behaupten, daß die
Vereinten Nationen das denkbar wirksamste Instrument zur Beilegung
des betreffenden Streitfalles darstellen. Wollte aber ein Staat wie
der unsrige, der über große Machtmittel verfügt, bei dem Versuch der
Regelung eines derartigen Streitfalles die Vereinten Nationen übergehen, was sollte dann aus der größten Hoffnung der Menschheit auf
Frieden werden?
Man muß die Vereinten Nationen achten, und man muß sich ihrer bedienen, wenn immer dies möglich ist. Aber selbst die Charta der Vereinten Nationen untersagt es den Mitgliedern nicht, Frieden durch
selbständiges Vorgehen zu stiften, ihn zu retten oder wiederherzustellen. Ganz im Gegenteil, in der Charta heißt es ausdrücklich, daß sich
die streitenden Parteien bei Auseinandersetzungen als erste um einen
Ausgleich bemühen sollten. Das kann auch über regionale oder andere
organisierte Bemühungen geschehen, an denen die Vereinten Nationen
nicht teilhaben. Die Vereinten Nationen aber einfach übergehen, das

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15. Mai 1957

das hieße meiner Meinung nach die Zukunft gefährden.
Wir sollten uns aber noch einen weiteren Punkt vor Augen halten:
Die stärkste Kraft, die heute in der Welt und insbesondere in denjenigen Ländern am Werke ist, die wir als wirtschaftlich noch nicht voll
entwickelt bezeichnen, ist der Nationalismus. Ich will damit folgendes
sagen: Der Wunsch, frei zu sein und zu sagen, ich bin Bürger dieses
oder jenes Landes und wir sind ein unabhängiger Staat, ist seit der
berühmten Proklamierung des Selbstbestimmungsrechtes der kleinen Völker durch Präsident Wilson wie ein mächtiger Strom angeschwollen. Das
bedeutet: Sie wollen unabhängig bleiben und sie glauben, daß ihnen
das auch gelingen wird, gleichgültig, welche Mittel auch immer sie zur
Erreichung dieses Zieles anwenden müssen.
Eine der Vorbedingungen für die Wahrung der politischen Unabhängigkeit ist eine wirtschaftliche Basis, von der aus sich die Unabhängigkeit aufrechterhalten läßt. Die Entschlossenheit dieser Völker,
ihre Unabhängigkeit zu wahren, ist so stark, daß sie bereit sind, diese Wirtschaftshilfe und das notwendige Investitionskapital von jeder
möglichen Seite anzunehmen. Und wenn wir es nicht geben oder wenn wir
unseren Anteil an der Bereitstellung durch die freie Welt nicht übernehmen, dann werden sich andere finden.
Wir wissen, daß sie nicht mehr lange unabhängig sein werden, wenn
sie sich an andere wenden. Das wissen sie aber nicht.
Es ist erstaunlich, wie oft wir gerade von den Bürgern jener Länder, die wir zu den unterentwickelten Gebieten zählen, mit Rußland
verglichen werden, wobei sich diese Menschen fragen: Wer ist stärker,
wer hat recht, wer versucht, uns unter seine Herrschaft zu bringen,
wer versucht, Gewalt anzuwenden und wer versucht, einen Krieg vom
Zaun zu brechen?
Wir wissen, daß wir den Frieden wünschen. Wir wissen, daß in unserem Lande das Volk regiert. Eine Regierung, die nur mit Zustimmung
der Regierten regiert, bricht keinen Krieg vom Zaun, da ja eben diese
Menschen einen eventuellen Krieg auszufechten hätten, bei denen die
Entscheidung liegt.
Im Falle von Diktaturen trifft dies nicht zu. Aber die'Bewohner
anderer Staaten verstehen dies nicht. Ich wurde schon von sehr hochgestellten Regierungsvertretern aus solchen Ländern gefragt, warum
ich nicht so oder so handele, beispielsweise nicht einfach eine bestimmte Zeitschrift verbiete und warum ich dies oder jenes getan
oder nicht getan habe? Und meine Erklärungen - die meiner Meinung
nach sehr überzeugend sind - besagen für sie oftmals anscheinend
überhaupt nichts.
So sagte mir einmal ein Mann: "Wenn Sie unser Freund wären,
dann würden Sie so oder so handeln." Es fehlt solchen Menschen einfach das Verständnis für die Sachlage, und so begreifen sie auch
nicht, daß unsere Regierung ihrem Wesen nach immer um den Frieden

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15. Mai 1957

Frieden bemüht sein muß, und daß die Diktatur allein das wahnwitzige
Abenteuer eines Krieges wagen kann.
Alle diese Dinge gilt es zu berücksichtigen, wenn wir den Gegensatz erörtern, der zwischen der Sicherheit unseres Landes und dem
Wunsch besteht, mehr Geld in der eigenen Tasche zu behalten, um es
nach eigenem Gutdünken auszugeben, statt es dem Staat zur Bestreitung
seiner Ausgaben zu geben. Und gerade für diesen letzteren Wunsch habe
ich vollstes Verständnis und ich täte nichts lieber als dieses Amt
eines Tages aufzugeben, nachdem es mir gelungen ist, eine noch größere
Steuersenkung vorzunehmen als diejenige, die wir 1954 vornehmen konnten.
Neulich unternahm ich mit einigen Freunden einen Flug. Sie fingen
an, unsere Bemühungen auf außenpolitischem Gebiet zu kritisieren und
meinten, daß wir gerade dort eine Menge Geld einsparen könnten. Zunächst
sei noch daran erinnert, daß hinter der Auslandshilfe keinerlei Interessenvertretung in den Wahlbezirken steht. In dieser Frage hängt
alles von der Einsicht des amerikanischen Volkes ab, nicht aber von
selbstsüchtigen Interessen.
Und sie erklärten mir: "Sie sagen, daß Sie bemüht sind, sparsam
zu wirtschaften und Geld einzusparen, dabei geben Sie dieses Geld anderswo aus, während ein Farmer aus Texas, der von der Dürre schwer heimgesucht worden ist, noch nicht einmal genug Maismehl und auch sonst
keine richtige Unterstützung erhält."
"Lassen Sie mich das", so erwiderte ich, "mit einfachen Worten
klarlegen. Wir fliegen hier in diesem Flugzeug( und wir wollen einmal
annehmen, es gehöre uns. Wir haben uns über die Betriebskosten informiert und sind zu dem Ergebnis gekommen, daß wir zuviel dafür aufwenden. Nun wollen wir also Geld sparen. Dabei fällt uns auf, daß wir zwei
Stewards an Bord haben. Wir überlegen uns, daß einer eigentlich genug
sein müsse, und so entlassen wir einen von beiden.
Dann einigen wir uns, daß wir mit der Maschine keine so weiten
Strecken mehr zurücklegen wollen. Somit braucht das Flugzeug auch
keinen so großen Brennstoffvorrat mehr, und wir können abermals Geld
sparen, indem wir einen Brennstofftank ausbauen und dafür mehr Nutzfracht mitnehmen. Wir wollen auch noch darauf verzichten, die Maschine
bei Schlechtwetter einzusetzen, und so können wir den Beobachter,
einen sehr erfahrenen Mann, entlassen und seine Aufgaben dem zweiten
Piloten übertragen. Und dann werden wir auch noch an der Ausstattung
einsparen. Wir werden die Bodenmatten herausnehmen und so weiter.
Bisher hatten wir auf alle diese Dinge Wert gelegt. Nunmehr aber,
seit wir herausgefunden haben, wieviel dies alles kostet, wollen wir
darauf verzichten. Dabei sind wir mit unseren Einsparungen längst nicht
zufrieden." Schließlich kommt einer auf die kluge Idee: "Bauen wir
doch einen der Motoren aus, dann brauchen wir nicht mehr so viel Brennstoff."
Und damit sind wir wieder bei der Auslandshilfe. Die Auslandshilfe ist eine der treibenden Kräfte unserer Politik, sie bringt uns

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15. Mai 1957

uns voran in dieser Welt und gibt der Entwicklung einen stetigen Kurs.
Und so.erklären die übrigen Passagiere: "Einen Motor auszubauen,ist
doch Wahnsinn. Fällt einmal ein weiterer Motor aus, wenn wir gerade
über dem Meere sind, so haben wir damit wahrscheinlich auch unsere gesamte Kraftreserve verloren und sacken dann ab. Damit sind wir in eine
Notlage geraten und haben keine Möglichkeit mehr, uns selbst zu helfen."
Die Auslandshilfe, meine Damen, wird mit dem Ziel durchgeführt,
die Sicherheit und Stärke der Vereinigten Staaten zu erhalten. Sie
verhindert die Isolierung der USA als eines prosperierenden, reichen
und mächtigen Landes. Wir würden in eine isolierte Position geraten,
wenn wir uns weigerten, den Entwicklungsländern bei der Durchsetzung
ihrer rechtmäßigen nationalen Ambitionen zu helfen, bei der Erreichung
ihrer nationalen Unabhängigkeit und der Schaffung einer wirtschaftlichen
Basis, die die Wahrung dieser nationalen Unabhängigkeit gestattet.
Darum und nur darum geht es.
Man kann meiner Meinung nach nicht in Freiheit leben und es gleichzeitig zulassen, daß die Freiheit bis auf unsere eigenen Küsten zurückgedrängt wird und dann lediglich noch in den Vereinigten Staaten fortbesteht. Das ist nicht möglich, dazu sind die Völker der Erde viel zu
sehr voneinander abhängig.
Nun möchte ich keineswegs auch nur eine Sekunde behaupten - und
das erinnert mich daran, daß meine Rede schon recht lang geworden ist -,
daß sämtliche dafür aufgewandten Mittel eine vernünftige Investition
darstellen. Ich weiß von jenen Zeitungsartikeln, in denen berichtet
wurde, daß in Persien oder irgendwo anders Waren gekauft worden sind,
für die, wie sich später erst herausstellte, überhaupt keine Verwendungsmöglichkeit bestand, weil die Menschen dort noch nicht einmal
wußten, wie man eine Hacke benutzt, und noch anderes mehr. Es ist nur
natürlich, daß auch Fehler begangen wurden, denn wo Menschen handeln,
wird es immer Fehler geben. Oftmals ist man mit zu großer Hast zu Werke
gegangen oder man war von der Vorstellung gepackt, man könne durch
Geld Freunde erkaufen und erhalten. So geht es natürlich nicht.
Wir können aber diesen Völkern sehr wohl durch unsere Haltung
und durch einige Investitionen helfen. Es ist gefährlich, eine allzu
enge Parallele zwischen unseren eigenen Erfahrungen und denen einiger
dieser Länder ziehen zu wollen. Sie müssen bedenken, daß wir, als wir
in der Zeit der Erschließung unseres Landes Investitionskapital in
Form von Krediten aus dem Ausland hereinnahmen, über reiche natürliche
Hilfsquellen verfügten. Jene Kredite waren praktisch nur eine Hypothek
auf unsere reichen Hilfsquellen. Unser Land war nur sehr dünn besiedelt.
In der Zwischenzeit hat unsere Bevölkerung in einem unseren Hilfsquellen entsprechenden Maße zugenommen. Diese Entwicklung vollzog sich unter Bedingungen, die uns die größte Wirtschaftsblüte eingebracht haben,
die je ein Staat mitgemacht hat.

Jene

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15. Mai 1957

Jene anderen Staaten sind zum Teil weit über das Maß hinaus bevölkert, das ihren natürlichen Hilfsquellen entspräche - und ohne
jegliche Finanzreserve. Wie soll man in jenen Ländern das Kapital
aufbringen, das zum Bau von Straßen, Eisenbahnlinien und Nachrichtenverbindungen benötigt wird, zur Beschaffung jener Dinge also, die die
Voraussetzung dafür bilden, daß ein Volk auf eigenen Füßen stehen kann?
Und gerade dazu wollen wir diesen Völkern verhelfen, da wir an den
Frieden glauben.
Wir glauben an den Frieden. Und wir glauben daran, daß es um so
weniger Kriege geben wird, ein je höheres Maß an Selbstregierung diese Völker erringen und'je mehr die Entscheidung über das Weltgeschehen
in die Hände jener Menschen gelegt wird, die gegebenenfalls einen Krieg
auszufechten hätten. Das ist unser fester Glaube.
Und damit komme ich. zu dem eingangs geäußerten Gedanken zurück,
wie sehr es mich freut, daß Sie hier so großen Anteil an diesen Fragen
nehmen. Wenn das amerikanische Volk diese einfachen Wahrheiten nicht .'versteht,
die ich heute morgen hier in so groben Umrissen aufgezeigt habe, und wenn
es nicht dazu beiträgt, ihnen zum Durchbruch zu verhelfen, dann ist die
Zukunft keineswegs so rosig wie sie sein sollte.
Wenn die Amerikaner diese Dinge aber wirklich
werden sie auch einsehen, daß es das kleinere Übel
wir heute Geld opfern; denn die Alternative könnte
sere Söhne auf dem Schlachtfeld opfern müssen. Und
wir verhindern.

begriffen haben, dann
wählen heißt, wenn
heißen, daß wir ungerade das wollen

Aus diesen Erwägungen heraus sollten wir bei unseren Bemühungen
um Einsparungen unser Augenmerk auf den äußeren Aufwand, eine etwaige
Erhöhung des Personalstandes und all jene anderen Dinge richten, die
v/ir gefordert haben, sofern wir glauben, ein solches Vorgehen sei ohne
Gefährdung der Sicherheit möglich und uns selbst gegenüber gerecht und
fair. Wir dürfen aber keineswegs die Motoren unseres Staatsschiffes
über Bord werfen.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Wi./15Q.1957
DAS PROGRAMM FÜR GEMEINSAME SICHERHEIT IN SEINER NEUEN FORM

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der stellvertretende Staatssekretär für wirtschaftliche Angelegenheiten im U.S.-Außenministerium, John
Dillon, am 2.Mai 1957 in Harriman (New York)
vor der "American Assembly" gehalten hat.
Im vergangenen Jahr sind unsere Programme für Geneinsame
Sicherheit von verschiedenen Seiten einer kritischen Überprüfung
unterzogen worden. Ihre gegenseitige Verflechtung machte es dem
amerikanischen Volke schwer, eine klare Vorstellung von diesen
Programmen zu gewinnen. Fälschlicherweise ist in verschiedenen
Kreisen der Eindruck entstanden, die Vereinigten Staaten seien
in dem Versuch, anderen Ländern einen Gefallen zu tun und unter
Außerachtlassung ihrer eigenen Interessen dabei, etwa 4 Milliarden
Dollar amerikanischer Steuergelder im Jahr wegzuschenken.
Selbstverständlich entspricht dies nicht den Tatsachen; es
ist aber keineswegs zu leugnen, daß dies heute viele Amerikaner
glauben.
Vielfach hat sich auch das Gefühl verbreitet, daß unsere
Wirtschaftshilfeprogramme nicht so wirksam durchgeführt werden,
wie es notwendig wäre, und daß staatliche Mittel im Ausland verschwendet worden sind.
Das alles hat Anlaß zu einer umfassenden und gründlichen
Überprüfung unserer Programme für Gemeinsame Sicherheit gegeben.
Das ist nur zu begrüßen, handelt es sich doch um komplizierte und
kostspielige Programme.
Solche Überprüfungen wurden vorgenommen von einer vom Präsidenten eingesetzten Kommission, einem Beratenden Ausschuß des
Präsidenten, dem außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses,
einem Sonderausschuß des Senats und den zuständigen Bundesbehörden.
Universitäten, Wirtschaftskreise und Forschungsinstitute haben sich
mit diesen Fragen beschäftigt und sie erörtert. Die heutige Sitzung
der American Assembly stellt nur einen der zahlreichen ernsthaften
Versuche seitens privater Gruppen dar, die richtige Antwort auf diese
für die Zukunft des amerikanischen Volkes so wichtige Frage zu finden»
Kurz

�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

15- Mai 1957

Kurz gesagt, solche Überprüfungen sind nicht nur durch amtliche Stellen in Washington erfolgt; es haben sich viel mehr auch
zahlreiche hervorragende private Bürger unseres Landes eingeschaltet,
von denen einige der klügsten heute hier unter uns weilen.
Wir hoffen gerade angesichts dieses regen Interesses von amtlicher
und privater Seite, daß sich ein Weg finden läßt, um das Programm neu
abzustecken, es klarzustellen und zu vereinfachen, damit das amerikanische Volk die Überzeugung gewinnen kann, daß wir die richtigen Ziele
mit den richtigen Methoden anstreben.
Gibt es nun irgendwelche allgemeinverbindliche Richtlinien, die
sich aus all diesen Überprüfungen und Überlegungen herleiten ließen?
Genießt es die generelle Unterstützung des Volkes? Diese Fragen sind
mit einem klaren Ja zu beantworten. Aus allen Berichten und Studien
ergeben sich zwei allgemeine Folgerungen; sie sind übereinstimmend
vorhanden, wenn auch einmal mehr, einmal weniger deutlich ausgedrückt.
Als erste und wichtigste Folgerung ergibt sich die Übereinstimmung
darüber, daß die Fortsetzung eines Programms der Gemeinsamen Sicherheit
im Interesse der Vereinigten Staaten liegt, und daß wir ein solches
Programm auf lange Zeit fortsetzen sollten. Solange es einen internationalen Kommunismus in seiner heutigen Form gibt und dieser unsere
Existenz gefährdet, sei es durch die direkte militärische Bedrohung,
sei es auf dem Wege der wirtschaftlichen Durchdringung oder umstürzlerischer Umtriebe, und solange die ungestümen Forderungen nach wirtschaftlichem Fortschritt in den unterentwickelten Gebieten die freien
und demokratischen Institutionen in diesen Ländern in ihrer Existenz
bedrohen, solange müssen wir das Programm für Gemeinsame Sicherheit
in der, einen oder anderen Form v/eiterführen.
Als zweite allgemeine Folgerung ergibt sich aus allen Überprüfungen die Notwendigkeit, mehr als bisher Klarheit über das Wesen des
Programms für Gemeinsame Sicherheit zu schaffen. Sowohl die Ziele des
Programms als auch die Methoden, die wir zur Erreichung dieser Ziele
anwenden, müssen des weitgehenden Verständnisses des amerikanischen
Volkes sicher sein, wenn die Unterstützung der breiten Masse gewonnen werden soll.
Worauf sind nun die Unklarheiten zurückzuführen, die über das
Programm für Gemeinsame Sicherheit bestehen? Die Antwort darauf ist
einfach. In der Vergangenheit haben wir unter der Bezeichnung Gemeinsame Sicherheit eine Anzahl der verschiedensten Programme zusammengefaßt, einen umfangreichen Komplex der unterschiedlichsten Vorhaben.
So hat man zum Beispiel in den vergangenen sechs Jahren unter
Gemein-ümer Sicherheit die Lieferung von 44 000 Geschützen, 40 000
Panzern und Sturmgeschützen und 7000 Flugzeugen an die Streitkräfte
unserer Verbündeten, als auch die Gewährung von Anleihen zum Bau von
Staudämmen, Straßen und Hafenanlagen verstanden.
Man hat darunter ferner die technische Unterstützung verstanden, in
deren Rahmen Aufklärungsaktionen über die beste Art des Pflügens oder die
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15. Mai 1957

die Moskitobekämpfung zur Eindämmung der Malaria durchgeführt
wurden.
Alle diese Projekte, die Ausgaben in Höhe von etwa 4 Milliarden
Dollar verursachen, sind in unserem Staatshaushalt unter einem
Titel zusammengefaßt. Es war für das amerikanische Volk sehr
schwierig, wenn nicht unmöglich, sich ein genaues Bild darüber
zu machen, welche Summen davon für militärische Zwecke, welche
für langfristige Investitionen und welche für technische Unterstützungen oder unvorhersehbare Ausgaben bestimmt waren.
Y/egen der Vielschichtigkeit des Programms ist die in der
Öffentlichkeit hervorgerufene Verwirrung leicht begreiflich.
Deshalb sind wir jetzt nach Kräften bemüht, bessere Methoden zu
entwickeln, um das Verständnis des amerikanischen Volkes für das
Programm zu wecken, ihm seine Ziele auseinanderzusetzen und gleichzeitig die Verantwortung für die verschiedenen Teile des Programms
denjenigen Stellen zuzuweisen, die ohnehin für die entsprechenden
Vorhaben zuständig sind.
Die Grundzüge dieses neuen Kurses wurden zuerst am 8.April
von Außenminister Dulles dargelegt, als er vor dem Sonderausschuß
des amerikanischen Senats aussagte. Noch im Laufe dieses Monats
wird der Präsident die betreffenden Vorschläge fertigstellen und dem
Kongreß unterbreiten.
Heute abend möchte ich Ihnen gern einen kurzen Überblick über
unsere Auffassungen geben.
Lassen Sie mich zunächst auf den militärischen Teil des Programms
für Gemeinsame Sicherheit eingehen. Er ist bei weiten der unfangreichste. Hinsichtlich der Aufwendungen sind hier zwei Kategorien zu unterscheiden.
Die erste schließt die militärische Ausrüstung - Geschütze,
Panzer, Flugzeuge und so weiter - ein, die von uns an Korea, Vietnam,
Nationalchina, die Türkei und andere militärische Verbündete geliefert wurden.
Die zweite umfaßt die Unterstützung an Länder, die in Interesse
unserer gemeinsamen Sicherheit Streitkräfte in einer Stärke unterhalten, die über das Maß hinausgeht, das sie aus eigener Kraft aufzubringen vermögen. Diese zweite Form der Unterstützung wird von
uns als Verteidigungshilfe bezeichnet. Ein gutes Beispiel für diese
Verteidigungshilfe ist die wirtschaftliche Unterstützung, die wir
der Republik Korea gewähren, um zum Unterhalt von 20 Divisionen koreanischer Truppen beizutragen, die einen so wichtigen Teil unserer gemeinsamen Verteidigung gegen die rotchinesische Bedrohung bilden.
Etwa 2 Milliarden Dollar oder die Hälfte der gegenwärtigen Bewilligungen für das Programm für Gemeinsame Sicherheit werden für
militärische Ausrüstung verv/endet • Eine knappe Milliarde Dollar wird
im Jahr für die Verteidigungshilfe benötigt. Von dieser 1 Milliarde

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15. Mai 1957

1 Milliarde erhalten unsere NATO-Verbündeten keinen einzigen Dollar.
Der gesamte Betrag fließt denjenigen Verbündeten zu, die größere
militärische Streitkräfte unterhalten, als sie sich selbst leisten
können. Etwa 3 Milliarden Dollar im Jahr, das sind drei Viertel der
Gesamtaufwendungen für unser Programm für Gemeinsame Sicherheit,
werden also für militärische Zwecke verwendet.
Diese militärische Unterstützung, die für die Ausrüstung und
den Unterhalt starker Streitkräfte benötigt wird, bildet einen unerläßlichen Bestandteil der Verteidigung der freien \7elt und dient zur
Abschreckung eines kommunistischen Angriffs. Der Chef des gemeinsamen
Stabes der US-Streitkräfte, Admiral Radford, umriß das Problem im vergangenen Jahr klar und deutlich, als er erklärte, daß das militärische
Hilfsprogramm ein wesentlicher Bestandteil des Programms des amerikanischen Verteidigungsministeriums sei. Die Aufwendungen zur Unterstützung
unserer Verbündeten unterscheiden sich weder hinsichtlich Zweck, Bedeutung oder Ziel von unseren eigenen militärischen Ausgaben. Die Tatsache,
daß dieser Teil unseres Programms nicht in den Haushalt des Verteidigungsninisteriums einbezogen wurde, erklärt sich aus Verfahrens- und
verwaltungstechnischen Erwägungen und hat keine grundsätzliche Bedeutung.
Wir beabsichtigen nun, das Verfahren zu ändern und von jetzt ab
sämtliche für die militärische Auslandshilfe bestimmten Mittel im Haushaltsplan des Verteidigungsministeriums aufzuführen, damit sie wirklich
als das in Erscheinung treten, was sie sind, nämlich ein Teil des
militärischen Sicherheitsprogramms der Vereinigten Staaten. Wir wollen
vorschlagen, diese Summe von etwa drei Milliarden Dollar aus der Bewilligungsvorlage für Gemeinsame Sicherheit zu streichen und diesen
Betrag dem Haushaltsvoranschlag des Verteidigungsministeriums für die
bewaffneten Streitkräfte der Vereinigten Staaten hinzuzufügen.
Das Verteidigungsministerium hat darüber zu entscheiden, wieviel
mit amerikanischen \7affen ausgerüstete Divisionen notwendig sind,' um
die Republik Korea und andere Gebiete zu verteidigen, in denen wir und
unsere Verbündeten,kommunistischen Streitkräften gegenüberstehen. Es
ist nur logisch, daß das Verteidigungsministerium dem Kongreß und damit
auch dem amerikanischen Volke Rechenschaft über die Ausgaben für die
Ausrüstung und den Unterhalt dieser Divisionen abzulegen hat.
Andererseits ist das Verteidigungsministerium nicht auf die Bewältigung des routinemäßigen Arbeitsanfalls eingerichtet, den die Verwaltung der für den Unterhalt dieser Streitkräfte unserer Verbündeten
benötigten Mittel aus der Verteidigungshilfe mit sich bringt. Obwohl
sie rein militärischen Zwecken dienen, stellen diese Mittel eine Form
der wirtschaftlichen Unterstützung dar« Diese Unterstützung kann aber
am besten über die gleiche Organisation gewährt werden, die auch für die
übrigen Formen der Wirtschaftshilfe zuständig ist. Deshalb soll vorgeschlagen v/erden, die Verwaltung und Vergebung dieser für die Verteidigungshilfe bestimmten Mittel dem Amt für Internationale Zusammenarbeit
(ICA) ZU übertragen, das gegenwärtig die gesamte amerikanische Wirtschaftshilfe verwaltet.
Wenden

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15. llai 1957

V/enden wir uns nun dem rein wirtschaftlichen Teil des Programms
für Gemeinsame Sicherheit zu, der in erster Linie zur Unterstützung
der Entwicklungsländer bestimmt ist. Dabei erhebt sich die Frage,
warum sich die Vereinigten Staaten überhaupt um den wirtschaftlichen
Fortschritt in diesen Ländern kümmern sollen.
Sämtliche im vergangenen Jahr durchgeführten Untersuchungen
stimmen darin überein^ daß es für die Vereinigten Staaten von entscheidender Bedeutung ist, am wirtschaftlichen Aufbau dieser Länder
mitzuwirken und ihnen dabei zu helfen, unabhängig davon, ob sie
militärisch mit uns verbündet sind oder nicht.
Angesichts der sich heute in Asien und Afrika vollziehenden revolutionären Veränderungen ist es leicht begreiflich, warum eine
solche Politik im nationalen Interesse der Vereinigten Staaten liegt.
In den Staaten, die seit Ende des 2.Weltkrieges neu entstanden sind,
leben heute 700 Millionen Menschen, angefangen bei Indien mit einer
Bevölkerung von 400 Millionen bis Libyen mit etwas über 1 Million.
Die meisten dieser Menschen und noch Millionen Menschen in älteren
Staaten leben in primitiven und rückständigen Verhältnissen, doch
haben ihnen moderne Nachrichtenmittel das Wissen um die Tatsache
vermittelt, daß andere Völker auf dem gleichen Planeten unter weit
günstigeren und glücklicheren wirtschaftlichen Bedingungen leben als
sie selbst.- Daher fordern diese Völker von ihren Regierungen eine
Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage, und zwar möglichst rasch.
Y/enn es den unterentwickelten Ländern nicht gelingt, ihrem Ziel
der Verwirklichung ihrer wirtschaftlichen Aspirationen in Freiheit und
Demokratie näherzukommen, dann besteht die ernste Gefahr, daß sie
dem Totalitarismus dieser oder jenerPrägung verfallen, unter dem diese
Menschen in dem Versuch, die vom Staat gesteckten Ziele zu erreichen,
ihrer materiellen Güter und ihrer Freiheit beraubt werden würden.
Das ist also die Lösung, die die Kommunisten.überall in den unterentwickelten Gebieten feilbieten. Sie erklären, daß ihr und nur ihr
System die rasche Verbesserung der wirtschaftlichen Lage bringen könne,
die sie so sehr wünschen* Und sie ergänzen diese Propagandakampagne
durch eine nachdrücklich betriebene Kampagne der wirtschaftlichen
Durchdringung und Unterwanderung, die eine ständige Bedrohung der
Stabilität und des Friedens in diesen weiten und stark bevölkerten
Gebieten der Erde darstellt.
Es dürfte auf der Hand liegen, daß das nationale Interesse der
Vereinigten Staaten am ehesten in einer Welt gewährleistet ist, in
der freie Institutionen den Gang der Ereignisse bestimmen und freie
und demokratische Regierungen das Sehnen des Volkes nach einer Verbesserung seiner wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse ohne Anwendung von Zwang stillen können.
Deshalb sollten wir in unserem Interesse alles tun, was in unseren
Kräften steht, um den Völkern in den Entwicklungsländern zu helfen und
sie damit in die Lage zu versetzen, der kommunistischen Bedrängnis
zu widerstehen. Ein wirtschaftlicher Aufstieg würde es ihnen ferner

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15. Hai 1957

ferner gestatten, sich in stärkerem Maße und zum Nutzen aller - und
damit auch der Vereinigten Staaten - am Welthandel zu beteiligen.
Unser entscheidendes Motiv aber für die Gewährung dieser Art Unterstützung besteht meiner Meinung nach in der Verfolgung unseres wohlverstandenen Eigeninteresses, indem wir zur friedlichen Weiterentwicklung einer Welt beitragen, in der freie und demokratische Institutionen gedeihen können.
Wir glauben, daß die Entwicklung am ehesten durch privates
Kapital, sowohl aus dem eigenen Lande als auch aus dem Ausland, gefördert v/erden kann. Aber in dem Gebiet, über das wir hier sprechen,
ist einfach nicht genügend Kapital für die Verwirklichung all jener
Vorhaben vorhanden, deren Durchführung unerläßlich ist. Auch fehlt
es an Arbeitskräften mit einer ausreichenden technischen Ausbildung.
Uns kommt die Aufgabe zu, das mangelnde Kapital und Wissen beizusteuern. Ganz zwangsläufig wird unser Beitrag gegenüber den Anstrengungen der betreffenden Länder klein sein; wir können aber den
Wachstumsprozeß bis zu jenem Zeitpunkt fördern, an dem diese Völker
über genügend eigenes privates Kapital und über entsprechende Hilfsquellen verfügen, um auf eigenen Füßen stehen zu können. Das wird
natürlich lange Zeit dauern. Aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus
müssen wir uns somit solcher Methoden bedienen, die ein Arbeiten auf
lange Sicht ermöglichen.
Deshalb beabsichtigt die Regierung,die Schaffung eines Fonds
für wirtschaftliche Entwicklung innerhalb der Verwaltung für Internationale Zusammenarbeit (ICA) vorzuschlagen, der eine Institution
von der Art der Export-Import-Bank darstellen würde.
Statt wie bisher jährlich im voraus Dollarbeträge für die Unterstützung der einzelnen Länder festzusetzen und hier in Washington
Pläne für Projekte in aller Welt auszuarbeiten, würden die Regierungen
der fraglichen Länder von sich aus gesunde Pläne ausarbeiten und dann
einen Antrag auf Gewährung von Krediten zur Deckung der Kosten stellen.
Wir würden auf diese Weise genügend Zeit zur sorgfältigen Überprüfung
und Begutachtung der Pläne für die einzelnen Vorhaben gewinnen, da
wir unsere Entscheidung nicht mehr nur von Jahr zu Jahr treffen müßten.

Wir könnten in jedem einzeten Fall je nach Lage der Dinge frei entscheiden.
Wir würden Kredite nur in jenen Fällen gewähren, in denen die Gewähr dafür gegeben ist, daß die betreffenden Vorhaben mit hinreichender
Sachkenntnis angepackt werden und in denen die berechtigte Hoffnung
besteht, daß sie mittelbar oder unmittelbar zur Steigerung der Produktionskapazität des Empfängerlandes beitragen.
Die Aufgaben des Fonds für wirtschaftliche Entwicklung werden
sich nicht mit denen der Weltbank, der Export-Import-Bank und der
privaten Kreditinstitute überschneiden. Es ist vielmehr geplant, daß
er Kredite nur für Vorhaben gewährt, die sieh nachweislich nicht über
andere staatliche Stellen'oder private Geldgeber finanzieren lassen.
Der Fonds für wirtschaftliche Entwicklung würde sich von der Weltbank auch insofern unterscheiden, als die entsprechenden Projekte nicht

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15. Mai 1957

nicht notwendigerweise so geartet sein aussen, daß ihre Verwirklichung
zu einer Steigerung des Außenhandels führen muß, die eine prompte
Rückzahlung der Dollaranleihen sicherstellt. Es wäre damit zu rechnen,
daß bei den meisten der vom Fonds zu gewährenden Kredite Rückzahlbarkeit des größten Teils der Kreditsumme in der Währung des Empfängerlandes vereinbart werden würde. So würde beispielsweise ein an
Indien vergebener Kredit in Rupien zurückbezahlt.
Eine solche Rückzahlbarkeit in Landeswährung würde natürlich
eine Rückzahlung in Dollars nicht ausschließen. So wäre der Fall
denkbar, daß der Fonds einem wirtschaftlich unterentwickelten Land
einen in Landeswährung rückzahlbaren Kredit mit einer Laufzeit von
15 oder 20 Jahren einräumt. Nach Rückzahlung des Kredites könnte man
dieses Geld eventuell abermals demselben Land kreditieren, und es
bestünde dann wohl die berechtigte Hoffnung, daß sich die wirtschaftliche
Situation des Empfängerstaates inzwischen so weitgehend gebessert hat,
daß er diesen zweiten Kredit mindestens zum Teil in Dollars zurückzuzahlen vermag. Auf diese V/eise würde der größte Teil dieser auf Devisenbasis vereinbarten Kredite schließlich in Dollars zurückbezahlt werden.
Das entscheidende Charakteristikum des Fonds für wirtschaftliche
Entwicklung, in dem er sich von den gegenwärtigen Praktiken unterscheidet
besteht darin, daß er - ähnlich wie die Export-Import-Bank - eine ständige und nicht zu eng gefaßte Vollmacht zur Betätigung in aller Welt
hätte. Es entfiele für ihn die Verlängerung seiner Befugnisse von
Jahr zu Jahr. Damit wäre der Fonds in der Lage, genau wie ein Unternehmer, ein Bankier, der Präsident einer Universität oder ein Farmer,
in die Zukunft zu planen. Das Ergebnis müßte eine weit v/irksamere und
zweckmäßigere Verwendung der von den Vereinigten Staaten für derartige
Vorhaben bereitgestellten Mittel sein.
Die Export-Import-Bank kann Kredite nur dann gewähren, wenn damit
eine Förderung der amerikanischen Ausfuhren bewirkt wird« Ihre Kredite
sind nur in Dollars rückzahlbar. Der neue Fonds würde die Tätigkeit
der Export-Import-Bank und der Weltbank ergänzen.Er würde auch ermächtigt sein, Zusatzkredite zu Vorhaben zu gewähren, an deren Verwirklichung die genannten Institute beteiligt sind.
Wie Außenminister Dulles bereits gesagt hat, ist damit zu rechnen,
daß der neue Fonds Kredite von jährlich rund 750 Millionen Dollar vergeben wird« Im kommenden Finanzjahr, in dem der Fonds seine Tätigkeit
aufnehmen soll, werden sie voraussichtlich weit hinter dieser Zahl
zurückbleiben.
Neben^den Mitteln für militärische Aufgaben und für Zwecke der
wirtschaftlichen Entwicklung enthält das Budget des Programms für
Gemeinsame Sicherheit in Höhe von rund 4 Milliarden Dollar noch weitere 500 Millionen Dollar» Diese Mittel würden für die Deckung der
Ausgaben für Verwaltung sowie für das technische Hilfeprogramm und
unsere Beiträge zu internationalen Institutionen und Vorhaben wie das
Internationale Kinderhilfswerk und die Flüchtlingshilfe verwendet werden.
Sie würden es uns ferner gestatten, bei Auftreten irgendwelcher Notstände, die eine solche Unterstützung angebracht erscheinen lassen,
nichtrückzahlbare Zuwendungen zu gewähren und unterstützungsbedürftigen

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15. Hai 1957

unterstützungsbedürftigen Ländern, denen eine anderweitige Beschaffung
von Krediten nicht möglich ist, eine eng begrenzte Finanzhilfe zukommen zu lassen.
Das wichtigste an allen diesen Dingen ist, daß das amerikanische
Volk erfährt, daß der Betrag, den wir für technische Hilfe und für jene
Fälle vorschlagen, in denen noch immer Beihilfen notwendig sind, unter
500 Millionen Dollar im Jahr liegt und damit nur einen geringen Prozentsatz unseres Gesamtbudgets ausmacht.
Durch dieses neue Programm, das ich hier in seinen Grundzügen
umrissen habe, hoffen wir drei Dinge zu erreichen:
Erstens: Durch eine Zusammenfassung der Verantwortung für die
Ausgabenpolitik auf dem militärischen Sektor des Programms im Verteidigungsministerium, wo sie ohnehin hingehört, werden wir sicherstellen, daß unsere militärischen Programme bei gebührender Rücksichtnahme auf die Erfordernisse unserer nationalen Sicherheit mit größtmöglicher Sparsamkeit durchgeführt werden.
Zweitens: Durch die Überführung unserer Programme zur wirtschaftlichen Entwicklung auf eine Kreditbasis durch eine Planung auf lange
Sicht und durch die Verwaltung nach streng wirtschaftlichen Grundsätzen
werden wir eine wirksamere und zweckmäßigere Verwendung dieser Mittel
sicherstellen, so daß das amerikanische Volk das Bewußtsein haben kann,
es werden keine Gelder verschwendet.
Drittens: Wir werden - und das ist das wichtigste - unserem Volk
zeigen können, wofür und warum sein Geld ausgegeben wird.
Durch derartige und, meiner Meinung nach, nur derartige Methoden
können wir hoffen, ein vernünftiges Programm für Gemeinsame Sicherheit mit einem maximalen Wirkungsgrad fortzuführen. Zum Schluß
möchte ich schnell noch an eines erinnern: Dieses Programm ist
ein unerläßlicher Bestandteil unserer Sicherheitsbestrebungen, aus
denen uns eines Tages ein echter Friede erwachsen soll.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Alle./15.5.1957
DULLES ERSUCHT KONGRESS Uli ZUSTIMMUNG ZUM BEITRITT
DER USA ZUR INTERNATIONALEN ATOMBEHÖRDE
WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Y/ortlaut einer Erklärung, die
US-Außenminister John Poster Dulles am 10.
Mai 1957 vor dem Außenpolitischen Senatsausschuß abgegeben hat.

Vor dreieinhalb Jahren, am 8.Dezember 1953* hat Präsident
Eisenhower seinen aufrüttelnden Appell zur Nutzung der Atomenergie für friedliche Zwecke an die V/elt gerichtet. In seiner
Ansprache vor der Generalversamulung der Vereinten Nationen
schlug der Präsident vor, "einen V/eg zu suchen, auf dem des
Menschen wunderbare Erfindergabe nicht zu seiner Vernichtung
gebraucht, sondern seinem Leben geweiht wird." Zu diesem
Zwecke regte er die Schaffung einer internationalen Behörde
zur Zusammenfassung spaltbaren Materials und einschlägiger
technischer Kenntnisse an, deren Aufgabe es sein sollte, die
Nutzung der Atomenergie für friedliche Zwecce zu fördern.
Sein Vorschlag war eine tatkräftige Inangriffnahme der
Probleme, die sich im Zusammenhang mit der Freisetzung der
Kernenergie ergeben hatten. Im Jahre 1946, als die Vereinigten
Staaten das Atom-Monopol hatten, machten wir den ersten Versuch,
das Atom unter Kontrolle zu bringen. Der Baruch-Plan war geeignet, der Herstellung von Atomwaffen in der Ueise ein Ende zu
setzen, daß die gesamte Freisetzung ..von Kernenergie unter internationale Kontrolle gestellt worden wäre. Dieser Plan hatte das
Ziel, die Völker dieser Erde vor der Vernichtung durch einen
Krieg mit Atomwaffen zu bewahren. Sieben Jahre lang hat die
Sowjetunion jeden Fortschritt auf diesem V,rege verhindert, indem sie sich weigerte, ihre Zustimmung zu einer Inspektion
und Kontrolle in diesem Bereich zu geben. Es ließ sich bis jetzt
noch kein Ausweg aus dieser Sackgasse finden. Angesichts dieses
geradezu niederdrückenden Verhandlungsklimas kam Präsident Eisenhowers Vorschlag über die Schaffung einer Atombehörde für friedliche Aufgaben wie ein Hoffnungsstrahl. Er wurde deshalb von aller
V/elt mit Beifall aufgenommen.
In

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15' Hai 1957

In der seit der Bekanntgabe dieses Vorschlags verstrichenen
Zeit hat sich nur noch eindeutiger gezeigt, wie notwendig eine solche
Behörde ist. Die Bemühungen um die Erzeugung von elektrischem Strom
durch Umwandlung von Atomenergie haben große Erfolge gezeitigt. Das
eigentliche Experimentierstadium ist abgeschlossen. Atomkraftwerke
werden morgen eine Realität sein, ja, einige befinden sich bereits
im Bau. Der Energiebedarf steigt sprunghaft. Immer mehr Menschen
wenden ihre Aufmerksamkeit der Erforschung der Gewinnung von
Energie aus dem Atom zu.
Gleichzeitig wächst aber auch das Bewußtsein für einige der
Gefahren, die dieser Portschritt in sich birgt. Bei der Gewinnung
von Strom durch die Freisetzung von Kernenergie wird meines Wissens
bei Anwendung der derzeitigen Verfahren für Kernwaffen verwendbares
Spaltmaterial gewonnen, das bei Fehlen einer Kontrolle und Inspektion
auf diesem Gebiet sehr leicht seinen Weg in die Kriegsarsenale
nehmen könnte. Die Erzeugung von Atomstrom bedingt auch den Anfall
von Abfallprodukten, die die Gesundheit und die allgemeine Sicherheit zu gefährden geeignet sind. Heute ist der Schutz gegen die unvermeidlichen Begleiterscheinungen des Atomzeitalters noch weit
wichtiger geworden.
Die Satzungen der Internationalen Atomenergiebehörde sind so
gehalten, daß diesem Schutzbedürfnis Rechnung getragen wird. Ausgangspunkt ist der Vorschlag des Präsidenten. An der eigentlichen
Ausarbeitung der Statuten beteiligten sich rund 80 Staaten. Unter
ihnen waren Länder auf jeder Stufe der wirtschaftlichen Entwicklung
und jeder politischen und kulturellen Schattierung. Trotz der Notwendigkeit, diese unterschiedlichen Interessen miteinander in Einklang zu bringen, wurden, in den Statuten sämtliche Elemente des
Vorschlags des Präsidenten dem Geist und Buchstaben nach ohne eigentliche Abstriche beibehalten.
Die Tatsache, daß so viele Staaten den Text der Statuten auf der
New Yorker Konferenz vom vergangenen Herbst einstimmig gebilligt haben, legt Zeugnis für die Richtigkeit der ursprünglichen Konzeption
ab. Zunächst einmal reagierte die Sowjetunion auf diese Vorschläge
negativ. Angesichts des offenkundigen V/unsches der ganzen Welt aber
hat die Sowjetunion inzwischen ihre Bereitwilligkeit zur Hitarbeit
in der Atombehörde bekundet. Sie versucht sogar, mit uns in einen
Wettstreit um die führende Rolle in diesen Bestrebungen einzutreten.
Bei der Ausarbeitung des Vertragstextes und bei den Verhandlungen
hielten sich die Vereinigten Staaten an ihre große Tradition, ihr
Eigeninteresse mit dem V/ohl der gesamten Menschheit auf einfallsreiche V/eise zu identifizieren.
Nunmehr wende ich mich den konkreteren Aspekten dieser Angelegenheit zu.
II

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�J3IKA DIENST"

15» Hai 1957
II

Welche Vorteile bietet diese Behörde den Vereinigten Staaten
und anderen Ländern?
Erstens: Die Atombehörde wird die Erschließung der Atomkraft
für friedliche Zwecke beschleunigen. Die Geschichte der Atomphysik
zeigt eindeutig, daß Menschen aus vielen Ländern zur Erreichung des
gegenwärtigen Standes der Entwicklung beigetragen haben. Ein Forum,
wie es die Internationale Atombehörde darstellen wird, für den gegenseitigen Austausch von Informationen über neue Entdeckungen und Erfindungen unter den Völkern wird der Erschließung der Atomkräfte für
friedliche Zwecke einen gewaltigen Auftrieb geben.
Zweitens: Die Internationale Atombehörde wird ein wirksames
System von Sicherungen aufweisen, die die Erschließung der Atomkraft
unter gebührender Rücksichtnahme auf die allgemeine Sicherheit gewährleisten.
Eine weitere Verbreitung der Kerntechnik und entsprechender Anlagen liegt auch in unserem eigenen Interesse. Eine rasche und unkontrollierte Erschließung der Atomenergie in allen Teilen der Y/elt
beschv/ört aber das Schreckgespenst von Kernwaffen herauf, die schließlich einmal allenthalben als Nebenprodukte der Atomkraftwerke hergestellt werden können. Soll dies verhütet werden, so ist ein wirksames Sicherungssystem erforderlich. Die Atomkraftwerke werden gebaut
werden. Die Frage ist lediglich, ob ihre Verbreitung überall auf der
Erde im Interesse aller überwacht wird oder nicht.
Kein Land kann allein von sich aus die Verbreitung von Atomkraftwerken kontrollieren. In unseren zweiseitigen Abkommen bauen wir nunmehr auch Sicherheitsbestimmungen ein, einschließlich einer Inspektion
durch amerikanische Beobachter, um eine mißbräuchliche Verwendung von
Kernmaterial auszuschließen. Das ist aber nur eine kurzfristige Lösung.
Souveräne Staaten sind wohl bereit, ein internationales Sj^stem mit
breiter Anwendbarkeit zu akzeptieren; sie werden aber sicher nicht
lange willens sein, ihre Elektrizitätsversorgung unter eine ständige
Überwachung von Technikern zu stellen, die ausschließlich den Interessen eines anderen Staates dienen. Y/enn wir auf lange Sicht einen
sicheren Auslandsmarkt für unser Kernmaterial und unsere Kerntechnik
wünschen, dann muß ein internationales Sicherheitssystem geschaffen
werden, das die Gewähr dafür bietet, daß unsere diesbezüglichen Exporte
nicht neue militärische Gefahren heraufbeschwören.
Das Sicherungssystem, das der Vertrag über die Schaffung der Internationalen Atombehörde aufweist, ist das gleiche wie das amerikanische
Sicherungssystem, das in unseren zweiseitigen Abkommen vereinbart wird«
Bei der Aushandlung des Vertrages wurden keinerlei Kompromisse bezüglich
der Substanz dieser Sicherungen geschlossen. Tatsächlich ist das in der
Endfassung des Vertrages enthaltene Sicherungssystem noch umfassender
als das der ursprünglichen Vertragsentwürfe.
Dieser Vertrag wird den amerikanischen System von Sicherheiten

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15. Hai 1957

Sicherheiten weltweite Bedeutung verschaffen. Wir dürfen mit einigen
Recht hoffen, daß das amerikanische System eines Tages von der ganzen
Welt akzeptiert wird. Auf jeden Fall wird es für sämtliche Länder bezüglich aller Projekte bindend sein, die eine Unterstützung durch
die Atombehörde erfahren sollen.
Drittens: Die Frage des Gesundheitsschutzes und der Betriebssicherheit. 'Vir wissen, daß mit der Nutzung der Atomkraft bei unsachgemäßem Verhalten Risiken und Gefahren verbunden sind. Die
Atombehörde ist auch die geeignete Institution, internationale
Normen für die ständig steigende Zahl von Menschen, die in Atomanlagen arbeiten oder in ihrer Umgebung wohnen, aufzustellen und
zu überwachen.
Viertens: Die Atombehörde wird die Möglichkeit zur Beseitigung
von Engpässen in der Beschaffung von geeigneten Arbeitskräften bieten,
die andernfalls der friedlichen Nutzung der Atomkräfte Grenzen setzen
würden. Technisches Personal ist knapp. Sollte man eine Lösung auf
rein bilateraler Basis anstreben, so würde dies eine sehr ernste Belastung des amerikanischen Arbeitsmarktes bedeuten. Die Atombehörde
kann dafür Sorge tragen, daß die gegenwärtig verfügbaren Fachkräfte
in möglichst zweckmäßiger Form eingesetzt werden und daß durch eine
Koordinierung der Ausbildung der Bestand an technischen Kräften und
\7issenschaftlern laufend zunimmt.
Fünftens: Die Atonbehörde kann dazu beitragen, uns dem Ziel
einer Kontrolle über die Kernwaffen näherzubringen. Wir haben seit
Jahren versucht, in dieser schwierigen Frage zu einer Übereinkunft
zu gelangen. Der springende Punkt war stets die Frage der Kontrollen.
Im Falle der Atombehörde hat sich die überwältigende Mehrheit der
Staaten erstmals in der Geschichte auf ein weitreichendes System von
Kontrollen und Sicherungen geeinigt, w'ir hoffen, daß es die praktische
Durchführbarkeit einer Kontrolle in einer '.Teise demonstrieren wird,
die sich auch auf die Verhandlungen bezüglich der Regulierung und
Verringerung der Rüstungen günstig auswirken wird»
Sechstens:

Die Offenheit, die dieses System mit sich bringen

wird, kann erheblich zu einer Einstellung der weiteren Anhäufung

von Kernwaffen, die ihrerseits eine Rüstungskontrolle stark behindern könnte, beitragen. Es ist ohne weiteres denkbar, daß die
Staaten vielleicht Atomwaffen nur deshalb entwickeln, v/eil sie den
in V/ahrheit sogar unbegründeten Verdacht hegen, daß ihre Nachbarn
ein gleiches tun. Auf Grund dieses Vertrages aber würde die Entwicklung der Atomkraft für friedliche Zwecke ohne Geheimhaltung
und unter internationaler Überwachung vollzogen. Auf diese V/eise
würden sich die einzelnen Staaten weniger stark gezwungen fühlen,
aus Furcht vor Unbekannten Kernwaffen zu entwickeln.
Und schließlich: Die internationale Zusannenarbeit auf einem
neuen Gebiet, das in seiner Bedeutung der industriellen Revolution
vergleichbar ist, kann Auswirkungen zeitigen, die ihr eigenes Gebiet weit übersteigt. Wir sind uns alle der Schwierigkeiten und
Hindernisse bewußt, die einer Einigung mit der Sowjetunion über

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15. I.Iai 1957

über praktisch jede Frage entgegenstehen. Die Atonbehörde aber stellt
den Beginn einer Zusammenarbeit dar, die sich auch auf das Klima der
internationalen Beziehungen günstig auswirken könnte. Die Spaltung
des Atoms könnte so vielleicht zu einer Einigung der gegenwärtig geteilten Welt führen.
III
Die Verpflichtungen, die die Vereinigten Staaten als Mitglied
der Internationalen Atombehörde auf Grund ihrer Statuten zu übernehmen hätten, sind weder sehr zahlreich noch sehr schwer.
Erstens: Die Statuten besagen nichts darüber, daß die Atombehörde eine "Wohltätigkeitsinstitution" werden solle. Die Länder,
die Material und andere Dinge von der Atombehörde zu erhalten wünschen, müssen dafür einen Preis entrichten, der es ihr gestattet,
das Lieferland voll zu entschädigen. Was die Lieferländer ihrerseits
verfügbar machen wollen - an Material, Dienstleistungen oder Ausrüstungen -, bleibt völlig ihnen überlassen. Die Atombehörde ist nicht
befugt, von irgendeinem Land zu fordern, daß es dieses oder jenes
liefert; sie kann es lediglich dadurch zu Lieferungen bewegen, daß
sie entsprechende Gegenleistungen bietet.
Zweitens: Die Vereinigten Staaten wären verpflichtet, sich anteilig an den Verwaltungskosten der Atombehörde zu beteiligen. Alle
anderen Ausgaben der Behörde müßten aus ihren sonstigen Einkünften
bestritten werden.
Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, was dies für die
Vereinigten Staaten in der Praxis bedeuten kann, sei erwähnt, daß
die Verwaltungsausgaben im ersten Jahr der Tätigkeit der Atombehörde
voraussichtlich sechs Millionen Dollar nicht übersteigen dürften.
Der Anteil, den die Vereinigten Staaten davon zu tragen hätten,
würde sich höchstens auf ein Drittel oder zwei Millionen Dollar
belaufen.
Drittens: Ebensowenig wie die Atombehörde zu einer Wohltätigkeitsinstitution zur Verteilung von Geldern und Material ihrer I'itgliedsstaaten werden kann, wird sie zur Ausgabestelle für Atomgeheimnisse werden. Die Atombehörde wird nicht
als Verteilerstelle
für geheime Informationen fungieren, sondern nur solche Informationen
über die Nutzung der Atomkräfte für friedliche Zwecke verfügbar machen,
die sich auch in Publikationen finden oder bezüglich derer keinerlei
von Sicherheitserwägungen diktierte Einschränkungen bestehen.
Viertens: Der Kernbrennstoff, der über die Atombehörde verteilt werden soll, ist nicht von der Art, wie sie für Kernwaffen
gebraucht wird. Meines Wissens wären eingehende Verarbeitungs- und
Aufbereitungsprozesse nötig, um diesen Kernbrennstoff in die für eine
Verwendung als Explosivstoff von Atomwaffen geeignete Form überzuführen
oder die in ihm enthaltenen Nebenprodukte der für Atomwaffen geeigneten
Form zu extrahieren. Keiner der voraussichtlichen Empfängerstaaten von
Kernbrennstoff aus dem Besitz der Atombehörde verfügt gegenwärtig über

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15. Mai 1957

über die ausgedehnten Anlagen, die für eine derartige Umwandlung oder
Extraktion von Nebenprodukten notwendig wären. Und falls sie diese anschaffen wollten, so könnte dies keinesfalls der Aufmerksamkeit der
Atombehörde entgehen.
IV
Ich habe bereits versucht, die großen Möglichkeiten aufzuzeigen,
die sich dieser Atombehörde bieten: die wirtschaftliche Entwicklung
großer Gebiete der Erde; die Zusammenarbeit mit anderen Staaten, einschließlich der Sowjetunion, und zwar dergestalt, daß damit ein,e Lockerung der internationalen Spannungen eintritt und sich eine Praxis der
friedlichen und konstruktiven Zusammenarbeit herausbildet; die Förderung
der friedlichen Nutzung der Atomkräfte und die Unterbindung einer Ausweitung des Potentials an Kernwaffen auf weitere Staaten; und das Sammeln von Erfahrungen durch die einzelnen Völker im Umgang mit einem System internationaler Sicherungen, die ihrerseits zu einer Stärkung des
Vertrauens beizutragen und die Aussichten auf eine mit entsprechenden
Sicherungsvereinbarungen verbundene Abrüstung zu verbessern vermöge-.
Wir haben die Initiative zur Schaffung der Atombehörde mit Billigung des Kongresses ergriffen. Im Jahre 1954» also noch bevor der Präsident darum ersucht hatte, hat der Kongreß in seine eingehende Revision des Atomenergiegesetzes eine Bestimmung einbezogen, die die Regierung der Vereinigten Staaten ausdrücklich ermächtigt, eine Abmachung
bezüglich der Zusammenarbeit mit einer internationalen Behörde zu
treffen, sobald eine solche mit entsprechender Billigung des Kongresses
geschaffen werden sollte. Nunmehr haben sich tatsächlich 80 Länder unsere
Konzeption zu eigen gemacht. Das ist ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Diplomatie. Die Ratifizierung der Statuten wird den Vereinigten Staaten die Möglichkeit bieten, auch weiterhin die Führung in
den Bestrebungen zu behalten, die Welt - um mit den Worten des Präsidenten zu sprechen - "von der Furcht hinweg zum Frieden zu führen".

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./22.5.1957
KÜNSTLICHE RADIOAKTIVITÄT IN DER ATMOSPHÄRE
ALS FOLGE VON KERNWAFFENVERSUCHEN
Von Willard F. Libby
WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut eines Vortrags von
Dr. Libby, Mitglied der US-AtomenergieKommission, den dieser an 26.April 1957
in Washington vor der Amerikanischen Physikalischen Gesellschaft gehalten hat.
I. Einführung
Die durch die Spaltungsreaktion nach der Explosion einer
Kernwaffe erzeugte Radioaktivität verändert laufend und sehr
rasch ihre besonderen Merkmale, und die Bedingungen, unter denen
die Waffe zur Explosion gebracht wird, sind von größter Bedeutung
für die Errechnung der I.Iengen, in denen die strahlungsaktiven
Stoffe zur Erdoberfläche gelangen. Es entstehen im allgemeinen
drei verschiedene Arten radioaktiven Ausfalls, deren relative
Bedeutung von der Art der Waffen, hauptsächlich deren Wirkungsgrad,
und den Bedingungen, unter denen sie abgefeuert wurden, bestimmt
wird. Diese drei Arten sind: erstens die lokal ausfallende Radioaktivität , die keine große Rolle spielt, wenn der Feuerball nicht
den Erdboden berührt oder diesem sehr nahe kommt, die jedoch für
den Fall, daß der Erdboden doch berührt wird, einen großen Anteil in manchen Fällen sogar bis zu 80 Prozent - an der Gesamtmasse der
Explosionsmaterie hat. Diese Art Radioaktivität gelangt durch die
größeren Materieteilchen in immer tiefere Regionen. Sie wird vor
allem von Materie getragen, die in teilweise oder völlig gasförmigem Zustand durch Sogwirkung von der Erdoberfläche in den Feuerball emporgerissen wurde. Unter diesen Bedingungen wird soviel
Materi.e durch die Berührung des Feuerballs mit dem Erdboden verdampft, daß in den unmittelbar darauf abgekühlten Zonen der Gaswolke große Partikel gebildet werden.
Die zweite und dritte Art der ausfallenden Radioaktivität
wird über die ganze Erde getragen; sie besteht aus feinen Teilchen und wird danach unterschieden, ob die Materie in Schichten
der unteren Zone der Atmosphäre, das heißt in die Troposphäre, in der
sich die Niederschlags- und Wettervorgänge abspielen, oder aber in
die höheren atmosphärischen Zonen - die Stratosphäre - gelangt, _i_n_
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22. Hai 1957

in der keine Niederschlagsmechanismen wirksam sind. Der troposphärische Ausfall vollzieht sich in Zeiträumen von zwei, drei
Wochen oder auch einen Monat, und zwar hauptsächlich als Folge von
Niederschlägen-in Form von Regen und Schnee und Feuehtigkeitsniederschlag in-allgemeinen; er geht gewöhnlich in den geographischen Breiten nieder, in denen der Versuch stattgefunden hat. In Gegensatz hierzu zieht sich der stratosphärische Ausfall über Jahre hin. Wir
wissen es nicht-genau, aber es scheint, daß nan hierbei durchschnittlich mit einen Zeitraum von 10 Jahren oder vielleicht etwas weniger zu
rechnen hat; während dieser Zeit verteilen sich die radioaktiven Aerosolteilchen praktisch über die ganze Erde. Wenn es den stratosphärischen Ausfallprodukten schließlich gelingt, in die Troposphäre abzusinken, werden sie sehr rasch durch den gleichen Mechanisnus ausgefiltert, der auch die um die ganze Erde verteilten troposphärischen
Ausfallprodukte niederschlägt - nänlich durch Regen und Feuchtigkeit.
Der Niederschlagsnechanisnus ergibt sich in allgeneinen aus den
Zusannentreffen der winzigen Partikel nit Wassertröpfchen in Wolken
und den Mitreißen dieser Partikel durch fallende Regentropfen. Der
erstgenannte Mechanisnus wurde kürzlich von Dr. Greenfie]d im Zusammenhang mit den sogenannten "Sunshine"-Problenen behandelt - das Studiun
der über die ganze Welt verbreiteten Ausfall-Radioaktivität läuft
unter dem Manen "Projekt Sunshine"* Neben der ausfilternden Wirkung
von Regen und Nebel existieren eindeutige Nachweise dafür, daß eine
Inkorporation durch die Oberflächen von Gräsern und Blättern in direkten Kontakt nit der Luft sehr wahrscheinlich ist. Häufig ergeben die
Strontiun-Analysen von Gräsern einen höheren Sr-90-Gehalt als dem
Analysenergebnis des Bodens, auf dem sie gewachsen sind, entspräche;
dies ist zweifellos eine Folge der direkten Inkorporation.
Die Verbreitung von Strontium-90 und der gesamten Explosionsaktivität hängt weitgehend von den Bedingungen ab, unter denen die
Waffe zur Explosion gebracht wurde. Alle Anzeichen deuten darauf hin,
daß zu den naßgeblichen Faktoren nicht nur der Kontakt des Feuerballs
nit der Erdoberfläche gehört, sondern auch, ob es sich un Land oder
Wasser oder bestinnte Boden- und Y/asserarten (Süß- oder Salzwasser)
handelt. Auch die Höhe, bis zu der der Feuerball enporreicht, ist
wichtig, insbesondere die Höhe in Relation zur Tropopause, der Grenzschicht zwischen Troposphäre und Stratosphäre. Der Y/irkungsgrad fällt
hier wohl an neisten ins Gewicht. Es gibt eine Faustregel, dcrzufolge
Yfaffen nit einen Äquivalent von Megatonnen TNT durch die Tropopause
hindurch in die Stratosphäre wirken, der Wirkungsbereich von Kilotonnen-Waffen jedoch auf die Troposphäre unterhalb der Tropopause
beschränkt bleibt.
Daraus ist sofort zu ersehen, daß die Spaltprodukte von Kilotonnen-Y.'affen viel rascher niedergeschlagen werden als von MegatonnenWaffen. Natürlich ist dies weniger von Bedeutung, sofern es die langlebigen Spaltprodukte wie Strontiun-90 und Caesium-137 betrifft, aber
bei den kurzlebigen Spaltprodukten spielt dieser Umstand eine nicht
unwesentliche Rolle.
Man
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"AMERIKA DIENST"

Man kann allgemein als gegeben annehmen, daß die Radioaktivität einer
über dem Erdboden zur Explosion gebrachten Kilotonnen-Waffe durchschnittlich zwischen zwei Wochen und einem Monat nach dem Zeitpunkt der Explosion niedergeschlagen wird, während die radioaktiven Produkte einer
ebenfalls über dem Erdboden zur Explosion gebrachten Megatonnen-Waffe
über viele Jahre hinweg - durchschnittlich über 10 Jahre - abgelagert
werden. So sind die Auswirkungen der kurzlebigen Spaltprodukte bei
einer bestimmten durch Kilotonnen-Waffen freigesetzten Menge Spaltungsenergie größer als bei den über dem Erdboden zur Explosion gebrachten
Sprengkörpern mit Megatonnen-Wirkung. Nimmt man als das "Durchschnittsalter" der Kilotonnen-Spaltprodukte einen Monat an, dann wäre der äußere
Gammastrahleneffekt von einer Megatonne Spaltungsenergie aus beispielsweise 50 Bomben von je 20 Kilotonnen etwa 30mal. so groß wie bei einer
einzigen Bombe von einer Megatonne Spaltungsenergie - wenn beide Arten
weit genug über dem Erdboden zur Explosion gebracht worden sind. Die
Spaltprodukte aus den kleinen in Nevada abgefeuerten Bomben würden im
Verlauf von etwa einem Monat in dem Gebiet etwa zwischen dem 10. und
60. Grad nördlicher Breite niedergehen, während die der größeren Bomben
sich im Verlauf von 10 Jahren praktisch auf der ganzen Erde niederschlagen. Hinsichtlich der Effekte von Strontium-90 besteht nur ein relativ
geringer Unterschied pro Einheit Wirkungsgrad, da selbst die Zeit des
Verbleibs in der Stratosphäre gering ist im Vergleich zu der Halbwertzeit, die bei radioaktivem Strontium 28, bei radioaktivem Caesium 27
Jahre beträgt; das letztgenannte Isotop entsteht in etwas größerer Menge
als Strontium-90 und scheint auf die gleiche Weise verbreitet zu werden.
Der Radiostrontium- und Radiocaesium-Gehalt der Atmosphäre ist,
wie direkte Messungen zeigen, ziemlich gleich groß, wenn auch der Gehalt
an Cs-137 wahrscheinlich infolge der etwas größeren Spaltungsausbeute
um ein geringes höher sein dürfte. Der Radiocaesium-Gehalt des Regenwassers ist dem Strontium-90-Gehalt vergleichbar; auch die RadiocaesiumKonzentration im menschlichen Körper stimmt - jedenfalls nach den von
Marinelli in Argonne und von Anderson und Langham in Los Alamos ermittelten Werten - mit der Tatsache gut überein, daß dieses durchschnittlich etwa 5 Monate im menschlichen Körper verbleibt, Strontium-90 dagegen viele Jahre. Die für Radiocaesium ermittelten Werte sind deshalb
außerordentlich interessant, weil sie über den Verteilungsmechanismus
der Ausfallaktivität und die Zuverlässigkeit Aufschluß geben, mit der
wir das zu erwartende künftige Verhalten von radioaktivem Strontium
berechnen können. Sie bestätigen bereits früher geäußerte Ansichten
zur Frage des Verteilungsmechanismus ,\ das heißt, wir finden bestätigt,
daß der Radiocaesium-Ausfall mit Ausnahme des lokalen Ausfalls meistenteils in Form von Feuchtigkeitströpfchen nach unten getragen und
bis zu einem gewissen Grade von der Gras- und Blattoberfläche der Grünpflanzen direkt aufgenommen wird. Er wird in vielen Böden in der obersten Schicht bis zu etwa 5 cm Tiefe abgelagert, so daß das Wasser, das
als Niederschlag zur Erde gelangt und in Flüssen abläuft, schon nach
kurzer Sickerstrecke im Boden gereinigt ist. Dieses ganze Verhalten
ist dem des Radiostrontiums sehr ähnlich.
Das

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22. Mai 1957

Das Strontium-90 - und in geringerem Maße auch das Radiocaesium entziehen die Pflanzen dem Boden und ihrem Blattwerk und führen es
dem eigenen Stoffwechsel zu. Bei den meisten Pflanzen scheint hier ein
Selektionsmechanismus in Aktion zu treten, durch den der Strontium-90Gehalt der Pflanze - gemessen an der Bodenkonzentration - verhältnismäßig viel niedriger ist als ihr Calcium-Gehalt. Im Durchschnitt scheint
der Trennfaktor für Strontium relativ zum Calcium zwischen der oberen
Bodenschicht und den Pflanzen etwa 1,4 zu betragen. Bei den Kühen, denen
solche Pflanzen als Futter dienen, erfolgt bei der Milchbildung eine weitere
"Filterung" um etwa den Faktor 7» so daß der allgemeine Schutzfaktor gegen Strontium-90 von der oberen Bodenschicht bis zur Kuhmilch
mit 1,4 x 7
9»8»also etwa 10 anzunehmen ist. Ein weiterer Trennfaktor für das Verhältnis Strontium/Calcium existiert darüber hinaus in
bezug auf den menschlichen Körper. Über diesen Faktor ist noch nicht
allzu viel bekannt, man weiß aber definitiv, daß er zum mindesten 2,
möglicherweise aber sogar 8 beträgt. Die Forscher sind jetzt dabei, diese
Frage zu klären. Es gibt also eine ganze Reihe von Schutzfaktoren, die
die Konzentration von Radiostrontium aus der Milch im Verhältnis zum
Calcium im menschlichen Knochengewebe auf höchstens 1/20, wahrscheinlich
aber sogar auf 1/80 der Konzentration der oberen Bodenschicht begrenzen.
Natürlich muß auch darauf hingewiesen werden, daß ein beträchtlicher Anteil des radioaktiven Ausfalls direkt an den Blättern aufgenommen wird;
in diesem Fall gilt#der Faktor 1,4 allerdings nicht, und somit würde
für diesen Prozentsatz des radioaktiven Ausfalls der Schutzfaktor vielleicht auf 14 reduziert. Da die Milch die Hauptquelle für das vom menschlichen Körper aufgenommene Calcium ist, bedeutet dies, daß das tatsächliche Verhältnis der Radiostrontiumkonzentration in jungem menschlichen
Knochengewebe zu der Konzentration in der oberen Bodenschicht den genannten Zahlen etwa entsprechen dürfte.
Man muß sich darüber im klaren sein, daß für Gemüse und Fleisch
eine ähnliche Berechnung in bezug auf den daraus sich ergebenden Anteil
und das Gesamtdurchschnittsverhältnis angestellt werden muß, obgleich
nur eine kleine Menge des Calciums auf dem Weg über diese Nahrungsstoffe
in den Körper gelangt. Es scheint, daß der allgemeine Schutzfaktor bei
Fleisbh und Gemüse etwa 10 beträgt, so daß im Fall einer Calciumzuführung von 20 Prozent aus diesen Quellen der allgemeine Schutzfaktor
im Durchschnitt zwischen 1/l3 und 1/3O liegen dürfte. Die Versuchsergebnisse bei jungem Knochengewebe, zum Beispiel bei Kindern, deuten auf
einen geringeren Wert, nämlich auf 1/60, auf diesen Sachverhalt wird
später noch näher eingegangen werden.

Eine

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Eine wichtige Angelegenheit in Zusammenhang mit den Mengen von
Strontium-90, die sich erwartungsgemäß in den menschlichen Knochen
als Folge von Atomwaffenversuchen ablagern dürften, ist die Calciumkonzentration der oberen Bodenschicht. Da Calcium dem Strontium so
ähnlich ist, besteht die Möglichkeit - und wir haben dafür auch bereits Beweise -•&gt; daß ein höherer nutzbarer Calciumgehalt des Bodens
die Wahrscheinlichkeit für die Aufnahme von Strontium-90 durch Pflanzen verringert. Natürlich hat diese Wahrscheinlichkeit eine nicht annähernd so starke Auswirkung auf die Absorption der Stoffe, die direkt
an den Blättern aufgenommen werden. Wir können daher wohl erwarten, daß
Böden mit besonders niedrigem Calciumgehalt einen höheren Strontium-90Gehalt für die darauf wachsenden Pflanzen ergeben können. Dies ist
tatsächlich so: Schafe, Ziegen und Rinder, die auf solchen Weiden
grasen, haben in ihrem Knochengewebe eine höhere Strontium-90Konzentration.
Es ist eine höchst wichtige Frage, auf welche './eise ein derartiger Calciummangel im Boden die Aufnahme von Strontium-90 durch den
Menschen wohl zu beeinflussen vermag. Eindeutig ist ja die Nahrungsmittelverteilung so organisiert, daß der Bedarf aus verhältnismäßig großen geographischen Räumen gedeckt wird und daß deshalb die
menschliche Bevölkerung auch erheblich geringer auf Calciummangel entsprechend der örtlichen Bodenbeschaffenheit reagiert. Dies wird besonders deutlich aus den Angaben über den Radiumgehalt menschlichen
Knochengewebes und aus dem Fehlen einer besonderen Abhängigkeit von
dem jeweiligen Radiumgehalt des Trinkwassers. Aber für Personen, die
ständig Milch von Kühen trinken, welche auf calciumarmen Weiden grasen, dürfte das schon einen bestimmten Effekt in bezug auf die Menge
des aufgenommenen Radiostrontiums haben, und zwar müßte der Effekt
dem Radiostrontium-Gehalt der Milch proportional sein. So löst sich
das Problem mehr oder weniger in die Frage auf: "Wie hoch ist der
Strontium-90-Gehalt der Nahrungsmittel, die Menschen in solchen Gebieten tatsächlich zu sich nehmen?" Bei der Untersuchung der Eßgewohnheiten und der Errechnung der Strontium-90-Aufnahme relativ
zum Calcium finden wir, daß die Erhöhung der durchschnittlichen
Strontium-90-Konzentration in den Nahrungsmitteln infolge des geringen Calciumgehalts bestimmter Böden bei einer Calciuraminderung um
das Fünfzigfache kaum mehr als das Fünffache betragen kann. Das
heißt also, daß gegenüber normalen Böden, die in der oberen Bodenschicht bis in zirka 6 cm Tiefe 20 Gramm Calcium enthalten, in Gebieten mit Böden von nur 0,4 Gramm pro Quadratfuß ein etwa um das
Fünffache höheres Gleichgewicht der Strahlenbelastung für den menschlichen Körper auftritt.
Um die Gefahr des Radiostrontiums, das allgemein als das gefährlichste der langlebigen Spaltprodukte betrachtet wird, verstehen zu können, versuchen wir höchste zulässige Konzentrationen
sowohl für die berufliche Strahlenbelastung als auch für die Bevölkerung im allgemeinen festzusetzen. Diese Werte sind mit 1 Mikrocurie
(1 millionstel Curie) beziehungsweise 0,1 Mikrocurie (1 zehnmillionstel
Curie) angenommen worden. Das heißt, ein Arbeiter in einen Kernenergiebetrieb darf bis zu 1 Mikrocurie Strontium-90 im Körper haben, die
übrige Bevölkerung (pro erwachsene Person) jedoch nicht mehr als 0,1

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22. Mai 1957

0,1 Mikrocurie. Diese letztgenannte Zahl entspricht einer Konzentration
von 100 millionstel Mikrocurie pro Gramm Körpercalcium oder 100 "Sunshine"Einheiten, wie wir sie nennen, das heißt, 1 millionstel Mikrocurie
(10-12} strontium-90 pro Gramm Körpercalcium wird als 1 Sunshine-Einheit
definiert.
Wir müssen nunmehr auf andere Weise versuchen, wie unsere üblichen
Erfahrungen auf die Frage: "Wie gefährlich sind Kernwaffenversuche in Anbetracht der ausfallenden Radioaktivität?" angewandt werden können. Unser
Körper hat jetzt etwa 0,1 oder 0,2 Sunshine-Einheiten aufgenommen, Kinder
etwa 0,5 Sunshine-Einheiten. Auf die Frage der Abweichungen von diesen
Durchschnittswerten werde ich noch zu sprechen kommen. Aber angenommen,
zum gegenwärtigen Zeitpunkt seien dies die '.Verte - wie groß ist dann die
Bedrohung oder die Gefahr aus diesen Mengen? Offenbar sind sie doch viel
geringer als der oben genannte Toleranzwert von 100 Sunshine-Einheiten.
Um einen Vergleich mit der allgemeinen Erfahrung zu erhalten, wollen wir
uns einmal näher mit den allgemein bekannten Größenordnungen der Strahlungsniveaus befassen, denen wir normalerweise durch die kosmischen Strahlen, das schwach aktive Kaliumisotop im menschlichen Körper sowie durch
das Uran, Thorium und Kalium im Boden und in unserer gesamten Umwelt ausgesetzt sind. Wir wissen,daß in unseren Breitengraden diese Mengen pro Person bei etwa 150 Milliröntgen (1 Röntgen = Dosiseinheit für Röntgen- und
Gammastrahlen) jährlich liegen. Aber wir wissen auch, daß es beträchtliche
Abweichungen von diesen Normalbedingungen gibt.
Beispielsweise kann jemand, der in einem Ziegelhaus wohnt, infolge
der natürlichen Radioaktivität des Mauerwerks jährlich 25 bis 30 Milliröntgen (mr) mehr erhalten als jemand, der in einem Holzhaus wohnt. Ebenso ist bekannt, daß im Unterschied zu den 37 mr Jahresdosis an Höhenstrahlung in Meereshöhe dieser Wert hier in unseren Breitengraden in
1500 Meter Höhe, etwa in Denver, Colorado, 60 mr - also 23 Milliröntgen
zusätzlich - beträgt. Was bedeutet dies umgerechnet auf die Strahlenbelastung des Körpers mit Strontium-90?
Zunächst müssen wir uns darüber klar werden, ob irgendeine Art der
natürlichen Strahlung - und wenn ja, welche Art - in bezug auf die biologischen Effekte denen des Strontium-90 ähnlich ist, so daß wir ohne Bedenken sagen können, die physiologischen Effekte sind, wie immer diese
auch geartet sein mögen, bei der gleichen Menge absorbierter Energie ebenfalls gleich. Glücklicherweise scheinen die kosmischen Strahlen in diese
Rechnung zu passen. Das heißt, daß es uns frei steht, die Strahlungsdosen
der kosmischen Strahlen mit den Strahlungsdosen von Radiostrontium in unserem Knochengewebe gleichzusetzen.

Dies

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�"AMERIKA DIuNST"

22. Hai 1957

Dies ist möglich, weil die Ionisationsdichte entlang der Bahn der
My-Mesonen, den wichtigsten Komponenten der kosmischen Strahlung,
in Meereshöhe und in 1500 Meter Höhe nahezu die gleiche ist wie
die der Betastrahlung von Yttrium-90 (Betastrahlen stellen den
Hauptanteil der von Radiostrontiun emittierten Strahlen)• Radiostrontium hat nämlich ein radioaktives Tochterprodukt, eben
Yttrium-90, das eine sehr energiereiche Betastrahlung aussendet,
und die Ionisationsdichte entlang der Bahn dieser Strahlen ist sehr
ähnlich derjenigen der My-Mesonen der kosmisnlien' Strahlen und ihrer
Zerfallselektronen. Von Strahlenschutzphysikern und Bio-Strahlenphysikern wird allgemein angenommen, daß Strahlungen der gleichen
Ionisationsdichte sehr ähnliche, wenn nicht sogar die gleichen biologischen Effekte für die gleiche Menge absorbierter Energie bewirken. Die hohe Energie von Yttrium-90 verleiht ihm eine durchschnittliche Gewebe-Eindringtiefe von 2 mm, so daß jede Ungleichmäßigkeit in der Ablagerung von Strontium-90 im Knochengewebe ausgemittelt wird. Die Exposition gegenüber kosmischen Strahlen ist
natürlich für das ganze Knochengewebe einheitlich. Deshalb können
wir die Belastung durch kosmische Strahlung mit der Strontium-90Belastung gleichsetzen, und wir können ferner sagen, daß der
Effekt des Unterschieds zwischen der einen und der anderen Höhenlage - wie auch im Fall anderer Effekte - einer gewissen Anzahl
von Sunshine-Einheiten in Knochengewebe äquivalent ist. Denkt man
diesen Gedanken weiter, so ergeben sich als das Äquivalent von
1 Sunshine-Einheit 3 Milliröntgen (3 mr) pro Jahr. Sonr t e t
spricht der Unterschied in der Jahresdosis kosmischer Strahlung
zwischen Washington oder einem anderen in unserer geographischen
Breite in Meereshöhe gelegenen Ort einerseits und Denver in Colorado
andererseits 8 Sunshine-Einheiten, das heißt, dem 16facher. der gegenwärtigen Strahlenbelastung für den menschlichen Organismus durch
im Gleichgewicht befindliches Knochengewebe oder ein nahezu im
Gleichgewicht befindliches Knochengewebe, wie wir es bei den jetzt
heranwachsenden Kindern beobachten.
Deshalb müssen wir prüfen,ob irgend etwas in unserer Erfahrung
darauf hindeutet, daß diese Unterschiede in bezug auf die von Radiostrontium erwarteten Haupteffekte, nämlich das Auftreten von Leukämie
und Knochenkrebs, bemerkenswert sind. Nun ist natürlich gerade an
Lebensstatistiken über diese besonderen Fälle schwer heranzukommen.
Das amerikanische Bundesgesundheitsamt und das Ministerium für das
Gesundheits-, Erziehun-s- und Fürsorgewesen haben uns Statistiken
über das Auftreten von Leukämie und Knochenkrebs in drei Städten New Orleans, San Francisco und Denver - zur Verfügung gestellt, die
folgendes Bild ergeben:
_ . ,.. .
u
ö
Tabelle 1
•
Auftreten von Knochenkrebs und Leukämie
(neue Fälle pro Jahr auf 100 000 der Bevölkerung)
Knochenkrebs
Leukämie
Denver
New Orleans
San Francisco

2,4
2,8
2,9

6»4
6,9
10,3
Aus

- 7-

�"AMERIKA PIEKST"

22. Hai 1957

Aus dieser Tabelle geht deutlich hervor, daß die Höhenlage offenbar keinen Einfluß hat, und so ist auch klar, daß es noch andere Paktoren gibt, die merklich wichtiger sind als die Dosis der Höhenstrahlung. Natürlich kann dennoch ein erheblicher durch die Höhenlage bedingter Effekt auftreten, der sich hinter großen, durch andere Faktoren verursachten, in großen und ganzen aber unbekannten Verschiebungen
verbirgt, und wir können nicht behaupten, daß dies irgend etwas
beweist. Aus der üblichen Erfahrung heraus sind wir jedoch einigermaßen sicher, daß der Effekt von 8 Sunshine-Einheiten kein feststellbares Ansteigen von Knochenkrebs und Leukämie verursacht.
Dies stimmt auch gut nit den Ergebnissen der Tierversuche und den
begrenzten Erfahrungen beim Menschen mit Radium überein. Das heißt,
daß 1 Kikrocurie - also 1000 Sunshine-Einheiten - auf der Basis der im
Laboratorium ermittelten Resultate als unbedenklich angesehen werden
kann. Es ist als Toleranzdosis für die berufliche Strahlenbelastung
festgesetzt, und deshalb ist es nur ein vernünftiger Schluß, daß acht
Sunshine-Einheiten einen so geringen Effekt haben dürften, daß dieser
nur sehr, sehr schwer feststellbar ist. ".einer Ansicht nach hilft uns
dies jedoch, zu erkennen, daß die gegenwärtige Strahlenbelastung in
jungem Knochengewebe durch Strontiun-90, das aus den bisherigen Kernwaffenversuchen stammt» der zusätzlichen Höhenstrahlungsintensität.bei
120 I.Ietern Höhenunterschied entspricht, einem Bruchteil des Unterschieds
in der Höhenstrahlungsintensität zwischen Meereshöhe (null Meter) und
Denver (1500 I.Ieter Höhe). Deshalb können wir zur gleichen Zeit, in der
wir die möglichen Effekte von Strontium-90 aus solchen Konzentrationen
erörtern, aus unseren alltäglichen Erfahrungen heraus Werte für die
Grenzen der zu erwartenden Auswirkungen ableiten. Keine der Unterlagen
über das Auftreten von Knochenkrebs und Leukämie in Abhängigkeit von
der Höhenlage gibt uns irgendwelchen Grund zu der Annahme, daß die gegenwärtigen Toleranzwerte falsch seien. Die gegenwärtigen Strahlungsbelastungen des Körpers, wie sie für noch im Aufbau befindliches Knochengewebe auftreten, sind im Vergleich zu diesen Grenzwerten gering.
Unabhängig von den Strontiura-90-Effekten sind die Effekte der allgemeinen Gammastrahlung; damit ist jene Strahlung gemeint, die von außen
auf den menschlichen Körper einwirkt und die hauptsächlich von frischen
Spaltprodukten im Bereich der lokalen Ausfällung, in ganz geringer I.Ienge
jedoch auch aus der Akkumulierung von Radiocaesium am Boden bei stratosphärischem Ausfall oder, was bedeutungsvoller ist, aus den kurzlebigen Spaltproduktenf welche durch den troposphärischen Ausfall niedergeschlagen
werden, kommen kann. Natürlich werden die Kernwaffenversuche so durchgeführt, daß eine durch die lokal ausfallende Radioaktivität verursachte
Exponierung vermieden wird, so daß unsere gegenwärtige Diskussion über
die Auswirkungen von Kernwaffenversuchen auf die viel kleineren GammaDosen als Folge des troposphärischen und stratosphärischen Ausfalls
außerhalb des Explosionsbereichs beschränkt ist. Im Kriegsfalle wäre es
natürlich der lokale Ausfall, der neben den Explosions- und Hitzewirkungen
zu bedenken ist, und diesem Aspekt wendet die FCDA (amerikanische Bundesbehörde für die Zivilverteidigung) ihre größte Aufmerksamkeit zu. Im Zusammenhang mit den Kernwaffenversuchen müssen wir jedoch die Frage der
genetischen Effekte beim Menschen und die möglichen Effekte solcher Strahlendosen auf die Gesundheit untersuchen. Wollen wir doch noch einmal das
Kriterium der üblichen Erfahrungen in dieser Hinsicht heranziehen. Messungen
- 8 -

�"AMERIKA DIENST"

22. Mai 1957

Messungen haben gezeigt, daß die allgemeine durchschnittliche Intensität von Ganmastrahlung aus Kernwaffenversuchen 1 bis 5 Ililliröntgen
(mr) pro Jahr beträgt. Bei Gegenüberstellung der allgemeinen Größenordnung der daraus zu erwartenden Effekte mit der Intensität der
natürlichen Strahlung finden wir beispielsweise - wie bereits erwähnt -, daß das Wohnen in einem Ziegelhaus statt in einem Holzhaus
eine zusätzliche jährliche Strahlungsdosis von 25 bis 50 Ililliröntgen
(mr) bedeuten kann, daß es ferner gewisse Gebiete auf der Erde gibt,
wo die in den Vereinigten Staaten gemessene Durchschnittsdosis von
150 ililliröntgen (mr) um das Zehnfache höher liegt, daß Menschen,
die in Gebieten mit Granituntergrund leben, infolge des Uran- und
Thoriumgehalts im Gestein jährlich etwa 70 mr mehr ausgesetzt sind als
Menschen in Gebieten mit Sedimentgestein-Untergrund, und daß Menschen
in größeren Höhenlagen auch eine größere Dosis an natürlicher Höhenstrahlung erhalten. Natürlich wissen wir ferner, daß die medizinische
Anwendung von Röntgenstrahlen erheblich höheren Dosen als allen diesen
durch Kernwaffenversuche verursachten Dosen äquivalent sein kann.
Und wir verfügen über Erfahrungen und maßgebliche Unterlagen
darüber, daß die allgemeinen somatischen Effekte ohne besondere Berücksichtigung von Krebs und Leukämie, das heißt, die Effekte von
Strahlung in bezug auf die normale Gesundheit des Menschen, weitaus
höhere Dosen erfordern. Es handelt sich hier um Dosen in der Größenordnung von 25 bis 50 Röntgen (r), um feststellbare Veränderungen im
Blutbild hervorzurufen, und von 100 bis 200 r, um schwerwiegende gesundheitliche Schäden zu bewirken, während die Dosen aus der durch
Kernwaffenversuche verursachten Aktivität etwa um das Ilunderttausendfache kleiner sind.
Die Frage der genetischen Effekte ist dagegen äußerst schwierig
zu beurteilen, da über die Genetik beim Menschen noch so wenig bekannt
ist. Aus den Erfahrungen mit Pflanzen, Insekten, Versuchstieren und
niedrigen Organismen zu schließen, müssen wir jedoch annehmen, daß
Strahlen tatsächlich genetische Effekte haben. Die Frage ist nur,
welche Strahlenmenge einen bestimmten Effekt zur Folge hat. In jeder
neuen Generation gibt es beim Menschen eine gewisse Anzahl von Mutationen. Sind diese nun hauptsächlich auf die natürliche Strahlung
oder aber auf chemische oder biochemische Vorgänge oder auf beides
zurückzuführen?
Chemisch gesehen dürfte es wahrscheinlich sein, daß nicht alle
Spontanmutationen beim Menschen oder irgendeinem anderen Lebewesen
durch Strahleneffekte ausgelöst werden, da die Strahlung wahrscheinlich Mutationen meist auf dem Wag über Moleküle, also chemische Verbindungen, induziert, deren Bildung in den menschlichen Zellen sie
anregt, und daß dann die Mutationen erst durch diese chemischen Stoffe
verursacht werden und so in gewissem Sinne chemischer Natur sind. Wenn
dies nun tatsächlich so wäre und die strahleninduzierten Mutationen
fast immer durch chemische Stoffe verursacht werden, die sich in erster Linie infolge Strahleneinwirkung bilden, dann könnten auch chemische Stoffe, die nicht durch Strahleneinwirkung entstehen, sondern
anderen Ursprungs sind, von sich aus ebenfalls Mutationen verursachen. Jj£

-9

�'AMERIKA DIENST"

22. Mai

1957

Es wäre also wahrscheinlich, daß ein wesentlicher Prozentsatz der
natürlichen oder spontanen Mutationen bei den Lebewesen im allgemeinen
nicht durch Strahlung hervorgerufen wird. Es ist wichtig, diesen Punkt
schon deshalb einmal zu klären, um Vergleichsmöglichkeiten für die Effekte
der Ausfallsaktivität und den Anteil der auf die normale Strahleneinwirkung zurückzuführenden natürlichen Spontanmutationen zu bekommen.
In anderen Worten: Falls die normalen Mutationen alle auf Strahlung
zurückzuführen sind, müssen die Effekte der zusätzlichen Strahlung aus
Kernwaffenversuchen allgemein oder aus anderen Strahlungsquellen, beispielsweise Atomkraftwerken, oder auch der Verwendung von Röntgenstrahlen und Radioisotopen in der Medizin größer sein. Wahrscheinlich ist und dieser Ansicht schließen sich viele maßgebliche Genetiker auf Grund
ihres Fachwissens an -, daß ein wesentlicher Prozentsatz der Spontanmutationen beim Menschen nicht auf Strahlung zurückzuführen ist, sondern
andere Ursachen hat. Deshalb wird nur ein bestimmter Anteil der Spontanmutationen beim Menschen als durch Strahlung verursacht angenommen;
wie groß dieser Anteil ist, läßt sich schwer sagen, aber nach einer
Schätzung von Prof. H. J. Muller dürfte er bei etwa 10 Prozent liegen.
Man nimmt daher an, daß die Jahresdosis von 150 Milliröntgen (mr) aus
der natürlichen Strahlung etwa 10 Prozent der spontanen Mutationen verursacht, und daß die Ausfallsaktivität von Kernwaffenversuchen, wenn
diese unbegrenzt weiter fortgeführt werden, beim gegenwärtigen Jahresniveau von etwa 1 bis 5 m*" diesen Wert um zirka 0,2 Prozent erhöht. Im
ganz extremen Fall, das heißt, wenn sich herausstellen sollte, daß trotz
der Möglichkeiten chemischer Einwirkung alle Spontanmutationen durch
Strahlung ausgelöst werden, wäre der Effekt zehnmal so groß, betrüge
also 2 Prozent. Dr. Dunning von der Abteilung Biologie und Medizin der
amerikanischen Atomenergie-Kommission kam im Jahr 1955 bei ähnlichen
Überlegungen auf 1,4 Prozent ("The Scientific Monthly" 91, Dezember
1955» S. 265). Dieser Effekt entspräche etwa dem, der bei Verlegung
des Wohnsitzes in eine etwas andere Gegend auftritt, und wäre viel weniger einschneidend als beispielsweise der Umzug von einem Haus in ein
anderes oder die Folgen irgendwelcher anderen Veränderungen. Der einzig
wichtige Punkt in diesem Zusammenhang ist, daß genetische Effekte nur
zutage treten, wenn ihnen eine große Anzahl von Menschen gleichzeitig
unterworfen ist. Deshalb könnten wir auch erwarten, daß die Effekte bei
großen Bevölkerungsgruppen, deren Umwelt eine Veränderung erfährt, die
beispielsweise ihren Wohnsitz in höhergelegene Orte oder in Gebiete mit
höherer natürlicher Radioaktivität verlegen, auch die Erbmasse beeinflussen müßten, wenn die Radioaktivität aus Kernwaffenversuchen dies
vermag. Die Lebensstatistiken müßten alle auf solche Effekte hin geprüft
werden; die AEC jedenfalls bemüht sich in dieser Hinsicht nach besten
Kräften um eine Klärung. Der wissenschaftliche Beirat der Vereinten
Nationen zur Frage der Effekte atomarer Strahlung vergleicht zur Zeit
die Angaben über die Dosen der natürlichen Umweltstrahlung; man hofft,
daß diese Studie weitergeführt und dabei besonderes Augenmerk auf beobachtbare Effekte von Schwankungen in der Dosis der natürlichen Umweltstrahlung gerichtet wird, denn es steht fest, daß alle Gammastrahlungseffekte der Ausfallsaktivität von Kernwaffenversuchen in Anbetracht der
natürlichen Strahlungsdosis in viel größerem Umfang bereits vorhanden
sein müssen.
II.

- 10 -

�"AFRIKA DIENST"

22. Hai 1957

II. Schwankungen in der individuellen Strontium-90-Belastung
Wie groß ist die Y/ahrscheinlichkeit, daß bei einzelnen Personen
die Toleranzgrenzen überschritten werden, obgleich die durchschnittliche Strontium-90-Konzentration v,reit darunter liegt? Wir wollen hier
zunächst einmal den Fall erörtern, der letzten Endes maßgebend ist nämlich die Situation eines völligen Gleichgewichts mit der Umwelt,
sofern es die Strahlenbelastung durch Strontium-90 betrifft. Die einzige Möglichkeit für uns, die erwarteten individuellen Abweichungen
von der mittleren Konzentration überhaupt beurteilen zu können, sind
Gewebeanalysen am Llenschen, bei denen nicht nur Strontium-90, sondern
auch andere analoge Komponenten bestimmt v/erden. Die jüngsten Angaben
über die Strahlenbelastung durch Strontium-90 sind meist Analysenergebnisse von Knochenteilen, die auf operativem Weg entfernt wurden;
sie geben also kein umfassendes Bild von den Konzentrationen im gesamten Körpergewebe. Aber wir können jetzt Ergebnisse über den Strontium90-Gehalt im gesamten Körper auf Grund von Untersuchungen einer ganzen
Anzahl von Totgeburten (1*) heranziehen, die im Jahr 1953 i n Chicago
vorgenommen wurden. Im Rahmen des Sunshine-Projekts werden jetzt große
Anstrengungen unternommen, diese Untersuchungsserien fortzusetzen und
auch die vorhandenen Ergebnisse von Analysen des menschlichen Knochengewebes durch vollständige Skelettanalysen nachzukontrollieren. Die Verteilung der Werte für Strontium-90 bei den Totgeburten geben wir in
Schaubild 1 wieder. Angaben über das Auftreten gewöhnlichen nichtradioaktiven Strontiums im menschlichen Knochengewebe sind ebenfalls veröffentlicht worden (2*). Sie beziehen sich offenbar auf den endgültigen Zustand, und sie kommen offenbar auch dem Gleichgewicht mit der
Umwelt zumindest ebenso nahe, wie es bei dem radioaktiven Ausfallstrontium je der Fall sein kann. Die entsprechenden Resultate sind in Schaubild 2 zu finden. Auch das Auftreten von Radium im menschlichen Körper
wurde herangezogen, da dieses Element dem Calcium und Strontium ähnlich
ist, sich auch vorzugsweise im Skelett ablagert und offenbar ebenfalls
sich in einem endgültigen radioaktiven Gleichgewicht befindet. In Schaubild 3 wurden die von Palmer und Queen (3*) gefundenen Resultate verwendet. Und schließlich ziehen wir die jüngsten Angaben über das Auftreten von normalem Kalium im menschlichen Körper heran, wie sie von
Anderson und Langham (4*) ini wissenschaftlichen Institut Los Alamos
ermittelt wurden. (siehe Schaubild 4)
Alle
1*) V/.F. Libby "Radioactive Strontium Fallout" (Der Ausfall von
radioaktivem Strontium), Protok.Kationale Akademie der Wissen«
Schäften, Nr. 6, 365-390, 1956; Universität Chicago, Bulletin
Hr. 12 v. I.August 1956 zu "Project Sunshine".
2*) K.K. Turekian und J.L. Kulp, in "Science" 124, 405 (1956).
3») Hanford-Bericht, HW-31242
4*) E.C. Anderson, R.L. Schuck, V.R. Fisher und W. Langham
"Potassium and Cesium Radioactivity in People and Foodstuffs"
(Kalium- und Caesiumradioaktivität in Menschen und Hahrungsmitteln), in der Presse veröffentlicht.

- 11 -

�"AI.IERIKA SIEHST"

22. Mai 1957

Alle diese Resultate zeigen, wie die theoretischen Kurven andeuten, eine normale Häufigkeitsverteilung. Die jeweiligen Schwankungsbreiten der Kurven (mittlere Fehler) betragen für Radiostrontium
36 Prozent, für gewöhnliches Strontium /r0 Prozent, für Radium 40 Prozent und für natürliches Radiokalium 16 Prozent. Es ist klar ersichtlich, daß sie im allgemeinen Verlauf miteinander übereinstimmen, und
daß der Strontium-90-Gehalt in seiner Verteilung bei den Chicagoer
Totgeburten in keiner \7eise anomal war. Deshalb werden wir die Verteilungskurve für Radiostrontium mit derjenigen für gewöhnliches
Strontium gleichsetzen. Das Auftreten nichtradioaktiven, gewöhnlichen Strontiums im Skelett dürfte uns sicher Aufschluß über die Verteilung radioaktiven Strontiums im Zustand des Gleichgewichts geben,
und es sollte uns möglich sein, hieraus die wichtigsten Punkte mbezig aui
die Verteilung zu ergänzen, die wir in den bisherigen Untersuchungen
von Radiostrontium im einzelnen noch nicht zu klären vermochten.
Turekian und Kulp beobachteten im Verlauf ihrer Untersuchungen zur
Präge der Verteilung gewöhnlichen Strontiums im menschlichen Skelett,
daß in einem gegebenen geographischen Raum die Abweichung vom Durchschnitt etwa 34 Prozent des Ilittelwerts betrug - Gegenstand der Untersuchungen war menschliches Knochengewebe aus den Gebieten Colorado,
Texas, Köln, Bonn,Venezuela, Chile, Vancouver, China und Indien. Es
wurde jeweils das Verhältnis von Kormalabweichung zum Mittelwert gebildet und der Durchschnitt errechnet, um zu der Zahl 34 zu gelangen.
Deshalb nehmen wir 34 Prozent als die zu erwartende Normalabweichung
vom Mittel für einen gegebenen Ort zur Bestimmung des Gleichgewichts
für die Strontium-90-Belastung im menschlichen Skelett an.
Mit diesem Ergebnis können wir unter der Annahme einer normalen
Fehlerverteilung die direkte Frage beantworten, die lautet: "*.7ie
groß ist bei einem Individuum die Wahrscheinlichkeit der Überschreitung
des Toleranzwertes, wenn der Mittelwert selbst nicht überschritten ist?"
Auf Grund der vorliegenden Analyse finden wir, daß bei endgültigem Zustand und Gleichgewicht die Abweichung vom Mittelwert eine mittlere
Fehlerkurve ergibt, die der Kormalabweichung - ein Drittel des Ilittelwerts - entspricht. Deshalb wird bei Erreichung des endgültigen Zustandes unter der Bevölkerung eines bestimmten Gebietes nur eine Person
unter etwa 700 mehr als der doppelten durchschnittlichen Strontium-90Belastung ausgesetzt sein, und die Chancen dafür, daß jemand mehr als
der dreifachen normalen Belastung ausgesetzt wird, stehen etwa 1:20
Millionen.
Wie steht es nun mit einer nicht im Gleichgewicht befindlichen
Verteilung, wenn das Strontium-90 seinen !7eg in den biologischen Stoffwechsel findet? Offenbar ist die Belastung in diesem Fall viel geringer, aber die Abweichung vom Mittel wird prozentual wahrscheinlich viel
höher liegen, vor allem bei Erwachsenen, bei denen die Knochenbildung
bereits vor der Zeit der Entstehung von Strontium-90 weitgehend abgeschlossen war. Die gegenwärtige Strontium-90-Konzentration bei Erwachsenen hängt sehr stark von den Wachstums- und Stoffwechselvorgängen in
den verschiedenen Knochenpartien der Person ab, bei der zufällig Gewebeproben entnommen werden. Die spezifische Konzentration des abgelagerten
Strontium —90 wird jedoch nicht höher sein als diejenige in jungem
Knochengewebe, das vollständig unter den gegenwärtigen biologischen Bedingun- 12 -

�"AMERIKA DIENST"

22. Hai 1957

Bedingungen aufgebaut wird - das heißt, die lokale Konzentration im
ausgewachsenen Knochen wird nicht höher sein als die durchschnittliche Konzentration im Skelett von Kindern, in derem ganzen Körper
die Mischung aus Strontium-90 und Calcium zu finden ist, die wir
jetzt mit der Nahrung aufnehmen. Da gegenwärtig die \7erte für die
durchschnittliche Gesamtkonzentration von Strontium-90 bei Kindern
einerseits und Erwachsenen andererseits dem Verhältnis 4:1 entsprechen,
kann der Paktor für die Konzentration in den aktiven Knochenpartien
von Erwachsenen bis um das Vierfache größer sein als der Durchschnittswert für den ganzen Körper. Daher müßte die scheinbare Streuung bei
den ja nicht systematisch zu entnehmenden Gewebeproben aus Knochenpartien von Erwachsenen sehr groß sein im Vergleich zu dem wahren
Gleichgewicht, das aus diesen Gründen eine gewisse Schwankungsbreite
aufweist. Bei zunehmender Annäherung an das Gleichgewicht muß jedoch die Schwankungsbreite ganz merkbar abnehmen.
Die für menschliches Knochengewebe ermittelten Y.rerte lassen
eine außerordentlich große Streuung erkennen-,- aber es scheint sich
doch in der Abweichungiganz deutlich die Tatsache widerzuspiegeln,
daß bei Erwachsenen das Skelett mit der gegenwärtigen Nahrungseu»••
führung nicht im Gleichgewicht steht, und daß die Abweichungen die
Grade reflektieren, in denen die verschiedenen Knochenpartien im
Körper der einzelnen Personen mit der in der allgemeinen biologischen
Umwelt zur Verfügung stehenden Nahrung ins Gleichgewicht kommen.
Untersuchungen an ganzen Skeletten aus einem jeweils gegebenen geographischen Raum, die zur Zeit im Rahmen des Projekts Sunshine durchgeführt v/erden, dürften den Fragenkomplex der Abweichungen bei den
einzelnen Individuen hinsichtlich des Grades klären helfen, in dem
sie mit der allgemeinen biologischen Umwelt ins Gleichgewicht kommen.
Diese Studie wird im Institut von Dr. Kulp gemacht.
Aus all diesen Untersuchungen müßte eigentlich ersichtlich sein,
daß bei Erwachsenen der Abweichungsfaktor vom Hittelwert größer sein wird
als der Paktor '3&gt; der offenbar für jene Arten von gleichgewichtsgemäßen Schwankungen normal ist, die oben bereits erörtert wurden.
Es ist natürlich sehr wichtig, eine eindeutige Beweisführung für
diese Voraussage zu geben. Die allgemeine Übereinstimmung im Verlauf
der Ve -r.eilungskurven bei so weitgehend verschiedenen Substanzen, wie
es gewöhnliches Kalium als Bestandteil des Körpers, Radium und gewöhnliches Strontium als Bestandteil von Teilen menschlicher Knochen
und eindeutig als Ausfallprodukt identifiziertes radioaktives Strontium
im Körper von totgeborenen Kindern sind, gibt uns allen Grund zu der
Annahme, daß es in cezug auf die Schwankungsbreiten von Radiostrontium
im menschlichen Skelett nichts Außergewöhnliches auf sich hat.

III. Örtliche Abweichungen in der Strahlenbelastung durch Strontium-90
Von größter Bedeutung als Ursache der örtlichen Abweichungen in bezug
auf die Strahlenbelastung durch Strontium-90 bei Einzelpersonen ist natürlich die Menge der ausgefallenen Radioaktivität in einem gegebenen geographischen Raum. Die allgemeinen Regeln für die Intensität der Ausfallaktivität wurden bereits umrissen. Für in der Luft zur Explosion gebrachte
- 13 -

�"AICRIKA DIENST"

22. Hai 1957

gebrachte LIegatonnen-l/aff en können wir nach den gegenwärtigen Stand
unseres Y/issens annehmen, daß die dabei ausgefallene Radioaktivität
sich nahezu um den ganzen Erdball zieht; der Einfachheit halber und
mangels besserer Informationen zum gegenwärtigen Zeitpunkt nehmen
wir als gegeben an, es handle sich dabei um eine über die ganze Erde
einheitliche Verteilung von Aerosolteilchen, die aus der Stratosphäre
in tiefere Zonen absinken. Es werden zur Zeit umfassende Unterlagen
und Daten zu diesem Punkt gesammelt, die zweifellos die Frage der
horizontalen Austauschvorgänge in der Stratosphäre klären helfen.
Die Gebiete der nördlichen Hemisphäre zwischen dem 10. und
60.Grad nördlicher Breite weisen den höchsten Gehalt an Strontium-90
auf. In den Vereinigten Staaten, die den Versuchsplätzen in Nevada
am nächsten gelegen sind und daher auch einen ungewöhnlich hohen
Grad an Ausfällungsaktivität aufweisen, beträgt die Aktivität durch
Strontium-90 zur Zeit etwa 25 Hillicurie (mC) pro Quadratmeile.
Für einen normalen Boden ergibt sich hieraus eine Konzentration
von etwa 50 Sunshine-Einheiten in der oberen Bodenschicht. Unter
Berücksichtigung der bereits erwähnten Trennfaktoren bedeutet dies,
daß im Gleichgewichtszustand eine Strahlenbelastung des Körpers
von 1,7 bis 3,9 Sunshine-Einheiten zu erwarten ist. Tatsächlich
läßt die gegenwärtige Belastung bei Kleinkindern auch darauf schließen, daß der niedrigere Wert dem wahren Sachverhalt näher kommt.
Die gegenwärtige Strahlenbelastung bei Kindern - etwa 0,5 SunshineEinheiten - stammt wahrscheinlich aus einem durchschnittlichen
Strontium-90-Gehalt in der oberen Bodenschicht, der einer Aktivität
von zirca 15 Hillicurie (mC) pro Quadratmeile beziehungsweise etwa
25 bis 30 Sunshine-Einheiten zum Zeitpunkt der Aufnahme des Strontium-90
entspricht. Somit finden wir, daß der experimentelle Wert für das Verhältnis zwischen Strahlenbelastung für Kleinkinder und durchschnittlicher Konzentration in der oberen Bodenschicht etwa 1:50 beträgt;
es liegt also den oberen Grenzwerten der Laboratoriumsergebnisse näher
als den unteren Grenzwerten.
Tabelle II enthält die neuesten Meßwerte über den Gesamtausfall
an Strontium-90 nach Analysen von Bodenproben aus dem Gebiet der
Vereinigten Staaten, und Schaubild 5 zeigt diese Angaben in graphischer Darstellung.
Der nördliche Teil der USA weist eine Aktivität aus Strontium-90
von etwa 20 bis 30 mC pro Quadratmeile auf, der südliche Teil etwas
weniger. Der niedrige Wart von 7 mC/Quadratmeile für Grand Junction
im Staat Colorado ist wahrscheinlich auf die örtlichen klimatischen
Bedingungen und die spezifische Beschaffenheit der Stelle zurückzuführen,
an der die Bodenprobe entnommen wurde.

Tabelle II

14

�"AMERIKA DIENST"

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1957

Tabelle II
Überwachung des Gebietes der Vereinigten Staaten auf den Strontium-90-Gehalt des Bodens durch das Institut für Gesundheits- und Gefahrenschutz. Die Probenentnahme erfolgte zwischen dem 8. und 13« Oktober 1956. Strontium-Extraktion mit 6n-HCl bei Raumtemperatur. Die angegebenen Werte entstammen Vollanalysen nach Entnahme der Proben und
Trocknung an der Luft. Jeder Toleranzwert repräsentiert eine Normalabweichung unter Berücksichtigung von Zählfehlern.
Ort der Probenentnahme :

Albuquerque,
N.M.

Bod e n t i e f e
D/m// ? Boden
( i r Zol] •
(Zerfallsdichte
1 Zoll= 2 , 5 4 cm)
p.Minute p . g .
0 - 2
2 -

Atlanta,

Ga.

10 1 / f

0 - 2
2 - 6

Binghamton,
N.Y.

0 - 2

Idaho

0 - 2
2 - 6

Des M o i n e s , Iowa

0 - 2
2 - 6

Detroit,

Mich.

-

Grand J u n c t i o n ,
Colorado

0 - 2
2 - 6
0 - 2

2 -

Jacksonville,
Fla.

10 1

0 - 2
2 - 6

0,078
0,075
0,008
0,005

+
+
+
±

0,001
0,001
0,002
0,002

7,5
7,2
4,4
2,4

0,55
0,42
0,018
0,021

+
±
+
±

0,007
0,009
0,004
0,003

14
±0,3
16
+ 0,4
2,8 + 0,6

+
+
+
+
0,23 +
0,26 +
0,012 +
0,015 ±
0,31 +
+
0,31
0,028 +
0,024 7

0,007
0,007
0,003
0,005
0,006
0,006
0,002
0,002

17
±0,4
18
+ 0,4
4,4 + 0,8
5 , 2 ± 1,1

18

20
23
5,1
4,0

0,6
0,6
0,6
0,6

22

0,007
0,007
0,002
0,003

25
+ 0,5
23
• 0,5
7,6 ± 0 , 7
6,6 ± 0,7

23

0,26
0,27
0,038
0,044

0,006
0,006
0,003
0,003

20
+ 0,5
20
+0,5
7,5 ± 0 , 5
8,4 ± 0,6

20

0,32
0,35
0,019
0,023

2 - 6

Boise,

Boden)

mC/Qu.M.
mC/ftu.M X.
( M i l l i c u r i e Durch- i n s p.Quadrat- s c h n i t t ges.
meile)

u

+
+
+'
±

±
+
±
±

0,1
0,1
0,9
0,8

7,3
5,4
15
3,®

5,5 ± 0 , 5

+
+
±
_+_

0 , 1 0 + 0,001
0,091 + 0,001
0,11
+ 0,019
0,070 + 0,013
&lt;0,&lt; DQ2
_ &lt; 0 t ! 302

7,8 +
7.1 +
8.2 +
5,1 +
£0,45
30,51

0,1
0,1
1,4
1,0

0,11
+ 0,009
0,013 + 0,004
0,020 + 0,005

7,3 + 0,6
2,7 ± 0 , 9
4 , 0 ± 1,0

4,8

5,5

7,1

7,8

15

-

ia

23

26

30

28

7,0

SO,48

1

7,3

M

Los A n g e l e s
-

11

11

�"AIIERIKA DIENST"
Los Angeles,
Calif.

22

0-2
2 - 7

I'enphis, Tenn.

0-2
2-6

New Orleans,
La.

0-2
2 - 6

New York, 1T.Y.

0-2
2-6

Philadelphia,
Pa.

0-2
2-6

Rapid City, S.D.O - 2
2-6
Rochest'er, N.Y.

0-2
2-6

Salt Lake City, 0 - 2
Utah
2 - 8

S e a t t l e , Y/ash.

0 - 2
2 - 6

0 , 1 2 _+ 0 , 0 0 8
0 , 1 4 _+ 0 , 0 0 9
0,009 7 0,002
0 , 0 0 6 £ 0,002
0,27 ± 0,006
0,26 ± 0,006
0,023 + 0,003
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27

�"AMERIKA DIENST"

22. Mai

1957

Die verschieden starke Ausfallsaktivität wird wohl am besten mit
Hilfe des sogenannten "Topfsammeiverfahrens" gemessen. Ein Eimer mit
gerade abfallenden Wänden von angemessener Höhe wird ins Freie gestellt,
mit dem die gesamten Ausfallsprodukte innerhalb eines bestimmten Zeitraums zusammen mit Regen, Schnee, Staub usw. gesammelt werden. Man läßt
den Eimer im Freien stehen, gleichgültig, ob es regnet oder nicht, und
erfaßt so die Ausfallsaktivität in einer bestimmten Periode. Die Schaubilder 6 und 7 zeigen - unter Berücksichtigung eventueller Meßfehler die auf diese V/eise erhaltenen Kurven für das Gebiet von New York und
Pittsburgh. Man beachte die unterschiedlichen Neigungswinkel der Kurve;
es ist interessant, sie mit den Testperioden und dem relativ kurzlebigen troposphärischen Ausfall in Beziehung zu setzen. Die flachsten
Kurvenabschnitte, die für Zeiten der Testruhe charakteristisch sind,
ergeben sich aus der bereits erwähnten stratosphärischen Ausfallsaktivität; sie dürften, wenn genügend Stichproben aus den verschiedensten
Teilen der Welt zur Verfügung stehen und zusammen mit den Meßresultaten
über die Mengen von Radiostrontium und Radiocaesium in der Stratosphäre
ausgewertet werden, exakte Angaben über die Zeit des Verbleibs in der
Stratosphäre und damit auch eine Lösung der Frage des atmosphärischen
Austauschs ermöglichen.
Neben der Intensität des radioaktiven Ausfalls ist auch die Frage
des Anteils von Hadiostrontium und, was die troposphärische Ausfallsaktivität betrifft, von Radiojod mit achttägiger Halbwertzeit, das in
assimilierbarer Form auftritt, von großer Bedeutung. So weit sich dies
bisher übersehen läßt, scheint das Ausfallstrontium größtenteils in
Wasser völlig löslich und somit assimilierbar zu sein; aber die Experimente speziell in bezug auf dieses Problem sollten doch fortgeführt
werden. Die direkte Inkorporation an der Blatt- und Grasoberfläche fördert natürlich die Assimilation von Strontium, da in diesem Fall der
Selektionsmechanismus, wie er bei der Aufnahme von Strontium über das
Wurzelwerk der Pflanze in Aktion tritt, umgangen wird. Ein weiterer
Faktor ist natürlich die Konzentration des nutzbaren Calciums im Boden,
Unter nutzbarem Calcium verstehen wir jenes Calcium, das von den Pflanzen aufgenommen werden kann, nicht jedoch das gesamte im Boden enthaltene Calcium. Es ist bekannt, daß Pflanzen, die auf Böden mit einem
hohen Gehalt an nutzbarem Calcium wachsen, einen geringeren Radiostrontium-Gehalt haben; das heißt, der Anteil von radioaktivem Strontium im
Verhältnis zum Calcium in der Pflanze ist infolge der geringeren Konzentration von Radiostrontium im Bodencalcium niedriger. Darüber hinaus
neigen, wie bereits ausgeführt, die Pflanzen dazu, das Calcium dem Strontium vorzuziehen, und zwar geschieht dies mit einem Trennfaktor von 1,4»
Schafe, die in gewissen Gegenden von Wales gezüchtet wurden, hatten in
ihrem Skelett Konzentrationen bis zu 150 Sunshine-Einheiten, während
bei Schafen und Rindern in den USA kaum mehr als ein Fünftel dieser
Konzentration festgestellt wurde. Stellenweise ist der Boden in Wales
sehr calciumarm, und folglich haben die Weidegräser dort einen hohen
Radiostrontium-Gehalt. Es ist natürlich klar, daß eine Düngung mit
Calcium diese Schwierigkeit sofort beheben würde; geschieht das aber
nicht, so ist zu fragen: Inwieweit fördert Calciummangel die Aufnahme
von Strontium-90 über den biologischen Kreislauf?
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�"AMERIKA DIENST

22. Mai 1957

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ergibt sich über die Nahrungsverteilung eine gewisse Nivellierung, und überdies sind calciumarme
Böden naturgemäß nur wenig ergiebig; folglich kommt auch der darauf
erzeugten Nahrung weit weniger Bedeutung zu als den Produkten von einem
gut gedüngten, wohl ausbalancierten Boden. Durch diesen Umstand wird
der Anteil von Nahrung mit übermäßig hohem Gehalt an Strontium-90 in
der großen Masse der zur Verteilung gelangenden Nahrungsmittel reduziert. Zur Prüfung des Radiostrontium-Gehalts der Nahrung in bestimmten
Gebieten dürfte es daher genügen, wenn wir uns mit dem RadiostrontiumGehalt der Milch näher befassen, da Milch die wichtigste Quelle für die
Calciumaufnähme ist. Direkte Messungen haben gezeigt, daß mit dem Faktor 5 alle Abweichungen, die aus den verschiedensten Einzelfaktoren einschließlich des Calciummangels in sauren Böden - resultieren, erfaßt
werden.
Die allgemeine Inkorporation muß vom Schema der Nahrungsverteilung abhängig sein, und die relativ geringen Schwankungen im Gehalt
der Milch müssen dies erkennen lassen. Die Anzahl der Individuen, die
vollständig auf die Produkte von sehr calciumarmen Böden angewiesen
sind, ist sehr klein, aber es muß auch in diesem Fall nachzuweisen
sein, daß diese Personen,falls sie beispielsweise auf einem völlig
isolierten Bauernhof in einer solchen Gegend aufwachsen, die 10 bis
50fache Menge des durchschnittlichen Gehalts an Strontium-90 i m Körper haben. Die normale Calciumkonzentration in Böden auf dem Gebiet
der Vereinigten Staaten beträgt etwa 20 Gramm pro Quadratfuß für die
oberste Bodenschicht bis in etwa 6 cm Tiefe, bei den calciumärmsten
Böden dagegen nur 0,4 Gramm - der Mangelfaktor beträgt hier also 50»
Aus eingehenden Untersuchungen des Verfassers an Menschen, die in
Gebieten mit calciumarmen Böden leben, jedoch in die normalen Verteilungs-Schemata für Nahrungsmittel einbezogen sind, geht hervor, daß
hinsichtlich der Aufnahme von Strontium-90 ein Faktor der Größenordnung 5 etwa dem Effekt entspricht, der von einem calciumarmen Boden mit dem Mangelfaktor 50 erwartet werden kann. Die Nahrung aus Gebieten außerhalb der calciumarmen Böden reduziert auf etwa den zehnten
Teil die verstärkte Aufnahme von Strontium-90, die infolge eines
Calciummangels im Boden zu erwarten wäre, wenn die Bevölkerung für
die Dauer des Körperaufbaus, also etwa bis zum 20. Lebensjahr, ausschließlich von den Produkten des Bodens der betreffenden Gegend lebte.
Den geringsten Strontium-90-Gehalt hat Fischfleisch; der Grund
hierfür ist in der starken Abschwächung zu suchen, die die Ausfallsaktivität im Bereich der hundert Meter Seewasser über der Wärmegrenzschicht erfährt, wo sich die Ausfallsprodukte in wenigen Tagen oder
Stunden rasch mit dem Wasser vermischen. Das bedeutet, daß die spezifische Konzentration von radioaktivem Strontium oder irgendeinem
anderen Ausfallsprodukt in Seewasser relativ viel niedriger ist als
dies im Boden der Fall sein würde. So sind beispielsweise in einer Seewassersäule von 100 Metern Höhe und 1 Quadratfuß Querschnitt 570 Gramm
Calcium gelöst, in einem nur 6 cm dicken Ausschnitt der Bodenschicht
gleichen Querschnitts jedoch, wo das Radiostrontium abgelagert und festgehalten wird, bereits 20 Gramm. Deshalb weisen grundsätzlich Nahrungsstoffe aus dem Meer und Fische im Vergleich zu allen anderen Nahrungsstoffen den geringsten Radiostrontiumgehalt aus dem radioaktiven Ausfall auf.
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22. Hai 1 &gt; 57

IV. Wirkungen fortdauernder Kernwaffenversuche und allgemeine
Schlußfolgerungen
Alles in allem sehen wir also, daß die gegenwärtige Strahlenbelastung des Körpers durch Strontium-90 aus den Kernwaffenversuchen in
den Vereinigten Staaten der Strahlendosis für das Knochengewehe entspricht, die sich aus ein paar hundert Iletern Höhenunterschied ergeben
würde; und im übrigen lassen die vorliegenden Lebensstatistiken keine
beobachtbare Wirkung auf das Auftreten von Knochenkrebs oder Leukämie
im Zusammenhang mit viel größeren Höhenunterschieden erkennen. Der
Toleranzwert von 100 Sunshine-Einheiten, oder 0,1 ""ikrocurie pro
Person, beziehungsweise 100 millionstel I.Iikrocurie pro Gramm Körpercalcium, der jetzt als Unbedenklichkeitsgrenze festgesetzt ist,
ist etwa 200mal höher als das gegenwärtig in den Vereinigten Staaten
festgestellte Niveau für junges Knochengewebe; unter keinen irgendwie voraussehbaren Umständen wird dieser Wert infolge Ausfallaktivität durch Kernwaffenversuche überschritten werden.
Die Verteilung der Strahlenbelastung durch Strontium-90 unter der
in einem bestimmten Gebiet lebenden Bevölkerung wird eine normale
Fehlerkurve mit einer mittleren Abweichung von etwa einem Drittel der
Durchschnittskonzentration ergeben. Das bedeutet, daß etwa 1 Person
unter 500 mehr als der doppelten durchschnittlichen Belastung für das
betreffende Gebiet, und etwa 1 unter mehreren Ilillionen mehr als der
dreifachen durchschnittlichen Belastung ausgesetzt sein wird.
Der Wirkung im lokalen Bereich kommt jedoch größere Bedeutung zu,
insbesondere der Wirkung von Calciummangel im Boden. Sine sorgfältige
Überprüfung dieser Frage läßt den Schluß zu, daß nur bei sehr.wenig
Individuen ein Strontium-90-Gehalt auftreten wird, der der nutzbaren
Calciumkonzentration des Bodens in dem betreffenden Gebiet umgekehrt
proportional ist. Dies ergibt sich aus der Tatsache, daß die Schemata
der Nahrungsverteilung automatisch einen Querschnitt durch einen sehr
großen geographischen Raum darstellen und die Bevölkerung eines gegebenen Gebietes das Calcium des betreffenden Bodens nur langsam assimiliert. Die meisten Menschen trinken i.Iilch und essen Käse und andere
calciumhaltige Nahrungsmittel aus einem verhältnismäßig großen "Einzugsgebiet", und dieser Umstand dürfte die mögliche Wirkung eines
Calciummangels in den verschiedenen Böden um etwa den Faktor 10 ver-

Auf der Basis von Laboratoriumsversuchen in hezug auf Strontium-90'
Konzentrationen im menschlichen Körper bei radioaktivem Gleichgewicht
ergeben sich Werte, die um das 13 bis JOfache niedriger liegen als die
Werte für die obere Bodenschicht. Die gegenwärtig vorliegenden Daten
weisen darauf hin, daß die höhere Zahl den tatsächlichen Gegebenheiten
näher kommt, so daß man selbst bei Annahme eines Y.'ertes von 20 für
dieses Verhältnis noch sehr vorsichtig verfährt. Die gegenwärtige Belastung durch 50 Sunshine-Einheiten in der oberen Bodenschicht in den
Vereinigten Staaten dürfte somit schließlich zu einer Belastung von
2,5 Sunshine-Einheiten, wahrscheinlich aber nur von 1,7 SunshineEinheiten in menschlichem Knochengewebe führen.
Natürlich

�"AMERIKA DIENST"

22. Mai 1957

Natürlich wird dieses Niveau bei Portführung der Kernwaffenversuche und einem damit verbundenen größeren Anfall von Spaltprodukten
steigen. Das gegenwärtig noch in der Stratosphäre gebundene Strontium-90 wird nach unseren Erwartungen in Mengen niedergeschlagen
werden, die mit dem Zerfall der bereits niedergeschlagenen Produkte
ziemlich im Gleichgewicht stehen dürften, so daß von dieser Seite
keine große zusätzliche Erhöhung aus den bereits vorgenommenen Kernwaffenversuchen zu erwarten ist. Sollten die Versuche in etwa dem
gleichen Umfang weitergeführt werden wie in den letzten fünf Jahren,
dann müßten wir bei radioaktivem Gleichgewicht nach langer, kaum
vorausberechenbarer Zeit das Achtfache des gegenwärtigen Niveaus
erreichen, da die durchschnittliche Lebensdauer von Strontium-90
40 Jahre beträgt. Dieser Berechnung liegt die Annahme zugrunde,
daß bei künftigen Kernwaffenversuchen in einem Zeitraum von jeweils
fünf Jahren die gleichen Mengen Aunfallprodukte wie in den vorausgegangenen fünf neu hinzukommen. Und so könnten wir dann in den Vereinigten Staaten eine durchschnittliche Strontium-90-Konzentration
in menschlichen Körper von 20 Sunshine-Einheiten erwarten, wenn wir
den vorsichtig geschätzten Trennfaktor 20 für den Unterschied der
Konzentration in der oberen Bodenschicht und im menschlichen Knochengewebe zugrundelegen, beziehungsweise von 5 Sunshine-Einheiten, wenn
wir den Faktor 00 verwenden. Das heißt mit anderen V/orten, daß bei
Portführung der Versuche auf unabsehbare Zeit in dem gleichen Umfang
wie in den vergangenen fünf Jahren im Geoiet der Vereinigten Staaten
ein Wert zwischen 5 u n d 20 Sunshine-Einheiten als Gleichgewichtskonzentration für das menschliche Knochengerüst auftreten würde.
Dieses Niveau würde erst nach einigen Jahrzehnten erreicht. In 28 Jahren - von 1952 an gerechnet - betrüge es die Hälfte, und nach weiteren
28 Jahren, also im Jahr 2008, drei Viertel dieses Gleichgewichtswertes•
So dürften sich also für die Bevölkerung der Vereinigten Staaten 4 bis
15 Sunshine-Einheiten Strahlenbelastung durch Strontium-90 im menschlichen Knochengewebe ergeben, wenn die Kernwaffenversuche in der jetzt
üblichen Art über 50 Jahre weitergeführt werden.
In den calciumarmen Gebieten der Erde kann dieses Niveau sich bis
auf das Fünffache erhöhen. Unter der Voraussetzung des gegenwärtigen
Versuchsumfangs ist damit zu rechnen, daß zu Beginn des 21.Jahrhunderts
in diesen bestimmten, räumlich begrenzten Gebieten der V,rert von
100 Sunshine-Einheiten, also der Toleranzgrenze für die Bevölkerung
im allgemeinen, annähernd erreicht wird. Die für diese Gebiete zutreffenden Bedingungen könnten jedoch durch eine Düngung des Bodens
mit Calcium entweder als Nitrat oder als Kalk - das hängt davon ab,
was nach anderen notwendigen Erwägungen vorteilhafter ist - gemildert
werden.
Im Rahmen des Projekts "Sunshine" werden die Probleme einer über
die ganze Erde verbreiteten Ausfallsaktivität weiter gründlich untersucht - vor allem der Gehalt der Stratosphäre an Radiostrontium und
Radiocaesium, das Auftreten dieser Isotope speziell in Boden und
V/asser und ganz allgemein in der Biosphäre, die biologischen Effekte
bei bestimmten Graden der Verseuchung mit Strontium-90 und in einem
geringeren Ausmaß auch mit Caesium-157 sowie die möglichen genetischen
Wirkungen der niedrigen Gammastrahlendosen, wie sie sich aus der welt- 20 -

�"AMERIKA DIENST"

22. Mai

1957

weltweiten Strahlungsaktivität als einer Folge von Kernwaffenversuchen
ergeben. All dieye Dinge werden nicht nur mit dem Ziel untersucht,
Schutzmaßnahmen für den Fall eines Atomkrieges zu entwickeln, sondern
ebenso für eine Anwendung in dem allerdings kaum wahrscheinlichen Fall
von Katastrophen in der Industrie, die sich im Zusammenhang mit verschiedenen Prozessen im Zuge der friedlichen Nutzanwendung der Kernenergie, vor allein in Atomkraftwerken, ereignen könnten. Ganz gewiß
ist die Kenntnis der IVirkungaweis« einer die gesamte Erde erfassenden
Ausfallsaktivität auch für die Kontrolle u id sichere Handhabung von
Isotopen von Nutzen. Alle de.:nit zusammenhängenden Studien werden in
enger Zusammenarbeit mjt dem Wissenschaftlichsn Eoirat der Vereinten
Nationen für Fragen der Effekte atomarer Strahlung durchgeführt, und
es ist zu hoffen,daß mit zune mender Vervollständigung der Daten sich
im Laufe der Zeit alle Länder an diesen internationalen Bemühungen
beteiligen, die Auswirkungen der großen, neuen Gegebenheit in uriserem
Leben, des Atoms und seiner Kräfte, besser zu verstehen.
7.Schaubilder

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Allg./29.5.1957

EISENHOWER ERSUCHT KONGRESS UM BEWILLIGUNG
VON 3,8 MILLIARDEN DOLLAR
FÜR DIE AUSLANDSHILFSPROGRAMME

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Botschaft Präsident Eisenhowers an den amerikanischen
Kongreß, in der er am 21.Mai 1957 U M die
Billigung der Auslandshilfsprogramme in
Höhe von 3,8 Milliarden Dollar ersuchte.

Die Sicherheit unseres Landes, die Erhaltung und Stärkung des
Weltfriedens und die Eindämmung der Gefährdung des Lebens und der
materiellen Hilfsquellen Amerikas in künftigen Jahren fordern gebieterisch, daß wir unsere weltweiten kollektiven Sicherheitsbemühungen fortführen.
Als eine Ergänzung unserer Landesverteidigung gewähren die
erprobten und bewährten Programme für Gemeinsame Sicherheit dem
amerikanischen Volk ein größeres Maß an Sicherheit pro investiertem Dollar als irgendeine andere Haushaltausgabe.
Für unsere wichtigste Aufgabe - den Kampf um den Frieden bilden diese Programme eine festere Grundlage als jede andere Bestrebung unseres Landes.
Seit fast einem Jahrzehnt hat noch jede objektive Analyse diese Auffassung bekräftigt, und auch im vergangenen Jahr wurde ihre
Richtigkeit in überzeugender Weis« bestätigt. Mehrere Kongreßausschüsse, die Exekutive selbst und viele hervorragende Bürger haben
diese Programme abermals einer Prüfung unterzogen. Bezüglich zweier
Grundtatsachen kamen alle diese Gruppen übereinstimmend zu dem Ergebnis:
Erstens: Daß sowohl die militärischen als auch die Wirtschaft«
liehen Seiten unserer Programme für Gemeinsame Sicherheit für die
Sicherheit des amerikanischen Volkes und den Weltfrieden von großer
Bedeutung sind.
Zweitens:

�"AMERIKA DIENST"

29. Mai 1957

Zweitenst Daß diese Programme noch einige Jahre lang für die
Erreichung der Ziele unseres Landes in der Welt unerläßlich sein
werden.
Diese Untersuchungen der jüngsten Zeit bestätigen erneut, daß
diese Programme
unsere eigene Verteidigung stärken;
durch die Förderung und Ausweitung der Wirtschaft der weniger
entwickelten Länder unseren eigenen Interessen dienen; und
die notwendige mächtige Wehr schaffen, mit deren Hilfe wir
politischen und wirtschaftlichen Krisen im Ausland, die unsere eigenen Lebensinteressen gefährden, begegnen können.
Deshalb tragen wir während dieser Sitzungsperiode des Kongresses
nicht nur die Verantwortung für eine einfache Weiterführung dieser Programme, sondern für ihre Fortführung in dem von den uns bedrohenden Gefahren und von den Möglichkeiten, diesen zu begegnen, diktiertem Ausmaß.
Analysen aus der jüngsten Zeit stimmen auch darin ganz allgemein
überein, daß diese Programme durch eine klare gegenseitige Abgrenzung
ihrer wesentlichen Elemente und deren jeweiliger Zielsetzung sehr gestärkt werden könnten. Ich möchte hier zunächst auf die einzelnen
Elemente der Programme eingehen und dann die spezifischen Änderungen
erörtern, um deren Billigung ich den Kongreß zur Erhöhung der Wirksamkeit der Programme ersuche.
Das erste Element ist die militärische Verteidigungshilfe - die
gemeinsamen Bemühungen, die wir und andere freie Länder unternehmen,
um ein Gegengewicht für die sowjetisch-chinesische Militärmacht und
ihr Streben nach der Weltherrschaft zu schaffen. Jene Macht nimmt
ständig zu: an Waffen, an verfügbarer Atomkraft und an wirtschaftlichem Potential. Denn das Ziel der Kommunisten, die Welt zu erobern,
hat sich nicht gewandelt.
Wollte es unser Land allein auf sich nehmen, dem kommunistischen
Imperialismus Widerstand zu leisten und entgegenzuwirken, so würde
dies unserem Volk ungeheure Verteidigungsausgaben aufbürden und uns
schließlich die Freiheit kosten.
Auch den anderen freien Völkern wäre es nicht möglich, einzeln
zu versuchen, diese Bedrohung abzuwehren.
Deshalb haben wir uns mit anderen freien Völkern in unserem eigenen
Interesse zusammengefunden, um gemeinsam ein System der kollektiven
Sicherheit aufzubauen und zu unterhalten, in dem die Bemühungen jedes
einzelnen Volkes die Stärke aller mehren. Inzwischen ist dieses System
zum Grundpfeiler sowohl unserer als auch ihrer Sicherheit in einer von
Spannung und Ungewißheit erfüllten Welt geworden.
Dieses System der kollektiven Sicherheit kann nur dann erfolgreich
sein, wenn es wirklich auf gemeinsamer Basis beruht und auf gemeinsamem
- 2-

�"AMERIKA DIENST"

29. Mai 1957

gemeinsamem Handeln zum Aufbau der gemeinsamen Stärket
Wir liefern, abgesehen vom Unterhalt unserer eigenen Streitkräfte
hier und im Ausland, zahlreichen Ländern militärische Ausrüstungen und
gewähren ihnen Ausbildungshilfe und einigen von ihnen auch noch wirtschaftliche Hilfe, um ihnen den Unterhalt von starken Streitkräften,
wie sie für die gemeinsame Verteidigung erforderlich sind, zu erleichtern.
Die uns befreundeten Völker ihrerseits stellen eigene Streitkräfte auf und tragen in den meisten Fällen auch den größten Teil
der daraus erwachsenden direkten finanziellen Lasten. Sie stellen
ferner ihren und unseren Luft-, Land- und Seestreitkräften strategisch wichtige Positionen zur Verfügung - Positionen, die für uns
von entscheidender Bedeutung sind und uns befähigen, andere vor einer
Aggression abzuschrecken und unsere Heimatländer zu verteidigen.
Die Vereinigten Staaten haben in den letzten acht Jahren direkte
Militärhilfe an die Streitkräfte solcher Länder in Höhe von rund 17
Milliarden Dollar geleistet. Im gleichen Zeitraum haben die Völker der
freien Welt 107 Milliarden Dollar in ihre eigene und in die gemeinsame
Verteidigung gesteckt.
Mit diesen 17 Milliarden Dollar haben wir dazu beigetragen, in
der freien Welt eine Streitmacht von 200 Divisionen uns befreundeter
Streitkräfte aufzubauen und auszurüsten.
Sie verfügen über rund 27 000 Plugzeuge.
Sie unterhalten rund 2500 für den Kriegseinsatz verwendungsfähige Marineeinheiten im aktiven Dienst.
Die Hilfe, die wir unseren Freunden geleistet haben und noch
leisten, mehrt ihre Möglichkeiten, sich selbst gegen Umsturzversuche
im Inneren und gegen eine etwaige Aggression von außen zu verteidigen.
Sie mehrt die Sicherheit der bereinigten Staaten ganz erheblich.
Durch ihre stabilisierenden Auswirkungen auf die internationale
Lage erhöht sie die Aussichten auf einen gerechten und dauerhaften
Frieden.
Der Wert dieser Bemühungen um ein kollektives Sicherheitssystem
für den Schutz Amerikas und die Verhütung eines Krieges hat sich bereits erwiesen. Ich zähle im folgenden einige historische Ereignisse
auf, in deren Fall eine Verweigerung von Hilfe schlimmste Folgen für
unser Land und den Weltfrieden hätte haben können.
Ohne amerikanische Hilfe wären Griechenland und die Türkei 1947
der Macht der Kommunisten erlegen.
Ohne unsere Hilfe wäre die Entschlossenheit der jugoslawischen
Führung und des jugoslawischen Volkes, die Unabhängigkeit ihres Staates

. 3-

�"AMERIKA PIEKST"

29. Mai 1957

Staates von Moskau durchzusetzen, nach 1948 wohl .kaum wach geblieben.
Ohne unsere Hilfe vom Jahre 1954 wäre das strategisch v/ichtige
Gebiet Vietnam und Südostasien heute wahrscheinlich der freien Welt
verloren.
Unsere Hilfe ermöglicht es Korea und dem freien China heute,
ihre nationalen Bestrebungen und ihre Unabhängigkeit unmittelbar
unter den Mündungen der kommunistischen Kanonen aufrechtzuerhalten.
Unsere Hilfe trägt heute im Nahen Osten dazu bei, die Integrität dieses äußerst wichtigen Gebietes der Erde und die Unabhängigkeit
einiger der dort gelegenen Länder zu wahren.
Zu einem Zeitpunkt, in dem unsere früheren Anstrengungen Früchte
tragen und in dem die Sowjets durch Intrigen und mit ihrer Macht in
allen umstrittenen Gebieten der Erde Fuß zu fassen suchen und alle
möglichen Druckmittel anwenden, wäre es in höchstem Grade unklug,
wenn unser Land diese Bemühungen einstellen oder sie durch einen
kurzsichtigen Spareifer auf ihre Kosten lahmlegen wollte.
Das zweite wichtige Element unserer Programme für Gemeinsame
Sicherheit ist die wirtschaftliche Entwicklungshilfe und die technische Zusammenarbeit.
Dieser Teil der Programme ermöglicht es den weniger entwickelten
Ländern, die zur Wahrung ihrer Unabhängigkeit unerläßlichen sozialen
und politischen Fortschritte zu machen. Sofern diese Völker nicht
auf einen gesicherten wirtschaftlichen Fortschritt hoffen können,
besteht die akute Gefahr, daß ihre Regierungen vom Kommunismus gestürzt werden.
Für Millionen Menschen in der Nachbarschaft der sowjetischen
und rotchinesischen Grenzen ist die politische Freiheit noch etwas
Neues. Für viele muß sie ihren Wert erst beweisen. Um fortbestehen
zu können, muß die politische Freiheit erst noch den Weg zu einer
anderen und nicht weniger wichtigen Freiheit weisen - der Freiheit
von jener Armut und Hoffnungslosigkeit, in der diese Völker jahrhundertelang gelebt haben. Diese ihre neue Freiheit bestärkt sie in
dem Wunsch und Entschluß, ihre Wirtschaft zu entwickeln. Sie sind
bestrebt, ihren Lebensstandard zu erhöhen. Dabei fehlt es ihnen aber an
hinreichenden Hilfsquellen, und so benötigen sie dringend Hilfe - sowohl was technisches Können als auch was Kapital angeht.
Wenn diese Länder keine Hilfe von außen erhalten, so können sie
ihren wirtschaftlichen Aufbau nicht soweit vorantreiben, wie dies
zur Erhaltung ihrer Unabhängigkeit notwendig ist. Die führenden
Männer dieser Länder, die einen gemäßigten Kurs verfolgen, müssen
von der freien Welt Hilfe in einem Maß erhalten können, daß sie
ihren Völkern die begründete Aussicht auf einen entsprechenden Fortschritt bieten können. In jedem anderen Fall würden sich ihre Völker
mit Sicherheit von ihnen abwenden. Extreme Elemente würden in den Besitz der Macht gelangen, den nationalen Haß schüren und Uneinigkeit
und Streit im Innern hervorrufen. Damit wäre die große Gefahr gegeben,
daß

�"ALIERIKA DIENST"

29. Hai 1957

daß jene freien Regierungen beseitigt würden. Unbeständigkeit und
eine Bedrohung des Friedens wären das Ergebnis. In unserer so eng
miteinander verflochtenen Welt würde ein solcher Verlauf der Dinge
unser eigenes Volk mit Besorgnis erfüllen und sogar selbst in Gefahr bringen.
Die Hilfe, die wir jenen Ländern zum Zweck der Entwicklung
ihrer Wirtschaft gewähren, ist ein Vorbeugungsmittel gegen solche
Krisen. Unsere Hilfe ist somit eine Art Versicherung gegen zunehmende
Spannungen und erhöhte Kriegsgefahr sowie gegen Verteidigungskosten,
die hier in unserem Lande raketenartig emporschnellen würden, sollte
jenen um ihre Existenz ringenden Völkern eine solche Tragödie widerfahren.
Diese revolutionären Entwicklungen in weit abgelegenen Teilen
der Welt kamen auf dem Rücken jener Welle, die vor eineinhalb Jahrhunderten von dem Beispiel unseres eigenen erfolgreichen Kampfes um
unsere Freiheit ausging. Die Entschlossenheit jener Völker, ihr Los
zu verbessern und ihre neugewonnene Freiheit zu wahren, erweckt Erinnerungen an unsere eigenen erhabenen Traditionen. Wenn wir ihnen
in ihrem Ringen eine helfende Hand bieten, so geschieht dies aber
nicht nur in unserem eigenen Interesse. In einer solchen Haltung
spiegeln sich auch der Charakter und die höchsten Ideale jener Menschen, die unseren Staat aufgebaut und erhalten haben.
Las dritte bedeutsame Element unseres Programms für Gemeinsame
Sicherheit ist die Sonder- oder auch Notstandshilfe, die wir befreundeten Staaten in kritischen Zeiten gewähren, wenn heftige politische
Umwälzungen, Naturkatastrophen oder andere Umstände sowohl die Stabilität jener Länder als auch unsere eigenen nationalen Interessen gefährden.
Im Jahre 1953 hat Persien, ein strategisch sehr wichtiges Gebiet,
unter einem hin und her lavierenden Führer mit dem Kommunismus und
dem Chaos geliebäugelt. Es gelang dem persischen Volk aber, eine Regierung einzusetzen, die uns und der Freiheit aufgeschlossen gegenübersteht. Unsere Hilfe gab ihm jene zusätzliche Stärke, deren es
bedurfte, um wieder stabilere Verhältnisse im Lande zu schaffen und
den Sieg über Gewalt und Umsturz zu konsolidieren.
Eine ähnliche Hilfe an Guatemala sicherte den Fortbestand der
dortigen republikanischen Regierung, nachdem ein prokommunistisches
Regime im Jahre 1954 gestürzt worden war.
In vielen Gebieten der Erde, in denen keine stabilen politischen
Verhältnisse herrschen, versuchen die Kommunisten heute mit ihrer Macht
Fuß zu fassen. Sie schlachten jede etwaige Schwäche der freien Völker
in jeder nur möglichen V/eise für sich aus. Ganz zwangsläufig werden
wir auch in Zukunft mit solchen kritischen Situationen rechnen müssen.
Im Interesse Amerikas müssen wir bereit sein, Sonderhilfe immer dann
zu gewähren, wenn sich aus einem unheilvollen Ereignis in einem anderen
Teil der Welt eine Gefahr für unsere eigenen Lebensinteressen zu ergeben
droht.
Diese

�29. Mai 1957

"AMERIKA DIENST"

Diese wichtigsten Elemente unserer Programme für Gemeinsame
Sicherheit sind deshalb im Interesse unserer eigenen Sicherheit so
notwendig wie je zuvor. Ich glaube aber - und auch andere haben in
jüngster Zeit die gleichen Forderungen erhoben -, daß diese Elemente
klarer gegeneinander abgegrenzt werden sollten, um eine wirksamere und
wirtschaftlichere Verwaltung zu ermöglichen. Ich empfehle vier Änderungen an den bestehenden Programmen:
Erstens: Die Militärischen Verteidigungshilfsprogramme sollen von
den Programmen für Wirtschaftliche Entwicklung getrennt werden.
Zweitens: Die Militärische Verteidigungshilfe soll reorganisiert
und als ein integrierender Bestandteil unserer eigenen weltweiten
Verteidigungsanstrengungen behandelt werden.
Drittens: Wirtschaftliche Entwicklungshilfe soll in erster
Linie in Form von Krediten auf kontinuierlicher Basis und in engem
Zusammenwirken mit der technischen Hilfe gewährt werden.
Viertens: Der Bedarf an wirtschaftlicher Sonderhilfe sollte aus
Mitteln bestritten werden, die eigens für diesen Zweck zu billigen
und bereitzustellen sind.
Um diese Zielsetzungen erreichen zu können, schlage ich folgende
gesetzgeberische Maßnahmen vor:
Erstens: Ich empfehle, daß die Verteidigungshilfe, sowohl die
militärische Hilfe als auch die damit verbundene Wirtschaft liehe Unterstützung, von der Wirtschaftlichen Entwicklungshilfe getrennt wird.
Wir wenden den größten Teil unserer Ausgaben für Gemeinsame
Sicherheit dafür auf, die Streitkräfte befreundeter Staaten durch Gewährung
von zweierlei Formen der Verteidigungshilfe zu stärken:
Im einen Fall handelt es sich um die militärische Hilfe - das sind
Lieferungen von Geschützen, Munition, Panzern, Flugzeugen, Schiffen und
anderen Waffen an unsere militärischen Verbündeten, sowie unsere Mitwirkung bei der Ausbildung an diesen Waffen.
Im anderen Fall handelt es sich um die wirtschaftliche Verteidigungshilfe. Obwohl sie zunächst einmal ihrer Zielsetzung nach eine
reine Wirtschaftshilfe darstellt, so versetzt sie doch die uns befreundeten Nationen in die Lage, Streitkräfte und militärische Einrichtungen
in einem Ausmaß zu unterhalten, das andernfalls ihre Kräfte übersteigen
würde.
Bei der gegenwärtigen Regelung für unsere Programme für Gemeinsame
Sicherheit wird nicht klar zwischen wirtschaftlicher Verteidigungshilfe
und wirtschaftlicher Entwicklungshilfe unterschieden. Bisher bildeten
die militärische Verteidigungshilfe und die wirtschaftliche Verteidigungshilfe zusammen mit der wirtschaftlichen Entwicklungshilfe einen
Haushaltposten. Bei diesem Verfahren bestand im Falle von Ländern, mit
denen wir Abkommen über die Gewährung von militärischer Verteidigungshilfe geschlossen haben, die Gefahr, daß die Grenzen zwischen Wirtschaft» - 6 -

�"AMERIKA DIENST"

29. Mai 1957

wirtschaftlicher Entwicklungshilfe und militärischer Verteidigungshilfe verwischt wurden.
Um Unklarheiten über Charakter und Zielsetzung unserer Hilfe zu
beseitigen, empfehle ich eine klare Trennung zwischen militärischer
und wirtschaftlicher Verteidigungshilfe einerseits und wirtschaftlicher Entwicklungshilfe andererseits. Das Programm, das ich dem Kongreß
unterbreite, sieht eine solche Trennung vor.
Die zweite gesetzgeberische Maßnahme, die ich vorschlage, geht
dahin, daß die Bewilligungen für die militärische Verteidigungshilfe
als selbständige Position in den regulären Haushalt des Verteidigungsministeriums einbezogen werden.
Unsere Aufwendungen für die militärische Verteidigungshilfe unterscheiden sich weder in ihrer grundsätzlichen Zielsetzung noch in ihrem
Charakter von denen für unsere eigenen Streitkräfte. Sobald sie in unseren eigenen Verteidigungshaushalt einbezogen sind, wird man sie hier
und im Ausland - s o , wie es tatsächlich sein sollte - als Teil der
militärischen Anstrengungen der Vereinigten Staaten betrachten. Um
eine kontinuierliche enge Koordinierung aller Elemente des Gesamtprogramms sicherzustellen, schlage ich ferner vor, daß diese Mittel zur
Verfügung des Präsidenten gestellt werden.
Ich empfehle ferner, daß die Bewilligungen sowohl für das militärische als auch für das wirtschaftliche Verteidigungshilfsprogramm fortan
gemäß einer vom Kongreß zu billigenden ständigen Vollmacht erfolgen. Dies
würde in gebührender 7/eise der Tatsache Rechnung tragen, daß unsere eigene Sicherheit die Fortführung dieser Teile unserer eigenen militärischen
Anstrengungen bis zu dem Zeitpunkt notwendig macht, an dem der kommunistische Imperialismus aufhört, die freien Völker zu bedrohen. Der Kongreß
hätte damit auch die Möglichkeit, die Bewilligungen für unsere eigenen
bewaffneten Streitkräfte und für die Hilfe an die Streitkräfte befreundeter Staaten gleichzeitig zu behandeln. Auf diese Weise lassen sich
diese beiden eng miteinander verflochtenen Elemente unseres Militärhaushaltes besser aufeinander abstimmen und ausbalancieren, so daß
sie beide in ihrer Wirksamkeit noch gesteigert werden. Ich empfehle
des weiteren, daß die Mittel für die militärische Verteidigungshilfe
in gleicher Weise genehmigt werden wie die Mittel für unsere eigenen
militärischen Beschaffungsvorhaben, gleichgültig ob dies auf der gegenwärtigen Basis - Verfügbarhaltung bis auf Abruf - oder auf einer anderen
noch zu findenden Basis geschieht. Die politischen Richtlinien für die
militärische und wirtschaftliche Verteidigungshilfe wären natürlich vom
Präsidenten in Zusammenarbeit mit dem Außenminister festzulegen.
Für diese beiden Formen von Verteidigungshilfsprogrammen empfehle
ich für das Haushaltjähr 1958 die Bewilligung von insgesamt 2,8 Milliarden Dollar als einer selbständigen Position innerhalb der Bewilligungen
für das Verteidigungsministerium. Von diesem Betrag sind 1,9 Milliarden
Dollar für militärische Ausrüstungen und Dienste bestimmt, die verbleibenden 900 Millionen Dollar für die wirtschaftliche Verteidigungshilfe.
Als dritte größere gesetzgeberische Maßnahme empfehle ich, daß
langfristige Entwicklungshilfe aus einem Fonds für Entwicklungskredite
gewährt werde.
Unsere

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Unsere Hilfe für die weniger entwickelten Gebiete vermag deren
eigene Hilfsquellen nur in beschränktem Maße zu ergänzen. Dennoch
kann sie, wenn sie in einer Form geleistet wird, die jene Völker dazu
ermutigt, sich in größerem Maße als bisher selbst zu helfen, den entscheidenden Unterschied ausmachen.
Diese Zielsetzung macht - schon in unserem eigenen Interesse eine eindeutige Klarstellung unserer Absicht notwendig, die Menschen
in den weniger entwickelten Gebieten in ihren Bemühungen um den Aufbau
ihrer Volkswirtschaften zu unterstützen. Sie setzt ferner eine gewisse
Gewähr für die Kontinuität dieser Hilfe voraus.
Die Entwicklungshilfsprogramme werden unter dem gegenwärtigen
System bereits so wirksam und wirtschaftlich wie nur möglich durchgeführt; sie leiden aber unter einigen ernsten Schwierigkeiten. Die
eine besteht darin, daß nach dem gegenwärtigen Gesetz die Mittel nur
von Jahr zu Jahr und ohne eine Garantie der Kontinuität bereitgestellt
werden. Eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung ist aber ganz offensichtlich nicht mit einer Planung von Jahr zu Jahr zu bewerkstelligen,
sondern nur in einem kontinuierlichen Prozeß. Damit steht auch noch
eine weitere Schwierigkeit in engem Zusammenhang. Nach der gegenwärtigen
Gesetzgebung werden die Mittel jedes Jahr auf der Grundlage von Kostenschätzungen der Empfängerländer für die geplanten Vorhaben beantragt.
Das führt zur Schaffung von Quoten für die Hilfe an die einzelnen Länder,
die verfrüht festgesetzt werden müssen. Sie später zu ändern, bereitet
einige Schwierigkeiten, da auf Seiten der Empfängerländer die Gefahr besteht, daß sie unsere Absichten mißverstehen.
Darüber hinaus kann selbst dem für die Verwaltung dieser Programme
benötigte Personal, zum größten Teil hochqualifizierten Fachkräften,
lediglich eine jeweils kurz befristete Beschäftigung geboten werden. "Pies
macht es immer schwieriger, qualifizierte Kräfte zu bekommen und zu
halten.
Die Länder, die unsere Hilfe suchen und verdienen, sollten einen
größeren Anteil an der Verantwortung für die sorgfältige Planung der
Projekte übernehmen, die sie für notwendig und vertretbar halten.
Nicht weniger wichtig ist es, daß unsere Hilfe auf diese Projekte abgestimmt wird und daß sie künftig im Einklang mit dem Fortschritt gewährt wird, der bei ihrer Ausführung erzielt wird.
Um ein höheres Maß an Kontinuität, Wirksamkeit und Y/irtschaf tlichkeit sicherzustellen und andere Länder zu größerer Selbsthilfe zu ermutigen, empfehle ich dem Kongreß die Schaffung eines Fonds für Entwicklungskredite, der die Finanzierung besonderer Projekte und Programme
übernehmen soll, die zu einer gesunden Entwicklung beizutragen versprechen. Dieser Fonds würde nicht für eine kurzfristige Notstands- oder
Überbrückungshilfe, sondern nur für wirtschaftliche Entwicklungsvorhaben
verwendet werden, die sich auf lange Sicht segensreich für das Empfängerland auswirken.
Ich gehe dabei von der Vorstellung aus, daß die aus diesem Fonds zu
gewährende Hilfe größtenteils in Form von Krediten geleistet werden würde.
Diese

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29. Mai 1957

Diese Kredite sollten nicht mit den Mitteln aus anderen
Kreditquellen - private Geldgeber, die Weltbank oder die ExportImport-Bank - konkurrieren oder diese ersetzen.
Die Kredite sollten auf der Grundlage einer nach menschlichem
Ermessen gewährleisteten Rückzahlfähigkeit in Dollar oder Landeswährung zur Verfügung gestellt werden. Dabei sollten wir uns allerdings darüber klar sein, daß sich diese Erwartung mehr auf das Vertrauen in die allmähliche Entwicklung des Empfängerlandes und die
Hoffnung auf eine Verbesserung des weltpolitischen Klimas als auf
eine gegenwärtig bereits gegebene gesunde Finanzlage stützen würde.
Der Fonds würde seine Tätigkeit eng mit anderen Kreditinstituten
koordinieren. Er könnte sowohl allein von sich aus als auch im Wegein
mit anderen derartigen Institutionen Finanzierungen übernehmen.
Eine seiner wichtigsten Aufgaben wäre es, den Strom privater Investitionen zu fördern - und nicht etwa zu behindern. Zu diesem Zwecke
sollte er Vollmacht zur Abwicklung entsprechender Finanzgeschäfte
erhalten. Bei richtiger Geschäftsführung dürfte er zu einer Steigerung
der Geschäftstätigkeit auch der anderen Institutionen beitragen, die
sich mit der Bereitstellung von Kredit- und Investitionsmitteln befassen.
Um unnötigen administrativen Leerlauf zu vermeiden und eine
Koordinierung mit den Zielsetzungen unserer Außenpolitik sicherzustellen, sollte der Fonds meiner Auffassung nach im Rahmen des Amtes
für Internationale Zusammenarbeit (ICA) errichtet und von diesem verwaltet werden.
Um seine Zielsetzungen verwirklichen zu können, sollte der Fonds
gleich zu Anfang über so viel Kapital verfügen, wie er zur Finanzierung
seiner Tätigkeit während der nächsten drei Haushaltsjahre braucht.
Nur auf diese Weise können wir von der Vorplanung für jedes einzelne
Land und von anderen Verwaltungspraktiken abgehen, die gegenwärtig
die Verwaltung der Entwicklungshilfe erschweren und komplizieren.
Ohne die Sicherheit einer solchen Kontinuität wäre der Fonds kaum
etwas anderes als die Fortführung der gegenwärtigen geübten Praxis,
wenn auch vielleicht mit einigen Verbesserungen, unter einem neuen
Namen.
Ich ersuche den Kongreß deshalb um eine erste Bewilligung für das
Haushaltjahr 1958 und die Vollmacht für den Fonds, in den folgenden Jahren vom Finanzministerium innerhalb der festgesetzten Grenzen Kredite
aufzunehmen. Derartige Vollmachten sind schon verschiedentlich für
andere Kreditaktionen der Vereinigten Staaten gewährt worden. Ich
glaube, daß dieses Finanzierungsschema am ehesten dem Charakter des
Fonds entspricht.
Für das erste Jahr - für die eigentliche Anlaufzeit also - sollten
auf keinen Fall weniger als 500 Millionen Dollar für den Fonds bewilligt
werden - ein Betrag, der in der Gesamtsumme der Anforderung neuer Mittel
eingeschlossen ist, die in dieser Botschaft noch unterbreitet wird.
Ich rechne mit einer erheblichen Zunahme von Anträgen auf Unterstützung
innerhalb der nächsten zwei Jahre, wenn die Entwicklungsvorhaben der

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der verschiedenen Länder voranschreiten. Ich nehme deshalb an, daß
der Fonds in den Haushaltjähren 1959 und i960 jeweils ein Kapital
von 750 Millionen Dollar benötigen wird.
Um die Ziele des Fonds erreichen zu können, muß bereits jetzt
eine ausreichende Kapitalausstattung bereitgestellt werden. Einen
Fonds für langfristige wirtschaftliche Entwicklung zu schaffen, ihm
aber gleichzeitig die Mittel zu versagen, die für ein erfolgreiches
Arbeiten erforderlich sind, käme einer Selbsttäuschung gleich und
würde sowohl unsere Freunde entmutigen als auch eine Verschwendung
unseres Geldes bedeuten.
Das Programm für technische Zusammenarbeit ist eines der wertvollsten Elemente unserer gesamten Bemühungen um gemeinsame Sicher«
heit. Es sollte gleichfalls auf langfristiger Basis fortgeführt werden und
müßte eng mit dem Fonds verbunden sein. Ich schlage deshalb vor, daß
der Kongreß seine Zustimmung zum Programm für technische Zusammenarbeit
auf einer kontinuierlichen Basis unter Beibehaltung der bisherigen Form
der Bewilligung der Mittel auf Jahresbasis erteilen möge. Für das Haushaltjahr 1959 ersuche ich um die Bewilligung von 152 Millionen Dollar
für dieses Programm.
Die Schaffung einer "Sonderhilfe" als einer getrennten Kategorie
der Hilfeleistung empfehle ich zur Erreichung eines dreifachen Zweckes:
1) um Wirtschaftshilfe, und zwar in erster Linie in Form nichtrückzahlbarer Zuwendungen, bereitzustellen und damit Erfordernissen
Rechnung zu tragen, die für unser Land wichtig sind und im Rahmen der
anderen Hilfeprojekte nicht befriedigt werden könnten;
2) um unvorhergesehenen militärischen oder anderen Anforderungen
gerecht werden zu können, die über die eingeplanten und beantragten
Mittel hinausgehen; dies wird meiner Voraussicht nach in dem ersten
Jahr, in dem das revidierte Programm läuft, von besonderer Wichtigkeit sein;
3) um auf eventuelle Notfälle oder andere unvorhergesehene
Ereignisse vorbereitet zu sein, die zum Schutz der Sicherheit des
Landes einen Verzicht auf gewisse restriktive Gesetzesbestimmungen
notwendig machen. Ich ersuche um die Ermächtigung, auf Beschränkungen
bezüglich der Verwendung bewilligter Geldmittel im gleichen Umfang
wie gegenwärtig verzichten zu können. Ein Teil der zusätzlichen Erfordernisse des Nahen Ostens, die ich dem Kongreß im Januar erläuterte,
wird aus einer solchen Sonderhilfe bestritten wefden.
Für diese drei Zwecke der Sonderhilfe - für die eine Bewilligung
von Jahr zu Jahr vorgesehen ist - ersuche ich um die Bewilligung von
300 Millionen Dollar an neuen Etatmitteln für das Haushaltjähr 1958«
Dieser Betrag schließt 100 Millionen Dollar zur Abdeckung bereits
voraussehbarer Erfordernisse und 200 Millionen Dollar als Reserve
und für unvorhergesehene Ausgaben ein.
Unter den vorauszusehenden Erfordernissen möchte ich eines besonders hervorheben. Ich meine ein Programm - die Malariabekämpfung -,
das
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das in der dem Kongreß unterbreiteten Vorlage gesondert ausgewiesen
ist, das aber aus den Mitteln der Sonderhilfe finanziert werden soll.
Die Malariabekämpfung ist heute das vordringlichste hygienische
Problem in der Welt überhaupt. Diese Krankheit, die jedes Jahr rund
200 Millionen Menschen befällt, fordert Jahr für Jahr zwei Millionen
Menschenleben und bringt entsetzliche Leiden und schwere wirtschaftliche Not in viele Gegenden. Es ist heute durchaus möglich, diese
Geißel in großen Gebieten der Erde auszurotten. Ich schlage vor, daß
sich die Vereinigten Staaten mit anderen Ländern und Organisationen
vereinen, die jährlich bereits -über 50 Millionen Dollar für die Bekämpfung der Malaria aufwenden. Es ist zu hoffen, daß diese Maßnahmen
in fünf Jahren zur völligen Ausrottung dieser Krankheit führen werden.
über die bereits genannten Programme hinaus sind 113 Millionen
Dollar für multilaterale Programme, das Programm für die Nutzung der
Atomenergie für friedliche Zwecke und die Verwaltung der nichtmilitärischen Programme erforderlich.
Es ist besonders wichtig, daß wir unseren Beitrag zu den Programmen auf dem Gebiet der technischen Zusammenarbeit, die von den Vereinten Nationen und anderen internationalen Körperschaften durchgeführt
werden, sowie auch zur Flüchtlings- und Umsiedlerhilfe und zum Kinderhilfsfonds auch weiterhin leisten. Diese Beiträge, die sich noch um die
Beiträge anderer Staaten erhöhen, werden diese Organisationen in die
Lage versetzen, ihre segensreiche Tätigkeit fortzuführen. Ich bin der
Auffassung, daß die Beteiligung der Vereinigten Staaten an diesen Bestrebungen in etwa dem gleichen Ausmaß wie im gegenwärtigen Zeitpunkt
beibehalten werden soll. Ich ersuche ferner um die Fortführung unseres
Programms zur Unterstützung von Flüchtlingen vor der kommunistischen
Despotie.
Die Vereinigten Staaten haben vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Dezember 1953 erstmals das Angebot gestellt, anderen
Ländern bei der friedlichen Nutzung der Atomenergie zu helfen und sie
an ihrem technischen V/issen auf diesem Gebiet teilhaben zu lassen.
Unsere Programme für Gemeinsame Sicherheit für das Haushalt jähr 1958
schließen zusätzliche Mittel ein, die eine Verwirklichung dieses Angebots durch die Gewährung von Unterstützung zur Finanzierung von Forschungsreaktoren, anderen Ausrüstungen und der damit verbundenen Dienste
an eine zunehmende Zahl von Staaten gestatten, die an der Erschließung
der Atomenergie für friedliche Zwecke mitarbeiten.
Der Gesamtantrag für die Gewährung neuer Mittel im Haushaltjahr
1958 lautet auf 3,865 Milliarden Dollar, eine Summe, die um 535 Millionen hinter dem in meiner Haushaltbotschaft vom Januar angegebenen
Schätzbetrag zurückbleibt. Fast die gesamte Reduzierung wird.durch
Einsparungen im militärischen Hilfsprogramm in Höhe von 500 Millionen
ermöglicht, die, sofern sie in den neuen Haushalt überführt werden,
zur Deckung der Anforderungen für das Programm herangezogen werden
können. Bei diesem Betrag handelt es sich nicht um aufgeschobene

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�AMERIKA DIENST"

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aufgeschobene Zahlungsverpflichtungen, sondern um echte Einsparungen.
Diese Einsparungen erklären sich zu einem großen Teil aus dem verringerten Bedarf an Ersatzteilen,der auf die zunehmende Erfahrung der von uns
unterstützten Streitkräfte im Umgang mit unseren Ausrüstungen zurückzuführen ist, sowie aus der Verringerung des allgemeinen Bedarfs, die aus
einer verbesserten Planung und Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten
resultiert und der fortgesetzten Verbesserung der Verwaltung unseres
Programms. Ich ersuche darum, diese 500 Millionen in den Haushalt 1958
zu überführen.
Wir alle sind bestrebt, die Regierungsausgaben zu reduzieren. Und
wir alle begrüßen Steuersenkungen, wenn sie sich ohne Schaden für unser
Land vornehmen lassen.
Es gibt aber nur einen gesunden Weg für uns, eine einschneidende
Steuersenkung zu erzielen. Dieser Weg besteht darin, unseren Kampf für
den Frieden mit Erfolg zu bestehen und damit die Voraussetzungen für
eine erhebliche Senkung unserer Militärausgaben zu schaffen. Eine einschneidende Kürzung dieser Ausgaben wäre aber angesichts der derzeitigen Weltlage ein Vabanquespiel.
In ähnlicher Weise und aus genau demselben Grund wäre die Verweigerung einer ausreichenden Unterstützung für unsere so ungeheuer wichtigen Programme für Gemeinsame Sicherheit äußerst unklug und auch in
der Wahl des Zeitpunktes sehr ungeschickt. Ein solches Verhalten würde
nicht nur die Erreichung jener erheblichen Einsparungen bei den Militärausgaben aufs Spiel setzen, die wir alle so sehr erstreben, es würde
vielmehr auch durch eine Ermutigung möglicher Aggressoren und die Entmutigung unserer Freunde das Risiko heraufbeschwören, daß unsere Ausgaben für Verteidigungszwecke eines Tages auf einen weit höheren Stand
emporschnellen als heute. Der Einsatz in diesem Spiel wäre nicht nur
amerikanische DollaB, sondern das Leben amerikanischer Bürger,
Der Kongreß sollte des weiteren noch folgende Tatsachen in Erwägung ziehen:
Erstens: Eine einschneidende Kürzung der Militärischen Verteidigungshilfe würde eine Verringerung der Stärke der Streitkräfte unserer
Verbündeten nach sich ziehen. Dadurch würde die Gefahr einer kommunistischen Aggression in einzelnen Gebieten erhöht. Um dies zu verhindern,
müßten wir unsere eigenen Streitkräfte weiter ausbauen und noch mehr
unserer jungen Leute im Ausland stationieren, wenn wir die kommunistische Expansion auf Kosten der freien Welt nicht untätig hinnehmen
wollen. Ich brauche wohl nicht erst darauf hinzuweisen, daß eine solche
Entwicklung der Dinge früher oder später die verstärkte Einberufung
junger Männer zu den Streitkräften sowie eine erhebliche Steigerung
unserer eigenen Verteidigungskosten notwendig machen würde.
Und zweitens: Y/ir können es uns einfach nicht leisten, die Hoffnungen jener Völker zu enttäuschen, die eben erst ihre Unabhängigkeit
gewonnen haben und die in ihrem Ringen um ihre wirtschaftliche Existenz
Hilfe bei der freien Welt suchen. Wollten wir so handelnf dann werden

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29. Mai 1957

werden diese Völker zwangsweise in das Fahrwasser des Kommunismus geraten oder andere totalitäre Lösungen für ihre Probleme annehmen müssen»
Ich weiß nicht, ob eine eindeutige Relation zwischen wirtschaftlichem Wohlergehen und einer von Verantwortungsbewußtsein getragenen
Politik besteht. Auf jeden Fall aber würden fortgesetzte Armut und
Verzweiflung in diesen Ländern Verhältnisse schaffen, die die Herausbildung eines gemäßigten politischen Klimas von vornherein ausschließen. Wenn die freien Regierungen dieser Länder ihren Völkern lediglich nicht enden wollende Hoffnungslosigkeit und bittere Armut bieten
können, dann werden sie mit Sicherheit bald gestürzt werden. Es steht
fest, daß unser Friede, unsere politische Freiheit und unsere Prosperität dem gegen diese jungen Völker gerichteten Ansturm des kommunistischen
Despotismus nicht lange standhalten könnten.
Sollten wir es heute versäumen, ausreichende Mittel zur Unterstützung dieser schwer ringenden Völker bereitzustellen, um ihnen auf
ihrem Weg in die Zukunft voranzuhelfen, so könnte dies jedem einzelnen
Bürger unseres Landes eines Tages in tragischer Weise teuer zu stehen
kommen.
Unsere Programme für Gemeinsame Sicherheit sind in den vergangenen zehn Jahren erwiesenermaßen zu mächtigen Waffen in unserem Ringen
um den Frieden geworden. Die Vorschläge, die ich für ihre Verbesserung
gemacht habe, gehen zu gleichen Teilen auf Anregungen aus Kreisen der
Regierung und des Kongresses zurück. Ich ersuche den Kongreß in aller
Dringlichkeit, gemeinsam mit mir diesen Programmen jene Stärke zu geben,
die die gegenwärtige und künftige Sicherheit unserer Republik erheischen.

* * * * #

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�Allg./5.6.57
BERLIN UND DIE METHODEN DER SOWJETS IN DEUTSCHLAND

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede, die Mrs. Eleanor
L. Dulles, Sonderberaterin des Leiters der
Deutschland-Abteilung im US-Außenministerium,
am 22. Mai 1957 in New York vor der Frauenvereinigung der Republikanischen Partei gehalten hat.
Die Bedeutung Berlins für das Studium der sowjetischen Politik
In einer Zeit, in der das Schicksal unseres Staates von dem
richtigen Verständnis der Absichten und Möglichkeiten der Sowjets
abhängt, ist es wichtig, jeden Hinweis auf das Wesen ihrer Politik
und ihrer Pläne genauestens zu prüfen, ganz gleichgültig, wo sich
dieser Hinweis findet. In der Geschichte ihres Verhaltens bei der
militärischen Besetzung Ostdeutschlands und Ostberlins während der
vergangenen zehn Jahre finden sich viele interessante Hinweise auf
eine Unsicherheit des Kurses und ein Hin- und Herlavieren in der
Taktik.
Bei einer solchen Analyse, die sich auf Berlin und Deutschland
konzentriert, werden drei Dinge ganz klar. Erstens: Das grundlegende
Ziel der Sowjets war und ist es, die Unterwerfung unter die kommunistische Herrschaft um jeden Preis zu erzwingen. Zweitens: Die
Methoden der Sowjets ändern sich, je nachdem ob sie in ihren Beziehungen zu Europa gerade sanfte oder rauhe Töne anschlagen. Drittens: Jedes Anzeichen, das dahingehend ausgelegt werden könnte, daß
die westlichen Verbündeten einschließlich der Bundesrepublik Deutschland in ihren Bemühungen um Berlin nachlassen könnten, löst auf Seiten der Sowjets prompt Versuche eines Übergreifens auf Positionen
aus, die der Westen bisher unter erheblichen Kosten gehalten hatte.
Umgekehrt haben die häufigen Demonstrationen, daß die freie Welt
fest zu West-Berlin steht und daß der Widerstandswille der Berliner
Bevölkerung nicht zu brechen ist, fast jedesmal zu einer Politik
größerer Nachgiebigkeit und zu einer Verringerung der Drohungen und
des Drucks geführt.
Wenn sich auch die Lage in Deutschland sehr deutlich von der
Lage in Gebieten unterscheidet, wo die Sowjets einen starken Druck
ausüben wie im Nahen und Fernen Osten, so ist sie doch für eine
Beurteilung der Absichten der Sowjets ein wichtiges Studienobjekt.
Die

�"AMERIKA DIENST"

5. Juni 1957

Die aggressiven Gesten der Sowjets in Berlin und ihre gegen die Bevölkerung der Stadt gerichteten Schikanen verdienen eine eingehende Erörterung und lassen eine grundlegende Unsicherheit der Sowjets bezüglich ihrer Stellung in Europa und der Zukunft Deutschlands erkennen.
Diese Unsicherheit ist in nicht geringem Maße das Ergebnis der Erkenntnis auf Seiten der Russen, daß die Deutschen ihre Diktatur und ihr
polizeistaatliches System ablehnen und daß die Menschen sowohl in Ostais auch in Westdeutschland entschlossen sind, dem Druck von außen
zu trotzen.
Niemand bezweifelt die Bedeutung, die die Sowjets ihrer Deutschlandpolitik beimessen, ebensowenig wie die Tatsache, daß ihre Haltung
gegenüber der Stadt Berlin ein Wesentliches dieser Politik darstellt.
Somit verdient Berlin eine sorgfältige Analyse, lassen sich doch aus
ihr wichtige Schlüsse auf das Verhalten der Sowjets in anderen Teilen
Europas ziehen. Ja, die vergangenen und künftigen Ereignisse in diesem
zentral gelegenen Punkt Europas sind sehr wohl geeignet, die Fragen
aufzuzeigen, die die Aufmerksamkeit von Staatsmännern auch in anderen
Teilen der freien Welt erfordern.
Frühe Hoffnungen und Pläne
Im November 1944f also einige Monate vor Kriegsende, wurde auf
dem Wege der gegenseitigen Konsultation eine Vereinbarung zwischen
den Vereinigten Staaten, Großbritannien und der Sowjetunion über eine
Verwaltung und den Status von Berlin erzielt. Es wurde die Schaffung
einer Regierungsbehörde, der Kommandatura, beschlossen, in der die
Sowjets und die westlichen Besatzungsmächte vertreten sein sollten.
Diese Vereinbarungen waren mit der Einteilung Deutschlands in Besatzungszonen verbunden, und von 1945 an wurden auch die Franzosen in diese Regelung mit einbezogen. Sie basierten auf der Annahme, daß man einen
Weg finden müsse, in konstruktiver Weise mit den Sowjets zusammenzuarbeiten.
Erst nachdem die Kommunisten im Jahre 1948 die Macht in der Tschechoslowakei an sich gerissen hatten und sich die Anzeichen für die
sowjetische Aggression nach Westen häuften, wurden die Schwierigkeiten
der Lage voll erkannt. Um diese Zeit waren die Sowjets, ermutigt durch
ihren Erfolg in Prag,bestrebt, die Alliierten aus Berlin herauszudrängen, indem sie versuchten, die Stadt von Westeuropa abzuschneiden.
Es ist klar, daß die ersten Pläne, die wohl das Ausmaß der Nachkriegszerstörungen, denen die Stadt sich gegenübersehen würde, berücksichtigten, nicht in Betracht gezogen haben, daß diese gewaltige Aufgabe des Wiederaufbaus zusätzlich erschwert würde durch beschränkten
Zugang und ständige Schikanen. Diese materiellen und psychologischen
Probleme ergaben sich aus der Entfernung der Stadt vom Gebiet der Bundesrepublik.
Während es in der Zeit von 1945 bis 1948, also vor der Blockade
Berlins durch die Sowjets, noch möglich war, auf einen freien Wirtschaftsverkehr zwischen Berlin und seinem normalen Hinterland und

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�AMERIKA DIENST"

5. Juni 1957

und zwischen der Ostzone und den westlichen Zonen zu hoffen, zeichnete
sich nunmehr die kommende Schwierigkeit des wirtschaftlichen und politischen Wiederaufbaus immer drohender ab. Es herrschte verhältnismäßig
wenig Besorgnis über die Haltung und Zielsetzungen der Sowjets auf
lange Sicht, da man von der Annahme ausging, daß sich die Leidenschaften, die durch den deutschen Angriff auf Rußland aufgepeitscht worden
waren, allmählich wieder abkühlen würden und damit eine vernünftige Anpassung an die Erfordernisse der Nachkriegszeit in Europa erfolgen könne.
In dieser Atmosphäre des Krieges und der ersten Besatzungszeit
nach dem Krieg hatte man sich auf die Schaffung von Korridoren für den
Straßen-, Eisenbahn-, Wasserstraßen- und Luftverkehr geeinigt, die so
geartet waren, daß sie zunächst als ausreichend angesehen wurden. Man
erwog auch Möglichkeiten der Versorgung der Stadt und der Sicherstellung des Nachschubs der drei westlichen Besatzungsmächte, deren Ausgangsbasen nicht wie im Falle der Sowjets in unmittelbar angrenzenden
Gebieten gelegen waren. Es ist bemerkenswert, daß sich ähnliche Vereinbarungen im Falle Wien als zufriedenstellend erwiesen haben. Mit
der sowjetischen Blockade Berlins aber im Frühjahr 1948 traten die
künftigen Schwierigkeiten plötzlich klar hervor, so daß sich die Berliner und die übrige nichtkommunistische Welt mit ihnen auseinandersetzen mußten.
Die brutale Demonstration der sowjetischen Taktik im Jahre 1949
wirkte auf die gesamte zivilisierte Welt wie ein Schock. Der Tod des
tschechischen Staatsmannes Masaryk wurde zu einem Symbol. Die Berliner
Blockade war ein Augenblick schicksalhafter Entscheidung. Die Forderungen der Sowjets an die Deutschen und die zwangsweise Einstellung
des Reise-und Güterverkehrs auf Land-und Wasserwegen nach Berlin waren
einer der wichtigsten Wendepunkte in den Beziehungen der gesamten westlichen Welt zum Sowjetblock. Diese Entscheidung mußte darüber hinaus
nicht nur von den westlichen Alliierten, sondern auch von den Berlinern und der übrigen an dieser Frage interessierten freien Welt getroffen werden. Die Wahl, die damals die Berliner trafen, nämlich den
gleisnerischen Versprechungen der Kommunisten und insbesondere dem
Angebot an Lebensmitteln und Brennstoffen in reichlichen Mengen zu
widerstehen,
' wie auch die Bereitschaft des Volkes, freiwillig
das Risiko einer Bindung an die drei westlichen Besatzungsmächte auf
sich zu nehmen, haben entscheidend zum Erstarken der Bundesrepublik
Deutschland beigetragen und waren auch für die künftige Entwicklung
in Deutschland bestimmend - für seine Orientierung nach demokratischen
Idealen und für seine Hoffnung auf eine Vereinigung von Ost und West.
Die ersten Jahre der Besetzung Berlins waren somit von Überraschung und Enttäuschung erfüllt sowie von der wachsenden Erkenntnis
der ernsten Gefahren, die die Berliner Position für die westliche
Welt barg. Die dort von den Alliierten eingegangenen Verpflichtungen
konnte man auf keinen Fall aufgeben. Die Bedeutung, die das Festhalten an unserer Position für den gesamten Bereich der Satellitenstaaten und für die Menschen hatte, die jenseits des Eisernen Vorhangs
in Knechtschaft lebten, wurde mit der Dreimächte-Erklärung vom 27.Mai
1952 bezüglich der Sicherheit und des Wohls der Stadt Berlin anerkannt.
Tn

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�"AMERIKA DIENST"

5. Juni 1957

In dieser Erklärung, auf die man bei verschiedenen Gelegenheiten wiederholt verwies, wurde zum Ausdruck gebracht, daß jeder Angriff auf
Berlin oder die dort stationierten alliierten Streitkräfte, von welcher
Seite er auch erfolgen möge, einem Angriff gegen die drei Westmächte
gleichkommen würde. Von dieser Erklärung kann es kein Abrücken geben.
AllfleAeine politische Haltung der Sow.jets nach der Blpckade
Nach Beendigung der Blockade im Jahre 1949 und dem in der ganzen
Welt anerkannten Erfolg der Luftbrücke wurde das Hin und Her der sowjetischen Politik immer rätselhafter. Seit fast zehn Jahren halten nun
die Sowjets an ihrer Sonderstellung in der Stadt fest. Sie sind der
alliierten Kommandatura ferngeblieben, die, obwohl sie nach dem Wiederaufbau Westberlins praktisch an Bedeutung verloren hat, ebenso wie
im Jahre 1946 auch heute noch Sitzungen abhält, auf denen die Probleme
Berlins erörtert werden.
Die Sowjets, die bisher nirgends Anklang zu finden vermochten,
haben die Stadt mit starken militärischen Verbänden eingekreist und
fahren fort, ihre Stärke zu demonstrieren. Ihre Divisionen halten häufig innerhalb und in der Nähe der Stadt. - Manöver ab, die bedrohlichen Charakter haben. Sie haben ein JflKrtenhaus errichtet, das dazu
dienen soll, das System ihrer politischen Marionetten zu stützen und
ihnen künstlich eine Bedeutung zu verleihen, die angesichts des weitverbreiteten Widerwillens der Deutschen gegen ihre hohle Autorität
wenig überzeugend ist. Sie betreiben eine ständig wechselnde und nie
vorherzusehende Politik mit dem Ziel, einzelne zu schikanieren. Sie
stören das Leben in'der Stadt auf die verschiedenste Weise.
Für den einzelnen hat das oft tragische Konsequenzen, doch hat
es den politischen und wirtschaftlichen Wiederaufbau der Stadt als Ganzes nur vorübergehend beeinflußt und hat ihn verhältnismäßig wenig beeinträchtigt .
Keine dieser Maßnahmen konnte das starke Wachstum der Industrie,
die durch amerikanische Hilfe unterstützt wurde und von der Bundesregierung in Bonn Subventionen erhielt, verhindern. Keine kommunistische Aktion konnte den Geist der Bevölkerung lähmen, die,nachdem
sie im Jahre 1948 die für sie lebenswichtige Entscheidung getroffen
hatte, in ihrer Treue zum Westen niemals wankend geworden ist. Die
Sowjets tasten ständig alle Möglichkeiten ab, um nach Westen vorzudringen, doch haben sie feststellen müssen, daß die Alliierten nach
wie vor der Stadt Unterstützung gewähren, und die politische Rückendeckung,
die ihr von den NAfO-Ländern und der freien Welt im all^
gemeinen gegeben wird, nichts an Stärke eingebüßt hat.
Die sowjetische Politik gegenüber der Stadt wurde seit 1949 v o n
drei Hauptfaktoren bestimmt: dem wiederholten Versuch,durch klar
ausgesprochene oder verschleierte Drohungen die Bevölkerung einzuschüchtern, ferner durch Bemühungen, den Wiederaufbau der Stadt zu
verhindern und in verschiedenster Weise durch Beschränkungen und Einmischung»« auf dem Gebiet des Verkehrs und des Gütertransports die

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die Gemüter in Aufregung zu versetzen, und schließlich durch die Anwendung von Terrormaßnahmen und Repressalien gegenüber einzelnen
Personen, welche die Bevölkerung ständig in Atem hielten, die aber
im Grunde weder die Politik des Senats noch die einzelnen Programme
der Bundesrepublik für Berlin beeinflußten. Diese Taktik veranlaßte
im Gegenteil den Westen, seine der Stadt gewährte Unterstützung nur
noch zu verstärken. Es sind Anstrengungen gemacht worden, Berlin einerseits durch Drohungen und durch eine Zermürbungstaktik vom Westen zu
lösen, und die Vereinigten Staaten und Europa andererseits davon zu
überzeugen, daß der Preis dafür, Berlin dem Westen zu erhalten, unangemessen hoch sei. Beide Versuche haben bisher zu keinem Erfolg geführt,
noch werden sie in Zukunft Erfolg haben.
Von Zeit zu Zeit haben die Sowjets ihre Taktik geändert. Bei wichtigen Entscheidungen der Alliierten haben sie den Druck mitunter verstärkt. Die wichtigste Folgerung, die sich aus einer Prüfung der Politik
ergibt, ist die, daß es den Russen weder gelungen ist, die Berliner
mürbe zu machen, noch unter den Alliierten Uneinigkeit über die deutsche
Frage zu säen. Die Bemühungen der Sowjets haben vielmehr ihre Unfähigkeit bewiesen, diesen Teil der Welt für den Kommunismus zu gewinnen
und gezeigt, daß ihre Politik der letzten zehn Jahre nahezu völlig
gescheitert ist.
Polizei- und Terrormethoden
Die Phase des Terrors in der sowjetischen Politik ist vielleicht
am klarsten ersichtlich, wenn man sich ihre • extremen taktischen
Methoden, die sie so oft anwandten,, und das regelwidrige und gewöhnlich überraschende.! Vorgehen-, ihrer Truppen und der unter ihrer Kontrolle stehenden Volkspolizei ins Gedächtnis zurückruft. Ein typischer
und doch besonders augenfälliger und tragischer Fall war die Verschleppung Dr. Linses, ein Ereignis, das sich im Jahre.1952 abspielte.
Der wegen seines Eintretens für die Menschenrechte allgemein bekannte Rechtsanwalt Dr. Linse wurde am hellichten Tage vor seinem, im
amerikanischen Sektor Berlins gelegenen Hause auf offener Straße
überfallen. Vier Gangster, die von dreizehn weiteren Komplicen nach
einem sorgfältig ausgearbeiteten Plan vorgingen und vpn den kommunistischen Behörden unterstützt wurden, führten die Verschleppung aus.
Sie hielten ein Taxi an, umringten Dr. Linse und zerrten ihn in den
Wagen. Mit höchster Geschwindigkeit.fuhren sie darauf mit ihrem Opfer
zur Sektorengrenze, wo ein kommunistischer Posten, der in das Komplott
eingeweiht war, die Schranke hob, damit sie beim Passieren ihre Geschwindigkeit nicht zu verringern brauchten. Noch vor der Sektorengrenze verlor Dr. Linse einen Schuh, während sein Fuß aus der halboffenen Tür hing.
Zahlreiche Zeugen mußten der Entführung machtlos zusehen. Die
Verbrecher gaben verschiedene Schüsse ab, doch besaßen die Zeugen des
Vorfalls ebensowenig wie die Westberliner Polizei Waffen und vermochten
daher nicht, das Verbrechen zu verhindern. Im Verlaufe der sorgfältig
durchgeführten Untersuchung gaben verschiedene in das Komplott
verwickelte Personen ihre Mittäterschaft zu; das Bekanntwerden der Bemühungen amtlicher ostzonaler Stellen, diejenigen einzuschüchtern, die

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vorzugehen und eine Atmosphäre der Unruhe zu schaffen, ist es unwahrscheinlich, daß sie besondere Befehle erlassen haben, um Verschleppungen in größerem Maßstab durchzuführen. Doch selbst der
politische Kurs, den sie gegenwärtig verfolgen, genügt, um die
bitteren Gefühle der Westdeutschen und der Berliner gegenüber den
östlichen Besatzungstruppen wachzuhalten.
Ihre Terrormaßnahmen bieten einen weiteren Beweis für die Unsicherheit der russischen Haltung und lassen das Fehlen einer konstruktiven Planung in bezug auf ihr Verhältnis zu der Stadt Berlin
und auf ihre Politik gegenüber der Bundesrepublik oder selbst gegenüber ihren Satelliten im allgemeinen erkennen. Während sich deutlich
wahrnehmbare Bemühungen abzeichnen, Widerstände niederzuschlagen und
durch die Verhaftung einiger führender Persönlichkeiten, die eine
hervorragende Rolle im Kampfe um die Freiheit spielten, ±ie Kritik
zum Schweigen zu bringen, zeigten die Störmanöver der letzten Zeit
nicht diese Form, sondern waren vielmehr isolierte Terrorakte, was
auf kommunistischer Seite einen bestimmten Grad von Unsicherheit in
der hohen Politik gegenüber Berlin vermuten läßt.
Androhung von Vergeltungsmaßnahmen
Bezüglich der Stadt Berlin und der deutschen Politik im allgemeinen
sind bei verschiedenen Gelegenheiten Drohungen geäußert worden. Meistens
richteten sie sich nur indirekt gegen Berlin,in erster Linie aber gegen
das deutsche Volk, mit dem Zweck, es daran zu hindern, sich um Unterstützung an den Westen zu wenden. Verschiedene dieser Drohungen jedoch
richteten sich auch gegen die Stadt selbst. Diesen Drohungen lag die
Absicht zugrunde, Westdeutschland klarzumachen, daß ein Bündnis mit
der freien Welt des Westens die Möglichkeit einer Wiedervereinigung
Deutschlands und die schließliche Befreiung der Stadt Berlin von dem
harten Griff der Umklammerung ausschalten würde. Gleichzeitig mit diesen Drohungen sind keine Wiedervereinigungsversprechungen auf der Basis freier Wahlen gemacht worden. So haben sich sowohl alle Einschüchterungs- als auch alle Überredungsversuche als Fehlschlag erwiesen.
Es ist unmöglich, zwischen diesen Warnungen und den gelegentlichen
Wiedervereinigungsvorschlägen der Sowjets eine klare Gedankenverbindung
herzustellen.
Die Errichtung der Bizone und später der Trizone als Phasen in den
westlichen Bemühungen, ein freies und souveränes Deutschland zu schaffen,
wurde im Jahre 1948 zum Anlaß für scharfe Erklärungen von Seiten Moskaus
genommen. Die Errichtung der Bundesrepublik im Jahre 1949, die Gewährung
der Souveränität und der Beitritt Westdeutschlands zur NATO wurden ebenfalls benutzt, um scharfe Erklärungen abzugeben in der Absicht, die
Deutschen zur Abkehr vom Westen und zum Anschluß an den Osten zu zwingen.
Eine der letzten Drohungen dieser Art war im Zusammenhang mit der
Entscheidung über den Aufbau einer militärischen Streitmacht in Westdeutschland geäußert worden. Nachdem einmal feststand, daß Deutschland
einen wichtigen Faktor in der NATO bilden würde, und nachdem die Durchführung des militärischen Programms einmal geklärt worden war, machte
sich plötzlich ein überraschend freundschaftlicher Ton in Bulganins

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Bulganins Briefen an den Bundeskanzler bemerkbar. Bisher ist es in
bezug auf den Status der Stadt Berlin zu keinerlei tiefgreifenden
Beschränkungen gekommen. Tatsächlich ist die Produktion und der Handel
der Stadt mit der übrigen Welt im vergangenen Jahr um 20 Prozent gestiegen und hat sich in den letzten vier Jahren mehr als verdreifacht.
Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die Russen zu der Ansicht gelangt, daß ihre Politik gegenüber Berlin ihnen nicht viel eingebracht
hat. Man könnte meinen, sie halten ihre Stellung in der Hoffnung, zu
einem späteren Zeitpunkt einmal die Position der Alliierten zu erschüttern und Kapital daraus zu schlagen, wenn deren Unterstützung
einmal nachlassen sollte. Wenn sie miterleben, wie in den westlichen
Sektoren der Stadt die Wirtschaft sich in einem Zustand einer wohlausgewogenen und äußerst lebhaften Expansion befindet, und wenn sie die
kulturellen Errungenschaften zur Kenntnis nehmen, die aus einer gesunden Lebenskraft erwachsen, dann dürfte ihnen wohl die Stärke dieser
Insel inmitten ihres kommunistischen Machtbereichs wie auch die Erfolglosigkeit ihrer eigenen Methoden nicht ganz geheuer sein.
Schikanen gegen die Stadt
Interessant sind verschiedene Versuche, die von den Sowjets in
der Vergangenheit unternommen wurden, um den Wiederaufbau Berlins zu
hintertreiben. In vielen Fällen wurde Druck ausgeübt, der aber dann
wieder wegen des ständigen Dilemmas gelockert werden mußte, in dem
sich gerade diejenigen befanden, die sich durch Propaganda oder Zwang
Gehorsam verschaffen wollten, jedoch nicht das Risiko eines Aufstandes
verzweifelter Menschen in der Zone, in der sie sich festgesetzt haben,
eingehen können. Die Notwendigkeit, zwischen Propaganda und Terror
zu wählen, um Menschen gegen deren Willen zu etwas zu zwingen - was
sich auch durch Beispiele aus anderen Ländern beweisen läßt -,erklärt
die sowjetische Schaukelpolitik gegenüber Berlin. Seit sich die Bürger dieser Stadt für den Westen entschieden haben, war die sowjetische
Politik darauf ausgerichtet, die Wiederherstellung normaler Verhältnisse zu verhindern und die Schwierigkeiten zu verstärken. Ich möchte
hier ein paar Beispiele von Schikanen aufzeigen, die damals einsetzten,
später aber eingestellt oder abgeschwächt wurden. Der Zeitpunkt, der
jeweils für eine Änderung des Verhaltens gewählt wurde, zeigt, wie
willkürlich die Sowjets in ihrer Politik verfahren.
Eine solche Schikane, die 1952 und 1953 ernstliche Besorgnis
erregte, waren die Schwierigkeiten, die bei der Abstempelung der von
den sowjetischen Behörden verlangten Warenbegleitscheine für den
Transport von Gütern aus Westberlin gemacht wurden. Unsere Wirtschaftssachverständigen sahen in dieser Einmischung in den Export von Fertigwaren einen Versuch, den Aufschwung des Berliner Wirtschaftslebens zu
drosseln. Als dann aber von 1953 ab die Warenbegleitscheine prompt
bearbeitet wurden, hat es keine nennenswerten Schwierigkeiten mehr gegeben.
Im Jahre 1953 wurde im Osten damit begonnen, zur Drosselung des
Verkehrs an den Zonenübergangsstellen Straßensperren zu errichten.
Gleichzeitig wurde die Zahl der Schlagbäume entlang der Zonengrenze

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Zonengrenze erhöht, und die Sperren wurden verstärkt. Diese ungewöhnlichen Maßnahmen interpretierte damals die amerikanische Hochkommission als die einleitenden Manöver zu dem eventuellen Versuch, die Stadt
endgültig zu spalten. Der weitere Verlauf der Ereignisse zeigte, daß
die Kommunisten diese Politik nicht weiter verfolgten, und in den letzten
beiden Jahren wurden die Straßensperren wieder beseitigt.
In den Jahren 1953-54 wurde mit der Begründung, daß das Schiffshebewerk Rothensee reparaturbedürftig sei und die Wiederherstellung
einige Monate in Anspruch nehme, einer der wichtigsten Kanäle für den
Lastkahntransport geschlossen. Wieder erhob sich die Frage, ob etwa
eine "schleichende Blockade" im Gange sei. Diese Art Schikane wurde
dann nicht mehr fortgesetzt und hat sich bis 1955 auch nicht wiederholt.
Wohl kam es noch zu Unterbrechungen, hauptsächlich wegen ungünstiger
Wetterverhältnisse, aber dann nur für eine angemessene Zeit.
Eine weitere störende Verkehrseinschränkung ergab sich 1955« Damals liefen über 1000 Genehmigungen für den Lastschiffahrtsverkehr ab.
Eine Zeitlang wagten die Kapitäne nicht, ihre Boote nach Berlin zu
schicken, weil sie befürchteten, daß sie beschlagnahmt würden oder
daß der Transport kostspieligen Verzögerungen ausgesetzt werde. Verschiedentlich wurden Anträge gestellt, die Gültigkeit der Genehmigungen
zu verlängern oder die alten Genehmigungen auch weiter für gültig zu
erklären. Eine Zeitlang ruhte der Lastschiffahrtsverkehr völlig. Die
Anträge wurden von Zeit zu Zeit erneut gestellt, und im Dezember 1956
wurde überraschend das gesamte Bündel von mehr als 100 Genehmigungen
für den Transitverkehr von und nach Berlin für gültig erklärt.
Seit 1956 hat es dann keine weiteren Schwierigkeiten im Lastschiffahrtsverkehr mehr gegeben.
Ende März 1955 zeichnete sich eine sogar noch ernstlichere Bedrohung des wirtschaftlichen Lebens der Stadt ab. Die kommunistischen
Behörden setzten neue außerordentlich hohe Autobahngebühren für die
zwischen Berlin und der Bundesrepublik verkehrenden Lastkraftwagen
fest. Sofort wurde dies erneut von verschiedenen Beobachtern als
"schleichende Blockade" bezeichnet, die vermutlich ernste Ausmaße
annehmen werde. Nach wochenlangen ergebnislosen Verhandlungen erklärte
sich die Bundesrepublik bereit, die Zahlung der erhöhten Gebühren zu
übernehmen. Man befürchtete nun, daß die Gebühren nochmals erhöht
werden würden, wenn die Regierung einmal für diese Zahlungen aufkäme.
Glücklicherweise ist diese Art von Erpressung nicht mehr wiederholt
worden, und der Verkehr hat sich normal abgespielt. Tatsächlich ist er
heute um 30 Prozent höher als Anfang des Jahres 1955«
Die Verzögerungen bei der Abfertigung westdeutscher Lastkraftwagen
an den Kontrollpunkten schienen ebenfalls mitunter die Vermutung zu
rechtfertigen, daß eine Blockade der Stadt beabsichtigt sei. Die immer
wiederkehrenden Verzögerungen sind jedoch jedesmal nach kurzer Zeit
behoben worden.
Alle diese Erfahrungen wie auch die anderen Aspekte des kommunistischen Drucks auf Berlin scheinen meiner Ansicht nach nicht auf
ein planmäßiges, beharrliches Vorgehen der Sowjets hinzudeuten. Ihre

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Ihre ständig wechselnde Politik ist weder klar ausgerichtet gewesen,
noch hat sie irgendwelchen Einfluß gehabt, den Wiederaufbau der Stadt
zu verhindern. Sie hat bis zu einem gewissen Grade bewirkt, daß außerordentliche Anstrengungen gemacht wurden, und daß Berlin häufige Unterstützung von außen erhielt. Es liegen keine Beweise dafür vor, daß die
Stadt auf Grund dieser Vorkommnisse irgendwelche wesentlichen Nachteile
erlitten hat.
In den letzten Monaten hat sich der Verkehr von und nach Berlin
ohne Störungen abgewickelt. Weder die Stellung der Alliierten in der
Stadt noch die Interessen der Bundesrepublik an Berlin als künftiger
Bundeshauptstadt sind ernstlich bedroht worden.
Trotz der Tatsache, daß die Sowjets Berlin als eine Quelle ständiger Störungen und als ein Mittel der Alliierten betrachten, das sowjetische Vordringen im Westen aufzuhalten, ist es offensichtlich, daß sie
mit diesen Methoden weder den Geist noch die Lebenskraft der Stadt vernichten können. Selbst wenn sie mit ihren zahlreichen Versuchen,die
Entschlossenheit des Westens auf die Probe zu stellen, fortfahren, besteht kein Grund zu der Annahme, daß sie bereit sind, große Risiken in
diesem Gebiet einzugehen. Tatsächlich haben sie seit 1949 die Reöhte
der Alliierten bezüglich der Stellung der Stadt Berlin nicht angetastet.
Schlußbemerkungen
Die seltsame Geschichte Berlins in den letzten zehn Jahren rechtfertigt den Schluß, daß die Moral der Stadt durch nichts ernsthaft zu
erschüttern ist.
Ein Überblick über die Folge der Geschehnisse kann allen übrigen
Nationen zur Ermutigung dienen und ihnen zeigen, welchen Spielraum die
Freiheit haben kann. Er kann ein Bild von den positiven Wirkungen
geben - nicht nur der Entschlossenheit des Volkes, der Tyrannei Widerstand zu leisten, sondern auch der Bedeutung, die in einer solchen
Situation selbst symbolische militärische Kräfte haben, wenn sie an
Gefahrenpunkten wie Berlin gehalten werden. In Berlin haben wir es
mit Menschen zu tun, die Zeiten größter Not durchgemacht und ihr Leben
auf die Notwendigkeiten der Zeit eingestellt haben, mit einer Bürgerschaft, die klug und mutig sich den Gegebenheiten anzupassen versteht.
Diese Bürger verwalten eine Stadt, die vielen anderen Hauptstädten
Europas zu vergleichen ist, und man kann darauf vertrauen, daß sie ihre
eigenen Hilfsquellen weiter ausbauen und ihre Lage in den kommenden
Jahren noch verbessern werden. Man darf sich der Einsicht nicht verschließen, daß langandauernde und ständige Kämpfe allmählich müde machen.
Doch wirkt dieser Ermüdung die heftige Reaktion auf die Herausforderungen durch die kommunistischen Besatzungsbehörden entgegen. Gerade die
aus der Situation bedingten Ärgernisse und Gefahren bewirken leidenschaftliche Reaktionen und geben die Gewähr, daß die Anstrengungen der
Berliner auf politischem Gebiet auch in Zukunft von größter Bedeutung
sind und daß der Schwung des wirtschaftlichen Lebens anhalten wird, bis
der Lebensstandard Berlins dem Westdeutschlands entspricht. Berlin bildet,
wenn.auch geographisch gesehen in kleinen Grenzen, einen Modellfall für
das Versagen der sowjetischen Methoden. Und solche Fehlschläge werden die
Sowjets auch künftig sowohl in Berlin wie anderswo erleiden, solange
sie ihren Irrtum nicht einsehen.
* * • * *
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�A M E R I K A

D I E N S T

Aiig./19.6.1957

UNGARN-AUSSCHUSS DER VEREINTEN NATIONEN LEGT BERICHT
ÜBER UNGARISCHEN FREIHEITSKAMPF VOR

VEREINTE NATIONEN (New York) - (AD) - Nach sechsmonatiger
intensiver Arbeit legte der Sonderausschuß der Vereinten
Nationen zur Untersuchung des ungarischen Freiheitskampfes
am 20.Juni 1957 der Weltöffentlichkeit einen umfassenden
Bericht über die Vorgänge in Ungarn im Oktober und November
vergangenen Jahres vor. In dem insgesamt 509 Seiten langen
Bericht v/erden die Aussagen von 111 Zeugen des Freiheitskampfes zusammengefaßt sowie die Hauptpunkte aus zahlreichen
offiziellen und inoffiziellen Dokumenten zur Freiheitsrevolte
wiedergegeben.
Der Sonderausschuß, der sich aus Vertretern Australiens,
Ceylons, Dänemarks, Tunesiens und Uruguays zusammensetzt
und von der Generalversammlung die Weisung erhalten hat,
die durch "die sowjetische Einmischung in die inneren Angelegenheiten Ungarns entstandene Situation zu überprüfen",
kam zu folgenden drei Ilauptschlußfolgerungen:
1) Die ungarische Revolte war eine spontane nationale
Erhebung, die aus einer seit langem bestehenden Unzufriedenheit entstand und von außen nicht unterstützt wurde.
Sie stellte in keiner Weise eine Gegenrevolution dar.
2) Die massive Intervention der Sowjetunion erfolgte
zu dem Zweck, einen Volksaufstand niederzuwerfen und eine
legale ungarische Regierung zu stürzen.
3) Das gegenwärtige Kadar-Regime hat nicht die Unterstützung des Volkes.
Der 150 000 Worte umfassende Bericht wird der Weltöffentlichkeit Anfang Juli m vollem Umfang zur Verfügung stehen.
Bisher sind 50 000 Exemplare in Druck gegeben.
Der Teil des Berichts, in dem der Ungarn-Sonderausschuß
seine Ilauptschlußfolgerungen zieht, hat folgenden Wortlaut:
"Erstens: Der Aufgabenbereich des Sonderausschusses umfaßte
ein breites Gebiet, nämlich der Generalversammlung der Vereinten
Nationen nach einer umfassenden und objektiven Untersuchung die
von dem Ausschuß gewonnenen Ergebnisse in bezug auf alle Aspekte
der Frage der mit Waffengewalt oder mit anderen Mitteln erfolgten
sowjetischen Intervention in Ungarn sowie über die Auswirkungen
dieser Intervention auf die politische Entwicklung Ungarns _zu_

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zu berichten. Die Untersuchung des Ausschusses umfaßte, wie bereits
dargelegt, das Studium eines umfangreichen, in mehreren Sprachen abgefaßten Dokumentenmaterials der verschiedensten Herkunft, einschließlich der Vernehmung von über hundert Zeugen, deren Aussageprotokolle
ein zweitausend Seiten umfassendes Dokument bilden. Der Ausschuß bedauert, daß die Haltung der ungarischen Regierung eine auf direkter
Beobachtung in Ungarn basierende Untersuchung - wie sie durch die
Resolution der Generalversammlung gefordert wurde - verhindert hat.
Zweitens: Die Resultate der Untersuchungen des Ausschusses beziehen
sich auf viele Aspekte der Geschehnisse in Ungarn und befassen sich mit zahlreichen Einzelfragen, die für den Ursprung und das
Wesen jener Ereignisse von Belang sind. Der Bericht selbst enthält
die Schlußfolgerungen, zu denen der Ausschuß gelangte, und diese
Schlußfolgerungen lassen sich nicht leicht von dem dort zusammengetragenen Beweismaterial trennen. Eine Zusammenfassung der von dem
Ausschuß gewonnenen Ergebnisse in bezug auf einzelne Aspekte der Situation in Ungarn ist bestimmten Abschnitten als Anhang beigegeben.
Es erscheint jedoch in diesem Stadium angemessen, wenn eine Zusammenfassung einer Reihe von Schlußfolgerungen gegeben wird, zu denen der
Ausschuß bei seinem Studium des Beweismaterials als Ganzem gelangte.
Diese Schlußfolgerungen stellen nach bestem Wissen des Ausschusses die
wesentlichen Tatsachen über den ungarischen Aufstand heraus, wie sie
für ein Verständnis seines Wesens und seines Ausgangs notwendig sind.
Es sind die folgenden:
I
Was im Oktober und November 1956 in Ungarn vor sich ging, war ein
spontane^ auf eine seit langem bestehende Unzufriedenheit zurückzuführender Aufstand der Nation. Zu den Ursachen der Unzufriedenheit
zählte auch der untergeordnete und benachteiligte Status, den Ungarn
in bezug auf die Sowjetunion einnahm. Das ungarische Regierungssystem
wurde zum Teil durch die Waffe des Terrors aufrechterhalten, die durch
die AVH oder politische Polizei geführt wurde, deren Macht mindestens
bis Ende 1955 durch ein verwickeltes Netz von Agenten und Spitzeln
ausgeübt wurde, das das gesamte ungarische Gemeinwesen durchdrang.
Aber auch in anderer Hinsicht schürte der von den Sowjets ausgeübte
Druck den Haß. Von der Unterdrückung jeder freien Meinungsäußerung
bis zur Einführung einer nach sowjetischem Muster gestalteten Uniform
für die ungarische Armee herrschte auf allen Gebieten des Lebens in
Ungarn ein fremder Einfluß. Die Ungarn hegten gegen den einzelnen auf
ungarischem Boden stationierten Sowjetsoldaten keine persönliche Feindschaft, doch waren diese Truppen gleichsam das Symbol für etwas, das
einem stolzen Volk lästig wurde und den Wunsch nach Freiheit nährte.

II

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19. Juni 1957
II

Die These, daß der Aufstand von reaktionären Kreisen in
Ungarn angestiftet wurde, und daß er seine Stärke aus diesen
Kreisen sowie von westlichen 'Imperialisten' herbezog, hielt
der Untersuchung des Ausschusses vom Anfang bis zum Ende nicht
stand. An der Spitze des Aufstandes standen Studenten, Arbeiter,
Soldaten und Intellektuelle, von denen viele Kommunisten oder
ehemalige Kommunisten waren. Die meisten politischen Forderungen,
die während der Revolution unterbreitet wurden, enthielten die
Bedingung, daß ein demokratischer Sozialismus die Grundlage für
die politische Struktur Ungarns sein solle und daß solche sozialen
Errungenschaften wie die Landreform gesichert werden sollten.
Zu keinem Zeitpunkt wurde irgendein Vorschlag unterbreitet,
der die Rückkehr irgendeines Politikers aus den Vorkriegstagen an
die Macht oder in die Regierung vorsah. Schwer bewaffnete
'Faschisten' und 'Saboteure' hätten nicht auf den unter sowjetischer Überwachung stehenden ungarischen Flugplätzen landen oder
die österreichische Grenze überschreiten können, wo die österreichischen Behörden den Militärattaches Frankreichs, Großbritanniens,
der USA und der Sowjetunion die Existenz einer Sperrzone vor Augen
führten.
III
Der Aufstand wurde nicht in voraus geplant. Übereinstimmend
wurde von den Zeugen, die der Ausschuß hörte, ausgesagt, daß die
Ereignisse für alle Beteiligten überraschend kamen. Es gibt keine
genaue Erklärung dafür, warum der Aufstand gerade zu diesem Augenblick losbrach. Kommunistische Sprecher, darunter Herr Kadar und
die Mitglieder der gegenwärtigen Regierung, haben die große Unzufriedenheit des ungarischen Volkes vor dem 23.Oktober anerkannt.
Sie haben von einer 'breiten Volksbewegung' gesprochen, die durch
die 'Bitterkeit und Entrüstung' der Massen hervorgerufen wurde.
Offensichtlich haben zwei Faktoren dieses Ressentiment auf die Spit
getrieben: Der eine dieser Faktoren war die am 19»0ktober verbreitete Nachricht von erfolgreichen polnischen Maßnahnen zur Erlangung
einer größeren Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Diese Nachricht
war in erster Linie ausschlaggebend dafür, daß die ungarischen
Studenten am 22.Oktober zu Versammlungen zusammenkamen. Der zweite
Faktor war die akute Enttäuschung, die die Bevölkerung erfaßte,
als Herr Ernö Gero, der erste Sekretär des Zentralkomitees der
ungarischen Arbeiter (Kommunistischen)-Partei in einer Rede am
Abend des 22.Oktober keiner der von der Bevölkerung erhobenen
Forderungen entsprach, und sich eines Tones bediente, der von
seinen Zuhörern als grob empfunden wurde.
IV

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"ALIERIKA DIENST"
IV

Obwohl es keinen Beweis für eine Vorausplanung gibt, und obwohl
der gesamte Verlauf des Aufstandes den Stempel einer fortgesetzten
Improvisation trägt, hat es dennoch den Anschein, daß von den sowjetischen Stellen bereits am 20.Oktober Schritte unternommen wurden, um
eine bewaffnete Intervention in Ungarn zu ermöglichen. Beweise für
Truppenbewegungen und geplante Truppenverschiebungen liegen von diesem
Zeitpunkt an vor. Es scheint, daß Aktionspläne bereits einige Zeit,
bevor die Studenten zur Erörterung ihrer Forderungen zusammentraten,
ausgearbeitet worden waren. Der Ausschuß ist nicht in der Lage, zu
sagen, ob die sowjetischen Stellen voraussahen, daß die Unzufriedenheit im ungarischen Volk, die durch die Ereignisse in Polen noch verstärkt wurde, nicht länger eingedämmt werden konnte. Während das vorliegende Beweismaterial auf der einen Seite zeigt, daß sowjetische
Truppen außerhalb Ungarns schon bei der ersten Intervention eingesetzt
wurden, gibt es doch keine Bestimmung des Warschauer Vertrages, die
eine Intervention durch bewaffnete sowjetische Streitkräfte vorsieht,
um politische Entwicklungen innerhalb der Grenzen eines der Signatarstaaten gewaltsam zu beeinflussen. Anzeichen einer Opposition gab es
schon vor dem 23.Oktober. Die ungarische Regierung mußte voraussehen,
daß Unruhen im Entstehen waren.
V
Die Demonstrationen des 23«Oktober waren zunächst völlig friedfertiger Natur. Keiner der Demonstranten scheint bewaffnet gewesen
zu sein. Und es ergaben sich keine Beweise dafür, daß irgendeiner der
Leute, die politische Forderungen stellten oder sich den Demonstranten
anschlössen, die Absicht hatte, zur Gewalt Zuflucht zu nehmen. Wenn
die Enttäuschung über die Rede Herrn Geros die Menge auch verärgert
haben mag, so dürfte dies allein doch kaum genügt haben, um die Demonstration zu einem bewaffneten Aufstand auszuweiten. Daß dies geschah, ist auf
die Maßnahmen der AVH zurückzuführen, die auf die Menschen vor dem Rundfunkgebäude das Feuer eröffnete. Innerhalb weniger Stunden waren sowjetische Panzer gegen die ungarische Bevölkerung eingesetzt. Dieses Auftreten russischer Soldaten unter der Bevölkerung, und zwar nicht als
befreundete Alliierte, sondern als im Kampf stehende Feinde, führte
zu einem noch festeren Zusammenschluß der Bevölkerung.
VI
Dunkelheit umgibt die Aufforderung, die angeblich von der ungarischen Regierung an die sowjetischen Stellen gerichtet wurde und in der
um Unterstützung ersucht wurde, um den Aufstand mit Gewalt zu unterdrücken.
Herr Nagy hat geleugnet, daß von ihm eine solche Aufforderung ergangen
ist oder daß er auch nur Kenntnis von ihr hätte - und alles spricht für
die Wahrheit seiner Behauptung. Nachdem am 24«0ktober gegen zwei Uhr morgens sowjetische Panzer auf den Straßen Budapests erschienen waren, wäre
es für Herrn Nagy unmöglich gewesen, irgendeine offizielle Botschaft an
die sowjetischen Stellen zu richten, da er zu der Zeit, als die Panzer
ihre Befehle erhalten haben müssen, kein Regierungsamt bekleidet hatte.
Eine

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Eine solche Aufforderung mag privat von Herrn Gero, dem ersten Sekretär
des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, oder von Herrn Hegedüs,
dem Ministerpräsidenten,ausgegangen sein. Der Ausschuß hatte jedoch keine
Gelegenheit, den Text einer derartigen Aufforderung einzusehen oder die
genauen Umstände in Betracht zu ziehen, unter denen sie erfolgt sein
könnte. Ein Urteil darüber, ob eine solche Aufforderung überhaupt ergangen ist, sollte daher billigerweise nicht eher gefällt werden als bis
weitere Informationen ans Licht gelangt sind»
Ähnliche Überlegungen gelten in bezug auf die Aufforderung, die angeblich an die sowjetischen Stellen vor der zweiten Intervention am
vierten November gerichtet wurde. Herr Kadar war weiterhin Mitglied der
Regierung Nagy geblieben, nachdem dieser am dritten November wieder eingesetzt worden war. Dem Ausschuß ist nicht bekannt, daß er irgendeinen nachweisbaren Hinweis auf die Ablehnung der Politik Herrn Nagys gegeben hat.
Über das Verhalten Herrn Kadars in dieser Zeit herrscht keine volle Klarheit, und seine eigene Behauptung, im Namen der Regierung um sowjetische
Hilfe nachgesucht zy. haben, kann nicht als erwiesen gelten. Auf jeden Fall
gibt es genügend Beweise dafür, daß die sowjetischen Vorbereitungen für
eine weitere Intervention einschließlich der Heranziehung von Truppen und
Bewaffnung aus dem Ausland seit den letzten Oktobertagen im Gange gewesen
sind. Herr Kadar und seine Minister waren während der ersten Tage nach
Bildung seiner Regierung nicht in Budapest, und die administrativen Anweisungen an die ungarische Bevölkerung ergingen von den Befehlshabern
der sowjetischen Truppen.
VII
Als Herr Nagy Ministerpräsident wurde, war er zunächst nicht in der
Lage, die vollen Machtbefugnisse dieses Amtes auszuüben. Erst nachdem der
Griff der AVH auf Grund des Sieges der Aufständischen gelockert war,
konnte er einen unabhängigen Standpunkt einnehmen. Zu diesem Zeitpunkt lag
die wahre Macht in Ungarn bei den Revolutions- und Arbeiterräten, die sich
in den verschiedenen Teilen des Landes spontan gebildet hatten und die an
die Stelle des zusammenbrechenden Gebäudes der Kommunistischen Partei traten.
Herr Nagy - obwohl selbst seit langem Kommunist, der viele Jahre in der
Sowjetunion zugebracht hatte - forderte Nichtkommunisten zur Teilnahme an
seiner neuen Regierung auf und schenkte den Forderungen der Revolutionsund Arbeiterräte Gehör. Es hat den Anschein, als ob Herr Nagy, wie überhaupt das ganze Land, durch den Gang der Ereignisse etwas überrascht gewesen ist. Nachdem er sah, daß seine Landsleute einig waren in dem V/unsch
nach anderen Regierungsformen und dem Abzug der sowjetischen Truppen, stellte er sich ganz auf die Seite der Aufständischen. Durch diesen Schritt verwischte er den Eindruck, den er hervorgerufen hatte, als er noch unter der
Herrschaft der AVH stand, und wurde somit zu einer symbolhaften Persönlichkeit des Aufstandes, obwohl dieser nicht auf sein Betreiben zurückging und Herr Nagy niemals der tatsächliche Führer der Erhebung war.

VIII

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VIII
Die wenigen Tage, in denen sich das ungarische Volk der Freiheit
erfreute, bringen eine Fülle von Beweisen für die Volkstümlichkeit der
Aufstandsbewegung. Eine freie Presse und freie Rundfunksendungen entstanden im ganzen Land und die Auflösung der Geheimpolizei wurde zum
Signal einer allgemeinen Freude, die das Ausmaß der im ungarischen
Volk erreichten Einheit enthüllte, nachdem der Druck der Furcht einmal
von ihm genommen war.
IX
Es gab eine Reihe von Lynchakten und körperliche Züchtigungen durch
die Volksmasse. Aber in fast allen Fällen waren diese auf Mitglieder
der Geheimpolizei oder Personen beschränkt, von denen man annahm, daß
sie mit der Geheimpolizei zusammengearbeitet hatten.

Während dieser Zeit wurden von den Arbeiterräten Schritte unternommen, um den Arbeitern wirklich die Kontrolle über die verstaatlichten Industriebetriebe zu geben und solche unpopulären Maßnahmen; wie
die Produktionsnormen aufzuheben. Diese wurden weitgehend abgelehnt,
weil man sie als unfair den Arbeitern gegenüber und auch als einen Ausdruck der vom Volk- mit Mißtrauen betrachteten geheimen Handelsabkommen
mit der UdSSR ansah, die der ungarischen Wirtschaft zugunsten der Sowjetunion, wie man meinte, schwere Lasten auferlegten. Während die Verhandlungen über den Abzug der russischen Truppen mit den sowjetischen Stellen weitergeführt wurden, begann man die Straßen Budapests aufzuräumen,
und das Leben nahm allmählich wieder seinen normalen Gang. Die Aufständischen hatten sich bereit erklärt, sich unter Beibehaltung ihrer besonderen Stellung in einer Nationalgarde zusammenzuschließen, die mit
Polizei und Heer für die Aufrechterhaltung der Ordnung verantwortlich
sein sollte.
XI
Im Gegensatz zu der Forderung auf Wiederherstellung der politischen
Rechte, die während des Aufstandes erhoben wurde, steht die Tatsache,
daß die Grundrechte des ungarischen Volkes vor dem 23. Oktober, besonders bis zum Herbst 1955»durch die ungarischen Regierungen verletzt
wurden und daß solche Verletzungen seit dem 4» November wieder auftraten. Der Ausschuß ist überzeugt, daß die zahlreichen Berichte über die
unmenschliche Behandlung und die Folterungen von Seiten der AVH als wahr
zu akzeptieren sind. Auf Grund des Beweismaterials ist der Ausschuß ebenfalls überzeugt, daß zahlreiche Ungarn, darunter auch einige Frauen,
nach der Sowjetunion deportiert worden sind und daß einige vielleicht
noch nicht in ihre Heimat zurückgeschickt wurden. Diese Deportationen
sollten das Rückgrat der Revolution brechen. Durch die vom ungarischen

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�19. Juni 1957

"AMERIKA DIENST"

ungarischen Volk während seines spontanen Aufstandes ergriffenen Maßnahmen konnte für einige Tage der Apparat des Polizeiterrors abgeschafft werden. Diese demokratische Errungenschaft eines Volkes wurde
in der Tat durch eine Form der 'Gegenrevolution' bedroht, der sie dann
auch erlang. Diese 'Gegenrevolution' bestand jedoch darin, daß die
sowjetischen Streitkräfte Herrn Kadar und seine Kollegen an die Stelle
einer Regierung einsetzten, die sich der überwältigenden Unterstützung
des ungarischen Volkes erfreute.

XII
Seit der zweiten sowjetischen Intervention am vierten November
gibt es keinen Beweis dafür, daß die Regierung Kadar die Unterstützung
des Volkes hat. Herr Kadar hat nach .und nach die meisten Punkte vom
Revolutionsprogramm gestrichen, die er dem ungarischen Volk zunächst
versprochen hatte. In der Frage des Rückzuges der sowjetischen Truppen
hat er eine Wendung vollzogen, die von der völligen Annahme der Wünsche
der Nation bis zu der Weigerung reicht, diese Frage unter den gegenwärtigen Umständen zu erörtern. Schritt um Schritt hat er die Macht der
Arbeiter und die der Arbeiterräte zerstört. Streiks werden mit der
Höchststrafe geahndet. Recht und Gerechtigkeit wurden durch die Schaffung einer Sonderpolizei und durch die Bildung von Sonderger' chten sowie
dadurch verzerrt, daß die Rechte der Angeklagten ignoriert werden.
Die Sozialdemokratische Partei ist erneut unter Zwang aufgelöst worden.
Allgemeine Wahlen wurden um zwei Jahre verschoben. Schriftsteller und
Intellektuelle wurden Unterdrückungsmaßnahmen unterworfen. Die Arbeiterschaft Ungarns hat kein Zeichen dafür zu erkennen gegeben, daß sie die
Regierung Kadar unterstützt oder die Aussicht auf eine anhaltende sowjetische Besetzung begrüßt. Nur ein kleiner Bruchteil der 190 000 zum größten Teil jungen Ungarn, die aus dem Land geflohen sind, haben die Aufforderung Kadars, nach Ungarn zurückzukehren, angenommen. Die Landbevölkerung hat Grund, Herrn Nagy für seine Einstellung gegenüber der Kollektivierung der Landwirtschaft und der Zwangsabgaben an Agrarprodukten
dankbar zu sein.
XIII
Angesichts des Ausmaßes der ausländischen Intervention war die
Behandlung der ungarischen Frage durch die Vereinten Nationen rechtlich begründet; sie wurde darüber hinaus von einer legalen ungarischen
Regierung gefordert. Was die Menschenrechte angeht, so hat Ungarn im
Rahmen des Friedensvertrages spezifische internationale Verpfl'chtungen
übernommen. Daher ist der Ausschuß nicht der Ansicht, daß die Einwände,
die sich auf Paragraph 7, Artikel 2 der Charta stützen, im vorliegenden
Fall Gültigkeit haben. Ein massiver bewaffneter Übergriff eines Landes
auf das Gebiet eines anderen mit der offen eingestandenen Absicht,
sich in die inneren Angelegenheiten dieses Landes einzumischen, muß
auch nach der sowjetischen Definition einer Aggression zu einem internationalen Anliegen werden."
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./3.7.1957

DULLES UMREISST CHINA-POLITIK DER USA

SAN FRANCISCO - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der USAußenminister John Poster Dulles am 28.Juni 1957
auf einer Veranstaltung der "Lions, International",
einer internationalen Vereinigung von Geschäftsleuten und Vertretern akademischer Berufe, in
San Francisco gehalten hat.
"Es ist angebracht, daß wir uns hier in San Francisco, dieser
großen Stadt, die zum Fernen Osten blickt, mit der amerikanischen
Politik gegenüber dem Kommunismus in Chine befassen. Auf dem chinesischen Festland werden sechshundert Millionen Menschen von der
Chinesischen Kommunistischen Partei beherrscht. Diese Partei kam
durch Gewalt an die Macht und hat sich bisher durch Gewalt am Leben
gehalten. Sie bezieht ihre Macht nicht durch den Willen des chinesischen Volkes, sondern durch massive und gewaltsame Unterdrückung.
Sie bekämpfte die Vereinten Nationen in Korea, unterstützte den
kommunistischen Krieg in Indochina und eroberte Tibet mit Gewalt.
Sie stiftete die kommunistische Huk-Rebellion auf den Philippinen
und die kommunistischen Aufstände in Malaya an. Die Chinesische
Kommunistische Partei verhehlt nicht ihre expansionistischen Ziele.
Sie bringt den Vereinigten Staaten bitteren Haß entgegen, die sie
als Haupthindernis auf ihrem Eroberungsweg ansieht.
Angesichts dieser Bedingungen haben die Vereinigten Staaten
moralisch und materiell die freien Länder im westlichen Pazifik
und in Südostasien unterstützt. Unsere Sicherheitsverträge stellen
klar, daß ein Angriff auf die Nationen von Seiten des internationalen Kommunismus als eine Gefährdung unseres eigenen Friedens und
unserer eigenen Sicherheit angesehen würde und daß wir entsprechende Maßnahmen ergreifen würden.
Zusammen stellen wir eine recht ansehnliche Gemeinschaft und
ein festes Bollwerk gegen e'ine Aggression dar.
In bezug auf China haben wir uns jeder Maßnahme enthalten,
die das kommunistische Regime in moralischer, politischer und
materieller Hinsicht fördern würde. Daher haben wir unsere diplomatische Anerkennung nicht auf das Regime der chinesischen Kommunisten ausgedehnt; wir haben mit dem kommunistischen China keinen
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3. Juli 1957

keinen Handel getrieben und keinen Kulturaustausch mit ihm sanktioniert.
Dies war und ist unsere Politik. So wie wir dies überall tun,
unterliegt auch diese Politik von Zeit zu Zeit einer Überprüfung.
Wenn wir unsere Chinapolitik überblicken, so rufen wir uns - und
dies ist ganz natürlich und angemessen - unsere Politik in bezug
auf die Anerkennung des, kommunistischen Rußlands ins Gedächtnis
zurück.
Im Jahre 1917 übernahmen die Bolschewisten von Kerenski die
Macht. Nichtsdestoweniger haben wir 16 Jahre lang die Vertreter der im
Exil lebenden Kerenski-Regierung als die gesetzliche Regierung Rußlands anerkannt. Um 1933 hatte es den Anschein, daß das kommunistische Regime als ein friedliches Mitglied der Völkergemeinschaft angesehen werden könnte. Seit über einem Jahrzehnt hatte es keine bewaffnete Aggression begangen. Es hatte die Unabhängigkeit von Estland,
Lettland, Litauen und von Polen anerkannt. Es hat amerikanische
Staatsbürger nachweislich nicht schlecht behandelt. Es versprach,
die Wühltätigkeit in den USA abzustoppen, amerikanische Rechte in
Rußland zu respektieren und die öffentlichen und privaten Schulden
Rußlands gegenüber den USA zu begleichen.
Um 1933 hatten wir auch den Wunsch, das sowjetische Regime in
seinem Widerstand gegen die aggressive Pernost-Politik Japans zu
bestärken. Durch den gleichen Beweggrund inspiriert, hatte die
Republik China die sowjetische Regierung im Dezember 1932 anerkannt,
und nach kurzer Zeit folgten wir nach.
Wir brauchen die Richtigkeit dieser Anerkennung im Lichte der
damaligen Umstände nicht in Frage zu stellen. Auf Grund fast aller
Überprüfungen schien eine Anerkennung angezeigt, und die Zukunft
konnten wir nicht lesen.
Es kann, so meine ich, jedoch mit Überzeugung gesagt werden,
daß eine Anerkennung der Sowjetunion selbst 1933 noch nicht erfolgt
wäre, hätte es irgendwelche klaren Warnungen gegeben, daß die sowjetischen Versprechungen in diesem Zusammenhang völlig unzuverlässig
seien, daß Aggressionskriege schon sehr bald ein Instrument der
Sowjetpolitik würden, und daß sich die Sowjetunion gegenüber der
japanischen Aggression in Asien neutral Verhalten würde.
Im Falle des kommunistischen China sind wir vorgewarnt. Dieses
Regime besteht nicht einmal jene Prüfungen, die das sowjetische
Regime nach 16 Jahren zu bestehen schien.
Erstens: 1933 hatte Sowjetrußland über ein Jahrzehnt lang mit
seinen Nachbarländern in friedlichen und nichtaggressiven Beziehungen
gelebt, die Geschichte des kommunistischen China ist eine Geschichte
der bewaffneten Aggression.
Zweitens: Das sowjetische Regime schien für die Zukunft den
Frieden zu wünschen. Im Falle des kommunistischen China ist die

�"AMERIKA DIENST"

3. Juli 1957

die Situation völlig ungeklärt. Zur Zeit der Bandung-Konferenz erklärte Tschu En-lai, daß das 'chinesische Volk keinen Krieg mit
den Vereinigten Staaten wünscht und bereit ist, internationale
Streitfälle auf friedlichem Wege beizulegen'. Als die USA ihn jedoch beim Wort nahmen und eine ausdrückliche gegenseitige Verzichterklärung über die Anwendung von Gewalt anstrebten,, teilte sein
Botschafter, nachdem er zunächst verschiedene ausweichende Formulierungen vorgebracht hatte, schließlich offen mit, sein Regime
beabsichtige, bewaffnete Gewalt anzuwenden, um Formosa in die
Hand zu bekommen, sofern dies nicht auf andere Weise erreicht
werden könne.
Drittens: 1933 verletzte die Sowjetunion nicht in flagranter
Weise ihre internationalen Verpflichtungen. Das kommunistische
Regime Chinas verletzt laufend den koreanischen Waffenstillstand aus
dem Jahre 1953 und den Waffenstillstand für Indochina aus dem Jahre 1954»
Viertens: Es bestand Grund zur Hoffnung, daß das Sowjetregime
unsere Staatsbürger mit Achtung behandelt. Das kommunistische Regime
Chinas tritt unter Mißachtung der Grundregeln des internationalen Anstands die Rechte unserer Bürger mit den Füßen und hat seine 1955 gegebene Zusage gebrochen, sie freizulassen«
Fünftens: Im Jahre 1933 schien es, als ob das Sowjetregime und
die USA in bezug auf die Abwehr der japanischen Aggression im Fernen
Osten gemeinsame Interessen hätten. Heute stoßen die politischen
Zielsetzungen des kommunistischen China überall mit den unsrigen
zusammen.
Eine diplomatische Anerkennung des kommunistischen China durch die
USA würde die folgenden Konsequenzen haben:
Erstens: Die vielen auf dem chinesischen Festland lebenden
Chinesen, die,wie Mao Tse-tung kürzlich zugegeben hat, den Charakter
ihrer Regierung ändern wollen, würden sehr stark entmutigt werden.
Zweitens: Die Millionen in Übersee lebenden Chinesen würden
den Eindruck bekommen, daß es kein freies China mehr gibt, auf das
sie blicken könnten. Heute geht eine immer größere Anzahl dieser im
Ausland lebenden Chinesen nach dem freien China, um dort zu studieren.
Vor sechs Jahren studierten weniger als hundert Chinesen aus Südostasien und Hongkong auf Formosa. Jetzt beträgt ihre Zahl fast fünftausend.
Die Zahl der chinesischen Studenten, die aus Übersee nach dem freien
China kommen, hat sich von Jahr zu Jahr vergrößert. Die Zahl derer, die
nach dem kommunistischen China gehen, ist gesunken, und Hunderte von
enttäuschten Studenten sind in den vergangenen zwei Jahren von dem
chinesischen Festland geflohen.
Wenn die Vereinigten Staaten das kommunistische Regime Chinas
anerkennen würden, dann würden Millionen von in den freien asiatischen
Ländern lebenden Chinesen nach und nach die Richtlinien des kommunistischen Regimes akzeptieren. Dies wäre eine Tragödie für sie, und es würde

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3. Juli 1957

würde die mit uns befreundeten Regierungen, die bereits durch die chinesische kommunistische Subversion bedroht sind, noch mehr gefährden.
Drittens: Die Republik China würde das Gefühl haben, von ihrem
Freund im Stich gelassen zu sein. Diese Regierung war im zweiten Weltkrieg unser Verbündeter und hatte lange davor die Hauptlast des fernöstlichen Krieges getragen. Sie hatte zahlreiche verlockende Gelegenheiten, einen Kompromiß mit den Japanern abzuschließen, der für die USA recht
schädliche Konsequenzen gehabt haben würde. Sie hat dies niemals getan.
Wir verurteilen die Sowjets, weil sie 1945 ihre im Rahmen eines zwanzigjährigen Vertrages enthaltene Zusage nicht eingelöst haben, die chinesische Nationalregierung als die Zentralregierung anzuerkennen. Wir sind
es unserer Ehre schuldig, unserem Verbündeten gegenüber, dem wir uns
auf Grund eines gemeinsamen Verteidigungspaktes verpflichtet fühlen,
die Treue zu bewahren.
Viertens: Die freien asiatischen Regierungen im pazifischen Raum
und in Südostasien würden außerordentlich verwirrt sein. Sie befinden
sich nahe der riesigen chinesischen Landmasse. Geographisch und in gewissem Ausmaß auch in politischer Hinsicht unterscheiden sie sich voneinander. Der Geist und die Entschlossenheit der USA üben einen bedeutsamen
einigenden und stärkenden Einfluß aus, lenn wir uns den Anschein geben,
unentschlossen zu sein und mit dem chinesischen Kommunismus einen Kompromiß abzuschließen, dann würde dies seinerseits den Widerstand im
freien Asien gegenüber dem Kommunismus schwächen und dem internationalen
Kommunismus in seinen Bemühungen, uns einzukreisen, zu einem großen Sieg
verhelfen.
Eine Anerkennung des kommunistischen China durch die Vereinigten
Staaten würde es wahrscheinlich machen, daß das kommunistische Regime
den Sitz Chinas in den Vereinten Nationen erhält. Das wäre weder im Interesse der Vereinigten Staaten noch in Interesse der Vereinten Nationen.
Die Vereinten Nationen sind keine Besserungsanstalt für böse Regierungen.
Sie sollen vielmehr eine Gemeinschaft solcher Nationen sein, die 'friedliebend sowie bereit und willens sind, den Verpflichtungen der UN-!-Charta
nachzukommen'. Und die grundlegende Verpflichtung ist, der internationalen Anwendung von Gewalt zu entsagen, es sei denn, man verteidigt sich
gegen einen bewaffneten Angriff«
Das chinesische kommunistische Regime blickt auf eine Vergangenheit
unablässiger bewaffneter Aggressionen zurück, darunter auch einen Krieg
gegen die Vereinten Nationen selbst. Ein Krieg, der zwar noch nicht politisch gelöst, aber doch durch einen Waffenstillstand beendet worden
ist. Das Regime behauptet nicht nur ein Recht zu haben, sondern bezeichnet es geradezu als sein Ziel, nötigenfalls unter Gewaltanwendung Formosa
unter seine Herrschaft zu bringen.
Die Republik China hat Anspruch auf einen permanenten Sitz und ein
•Vetorecht' im Weltsicherheitsrat. Sollte nun ein Regime, das in sieben
Jahren fünf Kriege auf ausländischem Boden und im eigenen Lande - in
Korea, Indochina, Tibet, den Philippinen und Malaya - angestiftet hat.

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3. Juli 1957

hat, das selbst gegen die Vereinten Nationen gekämpft hat und von diesen
als Aggressor gebrandmarkt wurde, und das offen seine Absicht proklamiert, weiterhin Gewalt anzuwenden - sollte dieses Regime einen ständigen Sitz mit Vetorecht in einer Organisation erhalten, die gemäß ihrer
Charta "die Hauptverantwortung für die Erhaltung des Weltfriedens und
der Sicherheit auf der Welt trägt'?
Das kommunistische Rußland beeinträchtigt mit seinem Vetorecht bereits sehr ernsthaft die Fähigkeit der Vereinten Nationen, diesen ihren
gesetzten Zielen zu dienen. Würde das kommunistische China nt^n auch noch
ein permanentes Mitglied des Weltsicherheitsrates mit Vetorecht werden,
so würde das - wie ich fürchte - in die Vereinten Nationen den Keim zu
ihrer eigenen Zerstörung tragen.
Ich möchte mich nun der Frage der Handels- und Kulturbeziehungen
zuwenden, die bis zu einem begrenzten Ausmaß auch ohne Anerkennung bestehen könnten. Ein normaler friedlicher Handel mit China, aus dem sowohl das amerikanische als auch das chinesische Volk Nutzen ziehen würde,
könnte im gemeinsamen Interesse liegen. Aber es hat den Anschein, als
ob diese Art von Handel in einem nennenswerten Ausmaß nicht möglich ist.
Der Handel mit dem kommunistischen China ist kein freier Handel.
Er bietet dem jeweiligen Land nicht das, was seine Bevölkerung wünscht,
aber selbst nicht produzieren kann im Austausch für das, was andere
Länder wünschen, aber wiederum nicht selbst herstellen können. Der
Handel mit dem kommunistischen China steht unter der absoluten Kontrolle
eines staatlichen Apparates, und die begrenzten Devisenbeträge des
kommunistischen China werden dazu verwendet, so schnell wie möglich eine
ungeheure Militärmaschine sowie eine Schwerindustrie aufzubauen, die
diese unterstützt. Der Hauptwunsch dieses Regimes richtet sich auf Werkzeugmaschinen, elektronische Ausrüstungen und ganz allgemein auf solche
Dinge, mit deren Hilfe man Panzer, LKWs, Flugzeuge, Munition sowie andere
militärische Ausrüstungsgegenstände herstellen kann.
Was andere auch immer tun mögen, so sollten die USA, die in dem
chinesischen Raum schwerwiegende Sicherheitsverpflichtungen eingegangen
sind, nicht die militärische Stärke ihres möglichen Feindes aufbauen.
Wir zweifeln auch den Wert eines Kulturaustausches an, den zu verwirklichen die chinesischen Kommunisten so begierig sind. Sie wollen
diese Beziehungen zu den USA hauptsächlich deshalb aufnehmen, weil es
dann für die nächsten Nachbarn Chinas schwierig sein würde, diesem einmal gegebenen Beispiel nicht zu folgen. Diese freien Nationen, die bereits einer intensiven Wühlarbeit der chinesischen Kommunisten ausgesetzt sind, könnten den von den Kommunisten gewünschten kulturellen
Austausch nicht durchführen, ohne dadurch die für diese Länder vorhandenen Gefahren wesentlich zu erhöhen.
Dies sind die Erwägungen, die für eine Beibehaltung unserer gegenwärtigen Politik sprechen. Was sind die Argumente der anderen Seite?
Es

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�"AMERIKA DIENST"

5. Juli 1957

Es gibt einige, die sagen, daß wir das kommunistische Regime diplomatisch anerkennen sollten, weil es jetzt so lange an der Macht ist,
so daß es ein Recht auf Anerkennung hat.
Dies ist kein gesundes Völkerrecht. Eine diplomatische Anerkennung
ist immer ein Privileg, niemals ein Recht.
Natürlich erkennen die Vereinigten Staaten an, daß das chinesische
kommunistische Regime existiert. Wir wissen sehr gut, daß es existiert,
denn es hat in Korea gekämpft. Wir geben auch zu, daß wir mit den chinesischen Kommunisten in bestimmten Sonderfällen, wo es unseren Interessen dienen könnte, verhandeln. Wir haben mit ihnen bei den koreanischen
und indochinesischen Waffenstillstandsabkommen verhandelt. Seit fast
zwei Jahren haben wir mit ihnen verhandelt, um unsere Staatsbürger freizubekommen und eine gemeinsame Erklärung über die Ablehnung von Gewaltanwendung zu erreichen, und diese Verhandlungen dauern immer noch an.
Eine diplomatische Anerkennung jedoch gibt dem auf diese Weise
anerkannten Regime wertvolle Rechte und Privilegien, und in der heutigen Welt bedeutet eine Anerkennung durch die Vereinigten Staaten
für eine Regierung einen großen Prestigegewinn und eine Steigerung
des Einflusses im eigenen Lande und im Ausland.
Natürlich kann man eine diplomatische Anerkennung nicht nach Laune,
und Willkür einem Lande vorenthalten. In dieser Frage wie auch in anderen bemühen sich die Vereinigten Staaten in Einklang mit den Prinzipien zu handeln, die zu einer Weltgemeinschaft der Ordnung und des
Rechts führen.
Ein Maßstab, der oft angelegt wird, ist, ob ein Regime wirklich
fähig ist, zu regieren. Dies ist jedoch in keiner Weise ein ausschlaggebender Faktor. Oft unterhalten Länder mit Exilregierungen diplomatisch
Beziehungen. Und sie verweigern häufig denen, die~*die wirkliche Macht
haben, die Anerkennung«
Andere Maßstäbe, die normalerweise angelegt werden, sind, um mit
Thomas Jefferson zu sprechen, ob die anerkannte Regierung den von der
Mehrheit getragenen Willen der Nation zum Ausdruck bringt, ob die Regierung dem Kodex zivilisierter Nationen Rechnung trägt, ob sie in
Frieden lebt und ihren internationalen Verpflichtungen nachkommt.
Immer ist die Anerkennung jedoch zugegebenermaßen ein Instrument
der nationalen Politik, das dem vernünftigen Eigeninteresse dienen soll.
Etwas ist ohne Zweifel erwiesen. Es besteht hinsichtlich der Anerkennung kein Automatismus. Nichts wird durch einen bloßen Zeitablauf
erzwungen.
Ein weiteres Argument geht dahin, daß eine diplomatische Anerkennung unvermeidlich ist, warum also nicht jetzt?
Lassen

�"AMERIKA DIENST"

3. Juli 1957

Lassen Sie mich zunächst mit allem Nachdruck betonen, daß sich
die USA niemals dem Argument der 'Unvermeidlichkeit1 unterworfen haben.
Wir sind der Ansicht, daß wir gemeinsam mit unseren Freunden unser
eigenes Schicksal meistern können. Wir erkennen die Oberherrschaft der
kommunistischen Streitkräfte nicht an.
Und nun lassen Sie mich weiter betonen, daß der Despotismus kommunistischen Typs nicht so unveränderlich ist, wie dies manchmal den Anschein hat. Zeit und Umstände wirken sich auch auf ihn aus.
Es entsteht oft ein täuschendes Bild aus der Tatsache, daß die
Polizeistaaten durch Unterdrückung der in ihnen herrschenden Differenzen den Eindruck der Beständigkeit und Festigkeit machen, während die
Demokratien mit ihren Oppositionsparteien und ihren verschiedenen und
dissonanten Meinungsäußerungen als instabile, nachgiebige Mitglieder
der Weltgemeinschaft erscheinen.
In Wirklichkeit jedoch hat ein Regierungssystem, das die Verschiedenheit und Vielfalt toleriert, Aussicht auf eine lange Lebensdauer,
während ein System, das die Konformität aufzuzwingen sucht, stets
in Gefahr schwebt. Das ergibt sich aus der Grundnatur des Menschen. Von
allen Argumenten, die für eine Anerkennung des kommunistischen China
vorgetragen werden, ist das Argument der -'Zwangsläufigkeit1 das am wenigsten zwingende.
Es gibt einige, die der Ansicht sind, daß die chinesischen Kommunisten schließlich mit Sowjetrußland brechen, wenn wir zu ihrer Stärkung beitragen, und daß darin unsere beste Hoffnung für die Zukunft
liege.
Ohne Zweifel gibt es in Asien grundlegende Machtstreitigkeiten
zwischen Rußland und China. Auf der anderen Seite sind die kommunistischen Parteien Rußlands und Chinas durch enge ideologische Bande
verbunden.
Vielleicht werden die chinesischen Kommunisten, wenn ihre Ambitionen von Erfolg gekrönt sind, schließlich einmal mit Sowjetrußland
zusammenstoßen. Vielleicht würden auch die Achsenmächte, hätten sie den
zweiten Weltkrieg gewonnen, einmal auseinandergefallen sein.
Aber niemand hat vorgeschlagen, daß wir einen Sieg der Achsenmächte tolerieren und sie sogar unterstützen sollten, damit sie sich
am Ende wegen der Beute in den Haaren liegen - einer Beute, zu der
auch wir gehört hätten v
Wir.streben eine Überprüfung unserer Chinapolitik - von einer gewissen Entrüstung über die immer noch andauernde schimpfliche Behandlung der amerikanischen Bürger in China abgesehen - offenen Sinnes und
ohne Gefühlsaufwallungen an. Wir sind auch in keiner Weise der Ansicht,
daß eine Änderung lediglich im Interesse der Beständigkeit oder nur
deshalb vermieden werden soll, weil dies frühere Fehler implizieren

�"AMERIKA DIENST"

3. Juli 1957

Wir behalten stets die Möglichkeit im Auge, daß das kommunistische
Regime günstig beeinflußt und auf einen besseren Weg gebracht werden
könnte, wenn wir mit ihm diplomatische Beziehungen unterhielten, oder
wenn wir ohne solche Beziehungen Handels- und Kulturkontakte mit ihm
hätten. Die Erfahrungen jdoch, die diejenigen hatten, die jetzt das
rotchinesische Regime anerkannt und mit ihm zu tun haben, überzeugt
uns, daß angesichts der gegenwärtigen Lage weder eine Anerkennung noch
Handels- oder Kulturbeziehungen oder alle drei den Gang der Dinge in
China beeinflussen werden. Auf innerpolitischem Gebiet würde das Ergebnis wahrscheinlich das Gegenteil dessen sein, was wir anstreben.
International gesehen entspricht das kommunistische Regime Chinas
nicht den Praktiken zivilisierter Länder; es kommt seinen internationalen Verpflichtungen nicht nach, hat sich in der Vergangenheit keineswegs friedfertig verhalten und läßt kein Anzeichen eines friedfertigen
Verhaltens für die Zukunft erkennen. Es treibt eine feindliche Politik
gegenüber den USA und gegenüber unseren asiatischen Verbündeten. Unter
diesen Umständen wäre es geradezu töricht, wenn wir zu den chinesischen
Kommunisten Beziehungen herstellen würden, die ihre Fähigkeit, uns und
unsere Freunde zu verletzen, noch fördern würden.
Sie mögen fragen: Und was in Zukunft? Ist unsere Politik rein
negativ? Haben wir irgendeine Aussicht, die.zahlreichen freundschaftlichen Verbindungen wieder aufzunehmen, die das amerikanische Volk seit
vielen Generationen zum chinesischen Volk unterhalten hat und die wir
gerne wieder unterhalten möchten?
Sehen wir irgendeine Möglichkeit, daß die potentiell große chinesische Nation mit ihrer reichen, alten Kultur und Weisheit jemals wieder in der Lage sein wird, eine konstruktive Rolle im Rat der Völker zu
spielen?
Mit ganzer Zuversicht bejahen wir diese Fragen, diese Zuversicht
basiert auf gewissen fundamentalen Glaubenssätzen. Einer ist, daß wir
an die Zukurvft der menschlichen Freiheit glauben. Wir wissen, daß die
materialistische Herrschaft des internationalen Kommunismus niemals
in dauerhafter Weise den Hoffnungen und Wünschen dienen wird, die
unser Schöpfer in uns hineingelegt hat.
In der
stalinscher
sogar zwölf
überzeugen,
dividuellen

Sowjetunion mußten sich die Herrscher von dem Kommunismus
Prägung distanzieren. In den Satellitenstaaten konnten
Jahre weltanschaulicher Schulung die Völker nicht davon
daß das sowjetische System ihre nationalen oder ihre inWünsche zufriedenstellt.

Dem chinesischen Volk ist der Kommunismus in gleicher Weise zuwider. Wir lesen die tapferen Worte, die ein Universitätslehrer jüngst
in Rotchina gesprochen hat: 'Euch Kommunisten zu stürzen, kann nicht
unpatriotisch genannt werden, weil, ihr Kommunisten nicht mehr länger
dem Volk dient 1 .
Das

�3. Juli 1957

"AMERIKA DIENST

Das chinesische Volk setzt sich letzten Endes auch aus Einzelmenschen mit einem persönlichen Willen zusammen. Wir können in unserer
Politik vertrauensvoll von der Grundannahme ausgehen, daß das Prinzip
der strikten Konformität des internationalen Kommunismus in China wie
auch sonst in der Welt eine vorübergehende Phase und kein Dauerzustand
sein wird. Wir sind es uns selbst, unseren Verbündeten und auch dem
chinesischen Volk schuldig, alles in unseren Kräften Stehende zu tun,
um das Zuendegehen dieser Phase zu beschleunigen.
Wenn wir der Ansicht wären, daß durch Handels- und Kulturbeziehungen dieser Prozeß beschleunigt werden könnte, dann würden wir solche
Beziehungen haben.
Wenn wir der Ansicht wären, daß mit der Herstellung von diplomatischen Beziehungen zu dem derzeitigen Regime dieser Prozeß beschleunigt
würde, dann würden wir solche Beziehungen haben.
Und wir würden uns auch nicht der Beteiligung des derzeitigen
chinesischen Regimes an der Arbeit der Vereinten Nationen widersetzen,
wenn wir der Meinung wären, daß damit das Ende dieser Phase schneller
herbeigeführt werden könnte.
Wir sollten unsere Politik ständig prüfen, und wir tun dies auch,
um so gewiß wie möglich darüber zu sein, daß unsere Politik angesichts
der Bedingungen, wie sie von Zeit zu Zeit herrschen, den großen Zielsetzungen dientf
denen sich unsere Nation seit ihrer Gründung verschrieben hat - der Sache des Friedens, der Gerechtigkeit und der
menschlichen Freiheit.
Unsere Politik ist stets anpassungsfähig, um den Erfordernissen
der wechselnden Bedingungen Rechnung zu tragen. Es gibt aber Gegebenheiten, wo die anderen und nicht wir die Änderung herbeiführen sollten.
Nichts könnte für die USA gefährlicher sein als wenn sie bei ihren
Handlungen sich von der Theorie leiten lassen, daß falls feindliche
und böse Kräfte sich nicht schnell und bereitwillig ändern, sie sich
selber ändern müssen, um diesen Kräften zu begegnen.
Die Vereinigten Staaten üben in der Welt von Heute einen gewaltigen Einfluß aus. Nicht nur, weil sie mächtig sind, sondern, weil sie für
den Frieden, für die nationale Unabhängigkeit und für die persönliche
Freiheit eintreten. Zahlreiche freie Nationen bemühen sich, ihre Außenpolitik mit der unsrigen zu koordinieren. Eine solche Koordinierung
ist in der Tat unerlässlich, wenn die freie Welt den Zusammenhalt
haben soll, der nötig ist, um sie zu sichern. Die Politik der Vereinigten Staaten würde aber niemals als ein Kristallisationspunkt für
freie Völker dienen, wenn der Eindruck entstünde, daß unsere Polit'k
sich ändert, um den kommunistischen Wünschen zu entsprechen, und zwar
aus keinem anderen Gründe als dem, daß der Kommunismus sich nicht zu
ändern wünscht. Wenn der Kommunismus starrköpfig an dem Falschen

- 9-

�"AMERIKA DIENST"

3. Juli 1957

Falschen festhält, dann wollen wir standhaft im Guten und Richtigen
bleiben.
Die Fähigkeit zum Wandel ist eine unerlässliche Fähigkeit. Gleichermaßen unerlässlich ist die Fähigkeit, an dem festzuhalten, was gut
ist. Wenn diese Qualitäten gegeben sind, dann können wir hoffnungsvoll
den Tag erwarten, wo jene Menschen in Asien, die noch frei sind, zuversichtlich frei bleiben werden und wo das chinesische Volk und das
amerikanische Volk ihre lange Geschichte der kooperativen Freundschaft
fortsetzen können".

* » * * *

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�A M E R I K A

D I

N S T

Allg./l0.7.i957
AMERIKAS ZIEL: DIE ERHALTUNG DES WELTFRIEDENS

BOSTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede von Francis 0.
Wilcox, Unterstaatssekretär im US-Außenministerium, die dieser am 27» Juni 1957 auf der
Biennale des Amerikanischen Akademikerinnenverbandes in Boston gehalten hat.
Wenn ich an diesem Nachmittag zu Ihnen über die Verantwortung des
Staatsbürgers an der Weltpolitik Spree he, werde ich zu Problemen Stellung nehmen, denen Sie persönlich - d ais Organisation ein gut Teil
ihrer Aufmerksamkeit widmen. Als Akade mikerinnen sind Sie für die
Übernahme von Verantwortu igen in ei:.e/ freien Gesellschaft erzogen
worden. Auch jene, die vo: auswärtigen Universitäten gekommen sind,
sind Repräsenta-.te.., die nicht weniger auf ein Loben der Vernunft,
der Toleranz und des Vers Lehens in ein er Gesellschaft vorbereitet
wurden, die ihre A. fgäbe meho im Wohle eh i des einzelnen als in
der Glorifizierung deo Staates sieht.
In dieser modernen Welt hat die ge enseitlg... Abhängigkeit voneinander uns alle zu Internationalisten gemacht. Die Welt ist so zusammengeschrumpft, daß uns k-,ine andere Wahl bleibt. Wir müssen zusammenstehen oder wir werden einzeln ntergehen.
Vor etwa einem halben Jahr mndeot sagte Präsident Theodore
Roosevelt einmal, d ß "die Vereinigter Staaten es sich nicht aussuchen können, ob sie in der Welt eine große Rolle spielen wollen. Sie
müssen ihre Rolle spielen. Alles, was zu entschoiden in Ihrer Macht
liegt, ist,ob sie sie gut oder schl-cht spielen wollen."
Die Wahl, die wir heute haben, wird u s von der Notwendigkeit
des Überleben-Müssens der Menschheit zudiktiert. Die Gefahr des
Atomkrieges, die über unseren Köpfen schwebt, läßt uns keine andere
Alternative als die, unseren Part gut und w_is- zu spielen.
Die beste Gewähr dafür ist eine, den Kurs der Weltereignisse
sorgfältig verfolgende, wohlinformierte Öffentlichkeit.

Amerikas

- 1 -

�"AMERIKA DIENST"

10. Juli 1957

Amerikas führende Rolle
Ich wage zu sagen, daß die bemerkenswerteste Entwicklung in diesem
Jahrhundert die Rolle der verantwortlichen Führerschaft ist, die die Vereinigten Staaten in den vergangenen 17 Jahren in der Welt übernommen haben.
Die Vereinigten Staaten haben seit 1941 in der Tat eine umwälzende
Periode hinsichtlich ihrer Beziehungen zu anderen Nationen durchgemacht.
In dieser kurzen Zeitspanne sind wir aus unserer Isolierung herausgegangen und eine internationale Macht geworden; unsere Politik ohne
hindernde Bindungen ist einem komplexen System der Wirtschafts-, Verteidigungs- und politischen Bündnisse mit über 40 Nationen gewichen. Um klar
herauszustellen, wie die Zeiten sich geändert haben, brauchen wir nur
daran zu erinnern, daß wir an den Konferenzen des Völkerbundes, selbst in
der bescheidenen Rolle eines Beobachters, nur äußerst widerwillig teilgenommen haben.
Es war die Wahrung unserer nationalen Interessen, die uns zu dieser
dramatischen Wandlung gezwungen hat. Es wird oft vergessen, daß jeder bedeutende außenpolitische Zug auf der alles überschattenden Frage basiert,
inwieweit er das Wohlergehen und die Sicherheit des amerikanischen Volkes
fördert. Die Wirksamkeit unserer Politik muß danach beurteilt werden, wie
gut sie diesen Zwecken dient.
In keinem Land unterliegt die Außenpolitik einer so permanenten
Kontrolle wie in den USA. Und in keinem Land hat das Volk in außenpolitischen Fragen so viel mitzureden. Schon unser Haushaltsystera sorgt für
diese jährliche Überprüfung.
Es ist richtig, daß dieses Vorgehen unsere Freunde und Verbündeten,
die unser System der checks and balances, der Kontrollen und Ausgleichsmaßnahmen,vielleicht nicht verstehen, zuweilen bestürzen mag. Aber es
hat den großen Vorteil, daß unsere politischen Entscheidungen, wenn sie
gefallen sind, von der Mehrheit einer gutinformierten Führerschaft im
Kongreß, in der Exekutive und im Volke gestützt werden. Ein Tatbestand,
der auch dafür bürgt, daß diese Entscheidungen kraftvoll und zuverlässig
durchgeführt werden. Er verbürgt ferner ihre moralische Vertretbarkeit,
denn andere würde unser Volk nicht dulden.
Ich möchte ein Wort sagen über die einzigartige Weise, in der Amerika
seine führende Aufgabe in der Weltpolitik erfüllt. Andere Länder haben
im Laufe der Jahrhunderte ihren Einfluß verstärkt, ihre Grenzen geweitet; sie haben aus persönlichem Ehrgeiz ihrer Führer, aus religiösen
Gründen,um den Handel zu fördern und Reichtümer anzuhäufen oder um anderer zwingender Ursachen willen, ganze Imperien aufgebaut. Die meisten
von ihnen, die im Verfolg solcher Politik erfolgreich oder zumindest zeitweilig erfolgreich waren, konnten dies im Hinblick auf ihre fügsamen
Bürger tun, fügsam, weil die Regierungen entweder unumschränkte Herrschaft
ausübten oder die Völker von irgendeinem besonderen Welterlösungsgedanken
erfüllt waren.
Die

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�"AMERIKA DIENST"

10. Juli 1957

Die neue Führerrolle Amerikas ist von ihm nicht angestrebt worden,
sie wurde den LSA von einer kranken und verängstigten Welt gewissermaßen aufgedrängt. Ihr Ziel ist weder Eroberung noch territoriale
Ausweitung, sondern ist allein die Erhaltung des Weltfriedens.
Im Grunde genommen will Amerika für andere Völker all die Segnungen, die seinem eigenen Volke zuteil werden, vie große Menge
Hilfsg'ter, die es in andere Länder hineinpumpt, und die oft als
Edelmut von der "Tue-Gutes"-A-.'t oder als Glauben daran, daß alle
Probleme sie', auf wirtschaftlicher Basis lösen ließen, mißdeutet
werden| sine. Ausdruck dieses Wollens . Es wäre eine falsche Auslegung
unserer Überzeugung, die wir seit der Erlangung unserer Unabhängigkeit
immer wied.-.r unter Beweis gestellt haben, nämlich, daß alle Menschen
gleich geschaffen sind; daß das Recht auf Leben, Freiheit und das
Streben nach Glück auf alle Menschen anzuwenden ist und nicht nur auf
ein einziges Land, wenn wir alle ein gedeihliches Leben in Frieden
führen wollen.
Trotz oberflächlicher Schwankungen
schaft, seit einer Reihe vor. Jahren eine
Unterstützung. Diese Unterstützung galt
die auf Grund amerikanischer Initiative

fand Amerikas Rolle der Führerstarke und ständige öffentliche
besonders den Vereinten Nationen,
geschaffen wurden.

Ich glaube, es ist unser aller Verantwortung, das Wesen, den hohen
Zweck und die praktische Anwendung des amerikanischen Führungsbegriffs
zu wahren, damit er sich nicht zu einem neuen Isolationismus verfälsche
oder versucht werde, zu beherrschen, wo er nicht überzeugen kann.
Die Verantwortung des Staatsbürgers
Ich hoffe, Sie glauben nicht, ich schmeichle Ihnen, wenn ich sage,
daß das Maß und die Reife des Verständnisses für die Ziele unserer Außenpolitik in hohem Grade von Organisationen wie der Ihren abhängen. Sie
vertreten die gebildete Elite einer hochgebildeten Gesellschaft. So wie
unsere Zahl wächst, nimmt auch unsere Verantwortlichkeit zu. Wir müssen
Amerikas neue Stellung in der Welt besser verstehen, wie es dazu kam,
wohin es führt und warum. Aus diesem Grunde hat der Akademiker eine ganz
besondere Verantwortlichkeit.
Man hat mir gesagt, daß die Frauen Amerikas den größten Teil der
Güter unseres Landes kontrollieren. Wenn das so ist, dann sind diese
Güter, glaube ich, in guten Händen. Aber es steht Ihnen noch mehr zur
Verfügung. Sie sind auch die Mit-Treuhänder - denn ich finde, den Männern
muß diese Verantwortlichkeit auch zugestanden werden - der Grundlagen
der Demokratie, die unser Land groß gemacht hat. Sie haben eine Erziehung
erhalten, die Sie auf das Leben in einer freien Gesellschaft vorbereitet
hat. Dies sind Errungenschaften, die nicht nur dazu verwendet werden
sollten, Leben und Kultur unserer Nation zu bereichern, sondern auch
eine richtige und kluge Außenpolitik zu unterstützen.

Ich

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"AMERIKA DIENST

Ich erinnere mich dabei an die kürzlich angestellten Beobachtungen
eines der maßgeblichen Männer im Außenministerium. Er wies eine Gruppe
von Kollegen darauf hin, daß er jeden Tag gezwungen sei, Entscheidungen
von mehr oder weniger großer Bedeutung für unsere auswärtigen Beziehungen zu treffen. Es fiel ihm, wie er sagte, besonders schwer, diese Entscheidungen zu treffen, ohne die häufig entgegengesetzten Ansichten und
Gesichtspunkte seiner Umgebung zu hören. Diese verschafften ihm nämlich die für ein wohlfundiertes Urteil notwendigen Perspektiven und
Alternativen.
Seine Beobachtung läßt sich, glaube ich, ebenso gut auf die Herausbildung einer politischen Linie auf nationaler Grundlage anwenden. Während der Präsident und der Außenminister die amerikanische Außenpolitik
formulieren und praktizieren, sorgt der Kongreß für die erforderlichen
Gesetze und Mittel; er kann sich allerdings auch ablehnend verhalten.
Wenn uns die Mittel oder Gesetzesgrundlagen nicht zugebilligt werden,
so müssen wir meiner Ansicht nach auf die eine oder andere Art einen
Fehler gemacht haben. Entweder haben wir es unterlassen, das Verständnis der Öffentlichkeit für unsere Politik zu erringen, oder aber die
Öffentlichkeit versteht sie, ist jedoch nicht bereit, sie zu unterstützen. Es gibt natürlich noch eine dritte Möglichkeit: Apathie oder
Gleichgültigkeit auf Seiten der Tonangebenden. Dies ist meiner Meinung
nach die schmerzlichste von allen.
Ich werde von Organisationen wie der Ihren oft gefragt, ob ihre
formellen Resolutionen und Petitionen über außenpolitische Angelegenheiten viel Einfluß haben. Ich kann sie dessen versichern» sie üben
diesen Einfluß sowohl auf die Legislative wie auf die Exekutive aus.
Wenn sie sich auch nicht immer in einer von Ihnen empfohlenen Handlung
ausdrücken, so sind sie doch ein unerläßlicher Teil der die Politik bestimmenden Faktoren in einer Demokratie.
Mißverständnisse über die Außenpolitik
Unsere führende Rolle in der Welt ist und kann keine leichte Aufgabe sein. Das Verständnis für die vielen Seiten der Außenpolitik setzt
daher Anstrengungen voraus - ein Bemühen, das auf lange Sicht den Unterschied zwischen einer guten und einer schlechten Politik bestimmt.
Außerdem haben sich gewisse falsche Auffassungen in unser Denken über
die auswärtigen Beziehungen eingeschlichen, die meiner Meinung nach
weitgehend auf einer unrichtigen Informierung oder einer unrichtigen
Auslegung der Tatsachen beruhen. Ich würde gerne einige dieser Mißverständnisse an Hand von Beispielen untersuchen. Mißverständnisse
über außenpolitische Angelegenheiten können Schlimmes anrichten.
Die Vereinten Nationen
Ich habe gesagt, daß die amerikanische Bevölkerung die Vereinten
Nationen weitgehend stützt. Und zwar in der Demokratischen wie in der
Republikanischen Partei und in allen Teilen des Landes. Aber ein
großer Teil meiner Aufmerksamkeit wie der meiner Kollegen im Außenministerium wird jedoch dadurch in Anspruch genommen, daß wir die

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"AMERIKA DIENST"

die Vereinten Nationen gegen Anwürfe verteidigen müssen, die auf einer
falschen Auffassung ihrer Verantwortlichkeiten und Befugnisse beruhen.
Manche Menschen neigen dazu, sie dafür verantwortlich zu machen,
wenn irgend etwas in der Welt schief geht. Als ob die reine Existenz
einer internationalen Organisation der Uneinigkeit und Unordnung ein
Ende setzen könnte! Andere verurteilen sie, weil sie die Hauptprobleme
des Nahen Ostens nicht in kürzester Frist beigelegt haben. Sie werden
oft angegriffen, v/eil sie ihren Willen in Ungarn nicht durchgesetzt
haben. Und sie werden kritisiert, weil das atomare Wettrüsten zwischen
der freien Welt und der Sowjetunion unvermindert weitergeht.
Nichts könnte irriger sein, als die Vereinten Nationen wegen der
Schwächen ihrer Mitgliedstaaten zu verurteilen. Wir würden gut daran
tun, uns ihre Grenzen wie ihre Möglichkeiten ins Gedächtnis zu rufen.
Sie sind keine übergeordnete Regierung. Sie setzen sich aus 81 souveränen, unabhängigen Nationen zusammen. Sie können nur das tun, was ihre
Mitglieder bereit sind, sie zu irgendeiner gegebenen Zeit tun zu lassen.
Wir sollten von den Vereinten Nationen nicht erwarten, daß sie all
unsere Weltprobleme lösen, nicht mehr, als wir vom Kongreß eine Lösung
unserer inneren Probleme erwarten. Jedes Jahr ungefähr verabschiedet der
Kongreß neue Gesetze über Wohnungsbau, Erziehungswesen, Arbeitsfragen,
Gesundheitswesen und andere wichtige Dinge. Aber die Probleme selbst
werden selten endgültig und vollständig geregelt. Sie werden erleichtert oder einer Lösung nähergebracht; niemand aber würde behaupten,
daß sie gelöst werden.
Der Nahe Osten
So ist es mit den Vereinten Nationen. Wir sollten den Maßnahmen
dieser vielschichtigen Körperschaft gegenüber sicherlich ebensoviel
Geduld aufbringen, wie wir sie mit unserem eigenen Kongreß üben.
Und doch geschieht dies manchmal nicht, wie zum Beispiel im Falle der
Suez-Krise. Manche Leute, die zunächst das sofortige Eingreifen der
Generalversammlung zur Erreichung der Waffenruhe begrüßten, waren ein
wenig bestürzt, als die nächsten Schritte zur Überwachung der Waffenruhe und zur Erhaltung einer friedlichen Atmosphäre nicht in dem gleichen
Tempo getan wurden.
Gewiß, es handelte sich hierbei um bescheidene Maßnahmen; und doch
wollen wir ihre Bedeutung nicht unterschätzen. Die Waffenruhe, die Zurückziehung fremder Streitkräfte aus Ägypten, die Aufstellung einer
Bereitschaftstruppe der Vereinten Nationen, die rasche Räumung des
Suezkanals, der Einsatz der UN-Bereitschaftstruppen in Gaza und SharmEl-Sheikh - all dies waren bemerkenswerte positive Maßnahmen, die innerhalb weniger Monate durchgeführt wurden. Diejenigen, die etwa den Eindruck hatten, daß diese Maßnahmen zu lange auf sich warten ließen, haben
vielleicht die Macht der Generalversammlung überschätzt.
Die Versammlung kann keinerlei Bedingungen vorschreiben. Ihre Verfahrensweise muß in vielen Fällen langsam, ja sogar schwerfällig sein.
Aber die Ergebnisse, die sie im Laufe der letzten paar Monate im Nahen
Osten erzielt hat, sind ein eindeutiger Beweis für die Kraft der Welt-

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Weltmeinung. Die Mobilisierung der Weltmeinung, verbunden mit einer
geduldigen Diplomatie, unter dem Banner der Vereinten Nationen hat
die Durchführung all dieser Maßnahmen ermöglicht. Gewiß, unter dem
Aspekt der Dauer betrachtet, ist das Nahost-Problem nicht gelöst.
Doch wurde die Ausweitung dieses Konflikts in einen möglichen großen
Krieg vermieden, und langsam wird wieder eine Grundlage für den Frieden
geschaffen.
Es ist dies nicht der Augenblick, uns selbstgefällig in den
mäßigen Erfolgen, die im Nahen Osten erreicht wurden, zu sonnen.
Das Schießen ist beendet, aber die grundlegenden Ursachen, die überhaupt zur Eröffnung des Feuers geführt haben, müssen bereinigt werden,
wenn der Friede erhalten bleiben soll.
Hier könnten die Kritiker nun wiederum einwenden, daß wir rascher
vorgehen sollten, ehe die Lage sich verschlechtert. Ein wesentliches
Element zur Erhaltung des Friedens im Nahen Osten ist die Lösung des
Problems, das die über 900 000 palästinensischen Flüchtlinge darstellen,
die für ihren Unterhalt und ihre Unterbringung auf die Hilfe der Vereinten Nationen angewiesen sind. Zugegeben, es handelt sich hier um
eine dringende Angelegenheit. Aber das Problem der palästinensischen
Flüchtlinge ist so komplexer Natur und in politischer Hinsicht ein so
hochexplosiver Zündstoff, daß etwaige Schritte sorgsam erwogen werden
müssen, wenn sie zur Besserung und nicht womöglich noch zur Verschlechterung der Lage beitragen sollen. Ebenso wenig können die Grenzen zwischen Israel und seinen Nachbarländern - eine nunmehr seit zehn Jahren
schwärende Wunde - über Nacht in zufriedenstellender Weise geregelt
werden.
Der Nahe Osten bleibt ein Pulverfaß, und jede übereilte und unbedachte Maßnahme könnte dort schwerwiegende Folgen haben. Wir können
sicher sein, daß die Sowjetunion auch weiterhin im Trüben fischen wird.
Der jüngste erfolgte Verkauf sowjetischer Unterseeboote an Ägypten ist
nur ein weiteres Vorkommnis in einer langen Kette von Ereignissen, die
offensichtlich darauf abzielen, die Spannungen in diesem Gebiet zu
verschärfen.
Eine Wolke der Furcht hängt nach wie vor über den Häuptern der
arabischen Völker wie über Israel. Wir müssen daher mit geduldiger
Kraft weiter vorstoßen. Wir.müssen alles nur irgend Mögliche tun,
um im Nahen Osten den Willen zum Frieden zu pflegen. Ohne diesen
Willen ist eine Beilegung der langfristigen Probleme nicht zu erreichen.
Der Fall Ungarn
Der ungarische Aufstand ist ein weiteres Beispiel. Nun, ich bedauere
die Weigerung der UdSSR und des ungarischen Regimes, sich den Beschlüssen
der Generalversammlung auf sofortige Zurückziehung der sowjetischen
Truppen aus Ungarn zu fügen, auf das tiefste. Doch kann ich mich nicht
jenen Leuten anschließen, die dafür die Vereinten Nationen verantwortlich machen. Wer das tut, hat kein Verständnis für die Geschichte, für
die politischen Tatsachen der gegenwärtigen internationalen Beziehungen

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Beziehungen und die Charta der Vereinten Nationen selbst.
Es war vorauszusehen, daß die Vereinten Nationen nicht die Macht
besitzen würden, einer Aggression Einhalt zu gebieten, sofern die Großmächte im Sicherheitsrat in ihren Ansichten nicht übereinstimmen. Nunmehr ist es klar geworden, daß, wenn die UdSSR oder die Vereinigten
Staaten sich den Beschlüssen der Vereinten Nationen widersetzen, ohne
Einsatz von Waffengewalt keiner von beiden gezwungen werden kann, sich
den Beschlüssen zu beugen. In unserem Atomzeitalter jedoch ist es
äußerst unwahrscheinlich, daß die Generalversammlung von ihren begrenzten Vollmachten jemals in einer Form Gebrauch machen würde, die einen
Weltkrieg provozieren könnte.
Im Falle Ungarns wollen wir die Schuld demjenigen aufbürden, der
sie zu tragen hat - rieht den Vereinten Nationen, sondern in ihrer ganzen Schwere auf die Schultern der Männer im Kreml, die beschlossen
hatten, Gewalt einzusetzen um zu verhindern, daß das sowjetische Satellitensystem sich in seine einzelnen Bestandteile auflöse.
Die Geschichte wird vielleicht eines Tages erweisen, daß der Aufstand in Ungarn eines der bedeutsamsten Ereignisse seit Ende des zweiten Weltkrieges war. Er hat dem System der sowjetischen Satellitenstaaten nicht wieder gut zu machenden Schaden zugefügt. Er hat in weit
stärkerem Maße als die freie Welt dies zu hoffen wagt, gezeigt, wie
sehr die Völker der von den Sowjets beherrschten Ländern die Herrschaft
ihrer kommunistischen Herren ablehnen.
Der Bericht des UN-Sonderausschusses ist erst vorige Woche bekanntgegeben worden. Der Bericht des Ausschusses spricht beredt genug
für sich selbst. Es ist eine unanfechtbare, objektive Anklage gegen
die sowjetische Tyrannei und Unterdrückung. Die jeden Punkt sorgfältig behandelnde Analyse der Ereignisse ist eine eindeutige Widerlegung
der sowjetischen Version über die Vorgänge in Ungarn. Nach umfangreichen Zeugenvernehmungen und auf Grund der Überprüfung von einschlägiges Dokumentenmaterial bestätigt der Ausschuß in einer über allen
Zweifel erhabenen Weise die teuflische Absicht der Sowjets bei ihrem
Vorgehen in Ungarn. Diese Absicht war, die legitime Forderung des ungarischen Volkes nach Freiheit und nationaler Unabhängigkeit zu unterdrücken.
Kurz gesagt, der Bericht zerstört das phantastische Lügengebäude,
das die Sowjets aufgebaut haben, um ihre grausamen und barbarischen
Verbrechen am ungarischen Volk wegzuargumentieren.
Der Ausschuß fand keinen Beweis für ein Eingreifen in den Aufstand
von außen her. Damit werden die sowjetischen Beschuldigungen von einer
amerikanischen Intervention als glatte Verleumdungen entlarvt. Weiterhin fand der Ausschuß keinen Anhaltspunkt dafür, daß irgendwelche Politiker, die mit dem Vorkriegsregime in Ungarn verbunden waren, einen
Einfluß auf die Ereignisse ausgeübt haben. Im Gegenteil, der Bericht
macht den spontanen Charakter der Demonstrationen in Budapest offenbar,
die aus dem Volke kamen und vom Volk getragen wurden. Er betont den

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den leidenschaftlichen und weittragenden Widerhall, den die Auflehnung
gegen das Unterdrückungssystem eines sowjetischen Polizeistaates bei
der Masse des Volkes gefunden hat.
Im Hinblick auf die sowjetische Behauptung, es habe sich bei den
Ereignissen in Ungarn um rein ungarische Angelegenheiten gehandelt, hat
der Ausschuß festgestellt, daß die Vereinten Nationen sich in der gegebenen Situation richtig verhalten hätten. Er hat festgestellt, daß
die schwere bewaffnete Intervention eines Staates in die inneren Angelegenheiten eines anderen Staates sogar nach der eigenen Interpretation
der Sowjetunion von einer Aggression ein internationales Anliegen sein
muß.
Der Bericht stellt klar heraus, daß die Sowjetunion erbarmungslos
ihre eigenen Ziele verfolgte und dabei weder Rücksicht auf die Wünsche
des ungarischen Volkes noch auf ihre Verpflichtungen im Rahmen der
Charta der Vereinten Nationen genommen hat.
Die Vereinten Nationen können es für sich in Anspruch nehmen,
die wahre Natur des sowjetischen Imperialismus,der sich im kommunistischen Dogma verbirgt,wieder einmal enthüllt zu haben. Das Forum
der Vereinten Nationen hat sich als ein brauchbares Medium erwiesen,
um sowjetische Forderungen sofort klar und wirkungsvoll zu beantworten. Die Möglichkeit, dieser Art von Propaganda in den Vereinten Nationen entgegen zu treten und sie zu demaskieren, gibt der Sache der
freien Welt Kraft und Halt.
Angesichts dieser ernsten Anklagen müssen wir uns fragen, welche

weiteren Maßnahmen die Vereinten Nationen ergreifen können. Es ist
klar, daß diese Angelegenheit für die UN von ^großer Wichtigkeit ist.
Ich kann Ihnen versichern, daß der Bericht nicht in den Archiven
verstauben wird. Der Kongreß hat bereits einstimmig für eine schnelle
Behandlung dieser Frage in der Generalversammlung der UN gestimmt.
Das ist ein Beweis für das tiefe Mitgefühl und die Sympathie, die das
amerikanische Volk dem ungarischen Volke in seiner schrecklichen Lage
entgegenbringt. Die amerikanische Regierung fordert eine Behandlung
dieses Berichtes durch die Generalversammlung zu einem möglichst frühen
Termin, und wir verhandeln deshalb auch mit anderen Mitgliedstaaten
der Vereinten Nationen.
Was die Erweiterung der Mitgliedzahl in den Vereinten Nationen
anlangt, so hahe ich festgestellt, daß einige Leute sich darüber Gedanken machen, daß die Vereinten Nationen eine Art Superstaat oder
Weltregierung sind. Sie sind alarmiert durch die große Zahl von neuen
Staaten in Afrika und Asien, die unlängst UN-Mitglieder wurden. Sie
fürchten offenbar, daß diese Staaten in wichtigen Fragen als fester
Block gegen die Vereinigten Staaten stimmen und der westlichen Welt
ihren Willen aufzwingen werden. Davon sind wir jedoch weit entfernt.
Zu

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Zu allererst dürfen wir niemals vergessen, daß die 28 souveränen
Staaten, die Afrika und Asien repräsentieren, sich in ihren Traditionen
und Kulturen stark voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede sind
oftmals größer als ihre Gleichartigkeit.
Außerdem haben diese Staaten nicht en bloc abgestimmt. Ohne Zweifel bestand in der Suez-Frage weitgehende Übereinstimmung, aber selbst
hierbei gab es keine Einmütigkeit. Im Hinblick auf Ungarn waren ihre
Stimmen am Anfang geteilt, die späteren Resolutionen jedoch, die das
sowjetische Vorgehen verdammten, wurden von den asiatischen und afrikanischen Ländern stark unterstützt. In der Algerien- und in der Zypernfrage führte die asiatische Initiative in der letzten Generalversammlung
zu Kompromissen, die in Resolutionen mit großer Zustimmung Ausdruck
fanden.Dabei ist es wichtig, festzustellen, daß diese Staaten in allen
diesen Fällen mit den Vereinigten Staaten stimmten.
Schließlich sollte man sich daran erinnern, daß die Generalversammlung nur Empfehlungen geben kann, sie kann aber ihre Wünsche, selbst
bei Stimmenmehrheit, nicht durchsetzen. Ich vermag daher nicht einzusehen, wie die neue Stärke der afrikanischen und asiatischen Staaten
in den Vereinten Nationen für uns bedrohlich sein könnte. In Wirklichkeit ist sie eine Aufforderung an und eine neue Gelegenheit für die
amerikanische Führungsaufgabe.
Die Regierung der Vereinigten Staaten und die große Mehrheit des
amerikanischen Volkes haben die Aufnahme dieser Staaten in die Vereinten Nationen aus ganzem Herzen begrüßt. Wir glauben aufrichtig an das
Selbstbestimmungsrecht der Völker, und wir haben ihre Unabhängigkeit
begrüßt. Jetzt sind sie Mitglieder der UN, und wir müssen versuchen,
ihren Standpunkt zu verstehen, genauso wie wir erwarten, daß sie den
unsrigen anerkennen.
Die Völker der jungen Staaten in Asien und Afrika wollen drei Dinge.
Sie wollen Freiheit und Unabhängigkeit. Sie fordern die Anerkennung als
vollwertige Bürger in der Weltgemeinschaft. Sie wollen ihre Länder entwickeln und ein besseres Leben führen.
Das alles sind auch amerikanische Konzeptionen. Das sind Ziele,
die wir alle unterstützen können. Wenn den Völkern dieser großen und
menschenreichen Gebiete genügend Hilfe und Ermutigung zuteil wird,
damit sie diese Ziele erreichen, dann können wir damit rechnen, daß
ihr Platz auch weiterhin auf der Seite der Freiheit sein wird.
Vor allen Dingen dürfen wir in den Vereinten Nationen nicht einfach
den Schluß ziehen, daß einige Staaten gegen uns seien, nur weil sie dann
und wann nicht zu den gleichen Schlußfolgerungen wie wir gelangen. Damit
würden wir weiter nichts tun, als nur ein Lippenbekenntnis zu dem Grundprinzip der Unabhängigkeit ablegen, das uns doch so teuer ist. Die Vereinten Nationen haben genug Raum für ehrlich verfochtene unterschiedliche Meinungen.
Auch

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Auch in anderer Hinsicht»nämlich in bezug auf die Auslandshilfeprogramme »bestehen hier bei uns manche bedenklich falsche Auffassungen.
Am meisten verbreitet ist wohl die Argumentation, daß wir mit der Fortführung der Unterstützung fremder Länder uns auf ein Programm einlassen würden, das ein Faß ohne Boden sei, daß wir eine bestimmte Gruppe
undankbarer Verbündeter verhätschelten, und daß wir den amerikanischen
Steuerzahler unnötig belasteten.
Wollen wir doch kurz einmal Betrachtungen dazu anstellen, was
Sie vielleicht die "Anatomie" der sogenannten Auslandshilfe nennen
würden. Schon allein der Begriff "Auslandshilfe" ist außerordentlich
irreführend. Denn diese Programme dienen auch unseren ureigensten
Interessen, sowohl in bezug auf das ganze Volk, als auch auf jeden
einzelnen. Die Mittel, die wir dem Ausland für wirtschaftliche und
militärische Unterstützung zur Verfügung stellen, sind im Grunde eine
Investition, die dazu bestimmt ist, in der Form größerer Sicherheit
für die Vereinigten Staaten Dividende zu bringen.
Zweitens ist die Unterstützung "gegenseitig" und "kooperativ".
In den meisten Fällen erfordert sie hohe Aufwendungen an Geldmitteln,
Dienstleistungen und Einsatz von Arbeitskraft seitens der "Empfänger"Länder. Einige Länder mit beschränkten wirtschaftlichen Möglichkeiten
sind im wahrsten Sinne des Wortes sogar gezwungen, die amerikanische
Hilfe abzulehnen, weil sie es sich einfach nicht leisten können, sie
anzunehmen.
Wir wollen hier den einen grundlegenden Punkt einmal klären. Die
Hilfe der Vereinigten Staaten ist keine einseitige Angelegenheit. Die
Vereinigten Staaten brauchen ihre Alliierten genauso wie sie uns brauchen. Sie stellen uns Stützpunkte zur Verfügung, die für die Schlagkraft der strategischen Einheiten unserer Luftstreitkräfte von großer
Bedeutung sind. Sie unterhalten ihre eigenen militärischen Streitkräfte
für die gemeinsame Verteidigung der freien Welt. Hätten wir sie nicht,
müßten viele Tausende amerikanischer Soldaten in Übersee stationiert
werden - und dies würde für die USA jährlich einen Aufwand erfordern,
der sieben- bis fünfunddreißigmäl größer ist als die Kosten, die wir
im Jahr für einen nichtamerikanischen Soldaten aufbringen müssen.
Was die wirtschaftliche Seite anbetrifft, so würden wir sehr langsam treten müssen, wenn die Zufuhren an strategischem Material - an
Zinn, Kautschuk, Industriediamanten, Mangan und zahlreichen anderen
Rohstoffen - nachließen, die nicht zuletzt auf Grund der von uns gewährten Unterstützung in unseren Häfen landen.
Hilfe an Länder, die keinem der beiden Machtblöcke angehören
Es besteht ein Mißverständnis, das sich aus einer falschen Auffassung über den tatsächlichen Zweck gegenseitiger Unterstützung ergibt. Dieses Mißverständnis beruht auf der Behauptung, die sogenannten
neutralen Nationen, und besondere die kommunistischen Länder,sollten
aufgefordert werden, sich jetzt eindeutig für die freie Welt zu entscheiden, wenn sie der amerikanischen Hilfe nicht verlustig gehen

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10. Juli 1957

gehen wollten. Man sollte ihnen, so wird argumentiert, nicht die Rolle
des Zuschauers gestatten; entweder seien sie für oder aber gegen uns.
Nehmen wir den Fall derjenigen Staaten, die sich an eine Politik
der Bindungslosigkeit nach allen Seiten halten. Der internationale Kommunismus versucht beständig, die Völker und Regierungen solcher "ungebundener" Länder zu überzeugen, daß der Kommunismus der billigste und
schnellste Weg für die wirtschaftlich weniger entwickelten Völker sei,
sich einen hohen Lebensstandard zu sichern und ihren Ländern politischen
und wirtschaftlichen Einfluß zu verschaffen. Vielfach unterstützen sie
diese Propaganda durch Anleihen, Zuwendungen und andere Formen materieller Hilfe.
Unsere Unterstützung
Die von uns den Entwicklungsländern gewährte Unterstützung, besonders die Hilfe an Länder, die an den sowjetisch-rotchinesischen
Block grenzen, ist von der allergrößten Bedeutung. Sie sollte nicht
sporadisch sein. Wenn sie den Regierungen dieser Länder so weit wie
möglich helfen soll, ihre Unabhängigkeit zu erhalten, muß die Kontinuität in verantwortungsbewußter Weise gewährleistet werden.
Die Ergebnisse des Wettbewerbs zwischen der freien und der kommunistischen Welt werden zum Beispiel von Indien, das sich den liberalen,
sozialen und politischen Idealen des Westens verbunden fühlt, wachsam
beobachtet, und sie werden jenen gegenübergestellt, wie sie unter der
rücksichtslosen Diktatur auf dem chinesischen Festland zu finden sind.
Die relative Höhe des Wohlstandes, die in einem bestimmten Zeitraum
von den Völkern dieser beiden Gebiete erreicht wird, kann in den Ländern ganz Asiens und Afrikas bestimmend dafür sein, zwischen dem
Kommunismus und einer freien demokratischen Regierungsform zu wählen.
Ohne Zweifel kann bei dieser Wahl die Indien und anderen Ländern,
welche sich in einer ähnlichen Lage befinden, von Amerika und der
freien Welt, gewährte Unterstützung schwer ins Gewicht fallen.
Außerdem ist die Hilfe, die die Vereinigten Staaten in den letzten
kritischen Jahren Jugoslawien gewährten, für die freie Welt von unschätzbarem Wert gewesen. Sie hat dazu beigetragen,diesem strategisch
so wichtigen Lande die Unabhängigkeit gegenüber einer Beherrschung von
außen, von welcher Seite diese auch kommen mag, zu sichern.
Ich glaube auch, wir leben unter
falschen Vorstellungen,
wenn wir annehmen, daß andere Länder, die wir unterstützen, relativ
wenig tun, sich selbst und anderen zu helfen. Wir wissen, daß viele
Staaten rigorose Kontrollen über ihre Verbrauchsgüter ausüben, die alles ,
was wir gewöhnt sind^n den Schatten stellen. Sie tun das, um mehr
exportieren zu können, um auf diese Weise ihren Dollarbestand zu erhöhen, um ihre Wirtschaft zu stabilisieren. Viele von ihnen geben jährlich große Summen zur Unterstützung und zum Wohle abhängiger Gebiete
aus, die unter ihrer Obhut stehen. Sämtliche Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen entrichten je nach ihrem Vermögen Beiträge zur Unterstützung derjenigen Sonderorganisationen der UN, deren Mitglieder sie
sind. Andere spenden großzügig für die vielen freiwilligen Programme

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10. Juli 1957

Programme der Vereinten Nationen.
Großzügigkeit ist etwas Relatives. Der Dollar, den ein armer Mann
spendet, kann eine großzügige Gabe sein. Zehn Dollar von einem Reichen
können ein Zeichen von Knauserei sein. Nun, die Vereinigten Staaten sind
reich; und wir sind nicht knauserig. Aber ich glaube, das Bild des wohlhabenden Onkel Sam, der große Summen an seine ärmlichen Nachbarn verteilt, entspricht keinesfalls den Tatsachen. Es ist zum Beispiel aufschlußreich, die Höhe unserer Beiträge für das erweiterte technische
Hilfsprogramm der Vereinten Nationen kennenzulernen. Wenn man den Beitrag auf den Kopf der Bevölkerung umrechnet, rangieren wir an fünfter
Stelle. Kanada, Dänemark, Norwegen und Schweden sind in der genannten
Reihenfolge großzügiger als wir.
Zum Schluß möchte ich noch sagen, daß wir auf Grund unserer Hilfsprogramme weder Dankbarkeit noch widerspruchslose Gefügigkeit gegenüber
unseren Wünschen erwarten können. Die Loyalität eines Menschen oder
eines Landes, die käuflich ist, ist ohnehin nicht viel wert. Es ist
bekannt, daß die Empfänger von Wohltaten manchmal dazu neigen, Ressentiments gegen ihre Wohltäter zu hegen. Ich glaube, es war Mark Twain,
der das kluge Wort prägte: "Ich weiß nicht, weshalb dieser Mann mich
nicht mögen sollte. Ich habe ihm noch nie einen Gefallen getan."
Das eigentliche Ziel unseres Auslandshilfeprogramms ist es, die freie
Welt zu stärken. Wir sind daher Partner in einem gemeinsamen Unternehmen,
zu dem wir alle beisteuern und von dem alle profitieren sollten.
Schlußbemerkungen
Ich habe einige der Mißverständnisse oder Irrtümer untersucht, die
unser außenpolitisches Denken so komplizieren. Es gibt noch viele andere.
Wir als gebildete Frauen und Männer müssen tun, was wir können, um diese
Hindernisse zu beseitigen, die einem richtigen Verständnis der Führerrolle Amerikas auf dem Gebiet der internationalen Politik im Wege stehen.
Wir haben eine große und dauernde Verpflichtung übernommen und müssen
uns dieser Verantwortung gewachsen erweisen.
Wir sind ein ungeduldiges»praktisches Volk. Wir wollen alle Probleme
kurzerhand beim Schöpfe packen und lösen. Das mag für uns in unserem
persönlichen und nationalen Bereich möglich sein. Bei jenen Angelegenheiten jedoch, die über unsere Grenzen hinausgehen, läßt sich das nicht
immer verwirklichen. Wir müssen die berechtigten und vielschichtigen
Interessen und Rechte jener Länder berücksichtigen, deren Mitarbeit,
Verständnis und Hilfsquellen wir brauchen. Wahre Führerschaft bedeutet
nicht, dem andern seinen Willen aufzuzwingen, sondern ihn für die eigene
Position zu gewinnen. Wie man gelegentlich im Scherz sagt, ist Diplomatie
"die Kunst, den anderen tun lassen, was man selber will".
Die eiserne Entschlossenheit der Kommunisten, die Welt nach ihrer
Vorstellung umzubauen, bedeutet für uns eine ständige Bedrohung. Die
Führer des Kommunismus haben keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie
zu einem langen wirtschaftlichen, politischen und propagandistischen
Kampf bereit sind. Mit dem Erkennen dieser Gefahr allein ist sie aber

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10. Juli 195T

aber noch nicht gebannt. Wir müssen die gefährliche Verlockung des
KommuniSinuc, für manche Menschen begreifen. Wir müssen Unzulänglichkeiten
in unsere.' eigenen Gesellschaft und in unserer Diplomatie vermeiden,
die dem Kommunismus in die Hände spielen könnten. Im Atomzeitalter
müssen wir unsere Absichten unmißverständlich klar machen. Unsere Stärke
ist der Schild und nicht das Schwert. Wir haben uns dem Frieden verschrieben, nicht d_m Kriege. Ei e falsche Beurteilung unserer Haltung
in dieser Frage seitens der Kommunisten könnte zu einem nicht wieder
gut zu machenden Unglück für alle, für die freie und die kommunistische
Welt, führen.
Der Staatsbürger trägt,was die internationalen Fragen anbelangt,
eine ganz persönliche Verantwortung. Wenn jeder von uns sich entschlossen bemühen würde, in bezug auf die Entwicklung der Weltpolitik auf dem
laufenden zu bleiben und entweder ganz persönlich oder in den verschiedenen Organisationen, denen wir angehören, zur rechten Zeit das Richtige
zu tun, dann würde dies unserer Außenpolitik sehr zum Nutzen gereichen.
Der Amerikanische Akademikerinnenverband geht den Organisationen
führend voran, die ihre Vera wortung erkennen und individuell, auf
lokaler und nationaler Ebe e, etwas dafür tun.
In der Mitte dts 20. Jahrhunderts haben wir hinsichtlich unserer
Position in der freien Welt ke'ne Wahl mehr. Es geht nur noch darum,
wie gut und wie wirkungsvoll unsere Führung zu sein vermag. Und das
hängt zu einem nicht geringen Grade davon ab, wieweit Sie, die Sie zur
Führerschaft erzogen sind, die d ingenden Probleme unserer Zeit erkennen.
Um zusammenzufassen: Wenn wir verstehen, daß die kommunistische
Gefahr ihrem Wesen nach von Dauer ist und unser Bestes tun, um ihr zu
begegnen, wenn wir nach wie v. • die Vereinten Nationen und ihre Sac'. e
unterstützen, wenn wir eng mit unseren Alliierten zusammenarbeiten
und jeden Alleingang vermeiden, wenn wir den bisher nicht gefundenen
Nationen der Welt die bleibenden Werte von Demokratie und Freiheit
aufzeigen, wenn wir stets die Haltung einer Nation mit hohen ethischen
Grundsätzen einnehmen - dann können wir der Zukunft entgegensehen
in dem vollen Vertrauen, daß die Sache der freien Menschen den Sieg
davontragen wird.

* * * ••. *

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�A M E R I K A

D I E

Allg./17.7-1957
DIE HERRSCHAFT DES RECHTS MUSS AN DIE STELLE
DER HERRSCHAFT DES KRIEGES TRETEN

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der
stellvertretende US-Außenminister, Staatssekretär Christian A. Herter, am 15« Juli
1957 auf einem Festessen anläßlich der
Jahrestagung der Amerikanischen Anwaltskarrr.r.er (American Bar Association) in
New York gehalten hat.

Lassen Sie mich Ihnen bitte gleich eingangs ein "Gute Reise"
zurufen, denn ich habe mir sagen lassen, daß 3000 Angehörige Ihrer
Vereinigung nach England reisen werden, um am 24. Juli in London
einer Tagung beizuwohnen. Ich darf Ihnen meine besten Wünsche für
ein Gelingen Ihrer Mission mit uf :en Weg geben. Ich bin sicher,
daß überall dort, wo Anwälte zusammenkommen! ganz zwangsläufig ein
gegenseitiges Verstehen eintritt - wobei man durchaus nicht einer
Meinung zu sein braucht. Jeder Beitrag aber zu gegenseitigem Verständnis ist uns bei der Pflege der Beziehungen zum Ausland von
großer Hilfe.
Man sagt, es sei bedauerlich, daß die Jugend auf junge Menschen
verschwendet werde, und ich glaube, man kann in ähnlicher Weise sagen,
es ist bedauerlich, daß die einzigen Zeugen großer Ereignisse oftmals
nur jene sind, die unmittelbar an ihnen teilhaben. Ebenso wie junge
Menschen sich erst in späteren Jahr-n .es Segens des Jungseins bewußt werden, so werden Mensche.. ..ie wir reibst, die wir in die Verwicklungen einer sich wandelnden Well .mittelbar hineingezogen werden, von unserem eigenen Befreie' der Auseinandersetzungen so sehr in
Anspruch genommen, daß wir darüb r das große Welttheater, in dem wir
unsere Rollen zu spielen haben, a. den Augen verlieren.
In dem Bestreben also, ein*-n Bei tr g zu einer Zusammenschau der
Dinge zu leisten, möchte ich heute abend meine Zeit darauf verwenden,
einmal darzulegen, welche Auswertungen ich von Ihrem Arbeitsbereich dem Rechtswesen al o - auf mein Tätigkeitsfeld - die Diplomatie ergeben und inwieweit umgekehn die Diplomatie zur Entwicklung aes
internationalen Rechts beiträgt. Die Ereignisse der jüng.ten Monate
im Nahen Osten sind in diesem Zusammenhang von großer Bedeutung und
so möchte ich ihnen meine besondere Aufmerksamkeit zuwenden.
Da
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�"AMERIKA DIENST"

17. Juli 1957

Da ich kein Jurist bin, spreche ich natürlich als Laie zu Ihnen.
Meiner Meinung nach gehört es mit zu den grundlegenden Fakten unseres
Zeitalters thermonuklearer Waffen, daß das Recht einen höheren Platz
einnehmen muß als in früheren Zeiten. Noch bis vor kurzem war der Krieg
sowohl ein legales als auch ein durchaus übliches Mittel zur Bereinigung internationaler Streitfälle. Der Kellogg-Pakt allerdings, der vor
rund 30 Jahren geschlossen worden ist, erklärte den Krieg zu einem
ungesetzlichen Instrument der Politik. Und dann kam die Charta der
Vereinten Nationen, die die Zufluchtnahme zur Gewalt verbot, es sei
denn bei Vorliegen einer ausdrücklichen Ermächtigung seitens der Vereinten Nationen oder im Falle der Verteidigung gegen eine bewaffnete
Aggression.
Und heute, da thermonukleare Waffen das Bild beherrschen, ist der
Krieg zu einem so großen Verhängnis selbst für den Sieger geworden,
daß es einfach undenkbar ist, daß ein Krieg für andere als Verteidigungszwecke geführt wird.
Die Herrschaft des Rechts muß deshalb weitgehend an die Stelle
der Herrschaft des Krieges als des letzten Schiedsrichters im Zusammenleben der Völker treten, wenn ein solches Zusammenleben überhaupt noch
fortbestehen soll.
Das Gefüge der sozialen Ordnung stützt sich auf eine ganze Reihe
von tragenden Elementen. Erstens stellen Recht und Sitte, gleichgültig
ob geschrieben oder ungeschrieben, eine Übereinkunft der Gemeinschaft
dar, welche Handlungsweise als richtig und vernünftig anzusehen ist.
Zweitens gibt es ein allgemein anerkanntes und gebilligtes Mittel,
diese Handlungsvorschriften zu ändern, damit sie auch neu entstandenen
Bedürfnissen und Verhältnissen Rechnung tragen. Drittens gibt es irgendwelche Personen oder Organe, die von der Gemeinschaft dazu ermächtigt
sind, das Recht zu verwalten. Viertens gibt es richterliche Organe,
die zur Regelung von Streitfragen, die sich aus dem Gesetz ergeben
können, bestellt sind. Fünftens müßte es eine Macht geben, die durch
ihre Fähigkeit, Verstöße gegen das Gesetz zu bestrafen, von der Anwendung von Gewalt abhält. Und schließlich bedarf die Gemeinschaft der
physischen und geistigen Gesundheit, damit sich die Menschen veranlaßt
fühlen, auf vernünftige und friedfertige Weise zu handeln und sich nicht
durch Not oder Furcht zu Gewaltakten hinreißen lassen.
Bauelemente für den Aufbau einer sozialen Weltordnung sind vorhanden. Sie sind aber noch unvollständig oder noch unzureichend oder
wurden noch nicht völlig in das Gefüge des internationalen Lebens eingebaut. Es gibt bereits ein umfassendes internationales Recht - in Form
der Charta der Vereinten Nationen, im sogenannten Vertragsrecht und in
der Summe jener Bräuche und Praktiken, die den Status fester Regeln
des internationalen Rechts erlangt haben. Aber selbst zusammengenommen
bleiben sie noch weit hinter dem zurück, was notwendig ist, um die Herrschaft des Rechts unter den Völkern aufzurichten.
Selbstverständlich

�"AMERIKA DIENST"

17. Juli 1957

Selbstverständlich sieht die Charta der Vereinten Nationen die Möglichkeit zur Änderung des Rechts vor. Sie ergibt sich darüber hinaus
ja auch aus der Weiterentwicklung des Vertragsrechts. Aber noch immer
ist dieser Prozeß des Wandels nicht in so sichere und ordnungsgemäße
Bahnen gelenkt worden, daß eine Gewähr dafür besteht, daß er sich
in friedlicher Form vollzieht.
Die Verwaltung und die Durchsetzung des Rechts wurde in der Charta
dem Sicherheitsrat übertragen und die Charta sieht auch vor, daß der Sicherheitsrat über die zur Wahrung des Friedens erforderlichen Streitkräfte verfügen soll. Leider hat die unnachgiebige Haltung der Sowjets
für den Augenblick diese ursprüngliche Zielsetzung zunichte gemacht;
und so sahen sich die freien Völker vor die Notwendigkeit gestellt,
regionale gegenseitige Beistandspakte für ihre gemeinsame Verteidigung
zu schließen, wie sie nach der Charta der Vereinten Nationen zulässig
sind. Sie sahen sich ferner vor die Notwendigkeit gestellt, auf freiwilliger Basis militärische Kollektivmaßnahmen zu ergreifen, um besonderen Situationen, wie sie sich beispielsweise im Falle Koreas ergeben
haben, gerecht zu werden.
Der Internationale Gerichtshof wurde geschaffen, um die richterlichen Funktionen auszuüben; bis zum heutigen Tage aber haben die Staaten gezögert, Streitigkeiten vor diesen Gerichtshof zu bringen. Im
übrigen bestehen auch gewisse Einschränkungen hinsichtlich der Art der
Streitfälle, die ordnungsgemäß vor den Gerichtshof gebracht werden
können.
Wir können die wichtige Tatsache nicht übersehen, daß der Gerichtshof nur dann erfolgreich arbeitet, wenn ihm die Streitfragen durch
eine gemeinsame Vereinbarung der Parteien unterbreitet werden, die sich
mit ihren Streitfragen nicht nur an ihn wenden, sondern auch an seine
Entscheidungen halten. Versuche, scharfe politische Auseinandersetzungen
vor dem Gerichtshof auszutragen und auf diesen einen Druck auszuüben,
können dazu führen, daß seine Entscheidungen nicht beachtet werden und
sie könnten selbst das Ende des Internationalen Gerichtshofs bedeuten.
In vielen Teilen der Welt bedeutet der Mangel an den lebensnotwendigen Dingen, oder die Tatsache oder die Erinnerung an erlittenes Unrecht oder Unterdrückung oder die Tatsache, daß die Machthaber aggressive
Absichten verfolgen, daß der Friede auf unsicherer Grundlage ruht.
Wenn wir hoffen dürfen, daß in der Welt die Herrschaft des Rechts
an die Stelle der Herrschaft der Gewalt tritt, dann liegt unser Weg
klar vor uns. Wir müssen Recht und Gesetz weiter entwickeln, die Institutionen unserer gesellschaftlichen Ordnung festigen, die Achtung
der Allgemeinheit vor Recht und Gesetz stärken und auf sozialem, wirtschaftlichem und politischem Gebiet eine gesunde Entwicklung fördern,
die für eine Gemeinschaft, die das Gesetz achtet, die fundamentale
Grundlage ist. Um mit dem griechischen Philosophen Heraklit zu sprechen,
muß das Volk ebenso für sein Recht, wie für seine Stadt kämpfen. Dem
möchte ich hinzufügen, daß das Volk erst einmal sein Recht schaffen
muß, ehe es verteidigt werden kann.
„.. „.

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17. Juli 1957

Häufig finden gerade in schweren Krisenzeiten, wenn Recht und
Ordnung am meisten bedroht sind und ihre Probe bestehen sollen, neue
Methoden im Recht Eingang und Anwendung, und die Herrschaft des Rechts
wird dadurch gestärkt. Das heißt, sie wird nur dann gestärkt, wenn
der Bedrohung entgegengetreten und die Probe bestanden wird. Wenn man
sich allzusehr mit dem Recht brüstet oder ihm keine Beachtung schenkt,
dann kann das Gefüge der Ordnung Schaden erleiden oder es kann gänzlich vernichtet werden. Die Krise im Nahen Osten stellte die Fähigkeit der freien Nationen, erfolgreich mit einem großen Streitfall
fertig zu werden, auf eine schwierige Probe. Wenn in diesem Gebiet
auch heute die wichtigsten Fragen noch nicht gelöst werden konnten,
so sind doch wichtige Fortschritte sowohl im Hinblick auf die Behandlung der Fragen als auch in der Entwicklung unserer Methoden, der
Krise Herr zu werden, erzielt worden.
Lassen Sie mich einen Überblick über die Entwicklung geben und
dabei auf die Tat- und Rechtsfragen insoweit eingehen als sie von
Bedeutung sind:
Die Nationalisierung des Suezkanals
Die Enteignung der Suezkanalgesellschaft durch Ägypten warf
selbst wichtige Rechtsfragen auf. Die Vereinigten Staaten behielten
sich bezüglich der Frage der Rechtmäßigkeit eben dieser Nationalisierung
ihre Stellungnahme vor und zeigten ihre Bereitwilligkeit zu dem Versuch, an einer praktischen Lösung des Kanalproblems zu arbeiten, die
die berechtigten Interessen aller Beteiligten schützen würde. Es ist
jedoch zu hoffen, daß das durch die Suezkrise an diesen Fragen entstandene Interesse schließlich sowohl zu einer Klärung als auch zu
einer Ergänzung des Völkerrechts führen wird.
Die Zeit der Verhandlungen
Die internationalen Auseinandersetzungen vor Ausbruch der Feindseligkeiten in Ägypten im vergangenen Herbst zielten auf den Abschluß
eii.es Abkommens, das sowohl die Frage der Entschäd' gu..g, wie auch die
der Verpflichtungen bezüglich des künftigen Betriebs des Kanals lösen
sollte. Anschließend an die Ablehnung der in London von einer Gruppe
von Kanalbenutzerstaaten au gearbeiteten Vorschläge durch Ägypten,
das seinerseits keinen Alternativvorschlag machte, nahm der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 13• Oktober des vergangenen Jahres
- mit Zustimmung Ägyptens - einstimmig eine Entschl'eßung an, die
sechs anerkannte Forderungen für die Regelung aufstellte, unter die
der Kanal gestellt werden sollte. Diese Grundsätze umfaßten den Betrieb des Kanals ohne jede Diskriminierung, die Achtung &gt;ror der
Souveränität Ägyptens, die strenge Trennung des Kanalbetriebs von
jeglicher politischen Einflußnahme eines Landes, die Regelung der
Durchfahrtgebühren, die Unterhaltung des Kanals und die Be-legung von
Streitigkeiten zwischen Ägypten und der Suezkanalgesellschaft.
Vor

�"AMERIKA DIENST"

17. Juli 1957

Vor einigen Monaten ist der Kanal für den normalen Verkehr wieder
eröffnet worden. Eine Reihe von Nationen, einschließlich die Vereinigten
Staaten und andere Seemächte, sind übereingekommen, es auf einer Defacto-Basis mit der ägyptischen Kanalverwaltung zu versuchen. Es bleibt
abzuwarten, welch eine Art von ständiger Verwaltung sich einmal für
den Kanal entwickeln wird und ob die bestehenden Organe tatsächlich
für die Regelung des Kanalbetriebs benutzt werden.
Die kriegerischen Auseinandersetzungen
Die Verhandlungen über eine Regelung der Suezkanalfrage wurden
Ende Oktober des vergangenen Jahres durch den Ausbruch von Feindseligkeiten im Nahen Osten unterbrochen.
Bei dem Ausbruch eines bewaffneten Konfliktes erhebt sich unverzüglich die Frage, ob sich die Anwendung von Gewalt rechtfertigen
läßt oder nicht. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hatte seinerzeit eine kollektive militärische Aktion empfohlen,um eine Niederwerfung der Republik Korea durch kommunistische Angreifer zu.verhindern.
Bezüglich der damaligen Ereignisse im Nahen Osten hatte Präsident
Eisenhower am 31. Oktober erklärt, daß sich das Vorgehen gegen Ägypten
kaum mit den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen vereinbaren
ließe und seine Stellungnahme gewann die überwältigende Unterstützung
der UN-Vollversammlung, als diese die Resolution faßte, daß die Feindseligkeiten eingestellt werden sollten.
Bei der Anwendung von Gewalt erhebt sich heute nicht nur die Frage,
ob sie sich rechtfertigen läßt oder nicht, sondern auch die weitere
Frage, ob die Feindseligkeiten auf andere Länder übergreifen können
und durch dieses Übergreifen ein allgemeiner Krieg entstehen kann.
Feuereinstellung
Vielleicht wird erst die Zeit zeigen, daß einige der wertvollsten
Entwicklungen, die sich in den letzten Jahren innerhalb der Vereinten
Nationen als Institution gezeigt haben, den erfolgreichen Bemühungen
entstammen, den Feindseligkeiten in Ägypten ein Ende zu bereiten.
Feindseligkeiten in Ägypten
Der Sicherheitsrat war durch Vetos verhindert, der Situation
durch wirksame Maßnahmen zu begegnen. Unter Anwendung der "Einheitfür-den-Frieden-Resolution" wurde eine Sondersitzung der Generalversammlung anberaumt. Zum ersten Mal wurde dieses Verfahren angewandt ein Markstein in der Geschichte der Vereinten Nationen. Diese Aktion
hat die Machtlosigkeit der UN, die durch die Anwendung des Vetos im
Sicherheitsrat verursacht worden war, in gewisser Weise ausgeglichen.
Die Generalversammlung griff zu drei Maßnahmen:
1) Wie bereits bemerkt, verlangte sie die Einstellung der Feindseligkeiten und Zurückziehung der bewaffneten Streitkräfte;

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2) stellte sie eigene Hilfsstreitkräfte auf, um die Einstellung
der Feindseligkeiten zu sichern und zu überwachen;
3) schließlich sorgte sie für verschiedene Maßnahmen, die dazu
geeignet waren, ein Wiederaufleben alter Konflikte und eine Verletzung
des Waffenstillstands nach Abschluß der Truppenzurücknahme zu verhindern,
Die Aufstellung der UN-Schutztruppe war ein weiterer Markstein
in der Entwicklung der Vereinten Nationen. Wie die Streitkräfte der
Vereinten Nationen in Korea setzte sich diese neue Streitmacht aus
Einheiten zusammen, die von Mitgliedstaaten freiwillig gestellt wurden,
wobei jedoch Streitkräfte der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates ausdrücklich ausgeschlossen waren. Damit erschöpfte sich
auch ihre Ähnlichkeit weitgehend. Während nämlich die UN-Streitkräfte
in Korea im Zuge der Vollstreckungsvorschriften der Charta (Kapitel
VII) operierten, ist es die Aufgabe der UN-Hilfstruppe in Ägypten,
Bedingungen aufrechtzuerhalten, die zu einer friedlichen Beilegung
führen. Mit dem Oberbefehl über die UN-Streitkräfte in Korea waren
die Vereinigten Staaten beauftragt worden; die UN-Streitkräfte in
Ägypten hingegen wurden einem von der Generalversammlung gewählten
Offizier unterstellt. Weiter wurden die Kosten für die Truppen in
Korea von jenen, die sie stellten, getragen, während die UN-Streitkräfte in Ägypten aus dem Budget der Vereinten Nationen und aus Beiträgen finanziert werden, die sowohl von nichtbeteiligten Ländern geleistet werden wie von den Ländern, die Truppen zur Verfügung stellen.
Schließlich sollten die UN-Truppen in Ägypten - im Gegensatz zu den
UN-Streitkräften in Korea - keine militärische Gewalt anwenden, um
die Feuereinstellung oder die Zurückziehung der Truppen zu erzwingen,
sondern nach der Zurückziehung der Kriegführenden lediglich als Polizeimacht dienen.
Es bleibt noch viel zu tun, wenn eine Streitmacht wie jene, die
augenblicklich den Frieden in Gaza und Sharm el Sheikh garantiert,
als eine nützliche Erfahrung und als Präzedenzfall zur Stärkung der
UN beitragen oder in einer ähnlichen künftigen Situation eingreifen
soll. Ohne Frage jedoch ist ein weiterer bedeutsamer Schritt getan
worden, um die Vereinten Nationen mit den Mitteln zu versehen, die
ihren Entschlüssen Nachdruck verleihen können. Die Tatsache, daß
Frankreich und Großbritannien sich sofort bereit erklärten, der
Resolution der Generalversammlung nachzukommen und sich den Zielen
der UN-Streitkräfte unterzuordnen, so daß keine Gewalt notwendig
sein würde, um die Feuereinstellung zu erzwingen, unterstreicht die
Bedeutung dieses Schritts.
Zurückziehung
Die Schritte, die zur Feuereinstellung führten, hatten wichtige
Entwicklungen der Vereinten Nationen als internationale Institution
zur Folge. Die Schritte, die eine Zurückziehung der britischen und
französischen und schließlich auch der Israeli-Truppen zur Folge
hatten, waren ein vielversprechendes Beispiel für die praktische
Anwendung des internationalen Rechts.
T

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In den Debatten der Generalversammlung sprach sich die Mehrheit
für die Stützung der Charta aus. Diese Ansicht fand ihren Ausdruck in
den Resolutionen der Versammlung, die eine Feuereinstellung und Zurückziehung der Truppen forderten. Hinter diesen Resolutionen stand die
Möglichkeit, Sanktionen zu verhängen. Sie steht der Generalversammlung
gemäß Artikel 10 und 11 der Charta zu und ist auch in der Einheit-fürden-Frieden-Resolution vorgesehen. Frankreich und Großbritannien in
gewissem Grade und noch mehr Israel wurden von anderen Ländern starkem
Druck ausgesetzt, dem Ruf der Versammlung nachzukommen, so verschieden
und gegensätzlich die Ziele dieser anderen Länder auch sein mochten.
So einigten sich also die Nationen in einer überaus heiklen Situation,
die die Gefahr einer Ausweitung des Konfliktes in sich barg, im Endergebnis dahin, die Rechtsgrundsätze der Charta anzuwenden. Ihr Vorgehen beruhte dabei, wie Sie erkennen werden, nicht etwa darauf, daß
von einer mit Regierungsgewalt versehenen internationalen Behörde
ganz bestimmte Rechtsvorschriften unmittelbar angewendet wurden, wie
wir es im innerstaatlichen Recht kennen. Vielmehr waren erst langwierige
Verhandlungen erforderlich, und zwar sowohl innerhalb und außerhalb der
Vereinten Nationen, um festzulegen, mit welchen Mitteln die grundsätzliche Forderung einer Zurückziehung der Streitkräfte hinter die Waffenstillstandslinien verwirklicht werden solle.
Dies geschah, um den berechtigten Bedenken und Interessen beider
Seiten hinsichtlich Recht und Sicherheit Rechnung zu tragen. Schließlich erreichte man gemeinsamen Boden, und das Gesetz hatte pragmatische
Wirkung.
Das Forum der Vereinten Nationen und Dienste des Generalsekretärs
erwiesen sich in diesem Prozeß als außerordentlich wertvoller Katalysator. Von einem praktischen, wenn nicht verfassungsrechtlichen Gesichtspunkt aus, entwickelten sich Reichweite und Einfluß von Amt und Funktionen des Generalsekretärs während der Krise ganz erheblich. Es ist
möglich, daß das eigentliche richterliche Organ der Vereinten Nationen,
der Internationale Gerichtshof, in Zukunft auch eine größere Rolle
spielen wird.
Seerechte
Der Bericht des Generalsekretärs vom 24. Januar schlägt unter anderem
die Stationierung von Streitkräften der Vereinten Nationen an der Straße
von Tiran, die den Zugang zum Golf von Akaba kontrolliert, vor. Der
Bericht erinnert auch an eine Resolution des Sicherheitsrates aus dem
Jahre 1951» in der festgestellt wird, daß Ägypten keine Ansprüche und
das Recht ihrer kriegerischen Durchsetzung gegenüber Israel geltend
machen kann.
Mehrere Jahre lang hatte Ägypten israelischen Handelsschiffen die
Durchfahrt durch den Suezkanal verweigert und Israel den Zugang zum
Golf von Akaba in der Meerenge von Tiran unter Hinweis auf das Recht
kriegführender Staaten verwehrt.
Am

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Am 25. Februar deutete Mr. Harnmarskjöld in einem Memorandum an
die Generalversammlung an, daß die Streitkräfte der Vereinten Nationen
nur nach vorheriger Informierung des Beratenden Ausschusses der Generalversammlung aus der Meerenge von Tiran zurückgezogen werden würden.
Der Ausschuß seinerseits könne dann entscheiden, ob die Versammlung
zu Rate gezogen werden solle. Die am 1. März im Anschluß an Besprechungen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten von Israel abgegebene Verlautbarung über den Rückzug enthielt eine Bemerkung, die
sich offensichtlich auf gewisse Voraussetzungen hinsichtlich des
Zugangs zum Golf von Akaba bezog. Schließlich brachte Präsident Eisenhower in seinem Schreiben vom 2. März an den israelischen Ministerpräsidenten die Ansicht zum Ausdruck, daß die von der israelischen und
anderen Delegationen der UN-Generalversammlung geäußerten Hoffnungen
und Erwartungen durchaus vernünftig seien.
Recht kann auf verschiedene Weise zustande kommen. So ist das
Seerecht bis zu einem gewissen Grade durch die Erfahrungen und Maßnahmen von Regierungen und internationalen Organisationen anläßlich
der Suezkrise und ihrer Folgen gefestigt worden. Und es dürfte eine
weitere Entwicklung erfahren, wenn eines Tages die Frage der Durchfahrt durch den Suezkanal und den Golf von Akaba Gegenstand der
Untersuchung durch den Internationalen Gerichtshof werden sollte.
Darüber hinaus werden, wie ich fest glaube, das Seerecht durch
die Bemühungen der UN-Konferenz über das Seerecht, die im kommenden
Jahr in Europa abgehalten werden soll, weiter gefestigt und etwaige
Unklarheiten beseitigt werden. In diesem Fall werden sich die Vertreter der verschiedenen Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen und
ihrer Sonderorganisationen ganz bewußt und unmittelbar darum bemühen,
das Recht zu kodifizieren und schriftlich niederzulegen.
Ich darf in diesem Zusammenhang wohl daran erinnern, daß die Vereinigten Staaten ganz besonders an der Frage der Hoheitsgewässer
interessiert sind, die auf dieser Konferenz behandelt werden soll.
Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Staaten nach dem Völkerrecht
nicht gehalten sind, Hoheitsgewässer über eine Breite von 3 Meilen
(4,8 km) anzuerkennen, denn unserer Überzeugung nach ist die Freiheit
der Meere, im weitesten Sinne des Wortes, ein Grundsatz, der allen Nationen, großen wie kleinen, am besten gerecht wird.
Souveränität
Wenn die Freiheit der Meere und alle damit zusammenhängenden Fragen in der Suezkrise für alle Nationen, die den Kanal benutzen, von
grundsätzlicher Bedeutung ist, so ist auch die Frage der Souveränität
mit allen sich daraus ergebenden Folgen von grundsätzlicher Bedeutung
für alle Nationen in Asien und Afrika, die stolz auf ihre nationale
Unabhängigkeit sind und die wirtschaftliche und soziale Entwicklung
ihrer Länder entsprechend ihrer politischen Unabhängigkeit anstreben.
Wir Amerikaner können nicht gut die Berechtigung dieses Stolzes und
solcher Bestrebungen in Zweifel ziehen, denn erst vor wenigen Generationen, als wir unsere Freiheit errangen, um in den Kreis selbständiger Nationen einzutreten, haben wir uns in der gleichen Lage wie
jene Länder befunden.
_.
u
Einer
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�17. Juli 1957

'AMERIKA DIENST

Einer der heikelsten Punkte, der selbst bei der vorliegenden
begrenzten Lösung der Nahost-Krise zu berücksichtigen war, war die
Tatsache, daß einerseits Ägyptens Souveränität zu respektieren und
andererseits gleichzeitig der Wunsch anderer Nationen nach Wahrung
ihrer Rechte und der Freiheit der Meere zu erfüllen war. Wenn die
Befugnisse der Vereinten Nationen zur Behandlung internationaler
Streitfälle weiter ausgebaut werden sollen, dann muß zunächst gewährleistet werden, daß sie ihre Punktionen erfolgreich ausüben können unter
gleichzeitiger Achtung der Souveränität der einzelnen Nationen.
Die Vorkommnisse der letzten so bewegten Zeit veranschaulichen
erneut, daß die Souveränität, ebenso wie die Staatsbürgerschaft, sowohl
Verpflichtungen als auch Rechte mit sich bringt. Freiheit wurde als
die Möglichkeit zur Selbstdisziplin definiert, und die Erfahrung zeigt,
daß dies sowohl auf die Freiheit der Nationen wie auf die der Menschen
zutrifft. Eine Herrschaft des Rechts kann es nur unter denen geben,
die das Recht auch respektieren.
Außenminister Dulles hat dies kürzlich i m einer Rede kurz und
bündig zusammengefaßt. "Der Weltkommunismus", so sagte er, "duckt sich
zum Sprung,um jene Nationen zu unterwerfen, deren führende Männer glauben,
ihre jüngst erworbenen Souveränitätsrechte durch Verhöhnung anderer
unabhängiger Nationen herausstellen zu.müssen. Solcherart Souveränität
ist selbstmörderische Souveränität ... Wir wollen, daß die neu erworbene Unabhängigkeit anderer Völker etwas Besseres sei als ein kurzes
Dämmern vor der totalen Finsternis kommunistischer Despotie".
Ich habe heute mit Ihnen einige Gedanken über die Stellung des Rechts
in unserer Welt verfolgt, habe kurz erwogen, welches die zur Entfaltung
der Herrschaft des Rechts erforderlichen Elemente sind und habe einige
wichtige Ereignisse der jüngsten Zeit auf dem Gebiet des Völkerrechts
berührt.
Wenn wir die Notwendigkeit des Rechts dartun, müssen wir uns jedoch in aller Deutlichkeit über die Grenzen des Rechts im klaren sein.
Es kann keine Herrschaft des Rechts geben ohne die zur Abschreckung
gewaltsamer Verstöße gegen dieses Recht erforderlichen und ausreichenden
äußeren Zwangsmittel. Und die uns auf Grund unserer führenden Stellung
in der Welt auferlegte Verantwortlichkeit macht es zur zwingenden
Notwendigkeit, daß wir gemeinsam mit jenen Nationen, die den gleichen
Überzeugungen anhängen wie wir, unsere kollektive Stärke aufrechterhalten und den Mut und die Entschlossenheit bewahren, diese Stärke auch
da, wo sie zum Schutze von Frieden und Ordnung erforderlich ist, einzusetzen .
Aber so wie wir Waffen brauchen, um die Herrschaft des Rechts zu
sichern, ebenso brauchen wir das Recht, um die Rüstung innerhalb vernünftiger und wünschenswerter Grenzen zu halten. Es heißt, übermäßige
Tugend könne leicht in Laster ausarten.
üb ermäßige Bewaffnung kann ein Fehler sein. Die übermäßige Rüstung
zehxt am Wohlstand der Völker, sie lenkt ihr Denken in ungesunde Bahnen

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�" AMERI K A M E N S T "

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Bahnen kann eine Art "Finger am Abzug"-Spannung verursachen, die durch
jedes zufällige Ereignis ausgelöst werden kann.
Innerhalb des Gefüges der Stärke, welches das unumgänglich wichtigste Element - ich wiederhole, das unumgänglich wichtigste Element einer friedlichen Welt ist, wird eine kluge und vorsichtige Begrenzung
unserer Rüstung unsere Stärke nicht verringern, sondern wirkungsvoller
machen. Sie könnte in sehr großem Maße zur Aufrechterhaltung eines dauerhaften und ehrenvollen Friedens beitragen. In der Frage der Fortentwicklung des Rechts und der Rechtanwendung bleibt auf diesem Gebiet jedoch noch viel zu tun.
Ich habe mich heute in der Hauptsache mit dem Recht in seiner negativen oder vorbeugenden Wirkung beschäftigt - der Ächtung des Krieges
und der Begrenzung der Rüstung. Lassen Sie mich abschließend jedoch
sagen, daß die positiven Seiten des Rechts in ihrem Beitrag für die Zukunft der Welt mindestens ebenso wichtig sein werden wie die negativen.
Die Völker Europas beraten zur Zeit über Verträge für einen gemeinsamen Markt und eine friedliche Nutzung der Atomenergie. In dieser Entwicklung liegt das Versprechen für die wachsende Stärke und Unabhängigkeit dieser Völker und für ihr Gebiet als Ganzes. Solche Entwicklungen
müssen zwangsläufig zur Erschließung von Neuland auf dem Gebiet des
internationalen Rechts führen. Die Geschicklichkeit, mit der dieses Recht
geformt wird, kann im wesentlichen Maße den Erfolg dieser Entwicklungen
bestimmen.
Die Geschichte kennt beides, glänzende Erfolge und tragische Fehlschläge in dem Bemühen der Menschheit, die Herrschaft des Rechts auf
den verschiedenen Ebenen ihrer sozialen Beziehungen zu verwirklichen.
Ich glaube, daß die weitere Entfaltung der Herrschaft des Rechts
unter den Völkern durch einen langsamen Evolutionsprozeß erfolgen muß.
Er wird in erster Linie von der wachsenden Einsicht unter allen Völkern
abhängen, zwischen der Notwendigkeit einer friedlichen Funktion des
Rechts und den Schrecken eines Krieges zu wählen. Später wird er von
der Ausbreitung des Vertrauens abhängig sein, das aus der Erfahrung
geboren wird und durch die praktische Anwendung des Rechts langsam
wächst.
Letzten Endes freilich kann diese Entwicklung nur dann vorankommen,
wenn die ganze Menschheit gewillt ist, zum allgemeinen Wohl der Welt
auf einen Teil ihrer persönlichen und bestimmten Vorrechte zu verzichten.
Diesen Geist können Sie als Juristen durch die Achtung pflegen helfen,
die Sie in Ihren Gemeinden genießen. Damit können Sie zur Stärkung des
internationalen Rechts beitragen und' unseren Nachkommen größere Hoffnung
auf Frieden, Wohlstand und - was am wichtigsten ist - auf Überleben,
geben.
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./24.7.1957

DULLES ERLÄUTERT US-ABRÜSTUNGSVORSCHLÄGE

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Rede des USAußenministers John Foster Dulles vom 22.
Juli 1957» die v n allen amerikanischen
Rundfunk- und Fernsehstatione übertragen
worden ist.

"Ich möchte über die Abrüstung sprechen. Wir benutzen dieses
V/ort natürlich nicht in seinem buchstäblichen Sinne. Niemand denkt
daran, die Vereinigten Staaten oder die Sowjetunion oder irgendein
anderes Land zu entwaffnen. Was wir anstreben, ist eine Maßnahme
auf dem Gebiet der Rüstungen, durch die die Gefahr eines bewaffneten
Angriffs herabgemindert wird. Es ist eine zwingende Notwendigkeit,
daß wir dieses Ziel zu erreichen trachten.
Es gibt bereits eine so große Zahl stärkster Atomwaffen, daß
ihr Einsatz in einem totalen Krieg das Leben überall auf der Erde
bedrohen könnte. Und so wie die Dinge stehen, wird die Zeit kommen,
da die kleinste und verantwortungsloseste Diktatur in den Besitz
von Waffen gelangen könnte, von denen unendliches Leid droht.
Weiter v/erden die Kosten für die Erhaltung voi miteinander
konkurrierenden militärischen Einrichtungen so groß, daß kein Land
diese Kosten tragen kann, ohne daß sie zu einer drückenden Last für
seine Wirtschaft werden.
Die amerikanische Regierung ist der Auffassung, daß diese Situation gebessert werden kann und gebessert werden müßte.
Wir glauben, daß es jeder Nation schwer - wenn nicht unmöglich gemacht werden kann, einen massiven Überraschungsangriff zu beginnen,
Wenn dies der Fall ist, so würde dadurch die Kriegsgefahr wesentlich
verringert werden, weil ein etwaiger Aggressor in der Regel damit
rechnet, einen überraschenden, vernichtenden Schlag führen zu können.

Wir

1 -

�24. Juli 1957

"AMERIKA DIENST"

Wir glauben, daß es möglich ist, eine unkontrollierte Verbreitung
der Kernwaffen über die ganze Welt zu verhindern.
Und wir glauben ferner, daß die Kosten für die Rüstung ohne Gefahr reduziert werden könnten, wenn die Gefahr eines Überraschungsangriffs wirklich verringert wird.
Die Vereinigten Staaten kämpfen, wie Sie wissen, an vielen Fronten für den Frieden.
Als Mitglied der Vereinten Nationen unterstützen wir deren Ziel,
internationale Streitfälle durch friedliche Mittel und in Übereinstimmung mit Recht und Gesetz zu lösen.
Gleichermaßen bemühen wir uns darum,auf friedlichem Wege der ungerechtfertigten und unmenschlichen Teilung Deutschlands ein Ende zu
setzen und die Unabhängigkeit jener Nationen wiederherzustellen, die
jetzt dem sowjetischen Kolonialismus unterworfen sind.
Wir streben nach kollektiver Sicherheit, so daß die kleineren
und schwächeren Nationen nicht eine nach der anderen angegriffen
und überrannt werden können und die Vereinigten Staaten am Ende
isoliert und von überwältigend großen feindlichen Kräften eingekreist dastehen.
Wir fördern und unterstützen die politische Unabhängigkeit
aller Völker, die nach einer solchen streben und die die Fähigkeit
zeigen, die damit verbundenen Aufgaben und Verantwortungen zu übernehmen.
Wir bemühen uns darum, den Völkern weniger entwickelter Länder
zu helfen, einen Weg aus der stagnierenden Armut zu finden und in
den Genuß der Segnungen der politischen Freiheit zu gelangen.
Und ebenso führen wir an der Rüstungsfront unseren Feldzug für
den Frieden.
Ehe ich nun unser Programm erläutere, möchte ich noch etwas
über die Art unseres Vorgehens und unsere Verfahrensweisen sagen.
Die Abrüstungsbesprechungen werden in London unter den Auspizien
der Vereinten Nationen geführt. Dort tagt ein Abrüstungsunterausschuß,
der sich aus Vertretern der Vereinigten Staaten, Großbritanniens,
Frankreichs, Kanadas und der Sowjetunion zusammensetzt. Dieser Unterausschuß arbeitet bereits seit 1954« Noch bis vor kurzem erschien
sein Vorgehen recht unrealistisch. Die Sowjetunion benutzte die
Sitzungen als Sprachrohr für ihre Propaganda, über dieses Sprachrohr
wurden völlig inhaltlose Vorschläge ausposaunt, mit denen die Sowjetunion sich den Anschein eines friedliebenden Landes zu geben suchte.
In

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�"AMERIKA DIENST"

24. Juli 1957

In jüngster Zeit hat sich die Atmosphäre etwas gewandelt. Wir
hoffen, die sowjetischen Machthaber betrachten mit Besorgnis die Aussicht, daß sich die Produktion von Atomwaffen auf alle Teile der Welt
ausdehnen könnte. Sie finden es sicher schwer, ihr Rüstungsprogramm
mit der wachsenden Forderung ihrer Bevölkerung nach einem besseren
Leben in Einklang zu bringen.
"Was auch immer die Gründe sein mögen, so hat die sowjetische Delegation doch etwas realistischer und weniger bombastisch geredet.
Die amerikanische Delegation wird von dem ehemaligen Gouverneur
Stassen angeführt und umfaßt diplomatische, militärische und technische
Berater. Die Delegation selbst macht jedoch nicht amerikanische Politik.
Ihre Aufgabe ist es, die Politik der Vereinigten Staaten im Einklang
mit den ihr von dem Außenministerium gegebenen Anweisungen darzulegen.
Die wesentlichen Entscheidungen werden von Präsident Eisenhower getroffen, nachdem er den im nationalen Sicherheitsrat vorgebrachten
Ansichten Rechnung getragen hat.
Da die Verhandlungen zu einem Vertrag führen können, ist der
Abrüstungsunterausschuß des Senats, dessen Vorsitzender Senator
Humphrey ist, laufend genauestens unterrichtet worden.
Wir arbeiten außerdem eng mit der Nordatlantikpaktorganisation
zusammen. Europa ist ein Gebiet, in dem sich starke Kräfte ganz nahe
gegenüberstehen. Es ist ferner ein Gebiet voller gefährlicher und ungelöster politischer Probleme, wie zum Beispiel der Teilung Deutschlands oder der Unterdrückung jeder politischen Unabhängigkeit, wie
sie uns erst kürzlich in Ungarn vorgeführt wurde. Wir sind fest entschlossen, nichts zu tun, was die Sicherheit Westeuropas gefährden
oder den Anschein erwecken könnte, daß wir im Namen der Abrüstung
die Teilung Deutschlands und die Unterdrückung der menschlichen
Freiheit und nationalen Unabhängigkeit sanktionierten. So bleiben
wir auch im Einklang mit den Ansichten derjenigen europäischen Alliierten, die selbst nicht an den Londoner Besprechungen teilnehmen.
Wie Sie sehen, ist die Art unseres Vorgehens etwas kompliziert.
Die Sowjets beklagen sich, daß wir 'langsam' seien. Aber wir handeln
nicht nach sowjetischen Maßstäben. Sie haben keine parlamentarischen
Verfahrensweisen, und die Satellitenregierungen braachen nicht befragt
zu werden. Ihnen wird nur mitgeteilt.
Die Maßnahmen einer Koalition demokratischer Nationen scheinen
oft langsam, Aber - wie ich im April bereits sagte - ein zuverlässiger
Fortschritt kann nur durch 'sorgsam abgemessene und sorgsam gesetzte
Schritte' erzielt werden. Die freien Nationen haben es mit Angelegenheiten zu tun, die schwerwiegende Auswirkungen auf ihre Existenz
selbst haben. Und wenn es auf der einen Seite wichtig ist, daß wir
Fortschritte machen, so ist es doch gleichermaßen wichtig, daß wir
vorsichtig sind.
Ich

�"AMERIKA DIENST"

24. Juli I957

Ich wende mich nunmehr dem amerikanischen Programm zu, das ständig
mit den übrigen freien Nationen abgestimmt wird.
Unser Programm unterscheidet scharf zwischen dem, was undurchführbar ist - zumindest heute - und dem, was durchführbar ist, auch heute
schon. Zum Beispiels
Erstens» Es ist praktisch unmöglich, sich lediglich auf Versprechungen zu verlassen. Die Charta der Vereinten Natioren enthält bereits Versprechungen. Alle Mitglieder - und dies schließt auch die Sowjetunion
ein - haben der Anwendung von Gewalt entsagt, ausgenommen bei individueller oder kollektiver Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff.
Wenn wir dieses Versprechen für genügend zuverlässig erachteten , würden wir
nicht unseren gegenwärtigen kostspieligen, rein defensiven und als Abschreckung dienenden militärischen Apparat aufrechterhalten. Aber die
sowjetischen Versprechungen haben sich nicht als zuverlässig erwiesen.
Wir werden unsere militärische Position nicht ändern, nur weil wir uns
auf papierne Versprechungen verlassen.
Zweitens: Es ist nicht möglich, die Abschaffung der nuklearen Waffen
sicherzustellen. Die Wissenschaftler erklären uns, daß es keine bekannte Methode gibt, die bereits hergestellten spaltbaren Materialien aufzuspüren und genau zu melden.
Daher müssen wir bei der Ausarbeitung unserer Pläne von der Annahme
ausgehen, daß die Länder, die jetzt über Atomwaffen verfügen, diese in
einem Kriege einsetzen würden.
Drittens: Es ist nicht möglich, irgendeine Formel zu finden, wie man
die militärische Stärke des Sowjetblocks auf der einen Seite und der
Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten auf der anderen Seite genau
feststellen kann. Die Washingtoner Konferenz über die Begrenzung der
Seestreitkräfte (1921) setzte für die fünf wichtigsten Seemächte gewisse
Stärken für die Seestreitkräfte fest. Aber diesem noch verhältnismäßig einfacher: Unterfangen war ein unglückliches Ende beschieden.
In der Zeit von 1926 bis 1935 haben die Alliierten des ersten Weltkrieges ehrlich aber vergeblich nach einer Formel zur Rüstungsbegrenzung
der Landstreitkräfte gesucht.
Die Rüstung und das militärische "Potential" sind so komplexe Gebilde, daß man in bezug auf sie unmöglich zu einer zuverlässigen Gleichung gelangen kann.
Y/ir sprechen zuweilen aus Bequemlichkeit bei den bewaffneten Streitkräften eines Landes in Begriffen rein zahlenmäßiger Mannschaftsstärke.
Das führt jedoch zu falschen Vorstellungen, wenn der Eindruck erweckt
würde, daß - wenn die Streitkräfte der Sowjetunion und die der Vereinigten Staaten zahlenmäßig gleich wären - auch unsere militärische Stärke
gleich sei. Die zahlenmäßige Stärke der Streitkräfte einer Nation zu
einer bestimmten Zeit gibt keinen schlüssigen Index für die relative
Stärke. Es kann daneben lokale Polizei- und andere halbmilitärische

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24. Juli 1957

halbmilitärische Verbände geben, die die nationale Stärke verschleiern.
Es können ausgebildete Reserven vorhanden sein, die eine rasche Verstärkung der aktiven Truppen gestatten. Eine solche Möglichkeit ist in einer
Gesellschaftsform immer gegeben, die, wie die Sowjetunion, alle ihre
waffenfähigen Männer zu jeder Zeit unter absoluter Kontrolle hat.
Wir wissen, daß wir keine Formel finden können, die ein zuverlässiges Gleichgewicht der militärischen Stärke gewährleistet.
Dies ist einiges von dem, was sich nicht verwirklichen läßt. Auf der
anderen Seite gibt es auch Dinge, die sich verwirklichen lassen. Zum
Beispiel:
Erstens: Es ist möglich, durch eine sich gegenseitig ergänzende
Kombination von Luftüberwachung und Bodenkontrolle einen massiven Überraschungsangriff zu verhindern oder zumindest das Risiko und Ausmaß der
Überraschung zu vermindern.
Dies ist von größter Bedeutung. Es ist unwahrscheinlich, daß irgendein Land, das selbst für Zerstörungen anfällig ist, einen totalen Krieg
vom Zaume brechen wird, sofern es nicht glaubt, daß es seinen Hauptgegner unvorbereitet treffen und so durch Überraschung eine entscheidende
Überlegenheit gewinnen könnte.
Dies war auch der Gedanke, der dem von Präsident Eisenhower auf der
Gipfel-Konferenz im Juli 1955 gemachten Vorschlag der 'Offenen Himmel*
zugrunde lag. Seitdem ist kein anderer Vorschlag unterbreitet worden,
der in so wirksamer Weise die Gefahr vermindern und auch bei Aufrechterhaltung einer weniger kostspieligen Verteidigung gegen eine Aggression
Sicherheit geben würde.
Zweitens: Es ist technisch möglich, die Verwendung des neu produzierten spaltbaren Materials zu kontrollieren und dabei sicherzustellen,
daß dieses nicht für die Waffenproduktion benutzt wird. Lassen Sie mich
an dieser Stelle auf den Unterschied hinweisen, der zwischen einer Überprüfung oder einer Bestandsaufnahme des in der Vergangenheit produzierten
Materials und einer Bestandsaufnahme der neuen Produktion nach Errichtung
eines Überwachungssystems besteht. Die Vergangenheit kann heute nicht mehr
überprüft werden; man kann jedoch die Zukunft kontrollieren.
Drittens: Es ist technisch möglich, ein Überwachungssystem auszuarbeiten, mit dessen Hilfe starke Atomwaffenversuche größeren Ausmaßes festJgestellt werden können und das das Umgehen eines Testverbotes zu einer
höchst riskanten Angelegenheit machen würde. Da aber Möglichkeiten für
eine Verheimlichung solcher Versuche bestehen, müssen die Beobachtungsgruppen zahlreich sein und in der Nähe möglicher Versuchsgelände stationiert werden. Das Problem ist nicht so einfach, wie manche geglaubt haben.
Viertens: Es ist möglich, daß man die künftige Entwicklung der wichtigsten Mittel, mit deren Hilfe die Zerstörungswaffen zu ihren Zielräumen gebracht werden können, wirksam kontrollieren kann. In diesem
Zusammenhang verdienen neue Waffentypen, wie beispielsweise die interkontinentalen Fernlenkwaffen, besondere Aufmerksamkeit.
Fünftens: Die zahlenmäßige Höchststärke der aktiven Streitkräfte
kann begrenzt werden. Dies würde von keiner tiefgehenden militärischen
Bedeutung sein, könnte sich jedoch als ein Barometer nützlich erweisen,
wenn mit dieser Reduzierung ausreichende Informationen Hand in Hand gehen,
so daß weitgehende Verletzungen entdeckt werden können, und wenn eine
solche Kürzung von einigen Begrenzungen in bezug auf die den militärischen
Streitkräften zur Verfügung stehenden Waffen begleitet wird.
_ c. _.
Sechstens:

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24. Juli 1957

Sechstens; Es ist möglich, die gegenwärtig in den Arsenalen der
Sowjetunion und der USA befindlichen herkömmlichen Waffen in einem
gewissen Ausmaß zu reduzieren; hierzu gehören dio wichtigen Beförderungsmittel für Atomwaffen. Und es ist ferner möglich, eine ungefähre
Gleichheit hinsichtlich der Bestände zu erzielen, die jeder von uns
vernichten oder die jeder von uns international überwachten Depots
übergeben würde. Diese Reduzierung könnte in bezug auf die Zahl derjenigen, die bewaffnet werden könnten, von praktischer Bedeutung sein.
Siebentens« Spaltbares Material kann aus bestehenden Atomwaffenbeständen in solche Arsenale übergeführt werden, die definitiv für
friedliche Verwendungszwecke ausersehen sind. Es wäre nicht möglich,
das für Waffenzwecke verbleibende Material zu registrieren oder in
diesem Zusammenhang eine Angleichung untereinander herbeizuführen.
Solche Überführung in Lager, die für eine friedliche Nutzung vorgesehen
sind, könnte, wenn sie mit einer NichtVerwendung des neu produzierten
spaltbaren Materials für Waffenzwecke Hand in Hand geht, sicherstellen,
daß sich das vorhandene Kernwaffenpotential verringert.
Die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten, die ich hier umrissen habe,
formen die Abrüstungsvorschläge der Vereinigten Staaten. Bei diesen
Vorschlägen handelt es sich zugestandenermaßen nur um Teilpläne. Sie
stellen, • so hoffen wir, einen Anfang und nicht ein Ende dar. Wir wollen
jetzt nichts unternehmen, was zur Stunde undurchführbar erscheint. Wir
versuchen allerdings, im Rahmen des Notwendigsten das Mögliche zu erreichen, um einen bedeutsamen Anfang zu machen. Das Wesentliche sju
diesem Zeitpunkt der Geschichte ist, wirklich anzufangen und aus der
Phase des ermüdenden und endlosen Gesprächs in die Phase der Aktivität zu gelangen. Dies sind nun unsere Vorschläge»
Erstens! Wir schlagen vor, da.ß sich uns die Sowjetunion bei der
Schaffung eines Inspektionssystems anschließt, das verläßliche Sicherheiten gegen einen umfassenden Überraschungsangriff bietet» Die Vereinigten Staaten sind bereit, der Überwachung ihres gesamten Gebietes
in Nordamerika zuzustimmen, wenn die Sowjetunion eine Inspektion ihres
Gebietes zuläßt. Wir stehen in enger Beratung mit unseren kanadischen
Freunden bezüglich der Möglichkeit, diese nordamerikanische Zone so
zu vergrößern, daß sie auch Kanada einschließt.
Wir sind ferner bereit, begrenztere Zonen in Betracht zu ziehen,
die dann allmählich erweitert werden könnten. Als Anfangszone könnte
ein nördlicher Raum in Frage kommen, der das Gebiet des Polarkreises,
Alaska und die Aleuten sowie entsprechende Teile des östlichen Sibiriens,
Kamtschatka und die Kurilen umfaßt. Dazu ist natürlich die Zustimmung
anderer Länder erforderlich. Wir stehen in dieser Frage in enger Beratung mit Kanada, mit Dänemark, soweit Grönland betroffen ist, und mit
Norwegen. Wir wissen, daß diese Verbündeten der USA genauso bestrebt
sind wie wir selbst, dazu beizutragen, daß ein Beginn bei der Suche
nach Sicherheit gegen einen Überraschungsangriff gemacht wird.
Diese nördliche Zone wäre keineswegs ohne wesentliche Bedeutung.
Zahlreiche Wege, auf denen möglicherweise ein Überraschungsangriff
vorgetragen werden könnte, führen über diese Polarregion. Zur gleichen

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gleichen Zeit bieten diese Gebiete relativ wenig komplizierte Probleme, so daß hier ein schneller Beginn gemacht und hinsichtlich der
technischen Probleme entsprechende Erfahrungen gesammelt werden könnten. Diese technischen Probleme sind beträchtlich, da sie die Koordinierung einer Luft- und Bodeninspektion sowie ein verläßliches Meldesystem einschließen.
Auch eine europäische Zone wird eingehend erwogen. In dieser Angelegenheit arbeiten die Vereinigten Staaten eng mit ihren NATOAlliierten zusammen. Es ist allgemein der von uns geteilte Wunsch
vorhanden, daß eine solche Zone geschaffen wird. Aber alle sind sich
darüber im klaren, daß sie zahlreiche spezielle Komplikationen in sich
birgt. Es wird wesentlich länger dauern, eine europäische Zone auszuarbeiten, als eine nördliche Zone festzulegen, die nicht so viele
Schwierigkeiten bietet.
Wenn mit einem Anfangsschritt ein Verfahren, das greifbare Sicherheiten gegen Überwachungsangriffe bietet, entwickelt werden kann, dann
kann dieser Anfang allmählich auch auf all die wichtigen Gebiete ausgedehnt werden, aus denen ein massiver Überraschungsangriff erwachsen
könnte. Auf diese Weise würde ein entscheidender Schritt getan worden
sein, um die Kriegsgefahr zu vermindern. Dann könnten die Sicherheitsausgaben ohne Gefahr reduziert werden.
Zweitens: Hinsichtlich der Atomwaffen schlagen wir ein drei Punkte umfassendes Programm vor. Wir machen nicht den Vorschlag, die Atomwaffen zu vernichten oder die Möglichkeit ihrer Anwendung auszuschalten, da dies, wie wir gesehen haben, nicht gewährleistet werden kann.
Jedoch ist es möglich und angebracht, das Ausmaß des Atomwaffenproblems
zu reduzieren und eine weltweite Verteilung solcher Kampfmittel in der
ganzen Welt zu verhindern.
Wir machen uns keine Sorgen in bezug auf die freien Nationen, die
vielleicht als nächste Kernwaffen herstellen könnten. Und wir bezweifeln, ob die Sowjetunion ihren Alliierten Atomwaffen gestatten würde.
Wenn jedoch jetzt keine internationalen Verfahren ausgearbeitet werden können, um die Atomwaffen unter Kontrolle zu bringen, dann könnte
dieses Problem bald völlig unlösbar werden, und wir müßten damit rechnen, daß eine ungeheure Zerstörungsgewalt in die Hände derer geraten
könnte, die unter Umständen völlig verantwortungslos handeln würden.
Unser Programm enthält folgende drei Punkte:
a) Wir schlagen vor, daß alle Nationen sich damit einverstanden
erklären, von einem bestimmten Zeitpunkt an keine spaltbaren Materialien mehr für Waffenzwecke herzustellen. Der Zeitpunkt würde von der
vorherigen Errichtung eines wirkungsvollen Kontrollsystems abhängig
gemacht werden.
Alle

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24. Juli 1957

Alle Länder würden sich von jenem Zeitpunkt an damit einverstanden erklären, daß ihre gesamte Produktion an spaltbarem Material friedlichen
Zwecken zugeführt werden würde. Dies würde der Auffüllung kostspieliger und sich ständig vermehrender Arsenale von Atomwaffen ein Ende setzen
Nach Angaben unserer Atomwissenschaftler ist dies ein erreichbares
Ziel.
b) Wir schlagen die Schaffung eines Systems vor, mit dessen Hilfe
die vorhandenen Bestände an Atomwaffen reduziert werden könnten, indem
man sie vielleicht unter den Auspizien der internationalen Atombehörde,
die zur Zeit im Entstehen begriffen ist, friedlichen Verwendungszwecken
zuführt. Dies hat Präsident Eisenhower im Jahre 1953 in seiner Rede
vor den Vereinten Nationen vorgeschlagen. Die geplanten Reduzierungen
würden anfänglich in einem bescheidenen Rahmen vorgenommen werden und
würden die vorhandenen Atomwaffenbestände nicht wesentlich beeinträchtigen. Es würden für unsere Zwecke und die unserer Alliierten noch
Atomwaffenbestände in ausreichender Menge zur Verfügung stehen für
den Fall, daß uns ein Krieg aufgezwungen werden sollte. Wenn jedoch
die Lösung politischer Fragen sowie weitere Maßnahmen auf dem Gebiet
der Rüstungsreduzierung es klug erscheinen lassen, die Waffenbestände
stärker zu verringern, würden wir für diesen Zweck ein internationales
Instrument zur Verfügung haben.
c) Zusammen mit den Schritten a und b schlagen wir eine vorübergehende Einstellung der Kernwaffenversuche,und zwar für den Zeitraum von
etwa zehn Monaten vor. Dieser Zeitraum ist keineswegs willkürlich gewählt. Es wäre ein Zeitraum, der nicht zur Auflösung der bestehenden
wissenschaftlichen Arbeitsgruppen der USA führen würde. Während dieser
zehn Monate könnte gleichzeitig ein Fortschritt hinsichtlich der Schaffung eines Inspektionssystems gemacht werden, um zu garantieren, daß falls die Aussetzung der Versuche verlängert w«rden sollte - dies in
ausreichender Weise überwacht und kontrolliert werden kann. Während
dieses Zeitraums könnte ebenfalls mit der Inspektion begonnen werden,
die notwendig ist, um sicherzustellen, daß eine zukünftige Produktion
spaltbaren Materials lediglich für friedliche Zwecke Verwendung findet.
Bis wir überzeugende Beweise dafür haben, daß es die Sowjets mit
einer Rüstungsbegrenzung ernst meinen, hängt unsere Sicherheit davon ab,
daß wir über die besten Waffen verfügen - sowohl große als auch kleine -,
die wir entwickeln können. Dies bedeutet eine fortlaufende Erprobung.
Durch eine solche Erprobung ist es möglich, noch kleinere Waffen zu
entwickeln, sowie sicherzustellen, daß größere Waffen geringere radioaktive Ausfällungen haben werden. Präsident Eisenhower hat die Möglichkeit angedeutet, daß die Ausfällungen großer Waffen auf weniger als
ein Prozent ihrer Wirkung reduziert werden können. Auf diese Weise kann
sichergestellt werden, daß Kernwaffen, wenn sie eingesetzt werden müssen,
genauer auf bestimmte militärische Ziele begrenzt werden können. Deshalb ^rennen wir das Problem der Versuche nicht von umfassenderen Fragen.

Während

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24. Juli 1957

Während des Zeitraums der versuchsweisen Einstellung der Kernwaffenversuche, so meinen wir, könnten gute Fortschritte auf dem Wege
zur Schaffung eines Systems gemacht werden, mit dessen Hilfe vor
Überraschungsangriffen gewarnt, eine spätere Versuchsreihe festgestellt
sowie gewährleistet werden kann, daß eine zukünftige Produktion spaltbaren Materials nicht für eine Vergrößerung der bestehenden Vorräte
oder für eine weltweite Verteilung der Kernwaffen Verwendung findet.
Dann, und nur dann, würden wir das Gefühl haben, daß der Sicherheit
in ausreichendem Maße Genüge geleistet worden sei, um eine weitere
Aussetzung der Versuche in Erwägung zu ziehen.
Drittens: Wir sind bereit, einen Anfang hinsichtlich der Reduzierung und Regulierung der nicht-atomaren Rüstungen und der Streitkräfte zu machen. Diese Anfangskürzungen können weder tiefgehend
noch drastisch noch theoretisch vollkommen sein. Wir haben daher
vorgeschlagen, daß wir und die Sowjetunion in einem ersten Schritt
der Begrenzung unserer militärischen Mannschaftsstärke in der Weise
zustimmen, daß sie nicht 2,5 Millionen Mann für jeden von uns übersteigt. Ferner sind wir - um einen Anfang mit der Reduzierung der uns
zur Verfügung stehenden Waffen zu machen - bereit, gemeinsam mit der
Sowjetunion gewisse Waffenmengen und -typen - über die man eine Absprache treffen könnte - international überwachten Depots innerhalb
unserer Landesgrenzen zu überstellen.
Viertens: Wir sind bereit, bei der Ausarbeitung eines Systems
mitzuwirken, das die Gewähr dafür bieten würde, Raumraketen ausschließlich für friedliche und wissenschaftliche Zwecke zu verwenden. Der
Vorstoß in den Weltraum steckt noch so im Anfangsstadium, daß es
möglich sein müßte, die künftigen Entwicklungen auf diesem neuen
Wissens- und Versuchsgebiet so zu lenken, daß sie dem Wohle der
Menschen und nicht ihrem Verderben dienen.
Der von uns vorgeschlagene Anfang ist begrenzt, aber er ist
realistisch. Und wenn die ersten Schritte erfolgreich sind, dann
werden weitere möglich sein. Wenn wir jedoch in die Zukunft blicken,
so sind wir uns dabei der Tatsache bewußt, daß Maßnahmen auf dem
Gebiet der Abrüstung keinen Ersatz für die Regelung politischer
Probleme darstellen, die notwendig ist, um große Ungerechtigkeiten
aus dem Wege zu räumen. Die Suche nach einer Rüstungsbegrenzung und
die Suche nach politischen Lösungen müssen miteinander Hand in Hand
gehen.
Und lassen Sie mich hinzufügen: solange wir keinen Beweis in
Händen haben, daß es die Sowjets mit einer Rüstungsreduzierung ernst
meinen, müssen wir aus dem reinen Selbsterhaltungstrieb heraus alles
tun, damit die Kraft und die Stärke unserer Sicherheitsvorkehrungen,
einschließlich unserer Verteidigungsbündnisse, aufrechterhalten werden.
Wenn wir in unseren Bemühungen hinsichtlich dieser großen und
konstruktiven Sicherheitsvorkehrungen nachlassen, würden wir unsere
nackte Existenz aufs Spiel setzen und darüber hinaus so gut wie
sicherstellen, daß sich die Sowjetunion unseren Abrüstungsvorschlägen
gegenüber gleichgültig verhält.
w.

�"ALIERIKA DIENST"

24. Juli 1957

Wir glauben, daß unsere Pläne eine Grundlage schaffen, um
einen wichtigen Anfang mit der Bändigung der zerstörerischen
Kräfte zu machen. Wir hoffen, daß die Sowjetunion sie akzeptieren
wird. Gewisse Fortschritte sind bereits erzielt worden.
Die Sowjetunion scheint mit der Errichtung eines Luft- und
Bodeninspektionssystems als einem ersten Schritt in der Abrüstungsfrage einverstanden zu sein. Wir haben aber keine Einigung darüber
erzielt, wo ein derartiges Inspektionssystem errichtet v/erden und wie
es beschaffen sein soll.
Die Sowjets scheinen zum gegenwärtigen Augenblick zu zögern, sich
mit einer Einstellung der Produktion von spaltbarem Material für Rüstungszwecke einverstanden zu erklären, die verhindern soll, daß sich die Herstellung von Atomwaffen auf die ganze Welt ausdehnt. Die Sowjets streben
noch immer eine Einstellung der Atomwaffenversuche unabhängig von anderen
Maßnahmen und für einen Zeitraum an, der in keinerlei Beziehungen zu
Fortschritten auf anderen Gebieten steht.
Unsere Alliierten haben unsere Vorschläge unabhängig und intensiv geprüft, wobei ihre Reaktion darauf im allgemeinen günstig gewesen ist. Dadurch ermutigt, werden wir gemeinsam mit ihnen in unseren Bestrebungen beharren, die Zustimmung der Sowjetunion für ein
Anfangsprogramm zu erhalten. Dieses Programm geht so weit, wie dies
heute ohne Gefährdung unserer eigenen Sicherheit und die unserer
Alliierten möglich ist. Bei dem Bestreben nach theoretischer Vollkommenheit schiebt es den unumgänglich notwendigen Beginn seiner
Verwirklichung keineswegs auf unbestimmte Zeit hinaus. Unserer
Meinung nach muß sich ein derartiger Standpunkt durchsetzen.
Es könnte die Frage gestellt v/erden, ob die von uns jetzt
vorgeschlagenen Schritte, ohne jedes Risiko, daß die gegnerischen
Kräfte daraus Vorteil ziehen, ergriffen werden können. In aller
Offenheit muß ich einräumen, daß es nach Berücksichtigung aller
vorhersehbaren Risiken durchaus andere Gefahren geben kann, die
wir jetzt nicht voraussehen können. Aber dies kann mit Sicherheit
gesagt werden: Die Risiken, die mit dem Bemühen, voranzukommen,
verbunden sind, sind weitaus geringer als die Gefahren, die entstehen, wenn man sich aus Angst oder Furcht untätig verhält.
Die gesamte Welt geht einer düsteren Zukunft entgegen, wenn die
Kriegsgefahr nicht unter irgendeine internationale Kontrolle gebracht wird. Die Menschheit kann nicht lange unter der belastenden
Vorstellung möglicher Zerstörung leben, ohne daß sich ein Wandel
der materiellen, sozialen, politischen und moralischen Werte vollzieht.
Wünschen wir eine Zukunft, in der die Menschen glauben, daß
sie - um überleben zu können - lernen müssen, wie Höhlenbewohner
unter der Erdoberfläche zu leben, um Schutz vor den Explosionen, der
Hitze und den radioaktiven Ausfällungen nuklearer Waffen zu haben?
Wünschen wir eine Welt, in der die Menschheit ein Sklave der rapide
anwachsenden Kosten der Erhaltung ihrer nackten Existenz sein muß?
Wollen wir, daß die persönliche Freiheit ein historisches; Relikt

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�"AMERIKA DIENST"

24. Juli 1957

Wir leben in einem entscheidenden Abschnitt der Geschichte. Es
ist ein Augenblick, in dem sich diejenigen, die die Freiheit lieben;
und die sich der Segnungen der Freiheit erfreuen und sie der Nachwelt
erhalten möchten, zusammenschließen müssen, um die neuen Kräfte der
Materie zu beherrschen, die die Menschheit wieder auf den Ausganspunkt
ihrer Entwicklung zurückwerfen würden. In solch einem Augenblick darf
es keine lähmende Furcht und keinen gleichgültigen Neutralismus geben.
Alle, die sich eine Welt wünschen, in der die Menschen ihre geistigen
Bestrebungen verwirklichen können, müssen einig sein und Mut haben.
Risiken am Rande müssen akzeptiert werden, wenn wir dadurch weitaus
größere Gefahren ausschalten können.
Wir müssen es zu unserer Arbeitshypothese machen, daß das, was
notwendig ist, möglich ist und dies auch verwirklichen. Wir müssen
von der Voraussetzung ausgehen, daß sie das, was die Menschheit durch
ihre Erfindungsgabe geschaffen hat, auch durch ihre Klugheit, ihre
Fähigkeit und ihre Disziplin bändigen und kontrollieren kann.
Wir haben nicht unbegrenzt Zeit. Jedes Jahr, das ohne Abkommen
vergeht, macht die Schwierigkeiten für eine angemessene Begrenzung
und Kontrolle nur noch größer.
Aber wir haben Grund zu hoffen. Die immer größer werdende Dringlichkeit, zu einem Abkommen zu gelangen, hat in den vergangenen Monaten
zu einem größeren Realismus und zu einer größeren Ernsthaftigkeit der
Verhandlungen geführt und damit die Aussichten auf eine gewisse Annäherung der gegenwärtigen Standpunkte verbessert.
Wenn die Menschheit die über Jahrhunderte geschaffene und unter
großen Risiken und Kosten erhaltene Kultur bewahren will, dann muß
sie einen Weg finden, um die Welt von der dauernden Drohung der
Zerstörung durch die Waffen, die sie gebaut hat, zu befreien.
Ich weiß, daß sie dies kann, und glaube fest daran, daß sie dies
tun wird."

* * * * *

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�A M E R I K A

E N S T

Allg./7.8.1957

AUSSENMINISTER DULLES LEGT V/ESTLICHEN INSPEKTIONSPLAN VOR

LONDON -(AD)- Der amerikanische Außenminister
John Foster Dulles hat am 2. August 1957 vor
dem Abrüstungsunterausschuß der Vereinten Nationen in London die Vorschläge der vier westlichen Verhandlungspartner für die Schaffung
von Luft- und Bodeninspektionszonen zu beiden
Seiten des Eisernen Vorhangs dargelegt. Der
Inspektionsplan der vier Westmächte hat folgenden Wortlaut:

"Nach dem Inkrafttreten eines Abrüstungsabkommens der ersten
Phase werden die beteiligten Staaten bei der Schaffung und Aufrechterhaltung von Inspektionssystemen zusammenarbeiten, um eine Sicherung
gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs zu schaffen:
Erstens: In bezug auf eine Inspektion der westlichen Hemisphäre
und der UdSSR schlagen die Regierungen Kanadas, Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten folgendes vor.
a) Daß das gesamte kontinentale Gebiet der Vereinigten Staaten,
ganz Alaska ei s •hließlich der Aleuten-Inseln, das gesamte Gebiet
Kanadas und das gesamte Gebiet der Sowjetunion für eine Inspektion
offen sein sollen.
b) Wenn d.'.e Reg'erung der Sowjetunion diesen umfassenden Vorschlag ablehnt, mit dem der Vorschlag für die Inspektion in Europa,
auf den unten B zug genommen wird, verbunden ist, schlagen d"e vier
Mächte mit Zustimmung der Regierungen von Dänemark und Norwegen vor,
daß das gesamte nörd ich des Polarkreises liegende Gebiet der Sowjetunion, Kanadas, der Vereinigten Staaten (Alaska), Dänemarks (Grönland)
und Norwegens; das gesamte Gebiet Kanadas, der Vereinigten Staaten
und der Sowjetunion westlich des 140. Grades westlicher Länge, östlich des 160. Grades östlicher Länge und nördlich des 50« Grades
nördlicher Breite; der gesamte Rest Alaskas und die gesamten Inseln
der Aleuten und der Kurilen für die Inspektion offen sein sollten.
Zweitens:

�"AMERIKA DIENST"

7. August

1957

Zweitens: Unter der Voraussetzung, daß sich die Sowjetunion für
einen der beiden vorgenannten Vorschläge verpflichtet, wird hinsichtlich einer Inspektion in Europa von den Regierungen Kanadas, Frankreichs,
Großbritanniens und der Vereinigten Staaten mit der grundsätzlichen
Zustimmung ihrer europäischen Alliierten und in ständigen Beratungen
mit ihnen, vorbehaltlich der unerlässlichen Zustimmung der beteiligten
Länder und vorbehaltlich irgendwelcher gegenseitig vereinbarter Ausnahmen, vorgeschlagen, daß ein Gebiet, welches ganz Europa im Süden
vom 40. Grad nördlicher Breite und im Westen vom 10. Grad westlicher
Länge und im Osten vom 60. Grad östlicher Länge umfaßt, für die Inspektion offen sein soll.
Drittens: Wenn die Regierung der Sowjetunion diesen umfassenden
Vorschlag ablehnt, dann könnte unter der gleichen Bedingung, wie oben
angegeben, über eine begrenztere Inspektionszone in Eur pa verhandelt
werden, dies aber nur unter der Voraussetzung, daß diese einen wichtigen Teil des Gebietes der Sowjetunion ebenso wie der anderen Länder
Osteuropas einschließen würde.
Viertens: Im Hinblick auf den Charakter der Inspektion als Sicherung gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs wird es als notwendig erachtet, daß diese auf jeden Fall eine Luftinspektion mit Bodenbeobachtungsstellen in wichtigen Häfen, an Eisenbahnknotenpunkten,
Hauptstraßen und auf wichtigen Flugplätzen und so weiter einschließen
soll, über die ein Übereinkommen zu treffen ist. Weiter sollen übereinkommensgemäß bewegliche Bodeninspektionsgruppen mit genau festgelegten Vollmachten eingesetzt werden. Es wird von der Annahme ausgegangen,
daß durch Übereinkunft Bodenkontrollposten an Punkten auf dem Gebiet
der beteiligten Staaten errichtet werden können, ohne daß auf die Begrenzung der oben genannten Gebiete Rücksicht genommen zu werden braucht.
Die der Bodeninspektion offenen Gebiete sollen jedoch nicht kleiner
sein als die Gebiete der Luftinspektion. Die Beweglichkeit der Bodeninspektionsgruppen würde durch das Abkommen entsprechend genau festgelegt werden, in jedem Falle jedoch mit Zustimmung des direkt betroffenen
Landes. Ebenso würden alle notwendigen nachrichtentechnischen Einrichtungen geschaffen.
Fünftens: Da die Errichtung eines jeden Inspektionssystems von der
Einigung über die Einzelheiten seiner Einrichtung, Aufrechterhaltung
und Inbetriebnahme abhängt, wird als dringlich vorgeschlagen, daß sofort eine Arbeitsgruppe von Sachverständigen gebildet wird, die die
technischen Probleme prüfen und über ihre Erg-bnisse berichten soll,
welche die Grundlage für einen Zusatz zu dem Abkommen bilden könnten.
Sechstens: Es besteht Übereinstimmung, daß ein anfängliches Inspektionssystem, das dazu bestimmt ist, eine Garantie gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs zu bieten, durch ein Abkommen
aller beteiligten Nationen dahingehend erweitert werden kann, daß
das System schließlich die Gefahr eines Überraschungsangriffs von jeder Seite ausschließt."

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./7.8U957
EISENHOWERt US-NAHOSTDOKTRIN HAT ZUR VERRINGERUNG DER
SPANNUNGEN BEIGETRAGEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut eines Berichts Präsident Eisenhowers an den US-Kongreß über die
Auswirkungen seiner im Januar dieses Jahres
erläuterten Nahostdoktrin sowie seines dem
Bericht beigegebenen Begleitschreibens vom
5. August 1957»

Begleitschreiben
''Ich übermittle hiermit dem Kongreß den ersten Bericht über
die bis zum 30. Juni 1957 erfolgten Maßnahmen in Verfolgung der
Ziele der gemeinsamen Resolution zur Förderung des Friedens und
der Stabilität im Nahen .Osten.
Die Resolution bildet, soweit sie den Nahen Osten betrefft,
einen wichtigen Markstein in unserer Außenpolitik. Seit ihrer Billigung am 5• März 1957 hat die Resolution eine bedeutende Rolle in
unserer Zusammenarbeit mit den Staaten dieses Gebietes beim Aufbau
der Stärke gegen die Bedrohung des internationalen Kommunismus gespielt. Darüber hinaus hat sie als eine an den internationalen
Kommunismus gerichtete unmißverständliche Warnung gegen alle Formen der Aggression gedient. Der Beitrag, den die Resolution zum
internationalen Frieden und zur Stabilität im Nahen Osten leistet,
wird ständig größer werden, solange die Ziele und Grundsätze, die
in ihr zum Ausdruck kommen»beibehalten werden.
gez. Dwight D. Eisenhower."
Bericht
'Fortschritte auf Grund der Resolution
Am 5« März 1957 hat der Präsident die gemeinsame Resolution
No . 117 unterzeichnet, die der Förderung des Friedens und der Stabilität im Nahen Osten dienen soll. Abschnitt fünf der Resolution
sieht vor, daß dem Kongreß durch den Präsidenten in den Monaten

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�"AMERIKA DIENST"

7. August 1957

Monaten Januar und Juli jeder. Jahres Berichte vorzulegen sind.
Die Resolution bringt die Bereitschaft der Regierung der Vereinigten Staaten durch die Erklärungen der Legislative wie der Exekutive zum
Ausdruck, die Nationen in dem Gebiet des Nahen Ostens bei der Erhaltung
ihrer Unabhängigkeit gegen die Bedrohung durch den internationalen
Kommunismus zu unterstützen. Sie ermächtigt zu gewissen Maßnahmen, die
der Förderung der Stabilität sowie der Stärke und Unabhängigkeit der
Nationen dieses Gebietes dienen sollen. Es wird in ihr ausdrücklich erklärt,
daß die amerikanische Unterstützung nur denjenigen Nationen gewährt werden wird, die solche Unterstützung wünschen. Mit diesem Angebot haben
die Vereinigten Staaten eine neue Verantwortung gegenüber den Nationen
des Nahen Ostens übernommen.
Eine Deklaration dieser Art erreicht bereits durch ihre Inkraftsetzung sowie dadurch, daß die Welt ihre Bedeutung erkennt, einen wichtigen Teil der beabsichtigten Zielsetzungen. Erstens ist der internationale Kommunismus damit über die Konsequenzen, die eine aggressive Handlung haben würde, in Kenntnis gesetzt w rden. Wie Außenminister Dulles
erklärt hat, 'läßt sie einem etwaigen bewaffneten Aggressor keine Möglichkeit mehr zu Fehlkalkulationen'. Zweitens werden die Länder dieses
Gebietes durch die Gewißheit, daß sie nicht alleine einer überwältigenden Stärke gegenüberzustehen brauchen, sowie durch das Angebot einer
materiellen Unterstützung, die ihre eigenen Anstrengungen ergänzen soll,
ermutigt, sich selbst zu helfen.
Um den Ländern des Nahen Ostens die Auswirkungen der Resolution
zu erläutern, hat der Präsident Botschafter James P. Richards, der am
7. Januar 1957 zum Sonderbeauftragten des Präsidenten ernannt worden
war, beauftragt, eine Mission in diesem Gebiet durchzuführen. Botschafter Richards war ermächtigt worden, Abkommen in bezug auf wirtschaftliche und militärische Unterstützung zur Förderung der Absichten und
Zielsetzungen der Resolution im Prinzip abzuschließen. Botschafter
Richards reiste am 12. März ab, um die Länder des Nahen Ostens zu besuchen. Seiner Begleitung gehörten maßgebende Beamte des Außenministeriums, des Verteidigungsministeriums, des US-Amtes für internationale
Zusammenarbeit und des US-Informationsamtes an. Vor seiner Abreise hatte
Botschafter Richards seine Bereitschaft unterstrichen, jedes Land in
dem allgemeinen Gebiet des Nahen Ostens zu besuchen, das mit ihm diese
amerikanische Doktrin zu erörtern wünscht. In den darauffolgenden
beiden Monaten hat Botschafter Richards Mission rund 48 270 Kilometer
zurückgelegt und auf Grund besonderer Einladungen die folgenden
fünfzehn Länder besucht«
Afghanistan, Äthiopien, Persien, den Irak, den Libanon, Libyen, Pakistan, Saudisch-Arabien, die Türkei, den Jemen, den Sudan, Griechenland, Israel, Tunesien und Marokko.
Botschafter

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�"AMERIKA DIENST"

7. August 1957

Botschafter Richards Mission hat sich insofern als besonders erfolgreich erwiesen, als sie den Ländern des Nahen Ostens und dem
internationalen Kcmmunif-mus die Bedeutung der Resolution vermittelt
hat. Dies ergibt sich aus der Tatsache, daß dreizehr der besuchten
Länder öff entliche Erklärungen herausgegeben haben, in denen die
Absichten und Zie Setzungen der Resolution unterstützt werden.
Im Einklang mit den ihm durch den Präsidenten übertragenen
Vollmachten und im Einklang mit den Bestimmungen der Resolution
hat Botschafter Richards im Prinzip Abkommen, die eine Unterstützung
im Gesamtbetrag von 118,7 Millionen Dollar vorsehen.abgeschlossen.
Von diesem BeLrafae waren 67,7 Millionen Dollar dazu bestimmt, diesen
Ländern bei der Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Stärke zu helfen;
51 Millionen Dollar dienten der Stärkung der militärischen Streitkräfte.
Beide Kategorien von Unterstützung tragen zur Verbesserung der inneren
Sicherheit bei. Weitere Einzelheiten über diese Vereinbarungen sowie
darüber, wie anderweitig von den Ermächtigungen der Resolution Gebrauch
gemacht wurde, werden in Abschnitt II dieses Berichtes aufgeführt.
So wurden spezifische und unverzügliche Maßnahmen ergriffen.
Zusätzliche Informationen in bezug auf die Durchführung der Resolution
und ihre Auswirkungen im Nahen Osten, die notwendigerweise geheim
bleiben müssen, wurden den entsprechenden Kongreßausschüssen in detaillierten Berichten gemäß Abschnitt drei der Resolution zugeleitet.
Botschafter Richards und andere haben vor den Kongreßausschüssen über
die Ergebnisse ihrer Reise und die Bedeutung des von ihnen Erreichten
Bericht erstattet.
Abschnitt zwei der Resolution besagt, daß - falls der Präsident
eine entsprechende Notwendigkeit als gegeben erachtet - die Vereinigten
Staaten bereit sind, militärische Streitkräfte einzusetzen, um einer
jeden Nation oder Gruppe von Nationen des Nahen Ostens Beistand zu
leisten, sofern sie um Hilfe gegen eine bewaffnete Aggression seitens
eines durch den internationalen Kommunismus kontrollierten Landes nachsucht, vorausgesetzt, daß eine derartige Aktion mit den vertraglichen
Verpflichtungen und der Verfassung der Vereinigten Staaten in Einklang
steht. Die Bedeutung dieser Bestimmung liegt in ihrer klar ausgesprochenen Warnung, daß die Vereinigten Staaten in Aktion treten würden,
und der abschreckenden Wirkung dieser Warnung. Um eine solche Maßnahme
auf Grund der mit dieser Bestimmung gegebenen Ermächtigung ist während
des von diesem Bericht erfaßten Zeitraums nicht ersucht worden. Die
aus dieser Bestimmung sich ergebenden Konsequenzen sind jedoch sorgfältig herausgestellt worden. Den ausländischen Regierungen wurde, vor
allem durch Botschafter Richards, versichert, daß diese Bestimmung die
Absicht der Vereinigten Staaten zum Ausdruck bringt, ihnen im Falle
einer Aggression durch den internationalen Kommunismus auf ihr Ersuchen
hin zu Hilfe zu eilen. Gleichzeitig aber wurde klargestellt, daß die
Resolution es ausdrücklich der Entscheidung des Präsidenten überläßt, über die von den Vereinigten Staaten unter gegebenen Umständen
zu ergreifende Maßnahme zu bestimmen, und daß die Resolution keine
Vorausverpflichtungen seitens der Vereinigten Staaten bedeutet, einen
bestimmten Aktionskurs einzuschlagen.
Eine

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�"AMERIKA DIENST

7. August 1957

Eine richtige Bewertung einer wichtigen politischen Erklärung
kann nur nach Ablauf eines gewissen Zeitraums erfolgen. Außerdem
aber ergeben sich die Resultate in bezug auf die Verwirklichung der
von den Vereinigten Staaten erstrebten Ziele aus der amerikanischen
Politik in ihrer Gesamtheit, die als ein aufeinander abgestimmtes
Ganzes konzipier! und durchgeführt wird. Der gemeinsamen Nahostresolu-ion kommt eine zentrale Bedeut' ng in bezug auf die Verbesserung
der Verhältnisse in diesem Gebiet in jüngster Zeit zu. Für die Völker
dieses Gebietes hat sich eine neue Möglichkeit eröffnt, die vielfältigen Probleme, denen sie sich gegenübersehen, in Angriff zu nehmen.
Trotz des erzielten Fortschritts besteht kein Gru..d zur Selbstgefälligkeit. Die Vereinigten Staaten müssen den von ihnen einmal
eingeschlagenen Kurs weiter verfolgen, wenn die in der Resolution niedergelegten hohen Zielsetzungen verw rklicht werden sollen. Jede andere
Handlungsweise würde einen Vertrauensbruch gegenüber den Völkern des
Nahen Ostens bedeuten und unserer eigenen nationalen Sicherheit und
der Sache des Weltfriedens schaden.
In seiner Botschaft vom 5» Januar 1957 an den Kongreß erklärte
der Präsident, daß er um die Bereitstellung von Mitteln sowohl im
Finanzjahr 1958 wie auch 1959 zur Verfolgung der in der Resolution
aufgezeigten Ziele nachsuchen werde. Was das Finanzjahr 1 95;': anbetrifft, so sind die für diesen Zweck bestimmten Mittel in den entsprechenden Abschnitten des gemeinsamen Sicherheitsprogrammes mit
enthalten, das dem Kongreß zur Zeit vorliegt.
Wirtschafts- und Militärhilfe, die zur Förderung der Zielsetzung
der Resolution gewährt wurde
Zur Unterstützung ihres großen Zieles, 'Frieden und Stabilität
im Nahen Osten1 zu fördern, ermächtigte die Resolution den Präsidenten,
den Ländern des Nahen Ostens wirtschaftliche und militärische Unterstützung im Rahmen der bestehenden Bewilligungen zu gewähren, die für
die Durchführung der Bestimmungen des gemeinsamen Sicherheit.gesetzes
aus dem Jahre 1954 in seiner abgeänderten Form zur Verfügung stehen.
Abschnitt drei erteilt die Ermächtigung, gewisse bestehende gesetzliche
Bestimmungen außer Kraft zu setzen, sofern davon nicht mehr als 200
Millionen Dollar an verfügbaren Mitteln betroffen werden.
Die Bestimmungen der Resolution über wirtschaftliche und militärische Unterstützung waren von besonderer Wichtigkeit. Sie haben
die Absicht der Vereinigten Staaten demonstriert, der Deklaration mit
sofortigen greifbaren Taten zu folgen. Sie haben eine bedeutende
psychologische Wirkung gehabt. Abschnitt dr:i hat die Exekutive in
die Lage versetzt, die bereits bewilligten Mittel in der wirkungsvollsten Form einzusetzen. Auf Grund der Se ie von Krisen im Nah. n
Osten während des abgelaufenen Haushaltjahres war eine Überarboit
der ursprünglichen Pläne unverme:dbar, die eine Außerkraftsetzung gewisser Einschränkungen des gemeinsamen Sicherheitsgesetzes aus dem
Jahre 1954 in seiner abgeänderten Form sowie des Bewilligungsgesetzes
zum gemeinsamen Sicherheitsprogramm für das Jahr 1957 erforderlich
machte.
„
Zur

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7. August 1957

Zur Förderung der Zielsetzungen der Resolution wurden im Prinzip
Abkommen ausgehandelt, die wirtschaftliche und militärische Unterstützung im Gesamtbetrag von 174,2 Millionen Dollar vorsehen. Etwas
über zwei Drittel dieses Betrages entfallen auf Abkommen für wirtschaftliche und militärische Unterstützung, die Botschafter Richards in den
Verhandlungen mit neun der besuchten Länder abgeschlossen hat. Das restliche Drittel entfällt auf Abkommen für Wirtschaftsprogramme im Nahen
Osten, die die Zielsetzungen der gemeinsamen Resolution unterstützen
und die von der ICA ausgehandelt worden sind. Die zuständigen Kongreßausschüsse sind über alle Unterstützungsvorhaben laufend voll unterrichtet worden, die zur Förderung der Zielsetzungen der gemeinsamen
Resolution vorgeschlagen wurden. Es ist kein wesentlicher Einwand
seitens der Ausschüsse in bezug auf die vorgeschlagenen Veränderungen

eingegangen.
I. Abkqmmen für wirtschaftliche Unterstützung, die von Botschafter
Richards ausgehandelt wurden
Programme für wirtschaftliche Unterstützung wurden von Botschafter
Richards gemäß den in der Resolution niedergelegten Bestimmungen in den
folgenden Ländern befürwortet! Dem Libanon, Libyen, Afghanistan, Pakistan,
dem Irak, Saudisch-Arabien und Äthiopien. Darüber hinaus wurde ein regionales Programm für wirtschaftliche Unterstützung gebilligt, das unter der
Schirmherrschaft des Bagdadpaktes durchgeführt wird und die Zusammenarbeit
zwischen Persien, dem Irak, Pakistan und der Türkei erfordert.
Mit jedem einzelnen Lande wurde Einvernehmen über die durchzuführenden Projekte erzielt. Beispiele für die Art der Projekte für wirtschaftliche und technische Unterstützung, für die Mittel zugesagt wurden, sindt
Errichtung billiger Wohnungen und Beseitigung von Elendsvierteln, Verbesserung der Wasserversorgungssysteme in Städten und Ortschaften, Elektrifizierung der Landwirtschaft, Bewässerungsprojekte, Bau und Verbesserung von Straßen und hiermit in Zusammenhang stehender Einrichtungen, Verbesserung der Lufttransporteinrichtungen, allgemeine wirtschaftliche Erhebungen für eine Verbesserung der Entwicklungsplanung, Entwicklung des
Rundfunks, Unterstützung bei der Verbesserung der Schulsysteme, Verbesserung der Fernmeldeverbindungen, Schaffung der grundlegenden'industriellen
Einrichtungen, Verbesserung der örtlichen Fernmelde-, Eisenbahn- und
Straßensysteme.
Der Gesamtbetrag der Mittel für wirtschaftliche Unterstützung, wie
sie in den von Botschafter Richards ausgehandelten Abkommen vorgesehen
waren, betrug 67,7 Millionen Dol ar, von aenen 52,7 Millionen Dollar in
Form nichtrückzahlbarer Zuwendungen und 15 Millionen Dollar auf An1 ih basis zur Verfügung gestellt werden sollten. (Diese Beträge wurden
später um 188 000 Dollar auf 67,9 Mio Dollar respektive 52,9 Millionen Dollar erhöht, um den erhöhten Kosten bei der Beschaffung von Ausrüstungen Rechnung zu tr gen, die für die jeweiligen Aufgaben bess r geeignt sind.)
Auf Grund der von Botschafter Richards ausgehandelter. Abkommen wurden
47»9 Millionen Dollar scnließlich für diese Zwecke ausgegeben. Hiervon
wurden 23,4 Millionen Dollar auf Grund der a]lgemeinen Ermächtigung des
gemeinsamen Sicherheitsgesetzes verausgabt. Die Differenzen zwischen

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�"AMERIKA DIENST"

7. August

1957

zwischen den im Prinzip von Botschafter Richards zugesagten Beträgen
und der Höhe der schließlich kassenmäßig verausgabten Mittel sind au:
die Tatsache zurückzuführen, daß gewisse technische und rech liehe
Probleme nicht vor Abschluß des Haushaltjahres 1957 zu lösen waren.
Nach Ländern unterteilte Aufstellungen der vorgeschlagenen Unterstützung wurden dem Kongreß zwischen dem 29. März 1957 und dem 14« Mai
1957 übergeben. Diese schlössen alle von Botschafter Richard8 getroffenen Vereinbarungen ein und enthielten in jedem Falle erstens eine kurze
Beschreibung des Projektes, zweitens einen Kostenvoranschlag und drittens
Angabe der jew i".'gen Bewilligung, die in Anspruch genommen werden sollte
Jedem der mitarbeitenden Länder war klargemacht worden, daß die
amerikanische Regierung, sobald im Prinzip ein Übereinkommen darüber
erzielt worden war, welche wirtschaftlichen Maßnahmen durchgeführt
werden sollten, umgehend die für die Inangriffnahme jedes einzelnen
Projektes erforderlichen gesetzlichen und technischen Schritte unternehmen würde. Fe 'ner war klargestellt worden, daß die wirtschaftliche
Unterstützung aus Mitteln gewährt werden würde, die vom Kongreß bereits
für das Haushaltjähr 1957 bewil igt worden waren, und daß Botschafter
Richards nicht ermächtigt war, 'rgendwelche rechtlichen oder moralischen
Verpflichtungen in bezug auf die in späteren Haushalt jähren verfügbaren
Mittel einzugehen.
II. Militärische Unterstützungsabkommen, die von Botschafter
Richards ausgehandelt wurden.
Botschafter Richards hat grundsätzliche militärische Unterstützungsabn.achungen getroffen, die einen Gesamtwert von 51 Millionen Dollar
haben und sich auf die Lieferung von zusätzlichen militärischen Ausrüstungsgegenständen (Panzern, Fahrzeugen, Hochfrequenzgeräten und so
weiter), sonstiger Güter wie Munition sowie militärische Bauten erstrecken. (Dieser Betrag wurde später um 87 000 Dollar auf 51»1 Millionen
Dollar erhöht, um der Lieferung zusätzlicher notwendiger Güter gerecht
zu werden.)
Von diesem Betrag wurden 24,1 Millionen Dollar im Rahmen der normalen Vollmachten angewiesen, wie sie in dem Gesetz über die gemeinsame
Sicherheit aus dem Jahre 1954 in seiner abgeänderten Form vorgesehen
sind, und 23,2 Millionen Dollar sind schätzungsweise gemäß Abschnitt
drei der Resolution angewiesen worden. Von dem letzteren Betrag liegt
die genaue Anweisung von 7»4 Millionen Dollar zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht vor, da es sich im wesentlichen um Lieferungen im
Rahmen des Off-Shore-Programmes handelt, für die eine kassenmäßige Belastung noch nicht vorliegt.
Ein fehlender Betrag von 3»75 Millionen Dollar konnte auf Grund
gesetzlicher Schwierigkeiten nicht vor eti 30. Juni 1957 angewiesen
werden. Das Verteidigungsministerium plant jedoch dieoen Betrag zu
Beginn des Haushaltjahres 1958 aus Fonds nzuweisen, die vom Kongreß
bewilligt werden.
III.

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7. August 1957

III« Verwendung von Fonds für die Sicherheit gemäß den Bestimmungen
der Resolution über wirtschaftliche Hilfsprogramme für den Nahen
Osten, die nicht von Botschafter Richards in die Wege geleitet wurden
Für die Wirtschaftshilfe hat die Verwaltung für internationale Zusammenarbeit (ICA) einen Betrag von 55»1 Millionen Dollar für Programme
im Nahen Osten angewiesen, die nicht von Botschafter Richards in die
Wege geleitet wurden, deren Durchführung jedoch gemäß Abschnitt drei
der gemeinsamen Resolution bewilligt werden mußte.. Die entsprechenden
Ausschüsse des Kongresses wurden fünfzehn Tage vor Anweisung der Mittel
in Kenntnis gesetzt. Wenn diese Vollmachten nicht ausgenutzt worden
wären, hätten die meisten der Nah-Ostprogramme nicht in die Wege geleitet werden können. Die Art der wirtschaftlichen Hilfspreg ramme, die in
diesem Abschnitt beschrieben werden, entspricht der jener Programme,
die in Abschnitt eins, Absatz zwei, diesee Berichtes aufgeführt sind.
Die wirtschaftliche Unterstützung für den Nahen Osten macht die
Anwendung der Resolution erforderlich, damit die Erfordernisse gemäß
Abschnitt 105 des Bewilligungsgesetzes von 1957 außer Kraft gesetzt
werden können, wonach nicht mehr als 20 Prozent der für das Haushaltjähr
verfügbaren Mittel nach dem 50. April 1957 kassenmäßig verausgabt werden dürfen. Diese Unterstützung konnte nicht vor dem 50. April 1957 kassenmäßig angewiesen werden, weil erstens zwei der Länderprogramme neue
zweiseitige Abkommen erfordern, die nicht rechtzeitig abgeschlossen
werden konnten, um eine ordnungsgemäße Ausarbeitung der Programme bis
zum 50« April 1957 zu gewährleisten; zweitens die Erfordernisse für eine
ordnungsgemäße und kluge Programmausarbeitung eine frühere kassenmäßige
Anweisung solcher Beträge ausschloß, die für Programme anderer Länder
vorgesehen waren; drittens die Erfordernisse für eine Programmausarbeitung auf Grund unvorhergesehener Entwicklungen in den unmittelbar vorausgegangenen Monaten einem beträchtlichen Wandel unterworfen waren und
viertens einige der Programme, die zwar nicht im Zusammenhang mit der
Richards-Mission standen, bis zu dem Besuch von Richards zurückgestellt
wurden, um die Gewähr für einen umfassenden Ausgleich des Gesamtprogramms
zu bieten. Damit gewisse Beträge im Rahmen der Unterstützung in Form von
Schenkungen freigegeben werden konnten, wurde die Ermächtigung der Resolution ebenfalls benutzt, um die Erfordernisse des Gesetzes für die
gemeinsame Sicherheit außer Kraft zu setzen, wonach 80 Prozent der
unter Absatz 11 des Gesetzes bestimmten Beträge in Form von Anleihen
zur Verfügung gestellt werden sollen.
Maßnahmen gemäß Abschnitt vier
Abschnitt vier der Resolution stellt fest, daß der Präsident der
Polizeitruppe der Vereinten Nationen im Nahen Osten im Hinblick auf die
Aufrechterhaltung des Friedens in diesem Gebiet weiterhin Einrichtungen
und militärische Unterstützung zukommen lassen soll. Diese Unterstützung
ist gewährt worden.
Die Vereinigten Staaten haben sich nicht nur nachdrücklich für die
Errichtung der Polizeitruppe der Vereinten Nationen durch die UN-Generalversammlung im November 1956 eingesetzt, sondern haben auch angeboten,
die Streitmacht mit notwendig werdenden Transportmitteln und sonstigem

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�7. August 1957

"AMERIKA DIENST"

sonstigem Nachschub auszustatten, soweit dies zur Ausübung ihrer Pflichten notwendig war.
Dementsprechend haben die Vereinigten Staaten eine Luftbrücke für
3657 Mann der UN-Polizeitruppe aus Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland,
Indien, Indonesien, Brasilien und Kolumbien nach Italien und dem Libanon
zur Verfügung gestellt, deren Kosten von 1,2 Millionen Dollar nicht ersetzt zu werden brauchen. Die Vereinigten Staaten haben die Streitmacht
mit großen Mengen an Nachschub und Ausrüstungen ausgestattet, für die
eine Entschädigung geleistet werden muß. Die Kosten für die im ersten
Quartal 1957 gelieferten Güter dieser Art beliefen sich auf insgesamt
2,5 Millionen Dollar. In allen Fällen wurden Fonds benützt, die für das
Verteidigungsministerium bewilligt worden sind.
Die Vereinigten Staaten haben bereits eine Zahlung von 3»3 Millionen
Dollar als Beitrag für die Kosten der Polizeitruppe der Vereinten Nationen
in Gesamthöhe von 10 Millionen Dollar geleistet. Die Mittel wurden aus
Fonds entnommen, die dem Außenministerium für Beiträge an internationale
Organisationen zugewiesen wurden. Die USA sind bereit, auf der Basis
der entsprechenden Leistungen anderer, die Hälfte der Kosten für die
UN-Polizeistreitkräfte im Jahre 1957 in Höhe von 6,5 Millionen Dollar
zu tragen, wobei Fonds gemäß Absatz 401 (ß) des Gesetzes über die gemeinsame Sicherheit aus dem Jahre 1954 in seiner abgeänderten Form herangezogen werden. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat zu Beiträgen zu diesem Zweck aufgerufen.
Diese Unterstützung der Polizeistreitkräfte der Vereinten Nationen
hat dazu beigetragen, die Lage im Nahen Osten in dem Gebiet, in dem im
vergangenen Jahr Feindseligkeiten ausgebrochen waren, zu stabilisieren."

* * * * *

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�b) Während dieses gleichen Zeitraums werden diese Staaten bestimmte Mengen von festgesetzten Waffentypen, über die eine Übereinkunft zu erzielen ist und die in der Konvention beigefügten Listen
aufgeführt werden, in Vorratsdepots einbringen, die auf ihrem eigenen Territorium liegen und unter der Überwachung einer internationalen Kontrollorganisation stehen.
c) Das Verhältnis anderer Staaten zu der Konvention, einschließlich der vereinbarten Stärke ihrer bewaffneten Streitkräfte, wird
später festgelegt werden.
d) Die in Paragraph I a) aufgeführten Staaten werden bereit
sein, über eine weitere Begrenzung ihrer bewaffneten Streitkräfte
und Rüstungen unter folgenden Bedingungen zu verhandeln:
1. Die Einhaltung der Bestimmungen der Konvention ist zu
ihrer Zufriedenheit verifiziert worden;
2. Bei der Lösung politischer Fragen sind Fortschritte erzielt worden. Andere wichtige Staaten haben sich der Konvention angeschlossen und für ihre bewaffneten Streitkräfte und Rüstungen

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4. September

1957

Rüstungen Begrenzungen akzeptiert, die entsprechend den in den vorangegangenen Paragraphen a) und b) gesetzten Grenzen festgelegt wurden.
e) Unter den oben angeführten Bedingungen könnten zwischen Prankreich, der Sowjetunion, Großbritannien und den Vereinigten Staaten Verhandlungen über eine weitere Begrenzung ihrer bewaffneten Streitkräfte
eingeleitet werden, die die vereinbarte Reduzierung der Streitkräfte
der USA und der Sowjetunion auf nicht weniger als 2,1 Millionen Mann für
jedes der beiden Länder betreffen würden. Die vereinbarte Begrenzung
der Truppenstärken für Prankreich und Großbritannien würde jeweils
700 000 Mann betragen. Gleichzeitig würden die Grenzen der Truppenstärken für andere wichtige Staaten durch Verhandlungen mit diesen Ländern
spezifiziert werden,
f) Danach könnten unter den gleichen Bedingungen Verhandlungen
über weitere Begrenzungen aufgenommen werden, die für die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion nicht weniger als 1,7 Millionen Mann betragen würden. Die vereinbarte Begrenzung der Truppenstärken für Frankreich und Großbritannien würde jeweils 65O 000 Mann betragen. Die Grenzen für andere wichtige Länder würden gleichzeitig auf dem Verhandlungswege festgelegt werden.
g) Unter Berücksichtigung der unter d) angeführten Bedingungen
werden diese Staaten ebenfalls zu Verhandlungen über eine weitere Begrenzung der Rüstungen bereit sein. Die Festsetzung derartiger Rüstungsbegrenzungen wird in vereinbarter Relation zu den bewaffneten Streitkräften stehen, wie sie unter e) und f) festgelegt sind, und wird vor
Anwendung weiterer Begrenzungen.der bewaffneten Streitkräfte durchgeführt sein. Die Partner müssen, bevor solche weiteren Rüstungsbegrenzungen in Angriff genommen werden, und zu allen Zeiten danach, überzeugt
sein, daß die jedem Vertragspartner zur Verfügung stehenden Rüstungen
nicht die somit in jeder Kategorie erlaubten Mengen überschreiten.
h) Für die Reduzierung und Begrenzung der bewaffneten Streitkräfte und Rüstungen über den unter a) und b) festgelegten Rahmen
hinaus werden keine Maßnahmen in Kraft treten, solange nicht das Kontrollsystem in angemessener Weise erweitert worden ist und mit Hilfe
dieses Systems derartige Maßnahmen verifiziert werden können.
II. Militärische Ausgaben
Um die Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen des Paragraphen I zu unterstützen und im Hinblick auf die Reduzierung der militärischen Ausgaben vereinbaren Frankreich/ die Sowjetunion, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, der internationalen Kontrollorganisation Informationen über ihre Militärhaushalte und Ausgaben für das
dem Inkrafttreten der Konvention vorangehende Jahr und dann jedes darauf
folgende Jahr zur Verfügung zu stellen. Die Art der vorzulegenden Informationen wird im voraus vereinbart und in einem Anhang zu der Konvention aufgeführt.
III.

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4. September 1957

III. Kernwaffen
Jeder Vertragspartner übernimmt die Verpflichtung, keine Kernwaffen
anzuwenden, sofern ihn nicht ein bewaffneter Angriff in die Situation
der individuellen oder kollektiven Selbstverteidigung gebracht hat.
IV. 2i&lt;£ Kontrolle des spaltbaren Materials
a) Die F^rtner der Konvention beschließen ferner:
1 . Daß äLle kiiiftige Produktion von spaltbarem Material unter internationaler Überwachung im eigenen Lande oder im Auslande ausschließlich für
nichtkriegerische Zwecke verwandt wird. Dies schließt auch die Aufspeicherung ein, die einen Monat später beginnt, nachdem der in Paragraph
VIII beschriebene internationale Kontrollausschuß bestätigt hat, daß
die Schaffung eines wirksamen Inspektionssystems zur Verifizierung der
Verpflichtungen abgeschlossen ist.
2. Daß sie bei der sofortigen Schaffung und bei der Aufrechterhaltung
eines derartigen Inspektionssystems zusammenarbeiten werden.
3. Daß die fünf im Unterausschuß vertretenen Regierungen mit dem Ziel,
das obige Vorhaben durchzuführen, eine Gruppe technischer Experten einsetzen werden, die sobald wie möglich zusammentreten soll, um das geforderte Inspektionssystem auszuarbeiten und um innerhalb der ersten zehn
Monate nach Inkrafttreten der Konvention den betroffenen Regierungen
einen Bericht über den Fortschritt ihrer Arbeit zur Annahme zu unterbreiten.
b) Die Partner, die zum Zeitpunkt des Produktionsstops für Waffenzwecke spaltbares Material für V/affenzwecke produzieren, verpflichten
sich, dafür Sorge zu tragen, daß der bereits vorhandenen friedlichen
Produktion im Inland oder im Ausland, einschließlich der Aufspeicherung,
unter internationaler Überwachung und bei kontinuierlicher Steigerung
in fairer Weise spaltbares Material zugeführt wird. Und sie verpflichten
sich in diesem Zusammenhang ferner
1. Das spezifische Mengenverhältnis an spaltbarem Material vergleichbarer Güte, das jeder von ihnen zu liefern hat, festzusetzen, sowie
2. nach dem für die Einstellung der Produktion spaltbaren Materials
für Waffenzwecke festgesetzten Datum mit der Überstellung dieses Materials zu den vorher besprochenen Zeitpunkten und in den vorher gemäß
dem festgelegten Verhältnis vereinbarten Mengen zu beginnen.
c) Vom Datum der Einstellung der Produktion spaltbaren Materials
für Waffenzwecke an, wie in Paragraph IV-1 festgelegt, verpflichtet sich
jeder Vertragspartner:
1. Keine Kernwaffen aus seinem Kontrollbereich zu transferieren oder
einen Transfer solcher Waffen in diesen Bereich zu akzeptieren, ausgenommen wenn ihre Verwendung auf Grund von Vereinbarungen zwischen dem
übertragenden Teil und dem empfangenden Teil in Übereinstimmung mit
Paragraph III stehen wird;
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�4. September 1957

"AMERIKA DIENST"

2. Keinen•Transfer irgendwelchen spaltbaren Materials aus seinem
Kontrollbereich vorzunehmen oder einen Transfer derartigen Materials
in diesen Bereich zu akzeptieren, es sei denn daß es sich um spaltbares Material für ausschließlich friedliche Zwecke handelt.
V. Kernwaffenversuche
a) Alle Vertragspartner der Konvention verpflichten sich, keine
Kernwaffenversuchsexplosionen für die Dauer von zwölf Monaten vom Datum des Inkrafttretens der Konvention an gerechnet zur Auslösung zu
bringen unter der Voraussetzung, daß ein Übereinkommen über die Einrichtung und Unterhaltung der notwendigen Kontrollen erreicht worden
ist. Hierzu gehören auch mit wissenschaftlichen Apparaturen ausgerüstete Inspektionsposten innerhalb des Territoriums der Sowjetunion
und der Vereinigten Staaten sowie in dem Gebiet des Pazifischen Ozpans
und - mit Zustimmung der betreffenden Regierungen - an anderen sich
als notwendig erweisenden Punkten.
b) Eine Gruppe von technischen Fachleuten, die von den im Unterausschuß vertretenen fünf Regierungen bestimmt werden, wird sobald
als möglich zusammentreten, um ein Inspektionssystem zur Verifizierung
der Versuche zu entwerfen.
c) Nach Beendigung der Zeitdauer von zwölf Monaten
Vertragspartner frei, die Versuche weiterzuführen, es sei
sie übereingekommen sind, die Aussetzung der Versuche für
teren Zeitraum unter wirksamer internationaler Inspektion
halten.

sind die
denn, daß
einen wei*»
beizube-

d) Falls das in Paragraph V-a) angeführte Inspektionssystem
zur Zufriedenheit aller betroffenen Partner arbeitet, und falls ein
alle betroffenen Partner befriedigender Fortschritt bei der Vorbereitung eines Inspektionssystems für die Einstellung der Produktion
spaltbaren Materials für Waffenzwecke erzielt wird, wie in Paragraph
IV-a)-1 .
vereinbart, verpflichten sich alle Vertragspartner, in
einem Zeitraum von weiteren zwölf Monaten keine Kernwaffenversuche
durchzuführen. Eine solche Verlängerung wird nur unter dem Vorbehalt
erfolgen, daß Kernwaffenversuche nach dem Ermessen eines jeden Vertragspartners 24 Monate nach Inkrafttreten der Konvention durchgeführt werden können, falls das Inspektionssystem für die Einstellung
der Produktion für Waffenzwecke nicht zur Zufriedenheit aller betroffenen Partner vor Ende des Zeitraums von 24 Monaten errichtet worden
ist und falls die Einstellung der Produktion für Waffenzwecke nicht
verwirklicht worden ist.
e) Falls die Versuche wieder aufgenommen werden, verpflichtet
sich jeder Vertragspartner, im voraus die Zeitpunkte für jede Versuchsreihe und das Ausmaß der dabei freiwerdenden Gesamtenergie anzukündigen und zu registrieren, für eine begrenzte Beobachtung dieser
Versuche Sorge zu tragen und die Menge des in die Atmosphäre gebrachten radioaktiven Materials zu begrenzen.
VT

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4- September 1957

VI. Die Kontrolle der in die äußeren Raumschichten vordringenden
Objekte
Alle Vertragspartner der Konvention stimmen überein, daß sie
innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten der Konvention sich
gemeinsam um die Gründung eines technischen Ausschusses bemühen werden, der den Entwurf eines Inspektionssystems prüfen soll, durch das
die Gewähr gegeben wird, daß die Entsendung von Objekten durch den
äußeren Raum ausschließlich für friedliche und wissenschaftliche
Zwecke erfolgt.
VII. Sicherheiten gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs
a) Vom Inkrafttreten der Konvention an werden alle betroffenen
la.rtner bei der Errichtung und Aufrechterhaltung von Inspektionssystemen zusammenarbeiten, die Sicherheit gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffes bieten sollen.
b) Die Schaffung solcher Systeme wird von der Einigung über die
Detailfragen der Errichtung, der Aufrechterhaltung und der Arbeitsweise
abhängig gemacht. Aus Gründen der Dringlichkeit wird vorgeschlagen, daß
eine Arbeitsgruppe von Experten, die von den fünf im Unterausschuß vertretenen Regierungen ernannt werden, unverzüglich eingesetzt wird, um
die technischen Probleme zu prüfen und über ihre Feststellungen zu berichten, die die Grundlage für einen Anhang zu dem Vertragswerk bilden
könnten.
c) Hinsichtlich der Inspektion in der westlichen Hemisphäre
und in der Sowjetunion schlagen die Regierungen Kanadas, Frankreichs,
Großbritanniens und der Vereinigten Staaten folgendes vor:
1. Daß das gesamte Festlandgebiet der Vereinigten Staaten, ganz
Alaska einschließlich der Aleuten, das gesamte Gebiet Kanadas und das
gesamte Gebiet der Sowjetunion für die Inspektion freigegeben wird.
2. Falls die Regierung der Sowjetunion diesen weitgefaßten Vorschlag
ablehnt, mit dem der Vorschlag für die Inspektion in Europa, wie er in
Absatz d) unten angeführt wird, verbunden ist, schlagen die Regierungen
Kanadas, Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten mit Zustimmung der Regierungen Dänemarks und Norwegens - vor, daß:
das gesamte Gebiet der Sowjetunion, Kanadas, der Vereinigten
Staaten (Alaska), Dänemarks (Grönland) und Norwegens nördlich des
Polarkreises; das gesamte Gebiet Kanadas, der Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion westlich des 140. Grades westlicher Länge, östlich
des 160. Grades östlicher Länge und nördlich des 50. Grades nördlicher
Breite; das gesamte restliche Gebiet von Alaska; das restliche Gebiet
der Kamtschatkahalbinsel sowie die Aleuten und die Kurilen für die
Inspektion freigegeben werden.
d) Hinsichtlich der Inspektion in Europa schlagen die Regierungen Kanadas, Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten

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Vereinigten Staaten unter der Voraussetzung, daß eine verbindliche
Zusage seitens der Sowjetunion zu einem der oben erwähnten Vorschläge
vorliegt, mit der prinzipiellen Übereinstimmung ihrer europäischen
Verbündeten und bei ständiger Konsultation mit ihnen - die unerlässliche Zustimmung der betroffenen Länder hierzu sowie zu allen gemeinsam Vereinbarten Ausnahmen vorausgesetzt - vor, daßrein Gebiet der
Inspektion unterworfen wird, das ganz Europa zwischen dem 40« Grad
nördlicher Breite im Süden, dem 10. Grad westlicher Länge im Westen
und dem 60. Grad östlicher Länge im Osten einschließt.
e) Wenn die Regierung der Sowjetunion diesen umfassenden Vorschlag ablehnt, dann könnte unter dem gleichen bereits oben zum Ausdruck gebrachten Vorbehalt eine begrenzte Inspektionszone in Europa
zur Diskussion gestellt werden, jedoch nur unter der Voraussetzung,
daß hierin ein beträchtlicher Teil des Territoriums der Sowjetunion
wie auch der anderen-osteuropäischen Länder einbezogen würde.
f) Das Inspektionssystem zum Schutz gegen einen Überraschungsangriff wird in jedem Falle eine Luftinspektion umfassen mit Bodenbeobachtungsposten an den Haupthäfen, Eisenbahnknotenpunkten, wichtigsten Verbindungsstraßen, bedeutdendsten Flughäfen und so weiter,
wie vereinbart. Außerdem würde es, wie vereinbart, bewegliche Bodeninspektionsgruppen mit im einzelnen festgelegten Vollmachten geben.
g) Bodenposten können nach Übereinkunft auf dem Territorium
der betreffenden Staaten stationiert werden, ohne daß sie auf die
Begrenzungen der in c) 1. und 2. beschriebenen Zonen beschränkt
bleiben. Die für die Bodeninspektion offenen Gebiete werden jedoch
nicht kleiner als die für die Luftinspektion vorgesehenen sein. Die
Beweglichkeit der Bodeninspektion würde in einem Abkommen spezifisch
definiert werden, und zwar in jedem Falle mit Zustimmung aller direkt
davon betroffenen Länder. Es würde außerdem für alle notwendigen Mittel der Nachrichtenverbindung gesorgt werden.
h) Innerhalb von drei Monaten nach Inkrafttreten der Konvention werden die Partner des Kontrollausschusses eine Bestandsliste
über ihre ständigen militärischen Einrichtungen vorlegen sowie über
die zahlenmäßige Stärke und die Standorte ihrer militärischen Streitkräfte und die festgelegten Rüstungen, einschließlich der Einsatzmittel für Atomwaffen, die innerhalb der vereinbarten Inspektionszone oder -zonen oder eines solchen weiteren Gebietes oder weiterer
Gebiete liegen, über die eine Vereinbarung getroffen ist.
i) Jedes anfängliche Inspektionssystem, das gegen die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs schützen soll, kann im Einvernehmen
aller Betroffenen dahingehend erweitert werden, daß dieses System
sich schließlich auch mit der Gefahr eines Überraschungsangriffs
von überall befaßt.
VIII« Die internationale Kontrollorganisation
a) Alle in der Konvention enthaltenen Verpflichtungen werden
von der Bedingung abhängen, daß ein wirksames internationales Kontroll-

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�4. September 1957

"AMERIKA DIENST"

Kontroll- und Inspektionssystem zur Verifizierung der Einhaltung der
Bestimmungen durch-alle Partner kontinuierlich durchgeführt wird.
b) Sämtliche Kontroll- und•Inspektionseinrichtungen, wie sie
in der Konvention beschrieben werden, sowie diejenigen, die im Zuge
ihrer Anwendung geschaffen werden mögen, werden im Rahmen einer internationalen, • unter der Ägide des Sicherheitsrates ins Leben gerufenen
Kontrollorganisation arbeiten, zu der als ihr Exekutivorgan ein Kontrollausschuß gehören wird, in dem bei wichtigen Entscheidungen die
Zustimmung der Vertreter der im Unterausschuß vertretenen Regierungen
und solcher Vertragspartner, über die eine Übereinstimmung erzielt
worden ist, notwendig sein wird.
c) Alle Vertragspartner der Konvention sind gehalten, dem Kontrollausschuß freizügig und laufend Informationen zukommen zu lassen,
um ihn bei der Verifizierung der Einhaltung der Bestimmungen der Konvention zu unterstützen, und zwar in dem Umfange, wie dies in einem
Anhang zur Konvention festgelegt wird.
d) Die Funktionen der internationalen Kontrollorganisation
werden durch Übereinkunft der beteiligten Parteien in dem Maße ausgeweitet werden, wie die in der Konvention vorgesehenen Maßnahmen
progressiv Anwendung finden»
e) Andere Fragen bezüglich der Organisation werden in Anhängen
zu der Konvention definiert werden. Zu diesen Fragen v/erden die Aufgaben gehören, die die Organisation durchführen soll, die Methode, nach
der sie arbeiten soll, ihre Zusammensetzung, ihr Verhältnis zur Generalversammlung und zum Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, ihr Abstimmungsmodus, ihre Arbeitsbedingungen, ihre Rechtsprechung, ihre
Immunitätsrechte sowie ihre Vorrechte.
IX. Waffenlieferungen
Neben anderen Rechten und Pflichten wird der Kontrollausschuß
die Vollmacht haben, ein System zur Regulierung der Ausfuhr und Einfuhr bestimmter Rüstungen zu prüfen.
X. Suspendierung von der Konvention
a) Jeder Vertragspartner wird im Falle eines schweren Verstoßes
durch einen anderen Vertragsschließenden oder der Maßnahme irgendeines
Staates, die die Sicherheit des anmeldenden Vertragspartners in dem
Maße beeinträchtigt, daß eine teilweise, oder völlige Suspendierung erforderlich wird,.das Recht haben, sich von seinen Verpflichtungen durch
schriftliche Bekanntgabe an die internationale Kontrollorganisation
teilweise oder ganz zu suspendieren.
b) Auf seinen Wunsch kann ein Vertragspartner seine Absicht, sich
von seinen Verpflichtungen zu suspendieren, im voraus mitteilen, um
Gelegenheit zu einer Korrektur der Verstöße oder beeinträchtigenden
Handlung zu geben.
XI.

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"AMERIKA DIENST"

XI. Dieses Dokument wird als Verhandlungsgegenstand vorgelegt
unter der Maßgabe, daß seine Bestimmungen nicht voneinander getrennt
werden können. Die Nichterfüllung einer dieser Bestimmungen der Konvention würde eine Situation schaffen, die auf Wunsch eines jeden
Vertragspartners eine Untersuchung erforderlich macht.

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./l1.9.57
ROBERT MURPHY; PROBLEME DER US-AUSSENPOLITIK
Ehrende Würdigung Suhrs

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut einer Rede von Robert Murphy, des stellvertretenden Staatssekretärs im US-Außenministerium,
gehalten in New York am 9« September 1957 anlässlich
der Jahreskonferenz der amerikanischen Bürgermeister«

Im vergangenen Jahre waren Sie so liebenswürdig, mir zu gestatten, auf Ihrer Tagung im Februar in Washington zu erscheinen. Ich
empfinde es wirklich als eine Ehre, auch in diesem Jahre wiederum
bei Ihnen weilen zu dürfen, da ich sehr wohl das aktive und konstruktive Interesse kenne, das Ihre Mitglieder so konsequent an allen
Angelegenheiten bekunden, die sich auf die amerikanische Außenpolitik

beziehen. Häufig - wie das auch bei den Außenministerien in anderen
Ländern der Fall ist — wird ja die Abteilung unserer Zentralregierung, deren Aufgabe es ist, die auswärtigen Angelegenheiten zu behandeln, zeitweilig vielleicht ein wenig isoliert von der im eigenen
Lande gerade herrschenden öffentlichen Meinung, und zwar weitgehend
deshalb, weil es nun einmal die Verpflichtung dieser Regierungsstelle
ist, mit den Entwicklungen und der öffentlichen Meinung in den Weltgebieten außerhalb der Vereinigten Staaten so eng wie möglich in
Kontakt zu bleiben. Ich kenne keine Personengruppe, die mit der
öffentlichen Meinung in unserem Lande mehr vertraut ist als die
Bürgermeister unserer Großstädte sowie mittleren und kleineren
Städte. Ihr Verständnis für unsere Politik und unsere Ziele im Ausland kann und sollte daher von außerordentlichem praktischen Wert
für unser Land sein.
Wie Ihnen allen bekannt ist, ist unsere Außenpolitik, seitdem
in nicht allzu ferner Vergangenheit unser Land die Verantwortlichkeiten einer mächtigen Weltmacht auf sich nehmen mußte, zu einer
Angelegenheit geworden, die uns alle unmittelbar betrifft, ob uns
das nun lieb ist oder nicht. Das ist der Grund, warum wir im Außenministerium Wert darauf legen, in enger Verbindung mit Ihnen zu
bleiben und Gelegenheit zu haben, mit Ihnen die Probleme zu erörtern,
die von gemeinschaftlichem Interesse sind.
Ehe

�"AMERIKA DIENST"

11. September 1957

Ehe ich jedoch mit Ihnen über einige der Fragen unserer Außenpolitik diskutiere, gestatten Sie mir, der Persönlichkeit von Otto
Suhr, einem hervorragenden Bürgermeister und Kommunalpolitiker, meine
persönliche Hochachtung zu bezeugen. Seit Januar 1955 ist Otto Suhr
Oberbürgermeister der Stadt Berlin gewesen. Als Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses gehörte er seit 1946 der Stadtverwaltung
an. Sein beklagenswerter Tod vor einigen Tagen hat die Herzen aller,
die ihn kannten und mit ihm, besonders während der dramatischen Tage
nach dem Kriege, zusammengearbeitet haben, mit Trauer erfüllt. Die
Verantwortung, die schon normalerweise dem Bürgermeister jeder Großstadt zufällt, ist gewaltig. Im Falle von Berlin, das die ungeheure
Zerstörung und unsagbares Elend im zweiten Weltkrieg erlitten hat,
war sie erdrückend. Ich möchte Otto Suhr und dessen Amtskollegen, die
Jahre hindurch einen so großen Teil dieser Bürde zu tragen hatten,
hier - wenn auch in unzulänglicher Weise - die verdiente Anerkennung
zum Ausdruck bringen.
Unsere Regierung, unter der Leitung eines tüchtigen Außenministers, unterhält jetzt diplomatische Beziehungen zu 82 fremden Staaten, und das Außenministerium hat in diesen 82 ausländischen Staaten rund 250 Amtsstellen. Las Grundziel seiner Außenpolitik besteht
selbstverständlich darin, die Wohlfahrt und Sicherheit des amerikanischen Volkes zu fördern. Um dieses Ziel zu erreichen, ist entsprechendes Handeln in einer Vielzahl von Situationen - politischen, wirtschaftlichen, militärischen und psychologischen - erforderlich. Unser
Freund, Staatssekretär Quarles, hat gerade für unsere nationale Sicherheit Vorsorge getragen. Ohne den Schutz einer tatsächlich bestehenden militärischen Stärke und die abschreckende Macht bewaffneter
Streitkräfte würde unser Land bei der gegenwärtigen Weltlage wenig
Hoffnung haben, eine Politik betreiben zu können, die für das amerikanische Volk von Vorteil ist. Der Grund dafür liegt darin, daß die
fundamentale Bedrohung der Vereinigten Staaten und anderer freier
Nationen von der um den Vorrang ringenden Macht und Gegnerschaft
gewisser kommunistischer Länder ausgeht.
Diese Bedrohung steht im Zusammenhang mit der Existenz eines
ungeheuren stehenden Heeres, der uneingeschränkten Entwicklung nuklearer Waffen, gewissen Schwächemomenten und unbeständigen Verhältnissen in einigen kritischen Gebieten der Welt, in denen ein starker
Druck in Richtung auf einen wirtschaftlichen oder politischen Umschwung
sich geltend macht, sowie durch die Aktivität eines weitreichenden
und zersetzenden Partei- und Propagandaapparates. Daher sehen wir
uns vor die Notwendigkeit gestellt, dieser anormalen Lage die Spitze
zu bieten, um die Bedrohung unserer nationalen Sicherheit auf ein
Mindestmaß herabzudrücken und eine internationale Atmosphäre zu
entwickeln, in der die Vereinigten Staaten in der Lage sein werden,
ihre grundlegenden Werte und Institutionen aufrechtzuerhalten.

Unsere

�11 . September 1957

"AMERIKA DIENST"

Unsere Politik ist von der Absicht bestimmt, die Führung und Haltung
der kommunistischen Regime in einer Weise zu beeinflussen, die unsere
eigenen Sicherheitsinteressen und die unserer Verbündeten fördert, sowie
Tendenzen zu begünstigen, welche die Kommunisten dazu veranlassen könnten,
ihre expansionistische Politik aufzugeben oder wenigstens abzuschwächen.
Bei der Verfolgung dieser Ziele stehen uns mancherlei Vorteile zur Seite,
dabei nicht zuletzt die Tatsache, daß wir die stärkste und lebenskräftigste Nation besitzen, welche die Welt bisher gesehen hat. Wir haben sowohl
außerordentliche Möglichkeiten als auch Verpflichtungen für die Übernahme
der Führerschaft.
Im vergangenen Jahr erweckte Herrn Nikita Chruschtschows öffentliche
Verurteilung des Stalinismus in zahlreichen Gebieten Hoffnungen auf grössere Freiheiten des Volkes. Wir sind darüber unterrichtet, daß innerhalb
der Sowjetunion und in anderen kommunistischen Gebieten es zu Bekundungen der Unzufriedenheit, hauptsächlich in studentischen und intellektuellen Kreisen, gekommen ist. Die sowjetische Wirtschaft ist weitläufiger
und komplexer geworden, und die veralteten stalinistischen Methoden des
Zwangs und straffer zentraler Kontrolle haben sich als unzulänglich erwiesen. Eine Randklasse ist in der Sowjetunion herangewachsen. Es handelt
sich um eine zahlenmäßig starke und wichtige Gruppe mit altüberkommenen
Interessen. Sie ist meiner Ansicht nach mehr auf materiellen Fortschritt
als auf revolutionäre Ziele bedacht.
Die Bande, welche die verschiedenen Angehörigen des kommunistischen
Blocks zusammenhalten, sind mancherlei Druck und mancherlei Spannungen
unterworfen. Ich weiß, Sie alle sind über die empfindliche Situation im
Bilde, die in Ungarn und Polen besteht. Der Aufstand in Ungarn hat erneut die wahre Natur des Kommunismus und den tiefen Haß offenbart, dem
er beim Volk begegnet. Es erwies sich auch, daß die Sowjetunion nicht
zögert, zur Anwendung nackter Gewalt ihre Zuflucht zu nehmen, wo sie
ihre Lebensinteressen ernsthaft bedroht fühlt. Wo immer es ihrem Zwecke
dient, und besonders im Nahen Osten, beschuldigt die Sowjetunion heuchlerisch die Westmächte des Imperialismus und Kolonialismus. Mehr in der
Nähe ihres Heimatlandes jedoch, in Osteuropa, werden wir Zeugen des
russischen Kolonialismus in seiner ältesten und brutalsten Form.
In der freien Welt ist ein ungeheuer großes Maß an gutwilligem Verständnis für das Leid und die Unterdrückung,
die von den befreundeten
Völkern Polens und Ungarns wie Osteuropas im allgemeinen erduldet wurden, vorhanden. Wir bemühen uns weiter um ihre größere Unabhängigkeit
und wollen hoffen, daß der Drang der Satelliten nach Freiheit sich dem
anpaßt. Das soll nicht bedeuten, daß die freie Welt versuchen wird,
der Sowjetunion feindliche Nachbarn längs ihrer Grenzen zu schaffen.
Im Innern der Sowjetunion scheint Chruschtschow, im Gegensatz zu
Stalin, nicht persönlich den Apparat der Geheimpolizei zu kontrollieren.
Seine Macht scheint, zumindesten im Augenblick, in wechselndem und unsicherem Maße auf der Armee, dem Zentralkomitee der Partei und der Dynamik einiger seiner politischen Bestrebungen zu beruhen. Einige der
Schwankungen der jüngsten Sowjetpolitik sind wahrscheinlich, mindestens
teilweise, auf die Veränderungen in diesem Gleichgewicht der Macht im
Innern zurückzuführen. Die gegenwärtige Linie scheint darauf abgestellt

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11. September 1957

abgestellt zu sein, aus der sowjetischen Industrieorganisation durch
Dezentralisation mehr herauszuholen und eine bessere Ernährung der
Sowjetbevölkerung durch neue landwirtschaftliche Methoden zu erreichen. Der Erfolg oder Mißerfolg dieser Politik kann sehr wohl über
das Schicksal der gegenwärtigen Machthaber entscheiden.
Auf dem Gebiete der sowjetischen Außenpolitik hat es deutlich
erkennbare Veränderungen in der Taktik gegeben. Von der stalinistischen Politik der Isolierung und des Stalten Krieges ist die Sowjetunion zu einer energischen und beredten Befürwortung der "friedlichen
Koexistenz" und der Ausweitung "freundschaftlicher Beziehungen" übergegangen. Während der militärische Apparat rücksichtslos weiter ausgebaut wird, ist in der Öffentlichkeit weniger von militärischer Gewalt
die Rede, und man nimmt erneut Zuflucht zu politischen Umsturz- und
wirtschaftlichen Durchdringungsversuchen in Gebieten, die dafür anfällig sind.
Wir haben also eigentlich keinen Grund zu der Annahme, daß sich
an den Zielen der sowjetischen Außenpolitik irgend etwas geändert hätte,
die auf die Erhaltung des sowjetischen Regimes und der Sicherheit des
"sozialistischen Vaterlandes", die Aufrechterhaltung der Stärke des
chinesisch-sowjetischen Blocks mit Unterstützung gewisser Regierungssysteme in Osteuropa, die Schwächung der Allianzen des Westens und
Isolierung der Vereinigten Staaten und schließlich die Erringung der
Weltherrschaft abgestellt sind.
Im Fernen Osten legen die chinesischen Kommunisten weiterhin großen Wert auf die Verstärkung ihrer Streitkräfte, was durch eine enorme
finanzielle Beanspruchung der bereits mit hohen Abgaben belasteten
und von Armut geplagten Bevölkerung erreicht werden soll. Sie sind
dabei, eine Rüstungsindustrie aufzubauen, werden weitgehend mit sowjetischen Ausrüstungen versorgt und legen strategisch wichtige Eisenbahnlinien, Straßen und Plugplätze, insbesondere im Räume gegenüber
der Insel Formosa,an« Das Peking-Regime lehnt auch weiterhin in bezug
auf das Gebiet von Formosa einen Verzicht auf Gewalt ab. Es hält noch
immer Amerikaner in Haft, trotz des vor zwei Jahren gegebenen Versprechens, alle in seinem Gewahrsam befindlichen amerikanischen Gefangenen freizulassen.
Bis jetzt hat es in Rotchina noch keine Schwierigkeiten innerhalb
der Führung ähnlich jener gegeben, wie sie die Sowjetunion zu verzeichnen hatte. Jedoch haben wirtschaftliche Probleme, schlechte Lebensbedingungen und die moralische Wirkung des ungarischen Aufstandes
offenbar zu erheblicher Unruhe unter einigen Schichten der chinesischen Bevölkerung geführt. Um die ideologische Kontrolle zu verstärken,
verfiel das Peking-Regime auf den Trick der Förderung offener Kritik
unter dem Motto: "Laßt hundert Blumen blühen". Dies bewirkte zum Teil
eine erstaunlich offene Kritik, die anschaulich vor Augen führte, wie
tief die Unzufriedenheit des Volkes ist. Die kommunistische Parteiführung parierte mit einem Gegenangriff auf die Kritiker, die prompt
als "Rechtsabweichler" bezeichnet wurden.
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Seit

A

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11i. September 1957

Seit kurzem wenden die Sowjets dem Nahen Osten ihre besondere Aufmerksamkeit zu. Die sowjetischen Bemühungen um eine Dur- chdringung dieses
wichtigen Raumes vollziehen sich auf verschiedenen Ebenen - wirtschaftlich, kulturell und politisch, und, was noch bezeichnender ist, durch
die Lieferung von Waffen. Ägypten, Syrien und der Jemen haben alle beträchtliche Lieferungen von militärischen Ausrüstungen aus dem Sowjetblock erhalten, gefolgt von einer Invasion sowjetischer Techniker zur
Unterweisung in der Bedienung dieser Ausrüstungen.
Die wenig glücklichen Ereignisse der jüngsten Zeit in Syrien lassen
es zweifelhaft erscheinen, ob die syrische Regierung an dem von ihr erhobenen Anspruch, eine Politik positiver Neutralität zu verfolgen, festhalten kann. Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus dem Nahen Osten berichtete am Mittwoch vergangener Woche der stellvertretende Staatssekretär
im Außenministerium, Loy Henderson, man hege in diesem Gebiet tiefe Besorgnis, daß Syrien doch noch dem internationalen Kommunismus zum Opfer
fallen und dann zu einer Ausgangsbasis für eine weitere Bedrohung der
Unabhängigkeit und Integrität dieses Raumes werden könnte. Auch vom
Standpunkt der Vereinigten Staaten aus gibt diese Situation Anlaß zu
großer Besorgnis, da sie die schon seit langem bestehende Bedrohung der
arabischen Interessen seitens der Sowjets deutlich verschärft hat.
Durch die Nahost-Doktrin sind die Vereinigten Staaten in die Lage
versetzt, das Hauptproblem der Sicherheit dieses Raumes wirksam angehen
zu können. Diese Doktrin, die die Grundlage der Politik der Vereinigten
Staaten gegenüber dem Nahen Osten bildet, tritt nur auf Ersuchen der
betreffenden Länder in Kraft und ist dazu bestimmt, ihre Unabhängigkeit
gegenüber den Drohungen des internationalen Kommunismus zu stärken.
Die sowjetische Politik sucht das arabisch-israelische Problem, das
in seiner Hartnäckigkeit eine der Hauptursachen für die Unruhe im Nahen
Osten darstellt, zum eigenen Vorteil auszuschlachten. Seitens der Nationen, die Kontingente für die Polizeitruppen der Vereinten Nationen stellen,
besteht jedoch ein zunehmendes Interesse an einer Lösung des Problems,
und innerhalb der Vereinten Nationen wird man sich immer mehr bewußt,
wie notwendig es ist, daß ihre Entscheidungen strikt durchgesetzt werden.
Sich mit besonderem Nachdruck für Frieden und Abrüstung einzusetzen,
war von jeher charakteristisch für unser Land. Manche sind sogar überzeugt, daß unsere Regierung in ihrem Einsatz für Frieden und Abrüstung
zuviel des Guten getan hat. Wenn ja, so geschah es in dem aufrichtigen
Wunsch, unser Volk und andere Völker von einer überschweren Last zu befreien. Die Geschichte unseres Landes ist der überzeugendste Beweis für
die - friedlichen Absichten unseres Volkes. Mit Ausnahme einiger Vorkehrungen bei der Kriegsmarine traf uns der zweite Weltkrieg im allgemeinen
unvorbereitet. Unmittelbar nachdem dieser Krieg zu Ende war, rüsteten
wir mit einem Eifer ab, der schon fast an Leichtsinn grenzte. Während
wir unsere friedlichen Absichten unter Beweis stellten, unterbrachen
die Machthaber der Sowjetunion keinen Augenblick ihren aggressiven
Aufbau von Land-, See- und Luftstreitkräften sowie ihrer militärischen
Ausrüstung.
In

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�"AMERIKA DIENST"

11. September 1957

In all den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg hat die Sowjetunion
nach Möglichkeiten Ausschau gehalten, die ihr eventuell Vorteile
hätten bringen können. Sie tat dies bei der Blockade Berlins, und sie
tat es in Korea. Nur sofortiges und energisches Handeln hielt die
sowjetischen Machthaber davon ab, in Berlin und Korea die Freiheit
auszulöschen. Erst als sie sich vergewissert hatten, daß Gewalt mit
Gewalt vergolten werden würde, zogen sie sich zurück. Sie reagierten
auf energisches und entschlossenes Handeln. Wenn sie schon zu Beginn
sicher gewesen wären, daß wir in der Lage und entschlossen waren,
eine Aggression in Korea zu verhindern, wären dort vielleicht die
tragischen Verluste an Menschenleben erspart geblieben.
Da wir um die Gefahren des modernen Krieges und seine Bedrohung
des Fortbestehens der Zivilisation in der Welt wissen, haben wir immer
wieder die Initiative ergriffen, um ein umfassendes Abrüstungsabkommen
mit Vorkehrungen für die Gewährleistung der Sicherheit zustande zu
bringen. Es ist durchaus möglich, daß diese Initiative mancherorts
fälschlicherweise als ein Nachlassen der Kräfte Amerikas interpretiert
worden ist. Wir sind eben erst Zeuge einer Reihe prahlerischer sowjetischer Verlautbarungen über Fortschritte in der Schlagkraft, im Bau
interkontinentaler Raketen, in der Stärke der See- und Luftstreitkräfte geworden. Sie haben unsere aufrichtigen Abrüstungsvorschläge
verächtlich abgetan. Friedliebende. Menschen versuchen sie durch die
trügerische Phrase von der "Ächtung der Bombe" zu beeindrucken, während
sie gleichzeitig gewissen Ländern mit militärischen Ambitionen überreiche Waffenangebote zu Spottpreisen machen. Ich glaube, man sollte
jenen Ländern, die sich durch die sowjetische Machtpolitik und die
Möglichkeit des Erwerbs sowjetischer Waffen beeindrucken lassen, klar
machen, daß sie angesichts der kommunistischen Methoden, die sich ja
nicht geändert haben, ernstlich Gefahr laufen, einfach geschluckt zu
werden und ihre Unabhängigkeit zu verlieren. Auch wäre es unklug, die
industrielle und militärische Potenz unseres Landes zu unterschätzen
und unsere Ziele falsch zu deuten.
Unverblümte Drohungen mit Gewalt entsprechen bester sowjetischer
Tradition. Aber auch die Versuche wirtschaftlicher Durchdringung werden von den Sowjetmachthabern dort verstärkt betrieben, wo sie sich
größten Gewinn versprechen. Eine flexible Kombination von Maßnahmen
ist notwendig, um dieser weitgespannten kommunistischen Drohung begegnen zu können.
Einer der flexibelsten und wirksamsten Bestandteile unserer nationalen Verteidigung ist das Programm für gemeinsame Sicherheit. Dieses Programm hat mehrfach in bedeutsamer Weise zur Erreichung unserer
nationalen Ziele beigetragen. Es hat dazu beigetragen, daß freie Länder ihre militärischen Streitkräfte aufrechterhalten und so die kommunistische Aggression abwehren oder verhindern konnten} es hat freien
Ländern die Möglichkeit gegeben, mit inneren Unruhen, die ihre Unabhängigkeit und Stabilität gefährdeten, fertig zu werden. Es hat dazu
beigetragen, freie Länder weniger abhängig von der Hilfe des Sowjetblocks zu machen und ihnen so Situationen zu ersparen, in denen die Abhängigkeit von solcher Hilfe sie ganz in den Machtbereich des inter-

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11. September 1957

internationalen Kommunismus bringen konnte. Und schließlich hat es
den Satellitenstaaten eine größere Möglichkeit gegeben, ihre Bindungen an Moskau zu lockern oder ganz zu lösen.
Dieses gesamte Programm zielt jedoch, wie Präsident Eisenhower
erklärt hat, nicht darauf ab, abhängige Verbündete zu gewinnen. Wir
wollen anderen Ländern dabei helfen, stark zu werden und frei zu
bleiben und durch ein Leben in Freiheit zu lernen, wie man Armut überwinden und die Segnungen von Frieden und Fortschritt erfahren kann.
Diese Ziele dienen unseren eigenen nationalen Interessen.
Vor einem Gremium wie diesem, mit großer Erfahrung in kommunalen Fragen und staatspolitischer Führerschaft, brauche ich die Bedeutung und Verflochtenheit unserer auswärtigen Angelegenheiten nicht
besonders zu betonen.
Sie haben, wenn auswärtige Besucher in ihre Städte und Verwaltungen kamen, uns bei vielen Gelegenheiten großzügige Unterstützung
gewährt. Viele Ihrer Städte beteiligen sich am Schwesterstadtprogramm, einer wirksamen Form diplomatischer Beziehungen auf der Menschzu-Mensch-Ebene, die amerikanische und ausländische Städte mit Banden
der Freundschaft und Anteilnahme verbinden. Ihr Verständnis und Ihre
Unterstützung wird auch in Zukunft von größtem Wert für Ihre Regierung
sein.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./18.9.57
DIE STAATSRECHTLICHEN ASPEKTE DER SPANNUNGEN IN LITTLE ROCK
Einzelstaat kontra Bundesregierung

WASHINGTON - (AD) - Die Frage der Rassenintegration an den
öffentlichen Schulen im Süden der USA, die gegenwärtig die Gemüter
der amerikanischen Öffentlichkeit erhitzt, ist durch die Weigerung
des Gouverneurs des Staates Arkansas, Orval Faubus, der Entscheidung
eines Bundesgerichtes Folge zu leisten, auf eine neue Ebene gerückt
worden. Es geht hier nicht mehr allein um gefühlsmäßige Regungen
der weißen und farbigen Bevölkerung oder um rein bürgerrechtliche
Fragen, sondern um das alte dornige Problem der einzelstaatlichen
Autorität gegenüber den Befugnissen der Bundesregierung der Vereinigten Staaten. Die USA sind gemäß ihrer Verfassung kein Zentralstaat, sondern eine Föderation in mancher Beziehung recht selbständiger Einzelstaaten, und die staatsrechtlichen Aspekte der Raesenintegration sind keineswegs einfach.
Dieses Problem der Machtabgrenzung zwischen den Einzelstaaten
und dem Bund, wie es in Little Rock aufgetreten ist, greift zurück
bis auf die langen und heißen Debatten in der verfassunggebenden
Versammlung im Jahre 1787 und die später immer wieder auftretenden
staatsrechtlichen Konflikte, die sich aus dem amerikanischen System
der Machtverteilung zwischen den Einzelstaaten und der Bundesregierung ergeben haben.
Der föderative Charakter der amerikanischen Staatsform bringt
eine Teilung der politischen Macht zwischen einer Zentralregierung
mit gesamtnationalen Befugnissen auf bestimmten Gebieten und den
Regierungen der 48 Einzelstaaten mit sich, die jeweils innerhalb
ihrer Grenzen ganz bestimmte Rechte und Machtbefugnisse haben. Dieses föderative System steht im Gegensatz zu einem Staat, in dem Provinzregierungen in fast allen Fragen der Entscheidung einer Zentralregierung unterworfen sind.
Das föderative System, wie es in der Verfassung der Vereinigten
Staaten niedergelegt ist, ersetzte die ziemlich lose und kaum praktisch wirksame Konföderation von Staaten, die nach dem Ende der
amerikanischen Revolution bis zum Inkrafttreten der Verfassung im
Jahre 1789 existierte, Mit der Annahme der Verfassung gaben die einzelnen Staaten ihre Souveränität zum größten Teil zugunsten der

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18. September 1957

der Zentralregierung auf, behielten sich jedoch noch viele Machtbefugnisse vor. Die Einzelstaaten der USA sind seither immer sehr darauf
bedacht gewesen, ihre Rechte gegenüber jeder Bevormundung durch die
Bundesregierung zu bewahren und zu schützen.
Bezüglich der Abgrenzung der nationalen und der einzelstaatlichen
Machtbefugnisse im Rahmen der amerikanischen Verfassung heißt es in
dieser lediglich:
"Diese Verfassung, die in ihrem Verfolg zu ablassenden Gesetze
der Vereinigten Staaten sowie alle im Namen der Vereinigten Staaten
abgeschlossenen oder künftig abzuschließenden Verträge sind oberstes
Gesetz des Landes; und die Richter in jedem Einzelstaat sind daran
gebunden, auch wenn ihnen in der Verfassung oder den Gesetzen eines
Einzelstaates Bestimmungen entgegenstehen.
Die obengenannten Senatoren und Abgeordneten, die Mitglieder der
gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten und alle Verwaltungsund Justizbeamten sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Einzelstaaten haben sich durch Eid oder Gelöbnis zu verpflichten, dieser
Verfassung zu dienen..."
Diese Abschnitte des Artikels 6 der Verfassung vereinen die
nationale Regierung und die Einzelstaaten in einer Regierungsorganisation, in einem Bundesstaat.
Die Abgrenzung der Machtbefugnisse zwischen Einzelstaat und Bundesregierung wird weiter im zehnten Zusatzartikel zur Verfassung definiert, wo es heißt: "Die Machtbefugnisse, die von der Verfassung weder den Vereinigten Staaten übertragen noch den Einzelstaaten entzogen werden, bleiben den Einzelstaaten oder dem Volke vorbehalten."
In Abschnitt 8 des Artikels 1 der Verfassung wird festgelegt,
daß der Kongreß das Recht hat, "alle zur Ausübung der vorstehenden
Befugnisse und aller anderen Rechte, die der Regierung der Vereinigten Staaten, einem ihrer Zweige oder einem einzelnen Beamten auf Grund
dieser Verfassung übertragen sind, notwendigen und zweckdienlichen
Gesetze zu erlassen."
*
Die Auslegung dieser Bestimmungen über die Verteilung der einzelstaatlichen und nationalen Machtbefugnisse ist jedoch für den Staatsrechtler nicht immer leicht gewesen. Die Tatsache, daß bestimmte Machtbefugnisse gleichzeitig sowohl von der Bundesregierung als auch einer
einzelstaatlichen Regierung ausgeübt werden können, hat manchmal zu
einer gewissen Unsicherheit und zu Meinungsverschiedenheiten darüber
geführt, wo nun die Trennungslinie zwischen beiden Regierungen verlaufe. So ist zum Beispiel die Befugnis, den Handel zwischen den Einzelstaaten gesetzlich zu regeln, oft als das ausschließliche Recht
der Einzelstaaten angesehen worden, während sich in der Praxis jedoch gezeigt hat, daß es sich hier um eine sich überschneidende Befugnis handelt, die oft auch von der Bundesregierung ausgeübt wird.
Weiter

�"AMERIKA DIENST"

18. September 1957

Weiter ist dem Kongreß der Vereinigten Staaten das Recht zugestanden,
Steuern zu erheben, während auf der anderen Seite diese gleiche Befugnis den Einzelstaaten nicht vorenthalten ist.
Im Falle der öffentlichen Schulen gibt die Verfassung dem Kongreß
keine Vollmacht, Einrichtungen der öffentlichen Erziehung zu unterhalten oder gesetzlich zu beeinflussen, woraus sich der Sachverhalt zu
ergeben scheint, daß, wie aus dem zehnten Verfassungszusatz zu ersehen
wäre, dies ausschließlich unter die Jurisdiktion der einzelstaatlichen
Regierungen fallen würde.
Ganz so klar liegen jedoch auch auf dem Gebiet des Schulwesens
die Verhältnisse nicht. Auch hier kommen Befugnisse der Bundesregierung
zum Tragen und auf Grund des 14» Verfassungszusatzes, der es der
Zentralregierung zur Pflicht macht, die Rechte aller Bürger zu schützen,
fällt die gesetzliche Regelung für die öffentlichen Schulen unter die
Jurisdiktion sowohl der einzelstaatlichen als auch der Bundesbehörden.
In dem Zusatzartikel XIV der Verfassung heißt es nämlich:
"Alle Personen, die in den Vereinigten Staaten geboren oder eingebürgert und ihrer Regierungsgewalt unterworfen sind, sind Bürger der
Vereinigten Staaten und des Einzelstaates, in dem sie ihren Wohnsitz
haben. Keiner der Einzelstaaten darf Gesetze erlassen oder durchführen,
die die Vorrechte von Bürgern der Vereinigten Staaten beschränken, und
kein Staat darf irgend jemandem Leben, Freiheit oder Eigentum nehmen,
es sei denn, durch ordentliches Gerichtsverfahren nach Recht und Gesetz, oder irgend jemandem innerhalb seines Gebietes den gleichen
Schutz durch das Gesetz versagen."
Gerade diese Frage der Beschränkung von Vorrechten und des gleichen gesetzlichen Schutzes für alle war es nun, die farbige Bürger
im Süden der USA auf den Plan rief. Vor einigen Jahren reichten farbige Bürger bei Gerichten die Klage ein, daß ihnen ihre verfassungsmäßigen Rechte unter Zusatzartikel XIV der Verfassung von den Bezirksschulbehörden verwehrt würden, die die Aufnahme farbiger Schüler an
weißen Schülern vorbehaltenen öffentlichen Schulen ablehnten.
Diese Fälle durchliefen den gerichtlichen Instanzenweg und kamen
schließlich vor das oberste Bundesgericht der Vereinigten Staaten,
das daraufhin seine berühmte Entscheidung aus dem Jahre 1954 fällte,
nach der die zwangsweise Trennung von farbigen und weißen Schülern an
öffentlichen Schulen als verfassungswidrig bezeichnet wurde. Der
Oberste Gerichtshof ordnete weiter an, daß diese Rassentrennung möglichst rasch zu beseitigen sei. Dabei überließ es das Oberste Bundesgericht den einzelnen Bezirksbundesgerichten der betroffenen Gebiete,
unter Berücksichtigung der örtlichen Begebenheiten einen Zeitplan für
die Aufhebung der Rassentrennung auszuarbeiten.
In sehr vielen Fällen gelang es, einen Modus vivendi zu finden
und das Problem ohne größere Schwierigkeiten und ohne das Auftreten
staatsrechtlicher Fragen zu lösen.
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18. September 1957

In Little Rock, wo es jetzt zu den sattsam bekannten Spannungen
und Mißhelligkeiten kam, hatte eine Gruppe von farbigen Eltern bei
einem staatlichen Gerichtshof darauf geklagt, daß die Schulbehörde
von Little Rock angewiesen werde, farbige Kinder in die bisher nur
weißen Schülern vorbehaltene Oberschule aufzunehmen.
Das einzelstaatliche Gericht gab diesem Antrag nicht statt. Der
Richter des Bundesdistriktgerichtes, Ronald Davies, revidierte jedoch
auf Grund des Artikels 6 der Verfassung - aus dem hervorgeht, daß
Bundesgerichte die Befugnis und die Pflicht haben, alle Entscheidungen einzelstaatlicher Gerichte, bei denen es sich um Fragen der Bundesverfassung handelt, zu überprüfen - die Entscheidung des fraglichen
einzelstaatlichen Gerichtes und wies die Schulbehörde der Stadt an,
die farbigen Schüler im Rahmen eines geplanten Programms zur Aufhebung der Rassentrennung zuzulassen.
Als die farbigen Schüler versuchten, das Gebäude der Oberschule
in Little Rock zu betreten, rief der Gouverneur des Staates Arkansas,
Orval Faubus, die Nationalgarde auf und hinderte die Neger am Schulbesuch. Der Gouverneur erklärte, er handle im Rahmen seiner Befugnis,
die. Nationalgarde zur Aufrechterhaltung von Ruhe'und Ordnung einzusetzen. Er habe Grund anzunehmen, so sagte er, daß es zu Gewalttätigkeiten und Auseinandersetzungen kommen würde.
Durch diesen Einsatz der Nationalgarde kam nun das Problem der
Abgrenzung der Machtbefugnisse zwischen Einzelstaat und Bundesregierung erst richtig zum Tragen, da diese Nationalgarde von der Bundesregierung ausgebildet und ausgerüstet wird. In Friedenszeiten sind
die Gouverneure der verschiedenen Staaten gleichzeitig die Befehlshaber der jeweiligen Einheiten der Nationalgarde. Die Nationalgarde
kann jedoch in Zeiten des Krieges von dem Präsidenten zum Bundesdienst aufgerufen werden und hat damit einen nicht eindeutigen Status.
Nachdem Bundesrichter Davies erneut die Weiterführung der Rassenintegration angeordnet hatte, zog der Gouverneur die Nationalgarde
nicht ab, sondern postierte sie weiterhin außerhalb der Schule und
hinderte die fartigen Schüler am Betreten dee Gebäudes. Am 9« September ersuchte nun Bundesrichter Davies den amerikanischen Generalstaatsanwalt - gleichzeitig Justizminister - als "Freund des Gerichtes" den Fall in die erste Instanz zu bringen. Auf Grund der Darlegungen des Richters ersuchte Generalstaatsanwalt Brownell diesen, eine
einstweilige Verfügung gegen Gouverneur Faubus und zwei Offiziere
der Nationalgarde von Arkansas zu erlassen. Am 10. September wurden
der Gouverneur und die beiden Offiziere aufgefordert, am 20. September zu einer Verhandlung vor dem Bundesgericht zu erscheinen, auf
der über das Erlassen einer einstweiligen Verfügung beschlossen werden soll, durch die ihnen eine weitere Einmischung in die Aufnahme
von farbigen Schülern an der Oberschule von Little Rock untersagt wird.
Gouverneur Faubus hat erklärt, daß er sich einer Rassenintegration in den Schulen seines Staates keineswegs widersetze. Er wies dabei auf die Städte Ozark, Van Buren und Fort Smith hin, wo mit dem

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18. September 1957

dem Beginn des neuen Schuljahres auch die Aufhebung der Rassentrennung
angelaufen sei. Er bestand darauf, daß er im Rahmen seiner Amtspflichten handele, wenn er Gewalttätigkeit und Unordnung innerhalb seines
Staates verhindere und stützte sich dabei auf die ihm zustehenden
einzelstaatlichen Rechte. In einem Interview mit der Presse unterstrich Faubus, daß "bestimmte unveräußerliche Rechte des Staates
existieren, die vielleicht das Bollwerk und die Stärke der Union
gewesen sind." Solange jeder Staat das Gefühl habe, daß er an Recht
und Gesetz glauben könne, könne er auch etwas für die Regelung seiner
eigenen Angelegenheiten tun. Gerade dieses Gefühl des Rechtes und
der Sicherheit mache die Stärke der Union um so größer.
Gouverneur Faubus hat auf jeden Fall die Aufforderung zum Erscheinen vor dem Bundesgericht angenommen und erklärt, er werde wohl
auch die Entscheidung des Gerichtes akzeptieren. Sein Zusammentreffen
mit Präsident Eisenhower zu einer Aussprache über die ganzen anstehenden Probleme wird weiter dazu beitragen, die Lage zu klären und eine
für alle Teile befriedigende Lösung zu finden. Der Gouverneur selbst
hat in einem Telegramm an Eisenhower ausdrücklich erklärt, daß "alle
guten Bürger selbstverständlich alle ordentlichen Entscheidungen unserer Gerichte befolgen müssen" und daß es sein Wunsch sei, der Anordnung des Bundesgerichtes in Übereinstimmung mit seinen Pflichten
im Rahmen der Verfassung der Vereinigten Staaten und der des Staates
Arkansas nachzukommen.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./25.9.1957

JOHN FOSTER DULLES FORDERT "ATMOSPHÄRE DES VERTRAUENS"
ALS GRUNDLAGE FÜR EIN ABRÜSTUNGSABKOMMEN

NEW YORK - (AD) - Nachsteh end übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut einer Rede des US-Außenministers John Foster
Dulles, die er am 19» September 1957 vor der 12. Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York gehalten
hat. Hauptthemen der Rede waren die Abrüstung und die
Lage im Nahen Osten.

"Es ist für mich eine große Auszeichnung gewesen, an der Arbeit
der Vereinten Nationen seit ihrem Beginn teilnehmen zu dürfen. Ich
schätze mich glücklich, daß ich heute diese Verbindung fortsetzen
kann, indem ich an der allgemeinen Debatte dieser zwölften Vollversammlung teilnehme.
Die Internationale Atomenergiebehörde
Das vergangene Jahr hat die Errichtung einer wichtigen neuen
internationalen Behörde - der Internationalen Atomenergiebehörde gebracht.
Genauso wie Sie alle, die am 8. Dezember 1955 hier anweseni waren, erinnere ich mich an die begeisternden Worte Präsident Eisenhowers. 'Wir müssen', so sagte er, 'einen Weg finden, auf dem die
wunderbare Erfindungsgabe des Menschen nicht zu seiner Vernichtung
gebraucht, sondern seinem Leben geweiht wird.1 Zu diesem Zweck schlug
er die Schaffung einer Internationalen Atomenergiebehörde vor.
Es war nicht einfach, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen.
Große Hindernisse türmten sich zu Anfang auf. Vier Jahre der Geduld,
der Festigkeit und der Diplomatie waren nötig, um dieses unser Ziel
zu erreichen. Aber jetzt ist dieses Ziel endlich doch erreicht worden.
Recht und Gerechtigkeit
Andere wesentliche Maßnahmen der Vereinten Nationen während des
vergangenen Jahres bezogen sich auf Ägypten und Ungarn. Ich will auf

�25. September 1957

"AMERIKA DIENST

auf diese Dinge jetzt nicht im einzelnen eingehen, da sie uns allen
noch frisch im Gedächtnis sind. Dennoch möchte ich daran erinnern,
daß ich mich - als ich auf diese Frage im Verlaufe der ersten Sondersitzung der Vereinten Nationen einging - auf den Artikel 1 unserer
Charta bezog, der friedliche Lösungen 'in Übereinstimmung mit den
Prinzipien der Gerechtigkeit und des Völkerrechtes' fordert. Ich
habe hier an dieser Stelle die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, daß
wir in Zukunft vielleicht mehr tun könnten, um diesem Grundsatz
Nachdruck zu verleihen.
Leider gibt es heute auf der Welt sehr viel Ungerechtigkeit.
Die gewaltsame Teilung Deutschlands ist ein Unrecht, an das man
sofort denken muß.
Viele Mitgliedstaaten scheinen auch nur zögernd dem Artikel 36
nachzukommen, der besagt, daß 'rechtliche Streitfragen als allgemeine
Regel von den Parteien an den Internationalen Gerichtshof verwiesen
werden sollten.1
Wenn die Geschichte etwas bewiesen hat, dann ist es die Tatsache,
daß die Erhaltung eines dauerhaften Friedens nicht möglich ist, wenn
dieser Friede nicht auf Gerechtigkeit und Recht basiert.
Abrüstung
Ich möchte jetzt von der Begrenzung der Rüstung sprechen. Sie
ist eine der wichtigsten Aufgaben, die die Charta den Vereinten Nationen auferlegt.
Eine Begrenzung der Rüstung ist in jedem Fall bereits eine
schwierige Aufgabe. Die an sich schon damit verbundenen Schwierigkeiten werden heute noch durch das akute Mißtrauen vergrößert.
Was die Dinge noch schwieriger macht, ist das Vorhandensein
neuer Waffen, deren Kontrolle nicht durch irgendwelche wissenschaftlichen Mittel sichergestellt werden kann. Die Sowjetunion hat in
ihrer Note vom 10. Mai 1955 darauf hingewiesen, daß es unmöglich
sei, die 'geheime Produktion von Atom- und Wasserstoffbomben' zu
verhindern.
Deshalb, so folgerten die Sowjets, 'kann » solange in den Beziehungen zwischen den einzelnen Staaten nicht eine Atmosphäre des
Vertrauens geschaffen worden ist - ein Abkommen über die Errichtung
einer internationalen Kontrolle nur dazu dienen, die Wachsamkeit
der Völker einzuschläfern. Ein solches Abkommen wird ein falsches
Gefühl der Sicherheit hervorrufen, während in Wirklichkeit immer
die Drohung eines Überraschungsangriffs vorhanden ist.*
Wir stimmen darin überei'n, daß eine 'Atmosphäre des Vertrauens'
notwendig ist. Wie sollen wir sie schaffen? Ein Weg besteht für die
großen Militärmächte darin, durch ihr Verhalten zu beweisen, daß

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�25. September 1957

"AMERIKA DIENST"

daß sie ihren in der Charta der Vereinten Nationen zum Ausdruck gebrachten Verpflichtungen nachkommen werden. Leider fehlt diese Basis
des Vertrauens. Ich brauche nur an die jüngste Resolution der Vollversammlung zu erinnern, die sich mit dem tragischen Schicksal Ungarns befaßt, Es gibt jedoch noch eine andere Möglichkeit, ein solches Vertrauen zu schaffen, und diese besteht darin, daß die großen Militärmächte eine gegenseitige Inspektion akzeptieren, die in
der Praxis einen 'Überraschungsangriff, von dem die sowjetische
Note sprach, unwahrscheinlich machen wird. Bann sind wir nicht mehr
auf die Worte des anderen oder seine Beteuerungen angewiesen. Irgendwelche bösen Absichten wären dann so leicht zu entdecken, daß
dies keine nutzbringende Taktik wäre, selbst nicht für diejenigen,
die zu solchen neigen^
Biese Konzeption, steht hinter dem Vorschlag der 'Offenen Himmel'
Präsident Eisenhowers, den er auf der Konferenz auf höchster Ebene
in Genf im Juli 1955 machte. Diese Konzeption hat sofort weltweiten
Beifall gefunden und ist von der Vollversammlung unterstützt worden.
Sie ist das Kernstück der gemeinsamen Vorschläge, über die vier der
fünf Mitglieder unseres Abrüstungsunterausschusses im vergangenen
Monat Einigung erzielten.
Die "gemeinsamen Vorschläge"
'Ich werde Ihnen kurz diese Vorschläge umreißen, denn sie werden
zweifellos in den Beratungen dieser zwölften Vollversammlung eine
bedeutende Rolle spielen.
1. Die gemeinsamen Vorschläge würden eine gegenseitige Inspektion
als Schutz gegen einen Überraschungsangriff gewährleisten. Präsident
Eisenhower hat vorgeschlagen, dies auf dem Wege der Luftinspektion
zu erreichen. Die Herren Bulganin und Chruschtschow hatten eine Bodeninspektion vorgeschlagen. Die gemeinsamen Vorschläge Vereinen diese
beiden Arten der Inspektion und stimmen sie aufeinander ab.
Hinsichtlich der Anfangszonen für eine Luftinspektion lassen
die Vorschläge den Sowjets eine große Auswahl. Wenn sie eine Inspektion in der Sowjetunion und in Osteuropa zulassen, so können sie
eine Inspektion in all den Gebieten haben, von denen her die Sowjetunion einen Angriff befürchten zu müssen behauptet, zum Beispiel Westeuropa, die Vereinigten Staaten und Kanada. Es gibt nur wenige amerikanische Stützpunkte in anderen Gebieten, aber, wie ich bereits 1955
in Genf erklärte, würden die Vereinigten Staaten nichts dagegen einzuwenden haben, diese für eine Inspektion freizugeben.
Sollte die Sowjetunion es vorziehen, zunächst nur auf einer bescheidenen und versuchsweisen Basis zu beginnen, so bieten Kanada,
Dänemark, Norwegen und die Vereinigten Staaten ein solches Gebiet
im Norden an. Es ist ferner der Bereitschaft Ausdruck gegeben worden,
eine kleine Anfangszone in Europa festzulegen.
So

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"AMERIKA DIENST"

1957

So werden die gemeinsamen Vorschläge, was alle zugestehen, der
grundlegenden Schwierigkeit gerecht: dem Mangel an Vertrauen und der
Gefahr eines Überraschungsangriffes.
2. Die gemeinsamen Vorschläge befassen sich dann mit dem Problem
der nuklearen Waffen. Sie sehen vor, daß a) kein spaltbares Material
mehr für Waffenzwecke hergestellt wird, sobald ein ausreichendes Kontrollsystem errichtet ist, und daß b) das vorhandene und für Waffenzwecke verfügbare spaltbare Material gleichmäßig reduziert wird, indem
es für friedliche Zwecke Verwendung findet.
Die meisten Experten, die sowjetischen eingeschlossen, stimmen
darin überein, daß es keinen zuverlässigen Weg gibt, um die vorhandenen Vorräte an spaltbarem Material zu kontrollieren und ihre heimliche
Verwendung auszuschließen. Aber wir glauben, es kann sichergestellt
werden, daß die künftige Produktion von spaltbarem Material nicht
mehr für Waffenzwecke Verwendung findet. Dies haben wir vorgeschlagen,
und zweifellos wäre es Wert, dies zu tun.
5. Die gemeinsamen Vorschläge fordern eine Aussetzung der Versuche mit nuklearen Waffen für zwei Jahre und länger, wenn die anderen
Aspekte des Programms wie vereinbart voranschreiten.
4» Die gemeinsamen Vorschläge würden zu einer Erforschung des
Weltraums mit dem Ziele führen, daß dieser lediglich für friedliche,
nichtmilitärische Zwecke benutzt wird. Die Sowjetunion hat bekanntgegeben, daß sie Wege gefunden hat, um unter Benutzung der äußeren
Atmosphäre eine unvorstellbare Zerstörung nach allen Teilen der Erde
zu tragen. Die Vereinigten Staaten wissen ebenfalls, wie dies bewerkstelligt werden kann. Unsere Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, daß dies
nicht geschieht.
5. Die gemeinsamen Vorschläge sehen ferner einen Anfang in der
Reduzierung der Stärke der bewaffneten Streitkräfte sowie die Überführung eines Teiles der gegenwärtigen Waffenvorräte in international
überwachte Depots vor.
' Versuche'
Ich möchte hier noch einige Worte über das vieldiskutierte Problem der 'Versuche' sagen. Wir streben danach, durch heute genau kontrollierte Versuche herauszufinden, wie die gefährlichen radioaktiven
Stoffe, die jetzt bei der Explosion thermonuklearer Waffen auftreten,
ausgeschaltet werden können. Wir streben weiter an, die Kernwaffen zu
sauberen Waffen zu entwickeln, die für die Verteidigung gegen angreifende Truppen, Unterseeboote und Bomber sowie für die Abwehr interkontinentaler Raketen geeignet sind.
Die Sowjetunion scheint nicht zu wünschen, daß die Eigenschaften
der Kernwaffen derart verbessert und gewandelt werden. Sie scheint
es gerne zu sehen, daß Kernwaffen als 'Schreckenswaffen' gebrandmarkt
werden können.
Rechnet

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�"AMERIKA DIENST"

25. September 1957

Rechnet die Sowjetunion damit, daß Regierungen, die moralischen
und religiösen Einflüssen unterworfen sind, diese Waffen unter diesen
Umständen nicht anwenden können? Und würde die sowjetische Regierung,
die keinen moralischen oder religiösen Beschränkungen unterliegt, dadurch vielleicht eine besondere Handlungsfreiheit und Initiative bezüglich solcher Waffen gewinnen?
Wünscht die Sowjetunion denn nicht, daß die Kernwaffen zu wirksamen Verteidigungswaffen weiterentwickelt werden, mit denen man einen
Angriff derjenigen abwehren könnte, die über die größte Truppenstärke
verfügen?
Wir wollen die Gefahr eines Überraschungsangriffs und damit die
Gefahr eines Krieges überhaupt so weit wie möglich ausschalten. Wir
wollen die künftige Verwendung von spaltbarem Material für die Herstellung von Waffen so weit wie möglich aufhalten. Wir wollen das
Risiko vermeiden, daß die Kernwaffen wahllos über die Welt verstreut
werden. Verantwortungslosen Menschen die Macht zum Bösen zu geben, wäre
etwas so Fürchterliches, daß man es sich gar nicht vorstellen kann.
Wenn die Sowjetunion jedoch eine Inspektion zur Ausschaltung von
Überraschungsangriffen ablehnt, wenn sie ein weltweites System zur
Beendigung der Herstellung von spaltbarem Material für Waffenzwecke
ablehnt, wenn sie die Zusammenarbeit zur Verhütung einer wahllosen
Verbreitung der Kernwaffen über die ganze Welt ablehnt, wenn sie sich
weigert, auf der Basis der Gegenseitigkeit mit einem Abbau der bestehenden Waffenvorräte zu beginnen, dann müssen wir daran zweifeln,
ob es klug wäre, die Anstrengungen aufzugeben, um die Kernwaffen zu
sauberen Verteidigungswaffen weiterzuentwickeln, die keinen wesentlichen radioaktiven Ausfall hervorrufen.
Die Versuche mit Kernwaffen dürfen natürlich keine Bedrohung des
menschlichen Lebens mit sich bringen. Die Vereinigten Staaten sind an
diesem Anliegen mehr als an irgend etwas anderem interessiert.
Wir werden die Vereinten Nationen einladen, zu einem unserer nächsten Versuche Beobachter zu entsenden, damit diese sich selbst ein
Bild von der Durchführung unserer Versuche machen können.
Im vergangenen März haben die Vereinigten Staaten und Großbritannien gemeinsam die Absicht erklärt, Atomversuche nur noch in einer Weise
durchzuführen, daß ein Anwachsen der radioaktiven Strahlung in der
Welt auf mehr als einen Bruchteil dessen verhindert wird, was gefährlich sein könnte. Da in jedem Jahr praktisch ein gewisser Prozentsatz
an Radioaktivität verschwindet, haben wir Grund zu der Hoffnung, daß
in Zukunft alle erforderlichen Versuche ohne eine wesentliche quantitative Zunahme der Radioaktivität in der Welt durchgeführt werden
können.
Die

�"AMERIKA DIENST"

25. September 1957

Die Haltung der Sowjetunion
Die gemeinsamen Vorschläge, die ich soeben erläutert habe, sind
aus monatelanger, ja sogar jahrelanger Arbeit und Erörterung heraus
entstanden. Sie wurden formell am 29« August unterbreitet. Der sowjetische Delegierte wies sie sofort zurück. Er erklärte, sie seien nichts
als eine Täuschung. Er bestand ferner darauf, daß die Sitzungen des
Unterausschusses vertagt werden sollten, und er weigerte sich, einem
genauen Zeitpunkt für die Wiederaufnahme der Arbeit zuzustimmen.
Wir können nicht glauben, daß diese weittragende und fast schon
verächtliche sowjetische Ablehnung endgültig ist. Noch niemals zuvor
haben sich so viele Nationen mit so großer militärischer Macht zusammengeschlossen, um so weitreichende Vorschläge zu machen. Jede Regierung, die diese Vorschläge in Bausch und Bogen ablehnt, würde eine
furchtbare Verantwortung vor der gesamten Welt auf sich laden.
Die Menschheit sieht einer tragischen Zukunft entgegen, wenn die
Kriegsgefahr nicht unter Kontrolle gebracht wird. Dies würde bedeuten,
daß die Menschen, um zu überleben, es lernen messen, wie Höhlenbewohner
unter der Erde zu leben, um Schutz vor dem Tod zu finden. Dies würde
bedeuten, daß die Menschen zu Sklaven der schnell ansteigenden Kosten
des Rüstungswettlaufes würden. Dies würde ferner bedeuten, daß die
Freiheit des einzelnen den Erfordernissen eines reinen Überlebens
untergeordnet werden müßte.
Die Mitglieder der freien Welt im Abrüstungsunterausschuß lehnen
eine solche Zukunft ab. Sie akzeptieren, was einigen von ihnen als Opfer
und anderen als Risiko erscheint, um einen Kurs abzustecken, der die
Gefahr eines Krieges - nicht nur eines Atomkrieges, sondern eines jeden
Krieges - reduziert. Gleichgültig ob die Sowjetunion sich heute weigert,
diesem Kurs zu folgen oder nicht, können wir doch zuversichtlich sein,
daß dieser einsichtige Versuch, der zu diesen Vorschlägen führt, nicht
vergebens gewesen ist. Selbst wenn die Sowjetunion nunmehr die gemeinsamen Vorschläge zurückweist, so sollten diese doch nicht damit als
tot betrachtet werden. Ihre Prinzipien bleiben gültig und werden fortbestehen«
Die Suche nach einer Rüstungsbegrenzung darf nicht in der Schwebe
gehalten werden. Allein schon wirtschaftliche Erwägungen verlangen
nach Bemühungen, die Völker von der schrecklichen Last der Rüstungen
zu befreien. Weiter besteht die Notwendigkeit, in besserem Maße sicherzustellen, daß die gewaltige Macht, die den Rüstungen heute innewohnt,
nur der Sicherheit dient und niemals als Instrument einer rein nationalistischen Politik verwandt wird.
Heute sind es etwa 50 Nationen, die kollektive Verteidigungsbündnisse geschlossen haben, wie sie in unserer Charta (in Artikel 51)
autorisiert werden. Ein solches Netz ist der Anwendung und Entwicklung
dieser Prinzipien dienlich, denn es ist gerade der Zweck kollektiver
Sicherheit, jedem Partner mehr Sicherheit bei geringerer Rüstung zu
gewähren. In Westeuropa besteht bereits auf der einen Seite die Nord-

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Nordatlantikpaktorganisation, die Beiträge zu einer gemeinsamen Verteidigung verlangt, und. auf der anderen Seite der 1954 geschlossene Vertrag über die Westeuropäische Union, der eine Begrenzung der nationalen
Rüstungen vorsieht.
Wenn es uns nicht möglich ist, auf weltweiter Basis vorzugehen,
dann laßt die Nationen wo immer möglich enger zusammenrücken, damit
wir innerhalb der Grenzen der Sicherheit die Last der Rüstungen erleichtern und das Risiko der Rüstung verringern können.
Aber wir wollen es auch nicht einfach fatalistisch akzeptieren,
daß die sowjetische Antwort vom vergangenen Monat das letzte Wort gewesen ist. Die Sowjets haben zuerst auch den Vorschlag für eine Internationale Atomenergiebehörde abgelehnt und sie als ein Schema bezeichnet, das nur 'aggressiven Kräften' dienen würde (sowjetisches Aide
Memoire vom 27. April 1954)« Wir gaben damals unsere Anstrengungen
nicht auf. Laßt uns auch jetzt unsere Anstrengungen nicht aufgeben.
Wenn diese Organisation das Gewicht ihres Einflusses zugunsten der
in den gemeinsamen Vorschlägen niedergelegten Grundsätze in die Waagschale wirft, dann ist es nicht ausgeschlossen, daß diese Prinzipien
einmal allgemeine Annahme finden. Da es um so viel geht, darf keine
Chance, so klein sie auch sein mag, verpaßt werden.
Der Nahe Osten
Ich wende mich jetzt dem Nahen Osten zu und spreche zunächst von
einer Vergangenheit, die wir alle lieber vergessen möchten. Wir
dürfen sie jedoch nicht vergessen, weil die Gegenwart aus der Vergangenheit verständlich wird.
Die sowjetischen Machthaber haben sich seit langem um eine Beherrschung des Nahen Ostens bemüht. Im Jahre 1940, als die Sowjets
eine Teilung der Welt mit Hitler anstrebten, machten sie es zur Bedingung, daß 'das Gebiet südlich von Batum und Baku in der allgemeinen
Richtung auf den Persischen Golf als Zentrum der Bestrebungen der
Sowjetunion anerkannt wird.' (Molotow an den deutschen Botschafter
am ?5 • November 1940.)
Unmittelbar nach Kriegsende zogen die Sowjets die militärische
Besetzung Persiens hinaus, sie bemühten sich um die Treuhänderschaft
über Libyen,und sie schürten die Unterwanderung Griechenlands. Aber
zwischen 1945 und 1949 wurde Mitteleuropa zum Hauptschauplatz der
sowjetischen Aktivität»
Im

�"AMERIKA DIENST

25. September 1957

Im Jahre 1949, nachdem der Marshallplan und der Nordatlantikpakt
ins Leben gerufen waren, verlagerten die Sowjets ihre Hauptanstrengung nach dem Fernen Osten. Dort unterstützten sie die kommunistische
Revolution in China, den Krieg in Korea und den Krieg in Indochina.
Nach der erfolgreichen Verteidigung Koreas durch die Vereinten Nationen
und nach dem Abschluß des südostasiatischen Verteidigungspaktes sowie
anderer Verteidigungsabkommen machten die Sowjets 1955 den Nahen Osten
erneut zum Mittelpunkt ihrer außenpolitischen Bemühungen. Dieses Mal
versuchten sie in den arabischen Ländern jene Technik anzuwenden, die
Stalin und Lenin für die 'Einbeziehung' der sogenannten 'kolonialen
und abhängigen' Völker in die sowjetische Machtsphäre empfohlen hatten. Diese Technik schließt, wie Lenin spezifiziert hatte, das Schüren
der nationalistischen Gefühle ein, um auf diese Weise alle Verbindungen
mit dem Westen abzubrechen und eine so völlige Abhängigkeit von der
Sowjetunion herzustellen, daß diese die völlige Kontrolle übernehmen
kann.
So begannen die sowjetischen Machthaber im Jahre 1955 mit einer
intensiven Propaganda, die darauf abzielte, die arabischen Länder
in dem Glauben zu bestärken, daß sie mit sowjetischen Waffen, sowjetischen Technikern und der politischen Unterstützung der Sowjetunion
extreme nationalistische Ambitionen verwirklichen könnten.
Diese s ow jet-kommunistisc'hen Bemühungen sind in Syrien fortgeschritten, wo die Waffen aus dem Sowjetblock mit überschwenglicher
Freude empfangen wurden und wo die politische Macht in immer stärkerem Maße von solchen Leuten übernommen wurde, die von Moskau abhängen.
Wahre Patrioten sind durch Verhaftungen oder durch Einschüchterung
aus ihren Machtpositionen verdrängt worden.
Eine Folge dieser Entwicklung ist, daß sich die Türkei auf Grund
der großen Ansammlung sowjetischer Waffen in Syrien jetzt an ihrer
Südgrenze einer wachsenden militärischen Gefahr gegenübersieht einer Ansammlung, die auf die sowjetische Militärmacht an der Nordgrenze der Türkei abgestimmt ist. In der vergangenen Woche versuchte
die Sowjetunion, die Türkei durch Einschüchterungsversuche davon abzuhalten, interne Umgruppierungen ihrer Sicherheitskräfte vorzunehmen.
Die 'Grundlagen des Friedens'
Ich möchte an dieser Stelle auf die Haltung hinweisen, die die
Weltorganisation in bezug auf die 'indirekte Aggression' eingenommen
hat. Die Vollversammlung verabschiedete 1949 eine Resolution, die den
Titel 'Grundlagen des Friedens' trug. Die Resolution fordert jedes
Land auf, sich 'aller direkten oder indirekten Drohungen oder Schritte
zu enthalten, die auf eine Gefährdung der Freiheit, der Unabhängigkeit
oder der Integrität irgendeines Staates abzielen'. Als über diese Resolution abgestimmt wurde, waren es nur die fünf Länder des Sowjetblocks, die mit 'Nein' stimmten.
Die Vereinigten Staaten haben immer wieder diese Grundlagen des
Friedens unterstützt, und sie haben dies vor allem in bezug auf den
Nahen Osten getan.
Als

�"AMERIKA DIENST"

25. September 1957

Als der internationale Kommunismus 1947 versuchte, Griechenland
unter seine Kontrolle zu bringen und die Türkei bedrohte, erklärte
Präsident Truman: 'Totalitäre Regime, die freien Völkern durch direkte
oder indirekte Aggression aufgezwungen wurden, unterminieren die
Grundlagen des Weltfriedens.1
Als die sowjetische Bedrohung im Nahen Osten kürzlich erneut in
Erscheinung trat, erklärte der Kongreß der Vereinigten Staaten in
einer gemeinsamen Resolution (vom 9» März 1957)» daß 'die Vereinigten
Staaten es als lebenswichtig für die nationalen Interessen und den
Weltfrieden ansehen, daß die Unabhängigkeit und Integrität der Nationen
des Nahen Ostens gewahrt wird.' Die Resolution ermächtigte den Präsidenten, wirtschaftliche und militärische Unterstützung zu gewähren,
um den Nationen des Nahen Ostens bei der Aufrechterhaltung ihrer Unabhängigkeit zu helfen. Sie besagt weiter, daß die 'Vereinigten Staaten .... bereit sind, ihre Streitkräfte zur Unterstützung einer jeden
solchen Nation oder Staatengruppe einzusetzen, die um Beistand gegen
eine bewaffnete Aggression seitens eines vom internationalen Kommunismus kontrollierten Landes ersuchen.'
Am 7» September 1957 machte Präsident Eisenhower auf die Gefahr
in Syrien aufmerksam und unterstrich erneut seine Absicht, soweit notwendig von den ihm durch diese Kongreßresolution übertragenen Vollmachten Gebrauch zu machen.
Die sowjetischen Kommunisten scheinen Handlungen vorzunehmen, die
•direkt oder indirekt darauf abzielen, die Freiheit, Unabhängigkeit
.oder Integrität' bestimmter Nationen im Nahen Osten zu gefährden, und
zwar unter Verletzung der Resolution der Vereinten Nationen über die
'Grundlagen des Friedens'. Wir sind weiter der Auffassung, daß diese
sowjetischen Handlungen vielleicht unbeabsichtigt die Empfänger der
sowjetischen Waffen zu direkten Aggressionshandlungen verleiten könnten.
Diejenigen, die sich auf Grund dessen, daß ihnen in jüngster Zeit große
Mengen von Waffen au,s Ländern des Sowjetblocks in die Hand gegeben wurden, außergewöhnlich stark fühlen, werden durch eine heftige Propaganda gegen ihre Nachbarn aufgestachelt. Dies ist, so möchte ich sagen,
eine riskante Angelegenheit.
In einer solchen Situation ruht die Hauptverantwortung natürlich
auf den Mitgliedstaaten selbst. Sie selbst sollten sich aller direkten
oder indirekten Aggressionsmaßnahmen enthalten. Aber gerade diese Mitgliedstaaten haben auch ein angestammtes Recht auf individuelle und
kollektive Selbstverteidigung. Nichts, was die Vereinten Nationen tun
können, sollte auch nur für einen Augenblick zu einem Nachlassen in
der Wachsamkeit und in den Bemühungen eines jeden freien Landes führen,
seine eigene wahre Integrität und Unabhängigkeit und die aller anderen
freien Länder aufrechtzuerhalten.
Dennoch sollte die Vollversammlung - wenn eine Situation entsteht,
wie sie jetzt im Nahen Osten existiert - diese Lage zumindest prüfen
und erörtern. Eine Diskussion, wie sie unsere Charta vorschlägt (Artikel 11, Absatz 2 ) , ist vielleicht an sich schon heilsam, und die

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^k

�"AME RIKA DIENST"

25. September 1957

die Vereinigten Staaten behalten sich das Recht vor, im Verlauf dieser Debatte konkrete Vorschläge zu unterbreiten.
Es ist eine Tragödie, daß der Nahe Osten, der so reich an Kultur
und Tradition ist und in so hervorragender Weise zu dem materiellen
und geistigen Wohlergehen der ganzen Welt beiträgt, so zerrüttet werden soll, wie dies heute der Fall ist. Die Vereinigten Staaten sind
bereit, großzügig zur wirtschaftlichen Entwicklung dieses Gebietes
beizutragen, und zwar unter Bedingungen, die die Freiheit und Unabhängigkeit der dortigen Nationen fördern und stärken werden. Diese
Aussichten auf eine größere Freiheit und einen größeren Wohlstand werden jedoch niemals verwirklicht werden können, solange dieses Gebiet
als ein Objekt der Eroberung und als eine potentielle Ausgangsbasis
für die Beherrschung Europas, Asiens und Afrikas angesehen wird.
Die Vereinten Nationen werden bei aller materiellen Macht,
sie aufbringen können, nicht in der Lage sein, die Verhältnisse
stabilisieren. Aber wir können unseren Einfluß ausüben, und wir
dies zumindest tun und damit erneut der Sache des Friedens, der
nung und dem Glück dienen."

* * * * *

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die
zu
sollen
Hoff-

�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./25.9.1957
10 JAHRE GESETZ ÜBER DIE NATIONALE SICHERHEIT DER USA

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir den Wortlaut einer Erklärung des US-Präsidenten vom 23. September 1957» in derer die
zehnte Wiederkehr des Tages, an dem das Gesetz
über die Nationale Sicherheit in Kraft trat,
würdigte.
In diesem Monat jährt es sich zum zehnten Male, daß das Gesetz
vom Jahr 1947 über die Nationale Sicherheit in Kraft getreten ist.
Das von einem republikanischen Kongreß erlassene und von einem
demokratischen Präsidenten gebilligte, von beiden Parteien erarbeitete Gesetz hat gezeigt, wie eine freie Nation Vorkehrungen zur Wahrung ihrer nationalen Sicherheit treffen und gleichzeitig ihre demokratischen Werte und Institutionen erhalten und stärken kann. Die
kraft dieses Gesetzes errichtete Organisation hat zu den Anstrengungen beigetragen, die die Vereinigten Staaten seit dem Ende des zweiten Weltkrieges um die Erzielung eines gerechten und dauerhaften
Friedens in der Welt unternommen haben.
Das Gesetz über die Nationale Sicherheit gewährleistete durch
die Zusammenlegung der obersten Kommandostellen unserer Waffengattungen und die Koordinierung der im Interesse der nationalen Sicherheit verfolgten Politik, der Tätigkeit der Abwehr und den Aufgaben
der Verteidigungsmobilisierung auf nationaler Ebene zum ersten Mal
ein umfassendes Programm für die Sicherheit der Vereinigten Staaten.
In dem vergangenen Jahrzehnt erfuhr das Gesetz mehrfach eine weitere Erhöhung seiner Wirksamkeit, und vieles ist dank der darin enthaltenen Bestimmungen bereit jrreicht worden. In den kommenden Jahren wird das Gerüst, das durch dieses Gesetz geschaffen wurde, durch
weitere Anstrengungen noch mehr gefestigt werden, und die laufend
gesammelten Erfahrungen dürften die Grundlage für eine weitere Verbesserung des Gesetzeswerkes als solchem darstellen.
Ein Grundziel des Gesetzes über die Nationale Sicherheit war
die Gewährleistung einer "autoritativen Koordinierung und einheitlichen Leitung der Waffengattungen unter ziviler Verwaltung durch
den Verteidigungsminister". Dank dieser gesetzlich verankerten Konzeption, daß die letzte Entscheidung bei einer Zivilperson liegt.

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25. September 1957

liegt, unterhalten die Vereinigten Staaten mit Erfolg die mächtigste
Armee, die sie in Friedenszeiten in ihrer ganzen Geschichte je gehabt
haben.
Auf Grund dieses Gesetzes präsidiert ein Vorsitzender im Gemeinsamen Rat der Stabschefs, die die berufenen militärischen Berater des
Präsidenten, des Nationalen Sicherheitsrates und des Verteidigungsministers in Fragen der nationalen Sicherheit sind.
In Erkenntnis der wachsenden Bedeutung der Luftmacht wurde im
Rahmen des Nationalen Sicherheitsgesetzes (National Security Act)
das Staatssekretariat für die Luftstreitkräfte geschaffen. Heute
sind die US-Luftstreitkräfte in der Verteidigung unseres Landes
gleichberechtigter Partner des Heeres und der Marine.
Durch den National Security Act wurde ebenfalls das Gefüge des
Nationalen Sicherheitsrates festgelegt - ein gänzlich neues Konzept
in unserer Regierung -, ein vom Präsidenten ernanntes Gremium, das
den Präsidenten bei der Koordinierung nationaler, auswärtiger und
militärischer Angelegenheiten in Fragen der nationalen Sicherheit
zu beraten hat. Die dem Rat untergeordneten Dienststellen, wie der
Planungs-, der Koordinationsausschuß und die beiden internen Sicherheitskomitees, ermöglichen es den für die Durchführung verantwortlichen Ministerien und Behörden, bei der Entwicklung und Durchführung
der für die nationale Sicherheit notwendigen Maßnahmen wirksam zusammenzuarbeiten.
Dem überparteilichen Beamtenstab des Nationalen Sicherheitsrats,
der unter ziviler Leitung steht, obliegt die Ausarbeitung objektiver
Analysen, der Verwaltungsdienst und die Sorge für die Kontinuität
der Arbeit im Rat.
Das Gesetz sieht ferner vor, daß der Leiter des Zentralamtes
für Nachrichten und Abwehr auf Weisung des Nationalen Sicherheitsrates, den Präsidenten und den Sicherheitsrat auf im Wege des Abwehrdienstes zugegangene Informationen über Entwicklungen im Ausland,
die die nationale Sicherheit berühren, aufmerksam macht. Das Zentralamt für Nachrichten und Abwehr ist in Zusammenarbeit mit den Abwehrorganisationen anderer Ministerien und Behörden in der Errichtung
eines weitgreifenden auswärtigen Nachrichten- und Abwehrsystems, das
der Verantwortung der USA in der heutigen Welt gerecht wird, gut
vorangekommen.
Das Nationale Sicherheitsgesetz ermöglichte die Organisierung
eines Apparates für die Planung und Vorbereitung der Aufgaben für eine
Mobilisierung unserer militärischen, industriellen und zivilen Hilfsquellen, so.wie die Weltsituation es erfordert. Dem Leiter des Amtes
für Verteidigungsmobilisierung obliegt es, die für eine Mobilisierung
gemachten Pläne und Vorbereitungen mit Hilfe der anderen, damit befaßten Ministerien und Behörden, die im Direktorium des Amtes für

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25. September 1957

für Verteidigungsmobilisierung vertreten sind, zu koordinieren.
Wir begrüßen heute die Voraussicht jener, die 1947 im Gesetz
für die Nationale Sicherheit diese Ziele niedergelegt haben. Wir
sollten auch jenen zahllosen Personen danken, die mitgeholfen haben
bei dem Versuch, diese Direktiven in die Tat umzusetzen.
Die diesem Gesetz gesteckten Ziele lassen sich nur erreichen,
wenn alle, die es angeht, weiterhin entschlossen sind, alle unsere
Hilfsquellen und besonderen Fähigkeiten zusammenzunehmen,
und ihre
Meinungsverschiedenheiten auf vernünftige Weise beizulegen, um damit
dem einen gemeinsamen Anliegen zu dienen - der nationalen Sicherheit
der Vereinigten Staaten in einer freien und friedlichen Gemeinschaft
der Nationen. Dieser zehnte Jahrestag der Schaffung des Gesetzes
für die Nationale Sicherheit ist ein Appell an die amerikanische
Staatsführung, diese Ziele zu erreichen.

* * * # *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./2.10.57

ZUR ERÖFFNUNG DER ERSTEN KONFERENZ DER
INTERNATIONALEN ATOMENERGIEBEHÖRDE
IN WIEN AM 1. OKTOBER 1957

BOTSCHAFT PRESIDENT EISENHOWERS
ANSPRACHE VON LEWIS L. STRAUSS,
VORSITZENDER DER AMERIKANISCHEN ATOMENERGIEKOMMISSION

�EISENEOWER: FRIEDLICHES ATOM SOLL GETEILTE WELT
WIEDER ZUSAMMENFÜHREN
WIEN - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut einer Botschaft Präsident Eisenhowers
an die erste Konferenz der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien vom 1. Oktober 1957•
"Die Gebete und Hoffnungen von Millionen Menschen jeder Rasse und
jeden Glaubens begleiten die Beratungen, mit denen Sie heute in Wien beginnen. Ihnen ist die historische Verantwortung übertragen worden, eine
neue Konzeption in positive Maßnahmen zum Wohle der gesamten Menschheit
umzusetzen.
Noch nie zuvor ist irgendeine Konferenz in der Geschichte aussichtsreicher und hoffnungsvoller begonnen worden. Das Statut der Internationalen Atoraenergiebehörde, das Sie zu verwirklichen im Begriffe stehen, repräsentiert den Willen und die Bestrebungen von mehr Nationen als jemals
zuvor einen internationalen Vertrag unterzeichneten.
Ihnen ist daher ein heiliges Vertrauen geschenkt worden. Ihrer Obhut ist das Gewissen der Völker der Welt anvertraut worden. Diese Völker
schauen in der Hoffnung auf Sie, daß das praktische Programm gefördert
wird, durch das das gespaltene Atom aufhört, ein Symbol der Furcht zu.
sein, und statt dessen zu einer Möglichkeit wird, die der Menschheit
ein reicheres, gesünderes und nützlicheres Leben verheißt.
Während der vergangenen Jahre hat sich die Bevölkerung der Vereinigten Staaten mit ganzem Herzen und aller Kraft für den Erfolg dieses Unternehmens eingesetzt. Indem ich im Namen der amerikanischen Bevölkerung spreche, lassen Sie mich bei dieser Gelegenheit erneut nachdrücklich und ernsthaft die Hingabe an diese unsere Anstrengungen bekräftigen. Es ist unsere glühende Hoffnung, daß die Atomenergiebehörde
zu einem Zentrum für die Bemühungen wird, die Segnungen der Atomenergie
zu fördern und sie allen Ländern der Welt, großen wie kleinen, zugute
kommen zu lassen.
Die Möglichkeiten, die jetzt vor Ihnen liegen, sind vielfältig.
Die Aufgaben, denen Sie sich gegenübersehen werden und die Sie lösen
müssen, sind groß. Aber mit Vertrauen und anhaltender freundschaftlicher Zusammenarbeit, wie Sie für die Schaffung dieser Behörde charakteristisch waren, kann unsere Generation die Atomenergie zu einer
Gabe werden lassen, für die die Menschheit immer dankbar sein wird.
Möge diese Konferenz in die Geschichte eingehen als ein Wendepunkt,
an dem die Furcht der Menschen vor dem Atom der Hoffnung und der umfassenden Zusammenarbeit Raum gibt, die zur Schaffung des von allen Menschen gewünschten Friedens notwendig ist.
Ich bete dafür, daß die Spaltung des Atoms unter der klugen Leitung der Internationalen Atomenergiebehörde eines Tages eine geteilte
Welt wieder zusammenführen wird."

* * * * *

�STRAUSS: WENDEPUNKT IN DER GESCHICHTE DER MENSCHHEIT

WIEN - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut der Erklärung, die Lewis L. Strauss, der Vorsitzende der amerikanischen Atomenergie-Kommission
(AEC), am 1. Oktober 1957 in seiner Eigenschaft als
Leiter der amerikanischen Delegation für die erste
Konferenz der Internationalen Atomenergie-Behörde
(IAEA) in Wien abgegeben hat.

"Als erstes möchte ich bei diesem Anlaß zum Ausdruck bringen, wie
glücklich ich mich schätze, hier in Wien zu sein. Es sind jetzt 38
Jahre her, seit ich zum letzten Mal hier war; ich war damals mitverantwortlich für die Verteilung amerikanischer Lebensmittel im Rahmen
der Hoover-Spende an österreichische Kinder. Und ich freue mich ganz
besonders über die Gelegenheit, die ich seit meiner Ankunft hatte,
um die Freundschaft mit so vielen alten Bekannten unter den Mitgliedern der hier versammelten zahlreichen Delegationen zu erneuern. Es
ist mir als dem Leiter der Delegation der Vereinigten Staaten eine
große Befriedigung, daß diese erste Konferenz der Internationalen
Atomenergie-Behörde in dieser schönen Stadt an der Donau stattfinden
soll, in der Hauptstadt eines Landes, das wir vor noch nicht allzu
langer Zeit wieder als souveränes Mitglied in der Familie der Völker begrüßen konnten, in einer Rolle also, die ihm die Geschichte
in so eindeutiger Weise zuerkennt.
Das amerikanische Volk empfindet einen natürlichen Stolz auf
Präsident Eisenhowers Konzeption der "Atome für den Frieden", die
diese Behörde ins Leben rief, und erblickt deshalb in dieser Konferenz das Zeichen für einen hoffnungsvollen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit.
Meine Landsleute teilen mit Millionen von Menschen in großen und
kleinen Nationen die Erwartung, daß das, was wir hier in Wien unternehmen, sie auf einen neuen Weg bringt, der von Krieg und Mißtrauen
fort zur friedlichen Zusammenarbeit für Frieden und Fortschritt
führt.
Der Vorschlag, auf den sich diese Behörde gründet - ja überhaupt
die Grundlage für das Statut der Behörde, das nun hier in die Tat umgesetzt werden soll«..-, wurde von Präsident Eisenhower vor fast vier
Jahren in seiner historischen Botschaft an die Vollversammlung der
Vereinten Nationen zum ersten Mal vorgebracht.
Seitdem erstrebt das amerikanische Volk mit Herz und Hand die
Verwirklichung des Gedankens: Atome für den Frieden.
Die Phase der Verhandlungen in der Schaffung dieser Behörde endete vor 11 Monaten, als sich die Vertreter von 81. Nationen auf
einer Konferenz in New York für das Statut aussprachen. Nun treten

�2. Oktober 1957

"AMERIKA DIENST

treten wir in eine neue Phase ein - es beginnt die Zeit der Tat.
Wir sind mit der Verantwortung betraut, den Apparat zu schaffen,
der die Hoffnungen verwirklicht, welche die Menschheit in uns setzt.
Um mit Präsident Eisenhower zu sprechen, müssen wir jetzt "das Atom
seiner militärischen Hülle entreißen und es den Künsten des Friedens
anpassen."
Nie zuvor ist, soweit ich denken kann, ein internationales Vorhaben von so verbreiteter Unterstützung und Begeisterung getragen
worden. Es gab keines, das mit mehr gutem Willen und der Bereitschaft
zur Zusammenarbeit seitens der Verhandlungspartner unternommen worden war. Das ist ein seltenes, ein gutes Omen.
Vor einem Jahr, am 26. Oktober 1956, hatte ich anlässlich der
Beendigung der Konferenz über die Statuten der Internationalen Atomenergiebehörde die Ehre, eine Botschaft Präsident Eisenhowers zu
verlesen, die das Vertrauen des amerikanischen Volkes in diese Weltorganisation und seine Entschlossenheit, mit seiner ganzen Kraft
ihren Erfolg zu sichern, klar zum Ausdruck brachte.
Der Präsident kündigte bei dieser Gelegenheit an, daß die Vereinigten Staaten der Behörde, sobald sie bestehe, 5000 Kilogramm
Kernbrennstoff - Uran-235 - unter noch abzusprechenden Bedingungen
zur Verfügung stellen würden, damit sie ohne unnötige Verzögerung
damit beginnen könne, die Wohltaten des friedlichen Atoms auf einer
breiteren Ebene wirken zu lassen. Darüber hinaus stellte der Präsident fest, daß die Vereinigten Staaten zusätzlich zu jenen ersten
5000 Kilogramm Uran-235 weiteren Kernbrennstoff für die Behörde
in Mengen reservieren würden, die der gesamten von anderen Nationen
bis zum 1. Juli 196O bereitgestellten Menge entspricht.
Mit überwältigender Mehrheit hat der Kongreß der Vereinigten
Staaten diese Verpflichtung in Übereinstimmung mit der Ankündigung
des Präsidenten gebilligt. Ich bin nach Wien gekommen, um dieses
Angebot meiner Regierung offiziell zu unterbreiten und Verhandlungen
zur Klärung der Frage einzuleiten, in welcher Weise der Kernbrennstoff Uran-235 der Behörde zur Verfügung gestellt werden soll.
Ich möchte an dieser Stelle von der vorbereiteten Erklärung
abgehen, um noch zu erwähnen, daß als einen weiteren Beweis des
Interesses meines Landes an der Behörde und dem für ihren Sitz
gewählten Ort die Atomenergie-Kommission gegenwärtig ein detailliertes Programm über Unterstützungsmaßnahmen und die Zusammenarbeit
mit ihr ausarbeitet.
Die übliche Erörterung und Billigung durch den Kongreß vorausgesetzt, beabsichtigen wir, der Behörde einen Forschungsreaktor, ein
Isotopenlaboratorium und eine umfassende technisch-wissenschaftliche
Bibliothek über die Möglichkeiten der friedlichen Verwendung der Atomenergie anzubieten.
Insbesondere

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"AMERIKA DIENST"

2. Oktober 1957

Insbesondere sind wir darauf bedacht, nach bestem Können dazu
beizutragen, daß die Anwendung von Radioisotopen auf medizinischem
Gebiet gerade hier in dieser berühmten Stadt, die so lange Zeit eine
Hochburg der medizinischen Forschung und ärztlichen Kunst gewesen
ist, einen möglichst hohen Stand erreicht.
Das Volk der Vereinigten Staaten ist überzeugt, daß die internationale Behörde an ihrem Hauptsitz hier in Wien zu einem Zentrum
für die Verbreitung der Erkenntnisse der Kernwissenschaft und der
nuklearen Technik im Dienste des Friedens werden kann. Der Friede
ist das große Ziel, dem sich der Präsident und das Volk der Vereinigten Staaten verschrieben haben. In aller Demut glauben wir, daß die
materiellen Segnungen, deren wir uns erfreuen, uns zuteil wurden, damit wir sie zur Förderung des Friedens für die gesamte Menschheit
nutzen.

* * * * *

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�Aber wir suchen mehr als das, Herr Vorsitzender. Wir bemühen
uns darum, durch ein sicheres Abrüstungsprogramm eine Welt aufzubauen, in der alle Nationen - die großen wie die kleinen - von der
Gefahr eines Krieges und Überraschungsangriffes befreit sein werden
und sich vertrauensvoll den Aufgaben des Friedens zuwenden können.
Jede Nation, Herr Vorsitzender, versteht, wie entscheidend
wichtig dies in unserer so gefährlichen Zeit ist.
Wir haben dieses Ziel bei all unserer Arbeit auf dem Gebiet
der Abrüstung - auch bei den Konferenzen des Abrüstungsunterausschusses in London in diesem Jahr - stets im Auge gehabt. Die
Arbeit des Unterausschusses in den fünfeinhalb Monaten hat etwas
Wertvolles erbracht, obgleich er sich in einer Atmosphäre der
Enttäuschung vertagte. Während der 71 Sitzungen wurden Fortschritte bei der Annäherung der gegensätzlichen Meinungen erzielt und
der Welt neue Vorschläge von größter Bedeutung vorgelegt. Sowohl
der Außenminister Großbritanniens wie auch der Außenminister der

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16. Oktober 1957

der Vereinigten Staaten nahmen persönlich an den Konferenzen teil, und
der französische Außenminister kam nach London, um Beratungen zu führen,
die im Zusammenhang mit den Abrüstungsverhandlungen standen. Dies ist
seit Bestehen des Unterausschusses noch nie dagewesen.
Wir haben mit Interesse den Vorschlag des belgischen Delegierten
zur Kenntnis genommen, in dem Maßnahmen zur Unterrichtung und Aufklärung
der Völker der Welt über die Gefahren vorgesehen sind, vor denen wir
vielleicht stehen, falls keine Lösung für das Abrüstungsproblem gefunden
wird. Es ist richtig, daß alle Völker die furchtbaren Tatsachen über die
moderne Kriegführung kennen sollten. Diese Fakten sind der Bevölkerung
meines Landes praktisch durch jedes Informationsmittel nachdrücklich
vor Augen geführt worden. Wir hoffen, daß dies auch in allen anderen
hier vertretenen Ländern der Fall sein möge. Vielleicht wird sich das
kollektive Gewissen der Vereinten Nationen auf diese Weise auf den Fortschritt der Abrüstungsverhandlungen auswirken.
Die Abrüstungsgespräche sind so schwierig, daß man leicht Gefahr
läuft, der Verzweiflung anheimzufallen-* Glücklicherweise haben wir es
jetzt nicht nötig, solche Befürchtungen zu hegen.
Natürlich waren wir enttäuscht - ja, viele waren sogar bestürzt -,
als der sowjetische Vertreter zu den neuen Viermächtevorschlägen vom
?9. August "Nein" sagte, ohne sie auch nur geprüft zu haben. Aber diese
Tatsache ist,worauf immer sie auch sonst hindeuten mag, sicherlich kein
Grund zur Verzweiflung. Ja, die Tatsache, daß uns bisher noch keine
genau formulierte und durchdachte Antwort der Sowjetunion auf diese Vorschläge in ihrer Gesamtheit vorliegt, läßt Raum für weitere Fortschritte
im Verlaufe der gegenwärtigen Sitzung der Vollversammlung.

Die Londoner Verhandlungen
Da hin und wieder Zweifel hinsichtlich des Wertes der Arbeit im
Unterausschuß laut werden, halten es die Vereinigten Staaten für wichtig,
daß die Vollversammlung ein Bild von der in London geleisteten Arbeit
erhält. Die genauen und vollständigen Unterlagen sind verfügbar. Lassen
Sie mich einige der wichtigen Punkte aufzeigen, in denen es dem Unterausschuß gelang, die Meinungsverschiedenheiten zu vermindern, denen wir
uns im vergangenen Jahr in der Vollversammlung gegenübersahen.
Hier sind zunächst einmal einige positive Schritte, die der sowjetische Vertreter während der Sitzungen des Unterausschusses ergriff:
Erstens bekräftigte er, daß er den Gedanken eines begrenzten Abkommens für eine "erste Phase", die verschiedene Aspekte des Abrüstungsproblems umfaßt, akzeptiere, statt darauf zu bestehen, daß sofort ein
Abkommen über ein vollständiges Abrüstungsprogramm erzielt werden muß,
bevor irgendwelche Schritte ergriffen werden.
Zweitens schien er den Wert des Planes für eine Luft- und Bodeninspektion der "Offenen Himmel" als Schutz gegen einen Überraschungsangriff zu erkennen. Er akzeptierte weiter den Gedanken, mit vereinbarten

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vereinbarten Inspektionszonen zu beginnen - obv/ohl diese Zonen noch
genau festgelegt werden müssen.
Drittens schien er zu einem Abkommen für eine erste Phase bereit
zu sein, ohne auf der sowjetischen Forderung nach einer sogenannten
"völligen Abschaffung" der nuklearen Waffen zu bestehen, die, wie er
zugestand, unmöglich zu verifizieren wäre.
Viertens stimmte er zu, daß im Falle einer Aussetzung der Kernwaffenversuche ein Meldesystem geschaffen werden sollte, und zwar mit
Inspektionsposten innerhalb unserer Länder, um die Einhaltung zu überwachen.
Fünftens deutete er an, da£ die Sowjetunion den Gedanken internationaler Abrüstungsdepots zur Einlagerung von Waffen akzeptieren würde.
Dies, Herr Vorsitzender, sind fünf konkrete Punkte, bei denen die
Sowjetunion gegenüber ihrem früheren Standpunkt Fortschritte gemacht hat.
Es ist wohl angebracht, es zu würdigen, daß die Sowjetunion zumindest
in den Anfangsstadien der Besprechungen einen solchen Geist des Entgegenkommens gezeigt hat. Wir glauben, daß die negative Haltung des sowjetischen Delegierten gegen Ende der Besprechungen nicht bedeutet, daß seine
Regierung ihre Politik hinsichtlich dieser anfänglichen Fortschritte geändert hat •
Die übrigen vier Mitglieder des Unterausschusses zeigten einen entsprechenden oder sogar noch größeren Geist des Entgegenkommens. Wir
nahmen in bezug auf unseren Standpunkt verschiedene Änderungen vor, um
den sowjetischen Einwendungen entgegenzukommen. Alle diese Änderungen
sind in dem Viermächte-Arbeitsdokument vom 29» August niedergelegt. Die
wichtigsten neuen Punkte in unseren Vorschlägen sindt
1. Wir kamen überein, über die Erörterungen eines Abkommens, das
lediglich die "erste Phase" betraf, hinauszugehen und schlugen bestimmte
zu erreichende Ziele für eine weitere Reduzierung der bewaffneten Streitkräfte während der zweiten und dritten Phase des Abrüstungsprogramms vor.
2. Als Alternative zu einem vollständigen ersten Inspektionsplan
schlugen wir als Anfang des vorgeschlagenen Inspektionsplans der "Offenen
Himmel" begrenzte Inspektionszonen vor, um es dadurch der Sowjetunion
leichter zu machen, ihre Zustimmung zu geben.
3. Um der zum Ausdruck gebrachten Besorgnis über die bestehenden
Kernwaffenvorräte zu begegnen, spezifizierten wir unseren Vorschlag dahingehend, daß nicht nur die Vermehrung dieser Waffenvorräte eingestellt,
sondern sofort mit ihrer Reduzierung begonnen werden sollte, indem laufend
Mengen von spaltbarem Material aus den militärischen Arsenalen friedlichen
Verwendungszwecken, und zwar unter internationaler Überwachung ^zugewiesen
werden.
4. Wir kamen überein, größere Mengen dieses Materials der friedlichen
Verwendung zuzuführen, als die Sowjets es tun würden. Wir stimmten darin
überein, über diese Mengen auf einer Basis zu verhandeln, die fair und
gerecht ist. Das, Herr Vorsitzender, ist ein Vorschlag von großer Bedeutung.
5. Wir stimmten darin überein, daß die Kernwaffenversuche unmittelbar nach der Ratifizierung des Programms der ersten Abrüstungsphase für
einen Anfangszeitraum ausgesetzt werden können, ohne daß darauf gewartet
werden muß, daß die anderen Teile des Programmes in die Praxis umgesetzt

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umgesetzt sind. Darüber hinaus einigten wir uns, dem von der Sowjetunion
vorgeschlagenen Zeitraum von 24 Monaten zuzustimmen, nachdem die Sowjets
eingewandt hatten, daß die ursprünglichen westlichen Vorschläge für ein
Versuchsmoratorium von 10 Monaten nicht ausreichend genug seien.
Das ist ein überaus wichtiger Punkt, Herr Vorsitzender, und ich
werde im Laufe meiner Erklärung noch auf ihn zurückkommen.
Diese Fortschritte sind wesentlich und beweisen den Wert des Unterausschusses. Er ist ein Gremium, in dem ernsthafte Verhandlungen geführt
werden können und auch geführt wurden. Natürlich ist er nicht vollkommen
gegen die Versuchungen gefeit, reine Propagandapunkte zu sammeln, aber im
Grunde ist wohl niemand dagegen gefeit. Wir geben offen und ehrlich zu,
daß wir - wie wohl der größte Teil_ der Welt - über die a.brupte Änderung
in der sowjetischen Einstellung gegen Ende der Verhandlungen konsterniert
und überrascht waren, und der schwerste Schlag war die abrupte Ablehnung
unserer sehr ernstgemeinten gemeinsamen Vorschläge durch Herrn Sorin,
bevor er oder seine Regierung sie überhaupt geprüft hatten. Diese Maßnahme,
so seltsam sie auch war, bringt jedoch auf keinen Fall den Unterausschuß
in Mißkredit. Der sowjetische Vertreter hat, als er sich Vernunftgründen
noch zugänglicher zeigte, selbst den Beweis geliefert, daß in diesem
Gremium wirklich praktisch verhandelt werden kann. Alles, was nötig ist,
ist ein Geist der Vernunft,
Die Vereinigten Staaten sind nicht der Ansicht, daß die Aussichten
für Fortschritte in der Abrüstungsfrage, wie manche sagen, verbessert
werden können, wenn lediglich die gegenwärtig existierenden Gremien, die
sich mit dieser Frage befassen, erweitert werden. Diesbezügliche Vorschläge sind auf dieser wie auf der letzten Vollversammlung gemacht worden.
Wir sind der Ansicht, daß die Vollversammlung klug entschieden hat,
als sie im Jahre 1955 die Einsetzung eines Unterausschusses der "hauptsächlich beteiligten" Länder anregte. Dieses Prinzip gilt heute noch genauso wie damals. Ein Abrüstungsabkommen kann nur in Verhandlungen
zwischen den Vertragspartnern ausgearbeitet werden, die sich in erster
Linie der Inspektion und Kontrolle zu unterwerfen sowie die Reduzierungen
und Begrenzungen zu akzeptieren haben. Dies ist ein unumgängliches erstes
Erfordernis. Es geht hier um grundlegende Fragen der nationalen Sicherheit. Eine Anpassung muß von und zwischen diesen Mächten erreicht werden.
Dies soll nicht heißen, daß die Abrüstung ausschließlich den "großen
Mächten" vorbehalten ist. Dies ist nicht der Fall. Wenn auch die Länder,
die über Rüstungen verfügen - um in der Sprache der Resolution aus dem
Jahre 1953 zu reden -,"in erster Linie betroffen" sind, so wird doch im
weiteren Sinne die gesamte Welt zutiefst davon berührt. Die Abrüstung
ist für jeden hier vertretenen Staat von großem und berechtigtem Interesse. Alle werden davon berührt, und viele werden sich in irgendeiner Weise
daran beteiligen müssen.
Die Art und Weise, in der die Abrüstungsfrage von den Vereinten
Nationen behandelt wird, spiegelt diesen immer größer werdenden Interessenkreis wider.
Zusätzlich

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Zusätzlich zum Unterausschuß haben wir die Vollversammlung, in
der alle Mitglieder gehört werden und ausreichende Gelegenheit haben, ihre Ansichten zum Ausdruck zu bringen.
Die Vollversammlung selbst hat die Abrüstungskommission mit
ihrer kleineren Mitgliederzahl geschaffen, die sich eingehender mit
den einzelnen Fragen befassen und die Verhandlungen intensiver führen kann. Darüber hinaus hat jederzeit für jeden Mitgliedstaat die
Möglichkeit bestanden, falls er dies wünscht, vor der Abrüstungskommission zu erscheinen und eine Stellungnahme abzugeben - ein Recht,
von dem während des vergangenen Jahres Gebrauch gemacht wurde.
Die Frage der Kernwaffenversuche
Lassen Sie mich nunmehr über das Problem der Kernwaffenversuche
sprechen. Die Vereinigten Staaten glauben, daß eine Lösung dieses
Problems gefunden werden kann.
Unsere Versuche werden aus Verteidigungsgründen weitergeführt.
Wir würden sie nicht durchführen, wenn wir nicht zutiefst überzeugt
wären, daß sie unter den gegenwärtigen Umständen für die Sicherheit
der freien Welt und der Vereinigten Staaten notwendig sind. Die Gefahr eines Krieges wird lediglich zunehmen, wenn zugelassen wird,
daß das Angriffspotential weiterhin das Verteidigungspotential übersteigt .
Es erscheint mir durchaus fair zu sagen, ohne dabei in eine
Diskussion politischer Fragen einzutreten, daß die Regierung der
Vereinigten Staaten nicht nur von dem amerikanischen Volk, sondern
auch von der Bevölkerung zahlreicher anderer freier Länder als der
Garant ihrer Sicherheit gegen einen möglichen militärischen Angriff
betrachtet wird. Wir können dieser uns zugefallenen Verantwortung
nicht gerecht werden, wenn wir nicht so stark sind wie der mögliche
Angreifer. Dies ist der Hauptgrund für alle unsere Vorhaben auf dem
Gebiet der militärischen Verteidigung - und zwar für alle, Herr Vorsitzender, auch die, die Versuche mit nuklearen Waffen einschließen.
Wenn wir auch die Besorgnisse anderer Länder hinsichtlich der
Atomwaffenversuche teilen, so sind wir doch der Ansicht, daß diese
Frage im großen Zusammenhang - einschließlich der Gefahren auf militärischem und technischem Gebiet, denen wir gegenüberstehen - gesehen werden muß. Und in diesem Zusammenhang erscheinen einige Bemerkungen über Atomwaffen angebracht.
1 . Wegen der Besorgnis über die Strahlungsauswirk,ungen der Kernwaffenversuche, so gering diese Vielleicht auch sein mögen, und auch
wegen der Bedeutung, die einer Erkenntnis der Atomstrahlung in dem
Maße,wie die Atomenergie immer stärker für friedliche Zwecke entwickelt wird, zukommt, haben die Vereinigten Staaten vor zwei Jahren
in der Vollversammlung den Vorschlag gemacht, daß ein Ausschuß der
Vereinten Nationen zur Untersuchung der Strahlung geschaffen wird, i
um der Welt über das Problem Bericht zu erstatten. Der Bericht dieses

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dieses Komitees ist im nächsten Jahre fällig. Auf Grund des bisher
bekanntgewordenen und veröffentlichten Materials kann man erwarten,
daß der volle Bericht des Ausschusses auf viele der Befürchtungen
eine Antwort geben wird, die jetzt in bezug auf die von den Kernwaffenversuchen herrührende Strahlung geäußert werden.
Keine schädigenden Umwelteinflüsse oder Wirkungen anderer Substanzen, denen die Menschen ausgesetzt sind, wurden so gründlich untersucht wie die radioaktive Strahlung und die radioaktiven Materialien.
Wenn einzelne führende Autoritäten auf dem Gebiet der Medizin und Genetik auch in ihren Ansichten über die Wirkungen der radioaktiven Ausfällungen geringer Stärke auseinandergehen, so sind doch alle darin
einig, daß diese Effekte im Verhältnis zu den Auswirkungen der aus
anderen Quellen stammenden Strahlung klein sind.
Die Intensität der Strahlungsexposition aus dem radioaktiven
Ausfall nach Waffenversuchen ist außerordentlich niedrig. Sie beträgt nur einen Bruchteil der in der Natur vorhandenen Strahlung,
der der Mensch seit jeher ausgesetzt war und ist weitaus geringer
als die Strahlungsquanten, die wir gewöhnlich freiwillig aus anderen
vom Menschen geschaffenen Strahlenquellen, wie beispielsweise durch
die Röntgenanlagen in der Medizin und Zahnheilkunde, ja durch die
Leuchtziffern unserer Armbanduhren, auf uns nehmen. Die für die Welt
bestehende Gefahr liegt in der möglichen Anwendung der Kernwaffen und
nicht in irgendeiner geringen Vermehrung der natürlichen Umweltstrahlung auf Grund der Waffenversuche.
2. Was selten erkannt wird, ist die Tatsache, daß diese Versuche
es uns ermöglichen, Waffen mit reduziertem Ausfall zu entwickeln, so
daß die Strahlungschäden im Falle von Feindseligkeiten auf militärische
Ziele beschränkt werden können. V/enn daher unser Versuchsprogramm in
dem gegenwärtigen Ausmaß fortgesetzt wird, dann wird die Strahlungsmenge, die in die Atmosphäre gelangt, in den kommenden Jahren geringer 3ein. Ja, wie Außenminister Dulles am 19« September vor der Vollversammlung ausgeführt hat, haben wir, da ein gewisser Prozentsatz
von Radioaktivität in jedem Jahr verschwindet, Grund zu der Hoffnung,
daß in Zukunft alle notwendigen Versuche durchgeführt werden können,
ohne daß dadurch die Mengen an Radioaktivität in der Welt wesentlich
vergrößert werden. Unser Plan, Beobachter der Vereinten Nationen
einzuladen, einer Kernwaffenexplosion beizuwohnen, soll zu einer
praktischen Demonstration des in dieser Hinsicht Erreichten führen.
Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten haben sich mit dieser
Frage lange und ernsthaft beschäftigt. Wir nehmen unsere Verantwortung in bezug auf die Furage der Kernwaffenversuche durchaus nicht
leicht. Vielmehr habe,»' wir, wie die Juristen zu sagen pflegen, in
dieser Frage ein "Übermaß an Vorsicht" gezeigt.
Aber wir gehen noch weiter, Herr Vorsitzender. Wir wissen, welche
Furcht die Menschen vor dieser unbekannten Kraft empfinden. Der
schnellste und augenfälligste Weg, diese Furcht zu überwinden, würde
darin bestehen, die Kernwaffenversuche auf einer gesunden Basis

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Basis auszusetzen. Tatsächlich haben wir zusammen mit unseren britischen, französischen und kanadischen Kollegen in dem Unterausschuß
vorgeschlagen, daß dies auf dem Wege über ein sofortiges Moratorium
geschieht, das in Kraft tritt, sobald ein Vertrag über die ersten
Abrüstungsmaßnahmen existiert»
Wie können die Versuche ausgesetzt werden?
Da allerseits Einigkeit darüber herrscht, daß mit den Kernwaffenversuchen ausgesetzt werden kann, ist die Frage, wie wir das zustandebringen können. Es gibt zwei Möglichkeiten, di'eses Problem anzupacken,, Die eine besteht darin, daß man sich auf diesen Punkt allein
konzentriert und versucht, andere Fragen auf dem Gebiete der Abrüstung zu umgehen, in der Hoffnung, daß durch diesen einen Schritt
das internationale Vertrauen so gestärkt würde, daß andere Maßnahmen
folgen würdenc Wer diese Möglichkeit in Betracht zieht, wird die
folgenden Punkte beachten müssen«
1» Selbst wenn alle Betroffenen sich an dieses Abkommen halten
und alle Versuchsexplosionen unterbunden würden, könnten die Bemühungen, immer mehr Atom- und Wasserstoffbombenvorräte anzulegen, ohne
weiteres fortgesetzt werden»
2, Darüber hinaus würden unter solchen Bedingungen die Anstrengungen, den radioaktiven Ausfall derartiger Waffen zu reduzieren, ebenfalls unterbrochen, so daß folglich die Waffen, die den Vorräten hinzugefügt würden, eine größere Menge radioaktiven Ausfalls enthalten,
als es sonst der Fall wäre.
3. Schließlich könnten weitere Länder - und würden dies wahrscheinlich auch tun - selbst chne Kernwaffenversuche eigene Atomwaffen herstellen und erwerben, wobei sie auf heute bekannte Techniken
zurückgreifen könnten»
Schon diese Punkte, Herr Vorsitzender, genügen, um die volle
Tragweite der Tatsache aufzuzeigen, daß ein getrenntes Vorgehen in
bezug auf das Problem der Kernwaffenversuche nicht den eigentlichen
Sinn der Frage erfaßt» Das Entscheidende hier in dieser Welt voller
Konflikte und Mißtrauen ist die Gefahr eines Krieges und des Masseneinsatzes von Waffen aller Art. Um dieser Gefahr in wirksamer Form
zu begegnen, ist ein mutigeres und umfassenderes Vorgehen unerlässlich»
Es ist eine tragische Wahrheit, daß die Gefahr eines Krieges dem
Verteidiger den gleichen eisernen militärischen Zwang auferlegt wie
einem etwaigen Aggressor»
So wie der Angreifer muß auch der Verteidiger über Waffen verfügen. So wie der Angreifer muß auch der Verteidiger junge Menschen
zum Militärdienst einziehen» So wie der Angreifer muß auch der Verteidiger seiner zivilen Wirtschaft große Mengen wertvoller Rohmaterialien, wie Eisen, Stahl, Aluminium, Kautschuk und Textilien, sowie

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sowie Produktionsstätten, wissenschaftliche Forschungslaboratorien
und große Flächen nutzbaren Landes entziehen.
Wir in den Vereinigten Staaten kennen diese Dinge sehr gut, weil
wir bei der Verteidigung gegen die Aggression in dieser Hinsicht unsere Erfahrungen gesammelt haben.
Glauben Sie mir, Herr Vorsitzender, das amerikanische Volk würde
niemals einer weiteren Belastung unseres nationalen Lebens durch diese
gewaltige Bürde zustimmen, wenn nicht die Gefahr eines großen Krieges
bestünde. Das amerikanische Volk und seine in Freiheit gewählten Vertreter im Kongreß werden nicht müde, uns aufzufordern, irgendeine
Möglichkeit zu finden, durch die wir uns dieser Bürde sicher entledigen können. In der Zwischenzeit erkennt es genau wie andere freie
Völker die Notwendigkeit an, diese Bürde zu tragen, weil es weiß, daß
dies der Preis der Freiheit ist.
Wir würden keine Kernwaffenversuche durchführen, wenn wir es
nicht müßten. Lassen Sie uns die Notwendigkeit der Kernwaffenversuche
beseitigen und gleichzeitig die Versuche unterbrechen. Das heißt,
daß zumindest ein Beginn bei der Beseitigung der Gefahr eines umfassenden Atomkrieges gemacht wird. Und das, Herr Vorsitzender, ist
das A und das 0 der Vorschläge, die die Vereinigten Staaten der Sowjetunion am 29. August in London zusammen mit anderen unterbreitet haben.
Die Londoner Vorschläge
Gestatten Sie mir, daß ich im Augenblick, wo wir der Sowjetunion
unser Angebot erneut vorlegen, kurz den Inhalt der Londoner Vorschläge
resümiere. Diese Vorschläge sind nicht so kompliziert, wie man sie
manchmal hingestellt hat. Ich werde versuchen, sie unter fünf Hauptpunkten in einfachen Worten zusammenzufassen.
1. Atome für den Frieden und nicht für den Krieg. Wir wollen
der Produktion von spaltbarem Material für Waffenzwecke ein Ende
setzen. Wir schlagen vor, daß kein Land künftig weiteres spaltbares
Material für Waffen herstellt und daß alle weitere Produktion von
spaltbarem Material ausschließlich für friedliche Zwecke bestimmt
wird. Dieses Programm würde beginnen, sobald ein Inspektionssystem
existiert, das für seine Durchführung sorgt. Wir schlagen ferner vor,
daß mit der Überführung von spaltbarem Material aus den Waffenarsenalen für friedliche Aufgaben begonnen wird, und zwar wieder unter
internationaler Überwachung. Herr Vorsitzender, das ist die Vision,
die Präsident Eisenhower hier aufzeigte, als er forderte, "daß die
wunderbare Erfindergabe des Menschen nicht zu seiner Vernichtung
gebraucht, sondern seinem Leben geweiht wird." Wir konnten keinen
größeren Schritt für den Frieden tun als diesen. Dies ist der praktische und einzige realistische Weg, zuerst einmal der Entwicklung
zu immer größeren Kernwaffenvorräten Einhalt zu gebieten und sie
dann umzukehren. Wenn wir dieses Problem nicht bald unter Kontrolle
bringen, dann könnte es sich schließlich in dem Maße, in dem mehr
und mehr Staaten die Produktion von Kernwaffen aufnehmen, als völlig
unlösbar &gt;. erweisen.
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2. Aussetzung der Kernwaffenversuche. Dies würde sofort nach
Inkrafttreten eines Vertrages geschehen,und hierauf würde umgehend
die Errichtung eines vereinbarten Meldesysteras mit Inspektionsposten
innerhalb unserer Länder erfolgen.
3. Reduzierung der bewaffneten Streitkräfte und Rüstungen. Zu
diesem unerlässlichen Teil des Abrüstungsproblems haben wir definitive
Vorschläge, und zwar nicht nur für die erste Phase eines Abrüstungsprogramms, sondern auch für die zweite und dritte Phase unterbreitet.
Die von uns für die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten für die
erste Abrüstungsphase vorgeschlagene Begrenzung der Streitkräfte
beträgt 2,5 Millionen Mann; in der zweiten Phase würden wir unter
der Voraussetzung einer zufriedenstellenden Lösung der Probleme,
die die Spannungen auf der Welt verursachen, unsere Truppenstärke
auf 2,1 Millionen Mann reduzieren und dann in der dritten Phase auf
1,7 Millionen Mann.
Was die Rüstungen anbetrifft, so schlagen wir eine praktische
Methode der Reduzierung vor - nämlich die Errichtung von Depots, in
die nach Vereinbarung bestimmte moderne Waffen zu Lande, zur See und in der Luft unter internationaler Überwachung eingelagert würden.
Dieser Plan würde die Notwendigkeit einer Inspektion auf ein Minimum
reduzieren. Wir sind bereit, zu jeder Zeit über die Arten und die
Mengen der Waffen zu verhandeln, die in diese Depots eingelagert werden sollen.
4« Die Verhinderung eines Überraschungsangriffes. Wir fordern
auch weiterhin die Annahme eines Boden- und Luftinspektionssystems
der 'Offenen Himmel', um einen massiven Überraschungsangriff auszuschalten. Unter einem solchen System würde die Furcht vor einem Krieg
vermindert und der Anstoß zu weiteren Rüstungsreduzierungen gegeben
sein. Danach streben wir. Wir sind bereit, auf einer progressiven
Basis mit der Inspektion anzufangen, wobei in Gebieten begonnen würde,
in denen eine Sicherung gegen einen Überraschungsangriff von größter
Wichtigkeit ist. Darüber hinaus haben wir den Vorschlag bekräftigt,
den Präsident Eisenhower ursprünglich im Jahre 1954 in Genf unterbreitet hat. Dieser Vorschlag würde das gesamte Gebiet der Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion umfassen. Unter Zustimmung der betroffenen
Länder sind wir ferner übereingekommen, Kanada sowie wichtige Gebiete
in Europa einzubeziehen. Wir sind weiter bereit, auch solche Gebiete
in der freien Welt einzuschließen, wo Militärstützpunkte vorhanden
sind, vorausgesetzt, daß die betroffenen Länder ebenfalls zustimmen.
Somit haben wir der Sowjetunion beträchtliche Auswahlmöglichkeiten
geboten, um mit diesem entscheidenden Prozeß der Inspektion zum Schutze
vor einem Überraschungsangriff zu beginnen. Wir sind bereit, bescheiden anzufangen und die Ziele später weiter zu stecken.
5. Kontrolle der Weltraumgeschosse. Und schließlich, Herr Vorsitzender, streben wir ein Abkommen an, durch das die jüngste Schöpfung
der Wissenschaft - das Weltraumgeschoß - kontrolliert werden kann.
Ähnlich wie die Atomenergie können diese friedlichen Zwecken dienen oder

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oder aber sie können dazu &gt;benutzt werden, um uns alle zu vernichten.
Wir haben eben erst angefangen, diese Möglichkeiten kennenzulernen,
aber wir wissen bereits, daß die Möglichkeit, daß Weltraumraketen
mit Atomsprengköpfen bestückt werden können, viel zu große Gefahren
in sich birgt, als daß sie ignoriert werden kann.
Herr Vorsitzender, im Jahre 1946, als die Vereinigten Staaten
allein Atomwaffen besaßen, legten sie den Vereinten Nationen einen
Plan vor, der die friedliche Verwendung der neuen und gewaltigen
Kraft der Atomenergie dadurch gewährleisten sollte, daß sie internationaler Kontrolle unterstellt würde. Die Welt weiß, daß ein Jahrzent der Furcht und Not hätte vermieden werden können, wenn dieser
Plan angenommen worden wäre. Wir haben nunmehr eine ähnliche Gelegenheit, die neuen Pioniertaten der Menschen im Weltenraum für den Frieden nutzbar zu machen. Wir dürfen diese Chance nicht verpassen. Wir
haben daher vorgeschlagen, daß ein technischer Ausschuß eingesetzt
wird, der ein Inspektionssystem ausarbeiten soll, das die Nutzung
des Weltraums für ausschließlich friedliche und wissenschaftliche
Zwecke sicherstellt. Im Falle einer allgemeinen Zustimmung zu einer
Fortführung dieser Untersuchung auf multilateraler Basis sind die
Vereinigten Staaten bereit, sich dieser Initiative anzuschließen,
ohne den Abschluß der Verhandlungen über die anderen vier wichtigen
Vorschläge abzuwarten.
Dieses, Herr Vorsitzender, sind die wesentlichen Punkte der
Londoner Vorschläge.
Lassen Sie mich, ehe ich zum Abschluß gelange, klarstellen, daß
wir bereit sind, ohne irgendwelche politischen Bedingungen und ohne
irgendwelche Forderungen nach Erfüllung irgendeiner politischen
Voraussetzung mit der gesamten ersten Phase des Abrüstungsprogrammes
zu beginnen. Dies betrifft alle fünf Hauptpunkte, die ich soeben in
zusammengefaßter Form dargelegt habe. Wir behandeln hier ein Abrüstungsprogramm, mit dessen Durchführung die Vereinigten Staaten und
seine drei anderen Initiatoren unverzüglich zu beginnen bereit sind.
Wir beabsichtigen ferner, daß als allererster Teil dieses
Programmes die Aussetzung der Kernwaffenversuche in die Praxis umgesetzt werden soll. Das für das Waffenversuchsverbot notwendige
Inspektionssystem sollte vor Ende des ersten Jahres des Versuchsmoratoriums zur Durchführung gelangt sein.
Schlußfolgerung
Es gibt wohl keinen Teil in diesem Abkommen, das uns vorschwebt,
der nicht von jedem Land begrüßt werden könnte, das wirklich auf den
Frieden hinarbeitet. Ich habe die Hauptteile eines solchen Abkommens
umrissen - Atomproduktion für den Frieden und nicht für den Krieg}
umgehende Aussetzung der Atombombenversuche; Reduzierung der Truppenstärken und Rüstungen; Beginn einer Inspektion zum Schutze gegen einen
Überraschungsangriff; und ein Beginn auf dem Wege zur Kontrolle der

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der Weltraumgeschosse. Wer kann Einwendungen gegen irgendeinen dieser
Punkte erheben?
Die Frage einer sofortigen Aussetzung der Kernwaffenversuche
liegt heute in der Hand der Sowjetunion. Sie kann eine Einstellung
der Versuche herbeiführen, wenn sie dies will. Sie kann noch mehr
als nur dies tun. Sie kann von der Welt die Furcht vor den unaussprechlich größeren Gefahren eines Überraschungsangriffes und eines
Atomkrieges nehmen, bei dem die fürchterlichsten Waffen eingesetzt
würden, die die Erfindungsgabe der Wissenschaft geschaffen hat.
Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten haben immer sehnlichst
eine Welt herbeigewünscht - und sie tun dies auch heute noch -, in
der sich alle Nationen, einschließlich der Sowjetunion, ohne Gefahr
von außen sicher fühlen können. Wir würden unseren eigenen Zielen
zuwiderhandeln, wenn wir einen Vorschlag machten, der auf die Gefährdung der Sicherheit der Sowjetunion abzielte, da unser Ziel genau
das Gegenteil davon ist. Wir bauen darauf, daß die Sowjetunion uns
dies glaubt. Ohne Frage liegt es im Interesse der Sowjetunion, auch
das Mißtrauen hinsichtlich ihrer eigenen Motive zu beseitigen. Ja,
dies nicht zu tun, hieße, die Welt einem Schicksal zu überlassen,
wie es Präsident Eisenhower 1953 hier vor den Vereinten Nationen beschrieb, als er von den "beiden Atomgiganten" sprach, die sich "in
einer zitternden Welt mißtrauisch beobachten". Wenn sich diese
zitternde Welt in einen Krieg hineinstürzte, dann würden die Bomben,
die dann fielen, weder vor irgendeiner Person noch vor irgendeiner
Ideologie haltmachen.
Nicht nur das amerikanische Volk allein, Herr Vorsitzender,
sondern die Völker der gesamten Welt fordern heute, daß die Sowjetunion die Alternativen abwägt, denen wir alle uns gegenübersehen.
Im besonderen wird diese Forderung von den kleinen Nationen der
Welt erhoben, deren Aussicht, ein friedliches Leben zu führen, nicht
in ihrer eigenen bewaffneten Macht, sondern in ihrer Hoffnung auf
eine geordnete Welt liegt - einer Welt der Offenheit und des Vertrauens, die frei von Furcht vor einem plötzlichen und mit überwältigender Stärke geführten Angriff ist.
Es besteht für uns durchaus kein Grund, daran zu zweifeln, daß
die Sowjetunion ihre Ansicht ändern wird. Zu ihren Gunsten kann gesagt werden, daß wir schon früher erlebt haben, wie sie ihre Ansicht
geändert hat. Sie hat ihre Ansicht in bezug auf die "Atome für den
Frieden" geändert. Sie hat, was die Prüfung des Planes der "Offenen
Himmel".anbetrifft, ihre Ansicht geändert.' Sicher kann sie ihre
Ansicht erneut ändern, wenn ihre Sicherheit und ihr Eigeninteresse
wie auch das unsrige dies so eindeutig fordern.
Im wesentlichenfya"benwir, das heißt Kanada, Frankreich, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, der Sowjetunion folgendes
Angebot gemacht und halten es auch weiterhin aufrecht:
Wir

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Wir werden die Kernwaffenversuche für eine Anfangsperiode aussetzen, die sich auf zwei Jahre belaufen wird, die aber auch weiter
verlängert werden kann, vorausgesetzt, daß die Sowjetunion der Errichtung eines wirksamen Inspektionssystems in der Luft und zu Lande zustimmt; daß sie der Einstellung der Produktion von spaltbarem Material
für Waffenzwecke und der Reduzierung der gegenwärtigen Vorräte zustimmt; daß sie dem Beginn einer Kontrolle der Weltraumgeschosse und
einer Reduzierung der bewaffneten Streitkräfte zustimmt.
Wir bestehen nicht darauf, daß alle diese Dinge auf einmal getan
werden. Ein Abkommen darüber, daß dies in annehmbaren Phasen geschieht,
genügt, um dieses Programm anlaufen zu lassen, und die Aussetzung
der Kernwaffenversuche würde das erste sein.
Herr Vorsitzender, ich schließe mit den Worten: Wir glauben,
daß unsere Einstellung fair und weitblickend ist und daß sie, wenn
sie von dieser Vollversammlung unterstützt wird, dazu beitragen wird,
die Welt auf eine breite Basis des Friedens zu stellen.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./"|6.10.57
VIZEPRÄSIDENT NIXON ZU WELTWIRTSCHAFTSPROBLEMEN

SAN FRANCISCO - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Rede, die der amerikanische Vizepräsident Nixon am 15« Oktober 1957
vor der Internationalen Konferenz über industrielle Entwicklung in San Francisco gehalten hat.

Ich habe die Ehre, Ihnen, den Vertretern von 57 Nationen, die
an dieser historischen Konferenz teilnehmen, die Grüße des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu übermitteln, und als gebürtiger Kalifornier bin ich stolz darauf, daß Sie die Stadt San Francisco, den
Geburtsort der Vereinten Nationen und eines der größten Zentren des
internationalen Handels als Tagungsort ausgewählt haben. Zusammen
mit Ihnen beglückwünsche ich jene, die diese Konferenz planten, dafür, daß es ihnen gelungen ist, das wahrscheinlich hervorragendste
Gremium von Experten auf dem Gebiet der internationalen Investitionen zusammenzubringen, das je zusammengekommen ist.
Vor solch einer erlauchten Versammlung bin ich daher auch nicht
so vermessen zu versuchen, autoritativ über die technischen Dinge zu
sprechen, die Sie, wie ich mir vorstelle, in erster Linie interessieren. Mit Ihrer Erlaubnis werde ich mich daher heute abend mit
einigen Gegenwartsentwicklungen in Washington befassen, die direkt
oder indirekt auf diejenigen Probleme Bezug haben, mit denen Sie
sich hier auseinandersetzen.
Es wird Sie sicherlich nicht überraschen, daß das Hauptgesprächsthema in Washington, genauso wie in San Francisco, Moskau
und den anderen Städten, aus denen Sie kommen, der sowjetische Satellit ist, der jetzt die Erde umkreist.
Lassen Sie uns zuerst darauf eingehen, was der Start dieses
Satelliten in militärischer Hinsicht bedeutet.
Es hat insofern viel leichtfertiges Gerede gegeben,ale behauptet wurde, daß durch dieses Ereignis das militärische Kräfteverhältnis in der Welt von Heute verändert worden sei. Es ist an der Zeit,
daß diese Ansicht korrigiert wird, denn militärisch gesehen ist die
Sowjetunion dadurch heute um nichts stärker als vor dem Start des
Erdsatelliten. Die freie Welt bleibt auch weiterhin militärisch

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16. Oktober 1957

militärisch stärker als die kommunistische. Und wir können jedem
potentiellen Feind entgegentreten und jeden schlagen,der es wagen sollte,
einen Angriff zu starten. Die einzige militärische Bedeutung dieses
Ereignisses liegt darin, daß die Sowjetunion nur das erneut demonstriert hat, was wir schon vorher wußten, nämlich, daß sie die
Fähigkeit entwickelte, eine Rakete über eine große Anzahl Meilen
abzuschießen.
Gleichzeitig könnten wir aber keinen größeren Fehler begehen,
als dieses Ereignis als eine verblüffende Wissenschaft]iche Leistung
abzutun, die von größerer Bedeutung für den Mann im Mond ist als für
die Menschen auf der Erde.
Wir haben eine finstere und rechtzeitige Erinnerung an eine
Wahrheit erhalten, die wir nie übersehen sollten, nämlich, daß die
Sowjetunion eine wissenschaftliche und industrielle Kapazität von
einer beträchtlichen Größenordnung entwickelt hat.
Wenn die freie Welt weiter bestehen soll, dann können wir nicht
auf unseren bisherigen Erfolgen ausruhen oder uns mit unserer gegenwärtigen Position der militärischen Überlegenheit zufrieden geben.
Wir müssen ständig alle Fronten - seien es die militärischen, wirtschaftlichen oder moralischen - weiter vorantreiben, wenn wir die
sehr reale Gefahr beseitigen wollen, die heute allen freien Menschen
überall durch das kommunistische Imperium droht.
Das Auflassen des Satelliten dürfte dann aber nur eine Warnung
für die gerechte Sache der Freiheit ausgelöst haben, wenn wir in
starker und kluger Weise auf die daraus zu ziehenden Folgerungen
reagieren. Lassen Sie uns noch einmal und für alle den Beschluß fassen,
daß die absolute Notwendigkeit, unsere Überlegenheit in der militärischen Stärke aufrechtzuerhalten, immer den Vorrang vor dem verständlichen Wunsch nach Verringerung unserer Steuern haben muß.
Darf ich nun auf die unmittelbare Bedeutung zu sprechen kommen,
die, wie ich glaube, dieses aufregende Ereignis im Hinblick auf die
von dieser Tagung zu erörternden Fragen besitzt. Kein dramatischerer
Blickwinkel hätte sich ergeben können, um sowohl die Kommunisten
als auch die freie Welt an die ständig schrecklicher werdenden Aspekte der modernen Kriegführung zu erinnern. In dem Maße, in dem
diese Hinsicht zunimmt, wird die Wahrscheinlichkeit, daß irgendeine
Nation durch das Beginnen eines Angriffskrieges nationalen Selbstmord begehen wird, geringer.
Aber wenn die furchteinflößende Natur der modernen Waffen ein
Abschreckungsmittel gegen das Zustandekommen eines uneingeschränkten Atomkrieges ist, ist sie mit ebensolcher Gewissheit ein Stimulus
des kalten Krieges. Chruschtschow selbst hat erklärt, daß es die
Kommunisten vorziehen würden, das Ziel der Weltbeherrschung mit
anderen Mitteln als mit militärischen Konflikten zu erreichen. Dies
bedeutet nicht, daß wir die ungeheure militärische Bedrohung ignorieren sollten, die die Macht Rußlands darstellt. Es bedeutet aber,
daß wir auf eine uneingeschränkte kommunistische Wi rtschaftsoffensive

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16. Oktober 1957

Wirtschaftsoffensive vorbereitet sein müssen, die dazu beitragen soll,
die Ergebenheit von Hunderten von Millionen Menschen in der nach keiner
Seite verpflichteten Welt und sogar von solchen in der freien Welt zu
gewinnen.
Der Kreml hat uns in direkter Weise herausgefordert. Er verkündet
vor der ganzen Welt, daß eine Sklavenwirtschaft einer freien Wirtschaft
überlegen sei.
Er verspricht den Entwicklungsländern in der Welt, daß das kommunistische System für sie mehr tun kann als das freie Wirtschaftssystem,
das die wirtschaftliche Basis der freien Welt ist. Und der sichtbare
Erfolg des Satellitenprojekts wird als Beweis für die Überlegenheit des
kommunistischen Systems gehalten.
Soweit es den Durchschnittsbürger betrifft, ist der Erfolg glücklicherweise eindeutig auf unserer und nicht auf der Seite des Kremls«
Der Kontrast zwischen der Rekordprosperität in der Bundesrepublik
Deutschland und die traurige Armut der sowjetisch besetzten Zone ist
wohl der eindeutigste Beweis f4ir die Überlegenheit der freien Gesellschaftsordnung über das kommunistische System bei der Schaffung des
materiellen Wohlstandes, das die Kommunisten so lange als ihre ureigenste Aufgabe beanspruchten.
Wir glauben, daß, auf lange Sicht betrachtet, die freie Wirtschaft
ein Zwangswirtschaftssystem sowohl in der Planung als auch in der
Produktion weit übertreffen wird« Dennoch können wir aber nicht die
Tatsache übersehen, daß ein diktatorischer Staat - wie es auch die
kürzlichen Ereignisse beweisen - durch die Konzentration aller
Kräfte in eine bestimmte Richtung beachtliche, aber zeitlich begrenzte
Erfolge erringen kann.
Und aus diesem Grunde wäre es auch unklug, die Herausforderung zu
unterschätzen, der wir uns auf wirtschaftlichem Gebiet gegenübersehen.
Dies trifft besonders in Anbetracht der Tatsache zu, daß die Kommunisten ihre Hauptanstrengungen auf die Entwicklungsländer in Asien und
Afrika richten. Diese Völker befinden sich gegenwärtig in einer Revolution, zwar keiner politischen, aber einer Weltrevolution der menschlichen Erwartungen - die Anmeldung ihrer Ansprüche auf einen größeren
Anteil an den Gütern der Welt. Der Geist dieser Revolution wurde durch
zwei Worte, Wachstum und Industrialisierung, entflammt, wobei der fast
universelle Glaube dahinter stand, daß die Industrialisierung der
Schlüssel zum Wachstum ist.
Im

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16. Oktober

1957

Im Verlauf dieser Revolution sind das Stahlwalzwerk und das Wasserkraftwerk zu mehr als einer nur wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden. Sie wurden zu Symbolen des Stolzes und der Hoffnung ganzer
Nationen. Und für nachdenkliche Menschen in der ganzen freien Welt
heißt die unausweichliche Frage: Wie können diese Hoffnungen zufriedenstellend erfüllt werden?
Die kommunistische Welt ist bereit zu versprechen, daß sie helfen werde, diese Hoffnungen zu erfüllen. Sie wird dies tun, trotz
ihres eigenen hoffnungslos niedrigen Lebensstandards. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die kommunistischen Führer in ihrem Streben nach
der Weltherrschaft ihrem eigenen Volke jedes Opfer auferlegen. Und
ihr kürzlicher wissenschaftlicher Erfolg zeigt, daß sie, auf kurze
Sicht gesehen, das Können und die Hilfsquellen haben, um zu tun,
was sie für wichtig erachten.
Wir wissen natürlich, daß eine solche Hilfe kurzlebig und trügerisch sein wird. Aber wenn sie dazu beiträgt, die kommunistische
Herrschaft auf ganz Afrika und Asien auszudehnen, dann hat der Kreml
seinen Sieg in der Schlacht um die Welt sichergestellt. Er kann Polizeikräfte einsetzen, um diese Völker in Abhängigkeit zu halten. Er
wird dann ihre ungeheuren Reichtümer an öl, Uran, Kupfer und vielen
anderen Materialien, die für das wirtschaftliche Leben der freien
Welt wichtig sind, kontrollieren. Die westliche Welt wird gezwungen
sein, sich zu ergeben, ohne daß ein Schuß gefallen ist.
Lies ist die wirkliche Bedrohung - zwar nicht so dramatisch
oder großartig wie Sputnik oder die interkontinentale Rakete, aber
meiner Meinung nach auf lange Sicht gesehen gefährlicher. Wir erkühnen uns nicht, die militärische Bedrohung, die diese Ereignisse
darstellen, zu ignorieren, aber es wäre in gleicher Weise unsinnig,
die wirtschaftlichen Waffen zu ignorieren, die gegen uns gerichtet
sind. Die ersteren mögen niemals gebraucht werden; die letzteren
werden bestimmt zur Anwendung gelangen.
Ich bin zuversichtlich, daß wir diese Herausforderung parieren
und abschlagen können, vorausgesetzt, unsere Maßnahmen basieren auf
jenem Grundprinzip, das auch die treibende Kraft dieser Konferenz
ist - die Erkenntnis, daß das private Unternehmertum und nicht der
Staat die produktivste Quelle wirtschaftlichen Fortschritts ist.
Die Privatinitiative, die private Verantwortung und das Privatkapital, die Sie repräsentieren, sind der Motor des wirtschaftlichen
Fortschritts. Die von Ihnen ausgehende Stärkung der Wirtschaftskraft
ist lebenswichtig für die Zukunft der ganzen freien Welt.
Ich sage dies in voller Anerkennung der Tatsache, daß den Regierungsmaßnahmen ein wichtiger Platz zugekommen ist und auch noch
zukommt.
Seit

�"AMERIKA DIENST"

16. Oktober

1957

Im Verlauf dieser Revolution sind das Stahlwalzwerk und das Wasserkraftwerk zu mehr als einer nur wirtschaftlichen Notwendigkeit geworden. Sie wurden zu Symbolen des Stolzes und der Hoffnung ganzer
Nationen. Und für nachdenkliche Menschen in der ganzen freien Welt
heißt die unausweichliche Frage: Wie können diese Hoffnungen zufriedenstellend erfüllt werden?
Die kommunistische Welt ist bereit zu versprechen, daß sie helfen werde, diese Hoffnungen zu erfüllen. Sie wird dies tun, trotz
ihres eigenen hoffnungslos niedrigen Lebensstandards. Es ist eine bekannte Tatsache, daß die kommunistischen Führer in ihrem Streben nach
der Weltherrschaft ihrem eigenen Volke jedes Opfer auferlegen. Und
ihr kürzlicher wissenschaftlicher Erfolg zeigt, daß sie, auf kurze
Sicht gesehen, das Können und die Hilfsquellen haben, um zu tun,
was sie für wichtig erachten.
Wir wissen natürlich, daß eine solche Hilfe kurzlebig und trügerisch sein wird. Aber wenn sie dazu beiträgt, die kommunistische
Herrschaft auf ganz Afrika und Asien auszudehnen, dann hat der Kreml
seinen Sieg in der Schlacht um die Welt sichergestellt. Er kann Polizeikräfte einsetzen, um diese Völker in Abhängigkeit zu halten. Er
wird dann ihre ungeheuren Reichtümer an öl, Uran, Kupfer und vielen
anderen Materialien, die für das wirtschaftliche Leben der freien
Welt wichtig sind, kontrollieren. Die westliche Welt wird gezwungen
sein, sich zu ergeben, ohne daß ein Schuß gefallen ist.
Dies ist die wirkliche Bedrohung - zwar nicht so dramatisch
oder großartig wie Sputnik oder die interkontinentale Rakete, aber
meiner Meinung nach auf lange Sicht gesehen gefährlicher. Wir erkühnen uns nicht, die militärische Bedrohung, die diese Ereignisse
darstellen, zu ignorieren, aber es wäre in gleicher Weise unsinnig,
die wirtschaftlichen Waffen zu ignorieren, die gegen uns gerichtet
sind. Die ersteren mögen niemals gebraucht werden; die letzteren
werden bestimmt zur Anwendung gelangen.
Ich bin zuversichtlich, daß wir diese Herausforderung parieren
und abschlagen können, vorausgesetzt, unsere Maßnahmen basieren auf
jenem Grundprinzip, das auch die treibende Kraft dieser Konferenz
ist - die Erkenntnis, daß das private Unternehmertum und nicht der
Staat die produktivste Quelle wirtschaftlichen Fortschritts ist.
Die Privatinitiative, die private Verantwortung und das Privatkapital, die Sie repräsentieren, sind der Motor des wirtschaftlichen
Fortschritts. Die von Ihnen ausgehende Stärkung der Wirtschaftskraft
ist lebenswichtig für die Zukunft der ganzen freien Welt.
Ich sage dies in voller Anerkennung der Tatsache, daß den Regierungsmaßnahmen ein wichtiger Platz zugekommen ist und auch noch
zukommt.
Seit

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16. Oktober 1957

Seit dem Kriege hat die US-Regierung die bedeutendsten Friedenszeit-Operationen in der staatlichen Finanzierung durchgeführt. Die
Gesamtsumme an Auslandszuschüssen und -krediten beläuft sich in diesem Zeitraum auf fast 60 Mrd. Dollar. Es ist unvermeidbar, daß bei
der Verteilung einer so gewaltigen Summe eine gewisse Vergeudung
der Gelder auftritt. Doch, zieht man Bilanz, so waren sie alles andere als verschwendet. Dieses Geld hat in einer Zeit kostspieliger
Wiederaufrüstung den Lebensstandard geschützt und verbessert. Es
schuf die Grundlage für eine ungeheure Ausweitung unseres Handels
in einer Zeit, da die Märkte durch kommunistische Gewaltaktionen
aus ihrem traditionellen Gefüge gesprengt worden sind; und es hat
dazu beigetragen, die freie Welt zusammenzuhalten, als die Kommunisten ihr Bestes taten, sie aufzuspalten. Es war und ist eine Leistung,auf die die Amerikaner stolz sein können.
Regierungskapital ist jedoch in gewissem Sinne Krisenkapital.
Es wird eine lebenswichtige Rolle zu spielen haben solange die Weltkrise existiert und wo immer es eine Gelegenheit gibt, die freie
Wirtschaft gegen die erbärmlichen Versuchungen des kommunistischen
Handels oder gegen die Drohung kommunistischer Unterwerfung zu stärken. Ich glaube, wir sollten diese Waffe der Regierungsfinanzierungen
so freizügig, wie der Kongreß es uns zubilligt, einsetzen.
Wir müssen jedoch einsehen, daß die Regierungshilfe nicht das
ganze Problem lösen kann, dem wir uns gegenübersehen. Die Investitionssumme, die von kapitalkräftigen Ländern wie den Vereinigten
Staaten in den nächsten Jahren in kapitalarme Länder fließen muß,
muß eher größer als geringer sein. Das Privatkapital ist die einzige
Investitionsquelle, die sich noch weiter entwickeln läßt. Und es
ist deshalb die einzige Quelle, die den Anforderungen gerecht werden
kann.
Die Möglichkeiten der Regierungsmaßnahmen sind begrenzt. Zum
Teil sind es die Grenzen, die der Staatshaushalt setzt. Vor allem
aber ist es die Beschränkung, die unsere Überzeugung uns auferlegt,
wonach das freie Unternehmertum das von uns bevorzugte Medium einer
Hilfeleistung an die jetzt in der Wirtschaftsentwicklung stehenden
Länder darstellt.
In vielen Ländern wird heute die Struktur der Wirtschaftsentwicklung auf ein Jahrhundert im voraus festgelegt. Ist diese Struktur ein Staatsgebilde, dann ist die menschliche Freiheit dabei der
Verlierer. Machtkonzentration ist eines der großen Probleme unserer
Zeit.
Freiheit ist etwas wesentlich Persönliches. Sie wird von unpersönlichen Gruppen nur mit großen Schwierigkeiten ausgeübt. Es ist
lebenswichtig, daß die Struktur der Wirtschaftssysteme in neuentwickelten Ländern soweit wie möglich die menschliche Freiheit fördert
und nicht einschränkt.
Das

�16. Oktober 1957

"AMERIKA DIENST"

Das Privatkapital hat die Verdienste, die dem Regierungskapital
fehlen. Es ist jenes Geld, das, in der Sprache der alten Römer ausgedrückt, nicht stinkt. Die Regierung kann nicht anordnen, daß es in
diesem und nicht in jenem Lande ausgegeben werden soll, und sie kann
keine politischen oder diplomatischen Bedingungen an seine Verwendung
knüpfen.
Es ist mit keiner Ideologie belastet, außer der verständlichen
Erwartung, sicher und gewinnbringend angelegt zu sein. Aber es bringt
etwas anderes mit: Verstand. Die geschickte Handhabung und Imaginationsstärke der privaten Geldwirtschaft sind die beste Sicherheit
dafür, daß in der Tat ein neuer Reichtum geschaffen wird, den beide
Schuldner und Geldgeber anstreben.
Wir bedürfen einer außerordentlichen Zunahme der Investierungen
durch amerikanische und andere Geschäftsleute, die besonders auf
die Wirtschaftsentwicklung der Länder ausgerichtet sind.
Welche Ziele sollte die private Geldwirtschaft in den Vereinigten
Staaten auf diesem Gebiete haben? Im vergangenen Jahre erreichten
die amerikanischen Privatinvestitionen nahezu vier Milliarden Dollar.
Der Betrag erscheint hoch; wenn die Vereinigten Staaten jedoch denselben Prozentsatz ihres Nationaleinkommens im Ausland investieren würden
wie Großbritannien dies im Jahre 1910 tat, dann betrüge die Investierungssumme nicht 4» sondern 30 Mrd. Dollar.
Ich will damit nicht sagen, daß wir, selbst wenn wir es wollten,
die Welt von 1910 wiederherstellen könnten. Aber es ist gewiß nicht
unvernünftig, sich eine Verdoppelung oder Verdreifachung der amerikanischen Auslandsinvestitionen in den nächsten zehn Jahren zum Ziel
zu setzen. Wir können jedoch nicht erwarten, daß sich dies automatisch
vollzieht.
Es gibt verschiedene Schritte, die die Vereinigten Staaten unternehmen könnten, um die Regierungen der Investitionskapital suchenden Länder und die amerikanischen Geschäftsleute im Ausland in die Lage
zu versetzen, das von der Welt benötigte Kapital für Auslandsinvestitionen in erhöhtem Maß bereitzustellen.
Als erstes wollen wir untersuchen, welche Schritte die kapitalschwachen Staaten unternehmen können, um private Investitionen aus
anderen Ländern hereinzuholen. Allem voran müssen sie die Tatsache
begreifen lernen, daß der Kapitalmangel in aller Welt, wie er sich
auch im Steigen der Zinssätze manifestiert, einen scharfen Wettbewerb auf dem Kapitalmarkt ausgelöst hat, der sich auf die für Auslandsinvestitionen verfügbaren Geldmittel auswirkt. Jede Regierung,
die ernsthaft an Investitionskapital aus privaten Quellen interessiert
ist, wird sich notwendigerweise an diesem Wettbewerb beteiligen müssen.
Sie kann Bedingungen festsetzen, die den Zustrom solchen Kapitals auszulösen oder völlig zu unterbinden in der Lage sind, Sie kann ausländisches Kapital wie etwas behandeln, das zwischen Staatsfeind und
notwendigem Übel rangiert, und sie vermag jene Art von Bestimmungen zu
erlassen, auf Grund derer das private Kapital wirklich zu positiven
Leistungen gebracht werden kann.
T
Lassen

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�"AMERIKA DIENST"

16. Oktober 1957

Lassen Sie mich ein Beispiel geben. Was man auch immer von
Premier Nassers Recht zur "Ägyptisierung" des Suezkanals halten
mag - und unsere Regierung hat dieses Recht nicht bestritten -,
so kann man doch nicht leugnen, daß Nasser Ägypten für neue Kapitalinvestitionen weniger anziehend machte als es zuvor war. Umgekehrte Ergebnisse sehen wir im Falle der Niederlande, Nordirlands,
Mexikos oder unseres eigenen unabhängigen Commonwealth von Puerto
Rico, wo die Regierungen jeweils zupackende und wirkungsvolle Maßnahmen ergriffen haben, um ein günstiges Klima für ausländisches
Investitionskapital zu schaffen und damit zu Auslandsinvestitionen
zu ermutigen. Als Ergebnis dieser Maßnahmen erhalten sie heute mehr
ausländisches Kapital als je zuvor.
Die Regierung der Vereinigten Staaten würde nie irgendeinem
anderen Lande einzureden versuchen, welche Politik es gegenüber
Auslandsinvestitionen einschlagen sollte; wer aber als Privatmann
über Kapital verfügt, wird sich, ehe er Geld im Ausland anlegt, erst
über das dortige Investitionsklima unterrichten.
Wir wollen nun untersuchen, was die Regierung der Vereinigten
Staaten tun kann und sollte, um Privatinvestitionen im Ausland zu
fördern. Ich möchte die folgenden Punkte als das allermindeste vorschlagen, was geschehen sollte:
Die Wirtschaftsabteilungen unserer Botschaften bei anderen Ländern sollten eine größere Bedeutung zugesprochencerhalten und sowohl
in ihrer qualitativen als auch quantitativen Besetzung verstärkt
werden. Jede amerikanische Botschaft sollte mit qualifizierten
Kräften ausgestattet werden, die einen ausreichenden Teil ihrer
Zeit und Energie der tatkräftigen Förderung von Bestrebungen widmen,
die zu einer Ermutigung von Auslandsinvestitionen beizutragen geeignet sind.
Sobald sich eine Revision der Steuersätze praktisch durchführen läßt, sollte der Kongreß eine Steuerreform vornehmen, wie
sie der Präsident schon zweimal gefordert hat. Er schlug vor, die
sogenannte 14-Punkte-Vergünstigung *, die Handelsgesellschaften zusteht, die sich innerhalb der westlichen Hemisphäre betätigen, auch
auf Investitionen in anderen Teilen der Welt auszudehnen.
Der Kongreß sollte ferner erwägen, inwieweit sich eine Steuerreform im Sinne der vor einigen Monaten in Großbritannien vorgenommenen Steuerreform auch hier durchführen läßt. Dies würde eine
Stundung von Steuern auf Einkommen und Gewinnen, die ausschließlich
aus dem Ausland herrühren, bis zu dem Zeitpunkt gestatten, bis sie
tatsächlich in Form von Dividenden an die Aktionäre oder an die Stammgesellschaft ausbezahlt werden. Eine solche Regelung würde den in
Übersee tätigen amerikanischen Handelsgesellschaften und Geldgebern

Anmerkung der Redaktion: Bei der 14-Punkte-Vergünstigung handelt es
sich um eine Freigrenze bei der Besteuerung amerikanischer Gesellschaften, die in einer Reihe von Ländern der westlichen Welt tätig
sind. Solchen Firmen kann das Recht zugestanden werden, bei der Ermittlung ihres zu versteuernden Einkommens 14 Prozent abzusetzen.

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"AMERIKA DIENST" .

1957

Geldgebern die gleichen Vorteile bieten, die sich manche von ihnen
zur Zeit durch Errichtung von Zweigunternehmen im Ausland sichern.
Sie würde auf eine sofortige Erhöhung der diesen Gesellschaften für
weitere Auslandsinvestitionen zur Verfügung stehenden Mittel hinauslaufen, und auf lange Sicht würden sowohl der amerikanische Fiskus
als auch die Finanz- und Steuerverwaltungen der anderen Staaten auf
Grund der Steuern aus den erweiterten Investitionen ebenfalls gewinnen.
Wir sollten ferner einen größeren Teil der Finanzmanipulationen
unserer Regierung über private Geldgeber und Unternehmer, sowohl
amerikanische als auch ausländische, abwickeln. Insbesondere könnte
der Kongreß in Zukunft verlangen (und nicht nur, wie bisher, es dulden),
daß mindestens 25% der Devisen, die wir gegenwärtig im Zusammenhang
mit dem landwirtschaftlichen Hilfsprogramm vereinnahmen, für Kredite
an US-Firmen zur Verfügung gestellt werden, die in jenen Ländern tätig
sind.
Der neue, mit 300 Millionen Dollar ausgestattete Entwicklungsfonds sollte so organisiert werden, daß er, was seine Verwaltung und
seine Tätigkeit betrifft, nicht lediglich zu einer farblosen Kopie
entweder der Weltbank oder des Amtes für Internationale Zusammenarbeit (iCA) wird. Regierung und Kongreß waren von dem Gedanken ausgegangen, dieser Fonds werde eine Funktion übernehmen, die völlig neu
ist und die sich klar von jenen unterscheidet, die bereits bestehende
Organe ausüben. Sein Hauptzweck wird es sein, privaten Unternehmen
Geldmittel zugängig zu machen, die die Voraussetzungen für eine
Kreditgewährung durch die Export-Import-Bank nicht erfüllen.
Wir sollten mit Hilfe von internationalen Organisationen wie der
Weltbank die Möglichkeiten zur Schaffung eines privaten Internationalen Fonds für Investitionsgarantien prüfen» Seine Aufgabe wäre es,
die Kapitalgeber von heute und morgen gegen die Risiken der Enteignung., der Entwertung, der Einfrierung von Devisen und ähnlicher Maßnahmen zu schützen.
Da es nun einmal der Handel ist, der das Kapital schafft und
über die Mittel verfügt, die die Welt so dringend benötigt, so
sollten wir das Gesetz über Gegenseitige Handelsabmachungen um mindestens weitere 5 Jahre verlängern, wenn die Frage seiner Erneuerung
in der nächsten Sitzungsperiode des Kongresses zur Debatte stehen wird.
Ein derartiges Verhalten würde das ständige und sich weiter vertiefende Interesse der Vereinigten Staaten a» Welthandel demonstrieren.
Gleichgültig, ob es uns um die Bezahlung für unsere Exporte zu tun
ist, um die Erträge unserer Investitionen oder um die Sicherung der
wirtschaftlich günstigsten Rohstoffquellen - die Vereinigten Staaten
müssen immer mehr importieren. Das Gesetz über Gegenseitige Handelsabmachungen ist die beste Gewähr, daß uns diese Einfuhren auf einer fairen
und jede Diskriminierung vermeidenden Basis zur Verfügung stehen werden.

Aus

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�AMERIKA DIENST"

16. Oktober 1957

Aus dem gleichen Grund sollten wir die Frage unserer Mitgliedschaft
in der Organisation für Gemeinsamen Handel endlich positiv klären. Diese Organisation, die die Vereinigten Staaten mit gründen halfen, ist die
geeignete Stelle, um das bereits geschaffene System der multilateralen
Zollverhandlungen und die Regelungen bezüglich der Wechselseitigkeit
des Handels zu sammeln und zu einem größeren Ganzen zusammenzufassen.
Dies fordert nichts von uns, was wir nicht ohnehin schon tun. Dieser
Organisation nicht beizutreten, wäre ein Akt grober Selbsttäuschung;
ein solches Handeln würde die übrige Welt bezüglich unserer wirklichen
Interessen und unserer Zielsetzungen zu falschen Schlußfolgerungen
veranlassen.
Wir sollten die seit langem schon vom Präsidenten vorgeschlagene
gesetzliche Regelung treffen, die eine Vereinfachung veralteter und
ungerechter Methoden der Wertfestsetzung bei unserem Zollverfahren
gestatten würde..
Soviel über Maßnahmen, die die Regierung treffen könnte. Daneben
bestehen aber auch noch bestimmte Verpflichtungen, die die privaten
Geldgeber auf sich nehmen sollten, wenn sie in den Genuß steigender
Möglichkeiten auf dem Gebiet der Auslandsinvestitionen gelangen wollen.
Sie müssen ihre Tätigkeit vor allem erst einmal auf den ,1m 20.
Jahrhundert entwickelten Grundsatz ausrichten, daß es das erste Ziel
von Auslandsinvestitionen sein müsse, neuen Wohlstand zu schaffen und
nicht ein eben erst in der Entwicklung begriffenes Land auszubeuten.
Im Ausland wirkende Amerikaner sollten eigens für die Aufgabe geschult sein, als Botschafter des guten Willens und nicht nur als sachkundige Fachleute zu fungieren.
Die Ausbildung von Angehörigen anderer Staaten für Aufgaben des
Managements und auch für nachgeordnete verantwortliche Stellen muß
mit größter Vordringlichkeit betrieben werden.
Ich bin keineswegs der Auffassung, daß die von mir hier aufgeführten Vorschläge Anspruch auf Vollständigkeit haben. Die Ausführung
eines solchen Programms aber könnte den notwendigen Impuls für eine
starke Ausweitung der privaten Investitions- und Handelstätigkeit in
allen Teilen der Welt liefern.
An uns liegt es, die Welt von Morgen zu gestalten.
Wir können eine Welt des Friedens mit politischer Freiheit, wirtschaftlichem Wachstum und der endgültigen Verbannung der Armut schaffen.
Es kann aber auch eine Welt des Hasses und des Mißtrauens werden, die
ewig am Rande des Krieges steht.
Es kann eine freie Welt sein oder eine Welt, die von einem Erstarren der Entwicklung oder von totalitären Bestrebungen vergiftet
ist, S-ie kann den Bedarf der Familien und sie kann den Bedarf von
Armeen produzieren.
Die

�16. Oktober 1957

"AMERIKA DIENST"

Die Wahl zwischen diesen beiden möglichen Welten fällt unserer
Generation zu. Ist die Freiheit der Verlierer, so kann ein Jahrhundert
vergehen, ehe sie wieder Besitz des Menschen wird. Wir selbst können
aus Mangel an lebenswichtigen Rohstoffen zugrundegehen, und das, ohne
daß auch nur eine einzige Kriegshandlung stattfindet.
Amerika kann nie und nimmer in völliger Isolation leben. Entweder
marschieren wir gemeinsam mit den anderen freien Völkern in die Zukunft, in eine Welt des Friedens und der Prosperität, oder wir gehen
unter, geraten in Vergessenheit und gelten als Gescheiterte, als ein
Volk, das nicht jenen Weitblick besaß, die Welt so zu sehen, wie sie
ist, oder das nicht den Mut aufbrachte, seine Pflicht zu tun.
Allein die Tatsache, daß diese gegenwärtige Konferenz abgehalten
wird, mag der Welt als ein deutliches Zeichen gelten, daß die Kräfte
der Freiheit jene Stärke, jene Lebenskraft und jene Entschlossenheit
aufweisen, das große Ringen um die Welt zu bestehen.

* * # * *

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�I A M E R I K A

D I E N S T

lllg./30.10.57
DIE ZIVILISATION STEHT AUF DEM SPIELE
Nur internationale Zusammenarbeit gewährleistet allen Menschen größere
Entfaltungsmöglichkeiten

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Rede, die der
amerikanische Physiker und Nobelpreisträger
Dr. Arthur H. Compton am 24. Oktober 1957
anlässlich der Überreichung des ersten Atomfriedenspreises an Prof. Niels Bohr in
Washington gehalten hat.

In Einklang mit der Absicht, die der Schaffung des Preises
"Atome für den Frieden" zugrunde liegt, hat man mich gebeten, über
die weitreichenden Auswirkungen der Energie des Atomkerns für die
Menschheit zu sprechen. Es ist mir eine Freude, dieser Bitte nachzukommen, besonders vor so berühmten und einflußreichen Zuhörern und
in Anwesenheit unseres Ehrengastes, dem diese Frage selbst sehr am
Herzen liegt.
Meine gegenwärtige Hauptsorge ist die Dringlichkeit, die die Verwendung von Kernenergie für eine weltweite Zusammenarbeit im Interesse
der ganzen Menschheit fordert. Um aber eine solche Zusammenarbeit zu
erreichen, müssen wir uns zunächst um die Weiterentwicklung des Menschen selbst kümmern.
In dem Programm "Atome für den Frieden" wird das Schwergewicht
auf die Nützlichkeit der Kernenergie gelegt. Das ist auch richtig so.
Wir verwenden diese Energie in der Form von Strahlung, um Krankheiten
zu diagnostizieren und zu heilen. Wir gebrauchen Isotope als Hilfsmittel in Wissenschaft und Industrie. Dank der inzwischen gemachten bedeutenden Fortschritte können wir bereits jetzt sagen, daß elektrischer Strom au3 dem Kernreaktor einen großen Bedarf des Menschen für
lange Zeit zu decken vermag.
Oder man denke beispielsweise an die Verwendung von Kernstrahlen
in der Heilkunst. Diese Art der Verwendung begann schon mit der Entdeckung der Röntgenstrahlung und des Radiums etwa um die Zeit der
.Jahrhundertwende. Über die Bedeutung dieser Strahlen für Diagnose

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�50. Oktober 1957

"AMERIKA DIENST"

Diagnose und Therapie sind Schätzungen angestellt worden, die zwangsläufig nur annähernd sein konnten. Aber sie zeigten doch, daß durch
die Verwendung dieser Strahlen in der ganzen Welt viele Millionen
Menschenleben gerettet worden sind. Die Zahl ist ungefähr dieselbe
wie die der Opfer der V/eltkriege in diesem Zeitraum. Schon allein
hierdurch hat unsere Beschäftigung mit Atomen und Atomvvrnen vielen,
vielen Männern und Frauen eine bessere Gesundheit und ein vollkommeneres Dasein gegeben.
Aber so wichtig dies auch sein mag, liegt doch hierauf nicht das
Schwergewicht, wenn wir die Kernenergie und die Entfaltung des Menschen
miteinander in Beziehung setzen.
Dor Hauptpunkt ist vielleicht, daß uns Wissenschaft und Technik
völlig neue Kräfte an die Hand gegeben haben. Wir sind uns voll und
ganz bewußt, daß uns diese Kräfte entweder größere Möglichkeiten oder
aber Zerstörung und Tod bringen. In dieser Hinsicht bedeutet die Kernenergie nur ein erregendes Beispiel für die neuen Möglichkeiten, die
die Wissenschaft für uns bereit hält, Möglichkeiten zum Guten oder
zum Bösen in wahrlich bestürzendem Umfang. Und das Ausmaß, in dem die
Wissenschaft den Menschen mit diesen bis dahin unbekannten Kräften
konfrontiert, wächst in einzigartiger Geschwindigkeit an. Darüber hinaus
vervielfacht jede derartige technische Entwicklung die Wirksamkeit
der vorausgegangenen Entwicklungen. Dies ist ein Zustand, der dem
wissenschaftlichen Begriff der dynamischen Instabilität sehr ähnlich
ist. Wir müssen damit rechnen, daß sich infolge neuer technischer Portschritte, die in den verschiedenen Teilen der Welt gemacht werden und
die den Gebrauch der dem Menschen bereits an die Hand gegebenen Macht
noch wirksamer werden lassen, das Kräftegleichgewicht in der Welt ständig verschiebt. Damit steht letzten Endes auch die Zivilisation seibat
auf dem Spiel.
Vollauf beschäftigt mit der unmittelbar vor uns liegenden Aufgabe,
den Frieden zu erhalten, dürfen wir doch nicht versäumen, auch die
Zukunft im Auge zu behalten. Wohl dürfen wir für eine begrenzte Zeit
hoffen, durch die Aufrechterhaltung einer starken und zuverlässigen
Verteidigung den Krieg zu verhindern. Und zu keiner Zeit war eine
wachsame Verteidigung notwendiger denn heute. Um aber souveränen Nationen Stabilität zu bringen, gibt es nur einen Weg. Sie müssen durch
ein menschliches Ziel geeint werden, das ihrer Stärke ebenbürtig ist.
Es gibt keine andere Hoffnung, zu einem dauerhaften Frieden zu gelangen.
Wenn die Menschheit blühen soll, ja wenn die Zivilisation überhaupt
erhalten bleiben soll, ist es notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, die
gewährleisten, daß die neuen Kräfte in unserer Hand nicht für Zwecke
der Zerstörung gebraucht werden. Wir müssen sie dafür einsetzen, daß
sie dem Menschen helfen, sich ständig weiter zu entwickeln. Die Zeit
ist da, in der wir gewiß sein müssen, daß die Kräfte der Technik zum
Wohl der Menschen gebraucht werden. Jeder Tag, den wir zögern, bedeutet einen erfaßbaren, bedeutsamen Verlust in den Möglichkeiten der
Menschheit, zu überleben.

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�"AMERIKA DIENST"

30. Oktober 1957

Ich übertreibe nicht. Den Ernst der Gefahren und die Größe der
entsprechenden Möglichkeiten haben alle erkannt, die sich ir.it der in
der Wandlung begriffenen Situation befassen, in der sich die Menschheit befindet.
Was ist zu tun, daß diese neue Stärke des Menschen für den Aufbau,
nicht für die Zerstörung unserer Zivilisation gebraucht wird? Dies ist
eine Frage, die alles andere überragt.
Lassen Sie mich noch einmal darauf hinweisen: Wenn an die Stelle
der Feindschaft Zusammenarbeit unter den Nationen treten soll, dann wird
dies jedoch nur möglich sein, wenn sie sich über ein gemeinsames Ziel,
das die volle Unterstützung der Völker zu finden vermag, einigen können.
Es kann kein Ziel sein, das die Interessen der einen Nation höher wertet
als die d£r anderen. Um von allen Nationen gutgeheißen zu werden, muß
es auf die Bedürfnisse und Nöte aller Menschen Bezug haben.
Es gibt ein solches Ziel, das sich während der vergangenen fünfzig
Jahre in der ganzen Welt als eine Hoffnung in die Herzen der Menschen
eingegraben hat. In den Vereinigten Staaten kannten wir diese Hoffnung
schon, noch ehe wir überhaupt ein Volk im politischen Sinne waren.
Wir nennen sie "den amerikanischen Traum". Wir träumen von einer Welt,
in der sich jeder Mann und jede Frau zu ihrer vollen Persönlichkeit
im besten Sinne des Wortes entfalten können und danach gewertet werden,
was sie tun, um anderen zu helfen, dieser Chance teilhaftig zu werden.
Vor einigen Jahren zeigte ich Madame Pandit eine Beschreibung dieses
Traumes, wie sie der Historiker James Truslow Adams einmal gegeben hat.
"Sie nennen das den amerikanischen Traum", rief sie aus, "es ist der
Traum der ganzen Welt geworden!".
Wir wollen nun einmal die Antwort auf unsere zentrale Frage untersuchen, die dieser Traum uns nahelegt. Präzise formuliert lautet diese
Antwort: Jede Nation hätte sich zu folgendem Prinzip, das ihrer ganzen Politik zugrunde liegen müßte, zu bekennen - nämlich alles in ihrer Macht Stehende zu tun, jedermann unter ihrer Rechtshoheit den Weg
dafür zu öffnen, daß er sich zu seiner vollen Persönlichkeit entfalten
kann, und mit Nationen zusammenzuarbeiten, die dieses Prinzip ebenfalls
vertreten und sich daran halten, indem sie sich gegenseitig dabei
helfen, ihren Völkern solche Chancen zu eröffnen.
Im Einklang mit diesem Grundsatz würde jedes Land, das diese
Verpflichtung auf sich nimmt, sein eigenes Vorgehen so gestalten, daß
er den Maßnahmen der anderen, zur Zusammenarbeit bereiten Staaten, die
diese im Interessse ihres eigenen Volkes treffen, nicht zuwiderläuft.
Jedes Land würde im voraus Verhandlungen anknüpfen, noch ehe es irgendwelche Schritte unternimmt, die sich abträglich auf die Pläne anderer
teilnehmender Länder auswirken könnten. Es würde vielmehr gemeinsam
mit anderen solchen Ländern jede Bedrohung abwehren, die sich gegen
irgendwelche Maßnahmen eines der Länder erheben könnte, die dieses
im Innern im Interesse seiner eigenen Bürger trifft.
Zweck

�"AMERIKA DIENST

30. Oktober 1957

Zweck dieses Vorschlages ist es, darauf hinzuwirken, daß die
Kraftreserven der Welt mit dem Ziel eingesetzt werden, alle Menschen
in die Lage zu versetzen, sich zu verantwortungsbewußten Bürgern
ihres Landes zu entwickeln. Jedes Land, das an einer diesbezüglichen
Zusammenarbeit teilnimmt, würde sein souveränes Recht behalten,
selbBt den Weg zu wählen, auf dem es seinen Bürgern vermehrte Entfaltungsmöglichkeiten verschaffen will. Jedes Volk kann auf die Hilfe
der anderen rechnen, wenn es darum geht, solche Entfaltungsmöglichkeiten zu schaffen und gegebenenfalls zu verteidigen.
Kann eine Regierung, deren vordringlichste Aufgabe es ist, die
Sicherheit und das Wohlergehen ihrer Bürger zu gewährleisten, nun aber
eine Politik gutheißen, die soviel Altruismus beinhaltet?
Bei einer Erwiderung hierauf werden wir zu der Feststellung gelangen, daß die Sicherheit und die Wohlfahrt jedes Landes die Zusicherung der Zusammenarbeit seitens anderer Staaten voraussetzt. Nur
bei einer so weitreichenden Zielsetzung, wie sie die Eröffnung des
Weges zu größerer Entfaltung für alle Menschen darstellt, kann ein
Land darauf rechnen, daß es andere freie Länder zur Zusammenarbeit zu
gewinnen vermag. Bei einer Annahme dieser Zielsetzung als der Alternative zur nationalen Machterweiterung wären die Sicherheit und die
Wohlfahrt der Bürger eines Landes in dem angesichts der gegenwärtigen
Weltlage höchstmöglichen Maße gewährleistet.
Daß eine solche Politik tatkräftige Unterstützung erfahren würde,
darf als sicher gelten. Die führenden Männer jedes Volkes müssen einsehen lernen, daß ein Staat nur dann seine Stärke voll entfalten kann,
wenn der Gesundheitszustand seiner Bürger besser ist als heute, wenn
diese zu einem tieferen Verständnis der Zusammenhänge durchgedrungen
sind und wenn sie sich mit ganzem Herzen für die Zielsetzungen des
Staates einsetzen. Eine solche Entfaltung ist aber nur durch die Zusammenarbeit sowohl auf internationaler als auch nationaler Ebene zu
erreichen.
Jede Organisation, von der sich Menschen einen Ansporn erwarten.,, muß
danach trachten, daß jedem einzelnen der Weg zu einem sinnvollen Leben
offensteht. Ob man sich in erster Linie seinem ewigen Gott, der Rechtschaffenheit im Umgang mit seinen Mitmenschen oder seinem Regierungssystem verpflichtet fühlt, den höchsten Ausdruck findet diese Bindung
in der Hebung des Gesundheitszustandes und in der Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit. Die Verbundenheit mit solchen hohen humanitären
Idealen ist genau das, was der Mensch braucht, um ihn zu höchsten Leistungen anzuspornen und seinem Leben einen tieferen Sinn zu geben.
Die Gesellschaft geht in zunehmendem Maße dazu über, die Verdienste
jener zu belobigen, die der Menschheit neue Möglichkeiten eröffnen, von
denen alle profitieren können. Der Atomfriedenspreis, der heute zum
ersten Mal verliehen wird, ist ein Beispiel für diese Bereitschaft zur
öffentlichen Auszeichnung. Wirtschaftliche Notwendigkeiten und die
öffentliche Meinung fördern jeden Schritt, der geeignet scheint,
Männern und Frauen größere Entwicklungsmöglichkeiten im Menschlichen zu
verschaffen.
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"AMERIKA DIENST"

30. Oktober 1957

Im Herbst 1945 verabredete sich Niels Bohr auf einer Reise nach
Washington mit mir zu einer Aussprache. Ein halbes Jahr vorher hatten
wir in Los Alamos stundenlang das Problem diskutiert, inwieweit der
Einsatz der Atombombe, die eben fertiggestellt, aber noch nicht erprobt
worden war, zur Schaffung eines harmonischen und dauernden Friedens
beitragen könne . Im Anschluß an diese Gespräche beschäftigte ihn eine
große Frage. "Ist es den Vereinigten Staaten nicht möglich" ,''so führte
er aus, "eine große moralische Tat zu vollbringen, die der Welt neue
Hoffnung einzuflößen vermag?" Ich schlug ein Vorgehen vor, das dem
vergleichbar war, was später der Marshallplan bringen sollte, nämlich
eine Wirtschaftshilfe an die hilfsbedürftigen Länder. "Gut", entgegnete er, "aber das ist nicht der grundlegende Schritt, der notwendig
ist." Wir versäumten es in unserem Gespräch, genau festzulegen, welche
moralische Tat unseres Landes jenen Effekt zeitigen könnte, den Bohr
im Sinne hatte. Vielleicht war damals einfach die Zeit noch nicht reif
dafür.
Die Erfahrungen des letzten Jahrzehnts haben uns die Augen geöffnet.
Der Traum Amerikas ist inzwischen zum Traum der ganzen Welt geworden.
Dieser Traum muß nunmehr zum gemeinsamen und für alle bindenden Traum
der Menschheit werden.
Das Zeitalter der Kernenergie, das vor 15 Jahren begann, ist die
Frucht einer internationalen Zusammenarbeit bisher nie dagewesenen
Ausmaßes. Die Männer und Frauen, deren Anstrengungen dieses Zeitalter
herbeiführten, und insbesondere die Wissenschaftler unter ihnen, waren
von der Hoffnung erfüllt, daß die neuerschlossene Energiequelle das
Leben der gesamten Menschheit bereichern werde. Der Atomfriedenspreis
ist ein Symbol dafür, daß unser Volk diese Hoffnung teilt und sich
für ihre Verwirklichung einsetzt. Niels Bohr, den wir heute hier ehren,
hat Amerika aufgefordert, die Welt in einem anderen großen und wagemutigen Unternehmen der Zusammenarbeit anzuführen. Dieses wagemutige
Unternehmen besteht darin, die vereinigten Anstrengungen der .Völker
in den Dienst der Entfaltung der menschlichen Persönlichkeit zu stellen.
Wenn wir den ernsthaften Versuch unternehmen, die Anstrengungen unseres
Volkes in erster Linie auf dieses Ziel zu lenken und wenn wir die
Welt auf diese Weise dazu bewegen könnten, die Kräfte der Wissenschaft
und der Technik voll auszuschöpfen, dann würden die Hoffnungen, die
die Erschließung der Kernenergie geweckt hat, reiche Früchte tragen.
So wollen wir, die Vereinigten Staaten von Amerika, uns kühn zu
dem Grundsatz bekennen, daß das, was wir seit langem schon als kostbaren Traum in unseren Herzen hegen, fortan den Grundstein unserer
nationalen Politik bilden solle. Wir wollen alle Völker auffordern,
sich gemeinsam mit uns dieser Politik zu verpflichten, auf daß die
Welt als ein Ganzes darauf hinarbeiten möge, jedem Manne und jeder
Frau die Chance einzuräumen, sich im Menschlichen zur höchstmöglichen
Stufe emporzuentwickeln. Wir wollen diese unsere Politik in der Weise
in die Praxis umsetzen, daß wir allen Staaten, die diese Verpflichtung
gleichfalls auf sich nehmen, die Zusicherung geben, fortan alle von
uns vorgesehenen Schritte von internationaler Bedeutung gemeinsam mit
ihnen zu beraten und mit ihnen in dem Bemühen zusammenzuarbeiten, ihren

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�"AMERIKA DIENST"

30. Oktober 1957

ihren Völkern und unserem eigenen Volke die Voraussetzungen für eine
gesunde Weiterentwicklung zu schaffen.
Bei einem solch beispielgebenden Vorgehen inmitten unserer von
Unruhe erfüllten Welt können wir vertrauend auf eine starke Gefolgschaft
hoffen. Wir dürfen auch hoffen, daß unsere ersten diesbezüglichen
Schritte zu einer Zusammenarbeit auf noch weit breiterex' Basis anregen.
Wir dürfen die berechtigte Erwartung hegen, daß der derzeitige Antagonismus allmählich dem gegenseitigen Vertrauen weichen wird und daß der
Friede, der sich auf Harmonie gründet, sich über die Welt ausbreiten
wird.
Nein, Wettbewerb und Rivalität werden damit nicht aufhören, sie
werden aber in einem neuen Geist ausgetragen werden. V/irddieser Traum
der Welt erst zur gemeinsamen Zielsetzung, dann werden Menschen und
Völker bestrebt sein, sich gegenseitig in der Förderung des Wertvollen
im Menschen zu übertreffen. Und weil das Leben dann einen neuen Sinn
bekommt, wird auch unsere Zivilisation einen neuen Aufschwung nehmen.
Angesichts der Tatsache, daß wir über Kraftquellen wie die Kernenergie verfügen, besteht die dringende und für den Fortbestand der
Menschheit entscheidende Notwendigkeit, sich hinter diese gemeinsame
Zielsetzung zu stellen. Wenn die Vereinigten Staaten es versäumten,
diese Verpflichtung auf sich zu nehmen und andere Länder gleichfalls
zu ihrer Übernahme aufzufordern, dann bliebe die derzeitige Gefährdung
der Welt weiterhin bestehen. Übernehmen wir diese Führungsaufgabe,
dann erwächst der Welt eine neue Hoffnung, dann wird sie von neuem
Leben erfüllt sein. Sind wir aber nicht bereit, mit gutem Beispiel
voranzugehen, auf wen sollen wir dann blicken?

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�A M E R I K A

D I E N S T

Allg./30.10.57
ABSCHLUSSKOMMUNIQUE DER BRITISCH-AMERIKANISCHEN BESPRECHUNGEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut des Abschlußkommuniques,
das Präsident Eisenhower und der britische Premierminister Macmillan zum Abschluß ihrer dreitägigen Gespräche in Washington am 25. Oktober
1957 veröffentlichten und in dem mit Nachdruck
die gemeinsame Absicht der USA und Großbritanniens zum Ausdruck gebracht wiijd, die zur Verteidigung der Freiheit notwendige Stärke aufrechtzuerhalten.

"Der Präsident der Vereinigten Staaten und der Premierminister
Großbritanniens haben zum Abschluß ihrer dreitägigen Gespräche, bei
denen sie von dem amerikanischen Außenminister und dem britischen
Außenminister sowie anderen Beratern unterstützt wurden, die Folgende Erklärung veröffentlicht:
Wir sind als vertraute, langjährige Freunde zusammengekommen,
die an der Spitze der Regierungex ihrer jeweiligen Länder stehen.
Diese beiden Staaten sind durch enge und geschichtliche Bande verbunden, wie auch jedes unserer Länder zu anderen freien Nationen
enge und unlösliche Bindungen hat. In der Erkenntnis, daß nur durch
die Schaffung eines gerechten Friedens die tiefsten Hoffnungen und
Wünsche freier Menschen verwirklicht werden können, war der unsere
Überlegungen bestimmende Leitgedanke die Entschlossenheit, die moralische, geistige und materielle Stärke unserer beiden Länder in
der besten V/eise einzusetzen, um unseren vollen Anteil bei der Durchführung jener Aufgaben zu leisten, durch die sicherer und schneller
Bedingungen geschaffen werden, unter denen der Frieden gedeihen kann.
Eine dieser Aufgaben besteht darin, der freien Welt eine ausreichende
Sicherheit zu bieten.
Die freien Nationen besitzen große Aktiva, sowohl materiell als
auch moralisch. Diese sind zusammengefaßt viel größer als jene der
kommunistischen Welt. Wir übersehen nicht die Tatsache, daß die
sowjetischen Machthaber durch die Konzentration auf bestimmte Entwicklungen und wissenschaftliche Aufgaben und dadurch, daß.sie ihre

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30. Oktober 1957

ihre Völker zu diesen Anstrengungen zwingen, beachtliche materielle
Erfolge erzielen können. Der Despotismus war oft in der Lage, aufsehenerregende Werke zu schaffen. Aber der Preis ist immer hoch gewesen,
denn alle Völker sehnen sich nach geistiger und wirtschaftlicher Freiheit, um so mehr, wenn sie in ihrer Knechtschaft andere das Glück der
Freiheit genießen sehen. Selbst Despoten sind gezwungen, ein Wachstum
der Freiheit in einem evolutionären Prozeß zu erlaulen^ 'der es wird
zur gegebenen Zeit eine heftige Revolution geben. Dxöoer Grundsatz
ist in seinem Ablauf unausweichlich. Dies hat sich selbst schon im
sowjetischen Machtbereich bemerkbar gemacht. Wenn die freien Nationen
standhaft bleiben und wenn sie ihre Hilfsquellen in harmonischer Zusammenarbeit ausschöpfen, dann wird die totalitäre Bedrohung, der sie
heute gegenüberstehen, bald nachlassen.
Damit jedoch die Freiheit gesichert sein möge und sie ihre guten
Früchte zeitigen kann, ist es als erstes notwendig, daß die kollektive
militärische Stärke der freien Nationen ausreicht, um der gegen sie
gerichteten Bedrohung entgegentreten zu können. Gleichzeitig muß das
Gesamtvolumen der militärischen Ausgaben der freien Welt innerhalb
von Grenzen gehalten werden, die mit der Freiheit des einzelnen vereinbar sind. Andernfalls laufen wir Gefahr, gerade die Freiheiten
zu verlieren, die wir verteidigen wollen.
Diese Gedanken waren das zentrale Thema unserer Gespräche,
an denen zum Teil der Generalsekretär der NATO, M. Spaak, teilnahm.
Unter Zugrundelegung dieser Gedanken und als ein Beispiel, das
nach unserer Ansicht unter den Nationen der freien Welt Schule machen
kann und sollte, erreichten wir das folgende Übereinkommen:
1) Die Vorkehrungen, die die Länder der freien Welt für die
kollektive Verteidigung und die gemeinsame Unterstützung getroffen
haben, basieren auf der Erkenntnis, daß die Konzeption der nationalen
Autarkie überholt ist. Die Länder der freien Welt sind voneinander
abhängig, und nur in der echten Partnerschaft, durch die Zusammenfassung der Hilfsquellen und durch die gemeinsame Lösung der Aufgaben
auf vielen Gebieten kann es zu Fortschritten kommen und kann Sicherheit
gefunden werden. Wir, für unseren Teil, sind zu der Übereinstimmung
gelangt, daß unsere beiden Länder in Zukunft diesem Grundsatz entsprechend handeln werden-.
2) Unsere Vertreter im Nordatlantikrat werden für ein intensiviertes atlantisches Bemühen auf dem Gebiet der wissenschaftlichen
Forschung und Entwicklung eintreten, in Unterstützung einer größeren
kollektiven Sicherheit und einer Ausweitung der gegenwärtigen Tätigkeit der Expertengruppe, die auf Grund der Entscheidung des Rates vom
Dezember vergangenen Jahres auf diesem Gebiet arbeitet.
3) Der Präsident der Vereinigten Staaten wird den Kongreß um
eine Änderung des Atomenergiegesetzes ersuchen, wie es notwendig
und wünschenswert wäre,' um eine enge und fruchtbare Zusammenarbeit
zwischen Wissenschaftlern und Technikern aus Großbritannien, den

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�"AMERIKA DIENST"

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den Vereinigten Staaten und anderen befreundeten Ländern zu ermöglichen.
4) Die Abrüstungsvorschläge, die von den westlichen Vertretern
im Abrüstungsunterausschuß in London unterbreitet und von allen NATOMitgliedstaaten gebilligt wurden, bilden eine gesunde und faire Grundlage für ein Abkommen, das die Kriegsgefahr und die Rüstungslasten
vermindern würde. Die unbegrenzte Ansammlung von Kernwaffen sowie
die wahllose Verbreitung der Möglichkeiten, diese Waffen herzustellen,
sollten verhindert werden. Eine wirksame und verlässliche Inspektion
muß ein integraler Teil aller Anfangsmaßnahmen zur Kontrolle und Reduzierung der Rüstungen sein.
5) Solange eine solche Abrüstung, wie wir sie anstreben, nicht
zustandegekommen ist, hängt die internationale Sicherheit heute nicht
nur von örtlichen Schutzschilden, sondern davon ab, diese mit der
abschreckenden und vergeltenden Macht der Kernwaffen zu verstärken.
Solange die Drohung des internationalen Kommunismus besteht, müssen
die freien Nationen darauf vorbereitet sein, für ihre eigene Sicherheit
sorgen zu können. Da die Maßnahmen der freien Welt rein defensiver
Natur sind und der Sicherheit vor einer Bedrohung von außen dienen,
kann die Zeitspanne, während der aie durchgeführt werden müssen, nicht
vorausgesehen werden. Die einzelnen Nationen sind nicht in der Lage,
für sich allein ihre Sicherheit voll zu gewährleisten. Hier werden
nur kollektive Maßnahmen ausreichend sein. Diese sollten vorzugsweise
in der Anwendung der Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen
bestehen, die die Schaffung von Streitkräften vorsehen, die zur Verfügung des Sicherheitsrates stehen. Wenn die Sowjetunion jedoch daran
festhält, diese Bestimmungen durch ihr Veto zu annullieren, muß auf
andere Weise ein stärkeres Gefühl der gemeinsamen Sicherheit entwickelt
werden. Der Rahmen dafür ist durch die kollektiven Verteidigungsabmachungen gegeben, die heute, wie dies in der Charta gebilligt wird,
von fast 50 freien Nationen getroffen worden sind. Alle Mitglieder
dieser Gemeinschaft und auch andere freie Nationen, die den Wunsch
danach hegen, sollten mehr über die gesamten Möglichkeiten der Sicherheit wissen, die gegenwärtig bestehen und die ins Auge gefaßt sind.
Weiter sollte in größerem Maße die Gewähr geboten werden, daß diese
Macht im Notfalle für ihre gemeinsame Sicherheit auch wirklich zur
Verfügung steht und daß sie von keiner Nation mißbraucht und zu anderen
Zwecken angewandt werden kann als zur individuellen und kollektiven
Selbstverteidigung, wie dies in der Charta der Vereinten Nationen
gebilligt wird. Wir unsererseits betrachten die Tatsache, daß wir
über die Macht von Kernwaffen verfügen, als eine vertrauensvolle Grundlage für die Verteidigung der freien Welt.
6) Unsere beiden Länder beabsichtigen, diese Gedanken mit allen
ihren Sicherheitspartnern zu erörtern. Soweit die nordatlantische
Allianz betroffen ist, wird die Dezember-Sitzung des Nordatlantikrates in dieser Beziehung vielleicht einen besonderen Charakter erhalten. Dies wurde mit dem Generalsekretär der NATO, M. Spaak, erörtert.

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"AMERIKA DIENST

7) Zusätzlich zum Nordatlantikpakt bilden der südostasiatische
kollektive Verteidigungspakt, der Bagdadpakt sowie andere Sicherheitsabmachungen ein starkes Bollwerk gegen die Aggression in den verschiedenen Vertragsgebieten. Weiter gibt es entscheidend wichtige
Verbindungen von etwas anderem Charakter. Wir haben das Commonwealth,
und in der westlichen Hemisphäre die Organisation der amerikanischen
Staaten. Darüber hinaus wurden einzelne gemeinsame Verteidigungsabkommen getroffen, denen die USA als Partner angehören.
8) Wir sind uns darüber im klaren, daß unsere kollektiven Sicherheitsbemühungen durch kollektive Wirtschaftsmaßnahmen unterstützt und verstärkt werden müssen. Die Gegenwart bietet eine nicht
zu übersehende Gelegenheit zur Verbesserung der Handelsbedingungen
und zur Ausweitung des Handels in der ganzen freien Welt. Es ist
ermutigend, daß Pläne für eine europäische Freihandelszone in Verbindung mit dem gemeinsamen europäischen Markt entwickelt werden.
Wir sind uns klar darüber, daß besonders in den weniger entwickelten
Ländern eine stetige und wesentliche Hebung des Lebensstandards und
der wirtschaftlichen Entwicklung vor sich gehen sollte.
9) Wir beachteten die besonderen Faktoren in dem ideologischen
Kampf, in dem wir gegenwärtig stehen. Insbesondere stimmten wir voll
und ganz überein, daß:
die gegen die Türkei gerichteten sowjetischem Drohungen der
Verpflichtung im Rahmen des Artikel fünf des Nordatlantikpaktes,
einen bewaffneten Angriff gegen einen Mitgliedstaat des Bündnisses
als einen Angriff gegen alle zu betrachten, ernste Bedeutung verleihen)
die Wiedervereinigung Deutschlands durch freie Wahlen dringend
notwendig ist. Auf der Genfer Konferenz des Jahres 1955 stimmten die
Herren Chruschtschow und Bulganin mit uns und unserem französischen
Alliierten darin überein. Die ständige Nichtanerkennung dieser Abmachung
und die dauernde Unterdrückung der Freiheit in Osteuropa untergraben das
internationale Vertrauen und verewigen eine Ungerechtigkeit, eine
Torheit und eine Gefahr.
Der Präsident und der Premierminister sind der Überzeugung, daß
das Einvernehmen, zu dem sie gelangten, in immer stärkerem Maße wirksam wird, wenn es unter den freien Nationen immer weitere Verbreitung
findet. Durch die Koordinierung der Stärke aller freien Völker kann
die Sicherheit gewährleistet werden, die Gefahr des kommunistischen
Despotismus wird in angemessener Zeit gebannt und ein gerechter und
dauerhafter Frieden erreicht sein."

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�AM

E R I K A

D I E N S T

Allg./8.11 .57
EISSNHOWER UNTERBREITET FÜNFPUNKTE-AKTIONSPROGRAMM FÜR
FORSCHUNG UND VERTEIDIGUNG

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den V/ortlaut der am 7« November 1957 über
alle Rundfunk- und Fernsehsender der Vereinigten
Staaten übertragenen Rede des US-Präsidenten
Dwight D. Eisenhower.
"Mein Thema heute abend ist Wissenschaft und nationale Sicherheit.
Ursprünglich sollte diese Rede ein Teil einer Ansprache sein, die
ich kommende Woche in Oklahoma City halten will. Ich stellte jedoch
fest, daß ich dieses Thema in einer Rede nicht erschöpfend behandeln
könnte. So will ich mich heute abend auf die unmittelbarsten Aspekte
der Frage der Beziehungen zwischen der Wissenschaft und der Verteidigung unseres Landes konzentrieren.
Lassen Sie mich klar zum Ausdruck bringen, was ich in dieser Rede
und in den folgenden Ansprachen tun will.
Ich will Ihnen die Tatsachen unterbreiten - die unangenehmen
wie die angenehmen. Einige dieser Tatsachen auf de.ü Gebiet der Sicherheit sind ermutigend, andere nicht - sie stellen nachdrückliche
Forderungen. Einige erfordern, daß wir entschlossen in der Richtung
weiterarbeiten, in der ein guter Anfang gemacht wurde. Andere erfordern neue Maßnahmen und wieder andere ein ganz neues Ausmaß an Anstrengungen. Nachdem ich Ihnen diese Tatsachen und Erfordernisse
dargelegt habe, werde ich ein Aktionsprogramm unterbreiten - ein Programm, das die energische Unterstützung nicht nur der Regierung, sondern jedes Amerikaners erfordert, wenn wir es erfolgreich gestalten
wollen.
Zunächst einige Fakten über den gegenwärtigen Stand unserer Sicherheit. Er zeugt von großer Stärke, aber mit dieser Gewißheit sollten wir
uns auf keinen Fall zufriedengeben. Unsere Verteidigungskräfte müssen
nicht nur heute, sondern auch morgen und in allen kommenden Jahren
ausreichend und angemessen sein, bis wir unter dem Schutz und der
Sicherheit dieser Verteidigungskräfte einen dauerhaften und gerechten

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�8. November 1957

"AMERIKA DIENST

gerechten Frieden für die gesamte Welt erreicht haben.
Die Vereinigten Staaten sind heute
heute - und schon seit einigen Jahren gischen Vergeltungskräfte über genügend
Kapazität eines jeden anderen Landes so

stark. Unser Land verfügt
hinsichtlich seiner strateMacht, um die kriegerische
gut wie vernichten zu können.

Wir haben diese Position unserer gegenwärtigen Stacke nicht durch
Zufall erreicht. Der Krieg in Korea führte zu einer starken Ausweitung unserer Verteidigungskräfte in Friedenszeiten. Als wir mit einer
Teildemobilisierung dieser Kräfte begannen, nahmen wir gleichzeitig
ein beschleunigtes Modernisierungsprogramm in Angriff.
Als ersten Schritt begannen wir gleich nach dem Waffenstillstand
in Korea mit wissenschaftlichen Untersuchungen. Das Ergebnis dieser
Maßnahme war die Entscheidung, unserer Verteidigung ein neues Gesicht zu geben, wobei wir uns - um eine größere Wirksamkeit zu erreichen - mehr auf die moderne Wissenschaft und weniger auf die rein
zahlenmäßige Stärke unserer Streitkräfte stützten.
In den darauffolgenden Jahren führten wir ein umfassendes Programm mit dem Ziel durch, alle Einheiten unserer Verteidigungskräfte
auf die Möglichkeiten der modernen Technik hin auszurichten. Ferner
stellten wir große Mittel für die Forschung und die Entwicklung der
Verteidigung zur Verfügung, die sich gegenwärtig insgesamt auf über
fünf Milliarden Dollar jährlich belaufen.
Später konzentrierten sich unsere wissenschaftlichen Untersuchungen mit Nachdruck auf die ferngelenkten ballistischen Geschosse.
Die Entwicklung auf diesem Gebiet läuft seit mehr als zwei Jahren
auf Hochtouren. Wir haben seither mehr als eine Milliarde Dollar
jährlich allein für diesen Zweck ausgegeben.
Bevor ich mich nun einer Erörterung der Dinge zuwende, die dringend getan werden müssen, möchte ich Ihnen einige Beispiele dafür
geben, was in den letzten Jahren seitens unserer Streitkräfte, unserer Wissenschaftler und unserer Techniker geleistet worden ist,
um die modernen wissenschaftlichen Erkenntnisse und Entdeckungen
in den Dienst unserer Verteidigung zu stellen.
Im Rahmen der Vielfalt unserer Raketen haben wir Waffen für
jede Entfernung, jede Art des Abschusses und der Verwendung entwickelt. Wir haben gegenwärtig 38 verschiedene Typen, die entweder
fertiggestellt oder in der Entwicklung sind.
Alle Kriegsschiffe unserer Marine, die seit 1955 gebaut wurden,
verfügen anstelle der Geschütze - oder zusätzlich zu den Geschützen über ferngelenkte Geschosse. Unsere Marine hat in beiden Ozeanen Unterseeboote, die auftauchen, in wenigen Minuten eine Rakete mit
einem Atomsprengkopf abschießen und sofort wieder untertauchen können,
während die Rakete zu einem Hunderte von Meilen entfernten Ziel gesteuert wird.
Unsere

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�"AMERIKA DIENST"

8. November 1957

Unsere Marine besitzt Atomwasserbomben. Seit dem Krieg in Korea
sind die Flugabwehrgeschütze der Armee und der Marine weitgehend durch
Boden-Lufti-Raketen ersetzt worden. Alle neuen Zerstörerflugzeuge sind
mit Luftkampfraketen ausgerüstet.
Viele der traditionellen Funktionen der Artillerie und der
Beobachtungsflugzeuge sind auf lenkbare Raketen übertragen worden.
So haben wir beispielsweise in den verschiedenen Entfernungsbereichen
Hunderte von Raketen vom Typ Matador, Honest John und Corporal fertiggestellt. Um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, was dies in bezug
auf die Explosivkraft bedeutet: Allein vier mit Raketen vom Typ Corporal ausgerüstete Bataillone entsprechen in der Feuerkraft der gesamten Artillerie, die im zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde.
Einige dieser Raketen haben einen eingebauten Mechanismus, mit
dessen Hilfe sie ein viele Meilen entferntes Ziel selbst ansteuern und
zerstören. So hat erst vor einigen Tagen eine' Rakete vom Typ Bomarc
von sich aus in 45 Meilen (60 Kilometer) Entfernung über dem Meer ein
schnellfliegendes unbemanntes Flugzeug angesteuert und voll getroffen.
Mit Ausnahme einer immer kleiner werdenden Zahl von B-36 gibt
es in den Kampfverbänden unserer Luftstreitkräfte kaum ein Flugzeug,
das noch aus den Jahren des Korea-Konflikts stammt. Der B-52-Düsenbomber mit seinen zugehörigen Düsentankern bildet den Standardtyp
unseres strategischen Luftkommandos, Und um Ihnen wieder zu zeigen,
was dies bedeutet: Eine B-52 kann so viel an Vernichtungsstärke mit
sichf'ihren wie alle Bombenflugzeuge in all den Jahren des zweiten
Weltkrieges zusammengenommen. Aber die B-52 wiederum wird durch die
B-58, einen mit Überschallgeschwindigkeit fliegenden Bomber, ersetzt
werden.
Es sind Atom-U-Boote entwickelt worden. Eines von ihnen fuhr
fast 16 Tage unter Wasser, ohne ein einziges Mal aufzutauchen! ein
anderes kreuzte fünf Tage lang unter der Polareisdecke.
Wir verfügen über eine Anzahl großer Flugzeugträger, die mit
den gewaltigsten Atomwaffen sowie mit Bombern von großer Reichweite,
die diese Atomwaffen zum Einsatz bringen, ausgerüstet sind. Mit dem
Bau eines atomkraftgetriebenen Flugzeugträgers ist begonnen worden.
Seit 1956 haben wir Kernwaffen mit einem radioaktiven Ausfall
entwickelt, der weniger als vier Prozent des Ausfalls früherer großer
Waffen beträgt. Dies ist von offensichtlicher Bedeutung für die Entwicklung atomarer Verteidigungswaffen, die über unserem eigenen Gebiet eingesetzt werden können.
Zahlenmäßig ist unser Vorrat an Kernwaffen so groß und so
rasch zunehmend, daß wir sie ohne Gefährdung unserer Sicherheit auf
Orte verteilen können, die die Gewähr bieten, daß sie im Falle eines
Angriffs sofort zur Verfügung stehen, und dabei können wir noch
starke Reserven halten. Unsere Wissenschaftler haben mir versichert,
daß wir auf dem Gebiet der Kernwaffen den Sowjets sowohl in Quantität

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�'AMERIKA DIENST

8. November

1957

Quantität als auch in Qualität durchaus überlegen sind. Wir beabsichtigen, diesen Vorsprung zu halten.
Wir haben bereits gezeigt, daß wir eine ballistische Rakete sehr
wohl tausend Meilen schießen können, und zwar mit der für eine wirklich
brauchbare militärische "/äffe erforderlichen Präzision. Unsere ballistischen Versuchsraketen haben erfolgreiche Flüge über Entfernungen
bis zu 3500 Meilen (56QO Kilometer) zurückgelegt. '.Vir brauchen eine
interkontinentale Rakete, und wir haben einige dieser Art, die sich in
einem fortgeschrittenen Stadium der Entwicklung befinden. Da wir jedoch über viele vorgeschobene Positionen verfügen, ist für uns eine
Rakete von mittlerer Reichweite für manche Zwecke ebenso gut wie eine
Interkontinentalrakete.
Ein anderer Raketentyp, der sich noch innerhalb der Atmosphäre
biegende Snark, wurde vor kurzem über eine Entfernung von 5000 Heilen (8000 Kilometer) gesteuert und genau ins Ziel gelenkt.
Wir haben drei Raketen bis in eine Höhe zwischen 2000 und 4000
Meilen (3200 und 64OO Kilometer) geschickt und dadurch sehr wertvolle
Informationen über den Weltraum erhalten.
Ein großes Hindernis bei der Herstellung von brauchbaren Fernwaffen ist das Problem, eine Rakete aus dem Weltraum zurückzubringen,
ohne daß sie auf Grund der Reibung mit der Erdatmosphäre wie ein Meteor
verbrennt.
Unsere Wissenschaftler und Techniker haben das Problem gelöst.
Dieser Gegenstand hier in meinem Büro ist eine Versuchsrakete - die
Spitze dieser Rakete. Sie war Hunderte von Meilen im Weltraum und
kam zurück. Hier ist sie, völlig unversehrt.
Ich habe Ihnen diese Erläuterungen - es sind natürlich nur
einige wenige Beispiele für die Leistungen und Erfolge unserer Wissenschaftler - nur gegeben, um aufzuzeigen, daß unsere Stärke nicht
statisch ist, sondern sich im Zuge der technischen Verbesserungen
ständig weiterentwickelt.
Die ballistischen Fernwaffen, wie sie heute vorhanden sind,
heben die Zerstörungs- und Abschreckungskraft unserer strategischen
Luftwaffe nicht auf.
Der Start der sowjetischen Erdsatelliten ist eine Leistung von
größter Bedeutung, und die Wissenschaftler, die sie zustandegebracht
haben, verdienen volle Anerkennung und Würdigung. Schon jetzt sind neue
Erkenntnisse über den Weltraum gesammelt worden und weitere werden
folgen, wenn neue Satelliten mit zusätzlichen Instrumenten aufgelassen
werden.
Die

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"AMERIKA DIENST"

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Die Erdsatelliten selbst haben zur Zeit keine direkte Auswirkung auf die Sicherheit der Nation. Die Auflassung dieser Erdsatelliten ist' jedoch militärisch gesehen wirklich von Bedeutung, worauf ich
bereits früher öffentlich hingewiesen habe. Ihre gegenwärtige militärische Bedeutung liegt in den fortgeschrittenen Techniken sowie dem
hohen Stand der militärischen Technologie, den sie voraussetzen und der
zum Beispiel durch die gewaltigen Antriebseinrichtungen, die bei der
Auflassung notwendigerweise benutzt werden, unter Beweis gestellt
wird.
Die Sowjets konzentrieren sich auch weiterhin in der Hauptsache
auf die Entwicklung von für Kriege bestimmte Waffen und die hierfür
benötigten Industrien. Dies wie auch ihre politische Haltung in allen
internationalen Fragen dient uns als Warnung, daß die expansionistischen Ziele der Sowjets sich nicht geändert haben. Die Welt hat die
sowjetischen militärischen Invasionen in Ländern wie Finnland und
Polen, ihre Unterstützung des Krieges in Korea oder ihre Gewaltanwendung -bei der brutalen Unterdrückung der ungarischen Freiheit nicht
vergessen.
Eine ständige Wachsamkeit und eine verstärkte militärische Macht
der freien Welt, die sich auf unsere zusammengefaßte wirtschaftliche
und geistige Stärke stützt, ist die einzige Antwort auf diese Drohung,
bis die sowjetischen Machthaber von sich aus aufhören, ihre Hilfsquellen für kriegerische und expansionistische Zwecke aufzubrauchen,
und sie statt dessen zum Segen und für das Wohlergehen ihrer eigenen
Völker einsetzen.
Wir räumen ohne weiteres ein, daß die Sowjets Machtmittel aufbauen, die uns - würden wir angegriffen - ernsthaften Schaden zufügen
könnten, weil es wahrscheinlich heute kein Verteidigungssystem gibt,
das so hermetisch abgesichert ist, daß alle Ein- und Durchbrüche
von Flugzeugen und Waffen verhindert werden können.
Um unseren Schutz dagegen zu verstärken, haben wir zusammen mit
Kanada seit vielen Jahren ein kontinentales Verteidigungssystem aufgebaut, das weit vom Pazifik über.den nördlichen Teil unseres Kontinents bis zum Atlantik reicht. Dies ist ein umfassendes System mit
frühzeitigen Radar-Warnungen, Nachrichtenverbindungen, elektronischen
Rechenanlagen, Flugzeugen mit Überschallgeschwindigkeit und BodenLuft-Raketen, einige davon mit Atomsprengköpfen. Dieses System sowie
die in seinem Rahmen verwendeten Ausrüstungen werden ständig verbessert} der Nachdruck, mit dem wir an diesen Verbesserungen arbeiten,
muß verstärkt werden.
Über die Streitkräfte für Vergeltung und Heimatverteidigung
hinaus unterhalten wir und unsere Verbündeten starke Land- und Seestreitkräfte in strategisch wichtigen Gebieten der Welt. Auf der
Stärke und der Einsatzbereitschaft all dieser militärischen Kräfte der Vergeltungs-, Verteidigungs- und lokalen Kräfte -, die zweckmäßig verteilt und ausgerüstet sind, beruht die eigentliche Abschrekkungswirkung, um den Ausbruch eines Krieges zu verhindern. Diese

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Diese Tatsache läßt allen von uns die ungeheure Bedeutung unserer
Verbündeten für unser Land (die USA) klar werden. Sie unterhalten
nicht nur große militärische Streitkräfte als Teil unserer gemeinsamen Sicherheit, sondern sie stellen auch entscheidend wichtige
Stützpunkte und Gebiete zur Verfügung, die die wirksame Gruppierung
aller unserer Verteidigungsstreitkräfte ermöglichen.
Es ist meine feste, durch vertrauenswürdige wissenschaftliche
und militärische Berater untermauerte Überzeugung, daß - mögen die
Sowjets aller Wahrscheinlichkeit nach auch auf einigen Gebieten der
Raketenforschung und sonstigen Spezialgebieten weiter und bei der
Entwicklung von Satelliten offensichtlich im Vorsprung sein - die gesamte militärische Stärke der freien Welt heute entschieden größer
ist als die der kommunistischen Länder.
Wir müssen darauf bedacht sein, daß die Vorteile, die sie auch
immer haben mögen, nur zeitweilige Vorteile sein werden.
Die nächste Frage ist: -Wie steht es mit der Zukunft?
Ich muß Ihnen mit allem Ernst sagen, daß es trotz unserer gegenwärtigen Gesamtstärke sowie des mitreißenden Schwungs unserer Verteidigung durchaus möglich ist, daß wir in den kommenden Jahren zurückfallen könnten. Ich wiederhole: Wir könnten zurückfallen - sofern wir
nicht jetzt bestimmte zwingende Erfordernisse erkennen und ihnen sofort entsprechen.
Ich greife dieses Problem auf, da ich weiß, daß es für jeden
einzelnen Amerikaner über allen etwaigen Gegensätzen, gleichgültig
welcher Art, steht. Es erinnert uns erneut daran, daß wir nicht irgendeiner Partei zugehören, sondern daß wir Amerikaner sind} Wir
werden uns als Amerikaner fest zusammenschließen und mit der Arbeit
fortfahren, die getan werden muß.
Wie meine wissenschaftlichen Freunde berichten, besteht eineunserer größten und augenfälligsten Unzulänglichkeiten darin, daß
es uns in diesem Lande nicht gelungen ist, der wissenschaftlichen
Ausbildung sowie dem.Platz, den die Wissenschaften in unserem nationalen Leben einnehmen, genügend Vorrang einzuräumen.
Diese Wissenschaftler nehmen selbstverständlich zu Recht an,
daß wir weiterhin die modernsten Waffen in ausreichender Zahl so
rasch erwerben werden wie sie hergestellt sind. Diese ihre Überzeugung läßt jedoch eine große Gefahr für die Zukunft erkennen, die
durch keinen Betrag an Geld oder Beitrag an Hilfsmitteln und Materialien, die heute darauf verwendet werden, gebannt werden kann. Die
wissenschaftliche Ausbildung erfordert Zeit, Initiative und fähige
Lehrer.
Sie sind der Überzeugung, daß ein zweites kritisches Problem in
der Notwendigkeit liegt, der Grundlagenforschung sowohl vo*' öffentlicher als auch privater Seite stärkeren Vorrang zu geben. Was diese

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�AMERIKA DIENST"

8. November 1957

diese Erfordernisse auf lange Sicht anbetrifft, so werde ich in der
kommenden Woche einiges zu sagen haben.
Heute abend möchte ich zwei andere Probleme behandeln, bei denen
sofortige Maßnahmen möglich sind.
Das erste ist das tragische Versäumnis, die großen Vorteile
sicherzustellen, die sich aus einem gegenseitigen Austausch der
zweckmäßigen wissenschaftlichen Informationen und einer Vereinigung
der Anstrengungen zwischen befreundeten Nationen ergeben würden.
Die meisten großen wissenschaftlichen Fortschritte der Welt
waren das Ergebnis eines freien internationalen Gedankenaustausches.
Es gibt wohl kaum ein Land, das nicht irgendeinen bedeutenden Beitrag
zur modernen Wissenschaft geleistet hat. In diesem Zusammenhang muß
man sofort an den Beitrag Großbritanniens auf dem Gebiet des Düsenantriebs, des Radar und der infraroten Strahlen, an den Beitrag Deutschlands auf dem Gebiet des Raketenwesens, der Röntgenstrahlen und der
Sulfonamide, an den Beitrag Italiens auf dem Gebiet der drahtlosen
Telegraphie, Frankreichs auf dem Gebiet der Radioaktivität und Japans
auf dem Gebiet des Magnetismus denken.
Durch die Koordinierung der wissenschaftlichen Bemühungen können
wir in der freien Welt einander eine Menge geben und eine Menge für
unsere Sicherheit gewinnen. Warum sollten wir unseren Freunden Informationen verweigern, von denen wir genau wissen, daß sie die Sowjets
schon haben - Informationen, die unsere Freunde zum Zwecke unserer
gemeinsamen Sicherheit verwerten könnten?
Warum sollten wir - nur weil es an dem möglichst umfassenden
gegenseitigen Austausch mangelt - amerikanische Forschungsgelder und
unser Können damit vergeuden, daß wir mit Problemen ringen, die von
unseren Freunden bereits gelöst worden sind?
Hier ist ein Weg, auf dem wir - ohne daß Kosten entstehen in dramatischer und schneller Weise die der freien Welt zur Verfügung
stehenden wissenschaftlichen Möglichkeiten wesentlich vergrößern
können.
Das zweite unmittelbare Erfordernis ist eine größere Konzentrierung innerhalb der Regierung auf Bemühungen und verbesserte Vorkehrungen
auf dem Gebiete der Wissenschaft, der Technik und des Raketenwesens wozu auch eine kontinuierliche, möglichst enge Zusammenarbeit zwischen
der Exekutive und der Legislative gehört.
Was die realen Schritte anbetrifft, so kann ich Ihnen heute
abend das Folgende berichten.
Die erste meiner Maßnahmen bestand darin, sicherzustellen, daß
die wirklich besten Ideen und Anregungen, die die Gemeinschaft der
Wissenschaftler geben kann und die mir bisher rein informatorisch zugeleitet wurden, nunmehr voll erfaßt und auf einen Nenner gebracht

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8. November 1957

gebracht werden, so daß keine Lücke mehr entstehen kann. Diese Maßnahme
soll es mir persönlich ermöglichen, wenn immer sich irgendwelche unnötigen Verzögerungen in unseren Entwicklungsarbeiten ergeben sollten,
schnell und entscheidend einzugreifen.
Zu diesem Zweck habe ich das Amt eines Sonderbeauftragten des Präsidenten für Wissenschaft und Technik geschaffen. Dieser Mann, dem ein
Stab von Wissenschaftlern und eine zahlenmäßig starke Beratergruppe hervorragender Experten zur Seite stehen wird, die ihm und mir berichten,
wird die aktive Verantwortung dafür tragen, mich bei der zügigen Durchführung des Programmes, das ich zum Teil heute abend und in der kommenden Woche umreißen werde, zu unterstützen.
Ich bin erfreut, Ihnen mitteilen zu können, daß der Präsident des
Technologischen Instituts von Massachusetts, Dr. James R. Killian,
diesen Posten angenommen hat. Er ist ein Mann, der mein Vertrauen und
das seiner Kollegen auf dem Gebiet der Wissenschaft und Technik und
im Regierungsdienst genießt.
Es ist meine Absicht, durch ihn sicherstellen zu lassen, daß das
gesamte Programm in enger Zusammenarbeit durchgeführt und nicht geduldet wird, daß solche Dinge wie angebliche Rivalität unter den Waffengattungen oder unnütze Überstundenarbeit auch nur den Verdacht einer
Schädigung unserer Forschungs- und Entwicklungsprogramme entstehen
lassen. Darüber hinaus wird Dr. Killian dafür sorgen, daß diejenigen
Projekte, die die Fachleute für die vielversprechendsten erachten, mit
größtmöglicher Schnelligkeit vorangetrieben werden. Er wird sicherstellen,daß für bestimmte Projekte der höchsten Dringlichkeits- und
Geheimhaltungsstufe, die ich, wie Sie verstehen, aus Sicherheitsgründen nicht aufzählen kann, unsere fähigsten Köpfe und alle notwendigen
Hilfsquellen zur Verfügung stehen.
Wenn ich nunmehr von Dr. Killian die Lösung dieser Aufgabe erwarte,
so rechne ich damit, daß er hierzu das volle Können der Wissenschaftler und Techniker unseres Landes heranzieht.
Zweitens wird im Verteidigungsministerium ein Beamter, der dem
Verteidigungsminister direkt verantwortlich ist, für die Raketenentwicklung zuständig sein. Ich habe den Verteidigungsminister angewiesen,
sicherzustellen, daß der Leiter des Fernlenkwaffenprogramms mit all den
Vollmachten ausgestattet wird, die der Verteidigungsminister selbst
auf diesem Gebiet besitzt, so daß keine administrativen oder innerdienstlichen Hindernisse auftreten können. Dr. Killian wird natürlich
eng mit diesem Beamten zusammenarbeiten.
Drittens sind der Verteidigungsminister und ich übereingekommen,
daß jedes neue Raketen- oder hiermit zusammenhängende Programm, das
später in Angriff genommen wird, wenn immer möglich einem einzigen
Leiter unterstellt und ohne Rücksicht auf die einzelnen Waffengattungen
verwaltet wird.
Viertens

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8. November

1957

Viertens wird dem Kongreß ein Gesetzesvorschlag unterbreitet
werden, um die gesetzlichen Hindernisse für einen Austausch geeigneter technischer Informationen mit befreundeten Ländern zu beseitigen.
Fünftens: Falls die erforderliche Vollmacht erteilt wird, werde
ich auf der Linie des mit Premierminister Macmillan erreichten Übereinkommens ein wissenschaftliches Komitee unterstützen, das innerhalb
der NATO gebildet wird und mit weitgesteckten Forschungsaufgaben im
Rahmen der atlantischen Gemeinschaft betraut werden soll. Ähnliche
Maßnahmen in bezug auf die SEATO und andere vergleichbare Organisationen
werden geprüft, und um die Durchführung dieser-gemeinsamen Anstrengungen
zu erleichtern, wird der Außenminister einen eigenen wissenschaftlichen
Berater sowie an geeigneten Orten im Ausland Wissenschaftsatt*ches ernennen.
Wo immer sich bei diesen Maßnahmen zusätzliche legale Vollmachten
als notwendig erweisen, wird der Kongreß zu Beginn seiner nächsten
Sitzungsperiode darum ersucht werden. Ich werde diese Fragen auf der
bevorstehenden überparteilichen Konferenz mit den führenden Kongreßvertretern erörtern. Ich werde sie ersuchen, jeden nur möglichen Schritt
in Erwägung zu ziehen, um die erforderlichen legislativen Maßnahmen zu
beschleunigen.
Dies, meine Freunde, sind die vordringlichsten Schritte, die auf
den für die Sicherheit wichtigen wissenschaftlichen Gebieten ergriffen
werden.
Selbst in zwei Reden kann ich unmöglich das gesamte Thema der
Verteidigung erschöpfend behandeln, sondern nur einzelne dringende
Fragen, die gegenwärtig von Bedeutung sind. Deshalb kann ich dieses
Mal eine Reihe von entscheidend wichtigen Punkten, die von großer Bedeutung für die Verteidigung sind, wie die Auslandshilfe und die Zivilverteidigung, nicht einmal streifen. Ebenso habe ich mich nicht zu der
dringenden Notwendigkeit geäußert, das strategische Luftkommando räumlich stärker aufzugliedern oder alle Mittel bereitzustellen, die die
Flugzeuge in die Lage versetzen, nach Eingang einer Warnung in kürzester Zeit zu starten.
Bei diesem gesamten Bemühen ist es wichtig, darauf zu achten, daß
nichts für unwichtige Zwecke verschwendet wird. Die Verteidigung ist
heute kostspielig und wird es immer mehr sein. Wir können uns keine
Verschwendung leisten.
Es hieße an den Dingen vorbeireden, wenn wir sagen würden, wir
müssen jetzt unsere Ausgaben für alle Arten militärischer Güter und
Verteidigungsprojekte erhöhen - also zum Beispiel den kürzlich erhobenen Forderungen nach einer Aufhebung aller Reduzierungen der Mannschaftsstärke der Streitkräfte nachgeben.
Ohne Frage müssen wir uns der Dringlichkeit der Sache bewußt
sein. Dies heißt jedoch nicht, daß wir uns auf das Schlachtroß schwingen
und versuchen sollten, gleichzeitig nach allen Richtungen davon zu
galoppieren»
V/i r

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Wir müssen die Erfordernisse, denen es gerecht zu werden gilt,
nach Ausmaß und Dringlichkeit klar bestimmen. Und dann müssen wir unsere Hilfsquellen auf dieses Ziel in dem Maße konzentrieren, wie es den
Erfordernissen entspricht. Dies bedingt sorgfältiges Abwägen bei der
Verteilung unserer nationalen Ausgaben. Wir können nicht in unbegrenztem Ausmaß gleichzeitig das haben, was wir haben müssen und das, was
wir gerne haben möchten.
Wir können sowohl über eine gesunde Verteidigung als auch über eine
gesunde Wirtschaft, auf die die Verteidigung sich stützt, verfügen, wenn
wir die Vorranggebiete festlegen, wenn wir uns unbedingt daran halten
und wenn jeder von uns bereit ist, seinen Teil der Bürde zu tragen.
Zusammenfassend möchte ich sagen: Obwohl ich heute abend bewußt
den Einfluß der Wissenschaften auf die Verteidigung herausstelle, so
vergesse ich doch nicht, daß die Wissenschaft noch weit mehr Aufgaben
als nur die Stärkung unserer Verteidigung hat und
unsere Verteidigung in noch viel mehr besteht als lediglich in dem Teil,
den die Wissenschaft ausmacht. Die friedlichen Beiträge der Wissenschaft
zum Beispiel für die Medizin, die Bereicherung des Lebens, die Freiheit
des Geistes sind die wichtigsten Ergebnisse bei der Erschließung der
Geheimnisse der Natur. Und die geistigen Kräfte einer Nation - der
ihnen zugrundeliegende religiöse Glaube, ihr Selbstvertrauen, ihre Fähigkeit, verständnisvoll Opfer zu bringen - sind die wichtigsten Bausteine
einer jeden Verteidigungsstruktur.
Vor allem aber lassen Sie mich allen, die dies hören, sagen, daß
soweit es uns anbetrifft, die Massierung militärischer Stärke niemals
zu irgendeinem anderen Zweck als für die Verteidigung und die Erhaltung
eines gerechten Friedens bestimmt war und auch niemals sein wird.
Was die Welt heute noch mehr braucht als einen gigantischen Sprung
in den Weltraum, ist ein gigantischer Schritt zum Frieden hin. Immer
und immer wieder haben wir unsere Bereitschaft demonstriert, einen solchen Schritt zu tun. Als einen Beginn in dieser Richtung fordere ich
die Sowjets jetzt auf, sich den.praktischen und durchführbaren Abrüstungsvorschlägen anzuschließen, die gestern von einer großen Mehrheit der
Vereinten Nationen gebilligt wurden.
Wir werden niemals aufhören, auf den Anbruch des Tages zu hoffen
und hinzuarbeiten, an dem ein dauerhafter Friede diese militärischen
Lasten von den Schuitern der Menschheit nehmen wird und an dem der
Wissenschaftler sein Hauptaugenmerk nicht auf die Zerstörung des
Menschen zu richten braucht, sondern auf das Glück und die Erfüllung
des Menschen lenken kann."

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

Ailg./U.H .57
DIE AUSWIRKUNGEN ATOMARER STRAHLUNG

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
V/ortlaut der Erklärung, die Botschafter James J. Wadsworth,
der stellvertretende Leiter der amerikanischen Delegation
bei den Vereinten Nationen, am 7« November 1957 vor dem
Politischen Ausschuß der UN abgegeben hat.

Die Auswirkungen atomarer Strahlung auf den Menschen und seine
Umwelt beschäftigen seit langem die Vereinigten Staaten, ebenso wie
andere Nationen. Wir begrüßen daher die Gelegenheit, diese Frage in
den Vereinten Nationen zu erörtern.
Jede Diskussion sollte willkommen sein, falls sie dazu beiträgt,
die Menschheit über die Gegebenheiten des Atomzeitalters aufzuklären,
und es ihr ermöglicht, diesem V/issen entsprechend zu handeln. Wir sind
der Meinung, daß diese Diskussion diesem Zweck dienlich sein kann.
Zunächst einmal ist es erforderlich, einige der wichtigsten Schritte, die auf diesem Gebiet insbesondere von den Vereinten Nationen unternommen wurden, zu überprüfen. Das am 26. August von der tschechoslowakischen Delegation unterbreitete Memorandum enthält eine Erklärung, die
besagt, daß "die Organisation der Vereinten Nationen angesichts der
fortgesetzten und wachsenden Gefahr radioaktiver Strahlung nicht untätig bleiben kann." Diese Bemerkung ist ziemlich verwirrend, da die
Vereinten Nationen schon seit zwei Jahren in zweckdienlicher und konstruktiver Weise Maßnahmen in dieser Angelegenheit unternehmen und die
Vereinigten Staaten energisch daran mitarbeiten.
I.

Der Strahlenausschuß der Vereinten Nationen

Der Politische Ausschuß wird sich erinnern, daß die Vollversammlung im Jahre 1955» i'n Verlauf der zehnten Sitzungsperiode, einen
Wissenschaftlichen Ausschuß zur Frage der Auswirkungen von atomarer
Strahlung schuf. Es dürfte angebracht sein, wenn ich hier kurz auf
die Geschichte dieses Komitees eingehe.
Am

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1J. November 1957

Am 22. Juni 1955 gaben die Vereinigten Staaten bekannt, daß sie die
Absicht hätten, auf der nächsten Sitzung der UN-Vollversammlung die
Sammlung aller in der Welt bekannten Einzeldaten über die Auswirkungen
atomarer Strahlung auf die menschliche Gesundheit durch die Vereinten
Nationen vorzuschlagen. Als wir diesen Vorschlag unterbreiteten, wiesen wir darauf hin, daß in verschiedenen Ländern, auch in den Vereinigten Staaten, bereits viele Unterlagen zu diesem Thema vorhanden seien,
und daß durch die Zusammenfassung dieser Unterlagen an einem Ort die
Vereinten Nationen auf konstruktive Weise auf eine Sorge reagieren
würden, die in bezug auf dieses Problem in der Welt weitverbreitet war.
Als die Frage in die.em Ausschuß zur Debatte stand, unterbreiteten
die Vereinigten Staaten zusammen mit Australien, Dänemark, Großbritannien, Island, Kanada, Norwegen und Schweden einen Entschließungsentwurf
über die Schaffung eines wissenschaftlichen Ausschusses der Vereinten
Nationen zu dieser Angelegenheit. Diese Resolution wurde eine Woche
lang erörtert und erfuhr noch verschiedentliche Abänderungen und Verbesserungen, in denen die intensiven Beratungen, die die Befürworter
untereinander und mit vi«len anderen Delegationen, insbesondere mit
Indien,gepflogen hatten^ zum Ausdruck kamen. Die Billigung der Resolution sowohl in diesem Ausschuß als in der Vollversammlung erfolgte
einstimmig. Es ist ungewöhnlich, daß über eine Frage von solcher Bedeutung einstimmig beschlossen wird.
Der Strahlenausschuß ist jetzt zwei Jahre alt. Er besteht aus Wissenschaftlern von 15 Ländern - Ägypten, Argentinien, Australien, Belgien, Brasilien- Frankreich, Großbritannien, Indien, Japan, Kanada,
Mexiko, Schweden, Sowjetunion, Tschechoslowakei und Vereinigte Staaten.
Die dem Ausschuß übertragene Aufgabe ist die Sammlung, Prüfung,
Auswertung und Veröffentlichung der Berichte von Regierungen über beobachtete Pegel ionisierender Strahlen und über die Auswirkungen dieser Strahlung auf den Menschen und seine Umwelt. Bis zum 1. Juli 1958» also in
weniger als sieben Monaten, soll er seinen ersten umfassenden Bericht
der Vollversammlung vorlegen. In Anbetracht der großen Schwierigkeit
dieser Aufgabe und der Notwendigkeit, große Mengen neuer wissenschaftlicher Informationen zu sammeln und zu analysieren, konnte die Vollversammlung von dem Komitee kaum verlangen, zu einem früheren als dem genannten Zeitpunkt einen sinnvollen Aufschluß gebenden Bericht vorzulegen.
Dieses Projekt wird seit nunmehr zwei Jahren mit fachmännischer Genauigkeit ausgeführt. Das Komitee hat von den Regierungen der Mitgliedstaaten und den Sonderorganisationen zahlreiche Berichte erhalten. Für
die verschiedenen Bereiche der ihm übertragenen Aufgabe hat es besondere Arbeitsgruppen von Spezialisten gebildet. Der Ausschuß selbst hielt
drei Sitzungen ab - im März 1956, im Oktober/November 1956 und im April
^1957« Die Ausarbeitung des Berichts an die Vollversammlung, den es zum
1. Juli nächsten Jahres vorleg-en soll, macht gute Fortschritte. Es seien
hier nur einige hervorstechende Tatsachen über die bis jetzt geleistete
Arbeit angeführt:

1t
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1 . Der Ausschuß konnte sich der Mitarbeit vieler Mitgliedstaaten
und drei der Sonderorganisationen versichern, und zwar der UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft, des Internationalen Arbeitsamtes und des V/eltwetterdienstes. Im Verein mit der wissenschaftlichen
Autorität der dem Ausschuß angehörenden Fachleute stellt dies eine echte
Mobilisierung der internationalen wissenschaftlichen Kräfte dar.
2. Die vom Ausschuß erörterten Themen umfassen einen sehr weiten
Bereich - es werden unter anderem die Auswirkungen von Strahlung sowohl
auf das Individuum als auch auf die Vererbung, die Pegel der natürlichen
Umweltstrahlung, die Stärke der Einwirkung von Strahlung durch ihre
industrielle Verwertung, die Verseuchung der Umwelt durch künstlich erzeugte Radioaktivität, einschließlich der Kernwaffenversuche und der
radioaktiven Industrieabfälle, sowie die Verantwortung der Ärzte in
der Verwendung von Röntgenstrahlen behandelt.
3. Als ein Charakteristikum seiner Arbeit hat der Ausschuß dazu
beigetragen, daß ein erweitertes, weltumfassendes Programm zur Sammlung
und Analysierung von Proben radioaktiven Ausfalls in der Erdatmosphäre
gestartet worden ist. Im Rahmen dieses Programms haben 13 Länder insgesamt 41 neue Beobachtungsstationen eingerichtet, die Proben von Staubpartikeln aus der Luft sammeln. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist nunmehr eine regelmäßige Probenentnahme zur Überwachung von Ausfallprodukten überall auf der Erde.
Herr Vorsitzender, dies also sind einige der wichtigsten Leistungen
des Ausschusses. Sie zeigen, wie umfassend diese Arbeit ist und mit welchem Ernst der Ausschuß an sie herangegangen ist. Es handelt sich hier
um eine internationale wissenschaftliche Großtat im Sinne bester wissenschaftlicher Tradition, und die Vereinigten Staaten sind stolz darauf,
an ihr beteiligt zu sein.
II.

Der Beitrag der Vereinigten Staaten

Lassen Sie mich nun kurz auf den Beitrag zu sprechen kommen, den
die Vereinigten Staaten zu diesen Bestrebungen geleistet haben.
Allem voran haben wir dem Ausschuß über 30 Berichte unterbreitet und sie auch der gesamten Welt zugängig gemacht -, die größtenteils
Zusammenfassungen von detaillierten Berichten über die Forschungsergebnisse unserer eigenen Wissenschaftler darstellen. Der erste dieser Berichte war eine eingehende Untersuchung mit dem Titel "Die biologischen Auswirkungen atomarer Strahlung", den die Amerikanische Akademie der Wissenschaften ausgearbeitet hatte. Die übrigen Berichte
behandeln Themen wie radioaktiven Ausfall, natürliche Umweltstrahlung,
genetische Auswirkungen von Strahlung, Strahlungsgefahren bei verschiedenen Berufsgruppen und die Beseitigung von radioaktiven Abfallstoffen
durch Versenkung im Meer. Einer unserer jüngsten Beiträge stützt sich
auf Material des Gemeinsamen Atomenergie-Ausschusses des amerikanischen
Senats und Repräsentantenhauses, das er im Verlauf von Informationssitzungen in diesem Jahr gesammelt hatte. Mehr als 50 hervorragende

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hervorragende Wissenschaftler und Sachverständige hatten in den öffentlichen Informationssitzungen dieses Ausschusses ausgesagt. Das Ergebnis
ist wahrscheinlich die umfassendste Sammlung von Informationen über
radioaktiven Ausfall, die bisher in einem einzigen Dokument enthalten
ist. Alle diese Informationen wurden dem Wissenschaftlichen Ausschuß
übergeben.
Eine zweite Form der Mitarbeit, mit der die Vereinigten Staaten
dieses Unternehmen der Vereinten Nationen unterstützen, steht im Zusammenhang mit der laufenden Überwachung der künstlichen Radioaktivität
der Atmosphäre. Auf der ersten Tagung des Wissenschaftlichen Ausschusses im März 1956 richteten wir über den Generalsekretär an die Mitgliedstaaten das Angebot einer technischen Hilfeleistung in der Form,
ihnen bei der Errichtung von Probensammelstellen und der Ausarbeitung
von Analysenmethoden für die gesammelten Proben behilflich,zu sein.
Wir boten ferner die Benutzung der Einrichtungen amerikanischer Laboratorien für die Untersuchung der in anderen Ländern gesammelten
Proben an.
Seitdem haben verschiedene Staaten amerikanische Hilfe für derartige Zwecke beantragt und auch erhalten. Wir haben bereits auf die 41
Beobachtungsstationen verwiesen, die jene Länder als Ergebnis der
Arbeit des Ausschusses errichtet haben. Viele dieser Stationen haben
die benötigten Materialien und Ausrüstungen aus den Vereinigten Staaten erhalten. Mehrere Länder, die ihre Proben selbst untersuchen, senden oftmals zusätzlich Duplikate der täglich entnommenen Proben zum
Zwecke der Analysierung durch unsere Fachleute nach den Vereinigten
Staaten. Diese Methode gewährleistet eine Kontrolle der Richtigkeit
der ermittelten Ergebnisse. Auf ein Ersuchen des Wissenschaftlichen
Ausschusses haben die Vereinigten Staaten den Vereinten Nationen Standardproben von Strontium-90 für Vergleichsuntersuchungen zur Verwendung durch andere Länder zur Verfügung gestellt.
Herr Vorsitzender, in diesem Zusammenhang bekräftigen die Vereinigten Staaten erneut ihre Bereitschaft, alle Mitgliedstaaten der
Vereinten Nationen oder ihrer Sonderorganisationen bei der Sammlung
und Analyse von Staubproben aus der Luft zur Bestimmung ihres Radioaktivitätsgrades zu unterstützen.
Diese laufende Analysierung des radioaktiven Ausfalls sollte mit
größtem Nachdruck betrieben werden, Herr Vorsitzender, da sich dieser
Teil der Untersuchungen unmittelbar auf die Ausfallradioaktivität
bezieht, die von Kernwaffenversuchen herrührt, über die in der ganzen
Welt so eifrig debattiert wurde und die so viele Besorgnisse hervorgerufen hat. Unsere nachdrücklichen Bemühungen auf diesem höchstkomplizierten Forschungsgebiet und das nachhaltige Interesse des Wissenschaftlichen Ausschusses an ihm sollten der Welt klar zu erkennen
geben, daß wir uns dieser Besorgnisse in höchstem Maße bewußt sind
und nichts unversucht lassen, unser Wissen um die diesbezüglichen
Fakten auszuweiten, um so zu immer exakteren Folgerungen gelangen
zu können.
Gerade

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Gerade die Vereinigten Staaten haben in den letzten Jahren besonders eingehende Untersuchungen über radioaktiven Ausfall angestellt. Es gehört mit zu den wichtigsten Aufgaben der US-Atomenergiekommission, dafür zu sorgen, daß durch die Verwendung yon nuklearen
Stoffen Gesundheit und Sicherheit der Allgemeinheit nicht gefährdet
werden. Daraus leitet sich die ebenso große Verantwortung ab, sicherzustellen, daß alle verfügbaren Informationen über die Atomenergie,
die von irgendwelcher Bedeutung für Gesundheit und Sicherheit sind,
der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Aus diesen Erwägungen heraus hat die amerikanische Atomenergiekommission seit 1953 ein Projekt gefördert, das in erster Linie auf
ein weltweites Studium gerade jener Fragen abzielt, die wir eben hier
erörtert haben; radioaktiver Ausfall und seine Auswirkungen auf den
Menschen und seine Umwelt. Im Rahmen dieses Projekts wurden in allen
Teilen der Welt insgesamt 120 Beobachtungsstationen eingerichtet mit
dem Ziel, Luftstaubproben zu sammeln und zu analysieren; diese Stationen haben ihre Arbeit inzwischen voll aufgenommen.
Ursprünglich beschränkte sich dieses Projekt der Vereinigten
Staaten auf das Studium von Strontium-90-Ausfall und dessen Auswirkungen. Es wurde jedoch erweitert und umfaßt nunmehr sämtliche Tätigkeitsbereiche der US-Atomenergiekommission, die in irgendwelchem
Zusammenhang mit dem Studium der Frage des radioaktiven Ausfalls
stehen. In Ergänzung der Arbeiten der Laboratorien der Atomenergiekommission sind mehr als 50 private Laboratorien vertraglich zur
Mitarbeit an diesen Aufgaben herangezogen worden.
Alle im Rahmen dieses Programms erarbeiteten Fakten und Zahlen
über radioaktive Ausfallprodukte sind veröffentlicht und dem Wissenschaftlichen Ausschuß der UN für radioaktive Strahlung unterbreitet
worden. Im Laufe der vergangenen zwei Jahre hat die AEC elf detaillierte
und umfassende Berichte zum Thema des radioaktiven Ausfalls herausgegeben, die sich alle in Händen des wissenschaftlichen Ausschusses
befinden.
Herr Vorsitzender, diesem Bemühen der Wissenschaftler auf dem Gebiet der radioaktiven Strahlung liegt dasselbe Motiv zugrunde, aus
dem wir uns vor zwei Jahren veranlaßt sahen, die Schaffung eines wissenschaftlichen Ausschusses vorzuschlagen. Wir sind der Ansicht, daß,
sobald eine Gefahr auftritt, es weder richtig ist, sie zu ignorieren
und darauf zu hoffen, daß sie vorübergehe, noch zuzulassen, daß sie
aus kopfloser Furcht heraus übertrieben dargestellt wird. Richtig
ist es, vielmehr, die Fakten so klar als möglich herauszustellen und
zweckentsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Als der Wissenschaftliche Ausschuß im vergangenen Jahre zu seiner
ersten Sitzung zusammentrat, sprach UN-Generalsekretär Hammarskjöld
die Überzeugung aus, daß die Heranziehung konkreten wissenschaftlichen
Materials dazu beitragen werde, die Angelegenheit aus dem Bereich aufregender Sensationsmacherei herauszunehmen und sie fest auf den Boden

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Boden wissenschaftlicher Erkenntnisse zu stellen, so daß dadurch unbesonnene Furcht in nüchterne Vorsicht verwandelt wird.
Bas Ziel unseres Ausschusses ist niemals besser formuliert worden.
III.

Strahlung und Kernwaffenversuche

Lassen Sie mich nun kurz zu den Ausführungen des tschechoslowakischen Vertreters Stellung nehmen. Mein erster Punkt betrifft die Kernwaffenversuche .
Allem, was der Vertreter der Tschechoslowakei hierzu gesagt hat es ist eine fast erschreckende Aneinanderreihung von Zitaten und wissenschaftlichen Baten -, mußte man entnehmen, daß die von Ausfallprodukten ausgehende radioaktive Strahlung eine unmittelbare Gefahr für
die Menschheit und die einzige schädliche Strahlungsquelle in der Welt
sei. Bas ist der Hauptpunkt des Erläuternden Memorandums, mit dem eine
Inskription dieses Punktes gefordert wird. Es ist der Leitgedanke
dessen, was die Antragsteller in ihren Erklärungen sowohl im Hauptausschuß und heute hier wieder zum Ausdruck gebracht haben, und es
geht auch aus dem eingebrachten Resolutionsentwurf klar hervor.
1

Es dürfte genügen festzustellen, daß dieses Thema als Punkt der
vorherigen Tagesordnung in diesem Ausschuß, nämlich im Rahmen der Abrüstung, hinreichend diskutiert worden ist, und daß der Ausschuß mit
einer überwältigenden Stimmenmehrheit die Ergreifung zweckmäßiger und
konstruktiver Maßnahmen für das 'Zustandekommen eines Abkommens über die
Einstellung von Kernwaffenversuchen empfohlen hat. Die Vereinigten
Staaten haben diese Empfehlung befürwortet und auch in diesem Sinne
abgestimmt. Wir haben im Rahmen der Bebatte unseren Standpunkt hinsichtlich dieser Frage klar dargelegt, und andere Belegationen, einschließlich die der Tschechoslowakei, taten dasselbe. Somit scheint doch wohl
die Frage, wie die Einstellung der Kernwaffenversuche sicher zu gewährleisten sei, in diesem Komitee bereits behandelt werden zu sein,und
mit einer sofortigen Neueröffnung der Bebatte unter einem neuen Programmpunkt dürfte nichts gewonnen werden.
Ba die Frage jedoch erneut gestellt worden ist, lassen Sie mich
unseren Standpunkt in fünf Punkten kurz zusammenfassen:
1) Bie Vereinigten Staaten müssen,um eine nicht nur den USA selbst,
sondern auch anderen Ländern dienende starke Verteidigungsmacht erstellen zu können, Kernwaffenversuche durchführen, zumal in einer Welt, von
der wir aus Erfahrung wissen, daß Schwäche die Aggression geradezu
herausfordert.
2) Wir wissen sehr wohl, daß Kernwaffenversuche eine gewisse
Verseuchung der Atmosphäre zur Folge haben, nicht nur unsere Tests, sondern
alle, auch die der Sowjetunion.

3l
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3) Wir streben, weil die Welt sich darüber besorgt zeigt, eine
Einstellung dieser Versuche an. Und zwar eine Einstellung in der einzigen
nicht auf Kosten der Verteidigung der freien Welt gehenden Art und Weise nämlich als erste Phase eines allgemeinen Abrüstungsprogrammes.
4) Unsere zur Zeit in den USA laufenden Versuche gelten der Entwicklung von Kernwaffen mit geringerem radioaktivem Ausfall als es bei
den bisherigen der Fall war.
5) Schließlich und endlich stellen wir fest, daß Kernwaffentests
nur eine unbedeutende Quelle für ionisierende Strahlen darstellen, die
dem Menschen gefährlich sind.
Ich möchte bei diesem letzten Punkte noch etwas verweilen und folgende kurze Erklärung abgeben, die, obgleich in der Sprache des Laien
vorgetragen, mir von den hervorragendsten Experten als wissenschaftlich
korrekt bestätigt worden ist.
Seit undenklichen Zeiten sind die Menschen einer ziemlich gleichbleibenden Menge atomarer, für die Vererbung schädlicher Strahlung aus
der natürlichen Umwelt ausgesetzt - aus dem Weltenraum, der Erdrinde
und sogar aus dem eigenen Körper. Soweit Wissenschaftler es feststellen
konnten, war dies schon immer und ist auch jetzt eine wichtige Ursache
für erbliche körperliche Defekte. Schätzungen der nationalen Akademie
der Wissenschaften aus dem Jahre 195&amp; zufolge haben in den vorangegangenen fünf Jahren die in der ganzen Welt vorgenommenen Kernwaffenversuche den natürlichen Strahlungspegel für Amerikas Bevölkerung um weniger als 1/8, wahrscheinlicher aber um nicht mehr als 1/40 erhöht.
Durch die für medizinische Zwecke angewandten Röntgenstrahlen erhöhte
sich nach Schätzungen derselben Akademie die Strahlungseinwirkung um
zwei Drittel.
Es ist sogar fraglich, ob in den nächsten Jahren ein meßbares Absinken der für die Vererbung schädlichen radioaktiven Strahlung zu verzeichnen wäre, wenn alle Kernwaffenversuche auf der Welt bereits morgen
eingestellt würden. Die Kernwaffenversuche spielen heute in dem ständig
wechselnden Bild der radioaktiven Strahlung eine untergeordnete Rolle.
Die geringe Verminderung der radioaktiven Strahlung durch den Versuchsstop könnte zum Beispiel durch die weitverbreitete Anwendung der Röntgenstrahlen in der Medizin mehr als nur wettgemacht werden, wenn deren
Anwendung nicht sorgfältig kontrolliert wirdj das gleiche gälte für
eine unzulängliche Kontrolle bei der Verwendung von Strahlung durch
die Industrie.
Herr Vorsitzender, das ist ein wissenschaftlich fundierter Bericht
über die Situation im Hinblick auf die Kernwaffenversuche und die
menschliche Vererbung insoweit die Wissenschaft bisher in der Lage ist,
die wahren Zusammenhänge zu erkennen. Das gibt uns Veranlassung zu
einigsnh' Nachdenken. Man darf den Schluß ziehen, daß wir keinen Grund
zur Beunruhigung haben; daß wir das Problem vielmehr mit wissenschaftlicher
Methodik beobachten und studieren sollten, so daß wir uns bei allen Handlungen durch feststehende wissenschaftliche Erkenntnisse leiten lassen
können.
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Das ist die Auffassung der Regierung der Vereinigten Staaten in
bezug auf die Kernwaffenversuche, soweit sie mit dem vorliegenden Thema
in Zusammenhang steht.
IV.

Der nächste Schritt

Nun kommen wir zu der Frage, welche nächsten Schritte in Zusammenhang mit dem Problem der radioaktiven Strahlung zu tun sind. Wir haben
hier besonders den mit der tschechoslowakischen Resolution unterbreiteten Vorschlag im Auge, eine neue wissenschaftliche Konferenz über die
radioaktive Strahlung einzuberufen. Lassen Sie mich, Herr Vorsitzender,
zu Beginn sagen, daß die Vereinigten Staaten die Notwendigkeit für
eine umfangreiche künftige Arbeit der Wissenschaftler zur Frage der
Strahlung voraussehen, wenn im nächsten Frühjahr der Bericht des Strahlenausschusses vorliegen wird.
Tatsächlich ist dieser Ausschuß auf Grund der Bestimmungen der
ursprünglichen Resolution, durch die er geschaffen wurde, verpflichtet,
in seinem Bericht von 1958 anzugeben, welche Forschungsprojekte auf
diesem Gebiet weiterverfolgt werden müssen. Als der Ausschuß gegründet
wurde, waren wir der Ansicht - und wir sind es heute noch -,daß der
gegebene Zeitpunkt, zu dem die Vollversammlung über weitere Maßnahmen
auf diesem Gebiet entscheiden soll, das Jahr 1958 ist, nachdem ihr der
zusammengefaßte Bericht des Ausschusses für radioaktive Strahlung vorgelegen und sie ihn studiert hat.
In der tschechoslowakischen Resolution wird die Versammlung aufgefordert, eine wissenschaftliche Konferenz mit der Begründung einzuberufen, daß diese Frage der radioaktiven Strahlungsgefahren - und ich
zitiere jetzt aus dem letzten Absatz der Präambel zu dieser Resolution - "die weitestgehende Untersuchung und die umfangreichste Sammlung
der Meinungen so vieler Wissenschaftler wie nur irgend möglich erfordert."
Wer behauptet, daß solch eine Notwendigkeit besteht, während sich
der Strahlenausschuß noch inmitten seiner Arbeit befindet, läßt den
ausgezeichneten Wissenschaftlern aus aller Welt, die zu der Arbeit des
Ausschusses beitragen, wohl kaum Gerechtigkeit widerfahren. Ich verweise
nicht hur auf die Wissenschaftler aus fünfzehn Ländern, die in diesem
Ausschuß vertreten sind - einschließlich der Wissenschaftler aus der
Tschechoslowakei und der Sowjetunion -, ich verweise auch auf die
Wissenschaftler aus vielen anderen Ländern, deren Berichte bereits
in großer Zahl beim Ausschuß vorliegen. Wenn wir die ungeheure Arbeit
des Ausschusses betrachten, dann ist es kaum denkbar, daß eine umfassendere Studie angefertigt werden könnte, oder wie es möglich sein sollte,
eine noch breiter angelegte und systematischere Sammlung der Meinungen
und Forschungsergebnisse der wissenschaftlichen Experten auf der ganzen Welt zu diesem Thema durchzuführen als die, an der der Ausschuß
für radioaktive Strahlung bereits seit zwanzig Monaten arbeitet.
Diese

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13 . November 1957

Diese Tatsache, Herr Vorsitzender, wird voll durch den Zwischenbericht,
Dokument Kr. A/5659, bestätigt, den der Strahlenausschuß am 31. Oktober
vorgelegt hat. Er nennt die Titel von 89 Berichten, die von 27 Regierunger, und zwei Sonierorgarisatiouen eingereicht wurden. Mir ist gesagt
worden, daß viele dieser Berichte eine große Anzahl wissenschaftlicher
Ansichten oder Untersuchungsergebnisse zusammenfassen, so daß damit
Tauserde von verschiedenen Untersuchungen und Experimenten ausgewertet
wu rden .
Es ist wirklich einigermaßen ungewöhnlich, daß man bereits jetzt
an uns herantritt, den Schluß zu ziehen, der Ausschuß für radioaktive
Strahlung, der all diese Arbeit leistet, tue nicht genug und bedürfe der
Ergänzung durch eine andere Institution. Das ist alles andere als ein
Kompliment für die große Zahl der betroffenen Wissenschaftler, es ist
auch kein Kompliment für die Vollversammlung selbst, die diesen Ausschuß ins Leben gerufen und aufgefordert hat, im Jahre 1958 den Bericht
vorzulegen. Nach unserer Ansicht wäre nichts sinnwidriger, als den Ausschuß zu beschränken, den wir selbst geschaffen haben.
Noch eine letzte Bemerkung zu der tschechoslowakischen Resolution.
Sie verweist, wie ich erwähnte, auf die Notwendigkeit für "die umfassendste Sammlung der Meinungen so vieler Wissenschaftler wie nur irgend möglich." Wenn damit gemeint ist, die Ansichten der Experten und die Ergebnisse der Forschungen von Wissenschaftlern auf Gebieten einzuholen, die
mit der radioaktiven Strahlung und deren Auswirkungen auf die Menschheit
zusammenhängen, wenn dieses die Sammlung dieser Ansichten und Forschungsergebnisse auf ordentliche und organisierte Weise bedeutet - gut und
schön. Gerade das tut der Strahlenausschuß der Vereinten Nationen. Aber
wenn damit eine Art Schauspiel veranstaltet werden soll, bei dem Wissenschaftler aufgefordert werden, ihre Meinungen kundzutun, ihre Meinungen
über Dinge, die außerhalb ihres Spezialgebietes liegen, dann ist das ein
Vorschlag, der mit Wissenschaft nichts zu tun hat und, würde er ausgeführt,
eine riesige Vergeudung wissenschaftlichen Könnens bedeutete.
Die Suche nach wissenschaftlicher Wahrheit darf nicht mit einem Wettbewerb um Popularität verwechselt werden. Die Wissenschaft hat die Welt
nicht mit all diesen erstaunlichen und revolutionären Entdeckungen des
letzten halben Jahrhunderts beschenkt, indem sie die "Ansichten so vieler
Wissenschaftler als nur irgend möglich" über jede Frage einholte. Die
wissenschaftliche Wahrheit hat mit politischen Streitfragen nicht das
geringste zu tun und kann nicht erforscht werden, indem man die Meinung
der Mehrheit einholt oder Meinungsumfragen unter Wissenschaftlern oder irgendeiner anderen Gruppe veranstaltet.
Die Fragen der wissenschaftlichen Wahrheit werden nicht auf der
politischen Plattform oder in der Wahlzelle, sondern im Laboratorium
entschieden.
Es hat in der Geschichte Zeiten gegeben, wo die Wissenschaftler, die
der Welt neue und revolutionäre Wahrheiten geschenkt haben, sich selbst
unter ihren Kollegen in einer kleinen Minderheit befanden. Sie erhalten
keine wissenschaftliche Wahrheit, indem Sie eine große Anzahl von Wissenschaftlern zusammenbringen. Sie können sie erhalten, indem Sie an die

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�13. November 1957

"AMERIKA DIENST

die richtigen Wissenschaftler die richtige Frage richten und sie dann
allein lassen, bis sie die Antwort gefunden haben. Das hat die Vollversammlung in der Frage der Strahlung bisher getan.
Schlußfolgerung
Herr Vorsitzender, lassen Sie mich zum Abschluß noch einen Gedanken
vorschlagen, der einigen von uns in der Erregung über die mehr in der
Öffentlichkeit behandelten und sensationellen Aspekte der atomaren
Strahlung vielleicht entgangen sein könnte. Der Gedanke ist ganz einfach dieser: Der Wissenschaftliche Ausschuß kann, wie jedes andere ehrliche wissenschaftliche Unternehmen, zu positiven Ergebnissen führen, von
denen wir kaum zu träumen wagen. Dies ist keine müßige Beobachtung. Dieser Gedanke basiert auf zwei definitiven Tatsachen.
Die erste Tatsache ist die, daß, je mehr wir in das Atomzeitalter
hineingeraten und je umfassender die Anwendung der Atomenergie für
friedliche Zwecke wird, die Probleme des Schutzes vor atomarer Strahlung
immer vordringlicher werden. Die Internationale Atombehörde ist nun eine
Realität. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Aufstellung von Sicherheitsnormen zum Schutz der Gesundheit unu zur Zurückführung der Gefahr für
Leben und Eigentum auf ein Mindestmaß. Die Atomkraftwerke sind ebenfalls .
eine Realität, und in nur wenigen Jahren werden sie mehr und mehr in der
Lage sein, mit den konventionellen Kraftquellen in einen wirtschaftlichen
Wettbewerb zu treten. In der Zwischenzeit werden die Radiotherapie in der
Medizin und Strahlenverfahren in der Landwirtschaft mehr und mehr Allgemeingut und ständig neuen Verwendungszwecken angepaßt werden. All diese nutz- und segenbringenden Verwendungszwecke der Atomkräfte machen
spezielle Maßnahmen zur Kontrolle der Gefährdung des Menschen und zur
Verhinderung von Schäden erforderlich; und wenn diese Maßnahmen wirksam
sein sollen, müssen sie auf der größtmöglichen Kenntnis der Atomstrahlung
und ihrer Auswirkungen beruhen.
Die zweite Tatsache ist die, daß die Ergebnisse aller Grundlagenforschung, wie sie auch Angelegenheit des Strahlenausschusses ist, nur
teilweise vorausgesagt werden können. Wir können aber mit ziemlicher
Sicherheit voraussagen, daß der Ausschuß außerordentlich brauchbare
Antworten auf einige sehr praktische Fragen geben wird, die wir an ihn
gerichtet haben. Doch was er sonst noch entdecken wird, kann nicht vorausgesagt werden.
Wenn Sie an einen Wissenschaftler eine spezielle Frage richten, sagen
wir über das Verhalten gewisser Arten von Kernpartikeln unter gewissen
Bedingungen, mag er die richtige Antwort für Sie finden - oder er mag neue
Fakten und neue Ideen finden, die niemals vermutet wurden und die ganz
neue Gebiete der Forschung erschließen helfen. Seine Arbeit mag so spezialisiert sein, daß sie für Sie und für mich völlig bedeutungslos ist, daß
sie dessenungeachtet aber zu umfassenden Resultaten führen kann, an die
er selbst nicht geglaubt hatte und die möglicherweise der Menschheit in
spürbarer Weise dienen werden.
Lassen Sie uns deshalb den Strahlenausschuß, den wir geschaffen
haben, in seiner Arbeit ermutigen. Anstatt über neue Einrichtungen nachzu-

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�13 • November 1957

"AMERIKA DIENST"

nachzudenken, die ihn ersetzen sollen oder die seine Arbeit duplizieren
oder verwirren, lassen Sie uns die wissenschaftliche Integrität der
Arbeit, die wir bereits in Händen haben, respektieren, und lassen Sie
dieser Arbeit von jedem Mitgliedstaat soviel wissenschaftliche Unterstützung zuteil werden, wie er zu geben vermag. Wenn wir in dieser
Richtung vorwärtsschreiten, kann die Welt nur davon profitieren.
Indem ich schließe, möchte ich Ihnen sagen, daß die Vereinigten
Staaten, zusammen mit einer Anzahl anderer Staaten, in Kürze einen Entwurf zu einer Resolution vorlegen werden, der einen neuen Gesichtspunkt
zu dieser Frage enthält.
* * * * *

- 11

�In diesem wunderbaren Zeitalter haben wir Amerikaner eine besondere Verantwortung. Uns stand ein unverbrauchter Kontinent zur
Verfügung, und wir hatten die Gelegenheit, einen Traum dieser Zeit
zu verwirklichen, wie nämlich die Menschen zusammenarbeiten, miteinander leben und sich selbst regieren sollten.
Gestützt auf die Kulturen der Vergangenheit und auf den rapiden
Fortschritt der Wissenschaft haben wir jedem die Möglichkeit geboten,
im Lebenskampf für sich selbst zu bestehen und gleichzeitig ein hingebungsvolles Mitglied einer harmonischen Gemeinschaft zu sein.
In dieser Woche feiern die Sowjets den 40« Jahrestag ihrer Revolution. Während dieser 40 Jahre hat die Welt erlebt, daß sich die
Sowjets von einer landwirtschaftlichen zu einer industriellen Nation
entwickelt haben. Wir kennen ihr rigoroses Erziehungssystem und ihre
technologischen Leistungen.
.,
B
Aber
- 1-

�"AMERIKA DIENST"

13. November 1957

Aber wir erleben, wie sich dies alles unter einer politischen
Lehre vollzieht, die die Einlösung des Versprechens, daß jeder sein
eigenes Leben leben und sich - so wie er es wünscht - der Früchte
seiner eigenen Arbeit erfreuen kann, immer wieder hinausschiebt.
Wir haben seit langem die Beweise gehabt - und in jüngster Zeit
sehr dramatische Beweise -, daß es selbst unter einem solchen System
möglich ist, einige bemerkenswerte materielle Leistungen zu vollbringen. Wenn diese Fähigkeiten und Möglichkeiten in materiellen
Dingen Politikern zur Verfügung stehen, die so wenig Sinn für menschliche Belange haben und die die Macht über ein ganzes Weltreich ausüben, dann ergibt sich eine Gefahr für alle freien Menschen. Das,
meine Freunde, ist der Grund, warum das amerikanische Volk durch die
Erdsatelliten so aufgerüttelt wurde. Selbstverständlich begegnet die
freie Welt dieser Herausforderung und wird mit ihr fertig werden.
Bis zu einem gewissen Punkt muß man die Kommunisten mit ihren
eigenen Waffen schlagen - man muß sie im Hinblick auf die militärische
Macht, den allgemeinen technischen Fortschritt sowie die Fachausbildung und Forschung überbieten.
Aber dies ist nicht alles. Die wahre Stärke, mit der die sich
selbst regierenden Demokratien den Prüfungen der Geschichte begegnet
sind, liegt in Werten, die die Diktaturen ablehnen.
Diese Stärke besteht in dem Wert unseres Lebens, der Kraft unserer Ideale sowie in der immer von neuem überraschenden Fähigkeit
freier Menschen, freiwilliges Heldentum zu zeigen, Opfer zu bringen
und Erfolge zu erringen, wenn es ums Ganze geht.
Dies ist die Waffe, die den schließlichen Sturz eines jeden
Diktators bedeutet, der den bekannten Fehler machte, zu glauben,
alle Demokratien seien 'weich'.
Heute hören wir wieder einmal ein expansionistisches Regime
sagen: 'Wir werden euch begraben'.
Es wäre ein folgenschwerer Irrtum, diese Art von Drohung nicht
wörtlich zu nehmen. Diese These ist seit hundert Jahren ein kommunistischer Lehrsatz gewesen.
Sie werden sich
lebte, der erklärte,
dickes, langweiliges
stellen wolle. Viele

erinnern, daß einmal ein Diktator namens Hitler
er werde uns zu Grabe tragen. Er schrieb ein
Buch, in dem er genau darlegte, wie er dies anLeute haben ihn nicht ernst genommen.

Wir werden diesen Fehler nicht noch einmal machen.

Der

�"AMERIKA DIENST"

13. November 1957

Der internationale Kommunismus hat wiederholt demonstriert, daß
seine Führer ohne weiteres bereit sind, eine gewaltsame Aggression
gegen die Gebiete; und Völker anderer Länder vorzutragen. Und sie
sind noch eher dazu bereit, ihre Expansion durch Propaganda und Subversion, wirtschaftliche Durchdringung und Ausbeutung oder durch eine
Kombination all dieser Methoden voranzutreiben.
Die freie Welt muß demgegenüber immer wachsam bleiben.
Unsere militärische Verteidigung ist in den Jahren seit dem
zweiten V/eltkrieg weitgehend reorganisiert worden. Ich versichere
Ihnen,wie ich dies bereits in der vergangenen Woche getan habe, daß
sie, was die gegenwärtigen Bedingungen anbetrifft, sowohl wirksam
wie auch ausreichend ist. Wenn sie dies aber auch in der Zukunft
bleiben soll, so muß ihr Aufbau und ihre Stärke mit den immer größer
werdenden Möglichkeiten Schritt halten, die die Wissenschaft sowohl
einem Angreifer wie auch einem Verteidiger bietet. Sie muß weiterhin
vier Hauptaufgaben gerecht werden: nämlich
1) als ein Hauptabschreckungsmittel gegen einen Krieg eine
atomare Vergeltungsstärke von solcher Kapazität aufrecht erhalten,
damit die Sowjets überzeugt werden, daß jeder Angriff auf uns und
unsere Verbündeten ohne Rücksicht auf den bei uns entstehenden Schaden zur Vernichtung ihrer eigenen Nationen führen würde;
2) in Zusammenarbeit mit unseren Verbündeten eine so flexible
Struktur der Streitkräfte gewährleisten, daß sie schnell mit jeder
Form der Aggression gegen die freie Welt fertig werden kann;
3) unsere Heimatverteidigung in einem Stand hoher Einsatzbereitschaft halten; und
4) über ausreichende Reservestreitkräfte verfügen, um in einem
Notfalle auch unvorhergesehenen Anforderungen gerecht werden zu können.
Um diese Art von Verteidigung aufzubauen, sind Steuergelder erforderlich - große Steuergelder. Während der letzten fünf Finanzjahre
haben wir 211 Milliarden Dollar für unsere Sicherheit ausgegeben, das
sind durchschnittlich über 42 Milliarden Dollar im Jahr, worin unsere
Streitkräfte, die gemeinsame Verteidigungshilfe und die Atomenergiekommission einbegriffen sind.
Nach meiner Meinung haben die Streitkräfte und ihre wissenschaftlichen Mitarbeiter diese Mittel im allgemeinen klug und vernünftig
verwendet. Ein großer Betrag wurde und wird für bessere und stärkere
Waffen aufgewendet. Ein einziger Bomber vom Typ B-52 kostet acht
Millionen Dollar. Ein Geschwader vom Typ B-52 kostet viermal soviel
wie ein Geschwader von B-36 Bombern, die es ersetzt.
Die Rakete vom Typ Nike, die weitgehend an die Stelle der Flugabwehrgeschütze getreten ist, kostet pro Abteilung dreimal soviel.
Ein

�"ALIERIKA DIENST"

1J. November 1957

Ein neues Unterseeboot kostet 47*5 Millionen Dollar und ist damit
zehnmal so teuer wie ein U-Boot aus dem zweiten Weltkrieg.
Und in diese Aufzählung könnte ich die ganze Vielfalt unserer
Waffen einbeziehen.
Seit einigen Jahren richtete sich das Augenmerk in zunehmendem
Maße auf die Erfindung, Entwicklung und Erprobung noch modernerer
Waffen für einen künftigen Einsatz. Das Verteidigungsministerium hat
für diese Porschungs- und Entwicklungsaufgaben über fünf Milliarden
Dollar pro Jahr ausgegeben.
Es ist in letzter Zeit viel darüber geredet worden, ob der
technologische Durchbruch der Sowjets auf einigen besonderen Gebieten
uns plötzlich einer größeren unmittelbaren Gefahr ausgesetzt haben
könnte.
Wie ich schon in der vergangenen Woche aufgezeigt habe, ist dies
nicht der Fall. Diese Errungenschaften haben uns jedoch einen erneuten
Beweis der sowjetischen Fähigkeiten und Möglichkeiten auf dem Gebiet
der Wissenschaft und Technik, soweit sie für die moderne Kriegführung
wichtig sind, geliefert. Wir müssen und werden dies als eine Zeit für
eine erneute kritische Überprüfung unserer gesamten Verteidigungsposition betrachten.
Die Sputniks haben eine große Zahl von Vorschlägen ausgelöst,
angefangen von der Beschleunigung des Raketenprogramms bis zum Abschuß einer um den Mond kreisenden Rakete und einer wahllosen Erhöhung
aller möglichen wissenschaftlichen und militärischen Ausgaben.
Der gesunde Menschenverstand erfordert, daß wir die Dinge der
Reihe nach anpacken.
An allererster Stelle steht die Sicherheit unseres Landes.
Während der kommenden drei Wochen werde ich wie alljährlich
persönlich zusammen mit den militärischen und zivilen Stellen unsere
Maßnahmen auf dem Gebiet der nationalen Sicherheit im kommenden Jahr
überprüfen. Dann werde ich mit den maßgebenden Kongreßmitgliedern
aus beiden Häusern und aus beiden Parteien zusammentreffen und mit
ihnen über die Regierungspolitik, die praktischen Maßnahmen und die
Ausgaben konferieren.
In der Zwischenzeit ersuche ich Sie, einige der Maßnahmen, denen
wir vordringlichst unsere Aufmerksamkeit schenken müssen, sorgfältig
zu überdenken.
Heute liegt unser Hauptabschreckungsmittel gegen einen Krieg in
der atomaren Vergeltungsstärke unseres strategischen Luftkommandos
und unserer Marine. Diesen Waffengattungen wie auch der Armee verleihen wir jetzt so schnell wie möglich noch weitere Stärke durch
Raketenwaffen. Es wird jedoch geraume Zeit vergehen, bevor wir oder

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�"AMERIKA DIENST

13. November

1957

oder die sowjetischen Streitkräfte über ein Potential auf dem Gebiet
der Fernraketen verfügen, das auch nur zu einem Bruchteil der Gesamtvernichtungskraft unserer gegenwärtigen Bomberflotte entspricht.
Wenn wir in den vor uns liegenden Jahren das strategische Luftkommando auf einem Höchststand von Sicherheit, Stärke und Alarmbereitschaft halten wollen - in dem Maße, wie neue Gefahren auftauchen -,
wird dies zusätzliche Kosten mit sich bringen.
Das heißt, daß die Aufgliederung des strategischen Luftkommandos
auf zusätzliche Flugplätze beschleunigt durchgeführt werden muß. Dieses Vorhaben, das seit einigen Jahren im Gange ist, sollte jetzt beschleunigt werden.
Mit den Raketen und schnelleren Bombern werden auch die Warnzeiten kürzer. Wir haben daher Möglichkeiten und Einrichtungen geschaffen, die eine schnellere Reaktion auf einen Alarm gestatten.
Auch auf diesem Gebiet sollten die Maßnahmen beschleunigt v/erden
durch in Einsatzbereitschaft stehende Kampfgruppen, durch weitere
Rollbahnen, weitere Tankanlagen und mehr Unterkünfte.
Um eine möglichst schnelle und umfassende Warnung vor jedem
zukünftigen Angriff sicherzustellen, müssen wir in unser Warnsystem
alle zusätzlichen Verbesserungen einbauen, die jetzt wissenschaftlich
möglich sind.
Es ist weiterhin notwendig, daß wir ein aktives Raketenverteidigungsprogramm gegen ferngelenkte Geschosse entwickeln.
Um die Verteidigungsstärke aufrecht zu erhalten und zu vermehren,
werden wir unsere Sicherheitsstreitkräfte durch Fernraketen, die von
Landbasen und von Kriegsschiffen abgefeuert werden können, ergänzen.
Die technischen Experten haben mir erklärt, daß die Entwicklung von
ballistischen Geschossen großer Reichweite nicht durch Bereitstellung
weiterer Geldmittel merklich beschleunigt werden kann. Wir geben zur
Zeit über eine Milliarde Dollar für die Forschungsarbeiten und die
Erprobung dieser Waffen aus. Natürlich werden wir zusätzliche Mittel
bereitstellen, wo sich dies als notwendig erweisen sollte. Es ist
außerdem selbstverständlich, daß die Produktion, die Verteilung und
der Einbau der Raketen in den vor uns liegenden Jahren kostspielig
sein wird.
Die Soldaten sind unterbezahlt. Wir müssen ihnen gegenüber fair
sein, das erfordert die Gerechtigkeit. Genauso wichtig aber ist der
Faktor des Könnens und der Tüchtigkeit in unseren Verteidigungsstreitkräften. Wir können den erforderlichen Grad technischer Leistung
nicht erlangen und bewahren, wenn wir nicht über genügend Offiziere und
Mannschaften verfügen, die die militärische Laufbahn zu ihrem Beruf
machen.
Nun

�13. November 1957

'AMERIKA DIENST

Nun lassen Sie mich kurz auf unser Satellitenprogramm eingehen.
Es erscheint nur logisch, daß wir angesichts der von mir aufgezeigten Grunderfordernisse der Verteidigung eine klare Formel finden
müssen, die uns bei der Entscheidung über die auf dem Gebiet der
Satelliten und Weltraumprojekte zu ergreifenden Maßnahmen als Richtschnur dient.
Zwei Kriterien sollten bei dieser Formel beachtet werden:
Ist das Projekt für wissenschaftliche Zwecke konzipiert, dann
müssen sein Ausmaß und seine Kosten auf die wissenschaftliche Aufgabe
zugeschnitten sein, der es dienen soll; hat es dagegen letztlich
einen Wert für die Verteidigung , dann muß seine Bedeutung für diesen
Zweck in ihrer Dringlichkeit mit dem voraussichtlichen Wert der
konkurrierenden Verteidigungsprojekte in Vergleich gesetzt werden.
Wir werden unsere Programme in einer Form weiterführen, die
unserer wissenschaftlichen Tradition gerecht wird und unsere Sicherheit in den kommenden Jahren gewährleistet. Dies wird allerdings
wiederum erhebliche Kosten mit sich bringen.
All diese neuen Kosten, die insgesamt eine sehr beträchtliche
Höhe erreichen, müssen den derzeitigen jährlichen Ausgaben für die
Sicherheit hinzugefügt werden. Es besteht gegenwärtig keine Aussicht
auf irgendeine'wesentliche Reduzierung dieser immer wiederkehrenden
Kosten. Daher müssen wir als erstes versuchen, an anderer Stelle
die Ausgaben zu senken. Wir müssen noch einmal mit doppelter Entschlossenheit alle anderen militärischen Ausgaben überprüfen, um jeden
nur möglichen Pfennig zu sparen. Wir müssen sicherstellen, daß es
keine unnötige Überschneidungen, keine überholten Programme oder veralteten Einrichtungen gibt.
Die Antwort liegt nicht in irgendeinem verfehlten Versuch, die
konventionellen Streitkräfte abzuschaffen und sich ausschließlich auf
die Vergeltung zu verlassen. Dieser Kurs würde zur völligen Selbstvernichtung führen.
Und ganz gewiß liegt die Antwort nicht in einer Kürzung der Mittel für die gemeinsame Verteidigung im Ausland, die einen weiteren
wichtigen Bestandteil unserer nationalen Sicherheit darstellt. Wir
sind mit 42 Ländern durch militärische Beistandspakte verbündet. Es
ist nicht möglich, unsere Truppen über die ganze Welt verteilt zu
stationieren, um die Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern. Es
ist weitaus wirtschaftlicher und wesentlich wirksamer, an unserem
System der kollektiven Sicherheit festzuhalten und es zu stärken.
Das gleiche gilt auch für die Wirtschaftshilfe. Diese Art der
Unterstützung bewahrt andere davor, in eine Abhängigkeit von der
sowjetischen Hilfe zu geraten, die nur zu oft das Vorspiel einer

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einer sowjetischen Herrschaft ist. Sie beweist die Fähigkeit der
freien Welt, ihre Hilfsquellen zu erschließen und ihren Lebensstandard zu erhöhen. Sie unterstützt die verbündeten Volkswirtschaften
dabei, die erforderlichen militärischen Einheiten zu unterhalten
und standhafte Partner in diesem weltweiten Kampfe- zu bleiben.
Bei den zivilen Aufgaben, die der Bundesregierung obliegen,
werden wir verschiedentlich vor eine harte Wahl gestellt werden.
Einige Programme sind zwar erwünscht, aber nicht absolut notwendig. In dieser Beziehung bin ich zu einem klaren Entschluß gekommen.
7/enn sich auch einige Einsparungen noch durch ein Zusammenstreichen
erzielen lassen, so können die Einsparungen, wie wir sie brauchen,
doch nur durch völliges Streichen oder Hinausschieben ganzer Kategorien von Programmen erreicht werden. Dies wird eine der schwersten
und unangenehmsten Aufgaben sein, mit denen sich der Kongreß in der
kommenden Sitzungsperiode befassen muß.
Unsere Gesamtausgaben werden sich um den Differenzbetrag zwischen den erzielten Einsparungen und den zusätzlichen Sicherheitskosten erhöhen. Unser Volk wird dies mit Recht fordern. Es wird das
Streben nach Sicherheit nicht einem ausgeglichenen Haushalt opfern.
Aber wir vergessen darüber auch nicht, daß auf lange Sicht ein ausgeglichener Haushalt ein unerlässliches Hilfsmittel dafür ist, unsere
Wirtschaft und damit auch unsere gesamte Sicherheit stark zu erhalten.
Zur Sicherheit gehört jedoch noch weit mehr als lediglich das
Ausgeben von Geld. Es gehören auch Dinge dazu wie das fachliche Können
unserer militärischen Führer, die Gesundheit und Produktivität unserer Wirtschaft und an allererster Stelle die geistige Stärke unseres
Volkes .
Etwas, was man nicht mit Geld kaufen kann, ist Zeit. Sie ist oft
wertvoller als Geld. Ein Baum braucht Zeit zum Wachsen, ein Gedanke
braucht Zeit, bis er verwirklicht werden kann, und es dauert seine
Zeit, bis aus einem Studenten ein Wissenschaftler geworden ist.
Die Zeit ist auch ein entscheidender Faktor bei zwei langfristigen Problemen, nämlich der Intensivierung unserer wissenschaftlichen
Ausbildung und unserer Grundlagenforschung.
Die Sowjetunion verfügt - wenn man Wissenschaftler und Techniker
zusammennimmt - gegenwärtig über eine größere Anzahl solcher Fachkräfte als die Vereinigten Staaten. Die Sowjets bringen Leute mit
abgeschlossener"Ausbildung auf diesen Gebieten in einem wesentlich
schnelleren Tempo hervor als wir.
Die jüngsten Untersuchungen über den Ausbildungsstand in der
Sowjetunion zeigen, daß man nicht glauben darf, dieser quantitative
Zuwachs werde durch einen Mangel an Qualität in Frage gestellt.
Diese

�"AMERIKA DIENST"

13. November 1957

Diese Tendenz ist beunruhigend. Ja, nach Ansicht meiner wissenschaftlichen Berater ist dies für das amerikanische Volk das kritischste Problem von allen.
Die Bundesregierung kann sich nur mit einem Teil dieses Problems
befassen, und sie muß ihren Teil dazu beitragen. Es handelt sich hier
jedoch um eine Aufgabe der Zusammenarbeit. Die Regierungsstellen des
Bundes, der Staaten und der Gemeinden sowie unsere gesamte Bürgerschaft müssen sich daran beteiligen.
Wir sollten unter anderem ein alle Einzelstaaten umfassendes
System für die Prüfung der Oberschüler schaffen, sowie ein Förderungssystem, das hochbegabten Studenten einen Anreiz für die Fortsetzung
ihrer naturwissenschaftlichen oder geisteswissenschaftlichen Studien
bietet; ein Programm zur Förderung eines guten mathematischen und
naturwissenschaftlichen Unterrichts; Vorkehrungen für die Erweiterung
der Laboratorien und andere Maßnahmen, wie zum Beispiel Stipendien zur
Ausbildung einer größeren Zahl qualifizierter Lehrer.
Der Hauptteil dieser Aufgabe liegt in Ihren Händen als Bürger.
Wir halten gegenwärtig die nationale Erziehungswoche ab. Ganz gleichgültig wie gut Ihre Schule ist - und wir haben viele ausgezeichnete
Schulen -,möchte ich doch, daß jeder Schulausschuß und jede Schulpflegschaft sich diese Woche und dieses Jahr eines bestimmten Projektes
ganz besonders annimmt, nämlich den Lehrplan und den Leistungsstand
Ihrer Schule genauestens daraufhin zu überprüfen und festzustellen,
ob sie noch den hohen Anforderungen des Zeitalters entsprechen, in
das wir jetzt eintreten.
Sie wissen sicherlich, daß ein sowjetischer Schüler, der nach
bestandenem Abschlußexamen die Oberschule verläßt, fünf Jahre Physikunterricht, vier Jahre Chemieunterricht, ein Jahr Unterricht in
Astronomie, fünf Jahre Biologieunterricht, zehn Jahre Mathematikunterricht bis einschließlich Trigonometrie und fünf Jahre fremdsprachlichen
Unterricht erhalten hat.
Meiner Meinung nach haben viele von uns zu langsam erkannt, daß
es fast jedem möglich ist, an der Wissenschaft und Technik wie an einem
Abenteuer teilzuhaben. Wenn wir früh genug in der Schule mit Mathematik, Chemie, Physik und Botanik beginnen, und wenn unsere Lehrer die
jungen Schüler dazu bringen, daß sie eine wahre Befriedigung in der
wissenschaftlichen Arbeit empfinden, dann werden unsere jungen Menschen - selbst wenn sie keine Wissenschaftler oder Techniker werden von dem Wachstum Amerikas wirklich ergriffen und gepackt werden.
Die jungen Menschen, die jetzt auf dem College sind, müssen das
Rüstzeug erhalten, in dem Zeitalter der interkontinentalen Raketen leben
zu können. Was aber weiter nötig ist, sind nicht nur Techniker und
Wissenschaftler, sondern Menschen, die nicht den Kopf verlieren, und
Führer, die in der Lage sind, schwierige menschliche Probleme mit Klugheit und Mut anzupacken. Kurz gesagt, wir brauchen nicht nur Männer
wie Einstein, sondern auch Männer wie Washington und Emerson.
„

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�"AMERIKA DIENST"

13» November 1957

Auf lange Sicht gesehen gilt eine weitere Sorge der noch stärkeren
Konzentration auf die Grundlagenforschung - das heißt, die Forschung,
die die Geheimnisse der Natur erschließt und die den Weg für solche
großen Durchbrüche wie die Atomspaltung, die Hochfrequenztechnik
und die Antibiotika vorbereitet.
Unsere Grundlagenforschung ist, verglichen mit der jedes anderen
Landes, gegenwärtig weit umfangreicher und, was die Qualität anbetrifft,
bestimmt gleich gut. Die Gefahr liegt in der schnellen Zuwachsrate der
sowjetischen Anstrengungen und der offensichtlichen Entschlossenheit
der Sowjets, sich mit Nachdruck auf die Grundlagenforschung zu konzentrieren. Die Welt wird Zeuge künftiger Entdeckungen seih, die noch
weit dramatischer sind als die Entdeckung der Atomspaltung. Werden
wir es sein, die diese Entdeckungen machen?
Hier wiederum kann Geld allein nicht alles tun. Man kann nicht
zu einem Forscher sagen: 'Wir verdreifachen Ihr Gehalt, nun liefern
Sie uns dreimal soviel Entdeckungen in der Grundlagenforschung'.
Aber durch eine kluge Kapitalinvestierung in Laboratorien und
Akzeleratoren von hoher Energiestufe kann man die Leistungen unserer
Wissenschaftler wesentlich steigern.
Die Regierung ist dabei, ihre Grundlagenforschungsprogramme zu
intensivieren.
Aber mit einem 70prozentigen Anteil der Industrie und der privaten Organisationen an unserer Forschung, liegt der Hauptanteil an
dieser Aufgabe in den Händen dieser Gruppen.
Gerade hier in Oklahoma besitzen Sie eine ausgezeichnete Einrichtung für die Mobilisierung der notwendigen Hilfsquellen zur Intensivierung unseres Strebens nach wissenschaftlicher Grundlagenerkenntnis. Ich
meine die Stiftung für wissenschaftliche Grenzgebiete. Sie können mit
Recht stolz darauf sein. Ich hoffe, daß andere Staaten Ihrem Beispiel
folgen werden.
Lassen Sie mich ein abschließendes Wort sagen: Das Ziel, das wir
anstreben, ist ein Frieden in Gerechtigkeit. Unser Land kann dieses
Ziel nur erreichen, wenn auch alle anderen Völker es erreichen. Die
Welt hofft inständig, daß die Sowjets mit all den anderen Ländern
zusammenarbeiten werden, damit dieses Ziel verwirklicht wird. Unsere
Verteidigungsanstrengungen, so groß sie auch sind, gehen nur soweit, um
vor einem Angriff abzuschrecken und diesen zunichte zu machen. Wir
werden niemals ein Aggressor sein. Wir wollen ausreichende Sicherheit,
und nicht mehr. Wir werden uns aber auch nicht mit weniger zufriedengeben.
Ich bin immer zutiefst davon überzeugt gewesen, daß der Triumph
der Anständigkeit und der Freiheit auf dieser Welt zwangsläufig kommen
wird. Aber - wie ein kluger Amerikaner einmal festgestellt hat - es sind
harte Arbeit und große Opfer von vielen nötig, damit das 'Zwangsläufige' fcustandegebracht wird."
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

SOZIALE SICHERHEIT IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

�SOZIALE SICHERHEIT IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

I.

DIE AMERIKANISCHE SOZIALVERSICHERUNG

Seite

1

Seite

7

Seite

13

Seite

18

Seite

25

Der Sozialversicherungsgedanke
Die amerikanische Einstellung
Auswirkungen der Depression
Alters-, Hinterbliebenen- und
Invaliditätsversicherung
Begünstigung der Lohnempfänger mit
geringem Einkommen
Invaliditätsversicherung
II.

ZUSATZLICHE SOZIALE SICHERHEIT AUS
LEISTUNGEN DER EINZELSTAATLICHEN UND
KOMMUNALEN SOZIALPROGRAMME
Unterstützung aus öffentlichen
Mitteln
Arbeitslosenversicherung
ArbeitsunfallentSchädigung
Krankenversicherung
Hilfsprogramme für Kinder
öffentlicher Gesundheitsdienst

III.

SONDERREGELUNGEN
Kriegsteilnehmerversorgung
Regierungsbedienstete
Eisenbahner

IV.

DAS FUNDAMENT DER SICHERHEIT
Die private Wirtschaft
Der garantierte Jahreslohn
Lebensversicherungen
Freiwillige Krankenversicherung
Private Wohlfahrtspflege
ZUSAMMENFASSUNG

�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

SOZIALE SICHERHEIT IN DEN VEREINIGTEN STAATEN

Vorwort
Gemeinsam haben Regierung, Privatindustrie und der einzelne
amerikanische Bürger daran gearbeitet, für die Bevölkerung
der Vereinigten Staaten das hohe Maß von sozialer Sicherheit zu erreichen, dessen sie sich heute erfreut. So wurde
ein Sozialversicherungssystem geschaffen, in dem die allgemeinen Grundsätze des privaten Versicherungswesens auf die
Altersversorgung und viele andere soziale Einrichtungen
angewendet werden. Das Anrecht auf eine Versorgung erwirkt
der einzelne, indem er eine bestimmte Anzahl von Jahren
hindurch Beiträge einzahlt; die Leistungen der Sozialversicherung werden ihm dann ohne Rücksicht auf seine Bedürftigkeit und seinen Besitzstand gewährt.

I.

DIE AMERIKANISCHE SOZIALVERSICHERUNG

Der Sozialversicherungsgedanke

Armut und Arbeitslosigkeit sind, wenn man von ganz primitiven
Gesellschaftssystemen absieht, stets ernste Probleme gewesen, die
mit dem Fortschreiten der Zivilisation nichts von ihrer Schärfe verloren. Im Gegenteil: die Industrialisierung führte zu tiefgreifenden
Veränderungen in der Gesellschaftsordnung und ließ viele neue Probleme
in Erscheinung treten. So führte die Entwicklung der Geldwirtschaft
zu einer Lohnabhängigkeit, wie sie in der früheren Geschichte unbekannt war. Der Zug in die Städte und die zunehmende örtliche Beweglichkeit der Arbeitskräfte tragen dazu bei, die Familien zu isolieren
und ihre Bindungen zur lernemschaft
zu schwächen. Der einzelne Mensch
war deshalb gezwungen, sich in erster Linie auf sich selbst und seine
Erwerbsfähigkeit zu verlassen. Für die große Masse wurde ein beständiges Arbeitsverhältnis zur Notwendigkeit, und nur mit ernster Sorge
sah man dem Alter und dem Verlust der
Erwerbtfähigkeit entgegen.
Die großen sozialen Ungerechtigkeiten, die sich im Frühkapitalismus gezeigt hatten, führten einige Wirtschaftstheoretiker zu der
Auffassung, daß das System des Kapitalismus für diese Zustände verantwortlich wäre. Einige führende Politiker zogen daraus den Schluß,
daß die soziale Gerechtigkeit nur in einer auf der Lehre von Karl
Marx beruhenden Gesellschaftsordnung sichergestellt werden könnte.
Diese

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20. November

1957

Diese Ansicht fand in den Vereinigten Staaten aber niemals allgemeine Zustimmung. Die Regierung, die zur Beibehaltung des kapitalistischen Systems einer freien Wirtschaft entschlossen war, vertrat die
Meinung, daß eine Sozialgesetzgebung durchaus mit diesem System im
Einklang zu bringen sei und daß sie zu seiner Festigung beitragen
könne, indem sie die Auswirkungen der ständigen Schwankungen im 7/irtschaftsablauf mildern werde.
Die Pionierarbeit auf dem Gebiete der Sozialgesetzgebung wurde in
Europa geleistet. Bereits 1889 hatte man in Deutschland eine umfassende
Altersversicherung eingeführt; ähnliche Ein ichtungen wurden in den
folgenden Jahrzehnten in vielen anderen europäischen Ländern und in
Lateinamerika geschaffen. Verantwortliche Regierungsbeamte dieser Länder hatten erkannt, daß eine chronische Armut der Bevölkerung zu Lasten
der Wirtschaft geht und eine politische Gefahr für den Staat darstellt.
Politische Parteien fanden ein wichtiges und populäres Aufgabengebiet in der Behebung der Armut, die weite Kreise der Bevölkerung
beherrschte und der auf der anderen Seite ein immenser Reichtum gegenüberstand. Bismarck stimmte dem Erlaß von Sozialgesetzen zu. Er ließ
sich dabei unter anderen Gesichtspunkten von der Hoffnung leiten, daß
diese Gesetze zur Erhöhung der wirtschaftlichen Stabilität und zur Verminderung der Verwundbarkeit seiner Regierung durch Angriffe von der
Linken beitragen werden. Das deutsche Sozialversicherungswesen überlebte
nicht nur zwei Weltkriege, sondern auch eine katastrophale Inflation ...
und es besteht heute noch.
Das erste Land, das Arbeiter gegen die Risiken der Arbeitslosigkeit versicherte, war Großbritannien. Es führte 1911 die Arbeitslosenversicherungspflicht ein. Ursprünglich erfaßte das betreffende Gesetz
nur die Arbeiter von sechs Industriezweigen. Aber durch Ergänzungsgesetze, die in den Jahren 1916 und 1920 erlassen wurden, bezog man in dieses Versicherungssystem praktisch alle Lohnempfänger (außer Landarbeiter und Hausangestellte) ein. Im folgenden Viertel Jahrhundert erließen
die meisten großen europäischen Länder ähnliche Gesetze.
Die amerikanische Einstellung
Weshalb hat die amerikanische Regierung mit der Einrichtung einer
Sozialversicherung bis zum Jahre 1935 gewartet? Verschiedene Gründe
waren hierfür maßgebend. In einem jungen Staat, dessen Gebiet sich
ständig ausdehnte, herrschte eine Geisteshaltung, in der die Vorstellung, daß jedermann selbst für seine Sicherheit zu sorgen habe, einen
günstigen Nährboden fand. Den meisten Ansiedlern standen die Zwangsmaßnahmen ihrer
früheren Regierungen noch so lebendig vor Augen,
daß sie die Ansicht vertraten, die Regierung der Vereinigten Staaten
dürfe in das Leben der Bürger nur so wenig wie möglich eingreifen.
Begünstigt wurde diese Einstellung durch den Reichtum an natürlichen Hilfsquellen sowie durch die vielen wirtschaftlichen Möglichkeiten,
die sich dank dem rapiden Anwachsen der Bevölkerung boten. Außerdem hatte

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�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

hatte bis gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts jedermann die Möglichkeit, Neuland zu erwerben. Zur Ausbildung einer individualistischen
Einstellung trug ferner die Tatsache bei, daß in der Frühzeit der
amerikanischen Geschichte die landwirtschaftliche Tätigkeit der Haupterwerbszweig der Bevölkerung war. Maßnahmen zur Sicherung eines festen
Einkommens waren damals weniger wichtig als in der heutigen industrialisierten Geldwirtschaft.
Vor 1935 lag die Fürsorge für alte, bedürftige und arbeitsunfähige
Personen bei staatlichen und örtlichen Verwaltungsstellen. Dieses System
befriedigte aber nicht. Man fand sich nur widerstrebend mit dem Gedanken ab, daß die Sicherung des Allgemeinwohls Aufgabe des Staates
und der Gemeindeverwaltungen sei. Infolgedessen waren die für Zwecke
der Fürsorge zur Verfügung gestellten Mittel oftmals unzureichend.
In vielen Bundesstaaten gab es als einzige ständige Fürsorgeeinrichtung für bedürftige alte Personen die sogenannten "Armenhäuser".
Die Hilfe für die Armen bestand gewöhnlich in der Ausgabe von Nahrungsmitteln und Bekleidungsstücken oder Gutscheinen für die Anschaffung
dieser lebensnotwendigen Dinge. Diese Handhabung stempelte die in Not
geratenen alten Menschen zu Almosenempfängern und untergrub ihre Selbstachtung. Das führte dann leicht dazu, daß ihrer Abhängigkeit von der
Hilfe anderer zu einem Dauerzustand wurde.
Auswirkungen der Depression
Die Depression des Jahres 1929 verschärfte alle sozialen Probleme,
die in der Vergangenheit aufgetreten waren. Man erkannte bald, daß
weder die Gemeinden noch die Regierungen der Einzelstaaten mit einer
Massenarbeitslosigkeit fertig werden konnten. Was war also zu tun?
Viele im Gemeindeleben an führender Stelle tätige Persönlichkeiten
gelangten zu der Überzeugung, daß dieses Problem von der Bundesregierung aufgegriffen werden müsse. Als eine erste Maßnahme, in dieser
Richtung bevollmächtigte der Kongreß die Bundesregierung, den Einzelstaaten durch die Vergabe von öffentlichen Arbeiten verschiedener
Art oder durch direkte Zahlungen für die Arbeitslosenunterstützung
zu helfen. Dies waren befristete Maßnahmen, die zur Behebung der unmittelbaren Not dienen sollten.
Gleichzeitig befaßte man sich aber auch mit langfristigen Plänen.
Im Jahre 1934 ließ der damalige Präsident Roosevelt dem Kongreß eine
Sonderbotschaft zugehen, in der er auf gesetzliche Maßnahmen für die
wirtschaftliche Sicherstellung drängte, und er ordnete ferner eine eingehende Untersuchung des gesamten Problems der sozialen Sicherheit an.
Die Experten, die die Gesetzesvorschläge ausarbeiteten, konnten sich die
Erfahrungen zunutze machen, die man in europäischen und anderen Ländern mit entsprechenden Gesetzen gesammelt hatte. Im Jahre 1935 wurde
das Sozialversicherungsgesetz geltendes Recht. In der folgenden Zeit
sind die einzelnen Bestimmungen mehrfach großzügig erweitert worden.
(Siehe Schaubildl)

�Schaubild 1

Die steigende Mitgliederzahl
der staatlichen amerikanischen

Sozialversicherung

Millionen Mitglieder

-70-

1937

1940

1945

1950

Quelle: Statistical Abstract of the United States, p. 261

-4-

1955

�"AMEulKA DIEHSi"

&lt;?C. November 19t&gt;7

Alters-, Hinterbliebenen- und Invaliditätsversicherung
Mit dem Gesetz von 1935 wurde ein Altersversorgungssyv t&lt;_.ni geschaffen, das von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in Industrie und
Handel finanziert und von der Bundesregierung verwaltet wird, .ine
im Jahre 1939 vorgenommene Ergänzung dieses Gesetzes dehnte die
Versorgungsansprüche auch auf die Ehefrauen und Kinder oder wirtschaftlich abhängigen Verwandten von versicherten Arbeitnehmern aus,
die vor oder nach Erreichen des Pensionierungsalters sterben. Gleichzeitig sah man zusätzliche Unterstützungen für die Ehefrauen und Kinder von pensionierten Arbeitern vor. Bestimmungen über Unterstützungszahlungen bei Arbeitsunfähigkeit wurden 1956 in das Gesetz aufgenommen.
Die früher nicht unter dieses Gesetz fallenden Angehörigen zahlreicher Berufsgruppen, wie regelmäßig in der Landwirtschaft tätige
Arbeiter, Hausangestellte und nichtbäuerliche selbständige Personen,
bei denen man erst Erfahrungen über die Einkommencfeststellung und
Beitragserhebung sammeln mußte, wurden 1950 in die Versicherung einbezogen. V/eitere Ergänzungen des Gesetzes aus den Jahren 1954 und 1956
dehnten die Versicherung auf die Farmer und die meisten selbständig
Berufstätigen sowie die Angehörigen der Streitkräfte aus. Nanezu die
gesamte berufstätige Bevölkerung der Vereinigten Staaten wird jetzt von
diesem Gesetz erfaßt. Eine Ausnahme bilden einige Regierungsbedienstete,
für die es eine besondere Altersversorgung gibt, und die Ärzte.
Die Alters- und Hinterbliebenenversicherung wird dadurch finanziert, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zwei Prozent des zu versteuernden Arbeitnehmereinkommens bis zu einer Höchstgrenze von 4-2QO
Dollar pro Jahr entrichten; selbständige Personen zahlen drei Prozent
Bis zum Jahre 1975 sollen diese Beiträge schrittweise auf je vier Pro
zent für Arbeitgeber und Arbeitnehmer und auf sechs Prozent für
Selbständige erhöht werden. Ende 1956 wurden an etwa 9 Millionen Per
sonen Renten in einer Gesamthöhe von monatlich 485 Millionen Dollar
gezahlt. Fast 7»5 Millionen der Rentenempfänger waren alte Leute.
Männer .können ab 65 Jahren Renten erhalten, für Frauen liegt diese
Altersgrenze seit der am 1. November 1956 rechtswirksam gewordenen Gesetzesänderung bei 62 Jahren. Die Auszahlung der Renten erfolgt jedoch
nicht automatisch ab Erreichung dieser Altersgrenzen, sondern erst nachdem der Betreffende seine hauptberufliche Tätigkeit aufgegeben hat. Tatsächlich scheiden nur fünf Prozent der gesunden männlichen Berufstätigen freiwillig mit 65 Jahren aus dem Beruf. Im Durchschnitt begannen die
Rentenzahlungen deshalb bisher bei einem Alter von 68 bis 69 Jahren. Die
Formel für die Rentenberechnung, die sich nach dem früheren Verdienst
des Betreffenden richtet, wurde inzwischen großzügiger gestaltet,und
auch die bereits laufenden monatlichen Rentenzahlungen wurden den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepaßt. Die Höchstgrenze der monatlichen
Rentenzahlung liegt gegenwärtig bei 108,50 Dollar für eine Einzelperson;
bei verheirateten Rentnern kommt noch ein Zuschlag von 50 Prozent hinzu,
so daß die monatliche Rente in diesem Fall 162,80 Dollar beträgt. Witwen,
Kinder oder ein überlebender Elternteil des Versicherten erhalten im

�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

im Höchstfall 81,50 Dollar, eine Witwe mit einem Kind 162,80 und mit
zwei Kindern 200 Dollar. Kinder erhalten Zahlungen bis zum Alter von
18 Jahren und im Falle ihrer völligen Erwerbsunfähigkeit auch noch
darüber hinaus.
Begünstigung der Lohnempfänger mit geringem Einkommen
Bei der Rentenfestsetzung schneiden die schlecht bezahlten Arbeiter am günstigsten ab. Die Grundrente beträgt 55 Prozent des monatlichen Durchschnittsverdienstes bis zu 110 Dollar zuzüglich 20 Prozent
bei Arbeitsentgelten zwischen 110 und 350 Dollar. Der über der letztgenannten Summe liegende Verdienst bleibt sowohl bei der Berechnung des
Versicherungsbeitrages als auch der späteren Rente unberücksichtigt.
Die Erfahrung hat gelehrt, daß viele Leute noch nach Erreichen
der Altersgrenze stundenweise oder ganztägig weiterarbeiten wollen.
Deshalb hat der amerikanische Kongreß das Gesetz vor einiger Zeit
dahingehend abgeändert, daß Personen bis zum Alter von 72 Jahren
1200 Dollar im Jahr ohne Kürzung ihrer Rente verdienen können. Personen, die 72 Jahre oder noch älter sind, können jeden beliebigen
Betrag ohne Beeinträchtigung ihrer Rentenansprüche verdienen.
Die Renten, für die ihre Empfänger Zahlungen wie für jede andere
Art von Versicherung geleistet haben, sind Rechtsansprüche und keine
Vergünstigungen. Infolgedessen kann der einzelne in beliebiger Höhe
Vermögen besitzen oder Einkommen aus angelegten Geldern beziehen, ohne
seine Rentenansprüche zu verlieren.
Zur Erlangung des Anspruchs auf eine Altersrente muß der Betreffende in einem vom Sozialversicherungsgesetz erfaßten Beruf eine bestimmte Zeit lang (mindestens eineinhalb Jahre, in gewissen Fällen
auch zehn Jahre) gearbeitet haben. Die zur Begründung eines Rentenanspruchs erforderliche Wartezeit wurde im Interesse der Personen, die
erst kurz vor der Erreichung der Altersgrenze in die Versicherung einbezogen worden sind, bewußt niedrig gehalten.
Invaliditätsversicherung
Nach einer im Juli 1957 rechtskräftig gewordenen weiteren Gecotzesänderung erhalten auch Arbeitnehmer im Alter von 50 bis 65 Jahren
bei schwerer und anhaltender Arbeitsunfähigkeit Leistungen aus der
Sozialversicherung. Die Invaliditätsrente entspricht der Altersrente,
jedoch werden für Angehörige keine zusätzlichen Leistungen gewährt.
Das Gesetz enthält auch besondere Bestimmungen zur Förderung der baldigen Wiederherstellung von arbeitsunfähigen Personen.

II.

�"AMERIKA PIEKST1'

II.

^Q, loveabei

1^7

ZuSAT/.LI^iE SOZIALE ÖICililEhEIT AUS LLISilSGEK pi£R
El Nv &amp;I STAATLI C iijSS INI) KÜLIMÜHAIFN Sl/ZIALPUGGRAiäKE

Unterotützung cu- öffentlichen Mitteln
Im Soziulversicherungsgesetz von 1955 -ind ferner ünterstützungszahlungen f^o öffentlichen Mitteln für drei PeTöOnengru^pen vorgesehen: 1. bedürftige alte Personen (beispielsweise nicht mehr berufstätige Pei^oricn, die nxcht in der Laye sind, Rentenansprüche aus- de-r
Altersversicherung zu eiworbtn); 2. Kinder, die durch Tod, Arbeitsunfähigkeit oder Abwesenheit ihrer Eltern unterstützungs- und fürsorgebedürftig sind; 3« notleidende Blinde . In dieses Unterstützungsprogranim wurden 1950 als vi exte Gruppe ständig und total arbeitsunfähige Bedürftige einbezogen. Dieses Unterstützungsprogramm für notleidende P^rhonen wird von den Einzelstaaten mit finanzieller Kilfe
de© Bundes verwaltet. Ende 1956 erhielten im Rahmen dieses Programms
5 Millionen Personen Unterstützungszahlungen. Etwa 2,5 Millionen dieser Unterstützungsempfänger waren alte Leute, von denen eine halbe
Million dio Zahlungen als Zuschuß zu ihren Versicherungsrenten erhielten. Die Aufwendungen der Bundesregierung und der Einzelstaaten
für dieses Programm stiegen von 217»7 Millionen Dollar im Jahre 1936
auf 2,6 Milliarden Dollar im Jahre 195^- Bestimmte Teile dieses Programms können allmählich abgebaut werden, und zwar in dem Maße, in
dem die in höherem Alter stehenden Unterstützungsempfänger im Laufe
der Zeit durch Tod ausscheiden und ein ständig zunehmender Prozentsatz der Bevölkerung im Rahmen der normalen Alters-, Hinterbliebenenund Invaliditätsversicherung versorgt wird. Staatliche Hilfe wird
künftig in erster Linie in Form von Zusatzleistungen in Fällen besonderer Bedürftigkeit ge»?ährt werden.
Zur Sicherstellung einer gerechten und unpa rteiischen Verteilung
der Hilfe aus öffentlichen Mitteln wurden im Bundesgesetz verschiedene
Sonderbestimmungen verankert; eine von ihnen besagt, daß die mit der
Verwaltung des Programms betrauten Angestellten der einzelstaatlichen
Behörden nach einem besonderen Eignungsprüfungsverfahren ausgewählt
werden. Außerdem erhalten sie eine Spezialausbildung, die ihnen die
notwendigen Grundlagen und Kenntnisse für die sorgfältige Erledigung
ihrer Arbeit vermittelt.
Die Einzelstaaten und die Gemeinden haben darüber hinaus noch
eigene allgemeine Unterstützungsmaßnahmen für andere bedürftige Personen vorgesehen. An diesen Aufwendungen ist die Bundesregierung jedoeh nicht beteiligt.

(Siehe Schaubild 2)

- 7-

�Schaubild 2

Die Entwicklung der Arbeitslosenversicherung
in den Vereinigten Staaten

50

42,0'

1938

1945

1950

1955

1956

* Einschliesslich
der Zivilbediensteten
des
die auf Grund des Gesetzes von 1954 in die
losenversicherung
einbezogen
worden sind.

-8-

Bundes,
Arbeits-

�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

Arbeits losenverSicherung
Die große Depression im Jahre 1929» während der Millionen von
Amerikanern ihren Arbeitsplatz verloren und keine neue Arbeit finden
konnten, hat die Notwendigkeit einer Arbeitslosenversicherung deutlich
gezeigt. Das Sozialversicherungsgesetz von 1935 schloß deshalb auch
eine Arbeitslosenversicherung ein, die aus Beiträgen der Arbeitgeber
finanziert wird. Die allgemeinen Richtlinien hierfür wurden von der
Bundesregierung festgelegt; die Ausarbeitung der näheren Bestimmungen
blieb den Einzelstaaten überlassen. Bis zum Jahre 1937 hatten alle
Staaten die für die praktische Durchführung des Gesetzes erforderlichen legislativen Maßnahmen getroffen.
Alle Arbeitgeber in Industrie und Handel, die mindestens zwanzig
Wochen im Jahr vier oder mehr Arbeitnehmer beschäftigen, müssen Beiträge zu dem Arbeitslosenversicherungsfonds entrichten. Heute werden
von dieser Versicherung etwa zwei Drittel aller unselbständig arbeitenden Personen in den Vereinigten Staaten erfaßt. Nicht zu diesem
Personenkreis gehören im wesentlichen die landwirtschaftlichen Arbeiter, die Hausangestellten und die selbständig Berufstätigen.
Die Leistungen der Arbeitslosenunterstützung variieren in den
einzelnen Staaten bezüglich ihrer Höhe und der Zahlungsdauer. Im
allgemeinen belaufen sie sich bis zu einer festen Höchstgrenze auf
rund die Hälfte des Arbeitsentgeltes. In einigen Staaten werden je
nach Anzahl der unterhaltspflichtigen Angehörigen höhere Zahlungen
geleistet. Die Dauer der Unterstützungsleistungen schwankt zwischen
sechs und 30 Wochen.
Die Arbeitslosenversicherung soll nicht nur den Arbeitslosen
und seine Familie vor wirtschaftlicher Not schützen, sondern ihm auch
genügend Zeit geben, sich nach einem seinen Berufserfahrungen und Fähigkeiten entsprechenden neuen Arbeitsplatz umzusehen. Er soll nicht
mehr gezwungen sein, unter dem Druck einer wirtschaftlichen Notlage
die nächstbeste freie Stelle anzunehmen. Außerdem aber trägt die Arbeitslosenversicherung zur Stabilisierung der Wirtschaft dadurch bei,
daß sie in Zeiten eines wirtschaftlichen Rückganges die Kaufkraft
erhält.
Langfristige Arbeitslosigkeit konnte in dieses Gesetz nicht mit
einbezogen werden, weil es nicht möglich ist, eine Entschädigung für
jahrelangen Lohnausfall unter Wahrung des Versicherungscharakters zu
gewährleisten. Eine lange andauernde Arbeitslosigkeit, wie sie in Zeiten einer allgemeinen Depression vorkommt, überschreitet den Rahmen
dieses Gesetzes; sie wird als eine Angelegenheit der Bundespolitik
angesehen. In England war der Gesetzgeber der gleichen Meinung und
nahm die langfristige Arbeitslosigkeit nicht mit in die Gesetze über
die Arbeitslosenversicherung hinein.
Arbeitsunfallentschädigung

- 9-

�20. November

AMERIKA DIENST"

1957

ArbeitsunfallentSchädigung
Zweck der Gesetze über Entschädigungszahlungen bei Arbeitsunfällen ist die Sicherstellung einer sofortigen und angemessenen Entschädigung für Arbeitnehmer, die am Arbeitsplatz einen Unfall erlitten haben; ist der Arbeitnehmer tödlich verunglückt, dann sollen seine
Hinterbliebenen unverzüglich -eine Unterstützung erhalten. Gesetze über
die Arbeitsunfallentschädigung wurden 1911 von zehn Staaten erlassen;
bis 1920 folgten weitere J2 Staaten. Seit 1948 werden in allen Staaten
der USA gesetzlich geregelte Arbeitsunfallentschädigungen gezahlt.
Früher, als es diese Gesetze noch nicht gab, mußten Arbeitnehmer,
die einen Arbeitsunfall erlitten hatten, ihre Entschädigungsforderungen auf dem Klagewege durchzudrücken versuchen. Dazu war es notwendig,
ein Verschulden des Arbeitgebers nachzuweisen. Der Arbeitgeber konnte
nach amerikanischem Recht - dem Common Law - in drei Fällen Einreden
vorbringen, um eine Schadensersatzforderung abzuwehren, nämlich wenn
er nachweisen konnte, daß der erlittene Schaden im Rahmen der üblichen
Arbeitsgefährdung lag, daß eine Fahrlässigkeit eines anderen Arbeiters
für den Unfall verantwortlich war, oder daß uein Mitverschulden des
verletzten Arbeiters vorlag.
Gemäß den gesetzlichen Bestimmungen über die Arbeitsunfallentschädigung sind die Schadenskosten als Teil der gesamten Produktionskosten anzusehen. In ihren einzelnen Vorschriften weichen die Gesetze
in den verschiedenen Staaten zwar erheblich voneinander ab, aber die
meisten von ihnen stellen die Arbeitgeber vor die Wahl, entweder eine
Versicherung abzuschließen, die die Entschädigungszahlungen übernimmt,
oder den Nachweis zu erbringen, daß sie selbst in der Lage sind, entsprechende Entschädigungen zu zahlen.
In 23 Staaten sind diese Gesetze obligatorisch, in 25 Staaten
fakultativ. Unter den obligatorischen Gesetzen sind die Arbeitgeber und gewöhnlich auch die Arbeitnehmer - gezwungen, genau nach den
betreffenden Bestimmungen zu verfahren. Unter den fakultativen Gesetzen steht es dem Arbeitgeber, frei, ob er nach diesen Bestimmungen
verfahren will oder nicht. Verfährt er nicht nach diesen Bestimmungen,
so kann er allerdings auch nicht die nach dem Common Law üblichen
Einreden vorbringen.
Viele der Entschädigungsgesetze sind noch nicht so umfassend, wie
es wünschenswert wäre. Revisionen, die von den gesetzgebenden Körperschaften der Einzelstaaten immer wieder vorgenommen werden, tragen
aber zur allmählichen Verbesserung dieser Gesetze bei. Mehr als 25 Prozent der amerikanischen Lohn- und Gehaltsempfänger werden von ihnen
noch nicht erfaßt. Manche Gesetze beschränken sich auf gewisse, als
gefährlich angesehene Beschäftigungszweige.
Auch die für eine zeitweilige oder dauernde Arbeitsunfähigkeit
oder bei Todesfall zahlbaren Beträge weisen beträchtliche Unterschiede
auf. Die meisten Gesetze begrenzen die für eine zeitweilige Arbeits-

- 10 -

�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

Arbeitsunfähigkeit zu zahlende Entschädigung auf zwei Drittel des Durchschnittlohns bis zu einer bestimmten Höchstgrenze. Die Dauer in den
einzelnen Staaten, in denen eine zeitlich begrenzte Zahlungspflicht
besteht, ist unterschiedlich; sie beträgt in einigen Staaten 104 und
in anderen 700 Wochen. In zehn Staaten werden jetzt aber Unfallentschädigungen während der ganzen Dauer der Arbeitsunfähigkeit bezahlt.
In 21 Staaten werden Leistungen im Falle dauernder totaler Arbeitsunfähigkeit auf Lebenszeit gewährt. Andere Staaten haben für die
Zahlungsdauer oder die Höhe der zu zahlenden Summen oder für beides
bestimmte Grenzen festgelegt; diese reichen von 260 bis zu 800 Wochen
beziehungsweise von 6500 bis zu 20 000 Dollar.
Auch die bei Unfalltod geltenden Bestimmungen weichen in den einzelnen Staaten voneinander ab. In einigen Staaten erhält die Witwe
die Unterstützung auf Lebenszeit oder bis zu ihrer Wiederverheiratung;
für Kinder werden die Zahlungen bis zu einem bestimmten Alter geleistet. Die wöchentlich an die Witwe zu leistenden Zahlungen entsprechen einem bestimmten Prozentsatz des Arbeitsentgeltes ihres verstorbenen Mannes; sie können entsprechend der Kinderzahl erhöht werden.
Soweit von den einzelnen Staaten Höchstgrenzen für die insgesamt zahlbare Summe gesetzlich festgesetzt wurden, liegen diese zwischen 6000
und 20 000 Dollar.
Allgemein anerkannt ist der Standpunkt, daß eine durch Berufskrankheit herbeigeführte Arbeitsunfähigkeit einer Körperbeschädigung
gleichzusetzen und deshalb in gleicher Weise zu behandeln ist. Entsprechende Gesetze gibt es in 46 Staaten. Einige dieser Gesetze
führen die unter diese Regelung fallenden Krankheiten auf, andere
erstrecken sich auf sämtliche Berufskrankheiten.
Im Jahre 1955 wurden im Rahmen der verschiedenen Arbeitaunfallentschädigungsgesetze 920 Millionen Dollar für Entschädigung wegen
Arbeitsunfähigkeit oder für Krankenkosten gezahlt.

Krankenversicherung
In vier Staaten (und auf Grund des Bundesgesetzes für die
Eisenbahner, das im folgenden noch behandelt werden wird) sind bei
kurzfristigen oder in der Anfangszeit von langfristigen Krankheiten
Unterstützungszahlungen gesetzlich festgelegt. Diese Bestimmungen
sehen im allgemeinen Leistungen in Höhe eines halben Arbeitsverdienstes für die Dauer von 20 bis 26 Wochen vor. Im Rahmen von drei dieser Versorgungsprogramme kann die vom Gesetz geforderte Versicherung
bei privaten Versicherungsunternehmen abgeschlossen werden. In sehr
vielen Fällen wird dies so gehandhabt. In den übrigen Staaten liegt
das gesamte Programm in den Händen der staatlichen Verwaltung.

Hilfsprogramme

- 11 -

�"AMERIKA DIENST"

20. November

1957

Hilfsprogramme für Kinder
Über die Abschnitte des Sozialversicherungsgesetzes, die die
Versicharungsleistungen anc Beihilfen für Kinder regeln, haben wir
bereits gesprochen.
Das Sozialversicherun^sgesetz von 1935 sieht aber auch die Bereitstellung von Bundesmitteln vor, die den Einzelstaaten als Zuochüsse
zur Gesundheitsfürsorge für Mutter und Kind oder für körperbehinderte
Kinder und andere Maßnahmen der Jugendwohlfahrt gewährt werden. Die
Gesundheitsfürsorge für Mutter und Kind erstreckt sich auf die ärztliche
Betreuung der. Mütter, ärztliche Untersuchungen von Schulkindern, Impfungen gegen verschiedene Krankheiten und die Einrichtung von Säugl.'ngsund Kinderpflegestätten. Alle diese Maßnahmen haben mit dazu beigetragen, daß die Mütter- und Kindersterblichkeit beträchtlich abgenommen hat. In der Zeit von 1935 bis 1955 ging die Kindersterblichkeit
um die Hälfte (auf 26,5 Todesfälle bei 1000 Lebendgeburten im Jahre
1955) zurück. Die Müttersterblichkeit verringerte sich sogar auf ein
Zehntel (0,48 Todesfälle bei 1000 Lebendgeburten im Jahre 1955).
Im Jahre 1955 wurden etwa 278 000 körperbehinderte und an angeborenen Krankheiten leidende Kinder im Rahmen dieses Programms ärztlich
betreut. Weitere Hilfsprogramme erstrecken sich auf schwererziehbare
un'i verwahrloste Kinder sowie auf Maßnahmen zur Verhinderung der Jugendkriminalität. Sozialfürsorger studieren die Fälle von schwererziehbaren Kindern und versuchen, ihnen die Einordnung in die Gemeinschaft zu erleichtern. Wenn erforderlich, bringen sie verwahrloste
Kinder in Pflegeheimen unter oder ermöglichen ihre Adoption durch
Familien, die die weitere Sorge für sie übernehmen. Die Erziehung
solcher Kinder durch Pflegeeltern tritt mehr und mehr an die Stelle
einer Unterbringung in Heimen.
öffentlicher Gesundheitsdienst
Maßnahmen zum Schutze der Gesundheit obliegen in erster Linie
den Einzelstaaten und Gemeinden. Sie v/erden dabei aber von der Bundesregierung unterstützt, die ihnen durch den öffentlichen Gesundheitsdienst beträchtliche Mittel und technische Hilfe zur Verfügung
stellt. Dieser Gesundheitsdienst, der in neun Großstädten Bezirksdienststellen unterhält, führt die oberste Aufsicht über die Lebensmittel- und Trinkwasserüberwachung, Maßnahmen der Indus trithygiene,
die Bekämpfung der wichtigsten Krankheiten und die Erstellung allgemeiner sanitärer Einrichtungen und Krankenhäuser. Der Gesundheitsdienst betreibt ferner über die Nationalen Gesundheitsinstitute
die Erforschung der Ursachen und Behandlung von Krebs, Herz-, Infektions- und Geisteskrankheiten sowie der zur Erblindung führenden
Leiden und so weiter. In Zusammenarbeit mit den Regierungen nderer
Länder und mit internationalen Organisationen beteiligt er sich an
der Lösung der verschiedensten Probleme des Gesundheitswesens.
III.

- 12 -

�"i&gt;MVRTKA DIENST"

20. November
III.

1957

SONDERREGELUNGEN

KriegsteilnehmerVersorgung
Für die ehemaligen Soldaten wurden Gesetze erlassen, die ihnen
als Ertschädigung für wirtschaftliche Verluste, die sie durch den Militärdienst erlitten haben, weitgehende Hilfe gewähren. Weitere Gesetze
sorgen für die Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen. Allen
Solda en steht eine Lebensversicherung zur Verfügung, deren Beiträge
niedrig sind und die sie auch nach ihrer Rückkehr ins Zivilleben weiter
führen können.
Verletzungen oder Krankheiten, die sie sich während ihres Militärdienstes zugezogen haben, werden in Krankenhäusern, die speziell
für Kriegsteilnehmer eingerichtet wurden, kostenlos behandelt. Total
oder teilschwerbeschädigte ehemalige Soldaten erhalten Renten.
Den Männern und Frauen, die in den Streitkräften der Vereinigten
Staaten gedient haben, werden darüber hinaus noch viele weitere Vergünstigungen gewährt. Bei ihrer Rückkehr ins Zivilleben erhalten sie
Barvergütungen, die nach Art und Dauer des Dienstes von 100 bis 300
Dollar gestaffelt sind. Diese Zahlungen sollen ihnen die Rückkehr ins
Zivilleben erleichtern. Diejenigen, die nicht sofort eine neue Beschäftigung finden, erhalten außerdem eine wöchentlich zahlbare Unterstützung; Teilnehmer des zweiten Weltkrieges konnten sie bis zur
Höchstdauer von einem Jahr beziehen. In den ersten zehn Jahren nach
Ende des zweiten Weltkrieges "haben aber nur zehn Prozent der Kriegsteilnehmer ihren vollen Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung geltend gemacht. Im Durchschnitt nutzten sie diese Versorgung nur sechs
Wochen lang aus.
Besondere Vergünstigungen werden ihnen auch beim Erwerb von Farmen , Häusern und Geschäften beziehungsweise Beteiligungen gewährt.
Niedrig verzinsliche Darlehen, die für derartige Zwecke aufgenommen
werden, werden durch die Regierung rückversichert. Insgesamt wurden
in den ersten zehn Jahren nach Kriegsende derartige Darlehen in einer
Hb e von etwa 30,5 Milliarden Dollar gewährt. Zu 90 Prozent wurde diese
Suiime zum Kauf von Häusern verwendet.
Bei der Einstellung durch staatliche Behörden werden ehemalige
Kriegsteilnehmer bevorzugt, wobei Kriegsbeschädigte wiederum Vorrang
gegeiüber den übrigen Kriegsteilnehmern genießen.
Alle Männer und Frauen, die in den Streitkräften Dienst geleistet
haben, haben ein Anrecht auf kostenlose Ausbildung. Die sogenannte
"GJ-Bill of Rights" ermöglichte den ehemaligen Soldaten des zweiten
Weltkrieges ein kostenloses Studium beziehungsweise eine kostenlose
berufliche Ausbildung für eine Dauer bis zu vier Jahren. Im Rahmen
dieses Gesetzes werden ihnen die Studiengebühren und Beihilfen zur
Deckung der Lebenshaltungskosten gezahlt, die bei Kriegsteilnehmern
mit unterhaltspflichtigen Angehörigen bis zu 120 Dollar im Monat
betragen.
Mehr

- 13 -

�20. November 1957

"AMERIKA DIENST"

Mehr als 7»8 Millionen ehemalige Soldaten erhielten
dieses Gesetzes kostenlos eine allgemeine oder spezielle
Die nachstehende - keineswegs vollständige - Aufstellung
viel ehemalige Kriegsteilnehmer in einigen Berufszweigen
wurden:
Arzte und Pflegepersonal

180 000

Ingenieure und Techniker

450 000

Wissenschaftler
Rechtsanwälte

113 000
107 000

Metallarbeiter

288 000

Elektriker

138 000

im Rahmen
Ausbildung.
zeigt, wieausgebildet

ooc

Drucker und Setzer

61

Polizisten und Feuerwehrleute

83 000

Regierungsbedienstete
Für die Bediensteten der Bundesregierung wurden besondere Gesetze
erlassen, die ihnen große wirtschaftliche Sicherheit geben. Nach den
Gesetzen über den zivilen Staatsdienst haben alle Regierungsbediensteten, abgesehen von einer verhältnismäßig kleinen Gruppe hoher politischer Beamter die Möglichkeit, in den ständigen Dienst übernommen
zu werden, aus dem sie nicht ohne besonderen Grund entlassen werden
können. Für die Bundesbediensteten gibt es ein eigenes Altersversorgungsprogramm, das durch Beiträge der Angestellten und der Regierung
zu einem besonderen Fonds finanziert wird. Die Pensionen, die den
Bundesbediensteten bei Erreichung der Altergrenze oder im Falle der
Arbeitsunfähigkeit beziehungsweise ihren Hinterbliebenen gezahlt werden, richten sich nach der Höhe der Bezüge und dem Dienstalter.
Ein Altersrentenanspruch besteht für Bundesbedienstete mit mindestens fünfjähriger Dienstzeit bei Erreichung des 62. Lebensjahres
oder bei dreißigjähriger Dienstzeit nach Erreichung des 60. Lebensjahres.
Bundesbedienstete mit 30 Dienstjahren können sich sogar bereits mit
55 Jahren pensionieren lassen; ihre Versorgungsbezüge sind dann aber
geringer. Nach mindestens fünfjähriger Dienstzeit besteht ein vom Lebensalter anabhängiger Rentenanspruch im Falle der Arbeitsunfähigkeit.
Eine Pflicht,der Versetzung in den Ruhestand zuzustimmen, besteht erst
bei einem Alter von 70 Jahren und einer mehr als fünfzehnjährigen
Dienstzeit.
Angehörige des Bundesdienstes, die mit weniger als fünf Dienst.-iahren
ausscheiden, erhalten die von ihnen in den Versorgungsfonds eingezahlten
Gelder mit Zinsen zurück. Haben sie fünf oder mehr Jahre im Staats ienst
gearbeitet, dann können sie ihre Einlagen entweder zurückfordern ouer
aber im Fonds belassen. Im letzteren Falle sind sie mit 62 Jahren
pensionsberechtigt.
Die

- 14 -

�''AMERIKA DIENST

20. November 1957

Die Bundesbediensteten erhalten außerdem bezahlten Urlaub und
Krankheitsurlaub. Beide richten sich nach der Länge ihrer Dienstzeit.
Sie sind außerdem in einer Arbeitslosen- und Arbeitsunfallversicherung
und können ohne große Kosten eine Gruppen-Lebensversicherung eingehen.
Der im Todesfall zur Auszahlung kommende Betrag entspricht etwa einem
Jahresgehalt.
Die Altersversorgung der Bediensteten der Einzelstaaten und Gemeinden ist unterschiedlich geregelt. In den meisten Fällen besagen die
Bestimmungen aber, daß sowohl die Angestellten als auch die beschäftigende Behörde Beiträge zu leisten haben. Dieses System entspricht dem
der Bundesregierung. Die Mehrheit der einzelnen Versorgungswerke gestattet eine Pensionierung nicht nur aus Altersgründen, sondern auch
wegen Arbeitsunfähigkeit.
Durch Ergänzungen des grundlegenden Sozialversicherungsgesetzes,
die im Jahre 1950 vorgenommen wurden, konnten bestimmte Gruppen von
Angestellten der Einzelstaaten und örtlichen Verwaltungen, die nicht
von ihren eigenen Versorgungseinrichtungen erfaßt werden, in die allgemeine Alters- und Hinterbliebenenversicherung einbezogen werden. Weitere
Änderungen des Gesetzes dehnten 1954 die Bestimmungen für einen freiwilligen Beitritt zur Sozialversicherung auch auf die Mitglieder
der einzelstaatlichen und kommunalen Versorgungseinrichtungen aus.
Nur etwa zehn Prozent aller Bediensteten der Einzelstaaten und Gemeinden besitzen keine Altersversicherung durch besondere Versorgungseinrichtungen, die Bundes-Sozialversicherung oder durch eine Kombination
beider Sozialwerke.
Eisenbahner
Für die Alters- und Arbeitslosenversicherung der Eisenbahner wurden in den Vereinigten Staaten besondere Gesetze erlassen. Altersrenten werden den Eisenbahnern im Alter von 65 Jahren bei zehn Dienstjahren oder zwischen 60 und 64 Jahren bei dreißig Dienstjähren gezahlt.
Ihre Witwen und Kinder oder die von ihnen wirtschaftlich abhängigen
Eltern können als Hinterbliebene entweder Renten oder eine Abfindungszahlung erhalten. Dauernd arbeitsunfähige Eisenbahner sind bereits
nach zehn. Dienstjahren rentenberechtigt. Für diejenigen, die nicht nur
bei der Eisenbahn, sondern auch in anderen Wirtschaftszweigen gearbeitet
haben, sieht das Gesetz die Möglichkeit einer Verbindung der Eisenbahneraltersversorgung mit der allgemeinen staatlichen Altersversicherung
vor.
Arbeitslosenunterstützung wird den Eisenbahnern für höchstens
130 Tage pro Jahr gewährt. Ferner sind die Eisenbahner in einer Krankengeldversicherung; weibliche Eisenbahnangestellte können darüber hinaus
besondere Mütterbeihilfen in Anspruch nehmen.

(Siehe Schaubild 3 und 4)

- 15 -

�Schaubild 3

Welche

Mittel

stehen

der Regierung

der Vereinigten

zur Stabilisierung
der Wirtschaft
und Aufrechterhaltung
Kaufkraft
der Bevölkerung
zu Gebote ?

9

Staaten
der

Ein System von Versicherungsleistungen hilft vorübergehend beschäftigungslosen Arbeitnehmern.

9 Tarifverträge zwischen Gewerkschaften und Unternehmern schützen
die Arbeitnehmer vor Lohnkürzungen und der Verschlechterung der
übrigen Arbeitsbedingungen im F a l l e e i n e s Rückgangs in der
Wirtschaft.
9 Die Lohngesetzgebung s e t z t Mindestzahlungen an die Arbeitnehmer
fest.
9 Öffentliche Bauvorhaben, die dann in Angriff genommen werden,
wenn e s gilt, einem wirtschaftlichen Rückgang entgegenzuwirken.
9 Überwachung der Börsenta'tigkeit.
• Stüzung der P r e i s e für landwirtschaftliche Produkte.
0 Das Notenbanksystem der Regierung wirkt heftigen Schwankungen
im Volumen der Wirtschaftstätigkeit durch die Verteuerung oder
Verbilligung der Bankkredite entgegen und verstärkt im Anfangsstadium einer F l a u t e den Zahlungsmittelumlauf bzw. beschränkt
ihn im F a l l e e i n e s sich anbahnenden Booms.
9 Bankeinlagen sind bis zu einer Höhe von 10 000 Dollar durch die
Bundesregierung rflckversichert.
9 Ein Wirtschaftsbeirat berät den P r ä s i d e n t e n in allen Wirtschaft liehen Angelegenheiten und warnt die Wirtschaft vor eventuell
aufkommenden Schwierigkeiten.
9 Verschiedene s t a t i s t i s c h e Behörden versorgen die gesamte
Öffentlichkeit laufend mit allen verfügbaren Informationen über die
jeweilige wirtschaftliche Entwicklung.

-16-

�Schaubild 4

Eigentumsbildung auf
breitester

Grundlage

Gesamtbevölkerung der USA (1956)
168 M i l l i o n e n
Gesamtbeschäftigtenzahl
69 M i l l i o n e n

(19.56)

H a u s b e s i t z - 5 9 % aller nichtlandwirtschaftlichen Familien
leben in Wohnungen, die bereits ihr Eigentum sind oder
die auf Grund eines Ratenzahlungsvertrages allmählich
in ihr Eigentum übergehen.
Farmbesitz - 7 5 , 6 % aller amerikanischen Farmen sind
Eigentum oder t e i l w e i s e s Eigentum der Landwirte,
von denen sie bewirtschaftet werden.
Bank- und Sparguthaben - Über 130 Millionen Amerikaner Männer, Frauen und Kinder - haben ein Bank- oder
Sparkassen guthaben.
Staats- und Kommunalpapiere - Über 46 Millionen Amerikaner
sind im B e s i t z von Obligationen d e s Bundes, der
E i n z e l s t a a t e n oder der Gemeindeverwaltungen.
Aktien - Etwa zehn Millionen Amerikaner besitzen Industrieaktien.
Lebensversicherungen - 8 6 % aller amerikanischen Familien
haben eine Lebensversicherung der einen oder anderen
Form a b g e s c h l o s s e n . Ihr Gesamtwert beziffert sich
auf 415 Milliarden Dollar, die durchschnittliche Höhe
pro Familie beträgt 9000 Dollar.
Kraftfahrzeuge - Über 70 % aller Familien haben ein oder
mehrere Kraftfahrzeuge.
Kreditgenossenschaften - Über vier Millionen Amerikaner
haben Anteile von Kreditgenossenschaften erworben.

-17-

�AMERIKA DIENST"

20. November 1957
IV.

DAS FUNDAMENT DER SICHERHEIT

Die private Wirtschaft
Bisher haben wir über die Rolle gesprochen, die der Staat auf dem
Gebiet der sozialen Sicherheit spielt. Das sichere Fundament aber, das
alle diese Sozialleistungen erst ermöglicht, ist die Stärke und Gesundheit der freien Privatwirtschaft. Das amerikanische Wirtschaftssystem
hat zu einer weiten Streuung des Eigentums geführt und die Amerikaner
in die Lage versetzt, durch Ersparnisse, Versicherungen, Haus- und
anderen Besitz selbst für ihre wirtschaftliche Sicherheit zu sorgen.
Darüber hinaus hat man auf privater Basis weitere Einrichtungen
für die Altersversorgung geschaffen. Ende 1956 hatten etwa 23 000
amerikanische Firmen eigene Pensionskassen mit 14 Millionen Mitgliedern»
Im Jahre 1955 wurden ungefähr 585 Millionen Dollar an mehr als 920 000
Pensionäre ausgezahlt, von denen die meisten außerdem noch Renten aus
der Bundes-Sozialversicherung bezogen. Als Anreiz zur Eildung von privaten Pensionskassen wurden besondere Gesetze erlassen, die den Unternehmen, die solche Versorgungswerke unter Einhaltung bestimmter Richtlinien schaffen, Steuervergünstigungen für die aufgewandten Mittel
gewähren.
Es gibt noch viele andere freiwillige Versicherungspläne und private Einrichtungen und Vereinbarungen, die zur allgemeinen Wohlfahrt
des amerikanischen Volkes beitragen. Einige von ihnen sollen auf den
folgenden Seiten besprochen werden.

Der garantierte Jahreslohn
Die wirtschaftliche Unsicherheit, die ihre Ursache in dem ständigen Auf und Ab bestimmter Wirtschaftszweige hat, bereitete den Arbeitern
in aller Welt seit langem Sorge. Eines der Mittel, mit denen man dieses
Problem angeht, ist der garantierte Jahreslohn. Vertragliche Vereinbarungen über die Bezahlung eines garantierten Jahreslchnes wurden 1955 zwischen
den Gewerkschaften und den Arbeitgebern in den wichtigsten Automobil-,
Stahl-, Gummi- und Aluminiumwerken ausgehandelt.
Diese Abmachungen unterscheiden sich zwar in ihren einzelnen Bestimmungen, aber in allen ist ein Firmenfonds vorgesehen, aus dem unbeschäftigte Arbeitei zusätzliche Beihilfen zur staatlichen Arbeitslosenunterstützung erhalten.
In der diesbezüglichen Vereinbarung mit der Ford Motor Company
ist zum Beispiel festgelegt, daß die Gesellschaft einem arbeitslosen
Betriebsangehörigen zusätzlich zur staatlichen Arbeitslosenunterstützung bis zu sechs Monate lang Beihilfen zahlt, die seiner- Gesamtunterstützung auf mehr als 60 Prozent seines normalen Lohnes erhöhen.
(Siehe Schaubild 5)

- 18 -

�Schaubild 5

Art und Höhe der von Amerikanern abgeschlossenen
G E S A M T W E R T : 415 M I L L I A R D E N D O L L A R

Wert in Milliarden Dollar
Normale Lebensversicherungen
Gruppen-Lebensversicherungen
Sterbegeld-Versicherungen
Kredit-Lebensversicherungen
86 % AULER F A M I L I E N IN D E N
V E R E I N I G T E N STAATEN HABEN
EINE LEBENSVERSICHERUNG
DER E I N E N O D E R A N D E R E N ART
ABGESCHLOSSEN
DURCHSCHNITTLICHE VERSICHERUNGSSUMME P R O F A M I L I E (isee)
»000 DOLLAR

Quelle: Institute of Life Insurance,
1956 Life Insurance Fact Book

-19-

Lebensversicherungen
(geschätzt)

239
119
40
17

�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

Lebensversicherungen
Eine in den USA besonders weit verbreitete Form der wirtschaftlicher. Sicherung ist die Lebensversicherung. Im Jahre 1955 waren mehr
als 103 Millionen Amerikaner, also über 60 Prozent der Bevölkerung,
Inhaber von Lebensversicherungspolicen; im gleichen Jahre wurden an
die Hinterbliebenen von Versicherten insgesamt 2 240 731 000 Dollar
ausgezahlt.
Der vorherrschende Versicherungstyp ist der normale Lebensversicherungsvertrag, der zwischen dem Versicherungsnehmer und einer Versicherungsgesellschaft abgeschlossen wird. Die im Jahre 1955 laufenden
Versicherungsverträge dieser Art lauteten insgesamt über 216,6 Milliarden Dollar.
Private Arbeitgeber oder Behörden schließen oft auch GruppenLebensversicherungsverträge für ihre Arbeitnehmer ab. Diese Art der
Versicherung ist beträchtlich billiger als eine individuelle Lebensversicherung} außerdem ist im Normalfall für die Aufnahme keine ärztliche Untersuchung erforderlich. Im Jahre 1955 liefen solche Gruppenlebensversicherungsverträge über insgesamt 101,3 Milliarden Dollar.
In vielen Versicherungsverträgen ist bei Unfalltod die Auszahlung
der doppelten Versicherungssumme vorgesehen. Andere Verträge enthalten
Bestimmungen über Versicherungsleistungen bei Arbeitsunfähigkeit.
Die Möglichkeit eines Versicherungsschutzes besteht für so gut
wie jeden Unglücksfall oder Notstand. So haben sich in den letzten
Jahren viele Leute, die ein Haus gekauft haben, für den Fall versichert,
daß sie die restlichen Raten nicht aufbringen können. Bei dieser Art
Versicherung übernimmt der Versicherungsträger die Bezahlung der
Schulden, wenn der Versicherungsnehmer stirbt oder wegen Arbeitsunfähigkeit seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllen kann.

(Siehe Schaubild 6)

- 20 -

�Schaubild 6

Der Anstieg der Zahl der Freiwilligversicherten in der privaten
Kranken- und Krankenhausaufenthaltsversicherung

110

100

91,9

90

80

70

60

55,5
50

Operationskosten Versicherung:
Die Versicherungsgesellschaft
bezahlt dem Chirurgen bezie hungsweise dem Kranken die für
die Vornahme bestimmter
Operationen vereinbarten Beträge.

Krankenkostenversicherung:
D i e s e Versicherung verfolgt
den Zweck, die wichtigsten
Kosten bei ernsten Erkrankungen
oder Unfällen abzudecken.

40

30

20

10

1941 43

Krankenhausaufenthaltsver Sicherung: Die Versicherungsgesellschaft bezahlt die Krankenhauspflegekosten sowie die
damit verbundenen Nebenkosten
für eine bestimmte Anzahl von
Tagen.

45 47 49

51 53

55

-21-

�"AMERIKA DIENST

20. November 1957

Freiwillige Krankenversicherung
Für diejenigen, die die Prämien selbst bezahlen oder deren Arbeitgeber die Prämienzahlung t llweise oder ganz übernehmen, stehen in
den USA verschiedene Arten von Kranken- oder Kranke 'geldversicherungen
auf freiwilliger Basis zur Auswahl. Die ersten Krank nversicherungen
bildeten sich bereits vor fast einhundert Ja ren heraus. Einige
dieser Versicherungen hatten genossenschaftlichen Charakter; die
meisten beschränkten sich auf bestimmte Berufsgiuppen wie Eisenbahner, Holzfäller oder Bergleute. Diese sorgten aber nur für die
Arbeiter selbst, nicht für deren Familien. Sie deckten den größten
Teil der Kosten der ärztlichen Betreuung und ines notwendigen Krankenhausaufenthalts .
Im Unterschied zur Praxis in vielen anderen Ländern gehört in
den privaten Krankenhäusern der Vereinigten Staaten die ärztliche Betreuung nicht zur Krankenhausbehandlung. Seit den dreißiger Jahren
dieses Jahrhunderts und in zunehmendem Maße in der Zeit nach dem
zweiten Weltkrieg bildete sich ein Versicherungstyp heraus, der nur
einige genau festgelegte Teile der Behandlungskosten erfaßt. Der
Patient bezahlt Arzt und Krankenhaus getrennt. Bei der ersten Form,
die diese neue Versicherungsart annahm, wurde vom Versicherungsträger
die Bezahlung eines Teiles oder aller Krankenhauskosten für Unterbringung, Verköstigung, Pflege und andere Krankenhausleistungen übernommen. In einer Krankenhauskosten-Versicherung sind heute etwa 108
Millionen Menschen.
Bei der sich später herausbildenden Versicherungsart deckt die
Gesellschaft(&lt;fceilweise oder ganz) die Arztrechnung im Falle einer
im Krankenhaus vorgenommenen Operation. Insgesamt 92 Millionen Menschen genießen heute den Schutz einer solchen Operationskostenversicherung.
Zahlreiche andere Versicherungen zahlen heute einen Teil der Behandlung während eines Krankenhausaufenthalts, bei dem keine Operation
erforderlich ist. Einen solchen Teilschutz haben 56 Millionen Versiehe rungsnehmer.
Seit dem zweiten Weltkrieg besteht die Tendenz zu einer Art von
Vorauszahlung der Heilkosten in Fällen, in denen kein Krankenhausaufenthalt erforderlich ist. Solche Abmachungen haben verschiedene
Gestalt angenommen. Einige Versicherungen lassen die ärztliche Behandlung selbst vornehmen, und zwar von einer ärztlichen Arbeitsgemeinschaft; andere ersetzen dem Patienten die Kosten, die ihm für
den Besuch beim Arzt oder für dessen Besuch in der Wohnung des Patienten entstanden sind. Nur knapp 10 Millionen Personen sind in
irgendeiner Form für Arzt- und Behandlungskosten versichert, die
außerhalb eines Krankenhauses entstehen. Aber einige Millionen dieser
Verträge über die Vorauszahlungen von Heilkosten sind sehr umfassend
und schließen sowohl vorbeugende und diagnostische Leistungen als
auch Heilbehandlung ein.
Eine

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�"AMERIKA DIENST"

20. November

1957

Eine andere Art der Krankenversicherung, die in den Vereinigten
Staaten anzutreffen ist, ersetzt teilweise den Lchnverlust, den ein
kranker Arbeitnehmer durch zeitweilige Arbeitsunfähigkeit erleidet.
Etwa 52 Millionen Personen haben eine derartige Versicherung abgeschlossen, die ihnen im Falle einer länger als drei bis sieben Tage
dauernden Krankheit den Lohnausfall teilweise vergütet. Weitere 8
Millionen, die zum überwiegenden Teil im öffentlichen Dienst stehen,
erhalten bezahlten Krankenurlaubj ihre Bezüge werden im Krankheitsfalle für eine im einzelnen unterschiedliche Dauer weitergezahlt.
Die Kosten für einen Lohnausfallschutz müssen in gewissen Fällen vom
Arbeitgeber getragen werden.
Private Wohlfahrtspflege
Die soziale Fürsorgetätigkeit wird in den Vereinigten Staaten
zum Teil aus Steuermitteln, zum Teil aber von zahlreichen privaten
philanthropischen Institutionen finanziert. Mehrere Milliarden
Dollar werden alljährlich von Millionen Amerikanern in Form von Spenden für soziale Zwecke aufgebracht. Die einzelnen Beträge sind oft
größer als die Steuerzahlungen der Spender. Im Jahre 1955 gingen für
religiöse Zwecke, für Gesundhe'ts- und Wohlfahrtseinrichtungen, Schulen,
Krankenhäuser und für Auslandshilfsprogramme 5 Milliarden Dollar ein.
Etwa 450 Millionen Dollar kamen durch freiwillige Spenden amerikanischer Unternehmen und Organisationen zusammen; in testamentarischen
Verfügungen wurden etwa 350 Millionen Dollar für philanthropische Zwecke
gestiftet.
Die Gesamtsumme der für wohltätige Zwecke im In- und Ausland bestimmten Spenden belief sich auf nahezu 6 Milliarden Dollar, das sind
zwei Prozent des amerikanischen Nationaleinkommens. Private Wohlfahrtsorganisationen sorgen für viele Kranke und Arme in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern, sie geben außerdem Gelder für Schulen und
Krankenhäuser und unterstützen di s medizinische Forschung.
Von besonderem Wert für kranke und arme Menschen in aller Welt
Bind die Hilfsmaßnahmen, die von den freiwilligen Auslandshilfsorganisationen durchgeführt werden. Diese Organisationen, wie beispielsweise die Amerikanisch-Koreanische Stiftung und die CARE (Cooperative
for American Remittances to Everywhere), beteiligen sich maßgeblich an
der Verteilung von landwirtschaftlichen Produkten, die vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium als Überbestände zur Verfügung gestellt
werden, sowie vcn Kleider- und Arzneimittelspenden und von finanziellen
Beihilfen für bedürftige Personen in mehr als 75 anderen Ländern. Im
Jahre 1956 wurden durch Hilfsorganisationen aus solchen Überbeständen
fast 520 000 t Lebensmittel im Werte von 180 Millionen Dollar im Ausland verteilt; dazu kamen noch Arzneimittel, Kleidung und so weiter im
Werte von 50 Millionen Dollar und etwa der gleiche Betrag in Gestalt
von finanziellen Beihilfen.
Auf

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�»AMERIKA DIENST"

20. November 1957

Auf dem Gebiete des Gesundheitswesens haben gemeinsinnige Amerikaner
durch ihre jährlichen Spenden für die Hilfstätigkeit des Roten Kreuzes
una vieler amerikanischer Organisationen, die auf dem Gebiet der Gesundheitspflege tätig sind, eine bedeutsame Rolle gespielt. Da«* Rote Kreuz,
das allein in d-n Vereinigten Staaten 7000 Dienststellen anterhält und
über die ganze Welt verbreitet ist, erhielt 1955 vom amerikanischer, Volk
Spenden in Hohe von insgesamt 94»5 Millionen Dollar. Mit diesem Geld
wurden Hilfsmaßnahmen für die Opfer vcn Katastrophen, Bl .tspe.ndeakt ionen,
Maßnahmen zir Gesunderhaltung des amerikanischen Volkes und Aus]andshi3fsprogramme finanziert. Bei einem Spendenaufruf des Roten Kreuzes
im Herbst 1956 für die ungarischen Flüchtlinge gingen 5 Millionen Dollar
ein .
Andere nationale Vereinigungen widmen ihre Tätigkeit besonderen
Gesundheitsproblemen. So unterstützt beispielsweise die Amerikanische
Gesellschaft zur Bekämpfung der Tuberkulose zahlreiche einschlägige
Forachungsprojekte. Sie finanziert die Tätigkeit ihrer mehr als 5000
staatlich und örtlich gegliederten Organisationen durch den Verkauf von
Sondermarken zur Weihnachtszeit. Fast 25,8 Millionen Dollar kamen 1955
durch diesen Markenverkauf ein.
Unschätzbare Dienste leistete die Amerikanische Vereinigung zur Bekämpfung der Kinderlähmung, die 1938 von dem verstorbenen Präsidenten
Roosevelt una einigen seiner Freunde gegründet wurde, bei der Erforschung
der Ursachen dieses Leidens, in der Entwicklung prophylaktischer Schutzmaßnahmen und in der Fürsorge für seine Opfer. Sie beteiligte sich maßgeblich an der Finanzierung der im ganzen Lande durchgeführten Kampagnen
für die Polioimpfung der Kinder. Der neue, von dem amerikanischen Arzt
Dr. Jonas E. Salk entdeckte Impfstoff wurde 1954 bei mehr als 400 000
Kindern sorgfältig erprobt. Im darauffolgenden Jahre begann man im ganzen Lande mit der Massenimpfung der Kinder. An der Finanzierung dieser
vorbeugenden Maßnahmen sowie der Erforschung und Behandlung der Krankheit
beteiligte sich die Vereinigung in Zusammenarbeit mit dem Öffentlichen
Gesundheitsdienst.
Eine andere Organisation, die Amerikanische Gesellschaft für Eerzforschung, hat seit 1948 für die Bekämpfung von Herzkrankheiten und
Kreislaufstörungen über 13 Millionen Dollar ausgegeben.
Die Amerikanische Gesellschaft zur Krebsbekämpfung st'ftet große
Summen für die Erforschung und Diagnostizierung von Krebs sowie für die
al gemeine Verbreitung von Kenntnissen über dieses Leiden und seine Verhinderung. Im Jahre 1955 brachte diese Gesellschaft 26 Million-n Dollar
auf.
Außer den wohltätigen Organisationen, zu denen die amerikanische
Bevölkerung alljährlich finanzielle Beiträge leistet, gibt es in den
Vereinigten Staaten etwa 5000 Stiftungen mit einem Gesamtvermögen von
etwa 7 Milliarden Dollar, die.1955 für philanthropische Zwecke im Injnu Ausland schätzungsweise 400 Millionen Dollar ausgegeben haben. Einige
der größten Stiftungen sind durch die Hilfe, die sie karitativen, wissenschaftlichen und bildungsfordernden Projekten in vielen Ländern zuteil

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�"AMERIKA DIENST"

20. November 1957

zuteil werden ließen, in der ganzen V/elt bekannt geworden. Die FordStiftung, die von dem Automobilproduzenten Henry Ford gegründet wurde
und von seiner Familie weiterhin unterstützt wird, verfügt über ein
Vermögen von mehr als 2 Milliarden Dollar. Im Jahre 1955 gab sie für
die Förderung des Erziehungswesens und der Wissenschaft sowie für
wirtschaftliche Entwicklungsvorhaben in amerikanischen, europäischen,
asiatischen und afrikanischen Ländern 70 Millionen Dollar aus. Die
Rockefeller-Stiftung, deren Vermögen 300 Millionen Dollar übersteigt,
wurde "zur Förderung des Wohlergehens der Menschheit in aller Welt"
ins Leben gerufen. Sie nimmt sich vor allem der Ausbildung von Medizinern an und fördert das öffentliche Gesundheitswesen, die biologische und medizinische Forschung sowie die Landwirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die Carnegie Corporation of New York, deren Vermögen nahezu 200 Millionen Dollar beträgt, gibt ihre Hilfe vor allem
für Bildungs- und Forschungszwecke in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern. Eine verwandte Organisation, die Carnegie Endowment for
International Peace (Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden)
verwendet ihren Fonds in Höhe von 20 Millionen Dollar für die Forderung
der internationalen Verständigung durch Unterstützung des Erziehungswesens und der Tätigkeit der Vereinten Nationen.

ZU SAMMENFASSUNG
Die soziale Sicherheit, die heute die Amerikaner genießen, ist
das Ergebnis von staatlichen und privaten Maßnahmen, d e in gegenseitiger Ergänzung einen weitgehenden Schutz gegen die Unbilden und
Wechselfälle des Lebens geben. Letzten Endes hängen natürlich alle
diese Maßnahmen von der Stabilität der amerikanischen Wirtschaft ab.
Die führenden Persönlichkeiten der Wirtschaft und der "-'egierung richten deshalb ihre Bemühungen darauf, den besten Weg für die Aufrechterhaltung der Vollbeschäftigung und eines hohen Grade= der Kapazitätsausnutzung
zu finden.
Wenn es auch stimmt, daß man bisher noch kein absolut stabiles
Wirtschaftssystem entwickeln konnte, so ist es andererseits ebenfalls
Tatsache, daß das kapitalistische System in den Vereinigten Ctasten einen
so weitgehenden Wandel erfahren hat, daß eine ernsthafte Depression
äußerst unwahrscheinlich geworden ist.
In nicht ferner Zukunft werden alle alten Menschen, die sich aus
dem Berufsleben zurückziehen, in den Genuß der von der Regierung geförderten Altersversorgung kommen, auf die sie auf Grund ihrer jahrelangen Beiträge einen Rechtsanspruch erworben haben. Als zusätzliche
Sicherung werden eigene Ersparnisse, private Versicherungsverträge
oder selbsterworbener Besitz dienen. Auf der anderen Seite wird das
staatliche Hilfsprogramm Schritt für Schritt soweit eingeschränkt werden, daß es sich nur noch mit ganz besonders gelagerten Fällen zu
befassen hat, die auf andere Weise nicht gelöst werden können.

* * * * *

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�A M E R I K A

E N S T

Allg./l8.12.1957
EISENHO'.VER FORDERT GEMEINSAME MASSNAHMEN ZUR STÄRKUNG
DES FRIEDENS

PARIS - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede des US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower vom 16. Dezember 1957» in der er die Regierungschefs
der NATO-Mitgliedstaaten in Paris auffordert,
gemeinsame Maßnahmen zur Stärkung und Festigung des Friedens zu erörtern.

"Ich bin hier, um mit Ihnen die Arbeit der NATO für einen gerechten Frieden fortzuführen, Ich bin mit Ihnen in Paris zusammengekommen mit Ihnen,meine langjährigen Freunde und Kollegen, die Sie alle mit an
der schweren Verantwortung tragen, aber auch an den hoffnungsvollen
Möglichkeiten teilhaben.
Diese Konferenz steht in der Geschichte der NATO einzig irtig da.
Zum ersten Mal nehmen an ihr die Regierungschefs teil.
Unser Treffen hier steht nicht unter der bedrückenden Furchti, daß
jeder der hier vertretenen Staatem einzeln und für sich handelnd, nicht
in der Lage wäre, der aggressiven Macht zu begegnen, die gegen ihn aufgebracht werden könnte.
Dies gehört der Vergangenheit an.
Unsere Konferenz wird auch nicht von so furchtbaren Gedanken überschattet, daß unsere Städte wiederum durch Zwietracht zerstört und schwer
gezeichnet, unsere Wirtschaft aufs äußerste angespannt und unsere Völker vom Krieg gegen den Totalitarismus erschöpft wären.
Auch dies gehört der Vergangenheit an.
Und ganz gewiß auch treffen wir hier nicht in einer Atmosphäre
nationalistischen Stolzes zusammen, der auf Kosten unserer Bruderstaaten eigennützige Interessen verfolgt.
Dies ist bei der NATO niemals der Fall gewesen.
Wir sind hier zusammengekommen, um uns erneut mit all unseren
Kräften darum zu bemühen, die dunklen Schatten zu bannen, die auf

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�18. Dezember 1957

"AMERIKA DIENST

auf die freie Welt fallen. Wir sind hier, um den Bestand unserer großen
Aktivposten an Menschen, Geist und Material aufzunehmen. Wir sind hier,
um Mittel und Wege zu finden, um unsere unbestrittene Stärke für den
Aufbau einer großen und sicheren Heimstatt für die Menschheit hier auf
Erden einzusetzen.
Dies ist eine Zeit, in der wir Größe zeigen müssen.
Wir beten um Größe unseres Mutes und Willens, um jede Möglichkeit
des gemeinsamen Handelns auszuschöpfen, die der Sache der Gerechtigkeit
und des Friedens dienlich sein könnte.
Wir beten um Größe unseres Mitgefühls und Verständnisses und unserer Kameradschaft, so daß wir zusammenwirken und die zwischen uns
bestehenden Differenzen überwinden können, die unseren Weg in die
gemeinsame Zukunft behindern.
Wir beten um Größe unserer Opferbereitschaft, so daß wir unwichtige Ziele und Interessen außer acht lassen, um uns voll und ganz für
unser aller Wohlergehen einzusetzen.
Wir beten um Größe der Weisheit und des Glaubens, so daß in uns
allen die Entschlossenheit geweckt wird, alle Maßnahmen, die wir ergreifen, zu Maßnahmen für den Frieden werden zu lassen.
Mit Frieden meine ich nicht die unfruchtbare, leere Idee einer
Welt, in der ein offener Krieg eine Zeitlang ausgeschaltet ist, weil
die von den Menschen erbauten, miteinander konkurrierenden Kriegsmaschinerien dazu neigen, den durch sie hervorgerufenen Schrecken wechselseitig zu neutralisieren.
Ich meine mit Frieden auch nicht das im Grunde Unbehagen bereitende Fehlen von Konflikten, das durch die Aufgabe von Prinzipien
erkauft wird.
Wir können keinen Frieden haben und dabei die berechtigten Hoffnungen und Erwartungen sowie unser großes Erbe aufgeben.
Der Frieden, den wir anstreben, ist ein Frieden, in dem Gerechtigkeit und gegenseitiges Verstehen sich ständig weiter ausbreiten
- ein Frieden, unter dem Männer und Frauen ihr ihnen angeborenes Recht
auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück frei ausüben können. In
einem solchen Frieden können die Menschen frei produzieren, frei Handel
treiben, frei reisen, frei denken, frei beten. Wir streben einen
schöpferischen und dynamischen Frieden an mit erfolgreich arbeitenden
Institutionen, aufblühenden Volkswirtschaften und einem tieferen geistigen Verstehen für alle Nationen und alle Menschen.
Die NATO wurde vor fast zehn Jahren ins Leben gerufen. Bis dahin
waren acht europäische Nationen unter sowjetische Herrschaft gekommen,
und es bestand ganz offensichtlich die Gefahr, daß das übrige Europa

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�"AMERIKA DIENST"

18. Dezember 1957

Europa Land um Land dem mächtigen militärischen und politischen Einfluß der Sowjetunion unterliegen könnte.
Die NATO hat bewiesen, daß sie eine Organisation des Friedens
ist. Seit ihrem Bestehen ist kein weiteres Land in Europa durch die
kommunistische Aggression verlorengegangen. Hinter dem Schutzschild
der Abschreckungsstärke der NATO, sowohl konventioneller wie auch
atomarer Art, haben die Völker des Westens große Fortschritte erzielt.
Hier auf dem europäischen Kontinent ist ein Fortschritt auf dem
Wege zur Einheit erreicht worden, wie er sich in der Montanunion, dem
Euratom und dem Gemeinsamen Markt manifestiert.
Somit ist die Vision der Staatsmänner gerechtfertigt und ein neuer
Ansporn für die großen schöpferischen Kräfte gegeben, die so lange Zeit
durch unsinnige Spaltung geschwächt waren. Überall haben die Völker
des Westens ein neues Stadium wirtschaftlichen Wohlstandes erreicht.
Wir sehen in Europa und in Amerika das pulsierende Leben in unseren Fabriken und Stahlwerken und im Transportwesen, in den Zentren
unseres Handels, in unserer Landwirtschaft, in unseren Kleinbetrieben
und unseren riesigen industriellen Unternehmungen. Und über diesen
materiellen Werten steht noch die moralische und geistige Stärke, die
nicht in festen Begriffen gemessen werden kann.
Wir dürfen auf die Vergangenheit mit Genugtuung, auf die Gegenwart jedoch nicht mit Selbstgefälligkeit blicken. Der sowjetische Staat
verstärkt seine militärische und wirtschaftliche Macht täglich, und
seine Machthaber machen ihre Absicht offenkundig, diese Macht zur Beherrschung der Welt einzusetzen.
Zur Erreichung dieses Zieles legt das sowjetische System den
großen Massen seiner Arbeiter eine eiserne Disziplin auf. Ihr Los
ist das von Zwangsairbeitern in einer gelenkten Produktion, was sowohl
zu verabscheuen ist als auch eine Gefahr darstellt, denn damit werden
einem despotischen Staat die ungeheuren Hilfsquellen in die Hand gegeben, die von Leibeigenen geschaffen wurden.
So wird dort die Produktion neuer Waffen forciert, einschließlich
von Atomsprengköpfen und Raketen. Die Kommunisten haben in gleicher
Weise ihre industrielle Kapazität ausgeweitet. Sie fordern uns auf
wirtschaftlichem Gebiet zu einem internationalen Wettstreit heraus,
wobei sie auf dem Wege über eine wirtschaftliche Durchdringung die
Herrschaft über weitere menschliche und materielle Hilfsquellen zu
erreichen suchen.
Dies sind einige der Probleme, denen wir uns gegenübersehen.
Die Anwesenheit der Regierungschefs hier zeigt, daß wir uns des
Ausmaßes der Herausforderung bewußt sind.
Auf einer späteren Sitzung wird der NATO-Rat Vorschläge für besondere Maßnahmen zur Stärkung unserer kollektiven Anstrengungen erörtern. Aber ich wiederhole, gleichgültig welche Maßnahmen wir auch

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�AMERIKA DIENST"

18. Dezember 1957

auch immer ergreifen werden, es werden immer Maßnahmen für den Frieden
sein.
Der Frieden, den wir erstreben, ist'nicht umsonst zu haben; sein
Preis wird vielmehr hoch sein. Aber das braucht uns nicht zu erschrekken. Unsere freien Völker verfügen über reiche Hilfsquellen, um jeder
Bedrohung begegnen zu können.
Die Frage ist einzig und allein, ob wir das tun wollen, ob wir in Freiheit - den Preis zahlen wollen, der für die Erhaltung der Freiheit gefordert wird.
Lassen Sie uns einen Blick auf die uns zur Verfügung stehenden
Hilfsquellen werfen. Die 15 NATO-Staaten umfassen eine Bevölkerung von
fast 500 Millionen Menschen. Diese Bevölkerung hat eine per capitaProduktion, die etwa dreimal so groß wie die der Sowjetunion ist.
Unsere Wissenschaftler und Techniker waren die Erfinder alles dessen,
was unser derzeitiges Kriegs- und Friedenshandwerk revolutioniert. Wir
verfügen über den zur Zeit stärksten Militärapparat der Welt.
Dies sind einige unserer Aktivposten in materieller Hinsicht.
Wichtiger aber noch sind unsere politischen und moralischen Werte, die
unser nationales Erbe darstellen.
Wir haben unseren ehrlichen Willen für eine weltweite Abrüstung
und den von der ganzen Menschheit ersehnten Frieden unter Beweis gestellt .
Nach dem zweiten Weltkrieg haben die freien Nationen, ohne auf
Abrüstungsabkommen zu warten, freiwillig und von sich aus abgerüstet.
Zu einer Zeit, als der Westen das Atommonopol besaß, erboten wir
uns, es einer internationalen Kontrolle zu unterstellen, damit diese
furchtbare Kraft niemals für einen Krieg verwandt würde.
Wir formulierten und entwickelten die Konzeption der 'Atome-fürden-Frieden'. Die Internationale Atomenergiebehörde, die nunmehr in
Wien arbeitet, ist ein Ergebnis unseres Ideenreichtums und unserer
Standhaftigkeit.
Die westlichen Nationen haben den Plan der 'Offenen Himmel'
unterbreitet, auf daß keine Nation mehr einen massiven Überraschungsangriff gegen ein anderes Land führen könnte.
Wir haben im vergangenen Sommer in London vorgeschlagen, daß die
Herstellung spaltbaren Materials für Waffenzwecke eingestellt werden
sollte, daß Kernwaffen daher nicht länger mehr erprobt werden sollten
und daß vorhandene Kernwaffenbestände durch Überstellung für friedliche Zwecke reduziert werden sollten.
Wir haben den Willen demonstriert, die Segnungen der Freiheit zu
verbreiten. Innerhalb der letzten 15 Jahre haben unsere Nationen

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�"AMERIKA DIENST"

18. Dezember 1957

Nationen freiwillig zwanzig Ländern mit einer Bevölkerung von zusammen
achthundert Millionen Menschen die politische Unabhängigkeit gewährt.
Innerhalb unserer Gemeinschaft manifestieren wir, so daß dies
alle sehen können, die Segnungen der Freiheit. Diese Segnungen bestehen nicht aus materialistischen Monumenten, die die Despoten stets
vorzuweisen hatten. Sie bestehen vielmehr darin, daß man allen Menschen die einfachen Dinge gibt, die sie wollen - die Gelegenheit, zu
denken und zu beten, wie es ihnen ihr Gewissen und ihre Vernunft vorschreiben; die Möglichkeit, ohne Furcht in ihren Wohnungen zu leben;
die Möglichkeit, sich in engstem Familienkreise zu versammeln; die
Möglichkeit, nach eigener Wahl einer angemessenen.Arbeit nachzugehen,
sowie die Möglichkeit, sich der Früchte ihrer Arbeit zu erfreuen. Dies
sind die wertvollsten Manifestationen der Freiheit. Und wir verfügen
über die Stärke, um diese Freiheit zu verteidigen und weiter auszubreiten.
Die Freiheit hat uns nicht im Stich gelassen. Und wir werden ganz
gewiß die Freiheit nicht im Stich lassen. Wir werden Erfolg haben.
Aber die Aufgabe wird nicht leicht oder schnell zu bewältigen sein.
Ihre Verwirklichung wird erweisen, daß wir einen langen Weg und nicht
ein Nahziel vor uns haben.
Wir, die wir das menschliche und religiöse Gedankengut Europas
geerbt haben und miteinander teilen, müssen gemeinsam unser Gewissen
erforschen und entscheiden, ob wir wirklich unser Bestes tun, um der
ernsten Gefahr für unsere freien Institutionen zu begegnen.
Ich glaube, daß wir uns von gewissen falschen Denkgewohnheiten
frei machen müssen, deren wir alle uns mehr oder minder schuldig gemacht haben. Zu diesen falschen Vorstellungen gehörte zum Beispiel
die Ansicht, daß unser freies System von sich aus auf allen Gebieten
produktiver sei als das totalitäre System. Eine andere ist die, daß
die Zeit stets für uns arbeitet, ganz gleich, was wir mit dieser Zeit
anfangen. Wieder eine andere bestand darin, daß unsere Nationen, nur
weil sie souverän sind, jede für sich ein getrenntes, eigensüchtiges
nationales Leben ohne jede Koordinierung der Planung und der Anstrengungen führen könnten.
Eine weitere falsche Vorstellung war die, daß der Triumph der
Freiheit über den Despotismus zwangsläufig erfolgen würde. Wie ein
Landsmann von mir es einst ausdrückte: 'Es sind harte Arbeit und
große Opfer von vielen nötig, um das Zwangsläufige zustandezubringen.'
Wir müssen unbedingt sicherstellen - solange wir noch über diesen
Machtvorsprung verfügen -, daß unsere Politik und unser Handeln diesen
Vorsprung stets erhalten.
Wir treten in eine Ära ein, in der gewaltige physikalische Kräfte
einen drohenden Schatten über unsere Welt werfen. Ich glaube, daß
die Regierungen unserer NATO-Staaten bereit sind, ihre Anstrengungen
hier miteinander - und auch mit anderen Nationen - natürlich auch

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�"AMERIKA DIENST"

18. Dezember

1957

auch der Sowjetunion, sofern sie dazu gewillt ist - zu vereinen, um
diese Kräfte im Interesse der gesamten Menschheit unter die Kontrolle
der Vernunft zu bringen. Bis dies getan werden kann, müssen wir weiterhin innerhalb der freien Welt die notwendige Stärke schaffen und
aufrechterhalten, um die gemeinsame Sicherheit zu gewährleisten. Und
wir alle müssen die Sicherheit haben, daß diese Stärke für die Erhaltung des Friedens und der Freiheit genutzt wird.
Wir befinden uns in einer reißenden Strömung des gewaltigen Flusses der Geschichte. Auf lange Zeit hin werden heroische Anstrengungen
notwendig sein, um die Welt auf das Ziel eines wahren Friedens hinzusteuern .
Dies ist ein hohes Ziel, aber es ist ein Ziel, das die freien
Nationen der Welt erreichen können.
Wir Völker der atlantischen Gemeinschaft stehen nicht allein. Auch
in anderen Teilen der Welt haben sich viele freie Nationen in der Ausübung des ihnen zustehenden Rechtes auf kollektive Sicherheit zusammengeschlossen. Andere freie Nationen, die sich lieber auf individuelle
anstatt kollektive Sicherheitsmaßnahmen verlassen, haben mit uns dennoch unsere Absichten und Zielsetzungen der Freiheit gemein. Eine besondere Verantwortung liegt jedoch auf der atlantischen Gemeinschaft.
In unseren Ländern wurde die Freiheit geboren, und sie gedeiht hier
immer noch in aller Stärke.
Die Mitglieder unserer Gemeinschaft müssen eine immer größere Verantwortung empfinden, andere freie Völker dabei zu unterstützen, daß
ihnen die jahrhundertealte Last der schlimmsten Armut genommen wird.
Wir haben, wie ich bereits betont habe, mit dazu beigetragen, daß
Hunderte Millionen von Menschen die politische Freiheit erhielten.
Aber dies könnte sich als ein armseliges Geschenk erweisen, das sich
praktisch einmal gegen uns auswirken könnte, wenn nicht Wege gefunden
werden, um den weniger entwickelten Ländern dabei zu helfen, einen stetig
wachsenden Wohlstand zu erreichen.
Für alle von uns hängt von dieser wachsenden Opferbereitschaft
Entscheidendes ab. Keiner von uns darf vor irgendwelchen etwa notwendig werdenden Opfern zurückschrecken, um dies möglich zu machen.
Die Kräfte, die gegen uns aufmarschiert sind, sind gewaltig, aber
nicht unüberwindlich. Die unterdrückten Völker Osteuropas haben gezeigt, daß der Patriotismus noch lebt und daß sie auch weiterhin die
Hoffnung hegen, ihre stolzen und ehrenhaften Traditionen nationaler
Unabhängigkeit wieder aufzurichten.
Der Kreml hat öffentlich die 'Widersprüche' anerkannt, die zwischen
dem V/unsch der Arbeiter nach einem höheren Lebensstandard und der Verwendung der ungeheuren Beträge für militärische Zwecke und Kapitalinvestitionen durch den Staat bestehen; Der derzeitige sowjetische Fünfjahresplan mußte aufgegeben werden. Der gegenwärtig sich vollziehende
Prozeß der Dezentralisierung der Industrie wird zwangsläufig auch eine

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�*'

AMERIKA DIENST"

18. Dezember 195?

eine Dezentralisierung der Macht und der Anschauungen mit sich bringen.
Der innere Zerfall despotischer Regierungen, den die Zeit mit sich
bringt, ist, wie die Geschichte zeigt, immer schon im Gange gewesen,
bevor er an der Oberfläche sichtbar wurde. Hinter einer nach außen
hin eisernen Regierungsfassade erhält sich noch immer bei allen Völkern die Liebe zur Freiheit. Dies ist eine Kraft, die noch niemals
auf die Dauer unterdrückt werden konnte.
Die industriellen Pläne der sowjetischen Machthaber erfordern
eine ständig wachsende Zahl gut ausgebildeter Kräfte. Derartige Kräfte
können nicht auf unbegrenzte Zeit hinaus der Gedankenkontrolle und der
Konformität durch die Kommunisten oder irgendeine andere Partei unterworfen werden.
Der freiere Zugang zum Wissen und zu einem umfassenderen Verstehen
sind die inneren Kräfte, die mehr und mehr Anerkennung verlangen
werden. Ihre Wirkung wird sich um so mehr bemerkbar machen, wenn die
bestehende Ordnung sich nicht auf scheinbare äußere Erfolge stützen
und damit die Aufmerksamkeit der Massen von den offensichtlichen
Fehlschlägen der despotischen Herrschaft ablenken kann. Hier bietet
sich für die freien Nationen eine klare Chance für einen friedlichen
Triumph. Hier bietet sich eine noble Strategie für einen Sieg - nicht
für einen Sieg über irgendein einzelnes Volk, sondern einen Sieg für
alle Völker.
Dies ist kein Grund zur Selbstgefälligkeit, es ist aber ein Grund,
um Vertrauens- und hoffnungsvoll das für die Durchführung dieser
Strategie Notwendige zu tun.
Ich habe die Kameradschaft der Soldaten vieler Nationen, die
sich in der Verteidigung der Freiheit zusammengeschlossen hatten,
kennengelernt.
Das Gefühl, Augenblicke der Krise und der Entscheidung gemeinsam zu erleben, ist ergreifend und unvergesslich. Diese Augenblicke
ergeben sich jedoch allzuoft nur in Kriegszeiten. Es wäre tatsächlich
eine Tragödie, wenn wir in unserem Ringen um den Frieden nicht auch
die Freude der gemeinsamen Entscheidung (der gemeinsamen Anstrengung
und des gemeinsamen Opfers teilen könnten. Keine Aufgabe ist so
schwierig, aber andererseits auch so gebieterisch und so ehrenvoll.
In diesem Geist sind wir hier zusammengekommen, um durch Angleichung und Zusammenfassung unseres Strebens unsere Stärke zu erneuern und in Freiheit auf den Frieden hinzuwirken, der unser
rechtmäßiges Erbe ist."

* * * * *

- 7-

�</text>
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                <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A. 9. I.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut der Pressekonferenz von Außenminister Dulles&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 9. I.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eisenhower fordert Vollmachten zum Schutze der Mittelost-Staaten (Eisenhower-Doktrin)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles erläutert den Plan des Präsidenten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 9. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vizepräsident Nixon berichtet über die Lage der ungarischen Flüchtlinge&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 16. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower berichtet über die Lage der Nation&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 16. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Lodge legt dem UN-Abrüstungsausschuss den neuen Abrüstungsplan der USA vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 23. I.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut der Ansprache Präsident Eisenhowers bei Antritt seiner zweiten Amtsperiode&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 30. I.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower legt die Wirtschaftsbotschaft vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 6. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;General Lauris Norstad: NATO - Abschreckungsmittel und Schutzschild&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 6. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Eisenhowers über die Revision der Einwanderungsgesetzgebung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 20. II. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Lodge antwortet den russischen Beschuldigungen gegen die USA in den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 20. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jahresbericht Präsident Eisenhowers zu Fragen betreffend die Revision der US-Handelsabkommen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 20. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Thurston V. Kalijaveri: Aufgaben und Stellung der USA in der Weltwirtschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 27. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower: Israel muss sich den Beschlüssen der Vereinten Nationen beugen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 27. II.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower anlässlich des 15. Jahrestages der Stimme Amerikas: "Amerika wird sich immer für den Frieden einsetzen"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 6. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Lodge: Amerika hat Osteuropa vergessen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 6. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Walter S. Robertson auf der Konferenz der Kolombo-Plan-Mächte: "Gemeinsame Anstrengungen zum Wohle aller"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 13. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles auf der Tagung des Seato-Rates in Canberra: "Die SEATO - ein Bollwerk des Friedens"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 13. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles in Canberra: "Die USA halten an ihrer bisherigen China-Politik fest"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 13. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kommuniqué zum Abschluss der SEATO Tagung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 27. III.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Gordon Gray: Die NATO ist der Grundstein für das Bündnissystem des Westens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 3. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorwort zur Neuaflage des Buches von John Foster Dulles: Krieg oder Frieden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 3. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dr. Gabriel Hauge: Konjunkturprobleme in den USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;A. 3. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Perkins: Die Vereinigten Staaten und die Atlantische Allianz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 10. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Robert D. Murphy: Internationaler Kulturaustausch und Passbeschränkungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 10. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Robert D. Murphy: Die Wiedervereinigung Deutschlands ist ein Eckpfeiler des Friedens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 17. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles fordert die Schaffung eines Anleihefonds&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 24. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Francis 0. Wilcox: Die Vereinten Nationen haben positive Arbeit geleistet&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 24. IV.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles: Die USA stehen für Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit ein&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 1. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Eisenhowers an den Congress über Pläne zur Verbesserung des Luftverkehrwesens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 1. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Dr. Libb antwortet Dr. Schweitzer auf seinen Appell zur Einstellung der Atomwaffenversuche&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 1. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Harold S. Vance, AEC: USA befürworten internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiete der Atomforschung&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 8. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Thorston V. Kalijarvi: Die künftige amerikanische Außenhandelspolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;W. 15. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower: Das Auslandshilfeprogramm dient der Sicherheit der USA&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;strong&gt;W. 15. V.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles ersucht den Kongress um Zustimmung zum Beitritt der USA in die Internationale Atombehörde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 22. V.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Willard P. Libby Künstliche Radioaktivität als Folgen von Kernwaffenversuchen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 29. V.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower ersucht den Kongress um Bewilligung von 3,8 Milliarden für die Auslandshilfeprogramme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 5. VI.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Eleanor L. Dulles: Berlin und die Methoden der Sowjets in Deutschland&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 19. VI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ungarn-Ausschuss der Vereinten Nationen legt Bericht über den ungarischen Freiheitskampf vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 3. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles umreißt die China-Politik der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 10. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Francis O. Wilcox: Amerika strebt die Erhaltung des Weltfriedens an&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 17. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Christian A. Herter: Die Herrschaft des Rechts muss an die Stelle der Herrschaft des Krieges treten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 24. VII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außeminister Dulles erläutert die jüngsten Abrüstungsvorschläge der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 7. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles legt den westlichen Plan für eine Luft- und Bodeninspektion dar&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 7. VIII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower: Die Nahost-Resolution hat zur Verringerung der Spannungen beigetragen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 4. IX. &lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Abrüstungsvorschläge der Westmächte&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 11. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Robert Murphy: Probleme der US-Außenpolitik "Würdigung von Dr. Suhr"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A 18. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die staatsrechtlichen Aspekte der Spannungen in Little Rock&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 25. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Dulles fordert vertrauensvolle Atmosphäre als Grundlage für ein Abrüstungsabkommen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 25. IX.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower: Zehn Jahre Gesetz über die Nationale Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 2. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschaft Präsident Eisenhowers und Ansprache von Admiral Lewis L. Strauss zur Eröffnung der ersten Konferenz der Internationalen Atomenergiebehörde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 16. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Lodge: USA wird an dem Problem der Weltraumkontrolle mitarbeiten&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 16. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vizepräsident Nixon: Weltwirtschaftsprobleme&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 30. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Arthur H. Compton: Die Zivilisation steht auf den Spiel&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 30. X.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Abschlusskommunique zu den Britisch-Amerikanischen Verhandlungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 13. XI.&amp;nbsp;&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;James J. Wadsworth: Auswirkungen atomarer Strahlung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 13. XI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower umreißt Verteidigungsaufgeben der freien Welt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 8. XI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower unterbreitet ein Fünf-Punkte-Programm für Forschung und Wissenschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 20. XI.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Soziale Sicherheit in den USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;A. 18. XII.&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Eisenhower fordert gemeinsame Maßnahmen zur Förderung des Friedens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;</text>
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                    <text>A M E R I K A

D I E N S T

Vi'AIILJ/-ire 1956

Teil

II:
Der Kongreß d e r V e r e i n i g t e n
Die R o l l e d e r
i n den USA

Staaten

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1

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Staatsgouverneure

�"AMERIKA DIENST

9. Mai

1956

DER KONGRESS DER VEREINIGTEN STAATEN
( 110 seilen)
WASHINGTON - (AD) - Die Herrschaft des Volkes in den Vereinigten
Staaten beruht auf dem Rächt der Bevölkerung, über politische Fragen
und Kandidaten frei abzustimmen und mit den führenden Persönlichkeiten der Exekutive und Legislative auch den jeweiligen Kurs auf innenwie außenpolitischem Gebiet selbst zu wählen.
Deshalb ist 1956» im Jahr der Präsidentenwahl, die Wahl von Mitgliedern des amerikanischen Kongresses ebenfalls von eminenter Bedeutung, da diese Mitglieder ja die direkten Vertreter des Volkes in
jener Körperschaft sind, die die Gesetze erläßt und ihre Durchführung
ermöglicht.
Der Kongreß der Vereinigten Staaten setzt sich aus zwei Körperschaften zusammen - aus dem Senat und dem Repräsentantenhaus. Diese
Zusammensetzung, die durch die Verfassung vorgeschrieben wird, ist
dazu bestimmt, für eine vollständige und gerechte Volksvertretung
jedes der 48 Staaten zu sorgen. Der Zweck dieser Vorschrift wird
durch ein System erreicht, das jedem Staat als Ganzem ebenso wie
dem Lokalbereich eine seiner Bevölkerungszahl angemessene Vertretung
gewährleistet.
Der Senat hat 96 Mitglieder, das heißt zwei aus jedem Staat,
ohne Rücksicht auf dessen Ausdehnung oder Bevölkerungsdichte; jeder
der Senatoren wird auf sechs Jahre gewählt. Im Repräsentantenhaus dagegen sind die Staaten gemäß ihrer Einwohnerzahl vertreten. Die 435
Sitze, über die es verfügt, sind unter den 43 Staaten auf Grund der
bei der jeweils letzten Volkszählung ermittelten Zahlen prozentual
aufgeteilt. So entsendet zum Beispiel der Staat New York mit seinen
15 Millionen Einwohnern 43 Abgeordnete; die dünnbesiedelten Staaten
Delaware, Nevada, Vermont und Wyoming wiederum sind nur durch je einen
Abgeordneten vertreten. Das Mandat für das Repräsentantenhaus erstreckt
sich über zwei Jahre.
Ein Kandidat für den Senat muß mindestens 30 Jahre alt sein, wenigstens neun Jahre lang die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzen und

- 1 -

�9. Mai 1956

"AMERIKA DIENST"

und seinen Wohnsitz in dem Staat haben, für den er aufgestellt werden
will. Die Mitglieder des Repräsentantenhauses aber müssen mindestens
25 Jahre alt und seit sieben Jahren Bürger der Vereinigten Staaten
sein. Es ist die Regel, daß die Kongreßabgeordneten ihren Wohnsitz in
dem von ihnen vertretenen Staat beziehungsweise Wahldistrikt haben.
Die Mandatsbezirke selbst sind Unterteilungen, die innerhalb der
Staaten nach rein politischen Gesichtspunkten vorgenommen und als
"aneinandergrenzende und zusammenhängende Gebiete mit möglichst gleicher Einwohnerzahl" definiert werden. Jeder Bezirk, dessen Grenzen
durch den betreffenden Staat gesetzlich festgelegt sind, erfaßt durchschnittlich 318 000 Personen.
Die sechs Jahre, die das Mandat eines Senators währt, geben diesem Zeit genug, sich eine reiche Arbeitserfahrung anzueignen und sich
mehrere Jahre voll und ganz öffentlichen Angelegenheiten zu widmen,
ohne bis kurz vor Ablauf des Mandats sich um eine eventuelle Wiederwahl bemühen zu müssen. Diese Faktoren tragen weitgehend zur Stabilität und Kontinuität der für die Gesetzgebung maßgeblichen Kammer bei
und erfüllen damit genau den Zweck, den die Urheber der Verfassung
durch diese Maßnahme ja auch beabsichtigten.
Die Kontinuität der Senatsarbeit ist ferner durch das System gewährleistet, nach dem die Senatoren gev/ählt werden und ihr Amt ausüben. Nach Ablauf von zwei Jahren erlischt jeweils ein Drittel der
Mandate, so daß bei jeder Kongreßwahl, die alle zwei Jahre stattfindet, J2 Senatoren neu gewählt werden müssen. Wird jedoch durch Tod
oder Krankheit eines Senators ein Mandat vorzeitig frei, so wird durch
den Gouverneur des betreffenden Staates ein Ersatzmann ernannt, der
so lange dieses Amt ausübt, bis das zuständige Parlament die Abhaltung
einer Wahl verfügt.
Da der Senat demgemäß eine kontinuierliche Körperschaft ist, von
der etwa zwei Drittel der Mitglieder mindestens zwei Jahre, meistens
aber sogar noch länger, ständig zusammen gearbeitet haben, gewinnen
gewisse Präzedenzfälle und Traditionen für die zu treffenden Entscheidungen im Lauf der Jahre eine zunehmende Bedeutung.
Die Wahl der Mitglieder des Repräsentantenhauses erfolgt nach
einem anderen System. Da ihre Amtszeit bereits nach zwei Jahren abläuft

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�"AMERIKA DIENST"

9. Mai 1956

abläuft, können beziehungsweise müssen sich die Abgeordneten am Ende
dieser Periode in ihrem jeweiligen Distrikt erneut den Wählern stellen,
die durch Stimmenabgabe über deren Wiederwahl entscheiden. Die Wahlen
sowohl für die Senatoren als auch für die Mitglieder des Repräsentantenhauses finden jeweils in Jahren mit geraden Endziffern - beispielsweise 1956, 1958 - statt.
Diese in der Verfassung festgelegte Wahlperiode von nur zwei
Jahren für die Mitglieder des Repräsentantenhauses soll den Wählern
möglichst häufig Gelegenheit geben, ihre Zustimmung oder Mißbilligung
in bezug auf die von der Mehrzahl der direkt gewählten Volksvertreter
geleistete Arbeit auf entscheidende Weise auszudrücken. Zu der Zeit,
als die amerikanische Verfassung schriftlich niedergelegt wurde, war
man sogar überzeugt, daß "die Abschaffung jährlicher Neuwahlen den
Anfang der Gewaltherrschaft bedeute."
Ein solches Verfahren, bei dem sich jeder Volksvertreter schon
nach zwei Jahren erneut den Wählern stellen muß, bewährt sich sowohl
auf innen- wie auf außenpolitischem Gebiet heute nicht minder als in
früherer Zeit; es garantiert, daß der Wille des Volkes allein die
fundamentale Macht hinter der Regierung bleibt.
Bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen stimmt der Wähler
gleichzeitig auch für "seine" Kandidaten zum Senat und zum Repräsentantenhaus. Er ist dabei - wie bei allen Wahlen in den Vereinigten
Staaten - jedoch keineswegs verpflichtet, sich für die Kandidaten
nur einer Partei zu entscheiden. Es bleibt vielmehr seinem Ermessen
überlassen, ob er den Bewerber um den Senatorenposten aus der einen
und den Kandidaten für das Repräsentantenhaus aus der anderen Partei
nimmt. Die Abstimmung ist völlig geheim, und deshalb weiß außer ihm
auch niemand, für wen er seine Stimme tatsächlich abgegeben hat.
Deshalb ist es auch weiter kein Grund zur Überraschung, wenn zum
Beispiel ein Staat einen republikanischen und einen demokratischen
Senator nach Washington zusammen mit republikanischen und demokratischen Abgeordneten ins Repräsentantenhaus schickt. Obgleich die
Parteizugehörigkeit im allgemeinen ein bedeutender, einflußreicher
Paktor für die Stimmenabgabe ist und daher den Ausgang vieler Wahlkämpfe entscheidend bestimmt, stellen Wähler wie Kandidaten oft einen
Grad von Unabhängigkeit zur Schau, der manchmal an sich schon determinierend ist.

,

„.
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Niemand

�9. Mai

"AMERIKA DIENST"

1956

Niemand aber kann einen Amerikaner - gleich welcher Parteirichtung - zwingen, einen Kandidaten in ein bestimmtes Amt zu wählen.
Ebensowenig ist der in ein Amt gewählte Kandidat gezwungen, sich blind
an die von der Führung seiner Partei gegebenen Richtlinien zu halten.
Y/enn es gar um Probleme von nationaler oder internationaler Bedeutung geht, arbeiten häufig Senatoren und Abgeordnete als die Vertreter beider Parteien auf überparteilicher Grundlage zusammen, soweit
sie dies im nationalen Interesse für notwendig halten. Dieses Verfahren ist besonders in den letzten Jahren immer üblicher geworden.
Angesichts der gespannten weltpolitischen Lage, wie sie durch die
kommunistische Aggression verursacht wurde, und der daraus sich
ergebendai Notwendigkeit für entschlossenes und gemeinsames Handeln
haben sowohl Gesetzgeber als auch '/Zähler ihre Bereitschaft gezeigt,
selbst in wichtigen Dingen ihre Meinungsverschiedenheiten zurückzustellen und zum Wohle aller zusammenzuarbeiten.

* * * * *

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�"AMERIKA DIEEST"

9. Mai 1956

DIE ROLLE DER STAATSGOUVERNEURE IN DEN USA
(85 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Im Jahr der amerikanischen Präsidentschaftswahlen konzentriert sich das Interesse der Wähler erklärlicherweise
hauptsächlich auf die von den Republikanern und Demokraten nominierten
Kandidaten für das Präsidenten- und das Vizepräsidentenamt.
Trotzdem ist auch das Interesse am Ergebnis der gleichzeitig
stattfindenden Wahl der otaatsgouverneure natürlich außerordentlich
groß, da diese Männer - oder Frauen - die höchste Amtsgewalt der jeweiligen Staaten verkörpern. Sie sind politisch völlig unabhängig von
jedermann, selbst vom Präsidenten der Vereinigten Staaten - bloß nicht
von ihren eigenen Wählern. In nationalen Angelegenheiten können sie daher einen großen Einfluß ausüben, und tun es auch oft; ganz abgesehen
davon, daß ihr Amt zu einem Sprungbrett für das des Präsidenten werden
kann. 3o ist allein seit Beginn dieses Jahrhunderts, also in 56 Jahren,
da« Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten insgesamt nicht w*iiger
als 32 Jahre lang in den Händen ehemaliger Staatsgouverneure gewesen.
In diesem Jahre werden die Gouverneure von 30 Staaten sowie zahllose Staats-, Kreis- und Kommunalbeamte gewählt. Im Augenblick stehen
27 der Demokratischen Partei angehörende Gouverneure 21 republikanischen
Gouverneuren gegenüber. Dieses Verhältnis kann sich natürlich völlig
ändern, sobald die jetzt fälligen Wahlen in den 15 zur Zeit demokratisch
und 15 zur Zeit republikanisch regierten Staaten vorüber sind.
Die Grundbedingungen, die ein Bewerber um den Posten eines Staatsgouverneurs erfüllen muß, sind höchst einfach. Er muß Einwohner des betreffenden Staates, Bürger der Vereinigten Staaten und (mit Ausnahme
ganz weniger Staaten) mindestens 30 Jahre alt sein. Frauen können ebenfalls kandidieren und wurden auch schon mehrfach gewählt.
Dennoch ist der Gouverneur eines Staates keineswegs nur eine
Repräsentationsfigur. Als Träger der Amtsgewalt obliegt ihm unter
anderen verantwortungsvollen Aufgaben auch die, die Politik, die von
der, ebenfalls vom Volke gewählten gesetzgebenden Versammlung bestimmt
wird, durchzusetzen. Diese oft nicht bequeme oder gar angenehme Pflicht
wird ihm aber dadurch erleichtert, daß, zum mindesten in den meisten
Staaten, ein Gouverneur ausschließlich infolge schwerwiegender Vergehen
im Amte vor Ablauf seines Mandates abgesetzt werden kann. In der ganzen

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�"AMERIKA DIENST"

9. Jfai ^ 5 6

ganzen Geschichte der Vereinigten Staaten ist ein derartiger Fall
bisher jedoch erst zvvölfmal vorgekommen.
In einigen Staaten aber ist es gesetzlich möglich, die Abberufung eines Gouverneurs oder anderer Beamten mittels einer Petition,
die von einer bestimmten Anzahl von wahlberechtigten Personen unterzeichnet sein und gleichzeitig eine Sonderwahl fordern muß, auch aus
ganz anderen Gründen zu erreichen. In diesem Fall werden mehrere Kandidaten nominiert; erhält einer von ihnen mehr Stimmen als der bisherige
Gouverneur, dessen Rücktritt gefordert wird, dann muß er sein Amt an den
Sieger einer solchen Wahl abgeben, der es jedoch nur bis zum Abschluß
des ursprünglichen Mandats behält. Entsprechendes gilt auch für die
vorzeitige Abberufung anderer Beamten.
Diese Maßnahmen bieten die Gev/ähr dafür, daß es über einen Gouverneur keinerlei Kontrolle gibt außer der, die durch das Volk des von ihm
selbst regierten Staates ausgeübt wird.
In denjenigen Staaten, in denen die Gouverneurskandidaten in Vorwahlen direkt nominiert werden, kann jedes wahlberechtigte ordentliche
Mitglied einer politischen Partei ohne Mittelsmann für denjenigen aus
seiner Partei stimmen, den er - ganz gleich aus welchen Interessen als Gegenkandidat der anderen Partei zu sehen wünscht. In anderen Staaten
wiederum wird der jeweilige Kandidat für die Gouverneurswahlen bei einem
Konvent der Parteiorganisation des betreffenden Staates aufgestellt.
Die Amtsdauer der Gouverneure ist in den Verfassungen der verschiedenen amerikanischen Staaten nicht einheitlich festgelegt. V/ährend
das Mandat in einigen Staaten vier Jahre läuft, währt es in anderen wenigstens vorläufig - »»» *wei. Aber auch in diesen Staaten neigt man
immer mehr dazu, die Amtszeit auf vier Jahre heraufzusetzen. In der Regel kann ein Staatsgouverneur auch beliebig oft wiedergewählt werden;
nur in einigen amerikanischen Staaten ist verfassungsmäßig eine unmittelbare Wiederwahl des jeweiligen Gouverneurs nicht zulässig.
Die Wahl der meisten Staatsbeamten ist natürlicherweise eine Angelegenheit von mehr kommunalem denn von nationalem Interesse. Aber Staatsgouverneure sind Beamte von großer innenpolitischer Bedeutung, und daher
wird ihre Wahl auch häufig von rein innenpolitischen Erwägungen beeinflußt. So ist beispielsweise die Agrarpolitik der amerikanischen Bundesregierung und die wirtschaftliche Lage der Farmer geeignet, die Entscheidung für oder gegen einen Gouverneurskandidaten der Regierungsnartei in Washington zu bestimmen. Das gleiche gilt für die Interessen

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�"AMERIKA DIENST"

9. Kai 1956

Interessen der Arbeiterschaft, der Geschäftswelt und der Industrie.
Umgekehrt kann ein Gouverneur seinen Einfluß natürlich auch auf
bundespolitische Entscheidungen ausdehnen. Denn obgleich in den Weststaaten zum Beispiel alle derartigen Projekte zur Hochwasserbekämpfung,
künstlichen Bewässerung, Errichtung von Wasserkraftwerken und anderen
hauptsächlich von der Bundesregierung finanziert und durchgeführt
werden, sind solche Großunternehmen - vor allem im Planungsstadium größtenteilr ja auf die Mitarbeit der Einzelstaaten angewiesen.
Gelegentlich kommt es selbstverständlich auch zu scharfen
Meinungsverschiedenheiten über einzelne, solche Vorhaben betreffenden
Fragen in den Staaten selbst. In diesen Fällen liegt es in erster Linie
am Gouverneur, die Entscheidung der Bundesregierung in Washington
durch eine entsprechende Stellungnahme zu beeinf lusssn.
Infolge der zunehmend enger werdenden Beziehungen zwischen der
Bundesregierung und den Regierungen der Einzelstaaten auf Grund gemeinsamer Interessen besonders an sozialen Maßnahmen dürften die Gouverneurswahlen in diesem Herbst ein Spiegelbild der amerikanischen öffentlichen
Meinung in Angelegenheiten von keineswegs nur lokaler, sondern allgemein
innenpolitischer Bedeutung sein und eine dementsprechende Tragweite
besitzen.

* * * * *

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�A M E

K A D

WAHLJAHR

1956

E N S T

�WAHLJAHR 1956

III
Di

Rol e

er p

itischen Parteien in den USA

Seite

Die Bundes-Parte konvente in den Vereinigten
Staaten
Der V/ah I

dzug

Seite
Seite

Der geschieh liehe Werdegang der amerikanischen
Parteien
Die R M l e der Minderheitsparteien im
politischen Leben Amerikas
Politische Parteien u d offentli he

Seite
Seite

Meinung in den USA

Seite

Der Primat der Außenpolitik

Seite

Bildmaterial:

a)

Dwight D. Eisenhower während der großen
Wahlkampagne des Jahres 1952

b)

Adlai Stevenson, der Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei, während
des Wahlfeldzugs des Jahres 1952

c)

Vier amerikanische Bürger aus dem Mil ionenheer freiwilliger Helfer

d)

Auch die Jugend arbeitet mit

* * *

�"AMERIKA DIENST"

6. Juni 1956

DIE ROLLE DER POL ..TISCHEN PARTEIEH TN DEN USA
WASHINGTON - (AD) - Die hundert Millionen wahlberechtigter
Manne
star

und Fr uen in den Ver '.n'.g en Staaten sind ein ungeheuer
r po'it scher Fak\or. Dies

bedeutende politische Macht, die

sie v rkörper , bedeute e je och wenig
sche

ohne die von den amerikani-

Parteien in wichtigen Fragen der Innen- und Außenpolitik immer

wieder an den Tag gelegte Einigk it. Obwohl die amerikanischen Parteien
kein anderes Mittel als iie
•ich zu gewinnen, sind sie d

berzeugung.^kraft haben, um die Wähler für
h diejenige

Instanz in den USA, die

Mei ung und Zielse zung der Bevölkerung auf innen- und außenpolitisch

, militärisch m

syn t,ne-isiert und im

nd sozia" irtschaftlichem Gebiet analysiert,
ah pr gramm vertritt. Sie sind der Beweis dafür,

daß ein demokratisches V &gt;lk sicr sowohl der politischen und persön1 c tu Freiheit als auch einer ordentlichen Regierung erfreuen k a m .
Sc kam es, daß die Masse der amerikanischen Wähler am Tage d r
Vo ksentscheidung ihre S imme meist einer der großen Parteien gegeben
ha•. Zwar gab es in der

it nach 1826 verschiedene unabhängige poli-

tiche Bewegungen, die praktisch einer dritten Partei gleichkamen,
d'Ch fanden diese in den meisten Fällen immer nur wenige Anhänger.
D es geht auch aus der Parteienstatistik hervor, die besagt, daß in
d n Jah:en von 1928 bis 1948 keine der kleineren Parteien bei Präsident
schaf -swahlen nie mehr als 0,5 bis 2,5 Prozer.t der abgegebenen Stimmen
für sich buchen konnte, wenngleich sie auch mitunter stark genug waren,
um auf den Ausgang der Wahlen nicht ohne Wirkung zu bleiben.
Es "regiert" in den USA immer eine Partei, und sie trägt damit
die volle .'erantwortung für alles politische, wirtschaftliche und
soziale Geschehen, während U e andere bereitsteht, die gleiche Funktion
ebenso gewissenhaft und in ähnlicher Form zu übernehmen, wenn sie durch
die Wahl dazu berufen wird.
Mit die vielleicht wichtigsten Aufgaben der Parteien sind, das
amerikanische Volk über Gesetzesvorlagen, die dem Kongreß unterbreitet
werden, auf dem laufenden zu halten und es dazu anzuhalten, an den
Wahltagen tatsächlich und voll seiner staatsbürgerlichen Pflichten
zu genügen.

Dre Vorlage von Gesetzentwürfen durch die verschiedenen
- 1 -

�"AMERIKA DIENST"

6. Juni 19^6

verschiedenen politischen Parteien gibt der Wählerschaft Gelegenheit, die
be:derseitigen Standpunkte zu höre/ und daraus die eigene Meinung zu bilden.
Die Parteien der USA formulieren nicht nur die Wünsche und Forderungen ihrer Wählerschaft und stellen Regierungsprogramme auf, sondern wählen
und nominieren aus ihren Reihen auch Kandidaten für Ämter im öffentlichen
Diens'. Wird ein Kandidat für eine solche Aufgabe eingesetzt, gilt die
Partei, die ihn in Vorschlag gebracht hat, als Garant dafür, daß die
Ausübung dieses Amtes ordnungsgemäß und zur allgemeinen Zufriedenheit
geschieht, darüber wachen sowohl die Partei, die zur Zeit "am Ruder"
ist, als auch die, deren Ziel es ist, aus der nächsten fahl als Sieger
hervorzugehen.
Eine außerordentliche Bedeutung für die Vereinigten Staaten haben
die politischen Parteien auch dadurch, daß sie Millionen Menschen der
verschiedensten Rassen, Religionen, Kulturen und Berufsgruppen zusammenhalten .
Hinter jeder der amerikanischen Parteien stehen vier Gruppen von
Anhängern. Einmal sind es Personen, die einen großen Teil ihrer Zeit
der Parteiarbeit widmen

- Parteiführer und Organisatoren. Sie sind

ehrenamtliche und bezahlte Helfer sowie Anwärter und Inhaber von Ämtern
im öffentlichen Dienst. Dann folgt die zahlenmäßig stärkere Gruppe der
Mitglieder, die sich genau an die Parteilinie hält und sich aktiv einsetzt, wenn immer die Möglichkeit sich bietet. Die dritte Gruppe besteht
aus den Anhängern, die im allgemeinen mit den Auffassungen und der Arbeit
der Partei übereinstimmen, manchmal aber auch abweichender Ansicht sind,
kritisieren und gelegentlich sogar für den Kandidaten der Gegenpartei
stimmen. Schließlich gibt es noch die Wahlberechtigten, die eine Partei
zwar manchmal aktiv unterstützen, aber sich nicht an sie gebunden fühlen
wollen und daher als "Unabhängige" gelten.
Kein Bürger der Vereinigten Staaten, der das Stimmrecht besitzt,
kann in irgendeiner Form gezwungen werden, sich einer dieser vier Gruppen
anzuschließen oder sich parteipolitisch zu betätigen. Die Parteien erheben keine Mitgliedsbeiträge, und niemand kann ausgeschlossen werden, es
sei denn, man sieht sich dazu veranlaßt, nach außen hin zu bekunden, daß
die Partei nicht länger gewillt ist, für den Inhaber eines öffentlichen
Amtes als "Garant" einzutreten.
Die meisten Amerikaner sind entweder Republikaner oder Demokraten,
aber wie viele Anhänger jede der beiden großen Parteien tatsächlich
hat, kann lediglich geschätzt werden, da es keine Mitgliedskarteien
gibt.
* * * * *
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6. Juni 1956

DIE BUNDES-PARTEIKONVENTE TN DEN VEREINIGTEN STAATEN
WASHINGTON -(AD) - Es war vor 124 Jahren, als auf dem Bundeskonvent einer der beiden großen amerikanischen Parteien der Plan
entstand, aus den Reihen der Teilnehmer Kandidaten für die höchsten,
durch Wahl zu besetzenden Ämter in den Vereinigten Staaten von Amerika
zu nominieren.
Der Vorschlag fand die allgemeine Zustimmung der Delegierten, und
so kam es auf diesem Bundeskonvent, der im Mai 1832 von den Demokraten
in Baltimore durchgeführt wurde, zum ersten Mal in der Geschichte der
USA zu einer Nominierung von Präsidentschaftskandidaten durch eine
Parteiversammlung. Einstimmig entschieden die Partei-Delegierten,
Andrew Jackson für eine zweite Amtsperiode als US-Präsident aufzustellen und als Vizepräsident Martin van Buren zu benennen. Damals
betrug die Bevölkerungszahl der Vereinigten Staaten nicht wie heute
167 Millionen, sondern nur 13 Millionen Einwohner.
Dieses System der Kandidatenaufstellung ist seit jener Zeit beibehalten worden, und auch in diesem Jahr werden die beiden großen Parteien in den USA ihre Kandidaten für die am 6.November stattfindenden
Präsidentschaftswahlen wieder auf ihren Bundeskonventen nominieren,
die für die Republikaner am 20.August 1956 in San Francisco und für
die Demokraten am l3«August 1956 in Chicago abgehalten werden.
Die Einberufung und Durchführung der Konvente ist ausschließlich
Sache der Partei und in keiner V/eise an irgendwelche gesetzlichen Bestimmungen gebunden. Auch die Unkosten werden zum größten Teil von den
Parteien selbst bestritten? allerdings helfen die Städte gerne mit
einer finanziellen Unterstützung, wenn solche Veranstaltungen in ihren
Mauern stattfinden.
Es sind immerhin 10 000 bis 15 000 Amerikaner und Amerikanerinnen,
die an einem Bundes- Parteikonvent teilnehmen. Sie alle versammeln sich
in einem riesigen Saal, der mit Fahnen, Spruchbändern und Bildern ausgeschmückt ist. Es gibt in den USA kaum eine andere große festliche Zusammenkunft oder Tagung, auf der man noch farbenfrohere Dekorationen,
noch mehr spannungsvolle Erwartung findet als auf den Bundeskonventen.
Nach der offiziellen Eröffnung durch den Parteivorsitzenden folgt
ein kurzes Gebet mit der Bitte um Gottes Segen für die wichtige Ent-

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6. Juni 1956

Entscheidung, die getroffen werden muß. Danach singen alle Anwesenden die amerikanische Nationalhymne "The Star Spangled Banner", und
anschließend wählen die Delegierten unter den vom Bundesausschuß der
Partei vorgeschlagenen Mitgliedern einen Vorsitzenden für die gesamte
Dauer des Konvents. Die Aufstellung des engeren Mitarbeiterstabes
dieses Vorsitzenden erfolgt durch Ernennung.
Nachdem die einzelnen Partei-Ausschüsse Bericht erstattet haben
und allgemeine Fragen erörtert worden sind, geht der Konvent zu einem
der wichtigsten Punkte auf der Tagesordnung über» die Vorlesung des
Partei-Programms. Durch diese öffentliche Erklärung über die Prinzipien und Ziele der Partei erhält jeder Wähler vor seiner Stimmenabgabe im November Gelegenheit, sich über die Stellungnahme der Partei
in innen- und außenpolitischen Fragen sowie über die von der Partei
vorgesehenen Maßnahmen zum Wohle der Allgemeinheit zu informieren.
Unmittelbar nach der Verlesung des Parteiprogramms kommt es
zum Höhepunkt des Konvents, der Nominierung der Kandidaten für das
Amt des Präsidenten und das Amt des Vizepräsidenten der Vereinigten
Staaten.
Gewöhnlich bringen die Delegierten in einzelnen Gruppen, die
sich in beliebiger Zahl zusammengefunden haben, je einen Kandidaten
zum Vorschlag. Aus den Reihen dieser Anwärter wird dann der endgültige
Kandidat der Partei gewählt, und zwar dadurch, daß die Leiter der
Delegationen der Einzelstaaten in alphabetischer Reihenfolge die
Hand erheben und angeben, wie viele Stimmen von ihrer Delegation
für jeden einzelnen Vorgeschlagenen abgegeben werden. Der Abstimmungsvorgang wird so lange wiederholt, bis einer der Delegierten eine klare
Stimmenmehrheit erhält. Meistens erfolgt dann die endgültige Nominierung
des Präsidentschaftskandidaten einstimmig, um nach außen die innere Einheit der Partei zu demonstrieren.
Der von der Partei für das Amt des Vizepräsidenten der USA aufgestellte Kandidat wird im allgemeinen durch führende Parteimitglieder ausgewählt, nachdem sie darüber mit dem eben gewählten Kandidaten für das
Amt des US-Präsidenten beraten haben. Diese Nominierung muß sowohl die
Billigung des Kandidaten für das Präsidentschaftsamt als auch der Partei
selbst finden, da die beiden höchsten Ämter in den USA durch einen Wahlgang besetzt werden und die Partei auch den Wahlkampf für ihre beiden
Kandidaten gemeinsam führt. Zum Abschluß des Konvents wird die Entscheidung
über den Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten von allen Delegierten
gemeinsam gebilligt, und noch über einzelne Fragen von geringerer Bedeutung beraten. Die Bundeskonvente beider Parteien finden alle vier Jahre",
jeweils im Jahr der Präsidentschaftswahlen, statt.
* * * * *

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6. Juni 1956
DER WAHLFELDZUG

(AD) - Schon ist die Kampagne zur Wahl des Präsidenten, des Vizepräsidenten und der Kongreßmitglieder für das Jahr 1956 in Amerika im
Gange. Ihren eigentlichen Impetus jedoch wird sie erst erhalten, wenn
die beiden großen Parteien, die Demokraten und die Republikaner, auf
ihren Partei-Konventen die Kandidaten für das Amt des Präsidenten sowie des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten aufgestellt haben.
Diese Konvente tagen im August, und im November findet dann die Wahl statt.
Immer mehr Bürger der Vereinigten Staaten neigen zu der Ansicht, daß
die Wahlkampagne, die sich von der Benennung der Kandidaten bis zur Wahl
über mehrere Monate erstreckt, eine zu starke Belastung für die Anwärter
auf die öffentlichen Ämter darstellt. Denn oftmals gehen die von den Parteien zur Nominierung ausersehenen Kandidaten schon lange vor dem Konvent
auf Wahlreisen, so daß sie nahezu ein Jahr ständig unterwegs sind. Das
bedeutet besonders für diejenigen', lie gegen eine starke Opposition antreten, daß sie in Hunderten von öffentlichen Versammlungen, über den
Rundfunk und im Fernsehen sprechen müssen.
So hat zum Beispiel General Eisenhower in der Präsidentschaftskampagne des Jahres 1952 insgesamt 228 Ansprachen gehalten und annähernd
80 000 Kilometer zurückgelegt; und Gouverneur Stevenson ist mit 203 Reden und 52 000 Kilometer nicht weit hinter ihm zurückgeblieben. Dazu
kommen noch die sogenannten "whistle-stop Speeches" (Bahnsteigreden),
die beide Kandidaten in zahllosen kleineren Städten und Orten, die
sie auf ihren Wahlreisen passierten, sozusagen aus dem Stegreif halten
mußten.
Wohl wird der Kampf der beiden Kandidaten um das Amt des Präsidenten mit größter Leidenschaft geführt und mit gespanntester Aufmerksamkeit vom ganzen Volke verfolgt. Doch darf man nicht vergessen,
daß gleichzeitig Tausende von Kommunal-, Kreis- und Staatsbeamten
30wie ein Drittel der Senatoren und sämtliche

Mitglieder des Reprä-

sentantenhauses neu gewählt werden.
Die Wahlkampagne in Amerika ist zweifellos eine aufreibende
Angelegenheit. Aber sie dient auch manchem guten Zweck. Hier lernt der
Staatsbürger die von ihm mit einem öffentlichen Amt zu betrauenden Persönlichkeiten kennen. Hier stellt sich heraus, ob es Männer - oder
Frauen - mit einer echten, gefestigten politischen Überzeugung sind,

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�"AMERIKA DIENST"

6. Juni 1956

sind, fähig, den Rat anderer anzuhören, und sich doch eine eigene
Meinung zu

ilden; ob es Persönlichkeiten mit Mut, klarem Verstand

und einwa dfrei m Charakter sind.
Unter den mannigfaltigen Anforderungen und Belastungen der
Wahlkampagne zeigt es sich, aus we . ehern tlolz ein Kandidat geschnitzt
ist. Mag er sich nun um das Amt des Präsidenten, eines Senators oder
eines Abgeordneten bewerben - von allen Seiten dringt man auf ihn ein,
seine Ansichten über innenpolitische und internationale Fragen zu
äußern. Er muß sich mit der Außenpolitik, mit wirtschaftlichen und
sozialen Problemen befassen. Er muß den Standpunkt der führenden
Männer seiner Partei kennen. Er muß bereit sein, die traditionelle
Politik seiner Partei abzulehnen, wenn sie den Angehörigen seines
Wahlbezirkes nicht genehm ist und seiner eigenen Überzeugung widerspricht. Auf seinen Reisen durch seinen Wahlbezirk, seinen Staat oder
das ganze Land darf er sich nicht nur mit Politikern und führenden
Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens unterhalten, sondern muß
versuchen; mit möglichst vielen einfachen Bürgern in Kontakt zu kommen,
um ihre Ansichten, ihre Sorgen und Nöte, die Schwierigkeiten ihrer
Heimatgemeinden kennen zu lernen.
All dies stürmt auf den Kandidaten während der Wahlkampagne ein.
Er muß diese Dinge verarbeiten und Stellung dazu nehmen. Und wenn er
die Punktion des von ihm angestrebten politischen Amtes richtig versteht, so wird er sich in seinem Denken und Handeln stets sowohl von
eigenen Erkenntnissen als auch von der Meinung des Volkes leiten
lassen - denn er ist sowohl Vertreter des Volkes als auch Führer.

* * * * *

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�AMERIKA DIENST"

6. Juni 1956

DER GESCHICHTLICHE WERDEGANG DER AMERIKANISCHEN PARTEIEN

(AD) - Im Laufe der 180jährigen Geschichte der Vereinigten
Staaten haben die "beiden großen amerikanischen Parteien, deren An*
fange auf die Gründungszeit der Republik zurückreichen, sehr unterschiedliche Bezeichnungen geführt.
In den achtziger Jahren des 1 S.Jahrhunderts entwickelten sich
unter den Articles of Confederation - dem obersten Gesetz, das sich
die 13 amerikanischen Staaten vor der späteren Verfassung gegeben
hatten - zahlreiche wirtschaftliche Schwierigkeiten. Handel und Gewerbe verlangten deshalb nach einer starken Zentralregierung. Sie bezeichneten sich selbst als Föderalisten im Gegensatz zu den Farmern
und Pflanzern, die Anti-Föderalisten. Die letzteren waren ganz zufrieden mit dem losen Zusammenschluß von Staaten, wie er unter den
Articles of Confederation bestand und wendeten sich deshalb gegen
eine Ratifizierung der Verfassung, die eine Stärkung der Zentralgewalt vorsah. Als sie mit ihrer Auffassung nicht durchdringen konnten
und in der diesbezüglichen politischen Auseinandersetzung den kürzeren
gezogen hatten, fanden sie sich schließlich mit der Verfassung ab und
lösten sich als politische Gruppe auf.
Die Föderalisten übten dann zwölf Jahre hindurch, während der
beiden Amtsperioden Washingtons und der von John Adams, die Kontrolle
über die Regierung aus; in diesem Zeitabschnitt konsolidierte sich
die Zentralregierung.
Bei der Landbevölkerung stießen die Föderalisten mit ihrem Regierungsprogramm auf wenig Gegenliebe. Die Farmer hatten das Gefühl
einer großen Benachteiligung durch das von den Föderalisten entwickelte Steuersystem. Aus diesem Grund scharte sich die Landbevölkerung um
Thomas Jefferson, der später cer dritte Präsident der Vereinigten
Staaten werden sollte, und gründete die (Jeffersonsche) Republikanische Partei. Diese Kreise drängten auf buchstabentreue Einhaltung der
Verfassung und wandten sich gegen ihre sehr freizügige Auslegung im
Sinne einer Verstärkung der Befugnisse des Bundes.
Im Jahre 1798 erließen die Föderalisten Gesetze, die die Deportation "gefährlicher Ausländer" gestatteten und die Kritik an der Re-

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6. Juni 1956

Regierung untersagten. Die Republikaner lehnten diese Gesetze als
verfassungswidrig ab and konnten bei den Präsidentschaftswahlen im
Jahre 1801 mit ihrer Parole von der Notwendigkeit einer Stärkung
der Rechte der Einzelstaaten ihren Kandidaten Thomas Jefferson
durchbringen. Das war der Anfang vom Ende der Föderalisten, deren
politischer Einfluß bald völlig aufhörte.
Mehr als ein Jahrzehnt lang nach dem Krieg gegen England
von 1812 bestand so etwas wie eine Einparteien-Regierung unter den
Republikanern. Doch bald bildeten sich innerhalb der Republikanischen Partei zwei Flügel heraus - die "alten Republikaner", die
an dem ursprünglichen Grundsatz einer strengen Begrenzung der Befugnisse der Bundesregierung festhielten und die "jungen Republikaner", die eine stärke* Bundesregierung erstrebten.
Bei den Präsidentschaftswahlen im Jahre 1824 stand die Republikanische Partei allein im Wahlkampf, in dem sich vier ihrer führenden
Männer um die Präsidentschaft bewarben. John Quincy Adams behielt die
Oberhand über Andrew Jackson, der ebenfalls über eine starke Anhängerschaft verfügte. Aus diesem Wahlkampf entwickelte sich in den
zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein rechter Flügel,
die National-Republikaner (die Anhänger von Adams und späteren Whigs)
und ein linker Flügel, die sogenannten Demokratischen Republikaner
unter Jackson, die man bald nur noch die Demokraten nennen sollte.
Die Demokratische Partei unserer Tage stammt also aus der Zeit
der Wahl Jacksons zum Präsidenten im Jahr 1828, wenngleich ihre ersten
Anfänge und politischen Grundsätze auf Jefferson zurückgehen, den die
Demokraten den politischen Vater ihrer Partei nennen.
In den Jahren nach 1830 entwickelte sich aus den Reihen der
National-Republikaner die Partei der Whigs, die als Vertreter der
Interessen des Handels und des Gewerbes in Opposition zu Jackson trat.
In den Jahren 1840 und 1848 stellten die Whigs den Präsidenten. Über
der Sklavenfrage, die in den Jahren nach 1850 immer mehr in den Vordergrund trat, kam es dann zur Spaltung dieser Partei und zur schließlichen Auflösung.
Das Kansas-Nebraska-Gesetz vom Jahre 1854 erlaubte die Haltung
•- nördlichen Trans-Mississippi-Territorium. Dieses Gesetz
Auseinandersetzungen, und so zog im Jahre

�"AMERIKA DIENST"

6. Juni 1956

Jahre I854 eine Mehrheit von Parteilosen in den Kongreß ein, die
allgemein nur als Anti-Nebraska-Leute bezeichnet wurden und ihre
Aufgabe darin sahen, das genannte Ersetz zu Fall zu bringen.
Zusammen mit Whigs, die sich ebe Calla gegen die Sklaverei wandten,
bildeten sie: die Republikanische Partei und wählten Abraham Lincoln
zum Präsidenten.
Als si h im Jahre 1861 die Nord- und Südstaater. über der Sklavenfrage entzweiten und der Süden im Sezessionskrieg die Loslösung von
der Union erstrebte, schlössen sich viele uniontreue Demokraten aus
dem Norden mit dön Republikanern in der sogenannten "Verfassungs- und
Unions-Partei" (Constitutional Urion Party) zusammen, die allerdings
schon bald nach dem Krieg zu besteh-n aufhörte, da sich ihre Mitglieder den Republikanern oder Demokraten anschlössen.
Nacli

em Jahre 1826 kam es zur ""ründung mehrerer kleinerer Partei-

en, die zum Teil sogar eine wichtige Rolle in der örtlichen, regionalen
und nationalen Politik gespielt haben. Die meisten dieser Parteien bestanden aber nur kurze Zeit; dennoch ist ihr Einfluß nicht zu unterschätzen, sind ihre Mitglieder doch häufig den beiden großen Parteien
beigetreten und haben deren Politik mitgestaltet. In manchen Fällen ist
es kleineren Parteien sogar gelungen, so viel Stärke zu gewinnen, daß
sie die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen beeinfluSBani konnten.
Das Programm einer solchen kleineren Partei - der Populist Party wurde im Jahre I896 zum bestimmenden Element der amerikanischen Innenpolitik und lebt noch heute in der Demokratischen Partei weiter. Die
Demokraten haben damals ihren Kurs radikal geändert und sich die Auffassung der Populisten in

er Frage eines staatlichen Eingreifens in

die V/irtschaft im Interesse des gesamten Volkes zu eigen gemacht.
In Wahljahren leg n die großen Parteien der Bevölkerung des Landes
ihr Wahlprogramm vor, ine rMärung bezüglich der Grundsätze und Vorhaben, für die sie im Falle p m e s Wahlsieges einzutreten beabsichtigen.
Diese 7/ahlproGramme ur.terso:" ..den sich meist in innerpolitischen Fragen,
in den großen außenpolitische. Fragen sind sie jedoch im allgemeinen
ähnlich, gelegentlich s igar -ollig gleich.
Alles in allem genomme: , stellen die mehr als 100 Mill .7/ähler in den
USA eine gewaltige Macht dar. Diese Macht aber würde zersplittert und durch
das Gegeneinander zahlreicher Kräfte wirkungslos werden, gäbe es nicht die
Parteien,die sie organisieren and auf ein Ziel ausrichten. Die Parteien
sind der Kristallisationspun't. um den sich die Wähler scharen, um ihrem
politischen Wi.ien Ausdruck und Geltung zu verschaffen. Die Beleuchtung
der politiachen Tagesi'ragen uur-h die "precher der Parteien ermöglicht es
dem Wähler, seine auf Ke.intms der politischen Fakten beruhende freie
Entscheidung zu treffen«
* * * * *

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�6. Juni 1956

AMERIKA DIENST"
DIE ROLLE DET MINDERHEITSPARTEIEN IM
POLITISCHEN LEBEN AMERIKAS

(AD) —

Wohl ist das Zwei-Parteien-System in den Vereinigten

Staaten seit den frühesten Tagen der jungen Republik fester Bestandteil der amerikarischen Regierungsform, und der Wille der Mehrheit best mmt den politi chen Kurs des Landes. Daneben aber hat es im Laufe der
Geschichte e ne ganze Reihe von Minderheitsparteien gegeben, die bei
den großen nationalen Wahlen die Unterstützung des Volkes für ihre
Wünsche und Ansichten zu gewinnen suchten, und so haben auch die Minderheiten von jeher einen starken formenden Einfluß auf das öffentliche
Leben Amerikas ausgeübt.
Bei diesen Minderheitsparteien handelte es sich niemals um ethnische, rassische oder religiöse Gruppen. Sie entstanden vielmehr stets
als Verfechter bestimmter praktischer Interessen und Grundsätze. Ihre
politische Skala reichte von d„r "ußersten Rechten bis zur äußersten
Linken. Aus ihren Namen ist oft .ch n zu ersehen, wofür sie eintreten:
da gab es die Freimarrergegner, die Frei-Land-Bewegung, die Prohibitionisten, die Sozialisten, die Populisten und Kommunisten, die Arbeiterund die Arbeiter- und Bauernpart 1.
Die bedeutendste dieser kleinen Parteien war die Partei der Populisten, auch V lkspartei genannt, sie wu de an äßl'ch der Wahlkampagne
des Jahres 1892 ins Leben gerulen, besta d et a ein Jahrzehnt und verschwand dann wioder von der Bildfläche. An''aß zu ih er Entstehung war
die Unzufriedenheit der Landbevölk rung mi; der Wi t chaftspolitik
der beiden großen Parteien. Ihre Ziele wäre

f ei

und unbegrenzte

Prägung von Gold- und Silbermünzen, b schl u igte St igerung des Geldumlaufs, um den Anforderungen der wachsenden Indus r'e zu gen"gen,
Überführung von Eisenbahnen, Telegraph, Telephon und La. htversorgung
in öffentlichen Besitz sowie unmittelbar

Wahl der S natoren durc

die

Wähler.
Dieses Programm fand einen überraschend starken W:'.de.hall in der
Bevölkerung. Bei den Präsidentenwahlen 1892 erh elten die Populisten

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Populisten reichlich eine Million Stimmen. Vier Jahre später bildeten
sie einen gemeinsamen Block mit den Demokraten und konnten nahezu 6,5
Millionen Stimmen für sich erringen. Ihr Verschwinden ist im wesentlichen auf drei Ursachen zurückzuführen: den zunehmenden Wohlstand der
Farmer nach 1900, das Bündnis mit den Demokraten und vor allem auf
die Erfüllung der meisten ihrer Forderungen.
Die 1869 gegründete Prohibitionspartei konnte sich am längsten
behaupten. Sie kämpfte gegen die Legalisierung des Alkoholhandels,
die sie als "einen Verstoß gegen die obersten Pflichten einer Regierung" bezeichnete. Ihren größten Erfolg errang diese Partei im Jahre
1892, als der von ihr aufgestellte Kandidat General Bidwell 270 000
Stimmen für sich buchen konnte.
Bisher ist es noch keiner Minderheitspartei gelungen, ihren Präsidentschaftskandidaten durchzubringen.
Ihr eigentliches Ziel ist es auch meist gar nicht, den Präsidenten
zu stellen; sie suchen vielmehr möglichst weite Kreise für ihre Ideen
zu gewinnen, und zwingen so die beiden großen Parteien, ihr Programm
weitgehend zu übernehmen, da sie auf die Stimmen der unabhängigen
Wähler nicht verzichten können. Auf diese Weise ist es diesen kleinen
Parteien oftmals gelungen, zumindest einen gewissen Teil ihrer Forderungen durchzusetzen.
Aber nicht nur auf dem 7/ege über politische Parteien suchen die
Minderheiten in den USA ihren Einfluß geltend zu machen. Die Amerikaner
haben von dem in den ersten zehn Zusatzartikeln zur Verfassung - der
Bill of Rights - verankerten "Recht des Volkes, sich friedlich zu versammeln und die Regierung durch Petition um Abstellung von Mißständen
zu ersuchen" seit jeher weitgehend Gebrauch gemacht. Manche Bewegung,
die von einer kleinen Gruppe ausging, hat schließlich so weite Kreise
erfaßt, daß sie die gesetzliche Verankerung der von ihr angestrebten
Ziele erreichen konnte. Man denke nur an die Bewegung für das Frauenwahlrecht, das Recht der Arbeiter auf gewerkschaftlichen Zusammenschluß,
das Verbot der Kinderarbeit sowie die Bestimmungen über den Verkauf
•
unverfälschter Lebensmittel und Medikamente.

�"AMERIKA DIENST"

6. Juni 1956

Gelegentlich arbeiten kleinere Gruppen, die die Verwirklichung
politischer Ziele anstreben, innerhalb der großen politisc-en Parteien.
Ein Beispiel hierfür waren die "Abolitionisten' , die Gegner der Sklaverei,
die im vergangenen Jahrhundert über die Republikanische Partei die Abschaffung der Sklaverei anstrebten und erreichten. Oft genug aber besitzt eine ihrer Natur nach unpolitische Interessenvertretung genug
Stoßkraft, um in ihrem Sinne auf die öffentliche Meinung ei zuwirken
und üoer diese wiederum die Gesetzgebung ihres Einzelstaates oder der
Union zu beeinflussen. Zu den bekanntesten Vereinigungen die er Art
gehören unter anderem der Amerikanische Bauernverband, der Amerikanische
Landwirtschaftliche Zentralverband, die erst kürzlich zusammengeschlossenen Gewerkschaftsverbände AFL und CIO, der Amerikanische Ärzteverband, der Verband Amerikanischer Bankiers, der Amerikanische Verband
für Bürgerrechte und der Rat der Christlichen Kirchen Amerikas.
So ist fast jede soziale, politische und wirtschaftliche In eressengruppe in den Vereinigten Staaten durch eine Gesellschaft ode^ einen
Verein vertreten. Diese Gruppen unterrichten die breite Öffentlichkeit
durch Versammlungen, Publikationen und Tagungen über die von ihnen vertretenen Ideen. Sie lassen Petitionen zirkulieren und regen die Öffentlichkeit an, zu den in Vorbereitung befindlichen Gesetzen Stellung

u

nehmen und den Kongreß über ihre Ansichten zu informieren.
Viele dierer Vereinigungen haben auch ihre bezahlten Agenten, iie
sogenannten "Lobbyisten', die in den Wandelhallen (Lobby) des Kongreßgebäudes die Abgeordneten oder Senatoren für ihre Sache zu gewinnen
suchen. Die Tätigkeit dieser Lobbyisten, ihre Befugnisse und Rechte,
sind gesetzlich genau festgelegt. Sie werden häufig auch vor Kongreßausschü se geladen, um sachdienliche Auskünfte zu den ge &gt;1 mten gesetzgeberischen Maßnahmen zu machen. Sie versorgen die Kongreßmitglieder
gegebenenfalls mit dem Tür den Er aß - oder die Unterbindung - ei es
Gesetzes erforderlichen Tatsachenmaterial.
Dieses wechselseitige Kräftespiel der verschiedenen Verbände und
Gesellschaften, die jeweil

über einen starken Rückhalt in den einzel-

nen Bevölkerungsschichten ve -fügen, trägt wesentlich zur Sicherung und
Erhaltung der demokratischen Staa sform in den USA bei.

�"AMERIKA DIENST"

6. Juni 1956

POLIT.3CHE PARTEIEN UND ÖFFENTLICHE MEINUNG IN DEN USA

(AD) —

In

eder

'emokr-- ie stellt die öffentliche Meinung die

Macht dar, die hinter de. R gie- ng steht. In den Vereinigten Staaten
jedoch ist wegen d^s Umfangs der B

erung so

e der großen Zahl der

in ihrer Haltu g stark vo ei ander abwei henden Gruppen und verschiedenartige'

teressen

&gt;r j

e

ige Standpunkt der Öffentlichen Mei-

1

nung nich , leich

rora s ahzu chätz n.

Die pol t-seh'

Pa te

sind in den

ere'nigten Staate1- aus dem

Bestreben der Staatsbü'ger erwa h en, gern 1 sar e Grundlagen herauszu'nden, auf dener
s

'ie v e n n v rs hi'ed1 n n Gruppen zu einer uberein-

mmung gelangen m d damit d e

eg-erung durch die Zustimmung der

Reg:' ^rten sichern kr mer .
In der amer'kanischen Ve" fas^ung werder pol't -che Parteien überhaup

nicht erwähnt. Dennoch ha en s'e stets

in? wichtige Rolle in der

dem'k atischen Entwi klung dtr Ve einigt n Staa en gespi lt. Denn es
erw es sich als notwendig, der öff&gt;ntlich' n Mein
keiten

u verschaffen, sich zur Geltung zu

Gestal - ng der Regierungspolitik prak
Lücke

g geregelte Möglich-

r n.en, un" ihr bei dir

sehen Einfluß einzuräumen. Diese

ü lten die Parteien aus.
1

Di - älteste der heute noch bestehe' den amerikan s~hen Pa teien,
d'e Demo ratische Partei, ist die politische Erbin einer Bewegung, die
in den sr. " en
Jeffers n a

790er Jahren von dem dama igen

z Präsidenten.Thomas

dem Gefühl heraus ins Li-ben gerufen wur'e, daß die Grund-

sätze der Föceralisten, der zu jener Zeit herrsche de

Par e , ni ht

mit der Verfassu g vereinbar seien. Bei den Wahler des Jahres 1800
untp br-1t ter Jefferson und seine Anhänger diese F^age den Abstimmender, mi. dem Ergebnis, daß er, Jef erson, zum Prä'identen gewählt
wurde.
Was Je fers'n und seine Partei im Jahre 1800 taten, stellt eine
der gro: n u d wecentlichen Funktionen e ner politisc
jeder Demokra ie dar - nämlich die Aufgabe, das Interesse

Par .ei in
er öffent-

lichen Meining auf einen Brennpu kt zu kon entrieren und die Parolen

- '3 -

�6. Juni 1956

"AMERIKA DIENST"

Parolen für die Volkswahl vorzubereiten. In den Vereinigten Staaten
sind die politischen Parteien und die öffentliche Meinung eng miteinander verknüpft.
Amerikas Wählerschaft, mit ihren zwei großen politischen Parteien,
setzt sich aus vielen auseinanderstrebenden Gruppen zusammen. Die Aufgabe der politischen Parteien besteht nun darin, diese unendlich verschiedenen rassischen und sozialen Gruppen, wirtschaftlichen, lokalen
und partikularistischen Interessen für die Zwecke des repräsentativen
Regierungssystems zusammenzufassen. Auf diese V/eise wird der öffentlichen Meinung eine Richtung gegeben und ihr Ausdruck verliehen.
Alle vier Jahre, im Sommer vor dem Wahltag im November, tritt
jede politische Partei zu einem Konvent zusammen, um eine Wahl-Plattform auszuarbeiten - das heißt eine Erklärung über die Parteipolitik
in bezug auf die großen zur Entscheidung stehenden Fragen und über die
leitenden Grundsätze überhaupt, welche die Partei zu vertreten verspricht -, eine Plattform, die für die verschiedenartigen Elemente,
aus denen sich die Partei zusammensetzt, möglichst gleichermaßen annehmbar ist. Das ermöglicht den Wählern, sich auf Grund der Politik und der
Programme der beiden Parteien für die eine oder die andere zu entscheiden.
Nachdem man sich in beiden Lagern über die Plattform geeinigt hat,
wird diese im Laufe eines sehr intensiven Wahlfeldzuges, der von den
Männern und Frauen, die sich um ein Amt bewerben, geführt wird, den
Wählern immer v/ieder eingehämmert. Jeder Kandidat legt seiner Wahlkampagne die Grundsätze des von seiner Partei aufgestellten Programms zugrunde. Den Wählern werden d-&gt;e Argumente für jedes der beiden Parteiprogramme wieder und wieder dargelegt, und dann treffen diese ihre Entscheidung.
Da der Wähler häufig nicht alle Konsequenzen, die sich aus seiner so oder so getroffenen Entscheidung ergeben, von vornherein zu übersehen vermag, bemühen sich die pol tischen Parteien, durch ihre Wahlkampagne zur Aufklärung der politischen Meinung auch in dieser Hinsicht
beizutragen. Indem sich der Wähler, nachdem die Parteien alle zur Debatte stehenden Fragen kritisch erörtert haben, für die Republikaner
oder die Demokraten entscheidet, bestimmt er damit, welcher Aktionsrichtung er den Vorzug gibt; und durch die Stimmabgabe für einen
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�"AMERIKA DIENST"

6. Juni 1956

einen Präsidentschaftskandidaten und einen Kongreß, welche diese Richtung vertreten, gibt der Bürger zugleich seine politischen Wünsche bekannt. Es liegt dann in der Verantwortlichkeit der gewählten Partei das heißt des Präsidenten u.d der Kongreßmitglieder dieser Pa 'te_ -,
die bei der Abstimmung zutage getretenen Wünsche der öffentlichen Meinung nach Möglichkeit zu verwirklichen, (in vielen Fälle., allerdin s,
vor allem in auswärtigen Angelegenheiten, verfolgen der Präsident und
beide Parteien - in überparteilicher Aktion - eine gemeinsame Politik,
um ein von allen gleichermaßen erstrebtes Ziel zu erreichen.)
Demgemäß obliegen der politischen Partei drei Hauptfunktionen:
1. die öffentliche Meinung zu lenken; 2. den Sieg bei der Wahl zu erringen, und 3« dafür zu sorgen, daß die Wünsche der Wähler Gesetzeskraft
erhalten.
Zuweilen ist es in der amerikanischen Politik vorgekommen, daß ein
erheblicher Teil der öffentlichen Meinung nicht mit der Art und Weise
zufrieden war, in der die beiden großen Parteien sich einer von ihr
für wichtig gehaltenen Frage gegenüber verhielten. Bei einigen dieser
Anlässe trat dann eine dritte Partei auf. Solche kleineren Parteien
bilden sich, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf ihre Anschauungen zu lenken, in der Hoffnung, daß die öffentliche Meinung dann die
eine oder die andere der beiden großen Parteien oder gar beide zwingen
wird, ihren Standpunkt sich zu eigen zu machen. Tritt dieser Fall ein,
dann löst sich meist die dritte Partei ebenso schnell wieder auf, wie
sie entstand, da ihr Zweck erfüllt ist.
Die gegenwärtige Republikanische Partei war ehemals auch eine
dritte Partei. Sie wurde 18 54 ins Leben gerufen, um in der Hauptfrage
der damaligen Zeit - der Frage der Sklaverei - ihr Votum in die Waagschale zu werfen. Da die beiden großen Parteien in jenen Jahren, die
Demokraten und die Whigs, in dieser Frage von innen her gespalten
waren, war keine von ihnen in der Lage, hier einen festen Standpunkt,
dafür oder dagegen, einzunehmen. So gewannen die Republikaner aus beiden Parteien die Unterstützung von Gegnern des Sklavensystems, und anstatt die eine oder die andere zu zwingen, sich ihre Haltung in dieser
Frage zu eigen zu machen, erhielten sie genügend Unterstützung aus der
Wählerschaft, um eine ständige politische Partei zu bilden. Im Jahre
1860 wählte die Bevölkerung Abraham Lincoln zum Präsidenten, und die
Republikanische Partei wurde fortan zu einer der großen Parteien.
Innerhalb des traditionellen "Zwei-Parteien"-Systems der Vereinigten Staaten weisen die Parteien, welche den engsten Kontakt mit der
öffentlichen Meinung haben, auch die längste Lebensdauer auf.
******
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�"AMERIKA DIETTST"

6. Juni 1956
DER PRIMAT DER AUSSENPOLITIK

(AD) - Das heute in Amerika bestehende Parteiensystem macht es
möglich, alle lebenswichtigen, insonderheit politisch strittigen
Fragen vor das Forum der Wähler zur Entscheidung zu bringen und dadurch selbst die tiefsten Gegensätze, die sich auf dieser Ebene manchmal im Volke zeigen, zu überwinden. Denn nachdem dieses gesprochen
hat, wird die Nation sich stets zusammentun, um die Politik, die die
Billigung der Mehrheit gefunden hat, auch wirklich durchzusetzen.
Nicht selten sind die Fragen, die bei den Wahlen zum Austrag
kommen, von fundamentaler, den Gang der nachfolgenden Außen- und
Innenpolitik unmittelbar bestimmender Bedeutung. In solchen Fällen
wird das ganze Land aufgerüttelt. Politische Instinkte werden entfesselt, die Leidenschaften schlagen hoch - doch die Parteien verstehen gewöhnlich, sie in die richtige Bahnen zu lenken.
Nur ein einziges Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten
ist es nicht gelungen, mit den friedlichen Mitteln der Politik eine
vom ganzen Lande anerkannte Entscheidung herbeizuführen. Die Frage
nach Abschaffung oder Beibehaltung der Sklaverei teilte die amerikanische
Union in der Mitte des vorigen Jahrhunderts in zwei Lager; es kam zum
Bürgerkrieg, der nach fünf Jahren erbitterten Kampfes die Nation letzten
Endes nur enger zusammenschloß.
In anderen grundsätzlichen Fragen, derentwegen es ebenfalls zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen war, brachten jedoch die Wahlen
die Entscheidung. Hierzu gehörten beispielsweise die Auseinandersetzungen über Schutzzölle, die fast hundert Jahre lang die Präsidentenwahlen überschattet und eine tiefe Kluft zwischen den beiden großen
Parteien aufgerissen hatten. Zu einer anderen, nicht weniger tiefgreifenden Streitfrage wurde das Problem der Währung, die nach dem Willen
der einen auf Gold, nach dem der anderen jedoch auf Silber basiert werden sollte. Und schließlich stritten sich die Parteien nach dem ersten Weltkrieg auch über die Frage, ob die USA Mitglied des Völkerbundes werden
sollten oder nicht. Die politischen Leidenschaften, die von den Befürwortern und Gegnern dieser Alternativfrage entwickelt wurden, erreichten - vi« schon oft - den Siedepunkt. Zu guter Letzt jedoch kam es auf
Grund vernünftiger Erwägungen noch immer zu einem Übereinkommen, das
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�"AMERIKA DIENST"

6. Juni 1956

das vielleicht den Charakter eines Kompromisses zwischen den Parteien trug, aber sich noch stets als das praktisch Klügste und auch
das Beste herausstell e.
Am wirksamsten aber hat sich die politische Disziplin über alle
Parteigegensätze hinweg immer dann erwiesen, wenn es galt, das Bemühen
der Union um einen gerechten und dauerhaften Frieden zu unterstützen.
Vor allem, wenn es sich um die Beilegung internationaler Krisen handelte,
haben die Amerikaner sich besonders eng zusammengeschlossen und vorbehaltlos hinter ihre aus freier Wahl hervorgegangenen Regierung gestellt.
Ein geradezu klassisches Beispiel dafür bildete das Verhalten Wendeil
Willkies, des republikanischen Kandidaten für die Präsidentenwahl von
1940, der sofort nach seiner Wahlniederlage seinen großen Einfluß dazu
gebrauchte, die Unterstützung der Republikaner für die Außenpolitik
der demokratischen Regierung zu gewinnen. Das erkannte auch Präsident
Franklin D. Roosevelt an, als er einmal ausdrücklich feststellte, daß
die Vereinigten Staaten "jedenfalls weder das Pacht- und Leihgesetz,
das Dienstpflichtgesetz noch Jine ganze Menge anderer Dinge hätten, wenn
es keinen Wendell Willkie gegeben hätte. Er wurde in dem Augenblick,
als wir seiner am meisten bedurften, zu einem wahren Segen für dieses
Land."
Im Verfolg einer solchen Politik war es nur natürlich, daß sich die
Führer der großen Parteien immer häufiger zusammensetzten, Abstriche von
den eigenen Forderungen machten und auf diese V/eise nach und nach eine
politische Linie entwickelten, die im Grunde überparteilich ist. Das
zeigte sich nicht zuletzt darin, daß bei internationalen Anlässen den
amerikanischen Regierungsmissionen auch Mitglieder der bei der Wahl
unterlegenen Partei zur Unterstützung beigegeben wurden.
So wurde beispielsweise John Foster Dulles, Außenminister der
gegenwärtigen republikanischen Regierung, selbst ein alter Republikaner,
schon unter dem demokratischen Präsidenten Truman der amerikanischen
Delegation zu den Vereinten Nationen als beratendes und später sogar als
ordentliches Mitglied beigeordnet. Außerdem fungierte er im Kabinett
Präsident Trumans als Sonderberater im Außenamt und war als solcher auch
der eigentliche Schöpfer des japanischen Friedensvertrages.
Aber es gibt wohl keinen Namen, der noch enger mit der völligen Unparteilichkeit der amerikanischen Außenpolitik verbunden wäre als der

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�"AMERIKA PIEKST"

6. Juni 1956

der Arthur H. Vandenbergs, des - verstorbenen - republikanischen
Senators vom Staate Michigan. Vandenberg hatte noch während des zweiten
Weltkrieges seine Überzeugung, daß Am-rika eine isolationistische Politik betreiben müsse, über Bord geworfen und war statt dessen zum leidenschaftlichen Verfechter interparteilicher Zusammenarbeit auf dem Gebiet
der Außenpolitik geworden. Einen der beachtlichsten Beiträge, die er als
Vorsitzender des außenpolitischen Senatsausschusses und Mitglied verschiedener Delegationen geleistet hatte, bildete die sogenannte Vandenberg-Resolution zum Artikel 51 der UN-Charta, der Vorkehrungen zur Erhaltung einer regionalen Kollektivsicherheit vorsieht und zur eigentlichen Grundlage der Nordatlantikpaktorganisation wurde.
Ganz gleich, welcher Meinung hierzu und zu anderen lebenswichtigen
Fragen die Parteien im einzelnen waren und heute sind, ganz gleich auch,
wie hart die politischen Gegensätze gelegentlich einer Wahl aufeinanderprallen und mit welcher Erbitterung die Kämpfe gegeneinander geführt
werden - bis auf ganz wenige Ausnahmen hat sich bisher noch immer erwiesen, daß die Amerikaner durchaus in der Lage sind, dort, wo es um
wirklich fundamentale Dinge geht, die notwendige Einigkeit über parteipolitische Differenzen zu stellen.

* * * * *

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�WORTLAUT DER REDE DEo ERSTEN SEKRETÄRS DER KPdSU
KIKITA CHRUSCHTSCHOW
VOR DELi XX. PARTEIK0K0RS5S IM IoÜJKAU

�WORTLAUT DER REDE DES ERSTEN SEKRETÄRS DER KPdSU
NIKITA CHRUSCHTSCHOW
VOR DEM XX.PARTEIKONGRESS IN MOSKAU

Das amerikanische Außenministerium hat am
4.Juri 1956 die in Washington vorliegende
Version der Rede des Ersten Sekretärs der
KPdSU veröffentlicht, die dieser am 25.Februar 1956 vor dem XX.Parteikongreß in Moskau gehalten hat.
Das amerikanische Außenministerium gab dazu
folgende Erklärung ab»
"Das amerikanische Außenministerium hat kürzlich aus einer vertraulichen Quelle ein Exemplar eines Dokuments erhalten, das offenbar eine
Version der Rede des Ersten Parteisekretärs
Nikita Chruschtschow ist, die er auf dem XX.Parteikongreß der KPdSU am 25.Februar 1956 hielt.
Zu der Sitzung waren nur die Delegierten aus
der UdSSR zugelassen.
Das Dokument wird auf Grund zahlreicher Anfragen veröffentlicht. Die vorliegende Version ist
dem Vernehmen nach als Anleitung für die Parteiführerschaft einer kommunistischen Partei außerhalb der Sowjetunion ausgearbeitet worden. Das
amerikanische Außenministerium kann sich für
die Authentizität des Dokuments nicht verbürgen
und möchte mit seiner Veröffentlichung es für
sich selbst sprechen lassen".
Die vorliegende Rede hat folgenden Wortlaut!
Genossen! Im Bericht des Zentralkomitees der Partei an den
XX.Parteikongreß, in einer Anzahl von Reden der Parteikongreßdelegierten und schon zuvor auf den Plenarsitzungen des ZK der KPdSU
ist vieles über den Persönlichkeitskult und seine schädlichen Folgen gesagt worden.
Nach dem Tode Stalins leitete das ZK der Partei eine Aufklärungspolitik ein, um mit zwingender Konsequenz nachzuweisen, daß
es unzulässig und dem Geiste des Marxismus-Leninismus zuwider ist,
eine Person herauszuheben und sie zu einem Übermenschen zu machen,
der
- 1 -

�Die große Bescheidenheit des Genius der Revolution, Wladimir
Iljitsch Lenin, ist bekannt. Lenin betonte immer die Rolle des Volkes
als Schöpfer der Geschichte, die leitende und organisatorische Rolle
der Partei als eines lebendigen und schöpferischen Organismus und
ebens. die Rolle des Zentralkomitees.
Der Marxismus negiert aber nicht die Rolle der Führer der Arbeiterklasse bei der Leitung der r volutionären Befreiungsbewegung.
Während er der Rolle Jer Führer und Organisatoren der Hassen große
B«»deitung beimaß, brand narKte Lenin gleichzeitig schonungslos jede
Äußerung des Person!icrtkejtskults, bekämpfte unerbittlich die dem
Marxismus fremden Auffass ngen üter den 'Helden" und die "Menge'
usd verwahrte s.ch g€gen jeden Verbuch, den Massen und dem Volk einen
•ielden" gegenüberzustellen.
Lenin lehrte, daß die Stärke deJf Partei auf ihrer unauflöslichen
Ve.Dundenheit mit den Massen b ruht, dar&gt;uf, daß hinter der Partei das
\rolk steht - die Arbeiter, die Bauern und die Intelligenz. "Nur der
wird die Macht erringen und behalten'', sagte Lenin, "der an das Volk
glaubt, der untertaucht in dem Brunnen der lebendigen Schöpferkraft
des Volkes."
Lenin sprach mit Stolz von der bolschewistischen Kommunistischen
Partei als der Führerin und Lehrerin des Volkes. Er verlangte, daß
alle wichtigen Fragen den bewußten Arbeitern und ihrer Partei zur
Kenntnis gebracht und in diesem Kreise zur Diskussion gestellt werden
sollten. Er sagte: "Wir glauben an sie, wir sehen in ihr die Weisheit,
die Ehre und das Gewissen unserer Epoche."
Lenin wandte sich entschieden gegen jeden Versuch, die leitende
Rolle der Partei im Gefüge des Sowjetstaates zu bagatellisieren oder
zu schwächen. Er entwickelte die bolschewistischen Prinzipien der
Parteiführung und die Normen des Parteilebens, wobei er die Kollegialität als Richtschnur der Parteiführung betonte. Schon in den
Jahren vor der Revolution bezeichnete Lenin das Zentralkomitee der
Partei als ein Führungskollektiv, als den Hüter und Interpreten der
Paiteiprinzipien. "Im Intervall zwischen den Parteitagen", erklärte
Lenin, 'hütet und interpretiert das Zentralkomitee die Parteiprinzipien". Die Rolle und Autorität des Zentralkomitees der Partei kennzeichnete Wladimir Iljitsch mit den Worten: "Das Zentralkomitee konstit ierte sich als streng zentralisierte und höchst maßgebende Gruppe".
Zu Lenins Lebzeiten war das Zentralkomitee der Partei der echte
Ausdruck der kollektiven Führung der Partei und der Nation. Als aktivistischer, revolutionärer Marxist, der in Prinzipienfragen allzeit
unbeugsam blieb, drängte Lenin seinen Mitarbeitern doch niemals ge-,
waltsam seine Ansichten auf. Er versuchte vielmehr, sie zu überzeugen;
geduldig erklärte er anderen seine Auffassung. Stets war Lenin sorgsam darauf bedacht, daß die Normen des Parteilebens verwirklicht,
daß die Bestimmungen des Parteistatuts befolgt, daß die Parteitage
und die Plenarsitzungen des Zentralkomitees regelmäßig abgehalten
wurden.
Abgesehen

- 3-

�Ich möchte diese Dokumente Jetzt zur Verlesung bringen.
"Lew Borisowitach!
'.Vegen eines kurzen Briefes, den ich in den V/orten niedergeschrieben hatte, die mir Wladimir Iljitach mit ärztlicher Erlaubnis diktierte,
gestattete sich atalin gestern mir gegenüber eine ungewöhnlich grobe
Ausfälligkeit. Ich bin nicht erst seit einem Tage Parteimitglied, aber
in all diesen dreißig Jahren habe ich niemals von irgendeinem Genossen
• in grobes Vfo^t gehört. Die Sache der Partei und Iljitschs ist mir
nicht weniger teuer als Stalin. Ich muß im Augenblick ein Höchstmaß von
Selbstbeherrschung aufbieten. Was man mit Iljitsch besprechen kann
oder nicht, weiß ich besser als jeder Arzt, weil ich weiß, was ihn
nervös macht und was nicht. Auf jeden Fall weiß ich es besser als
Stalin. Ich wende mich an Dich und an Grigorij als den Gen-ssen,
die W.I. viel näher stehen, und ich bitte Euch, mich vor solchen
rücksichtslosen Einmischungen in mein Privatleben, vor so gemeinen
Beleidigungen und Drohungen zu schützen. Ich habe keinen Zweifel,
wie die einmütige Entscheidung der Kontrollkommission ausfallen wird,
mit der Stalin mir drohen zu müssen glaubte; doch habe ich weder genügend Kraft noch Zeit, um sie auf diesen dummen Streit zu verwenden.
Ich bin schließlich ein lebendiger Mensch, und meine Nerven sind bis
zum Äußersten angespannt.
N. Krupskaja."
Nadeahda Kon8tantinowna schrieb diesen Brief am 23.Dezember 1922.
Zweieinhalb Monate später, im März 1923» sandte Lenin folgenden Brief
an Stalins
"An Genossen Stalin.
Abschriften an Kamenew und Sinowjew.
Lieber Genosse Stalin!
Du hast Dir erlaubt, meine Frau in grober Form ans Telephon zu
zitieren und sie sehr grob zu tadeln. Obwohl sie Dir gesagt hat, sie
wolle Deine Bemerkungen vergessen, haben Sinowjew und Kamenew dennoch
durch sie von der Sache erfahren. Ich habe nicht die Absicht, etwas
ao leicht zu vergessen, was gegen mich gerichtet ist, und ich brauche
hier wohl nicht zu betonen, daß ich alles als gegen mich gerichtet
betrachte, was meiner Frau angetan wird. Ich ersuche Dich deshalb,
sorgfältig zu prüfen, ob es Dir lieber ist, Deine Worte zurückzunehmen
und Dich zu entschuldigen, oder ob Du den Abbruch der Beziehungen
zwiachen una vorziehst..
5.März 1923

Lenin."
(Bewegung im Saale)

Genossen! Ich möchte diese Dokumente nicht kommentieren. Sie sprechen beredt genug für sich selbst. Wenn Stalin sich zu Lenins Lebzeiten
so benehmen konnte, wenn er Nadeshda Konstantinowna Krupakaja so behandeln konnte, die die Partei kennt und schätzt als treue Gefährtin Lenina
und

�was passiert wäre, wenn sich 1928/29 die politische Linie der
Rechtsabweichler bei uns durchgesetzt hätte, oder die Orientierung
auf die "Kattun-Industrialisierung", oder jene auf die Kulaken usw.
Dann hätten wir heute keine mächtige Schwerindustrie, wir hätten
keine Kolchosen, wir befänden uns waffenlos und schwach inmitten
der kapitalistischen Einkreisung.
Eben aus diesem Grunde führte die Partei einen unerbittlichen
ideologischen Kampf und klärte alle Parteimitglieder sowie die parteilosen Massen darüber auf, wie schädlich und gefährlich die antileninistischen Vorschläge der trotzkistischen Opposition und der
rechten Opportunisten waren. Und diese gewaltige Aufklärungsarbeit
über die Parteilinie trug Früchte* sowohl die Trotzkisten als auch
die rechten Opportunisten wurden politisch isoliert.} die überwiegende
Mehrheit der Partei erklärte sich für die leninistische Linie. Es
gelang der Partei, die werktätigen Hassen wachzurütteln und zu organisieren, um sie für die leninistische Parteilinie und den Aufbau des
Sozialismus zu gewinnen.
Bemerkenswert ist die Tatsache, daß selbst während dieses erbitterten ideologischen Kampfes gegen die Trotzkisten, Sinowjewisten,
Bucharinisten und andere Gruppen noch keine radikalen Unterdrückungsmaßnahmen angewandt wurden, da sich der Kampf auf ideologischer Grundlage abspielte. Erst einige Jahre später, als die Fundamente des Sozialismus in unserem Land gelegt, die ausbeutenden Klassen im allgemeinen
liquidiert waren, als sich die soziale Struktur der Sowjetunion von
Grund auf geändert hatte und die soziale Basis für parteifeindliche
Gruppen und Bewegungen entscheidend eingeengt war, als die ideologischen
Gegener der Partei politisch längst geschlagen waren, da erst setzten
die gegen sie gerichteten Unterdrückungsmaßnahmen ein.
In dieser Periode, von 1933 bis 1938, begann die Ifassenunterdrückung
durch den Regierungsapparat. Sie richtete sich zunächst gegen die Feinde
des Leninismus - die Trotzkisten, Sinowjewisten und Bucharinisten -,
nachdem diese von der Partei längst politisch besiegt worden waren.
In der Folge griff sie aber auch auf zahlreiche aufrechte Kommunisten
über, auf diejenigen Parteikader, die die schwere Last des Bürgerkriegs, der ersten und schwierigsten Jahre der Industrialisierung
und Kollektivisieming getragen, auf Männer, die aktiv gegen die
Trotzkisten und die Rechten für die leninistische Parteilinie gekämpft hatten.

Von

�Es is- jedermann bekannt, wie unversöhnlich Lenir gegenüber den
ideologischen Feinden des Marxismus und gegenüber denjenigen war, die
von der korrekten Parteilinie abwichen. Aber Lenin hat gleichzeitig,
wie aus dem erwähnten Dokument hervorgeht, in seiner Praxis der Parteiführung den engsten Parteikon+akt zu Leuten gefordert, bei denen trotz
gewisser Schwankungen oder zeitweiliger Abweichungen von der Parteii.'nie noch immer die Möglichkeit bestand, daß sie auf den Weg der
Partei zurückfanden. Lenin empfahl, diese Leute geduldig zu erziehen,
ohne extreme Methoden anzuwenden.
Lenins Weisheit in» Umgang mit Menschen trat in seiner Kaderarbeit
klar zJtage.
Ganz anders war dagegen die Einstellung Stalins zu seiner Umgebung. Lenins charak4eris"isehe Eigenschaften - geduldige Arbeit mit
den Menschen im Interesse ihrer unablässigen und gew,ssenhaften Schulung, seine Fähigkeit, die Menschen für sich zu gewinnen, so daß sie
ihm ohne Zwang, lediglich unter dem ideologischen Einfluß des gesamten
Kollekt vs folgten - waren Stalin vollkommen fremd. Stalin gab die
leninistische Methode der Überzeugung und Erziehung auf, er vertauschte
die Meth de des ideologischen iL mpfes mit der der adminis rativen
Gewaltanwendung, der Masse Unterdrückung und des Terrors. Er stützte
sich bei seinen Aktionen in zunehmendem Maße und mit wachsendem Starrsinn auf die Straforgane und verletzte dabei häufig alle bestehenden
Normen der Moral und des sowjetischen Rechts.
Die Willkür des einen war zugleich Ansporn und Freibrief für
die Willkür der anderen. I«ia senverhaftungen und Verschickungen, die
Tausende von Menschen betrafen, Hinrichtungen ohne ordnungsgemäßes
Untersuchungs- und Gerichtsverfahren schufen Unsicherheit und verbreiteten Furcht, ja sogar Verzweiflung.
Das förderte natürlich nicht die Einigkeit innerhalb der Partei
und alier Schichten der werktätigen Bevölkerung - im Gegenteil, es
hatte zur Folge, daß loyale, aber Stalin unerwünschte Arbeiter vernichtet beziehungsweise aus der Partei ausgeschlossen wurden.
Unsere Partei kämpfte für die Verwirklichung der Pläne Lenins,
für den Aufbau des Sozialismus. Das war ein ideologischer Kampf.
Wären Lenins Grundsätze im Verlauf dieses Kampfes befolgt werden,
hätte man die Prinzipientreue der Partei geschickt mit lebhafter
und eifriger Sorge um die Menschen gepaart, wären die Menschen nicht
zurückgestoßen und vergeudet, sondern auf unsere Seite gezogen worden,
dann wäre es bestimmt nicht zu so brutalen Verstößen gegen die revolutionäre Gesetzlichkeit gekommen,und viele Tausende wären nicht den
Terrormethoden zun Opfer gefallen. Außergewöhnliche Maßnahmen hätte
man dann nur gegen
ergriffen, die wirklich verbrecherische Handlungen gegen itto Sovsjetsystem begangen hatten.

In

- 9-

�Allerdings brauchte er sie nur gegen tatsächliche Klassenfeinde,
nicht aber gegen Leute, die nur einen Fehler gemacht, die sich geirrt
hatten, also gegen diejenigen, die man möglicherweise durch ideologische
Einflußnahme leiten und sogar in der Führung behalten konnte. Lenin
benutzte harte Methoden nur im äußersten Notfall, solange die ausbeutenden Klassen noch existierten und der Revolution heftigen Widerstand
leisteten, das heißt, wenn der Kampf um den Fortbestand seine schärfsten
Formen angenommen hatte, die sogar den Bürgerkrieg einschlössen.
Stalin dagegen griff zu radikalen Methoden und zu Ma senunterdrückungen in einer Zeit, als die Revolution schon siegreich und der
Sowjetstaat gefestigt war, ä'ls nach der Liquidierung der ausbeutenden
Klassen die sozial stischen Produktionsverhältnisse in allen Zweigen
der Volkswirtschaft bereits tiefe Wurzeln geschlagen hatten, als unsere
Partei politisch gefestigt»zahlenmäßig gewachsen und ideologisch erstarkt
war. Es ist klar, daß Stalin sich hier in einer ganzen Anzahl von Fällen als intolerant und brutal erwies und daß er seine Macht mißbrauchte.
Anstatt seine" politische Korrek heit zu beweisen und die Massen zu
mobilisieren, schlug er oft den Weg der Unterdrückung und physischer
Vernichtung ein, und zwar n'cht nur gegen tatsächliche Feinde sondern
auch gegen Personen, die keine /erbrechen gegen die Partei und die
Sowjetregierung begangen hat en. Hier ist keine Weisheit, sondern
nur die Demonstration brutaler Gewalt festzustellen, die schon Lenj.n
so sehr beunruhigt hatte.
In letzter Zeit, zumal nach der Entlarvung der Beri ja-Bande, mußte
sich das Zentralkomitee mit einer Reihe von Fälschungen befassen, die
auf diese Bande zurückgingen. Dalei am ein sehr häßliches Bild brutaler
Eigenmächtigkeiten zum Vorschein, und zwar wiederum in Zusammenhang mit
dem unkorrekten Verhalten Stalins. D e Tatsachen beweisen, daß sich Stalin auf Grund seiner unbegrenzten Macht viele Übergriffe erlaubte.
Dabei berief er sich auf das Zentralkomitee, ohne dessen Mitglieder,
ja nicht einmal die Mitglieder des Politbüros des Zentralkomitees, um
ihre Meinung zu befragen. Oft unterr'chtete er diese nicht einmal über
seine persönlichen Entscheidungen in sehr wichtigen Partei- und Regierungsangelegenheiten.
Bei der Behandlung der Frage des Persönlichkeitskults müssen wir
zuerst jedem einzelnen klarmachen, welcher Schaden dieser Kult den
Interessen der Partei zufugte.
Wladimir Iljitsch Lenin hatte stets d e Rolle und Bedeutung der
Partei ei der Leitung der sozialistischen Arbeiter- und Bauernregierung b tont; hierin sah er die wesentliche Vorbedingung für einen
erfolgr i hen Aufbau des Sozialismus in unserem Lande. Lenin verwies auf
die gr ße Verantwortung der Bolschewistischen Parte' als der regierenden Pa tei m Sowjetstaat und forderte eine peinlich genaue Beachtung
aller Normen des Parteilebens; er forderte die Verwirklichung der Prinzipien der Kollegialität in der Führung von Partei und Staat.
Die

- 11 -

�Während in den ersten Jahren nach Lenins Tod Parteitage und
Sitzungen des ZK-Plenums mehr oder weniger regelmäßig stattfanden,
wurden diese Grundsätze später, als Stalin seine Macht immer mehr
mißbrauchte, in brutaler Weise verletzt. Das zeigte sich besonders
während seiner letzten fünfzehn Lebensjahre. Kann man noch von normalen Verhältnissen sprechen, wenn zwischen dem XVIII. und dem XIX.
Parteikongreß dreizehn Jahre verstrichen, Jahre, in denen unsere Partei
und unser Land so viele wichtige Ereignisse durchmachten? Diese Ereignisse verlangten kategorisch nach Parteibeschlüssen über die Landesverteidigung während des Großen Vaterländischen Krieges und über den
friedlichen Wiederaufbau nach Beendigung des Krieges. Selbst nach
Kriegsende dauerte es sieben Jahre, bis wieder ein Parteikongreß stattfand.
Es wurden kaum noch ZK-Plenarsitzungen einberufen. Man braucht
nur zu erwähnen, daß während des ganzen Großen Vaterländischen Krieges keine einzige Sitzung des Plenums des Zentralkomitees stattgefunden
hat.
Zwar wurde im Oktober 1941 der Versuch unternommen, das gesamte
Zentralkomitee einzuberufen, als die Hitglieder des Zentralkomitees
aus der ganzen Sowjetunion nach Moskau beordert wurden. Aber sie warteten
zwei Tage lang vergeblich auf die Eröffnung des Plenums. Stalin wünschte
nicht einmal,die Mitglieder des Zentralkomitees persönlich zu sprechen.
Diese Tatsache zeigt, wie demoralisiert Stalin in den ersten Kriegsmonaten war und mit welcher Überheblichkeit und Verachtung er die Mitglieder des Zentralkomitees behandelte.
In der Praxis setzte sich Stalin über die Normen des Parteilebens
hinweg und trat den leninistischen Grundsatz der kollektiven Führung
mit Füßen. Stalins Eigenmächtigkeit gegenüber der Partei und ihrem
Zentralkomitee trat nach dem XVII. Parteitag, der 1934 abgehalten wurde,
voll und ganz in Erscheinung.
Das ZK, das sich im Besitze zahlreicher Unterlagen über die brutale und willkürliche Behandlung der Parteikader befindet, hat eine
Parteikommission eingesetzt, die unter der Kontrolle des Präsidiums
des Zentralkomitees steht. Die Kommission wurde beauftragt, Untersuchungen darüber anzustellen, wieso Massenunterdrückungen gegen die
Mehrheit der Mitglieder und Kandidaten des ZK, die auf dem XVII. Parteitag der KPdSU (B) gewählt worden waren, möglich gewesen sind.
Die Kommission hat umfangreiches Material aus den NKWD-Archiven
und andere einschlägige Dokumente gesichtet und in zahlreichen Fällen
festgestellt, daß Anklagen gegen Kommunisten konstruiert, falsche
Anschuldigungen erhoben und schamlose Mißbräuche mit der sozialistischen Gesetzlichkeit geduldet wurden - was zum Tode unschuldiger
Menschen führte. Es hat sich erwiesen, daß viele Aktivisten der Partei,
der Sowjets und der Wirtschaft, die in den Jahren 1937 bis 1938 zu
"Volksfeinden" gestempelt worden waren, in Wirklichkeit niemals Feinde,
Spione, Schädlinge und so weiter waren, sondern immer nur aufrechte
Kommunisten. Sie wurden nur als Feinde gebrandmarkt und bezichtigten
sich oft selbst, weil sie die barbarischen Folterungen nicht länger

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�Dies war das Ergebnis des Machtmißbrauchs Stalins, der nun mit
den Mitteln des Massenterrors gegen die Parteikader vorzugehen begann.
Wie ist es zu erklären, daß nach dem XVII. Parteitag die Massenrepressalien gegen Aktivisten immer mehr zunahmen? Stalin hatte sich
damals derart über Partei und Nation erhoben, daß er fortan weder
auf das Zentralkomitee noch die Partei Rücksicht nahm. Während Stalin
vor dem XVIII. Parteitag noch mit der Meinung des Kollektivs rechnete,
mißachtete er nach der restlosen politischen Liquidierung der Trotzkisten, Sinowjewisten und Bucharinisten - nachdem die Partei durch
diesen Kampf und die Siege des Sozialismus ihre Einheit erreicht
hatte - in zunehmendem Maße die Meinung der Mitglieder des Zentralkomitees und selbst der Mitglieder des Politbüros. Stalin glaubte,
er könne alles allein entscheiden und brauche nur noch Statisten.
Er behandelte alle andern so, daß sie ihm nur noch zuhören und Beifall klatschen durften.
Die Massenunterdrückungen und brutalen Verstöße gegen die
sozialistische Gesetzlichkeit begannen nach dem Meuchelmord an
S. M. Kirow. Am Abend des 1. Dezember 1934 unterzeichnete der Sekretär des Präsidiums des Zentralen Exekutivkomitees, Jenukidse, auf
Veranlassung Stalins(ohne die Genehmigung des Politbüros, die beiläufig erst zwei Tage später erteilt wurde) folgende Weisung;
"1. Die Untersuchungsorgane werden angewiesen, die Fälle der
wegen Vorbereitung beziehungsweise Ausführung von Terrorakten Angeklagten beschleunigt zu behandeln.
2. Die Gerichtsorgane werden angewiesen, die Vollstreckung der
wegen Verbrechen dieser Kategorie ausgesprochenen Todesurteile nicht
im Hinblick auf eine eventuelle Begnadigung aufzuschieben, da;- das
Präsidium des Zentralen Exekutivkomitees der UdSSR die Entgegennahme
von Eingaben dieser Art nicht für möglich erachtet.
3« Die Organe des Volkskommissariats für Innere Angelegenheiten
(NKWD) werden angewiesen, die Todesurteile gegen Verbrecher, die der
oben angeführten Kategorie angehören, unmittelbar nach der Urteilsverkündung zu vollstrecken."
Diese Weisung war die Grundlage für den massiven Mißbrauch der
sozialistischen Gesetzlichkeit. In zahlreichen arangierten Gerichtsverfahren wurden die Angeklagten "der Vorbereitung" von Terrorakten
beschuldigt; dadurch waren sie jeder Möglichkeit beraubt, ihre Fälle
überprüfen zu lassen, selbst wenn sie vor Gericht aussagen, ihre
"Geständnisse" seien erpreßt worden oder wenn sie in überzeugender
Weise die gegen sie erhobenen Anschuldigungen entkräften konnten.
Es muß festgestellt werden, daß die Umstände der Ermordung
Kirows bis auf den heutigen Tag in vielen Punkten ungeklärt und
mysteriös sind, so daß sie noch einer gründlichen Überprüfung be
dürfen. Der Verdacht scheint begründet, daß der Mörder Kirows,
Nikolajew, von jemanden unterstützt wurde, dessen Pflicht es gewesen

- 15 i

�Die damaligen Massenunterdrückungen erfolgten unter der Loaung
dea Kampfea gegen die Trotzkiaten. 7/aren denn die Trotzkiaten zu Jener Zeit tataächlich eine aolche Gefahr für unaere Partei und den
Sowjetstaat? In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß
1927» kurz vor dem XV.Parteitag, nur ungefähr 4000 Stimmen für die
trotzkiatisch-sinowjewistische Opposition, gegenüber 724 000 für die
Parteilinie abgegeben wurden. Im Verlauf der zehn Jahre vom XV.Parteitag bia zum Februar-März-Plenum des Zentralkomitees wurde der Trotskismus völlig entwaffnet. Viele Trotzkisten hatten ihre ehemaligen Ansichten geändert und arbeiteten in verschiedenen Sektoren am Aufbau
dea Sozialiamus mit. Ea ist doch klar, daß zu dieser Zeit des Sieges
des Sozialismus kein Anlaß zum Massenterror in unserem Lande bestand.
Stalina Bericht auf der Plenartagung des Zentralkomitee8 im
Februar und März 1937 über "Mängel in der Parteiarbeit und Methoden
für die Liquidierung von Trotzkiaten und anderen Doppelzünglern"
stellte den Versuch einer theoretischen Rechtfertigung der Politik
des Massenterrors unter dem Vorwand dar, daß der Klassenkampf sich
angeblich im Fortschreiten auf dem Wege zum Sozialismus zunehmend
verschärfen müsse.
Stalin veraicherte, diese Erkenntnis aua der
Geschichte und Lenins Werken abgeleitet zu haben.
Lenin lehrte aber'tatsächlich, daß die Anwendung revolutionärer
Gewalt durch den Widerstand der Ausbeuterklassen notwendig werde, und
er bezog sich dabei auf die Zeit, da diese Ausbeuterklassen noch bestanden und über Macht verfügten. Als sich aber die politische Lage
des Landes gebessert hatte, nachdem nämlich die Rote Armee im Januar
1920 Roatow eingenommen und damit einen höchst bedeutsamen Sieg über
Denikin errungen hatte, wies Lenin Dsershinskij an, Massenterror einzustellen und die Todesstrafe abzuschaffen. Lenin begründete dieaen
wichtigen politischen Schritt des Sowjetstaatea in seinem Bericht
vor dem Allunions-Zentralexekutivkomitee am 2.Februar 1920 folgendermaßen t
"Der Terror, den die Entente ausübte, als starke Weltmächte ihre
Horden auf uns losließen, die vor nichts zurückschreckten, zwang uns
unsererseits zur Anwendung von Terror. Wir hätten uns keine zwei Tage
behaupten können, hätten wir diese Versuche von Offizieren und WeißgsrdiBten nicht mit rücksichtslosen Maßnahmen beantwortet, das heißt
mit der Anwendung von Terror, der uns aber er8t durch die Terrormethoden
der Entente aufgezwungen wurde.
Sobald wir aber einen entscheidenden Sieg errungen hatten, al8o
schon vor Kriegsende unmittelbar nach der Einnahme Rostows, schafften
wir die Todesstrafe ab und lieferten damit den Beweia, daß wir un8er
Programm in der versprochenen Form durchzuführen beab8ichtigten. Wir
erklären, daß die Anwendung von Gewalt der Entschlossenheit entsprang,
die Ausbeuter zu vernichten, die Großgrundbeaitzer und Kapitalisten}
ala dies erreicht war, verzichteten wir auf alle außergewöhnlichen
Methoden. Dafür haben wir den praktischen Beweis erbrscht."
Stalin wich von diesen klaren und unmißverständlichen Richtlinien
Lenins ab. Stalin benutzte die Partei und das NKtfD für die Ausübung
des Massenterrors zu einer Zeit, als die Ausbeuterklaasen in unserem
- 17 -

�Es ist bekannt, daß brutale Willkür gegen viele der Parteiarbeiter angewandt wurde. Die vom XVII. Parteitag gebilligten Parteistatuten stützten sich auf die leninistischen Grundsätze, wie sie auf
dem X. Parteitag zum Ausdruck gebracht worden waren. In ihnen heißt
es, daß extreme Maßnahmen wie der Parteiausschluß gegen ZK-Mitglieder,
ZK-Kandidaten und Mitglieder der Parteikontrollkommission nur angewandt
werden können, wenn vorher "das Plenum des Zentralkomitees einberufen
und auch alle ZK-Kandidaten und Mitglieder der Parteikontrollkommission
zu dieser Plenarsitzung eingeladen worden sind"; nur wenn zwei Drittel
der Mitglieder einer solchen Generalversammlung verantwortlicher Parteiführer dies für notwendig erachten, kann ein ZK-Mitglied oder ein
ZK-Kandidat ausgeschlossen werden.
Die meisten der ZK-Mitglieder und -Kandidaten, die auf dem XVII.
Parteitag gewählt und 1937/38 verhaftet wurden, hat man durch brutalen
Mißbrauch der Parteistatuten widerrechtlich aus der Partei ausgeschlossen, da die Frage ihres Ausschlusses nie vom Plenum des Zentralkomitees erörtert worden ist.
Als nunmehr die Fälle einiger dieser sogenannten "Spione" und
"Saboteure1 untersucht wurden, hat sich gezeigt, daß diese Fälle
restlos erfunden waren. Die Schuldgectändnisse vieler Personen, die
verhaftet und volksfeindlicher Tätigkeit bezichtigt wurden, waren
mit Hilfe grausamer und unmenschlicher Folterungen erpreßt worden.
Gleichzeitig hat Stalin, wie uns inzwischen von damaligen
Mitgliedern des Politbüros berichtet wurde, ihnen die Erklärungen
vieler angeklagter politischer Aktivisten vorenthalten, in denen diese
ihre Geständnisse vor dem Militärtribunal widerrufen und eine objektive Untersuchung ihrer Fälle gefordert hatten. Es gab zahlreiche
derartige Erklärungen, und Stalin kannte sie genau.
Das Zentralkomitee hält es für absolut notwendig, den Parteikongreß über viele derartige konstruierte "Fälle" gegen Mitglieder
des Zentralkomitees der Partei, die auf dem XVII. Parteitag gewählt worden waren, zu unterrichten.
Ein Beispiel niederträchtiger Provokation himmelschreiender
Entstellung und verbrecherischer Verstöße gegen die revolutionäre
Gesetzlichkeit ist der Fall des ehemaligen Politbüro-Kandidaten,
des hervorragenden Funktionärs der Partei und der Sowjetregierung,
Genosse Eiche, der seit 1905 der Partei angehörte.
Genosse Eiche wurde am 29. April 1938 auf Grund verleumderischen
Materials und ohne Genehmigung des Generalstaatsanwaltes, die schließlich nach 15monatiger Haft eintraf, verhaftet.
Die Untersuchung des Falles Eiche wurde in einer Weise durchgeführt, die einen äußerst brutalen Verstoß gegen die sowjetische
Gesetzlichkeit darstellte, wobei Willkür und Fälschungen stark ins
Gewicht fielen.
Eiche

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�Ich könne jetzt zu dem schändlichsten Tun meines Lebens und
meiner wirklich schweren Schuld gegenüber der Partei und Ihnen. Es
ist dies mein Geständnis konterrevolutionärer Arbeit ... Die Sache
liegt folgendermaßen: Da ich die Folterungen durch Uschakow und
Nikolajew - insbesondere den ersteren -,die wußten, daß meine
gebrochenen Rippen noch nicht geheilt waren und mir große Schmerzen
bereiteten, nicht ertragen konnte, habe ich unter Zwang mich selbst
und andere beschuldigt.
Mein Geständnis ist zum größten Teil von Uschakow erfunden oder
diktiert, der Rest besteht aus von mir selbst rekonstruiertem NKWBMaterial aus West-Sibirien, für das ich volle Verantwortung übernommen hatte. Wenn ein Detail der von Uschakow fabrizierten und von mir
unterzeichneten Geschichte nicht zusammenpaßte, wurde ich gezwungen,
eine andere Fassung zu unterschreiben. So war es mit Ruchimowitsch,
der mir zuerst als Mitglied des "Reservenetzes1 benannt wurde, dessen
Name aber später nicht mehr auftauchte, ohne daß mir dies mitgeteilt
wurde. Ebenso verhielt es sich mit dem Leiter des angeblich von
Bucharin im Jahre 1935 geschaffenen 'Reservenetzes' . Zuerst setzte
ich meinen Namen ein, dann sagte man mir, ich solle den von Meshlauk
einsetzen. Solche Dinge kamen öfters vor.
... Ich ersuche und bitte Sie, meinen Fall nochmals zu überprüfen,
nicht etwa, um mich zu retten, sondern um die niederträchtige Provokation
zu enthüllen, die jetzt infolge meiner erbärmlichen und verbrecherischen
Verleumdung zahlreiche Personen wie eine Schlange umstrickt. Nieraals habe
ich Sie oder die Partei verraten. Ich weiß, daß ich auf Grund der niederträchtigen uhd gpmeinen Arbeit der Feinde der Partei und des Volkes,
die diese Provokation gegen mich inszenierten, umkommen werde."
Man sollte meinen, eine so wichtige Erklärung sei einer Untersuchung
durch das Zentralkomitee wert gewesen. Dies geschah jedoch nicht, und die
Erklärung wurde an Berija weitergeleitet, während die fürchterliche
Mißhandlung des Politbürokandidaten, Genosse Eiche, weiterging.
Am 2.Februar 1940 wurde Eiche vor Gericht gestellt. Hier gab er
keinerlei Schuld zu und sagte folgendes»
"In all meinen sogenannten Geständnissen habe ich mit Ausnahme
meiner Unterschrift unter die von mir erpreßten Protokolle auch nicht
einen einzigen Buchstaben geschrieben. Ich habe unter dem Druck des Untersuchungsrichters, der mich von Beginn meiner Verhaftung an folterte, Aussagen gemacht. Danach begann ich dann, all diesen Unsinn zu schreiben ...
das Wichtigste für mich aber ist, dem Gericht, der Partei und Stalin zu sagen, daß ich nicht schuldig bin. Ich habe mich nie einer Verschwörung schuldig gemacht. Icn werde sterben in dem Glauben an die Richtigkeit der Politik
der Partei wie. ich das mein Leben lang geglaubt habe."
Am 4.Februar wurde Eiche erschossen. (Entrüstung im Saal.) Heute ist
einwandfrei erwiesen, daß der Fall Eiche fabriziert wurde'} Eiche wurde posthum rehabilitiert.
Genosse Rudsutak, Politbürokandidat und Parteimitglied seit 1905. der
10 Jahre in einem zaristischen Verbannungslager schmachtete, hat vor Gericht
die von ihm erzwungenen Geständnisse voll und ganz widerrufen. Das SitzungsProtokoll des Kollegiums des Obersten Militärgerichts enthält folgende
Äußerung Rudsutakst
Seine
M&gt;
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�"Zur Illustration", erklärte Rpsenblum, "zählte mir Sakowskij
verschiedene mögliche Varianten des Organisationsschemas dieser
Gruppe und ihrer Unterabteilungen auf. Nachdem er mich über die
Organisation im einzelnen aufgeklärt hatte, sagte mir Sakowskij,
das NKDW würde den Fall in die Hand nehmen und fügte hinzu, das
Gerichtsverfahren werde öffentlich sein.
Gegen vier oder fünf Mitglieder dieser Organisation sollte
Anklage erhoben werden, nämlich Tschudow, Ugarow, Smorodin, Posern,
Frau Schaposchnikowa (Tschudows Frau) sowie gegen weitere Personen
und außerdem gegen zwei oder drei Mitglieder der Unterabteilungen
dieser Gruppe ...
...''Der Fall der Leningrader muß fest untermauert sein und aus
diesem Grunde werden Zeugen benötigt. Die soziale Herkunft des Zeugen
(die ursprüngliche natürlich) und seine Stellung in der Partei werden
dabei keine geringe Rolle spielen.
Sie persönlich', erklärte Sakowskij, 'brauchen garnichts zu erfinden. Das NKWD wird für Sie genaue Unterlagen über alle Unterabteilungen der Gruppe zusammenstellen; Sie brauchen diese nur sorgfältig
zu studieren und müssen sich sämtliche Fragen und Antworten einprägen,
die das Gericht an Sie stellen kann. In vier bis fünf Monaten oder
vielleicht in einem halben Jahr wird dieser Fall zur Verhandlung kommen.
Während dieser ganzen Zeit müssen Sie sich entsprechend vorbereiten,
damit sie weder die Untersuchungen gefährden noch sich selbst bloßstellen. Vom Verlauf der Gerichtsverhandlungen und ihrem Ergebnis hängt
Ihre eigene Zukunft ab. Wenn Sie auf Lügen oder falschen Aussagen ertappt werden, haben Sie sich die Folgen selbst zuzuschreiben. Wenn es
Ihnen gelingt, durchzuhalten, retten Sie Ihren eigenen Kopf, und wir '
werden für Sie bis an Ihr Lebensende auf Regierungskosten sorgen'."
Auf diese niederträchtige Weise wurden die Dinge damals gehandhabt.
(Bewegung im Saale)
Noch verbreiteter waren die Rechtsbeugungen in der Provinz. Das
NKWD-Kommando des Gebiets Swerdlowsk "entlarvte" den sogenannten "Auf-!Standsstab Ural" - ein Organ des "Blocks der Rechten, Trotzkisten, Sozialrevolutionäre und Kirchenführer" -»dessen angeblicher Leiter der
Gebietssekretär von Swerdlowsk, ZK-Mitglied der KPdSU, Kabakow, gewesen
sein soll, der seit 1914 der Par/tei angehörte. Das Untersuchungsmaterial
aus dieser Zeit zeigt, daß in fast allen Regionen, Gebieten und Republiken
"Spionage-, Terror-, Diversions- und Sabotageorganisationen und Zentren
der Rechten und Trotzkistfen" bestanden und daß die Führer dieser Organisationen - aus keinem ersichtlichen Grunde - gewöhnlich Erste Parteisekretäre von Gebieten oder von den Zentralkomitees der Republiken waren.
Viele Tausende ehrlicher und unschuldiger Kommunisten kamen infolge
dieser ungeheuerlichen Rechtsbeugungen ums Leben,weil jedes noch so verleumderische "Geständnis" akzeptiert wurde und weil man Selbstbeschuldigungen und Beschuldigungen anderer Personen durch Gewaltanwendung erpreßte. In gleicher Weise wurden die "Fälle" gegen hervorragende Parteiund Staatsfunktionäre wie Kossior, Tschubary, Postyschew, Kosarjew und andere
fabriziert.
In
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�Wir haben die Fälle untersucht und Kosior, Rudsutak, Postyschew,
Kosarjew und andere rehabilitiert. Auf Grund welcher Verfehlungen wurden sie verhaftet und verurteilt? Eine Prüfung des Beweismaterials
zeigt, daß es keine Gründe dafür gab. Wie so viele andere wurden auch
sie ohne Wissen des Staatsanwaltes verhaftet. In einer solchen Situation
bedurfte es auch keiner Bestätigung, denn welche Art von Bestätigung
hätte es denn auch geben können, wenn Stalin alles allein entschied?
Er war selbst der Generalstaatsanwalt in diesen Fällen. Stalin
genehmigte nicht nur Haftbefehle, sondern er stellte sie auch selbst
aus. Wir müssen den Delegierten des Kongresses dies sagen, damit sie
sich damit auseinandersetzen und ihre .eigenen Schlüsse daraus ziehen
können.
Die Tatsachen zeigen, daß Mißbräuche auf Stalins Befehl und
unter Mißachtung der Parteinormen und der sowjetischen Gesetzlichkeit
erfolgten; Stalin war ein sehr argwöhnischer, krankhaft mißtrauischer
Mensch; wir wußten das aus unserer gemeinsamen Arbeit. Er konnte einen
Menschen ansehen und fragen: "Warum flackern Deine Augen heute so?"
oder, "Warum wendest Du Dich heute immer ab und vermeidest es, mir in
die Augen zu sehen?" Der krankhafte Argwohn erzeugte in ihm ein allgemeines Mißtrauen selbst gegenüber hervorragenden Parteifunktionären,
die er seit Jahren kannte. Überall und in allem sah er "Feinde",
"Doppelzüngler" und "Spione".
Da er eine unbegrenzte Macht besaß, war er im höchsten Maße
selbstherrlich und drückte jedermann physisch und moralisch an die
Wand. So entstand eine Situation, in der man seinen eigenen Willen
nicht mehr zum Ausdruck bringen konnte.
Wenn Stalin befahl, daß dieser oder jener zu verhaften sei, dann
mußte man es eben in gutem Glauben hinnehmen, daß der Betreffende
wirklich ein "Volksfeind" war. Inzwischen überschlug sich dann die
Berija-Bande, die die Staatssicherheitsorgane beherrschte, die Schuld
des Verhafteten und die Echtheit der von ihr gefälschten Unterlagen
zu beweisen. Und welche Beweise legte man vor? Die "Geständnisse" der
Verhafteten - und die Untersuchungsrichter akzeptierten sie! Und wie
ist es möglich, daß ein Mensch Verbrechen zugibt, die er gar nicht begangen hat? Nur auf eine V/eise, nämlich auf Grund der Anwendung physischer Gewalt zur Geständniserpressung - indem man ihn bis zur Bewußtlosigkeit foltert und ihn seiner Urteilsfähigkeit und seiner menschlichen Würde beraubt. Auf diese Weise kamen die "Geständnisse" zustande.
Als die Welle der Massenverhaftungen im Jahre 1939 zurückging und die '
örtlichen Parteiführer begannen, das NKWD und seine Zwangsmethoden
gegenüber den Verhafteten anzuprangern, schickte Stal-in am 20. Januar
1939 ein chiffriertes Telegramm an die Parteisekretäre der Gebiete und
Regionen, an die Zentralkomitees der Republiken, an die NKWD-Kommissare
der Republiken und an die Leiter der NKWD-Sonderorganisationen. Das
Telegramm hatte folgenden Wortlaut: "Das ZK der KPdSU(ß) stellt klar,
daß die Anwendung physischen Drucks seit 1937 auf Grund einer Genehmigung des ZK der KPdSü(B) zulässig ist ... Es ist bekannt, daß alle
bourgeoisen Geheimdienste Methoden der physischen Beeinflussung gegenüber Vertretern des sozialistischen Proletariats anweriden, und zwar in

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�Die in den Händen einer einzigen Person, nämlich Stalins, angehäufte
Macht hatte ernste Folgen während des Großen Vaterländischen Krieges.
Wenn man viele unserer Romane, Filme und historischen "wissenschaftlichen Studien" betrachtet, dann hat man den Eindruck, daß Stalin während
des Großen Vaterländischen Krieges eine höchst unwahrscheinliche Rolle
spielte. Stalin hatte danach alles vorausgesehen. Die Sowjetische Armee
befolgte auf der Grundlage eines schon lange vorher von Stalin vorbereiteten strategischen Planes die Taktik der sogenannten "aktiven Verteidigung", das heißt eine Taktik, die, wie wir wissen, die Deutschen an Moskau
und Stalingrad herankommen ließ. In Anwendung dieser Taktik ging die sowjetische Armee später, angeblich wiederum nur dank der genialen Konzeption
Stalins, 'zur Offensive über und überwältigte den Feind. Den heldenhaften
Sieg,«ier von der bewaffneten Macht des Sowjetlandes, von unserem heroischen Volke errungen wurde, schreiben Romane, Filme und "wissenschaftliche Studien" dieser Art, voll und ganz dem strategischen Genie Stalins
zu.
Wir müssen diese Angelegenheit sorgfältig analysieren, weil sie eine
ungeheure Bedeutung nicht nur vom historischen, sondern besonders auch
vom politischen, erzieherischen und praktischen Gesichtspunkt aus besitzt.
Wie verhält es sich nun mit den Tatsachen in dieser Angelegenheit?
Vor dem Kriege waren unsere Presse und unsere gesamte politische Erziehungsarbeit charakterisiert durch ihren prahlerischen Ton» Wenn ein
Feind den heiligen Sowjetboden verletzt, dann werden wir jeden Schlag
des Feindes mit drei Schlägen beantworten, wir werden den Kampf gegen
den Feind in seinem eigenen Lande führen und ohne großen Schaden für
uns selbst den Sieg davontragen. Aber-diese optimistischen Erklärungen
stützten sich nicht überall auf konkrete Vorkehrungen, die geeignet gewesen wären, die Unverletzlichkeit unserer Grenzen wirklich zu garantieren.
Während des Krieges und danach brachte Stalin die These auf, die
Tragödie, die unsere Nation während der ersten Kriegsphase erlebte, sei
das Ergebnis des "Überraschungsangriffs" der Deutschen auf die Sowjetunion gewesen. Aber, Genossen, das ist vollkommen unwahr. Sobald Hitler
in Deutschland zur Macht kam, stellte er sich selbst die Aufgabe, den
Kommunismus zu liquidieren. Die Faschisten sagten dies ganz offenj sie
machten keinerlei Hehl aus ihren Plänen.
Um diesen aggressiven Endsweck zu erreichen, wurden Pakte und Blocks
aller Art geschmiedet, wie die berühmte Achse Berlin-Rom-Tokio. Zahlreiche
Tatsachen aus der Vorkriegsperiode zeigten klar, daß Hitler darauf ausging,
einen Krieg gegen den Sowjetstaat anzufangen, und daß er starke bewaffnete
Verbände einschließlich Panzereinheiten in der Nähe der sowjetischen
Grenzen konzentriert hatte.
Aus Dokumenten, die jetzt veröffentlicht wurden, geht hervor, daß
Churchill am 3.April 1941 Stalin durch den englischen Botschafter in der
UdSSR, Cripps, persönlich warnen ließ, daß die Deutschen mit einer Umgruppierung ihrer Streitkräfte begonnen hätten, in der Absicht, die Sowjetunion anzugreifen. Selbstverständlich hat Churchill dies nicht etwa aus
Freundschaft für die sowjetische Nation getan. Er hatte dabei seine eigenen
imperialistischen Ziele im Auge: Er wollte Deutschland und die Sowjetunion
in einen blutigen Krieg verwickeln, um dadurch die Position des britischen
Imperiums zu stärken. Genau derselbe Churchill bestätigte in seinen Schriften
- 27 -

�dort neu zu installieren und unsere Streitkräfte mit allem zu versorgen, was wir zur Vernichtung des Feindes brauchten.
Wäre unsere Industrie rechtzeitig und systematisch mobilisiert
worden, um die Armee mit dem notwendigen Material zu versorgen, so
wären unsere Kriegsverluste entschieden geringer gewesen. Die Mobilisierung wurde jedoch nicht rechtzeitig begonnen. Und bereits in den
ersten Tagen des Krieges stellte sich heraus, daß unsere Armee schlecht
bewaffnet war und nicht über genügend Artillerie, Panzer und Flugzeuge
verfügte, um den Feind zurückzuwerfen.
Die sowjetische Wissenschaft und Technik hatte vor dem Kriege
ausgezeichnete Modelle von Panzern und Geschützen entwickelt. Aber
die Massenproduktion war noch nicht angelaufen, und so begannen wir
tatsächlich erst am Vorabend des Krieges, unsere militärische-Ausrüstung zu modernisieren. 3o verfügten wir zur Zeit des feindlichen
Angriffs gegen das Sowjetland weder über genügend alte Produktionsmittel - da diese aus der Rüstungsproduktion bereits herausgenommen
waren - noch über genügend neue Maschinen, da deren Einführung in
die Rüstungsproduktion noch im Stadium der Planung steckte. Besonders
schlecht war es mit der Flak bestellt, und auch die Produktion von
Panzerabwehrgranaten war nicht organisiert. Als der Angriff begann,
zeigte sich, daß viele befestigte Sperrzonen nicht verteidigt werden
konnten, weil die alten Waffen zurückgezogen, neue aber hoch nicht verfügbar waren.
Dieser Mangel herrschte aber leider nicht nur bei Panzern,
Artillerie und Flugzeugen. Bei Ausbruch des Krieges standen uns nicht
einmal genügend Gewehre zur Verfügung, um die mobilisierten Verbände
zu bewaffnen. Ich erinnere mich, daß ich in jenen Tagen den Genossen
Malenkow von Kiew aus anrief und ihm sagte: "Es haben sich viele Freiwillige für die neue Armee gemeldet und verlangen nach Waffen. Ihr
müßt uns die Waffen schicken."
Malenkow antwortete mir: "Wir können Euch keine Waffen schicken.
Wir schicken alle Waffen nach Leningrad, und Ihr müßt Euch selbst
bewaffnen." (Bewegung im Saal)
Das war der Stand der Rüstung.
In diesem Zusammenhang können wir zum Beispiel folgendes nicht
vergessen: Kurz vor der Invasion der Sowjetunion durch die Hitlerarmee
schrieb Kirponos, der Leiter des Militärbezirks Kiew, der später an
der Front gefallen ist, an Stalin, die deutsche Armee stehe am Bug,
bereite einen Angriff vor und werde wahrscheinlich sehr bald mit einer
Offensive beginnen. In diesem Zusammenhang schlug Kirponos vor, eine
starke Verteidigung zu organisieren, JOO 000 Menschen aus den Grenzgebieten zu evakuieren und dort Befestigungen mit Panzergräben, Unterständen und so weiter anzulegen.
Moskau

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�Die Politik, Repressalien in großem Maßstab gegen militärische
Kader zu ergreifen, führte auch zur Untergrabung der militärischen
Disziplin, da Offiziere aller Dienstgrade und sogar einfache Soldaten
in den Partei- und Komsomolzellen jahrelang angehalten wurden, ihre
Vorgesetzten als verkappte Feinde zu "entlarven" .(Bewegung im Saal.)
Natürlich übte dies einen negativen Einfluß auf die militärische
Disziplin in der ersten Phase des Krieges aus.
Wie Sie wissen, hatten wir vor dem Krieg hervorragende militärische Kader, die der Partei und dem Vaterland fraglos treu ergeben
waren. Hier genügt der Hinweis, daß sich diejenigen von ihnen, die
die schweren Folterungen in den Gefängnissen überlebten, von den ersten
Kriegstagen an als wahre Patrioten erwiesen und heldenhaft für den
Ruhm des Vaterlands gekämpft haben. Ich denke dabei an Genossen wie
Rokosowskij, der bekanntlich im Gefängnis saß, Gorbatow, Marezkow,
der diesem Parteikongreß als Delegierter angehört, Podlas, der als
hervorragender Truppenführer an der Front fiel, und viele, viele
andere. Zahlreiche Kommandeure kamen jedoch in Lagern und Gefängnissen
um, und die Armee sah sie nie wieder.
All dies führte zu den Verhältnissen, die bei Kriegsbeginn
herrschten und die unser Vaterland aufs schwerste gefährdeten.
Man darf auch nicht vergessen, daß Stalin nach den ersten
schweren Niederlagenund Rückschlägen an der Front glaubte, daß
dies das Ende sei. In einer seiner Reden sagte er damals: "Alles,
was Lenin geschaffen hat, haben wir für immer verloren."
Stalin leitete danach lange keine militärischen Operationen mehr
und tat überhaupt nichts. Die aktive Führung übernahm er erst wieder,
als ihn einige Mitglieder des Politbüros aufsuchten und ihm erklärten,
es sei notwendig, gewisse Sofortmaßnahmen zur Verbesserung der Lage
an der Front einzuleiten.
Die drohende Gefahr, der unser Vaterland in der ersten Kriegsphase ausgesetzt war, resultierte deshalb hauptsächlich aus den verfehlten Methoden, mit denen Stalin sowohl die Nation als auch die Partei leitete. Hier ist jedoch nicht nur vom Kriegsbeginn die Rede, der
eine bedrohliche Desorganisation unserer Armee und bedeutende Verluste
mit sich brachte. Auch nach dem eigentlichen Kriegsbeginn zeigte Stalin
Anzeichen von Nervosität und Hysterie, die, da er sich laufend in die
militärischen Operationen einmischte, unserer Armee ernstlichen Schaden
zufügten.
Stalin hatte nicht das geringste Verständnis für die wirkliche
Situation, die sich an der Front entwickelte. Dies war nur natürlich,
denn er hat während des ganzen Vaterländischen Krieges niemals einen
Frontabschnitt oder eine beffeite Stadt be.sucht, wenn man von einer
kurzen Fahrt auf der Moshaijsker Rollbahn bei ruhiger Frontlage absieht.
Dieser Episode wurden später viele phantasievolle literarische Werke
jeglicher Art sowie viele Gemälde gewidmet. Stalin mischte sich gleich-:
zeitig in Operationen ein und erteilte Befehle, die die wirkliche Situa- 31 -

�Und was war das Resultat? Das Schlimmste, was wir befürchteten.
Die Deutschen schlössen unsere Truppenmassierungen ein, und wir verloren so Hunderttausende unserer Soldaten.
Das war Stalins "Feldherrngenie", und das hat es uns gekostet.
(Bewegung im Saal)
Gelegentlich einer Zusammenkunft Stalins mit Mitgliedern des
Politbüros nach dem Kriege äußerte Anastasj Iwanowitsch Mikojan,
Chruschtschow habe damals doch wohl recht gehabt, als er seinerzeit
wegen der Charkow-Operation anrief»und es sei ein Unglück gewesen,
daß man auf seinen Vorschlag nicht gehört habe.
Sie hätten Stalins Zornesausbruch sehen müssen! Wie konnte zugegeben werden, daß er, Stalin, nicht recht gehabt hatte! Schließlich
war er ein "Genie", und ein Genie hat immer recht. Jeder kann irren,
nur Stalin glaubte, daß er niemals irrte und daß er immer recht hatte.
Er gab niemals zu, daß er einen Fehler gemacht hatte, weder einen großen
noch einen kleinen, und zwar ungeachtet der Tatsache, daß er nicht wenig
Fehler machte - sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Nach dem
Parteikongreß werden wir wahrscheinlich viele militärische Operationen
des letzten Krieges neu bewerten und im Lichte der Tatsachen darstellen
müssen.
Die Taktik, auf deren Durchführung Stalin ohne die elementarsten
Kenntnisse der Kriegsführung bestand, kostete uns viel Blut,bis wir
den Gegner zum Stehen gebracht hatten und selbst zur Offensive übergehen konnten.
Die Militärs wissen, daß Stalin Ende 1941» statt bereits damals,
großangelegte Umfassungsmanöver im Rücken des Feindes einzuleiten,
pausenlose Frontalangriffe und die Einnahme von einer Ortschaft nach
der anderen verlangte. Dafür mußten wir mit großen Verlusten bezahlen,
bis unsere Generale, auf deren Schultern die ganze Last der Kriegsführung ruhte, die Umstellung auf eine beweglichere Kampfesweise erringen
konnten, was dann sofort bedeutende und für uns günstige Veränderungen
an der Front mit sich brachte.

Um

- 33 -

�Damit erhebt sich die Frage: Wo bleiben die Militärs, auf deren
Schultern die ganze Last des Krieges ruhte? Sie sehen wir in dem
Film nicht; wenn Stalin auf der Bildfläche erscheint, ist kein Raum
mehr für sie.
Nicht Stalin, sondern die Partei als Ganzes, die sowjetische Regierung, unsere heldenmütige Armee, ihre begabten Führer und tapferen
Soldaten, das ganze Sowjetvolk - sie sind es, die uns den Sieg im
Großen Vaterländischen Krieg sicherten. (Stürmischer und anhaltender
Beifall)
Die Mitglieder des Zentralkomitees,, Minister, unsere V/irtschaf tsführer, die führenden Männer der Sowjetkultur, die Leiter der regionalen Partei- und Sowjetorganisationen, Ingenieure und Techniker - jeder
auf seinem Arbeitsplatz setzte seine ganze Kraft und sein ganzes Wissen
ein, um uns den Sieg über den Feind zu sichern.
Ganz besonderes Heldentum bewies der Kern unseres Volkes - ruhmgekrönt ist unse.re ganze Arbeiterklasse, unsere.Kolchosbauernschaft,
die Sowjetintelligenz, die unter der Führung der Parteiorganisationen
unerhörte Entbehrungen ertrugen und, die Lasten des Krieges auf sich
nehmend, ihre ganze Kraft für die Verteidigung des Vaterlandes einsetzten.
Große und tapfere Taten vollbrachten auch unsere sowjetischen
Frauen im Kriege, die auf ihren Schultern die schwere Last der Arbeit
in den Fabriken, auf den Kolchosen und auf den verschiedensten Gebieten unseres wirtschaftlichen und kulturellen Lebens trugen; viele
Frauen standen im Großen Vaterländischen Krieg unmittelbar an der
Front; unsere tapfere Jugend hat an der Front und in der Heimat
Unermeßliches für die Verteidigung des sowjetischen Vaterlandes und
die Vernichtung des Feindes geleistet.
Unsterblich sind die Verdienste der Sowjetsoldaten, unserer
Kommandeure und politischen Funktionäre; nach dem Verlust eines beträchtlichen Teils der Armee in den ersten Kriegsmonaten haben sie
nicht den Kopf verloren, sondern brachten es fertig, noch während
der Kämpfe die Streitkräfte zu reorganisieren; im Verlaufe des Krieges schufen sie eine starke und heroische Armee, die sich immer mehr
festigte, und hielten nicht nur dem Druck des starken und heimtückischen Feindes stand, sondern warfen ihn zu Boden.
Die herrlichen, heroischen Taten von Hunderten von Millionen
Menschen in Ost und West im Kampfe gegen die schreckliche Gefahr einer
Unterwerfung durch die Faschisten werden durch die Jahrhunderte und
Jahrtausende in der Erinnerung einer dankbaren Menschheit fortleben.
(Donnernder Applaus)
Die Hauptrolle bei der siegreichen Beendigung des Krieges spielten
unsere Kommunistische Partei, die Streitkräfte der Sowjetunion und die
Millionen von unserer Partei geschulten Sowjetmenschen. Ihnen gebührt
das Hauptverdienst. (Donnernder und anhaltender Beifall)
Genossen,

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�Nach Beendigung des Vaterländischen Krieges sonnte sich das
Sowjetvolk im Stolz auf die durch große Opfer und gewaltige Anstrengungen errungenen herrlichen Siege. Das Land erlebte eine Zeit allgemeiner politischer Begeisterung. Die Partei ging aus dem Kriege
einiger denn je hervor; ihre Kader waren durch das Feuer des Krieges
gestählt und gefestigt. Unter diesen Umständen hätte niemand an die
Möglichkeit einer Verschwörung innerhalb der Partei auch nur gedacht.
Und in eben jenem Zeitpunkt wurde die sogenannte "Leningrader
Affäre" ausgeheckt. Wie wir jetzt festgestellt haben, ist dieser
Fall nichts anderes als eine Erfindung. Zu denen, die unschuldig ihr
Leben lassen mußten, gehören die Genossen Wosnesenskij, Kusnezow,
Rodionow, Popkow und andere.
Bekanntlich waren Wosnesenskij und Kusnezow hervorragende und
begabte Führer. Sie standen einst Stalin sehr nahe. Es genügt, daran
zu erinnern, daß Stalin Wosnesenskij zum ersten Stellvertreter des
Vorsitzenden des Ministerrates machte, und daß Kusnezow zum ZK-Sekretär gewählt wurde. Allein die Tatsache, daß Stalin Kusnezow mit der
Überwachung der Staatasicherheitsorgane betraute, beweist, welches
Vertrauen dieser genoß.
Wie kam es, daß diese Personen als Volksfeinde gebrandmarkt und
liquidiert wurden?
Die Tatsachen beweisen, daß die "Leningrader Affäre" ebenfalls
der Willkür Stalins gegenüber den Parteikadern entsprang.
Wenn im ZK und im Politbüro des ZK normale Verhältnisse geherrscht
hätten, dann wären Angelegenheiten wie diese nach der regulären Parteipraxis überprüft und alle einschlägigen Tatsachen ermittelt worden,
folglich wären derartige Dinge überhaupt nicht passiert.
Wir müssen aber feststellen, daß die Lage nach dem Kriege sogar
noch komplizierter wurde. Stalin wurde, wenn möglich, noch launischer,
reizbarer und brutaler; vor allem sein Mißtrauen wuchs. Sein Verfolgungswahn erreichte unglaubliche Ausmaße. Er sah es förmlich vor Augen,
wie seine Mitarbeiter zu seinen Feinden wurden. Und so entfernte Stalin
sich nach dem Kriege noch weiter vom Kollektiv. Alles entschied er
selbst, ohne auf irgend jemand oder irgend etwas Rücksicht zu nehmen.
Dieses unglaubliche Mißtrauen machte sich der erbärmliche Provokateur
und niederträchtige Feind Berija, der Tausende Kommunisten und loyale
Sowjetbürger hingemordet hatte, geschickt zunutze. Die Rangerhöhung
Wosnasenskijs und Kusnezows ließ Berija aufhorchen. Wie sich inzwischen
herausgestellt hat, war es Berija selbst, der Stalin "vorschlug", ihn und
seine Komplizen mit der Beschaffung von Material in Form von Erklärungen»
anonymen Briefen, allerhand Gerüchten und Indiskretionen zu beauftragen.
Das

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�Die Industrieproduktion der Georgischen Republik ist heute
27mal so groß wie vor der Revolution. Es sind zahlreiche neue Industrien in Georgien entstanden, die es vor der Revolution dort
überhaupt nicht gabt Eisengießereien, Erdölindustrie, Maschinenbau
und so weiter. Seit langem schon gibt es in Georgien keine Analphabeten mehr, während vor der Revolution 78$ der Bevölkerung Analphabeten waren.
Konnten die Georgier, wenn sie die Lage in ihrer Republik mit
der bedrängten Lage der werktätigen Massen in der Türkei verglichen,
einen Anschluß an die Türkei wünschen? Im Jahre 1955 betrug die
Stahlproduktion Georgiens pro Kopf der Bevölkerung das löfache der
türkischen. Georgien erzeugt pro Kopf der Bevölkerung neunmal so
viel Strom wie die Türkei, Wie die Volkszählung aus dem Jahre 1950 zeigt,
sind 65$ der Gesamtbevölkerung und 80$ der weiblichen Bevölkerung der
Türkei Analphabeten. In Georgien bestehen 19 akademische Lehranstalten
mit inagesamt 39 000 Studenten. Auch der Wohlstand der werktätigen Bevölkerung Georgiens ist unter der sowjetischen Herrschaft gewaltig angestiegen.
Es ist klar, daß die Quelle, aus der der bourgeoise Nationalismus
seine Kraft schöpft, in dem Maße versiegt, in dem Wirtschaft und Kultur
aufblühen und das sozialistische Bewußtsein der werktätigen Massen
Georgiens wächst.
Wie sich herausstellte, hat es in Georgien keine nationalistischen
Organisationen gegeben. Tausende unschuldiger Menschen wurden das Opfer
von Willkür und Rechtlosigkeit. All dies geschah unter der "genialen"
Führung Stalins, des "größten Sohnes des georgischen Volkes" wie die
Georgier selbst Stalin gern bezeichneten.
(Heiterkeit im Saal)
Die Willkür Stalins zeigte sich nicht nur in seinen Entscheidungen
zu innenpolitischen Fragen, sondern auch in den Beziehungen der Sowjetunion zum Ausland.
Das Juli-Plenum des ZK untersuchte die Gründe für die Entstehung
des Konfliktes mit Jugoslawien in allen Einzelheiten. Stalin.hat dabei
eine schändliche Rolle gespielt. An der "Jugoslawienaffäre" war nichts,
was sich nicht durch Parteidiskussionen unter Genossen hätte regeln
lassen. Es lag kein ernsthafter Grund vor, um daraus eine "Affäre" zu
machen; es wäre durchaus möglich gewesen, den Abbruch der Beziehungen
mit diesem Land zu verhindern. Das bedeutet jedoch nicht, daß die führenden Männer Jugoslawiens keine Fehler begangen hätten oder frei von
Unzulänglichkeiten waren. Diese Fehler und Unzulänglichkeiten wurden von
Stalin aber in monströser Art und Weise aufgebauscht, so daß es darüber
zum Abbruch der Beziehungen zu diesem befreundeten Staat kam.
Ich erinnere an die ersten Tage des Konfliktes zwischen der
Sowjetunion und Jugoslawien, als man diese Angelegenheit künstlich
aufzubauschen begann. Gerade aus Kiew nach Moskau gekommen wurde ich
damals zu Stalin bestellt, der mir die Kopie eines soeben an Tito abgeschickten Briefes zeigte und fragtet "Hast Du dies gelesen?"
Ohne eine Antwort abzuwarten, fuhr er fort 1 "Ich brauche nur meinen
kleinen Finger zu rühren - und schon wird es keinen Tito mehr geben.
Er wird fallen."
Wir

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�Stalin berief den Untersuchungsrichter zu sich, erteilte ihm
Instruktionen und gat Anweisung bezüglich der anzuwendenden Untersuchungsmethoden; U e a « Methoden waren sehr einfach: schlagen, schlagen und nochmal schlagen.
Kurz nach der Verhaftung der Ärzte erhielten wir Mitglieder dea
Politbüros die Protokolle über ihre Schuldgeständnisse. Nachdem die
Protokolle verteilt waren, erklärte uns Stalim "Ihr seid blind wie
junge Katzen; was werdet Ihr ohne micht.machen? Unser Land wird zugrunde
gehen, weil Ihr es nicht versteht Feinde zu erkennen."
Der Fall wurde uns so dargestellt, daß niemand die Tatsachen nachprüfen konnte, auf denen die Untersuchungen beruhten. Es gab keine
Möglichkeit einer Nachprüfung der Tatsachen dadurch, daß man etwa
versuchte, mit denen in Verbindung zu treten, die ein Schuldbekenntnis abgelegt hatten.
Wir hatten jedoch das Gefühl, daß der Fall der verhafteten irzte
nicht ganz stimme. Verschiedene dieser Leute waren uns persönlich
bekannt, weil sie uns früher einmal behandelt hatten. Als wir nach
Stalins Tod diesen "Fall" untersuchten, stellten wir fest, daß er von
Anfang bis Ende erfunden war.
Dieser schändliche "Fall" war von Stalin konstruiert worden;
doch hatte er keine Zeit mehr, ihn ganz zu Ende zu führen - zu einem
Ende in seinem Sinne -, und daher sind die Ärzte noch am Leben. Heute
sind sie sämtlich rehabilitiert; sie kehrten an ihren alten Arbeitsplatz zurück; sie behandeln hervorragende Persönlichkeiten, darunter
auch Mitglieder der Regierung; sie besitzen unser volles Vertrauen,
und sie erfüllen ihre Pflicht so gut wie zuvor.
Bei der Inszenierung der verschiedenen schmutzigen und beschämenden Fälle hat der tollwütige Gegner unserer Partei und Agent eines
ausländischen Spionagedienstes, Berija, der sich Stalins Vertrauen
erschlichen hatte, eine sehr üble Rolle gespielt. Wie war es möglich,
daß dieser Provokateur eine solche Stellung in der Partei und im
Staate erlangte, daß er Erster Stellvertretender Vorsitzender des
Ministerrats der Sowjetunion und Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees werden konnte? Es steht heute fest, daß dieser Schurke über
unzählige Leichen zu den höchsten Regierungsämtern emporgestiegen ist*
Gab es irgendwelche Anzeichen dafür, daß Berija ein Feind der
Partei war? Sicher gab es die. Bereits im Jahre 1937 erklärte der
ehemalige Volkskommissar für das Gesundheitswesen Kaminskij vor dem
ZK-Plenum, Berija habe für den Mussavat-Nachrichtendienst gearbeitet. Doch unmittelbar nach Beendigung des ZK-Plenums*wurde Kaminskij
verhaftet und anschließend erschossen. Hat Stalin die Erklärung
Kaminskijs nachgeprüft? Nein, Stalin vertraute Berija, und das
genügte ihm. Und wenn Stalin zu einer Person oder Sache Vertrauen
hatte, konnte niemand etwas vorbringen, was seiner Meinung widersprach. Jeder, der gewagt hätte, eine gegenteilige Ansicht zu äußern,
hätte das gleiche Schicksal wie Kaminskij erlitten.
Es
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�Es war allgemein bekannt, daß seit langem zwischen Kartwelischwili
und Berija Spannungen bestanden, die aus der Zeit datierten, da Genosse
Sergo im Transkaukasus tätig war; Kartwelischwili war Sergos engster
Mitarbeiter gewesen. Die gespannten Beziehungen bewogen Berija, gegen
Kartwelischwili einen "Fall" zu konstruieren.
Bezeichnenderweise wurde Kartwelischwili in diesem "Fall" eines
Terrorakts gegen Berija beschuldigt.
Die Anklageschrift gegen Berija enthält eine Darstellung seiner
Verbrechen. Man sollte sich jedoch einige Dinge ins Gedächtnis zurückrufen, da möglicherweise nicht alle Delegierten des Parteikongresses
dieses Dokument gelesen haben. Ich möchte daran erinnern, mit welchen
bestialischen Methoden Berija die Fälle Kedrow, Golubiew und der Adoptivmutter Golubiews, Baturina,erledigte, als diese das Zentralkomitee über
Berijas verräterische Tätigkeit zu informieren beabsichtigten. Sie
wurden ohne jede Gerichtsverhandlung erschossen, und das Urteil wurde
erst post factum nach der Hinrichtung gefällt.
Hören Sie,was der alte Kommunist, Genosse Kedrow, durch Vermittlung des Genossen Andrejew (Genosse Andrejew war damals ZK-Sekretär) an das Zentralkomitee schrieb:
"Ich rufe Euch aus einer düsteren Zelle des Lefortorskij-Gefängnisses um Hilfe an. öffnet Eure Ohren meinem Schreckensschrei; bleibt
nicht taub; nehmt mich in Euren Schutz; bitte, helft diesen Alpdruck
der Verhöre von mir zu nehmen und zeigt, daß alles ein Irrtum ist.
Ich leide unschuldig; bitte, glaubt mir. Die Zeit wird die Wahrheit erweisen. Ich bin kein Agent-Provokateur der zaristischen Ochrana;
ich bin kein Spion; ich bin nicht Mitglied einer antisowjetischen
Organisation, v/as man mir auf Grund von Denunziationen vorwirft. Ich
habe mich auch keiner anderen Verbrechen gegen die Fartei und die Regierung schuldig gemacht. Ich bin ein alter Bolschewik, frei von jedem
Makel; ich habe fast vierzig Jahre lang ehrenhaft in den Reihen der
Partei für das '.Vohl und das Gedeihen des Landes gekämpft....
.... Heute bedrohen die Untersuchungsrichter mich, einen 62 Jahre
alten Mann, mit noch schärferen, grausameren und erniedrigenderen
Methoden der körperlichen Folter. Sie - die Richter - sind gar nicht
mehr imstande, ihren Irrtum einzusehen und zu erkennen, daß ihre Art
der Behandlung meines Falles ungesetzlich und unzulässig ist. Sie versuchen, ihr Tun dadurch zu rechtfertigen, daß sie mich als einen verhärteten und wütenden Feind hinstellen und fordern noch größere Repressalien. Aber laßt die Partei wissen, daß ich unschuldig bin und
daß es nichts gibt, was einen treuen Sohn der Partei in ihren Gegner
verwandeln könnte, selbst bis zu seinem letzten Atemzuge nicht.
Aber für mich gibt es keinen Ausweg mehr. Ich kann die neuen
furchtbaren Schläge, die ich kommen sehe, nicht von mir abwenden.
Alles aber hat seine Grenzen. Meine Qualen haben das äußerste
erreicht. Meine Gesundheit ist zerrüttet, meine Kraft und Energie

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�Wir brauchen hier keine Beispiele für die widerwärtige
Beweihräucherung zu geben, die dieses Buch füllt. Wir brauchen
nur zu sagen, daß Stalin personlich alles billigte und selbst
redigierte und manches sogar eigenhändig in das Manuskript einfügte .
Was hielt Stalin für so wesentlich, daß er es selbst in dieses
Buch schrieb? Wollte er den Eifer seiner Schmeichler ein wenig abkühlen, die seine "Kurze Biograp': ie" zusammenstellten? Nein, er
strich ausgerechnet jene Stellen an, wo seine Verdienste seiner Ansicht nach nicht genügend gerühmt wurden.
Hier sind einige charakteristische Beispiele für Stalins Verbesserungen, die er mit eigener Hand eingefügt hati
"In diesem Kampf gegen die Skeptiker und Kapitulanten, die Trotzkisten, Sinowjewisten, Buchariristen und Kamenewisten wurde nach dem
Tode Lenins der Führerkader der Partei endgültig zusammengeschweißt...
der das große Banner Lenins hochhielt, die Partei um Lenins Wort
scharte und das Sowjetvolk auf die breite Bahn der Industrialisierung
des Landes und der Kollektivisierung der Landwirtschaft führte.
Führer dieses Kaders und leitende Kraft der Partei und des Staates
war Genosse Stalin."
So schreibt Stalin selbst. Und dann fügt er hinzut
"Obgleich er seine Aufgabe als Führer der Partei und des Volkes
mit vollendeter Kunst meisterte und die uneingeschränkte Unterstützung
des ganzen Sowjetvolkes genoß, ließ Stalin es niemals zu, daß seine
Arbeit auch nur durch den leisesten Schatten von Eitelkeit, Hochmut
oder Eigenlob beeinträchtigt wurde,"
Wo und wann konnte ein führender Politiker sich selbst so loben?
Ist das eines Führers marxistisch-leninistischen Typs würdig? Nein.
Gerade dagegen haben sich Marx und Engels so entschieden verwahrt.
Und auch '/Vladimir Iljitsch Lenin hat dies immer aufs schärfste verurteilt.
In dem Manuskript seines Buches taucht folgender Satz auft
"Stalin ist der Lenin unserer Tage." Dieser Satz erschien Stalin zu
schwach. So änderte er ihn eigenhändig um, so daß er nunmehr lautet i
"Stalin ist der würdige Fortsetzer von Lenins ?.erk oder, wie &lt;JB in
unserer Partei heißt, Stalin ist der Lenin unserer Tage." Da sehen
Sie nun selbst, nicht das Volk sagte es, sondern Stalin.
Man könnte viele derartige selbstverherrlichende Urteile von
Stalins eigener Hand in diesem Manuskript finden. Mit besonders großzügigem Lob bedenkt er sein Feldherrngenie und seine strategische Begabung.
Ich möchte noch eine Einfügung Stalins zitieren, die sich auf das
militärische Genie Stalins bezieht.
"Die fortschrittliche sowjetische Militärwissenschaft wurde", so
schreibt er, "in den Händen des Genossen Stalin weiter entwickelt. Genosse

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�Nun erhebt sicri die berechtigt' Fra. : Wenn Stalin der Verfasser
dieses Buches ist. warum hatte er es dv \ nötig, gerade die Person
Stalins so sehr zu loben und die gesaiM-e geschichtliche Entwicklung
unserer glorreichen Kommunistischen f :tei in der Periode nach der
Oktoberrevolution 1-diglich m eine ^.-.tion d~j "genialen Stalin"
umzudeuten?
Spiegelte dieses Buch in zutreffender Weise die Anstrengungen
der Partei bei der sozialistischen Umgestaltung des Landes, beim
Aufbau der sozialistischen Gesellschaft, bei der Industrialisierung
und Kollektivisierung des Landes und alle anderen Maßnahmen der
Partei wider, die unbeirrbar den von Lenin gewiesenen Weg weiterverfolgte? Dieses Buch spricht hauptsäch'ich von Stalin, von seinen Reden, von seinen Berichten. Alles, ohne die geringste Ausnahme, wird
mit seinem Namen verknüpft.
Und wenn Stalin in eigener Person versichert, daß er den "Kurzen
Lehrgang der Geschichte der KPdSU(ß)" selbst geschrieben habe, dann
ist das zumindest höchst verwunderlich. Kann ein Marxist-Leninist
derart über sich selbst schreiben, indem er seine eigene Person zum
Himmel erhebt?
Oder greifen wir einmal die Stalinpreise auf. (Bewegung im Saal.)
Nicht einmal die Zaren stifteten Preise, denen sie ihren eigenen
Namen gaben. Stalin wählte als besten Text für die sowjetische Nationalhymne ein Elaborat aus, das kein einziges Wort über die kommunistische
Partei enthält; dafür aber die folgende, beispiellose Lobpreisung
Stalins: Stalin erzog uns in Treue zum Volk - er beflügelte uns zu
großen Werken und Taten."
In diesen Zeilen der Hymne wird die ganze erzieherische, leitende und anspornende Punktion der großen leninistischen Partei Stalin
zugeschrieben. Und das ist natürlich eine klare Abweichung vom
Marxismus-Leninismus und eine klare Herabsetzung und Bagatellisierung
der Rolle der Partei. Wir möchten zu Ihrer Unterrichtung hinzufügen,
daß das Präsidium des Zentralkomitees bereits einen Beschluß übur
die Abfassung eines neuen Textes der Hymne gefaßt hat, der die Rolle
des Volkes und die Rolle der Partei richtig wiedergibt. (Lauter,
anhaltender Beifall)
Und ist es ohne Stalins Wissen gescheher., daß viele der f roßt«
Betriebe und Städte nach ihm benannt wurden? Und ist es ohne btalins
Wissen geschehen, daß überall im Lande Stalindenkmäler errichtet
wurden - diese "Gedenksteine des Lebenden?" Es ist eine Tatsache,
daß Stalin selbst am 2. Juli 1951 einen Beschluß des Ministerrats
der UdSSR unterzeichnete, der die Errichtung eines eindrucksvollen
Stalindenkmals am Wolga-Don-Kanal betraf. Am 4. September des gleichen
Jahres ordnete er selbst die Bereitstellung von 33 Tonnen Kupfer für
die Errichtung dieses imposanten Monuments an. Ein jeder, der Stalingrad besucht hat, muß die riesige Statue gesehen haben, die dort gebaut wird und zwar an einer Stelle, die kaum besucht wird.
Zu

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�All dieses muß gründlich revidiert werden, damit die Geschieht«,
die Literatur und die bildende Kunst die Rolle Lenins, die großen
Leistungen unserer Kommunistischen Partei und des sowjetischen Volkes,
des schöpferischen Volkes, im richtigen Lichte würdigen. (Beifall)
Genossen! Der Persönlichkeitskult hat zur Anwendung falscher
Prinzipien in der Parteiarbeit und in der Wirtschaft geführt; er
hatte grobe Verstöße gegen die innerparteiliche und Sowjetdemokratie
steriles Administrieren, Abweichungen aller Art, Vertuschung von
Fehlleistungen und Schönfärberei zur Folge. Unsere Nation brachte
viele Schmeichler und Spezialisten für Zweckoptimismus und Augenwischerei hervor.
Wir sollten aber nicht vergessen, daß auf Grund der Verhaftung
zahlreicher Partei-, Sowjet- und Wirtschaftsführer viele Funktionäre
in ihrer Arbeit unsicher und übervorsichtig wurden, alle Neuerungen
und schließlich ihren eigenen Schatten fürchteten und dadurch immer
weniger Initiative entwickelten.
Nehmen wir zum Beispiel die Partei- und Regierungsbeschlüsse.
Sie kamen routinemäßig, oft ohne Berücksichtigung der konkreten Situation, zustande. Dies ging so weit, daß Parteifunktionäre, selbst in
den kleinsten Sitzungen, ihre Reden ablasen. Daraus ergab sich für
die Partei- und Regierungsarbeit die Jefahr des Formalismus und der
Bürokratisierung des gesamten Apparates.
Stalins Lebensfremdheit und die Tatsache, daß er über die wahren
Zustände in der Provinz nicht Bescheid wußte, ergibt sich aus seiner
Landwirtschaftspolitik.
Jeder der sich auch nur im geringsten um unser« Situation kümmert«,
sah die Schwierigkeiten in der Landwirtschaft - Stalin aber sah sie
nie. Haben wir Stalin informiert? Ja, das haben wir getan, aber er
unterstützte uns nie. Warum? Weil Stalin niemals reist«, nie Arbeiter
in den Städten oder auf den Kolchoser besuchte; er war nie über die
wahre Lage im Lande informiert.
Er kannte das Land und die Landwirtschaft nur aus Filmen. Und
diese Filme waren frisiert und gaben ein rosiges Bild der Lage der
Landwirtschaft. In diesen Filmen über das Kolchosenleben bogen sich
die Tische vielfach unter der Last der Truthähne und Gänse. Offensichtlich
glaubte Stalin, daß dies die Wirklichkeit sei. Wladimir Iljitsch Lenin
dagegen betrachtete das Leben anders; er war dem Volk immer nahe, er
empfing Bauerndelegationen und sprach oft auf Betriebsversammlungen, er
pflegte auch in die Dörfer zu gehen und mit den Leuten zu reden.
Stalin schloß sich vom Volk ab und ging nie irgendwo hin. Das war
so Jahrzehnte lang. Zum letzten Mal besuchte er im Januar 1928 eine Stadt
als er wegen der Getreideerfassung eine Sibirienreise unternahm. Woher
konnte er also wissen, wie es im Lande aussah?
Als er einmal in einer Diskussion darauf aufmerksam gemacht wurde,
daß die Lage auf dem Lande schwierig und daß es besonders schlecht um die
Viehzucht und Fleischproduktion bestellt sei, wurde eine Kommission gebildet,
und mit der Abfassung eines Beschlusses über "Wege zur Weiterentwicklung der
Viehzucht auf den Kolchosen und Sowchosen" beauftragt. Wir machten einen entsprechenden Entwurf. Natürlich berücksichtigten unsere damaligen Vorschläge noch nicht alle Möglichkeiten, aber wir zeigten Mittel, und Wege, um

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�Genossen!
Wenn wir heute den Persönlichkeitskult, der zu Stalins Lebzeiten
so verbreitet war, scharf kritisieren, und wenn wir über die vielen
negativen Erscheinungen sprechen, die durch diesen Kult, der dem Geist
des Marxismus-Leninismus so fremd ist, ervorgerufen wurden, mag mancher fragen: Wie konnte das geschehen? Stalin stand JO Jahre lang an
der Spitze der Partei und des Landes, und viele Siege wurden zu seinen
Lebzeiten errungen. Können wir dies abstreiten? Meiner Meinung nach können
so nur Leute fragen, die durch den Persönl-'chkeitskult hoffnungslos
verblendet und hypnotisiert sind, die das Wesen der Revolution und des
Sowjetstaates nicht begreifen, und die Rolle der Partei und der Nation
bei der Entwicklung der sowjetischen Gesel schaft nicht im Sinne Lenins
erfassen.
Die sozialistische Revolution wurde von d r Arbeiterklasse und
der Dorfarrnut mit teilweiser Unterstützung der Mittelbauern durchgeführt. Sie wurde vom Volke durchgeführt unter der Führung der Bolschewistischen Partei. Lenins große Leistung bestand darin, daß er eine
militante Partei der Arbeiterklasse schuf, aber dazu besaß er das
marxistische Verständnis der Gesetze der sozial n Entwicklung und war
gewappnet mit der Wissenschaft vom Siege des Proletariats im Kampf
gegen den Kapitalismus; und er härtete diese Pa tei im Feuer des revolutionären Kampfes der Volksmassen. In diesem Kampf verteidigte die
Partei kon-equent die Interessen des Volkes und führte die Massen als
•erfahrene Führerin zur Macht und zur Errichtung des ersten sozialistischen Staates. Sie erinnern sich wohl der weisen Worte Lenins, daß der
Sowjetstaat deshalb so stark ist, weil die Massen sich der Tatsache
bewußt sind, daß Geschichte von Millionen und aber Millionen von
Menschen gemacht wird.
Unsere historischen Siege wurden erzielt dank der organisatorischen Arbeit der Partei, ihrer vielen regionalen Gliederungen, und
dank der aufopfernden Arbeit unseres großen Volkes. Diese Siege sind
das Ergebnis des großen Arbeitselans der Nation und der Partei in
ihrer Gesamtheit; sie sind keineswegs die Frucht der persönlichen Führung Stalins, wie dies während der ganzen Periode des Persönlichkeitskults
dargestellt wurde.
Wenn wir diese Angelegenheit als Marxisten-Leninisten betrachten,
müssen wir eindeutig feststellen, daß die Führungspraxis, die sich in
den letzten Lebensjahren Stalins herausgebildet hat, zu einem ernsthaften Hindernis auf dem Wege der sowjetischen Gesellschaftsentwicklung
geworden ist.
Stalin ließ oft außerordentlich wichtige Fragen des Partei- und
Staatslebens monatelang in der Schwebe, obwohl ihre Lösung eigentlich
nicht aufgeschoben werden durfte. Während Stalins Herrschaft wurden
unsere friedlichen Beziehungen zu anderen Nationen oftmals bedroht,
weil sich aus den Ein-Mann-EntScheidungen große Komplikationen ergeben konnten - wie dies auch oft der Fall war.

Als

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�Wer versuchte, sich gegen grundlose Verdächtigungen und Anschuldigungen zur Wehr zu setzen, fiel den Repressalien zum Opfer. Ein
typisches Beispiel hierfür bietet der Sturz des Genossen Postyschew.
Stalin brachte in einer seiner Reden seine Unzufriedenheit mit
Postyschew zum Ausdruck und fragte ihn; "Was sind Sie eigentlich?"
Postyschew antwortete unmißverständlich: "Ich bin Bolschewik, Genosse
Stalin, ein Bolschewik".
Biese Entgegnung wurde zunächst als Respektlosigkeit gegenüber
Stalin angesehen; später machte man daraus einen Schädlingsakt, der
dann Postyschews Beseitigung und grundlose Anprangerung als "Volksfeind" zur Folge hatte.
In der damaligen Situation habe ich oft mit Nikolaj Alexandrowitsch Bulganin gesprochen; als wir einmal zu zweit im Auto fuhren,
sagte er: "Es kann passieren, daß jemand einer Einladung Stalins als
Freund Fölgf leistet; und wenn er dann mit Stalin zusammensitzt, weiß er
nicht, ob er anschließend nach Hause oder ins Gefängnis geschickt wird."
Es ist klar, daß solche Verhältnisse jedes Hitglied des Politbüros in eine sehr schwierige Situation brachten. Wenn wir dazu noch
in 'Betracht ziehen, daß das ZK-Plenum in den letzten Jahren nicht mehr
einberufen wurde, und daß Politbürositzungen nur nooh gelegentlich
von Zeit zu Zeit stattfanden, dann wird verständlich, wie schwierig
es für die Politbüromitglieder war, sich gegen die eine oder andere
ungerechte oder unkorrekte Maßnahme
gegen schwere Irrtümer und Unzulänglichkeiten in der Führungspraxis aufzulehnen.
Wie bereits dargelegt, wurden viele Entscheidungen entweder überhaupt nur von einer Person oder aber hintenherum und ohne Diskussion
im Kollektiv getroffen. Das traurige Schicksal des Politbüromitglieds,
Genossen Wosnesenskij, der ebenfalls den Repressalien Stalins zum
Opfer fiel, ist allen bekannt. Es ist bezeichnend, daß der Beschluß
über seine Ausstoßung aus dem Politbüro niemals diskutiert worden ist,
sondern auf irreguläre Art zustande kam. Das gleiche gilt für den
Beschluß über die Amtsenthebung Kusnezows und Rodionows.
Die Stellung des Politbüros des Zentralkomitees wurde geschwächt
und seine Arbeit durch die Sohaffung verschiedener Politbüroausschüsse der sogenannten "Fünfer-", "Sechser-", "Siebener-" und "Neunerkommissionen" - desorganisiert. Hier sei als Beispiel ein Beschluß des Politbüros vom 3. Oktober 1946 angeführt:
"Stalins Vorschlag:
1. Die Kommission für auswärtige Angelegenheiten des Politbüros
(Sechserkommission) soll sich in Zukunft zusätzlich zu außenpolitischen
Fragen auch mit Angelegenheiten des inneren Aufbaues und der Innenpolitik befassen.
2. Die

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�Es ist anzunehmen, daß er damit zugleich auf die spätere Vernichtung der alten Mitglieder des Politbüros hinarbeitete, um sämtliche
von ihm begangenen schändlichen Handlungen zu kaschieren, jene Handlungen, mit denen wir uns heute befassen.
Gerossen! Damit sich die ir der Vergangenheit begangenen Irrtümer
nicht wiederholen, hat sich das Zentralkomitee energisch gegen jeden
Persönlichkeitskult ausgesprochen* Wir sind der Ansicht, daß Stalin
in übertriebenem Maße herausgestellt wurde. Andererseits hat Stalin
in der Vergangenheit der Partei, der Arbeiterklasse und der internationalen Arbeiterbewegung zweifellos auch große Dien5te geleistet.
Dieses Problem wird dadurch kompliziert, daß alles, was wir soeben
erörtert haben, zu Lebzeiten Stalins,unter seiner Führung und mit seiner Billigung geschah; Stalin war überzeugt, daß dies alles im
Interesse der Verteidigung der Arbeiterklasse gegen die Anschläge der
Feinde und gegen die Angriffe des imperialistischen Lagers notwendig.
gewesen sei. Er betrachtete diese Dinge unter dem Gesichtspunkt der
Interessen der Arbeiterklasse, der Interessen der Werktätigen, des
Sieges des Sozialismus und Kommunismus. Wir dürfen nicht sagen, daß
dies Handlunger. eines vom Sch.vindel befallenen Despoten gewesen seien.
Nach seiner Ansicht lagen diese Handlungen im Interesse der Partei,
der werktätigen Massen, der Sicherung der Errungenschaften der Revolution. Hierin liegt die ganze Tragödie!
Genossen! Lenin hat oft betont, daß Bescheidenheit ein unerlässliches Merkmal jedes echter. Bolschewisten ist. Lenin selbst war die
lebendige Verkörperung höchster Bescheidenheit. Wir können nicht sagen,
daß wir diesem Beispiel Lenins in jeder Hinsicht, gefolgt sind. Es genügt idarauf hinzuweisen, daß zahlreiche Städte, Fabriken und Industriebetriebe »Kolchose und Sowchose, Sowjet-, und Kulturinstitutionen,
so als ob sie - mit Verlaub zu sagen - unser Privateigentum wären,
mit dem Namen dieses oder jenen führenden Regierungs- oder Parteifunktionärs bedacht würden, der noch im Amt ist und sich bester Gesundheit
erfreut. Viele von uns machten mit, wenn es galt, Städte, Rayons, Industriebetriebe und Kolchose nach uns zu benennen. Das müssen wir abstellen.

Dies

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�Wir müssen in unserer gesamten ideologischen Arbeit zu den wichtigsten Thesen der marxistisch-leninistischen Wissenschaft vom Volk
als der bewegenden Kraft der Geschichte und dem Schöpfer aller materiellen und geistigen Güter der Menschheit, von der entscheidenden
Rolle der marxistischen Partei im revolutionären Kampf für die Umwandlung der Gesellschaft, vom Siege des Kommunismus zurückkehren
und sie in die Praxis- umsetzen.
Was dies anbelangt, so werden wir viel tun müssen, um die mit
dem Persönlichkeitskult verlundeien weitverbreiteten irrigen Ansichten auf dem Gebiet der Geschichtsschreibung, der Philosophie,
der Volkswirtschaft und anderer Wissenschaften sowie in der Literatur
und den bildenden Künsten von marxistisch-leninistischen Standpunkt
kritisch zu untersuchen und
richtigzustellen. Vor allem ist es nötig, daß wir bereits in allernächster Zukunft ein ernst zu
nehmendes Lehrbuch über die Geschichte unserer Partei ausarbeiten,
das mit wissenschaftlich-marxistischer Objektivität verfaßt ist,
ein Lehrbuch über die Entwicklung der sowjetischen Gesellschaft, ein
Bach, das den Ereignissen des Bürgerkrieges und des Großen Vaterländischen Krieges gerecht wird.
Zweitens müssen wir systematisch und konsequent die Arbeit fortführen, die das Zentralkomitee der Partei in den letzten Jahren geleistet hat, eine Arbeit, die sich durch die genaueste Beachtung der leninistischen Grundsätze der Parteiführung in sämtlichen Parteiorganisationen, von den Grundeinheiten bis zur Spitze,auszeichnete, vor allem
aber durch Befolgung des wichtigsten Grundsatzes der kollektiven Führung, durch die Beachtung der in den Parteistatuten festgelegten Normen des Parteilebens, sowie schließlich durch umfassende Kritik und
Selbstkritik.
Drittens müssen wir den leninistischen Grundsätzen der sowjetischsozialistischen Demokratie, wie sie in der Verfassung der Sowjetunion
niedergelegt sind, wieder volle Geltung verschaffen und die Willkür
einzelner Personen bekämpfen, die ihre Macht mißbrauchen. Die üblen
Polgen aller Verstöße gegen die revolutionäre sozialistische Gesetzlichkeit, die sich im Laufe der Jahre infolge des schädlichen Einflusses des Persönlichkeitskults häuften, müssen restlos beseitigt werden.
Genossen!
Der XX. Parteikongreß der KPdSü(B) war ein erneuter kraftvoller
Beweis für die unerschütterliche Einheit unserer Partei, ihrer Verbundenheit mit dem Zentralkomitee, ihres entschlossenen Willens, die
große Aufgabe des Aufbaus des Kommunismus zu vollbringen. (Tosender
Beifall.) Und die Tatsache, daß wir die mit der Überwindung des dem
Marxismus-Leninismus fremden Persönlichkeitskults verbundenen Grundprobleme in all ihren Formen und auch das Problem der Liquidierung seiner
lästigen Folgen dargelegt haben, ist ebenfalls ein Beweis für die große
moralische und politische Kraft unserer Partei. (Langanhaltender Beifall)
Wir

- 57 )

�A M E R I K A

D I

N S T

JOHN FOSTER DULLES: AUCH DER FRIEDEN HAT SEINEN PREIS

AME3 (Iowa) - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die
der Außenminister der Vereinigten Staaten,
John Foster Dulles, am 9» Juni 1956 anläßlich
der Verteilung der Abschlußzeugnisse vor dem
Iowa State College in Arnes (Iowa) gehalten hat.

Sie gehen heute hinaus in eine Welt, in der Sie die Segnungen
der Freiheit in Frieden zu genießen hoffen. Es ist dies jene Welt,
die zu schaffen die Vereinigten Staaten durch ihre Außenpolitik anstreben.
Heute haben wir Frieden; kein Land befindet sich zur Zeit mit
den Vereinigten Staaten im Kriegszustand.
Und wir genießen mancherlei Gutes. Wir haben ein gutes Verhältnis zu den meisten Ländern der Welt. Weder fürchten wir sie, noch
müssen sie uns fürchten. Wir unterhalten Handelsbeziehungen und ähnliche Verbindungen mit ihnen, alles zu gegenseitigem Nutzen und
beiderseitiger Freude.
Für diesen Frieden und das Gute, dessen wir uns erfreuen, können
wir aus tiefstem Herzen dankbar sein.
Aber all dies fällt uns nicht in den Schoß. Vor Ihnen sind
bereits andere mit hochgespannten Hoffnungen in die Welt hinausgezogen. Ihre Hoffnungen aber fanden auf dem Schlachtfeld ein rasches
Ende, und die daheim geblieben waren, fühlten ihre Herzen schwer
werden. Reiche Mittel, die zum Aufbau wirtschaftlichen Wohlstandes
hätten verwendet werden können, wurden im Kriege verschleudert.
Dieser Preis, der in der Münze des Krieges entrichtet wird,
wird immer zu zahlen sein, wenn die Menschen nicht bereit sind,
bereits in Friedenszeiten für die Erhaltung des Friedens zu zahlen.
Aber anscheinend lernen die Menschen das nicht. Denn die Vorstellung ist nicht auszurotten, daß man sich den Frieden nur zu
wünschen brauche, um ihn zu bekommen. Wenn dies zuträfe, dann wäre

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wäre der Krieg schon vor vielen Jahrhunderten abgeschafft worden.
Tatsache ist, daß es ebenso schwer, ja noch schwerer ist, den Frieden
zu erhalten wie einen Krieg zu gewinnen. Kriege wurden schon viele gewonnen. Einen dauernden Frieden zu erringen, ist bisher noch nie gelungen. Um den Krieg endgültig zu besiegen, sind Planung und Taten
erforderlich, die Voraussicht, kluge Berechnung, Mut und gelegentlich
Opfer erfordern. Und zwar werden diese Opfer unter weniger dramatischen
und anscheinend weniger dringenden Umständen gefordert als im Kriege.
Wir werden niemals einen dauernden Frieden haben, solange die Menschen
ihre edelsten Geistesgaben in den Dienst des Krieges stellen. Denn auch
der Frieden hat seinen Preis.
Ich möchte Ihnen dies am Beispiel einer unserer Bemühungen um den
Frieden, die wir zur Zeit unternehmen, deutlich machen. Man könnte diese
Bemühungen auch als eine Art Versicherung auf den Frieden bezeichnen,
für die wir etwa 40 Milliarden Dollar jährlich zahlen müssen.
Unsere Friedensversicherung
Die Grundelemente dieser Friedensversicherung leiten wir von den
ersten erfolgreichen Anfängen der amerikanischen Außenpolitik her.
Lassen Sie mich also auf die Zeit der Monroe-Doktrin verweisen.
Im Jahre 1823 erklärte Präsident Monroe der unter Führung des
zaristischen Rußland stehenden despotischen Allianz, daß "wir jeden
Versuch ihrerseits, ihre Regierungen auf irgendein Gebiet der westlichen Hemisphäre zu übertragen, als eine Bedrohung unseres Friedens
und unserer Sicherheit betrachten" und "ein solches Eingreifen, in
welcher Form es auch geschehen möge, nicht gleichgültig mit ansehen"
werden.
Es beweist tatsächlich Voraussicht und Kühnheit, daß unsere junge
Nation so ihr eigenes Interesse mit der Freiheit und Unabhängigkeit
von Ländern verknüpfte, die viele Tausend Kilometer entfernt liegen.
Die Verkündigung dieses Grundsatzes aber wurde, wie Webster berichtet,
"mit einhelligem Jubel" begrüßt.
Dieser Grundsatz ist in unseren Tagen noch erweitert worden.
Seine umfassendste Anwendung finden wir in der Charta der Vereinten
Nationen. Da aber auf Grund des Vetorechts kein unbedingter Verlaß
auf ein Eingreifen seitens der UN besteht, haben sich viele Nationen
miteinander in Verträgen zusammengeschlossen, die auf dem Prinzip der
Monroe-Doktrin beruhen. Im Laufe der vergangenen zehn Jahre haben die
Vereinigten Staaten mit Zustimmung beider Parteien derartige Verträge
mit 42 Ländern in Amerika, in Europa und Asien abgeschlossen.
Durch diese Verträge wird1 zwischen den Partnerstaaten der Grundsatz der Neutralität abgeschafft, demzufolge ein Land seine Sicherheit
am ehesten dadurch wahren kann, daß es sich dem Schicksal anderer Länder gegenüber gleichgültig verhält. Diese Konzeption jedoch wird in
steigendem Maße als veraltet empfunden, und sie ist auch, außer unter
ganz besonderen Umständen, eine unmoralische und kurzsichtige Politik.
Die
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Die freie Welt ist heute stärker und der Friede gesicherter, weil so
viele freie Nationen tapfer die bereits erwiesene Tatsache anerkennen,
daß ein Angriff auf die Freiheit eines anderen Landes ihre eigene
Sicherheit und ihren Frieden gefährden würde.
Indessen ist es angesichts der heutigen Verhältnisse nicht genug,
wenn die freien Nationen lediglich ihre Absicht verkünden, zueinanderstehen zu wollen. Wir brauchen Streitkräfte, um diesen Worten den nötigen Nachdruck zu verleihen.
Beim Ausbruch des ersten wie des zweiten Weltkrieges verfügten
die Vereinigten Staaten nur über geringe militärische Kräfte. Auch
im Falle des Koreakrieges reichten unsere Streitkräfte zunächst nicht
aus. In diesen Fallen jedoch waren die Kriegsumstände so geartet, daß
wir genügend Zeit hatten, unsere Militärmacht auszubauen.
Seit jenen Tagen aber haben die dem Menschen zu Gebote stehenden
zerstörenden Kräfte sich plötzlich in einem Maße vergrößert, das unser
Fassungsvermögen übersteigt. Heute kann eine einzige Bombe zerstörende Kräfte von gleicher Intensität entwickeln, wie sämtliche in den
fünf Jahren des zweiten Weltkrieges geworfenen Bomben. Ein etwaiger
Gegner könnte,sofern er nicht bereits im allerersten Anfang auf Widerstand stößt, in kürzester Zeit größte V rheerunge
anrichten, so daß
wir das Hasardspiel nicht wagen dürfen, unsere volle militärische
Stärke erst nach erfolgtem Angriff zu entwickeln. Um einen Gegner von
Aggressionen abzuschrecken und Fehlkalkulationen auszuschließen, sind
Warnungen nicht genug; hinter diesen Warnungen .müssen vielmehr Streitkräfte stehen, die über die nötige Schlagkraft für Vergeltungsoperationen verfügen. Das macht unsere Versicherungspolitik für den Frieden so
teuer.
Die Kosten für den Unterhalt der amerikanischen Streitkräfte im
In- und Ausland belaufen sich auf jährlich etwa 36 Milliarden Dollar.
Das sind fast 9O/0 der Gesamtaufwendungen für unsere Friedensversicherung,
die jährlich etwas mehr als 40 Milliarden Dollar betragen.
Die restlichen zehn Prozent, grob gerechnet also 4 Milliarden
Dollar, dienen dem Aufbau der Militärkräfte anderer Länder im Rahmen
unseres Programms für gemeinsame Sicherheit. Auf dieses Programm möchte
ich jetzt näher eingehen und Ihnen darlegen, warum es ein Bestandteil
unserer Friedensversicherung ist.
Ich werde dabei die zu erwartenden Aufwendungen zugrunde legen.
Um aber das derzeitige Tempo beibehalten zu können, muß der Kongreß
für das nächste Jahr mehr als die vorgesehenen Aufwendungen bewilligen,
denn bereits in diesem Jahr liegen die tatsächlichen Aufwendungen um
rund 1 Milliarde Dollar über den Bewilligungen.
Der Ferne Osten
Die größten Ausgaben im Rahmen unseres Programms für gemeinsame
Sicherheit entfallen auf den Pazifischen Raum und den Fernen Osten.
Diese Aufwendungen dienen dem Ausbau der militärischen Stärke von

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von Ländern, mit denen wir kollektive Verteidigungsverträge geschlossen haben. Dieses Gebiet ist zur Zeit eindeutig einem feindlichen
Druck ausgesetzt.
In Korea herrscht Waffenstillstand. Aber die chinesischen Kommunisten sind noch nie ernstlich zu einem Frieden bereit gewesen, der
eine Wiedervereinigung Koreas durch freie, unter der Kontrolle der
Vereinten Nationen abgehaltene Wahlen bringen würde. So stehen sich
in Korea feindliche bewaffnete Streitkräfte an der durch den Waffenstillstand geschaffenen Demarkationslinie gegenüber.
Taiwan (Formosa), heute Sitz der Regierung der Republik China,
steht unter ständiger Bedrohung des Krieges. Das kommunistische China
lehnt es hartnäckig ab, eine klare Verzichterklärung hinsichtlich dieses Gebiets abzugeben.
Weiter ist da Vietnam, in dem ebenfalls Waffenstillstand herrscht,
aber noch kein offizieller Friede geschlossen wurde.
Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß wir in Form von Verträgen feierlich erklärt haben, daß ein bewaffneter Angriff in diesen Gebieten auch eine Gefahr für unseren eigenen Frieden und unsere eigene
Sicherheit darstelle.
Der Kongreß hat gegen nur vier Stimmen den Präsidenten ermächtigt, die Streitkräfte der USA zur Verteidigung Taiwans (Formosas)
einzusetzen, falls er es für notwendig erachten sollte. Allerdings
wünschen wir nicht, daß es notwendig werde, um die Erhaltung der
Freiheit in diesen Gebieten zu kämpfen. Unser Ziel ist es, den Krieg
zu vermeiden. Aus diesem Grunde gewähren wir den freien Regierungen
dort militärische und finanzielle Unterstützung, die es ihnen ermöglicht, eigene Streitkräfte in einer Stärke zu unterhalten, die sie
und wir angesichts der bestehenden Gefahr einer Aggression und unserer genau aufeinander abgestimmten Pläne zur Verhinderung einer solchen Aggression als angemessen betrachten.
Wir wenden im kommenden Jahr voraussichtlich 1,5 Milliarden Dollar
für Militär- und Verteidigungshilfe in diesem Gebiet auf. Der größte
Teil dieser Gelder wird der Republik Korea, Nationalchina und den drei
indochinesischen Ländern zugute kommen. Geringere Beträge gehen an die
übrigen Verbündeten in diesem Gebiet - die Philippinen, Thailand und
Japan.
Der Nahe Osten
Ich möchte mich nun dem Nahen Osten zuwenden. In diesem Gebiet wird
das für die Industrien Westeuropas und die Streitkräfte der NATO erforderliche Erdöl gefördert. Ein Stocken der Öllieferungen wäre für
die Erzeugerländer ein großes Unglück, da sie weitgehend auf die Einnahmen aus der Erdölförderung angewiesen sind. Außerdem müßten wir uns
dann mit Europa in die Ölreserven unserer westlichen Hemisphäre teilen,
das heißt, wir hätten Mangel an Erdöl statt des bisherigen Überflusses.
Aus

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Aus diesem Grunde unterstützen wir die vier Länder des Nahen
Ostens, die das Tor zum Süden bilden, wo sich die Ölreserven befinden;
und unmittelbar dahinter liegt das Tor nach Afrika. Die Aufwendungen
für die Militärhilfe an diese Länder dürften im kommenden Jahr schätzungsweise bei 800 Hillionen Dollar liegen.
Die NATO
Und nun Westeuropa. Dort wachen die Streitkräfte der NATO über
die reichsten Industrien und größten Militäranlagen, über die die freie
Welt verfügten - die der Vereinigten Staaten ausgenommen. Dieses Gebiet
halten wir für so wichtig, daß die Vereinigten Staaten dort allein annähernd sechs Divisionen stationiert haben. Ich hoffe, die westeuropäischen Mitglieder der NATO werden selbst weitgehend zur Verteidigung
dieses Gebiets beitragen. Immerhin unterstützen wir auch sie durch
Lieferung bestimmter Waffentypen, deren Kosten im Budget unseres Programms für gemeinsame Sicherheit enthalten sind.
Wir unterstützen Westberlin als ein Symbol der Freiheit hinter
dem Eisernen Vorhang. Wir arbeiten an der Errichtung von Stützpunkten
in Spanien, die einen beträchtlichen Kostenaufwand erfordern. Wir halten es auch für klug, Jugoslawien zu helfen, solange es entschlossen
ist, seine volle Unabhängigkeit zu wahren. Jugoslawien hat eine Gesellschaftsordnung, die uns nicht gerade gefällt. Aber Marschall Tito hat
Moskau die Stirn geboten und sich behauptet. Und selbst wenn dieser
Streit heute beigelegt ist, stellt Jugoslawien doch ein bemerkenswertes
Beispiel für die nationale Unabhängigkeit eines Landes in Osteuropa dar.
Die uns im Rahmen unseres Programms für gemeinsame Sicherheit in
Europa erwachsenden Kosten werden im kommenden Jahr schätzungsweise eine
Milliarde Dollar betragen.
Diese von mir aufgezählten Aufv/endungen sind dazu bestimmt, mit
einem Mindestkostenaufwand unsererseits den Fortbestand von Landern zu
gewährleisten, deren Sicherheit Teil unserer eigenen Sicherheit ist.
In diesem weitgespannten und enggeknüpften Netz unseres Sicherheitssystems verfügen wir auf diese V/eise als wertvolles Nebenergebnis über
eine große Reihe von Basen überall auf der Erde, von denen aus wir und
unsere Verbündeten Gegenschläge gegen einen etwaigen Aggressor führen
könnten. Die Mannigfaltigkeit ist gerade in diesem Zusammenhang von
größter Bedeutung; denn wenn die Start- und Abschußbasen auf ein einziges Gebiet beschränkt wären, so könnten sie bereits beim ersten Angriff des Gegners vernichtet werden. Auch gibt das derzeitige Verteidigungssystem die Möglichkeit, billigere Flugzeuge mit kürzerem Aktionsradius mit Aufgaben zu betrauen, die sonst den Einsatz sehr viel kostspieligerer Maschinen erfordern würden.
So dienen diese Aufwendungen der Erhaltung unseres Friedens und
unserer Sicherheit.
Wirtschaftshilfe
Es bleiben also 700 Millionen Dollar oder rund 2$ der Gesamtkosten
für unsere Friedensversicherung. Diese werden für die sogenannte

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sogenannte "Wirtschaftshilfe" verwendet. Hauptzweck dieser Wirtschaftshilfe ist es, jenen Nationen, die erst kürzlich ihre Unabhängigkeit
erlangt haben, sowie den unterentwickelten Ländern zu helfen, ihre
Unabhängigkeit ungeachtet der Verschwörungen des Weltkommunismus zu
wahren.
Wie-in der Caracas-Resolution in bezug auf die westliche Hemisphäre
betont wurde, sind Friede und Sicherheit auch andernorts bedroht, wenn
der Weltkommunismus in irgendeinem der Länder der westlichen Hemisphäre
die politische Macht an sich reißt. Mit diesem Teil unseres Programms
für gemeinsame Sicherheit soll den Bemühungen feindlicher Kräfte begegnet werden, ihre Macht durch den Zugriff auf neue Reserven an
Menschenkraft und materielle Güter sowie durch die Schaffung neuer
strategischer Positionen zu vergrößern. Die Wirtschaftshilfe wird
aber noch durch viele andere Dinge gerechtfertigt.
Die Vereinigten Staaten verfügen bei weitem über die höchstentwickelte Wirtschaft der Welt. Die Produktivität unserer Wirtschaft
ist beinahe doppelt so hoch wie die der übrigen Länder.
Seit jeher haben wirtschaftlich hochentwickelte Länder den
wirtschaftlich rückständigeren Gebieten beim Ausbau ihrer Wirtschaft
geholfen. Uns half Europa,als wir begannen, diesen Kontinent wirtschaftlich zu erschließen. Es ist dies eines der Gesetze innerhalb
der menschlichen Gesellschaft, und wir können nur bei Gefahr unseres
Unterganges dagegen verstoßen.
Die uns damit auferlegten Lasten werden dadurch erleichtert,
daß unsere Wirtschaftshilfe zu einem ansehnlichen Teil in der Belieferung anderer Länder mit überschüssigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen besteht. Darüber hinaus werden alle Hilfeleistungen, die 200
Millionen Dollar übersteigen, in Form von rückzahlbaren Darlehen,
also nicht als Schenkungentgegeben.
Die Bedeutung dieses wirtschaftlichen Teils unserer Friedensversicherung wird durch die Tatsache unterstrichen, daß die Sowjetunion jetzt ebenfalls dazu übergegangen ist, ihre Interessen durch
Kreditgewährung an andere Länder zu fördern.
Die neue Taktik der Kommunisten verlangt gebieterischer denn je,
daß wir die Wirtschaftshilfe im Rahmen unseres Programms für gemeinsame
Sicherheit fortführen, ja vielleicht noch ausbauen sollten. Es wäre
wirklich eine Ironie, wollten wir ausgerechnet in jenem Augenblick
unsere Tätigkeit auf diesem Gebiet einstellen, da die Sowjetunion
mit derartigen Vorhaben beginnt.
Die von mir hier kurz beschriebenen Aufwendungen - 36 Milliarden
Dollar, plus 3»3 Milliarden Dollar plus 700 Millionen Dollar - belaufen
sich auf insgesamt rund 40 Milliarden Dollar und sind der Preis, den
wir jährlich für unsere Friedensversicherung entrichten müssen. Was die
zur Unterhaltung unserer eigenen Streitkräfte benötigten 36 Milliarden
Dollar anbetrifft, so sind die Auffassungen darüber, in welcher Weise

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Weise diese Summe zu benutzen sei, geteilt. Aber nur wenige meinen,
es sollte über aupt nicht soviel Geld dafür ausgegeben werden. Mehr
Auseinandersetzungen gibt es dagegen über die 4 Milliarden Dollar, die
wir im Rahmen unseres Programms für gemeinsame Sicherheit in der von
mir eben beschriebenen Weise verwenden.
Was dies anbelangt, möchte ich noch einige Fragen beantworten.
Auslandshilfe keine "Schenkung"
Vor allem die eine Frage: Ist die Auslandshilfe eine "Schenkung";
um derentwillen man den Amerikanern höhere Steuern auferlegt, nur um
dem Ausland zu helfen?
Die Antwort hierauf ist ein glattes "Nein". Ich hoffe, daß dies
bereits aus meinen Ausführungen klar geworden ist. Es ist durchaus richtig, daß die im Rahmen des Programms für gemeinsame Sicherheit ausgegebenen Gelder anderen Ländern helfen sollen. Doch kann man eine Hilfsaktion nicht deshalb als eine "Schenkung" bezeichnen, weil anderen damit
geholfen wird. Denn oft genug helfen wir mit der anderen Ländern gewährten Hilfe uns selbst mehr als wir es in irgendeiner anderen Weise
tun könnten. Das trifft auch auf unser Programm für gemeinsame Sicherheit zu. Es trägt zur Sicherung unserer eigenen Freiheit bei, da es
die Freiheit in unserer Umwelt fördert. Das entscheidende Motiv bei
jedem einzelnen Posten unserer Aufwendungen im Rahmen des Programms für
gemeinsame Sicherheit ist unser wohlverstandenes Eigeninteresse.
Mit allem Nachdruck möchte ich zu diesem Punkt der Begründung
betonen, daß nicht ein einziger Dollar im Rahmen dieses Programms ausgegeben wird, der nicht amerikanischen Interessen dient. Bereits in
den ersten Jahren ihres Bestehens war die amerikanische Nation überzeugt, daß die Freiheit in anderen Teilen der Welt für den Frieden
und die Sicherheit unserer eigenen Nation von lebenswichtiger Bedeutung
ist. Wenn ein Krieg diese Freiheit bedrohte, haben wir in diesen Krieg
eingegriffen, um sie zu retten. Das ist die kostspieligste Methode,
uns zu schützen. Heute hegen wir die Hoffnung, uns mit weniger kostspieligen Methoden schützen zu können. Das ist der Zweck des Programms
für gemeinsame Sicherheit.
Wir versuchen nicht, uns die Dankbarkeit anderer zu erkaufen.
Vergeuden wir unsere Auslandshilfe, weil die Empfänger nicht dankbar genug sind oder weil sie unsere Ansichten nicht widerspruchlos
teilen? Nein, wir verlangen von ihnen weder Dank noch Gefügigkeit.
Wir wissen, daß sich Dankbarkeit niemals erkaufen läßt, und wir geben
das Geld des Steuerzahlers nicht für solche Torheiten aus. Wir wollen
und verlangen keine Unterwerfung. Unsere Politik wird von weiten
Kreisen des Auslandes respektiert, weil sie gut ist. Doch muß der
Erfolg unseres Auslandshilfeprogramms nicht nach der Dankbarkeit oder
Unterordnung unter uns beurteilt werden, sondern danach, ob sie der
Freiheit in anderen Ländern förderlich ist und damit die Freiheit in
unserem eigenen Lande festigt. Das ist der Prüfstein für unser Programm.
Genau

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Genau kalkulierte Summen
Da also die Notwendigkeit für das Programm für gemeinsame Sicherheit gegeben ist, erhebt sich die weitere Frage, ob sich die angeforderten Beträge auch in vernünftigen Grenzen halten. Wir sind überzeugt, daß das'der Fall ist. Selbstverständlich läßt sich nicht von
vornherein feststellen, ob diese oder jene Aufwendung das Zünglein
an der Waage zwischen erhöhter Gefahr und erhöhter Sicherheit oder
zwischen Krieg und Frieden bildet. Wenn es uns aber gelingt, Sicherheit
und Frieden zu wahren, so läßt sich immer leicht einwenden, daß wir
alles wesentlich billiger hätten haben Tonnen. Dagegen läßt sich auch
kein Gegenbeweis führen. Nur an den Fehlschlagen erkennt man, daß
die Aufwendungen zu niedrig gewesen sind. Doch ist es dann zu spät.
Ich versichere Ihnen, daß wir alle, die wir an 1 iesem Programm
mitarbeiten, bestrebt sind, unserem Vaterlande zu ditnen und die Ausgaben so niedrig zu halten, wie sich mit unseren nal 1 .ualen Interessen
vereinbaren läßt. Unsere Vorschläge stützen sich auf Informationen,
die wir aus allen Teilen der Welt erhalten und die uns helfen, die
Stärke und die Absichten uns feindlicher Elemente in der ganzen Welt
und das Widerstandsvermögen der uns befreundeten Mächte zu beurteilen.
Fehlbeurteilungen sind daher natürlich nicht ausgeschlossen und abweichende Meinungen werden, sofern sie ehrlich sind, berücksichtigt.
Unsere Maßnahmen werden jedoch mit großer Sorgfalt durchgeführt und
von zahlreichen Regierungsstellen überprüft. Das endgültige Ergebnis,
wie es dem Kongreß unterbreitet wird, spiegelt die Meinung wider, die
sich'der Präsident und der Nationale Sicherheitsrat nach bestem Vermögen gebildet haben. In der Frage der Sicherheit und des Friedens für
die amerikanische Nation bedeutet es ein Risiko, um den Preis zu
feilschen. Ein geringer Preis bedeutet nicht immer eine Ersparnis bringt aber wohl eine Erhöhung des Risikos eines Krieges mit sich.
Werden die Beträge von der Regierung richtig verwendet?
Es erhebt sich die Frage, ob diese Summen richtig verwendet werden.
Erfüllen die von uns im Interesse des Friedens und der Sicherheit gemachten Aufwendungen auch ihren Zweck? Die Antwort hierauf ist, daß
ein Teil dieser Ausgaben als Verlust abgebucht werden muß. Wie viele
der im zweiten V/eltkrieg abgeschossenen Granaten mögen ihr Ziel getroffen haben? Sicher nur ein geringer Prozentsatz.
Trotzdem haben wir niemals gezögert, unsere kämpfende Truppe
mit Munition zu versorgen. Nicht alle Ziele eines gestellten Programms
werden ganz erreicht. Es ist der Preis, den wir für menschliche Unzulänglichkeiten zahlen müssen. Wir sind ständig bemüht, unsere Leistungen zu steigern. Doch der Mangel an vollkommener Treffsicherheit ist
kein Grund, die erforderliche Dollarmunition zu verweigern, die benötigt wird, um den Frieden zu gewinnen.
Sind die nationalen Streitkräfte anderer Länder notwendig? Es
wird des weiteren die
Frage erhoben, ob nicht die abschreckende
Macht und Schlagkraft der US-Streitkräfte den Unterhalt nationaler
Streitkräfte seitens der einzelnen Länder überflüssig mache, so daß
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daß sich die Kosten für diese einsparen lassen. Gewiß ist die Notwendigkeit für den Unterhalt nationaler Streitkräfte in den einzelnen
Ländern angesichts unserer Streitmacht geringer. Es wäre tatsächlich
unpraktisch, in allen Staaten rings um den sowjetischen Machtbereich
nationale Streitkräfte von einer Stärke zu unterhalten, die ausreichte,
einen etwaigen Angriff abzuschlagen. Doch dürfen wir uns nicht völlig
auf die an zentralen Punkten bereitstehenden strategischen Streitkräfte
verlassen. Bedrohte Nationen halten es für zwingend notwendig, sich
selbst zu verteidigen. Tatsächlich würden sie, wenn sie dieses Gefühl
nicht hätten, weder unsere Unterstützung verdienen noch würde diese einen
Zweck haben. Des weiteren sind nationale Streitkräfte, die ihrer Regierung treu ergeben sind, zur Verhinderung von kommunistisch unterstützten Umsturzversuchen im Inneren notwendig.
Aber nicht nur unsere militärische Stärke stellt ein Abschreckungsmittel gegen eine Aggression dar, sondern auch die Gewißheit, daß ein
offener bewaffneter Angriff sofort auf tapferen und organisierten
Widerstand stoßen würde. Dieser würde, verstärkt durch die Einlösung der
vertraglichen Verpflichtungen bezüglich Kollektivaktionen, Konsequenzen
nach sich ziehen, über die ein Angreifer keine Kontrolle hätte und die
er nicht beschränken könnte.
Ist ein' Ende abzusehen?
Schließlich wird die Frage gestellt, ob diese Kosten denn für eine
unbegrenzte Dauer getragen werden sollen. Ist denn kein Ende für diese
gewaltigen Ausgaben von insgesamt 4-0 Milliarden Dollar im Jahr, die als
Versicherungsprämie zur Erhaltung des Friedens zu zahlen sind, abzusehen?
Die Antwort hierauf ist, daß wir die Kosten für die Abwendung
dieser Gefahr solange aufbringen müssen als diese Gefahr besteht.
Die sowjetischen Machthaber unternehmen gegenwärtig gewaltige Anstrengungen, um ihr militärisches Potential zu erhöhen und ihren Herrschaftsbereich auszuweiten. Sie unterhalten eine Militärmacht, die der
unsrigen etwa entspricht, und sie scheuen keine Kosten, uns zu überflügeln. Rotchina und den ihnen verbündeten osteuropäischen Satelliten
gewähren sie militärische Unterstützung. Dabei handelt es sich um
Summen, die in die Milliarden Dollar gehen. Auch die Völker der freien
Welt werden von ihnen mit Kreditangeboten für die Beschaffung wirtschaftlicher und militärischer Güter umworben. Kredite in einer Gesamthöhe von 500 Millionen Dollar sind von ihnen bereits vergeben worden,
und weitere Kreditangebote über mehrere Hundert Millionen liegen vor.
Fast 500 Millionen Dollar werden von ihnen jährlich für Zwecke der
Auslandspropaganda ausgegeben.

für
tet
wie
für

Fast 20 Prozent ihres Bruttosozialprodukts wendet die Sowjetunion
militär- und außenpolitische Maßnahmen auf, die gegen uns gerichsind. Solange sie an einer solchen Politik festhält, müssen wir,
es heute geschieht, etwa 10 Prozent unseres Bruttosozialprodukts
Zwecke der Friedenssicherung ausgeben.
Wir

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Wir können diese Opfer bringen und dabei gleichzeitig unseren
Lebensstandard erhöhen. Der Beweis dieser Tatsache hat einen gewaltigen
Einfluß auf die internationale Politik ausgeübt.
Niemals wird eine verantwortungsbewußte Regierung ihr Vertrauen
in Friedensbeteuerungen und Bezeugungen des guten Willens setzen, die
auf keiner verläßlichen Grundlage beruhen^ die die Nation der Isolierung in der Welt aussetzen oder sie der Möglichkeit zum Zurückschlagen
berauben würao, das zur Abwendung eines überraschenden Angriffs notwendig ist.
Doch gibt es Anzeichen dafür, daß ein neuer Tag anbrechen kann.
Die sowjetischen Machthaber geben heute vor, sie haben der Doktrin
abgeschworen, daß Gewalt ein notwendiger Bestandteil ihrer Außenpolitik sei. Sie reißen Stalin herunter, den sie 25 Jahre lang als Halbgott verehrt haben. Seine Schriften, die seit 25 Jahren das Glaubensbekenntnis des Kommunismus bildeten, werden jetzt eingezogen. Zum ersten
Mal seit der bolschewistischen Revolution wird in diesem Jahr die
Bibel in Rußland wieder gedruckt und an die Bevölkerung verkauft. Dem
russischen Volk wird eine größere persönliche Sicherheit zugestanden,
und die Arbeiterschaft erhält größere Freiheit in der Wahl des Arbeitsplatzes .
Offensichtlich verlangen die geknechteten Nationen nach größerer
Unabhängigkeit und die unterworfenen Völker innerhalb und außerhalb
Rußlands nach größerer Freiheit von Furcht und nach einem höheren
Anteil an den Früchten ihrer Arbeit, statt daß diese Früchte für eine
Politik verwendet werden, die allein der Machterweiterung des Staates
dient. Diese Forderungen werden im Volke allgemein und in steigendem
Maße laut. Das allein erklärt die außerordentlichen Anstrengungen der
sowjetischen Machthaber, den Anschein zu erwecken, daß grundlegende
Veränderungen eingetreten sind. Auf Grund dieser Entwicklung könnte zwar nicht in diesem oder im nächsten Jahr - doch eines Tages eine
Regierung gebildet werden, die den berechtigten Wünschen d-es Volkes
Rechnung trägt und die alle expansionistischen Ziele aufgibt.
Zahlreiche Ereignisse bestärken uns in unserem Vertrauen, daß
diese Politik fortgesetzt wird, wenn wir stark bleiben, wenn wir uns
für die Freiheit einsetzen, und die Segnungen, die die Freiheit mit
sich bringt, klar und deutlich herausstellen.
Es wird niemals eine Zeit geben, in der wir beruhigt unsere
Pläne und unsere Arbeit im Interesse des Friedens aufgeben können
und keine weiteren Opfer für den Frieden mehr zu bringen brauchen.
Doch läßt sich erkennen, daß, sofern wir standhaft bleiben, eine Zeit
kommen wird, in der die Gefahr geringer sein wird und auch unsere Kosten entsprechend reduziert werden können. Doch bis dahin ist es unsere
patriotische Pflicht, an dem festzuhalten, was sich als gut bewährt hat.

* * * * *

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�A M E R I K A

DULLES:

D I E N S T

FREIE WELT MUSS WACHSAM BLEIBEN
SAN FRANCISCO - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den V/ortlaut einer Rede des US-Außenministers John Foster Dulles, gehalten am 21.Juni
1955 in San Francisco vor der "Kiwanis International" -Vereinigung. Dulles geht darin auf die
neuerlichen Friedensbeteuerungen der Sowjets ein
und beleuchtet die augenblickliche Situation der
Weltpolitik.

"Ihre Vereinigung hat es sich zur Aufgabe gemacht, auf internationaler Ebene intelligente, aufgeschlossene und pflichtbewußte
Bürger au erziehen. Ich weiß, daß Sie daher an der heutigen Auseinandersetzung zwischen Freiheit und Despotismus außerordentlich
interessiert sind.
Es ist ja wohl nichts Neues, daß sich Despotismus und Freiheit
bekämpfen. Dies war schon seit Urzeiten so. Heute aber hat diese
Auseinandersetzung ein Ausmaß und eine Intensität erreicht, die für
unser Zeitalter charakteristisch geworden sind.
Die Kräfte des Despotismus sind besser organisiert als je
zuvor. Sie beherrschen bereits ein Drittel der ganzen Menschheit
und sie propagieren ganz offen ihr Ziel, ihr System auf die ganze
Welt auszudehnen.
Bisher haben sie ihre Erfolge durch die Anwendung oder die
Androhung von Gewalt erzielen können. Während der Ära Stalins wurden
15 Nationen ganz oder zum großen Teil mit Gewalt der sowjetkommunistischen Herrschaft
unterworfen, über die freien Nationen sind
gegenüber der Gefahr wach geworden. Sie haben ihre Abwehrkraft aufgebaut und sich in Maßnahmen zur kollektiven Verteidigung zusammengeschlossen. Der sowjetische Kommunismus konnte nicht mehr länger
eine Nation nach der andern einzeln herausgreifen.
Jetzt sagen die Sowjetmachthaber, daß sie künftig auf Gewaltanwendung verzichten werden. Aber sie erklären zugleich, daß sie
weiterhin damit rechnen, daß ihr System sich in der Welt durchsetzen wird, weil es so gut ist, daß alle Menschen es wünschen
werden.
Wir begrüßen diese Entwicklungen und werden sie unterstützen.
Es_
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�AMERIKA DIENST"

27- Juni 1956

Es wäre jedoch töricht, wollte man annehmen, daß die Gefahr nunmehr vorüber ist und daß wir unsere Politik der gemeinsamen Sicherheit, die die alten sowjetischen Taktiken vereitelte, aufgehen
können. Die Sowjetmachthaber behalten weiterhin eine Position, die
es ihrer, ermöglicht, schnell zu ihren alten Gewalt- und Zwangsmethoden
zurückzukehren, und sie würden gewiß versucht sein, dies zu tun,
wenn die freien Nationen jemals ihre Politik des Zusammenstehens
aufgäben. Denn die klassische und naür'icne Taktik des SowjetKommunismus, wie er nicht nur von Stalm sondern auch von Lenin
gelehrt wird, igt die Gewalt. Die sovuetische Industrie arbeitet
auf Hochtouren, um immer stärkere At m- und Kernwaffen zu produzieren. Die thermonuklearen /ersuche in der Sowjetunion werden in
größerer Zahl darchgefünrt. Sie arbeite unermüdlich daran, die
Mittel für den Einsatz neuer Waffen dvtrc h Bomber, InterkontihentalRaketen und Unterseeboote zu vermehren.
Sie entwickeln auch neue Techni en der indirekten Aggression.
Sie versuchen zum Beispiel, ihre Age te : in ardere Länder zu schleusen - Männer, die Techniker sind, aoer auch gleichzeitig dem politischen Apparat des internationalen Kommunismus angehören. Sie versuchen Länder, die der Hilfe bedürfen, mit wirtschaftlichen Versprechungen zu umgarnen. Sie bereite, sich auf die Möglichkeit
vor, andere Regierungen gegen den Willen, ja ohne Wissen der jeweiligen Völker zu unterwandern.
Es ist daher von lebenswichtiger Bedeutung, daß die freien
Nationen auf der Hut bleiben und an ihrer Politik der Sicherung
des Friedens festhalten - wozu in unserem Falle auch das Programm
der gemeinsamen Sicherheit gehört, das jetzt dem Kongreß vorliegt.
Auf der anderen &gt;eite nehmen wir jedoch voller Zuversicht die
Herausforderung der sowjetischen Kommunisten an, unsere Systeme
einem Vergleich zu stellen.
Wir stellen zuerst einmal die Frage: Wenn der Kommunismus so
gut ist, daß - wie seine Führer sagen - die anderen ihn um seiner
Verdienste willen aus freien Stücker akzeptieren v/erden, warum sollte
man dann nicht denen die erste Wahl lassen, die ihn am besten kennen?
Das russische Volk hat jetzt 39 Jahre Zeit gehabt, um die Qualitäten
des sowjetkommunistischen Systems schätzen zu lernen. Die osteuropäischen Völker hatten zehn und mehr Jahre Zeit, um dieses System
zu bewerten. Wenn der Kommunismus auf Grund seiner eigenen Verdienste
den Sieg davontragen kann,und zwar unter den Bedingungen einer wahrhaft freien Wahl, warum stellen seine Verfechter dies nicht den Ländern unter Beweis, wo er heute an der Macht ist?
Die sowjetischen Machthaber versprachen auf der Konferenz auf
höchster Ebene im vergangenen Juli, daß sie dem deutschen Volk freie
Wahlen zugestehen wollten. Rund 17 Millionen der Deutschen kennen den
Kommunismus sozusagen aus erster Hand, und die meisten anderen kennen
Augenzeugenberichte. Warum sagt die sowjetische Regierung nun, wie sie es
im November vergangenen Jahres in Genf erklärt hatte und immer noch wiederholt, daß sie die versprochenen freien Wahlen nicht gestatten wird, weil
sie fürchtet, das deutsche Volk würde sich von den sogenannten 'sozialen
Errungenschaften' abwenden, die das kommunistische Regime Ostdeutschland
auferlegt hat?
- 2 Dürfen

�AMERIKA DIENST"

27. Juni 1956

Dürfen die freien Völker nicht mit Recht annehmen, daß an einem
System, das von keinem Volk bisher freiwillig akzeptiert wurde und das
die sowjetischen Machthaber selbst nicht dem Urteil jener Völker unterwerfen wollen, die es am besten kennen, grundsätzlich etwas falsch sein
muß?
Wir wollen aber nicht nur auf der Basis dieser Annahme argumentieren, so einleuchtend sie auch ist. Wir wollen das sowjetische System
einmal näher beleuchten.
Sicher scheint die Diktatur in einem engbegrenzten Bereich das
vorteilhaftere System zu sein. Sie gestattet einen opportunistischen
Kurs. Sie ermöglicht eine Beweglichkeit im Handeln, wie sie Regierungssystemen abgeht, die auf dem Grundsatz der Demokratie basieren. Despotische Herrscher können heute eine Richtung einschlagen und schon am
anderen Tage eine Schwerkung um 180 Grad vornehmen, ohne ihren Zickzackkurs der Öffentlichkeit erklären oder vor ihr rechtfertigen zu müssen.
Sie sind weder an Anweisungen eines Parlaments noch an einen festen
Haushaltsplan gebunden. Sie können die Erziehung ihres Volkes jeweils
dem Gebot der Stunde anpassen, und sie haben die Möglichkeit, nach ihrem
eigenen Gutdünken Menschen zu zwingen, im In- und Ausland für die Regierung zu arbeiten. Die kommunistischen Diktaturen, die sich vom
Atheismus und Materialismus leiten lassen,.können darüber hinaus die
menschliche Arbeitskraft wie eine Ware behandeln, die dazu da ist, um
für die Glorifizierung des Staates aufgebraucht zu werden. Und sie tun
es auch.
Auf Grund dieser Machtbefugnisse können Diktatoren Dinge bewerkstelligen, die andere Regierungen, die ihre Macht von der Zustimmung
des regierten Volkes herleiten, nicht zu vollbringen vermögen.
Viele despotisch regierte Völker haben in der Vergangenheit bemerkenswerte Denkmäler hervorgebracht - Pyramiden, Kolosseen, Paläste
und Tempel -, die von Sklaver: in mühevoller Arbeit errichtet wurden,
um Könige und Potentaten zu glorifizieren, die den Staat personifizierten. Der Sowjetstaat kann ähnliche Errungenschaften für sich verbuchen. Durch die rücksichtslose Ausbeutung von Zwangsarbeitern haben
die Diktatoren moderne Monumente in Gestalt von Industrieanlagen, Elektrizitätswerken und ähnlichem geschaffen. iie haben ihr Wirtschaftssystem einem erzwungenen und unausgeglichenen Wachstum unterworfen und
mit Hilfe reicher natürlicher Hilfsquellen und unter der Gunst eines
•gemäßigten Klimas die Industrialisierung und die Ausbildung von technischen Fachkräften rasch vorangetrieben.
All diese Erfolge werden von der Sowjet-kommunistischen Propaganda
herausgestrichen. Aber auch diese Medaille hat ihre Kehrseite.
Ich werde hier nicht den Versuch unternehmen, sämtliche übel des
sowjet-kommunistischen Despotismus aufzuzählen. Ich möchte allerdings
Ihre Aufmerksamkeit auf die Enthüllungen lenken, die Herr Chruschtschow,
der derzeitige Führer der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, in
seiner zunächst geheimgehaltenen Rede vor dem XX. Parteikongreß der

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27. Juni 1956

der KPdSU gehalten hat. Diese Rede ist die schlimmste Verdammung
des Despotismus, die je aus dem Ifunde eines Despoten gekommen
ist. Sie allein sollte allen freien Völkern Anlaß genug sein, jene
Form des Despotismus zu meiden, so wie sie vor der Pest fliehen
würden.
Chruschtschow hat aus verständlichen Gründen versucht, seine
Rede geheimzuhalten.
'Wir dürfen diese Angelegenheit nicht aus den
Reihen der Partei, insbesondere nicht in die Presse dringen lassen1,
so sagte er. '.... Wir dürfen dem Feind keine Munition liefern, und
wir sollten unsere schmutzige Wäsche nicht vor seinen Augen waschen'.
Inzwischen ist Chruschtschows Rede bekannt geworden. Man sollte
sie in allen Teilen der Welt lesen und sorgfältig studieren.
7/as hat Chruschtschow gesagt? Er hat erklärt, daß eben jener
Mann, der für Jahre hindurch an der Spitze der Kommunistischen Partei
der Sowjetunion und der Sowjetregierung stand, der als ein Halbgott
dargestellt wurde, und dessen Schriften de::i Kommunismus in aller Welt
als bindende Richtschnur galten, in Wirklichkeit, was seine Lehre
anging, ein 'Abweichler' warj daß er sich als Führer des Staates
den Gefahren gegenüber, die dem Staat drohten, so blind gezeigt
habe, daß seine Handlungsweise schon fast ao Verrat grenze; und
daß er als Mensch in seinem Charakter so brutal und sadistisch gewesen sei, daß er einem der übelsten der römischen Kaiser, Caligula,
den Rang streitig mache. Darüber hinaus - und das ist der wichtigste
Punkt - stellte Chruschtschow die Unfähigkeit des sowjet-kommunistischer. Systems bloß, sich seiner eigenen schlechten Führung zu entledigen, da ja eben diese schlechten Führer es waren, die die höchste
Macht besaßen, andere zu liquidieren.
Ich darf Ihnen hier kurz einige der wichtigsten Punkte der langen
Rede Chruschtschows aufzählen.
Chruschtschow erklärte nach einem Hinweis auf verschiedene der
Schriften Stalins: 'Das ist natürlich eine klare Abweichung vom
Marxismus-Leninismus und eine klare Herabsetzung und Bagatellisierung
der Rolle der Partei.'
Chruschtschow erklärte weiter, daß Stalin vor Hitlers Angriff auf
Rußland hinreichend gewarnt worden war, daß aber 'trotz dieser überaus
ernsten Warnungen nicht die erforderlichen Vorkehrungen getroffen worden sind, um eine Verteidigungsbereitschaft des Landes sicherzustellen
und es vor Überraschungsangriffen zu bewahren.'
Chruschtschow erklärte, daß die Furcht vor Stalin so groß gewesen
sei, daß diejenigen Männer, die mit der Sammlung und Auswertung von
Nachrichten beauftragt waren, ihrer Aufgabe nur mit Zittern und Zagen
nachkamen, auf daß nicht das, was sie berichteten»Stalin aufrege und
damit ihr eigenes Leben gefährden könne. Er erklärte wörtlich 'wegen
der Voreingenommenheit der Führung gegen solche Nachrichten, war man
ängstlich bei der Weiterleitung und zurückhaltend bei der Auswertung.'
Chruschtschow

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27. Juni

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Chruschtschow gab an, daß Stalin, um seinen Sadismus zu befriedigen, immer wieder die Anwendung von Folterungen verlangte, um falsche
Geständnisse zu erpressen, die dann zur Grundlage von Justizmorden gemacht wurden. Er befahl 'lange Folterungen1 und hat gewöhnlich selbst
'den Untersuchungsrichter zu sich gerufen, um ihm Instruktionen zu erteilen und Anweisung bezüglich der anzuwendenden Untersuchungsmethoden
zu geben; diese Methoden waren sehr einfach: schlagen, schlagen und
nochmal schlagen'. Chruschtschow führt Fall um Fall der Anwendung
der Folter auf.
Chruschtschows Rede beschwört ein abscheuliches Bild herauf.
Man kann diese Rede nicht ohne Grauen und Abscheu lesen. Doch dürfen
wir nicht bei dieser instinktiven gefühlsmäßigen Reaktion verweilen.
Wir müssen weitergehen und die grundlegende Frage stellen: Warum wurden
diese Dinge nicht zu Stalins Lebzeiten aufgedeckt? und nicht erst
ganze drei Jahre nach Stalins Tod?
Chruschtschow versucht, dies zu begründen. Er verweist auf Berija
als Stalins wichtigsten Handlanger bei Folter und Mord, und erklärt:
'Hier erhebt sich die Frage, warum Berija, der Zehntausende von
Parteimitgliedern und Sowjetfunktionären liquidiert hatte, nicht zu
Lebzeiten Stalins entlarvt wurde. Er wurde nicht früher entlarvt, weil
er sehr geschickt Stalins Schwächen auszunutzen verstand; indem er
Stalins Mißtrauen ständig neue Nahrung gab, half er ihm in allen
Dingen und handelte mit Stalins Unterstützung.'
Kurz, das kommunistische Regime in der Sowjetunion bietet keinerlei Sicherungen selbst gegen so extremen Mißbrauch der Macht, wie
Chruschtschow ihn schildert. Es gibt keinerlei Schranken und Gegengewichte. Das System ist, wie selbst Lenin es ausdrückte, ein System
der 'unumschränkten Macht, die sich auf Gewalt, und nicht auf das
Recht gründet 1 . Alles vollzieht sich im Dunkel. In diesem System gibt
es keine Handhabe, den Herrscher durch einen anderen zu ersetzen.
Wird diese Herrschaft mißbraucht, so bringen nur Tod oder Gewalt das
sichere Ende dieses Mißbrauchs; und selbst der Tod gibt noch keine
Gewähr dafür, denn Berija, den Chruschtschow noch schlimmer als Stalin
nennt, wäre wahrscheinlich Stalins Nachfolger geworden, wenn er nicht
in dem nach Stalins Tode einsetzenden Kampf um die Macht beseitigt
worden wäre.
Die heute führenden Persönlichkeiten des politischen Lebens in
Rußland waren sämtlich Freunde Stalins und wußten ganz genau, was
vor sich ging. Chruschtschow und Bulganin waren Stalins enge Mitarbeiter und, weiß Gott, die Nutznießer seiner Säuberungen innerhalb der
Partei. Und heute müssen sie zugeben, daß es kein Mittel gibt, selbst
den größten Mißbrauch der Macht zu verhindern, wenn das von ihnen
verfochtene System erst einmal in einem Lande Fuß gefaßt hat.
Auch ist zu beachten, daß zwar die kommunistischen Führer der
Sowjetunion heute unter sich über Stalins Verbrechen sprechen und
sich in der Öffentlichkeit von Stalin distanzieren wollen und anscheinend wirklich hoffen, eine Wiederholung dieser Schreckensherrschaft
zu vermeiden, daß aber in der kommunistischen Partei Chinas, die versucht, das System ihres Landes auf ganz Asien auszudehnen, und deren
Führer Stalins eifrigste und ergebenste Nachahmer waren, nicht

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27. Juni 1956

nicht einmal diese Einsichten zu erkennen sind. Mao Tse-tung erklärte in einem Artikel über Stalin nach dessen Tode: ".Vir scharten
uns um ihn, baten ihn ständig um seinen Rat und sogen ideologische
Kraft aus seinen Werken'. Der Delegierte der Kommunistischen Fartei
Chinas auf dem XX.Parteikongreß in Moskau, auf dem Chruschtschow seine
Rede hielt, rühmte 'die Festigkeit und Unbesiegbarkeit der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, die Lenin geschaffen und Stalin großgemacht hat.
Ja, die chinesischen Kommunisten haben sogar versucht, Stalin
an Brutalität noch zu übertreffen. Und wehrend Stalins Nachfolger
in Rußland zumindest vorgeben, auf dem Gebiet der internationalen
Politik keinerlei Gewalt anzuwenden, lehnen die chinesischen Kommunisten dies nach wie vor ab. Wir haben geduldig versucht - und versuchen dies noch immer - sie dazu zu bringen, sich eindeutig gegen
alle Gewaltmaßnahmen zu erklären, insbesondere was das Gebiat von
Formosa anbelangt; aber leider bisher ohne jeden Erfolg.
So sehen wir nun das System unverhüllt vor uns, von dem Bulganin
und Chruschtschow sagten, sie hofften, daß die freier. Völker der Welt
es freiwillig akzeptieren würden. Es ist ein System, das wieder einmal
die Wahrheit von Lord Actums Ausspruch beweist, daß 'Macht die Tendenz
hat, die Menschen zu korrumpieren; und absolute Macht bedeutet absolute
Korruption'. Es ist ein System, in dem Mißbräuche unvermeidlich sind
und das keinerlei Handhabe bietet, diese Mißbräuche abzustellen.
Und diesem System steht das System der freien Gesellschaftsordnungen gegenüber, wo die Regierung mit Wissen und Zustimmung der
Regierten ihre Aufgaben erfüllt, und wo die Regierung abgesetzt wird
und eine neue an ihre Stelle tritt, wenn die Regierten es wünschen.
Der größte Vorwurf der sowjetischen Kommunisten gegen diese Gesellschaftsordnungen ist der, daß sie reaktionär seien, Gesellschaften,
in denen der 'Status quo' herrsche. Aber wie sieht es in diesen Gesellschaften aus?
Es ist eine schöne Sitte der freien Gesellschaft, Selbstkritik
zu üben und ihre Mängel offen zu bekennen. Aber hin und wieder ist es
angebracht, einmal eine Bestandsaufnahme der ungeheuren positiven
Wandlungen vorzunehmen, die in den Ländern mit einer echten Volksvertretung erreicht wurden. Dies ist um so notwendiger, als friedliche Wandlungen selten die Aufmerksamkeit der Menschen in dem
gleichen Maße auf sich ziehen wie jene Veränderungen, die durch
Gewalt herbeigeführt werden.
Lassen Sie uns also die friedliche Evolution betrachten, die
sich in unserer amerikanischen Gesellschaft seit 1917 vollzogen hat,
als die 'revolutionären' Bolschewisten in Rußland die Macht ergriffen.
Unsere freie Gesellschaft erhält ihren Hauptimpuls von
giösen Charakter, von dem sie bestimmt wird. Wir glauben an
ge Natur des Menschen und an die Menschenwürde als Ergebnis
sache, daß der Mensch seinen Ursprung in Gott hat, der sein
bestimmt.

dem relidie geistider TatSchicksal
Ein

�"ALIERIKA PIEKST"

27. Juni 1956

Ein solcher Glaube ist ein ständiger und mächtiger Antrieb, die
Welt mit friedlichen Mitteln zu verändern und eine bessere Welt zu
schaffen.
In dem Zeitraum, von dem ich spreche, haben gewaltige Veränderungen
stattgefunden.
Die rechtliche Benachteiligung, die seit Jahrhunderten das Los
der Frau gewesen war, wurde beseitigt, und heute unterscheidet sich
ihre politische, wirtschaftliche und soziale Stellung völlig von der,
die sie vor 40 Jahren besessen hatte.
Wenn auch noch nicht völlig beseitigt, so ist die Rassendiskriminierung doch rasch im Verschwinden begriffen. Die heutigen Verhältnisse
lassen sich nicht mit denen vor 40 Jahren vergleichen.
In steigendem Maße wurden Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit eingeführt. Die Kindersterblichkeit r:ing um 75 Prozent zurück. Zahlreiche
gefährliche Krankheiten wurden ganz ausgerottet.
Die Wissenschaft vollbringt Wunder. Wissenschaftler der freien
Welt haben als erste das Atom gespalten und gewaltige neue Möglichkeiten des Fortschritts auf den Gebieten der Wirtschaft und der Medizin
eröffnet. Durch internationale Abmachungen werden diese Möglichkeiten
in der ganzen Welt greifbar, und wir erwarten als Folge von Präsident
Eisenhowers 'Atome-für-den-Frieden'-Vorschlag vor den Verein-en Nationen
die baldige Errichtung einer internationalen Atomenergiebehörde.
Die amerikanische Produktivität hat sich in den vergangenen 40 Jahren etwa verdreifacht.
Der Lebensstandard der Arbeiterschaft ist gestiegen. Ihre Löhne
sind höher, die Arbeitszeit wurde verkürzt, der Arbeitsplatz ist gesicherter und die Altersversorgung ausgebaut. Die Löhne sind hoch und
die Arbeitszeit kurz. Im Jahre 1916 betrug der durchschnittliche Arbeitslohn bei einer Arbeitszeit von 49 Stunden in der Woche, gemessen an
der Kaufkraft des Dollars im Jahre 1955» etwa 32 Dollar. Heute beträgt
er etwa 76 Dollar bei einer 41 ständigen Arbeitswoche. Der Unterschied
zwischen dem Durchschnittseinkommen eines Industriearbeiters und eines
leitenden Angestellten ist in den Vereinigten Staaten geringer als in
der Sowjetunion.
In den vergangenen 40 Jahren ist aber der Lebensstandard nicht
nur beträchtlich gestiegen, sondern gerade die unteren Einkommensschichten waren daran verhältnismäßig am stärksten beteiligt.
In den letzten Jahren erhöhte sich das Bruttoeinkommen im obersten
Fünftel der Einkommensskala um 33 Prozent, während das Bruttoeinkommen
des untersten Fünftels um 125 Prozent anstieg. Ferner werden die Einkommen- und Erbschaftssteuern,im Gegensatz zu der Zeit vor 40 Jahren,
wo diesen fast keine Bedeutung zukam, heute zum großen Teil von den
höheren Einkommensgruppen im Interesse des Allgemeinwohls getragen.
Dadurch erhöht sich der Anteil der niedrigeren Einkommen am Sozialprodukt noch weiter.
Das

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�'AMERIKA DIENST"

27. Juni 1956

Das Miteigentum an den Produktionsmitteln, das 1917 noch sehrgering war, ist heute weit gestreut, über acht Millionen sind heute
Besitzer von Aktien amerikanischer IndustrlegeSeilschaften, über 22
Millionen Familien besitzen ein eigenes Haus, während es vor 40 Jahren
nur sieben Millionen waren.
Die Ausbildungsmöglichkeiten sind selbst auf dem Gebiet des höheren
Schulwesens erheblich erweitert. Heute besuchen 37 Prozent der jungen
Menschen im Alter von 18 bis 21 Jahren Lehranstalten, während es im
Jahre 1920 lediglich 8 Prozent waren.
All diese und viele weitere Fortsc ritte sind im Rahmen unserer
freien Gesellschaftsform erzielt worden.
Auf internationalem Gebiet ist gleichfalls ei- um '• -send, r \7ech«
sei eingetreten. Ein großer Fortschritt wurde hinsichtlich der Entwicklung von kollektiven Sicherheitssystemen gemacht. Dies Ist der
Weg der Vernunft. In einer entwickelten und vernunftre^i rten Gesellschaft bekämpft man das Verbrechen durch ein kol_ektives ...olizeisystem,
bekämpft das Feuer mit einer gemeinsamen Feuerwehr und die Krankheit
durch öffentliche Gesundheitsdienste. Dieses Prinzip ein., kollektiven
Anstrengung tritt jetzt auf internationaler Ebene hervo-. Seine Initiatoren waren die freien Nationen, einmal im Rahmen der Organisation
der Vereinten Nationen, zum anderen durch die kollektiven Sicherheitsverträge. Die Vereinigten Staaten sind zur Zeit mit 42 anderen Nationen
durch solche Verträge verbunden. Diese Entwicklung ist eine Anwendung
des großen Moralprinzips, daß 'wir alle Glieder einer großen Familie
sind und einer für den anderen da ist.'
In gleicher V/eise ist der Grundsatz der Menschenwürde auf das
Kolonialproblem angewandt worden. In einer Zeit, in der der internationale Kommunismus mit Gewalt seine Herrschaft über mehr als 65O Millionen Menschen ausdehnte und die Unabhängigkeit von 15 Nationen vernichtete oder beschnitt, gewährten die freien Nationen 17 Ländern mit
einer Bevölkerung von rund 65O Millionen Menschen die Unabhängigkeit.
Damit wird der gewaltigste Gegensatz zwischen dem dynamischen Liberalismus freier Gesellschaften und dem brutalen Rückschritt jener, die
die Gewalt anbeten, deutlich. Ob wir also die Entwicklung auf nationaler
oder auf internationaler Ebene betrachten,
so sehen wir den ungeheuren und wohltuenden V/andel, den der Prozeß
der Freiheit hervorgebracht hat.
Aber wir dürfen uns nicht einfach zufriedengeben und der Meinung
sein, daß unsere Vergangenheit automatisch unsere Zukunft sichert.
Es ist wesentlich, daß der dynamische und liberalisierende Einfluß
der Freiheit ständig zum Tragen gebracht wird, und zwar nicht nur mit
Worten, sondern durch Taten.

In

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�AMERIKA DIENST"

27. Juni 1956

In jedem Wettstreit mit dem Despotismus sind die freien Gesellschaften, wie es mitunter scheint, in mancher Hinsicht im Nachteil. Sie decken ihre Schwächen und Mängel auf, während die Despoten
sie in der Regel verbergen. Die freien Gesellschaften erscheinen
daher oft schlechter als sie sind, und die Despoten können zuweilen
besser erscheinen als sie in Wirklichkeit sind.
Es geschieht nicht oft, daß der Despotismus öffentlich entlarvt
werden kann wie durch die Publikation der Chruschtschowrede. Um diesem
Vermögen des Despotismus, sich selbst zu maskieren, die Wirkung zu
nehmen, müssen die freien Gesellschaften ihre eigene beständige Hingabe an die liberalen Prinzipien des friedlichen Wandels über allen
Zweifel klar herausstellen.
Zu beweisen, daß der Despotismus vom Übel ist, ist nicht genug.
Es ist genauso notwendig, daß man wieder und wieder beweist, daß die
Freiheit gut ist. Sofern die freien Völker das nicht tun, wird der
Despotismus siegen und sei es nur aus dem Grunde, weil die in Not
lebenden Völker, wie zum Beispiel in den neuaufstrebenden Ländern,
leicht durch die Aussicht auf einen raschen wirtschaftlichen Wandel
verführt v/erden können, worauf die sowjetischen Machthaber spezialisiert sind.
Das ist die große Mission, der sich die freien Nationen weihen.
Wenn wir weiterhin die Freiheit als eine dynamische, liberalisierende
Kraft aufzeigen können, dann brauchen wir die Ergebnisse eines friedlichen Wettstreits, den die Sowjetmachthaber anzubieten vorgeben,
nicht fürchten. Vielmehr können wir hoffen, daß die derzeit innerhalb
der Sowjetunion und in den von den Sowjets geknechteten Völkern am
Werk befindlichen Kräfte fordern werden, daß diejenigen, die herrschen, sich in zunehmendem Maße an die Prinzipien der Freiheit halten.
Day bedeutet, daß sie in zunehmendem Maße die Würde des Einzelmenschen
anzuerkennen haben, daß sie die Wünsche und Hoffnungen des Volkes immer
mehr zufriedenstellen und daß sie sich selbst immer stärker einem
friedlichen Wandel gemäß dem Willen der von ihnen regierten unterstellen. Auf disse Weise wird eine weitweite Ära eines wahren
Liberalismus ihren Anfang nehmen.
Diese Möglichkeit ist jetzt zum ersten Mal seit vielen Jahren
klar ersichtlich. Sie sollte uns zu wachsender Anstrengung anspornen. Nunmehr können wir die Zuversicht haben, daß es unserer
Generation möglich sein könnte, am Aufbau einer solchen Welt teilzunehmen, die wir mit S-tolz unseren Kindern hinterlassen können."

* * * * *

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�A M E R I K A

ZIEL DER USA:

D I E N S T

FREIHEIT IN EINER V/ELT DES FRIEDENS

MIAMI (Florida) - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den V/ortlaut einer Ansprache,
die der Vizepräsident der Vereinigten Staaten,
Richard M. Nixon, am 30.Juni 1956 vor der 39»Jahresversammlung der Lions International in Miami
(Florida) gehalten hat.

Ich habe mir für heute ein Thema ausgesucht, das meiner festen
Überzeugung nach die bedeutsamste und lebenswichtigste*Fragestellung
unserer Zeit überhaupt betrifft. Ich darf es Ihnen vielleicht in Form
einer Frage vorlagen: Welche Politik seitens der Vereinigten Staaten
ermöglich"!: uns am ehesten die Erreichung jenes Zieles, das wir um unserer selbst willen und im Interesse anderer erstreben - die Freiheit
in einer V/elt des Friedens?
Lassen Sie mich drei Dinge von vornherein klarstellent
Diese Fragen lassen sich nur in völliger Unparteilichkeit behandeln. Keine politische Partei hat ein Monopol auf den Patriotismus oder
auf le Hingabe an die grundlegenden Zielsetzungen, die alle Amerikaner
teilen, nämlich unser Land stark, das Volk frei und der Welt den Frieden
zu erha'ten.
Unter Menschen, die sich gleicherweise von den besten Absichten
leiten lassen, bestehen d ennoch oftmals verständliche und ehrenhafte
Meinungsverschiedenheiten darüber, welche Politik wir in dieser unserer Zeit verfolgen soll ten. Der eine vertritt die Auffassung, wir
gebe; zu viel, der andere , wir geben zu wenig für die Verteidigung
aus. Der eine mag meinen, wir sollten unsere Auslandshilfe verstärken,
der andere, wir sollten s ie kürzen. Der "eine argumentiert, daß wir
angesichts der jüngsten E reignisse der kommunistischen Welt gegenüber
eine zu unnachgiebige Hai tung einnehmen, während ein anderer behauptet, daß wir zu nachgiebi g verfahren.
Der dritte Punkt, den ich klarstellen möchte, ist der, daß ich
für meinen Teil keineswegs eine Unfehlbarkeit oder Allwissenheit auf
diesem Gebiet in Anspruch nehme. Ich unterbreite Ihnen keine geheimen
Informationen - auch keine Zauberformel. Ich möchte Ihnen vielmehr
ein Bild aufzeigen von den Problemstellungen, denen sich die Männer
in Washington gegenübersehen, die unseren politischen Kurs bestimmen,
und ich möchte dabei so objektiv verfahren, wie ich nur vermag. Darüber
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�k
"AMERIKA DIENST"

11. Juli 1956

Darüber hinaus möchte ich Ihnen zu erkennen geben, wie wir diese
Probleme anpacken können.
Der amerikanische Standpunkt
Lassen Sie mich zuerst den Standpunkt der Vereinigten Staaten
gegenüber dieser großen Frage untersuchen.
Die Friedenssehnsucht ist tief im Herzen jedes einzelnen Amerikaners verwurzelt und findet auf jedem Blatt der Geschichte unseres
Landes ihren Niederschlag. Die Scharen von Einwanderern, die unseren
Staat groß gemacht haben, kamen hierher, um dem Zank und Hader in
ihrer alten Heimat zu entgehen und hier einen Hort der Freiheit und
ein Land des Friedens zu finden.
Wir stehen aber in unserem Streben nach Erhaltung des Friedens
nicht allein da. Auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs erheben
Millionen von Menschen in einem Land nach dem anderen ihre Stimme,
um ein Ende des Krieges und des Blutvergießens zu fordern.
Der Krieg war für diejenigen Männer, die aktiv an ihm teilnehmen
mußten, noch niemals eine Verlockung. Der Kitzel und die Erregung der
Schlacht und auch die Freude des Triumphes sind Gefühle, die gelegentlich den Zuschauer befallen mögen, der den Krieg nur aus der Ferne
erlebt. In Romanen und Theaterstücken wird der Krieg oftmals als der
Weg zum Ruhm dargestellt. Das sind aber nicht die Gedanken jener, die
in der Mitte des Kampfgetümmels stehen. Der todmüde Soldat, eine ihrer
Söhne beraubte Mutter und die Witwen und Waisen - sie alle können in
der rauhen Wirklichkeit der Zerstörung und des Todes keine Verlockung
und keinen Kitzel sehen.
Diese Rücksichtnahme auf die Grundforderungen menschlicher Anständigkeit, spiegelt sich in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten
wider. Wir wurden zum Krieg gezwungen, und nur mit Zögern griffen wir
zu den Waffen. Wenn wir kämpften, so nicht deshalb, weil wir plötzlich
den Wert des Friedens gering achteten, sondern weil wir das Gefühl
hatten, daß die Freiheit das wichtigere sei. Es ist kein Zufall, daß
die großen führenden amerikanischen Staatsmänner, die den Krieg aus
eigener Anschauung kennengelernt haben, angefangen von unserem ersten
Präsidenten George Washington bis in unsere Tage zu Präsident Eisenhower,
verzweifelt darum gerungen haben, der Menschheit ein zweckloses Gemetzel
zu ersparen.
Die Vereinigten Staaten begehren nichts, was anderen Völkern gehört, und wir wollen keine anderen Länder beherrschen. Wir erstreben
eine Welt, in der die unermeßlichen Energien des Atoms und die anderen
großen Entdeckungen der modernen Wissenschaft für Zwecke des Aufbaus und
nicht der Zerstörung benutzt werden. Die einzigen Feinde, gegen die wir
ankämpfen, sind Armut, Krankheit, Unwissenheit und Furcht. Wir hoffen,
daß die gesamte Welt einschließlich jener Völker, die gegenwärtig unter
kommunistischer Herrschaft leben, eines Tages teilhaben werden an der
Prosperität und Freiheit, die wir zu unseren Errungenschaften zählen.
Dieses Streben nach Frieden und einer weltweiten Prosperität ist das
Ziel der offiziellen Politik der Vereinigten Staaten. Es wurde von Präsident Eisenhower und Außenminister Dulles immer und immer wieder dar~„-iQ~-iDer
gelegt.
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�AMERIKA DIENST"

11. Juli 1956

Der Kampf für den Frieden wird aber nicht einfach dadurch gewonnen, daß wir uns für den Frieden erklären. Kein Allheilmittel,
keine Formel und kein Schlagwort kann diese Schlacht entscheiden,
nur harte, langwierige, erschöpfende und hingabevolle Arbeit vermag uns an dieses Ziel zu führen. Aus diesem Grund dürfen wir uns,
meiner Meinung nach, glücklich schätzen, daß wir diese kritische
Zeit unter der weisen, erfahrenen und inspirierenden Führung eines
Mannes durchleben, der den Krieg kennt und. in aller Welt als ein
Symbol des Friedens gilt» Präsident Eisenhower.
Das Problem, wie wir unsere friedlichen Zielsetzungen erreichen
können, ist auch dann schwer zu lösen, wenn wir wissen, in welcher Lage
wir uns befinden. Es ist aber noch weit schwieriger, wenn Uneinigkeit i
in der Beurteilung des Wesens und der Größe der Bedrohung des Friedens
herrscht. Wir befinden uns heute in einer solchen mißlichen Lage, wenn
wir versuchen, eine Antwort auf die Frage zu findent Welche Politik
betreiben die Sowjetunion und die in ihr Lager gehörigen kommunistischen Staaten im gegenwärtigen Augenblick?
Die kommunistische Politik im Wandel
Die sowjetischen Führer haben die Möglichkeit einer friedlichen
Koexistenz zwischen den kommunistischen Staaten und der übrigen Welt
proklamiert und den Stab über einige der politischen Praktiken Stalins
gebrochen. Sie haben Reisen nach verschiedenen Ländern unternommen, um
Bündnisse mit neutralen Staaten zu schließen. Sie haben des weiteren
den sozialistischen Parteien in aller Welt die Freundeshand dargeboten
und behauptet, daß nunmehr eine Zusammenarbeit für die gleichen Ziele
möglich sei.
Noch mehr überraschte aber, daß Anzeichen für einen Wandel in der
inneren Verwaltung der kommunistischen Staaten bestehen. Es ist vielleicht zu viel gesagt, wollte man behaupten, daß die Feuerzeichen der
Freiheit entzündet worden sindj immerhin wurde der rigorose Terror
früher Jahre zumindestens auf Zeit teilweise gelockert.
Was bedeuten diese Schritte? Die sowjetischen Führer sprechen
vom Frieden. Stehen ihre Handlungen aber im Einklang mit ihren Worten?
Wir sollten diese Frage ohne Zynismus und ohne Bitterkeit stellen. Wenn
wir sicher sein könnten, daß die Sowjetführer dazu bereit sind, in
aller W.elt für den Frieden, die Gerechtigkeit und die Freiheit einzutreten, dann sollten wir bereit sein, den Alptraum der vergangenen
40 Jahre zu vergessen und Gott dafür danken, daß wir zum Wohle aller
zusammenarbeiten können.
Wir befinden uns in einem schmerzlichen Zwiespalt. Wenn wir die
sogenannten "Friedensschritte" der Sowjets zurückweisen, dann besteht
die Gefahr, daß uns manche Völker für Kriegstreiber halten. Nehmen wir
diese Angebote jedoch kritiklos an, dann schwächen wir damit vielleicht
unsere Bündnissysteme und beschwören damit gerade jenen Krieg herauf,
den wir so sehr vermeiden wollen.
Wie können wir diesem Dilemma entgehen? Meiner Meinung nach am
einfachsten und ehrenhaftesten dadurch, daß wir, so wie wir dies schon
getan haben, vor der ganzen Welt unsere Bereitschaft bekunden, auf

�"AMERIKA DIENST"

11. Juli 1956

auf Worte des Friedens zu hören, daß wir aber nur dann handeln werden,
wenn diesen Worten auch Taten folgen. Manche Kreise wenden dagegen ein,
daß eine solche Politik zu fest und zu starr sei. Eine feste Politik
wird jedoch den Kreml nicht entmutigen, wenn er wirklich den Frieden
sucht. Die Führer Rußlands sind Realisten, und sie wissen, daß angesichts
der Geschichte der vergangenen Jahre die Beweislast auf ihnen ruht. In
nahezu 40 Jahren gab es in der sowjetischen Politik zahlreiche Veränderungen und Wendungen. Die Ereignisse haben aber immer gezeigt, daß diese
Wandlungen trügerisch waren. Sie zielten darauf ab, die freie Welt
irre zu führen - allzu oft sogar mit Erfolg.
Man kann uns sicherlich nicht beschuldigen, wir verhielten uns der
Sache des Friedens gegenüber gefühllos und gleichgültig, wenn wir dieser
Tatsachen eingedenk bleiben. Ich bin sicher, daß uns die gleichen kommunistischen Machthaber, die den Frieden und die Koexistenz proklamieren,
als Schwachköpfe verachten würden, wenn wir nicht ganz eindeutige Beweise
forderten, daß sich die Verhältnisse in der kommunistischen Welt tatsächlich geändert haben.
Die sowjetische Politik in der Vergangenheit
Lassen Sie mich in dieser Hinsicht zunächst einmal einen Blick auf
die Geschichte werfen. In den letzten 35 Jahren hat es in der sowjetischen Politik acht völlige Kehrtwendungen gegeben.
Im Jahre 1920 gewährte die Sowjetunion den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen - die Unabhängigkeit, um sie im Jahre 1940
dann zu annektieren.
Im Jahre 1921, also nicht allzu lange nach Gründung der Sowjetunion,
stieß Lenin sein eigenes Programm um, Rußland in kurzer Frist eine kommunistische Gesellschaftsordnung zu geben. Statt dessen ermutigte er das
private Unternehmertum im eigenen Lande und förderte selbst ausländische
Ingenieure und Techniker auf, am Aufbau der sowjetischen Industrie mitzuwirken.
Im Jahre 1929 verfiel Stalin gerade auf das Gegenteil; er zerschlug
die private Wirtschaft und zwang die Bauern zur Kollektivierung ihrer
Höfe, wobei er Millionen verhungern ließ oder ins Gefängnis warf, die
sich diesen Maßnahmen widersetzten.
Sechs Jahre später wies Stalin, gebannt von der Furcht vor Hitler,
sämtliche kommunistische Parteien in der Welt an, eine neue Politik einzuschlagen. Sie sollten sich fort-an a.htbarer Methoden bedienen und mit
allen Nichtkommunisten in der Einheitsfront gegen die Faschisten zusammenarbeiten.
Im Jahre 1959 aber reichten sich die beiden grausamen Diktatoren,
Stalin und Hitler,die blutigen Hände zu einem hastig geschlossenen
Freundschaftspakt. Dieser sicherte Hitlers Ostfront und führte damit
zum zweiten Weltkrieg.
Als sich Hitler im Jahr 1941 gegen seinen Partner wandte, verkündete
Stalin abermals seine Hingabe an die Sache der Freiheit und Demokratie.
Unter dem Einfluß dieser Politik erklärte Earl Browder (der damalige
Führer der Kommunistischen Partei der Vereinigten Staaten), daß Kapitalismus

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"AMERIKA DIENST"

11. Juli 1956

Kapitalismus und Kommunismus nach dem Krieg nebeneinander bestehen können.
Zwei Jahre später wurde Browder ausgebootet, als man die eiserne
Faust wieder zeigte und die sowjetischen Truppen sich anschickten, hilflose Völker in Europa und Asien unter ihre Gewalt zu zwingen.
Heute sind die Kommunisten wieder zur These Earl Browders aus dem
Jahre 1943 zurückgekehrt.
Die Geschichte ist ein großer Lehrmeister, und in diesem Fall
mahnt sie uns sicherlich zur Vorsicht.
Wie Außenminister Dulles vor neun Tagen erst erklärt hat, ist es
einer Diktatur, wie die Tatsachen zeigen, durchaus möglich, einen politischen Kurs vor der öffentlichkeit zu vertreten und eine andere, ja
sogar völlig gegenteilige Politik in der Praxis zu betreiben. Eine
Diktatur ist durchaus so gestaltet, daß sie Unbedachte zu täuschen vermag, da sie über alle ihre Handlungen einen eisernen Vorhang der Zensur
breiter, kann. Sie ist niemanden für ihre politische Handlungsweise verantwortlich. Im Umgang mit der übrigen Welt kann sie, ganz wie sie das
wünscht, alles enthüllen und alles verbergen. Solange dieser eiserne
Vorhang nicht hochgezogen wird, können wir nicht sicher sein, daß
hinter den honigsüßen Worten auch Realitäten stehen.
Erprobung der sowjetischen Absichten
Gibt es demnach überhaupt irgend etwas, was wir mit Sicherheit
über die kommunistische Welt und ihre Taktik und Strategie in der vor
uns liegenden Zeit wissen? Lassen Sie uns einmal untersuchen, was in
der Öffentlichkeit über die derzeitigen Pläne der Sowjets auf militärischem, politischem und wirtschaftlichem Gebiet und bezüglich umstürzlerischer Umtriebe bekannt ist. Lassen Sie mich in dieser, vier Bereichen
einmal die Worte der Kommunisten mit ihren Taten vergleichen. Das wird
uns allen ein größeres Verständnis für die Außenpolitik unseres eigenen
Landes in diesen verwirrenden Zeiten vermitteln.
Die militärische Stärke
Auf militärischem Gebiet haben die sowjetischen Machthaber eine
Verringerung ihrer Streitkräfte um 1,2 Millionen Mann, die Verschrottung einiger Flotteneinheiten und andere Maßnahmer. bekanntgegeben,
die scheinbar den Schluß zulassen, daß nunmehr geringerer Nachdruck
auf militärische Bereitschaft gelegt wird.
Das mindestens behaupten die sowjetischen Führer. Untersuchen
wir einmal, was dies in der Praxis bedeutet, wobei wir von der Annahme
ausgehen wollen, daß'die angekündigte Verringerung der sowjetischen
Streitkräfte tatsächlich erfolgt ist» Die militärische Stärke wird
davon in ihrem Kern nicht berührt. Die Sowjetunion ist eine der stärksten Militärmächte der Welt. Um mit Außenminister Dulles zu sprechen«
"Die sowjetische Industrie arbeitet auf Hochtouren, um immer stärkere
Atom- und Kernwaffen zu produzieren." Die Sowjetunion verfügt über eine
hervorragende und starke Luftwaffe, eine große und schlagkräftige Armee
und eine Marine mit Hunderten der modernsten und besten Unterseeboote.
Die Forschungsarbeiten, die dort hinsichtlich des Einsatzes ferngelenkter Geschosse durchgeführt wurden, scheinen sich jetzt bezahlt zu machen.
. R _
Ein

�"AMERIKA DIENST"

11 . Juli 1956

Ein echtes Abrüstungsprcgramm muß sich besonders auf drei Arten
von Offensivwaffen erstrecken - Atomwaffen, Bomber und Fernlenkwaf-'en
sowie auf U-Boote mit e: nem großer Aktionsradius. Solange in diese •
Beziehung keine konkreten Maßnahmer ergriffen werden - Maßnahmen, die
durch ein entsprechendes Uberwachungssystem nachgeprüft werden können solange läßt sich nicht sagen, daß in dieser Phase der sowjetischen
Friedensoffensive den Worten Taten gefolgt sind.
Diplomatie und Politik
Im Bereich der Diplomatie und P lit~k sind die Führer der Sowjetunion äußerst aktiv gewesen, um Allianzen zu bilden und Freunde zu gewinnen. Innerhalb des kommunistischer Rav.mes wurden die Bezierungen zu
Jugoslawien verbessert, und zum ersten Mal wurde vom Kreml einer kommunistischen Nation die politische Unabhängigkeit zugestanden. Mit den
raffiniertesten Methoden werden sogenannte neutrale Nationen umworben.
Zahlreiche! Ländern gegenüber, die heate in Defensivbündnissen gegen
•ine kommunistische Aggression zusammengeschlossen sind, macht man
freundliche Gesten. Ministerpräsident Bulganin und Herr Chruschtschow
scheuten keine Mühe, zahlreiche Nationen von dem sowjetischen V/uns che
nach einer friedlichen Koexistenz zu überzeugen.
Auf der anderen Seite jedoch beobachten wir Handlungen, die beunruhigend sind und die im Widerspruch zu den Friedensbeteuerungen stehen.
Die Waffentransporte nach dem Mittlerer Osten verstärkten die Möglichkeiten eines kriegerischer. Konfliktes in diesen Krisengebieten. Die
sowjetischen Machthaber haben sich hartnäckig geweigert, die unnatürliche Teilung Deutschlands eu b-ender. Auch weigerten sie sich, Frankreich bei der Schaffung friedlicher Verhältnisse in Nordafrika lu unterstützen. Während Außenminister Schepilow in Ägypten /erkündet, daß
die Sowjets jeden Kolonialimperia i s m s ablehnten, gaben sie doch keinen
Fußb -it Boden aufs den sie sich in den letzten 15 Jahre: mit Gewalt
an&lt;-ig: eten, ausgenommen eines kiei:-&gt;n Teil von Finnland und das von
ihner übel ausgeplünderte Ös + erreioh. Wie der Aufstand 1 Po an, t n
aem j-tz: die Presse berichtete; so sinnfällig zeigt, wi-d kein Wortscnw-il die Schreie von Mi "ionen versklavter Menschen ersticken, die
unter dieser modernen Form des v n den Kommunisten auferlegten Kolonialimperialismus leiden,
iit anderen Werten bedienen sich heute die Sowjets einer zweifachen
Taktik in der Diplomatie. Einmal der Politik der leichten Hand, die sie
anwenden, um Nationen zu umwerben., die erst vor kurzem ihren Kolonialen
Status verloren haben. Zu dieser. Politik gehört auch die Förderung von
Handelsbeziehungen, wenn dies im Interesse der Sowjetunion liegt. Sie
verfolgen aber ebens auch einen harten, beinahe rücksichtslosen Kurs,
wie sie ihn gegenüber Deutschland, Frankreich oder jeder anderen Nation
einschlagen, die versucht, von ihnen konkrete und brauchbare Friedenszusi-herungen zu erhalten. Ist es angesichts dieser Politik ungerecht,
wenn wir uns fragen, ob der sowjetische Wunsch nach einer friedlichen
Koexistenz echt ist oder ob sie diese Taktik nicht lediglich als ein
Mittel benutzen, um Verbünde+e zu finden und neutrale Staaten für sich
zu gewinnen?
Wirtschaftspolitik

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�"AMERIKA PIEKST"

11 . Juli 1956

Wirtschaftspolitik
Als drittes wollen wir ihr Verhalten im Welthandel untersuchen.
Es werden entschlossene Anstrengungen unternommen, um den Warenaustausch
mit anderen Ländern zu erhöhen, insbesondere mit Nationen, die erst anfangen, ihre natürlichen Hilfsquellen zu erschließen. Zahlreichen Nationen werden Kredite angeboten, oder es werden ihnen Techniker und Ingenieure zur Verfügung gestellt, damit sie die Expansion ihrer Wirtschaft vorantreiben können.
Geschähe dies in einer friedlichen Welt, so würden wir diese
Ausweitung des Handels von Herzen begrüßen. Wir würden uns besonders
darüber freuen, daß die Unterstützung Nationen gewährt wird, deren
Lebensstandard im Vergleich zu dem unsrigen so niedrig ist.
Doch die früheren sowjetischen Handelsprogramme haben sich für die
betreffenden Partner nicht vorteilhaft ausgewirkt. Die Beweggründe für
diese Programme waren viel zu sehr politischer Natur. Manchmal stellten
sie einen Versuch dar, die Wirtschaft eines Landes so eng an die der
Sowjetunion zu binden, daß es schließlich auch politisch in völlige Abhängigkeit geriet. In anderen Fällen wiederum bezweckten sie, Agitatoren
und politische Agenten zu decken, die im Gastlande den inneren Aufruhr
schürten.
Mit anderen Worten trugen diese Programme nicht den Charakter rechtmäßiger Maßnahmen innerhalb des Welthandels. Vielmehr waren sie in verschleierter Form Ausdruck eines wirtschaftlichen Imperialismus, der im
vergangenen Jahrhundert die so berechtigte Ablehnung hervorrief. Wir
können nicAit umhin, uns die Frage zu stellen, ob dieser Handel dazu
bestimmt ist, anderen Nationen zu helfen oder aber sie wirtschaftlich
zu Satelliten der Sowjetunion zu machen.
Politische Wühlarbeit
Ein echter Prüfstein für die friedlichen Absichten der Sowjets ist
die Frage der politischen Wühlarbeit innerhalb der freien Nationen.
Kommunistische, im Auftrag Moskaus arbeitende Agenten sind seit langer
Zeit in fast allen Ländern der Erde tätig. In weiten Gebieten Afrikas,
Asiens und Lateinamerikas bilden sie heute eine ernste Gefahr. Es sind
noch keine 14 Tage her, daß unsere Presse Berichte über Schwierigkeiten
in Brasilien brachte, die auf die Aktivität der Kommunisten zurückzuführen waren.
Burma und die malaiischen Staaten sind von Bürgerkriegen heimgesucht,
die von den Kommunisten angezettelt wurden. Und die Vorgänge in China,
Korea und Indochina sind uns ja allen bekannt.
Erneut müssen wir, wenn wir die Politik der friedlichen Koexistenz
mit der tatsächlichen kommunistischen Praxis zu vergleichen suchen, feststellen, daß verhältnismäßig nur wenige Beweise für einen grundlegenden
Wandel vorliegen. Gewiß haben, wie Außenminister Dulles bereits Anfang
der Woche ausführte, die großen kommunistischen Parteien in Frankreich
und Italien an der sowjetischen Führung, Kritik geübt. Zweifellos hat die
Verdammung Stalins starke innere Spannungen" hervorgerufen und innerhalb
dieser Parteien manchen zum Nachdenken veranlaßt.
Doch

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�"AMERIKA PIEKST"

11 . Juli 1956

Doch trotz all dieser Schwierigkeiten halten sie an den Grundsätzen von Marx und Lenin fest. In ihren Auseinandersetzungen geht
es eher um ihre Beziehungen untereinander, nicht aber um ihre grundlegenden Überzeugungen, die nach wie vor materialistisch und gottlos
sind. Während wir nun diese Anzeichen für Unstimmigkeiten im kommunistischen Lager begrüßen sollten, dürfen wir doch nicht glauben, daß
die kommunistische Wühlarbeit nachlassen wird. Selbst wenn diese Parteien bis zu einem gewissen Grade auch die alten Formen der unumschränkten Kontrolle seitens Moskaus abschütteln sollten, werden ihre Prinzipien und Ziele doch nach wie vor denen der freien Welt entgegengesetzt
sein.
Diese vier Sektoren also - militärische, politische und wirtschaftliche Programme der Sowjetunion sowie Versuche eines politischen Umsturzes
- bilden Prüfsteine für das tatsächliche Verhalten im Sinne der sowjetisch-kommunistischen Politik neuesten Stils. Gerade an Hand dieses Prüfsteins aber sehen wir keine Garantien, die es uns erlauben würden, in
unseren Verteidigungsanstrengungen nachzulassen. Diejenigen, die von uns
verlangen, unsere gegenwärtigen Programme aufzugeben und eine sogenannte
"kühne Außenpolitik" einzuschlagen, vergessen, daß der Hang der Sowjets
zum Bösen noch immer besteht und daß ihre Absichten nicht reiner geworden
sind. Falls sich die Lage in der Weise ändert, daß Kräfte liberaleren
Charakters am Werke sind, dann ist das zum großen Teil auf die von der
freien Welt befolgte Politik zurückzuführen.
Bedeutet das nun, daß wir den von den sowjetischen Machthabern
eingeschlagenen neuen Kurs völlig ignorieren? Keineswegs. Doch es bedeutet, daß wir ein Programm, das sich zur Eindämmung der kommunistischen
Expansion als erfolgreich erwiesen und die Machthaber im Kreml gezwungen
hat, eine neue Taktik anzuwenden, nicht aufgeben.
Die politische Haltung Amerikas
Die von uns einzuschlagende Politik ist damit klar.
Unsere militärische Stärke müssen wir aufrecht erhalten, und wir
müssen auch in Zukunft unseren Verbündeten in der freien Welt helfen,
die ihrige ebenfalls zu bewahren, bis weitere konkrete Beweise dafür
vorliegen, daß die sowjetischen Machthaber ihr militärisches Potential
verringern.
Was den wirtschaftlichen Sektor anbetrifft, so müssen wir uns
darüber klar sein, daß die Männer im Kreml eine neue Front aufgebaut
haben. Damit tragen sie in Wirklichkeit nicht nur den Erfolgen unserer
Programme Rechnung, die die militärische Schlagkraft der freien Welt erhöhten, sondern auch den Erfolgen unseres Marshallplanes, des PunktVier- Programms und anderer wirtschaftlicher Hilfsprogramme. Was uns betrifft, so haben wir uns nicht dazu hinreissen lassen, die sowjetischen
Machthaber durch eine Politik der Aggression oder durch Förderung eines
politischen Umsturzes herauszufordern. Sie dagegen haben sich veranlaßt
gesehen, uns herauszufordern, und zwar mit den Mitteln unseres eigenen
Wirtschaftssystems, im Wettbewerb der Möglichkeiten des Kommunismus einerseits und der freien Wirtschaft andererseits in der Befriedigung menschlicher Bedürfnisse.
Es
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�"AMERIKA DIENST"

H.

Juli

1956

Es wäre dumme Überheblichkeit, würden wir diese Herausforderung
ignorieren. '.Vir müssen ständig nach neuen Mitteln und Wegen suchen, um
unser Wirtschaftsprogramm wirksamer zu gestalten, wenn wir der neuen
sowjetischen Taktik gewachsen sein wollen. Ich kenne die Argumente der
Ungeduld, die von wohlmeinenden Leuten im ganzen Lande gegen diese Programme vorgebracht werden. Sie bringen zum Ausdruck,' daß man die Programme
als unnütze Verschwendung betrachtet, daß unsere Hilfe von den Empfängern
nicht gewürdigt werde und daß diese in den internationalen Organisationen
unsere Politik nicht unterstützten.
Der Zweck der Wirtschaftshilfe
Lassen Sie uns, was diesen Punkt betrifft, die Ziele untersuchen,
die wir mit unsern wirtschaftlichen Auslandshilfsprogrammen verfolgen.
Wir beabsichtigen damit nicht, die Freundschaft anderer Völker zu erkaufen. Das wäre töricht und auch gar nicht zu verwirklichen. Sie zielen
nicht darauf ab, uns überall in der Welt gehorsame wirtschaftliche
Satelliten zu schaffen, wie es bei den sowjetischen Wirtschaftsprogrammen
der Fall ist.
Was aber, ist danr unsere Absicht? Wir wissen, daß ein Volk, das
wirtschaftlich stark genug ist, um seine Unabhängigkeit und Freiheit zu
bewahren, dem Druck seitens einer Despotie; jeder Art, einschließlich der
kommunistischen Despotie, zu widerstreben vermag. Und ein Programm, das
irgendeinem Lande die Unabhängigkeit, erhalten hilft, hilft damit allen
Ländern, die gewillt sind, die ihre zu bewahren.
Jegliche subversive Tätigkeit der Kommunisten in unserem eigenen Lande,
müssen wir fair, vernünftig und wirksam bekämpfen. Mit der naiven Idee,
es gäbe so etwas wie eine amerikanische kommunistische Partei, sollte
ein für allemal aufgeräumt werden. Womit wir uns aber auseinandersetzen
müssen, ist eine vom Ausland her gesteuerte, umstürzlerische kommunistische Organisation in den Vereinigten Staaten. Ihre Mitglieder und Anhänger schulden den Vereinigter. Staaten keine Treuepflicht,und deshalb sollten sie auch entsprechend den diesbezüglichen Gesetzen unseres Landes behandelt werden.
Unser Informationsprogramm muß noch mehr intensiviert werden, und
wie ich vor einigen Wochen bereits im Lafayette College erklärte, ist es
von besonderer Bedeutung, daß wir unsere Austauschprogramme für Studenten
und führende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens aus anderen Ländern
erweitern. Ich spreche aus eigener Erfahrung, wenn ich sage, daß unsere Gäste
von heute die Botschafter des guten Willens von morgen sind. Aus persönlicher Anschauung erkennen sie, welche Früchte Freiheit und Demokratie bringen. Sie wissen, daß wir ein friedliebendes Volk sind und keinem anderen
Yolk gegenüber Böses im Schilde führen.
Austausch mit kommunistischen Nationen
Besonders wichtig ist es, keine Gelegenheit zu versäumen, um den
Austausch von Personen zwischen den Vereinigten Staaten und den Ländern
hinter dem Eisernen Vorhang zu erweitern. Jede Aufforderung zu einem
ehrlichen Meinungsaustausch sollten wir akzeptieren. Das sollte geschehen nicht weil wir den naiven Gedanken hegen, daß sich alles gewandelt hat, daß
alles über Nacht besser werden wird, sondern einfach deshalb, weil wir ehrliche Verfechter des Friedens sind.
Wir

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�"AMERIKA DIENST"

11. Juli 1956

Wir können freundschaftliche Beziehungen unterhalten, ohne einen
einzigen Abstrich von unseren Prinzipien der Freiheit und der Demokratie zu machen. Mit dem russischen Volke und den Völkern der übrigen
kommunistischen Länder können wir von Mensch zu Mensch sprechen, doch
mit dem kommunistischen System selbst können wir keine Kompromisse
schließen. Gewiß sind nai^e und mit den Verhältnissen nicht vertraute
Personen in der Vergangenheit durch solche Besuche häufig getäuscht
worden. Icn hin aber der Meinung, daß gut informierte und kompetente
Persöniichkeiten aus den Vereinigten Staaten, die das System des Kommunismus kennen und verstehen, diese Gelegenheiten nutzen könnten, um
sich aufrichtig und ehrlich mit ihren Partnern von der anderen Seite
des Eisernen Vorhangs auszusprechen. Auf diese Weise könnten wir die
Ideer. von der Freiheit und Gerechtigkeit verbreiten, die schließlich
ihre Früchte tragen würden.
Was die Bürger kommunistischer Länder anbetrifft, die die
Vereinigten Staaten besuchen, so sollten wir begreifen, daß Informationsmittel wie Rundfunkberichte, Broschüren, die Veröffentlichung
von Nachrichtenmaterial und so weiter heute weniger auf die Menschen
hinter dem Eisernen Vorhang wirken als früher. Von ihren eigenen politischen Führern ist ihnen erst in jüngster Zeit gesagt worden, daß
praktisch alles, was sie in den vergangenen 29 Jahren unter der Herrschaft Stalins gehört und gelesen hatten, zumindest ungenau, schlimmstenfalls aber ausgesprochene Lüge war. Infolgedessen dürften die
Menschen hinter dem Eisernen Vorhang heute vor allem davon beeindruckt
werden, was sie sehen, nicht aber davon, was sie lesen oder hören.
Aus diesem Grunde ist hier der Personen-Austausch von so überragender
Bedeutung.
Mit einer solchen Politik können wir in die Verwirrung und die
Ungewißheit, die der sowjetische "New Look" in zahlreichen Kreisen
bewirkt hat, eine Bresche schlagen. Unsere Politik muß einfach sein,
und sie muß ein positives Ziel haben. Wenn die Taten der Sowjets mit
ihren Friedensbeteuerungen nicht übereinstimmen, müssen wir unsere
militärische, politische und wirtschaftliche Stärke aufrechterhalten,
die das einzig sichere Abschreckungsmittel gegen einen Krieg ist. Und
wo immer sich die Möglichkeit bietet, die Segnungen der Freiheit zu
verkünden, müssen wir für den Glauben eintreten, der Amerika groß
gemacht hat.
Die Freiheit ist ein unschätzbares Gut, das jedem einzelnen am
Herzen liegt, unbeschadet seiner materiellen Armut oder seiner niedrigen sozialen Stellung. Sie liegt auch den Völkern der Sowjetunion und
der Satellitenländer am Herzen. Sie wird in Indien und in Indonesien
geachtet. Wie ein Feuer hat sie sich unter den Kolonialvölkern Afrikas
verbreitet. Wir glauben an die Freiheit. Wir leben in einer Welt der
Freiheit. Wir wünschen sie für uns selbst ebenso wie für die ganze
übrige Welt.
Mit dieser unserer Botschaft können wir in einer Auseinandersetzung
mit der Versklavungsphilosophie des Kommunismus niemals unterliegen.
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

USA UM EIN PROGRAMM ZUR BESCHRANKUNO DER
KERNWAFFEN BEMÜHT

VEREINTE NATIONEN (New York) - (AD) Im folgender, übermitteln wir den V/ort laut
der am 1?.Tali v ^n dem amerikanischen Vertreter in der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen, James Yvädsworth, abgegebenen
Erklärung:

Ich möchte meine Aufmerksamkeit heute morgen einige Augenblicke dem Thema Atomwaffenvers'iche zuwenden.
Gestern nachmittag wurde dieser Kommission die Auszeichnung
zuteil, zwei bemerkenswerte Ansprachen zu hören: die erste von
dem Vertreter Indiens, Krishna iVienon, die zweite von dem Vertreter
Frankreichs, Jules Moch. Ich will versuchen, soweit ich kann, nicht
die Punkte zu wiederholen, die M. Moch in seinem Bestreben herausgestellt hat, die von Mr. Menon in seiner auße. ordentlich beredten
Darstellung vorgebrachten Punkte näher zu beleuchten.
Lassen Sie mich zuerst damit beginnen, festzustellen, daß die
Versuche mit diesen neuen Waffen tatsächlich große Sorgen in der
"«Veit hervorgerufen haben. Eine allgemeine Unruhe über diese Versuche ist nur natürlich, da wir es mit einer Kraft zu tun haben,
die weitgehend unbekannt ist und die Menschheit gezwungen hat,
neue Maßstäbe anzulegen.
Dennoch glaube ich, daß der Kern des Problems einfach ist.
Y/ir befinden uns in einem Wettstreit um die Entwicklung einer
neuen und schrecklichen Waffe. Aber jede Seite weiß, so hoffe ich,
sehr gut um die Gefahren, die in der Entwicklung dieser Waffe liegen Gefahren, die so viel größer sind als jene, die die Entwicklung jeder
andere1- Waffe der Geschichte begleitet haben.
Aus Gründen, die ich noch niher erklären werde, ist es der Wunsch
meiner Delegation, sich ganz entschieden dem Standpunkt anzuschließen, ren gestern nachmittag der Vertreter Frankreichs eingenommen
hat. Er hatte unterstrichen, daß es nach seiner Ansicht und nach
Ansicht meines Landes die einzig verläßliche Maßnahme sei, die
Yteffe selbst und ihre Liefermöglichkeiten internationalen Sicherungen und Begrenzungen zu unterwerfen, und zwar im Rahmen eines Prograrms., das in gleicher Y/eise auf alle beteiligten Nationen anwend- 1 -

�'AMERIKA DIENST"

18. Juli 1956

anwendbar wäre.
Da es kein solches Übereinkommen gibt, sind die Vereinigten
Staaten gezwungen, die Waffe für ihre eigene Sicherheit und die
ihrer Freunde in der Welt zu entwickeln. Wir werden uns wie in der
Vergangenheit auch weiterhin für ein Übereinkommen über die Kontrolle
der thermonuklearen Bedrohung einsetzen, in dem die Beschränkung der
Versuche ein wesentlicher Bestandteil sein muß. Und in der Zwischenzeit werden wir gewiß alles in unserer Macht Stehende tun, um sicherzustellen, daß die Strahlung aller Strahlungsquellen einschließlich
der Atomversuche, nicht über ein tragbares Maß hinausgeht.
Eier, Herr Vorsitzender, stimmen wir mit Mr. Menon überein, daß
keine Nation das Recht hat, Leben in der Luft, auf der Erde und in
den Meeren unmöglich zu machen oder die Erbmasse zu zerstören. Das
haben die Vereinigten Staaten nicht getan, und wir werden es auch
nicht tun. Wir sind um das Wohlergehen unseres Volkes und seiner
künftigen Generationen ebenso besorgt wie zum Beispiel die Regierung
Indiens um ihr Volk, wie Großbritannien um seine Untertanen oder wie
jede cndere Regierung um ihr Volk besorgt ist.
Gestern hat M. Moch, der von uns allen am besten Qualifizierte,
gezeigt, und zwar, wie ich glaube, umfassend, daß Versuche bei Beachtung aer notwendigen Sicherheitsifcorkehrungen keine Gefahr für die menschliche Gesundheit und Sicherheit darstellen. Ich möchte seine Bemerkungen
n'.ch mit einigen Erkenntnissen ergänzen, die in Studien und Erfahrungen
der Vereinigten Staaten gewonnen wurden.
Die Regierung der Vereinigten Staaten und Präsident Eisenhower
persönlich sind von tiefer und ernster Sorge um das Problem der atomaren
Bedrohung erfüllt, das auf der Welt lastet. Kaum eine Angelegenheit,
mit der sich die Regierung befassen muß, ist intensiveren und auf höherer
Ebene durchgeführten Studien und Erwägungen unterworfen.
Auf Grund dieser sorgfältigen Erwägungen glauben die Vereinigten
Staaten, daß die Frage der Versuche mit Atomwaffen notwendigerweise mit
der größeren Frage eines Übereinkommens über ein wirkungsvolles Abrüstungsprogramm verbunden ist. Diese Fragen sind tatsächlich nicht voneinander
zu trennen, wenn wir uns mit den wirklich damit zusammenhängenden Problemen
befassen wollen. Die Beschränkung der Versuche mit Atomwaffen ist, vom
Standpunkt der Sicherheit aus, nur logisch,zwangsläufig und richtig" als
integraler Teil eines Abrüstungsprogramms,in dem wir übereingekommen sind,
die atomare Gefährdung selbst zu mindern. So führen unsere Überlegungen
zu zwei Folgerungen:
1) daß richtig durchgeführte Atomversuche keine Gefahr für die
menschliche Gesundheit und Sicherheit bilden;
2) daß, solange kein Übereinkommen über die Ausschaltung oder Begrenzung von Atomwaffen unter angemessenen Sicherungen besteht,
die Fortführung der Versuche für unsere nationale Verteidigung
und die Sicherheit der freien Welt wesentlich ist.
Lassen Sie mich nun eine kurze Erklärung zu diesen beiden Schlußfolgerungen geben.
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�"AMERIKA PIEKST"

18. Juli 1956

Im vergangenen Jahr machten die Vereinigten Staaten den Vorschlag,
daß die Vereinten Nationen das Wissen der Welt über die Auswirkungen
der atomaren Strahlungen auf die menschliche Gesundheit in Berichten
zusammenfassen sollten. Im Dezember gründete die Vollversammlung einen
wissenschaftlichen Sonderausschuß, der die von den Regierangen empfangenen Berichte über die Strahlungen und die die Wirkung der Strahlung
betreffenden wissenschaftlichen Beobachtungen sammelt, auswertet und
verteilt.
Die Vereinigten Staaten arbeiten mit diesem Komitee hinsichtlich
der Sammlung und Verbreitung von Angaben zu diesem Gegenstand in größtmöglicher Weise zusammen. Wir glauben, der erste Schritt bei der Beschäftigung mit irgendeinem wissenschaftlichen Problem ist es, alle
Quellen zu mobilisieren, das zu nutzen, was bekannt ist, und auf das
hinzuweisen, was noch getan werden muß. Wir glauben, daß die Arbeit
dieses Sonderausschusses kompetente Autoritäten zu weiterem Studium
anreizen, den internationalen Austausch von Informationen ermutigen
und jede Nation mit Angaben in einem Ausmaße versehen wird, die es
ihr ermöglichen, eigene Schlußfolgerungen in der Angelegenheit zu
ziehen.
Die Nationale Akademie der Wissenschaften, die aus der Mitarbeit
und der Erfahrung einer großen Anzahl der bestqualifizierten und international anerkannten Experten schöpft, gab am 12.Juni einen Bericht
über ihr jahrelanges Studium heraus. Und dieser Bericht enthielt diese
unantastbare Schlußfolgerung: "Die Atomwaffenversuche haben die weltweite Strahlung nicht auf ein biologisch gefährliches Maß erhöht. Dies
wird auch nicht der Fall sein, wenn die Versuche sich im gleichen Rahmen
halten wie bisher."
Seit undenklichen Zeiten empfangen die Menschen ständig eine
mittlere Strahlungsmenge aus natürlichen Quellen» aus dem Weltraum,
der Erdrinde und, wie M. Moch gestern ausführte, selbst von ihren .
eigenen Körpern. Der Medizinische Forschungsrat von Großbritannien
stellte, wie schon aufgezeigt worden war, im vergangenen Monat fest,
daß, wenn man die natürliche Strahlung mit derjenigen vergleiche'» die
von den Versuchsexplosionen ausgehe, die Radioaktivität - falls die
Kernwaffenversuche im gleichen Umfange wie in den vergangenen Jahren
für unbestimmte Zeit fortgesetzt würden - in einem Zeitraum von hundert
Jahren allmählich eine Höhe erreichen würde, welche den Durchschnittsmenschen für die Dauer von 50 Jahren einer Strahlungsmenge aussetze,
die weniger als ein Prozent dessen betrage, was er während des gleichen
Zeitraums aus natürlichen Quellen empfange.
Nun, Herr Vorsitzender, die Vereinigten Staaten und Großbritannien
geben der Öffentlichkeit volle Informationen über den Beginn und den
Ort ihrer Versuche. Diese Regierungen verbinden sich auf der Grundlage
der Zusammenarbeit mit anderen Regierungen bei der Entwicklung und Ausführung umfassender Sicherheitsmaßnahmen. Wir glauben, daß diese Art
des Vorgehens größeres Interesse an der Sicherheit der Allgemeinheit
zeigt als die Methode, unangekündigte, geheime Explosionen in den abgelegenen Teilen der eurasischen Landmasse auszuführen. Ich betone dat
die Vereinigten Staaten durch ihre eigenen wissenschaftlichen Studien,
durch ihre Unterstützung der Studien der Vereinten Nationen auf diesem
Gebiet und die ausgedehnten Vorsichtsmaßnahmen, unter denen sie ihre
Versuche durchführen, gezeigt haben, daß sie sich ihrer Verpflichtung

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�"AMERIKA DIENST"

18. Juli 1956

Verpflichtung gegenüber den eigenen Bürgern und der Menschheit zur
genügenden Sicherung gegen die schädlichen Wirkungen der Strahlung
aus jeder nur möglichen Quelle vollauf bewußt sind.
Wir versuchen nicht zu sagen, daß es keine Gefahr gäbe; aber
wir sagen, daß diese Gefahr unter Kontrolle gehalten werden kann.
Die Vereinigten Staaten fühlen sich fest verpflichtet, und ich
wiederhole diese Verpflichtung, keine Kernwaffen oder irgendwelche
anderen Waffen in irgendeiner mit der Charta der Vereinten Nationen
nicht übereinstimmenden Weise zu benutzen.
Wie dem aber auch immer sei, die Vereinigten Staaten haben eine
Verpflichtung nicht nur ihrem eigenen Volke, sondern allen Völkern der
freien Welt gegenüber, ihre Kapazität zur Selbstverteidigung und zur
Abschreckung einer Aggression aufrechtzuerhalten. Durch solches Tun
tragen sie zur Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und der
internationalen Sicherheit bei, die die Grundziele der Charta darstellen .
Die Grundlage aber für die Fähigkeit der Vereinigten Staaten,
sich selbst zu verteidigen und abschreckend gegen eine Aggression
zu wirken, bildet eine dementsprechende Waffenkapazität. Aber im
Zeitalter eines voranstürmenden wissenschaftlichen Fortschritts ist
eine solche Kapazität nicht etwas, das man einmal erreichen und dann
ohne weitere Bemühungen beibehalten kann. Das wird angesichts der
kürzlichen sowjetischen Prahlereien hinsichtlich der Überlegenheit
ihrer Kernwaffen und ihrer Erklärung, diese so schnell zu entwickeln,
wie es ihnen ihre Quellen und ihre Technik erlauben, besonders deutlich.
Solange es kein wirksames Sicherheitsabkommen zur Begrenzung dieser
Waffen gibt, sind ständige Bemühungen um ihre Verbesserung unerläßlich.
Wie Präsident Eisenhower kürzlich erklärte, bezwecken wir mit den
Atomversuchen nicht die Entwicklung einer noch vernichtenderen Waffe.
Angesichts der technischen Möglichkeiten wissen wir, daß wir sie haben
könnten. Unsere Absicht aber ist, wie der Präsident weiter ausführte,
"Mittel und Wege zu finden, diese Waffe zu begrenzen, sie für Verteidigungszwecke dienstbar zu machen, beispielsweise zur Abw-ehr gegen
einen Massenangriff von Flugzeugen, ihre radioaktiven Aschenregen zu
reduzieren und ihr mehr den Charakter einer militärischen Abwehrwaffe,
denn den einer Waffe zur Massenvernichtung zu geben.
Es ist eine Binsenweisheit, daß,solange es keine Rüstungskontrolle
gibt und sich ständig neue Entwicklungen anbahnen, die verschiedensten
Waffen erforderlich sind, um sich mit der nötigen Schlagkraft und
Elastizität gegen eine Aggression verteidigen zu können - wann, wo und
wie immer sie geführt werden mag. Keine Nation, Herr Vorsitzender,
deren Vertreter hier sitzt, würde ernstlich den Vorschlag machen oder
akzeptieren, daß sie von sich aus, ohne das Vorhandensein irgendeines
Abkommens oder irgendwelcher Sicherungen, sämtliche Forschungs- und
Entwicklungsarbeiten und beispielsweise auch jegliche Erprobung; von
Militärflugzeugen einstellen sollte. Und meiner Ansicht nach ist die
Notwendigkeit, jede Beschränkung der Forschung und Entwicklung von Kernwaffen mit dem Zustandekommen eines mit Garantien versehenen Abkommens
zu verbinden, ebenso klar.
Wenn

�"AMERIKA DIENST"

18. Juli 1956

Wenn ein Abrüstungsabkommen erreicht werden kann - und wir
wünschen dies sehnlichst -, um an Hand ausreichender Sicherungen
die Kernwaffen zu beschränken, dann wären natürlich auch die Vereinigten Staaten bereit, Beschränkungen hinsichtlich der Versuche
mit solchen Waffen zuzustimmen. Der Vertreter der USA in dem in
London tagenden Unterausschuß hat diese Absicht voll bestätigt.
Präsident Eisenhower hat in seinem Brief vom 1.März an Marschall
Bulganin einen Vorschlag unterbreitet, wie man die Lösung des Grundproblems anpacken könnte. Ich möchte hier einen Absatz aus diesem
Brief zitieren. Der Präsident, erklärtet
"Meiner Ansicht nach müssen unsere Bemühungen vor allen Dingen
darauf gerichtet sein, die atomare Bedrohung unter Kontrolle zu bringen.
Als eine wichtige Maßnahme in dieser Hinsicht und unter Zugrundelegung
eines zufriedenstellenden Funktionierens unseres Systems der Luft- und
Bodenüberwachung wären die Vereinigten Staaten bereit, zusammen mit
anderen Nationen geeignete und sichere Vereinbarungen zu treffen, um
zu verhindern, daß die künftige Produktion von spaltbarem Material in
der ganzen Welt nicht mehr dazu verwendet wird, die Arsenale von
Explosivwaffen zu vergrößern. Damit könnte auch mein Vorschlag vom
8.Dezember 1953 kombiniert werden, 'nun damit zu beginnen und in Zukunft
fortzusetzen, gemeinsame Zuwendungen aus den vorhandenen Beständen an
natürlichem Uran und spaltbaren Materialien an eine internationale
Atombehörde zu machen 1 . Diese Maßnahmen würden, werden sie entsprechend
verwirklicht, die gegenwärtig die Welt beherrschende Tendenz, die
nuklearen Kampfmittel ständig zu vermehren, in ihr Gegenteil verkehren."
Der Delegierte Indiens hat freundlicherweise das Wort "in ihr
Gegenteil verkehren" besonders betont.
"Ich hege letztlich die Hoffnung", so fuhr damals Präsident
Eisenhower fort, "daß die gesamte Produktion an spaltbarem Material
in der ganzen Welt ausschließlich für friedliche Zwecke verwendet werden
wird."
Die Vereinigten Staaten warten noch immer darauf, daß die Sowjetunion den Brief des Präsidenten beantwortet.
Wir sind also überzeugt, Herr Vorsitzender, daß diese Vorschläge
den Kern einer Lösung für das große Problem in sich bergen, mit dem
wir uns alle auseinanderzusetzen haben - des Problems nämlich, die
Atomgefahr unter Kontrolle zu bringen. Das Streben nach Seelenfrieden,
nach Sicherheit angesichts ein-r ungeheuerlichen, aber viel zu wenig
verstandenen Bedrohung,hat eine fast spontane Anstrengung zur Folge
gehabt, das Böse zu verdammen und zu unterdrücken - und ich meine,
Herr Vorsitzender, daß wir hier den vielen hilfreichen und inhaltsvollen Reden unseren Tribut zollen sollten, die von den Mitgliedern
dieser Kommission, besonders von jenen, die nicht dem Unterausschuß
angehören, gehalten worden sind. ,
Gleichzeitig sind wir aber auch überzeugt, daß der richtige Weg
wäre, das Übel an den Wurzeln zu packen und durch intensive diplomatische Bemühungen ein Programm zur Beschränkung der Kernwaffen und zur

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�18. Juli 1956

"AMERIKA DIENST"

zur Förderung der friedlichen Nutzbarmachung der Atomenergie zu
entwickeln, in dem die Beschränkung der Atomversuche eine wichtige
Rolle spielt. Mögen wir mit Gottes Hilfe bald den Tag erleben,
an dem dies der Fall ist.
Dieser Aufgabe, Herr Vorsitzender, widmen wir unsere ganze Kraft,

* * * * *

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�M E R I K A

D I E N S T

LODGE FORDERT ERNEUT KONTROLLIERTE ABRÜSTUNG

VEREINTE NATIONEN, NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den V/ortlaut
einer Erklärung, die der Vertreter der Vereinigten Staaten, Botschafter Henry Cabot
Lodge jr., am 16.Juli 1956 vor der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen abgegeben hat.

Sämtliche Mitglieder unserer Kommission haben jetzt mindestens
einmal das Wort ergriffen. Die Unterlagen sind daher nahezu vollständig, und wir sind in der Lage, Schlußfolgerungen aus dem gegenwärtigen Stand der Verhandlungen zu ziehen.
Die Abrüstungskommission hat die Aufgabe, sich mit dem Ergebnis der Verhandlungen des Unterausschusses zu befassen, das Problem
deutlich herauszuarbeiten und den Weg für eine mögliche Lösung der
Probleme frei zu machen.
Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Denn schon taucht das
Problem der weitreichenden Fernlenkgeschosse vor uns auf. Gehören
sie erst einmal zu den Standardwaffen, dann hat keine Nation mehr
als eine Viertelstunde Zeit, um sich auf ihre Verteidigung einzurichten und den Gegenschlag zu führen.
Die Zeit ist heute nicht mehr fern, wo verschiedene Nationen
über Atomwaffen verfügen, Atomgeschütze zur normalen Ausrüstung
einer Armee gehören und der kleinste militärische Zusammenstoß,
der sich irgendwo in der Welt ereignet, einen nuklearen Weltbrand
auszulösen vermag.
Wir müssen handeln, ehe diese tödlichen Geschosse im geheimen
für den Einsatz bereit gehalten werden und das Problem der atomaren
Kontrolle für eine Behandlung allzu verschwommen wird und überhaupt
nicht mehr faßbar ist.
Die Vereinigten Staaten sind daher überzeugt, daß es dringend
notwendig ist, ein wirksames System zu schaffen, das auf internationaler Basis eine Regelung und Beschränkung sämtlicher Rüstungen und
Streitkräfte gewährleistet. Wie wir bereits verschiedentlich erklärt
haben, sind wir der Meinung, daß ein solches System unter folgenden
Bedingungen geschaffen werden kahni
Erstens
- 1 -

�f
"AMERIKA DIENST"

25. J u l i

1956

Erstens sollte unter wirksamer internationaler Kontrolle und
ohne Verzug eine beträchtliche Reduzierung der Streitkräfte, der Rüstungen und der militärischen Ausgaben auf einen Stand vorgenommen
werden, wie er unter Berücksichtigung der gegenwärtigen instabilen
Weltlage angebracht erscheint.
Zweitens müssen we.tere Beschränkungen stufenweise erfolgen, sobald sich die internationale Lage bessert una die Möglichkeiten zu einem
befriedigenden Abschluß jeder einzelnen Phase erwiesen sind. Wir sind
der Meinung, daß vorDerei beaäe, zunächst versuchsweise durchgeführte
Maßnahmen von Nutzen -ein könnten.
Drittens glauben wir ferner, daß die Hauptgefahr für die Sicherheit der Welt die atomare Bedrohung ist und daß dringende Maßnahmen erforderlich sind, um sie unter Kontrolle zu bringen. Am I.März 195&amp; hat
Präsident Eisenhower a i Ministerpräsident Bulganin ein Schreiben gerichtet, in dem er solche -"aßnahmen vorschlägt.
Viertens glauben wir, daß eine zuverlässige Methode internationaler
Überwachung, einschließlich einer Luftüberwachung, unbedingt notwendig ist,
um einem Überraschungsangriff vorzubeugen und zu gewährleisten, daß vertraglich eingegangene Verpflichtungen auch gewissenhaft eingehalten werden.
Diese Grundhaltung der Vereinigten Staaten in der Abrüstungsfrage
wird auch in einer von Mr. Nutting am 3.Juli eingebrachten Resolution,
die unsere volle Unterstützung hat, zum Ausdruck gebracht.
Nach unserer Meinung verdienen diese Vorschläge,von jedem unterstützt zu werden, der ar einer Abrüstung ernsthaft interessiert ist.
Bedauerlicherweise hat sich die Sowjetunion bisher nicht in der Lage
gesehen, hierzu ihre Zustimmung zu erteilen.
Herrn Gromykos Rede vom 12.Juli erweckt in uns einige Zweifel hinsichtlich der Haltung der Sowjetunion gegenüber einigen dieser Vorschläge,
und sie zeigt deutlich die noch immer negative Einstellung zu anderen
Punkten.
Jedoch ist nach der Erklärung des sowjetischen Vertreters seine
Regierung heute anscheinend bereit, als ersten Schritt einer zahlenmäßigen Begrenzung der Streitkräfte der UdSSR und der USA auf-je 2,5 ...
Millionen Mann und der Streitkräfte Frankreichs sowie Großbritanniens
auf je 750 000 Mann zuzustimmen. Wenn man es tatsächlich so gemeint hat,
wie es den Anschein erweckt, dann ist das eine erfreuliche Nachricht.
Ich sage dies deshalb, weil die sowjetische Bereitschaft zu einer Begrenzung der Streitkräfte auf 2,5 Millionen Mann dem von Mr. Harold
Stassen in London gemachten Vorschlag in etwa entspricht.
Wir hoffen, daß damit die Sowjetunion ihrer Erkenntnis Ausdruck
gibt, daß die Reduzierung in diesem Maßstab den Realitäten der gegenwärtigen Weltlage entspricht und dem internationalen Vertrauen wie auch
einem umfassenderen Abrüstungsabkommen förderlich wäre.
Als verantwortungsbewußte Männer müssen wir uns jedoch darüber
klar sein, daß die Sowjetunion einer mit den modernsten Mitteln durchzuführenden wirksamen internationalen Überwachung, einschließlich einer
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25- Juli 1956

einer gewissen Luftüberwachung, bisher noch nicht zugestimmt hat. Wir
wissen daher nicht, ob die neue sowjetische Erklärung ein ernstgemeinter Vorschlag oder nur leeres Gerede ist.
Ferner möchte die Sowjetunion anscheinend die Streitkräfte aller
übrigen Länder, einschließlich einiger äußerst wichtiger Bundesgenossen
der freien Welt, auf 250 000 Mann beschränken.
Diese Sitzungen der Abrüstungskommission haben es ferner deutlich
gemacht, daß die Sowjetunion auf ihre früher verfolgte Politik, nämlich
die Abschaffung der Atomwaffen zur Voraussetzung eines jeglichen Abrüstungsprogramms zu machen, zurückgegriffen hat. Das heißt mit anderen V/orten,
"ächtet die Bombe und vertraut der Sowjetunion".
Es ist ferner klar geworden, daß die Sowjetunion immer hoch an dem
von Ministerpräsident Bulganin im vergangenen Monat gemachten Vorschlag
bezüglich einer Reihe von einseitigen, nicht nachprüfbaren Abrüstungsbeschränkungen bei verscniedenen Staaten ohne das Vorhandensein eines
Abkommens und einer Überwacnung festhält.
Man könnte sich vorstellen, daß gegen eine einseitige Abrüstung an
sich nichts einzuwenden wäre, vorausgesetzt, daß sie auch wirklich erfolgt.
Da sie jedoch ohne Überwachung erfolgt, bietet sie keine sichere Gewähr,
und sich auf etwas Falsches zu verlassen, könnte verheerende Folgen haben.
Diese einseitigen Abrüstungsbeschränkungen erwecken nicht den Anschein, daß sie eine Verminderung der Schlagkraft der sowjetischen Streitkräfte bedeuten. Marschall Schukow stellte die Situation richtig dar, als
er vor dem Kommunistischen Parteikongreß erklärte, daß
"die großen Leistungen der Schwerindustrie die Neubewaffnung unserer
Armee, Flotte und Luftstreitkräfte mit erstklassiger militärischer Ausrüstung ermöglicht haben." Auch können uns die Berichte keine große Befriedigung geben, die besagen, daß die Sowjets 30 000 Mann aus Deutschland
abgezogen haben - ebensowenig die propagandistisch stark ausgeschlachtete
Nachricht von einer Verlegung veralteter Flugzeuge nach neuen, nur verhältnismäßig wenige Kilometer zurückgelegenen Stützpunkten. Die auf deutschem Gebiet stehenden sowjetischen Streitkräfte würden - selbst nach
Vornahme der Reduzierungen - immer noch stärker sein als diejenigen sämtlicher übriger Länder zusammengenommen. Notfalls könnte das Vielfache,
ihrer Zahl auf dem raschesten Wege wieder nach Deutschland zurückgebracht
werden. Sie brauchen nicht erst, wie ich es zweimal erlebt habe, einen
fast 5000 Kilometer breiten, von U-Booten wimmelnden Atlantischen Ozean
zu überqueren, um Europa vor einer Aggression retten zu helfen.
Was tatsächlich geschieht, ist folgendest Die Sowjetunion geht jetzt
erst daran, ihre Streitkräfte auf eine Stärke zu reduzieren, die die Vereinigten Staaten schon vor einiger Zeit erreicht haben - eine begrüßenswerte, doch reichlich verspätete Maßnahme.
Jahr für Jahr veröffentlichen die Vereinigten Staaten detaillierte
Zahlen über die Stärke ihrer Streitkräfte. Ich habe sie häufig genannt.
Die Sowjetunion aber denkt trotz mehrfacher Aufforderung nicht daran,
ein Gleiches zu tun.
Trotzdem

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"AMERIKA DIENST"

25. Juli 19^6

Trotzdem erhebt Herr Gromyko in seinen beiden Reden den Anspruch,
daß die von den sowjetischen Streitkräften seit dem zweiten Weltkrieg
vorgenommenen Rüstungsbeschränkungen "bei weitem die Rüstungsbeschränkungen der bewaffneten Streitkräfte der festmachte übertroffen haben".
Wir sind natürlich nur auf Vermutungen angewiesen, doch sind wir überzeugt, daß diese Behauptungen den Tatsachen nicht entsprechen.
Ich komme jetzt zur zweiten Frage - dem Zeitplan und den einzelnen
Phasen eines Abrüstungsprogramms: Herr Gromyko hat versucht, den Eindruck hervorzurufen, daß das, was er den "Westen" nennt, nicht daran
denke, eine Beschrankung der Rüstungen vorzunehmen, bis "zuvor strittige
internationale Probleme geregelt worden sind".
Herr Vorsitzender diese Erklärung ignoriert einfach, was ich bereits
betont habe, nämlich: daß die Vereinigten Staaten bereit sind, bei entsprechender Bescnränkung der Rüstungen und der militärischen Ausgaben der
ganzen Welt, so wie sie sich heute darbietet, oder in einer der heutigen
ähnlichen Weltsituation, die Zahl ihrer Streitkräfte auf 2,5 Millionen
Mann zu reduzieren, ohne Rücksicht auf die bestehenden politischen Gegensätze - vorausgesetzt, daß eine angemessene Überwachung geschaffen wird,
einschließlich einer Luftüberwachung. Und dieses Angebot ist von uns im
vergangenen Frühjahr gemacht worden) von der Sowjetunion wurde es abgelehnt.
Unser Vorschlag, sofort, ungeachtet politischer Regelungen, die
atomare Bedrohung zu vermindern, beschränkt sich nicht nur auf das Gebiet
der konventionellen Waffen. Präsident Eisenhower schlug beispielsweise
am 8.Dezember 1953 vor, "sofort und auch in Zukunft gemeinsame Beiträge
aus den vorhandenen Beständen gewöhnlichen Urans und spaltbarer Materialien an eine internationale Atomenergiebehörde zu leisten".
Wir machten diese Angebote, weil wir glauben, daß sie zur Beilegung
politischer Spannungen beitragen, was wiederum eine weitergehende Abrüstung erlauben und so einen Zyklus auslösen würde, der allen zum Segen
gereicht. Herr Gromyko zieht es jedoch vor, zu betonen, "daß Abrüstung
und die Lösung offenstehender politischer Probleme 'ganz verschiedene
Dinge sind1, um ihn hierzu wörtlich zu zitieren, und daß sie miteinander
zu verbinden weiter nichts bedeuten würde als sie einfach in einen Topf zu
werfen' und beide noch mehr zu komplizieren".
Ich habe zwei Vorschläge erwähnt, die die Vereinigten Staaten vorgebracht haben» 1) Beschränkungen in den herkömmlichen Waffen, und 2) Zeitplan. Unser dritter Vorschlag bezieht sich auf die Kontrolle und Beschränkung der atomaren Bedrohung. Jeder Sprecher hat sich dafür eingesetzt, daß
sich ein Abrüstungsplan mit der atomaren Bedrohung befassen müsse, daß es
nicht genüge, auf ältere Waffen zu verzichten oder mehr Infanteristen in
das Reserveheer einzureihen.
Herr Belaunde als Vertreter Perus hat darauf hingewiesen, wie absurd
es sei, eine Beschränkung bei älteren Waffentypen einzuführen und "gleichzeitig dem tragischen Rüstungswettrennen mit nuklearen V/affen freien Lauf
zu lassen".
Herr Brilej als Vertreter Jugoslawiens traf den Kern der Sache, als
er erklärte, daß "gegenwärtig zwar unüberwindbare Hindernisse für die

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25. Juli 1956

die Errichtung eines wirksamen Kontrollsystems hinsichtlich der Abschaffung der atomaren Waffen bestehen", daß aber "die Überwachung von Maßnahmen in bezug auf den völligen Produktionsstop bei nuklearen Waffen
keineswegs unmöglich ist." Er hat völlig recht, wenn er sagt, daß
"erste Vereinbarungen sowohl eine wirksame Reduzierung der herkömmlichen
Waffen und bewaffneten Streitkräfte als auch gewisse Maßnahmen in bezug
auf nukleare Waffen sowie ein angemessenes Kontrollsystem vorsehen sollten."
In seinem Brief vom I.März 1956 erklärte Präsident Eisenhower, daß
die Vereinigten Staaten bereit seien, zusammen mit anderen Nationen "geeignete und sichere Vorkehrungen zu schaffen, so daß spaltbares Material
nirgends auf der Welt weiterhin zur Verstärkung der Vorräte an Explosivwaffe:
verwendet werden kann". Er schlug ferner vor, diese Maßnahmen mit dem Programm der Beisteuerung atomaren Materials aus vorhandenen Beständen an
die Internationale Atomenergiebehörde zu verbinden, sobald diese einmal
besteht. Auf diese Weise hofft der Präsident, "die die ganze Welt beherrschende Tendenz, den Bestand an nuklearen Waffen beständig zu vermehren,
in ihr Gegenteil zu verkehren".
In ihren Vorschlägen vom 27.März 1956 und in den Briefen Ministerpräsident Bulganins vom 6.Juni 1956 empfiehlt die Sowjetunion keinerlei
Maßnahmen zur Bekämpfung der nuklearen Bedrohung. Sie behauptet nur, daß
eine Reduzierung der konventionellen Streitkräfte die Abschaffung der
nuklearen Waffen erleichtern würde und schlägt vor, Militärstreitkräfte
in Deutschland nicht mit Atomwaffen auszurüsten.
Am 3.Juli jedoch brachte Herr Gromyko eine Resolution ein, in der
ein bedingungsloses Verbot der Verwendung von Atomwaffen gefordert wurde;
und in seiner Rede vom 12.Juli sprach er von der Vernichtung aller Atombombenvorrate.
In der Rede von Herrn Gromyko findet man keinerlei Hinweis darauf,
daß eine Bestandsaufnahme der nuklearen Materialien, besonders solcher,
die in der Vergangenheit produziert worden sind, irgendwelche besonderen
Schwierigkeiten bereitet. In Wahrheit aber ist es niemand anderes als
die Sowjetunion selbst gewesen, die in ihrer Note vom 10.Mai 1955 klipp
und klar erklärte, Reserven nuklearen Materials könnten der internationalen Kontrolle entzogen und dazu verwendet werden, insgeheim die Herstellung von Atom- und Wasserstoffbomben zu organisieren.
Die Resolution der Sowjetunion gründet sich auf das Verbot - entweder
Verbot überhaupt oder Verbot der Verwendung.
Unter den gegenwärtigen Umständen jedoch läßt sich nicht auf die
Realisierung eines gegebenen Versprechens, nämlich des Verbots von
Atomwaffen, dringen. Und wie bei allen undurchführbaren Gesetzen wird
die Herrschaft des Rechts, in diesem Fall das Völkerrecht, in Mißkredit
gebracht.
Der sowjetische Delegierte hat außerdem andere Länder kritisiert, daß
sie sich weigerten, das Versprechen zu geben, niemals Atomwaffen zu verwenden oder als erste zu verwenden, und daß sie die sowjetische Auffassung
nicht akzeptieren, in Deutsahland stationierte militärische Streitkräfte
nicht mit nuklearen Waffen'.-auszurüsten.
Dies

�"AMERIKA DIENST"

25- Juli 1956

Dies muß unsere Aufmerksamkeit des weiteren auf die Tatsache lenken,
daß ein Verbot des Einsatzes, wie es die Sowjetunion vorschlägt, für
einige Parteien ungerecht und nachteilig wäre - in diesem Fall für die
freien parlamentarischen Demokratien und ihre Verbündeten.
Dieser gleiche Punkt wurde auch im vergangenen Jahr vom Politischen
Ausschuß der UN-Generalversammlung vor der Annahme seiner an uns gerichteten Direktive vom 16.Dezember 1955 gründlich erforscht.
Wie der Delegierte Belgiens damals dem Ausschuß erklärte, würden
"solche Unternehmungen, falls es einen potentiellen Aggressor in der
Welt gibt, bewirken, daß dieser über die Konsequenzen der von ihm geplanten Handlung beruhigt sein kann und folglich ermutigt wird, die
aggressive Handlung zu begehen".
Die Vereinigten Staaten schließen sich dieser Analyse voll an. Wir
glauben nicht, daß kleineren Ländern in strategisch besonders wichtiger
geographischer Lage und mit großen Reserven an Menschen und Atomwaffen
das wichtigste Mittel der Verteidigung und Abschreckung gegenüber einer
Aggression vorenthalten werden sollte. Wenn diese gleichen Länder echte
Demokratien sind, die gerade aus der Natar ihrer Institutionen heraus nicht
dazu neigen, den ersten Kriegsstreich zu tun, könnte jegliche Übereinkunft
der Art, wie Herr Gromyko sie vorschlägt, Selbstmord bedeuten.
Die Vereinigten Staaten werden getreu ihren Verpflichtungen im Rahmen
der UN-Charta niemals Atomwaffen oder andere Waffen - Kanonen, Bomben,
Schiffe oder Flugzeuge - einsetzen, es sei denn zur Abwehr und Niederschlagung einer verbrecherischen Aggression. Aber sie geben sich auch
nicht dazu her, den Verfechtern der Freiheit die Hände zu binden, wenn
sie gegen die Aggression kämpfen müssen.
Aus diesem Grunde erheben wir Einspruch gegen die Resolution, die der
Vertreter der Sowjetunion am J).J\il± 1956 eingebracht hat.
Ich komme schließlich zu FCage Nr. 4, der überaus wichtigen Frage
der Inspektion. Wir freuten uns, daß wir im Vorschlag der Sowjetunion
vom 27«März zum erstenmal eine, wenn auch sehr einschränkende Liste
darüber vorfanden, was im Rahmen des Planes inspiziert werden könnte;
wir waren und sind aber erstaunt darüber, daß in dem Brief Ministerpräsident Bulganins an Präsident Eisenhower vom 6.Juni 195^ von einem Inspektionsplan überhaupt nicht die Rede ist.
Es ist für mich enttäuschend, daß die Sowjetunion anscheinend ihre
ablehnende Haltung gegen Präsident Eisenhowers Plan der "offenen Himmel"
verstärkt hat. Wir sind überzeugt, daß letzten Endes die Weltmeinung auf
die Verwirklichung dieses Planes dringen wird.
Der Plan der offenen Himmel, Herr Vorsitzender, erlegt der Sowjetunion keine Bürde auf, die nicht auch wir zu tragen bereit wären.
Er beabsichtigt nicht irgendein dunkles Unternehmen aus Spionagegründen; er iät vielmehr unabdingbarer Bestandteil eines Abrüstungsplanes.
Herrn

�"AMERIKA DIENST"

25': Juli 1956

Herrn Gromyko sind in seiner Erklärung zur Haltung cor vier
Mächte in der Frage der Inspektion zwei seltsame Fehler unterlaufen.
Er sagt erstens, die Sowjetunion habe ein "sehr detailliertes
Kontrollsystem" unterbreitet, und zwar in der Form des Bulganin-Planes,
der die Stationierung von Beobachtern in Schwerpunkten militärischer Anlagen vorsieht, daß jedoch die '«Vestmächte 'die ganze Angelegenheit auf
die Durchführung von Luftaufnahmen zusammendrängen wollen...".
Sicherlich ist Herrn Gromyko bekannt, daß auch vir den Bulganin-Plan
akzeptieren. Er weiß ferner, daß die Luftinspektoren nicht einfach blind
durch die Gegend fliegen, sondern die ausgetauschten Informationen
überprüfen.
Zweitens behauptet er, daß die Frage der Durchführung vor Luftaufnahmen über außerhalb der Vereinigten Staaten von Amerika gelegenen Gebieten 'in den Vorschlägen der Vereinigten Staaten völlig fehlt".
Sicherlich kann er die Versicherungen nicht übersehen haben, die wir
immer und immer wieder gegeben haben, daß dieser Plan auf Stützpunkte
ausgedehnt werden könnte, die die Vereinigten Staaten außerhalb ihres
Territoriums mit Zustimmung der betreffenden Nationen benutzen.
Hinsichtlich der Frage der Inspektion scheint daher die Sowjet nion
ein oder zwei Schritte vorangekommen zu sein, wenn sie die zu inspizierenden Objekte identifiziert und den Bulganin-Plan vorlegt, um jedoch
gleichzeitig wieder ein oder zwei Schritte zurück zu tun, indem sie ihre
Haltung gegen die Luftaufklärung versteift und unsere Vorschläge verdreht
darstellt.
Die Meinung der Mitglieder dieser Kommission steht, so glaube ich,
bereits fest. Sie wollen festgestellt wissen, daß ein gewisser Fortschritt erreicht wurde. Es wird aber auch an jeden ttaat der Appell geä=l
richtet, so schnell wie möglich Maßnahmen zu ergreifen, um alles Erdenkliche im Rahmen einer angemessenen Kontrolle zu unternehmen, noch bevor ein umfassendes Programm erarbeitet wird; die Kommission wünscht
eine daran anschließende Abrüstung, die für jeden Staat stufenweise
durchgeführt wird, die jedoch auf einem zufriedenstellenden Verhalten
der einzelnen beruht und mit einem zunehmenden Vertrauen in den internationalen Beziehungen eng verbunden ist;sie wünscht ferner Maßnahmen zur
Kontrolle sowohl der herkömmlichen als auch der nuklearen Y/affen; sie
setzt große Hoffnungen in die vorbereitenden und Teilmaßnahmen zur
Überwindung des toten Punktes; sie ist fest von der Notwendigkeit einer
gründlichen Inspektion, von Vorkehrungen gegen einen umfassenden Überraschungsangriff und Sicherheiten dafür überzeugt, daß die Verpflichtunge
getreu eingehalten werden.
'iVenn ich hier diese einfachen, aber zwingenden V/ünsche noch einmal
zitiere, unterstreiche ich damit, daß sie alle in dem Resolutionsentwurf
enthalten sind, den Mr. Nutting am 3.Juli eingebracht hat. Ich bin mir
auch bewußt, daß sie den '«Vünschen der Menschlichkeit in aller 'fielt entsprechen .
* * * * *
&gt;.

�Dokumente:
Lenin über Stalin

�Von: US State Department, Washington, 30. Juni 1956

Dokumente: Lenin über Stalin
Das US-Außenministerium erhielt kürzlich aus
vertraulicher Quelle verschiedene Dokumente, die
vermutlich am 25. Februar 1956 unter den Delegierten des XX. Parteitages der KPdSU verteilt
worden sind, sozusagen als ergänzendes Material
zur Rede des Ersten Parteisekretärs N. S. Chruschtschow, deren Text das US-Außenministerium
am 4. Juni 1956 veröffentlichte.* Es handelt sich um
18 Dokumente zur sowjetischen Innenpolitik der
Jahre 1922/23, die vom US-Außenministerium inzwischen auf ihre etwaige frühere Veröffentlichung
oder Erwähnung überprüft worden sind.
Angesichts der Tatsache, daß die KPdSU am
30. Juni 1956 einen Teil der Dokumente dieser
Reihe der Öffentlichkeit übergab, hat sich das USAußenministerium entschlossen, die in seinem
Besitz befindlichen Dokumente im Interesse der
wissenschaftlichen Forschung und der historischen
Einordnung der Ereignisse der Jahre 1922/23 ebenfalls bekanntzugeben.
Nachstehend eine Liste der Dokumente mit Anmerkungen über deren Erstveröffentlichung.
1. Protokoll über Notizen Lenins, ausgefertigt am
18. Mai 1924 von N. K. Krupskaja (Lenins Frau)
und Kamenew. Unveröffentlicht.
2. Notizen einer Kommission des ZK-Plenums
über die Notizen Lenins, ausgefertigt am 19. Mai
1924. Unveröffentlicht.
3. Lenins „Brief an den Parteitag" vom 23. Dezember 1922 über die Erweiterung des ZK. Unveröffentlicht.
4. Lenins Ergänzungen zu diesem Brief vom
24. und 25. Dezember 1922 und Nachschrift vom
4. Januar 1923 (bekannt als Lenins „Testament").
Veröffentlicht u. a. in L. Trotzkij, „The Real Situation in the Soviet Union", S. 320 bis 323.
5. Notizen Lenins vom 26. Dezember 1922 über
die Erweiterung des ZK. Unveröffentlicht.
6. Notizen Lenins vom 27. Dezember 1922 zur
Übertragung legislativer Funktionen an die
Gosplan-Kommission. Unveröffentlicht; Auszüge
bei L. Trotzkij, „The Stalin School of Falsification",
5. 76, und Max Eastman, „Since Lenin Died", S. 15.
•Vgl. O-P 8. Jahr, S. 867 ff.

7. Dasselbe, Fortsetzung vom 28. Dezember 1922.
Unveröffentlicht.
8. Dasselbe, Fortsetzung vom 29. Dezember 1922.
Unveröffentlicht.
9. Notizen Lenins vom 29. Dezember 1922 über
die Erhöhung der Zahl der ZK-Mitglieder. Unveröffentlicht.
10. Memorandum vom 16. April 1923 an die Mitglieder des ZK im Zusammenhang mit der Übermittlung der folgenden Dokumente. Unveröffentlicht.
11. Schreiben Trotzkijs vom 16. April 1923 an
Stalin und die ZK-Mitglieder zu einem Artikel
Lenins über die Nationalitätenfrage. Unveröffentlicht; Inhaltsangabe bei M. Eastman, „Since Lenin
Died", S. 23.
12. Lenins Artikel über die Nationalitätenfrage
vom 30. und 31. Dezember 1922. Abgedruckt bei
R. Pipes, „The Formation of the Soviet Union,
Communism and Nationalism, 1917-1923", S. 273
bis 274.
13. Schreiben Lenins vom 5. März 1923 an
Trotzkij über Bedenken Lenins wegen der Einstellung Stalins zur Lage in Georgien. Abgedruckt
bei L. Trotzkij, „The Stalin School of Falsification",
S. 81.
14. Mitteilung der Sekretärin Lenins an Trotzkij
vom 5. März 1923. Abgedruckt bei L. Trotzkij, „The
Stalin School of Falsification", S. 91.
15. Schreiben von L. Fotijewa, einer der Sekretärinnen Lenins, vom 16. April 1923 an Kamenew
und Trotzkij zum Artikel Lenins über die Nationalitätenfrage. Abgedruckt bei L. Trotzkij, „The
Stalin School of Falsification", S. 82.
16. Empfangsbestätigung Kamenews vom 16. April
1923 über den Eingang des Schreibens der Fotijewa.
Unveröffentlicht.
17. Schreiben der Fotijewa vom 16. April 1923 an
Stalin zum Artikel Lenins über die Nationalitätenfrage. Unveröffentlicht.
18. Erklärung Stalins vor den ZK-Mitgliedern
am 16. April 1923 zur Übersendung des LeninArtikels über die Nationalitätenfrage. Unveröffentlicht.
3

�Ich glaube, daß unter diesem Gesichtspunkt der
Schlüssel zur Festigung bei ZK-Mitgliedern wie Stalin
und Trotzkij liegt. Die Art der zwischen ihnen bestehenden Beziehungen enthält nach meiner Meinung
den größeren Teil der abzuwendenden Spaltungsgefahr; diese Gefahr kann meiner Ansicht nach, abgesehen von anderen Gründen für diese Maßnahme,
am besten dadurch gebannt werden, daß man die
Mitgliederzahl des ZK auf 50 oder 100 Personen
erhöht.
Genosse Stalin hat dadurch, daß er Generalsekretär
geworden ist, eine gewaltige Macht in seinen Händen
vereinigt, und ich bin durchaus nicht sicher, daß er
es immer verstehen wird, diese Macht mit genügender Behutsamkeit zu benutzen. Auf der anderen
Seite besitzt Genosse Trotzkij, wie sich in seinem
Kampf gegen das ZK in der Frage des Volkskommissariats für das Verkehrswesen zeigte, nicht
nur ausgezeichnete Fähigkeiten — persönlich ist er
vermutlich der fähigste Mann im gegenwärtigen ZK
—, sondern gleichzeitig auch ein Übermaß an Selbstbewußtsein und einen übergroßen Hang zur rein
administrativen Regelung der Probleme.
Diese beiden Charakterzüge der beiden begabtesten
Führer des gegenwärtigen ZK könnten ganz gegen
deren Willen zu einer Spaltung führen; und wenn
unsere Partei keine Maßnahmen dagegen ergreift,
kann diese Spaltung ganz unerwartet eintreten.
Ich will nicht weiter versuchen, die persönlichen
Eigenschaften der anderen ZK-Mitglieder zu charakterisieren. Ich will nur daran erinnern, daß Sinowjews
und Kamenews Oktoberepisode natürlich kein Zufall
war, daß man dies aber ebensowenig gegen sie ins
Treffen führen darf wie gegen Trotzkij die Tatsache,
daß er früher kein Bolschewik war.
Zu den jüngeren ZK-Mitgliedern übergehend, möchte
ich einige Worte über Bucharin und Pjatakow sagen.
Diese sind nach meiner Meinung die fähigsten Kräfte
unter diesen Jüngsten, doch ist dabei folgendes zu beachten: Bucharin ist nicht nur ein sehr wertvoller und
sehr prominenter Parteitheoretiker, sondern er kann
recht eigentlich als der Favorit der ganzen Partei betrachtet werden; trotzdem dürfen seine theoretischen
Ansichten nur mit größtem Vorbehalt als restlos
marxistisch angesehen werden, denn es steckt in ihm
ein Stück von einem Scholastiker (er hat die Dialektik
nie studiert und, wie ich glaube, auch niemals ganz verstanden).
Nun zu Pjatakow; er ist ein zweifellos willensstarker
und sehr begabter Mann, der jedoch viel zu sehr dem
Verwaltungswesen, der rein administrativen Seite
der Dinge ergeben ist, als daß man sich in einer
wichtigen politischen Frage auf ihn verlassen könnte.
Selbstverständlich bezieht sich die erste wie die
zweite Bemerkung nur auf die Gegenwart, aber beide
sind gerade für den Fall gemacht worden, daß diese
beiden fähigen und loyalen Mitarbeiter nicht imstande
sein sollten, gelegentlich ihr Wissen abzurunden und
ihre Einseitigkeit zu überwinden.
25. 12. 1922
Lenin
Niederschrift durch M. W.

Nachschrift

zum Brief

vom 24. Dezember

1922

Stalin ist zu grob, und wenn dieser Fehler auch in
unserem Kreise und in den Beziehungen unter uns
Kommunisten erträglich ist, so wird er ganz unerträglich im Geschäftszimmer des Generalsekretärs.
Darum schlage ich den Genossen vor, einen Weg zu
finden, um Stalin aus dieser Position zu entfernen
und dafür einen anderen Mann auszuwählen, der sich
aber in jeder Beziehung nur dadurch von Stalin
unterscheiden darf, daß er geduldiger, loyaler, höflicher, aufmerksamer gegen die Genossen ist, nicht
so launisch usw. Diese Dinge mögen wie unwichtige
Kleinigkeiten erscheinen. Ich glaube jedoch, daß sie
unter dem Blickwinkel der Verhinderung einer Spaltung und meiner Bemerkungen über die Beziehungen
zwischen Stalin und Trotzkij keine Kleinigkeiten sind,
oder wenn doch, daß es Kleinigkeiten sind, die entscheidende Bedeutung gewinnen können.
4. Januar 1923
Lenin
Niederschrift durch L. F.
5. Dokument
Fortsetzung

der Notizen,

26. 12. 1922

III. Die Erhöhung der Mitgliederzahl des ZK auf
50 oder sogar 100 soll, wie ich es sehe, einem zweioder dreifachen Zweck dienen; je mehr Mitglieder
das ZK zählt, um so mehr Personen werden die
Arbeit des ZK kennen lernen und um so geringer
wird die Gefahr einer Spaltung infolge einiger unbedachter Schritte sein. Die Berufung zahlreicher
Arbeiter in das ZK wird es unseren Arbeitern ermöglichen, die Leistungsfähigkeit unseres Apparats* zu
erhöhen, der viel zu wünschen übrigläßt. Praktisch
haben wir ihn von dem alten Regime übernommen, da
es für uns vollkommen unmöglich war, ihn in so kurzer
Zeit völlig zu reorganisieren, vor allem in einer Zeit
des Krieges, der Hungersnot usw. Aus diesem Grunde
kann man den „Kritikern", die in geringschätziger oder
sarkastischer Weise die Mängel unseres Apparats hervorheben, die klare Antwort geben, daß sie keine
Ahnung von den Bedingungen haben, unter denen sich
unsere gegenwärtige" Revolution vollzieht. Eine wirksame Reorganisation des Apparats binnen fünf Jahren
war völlig unmöglich — besonders in der Revolutionsperiode. Es ist genug, daß es uns in den fünf Jahren
gelungen ist, eine Regierung neuen Typs zu schaffen,
in der die Arbeiter an der Spitze der Bauern gegen
die Bourgeoisie stehen, und das zu einer Zeit, da wir
von einer Welt von Feinden eingekreist sind. Das war
eine ungeheure Leistung. Dieses Bewußtsein sollte
uns jedoch nicht blind gegenüber der Tatsache machen,
daß es praktisch der alte Apparat ist, den wir übernommen haben, der Apparat des Zaren und der Bourgeoisie, und d"aß nunmehr, nachdem wir den Frieden
errungen und unsere Mindestbedürfnisse befriedigt
haben, alle unsere Anstrengungen darauf konzentriert
werden müssen, die Leistungsfähigkeit des Apparats
zu verbessern. Ich male mir das so aus: Setzt man
mehrere Dutzend Arbeiter in die Maschinerie des ZK,
so werden sie besser als alle anderen imstande sein,
sich mit der Kontrolle, der Leistungssteigerung und der
•Gemeint ist offenbar der Regierungs- bzw. Verwaltungsapparat. (O-P)

5

�fallen, diese Seite den wissenschaftlichen Kenntnissen,
der Fähigkeit zum Begreifen der umfassenden Realitäten, dem Führertalent usw. gleichzustellen.
Jede Regierungsinstitution und besonders der Gosplan bedarf der glücklichen Kombination dieser beiden
Eigenschaften. Als mir deshalb Genosse Krshishanowskij berichtete, es sei ihm gelungen, Pjatakow für
die Arbeit im Gosplan zu interessieren und daß zwischen ihnen ein Einvernehmen über die Arbeitsteilung
bestehe, habe ich, als ich meine Zustimmung gab, auf
der einen Seite in meinem Innern gewisse Zweifel
gehabt, auf der anderen Seite aber die Möglichkeit
erkannt, vielleicht auf diese Weise die gewünschte
Kombination der beiden Typen des leitenden Regierungsfunktionärs zu verwirklichen. Ob meine Hoffnung sich realisiert hat, müssen wir abwarten. Im
Laufe der Zeit müssen wir dies in der Praxis überprüfen; im Prinzip — glaube ich — können wir jedoch
nicht daran zweifeln, daß die ordnungsgemäße Funktionsweise der Regierungsinstitutionen eine derartige
Kombination von Charakteren und Typen (von Männern, Eigenschaften) absolut erforderlich macht. Nach
meiner Ansicht ist übertriebenes „Administrieren"
ebenso schädlich wie jede Übertreibung schlechthin.
Der Leiter einer Regierungsinstitution sollte ein
Höchstmaß von Führertalent besitzen und dazu solide
wissenschaftliche und technische Kenntnisse in dem
Umfang, der für die Überwachung der Arbeit anderer
notwendig ist. Das ist wichtig. Ohne dies kann wirkliche Arbeit nicht geleistet werden. Auf der anderen
Seite muß der Betreffende sich auch auf die Verwaltung
verstehen, und er bedarf zu diesem Zweck eines geeigneten Gehilfen oder sogar mehrerer Gehilfen. Es
ist zweifelhaft, ob wir die Kombination dieser beiden
Eigenschaften in einer Person vereinigt finden werden;
es ist ebenfalls zweifelhaft, ob eine derartige Kombination notwendig ist.
Niederschrift durch L. F.
28. 12. 22

Lenin

8. Dokument
Fortsetzung
der Notizen, 29. Dezember 1922
VI. Der Gosplan ist anscheinend im Begriff, sich restlos in eine Kommission von Fachleuten zu verwandeln.
An der Spitze dieser Institution sollte ein Mann stehen,
der große und umfassende Erfahrungen auf technischem
Gebiet besitzt. Administrative Fähigkeiten sollten hier
nur eine nützliche Beigabe sein. Der Gosplan muß
zweifellos bis zu einem gewissen Grade unabhängig
und selbständig sein, mit dem einzigen Vorbehalt, daß
die Mitarbeiter dieser Institution ehrlich und aufrichtig
bemüht sind, unseren Plan des wirtschaftlichen und
sozialen Aufbaus zu verwirklichen.
Die letztgenannte Eigenschaft ist heute natürlich nur
in Einzelfällen zu finden, da die große Mehrzahl der
Wissenschaftler, aus denen sich die Gosplan-Kommission naturgemäß zusammensetzt, mit bourgeoisen Ansichten und Vorurteilen nur allzu sehr belastet ist. Die
Überwachung dieser Leute in dieser Hinsicht sollte
Aufgabe mehrerer Personen sein, die das GosplanPräsidium bilden könnten; sie müssen Kommunisten
sein und im Ablauf der Arbeit täglich feststellen, in
welchem Maße die bourgeoisen Wissenschaftler der
Sache ergeben sind, ob sie ihre bourgeoisen Vorurteile
ablegen und auch, ob sie sich allmählich den sozialisti-

schen Standpunkt zueigen machen. Diese Zweigleisigkeit — wissenschaftliche Kontrolle in Verbindung mit
rein administrativer Arbeit — ist das Ideal, das den
leitenden Gosplan-Funktionären vorschweben sollte.
Ist es zweckmäßiger, die Gosplan-Aufgaben in einer
Reihe von Einzeldirektiven aufzuspalten, oder sollten
wir umgekehrt die Schaffung eines ständigen Spezialisten-Gremiums anstreben, das einer systematischen
Kontrolle durch das Gosplan-Präsidium untersteht, das
seinerseits Entscheidungen über die Gesamtheit der in
den Gospldn-Aufgabenbereich
fallenden
Probleme
fällen könnte? Nach meiner Auffassung ist das zweite
vernünftiger, und wir sollten uns bemühen, die Zahl
der brennenden und wichtigen Einzelprobleme zu
begrenzen.
Niederschrift durch M. W.
29. 12. 1922
Lenin
9. Dokument
Fortsetzung

der Notizen,

29. Dezember

1922

Zum Thema
E r h ö h u n g der Anzahl der ZK-Mitglieder
VII. Bei der Erhöhung der Anzahl der ZK-Mitglieder
ist es meiner Ansicht nach nötig, wahrscheinlich als
allererstes das Problem der Kontrolle und Leistungssteigerung unseres Apparats zu lösen, der überhaupt
nichts taugt. Für diesen Zweck sollten wir die Dienste
hochqualifizierter Spezialisten in Anspruch nehmen; die
Aufgabe, diese Spezialisten verfügbar zu machen, fällt
in den Bereich der Arbeiter- und Bauerninspektion.
Wie die Arbeit dieser Kontrollspezialisten, die auch
ausreichende Kenntnisse besitzen müssen, mit der
Arbeit der neuen ZK-Mitglieder zu koordinieren ist,
sollte die Praxis entscheiden. Mir scheint, daß die
Arbeiter- und Bauerninspektion (infolge ihrer Entwicklung und auch infolge von Zweifeln hinsichtlich
dieser Entwicklung) in ein neues Stadium eingetreten
ist, wie wir jetzt beobachten können, nämlich in ein
Stadium des Übergangs von einem besonderen Volkskommissariat zur Beauftragung von ZK-Mitgliedern
mit Sonderaufgaben. Dieser Übergang bedeutet die
Abkehr von einer Einrichtung, die absolut alles beaufsichtigt — die Abkehr von einer Gruppe, die nur aus
wenigen Mitgliedern besteht, welche allerdings erstklassige und deshalb hochbezahlte Inspektoren sind
(dies ist geradezu unerläßlich in unserer Zeit, wo man
alles bezahlen muß, und in einer Situation, da die Inspektoren nur in den Behörden arbeiten, die ihnen
bessere Bezahlung bieten).
Wenn die Anzahl der ZK-Mitglieder in angemessener
Weise erhöht wird und wenn sie alljährlich an einem
Verwaltungslehrgang für Regierungsarbeit teilnehmen,
wobei ihnen hochqualifizierte Spezialisten und Mitglieder der Arbeiter- und Bauerninspektion zur Hand
gehen, die auf allen Arbeitsgebieten gut beschlagen
sind, dann, meine ich, werden wir dieses Problem erfolgreich lösen, das so lange ungelöst geblieben ist.
Daher zusammenfassend: ungefähr 100 ZK-Mitglieder
und nicht mehr als 400 bis 500 Gehilfen, die in ihrer
Eigenschaft als Mitglieder der Arbeiter- und Bauerninspektion weisungsgemäß die Kontrolle ausüben.
Niederschrift durch M. W.
29. 12. 1922
Lenin
7

�Möglichkeit hatten, ihn unter Bedingungen, da das
„Kriegsgeschäft" und der Kampf gegen die Hungersnot
wichtiger waren, und ohne die Hilfe unserer Republiken
in seine Schranken zu weisen.

Hier kommen wir zu einer ganz grundsätzlichen
Frage: Was verstehen wir unter Internationalismus?
Lenin

Unter solchen Bedingungen ist es ganz natürlich, daß
sich der Punkt vom „Recht der Loslösung von der
Union", mit dem wir uns rechtfertigen, als ein Fetzen
Papier erweisen wird, der keineswegs ausreicht für den
Schutz fremder Völker in Rußland gegen die Übergriffe
des Russen schlechthin, des Großrussen, des Chauvinisten, ja des Schurken und Plünderers, der der typische
russische Bürokrat nun einmal ist. Es steht außer
Zweifel, daß der unbedeutende Prozentsatz sowjetischer
und sowjetisierter Arbeiter in diesem chauvinistischen
Meer großrussischer Schuftigkeit ertrinkt wie eine
Fliege in der Milch.

Fortsetzung der Notizen, 31. Dezember 1922
Über die nationale Frage oder die „Autonomie"
In meinen Arbeiten, die die nationale Frage behandeln, habe ich bereits dargelegt, daß eine abstrakte
Konzeption vom Nationalismus vollkommen wertlos
ist. Man muß zwischen dem Nationalismus eines
herrschenden Volkes und dem Nationalismus eines
beherrschten Volkes, zwischen dem Nationalismus eines
großen Volkes und dem Nationalismus eines kleinen
Volkes unterscheiden.

Zur Rechtfertigung dieses Vorgehens wird vorgebracht, daß die Volkskommissariate, die sich mit
Fragen der nationalen Eigenart, der nationalen Erziehung befassen, autonom sind. In diesem Zusammenhang erhebt sich jedoch die Frage, ob es möglich ist,
die Volkskommissariate völlig losgelöst vom Zentrum
zu halten, und dazu die zweite Frage, ob wir mit der
nötigen Umsicht Maßnahmen zum Schutz fremder
Völker gegen den generellen, den typischen russischen
„Dershimorda"*ergriffen haben. Meiner Meinung nach
haben wir derartige Maßnahmen nicht ergriffen, obgleich wir dies tun konnten und getan haben sollten.
Ich glaube, daß die Eile und das administrative Ungestüm Stalins und auch seine Verbohrtheit in den
berühmten „Sozial-Nationalismus" hier eine verhängnisvolle Rolle spielten. In der Politik gibt es im allgemeinen und in der Regel nichts Schlimmeres als
solche Verbohrtheit.
Ich fürchte auch, daß sich Genosse Dzierzynski, als
er zur Untersuchung der „Verbrechen" dieser „SozialNationalisten" in den Kaukasus ging, durch seine
typisch russische Einstellung auszeichnete (es ist allgemein bekannt, daß russifizierte Angehörige anderer
Nationalitäten stets zur Übertreibung neigen, wenn es
sich um das typisch russische Verhalten handelt)**; die
Objektivität, mit der er sich seines gesamten Auftrags
entledigte, ist durch die „Leistungen" Ordshonikidses
gekennzeichnet. Ich bin der Meinung, daß diese
Heldentaten der Russen aus keinerlei Provokationen
und Beleidigungen gerechtfertigt werden können und
daß Genosse Dzierzynski nicht wieder gutzumachendes
Unheil anrichtete, als er diese Vorkommnisse bagatellisierte.
Alle Bewohner des Kaukasus betrachteten Ordshonikidse als Regierungsvertreter. Ordshonikidse hatte
kein Recht zu dem impulsiven Vorgehen, mit dem er
und Dzierzynski sich später zu entschuldigen suchten.
Ganz im Gegenteil: Ordshonikidse war zu größerer
Selbstbeherrschung verpflichtet als jeder einfache Bürger, von jenen Bürgern gar nicht zu reden, die eines
„politischen" Verbrechens bezichtigt waren. Die „SozialNationalisten" waren jedenfalls Bürger, die eines politischen Verbrechens beschuldigt waren, und alle Umstände der Anklage besagten genau dasselbe.
•Brutal-arroganter Gendarm aus Gogols Komödie
„Der Revisor". (O-P)
••Dzierzynski war Pole. (O-P)

Über den Nationalismus der zweiten Art ist zu sagen,
daß wir, die Angehörigen eines großen Volkes, uns
fast immer in der Geschichte unzähliger Gewalttätigkeiten schuldig machen und — was noch schlimmer
ist — es nicht einmal bemerken, daß wir zahllose Gewalttaten und Mißbräuche begehen; ich brauche nur
von meinen eigenen Erfahrungen im Wolgagebiet zu
berichten, um klarzumachen, mit welcher Verachtung
wir die Nichtrussen behandelten; ein Pole ist bei uns
immer ein „Polack", ein Tatar wird sarkastisch als
„Graf", ein Ukrainer als „Chochol", ein Georgier und
andere Angehörige der Kaukasus-Völker als „Kaukasier" bezeichnet.
Aus diesem Grunde sollte der Internationalismus des
herrschenden Volkes oder des sogenannten „großen"
Volkes (selbst wenn es nur in seinen Gewalttaten groß
ist, groß, wie eben nur ein Herrscher „groß" sein kann)
nicht nur durch die formale Wahrung der Gleichheit
unter den Völkern, sondern auch durch die Wahrung
jener Ungleichheit bestimmt sein, durch die das herrschende Volk, das große Volk, die tatsächlich im Leben
bestehende Ungleichheit kompensieren würde. Wer
das nicht begreift, begreift nicht die echt proletarische
Einstellung zur nationalen Frage, vertritt in Wirklichkeit noch immer kleinbürgerliche Ansichten und muß
daher notwendigerweise auf die bürgerliche Position
abgleiten.
Was ist für einen Proletarier wichtig? Für einen
Proletarier ist es nicht nur wichtig, sondern sogar eine
zwingende Notwendigkeit, daß ihm andere Nationalitäten ein Maximum an Vertrauen im proletarischen
Klassenkampf schenken. Welcher Voraussetzung bedarf
es hierzu? Vom Proletarier wird mehr als die Wahrung
einer nur formalen Gleichberechtigung gefordert. So
oder so muß er durch seine Haltung oder durch Zugeständnisse gegenüber anderen Nationalitäten das
Mißtrauen, den Argwohn und die Mißstände kompensieren, die diese in der historischen Vergangenheit unter dem Regime des „Großmachf-Volkes zu erdulden hatten.
Ich glaube, für Bolschewiken und Kommunisten bedarf es keiner weiteren Erklärung. Ich glaube, daß
der vorliegende Fall, der Fall des georgischen Volkes,
ein typisches Beispiel ist, das von uns bei wirklich
proletarischer Einstellung besondere Behutsamkeit,
Einsicht und Konzessionsbereitschaft erfordert. Ein
Georgier, der diese Seite der Angelegenheit auf die
leichte Schulter nimmt, der leichtfertig über die Beschuldigung des „Sozial-Nationalismus" daherredet
(während er selbst nicht nur ein waschechter „Sozial9

�13. Dokument

16. Dokument

Lieber Genosse Trotzkij!
Ich bitte Dich dringend, im ZK der Partei die Verteidigung in der Georgien-Affäre zu übernehmen. Stalin und Dzierzyhski haben sich gegenwärtig diesen
Fall „aufs Korn genommen", und ich kann bei ihnen
nicht mit Objektivität rechnen. Eher mit dem Gegenteil.
Ich wäre beruhigt, wenn Du Dich einverstanden erklären würdest, die Verteidigung in dieser Affäre zu
übernehmen. Könntest Du Dich dazu aus irgendeinem
Grunde nicht bereit finden, so sende mir bitte alle Unterlagen zurück. Das wird für mich das Zeichen Deiner
Ablehnung sein.
Niederschrift durch M. W.
Herzliche Parteigrüße,
5. März 1923
Lenin
Für die Richtigkeit: M. Woloditschewa

A n t w o r t des Genossen K a m e n e w an das
ZK-Sekretariat
Soeben, 35 Minuten nach 5, erhielt ich von Genossin
Fotijewa die beigefügte Notiz. Ich übersende diese
Notiz dem ZK, da sie nichts enthält, was mich persönlich betrifft. Nach meiner Meinung sollte das ZK die
Frage, ob Wladimir Iljitschs Artikel zu veröffentlichen
ist, sofort positiv entscheiden.
16. 4. 1923
L. Kamenew
5.45 Uhr
Für die Richtgkeit: E. Lepeschinskaja.
17. Dokument
Brief der Genossin Fotijewa
Genosse Stalin!

14. Dokument
An Genossen Trotzkij!
Wladimir Iljitsch bat mich, Ihnen zusätzlich zu dem
Brief, dessen Inhalt Ihnen bereits telefonisch durchgegeben wurde, mitzuteilen, daß Genosse Kamenew am
Mittwoch nach Georgien reist; Wl. II. möchte wissen,
ob Sie nicht etwas von sich selbst dorthin mitzugeben
haben.
5. März 1923
M. Woloditschewa
15. Dokument
Brief der Genossin Fotijewa an
Genossen Kamenew, Abschrift an Genossen Trotzkij
Lew Borisowitsch!
Ich teile Ihnen als kommissarischem Vorsitzenden
des Politbüros ergänzend zu unserem Telefongespräch
folgendes mit:
Wie ich Ihnen bereits am 31. 12. 1922 mitteilte, hat
Wladimir Iljitsch einen Artikel über die Nationalitätenfrage diktiert.
Er war an dieser Frage sehr interessiert und bereitete
sich darauf vor, diese Frage auf dem Parteitag selbst
zur Sprache zu bringen.
Kurz vor seiner letzten Erkrankung teilte er mir mit,
daß er diesen Artikel veröffentlichen wolle. Aber danach wurde er krank, ohne eine letzte Weisung erteilt
zu haben.
W. I. betrachtete seinen Artikel als richtungweisendes
Dokument und hielt ihn für sehr wichtig. Auf Anordnung Wladimir Iljitschs wurde dieser Artikel Genossen Trotzkij zugesandt, dem W. I. die Verteidigung
seines Standpunktes in dieser Frage auf dem Parteitag
anvertraut hatte, da beide in dieser Angelegenheit einer
Meinung waren.
Die einzige Abschrift dieses Artikels, die ich besitze,
ist auf W. I.'s Anordnung in seinem Geheimarchiv aufbewahrt.
Ich übersende sie Ihnen zu Ihrer Information.
Ich konnte dies nicht früher erledigen, weil ich nach
längerer Krankheit erst heute die Arbeit wieder aufgenommen habe.
Privatsekretärin des
16. 4. 1923
Genossen Lenin
L. Fotijewa
Für die Richtigkeit: E. Lepeschinskaja

Ich habe mich heute von Marija Iljinischna in der
Frage beraten lassen, ob der Artikel Wladimir Iljitschs,
den ich Ihnen zusandte, veröffentlicht werden soll, da
Wladimir Iljitsch die Absicht geäußert hatte, ihn im
Zusammenhang mit einer Rede zu veröffentlichen, die
er auf dem Parteitag halten wollte.
Marija Iljinischna meinte, der Artikel sollte nicht gedruckt werden, da W. I. keine klare Anweisung für
seine Veröffentlichung gegeben hat; sie erlaubt lediglich, den Artikel den Delegierten dieses Parteitages zur
Kenntnis zu bringen.
Von meinem Standpunkt aus brauche ich nur hinzuzufügen, daß W. I. die Form seines Artikels noch nicht
für endgültig und druckreif hielt.
16. 4. 1923
L. Fotijewa
21 Uhr
18. Dokument
E r k l ä r u n g des Genossen Stalin
(allen ZK-Mitgliedern
zugestellt)
Ich bin sehr überrascht, daß Genosse Trotzkij es für
zulässig hält, die Artikel des Genossen Lenin, die
zweifellos grundsätzliche Bedeutung haben und die
er schon am 5. März dieses Jahres erhalten hat, über
einen Monat lang als sein persönliches Geheimnis zu
behandeln und ihren Inhalt dem Politbüro oder dem
ZK-Plenum bis zum Vortage des XII. Parteitags vorzuenthalten. Wie mir heute die Parteidelegierten mitteilten, ist das Thema dieser Artikel Gegenstand von
Diskussionen, Gerüchten und Gesprächen unter den
Delegierten; diese Artikel sind, wie ich heute erfuhr,
Personen bekannt, die mit dem ZK nichts zu tun
haben; die ZK-Mitglieder selbst müssen ihre Informationen diesen Gerüchten und Erzählungen entnehmen, während es auf der Hand liegt, daß der Inhalt
dieser Artikel zuerst dem ZK hätte mitgeteilt werden
müssen.
Ich bin der Meinung, daß die Artikel des Genossen
Lenin in der Presse veröffentlicht werden sollten. Es
ist nur zu bedauern, daß diese Artikel — wie aus dem
Brief der Genossin Fotijewa klar hervorgeht — offenbar nicht veröffentlicht werden können, weil sie der
Genosse Lenin nicht noch einmal durchgesehen hat.
22 Uhr
16. 4. 1923
J. Stalin
11

�A M E R I K A

D I E N S T

WORTLAUT DES SCHREIBENS PRÄSIDENT EISENHOWERS AN
MINISTERPRÄSIDENT BULGANIN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut eines Schreibens des amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower an den
Vorsitzenden des Ministerrats der UdSSR, Bulganin,
das am 7« August 1956 von dem amerikanischen Botschafter in Moskau, Charles E. Bohlen, überreicht
wurde und womit Eisenhower das Schreiben Bulganins
vom 6. Juni 1956 beantwortete.
"Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!
Ich nehme hiermit auf Ihr Schreiben vom 6. Juni Bezug, mit dem
ich mi ch eingehend beschäftigt habe.
E s bestätigte Ihre Bekanntgabe vom vergangenen Mai, daß Sie
planen , die Stärke Ihrer bewaffneten Streitkräfte etwas zu reduzieren. I ch begrüße eine derartige Reduzierung. Sie würde den Handlungen
der am erikanischen Regierung entsprechen, die seit Ende des zweiten
Weltkr ieges - mit lediglich einer Ausnahme während der Zeit des Korea«
kriege s - die Stärke ihrer bewaffneten Streitkräfte ständig reduziert
hat.
Ich b ezweifle jedo ch, ob derartige Reduzierungen dieser besonderen Art, wie sie unse re Regierungen in ihrem jeweiligen nationalen Intere sse durchführ en mögen, an der Beseitigung der Furcht sowie
der durch die nationale Rüstung entstandenen hohen Kosten wirksam
beitragen können. Es be steht eine offensichtliche Notwendigkeit zur
Schaffung von internati onalen überwachungsmechar.ismen und Kontrollen,
die zu grö ßeren Reduzie rungen ermutigen. Ich bedauere, daß wir in
dieser Hin sieht einen s o geringen Fortschritt erzielt haben.
Vor einiger Zeit habe ich Ihrem Vorschlag für eine Bodeninspektion unter der Voraussetzung zugestimmt, daß Sie gleichfalls
meinem vor einem Jahr in Genf gemachten Vorschlag für eine Luftkontrolle und einen militärischen Informationsaustausch zustimmen würden.
Wie ich höre, haben Sie diesen Vorschlag bisher aus dem Grunde abgelehnt, weil er in das Gebiet des Geheimdienstes fallen würde. Was ich
vorschlug, sollte mit einem vollständigen Austausch militärischen

- 1

�8. August 1956

"AMERIKA DIENST"

militärischen Informationsmaterials eingeleitet werden, und hatte den
Zweck, den anderen jeweils davon in Kenntnis zu setzen, daß keiner
von uns einen plötzlichen massiven Angriff plant und daß jeder von uns
solche "übereinkommen achten wird, die wir, wie ich zuversichtlich
glaube, auf dem Gebiet der Abrüstung zu erreichen imstande sein werden.
Sicherlich ist diese Art von Informationen wünschenswert und notwendig und liegt im Interesse des Friedens und des internationalen Vertrauens, Können wir hierin keinen Fortschritt erzielen?
Ich verweise ferner auf mein Schreiben an Sie vo.u 1. Harz 1956,
in dem ich vorschlug, daß von einem noch zu vereinbarenden Zeitpunkt
an die Produktion von spaltbarem Material in aller Welt nicht länger
mehr zur Vergrößerung der Lager an Sprengwaffen verwendet werden sollte.
Ich hatte gehofft, daß dieser Vorschlag, der mir von erheblicher Bedeutung zu sein schien, von Ihnen als ein wichtiger Schritt dahingehend angesehen würde, die Atoragefahr unter Kontrolle zu bringen. Sie
haben jedoch niemals auf diesen Vorschlag geantwortet und Ihr Schreiben vom 6. Juni nimmt auf die Kontrolle der Atomwaffen nicht Bezug.
Darf ich Sie erneut nachdrücklich ersuchen, dieser Frage'und insbesondere meinem Vorschlag vom vergangenen März sorgfältige Beachtung
zu schenken.
Sie gehen in Ihrem Schreiben auf eine mögliche Reduzierung unserer beiderseitigen Streitkräfte in Deutschland ein. Es ist ganz
offensichtlich, daß das Problem der Streitkräfte in Deutschland nicht
als eine isolierte Frage behandelt werden kann. In dieser Hinsicht
muß ich bekennen, daß ich durch die Entwicklungen stark beunruhigt
bin, die seit unserem Treffen in Genf im vergangenen Jahr eingetreten
sind. Wir stimmten dort überein, daß die Wiedervereinigung Deutschlands der gemeinsamen Verantwortung der vier in Genf zusammengekommenen Regierungen unterliegt, und wir stimmten ferner überein, daß
Deutschland durch freie Wahlen wiedervereinigt werden sollte, die in
Einklang mit den nationalen Interessen des deutschen Volkes und den
Interessen der europäischen Sicherheit durchgeführt werden. Es ist
dies nicht nur nicht geschehen, sondern ich höre auch von Erklärungen von Ihrer Seite, die anzudeuten scheinen, daß Ihre Regierung entschlossen ist, die Teilung Deutschlands auf unbestimmte Zeit aufrechtzuerhalten.
Ich muß gestehen, daß ich mir eigentlich nicht vorstellen kann,
wie wir konstruktiv zusammenarbeiten sollen, wenn Vereinbarungen, die
auf höchster Ebene nach umfassendster Prüfung ausgehandelt worden
sind, nicht verläßlich zu sein scheinen.
Es ist nichtsdestoweniger meine aufrichtige Hoffnung, daß wir
Mittel und Wege finden werden, um hinsichtlich einer sinnvollen Rüstungskontrolle Fortschritte zu machen; dies ist eine Hoffnung, die,
wie ich glaube, nicht nur von uns sondern auch von den Völkern der
ganzen Welt geteilt wird.
Meine Mitarbeiter und ich haben niemals aufgehört, dieser ganzen
Angelegenheit einer Rüstungsbegrenzung und vor allem der Beseitigung
der wachsenden Bedrohung durch die Kernwaffen und modernen Kampfmittel

2 -

�"AMERIKA DIENST"

8. August 1956

Kampfmittel ur.sere größte Aufmerksamkeit zuzuwenden und sie zu prüfen.
Wenn sich aus dieser Prüfung weitere Möglichkeiten internationaler
Maßnahmen ergeben sollten, wovon ich fest überzeugt bin, dann werde
ich sie Ihnen entweder direkt oder durch die zuständigen Organe der
Vereinten Nationen mitteilen. In diesem Zusammenhang muß ich erklären,
daß ich Ihre Ansicht über die Tätigkeit des Unterausschusses der UNAbrüstungskommission nicht teile. Die dort geführten Diskussionen
haben wesentlich dazu beigetragen, Licht auf dieses schwierige Problem
zu werfen und, wie ich hoffe, die zwischen unseren Ansichten bestehende
Kluft einzuengen.
Können wir nicht, Herr Ministerpräsident, mehr zur Realisierung
der Hoffnungen tun, die durch unser Treffen in Genf wachgerufen wurden? Wir machten damals Versprechungen, besonders in bezug auf Deutschland, die mit äußerster Dringlichkeit erfüllt werden müssen. Wir
verpflichteten uns feierlich zu Abrüstungsanstrengungen, aus denen für
die gesamte Welt Gutes ersprießen würde, wenn wir uns nur über Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen einigen könnten, die realisierbar
sein sollten, wenn keiner von uns irgend etwas Feindseliges zu verbergen hat. Wir suchten einen Y/eg zur Entwicklung von Kontakten, die
unsere Völker in die Lage versetzen würden, durch besseres Wissen
über das andere Land ihre Freundschaft zu stärken, die ein wertvolles
Bollwerk für den Frieden bilden kann.
Wir erkennen an, daß in Ihrem Lande Bestrebungen im Gange sind,
einen Teil der Untaten einer vergangenen Epoche aus der Welt zu schaffen. Wir begrüßen dies. Aber ich hoffe, daß Sie und Ihre Mitarbeiter
diese Anstrengungen nicht nur auf diese Untaten beschränken werden,
wie sie in Ihrem Lande und Ihrer Partei zutage getreten sind. Diese
Untaten wirkten sich auch auf internationaler Ebene aus. Selbst heute
noch stellen sie ein ernstes Hindernis dafür dar, daß die Dinge geschehen, die, wie wir beide übereinstimmten, getan werden müßten.
Diese Situation muß also durch einen neuen Geist gebessert werden,
um den ich aufrichtig an Sie appelliere.

Ihr sehr ergebener
Dwight D. Eisenhower"

* * * * *

- 3 -

�A M E R I K A

D I E N S T

DULLE3 PRÄZISIERT WESTLICHEN SUEZPLAN

LONDON - (AD) - Der amerikanische Außenminister John
Foster Dulles präzisierte am 20. August 1956 auf der
Londoner Suezkonferenz den Plan, der von westlicher
Seite zur Lösung des Problems vorgeschlagen wird.
Der amerikanische Suezplan hat folgenden Wortlaut:
"Die an der Londoner Suezkanalkonferenz teilnehmenden Regierungen, die diese Erklärung billigen, haben sich, besorgt über die ernste
Lage in bezug auf den Suezkanal; in dem Streben nach einer friedlichen Lösung in Übereinstimmung mit den Zielen und Zwecken der Vereinten Nationen; und in Anerkennung der Tatsache, daß eine befriedigende Lösung auf der einen Seite den souveränen Rechten Ägyptens,
einschließlich seinem Recht auf eine gerechte und faire Entschädigung
für die Benutzung des Kanals, Rechnung tragen und zum andern den
Suezkanal in Übereinstimmung mit der Suezkanalkonvention vom 19«
Oktober 1888 als eine internationale Wasserstraße sichern muß, zu
folgender Darlegung ihres Standpunktes entschlossen:
1. Sie unterstreichen, daß, wie in der Konvention von 1888 festgelegt, 'ein definitives System' ausgearbeitet werden soll, 'das geeignet ist, zu allen Zeiten und für alle Mächte die freie Benutzung
des Suez-Schiffahrtkanals zu garantieren.'
2. Ein solches System muß sicherstellen:
a) die reibungslose und zuverlässige Inbetriebhaltung, Erhaltung
und Entwicklung des Kanals als eine freie, offene und sichere internationale Wasserstraße in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der
Konvention von 1888}
b) die Heraushaltung des Betriebs des Kanals aus dem Einfluß der
Politik irgendeiner Nation;
c)

die Respektierung der Souveränität Ägyptens;

d) einen Erlös für Ägypten aus der Benutzung des Kanals, der
fair und gerecht und mit der Ausweitung der Kapazität und des Verkehrs steigen sol];

ei
- 1 -

�22. August

"AMERIKA DIENST

1956

e) die Zahlung solcher Summen an die allgemeine Suezkanalgesellschaft, wie sie im Sinne einer gerechten Entschädigung als angemessen
betrachtet werden.
f) die Festsetzung der Kanalgebühren auf einen so niedrigen Stand,
wie er zur Erfüllung der obengenannten Bedingungen erforderlich ist
und mit Ausnahme des obengenannten Absatzes d) keinen Gewinn bringt.
Um diese Ergebnisse auf einer dauerhaften und zuverlässigen Grundlage zu erreichen, soll durch eine Konvention folgendes vereinbart werden:
A) Institutionelle Abmachungen über die Zusammenarbeit Ägyptens
und anderer interessierter Nationen in dem Betrieb, der Erhaltung und
der Entwicklung des Kanals und zur Abstimmung und Sicherung ihrer jeweiligen Interessen am Kanal. Zu diesem Zweck würde der Betrieb, die
Erhaltung und die Entwicklung des Kanals sowie sein Ausbau zur Steigerung des Verkehrsvolumens im Interesse des Welthandels und Ägyptens
der Verantwortlichkeit eines Suezkanalamtes obliegen. Ägypten müßte
diesem Amt alle Rechte und Einrichtungen übertragen, die für dessen hier
umrissene Funktionen notwendig sind. Außer Ägypten würden Mitglieder
dieses Amtes andere Staaten sein, die nach einem Verfahren gewählt
werden, über das sich die Signatarstaaten der Konvention einigen, wobei
der Umfang der Benutzung, die Art des Handels und die geographische
Lage entsprechend zu beachten wären. Die Zusammensetzung müßte dergestalt sein, daß sichergestellt ist, daß das Amt seine Aufgaben einzig
im Hinblick auf die bestmöglichen Betriebsergebnisse und ohne politische Motivierung zugunsten oder zum Nachteil irgendeines Kanalbenutzers erfüllt. Das Amt müßte in regelmäßigen Zeitabständen den Vereinten Nationen Bericht erstatten.
B) Eine Schiedskommission zur Regelung irgendwelcher Streitigkeiten bezüglich der gerechten Erlöse für Ägypten oder der fairen Entschädigung der allgemeinen Suezkanalgesellschaft oder anderer sich aus
dem Betrieb des Kanals ergebender Fragen.
C) V/irksame Sanktionen gegen jede Verletzung der Konvention
durch eine Signatarmacht oder irgendeine andere Nation,einschließlich
von Bestimmungen über Maßnahmen bei der Anwendung oder Androhung von
Gewalt zur Störung der Benutzung oder des Betriebes des Kanals als
einer Bedrohung des Friedens und einer Verletzung der Ziele und Zwecke
der Charta der Vereinten Nationen.
D) Bestimmungen über eine zweckentsprechende Assoziierung
mit den Vereinten Nationen und eine Revision, wie sie als notwendig
angesehen werden könnte."

* * *

- 2 -

�• "AMERIKA DIENST"

22»August 1956

Bei der Unterbreitung des Suezplanes machte der amerikanische
Außenminister folgende Ausführungen:
"Nachdem wir nunmehr den Teil, den man als 'allgemeine Debatte'
bezeichnen kann, beendet haben, erhebt sich naturgemäß die Frage«
Was tun wir jetzt? Die Antwort auf diese Frage ergibt sich zum
großen Teil aus dem Wesen dieser Konferenz. Diese Konferenz ist manches
nicht; sie ist nicht eine Konferenz, um Entscheidungen zu fällen, die
diejenigen binden, die nicht ihre Zustimmung geben. Unsere 'vVirksamkeit
steigert sich in dem Maße, wie wir ein Übereinkommen zeigen, und ganz
gewiß sollten wir danach streben. Aber keine noch so große Majorität
kann eine Minorität, und sei sie noch 30 gering, binden. Dies ist auch
keine Konferenz, um mit Ägypten zu verhandeln, denn Ägypten ist nicht
anwesend. Wenn Ägypten die Einladung zur Konferenz angenommen hätte,
dann hätte die Konferenz wohl einen anderen Aspekt angenommen. Da
Ägypten es jedoch für richtig befand, der Konferenz fernzubleiben,
wird die Konferenz, wie sie sich jetzt zusammensetzt, automatisch
daran gehindert, eine Verhandlungsbasis mit Ägypten darzustellen.
Dies ist ferner keine Konferenz, durch die ein Ultimatum in irgendeiner Form an Ägypten gerichtet werden kann. Niemand von uns hier
würde auch nur für einen Augenblick ein derartiges Ziel verfolgen.
Wozu wir meiner Ansicht nach hier sind, ist, zu der größtmöglichen
Übereinstimmung zu gelangen, auf welche V/eise der Suezkanal am besten
und zuverlässigsten seinem ursprünglichen Zweck dienen kann, den freien
und sicheren Güteraustausch zwischen den Ländern der Welt zu fördern und
vor allem ein sicheres Verbindungsglied zwischen Asien und Europa zu sein.
Diese Verbindung darf nicht getrennt werden. Wir schulden es der
Welt und uns selbst, in dieser Frage eine nüchterne Ansicht zu äußern.
Ich meine, daß irgendwelcher Ausdruck unserer Meinung nicht auf
solchen Spekulationen beruhen sollte, ob die ägyptische Regierung zustimmt oder nicht zustimmen wird. Wir sollten vielmehr in aller Ehrlichkeit eine Ansicht über die Maßnahmen äußern, die Vertrauen für die
Zukunft schaffen und zur gleichen Zeit den souveränen Rechten Ägyptens
Rechnung tragen. Soweit dies die Vereinigten Staaten betrifft, beruht
die von uns vorgetragene Meinung auf unserer Einschätzung der tatsächlichen Lage. Wenn es die Regierung der Vereinigten Staaten auf außen-«
politischem Gebiet für opportun erachten würde, nicht irgendwelche
neuen Garantiemaßnahmen anzustreben, so würde jene politische Entscheidung faktisch keine Gewähr dafür bieten, daß unsere privaten Staatsbürger In Zukunft irgendwelche Pläne für die Schiffahrt oder für die
Erschließung von Absatzmärkten für ihre Produkte oder Lieferungsquellen
entwickeln können in der Annahme, daß die Durchfahrt durch den Kanal
auf Grund vernünftiger Bedingungen und verläßlich gewährleistet sein
würde. Zweifelsohne sind andere Regierungen in der gleichen Lage.
Nach Ansicht der amerikanischen Regierung ist es hier unsere Aufgabe, so klar wie möglich und mit der größtmöglichen Einmütigkeit die
wahren Bedingungen niederzulegen, die den Millionen von Menschen, deren
wirtschaftliche Bemühungen bewußt oder unbewußt durch eine verläßliche
Durchfahrt durch den Suezkanal berührt werden, eine wirtschaftliche Sicherheit geben. Eine politische Entscheidung, die weniger als das fordert,
was für dieses Ziel nötig :'st, würde irreführen und der Sache, der wir hier
dienen wollen, abträglich sein. Wollte man mehr verlangen

- 3-

�"AMERIKA DIENST"

22. August 1956

verlangen, dann würde dies in gleicher Weise falsch und der Sache,
der wir hier dienen wollen, ebenfalls abträglich sein. Die hier geäußerten Ansichten, die dann schließlich auf einfache Bestimmungen
reduziert wurden, sollten daher der ägyptischen Regierung unterbreitet werden, so daß diese dann entscheiden kann, was sie in diesem
Zusammenhang
zu tun wünscht.
'ü
'.Venn Ägypten diese Ansichten als eine Verhandlungsbasis für
einen Vertrag oder eine Konvention allgemein akzeptabel findet,
dann würde es die Aufgabe sein, einen Vertrag zwischen Ägypten und
denjenigen zu formulieren, die sich mit diesen Ansichten einverstanden erklären. Falls Ägypten andererseits nicht bereit ist, auf
einer Basis zu verhandeln, die den Ländern, welche in erster Linie
den Kanal benutzen und auf ihn angewiesen sind, unerläßlich scheint,
dann, so meine ich, wird dadurch eine neue Situation geschaffen, die
von unseren Regierungen zum gegebenen Zeitpunkt erörtert werden muß.
In diesem Fall wird es vielleicht - oder vielleicht aach nicht weitere gemeinsame Entscheidungen zwischen allen oder einigen Teilnehmern an dieser Konferenz geben. Das müßte von den Regierungen gemäß den entsprechenden Umständen entschieden werden.
Aus dieser Sicht heraus hat die amerikanische Delegation ein
Dokument vorbereitet und in Umlauf gebracht, in dem gewisse Ansichten
niedergelegt sind, wie der zukünftige Betrieb des Suezkanals auf eine
sichere Basis gestellt werden kann. Dieses Dokument trägt den Meinungen Rechnung, die auf dieser Konferenz geäußert worden sind.
Die große Mehrheit derjenigen, die hier gesprochen haben und
die jene Nationen vertreten, welche bei weitem am meisten auf den
Kanal angewiesen und seine größten Benutzer sind, scheint der Ansicht zu sein, daß die in diesem Dokument vorgeschlagenen Sicherungen die erforderliche Garantie geben, die notwendig ist, wenn sie
und ihre Landsleute auf eine verläßliche Durchfahrt durch den Kanal
rechnen wollen. Wenn wir alle oder die meisten von uns eine wesentliche
Einigung über eine Erklärung dieser Art erzielen, dann wird dies, so
meine ich, in erheblichem Ausmaße zu einer friedlichen Lösung des gegenwärtigen ernsten Problems beitragen. Ich bin der Überzeugung, daß
Ägypten die erörterten und gemeinsamen Ansichten jener Länder kennen
sollte, die im Vertrauen auf den Vertrag aus dem Jahre 1888 und das
bisher vorherrschende System ihre 'Virtschaften und ihren Handel entwickelt haben, wobei sie sich auf den Kanal als auf einen internationalen V/asserweg verließen.
Es mag vielleicht keine vollständige Einigkeit über diesen Punkt
herrschen, meiner Ansicht nach ist es aber wichtig, den größtmöglichen
Grad von Einijkeit zu erzielen. Wenn es andere hiervon abweichende Ansichten gibt, dann sollten sie ebenfalls niedergelegt und Ägypten mitgeteilt werden. Der Plan der Vereinigten Staaten stellt angesichts der auf
dieser Konferenz gemachten Bemerkungen ein ehrliches Bemühen dar, das
aufzuzeigen, was, wie es scheint, von den meisten von uns als die notwendigen Forderungen der Situation angesehen wird. Genauso wie ich glaube,
daß niemand aus politischen Gründen mehr verlangen sollte als praktisch
von den harten Tatsachen des '.Virtschaftslebens gefordert wird, so glaube
ich nicht, daß wir auf Grund von Spekulationen hinsichtlich dessen, was
Ägypten annehmen wird, weniger verlangen sollten.
Die

- 4-

�"AMERIKA DIENST"

22. August 1956

Die Souveränität Ägyptens ist hier nicht mißachtet worden. Was
vorgeschlagen worden ist, war daß Ägypten einen Vertrag machen sollte,
'während jeder Vertrag eine gewisse Aufgabe der souveränen Rechte "bedingt, ist der Abschluß eines Vertrages an sich ein Akt der höchsten
Souveränität. Was wir vorschlagen, geht dahin, Ägypten in höflicher
V/eise über gewisse Tatsachen zu informieren und es zu fragen, ob es
bereit ist - oder nicht -, in Verhandlungen zum Abschluß einer Konvention einzutreten, die diesen Tatsachen Rechnung trägt. V.'enn es
dies tun will, dann übt es seine Souveränität in einer Lage aus, der
ein großes internationales Interesse entgegengebracht wird. Durch
diesen Weg werden wir einer Pflicht genügen, die uns als Signatarmächte des Vertrages von 1888 oder als wichtige Benutzer des Suezkanals auferlegt worden ist. Wir können hoffen, daß Ägypten mit
gleicher Einstellung seine Verantwortlichkeit einsehen und so eine
faire und konstruktive Lösung ermöglichen wird, die die gesamte
Welt mit Spannung erwartet."

*

* * * *

- 5-

�A M E R I K A

D I E N S T

BOTSCHAFTEN ZUM LABOR DAY 1956
5. September 1956

�'AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

29. August

1956

BOTSCHAFTEN ZUM LABOR DAY

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen Botschaften führender Männer des amerikanischen
öffentlichen Lebens zum amerikanischen "Tag der Arbeit

Die Labor Day-Botschaft des amerikanischen Arbeitsministers,
James P. Mitchell, hat folgenden Wortlaut:
"Heute sind Hammer und Säge
maschine steht still. Kein Rauch
Schreibmaschinen sind stumm. Die
Verkaufsabschluß. Die Nation und

im Werkzeugkasten, die Produktionssteigt aus den Fabrikschloten. Die
Registrierkassen verzeichnen keinen
ihre 66 Millionen Arbeiter ruhen aus.

Was ist die Ursache dafür, daß die produktive Kraft der Nation
ruht und ihre Arbeitskraft das Werkzeug niedergelegt hat?
Es ist der Tribut, den wir den Männern und Frauen zollen, die
mit Herz, Geist und Händen die Güter und Dienstleistungen unserer
Nation schaffen. Auf diese Weise sagen wir der amerikanischen Arbeiterschaft Dank für die gute Arbeit.
Es ist eine Gelegenheit, bei der wir daran denken, daß Arbeit
die Mühe wert ist, daß die Gewerkschaften für Produktion und Fortschritt wesentlich sind, und daß die Arbeiter der Nation die Stärke
der Nation sind.
Wie geht es unseren arbeitenden Männern und Frauen? Wie leben
sie 1956? Sie haben einträglichere Anstellungen denn je zuvor. Sie
verdienen höhere Löhne, und sie können mit diesen Löhnen mehr für sich
und ihre Familien kaufen. Kurz, es geht ihnen besser als zu irgendeiner Zeit in der Geschichte unserer Nation.
Dies ist so, wie es sein sollte. Da mehr und mehr Menschen ein
eigenes Heim besitzen und an den Früchten ihrer Arbeit teilhaben, erkennen die Amerikaner in immer steigender Zahl das wahre Erbgut dieses großen Landes. Es besteht zumindest Grund zu der Hoffnung, daß
alle Amerikaner eines Tages den Traum erfüllt sehen, der die Menschen
über die unsicheren Wasser aus allen vier Himmelsrichtungen der ganzen Welt in unser Land führte.
Es ist unser aller - ob wir uns zur Arbeiterschaft, Betriebsführung oder Regierung rechnen - Verantwortlichkeit, sicherzustellen,
daß der amerikanische Traum für eine ständig wachsende Zahl unserer
Bevölkerung Wirklichkeit wird; daß die Früchte unserer Arbeit immer
weiter verteilt werden, und daß die Mußezeit, die dem Körper Gesundheit und dem Geist Frieden bringt, immer reichlicher zur Verfügung
steht."
Der

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

29. August 1956

Der demokratische Präsidentschaftskandidat Adlai Stevenson
erklärte:
"Dies ist der erste Labor Day seit der historischen Fusion von
zwei der größten Organisationen arbeitender Männer und Frauen auf der
ganzen Welt.
Neuerworbene Stärke bringt neue Verantwortlichkeiten und neue Möglichkeiten mit sich - Möglichkeiten für eine Führungsaufgabe, auf daß
in diesem Zeitalter der Fülle alle einen gerechten Anteil an dem Reichtum, den sie schaffen, haben mögen.
Angemessene Wohnungen, gute Schulen, gleiches Recht für alle, mehr
Freiheit für den einzelnen, Schutz gegen die unnötige Not im Alter, bei
Arbeitslosigkeit und Krankheit - diese Ziele braucht Amerika heute diese und Frieden in der Welt.
Ich bin zuversichtlich, daß die Gewerkschaften, die heute mächtiger denn je zuvor sind, in dem amerikanischen Bemühen um ein besseres
Leben den Weg weisen werden."
Der Fraktionsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus, John
W. McGormack, sagte:
"Im vergangenen Jahre ist in unserem Lande die Einheit der Arbeiter eine Realität geworden. Das positive und konstruktive Programm
der organisierten Arbeiter hat nicht nur die Arbeitsbedingungen der Gewerkschaftsmitglieder im ganzen Lande verbessert, sondern gleichzeitig
das Wohlergehen der 65 Millionen arbeitenden Menschen im Lande erhöht."

*

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

29. August

1956

George L'eany. der Vorsitzende, des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO:
"Die arbeitenden Männer und Frauen Amerikas haben guten Grund, den
diesjährigen Labor Day zu feiern,denn die geeinte Arbeiterbewegung
ist kein Traum mehr, sondern Wirklichkeit.
Es ist nicht meine Gewohnheit, große Voraussagen zu machen. Ich
habe jedoch die feste Zuversicht, daß die fusionierte Gewerkschaftsbewegung im Zusammenwirken mit ihren 15 Millionen Mitgliedern in den
kommenden Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen wird.
Was erwarten die Gewerkschaften? Welches sind ihre Ziele? Ständig
höre ich diese Fragen. Und es scheint mir, daß der Labor Day ein guter
Anlaß ist, über diese Dinge zu sprechen.
Wir wollen zu allererst einen gerechten Anteil an dem, was wir
produzieren helfen. Das heißt, mehr als den reinen Lebensunterhalt.
Das heißt, ein Einkommen, das ausreicht, um anständig und angenehm
leben zu können, es heißt, die Möglichkeit haben, um den Kindern des
Arbeiters eine gute Erziehung angedeihen und sie in einer gesunden
Umwelt aufwachsen zu lassen. Das heißt, Sicherung gegen mögliche Unglücksfälle und Sicherheit für das Alter. Das sind jene Ziele, die
in der Sprache der Gewerkschaftsbewegung die 'Brot- und Butterziele'
genannt werden.
Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, daß wir diese Vorteile nicht
für uns allein anstreben. Wir bemühen uns darum, Millionen unorganisierter Arbeiter zu organisieren, so daß auch sie bessere Bedingungen
erhalten können. Ja, wir versuchen, den Lebensstandard aller Amerikaner zu erhöhen.
Jeder, der die Gewerkschaftsbewegung richtig verstehen möchte,
sollte sich darüber im klaren sein, daß sie ebenso viel Wert auf das
Geben wie auf das Nehmen legt. Wir sind entschlossen, unseren Teil zum
Aufbau besserer Gemeinden und einer stärkeren Nation beizutragen. Wir
sind ebenso entschlossen, einen echten Beitrag zur Schaffung von Frieden, Freiheit und Wohlstand für die Menschen der ganzen Welt zu leisten.
Die Gewerkschaft hat ein großes und vorausschauendes Programm.
Sie ist durch Opposition und zeitweilige Rückschläge nicht zu entmutigen,und sie ist sich ihrer Verantwortlichkeit hinsichtlich der eigenen Disziplin voll bewußt. Sie hat ein Programm, das mit der freien
und demokratischen Lebensart vollständig übereinstimmt.
Wenn ich die wesentlichen Punkte des Gewerkschaftsprogramms zusammenfasse, möchte ich die wichtigsten Dinge an den Anfang stellen.
Wir können nicht leben und Fortschritte erzielen ohne Frieden. Wir
die wir im Atomzeitalter leben, wissen, daß ein Krieg eine gewaltige Katastrophe wäre, durch die ganze Nationen ausgelöscht und
durch die über Nacht alles zerstört werden würde, wofür wir Jahrhunderte lang gekämpft haben.
Es

3

"

�•"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

29. August

1956

Es gibt nur eine Macht auf der Erde, die stark genug und bedenkenlos genug wäre, die Welt in einen solchen Krieg zu stürzen - Sowjetrußland. Der geschickte Propagandafeldzug des Kreml - seine wiederholten Hinweise auf seine friedlichen Absichten, seine kürzliche Verurteilung der Verbrechen Stalins -, keines dieser Manöver kann die
zentrale und unumgängliche Tatsache verdecken, daß das Ziel der Kommunisten noch immer die Beherrschung der Welt ist, und daß sie sich nie
mit weniger zufrieden geben werden.
Das ist der Kernpunkt, dem sich Amerika in seiner führenden Rolle
in der freien Welt entgegenstellen muß. Wir müssen einen sorgfältigen
Kurs steuern, um den Frieden zu erhalten, ohne dabei die Freiheit irgendeiner Nation, die der kommunistischen Aggression ausgesetzt ist,
zu gefährden oder zu opfern. Wir müssen ein starkes nationales Verteidigungsprogramm und eine klare außenpolitische Linie entwickeln, die
den Krieg durch das einzige Abschreckungsmittel, das die Kommunisten
respektieren,mit größtmöglicher Sicherheit verhindern können: die Machtüberlegenheit.
Die freie, amerikanische Gewerkschaftsbewegung wird sich niemals
durch das Süßholzgeraspel von Diktatoren täuschen lassen, die durch
Massenunterdrückung regieren und mit Zwangsarbeit ihren Militärapparat
stärken.
Aber wir sind uns darüber im klarenj da.3 verzweifelte Menschen
in weit entfernten Ländern, die keine Hoffnung sehen, um ihrem gegenwärtigen Elend zu entkommen, dem Kommunismus auf Grund falscher Versprechungen von Brot und Sicherheit verfallen können. Das ist bereits
geschehen. Es kann wieder geschehen. Die Kommunisten unternehmen gewaltige Anstrengungen, die Herrschaft über die arbeitenden Massen in
Europa, Asien, Afrika und Südamerika zu gewinnen. Sie haben gezeigt,
daß sie in dem Augenblick, da sie die Arbeiterbewegung eines Landes
in der Hand haben, sie auch die politische Macht in die Hand bekommen
und den Eisernen Vorhang vorverlagern können, ohne zu militärischen
Mitteln greifen zu müssen.
Dies ist der Kampfplatz, auf dem die freien Gewerkschaften unter
dem Banner des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften ihren
größtmöglichen Beitrag zur Erhaltung des Friedens und der Freiheit
der Menschheit zu leisten entschlossen sind. In den letzten sieben
Jahren ist jeder Versuch der Kommunisten, durch Infiltrierung weiter
vorzudringen, vereitelt worden. Der Einfluß der Kommunisten in den Gewerkschaftsbewegungen der freien Nationen ist eingedämmt worden. Die
freien Gewerkschaften haben die Absicht, einen immer wirksameren Feldzug auf diesem lebenswichtigen Gebiet zu führen.
Was die Lage in Amerika selbst anbelangt, so sehen die Gewerkschaften die Notwendigkeit einer fortschreitenden Stärkung der amerikanischen Wirtschaft ein, was letztlich dem Handel, den Farmern und
Industriearbeitern in Form von größeren Einkünften zugute kommt. Wir
haben ständig darauf beharrt, daß eine höhere Kaufkraft der Massen der
Schlüssel zu einer dynamischen Wirtschaft und wachsendem Wohlstand ist.
Aber die Verbrauchsrate muß mit der ständig wachsenden Produktionskapazität Amerikas Schritt halten. Andernfalls werden wir mit Überschüssen

- 4 "

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

29." August 1956

Überschüssen überschwemmt, die tödliche Gefahren in sich bergen. So
ist der Druck der Gewerkschaften, durch den auf dem Wege über Kollektivverhandlungen höhere Löhne erzielt werden sollen, im öffentlichen
Interesse.
Ebenso unser Bemühen, unorganisierte Arbeiter zu organisieren,
denn sie werden bessere Kunden, wenn sie nach Gewerkschaftstarifen
bezahlt werden. Der amerikanische Lebensstandard kann, solange die
Räder seiner Produktionsmaschine laufen, nicht einfrieren.
Natürlich erschrecken manche kurzsichtigen Menschen bei dem
Gedanken an eine fortwährende Expansion. Sie fürchten, daß der Fortschritt nicht unbegrenzt andauern kann. Tatsache ist, daß die Grenzen
des amerikanischen Fortschritts noch nicht abzusehen sind. Es gibt noch
viel in unserem Land zu tun, was leider zu lange vernachlässigt worden ist - umfassende Projekte, die nur von der Bundesregierung geplant
und durchgeführt werden können.
Das ist zum Beispiel der Mangel an Schulen. Alles in allem stellt
das Schulwesen des ganzen Landes einen dringenden Notstand dar. Die
Einzelstaaten und Gemeinden haben nicht das Geld, um genug Schulen
zu bauen und durch bessere Bezahlung den Lehrberuf für mehr Menschen
attraktiver zu gestalten. Die einzige Lösung ist nach Meinung unparteiischer Experten eine Hilfe durch den Bund - die der Kongreß bisher
noch nicht zur Verfügung gestellt hat.
Die Gewerkschaften sind über die Schulkrise so besorgt, daß sie
die Forderung eines angemessenen Programms des Bundes für das Schulwesen an die Spitze ihres Legislativprogramms gestellt haben. Wir
setzen uns außerdem für ein großzügiges Wohnungsbauprogramm auf Bundesebene ein, um die Slums und ungesunden Viertel aus unseren Städten
verschwinden zu lassen und Menschen der niedrigen und mittleren Einkommensklassen und älteren Personen angemessene 7/ohnungen zu beschaffen.
Im vergangenen Jahrzehnt hat Amerika Fortschritte in Richtung auf
eine verbesserte Sozialversicherung gemacht. Aber immer noch klafft
eine Lücke in dem Schutzwall, den wir .errichtet haben. Es existiert
noch kein angemessenes Versicherungsprogramm, um die Kosten ärztlicher
Behandlung zu decken, eine Tatsache, die für die Durchschnittsfamilie
unselige Folgen haben kann. Der AFL-CIO tritt für eine Krankenversicherung auf Bundesebene ein, die die Freiheit der Patienten und Ärzte
in gleicher Weise garantiert.
Unser Legislativprogramm sieht schließlich noch ein Gesetz zur
Regelung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen vor, das beiden Seiten des Konferenztisches gerecht wird und gleichzeitig das öffentliche
Interesse schützt. Führer der beiden großen politischen Parteien haben
ihre Hilfe für die Beseitigung der offensichtlichen Ungerechtigkeiten
zugesichert, die das Taft-Hartley-Gesetz den ainerikanisehen Arbeitern
auferlegt. Aber nichts ist getan worden. Ebenso gibt es in 17 Staaten
immer noch die sogenannten 'Recht-auf-Arbeit'-Gesetze, die auf die
völlige Zugrunderichtung der Gewerkschaftsverbände ausgerichtet sind
und die schleunigst aufgehoben werden sollten.
TT

5

-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

29. August

1956

Um mit seinem Legislativprogramm Erfolg zu haben, sah sich der
AFL-CIO genötigt, politisches Gebiet zu betreten. Wir sind überzeugt,
daß Amerika - um weiter zu kommen - eine fortschrittlichere und vorausblickende Regierung braucht. Unser politisches Aktionsprogramm ist einfach. Wir appellieren an alle unsere Mitglieder und ihre wahlberechtigten Familienangehörigen, sich für die Wahl registrieren zu lassen und
ihrer Wahlpflicht zu genügen. Wir beschaffen ihnen Material über die
Kandidaten und ihre Einstellung zu den wichtigsten Problemen, so daß
sie mit Überlegung wählen können. Wir versuchen weder, eine der politischen Parteien zu dirigieren, noch uns von einer beherrschen zu lassen. Unsere Haltung ist unabhängig, bester amerikanischer Tradition gemäß .
In diesem Wahljahr ist es für jeden arbeitenden Mann und für jede
arbeitende Frau in Amerika zwingender denn je, sich registrieren zu lassen und ihrer Wahlpflicht zu genügen. Ich kann diese Staatsbürgerpflicht
gar nicht genug betonen.
In dieser Botschaft zum Labor Day habe ich eine Reihe künftiger
Ziele bekanntgegeben. Jetzt, da die Gewerkschaftsbewegung geeint ist, befindet sie sich in einer weit besseren Lage, diese Ziele zu erreichen.
Natürlich erwarten wir nicht, über Nacht Wunder zu vollbringen. Aber mit
Geduld, stetigem Bemühen, in der Verfolgung der hohen Grundsätze der Begründer unserer Bewegung und im Zusammenstehen gegen die Hindernisse auf
unserem Weg können und werden wir einen wesentlichen Fortschritt erzielen.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Arbeiter und Angestellten des
amerikanischen Fernmeldewesens und Vorsitzende des Ausschusses der AFLCIO für die im öffentlichen Dienst Beschäftigten, Joseph A.Beirne.
erklärte:
"Wenn sich die amerikanischen Arbeiter an diesem Labor Day des
Wohlstandes und der Freiheit erfreuen, so darum, weil wir stark genug
sind, für diese beiden Güter das ganze Jahr über zu kämpfen. Der Tag,
an dem wir fett und träge werden sollten, würde den Beginn der Zeit bedeuten, da wir beide verlieren würden.
So lange Gewerkschaften und andere die Freiheit sichernde Institutionen von der eisernen Faust irgendwelcher Art von Totalitarismus
niedergehalten werden,kann es keinen echten Frieden geben.Wir müssen deshalb die Gewerkschaften der freien Welt erhalten und ihre weitere Entwicklung fördern.
Hier in unserem Lande hat die organisierte Arbeiterschaft in den
42 Millionen Amerikanern, die sich keiner Organisation angeschlossen
haben, eine schwere Last mitzuschleppen. Wir alle sind es uns selbst
schuldig, etwas zur Behebung dieses mangelnden Gleichgewichts zu unternehmen, wenn wir unseren Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten gerecht
werden wollen - in der Heimat und auch draußen im Ausland."
George M. Harrisonf der Vorsitzende der Gewerkschaft der Eisenbahnangestellten und Leiter des Bildungsausschusses der AFL-CIO, gab folgende Erklärung ab:
"Das neue Abzeichen der AFL-CIO zeigt zwei Hände, die sich über
dem nordamerikanischen Festland zusammenschließen. An diesem Labor Day
habe ich den Wunsch, diese selbe Art des Händedrucks auf alle anderen
Gewerkschaftsangehörigen auszudehnen, nicht nur i_n
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

29. August

1956

in Nordamerika, sondern rings in der ganzen Welt.
Es ist die Hand eines Freundes, die ich ausstrecke. Wenn ihr je
ihrer bedürfen solltet, dann hoffe ich, daß sie sich hilfreich erweisen wird. Und wenn dies der Fall ist, dann haben wir nur die Bitte, daß
auch ihr wiederum die gleiche helfende Hand allen anderen Mitgliedern
der Gewerkschaftsbewegung entgegenstreckt."
0. A. Knierht, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Arbeiter der
Erdöl-, chemischen und Atomkraftindustrie Amerikas und Mitglied des
Ausschusses für inter-amerikanische Angelegenheiten der AFL-CIO,
führte aus:
"An diesem Labor Day, dem ersten seit der Schaffung des Gewerkschaftsverbandes 'American Federation of Labor and Congfess of Industrial Organizations', erscheint es vielleicht angebracht, festzustellen,
daß die organisierte Arbeiterschaft ihre historische Aufgabe, zum bestp.x
der Interessen aller Amerikaner zu wirken, auch weiterhin durchgeführt
hat, ungeachtet der Kassandra-Warnungen, welche die Geburt der AFL-oIO
von manchen Seiten her begleiteten.
Und da wir uns jetzt der ersten Präsidentenwahl seit unserem Zusammenschluß zu einer gemeinsamen Körperschaft nähern, dürfte es auch
angemessen sein, darauf hinzuweisen, daß wir in unserer politischen
Tätigkeit denselben Kurs weiterverfolgen wie bisher.

was
Wir
für
gen
das
gen

Las bedeutet, daß wir auch künftig für alles das eintreten werden,
recht ist, selbst dann, wenn es unpopulär sein sollte, so zu handeln.
werden fortfahren, die Interessen zu verteidigen, die lebenswichtig
die Wohlfahrt unseres Landes sind. Und wir werden nicht zögern, gejegliches Sonderinteresse zu kämpfen - und unbarmherzig zu kämpfen -,
versucht, seine eigenen beschränkten Zwecke auf Kosten aller übrivon uns zu fördern.

Diesem Geiste weihen wir uns, unter nochmaliger Bekräftigung der
Grundsätze., für die wir uns stets eingesetzt haben, an diesem Labor
Day von 1956 aufs neue."
James B. Carey, der Vorsitzende der internationalen Gewerkschaft
der Arbeiter der Elektro-, Radio- und Maschinenindustrie und Leiter des
Ausschusses für staatsbürgerliche Rechte der AFL-CIO, betonte:
"Die Gewerkschaftsbestrebungen und die Vertretung der Rechte des
Staatsbürgers hängen eng miteinander zusammen. Das eine kann keine
Fortschritte machen, wenn nicht auch das andere gefördert wird. Und
ebenso kann auch keines von beiden gehemmt werden oder Schaden erleiden,
ohne daß zugleich das andere dadurch in Mitleidenschaft gezogen wird.
Seit den frühen Tagen der dreißiger Jahre haben sich sowohl die Gewerkschaften als auch die Rechte des Staatsbürgers nicht solch vielfältigen
und großen Aufgaben gegenübergesehen.
Der

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEITER

29. August 1956

Der Versuch, die Bevölkerung Amerikas und der Welt nach ihrer
Hautfarbe aufzuteilen, stellt uns vor eine große Bewährungsprobe. Früher
war es die Religion, zu anderen Zeiten waren es Nationalismus, Regionalstolz oder irgend etwas anderes, das dem Zweck dienen sollte, die amerikanischen Werktätigen untereinander zu spalten und sie von den Arbeitern des Auslandes zu isolieren.
Das ist der Feind, um den man sich kümmern muß. Lächerlich ist es
jedoch, anzunehmen, daß jemand allein durch den Beitritt zu einer Gewerkschaft sozusagen automatisch seine ganze frühere Haltung abstreifen, die Vorurteile, die ihm ein ganzes Leben lang anhafteten, verlieren wird. Zahlreiche neue Gewerkschaftsmitglieder kennen nicht die Lektion, welche die Gewerkschaftsbewegung auf ihrem schweren Weg gelernt
hat: daß wir von Zeit zu Zeit immer wieder die Waffen des Vorurteils
und des Hasses in Anwendung gebracht sahen, um die Werktätigen voneinander zu trennen, wobei das Endergebnis die Schwächung der Gewerkschaft,
die Verfolgung einiger weniger und das allgemeine Leiden vieler war.
Teilung unter dem Gesichtspunkt der Rasse, der Hautfarbe, der Religion oder der nationalen Abstammung, das ist unsere größte Tragödie,
unsere stärkste Bedrohung. Sobald jeder Werktätige diese Wahrheit begreift, haben wir nichts zu fürchten. Dann können wir alle vorwärts
schreiten, um der reichen Verheißung teilhaftig zu werden, die Amerika
stets den kommenden Generationen geboten hat."
"Ein reicheres und friedlicheres Leben für alle ungeachtet Rasse
und Glauben sei die Hoffnung der amerikanischen Arbeiterschaft, die
in der neugeeinten Arbeiterbewegung erstarkt ist", sagte A. Philip
Randolph, Vorsitzender der Gewerkschaft der Schlafwagenschaffner,
in einer Sonderbotschaft zum Labor Day. "Dieser Labor Day", fuhr Randolph fort, "ist ein wichtiger und bedeutender Markstein im Leben
der amerikanischen Arbeiterbewegung; denn es ist der erste Labor Day
seit dem Tage der historischen Verschmelzung der American Federation of
Labor (AFL) und des Congress of Industrial Organizations (CIO).
Die^Tatsache, daß die Arbeiterschaft in Amerika vereinigt ist,
verleiht ihr eine moralische Autorität, die sie in die Lage versetzen
wird, nicht nur dem Ziele der Erhöhung des Lebensstandards der Arbeiter und ihrer Familien erfolgreicher zu dienen, sondern gleichzeitig
ein großes Bollwerk amerikanischer Demokratie gegen die totalitären
Mächte des Kommunismus und des Faschismus zu sein.
Sämtliche Arbeiter der amerikanischen Arbeiterbewegung haben ein
Recht darauf, hinsichtlich der Arbeit unserer großen Bewegung für
gesunde wirtschaftliche, politische, ethische und internationale
Grundsätze, zu denen die Vollbeschäftigung, ein reicheres Leben, Sicherung der bürgerlichen Rechte und Freiheiten, Demokratie und Weltfrieden gehören, voller Glaube und Hoffnung in die Zukunft zu schauen".

In

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

29. August 1956

In einer Botschaft zum amerikanischen Labor Day erklärte der Direktor der Internationalen Arbeitsorganisation, David A. Morse:
"Dieser Labor Day fällt in ein für die demokratische Gewerkschaftsbewegung außerordentlich bedeutsames Jahr und stellt den Anfang zu etwas dar, was eine Ära noch größerer Errungenschaften für die amerikanischen Arbeiter zu werden verspricht.
Da ich immer an die Einheit der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung geglaubt habe, grüße ich Sie, die Sie in den vergangenen zwölf
Monaten die große und bedeutungsvolle Fusion der American Federation
of Labor (AFL) und des Congress of Industrial Organizations (CIO) vollzogen haben, mit tiefer Befriedigung.
Sicherlich ist dieser Schritt ein Zeichen für künftige größere
Dinge. Seine zu erwartendai Vorteile scheinen mir an diesem Labor Day
unbegrenzt zu sein.
In ihrem Kampf um bessere Arbeitsbedingungen in allen Teilen der
Welt zollt die Internationale Arbeitsorganisation heute den Problemen
der Zwangsarbeit, der Rechte der Gewerkschaften, der ArbeitgeberArbeitnehmer-Beziehungen und der Diskriminierungen am Arbeitsplatz viel
Aufmerksamkeit. Erhebliche Arbeit wird auch auf eine Studie über die
Probleme der Automation aufgewandt.
Diese und andere Bemühungen sind zusammen mit den Bestrebungen
einer wiedervereinten und gestärkten amerikanischen Gewerkschaftsbewegung unter der Voraussetzung eines dauerhaften Friedens in der Welt
dazu angetan, zu einer besseren Zukunft für uns alle zu führen."
*
Der Leiter der National Catholic Weifare Conference, Monsignore
George G. Higgins, sagte in einer Botschaft zum amerikanischen Labor
Day, die vereinte Gewerkschaftsbewegung in den Vereinigten Staaten sei
"das Symbol einer neuen Är^r auf dem Gebiet der betrieblichen Beziehungen" .
"Sie symbolisiert", so sagte Monsignore Higgins, "die Tatsache, daß
die organisierte Arbeiterschaft in den Vereinigten Staaten mündig geworden ist und sich nunmehr auf ihre wesentliche Rolle im wirtschaftlichen Leben der Nation konzentrieren kann, nämlich als ebenbürtiger
Partner unter Anwendung der Grundsätze der sozialen Gerechtigkeit mit
der Betriebsführung zusammenzuarbeiten. Früher war die organisierte
Arbeiterschaft dazu gezwungen gewesen, unverhältnismäßig viel Zeit und
Energie auf die Verteidigung des Rechts der Arbeiter, sich zu organisieren und kollektiv zu verhandeln, zu verwenden.
Während

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

29. August 1956

Während die Organisierung der Arbeiter noch nicht abgeschlossen
ist und wahrscheinlich in einer Generation noch nicht abgeschlossen
sein wird, ist das Recht auf Organisierung und Kollektivverhandlungen
heute doch so fest begründet, daß es niemals wieder ernstlich in Frage
gestellt werden kann, außer natürlich, wenn es eine Spaltung der nationalen Einheit und Lahmlegung der Volkswirtschaft herbeiführen würde.
Es scheint aber - wenn überhaupt - wenig Furcht vor einer solchen
Katastrophe zu herrschen, denn glücklicherweise hat die Mehrheit der
wirklich einflußreichen amerikanischen Wirtschaftsführer weitgehend
ihre Bereitschaft gezeigt, die Vergangenheit zu vergessen und in Zusammenarbeit mit der organisierten Arbeiterschaft ein neues und konstruktiverem Bild der Wirtschaftspolitik und industriellen Probleme
zu entwickeln.
Diesen weitsichtigen Unternehmern und ihren Gegenspielern in der
Gewerkschaftsbewegung sollte alle gebührende Anerkennung für ihre
staatsmännische V/irtschaftspolitik gezollt werden...
Natürlich wird es - wie in der Vergangenheit auch in der Z1 .^unf t viele Meinungsverschiedenheiten zwischen Gewerkschaften und Management
geben. Das steht zu erwarten. Dennoch besteht, wie wir bereits angedeutet haben, Grund zu der Annahme - und sie scheint die Zustimmung
aller Experten auf diesem Gebiet zu finden -, daß wir in eine neue Ära
treten, in der Gewerkschaften und Betriebsführung es dann möglich finden
werden, harmonischer denn je zuvor zusammenzuarbeiten, und zwar nicht
nur zu ihrem gegenseitigen Vorteil, sondern zum Besten der ganzen
Nation."

* * *

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�A M E R I K A

S T

EISENHOWER: DAS GESPRACH VON VOLK ZU VOLK FÖRDERN

WASHINGTON - (AD) - Im folgenden geben wir den
Text der Ausführungen Präsident Eisenhowers vor.
der Konferenz über eine Intensivierung der Völkerverständigung in Washington am 11 . September
bekannt:

"Ich trete mit etwas gemischten Gefühlen vor diese Versammlung,
Unter den Anwesenden sind so viele meiner Freunde, die meiner Meinung
nach zu dieser Zusammenkunft wie zu einer Art Familientreffen mit den
gleichen freudigen Empfindungen gekommen sind, wie wir sie alle bei
derartigen Anlässen kennen.
Wenn ich auf diese Versammlung kluger und fähiger amerikanischer
Männer und Frauen blicke - einige von Ihnen haben gerade auf jenen Gebieten, über die ich hier sprechen will, reiche Erfahrungen gesammelt so muß ich schon sagen, daß mich eine gewisse Scheu, ja ein Gefühl der
Befangenheit erfaßt.
Und doch erkühne ich mich hier vor Ihnen zu sprechen, da der Zweck
dieses Treffens das höchste und lohnendste Ziel unserer heutigen Welt
darstellt: mitzuhelfen einen Weg zum Frieden zu suchen, mitzuhelfen
einen Weg zu dauerndem Frieden zu finden.
Die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, entspringt zu einem Teil
der Annahme, daß kein Volk als solches den Krieg wünscht - daß alle
Völker Frieden wollen.
Wir wissen, daß diese Annahme zutrifft; wir wissen aber auch,
daß man in gewissen Teilen unserer Erde nicht dieser Ansicht ist.
Manchen Völkern erzählt man - und sie können sich ja kein eigenes
Urteil bilden -, daß andere Völker, und damit sind auch wir gemeint,
den Krieg wünschen: daß wir kriegslüstern sind, daß wir materialistisch sind, daß wir in Wahrheit nur auf eine Katastrophe dieser Art
hoffen, damit - wie sie sagen - einige wenige aus dem Elend der Welt
ihren Nutzen ziehen.
Was mich anbetrifft - und ich bin ja nicht erst von heute und
weiß daher mehr oder weniger Bescheid über alle Kriege, die die Vereinigten Staaten geführt haben - ich meinerseits kann zu Ehren des

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�12. September 1956

'AMERIKA DIENST"

des amerikanischen Geschäftsmannes nur sagen, daß ich noch keinen getroffen habe, der vom Kriege nicht anders als mit Bedauern gesprochen
und der Hoffnung Ausdruck gegeben hätte, daß es nie wieder Krieg geben
möge.
Wenn wir die von uns als zutreffend angenommene Tatsache, daß alle
Menschen den Frieden wünschen, richtig nutzen wollen, dann geht es
also um das Problem, daß die Menschen sich zusammenfinden und ihre Regierungen dazu bringen - wenn nötig unter Umgehung der Regierungen nicht nur einen Weg, sondern tausend '.Yege ausfindig zu machen, wie die
Völker allmählich ein wenig mehr voneinander erfahren und übereinander
lernen können.
Es geht dabei um folgende Fragen: Was können wir gegen die Unwissenheit tun? Wie legen wir unsere eigene Sache klar? Wie stärken wir
die Bande der Freundschaft? Wie erfahren wir etwas von anderen Völkern? Das sind die Probleme, die wir zu lösen haben.
Die Kommunisten unterwerfen natürlich alles der Kontrolle des
Staates, und wenn sie ein großangelegtes Propagandaprogramm starten,
istim voraus schon alles bis ins einzelne festgelegt - und jeder fügt
sich. Sie tun dies in allen Lebensbereichen, in allen Dingen. Und eine
Zeitlang hat es auch wirklich den Anschein, als ob sie damit augenfällige Erfolge erzielten.
Natürlich ist ihre große Schwäche die, daß in Zeiten starker Belastungen, wenn zum Beispiel im Volke die Liebe zur Freiheit stärker
wird als die Angst vor der Pistole im Nacken, die Diktatur stürzt. Im
Kriege war es ja tatsächlich so, daß die Heere der Diktatoren Auflösungserscheinungen zeigten, als die Angst vor dem Maschinengewehr des
Feindes stärker war als die Angst vor der Maschinenpistole im Genick.
Wir gehen da einen anderen Weg. Wir rekrutieren die Kräfte der
Initiative, des unabhängigen Handelns und unabhängigen Denkens von
168 Millionen Menschen. Manchmal erweckt.dies den Anschein der Langsamkeit und Ungeschicklichkeit - den Anschein von Schwäche. Da wir
aber allen Krisen gemäß dem Willen der großen Mehrheit begegnen, ist
es tatsächlich so, daß mit zunehmenden Schwierigkeiten die Verbundenheit des Volkes und damit seine Schlagkraft wächst.
Wir stehen heute vor dem bereits von mir erwähnten Problem: nämlich, das Verständnis der Völker füreinander zu wecken. Hier sind
Menschen, die, so hoffen wir, uns führen werden. Die Regierungen können nicht mehr tun als den Weg weisen und auf technisch-sachlichem
Gebiet Erleichterungen schaffen. Ihre Aufgabe ist es, die Öffentlichkeit amtlich zu unterrichten.
Aber ich spreche hier über den Austausch von Professoren, Studenten und führenden Männern, der Bereitstellung technischer Unterstützung
und von den gewöhnlichen Auslandsreisenden. Ich spreche von Ärzten,
die an der Bekämpfung von Krankheiten mitwirken, von unseren freien
Gewerkschaften, die anderen Völkern Einblick in ihre Arbeit geben, die

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"AMERIKA DIENST"

12. September

1956

die zeigen, was der Amerikaner verdient, wie er sein Geld verdient und
was er sich dafür leisten kann.
Kurzum, wir müssen jeden auch noch so kleinen Spalt im Eisernen
Vorhang erweitern und die Familie der russischen Völker oder jedes
andere Land hinter dem Eisernen Vorhang, das sich um eine Besserung des
Loses seiner Kinder bemüht - wie es ja Menschen in der ganzen Welt tun mehr in unseren Kreis einbeziehen. Wir wollen ihnen zeigen, wie wir leben,
und dann uns mit ihnen zusammensetzen und uns fragen 'Was können wir
tun, um unser beider Los zu bessern'?
Dies ist, so meine ich, wohl der sicherste Weg zum Frieden. Alles
andere, was wir unternehmen, sind nur Augenblickslösungen oder dazu bestimmt, die eingeschlagene Linie zu halten, während konstruktive Kräfte
dieser Art allmählich zum Zuge kommen.
Jede Bombe, die wir fabrizieren können, jedes Flugzeug, jedes
Schiff, jede Kanone - sie alle dienen, auf die Dauer gesehen, nur einem
negativen Zweck - wir wollen damit Zeit gewinnen, den andern davon abzuhalten, einen Krieg vom Zaune zu brechen, da wir selbst, und das
wissen wir genau, diesen nie beginnen würden.
Die Wirksamkeit der Milliarden Dollar, die wir für diese Sache
aufwenden, sollte durch eine große Anstrengung des ganzen amerikanischen
Volkes noch unterstützt werden, eine positive und konstruktive Anstrengung, die \ms unmittelbar dahin bringt, wohin wir alle wollen; Zu einem
echten und bleibenden Frieden.
Wenn ich mich nun an Sie wandte, dann aus dem Wunsch heraus trotz der Scheu, von der ich bereits gesprochen habe - Ihnen zu sagen,
daß es nach Ansicht meiner Regierung keine wichtigere Aufgabe gibt
als die, an der mitzuwirken wir Sie bitten. Kein Problem, dem sich das
amerikanische Volk, ja die ganze Welt heute gegenübersieht, bestimmt
derartig unser Tun, unser Denken und unser Handeln wie das, den Frieden
zu wahren und für unsere Sicherheit zu sorgen.
Mag dieses Problem heute Suez und morgen wieder anders heißen,
es gibt nichts, was unseren Alltag mehr berühren könnte. Es diktiert
schon beinahe die Höhe unserer Steuern. Es färbt gewissermaßen jede
Frage, mit der wir uns zu Hause auseinandersetzen müssen.
Wenn Sie nun mit Ihrer Arbeit beginnen, wenn Sie Kontakt mit den
Regierungsvertretern aufnehmen, die mit Ihnen zusammenarbeiten, dann
werden Sie verstehen, daß es hier um eine Sache geht, die sowohl der
Regierung als auch jedem einzelnen in Amerika - und wir yind sogar überzeugt, Ler ganzen Welt - sehr am Herzen liegt, mit Ausnahme jener wenigen, Li« entgegen Recht und Zuständigkeit ihre Herrschaft anderen
aufzwi ng- n wollen.
Ich danke Ihnen, daß Sie mir Ihre Aufmerksamkeit geschenkt haben.

•x•

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�A M E R I K A

D I E N S T

DULLES UNTERBREITET PLAN FÜR EINE
VEREINIGUNG DER KANALBENUTZER
Die Erklärung des US-Außenministers auf der Londoner Suez-Konferenz

Der amerikanische Außenminister John Foster Dulles
unterbreitete am 19. September auf der zweiten Londoner Suez-Konferenz, an der die 18 Nationen teilnahmen, die dem auf der ersten Konferenz ausgearbeiteten Vorschlag für eine internationale Suezkanalbehörde zustimmten, einen Plan für die Errichtung
einer ständigen Vereinigung, die provisorische Abmachungen für einen befriedigenden Betrieb des Kanals treffen soll, während eine endgültige Lösung
ausgearbeitet wird. Bei der Darlegung des französisch-britisch-amerikanischen Planes schlug Dulles
vor, daß die zu gründende Vereinigung mit einem nicht
zu großen Arbeitsfonds ausgestattet werde, einen kleinen Stab unter der Leitung eines Verwaltungsbeauftragten einstellen und ein Direktorium zur Durchführung des Planes wählen soll.
Die Erklärung des amerikanischen Außenministers auf
der Eröffnungssitzung der zweiten Londoner Suez-Konferenz hat folgenden Wortlaut:
"Unsere hiesige Zusammenkunft im vergangenen Monat gab Anlaß zu
der festbegründeten Hoffnung, daß das Suezkanalproblem gelöst werden
könnte. Achtzehn von uns waren zu einer Übereinkunft gelangt. Wir repräsentieren Nationen aus Europa, Asien, Afrika, Australien und
Amerika. Die Schiffe unserer Länder machten über 90 Prozent des gesamten Suezkanal-Verkehrs aus.
Unter uns waren Länder, deren Handel eine unterschiedliche,
allerdings wesentliche Abhängigkeit von dem Kanal aufweist. Es war
kein geringer Erfolg, daß trotz dieser Unterschiedlichkeit ein Übereinkommen erzielt wurde. Dies war nur möglich, weil unter uns ein
Geist der Versöhnlichkeit und ein Gefühl für die Dringlichkeit vorherrschte, geboren aus dem Ernst der Lage, vor die uns die ägyptische
Regierung gestellt hatte.
Wir einigten uns auf ein Programm, durch das für immer in wirksamer und zuverlässiger Form Betrieb, Unterhaltung und Ausbau des

�"AMERIKA DIENST"

19. September 1956

des Suezkanals im Einklang mit dem Vertrag aus dem Jahre 1888 sichergestellt werden sollte.
Dieses Programm respektierte die Souveränität Ägyptens aufs
genaueste. Die ägyptische Regierung hat es jedoch, wie unser Fünferausschuß uns soeben berichtet hat, regelrecht abgelehnt, unseren Vorschlag als eine Verhandlungsgrundlage zu betrachten. Sie machte keinen
Gegenvorschlag.
Diese Haltung Ägyptens hat eine neue und schwierige Situation
geschaffen. Während wir uns die Zurückhaltung auferlegen, zu der uns
die Charta der Vereinten Nationen verpflichtet, suchen wir weiterhin
mit friedlichen Mitteln eine Lösung dieses schwierigen Problems zu
erreichen. Bestimmte Dinge sind, so glaube ich, klar:
Erstens: Die Konvention aus dem Jahre 1888 gibt unseren Schiffen
das Recht, zu jeder Zeit den Suezkanal als eine freie und offene
Wasserstraße zu passieren.
Zweitens: Diese Rechte werden durch den Schritt der ägyptischen
Regierung gefährdet, durch den sie die allgemeine Suezkanalgesellschaft
an der Ausübung ihrer Funktionen, so wie dies vereinbart war, hinderte
und selbst alle diese Funktionen widerrechtlich an sich riß.
Es trifft zu, daß die ägyptische Regierung, obwohl sie einseitig
die Konzession der allgemeinen Suezkanalgesellschaft aufgehoben hat,
die Teil des oben erwähnten Systems war und durch die Konvention aus
dem Jahre 1888 ins Leben gerufen wurde, erklärt, daß sie sich trotzdem
an die Konvention halten und einen fairen und gerechten Betrieb des
Kanals gewährleisten will. Der Prüfstein aber ist, ob die ägyptische
Regierung es akzeptiert, daß die Partner und Nutznießer der Konvention
aus dem Jahre 1888 wirklich über die Einrichtungen verfügen, die ihnen
die Ausübung ihrer Rechte gewährleisten. Wenn die ägyptische Regierung
darauf besteht, daß die Schiffskapitäne qu.asi Entrechtete sind, die
den Kanal niemals durchfahren können, es sei denn unter solchen Bedingungen, wie sie die ägyptische Regierung von Zeit zu Zeit erläßt,
dann besteht keine Garantie mehr für eine freie und sichere Durchfahrt,
wie sie die Konvention aus dem Jahre 1888 fordert.
Ich weiß, daß die ägyptische Regierung argumentiert hat, sie
könne jederzeit durch die Anwendung von Gewalt den Verkehr durch den
Kanal unterbrechen und die Passage müsse daher von dem guten Glauben
und dem guten Willen Ägyptens abhängen. Es gibt jedoch zahlreiche Sanktionen gegen eine offene und gewaltsame Unterbrechung der freien Durchfahrt. Das gilt aber nicht, wenn eine einzige Regierung alle Phasen des
Betriebs beherrscht und kontrolliert.
Der Betrieb des Suezkanals ist eine überaus komplizierte und heikle
Angelegenheit. Er bietet unendliche Möglichkeiten für heimliche und versteckte Verletzungen, sowie die Praxis verschleierter Bevorzugungen
und diskriminierender Maßnahmen. Mangel an Tüchtigkeit kann zu einer
ernsten Gefahr werden. Gegen solche Risiken können - und ich meine sollten sich die Benutzer bei der Ausübung ihrer Rechte im Rahmen des

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19. September 1956

des Vertrages aus dem Jahre 1888 schützen. Das wirtschaftliche Wohlergehen zahlreicher Nationen und Völker steht auf dem Spiel, und es gibt
keine angemessenen Sanktionen gegen die von mir aufgezeigten Gefahren.
Drittens: Als dritten Punkt möchte ich folgendes anführen: Wenn
lebenswichtige Rechte bedroht sind, ist es nur natürlich und elementar,
daß man sich zusammenschließt, um der gemeinsamen Gefahr zu begegnen.
Die ägyptische Regierung hat uns vor einem Zusammenschluß in einer
Vereinigung gewarnt. Es ist nur natürlich, daß Ägypten es vorzieht,
wenn die Kanalbenutzer nicht organisiert und gespalten sind. Ich erinnere daran, daß sich die ägyptische Regierung in ihrem Memorandum vom
zehnten September 1956 an den Generalsekretär der Vereinten Nationen
und an zahlreiche Regierungen um die Bildung eines Verhandlungsgremiums bemüht hat, das gegensätzliche Ansichten widergibt.
Für jene, die sich in Gefahr sehen, ist es jedoch ein elementares
Recht, zusammenzukommen und ihre Ansichten in Einklang zu bringen ein Recht, auf das nicht verzichtet werden kann. Worum bemühen wir uns
denn? Es ist nichts, was sich gegen Ägypten richtet oder ihm schadet.
Lassen Sie mich kurz den Vorschlag für eine Vereinigung erläutern,
so wie die Regierung der Vereinigten Staaten ihn versteht.
1) Er bedeutet vor allem andern, daß wir unseren gegenwärtigen
Zusammenschluß beibehalten sollten, und zwar nicht, damit irgendeiner oder eine Gruppe von uns den andern Mitgliedern die eigenen
Ansichten aufzwingt. Die einzige Basis für einen Zusammenschluß ist
ein gemeinsamer Wille, der in einem freien Meinungsaustausch zustandekommt. Es ist auch nicht unser Ziel, auf Ägypten einen Zwang auszuüben.
Es ist lediglich so, daß die Erfordernisse der Situation einen fortdauernden Zusammenschluß für uns und für alle, die auf den Kanal angewiesen sind, zweckmäßig machen. Eine derartige Vereinigung wird auch
im Interesse Ägyptens sein, wenn es tatsächlich bereit ist, sich mit
jenen Ländern in konstruktiver Weise um eine Lösung zu bemühen, die
in erster Linie betroffen sind. Es liegt auch im Interesse des Weltfriedens, wenn wir fest zusammenstehen.
2) Wir sollten - so meine ich - auch weiterhin an unserer gemeinsamen Erklärung vom 23. August 1956 als Verhandlungsbasis für eine
endgültige Lösung festhalten.
3) Es würde, so glaube ich, nützlich sein, über einen kleinen
Betriebsstab zu verfügen, der bereit steht, um unseren Schiffen sowie
den Schiffen, die unsere Länder bedienen, bei der Durchfährt durch den
Kanal zu helfen. Wir brauchen dabei, so glaube ich, nicht die Möglichkeit auszuschließen, auf der Basis einer provisorischen De-facto-Arbeitsregelung ein gewisses Maß an Zusammenarbeit mit den ägyptischen Kanalbehörden zu finden, selbst wenn Ägypten vielleicht zum gegenwärtigen
Zeitpunkt nicht bereit ist, einer ständigen Regelung in Vertragsform
zuzustimmen.
Ein

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19. September 1956

Ein solcher Stab könnte, so schlage ich vor, einem Verwaltungsbeauftragten unterstehen, der in Schiffahrtsfragen erfahren ist und
der, falls dies gewünscht wird, im Auftrage der Schiffe unserer Mitglieder handeln könnte. Er könnte die Schiffe unserer Mitglieder
insofern unterstützen, als er Vorkehrungen für ihre reibungslose
Eihgliederung in den Kanalverkehr trifft. Er könnte bei der Koordinierung der Schiffahrtsrouten durch den Kanal oder in der Nähe des
Kanals, falls dies letztere sich als erforderlich erweisen sollte,
helfen. Er könnte ermächtigt werden, als Beauftragter der Schiffseigentümer zu handeln sowie solche Geldbeträge einzuziehen und auszuzahlen, wie dies im Zusammenhang mit der Unterhaltung des Kanals und
des Verkehrs durch den Kanal sowie der Erfüllung seiner anderen Verpflichtungen angemessen ist.
4) Es würde, 80 denke ich, für unsere Vereinigung nützlich sein,
wenn sie ein kleines aus unseren Reihen gewähltes Direktorium hat,
das uns hinsichtlich der weiteren Entwicklungen auf dem laufenden
hält, uns, wenn immer ein Anlaß hierzu besteht, zusammenruft, den
Verwaltungsbeauftragten ernennt und seine Vollmachten sowie die Richtlinien festlegen könnte, die die von ihm im Namen der Vereinigung
ergriffenen Maßnahmen umreißen und bestimmen würden.
Es ist unvermeidbar, so glaube ich, daß die an dem Passagierund Frachtverkehr zwischen dem Osten und dem Westen sowie an der
Produktion von Erdöl und anderen Gütern für diesen Verkehr Interessierten nunmehr auf lange Sicht an Alternativen zu dem Suezkanal denken
sollten.
Es wird augenblicklich viel von größeren Tankern gesprochen, die
bei größerer Wirtschaftlichkeit um das Kap der Buten Hoffnung fahren
könnten als die gegenwärtig den Kanal durchfahrenden kleineren Tanker.
Es wird von neuen Ölleitungen geredet.
Ich möchte annehmen, daß das Direktorium der Vereinigung der Kanalbenutzer alle diese Projekte weiter verfolgen und die Mitglieder
über alle bedeutsamen Entwicklungen unterrichtet halten würde, die
unser Wirtschaftsleben wesentlich beeinflussen könnten.
5) Es würde, so glaube ich, nützlich sein, wenn die Vereinigung
über ein bescheidenes Betriebskapital verfügt, das zunächst von den
Mitgliedsstaaten vorgeschossen und ihnen später aus den durch die
geleisteten Dienste eingenommenen Geldern zurückerstattet wird.
6) Die Mitgliedschaft in der Benutzervereinigung würde nicht die
Übernahme irgendwelcher Verpflichtungen seitens der einzelnen Mitglieder
bedeuten. Man darf jedoch hoffen, daß die Mitglieder der Vereinigung in
bezug auf ihre Schiffe:: und die Bezahlung der Kanalgebühren freiwillig
solche Maßnahmen ergreifen werden, die die Arbeit der Vereinigung
erleichtern sowie ihr Prestige und ihre Autorität stärken und damit auc
ihre Zweckdienlichkeit' fördern.
Dies

�• "AMERIKA DIENST"

19. September 1 956

Dies könnte in groben Umrissen die Vereinigung sein, die wir aufbauen wollen. Das Ausmaß ihres wirklichen Nutzens hängt natürlich,
wenn auch nicht völlig, von der Haltung Ägyptens ab. Ab'r unsere Bereitschaft, mit Ägypten auf einer praktisch durchführbaren Basis zusammenzuarbeiten, ist eine erneute Demonstration unseres Wunsches, in
dem Bemühen um eine Lösung dieses ernsten, und praktisch die ganze
Welt konfrontierenden Problems., .keinen vernünftigen Schritt unversucht
zu lassen.
Unsere Bereitschaft, mit Ägypten auf einer provisorischen De-facto
Betriebsbasis zusammenzuarbeiten, kann vielleicht auch zu einer provisorischen Lösung führen, die die Vereinten Nationen vielleicht al3
nützlich erachten könnten, während die Suche nach einer dauerhaften
Lösung andauert.
Es ist, wie ich weiß, die Ansicht vieler von uns, daß von den
Diensten der Vereinten Nationen Gebrauch gemacht werden s o l l e , wenn
die Hauptparteien der am Suezstreitfall beteiligten nicht in der Lage
sind, durch Mittel ihrer eigenen Wahl eine Lösung zu finden.
Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß Maßnahmen auf
der hier vorgeschlagenen Linie die Möglichkeiten für eine friedliche
und konstruktive Lösung in nützlicher Weise vergrößern werden."
Zum Schluß der Nachmittagssitzung ergriff der amerikanische
Außenminister erneut das Wort und unterstrich, daß eine friedliche
Lösung des Suezproblems, so erstrebenswert sie an sich sei, allein
nicht ausreiche, wenn sie nicht im Einklang mit dem Völkerrecht und
der Gerechtigkeit stehe. Der amerikanische Außenminister appellierte
gleichzeitig an die Delegierten, bei der friedlichen Lösung des Problems entsprechend der im einzelnen von ihm auf der Vormittagssitzung
erläuterten Vereinigung der Kanalbenutzer zusammenzustehen.
Bei der Diskussion des Dreimächteplanes wurden gegensätzliche
Meinungen laut. Zu den Befürwortern des Planes gehören Australien,
Neuseeland, die Bundesrepublik Deutschland, Prankreich, die Niederlande und Großbritannien. Zwei Nationen - Dänemark und Pakistan lehnten das Projekt ab. Norwegen sprach sich für eine vorläufige Annahme
des Planes aus, während das ganze Problem sofort der UN vorgelegt werden
solle. Von dänischer Seite war darauf hingewiesen worden, daß ohne
Mitwirkung Ägyptens der Plan nicht funktionsfähig sei. Der pakistanische
Außenminister Malik Firoz Khan Noon forderte erneute Bemühungen, um
zu Verhandlungen mit Ägypten zu gelangen.
Angesichts der Meinungsverschiedenheiten warnte der amerikanische
Außenminister davor, in der Annahme» die Gefahr sei vorüber, auseinanderzulaufen. "Wir würden uns damit einen schlechten Dienst erweisen",
sagte er.wörtlich.
Das Problem, um das es hier gehe, sei mehr als die Frage, ob ein
Schiff den Kanal passieren könne oder nicht. Man befasse sich in London
mit einem der wichtigsten Aspekte des Nachkriegslebens, sagte Dulles
weiter. "Wir alle wünschen eine Welt, in der es keine Gewaltanwendung
gibt, aber das ist nur die eine Seite meines Anliegens. Wir müssen auch

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19. September 1956

auch eine Welt haben, in der eine gerechte Lösung von Problemen,
wie wir sie jetzt vor uns haben, erreicht werden kann."
Dulles fügte hinzu, daß es bei der Suche nach einer Lösung einen
Ersatz für die Gewaltanwendung geben müsse, da andernfalls die Welt
in "Anarchie und Chaos" zurückfallen würde. In der Charta der Vereinten Nationen werde nicht nur gesagt, daß die V/elt in Frieden leben
müsse, sondern die Mitgliedsstaaten der Weltorganisation seien darüberhinaus verpflichtet, auf friedliche Weise und in Übereinstimmung mit
den Prinzipien der Gerechtigkeit und des Völkerrechts Lösungen zustandezubringen.
Der amerikanische Außenminister erklärte, man fördere nicht die
Sache des Friedens, wenn man nicht erkenne, daß man genau so eine Lösung in Übereinstimmung mit den Prinzipien der Gerechtigkeit und des
Völkerrechts anstreben müsse, v/ie man sich bemühen müsse, die Anwendung von Gewalt zu verhindern.
Wenn man sich nur auf einen Aspekt der Angelegenheit, nämlich
auf die Gewalt, konzentriere, so sagte Dulles weiter, dann wären
alle Bemühungen zum Scheitern verurteilt. Man sei vor ein Problem
von großer Gefahr gestellt, das durch Gewalt hätte gelöst werden
können. Angesichts dieser großen Gefahr sei große Zurückhaltung geübt
worden. Dies könne in Zukunft nur dann fortgesetzt werden, wenn man
sich weiterhin mit allen Kräften um eine friedliche Lösung bemühe.
Der amerikanische Außenminister ging dann auf Fragen ein, die
in der Nachmittagssitzung gestellt worden waren. Im Zusammenhang
mit den Vorschlägen, die Angelegenheit den Vereinten Nationen zu
unterbreiten, sagte Dulles, die 18 Mächte würden gegenüber der Weltorganisation eine Pflicht erfüllen, wenn sie sich zunächst um eine
Lösung außerhalb der Vereinten Nationen bemühten.
Auch von den Befürwortern des Planes war die Anrufung der Vereinten Nationen bei einer weiteren Ablehnung Nassers als letzter Ausweg akzeptiert worden.

* * * * *

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�M E R I K A

D I E N S T

AUSSENMINISTER DULLES AUF DER SUEZKANAL-KONFERENZ
AM 19.SEPTEMBER IN LONDON

LONDON - (AD) - Im folgenden geben wir auszugsweise die Äußerungen wieder, die der
amerikanische Außenminister, John Foster
Dulles, auf der Londoner Konferenz am 19September 1956 über den Suez-Konflikt aus
dem Stegreif zu dem Problem machte;
"Wie ich bereits heute vormittag andeutete, wird der Vorschlag
auf Schaffung einer kooperativen Vereinigung, die ein wenig beständiger ist als unsere ad hoc-Konferenz. den Weg zu konstruktiven
Maßnahmen in den Vereinten Nationen w-möglich ebnen. Es scheint
doch notwendig, die Angelegenheit vor dieses Forum zu bringen, da
die von uns in Aussicht genommenen Maßnahmen womöglich zum Scheitern verurteilt w ren.
Die Vereinten Nationen sind nicht allmächtig, ihre Machtbefugnisse sind sorjfä"tig definiert. Anläßlich unserer letzten Beratung haben die 1- ier vertretenen Nationen Ägypten ihre Vorschläge für eine reue ;n , wie wir hofften, dauernde Lösung des
Suezproblems un er reitet, und wir hatten Ägypten vorgeschlagen,
einen neuen Vertrag zu schließen. Aber so große Vorzüge unser
Vorschlag auch gehabt h« en mag, die Vereinten Nationen sind nicht
befugt, den Abschluß eines neuen Vertrages von einer Nation zu verlangen.
Wie ich die Charta e r Vereinten Nationen verstehe, geht dies
vielleicht über die Korr/oet enzen des Sicherheitsrates hinaus. Er
kann wohl verlange , daß b ereits bestehende Verträge eingehalten
werden. Er kann die Partei en auffordern, provisorische Maßnahmen
anzuerkennen 5 ich glaube jedoch nicht, daß der Sicherheitsrat, geschweige denn die Generalv ersammlung berechtigt sind, etwas zu erzwingen, was wir durch fre iwillige Vereinbarungen bei unserem
letzten Zusaume: sein zu erreichen hofften, näm". ich den Abschluß
eines neuen Vertrages, in dem die Rechte beider Parteien neu festgelegt werden und in dem d iese Frage endgültig geklärt wird.
So richtig also unser Vorschlag auf unserer letzten Tagung
auch war, so entspricht e:- doch nicht der Verfahrensweise und den
Befugnissen der UN, weder jenen des Sicherheitsrates noch viel
weniger denen der Generalversammlung, die in jedem Falle nur Emp- 1 -

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26. September 1956

Empfehlungen machen kann. Ich glaube daher, Herr Vorsitzender,
daß die Gründung unserer Vereinigung hier an Ort und Stelle etwaige Schritte der UN wesentlich erleichtern würde, wenn es denn
notwendig erscheint, die Sache zum Zwecke einer endgültigen Lösung
vor diese Körperschaft zu tragen, sofern unsere eigenen Maßnahmen
fehlgeschlagen sind.
Die Angelegenheit wird in zweierlei Hinsicht für die UN erleichtert» Erstens ist es eine Tatsache, daß mit der Festigung unserer
Position die beiden Parteien in diesem Streitfall in einem gewissen
Sinne klar herausgestellt werden. Wohl trifft es zu, daß gewissermaßen jedes Land der Welt an einer Lösung des Suezkanal-Problems
interessiert istj aber gerade die Größe der Aufgabe macht sie praktisch unlösbar, wenn wir sie von dieser Seite aus angehen.
Wenn wir sie auf praktisch durchführbare, lösbare Maße reduzieren wollen, so muß sie in vernünftige Proportionen gebracht
werden. Die 18 Anwesenden hier repräsentieren jene Länder, die für
sich, und in gewisser Hinsicht als typische Vertreter der an dem
Kanal interessierten Länder gemeinsam mit Ägypten eine Lösung finden
könnten, die, sofern Ägypten und wir sie akzeptieren, meiner Ansicht
nach von der ganzen Welt angenommen werden würde. Wir vertreten hier
über 90$ der Kanalbenutzer. Wir vertreten Länder aus aller Welt. Wir .
vertreten verschiedene Formen des Handels. Wir vertreten Gruppen, die,
sofern sie zusammenhalten und eine Einheit bilden, den Vereinten Nationen etwas an die Hand geben würden gegenüber Ägypten. Wenn wir uns
aber spalten und schließlich ganz auseinanderfallen, dann vermag ich
nicht, so ohne weiteres zu sehen, wie das Problem durch die Vereinten
Nationen zu lösen ist.
Zweitens sind die Vorschläge, die wir hier für eine praktisch
durchführbare provisorische Lösung machen, etwas, womit die Vereinten
Nationen etwas anfangen können. Ich zweifle sehr, ob die Vereinten
Nationen von irgendeinem souveränen Staat verlangen können, einen
Vertrag anzunehmen, in dem seine künftigen Rechte und Pflichten festgelegt werden. Vielleicht ist es möglich, aber es ist ganz sicher
zweifelhaft, und so, wie ich die Charta der UN verstehe, kann ich in
ihr keinerlei Anhaltspunkte dafür finden.
Was die Vereinten Nationen tun können, ist, praktische Möglichkeiten zur Lösung des Problems vorzuschlagen, provisorische Lösungen in
Vorschlag zu bringen, die kein neues Vertragsverhältnis zum Inhalt haben, die kein Land verpflichten, Rechte aufzugeben oder Rechte anderer
zu übergehen. Was wir hier anregen, ist ein Vorschlag zu einer provisorischen Lösung der Art, wie sie genau dem Rahmen der Vereinten Nationen
entspricht, während sie mit dem Vorschlag, den wir bei unserem AugustTreffen machten, nichts hätten anfangen können.
Wir sehen in den Vereinten Nationen nicht lediglich ein Mittel,
dieses Problem auf die lange Bank zu schieben, um es loszuwerden,
damit wir uns nicht weiter damit abzuquälen brauchen. Wenn wir nur
daran interessiert wären, die Verantwortung von uns abzuwälzen und
das Problem als unlösbar an die Vereinten Nationen abzuschieben, dann
bedarf es natürlich keinerlei vorbereitender Arbeiten mehr.
Ich
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26. September 1956

Ich glaube nicht, daß dies in der Absicht irgendeiner der hier
vertretenen Regierungen liegt. Ich glaube, wenn wir die Absicht haben, dieses Problem den Vereinten Nationen zu unterbreiten, dann
wollen wir es diesem Forum vortragen nicht als ein Mittel, es los
zu werden, nicht als ein Mittel, es auf die lange Bank zu schieben,
sondern als: ein Mittel, es zu einer echten Lösung zu führen. Wenn
es also das Ziel ist, Umstände zu schaffen, die eine tatsächliche
Lösung des Problems durch die UN gestatten, dann scheint es mir
als erstes erforderlich, unsere Position zu festigen, um sozusagen
eine verhandlungsfähige Körperschaft gegenüber Ägypten zu haben und
um zu zeigen, daß «umindist wir bereit sind, eine provisorische
Lösung anzunehmen, die eine Überbrückung der gegenwärtigen Schwierigkeiten darstellt, ohne daß irgend jemand von uns seine Rechte aufgeben muß.
Ich möchte versuchen, ein wenig die großen Zusammenhänge darzulegen, in denen zumindest die Vereinigten Staaten diese unsere
Tagung betrachten. Bei dieser Tagung geht es um weit wichtigere
Dinge als nur um die Frage, ob ein Schiff durch den Kanal kommt
oder nicht, ja selbst ob der Verkehr im Kanal zum Erliegen kommt.
Wir haben es hier mit einer.der bedeutsamsten Erscheinungen unserer
Nachkriegszeit zu tun. Die Frage, ob wir tatsächlich dabei sind,
eine friedliche Welt aufzubauen, hängt, meiner Meinung nach, weitgehend davon ab, was wir in diesem Falle tun. Dies ist die volle Bedeutung des Problems, mit dem wir es hier zu tun haben. Warum sage
ich das? Ich sage dasf weil wir alle eine Welt wünschen, in der es
keine Gewaltanwendung gibt. So wahr dies ist, es ist nur die eine
Seite der Medaille. Wenn wir eine Welt wollen, in der es keine Gewalt gibt, so müssen wir auch eine Welt haben, in der Probleme dieser
Art eine gerechte Lösung finden können.
Es ist mir gleichgültig, was alles in der Charta der Vereinten
Nationen über die Nichtanwendung von Gewalt geschrieben steht; wenn
es in der Praxis nicht eine Form des Friedens gibt, die eine gerechte
Lösung derartiger Probleme auf die eine oder andere Weise ermöglicht,
wird die Welt doch unweigerlich wieder in Anarchie und Chaos zurückfallen.
Und ich möchte weiter darauf hinweisen, meine verehrten Herren
Delegierten, daß es in der Charta der Vereinten Nationen nicht einfach
heißt 'es soll Friede herrschen'. Wie heißt es denn dort? Im allerersten Artikel der Charta der Vereinten Nationen heißt es bereits,
Zweck und Ziel der UN sei es, Konflikte durch 'friedliche Mittel und
in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des
Internationalen Rechts' beizulegen. Und wenn man diesen Teil der
Charta vergißt, so wird man den ersten TeiJ ganz sicherlich ignorieren.
Und wenn wir es mit Fragen dieser Art zu tun haben, so müssen wir
uns darüber klar sein, daß wir letztlich der Sache des Friedens nicht
dienen - selbst nicht der Erhaltung des Friedens für uns selbst, die
wir dem Problem, um das es hier geht, scheinbar so fern stehen -, wenn
wir nicht wissen, daß wir ebenso sehr verpflichtet sind, nach einer
Lösung 'in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und
des Internationalen Rechts' zu suchen, wie wir verpflichtet sind, die

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�"AMERIKA DIENST"

26. September 1956

die Anwendung von Gewalt tunlichst zu vermeiden. Wenn wir nur die
eine Seite des Problems sehen und die andere vergessen, dann werden
alle unsere Bemühungen zum Scheitern verurteilt sein, und ebenso die
Bestrebungen, wie sie in dieser Charta der Vereinten Nationen ihren
Ausdruck finden.
Wir haben es hier mit einer Frage zu tun, die eine große Bedrohung für die großen Nationen darstellt.
Ich glaube, niemand kann diese Tatsache hinwegdisputieren. Es
ist eine Bedrohung, die sie ohne weiteres beseitigen könnten, wenn
sie sich der Methoden bedienten, die vor der Annahme dieser Charta
als Recht anerkannt waren. Dann säßen wir nicht hier - und vielleicht
würde jemand anders auch nicht dort sitzen, wo er sitzt. Diese Zeiten
aber sind hoffentlich vorbei, und angesichts einer so großen Gefahr hat
man sich große Zurückhaltung auferlegt und hält sich auch weiterhin im
Zaume. Aber man kann nicht erwarten, daß dies nun in alle Ewigkeit so
weitergeht, wenn nicht diejenigen von uns, die das Problem in seinem
ganzen Umfang erkennen und daran teilhaben, alles daran setzen, eine
Beilegung des Konfliktes zu finden, nicht nur eine friedliche Lösung;,
sondern eine Lösung 'in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Internationalen Rechts.'
Manch einer mag denken, ich glaube allerdings nicht, daß dies für
irgend jemanden in diesem Kreise gilt - doch könnte wohl ein Volk, das
nicht unmittelbar von dem Konflikt betroffen ist, so denken -, das
einzige, was ihn an diesem Streitfall interessiert, ist die Frage des
Friedens« Wenn der gesichert sei, so brauche man sich um alles andere
nicht mehr zu kümmern. Das ist jedoch nur der eine Teil der Angelegenheit! dieses Problem kann aber nicht durch halbe Maßnahmen gelöst
werden, die nur den Frieden betreffen und bei denen nicht unsere ganze
Kraft darauf verwendet wird, eine Lösung zu finden, die unserer Ansicht nach in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit
und des Internationalen Rechts, steht.
Nun, wir sind uns darüber einig geworden, was unserer Ansicht nach
die Grundsätze der Gerechtigkeit und des Internationalen Rechts in bezug
auf diese Angelegenheit sind. Unsere Schlußfolgerungen haben ihren Niederschlag gefunden in der Erklärung, auf die wir uns im August einigten.
V/ir sind hier vor allem versammelt, um jene achtzehn Nationen zu vertreten, die nicht nur selbst großes Interesse an der Sache haben, sondern
auch weil wir uns über die Grundsätze des Internationalen Rechts und der
Gerechtigkeit im Hinblick auf diesen Fall einig sind. Ich glaube, wir
sind es uns selbst und allen an diesem Problem beteiligten Nationen
schuldig, gemeinsam zu versuchen, diese Sache zu einem Ende zu bringen,
und zwar nicht nur unter dem Gesichtspunkt der Erhaltung des Friedens,
sondern so zu Ende zu führen, daß eine gerechte Lösung in Übereinstimmung
mit den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen gefunden; wird.
Mir scheint, wenn wir das nicht tun, wenn wir zulassen, daß die Einstellung an Boden gewinnt, das Problem sei gelöst, weil die Kriegsgefahr
vielleicht ein wenig vermindert erscheint, dann haben wir uns selbst
meiner Meinung nach einen schlechten Dienst erwiesen.
„,

�"AMERIKA DIENST"

26. September 1956

Was wir in dieser Hinsicht tun - sofern wir uns so verhalten, wie ich eben ausführte - » würde auf uns selbst zurückfallen
und uns in alle Zukunft heimsuchen. Darum gage ich, lassen Sie uns
gemeinsam an diesem Vorschlag festhalten und weiterhin nicht fiür
für 'den Frieden' arbeiten, sondern für einen Frieden 'in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Internationalen Rechts*."

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�USA FORDERN WELTWEITE SICHERHEITSMAS5NAHMEN BEI DER
FRIEDLICHEN NUTZBARMACHUNG DES ATOMS

VEREINTE NATIONEN (New York) -(AD)- Nachstehend
übermitteln wir Ihnen den V/ortlaut einer Rede,
die Botschafter James J. Wadsworth, amerikanischer Vertreter auf der gegenwärtig in New York
stattfindenden Konferenz zur Gründung einer internationalen Atomenergiebehörde, am 24. September 1956 bei der ersten Arbeitssitzung hielt

"Wir stehen jetzt vor den letzten Maßnahmen zur Gründung der
internationalen Atomenergiebehörde, die Präsident Eisenhower hier an
dieser Stelle am 8. Dezember 1953 vorgeschlagen hat. Wenn unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt sind - wie ich hoffe und glaube -, dann
wird diese bedeutsame Konferenz von 81 Nationen ihre Arbeit nicht beenden, bevor sie die Statuten für diese Behörde in ihrer endgültigen
Form angenommen hat. Damit werden wir einen entscheidenden Schritt
zur Verwirklichung des Wunschbildes getan haben, das uns alle angespornt hat - des Bildes einer internationalen Zusammenarbeit auf
atomarem Gebiet.
Zahlreiche Nationen haben im Laufe der letzten drei Jahre an
diesem schöpferischen Bemühen teilgehabt, Nationen aus allen Teilen
der Welt. Die Arbeit der Diplomatie in den letzten zehn Jahren hat was Umfang und den konstruktiven Geist anbetrifft - wohl kaum ihresgleichen. Es mag daher angebracht sein, einen kurzen Überblick über
den Weg zu geben, den wir zurückgelegt haben.
Als Präsident Eisenhower die Gründung dieser Behörde vorschlug,
schwebten ihm zwei Hauptziele vor, die beide die Stärkung des Weltfriedens zum Inhalt hatten. Das erste Ziel war, nukleare Materialien
aus nationalen Beständen einer neuen internationalen Behörde zur Verfügung zu stellen und damit den Anfang zu - um mit den Worten Präsident Eisenhowers zu sprechen - 'einer Verminderung der potentiellen
Vernichtungskraft der atomaren Vorräte auf der Welt' zu machen. Das
zweite Ziel war die Ausarbeitung von Maßnahmen, durch die spaltbares
Material zum Nutzen der friedlichen Bestrebungen der Menschheit bereitgestellt wird.

Die

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. September 1956

Die Vereinigten Staaten haben sich von Anfang an von diesen
beiden Zielsetzungen leiten lassen. Wir waren uns seit jeher darüber
im klaren, daß keines dieser Ziele von einer Nation allein, oder selbst
einer kleinen Staatengruppe, erreicht werden kann, sondern daß wir es
hier vielmehr mit einem wahren internationalen Unterfangen zu tun haben. Aus diesem Grunde nahen wir uns bei diesem Vorhaben immer wieder
an die Vereinten Nationen gewandt, und aus diesem Grunde haben sich
unsere Verhandlungen selbst auch auf einen immer größer werdenden
Kreis erstreckt. Es mag nützlich sein, die Hauptmaßnahmen im Zuge
dieser Verhandlungen noch einmal zu skizzieren.
Erstens: Anfang 1954 kam eine aus acht Nationen bestehende Arbeitsgruppe zusammen, um einen ersten Statutenentwurf für die vorgeschlagene Behörde vorzubereiten.
Zweitens: Dieses Thema wurde 1954 in Anwesenheit von 60 Nationen
in der neunten UN-General-Versammlung ausführlich behandelt.
Drittens: Am 22. August 1955 wurde der Statutenentwurf in seiner
damaligen Form in Umlauf gebracht, um die Ansichten aller Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen oder ihrer Sonderorganisationen mithin die Ansichten von 84 Staaten - zu erfahren.
Viertens: Dieses Thema wurde auf der zehnten General-Versammlung
im Jahre 1955 erneut erörtert; es wurde einstimmig eine Resolution
angenommen, in der die Bemühungen der Verhandlungsgruppe gutgeheißen
wurden.
Fünftens: Die Arbeitsgruppe, die durch die Hinzuziehung Brasiliens, der Tschechoslowakei, Indiens und der Sowjetunion inzwischen
auf zwölf Nationen angewachsen war, traf am 27. Februar dieses Jahres
erneut in Washington zusammen. Nahezu zwei Monate lang arbeitete diese
Gruppe an einer Revision des Statutenentwurfes, wobei sie durch eine
Resolution der General-Versammlung der Vereinten Nationen ermutigt
und geleitet wurde. Die Gruppe hat bei ihrer Arbeit nicht nur die Ansichten und Vorschläge der vier neuen Mitglieder, sondern auch anderer Nationen aus aller Welt, von denen Stellungnahmen eingingen,
eingehend erörtert und vielfach angenommen.
Sechstens: Der aus diesen Beratungen resultierende Entwurf, der
von der aus zwölf Nationen bestehenden Arbeitsgruppe am 18. April
einstimmig angenommen wurde, liegt nunmehr dieser Konferenz zur endgültigen Beschlußfassung vor.
Herr Präsident, sie - der Sie in so fähiger Weise als Leiter
der brasilianischen Delegation auf der Konferenz dieser Arbeitsgruppen gewirkt haben - werden mit mir sicherlich darin übereinstimmen,
daß dies ein eindrucksvoller Erfolg gewesen ist. Wir stellten fest,
daß die Meinungsverschiedenheiten oft groß waren. Größer aber war noch
der Wille, diese Unterschiede der Meinungen zu überbrücken. Alle Delegationen zeigten ohne Ausnahme eine der Bedeutung der Aufgabe entsprechende Geduld und Ausdauer. Als Ergebnis dieser Einstellung wurde
der uns heute vorliegende Statutenentwurf einstimmig angenommen. Diese
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�'AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. September 1956

Diese Einmütigkeit ist in einer durch zahlreiche politische Meinungsverschiedenheiten zerrissenen Welt überaus vielversprechend für diese
Konferenz. Wenn auch zu besonderen Punkten einige Einwendungen gemacht
worden sind, so werden wir doch durch die Tatsache ermutigt, daß die
noch zu lösenden Fragen - im Vergleich zu den Meinungsverschiedenheiten,
auf die wir im Verlaufe unserer gemeinsamen Bemühungen trafen und die
wir überwinden konnten - nicht groß erscheinen.
Herr Präsident, die Vereinigten Staaten waren eine jener Nationen,
die zusammen mit anderen eins-immig und vorbehaltlos den Statutenentwurf gebilligt haben. In dem Entwurf gibt es Teile, von denen wir wünschten, daß sie anders lauteten. Ich bin sicher, daß keiner der Befürworter die Statuten von seinem eigenen und besonderen Standpunkt aus als
vollkommen erachtet.
In gleicher Weise bin ich jedoch sicher, daß alle Befürworter des
Entwurfes mit uns der Ansicht sind, daß er die Grundlage für eine
Behörde legt, die arbeitsfähig ist und gute Arbeit leisten wird - eine
Behörde, der wir voller Hoffnung und Zuversicht unsere ganze Unterstützung geben können. Die Vereinigten Staaten sind bereit, diese Statuten zu unterstützen. Wir haben gegenwärtig nicht die Absicht, irgendwelche Verbesserungsvorschläge zu machen - außer dem einen, gemeinsam
befürworteten Zusatz, der die Funktionen der vorbereitenden Kommission
klären würde, wie sie im Anhang Nummer I vorgesehen ist.
Gleichzeitig kommen wir zu dieser Konferenz in der vollen Bereitschaft, allen unterbreiteten Zusätzen eine gebührliche Erörterung
zuteil werden zu lassen. Wir werden jene Vorschläge unterstützen, die
nach unserer Ansicht die Statuten verbessern und ihre Annahme fördern.
Wir werden uns jedoch gegen jene stellen, die nach unserer Meinung
diese Funktion nicht erfüllen würden - vor allem gegen jene, die eine
volle Unterstützung von seiten irgendeiner spezifischen Staatengruppe
schwierig oder unmöglich machen könnten.
Ich möchte meinen, daß dies eine vernünftige Einstellung ist. Der
Statutenentwurf spiegelt in einem großen Ausmaß eine Angleichung der
Ansichten von zahlreichen Staaten wider. Jede vorgeschlagene Änderung
sollte daher sorgfältig geprüft werden, um nicht nur sicherz stellen,
daß sie tatsächlich, eine Veränderung zum Besseren ist, sondern aach
um zu gewährleisten, daß sie nicht das bisher erreichte Gleichgewicht
der Ansichten gefährdet.
Herr Präsident, es ist jetzt nicht die Zeit, ein Bild der materiellen Segnungen zu entwerfen, die der Menschheit durch die volle Nutzbarmachung des Atoms für den Frieden zuteil werden könnte. Die geradezu ./underbaren Möglichkeiten der A .omtechnik sind aller Welt bekannt.
Die Atomenergiebehörde wird die friedliche atomare Revolution entscheidend vorantreiben. Sie wird die der Menschheit zu Diensten stehende
Energie auf mannigfache Weise vervielfachen, die wirtschaftliche Entwicklung ankurbeln und den Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse
fördern. Der uns vorliegende Statutenentwurf würde unserer Ansicht nach
die Behörde in den Stand setzen, dieses hohe Ziel zu verwirklichen, und

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. September 1956

und rechtfertigt daher eine großzügige Unterstützung von seiten der
Vereinigten Staaten.
Zusätzlich zu der Forderung, daß die Statuten die Behörde befähigen, die friedliche Verwendung der Atomenergie voranzutreiben,
ist es unerlässlich, daß es eine wirkliche Garantie dafür gibt, daß
die Tätigkeit dieser Behörde die Anwendung der Atomenergie für militärische Zwecke nicht fördert und die Gesundheit oder die Sicherheit
nicht gefährdet. Die Atomenergie ist einzigartig gefährlich, genauso
wie sie einzigartig verheißungsvoll ist. Der Brennstoff für einen
Reaktor kann zum Explosivstoff einer Bombe werden; die Strahlung,
welche heilt, kann genauso gut töten.
Die Vereinigten Staaten haben dem Problem des Schutzes und der
Sicherheit mit allen seinen Auswirkungen große Aufmerksamkeit geschenkt.
Dieses Problem war ebenfalls ein ernstes Anliegen für andere Staaten.
Wir erinnern an den ursprünglich von der Sowjetunion vertretenen Standpunkt, daß die Förderung der friedlichen Entwicklung der Atomenergie
überall auf der Welt die Unsicherheit vergrößern werde, weil dadurch
die Vorräte an jenen. Materialien wachsen würden, aus denen nukleare
Waffen hergestellt werden können. Wir stellen mit Freude fest, daß
die Sowjetunion nunmehr genau wie wir der Ansicht ist, daß die richtige Lösung in der Anwendung angemessener Sicherheitsmaßnahmen und
nicht in der Beschneidung der friedlichen Entwicklung liegt.
Die Bestimmungen, die in dem Statut im Hinblick auf Sicherheitsmaßnahmen enthalten sind, sollen eine friedliche Entwicklung der Atomenergie ohne Gefährdung des Schutzes und der Sicherheit der Welt gestatten. Herr Präsident, ich darf zunächst auf Artikel II verweisen,
in dem die Grundziele der Behörde niedergelegt sind. Er lautet wie
folgt:
'Die Behörde soll sich um einen beschleunigten und vergrößerten
Beitrag der Atomenergie für den Frieden, die Gesundheit und das Wohlergehen der Welt bemühen. Sie soll dafür Sorge tragen - soweit ihr dies
möglich ist -, daß die von ihr oder auf ihr Ersuchen hin oder unter
ihrer Aufsicht und Kontrolle gewährte Unterstützung nicht so angewandt wird, daß dadurch irgendein militärischer Zweck gefördert wird' .
Damit das letztere Ziel erreicht werden kann, sind in Artikel
XII definitive Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen. Die Anwendung dieser
Sicherheitsmaßnahmen würde ein gemeinsames Bemühen unter internationaler Beteiligung sein müssen. Die Statuten würden die Behörde außerdem
in den Stand setzen, diese Sicherheitsvorkehrungen auf bilaterale oder
multilaterale Abmachungen zu erweitern, die sonst nicht in den Bereich
ihrer Überwachung oder Kontrolle fallen würden, falls die Vertragspartner dies wünschen. Die Vereinigten Staaten hoffen, daß die Partner
in bilateralen Abmachungen überall auf der Welt von dieser Bestimmung
Gebrauch machen werden und so zur schließlichen Schaffung eines einheitlichen Systems von Schutzmaßnahmen auf weltweiter Ebene beitragen.
Wenn dies der Fall ist, Herr Präsident, dann können die Vereinigten
Staaten die Behörde zum Grundpfeiler ihrer internationalen Tätigkeit
auf dem Gebiete der Atomenergie machen.
Wenn

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. September 1956

Wenn die Vereinigten Staaten diese Sicherheitsmaßnahmen unterstützen, so sind sie sich völlig im klaren darüber, daß das Ziel begrenzt ist, selbst wenn alle 'außerhalb' der Behörde stehenden bilateralen Abmachungen letztlich unter diese Sicherheitsmaßnahmen fallen
würden. Wir sind uns sehr wohl der Tatsache bewußt, daß ein großer Teil
der militärischen Gefahr des Atoms außerhalb des Bereichs dieser Maßnahmen und damit auch außerhalb der Reichwe"te der Behörde oelbst liegt.
Wir wissen, daß der Statutenentwurf nichts enthält, was die einzelnen
Staaten hindern könnte, ihre nul earen Waff'en aus eigenen Hilfsquellen
aufzubauen. Wir wissen auch, dal der Statutenentwurf in kein, r V/eise
jene Staaten, die heute nukleare Waffen produzieren, an der Fortsetzung
dieser Produktion hindern kann. Aber . ..e Tatsache, daß die Behörde
nicht das ganze und ungeheure internationale Problem der Kontrolle
nuklearer. Waffen lösen kann, halt uns '. cht davor, zurück, alles in
unseren Kräften Stehende zu tun, um Fi c die Schaffung von vollen Sicherheitsvorkehrungen für den eigenen Tätigkeitsbereich der Behörde Sorge
zu tragen.
Ich darf meine Mitdelegierten daran erinnern, daß der Präsident
der Vereinigten Staaten vor kurzem einen Vorschlag unterbreitet hat,
wonach die zukünftige Produktion spaltbaren Materials ticht mehr für
eine Vergrößerung der Vorräte an explosiven Waffen benutzt werden soll.
'Meine letzte Hoffnung', so sagte er, 'ist, daß die gesamte Produktion
an spaltbarem Material überall in der Welt ausschließlich friedlichen
Zwecken zugeführt wird 1 . Die Annahme dieses amerikanischen Vorschlages
würde bedeuten, daß die Sicherheitsmaßnahmen auf die Vereinigten Staaten, die Sowjetunion, Großbritannien und andere Länder angewendet werden, die in der Lage sind, Atomwaffen herzustellen. Diese Maßnahmen
müßten sicherlich umfassender und durchgreifender sein als diejenigen,
die im Rahmen dieser Statuten für die Empfängerstaaten vorgesehen sind.
Wir werden uns weiterhin mit allen Kräften um ein Abkommen bemühen,
das den Vorschlag Präsident Eisenhowers in die Y/irki
eit umsetzt.
Was wir in der Zwischenzeit tun, um die Arbeit innerhalb der neuen
Behörde zu sichern, ist ein bedeutsamer Schritt auf dem Wege zu diesem
Ziel. Die internationale Atomenergiebehörde kann durch ihre eigenen
Sicherheitsmaßnahmen das gegenseitige Vertrauen fordern, sowie die
technischen und politischen Erfahrungen liefern, die uns a.;f .lern Wege
zu unserem noch ehrgeizigeren Ziel, nämlich einer Welt, in der das
Atom ausschließlich dem Frieden dient, von Nutzen sind.
Herr Präsident, ich bin in der Frage der Sicherhe' ;&gt; ! maßnahmen in
Einzelheiten gegangen, um zu unterstreichen, was die internationale
Atomenergiebehörde tun kann, ja tun muß, um einem zerstöre.:sehen
Mißbrauch Einhalt zu gebieten. Der noch grundlegendere Zwec : der Behörde ist die positive und schöpferische Entwicklung des atomaren Zeitalters für das Gedeihen und das Wohlergehen der Menschheit. Wir wollen
uns keinen Illusionen hingeben: Es muß noch viel getan und viel gelernt werden, bevor das Atom in großem Ausmaß und auf wirtschaftlicher
Grundlage für die Energiegewinnung verwendet werden kann. Es ist die
Pflicht der Behörde, diese Arbeit und dieses Lernen zu beschleunigen.
Gegen

- 5-

�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. September 1956

Gegen Ende dieser Konferenz sollte, sobald dies praktisch durchführbar ist, die in den Statuten vorgesehene vorbereitende Kommission
zusammentreten, um mit den für die Errichtung der Behörde notwendigen
Arbeiten zu beginnen. Eine der ersten Fragen, die die vorbereitende
Kommission erörtern muß, wird der Sitz der Behörde sein. In diesem
Zusammenhang haben die Vereinigten Staaten Wien befürwortet - eine
Stadt, die ein großes Kulturzentrum ist und nach unserer Ansicht einen
idealen Sitz für die Behörde abgeben würde.
Die allgemeine Konferenz der Behörde sollte einberufen werden,
sobald genug Ratifikationen vorliegen, um diesen Schritt zu rechtfertigen. Wir treten ferner dafür ein, daß die vorbereitende Kommission
in der Zwischenzeit ein realistisches, vertrauenerweckendes und praktisches Arbeitsprogramm zur Erörterung und Billigung durch die erste
allgemeine Konferenz und das Direktorium der Behörde ausarbeitet.
Auf diese V/eise sollten .vir innerhalb eines Jahres die internationale Atomenergiebehörde in voller Arbeit sehen, bestrebt, einen
entscheidenden Beitrag zu einer friedlichen und stabilen Welt zu leisten.
Herr Präsident, die Statuten, die wir hier erörtern, existieren
lediglich auf Grund der unbeirrbaren Entschlossenheit eines jeden der
zwölf Länder, die an ihrer Formulierung teilhatten. Diese Länder mit
all ihren nachdrücklich vertretenen und verschiedenen Ansichten waren
sich in einer Sache einig, in dem Willen, zu einer Übereinstimmung zu
gelangen.
Wir haben bereits die Verwirklichung eines glühenden, von Präsident
Eisenhower am 8. Dezember 1953 geäußerten Wunsches erlebt - des Wunsches,
daß sein Vorschlag einen 'neuen Weg für eine friedliche Diskussion"
öffnen möge. Dieser Weg ist heute offen. Ich, Herr Präsident, bin der
Überzeugung, daß er offen bleiben wird, weil jede hier vertretene
Delegation, dessen bin ich sicher, denselben Glauben und dieselbe Entschlossenheit, zum Erfolg zu gelangen, hat.
Die im vergangenen Jahr abgehaltene Atomen°rgip-Konferenz in Genf
hat eine neue Atmosphäre für den Austausch wissenschaftlicher und technischer Informationen und Kenntnisse geschaffen - eine Atmosphäre, die
Offenheit und Gemeinsamkeit an die Stelle von Geheimhaltung und Abgeschlossenheit setzte. Die Aufgabe unserer Konferenz - und das ist zugleich eine der großen Aufgaben unserer Zeit schlechthin - ist, ob wir
den gleichen Wechsel in der internationalen politischen Atmosphäre
zustandebringen können, ob wir Einrichtungen ins Leben rufen können,
die es gestatten, daß die eindrucksvollste wissenschaftliche Errungenschaft der Menschheit für ihr Wohlergehen eingesetzt wird.
Die Welt von Morgen wird in hohem Maße davon abhängen, was mit der
Atomenergie geschieht. Und was mit der Atomenergie geschieht, wird wiederum weitgehend von dem Ergebnis dieser Konferenz abhängen. Wir wollen
hoffen, daß wir in einigen Wochen zu unseren Mitmenschen sagen können:
Wir haben hier etwas erreicht, was dazu beiträgt, daß ihr und eure Kinder ein Leben in Frieden führen könnt«"
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

MURPHY VOR DER ERNST-REUTER-GESELLSCHAFT

BERLIN - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Rede, die der stellvertretende Staatssekretär im US-Außenministerium, Robert Murphy, am 4.Oktober 1956 vor der
Ernst-Reuter-Gesellschaft in Berlin gehalten
hat.

Gestern hatte ich die Ehre, an der Grundsteinlegung zur Kongreßhalle im Tiergarten teilzunehmen, und ich erwähnte dort, wie
sehr es mir angebracht erscheint, daß dieses Gebäude dem Gedenken
Benjamin Franklins geweiht sein soll; ist es doch einer der Vertreter jenes großen Zeitabschnittes der Aufklärung, dem wir so viel
an gemeinsamen Wissen und an geistigen Werten verdanken.
Heute sind wir hier versammelt im Gedenken an einen der größten
Bürger Berlins, Bürgermeister Ernst Reuter. Wenn wir uns den Mut
ins Gedächtnis zurückrufen, mit dem Ihre und unsere Vorfahren um
die Schaffung unserer beiden Länder gerungen haben, dann werden wir
auch an Ernst Reuter erinnert, seinen Geist, seine Willenskraft und
seine Fähigkeit, Schwierigkeiten zu überwinden. Ich selbst hatte
die Ehre, ihn in seinem Wirken in jenen harten Jahren aus der Nähe
zu beobachten. Er war nie schwankend und niemals verzweifelt. Er
war uns allen Vorbild. Dieser Mann, der selbst so viel gelitten
hat, der von Tyrannen des Landes verwiesen worden war, und der in
eine Stadt zurückkehrte, die restlos in Trümmern lag, um ihren Wiederaufbau unter den ungünstigsten Umständen, denen sich je ein
großes Volk gegenübersah, in Angriff zu nehmen - dieser Mann symbolisiert den unbezwingbaren Geist der Bevölkerung dieser großen
Stadt und ihren Glauben an die Freiheit.
Zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Volk bestehen
zahlreiche gemeinsame Bande. Der Glaube der Amerikaner an die Zukunft eines freien, unabhängigen und geeinten Deutschlands ist angesichts von Männern wie Ernst Reuter nur um so stärker.
In meiner gestrigen Rede anläßlich der Grundsteinlegung der
Kongreßhalle bin ich auf jene dunklen Tage in der Berliner Geschichte
- T -

�"AMERIKA DIENST"

3. Oktober 1956

Geschichte eingegangen, als vor 150 Jahren die Gegenwarts- und
Zukunftsaussichten so düster waren und die Menschen in Verzweiflung und Mutlosigkeit lebten.
Vor 150 Jahren war Berlin von fremden Truppen besetzt und
Deutschland aufgespalten und schwach. Die Geschichte aber, das
vergrö&amp;rte Spiegelbild des menschlichen Lebens, ist wie dieses
selbst oft von überraschenden Entwicklungen gekennzeichnet und
nicht voraussagbar. Welch größere Überraschung hat sie gebracht,
als das Wiedererwachen der Lebenskraft, wie sie das Berlin des
19«Jahrhunderts erlebte? Die Hauptstadt eines kleinen Staates,
dessen Territorium andere untereinander aufgeteilt hatten, sollte
100 Jahre später Hauptstadt eines großen Landes sein, eine der drei
oder vier größten Städte der Erde, Mittelpunkt des geistigen Lebens und einer gewaltigen Wirtschaft.
Wenn wir die Jahre zwischen 1806 und 1871 näher betrachten,
dann bekommen wir eine Vorstellung von dem Glauben, dem Willen und
der Beharrlichkeit, die auch bei dem langsamen Prozeß der Errichtung eines geeinten Landes am Werke waren.
Für uns liegt die Lehre jener Jahre in dem Erfolg, in der
Tatsache nämlich, daß ein geeinter deutscher Staat schließlich
Wirklichkeit wurde. Es war dies ein Erfolg, der die Bemühungen
eines Volkes krönte, das entschlossen war, frei zu sein und seine
Einigung zu vollziehen. Wir können aber auch noch eine andere
Lehre aus jenem halben Jahrhundert der Hoffnungen und Anstrengungen
ziehen, eine Lehre, der wir stets eingedenk bleiben sollten, da sie
von größter Bedeutung ist« Man kann Menschen weder die Freiheit noch
die nationale Einheit vorenthalten, wenn geistige Stärke und Entschlossenheit gleichzeitig gegeben sind.
Wir Amerikaner teilen diese Erkenntnis mit Ihnen. Wir machten
von 1763 bis 1788 ebenfalls 25 Jahre des Kampfes um unsere Eigenstaatlichkeit durch. Dies waren Jahre häufiger Enttäuschungen, und
selbst während des Unabhängigkeitskrieges machten wir Zeiten bitterster Verzweiflung durch. Mehir als einmal war es nur noch der Glaube
unserer Vorfahren und ihr fester Wille, einen geeinten freien Staat
zu gründen, der sie in ihren Bemühungen fortfahren ließ.
Deutschland weiß ebenso wie die Vereinigten Staaten, was solche
Jahre der Entmutigung bedeuten können - beide Länder haben solche
Zeiten durchgemacht und wissen, daß Glauben und Willenskraft letzten
Endes unüberwindbar sind. Heute haben Sie und wir diesen Glauben und
Willen gemein. Wir wissen, daß der geeinte Wille freier Menschen
sich durchsetzen und der Tag kommen wird, an dem ein vereinigtes,
unabhängiges und freies Deutschland seinen ihm gebührenden Platz
in der Familie der Völker wieder einnehmen wird, wenn auch noch so
große Opfer und noch so aufreibende Anstrengungen hierzu erforderlich sein mögen.
In den seit Ende des Krieges vergangenen elf Jahren sahen wir
uns in der freien Welt einer Bedrohung unserer Existenz gegenüber.
In Reaktion auf diese Bedrohung kam es zur Evolution einer neuen
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�"AMERIKA DIENST"

3. Oktober 1956

neuen Politik unter den freien Völkern, die unsere Kinder und Kindeskinder vielleicht einmal als eine der bedeutsamsten historischen
Entwicklungen überhaupt ansehen werden.
Diese Periode zeichnete sich dadurch aus, daß die freien
Nationen der Welt sich in zunehmendem Maße der Gemeinsamkeit
ihrer Interessen bewußt wurden. Wir Völker der freien Welt haben
eine Bedrohung unserer nackten Existenz erlebt, die Gefahr, unsere
Unabhängigkeit und Freiheit zu verlieren, wenn wir nicht schleunigst unsere Hilfsquellen und Kräfte in einer gemeinsamen Anstrengung zusammenschließen.
In diesen elf Jahren hat eine Macht, die eine Mischung aus
altem russischen Expansionismus und aggressiven Kommunismus darstellt, die einst unabhängigen Länder Osteuropas durch Einschüchterung, Drohungen und Gewalt auf den Stand unseliger Satelliten
herabgedrückt. Diese Macht hat die Massenaufstände in Griechenland
geleitet. Sie hält Ostdeutschland in Fesseln; sie hat versucht,
sich ganz Berlin zu unterwerfen; asiatische Länder hatten unter
gegenseitigen, vom Kommunismus entfachten Aggressionen zu leiden;
Norwegen, Dänemark, die Türkei und vor allem die Bundesrepublik
Deutschland mußten sowohl Schmeicheleien als auch Drohungen über
sich ergehen lassen, als sie sich der Nordatlantikpaktorganisation
anschlössen; und in Korea tobte der Krieg.
Diese ununterbrochene Serie der verschiedenartigsten Manöver
im Laufe der Nachkriegsjähre hat es den meisten Völkern der freien
Welt auf unbarmherzige Weise klar gemacht, daß sie ständig der Gefahr einer Unterwerfung durch den sowjetischen Kommunismus ausgesetzt waren. Sie haben erkannt, daß sie ihre eigene Sicherheit nur
erhalten können, wenn ein System der gemeinsamen Sicherheit geschaffen wird.
Wir Amerikaner sind uns klar darüber, daß uns auf Grund unserer
Stellung und unserer Stärke ein besonderes Maß an Verantwortung beim
Aufbau dieses Sicherheitssystems in Gemeinschaft mit unseren Freunden
auferlegt ist.
Unsere Verbündeten und die Vereinigten Staaten haben die Nordatlantikpaktorganisation, die Südostasienpaktorganisation, den
ANZUS-Pakt mit Australien und Neuseeland sowie den Riopakt mit
unseren Nachbarn der westlichen Hemisphäre geschaffen. Insgesamt
haben die Vereinigten Staaten mit etwa 42 Nationen Verträge über
die gemeinsame Sicherheit, geschlossen.
Diese, auf dem Grundsatz der kollektiven Sicherheit basierende
Politik der freien Völker hat sich als erfolgreich erwiesen.. Sie
sieht die Schaffung eines geeinten Europas vor. Dem Expansionsstreben
der Sowjetunion wurde Halt geboten• Es wurden allgemein günstigere
Bedingungen geschaffen, die schließlich zum Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zur NATO und zur Wiederherstellung der Souveränität
Japans führten; diese beiden letztgenannten Erfolge ließen sich nur
gegen den eisernen Widerstand der Sowjetunion erringen.
Noch

�"AMERIKA MENST"

3. Oktober 1956

Noch ist die Bedrohung unserer Lebensform nicht vollständig
beseitigt. Doch lassen wir uns durch diese Bedrohung weder im Denken
noch im Handeln beeinträchtigen und lähmen. Präsident Eisenhower sagte
einmal, die Politik unseres Landes müsse "nicht nur auf einen Augenblick, sondern auf eine ganze Epoche der Bedrohung" abgestimmt sein}
und das trifft für die gesamte freie Welt zu.
Uns verbinden die gleichen Interessen und der Glaube an die
gleichen Werte. Wir glauben an ethische Werte und lassen uns nicht
durch einen primitiven Materialismus beeindrucken. Der Begriff des
Präventivkrieges ist für die Vereinigten Staaten oder ihre Verbündeten nicht annehmbar. Solange die Kommunisten uns den Krieg nicht aufzwingen, müssen wir uns zur Erhaltung unserer Sicherheit auf unsere
gemeinsame strategische Planung verlassen.
Wir stehen vor der vielleicht schwierigsten Aufgabe, die je eine
Gruppe verbündeter Nationen zu lösen unternommen hat. Wir müssen unsere
Einigkeit, erhalten und gleichzeitig einen Gegner von Grund aus umstimmen, um ihn im Laufe der Zeit dazu zu bringen, seine expansionistische Politik aufzugeben und vernünftig und verantwortungsbewußt
in weltpolitischen Fragen mitzuarbeiten, und wir sind entschlossen,
dieses Ziel zu erreichen, ohne zum Mittel des Krieges zu greifen.
Die freien Nationen können es nicht dulden, daß wir ewig in der
Vorstellung einer geteilten und ständig gefährdeten Welt leben, in
der der Friede lediglich auf der durch den Gleichstand der atomaren
Rüstung bedingten Furcht beruht. Wir Angehörigen der atlantischen
Gemeinschaft sind ganz besonders verpflichtet, alle unsere materiellen
Reserven und unsere geistigen Kräfte in dem unermüdlichen Bestreben zu
sammeln, eine Silfcuation zu schaffen, die ein Nebeneinander verschiedener Wirtschaftssysteme und Ideologien ermöglicht, ohne daß grundlegende Prinzipien oder Werte geopfert werden müssen, eine Situation,
in der der Friede gewährleistet wird durch feststehende und notfalls
erzwingbare Garantien gegen einseitige und aggressive militärische
Handlungen seitens irgendeines Staates oder einer Staatengruppe.
Es ist richtig, daß wir heute stärker sind als je zuvor. Bisher
hat es auf der Welt noch kein Bündnis so vieler verschiedener Länder
mit so unterschiedlichen Kulturen gegeben. Doch steht uns ein gewaltiger feindlicher Länderblock gegenüber, der auf die Weltherrschaft
erpicht, ist. In unserer heutigen Zeit mit ihren vielfältigen Verflechtungen auf lebenswichtigen Gebieten bilden Raum und Zeit keine
absolut sicheren Bollwerke mehr.
Wir leben heute in einer Zeit, die weise Führung und feste Nerven,
Zielsicherheit und Sparsamkeit, unbeirrbare Entschlossenheit und Wendigkeit in der Wahl des einzuschlagenden Weges erfordert.
Wir Amerikaner wollen unsere eigene Stärke bewahren. Wir bilden
den Kern der Bündnisse innerhalb der freien Welt, und Festigkeit und
Stärke des Kerns lassen sich durch nichts ersetzen.
Das System der kollektiven Sicherheit, das in den Nachkriegsjahren aufgebaut wurde, wird beibehalten werden und eine weitere
Stärkung erfahren.
Wir

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�"AMERIKA DIENST"

3. Oktober 1956

Wir müssen darauf bedacht sein, daß sich der Bereich der Freiheit
noch mehr erweitert und daß die Nationen, die jetzt unbeteiligt beiseite stehen, sich ihrer Zugehörigkeit zur freien Welt bewußt werden.
Außenminister Dulles hat erklärt» "Es genügt nicht, zu beweisen,
daß Despotismus etwas Schlechtes ist, vielmehr ist es ebenso notwendig, immer und immer wieder zu beweisen, daß die Freiheit, etwas Gutes
ist.
Das ist die große Mission, der sich die freien Nationen verschrieben haben. Wenn wir auch weiterhin die Freiheit als eine dynamische,
dem Geist des Liberalismus dienende Kraft aufzeigen können, dann brauchen wir die Resultate des friedlichen Wettbewerbs, den die sowjetischen
Machthaber nach ihrer eigenen Aussage anbieten, nicht zu fürchten. Ja,
wir können sogar hoffen, daß die Kräfte, die jetzt innerhalb der Sowjetunion und in den Satellitenstaaten am Werke sind, die Herrschenden veranlassen, in zunehmendem Maße sich den Grundsätzen der Freiheit zu unterwerfen."
Seit dem Tode Stalins, und besonders seit dem Frühjahr 1955» zeigt
der kommunistische Block eine merkliche Veränderung in seinem außenpolitischen Verhalten. Er., legt seitdem auf Druck und Gewalt weniger Wert
und hat militärische Operationen und politische Wühlarbeit in Korea,
Indochina, in den Malaienstaaten und auf den Philippinen eingestellt.
Er hat sich um eine Normalisierung seiner Beziehungen besonders zu
seinen Nachbarn bemüht und hat die militärische Besetzung Österreichs
beendet. Er hat in zunehmendem Maße Anlehnung an die traditionellen
diplomatischen Beziehungen gesucht. Staatsbesuche wurden empfangen und
Gegenvisiten arrangiert, Wirtschaftskredite wurden erweitert, Waffenverkäufe wurden offen getätigt und nicht mehr insgeheim vorgenommen,
und das kulturelle Austauschprogramm wurde mehr als verdoppelt.
Im besonderen haben die Kommunisten der Pflege der Beziehungen
von Regierung zu Regierung neue Aufmerksamkeit gewidmet. Es gibt kaum
ein Land, dem gegenüber nicht irgendeine liebenswürdige sowjetische
Geste gemacht wurde. Kurzum, sie haben versucht, ein völlig neues Bild
von der UdSSR in den Augen der Weltöffentlichkeit zu schaffen, das Bild
eines achtbaren, friedliebenden, aufgeschlossenen, wohlmeinenden Landes,
das stark ist, das aber niemand fürchten braucht.
Diese Wandlung im Verhalten der Sowjets mag schon zu Lebzeiten
Stalins erwogen worden sein, sein Tod beschleunigte sie jedenfalls.
Nach dem Tod Stalins konnten die sowjetischen Machthaber daran gehen,
die Weltlage nach völlig neuen Gesichtspunkten zu beurteilen. Bei dieser Beurteilung scheinen säe zu folgenden vier Schlüssen gekommen zu
sein t
. 1) Ein Krieg mit Kernwaffen, speziell in einer Zeit, in der die
sowjetischen Kräfte denen des Westens unterlegen sind, dürfe unter
keinen Umständen stattfinden.
2) Di« von Stalin allgemein verfolgte Taktik habe einen Punkt
erreicht, an dem sie immer weniger einbringe und wo ihre weitere Anwendung möglicherweise ein unnötiges Risiko bedeute.
3) Die enormen Kosten einer Rüstung mit modernen Waffen, einschließlich der Luftverteidigung, verstärkten noch die binnenwirtschaftlichen
Probleme und verzögerten die innere Entwicklung.
.\

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�"AMERIKA DIENST"

3. Oktober 1956

4) Trotz der politischen Probleme, die isä.«&amp; Stalins fEod bei der Regelung
der nachfolge gntstohenraroßtÄfc, , und trotz der mit einer raschen Industri%lisierung verbundenen wirtschaftlichen Probleme sah die Sowjetunion keinen zwingenden Grund, eine endgültige Regelung mit der freien
Welt zu suchen.
Hinsichtlich der von der sowjetischen Politik einzuschlagenden Richtung bedeuteten diese Schlußfolgerungen offenbar die Vermeidung von Extremen. Auf der einen Seite war es gefährlich, einen Kurs zu wählen, der
möglicherweise zu einem Weltkrieg hätte führen können. Auf der anderen
Seite war es angesichts der sowjetischen Stärke, einschließlich der erfolgreichen thermonuklearen Versuche, unnötig, sich damit zu befassen,
nach echten Lösungen in den Streitfragen mit der freien Welt zu suchen.
Daher blieb als einzige Alternative die "friedliche Koexistenz". Diese
Konzeption ist jedoch keineswegs passiver Natur. Die letzten achtzehn
Monate - eine der dynamischsten Phasen in der Geschichte der Sowjetdiplomatie - zeugen davon, daß die sowjetischen Machthaber die "Koexistenz"
als eine aktivistische Politik mit neuen günstigen Gelegenheiten zur Förderung der internationalen Ziele der Sowjets betrachten.
Gerade das Neuartige an einigen der jüngsten sowjetischen Aktionen
hat Aufmerksamkeit und in gewissen Teilen des Auslandes. Hoffnungen erweckt, daß die Sowjetunion sich im Stadium der Umorientierung zu einem
neuen Kurs befinde. Gewiß können die Veränderungen, die sich vollzogen
haben, nicht einfach von der Hand gewiesen werden. Sie verlangen eine
sorgfältige Beurteilung und ständige Beobachtung.
Ferner ist es von größter Bedeutung, diejenigen Elemente in der
UdSSR aufmerksam zu beobachten, die sich bisher nicht verändert haben.
Zunächst einmal ist die Sowjetunion nach wie vor eine Diktatur.
Die Macht Stalins ist auf ein Kollektiv übergegangen, in dem Chruschtschow einen unverhältnismäßig hohen Anteil hat; jedoch die Ersetzung
eines einzelnen Machthabers durch einen Exekutivausschuß ändert nichts
an dem diktatorischen Charakter des Systems. Die Verurteilung des sogenannten Persönlichkeitskulta muß erst einmal durch die Einführung von
Schranken und Gegengewichten gegen das Erscheinen eines anderen Despoten
ergänzt werden. Die Entscheidungsgewalt - die Befugnis, die gewaltigen
Hilfsquellen der Sowjetunion in jeder gewünschten Richtung einzusetzen ist nach wie vor das ausschließliche und absolute Recht einiger weniger,
die weder durch Gesetz noch durch demokratische Institutionen oder moralische Überlegungen in Schranken gehalten werden.
Zweitens bleibt die Sowjetunion nach wie vor mit einer uns feindlichen
Ideologie verbunden. Gewiß haben die sowjetischen Machthaber das Thema von
der "friedlichen Koexistenz" neu aufgegriffen, doch haben sie sich nicht
gescheut, seine wahre Bedeutung zu verbergen. "Die Tatsache, daß wir eine
Politik der friedlichen Koexistenz unterstützen ...", erklärte Chruschtschow
vor dem 20.Kongreß der KPdSU, "bedeutet nicht, daß wir in unserem Kampfe
gegen die bürgerliche Ideologie nachlassen werden ..." In Indien drückte
er sich offen und fantasievoll aus: "Den Herren, die damit rechnen, daß
die Sowjetunion ihr politisches Programm ändern wird!, erklären wir: 'Da
werden Sie warten bis die Schweine fliegen können'."
Drittens

�"AMERIKA DIENST

5. Oktober 1956

Drittens hält die Sowjetunion nach wie vor einen gewaltigen
militärischen Apparat aufrecht» Es erübrigt sich, im einzelnen auf
die ständige Entwicklung des sowjetischen militärischen Potentials
auf dem Lande, zu Wasser und in der Luft einzugehen. Die sowjetischen
Streitkräfte sind nicht mehr länger ausschließlich zum Einsatz für
Massenschlachten auf dem eurasischen Kontinent bestimmt. Besondere
Betonung wurde auf die Entwicklung nuklearer Waffen gelegt. Es ist
uns bekannt, daß das sowjetische Programm für ferngelenkte Beschösse
weit fortgeschritten ist. Moskaus so laut in die Welt posaunte Reduzierung seiner Streitkräfte findet keine Parallele in einer Beschränkung der Entwicklung und Produktion modernster Waffen.
Viertens forciert die Sowjetunion nach wie vor die Entwicklung
der Schwerindustrie. Wirtschaftliche Macht und nicht das Wohl der
Menschen ist noch immer das oberste Ziel. Das nachstalinische Regime
hat sich um eine Verbesserung der Bedingungen in den bisher vernachlässigten Wirtschaftssektoren - besonders in der Landwirtschaft bemüht; das Hauptgewicht der industriellen Entwicklung liegt aber nach
wie vor auf der Schwerindustrie.
Abschließend können wir feststellen, daß trotz der verschiedenen
inzwischen in der Sowjetunion erfolgten Veränderungen, die wichtigsten
Elemente, die die UdSSR zu einer Bedrohung unserer Sicherheit machen,
nach wie vor unverändert geblieben sind.
Um dieser neuen Situation zu begegnen, müssen wir, wie Präsident
Eisenhower es ausdrückt, dynamische und elastische Mittel anwenden,
um nicht nur die sowjetische Taktik zu bekämpfen, sondern auch um unsere eigenen Ziele zu fördern.
Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten wird bestimmt von unveränderlichen und grundsätzlichen Prinzipien, über die sich alle Amerikaner, welcher politischen Partei sie auch angehören mögen, einig sind.
Sie in Berlin kennen alle diese grundsätzlichen Prinzipien. Es sind:
Die Aufrechterhaltung der Stärke und Einigkeit der freien Welt und die
Entwicklung der Institutionen, die ein Ausdruck dieser Stärke und Einigkeit sind, sowie die Fortführung unserer Opposition gegen eine durch
Willkür- und Despotismus bestimmte Herrschaft bis au einem Punkt - und
wir sind überzeugt, daß dieser Punkt erreicht wird -, wo die sowjetischen
Machthaber schließlich einsehen, daß ihre Beurteilung der Weltsituation
und besonders ihrer eigenen Deutschlandpolitik falsch ist und einer
Änderung bedarf.
Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß eine Stärkung der
atlantischen Gemeinschaft von größter Bedeutung ist. Dies läßt sich
zum Teil durch die Entwicklung der Methoden für eine engere europäische
Zusammenarbeit und zum Teil durch eine Stärkung der Nordatlantikpaktorganisation erreichen.
In der Zusammenarbeit der europäischen Länder sind seit dem Kriege
Fortschritte, erzielt worden. Die machtpolitische Entwicklung des feindlichen Sowjetblocks seit 1945 hat die westlichen Nationen, die sich durch
ihre Geschichte und ein gemeinsames Erbe verbunden fühlen, in dem Bewußtsein bestärkt, daß sie durch gemeinsame Interessen und Bedürfnisse zusammengehören und ein gemeinsames Schicksal haben.
Dieses

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�3. Oktober 1956

AMERIKA DIENST

Dieses Gefühl der Geraeinschaft hat sich im zweiten Weltkrieg
und in den darauf folgenden Jahren noch vertieft. Unabhängig von der
sowjetischen Bedrohung sind die Völker Europas nach \945 zu der Erkenntnis gelangt,, daß ihr künftiger Wohlstand und sogar ihre Existenz
nur durch gemeinsames politisches und wirtschaftliches Handeln und nicht
durch eine ausschließlich nationale Politik und nationale Maßnahmen gesichert werden können. Aus dieser Notwendigkeit heraus sind die verschiedensten Organisationen auf der Basis der internationalen Zusammenarbeit
entwickelt, worden, die die europäischen Nationen miteinander verbinden
und die auf die Lösung gemeinsamer1 Probleme gerichtet sind. Verschiedene
dieser Organisationen, wie der Europarat, der Europäische Wirtschaftsrat
und die Montanunion haben auf dem Wege zur Integration Europas, bedeutsame Fortschritte erzielt. Und kürzlich erst haben wir zwei bedeutende
Schritte auf dem Wege zur Integration Europas erlebt, nämlich die ernsthaften Erörterungen über die Schaffung von Euratom und einen "gemeinsamen
Markt."
Im Februar 1955 sagte Präsident Eisenhower: "Ich kann die Bedeutung, einer stärkeren wirtschaftlichen, industriellen und sozialen
Verbindung und schließlich sogar einer stärkeren politischen Verbindung zwischen den Nationen eines freien Europa gar nicht stark genug
unterstreichen."
Ein anderer Faktor von grundlegender Bedeutung für die Festigung
der atlantischen Gemeinschaft ist die ständige Weiterentwicklung der
Schlagkraft der Nordatlantikpaktorganisation. Dies wird stets eines
der wichtigsten und vordringlichsten Elemente in unserer Planung bleiben.
Die politischen Funktionen der NATO sollten dementsprechend! erweitert
werden. Solange die sowjetische Politik in ihren Grundzügen die gleiche
bleibt, wie heute, muß die militärische Kraft der NATO erhalten und
weiter ausgebaut werden. Wir Amerikaner sind entschlossen, alles zu tun,
um dieses; Ziel zu erreichen. Wir haben bereits außerordentlich viel zum
Erfolg unserer gemeinsamen Verteidigungabemühungen beigetragen und werden
das auch in Zukunft tun.
Ich möchte die Bedeutung der NATO als eines gemeinsamen Unternehmens
zu unserer Verteidigung hervorheben, eines Unternehmens, zu dem jedes
Mitglied der NATO entsprechend seinen Kräften und seiner geographischen
Lage beitragen muß. Mit Hilfe dieser Beiträge der einzelnen Länder
soll eine wohlausgewogene und wendige Verteidigungsmacht aufgebaut werden, die für den Einsatz in allen militärischen Lagen geeignet ist. Das
gilt ebenso für die militärische Planung der Vereinigten Staaten wie
für die NATO selbst. In Anbetracht der so verschiedenartigen geschichtlichen Entwicklung und der unterschiedlichen Institutionen in den Vereinigten Staaten und den anderen Mitgliedstaaten der NATO, war diese
Organisation ein außerordentlich brauchbares Instrument, das uns gute
Dienste dabei leistete, anderen Mitgliedern im Rahmen der gmeinsamen
Verteidigungsbestrebungen zu helfen. Ich kann mir nur schwer vorstellen,
wie wir ohne sie eine ebenso wertvolle Hilfe hätten leisten können. Wie
Sie wissen, ist der wichtigste Grundsatz der NATO die Einigkeit, die aus
dem gegenseitigen Verständnis, und der freiwilligen Zusammenarbeit ihrer
Mitglieder erwächst; in allen unseren gemeinsamen Unternehmungen waren wir
stets erfolgreich; wenn aber Angehörige der NATO gegen diesen Geist der
Zusammenarbeit verstoßen haben, so hatte die gesamte Organisation; darunter
zu leiden*
x .
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�3. Oktober 1956

"AMERIKA DIENST

Ich habe bereits darauf hingewiesen, daß es eines der wichtigsten
Ziele der Vereinigten Staaten ist, ihren Widerstand ge^en eine von
Willkür und Despotismus bestimmte Herrschaft fortzusetzen.
Bezüglich derjenigen Nationen, die einst freie Mitglieder der
europäischen Völkerfamilie waren und die ihre Freiheit einbüßten:,
haben wir wiederholt klar- und deutlich ausgesprochen, daß wir uns
niemals mit ihrer Versklavung einverstanden erklären und keine Verträge schließen werden, die den Status quo bestätigen oder sanktionieren. Außenminister Dulles erklärte hierzu im vergangenen Jahr:
"Wir werden niemals, den Versuch unternehmen, dieses Unrecht durch
Anwendung von Gewalt wiedergutzumachen. Wir können und wollen aber das
Wissen um dieses Unrecht im Bewußtsein der Menschheit wach erhalten und somit
die Macht der Weltmeinung zur Geltung bringen, die durch ständiges Bemühen
zum Ziele führen wird. Denn keine Nation, wie mächtig sie auch immer sei,
möchte sich in ständig steigendem Maße einer Verurteilung durch die Welt
ausgesetzt sehen.
Die Welt muß wissen, daß die amerikanische Nation an diesem Kreuzweg der Geschichte nach wie vor an ihren Idealen festhält, nämlich andere an den Erkenntnissen sowie geistigen und materiellen Früchten unserer freien Gesellschaft teilnehmen zu lassen, den Geknechteten zu
helfen, wieder frei zu werden, und den Freien, ihre Freiheit zu wahren."
Sie werden sich vielleicht daran erinnern, wie Winston Churchill
in einem denkwürdigen Wort eine bestimmte Phase des zweiten Weltkrieges
umriß, als er erklärte: "Wir stehen nicht am Ende und auch nicht am
Anfang vom Ende, sondern am Ende vom Anfang." Je mehr wir von dem
heute in der Sowjetunion und in ihrem Satellitenblock vor sich gehenden Gärungsprozeß hören, um so mehr hat es - wenigstens für mich - den
Anschein, daß wir an einem ähnlichen Kreuzweg in den Beziehungen zwischen
der freien Welt und dem Sowjetblock stehen.
Vieles läßt darauf schließen, daß die Sowjetführer zum mindesten
für eine gewisse Zeit auf Gewaltmittel in außenpolitischen Angelegenheiten weniger Wert legen und im eigenen Lande, eine gewisse. Toleranz zulassen. Vielleicht hatte auch unsere eigene Politik Einfluß auf diesen
bedeutungsvollen Fortschritt. Es ist noch zu früh, etwas darüber auszusagen, ob die bis heute gefaßten Entscheidungen der Sowjets den Charakter
des Unabänderlichen tragen; die Elemente, bei denen die Staatsgewalt im
sowjetischen System ruht, sind auch heute noch größtenteils unkontrolliert
durch gesetzliche Sicherungen oder die Macht einer echten öffentlichen
Meinung;. Aber wir haben es jetzt zum ersten Mal mit einer sowjetischen
Gesellschaft zu tun, die den Kinderschuhen entwachsen ist, und die Sowjetführer müssen sich endlich mit den dem Kommunismus eigenen Widersprüchen
auseinandersetzen;
- wie soll man eine neue Klasse von Wissenschaftlern, Managern und
Beamten heranziehen, die frei genug für eine fortschrittliche Weiterentwicklung, aber auch Sklave genug sind, um das abgegriffene Dogma eines
aus dem 19»Jahrhundert stammenden Rezepts für eine despotische Staatsform
zu akzeptieren?
- wie lassen sich die gegensätzlichen Forderungen vereinbaren, einerseits Machtpolitik zu betreiben und zum andern weniger mit Zwang und Druck

_9 .

�3. Oktober 1956

AMERIKA DIENST

Druck zu arbeiten, den Verbrauch auch weiterhin beschränkt zu halten
und die Hilfsquellen in zunehmendem Maße für die Schwerindustrie und
die militärische Technik zu nutzen?
- wie soll man verläßliche kommunistische Bewegungen in den
Entwicklungs-Ländern aufrechterhalten und gleichzeitig so tun, als
wünsche man diese Staaten darin zu unterstützen, ihre Unabhängigkeit
zu stärken und ihren gemäßigten, nichtkommunistischen Regierungen zum
Erfolg zu verhelfen?
Diese und andere ihrem System innewohnenden Widersprüche, zu,,
denen wir auch die Tatsache rechnen' müssen, daß es keine geregelte
Nachfolge in der Führung kennt - und dies wird sich vielleicht noch
einmal als ein verhängnisvoller Fehler erweisen -, lassen den Sowjets
nicht viel Spielraum bei ihren Entscheidungen und binden ihnen die Hände.
Wir unsererseits haben eine wichtige Bedingung zu erfüllen. Wir dürfen
den Sowjetführern keine Siege überlassen. Die freie Welt muß mit Geschick
und Entschiedenheit verhindern, daß die Sowjets mittels Gewalt oder List
weitere Eroberungen machen. Nur auf diese Weise wird man sie allmählich
dahin bringen können, sich verantwortungsbewußt an der Lösung internationaler Fragen zu beteiligen. Wir müssen sie durch eine feste und
kraftvolle Haltung zu der Erkenntnis zwingen, daß sie sich ihrer Gewaltmethoden nicht ungestraft bedienen können. Und durch unsere politische
Haltung müssen wir ihnen zeigen, daß sie sich in die Welt des 20.Jahrhunderts einpassen und den Forderungen nach Sicherheit, Frieden und Gerechtigkeit für alle Völker gerecht werden müssen. Diese politischmilitärische Haltung zu wahren, ist unser aller Aufgabe.
Wir Amerikaner glauben, daß diese Ziele durchaus realistisch und
erreichbar sind. Wir glauben,'daß diese Aufgabe zu erfüllen ist.
Wenn sie erfüllt wird und die Deutschen in Ost- und Westdeutschland,
ihrem Entschluß, ein freies und geeintes Volk zu sein, treu bleiben,
dann, so glauben wir fest, können wir eine allmähliche Wandlung der
sowjetischen Führer in ihrer Gesamteinstellung und eine Revision
ihres Standpunktes in der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands
in Freiheit herbeiführen.

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�A M E R I K A

D I E N S T

EISENHOWER ERLÄUTERT AMERIKANISCHE POLITIK HINSICHTLICH
DER ATOMWAFFENVERSUCHE
WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Erklärung über
die amerikanische Politik hinsichtlich der
Atomwaffenversuche, die Präsident Eisenhower
am 5.Oktober 1956 abgegeben hat.

"Die Politik der amerikanischen Regierung hinsichtlich der
Erprobung großer nuklearer Waffen ist in dem gegenwärtigen politischen Wahlkampf zu einem Streitpunkt gemacht worden.
Ich bedaure dies. Die Art und Weise, in der diese Frage aufgeworfen wurde, kann nur zu Verwirrung in den USA und zu Mißverständnissen im Ausland führen. Es gibt nichts Schwierigeres als
die Erörterung dieser Frage vor dem Auditorium der gesamten Welt,
das naturgemäß auch die einschließen muß, die uns feindlich gegenüberstehen. Es gibt kein TJhema, für das die amerikanische Bevölkerung ein einheitlicheres Verständnis haben sollte - ein Verständnis, das frei von Verwirrung oder parteipolitischen Meinungsverschiedenheiten ist.
Ich spreche als Präsident, der im Rahmen der Verfassung mit
der Verantwortung für die Verteidigung und Sicherheit unserer
Nation betraut ist.
Ich muß daher die folgenden entscheidenden Punkte unserer
nationalen Politik unterstreichen*
Erstens: Die Erprobung von Atomwaffen ist bis heute ein unerläßlicher Teil unseres Verteidigungsprogramms gewesen und wird
es auch weiterhin sein. Die Entwicklung dieser Waffen war ein
wesentliches, wenn nicht gar ein entscheidendes Mittel der Abschreckung für die kommunistische Aggression in den vergangenen
Jahren. Und wie wichtig es ist, daß wir auf diesem besonderen
Gebiet stark sind, wird durch die zahlenmäßige Überlegenheit der
kommunistischen Welt nachdrücklich unterstrichen.
Zweitens« Gleichzeitig hat die amerikanische Regierung als
Teil eines allgemeinen Abrüstungsprogramms immer wieder ihre Bereitschaft, ja ihren entschlossenen Willen bestätigt und bekräftigt,
sowohl die Erprobung als auch die Anwendung nuklearer Waffen im
Rahmen eines spezifischen und überwachten internationalen Abrüstungsabkommens zu beschränken und zu kontrollieren. Diese Tatsache ist
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�"AMERIKA M E N S T "

10. Oktober 1956

ist allen Regierungen der Welt bekannt. Sie kann auch kaum den informierten amerikanischen Bürgern unbekannt sein.
Drittens* Was das Waffenentwicklungsprogramm der USA anbetrifft,
so sind besondere Regierungsbeamte - vor allem die Mitglieder der
Atomenergiekommission und des gemeinsamen Stabes der US~-Streitkräf te
sowie der Präsident - dafür verantwortlich, zu allen Zeiten genau abzuwägen, welcher Nachdruck und Schwerpunkt auf die verschiedenen Waffentypen und -großen, auf ihre Erprobung und Entwicklung gelegt werden
soll. Ein solcher Schwerpunkt muß zwangsläufig immer wieder von neuem
festgelegt und überprüft werden. Diese spezifische Angelegenheit kann
natürlich - aus verständlichen Sicherheitsgründen - nicht Gegenstand
einer ins einzelne gehenden öffentlichen Diskussion sein.
Auf Grund dieser unserer Politik muß ich auf bestimmte Vorschläge
eingehen, die über einen Zeitraum von mehreren Monaten unterbreitet wurden.
Ich muß in diesem Zusammenhang auf folgende Fakten hinweisen»
Erstens: Es wurden mehr als ein Vorschlag unterbreitet. Diese Vorschläge unterschieden sich voneinander. Diese Unterschiede haben Verwirrung hervorgerufen.
Am 21 .April wurde vorgeschlagen, daß 'wir der Einstellung der
Wasserstoffbombenversuche sofortige und ernsthafteste Aufmerksamkeit
schenken sollten'. Dies wäre eine so einseitige amerikanische Maßnahme
gewesen, daß hinzugefügt wurde, 'wir könnten unsere Politik ja überprüfen', wenn andere Länder diesem Beispiel nicht folgten. .
Am 5«September bezog man sich auf meinen 'Vorschlag vom vergangenen Frühjahr, die weitere Erprobung großer nuklearer Waffen einzustellen
unter der Bedingung, daß auch die anderen Atommächte eine ähnliche
Politik einschlagen'.
Am 20.September wurde in einer neuen Formel gefordert, daß die
USA 'Bei dem Vorhaben, die Begrenzung der Wasserstoffbombenversuche
aller Nationen zu fördern, die Führung übernehmen sollten'.
Zweitens« Die Unklugheit einer solchen, ohne wirkliche internationale Sicherheitsmaßnahmen durchgeführten Aktion wurde sofort von
dem demokratischen Vorsitzenden des gemeinsamen Atomenergieausschusses
des Kongresses, Senator Clinton Anderson, unterstrichen. Er sagte:
'Es gibt keinen Hinweis darauf, daß Rußland seine Versuche einstellen
würde. Unter diesen Umständen glaube ich nicht, daß wir unsere Versuche abbrechen können.'
Die Stellungnahme eines so .verantwortlichen Demokraten macht
klar, daß es sich hierbei nicht - wie es auch nicht der Fall sein
sollte - um eine parteipolitische Frage, sondern um einen Punkt
handelt, der von einer Einzelperson aufgeworfen wurde.
Drittens: Die Vorschläge berücksichtigen in keiner Weise, was
das Ergebnis der Einstellung unserer Versuche sein würde. Die Versuche
mit großen Waffen, von welcher Nation sie auch immer vorgenommen werden,
können zwar, sobald sie erfolgen, registriert werden. Einem jeden dieser
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�AMERIKA LIEFST"

10. Oktober 1956

dieser Versuche gehen jedoch zahlreiche Monate der Forschung und der
Vorbereitung voraus. Dies bedeutet, daß umfassende Versuche von anderen
Nationen ohne unser Wissen vorbereitet werden könnten. Bis zu dem Zeitpunkt, wo wir davon erführen, könnte unsere gegenwärtige eindrucksvolle
Führung auf dem Gebiet der Kernwaffen reduziert oder gar überholt sein.
Auf diese Weise würde unsere Fähigkeit, über den Frieden zu wachen, gemindert werden.
Viertens: Die gemachten Vorschläge ignorieren einige wesentliche
Gründe für die Versuche.
a) Unsere jüngsten Versuche waren dergestalt, daß sie zu dem
Wissen beigetragen haben, wie wir Waffen herstellen können, die nicht
in erster Linie größere Vernichtungswaffen, sondern Waffen zum Schutz
unserer Städte vor einem feindlichen Luftangriff sind.
b) Ein wichtiges Ergebnis unserer jüngsten Versuchsreihe war, daß
wir gelernt haben, Waffen herzustellen, bei denen der radioaktive Niederschlag auf ein Minimum begrenzt wird und deren Vernichtungskraft auf
militärische Ziele konzentriert werden kann.
Fünftens: In der sprachlichen Verwirrung, die diese Vorschläge
umgab, wurde der Versuch gemacht, große internationale Persönlichkeiten,
ja selbst seine Heiligkeit Papst Pius XII., zu zitieren, die 'ähnliche
Vorschläge1 gemacht hätten. Alle diese Persönlichkeiten - wie auch die
Mitglieder der amerikanischen Regierung, alle verantwortungsbewußten
und bedachten Politiker der freien Welt, Staatsmänner oder Kirchenführer - sind aufrichtig um ein internationales Abkommen bestrebt, das
eine wirkungsvolle Kontrolle aller Rüstungen - der nuklearen, wie der
herkömmlichen - gestattet.
Der Papst hat in seiner letzten Weihnachtsbotschaft an die Welt
gefordert, den nuklearen Waffenversuchen durch ein internationales
Waffenabkommen Einhalt zu gebieten. Er erklärte, daß ein solcher Schritt
drei Stufen einschließe: Den Verzicht auf Versuche mit Atomwaffen, den
Verzicht auf die Anwendung solcher Waffen und eine allgemeine Kontrolle
der Rüstungen. Und er forderte, daß alle diese drei Vorsichtsmaßnahmen
gemeinsam durchgeführt werden.
Sechstens: In der letzten Woche ist jedoch noch ein weiterer Vorschlag unterbreitet worden. Dieser Vorschlag kritisierte das 'Beharren'
der Regierung auf einer 'vollkommenen' oder 'narrensicheren' Überwachung
der Abrüstung und bezeichnete diese als eine 'Gefahr', die ein mögliches
internationales Abkommen gefährdet.
Ich muß in feierlicher Form erklären, daß ich damit nicht übereinstimme. Ich werde auch weiterhin beharrlich dabei bleiben, solange
mir die höchste Verantwortung für die Sicherheit unseres Landes übertragen ist.
Die Gefahr liegt genau in der anderen Richtung. Sie liegt in der
vergeblichen Hoffnung, daß bereits irgend etwas, was nicht so weit geht

5»

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"AMERIKA DIENST"

geht wie sichere Garantien, eine Verminderung des Potentials zu
unserer eigenen Verteidigung, zur Verteidigung unserer Verbündeten und zur Verteidigung der freien Welt rechtfertigen würde.
Und schließlich unterstreiche ich erneut die feste Absicht
meiner Regierung, sich unablässig um eine Verringerung der
Rüstungslasten nicht nur für einige wenige Länder, sondern
für alle Völker der V/elt zu bemühen."

* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

DULLE3: FRIEDEN UND GERECHTIGKEIT SJND UNTEILBAR

WILLIAMSTOWN (Massachusetts) - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den V/ortlaut einer Rede über Probleme
des Friedens, die der amerikanische Außenminister John
Foster Dulles am 6. Oktober 1956 vor dem Williams College
in Williamstown in Massachusetts gehalten hat und in der
er sich für eine friedliche und gerechte Lösung des SuezKonfliktes einsetzte.

"Ich möchte heute zu Ihnen über einige Probleme des Friedens
sprechen. Ich weiß, daß dies ein altbekanntes Thema ist, aber es ist
auch ein sehr akutes Thema.
Quincy Wright führt in seiner 'Studie des Krieges1 278 Kriege
an, die zwischen 1480 und 1941 ausgetragen wurden. Mehrere dieser
Kriege, darunter auch der zweite Weltkrieg, wurden geführt, nachdem
der Völkerbund geschaffen worden war und nachdem der Vertrag von
Paris alle Nationen zur Ächtung des Krieges verpflichtet hatte. Auch
nach der Gründung der Vereinten Nationen im Jahre 1945 sind verschiedene Kriege geführt worden, dazu gehören der Korea-Krieg, der Krieg
in Indochina und der israelisch-arabische Krieg. In verschiedenen
Teilen der Welt sind Kriege heute bedrohlich in den Bereich des
Möglichen gerückt.
Es ist eine Tatsache, daß der Krieg solange eine immerwährende
Gefahr sein wird, bis es besser entwickelte Institutionen des Friedens, wie eine angemessene Körperschaft des Völkerrechts und eine
internationale Polizeimacht, gibt und eine Reduzierung der Rüstungen erfolgt ist. '/Vir leben heute - und ich fürchte-noch für lange
Zeit - unter der Drohung des Krieges. Nur wenn wir uns dieser Tatsache voll und ganz bewußt sind, werden wir die Anstrengungen unternehmen können, die zur Verhinderung des Krieges notwendig sind. .
Ich möchte also wieder einmal über den Frieden sprechen.
Zunächst einmal muß man sich darüber im klaren sein, daß Kriege
nicht allein dadurch verhindert werden, daß man den Krieg haßt und
den Frieden liebt. Seit Menschengedenken haben die Völker der Welt
den Krieg gehaßt und sich nach Frieden gesehnt. Doch dadurch wurde
der Frieden nicht erreicht. Es hat sich immer wieder erwiesen, daß
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daß die Wahrscheinlichkeit des Friedens nicht an der Intensität der
Friedensbeteu ungen gemessen werden kann. Dafür ist die S ockholmer
Friedensresolvtion ein Beispiel. Durch diesen Trick haben die Sowjets
versucht, den weltweiten Wunsch nach Frieden für ihre eigenen Zwecke
auszunutzen. Diese Resolution hat nichts zum Frieden beigetragen.
Selbst ein so aufrichtiges Bemühen wie der Vertrag von Paris zeigte,
wie vergeblich der Versuch ist, den Krieg zu ächten, wenn nicht gleichzeitig angemessene und wirksame Institutionen geschaffen werden, die
den Krieg als Mittel der Politik ersetzen.
Es ist eine Tatsache, daß die Friedensliebe allein noch niemals
ausreichte, um vor einem Krieg abzuschrecken.
Einer der großen Fortschritte unserer Zeit ist die Erkenntnis,
daß einer der Wege zur Verhütung des Krieges darin besteht, den Willen
und die Macht zu haben, zur Bestrafung eines Aggressors Gewalt anzuwenden. Dabei bedarf es innerhalb der Völkerfamilie der Bemühungen,
das gleiche Prinzip anzuwenden, das zur Abschreckung von Gewalttaten
innerhalb einer Gemeinde angewandt wird. Hier in der Gemeinschaft
werden Gesetze erlassen, die die Verbrechen und ihre Bestrafung definieren. Damit wird ein mächtiges Bollwerk gegen Gewalttaten errichtet.
Dieses Prinzip der Abschreckung funktioniert jedoch selbst in den
bestgeordnetsten Gemeinden nicht hundertprozentig. Aber es wird als
brauchbar und wirksam angesehen und kann also zweckmäßigerweise auf die
Völkerfamilie ausgedehnt werden. Dieses Prinzip wurde in die Charta
der Vereinten Nationen aufgenommen. Artikel 44 ermächtigt den Sicherheitsrat, Gewalt anzuwenden, und die Mitglieder sind verpflichtet,
die Streitkräfte zur Verfügung zu stellen, die zur Aufrechterhaltung
des Weltfriedens und der Sicherheit notwendig sind. Diese Bestimmungen
der Charta sind jedoch auf Grund 'des sowjetischen Vetos niemals angewandt worden. Der Grundsatz der Abschreckung mußte daher seinen Ausdruck in kollektiven Abmachungen zur Selbstverteidigung finden, wie
sie im Artikel 51 der Charta erlaubt sind.
Die Vereinigten Staaten sind gegenwärtig mit 42 anderen Staaten
durch solche kollektiven Abmachungen zur Selbstverteidigung verbunden.
Diese Abmachungen dienen dem Zweck, jedem potentiellen Aggressor im
voraus klarzumachen, daß ein Angriff auf ein einzelnes Land zu einer
Reaktion vieler Länder^ darunter der Vereinigten Staaten, führen würde,
die darauf gerichtet wäre, den Aggressor so hart zu bestrafen, daß sich
eine Aggression nicht mehr lohnen würde.
Senator Vandenberg hat dies dargelegt, als er im Senat für den
Nordatlantikpakt eintrat;
•Die unüberwindliche Kraft für den Frieden, die in diesem Vertrag
liegt, ist die abschreckende Tatsache, daß jeder Aggressor gegen die
Nordatlantische Gemeinschaft von vornherein weiß, daß er in demselben
Augenblick, in dem er angreift, einer solchen geballten Stärke dieser
verbündeten Staaten gegenübersteht, wie diese nach ihrem eigenen Ermessen für notwendig erachten, um ihn auf die Knie zu zwingen und Frieden
und Sicherheit wiederherzustellen. '
Durch

�AMERIKA DIENST

10. Oktober 1956

Durch die Weiterentwicklung dieser 'Warnung vor einem k.o.', um
mit Vandenberg zu sprechen, ist ein nicht zu übersehender Schutzwall
gegen den Krieg errichtet worden. Es wäre jedoch töricht anzunehmen,
daß die Warnung allein schon ein unüberwindliches Hindernis für einen
Krieg darstellt. Ihre Wirksamkeit hängt davon ab, daß innerhalb der
zusammengeschlossenen Gruppe von Ländern ständig sowohl der Wille als
auch die Macht vorhanden ist, im Falle einer Aggression wirksam zu
handeln. Das militärische Programm der Vereinigten Staaten, einschließlich der sogenannten 'Auslandshilfe1 bildet die Kosten für diese Art
der Friedensversicherung. Es handelt sich hier um eine notwendige,
wenn auch zugegebenermaßen nur um eine Teilversicherung.
Ein weiterer Aspekt des Problems liegt darin, daß es auf lange
Sicht niemals einen echten Frieden geben kann, wenn nicht Hecht und
Gerechtigkeit herrschen. Auch heute noch bestehen schwere Ungerechtigkeiten, wie zum Beispiel die Knechtschaft der sowjetischen Satelliten und die Teilung Deutschlands. Aber selbst wenn einmal die vollkommene Gerechtigkeit erreicht würde, dann wäre dies nicht automatisch
ein ewiger Zustand. Der Wandel ist das Gesetz des Lebens,und es entstehen immer wieder neue Verhältnisse, die nach einer Lösung verlangen,
wenn es nicht neue Ungerechtigkeiten geben s'oll .Solche Ungerechtigkeiten neigen dazu, immer wieder letztlich zur Anwendung von Gewalt zu
führen, wenn nicht andere Mittel existieren.
Dieser Punkt wird durch einen Geschichtsatlas unterstrichen.
Ich denke, keiner wird der Ansicht sein, daß die politische Aufteilung
der Welt, wie sie etwa vor 50» 100 oder 500 Jahren bestand, hätte verewigt werden sollen. Und doch war fast die einzige Möglichkeit der
Veränderung die Anwendung von Gewalt. Innerhalb einer Nation oder
einer Völkerfamilie ist die Gewalt unvermeidlich, wenn es keine friedlichen Möglichkeiten gibt, etwa auftretende Ungerechtigkeiten zu beseitigen.
Diese Beziehung zwischen Frieden und Gerechtigkeit wurde häufig
erörtert, als die Charta der Vereinten Nationen formuliert wurde.
Die Charta setzte in ihrer ursprünglichen, in Dumbarton Oaks ausgearbeiteten Form keinen Maßstab für den Begriff der Gerechtigkeit fest.
Der Nachdruck wurde ausschließlich auf den Frieden gelegt, als ob
ein ständiger Friede unabhängig von der Gerechtigkeit erreicht werden
könnte.
Ich erinnere an meine Forderung vom März 1945» als ich erklärte,
'daß diese Organisation von ethischen Werten, dem Geist der Gerechtigkeit, erfüllt sein sollte'. Ferner sagte ich damals wörtlich:
'Ich bin mir sehr wohl darüber im klaren, daß der Begriff 'Gerechtigkeit' nicht leicht zu definieren ist. Er hat für verschiedene Menschen verschiedene Bedeutungen. Aber für alle hat er irgendeine
Bedeutung, und zwar eine sehr entscheidende. Die Charta sollte von
der neuen Organisation verlangen, daß sie als ersten Punkt der Geschäftsordnung die schwierige, aber entscheidende Aufgabe in Angriff
nimmt, eine Konzeption der Gerechtigkeit zu entwickeln, von der sie
geleitet wird. Nur auf diese Weise wird die Organisation bestehen
können.'
.

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Auf der Konferenz von San Franzisco wurde diese Ansicht allgemein
akzeptiert. Die Charta wurde entsprechend abgeändert. Die wichtigste
Änderung kann in dem ersten Artikel der Charta gefunden werden. Ursprünglich bezeichnete es der Artikel 1 als das Ziel der Vereinten
Nationen, 'auf friedliche V/eise Schlichtungen oder Lösungen internationaler Streitfälle oder Situationen herbeizuführen, die zu einem Bruch
des Friedens führen könnten.' In San Franzisco wurde erklärt, daß die
friedliche Lösung in 'Übereinstimmung mit den Prinzipien der Gerechtigkeit und des Völkerrechts' erreicht werden müßten.
Wenn sich also die Vereinten Nationen mit dem Problem der Schlichtung und Lösung von Streitfällen und Situationen befassen, die den Frieden gefährden könnten, dann ist es erforderlich, daß die Weltorganisation als ein Forum der Unparteilichkeit fungiert, wobei die Prinzipien
der Gerechtigkeit so angewandt werden, wie sie für die jeweiligen tatsächlichen Gegebenheiten relevant sind.
Dies ist nicht immer leicht. Die öffentliche Meinung der Welt
lehnt zwar bereitwillig die Gewalt ab. Sie unterstützt jedoch nicht
genauso leicht die 'Gerechtigkeit', die oft nur eine vage und strittige
Konzeption ist. Dennoch müssen diejenigen, welche den Frieden lieben
und ihn wünschen, sich darüber im klaren sein, daß sie keinen Frieden
haben werden, wenn sie sich nicht genauso nachdrücklich für die Gerechtigkeit einsetzen wie für den Frieden. Der Friede ist eine Münze,
die zwei Seiten hat. Die eine Seite ist der Verzicht auf die Gewalt,
die andere Seite die Anerkennung der Gerechtigkeit.
Frieden und Gerechtigkeit sind unteilbar.
Ein praktisches Beispiel für die gegenseitige Abhängigkeit von
Frieden und Gerechtigkeit ist das gegenwärtig akute Suezproblem. Hier
hat die ägyptische Regierung plötzlich die alleinige Kontrolle des
Betriebs dieser Wasserstraße an sich gerissen, die seit ihrem Bau von
einer internationalen Gesellschaft verwaltet wurde. Die ägyptische
Regierung nahm diese Handlung unter Bedingungen vor, die ihre Absicht
erkennen lassen, diese Kontrolle nicht im allgemeinen Interesse auszuüben, sondern der sogenannten ''Größe' Ägyptens dadurch zu dienen, daß
man in der Lage ist, auf andere Länder einen wirtschaftlichen Druck
auszuüben und Tribute von ihnen zu fordern.
Es gibt viele Länder, für die der Suezkanal im wahrsten Sinne
des Wortes eine Lebensader darstellt. Ihr wirtschaftliches Gedeihen
hängt davon ab, daß ihnen der Kanal zur Verfügung steht und technisch
in einwandfreiem Zustand ist. Es darf hier kein Risiko einer offenen
oder versteckten Diskriminierung unter den Benutzern geben, denen
die freie und unbehinderte Durchfahrt durch den Vertrag aus dem Jahre
1888 für ewige Zeiten zugestanden wurde. Es kann keiner Nation zugemutet werden, unter einem wirtschaftlichen 'Damoklesschwert' zu leben.
Auf der ganzen Welt war man dagegen, daß diese Situation durch
die Anwendung von Gewalt gereinigt wird. Das ist nur natürlich und
richtig. Aber diejenigen, die um den Frieden besorgt sind, sollten in
gleicher Weise auch um die Gerechtigkeit besorgt sein. Ist es Rerecht

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gerecht oder auch nur erträglich, daß große Nationen, die im Rahmen
des Vertrages aus dem Jahre 1888 Rechte habai und deren Wirtschaften
von der Benutzung des Kanals abhängen, eine exklusive Kontrolle dieses
internationalen Wasserwegs durch eine Regierung akzeptieren, die aus
ihrer bitteren Feindseligkeit kein Hehl macht? Das ist die Frage, die
nunmehr dem Weltsicherheitsrat vorliegt, und sie stellt dieses Gremium
vor eine entscheidende Probe.
Lassen Sie mich als letzten Punkt betonen, daß der Frieden niemals gewonnen wird, wenn man sich nicht genauso unermüdlich für die
Erreichung dieses Zieles einsetzt, wie man in Kriegszeiten mit allen
Kräften nach dem Siege strebt. Wir haben gesehen, daß man durch die
Jahrhunderte hindurch den Frieden gewünscht hat, daß es aber dennoch
Kriege gab. Wir können auch durch die Jahrhunderte hindurch verfolgen,
daß in Kriegszeiten nicht denen der Erfolg zufällt, die den Sieg wünschen,
sondern denen, die die Fähigkeiten und die Opferbereitschaft zeigen,
wie sie zu einem Siege notwendig sind. Andererseits sieht man gemeinhin
in dem Frieden eine Zeit des Ausspannens, in der keine besonderen Anstrengungen und keine besonderen Opfer erforderlich sind.
Tatsache ist, daß es ebenso schwer ist, dem Frieden zu dienen
zu führen. Das erstere erfordert fast die gleichen Fähigkeiten wie das letztere und zumindest ein gewisses Maß an Opfern. Die
Vereinigten Staaten bringen heute in ihrem Feldzug für den Frieden
beträchtliche Opfer. Diese lassen sich mit dem Militärdienst unserer
Jugend messen, mit der Ausgabe von rund zehn Prozent unseres Bruttosozialproduktes für Verteidigungszwecke, mit der Gewährung von militärischer und wirtschaftlicher Hilfe an solche Länder, die bedroht
sind und den Willen zum Widerstand haben, und schließlich mit den
aufopfernden Bemühungen vieler einzelner nicht nur auf militärischem
Gebiet, sondern auch vor allem in unserem diplomatischen Dienst.
Aber diese Opferbereitschaft reicht noch nicht aus. Immer wieder
bittet die amerikanische Regierung um die Dienste besonders geeigneter Personen für wichtige Aufgaben, die im Rahmen des Feldzuges für
den Frieden gelöst werden müssen. In Kriegszeiten würden die so aufgerufenen Personen keinen Augenblick zögern. In Friedenszeiten finden
sie mancherlei Gründe, den Ruf auszuschlagen. Die Gründe mögen echt
sein, aber sie spiegeln die allgemeine Einstellung wider, daß der
Friede nicht die Opfer erfordert, die man in Kriegszeiten ohne Zögern
bringen würde.
twi.a,Krieg

Die Menschheit wird niemals einen dauerhaften Frieden erringen,
solange die Menschen ihr volles Können nur für die Aufgaben des Krieges einsetzen. Die Aufgaben des Friedens erfordern die gleichen Anstrengungen, die erforderlich sind, um einen großen Krieg zu gewinnen.
Warum sollten wir diese Anstrengungen nicht vollbringen? Die furchtbaren Schrecken eines dritten Weltkrieges vermag niemand zu schildern.
Warum sollten wir nicht, um den Frieden zu gewinnen, die Fähigkeiten
entwickeln und einsetzen, die sonst aufgebracht würden, um einen Krieg
zu gewinnen? Dies ist eine Frage, die auf nationaler Ebene beantwortet werden muß, wenn wir danach streben, den Frieden zu einem Dauerzustand zu machen. Es ist aber auch eine Fr?ge, die jeder für sich
selbst beantworten muß. Sie oder manche von Ihnen mögen eines Tages
aufgerufen werden, diese Frage damit zu beantworten, was Sie aus Ihrem
eigenen Leben machen. Wenn Sie und andere das für den Frieden tun, was
Sie für den Krieg tun würden, dann dürfen wir hoffnungsvoller in die
ukunf t blicken •"
* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

DULLES LEGT STANDPUNKT DER USA ZUM SUEZ-KONFLIKT DAR

VEREINTE NATIONEN (New York) - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den V/ortlaut
einer Rede, die der amerikanische Außenminister John Poster Dulles am 9»0ktober
1956 vor dem Weltsicherheitsrat hielt.

"Wenn sich unsere allgemeine Aussprache nunmehr dem Ende nähert,
ist es wichtig, erneut einige Grundsätze aufzuzeigen:
Erstens: Wir sind hier, um uns mit einer Lage zu.befassen, die
die Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit in der Welt gefährdet. Dies wird von allen Beteiligten zugegeben.
Zweitens: Die Länder der Welt und im besonderen die f6 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen haben uns, die wir diesen Rat
bilden, die Hauptverantwortung für die Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit übertragen.
Drittens: Wir müssen bei der Ausübung dieser Pflicht im Einklang mit den Zielen und Prinzipien der Vereinten Nationen handeln,
und das bedeutet, daß wir mit friedlichen Mitteln und im Einklang
mit den Prinzipien der Gerechtigkeit, und des Völkerrechts eine Bereinigung dieser gefährlichen Situation herbeiführen.
Unsere Aufgabe ist klar. Sie besteht darin, durch friedliche
Mittel eine Lösung zu suchen, die mit den Prinzipien der Gerechtigkeit und des Völkerrechts in Einklang steht. Wir haben damit eine
zweifache Verantwortung; ihr einer Aspekt betrifft den Frieden, der
andere die Gerechtigkeit und die Beachtung von Recht und Gesetz.
Lassen Sie uns diese beiden Aspekte unserer Aufgabe betrachten.
Welche Möglichkeiten bestehen dafür, eine Lösung durch friedliche Mittel zu erzielen? Die Chancen dafür sind gut.
Fast zweieinhalb Monate sind vergangen, seitdem Ägypten am
26.Juli von der allgemeinen Suezkanalgesellschaft Besitz ergriffen
und sie damit de facto daran gehindert hat, die Pflichten auszuüben,
die ihr im Jahre 1868 bis zum Jahre 1968 übertragen worden waren.
Die durch diese Maßnahme tief gekränkten und gefährdeten Nationen haben darauf mit keinerlei Gewaltmaßnahmen reagiert. Sie
haben sich aufs genaueste an ihre auf Grund der Charta übernommene
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�AMERIKA DIENST"

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übernommene Verpflichtung gehalten, zuerst einmal auf der Verhandlungsbasis oder durch andere friedliche Mittel eine Lösung zu suchen.
Am I.August 1956&gt; vier Tage nach der Besitzergreifung der Suezkanalgesellschaft durch Ägypten, traten die Regierungen Frankreichs,
Großbritanniens und der Vereinigten Staaten zusammen und beschlossen,
daß eine Lösung zunächst durch Einberufung einer Konferenz der 24 in
erster Linie betroffenen Nationen gesucht werden sollte. Das war der
erste Friedensschritt. Vom 16. bis zum 24.August fand diese Konferenz
statt. Ägypten lehnte eine Teilnahme ab. Aber es waren alle sieben der
unbestreitbar noch existierenden Unterzeichnerstaaten des Vertrages
von 1888 vertreten sowie sieben weitere Staaten, die die Hauptbenutzer
des Kanals sind und acht andere Staaten, deren '.Virtschaft in stärkstem
Maße von dem Kanal abhängt.
Diese Konferenz führte zu einem Übereinkommen, in dem sich
18 der 22 Konferenzteilnehmer auf eine Lösungsformel einigten, die
nach ihrer Ansicht sowohl für Ägypten als auch für die Nationen, die
den Kanal benutzen oder von ihm wirtschaftlich abhängig sind, akzeptabel sein sollte. Das war der zweite im Sinne des Friedens unternommene
Schritt.
Auf dieser Konferenz wurde ein aus fünf Ländern bestehender
Ausschuß unter dem Vorsitz des australischen Ministerpräsidenten
gebildet, um die Ansichten der 18 Teilnehmerländer an Ägypten weiterzug»ben und herauszufinden', ob diese als Verhandlungsgrundlage für
akzeptabel gefunden würden. Dabei wurde eine Zusammenkunft in Genf
vorgeschlagen. Die ägyptische Regierung gab jedoch zu verstehen, daß
sie nur in Kairo selbst mit dem Ausschuß zusammenzukommen geneigt sei.
Der aus einem Ministerpräsidenten, drei Außenministern und einem stellvertretenden Außenminister bestehende Ausschuß reiste daher in seiner Suche
nach dem Frieden nach Kairo. Dies war der dritte Friedensschritt.
Der Ausschuß hielt sich vom 3. bis 9«September in Kairo auf und
legte den Vorschlag der 18 Nationen dar und erläuterte ihn. Dies war
der vierte Schritt in der Suche nach dem Frieden.
Die ägyptische Regierung lehnte die Vorschläge der 18 Nationen
selbst als Verhandlungsgrundlage ab und unterbreitete keine Gegenvorschläge. Dessen ungeachtet kamen die 18 Nationen am 19»September erneut zusammen, um nach weiteren Möglichkeiten einer friedlichen Regelung zu suchen. Sie überprüften und bestätigten ihre Vorschläge vom
August als eine faire Grundlage für eine friedliche Lösung des Suezkanalproblems, die den Interessen der Benutzernationen ebenso gerecht würde
wie den Interessen Ägyptens.
Sie suchten weiter praktische Mittel und Wege einer Zusammenarbeit
mit Ägypten zu finden. Sie waren der Auffassung, daß Ägypten vielleicht
zu diesem Zeitpunkt nicht bereit wäre, einer endgültigen Lösung zuzustimmen, daß aber vielleicht irgendeine praktische Verbindung zwischen
den Kanalbenutzern und der ägyptischen Kanalbehörde geschaffen werden
könnte. Sie entschlossen sich daher, eine kooperative Vereinigung zu
gründen, die in ihrem Auftrage handelnd mit den ägyptischen Kanalbjehörden
über diese Fragen verhandeln könnte. Dies war der fünfte Friedensschritt.
Die
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�"AMERIKA DIENST"

10. Oktober 1956

Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens ergriffen dann
Maßnahmen, um das Augenmerk dieses Rates auf die Situation zu lenken.
Das war der sechste Schritt»
Angesichts dieser Gegebenheiten kann wohl keiner, so meine ich,
zu Recht die friedlichen Bestrebungen derjenigen in Frage stellen,
die von der ägyptischen Maßnahme betroffen worden waren. Wohl kaum
wurden jemals vergleichbare Anstrengungen unternommen, um eine Frage
von solch gefährlichen Ausmaßen auf friedliche Weise zu lösen. Der
Rat weiß sehr wohl, daß er es nicht mit Regierungen zu tun hat, die
sich der Anwendung von Gewalt verschrieben haben. Selbst die am
meisten Betroffenen,, haben den Wunsch zum Ausdruck gebracht, auf
friedlichem Wege eine gerechte Lösung zustandezubringen.
Wir wenden uns jetzt dem zweiten Aspekt unseres Problems zu
- das heißt, der Suche nach einer Lösung, die sowohl den Grundsätzen
der Gerechtigkeit als auch des Völkerrechts entspricht. Hier wiederum ist der Weg klar.
Wir stehen oftmals Situationen gegenüber, für die es kein verbindliches Instrument des Völkerrechts gibt. Aber für die gegenwärtige Situation gibt es einen verbindlichen Vertrag, nämlich die
Konvention aus dem Jahre 1888. Sie sieht vor, daß die Schiffe aller
Nationen für alle Zeiten das Recht auf freie und gleichberechtigte
Durchfahrt durch den Suezkanal haben. Sie fordert ein 'genau festgelegtes System', das ein solches Benutzungsrecht garantieren soll,
und sie schließt durch direkten Hinweis die der allgemeinen Suezkanalgesellschaft erteilte Konzession des Jahres 1868 ein, die die
Gewähr für ein solches System bietet.
Es ist viel über die Notwendigkeit gesagt worden, die 'Souveränität' Ägyptens in bezug auf den Kanal zu respektieren.
«
Souveränität besteht dort, wo ein Staat tun kann, was er will.
Allgemein gesprochen, kann eine Nation innerhalb ihres eigenen Gebietes tun und lassen, was sLer will. Und allgemein ausgedrückt, hat
kein Staat auf dem Gebiet eines anderen souveränen Staates irgendwelche Rechte.
Der Kanal führt selbstverständlich durch ein Gebiet, das jetzt
zu Ägypten gehört, und in diesem Sinne ist der Kanal 'ägyptisch'.
Aber der Kanal ist keine interne Angelegenheit Ägyptens und ist
dies niemals gewesen, so daß Ägypten etwa tun könnte, was es will.. ':..
Er bildete immer - schon vom Tage seiner Eröffnung an - eine internationale Wasserstraße, die für die freie Durchfahrt der Schiffe
aller Länder offenstand. Sein Charakter als ein internationaler
und frei benutzbarer Verkehrsweg wurde für alle Zeiten durch die
Konvention von 1888 garantiert. Ägypten kann rechtmäßig keinem
Schiff oder Frachtgut den Durchgang durch den Kanal verwehren. Und
wenn die Benutzer dieses freien Verkehrswegs daran die Sicherstellung der Beachtung ihrer Rechte knüpfen, so ist dies keine Verletzung der ägyptischen Souveränität, sondern eine eindeutige Ausübung
der durch das Völkerrecht, nämlich die Konvention von 1888. zugestandener Rechte.
Ägypten

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10. Oktober 1956

Ägypten hatte diesen Rechtsstandpunkt an sich akzeptiert und ihn
sogar vor diesem Rat erläutert.
Am 5.August 1947 sprach der Vertreter Ägyptens vor dem Sicherheitsrat über die Situation, die bestand, als Großbritannien vertraglich gesicherte Rechte in an den Kanal angrenzenden Ländern hatte. Er wies darauf
hin, daß die Freiheit der Kanaldurchfahrt damit nicht von Großbritannien
abhängig wurde. Im Verlauf seiner Ausführungen erklärte er«
'Der Status des Suezkanals ist völlig verschieden von dem anderer
künstlicher Wasserwege, die als Hauptadern des internationalen Verkehrs
dienen, denn er ist durch jenes mehrseitige internationale Abkommen
festgelegt, auf das ich soeben Bezug genommen habe. (Die Konvention
von Konstantinopel aus dem Jahre 1838). Der Suezkanal war von Anbeginn
an ein internationales Unternehmen, und schon wenige Jahre nach Eröffnung
des Kanals traten die Großmächte Europas mit dem ottomanischen Reich, das
für Ägypten handelte, zusammen, um Bestimmungen über den Kanalverkehr,
sowie die Neutralität und die Verteidigung des Kanals zu treffen'.
(Sicherheitsrat, 175.Sitzung, P. 1756).
Am 14- Oktober 1954 erklärte der ägyptische Vertreter, der zum
Bat Galim-Fall vor dem Sicherheitsrat das 7/ort ergriff, unter anderem:
'.... Die Kanalgesellschaft, die die Durchfahrt kontrolliert, ist
eine internationale Gesellschaft, die von Stellen geleitet wird, die
weder ägyptisch noch notwendigerweise von einer bestimmten anderen
Nationalität sind. Sie ist eine allgemeine Gesellschaft, die funktioniert, und die Dinge werden auch in Zukunft weiterhin in dieser V/eise
gehandhabt werden'. (Sicherheitsrat, 682.Sitzung, P. 31 )•
Soviel über die rechtliche Seite des Falles.
Ferner ist da die Frage der Gerechtigkeit. Was ist in diesem Falle
gerecht? Der Sicherheitsrat sollte meiner Ansicht nach, den Ergebnissen
großes Gewicht beimessen, zu denen die 18 Nationen gelangten, die sich
im vergangenen August in einer Darlegung ihrer Standpunkte vereinten.
Zu diesen 18 Staaten gehörten alle noch existierenden Signatarmächte der
Konvention von 1888 mit einer Ausnahme. Sie vertreten über 90 Prozent
des gesamten Kanalverkehrs, und außerdem befinden sich unter ihnen
Länder, deren Wirtschaft weitgehend vom Kanal abhängt. Unter diesen
18 Nationen waren Länder aus Europa, Asien, Afrika, Australien und
Amerika.
Diese Länder bekräftigten erneut ihre Ansicht, daß, wie in der
Präambel der Konvention aus dem Jahre 1888 festgelegt ist, ein 'genau
festgesetztes System* geschaffen werden soll, 'das für alle Zeiten
und für alle Mächte die freie Benutzung des Suez-Schiffahrtskanals
garantiert'.
Sie stellten vier Grundprinzipien heraus, die unter angemessener
Berücksichtigung der Souveränitätsrechte Ägyptens durch ein solches
System ihren Ausdruck finden sollten. Diese waren:
1 . Einen wirksamen und zuverlässigen Betrieb des Kanals sowie
seine Unterhaltung und seinen Ausbau als einer freien, offenen und
sicheren internationalen Wasserstraße in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Konvention aus dem Jahre 1888.
2.

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10. Oktober 1956

2. Der Kanalbetrieb soll frei von dem Einfluß der Politik
irgendeiner Nation gehalten werden.
3« Ägypten soll Einnahmen aus dem Betrieb des Suezkanals haben,
die fair und gerecht sind und mit der Ausweitung der Durchfahrtskapazität und der Benutzung stäigen.
4. Die Kanalgebühren sollen so niedrig festgesetzt werden, wie
dies mit den vorgenannten Erfordernissen zu vereinbaren ist, und abgesehen von dem Anteil Ägyptens soll kein Gewinn entstehen.
Wie kann wohl jemand diese Grundsätze anfechten? Nur eines dieser
Prinzipien wurde auf der Konferenz im August in Frage gestellt und ernsthaft nur von der Sowjetunion angegriffen. Es handelte sich dabei um den
zweiten vorhin genannten Grundsatz, daß nämlich der Betrieb des Kanals
von dem Einfluß der Politik irgendeines Landes frei gehalten werden sollte.
Aber ist das nicht gerade der springende Punkt? Wir haben es hier
mit einem Wasserweg zu tun, der, wie die ägyptische Regierung selbst erklärt hat, 'von Anfang an ein internationales Unternehmen war'. Die
Wirtschaft von 20 oder mehr Nationen in Europa, Asien und Afrika hängt
entscheidend vom Suezkanal ab. Wenn ein solcher Wasserweg von irgendeiner Regierung, die ihn faktisch kontrolliert, als ein Instrument der
nationalen Politik benutzt werden kann, dann wird er notwendigerweise
ein internationaler Zankapfel werden. Dann kann sich keine Nation, die
von dem Kanal abhängt, sicher fühlen. Alle außer der kontrollierenden
Nation sind dann dazu verurteilt, unter einem wirtschaftlichen 'Damoklesschwert' zu leben. Das würde die Konvention von 1888 zunichte machen und
eine Verletzung von Recht und Gesetz bedeuten.
Wenn wir uns - wie die Charta es verlangt - um Gerechtigkeit
bemühen, dann müssen wir darin übereinstimmen, daß der Betrieb dieses
internationalen Wasserweges getrennt von der Politik eines jeden Landes
sein muß.
Ich bin der Überzeugung, daß der Sicherheitsrat die von den 18 Nationen dargelegten Grundsätze als Prinzipien der Gerechtigkeit akzeptieren kann.
Die 18 Staaten gingen dann daran, einen Mechanismus auszuarbeiten,
durch den diese Grundsätze zum Tragen kommen können. Sie schlugen vertragliche Abmachungen für eine Zusammenarbeit zwischen Ägypten und anderen interessierten Ländern sowie die Schaffung einer Suezkanal-Behörde
vor, in der Ägypten und andere Länder vertreten sein würden. Diese Behörde, so lautete der Vorschlag, sollte mit den Vereinten Nationen assoziiert
sein und der Weltorganisation in regelmäßigen Abständen Bericht erstatten.
Sie schlugen ferner vor, daß Einigung über ein Schiedsgericht, erzielt
werden sollte, das Streitfälle beizulegen habe, und daß wirksame Sanktionen gegenüber denen ergriffen werden sollten, die das Abkommen verletzen.
Natürlich gibt es eine große Anzahl von Möglichkeiten, mit deren
Hilfe die von den 18 Nationen formulierten Grundsätze verwirklicht werden
könnten. Ich glaube nicht, daß irgendeines dieser Länder die von ihnen
vorgeschlagenen, besonderen Abmachungen als unantastbar ansieht. Und ich
bin der Ansicht, daß der Sicherheitsrat sich nicht irgendeinem Alternativvorschlag, der gemacht werden könnte, verschließen sollte.
Aber

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10. Oktober 1956

Aber was die Grundprinzipien anbetrifft, so vermag ich nicht
zu verstehen, wie sie von diesem Rat außer/'Acht gelassen werden
können, wenn die Grundsätze der Gerechtigkeit zur Frage stehen.
Das Problem, dem wir gegenüberstehen, liegt daher nicht in der
Zügelung aggressiver Nationen, die einen Krieg wünschen. Es geht auch
nicht darum, ein neues Instrument des Völkerrechts zu schaffen oder
Gerechtigkeit zu üben, wo das Prinzip der Billigkeit nicht klar erkennbar ist. Der Friede wird von allen erstrebt, und die Grundsätze der
Gerechtigkeit und des Völkerrechts sind klar. Wir sehen uns dem Problem
gegenüber, uns gleichzeitig mit dem Frieden und der Gerechtigkeit zu
befassen, so wie dies in unserer Charta gefordert wird.
Keine Nation aber hat der Korrelation von Frieden und Gerechtigkeit
beredter Ausdruck verliehen als die ägyptische Regierung.
Man wird sich erinnern, daß unsere Charta, so wie sie in Dumbarton Oaks von den drei Großmächten entworfen wurde, keine Bezugnahme
auf die Gerechtigkeit enthält. Sie forderte lediglich den Frieden einen Frieden, der voraussichtlich von Bestand sein würde, nicht weil er
gerecht ist, sondern weil er durch die Macht einiger weniger Großmächte
erzwungen wurde.
Dieser Entwurf wurde in San Francisco abgelehnt. Hier wurde die
gegenseitige Abhängigkeit von Frieden und Gerechtigkeit anerkannt und
Artikel 1 unserer Charta umgeschrieben, so daß er an diese Organisation
die Forderung stellt, sich darum zu bemühen, 'mit friedlichen Mitteln
und in Übereinstimmung mit den Prinzipien der Gerechtigkeit und des
Völkerrechts einen Ausgleich oder eine Beilegung der internationalen
Streitigkeiten oder solcher Situationen zu suchen, die zu einem Bruch
des Friedens führen könnten'. Und es wurde gefordert, daß dieser Sicherheitsrat bei der Erfüllung seiner vornehmsten Pflicht - der Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und der internationalen Sicherheit in Einklang mit diesem Artikel handeln solle.
In San Francisco war Ägypten gerade die Nation, die für diesen Zusammenhang von Frieden und Gerechtigkeit am glühendsten, am nachdrücklichsten und mit beredten V/orten eintrat. Ich möchte hier einen Ausschnitt
aus einer der Erklärungen zitieren, die damals von dem Vertreter Ägyptens
abgegeben wurde :
'... Wir sind der Überzeugung, daß der Rat, der Sicherheitsrat, tatsächlich die Rolle des politischen Gerichtshofes spielen wird, und es unerläßlich ist, daß die Grundsätze von Recht und Gerechtigkeit immer bei
seinen Beratungen gelten. Das letzte Argument, mit dem wir uns auseinanderzusetzen hatten, war, daß es die Bürde für die Organisation schwerer
machen würde, und insbesondere die Last der Mächte, die für die Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit hauptsächlich verantwortlich sind,
wenn wir den Sicherheitsrat auffordern, die Gerechtigkeit und das Völkerrecht zu achten.
Ich bin der Überzeugung, daß solche zusätzliche Bürden, wie sie
aus der Annahme unseres Abänderungsvorschlages resultieren würden,
nicht groß wären gemessen an den Opfern, die wir alle gebracht haben und
alle erneut für die Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit in der
Welt zu bringen bereit sind. Wenn wir nur den Frieden und die Sicherheit
bewahren wollten, dann würden wir uns nicht sehr von Hitler unterscheiden,
der

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10. Oktober 1956

der dies auch versuchte und der tatsächlich teilweise Erfolg hatte.
Der Unterschied liegt jedoch darin, daß wir den Frieden und die Sicherheit in Übereinstimmung mit den Grundsätzen des Völkerrechts und der
Gerechtigkeit aufrechterhalten wollen'.
So sprach damals Ägypten, und wir können, so glaube ich, alle
diesen Gedankengängen zustimmen.
Man kann die Bedeutung dieses Problems wohl kaum übertreiben. Unser
Rat erfreut sich auf der einen Seite eines deutlich zum Ausdruck gekommenen Wunsches nach Frieden für alle Beteiligten. Auf der anderen Seite
wird die Lage durch Grundsätze des Rechts und der Gerechtigkeit bestimmt,
wie sie selten so deutlich zutage traten. Wenn unter diesen günstigen Bedingungen und bei all diesen positiven Gegebenheiten unser Rat nicht in
der Lage ist, eine Regelung mit friedlichen Mitteln in Übereinstimmung
mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts sicherzustellen,
dann wäre unser Versagen ein Unglück von ungeheurem Ausmaß.
Dies scheint von denen erkannt zu v/erden, die hier in diesem Raum
gesprochen haben. Die allgemeine Debatte ist im großen und ganzen gemäßigt und konstruktiv gewesen.
Ich sage 'im großen und ganzen', denn es gab Ausnahmen. Eine
solche Ausnahme war die von dem sowjetischen Außenminister gegebene
Darstellung der sogenannten 'amerikanischen Monopolisten', die - wie er
sagte - in 'Unschuldsgewändern' gekleidet und mit 'gierigem Appetit'
durch die Welt streifen und überall neue Opfer suchen.
Eine weitere Ausnahme war der Vorschlag des sowjetischen Außenministers, daß wir das Problem an einen Ausschuß überweisen sollten,
von dem der sowjetische Außenminister sagte: 'Das wichtigste Erfordernis
ist, daß die Zusammensetzung des Ausschusses so ausgeglichen ist, daß
das Vorherrschen eines bestimmten Standpunktes verhindert wird 1 . Offenbar hält er es für unglücklich, daß sich 18 Nationen, die mehr als
90 Prozent des Verkehrs und eine Vielfalt von Benutzerinteressen repräsentieren, über eine Lösung einigen könnten. Er möchte daher einen neuen
Beginn durch die Einsetzung eines Ausschusses machen, der so beschaffen
ist, dal- man im voraus wissen kann, er wird niemals zu einer Einigung gelangen.
Es ist nicht das erste Mal, daß eine Regierung glaubt, sie könne
durch die Verewigung eines Streites nur gewinnen. Wir kennen das Sprichwort vom 'Fischen im Trüben'. Im allgemeinen ist es zwar üblich, einen
solchen Zweck zu verschleiern. Kaum jemals ist jedoch wohl das Vorhaben,
Meinungsverschiedenheiten zu verewigen, so klar enthüllt worden.
Die ägyptische Regierung hat in einem konstruktiveren Schritt vorgeschlagen, daß wir ein Verhandlungsgremium schaffen, welches sich von
einer Reihe von Arbeitsprinzipien sowie, im Auge zu behaltenden und zu
erreichenden Zielen leiten lassen soll. Dies war genau der Gang der
Dinge, den wir auf der Londoner Konferenz vom vergangenen August einzuhalten suchten, auf der - wie wir gesehen haben - eine Reihe von Grundsätzen ausgearbeitet und gewisse Ziele umrissen worden sind. Der Kern des
Problems, so scheint es uns, ist die Annahme des Prinzips, daß ein System
existieren muß, welches die Gewähr dafür bietet, daß der Kanal von keinem
Land als ein Instrument seiner nationalen Politik benutzt werden kann.
Wenn

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1Q. Oktober 1956

Wenn Ägypten dieses einfache und elementare Prinzip der Gerechtigkeit akzeptiert, dann glaube ich, daß die untergeordneten Probleme gelöst werden können. Wenn dieses Prinzip jedoch verworfen wird,
dann läßt sich nur schwer voraussehen, welche nützliche Rolle einem
Verhandlungsgremium zukommen sollte. Ja, unter solchen Umständen ist
es schwierig, überhaupt irgendeine Lösung vorauszusehen, die mit den
Prinzipien der Gerechtigkeit und des Völkerrechts in Einklang steht.
Wenn aber dieser Fall nicht so gelöst werden kann, dann wird das
gesamte System de» Friedens in Gerechtigkeit unterminiert sein, das
durch diese Charta geschaffen werden sollte.
Dazu dürfen wir es nicht kommen lassen. Ich bin davon überzeugt,
daß keine Kation hier andere als freundschaftliche Beziehungen mit
Ägypten zu unterhalten wünscht. Tatsächlich würde denn auch die von
den Kanalbenutzerstaaten, die zu über 90 Prozent an dem gesamten Kanalverkehr beteiligt sind, vorgeschlagene Lösung den Wohlstand Ägyptens
fördern. Eine friedliche und unparteiische Lösung dieses Problems würde
einen neuen hoffnungsvollen Ausblick für ein Gebiet der Welt eröffnen,
das unter Kriegsalarmen und den wirtschaftlichen Lasten der Kriegsvorbereitung schwer zu leiden hat. Gleichzeitig aber können wir der
gesamten Menschheit neue Hoffnung geben, die begonnen hat, ihr Vertrauen
in die Fähigkeit dieser Organisation zur Sicherung des Friedens und der
Gerechtigkeit zu verlieren.
Wenn man die Möglichkeiten, die wir haben, klar überdenkt, wer
kann dann noch zweifeln, welche Wahl wir treffen werden?
Herr Präsident, die britisch-französische Resolution verkörpert
die grundlegenden Prinzipien, auf die wir Bezug genommen haben. Sie
wird diesen Rat in die Lage versetzen, eine Wahl zu treffen, die,
wie wir zuversichtlich erwarten können, den Frieden in Gerechtigkeit
erhalten wird. Sie wird die Autorität und das Prestige dieser Organisation aufrechterhalten. Daher beabsichtigen die Vereinigten Staaten,
wie ich am vergangenen Freitag sagte, für diese Resolution zu stimmen."

* * * * *

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�M E R I K A

D I E N S T

DIE POLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN UND DIE ZUKUNFT DER NATO
WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der
stellvertretende Unterstaatssekretär für
europäische Angelegenheiten im US-Außenministerium, Burke Eibrick, am 5«Oktober
1956 auf der 8.Jahrestagung der "Konferenz
über Welthandelsfragen" in Old Point Comfort
(Virginia) gehalten hat.

Es war mir eine Ehre und ein Vergnügen, Ihrer Einladung Folge
zu leisten, um an den Diskussionen über die NATO und ihr Verhältnis
zu verschiedenen Problemen und Möglichkeiten teilzunehmen, die uns
Amerikanern auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen erwachsen.
Ich möchte mit Ihnen gemeinsam die Probleme erörtern, die sich
aus unserer Stellung innerhalb der atlantischen Gemeinschaft ergeben,
Ihnen die bisher erzielten Erfolge aufzeigen, und ich möchte insbesondere Ihr Interesse auf die zwischen unseren europäischen Verbündeten
und uns bestehenden wirtschaftlichen Beziehungen lenken und kurz auf
die Rolle eingehen, die die NATO und unsere Beteiligung an ihr in der
amerikanischen Außenpolitik spielt.
In Ermangelung einer treffenderen Bezeichnung hat sich der Name
"Atlantische Gemeinschaft" für dieses Bündnissystem eingebürgert, das
Kanada, die Vereinigten Staaten und die Länder Westeuropas einschließt,
einen Raum, der ein großes gemeinsames Erbe und eine gemeinsame Geschichte besitzt, die gekennzeichnet ist von dem Streben nach Gerechtigkeit und individueller Freiheit.
Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich betonen, daß die Aufrechterhaltung der Einigkeit und die Zusammenarbeit mit denjenigen
Ländern Westeuropas, mit denen wir durch enge wirtschaftliche und
kulturelle Bande verbunden sind, seit 1945 eines der unveränderlichen
Ziele der amerikanischen Außenpolitik gewesen ist. Das gemeinsame
Erbe, das wir mit den Völkern Westeuropas teilen, ist sowohl für sie
wie für uns ein Band von größter Bedeutung. Darüber hinaus verfügt
Westeuropa über 25 bis 30 Prozent der gesamten Industriekapazität,
Hilfsquellen und qualifizierten Arbeitskräfte der Welt. Auf Grund
dieser Tatsachen allein ist es absolut notwendig, daß Westeuropa im
Kampfe gegen die von Moskau gesteuerten despotischen Kräfte der
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�AMERIKA DIENST"

17. Oktober 1956

der kommunistischen Weltverschwörung unser Verbündeter bleibt.
Wir sind uns dessen bewußt, daß die Politik des "Teilens und
Herrschens" zu den Manövern der Kommunisten zählt, mit deren Hilfe
sie die Weltherrschaft zu erreichen suchen. Das ist einer der Gründe
dafür, daß wir der Einigkeit unter den Staaten und Völkern, die gleich
uns die Prinzipien der menschlichen Freiheit und Recht und Gesetz
achten, so große Bedeutung beimessen.
Wie könnte diese heute so feste Verbundenheit unter den Mitgliedern
der atlantischen Gemeinschaft erzielt werden, und wie läßt sie sich
weiter aufrechterhalten und stärken?
Die einzige Körperschaft, durch die die Regierungen der Atlantikanliegerstaaten auf allen Gebieten - politisch, militärisch, wirtschaftlich und kulturell - zusammenarbeiten können, ist die Nordatlantikpaktorganisation. Das soll nicht etwa heißen, daß alle unsere Beziehungen
zu unseren europäischen Freunden ausschließlich über die NATO abgewickelt werden müssen, sondern daß wir in der NATO ein erprobtes und
elastisches Instrument besitzen, das den Ländern der atlantischen Gemeinschaft die Zusammenarbeit in jedem von ihnen gewünschten Maße gestattet und ermöglicht.
Auf dieser Tagung sind heute verschiedene Formen der militärischen
Zusammenarbeit diskutiert worden, wie sie durch die NATO ermöglicht wurden. Der Einfluß dieser Zusammenarbeit auf die Moral der Völker Westeuropas, die im Jahre 1949 der Bedrohung durch eine eventuelle sowjetische Aggression fast wehrlos gegenübergestanden hatten, kann nicht
hoch genug veranschlagt werden.
Die NATO hat sich zum mächtigsten und schlagkräftigsten kollektiven Verteidigungsinstrument entwickelt, das jemals in Friedenszeiten
von freien Nationen geschaffen worden ist. Sie hat Europa in den Jahren,
als es von Gefahr bedroht war, den Frieden erhalten. Seit ihrer Gründung
hat der Kommunismus in Europa keine territorialen Eroberungen mehr gemacht, sondern im Gegenteil sogar verschiedene vorgeschobene Positionen
aufgegeben. Innere Unruhen, politische Streiks und andere Erscheinungsformen der Zwietracht und der Unordnung, wie sie in den ersten Nachkriegsjahren von den Kommunisten mit beträchtlichem Erfolg gefördert
wurden, haben zum großen Teil aufgehört. Inzwischen ist es den europäischen Völkern gelungen, hinter dem Verteidigungsschild der NATO ihre
im Kriege zerstörte Wirtschaft wieder aufzubauen, ihren Handel zu erweitern und ihren Lebensstandard zu erhöhen.
Die Erfolge, die die NATO aufzuweisen hat, sind in der Tat beträchtlich. Wir alle wissen jedoch, daß wir in einer Welt leben, die
es nicht zuläßt, daß wir auf unseren Lorbeeren ausruhen. Rasten heißt
rosten. Lorbeeren haben die unangenehme Eigenschaft, sich gelegentlich
in Dornen zu verwandeln. Die Existenz und die Weiterentwicklung der atlantischen Gemeinschaft - und der gesamten freien Welt - wird nicht
durch Leistungen gesichert, die wir in der Vergangenheit erzielt haben,
sondern wird davon abhängen, wie wir mit den Problemen der Zukunft
fertig werden.
M e s e

�"AMERIKA DIENST"

17. Oktober 1956

Diese Probleme sind zahlreich und kompliziert. Im Rahmen des
heutigen Vortrages aber möchte ich mich mit vier großen Problemkreisen auseinandersetzen. Der erste betrifft die Aufrechterhaltung
einer starken und der technischen Entwicklung angepaßten Verteidigung.
Der zweite betrifft die Schaffung gesunder und entwicklungsfähiger
Wirtschaftssysteme in den Ländern der freien Welt. Der dritte ist die
Förderung der Einheit unter den europäischen Nationen selbst. Und
der vierte betrifft die künftige Entwicklung der atlantischen Gemeinschaft als Ganzes mit dem Ziel, die Zusammenarbeit auf allen Gebieten
menschlicher Tätigkeit zu fördern und die dauernde Solidarität der
westlichen Kulturländer zu sichern.
Das erste große Problem der atlantischen Gemeinschaft liegt so
klar zutage, daß man manchmal fast geneigt ist, es überhaupt zu übersehen. Seit einiger Zeit hören wir viel von einem Wechsel der sowjetischen Taktik, einem Übergang von militärischen zu nichtmilitärischen
Eroberungsmethoden. Manche Leute haben daraus den voreiligen Schluß
gezogen, daß der militärischen Verteidigung nicht mehr die erste Stelle
gebühre. Dieser Schluß ist ebenso gefährlich wie falsch. Wenn auch nicht
bestritten werden soll, daß sich tatsächlich ein Wechsel in der sowjetischen Taktik vollzogen hat, und wenn es auch stimmt, daß wir unsere Aufmerksamkeit in steigendem Maße den politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und psychologischen Aspekten der weltpolitischen Auseinandersetzung zuwenden müssen, so bedeutet das keineswegs, daß wir unsere
militärische Verteidigung vernachlässigen dürfen. Wir müssen uns vor
Augen halten, daß sich die militärische Bedrohung durch die wirtschaftlich-politische Offensive der Sowjets nicht etwa verringert, sondern
eher erhöht hat. Nach wie vor unterhalten die Sowjetunion und ihre
Satelliten gewaltige Streitkräfte, die in der Lage sind, sowohl eine
örtlich begrenzte als auch eine allgemeine Aggression durchzuführen.
Diese Streitkräfte werden ständig verstärkt durch die zunehmende Anhäufung nuklearer Waffen, durch Luftstreitkräfte mit einem immer größeren Aktionsradius, durch verbesserte elektronische Geräte und ähnliche
moderne Kriegsgeräte. Wenn wir auch die begründete Hoffnung hegen, daß
die vernichtenden Vergeltungswaffen der amerikanischen und alliierten
Streitkräfte den kommunistischen Block auch künftig davon zurückschrecken
lassen werden, das Risiko eines Krieges einzugehen, so haben wir doch
keine Gewähr dafür, daß dies der Fall sein wird. Es ist daher unerläßlich, -unsere Sicherungen gegen Agressionen ständig zu verbessern.
Man darf auch nicht vergessen, daß es sich hier nicht um eine Art .
Versicherungspolice handelt, die je "abgedeckt" werden könnte. Militärwissenschaft und Technik sind nicht statisch. Jedes Jahr bringt Neuerungen auf dem Gebiet der Waffenkonstruktion und der militärischen Technik,
die man noch wenige Jahre zuvor als phantastisch bezeichnet hätte. Daher
kommt es nicht nur dafauf an, unsere Streitmacht zu erhalten, sie muß
vielmehr auch ständig dem neuesten Stand der Entwicklung angepaßt werden.
Das ist für uns Amerikaner wie für unsere Alliierten eine recht kostspielige Angelegenheit. Tun wir es aber nicht, so heißt das womöglich,
unsere Vernichtung heraufbeschwören.
Es mag immer noch Amerikaner geben, die das Problem der Verteidigung
unseres Landes rein vom nationalen Standpunkt aus betrachten und die Bedeutung eines kollektiven Vorgehens, wie es die NATO darstellt, in ihrer
Bedeutung unterschätzen. Sie glauben wohl, daß unsere eigenen Vorräte an_
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�"AMERIKA DIENST "

17. Oktober 1956

an Atomwaffen, unsere strategische Luftwaffe, unsere große industrielle
Kapazität und die anderen Hilfsquellen unseres Landes für die Verteidigung der Vereinigten Staaten ausreichen und daß die Beiträge unserer
Alliierten nur geringen Wert nahen.
Diese Auffassung zeugt jedoch von großer Kurzsichtigkeit. Europa
hat vieles zu bieten. Es geht nicht ohne die jährlich 12 Milliarden
Dollar, die unsere europäischen Verbündeten im Rahmen der gemeinsamen
Verteidigungsanstrengungen aufwenden - das sind grob gerechnet 6 Dollar
auf jeden Dollar, den sie in Form unserer Militärhilfe erhalten. Wir
brauchen ihre Soldaten, deren sie mehr haben als wir. Wir brauchen Europas
Flotten- und Luftstützpunkte, die für eine wirksame Verteidigung und für
Vergeltungsmaßnahmen im Falle einer Aggression von lebenswichtiger Bedeutung sind. Wir brauchen Europas Fabriken und Bergwerke, die der atlantischen Gemeinschaft zusammen mit unseren eigenen nahezu 70$ der Industriekapazität der Welt sichern. Wir brauchen Europas Wissenschaft und Technik,
die bei der Herstellung der ersten Atombombe eine so unersetzliche Rolle
spielten und die nach wie vor eine unschätzbare Ergänzung zu Amerikas
wissenschaftlichen Möglichkeiten darstellen. Gemeinsam verfügen Nordamerika
und Europa über die Mittel, sich gegen jede erdenkliche Kombination feindlicher Mächte zu verteidigen} für einen von ihnen allein könnte sich diese
Aufgabe leicht als. zu schwierig erweisen.
Aus dem eben Gesagten geht eindeutig hervor, daß die Verteidigungskraft eines Landes weitgehend eine wirtschaftliche Frage ist und daß wir
uns eine derartige militärische"Versicherungspolice" in angemessener
Höhe letzten Endes nur dann leisten können, wenn die Mitgliedstaaten
eine gesunde und gut funktionierende Wirtschaft haben. Und ebenso trifft
es zu, daß wir im Rahmen des weltumspannenden Ringens mit dem kommunistischen Block auf nichtmilitärischem Gebiet nur dann konkurrieren können das heißt also, andere Nationen und Völker für unsere Sache gewinnen und
uns ihre Gefolgschaft erhalten können -, wenn unsere Wirtschaft stabil
ist und weiter ausgebaut wird.
Und damit sind wir bei dem zweiten großen Problem, das ich bereits
erwähnte. Ungeachtet der aufgezeigten gewaltigen Aktivposten, über die
Europa verfügt, haben unsere Alliierten mit ernsten Wirtschaftsproblemen
zu kämpfen. Einkommen und Lebensstandard sind in Westeuropa im Durchschnitt noch nicht einmal halb so hoch wie in Amerika. Die europäischen
Länder sind in weit stärkerem Maße vom Außenhandel und von Auslandsinfrestitionen abhängig als wir, und ihre Wirtschaft kann durch gegenläufige
Entwicklungen in anderen Teilen der Erde sehr leicht aus dem Gleichgewicht
gebracht werden. Sie haben unter ständigen Devisenschwierigkeiten zu leiden.
Hinzu kommt, daß die Wachstumsrate der Wirtschaft in Europa zur Zeit nur
halb so hoch ist wie die der Länder hinter dem Eisernen Vorhang. Diese
Tendenz ist sehr beunruhigend, ungeachtet der Tatsache, daß die Sowjets
auf einem sehr viel niedrigeren Stand zu beginnen hatten als Westeuropa.
Ein erfreuliches Zeichen ist jedoch, daß die Rate de* wirtschaftlichen
Wachstums in Westeuropa in jüngster Zeit eine starke Steigerung erfahren
hat. Tatsächlich war das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung der westeuropäischen Länder in den letzten Jahren schneller als in den Vereinigten
Staaten.
Wir Amerikaner können Europas Wirtschaftsprobleme nicht lösen. Das
müssen die Europäer selbst tun. Doch sind diese Probleme großenteils nur

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"AMERIKA DIENST"

nur in Verbindung mit einer Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in der ganzen Welt zu lösen. Es ist klar, daß unsere eigene Wirtschaftspolitik die gesamte Weltwirtschaftslage weitgehend beeinflußt.
Welche Außenhandelspolitik haben die Vereinigten Staaten in bezug
auf diese Entwicklungen in Europa verfolgt?
So unabhängig Amerika in früheren Jahren von der übrigen Welt gewesen sein mag, so wissen wir heute nur allzu genau, daß auch für uns
kein Verlaß auf Friede und Sicherheit ist, solange in irgendeinem anderen Teile der Erde Hunger, Armut und Unruhe herrschen. Diese Zustände
lassen sich nur mildern, wenn wir selbst und die übrigen Länder der
Erde den Handel ständig erweitern, unsere Wirtschaft ausbauen und unseren Lebensstandard heben.
Angesichts der großen Wirtschaft ichen Kraft und Stabilität der
Vereinigten Staaten fallt es uns manchmal schwer, uns vorzustellen,
wie mühsam nicht nur die kleineren Lander, sondern selbst verhältnismäßig
große und hoch indust-^ alisierte Lände wi - Großbritannien, Frankreich
und Deutschland ihr wirtschaftliches G e'chgewicht wahren. Die Stärke
und Stabilität unserer Wirtschaft hängt v n der Ausweitung unseres Handels ab, doch müssen wir ständig nach Mitteln und Wegen suchen, wie wir
eine Ausweitung des Handels ermöglichen und fördern können, ohne befreundete Nationen, deren Wirtschaft nicht so stark und elastisch wie
unsere ist, nachteilig zu beeinflussen.
Die Vereinigten Staaten werden auch in Zukunft an ihrer bisherigen
Politik festhalten, die eine Beseitigung der Handelsschranken zwischen
den einzelnen europäischen Ländern und der gesamten freien Welt zum
Ziel hat. Wir machen den unabhängigen souveränen Staaten Europas keinerlei Vorschriften, und wir sind uns klar darüber, daß sie ihre verschiedenen wirtschaftlichen Probleme selbst lösen müssen; wir können sie aber
wohl darauf hinweisen, daß die Prosperität unseres Landes zu einem nicht
geringen Maße daher rührt, daß wir in unseren 48 Staaten keinerlei
Handels- und Devisenbeschränkungen kennen.
Es ist nicht nötig, die gewaltigen Fortschritte, die die westeuropäischen Länder seit 1945 i m Aufbau ihrer Wirtschaft, der Ausweitung ihres Handels und der Hebung ihres Lebensstandards erzielten, hier
nochmals aufzuzählen. Natürlich hat die Hilfe der Vereinigten Staaten
bei dieser erstaunlichen Entwicklung keine geringe Rolle gespielt; doch
sind noch viele schwierige Probleme zu lösen.
Die Kommission für Außenhandelspolitik, die sogenannte RandallKommission, hat in ihrem Bericht vom Jahre 1954 in dem Bestreben, den
Kurs für die künftige Wirtschaftsentwicklung festzulegen, einige Richtlinien ausgearbeitet, die ich der Erwähnung wert finde. In diesem
Bericht heißt es: "Die freie Welt muß ihre Zukunft aufbauen; und zwar
nicht mit ungewöhnlich starken Hilfeleistungen seitens der Vereinigten
Staaten, sondern mit den eigenen Hilfsquellen und der Arbeitskraft der
Menschen der einzelnen Länder selbst. Daß die Grundlagen für eine derartige internationale Wirtschaft bereits.gelegt sind, ist unbestreitbar,
und man darf mit Recht hoffen, daß es bei gegenseitiger Unterstützung
und bei gegenseitigem Verständnis gelingen wird, ein lebensfähiges Handels- und Zahlungssystem für die Zukunft zu schaffen. Vieles

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17. Oktober 1956

Vieles deutet darauf hin, daß wir am Beginn einer Epoche der
allgemeinen Ausweitung des Welthandels stehen. Die Industrieländer
benötigen immer mehr Rohstoffe, die ihnen die weniger entwickelten
Länder liefern können. Und diese wiederum benötigen immer mehr Maschinen, Industriegüter und hochveredelte Konsumgüter, die das Merkmal einer entwickelten Industrie sind. Die Zeit scheint gekommen, in
der Völker der Segnungen eines zunehmenden internationalen Handels
teilhaftig werden.
Um dieses Wachstum zu erreichen, muß die freie Welt jedoch viele
Hindernisse beseitigen, die noch immer dem freien Verkehr von W a r M ,
Kapital und Devisen im Wege stehen. Alle beteiligten Länder müssen
durch eine gesunde Finanz- und Steuerpolitik zu einer größeren Stabilität der 7/irtschaft beitragen. Sie müssen zeigen, daß sie Vertrauen
in ihre Fähigkeit besitzen, auf eigenen Füßen stehen zu können. Viele
der betroffenen Länder müssen ihre eigenen Bemühungen stärker als bisher intensivieren, sie müssen mithelfen, ein Wirtschaftsklima zu schaffen,
das sowohl ihren eigenen Bürgern als auch dem ausländischen Kapital einen
Anreiz für Kapitalinvestitionen bietet, und sie müssen die Restriktionen
aufheben, die den internationalen Zahlungsverkehr in seiner Bewegungsfreiheit behindern.
In all diesen Dingen müssen die Vereinigten Staaten die Führung
übernehmen und mit Weisheit ausüben. Dabei müssen wir uns stets der
Tatsache bewußt bleiben, daß das Bündnis der freien Welt auf Vereinbarungen zwischen souveränen Staaten beruht.
Wenn auch die wirtschaftliche Position Westeuropas eng mit der
Wirtschaftslage in der gesamten freien Welt verknüpft ist, so ist es
doch auch richtig, daß gewisse W'rtschaftsprob eme allein für E ,ropa
zutreffen. Daß es den europäischen Nationen i den vergangenen Jahren
nicht gelang ihre Einheit zu verwirklichen . hat ^ e Entwickl ng ein r
dynamischen europäischen Wirtschaf ' sehr behindert. Aus diesem Grundwar die Förderung der Einheit Europas eines der Hau:&gt;tz-ele der amerikanischen Politik.
Europas Produktion und Märkte sind in viele kleine Teile aufgespalten,
die häufig wirtschaftlich schwach sind. In der langen Geschichte \er
es europäischen Länder sind viele Bräuche, Vorurteile und 1&gt;ka:e Interessen
erstarrt, die einst aus Selbstschutz entstanden* sie b'lden nu sc were
Hindernisse für einen freieren Handelsverkehr. Die Kartelle, Zollschranken
und andere Handels- und Währungsbeschränkungen die vor vielen Jahren errichtet worden sind, behindern die Entwicklung, d e mit den modernen Methoden der Produktion, des Vertriebs und der Finanzierung erreicht werden kö nte •
Als Europa sich nach dem zweiten Weltkrieg langsam erholte, wurde
vielen Staatsmännern und Wirtschaftlern klar, daß die alteingeführten
Wirtschaftsformen durch einen freieren Handel und engere Zusammenarbeit
oder einen Zusammenschluß ersetzt werden müssen, wenn Europa in dieser
Epoche eines ständig expandierenden Handels erfolgreich mit den anderen
Ländern konkurrieren will.
Im Jahre 1947 beschlossen Belgien, Luxemburg und die Niederlande, den
ersten Schritt zu einer Wirtschaftsunion zu tun. Sie beseitigten sämtliche

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17. Oktober 1956

sämtliche Zollschranken im Warenverkehr untereinander und einigten
sich auf einheitliche Zollsätze für die Importe aus anderen Ländern.
Zweck der Benelux-Zollunion war es, eine Wirtschaftseinheit zu schaffen,
die groß genug ist, um den Teilnehmerstaaten auf dem Weltmarkt einen
erfolgreichen Wettbewerb mit den größeren Wirtschaftsländern zu ermöglichen. Noch sind nicht alle zur Schaffung einer vollkommenen
Wirtschaftseinheit erforderlichen Maßnahmen durchgeführt, aber der
bisher erzielte Erfolg ist doch sehr vielversprechend.
1947 wurde die Wirtschaftskommission für Europa (ECE) errichtet,
um ein Zusammengehen der Länder beim Wiederaufbau zu erreichen, die
Wirtschaftstätigkeit im allgemeinen zu beleben und die wirtschaftlichen Beziehungen unter den europäischen Mitgliedern der Vereinten
Nationen und mit den Vereinigten Staaten und der übrigen Welt zu erhalten und zu festigen.
Ein wichtiger Schritt zur europäischen Einheit war die Unterzeichnung des Brüsseler Paktes im Jahre 1948, der eine engere Zusammenarbeit
auf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet sowie in der
Frage der gemeinsamen Verteidigung zwischen Frankreich, Belgien, Luxemburg,
den Niederlanden und Großbritannien vorsah.
Als der Kongreß 1948 das Gesetz über den Wiederaufbau in Europa
erließ, das wir unter dem Namen Marshall-Plan kennen, wurde die Organisation für die wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa (OEEC) gegründet,
um eine Zusammenarbeit der 16 europäischen Mitgliedstaaten bei ihrem
wirtschaftlichen Aufbau zu gewährleisten, der eine Ausweitung von Produktion und Handel, die Modernisierung der Industrie, der Stabilisierung des Finanzwesens und die Beseitigung zahlreicher Handelsschranken
einschließen sollte. In Verbindung mit ihrer Zweigstelle, der Europäischen
Zahlungs-Union zur Abwicklung des Zahlungsverkehrs zwischen den Mitgliedstaaten, hat sich die OEEC als eine sehr nützliche Organisation bei der
Behandlung einiger recht verzwickter europäischer Wirtschaftsprobleme
erwiesen.
Und noch ein weiterer Schritt Europas auf dem Wege zu seiner wirtschaftlichen Integration ist erwähnenswert. Die Europäische Gemeinschaft
für Kohle und Stahl, die auf Initiative des ehemaligen französischen
Außenministers Robert Schuman im Jahre 1952 von Frankreich, Deutschland,
Italien, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg gegründet wurde, um die
nationalen Hindernisse für den Handel mit Kohle und Stahl unter diesen
Ländern aus dem Wege zu räumen und restriktive Abmachungen über Produktion und Absatz dieser Grundstoffe zu beseitigen.
Mit der fortschreitenden wirtschaftlichen Integration unter den
europäischen Staaten in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wurde es
immer klarer, daß eine engere politische Zusammenarbeit erforderlich
ist, wenn nennenswerte Fortschritte in der Lösung der Wirtschaftsprobleme in Europa erzielt werden sollen. Die Folgen zweier Weltkriege in
diesem Jahrhundert haben allzu deutlich gezeigt, welch furchtbare Folgen
ein zügelloser Konkurrenzkampf und zügelloser Nationalismus haben können.
Ich erwähnte den Brüsseler Pakt, durch den im März 1948 ein Zusammenschluß von Frankreich, Belgien, Luxemburg, den Niederlanden und Großbritannien zum Zwecke einer engeren Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem.

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17. Oktober 1956

wirtschaftlichem, ..socialem und kulturellem Gebiet und zur gemeinsamen
Verteidigung erfolgte. Der Y/unsch nach stärkerer Einheit, dem der Pakt
entsprungen war, führte ein Jahr später zur Gründung des Europarates
durch die fünf Teilnehmerländer des Brüsseler Abkommens sowie Italien,
Irland, Norwegen, Dänemark und Schweden, dem sich später auch Island,
die Bundesrepublik Deutschland, Griechenland, die Türkei und das Saargebiet anschlössen. Der Europarat hat nur die Befugnis, den angeschlossenen Regierungen gewisse Empfehlungen zu erteilen} er bildet aber immerhin ein brauchbares Forum, um gewisse Maßnahmen auszulösen und die öffentliche Meinung auf die großen europäischen Probleme hinzuweisen.
Von außerordentlicher Bedeutung für den Gedanken der europäischen
Einheit war der Plan zur Schaffung einer europäischen Verteidigungsgemeinschaft, in deren Rahmen die sechs Mitgliedstaaten der Europäischen
Gemeinschaft für Kohle und Stahl ihre Streitkräfte in eine einzige
übernationale Streitmacht zusammenschließen sollten. Es war ein schwerer Schlag für die Europabewegung, daß dieser Plan nicht verwirklicht
wurde ; allerdings konnten einige wesentliche Elemente dieses Planes
durch die Schaffung der Westeuropäischen Union gerettet werden, die
sich auf den ursprünglichen Brüsseler Pakt stützt. Ungeachtet dieses
Rückschlages ist die Idee eines geeinten Europa nach wie vor sehr
lebendig. Zur Zeit pirüfen die Regierungen der europäischen Länder
die Vorschläge für ein gemeinsames Vorgehen bei der Erzeugung und
Nutzung der Atomenergie zu friedlichen Zwecken sowie Vorschläge für
einen großen gemeinsamen Markt. Obwohl einer Realisierung dieser Vorschläge viele Hindernisse im Wege stehen und es noch zu früh ist, das
Endergebnis vorauszusagen, kann kein Zweifel darüber bestehen, daß
viele führende Politiker in Europa nach wie vor entschlossen sind,
diesem Kontinent die Kraft und Stabilität zu geben, die ihm allein
die Einheit zu bringen vermag.
Die Regierung der Vereinigten Staaten wird auch weiterhin alle
auf die Einheit Europas gerichteten praktisch durchführbaren Maßnahmen
fördern, da wir uns darüber klar sind, daß die Integration Europas wesentlich zur Stärke und Solidarität der atlantischen Gemeinschaft als Ganzes
beitragen kann. Während diese Entwicklung weiter voranschreitet, müssen
wir unser Augenmerk auf ein zweites Ziel richten - die Ausweitung und
Festigung des atlantischen Bündnisses selbst. Insbesondere müssen wir
Mittel und Wege prüfen, die NATO als ein Instrument der politischen,
wirtschaftlichen und sozialen Zusammenarbeit sowie als Verteidigungssystem weiter zu entwickeln.
Die neue sowjetische Taktik der politischen, wirtschaftlichen und
psychologischen Durchdringung läßt es mehr denn je notwendig erscheinen,
die Beziehungen zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten der NATO zu vertiefen. Die Gefahren der neuen sowjetischen Politik sind nicht zu unterschätzen. Die Russen sind Meister einer Propaganda, die die Tatsachen
zu verschleiern weiß. Sie verfolgen die unvermeidlichen Reibungen zwischen den freien Nationen mit größter Aufmerksamkeit und zögern nicht,
dj.ese für ihre eigenen Zwecke auszunutzen. Sie werden jede Möglichkeit
Orgreifen, Zwietracht zu säen und die freie Welt zu schwächen. Ergänzt
Wird diese Strategie durch einen geschickt getarnten wirtschaftlichen
Brück und verlockende Angebote. Weil die russische Wirtschaft völlig
vom Staat kontrolliert wird, kann sie ohne weiteres - wie dies ja auch
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17. Oktober 1956

auch häufig genug der Fall ist - für rein politische Ziele benutzt
werden. Angebote bezüglich sowjetischer Absatzmärkte und Rohstoffe erscheinen bedrängten Westeuropäern oftmals verlockend genug, auch wenn
sie die ihnen unterliegenden Beweggründe erkennen. Für die Vereinigten
Staaten ist es leicht, die wirtschaftlichen Angebote der Sowjets zu
ignorieren, unsere europäischen Freunde sind aber dazu nicht immer in
der Lage. In Erkenntnis der Gefährlichkeit des sowjetischen Werbens
werden die westeuropäischen Staaten weitere Schritte zur Integrierung
ihrer Wirtschaft, zur Erhöhung ihrer Produktivität und zur Beseitigung
der Handelsschranken unternehmen, so daß die Sowjets sich eines Tages
gezwungen sehen werden, ihre Wirtschaftsoffensive, mit deren Hilfe sie
im Grunde genommen nur die Einheit der atlantischen Gemeinschaft zu
zerbrechen suchen, wieder abzublasen.
Welche Politik sollen wir nun befolgen, um die NATO zu stärken
und dieser Bedrohung zu begegnen?
Soll die NATO versuchen, die Außenpolitik ihrer Mitglieder aufeinander abzustimmen?
Soll sie versuchen, die Probleme zu lösen, die mit den wirtschaftlichen Angeboten der Sowjets an die Länder der freien Welt zusammenhängen?
Soll die NATO als Forum dienen, auf dem die zwischen ihren Mitgliedern bestehenden politischen Fragen entschieden werden?
Soll die NATO einen Informations- und Kulturaustausch organisieren, mit dem Ziel, die Einigkeit unter ihren Mitgliedern zu vertiefen?
Diese sowie zahlreiche weitere Probleme sind Gegenstand eines
Fragebogens, der sämtlichen NATO-Mitgliedstaaten vorgelegt worden ist.
Ein unter dem Namen die "Drei Weisen" bekannter Ausschuß ist gegenwärtig
dabei, die Antworten auszuwerten. Wir sind sicher, daß das Ergebnis dieser Untersuchung seinen Niederschlag in den Richtlinien über die künftige
Entwicklung dieser Organisation finden wird.
Wenn diese Untersuchung auch noch nicht völlig abgeschlossen ist,
so zeichnen sich doch bereits bestimmte Grundzüge ihrer Ergebnisse ab.
Es ist klar, daß sich kein Land irgendeine Art von "übernationaler
Regierung" wünscht - worum wir uns alle bemühen,ist eine wirksamere
Zusammenarbeit auf der Basis der Freiwilligkeit. Allgemeine Übereinstimmung herrscht ferner darüber, daß sich die NATO nicht in die Funktionen
anderer internationaler Organisationen, wie die Vereinten Nationen und
die OEEC, einmischen beziehungsweise gleichlaufende Funktionen ausüben
soll. Auch wollen wir nicht, daß die NATO als Organisation Funktionen
übernimmt, die die einzelnen Regierungen selbst viel besser ausüben
können. Trotz dieser Einschränkungen gibt es unserer Ansicht nach zahlreiche Möglichkeiten, um zu einer besseret Zusammenarbeit zwischen den
Mitgliedstaaten der NATO zu gelangen. Durch eine erweiterte und verstärkte
gegenseitige Konsultation über politische und wirtschaftliche Fragen hoffen
wir, zu einem engeren und dauerhafteren Zusammenhalt zu gelangen und auch
zu einer größeren Einigkeit in der Zielsetzung und im Handeln, als sie
jemals zuvor zwischen Staaten bestanden hat.
Welche

�AMERIKA DIENST

17- Oktober 1956

Welche Veränderungen aber auch immer vorgeschlagen werden mögen,
um die Organisation und die Punktionsfähigkeit der NATO zu verbessern,
so besteht die grundlegende Aufgabe nach Ansicht der Vereinigten Staaten doch darin, die Einigkeit zwischen^den Mitgliedstaaten der atlantischen Gemeinschaft zu erhalten und zu stärken. Statt unsere Aufmerksamkeit fast ausschließlich auf die uns drohenden Gefahren zu konzentrieren,
müssen wir unsere Gedanken in steigendem Maße auf die sich bietenden
Möglichkeiten richtän sowie auf Methoden, wie wir unsere politische,
wirtschaftliche und geistige Stärke mehren-.Können. Solche Bemühungen
könnten, wenn sie erfolgreich sind, sowohl in materieller als auch in
anderer Hinsicht günstige Möglichkeiten bieten, die weit über die bloße
Einigkeit hinausgehen, wie sie für unsere Verteidigungsanstrengungen
erforderlich sind.
Die Schaffung einer einigen und aufstrebenden atlantischen Gemeinschaft würde allen Mitgliedern der NATO, einschließlich der Vereinigten
Staaten, sehr zum Vorteil gereichen.
Abschließend darf ich noch bemerken, daß die Vereinigten Staaten
und die übrigen Nationen der atlantischen Gemeinschaft meiner Meinung
nach über die materiellen Hilfsquellen, die organisatorischen Institutionen und die Fähigkeiten verfügen, die andere vor einer Aggression
zurückschrecken lassen, die sie auch in die Lage versetzen, gesunde und
fortschrittliche wirtschaftliche Verhältnisse zu schaffen und eine starke,
dauerhafte und in sich einige Gemeinschaft der freien Völker zu entwickeln.
Notwendig hierfür ist die Entschlossenheit, diese Hilfsquellen und Fähigkeiten in noch größerem Maße als bisher für die Lösung der Probleme einzusetzen, die aus der historischen Entwicklung der politischen, wirtschaftlichen und geistigen Beziehungen zwischen den Mitgliedern der NATO selbst
und der Verwirrung unter ihnen entstanden sind, die der sowjetische
Kommunismus zu stiften versuchte.

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�A M E R I K A

D I E N S T

KANONEN SIND MACHTLOS GEGEN FREIHEITLICHE GEDANKEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen eine Rede Präsident
Eisenhowers vom 23.Oktober 1956 vor der
dem AFL-CIO angeschlossenen Gewerkschaft
amerikanischer Zimmerleute und Tischler.

"Die Vorläufer Ihrer Gewerkschaftsbewegung waren sich darüber
im klaren, daß die industrielle Revolution neue Probleme geschaffen
hatte, die eine neue Haltung, einen neuen Weg zur Lösung auf seiten
des Arbeiters wie des Unternehmers erforderten - eine Haltung, die
zum Ausdruck bringt, daß Arbeiterschaft und Unternehmer die gleiche
Würde und die gleiche Verantwortung tragen.
Deshalb tritt heute auch Ihre Organisation ein fürs die
Freiheit sich zu organisieren, die Freiheit zum Aushandeln von
Lohnabkommen, die Freiheit zu streiken - vor allem aber für die
Freiheit der völlig unabhängigen Wahl. Man sagte mir, daß dies
eine der ersten Resolutionen war, die vor 75 Jahren Ihre Vorgänger
in der Zimmermanns- und Tischlergewerkschaft einbrachten.
Indem sie für all diese Dinge eintreten, tragen Sie dazu bei,
den Bereich der Freiheit des Menschen immer mehr zu erweitern und
unserer Vorstellung von dieser Freiheit einen immer weiteren Horizont zu geben.
Andere, Männer wie Marx und Lenin, sahen die neuen Probleme,
die die industrielle Revolution schuf, in einem ganz anderen Licht
und in einem ganz anderen Rahmen. Die Antwort, die sie für ihre
Lösung bereit hatten, war eine völlig andere und setzte an die
Stelle einer freien Arbeiterschaft und eines freien Unternehmertums den allmächtigen Staat.
Die Welt in unserem Industriezeitalter ist in zwei Lager getrennt - in eines, das die Idee der Freiheit verficht, und in das
andere, in dem das Leben unter der kommunistischen Weltanschauung
streng reglementiert ist.
Ich möchte zu Ihnen kurz darüber sprechen, wozu der kommunistische Imperialismus führt, wie wir dies heute täglich aus den Satellitenländern erfahren. Lassen Sie mich ein Land als Beispiel herausgreifen .
Den
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�AMERIKA DIENST"

24. Oktober 1956

Den Polen als Volk ist die Freiheit wohlbekannt.
Daraus erklärt sich auch, daß Männer wie Kosciuszco,- Pulaski
und zahllose andere an der Freiheit Amerikas mitgebaut haben. Und
ein nach Hunderttausenden zählendes Heer von Menschen polnischer
Abstammung war am Aufbau des industriellen Amerikas und der freien
Arbeiterbewegung beteiligt.
Aber seit nunmehr 17 Jahren ist das polnische Volk das Opfer
zweier aufeinanderfolgender Diktaturen.
Keine von beiden duldete die Freiheit.
Und das polnische Volk erhob sich gegen beide, denn die Liebe
zur Freiheit war und ist sein stärkster Wesenszug.
Einem Volk wie den Polen, das einmal die Freiheit kennengelernt
hat, kann nicht in alle Ewigkeit die nationale Unabhängigkeit und die
persönliche Freiheit vorenthalten werden. Und dies gilt für jedes
Volk in Osteuropa, das einmal in Unabhängigkeit und Freiheit gelebt
hat.
Diese Wahrheit mag für eine gewisse Zeit überschattet sein. Der
Tyrannei mag es für eine gewisse Zeit gelingen, eine trügerische
Fassade materieller Errungenschaften aufzurichten. Aber diese Illusion
ist kein Ersatz für die Freiheit, wie sie Männer und Frauen meinen, die
ihre Kinder in der Liebe zur Familie erziehen, sich nach eigenem Ermessen ihren Arbeitsplatz, ihre Freunde und Kollegen aussuchen und die
ihre Religion ohne Furcht ausüben.
Schl*ßlich ist, wie wir dies heute am Beispiel der Satellitenländer sehen, der Preis, den ein einstmals stolzes und unabhängiges
Volk dafür zu zahlen hat, höher als der Wert der Monumente oder Fabriken - oder Gefängnisse -, die unter der Diktatur errichtet worden
sind.
In solchen Ländern sind die Früchte des Imperialismus Unzufriedenheit, Unruhe oder Aufstände an dem einen Ort und Demonstrationen
am anderen, bis entweder die Tyrannei zerbricht oder die Machthaber
verjagt sind.
Wo durch das Eingreifen bewaffneter Streitkräfte Protestaktionen
zu selbstmörderischen Handlungen werden, mag der Tag d%r Befreiung auf
Später verschoben werden. Die Weltgeschichte legt jedoch Zeugnis ab
dafür, daß die Freiheit nicht durch Furcht vor Kanonen aus dem Gedächtnis zu tilgen ist, und daß die Liebe zur Freiheit größere Lebenskraft
hat als die Macht der Tyrannei. Es ist aber unbedingt notwendig, daß der
Geist der Freiheit und die Annehmlichkeiten, deren sich diejenigen erfreuen, die die Freiheit besitzen, den Unterdrückten zur Kenntnis gelangen .
In diesem Lichte betrachtet haben wir als Volk eine Aufgabe, eine
Mission als Vorkämpfer der menschlichen Freiheit zu erfüllen. Sie
lautet l
Erstens:

�"AMERIKA DIENST"

24. Oktober 1956

Erstens« In all unseren internationalen Beziehungen dürfen
wir niemals das Grundprinzip gefährden, daß alle Völker, die einmal den Beweis ihrer Fähigkeit zur Selbstregierung erbracht haben,
auch das Recht auf eine unabhängige Regierung ihrer eigenen, völlig
freien V/ahl besitzen.
Zweitens« Wir müssen den freiheitliebenden Völkern, die unsere
Hilfe brauchen, sie wünschen und nutzbringend verwerten können, in
einer V/eise helfen, daß sie Fortschritte in ihren Bemühungen um wirtschaftliche Unabhängigkeit erzielen und die Sicherheit und den Frieden
der freien Welt zu stärken vermögen.
Drittens: Wir müssen unsere Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern so gestalten, daß wir in einer echten Partnerschaft des Handels verbunden sind, und eine stetig wachsende, von allen geteilte Prosperität fördern, die ein Schutzschild gegen alle Propaganda und politische Wühltätigkeit ist.
Viertens : Wir müssen hier bei uns ein Beispiel für die Entfaltungsmöglichkeiten des einzelnen, den Lohn für gut getane Arbeit, für all die
Errungenschaften eines freien Systems geben, damit die Welt erkennt, daß
die Freiheit des Menschen der einzig sichere Weg zum Guten ist.
Wenn wir auf diese
weiten können, wo freie
den dazu beitragen, daß
genutzt und Regierungen
werden.

Ziele hinarbeiten, werden wir den Bereich ausMenschen, freie Regierungen gedeihen. Wir werdie Grenzen der Bereiche, in denen Menschen ausgestürzt werden können, immer enger gezogen

Bei der Erfüllung dieser Mission dürfte wohl niemand eine wichtigere Rolle spielen als die freie amerikanische Arbeiterschaft. Und die
Welt wird ihre Stimme hören. Denn Ihre Worte haben Gewicht, Sie gehören
zur arbeitenden Bevölkerung Amerikas.
Und Sie sind vor allem im Kampf zwischen der Sache der Freiheit
und der Sache des Kommunismus der lebendige Beweis dafür, daß Marx
Unrecht hatte.
Die freie amerikanische Arbeiterschaft hat an der Entwicklung aller
Lebensbereiche in stetig wachsendem Maße teilgenommen - sie hat Teil am
gesamten Volksbildungswesen und verfügt über mehr Freizeit für Erholung
und kulturelle Dinget sie hat gewonnen an Würde und Geist
aber nicht dadurch, daß sie sich etwa in einen Klassenkampf einließ;
nicht dadurch, daß sie zugunsten des Staates auf Freiheiten und
Verantwortungen verzichtete ;
nicht dadurch, daß sie irgendein Eecht oder eine Pflicht freier
Menschen gegen ein Linsengericht von Staatsgarantien verschacherte;
sondern durch freiwilligen Zusammenschluß mit dem Ziel zu verhandeln und zu Tarifabkommen zu gelangen;
sie hat erkannt, daß eine gedeihliche Entwicklung von Landwirtschaft

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�"AMERIKA DIENST"

24. Oktober 1956

Landwirtschaft, Industrie und Arbeiterschaft nur auf der Basis
der Gemeinsamkeit zu erreichen ist;
sie hat in der Fabrik, auf Gewerkschaftsversammlungen und in
der Öffentlichkeit zu erkennen gegeben, daß das Amerikanertum
mit seinen Freiheiten und Verpflichtungen auf dem festen Glauben
an die Gleichheit in der Würde und in den Rechten aller Männer
und Frauen basiert.
Deshalb bin ich als amerikanischer Bürger und als Präsident
der Vereinigten Staaten stolz und glücklich, heute abend hier stehen
zu können und mit Ihnen den 75«Jahrestag der Gründung der "United
Brotherhood of Carpenters and Joiners of America", der Vereinigten
Gewerkschaft amerikanischer Zimmerleute und Tischler, festlich zu
begehen.
Die Gewerkschaft hat sich in ihrer Geschichte als ein echter
Repräsentant der freien amerikanischen Arbeitersrchaft, als eine
dynamische Kraft im Aufbau der freien amerikanischen Gesellschaft
erwiesen."

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�^ M E R I K A

D I E N S T

JOHN FQSTER DULLES SPRICHT ZUR GEGENWÄRTIGEN WELTLAGE

DALLAS (Texas) - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede des US-Außenministers
John Foster Dulles vom 27. Oktober 1956, in der er
in Dallas vor dem Rat für Internationale Angelegenheiten in einer umfassenden außenpolitischen Rede
zu der gegenwärtigen 'Weltlage Stellung nahm.

Ich erinnere mich, daß ich fast genau vor vier Jahren hier
weilte. Wenige Tage darauf wurde ich zum Außenminister des neuen
Kabinetts ernannt, und seitdem war ich stets sehr beschäftigt. Ich
bin jedoch froh, daß ich es ermöglichen konnte, hierher nach Dallas
zurückzukehren und an den Feierlichkeiten des fünften Jahrestages
Ihres Rates für Internationale Angelegenheiten teilzunehmen.
Als ich das letzte Mal hier weilte, sprachen wir über einige
der vor uns liegenden Probleme. Ich schlage vor, daß wir das gleiche
heute abend tun werden, wobei wir zunächst einmal die Bedeutung
einiger großer Prinzipien betrachten wollen. Dies sind keine von
einer einzelnen Partei getragenen Prinzipien. Sie sind vielmehr
zum großen Teil das Ergebnis der überparteilichen Beratungen zwischen
der Exekutive und dem Kongreß.
*

Dann werde ich auf das. Suezproblem zu sprechen kommen. Es ist
dies ein spannungsgeladenes Drama, das noch nicht seinen Abschluß
gefunden hat und das jene oft als "Kampf um den Frieden" bezeichnete Bemühungen illustriert, die noch für viele Jahre und in vielen
Fragen Tag um Tag notwendig sein werden, solange wir einen gerechten
und dauerhaften Frieden erstreben.
Lassen Sie mich zuerst von unserer militärischen Stärke sprechen,
denn mit der moralischen Stärke allein ist es nicht getan, Wären wir
in bezug auf die gewaltige Militärmächt, die in den Händen skrupelloser Menschen liegt, relativ schwach, dann wären wir nicht Herr unseres eigenen Schicksals.
Während es nun verhältnismäßig einfach ist, sich für militärische Stärke zu entscheiden, ist es doch schwierig, die Entscheidung zu treffen, wie diese Stärke erreicht werden soll. Es gibt
viele Wege - Luftwaffe, Armee, Kriegsmarine - konventionelle und

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�31. Oktober 1956

AMERIKA DIENST

und Atomwaffen, Defensive oder Offensive. Wir können nicht auf all
diesen Gebieten immer und überall in der gleichen Weise stark sein,
ohne uns eine untragbare Last aufzubürden.
Zum Glück brauchen die Vereinigten Staaten nicht allein die gesamte militärische Macht zu besitzen, die notwendig ist, um gegenüber
dem Sowjetblock das Gleichgewicht zu halten. Wir haben Verbündete,
und sie tragen einen Teil zu der gemeinsamen Verteidigung bei. Auf
uns ruht allerdings eine besondere Verantwortung. Wir allein besitzen
die wirtschaftliche und finanzielle Stärke und das praktische Wissen,
um zu verhindern, daß die Welt von den Atom- und Kernwaffen beherrscht
wird, die die Sowjetunion fieberhaft entwickelt. Wir müssen die Fähigkeit besitzen, Vergeltungsmaßnahmen in solcher Stärke durchführen
zu können, die ausreichen, um vor jeder bewaffneten Aggression abzuschrecken. Wir müssen diese Fähigkeit besitzen, nicht weil wir damit
rechnen, sie anwenden zu müssen, sondern weil wir sie wahrscheinlich
niemals anzuwenden brauchen, sofern wir sie besitzen.
Aber es könnte örtlich begrenzte Aggressionen geben, eine Art
Aushöhlungsversuche, bei denen nicht sogleich die stärksten Waffen
aufgeboten werden. Wir und unsere Alliierten sollten unter uns über
die Fähigkeit verfügen, mit solchen Fällen fertig zu werden, ohne daß
durch unsere Aktion ein allgemeiner Kernwaffenkrieg ausgelöst wird.
Außerdem wäre es jedoch auch unvorsichtig, wollte man alles auf eine
Form der Rüstung setzen, da niemand mit Sicherheit voraussagen kann,
welche Anforderungen ein künftiger Krieg stellen wird.
Daher sollten wir und unsere Alliierten zusätzlich zu einer
starken nuklearen Macht über konventionelle Streitkräfte verfügen,
die zur Verteidigung der freien Welt beitragen können. Die kombinierte militärische Stärke der freien Welt muß genügend ausbalanciert,
anpassungsfähig und so formiert sein, daß sie sowohl große wie kleine
Aggressionen abschrecken oder sie zunichte machen kann.
Selbstverständlich ist ein Friede, der auf der abschreckenden
Wirkung einer militärischen Macht beruht, kein idealer Friede. Es
müßte eine kontrollierte Rüstungsbegrenzung geben. Die Erreichung
dieses Zieles aber gehört wohl zu den schwierigsten Aufgaben des
Friedens. Wenn die Schwierigkeiten vielleicht auch groß sind, so ist
die Notwendigkeit, sie zu überwinden, nicht weniger groß. Lassen
Sie uns Sorge tragen, daß unsere Maßnahmen den Glauben widerspiegeln,
daß das, was getan werden muß, getan werden kann.
Ich wende mich nun einem zweiten großen Gebiet zu, das unsere
Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt: Die Erhaltung und Stärkung unserer
kollektiven Sicherheitsabmachungen.
Die Vereinigten Staaten unterhalten gegenwärtig mit 42 anderen
Nationen Sicherheitsabkommen. Die wichtigsten Verträge sind hier
der Rio-Pakt der amerikanischen Republiken, der Nordatlantikpakt und
der Südostasienpakt.
Alle

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�"AMERIKA DIENST"

31. Oktober 1956

Alle diese Vereinbarungen sind in ihrer gegenwärtigen Form
das Ergebnis eines Gefühls der Gefahr, das aus der aggressiven
und heftigen Außenpolitik machthungriger Diktatoren erwuchs - zunächst einmal Hitler, dann die kommunistischen Machthaber in der
Sowjetunion und in China.
Heute jedoch ist dieses Gefühl der Gefahr etwas schv/ächer geworden. Die Sowjetunion hat zwar ihre Anstrengungen zur Erlangung
der militärischen Vormachtstellung mit gleicher Intensität fortgesetzt, sie war aber auch - mindestens bis zu dieser Woche - bestrebt, den Eindruck eines friedliebenden Staates zu erwecken. Aus
dieser Tatsache entwickelte sich, ob zu Recht oder zu Unrecht bleibe
dahingestellt, weithin das Gefühl, daß die Gefahr eines allgemeinen
Krieges geringer geworden sei. Das einende Band der Furcht war wohl
stark genug, uns zusammenzubringen, erscheint aber nicht stark genug,
uns zusammenzuhalten.
Das ist unlogisch, denn die grundlegende Gefahr besteht nach
wie vor: eine unerhörte militärische Macht in den Händen einer
Diktatur, die in ihrer Handlungsfreiheit nicht von ethischen Grundsätzen eingeengt wird. Wir sollten deshalb an dem festhalten, was
uns allen größere Sicherheit eingebracht hat. Wir können aber die
Tatsache nicht außer acht lassen, daß Menschen, sobald die Gefahr
nachläßt, immer die Tendenz haben, den Zusammenhalt aufzugeben - es
sei denn, sie finden eine Grundlage für die Einigkeit, die sich als
noch stärker erweist als jenes Gefühl der Gefahr.
Dies trifft vielleicht am ehesten auf den Fall der Organisation
der amerikanischen Staaten (OAS) zu. Diese Vereinigung hat eine
würdige Tradition. Ihr Ziel ist es nicht nur, eine eventuelle Aggression von außen her zurückzuschlagen, sondern auch Meinungsverschiedenheiten zwischen den amerikanischen Republiken zu beseitigen. Auf
der letzten Konferenz in Panama wurde eine Vereinbarung getroffen,
daß in Zukunft mehr Nachdruck auf den Ausbau der wirtschaftlichen
und kulturellen Beziehungen gelegt werden soll. Gegenwärtig ist man
deshalb allenthalben bemüht, diese Konzeption in die Tat umzusetzen.
Dem gleichen Problem sehen wir uns auch in bezug auf die Nordatlantikpaktorganisation gegenüber. Ihre Mitgliedstaaten sind im
Augenblick dabei, die Möglichkeiten zu einer Vertiefung der nichtmilitärischen Bindungen zu überprüfen. Senator Walter George ist
der Bevollmächtigte der Vereinigten Staaten für diese Fragen und
seine großen Erfahrungen und sein Können werden ihm bei dieser
Aufgabe sehr zustatten kommen.
Im Falle unserer Bündnisse im pazifischen und asiatischen Raum
ist die Problemstellung etwas anders geartet, weil dort das kommunistische China die Furcht lebendig erhält. Es bedroht weiterhin die
Republiken Korea und Vietnam mit militärischer Macht. In periodischen
Abständen verkündet das kommunistische China die Absicht, Formosa mit
Gewalt zu erobern, und es hat auch bereits Teile von Burma mit seinen
Streitkräften besetzt.
Im

�'AMERIKA DIENST"

31 . Oktober 1956

Im Fernen Osten ist es klar erkenntlich, daß die Gefahr nach wie
vor besteht, wenngleich auch dort das kommunistische China gelegentlich den Versuch macht, durch gleißnerische Versprechungen Freunde zu
gewinnen. Somit können wir noch nicht einmal dort voll auf die einigende Wirkung der Furcht vertrauen. Gesündere Bindungen zu finden,
wird deshalb eine der Aufgaben der Außenminister der Staaten der Südostasienpakt-Organisation auf ihrer nächsten Tagung im Frühjahr nächsten
Jahres sein.
Wir wollen dabei selbstverständlich die Vereinten Nationen nicht
vergessen. Sie wurden mit dem Ziel gegründet, allen Völkern eine kollektive Sicherheit zu geben sowie eine stärkere wirtschaftliche und
soziale Zusammenarbeit herbeizuführen. Die Vereinten Nationen leisten
in dieser Hinsicht, ebenso wie in der Vergangenheit, auch heute ausgezeichnete Dienste. Allerdings blieb das bisher Erreichte hinter den
gesteckten Zielen zurück. Die Stärkung der Vereinten Nationen ist deshalb eine weitere lebenswichtige Phase der gemeinsamen Anstrengungen
zur Festigung von Frieden und Gerechtigkeit in der Welt.
Ein drittes wichtiges Problem bilden die 700 Millionen Menschen
in den 18 jungen Staatswesen, die in der Zeit seit Ende des zweiten
Weltkrieges ihre volle Unabhängigkeit erlangt haben.
Diese neuen Nationen unterscheiden sich in vieler Hinsicht sehr
deutlich voneinander. Aber sie gleichen sich insofern, als sie alle
von Nationalbewußtsein und Patriotismus durchdrungen sind, die ihnen
die Freiheit eingebracht haben. Ebenso huldigen sie dem Fortschritt,
von dem sie sich eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage erhoffen.
Ein Teil dieser erst seit kurzer Zeit unabhängigen Staaten ist
sich darüber im klaren, daß ihre Unabhängigkeit am besten durch
kollektive Sicherheitsvereinbarungen, wie wir sie dargelegt haben,
gewährleistet wird. Wir sind stolz darauf, mit diesen Nationen verbunden zu sein, und sind fest entschlossen, das in uns gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen.
Es gibt auch junge unabhängige Nationen, die es vorziehen, sich
nicht irgendwelchen kollektiven Sicherheitspakten anzuschließen. Wir
respektieren natürlich vollauf ihre Entscheidungsfreiheit.
Wir haben ein außerordentliches Interesse an der Unabhängigkeit
all dieser jungen Nationen und sind bereit, ihnen durch einen Beitrag
aus unseren Erfahrungen und Hilfsquellen zu helfen, eine solide Grundlage für ihre Freiheit zu schaffen.
Dies ist für die freie Welt Problem und Aufgabe zugleich. Denn
auf die Dauer gesehen sind politische Unabhängigkeit und wirtschaftliches Wohlergehen voneinander abhängig. Vieles ist bereits getan
worden und wird gegenwärtig getan, um diesem Problem gerecht zu werden.
Aber dies war nur eine schrittweise Entwicklung. Die Suche nach zufriedenstellenden und verlässlichen Methoden dauert noch immer an.
Die

�"AMERIKA DIENST"

31 . Oktober 1956

Die freie Welt ist sehr wohl in der Lage, die Gewehr dafür zu
geben, daß ein Volk, das sich der Freiheit verschrieben hat, nicht
gezwungen ist, zwischen kommunistischer Versklavung und wirtschaftlicher Not zu wählen.
Eine weitere wesentliche Sorge unserer Außenpolitik gilt den
in Unfreiheit lebenden Völkern der Welt. Wir hatten den zweiten Weltkrieg als einen Befreiungskrieg betrachtet. Die Atlantik-Charta und
die Deklaration der Vereinten Nationen verpflichten alle Alliierten, die
Souveränitätsrechte und die Selbstregierung allen jenen zurückzugeben,
denen sie gewaltsam genommen worden waren, und das Recht aller Völker
anzuerkennen, sich selbst die Regierungsform zu wählen, unter der sie
leben wollen. Leider sind diese feierlichen Versprechen verletzt worden,
und in Osteuropa ist eine Art der Unterjochung nur durch eine andere
abgelöst worden.
Aber patriotischer Geist und die Sehnsucht der Menschen nach Gedanken- und Gewissensfreiheit und nach dem Recht, sich ihr Leben selbst
zu gestalten, sind Kräfte, die an den eisernen Banden der Sklaverei
nagen und sie schließlich zerbrechen.
Wir erleben heute dramatische Beweise für diese Wahrheit. Das
polnische Volk lockert nunmehr den sowjetischen Griff um das Land,
das 63 liebt. . Und die heldenhafte Bevölkerung Ungarns bietet dem
mörderischen Feuer der Panzer der Roten Armee Trotz. Für diese Patrioten
bedeutet die Freiheit mehr als das Leben. Und alle, die sich der Freiheit in Frieden erfreuen, haben die feierliche Pflicht, mit allen geeigneten Mitteln danach zu trachten, daß die Menschen, die jetzt für
die Freiheit sterben, ihr Leben nicht umsonst gegeben haben.
Die Schwäche des sowjetischen Imperialismus hat sich deutlich
gezeigt. Diese Schwäche ist nicht militärischer Natur, auch beruht
sie nicht auf einem Mangel an materieller Macht. Er ist schwach, weil
er versucht, durch Unterdrückung menschlicher Wünsche, die sich nicht
dauernd unterdrücken lassen, und durch Verschleierung von Wahrheiten,
die sich nicht dauernd verheimlichen lassen, eine unnatürliche Gewaltherrschaft aufrecht zu erhalten.
Nach außen erwecken die imperiaistischen Diktaturen oft einen
furchterregenden Eindruck. Eine Zeitlang erscheinen sie hart, glänzend
und unwiderstehlich. Tatsächlich aber erweisen sie sich "wie die übertünchten Gräber, welche auswendig hübsch scheinen, aber inwendig sind
sie voller Totengebein und Unflat." Sie haben verwundbare Stellen,
die nicht leicht erkennbar sind.
Von Anfang an ist die amerikanische Nation überall in der Welt
für politische Unabhängigkeit und menschliche Freiheit eingetreten.
Von unserer Unabhängigkeitserklärung sagte Lincoln, daß sie "nicht
nur den Menschen dieses Landes die Freiheit, sondern auch der Welt
Hoffnung für alle Zukunft" gebe. In der Zeit, als unsere Nation gegründet wurde, befand sich der Despotismus auf einem Höhepunkt. Doch

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�"AMERIKA DIENST"

31. Oktober 1956

Doch unsere freie Gesellschaft und die großen Erfolge, die sie zeitigte, wurden überall in der Welt bekannt und tragen dazu bei, die Unterdrückten Völker der damaligen Zeit dafür zu begeistern, Möglichkeiten
zu fordern und zu erlangen, um ihr eigenes Schicksal in die Hand zu
nehmen. Heute setzt unsere Nation ihre historische Aufgabe fort. Bei
den unterworfenen Völkern soll kein Zweifel darüber bestehen, daß sie
in uns einen aufrichtigen und selbstlosen Freund besitzen, der ihre
Hoffnungen teilt. Sie müssen wissen, daß sie während der Zeit des
Umstellungsprozesses ihrer Wirtschaft, def unvermeidlich ist, wenn sie
ihre produktiven Bemühungen in den Dienst ihres eigenen Volkes und
nicht mehr in den Dienst ihrer Unterdrücker stellen, von unserem Überfluß erhalten können. Auch stellen wir nicht die Bedingung, daß wirtschaftliche Bindungen zwischen uns von der Annahme irgendeines bestimmten Gesellschaftssystems abhängig sind.
Lassen Sie mich folgendes aussprechen, was über jeden Zweifel erhaben ist» In ihrem Wunsche, die Satellitenländer frei zu sehen, verfolgen die Vereinigten Staaten keine hintergründigen Absichten. Wir
haben den aufrichtigen Wunsch, daß diese Völker, die so viel zu unserem eigenen nationalen Leben beigetragen haben, ihre Souveränität wiedererhalten und daß sie Regierungen nach eigener freier Wahl bilden können.
Wir betrachten diese Nationen nicht als potentielle militärische Verbündete. Wir betrachten sie als Freunde und als Teil eines neuen befreundeten und nicht mehr länger geteilten Europas. Wir bauen darauf, daß ihre
Unabhängigkeit, wenn sie ihnen unverzüglich gewährt wird, außerordentlich
zur Festigung des Friedens in ganz Europa, im Westen und im Osten, beitragen wird.
Ich möchte hierbei noch ein Wort über die künftigen Beziehungen
mit den Völkern hinzufügen, aus denen sich die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zusammensetzt. Auch sie dürfen hoffen. Mit
der zunehmenden Bildung der breiten Massen und der Entwicklung der
Industrie entstand ein wachsendes Verlangen nach geistiger Freiheit,
nach größerer gesetzlich geschützter persönlicher Sicherheit und
nach der Möglichkeit, die schönen Dinge des Lebens zu genießen.
Diesen Forderungen ist in gewissem Maße stattgegeben worden.
Es besteht Grund zu der Annahme, daß sich diese. Entwicklung
als unwiderruflich erweisen wird. Sie mag eines Tages dazu führen,
daß das amerikanische Volk mit dem russischen Volke die Beziehungen der Freundschaft unterhalten kann, die es sich wünscht und die
Regierungen unserer Länder als Freunde miteinander verhandeln können»

Ich

�"AMERIKA DIENST"

31. Oktober 1956

Ich habe nur die allgemeinen Punkte berührt. Daneben gibt es die
speziellen Probleme. In einer Welt, die so deutlich die menschlichen
Leidenschaften und Unzulänglichkeiten widerspiegelt, werden ständig
besondere Situationen entstehen, die den Frieden oder die guten Beziehungen zwischen den Nationen bedrohen. Die Geschichte weist eine
lange Reihe solcher Probleme auf; es gibt sie heute und wird sie in
Zukunft geben. Ich will kurz auf eines davon eingehen - den Streit um
den Suezkanal. Ich greife gerade dieses Problem heraus, weil es von
unmittelbarer und großer Bedeutung ist, und weil es das ständig gegenwärtige Problem des "Kampfes für den Frieden" deutlich macht.
Der Suezkanal ist die wichtigste künstliche Wasserstraße der
Welt. Sie ist durch Vertrag internationalisiert. Seit ihrer Eröffnung
vor 90 Jahren wurde sie von der unter Beteiligung der ganzen Welt gegründeten Suez-Kanal-Gesellschaft betrieben. Am 26. Juli 1956 hat die
ägyptische Regierung aus nationalen Erwägungen heraus das Vermögen der
Gesellschaft beschlagnahmt und den Betrieb des Kanals in eigene Regie
übernommen.
Die Außenminister Frankreichs, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten traten unmittelbar darauf zu einer Konferenz zusammen,
um darüber zu beraten, welche Schritte unternommen werden könnten.
In einigen Kreisen vertrat man die Auffassung, daß man auf der Stelle
Gewaltmaßnahmen ergreifen solle, um die Verhältnisse wiederherzustellen,
wie sie vor dem ägyptischen Schritt bestanden hatten. Unsere drei Regierungen kamen jedoch überein, die 24 unmittelbar betroffenen Staaten,
darunter auch Ägypten, zu einer Konferenz einzuladen.
Das war "Friedensbemühung Nummer eins".
Diese Konferenz fand in London im August statt. Nur zwei der
eingeladenen Staaten, darunter Ägypten, erschienen nicht auf der
Konferenz. Auf dieser Konferenz formulierten 18 Staaten aus Europa,
Asien, Afrika, Australien und Amerika, auf die zusammen 90 Prozent
des gesamten Schiffsverkehrs durch den Suezkanal entfallen, einen
Vorschlag, dessen Ziel es war, einen erfolgreichen und zuverlässigen
Betrieb sowie den Unterhalt und den weiteren Ausbau des Kanals gemäß
der Konvention von 1888 sicherzustellen.
Diese Londoner Konferenz war "Friedensbemühung Nummer zwei" .
Im Anschluß daran entsandten die 18 Staaten, die dem erwähnten
Vorschlag beipflichteten, eine aus Vertretern von fünf Ländern gebildete Mission nach Kairo, an deren Spitze der australische Ministerpräsident Menzies stand und die die Aufgabe hatte, dem ägyptischen
Staatschef Nasser ihren Vorschlag zu unterbreiten.
Diese Mission nach Kairo war "Friedensbemühung Nummer drei".

Als

�"AMERIKA DIENST"

31. Oktober 1956

Als Staatschef Nasser diesen Vorschlag zurückwies, traten die
18 Staaten im September abermals in London zu einer Konferenz zusammen. Sie arbeiteten dort einen Plan bezüglich der Schaffung einer
kooperativen Vereinigung zur Vertretung der Interessen der foli!«
benutzer aus. lies geschah in der BeffhUAft daß di**? IfafiifliÄ&amp;ftjh
die zunächst auf eine provisorische Arbeitsbasis gestellt wurde, in
ausreichendem Maße zu einer Zusammenarbeit mit den ägyptischen Kanalbehörden gelangen möge.
Diese Konferenz vom September war "Friedensbemühung Nummer vier".
Während die Vereinigung der Kanalbenutzer noch im Begriff stand,
sich zu konstituieren, brachten Großbritannien und Frankreich die
Suez-Frage vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.
Nach neuntägigen Beratungen billigte der Sicherheitsrat sechs
Grundsätze für die Lösung des Suez-Problems. Diese sechs Grundsätze
waren im wesentlichen die gleichen, die von den 18 Benutzerstaaten auf
der Londoner Konferenz vom August angenommen worden waren.
Frankreich und Großbritannien schlugen ferner Maßnahmen vor,
die eine Verwirklichung dieser Grundsätze beschleunigen sollten.
Dieser Teil der entsprechenden Entschließung erhielt neun von insgesamt elf Stimmen, wurde allerdings auf Grund des Vetos der Sowjetunion angenommen.
Dieses Vorgehen des Sicherheitsrates war "Friedensbemühung Nummer
fünf".
Während die formellen Erörterungen im Sicherheitsrat noch im
Gange waren, kam es zu einem inoffiziellen privaten Meinungsaustausch
zwischen den Außenministern Großbritanniens, Frankreichs und Ägyptens,
der durch den Generalsekretär der Vereinten Nationen angeregt worden
war.
Diese privaten und inoffiziellen Besprechungen waren "Friedensbemühungen Nummer sechs".
Man hofft jetzt, daß es zwischen den drei genannten Regierungen
zu einem weiteren Gedankenaustausch kommt. Diese Konferenzen wären,
wenn sie Zustandekommen, "Friedensbemühung Nummer sieben".
Ich bin überzeugt, daß diese Aufzählung Sie nicht ermüdet hat.
Ich kann Ihnen versichern, daß die praktischen Bemühungen selbst,
wenn sie auch hohe Anforderungen stellten, für die vielen Menschen
aus den zahlreichen Ländern keineswegs ermüdend waren, die auf diese
Weise versuchten, eine friedliche und gerechte Lösung für eine Situation zu finden, wie sie durch die Beschlagnahme einer Einrichtung von
großer internationaler Bedeutung seitens der ägyptischen Regierung
entstanden ist.
Unter

�"AMERIKA DIENST"

31 . Oktober 1956

Unter den Verhältnissen in der Welt, wie sie vor der Annahme der
Charta der Vereinten Nationen bestanden, wäre es mit größter Wahrscheinlichkeit binnen kurzem zum Krieg gekommen. Wir sehen noch nicht klar,
wie sich die künftige Entwicklung gestalten wird. Aber seit drei Monaten bemüht man sich nahezu unaufhörlich, eine Lösung auf dem Verhandlungswege zu erzielen. Der Kampf um den Frieden ist mit Intensität und
Einfallsreichtum geführt worden. Die nächste Phase, die vielleicht entscheidend sein wird, hängt in erster Linie von den drei am unmittelbarsten betroffenen Regierungen ab - den Regierungen Frankreichs,
Englands und Ägyptens -, wobei auch der Generalsekretär der Vereinten
Nationen eine wichtige Rolle spielt.
Wir glaubten von Anfang an, daß jede Lösung, wie sie auch ausfallen würde, zwei Grundtatsachen berücksichtigen müsse. Das eine
Prinzip ist, daß ein internationaler Wasserweg wie der Suezkanal, der
stets einen internationalen Status hatte, rechtens nicht zum Instrument
der Politik irgendeiner Regierung werden darf, was bedeuten würde,
daß das gleiche Recht aller auf Durchfahrt von der Gunst dieser Regierung abhängig gemacht werden kann. Ägypten braucht sich deshalb
nicht der Rechte zu begeben, die ihm als einem souveränen Staat, durch
dessen Hoheitsgebiet dieser internationale Wasserweg führt, normalerweise zustehen. Dies bedeutet aber, daß es Ägypten nicht möglich
sein darf, offen oder versteckt nach eigener Willkür den Betrieb dieses
internationalen Wasserwegs zu regeln, so daß die Staaten, die auf ihn
angewiesen sind, in Wahrheit ständig unter einem wirtschaftlichen
Damoklesschwert leben. Das wäre ein unerträglicher Zustand. Er wäre
unvereinbar mit den Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen,
die besagen, daß solche Situationen in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des Völkerrechts gelöst werden müssen.
Der zweite wichtige Grundsatz ist, daß die gegenseitige Abhängigkeit Europas, Asiens und Afrikas in wirtschaftlicher Hinsicht, die
den Suez-Kanal so unentbehrlich macht, durch Zwang und Gewalt nicht
aufrechterhalten werden kann.
Wenn die Verwirklichung dieser beiden Grundsätze im Geiste der
Aufrichtigkeit angestrebt wird, dann kann eine Vereinbarung auf dem
Verhandlungswege zustande kommen.
Ich kann nicht voraussagen, wie sich die Dinge weiterentwickeln
werden. Die Situation ist ernst. Es gibt mehrere störende und die
Dinge noch komplizierende Faktoren, die nichts mit der Kanalfrage
selbst zu tun haben. Wenn jedoch die Regierungen der am meisten
betroffenen Staaten, die Regierungen also von Frankreich, Großbritannien und Ägypten, mit Hilfe der Vereinten Nationen zu einem Übereinkommen gelangen sollten, dann haben sie dem jahrhundertealten Kampf
um einen gerechten und dauerhaften Frieden ein ermutigendes Kapitel
hinzugefügt. Sie werden dann jenes Lob verdienen, das die öffentliche
Meinung in aller Welt und die Geschichte ihnen bestimmt zuerkennen
werden.
Was

�31 . Oktober 1956

"AMERIKA DIENST"

Was ich hier über die Suezfrage gesagt habe, läßt vielleicht
auch den Schluß zu, daß sich keine der allgemeinen Richtlinien bezüglich der einzuschlagenden Politik, wie ich sie im ersten Teil meiner
Rede aufgezeigt habe, in die Tat umsetzen lassen wird, ohne daß sich
dabei eine Vielzahl von Hindernissen auftut, die es zu überwinden gilt.
Wir alle kennen die Hindernisse, denen sich Menschen in Zeiten
des Krieges gegenübersehen und die sie überwinden, um den Sieg zu
erringen. Man scheint dagegen nicht zu erkennen, daß es in Zeiten
des Friedens vergleichbarer Anstrengungen bedarf, um den Frieden zu
erhalten. Der Friede wird so lange nicht gewonnen werden, wie die
Menschen ihr Bestes nur im Krieg zu leisten bereit sind. Auch der
Friede muß erkämpft werden, genauso wie Kriege durchgekämpft werden,
und Menschen und Völker haben tatkräftig und opferbereit darauf hinzuarbeiten, der Bedrohungen von Frieden und Gerechtigkeit Herr zu
werden.
Ich sehe keinen Grund dafür, daß dies nicht möglich sein sollte.
Der Friede ist sicherlich ein Ziel, dessen Erringung die gleiche Hingabe verdient, wie die Erringung des Sieges im Kriege. Heute ist dies
wichtiger denn je zuvor, da wir in einer Welt leben, bei der es im
Falle eines Krieges vielleicht noch nicht einmal einen Sieger geben
wird.
Ich vertraue darauf, daß die von mir hier aufgezeigte Geisteshaltung dem Denken des amerikanischen Volkes und seiner politischen
Führung, gleichgültig welcher Partei diese angehört, entspricht. Wenn
die Völker und Führer anderer Länder sich zu der gleichen Geisteshaltung aufschwingen, dann können wir einer Zukunft entgegengehen,
die uns trotz vielfältiger verwirrender Phänomene hoffnungsvoll zu
großen schöpferischen Taten aufruft.

* * * * *

- 10 -

�A M E R I K A

D I E

EISENHOV/ER; VERTRAUEN UND VERSTÄNDNIS UNTER ALLEN
VÖLKERN SCHAFFEN

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede des US-Präsidenten
Dwight D. Eisenhower vom 23. Oktober 1956, in
der er auseinandersetzt, warum die USA die H —
Bombenversuche fortsetzen werden.
Der Präsident gab diese Erklärung im Rahmen
eines Berichtes über die nukleare Abrüstung,
der auf Informationen des US-Außen- und des
US-Verteidigungsministeriums und der US-Atomenergie-Kommission basiert und vom Weißen Haus
nunmehr veröffentlicht wurde.

"Ich bin zu dem Schluß gekommen, daß es im öffentlichen Interesse
liegen würde, wenn ich vor Ihnen, dem amerikanischen Volk, und vor der
Welt einen umfassenden und klaren Überblick über die Politik und die
Maßnahmen unserer Regierung in bezug auf die Entwicklung und Erprobung der nuklearen Kampfmittel gebe, soweit diese unsere nationale
Verteidigung, unser Streben zur Herbeiführung einer Weltabrüstung
und unseren Wunsch nach einem sicheren und gerechten Frieden für alle
Nationen betreffen.
Bei diesem Dienst am Weltfrieden darf eine Tatsache niemals außer
acht gelassen werden. Es ist diese: Das kritische Problem besteht
nicht darin, Kernwaffen zu prüfen, sondern darin, ihre Anwendung in
einem Atomkrieg zu verhindern. Amerika hat wiederholt seine Bereitschaft, ja den aufrichtigen Wunsch zum Ausdruck gebracht, alle nuklearen Kampfmittel für dauernd abzuschaffen, die Erprobungen derartiger Waffen einzustellen, einen Teil unserer gewaltigen Rüstungsausgaben in den wichtigeren Dienst der Förderung des Wohles der Menschheit zu stellen - alle diese Dinge zu tun, wann immer und sobald dem
einen grundlegenden Erfordernis Genüge getan ist, dem Erfordernis
nämlich, daß wir als Nation und alle anderen Völker vor einem Angriff
sicher sind.
Aus diesem Geiste und dieser Erkenntnis heraus haben wir als
Nation zwei Aufgaben zu erfüllen. Einmal müssen wir - und wir tun
das auch - unermüdlich danach streben, mit anderen Nationen Abkommen zu treffen, die Vertrauen und Verständnis unter allen Völkern

- 1 -

�"AMERIKA DIENST"

31 . Oktober 1956

Völkern schaffen. Zweitens müssen wir zur gleichen Zeit und bis zu dem
Zeitpunkt, wo das internationale Vertrauen endgültig sichergestellt
ist, darauf achten - und wir tun dies -, daß die Qualität und Quantität unserer militärischen Waffen einen derartigen Respekt gebieten, daß
sie jede Nation von der Versuchung
abhalten, eine Aggression zu beginnen.
Deshalb entwickeln wir Waffen, nicht um Krieg zu führen, sondern
um ihn zu verhindern. Nur im hellen Lichte dieser größeren Wahrheit
können wir die untergeordnetere Frage der Erprobung unserer Kernwaffen
korrekt prüfen.
Ich habe in der vergangenen Woche in dieser Angelegenheit die
zuständigen Ministerien und Stellen unserer Regierung angewiesen, mir
eine Zusammenfassung aller wichtigen Fakten aus ihrem jeweiligen Verantwortungsbereich zu unterbreiten. Dieses Material umfaßt die Zeitspannen der letzten elf Jahre - seit der ersten Atomexplosion, die bei
einem Versuch in Neu-Mexiko stattfand. In diesem Zusammenhang mag die
Feststellung angemessen sein, daß ich mich in diesen elf Jahren in fast
ununterbrochener Folge persönlich mit diesen Dingen befaßt habe, nämlich in meiner Eigenschaft als Stabschef der Armee, als Berater des
Verteidigungsministers, als Oberster Befehlshaber der alliierten Truppen in Europa und seit 1953 als Ihr Präsident und als Oberbefehlshaber der amerikanischen Streitkräfte.
Die Liste der von Ihrer Regierung getroffenen politischen Schritte
und Maßnahmen wird hiermit der Öffentlichkeit übergeben
soweit dies
ohne die nationale Sicherheit zu gefährden - möglich ist. Sie umfaßt
Fakten aus dem Bereich der nationalen Verteidigung, der wissenschaftlichen Entwicklung und der diplomatischen Bemühungen. Dieses Material
spiegelt in klarer und konsequenter Weise die beständigen, friedlichen
Zielsetzungen unserer Nation wider.
Ich halte es in diesem Überblick für angemessen, auf die wichtigsten Fakten des anliegenden Berichtes hinzuweisen.
Erstens: Unsere Regierung hat in ihren Bemühungen nicht nachgelassen, die Rüstungslasten in der gesamten Welt zu erleichtern, eine
wirkungsvolle internationale Kontrolle der Erprobung und Anwendung
aller Kernwaffen zu schaffen und die internationale Anwendung der
Atomenergie für friedliche Bedürfnisse und Ziele zu verwirklichen.
Die sichtbaren Beweise dieser Anstrengungen erstrecken sich vom Beginn unserer Regierung bis auf heute:
a) meine Rede vom 16. April 1953» in der ich bereits diese besonderen Zielsetzungen zur Verwirklichung empfahl;
b) das im Dezember gleichen Jahres unterbreitete "Atome-für-denFrieden"-Programm;

li
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31 . Oktober 1956

c) die Ernennung eines Sonderbeauftragten für Abrüstungsfragen
mit Ministerrang, um unsere Abrüstungsbemühungen zu entwickeln und zu
koordinieren;
d) mein während der Konferenz der Regierungschefs in Genf im Juli
1955 unterbreiteter Vorschlag, den Austausch militärischer Pläne zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sowie eine gemeinsame
Luftihspektion durch die Formel der "Offenen Himmel" unverzüglich zu beginnen;
e) die Annahme des sowjetischen Vorschlags für die Schaffung von
Bodeninspektionsgruppen, sofern diese mit der Luftinspektion gekoppelt
sindj
f) die i n dieser Woche erfolgte Annahme der Statuten für die Internationale Atomenergiebehörde, an deren friedlichen Zielsetzungen
sich 81 Nationen beteiligen; und
g) unsere fortgesetzte konstruktive Beteiligung an der Arbeit der
UN-Abrüstungskommission.
Tatsachen, wie die hier aufgeführten, haben meiner Erklärung
vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen am 8. Dezember 1953
Inhalt und Gültigkeit gegeben. Damals sagte ich:
'Die Vereinigten Staaten geloben vor Ihnen und damit vor aller
Welt, daß sie entschlossen sind, das furchtbare, durch das Atom geschaffene Dilemma zu lösen - und daß sie all ihre Kräfte des Herzens
und des Verstandes daran setzen worden, einen Weg zu finden, damit des
Menschen wunderbare Erfindergabe nicht zu seiner Vernichtung gebraucht,
sondern seinem Leben geweiht wird.'
Zweitens: Das unerlässliche Prinzip, auf dem wir bestanden haben,
war die Gewährleistung wirksamer Maßnahmen und Kontrollen in einem
jeden Abrüstungsprogramm. Unsere Bereitschaft, mit einer Abrüstung im
Rahmen solcher Sicherheitsmaßnahmen zu beginnen, ist in den letzten
dreieinhalb Jahren immer wieder bestätigt und bekräftigt worden. Auf
der Genfer Außenministerkonferenz vom vergangenen Herbst hat der amerikanische Außenminister diese Bereitschaft unter besonderer Bezugnahme
auf die nuklearen Waffen und ihre Erprobung erneut bestätigt.
Es gibt nur einen einzigen Grund, warum bis jetzt kein sicheres
Abkommen getroffen worden ist: die Weigerung der Sowjetunion, irgendein verlässliches System gegenseitiger Sicherheitsgarantien anzunehmen. Allein in den letzten beiden Jahren hat die Sowjetunion nicht
weniger als 14 amerikanische Vorschläge zur Abrüstung und Kontrolle
nuklearer Waffen abgelehnt.
Drittens: Angesichts dieser Tatsachen hat unsere Regierung ihre
Bestände an Kernwaffen ständig vergrößert und die Entwicklung und
Erprobung der modernsten nuklearen Kampfmittel fortgesetzt. Die Macht
dieser Waffen zur Abwehr einer Aggression und zur Wahrung des Weltfriedens könnte verloren gehen, wenn wir es versäumen, unsere Überlegenheit

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�"AMERIKA DIENST"

&gt;

31. Oktober 1956

Überlegenheit hinsichtlich dieser Waffen aufrecht zu erhalten. Und
die Bedeutung unserer Stärke auf diesem speziellen Gebiet der Waffentechnik wird nachdrücklich durch die unumstößliche Tatsache unserer
zahlenmäßigen Unterlegenheit gegenüber den Kommunisten unterstrichen.
Viertens: Die Fortdauer der gegenwärtigen Rate von Wasserstoffbombenversuchen stellt nach dem ganz nüchternen und verantwortungsbewußten Urteil der Wissenschaft keine Gefährdung der Gesundheit der
Menschheit dar. Was die Menge des aus diesen Versuchen resultierenden
radioaktiven Niederschlages einschließlich des Strontium 90 anbetrifft,
so kommt wohl dem darüber von der unabhängigen Nationalen Akademie der
Wissenschaften abgegebenen Urteil die größte Autorität zu. Sie berichtete im vergangenen Juni im Anschluß an eine von 150 der namhaftesten
Wissenschaftler durchgeführte Studie, daß die Menschen auf Grund aller
bisherigen Waffenversuche und bei Fortdauer der gegenwärtigen Rate
dieser Versuche nur einem Bruchteil der Strahlungen ausgesetzt sind,
die sie normalerweise während ihres Lebens auf Grund natürlicher Strahlenquellen und medizinischer Röntgenstrahlen aufnehmen.
Fünftens: Andererseits zeitigt die Fortsetzung dieser Versuche
zwei wichtige segensreiche Resultate.
Einmal geben uns die jüngsten Versuche nunmehr die Möglichkeit,
unsere Waffen genauer und wirksamer zu gestalten und zu kontrollieren,
den radioaktiven Niederschlag drastisch zu reduzieren und diese Waffen
so zu bauen, daß sie sich - wenn sie je eingesetzt werden sollten leichter auf militärische Ziele konzentrieren lassen. Man rechnet zuversichtlich mit weiteren Fortschritten in dieser Richtung.
Zum anderen haben diese jüngsten Versuche uns bei der Entwicklung
von Waffen geholfen - Waffen, die nicht in erster Linie eine größere
Zerstörungskraft haben, sondern für die Verteidigung unseres Volkes
gegen jeden etwaigen Angriff bestimmt sind - sowie Kenntnisse vermittelt, die für unser gesamtes ziviles Verteidigungsprogramm von entscheidender Wichtigkeit sind.
Sechstens: Radioaktiver Niederschlag, auch radioaktives Strontium
90 tritt nach allen Kernwaffenversuchen - gleich welcher Größe - auf.
Allerdings ist der radioaktive Niederschlag von der Art der Waffe und
ihrer Größe abhängig. Ein solcher Niederschlag kann nicht - wie gesagt
worden ist - durch die Begrenzung der Versuche auf kleinere Waffen vermieden werden. Niederschlag von Strontium 90 ist eine Folge des Atomspaltungsprozesses. Die Atomspaltung aber ist sozusagen das Grundphänomen aller kleineren Waffen. Somit beruht der Gedanke, daß wir
'die Ausstreuung dieses gefährlichen Materials in die Luft beenden
können', indem wir uns auf kleinere durch Atomspaltung wirksame Waffen
konzentrieren, auf einer anscheinenden Unkenntnis dieser Tatsachen.
Siebtens: In bezug auf die Sowjetunion ist folgendes zu sagen:
Es ist unbestreitbar, daß die Sowjetunion mit dem Gedanken einer
Einstellung der H-Bombenversuche sympathisiert. Dieser Gedanke spiegelt lediglich das seit der Erörterung des Baruch-Planes im Jahre

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�31 . Oktober 1956

"AMERIKA DIENST"

Jahre 194&amp; wiederholt gezeigte Beharren der Sowjetunion wider, daß
alle Abrüstungspläne auf einfachen, freiwilligen Abkommen basieren
sollen. Diese Formel sieht heute, genauso wie früher, keinerlei Sicherheitsmaßnahmen, keine Kontrollen und keine Inspektion vor.
Achtens: Man kann ein einfaches Abkommen zur Einstellung der
H-Bombenversuche nicht als etwas ansehen, das sich automatisch Geltung
verschafft, indem man von der durch nichts bestätigten Annahme ausgeht,
daß derartige Versuche sofort und auf sichere V/eise entdeckt werden
können. Es stimmt zwar, daß Versuche mit sehr großen Waffen vermutlich
in dem Augenblick registriert werden können, wo sie durchgeführt werden.
Wir sind der Ansicht, daß wir praktisch alle bisher erfolgten derartigen Versuche entdeckt haben. Es ist jedoch in Anbetracht der ungeheuren sowjetischen Landmasse, durch die eventuelle zukünftige Versuche
abgeschirmt werden können, unmöglich, eine absolut positive Gewißheit
hinsichtlich einer solchen Registrierung zu haben, ausgenommen im Falle
eines Versuches mit den größten Waffen. Es ist auch nicht möglich, unmittelbar, nachdem ein in weiter Entfernung erfolgter Versuch entdeckt
worden ist, den Umfang und die Art dieses Tests zu bestimmen.
Neuntens: 'Wenn unsere Regierung die Forschungs- und Vorbereitungsarbeiten für Versuche und auch die Versuche selbst einstellen sowie
derartige Vorbereitungen erst nach Kenntnisnahme der Tatsache wiederaufnehmen sollte, daß eine andere Nation eine weitere Wasserstoffbombe
zur Explosion gebracht hat, so würden wir vielleicht feststellen müssen,
daß unsere gegenwärtige eindeutige Führung auf dem Gebiet der thermonuklearen Waffen verlorengegangen oder sogar ins Gegenteil verkehrt worden
ist.
Zehntens: Wenn unsere Regierung lediglich die Versuche einstellen,
Vorsichtshalber jedoch Forschung und Vorbereitungsarbeiten fortsetzen
sollte, sofern dies überhaupt durchführbar ist, dann könnten wir noch
immer einen schwerwiegenden militärischen Nachteil erleiden. Um derartige Versuche wie jene, die auf unserem Versuchsgelände im Pazifischen
Ozean durchgeführt wurden, vorzubereiten und durchzuführen, benötigt
man mindestens ein Jahr.
Diese Tatsachen führen zwangsläufig zu zwei Schlußfolgerungen:
Einmal müssen wir unsere Stärke hinsichtlich der modernsten Waffen
im Interesse unserer eigenen nationalen Sicherheit, im Interesse aller
freien Nationen und im Interesse des Friedens selbst solange weiter
entwickeln, bis internationale Abkommen mit angemessenen Sicherheitsgarantien erreicht werden können.
Zum anderen müssen und werden wir unablässig danach streben,
keine illusionäre, sondern eine wirkliche Abrüstung in der Welt zu
erreichen. Die Illusion kann in diesem Fall zwei Formen annehmen. Sie
kann bedeuten, daß man Abkommen ohne Sicherheitsgarantien vertraut.
Oder sie kann in der Annahme bestehen, daß eine einfache Einstellung
unserer Atomversuche, ohne dabei sichere Kenntnis von den Aktionen der
anderen Mächte zu besitzen, einen Fortschritt und keine Gefahr bedeutet.
In

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�51 . Oktober

AMERIKA DIENST

1956

In der Nachkriegsgeschichte gibt es nichts, was die Ansicht rechtfertigen würde, wir sollten bei irgendwelchen Abrüstungsvereinbarungen
etwas akzeptieren - oder könnten dies auch nur wagen - w a s weniger
darstellt als gesunde Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollen.
Ich habe auch weiterhin die feste Hoffnung, daß wir die Verwirklichung einer bedeutsamen internationalen Abrüstung erleben werden,
wenn wir stark und unbeirrt bleiben.
Wir haben allen Grund zu glauben, daß die Länder der Welt über
ein System verlässlicher, die Abrüstung bestimmender Kontrollen Einigung erzielen können, wenn auf allen Seiten eine aufrichtige und friedliche Zielsetzung vorhanden ist. Wir werden niemals aufhören, dieses
Ziel anzustreben."

* * * * *

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�\ M E R I K A

US-BEITRAG ZUR WELTATOMBEHÖRDEt

D I E N S T

5000 KILOGRAM URAN 235

VEREINTE NATIONEN (NEW YORK) - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut
einer Botschaft des US-Präsidenten Dwight D.
Eisenhower&gt; vom 26.Oktober 1956, in der er erklärt, daß die Vereinigten Staaten der neuen
Internationalen Atombehörde, die ihren Sitz
voraussichtlich in Wien haben wird, 5000 kg
Uran 235 und darüber hinaus bis I.Juli i960
die gleiche Menge spaltbaren Materials zur
Verfügung stellen wird wie alle anderen Mitgliedstaaten zusammen.
Die Botschaft wurde vom Vorsitzenden der USAtomenergiebehörde auf der Schlußsitzung der
internationalen Konferenz für die neue Weltatomenergiebehörde in New York verlesen.
"Herr Präsident, meine Herren Delegierten der Konferenz über
das Statut der Internationalen Atomenergiebehörde 1
Fast drei Jahre sind vergangen, seit ich die Ehre hatte, auf
eine Einladung hin vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen zu sprechen. Bei diesem Anlaß schlug ich im Namen der Vereinigten Staaten vor, daß die Atomkraft - die größte Kraft, die die
Wissenschaft jemals in die Hände der Menschen gelegt hat - der
Arbeit für den Frieden dienstbar gemacht werden sollte.
Im einzelnen zielte mein Vorschlag darauf ab, daß erstens
die Regierungen damit beginnen und darin auch fortfahren, aus
ihren für Kriegszwecke angelegten Atommaterialvorräten gemeinsame Beiträge an eine internationale Behörde zu entrichten und
daß zweitens diese Behörde dafür verantwortlich sein sollte, Verfahren auszuarbeiten, wie diese Atommaterialien für die Nöte der
Landwirtschaft, der Medizin sowie andere friedliche Aufgaben der
Menschheit dienstbar gemacht werden können.
Die Vereinigten Staaten gaben dann ein feierliches Versprechen
ab, alle ihre Kräfte des- Herzens und des Verstandes daran zu setzen,
einen Weg zu finden, auf dem des Menschen wunderbare Erfindergabe
nicht zu seiner Vernichtung gebraucht, sondern seinem Leben geweiht
wird.
Das
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�"AMERIKA DIENST"

31. Oktober 1956

Das Atom wurde im Jahre 1953 als eine furchtbare Waffe des
Krieges betrachtet. Seit der ersten Explosion im Jahre 1945 hatten
die Menschen in furchtbarer V/eise seine Zerstörungskraft vervielfacht. Die Menschen wußten, daß ein einziges Kampfgeschwader eine
Bombenladung von einer größeren Vernichtungskraft mit sich führen
könnte, als sie alle die Bomben zusammen besaßen, die während des
zweiten Weltkrieges über England abgeworfen wurden. Mehrere Nationen
hatten es gelernt, atomare Waffen herzustellen und diese schnell über
Ozeane und Kontinente zu transportieren. Vielen Menschen schien der
Untergang der Zivilisation in einem Atomkrieg unvermeidlich. Wenn sie
vorwärts blickten, so sahen sie keine Hoffnung für eine friedliche Zukunft mehr.
Der im Jahre 1953 von den Vereinigten Staaten gemachte Vorschlag
bot anstelle der Apathie Handeln, anstelle von Verzweiflung Hoffnung
und anstelle des Strudels eines allgemeinen Krieges einen Weg in den
Hafen eines künftigen Friedens.
Von dem Augenblick an, da dieser Vorschlag gemacht war, habe
ich mit glühender Erwartung das Ergebnis all der Arbeit verfolgt,
die von den den Vorschlag unterstützenden Mächten und von den Arbeitsgruppen geleistet wurde, die in den Debatten der Generalversammlung und schließlich von dieser das Werk krönenden Konferenz
verrichtet wurde. Das Planen und das Entwerfen des Rahmens für die
Internationale Atomenergiebehörde hat zahlreiche Monate geduldiger
und verständnisvoller Bemühungen erfordert. Diese Arbeiten sämd nunmehr mit der Billigung des Statuts durch die Konferenz zu einem Abschluß gebracht worden.
Ich beglückwünsche die Konferenz zu dem, was sie erreicht hat.
Das Statut und die internationale Behörde, für die es geschaffen ist,
geben der Welt eine neue Hoffnung auf Frieden.
Seit die Vereinigten Staaten im Jahre 1953 ihren Vorschlag unterbreiteten, ist die Zerstörungskraft des Atomes erneut, erheblich vervielfacht wor*den. Zu ihrer eigenen Rettung stehen die .Menschen unter
einem nicht abzuleugnenden Zwang, diese furchtbare, gewaltige Kraft
statt für die Zerstörungen des Krieges für die konstruktiven Ziele
und Taten des Friedens nutzbar zu machen. Dies ist auch der Grund,
warum die Welt eine neue ffoffnung braucht - eine neue Chance für das
Zusammenwirken der Menschen, um die Enttäuschungen und die Hoffnungslosigkeit der Vergangenheit zu beseitigen.
Dies ist der Grund, warum die Vereinigten Staaten niemals aufhören werden, nach zuverlässigen Abkommen zu suchen, unter denen alle
Nationen zusammenarbeiten können, um eine Atomabrüstung zu erreichen.
Um das Kommen dieses Tages zu beschleunigen, haben die friedliebenden Völker auf die Verwirklichung der friedlichen Anwendungsmöglichkeiten des Atoms zum Wohle und Segen der Menschen gedrängt. In
dem Maße, wie das erweiterte Wissen die Kraft des Atoms immer furchtbarer macht, bringt sie auch die Verwirklichung der in ihm wohnenden
Kräfte für das Gute mit sich. Aus der Zusammenarbeit der Völker kann
Frieden ersprießen. Wenn die Völker eine gemeinsame Sache und ein ge- 2 -

�"AMERIKA DIENST"

31. Oktober 1956

gemeinsames Interesse haben, so werden sie durch dieses Band enger miteinander verbunden.
Wir - als eine der friedliebenden Nationen - waren bestrebt, unser
Wissen um das Atom und unsere atomaren Materialien mit anderen zu teilen. Im vergangenen Februar haben wir angeboten, befreundeten Ländern
für friedliche Zwecke 20 000 Kilogram nuklearer Materialien zur Verfügung zu stellen - eine Menge, die der entspricht, die innerhalb der
Vereinigten Staaten für die gleichen Zwecke zugewiesen wurde. Und
wir haben mit 37 auf dieser Konferenz vertretenen Ländern Abkommen
abgeschlossen - mit weiteren 14 laufen Verhandlungen -, um mit ihnen
beim Bau ihrer eigenen Atomreaktoren - Reaktoren aller Typen und
Größen - für friedliche Zwecke zusammenzuarbeiten.
Die Völker haben ihren Wissensdrang nach einem Verständnis der
verwickelten Geheimnisse der neuen Atomwissenschaft gezeigt. Wir
haben versucht, diesen Drang zu befriedigen, Türen aufzubrechen,
die das von ihnen erstrebte Wissen verschlossen, indem wir große
wissenschaftliche Kongresse anregten und indem wir Bibliotheken,
Lehrgänge und Schulen zur Verfügung stellten. Wir waren glücklich,
unser Wissen über die Möglichkeiten einer friedlichen Nutzbarmachung
des Atoms anbieten zu können - der Möglichkeiten, wie die Atomisotopen
in der Behandlung und Heilung von Kranken, in der Landwirtschaft und in
der Industrie verwendet werden können. Da die '.Vissenschaft keine Grenzen
kennt, kann das gemeinsame Wissen und die friedliche Anwendung dieser
neuen Wissenschaft uns allen helfen, einander besser zu verstehen.
Bei all diesen Dingen, die wir als Regierung tun, erstreben die
Vereinigten Staaten weder Herrschaft noch Kontrolle oder Gewinn. Wir
werden dies auch niemals tun.
Es steht nunmehr bei den Nationen, die hier auf dieser Konferenz
versammelt sind, das Statut offiziell anzunehmen.
Ich schlage daher im Namen der Vereinigten Staaten folgendes vor«
Erstens, ich werde Sorge tragen, daß das Statut beim Wiederzusammentreten des amerikanischen Kongresses zur offiziellen Ratifizierung durch
den amerikanischen Senat gemäß unserer Verfassung vorgelegt wird und
daß um die notwendige Kongreßvollmacht ersucht wird, der Internationalen Atomenergiebehörde besonderes IfceinBaktives Material zu übergeben.
Ich habe den Wunsch, daß mein Land unter den ersten ist, die durch
eine offizielle Maßnahme das von Ihrer Konferenz Geleistete Anerkennen.
Zweitens, um die Internationale Atomenergiebehörde nach ihrer
Errichtung durch die entsprechenden Maßnahmen der Regierungen in die
Lage zu versetzen, die Atomforschungs- und Atomkraftprogramme unverzüglich zu beginnen, werden die Vereinigten Staaten der Internationalen
Behörde unter Bedingungen, die mit der Behörde noch abzusprechen sind,
5000 kg Uran 235 als Kernbrennstoff von den insgesamt 20 000 kg dieses
Materials zur Verfügung stellen, die von den Vereinigten Staaten im
Februar für friedliche Zwecke befreundeter Nationen bereitgestellt wurden.
Drittens, zusätzlich zu den oben erwähnten ersten 5000 kg Uran 235

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�"AMERIKA DIENST"

31. Oktober 1956

Uran 235 werden die Vereinigten Staaten der Internationalen Atomenergiebehörde weiteres kernreaktives Material verfügbar machen, das in seiner
Menge dem Gesamtquantum derartiger Materialien entsprechen wird, die in
ähnlicher Weise und unter vergleichbaren Bedingungen von allen anderen
Mitgliedern der Internationalen Behörde für den Zeitraum zwischen der
Errichtung der Behörde und dem I.Juli i960 zur Verfügung gestellt werden.
Die Vereinigten Staaten werden dieses kernreaktive Material auf Ersuchen der Atomenergiebehörde für die von der Behörde gebilligten Projekte
ausliefern.
Unter der Voraussetzung, daß alle auf der Konferenz vertretenen
Nationen - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - entsprechende Schritte ergreifen, können wir gemeinsam die vor uns liegenden Hindernisse überwinden und den Beweis erbringen, daß internationale Kontrollen nicht
nur durchführbar, sondern auch allgemein als ein Weg zur Erreichung
des Friedens annehmbar sind.
Ein rasches und erfolgreiches Arbeiten der Behörde kann der Beginn
sein für die Nutzbarmachung der zahllosen Verwendungsformen der Atomenergie
zum Aufbau eines besseren Lebens in unserem Heim, am Arbeitsplatz, für
unsere Reisen und unsere Muße.
Gegenwärtig erblicken wir lediglich die ersten Früchte dieser atomaren Expansion. Atomkraft-Anlagen, die in diesem und verschiedenen
anderen Ländern geplant oder bereits im Bau sind, werden in wenigen
Jahren Energie für den zivilen Bedarf liefern - werden die Räder der
Fabriken treiben und Licht für unzählige Häuser liefern.
Wir wollen bei den Menschen nicht die Erwartung wecken, daß das
Atomzeitalter sozusagen über Nacht da sein wird. In vielen Ländern wird
es langwieriger und geduldiger wissenschaftlicher Versuche und Erprobungen bedürfen, ehe aus der Atomenergie Elektrizität gewonnen werden kann,
die mit der aus der verfügbaren Kohle, aus Öl, Gas oder Wasserkraft erzeugten zu konkurrieren vermag. Aber in der Zwischenzeit wird die Internationale Atomenergiebehörde alle derartigen wissenschaftlichen Arbeiten
und Forschungen unterstützen, um damit die Herankunft des ersehnten Tages
zu beschleunigen.
Viele der Segnungen, die aus der Nutzbarmachung des Atoms für
friedliche Zwecke unserem täglichen Leben erwachsen werden - mehr und
billigere Elektrizität, Beleuchtung, Bewässerung VLOÜ Dürregebieten,
billigere Transportmöglichkeiten, Aufbau von Industrien in Gebieten,
die bislang keine Möglichkeit dazu hatten - viele dieser Segnungen kommen
langsamer zum Tragen als wir es eigentlich wünschen. Aber es gibt etwas,
was wichtiger ist als diese Materiellen Vorteile. Ich meine jene Wege, die
zu ausgeglichenen und friedlichen Beziehungen zwischen den Völkern führen.
Die Menschen haben seit langem nach einem Weg für friedliche Erörterungen gesucht. Die Internationale Atomenergiebehörde bietet einen solchen
Weg. Während der vergangenen drei Jahre, in denen über ihre Errichtung
und ihre Tätigkeit beraten wurde, ist dieser Weg offengehalten worden.
Es wird das Ziel der Vereinigten Staaten sein, diesen V/eg zu verbreitern
und alle zu seiner Benutzung aufzufordern.
Eines

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�"AMERIKA DIENST"

51. Oktober 1956

Eines Tages, so hoffen wir inständig, wird die Vernunft Herr
über den Hang des Menschen zur Zerstörung werden. Jbnrti kann die
Welt ihre Schwerter in Pflugscharen verwandeln. Alle Nationen können
dann ihre Anlagen, die kemreaktives Material herstellen, ausschließlich für den zivilen Bedarf arbeiten lassen, und die Kernenergie, die
in den aufgespeicherten Kernwaffen ruht, kann gleichfalls für die
Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen verwandt werden. In
dieser glücklichen Zeit kann der Gigant der Atomenergie, anstatt
ein Schreckensbild des Zerstörungskrieges zu sein, zu einem gehorsamen Diener in einer blühenden und friedlichen Welt werden.
Die große Vision einer Atomzukunft liegt nicht so sehr in dem
materiellen Überfluß, den sie schließlich für des Menschen Bequemlichkeit und Lebenskomfort bringen dürfte, sondern sie liegt darin,
daß man durch das gemeinsame Teilhaben an diesem Überfluß einen Weg
findet, um die Nationen der Welt zu freundlich miteinander verkehrenden Nachbarn der gleichen Straße zu machen."

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�M E R I K A

D I E N S T

PRÄSIDENT EISENHOWER ZUR WELTPOLITISCHEN LAGE

WASHINGTON - (AD) - Präsident Eisenhower
nahm am ^.Oktober 1956 in einer Rundfunkansprache zu den jüngsten Entwicklungen im
Mittleren Osten und in Osteuropa Stellung,
die folgenden Wortlaut hat :

"Heute Abend berichte ich Ihnen als Ihr Präsident. Wir alle
sind uns der Tatsache bewußt, daß wir gegenwärtig mitten in der
alles umfassenden und völlig offen geführten Debatte eines politischen Wahlkampfes in den USA stehen. Aber die Ereignisse und die
Probleme, die ich Ihnen heute abend vortragen möchte, stehen in
keinerlei Zusammenhang mit irgendwelchen parteipolitischen Fragen.
Sie gehen jeden Amerikaner - sein gegenwärtiges Leben und seine
Zukunft an.
Ich möchte Ihnen daher in einem Bericht die notwendigen Tatsachen geben, damit Sie sich - gleichgültig ob Sie einer der beiden
großen Parteien angehören oder nicht - auf Grund Ihrer Überlegungen
und der Tatsache ein wohlfundiertes Bild über diese sich schnell ändernde Weltlage machen können.
Diese Änderungen, von denen ich hier spreche, sind in zwei Gebieten der Welt - in Osteuropa und im Mittleren Osten - eingetreten.
In Osteuropa scheint die Morgenröte eines neuen Tages angebrochen zu sein. Ihr Kommen hat lange auf sich warten lassen und ist
nicht leicht erfolgt.
Nach dem zweiten Weltkrieg benutzte die Sowjetunion ihre Militärmacht, um den osteuropäischen Staaten* Regierungen nach sowjetischer
Wahl aufzuzwingen, die Diener Moskaus waren.
Die Vereinigten Staaten haben sich in ihrer Politik - unabhängig
von Parteirichtungen - Konsequent darum bemüht, diese Situation zu beenden und das im Krieg gegeben* Versprechen der Vereinten Nationen zu
erfüllen, daß diese Länder, die von den Kriegsarmeen überrannt wurden,
einmal wieder zu Souveränität und Selbstregierung kommen sollten.
Wir konnten eine solche Politik natürlich nicht durch Zufluchtnahme zur Gewalt verwirklichen. Eine solche Gewaltanwendung wäre in
gleicher Weise den wahren Interessen der osteuropäischen Völker wie
den unverrückbaren Grundsätzen der Vereinten Nationen zuwider gewesen,
Aber wir halfen, die Hoffnung dieser Völker auf Freiheit am Leben zu
erhalten.
.
Darüber

�AMERIKA DIENST"

7« November 1956

Darüber hinaus bedurften diese Völker von uns keiner Unterweisung über den Wert der nationalen Freiheit und der persönlichen Unabhängigkeit, denn zur Zeit der amerikanischen Revolution waren gerade aus diesen Ländern viele nach Amerika gekommen, um unserer Sache
beizustehen. Nun ist der Druck des Willens dieser Völker zu nationaler Unabhängigkeit immer stärker und nachdrücklicher geworden.
Vor einigen Tagen hat das polnische Volk - mit seiner stolzen
und unsterblichen Preiheitsliebe - sich angeschickt, einen friedlichen Übergang zu einer neuen Regierung zu vollziehen. Und diese Regierung wird, wie es den Anschein hat, sich ehrlich bemühen, dem
polnischen Volke zu dienen.
Dann hat die gesamte Welt mit Aufmerksamkeit die dramatischen
Ereignisse in Ungarn verfolgt, wo dieses tapfere Volk, wie so oft in
seiner Vergangenheit, sein Leben für die Unabhängigkeit von fremder
Herrschaft eingesetzt hat. Heute scheint ein neues Ungarn aus diesem
Kampf zu erstehen, ein Ungarn, das wie wir aus tiefstem Herzen hoffen,
seine volle und freie nationale Existenz erlangen wird.
Wir haben mit Freude diese historischen Ereignisse verfolgt.
Erst gestern hat die Sowjetunion eine bedeutsame Erklärung über
ihre Beziehungen zu allen Ländern Osteuropas abgegeben. In dieser Erklärung wurde die Notwendigkeit einer Revision der sowjetischen Politik
und einer Änderung dieser Politik anerkannt, um der Forderung des Volkes nach größerer nationaler Unabhängigkeit und persönlicher Freiheit
gerecht zu werden. Die Sowjetunion erklärte ihre Bereitschaft, den
Abzug der sowjetischen 'Berater' in Erwägung zu ziehen - die in Wahrheit
die herrschende Macht in den sowjetisch besetzten Ländern darstellten und auch den Abzug der sowjetischen Truppen aus solchen Ländern wie
Polen und Ungarn zu erwägen.
Noch wissen wir nicht, ob diese bekanntgegebenen Absichten auch
wirklich durchgeführt werden.
Zwei Dinge sind jedoch klar geworden.
Zum ersten sind die Leidenschaft dieser Völker und die von ihnen
im Namen der Freiheit gebrachten Opfer an sich schon ein echtes Versprechen, daß bald wieder das Licht der Freiheit in ihrem Dunkel
scheinen wird.
Wenn zum zweiten die Sowjetunion wirklich getreulich so handeln
wird, wie sie es versprochen hat, dann wird die Welt Zeuge des größten
Schrittes nach vorwärts auf dem Wege zu Gerechtigkeit, Vertrauen und
Verständigung unter den Nationen während unserer Generation werden.
Dies sind die gegebenen Tatsachen. Wie hat nun unsere Regierung
darauf reagiert?
Die Vereinigten Staaten haben ihre Bereitschaft klar zum Ausdruck
gebracht, den neuen und unabhängigen Regierungen dieser Länder wirtschaftliche Unterstützung zu gewähren. Wir stehen bereits - seit einigen Tagen •
in dieser Frage 'in Kontakt mit der neuen polnischen Regierung. Wir haben
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�"AMERIKA DIENST"

7. November 1956

haben weiter bereits öffentlich erklärt, daß wir von diesen Regierungen
nicht die Einführung irgendeiner speziellen Gesellschaftsform als Bedingung für unsere Wirtschaftshilfe verlangen. Das einzige, was uns
dabei bewegt, ist, daß sie frei sind - frei um ihrer selbst willen und
frei um der Freiheit willen.
Wir haben weiter - im Hinblick auf die Sowjetunion - alle falschen
Ängste und Befürchtungen eindeutig zu zerstreuen gesucht, daß wir neue
Regierungen in diesen osteuropäischen Ländern als mögliche militärische
Verbündete betrachten könnten. Wir verfolgen keinerlei derartige Zwecke
und Ziele. Wir betrachten diese Völker als Freunde, und wir wollen ganz
einfach nur, daß sie Freunde sein sollen, die frei sind.
Ich wende mich nun jenem anderen Teil der Welt zu, wo in diesem
Augenblick eine sehr düstere Lage besteht. Ey ist dies keine Lage, die
Anlaß zu übertriebener Furcht oder Hysterie gibt. Sie erregt allerdings
unsere ernste Besorgnis.
Ich spreche natürlich vom Mittleren Osten. Dieses Gebiet, in dem sich
in der Geschichte die Wege der Völker kreuzten, stand, wie wir alle wissen,
lange Zeit unter einer Kolonialherrschaft. Diese endete nach dem zweiten
Weltkrieg, als alle Länder in diesem Raum ihre völlige Unabhängigkeit
gewannen. Aus dem Mandatsgebiet Palästina wurde der neue Staat Israel
gebildet.
Dieser historische Wandel konnte jedoch die in Jahrhunderten gewachsenen Animositäten nicht mit einem Schlag auslöschen. Israel und
seine arabischen Nachbarn fanden sich bald! in einen gegenseitigen Krieg
verstrickt, und die arabischen Völker gaben fortlaufend ihre Verärgerung
über ihre früheren Kolonialherrn, insbesondere über Großbritannien und
Frankreich, zu erkennen.
Die Vereinigten Staaten haben in den Jahren seit Beendigung des
zweiten Weltkriegs unermüdlich darauf hingearbeitet, Frieden und Stabilität in diesem Gebiet zu sichern.
Wir haben es als eine Grundsatzfrage der amerikanischen Außenpolitik
betrachtet, den neugegründeten Staat Israel zu unterstützen und gleichzeitig unsere Bindungen sowohl zu Israel als auch zu den anderen arabischen
Staate!) zu festigen. Aber die Leidenschaft drohte in diesem Gebiet unglücklicherweise all diese Jahre hindurch die Oberhand über friedliche
Bestrebungen zu gewinnen, und so gab es hier in der einen oder anderen
Form ständig Kampf.
Die Situation wurde in jüngster Zeit unnötigerweise durch das Vorgehen Ägyptens erschwert, das unter anderem eine Wiederaufrüstung mit
von den Kommunisten gelieferten Waffen einschloß. Wir vertraten unsererseits die Auffassung, daß die ägyptische Regierung in dieser Politik
nicht gut beraten sei. Der Staat Israel seinerseits empfand wachsende
Besorgnis für seine Sicherheit. Und Großbritannien und Frankreich begannen mehr und mehr zu fürchten, daß die ägyptische Politik den Suez-Kanal
bedrohe, «den sie als ihre 'Lebensader' ansehen.
Die Dinge spitzen sich zu, bis es am 26.Juli dieses Jahres zu einer
Krisis kam, als die ägyptische Regierung die internationale Suez-Kanal-

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�"AMERIKA DIENST"

7. November 1956

Suez-Kanal-Gesellschaft beschlagnahmte. 90 Jahre lang, seit der Einweihung des Kanals, hatte diese Gesellschaft größtenteils unter der
technischen Aufsicht von Engländern und Franzosen den Kanal betrieben.
Einige unserer Verbündeten drängten auf eine sofortige Reaktion
auf dieses Vorgehen mit Gewalt. Wir dagegen traten beharrlich für ein
anderes Vorgehen ein und konnten uns mit unserem Wunsch auch durchsetzen, auf einer langen Reihe von Konferenzen und Verhandlungen nämlich,
die sich über Wochen und Monate hinzogen und unter Mitwirkung der Vereinten
Nationen durchgeführt wurden. Und so schien es noch vor ganz kurzer Zeit,
daß wir dort auf der Basis anerkannter Grundsätze zu einer annehmbaren
Übereinkunft gelangen könnten.
Aber die direkten Beziehungen Ägyptens sowohl zu Israel als auch
zu Frankreich verschlechterten sich immer mehr und erreichten schließlich einen Punkt, an dem zunächst Israel und dann Frankreich und auch
Großbritannien zu der Feststellung gelangten, daß ihre lebenswichtigen
Interessen ohne Zuflucht zu gewaltsamen Maßnahmen nach ihrer Beurteilung der Lage nicht geschützt werden können.
Nach dieser Entscheidung überstürzen sich die Ereignisse. Am Sonntag ordnete die israelische Regierung die Totalmobilmachung an. Am Montag drangen israelische Streitkräfte tief in Ägypten ein und stießen
bis in die Nähe #es Suezka'nals vor,"1 der etfs ~tl?ö km jenseits der israelischen Grenze liegt. Und am Dienstag stellten die britische und französische Regierung Israel und Ägypten ein auf 12 Stunden befristetes Ultimatum, auf das nunmehr ein bewaffneter Angriff gegen Ägypten folgte.
Die Vereinigten Staaten wurden während keiner Phase dieser Aktionen
in irgendeiner Weise konsultiert und sie wurden auch nicht im voraus
über diese Schritte unterrichtet.
«
Es ist das offenkundige Recht jeder dieser Staaten, solche Entscheidungen und Maßnahmen zu treffen, und es ist umgekehrt unser gutes Recht,
wenn unsere Beurteilung der Dinge solches von uns erheischt, hier eine
abweichende Haltung einzunehmen. Wir sind der Auffassung, daß man, als
diese Maßnahmen ergriffen wurden, in einem Irrtum befangen war. Denn wir
billigen nicht die Anwendung von Gewalt als einem vernünftigen oder geeigneten Mittel zur'Lösung von internationalen Streitigkeiten.
Wenn ich dies in diesem besonderen Falle ausspreche, so geschieht
es keineswegs in der Absicht, unsere Freundschaft mit diesen Staaten
herabzusetzen, oder unsere Entschlossenheit zu verkleinern, diese zwischen uns bestehenden Bande aufrechtzuerhalten und zu stärken.
Wir wissen sehr wohl um die großen Besorgnisse auf seiten Israels,
Großbritanniens und Frankreichs. Wir »issen, daß sie immer wieder schweren Provokationen ausgesetzt waren.
Die gegenwärtige Sachlage scheint nichtsdestoweniger klar» Did ergriffenen Maßnahmen lassen sich kaum mit den Grundsätzen und Zielsetaungen
der Vereinten Nationen in Einklang bringen, denen wir alle unsere Zustimmung gegeben haben. Und darüber hinaus sehen wir uns gezwungen, selbst zu
bezweifeln, ob die Zuflucht zu einem Krieg auf lange Sicht den ständigen
Interessen der angreifenden Staaten dienlich ist.
Jetzt

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�"AMERIKA DIENST"

7. Novem.^ 1956

Jetzt müssen wir unseren Blick auf die Zukunft richten.
Angesichts der von mir aufgeführten Umstände,, wird es zu keinem
Eingreifen der Vereinigten Staaten in die darzeitigen Feindseligkeiten
kommen. Ich habe deshalb auch nicht die Afcsicht, den Kongreß zu einer
Sondersitzung einzuberufen. Selbstverständlich werden wir auch weiterhin in ständigem Kontakt mit den führenden Männern beider Parteien im
Kongreß bleiben.
Gleichzeitig ist und bleibt es das erklärte Ziel unserer Regierung,
alles in ihren Kräften Stehende zu tun, um die Kampfhandlungen gu lokalisieren und den Konflikt zu beenden.
Den ersten Schritt in dieser Hinsicht haben wir gestern unternommen. Wir wendeten uns an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
mit der Forderung, daß die Streitkräfte Israels sich auf ihr eigenes
Land zurückziehen und die Feindseligkeiten in diesem Gebiet eingestellt
werden sollen. Dieser Vorschlag wurde wegen des Vetos Großbritanniens
und Frankreichs nicht angenommen.
Die Verfahrensmöglichkeiten der Vereinten Nationen sind jedoch noch
nicht erschöpft. Es ist unser Wunsch und Wille, daß diese Angelegenheit
vor die Generalversammlung der Vereinten Nationen gebracht werden möge.
In diesem Gremium - wo es kein Veto gibt - kann die Meinung der Weltöffentlichkeit sich fruchtbringend für unsere Suche nach einer gerechten Lösung dieses beunruhigenden Problems auswirken. In den vergangenen
Jahren haben die Vereinten Nationen bewiesen, daß sie Wege zu finden vermögen, um dem Blutvergießen ein Ende zu setzen. Wir sind überzeugt, daß
sie dies auch in diesem Falle tun können und tun werden.
Meine Mitbürger, wenn ich den Ablauf der Ereignisse auf der Welt
in den letzten Jahren überblicke, so festigt sich meine Überzeugung,
daß die Verfahrensmöglichkeiten der Vereinten Nationen noch weiter
ausgebaut und fester verankert werden müssen. Ich spreche hier insbesondere davon, ihre Befugnisse zu erweitern, Gerechtigkeit im
Rahmen des Völkerrechts zu gewährleisten.
Bei all den jüngsten Wirren im Mittleren Osten haben nun tatsächlich
alle darin verwickelten Völker Ungerechtigkeiten erlitten. Ich glaube
aber nicht, daß ein anderes Instrument des Unrechts - der Krieg - diesen
Schaden heilen kann.
Ohne Gesetz kann es keinen Frieden geben. Und es kann kein Gesetz
geben, wenn wir einen Kodex über das Verhalten der Völker für diejenigen aufstellen, die anderer Ansicht wie wir sind, und einen anderen
für unsere Freunde.
Die Völkergemeinschaft hat lange gebraucht, ehe sie Mittel fand,
um diese Wahrheit in die Praxis umzusetzen.
Aber das leidenschaftliche Verlangen nach Frieden, das auf seiten
aller Völker besteht, zwingt uns, unsere Suche nach einem neuen und
wirksameren Instrument der Gerechtigkeit zu beschleunigen.
Der

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�"AMERIKA DIENST"

7. November 1956

Der Friede, den wir suchen und brauchen, bedeutet mehr als
das bloße Nichtvorhandensein eines Krieges. Er bedeutet die Anerkennung des Rechts und die Förderung der Gerechtigkeit in der ganzen
Welt.
Wir müssen fest zu den Grundsätzen stehen, die uns in diesem
Bemühen leiten. Auf diese Weise können wir den Hoffnungen aller Menschen auf eine Welt entsprechen, in der ein wahrer und gerechter
Friede herrschen wird."

* * * * *

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�A&gt;M

E R I K A

D I E N S T

RESOLUTION "EINIGKEIT FÜR DEN FRIEDEN" ERNEUT VOR DEN UN

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der amerikanische Außenminister John Foster Dulles am
I.November 1956 auf der außerordentlichen Sitzung der UN-Generalversammlung in New York gehalten hat.
Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Mitdelegierte,
Ich möchte bezweifeln, daß je ein Delegierter von diesem Pult
aus mit so schwerem Herzen gesprochen hat, wie ich heute abend. Wir
sprechen über eine Angelegenheit von lebenswichtiger Bedeutung, in
der 'sich die Vereinigten Staaten nicht in der Lage sehen, die Ansicht
von drei Nationen zu teilen, mit denen sie eine enge Freundschaft
verbindet, für die sie Bewunderung und Achtung hegen und von denen
zwei unsere ältesten, vertrauenswürdigsten und verläßlichsten Verbündeten sind.
Die Tatsache, daß wir anderer Ansicht sind als diese unsere
Freunde, hat uns veranl aßt, unsere Haltung nochmals mit größter Sorgfalt zu überdenken und abzuwägen, und dies ist auf höchster Regierung:
ebene geschehen. Nach d ieser nochmaligen Abwägung kamen wir aber wiederum zu dem Schluß, da ß sie anderer Meinung sind. Da es uns scheint,
daß diese Meinungsversc hiedenheit Grundsatzfragen in sich schließt,
die über die unmittelba re Streitfrage weit hinausgehen, sehen wir uns
gezwungen, unseren Stan dpunkt hier von Ihnen und durch Sie der ganzen
Welt klar zu machen.
Es ist dies das erste Mal, daß diese Versammlung gemäß den Bestimmungen der im Jahr 1950 angenommenen Resolution "Einigkeit für
den Frieden" zusammentritt. Ich war damals Mitglied der Delegation
der Vereinigten Staaten und trug die Hauptverantwortung für die Behandlung dieses Vorschlages im Ausschuß und vor der Generalversammlung. Wir erlebten damals den kommunistischen Angriff auf die Republik
Korea, und wohl kaum einer hätte damals daran gedacht, daß diese Resolution zum ersten Mal in einer Situation zitiert wird, wie wir sie
jetzt erleben.
Welche Tatsachen sind es, die uns hier zusammenführen?
Da ist zunächst die Tatsache, daß am Monatg dieser Woche israelische Streitkräfte weit nach Ägypten vorzudringen begannen. Dann folgte
sehr rasch auf dieses Vorgehen die Aktion Frankreichs und Groß- t

�"AMERIKA DIENST"

7. November 1956

Großbritanniens, die Ägypten zunächst ein auf 12 Stunden befristetes
Ultimatum stellten, und dann einen bewaffneten Angriff begannen, der
gegenwärtig aus der Luft mit dem erklärten Ziel geführt wird, zeitweilig die Kontrolle über den Suez-Kanal zu erlangen, um, wie man
annehmen darf, eine erhöhte Sicherheit des Kanals zu gewährleisten.
Als dritte Tatsache ist hier zu erwähnen, daß man versuchte, die
Angelegenheit, nachdem sie dem Sicherheitsrat vorgelegt worden war,
durch eine Resolution beizulegen, gegen die Großbritannien und Frankreich ihr Veto einlegten, und zwar als die einzigen, die gegen die
Resolution stimmten.
Daraufhin wurde die Angelegenheit gemäß den Bestimmungen der Resolution "Einigkeit für den Frieden" auf Antrag des Generalsekretärs
der Vereinten Nationen hier vor die Generalversammlung gebracht. Dieser Antrag war von einem Beschluß von sieben Mitgliedern des Sicherheitsrates ausgelöst worden, der eine Einberufung der Generalversammlung zu einer außerordentlichen Sitzung innerhalb von 24 Stunden gefordert hatte .
Herr Präsident und verehrte Mitdelegierte, die Vereinigten
Staaten sind sich voll bewußt, daß die Tatsachen, die ich hier angeführt habe, nicht die einzigen einschlägigen Fakten zu dieser Situation darstellen. Eine lange und traurige Kette von Reibereien und
Provokationen ging voraus. Es kam zu Verletzungen des Waffenstillstands seitens Israels und gegen Israel. Es kam seitens Ägyptens
zu Verletzungen des Vertrages von T888 über die Verwaltung des SuezKanals und zu einer Mißachtung der Resolution des Sicherheitsrates
von 1951&gt; die die Abfertigung israelischer Schiffe und Frachten im
Suez-Kanal regelte. Es kam zu einer schweren Wiederaufrüstung Ägyptens unter ziemlich ominösen Umständen. Da war ferner die plötzliche
Beschlagnahme der Internationalen Suez-Kanal-Gesellschaft durch
Ägypten, die den Suez-Kanal, größtenteils unter britischer und französischer Leitung, seit seiner Eröffnung vor 90 Jahren verwaltete.
Es kam wiederholt eine feindselige Haltung der Regierung Ägyptens
gegenüber anderen Regierungen zum Ausdruck, mit denen sie dem Namen
nach freundschaftliche Beziehungen unterhielt, beziehungsweise hätte
unterhalten aollen.
Herr Präsident, wir sind nicht blind gegenüber der Tatsache, daß
das, was in den letzten zwei oder drei Tagen geschah, aus einer düsteren Vergangenheit erwuchs. Wir sind aber zu dem Schluß gekommen,
daß diese Provokationen, so ernst sie auch sind, dennoch den Einsatz
von bewaffneten Streitkräften, zu dem es in den letzten zwei und drei
Tagen gekommen ist und der auch heute abend noch weitergeht, nicht
rechtfertigen.
Es ist richtig, die Vereinten Nationen haben vielleicht nicht
alles getan, was sie hätten tun sollen. Ich habe des öfteren, vor
allem in den letzten Wochen, darauf hingewiesen, daß die Charta der
UN in Artikel 1, Absatz 1, die Regelung dieser Dinge in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des internationalen
Rechts fordert; dieser Artikel fordert also nicht nur eine friedliche
Regelung,sondern eine gerechte Lösung. Die Vereinten Nationen waren
in der Behandlung der zahlreichen Ungerechtigkeiten im Zusammenhang
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�"•AMERIKA DIENST'

7» November 1956

Zusammenhang mit den Verhältnissen in Nahost vielleicht ein wenig
langsam, ein wenig schwach. Aber ich bin der Auffassung, wir sollten
und werden uns vielleicht bei der nächsten regulären Tagung der Generalversammlung eingehend und ernsthaft mit der Frage beschäftigen, was wir
unternehmen könnten, um in diesem Falle den Grundsätzen der Gerechtigkeit und des internationalen Rechts Gültigkeit zu verschaffen. Wir haben
in dieser Hinsicht nicht alles getan, was wir hätten tun sollen, und
insofern geht ein Teil der Verantwortung für die derzeitigen Ereignisse
auf unser Konto.
Wenn wir hingegen, Herr Präsident, zu dem Schluß kommen sollten, die
in der Walt herrschende Ungerechtigkeit, die unsere Organisation bisher
noch nicht beseitigen konnte, bedeute, daß der Grundsatz des Verzichts
auf jede Gewaltanwendung nicht -lehr geachtet wird und daß eine Nation,
die da glaubt, es sei ihr Unrecht widerfahren, nach wie vor das Recht
hat, zur Behebung dieses Unrechts auf das Mittel der Gewalt zurückzugreifen - damit, Herr Präsident, wäre, so fürchte ich, die Charta der
Vereinten Nationen in Fetzen gerissen und die Welt abermals der Anarchie
ausgeliefert. Und all die kühnen Hoffnungen, die wir auf diese unsere
Organisation und unsere Charta gesetzt haben, wären damit zunichte gemacht. Wir ständen wieder da, wo wir bei Ausbruch des zweiten Weltkrieges
standen, und hätten eine tragische Enttäuschung mehr anstelle der von
uns erhofften - und noch immer zu erhoffenden - Schutzwehr gegen den
Ausbruch eines Weltkrieges, der, wie es in der Präambel unserer Charta
heißt, "zweimal im Laufe unseres Lebens unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat,"
Dieses Problem des Suez-Kanals, Herr Präsident, das vielleicht
weitgehend den jetzt unternommenen Gewaltmaßnahmen zugrunde liegt, ist
im Laufe des letzten Vierteljahres bei vielen Anlässen und in mancherlei Art und Weise behandelt worden. Ich wage zu bezweifeln, ob im Laufe
der Geschichte schon einmal mit so viel Ernst und Ausdauer versucht
worden ist, eine gerechte und friedliche Lösung für ein Problem zu
finden.
Als die ägyptische Regierung am 26.Juli sich unvermittelt der
Internationalen Suez-Kanalgesellschaft bemächtigte, war sich die ganze
Welt darüber klar, daß damit eine Krise ungeahnten Ausmaßes ausgelöst
worden war. Innerhalb von drei Tagen, glaube ich, traten die Regierungen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Frankreichs in
London zur Beratung darüber zusammen, was angesichts dieser Situation
zu unternehmen sei. Schon damals wurden Stimmen laut, daß man sofort
mittels Gewalt versuchen sollte, den Status, wie er vor der Beschlagnahme durch Ägypten bestanden hatte, wiederherzustellen. Aber alle
drei Regierungen kamen zu dem Schluß daß kein Grund zur Gewaltanwendung vorliege, zumindest sicherlich nicht unter den damaligen Umständen, und daß erst eine friedliche und gerechte Lösung angestrebt werden
solle.
Die drei Regierungen kamen überein, in diesem kritischen Augenblick
keinerlei Gewalt anzuwenden, sondern statt dessen eine Konferenz der
wichtigsten Benutzer des Suez-Kanals einzuberufen - der 24 Nationen,
die einwandfrei als Nachfolger der Signatarmächte der 1888 geschlossenen
Konvention anzusehen sind, darunter acht Länder, auf die der Hauptanteil

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�AMERIKA DIENST"

7» November 1956

Hauptanteil des Verkehrs durch den Kanal entfällt und acht weitere
Länder, die in ihrem Handel besonders auf den Kanal angewiesen sind.
Und von diesen 24 Nationen nahmen 22 an der Konferenz teil. Ägypten
lehnte eine Teilnahme ab. Von den 22 Konferenzteilnehmern einigten sich
18 auf ein Vergehen, das ihrer Ansicht nach vernünftigen Grundsätzen
für eine friedliche Lösung entsprach, die gerecht und anständig gewesen
wäre und die freie Benutzung dieses Schiffahrtsweges für die Zukunft
hätte gewährleisten können.
Diese Vereinbarung der 18 Länder wurde Präsident Nasser in Kairo
als Lösungsvorschlag unterbreitet. Er lehnte jedoch ab.
Daraufhin traten die 18 Nationen abermals in London zusammen und
berieten erneut über einen Vorschlag, einen Verband, eine Vereinigung
der Kanalbenutzer zu schaffen.
Wir glaubten, dieser Verband könnte auf praktischer Grundlage mit den
ägyptischen Kanalbehörden eine für beide Teile annehmbare Regelung ausarbeiten, um den weiteren Betrieb des Kanals auf einer freien und unparteiischen Grundlage zu gewährleisten. Dann, während die Benutzervereinigung
organisiert wurde, brachten Frankreich und Großbritannien die Angelegenheit vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. In diesem Gremium
wurden sechs Grundsätze einstimmig angenommen und auch von Ägypten.gebilligt, das an den Verhandlungen teilnahm, obgleich es nicht im Sicherheitsrat vertreten ist. Diese Grundsätze deckten sich im wesentlichen
mit den Grundsätzen, die von den 18 Konferenzteilnehmern in London gebilligt worden waren. Die vom Sicherheitsrat angenommene Resolution hatte
noch einen zweiten Teil, der sich mit der Verwirklichung dieser Grundsätze
befaßte. Dieser zweite Teil wurde nicht angenommen, und zwar auf Grund
eines Vetos der Sowjetunion.
Aber trotz dieser Tatsache fand auf Anregung des Generalsekretärs,
dem ich für seinen diesbezüglichen großen Beitrag zu einer gerechten und
friedlichen Lösung Dank und Anerkennung aussprechen möchte, ein Meinungsaustausch darüber statt, wie diese sechs Grundsätze praktisch verwirklicht
werden könnten. Meiner Meinung nach ist es keine Übertretung*, wenni$hh
hier erkläre - und ich glaube, er würde mir darin beipflichten -, daß erhebliche Fortschritte erzielt worden sind. Es schien, als ob eine gerechte,
friedliche und für alle Parteien annehmbare Lösung in greifbare Nähe gerückt wäre, und so durfte man hoffen, daß diese Verhandlungen fortgesetzt
werden würden.
Ich erinnere an meine Erklärung am Schluß der 74«Sitzung des Sicherheitsrates, der sämtliche Mitglieder beipflichteten oder ihir stillschweigendes Einverständnis gaben und die besagte, daß sich der Sicherheitsrat
auch weiter mit dem Problem befassen solle und daß zu hoffen sei, die Erörterungen und der Meinungsaustausch zwischen dem Generalsekretär und den unmittelbar betroffenen drei Ländern - Ägypten, Frankreich und Großbritannien turnen fortgesetzt.
Sie wurden nicht fortgesetzt, obwohl mir kein unüberwindbares Hindernis
für ihre Fortsetzung bekannt ist. Statt dessen kam es zu den von mir erwähnten Ereignissen - Gewaltanwendung zunächst von Seiten Israels und anschließend
von seiten Frankreichs und Großbritanniens -, die zu einer nochmaligen Behand-

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�7 . November 1956

"AMERIKA DIENST

Behandlung der Frage vor dem Sicherheitsrat führten und die angesichts
des eingelegten Vetos zur Folge hatten, daß das Problem heute abend
vor diesem Forum diskutiert wird.
Wir können wohl mit Recht behaupten, daß die Anwendung friedlicher Mittel, wie sie die Charta von jedem Mitglied fordert, nicht
völlig ausgeschöpft worden ist. Selbst im Falle Israels, das auf Grund
der Tatsache, daß sich Ägypten niemals an die Resolution des Sicherheitsrates vom Jahre 1951 bezüglich des Rechtes Israels auf die Benutzung des Suezkanals gehalten hat, berechtigten Anlaß zur Klage hat selbst in diesem Falle bestanden günstigere Aussichten, da die vom Sicherheitsrat unter Billigung Ägyptens angenommenen Grundsätze die Abfertigung von Schiffen und Schiffsladungen im Kanal ohne jede Bena
Ligung einzelner Länder verlangten und (bestimmten, daß der Kanal nicht für
die nationalen Zwecke irgendeines Landes, einschließlich Ägyptens, gebraucht oder mißbraucht werden dürfe.
Herr Präsident und meine Herren Mitdelegierten, Kräfte für eine
friedliche Lösung schienen also am Werk, die, wie ich schon sagte,
mindestens unserer Auffassung nach, nicht völlig genutzt worden sind.
Und, Herr Präsident, während ich der letzte bin, der behaupten wollte,
daß niemals Umstände eintreten könnten, die die Anwendung von Gewalt
rechtfertigen würden - und gewiß ist eine Anwendung von Gewalt für
Zwecke der Verteidigung nach Artikel. 51 möglich - erscheint es uns,
daß unter den von mir- aufgezeigten Umständen die Zuflucht zur Gewalt,
ein gewaltsamer bewaffneter Angriff durch drei unserer Mitglieder auf
ein vierte.s, als nichts anderes als ein schwerer Irrtum behandelt werden kann, der im Widerspruch zu den Grundsätzen und Zielen der Charta
steht und der, falls er fortgesetzt werden sollte, unsere Charta und
diese Organisation aushöhlen würde.
Die Frage ist nun:

Was sollen wir tun?

Es erscheint uns dringend geboten, daß etwas geschieht, weil die
in offensichtlichem Widerspruch zu unserer Charta erfolgten Handlungen
noch nicht so weit gediehen sind, daß sie dieser Organisation einen
nicht wieder gut zu machenden Schaden zugefügt odee sie gar «rschlagen
haben. Unsere Resolution "Einigkeit für den Frieden" zielte tatsächlich
darauf ab, Situationen wie der gegenwärtigen zu begegnen. Der geeinte
Wille dieser Organisation kann noch immer einen maßgebenden Einfluß
auf die Lage, ausüben, der vielleicht in der ganzen Welt spürbar werden
kann. Nicht nur in unserem eigenen Interesse, sondern zum Wohle der
kommenden Geschlechter sollte gezeigt werden, daß hier ein Anfang gemacht wurde, um der Welt eine Ordnung zu geben. Wir alle leben nicht
in Gesellschaftssystejnen, in denen sich keine Verstöße gegen die Ordnung
ereignen.
Wir alle leben vielmehr in Gesellschaftssystemen, in denen
bei solchen Verstößen die Obrigkeit Maßnahmen ergreift, um mit ihnen
fertig zu werden. Im gegenwärtigen Augenblick stellen wir hier die Obrigkeit dar. Und wenn uns auch auf Grund der Charta keine Handlungsbefugnis
zukommt, so haben wir doch die Befugnis, Empfehlungen zu erteilen, eine
Befugnis, die - sofern sie das moralische Urteil der Welt, die Weltmeinung
widerspiegelt - meiner Meinung nach die gegenwärtige Situation zu beeinflussen vermag.
Angeregt

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�•AMERIKA DIENST"

\

7. November 1956

Angeregt durch derartige Überlegungen haben die Vereinigten
Staaten eine Resolution eingebracht, die ich Ihnen, Herr Präsident,
vorlesen möchte:
"Die Generalversammlung
nimmt Kenntnis davon, daß die Partner der israelisch-arabischen
Waffenstillstandsabkommen aus dem Jahre 1948 bei zahlreichen Gelegenheiten die Bestimmungen dieser Abkommen mißachtet haben und
daß die Streitkräfte Israels unter Verletzung des allgemeinen
Waffenstillstandsabkommens zwischen Ägypten und Israel tief in
ägyptisches Gebiet eingedrungen sind;
nimmt Kenntnis davon, daß die Streitkräfte Frankreichs und Großbritanniens militärische Operationen gegen ägyptisches Gebiet
führen;
bringt ihre ernste Besorgnis über diese Entwicklung zum Ausdruck
und
fordert 1) mit größter Dringlichkeit., daß alle gegenwärtig
in die Feindseligkeiten in diesem Raum verwickelten Parteien einer
sofortigen Feuereinstellung zustimmen und als Teil dieser Maßnahme
die Truppenbewegungen und den Einsatz von Waffen in diesem Gebiet
beenden;
fordert 2) die Partner der Waffenstillstandsabkommen auf,
unverzüglich alle Streitkräfte hinter die Waffenstillstandslinie
zurückzunehmen, sich aller Angriffe über die Waffenstillstandslinien in benachbartes Gebiet hinein zu enthalten und die Bestimmungen
der Waffenstillstandsabkommen strikte zu befolgen;
empfiehlt 3)» daß alle Mitgliedstaaten davon Abstand nehmen,
militärisches Material in das Kampfgebiet zu liefern, und darüber
hinaus sich aller Maßnahmen enthalten, die die Verwirklichung dieser Resolution verzögern oder verhindern könnten;
fordert 4)» daß nach Wirksamwerden der Feuereinstellung Schritte
unternommen werden, um den Suezkanal wieder zu öffnen und die Freiheit der Schiffahrt wiederherzustellen;
ersucht 5) den Generalsekretär1 der Vereinten Nationen, die
Einhaltung dieser Resolution zu überwachen und dem Sicherheitsrat
sowie der Generalversammlung darüber unverzüglich zu berichten, damit
weitere Schritte unternommen werden können, wie sie der Sicherheitsrat und die Generalversammlung in Übereinstimmung mit der UN-Charta
für angebracht halten;
beschließt 6 ) , daß die Sondersitzung solange andauert, bis
diese Resolution verwirklicht ist."
Dies, Herr Präsident, ist also der Vorschlag der Delegation der
Vereinigten Staaten.
Ich bin mir wohl darüber im klaren, daß eine Empfehlung, die lediglich eine Feuereinstellung zum Ziele hat sowie eine Zurücknahme der Landstreitkräfte in Ägypten - unseres Wissens nach bis heute also lediglich

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7. November 195°

lediglich die Streitkräfte Israels - auf die Waffenstillstandslinie,
eine Einstellung der Luftangriffe und eine Verhinderung der Entsendung
weiterer Streitkräfte in dieses Gebiet und dann eine alsbaldige Wiederinbetriebnahme des Suezkanals,- daß also eine Resolution, die den Nachdruck in erster Linie auf diese Dinge legt, keine ausreichende oder umfassende Form der Behandlung dieser Angelegenheit darstellt. Wir alle,
so meine ich, möchten hoffen, daß diese Tragödie ein besseres Ergebnis
zeitigen wird, als lediglich die Wiederherstellung jener Verhältnisse,
aus denen diese Tragödie erst erwuchs. Wir müssen zu einer besseren
Lösung als dieser gelangen. Diese Organisation hat sicherlich die Verpflichtung, mit allen Kräften auf eine solche bessere Lösung hinzuarbeiten.
Wenn wir aber nur dies tun, dann hätten wir noch immer sehr nachlässig
gehandelt und nur eine Seite des Problems angepackt.
Ich habe schon einmal gesagt, und ich bin von der Richtigkeit nach
wie vor fest überzeugt, daß der Friede eine Münze mit zwei Seiten ist,
deren eine die Vermeidung von Gewaltanwendung und deren andere die Schaffung gerechter Verhältnisse darstellt. Und auf lange Sicht ist das eine
ohne das andere nicht möglich.
Ich möchte durch die Form dieser Resolution keineswegs den Anschein
erwecken, daß ich etwa die Auffassung vertrete, diese Situation ließe
sich allein schon durch die Schritte, wie sie in der Resolution vorgeschlagen werden, bereinigen. Wir müssen etwas Besseres schaffen als jHue
unruhigen Verhältnisse, wie sie durch die seit nunmehr acht Jahren zwischen
Israel und den arabischen Nachbarländern bestehenden Waffenstillstandsabkommen herbeigeführt wurden. Das Gefühl des Vertrauens und der Sicherheit
hinsichtlich eines freien und gleichberechtigten Betriebs des Kanals muß
noch fester werden als es seit der Zeit ist, als Präsident Nasser vor drei
Monaten die Suezkanal-Gesellschaft beschlagnahmte. Ich glaube, daß diesen
Dingen größte Bedeutung zukommt.
Wenn wir aber, Herr Präsident, und meine verehrten Mitdelegierten, uns
die Auffassung zu eigen machen, daß die Kämpfe ruhig fortdauern können, bis
diese Schwierigkeiten beigelegt und die damit zusammenhängenden komplizierten
Fragen geregelt worden sind, dann wird damit meiner Meinung nach eine Situation geschaffen, in der eine solche Regelung überhaupt nicht mehr möglich
sein wird, in der der Krieg an Heftigkeit zunehmen kann und sich vielleicht
weiter ausbreiten wird, eine Situation auch, in der die Welt durch neue
Bitterkeit gespalten sein wird und in der die Grundlagen des Friedens in
tragischer Weise, in Scherben geschlagen sein werden.
Diese Maßnahmen, von denen ich hier sprach, müssen ergriffen werden.
Ich glaube, daß man bereits, dabei ist, sie zu ergreifen, denn der Sicherheitsrat ist bereits mit diesen Fragen befaßt und hat in konstruktiver
Weise auf eine Lösung hingearbeitet. Ich glaube aber, wir müssen den wichtigsten Schritt.zuerst tun. Dieser wichtigste Schritt besteht meiner
Auffassung nach darin, daß zunächst einmal die Kampfhandlungen so schnell
wie möglich beendet werden, damit aus ihnen nicht eine Feuersbrunst wird,
die uns alle gefährden würde - und das liegt keineswegs jenseits des Bereicha
des Möglichen,
Wie

�7. November 195^

"AMERIKA DIENST

Wie Präsident Eisenhower vergangenen Abend erklärt hat, ist es
das Wichtigste,die Kampfhandlungen zu beschränken und einzustellen,
und zwar soweit dies, und so seh: eil dies nur irgend möglich ist.
Ich hoffe deshalb, Herr Präsident und meine Mitdelegierten, daß
dieser Gesichtspunkt, der auch in unserer Resolution zum Ausdruck
kommt, allgemeine Billigung finde: wird.
Ich fürchte, daß, falls wir nicLt handeln und zwar sofort handeln
und mit hinreichender Einmütigkeit handeln, auf daß unsere Empfehlungen
auch wirklich von Einfluß sind, die große Gefahr besteht, daß sich das,
was man nun einmal angefangen und eine Polizeiaktion genannt hat, zu
etwas entwickeln wird, was Veit ernster wäre. Aber selbst wenn das
nicht der Fall ist, dann kann durch die offensichtliche Unfähigkeit
dieser Organisation, diese Angelegenheit erfolgreich zu behandeln,
ein Präzedenzfall geschaffen werden, der andere Staaten veranlassen könnte^
die Lösung dessen, was sie als ihnen angetanes Unrecht erachten, in die
eigene Hand zu nehmen.
Als wir in San Francisco im Jahre 1945 die Charta der Vereinten
Nationen verfaßten, glaubten wir, daß wir das Schlimmste, was ein Krieg
mit sich bringen kann, erlebt hätten, und wir glaubten, daß es unsere
Aufgabe sei, eine nochmalige V/iederholung dessen, was sich zuvor ereignet
hatte, zu verhindern. Und was sich damals abgespielt hatte, war tragisch
genug. Heute aber wissen wir, daß das, was in Zukunft noch geschehen
kann, noch unendlich tragischer wäre als das, was wir im zweiten Weltkrieg erlebten.
Ich glaube, daß wir es in dieser kritischen Stunde uns selbst,
unseren Völkern und der Nachwelt schuldig sind, Maßnahmen zu ergreifen,
die ein Gewähr dafür bieten, daß sich das Feuer, das man entzündet hat,
nicht ausbreitet, sondern rasch erstickt wird. Dann werden wir uns mit
erneuter Tatkraft der Beseitigung der Ungerechtigkeiten zuwenden,
aus denen heraus sich diese Schwierigkeiten ergeben haben.

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�A M E R I K A

HENRY CABOT LODGE ZUR LAGE IN UNGARN

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut der Ausführungen, die der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen,
Henry Cabot Lodge jr., am 4. November 1956 vor der
UN-Generalversammlung zur Lage in Ungarn machte.

Herr Präsident,
Im Morgengrauen des heutigen Tages eröffneten sowjetische Truppen in Ungarn das Feuer in Budapest und im ganzen Lande. Wir erfahren aus Wien, daß sowjetische Artillerie Wohnviertel mit Phosphorgranaten belegen. Diese Granaten setzen Gebäude in Brand und verbrennen Frauen, Kinder und andere Zivilisten, die mit den Kampfhandlungen nichts zu tun haben.
Ministerpräsident Nagy hat die Vereinten Nationen um Hilfe gebeten, und ich muß sagen, dafür haben wir volles Verständnis. Nach
den unheilvollen Meldungen der letzten Tage ist die Lage in Ungarn
nunmehr allzu klar geworden. Es enthüllt sich uns ein übelkeiterregendes Bild der Doppelzüngigkeit und des Doppelspieles. Während die
Regierung der UdSSR diese Brutalität größten Stils beging, hat der
sowjetische Delegierte hier in diesem Saale den Frieden gerühmt,
seine: Abscheu vor der Aggression bekundet und seine Hände über das
Blutvergießen im Nahen Osten gerungen. Wir alle, die wir hier mit
jeder Faser unseres Seins um den Frieden in Nahost ringen, werden
diesen unaussprechlichen Zynismus niemals vergessen können.
In den letzten Tagen wurde laufend von sowjetischen Truppenverschiebungen nach Ungarn berichtet. Zur gleichen Zeit, als wir diese
Berichte hörten, versicherten die Sowjets den Vereinten Nationen und
der ungarischen Regierung, daß die sowjetischen Truppen in Ungarn
nicht verstärkt worden seien und auch in Zukunft nicht verstärkt
werden würden. Die gemeldeten Truppenbewegungen stellte man als
eine Umgruppierung der in diesem Lande stationierten Sowjettruppen
hin.
Noch
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7. November

1956

Noch um zehn Uhr gestern abend begannen V rtreter der Sowjetunion
Verhandlungen - oder das, was sie als Verhana ungen bezeichneten mit Vertretern der ungarischen Regierung angeb ich über den Rückzug
sowjetischer Truppen auf Grund der ungarischen Entscheidung, aus dem
Warschauer Pakt auszutreten.
Die Sowjetunion hat in jüngster Zeit ihr Bestreben, Ungarn durch
die Macht ihres Militärapparates zu beherrschen, kaum verschleiert.
Noch kurz vorher sprach sie von einem neuen Verhältnis zu ihren Satellitenstaaten, das auf voller Souveränität und Gleichheit, auf Unabhängigkeit und absoluter Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten dieser Länder aufgebaut sein sollte* Sie sprach von Verhandlungen im Rahmen des Warschauer Paktes über den Abzug ihrer Streitkräfte aus einigen dieser Länder, so insbesondere aus Ungarn, wo, wie
sie selbst einräumte, das weitere Verbleiben ihrer Truppen nur "Anlaß
zu einer weiteren Verschlechterung der Lage bilden" könne - eine
Verschlechterung der Lage, die nun auf so tragische Weise eingetreten
ist.
Welch ein betrügerisches Schauspiel rollte hier vor unseren
Augen ab!
Als Ministerpräsident Nagy seine Regierung bildete, schrieb
selbst die "Prawda", das sowjetische Regierungsorgan, am 28. Oktober
wie folgt über die Regierung Nagy: "Heute verkündete Radio Budapest
die Bildung einer neuen nationalen Regierung der ungarischen Volksrepublik auf einer breiten demokratischen Grundlage durch den Genossen
Imre Nagy. Die neue Regierung hat ihre Arbeit unverzüglich aufgenommen.
Geleitet von dem Wunsche, nicht einen einzigen Angehörigen dieses
aufrechten, aber mißgeleiteten Volkes zu bestrafen, verkündete die
ungarische Regierung eine Amnestie für alle, die freiwillig ihre
Waffen niederlegen." Am 30. Oktober berichtete Radio Moskau, das
natürlich wie in allen totalitären Staaten die offizielle Rundfunkstation der Regierung ist - etwas, was wir hier gar nicht kennen seinen Hörern in Europa, daß "unter der Führung der Regierung Imre
Nagys glücklicherweise «.. das Leben allmählich wieder in normale
Bahnen zurückkehrt"; und am gleichen Tage berichtete Radio Moskau
dem eigenen Volk: "Die arbeitende Bevölkerung Ungarns hat mit Befriedigung die gestrige Erklärung Imre Nagys, die von der ungarischen
Arbeiterpartei gebilligt ist und in der Nagy das Aktionsprogramm der
Regierung bekanntgab, zur Kenntnis genommen."
So sprachen Radio
Moskau und die "Prawda" damals. Heute hingegen bezeichnete die "Prawda"
den ehemaligen "Genossen" Nagy als "einen Komplicen reaktionärer
Kräfte".
Andere benachbarte Völker, die die Bedeutung des Kampfes des
ungarischen Volkes voll zu würdigen verstehen, äußerten sich ebenfalls über die Regierung Nagy. Hier einige Beispiele:
Die kommunistische "Vereinigte Polnische Arbeiterpartei" veröffentlichte am 29. Oktober eine Erklärung, in der sie das Programm
der neuen Regierung Nagy begrüßte und darlegte, daß es ganz im Sinne

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�7. November 1956

"AMERIKA DIENST"

Sinne der ungarischen Kommunisten und im Interesse der Sache des Friedens gehalten sei. Das kommunistische Parteiorgan "Tribuna Ludu" erklärte
am gleichen Tage Polens "tiefempfundene Solidarität" mit Ungarns neuer
Führung und versprach die Unterstützung ihres Programms. Dieses Programm, so meinte das polnische Blatt, "ist ganz ähnlich gehalten wie
unser eigenes und entspricht, wie auch unser eigenes Programm, dem
tiefsten Wunsch der Massen". Das ist die Meinung eines der kommunistischen -Hachbarländer.
Am 29. Oktober schickte Staatspräsident Tito einen Brief an die
Ungarn, in dem er seine Überzeugung ausdrückte, daß sie "unter ihrer
neuen Führung" alle Schwierigkeiten meistern würden. Er sprach von
seiner tiefen Bewunderung für all jene "fortschrittlichen Männer in
dem uns benachbarten Ungarn, die in den letzten Tagen all ihre Kräfte
dafür einsetzten, diesen tragischen Kampf in eine Zeit der Wiedergeburt
umzuwandeln". Das jugoslawische Volk, sagte Tito, "begrüßt einstimmig
die Bildung der neuen Staatsführung und einer neuen politischen Führung sowie die Erklärung der ungarischen Regierung vom 28. Oktober."
Präsident Tito schloß sein Schreiben mit den V/orten, er wünsche Nagy
"Erfolg in seinen Bemühungen".
Am 29. Oktober sandte auch die tschechoslowakische Regierung eine
Botschaft an die Regierung Nagy, in der sie die großen Bemühungen
der ungarischen Regierung zur Errichtung des Friedens in diesem Lande
"aufrichtig begrüßte",-Bemühungen, die, wie es in der Botschaft hieß/
"mit den fundamentalen Interessen des gesamten ungarischen Volkes
übereinstimmen," Die tschechoslowakische Regierung gab ihrer festen
Überzeugung Ausdruck, daß "die ungarische Regierung, gestützt auf die
Anerkennung des Volkes und die Kraft der sozialistischen Demokratie,
die Erfüllung der ihr gestellten Aufgaben erfolgreich gewährleisten
werde" .
Am 29. Oktober sandte die Kommunistische Partei der Tschechoslowakei eine Botschaft an die ungarischen Kommunisten, in der es hieß,
Ministerpräsident Nagy sei selbst ein Kommunist, der versuche, sein
Land aus der sowjetischen Versklavung zur Freiheit zu führen und in
der es ferner hieß, daß sie Nagys Bemühungen "um den Fortschritt" und
zur "Vertiefung der sozialistischen Demokratie" unterstützten. So
sprachen sie am 28. und 29« Oktober.
Nun, wodurch hat sich die Lage in so kurzer Zeit verändert? Durch
den Wunsch Ministerpräsident Nagys ,Ungarn im Interesse der Ungarn zu
regieren? Fürchtete sich die Sowjetunion davor? Die ständige heimliche
Verstärkung der Sowjettruppen in Ungarn in diesen schicksalsschweren
Tagen beweist, daß sie es tat.
Aus zuverlässiger Quelle wird jetzt berichtet, Herr Präsident,
daß Sowjettruppen das Parlamentsgebäude in Budapest besetzt haben.
Ministerpräsident Nagy und andere Mitglieder seiner Regierung befinden sich in Haft. Pal Maleter, der Verteidigungsminister und heldenhafte Verteidiger der Maria-Theresia-Kaserne gegen die sowjetischen
Angriffe, der erst gestern Verhandlungen mit sowjetischen militärischen

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7. November

1956

militärischen Vertretern über einen Abzug der Truppen führte, ist ebenfalls verhaftet. Die Sowjets stellten ei,n bis zum Mittag befristetes
Ultimatum, das die Kapitulation Budapests verlangte und drohten, die
Stadt zu bombardieren, falls sie nicht kapituliere.
Wie ich in der Sitzung des Sicherheitsrates heute morgen um 4 Uhr
bekanntgab, haben Kardinal Mindszenty und sein Sekretär in der amerikanischen Gesandtschaft in Budapest Zuflucht gesucht. Deshalb ist es,
glaube ich, am Platze, hier eine Rundfunkansprache zu zitieren, die
Kardinal Mindszenty erst gestern über Radio Budapest gehalten hat.
Ich möchte gerne einen Abschnitt daraus wörtlich anführen, weil dies
die letzten von Kardinal Mindszenty in der Öffentlichkeit gesprochenen
Worte sind, die wir haben: "Nationales Empfinden sollte nie wieder
eine Ursache zum Kampf zwischen Ländern werden, sondern Anlaß zur
feierlichen Verpflichtung sein, Gerechtigkeit und friedliche Zusammenarbeit zu üben. Laßt das nationale Bewußtsein in aller Welt auf dem
Felde gemeinsamer Kultur blühen und gedeihen. So wird der Fortschritt
des einen Landes weitergetragen werden zum anderen Land, von einer
Nation zur anderen, die nach den Gesetzen der Natur immer mehr auf
einander angewiesen sind,. Wir Ungarn wollen als Bannerträger der Völkerfamilie der europäischen Nationen leben und handeln. Laßt Zusammenarbeit,
die echte Freundschaft zwischen Nationen bedeutet, die Basis sein.
Und indem wir unser Auge in die Ferne schweifen lassen, äußern wir,
die kleine Nation, den Wunsch, mit den großen Vereinigten Staaten
von Amerika und dem mächtigen russischen Reich gleichermaßen in Freundschaft und gegenseitiger Achtung zu leben, in guten nachbarlichen
Beziehungen auch mit Prag, Bukarest, Warschau - und in diesem Zusammenhang darf ich nicht unerwähnt lassen, daß jedem Ungarn Österreich durch
sein brüderliches Mitempfinden unserer gegenwärtigen Leiden lieb und t
teuer geworden ist."
Dies, Herr Präsident, so wie es Kardinal Mindszenty geäußert hat,
ist etwas, was wahrlich im besten Sinne des Wortes als ein Ausdruck
des Geistes der friedlichen Koexistenz, bezeichnet werden könnte.
Aber die sowjetische Heuchelei hat diesen Begriff seiner ganzen Glaubwürdigkeit beraubt.
Wir dürfen uns durch diesen zynischen und willkürlichen Akt der
Aggression gegen das ungarische Volk und seine Regierung nicht täuschen lassen. Eine kleine Gruppe sowjetischer Strohmänner ließ in dem
Augenblick, in dem die sowjetischen Truppen ihren Angriff begannen,
verlauten, daß sie von sich aus eine Regierung gebildet hätte. Wir
haben keinen Übergang der Regierungsgewalt von einer ungarischen Regierung auf eine andere erlebt, sondern nur das Entstehen einer
Marionettenclique und den Sturz einer liberalen sozialistischen Regierung, die sich in ihrem Wunsch nach Abzug der Truppen dem Willen
des Volkes beugte. Zwei Stunden nach Beginn des Angriffes appellierte
die neue Gruppe von Strohmännern an die Sowjetunion, ihr zu Hilfe
zu kommen. Die Behauptung kann deshalb nicht aufrechterhalten werden,
daß die sowjetische Aktion auf Grund irgendeines Hilfeersuchens unternommen wird. Die "Hilfe", und ich gebrauche dieses Wort ausdrücklich
in Anführungszeichen, erschien lange vor dieser Aufforderung auf dem
Plan.
Parteisekretär

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7. November

1956

Parteisekretär Janos Kadar, die kommunistische Marionette, der
heute morgen auf Grund der sowjetischen militärischen Intervention
eingesetzt wurde, war es, der anläßlich der Regierungsübernahme von
Ministerpräsident Nagy sagte: "Ich stimme aus vollem Herzen mit Nagy
überein, meinem alten Bekannten und Freund, meinem hochgeschätzten
und geachteten Genossen." Ein wundervoller Freund - er ging mit ihm
durch dick und dünn.
Wir müssen hier in dieser Versammlung drastische und entscheidende
Maßnahmen ergreifen, um den Appell der ungarischen Regierung zu beantworten. Die Delegation der Vereinigten Staaten unterbreitet deshalb
einen Resolutionsentwurf, über den unserer Ansicht nach sofort abgestimmt werden sollte. Ich möchte hiermit die Resolution vorlesen:
•M)ie Generalversammlung fordert:
unter Berücksichtigung der Tatsache, daß sich die Vereinten Nationen auf dem Prinzip der souveränen Gleichberechtigung all
ihrer Mitgliedstaaten gründen;
daß die Gewährung der Menschenrechte und der fundamentalen Freiheiten in Ungarn ausdrücklich durch den Friedensvertrag zwischen
Ungarn und den alliierten und assoziierten Mächten, der am 10.
Februar 1947 unterzeichnet wurde, garantiert worden ist, und daß
die allgemeinen Grundsätze dieser Rechte und Freiheiten in der
Charta der Vereinten Nationen bestätigt worden sind;
in der Überzeugung, daß die jüngsten Ereignisse in Ungarn den
Wunsch der ungarischen Bevölkerung klar zu erkennen geben, ihre
fundamentalen Rechte und Freiheiten sowie ihre Unabhängigkeit
auszuüben und voll zu genießen;
in der Verurteilung der Tatsache, daß sowjetische Streitkräfte
eingesetzt worden sind, um die Anstrengungen des ungarischen
Volkes zur Wiedererlangung seiner Rechte zu unterdrücken;
unter Hinweis auf die Erklärung der sowjetischen Regierung
vom 30. Oktober 1956, in der sie eine Politik der Nichteinmischung
in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten gelobte;
unter Kenntnisnahme der Mitteilung der ungarischen Regierung
an den Generalsekretär vom 1. November 1956 in bezug auf Forderungen, die jene Regierung der Regierung der UdSSR auf unverzügliche und sofortige Zurückziehung der sowjetischen Truppen
gestellt hat;
fernef unter Hinweis auf die Mitteilung vom 2. November 1956, die
die ungarische Regierung an den Generalsekretär gerichtet hat
und worin sie den Sicherheitsrat ersucht, die Regierungen der
Sowjetunion und Ungarns zu einem sofortigen Beginn der Verhandlungen über die Zurückziehung der sowjetischen Streitkräfte anzuhalten;
unter

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7. November 1956

unter Hinweis darauf, daß die Intervention der sowjetischen militärischen Streitkräfte in Ungarn zu schweren Verlusten und zu einem
großen Blutvergießen unter der ungarischen Bevölkerung geführt hat;
und unter Hinweis auf den Rundfunk-Appell des ungarischen Ministerpräsidenten Imre Nagy vom 4« November 1956
erstens die Regierung der UdSSR auf, sich aller militärischen Aktionen gegen die ungarische Bevölkerung sowie jeder Form der Intervention,
insbesondere der bewaffneten Intervention, in die inneren Angelegenheiten
Ungarns unverzüglich zu enthalten;
sie fordert zweitens die UdSSR auf, den Einmarsch weiterer Streitkräfte nach Ungarn zu unterbinden und alle ihre Streitkräfte unverzüglich von ungarischem Boden abzuziehen;
sie bekräftigt drittens das Recht des ungarischen Volkes auf eine
Regierung, die auf seine nationalen Aspirationen eingeht und die sich
für seine Unabhängigkeit und seinen Wohlstand einsetzt;
sie ersucht viertens den Generalsekretär, die durch die ausländische Intervention in Ungarn heraufbeschworene Situation zu untersuchen, die Lage durch von ihm ernannte Vertreter direkt zu beobachten
und die Generalversammlung zum frühesten Zeitpunkt darüber zu unterrichten und so schnell wie möglich Methoden zur Beendigung der krassen
ausländischen Intervention in Ungarn in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen vorzuschlagen;
sie fordert fünftens die Regierungen.Ungarns und der Sowjetunion
auf, den vom Generalsekretär bestimmten Beobachtern die Einreise in
das ungarische Gebiet zu gestatten, ihnen dort volle Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit zu geben, ihre Ergebnisse dem Generalsekretär zu berichten;
sie fordert sechstens alle Mitglieder der Vereinten Nationen auf,
mit dem Generalsekretär und seinen Vertretern bei der Ausübung ihrer
Pflichten zusammenzuarbeiten;
sie ersucht siebtens den Generalsekretär, nach Rücksprache mit
den leitenden Vertretern der UN-Sonderorganisationen unverzüglich
Erhebungen über den dringendsten Bedarf des ungarischen Volkes an
Nahrungsmitteln, Medikamenten und ähnlichen Lieferungen anzustellen
und darüber der Generalversammlung so schnell wie möglich zu berichten;
sie ersucht achtens alle Mitglieder der Vereinten Nationen und die
nationalen und internationalen karitativen Organisationen, bei der Bereitstellung solcher Lieferungen zusammenzuarbeiten, wie sie von dem
ungarischen Volk benötigt werden können."
Das ist der Inhalt unserer Resolution. Sie hat das Ziel, sicherzustellen, daß schnell gehandelt wird, um der ernsten Situation begegnen zu können. Wir glauben nicht, daß es genügt, die Sowjetunion lediglich aufzufordern, sich eines weiteren Eingreifens in die inneren Angelegenheiten Ungarns zu enthalten und unverzüglich ihre sämtlichen Truppen zurückzuziehen.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

7. November 195&amp;

Wir stellen ferner das dringende Ersuchen, daß der Generalsekretär der Vereinten Nationen unverzüglich die Situation in Ungarn von
sich aus überprüft und sobald wie möglich der Generalversammlung hierüber Bericht erstattet. Wir fordern die Sowjetunion und Ungarn auf,
Vertretern des Generalsekretärs die Einreise in ungarisches Gebiet
zu gestatten, haben sie doch ihrerseits, wenn sie nichts zu verbergen
haben, von dem Besuch unparteiischer Beobachter nichts zu befürchten.
In diesem Zusammenhang möchte ich den sowjetischen Vertreter daran
erinnern, daß die Sowjetunion vorgibt, für bestimmte grundlegende Prinzipien einzutreten, die von der Bandungkonferenz im April 1955 &amp; ls
allgemein verbindliche, internationale Verhandlungsmaßregeln angenommen
worden waren.
Man hatte dort zehn Grundsätze für die Herbeiführung
einer friedlichen Zusammenarbeit zwischen den Nationen aufgestellt.
Fünf von ihnen betreffen, soweit mir bekannt ist, die sogenannte friedliche Koexistenz, für die sich die Sowjetunion wohl in Reden, aber nicht
durch Handlungen eingesetzt hat. Diese Prinzipien, die von den sowjetischen Führern anläßlich ihrer Besuche verschiedener asiatischer Länder
ausdrücklich bekräftigt worden sind, treffen auf die Situation in Ungarn
zu. Was die Sowjetunion in den letzten Stunden in Ungarn getan hat, beweist, wie nichtssagend diese sowjetischen Äußerungen des Lobes über die
Bandungerklärung sind.
Wir richten an die Mitglieder dieser Versammlung die Frage:
Hat die Sowjetunion bei ihrer Aktion in Ungarn "die fundamentalen
Menschenrechte und die Ziele und Prinzipien der Charta der Vereinten
Nationen respektiert"?
Hat sie "die Souveränität und die territoriale Unverletzlichkeit
aller Nationen respektiert"?
Und diese Fragen sind von wörtlichen Zitaten aus der BandungDeklaration abgeleitet;
Hat sich die Sowjetunion des "Eingreifens und der Einmischung in
die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes" enthalten?
Hat sie sich "der Aggressionshandlungen oder -drohungen oder der
Anwendung von Gewalt gegenüber der territorialen Unverletzlichkeit im
Interesse der politischen Unabhängigkeit eines Landes" enthalten?
Ich habe mich bei diesen Fragen der Sprache der Bandungkonferenz
bedient, die Tatsachen jedoch sprechen für sich selbst.
Wir können nicht untätig zusehen, wenn die Ungarn wieder gewaltsam
unterjocht werden, gerade zu einem Zeitpunkt, als sie dabei waren, ihre
Freiheit und Unabhängigkeit wiederzuerlangen. Die in der Charta der
Vereinten Nationen niedergelegten Prinzipien stehen auf dem Spiel. Das
immer wieder von dieser Versammlung bekräftigte grundsätzliche und fundamentale Recht der Selbstbestimmung ist schwer bedroht. Wenn wir nicht handelnj wäre das ein gemeiner Verrat gegenüber dem ungarischen Volke, das
uns um Hilfe gebeten hat.
Das

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�"ABERIKA DIENST"

7. November 195*

Das ungarische Volk darf sicher sein, daß die -'ereilten Nationen
seine Sache zu ihre: ei- nen machen werden.
Es kann ferner s'.ch r sein, daß die Vere"nten Nationen alle ihr
zu Gebote stehenden Mittel aufbieten werden, um sicherzus'el'e: , daß
das ungarische Volk, as in d'.esen furchtbaren Tagen so leidenschaftlich für seine Unabhängi -keit und Freiheit gekämpft hat, ein hilfreiches Echo bei ...
Soeben erhalte i -h on Präsident Eisenhower eine Botschaft, die
ich Ihnen gern zur Kenntnis geben möchte. Sie ist nur sehr kürzt
"Ich bin der Ansicht, daß die Weltmeinung, die noch vor wenigen
Tagen angesichts der Nachricht über den beabsichtigten Abzug der Truppen der Sowjetunion aus Ungarn so viel neue Hoffnung schöpfte, heute
in gleichem Maße über den sowjetischen Angriff aaf das Volk und die
Regierung Ungarns bestürzt und entsetzt ist.
Ich suchte heute Außenminister Dulles im Walter-Peed-Krankenhaus
auf und konferierte später mit dem stellvertretenden Außenminister,
um Mittel und Wege zu erörtern, die den Vereinigten Staaten zur Erreichung folgender Ziele zur Verfügung stehen:
1.

Rückzug der sowjetischen Truppen aus Ungarn

2.

Gewährleistung des Rechtes Ungarns auf Selbstbestimmung
und auf Wahl serner Regierung

Ich habe an Ministerpräsident Bulganin eine dringende Botschaft
bezüglich dieser Fragen -esandt.
Die Lage im Mittleren Osten und die Maßnahmen, die gegenwärtig
von den Vereinten Nationen unternommen werden, um den Frieden in diesen Gebiet wiederherzustellen sowie den Boden für eine konstruktive
Lösung der dort gegebenen Probleme zu bereiten, wurden in gleicher
Weise einer gründlichen Überprüfung unterzogen."
Herr Präsident, wir müssen heute nachmittag hier Schritte unternehmen, damit die Vereinten Nationen ihre Hilfsquellen mobilisieren,
um sicherzustellen, daß das ungarische Volk, das in diesen furchtbaren
Tagen so leidenschaftlich um seine Unabhängigkeit und Freiheit gekämpft hat, hilfreiches Echo bei den Völkern jener Länder findet,
die das Glück haben, diese kostbaren Güter zu besitzen, auf daß
sie ihm materielle Hilfe und Trost bringen und seine Leiden und
sein Unglück zu lindern helfen.

* * * * *

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�HOOVER:

UN SOLLEN INITIATIVE IN UNGARN ERGREIFEN

VEREINTE NATIONEN (New York) - (AD) Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der stellvertretende
US-Außenminister Herbert Hoover jun. am
16.November 1956 vor der UN-Generalversammlung hielt.

"Herr Präsident,
Außenminister Dulles hat mich gebeten, Ihnen sein tiefes Bedauern darüber auszusprechen, daß er nicht hier sein kann, um diese
Ansprache selbst zu halten. Ich möchte ferner dem neuen Präsidenten
der Generalversammlung, unserem hochverehrten Freund aus Thailand,
die Glückwünsche des Außenministers übermitteln.
Die Vereinten Nationen und die gegenwärtige Krise
Die Generalversammlung tritt zu einem Zeitpunkt zusammen, da
zahlreiche Probleme auf die Völkergemeinschaft der Welt einstürmen.
Einige dieser Probleme sind äußerst bedrohlich. In der kurzen Spanne
weniger Wochen sahen wir uns zwei Bedrohungen des Weltfriedens gegenübergestellt .
Die Vereinten Nationen haben in den kritischen Ereignissen der
vergangenen Wochen in Europa und im Mittleren Osten eine entscheidende
Rolle gespielt. Sie haben schnell gehandelt, um die betreffenden Streitfragen in den Brennpunkt der Weltmeinung zu stellen. Sie haben gerechte
und praktische Vorschläge für friedliche Lösungen unterbreitet. Die
Welt kann nicht anders als den moralischen Kräften für den Frieden ihre
Aufmerksamkeit zu schenken, die die Vereinten Nationen in diesen letzten
Wochen demonstriert haben. Die Vereinten Nationen haben ihre Hingabe an
die Prinzipien ihrer Charta sowie ihre Fähigkeit bewiesen, zur Verteidigung dieser Prinzipien schnell zu handeln.
Präsident Eisenhower hat in seiner Ansprache an das amerikanische Volk am 31.Oktober erklärt: 'Wenn ich die Entwicklung der internationalen Ereignisse der letzten Jahre überdenke, bin ich noch stärker davon überzeugt, daß die Fortschritte der Vereinten Nationen die
gesündeste Grundlage für den Frieden in der Welt darstellen.'
Das
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�AMERIKA DIENST"

22. November 1956

Das Grundziel der Charta ist Frieden in Gerechtigkeit. Die
Vereinigten Staaten sind davon überzeugt, daß die Vereinten Nationen
das beste Mittel zur Erreichung dieses Zieles sind. Der Friede "allein
genügt nicht. Denn ohne Gerechtigkeit ist der Frieden nur eine Täuschung und von begrenzter Dauer. Auf der anderen Seite würde die Gerechtigkeit ohne Frieden von den grenzenlosen Ungerechtigkeiten eines
Krieges fortgeschwemmt werden.
Die Vereinten Nationen haben in den letzten Wochen unverzüglich
gehandelt, um den Frieden in Gerechtigkeit zu bewahren. Ihre Bemühungen können jedoch nicht lediglich auf Grund ihrer Resolutionen beurteilt werden. Die Bewährungsprobe besteht darin, daß ihre Resolutionen
zum Tragen kommen.
In Osteuropa sind die Beschlüsse der Vereinten Nationen, die sich
mit der tragischen Situation in Ungarn befassen, immer noch unbeachtet
geblieben. Die sowjetischen Streitkräfte sind nicht zurückgezogen worden. Wir hören jetzt bestürzende Berichte, wonach das ungarische Volk
die Barbarei der Massendeportationen erdulden muß.
Wir können nicht ruhig bleiben,, während ungarische Männer, Frauen
und Kinder unter Anwendung von Gewalt deportiert werden, nur weil sie
es gewagt haben, den sowjetischen Unterdrückern zum Trotze ihren patriotischen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Deshalb sind die USA der Ansicht,
daß die Vereinten Nationen unverzüglich die Initiative ergreifen müssen,
um dieser tragischen Situation abzuhelfen.
Herr Präsident, diese Frage erfordert die dringende Aufmerksamkeit
der Generalversammlung. Die USA werden alle Änderungen in der Tagesordnung der Generalversammlung unterstützen, die notwendig werden mögen, damit diese unerhört wichtige Angelegenheit mit Vorrang behandelt
werden kann.
Die Forderung des UN-Generalsekretärs nach Zulassung von UNBeobachtern in Ungarn ist abgelehnt worden. Dies bedeutet, daß wir
unsere Unterstützung seiner Bemühungen verdoppeln müssen. Gleichzeitig müssen wir mit Vorrang die nächsten Schritte erörtern, die die
Vereinten Nationen unternehmen können. Die brutale Unterdrückung der
Freiheit durch die Fremdherrschaft wird sich in dem Gewissen der fielt
unauslöschlich einprägen.
Im Mittleren Osten begrüßen wir die Erklärungen der Zusammenarbeit,
die dort auf die Forderungen der Vereinten Nationen hin abgegeben wurden, die militärischen Operationen einzustellen, die bewaffneten Streitkräfte zurückzuziehen und die Streitmacht der Vereinten Nationen einzusetzen.
Es ist auch davon gesprochen worden, sogenannte 'Freiwillige'
nach dem Mittleren Osten zu bringen. Eine derartige Maßnahme würde in
klarem Widerspruch zu der am 2.November angenommenen Resolution stehen,
die von 64 Mitgliedern dieser Versammlung unterstützt wurde. Es ist die
eindeutige Pflicht aller, einschließlich derer, die in Feindseligkeiten
verwickelt sind, davon Abstand zu nehmen, daß außer der Polizeitruppe der
Vereinten Nationen noch andere Streitkräfte in das Gebiet der jüngsten
Keil
Kampfe entsandt werden.
_?
i.

�'AMERIKA DIENST"

22.November 1956

Kein Land sollte die Schwierigkeiten der Vereinten Nationen bei
der Wiederherstellung des Friedens vergrößern. Wenn ausländische Streitkräfte in das Kampfgebiet gebracht würden, dann würde dies bestimmt
die Bemühungen erschweren, die gegenwärtig gemacht werden, ja, dies
würde eine Bedrohung für die Streitkräfte der Vereinten Nationen darstellen, die gegenwärtig in das Gebiet einrücken. Die Vereinten Nationen
würden dann die Verpflichtung haben, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Präsident Eisenhower:hat angekündigt, daß die USA derartige Maßnahmen voll und ganz unterstützen würden.
Als die USA am 1. November ihre Resolution zur Feuereinstellung
einbrachten, erklärte Außenminister Dulles hier an dieser Stelle, daß
die Waffenruhe allein sowie die Rückkehr zu dem ehemaligen Zustand
nicht genügen würden. Er wies darauf hin, daß die Gewaltanwendung aus
einer in höchstem Maße verworrenen und in vieler Hinsicht provozierenden
Situation heraus erfolgte, sowohl im Hinblick auf den Suezkanal als
auch auf den Waffenstillstand in Palästina. Er unterstrich, daß weder
der Friede noch die Gerechtigkeit gesichert werden könnten, wenn wir
nicht mehr erreichten als die alte und unruhige Lage von früher wiederherzustellen.
Die Vereinten Nationen haben ihre Fähigkeit, die öffentliche Meinung der Welt gegen die Anwendung von Gewalt zu mobilisieren, unter
Beweis gestellt. Es ist viel schwerer, die Meinungen in dem gleichen
Maße für die Beseitigung der Ungerechtigkeiten zu mobilisieren, die
den Nährboden für die Gewaltanwendung bilden. Solange wir jedoch nicht
bis zu den Wurzeln dieser Spannungen vorstoßen, können wir nur begrenzte
Fortschritte auf dem Wege zur Lösung der Probleme eines dauerhaften
Friedens machen.
Aus diesem Grund haben die Vereinigten Staaten am 3« November der
Sondersitzung der Generalversammlung zwei Resolutionen unterbreitet,
die das Ziel hatten, sich mit den Ursachen der Krise im Mittleren
Osten auseinanderzusetzen. Die erste bezieht sich auf den Suez-Kanal.
Am 13. Oktober nahm der Sicherheitsrat eine Entschließung an, die sechs
Leitgedanken enthielt, die das Ziel hatten, die Grundlage für eine Lösung zu schaffen, die das internationale Vertrauen und eine wirksame
Inbetriebhaltung gewährleistet. Nichts ist geschehen, was die Grundvoraussetzung geändert hat, wonach den Benutzern des Kanals unter
Wahrung der Souveränität Ägyptens die Zusicherung einer freien Durchfahrt ohne jede Diskriminierung gegeben werden muß, und zwar unter
verlässlichen und voraussagbaren Bedingungen, die von der Politik eines
jeden Landes unabhängig sind. Was nun not tut, ist die Verwirklichung
dieser.fundamentalen Grundsätze. Wir haben daher eine Resolution vorgelegt, die auf die Ausarbeitung von Maßnahmen zur Wiederinbetriebnahme des Kanals abzielt, sowie auf die Entwicklung eines Planes, um
in Übereinstimmung mit den interessierten Ländern seine Inbetriebnahme und Inbetriebhaltung vorzubereiten und die freie Durchfahrt
durch den Kanal gemäß der Konvention von 1088 zu gewährleisten. Wir
glauben, daß ein derartiger Ausschuß unverzüglich gebildet werden und
daß er seine Arbeit sobald als möglich aufnehmen sollte.
Die

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22. November 1956

Die Vereinigten Staaten haben ferner eine Resolution unterbreitet,
die die Errichtung eines Ausschusses vorsieht, der die Partner eines
Waffenstillstandsabkommens beraten und Empfehlungen hinsichtlich einer
Lösung der großen, zwischen den arabischen Staaten und Israel stehenden
Probleme machen soll.
»Vir haben sofort Maßnahmen ergriffen, um uns mit der durch den
Ausbruch der Feindseligkeiten entstandenen dringlichen Lage zu befassen. Die Ankunft des ersten Kontingents der UN-Pol'izeitruppe sollte es
möglich machen, nunmehr ohne irgendwelche Verzögerung die übrigen
Empfehlungen dieser Generalversammlung zu verwirklichen, besonders diejenigen, die sich auf den Abzug der Truppen beziehen.
Wir müssen nunmehr mit der gleichen Schnelligkeit und Einmütigkeit
handeln, um eine Lösung der Probleme zu erreichen, die zu dieser dringlichen Lage führten.
Auch zur Lösung der wirtschaftlichen und sozialen Probleme in diesem Raum sind neue Anstrengungen nötig. Die dortige Krise hat unsere
Bemühungen von der Aufgabe, für die Zukunft zu sorgen, abgelenkt. Es
gibt vieles, was wir tun können, damit die Völker in diesem schwer
heimgesuchten Gebiet jenen wirtschaftlichen und sozialen Lebensstandard
erreichen, nach dem sie sich so sehr sehnen.
Wir brauchen nicht auf die endgültigen Lösungen zu warten, ja,
es wäre falsch, würden wir warten. Eine Zusammenarbeit auf solchen
Gebieten wie Wasserwirtschaft und Handel sowie gut geplanten Entwicklungs- und Modernisierungsprojekten könnte wesentlich dazu beitragen,
die Grundlagen für den Frieden zu legen.
Wir haben jetzt die Chance für einen neuen Beginn., unser Ziel
sollte sein, die Grundlagen für einen dauerhaften Frieden und die
Stabilität in diesem Gebiet zu legen.
Im August vergangenen Jahres umriß Außenminister Dulles einige
Vorhaben, die unbedingt erforderlich sind. Er erwähnte mehrere spezielle
Projekte, die durchgeführt werden sollten, und erklärte wörtlich:
•Wenn diese Vorhaben Lasten mit sich bringen, dann würden sich die USA
an diesen Lasten beteiligen.' Ich kann heute die Bereitschaft der USA,
zur Unterstützung eines gesunden Programmes voll und ganz beizutragen,
erneut bekräftigen.
Andere Probleme der elften Sitzungsperiode
Ich möchte ferner kurz über zwei weitere Punkte sprechen, die vor
diese Sitzung der Generalversammlung kommen werden.
Der erste Punkt ist die Internationale Atomenergiebehörde. Wir
können ermutigt sein, daß das Statut der Internationalen Atomenergiebehörde, das in diesem Saale vor wenigen Wochen von über 70 Ländern
unterzeichnet wurde, nunmehr in das Stadium der Ratifizierung getreten
ist. Dies bedeutet einen großen Fortschritt für die internationale

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internationale Völkergemeinschaft, der durch Gespräche und Verhandlungen
erreicht worden ist. Dieser Fortschritt bringt den Tag näher, an dem
das Atom als ein wirklich internationaler Diener der Menschheit arbeiten
kann.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß ein Ausschuß dieser
Generalversammlung mit der neuen Behörde Verhandlungen über den Entwurf
eines Abkommens aufnehmen sollte, um ein geeignetes Verhältnis zwischen
dieser Behörde und den Vereinten Nationen herzustellen.
Zweitens wird der Generalversammlung das Problem der Abrüstung
unterbreitet werden, wenn die Abrüstungskommission ihren Bericht über
die erreichten Fortschritte vorlegt. Die Verhinderung eines Atomkrieges
ist das Anliegen jeder Nation und jedes Menschen. Und doch wird die
Produktion nuklearer Waffen fortgesetzt, und noch immer schwebt die
fürchterliche Drohung eines Atomkrieges über der Menschheit.
Wenn eine Einigung in dieser Frage bisher nicht erzielt werden
konnte, so sind die Vereinten Nationen hierfür nicht direkt verantwortlich. Diese Tatsache ist aber auch kein Grund, die Hoffnung aufzugeben oder in unseren Bemühungen nachzulassen. Wir müssen danach trachten, soweit uns das möglich ist, Fortschritte auf allen Gebieten zu erzielen. Die Vereinigten Staaten werden weiterhin jede Gelegenheit ergreifen, um ein echtes Abkommen zu erreichen. Wir dürfen uns aber nicht dabei
ertappen lassen, leere Versprechungen mit echten Vorschlägen zu verwechseln.
Der Kern des Problems ist auch weiterhin die Frage der Schaffung
eines wirksamen Inspektions- und Kontrollsystems. Jeder Abrüstungsplan
ist unbefriedigend, wenn er nicht gleichzeitig von Maßnahmen begleitet
wird, mit deren Hilfe festgestellt werden kann, daß die Vertragspartner
ihren Versprechungen auch tatsächlich nachkommen.
Die Sowjetunion hat sich bisher immer gescheut, sich einem wirksamen System der Inspektionen und Kontrollen zu unterstellen. Die
Vereinigten Staaten hingegen haben einem derartigen System zugestimmt.
T
ene Länder, die über das Potential für eine nukleare Kriegführung verfügen, haben die große Verantwortung, diese Gefahr im Rahmen der Autorität der Vereinten Nationen zu beseitigen. Herr Präsident, die Vereinigten Staaten bezeugen hiermit erneut ih^e Hingabe an diese große Aufgabe.
Die vor uns liegenden Aufgaben
Die Aufgaben, die vor den Vereinten Nationen liegen, sind ungeheuer» In ihrer Suche nach einem Frieden in Gerechtigkeit müssen sie
wef^e finden, die zu einem friedlichen Wandel führen.
Dia Vereinten Nationen müssen dazu beitragen, daß rechtmäßige Veränderungen stattfinden. Aber sie müssen auch dafür Sorge tragen, zu
verhindern, daß diese Veränderungen den Frieden erschüttern oder die
legitimen Interessen der anderen verletzen. Die wachsende Abhängigkeit
der Nationen untereinander ist genauso eine Tatsache des internationalen
Lebens geworden wie der Drang nach einer Änderung. Es ist die Aufgabe

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Aufgabe der Staatsmänner, dieses Streben sowohl in friedliche wie auch
in gerechte Bahnen zu lenken.
In unseren Bemühungen,einander entgegenstehende Ansprüche und
Interessen miteinander auszugleichen, werden wir oftmals nur langsam
Fortschritte erzielen. In einigen Fällen werden wir vielleicht vorübergehende oder Teillösungen annehmen müssen. '.Vir dürfen nicht entmutigt
werden, wenn wir für den gegenwärtigen Zeitpunkt bestenfalls nur eine
Einstellung der Kampfhandlungen oder einen Waffenstillstand erreichen
können. Wir müssen unsere Probleme mit einem Gefühl für das Mögliche
und einer Entschlossenheit, das Mögliche zu finden, angehen.
Die wachsende Stärke der Vereinten Nationen
Die Vereinten Nationen gehen an diese Aufgaben mit wachsender
Stärke und Vitalität heran. Die kürzliche Aufnahme von 19 Mitgliedern
hat der Weltorganisation neue Kraft und einen größeren Wirkungsbereich
verliehen. Vor allem möchte ich die Delegierten Marokkos, Tunesiens
und des Sudans begrüßen, die erst in jüngster Zeit in unsere Reihen
getreten sind.
Es gibt jedoch noch andere Länder, vor allem im Fernen Osten,
die in gleicher Weise qualifiziert sind und hier vertreten sein sollten.
Japan ist durch die Stimme eines einzigen Landes ausgeschlossen worden.
Wir hoffen, daß baldige Maßnahmen getroffen werden können, die den Weg
für die Aufnahme Japans zum frühestmöglichen Zeitpunkt ebnen. Die Republik
Korea und die Republik Vietnam verdienen gleichermaßen die Zulassung und
sollten ohne weitere Verzögerung in die Vereinten Nationen aufgenommen
werden.
Die Vereinigten Staaten werden sich weiterhin der Aufnahme der
Vertreter des rotchinesischen Regimes widersetzen, eines Regimes, das
von den Vereinten Nationen als Angreifer verurteilt worden ist, das
seine Mißachtung für diese Organisation bei zahlreichen Anlässen bewiesen und auch sonst entgegen der Charta gehandelt hat.
Die Ausweitung der Organisation von 60 auf 79 Mitglieder hat sich
auf den Umfang solcher wichtigen Körperschaften wie des Sicherheitsrates
und des Wirtschafts- und Sozialrates nicht ausgewirkt.
Die asiatischen Länder sind im Weltsicherheitsrat noch nie ausreichend vertreten gewesen. Nach der Aufnahme von weiteren sechs asiatischen
Ländern sollte dieser Mangel unverzüglich abgestellt werden. In ähnlicher
Weise würden die zehn neuen europäischen Staaten eine verstärkte Vertretung für den europäischen Bereich rechtfertigen. Nach den obwaltenden
Umständen würde es wünschenswert scheinen, dem Sicherheitsrat zwei neue
nichtständige Sitze hinzuzufügen. Es wäre gleichfalls vernünftig, die
Mitgliederzahl im Wirtschafts- und Sozialrat vielleicht um vier Sitze
zu erhöhen.
Das

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Das vergangene Jahr brachte ferner eine bedeutende Ausweitung
der Rolle des Generalsekretärs. Durch beständige und unermüdliche
Bemühungen hat er auf vielerlei V/eise zur Lösung ernster Streitfragen
beigetragen. Die Rolle, die er, besonders im Mittleren Osten, gespielt
hat, zeigt, in welch hohem Maße der Generalsekretär zum Weltfrieden
beitragen kann. Die Vereinigten Staaten möchten hiermit ihren Dank
an Generalsekretär Hammarskjöld zu Protokoll geben, sowohl für seine
Hingabe an diese Aufgabe wie auch für seine persönlichen Fähigkeiten
als Mann des Friedens und ihn hierzu beglückwünschen.
In den vergangenen Wochen haben die Vereinten Nationen erneut
ihre Daseinsberechtigung erwiesen, indem sie neue Instrumente für den
Frieden schufen. Ein historischer Schritt wurde mit der Aufstellung
einer Polizeitruppe der Vereinten Nationen getan, die die Einstellung
der Feindseligkeiten im Mittleren Osten gewährleisten und überwachen
soll.
Die Polizeitruppe der Vereinten Nationen mußte auf schnellstem Wege
ins Leben gerufen werden. Die Erfahrungen, die bei der Bildung und dem
Einsatz dieser Truppe gesammelt wurden, werden von unschätzbarem Wert
für die Zukunft sein. Dies unterstreicht aber auch die Notwendigkeit,
einen kollektiven Mechanismus zu entwickeln, der zur Aufrechterhaltung
des Weltfriedens und der Sicherheit notwendig ist.
Die Entwicklungsfähigkeit, die die Vereinten Nationen bei der
Beantwortung konkreter Herausforderungen bewiesen haben, hat auch die
Kraft der UN als Institution gezeigt. Die Aufgabe, diese Fähigkeit
zur friedlichen Lösung von Streitfällen und zur Förderung eines gerechten Wandels auf friedlichem Wege zu steigern, hört niemals auf. Wir
haben ganz gewiß noch nicht alle Möglichkeiten der Charta für diese
Zwecke erschöpft.
Beispielsweise steht ein ausreichender Apparat zur Verfügung,
um die internationalen Rechtsstreitigkeiten richterlich zu entscheiden.
Doch wird diese Maschinerie selten verwandt. Nur 33 Staaten haben die
verbindliche Rechtsprechung des Internationalen Gerichtshofes angenommen. Andere Länder haben sich im allgemeinen geweigert, ihre Meinungsverschiedenheiten gerichtlich entscheiden zu lassen, wenn sie dazu
angehalten worden sind. Wenn die Herrschaft des Rechts geschaffen werden
soll, dann müßte es auch zur allgemein akzeptierten Norm werden, daß
man sich an dieses Recht, wie es in der Urteilsfindung eines unabhängigen
Gerichtshofs zum Ausdruck kommt, hält.
Zusammenfassung
Herr Präsident, wir leben gegenwärtig in ernsten Zeiten. Sie
fordern von allen Nationen äußerste Zurückhaltung sowie ein gutes
Urteilsvermögen. Sie fordern schöpferische neue Versuche, um das alte
Problem eines gerechten und dauerhaften Friedens einer Lösung zuzuführen.
Unser

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Unser Ziel muß eine Welt sein , in der die Nationen und Völker Seite an
Seite nebeneinander leben können, ohne Rücksicht auf ihre innerpolitischen, wirtschaftlichen und sozialen Systeme, ohne Furcht und mit
echter Hoffnung auf Erfüllung unserer Ziele. Die Vereinten Nationen
können als Organisation von unschätzbarem Wert sein, um die Arbeit
in Richtung auf dieses Ziel zu unterstützen. Wir dürfen nicht fragen,
ob sie bei dieser ihrer Aufgabe Erfolg haben werden; wir müssen vielmehr dafür sorgen, daß sie Erfolg haben.
Nichts könnte einleuchtender sein als die Tatsache, daß eine
wirkungsvollere Organisation der Vereinten Nationen den Interessen
jeder einzelnen Nation dient. Wir müssen danach streben, Institutionen
zu entwickeln, mit deren Hilfe die Rechte aller Nationen respektiert
werden können und die Gerechtigkeit auf friedlichem Wege gewährleistet
werden kann. So wollen wir uns hier vereinen, um eine Brücke von der
Vergangenheit in die Zukunft zu bauen, über die wir gemeinsam in einem
neuen Geiste des Vertrauens wandeln können.
Ich versichere Ihnen, daß die Vereinigten Staaten unermüdlich an
dieser Aufgabe arbeiten werden."

•

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LQDGE ZUR LAGE IN ÄGYPTEN

VEREINTE NATIONEN (New York) - (AD) - Nachstehend
übermitteln wir Ihnen den V/ortlaut der Erklärung,
die der Chefdelegierte der USA bei den Vereinten
Nationen, Botschafter Henry Cabot Lodge, am 24.
November vor der UN-Generalversammlung abgegeben
hat.

Der UN-Generalversammlung liegt der Bericht des Generalsekretärs
über die Stationierung und die Aufgaben der UN-Polizeitruppe in Ägypten sowie die Räumung der Hindernisse aus dem Suez-Kanal vor. Wir
billigen seine Erklärung und seinen Bericht.
Der Generalsekretär hat in seinem Bericht die Generalversammlung
um die Vollmacht ersucht, sich um praktisch wirksame Maßnahmen zu bemühen und über die erforderlichen Vereinbarungen hinsichtlich der Räumungsarbeiten im Suezkanal zu verhandeln. Wir sind der Auffassung,
daß die Generalversammlung diese Vollmacht sofort erteilen sollte.
Die Vereinigten Staaten sind ferner der Auffassung, daß das
Aide-memoire des Generalsekretärs über die UN-Streitkräfte ( A / 3 3 7 5 )
von der Generalversammlung gebilligt werden sollte.
Die praktische Verwirklichung der von der Generalversammlung
festgelegten allgemeinen Grundsätze hinsichtlich Wesen und Aufgabe
der UN-Polizeitruppe ist im vorliegenden Fall eine sowohl heikle als
auch dringliche Angelegenheit. Die Vereinigten Staaten sind ferner
der Auffassung, daß die dringlichen Besprechungen zwischen dem UNGeneralsekretär und den direkt betroffenen Regierungen fortgeführt
werden sollen, um diese Angelegenheiten in Übereinstimmung mit den
Empfehlungen der Generalversammlung zu regeln. Der Generalsekretär
hat in bezug auf die Weiterführung dieser Gespräche unser volles
Vertrauen.
Was den Bericht des UN-Generalsekretärs betrifft, so haben
die Vereinigten Staaten drei weitere Feststellungen zu treffen:
Erstens: Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die
Räumung der Hindernisse aus dem Kanal durch die Vereinten Nationen,
sobald wie dies praktisch und technisch möglich ist, in Angriff genommen werden sollte. Wir können der Auffassung nicht beipflichten.

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1 beipflichten, daß der Abzug der ausländischen Streitkräfte erst nach
l Abschluß der Räumungsarbeiten im Kanal erfolgen solle. Umgekehrt
' glauben wir nicht, daß dem Beginn der Aufräumungsarbeiten der Abzug
der Truppen vorausgehen müsse. Die Vorkehrungen des Generalsekretärs
für die Räumungsarbeiten sollten sofort beginnen, und er kann
sie
unserer Meinung nach auf Grund der einschlägigen Entschließungen
der Generalversammlung ohne irgendwelche Verzögerungen der Räumungsarbeiten treffen. Mit jedem Tag, den der Kanal noch weiter für die
Schiffahrt . geschlossen bleibt, vergrößert sich der materielle Schaden,
den zahlreiche Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen bereits erlitten
haben und gewinnt somit die Wiederinbetriebnahme des Kanals nur eine
um so lebenswichtigere Bedeutung.
Zweitens: Es ist von gleich entscheidender Bedeutung, daß weitere
UN-Polizeikräfte sobald wie möglich in dieses Gebiet verbracht werden
und zwar in hinreichender Stärke. Es sollten alle nur möglichen Schritte
unternommen werden, um die Verlegung dieser Truppen zu beschleunigen.
Der Aufbau und die Entsendung der UN-Polizeitruppe ist eine Ange1 legenheit von höchster Dringlichkeit. Wenn auch bereits vieles getan
| wurde, so sollten doch alle Beteiligten in ihren Bemühungen fortfahren,
eine rasche Verbringung der UN-Streitmacht in dieses Gebiet sicherzustellen.
Drittens: Wir vertreten die Auffassung, daß der Abzug der französischen, britischen und israelischen Streitkräfte ohne Verzug vonstatten gehen müsse. Wir hoffen, daß sich die Verlautbarungen über bereits
im Gang befindliche Rückzugsbewegungen von Verbänden, die von Seiten
Großbritanniens, Frankreichs und Israels erfolgt sind, als ein gutes
Vorzeichen für eine rasche Befolgung der Entschließung der Generalversammlung bezüglich des Abzugs aller nichtägyptischen Streitkräfte erweisen werden.
Viertens: Lassen Sie mich Ihnen noch einmal die Erklärung ins Gedächtnis zurückrufen, die wir in Erläuterung unserer Stimmabgabe zur
Entschließung vom 7« November abgegeben haben: "Wie wir die Dinge sehen,
wird also der Abzug Zug um Zug mit dem alsbaldigen Eintreffen der internationalen UN-Truppe vollzogen. Wir hoffen, daß diese schrittweise
Operation, wie sie in der Entschließung vorgesehen ist, sobald wie
möglich und je eher je besser anläuft."
Wir sind somit auch weiterhin der Auffassung, daß der Abzug der
französischen, britischen und israelischen Truppen rasch und Zug um
Zug mit dem Eintreffen der UN-Polizeitruppe voranschreiten wird.
Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß jeder Fortschritt
in der Bereinigung von Fragen mit grundsätzlicher Bedeutung, die uns
so sehr angehen und im Hinblick auf die wir die beiden gegenwärtig
zur Beschlußfassung vorliegenden Resolutionen unterstützen, von einer
restlosen und unverzüglichen Befolgung der Empfehlungen der Generalversammlung abhängt. Wir werden auch weiterhin darauf drängen, daß alle

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alle nur möglichen Mittel und Wege zu einer beschleunigten Lösung dieses
Konfliktes erwogen werden. Das ist ein weiterer Grund, warum jede nur
mögliche Anstrengung unternommen werden muß, um mit diesen Dingen voranzukommen.
Die Lage ist nach wie vor prekär. Wenn irgendeine der beteiligten Regierungen entgegen der von den Vereinten Nationen verfolgten Politik handelt, wird sich die Lage weiter verschärfen. Die
ganze Angelegenheit unterliegt der Kollektivverantwortung der UNGeneralversammlung. Keine Regierung kann allein auf sich gestellt die
Bedingungen für ihre Lösung diktieren. Aber wenn wir auf dem eingeschlagenen Weg fortfahren, uns getreu an die betreffenden Entschließungen der Generalversammlung halten und dem Generalsekretär unsere
uneingeschränkte Unterstützung gewähren, dann können Frieden und Sicherheit einziehen. Lassen Sie uns also mit Optimismus und Vertrauen an die
Arbeit gehen und nicht unnötig Zeit verlieren, indem wir darauf bestehen,
daß erst alles bis aufs I-Tüpfelchen festgelegt werde.
Unserer Ansicht nach wurde bisher folgendes erreicht*
Erstens, das Feuer ist eingestellt worden.
Zweitens, die Vereinten Nationen haben die Aufstellung einer
Polizeimacht beschlossen, um die Feuereinstellung zu erreichen
und zu überwachen. Diese Polizeimacht befindet sich bereits in
dem Gebiet und wird von Tag zu Tag verstärkt.
Drittens, die ägyptische Regierung hat die Vereinten Nationen
um ihre Hilfe bei den Aufräumungsarbeiten im Gebiet des Suezkanals gebeten.
Viertens, ziehen sich die israelischen Streitkräfte, Berichten
zufolge, aus der Kanalzone, und zum Teil sogar überhaupt aus
ägyptischem Gebiet zurück. Meldungen über eine gänzliche Zurücknahme hinter die Waffenstillstandslinie liegen noch nicht vor.
Fünftens, Frankreich hat den Beginn des Abzugs seiner Truppen
angekündigt.
Sechstens, Großbritannien hat Pläne für den Rückzug eines
Bataillons seiner Truppen angekündigt.
Wir begrüßen diese Verlautbarungen. Ganz besonders begrüßen wir
auch alles, was der sehr verehrte Herr Außenminister Mr. Lloyd gestern
hier äußerte, nämlich daß seine Regierung den Wunsch hegt, mit den
Vereinten Nationen zusammenzuarbeiten. Diese Zusammenarbeit wird sicherlich in hohem Maße zu einer Lösung dieser ernsten Probleme beitragen.
Aus den oben dargelegten Gründen werden wir für die SechsmächteEntschließung stimmen, die wir gemeinsam mit anderen Nationen eingebracht
haben (Dokument Nr. A/3386). Die in Dok. A/3385 enthaltene Resolution bringt
Gedanken zum Ausdruck, die sich in jeder Beziehung mit unserer Politik
decken, und wir werden daher auch für diese Entschließung stimmen, obgleich wir sie nicht unbedingt für erforderlich halten.
* * * * *

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ERKLÄRUNG VON BOTSCHAFTER LQDGE VOR DER
UN-GENERALVERSAMMLUNG

VEREINTE NATIONEN (New York) - (AD) - Nachstehend
übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Erklärung
über die Deportation ungarischer Staatsbürger, die
der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten
Nationen, Henry Cabot Lodge jun., auf der Vollsitzung der UN-Generalversammlung am 19. November 1956
abgegeben hat.

"Die Erklärungen, die heute morgen von den Persönlichkeiten abgegeben wurden, die angeblich hier für Ungarn sprechen, müssen alle
im Lichte der sehr einfachen Tatsache gesehen werden, daß die Behörden
dort keine freien Wahlen zulassen werden - sondern höchstens inszenierte
Wahlen nach kommunistischer Art, Ganz offensichtlich würden freie Wahlen zu dem schnellen Verschwinden des kommunistischen Regimes führen.
Genauso offensichtlich ist dies auch der Grund, warum das kommunistische
Regime keine freien Wahlen zuläßt. Wo es keine Freiheit gibt, da kann
es auch nur sehr wenig Wahrheit geben, Und ich glaube wirklich, daß
dies auch für die Reden zutrifft, die von den beiden Vertretern des
kommunistischen Ungarn heute morgen gehalten wurden.
So möchte ich mich denn dem zuwenden, was der sowjetische Vertreiter sagte. Er sprach erstens über die Legislative in den Vereinigten
Staaten. Die Gesetzgebung und die Taten der Vereinigten Staaten hinsichtlich der osteuropäischen Völker sind nicht ganz so, wie er das
darstellt. Wie ich neulich abends erklärte, suchen die Vereinigten Staaten, was die osteuropäischen Völker anbetrifft, deren Magen mit Lebensmitteln zu füllen, während die Sowjets ihn mit Blei füllen. Das
ist der einzige Unterschied.
Der sowjetische Vertreter möge ferner zur Kenntnis nehmen, und
dies ist, was die Amerikaner anbetrifft, von grundlegender Bedeutung,
daß das amerikanische Volk, das über seinen Kongreß handelt, jede
Unterdrückung ablehnt, wo immer dies auch sein mag. Dies hat für
dieses Land schon immer - von Anbeginn seiner Geschichte an - gegolten. Abraham Lincoln erklärte, als er über die Unabhängigkeitserklärung - das zur Zeit der amerikanischen Revolution erlassene grundlegende Dokument der amerikanischen Verfassung - sprach, daß dieses
Dokument nicht nur dem amerikanischen Volke die Freiheit brachte,

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brachte, sondern auch der gesamten Welt für alle künftigen Zeiten
Hoffnung gab. Abraham Lincoln betrachtete die Ideale der Freiheit
nicht als etwas, das man einfach hinnimmt und in seinem Herzen trägt,
sondern als etwas, das man anderen zu bringen wünscht.
Dieser Geist nun liegt der Gesetzgebung zugrunde, auf die sich
der sowjetische Vertreter bezog.
Selbstverständlich waren die sowjetischen Anschuldigungen gegen
die amerikanische Gesetzgebung schon verschiedentlich auf früheren
Sitzungen dieser Generalversammlung zu hören, andere sowjetische Vertreter haben sie in Entschließungen vorgebracht. Den diesbezüglichen
Entschließungen wurde jedoch niemals von der Generalversammlung stattgegeben. Was nun die Erklärung anbetrifft, wir hätten den Eindruck
zu erwecken gesucht, daß es seitens der Vereinigten Staaten militärische Hilfe in Ungarn geben würde, so erkläre ich mit allerhöchster Vollmacht - und dies ist sehr genau nachgeprüft worden -, daß
niemand jemals in irgendeiner Weise - sei es durch Rundfunksendungen
oder auf irgendeinem anderen Wege - von den Vereinigten Staaten zur
Rebellion aufgerufen worden ist.
Der Rest der sowjetischen Rede widerspricht natürlich, wie wir
alle wissen, den allgemein bekannten Tatsachen. Es war das typische
sowjetische Aneinanderreihen von Zeitungsausschnitten, die nur der
eigenen Sache dienten. Ich hörte der Rede sehr sorgfältig zu, aber
es ist durchaus möglich, daß ich hier oder dort ein Wort überhört
habe. Aber soweit ich der Rede folgte, habe ich nicht ein einziges
direktes Wort vernommen, durch welches in Abrede gestellt wurde, daß
diese Deportationen aus Ungarn tatsächlich erfolgten. Ich habe nur
etwa ein Drittel der Rede gelesen, aber während ich ihr zuhörte, habe
ich nicht eine einzige eindeutig klare Zurückweisung dieser Behauptungen
vernommen. Die Rede war ihrem Ton nach defensiv und brachte praktisch
nichts Neues. Genauso wie seine Vorgänger, bestritt der sowjetische
Vertreter kurz und bündig die sowjetischen Untaten. Ja, er weigerte
sich, Beobachtern der Vereinten Nationen die Einreise in dieses Land
zu gestatten, um die Wahrheit festzustellen. Sicherlich, Herr Präsident,
würde der sowjetische Vertreter, wenn er seinen eigenen Erklärungen wirklich G.lauben schenken würde, eine unparteiische Untersuchungskommission
der Vereinten Nationen begrüßen. Indem er jedoch Beobachter der Vereinten
Nationen ablehnte, hat sich Außenminister Schepilow in die wohl schwächste Position gebracht, in die sich ein Sprecher vor einem öffentlichen
Forum auch nur bringen konnte. Praktisch hat er zu dieser Generalversammlung gesagt, 'ich glaube selbst nicht, was ich soeben gesagt habe.'
Nun, die Tatsachen sind durchaus nicht mysteriös. Seit über zwei
Wochen hat die Welt die ungarische Tragödie beobachtet - das Drama
eines großen Volkes, das sich erhob, um die Ketten der Unterdrückung
zu brechen, und dessen Erhebung durch die Strategie der Doppelzüngigkeit und des Terrors von der Sowjetunion zunichte gemacht wurde.
Herr

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Herr Präsident, hier handelte es sich um eine Erhebung der Arbeiter, der Bauern, der Studenten - der jungen Menschen. Dies ist auch der
Grund, warum die Arbeiter in allen freien Leandern empört sind. Die Aufmärsche der arbeitenden Menschen, diese Demonstrationen in aller Welt
fanden nicht statt, weil etwa einige alte Faschisten sich plötzlich erhoben hatten. Sie fanden statt, weil man vielmehr erkannt hatte, daß
es sich hier um eine echte Erhebung der Arbeiter und der 'Jugend handelte.
Die Welt erlebte zuerst eine massive Konzentration sowjetischer
Panzer und Truppen, die um Budapest und in ganz Ungarn mobil gemacht
worden waren. Uns wurde erzählt, daß Verhandlungen im Gange seien, um
den Abzug dieser Truppen sicherzustellen. Dann enthüllte die Sowjetunion
ihre wahren Absichten. Diese Truppenbewegungen waren keine Ablösung, wie
die Sowjets behauptet hatten, sie erfolgten im Rahmen eines Planes, um
die sowjetische Kontrolle über das ungarische Volk wiederherzustellen,
getarnt durch einen abgekarteten 'Hilferuf der ungarischen Behörden.
Die sich anschließenden Ereignisse enthüllten die wirkliche Lage, die
ich als den notwendigen Hintergrund für die jüngsten Ereignisse kurz
schildern werde.
Im Morgengrauen des 4« November begannen sowjetische Truppen ihren
Angriff auf das ungarische Volk und dessen Regierung. Zwei Stunden später suchte eine Gruppe von Männern, die sich seitdem als die Regierung
Ungarns bezeichnet hat, diesem Akt der Aggression eine rechtliche Grundlage zu geben, indem sie einen Hilferuf an die sowjetischen Truppen gegen
das ungarische Volk erließ. Seit diesem Zeitpunkt ist uns immer wieder
erzählt worden, daß die sowjetischen Truppen auf Grund dieses Hilferufes
in Aktion traten, und daß sie ihre Aktion auf Ersuchen der ungarischen
Regierung durchführen. Wie der hochverehrte Außenminister von Belgien,
Monsieur Spaak, neulich so treffend erklärt hat, muß die Sowjetunion
denken, daß wir alle Toren sind, weil wir dieser Propaganda angesichts
des gegenteiligen konkreten Beweismaterials glauben.
Der Mut und die Entschlossenheit des ungarischen Volkes sind ein
anspornendes Beispiel für alle freien Länder. Auch jetzt noch liegen
Berichte von Kämpfen, Streiks oder weiterem Widerstand vor - so groß
ist die Liebe zur Freiheit im Herzen dieses Volkes.
Die Sowjetunion hat sich bisher allen Bitten der Vereinten Nationen
gegenüber taub gezeigt. Sie hat ihre Truppen nicht zurückgezogen. Den
Vertretern des Generalsekretärs ist die Einreise nach Ungarn zur Prüfung
der Lage verweigert worden. Unserem hochverehrten Generalsekretär selbst
mit all dem ihm auf Grund seines Amtes und seiner eigenen persönlichen
Fähigkeiten zustehenden Prestige ist nicht einmal die einfachste Höflichkeit erwiesen worden, die ihm von einem Mitglied der Vereinten
Nationen gebührt. Sein Angebot, nach Budapest zu gehen, wurde mit einem
Vorschlag beantwortet, daß er mit einem Vertreter Ungarns an einem Platz
zusammentreffen sollte, der weit entfernt von den Ereignissen liegt, die
uns hier so große Sorge bereiten. Als Höhepunkt dieser Geschichte des
Terrors führt die Sowjetunion nunmehr Massendeportationen von ungarischen Staatsbürgern durch. Wir verfügen über Tatsachenmaterial, das die
zahlreichen in der Presse erschienenen Berichte noch erhärtet. Die der

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28. November 1956

der amerikanischen Regierung vorliegenden Informationen zeigen, daß
bis zum 14« November wenigstens 16 000 Menschen allein aus Budapest
deportiert wurden. Am 13« November zum Beispiel fuhren den Berichten
zufolge wenigstens drei Züge mit je 60 Güterwagen, in die jeweils
50 bis 60 Menschen hineingepfercht worden waren, auf der Strecke MonorSzolnok-Debrecen nach Osten. Am 9• November wurde gemeldet, daß sich
ein Zug mit 1500 Männern, Frauen und Kindern in Debrecen befand; ein
gleicher Bericht liegt für den 11. November vor.
Aus diesen Zügen wurden Zettel geworfen, auf denen die Finder
gebeten wurden, die Verwandten zu benachrichtigen.
Unsere Berichte zeigen, daß diese Deportationen immer noch andauern. Wir erhielten die Bestätigung, daß ein Zug mit jungen Ungarn,
die in plombierten Güterwagen transportiert wurden, sich über Cluj,
Predeal und Ploesti in Rumänien auf die sowjetische Grenze zu bewegt.
Und Menschen in Rumänien, die sie sahen, erzählten, daß die Ungarn sie
um Hilfe zur Flucht baten.
Herr Präsident, soweit ich weiß, ist die Witterung in Ungarn zu
dieser Jahreszeit noch recht mild, aber es ist bereits in Rußland und
in Sibirien sehr kalt. Es ist ganz unvermeidlich, daß viele der Menschen
in diesen Güterwagen, zumal es sich um offene Güterwagen handelt, an
Kälte und Entbehrungen sterben werden - so wie die unglücklichen Opfer
der Nazi-Konzentrationslager auf den Güterwagen starben. Wie ich es
mit meine» eigenen Augen im Jahre 1945 überall in der Gegend des furchtbaren Nazilagers in Dachau sah.
Dies sind alle Informationen, die der amerikanischen Regierung
vorliegen. Keine dieser Information rührt aus Presseberichten her.
Um jedoch eine weitere Bestätigung zu geben, zitiere ich die folgende
Sendung des offiziellen ungarischen Rundfunks. Am 14« November um
16.00 Uhr brachte der Budapester Rundfunk in seiner Ungarn-Sendung
folgende Nachricht: 'Im Bezirk Svolnok ist mit der Wiederaufnahme der
Arbeit in den vergangenen Tagen begonnen worden. Etwa 40 bis 50 Prozent
der Arbeiter sind wieder in den Fabriken und Betrieben. Der Eisenbahnbetrieb ist zu einem gewissen Maß wieder aufgenommen worden. Den jüngsten Berichten zufolge sind jedoch Gefangene in plombierten Güterwagen
von Budapest nach Osten befördert worden. Angeblich haben die Eisenbahner daraufhin den Streik wieder aufgenommen. Diese Nachricht wurde
an die verschiedenen Fabriken weitergegeben und immer mehr Arbeiter
verließen daraufhin ihre Arbeitsplätze.'
Während der vergangenen 24 Stunden haben die Vereinigten Staaten
weiteres zuverlässiges Beweismaterial erhalten. Am 16. November wurde
eine Gruppe junger Menschen in der Nähe des Budapester Südbahnhofs von
sowjetischen Soldaten umringt. Ebenfalls am 16. November holten sowjetische Soldaten eine Anzahl verwundeter Jugendlicher aus einem Krankenhaus in der Peterfy Sandor Utca ab. Am 17» November wurde beobachtet, wie sowjetische Soldaten Jugendliche aus einer Schule an der
Varesmarty Utca abholten. Das ist erst in allerletzter Zeit geschehen.

Auf

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28. November 1956

Auf Grund dieser Berichte begrüßen die Vereinigten Staaten die
von der kubanischen Delegation ergriffene Initiative. Diese Berichte
verleihen der Notwendigkeit neue Dringlichkeit, den Resolutionen der
Generalversammlung vom 4» u n d 9« November nachzukommen, in denen der
Abzug aller sowjetischen Truppen aus Ungarn und die Entsendung von
Beobachtern durch den Generalsekretär der Vereinten Nationen nach
Ungarn gefordert werden.
Während wir heute nachmittag hier sitzen, fahren die mit diesen
unglücklichen Menschen vollgepferchten Güterwagen weiter in die
sibirische Kälte hinein. Wir fordern die Sowjetunion dringend auf, der
Weltmeinung eine angemessene Achtung entgegenzubringen, diese Deportationen umgehend einzustellen und die Ungarn sofort wieder in ihre
Heimat zurückzubringen, die bereits in das Exil entführt worden sind.
Wir ersuchen die ungarischen Behörden nachdrücklichst, den Bestimmungen der UN-Charta und des Friedensvertrages von 1947 nachzukommen, die sie auffordern, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um sicherzustellen, daß sich alle Menschen 'der Menschenrechte
und der grundlegenden Freiheiten, darunter der Freiheit der Rede,
der Presse, der Publikation, der Religionsausübung, der politischen
Meinungsäußerung und der öffentlichen Versammlung erfreuen können.1
Lassen Sie mich den Vertreter Ungarns daran erinnern, daß er
erst neulich, als er von diesem Rednerpult sprach, die feierliche
Versicherung abgab, daß seine Regierung die Charta der Vereinten
Nationen einhalten wird.
Herr Präsident, es bedeutet vielleicht nicht viel, über diese
Resolution abzustimmen, aber es ist doch etwas. Dadurch werden
natürlich die Toten nicht wieder zum Leben zurückgerufen. Aber einige
Worte werden vielleicht durchsickern und den tapferen Männern und
Frauen in Ungarn Gewißheit geben, daß sie nicht vergessen sind. Die
Worte dieser Resolution werden selbstverständlich in allen Teilen
der freien Welt umlaufen und das Ausmaß der Verdammung noch erhöhen,
die bereits dem internationalen Kommunismus einen solch schweren
Schlag versetzt hat«
Die Verabschiedung dieser Resolution kann angesichts der tapferen
Toten bestehen, deren Opfer es fordert, daß wir alle in unseren
Kräften stehenden Schritte unternehmen. Herr Präsident, angesichts
dieses riesigen Ausmaßes der von Menschen gegenüber Menschen begangenen Unmenschlichkeiten bedeutet die Verabschiedung dieser Resolution nicht viel. Aber sie bedeutet doch immerhin etwas, und wir
sollten sie daher ohne jede Verzögerung verabschieden.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

NIXON ZUR WELTPOLITISCHEN LAGE

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die der
Vizepräsident der Vereinigten Staaten,
Richard M. Nixon, am 6. Dezember 1956 vor
dem Verband Amerikanischer Automobilfabrikanten in New York gehalten hat.

Nichts in unserem Wirtschaftsleben kennzeichnet unser ständiges
Streben nach Vollkommenheit und Fortschritt besser als die jährlich
stattfindende Automobil-Ausstellung, auf der immer neue, starke und
komfortable Modelle gezeigt werden. Wenn wir unsere Wagen von heute
mit den langsamen^ unschönen Modellen von vor 50 Jahren vergleichen,
sehen wir nicht nur, was amerikanischer Erfindungsgeist und amerikanische Leistungsfähigkeit in der Vergangenheit hervorgebracht haben,
sondern wir sehen dann auch, daß unserer ständigen wirtschaftlichen
Entwicklung eine fast atemberaubende Zukunft bevorsteht.
/
Wenn die Probleme, denen wir heute gegenüberstehen, lediglich
wirtschaftlicher Natur wären, könnten wir bezüglich der künftigen
Entwicklung beruhigt, ja sogar selbstzufrieden sein. Der Umstand,
daß die 60 Millionen Amerikaner stolze Besitzer solcher Autos oder
ähnlicher älterer Modelle sind, kann an sich bereits als ein Zeichen
eines Wohlstandes gewertet werden, an dem tatsächlich alle Schichten
unserer Gesellschaft teilhaben. Zum ersten Mal in der Geschichte
nähern wir uns einem Zustand, in dem Armut und wirtschaftliche Ausbeutung in einem großen Industriestaat abgeschafft werden.
Doch in der Welt von heute ist kein Platz für Selbstgefälligkeit,
wieviel Anlaß auch immer zu einer solchen Haltung gegeben zu sein
scheint. Keiner unter uns kann sich der Tatsache verschließen, daß
über unsern Häuptern eine düstere Wolke schwebt, eine Wolke der
Sorge, ja sogar der Furcht. Sie erscheint uns als eine pilzförmige
Wolke, die eine ernste Warnung ausspricht - die Warnung nämlich,
daß dieser Wohlstand in einem einzigen Augenblick durch das furchtbare Aufflammen eines Krieges mit thermo-nuklearen Waffen hinweggefegt werden kann.

Aus

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�AMERIKA DIENST"

12. Dezember 1956

Aus diesem Grunde halte ich es für angebracht, am heutigen Abend
auf die großen Ereignisse der letzten 40 Tage einzugehen, die einen
so gewaltigen Einfluß auf unsere Zukunft haben werden.
Von verschiedenen Beobachtern der internationalen Politik sind
zum Teil recht niederschmetternde und alarmierende Kommentare zu diesen Ereignissen geliefert worden. Die Kritiker der Verzweiflung und
die Propheten des Untergangs verkünden uns, daß alles verloren ist.
Aus den entmutigenden Schlußfolgerungen, die wir in der letzten Zeit
gehört und gelesen haben, greife ich folgende heraus:
Die Sache der ungarischen Freiheit hat durch die Macht der Sowjets
ein für allemal den Todesstoß erhalten.
Im Vorderen Orient sind die Kräfte der Diktatur stärker denn je
zuvor, und die Sowjetunion hat in diesem Teil der Welt einen gewaltigen
Sieg errungen.
Das atlantische Bündnis ist unwiderruflich zerstört, und der
Bruch zwischen den Vereinigten Staaten und seinen europäischen Verbündeten und Freunden läßt sich niemals mehr heilen.
Und schließlich, Schuld an dieser unheilvollen Entwicklung
trägt in erster Linie die Politik der Vereinigten Staaten.
Ich bin nicht der Ansicht, daß unsere Außenpolitik nicht zum
Gegenstand der Kritik werden dürfe. Die Unterstützung, die unsere
Politik von beiden politischen Parteien genießt - und sie wurde sowohl im Senat wie im Repräsentantenhaus großzügig und aus patriotischem Geist heraus gewährt - bedeutet keine automatische und hundertprozentige Billigung jeder Regierungsmaßnahme, und gewiß ist es in
einer Demokratie die Aufgabe der Presse, die Öffentlichkeit auf diesem
wie auf anderen Gebieten ungehindert zu informieren und freie Kritik
zu üben.
Bei aller Fairness bin ich jedoch überzeugt, daß einige unter den
Kritikern die Probleme unter kurzsichtigen und von Unreife zeugenden
Gesichtspunkten betrachten. Kurzsichtig deshalb, weil sie über augenscheinlichen unmittelbaren Vorteilen schwerwiegende künftige Nachteile
übersehen. Und die Forderung nach einer amerikanischen Politik, die unmittelbare und glänzende Erfolge aufweisen müsse, ist der Beweis für
eine gefährliche Unreife.
In dieser komplizierten und unvollkommenen Welt müssen wir immer
mit Schwierigkeiten und sogar mit gelegentlichen Rückschlägen rechnen.
Das beste, was wir erhoffen können, ist, daß die Basis unserer politischen Grundhaltung ihrem Kern nach richtig ist und daß sie sich schließlich
durchsetzt. Ich schlage daher vor, daß wir die Ereignisse der vergangenen
Wochen in diesem Sinne analysieren.
Vor sechs Wochen standen wir an einem Wendepunkt in der Geschichte.
Am Sitz der Vereinten Nationen in New York waren alle Augen der Welt auf
den Sprecher der Vereinigten Staaten gerichtet. Ich bitte Sie, sich
die Dramatik dieser Situation vorzustellen.

Hier
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�"AMERIKA DIENST"

12. Dezember 1 956

Hier stand eine Nation, die einstmals eine isolationistische
Politik betrieb, und die sich nunmehr zur Idee der kollektiven Sicherheit bekennt. Wir, die wir einst den Völkerbund ablehnten, gehören zu
den Völkern,die die Vereinten Nationen gründeten und unterstützen.
Wir, die wir uns noch vor 60 Jahren unserer offenkundigen Sendung in Asien und Lateinamerika rühmten, haben dem Kolonialimperialismus abgeschworen und uns verpflichtet, die Nationen zu unterstützen,
die früher einmal Kolonien der Großmächte waren.
Wir haben uns gewandelt, doch viele Menschen in der Welt zweifelten daran, daß wir uns wirklich gewandelt hätten. Zahlreiche Nationen Asiens und Afrikas wollten im Kalten Kriege lieber als Neutrale abseits stehen, bis sie sicher sein können, daß wir es mit unserer Versicherung der Freundschaft und Achtung gegenüber allen Völkern und Staaten, wie groß oder stark sie auch immer seien, aufrichtiger meinen als die Sowjetunion. Die uns befreundeten Nationen Lateinamerikas, die uns heute vertrauen, hatten noch beunruhigende
Erinnerungen an die frühere Kanonenbootdiplomatie.
Dann kam die Stunde der Prüfung. Unsere Freunde und Verbündeten
hatten die Vereinten Nationen übergangen und zur Regelung einer politischen Auseinandersetzung der Vereinten Nationen direkte militärische
Maßnahmen ergriffen. Gewiß sind sie schwer provoziert worden. Nach
den noch vor 50 Jahren allgemein anerkannten internationalen Maßstäben; hätte sich ihre Aktion verteidigen, wenn nicht sogar rechtfertigen lassen.
&amp;
Aber eine neue Kraft ist in Erscheinung getreten, die moralische
Kraft der Vereinten Nationen, deren sämtliche Mitgliedstaaten sich
verpflichtet haben, ihre Meinungsverschiedenheiten auf friedlichem
Wege zu regeln.
Bei allen Delegationen der Vereinten Nationen stellte man sich
die Frage: Werden die Vereinigten Staaten für die von ihnen verkündeten Prinzipien eintreten oder so tun als sei nichts geschehen? An
diesem Wendepunkt der Geschichte erschien Außenminister Dulles persönlich vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen, um unsere
Haltung zu umreißen, eine Haltung, die von der überwältigenden Mehrheit
der Nationen der Welt geteilt wurde.
Unser Standpunkt war klar und einfach. Wir verurteilten die
Anwendung von Gewalt, sofern sie nicht durch den Zwang zur Selbstverteidigung oder durch ein Mandat der Vereinten Nationen gerechtfertigt ist. In der anschließenden Debatte legten unsere Freunde
ihr Veto ein und verhinderten eine Aktion seitens des Sicherheitsrates.
Für uns gab es kein Zögern. Wir ersuchten um Einberufung einer Sondersitzung der Generalversammlung, die kein Vetorecht kennt. Auf dieser
Sitzung wurde unsere Haltung von praktisch allen Ländern der Welt gutgeheißen.
Die

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�"AMERIKA DIENST"

12. Dezember 1956

Die Vereinigten Staaten hatten ihre Bewährungsprobe vor der Geschichte bestanden. Der Fortbestand der Vereinten Nationen war gesichert. Recht und Gesetz hatten sich durchgesetzt - gleiches Recht
und Gesetz für die Mächtigen und Starken wie für die Schwachen und
V/ehrlosen.
Man hat behauptet, daß wir einen falschen Kurs eingeschlagen
hätten, weil durch unsere Handlungsweise die Position eines Diktators gestärkt, die Gefahr einer Ausbreitung des sowjetischen Einflusses im Nahen Osten erhöht und unser Bündnis mit unseren engsten Freunden geschwächt worden sei.
Lassen Sie uns aber einmal untersuchen, welche Alternative wir
hatten. Wenn wir in dieser Situation nicht an den Prinzipien festgehalten hätten, die unseren Kurs und unser Handeln bestimmten, dann
wäre der Zweck der Vereinten Nationen hinfällig geworden. Die Welt
wäre zu den gleichen Maßstäben für die Gestaltung der internationalen Beziehungen zurückgekehrt, wie sie vor den beiden Weltkriegen
angewendet wurden. Und unsere moralische Position gegenüber der Welt
wäre hoffnungslos kompromittiert gewesen.
Nach Meinung des größten Teils der Y/elt wäre unsere Position wenig
besser gewesen als die der kommunistischen Staaten, die in ihrer Außenpolitik ständig nach dem Grundsatz gehandelt haben, daß der Zweck die
Mittel heilige, daß die Anwendung von Gewalt immer dann gerechtfertigt
ist, wenn die eigenen Ziele damit gefördert werden, und daß den Geboten der
Vereinten Nationen nmr dann Folge zu leisten ist, wenn der betroffene Staat
der Meinung ist, ein solches Verhalten diene seinen nationalen Interessen. Die strahlende Hoffnung, daß die Nationen eine bessere
Methode als die Gewaltanwendung zur Regelung internationaler Streitfälle finden könnten, wäre zunichte gemacht worden ,und die Welt hätte
sich in zynische und mißtrauische Machtblöcke aufgelöst, um deren
Gunst sich dann eine triumphierende Sowjetunion beworben hätte, die
die Methoden von Zuckerbrot und Peitsche anwenden würde, ganz wie die
Gelegenheit es erfordert. Und eines Tages hätte die Sowjetunion dann
den Sieg davongetragen.
Wenn wir unsere Freunde und Verbündeten, Großbritannien
und Frankreich, in Ägypten unterstützt hätten, wäre ihnen vermutlich in diesem Gebiet ein militärischer Sieg zugefallen. Doch sie selbst
und auch wir hätten die moralische Unterstützung der ganzen Welt verloren.

Weil

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�"AMERIKA DIENST"

12. Dezember 1956

Die Vereinigten Staaten hatten ihre Bewährungsprobe vor der Geschichte bestanden. Der Fortbestand der Vereinten Nationen war gesichert. Recht und Gesetz hatten sich durchgesetzt - gleiches Recht
und Gesetz für die Mächtigen und Starken wie für die Schwachen und
V/ehrlosen.
Man hat behauptet, daß wir einen falschen Kurs eingeschlagen
hätten, weil durch unsere Handlungsweise die Position eines Diktators gestärkt, die Gefahr einer Ausbreitung des sowjetischen Einflusses im Nahen Osten erhöht und unser Bündnis mit unseren engsten Freunden geschwächt worden sei.
Lassen Sie uns aber einmal untersuchen, welche Alternative wir
hatten. Wenn wir in dieser Situation nicht an den Prinzipien festgehalten hätten, die unseren Kurs und unser Handeln bestimmten, dann
wäre der Zweck der Vereinten Nationen hinfällig geworden. Die Welt
wäre zu den gleichen Maßstäben für die Gestaltung der internationalen Beziehungen zurückgekehrt, wie sie vor den beiden V/eltkriegen
angewendet wurden. Und unsere moralische Position gegenüber der Welt
wäre hoffnungslos kompromittiert gewesen.
Nach Meinung des größten Teils der Y/elt wäre unsere Position wenig
besser gewesen als die der kommunistischen Staaten, die in ihrer Außenpolitik ständig nach dem Grundsatz gehandelt haben, daß der Zweck die
Mittel heilige, daß die Anwendung von Gewalt immer dann gerechtfertigt
ist, wenn die eigenen Ziele damit gefördert werden, und daß den Geboten der
Vereinten Nationen nmr dann Folge zu leisten ist, wenn der betroffene Staat
der Meinung ist, ein solches Verhalten diene seinen nationalen Interessen. Die strahlende Hoffnung, daß die Nationen eine bessere
Methode als die Gewaltanwendung zur Regelung internationaler Streitfälle finden könnten, wäre zunichte gemacht worden ,und die Welt hätte
sich in zynische und mißtrauische Machtblöcke aufgelöst, um deren
Gunst sich dann eine triumphierende Sowjetunion beworben hätte, die
die Methoden von Zuckerbrot und Peitsche anwenden würde, ganz wie die
Gelegenheit es erfordert. Und eines Tages hätte die Sowjetunion dann
den Sieg davongetragen.
Wenn wir unsere Freunde und Verbündeten, Großbritannien
und Frankreich, in Ägypten unterstützt hätten, wäre ihnen vermutlich in diesem Gebiet ein militärischer Sieg zugefallen. Doch sie selbst
und auch wir hätten die moralische Unterstützung der ganzen V/elt verloren.

Weil

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�"AMERIKA DIENST"

12. Dezember 1956

V/eil wir aber eine andere Haltung einnahmen, wissen die Völker
Afrikas und Asiens heute, daß wir moralisch an ihrer Seite stehen und
daß wir für Rechtsnormen eintreten, die für den Westen und den Osten
gleichermaßen gelten. Sie wissen auch, daß sich die Vereinigten Staaten keinen Illusionen über die "Bürde des weißen Mannes" oder die
"Überlegenheit der Weißen" hingeben.
Wenn wir die schwere Bewährungsprobe aber bestanden haben, die die
Geschichte uns in den vergangenen sechs Wochen auferlegt hat - und ich
glaube, daß wir diese Bewährungsprobe bestanden haben -, dann schuldet
unsere Nation Präsident Eisenhower und Außenminister Dulles ewigen Dank.
Die Entscheidung, die sie zu treffen hatten, wäre zu jeder Zeit schwer
gewesen. Sie war zehnfach schwerer angesichts der Verwirrung und Uneinigkeit, wie sie im Endstadium eines Wahlkampfes herrschen. Männer geringeren Formates würden am Vorabend einer Wahl Lösungen angestrebt haben,
die ihnen auf leichte Weise Stimmen zugeführt hätten. Sie aber entschieden sich für staatsmännisches Handeln und für die Grundsätze der
Moral.
Es ist leicht, seine Feinde zu verurteilen, wenn sie im Unrecht sind;
doch es gehört Mut dazu, seine Freunde zu verurteilen. Es ist verlockend, ein geringfügiges Unrecht zu übersehen, um sich das zu sichern, was als das höhere Ziel erscheinen mag. Der Grundsatz aber,
daß die Mittel den Zweck ehiligen, ist unvereinbar mit der Moral.
Wir wußten, daß unsere Freunde unter einer schweren Provokation handelten und daß ihre Geduld fast bis zum äußersten auf die Probe gestellt worden war. Es wäre einfach gewesen, den Blick von diesen
Dingen abzuwenden und jede Handlung so lange hinauszuzögern, bis es
zu spät gewesen wäre. Doch der einfache Weg ist nicht immer der rechte
Weg.
Der militärische Sieg unserer Freunde im Nahen Osten hätte das
Problem nicht gelöst. Dauerhafte Lösungen lassen sich selten nach
einem Krieg mit all seinen Zerstörungen erzielen,und der Friede, um
den wir uns im Vorderen Orient bemühen, muß von Dauer sein. Die Geschichte wird einmal unserem Präsidenten und unserem Außenminister
ewigen Dank dafür zollen, daß sie den schweren Weg des Festhaltens
an den Grundsätzen der Moral und nicht den einfachen Weg des geringsten Widerstandes beschritten haben. Heute steht es uns als Mitglieder der neu belebten Vereinten Nationen frei, uns um einen gerechten
und dauerhaften Frieden in diesem Gebiet zu bemühen.
Lassen Sie uns jetzt die Ereignisse untersuchen, die sich in
Ungarn abgespielt haben. V/eil wir entschlossen gegen die Anwendung von
Gewalt in Ägypten eingetreten sind, hatten wir die moralische Berechtigung, das rücksichtslose und barbarische Vorgehen der Sowjets gegenüber diesem tapferen Volke zu verurteilen. Ohne zu zögern und ohne
zynische Hintergedanken konnten wir die moralischen Kräfte der Welt
gegen dieses ungeheuerliche Unrecht mobilisieren.
Die

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�"AMERIKA DIENST"

12. Dezember 1956

Die Vereinten Nationen verfügen über keine Armeen, die sie den
heldenhaften Freiheitskämpfern in Ungarn hätten zu Hilfe senden können.
Es bestanden keine Verträge, auf Grund deren die freien Völker bewaffnete Hilfe hätten leisten können. Die einzige Waffe, die uns hier
zur Verfügung stand, war die moralische Verurteilung, da die einzige
Alternative ein Eingreifen unsererseits war, das den dritten und
sicherlich letzten Weltkrieg hätte auslösen können.
Es gibt Leute, die erklären, daß moralische Kraft ohne gleichzeitige militärische Aktionen, die ihr Geltung verschaffen, nichts
zu bedeuten habe. Wir sollten aber niemals die Kraft der moralischen
Verurteilung der Welt unterschätzen. Sogar die Sowjetunion sieht sich
gezwungen, dies anzuerkennen. Auch sie kann nicht vor die Welt treten,
wenn sie für die Knechtschaft, den kommunistischen Kolonialimperialismus und Gewaltanwendung eintritt, die Wesensbestandteile der kommunistischen Doktrin sind. Wie verbrecherisch ihre Taten auch immer
sind, sie sieht sich doch gezwungen, mit Begriffen wie Freiheit des
Individuums, Unabhängigkeit der Völker und Weltfrieden zu operieren.
Die Tatsache, daß sich die Machthaber im Kreml im vollen Scheinwerferlicht der Weltkritik zu bewegen haben, mag das ebenso heldenhafte polnische Volk davor bewahrt haben, das Schicksal Ungarns zu
erleiden. Polen besitzt heute ein wenigstens beschränktes Maß an
Unabhängigkeit.
Welche Auswirkungen werden die ungarischen Ereignisse auf die
internationalen Auseinandersetzungen hervorrufen? Nur zu viele kurzsichtige und oberflächliche Beobachter vertreten die Auffassung, daß
die Kommunisten in Ungarn einen großen Sieg errungen haben. Doch bei
einer nüchternen, realistischeren Beurteilung kommt man zu der Einsicht, daß die Kommunisten, wenn sie auch die Auseinandersetzung um
die Herrschaft in Ungarn gewonnen haben mögen, damit den Krieg um
die Beherrschung der Welt, den sie mit so viel Fanatismus zu gewinnen
suchen, verloren haben. Ich bin überzeugt, daß sich die Ereignisse in
Ungarn als ein wichtiger Wendepunkt im Kampf um die Niederringung des
Weltkommunismus ohne Krieg erweisen werden.
Lassen Sie uns untersuchen, in welcher Lage sich die Männer im
Kreml zur Zeit befinden. Vor dem ungarischen Zwischenfall hatte die
Sowjetunion selbst den Schiffbruch der stalinistischen Methoden zugegeben. Während der vergangenen zwei Jahre versuchten die sowjetischen Führer, durch einen Feldzug des Lächelns das zu gewinnen, was
sie durch nackte Gewalt und zügellosen Terror nicht erobern konnten.
Sie haben versucht, sich mit ihren Satellitenstaaten auf freundschaftlicher Basis zu einigen. Ihre Handlanger der Sklaverei versuchten,die
neutralen Nationen für sich zu gewinnen, indem sie für Frieden, wirtschaftlichen Fortschritt, Unabhängigkeit und die Gleichberechtigung
aller Völker eintraten. Der Eiserne Vorhang war ein wenig angehoben
worden, damit etwaige Besucher sich selbst davon überzeugen konnten,
daß die Sowjetunion die kritischen Blicke Außenstehender nicht zu
scheuen brauche .
Auf

�"AMERIKA DIENST"

12. Dezember 1956

Auf diese V/eise machten sie anscheinend recht beunruhigende
Fortschritte; aber wie stehen sie heute da? Die Lehren des ungarischen Aufstandes haben sich tief in das Denken und Fühlen der Menschen eingegraben. Infolge dieser Ereignisse brechen die kommunistischen Parteien in allen Ländern der V/elt auseinander. Die Sowjets
können sich nicht auf die Loyalität eines einzigen Satellitenlandes,
ja nicht einmal auf die ihrer eigenen Truppen verlassen. Ihr Feldzug
zur Gewinnung der neutralen Länder ist geplatzt.
Kann man denn im Ernst annehmen, irgendein Land der V/elt würde
heute noch den Schlächtern von Budapest Glauben schenken? Die Geschehnisse in Ungarn sind eine ernste Warnung an alle Staatsmänner, daß
jeder, der sich mit den Kommunisten einläßt, das gleiche wüste Massaker
riskiert, das über die ungarischen Freiheitskämpfer hereinbrach.
Diese wissen, daß die Kommunisten nicht Unabhängigkeit, Freiheit,
wirtschaftlichen Fortschritt und Frieden bringen, wie sie es versprechen, sondern Kolonialismus kommunistischer Provenienz, Sklaverei,
wirtschaftliche Ausbeutung und Krieg.
Gleichzeitig aber haben die Ereignisse in Ungarn unseren noch
schwankenden Freunden eindringlich vor Augen geführt, warum die Vereinigten Staaten so fest von der Richtigkeit des Prinzips der kollektiven Sicherheit überzeugt sind. Wir sind nur darum militärisch stark,
weil wir wissen, daß dies heute zur Erhaltung des Friedens unbedingt
notwendig ist. Wir lehnen die Anwendung von Gewalt zur Beilegung von
Streitigkeiten ab, sind uns aber gleichzeitig darüber im klaren, daß
starke Streitkräfte solange zur Selbstverteidigung unerläßlich sind,
wie der kommunistische Block an seiner Politik der Weltherrschaft
durch Macht und Gewalt festhält.
Wir schließen Bündnisse, um schwächere Nationen vor einem ähnlichen Schicksal wie das der Ungarn zu bewahren. Niemand wird heute
, noch meinen, Ungarn, Rumänien, die Tschechoslowakei oder andere sowjetische Satelliten seien frei oder unabhängig. Hingegen konnten diejenigen
Länder, die sich mit den Vereinigten Staaten in Verträge über die gemeinsame Sicherheit zusammenschlössen,
feststellen,
daß ihre
Unabhängigkeit durch dieses Bündnis in keiner Weise beeinträchtigt
worden ist.
Bei einem Überblick über die Ereignisse der letzten 40 Tage'im
Nahen Osten und in Ungarn müssen wir meiner Ansicht nach zwangsläufig
zu folgendem Schluß kommen! Wir können und dürfen nicht einen Augenblick lang die ungarische Tragödie unterschätzen, und wir müssen der
Tatsache eingedenk bleiben, daß die Lage im Nahen Osten nach wie vor
äußerst prekär bleibt und daß unser Bündnis mit unseren Freunden in
Europa einer schweren Belastung ausgesetzt ist. Aber mögen wir auch einige Rückschläge erlitten haben, es wurde doch ein festes Fundament gelegt
für den Aufbau einer auf Recht und nicht auf Gewalt beruhenden Weltordnung sowie für die Bezwingung des Kommunismus ohne das Mittel des
Krieges.
Wir werden dieses Ziel aber nur erreichen, wenn wir den Dingen
nicht ihren Lauf lassen, wenn wir als führende Nation
klug und einsichtig sind und wenn wir über ein reifes Urteilsvermögen verfügen.
Mir

�"AMERIKA DIENST"

12. Dezember 1956

Mir scheint, die Grundsätze, auf denen unsere Politik beruhen
sollte, hat Präsident Eisenhower im Laufe der letzten Wochen unmißverständlich formuliert. Am 31 .Oktober sagte er in einer Fernseh-Ansprache : "Der Friede, den wir erstreben und brauchen, ist sehr viel
mehr als lediglich das Fehlen des offenen Kriegszustandes. Er bedeutet Anerkennung des Rechts und Förderung der Gerechtigkeit in der
ganzen Welt ... Ohne Recht kann es keinen Frieden geben. Und es
kann kein Recht geben,wenn wir für unsere Freunde und unsere Feinde
verschiedene Rechtsnormen für die Gestaltung der internationalen Beziehungen anwenden."
Einen Tag später sagte er anläßlich einer Rede in Philadelphia*
"In wenigen Jahren sind wir vom Isolationismus, der jeden Gedanken:
an kollektive Sicherheit ablehnt, zu einer Politik der unbedingten
Unterstützung der Vereinten Nationen übergegangen, und an die Stelle
des Gefühls, unser Land könne sich selbst absolut Genüge sein und
habe mit anderen Nationen nichts zu schaffen, trat die lebendige Erkenntnis, daß unser obdrstes Ziel - ein gerechter und dauernder
Friede - nur zu erreichen ist, wenn alle übrigen Nationen diesen
Frieden mit uns gemeinsam genießen."
Wir wollen diese Grundsätze auch auf die Probleme anwenden,
denen wir uns gegenwärtig gegenübersehen.
Zunächst einmal müssen wir uns in bezug auf unsere Verbündeten
unbedingt darüber klar werden, daß die Geschichte dereinst vielleicht
einmal zu dem Spruch gelangen könnte, daß weder wir selbst noch unsere
Verbündeten in unseren Reaktionen auf die Ereignisse, die uns in die
derzeitige Krise führten, frei von Schuld waren. Unsere Freunde sind
der Meinung, wir hätten das Ausmaß der Provokationen, die sie zu ihrem
Vorgehen veranlaßte.n, nicht ganz erkannt und wir seien unserer Verantwortung mit Bezug auf die Lösung der grundlegenden Fragen in diesem
Gebiet nicht voll gerecht geworden.
Wir andererseits waren der Meinung, wir hätten ein gewisses
Recht, ihr Vorgehen zu diesem Zeitpunkt zu kritisieren.
Mir scheint es an der Zeit, zu erkennen, daß gegenseitige Beschuldigungen zu nichts führen können. Es hieße der Sache des Friedens einen
schlechten Dienst erweisen, wollten wir es zulassen, daß diese Ereignisse oder irgendein anderes Geschehen einen Keil zwischen uns und unsere
Verbündeten treibt.
Als politisch reife Völker wissen wir ganz genau, daß. wir nicht in
allen Dingen mit unseren Freunden stets einer Meinung sein können. Die
wahre Feuerprobe eines jeden Bündnisses und jeder Freundschaft sind
immer die schlechten Zeiten, nicht die guten. Überlebt aber eine Freundschaft oder ein Bündnis solche Krisenzeiten, dann werden sie daraus
immer nur gestärkt hervorgehen.
Wir sind stolz auf unsere Verbindung mit Frankreich und .England und
auf unser gemeinsames Eintreten für Freiheit und Gerechtigkeit, das uns
im ersten wie im zweiten Weltkrieg zusammenschweißte.
Wir
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�"AMERIKA DIENST"

12. Dezember 1956

Wir sind uns klar darüber, daß sie eine Reihe aggressiver Aktionen,
die bis an die Grenze der Gewaltanwendung reichten, zu erdulden hatten;
hinzu kam eine bedrohliche militärische Aufrüstung in einem Lande, das
ihrer Ansicht nach ihre vitalsten Interessen gefährdete. In diesem Niemandsland zwischen Krieg und Frieden ist die Entscheidung über den zu
steuernden Kurs sehr schwierig.
Es wird ihnen immer zur Ehre gereichen, daß sie sich dem Beschluß
der Vereinten Nationen fügten, als sie der Feuereinstellung zustimmten
und ihre Streitkräfte zurückzogen, obgleich dieser Entschluß ihrer
Meinung nach ihren Interessen zuwiderlief. Sie verzichteten darauf,
ihre überwältigende militärische Überlegenheit zur Erreichung ihrer
Ziele einzusetzen,, und das zu einem Zeitpunkt, als ihnen der vollständige Sieg sicher schien. Sie haben die Befriedung im Nahen Osten der
internationalen Polizeimacht der UN anvertraut.
Vergleichen Sie dieses Verhalten mit dem eines anderen Mitgliedstaates der Vereinten Nationen, der Sowjetunion. Die sowjetischen Führer
spotteten der Entscheidung der Vereinten Nationen, mit der ihre Aggression in Ungarn verurteilt wurde. Angesichts einer echten Krisis kehrten
die Kommunis ten zu ihren alten Methoden zurück und offenbarten damit
aller Welt die grenzenlose Grausamkeit und die zynische Verachtung
der grundlegenden Menschenrechte, die ihrem System innewohnen.
Nun, da unsere Verbündeten ihrer Ansicht nach die Interessen ihres
Landes dem Schiedsspruch der Vereinten Nationen untergeordnet haben,
ist es unsere heilige Verpflichtung, ein Programm der Vereinten Nationen zu entwickeln und zu unterstützen, das eine friedliche Lösung
aller Probleme gewährleistet, durch die der bewaffnete Konflikt in
diesem Gebiet heraufbeschworen wurde.
Wenn die aggressive Gewalt als Mittel der nationalen Politik für
ungesetzlich erklärt werden soll, dann müssen andere Mittel und Wege
gefunden werden, um die berechtigten Interessen von Staaten zu schützen,
die mit Mitteln bedroht werden, die hart an die Grenze der Gewalt reichen.
Über das unmittelbare Problem hinaus, die Wiederinbetriebnahme
des Suez-Kanals unter Modalitäten zu beschleunigen, die diese wichtige
Lebensader nicht erneut der Gefahr einer willkürlichen Schließung aussetzen, geht es darum, die moralischen, diplomatischen, wirtschaftlichen und militärischen Kräfte der Vereinigten Staaten und der Vereinten Nationen zu mobilisieren, um folgende Ziele im Nahen Osten zu
erreichen:
Die absolute Garantie der Souveränität aller in diesem Gebiet
liegenden Länder und eine gerechte Lösung aller offenen Streitfragen.

Eine

�"AMERIKA DIENST"

12. Dezember 1956

Eine allmähliche Rüstungsbegrenzung seitens der Länder in diesem
Gebiet.
Eine großzügige Unterstützung dieser Länder bei der Lösung ihrer
sehr realen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, damit diese Völker aus
Armut und Krankheit zu einem besseren Leben aufsteigen können.
Wir, die wir selbst soviel besitzen, dürfen die Bedeutung der
wirtschaftlichen Verhältnisse nicht übersehen, die einige Nationen für
die Sirenentöne aus Moskau anfällig gemacht haben. Wir sollten niemals
so in den Fragen der Tagespolitik aufgehen, daß wir darüber unser Ziel
auf lange Sicht vergessen, nämlich die Förderung von Frieden und Wohlstand in allen Ländern der Welt.
Früher haben die Staaten im Nahen Osten, die nach unseren Maßstäben gemessen arm sind und schwer um ihre wirtschaftliche Existenz zu
ringen haben, ihre spärlichen Hilfsquellen dafür verwendet, ihre militärische Stärke zu mehren. Heute haben wir die einzigartige Gelegenheit, ihnen zu zeigen, was erreicht werden kann, wenn diese Hilfsquellen
in den Dienst der Gesundheit und des Wohls ihrer Völker gestellt werden,
statt sie für die unfruchtbaren Zwecke der Aufrüstung zu verwenden. Wir
wollen nicht zu dem bewaffneten Waffenstillstand der letzten acht Jahre
zurückkehren. Wir wollen einen echten und dauerhaften Frieden als die
Grundlage einer neuen Xra des wirtschaftlichen Wohlstandes dieser stolzen und achtbaren Völker.
Solange noch Millionen Menschen in anderen Ländern in Armut und
Not leben, solange ist unser eigener wirtschaftlicher Wohlstand fragiwürdig. Auch unsere moralische Position wäre dann fragwürdig, denn !
wir könnten uns als gottesfürchtiges Volk kaum wohlfühlen, wenn wir
nicht versuchten, jenen zu helfen, die Mangel selbst an lehensnotwendigen Dingen leiden, während wir uns des Luxus erfreuen. Auch unsere
militärische Position wäre fragwürdig, denn Unruhe und Unzufriedenheit führen zu internationalen Spannungen. Spannungen aber können wiederum zum Kriege führen. Und selbst ein begrenzter Krieg könnte sich
plötzlich jeder Kontrolle entziehen und sich zu dem großen, endgültigen Krieg der gesamten Menschheit auswachsen, dem so gefürchteten
Atomkrieg.
Ein unmittelbares Problem, das sich uns infolge der Krise im Nahen
Osten stellt, ist die schlechte Finanzlange unserer Freunde in Großbritannien. Mir scheint es sowohl in unserem eigenen als auch in ihrem
Interesse zu liegen, wenn wir ihnen in dieser schweren Stunde beistehen,
und ich bin überzeugt, daß älne solche Hilfeleistung^die"Billigung der
Vertreter beider Parteien im Kongreß finden wird.
Um nochmals auf die Lage in Ungarn zurückzukommen, so müssen wir
auch weiterhin in der Bereitstellung einer sicheren Zuflucht für jene
tapferen Menschen, die sich der sowjetischen Tyrannei zu widersetzen
wagten, beispielgebend voranschreiten.
In den Vereinten Nationen wie bei jeder anderen sich bietenden
Gelegenheit müssen wir immer wieder vor dem Forum der Weltmeinung nicht

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�"AMERIKA DIENST"

12. Dezember 1956

nicht nur auf die vergangenen Ereignisse hinweisen, sondern auch
darauf, daß sowohl die ungarische Marionettenregierung als auch
die Regierung der Sowjetunion es ablehnen, sich dem Beschluß der
überwältigenden Mehrheit der Vereinten Nationen zu beugen.
Wir dürfen Unterdrückung oder Sklaverei niemals und in keinem
Teil der Welt ruhig hinnehmen.
Wir müssen die friedliche Befreiung der versklavten Völker in
jeder nur möglichen Weise unterstützen- und zu ihr ermutigen.
Y/enn wir diese Politik konsequent und rückhaltlos verfolgen,
kann sie letzten Endes nur das eine Ergebnis zeitigen - die unumgängliche Lockerung der Sklavenfesseln, die heute noch so vielen
Millionen Menschen auferlegt sind.
Man pflegt heute gern zu sagen, Amerika habe die Führung in
allen weltpolitischen Fragen übernommen. Unsere militärische und
wirtschaftliche Stärke hat uns diese furchtbare Verantwortung eingebracht, ob wir wollen oder nicht. Unsere politische Macht und
die damit verbundene Verantwortung haben aber angesichts der Ereignisse der jüngsten Zeit noch zugenommen.
Wir sind nunmehr sowohl in moralischer als auch in militärischer
und wirtschaftlicher Hinsicht die führende Nation. Und die an unsere
Generation gestellte Forderung lautet, daß wir uns den Erwartungen
der Geschichte in dieser Stunde der Entscheidung gewachsen zeigen
müssen. Heute ergeht der Ruf nach Weitblick und Größe nicht nur
an die Regierung, sondern an jedem einzelnen Amerikaner, gleichgültig
welcher Schicht des Volkes er angehört.
Heute geht es darum, auch auf dem Gebiet der internationalen
Politik Fortschritte zu erzielen, ebenso augenfällige Fortschritte,
wie wir sie bei unseren Automobilen sehen können. Ob wir wollen oder
nicht, die Diplomatie des 19«Jahrhunderts ist heute ebenso überlebt
wie die Automodelle von vor 50 Jahren. Im Zeitalter der Atomenergie
ist kein Platz mehr für militärische Aggression, koloniale Ausbeutung
oder Machtimperialismus. Diese Methoden waren sowiesro niemals moralisch
zu rechtfertigen; heute aber sind sie noch weit gefährlicher als je
zuvor. Ein Land, das heute einen kleinen Krieg beginnt, kann damit
eine Kettenreaktion auslösen, die unsere gesamte Kultur und Zivilisation vernichten könnte.
Im Interesse der Zukunft der gesamten Welt und der Sicherheit unserer Kinder und Kindeskinder willen müssen wir uns stärker als je
zuvor für einen auf Gesetz und Recht beruhenden Frieden einsetzen.
Ein auf alle Völker der Erde gleich anzuwendender Rechts- und Sittenkodex muß die Grundlage dieses Friedens bilden.
Das Gerüst dieses Friedens bilden militärische und wirtschaftliche
Stärke. Und Architekt dieses Friedens müssen die Vereinten Nationen
sein, die ihrem Bemühen, Recht und Gerechtigkeit überall auf unserer
Erde Geltung zu verschaffen, die volle Unterstützung unseres Landes
genießen.
Wenn
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�"AFRIKA DIENST"

12.

Dezember 19

Wenn wir untrer Verartwortu^g gegenüber der Welt gerecht
werden wollen, sc erfordert d^et, nicht nur wohldurchdachte Grundsätze und eine geschickte Diplomatie auf seiter dei Regi-xurg,
sondern auch Mut, Hingabe and Opfer auf seiten andres Volkes«
Der Ausgang des Ringens um die Gefolgschaft der Welt wird letzte
Endes davon abhängen, was aus jenen Millionen Menscnen wirJ, die
sich zar Zeit neutral ^halten und zu einer Entscneidung da-aber
zu gelangen suchen, ob sie si.ch den kommunistischem Landern ödender freien ffelt anschließen aollen«
Was wir als Regierung ihnen sagen, ist außerordent .ich wichtig;
was wir aber als Vclk darstellen, ist vielleicht sogar nooh wichtiger.
Unsere Regierung kann ihren sa^en, daß wir für das, was sie arstrehe ,
voll und ganz eintreten! Unabhängigkeit, Freiheit, wirtschaftlicher
Fortschritt und Anerkennung ihrer Menschenwürde. Aber so beredt wir
auch sprechen mögen, unsere Sache wird auf sehr viel sichererer
Füßen stehen, wenn wir im e.'genen Lande das verwirklichen, was wir
anderen Völkern predigen.
Daher ist es von so ungeheurer Bedeutung, daß wir einen erfolgreichen Kampf gegen die vereinzelt noch in einigen Gebieter, unseres
eigenen Landes anzutreffende Armut führen.
Und aus dem gleichen Grunde ist es von größter Wichtigkeit, daß
wir auch weiterhin entscheidende Fortschritte in der Beseitigung der
letzten Überreste früherer Diskriminierung und Vorurteile, die sioh
noch in den Vereinigten Staaten finden und die die Feinde der Frei^
heit in anderen Ländern so erfolgreich gegen uns auszuschlachten verstehen, erzieler. So wie wir die Gleichheit aller Völker der Erde
vor dem Recht auf unser Banner geschrieben haben, so müssen wir für
die Gleichheit aller Menschen in den Vereinigten Staaten vor dem
Gesetz eintreten, welcher Rasse sie auch angehören oder welcher Abstammung sie aucn sein mögen.
Amerika hat sich schon vor manche Bewährungsprobe gestellt gesehen und sich ihr gewachsen gezeigt. Keate stehen wir der vielleicht
größten Aufgabe in unserer Geschichte gegenüber. Wenn wir an diese
Aufgabe mit dem gleichen Geist, dem gleichen Schwung und der gleichen Entschlossenheit herangehen wie einst an den Aufbau unserer,
gewaltigen Industrie- and Wirtsciaftsmacht, wie sie sich in der •
von ihnen vertretenen großen Industrie offenbart, so werden wir
uns aach dieser Aufgabe gewachsen erweisen nd den Kampf um Frieden und Freiheit für die gesamte Menschheit gewinnen.

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

STRAUSS UNTERBREITET VORSCHLAGE ZUR AUSWEITUNG
UND BESCHLEUNIGUNG DES ENTWICKLUNGSPROGRAMMS
FÜR LEISTUNGSREAKTOREN IN DEN USA

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut einer Rede, die der Vorsitzende der amerikanischen Atomenergie-Kommission,Lewis L. Strauss, am
11. Dezember 1956 vor der Amerikanischen Gesellschaft
für Kernforschung und Kerntechnik in Washington gehalten
hat.

"Es ist mir ein Vergnügen, heute abend unter Ihnen weilen und
an dieser Zusammenkunft der ersten und einzigen Berufsvereinigung
amerikanischer Wissenschaftler und Ingenieure teilnehmen zu können,
die auf dem Gebiet der Kernenergie tätig sind.
Ich halte es für angemessen, Ihnen zunächst einen mir vorliegenden Brief Präsident Eisenhowers zur Kenntnis zu bringen; dieser
Brief hat folgenden Wortlaut;
'Ich bitte Sie, den offiziellen Vertretern und den Mitgliedern
der Amerikanischen Gesellschaft für Kernforschung und Kerntechnik
mein aufrichtiges Bedauern darüber zum Ausdruck zu bringen, daß es
mir nicht möglich ist, an dieser Zusammenkunft am Dienstag abend
in Washington teilzunehmen. Wohl keine zweite Gruppe von Menschen
in unserem Land trägt eine größere Verantwortung für unseren Fortschritt und die Wahrung unserer technisch führenden Position in
der friedlichen Weiterentwicklung dieser großen wissenschaftlichen
Entdeckung, die zu unseren Lebzeiten gemacht worden ist. In voller
Würdigung der überaus wichtigen Rolle, die den Mitgliedern der Gesellschaft zukommt, übermittle ich anläßlich dieser ersten Wintertagung der Gesellschaft meine herzlichsten Glückwünsche; möge der
Organisation weiterhin voller Erfolg für eine aktive und konstruktive Arbeit beschieden sein.
gez. Dwight D. Eisenhower.'

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�"AMERIKA DIENST"

19. Dezember 1956

In allernächster Zeit begehen Sie den zweiten Jahrestag der Gründung Ihrer Gesellschaft, und somit dürften Sie die jüngste unter den
wissenschaftlich-technischen Verein'gungen Amerikas überhaupt sein.
Man könnte vielleicht sagen, daß Ihre Gesellschaft gerade zu einem
Zeitpunkt ins Leben gerufen wurde, an dem das Zeitalter der Kernforschung den Kinderschuhen entwachsenrfar..Genau sechzig Jahre sind vergangen, seit Becquerel durch Zufall das Phänomen der Radioaktivität
entdeckte, und fünfzig Jahre, seit Einstein seine berühmte Formel
über das Maß-Energie-Äquivalenzprinzip niederschrieb. Auch wenn es
uns heute so vorkommen mag, als wäre es erst gestern gewesen, sind
es doch schon fünfundzwanzig Jahre her, seit Chadwick das Neutron
entdeckte, und in der vergangenen Woche waren es vierzehn Jahre,
daß an einem Dezembernachmittag in Ch.cago Enrico Fermi das Zeichen
gab, die Regelstäbe aus dem ersten Atommeiler herauszuziehen und damit die gesteuerte Kettenreaktion in Gang zu setzen. Zum ersten Mal
hatte der Mensch erkannt, daß er in der Lage ist, einen Teil der im
Atomkern gebundenen Energie zu nutzen^.
Aber abgesehen von den durch den Krieg bedingten fieberhaften
Bemühungen^ auf Grund dieser Entdeckungen eine Atombombe zu konstruieren, hatten die auf dem Gebiet der Kernforschung erzielten Fortschritte zum großen Teil nur akademischen Charakter. Erst in den
allerletzten Jahren ist diese Wissenschaft aus der Abgeschiedenheit
der Laboratorien in das Licht der Öffentlichkeit getreten.
Als die Amerikanische Gesellschaft für Kernforschung und Kerntechnik vor zwei Jahren gegründet wurde, gab es immer noch Leute, die
bedenklich den Kopf schüttelten und die Meinung vertraten,'daß diese
Sache niemals zu einem praktischen Erfolge gebracht werden würde 1 ,
oder zumindest viele Jahre hindurch große Anstrengungen nötig sein
würden, um auf kommerzieller Basis Atomenergie praktisch nutzbar
zu machen •Ich erwähne diese noch gar nicht so lange zurückliegenden Kommentare nicht, um hier Vergangenes wieder hervorzuholen, sondern um
deutlich zu machen, einen wie weiten Weg wir in so kurzer Zeit in
unseren Bemühungen um die Nutzbarmachung der Atomenergie zurückgelegt
haben.
So haben nun also die Schwarzseher und Propheten der Verzweiflung in einem Zeitraum von knapp zwei Jahren das Feld räumen müssen.
Die Menschheit nimmt die Versprechungen bezüglich der friedensmäßigen Nutzung der Atomenergie nicht nur einfach hin, sondern erwartet
mit einer gewissen Ungeduld ihre baldige und umfassende Verwirklichung.. Und aus diesem Grund behaupte ich, daß Ihre Gesellschaft in
der seit ihrer Gründüng im Januar 1955 verflossenen Zeit Zeuge des
Heranreifens der Kernwissenschaft zu einem unabdingbaren Bestandteil
unserer Zeit und der Zukunft der Menschheit geworden ist.
Viele unter Ihnen, meine verehrten Zuhörer, haben selbst zu
diesem Prozeß der Reife maßgeblich beigetragen und arbeiten auch
heute noch im gleichen Sinne weiter, sei es nun durch die Weiterentwicklung der Technik in den Laboratorien, deren Mitarbeiterstab Sie
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�"AMERIKA DIENST"

19. Dezember 1956

Sie angehören,
, oder sei es durch die experimentellen und kommerziellen Projekte Ihrer Firmen.
Ein großer Teil der Projekte, an denen Sie arbeiten, hat selbstverständlich die Erzeugung von elektrischem Strom aus Kernbrennstoffen
für kommerzielle Zwecke zum Ziel; und gerade 'hierüber möchte ich
heute abend zu Ihnen sprechen.
Unsere bisherigen Erfolge in der Nutzung der Atomenergie sind
bemerkenswert. Sie haben viele exjst drei oder vier Jahre zurückliegende
Vorhersagen von Fachleuten längst übertroffen, und ich vertraue darauf,
daß sich im Rahmen der weiteren Zusammenarbeit zwischen Regierung und
Industrie sowohl das Ausmaß als auch das Tempo des Fortschritts in
den vor uns liegenden Monaten und Jahren noch steigern wird.
Es ist bedauerlich, daß das Verständnis der Öffentlichkeit für
die Erfolge, die wir bereits in der Nutzung der Atomenergie erzielt
haben, zum Teil durch Meinungsverschiedenheiten überschattet wurde,
die über der Frage entstanden, welche Rolle die Regierung und welche
Rolle die private Wirtschaft bei den Bemühungen spielen solle , um Verfahren zur Nutzung der Atomkraft für die Energiegewinnung beschleunigt
zu entwickeln.
Um sich ein Urteil in dieser Frage bilden zu können, muß man bedenken, daß die Entwicklung der Kernenergie bis zum 30« August 1954
in allen ihren Phasen striktes Regierungsmonopol war. Privatfirmen
und öffentlichen Versorgungsbetrieben war es durch Gesetz verboten,
Leistungsreaktoren in eigener Regie zu bauen oder zu betreiben. Das
neue Atomenergiegesetz vom Jahre 1954 brachte hier eine grundlegende
Wandlung. Durch dieses Gesetz wurde die Zwangsjacke des Regierungsmonopols beseitigt und weiten Kreisen des Volkes Gelegenheit zur Mitarbeit an der Erschließung der Kernenergie gegeben; damit wurde auch
auf diesem Gebiet das Tor zu einer Entwicklung aufgestoßen, wie sie
der Tradition der amerikanischen Wirtschaft und des technischen Fortsähritts angemessen ist.
In seinen Einleitungsbestimmungen verkündete das neue Gesetz seinem Geist und seinem Zweck entsprechend - folgendes (und ich zitiere hier aus dem Gesetz):
'Entwicklung, Nutzung und Kontrolle der Atomenergie sollen so
gelenkt werden, daß diese dem Weltfrieden und dem allgemeinen Wohl
diene, zur Steigerung des Lebensstandards beitrage und den freien Wettbewerb in der Privatwirtschaft stärke'.
Den Satz 'den freien Wettbewerb in der Privatwirtschaft stärke'
möchte ich besonders hervorheben, weil das Programm der AtomenergieKommission zur Entwicklung von Leistungsreaktoren sich auch an dieses
Ziel gebunden hielt, das der Kongreß meiner Ansicht nach in kluger
Erkenntnis der Dinge in dem Gesetz von 1954 verankerte. Wir sind infolgedessen eine Art Partnerschaft mit der Industrie eingegangen. Der

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�AMERIKA DIENST"

19. Dezember 1956

Der Industrie wurde Gelegenheit gegeben, ihre auf Kostenersparnis
ausgerichtete Initiative und ihren Wettbewerbsgeist für die Lösung
der mit der Erzeugung von Atomstrom verbundenen Probleme einzusetzen das heißt für die^Crschließung einer Energiequelle, die mit den herkömmlichen Energiequellen zur Stromerzeugung auch wirklich konkurrieren
kann - und ihr Geld in derartigen Unternehmen zu investieren.
Solange noch das Regierungsmonopol gültig und nicht durch das Gesetz
von 1954 durchbrochen war, konnte die Entwicklung von Atomkraftanlagen
für kommerzielle Zwecke in unserem Lande nur geringe Fortschritte erzielen. Es war ja nicht nur die Industrie aus diesem Geschäft geschlossen,
sondern auch die Regierung selbst hatte ein sehr vorsichtiges Programm
für die Erforschung der Möglichkeiten zur Schaffung einer Kernenergiewirtschaft aufgestellt. Unser einziges größeres Versuchsunternehmen auf
diesem Gebiet war kurz nach dem Krieg im Knolls-Laboratorium der Kommission
in Schenectady angelaufen, aber 1950 wieder eingestellt worden. Zwei
sehr viel kleinere Versuchsobjekte mit Leistungsreaktoren waren von der
Kommission in den Kernforschungsinstituten Argonne und Oak Ridge in Angriff genommen worden. Ehe wir uns aber diesen recht begrenzten Versuchen
gegenüber kritisch äußern, sollten wir uns doch daran erinnern, daß damals eine ganze Anzahl von Atomwissenschaftlern jeden Vorschlag zu einem
Entwicklungsprogramm für wirtschaftlich rentable Kraftreaktoren sehr
skeptisch betrachteten.
Diese Einstellung der Wissenschaftler änderte sich auch im Laufe des
Jahres 1952 nicht, wie aus dem Bericht zu ersehen ist, den der gemeinsame
Atomenergieausschuß des Senats und des Repräsentantenhauses im Dezember
des genannten Jahres herausgab und in dem bezüglich der Einstellung des
Projekts in den Knolls-Laboratorien folgender Passus enthalten ist«
'Seit dem Frühjahr 1950 gibt es kein großes Projekt zur Entwicklung
eines Reaktors, der unmittelbar der Erzeugung von elektrischer
Energie für industrielle Zwecke dient.1
Im Jahr 1955 setzte jedoch eine rege Tätigkeit auf diesem Gebiet
ein, und Anfang 1954 ließ die Kommission ihr FünfJahresprogramm zur
Entwicklung von Leistungsreaktoren anlaufen. Dieses Programm, das vor
Erlaß des neuen Gesetzes in Angriff genommen wurde, war in bezug auf
seinen Umfang zwangsläufig durch das alte Gesetz beschränkt, denn das
Regierungsmonopol war noch unangetastet. Dieses Programm stützte sich
in erster Linie auf staatliche Initiative und auf staatliche Gelder,
und der Industrie war jeder Weg zu einer nennenswerten Beteiligung
versperrt.

Das

�"AMERIKA DIENST"

19. Dezember 1 956

Das erste Atomkraftwerk, das im Rahmen dieses Programms fertiggestellt und an das Stromnetz angeschlossen wird, ist das Werk in
Shippingport ( Pennsylvanien). Diese Anlage, die in Zusammenarbeit von
Regierung, der Duquesne Light Company und der Westinghouse Company
gebaut wird, nähert sich ihrer Vollendung und wird im neuen Jahr in
Betrieb genommen; sie soll zunächst 65 000 Kilowatt, später 100 000
Kilowatt Strom für den Haushalts- und Industriebedarf im Gebiet um
Pittsburgh liefern. Ungeachtet anderslautender Berichte wird es das
erste Atom-Großkraftwerk der '.Veit sein, das ausschließlich zivilen
Bedürfnissen dient, denn das dort anfallende Plutonium ist ein reines
Nebenprodukt. Es handelt sich hier um ein Kraftwerk.
Der nächste Schritt nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes im
Sommer 1954 bestand darin, der Industrie - das heißt den privaten Versorgungsbetrieben, den Kraftwerken in öffentlichem und genossenschaftlichen Besitz sowie den Herstellerbetrieben - den Weg frei zu machen,
um eigene Kraftwerke zu bauen und zu betreiben, die natürlich den
allgemeinen Sicherheitsbestimmungen und so weiter unterworfen sein
müssen, aber im übrigen frei von den Beschränkungen sind, wie sie
Unternehmen in staatlicher Regie nun einmal anhaften.
Dieser Prozeß wurde beschleunigt durch ein Entwicklungs- und
Versuchsprogramm für Leistungsreaktoren. Private wie öffentliche Unternehmen wurden aufgefordert, Vorschläge für den Bau von Leistungsreaktoren verschiedenster Typen und Größen einzureichen und die Regierung
zu ersuchen, in bestimmten Fällen sich an den Kosten für Forschungsund Entwicklungsarbeiten zu beteiligen, die eine - für alle Interessierten zugängliche - Reaktortechnik fördern.
Die erste Aufforderung an die Industrie im Rahmen des Leistungsreaktors-Entwicklungsprogramms erging im Januar 1955» und acht Monate
später folgte die nächste Ausschreibung, die sogenannte "zweite Vorschlagsaktion" - durch letztere sollte das Interesse an Kraftwerken
mit einer elektrischen Leistung zwischen 5000 und 40 000 Kilowatt
geweckt werden. Im ganzen gingen zehn Vorschläge für Atomkraftwerke
mit einer Gesamtkapazität von 400 000 Kilowatt ein.
Die Erfolge, die im Rahmen dieses Entwicklungsprogramms für Leistungsreaktoren in knapp zwei Jahren erzielt wurden, lassen indessen nur zu
einem Bruchteil erkennen, welche verheißungsvollen Aussichten wir in
den Vereinigten Staaten in den nächsten fünf bis sechs Jahren auf diesem Gebiet haben. Denn hinzu kommen noch mindestens sieben andere
Atomkraftwerke, die amerikanische Unternehmen vollkommen aus eigenen
Mitteln, ohne unmittelbare finanzielle Hilfe seitens der Regierung,
erstellen wollen. Diese Industriefirmen sind so von dem zwangsläufigen
Siegeszug der Atomkraft überzeugt, daß sie bereit sind, Summen in Höhe
von 250 bis 300 Millionen Dollar in diesen sieben Atomkraftwerken zu
investieren, die eine Gesamtkapazität von 900 000 bis eine Million
Kilowatt besitzen sollen.

Alles

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19. Dezember 1956

Alles in allem, das heißt einschließlich des Entwicklungsprogramms
für Leistungsreaktoren mit seinen Partnerschafts- und Kostenaufteilungsplänen, den eigenen Projekten der Industrie und der Reaktoren, die
im Rahmen des Versuchsprogramms der Regierung gebaut werden sollen wozu auch das '.Verk in Shippingport zählt -, existieren Pläne in den
verschiedensten Entwicklungsstadien für den Bau von wenigstens 18 Atomkraftwerken für zivile Zwecke in Amerika, die bis 1962 in Betrieb genommen werden sollen. Diese 18 '.Verke stellen ein Investitionskapital
von reichlich 65O Millionen Dollar'dar, die zu einem großen Teil von
der Privatwirtschaft selbst aufgebracht werden sollen.
Seit Anlaufen dieses Programms zum Bau von Kraftwerksreaktoren
in Übereinstimmung mit dem Gesetz von 1954 war die Kommission bestrebt,
die Entwicklung zu be chleunigen, indem sie sich um die Freigabe der
wichtigen technischen 'nformationen für den Bau von Atomkraftreaktoren
bemühte - mit Ausnahme solcher Fälle, wo die Freigabe die militärische
Sicherheit der USA gefährden könnte. Immer mehr derartiges Material
wird laufend freigegeben und veröffentlicht.
Dieser Prozeß einer ordnungsgemäßen und vorsichtigen Freigabe
wichtigen Informationsmaterials ist seit 2 1/2 Jahren im Gange, und
wir hoffen, bald einen weiteren wichtigen Schritt in dieser Richtung
tun zu können. Auf Grund der jüngsten Besprechungen zwischen den Regierungen der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und Kanadas über
neue Richtlinien für die drei Mächte bezüglich der Freigabe von Geheimmaterial ist damit zu rechnen, daß zusätzlich umfassende technische Datön, die sich auf die Konstruktion, den Bau und den Betrieb von
industriellen Kraftwerksreaktoren beziehen, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden und damit nicht mehr unter die Geheimhaltungsvorschriften fallen.
Abgesehen von dieser Freigabe technischer Informationen haben wir
in den letzten Jahren der amerikanischen Industrie und unseren Freunden
im Ausland die Zusicherung gegeben, daß sie ausreichende Lieferungen
von Kernbrennstoff für den Betrieb solcher Reaktoren erhalten werden,
und wir haben ihnen das für die Errechnung der Kosten erforderliche
Unterlagenmaterial zur Verfügung gestellt.
Im Februar dieses Jahres hat Präsident Eisenhower unsere Empfehlung, 40 000 Kilogramm Uran-235 zur friedensmäßigen Nutzung zur Verfügung zu stellen, begrüßt. Von dieser Menge wird die Hälfte den uns
befreundeten Nationen und der neugegründeten Internationalen Atombehörde zur Verfügung gestellt werden, sobald diese Behörde ihre Tätigkeit aufgenommen und der US-Senat bis dahin die Statuten dieser Behörde
akzeptiert hat. Die gleiche Menge Uran-235 ist zur Verwendung in den
Vereinigten Staaten selbst vorgesehen, in erster Linie natürlich für
Atomkraftwerke. Die Kommission wird in Zukunft dem Präsidenten von
Zeit zu Zeit Vorschläge auf zusätzliche Zuteilung von Kernbrennstoff
zur Förderung der Atomkraftwerksprogramme in den USA und im Ausland
unterbreiten. Wir hoffen, mit diesen Zuteilungen die ausreichende
Versorgung mit Kernbrennstoff für eine Zeitdauer gewährleisten zu
gönnen, die für die Amortisierung der Investitionen in Atomkraftwerken unerlässlich ist.
T

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�AMERIKA DIENST"

19. Dezember 1956

Im vergangenen Monat hat die Kommission bekanntgegeben, welche
Preise die US-Regierung für Atombrennstoff berechnen und was sie für
Plutonium zahlen würde, das als Nebenprodukt in den von den USA mit
Kernbrennstoff versorgten Atomkraftwerken des Auslands anfällt.
In diesem Zusammenhang darf ich hinzufügen, daß die Kommission
ihr Forschungsprogramm zur Entwicklung von Verfahren, die die Verwendung von Plutonium als Brennstoff für Kraftreaktoren ermöglichen
soll*n, intensiv weiter verfolgt. Es ist Ihnen wohl allen bekannt, daß
das gesamte bei uns zur Zeit gewonnene Plutonium - mit ausnähme der für
Forschungszwecke er*orderlichen Mengen - im lahmen unseres Rüstungsprogramms verbraucht wird. '.Vie fest wir mit einer erfolgreichen Durchführung dieses Forschungsprogramms rechnen, bezeugt schon die von uns gegebene Versicherung, daß in Zukunft das gesamte Plutonium, das im Rahmen
unserer Abkommen mit befreundeter Latio en über eine friedliche Nutzung
der Atomenergie aufgekauft wir , -sschließlich zu friedlichen Zwecken
Verwendung findet»
Die AEC-Maßnahmen der letzten drei Jahre, also seit Aufnahme eines
klar umrissenen Programms zum Aufbau einer Atomenergiewirtschaft, haben,
was die Aussichten auf eine reichliche und rentable Erzeugung von Atomstrom betrifft, eine erfolgreiche Entwicklung gebracht.
Aber da wir nun einmal v^n den außerordentlichen, segensreichen
Möglichkeiten zur Gewinnung vom Atomstrom überzeugt sind, können wir
uns mit den erreichten Fortscnritten, so wesentlich diese auch sein
v
mögen, nicht zufrieden geben.
Unser Ziel ist es nicht, « ill'..ürlich eine Anzahl von Atomkraftwerken
zu bauen oder eine bestimmte Leistung an Kilowattstunden zu erreichen.
Unser Ziel, das uns gleichzeitig klüger und konstruktiver erscheint, ist
es vielmehr, die Konstruktionstec mik für Leistungsreaktoren der verschiedensten Typen und Größen so weit zu vervollkommnen, daß sie mit
den bisherigen Verfahren der Stromerzeugung konkurrieren können.
Um aber die hierzu erforderlichen technischen und wirtschaftlichen
Kenntnisse zu sammeln, brauchen w'r in Amerika ein umfangreiches Programm für den Bau von Kraftwerksreaktoren. Das heißt, wir müssen
Atomkraftwerke bauen, um die im Laboratorium gesammelten Erfahrungen
und Erkenntnisse in der Praxis zu rufen und auszuwerten. Es bleibt
uns kein anderer 'Heg,
Aus unserem Entwicklungsprogramn für Leistungsreaktoren, das wir
seit zwei Jahren durchführen, haben wir vertvolle Erkenntnisse und
Richtlinien für die Zukunft gewönne . Unter anderem haben wir durch
dieses Programm erfahren, daß wir unser Partnerschaftsprogramm zwischen
Regierung und Privatwirtschaft sowohl elastischer gestalten als auch
weiter ausbauen müssen.
Ich bin daher der Meinung, da3 es im Interesse weiterer und größerer
Fortschritte auf dem Wege zu einer Lösung des Problems der Erzeugung von
Atomstrom gut wäre, wenn wir eine Reihe von Verbesserungen durch die
Abänderung unseres Atomstrom-Entwicclungs-Programms in Betracht zögen,
insbesondere was die "Grundregeln' unseres Entwicklungsprogramms für
Leistungsreaktoren angeht.
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19. Dezember 1956

Ich kann hier und in diesem Augenblick von derartigen Änderungen
nicht im Namen der Kommission sprechen; ich muß sie daher nur in meiner
Eigenschaft als Mitglied dieser Kommission erörtern. Ich empfehle den
Mitgliedern der Kommission jedoch ein neues Achtpunkte-Programm; denn
nach reiflicher Überlegung bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß ein
derartiges Programm die Entwicklung künftiger Kernreaktoren zur Erzeugung von Kraftstrom beschleunigen dürftel
Ich hoffe, daß noch in diesem Monat oder Anfang Januar die USAtomenergie-Kommission in der Lage sein wird, dieses erweiterte Programm
.in Erwägung zu ziehen und vielleicht sogar einmütig zu unterstützen, und
daß der Kongreßausschuß für Fragen der Atomenergie.fl'der gleich uns von
den vielversprechenden Möglichkeiten der Kernkraft für die Energiegewinnung
überzeugt ist - auch seinerseits das Projekt befürwortet und unterstützt.
Das eigene Versuchsprogramm der amerikanischen Regierung, das im
Jahr 1954 aufgestellt worden war und zunächst fünf verschiedene Reaktortypen vorsah, wurde inzwischen um weitere vier Typen erweitert; ich
empfehle daher, unverzüglich Schritte zu unternehmen, um den Bau von
mindestens zwei weiteren großen und drei kleinen Leistungsreaktoren
für den zivilen Gebrauch bis spätestens 30.Juni 1962 zu gewährleisten.
Diese Anlagen würden sich hinsichtlich Typ und Konstruktion völlig von
den für eine kommerzielle Verwendung bestimmten Leistungsreaktoren unterscheiden, die gegenwärtig geplant oder im Bau sind. Sie könnten vielleicht
Prototypen von Reaktoren sein, deren Entwicklung Teil des Versuchsprogramms
der US-Regierung ist.
Dieses umfassende Ziel würde im Rahmen des von mir vorgeschlagenen
Achtpunkte-Programms erreicht, das folgende Maßnahmen in sich schließt»
Erstens« Ich schlage vor, daß die Atomenergie-Kommission so rasch
wie möglich in einer dritten Aktion zur Einreichung von Vorschlägen im
Rahmen des Programms zur Entwicklung von Leistungsreaktoren auffordert,
allerdings mit folgender bedeutsamen Abweichung von dem bisherigen Verfahren» Jeder unterbreitete Vorschlag wird einzeln und sofort nach Eingang bei der Kommission behandelt. Darüber hinaus würde, im Gegensatz zur
jetzigen Gepflogenheit, ein besonderer Termin als Einsendeschluß für
derartige Vorschläge fortfallen. Es wäre damit ein fortlaufendes und
ständig überprüftes Programm geschaffen, das schnellste Durchführung.,
sowie die bestmöglichen Chancen für eine Revision oder Ausweitung, wie
es die Umstände gerade erfordern, garantiert. Aber nur solche Vorschläge
werden in Erwägung gezogen, die die Fertigstellung der betreffenden Anlage vor dem 30.Juni 1962 versprechen.
Zweitens: Weder für die Größe noch den Typ der Atomkraftwerke, für
die Konstruktionspläne eingereicht werden, sind irgendwelche Begrenzungen
vorgesehen. Entscheidend ist nur, ob sie dazu geeignet sind, billig,
reichlich und gefahrlos Atomstrom zu liefern. Die neu eingereichten Vorschläge würden, ebenso wie im Fall der ersten und zweiten Ausschreibung, .
ohne irgendwelche Diskriminierung der Einsender angenommen und in Erwägung
gezogen werden, gleichgültig ob sie von Einzelfirmen oder Firmengruppen
als den Vertretern privater Versorgungsbetriebe, von genossenschaftlich
oder öffentlich verwalteten Versorgungsbetrieben oder von Firmen kommen,
die die erforderlichen Ausrüstungen liefern.
Drittens t
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�AMERIKA DIENST"

19- Dezember 1956

Drittens: Bei der Prüfung der eingereichten Vorschläge wurde
die Kommission dpei spezielle Reaktortypen bevorzugt gemäß dieser
Reihenfolge erörtern: an erster Stelle eine mit natürlichem Uran
und Schwerem Wasser als Moderator arbeitende Groß-Reaktoranlage
deren elektrische Leistung mindestens 100 000 Kilowatt beträgt;
an zweiter Stelle ein Groß-Reaktorsystem mit flüssigem Reaktorbrennstoff, der auf wässerigen Lösungen und (bzw. oder) Aufsohwimmungen
von uran- und (bzw. oder) thoriumhaltigen Stoffen basiert und ebenfalls eine Mindestleistung von 100 000 Kilowatt besitzt; und an
dritter Ste]le drei neuartige kleine Reaktorprojekte verschiedener
Konstruktion.
Viertens: Unter diesen Punkt fällt das Angebot der Atomenergie
Kommission, hinsichtlich des Baues dieser Leistungsreaktoren der Industrie den Vorrang einzuräumen. Sollten jedoch in bezug auf alle
genannten Typen nicht innerhalb eines annehmbaren Zeitraums brruchbare Vorschläge eingereicht werden, so würde die Kommission von sich
aus prompte und positive Schritte zum Bau solcher Reaktoren unternehmen.
Für alle auf staatliche Initiative errichteten Anlagen gilt ebenalls
der 30.Juni 1962 als Endtermin.
Fünftens: Wir müssen und können jetzt rascher voranschreiten nicht nur was den tatsächlichen Bau von Versuchs- und Modell-Atomkra-ftwerken im natürlichen Maßstab, sondern auch was die Ausweitung unserer
wissenschaftlich-technischen Erkenntnisse durch eine umfassend-.re Fo-schung und Entwicklung anbetrifft. Ich schlage deshalb vor, daß die
AEC die vorha. denen Möglichkeiten für eine von der Regierung in dieser
Hinsicht gewährte Unterstützung wesentlich erweitert, indem sie, deutlich
unterschieden von den tatsächlichen Baukosten, einen größeren Anteil an
den Kosten der Forschung und Entwicklung übernimmt. Diese Ausweitung
der staatlichen Hilfe - zu der noch die eigenen Versuchsprojekte 8er AEC
hinzukommen - würde sich nicht nur auf Vorschläge erstrecken, die bei
der dritten Ausschreibung im Rahmen des Demonstrationsprogramms von
Leistungsreaktoren akzeptiert werden, sondern auch auf Projekte, die
nach der ersten und zweiten Ausschreibung bereits in Angriff genommen
wurden. Ich bin überzeugt, daß eine solche Unterstützung von Forschung
und Entwicklung seitens der Regierung der gesamten Kernindustrie einen
gewaltigen Auftrieb geben wird. Sie würde nicht nur die Konstruktionstechnik von Reaktoren selbst fördern, sondern auch eine Verbesserung der
Baustoffe, die Entwicklung billigerer und ergiebigerer Brennstoffelemente, die Weiterentwicklung der Reaktorphysik, der Methoden der Wärmeübertragung, der Strömungslehre, der chemischen Verfahren und der Verfahren der Abfallbeseitigung, der Sicherungseinrichtungen am Reaktor
und vieler anderer Dinge, bewirken, die für die billige, reichliche
und ungefährliche Erzeugung von Atomstrom eine wichtige Rolle spielen.
Sechstens
werde ich mich im Rahmen meines Vorschlags dafür e nsetzen, weitere Unterstützung in der Form zu gewähren, daß die von der
Kommission bei der Verpachtung von Brennstoffelementen zum kommerziellen
Betrieb von Reaktoren erhobenen Benutzungsgebühren reduziert oder schrittweise überhaupt aufgehoben werden, und daß ferner die Kommission im Zusammenhang mit der Schwerwasser-Beschickung eines mit natürlichem Uran
arbeitenden Reaktors, dem Schweres Wasser als Moderator dient, auf die
Dauer von fünf Jahren überhaupt keine Gebühren erhebt.
qi h t _g.

�"AMERIKA DIENST" -

19. Dezember 1956

Siebtens: Ich schlage der Kommission vor, sehr bald Schritte
zur Pestsetzung der Gebühren zu unternehmen, zu denen sie nach bindenden Vereinbarungen die chemische Aufbereitung von KernbrennstoffElementen in staatseigenen Anlagen übernehmen will.
Achter und letzter Punkt: Die neue und viel elastischere Partnerschaft der Atomenergie-Kommission mit der Industrie - die sich zwar in
erster Linie auf die Errichtung von Atomkraftwerken erstrecken soll müßte auch breit genug angelegt sein, um Reaktorprojekte für andere
kommerzielle Verwendungszwecke, beispielsweise für Heizanlagen, chemische Herstellung oder Behandlung; von Kunststoffen oder irgendwelche
anderen Vorhaben aus der ständig wachsenden Zahl der Anwendungsmöglichkeiten von Reaktorwärme zu ermöglichen, die gegenwärtig noch von Wissenschaftlern und Ingenieuren geprüft werden.
Ich bin der Meinung, daß ein derart erweitertes Programm für die
Reaktorentwicklung, wie ich es eben hier dargelegt habe, für den Fall,
daß es angenommen wird, von Jahr zu Jahr von der Kommission neu überprüft und, wenn erforderlich, modifiziert werden sollte, um stetige
rasche Fortschritte zu garantieren. Diese Überprüfung würde jeweils im
Herbst stattfinden, so daß das entsprechende Programm in den Haushaltsplan aufgenommen werden kann, der in seiner endgültigen Form gewöhnlich
im November oder Dezember ausgearbeitet wird, um im Januar dem Kongreß
unterbreitet zu werden.
Mit diesen Vorschlägen habe ich nur die Möglichkeiten zu einer Ausweitung und Beschleunigung des Entwicklungsprogramms für Leistungsreaktoren in den Vereinigten Staaten umrissen, und ich habe dabei die wesentliche Hilfe, die wir anderen Ländern beim Aufbau eigener AtomenergieProgramme leisten, nur kurz gestreift.
Ich möchte jedoch gerne noch hinzufügen, daß diese Vorschläge - so
wie ich mir ihre Verwirklichung denke - weitgehend auf unser Hilfsprogramm für befreundete Nationen wie auch das gesamte Programm zur Erzeugung
von Atomstrom hier in den Vereinigten Staaten anwendbar wären. Wir
würden damit den Fortschritt in der weiteren Erschließung der Atomkraft
unter allen friedliebenden Völkern fördern. Amerikanische Konstrukteure
und Herstellerfirmen von Industrie-Reaktoren und deren Zubehör bekämen
dadurch bessere Chancen, mit dem Ausland, insbesondere mit jenen Ländern
ins Geschäft zu kommen, die mehr auf die Erzeugung von Atomstrom angewiesen sind als - gegenwärtig - die Vereinigten Staaten.
Ich habe hier nicht viel mehr tun können, als diesen Programmvorschlag zur Ausweitung und Beschleunigung der Entwicklung von Atomkraftwerken zu umreißen; viele Details müssen noch in diesen Rahmen hineingearbeitet werden. Aber ich bin überzeugt, daß er vieles enthält, was
ihn einer ernsthaften Erwägung und der Unterstützung seitens der Atomenergie-Kommission, der Industrie und auch von Ihrer Seite wert macht, die
Sie als Kernwissenschaftler und Ingenieure die Fachleute auf diesem Gebiet sind und die verschiedenen, von mir hier erwähnten interessierten
Kreise fachmännisch beraten.
Ein für den Aufbau einer gesunden und entwicklungsfähigen Atomindustrie unerläßliches Erfordernis habe ich nicht in mein Achtpunkte- 10 -

�"AMERIKA DIENST"

19. Dezember 1956

Achtpunkte-Programm einbezogen, obgleich ich es im Augenblick für
dringlicher halte als jede andere Maßnahme.
Ich meine die Schwierigkeiten, die infolge des Fehlens angemessener Versicherungsbestimmungen über die Haftpflicht der Initiative
der Privatindustrie, Atomkraftwerke zu bauen, im Wege stehen. Eine
diesbezügliche Gesetzesvorlage war zwar vom Kongreßausschuß für
Fragen der Atomenergie während der letzten Sitzungsperiode des
Kongresses gebilligt worden, wurde jedoch nicht zur Entscheidung
in den Kongreß selbst eingebracht.
Es ist dringend notwendig, daß der neue Kongreß sich umgehend
mit dieser Angelegenheit befaßt, um das größte Hindernis für die
beschleunigte Durchführung eines Leistungsreaktor-Programms in den
Vereinigten Staaten zu beseitigen."

* * * * *

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�EMBAS3Y OF THE UNITED STATES
Office of Economic Affairs
Bonn-Bad Godesberg
November 1956

ÜBERSICHT ÜBER DEN OST-WEST-HANDEL II. HALBJAHR 1955

Achter Halb Jahresbericht an den U.S.-Kongress über die Durchführung
des Gesetzes zur Überwachung der Gegenseitigen Verteidigungshilfe
(Mutual Defense Assistance Control Act) vom Jahre 1951-

�INHALTSVERZEICHNIS

Seite
Gestaltung des Handels
Handelsvolumen

,

West-Europas Handel mit dein Roten Block
Ausfuhren der COCOII-Staaten nach dem
Roten Block
Rot-Chinas Handel mit der freien Welt
Der Handel der Vereinigten Staaten mit den
ouropaeischen Laendern im Roten Block
Die Vereinigten Staaten und ihre Handelssperre
gcgenueber Rot-China
Handel Lateinamerika - Roter Block
Sonstige Handelsbeziehungen
Handelsabkommen

1
4
5
5
6
7
8
8

Die Zeit der Handelskontakte und de3 landwirtschaftlichen Delegationsaustauscnes
Die Genfer Besprechungen

10

Landwirtschaftliche Delegationen besuchen
die Vereinigten Staaten
Sowjetisch-amerikanischer Handel und
US Senatoren
Konferenz der UH Wirtschaftskommission fuer
Europa ueber Wirtschaftsfragen

11
12
12

Industriemessen als Instrument der Aussenpolitik
des Roten Blocks
Haeufigkeit, Kosten, Schwerpunktgebiete
Ziele ,.
Die Beteiligung des Roten Blocks
Besonders erwaehnenswerte Industriemessen
Das "essenrogramm der Vereinigten Staaten

'.

13
16
17
17
19

�KAPITEL
IV.

Ccite
Rote V,:irtscliaf ts-"Diplor.atic" in den entricklungs'ooduerf tigon Staaten.
Marx und seine Apostel

20

Grundlagen der Ilandelsoff ensive

21

Hintergruende der Ilandelsoff ensive
Ilandelsvertraege und Kredite

25

Propaganda gchoert dazu

24

Vorstoesse in den "ahen Osten

25

Kanonen fuor Paurnvolle

26

Dulganins und Chruschtschevrs Poise
nach Gued-Asien

27

Der Pcis als '.Yaife

28

Der Klingende Rubel

29

PubeII:leenge i n L a t e i n a n e r i k a

50

,','ie wird der Herausforderung "begegnet?

32

�Seit
Rote ".Virtschafts-"Diplor,atic" in den entricklungs"beduerftigen Ztaaten.
Marx und seine Apostel

20

Grundlagen der Ilandelsoffensive

21

Hintergruende der Ilandelsoffensive
Handelsvertraege und Kredite

23

Propaganda gchoert dazu

24

Vorstoesse in den Ilahen Osten

25

Kanonen fuor Baumvolle

26

Bulganins und Chruschtschows Reise
nach Gued-Asien

27

Der Reis als V/affe

28

Der Klingende Rubel

29

Rubelklaenge in Lateinanerika

30

V.'ie wird der Herausforderung "begegnet?

32

�KAPITEL I

G E S T A L T U N G

DES

H A N D E L S

Handelsvolumen
Der Warenaustausch zwischen der freien Welt und dem Roten Block*)
betrug im Jahre 1955 wertmaessig insgesamt 4,46 Milliarden Dollar, wie
nachstehende Zahlen und Darstellung I zeigen. Das sind gegenueber 1954
mit seinen 3»6 Milliarden Dollar 24$ mehr.
Gesamtwert des Handels der freien Welt mit dem Roten Block
in den Jahren 1954 und 1955
(In Millionen US Dollars)
Roter Block
Europaeischer
Rotinsgesamt
SowjetblocR
China
1955 (vorlaeufig)
125J

4.461,4
?. 5,99,8

3.646,0
2.923.4

805,8
662A

Waehrend die Ausfuhr nach dem Roten Block im Jahre 1954 1»76
Milliarden Dollar betrug, stieg sie im Jahre 1955 um 15$ auf schaetzungsweise 2,03 Milliarden Dollar (Darstellung I I ) . Die Einfuhr aus dem Roten
Block im Jahre 1955 erhoehte sich mit circa 2,43 Milliarden Dollar um 32$
gegenueber 1,83 Milliarden Dollar im Jahre 1954« Die Ausfuhr der freien
Welt nach dem Roten Block stieg also nicht im gleichen Masse an wie die
Einfuhr von dort. Damit erfuhr die Lage gegenueber dem Jahre 1954 eine
Umkehrung.
Die Ausweitung der Ausfuhr der freien Welt nach dem Roten Block
ergibt sich in erheblichem Masse aus erhoehten Exporten nach den eurorpaeischen Satellitenstaaten, hauptsaechlich nach der Tschechoslowakei,
Ungarn und Polen. An den erhoehten Bezuegen der freien Welt aus dem Roten
Block sind fast alle Rotblockstaaten beteiligt, voran die Sowjet-Union,
gefolgt von Rot-China, der Tschechoslowakei und Polen.
Dem weiteren Anstieg des Handels der freien Welt mit dem Roten
Block entsprach das Anwachsen des Handels innerhalb der Gemeinschaft
der freien Voelker. Die beschleunigte Entwicklung der Handelstaetigkeit ist in erster Linie dem anhaltenden Aufschwung der Wirtschaft in
den Vereinigten Staaten und Westeuropa und der sich gleichfalls fortsetzenden allgemeinen Besserung der Wirtschaftslage in der ganzen Welt
zuzuschreiben. Dabei hat sich der Anteil des Roten Blockes an dem
Handelsvolumen der freien Welt im Jahre 1955 prozentmaessig nur um
einen Bruchteil'gegenueber 1954 erhoeht, und zwar von etwa 2,3$ auf
etwa 2,6$.

*) Zum Roten (Sowjetisch-Chinesischen)Block gehoeren die SowjetUnion, die europaeischen Satelliten, Rot-China (einschl. Innere
Mongolei, Mandschurei und Tibet), Nord-Korea, Aeussere Mongolei
und Nord-Vietnam.

1

�Darstellung I
GESAMTVOLUMEN DES HANDELS DER FREIEN WELT MIT DEM ROTEN BLOCK

1954 und 1955 (vorlaeufig)
f

(S) - 1 Milliarde Dollar

I

j. E U ROPÄi S CH E R JjCOTET - B LOCK:

•c

($)($)($). 2,9

!1954

i/f95|5"JyoVifg 5 ($) 0,8 §
1954
/SOWJET-BLOCK INSGESAMT
1955 (vorläufig) $ 4,5 Milliarden
1954

Q

$ 3,6

Roter Block Insgesamt:
1955:(vorlaeufig) S 4,5 Milliarden
1954
S 5,6
Darstellung II
Ausfuhr der freien V/elt nach dem Roten Block in den Jahren
1954 und 1955
(in Millionen Uli Dollars)
Roter Gesamt Europaeische Sowjet«
Block
Satelliten
Union
1955:
ErstesHalbjahr
Zweites Halbjahr
(vorläufig)
1954:
Erstes Halbjahr
Zweites Halbjahr

Rot-China

958,0
1.094,7
2.0^2 4 7

549,3
599,6
1.14849

242,5
328,2

146,2
166,9

891,5
872.7
1.764,2

417,4
479,5
896,7

356,7
236.8
573,5

157,4
156,6
294,0

�Darstellung I
GESAMTVOLUMEN DES HANDELS DER FREIEN WELT MIT DEM ROTEN BLOCK
1954 und 1955 (vorlaeufig)
($) - 1 Milliarde Dollar

Roter Block Insgesamt:
1955:(vorlaeufig) $ 4,5 Milliarden
1954
S 3,6
Darstellung II
Ausfuhr der freien V/elt nach dem Roten Block in den Jahren
1954 und 1955
_mmmt
(in Millionen US Dollars)
Roter Gesamt Europaeische SowjetBlock
Satelliten
Union
rir

Rot-China

1955:
ErstesHalbjahr
Zweites Halt Jahr

(vorläufig)

938,0
1,094.7

549,3
599,6

242,5
328,2

..2*822*2

..Iii42i2

ZlZiI

891,5
872.7
1.764,2

417,4
479.3
896,7

336,7
236.8
573,5

146,2
166.9

-21hl——

1954 t
Erstes Halbjahr
Zweites Halbjahr

137,4
156.6
294,0

�Warenbezüge der freien Welt aus dem Roten Block in den Jahren 1954 und 1955;
(in Millionen Dollar)
Roter Gesamt
Block ;

Europäische
Satelliten:

Sowjetunion:

RotChina ;

255,5
388,3
643,8

240,4
252,3
492,7 2'

1955:
Erstes Halbjahr
Zweites Halbjahr
(vorläufig)

1.095,2
1 »353.5
2.428,7 1 '

1954*
Erstes Halbjahr
Zweites Halbjahr

806,3
1.029.3

433,7
519,0

193,3
307,2

175,4
200,0

1.835,6 1 ^

952,7

500,5

375,4

595,7
686,9
1.282,6

Dagegen erreichte der Handel Afghanistans, Ägyptens, Finnlands, Hongkongs,
Islands, Irans, der Türkei und Jugoslawiens mit dem Roten Block mehr als 10$
des gesamten Außenhandelsvolumens dieser Länder.
Die Handelsziffern des Roten Blocks für 1955 waren gegenüber 1954 kaum
verändert. Es entfielen also wieder rund 80$ auf den Handel innerhalb des
Roten Blocks und 20$ auf den Handel mit der freien Welt. Rot-China als RotBlock-Staat für sich allein betrachtet, weist hinsichtlich seines Handels
etwa das gleiche Zahlenverhältnis auf. Die Entwicklung des Handels des Roten Blocks wurde in den Ausführungen über "Sowjetische Hindernisse für
eine Ausweitung des Welthandels" behandelt (siehe 7.Halbjahrsbericht,
Kapitel I und Kapitel III).
Am Ende der Dekade 1946 bis 1955 betrug das Gesamt-Handelsvolumen der
zentral-gelenkten kommunistischen Wirtschaftssysteme untereinander mehr als
das Zweieinhalbfache des Standes vor dem Zweiten Weltkrieg. Dagegen erreichte ihr Handel mit der übrigen Welt noch nicht die Hälfte des Vorkriegsstandes. Das geht aus der "Übersicht über die Weltwirtschaft im
Jahre 1955" der Vereinten Nationen hervor. Die Ausweitung des Außenhandels der Sowjetunion im Jahre 1954 war besonders hervorstechend. Sie betrug mehr als das Vierfache des Vorkriegsstandes. Der starke Anstieg des
Handels der Rot-Blockstaaten untereinander ist ein Teilergebnis des immer
weiter fortschreitenden allgemeinen Integrationsprozesses innerhalb des
gesamten Roten Blockes. Bei diesem Zusammenwachsen spielte der Wille zur
Schaffung und Weiterentwicklung einer unabhängigen und praktisch autarken
Ilandelssphäre die entscheidende Rolle.

1) Äußere Mongolei und Nord-Korea sind zahlenmäßig, aber nicht geographisch zum kommunistischen Gesamtblock hinzugerechnet. Werte für 1954
und 1955» 7 bzw. 9,6 Millionen Dollar.
2) Die Warenbezüge der freien Welt aus Rot-China erscheinen etwas vermehrt
infolge doppelter Zählung von Wiederausfuhren aus Hongkong.
Quelle» U.S. Handelsministerium

- 3-

�V.-'e st -Suropas Handel mit den Roten Block.
Waehrend der gesamten ersten 10 Jahre nach dem Zweiten V/eltkrieg
war es vor--iegend das nichtkommunistische '.'.Osteuropa nit den die europaeischen Laender im Roten Block Handel trieben. Besonders auffallend
war die warenmaessige Gestaltung des ITachkriegshandels der osteuropaeischen Laender. Er "bestand naenlich in erhoehtem Export von Haschinen und Ausruestungsgegenstaenden. Demgegenueber und im Vergleich zur
Vorkriegsdekade sind die ITahrungsnittele::porte fast aller dieser Laender gesunken.
Der Handel der europaeischen Laender im Roten Block mit Westeuropa wurde im Jahre 1955 in ungefaehrdem gleichen Tempo ausgeweitet,
wie 1954,1 Im Jahre 1955 aber bestand der eigentliche Anstieg
in höheren Ausfuhren Osteuropas nach Westeuropa. Diese Entwicklung
war der des Jahres 1954 direkt entgegengesetzt. Damals lieferte Westeuropa mehr nach Osteuropa. Ausser den traditionellen Waren, die die
europaeischen Laender im Roten 31ock nach Westeuropa lieferten - also
Weizen und andere Lebensmittel, Hohle, Erdoel und Holz - kamen in zunehmenden Hasse Industriegüter , u.a. Maschinen und Ausruestungen,
in einigen westeuropaeischen Laendern auf den Harkt. Auch Roheisen und
Baumwolle wurden in erheblichen Hengen an den Westen verkauft.
Die ausnehmend grossen Butter - und Fleischexporte Westeuropas
nach osteuropaeischen Laendern im Jahre 1954 wurden 1955 stark eingeschraenkt. Dagegen wurden die Getreidelieferungen fortgesetzt, und in
Bezug auf die Sowjetzone und Polen rechnete man sogar mit einer Portsetzung der Lieferungen trotz der guten Ernte des Jahres 1955« Die Gesamteinfuhren Osteuropas aus Westeuropa nahmen weiterhin in schnellem
Tempo zu und zwar z.T. infolge der erheblichen Zunahme der Haschinenund Ausruestungslieferungen. Weitere Bezuege groesseren Umfangs bestanden in Chemikalien, Rohwolle, Kupferdraht und Gummi.
Die Bundesrepublik Deutschland, Grcss-Britannien und Frankreich
verzeichneten fuer 1955 jeweils doe groesste Zunahme ihrer Umsaetze
im Handel mit dem Roten Block. Das Handelsvolumen der Bundesrepublik
Deutschland stieg um 154 Hio Dollar, das Grossbritanniens um 147 Hio
Dollar und das Frankreich« um 70 Hio Dollar.
Wertnaessig fuehrend waren im Aussenhandel der Bundesrepublik
Deutschland : Chemikalien - 44,2 Hio Dollar; Eisen- und Stahlerzeugnisse - 17»4 Hio Dollar; Schiffe(seegehende und Kuestenfahrzeuge)
- 16,3 Hio Dollar; Kupferdraht - 12,7 Mi© Dollar und Haschinen (ausgenommen elektrische) - 10,7 Mio Doilar. In dem Wert dieser Waren, die
nicht auf der Verbotsliste standen, ist jedoch der Handel mit der
deutschen Sowjetzone nicht enthalten.
Ihrem Werte nach rangierten die von Grossbritannien im Handel mit
der. Roten Block hauptsaechlich exportierten Waren wie folgt: ungewickel
ter Draht und Kupferkabel - 28,8 Hio Dollar; reexportierter Rohgummi
(einschliesslich synthetischen und regenerierten Gummis) - 20,5 Mio
Dollar; Kammzuege - 20,1 Hio Dollar; Wiederausfuhren von Schaf- und
Lanmwolle (roh) - 14 Mio Dollar und Textilmaschinen nebst Zubehoer 12,9 Hio Dollar (durchweg Waren, die nicht auf der Verbotsliste standen).
Frankreichs Hauptausfuhren dem Werte nach waren: Eisen- und Stahlhalbzeug sowie Stahlwaren - 30,4 Mio Dollar; Weichweizen 29,9 Hio Dollar;
Chemikalien 11,5 Hio Dollar; Weizenmehl 8,9 Hio Dollar; Rindfleisch 7,4 Hio Dollar; Huebenzucker(roh) - 5,3 Hio Dollar. Auch hier handelte
e s sich ausschliesslich um Waren, die nicht auf der Verbotsliste standen,
mA m

�Auch Finnland und Oesterreich wiesen eine "bedeutende Steigerung ihres
Handels nit dem Roten Block, naemlich um 35 "bzw. 37 Hlo Dollar auf. Die
Steigerung im Falle Jugoslawiens um das Fuenffache auf ueber 58 Millionen Dollar, ergab eich au3 der Wiederherstellung politischer und wirtschaftlicher Beziehungen zwischen der Sowjet-Union und Jugoslawien auf
der Grundlage der Belgrader Deklaration vom 2. Juni 1955» Dagegen sank
Daenemarks Handel r.it dem Hotcn Block um 27 Millionen Dollar beziv. etwa

255*.
Ausfuhren der CCCOM-Staaton nach dem Roten Block
Das Cocrr.thandclcvolur.cn der 15 CCCOH-Staaten*) r.it dem Roten Block
stieg von 1,C I illiardcn Dollar im Jahre 1954 um etwas ueber 406 Millionen Dollar e.uf nahezu 2,3 Milliarden Dollar im Jchre 1955« Die Exporte
der COCOM-Tacnder nach der. Roten Block waren mit ueber 905 Millionen
Dollar im Jahre 1955 um circa 150 Millionen Dollar hocher als im Vorjahre(835 Millionen Dollar).
4
Rot-Chinas Handel mit der Freien WeJ.t
Im Handel Rot-Chinas r.it der freien Welt ist - ccgcnueber dem Jahre
1954 mit 669,4 Mio Dollar - im Jahre 1955 ein Anwachsen des Ceochacftsvolumens auf 30518 Mio Dollar zu verzeichnen. Die 16 in der CEEC zusammengeschlossenen Laender varen daran mit 28/' und Japan r.it etwa 14,^ beteiligt.
Der V/ert der Exporte "Hot-Chinas nach den nichtkonnunistischen Lacndern belief sich im Jahre 1955 Wrf etwa 493 Mio Dollar-") und liegt damit um 117 I.Ü.C Dollar hoeher, als im Jahre 1954» Die Ausfuhren nichtkommunistischer Laender nach Aot-CHina erreichten 1955 etwa 313 Mio Dollar L
gegenueber 294 : io Dollar in Jahre 1954» 207 Mio Dollar im Jahre 1953 und
273 Mio Dollar im Jahre 1952.
In Vergleich zu 1954 wuchs der V/ert direkter Exporte aus Westeuropa
nach Rot-China im Jahre 1955 um nahezu 25/' an. Jedoch wurde diese ^teiecrung
reichlich ausgeglichen durch geringer« Exporte aus Hongkong. Da die ausfuhren aus Hongkong grosccnteils im Umschlag von Erzeugnissen aus West curopa bestanden spiegeln diese Angaben in erster Linie Aendcrungcn in
der Versandart und weniger dc,3 Handelsvolumen wider. Hach steilem Anwachsen in der zweiten JaiiresHaelfte 1954 hielt sich der Export Ja. ans
nach Rot-China in Jahre 1955 Hurchweg unveraendert auf gleicher IIoeHe.

*) Im COordinating COMnittee (Ostwesthandelsausschuss) in Paris, in dorn
sich eine Reihe von Staaten zusammenfand, um in der Frage der Ueber«
wachung der Exporte strategisch wichtiger Gueter zusammenzuarbeiten,
sind vertreten: Belgien, die Bundesrepublik Deutschland, Dacncmark,
Frankreich, Griechenland, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg. J.ic ITiedorlande, Horwegen, Portugal, die Tuerkei, Gross-Britannien und die
Vereinigten Staaten.
*•) Diese Zahl schliesst Ausfuhren nach Hongkong im Werte von 157 Mio
Dollar ein, die zum grossen Teil reexportiert wurden und ein zweites Hai als Bezuege aus Rot-China erfasst sind.

- 5-

�Industriegueter waren die i.auptausfuhrartikel Westeuropas,
Japans und Hongkongs nach Rot-China. Chemische Erzeugnisse, u.a.
Duengemittel, Farbstoffe, Medikamente und Chemikalien fuer die Industrie
waren die Hauptartikel der Lieferungen. Einen erheblichen Prozentsatz der Lieferungen bildeten auch Textilfasern und Gewebe, Metalle
und Manufakturwaren.
Die Warenbezuege Rot-Chinas aus Asien(ausschliesslich Japans
und Hongkongs) Ozeanien und dem Nahem Osten bestanden dagegen grossenteils in Agrarerzeugnissen. Aus Pakistan und Aegypten kam ueberwiegend Rohbaumwolle, aus Ceylon in der Hauptsache Rohgummi. ,irnp
lieferte vor allem Reis (siehe S. ( ) , Indonesien und die Malaiischen Inseln Kopra und Kokosnussoel, .Australien '.Volle und Kammzuege
und Indien Jutesaecke und Rohbaumwolle.
Rot-China lieferte an nichtkommunistische Laender in der Reihenfolge
dos Anteils der Waren am Gesamtvolumen: Nahrungsmittel(u.a. Reis und
andere Naehrrait'-el &lt;- Rohstoff e , rf lanzenoele fuer Speisezwecke, Eier,
Obst, Gemuese, Huelsenfruechte und Tee); Celsaaten un^l andere Agrarrohstoffe(Textilfasern, aetherische Oele, Felle und Rauchwaren, Tungoel sowie diverse Rohstoffe fuer Destillationszwecke and schliesslich
eine Anzahl Gueter verschiedener Art(insbesondere Erze, Mineralien
und Erzeugnisse der Leichtindustrie).
Der Handel der Vereinigten Straten mit den Europaeischen
Laendern im Roten Block.
Der Wert der Ausfuhren der Vereinigten Straten nech den europaeischen Laendern im Roten Block im Jahre 1955 ist mit 7»3 Mio
Dollar zu veranschlagen. Das sind 18J» mehr als der Gesamtausfuhrwert
fuer 1954 Bit seinen 6,1 Mio Dollar_
Allerdings sind in den Zahlen fuer 1954 und 1955 die im Rahmen
des Ueberschwemmungshilfsprogramms des Praesidenten der Vereinigten Staaten fuer das Donaubecken an Ungarn, die Tschechoslowakei
und die Sow-jetzone Deutschlands gelieferten Mengen Getreide fuer
die menschliche Ernaehrung, Insektenvertilgunr;smittel und Medikamente mit 4,7 Mio Dollar enthalten. Die Exporte der Vereinigten
Staaten nach der Sowjet-Union und seinen europaeischen '. asallen
im Jahre 1955, hatten, ausschliesslich der vorerwaehnten Gratislieferungen, einen Gesamtwert von 5»7 Mio Dollar, also einen etwa
doppelt so hohen Wert wie im Jahre 1954(2,9 Mio Dollar). Diese
Exportmengen blieben erheblich hinter den Gesamtmengen der Jahre
1947 und 1948 zurueck. Damals betrug der Wert der Lieferungen der
Vereinigten Staaten nach den europaeischsn Laendern im Roten Block
359,9 Mio bezw. 123,2 Mio Dollar.
Unter den von den Vereinigten Staaten an die Sowjet-Union
und seine europaeischen Vasallen in den letzten Jahren hauptsaechlich gelieferten 'waren stehen Wollabfaelle im Jahre 1955mit
etwa JO 7&gt; der Gesamtausfuhr an erster Stelle. Es folgen Mais
(nicht fuer Saatzwecke) mit etwa 20$ und danach Iiaeute und Felle
sowie Talg fuer industrielle Zwecke.
Die Warenbezuege der Vereinigten Staaten aus den europaeischen Laendern im Roten-Block erreichten 1955- gegenueber 1954 mit 42,4 Mio
Dollar - einen Gesamtwert von 55»5 Mio Dollar, das entspricht

- 6 -

�einer Zunahme von 31$. In erster Linie wurden importiert: Delikatessschinken-Xonserven, Speck, Daerm« zur Y/urstbereitungim Wert«
von 19»8 Mio Dollar; Pelze und Manufakturwaren in Y/erte von 8,4
I.Iio Dollar; Benzol im Y/erte von 6,5 Mio Dollar; Duengenitt«l und
Duengemittelrohstoffe im W«rte von 2,3 Mio Dollar; photographisch«
Artikel im Y/erte von 2 Mio Dollar; Glasuraren im Y/ert« von 1 ,7 Mio
Dollar und Borsten im Y/ert« von 1,3 Mi« Dollar.
Am 3» Hovember 1955 verkuendete des Handelsministerium der Vereinigten Staaten, es beabsichtige die Herausgabe einer Liste mit einer Auswahl strategisch unwichtiger Y/aren,*), die m die europaeischen Laender im Roten Block im Rahmen einer allgemein gueltigen
Ausfuhrgenehmigung geliefert v/erden koennen; d.h. also, s sollte keine fuer einen Einzelfall gueltige Genehmigung mehr benoetigt werden.
Diese Lockerung sollte dem von Praesident Bisenhower auf der Konferenz der Regierungschefs in Genf im Juli 1955 als mit allen. Mitteln erstrebenswert herausgestellten Ziel dienen, "Bedingungen zu
schaffen, die geeignet sind,in allen Staaten das Inter«ss« an einem
weltweiten Austausch ziviler Gueter zu foerd«rn."
Die Vereinigten Staaten und ihre Handelssperre
nefeenuebor Rot-China
Y/ie schon in frueheren Berichten ausgefuehrt, erliessen di« Vereinigten Staaten sofort nach den Einfall in Sued-Korea am 25. Juni
1 950 ein allgemeines Verbot fuer die Ausfuhr von Y/aren nach ITordIlorea. Die allgemeine Ausfuhrsperre gegenueber Rot-China und der
Mandschurei wurde am 3» Dezember 1950 verhaengt, als Rot-China in dem
Krieg in llorea eintrat. Die Ausfuhrsperre wurde strikt durchgefuehrt
und besteht noch heute. Y/arenbezuege aus Rot-China und Hord-Korea sind
ebenfalls verboten, sofern sie nicht vom Amerikanischen Einanzministerium genehmigt sind, und Genehmigungen.zu Einfuhren aus diesen Gebieten werden nicht erteilt. Y/arenlieferungen seitens der Vereinigten Staaten an Rot-China bezw. ITord-Horea heben seit der Ausfuhrsperre nicht stattgefunden, ausgeno r.cn die Lieferung zweier fuer die
diplomatische Vertretung einer befreundeten ilation in Rot-China bestimmter Personenkraftwagen im Gesamtwerte von 6.000 Bollar cowie die
Lieferung von Zeitschriften und anderen Druckerzeugnissen, die auch
sonst allgemein verkaeuflich sind, im Y/erte von 2.530 Dollar. Im dritten Vierteljahr 1955 genehmigte das Amerikanische Handelsministerium
einen Antrag zur Ausfuhr ei .es Personenkraftwagens. im Y.'erte von 1.000
Dollar und von Autoersatzteilen im Y/erte von 60 Dollar. Beides war
fuer diplomatische Vertretungen befreundeter Laender bestimmt. Die
Lieferung von Zeitschriften und sonstigen Druckschriften, fuer die
keine Geheimhaltungspflicht besteht, erfolgte im vierten Yuartal 1955
im Rahmen eines allgemein gueltigen Genehmigungsverfahrens, wonach
wissenschaftliche Schriften und Schriften fuer Bildungs- und Erziehungsfragen unterschiedslos nach allen Laendern versandt werden koennen.
*) Die Liste mit ueber 700 auf etwa 57 Y/arengruppen verteilten Positionen v/urde am 26. April 1956 veroeffentlicht. Bio sich daraus
ergebende Vereinfachung des Genehmigungsverfahrens bei Lieferungen
an die curopaeischen Jtcaten im Roten Block wird erst im neunten
Bericht uober die Gestaltung des Ost-Y/est Handels im ersten Halbjahr 1956 behandelt v/erden.

7-

�Handel Lateinanerika - Roter Block
Der Handel Latein-Anerikas nit dem Roten Block erreichte im Jahre
1955 einen neuen Rekord mit einem auf 340 I.Iio Dollar geschaetzten Volumen, das damit die 254 Mio Dollar des Jahres 1954 um etwa 34$ uebersteigt.
Dengegenueber betraegt das Gesamtvolumen des Handels der Vereinigten
Staaten mit Lateinamerika mit etwa 7 Milliarden Dollar ungefaehr das 20fache.
Argentinien und Brasilien waren auch im Jahre 1955 die Hauptpartner im Handel Lateinamerikas mit den Staaten in Roten Block. Das Volumen
des Handels zwischen dem Roten Block und Argentinien im Jahre 1955 » d*r
zu einem erheblichen Guthabensaid© gegenueber der Sowjet-Union fuehrte,
erreichte einen Wert von 193 Mio Dollar. In Handel mit Brasilien wurden hei einer Steigerung um 42 Llio Dollar, d..h. un das Doppelte gegenueber 1954» 85 I.Iio Dollar erreicht. .Uruguay, das im Handel nit dem Roten Block 1954 an dritter Stelle stand, wurde 1955 infolge erhoehter
Bczuege kubanischen Zuckers seitens der Sowjet-Union von Kuba ueberfluegelt.
Die Exporte Lateinamerikas nach den Roten Block wuchsen im Jahre
1955 um circa 20$ auf schaetzungsweise 169 Mio gegenueber 142 Llio Dollar im Jahre 1954 an. Diese Ausweitung ergab sich hauptsaechlich durch
die erhoehten Ausfuhren aus Kuba und Brasilien. Der Versand von 500,000
t kubanischen Zuckers nach der Sowjet-Union im Werte von 37»4 Mio Dollar und die erhoehten Ausfuhren Brasiliens, insbesondere an Kaffee,
wurden durch den Rueckgang der Exporte Uruguays nach dem Roten Block
um 13»3 llio Dollar teilweise ausgeglichen. Dieser Rueckgang der Exporte Uruguays um etwa 50$ war die Polge geringerer Warenbezuege durch
die Sowjet-Union.
Der Wert der Warenbezuege Lateinanerikas aus dem Roten Block stieg
1955 auf 171 Llio Dollar an. Gegenueber 1954 mit 112 Llio Dollar bedeutet das eine Zunahme um 53$« Die LIehrzahl der Staaten Lateinamerikas
erhoehten ihre Importe aus dem Roten Block. Besonders hervorzuheben
sind Argentiniens erweiterte Einkaeufe im Jahre 1955 im Werte von
120 Mio Dollar, verglichen mit 83 Mio Dollar im Jahre 1954, sowie die
Brasiliens mit 38 Mio Dollar im Vergleich zu T9 Mio Dollar in Jahre
1954» Zum grossen Teil.erstreckten sich diese Einkaeufe auf Fabrikerzeugnisse und Rohstoffe fuer die Industrie,
Obgleich der Anteil der Laender des Roten Blocks an Gesantaussenhandel Lateinanerikas im Jahre 1955 genau wie 1954 nur 2$ betrug, gewann der Handel mit dem Roten Block fuer einzelne Staaten dennoch
wachsende Bedeutung. Im Falle Argentiniens betrug der Anteil des Roten Blocks am Gesamtaussenhandel dieses Landes 1955 9$» im Falle Brasiliens 1,3$ und im Falle Kubas etwa 1$. Uruguays Handel nit dem Roten
Block dagegen sank von 5$ seines gesamten Auosenhandelsvolumens im Jahre
1954 auf 3$ im Jahre 1955.
Sonstige Handelsbeziehungen
Australiens Handel mit dem Roten Block blieb 1955 wertmaessig um
nahezu 18 Mio Dollar oder um 25$ hinter dem 1954 erreichten Volumen
zurueck. Dieser Rueckgang ergab sich aus einem Absinken der Ausfuhren
nach der Sowjet-Union infolge der Verschlechterung der 'politischen Beziehungen zwischen den beiden Laendern auf Grund der im April 1954 erfolgten aufsehenerregenden Enthuellung , dass die Sowjetische Botschaft
in Canberra ein Spionagenetz unterhielt.
Das Volumen des Handels zwischen dem Roten Block und Japan bzw. der Tuerkeistieg um 56 bzw. 60 Llio Dollar an. In Kapitel IV dieses Berichtes
v.ird der Handel des Roten Blocks nit den entwicklungsbeduerftigen Laendern besprochen.
.

�Händelsabkommen
Etwa 65$ des Handels des Roten Blocks mit der freien Welt im Jahre
1955 entfielen auf den Warenaustausch mit solchen Ländern, mit denen
der Rote Block zweiseitige Handelsabkommen getroffen hat. Im vergangenen
Jahr bestanden 174 gültige Handels- und Zahlungsabkommen zwischen dem
Roten Block und der freien Welt.[
„ ) Fünf weitere im Jahre
1955 abgeschlossene Abkommen sollten erst 1956 in Kraft treten. Mit 29
der somit insgesamt 179 Abkommen *) wurden früher bestehende freie Vereinbarungen über zu tätigende Kompensationsgeschäfte und andere geschäftliche Transaktionen durch formgerechte ersetzt. Nur sechs der
neuen Abkommen wurden mit westeuropäischen Ländern abgeschlossen, die
fast durchweg schon seit der ersten Nachkriegszeit Handelsabkommen mit
Staaten im Roten Block hatten. Die übrigen wurden mit entwicklungsbedürftigen Ländern getroffen, d.h. mit 13 im Nahen Osten, 8 in Südostasien und 2 in Lateinamerika.
Diesseits des Eisernen Vorhangs war Jugoslawien hinsichtlich des Abschlusses von Handelsabkommen sehr rührig. Es schloß nämlich deren acht
ab. Es stellte seine wirtschaftlichen Beziehungen zu allen europäischen Staaten im Roten Block völlig wieder her, die es infolge seines
Zerwürfnisses mit dem Kominform im Jahre 1948 abgebrochen hatte. Das
vorläufige 194 Mio.Dollar-Kreditabkommen, das es mit der Sowjetunion
am 1.9« 1955 abschloß, war die beachtlichste der von Belgrad erzielten Vereinbarungen. Im Rahmen dieses Abkommens erhielt Jugoslawien Kredite in Höhe von schätzungsweise 110 Mio.Dollar zum Bau von Düngemittelfabriken und verwandten Betrieben sowie für den Wiederaufbau dreier
kleiner Bergwerke und andere geplante Vorhaben; weitere 54 Mio.Dollar
für den Bezug von Kohle, Öl und Baumwolle aus der Sowjatunion und 30
Mio.Dollar in Gold oder gleichwertigen Devisen für die Jugoslawische
Staatsbank. Es heißt, daß alle diese Kredite eine Laufzeit von 10 Jahren bei einer Verzinsung von 2% haben. Im November gewährte Polen Jugoslawien einen Kredit von 20 Mio.Dollar zum Ankauf von Bergwerksausrüstungen und Ausrüstungen zur Nahrungsmittelherstellung sowie von
Eisenbahnfahrzeugen.

*)Zu den Abkommen zählen alle von Regierung zu Regierung abgeschlossenen Handels- bzw. Zahlungsabkommen im Verkehr zwischen Ost
und West sowie halbamtliche Abkommen, auf Grund derer sich die Handelstätigkeit im Jahre 1955 noch eine Zeitlang vollzog. Die halbamtlichen Abkommen wurden in ihrer Mehrzahl von besonderen Handelskontoren
- die von Ländern der freien Welt, welche das kommunistische Regime
nicht anerkennen, eingerichtet sind - mit den Handelsbehörden der
Sowjetzone Deutschlands getroffen. In der Praxis unterscheiden sich
diese Abkommen nicht wesentlich von den Abkommen von Regierung zu
Regierung. In fast allen Abkommen werden Mengen oder Wertquoten festgelegt, die, wenn auch nicht bindend, so doch ungefähr den Umfang andeuten, in welchem die betr. Regierung bereit ist, für die in Betracht
kommenden Waren Ein- und Ausfuhrgenehmigungen zu erteilen. Es besteht
im allgemeinen die Möglichkeit, die Quoten jeweils nach vorheriger
Vereinbarung zwischen den Kontrahenten zu erhöhen oder sonstwie zu
ändern.

- 9-

�Es folgt Griechenland mit den Abschluss von sieben Abkommen mit
europaeischcn Laendern im Roten Block. Die Tuerkei, Island und Argentinien
brachten es auf je sechs und Kolumbien auf eines. Birna schloss neue Abkommen mit fuenf Laendern im Roten Block und erneuerte ein Abkommen
aus dem Jahr 1954 Bit Rot-China. Der Sudan und Syrien unterzeichneten
je zwfci. Der Sudan und Kolumbien trafen erstmalig ein Handelsabkommen
mit dem Roten Block.
i

Zu den erwaehnenswerten Abkommen gehoert auch das zwischen der
Sowjet-Union und Oesterreich nach Abschluss des Staatsvertrags getroffene.
Bulgarien unterzeichnete vier neue Vertraege und fuehrt damit vor anüere
Rotblock-Staaten. Das komnunistische ITord-Vietnam traf mit seinem Vertrag
mit Prankreich sein erstes Handelsabkommen mit der freien V/elt.
Anzahl und Umfang aller dieser Handelsvertraege verdeutlichen die in
der Ausweitung der Handelsplanung des Roten Blocks liegenden Absichten.
KAPITEL II
DIE ZEIT DER HAITDELSKOHTAKTE UND DES DELEGATIONSAUSTAUSCHES
Die Genfer Besprechungen
Im Siebenten Bericht(Seite 1und 2) wurden in kurzen Umrissen die erfolglosen 3emuehungen der Vereinigten Staaten, Gross-Britanniens und Prankreichs auf der Genfer Konferenz der Regierungschefs im Juli 1955 un-d gelegentlich des Treffens der Aussenminister daselbst in Oktober/llovember skizziert, mit der Sowjet-Union zu einer Vereinbarung ueber die allmaehliche
Beseitigung von Hindernissen zu gelangen, die einem friedlichen Handelsverkehr entgegenstehen. Die Unterhaendler der Sowjet-Union orklaerten sich,
wie in dem erwaehnten Bericht ausgefuehrt wird, auf der Konferenz im Herbst
lediglich bereit, ueber eine Beendigung der Ueberwachung des Handels mit
kriegswichtigen Guetern zu diskutieren. Die Vertreter der V.'estnaechte erhielten auf ihre Bereitschaft, etwaige Vorschlaege der Sowjetischen Delegation im Interesse einer fuer beide Seiten erspriesslichen und dem Frieden
dienlichen Entwicklung der Handelsbeziehungen wohlwoMend zu pruefen, keine
positive Antwort. Die Vereinigten Staaten, Grossbritannien und Frankreich
legten der Sowjet-Union nahe, die Schwierigkeiten abzubauen, mit denen Kaufleute aus dem Y/esten zu kaempfen haben, die die Sowjet-Union besuchen und sich
dort niederlassen wollen. Ferner wurden sie ersucht, wirtschaftlichen Eigentumsrechten, u.a. Patenten, angemesseneren Schutz zu gewaehren und in groesserem Hasse Produktions- und Handelsstatistiken zu veroeffentlichen. Die
westlichen Delegierten betonten, dass die ueberwachten, strategisch wichtigen Exporte, am Gesamtvolumen des Handels gemessen, nur einen geringen Prozentsatz ausmachten und dass sich der Sowjet-Union ausreichende I.Ioeglichkeiten zur Beteiligung am Handel mit zivilen Guetern boeten, wenn sie ihre
autarkischen Bestrebungen aufgaebe.
Am 31. Oktober 1955 entschloss sich Aussenminister Dulles im Interesse
der Foerderung des Handels mit zivilen Guetern zu einer wirklich versoehnlichen Geste, indem er ankuendigte, dass die Regierung der Vereinigten
Staaten "nach und nach" gewisse Vereinfachungen in den fuer Exporte nach
den europaeischcn Laendern im Roten Block angewandten Verfahrensweisen
herbeifuehren wolle. (Vergl. Seite 7)»
In einer 14 Tage spaeter abgegebenen Erklaerung lehnte es der sowjetische Aussenminister I'olotow ab, auf das Problem der Ausweitung des
- 10 -

�Handels mit zivilen Guetern einzugehen? er forderte stattdessen
die Beseitigung der Ueberwachung des Handels mit strategisch wichtigen
Guetern. Er sagte t
"seit einiger Zeit werden von einer Anzahl Laender des Westens, besonders den Vereinigten Staaten, Massnahmen ergriffen, die sich auf
den Handel mit der Sowjet-Union und anderen Staaten nachteilig auswirken. Die Beendigung dieser Benachteiligung und Beseitigung der dem
internationalen Handel in letzter Zeit in den Weg gelegten Hindernisse und Erschwerungen waere fuer beide Seiten, Ost und West, von
Nutzen. Ohne die Beseitigung dieser Hindernisse koennen sich keine
normalen Beziehungen zwischen Ost und West entwickeln."
Landwirtschaftliche Delegationen besuchen die Vereinigten
Staaten.
Die Fuehlungnahme der freien Welt mit den europaeiechen Laendern im
Roten Block wurde in der zweiten Haelfte des Jahres 1955 verstaerkt.
Der auf der Genfer Konferenz der Regierungschefs ausgesprochene Wunsch
nach staerkerem Kontakt zwischen den Voelkern in Ost und West fuehrte
zum Austausch einer Reihe von Delegationen. Auch die Sowjet-Union erleichterte die Einreise von Privatpersonen. Dagegen stellte sie ihre
ins Ausland reisenden Staatsangehoerigen weiterhin zu "gelenkten"Abordnungen zusammen, anstatt ihnen zu gestatten, sich als Einzelreisende
frei zu bewegen. Die Sinnesaenderung der Sowjets in der Frage der Einreisegenehmigung fuer auslaendische Abordnungen und Privatreisende
fuehrte dazu, dass sich die Zahl der nach der Sowjet-Union reisenden
Amerikaner - sowohl Privatpersonen als auch solche in amtlichem Auftrage - erhoehte.
Bis zu einem gewissen Grade benutzte die Sowjetregierung das Austauschprogramm als Mittel zur Verbesserung der Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten. Zum Beispiel besuchte eine vom amtierenden Landwirtschaftsminister Wladimir Maskewitsch gefuehrte 12-koepfige Abordnung im
August 1955 die USA, um dort die landwirtschaftliche Praxis, insbesondere die Schweinehaltung auf der Grundlage der Maisfuetterung zu studieren.
Die sowjetischen Landwirte waren stark am Kauf grosser motorisierter
Maehmaschinen, von Radschleppern aller Groessen und Neuballenpressen
interessiert. Waehrend ihres Aufenthalts in den USA kaufte die Abordnung 15 Bullen zur Verbesserung der Wirtschaftsrassen in der SowjetUnion .
Gegen Ende NoTember besuchte eine zweite, fuenfkoepfige landwirtschaftliche Delegation aus Sowjet-Russland unter Puehrung von Ilja
Emeljanow, stellvertretendem Direktor der wissenschaftlich-technischen
Abteilung des Sowjetischen Landwirtschaftsministeriums, die Vereinigten Staaten, um Hybrid-Saatmais und die zu dessen Pflanzung , Pflege
und Ernte notwendigen Geraete einzukaufen, wofuer dem Vernehmen nach
ein Gesamtpreis von 1 Mio Dollar gezahlt wurde. Der Generaldirektor
einer Saatzuchtfirma des mittleren Westens, deren Spezialitaet HybridSaatmais ist, hatte die Sowjet-Union und Rumaenien vorher besucht und
die sowjetrussischen Fachleute eingeladen.
Als erster Vasallenstaat im Roten Block entsandte Rumaenien eine dreikoepfige Handelsdelegation nach den Vereinigten Staaten. Ihr gehoerte
der stellvertretende Landwirtschaftsminister Dr. Virgil Gligor an. Sie
folgte, ebenso wie die zweite sowjetische Abordnung, einer Einladung
der vorerwaehnten Firma und traf am 27. November zu einem einmonatigen Besuch in New York ein.

- 11 -

�Die rumaenische Delegation verfolgte den gleichen Zweck wie die
zweite sowjetische Abordnung: Sie war gekommen, um Hybrid-Saatmais
und Geraete zu kaufen. Sie erklaerte hei ihrer Ankunft, dass Rumaenien
die Handelsbeziehungen mit den USA wieder aufzunehmen wuensche und beabsichtige, 500,000 bis 1 Mio Dollar fuer den Ankauf von Hais zu Saatzwecken und 10 Satz Landwirtschaftsgeraet in bar auszugeben. Es wurde
versichert, dass weitere Kaeufe getaetigt wuerden, sofern man mit dem
Saatgut und dem Geraet zufrieden sei.
Sow.ietisch-Amerikanischer Handel und US-Senatoren
Hikita S. Chru8tschew, der Erste Sekretaer der Kommunistischen
Partei der Sowjet-Union, erklaerte in einem Interview mit fuenf USSenatoren am 12. September, dass die Sowjet-Union aus den Vereinigten Staaten Maschinen und lendwirtschaftliche Erzeugnisse beziehen
wolle. Er Hess durchblicken, dass Koskau im Austausch gegen amerikanische WarenKangan und andere strategisch wichtige Rohstoffe anbieten wuerde und meinte, eine Ausweitung des Sowjetisch-Amerikanischen Handels wuerde zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen
den beiden Laendern fuehren. Chrustschew ruegte, waehrend Uinisterpraesident beifaellig nickte, die üeberwachungsmassnahmen der Vereinigten Staaten bezueglich des Handels mit kriegswichtigen Guetern
und forderte deren Beendigung. Dann erklaerte er rund heraus: "Wir
begruessen den Warenaustausch weniger aus wirtschaftlichen Gruenden,
als vielmehr aus politischen Erwaegungen heraus als ein Mittel, zwischen unseren beiden Laendern bessere Beziehungen zu schaffen." Die
politischen und wirtschaftlichen Ziele der sowjetischen Handelspolitik wurden im Kapitel III des Siebenten Berichtes behandelt und
untersucht.
,
...
Konferenz der U1T Wirtschaftskommission fuar Europa ueber
Wirt schaft sfragen
Vom 26. September bis 14. Oktober, also zu einer Zeit, da der versoehnliche"Geist von Genf" noch lebendig war, kamen Vertreter von 26 Laendern zur vierten Sitzung des Hancelsausschusses der Uli Wirtschaftskommission fuer Europa. (SCE) in Genf zusammen, ur. ueber den Ost-West
Handel und seine "Wachstumsschwierigkeiten" zu konferieren. Achtzehn
Laender '..Osteuropas und die Sowjet-Union sowie ihre Vasallenstaaten
sandten Abordnungen. Ebenso waren die Vereinigten Staaten und Kanada
vortreten. Ausser den genannten Lcender-Delegationen entsandte der fuer
den Osten zustaendige, im Januar 1949-, zur Erweiterung der "wirtschaftlichen Zusammenarbeit" zwischen der Sowjet-Union und den europaeischen
Laendern im Roten Block ins Leben gerufene Ausschuss fuer gegenseitige
Wirtschaftshilfe (CEMA) seinen General-Sekretaer, A.A. Pav;low(SowjetUnion), der in zwangloser Form Verbindungen zum ECE-Sekretariat herstellen sollte.
Der Ausschuss eroerterte die Punkte der Tagesordnung in einer
freundlichen Atmosphaere. Ausser einer allgemeinen Aussprache ueber den
Umfang des Handels zwischen Ost und V/est, die Moeglichkeiten einer Erweiterung dieses Handels und die Handelsbeziehungen zwischen bestimmten Laendern, befa:..ste sich der Ausschuss auch mit sich aus der Erweiterung des Ost-West Handels ergebenden Einzelfragen, wie z.B. mit der
Uotwendigkeit, Vereinbarungen ueber die Kontenabrechnung zu treffen.
Waehrend der Konferenz fanden 120 zweiseitige Handelsgespraeche
statt. Sie wurden aber im allgemeinen mit Zurueckhaltung gefuehrt und
waren entsprechend unergiebig. Waehrend dieser Gespraeche tauschten die
Ilandelssachverstaendigen besondere Listen ueber Waren aus, die sie
- 12 -

�*ueri3Cht«nIm Laufe der Ausschussberatungen wiederholten die europaeischsowjetischen Blockstaaten die Behauptung, dass das Haupthindernis
fuer eine Erweiterung des Handels ihre Benachteiligung durch die Laender des Westens sei. Als Beispiel dafuer, wie sie benachteiligt wuerden, fuehrten die Rotblock-Staaten das Liberalisierungsprogramm des
Westens an, das, wie sie behaupteten, gegen den Grundsatz der Ileistbeguenstigung Verstösse, weil seine Vorteile nicht allen Laendern zugute kaemen. Die Ueberwachung des Handels mit kriegswichtigen Guetern
wurde nicht ausdruecklich erwaehnt, aber fast alle Vertreter aus Osteuropa spielten darauf an, indem sie von "unzulaessigen Geschaeftsnethoden" sprachen, die den Export aus restlichen Laendern behinderten.
Die europaeisch-sowjetischen Laender stellten fest, dass dieses Geschaeftsgebahren das fuer den Welthandel notwendige, gegenseitig« Vertrauen zerstoere und den Grundsatz der i'eistbeguenstigung verletze.
Immerhin fassten sie sich in der Bekanntgabe ihrer diesbezueglichen
Ansichten im allge einen kurz und trugen dies in einer dem freundlichen
Konferenzklima gemaessen Weise vor.
Die Beratungen des Ausschusses brachten keine Aufhebung von I.lassnahmen zur Verhinderung der Ausweitung des Handels zwischen dem Westen
und dem Sowjetblock, da der Ausschuss nicht err.-.aechtigt war, die Handelspolitik der Regierungen zu aendern. Das wesentlichste Ergebnis des
Treffens war vielleicht eine Besserung der psychologischen Voraussetzungen fuer die Behandlung von Händelsfragen und Fragen der Handelspolitik.
Die Abgesandten des europaeisch-sowjetischen Blocks befürworteten allgemein eine weitere Verstaerkung des Handels zwischen dem
Westen und ihrem Block und betonten die Moeglichkeiten, die sich ihrer
Meinung nach fuer einen erhoehten Warenaustausch boeten. Auch mehrere
Laender des Westens bekundeten ihr Interesse an verstaerkten Handelsbeziehungen zum europaeisch-sowjetischen Block. Gunnar Myrdal., Verv.-altungssekretaer der ECE, bezeichnete die Ergebnisse der Besprechungen
als "nicht gerade grossartig", prophezeite jedoch vorsichtig eine langsame, wenn auch stetige Zunahme des Handels zwischen dem europaeischsowjetischen Block und dem uebrigen Europa.

KAPITEL III
I1TDU3TRIEMESSE1T ALS INSTRUMENT DER.
AUSSEHPOLITIK DES ROTEN BLOCKS
Haeufigkeit, Kosten und Schwer-mnktgebiete
Mit dem Ziele, kommerzielle, politische und propagandistische Absichten miteinander zu verknuepfen, beteiligte sieh, der Rote Block im
Jahre 1955 an 149 Industrie-Hessen und Ausstellungen in 41 Laendern. Wi
die umstehende Darstellung zeigt, war also die Beteiligung staerker
als in den vier vorhergehenden Jahren»

�Übersicht über die Beteiligung des Roten Blocks an internationalen
Industriemessen und Ausstellungen in den Jahren 1951 - 1955
Anzahl der Länder, in
denen der Rote Block
sich beteiligte

Anzahl der Messen
und Ausstellungen
mit Rotblockbeteiligung

Freie V/elt

Roter Block

6
13
21
23
32

2
2
2
3
9

Beteiligung der
Rotblock-Länder
nach Anzahl eigcner lesse., tände

4

1951
1952
1953
1954
1955

8
20
58
60
149

20
92
120
125
288

Im Jahre 1954 hatte der Rote Block seine Erzeugnisse auf 60 Ausstellungen in 26 Ländern gezeigt und dazu schätzungsweise 10 Mio Dollar aufgewendet. Die Ausstellungskosten im Jahre 1955 betrugen etwa 38 Mio
Dollar, also beinahe das Vierfache dessen, was 1954 aufgewendet wurde*).
Ein eindrucksvolles Merkmal dieser bedeutsamen, zunehmend verstärkten
systematischen Beteiligung des Roten Blocks an Messen war die etwa
130^ige Zunahme der Anzahl der gezeigten Artikel von 125 im Jahre 1954
auf 288 im Jahre 1955«
Obgleich Westeuropa das Haupthandelsgebiet des Roten Blocks in der freien Welt ist, waren dessen Aufwendungen für Industriemessen in Westeuropa im Jahre 1955 etwas geringer, als für Ausstellungen in den entwicklungsbedürftigen Ländern Asiens und des Nahen Ostens, auf die in
zunehmendem Maße der Rote Block seine handelspolitischen Anstrengungen
konzentriert und wofür er dementsprechend auch mehr und mehr seine Geldmittel verwendet (Vergl. Übersicht IIl) . Teure und oft geradezu luxuriöse Ausstellungsstücke wurden unter heftiger Anpreisung in Zeitungen,
Zeitschriften und über Lautsprecher in 16 der sich neu entfaltenden
Ländern, wie z.B. Indien, Pakistan, Indonesien, Ägypten und Syrien,
gezeigt.
Der Rote Block gab für Industriemessen in Indien mehr Geld aus als in
irgend einem anderen nichtkommunistischen Lande; er beteiligte sich
ebenfalls stark an Messen in Jugoslawien, der Türkei, Griechenland,
Österreich, den Niederlanden und Schweden sowie in geringerem, jedoch
noch beachtlichem Maße in Argentinien, Island und Französisch-Marokko.
Im Dezember hieß es, daß der Rote Block im Jahre 1956 noch stärker auf
Industriemessen vertreten sein wolle, daß die Planung besser und die
Anzahl der ausgestellten Erzeugnisse größer und eindrucksvoller sein
werde als in vergangenen Jahren.

Die angegebenen 38 bezw. 10 Mio Dollar sind auf Grund der von den
Vereinigten Staaten vergleichsweise für Messezwecke gemachten
Aufwendungen geschätzt.

- 14 -

�Uebersicht III
Teilnahme des Roten Blocks an Industriemessen, Ausstellungen und
Sonderschauen ausserhalb seiner politischen Einflusssphaere
im Jahre 1 955
Land, wo
Hessen, Ausstellungen
oder Sonderschauen stattf.

Beteiligung des Roten Blocks * )
Tschecho Sow Z one Un- Po Ru- Bul- RotAnzahl UdSSR Slowakei Deuts Chi. garn len maen .gar.China

X
Australien
Oesterreich
Belg. Kongo
Belgien
Bolivien
Burma
Kanada
Kolumbien

5

X

7

X

Zypern
Daenemark
Ecuador
Aegypten
Aethiopien
Finnland
Frankreich
Franz. I'arokko
DeutschOundesRepublik
Gro ss-I;ritannien
Griechenland
Island
Indien
Indonesien
Italien
Japan
Libanon
Niederlande
Pakistan
Portugal
Schweden
Schweiz
Syrien
Tibet
Tunis
Tuerkei
Ver.Staaten
Jugoslawien

2

3

X
X

9
2
16
4
1
1
10
2
11
2
1

9
3

X
X
X
X

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2
2
1
1
1
1
8

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*) Die Kreuze in der Aufstellung bedeuten, dass das betreffende kommu nistische Land mindesten« auf einer Lesse, Ausstellung oder Sonderschau der angegebenen Laender, aber nicht unbedingt auf allen dort
veranstalteten vertreten war.

-15

�Ziele
Kapitel I des Sechsten Halbjahresberichtes nit der Ueberschrift
"Die Wirtschaft als Waffe Moskaus" handelte von der Art und V/eise, in
welcher der Rote Block seit 1952 die Industriemessen dazu "benutzt, um
auch in den entwicklungsbeduerftigen Laendern Einfluss zu gewinnen, und
kam zu dem Ergebnis, dass mit dieser Politik"viel weiter gesteckte Ziele
als nur die Absatzfoerderung" verfolgt werden. Kurzum der Rote Block
brauche eine"LIehrzweck-Waffe" , um damit gleichzeitig Handel, Politik
und Propaganda treiben zu koennen. Entsprechend der Entwicklung der aussenwirtschaftlichen Politik und Programmgestaltung des Roten Blocks und
insbesondere mit zunehmender sowjetrussischer Leistungsfaehigkeit und
Lieferbarkeit von exportfaehigen Kapitalguetern wurden Industrienessen
zu einem Instrument, dessen sich der Rote Block bediente, um seine Handelsbeziehungen zu "normalisieren" und auszuweiten."Sie dienten seitdem
ferner zur Verwirklichung der Handelspolitik des Roten Blocks in seiner
Gesamtheit und wurden zu einem integrierenden Bestandteil eines offenbar
abgesprochenen Programms, das den Abschluss von Handelsabkommen und Kompensationsgeschaeften mit ueberschuessigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die Gewaehrung von Krediten fuer den Ankauf von Kapitalguetorn
durch die entwicklungsbeduerftigen Laender und die Behandlung der Frage
der Niederla ssung staendiger Vertreter am Platzevumfasst«. In Jahre 1955
gab es Anzeichen fuer ein anpassungsfaehigeres Geschaeftsgebahren der
Rotblock-Staaten auf Industriemessen und fuer eine groessere Bereitschaft,
zur Sicherung ihres Ausstellungserfolges von frueheren Geschaeftsnethoden
abzugehen. In frueheren Jahren ist es vorgekommen, dass Aussteller aus
Rotblock-Staaten nicht in der Lage oder nicht geneigt waren, Auskuenfte
ueber Preise, technische Einzelheiten, Lieferzeiten, Ersatzteile, Vertreter und Verkaufsstellen zu erteilen. Es zeigte sich ferner haeufig,
dass sie fuer die Herstellung einer grossen Anzahl der ausgestellten
Erzeugnisse zu Sxportzweckcn nicht eingerichtet waren. Dennoch wurden
1955 cnsehnlicUfc. Vertraege und Händelsabkonnen auf Ausstellungen abgeschlossen, und soweit Geschaefte nicht zustande kanen, wurde die Grundlage fuer spaetere Verhandlungen geschaffen. Berichten zufolge waren
europaeische Satellitenstaaten auf Grund von vorbereiteten Verkaufsprogranmen fuer exportfaehige Gueter in der Lage, an Ort und Stelle Auftraege entgegenzunehnen. In einigen Faellen waren Ausstellungsartikel dem
Gastland entweder zum Verkauf oder als Geschenk angeboten worden.
Auch in Jahre 1955 war die Propaganda wieder ein Hauptmoment bei
der Beteiligung des Roten Blocks an den Industrienessen. Flugblaetter
wurden auf den Ausstellungen verteilt und Reden wurden von RotblockFunktionaeren gehalten, in denen die sowjetische Version einer "friedlichen Koexistenz" empfohlen und auf eine "weltweite Entspannung", die
"Wiedervereinigung Deutschlands" und die "Beseitigung von Handelssperren"
gedrungen wurde. Die Groesse der Ausstellungspavillons des Roten Blocks,,
sowie die Anzahl und Vielfalt der ausgestellten Erzeugnisse sollten die
Besucher beeindrucken und ihnen sowohl die technische Vervollkommnung
als auch das Wirtschaftspotential und damit die unter den Konmunismus
genachten Fortschritte vor Augen fuehren und so die Anziehungskraft
des Kommunismus verstaerken und das Prestige des Roten Blocks erhoehen.

- 16 -

�Die Beteiligung des Roten Blocks.
In 18 Leonder gingen im Jahre 1955 die Ausstellungsstuecke der wesentlichsten sov;jetrussischen Industrieerzeugnisse; zwei Drittel
wurden nach nichtkonnunistischen Staaten verschickt. Im Vergleich
zu 1954 war die Sowjetunion in Jahre 1955 &amp;uf Industriemessen elfmal
vertreten. Zur Ueberraschung der Gastlaender sagte die Sowjetunion
im Vorjahr ihre Teilnahme an 11 bedeutenden Ausstellungen ab. El
wurden zwar keine besonderen Gruende angegeben, doch ist es moeglich,
dass die Absagen erfolgten, weil die Sowjets den Wettbewerb mit den
Vereinigten Straten , die sich in verstaerktem Masse an Ausstellungen
beteiligen, scheuten oder weil die Veranstalter der Ausstellungen
absichtlich oder aus Unfaehigkeit nicht genuegend Platz fuer eine
grosse sowjetische Standardschau geschaffen hatten.
Anlaesslich der Genfer Konferenz im Sonmer ueber die Verwendung der
Atomkraft zu friedlichen Zwecken , hatte die Sowjetunion eine
interessante Schau vercnstaltet. üeberhaupt bildeten Aucstellungsgegenstaende zur Demonstration der I.Ioeglichkeiten fuer eine friedliche Verwendung der Atomenergie einen Hauptanziehungspunkt ruf
1 955-er Hessen.
Die Entwicklung des Ausstellungswesens in Jahre 1955 ist gekennzeichnet durch des Erscheinen Rot-Chinas als bedeutendes Ausstellungsland und durch die fuehrenden Stellungen, die die Tschechoslowakei
und die Sorjetzone Deutschlands eingenommen haben, '..'aehrend Rot-China
im Jehre 1954 a n drei Industrienessen teilnahm, waren es im Jahre 1955
24. Im Jahre 1955 war die Tschechoslowakei, was die Beschickung von
Ausstellungen zur Foerderung des Außenhandels anbetrifft, der ruehrigste Re^raesentant des Roten Blocks. Sie war auf 30 Ausstellungen in
allen Teilen der V,relt vertreten. Auch Polen war sehr aktiv. Die Tschechoslowakei und die uebrigen Laender il| Roten Block konzentrierten ihre 3emuehungen hauptsaechlich auf Ausstellungen in entwicklungsbeduerftigen
Laendern, um ihre wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu diesen zu verbessern.
Die Politik der Sowjetzone Deutschlands zur Foerderung des Außenhandels
war u.a. wesentlich auf die Teilnahme an internationalen Industrieausstellungen gerichtet. Im Jahre 1955 beschickte die Sowjetzone Deutschlands 16 bedeutende Industrieausstellungen ausserhalb des Roten Blocks.
Sowjetzonen-Funktionaere stellten sehr kuehnc Behauptungen ueber das
erfolgreiche Abschneiden ihrer Zone auf Ausstellungen auf. Es ist zuzugeben, dass die Sowjetzone Deutschlands propagandistische und kommerzielle Erfolge erzielt hat. Diese Erfolge fanden ihren Ausdruck
nicht nur in der Verleihung der Goldenen Medaille an die Sowjetzone
anlaesslich der Messe in Damaskus, und zwar in Anerkennung der "vorbildlichen Aufmachung ihres Pavillons", sondern auch in der Reaktion
westdeutscher Hersteller, die bedauerten dass ihre Regierung, die
sich durch Teilnahme an derartigen Ausstellungen bietenden Moeglich!:eiten nicht in gleichem Masse wahrnehme.
Besonders erwaehnenswerte Industriemessen
Die Ausstellungen des Roten Blocks in Heu-Delhi und Buenos-Aires
im Jahre 1955 gehoeren zu den mit den lautesten Fanfarenstoessen
in nichtkommunistischen Laendern veranstalteten. Die Indische Industriemesse in Heu-Delhi fand im Hovember/Dezember statt und wurde
schaetzungsweise von 3 Millionen Menschen besucht. Ihre Beteiligung
an dieser Messe benutzte die Sowjetunion zu heftigen Bemuehungen
um die Foerderung des Absatzes ihrer Industrieausruestungen auf jenem
Markt t der nach ihrem Dafuerhalten besonderen Vorrang verdient« und
um ihre industrielle Leistungsfaehigkeit zu beweisen. Sie zeigte

�Werkzeugmaschinen, Textilmaschinen, Lastwagen, Traktoren, Fahrraeder,
optische Artikel, Druckereimaschinen u.a.m. Die Tschechoslcwakei zeigte eine Auswahl von technischen Erzeugnissen und Oelbohrgeraete. Was
die Blockstaaten auststellten, sollte offensichtlich das Interesse von
Regierungsvertretern und Geschaeftsleuten auf sich lenken, die nach
Lieferquellen zur Ausweitung ihres Fabrikationsprogranms Ausschau hielten. Die Vertreter der Tschechoslowakei "behaupteten, Auf traege im Y/erte
von 7 Mio Dollar gebucht zu haben. Auch die Sowjetpresse meldete, dass
eine Reihe von Geschaeftsahschluessen fuer die Lieferung von Werkzeugmaschinen, Traktoren und Bohranlagen zustande gekommen sei.
Der sowjetische Pavillon auf der Ausstellung in Heu-Delhi beanspruchte
eine Flaeche von 2.000 qm. Dazu benoetigte die Sowjet-Union noch eine
Freiflaeche von 2.500 qm. Um ihrer Aufmachung noch ein besonderes Gepraege zu geben und auch das allgemeine Besucherpublikum anzulocken,
zeigte die Sowjet-Union Einiges, das nicht zum eigentlichen Ausstellungsgeschaeft gehoert, wie z.B. ein erleuchtetes Schaubild, welches das Y/asserkraftwerk in Kuibyschew veranschaulichte, die Darstellung einer im
Bau befindlichen, grossen Fabrik an der Wolga, das.Modell eines Hochofens,
wie er von sowjetischen Technikern in dem propagandistisch schon ausreichend ausgewerteten Stahlwerk in Bhilai/Indien aufgestellt wird, sowie ein in Betrieb befindliches Fernsehaufnähmegeraet.
Auf der Industrieausstellung in Bombay im Februar zeigten zwoelf tschechische Exportorganisationen Waren im Werte von ueber 2 Millionen Dollar,
vorwiegend technische Erzeugnisse und Flugzeuge. Nach Presseberichten
fand dasauf dem tschechoslowakischen Stand Gezeigte bei amtlichen indischen Stellen eine sehr guenstige Aufnahme.
Der Umfang und die luxurioese Aufmachung der Staende der Sowjets und
anderer Rotblockstaaten sowie die viele Reklame, die fuer sie gemacht
wurde, alles dies haette leicht den Eindruck entstehen lassen koennen,
dass der Rote Block eine bedeutende Stellung in Indiens Aussenhandel
einnaehme. Tatsaechlich aber war der Rote Block im Jahre 1955 an Indiens Einfuhren nur mit 1,7$ und an dessen. Ausfuhren nu* mit 2,^.beteiligt.
Die Hesse in Buenos Aires wurde am 21. Mai eroeffnet und dauerte 40
Tage. Dort wurden zum ersten Mal - und damit in Lateinamerika ueberhaupt - russische Y/aren gezeigt. Eine grosse Auswahl an Industrieerzeugnissen war von den Sowjets ausgestellt. Berichten zufolge haben
rund 2,3 Millionen Menschen einschliesslich einer grossen Zahl von Leuten aus lateinamerikanischen Hachbarlaendern diesen Stand besucht. Es
war ganz offensichtlich, dass die sowjetische Schau, die eine Flaeche
von 20.000 qm beanspruchte, dazu dienen sollte, die Geschaeftswelt Argentiniens mit Industrieerzeugnissen bekannt zu machen, die die Sowjets
nach Argentinien liefern koennen. Es gab auch Anzeichen dafuer, dass
der argentinischen Regierung-ihrerseits daran gelegen war, das Vertrauen und Interesse bezueglich sowjetischer Maschinen fuer Fabrikationsanlagen zu staerken, schon allein, weil sie glaubte, dass dies der
von ihr selbst im August 1953 in aller Form uebernommenen Verpflichtung ,
sich im Zuge ihrer Bestrebungen zur Entwicklung einer Anzahl eigener Industrien fuer die"Einfuhr sowjetischer Maschinen einzusetzen, nur dienlich sein koenne.
Die Ausstellung der Sowjets auf der Zagreber Messe nach Aussoehnukg
mit der Tito-Regierung war mit grosser Sorgfalt vorbereitet und durchgefuehrt worden. Die UdSSR zeigte die besten Modelle ihrer Maschinen
fuer die Schwerindustrie - Turbogeneratoren, Dieselmotoren, Bergwerks - 18 -

�und elektrische Ausruestungen, Lastwagen und Traktoren. Zur Unter haltung des Besucherpublikums zeigten die sowjetischen Aussteller
eine fahrbare Fernsehanlage.
Auf der Internationalen Industrienesse in Toronto in Pai und
Juni war als einziges Land im Roten Block die Tschechoslowakei vertreten. Sie war der Hauptaussteller aus dem Ausland und benoetigte
ueber 10$oder circa 20.000 qm messenden, an auslaendische Teilnehmer
vermieteten Gesamtflaeche.
In einem Bericht ueber die Hesse in Djakarta im August r.einte
die"ITew York Times", der Stand der Tschechoslowakei sei nicht nur
sehr eindrucksvoll, sondern auch dreimal so gross, wie der Stand
der Vereinigten Staaten gewesen.
'Penn die Teilnahme Polens an Industriemessen in der freien
'.Veit auch in erheblich kleinerem Umfang erfolgte, als die der
Tschechoslowakei, so haben die polnischen Behoerden dennoch nicht
verabsaeumt, sich gelegentlich der Posener Hesse 1955 um verstaerkte Handelsbeziehungen zu den Laendern der freien Welt zu bemuehen. Die vom 3. bis 24. Juli dauernde Hesse wurde von 15 Laendern diesseits und 8 Staaten jenseits des eisernen Vorhangs beschickt.
Der polnische Stand war der groesste, gefolgt von sowjetischen .
Nach Aussagen polnischer Hessebeanten schlössen die Teilnehmerstaaten Paufvertraege im Gesamtwert von 115 Hio Dollar ab.
Die Gowjetzone Deutschlands hatte weder Kosten noch Puehe gescheut, um die Leipziger Hesse wieder zur fuehrenclen Ausstellung
Buropas und zu einem zentralen Handelsplatz fuer Ost und West zu
machen, und war dabei nicht einmal gana erfolglos. Seit Wieder«
einfuehrung der Fruehjahrs- und Herbstmessen in Leipzig ist jedesnal
die Zahl der Aussteller und Besucher aus Ost und West gestiegen.
Sehr sorgfaeltig waren die Vorbereitungen zu den Hessen des Jahres
1956, und die Ausstellungsleitung sprach die Hoffnung aus, dass sie
einen neuen Besucherrekord und eine noch groessere Anzahl von Ausstellern, insbesondere aus entwicklungsbeduerftigen Laendern, wie
beispielsweise Indien und Aegypten, wuerde verzeichnen koennen.
Im Jahre 1955 erkannte nan, dass das Hesseprogranm des Roten
Blocks sich wirtschaftlich positiv auswirke und geeignet sei, zur
Verbesserung der Aussichten fuer die Handelsausweitung des Roten
Blocks beizutragen. Mit Hilfe seiner Ausstellungen konnte der
Pote Block seine kommerziellen und politischen Beziehungen zu vielen Laendern, vor allen zu den entwicklungsbeduerftigen Staaten ,
verbessern und festigen . Pls wichtige und nuetzliche Waffe der
kommunistischen Diplomatie dienten Ausstellungen, um den Roten
Block zu Einfluss und fuehrender Stellung in der Welt zu verhelfen.
Das Pesseprogramm der Vereinigten Straten
Die Betaetigung auf den Gebiet der dessen im Jahre 1955 war natürlich .nidr: ueberwiegend oder gar ausschliesslich der. Roten Block
vorbehalten. Das in Zusammenarbeit mit der eigenen Industrie aufgestellte Programm der Regierung der Vereinigten Staaten fuer die
Beschickung internationaler Hessen und Ausstellungen wird inner
umfangreicher und wirkungsvoller. Das Programm dient nach den 'Porten Praesident Pisenhowers dazu, "beredtes Zeugnis abzulegen von der
freien Wirtschaft in unseren Lande und soll wirkean zur Poerderung
des Welthandels beitragen. " .
Die erste

- 19

�Ausstellung, an der die Vereinigten Staaten in Rahmen des neuen Regierungsprogramms teilnahmen, war die Hesse in Bangkok vom 7. "bis 16.
Dezenter 1954. Seit der Hesse in Bangkok und "bis Ende Dezember 1955
waren die Vereinigten Staaten auf 2J Ausstellungen in Asien, Buropa,
Ilahost und Lateinanerika vertreten.*)
KAPITEL IV

ROTE "BIRTSCBAFT3-DI"L0LLVFIE" I E SEIT
EBTBICKLUUGS3BDUBRFTIGFJT LAERDER1T

Harx und seine Apostel
Ein entwicklungsbeduerftiges Land ist nach der Definition des Volkswirtschaftlers und Leiters des Forschungsinstituts in Stanford"Dr.
Eugene Staley", gekennzeichnet 1) durch staendige und nicht etwa durch
eine voruebergehende Katastrophe hervorgerufene allgemeine Armut unter
der Bevoelkerung: 2) durch eine veraltete gewerbliche Technik und gesellschaftliche Struktur. Die Armut ist demnach nicht allein eine Folge des Bangeis an Baturschaetzen, sondern koennte durch Ergreifung von
I'assnahmen, die sich bereits in anderen Laendern bewaehrt haben, gemildert werden, **) Entsprechend dieser Definition gehoeren zur Kategorie der entwicklungsbeduerftigen Laender alle Staaten Asiens und
Afrikas, fast alle Laender Lateinamerikas und einige Buropas. Bach Dr.
Staley betraegt die Gesamtzahl der Benschen in diesen entwicklungsbeduerftigen Laendern etwa 1,6 Ililliarden. Das sind also zwei Dritt oel
der 2,4 Billiarden zaehlenden Gesamtbevoelkerung der Erde. Im Bahnen
dieses Kapitels jedoch beschraenken sich die Ausfuehrungenueber die .
Ausdehnung der "Rubeldiplomatie" auf die entwicklungsbeduerftigen Laender
des Bähen Ostens, Suedasiens und Lateinamerikas. **«)
In den Schriften von Karl I.Iarx bzv/. seinen Betrachtungen und Voraussagen hinsichtlich der Unvermeidbarkeit eines toedlichen Konfliktes
zwischen Kapital und Arbeit spielen die entwicklungsbeduerftigon Gebiete keine besondere Rolle. I'arx glaubte, dass dieser entscheidende
Kampf sich innerhalb der hochentwickelten industrialisierten
*) Weitere Einzelheiten ueber dies Programm sind den ersten 6 Vierteljahreberichten ueber den besonderen Bilfsfonds des Praesidenten
den sogenannten "Emergency Fund for Participation in International
Affair»", fuer den Seitraum August 1954/Dczonber 1955.und dem Artikel "U.S. Bxhibits win Acclain at International Trade Bairs" im
"Foreign Commerce Beekly" von 9« Januar 1956 zu entnehmen. .
**) Eugene Staley : "The Future of Bnderdeveloped Countries, (3. 13),
herausgegeben 1954 "von Barper'; Brothers, Bew York, fuer den
Council on Foreign Relations.
»»•) Genauere Ausfuehrungen ueber die in dieser Binsicht entfaltete
Taetigkeit enthaelt die Abhandlung "Soviet Technical Acsistance",
Staff Study Ho. 7, July 12, 1956, Senate Foreign Subconmittee on
Technical Assistance Brograms, 84th Congress, 2nd Session, United
States Government Brinting Office, Washington 1956.

- 20 -

�Gesellschaft abspielen wuerde und dass das Vorhandensein "zurueckgebliebener"Gebiete sich aus der Tatsache erigebe, dass andere Staaten
sich auf der Grundlage einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung entwickelt haetten. Es blieb den Aposteln des Ilarxismus, einem Lenin, Stalin und Mao-Tse-tung vorbehalten, die ungeheuere Bedeutung entwicklungsbeduerftiger Gebiete zu erkennen und auf sie in Theorie und Praxis aufmerksam zu machen.
Grundlagen der Handelsoffensive
Die Wirtschaftsplaner des Roten Blocks sind zweifellos der Ansicht, dass
innerhalb der roten Sphaere nunmehr die vier grundlegenden Voraussetzungen fuer ein erfolgreiches Vordringen des Roten Blocks in die wichtigsten
Gebiete Asiens, des TTahen Ostens, Afrikas und Lateinamerikas - naemlich
ausreichende Wirtschaftskraft, kulturelle Grundlagen, technisches Personal und innere Ordnung und Stabilitaet - gegeben sind. In den erwaehnten Gebieten beginnt also jetzt das weltweit wirkende Spiel der
Wirtschafts-"Diplomatie". Die erste Voraussetzung, eine ausreichende
wirtschaftliche Grundlage, hat die Sowjet-Union nach und nach erarbeitet, und sie wird in Bezug auf industrielle Erzeugung zur Zeit nur von
den Vereinigten Staaten uebertroffen. In allen kommunistischen Laendern
stieg im Jahre 1955 die Industrieproduktion . Nach der von den Vereinten Rationen herausgegebenen"Uebersicht ueber die Weltwirtschaft im Jahre
1955" und dem "Wirtschaftsstatistischen Handbuch fuer Europa, 1955", herausgegeben von der UN Wirtschaftskommission fuer Europa (ECE) erhoehte sich die Gesamterzeugung in der Sowjet-Union um 12^, waehrend
bei einer getrennten Betrachtung von I'roduktionsguetern und Verbrauchsguetern fuer erstere ein Anwachsen um 16;$ und fuer letztere um y?o zu
verzeichnen war. Das Plan-Soll wurde ueberschritten beispielsweise bei
elektrischen Ausruestungen, Ausruestungen fuer das Verkehrswesen sowie
Ausruestungen fuer die Schwerindustrie, ferner bei der Oelfoerderung,
Stromerzeugung, hei Chemikalien und Motorfahrzeugen. Bei den Verbrauchsguetern wurden die Planziffern ungefaehr erreicht, aber es gab
auch eine Uebererfuellung des Solls beispielsweise bei den so wichtigen
Textilien, Schuhwaren, Uolkereierzeugnissen und Pflanzenoel. Andererseits waeren auch Beispiele fuer Richterfuellung angekuendigter SollZahlen anzufuehrenj dazu gehoeren Eisenbahnfahrzeuge, Roheisen, Schwefelsacure u.a. Erzeugnisse.
In der Mehrzahl der Laender hat die Agrarerzeugungerheblich aufgeholt.
Die Getreideernte in der gesamten Sowjet-Union war 1955 22^ hoeher als
im schlechten Srntejahr 1954» 2ur Erhoehung der landwirtschaftlichen
Erzeugungin den Laendern des Roten Blocks trugen bessere Wetterbedingungen und Massnahmen zur Besserstellung der Landwirtschaft bei; z.B.
eine erhebliche Steigerung in der Belieferung.mit Duengenitteln, landwirtschaftlichen Maschinen, Geraeten und Baumaterialien, die Senkung
von Steuern und des Ablieferungssolls, hoehere regierungsseitig vorgeschriebene Preise fuer landwirtschaftliche Erzeugnisse und ein erhoehtes Angebot in technischen Verbrauchsguetern auf dem Lande. Die SowjetUnion erhoehte nicht nur ihre Wirtschaftskraft, sondern verstaerkte auch
ihren technischen Nachwuchs durch Erweiterung der Ausbildung von Ingenieuren und Technikern, die damit zum Einsatz in den entwicklungsbeduerftigen Laendern und auch im eigenen Lande zur Verfuegung standen, bzw.
stehen. Run, da die Sowjet-Union anscheinend ueber dieses wachsende
Wirtschaftspotential verfuegt, wird sie noeglicherweise ansehnliche
Mengen an Maschinen und Rohstoffen exportieren
und

- 21 -

�ausgebildete Techniker in Laender der freien Welt entsenden koennent
ohne dadurch die Erfuellung ihres intern-wirtschaftlichen Investitionsprogramms zu gefaehrden.
Hintergruende der Handelsoffensjve.
Es ist eine geschichtliche Tatsache, dass die Herrscher Russlands schon immer gehofft und davon getraeumt haben, in Ilahost und
Suedasien festen Fuss fassen zu koennen. Das trifft auch auf die
kommunistischen Machthaber zu. Ihre Taktik ist es, die einheimisehen
Zustaende in den entwicklungsbeduerftigen Gebieten, also z.B.die Wellen des llationalismua und den Drang nach Unabhaengigkeit, ausgedehnte
Armut, soziale Unzufriedenheit sowie andere sich aus der "Revolution
der sich steigernden Erwartungen" ergebenden Uomente fuer ihre Zwecke
auszunutzen. Diese Momente und die Taktik der Kommunisten stellen die
freie Welt vor eine grosse Anzahl unheimlich verwickelter Problem*.
Ü8 war das unverhuellte Ziel des Roten Blocks im Jahre 1955»
die kommunistischen Einflussgebiete politisch, wirtschaftlich und
kulturell zu erweitern. Das Endziel, die ganze Welt kommunistisch
zu beherrschen und zu unterjochen, bleibt das gleiche. Eine verstaerkte Ilandelsoffensive, verbunden mit einer regen diplomatischen
Aktivitaet und Propaganda, war das Hauptmerkmal der 1955er Kampagne
in den entwicklungsbeduerftIgen Laendern. Auf dem Umweg ueber Handelsbeziehungen, Kreditgewaehrung, technischen Beistand und Industrieausstellungen war der Rote Block bestrebt, das noetige Interesse auf sich
zu lenken und in det entwicklungsbeduerftigen Laender Eingang zu finden, um die Machtsphaere des Roten Blocks auszudehnen. Andererseits
suchte er unter Ausnutzung politischer Spannungen, wie z.B. des Konflikts zwischen den Arabern und Israel, Zwietracht zu saeeen und. den
Westen zu spalten, und legte es mehreren Laendern dringend nahe, eine
neutrale Haltung einzunehmen bezw. zu bewahren.
Naturprodukte machen etwa vier Fuenftel der Gesamterzeugung
entwicklungsbeduerftiger Laender aus. Euer Reis, Gummi, Baumwolle,
Zucker, Jute, Getreide und andere in diesen Laendern ueber den Eigenbedarf hinaus erzeugten Naturerzeugnisse waren die freien Weltmaerkte nicht ausreichend aufnahmefaehig. Diese Situation bot einen
Anreiz zu Kompensationsgeschaeften mit dem Roten Block und fuehrte
zum Austausch von llaturprodukten aus entwicklungsbeduerftigen Laendern gegen Industrieerzeugnisse einschliesslich ganzer Fabrikanlagen
aus dem Roten Block. Ob diese Art des Tausches sich auf die Dauer
vorteilhaft fuer die entwicklungsbeduerftigen Staaten auswirken
wird, bleibt abzuwarten.
Wiewohl es sich im allgemeinen und an Weltmassstaeben gemessen
nur um kleine Mengen handelte, hatten diese dennoch ihre Bedeutung
fuer einzelne Laender, wie z.B. Birma, Aegypten, Afghanistan. Die
mit diesen Laendern und auch mit Indien, Indonesien und Syrien abgeschlossenen Handelsvertraege sahen die Lieferung ganzer Industrieanlagen durch die Sowjetunion, die Tschechoslowakei, die Sowjetzone
Deutschlands und Polen vor. Dieser neue Zug in der Entwicklung des

-22-

�Handels mit dem Roten Block, der sich erheblich auf den Welthandel
auswirken kann, wurde zurückgeführt.
1. auf allgemeine taktische Überlegungen auf kommunistischer
Seite,
2. auf den wachsenden Bedarf der Rotblock-Länder an Rohstoffen
und ihren steigenden Ausstoß von Kapitalgütern,
5. auf den Bedarf der entwicklungsbedürftigen Länder an Kapitalgütern und die sich in den auf die Ausfuhr ihrer Agrarerzeugnisse angewiesenen Ländern stauenden Überschüsse.
Diese großen Überschüsse, die auf die Preise drückten oder auch
zu Preisschwankungen führten, veranlaßten die erwähnten Länder, auf
die handelspolitischen Avancen des Roten Blocks einzugehen. In einer
Anzahl von Fällen erbot sich der Rote Block zur Zahlung von Überpreisen für solche Waren, die die entwicklungsbedürftigen Länder
auf den Märkten des Westens nur schwer absetzen konnten.

Handelsverträge und Kredite
Wie im Kapitel I ausgeführt, ergab sich Umfang und Gestaltung
des Hanaels zwischen dem Roten Block und den Ländern der freien Welt
in erster Linie aus den abgeschlossenen Handels- und Zahlungsabkommen.
67 der Ende 1955 in Kraft gewesenen 174 Handelsverträge bestanden
zwischen dem Roten Block und entwicklungsbedürftigen Ländern in Nahost, Afrika, Asien und Lateinamerika. Sechs dieser Abkommen, und zwar
zwischen der UdSSR und Birma, zwischen der Tschechoslowakei und Ceylon,
zwischen Polen und Birma bezw. Paraguay sowie zwischen Rotchina und
Ägypten bezw. Syrien, wurden im Laufe der zweiten Hälfte 1955 abgeschlossen. Im gleichen Halbjahr und mit dem Ziel einer Inkraftsetzung
ab 1956 schloß Syrien neue Verträge mit der Sowjetunion, der Sowjetzone
Deutschlands und Polen ab, während Ceylon und Polen zu Vereinbarungen
gelangten. In Nahost hatte Ägypten die meisten Handelsabkommen abgeschlossen, nämlich sieben. In Süd- und Südostasien führte Indien mit
acht, gefolgt von Indonesien mit sieben. Es scheint, daß die RotblockStaaten im allgemeinen ihre Waren in zufriedenstellender Qualität geliefert und die Bedingungen der Handelsverträge erfüllt haben.
Die wirtschaftsdiplomatische Aktivität des Roten Blocks zeigte
sich vielleicht am augenfälligsten in der erheblich erweiterten Verwirklichung der roten Vorstellungen von einer "wirtschaftlichen und
technischen Hilfeleistung** . In keinem Falle war diese Hilfestellung
mit finanziellen Leistungen verbunden, abgesehen von kleinen Beiträgen
zum technischen Hilfsprogramm der Vereinten Nationen. Während vor
1955 noch wenige Kredite gegeben wurden, erweiterten die Sowjetunion
und die Tschechoslowakei ihre Planung für 1955 i n materieller Hinsicht und konzentrierten ihre Bemühungen auf die unterentwickelten
Länder. Die mit diesen Ländern im Laufe des Jahres 1955 getroffenen
Kreditabkommen lauteten auf insgesamt nahezu 600 Mio Dollar. Den
überwiegenden Anteil erhielten Jugoslawien, Ägypten, Afghanistan und
Indien. Über zwei Drittel der Gesamtkreditsumme stellte die Sowjetunion. Im Rahmen der Bedingungen beträgt der Zinssatz 2 bis 2 1/2 $j
die Rückzahlungsfristen können verlängert werden, und in bestimmten
Fällen

- 25 -

�ist die Rueckzahlung in Landeswaehrung oder in Landeserzeugnissen
moeglich.
Bis zum Sommer 1953 hatte der Sowjetblock die technischen Hilfsprogramme der Vereinten Nationen mit der Begruendung boykottiert, dass
damit bezweckt werde, die unterentwickelten Laender zu "Rohstofftraban ten" der Vereinigten Staaten und anderer Westmaechte zu machen. Am 15.
Juli 1955 verkuendete die Sowjetregierung, sie werde sich mit 4 Mio
Rubel(nach dem offiziellen Umrechnungskurs etwa 1 Llio Dollar am Fonds
zur Finanzierung technischer Hilfsprogramm« der Vereinten Nationen beteiligen. Der Beitrag wurde 4 Monate spaeter auf einer Besprechung
ueber die Unterstuetzung der technischen Ililfsprogramme amtlich zugesagt. Auf dieser Konferenz sagte ferner. Polen 75»000 Dollar, Y/eissrussland 50.000 Dollar, die Ukraine 125.000 Dollar zu. Die Tschechoslowakei erklaert«, sich 1954 beteiligen zu wollen.
Diese Zusagen liessen erkennen, dass die neue Politik in einem
gemeinsamen Vorgehen der Sowjetblock-Laender bestand und auffallend
mit einer allmaehlich verstaerkten Hinwendung zu kommerzieller und
technischer Hilf« fuer die entwicklungsbeduerftigen Laender einherging.
Als Beweggruende wurde allgemein angenommen, dass die UdSSR einmal die
nachteilig« propagandistische Wirkung ihres Abseitsstehens erkannte,
zum anderen auf dem Umweg ueber die Vereinten Nationen den kommunistischen Einfluss in den entwicklungsbeduerf tigen Laendem verstaerken
wollt«, indem sie sowjetrussische Techniker ins Ausland entsandte und
Stipendien an sowjetrussischen Universitaeten gewaehrte, und ferner
danach strebte, die entwicklungsbeduerftigen Nationen fuer den Abschluss
vonllandelsvertraegen zu gewinnen und Rohstoff« von ihnen zu beziehen.
Propaganda gehoert dazu
Die Bemuehungen des Sowjetsblock», in den entwicklungsbeduerftigen Laendern vorzudringen, waren von honigsuessen Erklaerungen des
Parteichefs der Kommunistischen Partei der Sowjet-Union Ghruschtschew
und seiner Genossen begleitet. Danach seien die Beziehungen des Sowjetsblocks zu den genannten Laendern auf den Grundsaetzen friedlicher
Koexistenz, der Gleichberechtigung und Achtung der Rechte Aleiner Voelker, der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Voelker und Abstandnahme von Angriffshandlungen sowie der gegenseitigen Beguenstigung aufgebaut. Das Verlockendste an diesen Freundschaftsbeteuerungen waren die Hinweise auf gemeinsame Interessen, auf die moegliche
Ausweitung internationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit , auf die
Aussichten fuer einen riesigen Absatzmarkt im Sowjetblock und schliesslich auf die Hoeglichkeit der Frlangung nationaler Unabhaengigkeit , de*
wirtschaftlichen Weiterentwicklung durch schnelle Industrialisierung
und des sozialen Fortschritts. Nach den abgegebenen Versicherungen seien
die technischen Ililfsprogramme der Sowjets rein geschaeftlicher Natur,
d.h. es seien keine politischen Ziele damit verknuepft, wohingegen die
Programme der Vereinigten Staaten nach sowjetischen Behauptungen die
Forderung nach Unterstuetzung des "agressiven Militarismus" Amerikas beinhalteten. Kit diesen Behauptungen vrarder. die "kapitalistischen Firmen"
so hingestellt, als ob sie versuchten, alle Uaerkte mit ihren Waren
zu ueberschwemmen, waehrend «s die Politik des Sowjetblocks sei, jtter
die Erzeugnisse zu liefern, die die entwicklungsbeduerftigen nicht gut
selbst herstellen

- 24 -

�koennten. Vertreter des Sowjetblocks erklaerten nachdruecklich, dass
ihre Anleihebedingungen guenstiger seien, als die der Laender der
freien Welt, und die entwicklungsbeduerftigen Staaten nicht zur Unfreiheit verurteilten, wie es die Bedingungen der kapitalistischen Laender taeten.
Im Rahmen ihrer Handelspolitik, ihrer Plaene fuer die Gewaehrung
technischen Beistandes und ihrer Propaganda verlegten sich die Staaten
im Sowjetblock aus psychologischen und Reklamegruenden teilweise auf die
Durchfuehrung von Vorhaben sichtbaren und bleibenden Wertes (wie z.B.
die Pflasterung der Strassen von Kabul) und fanden damit Anklang bei
den Empfaengerstaaten. Der Sowjetblfcck sorgte ferner fuer den beschleunigten Abschluss von Vertraegen uebcr die Gewaehrung technischer Hilfe,
und ungefaehr einen Llonat nach Vereinbarung des technischen Beistandes
erschienen gewoehnlich die roten Techniker zur Aufnahme ihrer Arbeit an
den jeweiligen Vorhaben. Technische Vertretungen foerderten nicht nur
den Verkauf von Ausrüstungen aus den Sowjetblock-Laendern, sondern
sorgten auch fuer eine Ausweitung und Staerkung des kommunistischen
Einflusses. IIach bis heute vorliegenden Einzelheiten scheinen die technischen Beistand aus den Laendern im Sowjetblock in Anspruch nehmenden
Staaten nit der geleisteten Arbeit und dem erzielten Fortschritt zufrieden zu sein, und die neutralen und "ungebundenen" Laender scheinen
die laufende wirtschaftliche und technische Hilfe des Sowjetblöcks als
fuer ihre Unabhaengigkeit ungefaehrlich anzusehen.
Vorstoesse in den Uahen Osten.
Im Jahre 1955 konzentrierte der Rote Block (also einschliesslich Rote»
Chinas) 3eine Bemuehungen auf den Uahen Osten. Seine "Offensive" bis nach
ITordafrika bestand in der Anknuepfung von Handelsbeziehungen, in der
Gewaehrung von Waffenhilfejwirtschaftlichen und technischen Beistandes
sowie in der Anbahnung kultureller Beziehungen. Bei einer Beyoel'zerung
von ueber 100 Hillionen Koepfen foerdert der Nahe Osten 20$ der Weltproduktion an Rohoel und Erdgas. Er verfuegt, soweit festgestellt, ueber
zwei Drittel der gesamten Rohoelreserven der Erde. Der liehe Osten macht
einen Wandlungsprozess durch} er umfaest ein Gebiet von zunehmender
wirtschaftlicher und strategischer Bedeutung. Die ungeklaerte politische
Lage und der wachsende arabische Nationalismus.bieten dem Konmunismus
verlockende Gelegenheiten zu Manoevern und zur Wahrnehmung, eigener
Vorteile.
Das Gesamtvolumen des Handels zwischen dem Roten Block und dem
Nahen Osten stieg im Jahre 1955 wertmaessig mit 85 Mio Dollar deutlich
an, und es ist zu erwarten, dass die Aufwaertsbewegung anhalten wird.
Auffallend war die Verlagerung des Handels mit Hahost in den Jahren
1954/55 von der freien Welt nach dem Roten Block. Der ITahosthandel
Nordamerikas und Westeuropas ging in diesen. Jahren zurueck. Das lag dem
Bericht der Vereinten Nationen ueber die "Wirtschaftliche Entwicklung
im Vorderen Orient, 1954 und 1955"(Economic Development in the I.Iiddl«
East") zufolge zum Teil an Absatzschwierigkeiten fuer groessere Posten
der jeweiligeil landwirtschaftlichen Haupterzeugnisse und demgemaess
an einer Zunahme der Kompensationsgeschaefte (ueberschuessige Naturprodukte gegen Ha«ohinen) r.iit der kommunistischen Welt. Da die Laender
in Hahost keine preisguenstigen Haerkte fuer ihre Erzeugnisse in Westeuropa, den Vereinigten Staaten und Kanada fanden, schalteten sie auf

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�den Handel mit dem Roten Block um.
Dem Beispiel anderer Hahostlaender (ausser Israel) folgend, "bauten
die Tuerkei und der Iran - beide Laender sind Mitglieder des antikommunistischen Bagdad-Takts - ihre Handelsbeziehungen zum Roten Block
systematisch aus. Der Umsatz der Tuerkei im Handel mit den Roten Block
stieg 1955 nit einer wertmaessigen Erhoehung um 60 Mio Dollar merklich
an, In Laufe der Jahre 1953 "bis 1955 erhoehte sich der Anteil der 3ezuege der Tuerkei aus den Rotblocklaendern an ihrer Gesamteinfuhr um
dae Dreifache, und zwar von 5»5$ auf 18,3$. Die Exporte der Tuerkei
nach dem Roten Block - es handelte sich dabei hauptsaechlich um Tabak,
Baumwolle. Viehfutter und ITuesse, also um Waren, die keiner Sperre unterliegen - erreichten 1955 einen Gesamtwert von 68,6 Mio Dollar gegenueber 55»1 Hio Dollar im Jahre 1954. Gegenueber 16,5$ im Jahre 1954 erhoehte sich der Anteil der Exporte der Tuerkei nach dem Roten Block an
ihrem Exporthandel mit der gesamten Welt im Jahre 1955 auf 21 ,8$.
Israel zeigte augenscheinlich keine Neigung, seine Handelspolitik
auf den Roten Block umzustellen, sondern zog es vor, seinen Handel mit
Finnland, Jugoslawien und der Tuerkei auszuweiten. Dagegen war Syrien
sehr an Geschacftsverbindungen mit dem Roten Block gelegen. Es schloss
daher im November einen Handelsvertrag nit der Sowjetunion ueber Lieferungen von syrischer Baumwolle, Trockenobst, Oelfruechten, Tabak,
Kunstseide u.a.m. gegen Fabrikausruestungen, landwirtschaftliche Geraete,
Lastwagen usw.
Kanonen fuer Baumwolle
Auf Aegypten konzentrierten sich 1955 das Interesse und die Bemuehungen des Roten Blocks. Zu seinen Schritten wurde er ermutigt, durch
Aegyptens Staatspraesident Gamal Abdel Hasser, der bei verschiedenen Gelegenheiten erklaert hatte, dass Aegypten kommerzielle, wirtschaftliche
und technische Hilfe von kommunistischen Laendern annehmen werde, wenn
dies in seinem nationalen Interesse laege.
Aegyptens Umsaetze im Handel mit dem Roten Block stiegen 1955 um
etwa 59 Mio Dollar. Der Anteil des Roten Blocks an Aegyptens C-ecantausfuhr
betrug etwa 27$. Im Laufe der Jahre 1953-1955 verdoppelte Aegypten den
Anteil seiner Exporte nach dem Roten Block. Zum Teil ist diese Ilandelsausweitung dem Abschluss von sieben Handelsabkommen zwischen Aegypten
und Rotblock-Staaten im Jahre 1955 zuzuschreiben. Rot-China hatte
wachsenden Anteil an den sich ausweitenden Handel, angeblich auf Grund
der Besprechungen, die Staatspraesident Hasser mit dem Ministerpraesit
denten Rot-Chinas, Tschu En-Lai, auf der asiatisch-afrikanischen Konferenz in Bandung im April 1955 fuchrte.
Baumwolle bildet die Grundlage der aegyptischen Wirtschaft. Sie
ist der Ilauptposten im Volkseinkommen und Aögyptens Ilauptdevisenbringer.
Von jeher bestand der Gesamtexport Aegyptens zu mehr als 80$ aus Baumwollieferungen. Mitte 1955 war die Lage auf dem Weltmarkt infolge grosser Baumv/ollueberschuesse beunruhigend flau und man fuerchtete in Kairi
dass die Baumwollpreise weiter sinken wuerden. Den Rotblock-Staaten,
die sich unbedingt eine BrueckenkopfStellung am.ITil schaffen wollten,
kamen die Baumwollueberschuesse und Aegyptens Befuerchtungen sehr ge-

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�legen, un Abkommen mit Aegypten lieber den Austausch von Reis und Baumwolle gegen Industrieerzeugnisse und Waffen zu treffen.
Mitte Juli 1955 unterzeichneten Aegypten und die Tschechoslowakei
ein Handels- und Zahlungsabkommen, Am 22, August folgte ein Dreijahresabkommen mit Rot-China. Ein Tauschgeschaeft - Baumwolle gegen Erdoel wurde mit der UdSSR vereinbart, und im ITovember kam ein Handelsvertrag
mit der Sowjetzone Deutschlands zustande. Auf Grund der verschiedenen
Handelsvertraege erhoehte sich der Anteil der kommunistischen Laender
an Aegyptens Baumwollausfuhr, der waehrend der Jahre 1946-1954 im Durchschnitt 1JjG betragen hatte, auf 217S im ersten Halbjahr 1955 und auf 40$
im zweiten Halbjahr 1955« Einige Rotblock-Staaten haben angeblich ueber
der. Weltmarktpreis liegende Preise fuer Aegyptens langfaserige Baumwolle
gezahlt.
Im September erklaerte Staatspraesident Hasser, der einen Tlonat vorher eine Einladung zum Besuch der Sowjet-Union erhalten hatte, cB cei
ein von den Sowjets vermitteltes Geschaeft eingegangen, wonach er tschechische Waffen im Werte von angeblich 100 bis 250 Mio Dollar erhalte,
die mit Baumwolle zu bezahlen seien. Vor amtlicher Bekanntgabe des Tauschgeschaefts, uebor das schon mehrere Wochen lang Geruechte in Umlauf.gewesen waren, hatten Vertreter Aegyptens erklaert, iass Aegypten sowjetische Waffenlieferungsangebote annehmen muesse, falls sein Land keine
Waffen aus dem Westen erhalten koenne. Ar. 20. Oktober lief der sowjetische Frachter "Stalingrad" mit der ersten Waffonladung aus der Tschecho Slowakei in Alexandria ein. Die Ladung bestand aus 153 Kisten; damit soll
zum ersten Mal ueberhaupt ein kommunistisch regierter Staat Waffen an ein
arabisches Volk geliefert haben.
Bulganins und Chruschtschews Reise nach Suedasien
Im ITovember/Dezember machten I.Iinisterpraesident 3ulganin und
Chruschtschew eine triumphale "Freundschafts"-Rundreise durch Indien,
Birma und Afghanistan. Die einmonatige Reise, die am 17. ITovember in
I.'oskau begann, wurde in der Sowjet-Union als ein gewaltiger Schritt in
Richtung auf die Srfuellung des ehrgeizigen Wunsches vor. Generationen
von Staatsmaennern Russlands, Einflussgebiete in Suedasien zu gewinnen,
angesehen. Der aeussere Anlass der Reise war der Wunsch, die vorangegangenen Besuche Pandit Nehrus und U ITus, des I.ünisterpraesidenten von Birma,
zu erwidern. Der wahre Zweck aber war der, durch Festigung der"Freundschaft" und durch Foerderung der Handelsbeziehungen sowie als Gegengewicht
gegen die von Westen gestuetzte Suedostacien-Pakt-Organisation (die 3EAT0)
die neutralen Voelker Asiens zu einer Front zu vereinigen. Dem Besuch der
beiden Sowjetpolitiker gingen Bemuehungen voraus, Indien, Birma und Afghanistan handelspolitisch an den Roten Block zu binden - man denke z.B. nur
an das Abkommen ueber den Bau eines Stahlwerks im Herzen Indiens(Vgl. Bericht VI, Kapitel 1).
Das in wirtschaftlicher Hinsicht Bemerkenswerteste an diasa- Bu*i£aeh
bedeutsamen Reise durch Indien war das am 13« Dezember herausgegebene gemeinsame Kommunique, .mit dem der Abschluss eines Handelsvertrags bekannt
gegeben wurde. Danach kauft Indien der Sowjet-Union im Laufe von 3 Jahren
gereohnet ab 1956, 1 Mio t. Stahl und verschiedene Ausfuehrungen von Bohrund Bergwerksausruestungen sowie andere Geraete ab. Dafuer erklaerte sich
die UdSSR bereit, Rohstoffe und Fertigwaren im entsprechenden Gegenwert

27 -

�von Indien zu beziehen. Der Vertrag sieht ferner die Einrichtung von
Dampferlinien vor, die von indischen und sowjetischen Schiffen "befahren
werden sollen, um die Transporte in beiden Richtungen zu "bewerkstelligen. Indien und die UdSSR kamen ueberein, baldigst Abordnungen auszutauschen, um Zahlungs- und Lieferbedingungen zu eroertern und um zu
wirtschaftlichen Abmachungen zu gelangen, die die Erreichung de3 groesstnoeglichen Volumens im Handel zwischen den beiden Laendern sicher
stellen sollten. Es wurde so gerechnet, dass das Inkrafttreten des Handelsvertrages zeitlich mit dem Anlaufen des zweiten indischen Puenfjahresplan im April 1956 zusammenfallen solle.
aoü
Mit dem Besuch von Bulganin und Chrutschew erreichte die "Bearbeitung" Indiens durch die Sowjets ihren Hoehepunkt. Die Sowjet-Union
konnte als Ergebnis erhebliche propagandistische Gewinne buchen. Weitere
Momente»die sich fuer die Stellung der Sowjet-Union guenstig auswirkten,
waren 1) ihr Angebot, Indien ihre mit der friedlichen Verwendung der Atomenergie und dem Bau von Fabrikanlagen gewonnenen Erfahrungen zur
Verfuegung zu stellen; 2) der Eingang von Lieferungen zur Ausruestung
des Stahlwerks und die Ankunft von Fachleuten in Indien; 3) das Angebot, Indien in allen Bereichen der Schuerfarbeiten, der Oelgewinnung
und der Oelraffinerie Hilfe zu gewahren; 4) der Eingang der "eraetschaften fuer ein 15.000 Korgen grosses Staatsgut, deren Lieferung dem Mlnisterpraesidenten ITehru bei seinem Besuch in Moskau zugesagt worden war.
Die Cesamtunsaetze im Handel zwischen dem Roten Block und Suedasien sowie dem Fernen Osten erhoehtej sich 1955 ura etwa 120 Mio Dollar.
Indiens Handel mit dem Roten Block stieg v/ertmaessig um ueber 18 Mio
Dollar. Bis Ende 1955 hatte Indien acht Handelsvertraege mit RotblockStaaten abgeschlossen. Dennoch war der Rote Block an Indiens Einfuhr
nur mit 1,77= und an dessen Ausfuhr nur mit 2,1fa beteiligt. Die Umsaetze
im Handel zwischen dem Roten Block und Indonesien, mit welchem sieben
Handelsabkommen bestanden, stiegen 1955 um etwa 50 Ilio Dollar, im Falle
Ceylons dagegen gingen sie um J&gt;6 Ilio Dollar zurueck.
Der Reis als ""äffe.
Reis ist das landwirtschaftliche Haupterzeugnis und bildet die
Hauptnahrung der Bevoelkerung in allen Laendern Asiens. Bei seinen Bestrebungen, in Birma Einfluss zu gewinnen, operiert der Rote Block
hauptsaechlich mit dem Aufkauf von Reis, einer Ware, die Birma mit
sehr erheblichen Ucberschuessen erzeugt und daher stark exportieren
nuss, um seine wirtschaftliche Stabilitaet zu erhalten. Der Anteil des
Reishandels an Birmas Exporterloesen betraegt 70 bis 80Jo»und die Staatseinnahmen haengen stark vom Reishandel ab. Da Birma Schwierigkeiten
mit dem Absatz des Reises auf seinen traditionellen Harkten hatte, fanden die Rotblock-Staaten mit ihren im Jahre 1955 staendig zunehmenden
Reisaufkaeufen die geeignete Einbruchstelle, um die Wirtschaft Birmas
von sich abhaengiger machen zu'koennen.
Im Jahre 1955 stieg der Wert der im Handel zwischen Birma und dem
Roten Block umgesetzten Waren nach vorlaeufigen Schaetzungen um ueber
23 Mio Dollar. Mit '\2?o war der Rote Block 1955 an Gesamtexport Birmas
beteiligt gegen weniger als 1$ v/aehrend des Seitraums 1950-54« Fuenf
neue Handelsvertraege schloss Birma mit Rotblock-Staaten ab, und zwar
mit der UdSSR, der Tschechoslowakei, der Sowjetzone Deutschlands, Un-

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�garn und Polen; es erneuerte einen Vertrag mit Rot-China aus den Jahre
1954» In Rahmen dieser Vertraege wurden Reis, Uineralien, Gummi, Hol«
und Baumwolle gegen Industrieerzeugnisse und einige Verbrauchs{jueter
ausgetauscht. Reis war das Haupthandelsobjekt. Die Reismengen, die Birma
ausfuehrte, stiegen von 1,5 Mio in Jahre 1954 auf 1,7 Tonnen im Jahre
1955 an. 2y/o davon nahmen die Rotblock-Staaten ah. Die kommunistischen
Abnehmerstaaten verwendeten den Reis nicht ausschliesslich fuer sich,
sondern lieferten ihn teilweise weiter an ITordvietnam und Ilordkorea.
Einige Mengen wurden sogar an Laender der freien Y/elt v/eiterverkauft.
.'.ls I.Iinisterpraesident U !!u Ende Oktober Moskau besuchte, dankte
er der UdSSR fuer die Befreiung seines Landes von einer Y/irtschaf tskrise
durch Abnahme seiner Reisueberschuesse und sprach den Y/unsch aus, fuer
den Reis Fabrikausruestungen und Maschinen sowie Techniker aus der SowjetUnion zur Verfuegung gestellt zu erhalten. Am 22..Februar 1955 hatte er
angekuendigt, dass die Sowjet-Union in Baelde 200.000 t Reis aus Birma
beziehen und Birma im Austausch mit Industrieausruestungen beliefern
wuerde.
Am 7» Dezember trugen Bulganin und Chruschtschew ihre "Reis-Offen3ive"
vor, indem sie mit Birma ein Wirtschaftsabkommen schlössen. Danach
nimmt Birma die Hilfe der Sowjets fuer seine landwirtschaftliche Y/eiterentwicklung, fuer den Bau von Berieselungsanlagen und die Errichtung
von Industrieanlagen in Anspruch. Die Sowjet-Union versprach auch den
Bau einer technischen Hochschule in Rangun und die Lieferung des daffctr
notwendigen Inventars als Geschenk an das birmesische Volk. Das Abkommen sieht vor, dass Birma die fuer seine Landwirtschaft und Industrie
gewaehrte Hilfe mit Reis bezahlt und dass die Sowjet-Union mit einem
Zahlungsaufschub einverstanden ist, wenn nicht genuegend Reis zur Verfuegung steht.
Der klingende Rubel
Die Ruehrigkeit, mit der die Sowjets versuchen, Afghanistan ihren
"technischen Beistand" angedeihen zu lassen, geht auf ihre Bcmuehungen
um die Erweiterung ihrer Handelsbeziehungen zurueck. Es scheint jedoch,
dass eher strategische Interessen auf lange Sicht im Spiele sind, als
das Bestreben, aus Einfuhren aus Afghanistan unmittelbar nutzen zu
ziehen.
Bis Mitte ITovember 1955 waren als Ergebnis der Werbung Moskaus
um Afghanistan Pressemeldungen zufolge 500 sowjetische Techniker an
Ort und Stelle, um den Afghanen beim Bau von Oeltanklagern, Getreidesilos und der Ausfuehrung sonstiger Grossbauvorhaben zu helfen.
Zeitungskorrespondenten meldeten "glaenzende Erfolge". Als Folge seiner
heftigen Anstrengungen zur Foerderung der Handelsbeziehungen zu
Afghanistan war der Sowjet-Block im Jahre 1955 vermutlich zu etwa 50$
am gesamten ..ussenhandel dieses Landes beteiligt. Das YAirken der Sowjets in Afghanistan wird noch unterstuetzt und ergaenzt durch die
Satellitenstaaten, besonders durch die Tschechoslowakei, die eine
Zementfabrik baut. Im An3chluss an die Meldung des afghanischen Rundfunks, dass Afghanistan der Einladung, eine Militaermission nach der
Tschechoslowakei zur Besichtigung des modernsten
Kriegsmaterials

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�Kriegsmaterials zu entsenden, Folge leisten v/erde, war im ITovember
aus Zeitungsberichten zu entnehmen, dass Afghanistan ein Y/affenlieferungsangebot der Tschechoslowakei anzunehmen beabsichtige.
"inisterpraesident Bulganin und Chruschtschew besuchten zum
Abschluss ihrer Reise durch Suedasien Kabul, die Hauptstadt Afghanistans. Den Iloohepunkt des Besuches bildete am 18. Dezember
die Erklaerung, dass die Sowjet-Union Afghanistan einen langfx.siegen 1 CO Kio Dollar-Kredit zur landwirtschaftlichen Weiterentwicklung, zun Bau von V.'asserkraf twerken, Berieselunganlagen,
Autoreparaturwerkstaetten und zum ".'Wiederaufbau des Plughafens
von Kabul einraour.en werde; Die beiden Staaten kftmen ferner ueber
ein, die freundschaftlichen Beziehungen politisch und kulturell
auszubauen V.aeh£end ihr.es Bocuches machten die Sowjetfuohrer
Afghanistan: ein Krankenhaus, mit einhundert Betten sowie der Stadt
::abul 15 Omnibusse zum Geschenk. Diese grossangelegto Hilfeleistung
erfolgt - so wird das jedenfalls gedeutet - im Rahmen eines Klans
der Sowjets, ihre Stellung in Afghanistan zu festigen und dessen
dauernde Keutralitaet sicherzustellen, sowie als Gegengewicht zur
Freundschaft der Vereinigten Staaten mit der Tuerkei, dem Iran und
Pakistan.
Rubelklaenge in Lateinamerika
Kur drei Staaten Suedamerikas, naemlich Argentinien, Uruguay
und Kexiko, unterhalten diplomatische Beziehungen zur Sowjet-Union,
waehrend mehrere andere Laender derartige Beziehungen zu sonstigen
Straten im Sowjetblock haben. Der Anteil des Roten Blocks (unter
Einschluss Rot-Chinas) am Gesamtaussenhandel Suedamerikas oetrug
1955» wie auf Seite 8 erwaehnt, nur 2cp, Innerhin sind die Bemuehungen des Roten Blocks um eine Ausweitung seiner Handelsbeziehungen
zu Suedanerika seit 1953 nicht ganz ohne Erfolg geblieben. Die
Geschaeftsleute in den Vereinigten Staaten unterschaatzen keineswegs die Bedeutung des handelspolitischen Vordringens des Roten
Blocks mit der damit verbundenen Aussicht auf schaerfere Konkurrenz und den sich fuer die kommunistischen Karteien in. den einzelnen Laendern ergebenden Vorteile.
In Verlauf der roten "Friedensoffensive" 1954/55 bekam Lateinamerika das sowjetische Draengen nach Koexistenz und nach engeren
wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu spueren. Es wurden
allerdings keine direkten Angebote bezueglich technischen Beistandes
gemacht.
Im Jahre 1955 bemuehte sich der Sowjetblock eifrig, die Zahl
der zv/eiseitigen Handelsvertraege mit lateinamerikanischen Staaten
zu vermehren und sie auf eine breitere Grundlage zu stellen, .'.uf der
Konferenz der UH V/irtschaftskor.mission fuer Lateinanetika (ECLA) in
Bogota im August piaedierten polnische und tschechische Beobachter
fuer einen erweiterten Handel zwischen Suedanerika und den Laendern
hinter den Eisernen Vorhang und wiesen dabei auf die Hoeglichkoit
fuer Suedanerika hin, sich neue und bleibende Absatznaerkte dort
zu schaffen.
An 31. Dczenber 1955 waren 18 Handelsvertraege zwischen lateinamerikanischen Staaten und europaeischen Laendern in Sowjetblock

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�in Kraft. Dem Beispiel ihrer Vasallenstaaten folgend, hatte sich
auch die Sowjet-Union ein eigenes System direkter Verträge mit südamerikanischen Staaten geschaffen. Die 18 Handelsverträge mit ihren
großzügigen Kreditbedingungen sehen einen jährlichen V/arenauatausoh
im Betrage von 500 Mio Dollar vor. Im Vergleich au 1954 mit eine.»
Handelsvolumen im Werte von 200 Mio Dollar und au 1953 mit 70 Mio
Dollar ist das eine imponierende Zahl. Im ganzen sind die Ausfuhren
aus Südamerika auf verhältnismäßig, wenige Warensorten beschränkt.
Argentinien liefert Leinöl, Häute und Fleisch; Brasilien Kaffee,
Baumwolle, Kakao und Wolle; Uruguay Gefrierfleisch und '.Volle und
Mexiko Kaffee. Die Gegenlieferungen des Sowjetblocks umfassen landwirtschaftliche Maschinen, Fabrikausrüstungen, öl, Rohstoffe,
Schienen, Zement und Spiegelglas. Wie auf Seite 8 ausgeführt, bewirkten
größere Ankäufe von Zucker und Kaffee durch Sowjotblock-Staaten im Jahre
1955 eine Erhöhung der Exporte Südamerikas nach dort um 20/«.
Im Herbst 1955 erschienen Berichte, wonach der 3owjetblock seinen
handelsvertraglichen Verpflichtungen gegenüber Argentinien, Brasilien,
Uruguay, Mexiko und anderen Staaten nicht voll nachkomme, so daß erhebliche Salden zugunsten der südamerikanischen Staaten entstanden
seien. Nach amtlich nicht bestätigten Schätzungen blieb die Erfüllung
der Verträge zwischen den Sowjctblock-Staaten und Argentinien im Jahre
1954 um etwa 545« un&lt;l J-cr Verträge zwischen Brasilion und den SowjotblockBtaaten um 4 ^ hinter den eingegangenen Verpflichtungen zurück, Wiewohl
der Umfang der gegenseitigen Lieferungen hinter den Erwartungen zurückblieb, erfüllten die lateinamerikanischen Staaten im allgemoinon die
Verträge dennooh besser, als die Sov/jotblookstaaten. Eo wurdo Klage darüber geführt, daß die Lieferungen an Argentinien mengenmäßig nioht nur
nicht den gemachten Zusagen entsprochen hätten, sondern daß auoh die
Qualität der Werkzeugmaschinen und ähnlicher Erzeugnisse im Vorgloioh
zu entsprechenden USA-Erzeugnisson mindorwortig und voraltot (5-15 Jahr»
alte Modelle) gewesen seien.
Der Sowjetblock richtoto seinen wirtschaftepolitischon Vorstoß
im Jahre 1955 in erster Linie auf Argentinien und Uruguay. Im Laufe
des Jahres hatte Argentiniens Handel mit dem Jowjotblock einen starken
Aufschwung genommen, und am Jahroocndo boatandon zwischen Argentinien
und kommunistischen Ländern sechs Handelsverträge. Der wichtigste in
Kraft befindliche Vortrag war mit der Sowjot-Union am 5» August 1953
abgeschlossen worden und sah ursprünglich wortmäßig ein Handelsvolumen
von 150 Mio Dollar sowie einen sowjetischen 30 Mio Dollar-Kredit zum
Ankauf von Investitionsgütern vor. In einom für 1955 gültigen Handelsprotokoll wurde der 30 Mio Dollar-Kredit auf 4 Llio Dollar horabgesetat|
aber dennoch in keiner 'Weise von Argentinien in Anspruch genommen*
Im Spätjähr 1955 erklärte der argentinische Gesandte in Moskau,
die Beziehungen seines Landes zur Sowjet-Union trügen zur Festigung
des argentinischen Handels bei, solange Argentinien auf den riesigen
sowjetrussischen Markt Absatzmöglichkeiten habe, und fügte hinzu,
daß Argentinien seinerseits sowjetische Fertigwaren zum Aufbau seiner
Industrie zu kaufon beachsichtige.

31 -

�Unbestaetigto Meldungen in Juli deuteten darauf hin, dass die
Sowjet-Union Brasilien, dessen fi nanziello Lage damals "bedenklich war,
verlockende Handelsvorschlage gemacht habe. Dazu gehoerte angeblich
des Angebot, Brasilien zunaechst einmal 1.000 t Kaffee und 20.000 t
Zucker abzukaufen. Beim Kaffee handelte es sich um eine unbedeutende
I'engej sie betrug nur 0,1$ der Durchschnittsekaffeeernte in Brasilien.
Die Zuckerankaeufe dagegen hatten schon groessere Bedeutung, zumal Brasiliens hohe Zuckerpreise auf dem Y/cltmarkt nicht konkurrenzfaeuig .waren.
Y.'aehrend der Praesidentenwahlen in Brasilien im Spaetsommer und
Herbst 1955 hatten die drei Ilauptkandidaten ihren V/illen bekundet,
wenigstens Handelsbeziehungen zu allen Staaten zu unterhalten. Die
zunehmende Stimmungsmache fuer die Aufnahme kommerzieller und diplomatischer Beziehungen zur Sowjet-Union und ihren Vasallenstaaten
wurde mehr mit wirtschaftlichen als mit politischen üeberlegungen
begruendet, denn Brasilien war auf der Suche nach neuen Absatzmaerkten
und auskoemmlichen Preisen fuer seine Erzeugnisse, vor allem fuer seinen
Kaffee.
Im Dezember besuchte der sowjetische Gesandte In Mexiko Ekuador.
Der Praesident und der Aussenminister empfingen ihn zu einem offiziellen Fruehstueck. Seit dem Besuch hat die Regierung von Ekuador immer
wieder in der Presse erschienene Geruechte dementiert, nach denen ueber
einen Vertrag zur Gewaehrung technischen Beistandes durch die Sowjets
und ein Angebot zur Lieferung von Y/affen an Zkuador verhandelt worden
sei.
Gegen Ende 1955 war in ganz Suedamerika ein wachsendes Interesse
an der Ausweitung der Handelsbeziehungen zum Sowjotblock feststellbar,
wenn auch die roten Avancen immer noch mit einiger Skepsis beobachtet
wurden.
W'c wird der Herausforderung begegnet?
.".it Ablauf des Jahres 1955 ging eine neue Zeitspanne zuende,
waehrend welcher die Staatsmaenner des Y/estens verfolgen konnten, wie
sich die wirtschaftliche und politische Offensive des Roten Blocks in
den politisch nicht gebundenen und entwicklungsbeduerftigen Gebieten
immer mehr verstaerkte. Der kalte Krieg war in eine neue Phase getreten, in der der Zote Block offenbar weniger mit militaerischen Drohungen, politischer Y'uehlarbeit und Hetzpropaganda operierte, als vielmehr mit dem Angebof'eines ITebeneinanderbestehens in friedlichem Wettbewerb" und "wirtschaftlich-technischer Hilfe" fuer die entwicklungsbeduerftigon Staaten. Massgebende Leute in der freien Veit hatten die
von den Sowjets betriebene Politik von jener Zeit an, als man noch kaum
davon sprechen konnte, dass den Sowjets an einem wirtschaftlichen Wohlergehen der sich neuerdings entwickelnden Laender gelegen war, da sie
diese beim wirtschaftlichen Aufbau praktisch garnicht unterstuetzte,
bis zur Propagierung des Aussenhandels als "einesintegrierenden Bestandteils des sozialistischen V/'irtschaftssyotens und sowjetischer Aussenpolitik"*), beobachtet. Eine in der sowjetischen Presse im Juli 1955
*) Diese Zitate aus einer Vcroeffentlichung ueber den sowjetischen Aussenhandel sind der"3oviet Technical Assistance"aaO., 3. 4, entnommen.

- 32

�erschienene Notiz, worin zum erstenmal von einer "Hauptverwaltung fuer
wirteohaftliohe Beziehungen" die Rede war, blieb nioht unbemerkt. Es
handelt sich hior um eine selbetaendige Behoerde, die dem Llinisterat
dar Sowjet-Union unmittelbar untersteht und offenbar fuer die Gesantkoordinierung und Lenkung der Massnahmen der Sowjets zur Gewaohrung
wirtsohaftlioh-teohnisoher Hilfe verantwortlich 4st". Bio Einrichtung dieser Behoerde sprioht dafuer, welohe Bedeutung die.Sowjetregierung neuerdings den Wirtschaftshilfsprogrammen beimisst.
Die Nordatlantikpakt-Organisatlon (NATO) erklaerte in einem am
16. Dezember herausgegebenen Konmunique, mit ihrem Vorgehen in ITahost
und ihrer wachsenden militaerischon Staerke "fordere die Sowjet-Union
die freie Welt erneut heraus". Bie Vereinigten Staaten begegnen dieser
Herausforderung mit ihren Hilfsprogrammen zur Gewaohrloistung gemeinsamer Sicherheit. Sie erhoehen damit die Wirtschaftskraft und die militaerisohe Sicherheit ihrer Partner in der freien Welt. Im Neunten
Halbjahresbericht ueber das Programm fuer die Gemeinsame Sicherheit
fuer die Zeit vom 1. Juli bis 31» Deaember 1955 bfisst est
"An bereits ersielte Fortschritte anknuepfend setiton die Vereinigten
Staaten die den freien Voelkern in aller Welt gewaehrte Hilfe fort. Bie
eigenen und gemeinsamen Anstrengungen dieser Voelker zur Sicherheit ihrer Unabhaengigkeit und zur Weiterfuehrung ihrer Massnahmen fuer eine
Verbesserung der eigenen wirtschaftlichen Bedingungen wurden damit weiterhin wirksam untorstuetzt
Hit den Sicherheitshilfsprogrammen, in
deren Rahmen die Vereinigten Staaten mit den in der wirtschaftlichen
Entwicklung becriffenen Laondem in dem Bemuehen, deren Wirtschaftslage
zuYer bessern, zusammenzuarbeiten, ist man v/aehrend der in Rede stehenden
soohs I.'onate ebenfalls vorangekommen. "*)

*) Aus dem "Report to Congress on the Mutual Seourity Program" fuer das
zweite Halbjahr 1955t S* 1*

Xftt G$i COlli T«t ECU

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�BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG
Die nachfolgende Artikelserie, die von führenden Fachleuten geschrieben ist, befaßt sich mit den wirtschaftlichen
technischen, sozialen sowie anderen Problemen der Automatisierung.
1) Die Automatisierung und der Mensch
Von L.M.K. Boelter, Universität von Kalifornien
2) Die
und
Von
der

Bedeutung der "Automation" für die U3-',Virtschaft
die US-Autoindustrie
Robert T. Keller, Vizepräsident
"Chrysler Corporation"

3) Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft und den V/elthandel
Von Dr. V/eldon B. Gibson, Direktor der Abteilung
für '.Virtschaftsforschung, "Stanford Research Institute"
4) Die Automatisierung und die Mittel- und Kleinbetriebe
Von Paul V/ishart, Präsident
der "I.Iinneapolis-Honeywell Regulator Company"
5) Möglichkeiten von "Automation" in Versicherungsbetrieben
Von Malvin E. Davis, Vizepräsident und Leiter
der Registraturabteilung der "Metropolitan Life
Insurance Company", New York
6) Die Automatisierung im Zeitungsvertrieb
Von Nathaniel Bishop, "Time Inc."
7) Die Automatisierung in der Stahlindustrie
Von V/.K. Scott, "U3-Steel Corp."
8) Die Automatisierung in der chemischen Industrie
Von V.F. Hanson, "Du Pont et Nemours Company"
9) Die Bedeutung der "Automation" für die Betriebsstatistik
Von Frederick K. Leisch, "A.G. Nielsen Company"
1 0) "Automation" und industrielle Betriebsführung
Von M.E. Salveson, "General Electric Corporation"

* * * * *

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
WIRTSCHAFTSREPORTAGE

4. Januar 1956

BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG
Die unter diesem Titel in den folgenden Ausgaben von
"Amerika Dienst, Wirtschaft und Arbeit" erscheinende und von
führenden Fachleuten geschriebene Artikelserie befaßt sich
mit den wirtschaftlichen, technischen, sozialen sowie anderen
iroblemen der Automatisierung. Die einzelnen lArtikel werden
sich dabei mit den folgenden Themen befassen:
1) Die Automatisierung und der Mensch, von L.M.K. Poelter.
Universität von Kalifornien
2) Die Bedeutung der "Automation" für die US-Wirtschaft
und die US-Autoindustrie, von Robert T. Keller,
Vizepräsident der "Chrysler Corporation"
3) Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft und den Welthandel, von Dr. Weldon B. Gibson, Direktor der Abteilung für Wirtschaftsforschung, "Stanford Research
Institute"
4) Die Automatisierung und die Mittel- und Kleinbetriebe,
von Paul Wishart, Präsident der "Minneapolis-Honeywell
Regulator Company"
5) Möglichkeiten von "Automation" in Versicherungsbetrieben,
von Malvin E. Davis, Vizepräsident und Leiter der Registraturabteilung der "Metropolitan Life Insurance
Company", New York
6) Die Automatisierung im Zeitungsvertrieb, von Nathaniel
Bishop, "Time Inc."
7) Die Automatisierung in der Stahlindustrie, von W.K.
Scott, "US-Steel Corp."
8) Die Automatisierung in der chemischen Industrie, von
V.F. Hanson, "Du Pont et Nemours ne^crünv"
9) Die Bedeutung der "Automation" für die Betriebsstatistik, von Frederick K. Leisch, "A.G. Mielsen Company"
10)"Automation"und industrielle Betriebsführung, von M.E.
Salveson, "General Electric Corporation"

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

4. Januar 1956

BEDEUTUNG, MÖGLICHKEIT UND GRENZEN
DER AUTOMATISIERUNG (i)
Die Automatisierung und der Mensch
Von L.M.K. Boelter, Universität von
Kalifornien
( 250 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Die überall feststellbare Neigung,
Maschinen und ganze Arbeits- und Produktionsprozesse zu automatisieren, ja schließlich alle Betriebsmittel voll automatisch zu betreiben, wurde einmal durch das Streben gefördert,
jegliche Plackerei so weitgehend wie nur möglich auszuschalten
und zum anderen durch die Konstruktion immer besserer mechanie
scher und elektronischer Kontroll- und Steueranlagen.
Die Weitergabe von Energie, Material und Wissen sowie
deren Umwandlung innerhalb dieser Dreiteilung der Natur oder
ihre Überleitung von der einen in die andere Gruppe beschäftigten den Geist des Menschen von Anbeginn. Im Laufe der Zeit
lernte der Mensch in seiner lenkenden und überwachenden Funktion immer größere Kräfte in der Hand des einzelnen zu vereinigen. Es sei hier an den gruppenweisen Einsatz von Menschen
etwa als Ruderer auf Schiffen, an die Nutzbarmachung der Kräfte desfWindes durch Segel und die Zähmung etwa des Pferdes als
Last- und Zugtier erinnert. Der Mensch bewies seine Fähigkeit,
sich fremde Kräfte planmäßig zunutze zu machen und sie zu kontrollieren.
Er fand immer neue Medien für die Umwandlung und Weitergabe: das Rad, das Feuer, die Wasserkraft und anderes. Die
Überwachung und Lenkung aber fand ihre Limitation in den Grenzen des menschlichen Nervensystems. So kann man die Automatisierung unserer Tage als die Befreiung des Menschen von gewissen Kontrollaufgaben und ihre Übertragung auf "äußere"
mechanische und elektronische Geräte bezeichnen.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß der erste Schritt
in der Mechanisierung die Befreiung des Menschen von einem
Teil seiner krafterzeugenden Funktion brachte. Der zweite
Schritt soll den Menschen von einem Teil seiner geistigen
Aufgaben und der damit zusammenhängenden physischen Belastung
entbinden.
»
Den Menschen von irgendwelchen Aufgaben (und damit auch
von Verantwortung) zu befreien, kann nicht unbedingt als eine
Wohltat angesehen werden. Es lassen sich aber andererseits
viele Prozesse, insbesondere sich stets wiederholende Vorgänge, soweit schematisieren und dann auf Maschinen übertra-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

4. Januar 1956

übertrafen, daß der Mensch Zeit und Kraft für ein reicheres
und erfüllteres Leben zu gewinnen vermag.
Die Funktionen des Überwachens und Lenkens sind mit denen
der produktiven Betätigung sowohl physiologisch als auch psychologisch eng verknüpft. In dieser Tatsache finden verschiedene seltsame Entwicklungsformen auf dem Weg zur Automatisierung
ihre Erklärung.
Es sei hier verwiesen auf die Peitschenhalter bei den
ersten Automobilen, auf die Roboter, denen man die Gestalt
des Menschen zu geben suchte, und auf die erste maschinelle
Anlage zur Herstellung der Glaskörper von Glühbirnen, bei der
man die Arbeitsweise der Glasbläser bis ins einzelne kopierte.
Bei der Automatisierung in ihrer höchstentwickelten Form
werden sämtliche Arbeitsgänge von der Anlieferung der Rohstoffe
an bis zum Versand des Fertigproduktes ohne jegliche menschliche Arbeit oder Überwachung automatisch ausgeführt. Der Mensch
hat lediglich den Fertigprozeß sowie die dazu erforderlichen
Maschinen zu entwerfen, die Maschinen in Gang zu setzen oder
zu stoppen und ihre Wartung und Instandsetzung zu besorgen.
Wie Cledo Brunetti, der Leiter der Abteilung technische Forschung und Entwicklung der General Mills, Inc., in Minneapolis
vor der 82.Landeskonferenz für Sozialarbeit vom 29.Mai bis
30.Juni 1955 in San Francisco ausführte, gibt es keinerlei Anzeichen dafür, daß die Entwicklung uns eines Tages zu einer
völlig von Menschen entblößten Fabrikationsweise führen wird.
Arbeiter werden immer nötig sein. Brunetti gibt dafür zwei
Gründe an: 1. wichtige administrative Entscheidungen werden
immer dem Menschen vorbehalten bleiben und 2. der Mensch kann
bei bestimmten Arbeitsgängen - wenn man die Kosten für Arbeitskraft und Maschinen miteinander vergleicht und unter der Voraussetzung, daß die betreffende Arbeit keine Gefährdung der Gesundheit mit sich bringt - mehr leisten, als die Maschine.
Die erwähnten wichtigen Entscheidungen werden in erster
Linie deshalb vom Menschen zu treffen sein, weil er allein durch
seinen Verstand über die Fähigkeit verfügt, verschiedene Daten
zueinander in Beziehung zu setzen, für die eine rationale Formel noch nicht existiert oder die zu schaffen einfach zu kostspielig wäre. Was Brunettis zweiten Punkt angeht, so werden
oftmals Zeitdruck und Raummangel es als zweckmäßig erscheinen
lassen, sich bei Prozessen der Umwandlung und Überleitung der
menschlichen Arbeitskraft zu bedienen. Die Verwendung der
menschlichen Kraft ist naturgemäß und zweckmäßig, wobei man
immer die Grenzen beachten muß, die dem Menschen auf Grund
seiner physiologischen und psychologischen Struktur und seiner
Individualität und Umwelt erwachsen.
Die Methode der Erfassung der Verhaltensmerkmale von technischen Systemen wird Betriebsforschung oder Betriebsanalyse
genannt. Das Entwerfen solcher Systeme und die Sammlung und
Auswertung der hierfür erforderlichen Daten ist Aufgabe der
sogenannten Systeme-Technik. Die hierbei angewendeten Methoden
und Praktiken sind nicht immer Forschungsgegenstand und Lehr- 3 -

�"AMERIKA PIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

4. Januar 1956

Lehrstoff der Technischen Hochschulen. Die Technik hat sich
in den vergangenen fünfzig Jahren weitgehend mit den Komponenten oder Elementen solcher Systeme, kaum aber mit den
Systemen selbst befaßt.
Ein Teilgebiet der Systeme-Technik ist die Bestimmung des
optimalen Wirkungsgrades innerhalb eines jeden Arbeitsganges
und seiner Beziehung zu dem gesamten Produktionsprozeß unter
den Gesichtspunkten der Kostenrechnung, der Zeit, des Materials
und der Arbeitskraft. Diese Bestimmung des optimalen Wirkungsgrades kann in bezug auf den Menschen nicht analytisch erfolgen;
sie darf aber dennoch beim Entwurf von Systemen nicht außer
acht gelassen werden. In der Planung für ein automatisiertes
System müssen seine Rückwirkungen auf alle Menschen, die unmittelbar in es verwickelt sind - die Belegschaft, die leitenden Angestellten, die Aktionäre und die Kunden sowie ihre
Familien -, und auch deren Beziehungen zu diesem System in
ähnlicher Weise nach ihrer optimalen Wirkung untersucht werden,
wie dies für nichtautomatisierte Systeme üblich ist.
Pie Automatisierung, die Norbert Wiener in seinem Buch
"The Human Use of Human Beings, Cybernetics and Society" (Per
Einsatz der menschlichen Arbeitskraft unter menschlichen Bedingungen, Kybernetik und Gesellschaft) als eine zweite industrielle Revolution bezeichnet, wurde von Brunetti in dem
schon einmal erwähnten Vortrag als ein sich Schritt für Schritt
vollziehender und bereits seit langem währender Prozeß bezeichnet, der seine Wurzel im Nervensystem des Menschen hat. Pie
Auswirkungen der Automatisierung aber auf die Belegschaft und
Betriebsführung sowie auf deren Familien und die gesamte Gesellschaft werden je nach dem Tempo des Übergangs zum automatischen Betrieb günstig oder abträglich sein. Sie werden ferner bestimmt von einer entsprechenden Rücksichtnahme auf bestehende Sitten, Bräuche, Gesetze und anderes, vom Vorliegen
geeigneter langfristiger Pläne und schließlich auch noch davon,
inwieweit es gelingt, die breite Masse durch entsprechende Aufklärung auf die bevorstehende Entwicklung vorzubereiten.
Um nur ein Beispiel zu geben: die Bereitschaft, den Wohnort zu wechseln, ist typisch für die moderne Gesellschaft.
Piese freie Beweglichkeit tendiert dahin, die Familien- und
Gruppenbande zu schwächen und sie kann und wird, wenn sie zu
weit getrieben wird, das Gefüge des Staates erschüttern.
Pieses Faktum müßte man bei der Einführung der Automatisierung
berücksichtigen, insbesondere, wenn sie größere Bevölkerungsteile zwingen sollte, sich nach einem neuen Arbeitsplatz an
anderen Orten umzusehen.
.."enn die Automatisierung nun aber einen gleichen oder noch
höheren Beschäftigungsstand zu bringen verspricht, dabei aber
zahlreiche Arbeitnehmer zwingt, ihren Arbeitsplatz oder Beruf
zu wechseln, dann müßte man heute schon eine entsprechende
Periode der Umschulung und Anpassung einplanen. Ein Wechsel
von einer rein physischen Arbeit auf eine Aufsichtstätigkeit
wird oftmals eine schwierige, wenn nicht gar unmögliche Anpassung vom einzelnen erfordern, und seine Reparatur- und Wartungs-

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

4. Januar 1956

Wartungsarbeiten werden oftmals als weniger reizvolle Beschäftigung angesehen werden als ein unmittelbares Mitwirken an der Schaffung neuer Produkte. Andererseits erfordern
gerade Reparaturarbeiten ein hohes Maß an Findigkeit und
Einfühlungsvermögen, und damit logisches Denken, so daß
viele Menschen hier ein weit gemäßeres Betätigungsfeld finden dürften als am Fließband mit seinen rein routinemäßig
immer wiederkehrenden Handgriffen.
Es scheint auch angebracht, sich über die Frage heute
schon Gedanken zu machen, inwieweit die Automatisierung sich
nachteilig auf die Erziehung auswirken könnte. Schon der
Schüler in der Grundschule mag auf den Gedanken kommen, daß
Rechnen für ihn doch völlig unwichtig sei, da alle Rechenoperationen ja von Maschinen ausgeführt werden.
Nach Auffassung des Verfassers braucht es aber zu keinerlei physiologischen, psychologischen oder pädagogischen
Schwierigkeiten zu kommen, wenn man auf allen Sektoren des
gesellschaftlichen Bereichs bei der Verwirklichung der Automatisierung entsprechend umsichtig verfährt.
Die Automatisierung bietet auch die Möglichkeit, sorgsamer mit unseren Rohstoffquellen umzugehen, sei es auch nur
deshalb, weil 6ie die zunehmende Entropie eines Systems stark
abschwächt. Eine weitgehende Analyse aller Lebensbereiche,
wie sie Voraussetzung für die Automatisierung ist, wird dazu
beitragen, die Erkenntnis zu verbreiten, wie beschränkt unsere
Rohstoffvorräte und wie unersättlich die Nachfrage angesichts
der stets wachsenden Bevölkerungszahl der Erde sind.
Die Verteilerfunktion und die mit ihr zusammenhängende
und ihr nachgeordnete Service-Funktion unserer Industrie geben
das Bild einer sich mit großer Geschwindigkeit und in wirksamer Form vollziehenden Operation; wenn man sie jedoch beispielsweise vom Standpunkt der Konzentration heterogener Komponente sowohl von Material und Zeit aus betrachtet, so zeigt
sich, daß hier noch eine wesentliche Verbesserung möglich ist.
Las Verhältnis zwischen Einzelhandelspreis und Gestehungskosten läßt erkennen, ein wie großer Fortschritt hier möglich
ist. Während man im allgemeinen davon ausgeht, daß eine Automatisierung in erster Linie für die Produktion in Frage komme,
so dürfte sich doch schon bald erweisen, daß sie selbst bei
einer noch so elementaren Anwendung auch in der Verteilung
hervorragende Dienste zu leisten vermag.
Ein erster Beitrag der Automatisierung zur Verteilerfunktion könnte in einer verbesserten Informierung bestehen.
Die Schaffung eines Systems der Informationszirkulation müßte
von drei Gesichtspunkten ausgehen;
a) Eine möglichst weitgehende Verringerung der zu speichernden oder zu übermittelnden Informationen in Verbindung mit einer entsprechenden Auswahl.
b) Zeitliche Abstimmung der Übermittlung solcher Information.
c) Größtmögliche Genauigkeit in der Übermittlung (und somit eine möglichst geringe Entropie).
Die

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

4. Januar 1956

Die Tendenz, allzuviele Informationen zu sammeln und zu
speichern, ist so alt, wie die Verwendung von elektronen Geräten selbst. Es gilt hier also erst noch entsprechende Kriterien zu schaffen. Wenn es darum geht, erst einmal zu bestimmen, was unter den Begriff der "unentbehrlichen Informationen" fällt, so versagen die früher verwendeten Verfahren
der Auswahl. Die Verteilung von Informationen ist übrigens
gleichfalls eine Angelegenheit auf Gegenseitigkeit. Sowohl
in den einzelnen Betrieben als auch auf allen Lebensbereichen
muß man sich darum bemühen, allen denjenigen, die gestaltend
an der Entwicklung teilhaben, möglichst weitgehende Informationen an die Hand zu geben.
Das Transportwesen - die Beförderung von Menschen und
Gütern - muß gleichfalls als ein Problem der Systeme-Technik
aufgefaßt werden, um hier zu Zeiteinsparungen und Kostensenkung bei gleichzeitiger Erhöhung des Wirkungsgrades gelangen zu können.
Es sei hier auch darauf verwiesen, wie wichtig es ist,
für den Fall irgendeiner örtlichen Betriebsstörung einen Ersatzprozeß vorzubereiten, um den Gesamtbetrieb aufrechterhalten zu können. Die Planung solcher Systeme, bei der auch
wirtschaftliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen sind und
die solche Ersatzlösungen von vornherein einbeziehen muß,
verdient eine entsprechende wissenschaftliche Untersuchung,
damit alle Auswirkungen auf die Produktion und die Verteilung
erfaßt werden.
Große Summen werden bei zunehmender Automatisierung für
die Umstellung der Arbeits- und Produktionssysteme auf den
automatischen Betrieb aufgebracht werden müssen. Der erforderliche Energieaufwand pro Arbeiter dürfte die Investitionen so
hoch treiben, daß sich eine Automatisierung in gewissen Fällen
vielleicht von selbst verbietet. Bereits heute deuten gewisse
Anzeichen darauf hin, daß erhebliche Kräfte einem rationellen
"Fortschritt oder Wandel" auf dem Gebiet der Massenproduktion
entgegenstehen.
Schlußbetrachtung
Jede technische Entwicklung läßt sich sowohl zum Guten
wie zum Bösen verwenden. Es gibt graduelle Unterschiede, die
sich durch die Art der Ausnutzung der entsprechenden Entwicklung bestimmen.
Die Art und Weise ihrer Verwendung und das Tempo ihrer
Übernahme in die Praxis erfordern weitreichende Entscheidungen,
die nur nach eingehenden Stadien getroffen werden können.
Allgemein gesprochen, erfordern diese Entscheidungen angesichts
der umfassenden Auswirkungen der Automatisierung "horizontale"
und oft wohl nur kurzlebige Organisationen innerhalb deren
alle beteiligten Personen und Gruppen an der Sammlung der
Daten und Informationen sowie an ihrer Analyse und Verteilung
mitwirken.
Die
- 6 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UITD ARBBIT

4. Januar 1956

Die prophezeite "zweite industrielle Revolution" wird dann
zu einer Schritt für Schritt verlaufenden und allgemein gebilligten Evolution werden, deren wichtige Anfangsphase wir gegenwärtig
durchmachen. Dies kann der Lauf der Dinge sein, wenn wir mit Überlegung handeln und unsere Entscheidungen auf die in der Vergangenheit gesammelten Erfahrungen - insbesondere auf die Erfahrungen
der ersten industriellen Revolution - stützan und dann unsereSchlußfolgerungen unter gebührender Berücksichtigung aller Faktoren ziehen, die das Gesicht der Gesellschaft heute formen.

* * * * *

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

11. Januar 1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN
DER AUTOMATISIERUNG (II)
Die Bedeutung der "Automation" für die US-Wirtschaft
und die US-Autoindustrie
Von Robert T. Keller,
Vizepräsident der "Chrysler Corporation"
los Angeles (Kalifornien)
1. Die Automatisierung und ihre Auswirkungen
auf die Wirtschaft
^

Wenn man in der Frage der Automatisierung ein
klares Bild gewinnen will, dann darf man sie
nicht nur vom Standpunkt des Produzenten aus
sehen. Aus diesem Grunde will der Verfasser
im Rahmen dieses Aufsatzes versuchen, nicht
nur am Beispiel der Automobilindustrie zu zeigen, welche praktischen Ergebnisse die Automatisierung in der Wirtschaft bisher gebracht
hat, sondern auch einen Überblick über die
möglichen Auswirkungen der Automatisierung
auf die Gesellschaft zu geben.

(200 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Welche Bedeutung die schnell voranschreitende Automatisierung für den einzelnen hat und welchen
Einfluß sie auf die gesamte Wirtschaft und auf die Gesellschaft
ausüben wird, sind Fragen, auf die die Industrie der Allgemeinheit eine befriedigende Antwort geben muß. Für viele Menschen
ist die Automatisierung - oder das, was unter ihr verstanden
wird - ein Schreckgespenst. Dabei wird häufig übersehen, einen
wie hohen Lebensstandard und welchen Wohlstand sie bei richtiger
Anwendung dem Menschen verspricht. Ängstliche Menschen sehen nur,
daß die alte Ordnung sich ändert und fürchten Folgen, die dieser
Wandel für ihre berufliche Existenz und ihre Sicherheit haben kann,
Die Geschichte hat aber meiner Auffassung nach ziemlich überzeugende Beweise dafür geliefert, daß man sich vor den Auswirkungen
des Fortschritts keineswegs zu fürchten braucht.

Im

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

11. Januar 1956

Im Jahre 1830 erfand ein armer französischer Schneider die
erste brauchbare Nähmaschine. Dieser große Fortschritt rief so
starke Befürchtungen hervor, daß der Mob, der die wirkliche Bedeutung der Maschine verkannte, den Laden des Schneiders stürmte
und den Erfinder beinahe ermordet hätte. Als der berühmte Nähmaschinenproduzent Isaac Singer seine Maschine patentieren lassen
wollte, suchte ihn seine Frau von diesem Plane abzubringen, weil
sie eine Massenarbeitslosigkeit befürchtete.
Heute lächeln wir über solche Befürchtungen. Die Nähmaschine
hat Millionen von Stunden harten Mühens eingespart. Ihre allgemeine Verwendung brachte eine erhöhte Produktion, eine steigende
Beschäftigtenzahl in der Bekleidungsindustrie und ein größeres
Warenangebot. Die Automatisierung verspricht der Menschheit ähnliche Vorteile, Vorteile, wie man sie sich bisher nicht einmal
erträumen konnte.
Es ist oft behauptet worden, die Automatisierung sei.nichts
Neues, sondern lediglich eine Weiterführung des Prinzips des
Fließbandes und der Massenproduktion, wie wir sie seit Jahren
kennen. In gewissem Sinne trifft das auch zu. Die Automatisierung ist tatsächlich eher ein evolutionärer Vorgang. Aber diese
Evolution hat in den vergangenen Jahren ein sehr schnelles Tempo angenommen und die durch sie bedingten veränderten Methoden
der Produktion, der Konstruktion, der Planung und sogar des
Absatzes haben neue Wünsche und Bedürfnisse geschaffen.
Die Automatisierung, wie wir sie heute kennen, hat uns gerade zur rechten Zeit erreicht. Dies gilt mindestens für die
Vereinigten Staaten. Ohne sie wären wir nicht imstande, de*
amerikanischen Volk immer neue und bessere Erzeugnisse anzubieten, immer neue Erfindungen auf den Markt zu bringen und
den erreichten Lebensstandard zu halten, der der höchste in
der Geschichte der Menschheit schlechthin ist.
Eine Leistungssteigerung in ddr Produktion führte bisher
noch immer dazu, daß sich neue und bessere Arbeitsplätze auftaten. Es erhebt sich heute somit die Frage, ob genügend Männer
und Frauen zur Verfügung stehen, um die neuen Arbeitsplätze besetzen zu können.
Hier liegt eine große Chance für die Arbeiter in den Betrieben, ein höheres Einkommen zu erlangen. Wer heute sein berufliches Können erweitert und sich jene Fertigkeiten erwirbt,
die in den automatisierten Betrieben verlangt werden, kann auf
ein gutes Fortkommen rechnen. Ein besonders hoher Bedarf besteht bei Elektrikern, Werkzeugmachern und Mechanikern, die die
automatischen Maschinen bauen und instandhalten können.
Es zeigt sich heute schon, daß die Automatisierung viele
neue technische Fertigkeiten fordern wird, von denen man bisher
niemals etwas gehört hat. Weitsichtige Unternehmen warten nicht
erst, bis außerbetriebliche Stellen entsprechenden Nachwuchs
heranbilden. Sie helfen ihren Arbeitern, sich die Fähigkeiten
in Spezialschulen und Kursen anzueignen.
Ohne Zweifel lassen sich bei manchen Arbeitsvorgängen
o
durch

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UNI; ARBEIT

11. Januar 1956

durch die Verwendung automatischer Ausrüstung Arbeitskräfte
einsparen. Dennoch wird auch die Automatisierung, wie jedes
Verfahren zur Beschleunigung der Produktion, zu einem Ansteigen der Beschäftigtenzahl in der Industrie und in den Dienstleistungsbetrieben führen.
Die wirkliche Gefahr, die heute droht, ist nicht eine allgemeine Arbeitslosigkeit sondern ihr gerades Gegenteil. In den
vor uns liegenden zwei Jahrzehnten werden sich die Vereinigten
Staaten aller Wahrscheinlichkeit nach einer steigenden Verknappung an Arbeitskräften gegeniibersehen. In diesem Zusammenhang darf ich auf die Feststellungen verweisen, die der bekannte
Soziologe und Publizist Peter Drucker in einem sehr informativen
Aufsatz in "Harper's Magazine" über die voraussichtliche Entwicklung Amerikas in den nächsten 20 Jahren getroffen hat. Da
die Männer und Frauen, die in 5, 10, 15 und 20 Jahren an der
Spitze unserer Wirtschaft stehen oder als Arbeiter und Angestellte in den Fabriken tätig sein werden, bereits geboren sind,
kann man mit ziemlicher Sicherheit vorhersagen, was uns in der
näheren Zukunft an Arbeitskräften zur Verfügung stehen wird.
Die Bevölkerungsstatistiken lassen erkennen, daß sich die Einwohnerzahl der Vereinigten Staaten in den nächsten zehn Jahren
von heute 165 Millionen auf ungefähr 190 Millionen und bis zum
Jahre 1975 auf mindestens 220 Millionen erhöhen wird.
Die Gesamtzahl der Beschäftigten wird aber keineswegs im
selben Ver ältnis zunehmen. Es wird vielmehr ein starkes Anwachsen der sogenannten "unproduktiven Altersgruppen" zu verzeichnen sein. Einer Zunahme der Gesamtbevölkerung um fast
30 Millionen innerhalb der nächsten zehn Jahre wird eine Zunahme der Jahrgänge zwischen 20 und 65 - also die Altersgruppen,
aus denen sich unsere arbeitende Bevölkerung rekrutiert - um
nicht mehr als sieben Millionen gegenüberstehen. Von diesen
sieben Millionen werden wiederum nur etwa vier Millionen tätig
sein, während die anderen drei Millionen auf Hausfrauen, Arbeitsunfähige, Studenten und andere entfallen werden. Andererseits müssen wir damit rechnen, daß wir sechs Millionen mehr
Menschen über 65 und 16 Millionen mehr Jugendliche unter 20 Jahren haben werden als heute.
Daraus ergibt sich für die Wirtschaft die Folgerung, daß
unser Lebensstandard nur dann in gleichem Maße wie in den vergangenen 25 Jahren weiter steigen wird, wenn es uns gelingt,
unsere Produktion in den nächsten zehn Jahren um 40 Prozent
zu erhöhen.
Angesichts dieser Tatsachen können wir dankbar sein, daß
wir dank der Automatisierung heute an der Schwelle eines neuen
Industriezeitalters stehen. Die erhöhte Produktivität, die sie
uns verheißt, wird uns helfen, mit diesen Problemen fertig zu
werden.
Bei zunehmender Automatisierung der Betriebe wird auch die
Zahl der Beschäftigten in jenen Berufen steigen, die man heute
meist als unproduktiv bezeichnet: ich meine das Instandsetzungspersonal und die technischen Spezialisten, die sich mit der nie
endenden Aufgabe der Wartung der Maschinen und der Verbesserung

�"AZEF.IKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

11. Januar 1956

Verbesserung und Verfeinerung der technischen Methoden beschäftigen.
Was die beruflichen Aussichten anbetrifft, so eröffnen
sich ungeahnte Möglichkeiten für diejenigen, die bereit sind,
ein neues Handwerk und neue Arbeitsmethoden zu erlernen.
Würde man die sich bietenden Gelegenheiten nicht erkennen und
ergreifen, so könnten sich daraus sehr abträgliche Folgen für
die gesamte Wirtschaft ergeben. Wenn der einzelne die Sicherheit, die sein gegenwärtiger Beruf bietet, jedem Vorwärtskommen und Aufstieg vorziehen wollte, so könnte sich ein solches
Verhalten als der größte Hemmschuh für die Automatisierung und
alles, was dieser Begriff im Sinne einer erhöhten Produktivität und einer steigenden Verbesserung des Lebensstandards in
sich schließt, erweisen. Ohne Facharbeiter und entsprechend
geschultes Personal kann man weder Maschinen konstruieren und
arbeiten lassen, noch sie instandhalten und kontrollieren.
Deshalb muß jeder von uns bereit sein, sich den neuen
Arbeits- und Denkmethoden anzupassen. Dabei drängt die Zeit.
Wer nämlich nicht mit der Entwicklung Schritt hält, muß damit
rechnen, daß seine Arbeitsplätze von einem anderen besetzt
werden, der mehr Weitblick und eine größere Anpassungsfähigkeit besitzt. Das gleiche gilt auch für die Betriebe. Auch
hier ist die Bereitschaft erforderlich, Umstellungen vorzunehmen, und neue Erfindungen zu machen und aufzugreifen.
Jeder einzelne ist daher verpflichtet, seine Fähigkeiten
voll zu entwickeln. Darüber hinaus sind die Unternehmer es
ihrem Lande und ihren Betrieben schuldig, ihre Angestellten
und Arbeiter in die Lage zu versetzen, sich die Kenntnisse und
Fertigkeiten anzueignen, die in den Fabriken von Morgen gebraucht
werden. Sie müssen ihren Belegschaften und Nachwuchskräften
Schulungsmöglichkeiten bieten und die Mittel für die Ausbildung
bereitstellen.
Es gilt ein dem Studium günstiges Klima zu schaffen, ein
Klima, das die schöpferischen Kräfte in den jungen Menschen zur
Entfaltung kommen läßt.
Die Automatisierung wird somit zu jenen Kräften zählen,
die unsere Welt von Morgen und damit auch die gesamte Wirtschaft formen werden. Die Aufgaben vor die wir gestellt sind,
sind große. Ich bin daher überzeugt, daß die amerikanische
Industrie und das amerikanische Volk diese Aufgaben mutig und
mit aufgeschlossenem Sinn in Angriff nehmen werden. Die Automatisierung gehört zu den Werkzeugen, mit denen wir an einer
großen Zukunft bauen werden.

Als nächster Artikel unserer Serie folgt:
"Die Automatisierung in der Automobilindustrie"
* * * * *

- 4-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

18. Januar

1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER
AUTOMATISIERUNG ( I I )
Die B e d e u t u n g d e r " A u t o m a t i o n " f ü r d i e U S - W i r t s c h a f t
und d i e U S - A ~ u t ö i n d u s t r i e
Von R o b e r t T. K e l l e r ,
Vizepräsident der "Chrysler Corporation"

2 . Die A u t o m a t i s i e r u n g

in der

Automobilindustrie

(180 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Die Automatisierung ist ein faszinierendes Thema. Es ist heutzutage kaum möglich, eine Wirtschaftsoder Fachzeitschrift aufzuschlagen, die nicht mindestens einen
Aufsatz über die Automatisierung bringt. Wenn man aber nach einer
genauen Definition des Begriffs sucht, zeigt sich, daß sich jeder darunter etwas anderes vorstellt und davon spricht, wie der
Blinde von der Farbe. Der Elektroingenieur wird unter Automatisierung etwas anderes verstehen als ein Mechaniker, und der
Werksingenieur wird noch eine andere Definition bereithalten.
Ich möchte ihnen ein Bild der Automatisierung entwerfen,
wie ich sie vom Gesichtspunkt eines Automobilproduzenten aus
sehe. Soweit ich dies vermag, werde ich versuchen, die Automatisierung als ein Ganzes zu beurteilen, um ein Bild davon zu
entwerfen, welche Wirkung sie auf unsere Wirtschaft ausübt,
welche Probleme sie mit si-ch bringt und welches Versprechen
sie für die Zukunft birgt.
Wenn ein Unternehmen Klarheit darüber zu gewinnen sucht,
in welchem Ausmaß und in welcher Form es den Betrieb oder
einzelne Arbeitsgänge automatisieren kann, dann muß es sich
insbesondere drei sehr wichtige praktische Fragen vorlegen:
1. Welche Investitionen sind notwendig?
2. Welche Ausrüstungen sind auf dem Markt erhältlich oder
können eigens für den gedachten Zweck entwickelt werden?
3. Welche Einsparungen ermöglicht die Automatisierung des
Betriebs und welchen tatsächlichen Nutzen bringt sie
demnach?
Erfahrungsgemäß
- 1 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

18. Januar 1956

Erfahrungsgemäß sind die Anschaffungskosten automatischer
Betriebsmittel beträchtlich. Das Gute fällt einem nicht in den
Schoß. Dabei sollte man berücksichtigen, daß als eigentliche
Kosten der Automatisierung eigentlich nur der Differenzbetrag
anzusprechen ist, der sich aus dem Vergleich der Aufwendungen
für den Einbau und den Betrieb automatischer Anlagen mit den
Kosten des Einbaus und der betriebsherkömmlichen Ausrüstung
ergibt. Dieses Bild ist jedoch nicht ganz vollständig.
Es gilt auch zu berücksichtigen, daß ein Unternehmen, das
die Automatisierung aus Furcht vor den hohen Anschaffungskosten
unterläßt, Gefahr läuft, wegen seiner veralteten Ausrüstung
von der Konkurrenz überflügelt zu werden.
Gerade die Automobilhersteller wissen, was die Kosten für
Betriebsmittel bedeuten, sind sie doch gezwungen in jedem Jahr
ein neues und verbessertes Modell auf den Markt zu bringen,
und so müssen sich viele unserer teuren Werkzeugmaschinen oft
in einem einzigen Jahr amortisieren. Sie können sich denken,
was für Probleme das mit sich bringt. Dieser Zwang hat sich
aber schließlich doch für uns zum Vorteil ausgewirkt, indem
er uns zu Fortschritten in der Technik der Automatisierung
anspornte. Er hat zur Entwicklung von Maschinen geführt, die
eine jahrelange vielfältige Verwendung gestatten. Abgesehen
von größeren Werkzeugmaschinen haben wir in steigendem Maße
sogenannte "mechanische Produktionshilfen" im Betrieb installiert. Ich denke dabei an elektronische Steueranlagen, Spezialtransportbänder, Hebe- und Krananlagen, Kippeinrichtungen
und Greifwerkzeuge. Sie bilden in gewisser Hinsicht das Gerüst
für die Automatisierung des Betriebs. Da sie äußerst anpassungsfähig sind, lassen sie sich auf Jahre hinaus verwenden. Auf
diese Weise kann die Amortisierung auf acht, zehn,ja unter
Umständen sogar auf zwölf Jahre ausgedehnt werden.
Der Wert oder Unwert der Automatisierung hängt von der Zuverlässigkeit der Maschinen ab. In den Anfangsstadien der
Automatisierung bestand die Tendenz, immer größere und kompliziertere Maschinen zu bauen. Doch bald schon war der Punkt
erreicht, wo die tatsächlichen Ergebnisse hinter den errechneten Leistungen zurückblieben. Die Maschinen wurden so schwerfällig und unhandlich, daß sie schnell veralteten. Die Wartung
dieser Maschinen war äußerst schwierig, und wenn ein einziger
kleiner Maschinenteil ausfiel, stand oft der ganze Betrieb
still. Deshalb geht heute die Tendenz dahin, was wir bei
Chrysler "integrierte Automatisierung" nennen.
Was wir brauchen,sind kleine, schnell arbeitende, einfach
konstruierte Maschinen, die durch mechanische Produktionshilfen zu vielfältig verwendbaren automatischen Anlagen verbunden
werden. Mit ihnen konnten eindrucksvolle Produktionsergebnisse
erzielt werden. Die"Chrysler Corporation" hat ihr neues Motorenwerk in Plymouth nach diesen Gesichtspunkten aufgebaut. Die
Anlage dürfte, wenn sie in wenigen Monaten den Betrieb voll
aufnehmen wird, die am stärksten automatisierte Motorenwerkanlage in der Welt sein. Dieses neue Werk wird das Dreifache der
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

18. Januar 1956

der heutigen Produktion an V8-Motoren für Plymouthwagen liefern.
An zwei parallellaufenden Transportbändern mit einer Länge von
400 m werden von 70 Maschinen 157 Arbeitsvorgänge zur Herstellung von Zylinderblöcken geleistet. Liese Bänder sind so entwickelt, daß die Blöcke nach Bedarf in jedem Stadium der Bearbeitung von einem Band auf das andere versetzt werden können.
Reparaturen und das Auswechseln von Kopfstücken sind bequem
durchzuführen. Lie ganze Anlage ist so gehalten, daß sich auch
jede einzelne Maschine leicht auswechseln läßt, falls Änderungen im Produktionsvorgang dieses notwendig machen oder falls
bessere Maschinen verfügbar werden.
Eine Überprüfung unserer Erzeugnisse auf ihre Qualität
ist eines unserer Hauptanliegen. Das trifft besonders für die
Produktion von Zylinderköpfen ZM, wo an vier getrennten Bändern
von je 120 m Länge 67 Arbeitsvorgänge stattfinden. An unserem
rund 800 m langen Kurbelwellenband werden mit Hilfe von 70
hochmodernen Maschinen Kurbelwellen von einer bisher unerreichten Gleichförmigkeit hergestellt.
Das Plymouth-Werk wird auch, was
Sicherheit des Personals und Betriebshygiene anbetrifft, zu den modernsten Motorenwerken der Automobilindustrie gehören, da jede Maschine
mit den modernsten Sicherheitseinrichtungen ausgestattet worden ist.
Während man sich heute allenthalben darüber klar ist, wie
sehr eine erfolgreiche Automatisierung von der sachgemäßen
Konstruktion der Maschinen abhängt, scheint die Bedeutung,
die einer entsprechenden Ausrichtung der Konstruktionsentwürfe
der Produktion auf den Maschinenpark zukommt, allgemein unterschätzt zu werden. Die Konstrukteure müssen, um brauchbare Entwürfe liefern zu können, mit dem Wesen der automatischen Fertigung vertraut sein. Ob beispielsweise an einer Flansch-Karosserie eben ein Flansch so konstruiert ist, daß er nach außen
statt nach innen gebogen werden muß, kann bei Übertragung des
Entwurfs auf das Fließband den Unterschied zwischen manueller
und automatischer Arbeit ausmachen. Auf diese Weise können oft
Millionen verschwendet oder eingespart werden.
Was die Frage der durch Automatisierung möglichen Einsparungen angeht, so gibt es zunächst verschiedene Mißverständnisse
und Irrtümer klarzustellen.
Bei der Beurteilung der möglieben finanziellen Gewinne und
eventuellen Einsparungen muß man folgende Gesichtspunkte berücksichtigen:
1. Einsparungen an erforderlicher Bodenfläche,
2. Betriebssicherheit,
3. Steigerung des Ausstoßes und
4. Verbesserung der Qualität der Erzeugnisse.
Die Raumfrage ist für viele Betriebe von größter Bedeutung.
Und gerade hier bietet die Automatisierung erhebliche Vorteile.

Im

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

18. Januar 1956

Im Dodge-Werk in Detroit zum Beispiel werden heute auf
einem mit automatischen Maschinen ausgerüsteten Fließband täglich 2400 V8-Motoren in denselben Werkshallen gebaut, in denen
früher nur 1500 Sechszylindermotoren pro Tag hergestellt werden
konnten.
Noch wichtiger ist aber der weit größere Schutz für Leben
und Gesundheit, den die Automatisierung gegenüber dem bisherigen
Betrieb bietet. Ich möchte nur ein Beispiel hierfür anführen.
Vollautomatisierte Ziehpressen sind mit automatischen Ein- und
Ausführvorrichtungen ausgestattet, so daß die die Maschinen bedienenden Arbeiter niemals mit den Händen in die Presse zu
fassen brauchen.
Die Erhöhung der Betriebssicherheit bringt aber auch noch
sekundäre Vorteile. Durch Verminderung der Anzahl und Schwere der
Unfälle verringern sich die Schadenersatzforderungen der Arbeiter
gegen die Firma sowie die Arbeitsausfälle.
Die Verwendung mechanischer Produktionshilfen gestattet eine
90prozentige Ausnutzung der Kapazität der Maschinen, da die Werkstücke im Arbeitsrhythmus der Maschinen auf das Band versetzt werden. Dies ist ein wichtiger Aspekt der Automatisierung.
Hierbei ist zu beachten, daß diese Steigerung des Produktionstempos keine arbeitsmäßige Mehrbelastung des Bedienungspersonals
mit sich bringt. Im Gegenteil, automatische Versetzmaschinen, mechanische Produktionshilfen und automatische Kontrolleinrichtungen
verringern die physische Belastung des einzelnen Arbeiters ganz
erheblich.
Ein weiteres, zwingendes Argumentr das für die Automatisierung spricht, ist die durch sie erreichbare erhebliche Steigerung
der Qualität.
Wenn ein Werkstück von einer automatischen Maschine bearbeitet wird, die nur eine einzige Möglichkeit für die Verrichtung des
entsprechenden Arbeitsvorgangs kennt, wird das Endprodukt immer
gleichförmiger sein als bei manueller Fertigung. So gewährleistet
die Automatisierung eine gleichbleibende hohe Qualität der Ware.
In unserem Zeitalter des Wettbewerbs dürfen und können die
Unternehmen nicht erwarten, mit veralteten Qualitätsmaßstäben davonzukommen. Unsere Zeit fordert eine ständige qualitative Verbesserung der Produkte. Die sich aus dftp Automatisierung ergebende
Qualitätsverbesserung kann ein entscheidender Faktor für die Stellung eines Unternehmens in einer Wettbewerbswirtschaft sein.
Die Automatisierung bildet den Schlüssel zur Zukunft, sie
muß aber begriffen und verwirklicht werden, wenn wir die Tore zu
einer reichen und blühenden Wirtschaft aufstoßen wollen. Sie ist
keine gebrauchsfertige Lösung für alle unsere Probleme. Sie schafft
aber auch neue Probleme, von denen viele so gewaltig und so kompliziert sind, daß sie unsere ganze Energie, unsere Vorstellungskraft

- 4 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

18. Januar 1956

Vorstellungskraft und unsere gesamten Fähigkeiten in Anspruch
nehmen werden.
Die Automobilindustrie hat durch die Automatisierung gewaltige Portschritte erzielt. Dennoch muß noch vieles getan
und versucht werden. Die Entwicklung von Maschinen für die automatische Fertigung, die ein Vielfaches der Probleme der herkömmlichen Fertigung aufwirft, steckt noch immer in den Kinderschuhen. Auf dem Gebiet der automatischen Fließbandmontage hat
unsere Industrie bereits schöne Anfangserfolge erzielt, wir
sind aber noch weit davon entfernt, ganze Wagen automatisch
zusammenzusetzen.
Als nächster Artikel unserer Serie folgt:
"Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft und den Welthandel"

* * * * *

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. Januar 1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN
DER AUTOMATISIERUNG (III)
Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft und den Welthandel
Von Dr. Weldon B. Gibson,
Direktor der Abteilung Wirtschaftsforschung am
"Stanford Research Institute"
( 90 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Die von der Industrie in Auftrag gegebene
Vertragsforschung dient auf lange Sicht in erster Linie der Steigerung des Umsatzes. Deshalb ist es Aufgabe der angewandten
Wirtschaftsforschung, die Grundlagen für Entscheidungen hinsichtlich neuer Investitionen in Anlagen und Betriebsmitteln zu schaffen. In diesem Zusammenhang sieht der Verfasser die Automatisierung der Produktion insofern als einen bedeutsamen Vorgang an,
als hierbei größere Geldbeträge der Firmen in Betriebsmitteln
angelegt werden, die dem jüngsten technischen Fortschritt Rechnung tragen.
Man muß dabei die Tiefen- und Breitenwirkung in Betracht
ziehen, die jede technische Neuerung grundlegender Art auf die
Wirtschaft und auch auf die Menschen hat, die am Produktionsprozeß beteiligt sind und als Verbraucher auftreten. Zwei Aspekte
scheinen dabei von besonderem Interesse zu sein:
1. Wie wird sich die zunehmende Automatisierung auf die
nicht von dieser Neuerung betroffenen Sektoren der Wirtschaft auswirken? und
2. Welchen Einfluß wird die Steigerung der Produktion, die
bei einer Umstellung auf ein vollautomatisches Herstellungsverfahren zu erwarten ist, auf den Welthandel haben?
Unter den von der Automatisierung nicht betroffenen Sektoren
wird man jene Wirtschafts- und Industriezweige zu verstehen haben,
bei denen keine überdurchschnittliche Zuwachsrate in der Produktivität zu erwarten ist.
Welche
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. Januar 1956

Welche Wirtschaftszweige sich auf Automatisierung umstellen
werden und in welchem Tempo sich diese Umstellung vollziehen
wird, läßt sich nicht mit Bestimmtheit voraussagen. Es läßt sich
aber bereits so viel sagen, daß die Verwendung von elektrischen
Rechen-, Buchungs- und Büromaschinen stark zunehmen wird. Auch
die Produktion von gleichförmigen Massengütern wird in zunehmendem
Maße automatisiert werden. Indessen dürfte in naher Zukunft kaum
mehr als ein Viertel der Gesamtindustrie von der Automatisierung
erfaßt werden.
Jene Industriezweige, die bereits heute gleichförmige Massengüter herstellen, sind mit der Erforschung und Entwicklung
von Verfahren und Maschinen zur automatischen Produktion verhältnismäßig weit fortgeschritten. In diesen Industriezweigen
darf man von der Umstellung auf eine automatische Produktion
eine erhebliche Steigerung der Produktivität erwarten, und es
scheint sehr wahrscheinlich, daß ein Teil der hier beschäftigten
Arbeitskräfte in andere Industrie- und Wirtschaftszweige abwandern wird, die nicht von der Automatisierung betroffen sind.
In gewissen Grundindustrien zeigt sich bereits heute bei steigender Produktion eine Abnahme der Zahl der unmittelbar im Produktionsprozeß stehenden Arbeitskräfte.
Wenn die gegenwärtigen Schemata gültig bleiben, so darf der
in einem automatisierten Betrieb verbleibende Arbeiter darauf
hoffen, daß ihm 40% der sich aus einer erhöhten Produktivität
ergebenden Vorteile in Porm von Freizeit zugute kommen worden.
Die restlichen 60% werden sich etwa zu gleichen Teilen in Form
von Preissenkungen und Lohnerhöhungen bemerkbar machen. Es könnte
sich somit so etwas wie eine Aristokratie der Arbeiterschaft,
die in der automatisierten Industrie Beschäftigten, herausbilden.
Was geschieht in den anderen Wirtschafts- und Industriezweigen? Wer wird die Initiative ergreifen, um die Mittel für die
Erforschung der Möglichkeiten einer Automatisierung im Handel
im Bank- und Versicherungswesen in den Dienstleistungsbetrieben,
in der Landwirtschaft und in der Bauindustrie zur Verfügung zu
stellen? Wenn sich diese Segmente der Wirtschaft einer Erneuerung
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. Januar 1956

Erneuerung ihrer Produktionsmethoden und -verfahren verschließen,
dann ist es durchaus möglich, daß sie hinsichtlich des Produktivitätszuwachses bald gegenüber jenen Teilen der Wirtscha ft ins
Hintertreffen geraten, die sich erfolgreich auf die Automatisierung umgestellt haben.
Was den Welthandel angeht, so haben die Vereinigten Staaten
heute einen relativen Vorsprung in der Erzeugung vieler Güter.
Dieser Vorsprung ist zum größten Teil auf die höhere Produktivität
zurückzuführen. Wird eine vollautomatisierte Produktion auch die
Absatzmöglichkeiten für andere Industriegüter vermehren? Wird
sie Preissenkungen gestatten und könnte man an die Schaffung
von Massenmärkten, ähnlich wie in den USA, auch in anderen Ländern denken? Gewisse Kreise glauben, daß die Entwicklung diesen
Verlauf nehmen wird. Aber das Hauptproblem lautet nach wie vor:
Welche Güter können jene anderen Länder produzieren, um in ähnlicher Weise einen solchen relativen Vorsprung zu gewinnen? Von
einer befriedigenden Lösung dieses Problems wird es abhängen,
ob alle Völker an den Früchten einer Automatisierung teilhaben
werden.
Ein anderes Problem, das die internationale Fachwelt interessiert, besteht darin, ob es möglich sei, in wirtschaftlich
unterentwickelten Gebieten Fabriken mit vollautomatischen Produktionsverfahren zu erstellen. Man denkt dabei besonders auch
an solche Fabrikationsanlagen, die ihren Energiebedarf aus Atomkraftwerken decken. Wenn man von der Voraussetzung ausgeht,
daß die wenigen zur Bedienung einer solchen vollautomatischen
Produktionsstätte erforderlichen Techniker vorhanden sind,
dann rückt es durchaus in den Bereich des Möglichen, die Produktion unter Umgehung eines Zwischenstadiums von der primitiven
Fertigung direkt auf den modernsten Stand zu bringen. Sofern die
erforderlichen Rohstoffe verfügbar sind und entsprechende Massenmärkte offenstehen, können solche Unternehmen sicherlich wirtschaftlich rentabel arbeiten.
* * * * *

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Februar 1956

WISTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMAT IS IERUNG (IV)
Die Automatisierung und die Klein- und Mittelbetriebe
(Teil 1)
Von Paul B. Wishart,
Präsident der "Minneapolis-Honeywell Regulator Company"
(

32 ZeiLen)
WASHINGTON - (AD) - Der Einfluß der Automatisierung auf die
Wirtschaft ist eine Frage, die heute die amerikanische Geschäftswelt, insbesondere aber die Klein- und Mittelbetriebe atark
beschäftigt.
Die automatisierte Produktion und ihr frühreifes Kind,
die "Automation", basiert im wesentlichen auf einer immer
stärkeren Verwendung automatischer Kontrollvorrichtungen.
Meine Firma, die "Minneapolis-Honeywell Regulator Company"
gehört seit 1885 zu den Herstellern solcher Maschinen und
Anlagen. Seit dieser Zeit haben wir uns um den technischen
Fortschritt auf diesem Gebiet bemüht und großen Anteil an
der schnellen Entwicklung der Automatisierung, nicht nur in
der Industrie und Landwirtschaft, sondern auch in zahlreichen
anderen Gebieten gehabt.
Wenn unsere Firma Erfolg haben soll, müssen wir also nicht
nur mit den Aufgaben in unserem eigenen Betrieb fertig werden,
sondern auch unsere Kundschaft zufriedenstellen.
Wir versuchen, mit denselben Methoden und automatischen
Kontrollvorrichtungen und -anlagen, die wir für unsere Kunden
entwickeln, auch unsere eigenen Betriebe zu automatisieren und
die Qualität unserer Erzeugnisse zu verbessern. Vor fünf Jahren
noch hatten nur drei unserer 16 Betriebe eine Belegschaft von_
über 500 Arbeitern und Angestellten - und waren somit als Kleinbetriebe anzusprechen. Selbst heute liegt die Beschäftigungszahl
von sieben unserer Betriebe unter dieser Zahl.
Der Begriff "Automatisierung" wird von mir in einem etwas
weiten Sinne angewendet. Im allgemeinen versteht man darunter
heute die ständig steigende Verwendung von immer leistungsfähigeren Maschinen und Anlagen, besonders solcher, die mit automatischen Kontrollmechanismen arbeiten. In Kreisen der Wissenschaft setzt man Automatisierung gleich mit der Verwendung von
Denkmaschinen - absolut zuverlässig arbeitenden Denkmaschinen.
Es
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Februar 1956

Es ist verständlich, wenn manche Kreise der Automatisierung,
angesichts des ständigen vielen Geredes über sie, mißtrauisch
gegenüber stehen. Sie als Wirtschaftler übersehen zu wollen,
wäre aber töricht.
Wenn wir uns heute mit der Automatisierung und ihrem Einfluß auf das Wirtschaftsleben beschäftigen, dann geschieht das,
weil eine größere Zahl von kapitalkräftigen Firmen dort automatische Betriebsmittel einsetzt, wo sich dies lohnt, und weil andere Unternehmen den Wettbewerb derjenigen zu spüren bekommen,
die ihre Betriebe stärker automatisiert haben.
Besonders kleinere Unternehmen müssen damit rechnen, daß
ihre Entwicklung durch die steigende Automatisierung beeinflußt
wird. Diese kleineren Betriebe stehen nun vor der Wahl, sich von
der Entwicklung überraschen zu lassen und das Feld zu räumen,
oder aber, durch ein sorgfältiges Studium der sich abzeichnenden
Entwicklung der Wirtschaft und ihres speziellen Geschäftszweiges,
den Verlauf der Dinge vorauszusehen und ihre Betriebs- und Produktionsplanung bereits heute auf die künftigen Erfordernisse abzustimmen.
Von den schätzungsweise 28 Milliarden Dollar, die die amerikanische Wirtschaft im Jahre 1955 für die Beschaffung von Betriebsmitteln ausgegeben hat, entfällt ein wesentlicher Teil auf kleinere Betriebe. Das läßt den Schluß zu, daß gerade die Klein- und
Mittelbetriebe in steigendem Maße zur Automatisierung übergehen.
Die kleineren Betriebe haben offensichtlich ein ebenso großes Interesse an der Automatisierung wie die großen Gesellschaften,
und die Banken haben sie durch die bereitwillige Gewährung von
Krediten in ihrer Absicht nur bestärkt.
Mein Thema schließt auch die Frage ein, inwieweit die Automatisierung die Wettbewerbsbedingungen der Kleinbetriebe günstig
oder ungünstig beeinflußt. Meiner Meinung nach kann und wird
der Kleinbetrieb auch in einer automatisierten Welt gedeihen,
wenn er sein Arbeitsprogramm sorgfältig genug wählt.
Ob ein Zubehörteil im Betrieb selbst hergestellt oder von
einer anderen Firma bezogen werden soll, ist für viele große
Werke eine wichtige Frage. Von ihrer Antwort hängt in jedem einzelnen Fall viel für die Kleinbetriebe ab. Hier liegt aber auch
die große Chance der kleineren Unternehmen, wenn sie sich ihrer
günstigeren Position in bezug auf Kosten und Qualität bewußt
sind.
Bei Gütern, die in großen.Serien hergestellt werden, und bei
denen Konstruktions- oder Formänderungen im Rahmen des automatisierten Prozesses vorgenommen werden können, wird der Großbetrieb
dem Kleinbetrieb gegenüber noch mehr als bisher im Vorteil sein.
Andererseits müssen gerade die Großbetriebe mit ihren hochspezialisierten und aufeinander abgestimmten automatischen Maschinen auf
große Serien bedacht sein und können kaum auf Kundenwünsche bezüglich Konstruktions- und Formänderungen eingehen. Jede Änderung
bedingt zeitraubende Umstellungen des Betriebes. Hier liegt eine
eindeutige Chance des Kleinbetriebs.
Es

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

1. Februar 1956

Es ist klar, daß der kleine Unternehmer angesichts seiner
beschränkten finanziellen Mittel nicht in jedem beliebigen Gebiet mit den großen Industriekolossen in Wettbewerb treten kann.
Wir lesen heute zum Beispiel viel über Transistoren und Dioden.
Wenn das, was die Ingenieure uns erzählen, zutrifft - nämlich
daß die bei der Herstellung von Halbleitervorrichtungen verwendeten Materialien bei Berührung durch die menschliche Hand jene
spezifischen Eigenschaften verlieren, auf die es gerade ankommt -, so scheint die vollautomatische Verarbeitung eine unerlässliche Notwendigkeit. Dazu sind jedoch Investitionen in Höhe
vieler Millionen Dollar unvermeidlich. Wenn ein Unternehmen diese
nicht vornehmen will oder kann, dann sollte es sich lieber ein
anderes Tätigkeitsfeld aussuchen. Einige der besten Beispiele
für die Vorteile der Automatisierung bieten heute die Zulieferbetriebe, denen sie im Verein mit einer weitgehenden Spezialisierung und Erfahrung sowie mit einem beschränkten Produktionsprogramm zu hervorragenden Erfolgen verholfen hat.
Eine der am vollständigsten automatisierten Abteilungen
der Firma Honeywell beschäftigt gleichzeitig auch die geringste
Zahl von Arbeitern und Angestellten. Gerade dieser Betrieb hat
mit einem beschränkten vollautomatischen Werkzeugpark von grundsätzlich einfacher Konstruktion und ohne große Aufwendungen ganz
hervorragende Leistungen vollbracht.
Auch auf dem Gebiet der leichtverderblichen Nahrungsmittelerzeugnisse, wie Brot, Milch, Speiseeis usw., ist der Kleinbetrieb eher Regel als Ausnahme, und doch sind diese Betriebe,
wie Sie alle wissen, gewöhnlich sehr stark automatisiert.
Außerdem hängen bestimmte weiterverarbeitende Betriebe,
besonders die Ölraffinerien und die chemische Industrie, weitgehend von hochentwickelten technischen Werkzeugen ab. Das
trifft für Groß- und Kleinbetriebe gleichermaßen zu. Ganze Arbeitsvorgänge in den einzelnen Stadien des Fabrikationsprozesses
werden hier von automatischen Meßapparaten und Melde- und Kontrollvorrichtungen überwacht.
Eine erhöhte Ausstattung der Industrie mit technischer Ausrüstung - die Automatisierung also - bietet günstige Gewinnaussichten. Wir sind auf Grund unserer eigenen Verkaufserfahrungen
überzeugt, daß dies nicht nur für Großunternehmen, sondern auch
für eine große Anzahl von Kleinbetrieben gilt, wo die Ausstattung mit technischen Ausrüstungsgegenständen eine Modernisierung
des Betriebes bewirken kann, zu einer Senkung der Preise und
gleichzeitiger Verbesserung der Qualität führt.
Hier erhebt sich nun die Frage: "Wie kann der einzelne Unternehmer sich erfolgreich der Automatisierung bedienen?' Ich
möchte den Unternehmern empfehlen, sich die Erfahrungen anderer
Betriebe zunutze zu machen, technische Berater zuzuziehen, Verbesserungsvorschläge aus den Reihen der Belegschaft zu prämieren
und sich eingehend mit der einschlägigen Fachliteratur zu befassen.
Besondere

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND AR3EIT

1. Februar 1956

Besondere Aufmerksamkeit verdient die sehr sachliche Abhandlung von James R. Bright "How to Evaluate Automation" (Wie läßt
sich die Automatisierung auswerten?), die in der "Harvard Business
Review" erschienen ist. Der Verfasser zeigt darin an Hand von
Tabellen und Übersichten auf, welche Möglichkeiten die Automatisierung großen und kleinen Betrieben bietet.

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�"iilflEKIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Februar 1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG (IV)
Die Automatisierung und die Klein- und Mittelbetriebe
(Teil 2)
Von Paul B. Wishart,
Präsident der "Minneapolis-Honeywell Regulator Company"
( 170 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Ich möchte bei dieser Gelegenheit
feststellen, daß die zunehmende Automatisierung voraussichtlich erhebliche Veränderungen in der organisatorischen Struktur vieler Unternehmen mit sich bringen wird.
Die Anforderungen an das berufliche Können der technischen
Angestellten werden infolge der schnellen Entwicklung in Wissenschaft und Technik in Zukunft ständig steigen. Die Verwendung
der neuesten und nur sehr schwer verständlichen Ergebnisse der
Wissenschaft und Technik bringt schwerwiegende technische Entscheidungen ganz spezieller Natur mit sich, die oftmals die
gesamte Entwicklung des Betriebes beeinflussen.
Daher wird ein auf einem bestimmten Gebiet ausgebildeter
Techniker immer weniger imstande sein, eine technische Entscheidung eines seiner Untergebenen zu beurteilen, dessen spezielles
Können auf einem anderen Gebiet liegt. Ein nicht sachkundiger
Betriebsinhaber befindet sich sogar in einem noch größeren
Nachteil. Ohne Frage muß der einzelne Ingenieur heute Entscheidungen treffen, für die eigentlich die Betriebsleitung zuständig ist, und er muß daher als Vertreter der Betriebsführung betrachtet werden, ebenso wie der Werkführer oder Vorarbeiter auf
Grund der ihm übertragenen Entscheidungen der Betriebsleitung
zugehörig betrachtet werden muß.
Nach Auffassung mancher Kreise werden bei zunehmender Verwendung automatischer Dokumentations- und ^uswertungssysteme
verschiedene neuerer Methoden der Betriebsführung wie Betriebsforschung für Fließbandplanung eine so große Bedeutung erlangen,
daß bald schon die in diesen Methoden bewanderten Fachleute die
Betriebsführer alten Stils ablösen werden.
Meiner Ansicht nach ist das eine unrealistische Vorstellung.
Die Stellung des Betriebsführers wird unter dem integrierenden
Einfluß einer gesteigerten Automatisierung einerseits kompli- 1 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Februar 1956

komplizierter und andererseits allgemeiner werden. Die traditionellen Qualifikationen eines erfolgreichen Betriebsführers
werden vielmehr nach wie vor gefordert werden müssen. Die organisatorische Struktur eines Betriebes allerdings wird sich
dahingehend verändern, daß der Betriebsführer entsprechend
ausgebildete Fachleute als Berater zur Seite haben wird, die
es ihm ermöglichen, auch in hochspezialisierten technischen
Fragen die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Während zahlreiche der größeren Unternehmen bereits über
umfangreiche Stäbe kompetenter Techniker verfügen, die Automatisierungsprogramme planen und vorschlagen, können sich die
kleineren Betriebe den Luxus solcher Abteilungen nicht leisten.
Sie genießen aber einen anderen, bemerkenswerten Vorteil.
Die wachsende Zahl von Herstellern von automatischen Ausrüstun
gen sind natürlich daran interessiert, ihren Produkten einen
großen Absatzmarkt zu sichern. Nun ist es eine Tatsache, daß
die Zahl der Betriebe mit einer Belegschaft von weniger als
1000 Beschäftigten überwiegt, und daß gerade diese Unternehmen
als wichtigste Käufer der Erzeugnisse der Herstellerfirmen von •
elektronischen Geräten in Frage kommen. Sie werden daher bestrebt
sein, ihre Produktion soweit als möglich auf die Bedürfnisse
dieses Käuferkreises abzustimmen.
Ich möchte damit nicht sagen, daß automatische Ausrüstungen für alle denkbaren Betriebsvorgänge zu irgendeinem Zeitpunkt
so quasi "auf Abruf" bereitstehen werden. Doch bin ich überzeugt,
daß das Interesse der Herstellerfirmen an der Marktausweitung
zahlreichen kleinen und nicht sehr kapitalskräftigen Unternehmen
hilft, die in einem gewissen Umfange an der Automatisierung profitieren wollen, Aufwendungen für die Planung einer automatisierten Produktion zu ersparen.
Vermutlich werden wir in zehn Jahren einmal erstaunt sein,
welchen großen Auftrieb die Automatisierung durch das Angebot
von standardisierten automatischen Ausrüstungen auf dem offenen
Markt erhalten hat, die entwickelt wurden, um den auf einen
gemeinsamen Nenner gebrachten Bedürfnissen von Tausenden kleiner
und mittlerer Betriebe zu entsprechen.
Sehr wichtig ist auch die Frage, welchen Einfluß die Automatisierung auf die Qualität der Erzeugnisse ausübt. Die bisher
gesammelten Erfahrungen deuten darauf hin, daß sie unabhängig
von der Größe des Unternehmens im allgemeinen nur zu einer Verbesserung der Qualität führt. Darauf weisen sämtliche von uns
gesammelten Erfahrungen hin.
Die Konstruktion automatischer Maschinen setzt eine noch
gründlichere Kenntnis des Produkts und der Produktionsvorgänge
voraus, als sie schon der mechanisierte Betrieb erforderte. Das
bedeutet, daß dem Material, den Werkzeugen, dem innerbetrieblichen Transport und allen übrigen Einzelheiten größere Aufmerksamkeit gezollt werden muß, damit die erwarteten Abweichungen in
der automatischen Vorrichtung, dem Arbeitsvorgang oder der Art
des Betriebes voll berücksichtigt werden können.
Ich
_ 2 -

�"AMERIKA DIENST1' - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Februar 1956

Ich gebe zu, daß die Automatisierung eine Anpassung an neue
Verhältnisse nötig macht und jede Betriebsführung vor große Aufgaben stellt, und ich weiß, daß eine erhöhte Automatisierung
auch ein erhöhtes Risiko mit sich bringen wird, und zwar insbesondere auch für die kleinen Betriebe. Dies wird aber dem
Wettbewerb nur förderlich sein.'
Tn diesem Zusammenhang scheint es mir wichtig, daß sich
jeder einzelne Klein- und Mittelbetrieb darüber klar wird, von
welcher Seite ihm die schwersten Gefahren der Konkurrenz drohen.
Hier gilt es zu berücksichtigen, daß ein weitsichtiges
Automatisierungsprogramm ein einzelnes Unternehmen - fast über
Nacht - in die Lage versetzen kann, den gesamten Markt auf
seinem Produktionsgebiet in Aufruhr zu versetzen. Vor dieser
Gefahr müssen heute sämtliche Betriebe auf der Hut sein.
Dabei handelt es sich keineswegs um eine rein technische
Frage, die man an irgendeine Abteilung innerhalb des Betriens
delegieren kann. Die wichtigen Fragen der Betriebspolitik werden nach wie vor von der Betriebsführung - den Besitzern oder
Direktoren - entschieden. Ich meine damit die großen grundsätzlichen Entscheidungen: die Positionsbestimmung des Unternehmens
innerhalb der eigenen Industrie, die Entscheidung darüber, ob
das Produktionsprogramm vielschichtig gehalten sein soll oder
ob man sich auf nur ein oder einige wenige Erzeugnisse beschränken soll, und ähnliches.
Angesichts dieser Sachlage scheint es notwendig, die Begriffe Statistik und Forschung neu zu interpretieren, da sie
die Zukunft eines Betriebes, des großen wie des kleinen, auf
weite Sicht bestimmen. Heute ist eine Betriebsführung gezwungen, nur alle jene Faktoren in ihre Planung einzubeziehen, die
die Entwicklung des Betriebes oder seine Existenz schlechthin
berühren.
Vieles was heute mit dem Begriff Automatisierung bezeichnet wird, ist tatsächlich nichts anderes als eine vervollkommnete Technisierung.
Ich meine den Ersatz einer Maschine oder eines Produktionsverfahrens durch eine bessere Maschine oder ein besseres Produktionsverfahren. Wenn das jedoch alles wäre, würde sich die ganze
Diskussion um die Automatisierung erübrigen.
Die Automatisierung ist weit mehr, sie ist eine gewaltige
neue Kraft, die alle Möglichkeiten zum Guten oder Bösen enthält, wie sie großen Veränderungen innewohnen.
Was wir bei der Beurteilung der Möglichkeiten, die die
Automatisierung bietet, am meisten brauchen, ist der Wille, den
Tatsachen ins Gesicht zu sehen und harte geistige Arbeit zu
leisten, um die notwendigen Gleichungen zu lösen, deren einzelne Größen die Stärke, die Schwächen, der geschäftliche Ehrgeiz
und das Bankkonto des einzelnen Betriebes sind.
Wir dürfen uns in die Frage der Automatisierung nicht von
halben Wahrheiten in die Irr« führen lassen. Man hört häufig die
Behauptung,'daß der Mensch durch die Maschine verdrängt wird.
_ ^ _
Dem

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Februar 1956

Dem ist entgegenzuhalten, daß sich bisher im großen und ganzen
in jeder Industrie, die ihre Investitionen pro Arbeitsplatz erhöht hat, auch die Zahl der Beschäftigten erhöhte. Die Stahlund Automobilindustrie, die Unternehmen der Fernmeldetechnik
und die chemische Industrie bewiesen dies ganz eindeutig. So
führt der einzigartige Anstieg des amerikanischen Lebensstandards, das Ergebnis unseres Systems der freien Marktwirtschaft,
zwangsläufig zu dem Schluß, daß die Automatisierung, weit entfernt, eine Gefahr für die Industriebetriebe jeder Größe zu
sein, von wesentlicher Bedeutung für die künftige Entwicklung
unserer Wirtschaft ist.
Ihre Entwicklung ist eine evolutionäre und keine revolutionäre. Sicherlich wird der kleine Unternehmer nur selten in
den Schlagzeilen der Zeitungen als Beispiel für eine wirksame
Automatisierung genannt werden. Er wird aber auf jeden Fall
Nutzen aus der gesteigerten Betriebsleistung, den geringen Produktionskosten und den größeren Gewinnmöglichkeiten ziehen,
sofern er gewillt ist, der veränderten Lage Rechnung zu tragen.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß die Automatisierung
(Teil- oder Vollautomatisierung) dazu beitragen kann, die Freise
zu senken, die Qualität der Produkte zu verbessern und auf diese
Weise mehr Waren von verbesserter Qualität auf den Markt zu bringen. Selbst die pessimistischsten Wissenschaftler bezweifeln
nicht, daß das Bruttosozialprocukt in den Vereinigten Staaten
bis zum Jahre 1965 auf 500 Milliarden Dollar steigen wird. Dies
entspricht einer Zunahme von über 30 Prozent, dem ein Bevölkerungszuwachs von 14 Prozent gegenüberstehen dürfte. Natürlich
•
ist eine solche Entwicklung des Bruttosozialproduktes nur durch
eine ständige Steigerung der Produktivität zu erreichen. Die
Automatisierung kann hierzu beitragen und sie darf deshalb,
trotz aller Probleme, die sie aufwirft, und aller Risiken, die
sie einschließt, als ein Prozeß angesehen werden, der für das
Wachstum und den Wohlstand der Vereinigten Staaten von größter
Bedeutung ist.

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�"ÜMERIKA

DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

15. Februar 1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG (V)
Möglichkeiten von "Automation" in Versicherungsbetrieben
Von Malvin E. Davis
Vizepräsident und Leiter der RegistraturAbteilung der "Metropolitan Life Insurance
Company" (New York)
(1 .Teil)
(145 Zeilen)
NEW YORK - (AD) - Es ist nun etwa 4V2 Jahre her, seit das
Statistische""Bundesamt der Vereinigten Staaten die erste große
Elektronenrechen- und Buchungsmaschine für die Ausführung aller
erdenklichen Berechnungen und Büroarbeiten in Betrieb genommen
hat. Heute werden die Verwendungsmöglichkeiten derartiger Maschinen nebst ihrer Zusatz-Aggregate bereits in weiten Kreisen der
Wirtschaft, insbesondere auch im Versicherungswesen, geschätzt.
Die "Metropolitan Life Insurance Company" hat beispielsweise bereits vor mehr als einem Jahr die erste derartige Maschine in Betrieb genommen. Eine Untersuchung der Gründe, die unsere
Firma zu diesem Entschluß bewogen haben, gewährt mancherlei Aufschlüsse über die vielfältigen Aspekte der Automatisierung im
Versicherungswesen.
Den Ausschlag gab wohl die Tatsache, daß Bürokräfte nur
noch sehr schwierig zu beschaffen sind, und daß in nächster Zukunft kaum mit einer Besserung der Lage auf dem Arbeitsmarkt zu
rechnen ist.
Im Februar 1948 gründete die Gesellschaft eine Untersuchungskommission, um die Möglichkeit zur Verwendung elektronischer Rechen- und Buchungsmaschinen im eigenen Betrieb zu untersuchen.
Die Ergebnisse fielen so aus, daß wir im August 1953 eine erste
derartige Versuchsanlage in Auftrag gaben, die im Jahre 1954
geliefert wurde. Es handelt sich um eine Magnetband-Elektronenrechenmaschine mit Zubehör, wie Band-Lochkarten- und LochkartenBand -Übertrager, Schreibautomat und ähnliche Geräte. Die Gesellschaft entschloß sich hierzu, obwohl die Untersuchung gezeigt
hatte, daß diese Elektronengeräte noch nicht den denkbar höchsten Grad der technischen Vollkommenheit erreicht haben.
Welche Eigenschaften dieser neuen Geräte haben nun die Versicherungsunternehmen veranlaßt, sie in so kurzer Zeit in so hohem Maße in ihren Betrieb einzubeziehen? Was können sie leisten?
Und inwieweit bedingen sie Änderungen des gesamten Betriebsablaufs?
Im

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

15. Februar 1956

Im Versicherungswesen bedeutet die Automatisierung die
Einführung neuer elektronischer Maschinen zur Bewältigung von
Aufgaben, die bisher von Bürokräften oder Hollerithmaschinen
beziehungsweise von beiden gemeinsam ausgeführt wurden. Elektronische Geräte haben die Fähigkeit, Büroarbeiten in außergewöhnlich kurzer Zeit zu bewältigen und benötigen bei der
Ausführung selbst mehrerer Arbeitsgänge hintereinander kaum
irgendwelcher Überwachung durch Menschen.
Um die Bedeutung vollautomatischer Buchungsmaschinen im
Versicherungswesen würdigen zu können, ist es notwendig, zunächst einmal eine klare Vorstellung von normalen Betriebsablauf solcher Unternehmen zu gewinnen.
Die heutige Arbeitsweise entwickelte sich aus der durch
das ständige Wachstum der Versicherungsunternehmen bedingten
Trennung und Unterteilung der verschiedenen Funktionen innerhalb des Betriebes. Diese Methode der immer weitergehenden Unterteilung der Büroarbeit brachte das Entstehen eines vielschichtigen Systems eng miteinander verflochtener Abteilungen und Unterabteilungen mit sich, von denen jede einzelne nur einen ganz
bestimmten engbegrenzten Arbeitsbereich hat. Auf Grund dieser
Arbeitsteilung mußte fast jede Abteilung eine eigene Aktenablage einrichten, und so ist es heute nicht selten, daß ein und
derselbe Akt in zehn verschiedenen Registraturen steht. Dies bedeutet selbstverständlich gewaltige Mehrarbeit und viel Leerlauf.
Vor der Einführung elektronischer Büromaschinen war die
Mechanisierung in der Büroarbeit durch die Verwendung von "Maschinen für nur einen Arbeitsgang" - die Schreibmaschine, die
Rechenmaschine und die Hollerithmaschine beispielsweise - gekennzeichnet. Sie brachten eine weitgehende Spezialisierung
mit sich und gliederten den Arbeitsablauf in einer Weise, die
der Serienfertigung am laufenden Band vergleichbar ist. Sie
führte einerseits zu einer Senkung der Betriebskosten, erforderte aber andererseits eine große Zahl von AufSichtskräften,
um die Arbeit in den verschiedenen Abteilungen zu koordinieren und die einzelnen Abteilungen doch als ein zusammenhängendes Ganzes funktionieren zu lassen.
Um ein Beispiel aus der lebensversicherungspraxis zu geben, so muß ein Antrag auf Zahlung der Versicherungssumme bei
Fälligkeit erst einmal zur Registratur laufen, wo der erste
Antrag auf Aufnahme in die Versicherung aufbewahrt wird. Zusammen mit diesem Schriftstück geht der Akt zu der Inkassoabteilung, um die Höhe der vom Versicherungsnehmer geleisteten Beiträge festzustellen und von dort zu einer dritten Abteilung,
wo nachgeprüft wird, ob bereits irgendwelche Zahlungen auf die
Police zu einem früheren Zeitpunkt erfolgt sind und so weiter.
Erst wenn der Akt alle einschlägigen Abteilungen durchlaufen
hat, kann schließlich die Auszahlungsanweisung ausgefertigt
werden.
Wenn alle Angaben bezüglich der betreffenden Versicherung
in Elektronen-Buchungsmaschinen gespeichert sind, dann vollzieht
sich der ganze vorstehend geschilderte Prozeß in einem einzigen
Arbeitsgang, an einem Ort und zu einem Zeitpunkt. Die wichtigste
Möglichkeit, die sich deshalb für die Verwendung von Elektronen-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

15. Februar 1956

Elektronengeräten abzeichnet, ist die Einführung eines zentralen automatisierten Arbeitsganges für mehrere Arbeitsgänge verschiedener Abteilungen. Somit wird die mehrfache Aufbewahrung
ein und desselben Aktes überflüssig.
Die sich hieraus ergebenden Konsequenzen werden gegenwärtig vom Versicherungsgewerbe eingehend geprüft. Die Gesellschaft
der Registraturangestellten hat hierzu bereits zwei größere
Studien fertiggestellt, die eine Fülle von Informationen zu
diesem Fragenkomplex enthalten*). Die Versicherungsunternehmen
sind bei ihren Untersuchungen zu dem Schluß gelangt, daß die
vorstehend aufgezeigten Möglichkeiten die Verwendung solcher
Maschinen bereits restlos rechtfertigen. Inzwischen haben auch
bereits mehrere Versicherungsunternehmen solche Maschinen in
Auftrag gegeben oder in Betrieb genommen.
Der Übergang von der bisher geübten Praxis auf die Verwendung von Elektronenmaschinen macht selbstverständlich eine grundlegende Reorganisierung des gesamten Betriebsablaufes erforderlich. Hierfür lassen sich nach den bisher gesammelten-Erfahrungen folgende Gesichtspunkte aufstellen:
Erstens: die Automatisierung muß auf den ganzen Arbeitsprozeß ausgedehnt werden, sie darf sich also nicht auf einzelne
Abteilungen beschränken.
Zweitens: kleinere Arbeiten müssen mit anderen zusammengelegt werden, um jenes Arbeitsvolumen zu schaffen, das erst
den lohnenden Einsatz von Elektronengeräten ermöglicht.
Drittens: die verschiedenen Aktenablagen müssen durch
eine einzige Registratur ersetzt werden, in der alle Angaben
in der für Elektronengeräte erforderlichen Form "gespeichert"
werden.
Viertens: alle zu erledigenden Arbeiten müssen in einem
Arbeitsgang durch die Elektronenmaschine bewältigt werden (wobei ein mehrmaliges Passieren etwa eines Magnetbandes durchaus
als ein Arbeitsgang anzusehen ist).
Fünftens: bei der Ausarbeitung des zu wählenden Verfahrens müssen Arbeiten wie das Aufsuchen von Akten und Angaben
sowie das aktenmäßige Erfassen des Vorganges so weitgehend wie
nur möglich durch arithmetische und logische Operationen ersetzt werden.
Sechstensj das verwendete System muß ausreichende Kontrollorgane besitzen, damit sich eine mühsame Überwachung und Fehlerkorrektur erübrigt.
Wenn diese Grundsätze befolgt werden und wenn man das Wesen
und den Sinn der bisher üblichen Methoden gebührend würdigt und
*) Der zweite der beiden Berichte wurde von der Gesellschaft
der Registraturangestellten (Society of Actuaries, 208 South la
Salle Street, Chicago 4, 111.) in gedruckter Form veröffentlicht
und kann zum Preis von 2 Dollar durch sie bezogen werden.

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�A'.'-'RIKA DIENST" - '.7IRT3CHAFT UND ARBEIT

15. Februar 1956

und berücksichtigt, dann dürfte sich die Umstellung auf elektronische
Maschinen mit Erfolg bewerkstelligen lassen.
Der letztere der beiden vorstehend erwähnten Berichte der Gesellschaft der Registraturangestellten bringt eine Übersicht über
die Pläne von acht großen amerikanischen Versicherungsgesellschaften,
die eine Umstellung auf elektronische Verfahren beabsichtigen. Die
Gesellschaften sind übereinstimmend der Auffassung, daß eine solche
Umstellung möglich und zweckmäßig sei, wenngleich angesichts der Größe
der zu bewältigenden Aufgaben bisher keine von ihnen die Umstellung
wirklich vorgenommen hat.

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

22. Februar 1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG (V)
Möglichkeiten von '"Automation" in Versicherungsbetrieben
(2.Teil)
Von Malvin E. Davis
Vizepräsident und Leiter der RegistraturAbteilung der "Metropolitan Life Insurance
Company" (New York)
(175 Zeilen)
NEW YORK - (AD) - Ein gut Teil des Arbeitsanfalls bei den
Versicherungsgesellschaften erwächst aus der regelmäßigen Benachrichtigung der Versicherungsnehmer bezüglich der Fälligkeit
von Beiträgen, Versicherungsleistungen sowie aus der Beantwortung
von Anfragen. Hierbei sind im wesentlichen folgende Arbeiten zu
verrichten:
Erstens: die Auswertung der Angaben der Unterlage, die den
Vorgang auslöst.
Zweitens: die Auswertung der Angaben aus den vorliegenden
Akten.
Drittens: die Bearbeitung der Auswertung,sergebnisse zur
Schaffung neuer Informationen.
Viertens: die Ausfertigung der Dokumente, die für die Ausführung der sich daraus ergebenden Transaktion
notwendig sind.
Fünftens: die aktenmäßige Erfassung der ausgeführten Transaktionen in der Registratur und Rechnungsstelle.
Y»'enn ein Versicherungsnehmer beispielsweise seine Adresse
ändert, so werden nur die Vorgänge 1 und 5 ausgelöst, bei Fälligkeit einer Versicherung müssen dagegen alle fünf Vorgänge ausgeführt werden. Andererseits entfällt für eine ganze Reihe von
Transaktionen Vorgang 1.
Elektronenrechen- und Buchungsmaschinen sowie ihr Zubehör
sind universell verwendbar. Sie bearbeiten Informationen Jeder
Form, stellen Auszüge aus Akten her, kombinieren nach mathematischen und'logischen Gesichtspunkten Angaben, um neue Informationen zu schaffen, fertigen Dokumente aus und so weiter. Sie
lassen sich praktisch auf allen Teilgebieten der Büroarbeit verwenden.
Es darf jedoch nicht übersehen werden, daß es auch eine ganze
Reihe von Arbeiten gibt, für die sie nicht zu gebrauchen sind.
Dies gilt insbesondere für Arbeiten, die ihrem Wesen nach nicht
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

22. Februar 1956

nicht eine Wiederholung eines einmal festgesetzten Arbeitsablaufs sind, oder die ein gewisses Maß an Urteilskraft erfordern.
Von den fünf erwähnten Vorgängen läßt sich Vorgang 3 - die
Schaffung neuer Informationen aus bekannten Angaben - am besten
mit Elektronengeräten erledigen. Gerade diese Arbeiten verursachen bei dem bisher üblichen Verfahren gewöhnlich den größten
Kostenaufwand. Die Zusatzgeräte zu den elektronischen Rechenund Buchungsmaschinen lassen sich auch mit günstigen Ergebnissen
für die Vorgänge 4 und 5 verwenden, das heißt also für die Ausfertigung von Dokumenten und für die aktenmäßige Erfassung erfolgter Transaktionen. Was Vorgang 2 angeht, so ermöglichen
Elektronengeräte hier insbesondere die Vermeidung von Doppelarbeit durch mehrfache Aktenhaltung. Für Vorgang 1, die Auswertung der Angaben aus der Unterlage, die die Transaktion auslöst, scheinen sich wenige, wenn nicht sogar überhaupt keine
Vorteile zu ergeben, mindestens nach dem derzeitigen Stand der
Entwicklung.
Insgesamt erweist sich die Verwendung von Elektronengeräten der bisher entwickelten Typen auf zwei Sektoren als nicht
befriedigend.
Als erstes ist hier die Umwandlung neu hinzukommender Angaben und Informationen in die "Sprache" und Form, wie sie Elektrunenmaschinen erfordern, zu nennen. Hier ist noch immer die
menschliche Arbeitskraft unentbehrlich. Allerdings ist die Industrie bereits dabei, sogenannte "Intelligent Readers" zu entwickeln, das sind Geräte, die gedruckten Text - etwa dem Rasterverfahren vergleichbar - erfassen, automatisch kopieren und in
die "Sprache" von Elektronenmaschinen umsetzen können.
Ein weiterer Arbeitsgang, bei dem Elektronengeräte bisher
keine wesentliche Beschleunigung des Arbeitstempos versprechen,
ist die Aussortierung eines bestimmten Komplexes von Informationen aus einer Vielzahl solcher Informationen - beispielsweise etwa das Aussortieren der Karteikarte für eine bestimmte
Police etwa aus einer Registratur mit 100 000 solcher Karten.
Doch auch hier ist die Industrie bemüht, entsprechende.«Geräte
zu entwickeln.
Die Automatisierung der Arbeitsvorgänge im Versicherungswesen wird jedoch nicht nur zu einer erheblichen Kostensenkung
fahren, sondern auch erhebliche organisatorische Umstellungen im
Betrieb erfordern. Dies wird nicht ohne Schwierigkeiten abgehen».
Von besonderer Bedeutung dürfte die Tatsache sein, daß bei
Verwendung von Elektronenrechen- und Buchungsmaschinen und ähnlichen Apparaten die gesamte Arbeit von ein oder zwei wichtigen
Schlüsselgeräten abhängt. Deshalb ist es von großer Wichtigkeit,
diese Maschinen ständig in betriebsbereitem Zustand zu halten und
eventuell auftretende Mängel raschestens festzustellen und zu beheben, um einen Stillstand des gesamten Betriebes zu vermeiden.
Da dies sehr schwierig sein dürfte, scheint der einzige mögliche
Ausweg darin zu bestehen, jeweils Austauschmaschinen in Reserve
zu halten.
Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich daraus, daß die Ar-*
beitsplanung für die Maschine und die Festlegung des Arbeitsab- 2 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

22. Februar 1956

Arbeitsablaufs eine sehr schwierige und zeitraubende Aufgabe
darstellt. Doch auch hier, ist die Industrie bemüht, entsprechende Maschinen und Verfahren auszuarbeiten, daß die "Arbeitsprogramme" künftig mit Hilfe elektronischer Maschinen festgelegt
werden können.
Zu der großen Abhängigkeit vom Funktionieren der Maschinen und den Schwierigkeiten der Festlegung des Arbeitsprogrammes der Maschinen kommt eine unerwünschte Abhängigkeit von bisher
ohnehin schwer zu beschaffenden Fachkräften. Zum Betrieb einer
Elektronenrechen- und Buchungsmaschine sind an sich nur zwei Arbeitskräfte notwendig; sollten sie jedoch aus irgendeinem Grunde
ausfallen, so läuft der ganze Betrieb Gefahr, ins Stocken zu geraten. Daraus ergibt sich zwangsläufig, daß eine Doppelbesetzung
der entsprechenden Positionen notwendig wird. Damit kommt ein
völlig neues Element in die Lohnpolitik, da hier nicht mehr die
Arbeit honoriert wird, die eine Arbeitskraft leistet, sondern
das, was sie gegebenenfalls zu leisten vermag.
Sehr bedenklich scheint auch die Tatsache, daß die Direktoren und leitenden Angestellten, die den Bürobetrieb überwachen,
höchstens in Ausnahmefällen mit elektronischen Geräten vertraut
sein dürften. Auf die Erfahrungen und gründlichen Kenntnisse der
Betriebserfordernisse, die gerade diese Menschen sich in Jahren
und Jahrzehnten erworben haben, kann man jedoch keinesfalls verzichten. Es besteht hier die Gefahr, daß sie, wenn es ihnen an
einem entsprechenden Verständnis für die Möglichkeiten und Begrenzungen elektronischer Maschinen mangelt, in eine unerwünschte Abhängigkeit vom rein technischen Personal kommen. Aus diesen Erwägungen heraus ist eine entsprechende Schulung des leitenden Personals eine unerläßliche Notwendigkeit.
Die Mechanisierung aller Arbeitsvorgänge ist innerhalb des
Versicherungswesens ein seit Jahrzehnten bekannter betrieblicher
Vorgang. Sie brachte eine allmähliche Verringerung des Büropersonals mit sich. Allerdings konnten, von seltenen Ausnahmen abgesehen, für jene Kräfte, deren Positionen überflüssig geworden
waren, jeweils andere Arbeitsplätze gefunden werden, die ihnen
mindestens den gleichen, wenn nicht sogar einen höheren Lohn
sicherten. Wie sich durch zahlreiche Beispiele beweisen läßt,
hat die Mechanisierung in vielen Fällen sogar zur Schaffung neuer
Arbeitsplätze geführt und vielen Angestellten eine höhere gehaltliche Einstufung eingebracht. Bei der Automatisierung scheint
sich eine ähnliche Entwicklung anzubahnen.
Solange man auf Seiten der Arbeitgeber den Grundsatz anerkennt, daß man für überflüssig werdende Arbeitskräfte entsprechend neue Arbeitsplätze schaffen muß, und daß dadurch entstehende Mehrkosten in der Praxis dem Kaufpreis der Maschinen zuzuschlagen sind, wird die Umstellung auf den automatischen Betrieb keine ernste Situation auf dem Arbeitsmarkt heraufbeschwören. So betrachtet, ist die Automatisierung praktisch nur ein
weiterer, wenn auch sehr folgenschwerer Schritt der Mechanisierung, die schon seit Jahrzehnten betrieben wird.
Zusammenfassung
Die Automatisierung kann im Versicherungswesen als die Verwendung von Maschinen zur automatischen Erledi0ung sämtlicher

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

22. Februar 1956

sämtlicher Arbeitsgänge aufgefaßt werden. Sie bedingt eine Reorganisation des gesamten Betriebes, in deren Zug sich die Zahl
der verschiedenen Abteilungen erheblich verringern läßt. Nerventötende Routinearbeiten werden dem einzelnen abgenommen werden
können. Pas Ergebnis der Automatisierung im Versicherungswesen
dürfte eine erhebliche Einsparung an Betriebs- und Verwätungskosten und damit eine Senkung der Beitragsleistungen sein. Sie
wird auch eine erhebliche Entlastung des stark angespannten Arbeitsmarktes mit sich bringen.
Die Anpassungsfähigkeit eines mit elektronischen Maschinen
ausgestatteten Unternehmens an die sich ändernden Geschäftserfordernisse ist wesentlich größer als bei einem nach alten Verfahren arbeitenden Betrieb. Der derzeitige Betriebsablauf, der
mehr oder weniger dem Fließbandverfahren gleicht, ist seinem
ganzen Wesen nach ziemlich starr, da jede Änderung des Verfahrens eine entsprechende Umschulung von Hunderten, wenn nicht
sogar Tausenden von Arbeitskräften erfordert. Da elektronische
Geräte nur ganz wenig Bedienungspersonal benötigen, wird eine
Betriebsumstellung viel einfacher und rascher vor sich gehen
können. Die bisherigen Erfahrungen, die die "Metropolitan Life
Insurance Company" in rund eineinhalb Jahren mit dem Betrieb von
elektronischen Rechen und Buchungsmaschinen sammeln konnten,
waren sehr befriedigend. Gegenwärtig arbeiten diese Maschinen in
zwei Schichten. Die Kosten für den Betrieb mit elektronischen
Geräten sind etwa nur halb so hoch wie die'bei der Verwendung moderner Hollerithmaschinen. Die Gesellschaft hofft, daß sie schon
in Kürze das Arbeitstempo der Elektronenmaschinen verdoppeln
kann, so daß sich die zweite Schicht erübrigt.
Die gegenwärtige wirtschaftliche Lage der Vereinigten Staaten begünstigt die Umstellung vom mechanisierten auf den automatisierten Betrieb. Die Verknappung von Bürokräften einerseits
und die starke Expansion der Industrie andererseits schaffen
denkbar günstige Voraussetzungen.
Elektronische Rechen- und Buchungsmaschinen können praktisch sämtliche Arbeitsgänge an einem Ort und gleichzeitig sowie in jeder gewünschten Kombination und Variante bewältigen.
Ihre Verwendung erfordert jedoch höchstes fachliches Können und
eine geistige Wendigkeit, wie sie hisher praktisch nur von wissenschaftlich geschultem Personal verlangt wurden.
Angesichts des Gesagten dürfte es kaum verwundern, daß sich
gerade die Versicherungsunternehmen besonders für die Möglichkeiten der Verwendung elektronischer Geräte interessieren. Sie
sind sich dabei durchaus im klaren, daß es noch viele Schwierigkeiten zu überwinden gilt, ehe die Möglichkeiten, die diese Maschinen bieten, voll ausgeschöpft werden können. Sie unterschätzen die Probleme, die die Umstellung des Betriebes auf automatische Verfahren mit sich bringt, keineswegs. Sie wissen aber auch,
daß ihnen die Automatisierung, sobald erst einmal das Entwicklungsstadium überstanden ist, eine erhebliche Verbesserung der
Arbeit im Betrieb und des Dienstes am Kunden gestatten wird.
(Als nächster Artikel unserer Serie folgt: "Die Automatisierung im Zeitungsvertrieb")
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

29. Februar 1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG (VI)
Die Automatisierung im Zeitungsvertrieb
Von Nathaniel Bishop
Stellv. Forschungsdirektor der Springdale
Laboratories Div. "Time Incorporated"
,
(Teil I)
l 120 Zeilen)
WASHINGTON - (.aD) - Jedes publizistische Unternehmen erstrebt
eine möglichst weitgehende Verbreitung seines Druckerzeugnisses in
Form von Wort und Bild. Der Erfolg hängt wesentlich von der Schnelligkeit ab, die aber nicht die vom Leser und Anzeigengeber erwartete Qualität hinsichtlich des Druckes und der redaktionallen Zusammenstellung beeinträchtigen darf. Wenn man die für eine Veröffentlichung vorgesehenen Nachrichten und Artikel und die aufgegebenen Annoncen als das Eingabematerial bezeichnet, die Funktionen der Redaktion, Auswählen, Umschreiben und Aufteilen, mit
der Tätigkeit einer auswertenden Rechenmaschine gleichsetzt und
die gedruckte und ausgelieferte Zeitung als das Ausgan^smaterial
definiert, dann ist das publizistische Gewerbe hauptsächlich ein •
Dokumentationsbetrieb. Das heißt mit anderen Worten, daß das
publizistische Erzeugnis nicht in Tonnen Papier und Kanister
Druckerschwärze gemessen werden kann, sondern als die Summe von
Informationen. Eines sei hier von vornherein klargestellt, nämlich daß die Funktionen der Redaktion wohl immer von Menschen
ausgeübt werden müssen und sollen.
Ein genaues Studium der periphären Tätigkeiten eines publizistischen Betriebs, nämlich die Absatzförderung, die Abonnentenwerbung, der Verkauf von Platz für Werbezwecke und die Massenproduktion und -Verteilung der fertigen Zeitschrift, zeigt sofort,
daß die Verhältnisse hier völlig anders geartet sind. Hier müssen
wir mit unseren Überlegungen ansetzen, wie wir das Verhältnis
zwischen Arbeitsstunden pro Kopf und Arbeitsstunde pro Maschine
noch besser gestalten können, damit wir ein besseres Erzeugnis
zu einem niedrigeren Preis herstellen und verteilen können.
Die Material- und Herstellungskosten, die bei der Erzeugung
und Verteilung einer wöchentlich erscheinenden Zeitschrift mit
hoher Auflage entstehen, sind mit der größte Unkostenfaktor im
Zeitschriften-Betrieb. Der Erfolg einer Zeitschrift hängt weitgehend von folgenden Gesichtspunkten ab: Kosten, Qualität,
Schnelligkeit und Aktualität. Nichts ist wertloser als beispiels- 1 -

�"iiMERIfct IIENST" - WIRTSCHAFT UNI ARBEIT

29- Februar 1956

beispielsweise ein Nachrichtenmagazin, das nicht aktuell ist und
über alle wichtigen Geschehnisse berichtet.
Man bemüht sich allenthalben bereits um die Entwicklung
schnellerer und vielseitigerer Druckmaschinen, automatischer
Falz- und Bindemaschinen, die Herstellung besseren und billi-r
geren Papiers und einer schnelleren und qualitätsmäßig verbesserten Klischierung. Die immer weitergehende Verwendung von
automatischen Kontrollvorrichtungen für Schnellpapiermaschinen,
Pressen und Bindemaschinen ist eine heute bereits feststehende
Tatsache. Hiervon darf man sich wesentliche Verbesserungen hinsichtlich der Qualität, der Kostenrechnung und der Schnelligkeit
versprechen. Die Herstellung eines Krückstockes, das Setzen, Umbrechen der Seiten und Zusammensetzen der Bogen verschlingt noch
viel Zeit und verursacht relativ hohe Kosten. Die Lösung dieses
Problems liegt in einer Presse, die automatisch für den Druckvorgang durch eine Beschickung mit Daten vorbereitet werden
kann, so daß die Presse sozusagen von vornherein weiß, was gedruckt wird. Darüber hinaus müssen aber noch Mittel und Wege
gefunden werden, um das redigierte-Druckmateriäl in eine Form
zu bringen, daß man es auf elektrischem Wege übermitteln und
sofort in die Presse geben kann.
Vielleicht wird die Richtung, in der sich die Entwicklung
aller Wahrscheinlichkeit nach bewegen wird, noch deutlioher,
wenn wir hier einmal ein Idealsystem - so wie wir es eines Tages erhoffen - beschreiben. Es soll auf Produktionsverfahren
fußen, die teilweise bereits heute angewandt werden, teilweise
erst in unserer Vorstellung existieren, dabei aber durchaus im
Bereich des Möglichen liegen.
Das zum Druck eingehende Material (Werbetexte, Annoncen,
Nachrichten, Leitartikel und andere Artikel) wird bis zur Umbruchkorrektur fertiggestellt. Der Korrekturbogen entspricht genau
der Zeitschrift, wie sie dem Leser ausgeliefert wird. Nachdem
die Redaktion ihre Billigung erteilt hat, gern- dieser Bogen zur
Produktionsabteilung. Hier wird er in Analogzeichen oder Digitzahlen umgesetzt und allen Druckhäusern übermittelt. Diese müssen
das Material speichern, um etwaige Fehler, die bei der Weiterverarbeitung auftreten, berichtigen zu können. Gleichzeitig
wird das Material in einen Umsetzungsmechani'smus geschleust,
von wo aus die Pressen für den Druck vorbereitet werden. Nachdem die Druckmaschinen vorbereitet sind, kann der eigentliche
Druckvorgang beginnen. Nach-Abschluß des Druckvorganges werden
die "Gedächtnisse" oder Druckzylinder der Pressen getilgt und
damit die Maschinen wieder für den nächsten Druckauftrag frei.
Es liegt auf der Hand, daß die heute üblichen Methoden der
Vorbereitung der Druckplatten für Hoch-, Flach- und Tiefdruck-,
pressen für ein solches System ungeeignet sind. Die Druckereitechnik macht jedoch in der Verwendung der neuesten Erkenntnisse der Elektrostatik, Elektromagnet.ik und Elektrochemie so
große Fortschritte, daß man sich ruhig in Spekulationen über
die zukünftige Entwicklung ergehen kann.
Wenn

�"AMERIKA LIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

29- Februar 1956

;.enn diese Möglichkeiten erst einmal Realitäten geworden sind - und wir sind fest davon überzeugt, daß dies bald
schon der Fall sein wird-, dann wird das, was wir heute unter schneller Herstellung und Verteilung verstehen, wie ein
Schneckentempo anmuten. Freilich ist es durchaus wahrscheinlich, daß die Zahl der Druckereien, die am Ausdruck einer
Zeitung oder•Zeitschrift beteiligt sind, erheblich steigen
wird, damit der Leser auch wirklich in den Genuß der Zeitverkürzung zwischen Redaktionsschluß und Auslieferung kommen
kann.
Obwohl die Frobleme, die beim Druok und der Auslieferung
einer Zeitschrift auftreten, eher in das Gebiet der automatisierten Erzeugung als in das Gebiet der Dokumentation mit mechanischen Mitteln fallen, sollen hier jedoch beide Aspekte
behandelt werden, da sie für den Herausgeber einer Zeitschrift
gleichermaßen wichtig sind. Wenden wir uns daher nunmehr der
betriebstechnischen und kaufmännischen Seite in dem Bestreben
zu, eine Auflagenerhöhung durch einen vermehrten Absatz herbeizuführen und den Kreis der Abonnenten weiter zu ziehen.
In beiden Fällen würde sich die Verwendung von Maschinen der
automatischen Dokumentation sehr günstig auswirken, wobei zu
bemerken ist, daß die Kostenfragen hier eine wesentlich bedeutendere Rolle spielen als technische Frobleme.
Y.enn man vom Beispiel der Zeitschriften "Time" und "Life"
ausgehen darf, so ist zu sagen, daß die Anstrengungen, eine
Auflagenerhöhung herbeizuführen, auf einen vermehrten Umsatz
an Kiosken, in Buchläden und eine Vermehrung der festen Abonnenten £erichtet sind. Der Verkauf an Kiosken gehört mit zu
den wichtigsten Problemen des Vertriebs. Eine Verkaufssteigerung wird allgemein durch zweierlei .arten der Werbung erreicht: einmal durch Nutzung der Mittel der Masseninformation, wie Radio, Fernsehen, Film und Fresse, und zum anderen
durch ein individuelles Ansprechen potentieller Käufer in
Form von Briefen. Hier nun erschließen sich zahlreiche Möglichkeiten für die Verwendung automatischer Dokumentationsmaschinen.

(Teil II folgt in Nr. 10/C vom 7.3.1956)
* * * * * *

- 3 -

�"Al/.ERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

7. März 1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG

(VI )

Die Automatisierung im Zeitungsvertrieb
Von Nathaniel Bishop
Stellv. Forschungsdirektor der Springdale
Laboratories Div. "Time Incorporated"
(Teil

II)

( 125 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Die Werbung neuer Käufer durch Postsendungen
setzt voraus, daß man im Besitze einer Adressenliste ist. Schnell arbeitende Dokumentationsapparate würden es ermöglichen, im .Sinne der
Werbung wirksamere Listen zusammenzustellen, indem sie nämlich von
vornherein jene Kreise ausschlössen, die auf Grund vorliegender Forschungsergebnisse gar nicht als potentielle Käufer anzusprechen sind.
Zugleich könnten hier mühelos jene Personen aus der Liste ausgeschieden werden, die bereits feste Abonnenten sind. Das würde bedeuten, daß
die Zahl der von vornherein aussichtslosen Werbesendungen erheblich
kleiner wird und der Werbeaufwand pro neuen Abonnenten wesentlich günstiger zu liegen käme als heute.
Im Falle des Absatzes an Kiosken und in Buchläden ist es durchaus
denkbar, daß das verzwickte Problem der richtigen Verteilung bei Vermeidung von Unter- oder l'berbelieferung durch eine weitgehende Verwendung
automatischer Dokumentationsmittel gelöst werden kann. Ob dabei alle
Einzelhändler individuell erfaßt werden müssen oder nur die Grossisten
in den einzelnen Vertriebsgebieten, ist eine nicht so absolut wichtige
Frage; entscheidend allein bleibt, daß man zu einer Verteilerliste kommt,
die einen möglichst hohen Absatz bei einer möglichst geringen Zahl von
Remittenden garantiert. Zu beachten sind in diesem Falle ferner die
nicht unbedeutenden jahreszeitlich bedingten Absatzschwankungen. Die
Bevölkerungszahl von Nantucket Island (Badeort) schwankt zum Beispiel
während der Sommersaison zwischen 350^) und 35 000. Das sind ungefähr
die Schwankungen, die ein Dokumentationsapparat in den Versandlisten erfassen müßte, und je umfangreicher die verwendbaren Angaben sind, um so
erfolgreicher wird diese Arbeit sein.
Die
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�"AMERIKA DI EH ST" - '.VIRTSC HAFT UND ARBEIT

7. März 1956

Die weitaus größte Zahl der Kaufer von "Time" und "Life" sind feste
Abonnenten. Inwieweit der Kunde wirklich befriedigt wird, hängt nicht
nur von der journalistischen Qualität des

Erzeugnisses(sondern auch

davon ab, wie schnell dieses Erzeugnis an jeden vom Kunden gewünschten
Ort ausgeliefert werden kann. In einem weiteren Sinne handelt es sich bei
Presseunternehmen bei der Erfüllung der Abonnentenwünsche um eine Dokumentationsarbeit großen Ausmaßes.
Das Interesse an weiteren Verbesserungen ist deshalb so groß,
weil wir uns von einer technisch verfeinerten Anlage der mechanischen Dokumentation ein wesentlich günstigeres Verhältnis zwischen
Arbeitsstunde pro I.Iann und Arbeitsstunde pro Maschine erhoffen. Ein
günstigeres Verhältnis würde bei gleichbleibenden Kosten einen besseren
und schnelleren Kundendienst bedeuten. Bisher lagen jedoch die Kosten
für die Beschaffung und Verwendung elektronischer Maschinen viel zu
hoch. Der Grund hierfür ist in dem Umstand zu suchen, daß mit den bisher
erhältlichen elektronischen Anlagen die Aufgaben, die ein zufriedenstellender Kundendienst mit sich bringt, nicht bewältigt werden können.
Das wird verständlich, wenn wir einmal den Aufgabenbereich der
Vertriebszentrale von "Life" und "Time" in Chicago näher untersuchen.
Es werden hier täglich zwischen 30 000 und 80 000 Postsendungen geöffnet
und registriert. Der größte Teil dieser Postsendungen stammt von neuen
oder alten Abonnenten. Die Kartei der 7 Millionen Abonnenten der Zeitschriften "Time", "Life" und "Sports Illustrated" müssen ständig auf dem
laufenden gehalten werden. Jede Woche werden für die drei Hauptverteilstellen 7 Millionen Klebeadressen gedruckt und ausgeliefert. Unter Anleitung der 7/erbeabteilung werden darüber hinaus wöchentlich rund eine
Million V/erbe Sendungen gedruckt und versandt. Eine weitere Aufgabe
dieser Stelle ist es, die Konten der alten und neuen Abonnenten laufend
zu überwachen und Statistiken für die V/erbe- und Rechnungsabteilung sowie
die Redaktion auszuarbeiten.
In diesem Falle wären die Posteingänge als Eingabematerial zu bezeichnen. Sie müssen allerdings erst in eine für das kodifizierte Registratursystem verwendbare Form gebracht werden. Da die Verlagsleitung
nun aber keinen Einfluß darauf hat, in welcher Form der Kunde seine
Wünsche vorbringt, müssen alle Eingänge sofort in entsprechende Symbole

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�"ALIERIKA DIEUST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

7. März 1956

Symbole übersetzt v/erden. Heute werden die Posteingänge geöffnet, gelesen, nach Sachgebieten sortiert und anschließend alle darin enthaltenen
Angaben von 70 Locherinnen auf Lochkarten übertragen. Diese Leute arbeiten sehr angestrengt, da sie mit dem Tempo der Posteingänge unbedingt
Schritt halten müssen.
Da Lochkarten nur eine begrenzte Speicherkapazität haben und
die Geschwindigkeit in der Bearbeitung von Lochkarten und Unterlagen
in der Registratur nicht unbegrenzt zu steigern ist, müssen wir gegenwärtig mit zwei Ablage- und Registratursystemen arbeiten. Es lohnt sich
daher, einmal die Aussichten näher zu untersuchen, die eine Einführung
automatischer Dokumentationsmittel verspricht.
Wir gehen bei unseren Betrachtungen von der Annahme aus, daß eine
Registratur mit gegenwärtig 7 Millionen und später 10 Millionen Aktenvorgängen für den Betrieb erforderlich ist. Für unsere Zwecke genügen 200
Symbole pro Aktenvorgang. Der Aktenumschlag pro Jahr beträgt gemessen
am Gesamtbestand der Registratur 112 Prozent. Um einen Akt zu bearbeiten,
muß das gesamte Lochkartenmaterial durch die Maschinen laufen. Die Einführung von mechanischen Dokumentationsmitteln lohnt sich deshalb nur,
wenn dadurch sichergestellt wird, daß nur noch jene Aktenstücke bearbeitet werden müssen, die wirklich einer Bearbeitung bedürfen. Die Lösung für dieses Problem liegt unserer Ansicht nach in der beschleunigten
Entwicklung eines für die Eingäbe auf die einfachste Formel gebrachten
leistungsfähigen Speichersystems. Mit einem solchen System ließe sich bei
dem heutigen Stand der Elektronentechnik bereits eine Methode zur Bewältigung unserer Aufgaben entwickeln, die uns unsere Arbeit wesentlich
erleichtern würde. Es Wäre dann nicht mehr notwendig, den täglichen
Arbeitsablauf nach Sachgebieten geordnet anzusetzen; die Post könnte
dann einfach in der Reihenfolge des Eingangs aufgearbeitet werden.
Derartige maschinelle Dokumentationsmittel haben für uns nur dann
einen Zweck, wenn die Speicherkapazität groß genug, ein schneller Zugang zu den einzelnen Vorgängen gesichert und eine Höhe der Betriebskosten gewährleistet ist, die ein wirtschaftliches Arbeiten ermöglicht.
Für uns genügt ein Speichersystem, mit dem man wöchentlich 250 000 Abonnenten erfassen kann, wobei pro Abonnent 200 Symbole und für die V/ahl
eines Aktenvorganges höchstens 5 Sekunden veranschlagt sind. Wir sind der

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

p

7. März 1956

der Auffassung, daß sich solche Dokumentationsmittel herstellen lassen,
«nd daß sich wirtschaftlich mit ihnen arbeiten läßt.
Wir sind um so mehr davon überzeugt, weil die "Time Incorporated"
in ihren Springdale-Laboratorien bereits Versuche durchführt, die darauf
abzielen, einen Prototvp solch eines Gerätes zu entwickeln und seine
Leistungsfähigkeit im Chicagoer Verlagshaus unter Beweis zu stellen.
Außerdem unterstützen wir die Bemühungen eines anderen Laboratoriums,
das sich zwar mit dem gleichen Problem befaßt, es aber von einer anderen
Seite her lösen will. Dies alles schließt aber nicht aus, daß wir auch
andere Lösungen in Betracht ziehen würden, sofern sie technisch vernünftig und wirtschaftlich tragbar erscheinen.
Nicht nur ein Redakteur muß ein ausgeprägtes Gefühl für die menschlichen Probleme haben, sondern auch der Techniker. Wenn wir uns um eine
Verbesserung des Verhältnisses zwischen Arbeitsstunde pro Mann und Arbeitsstunde pro Maschine bemühen, dann dürfen wir uns nicht von einer vielleicht
im Augenblick eintretenden Verdrängung von Arbeitskräften täuschen lassen,
••Odern müssen auf längere Sicht hinaus planen. Bei einer sachlichen
Analyse dieses Fragenkomplexes zeigt sich nämlich, daß die Einführung
automatischer Dokumentationsmittel wesentlich zur Stabilisierung des
Arbeitsmarktes gerade in jenen Industrien führen kann, deren Ausstoß
stärkeren Schwankungen unterworfen ist. Rein menschlich gesehen ist es
doch besser, wenn Maschinen nicht voll ausgelastet sind, als wenn Arbeiter
in Zeiten eines schlechten Geschäftsganges entlassen werden müssen. Und je
günstiger das Verhältnis zwischen Arbeitsstunde pro Mann und Arbeitsstunde
pro Maschine ist, desto stabiler wird die Lage. Warum also das Sträuben
gegen eine Entwicklung, die sich nicht aufhalten läßt? Die industrielle
Revolution hat immer weiteren Bevölkerungskreisen einen Lebensstandard geibracht, wie wir ihn in der ganzen Geschichte der Menschheit nicht kennen. Die
Automatisierung des Produktionsprozesses wird diesen Kreis noch weiter
ziehen und den Lebensstandard noch höher heben, und damit verspricht sie
uns größere soziale Gerechtigkeit und Sicherheit als je zuvor.
(Dieser Artikel wurde stark gekürzt. Auf Wunsch kann der volle Wortlaut
zur Verfügung gestellt werden)
Nächster Artikel dieser Serie:
"Die Automatisierung in der Stahlindustrie"
* * * * *

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

14. März

1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE

BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG

(VII)

Die Automatisierung in der Stahlindustrie
Von W» K. Scott, leitender Ingenieur der
Columbia-Geneva Steel Division der United States Steel Corporation
San Francisco (Kalifornien)

( 200 Zeilen)
„AJHINGTON - (AD) - Bei einem Rückblick auf die Entwicklung der
Stahlindustrie in den letzten Jahrzehnten fällt sofort ins Auge, daß
hier seit dem Jahre 1920 erstaunliche Veränderungen eingetreten sind.
Die Arbeitslast des Arbeiters ist ständig geringer geworden; komplizierte und teure Maschinen verrichten heute, einzeln oder in Gruppen
zusammengefaßt, die schwere und ermüdende Arbeit, die dem Arbeiter der
Stahlindustrie aus den früheren Jahren noch bekannt ist. Heute hat
der Arbeiter eine kürzere Arbeitszeit, verdient im Durchschnitt etwa
dreimal soviel wie früher, und sein Lebensstandard ist erheblich höher,
da er hochwertige Waren in erstaunlicher Auswahl zu geringeren Preisen
kaufen kann.
Wie war dies möglich? Erstens durch die einzigartige amerikanische
Art, den Wunsch, mehr und bessere Waren bei geringerem Kostenaufwand
herzustellen. Zweitens dank dem amerikanischen Erfindergeist in Verbindung mit einem ausgeprägten Sinn für das Praktische, der zuverlässig
arbeitende automatische Maschinen erfand und damit die feste Grundlage für die Automatisierung der Betriebe legte, auf der wir heute
weiterbauen.
Diese Entwicklung hat im Laufe der Zeit mancherlei Namen, wie
Mechanisierung, automatische Bedienung, vollautomatische Fließbandfertigung und so fort erhalten. Diese sich überschneidenden Begriffe
werden jeweils sehr umfassend verstanden, Wenn man diese Begriffe
miteinander vergleicht, so kann man erkennen, wie sich im Laufe der
Jahre eine immer umfassendere Konzeption dessen herausgebildet hat,
was wir heute als "Automatisierung" bezeichnen. Die Probleme der einfachen Mechanisierung des Arbeitsprozesses sind weitgehend gelöst;
heute sind es die erstaunlichen Möglichkeiten der Automatisierung
der Betriebe, die die Phantasie der fortschrittlich denkenden Menschen
beschäftigen.
Wie die meisten derartigen neuen Entwicklungen, hat man auch
hier zunächst einmal jeden Fortschritt als einen revolutionären Umschwung bezeichnet. Rückschauend darf aber wohl gesagt werden, daß
der evolutionäre Charakter des Übergangs von der Handarbeit zur
mechanischen Fertigung und nunmehr zum automatischen Betrieb ganz
eindeutig ist.

In
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

14. März 1956

In der Stahlindustrie waren diese Bemühungen zu einer Verbesserung
der Qualität und Steigerung der Produktivität in der Anfangsphase dieser
Entwicklung auf die Mechanisierung gerichtet, das heißt die Übertragung anstrengender Arbeiten auf Maschinen. Der nächste logische Schritt
war dann die "automatische Bedienung", bei der eine Maschine so gebaut
ist, daß sie mehrere eng miteinander verknüpfte Arbeitsgänge hintereinander ausführt. In jüngster Zeit ging man dann zur "kontinuierlichen
Fließbandfertigung" über. Hier nun sind mehrere automatische Maschinen
durch automatisch arbeitende Transportbänder, Kräne und ähnliche Produktionshilfen miteinander verbunden, die das V/erkstück von Maschine zu
Maschine weiterleiten. Vielfältige elektronische Geräte haben jene
mannigfaltigen Kontrollfunktionen übernommen, die einstmals der Mensch
mit seinen Sinnesorganen ausübte.
Die vollautomatische Fließbandfertigung in den Stahlwerken war
das geeignete Mittel zur Erhöhung des Produktionstempos und zur Verbesserung der Qualität. Sofern allerdings Te^mpo und Exaktheit der Arbeit nicht richtig aufeinander abgestimmt oder diese Abstimmung nicht
auch beibehalten werden konnte, erwies sich die vollautomatische Fließbandfertigung meist als eine Methode, große Mengen Ausschuß zu produzieren. Da die Bedienung der Maschinen vom Personal bei "Entscheidungen"
und im "Handeln" sowohl Schnelligkeit als auch•Exaktheit verlangt und
die Beibehaltung der genauen Abstimmung große Aufmerksamkeit erfordert,
besteht hier die Gefahr, daß sich die Arbeitslast für den Arbeiter
sogar erhöht. Der kritische Punkt war erreicht, wenn die Leistung der
Maschine das Reaktionsvermögen des bedienenden Arbeiters übertraf, so
daß dieser die Abstimmung nicht mehr rasch genug vornehmen konnte und
damit erhöhter Anfall von Ausschuß auftrat. So ging man dazu über, auch
die bisher den Menschen vorbehaltenen Funktionen der Überwachung und
Abstimmung der Maschine gleichfalls durch automatische Vorrichtungen
zu ersetzen. Damit wurde dem bedienenden Arbeiter eine Reihe rasch zu
treffender Entscheidungen abgenommen, so daß er seine ganze Kraft und
Aufmerksamkeit auf die schwierigen Entscheidungen konzentrieren konnte,
die Urteilsvermögen und verstandesmäßige Überlegungen erfordern. Und
damit sind wir bei der "Automatisierung" angelangt, wie wir sie heute
verstehen, das heißt bei einem Betriebsablauf, bei dem sich Maschinen
oder Gruppen von miteinander gekoppelten Maschinen in einem fortlaufenden Produktionsprozeß selbst nach einem vorher festgelegten elastischen Schema bedienen, und dabei gleichzeitig imstande sind, sich
selbst in ihrer Arbeit zu korrigieren, wenn ihre Kontrollorgane eine
Abweichung feststellen.
Daher ist die Automatisierung etwas viel Umfassenderes als die
einfache Ersetzung der menschlichen Arbeitskraft durch Maschinen.
Heute gibt es in der Stahlindustrie Maschinen, die so konstruiert
sind, daß sie wie der Mensch ständig den Produktionsprozeß verfolgen,
Vergleiche anstellen, Routine-Entscheidungen treffen und notfalls
Korrekturen vornehmen, sofern irgendwelche Abweichungen von der Norm
eintreten. Das entscheidende Merkmal der Automatisierung ist, daß eine
Maschine durch eine andere kontrolliert wird. Durch diese Kontrolle
werden die verschiedenen Funktionen wie Materialbereitung, Einrichten
der .Maschinen, Überwachen sowie die Sammlung und Verarbeitung statistischer Daten unter Umständen in einem einzigen Arbeitsgang zusämmenge-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

14. März 1956

In modernen, vollautomatisierten Warmwalzwerken wird der Stahl
in einem durchgehenden Prozeß entzundert,kalt reduziert, zwischengeglüht, angelassen und abgeschert. Das Walzgut wird nicht mehr plattenweise bearbeitet, sondern durchläuft den Prozeß als ein unendliches
Band. Eine solche V/alzenstraße bearbeitet je Schicht 10 000 t Stahl,
wobei für die Bedienung der Öfen und der V/alzenstraße, von den Rohlingen
bis zum fertigen Stahlblech also, nur 25 bis 28 Arbeiter und Techniker
erforderlich sind. Die Dicke des Walzgutes wird an mehreren Stellen
röntgenographisch gemessen und am Steuerpult registriert; ein mit
infraroten Strahlen arbeitendes Meßgerät kontrolliert laufend die
Breite des Walzstromes und stellt sicher, daß die zulässigen Toleranzen
nicht überschritten werden. Eine Fernsehanlage am Rolltisch läßt die
jeweilige Position des Walzgutes und eventuelle Verwindungen sofort
erkennen, so daß Verstauchungen an den Bandführungsrollen vermieden
werden.
Die Automatisierung kann für die Lösung von mindestens zwei Problemen, denen sich die Stahlindustrie heute gegenüber sieht, von entscheidender Bedeutung sein: Senkung der Produktionskosten je Werkstück
auf ein Minimum bei gleichzeitig größtmöglicher Verbesserung der Qualität.
Da andere Baumaterialien auf dem Markt mit Stahl konkurrieren,
gilt es die Produktivität der Stahlwerke noch weiter zu steigern, um
die Gestehungskosten so niedrig wie möglich zu halten. Hierbei erweist
sich die Automatisierung als ein wertvolles Instrument, da die Produktivität einer Gruppe von Maschinen durch die Automatisierung beträchtlich erhöht werden kann, ohne daß dem Bedienungspersonal eine wesentliche körperliche oder geistige Mehrbelastung erwächst.
Darüber hinaus ist eine weitere qualitative Verbesserung der
Erzeugnisse der Stahlindustrie auch im Hinblick auf die steigenden
Ansprüche der Abnehmer unbedingt erforderlich, die ihrerseits wieder
eine Folge des ständigen technischen Fortschritts in der Verwendung
von Stahlprodukten ist. Auch hierbei erweist sich die Automatisierung'
als ein vorzügliches Hilfsmittel. Denn der vollautomatisierte Betrieb
bietet eine größere Gewähr für gleichbleibend hohe Qualität der Erzeugnisse, da der Mensch mit all seinen Schwankungen und seiner Unzulänglichkeit als Kontrollorgan weitgehend entfällt. Die Uniformität der Erzeugnisse wird durch die vollkontinuierliche Bandstraße verbessert, da
bei gleichbleibendem Tempo und dem daraus sich ergebenden gleichmäßigen Materialstrom die Abstimmung auf die verschiedenen Komponenten des
Bandes und damit genauere Ergebnisse gesichert werden können. Eine
sich wiederholende derartige Angleichung dürfte die Wahrscheinlichkeit
eines kontinuierlichen Ausstoßes uniformer Erzeugnisse noch erhöhen.
Die Automatisierung begünstigt einen grundlegenden Wandel in der
Stahlindustrie. Bis vor kurzem wurde die Qualität der Stahlerzeugnisse
und in geringerem Grade auch das Produktionstempo durch das Können und
die Urteilsfähigkeit des einzelnen Arbeiters bestimmt. So kam es, daß
vollkommen gleiche Maschinen eyie verschieden hohe Produktivität aufwiesen. Und ebenso schwankte die Qualität der Erzeugnisse je nach der

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

14. März

1956

der Geschicklichkeit des bedienenden Arbeiters. Heute wird die Herstellung bei zahlreichen Stahlwaren mehr und mehr zu einem Wissenschaft*
liehen denn handwerklichen Prozeß. Gerade darin dürfte der stärkste
Einfluß der Automatisierung auf die Industrie bestehen. Wo Produktivität und Qualität im wesentlichen vom handwerklichen Können abhängen,
wird der Fertigungsprozeß uneinheitlich sein, da er in erster Linie
vom Menschen und dessen schwankendem Arbeitstempo und Können bestimmt
wird. Hier kann sich die Automatisierung als ein wertvolles Werkzeug
erweisen, indem sie den Produktionsprozeß zu einem wissenschaftlichen
Verfahren macht, bei dem die Normen hinsichtlich Tempo und Qualität
vorher festgesetzt und ständig beibehalten werden können.
Für den rentablen Betrieb vollkontinuierlicher Bandstraßen ist
es von entscheidender Bedeutung, daß der Stillstand von Haschinen,
insbesondere der nicht beabsichtigte Stillstand, auf einem Minimum
gehalten wird. Die Maschinen und Anlagen müssen so konstruiert sein,
daß jeder Arbeiter mit durchschnittlichem Können in der Lage ist,
sachgemäße Reparaturen vorzunehmen. Das hierfür erforderliche Können
solLte mit nicht allzu großem Aufwand an Zeit, Kosten und Anstrengung
auf Seiten sowohl des einzelnen Arbeiters als auch des Unternehmers
erworben werden können. Wenn es an qualifizierten Arbeitskräften fehlt,
die für den Betrieb, die Wartung und Reparatur vollautomatischer Anlagen unerlässlich sind, können derartige Anlagen zu einem erheblichen
finanziellen Fiasko führen.
Da ein zuverlässiges und reibungsloses Arbeiten der Maschinen und
der übrigen Komponenten beim vollautomatisierten Betrieb eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Produktion ist, sollten die
einzelnen Komponenten einer vollkontinuierlichen Bandstraße in Konstruktion und Arbeitsweise vollkommen aufeinander abgestimmt sein.
Das Ziel ist, eine vollkommen integrierte Produktionsanlage zu
schaffen, in der Reparaturen und das Auswechseln von Maschinen so weitgehend von vornherein in die Planung einbezogen sind, daß ein Stillstand im Produktionsablauf so gut wie ausgeschlossen ist. Die Kette
ist so stark wie ihr schwächstes Glied; das heißt die Leistungsfähigkeit einer Bandstraße ist so groß wie die ihrer schwächsten Komponente.
Die Aufwendungen für Automatisierung sollten sich ebenso bezahlt
machen wie die Aufwendungen für irgendwelche anderen Produktionssysteme.
Die Wirtschaftlichkeit dieses Verfahrens läßt sich, wie die Erfahrung
zeigt, mit den konventionellen Methoden ermitteln, die man gewöhnlich
bei der Analyse von Kapitalaufwendungen anwendet.
Auf Grund der bei der Konstruktion oder dem Betrieb automatisierter
Produktionsanlagen gesammelten Erfahrungen können sich Veränderungen
auch des Erzeugnisses als notwendig erweisen. Wenn man vom Standpunkt
der Form allzu sehr am Althergebrachten festhält, besteht die Gefahr,
daß die Möglichkeiten der Vollautomatisierung nicht ganz und gar ausgeschöpft werden. Bei den Eisen- und Weißblechen ist die Stahlindustrie
beim rohen Werkstück von einer Reihe kurzer Stücke zu einem einzigen

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

14. März 1956

einzigen langen Stück übergegangen, das erst im letzten Arbeitsgang
zu einzelnen Stücken-zerschnitten wird.
Die Automatisierung bringt auch Veränderungen organisatorischer
Art mit sich. Beispielsweise steigt die Zahl der nur mit hochqualifizierten Kräften zu besetzenden Arbeitsstellen, und viele einfache
Arbeiter steigen zu Automatentechnikern auf, zum Bedienungspersonal
elektronischer Geräte. Andere einfache Arbeiter werden Maschinenwarte.
oder Techniker für die Herstellung von Austauschaggregaten. Diese wiederum müssen von höherer Qualität sein, weil die Herstellung qualitativ
besserer Waren immer größere Präzision erfordern wird.
Manche Komponenten werden sich auf Grund des verschärften Produktionstempos schneller abnutzen. Die letztgenannten Faktoren machen den
steigenden Bedarf an höher qualifiziertem Arbeitspersonal - Ingenieuren,
Technikern und technisch geschultem Bedienungspersonal - besonders
deutlich. Ebenso verlangt die Planung und Abstimmung der Produktion ein
größeres Maß an Können und Leistungsfähigkeit.
Wie in vielen anderen Industriezweigen so gibt es auch in der
Stahlindustrie bestimmte Arbeitsgänge oder Gruppen von Arbeitsgängen,
die sich besser als andere zur Automatisierung eignen. Im allgemeinen
sind der praktische Anwendungsbereich der Automatisierung und die ihr
gesetzten Grenzen unschwer zu erkennen. Bei manchen Arbeitsgängen erweist sich ein Übermaß rasch als unrentabel. Die Automatisierung wird
immer dann zweckmäßig sein, wenn die für die Automatisierung vorgesehenen
Arbeitsgänge mit den gegebenen Kontrollanlagen in Einklang gebracht
werden können. Die Stahlindustrie ging bei der Automatisierung von dem
Gesichtspunkt aus, daß eine logisch bedingte Gruppierung von Arbeitsgängen unter Berücksichtigung der gegebenen Möglichkeiten der automatischen Kontrolle erstrebenswert sei.

(Als nächster Artikel unserer Serie folgt:
"Die Automatisierung in der chemischen Industrie")

* * * * *

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

21. März 1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG

(VIIl)

Die Automatisierung in der chemischen Industrie
Von V.F. Hanson
Forschungslaboratorium für Verfahrenstechnik der
Firma E.I. du Pont de Nemours &amp; Company, Inc.
Wilmington (Delaware)
(Teil I)
(100 Z*il«n)
WASHINGTON - (AD) - Ich will mich in diesem Aufsatz nicht mit jenem
sagenhaften Wunder befassen - einer vollautomatisierten Fabrik mit einem
Netz von Rohrleitungen und Transportbändern, fabelhaften Schalträumen und
wunderbaren automatischen Rechen- und Fakturieranlagen, einer Produktionsanlage, die den Rohstoff ohne menschliches Zutun in das fertige Produkt
verwandelt. Ebensowenig möchte ich jedoch den Eindruck erwecken, als sei
eine derartige Fabrik lediglich eine Ausgeburt der Phantasie. Ich habe
noch nie ein Werk gesehen, das alle diese Wundereinrichtungen besessen
hätte. Ich habe allerdings schon Fabriken besichtigt, wo ich buchstäblich
Kilometer durch Werkshallen wanderte, ohne einen einzigen Arbeiter zu sehen.
In diesen Fabriken wurden sämtliche Koordinierungs- und Steuerungsfunktionen
in einem zentralen Schaltraum mit ein oder zwei Automatenführern zusammengefaßt. Genau besehen, handelte es sich bei diesen beiden nicht um Automatenführer im strengen Sinn, sondern um Kontrollingenieure, denn die Bedienung
erfolgt ja auch automatisch und kann bei derartigen Fabriken mit Rücksicht
auf die komplizierten Arbeitsgänge nur automatisch sein.
Das bedeutet nun nicht notwendigerweise, daß die Tage der Fabriken
alten Stils gezählt seien. Denn der Grad der Automatisierung wird sowohl
durch wirtschaftliche als auch durch technische Erwägungen bestimmt. In
kleineren Betrieben macht sich zum Beispiel ein Maschinenpark, wie er zur
Fertigung kleiner Serien üblich ist, durchaus bezahlt. Vollautomatisierung
eines solchen Betriebes wäre wahrscheinlich reiner Wahnsinn. Großbetriebe
jedoch, die billige Massenprodukte herstellen, müssen weitgehend automatisiert werden, wenn sie rentabel arbeiten sollen.
Die wirtschaftlichen Erfordernisse
In der chemischen Industrie macht sich die Tatsache recht schmerzlich
bemerkbar, daß im Laufe des letzten Jahrzehnts die Preise für Rohmaterialien
um das Doppelte und die Löhne um mehr als 150 Prozent angezogen haben, während der Verkaufspreis für chemische Fertigprodukte lediglich um 30 bis 40/1
Das
gestiegen ist.
- 1 -

�"AMERIKA DIENST" - 7/IRTSCHAFT UND ARBEIT

21. März 1956

Das Faktum, daß nicht sämtliche chemischen Werke unter diesen Umständen Bankrott gemacht haben, legt den Gedanken nahe, daß eine technische Evolution stattgefunden hat. Und das ist auch tatsächlich der
Fall. Die Automatisierung trägt nun einen sehr beträchtlichen Anteil an
dieser Evolution. Wir sprechen häufig von der Automatisierung, als sei
dies ein neuer Begriff. Tatsächlich aber begann unsere Gesellschaft beispielsweise bereits im Jahre 1802, nämlich bei ihrer Gründung, mit einem
derartigen Programm, einer "Automatisierung" des Betriebs. In jener Zeit
war das Bestreben, Unfälle bei der Fabrikation von Schwarzpulver zu vermeiden, das treibende Moment für die Ersetzung menschlicher Arbeitskraft
durch Maschinen. Auch heute noch - im Zeitalter der Automatisierung - ist
das Sicherheitsraoment in den chemischen Betrieben ein bestimmender Faktor
einer immer ausgedehnteren Verwendung von Maschinen anstelle menschlicher
Arbeitskraft.
Es kommen natürlich noch andere Motive hinzu, unter anderem betriebswirtschaftliche Erwägungen. Wichtiger jedoch ist die Tatsache, daß die
Fabrikation vieler Erzeugnisse, die noch vor zehn Jahren in rein manueller
Fertigung nicht hätten hergestellt werden können, erst durch die Automatisierung möglich geworden ist. Auch die technische Weiterentwicklung der
automatischen Maschinen, Servosysteme, elektronischer Apparate und verwandter Instrumente, die im Kriege entwickelt wurden, hat weitgehend zu
dieser Evolution in der chemischen Industrie beigetragen.
Mannigfaltigkeit der chemischen Erzeugnisse
Die chemische Industrie stellt heute eine Vielzahl an Waren her, die
man zum größten Teil gar nicht mehr als Chemikalien in engerem Sinne ansprechen kann. Unsere Gesellschaft und ihre Tochterbetriebe zum Beispiel
fabrizieren so unterschiedliche Artikel wie Schwerchemikalien, Kunstdünger,
Parfüms, Farben, Zahnbürsten, Filme und Textilfasern, um nur einige zu
nennen. Von den echten chemischen Produkten erreichen nur sehr wenige den
Verbraucher in der Form, in der sie unsere Werke verlassen. Wenn ich also
ein umfassendes Bild der Automatisierung in der chemischen Industrie geben
wollte, müßte ich ein riesiges Gebiet bearbeiten.
Automatisierung in der chemischen Industrie
Für uns umfaßt die Automatisierung alle jene Maßnahmen, durch die
sich die Produktivität erhöhen und die Kosten senken lassen. Unter anderem
gehören dazu sowohl sämtliche Bearbeitungsmaschinen, der innerbetriebliche
Materialtransport, die zweckmäßige bauliche Ausgestaltung der Werksanlage,
als

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21. März 1956

als auch die automatischen Maschinen und Instrumente. Meist setzt man
aber in unserem Industriezweig die Automatisierung gleich mit der Verwendung automatischer Apparate, Geräte und Steueranlagen, die eine sorgfältige Überwachung des Fertigungsprozesses ermöglichen. Und auf diesem
Gebiet wurden auch ganz gewaltige Fortschritte erzielt, die ihrerseits
wiederum einen erheblichen Einfluß auf die Gestaltung moderner Werksanlagen und auch auf die Herstellungsverfahren ausüben. Diese Auswirkungen
sollen Gegenstand der nachstehenden Ausführungen sein.
Das Kontrollverfahren jedes einzelnen Fertigungsprozesses läßt sich
auf folgende einfache graphische Formel reduzieren»
Materialeingang
'Förderanlage

(

Fertigungsprozeß

-, l Kommandogerät f •„

«•

Fertigprodukt

Prüfgerät

Stellt das Prüfgerät eine Abweichung des Fertigprodukts von der Norm
fest, so tritt das Kommandogerät in Aktion und bestimmt, was zu tun ist,
um den Materialeingang über die Förderanlage, etwa eines mechanischen Ventils, so zu justieren, daß der Ausstoß wieder der gesetzten Norm entspricht.
Dies nennt man die "direkt wirkende" Kontrolle.
Die Verwendung von Servomechanismen hat sich bei der Bestimmung des
dynamischen Ablaufs des Fertigungsprozesses und der Steuerung sehr bewährt.
Es ist auf diese Weise gelungen, ein Höchstmaß an Kontrolle zu erreichen.
Allerdings sind die meisten Autoren durch die Erfolge geblendet, die man mit
der Methode der mathematischen Berechnung durch Servomechanismen bei der Ermittlung des dynamischen Verhaltens der im Fertigungsprozeß verwendeten Geräte und Kontrollanlagen erzielt hat, daß sie die Begrenzungen nicht erkennen

wollen, die uns durch ein Element unseres obigen Schaubildes auferlegt werden:
Das Prüfgerät. Es wird nämlich allzu häufig einfach als eine unter vielen Maschinen betrachtet, während ja doch von ihm Erfolg oder Versagen des gesamten
Kontrollaystems abhängt. Meines Wissens ist das Versagen des Kontrollsystems
meist auf Unzulänglichkeiten des Prüfgeräts zurückzuführen. Im allgemeinen
erklärt sich das Versagen daraus, daß man eine Eigenschaft des Fertigprodukts
an Hand der für eine andere Eigenschaft ermittelten Meßwerte kontrollieren

wollte .
Früher mußten wir uns auf Kontrollverfahren beschränken, bei denen man
von Temperatur, Druck, Flüssigkeitsspiegel, Strömung und einigen anderen mit
den üblichen Meßgeräten zu ermittelnde Grundwerten ausging.
Heute werden Instrumente angeboten, mit denen praktisch jede bekannte
Variable zu messen und zu kontrollieren ist. So verwenden wir beispielsweise
Instrumente, mit denen wir Drücke von 1 0 _ 1 U bis zu 10 000 at, Temperaturen vor
absoluten Nullpunkt 1-273°)
bis zu mehreren Millionen Grad, und Strömung von
wenigen Millilitern bis zu Tausenden von Litern in der Minute messen können.
C
# # # (Teil II folgt in Nr.15/ » 28.3.1956)

- 3-

�'ALIERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

28. März 1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG (VIIl)
Die Automatisierung in der chemischen Industrie
Von V. F. Hanson
Forschungslaboratorium für Verfahrenstechnik
der Firma E. I. du Pont de Nemours &amp; Comp. Inc.
Wilmington (Delaware)
(Teil 2)
(120 Zeilen)
Fortschritte in der Meßtechnik
Wenn auch diese Variablen des Fertigungsprozesses sehr wichtig
sind und den größten Teil der Kontrollelemente beim automatischen Fertigungsprozeß erfordern, so erkannten wir doch bald, daß eine laufende
Messung auch anderer Variablen des Fertigungsprozesses noch weitere
Verbesserungen sowohl der'Maschinen und Apparaturen als auch der
Qualität des Fertigproduktes ermöglichen würde. Zu diesen Variablen
gehören unter anderem chemische Zusammensetzung, Farbe, Molekulargewicht
sowie die Viskosität. Weitere Verbesserungen wären die laufende Messung
des Gewichts per Längeneinheit bei Garnen und Fasern, der Dicke von
Filmen und Scofi'en und des molekularen Aufbaus bei Filmen und Fasern.
Meßinstrumente für solche laufende Kontrollen gab es aber noch nicht.
Wir waren uns klar darüber, daß die Hersteller von Meßinstrumenten
derartige komplizierte Geräte nicht liefern konnten, da die Entwicklungekosten sehr hoch liegen und der Markt verhältnismäßig klein ist.
Hierzu kommt noch, daß sie jene Probleme, die wir gerne gelöst hätten,
gar nicht genügend kannten.
Daher haben viele chemische Werke und Ölgesellschaften ihre eigenen Forschungslaboratorien und Konstruktionsbüros eingerichtet, um sich
die für ihre besonderen Zwecke nötigen Geräte selbst zu bauen. In
vielen Fällen erhielten die Herstellerfirmen von Meßgeräten eine
Lizenz, die in diesen Laboratorien und Konstruktionsbüros entwickelten
Geräte für die gesamte Industrie herzustellen. Ein auf diese Weise heute
allgemein erhältliches neues Instrument, durch das eine ganze Reihe
neuer Arbeitsgänge möglich wurde, ist der kontinuierlich arbeitende
Gasstrom-Analysator. Vor zehn Jahren noch gab es nur ganz wenige

- 1

�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

28. März 1956

wenige Instrumente zur laufenden Bestimmung der Gaszusammensetzung,
durch die der Fertigungsprozeß hätte automatisch gesteuert werden
können. Heute haben wir Verfahren zur Analyse jedes beliebigen Gasstroms
an der Hand, mit deren Hilfe sich Gase in einer Konzentration von
millionstel Bruchteilen bis zu 100$ nachweisen lassen. Diese neuen Instrumente reagieren so schnell, daß sie sich bei Koppelung mit einer
Kontrollvorrichtung zur automatischen Steuerung des Fertigungsprozesses
verwenden lassen. Die vielseitigsten dieser Instrumente arbeiten nach
dem Prinzip der Lichtabsorption. Außerdem gibt es neuartige Instrumente,
die die Fertigprodukte auf Dicke, Form, Farbe, Dichte, Viskosität oder
andere meßbare physikalische Eigenschaften prüfen. Gegenwärtig wird an
der Entwicklung von Instrumenten gearbeitet, die eine laufende Analyse
von Flüssigkeiten und festen Stoffen ermöglichen. Einige dieser Instrumente sind regelrechte Chemiewerke en miniature, um die zur Ermittlung zuverlässiger analytischer Werte erforderliche Empfindlichkeit
zu sichern.
Diese Erfindungen haben nicht nur einen entscheidenden Einfluß
auf die Gestaltung neuer Werke, sie können auch ganz wesentlich zur
Kostensenkung bei den bisher üblichen Fertigungsverfahren beitragen.
Es läßt sich mit Bestimmtheit sagen, daß es in unserer Industrie keinen
Fertigungsprozeß gibt, der nicht durch einige dieser modernen Instrumente verbessert werden könnte, es sei denn, man verwendet bereits
moderne Apparate, die einen Ertrag von 100$ oder darüber abwerfen und
einen Aufwand an Arbeitskosten verursachen, der gleich Null ist.
Einrichtung eines mit modernsten Instrumenten gesteuerten
Fertigungs-ProGramms
Damit ergibt sich die Frage, was die chemische Industrie tun
könne, um diese neuen Erfindungen praktisch auszunutzen. Die Betriebsingenieure sind im allgemeinen so überlastet mit Routinearbeiten,
daß sie häufig jeder Änderung eines eingespielten Produktionsverfahrens geradezu feindlich gegenüberstehen. Im allgemeinen sind sie mit
dem üblichen Produktionsablauf und dem vorhandenen Maschinenmaterial
zufrieden, solange der Ausstoß der gesetzten Norm entspricht. Dies
trifft vor allem für Ingenieure zu, die bereits einige Jahre auf ihrem
Posten arbeiten. Daher muß die oberste Betriebsleitung die Initiative
ergreifen, wenn ein Automatisierungsprogramm erfolgreich sein soll.
In
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�AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

28. März 1956

In den einzelnen Fertigungsabteilungen sollten Forschungsstäbe
für den Einsatz von Instrumenten gebildet werden, um die Anwendbarkeit
neuer Meß- und Kontrollmethoden auf bestehende Fertigungsverfahren zu
prüfen. Sodann sollten gewinnversprechende Anlagen eingebaut werden,
um den Betriebsingenieuren die Möglichkeit zu geben, aus erster Hand
die Vorteile des Arbeitens mit Instrumenten kennenzulernen, die ein
genaues Bild vom jeweiligen Stand der Fertigung geben und ein rechtzeitiges korrigierendes Eingreifen gestatten.
Der springende Punkt hierbei ist lediglich, wo man das technisch
geschulte Personal für diese Arbeit findet. Hierzu sind nämlich Kenntnisse auf den Gebieten der Chemie, des chemischen Apparatebaus, des
Elektroapparatebaus, der Physik, der Instrumentenkunde und so weiter
erforderlich. Die Absolventen der Colleges sind zwar nicht, wenn ich
so sagen darf, das von uns gewünschte "Fertigfabrikat", sie sind jedoch
ausgezeichnetes "Rohmaterial". Hier helfen unsere Fortbildungskurse
weiter, bei denen begabten Nachwuchskräften

in praktischer Arbeit und

unter Anleitung erfahrener Ingenieure Gelegenheit geboten wird, das
erforderliche Fachwissen zu sammeln. Wir brauchen aber auch sachkundiges Personal für Pflege und Unterhalt der Maschinen. Der "Meßingenieur"
alten Stils wird sich diesen neumodischen Erfindungen zunächst widersetzen. Daher muß man ihm Männer zur Seite geben, die etwas von Elektronengeräten und Optik verstehen, Männer, die einen Lötkolben oder
eine Federzange statt eines Schweißbrenners und einer Rohrzange zu
handhaben wissen.
Bei dem heutigen Stand der Technik lassen sich mit den auf dem
Markt angebotenen Geräten etwa 80 bis 90 c/o aller jener Probleme lösen,
die mit der Automatisierung durch Verwendung neuer Apparate verknüpft
sind. Die Modernisierung der heute üblichen Fertigungsverfahren durch
solche Apparate wird sich reichlich bezahlt machen. Die großen Herstel*
lerfirmen derartiger Instrumente verfügen auch über Verkäufer, die das
nötige Fachwissen mitbringen und bei der Lösung dieser Probleme helfen
können. Es ist dies ein Gebiet, auf dem die betrieblichen Forschungsstäbe von den bisher gesammelten Erfahrungen profitieren können. So
werden sie auf gar nicht so kostspielige Art das Fachwissen erwerben,
das sie in die Lage versetzen wird, allmählich schwierigere Probleme der

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

28. März 1956

der Automatisierung zu meistern. Diese Erfahrungen werden dann die
Grundlage für Forschungsprojekte bilden, die die künftigen Erfordernisse des Werkes im voraus bestimmen sollen.
Schlußbemerkungen
Während die Investitionen für Instrumente und Geräte vor zehn
Jahren etwa 1 bis 2c/o des Anlagevermögens ausmachten, ist ihr Anteil
bei den Werken, die in den letzten vier bis fünf Jahren gebaut wurden,
auf 7 bis 10^ angestiegen. Diese verstärkte Ausrüstung mit Apparaten
wird voraussichtlich so lange zunehmen, als sich die Gesamtaufwendungen für Investition und Betriebskosten durch die Verwendung kleinerer Apparaturen - das Ergebnis der schnelleren und exakteren Kontrolle - senken lassen. Es gibt viele verlockende Möglichkeiten, die
Gesamtbetriebskosten zu senken, indem man die im Fertigungsprozeß
benutzten Apparate mit den Kommandogeräten koppelt, um den Materialfluß zu steuern und zu überwachen und buchhaltungstechnisch

zu erfassen«

Viele der großen Gerätebaufirmen versuchen, die Industrie für Apparate
zu interessieren, die diese Kopplung ermöglichen. Dies wird das letzte
Glied der Kette zur Verwirklichung des vollautomatisierten Chemiewerkes bilden. Bis es so weit seinwird, muß die chemische Industrie
auch weiterhin Pionierarbeit bei der Entwicklung jener vielen Spezialapparate leisten, die eine laufende Kontrolle über jede Phase
des Produktionsprozesses ermöglichen. Sie müssen ihren eigenen Mitarbeiterstab heranbilden, der eine erfolgreiche Arbeit auf diesem Gebiet gewährleistet. Diesem Stab müssen qualifizierte Apparatemechaniker, Apparatebauer sowie Physiker für Forschung und Entwicklung
angehören. Die oberste Betriebsleitung muß sich darüber informieren,
welchen Gewinn ein Automatisierungsprogramm verspricht. Sofern es
rentabel erscheint, wird es nur zu verwirklichen sein, wenn sie sich
uneingeschränkt dafür einsetzt.
(Als nächster Artikel unserer Serie folgt: "Die Bedeutung der
Automation für die Betriebsstatistik")
* * * * *

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4. April 1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE

BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG

(IX)

Die Bedeutung der "Automation" für die Betriebsstatistik
Möglichkeiten zur Verwendung automatischer Dokumentationsmittel in der
Marktforschung
Von Frederick K. Leisch
Verwaltungsdirektor der A.C. Nielsen Comp.
(Teil I)
( 134 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Die Art und Weise, wie angebliche Wirtschaftsfachleute in den letzten Jahren zur Frage der Automatisierung Stellung nahmen, erinnert sehr an jenen Straßenpassan.ten, der einem Bagger bei
Ausschachtungsarbeiten zusieht und in den Ruf ausbricht: "Diese Maschine macht 100 Schachtarbeiter brotlos." Was Wunder, wenn ihm jemand
zur Antwort gibt: "Nein, sogar 5000 Arbeiter, denn man könnte ja auch
mit Teelöffeln graben lassen."
Wir dürfen nicht den Rückschritt predigen, sondern müssen den
Weg für den weiteren Fortschritt ebnen. Das gilt auch für die Automatisierung.
In Wahrheit ist die Automatisierung nichts anderes als die Fortsetzung eines Entwicklungsprozesses, der bereits in der Steinzeit einsetzte, als der Mensch sich die ersten Werkzeuge schuf: Knüppel, Hammer,
Hebel, Rad und so weiter.
Wir beschleunigen heute lediglich einen Entwicklungsprozeß, der
den Menschen geistig befreien wird, so wie die sogenannte industrielle
Revolution ihm physisch befreit hat.
Diese Entwicklung muß allein schon deshalb gefördert werden, weil
sonst die notwendige rasche Expansion unserer Wirtschaft angesichts
des nur geringfügig zunehmenden Arbeitspotentials»nicht möglich ist.
Überblick
Soviel zur Notwendigkeit der Automatisierung. Ich will nunmehr
versuchen, einen allgemeinen Überblick über die Gründe zu geben, die
die "A.C. Nielsen Company" nach eingehenden Erwägungen veranlaßt haben, elektronische Rechenmaschinen zu verwenden. Zunächst einmal darf
ich einiges über die Tätigkeit unserer Gesellschaft sagen. Seit 1953
haben wir uns mit der Erforschung von Massenmärkten und dem Einfluß
der Massenwerbungsmedien Rundfunk und Fernsehen auf den Absatz befaßt. Unsere Marktforschung richtet sich hauptsächlich auf Arzneiund Lebensmittel.
• Alle

�".:.. ERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

4. April 1 9^6

Alle zwei Monate werden durch 200 Angestellte unseres Außendienstes die Kassenbelege und Lagerlisten von über 3000 Lebensmitteleinzelhandelsgeschäften, Drogerien und Apotheken erfaßt. Auf Grund des
so gewonnenen statistischen Materials wird in unserer Zentrale in
Chicago der Nielsen-Lebens- und Arzneimittelindex zusammengestellt,
der insgesamt 150 Warengattungen umfaßt. Die Zentrale und unsere
Kundendienst-Außenstellen in Chicago, New York und San Francisco beschäftigen insgesamt 1100 Angestellte. V/eitere 1000 Mitarbeiter sind
in acht kleineren Auslandsfilialen tätig.
Das zusammengetragene Material besteht in erster Linie aus Zahlenangaben, die handschriftlich in besondere Formblätter eingetragen
wurden. Diese Formblätter zeigen für jede Warengattung und jeden zu
beobachtenden Artikel, eventuell unter Berücksichtigung der jeweiligen Abpackung, eine gesonderte Spalte, in die - für jeden erfaßten Betrieb gesondert - der Umsatz während der vorausgegangenen zwei Monate
und andere einschlägige Angaben für jeden einzelnen angeführt v/erden.
Die Eintragungen zeigen:
1. Die früheren und die gegenwärtigen Lagerbestände und die in
den Lagerbeständen eingetretenen Veränderungen in Wareneinheiten;
2."die Käufe des Einzelhändlers in Wareneinheiten und Dollars;
3. den Absatz in 'Wareneinheiten, errechnet auf Grund der Ab- und
Zugänge des Lagers;
4. die Verkaufspreise der erfaßten Waren, nach denen sich der
Dollarwert der Umsätze bei den einzelnen Warengattungen berechnen
läßt; und schließlich
5« Angaben über die Absatzentwicklung, aus denen sich die Auswirkungen besonderer Kaufanzeigen, wie etwa Ausstellungen, Sonderangebote und Rabatte, ersehen läßt.
Alle zwei Monate senden unsere Außenstellen fast 350 000 Formblätter mit den oben beschriebenen Daten an unsere Chicagoer Zentrale,
diese Formblätter enthalten etwa 1,5 Millionen Spalten mit Zahlenangaben« Nach vorsichtigen Schätzungen werden in unserer "Zahlenfabrik"
in Chicago also alle zwei Monate etwa 150 Millionen Zahlen verarbeitet.
Nach gründlicher manueller Aufbereitung durch einen Stab von 180
Angestellten wird jede einzelne Ziffer aus den Unterlagen -auf eine
80-spaltige Lochkarte übertragen. Im allgemeinen wird dabei jede
Spalte der vom Außendienst eingereichten Formblätter auf eine sogenannte Einzelkarte gelocht. Unsere Lochabteilung, die mit IBM-Lochern des Typs 024 ausgerüstet ist und 22 Locherinnen beschäftigt,
stellt also alle zwei Monate mindestens 1,5 Millionen solcher Kar'
her.
Der nächste Schritt ist das sogenannte Tabellieren. Hierbei werden gleiche Angaben von samtlichen erfaßten Geschäftsbetrieben zusammengestellt, nach den Ergebnissen der Repräsentativerhebung wird dann

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�"AMERIKA DIENST" - V. J IITJCHAFT UND ARBEIT

4. April 1956

dann mathematisch der Gesamtindex für jeden Artikel für die zwei Monate
des Berichtzeitraums errechnet.
Ende des Jahres 1954 beschäftigte die Abteilung, die die eingeg a n g e n Unterlagen in der geschilderten Weise auswertet, 67 Angestellte«.
Sie waren mit einem 16 OOO-Punkte-I.BM-Maschinensatz ausgerüstet, der
aus Sortiermaschinen vom Typ 082, Kartenmischern vom Typ 077, Kartendopplern vom Typ 51 3, Tabelliermaschinen vom Typ 416 und Rechenlochem
der Typen 604 und 607 bestand.
In der ersten Phase des Tabellierens wurden die anderthalb Millionen
Einzelkarten nach den einzelnen 7/arengattungen und Artikeln aussortiert.
Dann werden die Karten je Artikel in etwa 125 sogenannten "Sollzahlgruppen" unterteilt. In den Sollzahlgruppen werden die Auswertungsergebnisse nach Art, Größe und geographischer Lage der Geschäftsbetriebe,
von denen die ursprünglichen Unterlagen stammen, zusammengefaßt.
Mit Hilfe der so gewonnenen 125 "Ausweitungsfaktoren" werden nach
dem Verfahren der arithmetischen Projektion die Angaben der erfaßten
Betriebe bezüglich ihrer Einkäufe, Verkäufe und des Inventars zum
Beispiel für die Beurteilung der Absatzmöglichkeiten in einem bestimmten
Gebiet verallgemeinert. Eine zweite Variable der Projektions-Kontrollgleichung ist der Faktor der "verflossenen Tage", der automatisch die
Veränderungen berücksichtigt, die zwischen dem Tag der Ausfüllung der
Formblätter und dem Stichtag für den Index verstrichen sind.
Die bearbeiteten Daten gelangen schließlich in die Berechnungs-,
Prüfungs- und Vervielfältigungsabteilung. Hier werden von etwa 100
ganztägig beschäftigten Mitarbeitern die Endergebnisse ermittelt und
festgehalten. Für diese Arbeiten lassen sich nach dem gegenwärtigen
Stand der Technik nur halbautomatische Büro- und Rechenmaschinen
verwenden.
Entwicklung der Arbeits- und Materialkosten
Für die hier aufgezeigten Arbeiten beschäftigen wir etwa 370
Angestellte. Für Gehälter, Maschinenmieten und Materialkosten wendeten
wir im Jahre 1954 in diesem Teil unseres Betriebes insgesamt 1,59
Millionen Dollar auf.
Dies ist ein relativ niedriger Stand, wenn man berücksichtigt,
daß wir bei den soeben beschriebenen Arbeitsvorgängen, in dem verhältnismäßig kürzen Zeitraum von 5 Jahren, von 1950 bis einschließlich 1954,
eine 28prozentige Steigerung der Arbeitsleistung, ein Ansteigen der
Zahl der Beschäftigten um nur 10$ (von etwa 340 auf insgesamt 370),
Gehaltserhöhungen von durchschnittlich 43 $ (gegenüber einem
allgemeinen Anstieg der Löhne und Gehälter in Chicago um 35;u) sowie
eine SSprozentige Erhöhung der Mieten der Tabuliermaschinen und
der Preise für Lochkarten zu verzeichnen hatten.
Dem steht ein nur 60prozentiges Steigen der direkten Kosten von
knapp 1 Million Dollar auf die genannten 1,59 Mill.
Dollar gegenüber.
Diese

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

4. April 1956

Diese Zahlen erfüllen mich mit Stolz, zeigen sie doch, daß unsere
Rationalisierungsfachleute Mittel und V/ege gefunden nahen, die es uns
durch Verwendung mechanischer Betriebsmittel gestatten, bei einer nur
geringfügigen Erweiterung einer besser ausgebildeten und besser bezahlten Belegschaft eine weit größere Arbeitslast zu bewältigen.
Hätten wir an den Methoden des Jahres 1949 festgehalten, dann
wären wir gezwungen gewesen, im Jahre 1954 435 statt 370 Personen
zu beschäftigen.
Eine so große Einsparung an Personal ist selbstverständlich von
Bedeutung. Die nachfolgend genannten Tatsachen sind kaum von geringerer
Bedeutung.
1. Diese Einsparungen sind einzig und allein von unseren eigenen
Rationalisierungsfachleuten in Zusammenarbeit mit den Vertretern der
Kundendienste der Firmen erzielt worden, die uns die Ausrüstung geliefert haben.
2. Die Verbesserungen der letzten fünf Jahre krönen eine fast
sechzehnjährige evolutionäre Entwicklung innerhalb unseres Betriebes.
J. Die gesamte mit dieser Entwicklung zusammenhängende Mechanisierung wurde bis zum Jahre 1954 ausschließlich mit den üblichen
Lochkarten-Tabelliermaschinen und
lochkartengesteuerten Rechenmaschinen bewirkt.
Diese Tatsachen berechtigen, meiner Ansicht nach, zu der Feststellung, daß die Automatisierung lediglich eine Fortsetzung einer
evolutionären Entwicklung darstellt, die bereits seit sehr langer
Zeit unter anderer Bezeichnung vonstatten geht.

(Teil II folgt in Nr. 15/C vom 4.4.1956)

* * * * *

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11. April 1956

WIRTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG

(ix)

Die Bedeutung der "Automation" für die Betriebsstatistik
Von Frederick K. Leisch
Verwaltungsdirektor der A.C. Nielsen Comp.
(Teil II)
In dem ersten Teil des Artikels geht Leisch
auf die Entwicklung der Automation ein und
berührt dann die Gründe, die seine Firma veranlaßten, sich schon im Jahre 1946 eingehend
mit diesem Problem zu befassen. Nach Schilderung des Arbeitsablaufs und der Rationalisierungs-Maßnahmen während der letzten Jahre
kommt er zu der Feststellung, daß die Automatisierung lediglich eine Fortsetzung einer
evolutionären Entwicklung ist.
(150 Zeilen)
Untersuchung der Verwendungsmöglichkeiten elektronischer
Rechenmaschinen
Schon im Jahre 1946 begannen wir, ein aktives Interesse für elektronische Rechenmaschinen zu zeigen. Unsere Gemüter erhitzten sich bei
dem Gedanken, daß wir bei all den geschilderten Arbeitsgängen mit einer
Investierung von nur 350 000 Dollar jährlich 600 000 Dollar einsparen
können.
Im Jahre 1950 aber begann sich unsere Begeisterung zu legen. Wir
hatten nach vierjährigen Untersuchungen der Verwendungsmöglichkeiten
elektronischer Rechenmaschinen gelernt, uns mit der unvermeidlichen Tatsache abzufinden, daß sich eine entsprechende Umstellung unseres Betrie-bes wirtschaftlich nicht rechtfertigen ließe.
7ie sich später herausstellte, war unser voreiliger und scheinbar
unfruchtbarer Vorstoß in das Gebiet der elektronischen Rechenmaschinen
doch nicht so ergebnislos. Einmal hatte sich gezeigt, daß wir im eigenen
Betrieb über Leute verfügten, die wohl imstande waren, alle jene Fragen
zu lösen, die im Zusammenhang mit der Verwendung von Elektronenrechenmaschinen auftauchen könnten. Wir hatten ferner gelernt, daß es unseren
Leuten gegebenenfalls leichter sein werde, ihre Kenntnisse von den Rechenmaschinen zu vervollkommnen, als betriebsfremden Spezialisten eine
klare Vorstellung von unseren Betriebserfordernissen zu geben.
Unsere Untersuchungen in den Jahren 1946 bis 1950 haben sich übrigens sehr vorteilhaft auf die von uns angewandten herkömmlichen Methoden
der Datenbearbeitung ausgewirkt. Nachdem wir unsere Studien im Jahre 1950
mit einem scheinbaren Mißerfolg abgebrochen hatten, machten wir uns ernsthaft ans Werk, um das Äußerste aus den herkömmlichen Methoden herauszuholen, mit denen wir uns, wie es damals schien, noch lange Zeit wurden
begnügen müssen.
Dennoch
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

11 . April 1956

Dennoch waren wir, als sich im Herbst 1952 neue Aussichten boten,
nach wie vor bereit, uns abermals mit der Frage der Elektronenrechenmaschinen zu beschäftigen. Wir hatten damals erfahren, daß inzwischen
einige der Unzulänglichkeiten dieser Maschinen, die uns vor zwei Jahren
veranlaßt hatten, von der Umstellung abzusehen, behoben worden waren.
Wir zogen deshalb drei der am besten qualifizierten Leute, die bereits von 1946 bis 1950 unserem Untersuchungsstab angehört hatten, aus
dem Arbeitsprozeß heraus und setzten sie im September 1952 wieder für
Arbeiten am Projekt der elektronischen Rechenmaschine an. Es war ihre
Aufgabe:
1. Die Konstruktionsmerkmale und Kapazitäten aller auf dem Markt
erhältlichen und bereits praktisch erprobten Elektronenrechenmaschinen
nach folgenden Gesichtspunkten zu überprüfen: Verwendbarkeit für unsere Aufgaben, Betriebsbereitschaft im Hinblick auf unsere notwendigerweise termingebundene Arbeit, Zuverlässigkeit und Möglichkeiten der
Fehlerkontrolle, Arbeitstempo und Lieferbarkeit.
2. Kostenvorschläge für diejenigen Maschinen oder Maschinenanlagen,
die diesen Voraussetzungen entsprechen, entweder für den gesamten Betrieb oder für die in Frage kommende Abteilung anzufertigen. Zu diesem
Zweck mußten'- unter Berücksichtigung unserer gegenwärtigen Betriebskosten und der Zeitpläne - die Verteile der verschiedenen Maschinen
gegeneinander abgewogen werden. Auch galt es zu untersuchen ob solche
Maschinen gemietet, gepachtet oder erworben werden sollten.
Die einzelnen Phasen dieser Untersuchungen zu schildern würde zu
weit führen. Ich beschränke mich deshalb auf eine Darstellung der Ergebnisse sowie auf die daraus resultierenden Entscheidungen und deren
praktische Durchführung.
Gesammelte Erfahrungen
Das wichtigste Ergebnis war vielleicht die Bestätigung unserer
schon in den Jahren 1946 bis 1950 gesammelten Erfahrungen, daß es
keine Patentlösung oder auch nur eine leicht verallgemeinernde Antwort auf irgendein spezifisches Problem der Verwendung von elektronischen
Rechenmaschinen gibt.
Die Untersuchungen sowie die Abfassung des Berichtes und der Vorschläge, wie sie von der Betriebsleitung schließlich angenommen wurden,
nahm 16 Monate in Anspruch.
Die Programmierung des Arbeitsablaufes sowie die Ausbildung von
Programmern, Ködern und Automatentechnikern füllte die ganzen 12 Monate
aus, die von der Erteilung des Auftrags bis zur Inbetriebnahme der
ersten Maschine verstrichen.
Wir benötigten also insgesamt 28 Monate vor Beginn der Untersuchungen bis zur Arbeitsaufnahme der ersten Maschine. Die Kosten für die
durchgeführten Studien beliefen sich auf 51 000 Dollar.
Jeder Bericht über die Erfahrungen, die wir im Verlauf unserer
Untersuchungen machten, muß notwendigerweise unter der strikten Voraus- 2 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

11. April 1956

Voraussetzung gegeben - und entgegengenommen - werden, daß diese Beobachtungen in erster Linie, wenn nicht ausschließlich, auf die Dokumentationsarbeit in unserem eigenen Betrieb zutreffen.
Im einzelnen sind wir zu folgenden Erkenntnissen gelangt.
1. Es ist ein gewaltiger Unterschied, ob eine elektronische Rechenmaschine für wissenschaftliche Aufgaben oder in einem Betrieb verwendet
wird. Bei wissenschaftlichen Problemen wird normalerweise mit relativ
wenigen Eingabedaten und Endresultaten gearbeitet, die oftmals ziemlich
komplizierte mathematische Berechnungen erfordern. In einem Betrieb fallen
gewöhnlich - und ganz besonders in unserem Falle - erhebliche Mengen an
primären Daten und entsprechend viele Resultate an, die meist durch relativ einfache arithmetische Berechnungen gewonnen werden können.
2. Es hat wenig Sinn, bei der Verarbeitung der Daten ein phantastisch
schnelles Tempo zu erreichen, wenn nicht auch die Eingabe der Daten entsprechend rasch erfolgen kann.
3« Eine große Speicherfähigkeit ist immer dann ein kostspieliger
Luxus, wenn diese nicht wirklich dringend benötigt wird und wenn sich
beliebige Einzeldaten nicht durch einfache Programmierung rasch und
prompt herausziehen lassen.
4« Die Lochkarten bieten, wenigstens in unserem Falle, auch weiterhin erhebliche Vorteile als externes Speichermedium, sofern ein Betriebsvorgang umfangreiche Sortierarbeit einschließt. Die Arbeit mit Lochkarten
gestattet überdies die Verwendung relativ billiger Zusatzgeräte für die
Eingabe und den Ausstoß an Daten.
5. Besondere Bedeutung kommt der Durchführung von Vorversuchen zu.
In unserem Falle wäre es sehr riskant gewesen, von der Programmierung
auf dem Papier sofort zum automatischen Betrieb überzugehen, ohne vorher
sowohl die Maschinen als auch den programmierten Betriebsablauf praktisch
zu erproben.
Angesichts der Tatsache, daß unser Index und unsere Berichte auf jeden
Fall termingemäß herauskommen müssen, wäre eine Automatisierung des Betriebes
für uns völlig undenkbar gewesen, wenn uns die Lieferfirma nicht bereits
vorher eine gleiche oder ähnliche Maschine für Versuchszwecke hätte überlassen können.
6. Die Umstellung von einem Betriebssystem auf das andere muß ohne
Beeinträchtigung der laufenden Arbeiten erfolgen. In unserem Falle wäre
es vollkommen unmöglich gewesen, den Betrieb von einem Tag zum anderen
umzustellen. Wir standen deshalb vor der Wahl, einen längeren Zeitraum
hindurch beide Betriebsmethoden gleichzeitig anzuwenden oder aber uns
für eine Rechenmaschine zu entscheiden, die sich ihrer Konstruktion und
Arbeitsweise nach eher für eine evolutionäre als für eine revolutionäre
Umstellung des Systems eignet. Das war für uns nicht so sehr eine Frage der
Kostensenkung der Umstellung als der Einhaltung der Ablieferungstermine
für unsere Berichte.
7. Maschinen von geringerer Kapazität mögen unter Umständen größeren
beziehungsweise schnelleren Typen in der Praxis sogar überlegen sein.
Das traf aus zweierlei Gründen in unserem Falle zu.
Der

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

11. April 1956

Der erste dieser Gründe war der, daß sich unser Betrieb - wie
schon gesagt - viel besser für eine schrittweise als für eine plötzliche Umstellung eignet.
Die zweite Überlegung, die für die Verwendung von Rechenmaschinen
geringerer Kapazität sprach, war das Argument, daß man eben nicht alles
auf eine Karte setzen soll. Man darf von einem Elektronengerät von solcher Kompliziertheit niemals erwarten, daß es ständig betriebsbereit
ist. Infolgedessen bietet die Verwendung mehrerer kleinerer Einheiten
größeren Vorteil.
8. Auch Personalfragen sollten bei der Auswahl von Elektronenrechenmaschinen berücksichtigt werden. Die Art unserer Tätigkeit bringt
es mit sich, daß wir eine intensive innerbetriebliche Schulung unseres
Personals betreiben müssen. So bilden wir nun unseren Nachwuchs für gehobene Positionen selbst heran. Im vorliegenden Falle bedeutete das,
daß wir logischerweise einer Rechenmaschine den Vorzug geben mußten,
die die besten Umschulmöglichkeiten für unser Personal bieten würde.
9. '«Vas den eventuellen Erwerb solcher Maschinen angeht, so galt es
schließlich noch die Frage zu überlegen, in welchem Zeitraum wir die
Kapitalabschreibung vornehmen konnten. '.Vir kamen gegen Ende des Jahres
1953 zu dem Schluß, daß Maschinen auf Grund der raschen Entwicklung auf
dem Gebiet der Elektronentechnik sehr bald veralten würden. Dieser Umstand und das statistische Material über die voraussichtlichen Betriebskosten und Einsparungen führten mit zu unserer -"Entscheidung, die Rechenanlagen zu mieten und nicht käuflich zu erwerben.

* * * * *

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�"ALIERIKA DIENST" - .7IRTSCHAFT UND ARBKIT

18. April 1956

'•VIRTSCHAFTSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG (IX)
Die Bedeutung der "Automation" für die Betriebsstatistik (Teil III
und Schluß)
Von Frederick K. Leisch,
Verwaltungsdirektor der A.C. Nielsen Company
(Quellenangabe erforderlich)

( 130 Zeilen)
In den beiden ersten Artikeln geht Leisch auf
die Entwicklung der Automation ein und berührt
dann die Gründe, die seine Firma veranlaßten,
sich schon im Jahre 1946 eingehend mit diesem
Problem zu befassen. Nach Schilderung des Arbeitsablaufes und der Rationalisierungsmaßnahmen
während der letzten Jahre kommt er zu der Feststellung, daß die Automatisierung lediglich
eine Fortsetzung einer evolutionären Entwicklung
ist. Der Verfasser beschreibt dann im einzelnen
die tec' nisehen Verwendungsmöglichkeiten von
elektronischen Rechenmaschinen und führte die
gemachten Erfahrungen seines Unternehmens an.

Die Realisierung unserer Pläne
Die von mir soeben geschilderten Überlegungen führten dahin,
daß wir im Februar 1954 einen früher erteilten vorläufigen Auftrag
für einen Satz von fünf IBM-Magnettrommel-Rechenmaschinen Typ 65O,
Modell 2, bestätigten.
Bei diesem Typ handelt es sich um eine numerische, dezimale
Magnettrommelmaschine. Das Modell 2 besitzt die hohe Kapazität von
20 000 Dezimalziffern bei einer durchschnittlichen Reaktionszeit
von 2,4 tausendstel Sekunden. Eingabe und Ausgabe der Karten erfolgen
mit einer Geschwindigkeit von 200 beziehungsweise 100 pro Minute.
Die Maschine vermag in der Sekunde 80 bis 200 Rechenoperationen auszuführen.
Vier dieser Anlagen sollen bei der Zusammenstellung des NielsenLebensmittelindexes und die fünfte für unsere Meinungsforschung beim
Rundfunk- und Fernsehpublikum verwendet werden.

1

T

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND A

10. April 1956

Im Hinblick auf die geplante schrittweise Umstellung des Betriebs
erklärten wir uns damit einverstanden, daß die erste Anlage im Januar
1955 und die übrigen Maschinen zwischen September 1955 und September
1956 in etwa dreimonatigen Abständen geliefert werden.
Bisher konnte dieser Zeitplan eingehalten werden. Die erste
Ivlaschinenanlage wurde am 14» Januar 1955 aufgestellt und eine V/oche
später in Betrieb genommen. Die zweite Maschine traf im Herbst ein.
Alle vorbereitenden Programmierungsarbeiten waren bis zu diesem Zeitpunkt bereits abgewickelt.
Bei einem so komplizierten Umstellungsprozeß, der sich noch
dazu über so viele Monate erstrecken mußte, ist es natürlich viel
zu früh, die erzielten Kosteneinsparungen abschätzen zu wollen. Ich
kann im Augenblick nur soviel sagen, daß die erste Anlage unsere Erwartungen in jeder Hinsicht übertroffen hat - und zwar in so hohem
Grade übertroffen hat, daß unsere Techniker an vorläufigen Kostenund Rentabilitätsrechnungen im Augenblick völlig desinteressiert sind.
Y/enn wir sämtliche vier Anlagen vom Typ 650, die für die Zusammenstellung des Lebensmittelindexes vorgesehen sind, in Betrieb genommen
haben und wenn sie, wie geplant, 1 1/3 Arbeitstage für die Datenbearbeitung tätig sind, erwarten wir eine Kostensenkung von sieben bis
acht Prozent gegenüber dem bisherigen Auswertungsverfahren. '.Vir hatten
uns, von der Aufstellung der ersten Anlage an gerechnet, eine Frist '
von 21 Monaten für die völlige Umstellung des Betriebes auf vier
elektronische Anlagen gesetzt, um die höheren Anfangskosten wieder
hereinzuholen. Unsere vorläufigen Schätzungen zeigen, daß wir Einsparungen über diese beiden Ziele hinaus erreichen können.
Regelmäßige halbstündige Pflege und Wartung vor jedem Einsatz
bieten die Gewähr für ein im wesentlichen störungsfreies Arbeiten der
Anlage. Etwa 15 Prozent der Betriebszeit werden gegenwärtig noch für
Programmierung und Versuchsarbeiten aufgewendet; wir schaffen damit
jetzt schon die Voraussetzungen für die restlose Umstellung des Betriebs auf elektronische Dokumentationsmittel nach Lieferung sämtlicher Anlagen.
Yv'as die Exaktheit anbetrifft, so wurden alle unsere Erwartungen
weit übertrofi'en. In den ersten Betriebsmonaten ist der Maschine nicht

- 2 -

�"AMERIKA DIENST" -

«/liiUGHAFT UND ARBEIT

18. April 1956

nicht ein einziger Fehler unterlaufen.
Neben der ständigen Betriebsbereitschaft und der Exaktheit in
der Datenverarbeitung ist für einen Betrieb wie den unseren der Faktor
Geschwindigkeit von ausschlaggebender Bedeutung. Ein frühzeitiges
Erscheinen unseres Gesamtberichts wird selbstverständlich erst m.' t
der Inbetriebnahme sämtlicher elektronischer Anlagen möglich sein.
Lr konnten jedoch dank der Verbesserungen der Arbeitsmethoden,
die auf Einführung der ersten Anlage zurückzuführen sind, bereits
die Herausgabe verschiedener Veröffentlichungen beschleunigen und
unsere Kundendienstbüro, in New York und in San Francisco mit vollständigerem Material beliefern.
Die Vollständigkeit der Angaben, die das Elektronengerät I
65O in Lochkartenform von sich gibt, und die automatische Projektion
der Zwischensummen auf das voraussichtliche Gesamtresultat - also auf
den Landesindex - gestatten es uns, unsere Tabuliermaschinen der Type
416 mit dreiteiligen "durchschlagpapierfreien" Kopierformblättern zu
speisen und die auf der Ausgabenseite anfallenden Kopien an unsere
Kundendienst-3tellen zu verteilen.
Die praktische Durchführung unserer Entscheidung
Da die aufgezeigten bisherigen Erfolge nicht etwa das Ergebnis
bloßer Zufälle, sondern die Früchte einer sachlichen, vernünftigen
Planung sind, darf ich noch darauf hinweisen, welche Probleme auftauchen und gelöst wurden, nachdem wir im Februar 1954 unseren Auftrag über die Lieferung von 5 Elektronenrechenmaschinen erteilt hatten.
Bei unseren vorbereitenden Arbeiten mußten wir unsere Aufmerksamkeit auf drei große Fragenkomplexe richten:
1.

Für welche Arbeit soll die erste Anlage eingesetzt werden?

2.

Nach welchen Gesichtspunkten soll das Betriebspersonal
ausgesucht werden?

3.

V/ie können 'wir unsere gesamte Belegschaft am besten über
unsere Entscheidungen und deren Auswirkungen informieren?

Die Frage, für welche Arbeit die Maschine eingesetzt werden sollte,
dürfte für ein größeres Publikum uninteressant sein. Grundsätzlich mußten
wir uns entscheiden, ob die erste Anlage ein Viertel der Warenkategorien selbständig bearbeiten oder an allen Arbeitsgängen zu einem Viertel

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

18. April 1956

Viertel beteiligt werden sollte.
Wir entschieden uns für den zweiten Weg, weil die routinemäßigen Arbeiten sämtlicher Abteilungen ohne größere Unterbrechungen
fortgeführt werden konnten. Wir gewannen so auch Zeit für die Programmierung und Kodifizierung der Arbeit der später zu liefernden Anlagen
und konnten dann noch feststellen, daß dies das am wenigsten kostspielige Umstellungsverfahren war.
Paradoxerweise stieg unsere gesamte Arbeitslast von Beginn des
Jahres 1955 an so stark, daß wir unsere herkömmliche Tabulierungsausrüstung sogar noch ergänzen mußten, statt sie, wie wir anfänglich
planten, zu reduzieren. Die der ersten elektronischen Anlage zuzuschreibenden Einsparungen fanden ihren Niederschlag also nur in einer Senkung der Kosten für die Erstellung des Indexes, nicht aber in einer
direkten Senkung der Gesamtausgaben.
Von Anfang an wurde der Auswahl des Personals größte Bedeutung
beigemessen. Im April 1954 wurde innerhalb unseres eigenen Betriebs
ein Ausbildungskurs für die Programner und Köder eingerichtet. Gleichzeitig wurden erfahrene Industriepsychologen beauftragt, Tests für
den Eignungsnachweis für Automatenführer und -techniker auszuarbeiten.
Heute verfügt unsere Organisation über zwei beratende Techniker,
die dem Produktionschef unserer Lebensmittelindexabteilung beigegeben
sind sowie zwei Programmer, zwei Köder und fünf Automatenführer, die
dem Leiter der Tabellierungsabteilung für den Lebensmittelindex unterstehen.
Ehe wir unsere erste elektronische Rechenanlage in Betrieb nahmen, haben wir ein umfassendes und sorgfältig geplantes Orientierungsprogramm für unsere gesamte Belegschaft gestartet.
Es begann im Grunde genommen bereits im Jahre 1946, als wir bezüglich unserer ersten Vorstudien über die Verwendung elektronischer
Rechenmaschinen eine, wenn ich so sagen darf, Politik der offenen
Tür betrieben.
Diese freimütige Behandlung der Fragen, die uns, die Betriebsleitung, beschäftigten, setzten wir auch im Jahre 1952 fort. Und daran
hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert.
Im

- 4-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

18. April 1956

Im September 1954 - etwa drei Monate, ehe die erste Maschine eintreffen sollte - wurden die Herren der Geschäftsleitung, die Abteilungsleiter und die Betriebsingenieure zu einer Besprechung zusammengerufen, um ihnen einen ersten umfassenden Überblick über den Stand unserer Automatisierungsplane zu geben.
In kleineren Besprechungen wurden in den folgenden zwei Monaten
die betreffenden Herren dann über die theoretischen Möglichkeiten zur
Verwendung elektronischer Rechenmaschinen unterrichtet. Sie gewannen
so schon im voraus ein Bild davon, was die Maschinen leisten und was
sie nicht leisten konnten.
In diesen Besprechungen wurden unsere Betriebsingenieure darauf
hingewiesen, wie richtig eine enge Zusammenarbeit zwischen allen betroffenen Abteilungen gerade während der Umstellung sei. Sie

wurden

ferner aufgefordert, ihren Untergebenen alle nur denkbaren Informationen
zu geben.
Letzten Endes war das alles nichts anderes als eine Fortsetzung
der erwähnten Politik der offenen Tür. Sie erwies sich aber als ein
hervorragend geeignetes Mittel, um während der Periode des Übergangs
ein Absinken der Arbeitsmoral oder ein Nachlassen der Produktivität
zu vermeiden.Daß dies gelang, ist zweifellos mindestens zum Teil darauf
zurückzuführen, daß unsere gesamte Belegschaft seit langem schon mit
einem unablässigen Auswechseln alter Maschinen durch neue vertraut ist.
Unsere Belegschaft weiß so gut wie wir selbst, daß der Erfolg
unseres Unternehmens zum großen Teil von dieser Art Evolution abhängt.
Und ob der einzelne Angestellte dieses Phänomen nun mit diesem Wort
umreißen würde oder nicht, so hat er doch sicher das Bewußtsein,
daß auch die Automatisierung nichts weiter ist als die beschleunigte
Fortsetzung einer uns bekannten und notwendigen Entwicklung.

(Quellenangabe erforderlich)

* * * * *

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. April

1956

Y/IRTSCHAETSREPORTAGE
BEDEUTUNG, MÖGLICHKEITEN UND GRENZEN DER AUTOMATISIERUNG

(x)

"Automation" und industrielle Betriebsführung
Von M. E. Salveson, Management Consultation Services
(Kundenberatungsdienst)
General Electric Company

- Quellenangabe erforderlich -

( 220 Zeilen)
WASHINGTON - (AD) - Bis gegen Ende des Jahres 1955 hatten Privatfirmen in den USA mehr als 40 Großrechenanlegen der Typen UNIVAC,
IBM 702 sowie einige Hundert kleinerer elektronischer Dokumentationsanlagen, wie etwa die UNIVAC-Registratur-Rechenmaschine oder die
IBM 65O, installiert oder in Auftrag gegeben.
Kein Wunder, daß man angesichts solcher Zahlen sehr optimistische
Prognosen über den Siegeszug der Automatisierung zu hören bekommt.
Einschränkend muß ich aber aus meiner eigenen langjährigen Erfahrung
hinzufügen, daß viele Firmen die sehr kostspieligen automatischen
Dokumentationsanlagen nur deshalb erwerben, damit "sie nicht hinter
der Konkurrenz zurückbleiben". Vielfach ist bei einer solchen Auftragserteilung die Frage der Wirtschaftlichkeit derartiger Geräte
bei Verwendung in dem betreffenden Betrieb noch gar nicht hinreichend
geklärt und oft ist dann die Enttäuschung groß und der Mißerfolg
eklatant. Die Entwicklung und der Übergang zu einer wissenschaftlich
fundierten Betriebsplanung worden durch derartige Experimente nicht
gefördert, sondern eher gehemmt.
Im folgenden seien einige jener Erkenntnisse zusammengefaßt,
die der Verfasser auf Grund jahrelanger eigener Forschungen und in
der Zusammenarbeit mit Firmen sammeln konnte, die teils mit Erfolg,
teils aber auch mit enttäuschenden Ergebnissen ihren Betrieb auf
automatische Dokumentationsmittel umgestellt haben.
I. Der Betrieb soll die Art der zu verwendenden Dokumentationsmittel bestimmen und nicht umgekehrt.
Das mag eine Binsenweisheit sein. Nur allzuoft aber wird nicht
berücksichtigt, daß die heute verfügbaren elektronischen Geräte an

- 1 -

�"AhiERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. April 1 956

an sich für ganz spezifische Zwecke, so etwa wissenschaftliche Berechnungen, gebaut wurden; hier nur arbeiten sie wirtschaftlich. Aber die
Arbeitsgänge bei wissenschaftlichen Rechnungen sind nicht notwendigerweise die gleichen wie bei der im Betrieb zu bewältigenden mechanischen
Dokumentation. Einer Entscheidung darüber, welche elektronischen
Anlagen in einem Betrieb verwendet werden können und sollen, muß
daher zunächst einmal eine genaue Analyse des gesamten Arbeitsanfalls
vorangehen. Dabei ist sowohl eine qualitative als auch eine quantitative Analyse des zu bewältigenden Arbeitskomplexes unerlässlich.
Eine wesentliche Schwierigkeit, die Elektronentechnik den Anforderungen der modernen Betriebsführung anzupassen, liegt in dem Umstand,
daß wir uns bisher bei solchen Untersuchungen weitgehend auf qualitative Schätzungen verlassen mußten. Infolgedessen ist das verfügbare
quantitative Material - das heißt Angaben in Dollar und Cent ausgedrückt -, auf Grund dessen entsprechende Dokumentationsmittel entwickelt und von den Betrieben ausgewählt werden könnten, auch entsprechend gering. Wir müssen daher folgende Fragenkomplexe genau analysieren:
1)

Kontakte zur Außenwelt: Quellen und Häufigkeit der der Betriebsleitung zufließenden Informationen, Art und Weise,
wie diese Informationen gesammelt und für innerbetriebliche
Zwecke verwandt und ausgewertet werden.

2)

Innerbetriebliche Informationen: Quellen, Verfügbarkeit und
Koordination der Informationen, Niveau der zu treffenden
Entscheidungen, Terminerfordernisse, Häufigkeit und Größenordnung der Entscheidungen.

Sind alle diese Fragen beantwortet, so erscheint der Betrieb
als "System", und wir haben nunmehr eine feste Grundlage für-die Beurteilung, ob sich die Einführung elektronischer Dokumentationsmittel
auch wirtschaftlich lohnt. Auf diese Weise wird der Betrieb zum Modell,
und wir können im voraus bestimmen, welche Auswirkungen ein Eingriff
in den Arbeitsablauf - etwa die Aufstellung einer neuen Maschine auf den Gesamtbetrieb haben wird. Dieses Wissen erleichtert die Entscheidung über die später zu verwendenden Anlagen.
II. Die Verwendung von Elektronenrechenmaschinen für die Ausführung von Büroarbeiten kann deren Einsatz für Aufgaben der Betriebsführung unmöglich machen.
Gemeinhin wird die Anschaffung kostspieliger mechanischer Dokumentationsmittel immer mit dem Hinweis auf die hohen Einsparungen
an Personal und Arbeitszeit in den Büros begründet. Soweit die Kapazität solcher Anlagen nicht voll ausgelastet ist, denkt man an ihre
Verwendung für Aufgaben der Betriebsplanung und -leitung. Die Hoffnung
auf eine doppelte Verwendbarkeit wird einer genauen Nachprüfung nicht
in allen Fällen standhalten.
Die Hauptschwierigkeit liegt in den unterschiedlichen Anforderungen an die Maschinen und in Überschneidungen bei Terminarbeiten. Die
verwaltungstechnischen Arbeiten in der Betriebsführung (Buchhaltung,
LohnbuchhaitungjBestandskontrolle) müssen oftmals kontinuierlich abgewickelt werden und laufen vielfach nebeneinander her. Sie erfordern
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�"aLiERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

25. April

1956

erfordern in den meisten Fällen lediglich ganz einfache arithmetische
Berechnungen. Deshalb eignen sich für diese Aufgaben einfache und nicht
sehr kostspielige Moduleinheiten am besten, die so kombiniert werden
können, daß sie den jeweiligen Anforderungen genügen. Andererseits
benötigt man, wenn das Ziel eine Verbesserung der Entscheidungen der
Betriebsleitung auf Grund wissenschaftlicher Analysen ist, komplizierte,
hochleistungsfähige und schnellarbeitende Großrechenanlagen. Die hier
zu leistenden Arbeiten - Zusammenstellung und Auswertung von Statistiken und die Ausführung schwierigster mathematischer Berechnungen sind ebenso schwierig und komplex wie die Aufgaben in Wissenschaft und
Technik.
Entschließt sich nun ein Betrieb zur Anschaffung von Elektronengeräten, die sich sowohl für Büroarbeiten als auch die betriebliche
Planung verwenden lassen, so besteht die Gefahr, daß Zeitschwierigkeiten auftreten. V/ährend die Rechenanlage beispielsweise routinemäßige Rechenarbeiten, wie etwa die Lohnabrechnungen, erledigt, wird
sie von der Betriebsführung für die Ermittlung wichtiger Daten benötigt. So blockieren an sich weniger wichtige Aufgaben die Maschine
für die Betriebsplanung, und der Betriebsführung geht auf diese V/eise
notfalls wichtige und kostbare Zeit verloren.
Aber auch psychologische Erwägungen sprechen gegen die heute allgemein vorgebrachten Rechtfertigungsgründe für die Anschaffung derartiger Geräte. Der Kaufpreis beziehungsweise die Mieten für solche Geräte
sind derartig hoch, daß die Senkung der übrigen Bürokosten - Personaleinsparungen und ähnliches - als unerlässliche Vorbedingung für die
Automatisierung erscheint. Man wird sich also mit unverhältnismäßig
großem Nachdruck der Mechanisierung einzelner Arbeitsgänge zuwenden
und dabei Gefahr laufen, darüber die Verbesserung des Gesamtbetriebes
zu vernachlässigen. Vielfach wird man auch versucht sein, alle nur erdenklichen Arbeitsgänge von den elektronischen Geräten ausführen
zu lassen, nur um sie auszulasten. Dies führt dann gelegentlich dazu,
daß eine Elektronenanlage, deren Betriebsstunde 300 Dollar kostet,
mit Arbeiten beschäftigt wird, die sich anderweitig für 3 Dollar je
Stunde verrichten ließen.
Diese Einstellung zur Automatisierung ist aber auch noch aus
einem anderen Grunde völlig falsch. Sie räumt den Planungs- und Entscheidungsfunktionen der Betriebsleitung nicht den bedingungslosen
Vorrang ein, der ihr unbedingt zukommt. Obwohl schon Taylor mit
Nachdruck auf diesen wichtigen Gesichtspunkt verwiesen hat, wird er
auch heute oftmals noch übersehen.
III. Elektronenanlagen sind Werkzeuge des Menschen, nicht
Selbstzweck.
Auf Grund des ungeheueren Arbeitstempos und der beträchtlichen
Anschaffungskosten nehmen die elektronischen Dokumentationsmittel
innerhalb des Betriebs oftmals eine beherrschende Stellung ein.
Wenn es sich dabei auch nur um eine passive dominierende Rolle handelt,
so können sich daraus doch sehr nachteilige Folgen ergeben. Es sei hier
als Beispiel auf die Tendenz verwiesen, jedwedes Problem mit Hilfe der
Anlage zu lösen, gleichgültig ob sie dafür nun das geeignetste Instruaent ist oder nicht,
„ .
Bei

- 3 -

�"AMERIKA DIENST" - „•lRTo'.-tlAFT UNI) A.

25.'April 1956

Bei meinen Untersuchungen der Frage, wie elektronische Rechenanlagen, Zusatzgeräte und das Bedienungspersonal an besten in die Gesamtstruktur eines Betriebes eingeordnet werden können, bin ich zu
völlig neuen Ergebnissen gekommen. Die wesentlichste Erkenntnis scheint
mir zu sein, daß Konstruktion, Typenauswahl und Anwendung elektronischer
Rechenanlagen, was die Bewältigung von Aufgaben einer modernen Betriebsführung angeht, eng mit der Anwendung entsprechend moderner Methoden
wissenschaftlicher Forschung und betriebswirtschaftlicher Analysen verbunden sind, wenn nicht sogar von ihr abhängen. Die Verwendung von
Rechenanlagen als wissenschaftliche Instrumente ist nur dann sinn- und
zweckvoll, wenn sie für betriebswirtschaftliche Ziele und nach Methoden
und Ideen eingesetzt werden, die nach streng wissenschaftlichen Grundsätzen erarbeitet werden.
Dies wiederum setzt natürlich das Vorhandensein eines Stabes
wissenschaftlich geschulten Personals voraus. Das sind unsere Betriebswissenschaftler. Sie werden zu einer wichtigen Komponente
innerhalb des Betriebsgefüges. Sie sind für die wissenschaftliche
Analyse der Ziele, Pläne und die Festsetzung der Größenordnungen, mit
denen der Gesamtbetrieb arbeitet, sowie für eine Koordinierung der
betriebswirtschaftlichen Methoden innerhalb der einzelnen Abteilungen
verantwortlich. Die Planung, die Methoden und die Größenordnungen der
einzelnen Abteilungen wie Fertigung, Verkauf und Buchhaltung sind
der Gesamtplanung untergeordnet.
Großrechenanlagen oder andere größere elektronische Systeme,
die in erster Linie für die Betriebsführung arbeiten sollen und dem
Zweck dienen, durch Auswertung statistischen Materials die Planung
für den Gesamtbetrieb aufzustellen, sollten den Betriebswissenschaftlern als Hilfsmittel beigegeben und ihnen nicht nur zeitweilig etwa
von der Buchhaltung überlassen werden.
Ehe ein Betrieb also eine Elektronenrechenmaschine aufstellt,
muß sich die Betriebsführung Klarheit darüber verschaffen, für welche
Aufgaben sie eingesetzt werden soll und an welcher Stelle im Betrieb
sie den größten Nutzeffekt zeitigen wird. Vor allem muß man sich
fragen, soll durch ihren Einsatz eine Automatisierung oder Beschleunigung des Arbeitsablaufes oder eine Verbesserung der betrieblichen
Gesamtplanung erreicht werden?
Die dringende Notwendigkeit, eine Antwort auf diese Fragen
zu finden, läßt erkennen, wie genau man die Möglichkeiten zu einer
wissenschaftlichen Untersuchung der gesamten Betriebstätigkeit im
voraus studieren muß und wie v/ichtig es ist, daß diese Untersuchungen
von den richtigen Leuten innerhalb des Gesamtunternehmens durchgeführt werden.
Es gibt genügend Gründe, die für ein solches Vorgehen sprechen.
Auf dem Gebiete der wissenschaftlichen Analyse sind viele neue Methoden entwickelt worden, die heute für eine Betriebsführung nach wissenschaftlichen Grundsätzen unerlässlich sind. Elektronische Rechenund Dokumentationsgeräte werden eine besonders wertvolle Kilfe sein,
dem Betriebsleiter und Betriebswissenschaftler neue Einsichten in
das V/esen und die Funktion seines Betriebes zu vermitteln. Diese
neuen Einsichten werden sich aber nur dann voll und ganz verwirklichen

- 4-

�"AMERIKA DIENST" - .VIRTSCHAFT UND AH

25. April 1956

verwirklichen lassen, wenn alle an der Ausarbeitung beteiligten Personen auf das engste mit der Betriebsleitung und den Abteilungsleitern zusammenarbeiten.
IV. Die bildungsmäßigen Anforderungen an Angehörige der Betriebsführung werden einen Wandel erfahren
Es ist wohl klar ersichtlich, daß diese Entwicklung eine Veränderung der Ausbildungsmethoden für die leitenden Angestellten .in der
Wirtschaft nach sich ziehen muß. Die neuen Positionen, die geschaffen
werden, erfordern ein kompetentes, gut ausgebildetes und in den •
Methoden der wissenschaftlichen Analyse erfahrenes Personal, das
gleichzeitig die Funktionen und das Wesen des Betriebes als System
zu verstehen gelernt hat.
Der Hauptunterschied zwischen den heute üblichen Ausbildungsmethoden und denen der Zukunft ist S" her darin zu suchen, daß die
Grundlage für die Ausbildung bisher im allgemeinen die Geisteswissenschaften bildeten, wohingegen nunmehr die Naturwissenschaften, insbesondere die Mathematik, diese Stelle einnehmen werden. Bisher haben
nur wenige Universitäten in den Vereinigten Staaten ihren Lehrplan
darauf eingerichtet, Studierenden eine Ausbildung und Schulung angedeihen zu lassen, die ihn im Verein mit der späteren praktischen
Erfahrung durch die Tätigkeit im Betrieb auf eine Laufbahn in der
modernen Betriebsführung vorbereitet.
Solange solche Nachwuchskräfte noch nicht zur Verfügung stehen,
muß das vorhandene Personal auf die neuen Aufgaben umgeschult v/erden.
Die Auswahl der hierfür in Frage kommenden Personen soll auf der
Grundlage ihrer Kenntnis in der Betriebsleitung und ihrer verstandesmäßigen und analytischen Anlagen erfolgen. Gewöhnlich wird es sich
um Ingenieure handeln, die in gehobene Positionen in der Betriebsleitung aufgerückt sind. Es können aber auch Verwaltungsfachleute sein,
die ihr mathematisches, statistisches und naturwissenschaftliches
Wissen weiter vervollkommnet haben.
Zusammenfassend darf also gesagt werden:
Die Art des Betriebes muß den Typ der zu verwendenden elektronischen Geräte bestimmen. Elektronische Geräte sind Mittel, nicht
Zweck.
Man muß sich von vornherein darüber im klaren sein, was mit der
Anschaffung erreicht werden soll. Will man die gegenwärtigen Verfahren beschleunigen beziehungsweise weiter mechanisieren, oder will
man ein Mittel an die Hand bekommen, mit dessen Hilfe man eine genaue
wissenschaftliche Analyse über das Wesen des Betriebes erarbeiten kann,
um auf ihr die v/eitere Planung aufzubauen.
Hierbei muß man vor allem die Möglichkeiten der wissenschaftlichen
Analyse des Betriebs und seine Fähigkeit richtig einschätzen. Eine
solche Analyse kann Klarheit darüber schaffen, wo ein wirklicher Bedarf an elektronischen Geräten besteht und in welcher Weise diese angewendet werden sollten.
Derartige Analysen setzen voraus, daß der Betrieb über die erforderlichen Fachkräfte verfügt, die in Zusammenarbeit mit der Betriebsleitung dann die neuen Entscheidungen formulieren, auf Grund deren der
Betrieb wirtschaftlicher und rationeller arbeiten kann.
- Quellenangabe erforderlich
* * * * * *

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Inhaltsverzeichnis
19 5 6

*

1
Arbeitszeit, Urlaubs- und Feiertagsregelung
in der Sowjetunion
Größere soziale Sicherheit für
amerikanische Seeleute
Der Scanlon-Plan
Internationaler Freier Gewerkschaftsbund
verurteilt Zwangsarbeit

2
Arbeiter als Aktionäre ihrer Betriebe
Die Erforschung von Unfallursachen und die
Verwendung der Unfallstatistik
Vereinte Bemühungen von Gewerkschaften und
Unternehmern bei der Lehrlingsausbildung

�]

�I
Struktur und Mitgliedschaft der
Gewerkschaftsbewegung in USA
Vereinte Bemühungen von Gewerkschaften und
Unternehmern bei der Lehrlingsausbildung (Schluß)
Arbeitskosten und Mechanisierung
Finanzielle Zusammenarbeit zwischen
Gewerkschaften und Management
Kurznachrichten

i
Struktur und Mitgliedschaft der Gewerkschaftsbewegung
in USA (Schluß)
Wie der amerikanische Automobilarbeiter lebt
Gewerkschaftsführer im Exil berichten über
das Los der Arbeiterschaft in sowjetischen
Satellitenstaaten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

i
Vom Unternehmer finanzierte Pension3- und Gesundheitsprogramme in amerikanischen Tarifverträgen
Strafrechtliche Verfolgung von Verstößen gegen
die Arbeitsdisziplin in der UdSSR
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

��Hr. 6
Reform der Arbeitsbedingungen im New Yorker Hafen
Disziplinarische Maßnahmen der Gewerkschaften
Neue Grenzen der menschlichen Beziehungen
Gewerkschaftliche Kurznachricht

Nr. 7
Wer arbeitet heute in den USA?
2 1/2 Millionen Amerikaner erhielten eine
Lohnerhöhung
Wohin steuert die große neue US-Gewerkschaftsorganisation?

Nr. 8
Arbeitspotential und Lebensstandard in Puerto Rico
24 und 52 Stunden Arbeitszeit in Rotchina
"Westinghouse"-Streik nach 156 Tagen beigelegt

Nr. 9
Wohin steuert die große neue
US-Gewerkschaftsorganisation? (Schluß)
Die Lohnlawine in den USA seit 1940
Mexikanische Gewerkschaften in der
antikommunistischen Front

- 5-

��I .
Hr. 10
Der Aufschwung des Genossenschaftswesens
in den Vereinigten Staaten
Die amerikanische Bundes-ArbeitsaufSichtsbehörde
(National Labor Relations Board)
18 000 Schlafwagenschaffner - eine fortschrittliche
Negergewerkschaft
Die Gewerkschaft der amerikanischen
Druckereiarbeiter

Nr. 11
Die Gewerkschaft der amerikanischen
Druckereiarbeiter (Schluß)
Die Lage der Arbeiter in Rot-China
US-Bergarbeitergewerkschaft baute zehn neue
Krankenhäuser für Mitglieder
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Nr. 12
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der
privaten Arbeitslosenunterstützung
Die Freizeit als Faktor im Wirtschaftsleben
/ "Revidierter garantierter Jahreslohn" in der
£—, Praxis
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

-4 -

��Nr. 15
Die Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen und ihre
voraussichtliche Weiterentwicklung in den
Vereinigten Staaten
Die Rolle der privaten Sozialprogramme bei
TarifVerhandlungen
Größte Zahl an Gewerkschaftsmitgliedern im
Staate New York
"Todesstoß" für kommunistische
Elektroarbeitergewerkschaft
Transferierbare private Pensionspläne

Nr. 14
Die Umstellung auf Automation im Großbetrieb
Amerikas Gewerkschaften bilden ihren Funktionärsnt
selbst heran
Der Begriff der Produktivität in der
amerikanischen Industrie
Der Lebensstandard der Stahlarbeiter
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

_Nr. l&lt;p
Die Automatisierung und ihre Forderungen an das
Ausbildungswesen
Die Rolle der Gewerkschaften beim Aufbau einer
besseren Welt
Aussichten im Jahre 1956 für den Neuabschluß
von Tarifverträgen
"Revidierter garantierter Jahreslohn" auf
individueller Basis
Henry Ford II. ruft Mitarbeiter auf, sich aktiv
an der Wahl zu beteiligen
Wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen für
Studenten und Arbeiter
Ein interessantes "union shop"-Abkommen

- 5-

��Nr. 16
Steigendes Lohnniveau in den USA
Die amerikanische Streikstatistik
im Jahre 1955
Facharbeiter für ein neues Industriezeitalter
Gewerkschaftliche Kurznachrichten:
Pensionserhöhungen für US-Eisenbahner
Arbeitsfriede im New Yorker Transportgewerbe
für vier Jahre sichergestellt
Trend zu langfristigen Kollektivverträgen
Gewerkschaftsverband AFL-CIO kein Monopol
Hohe Streikziffern im Juli

Nr. 17
Kollektivverhandlungswesen und Gewerkschaften
Arbeitshygiene im Zeitalter der Automatisierung
Versicherungsschutz und Versicherungsleistung
für die Eisenbahner
Die Unterstützungsleistungen eines Wohlfahrtsfonds
Niedrigste Unfallrate im Juni

Nr. 18
U.S.-Senatsausschuß untersuchte private Wohlfahrtsund Pensionspläne
Lebensansprüche und Lebensstandard der arbeitenden
Bevölkerung in den amerikanischen Städten
Gewerkschaftliche Kurznachrichten:
Neue wichtige Lohnabkommen in der US-Industrie
Bergarbeiter-Sozialfonds legte Leistungsbericht vor
Arbeitszeit nach Wunsch

- 6-

��Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen. Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 1

Mehlem, den 6. Januar 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Arbeitszeit, Urlaubs- und Feiertagsregelung
in der Sowjetunion

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1

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7

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10

Groessere soziale Sicherheit fuer
amerikanische Seeleute .
Der Scanion-Flan

..
&lt;&gt;

Internationaler Freier Gewerkschaftsbund
verurteilt Zwangsarbeit

•••••••••••

Arbeitszeitt Urlaubs- und Feiertagsregelung in der Sowjetunion
Arbeitszeit, Feiertage und Urlaub sind in der Sowjetunion gesetzlioh
festgelegt und nicht, wie in anderen Laendern, Gegenstand von Kollektivverhandlungen. Verschiedene in den USA vorhandene Handbueoher geben einigen Aui'sohluss ueber die dortigen Arbeitsbedingungen, obgleich keine genauen Zahlen ueber die tatsaechliche Arbeitszeit in der sowjetischen Industrie vorliegen.
Arbeitszeit und Feiertage
Die Bestimmungen des Gesetzes vom 26. Juni 1940, die den 8-StundenArbeitstag und die 48-Stunden-Woche als allgemeine Regelung fuer Arbeiter
ueber 16 Jahre festlegen, sind heute noch in Kraft. Waehrend des Krieges
war der 11-Stunden-Arbeitstag obligatorisoh, wobei drei Stunden als Ueberstunden gerechnet wurden. Fuer die meisten russischen Arbeiter galt jedooh ab Sommer 1945 wieder der uebliohe 8-Stunden-Tag} in der Abaenderung
der Verfassung zu Anfang des Jahre» 1947 wurde der 8-Stunden-Tag dann
offiziell wiedereingeführt.1) (Bis zu diesem Zeitpunkt sah die Verfassung
einen 7stuendigen Arbeitstag vor.) In koerperlioh anstrengenden oder
1) Die Verfassung der UdSSR setzte naoh ihrer Abaenderung im Jahre 1947
als Maximum den Aoht-Stunden-Arbeitstag fest (Artikel 119) und gewaehrte fuer koerperlioh anstrengende Berufe auoh eine kuerzere Arbeitszeit; in ihr wird jedoch weder die Zahl der Arbeitstage pro Woche, noch die Zahl der Arbeitsstunden pro Monat erwaehnt.
1 -

�oder gefahrvollen Berufen kann der Arbeitstag nur 7 Stunden oder auoh
weniger betragen, dies haengt ganz von der Art der ausgeuebten Taetigkeit ab. Im Bergbau, der Huetten- und Oelindustrie sind bestimmte Arbeitergruppen nicht verpflichtet, mehr als 6 Stunden am Tag zu arbeiten.
Das Gesetz vom 14* Juli 1942 ist ebenfalls noch in Kraft, das den 6-StundenArbeitstag als Hoechstgrenze fuer junge Lehrlinge in der Industrie zwischen 14 und 16 Jahren (das gesetzliche Mindestarbeitsalter) festsetzt.
In Betrieben, die in drei Sohichten arbeiten, ist die Nachtschicht auf
7 Stunden begrenzt, der Lohn ist jedoch dem einer 8stuendigen Tagesschioht
gleichgesetzt» Im allgemeinen werden 307 Arbeitetage im Jahr (365 minu»
52 Sonntage und 6 Feiertage) oder 25,5 Arbeitstage (204 Stunden) pro
Monat verguetet.
Sonntag ist im allgemeinen ein Ruhetag; an manchen Orten oder in
verschiedenen Betrieben kann jedoch auoh ein anderer Tag hierfuer bestimmt werden. In Notfaellen koennen Arbeiter auch an ihren ueblichen
Ruhetagen zur Arbeit herangezogen werden. Es gibt 6 gesetzliche Feiertaget 1. Januar, 1. und 2. Mai (Feiertage der internationalen Arbeitersohafti 7« und 8. November (Revolutionsfeiertage) und der 5» Dezember
(Tag der Annahme der UdSSR-Verfassung). Faellt der Feiertag auf einen
Sonntag, so hat der Arbeiter keinen Anspruch auf einen anderen freien
Tag. Es ist nioht gestattet an Feiertagen zu arbeiten, es sei denn, es
handelt sich um Tag-und-Naoht-Betriebe oder Notfaelle - Faelle, in
denen eine Unterbrechung der Arbeit aus technisch bedingten Produktionsgruenden unmoeglioh ist, wie zum Beispiel bei der Bedienung von oeffentlichen Verkehrsmitteln, im Nachrichtenwesen, bei dringenden Reparaturarbeiten und bei Verladearbeiten im Eisenbahn- und Wassertransport.
Die Verguetung fuer Ueberstunden und Feiertagsarbeit
Die Ableistung von Ueberstunden ohne "Erlaubnis" der Gewerkschaft
und der zustaendigen Behoerden ist in der Sowjetunion gesetzlich verboten; es werden jedoch haeufig Zuwiderhandlungen gegen dieses Gesetz
gemeldet. ' Das Gesetz verbietet die Ableistung von Ueberstunden und
Naohtarbeit fuer Arbeiter unter 16 Jahren und fuer werdende und stillende Muetter; waehrend der ersten vier Schwangerschaftsmonate ist Ueberstundenarbeit allerdings zulaessig. Wenn Ueberstundenarbeit notwendig
wird, so muss ein Bonus gezahlt werden - gewoehnlich wird fuer die 9«
und 10. Arbeitsstunde das Eineinhalbfache des gewoehnlichen Stundenlohnsatzes verguetet und fuer die 11. und alle folgenden Stunden das Doppelte. In der Bauindustrie liegen die vergleichbaren Verguetungssaetze
fuer Ueberstunden bei dem 1^- bzw. 1-J-fachen Satz.
Fuer Arbeit an den sechs gesetzlichen Feiertagen wird allen Arbeitern die doppelte Zeit verguetet. Es ist nicht statthaft, dass Arbeiter,
die an regulaeren Arbeitstagen Ueberstunden geleistet haben, auf die
Verguetung dieser Ueberstunden verzichten und statt dessen die entsprechende Zeit freinehmen. Diese Moeglichkeit ist lediglich bei Feiertagsarbeit gegeben. Fuer an Sonntagen oder regulaeren Ruhetagen geleistete
Arbeit wird gewoehnlich innerhalb der folgenden zwei Wochen die entsprechende Zeit freigegeben. Falls dies nicht moeglich ist, muss die doppelte Zeit verguetet werden (in der Bauindustrie nur das Eineinhalbfache).
Urlaub
Das sowjetische Arbeitsgesetzbuch des Jahres 1922 legte die vorherrschende Gepflogenheit eines bezahlten jaehrlichen Mindesturlaubs von
zwei Wochen (12 Arbeitstage) fuer alle Arbeiter ueber 18 Jahre fest.
Der Code garantierte Arbeitern unter 18 Jahren einen Mindesturlaub von
2) Dies geht beispielsweise aus der Ausgabe des "Trud" vom 3» September 1955 hervor.
- 2

�einem Monat, aber wie aus einer kuerzliohen Veroeffentliohung hervorgeht, erstreckt sich diese Garantie nur auf Arbeiter unter 16 Jahren.
Falls ein Arbeiter aus Gruenden, fuer die er nicht verantwortlich zu
machen ist, innerhalb eines Jahres seinen vollen Urlaub nicht nehmen
kann (beispielsweise wenn die Betriebsfuehrung bei der laufenden Produktion auf seine Dienste nicht verzichten kann), so kann er im folgenden Jahr einen entsprechend laengeren Urlaub nehmen oder aber der noch
ausstehende Urlaub wird ihm verguetet. Es ist nioht zulaessig, den Urlaub zwei Jahre lang anstehen zu lassen.
Ausser dem zweiwoechigen Mindesturlaub erhalten bestimmte Arbeitergruppen zusaetzlioh bezahlten Urlaub. Das "Handbuoh fuer den Gewerkschaft sfunktionaer", das im Jahre 1949 herausgegeben wurde, enthaelt
eine 61 Seiten lange Liste gefahrvoller Berufe, in denen den Arbeitern
zusaetzlich bezahlter Urlaub gewaehrt wird (fuer gewoehnlich 6 bis 12
Tage; in einigen wenigen Faellen 24 oder }6 Tage).
Die Laenge der Dienstzeit wird ebenfalls duroh laengeren Urlaub
anerkannt. In den Verfuegungen vom 15. Dezember 1930 und 31» Maerz 1937
werden in gewissen Industriezweigen allen Produktivarbeitern mit zweijaehriger Dienstzeit drei zusaetzlioh bezahlte Urlaubstage gewaehrt,
und zwar hauptsaeohlioh im Bergbau, in der Metallverhuettung, der Textilindustrie, der Baustoffindustrie und im Transportwesen,
Da» Recht auf bezahlten Urlaub ist jedooh auoh gewissen Beschraenkungen unterworfen. Die Verordnung vom 28. Dezember bestimmt, dass ein
Arbeiter nur dann seinen Urlaub nehmen kann, wenn er mindestens 11 Monate (vordem 5"^ Monate) ununterbrochen in einem Betrieb taetig gewesen
ist und nur dann fehlte, wenn ein triftiger Grund vorlag. Arbeiter, die
sioh etwas zuschulden kommen Hessen und deswegen zu "Straf"-arbeit an
ihrem alten Arbeitsplatz verurteilt wurden, erhalten keinerlei Urlaub.
Der sowjetische Arbeiter kann seinen Urlaub aufschieben, wenn ihm
vom Betriebsarzt bescheinigt wurde, dass er voruebergehend arbeiteunfaehig ist, einen Staatsauftrag zu erfuellen hat, oeffentliehen Pflichten naohkommen muss oder unter Arrest steht, ferner in einigen anderen
Faellen. Faellt ein solches Ereignis in die Urlaubszeit, so erhaelt der
Arbeiter fuer den entsprechenden Zeitraum automatisch Urlaubsverlaengerung. Eine finanzielle Entschaedigung fuer die ausgefallenen Urlaubstage erhaelt der Arbeiter nur dann, wenn sie im sowjetischen Gesetz oder
in seinem Arbeitsvertrag vorgesehen ist. Falle er krank wird und seinen
Urlaub verlaengern muss, so erhaelt er nur sein regulaeres Urlaubsgeld.
Nationale Feiertage, die auf einen Wochentag waehrend der Urlaubszeit
fallen, werden auf den Urlaub nicht angerechnet.
Die ununterbrochene Dienstzeit, die erforderlich ist, um den Urlaubsanspruoh zu rechtfertigen, bleibt unbeeinflusst durch zeitweilige Unterbrechungen in Form von unfreiwilliger Arbeitslosigkeit auf Grund eines
Verschuldens des Arbeitgebers oder zeitweiliger Arbeitsunfaehigkeit, waehrend der Ausgleiohsgelder bezogen wurden.
Die Reihenfolge, in der die Arbeiter ihren Jahresurlaub nehmen koennen, wird am 1. Januar eines jeden Jahres festgelegt. Im Falle einer
unerwarteten Produktionsunterbreohung kann die Betriebs- und Sohliohtungskommission, die sich aus Vertretern der Betriebsfuehrung und der
Arbeiterschaft zusammensetzt, die Arbeiter dazu auffordern, ihren Jahresurlaub zu nehmen.
Das sowjetische Regime raeumt einer beschraenkten Zahl von Arbeitern
besondere Urlaubsprivilegien ein, und zwar erhalten sie Ferienplaetze in
Sommerluftkurorten oder Sanatorien, entweder kostenlo« oder zu verbilligten Saetzen. Die Besonderheit dieser Privilegien kommt in einem am 24»
Januar 1947 in der sowjetischen Gewerkschaftszeitung "Trud" erschienenen

- 3-

�Artikel zum Ausdruck«
"Bereohtigungsausweis» fuer den Aufenthalt in Erholungsheimen, Sanatorien und Kurorten sollten vorzugsweise an die Grundkader der Schwerarbeiter und einfachen Arbeiter - den Stachanowisten -, die schwere und
gefahrvolle Arbeit leisten und ihr Arbeitssoll erfuellen, zum Teil sogar
uebersohreiten, ausgegeben werden; ferner an Schwerarbeiter und einfache
Arbeiter mit langer ununterbrochener Dienstzeit innerhalb eines Betriebes;
an Invaliden des "Vaterlaendischen" Krieges sowie an aus den Streitkraeften Entlassene. FZKM's (Betriebs- und Ortsausschüsse) koennen solche
Paesse nur auf Empfehlung der betrieblichen Sozialversicherungskommissionen ausstellen, und zwar mindestens 10 Tage, bevor der Arbeiter seine Urlaubsreise antritt."
Auf Grund einer Analyse der sowjetischen Zahlen ist man zu dem Ergebnis gelangt, dass von zehn Lohn- oder Gehaltsempfaengern jeweils einer
fuer einen solchen kostenlosen oder verbilligten Ferienaufenthalt in Frage kommt. Im Jahre 1949 beispielsweise kamen nur etwa 3»5 Millionen von
insgesamt 35 Millionen Lohn- und Gehaltsempfaengern in den Genuss dieser
Vergünstigung; fuer das Jahr 1953 ergibt sich ungefaehr das gleiohe Verhaeltnis, und zwar obgleich zu Anfang dieses Jahres die Zahl der Arbeiter
auf 42 Millionen gestiegen war. Die erhoehte Bedeutung, die auoh 1955
wieder der Produktion der Schwerindustrie beigemessen wird, sowie die
gleichzeitige Beschraenkung der Ausweitung der Konsumgueter- und Dienstleistungsindustrie duerfte fuer die grosse Mehrheit der Lohn- und Gehaltsempfaenger in dieser Hinsicht wenig Aussicht auf eine Besserung
bringen.
Quelle:

Monthly Labor Review
Vol. 78, No. 10

Groessere soziale Sicherheit fuer amerikanische Seeleute
Die amerikanische Seeleutegewerksohaft - Seafarers' International
Union of North America - SIU - (eine der AFL und der allamerikanischen
Transportarbeitergewerkschaft angeschlossene Organisation) kann mit berechtigtem Stolz darauf verweisen, sioh seit jeher fuer die gewerkschaftlichen Wohlfahrts- und Sozialprogramme eingesetzt zu haben. Unter Wahrung
dieser traditionellen Einstellung konnte die SIU mit Wirkung vom 1. Juni
1955 eine Erweiterung des bestehenden Wohlfahrtsplanes dieser Gewerkschaft
durchsetzen, das heisat ihren Mitgliedern hoehere und zusaetzliohe Sozialleiatungen sichern.
In den folgenden Ausfuehrungen soll auf Einzelheiten des neuen Planes
eingegangen und gleichzeitig ein Abriss ueber die bisherigen Bestrebungen
der Gewerkschaft auf diesem Gebiet gegeben werden.
Das Problem der Sozialleistungen fuer Seeleute - bis dahin in der
amerikanischen Schiffahrt voellig unbekannt - wurde erstmalig auf einer
Konferenz der "Sailors« Union of the Pacific" mit der SIU (Atlantik und
Golfgebiet) im Juni 1949 diskutiert. Man kam damals ueberein, sioh fuer
diese Leistungen bei den kommenden Vertragsverhandlungen mit den Reedern
nachdrueoklioh einzusetzen. Die "Sailors' Union of the Pacifio" (SUP)
verhandelte unter der Leitung von Harry Lundeberg Ende November 1949 mit
den Reedern ueber diese Wohlfahrtsleistungen und schloss mit den Schiffahrt sunt ernehmern der Westkueste einen Vertrag, wonaoh diese pro Arbeitstag und Seemann 25 Cent in einen Wohlfahrtsfonds einzuzahlen hatten.
Kurz darauf schloss auch die "Seafarers1 Union" Anfang Dezember 1949
mit den Schiffahrtsgesellschaften einen Vertrag ab, in dem alle ihre Forderungen anerkannt wurden. Enda Dezember unterzeichneten schliesslich
mehrere grosse Reedereien, deren Personal vorwiegend von der SIU erfasst

-4

�war, ein entsprechendes Memorandtim, womit der "Seafarers1 Weifare Plan"
geboren war*
Duroh dieses mit den Reedern abgeschlossene Abkommen verpflichteten
aloh diese, taeglioh fuer jeden auf ihren Sohiffen arbeitenden Seemann
24 Cent in einen Fonds einzuzahlen, aus dem die Seeleute je nach Bedarf
Zuwendungen erhalten konnten.
Ein aua Gewerkschaftern und Unternehmern gebildeter Treuhandausschuss
wurde zur Ueberwachung aller hinsichtlich des Wohlfahrtsprogramms durchzufahrenden Massnahmen eingesetzt, deren unmittelbare Bearbeitung einem
hauptamtlich taetigen, versierten Verwaltungsangestellten oblag.
Zu den ab 1. Juli 1950 gewaehrten Sozialleistungen gehoerten Sterbegelder und woechentliche Leistungen bei Krankenhausaufenthalt. Sie bedeuteten gegenueber den frueheren, in den alten Satzungen der SIU aufgeführten Leistungen im KrankheitB- oder Sterbefall oder bei Schiffbruch
einen grossen Fortschritt. In den folgenden Jahren wurde der Wohlfahrtsplan noch weiter ausgebaut. Zu den bemerkenswertesten Verbesserungen gehoeren die Unterstuetzungsleistungen bei Mutterschaft und bei Invaliditaet, die ab Juni 1952 gewaehrt wurden.
Eine ausserordentliche Leistung war auch die Schaffung eines Ausbildungsfonds im Oktober 1952, der es Gewerkscnaftsmitgliedern oder ihren
Kindern ermoeglioht, fuer die Dauer von vier Jahren ein Stipendium fuer
den Besuch eines College oder einer Universitaet zu erhalten. .
Fuer die Verwaltung und Versicherung ihres Wohlfahrtsplans trug die
SIU selbst Sorge, ein relativ seltener Fall in den USA, da die meisten
US-Gewerkschaften Vereinbarungen mit Versicherungsgesellschaften treffen.
Auf diese Weise konnte die SIU ihre Ausgaben auf 7»7$ ihrer Einnahmen
beschraenkeni diese Einsparungen wirkten sioh wiederum in verbesserten
Leistungen aus.
Der Treuhandausschuss, der den Wohlfahrtsplan verwaltet, setzt sioh
aus jeweils drei Vertretern der Gewerkschafts- und der Unternehmerseite
zusammen. Sie sind fuer die ordnungsgemässse Durchfuehrung des Planes
und eine gereohte Auszahlung der Leistungen verantwortlich.
Aus den neuesten, am 6. Mai 1955 v o n der SIU veroeffentliohten Zahlen geht hervor, dass seit Inkrafttreten des Planes am 1. Juli 1950 insgesamt 2 333 940 Dollar fuer Sozialleistungen ausgegeben wurden. Seit
1. April 1952 wurden 93 145 Dollar fuer Invaliditaetsleietungen aufgewendet. Die fuer den Plai. zur Verfuegung stehenden Aktiva belaufen sioh
auf insgesamt 2 674 573 Dollar und schliessen Grundbesitz im Werte von
320 895 Dollar und Schatzanweisungen der US-Regierung in Hoehe von
720 697 Dollar ein. Sie umfassen. Chirurgische Behandlung, Erstattung
der Krankenhaus- und Arztkosten fuer Familien, Uebernahme der Entbindungskosten, Invalidenrenten, Sterbegelder, Krankenhausaufenthalt fuer
Seeleute, Stipendien fuer Seeleute (und ihre Kinder), Sonderbeihilfen,
Verpflegungs- und Unterkunftsbeihilfen fuer Seeleute, die auf das Auslaufen ihrer Schiffe warten und Fortbildungsmoeglichkeiten fuer Seeleute.
Ehefrauen und unverheiratete Kinder der SIU-Mitglieder unter 19
Jahren erhalten ein Krankenhaus-Tagegeld von 10 Dollar, und zwar 31 Tage
lang; dazu kommt ein Koechstbetrag von 100 Dollar fuer Krankenhaus-Sonderausgaben, sobald die ersten 50 Dollar ausgegeben wurden.
Weiter werden Angehoerigen der Gewerkschaftsmitglieder waehrend ihres
Krankenhausaufenthalts taeglich vier Dollar fuer aerztliohe Visiten bewilligt, und zwar bis zu 31 Tagen. Ausserdem koennen bei chirurgischen
Eingriffen Zuschuesse bis zu 300 Dollar - je nach der erforderlichen Operation - gewaehrt werden. Die bei Entbindungen faelligen Leistungen von

- 5-

�zweihundert Dollar zuzueglioh einer U.S.Schatzanweisung in Hoehe von
25 Dollar bleiben bestehen.
Fuer die Seeleute selbst erhoehte sich das Sterbegeld von 1000 auf
3500 Dollar; die woeohentliohen Leistungen bei Krankenhausaufenthalt,
die waehrend der gesamten Dauer gezahlt werden, werden von 6 auf 21
Dollar erhoeht. Ausserdem wird die Invalidenrente auf 35 Dollar woechentlioh erhoeht, waehrend die fuer ein vierjaehriges Studium bestimmten
6000 Dollar (fuer Seeleute oder deren Kinder) unveraendert weiter gewaehrt werden.
Ausser diesen im Rahmen des Wohlfahrtsplanes gewaehrten Leistungen
koennen Seeleute, die in den Haefen auf das Auslaufen ihrer Schiffe warten, Kredite in Anspruch nehmen, verbilligte Mahlzeiten erhalten und
Unterkuenfta beanspruchen; dazu steht ihnen die "Andrew Furuseth Training
School" zur Fortbildung zur Verfuegung.
Anlaesslich der Revision und Erweiterung des SlU-Wohlfahrtsplanee
sorgten die Treuhaender gleichzeitig dafuer, dass diese Sozialleistungen
dem berufsmaessigen, in der SIU erfassten Seemann garantiert werden.
Hinsichtlich des Unterstuetzungsanspruchs erfolgten einige Abaenderungen.
Die Berechtigung der Seeleute, bereits nach "einem Tag auf See" Sterbegelder, Krankenhausaufenthalt und Mutterschaftsbeihilfen in Anspruch nehmen zu koennen, wurde beibehalten, allerdings auf der Basis, dass dieser
eine Tag innerhalb der letzten 90 Tage vor dem betreffenden Ereignis lag
und nicht laenger als 90 Tage im letzten Kalenderjahr zurueckliegt. Diesen Vorzug geniessen allerdings nur vollbeschaeftigte, berufsmaessige
Seeleute.
Die erhoehte Invalidenrente setzt eine zwoelfjaehrige Taetigkeit als
Seemann oder einen Aufenthalt von 4380 Tagen auf See voraus, ein Tag
davon muss innerhalb der 90 Tage liegen, waehrend der der Seemann den
Antrag auf Invalidenrente stellt. Dies bietet die Gewaehr dafuer, daas
die Leistungen den aktiven Seeleuten zugutekommen, wobei diejenigen, die
in frueheren Jahren arbeitsunfaehig wurden, von den rueokwirkenden Bestimmungen der urspruenglichen Invalidenleistungen erfasst werden«
Invaliditaet liegt - wie frueher - dann vor, wenn ein Seemann unfaehig
ist, auf See fuer seinen Unterhalt zu arbeiten, wobei das Alter des Seemannes keine Rolle spielt. Stipendien setzen weiterhin eine dreijaehrige
Seefahrt des Seemannes oder des zur See fahrenden Vaters des Stipendienbewerbers voraus.
Die neuen Familienleistungen werden nach folgendem Muster gewaehrt«
Der bei Krankenhausaufenthalt gewaehrte Beitrag von 10 Dollar taeglioh
und der Hoechstbetrag von 100 Dollar fuer Sonderausgaben (Bestrahlungen,
Unkosten bei Operationen, Sonderbetreuung und aehnliches) gelten hinsichtlich der abzugsfaehigen 50 Dollar als eine Leistung, das heisst der
Seemann begleicht die ersten 50 Dollar all dieser Kosten, und der Wohlfahrtsplan kommt fuer den Rest auf.
Durch die Bestimmung, dass die ersten 50 Dollar vom Versicherten
selbst zu tragen sind, koennen grosszuegigere Leistungen gewaehrt werden,
so dass jeder, der durch hohe Krankenhauskosten ausserordentlich belastet
wurde, die Hilfe erhaelt, die er braucht. Sinn dieser Regelung ist, denjenigen zu helfen, die am dringendsten Hilfe brauchen, anstatt die verfuegbaren Mittel durch Begleichung kleinerer Krankenhausrechnungen zu
zersplittern. Der bei Operationen geltende Leistungsplan, der alle Einzelleistungen umfasst, sieht fuer Spezialbehandlungen Leistungen bis zu 300
Dollar vor, darunter auch Bluttransfusionen, fuer die 20 Dollar pro Transfusion gezahlt werden.
Sowohl die bei Operationen als auch bei Krankenhausaufenthalt zu gewaehrenden Leistungen beruhen auf Betraegen, die nach Beratung mit der

- 6-

�"American Medical Association" und anderen medizinischen Fachorganisationen
festgelegt wurden. Die Leistungen entsprechen den durchschnittlich ueblichen Krankenhauskosten auf der Basis: Unterbringung im Zweibettzimmer,
durchschnittliche Sonderausgaben und uebliche Operationsgebuehren.
Nach dem gleichen Grundsatz werden dem im Krankenhaus befindlichen
Patienten taeglioh vier Dollar fuer aerztliche Visiten gezahlt. Diese
Leistung soll die Betreuung auch derjenigen Patienten sicherstellen, die
keiner operativen Behandlung beduerfen. Die Visitengelder werden bis zu
31 Tagen fuer jeden Tag gezahlt, an dem der Patient besucht wird, gleiohgueltig, ob der Arztbesuch ein- oder mehrmal taeglich erfolgt.
Die neuen Leistungen, die in den SlU-Wohlfahrtsplan aufgenommen wurden, stellen einen Meilenstein hinsichtlich der Bestrebungen der Gewerkschaft dar, die bei Unfall oder Krankheit der Seeleute und ihrer Angehoerigen anfallenden Belastungen zu mildern. Allzu oft geschah es frueher,
dass ein Seemann bei schweren Krankheitsfaellen in seiner Familie im
naechsten Hafen von Bord gehen und naoh Hause fliegen musste, um sich
um seine Angehoerigen zu kuemmern. Heutzutage dagegen kann er an Bord gehen in dem Bewusstsein, dass Frau und Kinder durch den Wohlfahrtsplan
weitgehend geschuetzt sind.
Aus: "International Transport Workers1 Journal"

Der Scanlon-Plan
Der gesuchteste Spezialist fuer Arbeitsfragen in d«yn Vereinigten
Staaten ist heute der 56jaehrige Joe Scanion, der ehemalige Preisringer,
Hochofenarbeiter, Kalkulationsbuchhalter in einem Stahlwerk, Gewerkschaftsboss und derzeitiger Dozent fuer Arbeitsbeziehungen am "Massachusetts
Institute of Technology".
Die aeussere Erscheinung und das Auftreten Joe Scanions steht im
krassen Gegensatz zu dem, was er wirklich ist: ein gluehender Prediger
i'uer die gegenseitigen Beziehungen von Gewerkschaften und Management, der
es versteht, wie man beiden Sozialpartnern die Idee "verkauft". Das
Medium hierfuer ist der "Scanlon-Plan", der folgendes beabsichtigt:
1. dem Arbeiter die Moeglichkeit zu geben, sich an den Risiken, Entscheidungen und Gewinnen zu beteiligen, die sich aus erhoehter Produktion
ergeben und 2. der Betriebsfuehrung zu helfen, die Erfindungsgabe der Arbeiter und Angestellten zugunsten einer Produktionsverbesserung zu wecken
und zu foerdern.
Dabei gleicht Scanions Methode weniger einem formellen Plan als
einer Annaeherungsmethode, der drei feststehende Komponenten zugrundeliegen.
Erstens: Gewerkschafts- und Betriebsfuehrung legen eine Produktivitaets"norm" fest, und die Arbeiterschaft erhaelt eine Praemie aus den
Einsparungen, die durch niedrigere Produktionskosten pro Einheit erzielt
werden. Im Gegensatz zu vielen anderen Lohnanreizplaenen basiert der Scanlon-Plan nicht auf dem Wettbewerbsprinzip, sondern vereinigt, ohne dasB
die Lohnstruktur aus dem Gleichgewicht gebracht wird, alle Mitarbeiter
in ihren Anstrengungen auf ein gemeinsames Ziel anstatt sie gegeneinander
in Opposition zu stellen.
Die zweite Komponente ist ein System von Produktionsausschuessen, in
denen Gewerkschaftsfunktionaere und Betriebsfuehrung gemeinsam ueber die
Herabsetzung der Produktionskosten beraten.
Die dritte und wichtigste Komponente ist jedoch Joe Scanion selbst,

- 7-

�der das ABC der hoeheren Produktivitaet von Grund auf beherrscht.
Der Sohn irischer Einwanderer, Joe Scanion, trat Anfang der zwanziger Jahre nach seiner Dienstzeit in der amerikanischen Marine als Kalkulationsbuchhalter in die "Ohio Steel Company" ein, die spaeter von der
"Republic Steel" uebernommen wurde. Diese Stellung vertauschte er spaeter
mit der eines Hoohofenwartes, waehrend er sich gleichzeitig seine gewerkschaftlichen Sporen als Organisator verdiente, als die der CIO angehoerende Stahlarbeitergewerkschaft im Jahre 1936 ein Organisationskomitee
bildete. Schon damals war er der Ansicht, dass die Arbeiter von sioh aus
zur Erhoehung der Produktion beitragen wuerden, wenn ihnen ein entsprechender Anreiz gegeben wuerde. Diese üeberlegung liess sioh im Jahre 193®
in die Tat umsetzen. Damale war Scanion Vorsitzender einer StahlarbeiterOrt sgewerksohaft, als die Betriebsfuehrung ihm erklaerte, dass das Unternehmen schliessen muesste, wenn es nicht gelaenge, die Rentabilitaet zu
erhoehen. Soanlon fuhr daraufhin mit den leitenden Angestellten des Unternehmens zur Hauptverwaltung der ClO-Stahlarbeitergewerkschaft nach Pittsburgh und arbeitete hier mit ihnen zusammen einen Produktivitaetsplan aus,
duroh den die Firma nicht nur gerettet wurde, sondern auoh eine solide
und rentable Basis erhielt. Dabei mussten beispielsweise fuer einen vom
gemeinsamen Produktionsausschuss gemachten Verbesserungsvoreohlag rund
8000 Dollar fuer Neuausrüstungen aufgewendet werden, aber die Firma erzielte dadurch eine jaehrliohe Einsparung von 150 000 Dollar. Nach dieser
eindrucksvollen Leistung holte Philip Murray, damals Vorsitzender der
Stahlarbeitergewerkschaft, Scanion in die Hauptverwaltung nach Pittsburgh,
um ihn von hier aus in andere, ebenfalls in Schwierigkeiten geratene
Firmen zu schicken.
Im Jahre 1945 konnte Scanion seine inzwischen in zahlreichen Unternehmen gesammelten Erfahrungen auoh bei der "Adamson Company of East
Pal'estine", die geschweisste Stahltanks produziert, nutzbringend anwenden. Der Firmeninhaber klagte Scanloni "Ich habe den Gewerkschaften
saemtliche gestellten Forderungen erfuellt. Trotzdem aber arbeitet das
Werk nicht zufriedenstellend, tun wir uns zusammen und arbeiten wir einen
Plan aus, der uns beiden zum Vorteil gereioht."
Soanlon nahm daraufhin die Firma unter die Lupe, pruefte saemtliche
Buecher und setzte fuer jede Produktionseinheit eine Arbeitskoetennorm
fest. Dann fuehrte er ein System ein, wonach die Arbeiter und das Management je 50$ der Einsparungen erhielten, die duroh niedrigere Produktionskosten erzielt wurden.
Schon bald wurde der neue gemeinsame Gewerkschafts- und Betriebsfuehrungsausschuse mit Verbesserungsvorschlaegen der Arbeiter ueberhaeuft.
SohweisBer, die bisher untaetig herumgestanden hatten, weil sie auf Material warteten, halfen jetzt beim Ausladen. Arbeiter, die sioh frueher
dem unterdurchschnittlichen Leistungsniveau der "Faulpelze" gegenueber
gleiohgueltig verhalten hatten, protestierten jetzt dagegen: "Dadurch
werden unsere Praemien herabgesetzt". Arbeiter und leitende Angestellte
bildeten jetzt eine Einheit, die fuer ein gemeinsames Ziel arbeitete.
Schon nach einem Jahr lag die Rentabilitaetsrate der Firma Adamson um
das Fuenffache hoeher. Selbst nach Aufteilung der Produktivitaetsgewinne
im Verhaeltnis 50 zu 50 verzeichnete die Betriebsfuehrung nooh das Doppelte der frueheren Ertraege. Fuer die Einstellung der Arbeiter ist die
folgende Aeusserung eines alten Gewerkschafters bezeichnend: "Joe, hier
kann ich nicht kaernpfen, denn es waere mein eigener Nachteil."
Ein Jahr spaeter war Scanion in der "Lapointe Machine Tool Company"
in Hudson (Massachusetts) anzutreffen, in der ein Streikausbruch drohte.
Der Erfolg: im Verlauf von 20 Monaten hatte sich die Produktion der Firma
um 61 Prozent erhoent. In einem Bericht der "National Planning Association"
ueber die bei Lapointe durcngefuehrten gemeinsamen Verhandlungen ueber
die Produktionsprobleme heisst es: "Fuer einen Aussenstehenden ist es

- 8 -

�schwierig, zwischen Betriebsfuehrung und Gewerksohaftsvertretung zu unterscheiden."
Wie wuerde sioh der Scanlon-Plan nun aber in einem erfolgreichen
Betrieb auewirken, nachdem er sioh in schwierigen Unternehmen so bewaehrte? Die Antwort hierauf gab die "Parker Pen Company" in Janesville
(Wisconsin). Dieses fortschrittlich eingestellte Unternehmen verfuegte
nicht nur ueber eine tueohtige Betriebsfuehrung und Gewerkschaftsvertretung, sondern auch ueber einen Lohnanreiz- und einen.neuen Rentenplanj
das Werk selbst war mit Klimaanlagen und modernsten Produktionshilfsmitteln, wie Rundfunkanlagen fuer die Arbeiter, ausgeruestet. Dennooh war
die Firma der Ansicht, dass selbst ein guter Anreizplan Schwierigkeiten
bereite. Soanlon, den man in diesem Fall um Hilfe gebeten hatte, schaffte
das alte Lohnanreizsystem ab, naoh dem die Anstrengungen des einzelnen
auf Kosten der Gruppe belohnt wurden. Tagelang verhandelte er mit Finanzsaohbearbeitern und Buchhaltern und setzte sohliesalioh eine Produktivitaetsnorm fuer das Rechnungsjahr (Maerz) 1953/(Februar) 1954 f«st. Er
setzte durch, dass die eingesparten Produktionskosten (die Betraege also,
die unter den auf Jahresbasis festgelegten Produktionskosten lagen - am
Verkaufswert gemessen -) in einen Praemienfonds anzusammeln sind. Ein
Viertel dieser Gelder wurde als Reserve fuer diejenigen Monate abgesetzt,
in denen sioh die Kosten mit der "Norm" deokten oder in denen sogar ein
Defizit zu verzeiohnen war und in denen daher auoh keine Praemien verdient wurden. Der Rest der im Fonds befindlichen Summe wurde aufgeteilt!
die Arbeitnehmer erhielten davon 75 Prozent, die Betriebsfuehrung 25$.
Die Praemie des ersten Monats, die im September 1954 gezahlt wurde und
sioh auf insgesamt 43 199 Dollar belief, entsprach einer Lohnerhoehung von
13)8 Prozent. Im Januar, in dem in der Fuellfeder- und Bleistiftindustrie
gewoehnlioh eine Flaute herrsoht, erzielten die Arbeiter keine Praemie,
allerdings war dies auoh der einzige Monat, in dem dies nioht gelang
(Zahlungen aus dem Reservefonds erfolgen nur am Jahresende). Im September
des naeoheten Jahres dagegen war bereits eine Lohnerhoehung von 27,1$
zu verzeiohnen. Waehrend des genannten Geschaeftsjahres bearbeiteten die
aoht gemeinsamen Produktionsaussohuesse (wobei auf jede Hauptabteilung
ein Ausaohuas kommt) und das aus 17 Mitgliedern bestehende sogenannte
"Screening oommittee" (Pruefungskomitee) - das sioh aus 9 Arbeitern und
8 leitenden Angestellten zusammensetzt - 400 Verbesserungsvorsohlaege,
von denen 240 angenommen wurden, wobei durohsohnittlioh ein Vorschlag auf
zwei Arbeiter kam.
Naoh dem Soanlon-Plan wird jetzt in etwa 60 amerikanischen Betrieben
gearbeitet, gleiohgueltig, ob es sioh um Moebel- oder Stahlfabrikation
handelt, um mit Gewinn oder Verlust arbeitende Firmen, um Unternehmen, in
denen die Arbeitsbeziehungen gut oder sohlecht waren oder wo die Arbeitsproduktivitaet leioht oder praktisoh ueberhaupt nioht zu messen war.
Der Soanlon-Plan laesst sioh allerdings nicht ohne die aufrichtige Zustimmung sowdhl der Betriebsfuehrung als auoh der Gewerksohaftsvertretung
durohfuehren. Er verlangt eine starke Gewerkschaft, die sioh fuer ihre
Mitglieder einsetzen kann. Ausserdem setzt er voraus, dass eine Betriebsfuehrung bereit ist, der Gewerkschaft Einblick in ihre Buecher zu gewaehren und ihre Produktionsgeheimnisse zu lueften. Weiter wird ein Gefuehl
fuer gute Zusammenarbeit zwischen Betriebsfuehrung und Gewerkschaft verlangt, das am haeufigsten denjenigen Firmen abgeht, die Scanions Hilfe
am noetigsten haben. Soanlon lehnt von vornherein jede Mitarbeit ab, wenn
er nioht davon ueberzeugt ist, dass beide Seiten eine gute Zusammenarbeit
erstreben.
Scanion soheut sioh auoh nioht, etwaige Misstaende barsoh und ohne
Umsohweife zu kritisieren. Dies haelt aber niemand davon ab, an seinem
einmal fuer gut erkannten Plan festzuhalten. So erklaerte Leo Beckwith,
der Gesohaeftsfuehrer der "Market Forge Company", einem seit 1947 naoh
den Ideen Soanlons arbeitenden Unternehmen in Everett (Massachusetts)i
"Der Soanlon-Plan ist sioher nicht das Wundermittel, das manohe Leute
in ihm sehen, aber er ist jedenfalls eine gute Sache. Wenn wir ihn aus

-9

�irgendeinem Grunde einmal abschaffen muessten, waeren die Leutt im
Be trieb sehr unglueoklioh, und ioh waere es auoh." Der Vizepresident
einer Firma in Illinois aeusserte sich allerdings nooh begeisterten
"Soanlon ist riohtungweieend fuer die Zukunft des freien Unternehmertums Amerikas."
(Bei Veroeffentlichung folgende Quellenangabe
unbedingt erforderlich)
Nach "Time", dem woechentlioh erscheinenden Nachrichtenmagazin. Copyright 'Time Inc.1 1955

Internationaler Freier Gewerkaohaftabund verurteilt Zwangsarbeit
Der Vorstand des Internationalen Freien Gewerkschaftsbundes beendete
seinen diesjaehrigen Kongress mit einer Resolution gegen jede Form der
Zwangsarbeit. In dieser Resolution wurde eindeutig festgestellt, dass es
Zwangsarbeit im grossen Masstabe lediglich in der Sowjetunion, ihren
Satellitenlaendern und im Kommunistischen China gibt. Denn die Zwangsarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil des sowjetischen Wirtschaftssystems,
wie der IBFG feststellt.
Allerdings gaebe es auoh diesseits des Eisernen Vorhangs einige Formen und Ueberreste der Zwangsarbeit, obwohl sie gesetzlich verboten sei.
Wie der Generalsekretaer des "IBFG", J.H. Oldenbroek, in einem Interview
mitteilte, ist die Zahl der Mitglieder der 110 dem IBFG in 76 Laendern
angeschlossenen Gewerkschaften auf ueber 55 Millionen angestiegen. Von
besonderer Bedeutung sei die Tatsache, dass es erstmalig gelungen ist,
auoh Plantagenarbeiter gewerksohaftlioh zu organisiereni so wurden allein
in Malaya 100 000 Plantagenarbeiter fuer ihren Gewerkschaftsverband gev
worben.
Der Vorstand des "IBFG" habe auch auf seinem diesjaehrigen Kongress
eine leidenschaftliche Resolution angenommen, in der alle Angebote des
kommunistisch gefuehrten Weltgewerkschaftsbundes auf gemeinsames Vorgehen
entschieden abgewiesen wurden. Damit hat der "IBFG" erneut seinen. Standpunkt bekraeftigt, dass es zwischen den freien Gewerkschaften und der
"Arbeitsfrontorganisation" der kommunistischen Laender keine Zusammenarbeit geben koenne. Er hat die ihm angeschlossenen Gewerkschaften angewiesen, keinerlei Einladungen auf Entsendung offizieller Gewerksohaftsdelegationen nach den Laendern des Sowjetbereiohs anzunehmen. Denn derartige
Delegationen koennten keinerlei wirkliche Untersuchungen anstellen und
dienten daher lediglich kommunistischen Propagandazweoken. Oldenbroek betonte, dass die Entsendung derartiger Delegationen nur dann einen Sinn
haette, wenn in den sowjetischen Laendern Redefreiheit und das Recht auf
Bildung freier Gewerkschaften bestehe.
Der "IBFG" werde auoh weiterhin die Bestrebungen der von den kommunistischen Maohthabern versklavten Voelker mit Anteilnahme verfolgen und,
soweit er dazu in der Lage sei, tatkraeftig unterstuetzen, sagte Oldenbroek. "Wir kennen die grossen Schwierigkeiten," meinte Oldenbroek, "mit
denen die sowjetischen Arbeiter zu ringen haben, die dem kommunistischen
Regime ihren passiven und heimlichen Widerstand entgegensetzen. Nur diejenigen, die selbst der Freiheit beraubt wurden, koennen den Wert eines
solchen Widerstandes voll ermessen. Diejenigen unter uns, die unter dem
Naziregime ihre Freiheit verloren, koennen die Gefuehle der Menschen verstehen, die unter der kommunistischen Herrschaft denselben Verlust erlitten,
loh bin jedoch sicher, dass die unterdrueckten Arbeiter ihren heldenhaften
Kampf um ihre Befreiung weiterfuehren werden, und die Arbeiter der freien
Welt werden sie in diesem Kampf unterstuetzen."

- 10 -

�Di« ablehnend« Haltung der Sowjets gegenueber der Frage der Wiedervereinigung Deutschlands, sagte Oldenbroek, mache die Integration dar
westeuropaeisohen Wlrtsohaft naoh dem Muster der Gemeinschaft fuer Kohl«
und Stahl umso notwendiger.
Der Vorsitzend« dar Kommunistischen Partei der UdSSR, Chruschtschow,
und der sowjetisch« Ministarpraesident Bulganin haatten durch ihre wiederholten Auefaelle gegen Grossbritannien und Amerika erneut den kalten
Krieg gegen die freie Welt heraufbeschworen.
Wortlaut der Resolution das Internationalen Freien Gewerkschaftsbundes zur Frage der Zwangsarbeit!
"1. Es wird empfohlen, alles Unterlagen- und Informationematarial
uaber Zwangsarbeit, das vom Generalsekretaer des "IBFG" bisher gesammelt
wurde und in Zukunft zusammengetragen werden wird, dem Internationalen Arbeitsamt zu uebergeben und die Arbeitsgruppen der "ILO" staendig auf dam
Laufenden ueber diese Angelegenheit zu halten.
2* Es wird empfohlen, den Generalsekretaer zu beauftragen, die dam
"IBFG" angeschlossenen Organisationen in den fragliohen Laendern sowie das
Berliner Komitee zu ersuchen, moeglichst viele der aus den Laendern das
Sowjetblocks heimgekehrten Gefangenen zu interviewen, um Beweismaterial
aus juengster Zeit ueber die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Lagern
dieser Laendar zur Vorlage beim Internationalen Arbeitsamt zu erhalten.
3. Es wird empfohlen, den Generalsekretaer zu beauftragen, mit Unterstützung der "Force Ouvriftre" einen Bericht ueber das moderne Sklavenwesen zusammenzustellen, ihn der "ILO" vorzulegen und das in diesem Berioht
enthaltene Informationsmaterial einer moegliohet breiten Oeffentliohkeit
zur Kenntnis zu bringen.
4. Dar Internationale Ausschuss zur Bekaempfung des Konzentrationslagerwesens plant, eine Kommission zur Untersuchung des Zwangsarbeitswesens im kommunistischen China einzusetzen und in der ersten Haelfte das
Februar eine Tagung dieser Kommission naoh Bruessel einzuberufen. Diese
Kommission soll aus sechs europaeischen und fuenf asiatischen Mitgliedern
bestehen} der "IBFG" wird ersucht, die asiatischen Mitglieder zu benennen.
Es wird empfohlen, diese Aufforderung anzunehmen und den Generalsekretaer
zu beauftragen, die angeschlossenen Verbaende in Asien hierbei zu Rate zu
ziehen. Es wird weiterhin empfohlen, den Bericht der Untersuchungskommission der "ILO" vorzulegen und die Arbeit dieser Kommission und die erzielten Erfolge in Zusammenarbeit mit den angeschlossenen Organisationen
propagandistisch auszuwerten.
5. Der Chinesische Gewerksohaftsverband hat dem Vorstand einen Vorschlag eingereicht, die vom Internationalen Ausschuss gegen das Konzentrationslagerwesen geplante Untersuchung ueber Zwangsarbeit im kommunistischen China tatkraeftig zu unterstuetzen und saemtliohe angeschlossenen
Verbaende aufzufordern, diesem Unternehmen zur Wahrung der sozialen Gerechtigkeit und Wuerde des Menschen ihre Hilfe zu gewaehren. Es wird empfohlen, den Chinesischen Gewerksohaftsverband von dieser geplanten Aktion zu
verstaendigen*
6. Der Internationale Ausschuss gegen das Konzentrationslagerwesen
beabsichtigt, die Sowjetregierung zu ersuchen, seinen Vertretern die Besichtigung einiger Zwangsarbeitslager zu genehmigen. Es wird empfohlen, den
Generalsekretaer zu beauftragen, diesen Antrag zu unterstuetzen.
7. Bezueglioh der Zwangsarbeit in Kenia wird empfohlen, den Britischen Gewerkschaftsverband aufzufordern, mit der britisohen Regierung die
Frage einer beschleunigten Freilassung der Internierten und der Abschaffung
der Zwangsarbeit in den Eingeborenenreservaten zu eroertern."
- 11 -

�Der Vorstand des IBFG nahm ausserdem folgende Resolution ueber die Beziehungen freier Gewerkschaftsorganieationen zu autoritaeren Laendern an«
"Angesichte der immer intensiveren Bemuehungen der kommunistischen
Laender, einen Austausch von Gewerksohaftsorganisationen mit den Laendern
der freien Welt zu erreichen)
und in der Erkenntnis, dass die kommunistischen Regime einen derartigen Austausch anstreben, um
1. ihren staatlichen Gewerkschaften die
moralisohe Achtung und gesetzliche Anerkennung zu verschaffen, und 2. die
Arbeiter der freien Welt dazu zu verfuehren, diese von der Kommunistischen
Partei beherrschten Organisationen als bona fide Gewerkschaften anzuerkennen, und 3« die kommunistische Infiltration und Wuehlarbeit in der freien
Welt zu erleiohtern, sowie schliesslich 4» die expansionistischen Tendenzen
des Sowjetimperialismus zu foerdernj
wird hiermit ausdrueoklich betont, dass es im Interesse der internationalen Solidaritaet der Arbeiterschaft, die ein lebenswichtiges Element der Freiheit des Menschen in der ganzen Welt darstellt, sowie des
Weltfrieden« nioht angeht, dass freie Gewerkschaftsorganisationen Delegationen austauschen mit Laendern, die 1. ihren Voelkern die grundlegenden Menschenrechte, wie sie in der Charta der Vereinten Nationen formuliert
wurden, versagen) 2. ihren Arbeitern das Reoht auf freien Zusammensohluss
und Organisierung, das Recht auf echte Kollektivverhandlungen sowie das
Reoht auf Streik versagen:, und 3. die Arbeiter, die fuer freie Gewerkschaften und Demokratie eintreten, bestrafen)
alle angeschlossenen Verbaende werden aufgefordert, dem Generalsekretaer des IBFG von etwaigen Einladungen aus autoritaeren Laendern Mitteilung zu maohen, damit der IBFG sioh ueber die Absichten und Folgen
eines derartigen Vorgehens seitens eines kommunistischen Landes Klarheit
verschaffen und
umso eifriger gegen diese strategischen Feldzuege der
Kommunisten zur Verwirrung und Spaltung der freien Gewerkschaftsbewegung
vorgehen kann."

12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werben.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

DC - 2

Mehlem, den 20. Januar 195b

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Arbeiter als Aktionaere ihrer Betriebe

Seite

1

Die Erforschung von Unfallur3aohen und die
Verwendung der Unfallstatistik

Seite

6

Vereinte Bemuehungen von Gewerkschaften und Unternehmern
bei der Lehrlingsausbildung

Seite

11

Alfred G. Larke
Arbeiter als Aktionaere ihrer Betriebe
In den Vereinigten Staaten sind die ArbeitnehmerAktienbeteiligungsplaene - die vielfach mit
Sparprogrammen kombiniert werden und von der
Unternehmerseite Zuschuesse erhalten - im
Ansteigen begriffen.
Im Jahre 1955 erwarben in den Vereinigten Staaten wahrscheinlich
mehr Arbeiter und Angestellte Aktien ihrer eigenen Arbeitgeber als das
seit den zwanziger Jahren je der Fall war.
Dieser Trend, der einige Jahre nach Beendigung des Zweiten '.Veitkrieges einsetzte, wurde jetzt allerdings durch die im Jahre 1955
durchgeführten Tarifvertragsverhandlungen in der Automobilindustrie
eingedaemmt. Die Automobilarbeitergewerkschaft lehnte naemlich die von
der "General Motors Corporation" und der "Ford Motor Company" als Ersatz
fuer den garantierten Jahreslohn angebotenen Aktienbeteiligungsplaene
ab, wobei diese Plaene fuer die Gehaltsempfaenger in dieser Industrie
allerdings weiterbestehen.
In den bedeutendsten Industrien war es bisher uoblich, den nicht
gewerkschaftlich organisierten 3ueroangestellten die gleichen Lohnerhoehungen und zusaetzliche Sozialleistungen zu gewaehren, die von den
gewerkschaftlich organisierten Stundenlohnempfaengern durchgesetzt
wurden. Dieses Verfahren soll aber jetzt aufgegeben werden. Am 2J.
September 1955 hat die "General Motors Corporation" ihre Aktionaere
1 -

�um die Zustinimung zu einem Spar- und Aktienbeteiligungsplan fuer Gehaltsempfaenger ersucht. Danach 3ollen Angestellte sich mit einem bis zu
10/2 ihres Grundlohnes betragenden Abzug (zuzueglich Lebenshaltungskostenzuschlag) fuer einen Sparfonds einverstanden erklaeren, fuer den
je zur üaelfte Regierungsschatzanweisungen und Stammaktien der "General
Motors" erworben werden sollen. "General Motors" selbst wuerde sich
mit einem Betrag in Hoehe von 50,'J der Angestellten-Einlagen beteiligen,
der fuer den Erwerb von Namensaktien des Unternehmens verwendet wird.
Ein Angestellter, der sich zum Beispiel fuer die Teilnahme an einem
Sparplan entscheidet, kann zwar jederzeit den Plan wieder aufkuendigen das Recht allerdings, auch den Firmenzuschuss ausgezahlt zu bekommen,
erwirbt er nur allmaehlich, und zwar erst im dritten, vierten und
fuenften Jahr seiner Teilnahme in einer Sparklasse. Nach fuenf Jahren
werden ihm Barauszahlungen und Effekten garantiert, die mindestens seinen
Beitraegen plus Zinsen entsprechen, ohne Berücksichtigung des Markwertes der Aktien. Ein Angestellter, der sich an einem Rentenplan
beteiligt, kann die von der Firma erworbenen Gesellschaftsanteile nur
beim Eintritt in den Ruhestand oder bei Beendigung des Arbeitsverhaeltnisses erhalten.
Auch Henry Ford II erklaerte, fuer sein Unternehmen einen aehnlichen Plan durchfuehren zu wollen. Sein der Automobilarbeitergewerkschaft offerierter Plan fuer Gehaltsempfaenger glich praktisch dem von
"General Motors" vorgeschlagenen.
Die zur Zeit bestehenden Aktienbeteiligungsplaene fuer Angestellte
sind im wesentlichen in der Erdoelindustrie und in den Versorgungsbetrieben zu finden. Findet das von "General Motors" und "Ford" gegebene
Beispiel jedoch auch in anderen Unternehmen, die sich ebenfalls Forderungen nach garantierten Loehnen gegenuebersehen, Nachahmung, so
duerfte die Basis der Aktienbeteiligungsprogramme in der gesamten Industrie wesentlich verbreitert werden.
Inzwischen sind bereits zahlreiche Firmen dazu uebergegangen, ihre
Angestellten fuer solche Plaene durch verschiedene Mittel vom einfachen
Ratschlag bis zu umfassenden treuhaenderisch gesicherten P]aenen zu
gewinnen.
Von der "Pacific Telephone Company" wird beispielsweise nur das
"New York Stock Exchange's Monthly Investment Program" veroeffentlicht,
in dem die Angestellten Naeheres ueber die Einrichtung eines Kontos
durch einen Makler erfahren.
Eine andere Firma, die "3assons Industries Corporation" in New York,
vergibt Aktienanteile als einmalige Weihnachtszuwendungen.
Am anderen Ende der Skala steht ein Unternehmen der Oelindustrie
("Standard Oil Company of California"), das einen bestimmten Prozentsatz
des Gewinnes vor Abzug der Steuern in einen Aktienerwerbsfonds abfuehrt,
und zwar im Verhaeltnis von fast 2 Dollar fuer jeden vom Angestellten
ersparten Dollar. In einem anderen kombinierten Spar-, Renten- und
Gewir.nbeteiligungsplan betragen die Firmenbeitraege nach einer gleitenden Skala 5 bis 10,0 der Gewinne ("Sears, Roebuck and Company").
Die Firmenzuwendungen koennen auch in der Form von Geschenken
erfolgen, wie im Fall der "National Container Corporation", deren
Angestellten-Aktionaere langjaehrige verdiente Betriebsangehoerige sind,
die anstelle goldener Uhren zum 25jaehrigen Dienstjubilaeum Aktiengutschriften erhielten. 3ei der "Standard of California" kommen fast
alle 3etriebsangehoerigen (ueber JJfij» aller empfangsberechtigten Angestellten) in den Genuss solcher 2uschuesse. Noch typischer ist der von
der "Inland Steel Company" geschaffene freiwillige Aktienbeteiligungsplan, der im Juli 1955 erneuert wurde. In den ersten drei Jahren, 3eit
- 2

�Anlaufen dieses Planes, beteiligten sich 74,o des Aufsichts- und 40^
des gesamten uebrigen Personals daran.
Unter den drei Haupttypen von Aktienbeteiligungs- und Sparplaenen
spielen die "stock Option plans" (freiwillige Aktienplaene) die unbedeutendste Rolle. Aktienbeteiligungsplaene allerdings, die in den zwanziger Jahren einen Angestellten im voraus verpflichteten, Aktienanteile
zu einem festgesetzten Preis zu erwerben, wurden so umgewandelt, dass
sie inzwischen den freiwilligen Plaenen sehr aehneln. In vielen oder
sogar den meisten Firmen kann der Arbeitnehmer seinen Entschluss aendern und seine Einwilligung zurueckziehen, nachdem er bereits Einzahlungen geleistet hat.
Ebenso zahlreich wie die neuen Aktienbeteiligungsplaene sind die
Angestellten-Huecklagen oder Spar-Systeue, wobei der Hauptunterschied
darin besteht, dass die Unternehmer sich an letzterem mit namhaften
Betraegen beteiligen. Selbstverstaendlich sind hier die 3eitraege der
Angestellten wesentlich hoeher.
Obgleich die Anzahl der Aktienbeteiligung3progranme sich in den
letzten Jahren staendig erhoehte, haben sie noch nicht wieder die Hoehe
der zwanziger Jahre erreicht. Damals waren es etwa drei- bis vierhundert amerikanische Unternehmen, die ihre Arbeiter ermutigten, ihre
Mittel in Aktien der eigenen Firmen zu investieren. Heute sind es etwa
100 bis 125 Firmen. Vor 2j Jahren berichtete da3 "National Industrial
Conference 3oard" - nach Auswertung aller vorhandenen Unterlagen -,
dass es nur 68 freiwillige und andere Aktienbeteiligungsplaene gaebe,
die der grossen Masse der Arbeiter und Angestellten zugaenglich waren.
Von diesen Plaenen waren aber 10 bereits wieder aufgegeben worden,
waehrend 30 nur in einer unzureichenden Form bestanden. Zur gleichen
Zeit bestanden 20 Ruecklage- oder Sparplaene, die Aktienbeteiligungsplaene einschlössen.
Der Grund fuer die in den letzten Jahren von vielen Unternehmern
vorgenommenen Aktienabtretungen an Arbeitnehmer ist weder aus den formellen Erklaerungen oder anderen Mitteilungen an die Arbeitnehmer,
noch aus Unterhaltungen mit den leitenden Persoenlichkeiten der betreffenden Unternehmen zu erkennen. Im allgemeinen jedoch laesst sich
770hl sagen, dass er in einigen oder allen der nachstehend aufgefuehrten
Faktoren zu suchen ist:
1.

Wachsende Erkenntnis der Wichtigkeit guter ArbeitgeberArbeit nehmerbe Ziehungen.

2.

Nachlassen des Misstrauens, das noch immer aus den Misserfolgen frueherer Aktienbeteiligungsplaene resultiert, die auf
Grund der Preisstuerze in den dreissiger Jahren nicht durchgeführt werden konnte.

3.

Die Steuerentwicklungen der letzten Zeit und die Einfuehrung
ausgezeichneter neuer Methoden zum Schutz der Angestellteninvestitionen und Einschraenkung der Verantwortlichkeit der
Unternehmer.

4.

Die Notwendigkeit fuer Massnahmen zur Ergaenzung der auf
Dollarbasis festgelegten Rentenplanleistungen durch eine relativ inflationssichere Anlage des Arbeitnehmer-Kapitals.

5.

Gev/oohnung der Industriearbeiter an Ruecklagen in Form von
Lohnabzuegon waehrend des Krieges und die von der Regierung
durchgefuehrten V/erbeTtiassnahmen zum Erwerb von Schatzanweisungen in der Nachkriegszeit.

- 3-

�6.

Vermehrte Annahme von Gewinnbeteiligungsplaenen in der Nachkriegszeit, deren Ausschüttungen teilweise oder vollstaendig
in Aktiengutschriften anstatt in Bargeld erfolgten.

Die Uebertragung des Aktienkapitals an die eigenen Betriebsangehoerigen dient andererseits folgenden Zielen:
Es soll den Angestellten ermoeglicht werden, Geschaeftsanteile
derjenigen Unternehmen zu erwerben, in denen sie arbeiten;
Foerderung des Verstaendnisses fuer die Unternehmerprobleme und
-methoden und des Unternehmersystems;
Schaffung eines groesseren Verantwortungsgefuehls und Erhoehung
der Arbeitsanstrengung;
Anregung zur Beteiligung an gemeinsam getragenen Rentenplaenen,
indem die Berechtigung zur Teilnahme an einem Aktienbeteiligungsplan von der Beteiligung an einem anderen abhaengt;
die Angestellten zum Sparen anzuregen;
ihnen behilflich zu sein, sich fuer die Zeit ihres Ruhestands
gegen Inflationen zu schuetzen;
Uebertragung des Betriebskapitals auf bewaehrte Angestellte (in
einigen Faellen).
In kleineren Unternehmen sind die Aktienbeteiligungsplaene relativ
selten zu finden. Ilaeufig ist hier das Aktienkapital zu unbedeutend
oder es fehlt an der Uoeglichkeit, den angemessenen Wert der Aktien
festzusetzen, wenn sie nicht auf dem freien Markt gehandelt werden.
Dagegen sind in mittleren und kleinen Unternehmen die Gewinnbetelligungsplaene mit haeufigeren Barauszahlungen - oder mit Auszahlungen beim
Eintritt in den Ruhestand - recht zahlreich. Da die Gewinnbeteiligungsplaene im wesentlichen den gleichen Zielen dienen wie die Aktienanteilplaene, stellen sie fuer die kleineren Unternehmen die natuerliche
Loesung der gleichen Probleme dar, wie sie in umfangreicherem Ausmass
in Grossunternehmen vorhanden sind.
Waeren die Schaffung von Ruecklagen fuer die Zeit des Ruhestands
und die Aufforderung an die Angestellten, sich einen Anteil an dem
industriellen Gewinn zu sichern, die einzigen Ziele der Aktienbeteiligungsplaene, so koennten kleinere Firmen mit nur beschraenktem
Aktienkapital ihren Angestellten nahelegen, ihre Ersparnisse in den
verschiedensten Papieren anzulegen; dies kann auf direktem Wege oder
mit Hilfe des Boersen-Investierungsprogramms oder durch Gehaltsabzuege
geschehen, wie es der Quinby-Plan von Rochester (New York) vorsieht.
Es ist indes so, dass fast alle Unternehmer der Ansicht sind, die
Aktienanteile muessten von der eigenen Firma stammen. Selten wird das
Geld in anderen Wertpapieren angelegt, mit Ausnahme von Regierungsschatzanweisungen. Allerdings bestehen auch hier gewisse Ausnahmen.
Den Angestellten der "Socony Kobil Oil Company, Inc.", in New York
City steht es zum Beispiel frei, ihre Ersparnisse in Regierungsschatzanweisungen, Firmenaktien oder 52 anderen zur Auswahl stehenden
Investment-Gesellschaften anzulegen. Auch die "Purolator Products,
Inc.", in Rahway, New Jersey kuendigte einen Sparplan an, wonach die
Einlagen in Schatzanweisungen, Firmenaktien oder anderen Papieren investiert werden koennen.

-4 -

�Der Gewinnbeteiligungsfond3 der Firma "Sears, Roebuck and Company",
der in vielfacher Hinsicht von den ueblichen Schenata abweicht - nicht
zuletzt deswegen, weil in ihn ueber 26/» de3 Aktienkapitals der Pirna
erfasst sind -, gibt seit 1941 den Firmenangestellten die lloegllchkeit,
sowohl in sonstigen gewinnbringenden Obligationen als auch in eigenen
Firmenaktien zu investieren. In Rahmen dieses Programms beteiligen
sich die Angestellten mit 5/j ihrer Gehaeiter - bis zu hoechstens 500
Dollar jaehrlich - an den Einlagen, und die Firma steuert 5 bis 10/ä ihres
Nettogewinns bei. Eine gleitende Skala hinsichtlich der Firmen-Beitraege - die 3ich mit zunehmendem Dienstalter erhoehen - sieht eine
Bestimmung vor, nach der die Mittel bis zum Eintritt in den Ruhestand
(oder kurz davor) unangetastet bleiben. Zu diesem Zeitpunkt koennen
die Beitraege eingestellt oder als Jahresrente zur Auszahlung gelangen.
Der bei der Firma "E.G. Shinner and Company" - einem KettenlaedenUnternehmen fuer Fleischwaren mit den Ilauptsitz in Chicago (Illinois) bestehende Plan gestattet es seinen Angestellten sogar, sich jede Art
von Eigentun, Grundbesitz, Anlagewerten, einschliesslich Schatzanweisungen, Schuldscheinen, Vorzugs- und gewoehnlichen Aktien und sogar
Hypotheken zu erwerben und zu sichern.
Andere Firnen gestatten nur die Erwerbung eigener Firnenanteile,
und II.D. «uinby jr., der Vater des "Quinby-Plans", fand mit seinem Vorschlag, dass Unternehmen gemischte Investierungen foerdern sollten,
keinen Viiderhall. In keinerlei Beziehung zur "Eastman Kodak Company",
Rochester (New York) stehend, beteiligen sich dennoch zahlreiche Eastman-Angestellte durch Einlagen von 20 Dollar monatlich an einem Aktienerwerbsplan fuer Kodak-Aktien, der von einem Bankinstitut treuhaenderisch verwaltet wird. Der Quinby-Plan besteht seit 1930, und seit
1953 fuehrte -die Eastman Company freiwillige Lohnabzuege fuer die in
ihren Unternehnen Beschaeftigten durch.
Fuer andere Investoren bei der Firna Eastman und ebenso fuer die
Teilnehmer der ^uinby-Plaene in den Firmen "DuPont", "General Motors"
und "Standard Oil" (New Jersey) betragen die üindesteinlagen 25 Dollar
monatlich, und zwar fuer einen Zeitraum von 10 Jahren.
Unter dem Röchester-rrogramm werden dem Teilnehmer sofort ganze
Aktien oder Aktienanteile, Dividenden etc. gutgeschrieben. Das Progrann ist so aufgebaut, dass die Aktionaere, haben sie einmal mit Einzahlungen begonnen, waehrend der gesamten Laufzeit erfasst sind. In
jedem Monat wird schriftlich an die faelligen Einzahlungen erinnert,
und die Quittungen werden versandt. Der Hauptanteil der Gebuehren ist
im ersten Teilnahmejahr faellig; ein spaeteres Ausscheiden wird dadurch
weitgehend verhindert.
Wenn auch die Automobilarbeitergewerkschaft die von "General Motors"
und "Ford" vorgeschlagenen Spar- und Aktienbeteiligungsplaene ablehnte,
so stellen 3ich die Gewerkschaften den Sparplaenen in allgemeinen
selten ablehnend gegenueber. Die "Atlantic Refining Company" stellte
ihren Aktienplan nach Verhandlungen nit den verschiedenen Gewerkschaften,
die die Interessen ihrer Angestellten vertreten, auf und die Mehrzahl
der uebrigen Firnen erfreut sich mindestens der stillschweigenden Zustimmung der Gewerkschaften. Als die "Dow Chemical Company" in Jahre
1948 einen Aktienbeteiligungsplan aufstellte (der jetzt 45,3 der Angestellten erfasst), verhielten sich die Gewerkschaftsfunktionaere zurueckhaltend, als die Gewerkschaftsnitglieder eine offizielle Stellungnahme von ihnen erbaten. Als der Plan spaeter zur Durchfuehrung gelangte, erklaerte die Ortsgewerkschaft ihren Mitgliedern, dass sie
keine Einwaende dagegen habe.

- 5-

�Die "Inland Steel Company" andererseits zog ihren ersten Aktienbeteiligungsplan vor drei Jahren auf Grund des von der Bergarbeitergewerkschaft erhobenen Einspruchs zurueck. Im Jahre 1955 protestierte
die Gewerkschaft allerdings nicht mehr gegen den Plan, so dass er jetzt
Inkrafttreten konnte.
Viele nach dem Zweiten Weltkrieg entstandenen Aktienbeteiligungsplaene haben sich sowohl fuer den Unternehmer als auch fuer den Arbeitnehmer, wie das bei zahlreichen in den zwanziger Jahren eingefuehrten
Plaenen auch der Fall war, als unzulaenglich erwiesen. Ein Lebensmittelkonzern beispielsweise annullierte den Aktienplan wieder, als ein
ploetzlicher Rueckgang der Aktienwerte, unmittelbar nach den Investierungen der Angestellten, zu einem Sinken der Arbeitsmoral fuehrte. In
einer Firma der Kichteisen-Industrie fand der Aktienbeteiligungsplan so
wenig Anklang bei den Stundenlohnempfaengern, da3S er mit Ausnahme fuer
die bereits Eingetragenen annulliert wurde. Ein Unternehmen der Elektroindustrie erneuerte einen bestehenden Plan nicht mehr, al3 ein
Boersensturz die Angestellten veranlasste, auf die Teilnahme zu verzichten.
In den jetzt geltenden Aktienbeteiligungsplaenen sind jedoch drei
Hauptvoraussetzungen erfuellt, um die Auswirkungen der Boersenschwankungen zu mildern. Die erste besteht darin, dass die Programme in gewissem Umfang freiwillig sind, das heisst, der Arbeitnehmer kann auf
V/unsch seine Einlagen wieder herausziehen, bevor ein Abschnitt des
Planes zu Ende geht (gewoehnlich 2^- bis 3 Jahre).
Ein weiterer Schutz ist dadurch gegeben, dass bei verschiedenen
Plaenen die Einlagen der Sparer fuer den Erwerb von Sohatzanweisungen
verwendet werden, waehrend nur die Firmenbeitraege in Aktien angelegt
werden.
Das dritte Kittel zur Verhinderung von Preisschwankungen ist eine
Art "dollar cost averaging" (Dollarkostenangleichung), die in Aktienbeteiligungsplaenen durchgefuehrt wird, in denen die Aktienkaeufe monatlich oder halbjaehrlich erfolgen oder in denen die Kosten pro Anteil,
die zu Lasten des Aktienteilhabers gehen, dem durchschnittlichen Betrag
entsprechen, der von der Firma (oder dem Treuhaender) pro Anteil fuer
einen gegebenen Zeitraum gezahlt wurde.
Sind die Preise hoch, so werden fuer eine bestimmte Summe wenige
Anteile erworben. Bei sinkenden Preisen wird der gleiche Betrag investiert, und e3 werden wesentlich mehr Anteile erworben. Der durchschnittliche Preis pro Anteil ist auf diese V/eise niedriger als wenn
jederzeit eine bestimmte Anzahl von Aktienanteilen gekauft wuerde. In
allen Firmen-Aktienbeteiligungsplaenen - selbst dort, wo der Arbeitnehmer die Geaamtkosten fuer die Aktien traegt - erfreuen sich die Angestellten niedriger Llaklergebuehren als Einzelinvestoren, weil der Erwerb
der Aktien gesammelt erfolgt und ihnen die Vorteile von "Sammelauftraegen" zugute kommen, die sich aus dem Erwerb von 100 oder mehr Aktienanteilen ergeben.
Quelle:

"Dun's Review and liodern Industry"

Die Erforschung von Unfallursachen und die Verwendung der Unfallstatistik
Die Fuehrung einer Unfallstatistik, wie sie in dem Artikel "Standardmethode der Erfassung von Unfallursachen in der Industrie* behandelt
wvwde, ist zwar sehr wertvoll, sie reicht jedoch nicht aus. Eine weitere
* Aus "Free Uen at '.York" Juli 1955
- 6 -

�Erforschung jedes Unfalls ist notwendig, um eine Wiederholung aehnlicher
Faelle auszuschalten. Man sollte sich ebenfalls ueber die durch Unfe11
entstandenen Kosten informieren. Schliesslich sollten saemtliche Ermittlungen ueber einen Unfall mit denjenigen anderer Unfaelle auf statistisch einwandfreie 7/eise miteinander kombiniert werden, so dass die
Wirksamkeit eines Unfallverhuetungsprogramm3 in Vergleich gesetzt werden
kann zu aehnlichem statistischem Material aus anderen Quellen.
Untersuchung - Der Zweck der Ermittlung der Unfallursachen besteht
darin, Informationen zu erhalten, die zur Unfallverhuetung beitragen.
Daher muessen die Untersuchungen objektiv, wahrheitsgetreu und ohne
Ruecksicht auf eventuell resultierende disziplinarische Polgen gefuehrt
werden.
Alle Unfaelle sollten untersucht werden, ganz gleich, ob der daraus
resultierende Schaden erheblich oder nur geringfuegig ist. Eine Anhaeufung kleiner Ungluecksfaelle weist unter Umstaenden darauf hin, dass
eine staendige Gefahrenquelle besteht, die ausgeschaltet werden muss.
Selbst wenn ein Unfall kein besonderes Vorkommnis darstellt, koennen die
Ursachen, die dazu fuehrten, mannigfaltig sein, daher kommt es darauf
an, die Unfallursachen zu erkennen und fuer Abhilfe zu sorgen.
'iVenn ein Arbeiter beispielsweise zu Fall gekommen i3t, so muss festgestellt werden, warum er hingefallen ist; ob er selbst etwas falsch
gemacht hat oder ob die Bedingungen an seinem Arbeitsplatz hieran die
Schuld tragen. Geraet einem Arbeiter etwas ins Auge, so ist die Tatsache, dass er keine der vorgeschriebenen Schutzbrillen trug, keine hinreichende Erklaerung. Der Grund, warum der Arbeiter keine Schutzbrille
aufsetzte, muss festgestellt werden.
Die Art und die Schwere des Unfalls ist ausschlaggebend dafuer, wer
die Untersuchungen fuehrt. Der Vorarbeiter sollte natuerlich sofort
einen Unfallbericht abgeben. Ausserdem muss er die noetigen Massnahmen
ergreifen, damit keine Wiederholung de3 Unfalls eintritt.
Der Sicherheitsingenieur oder sein Vertreter sollten zu ihrer
eigenen Information eine Untersuchung jedes wesentlichen Unfalls durchfahren. In den meisten Faellen gibt der Sicherheitsingenieur ohnehin
der Betriebsleitung oder dem allgemeinen Sicherheitsausschuss einen
3ericht ab. Ausbildung und Erfahrung gestatten e3 ihm, den gesamten
Tatbestand, unter Berücksichtigung der moeglicherweise verborgenen
Ursachen, genau und ohne Vorurteil aufzunehmen und im Bericht wiederzugeben.
Einige Firmen besitzen einen betrieblichen Sicherheitsausschuss,
der schwere Unfaelle untersucht und Bericht darueber ablegt. Ein solcher
Ausschuss erweist sich besonders dann als sehr nuetzlich, wenn ein
Arbeiter den Unfall selbst verschuldet hat; ein Bericht des Komitees
ruft einen nachhaltigeren Eindruck bei den 3e3chaeftigten hervor als der
des Vorarbeiters oder des Sicherheitsingenieurs.
Viele Firmen, speziell kleine oder mittelgrosse Betriebe, haben
saemtliche mit der Unfallverhuetung zusammenhaengenden Massnahmen und
Fragen einem allgemeinen Sicherheitsausschuss uebertragen, zu dessen
Funktionen ebenfalls die Unfalluntersuchung gehoert.
3ei der Ermittlung der Unfallursachen ist Fairness von aeusserster
Wichtigkeit, ganz gleich wer die Untersuchungen leitet. Der Wert der
Ermittlungen kann erheblich beeintraechtigt v/erden, wenn der Verdacht
aufkoaat, dass ihr Zweck darin besteht, die Schuld auf jemanden abzuwaelzen oder die Frage nach dem Verantwortlichen zu umgehen.

- 7-

�Schaetzung der durch den Unfall entstandenen Kosten. Die Schaetzung
der durch den Unfall verursachten Kosten'traegt an sich nicht dazu bei,
kuenftige Unfaelle zu verhueten; durch Betonung der Unfallkosten ist
dem Vorarbeiter jedoch unter Umstaenden eine wichtige Handhabe gegeben,
um groessere Sicherheitsmassnahmen durchfuehren zu koennen oder einen
Maschinenwaerter zu beschaeftigen oder den Beistand der Betriebsfuehrung
fuer ein umfassendes Unfallverhuetungsprogramm zu gewinnen.
Die durch Unfaelle in der Industrie entstandenen Kosten unterscheidet man im allgemeinen nach zwei Kategorien: Direkte und indirekte
Kosten, manchmal auch Kosten, fuer die die Versicherung aufkommt und
solche^, die selbst getragen werden muessen. Direkte Kosten sind die
Verguetungen, die an die bei dem Unfall zu Schaden gekommenen Personen
gezahlt werden (einschliesslich aerztlicher Betreuung). Zur Deckung
dieser Kosten tritt der Unternehmer gewoehnlich einer Versicherung bei.
Indirekte, oder solche Kosten, fuer die der Arbeitgeber aufkommen
muss, umfassen zahlreiche Elemente, von denen die meisten nachstehend
aufgefuehrt sind:
1.

Lohnzahlungen fuer ausgefallene Arbeitszeit an Arbeiter, die
durch den Unfall keinen Schaden erlitten. Ein Unfall veranlasst die Arbeiter, die nicht verletzt wurden, haeufig ihre
Arbeit abzubrechen und zuzuschauen, Hilfe zu leisten oder
ueber den vorangegangenen Unfall zu diskutieren. Oftmals
koennen sie auch nicht weiterarbeiten, da ihre Ausruestung
durch den Unfall beachaedigt oder zerstoert wurde oder durch
den Ausfall der Mithilfe bzw. der Produktionsleistung ihres
verletzten Arbeitskollegen.

2.

Material- oder Ausruestungsschaeden. Die hier entstehenden
Auslagen erstrecken sich unter Umstaenden auf die Reparatuxkosten. Sie koennen auch durch Lagerumstellungen oder Aufraeumungsarbeiten verursacht werden, ebenso wie durch zerstoerte
Maschinen. In manchen Faellen empfiehlt es sich, einen Kalkulationsbuchhalter zu beschaeftigen, wenn beispielsweise eine
kostspielige Maschine ersetzt werden muss; fuer gewoehnlich
kann der Sachschaden jedoch ohne weiteres errechnet werden.

3.

Lohnzahlungen fuer ausgefallene Arbeitszeit an den verletzten
Arbeiter (ausser Arbeiterausgleichszahlungen).Hierunter faellt
die ausgefallene Arbeitszeit am Tag des Unfalls und in der
darauffolgenden Zeit, wenn der Unfallverletzte seinen Arbeitsplatz verlassen muss, um sich in aerztliche Behandlung zu begeben. Hierin sind ebenfalls die Leistungen eingeschlossen,
die an den Arbeiter waehrend der Wartezeit, bevor die Arbeiterausgleichszahlungen gewaehrt werden, zur Auszahlung gelangen
oder Zuschuesse zu den Arbeiterausgleichszahlungen.

4.

Extraauslagen fuer Ueberstunden, die durch den Unfall notwendig
wurden. Y/enn der durch den Unfall verursachte Produktionaausfall durch die Ableistung von Ueberstunden wieder wettgemacht wurde, so sollte man bei der Kostenberechnung die Differenz ermitteln zwischen den durch Ueberstundenarbeit entstehenden Kosten und denen bei regulaerer Arbeitszeit. Hinzu
kommen unter Umstaenden noch die hoeheren Verguetungssaetze
und die zusaetzliche Bcschaeftigung von Aufsichtskraeften
3owie die Ausgaben fuer Heizung, Licht, Reinigung und aehnlichem.

5.

Lohnzahlungen an Werkmeister fuer die Arbeitszeit, die sie durch
den Unfall aufwenden mussten. Ein Werkmeister muss gegebenenfalls erste Hilfe leibten oder dafuer sorgen, dass der verletzte
- 8 -

�Arbeiter aerztliche Hilfe erhaelt. Er mus3 eine neue Arbeitseinteilung vornehmen, unter Umstaenden einen Arbeiter neu einarbeiten oder die Aufraeuraungsarbeiten ueberwachen. V/aehrend
dieser Zeit ist der Werkmeister nicht in der Lage, seine
sonstigen Aufgaben zu erfuellen.
6.

Lohnkosten, die auf die verminderte Produktionsleistung des
verletzten Arbeitern bei .Viederaufnahme der Arbeit zurueckzufuehren sind» Durch Hand-, Arm-, oder Rueckenverletzungen muss
der verunglueckte Arbeiter oftmals ein langsameres Arbeitstempo
einhalten oder ist gezwungen, eine einfachere Arbeit auszufahren. Wenn 3ein Lohn sich nicht ohnehin verringert hat und
seine Produktionsleistung um 30^o pro Woche sinkt, sollte der
Unfall mit 30;' eines Wochenlohns in Rechnung gestellt werden.

7.

Kosten fuer die Einarbeitung eines neuen Arbeiters. Falls es
erforderlich wurde, einen neuen Arbeiter fuer den Unfallverletzten einzusetzen, so ist es nur natuerlich, dass sich dies
anfaenglich in einer geringeren Produktionsleistung bemerkbar
macht. Ein solch verringerter Aus3toss geht ebenfalls zu
Lasten des Unfalls und sollte genauso berechnet werden wie in
Absatz 6.

8.

Arztkosten, fuer die die Versicherung nicht aufkommt und die
von der Firma getragen werden muessen. Diese Kosten erstrecken
sich im allgemeinen auf die aerztliche Hilfe, die in der
Betriebs-Unfallstation geleistet wurde.

9.

Kosten fuer aufgewendete Zeit durch leitende Aufsichtskraefte
und Bueroangestellte bei der Unfalluntersuchung oder der
Bearbeitung bzw. Weiterleitung von Ersatzanspruechen. Dieser
Zeitaufwand erfolgt zusaetzlich zu dem des unmittelbaren Vorgesetzten (Absatz 5) ur&gt;d den Untersuchungen, die in erster
Linie der Verhuetung kuenftiger Unfaelle dienen.

10.

Diverse Kosten. Hierunter fallen solche Ausgaben, die weniger
typisch sind; der Leiter der Unfalluntersuchungen muss in jedem
Falle nachweisen, dass sie zu Recht erfolgten. Anerkannt werden
zum Beispiel Haftpflichtansprueche, Leihgebuehren fuer Ersatzausruestung, Gewinnverlust durch die Annullierung von Vertraegen oder Auftraegen, falls der Unfall fein nachhaltiges
Absinken der Verkaufsziffer zur Folge hat, Praemienverluste
der Firma, Unkosten der Einstellung neuer Arbeitskraefte, falls
diese Ausgaben erheblich ins Gewicht fallen, zusaetzliche
Kosten, die durch Fehlleistungen neueingestellter Arbeiter
entstehen sowie Liegegelder. Die vorstehend aufgefuehrten
Kosten werden jedoch nur selten geltend gemacht.

Ein gewisser Teil dieser Kosten ist, je nach Unfall und Art des
Betriebes, verschieden. Es empfiehlt sich in vielen Faellen, erst einmal versuchsweise eine Studie anzufertigen, um eine Kostenanalyse zu
erlangen, so dass man die Kosten schaetzen kann, wenn das vorhandene
Zahlenmaterial nicht ausreicht.
Betriebsunfallraten. Der Hauptzweck der Fuehrung einer Unfallstatistik besteht darin, eine Handhabe fuer die Messung des Unfallproblems zu besitzen und um feststellen zu koennen, ob hinsichtlich der
Reduzierung der Unfallrate Fortschritte gemacht werden oder nicht. Um
dieses Gebot zu erfuellen, muessen die folgenden Fragen beantwortet werden;
1.

Ist die Zahl der Unfaelle hoeher oder niedriger als in anderen
Taetigkeiten, speziell in solchen, die aehnliche Ungluecksfaello

-9 -

�zu verzeichnen haben?
2.

Y/ie schwer sind die Unfaelle und wie sind sie mit denjenigen
in anderen Taetigkeiten vergleichbar?

3.

Nimmt die Unfallziffer zu oder ab?

Da die Beantwortung jeder dieser Fragen einen'Vergleich notwendig
macht, muss grundlegendes statistisches liaterial fuer Vergleichszwecke
gewonnen werden.
Die Standardraethode zur Erfassung von Arbeitsunfaellen definiert
einen Arbeitsunfall als "eine Verletzung, die ein Beschaeftigter in
Ausuebung seines Dienstes erlitten hat..."* Diese Definition umschliesst
alle moeglichen Verletzungen, angefangen von einer geringfuegigen
Quetschung bis zu einem Unfall mit toedlichem Ausgang. Nach der Standardmethode werden saemtliche vorkommenden Unfaelle nach vier Hauptgrupnen unterschieden: Todesfaelle, vollstaendige, bleibende Arbeitsunfaehigkeit, dauernde, teilweise Arbeitsunfaehigkeit und voruebergehende
Arbeitsunfaehigkeit.
Hat sich ein Unfall ereignet, so werden zwei Umstaende in 3etracht
gezogen: Das Gefuhrenmoraent oder die Unfallraoeglichkeit, und der Kontakt
oder das Ausgcset'ztsein des Arbeiters diesem Gefahrenmoment oder der
Unfallmoeglichkeit gegenueber. Diese Stunden, in denen der Arbeiter
diesem Gefahren- oder Unfallmoment ausgesetzt ist, spielen deshalb in
der 3etriebsunfallpraxis eine grosse Rolle. Unfallhaeufigkeitsraten
stellen Messungen des Unfallvolumens dar und werden in Form einer Standardeinheit oder der Stundenzahl, in der der Arbeiter dem Gefahrenbzw. Unfallmoment ausgesetzt war, zum Ausdruck gebracht. Sie geben den
relativen Grad der Sicherheit an, die waehrend eines bestimmten Zeitraums erreicht wurde und gestatten direkte Vergleiche des Unfallvolumens
in verschiedenen Betrieben oder bei verschiedenen Taetigkeiten, wobei
die unterschiedlichen Gefahrenmomente in diesen Unternehmen ausser acht
gelassen werden.
Fuer die Unfallhaeufigkeitsrate gilt folgende Definition:
Die Haeufigkeitsrate stellt die Anzahl der Betriebsunfaelle pro Million Arbeitsstunden dar und wird nach
folgender Formel berechnet:
Unfallhaeufigkeitsrate - Zahl der unfaelle , 1 000 000
°
Arbeitsstunden
Es gibt tatsaechlich keine bestimmte Antwort darauf, wann die
Unfallhaeufigkeitsrate "gut" i3t. Einige Sicherheitsingenieure glauben,
dass keine Rate, die hoeher als 10 ist, noch als gut erachtet werden
kann. Der Test bezueglich der betrieblichen Sicherheit besteht in zwei
Vergleichen: erstens einem Vergleich zwischen der augenblicklichen
Unfallhaeufigkeitsrate und der eine3 frueheren Zeitraums, um festzustellen, inwieweit eine Besserung eingetreten ist, und zweitens, einem
Vergleich der Unfallhaeufigkeitsrate des Betriebs mit denen anderer
Unternehmen, die dieselben Produktionsvorgaenge aufweisen. Dies wird
am besten erreicht durch einen Vergleich der Unfallhaeufigkeitsrate des
Betriebs mit dem Durchschnittswert des Industriezweigs, zu dem er gehoert.
Die vorstehend beschriebene Messung des Unfallvolutaene gibt keinen
voelligen Auf3chluss ueber die Unfallerfahrung. Die Schwere der Unfaelle
Die amerikanische Standardmethode zur Erfassung und Bewertung von
Arbeitsunfaellen wie sie von der "American Standards Association" im
Jahre 1954 anerkannt wurde.
- 10 -

�ist ebenfalls von grosser Bedeutung, denn ein Unfall mit Todesfolge
oder einer erforderlich werdenden Amputation ist ohne Zweifel schwerwiegender als eine ungefaehrliche Schnittwunde oder Quetschung.
Der Standard, der bei der statistischen Erfassung des Arbeitsausfalls zugrundegelegt wird, kommt in Paellen bleibender Arbeitsunfaehigkeit
durch verschiedene zeitliche Anrechnungen zum Ausdruck. Beispielsweise
wird im Todesfalle oder bei bleibender voelliger Arbeitsunfaehigkeit
jeweils ein Ausfall von 6000 Tagen festgelegt, wohingegen der Verlust
eines Arnes mit 4500 Tagen veranschlagt wird. Bei voruebergehenden
Verletzungen, von denen sich der Verunglueckte wieder voellig erholt,
stellt die Zahl der Tage, die der Arbeiter zu seiner Wiederherstellung
benoetigt, ein zufriedenstellendes Mass fuer die relative Schwere des
Unfalls dar. Der Ge3antzeitverlust laesst sich durch die Einzelbewertung
jedes Unfalls und anschliessende Addition berechnen.
Die Rate bezueglich des Arbeitsanfalls wird auf aehnliche ./eise
berechnet wie die der Unfallhaeufigkeit, naemlichi
Gesamter zugrundef~electer Zeitausfall x 1 000 000
Arbeitsstunden
Diese Berechnung ergibt die Rate, In der ein durch Unfaelle bedingter Arbeitsausfall eintritt. Eine Rate von 100 bedeutet, dass
Unfaelle den Verlust von 100 Arbeitstagen pro 1 000 000 geleisteter
Arbeitsstunden zur Folge haben.
Diese Rate stellt lediglich den Gesamtarbeitsausfall dar, ohne
zwischen den Auswirkungen des Unfallvolumens und der Schwere der Unfaelle
zu unterscheiden. So sind 10 Unfaelle mit jeweils einem Tag Arbeitsunfaehigkeit einem Unfall mit anschliessender lOtaegiger Arbeitsunfaehigkeit gleichwertig. Trozdem ist diese Messung fuer Vergleichszwecke
(ohne Angleichung) durchaus annehmbar.
Quelle:

"Free Men at Work"

September 1955

Vereinte Bemuehungen von Gewerkschaften und Unternehmern bei der
Lehrlingsausbildung
Zu 3eginn des Jahres 1947 zeigten sich in der bluehenden Hachkriegswirtschaft Kaliforniens, die durch den betraechtlichen 3evoelker'ungszustrom stark expandiert war, gewisse Krisenerscheinungen. Man zog
fuehrende Wirt3chaftssachverstaendige zu Rate und keiner war ueber die
Diagnose ueberrascht, zu der sie gelangten. Der Patient hat nicht zu
viel gegessen, aber seine Diaet ist falsch. Die Diaet war der allwoechentliche Zustrom Tausender neuer Buerger, durch die zwar eine
groeosere l.Iarktbasis sowohl fuer die Wirtschaft als auch die Industrie
geschaffen wurde, von denen aber nur die wenigsten die erforderlichen
Berufskenntnisse oder die noetigen Handfertigkeiten besassen.
Zum Glueck hatte man ein paar Jahre zuvor diese Entwicklung bereits
vorausgesehen. In Jahre 1539 waren Gewerkschaftsfuehrer und leitende
Industrielle uebereingekommen, eine Loesung anzunehmen, die bereits seit
langen von der organisierten Gewerkschaftsbewegung in Vorschlag gebracht
worden war, naemlich ein gemeinsames Programm von Gewerkschaften und
Management zur Heranbildung von Facharbeitern auszuarbeiten, das unter
der Schirmherrschaft einer koordinierenden Koerperschaft stehen sollte,
die zwar vom Staate finanziert wird, jedoch nach V.oeglichkeit frei von
jeglichen politischen Einfluessen bleiben sollte.

11 -

�Dies wurde durch die Inkraftsetzung des "Shelley-Maloney
Apprenticeship Standards Act" erreicht. Der fruehere Vorsitzende des
Gewerkschaftsverbandes von Kalifornien und jetziges Kongressmitglied
Shelley trug wesentlich dazu bei, eine Atraosphaere zu schaffen, die die
Annahme des Gesetzes ermoeglichte.
In den 16 Jahren, die seit der Einfuehrung des Gesetzes vergangen
sind, hat sich Kalifornien, das heute nicht mehr unter Facharbeitermangel leidet, zu einem der bedeutendsten amerikanischen Industriestaaten entwickelt. Die mit der Verwaltung des "California Apprenticeship Standards Act" betrauten 3eamten waeren jedoch die letzten, die
behaupten wollten, das Gesetz sei ein wirtschaftliches Allheilmittel.
Zumindest zeigten sich die Anfangserfolge im Hinblick auf die kalifornische Wirtschaft erst nach einiger Zeit. Die Ausbildung eines tuechtigen Gesellen erfordert je nach der Art des Handwerkszweiges vier bis
sechs Jahre.
In ihren Anfangsjahren unternahm die "Apprenticeship Division" die
schwierige Aufgabe, die wenigen von Gewerkschaften und Unternehmern
gemeinsam aufgestellten Ausbildungsplaene unter ihre Verwaltung zu
bringen; sie war dabei bestrebt, die bereits vorhandenen gewerkschaftlichen Ausbildungsstaetten den gemeinsam von Gewerkschaftern und Unternehmern geleiteten Ausschuessen zu unterstellen und setzte sich durch
Werbefeldzuege fuer bessere Ausbildungsmoeglichkeiten ein.
Inzwischen ergaben sich fuer die Industrie, allein durch die blosse
Existenz des Gesetzes und auf Grund der Tatsache, dass es ihr erstmalig
einen staendigen Nachschub an ausgebildeten Fachkraeften sicherte, die
Koeglichkeit, Erweiterungsplaene in Betracht zu ziehen.
Heute ist die "Division of Apprenticeship Standards" eine der
groessten und aktivsten Abteilungen des kalifornischen Arbeitsministeriums,
in der die Arbeit der 542 von Gewerkschaften und Unternehmern gebildeten
Ortsausschüsse koordiniert wird. Auf den Listen stehen insgesamt
17 778 in der Ausbildung stehende Lehrlinge in rund 320 verschiedenen
3erufszweigen, von denen rund 3000 ihre Gesellenpruefung bis zum Jahresende abgelegt haben duerften.
Zu den wohl bedeutendsten Merkmalen dieser 542 auf Landesebene
arbeitenden gemeinsamen Ortsausschuesse gehoeren die weitgehende Verankerung des Kollektivverhandlungswesens sowie die Anerkennung der
gewerkschaftlichen Arbeit.
In jedem dieser Ausschue3se verhandeln leitende Mitglieder des
Management, darunter sogar haeufig der Betriebsfuehrer oder der Praesident der Firma selbst, um die Bedingungen der Berufsausbildung mit den
Cewerkschaftsfunktionaeren zu besprechen.
Die Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmern bei der
Ausbildung von Fachkraeften hat sich als so erfolgreich erwiesen, dass
man heutzutage ganz Kalifornien bereisen\koennte, ohne auch nur die
leiseste Kritik von eir.et -1er beiden Parteien zu hoeren.
(Schluss folgt)
Quelle:

12

"Labor's Daily"

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 3

Mehlem, den 3 . F e b r u a r 1956
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Struktur und Mitgliedschaft
der Gewerkschaftsbewegung in USA
Vereinte Bemühungen von Gewerkschaften
und Unternehmern bei der Lehrlingsausbildung (Schluß)
Arbeitskosten und Mechanisierung
Finanzielle Zusammenarbeit zwischen
Gewerkschaften und Management
Kurznachrichten

Seite

1

Seite
Seite

6
7

Seite
Seite

9
10

William Paschell:
Struktur und Mitgliedschaft der Gewerkschaftsbewegung in USA
Das "Handbuch der Amerikanischen und Allamerikanischen Gewerkschaften" für das Jahr 1955,
das vom "Amt für Arbeitsstatistik" im USArbeitsministerium herausgegeben wird, erschien gerade zu jenem Zeitpunkt, als die
beiden großen amerikanischen Gewerkschaftsverbände - die "American Federation of Labor"
und der "Congress of Industrial Organizations"
- den Zusammenschluß zu einer einzigen amerikanischen Gewerkschaft vollzogen. Damit wird
dieses Handbuch zu einem Gradmesser, der die
Größe, Struktur und Zusammensetzung der amerikanischen Gewerkschaften zum Zeitpunkt dieses
historischen Zusammenschlusses erkennen läßt.
Die nachstehende Analyse stellt im wesentlichen
einen Auszug aus diesem Handbuch dar.
Die Gesamtmit-jliederzahl der amerikanischen und allamerikanischen Gewerkschaften * ) , die ihren Verwaltungssitz im Gebiet der Vereinigten Staaten haben, betrug zu Beginn des Jahres
*) Auf Grund des Zusammenschlusses einiger Gewerkschaften im Herbst 1955 hat sich die Gesamtzahl der amerikanischen
und allamerikanischen Gewerkschaften, die im gegenwärtigen
Handbuch aufgeführt werden, auf 195 verringert.
- 1 -

�1955 schätzungsweise 18 Millionen. Diese Zahl gliedert sich
nach Berichten der Gewerkschaften beziehungsweise nach Schätzungen des Amtes für Arbeitsstatistik wie folgt: API 10,9
Millionen, CIO 5,2 Millionen und unabhängige Gewerkschaften
1,8 Millionen. Gegenüber den letzten Schätzungen des Amtes
für Arbeitsstatistik aus dem Jahre 1951 ist die Gesamtzahl der
Gewerkschaftsmitglieder um mehr als eine Million gestiegen.
Andererseits ist bemerkenswert, daß die Zahlen von 1954 im
wesentlichen mit denen aus dem Jahre 1953 übereinstimmen, die
gleichfalls in dem genannten Handbuch aufgeführt wurden.
Für das Jahr 1954 führt das "US-Amt für Arbeitsstatistik"
199 amerikanische und allamerikanische Gewerkschaften auf.*)
Diese Zahl schließt auch jene Arbeitnehmerverbände mit einer
Gesamtzahl von etwas mehr als einer Million Mitgliedern ein,
deren Tätigkeitsbereich außerhalb der kontinentalen Vereinigten Staaten - in erster Linie in Kanada.- liegt. Unter Abrechnung dieser Million Mitglieder entspricht die Mitgliederzahl der Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten etwa einem
Viertel der Gesamtzahl der Berufstätigen oder etwa einem Drittel aller Gehalts- und Lohnempfänger in den nichtlandwirtschaftlichen Berufen. Die Gewerkschaften haben drei Millionen
weibliche Mitglieder, das heißt, daß praktisch jede 7. berufstätige Frau in den Vereinigten Staaten gewerkschaftlich organisiert ist.
Die Mitgliederzahlen der hier erfaßten Gewerkschaften bewegen sich in der Größenordnung von weniger als 100 Mitgliedern
bis zu mehr als einer Million. Auf die hier aufgeführten 124
Arbeitnehmerverbände mit weniger als 50 000 Mitgliedern entfallen etwas mehr als 1V2 Millionen der Gesamtzahl. Die sechs
großen Gewerkschaften mit mehr als je 500 000 Mitgliedern zählen zusammen beinahe 6 Millionen, das ist ein Drittel aller
Gewerkschaftsmitglieder überhaupt.
Etwa 77 000 Ortsverbände waren dabei allamerikanischen Gewerkschaften angeschlossen. Mehr als die Hälfte gehörten 19 Gewerkschaften an, die über mehr als 1000 Ortsgewerkschaften besitzen. Einige kleine, besonders stark zentralisierte Gewerkschaften haben keine Ortsverbände. Die Ortsgewerkschaften und
die allamerikanischen Verbände haben insgesamt etwa 125 000
Kollektivverträge ausgearbeitet und ihre Durchführung überwacht.
Diese Zahlen sind das Ergebnis der vierten Untersuchung
des "US-Amtes für Arbeitsstatistik", die in den vergangenen
Jahren durchgeführt wurde und sich mit Mitgliederbewegungen,
dem Wesen der amerikanischen und allamerikanischen Gewerkschaften sowie mit Angaben über Spitzenfunktionäre, Verwaltungssitz, Kongreß, Publikationen, Zahl der angeschlossenen
Ortskartelle und ähnlichen Fragen befaßte. Die Untersuchung
schloß sämtliche der AFI und dem CIO angeschlossenen Gewerkschaften ein. Solche Gewerkschaften, die keinem der genannten
großen Verbände angehörten, aber auf Bundesebene tätig waren,
d.h. mit verschiedenen Unternehmen in mehr als einem Bundesstaat Tarifverträge abgeschlossen hatten, wurden ebenfalls in
die Untersuchung einbezogen. Die Informationen stammen aus
Fragebogen, die allen Gewerkschaften durch die Post zugeschickt worden waren, die in dem genannten Sinn als amerikanische oder allamerikanische Gewerkschaften angesehen werden
*) Die Bezeichnung "allamerikanische Gewerkschaften" wird
hier für die sogenannten "international unions" gebraucht, das
sind solche Gewerkschaften, die sich auch außerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten - in erster Linie in Kanada - betätigen.
- 2 -

�konnten. In einigen Fällen wurden die Angaben noch auf Grund
anderen Quellenmaterials, darunter Gewerkschaftspublikationen, Kongreßprotokollen und dem Archiv des Amtes für Arbeitsstatistik vorliegendenTarifabkommen, ergänzt.
Es erscheint an dieser Stelle angebracht, mit Nachdruck
darauf hinzuweisen, daß die in der vorliegenden Abhandlung
angeführten Mitgliederzahlen von den betreffenden Gewerkschaften freiwillig zur Verfügung gestellt worden sind, und
daß das Amt für Arbeitsstatistik die Richtigkeit und Vollständigkeit dieser Berichte nicht an Ort und Stelle überprüft hat. Bei Gewerkschaften, die keine Angaben über ihre
Mitgliedschaft gemacht haben, wurden Schätzungen des Amtes
für Arbeitsstatistik und andere verfügbare Informationen
herangezogen.
Die Struktur der Gewerkschaftsbewegung
Vor rund 20 Jahren kam es auf dem Kongreß der American
Federation of Labor zu einer Kontroverse über die Frage, welche Organisationsform für die Massengüter-Industrien am geeignetsten sei,
die zur Bildung eines "Committee for
Industrial Organization" (.Komitee für Industriegewerkschaften)
führte. Im Jahre 1938 hielt dann die neue Organisation ihre
Gründungsversammlung ab, auf der sie sich den Namen "Congress
of Industrial Organizations" gab. Seit jenem Zeitpunkt haben
die amerikanischen Gewerkschaften, begünstigt durch eine Reihe
von Faktoren, ihre Mitglied er sc haft mehr als verdoppeln können.
Dieses Wachstum war von der zunehmenden gewerkschaftlichen
Erkenntnis ihrer Verantwortung für nationale und internationale Probleme begleitet. Die Bedeutung einer freien Gewerkschaftsbewegung, der gegenwärtig jeder vierte berufstätige
Amerikaner angehört, läßt sich wohl am besten in dem Umfang
und der Resonanz ihrer Tätigkeiten abschätzen. Die Kollektivverhandlungen einschließlich der Verhandlungen zur Festsetzung von Löhnen und Abeitsbedingungen finden von allen
Teilgebieten der gewerkschaftlichen Arbeit die meiste Beachtung. Sowohl auf Bundesebene als auch im rein örtlichen
Bereich war eine aktive und nach vielen Seiten gerichtete
Gewerkschaftstätigkeit zu verzeichnen. Hierzu kommt noch
die Erziehungsarbeit und politische Schulung, die dem Ziele
dienen, die Öffentlichkeit und die Behörden zur Mitarbeit
für die gewerkschaftlichen Ziele zu gewinnen. Die Erkenntnis von der Gemeinsamkeit der Interessen der auf dem Boden
der Demokratie stehenden GewerKscnai'tsbewegungen in aller
Welt hat zu einer immer engeren Zusammenarbeit mit freien
Gewerkschaften anderer Länder geführt. Diese und andere
Schritte sind im Rahmen der nachstenenü erörterten großen
Gewerkschaftsbewegungen unternommen worden.
AFL

und CIO
Die American Federation of Labor, die 108 allamerikanische Gewerkschaften und 50 000 Ortsverbände einschließt, ist
die älteste und größte amerikanische Gewericschaft. Dem Congress
of Industrial Organization gehören 30 allamerikanische Gewerkschaften mit 10 000 Ortsverbänden an. Darüber hinaus haben die
beiden großen Gewerkschaftsverbände noch weitere unmittelbar
angeschlossene Gewerkschaften, die nicht Teil einer der allamerikanischen Gewerkschaften sind. Der AFL waren am 30.Juni
1954 insgesamt 900 auf Bundesebene arbeitende Gewerkschaften
angeschlossen (Federal Labor Unions - FLUs) und dem CIO ge-"
hörten Ende 1954 rund 100 auf regionaler Basis arbeitende
Industriegewerkschaften (Local Industriel Unions - LIOs) an.
- 3 -

�Eine Reihe der FLUs, deren Mitglieder sich in der üblichen Weise aus Arbeitern der Industriebetriebe rekrutieren,
gehören einem der drei Organisationskomitees innerhalb der
AFI an. Hier handelt es sich um einen Gewerkschaftstyp, der
kurz vor der Erreichung des Status einer allamerikanischen
Gewerkschaft steht. Der CIO hat auf vergleichbarer Ebene
zwei Organisationskomitees.
Wesensbestandteil des Aufbaus der AFL sind fünf Abteilungen * ) , von denen 4 aus solchen Gewerkschaften gebildet
werden, die ihre Interessen in mehreren Industriezweigen vertreten. Die andere Abteilung vertritt jene Gewerkschaften, die
den Betrieben das Recht zur Kennzeichnung ihrer Produkte mit
Union Labels oder anderen Emblemen erteilen. Die Forschungsund Erziehungsabteilungen sowie die verschiedenen Sonderausschüsse sowohl der AFL als auch des CIO befassen sich mit Ermittlungsaufgaben, der Verbreitung von Informationen sowie der
Ausarbeitung von Empfehlungen für Maßnahmen, die direkt dem
Wohl der Mitglieder als Arbeiter und Bürger dienen; in ihren
Tätigkeitsbereich fallen ferner Kollektivverhandlungen, Fragen
der sozialen Sicherheit, des Wohnungsbaus, der Atomenergie, des
Mitspracherechts der Öffentlichkeit in staatlichen Dingen sowie
Maßnahmen der Unfallverhütung im Betrieb. Die "Gewerkschaftsliga für politische Erziehung" der AFL (Labor's League for
Politieal Education) und das "Komitee für politische Maßnahmen"
des CIO (Politieal Action Committee) vertreten die Ziele der
Gewerkschaften im politischen Bereich.
Jeder der beiden Gewerkschaftsverbände hält jährlich einen
Kongreß ab, auf dem die Tätigkeitsberichte vorgelegt, die Richtlinien für die künftige gewerkschaftliche Arbeit ausgearbeitet
und die Spitzenfunktionäre gewählt werden. In der Zeit zwischen
den einzelnen Jahreskongressen wird die Arbeit in der AFL vom
Präsidenten, dem Schatzmeister und den 15 Vizepräsidenten bestimmt, die zusammen den Bundesvorstand bilden. In dem CIO besteht ebenfalls ein Bundesausschuß, der sich aus dem Präsidenten, dem Vizepräsidenten für Verwaltung, dem Schatzmeister,
8 weiteren Vizepräsidenten und je einem Mitglied der angeschlossenen allamerikanischen Gewerkschaften und der Organisationskomitees zusammensetzt. Die Mitglieder der Bundesvorstände beider Gewerkschaftsverbände werden sämtlich in ihre
Posten gewählt.
Um den Problemen begegnen zu können, die innerhalb der
Einzelstaaten und Gemeinden auftauchen, sind die Organe der
AFL und des CIO nach geographischen Gesichtspunkten gegliedert.
Zu Beginn des Jahres 1955 hatte die AFL in jedem der 48 Bundesstaaten einen Regionalverband und zwei weitere Regionalverbände
in Alaska und Puerto Rico, diese wiederum gliedern sich in 829
Ortsvereine auf. Der CIO unterhält in 44 Bundesstaaten einschließlich des Districts von Columbia Regionalvorstände und
einen Territorialverband für Puerto Rico, diese sind in 296
Kommunal- und Kreisverbände gegliedert.
Es hat den Anschein, als ob der Zusammenschluß von AFL
und CIO zumindestens in der Anfangsphase keine strukturellen
Veränderungen hervorrufen wird. Auch scheint sich an der Zahl
und am Tätigkeitsbereich der Provinzial-, Stadt- und Kreisorgane nichts zu ändern. Nach den Bestimmungen des Entwurfs der
Statuten sollen die allamerikanischen Gewerkschaften die gleichen Organisationskompetenzen beibehalten, wie sie bei dem
*) Baugewerbe, Metallindustrie, Eisenbahnen, Schiffahrt
und Fragen der gewerkschaftlichen Gütemarken (Union Labels)
und Dienstleistungen.
- 4 -

�früheren Anschluß an die AFL oder den CIO abgegrenzt worden
waren. Artikel III. Abschnitt 10 des Entwurfs sieht eine
Regelung von Kompetenzfragen zwischen verschiedenen Gewerkschaften auf frelrilliger Basis v o n
"Die angeschlossenen Gewerkschaften sollen angeregt werden, etwaige Konflikte und Überschneidungen in der Organisation und Jurisdiktion durch entsprechende Vereinbarungen,
Zusammenschluß oder andere Mittel auf Grund freiwilliger
Übereinkünfte und unter gleichzeitiger Konsultation der zuständigen Funktionäre des Gesamtverbandes beizulegen beziehungsweise zu vermeiden."
Nach den gegenwärtigen Plänen soll die Verschmelzung
der Provinzial-, Territorial- und Ortsverbände innerhalb
von zwei Jahren verwirklicht werden.
In Anerkennung des im Entwurf der Statuten dargelegten
Prinzips, demzufolge "sowohl Facharbeiter- als auch Industriegewerkschaften zweckdienliche, gleichberechtigte und notwendige Formen der gewerkschaftlichen Organisation darstellen",
soll innerhalb des AFL/CIO-Verbandes eine weitere Abteilung
für die Industriegewerkschaften errichtet werden.
In Zukunft wird der Gewerkschaftskongreß alle zwei Jahre
- und nicht mehr wie bisher alljährlich - abgehalten werden.
In der Zeit zwischen zwei Kongressen soll der neue Verband
von drei Vollzugsorganen geleitet werden, diese sind:
1. Der Bundesvorstand, als Lenkungsorgan, der sich aus
dem Präsidenten, dem Schatzmeister und den 27 Vizepräsidenten zusammensetzt und mindestens dreimal im Jahr zusammentritt.
2. Der Bundesausschuß, als beratendes Organ, der sich aus
dem Präsidenten, dem Schatzmeister und 6 Vizepräsidenten zusammensetzt und vierteljährlich einmal zusammentritt.
3. Der Vollzugsausschuß, der aus den Mitgliedern des
Vorstands und je einem der Spitzenfunktionäre- aller angeschlossenen amerikanischen und allamerikanischen Gewerkschaften besteht und die Entscheidungsbefugnis über Fragen ausübt,
die den einzuschlagenden Kurs betreffen und die ihm vom Bundesvorstand oder Bundesausschuß unterbreitet werden. Der Vollzugsausschuß tritt jährlich mindestens einmal zusammen.
Die Vereinigung der Gewerkschaften der Eisenbahnbediensteten
Die "Vereinigung der Gewerkschaften der Eisenbahnbediensteten" (Railway Labor Executives' Association" - RLEA -)
besteht aus den Vorständen von 19 gewerkschaftlichen Organisationen, von den 16 der AFI und eine der CIO angehören und
zwei unabhängig sind. Zwölf der angeschlossenen Gewerkschaften
vertreten ausschließlich Interessen von Beschäftigten der Eisenbahnen, während die übrigen 7 hauptsächlich als Interessenvertretung anderer Berufsgruppen tätig sind. Abgesehen von dem
Eisenbahnbetriebspersonal, das in 3 nicht der "RLEA" angeschlossenen Gewerkschaften organisiert ist, vertreten die genannten 19 Gewerkschaften den größten Teil aller Beschäftigten der Eisenbahnlinien der Vereinigten Staaten * ) . Die RLEA
ist jedoch kein Dachverband, sie ist vielmehr ein Aktionsausschuß
*) Zwei der nicht dem RLEA angeschlossenen drei Gewerkschaften der Eisenbahnbediensteten haben ihre Absicht bekanntgegeben, vom Jahr 1956 an gleichfalls Vertreter in den Aktionsausschuß zu entsenden.

-5 -

�für Fragen der Arbeitsgesetzgebung und anderen Problemen,
die unmittelbar die Interessen der Eisenbahnbediensteten
berühren.
Quelle:

"Monthly Labor Review"

Vol. 78

No. 11

Vereinte Bemühungen von Gewerkschaften und Unternehmern
bei der Lehrlingsausbildung (Schluß)
Das bedeutet nicht, daß sich keine Probleme ergeben.
Es gibt sogar eine ganze Menge, und manche sind sogar recht
schwerwiegend. Die meisten Probleme werden auf lokaler Ebene
erörtert. Jeder Ausschuß besitzt völlige Unabhängigkeit bezüglich der Art und des Umfangs des Ausbildungsprogramms.
Taucht ein Problem auf, das nicht zufriedenstellend gelöst
werden kann, so kann der Ortsausschuß die "Division of
Apprenticeship Standards" zu Rate ziehen. Für solche Fälle
setzt die Abteilung einige der insgesamt 48 Experten für
den Außendienst an, die den Ausschüssen dann mit Rat und
Tat zur Verfügung stehen und die über eine reiche Erfahrung verfügen.
Zu den wichtigsten Funktionen der Abteilung gehört es,
Informationen zu sammeln und sie anschließend den im Außendienst stehenden Experten und den gemeinsamen Ausschüssen
zur Verfügung zu stellen. Die Zentrale der Abteilung, in der
alle Fäden zusammenlaufen, liegt in San Francisco. Hier werden auch alle Sitzungsprotokolle und schriftlich getroffenen
Vereinbarungen der verschiedenen Ausschüsse aufbewahrt. Außerdem befinden sich hier sämtliche Unterlagen über die 104 107
Lehrlinge, die die Abteilung seit dem Jahre 1939 registriert
hat.
Das umfangreiche, in viele Aktenschränke eingeordnete
Zahlenmaterial wird mit Hilfe des Hollerithsystems tabelliert. Auf diese Weise läßt sich zum Beispiel in wenigen
Augenblicken ermitteln, wieviel Unternehmer die Ausbildungsprogramme subventionieren oder wieviel Lehrlinge es in dem
jeweiligen Berufszweig gibt.
Im Büro des Leiters dieser Dienststelle sind die Wände
mit graphischen Darstellungen bedeckt. Aus der einen Tafel
kann man das jeweilige Arbeitsgebiet der im Außendienst
stehenden Berater ersehen, andere wiederum zeigen die Beschäftigungslage in den einzelnen Handwerkszweigen oder
stellen die Zahl der in der Ausbildung befindlichen Fachkräfte dem künftigen Bedarf gegenüber.
Die Richtlinien der Abteilung werden vom Rat für das
Lehrlingswesen bestimmt, der sich aus vier Personen zusammensetzt, und zwar je einem Vertreter der Gewerkschaften,
der Betriebsführung, der Öffentlichkeit, sowie dem Leiter
der Division, Charles F. Hanna. Viele der 48 im Außendienst stehenden Berater, die vielleicht die wichtigsten
Funktionen der freiwilligen beruflichen Ausbildungsprogramme erfüllen, sind selbst früher Lehrlinge gewesen,
die dann später als Gewerkschaftsfunktionäre oder leitende
Angestellte Erfahrung in Industriebeziehungen sammelten.

- 6 -

�Obwohl diese Berater hinsichtlich der Standardisierung
der Ausbildungspraktiken innerhalb der einzelnen Tätigkeitssparten ein entscheidendes Wort mitzureden haben, so bestimmt
doch jeder Ausschuß den Inhalt des eigenen Programms, das
ganz auf die lokalen Erfordernisse abgestellt ist.
Die hervorragenden Leistungen der Ausschüsse in bezug
auf die Ausbildung erstklassiger Fachkräfte werden heute allgeoiein anerkannt. In den letzten Jahren haben Lehrlinge, die
an diesen Ausbildungsprogrammen teilgenommen hatten, bei
Leistungswettbewerben hervorragend abgeschnitten und zahlreiche Preise gewonnen.
Nicht jeder Teilnehmer an diesen Ausbildungsprogrammen
besteht die Abschlußprüfung. Mehr als ein Viertel von ihnen
versagt, ändert seine beruflichen Pläne oder wird zur Ableistung der Militärdienstpflicht herangezogen.
Diejenigen, die die Abschlußprüfung bestanden haben,
müssen jedoch noch viel leisten, ehe sie das endgültige
Diplom bekommen. Einige Berufe, w i e zum Beispiel der des
Druckers erfordern eine sechsjährige Ausbildungszeit, die
übrigens unter der Leitung der Allamerikanischen Druckergewerkschaft steht. In einem vier Jahre währenden Kursus
entfallen durchschnittlich 800C Stunden auf den praktischen
Unterricht, weitere 576 Stunden theoretischen Unterrichts
werden in Abendkursen, die zweimal wöchentlich stattfinden,
erteilt.
Cuelle:

"Labor's Laily"

Arbeitskosten und Mechanisierung
Warum produzieren die amerikanischen Arbeiter pro
Arbeitsstunde im Durchschnitt mehr als die Arbeiter in
anderen Industrieländern, obwohl Wissen und handwerkliches Können im allgemeinen in gleichem Maße vorhanden
sind ?
Um diese schwierige Frage beantworten zu können,
führte Dr. Seymour Melman, außerordentlicher Professor
für Industrietechnik an der Columbia-Universität, eine
Studie über Produktionsvorgänge und -methoden in den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern durch. Er kam dabei
zu dem Schluß, daß die Entwicklung von Maschinen und Arbeitsmethoden zur Steigerung der Produktivität von dem Verhältnis zwischen Arbeits- und Maschinenkosten abhängt. Mit
anderen Worten, Dr. Melman ist der Ansicht, daß die mit der
Anwendung einer neuen Produktionsmethode verbundenen Kosten
ausschlaggebend für ihre Wahl sind. Historische und kulturelle Faktoren haben dabei den Einfluß hoher oder niedriger
Verhältniszahlen zwischen Lohn- und Maschinenkosten auf die
Bestimmung des Mechanisierungsgrades in der Industrie nicht
verhindert.
Die Auswahl von Produktionsmethoden kann durch ein einfaches Beispiel illustriert werden: das Problem der Beförderung von Fässern von einem Ort zum anderen. Es gibt drei
Transportmöglichkeiten: Mit einem einfachen Handwagen, einem
Elektrokarren oder einem Gabelstapler. Ein Arbeiter kann mit

- 7-

�einem Handwagen pro Stunde 17 Fässer transportieren; mit
dem Elektrokarren 53 Fässer und mit einem Gabelstapler
120 Fässer. Mit Ausnahme des Arbeitslohns fällt die Beförderung mit einem Handwagen finanziell nicht ins Gewicht; die Kosten für einen Transport mit dem Elektrokarren betragen 1,60 Dollar pro Stunde und die Verwendung
des Gabelstaplers 7 Dollar pro Stunde. Bringt man Aufwand
und Menge in ein Verhältnis zu den Arbeitskosten, so ist
es möglich aufzuzeigen, daß an einem bestimmten Punkt die
Arbeitskosten den Aufwand, den eine Mechanisierung des Arbeitsvorganges erfordern würde, übersteigen, so daß eine
Fortführung der manuellen Tätigkeit nicht mehr gegeben ist
und eine Mechanisierung die wirtschaftlichere Lösung darstellt.
Dr. Melman stellte weiter fest, daß in allen Ländern
die Arbeitskosten schneller steigen als die Maschinenkosten. Er glaubt, daß dies zumindest zum Teil darauf
zurückzuführen ist, daß die Firmen, die Industriemaschinen
herstellen, selbst mit steigenden Arbeitskosten zu tun
haben. Aus diesem Grunde haben sie arbeitssparende Produktionsmethoden eingeführt und sind daher in der Lage,
die gleichen Maschinen mit einem geringeren Aufwand an
kostspieliger menschlicher Arbeitskraft herzustellen.
Dr. Melman behauptet, daß ausreichende statistische
Unterlagen vorlägen, um zu beweisen, daß in praktisch jedem
industrialisierten Land nahezu 80$ der Produktivitätsabweichungen auf die Schwankungen des Kostenverhältnisses zwischen
Arbeits- und Maschineneinsatz zurückzuführen sind. Die übrigen 20$ oder mehr erklären sich aus einer Vielzahl sonstiger
Faktoren, von denen einige, wie beispielsweise das Vorhandensein von Elektrizität und Rohmaterial, in den Arbeits- und
Maschinenkosten zum Ausdruck kommen.
Die von dem Autor durchgeführten Werkanalysen innerhalb
eines einzelnen Industriezweiges ergeben, daß bei gleichen
Maschinenpreisen dieser Werke die Produktivität in direkter
Beziehung zu dem Durchschnittsstundenlohn der Produktivarbeiter steht. Solche Betriebe, die im besonderen Maße einem
starken Lohndruck ausgesetzt sind, haben dabei die durchgreifendsten Maßnahmen hinsichtlich der Verwendung arbeitssparender Produktionsmethoden und Maschinen ergriffen. In
den meisten Fällen vollziehen sich jedoch die Wechsel in
der Produktionstechnik nicht von heute auf morgen.
Dr. Melman stellte fest, daß eine Firmengruppe innerhalb
der Fertigungsindustrie etwa fünf Jahre für die Umstellung
ihrer Produktionsmethoden benötigte.
Nach Ansicht Dr. Melmans ist das Froduktivitätsniveau
in den seltensten Fällen das bewußte Ziel von Management
oder Arbeiterschaft; es wird auch nicht einmütig von einer
dieser beiden Gruppen festgelegt. Management und Arbeiterschaft versuchen jeder für sich, mit ihren eigenen Problemen fertig zu werden. Die Auswirkung ihres jeweils ausgeübten Druckes zwingt die Gegenpartei, eine Lösung für die
Probleme zu finden, die der andere verursacht hat. Die Arbeiter sind bemüht, ihren Lebensstandard zu verbessern, indem
sie höhere Löhne fordern. Hierdurch erwachsen der Betriebsleitung Kostenprobleme. Diese Probleme machen eine Revision
der Produktionsmethoden notwendig. So ist die Produktivität

- 8 -

�in erster Linie die Auswirkung des von der Arbeiterschaft ausgeübten Druckes der Forderung nach höheren Löhnen und der Bemühungen des Management, die Kosten zu verringern.
Quelle:

"Free Men at Work", No. 34

Finanzielle Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Management
Gewerkschaftliche Zuschüsse an Fonds, die der Industrie
als Ganzes zugute kommen, sowie direkte Kredite an Unternehmer
sind noch immer so außerordentlich selten, daß sie besonderer
Erwähnung bedürfen. Vor einigen Wochen sind drei solcher Zuwendungen erfolgt. Andere Beispiele dieser Art lassen sich aus den
letzten Jahren anführen, besonders aus der Bekleidungsindustrie,
wo verschiedene Gewerkschaften mit Unternehmern oder Wirtschaftsverbänden zusammenarbeiteten, um den Absatz von Industrieprodukten zu steigern.
Die Schuharbeitergewerkschaft gab zum Beispiel bekannt,
daß sie Jedem von der Schuhindustrie organisierten und unterhaltenen Fonds 100 000 Dollar zukommen lassen werde, damit
ein umfassendes Werbeprogramm zur Förderung des Schuhabsatzes
durchgeführt werden kann.
John J. Mara, der Vorsitzende der Gewerkschaft, erklärte
daß "die Schuharbeitergewerkschaften an dem Gedeihen und der
Ausweitung dieses großen Industriezweigs außerordentlich interessiert sind, denn eine noch stärker prosperierende Industrie bedeutet auch gleichzeitig größere Sicherheit und einen
höheren Lebensstandard für die 250 000 Schuharbeiter Amerikas.
Neue Abnehmerkreise zu gewinnen, ist für die Schuharbeitergewerkschaften von genauso vordringlicher Bedeutung wie für
die 25 000 Schuheinzelhandelsgeschäfte, die 1000 Schuhfabrikanten und die mehreren Tausend Mitgliedsfirmen verwandter
Branchen. Wir alle haben ein gleiches Interesse, dieses Ziel
zu erreichen".
Ein ausführlicher, von der Gewerkschaft ausgearbeiteter
Wirtschaftsbericht wies darauf hin, daß der Schuhverbrauch
pro Kopf im Laufe der letzten 10 Jahre vom Standpunkt des
stetigen Fortschritts aus betrachtet, unbefriedigend und unregelmäßig gewesen sei. Der Absatz an Damenschuhen habe zwar
zugenommen, dafür sei jedoch die Verkaufsziffer für Männerund Knabenschuhe zurückgegangen.
Im "Shoe Workers' Journal" heißt es in einem Leitartikel,
daß an das Angebot der Gewerkschaft keine Bedingungen geknüpft
seinen, außer derjenigen, daß die Zuschüsse "einem unter der
Schirmherrschaft der Industrie stehenden nationalen Fonds zur
Förderung des Schuhabsatzes zufließen sollen, der dazu verwendet werden soll, die amerikanische Öffentlichkeit dazu
anzuregen, mehr Schuhe zu kaufen. Es gibt aber noch andere
Dinge, die ebenfalls von der Industrie getan werden können,
und wo immer unsere Gewerkschaft dazu beitragen kann, die
Prosperität und die Ausweitung der Industrie zu fördern,
sind wir bereit, gewissenhaft und aktiv mitzuarbeiten."

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�Ein weiteres gemeinsames Förderungsprogramm ist in den
Kollektivvertrag zwischen der Stukkateurortsjewerkschaft
Nr. 224 und dem Stukkateurunternehmerverband von Santa Clara
County in Kalifornien aufgenommen worden. Dieser Vertrag bestimmt, daß jeder Arbeiter von seinem Lohn pro Arbeitsstunde
1V2 Cent in einen Fonds abzuführen hat, in den der Arbeitgeber einen jleichhohen Beitrag abführt und dessen Mittel
für einen Reklamefeldzug zur Hervorhebung der Vorzüge von
Gipsmörtel gegenüber anderen Baumaterialien verwendet werden
sollen.
Ein ähnlicher Plan wurde vor einem Jahr auf rein freiwilliger Basis erfolgreich zur Durchführung gebracht, als
die Gewerkschaftsmitglieder einen Tageslohn an den Fonds
abführten und die Arbeitgeber einen Zuschuß in gleicher
Höhe leisteten. John H. Dunlea, der Vorsitzende der "Builders
Exchange Business Manager" von Santa Clara County-, bezeichnete
diesen Plan als wesentlichen Beitrag zur Förderung besserer
Arbeitsbeziehungen, da er dem Arbeiter das Gefühl der Beteiligung am Betrieb gebe.
Eine andere Form der finanziellen Zusammenarbeit wurde von
den Mitgliedern der"Vereinigten Bekleidungsarbeitergewerkschaft"
(ACW) erfolgreich angewendet. Die über 500 organisierten Beschäftigten der "Hamilton Tailoring Co." in Cincinnati (Ohio)
stellten der Firme leihweise 100 000 Dollar zur Verfügung, um
ihr aus vorübergehenden finanziellen Schwierigkeiten zu helfen,
die durch die kurz vorher erfolgte Neuerwerbung weiterer Schneiderwerkstätten ausgelöst wurden.
Das Geld wurde der Schneidereifirma von dem Leiter des
Vorstandes der Vereinigten Bekleidungsarbeiter in Cincinnati,
Jack Kroll, übergeben. Den Beschäftigten werden dabei 10#
ihres Lohnes als ihr Kreditanteil abgezogen. Hierfür erhalten
sie 3V2prozentige Schuldverschreibungen. Die Firma zahlt der
Gewerkschaft monatlich 10 000 Dollar, bis die Schuld getilgt
ist.
Auf die Frage, warum die Gewerkschaft der Betriebsführung
einen Kredit gewährt, erklärte Mr. Kroll: "Unsere Mitglieder
arbeiten dort, es ist ihre Arbeitsstätte. Das Ziel der Gewerkschaft ist es, die Arbeitsplätze ihrer Mitglieder zu erhalten.
Wir betrachten uns als Teil der Industrie."
Quelle:

"Free Men at Work", No. 34

Kurznachrichten
"Garantierter Jahreslohn" bereits in 252 Betrieben
Die "Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft" (UAW)
gab bekannt, daß 1 002 098 Arbeiter, das sind zwei Drittel
ihrer Mitglieder, gegenwärtig von Verträgen erfaßt werden,
die Bestimmungen über die Gewährung von zusätzlicher Arbeitslosenunterstützung oder den "Garantierten Jahreslohn" enthalten.
Die Aufnahme dieser Klauseln in Tarifverträge setzte die
Gewerkschaft in weniger als sieben Monaten durch, wohingegen
- 10

�sie für die Aufnahme von Altersversorgungsbestimmungen für
eine Million Mitglieder nahezu zwei Jahre benötigte.
Die Ford Motor Co. war die erste Automobilfirma, die
dem Plan zustimmte; sie unterzeichnete ihn am 8.Juni 1955.
Gegenwärtig gibt es 232 Groß- und Kleinbetriebe, die die
garantierte Jahreslohnklausel in ihre Vereinbarungen mit
der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft aufgenommen
haben.

Neues Lohnabkommen in der Schuhindustrie
Die amerikanische Schuharbeitergewerkschaft (Boot and
Shoe Workers Union) beendete kürzlich ihren vierwöchigen
Streik ge^en zwei Unternehmen, nachdem man sich über die
Bedingungen bezüglich der Beilegung des Streiks geeinigt
hatte, die als die bisher "besten in der Industrie" bezeichnet wurden. 29 000 Arbeiter in 42 Werken der "International
Shoe Company" und der "Brown Shoe Co." im Gebiet v o n
St. Louis waren an diesem Streik beteiligt.
Russell Taylor, der Vorsitzende der Schuharbeitergewerkschaft erklärte, daß die Verhandlungen nur durch eine
sehr enge Zusammenarbeit erfolgreich abgeschlossen werden
können.
Das Abkommen wurde für eine Dauer von zwei Jahren abgeschlossen, mit der Möglichkeit es unter Umständen noch
auf ein drittes Jahr auszudehnen. Die Vereinbarung sieht
unter anderem eine 5prozentige Lohnerhöhung vor, und zwar
rückwirkend ab I.Oktober 1955, sowie Feiertagsvergütung
für den amerikanischen Heldengedenktag (Veterans Day) und
Erntedanktag (Thanksgiving Day). Eine weitere dreiprozentije Lohnerhöhung soll am I.April dieses Jahres wirksam
werden.
Über die Annahme der von den Fabrikanten vereinbarten
Altersversorgungsbestimmungen wird die Gewerkschaft in 18
Monaten entscheiden. Der Gewerkschaft steht dann eine
90tägige Frist zu, während der sie die Pläne der Fabrikanten
annehmen oder verwerfen oder ihre eigenen Vorschläge unterbreiten kann.
Im Sommer werden die Firmen für 14 Tage ihre Produktion
einstellen und Betriebsferien machen. Für diese Zeit erhalten die Arbeiter ihren Lohn im voraus. Diese Regelung ist
bisher einmalig in der Industrie.

Weibliche Arbeitskräfte in den USA
Kürzlich erörterten 21 Abgeordnete führender amerikanischer Frauenorganisationen und Vertreter des "National
Manpower Council" die Probleme, die sich im Zusammenhang
mit dem Einsatz weiblicher Arbeitskräfte in der Industrie
ergeben.
Der "Manpower Council», der durch die Ford-Stiftung unterstützt wird, arbeitet zur Zeit an einer Studie über
- 11 -

�"weibliche Arbeitskräfte in den USA", die im kommenden
Sommer veröffentlicht werden soll.
Nach dem Bericht Dr. Henry Davids, des leitenden
Direktors dieser Organisation, haben die Diskussionen
ergeben, daß die steigende Zahl berufstätiger amerikanischer Ehefrauen den überkommenen Begriff "einer voll und
ganz in ihrem Beruf aufgehenden Frau, die ledig bleibt"
hinfällig werden läßt. David bemerkte, daß etwa 30 Prozent
des amerikanischen Arbeitspotentials aus verheirateten
Frauen besteht.Er fügte "hinzu, daß im Jahre 1890 nur
2Y2 Prozent der berufstätigen Frauen verheiratet waren,
mit Ausnahme der in der Haus- oder Landwirtschaft tätigen Hilfskräfte.

12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht wercjen.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

II - 4

Mehlem, den 17. Februar 1956
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Struktur und Hitgliedschaft der Gewerkschaftsbewegung
in USA (Schlues)

Seite

1

Wie der amerikanische Automobilarbeiter lebt

Seite

7

Gewerkschaftsfuehrer im Exil berichten ueber das Los
der Arbeiterschaft in sowjetischen Satellitenstaaten ...
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 10
Seite 11

William Paschelli
Struktur und Mitgliedschaft der Gewerkschaftsbewegung in USA (Schluss)
Nlchtangeschlossene oder unabhaengige Gewerkschaften
Ende 1955 waren dem "US-Amt fuer Arbeitsstatistik" 57 allamerikanische Gewerkschaften bekannt, die als sogenannte unabhaengige oder
nichtangeschlossene Gewerkschaften gelten koennen, da sie weder der
AFL noch dem CIO angehoeren. Ihre Gesamtmitgliederzahl betrug im Jahre
1954 schaetzungsweise 1,8 Millionen und war damit gegenueber den Schaetzzahlen von 1951 um 0,7 Millionen zurueckgegangen. Dieser Rueckgang ist
zum Teil auf den Beitrtitt frueherer unabhaengiger Gewerkschaften zur
AFL oder CIO zurueckzufuehren. Zu diesen unabhaengigen Verbaenden gehoeren einige der aeltesten und bekanntesten Arbeitnehmerorganisationen,
wie die vier "Gewerkschaften des Eisenbahnbetriebspersonals" und die
"Vereinigte Bergarbeiter-Gewerkschaft" (United Mine Workers of America UMW). Saemtliche in diese Untersuchung einbezogenen unabhaengigen Gewerkschaften haben, mit Ausnahme der Gewerkschaften der Bundesbediensteten, Kollektivvertraege mit Arbeitgebern in mehr als einem Bundesstaat
abgeschlossen.
Von den 11 Gewerkschaften, die in den Jahren 1949-1950 vom CIO
auf Grund ihrer kommunistischen Tendenzen ausgeschlossen wurden, bestehen
heute nur noch vier, und zwar die "Vereinigte Gewerkschaft der Arbeiter
der Elektro-, Radio- und Maschinenindustrie" (United Electrical, Radio
and Machine Workers of America), die "Allamerikanische Gewerkschaft der

- 1 -

�Arbeiter im Bergbau und Huettenwesen" (international Union of Mine, Hill
and Smelter Workers), die "Allamerikanisohe Gewerkschaft der Hafen- und
Lagerarbeiter" (international Longshoremen's and Warehousemen's Union)
und die "Amerikanische Gewerkschaft fuer das Pernmeldewesen" (American
Communications Association). Ihre Gesamtmitgliederzahl ging auf etwa ein
Drittel des Standes vom Zeitpunkt des Ausschlusses (850 000 bis 900 000)
zurueck. Der Mitgliederschwund laesst sich auf verschiedene Ursachen zurueckfuehren; dazu gehoeren die Uebertritte in die Gewerkschaft der
Elektro-, Radio- und Maschinenmechaniker und in die Vereinigten Gewerkschaften der Arbeiter in der Automobil-, Plugzeug- und Landwirtschaftemaschinenindustrie" (United Automobile, Aircraft and Agricultural Implement Workers - UAW), die Aufloesung mehrerer linksorientierter Gewerkschaften und der Beitritt ihrer Mitglieder zu Gewerkschaften innerhalb
der AFL oder des CIO, der Erwerb des Status einer angeschlossenen Gewerkschaft seitens einiger dieser Arbeitnehmerverbaende durch den Beitritt
zu einem der grossen Verbaende sowie die Gegnerschaft sowohl der fuehrenden Maenner der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung als auch der gesamten
Arbeiterschaft zu den kommunistisch beherrschten Verbaenden.

Die Gesamtmitgliederzahl
Die Berichte von 177 amerikanischen und allamerikaniechen Gewerkschaften, ergaenzt durch die Schaetzungen des "US-Amtes fuer Arbeitsstatistik"
im Falle jener 22 Gewerkschaften, die keine Mitgliederzahlen bekanntgegeben haben, ergaben fuer das Jahr 1954 eine Gesamtzahl von 17,757 Millionen. Unter Hinzurechnung der Mitglieder der der AFL angeschlossenen Gewerkschaften Oeffentliche Dienste (184 000) und der dem CIO angehoerenden
kleineren oertlichen Industriegewerkschaften (15 000) laesst sich die Gesamtmitgliederzahl auf 18 Millionen beziffern. Hiervon entfallen 10,9
Millionen auf die AFL, 5,2 Millionen auf den CIO und 1,8 Millionen auf
die unabhaengigen Gewerkschaften. Etwas mehr als eine Million Gewerkschaftsmitglieder haben ihren Wohnsitz ausserhalb der Vereinigten Staaten.
Die Gesamtmitgliederzahl von 18 Millionen gibt kein genaues Bild von
der Zahl der Menschen, die in den Vereinigten Staaten innerhalb der Arbeiterbewegung stehen. Mindestens 355 000 Mitglieder wurden von verschiedenen Gewerkschaften nicht in ihren Berichten aufgefuehrt, darunter Arbeitslose und Arbeiter, die in irgendwelche Streiks verwickelt waren oder
ihre Dienstzeit bei den Streitkraeften ableisteten, sowie Lehrlinge und
pensionierte Arbeiter. Das sind alle jene Personen, die voellig oder teilweise von der Beitragspflicht befreit waren. Die Mitglieder von nichtangeschlossenen oder unabhaengigen Gewerkschaften, deren Taetigkeitsbereich sich nicht ueber mehrere Bundesstaaten erstreckt, blieben gleichfalls
unberuecksichtigt. Wie aus den vorliegenden Kollektivvertraegen solcher
Gewerkschaften ersichtlich ist, fallen in diese Kategorie mindestens
500 000 Arbeiter.
Mitglieder, die ihren Wohnsitz nicht im Gebiet der Vereinigten Staaten haben
Von den 199 amerikanischen und allamerikanischen Gewerkschaften betaetigen sich 132 auch jenseits der Grenzen der kontinentalen Vereinigten
Staaten, so in Kanada, Hawaii, Puerto Rico und in der Panamakanal-Zone.
Von ihnen hatten 73 sich in ihrer Taetigkeit ausserhalb der Vereinigten
Staaten ausschliesslich auf Kanada beschraenkt, weitere 45 betaetigen sich
in Kanada und anderen Gebieten gleichzeitig, waehrend 14 von ihnen sioh
ueberhaupt nicht in Kanada betaetigten. Die Gesamtmitgliederzahl dieser
Gewerkschaften in Gebieten ausserhalb der Vereinigten Staaten belief sich
im Jahre 1954 auf 1,039 Millionen. Der groesste Anteil entfiel dabei auf
Kanada, wo es 118 allamerikanische Gewerkschaften mit 935 000 Mitgliedern
gibt. Auf die uebrigen Gebiete, die praktisch alle Territorien oder Besitzungen der Vereinigten Staaten sind, entfielen rund 105 000 Mitglieder,

- 2 -

�die sioh wie folgt verteiltem Puerto Rico 53 000, Hawaii 33 000, Alaska
16 000 und Panamakanal-Zone 2000. Fast die gesamten organisierten Arbeiter in Puerto Rico und in Hawaii gehoeren je einer Gewerkschaft an, waehrend sich die Mitglieder in Alaska und in der Kanal-Zone auf eine ganze
Reihe von Gewerkschaften verteilen. Weitere 1000 Mitglieder von 5 Gewerkschaften leben in verschiedenen Teilen der Welt.
Entwicklungstendenzen der Mitgliederzahl
Nachdem die staendig ruecklaeufige Entwicklung der Gesamtzahl der
Gewerkschaftsmitglieder zu Beginn der dreissiger Jahre, in der Zeit der
Depression, zum Stillstand gekommen war, begann ein bisher einmaliger Anstieg, der bis Mitte der vierziger Jahre anhielt. Von 1935 bis 1940 stieg
die Mitgliederzahl von 3,5 Millionen auf mehr als 8,5 Millionen und erreichte im Jahre 1945 beinahe 14,5 Millionen. Seitdem ist eine etwas langsamere Aufwaertsentwicklung zu verzeichnen. Die Wachstumsrate wird erst
dann voll ersichtlich, wenn man die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften
in Beziehung zur Gesamtbeschaeftigtenzahl bringt, da das Heer der Werktaetigen das Reservoir darstellt, aus dem die Gewerkschaften ihre Mitglieder
rekrutieren koennen. Wir haben zum Zwecke des Vergleichs zwei Serien von
statistischen Angaben herangezogen: a) die Gesamtzahl der Arbeitsfaehigen,
die sowohl die tatsaechlich Berufstaetigen, als auch Arbeitslose, selbstaendig Berufstaetige und die Angehoerigen der Streitkraefte und so weiter
einschliesst; und b) die Zahl der Berufstaetigen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben, bei der die Angehoerigen der Streitkraefte, Arbeitslose,
landwirtschaftliche Hilfskraefte und Selbstaendige, unentgeltlich mitarbeitende Familienangehoerige und Dienstpersonal - Personengruppen, die
ohnehin kein besonderes Interesse am gewerkschaftlichen Zusammenschluss
zeigen - angeschlossen sind.
Von 1930 bis 1945 stieg der Anteil der Gewerkschaftsmitglieder an der
Gesamtzahl der Arbeitsfaehigen von 7 auf 22 $. Im Jahre 1954 betrug er
nahezu 25 $&gt;, das heisst mit anderen Worten, jeder vierte Arbeiter stand
innerhalb der Gewerkschaftsbewegung. Wenn man die Gesamtzahl der Werktaetigen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben zugrunde legt, die bekanntlich
den Hauptanteil an den Gewerkschaftsmitgliedern stellen, so kommen wir
auf noch guenstigere VerhaeltniszahDen: hier ist von 1930 Die Kriegsende
1945 «in Anstieg von 12 auf 369t zu verzeichnen. Seit jener Zeit haelt der
Zuwachs an Mitgliedern etwa mit der Zunahme der Beschaeftigten in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben Schritt. So traf im letzten Jahrzehnt
praktisch ein Gewerkschaftsmitglied auf 3 Beschaeftigte in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben.
Auf Jahresbasis angestellte Vergleiche von Gesamtmitgliederzahlen
geben nur unzulaenglich Aufschluss ueber Zuwachs und Abgang innerhalb der
verschiedenen Gewerkschaften. Waehrend beispielsweise die Gesamtmitgliederzahlen von 1953 auf 1954 um 0,5 $&gt; anstiegen, schwankten sie bei ueber
einem Fuenftel der Gewerkschaften, die den Fragebogen des Amtes fuer Arbeitsstatistik ausgefuellt haben, um 10$ und mehr. Zwischen 1951 und 1954
waren bei schaetzungsweise der Haelfte aller Gewerkschaften Abnahmen oder
Zugaenge um 10$ und darueber zu vermerken, und nur bei 3°$ aller Gewerkschaften war eine Fluktuation um weniger als 5$ eingetreten.
Es faellt sehr schwer, jene Faktoren, die zu solchen Veraenderungen
fuehrten, klar aufzuspueren und in ihrer Bedeutung zu erfassen. Einige von
diesen, so etwa die Zunahme der Mitgliederzahl einer Gewerkschaft auf
Kosten einer anderen, und Gewerkschaftszusammenschluesse, bei denen die
gesamte Mitgliederschaft geschlossen in einen anderen Verband uebergefuehrt
wird, bringen keinen echten Mitgliederzuwachs t'uer die Arbeiterbewegung
als Ganzes. Andere Faktoren wiederum, wie der Rueckgang oder die Zunahme
der Beschaeftigtenzahl in Industrien, in denen die Arbeiterschaft stark

- 3-

�gewerkschaftlich orientiert ist, bringen Verluste oder Gewinne mit sich,
die siöh auch auf die Gesamtmitgliederzahlen auswirken koennen. Die Auswirkungen der sogenannten Union-Shop-Vereinbarungen - Vereinbarungen zwischen den Gewerkschaften und Unternehmern ueber die Festsetzung der Arbeitsbedingungen, die den Beitrtitt zur Gewerkschaft als eine Voraussetzung
fuer die Beschaeftigung vorsehen - haben zweifelsohne erheblichen Anteil
an dem Steigen der Mitgliederzahlen der Gewerkschaften in juengerer Zeit,
auch wenn diese Praktiken in einigen Industriezweigen schon seit langem
geuebt werden.
Groe38enordnungen
Sie amerikanische Arbeiterbewegung ist nach wie vor dadurch gehemmt,
dass ein hoher Prozentsatz der Gesamtmitgliederzahl auf einige wenige
Gewerkschaften entfaellt. Fast die Haelfte der Gesamtmitgliederzahl von
199 Gewerkschaften entfaellt auf 13 Verbaende. Sechs Gewerkschaften mit
jeweils ueber 500 000 Mitgliedern vertreten die Interessen von mehr als
5,9 Millionen Werktaetigen, das ist ein Drittel der Gesamtmitgliederzahl.
Die Mitgliederzahl ist jedoch nicht notwendigerweise der Gradmesser fuer
die Staerke einer Gewerkschaft. Die grossen allamerikanischen Verbaende
haben natuerlich groessere Moeglichkeiten, die ihnen angeschlossenen Ortsverbaende finanziell und anderweitig zu unterstuetzen. Andererseits haben
haeufig kleinere Gewerkschaften, die sich in weniger stark besetzten Industrien betaetigen und jene, deren Arbeiter auf Grund der von ihnen ausgeuebten Taetigkeit eine gewisse Schluesselstellung einnehmen, eine Macht,
die aus ihren Mitgliederzahlen nicht ohne weiteres abzulesen ist.
Frauen in der Gewerkschaftsbewegung
Im Jahre 1954 waren etwa 3 Millionen Frauen eingeschriebene Mitglieder allamerikanischer Gewerkschaften. Das heisst, dass etwa ein Sechstel
aller Gewerkschaftsmitglieder Frauen waren. Diese Zahlen stuetzen sich bei
135 Gewerkschaften auf die genannten Fragebogen und im wesentlichen bei
den restlichen 64 Verbaenden auf Schaetzungen noch verfuegbarer Informationen. Ein Vergleich mit den Statistiken ueber die Gesamtzahl der Beschaeftigten ergibt, dass jede siebte berufstaetige Frau einer Gewerkschaft
angehoerte.
Die Berichte der Gewerkschaften und die Schaetzungen lassen erkennen,
dass 1,3 Millionen Frauen auf 22 Gewerkschaften entfallen, bei denen jeweils mindestens die Haelfte aller Mitglieder Frauen waren. Eine fast
gleichgrosse Zahl von Frauen gehoeren weiteren 18 grossen Gewerkschaften
an, die mindestens 25 000 weibliche Mitglieder zaehlten. Demnach entfallen rund 2,5 Millionen Frauen oder fuenf Sechstel der gesamten weiblichen
Gewerkschaftsmitglieder auf insgesamt 40 Gewerkschaften. Bei 61 Gewerkschaften betraegt der Anteil der weiblichen Mitglieder weniger als 10j6,
und 49 Gewerkschaften zaehlen ueberhaupt keine Frauen zu ihren Mitgliedern.
Der groesste Teil der organisierten Frauen gehoert Gewerkschaften an,
die in der Bekleidungsindustrie, im Dienstleistungsgewerbe, im elektrischen
Apparatebau, im Nachrichtenwesen und in den Spinnereien und Webereien
taetig sind.
Funktionen der Gewerkschaften
Die Taetigkeit der Gewerkschaften wird durch die Statuten geregelt,
Die Grenzen zwischen der Zustaendigkeit der Gesamtverbaende und ihrer
Ortsverbaende sind unterschiedlich weit gezogen. Wie immer auch im Einzelfall
die Verantwortungsbereiche gegeneinander abgegrenzt sein moegen, so dient
doch sowohl die Arbeit der Gesamtverbaende als auch die der Ortsverbaende

-4 -

�dem gleichen Zieli den «eiteren-Ausbau der Kollektivvertraege und der Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage der Mitgliederschaft.
Die Ortsgewerkschaften
Im allgemeinen entspricht die Zahl der Ortsverbaende der einzelnen
Gewerkschaften in etwa der Zahl ihrer Hitglieder, das heisst, dass einige
wenige Verbaende mit einer grossen Zahl von Ortsgewerkschaften auch den
gröessten Anteil der Gesamtmitgliederzahl auf sich vereinen. Von den
schaetzungsweise 77 OOO Ortsverbaenden der 199 allamerikanischen Gewerkschaften, die in diese Uebersicht miteinbezogen wurden, entfielen 40 000
oder mehr als die Haelfte auf 19 Gewerkschaften. Dagegen haben 80 Gewerkschaften mit jeweils weniger als 100 Ortsverbaenden zusammengenommen nur
knapp mehr als 3000 Ortsverbaende, das sind nur 4$ der Gesamtzahl.
Zwoelf allamerikanische Gewerkschaften der AFL meldeten insgesamt
rund 25 000 Ortsverbaende oder schaetzungsweise die Baelfte aller AFLOrtsgewerkschaften ueberhaupt. Innerhalb des CIO entfallen nahezu 40$
der insgesamt 10 000 Ortsverbaende auf nur zwei Gewerkschaften. Bei den
unabhaengigen Gewerkschaften sind nahezu 70$ von insgesamt 13 000 Ortsverbaenden fuenf Gewerkschaften angeschlossen.
Die allamerikanischen Gewerkschaften mit grossen Hitgliederzahlen
weisen allgemein auch eine grosse Anzahl von Ortsverbaenden auf. Die
groesste Zahl von Ortsgewerkschaften, 13 000, entfaellt jedoch auf drei
mittelgrosse Gewerkschaften der Postbediensteten mit einer Gesamtmitgliederzahl von nur 250 000.
»
Kollektivvertraege
Den gröessten Raum innerhalb der Gewerkschaftsarbeit nehmen die
Verhandlungen zum Abschluss von Kollektivvertraegen ein. In ihnen finden
die Bemuehungen der Gewerkschaften um eine Verbesserung der Loehne und
Arbeitsbedingungen ihren sichtbaren Niederschlag. Nach zuverlaessigen
Schaetzungen sind zur Zeit mindestens 125 000 Kollektivvertraege in Kraft.
Rund 70 000 wurden von den 135 Gewerkschaften ausgehandelt, die den Fragebogen des Amtes fuer Arbeitsstatistik ausgefuellt haben.
Unter ausschliesslicher Berücksichtigung der Angaben des Fragebogens
ergibt sich folgende Aufteilung! 57 Gewerkschaften haben jeweils weniger
als 100 Kollektivvertraege, 36 zwischen 100 und 500, 12 zwischen 500 und
1000 und 19 mehr als 1000 abgeschlossen. Neun Gewerkschaften, in erster
Linie Gewerkschaften von Bundesbediensteten, hatten keinerlei Kollektivvertraege aufzuweisen. Jene 19 Gewerkschaften mit mehr als 1000 Vertraegen hatten zusammen mehr als 50 000 Kollektivvertraege abgeschlossen.
Gewerkschaftskongresse
Das hoechste Gremium der Gewerkschaftspolitik ist der Kongress. Er
uebt in vielen Gewerkschaften die obersten Entscheidungsbefugnisse fuer
alle Streitfragen aus, die sich aus gewerkschaftlichen Hassnahmen saemtlicher Ebenen ergeben koennen. Die Ortsvereine waehlen ihre Delegierten
zum Kongress aus dem Vorstand, wobei die Staerke der Delegation meist
in einem gewissen Verhaeltnis zur Mitgliederzahl steht. Die Gewerkschaftskongresse von 114 Verbaenden fanden mindestens alle zwei Jahre oder in
noch kuerzeren Zeitabstaenden statt. Bei 71 Gewerkschaften waren zwei
Jahre die Regel.

- 5-

�Festangestelltes Personal
Die Gewerkschaften stuetzen sich in ihrer Taetigkeit in steigendem
Ilasse auf Analysen und Unterlagen, die von Statistikern, Wirtschaftssachverstaendigen und Juristen erarbeitet wurden, um die Argumente, die bei
Kollektivverhandlungen, oeffentlichen Diskussionen und in Fragen der Arbeitsgesetzgebung ins Feld gefuehrt werden, wissenschaftlich zu untermauern. Eine fachliche Beratung ist haeufig auch bei der Fertigstellung
von Entwuerfen von Kollektivvertraegen wuenschenswert, da sich Ausmaas und
Auswirkungen dieser Abmachungen staendig vergroessern. Die Gewerkschaftsvertreter in den Betrieben ersuchen haeufig ihren Verband um Rat in Fragen der Interpretation, der Anwendung und der Durchfuehrung solcher Vertraege. In Anerkennung der Notwendigkeit, eigens fuer diese Zwecke geschultes Personal staendig zur Hand zu haben, richteten die allamerikanischen Gewerkschaften eigene Forschungs- und Erziehungsabteilungen mit
ganz- oder halbtaegig festangestellten Mitarbeitern ein. In juengerer Zeit
kommt hierzu noch die Bestellung von Forschungs- und Erziehungsdirektoren
bei den Gewerkschaftsorganen in den Einzelstaaten.
Ton den 199 allamerikanischen Gewerkschaften, die in diese Untersuchung einbezogen sind, hatten 96 einen Forschungsdirektor und 81 einen
Erziehungsdirektor. Bei 22 der insgesamt 95 einzelstaatlichen Organe der
AFI und des CIO bestand die Stelle eines Forschungsdirektors und bei 29
die eines Erziehungsdirektors.
In den letzten Jahren nahm die Zahl der Kollektivabmachungen ueber
Massnahmen der Kranken- und Altersversicherung sowie ueber die gesundheitliche Betreuung der Betriebsangehoerigen erheblich zu. Den Gewerkschaften erwaechst hieraus eine noch umfassendere Verantwortung fuer die Arbeiterschaft. Um den hier gegebenen Verpflichtungen gerecht werden zu koennen, haben die Gewerkschaften entsprechende Fachkraefte angestellt, die als
Berater in finanziellen, versicherungstechnischen und aehnlichen Fragen
taetig sind. Dies trifft fuer 92 Gewerkschaften zu. Bei 60 Gewerkschaften
von ihnen haben die hierfuer zustaendigen Funktionaere noch andere Aufgaben, sei es als Vorstandsmitglieder, Schatzmeister oder Forschungs- und
Erziehungsdirektoren.
Publikationen
Zweck der gewerkschaftlichen Publikationen ist es, den Kontakt zwischen dem Dachverband und den Mitgliedern in den angeschlossenen Ortsverbaenden aufrecht zu erhalten. Sie unterrichten ihre Leser ueber alle gewerkschaftlichen Belange und andere Fragen, die fuer die schaffenden Menschen von Bedeutung sind. Was ihre Aufmachung angeht, so finden sich
attraktiv aufgemachte Zeitungen und Zeitschriften neben vervielfaeltigten
einseitigen Flugblaettem.
Von den 199 allamerikanischen Gewerkschaften besassen 166 eine eigene
Publikation. Neun Gewerkschaften meldeten zwei Publikationen, so dass sich
die Gesamtzahl auf 175 beziffert. 122 Publikationen erscheinen monatlioh,
15 halbmonatlich, 14 alle zwei Monate, 13 vierteljaehrlich, 7 woechentlich und 4 in unregelmaesslgen Abataenden.
Von den 95 bundesstaatlichen Organen der AFL und des CIO gaben 49
eine eigene Publikation heraus, 3 davon sogar zwei, so dass sich die Gesamtzahl auf 52 belaeuft} 23 erschienen monatlich, 13 woechentlich, 2
halbmonatlich, eine alle zwei Monate, eine vierteljaehrlich, 9 jaehrlich
und 3 in unbestimmten Zeitabschnitten.
Sitz
Im Jahre 1954 hatten 144 von 149 allamerikanischen Gewerkschaften

- 6-

�Ihren Sitz in 10 Stsedten, naemlich in Washington, New York, Detroit,
Indianapolis, Chicago, Cincinnati, Cleveland, St. Louis, Philadelphia
und Milwaukee. Hier nimmt Washington den wichtigsten Platz ein, wo 46
Gewerkschaften mit einer Gesamtmitgliederzahl von 6,5 Millionen ihren
Sitz haben. Washington war ferner Sitz sowohl der AFL als auch des CIO.
New York, Detroit, Indianapolis und Chicago waren Sitz von jeweils
mindestens 5 allamerikanischen Gewerkschaften mit einer Gesamtmitgliederzahl von jeweils mehr als einer Million.
Quelle: "Monthly Labor Review" Vol. 78 No. 11

Wie der amerikanische Automobilarbeiter lebt
Die Einkuenfte des amerikanischen Lohnempfaengers von heute sind
hoeher als die jedes anderen Arbeitnehmers in der ganzen Welt. Er verfuegt ueber ein nicht unerhebliches Eigentum, fuer gewoehnlich ueber
ein Bankkonto sowie ueber eine Menge materieller Annehmlichkeiten.
Er erfreut sich einer relativ grossen Arbeitsplatzsicherheit, und in
der Automobilindustrie wird ihm heute sogar ein ganz nettes Einkommen
zugesichert, selbst wenn er nicht arbeitet - ein bedeutsamer Schritt in
Richtung auf den garantierten Jahreslohn ....
Ein sehr gutes Bild ueber die Lebensweise des amerikanischen Arbeiters bekommt man, wenn man einmal Detroit, das Zentrum der amerikanischen Automobilindustrie besucht. Um dieses Bild noch zu erhellen, stattete ein Wort- und Bildreporter der illustrierten Wochenzeitschrift
"U.S. News and World Report", dem bei der "Ford Motor Co." beschaeftigten Produktionsarbeiter Thomas Paul Brackett an seiner Arbeitsstaette
und in seinem Heim einen Besuch ab.
Mr. Brackett ist 41 Jahre alt. Er besitzt hoehere Schulbildung.
Im Laufe seiner Berufstaetigkeit arbeitete er fuer die Autofirmen
"Hudson", "Dodge", "Kelsey-Hayes Wheel Company" und "Ford". Er erhaelt
2,13-J- Dollar pro Stunde und kommt damit dem in der Automobilindustrie
ueblichen Durchschnitt von 2,10 Dollar und dem in der Dauergueterindustrie
in Hoehe von 1,99 Dollar nahe. Seine Taetigkeit und seine Art zu leben
ist typisch fuer die von Millionen anderer Industriearbeiter von Boston
bis San Francisco, Mr. Brackett ist Induktionsofen-Waerter. Seine Aufgabe besteht darin, die Getriebezahnraeder zu vergueten. Er arbeitet in der
Motorenfabrik seiner Firma in Dearborn, einem der modernsten und nahezu
vollautomatisch arbeitenden Betriebe in der Industrie.
Bei einer 40stuendigen Arbeitswoche wuerde Mr. Brackett 85,40 Dollar
verdienen. Seine Einkuenfte sind jedoch wesentlich hoeher. Die Fordwerke
haben viele Monate lang auf Hochtouren gearbeitet, und Mr. Brackett hat
genau wie seine Arbeitskollegen eine Menge Ueberstunden geleistet. Fuer
gewoehnlich arbeitet er sechs Tage in der Woche; fuer den sechsten Arbeitstag erhaelt er die eineinhalbfache Verguetung; manchmal arbeitet
er auch sonntags. Sein Lohn liegt infolgedessen im Durchschnitt bei 119»56
Dollar pro Woche.
Mr. Bracketts Jahreseinkuenfte lassen einen klaren Rueckschluss zu,
welchen Anteil er an der Prosperitaet der Vereinigten Staaten hatte. Im
Jahre 1952, als er wenig oder gar keine Ueberstunden hatte, betrug sein
Bruttoeinkommen 3730,85 Dollar. Im naechsten Jahr stieg es durch Ueberstunden auf 4579 Dollar. Im Jahre 1954 wuchs sein Einkommen ourch Ableistung einer noch wesentlich groesseren Anzahl Ueberstunden auf 5978

- 7-

�Dollar. Im Jahr« 1954
wesentlich groesseren
zug der Steuern blieb
Es ist moeglich, dass
den arbeiten wird, er
und rechnet mit einem

wuchs sein Einkommen durch Ableistung einer noch
Anzahl Ueberstunden auf 5978 Dollar an, nach AbBrackett noch ein Nettoeinkommen von 5430 Dollar.
er in diesem Jahr nicht ganz so viele Ueberstunhat jedoch inzwischen eine Lohnerhoehung bekommen
Jahreseinkommen von ueber 5000 Dollar.

Mit diesen mehr als 5000 Dollar, die Brackett in diesem Jahr verdienen wird, sind die Leistungen der Firma jedoch noch nicht erschoepft;
Brackett ist in einer Lebens- und Krankenversicherung, fuer die die Ford
Co. einen wesentlichen Beitrag leistet, ,er erhaelt gegebenenfalls Kranken- und Invalidengeld, die Firma kommt fuer seine Altersversorgung
auf und zahlt ihm bei voruebergehender Entlassung Arbeitslosenunterstuetzung.
Die Krankenversicherung uebernimmt die gesamten Krankenhauskosten
fuer den Arbeiter und seine Familie zuzueglich der Arzneimittelkosten,
und zwar fuer die Dauer von 70 Tagen bis zu 5 Dollar pro Tag. Im Krankheits- oder Invaliditaetsfalle erhaelt der Arbeiter 52,80 Dollar pro
Woche, und zwar 26 Wochen lang. Die Lebensversicherungssumme belaeuft
sich auf 4400 Dollar. Die Beitragsleistungen des Arbeiters betragen
8,54 Dollar monatlich oder 102,48 Dollar im Jahr. Die uebrigen 60$ traegt
die Firma. Ausserdem zahlt er 2,50 Dollar im Monat an Gewerkschaftsbeitraegen und gelegentlich gewisse Sonderbeitraege.
Wenn Mr. Brackett bis zur Erreichung seines 65. Lebensjahres bwi
der Ford Co. arbeitet, so hat er Anspruch auf ein Ruhegehalt von 237,05
Dollar monatlich. Bei dieser Summe machen die Leistungen der Sozialversicherung, fuer die der Arbeiter pro Jahr 84 Dollar zahlt, 162,80 Dollar
aus, vorausgesetzt, dass Mann und Frau bezugsberechtigt sind. Ausserdem
zahlt die Firma nach dem augenblicklich geltenden Pensionsplan 74,25
Dollar monatlich.
Fuer den Fall, dass Mr. Brackett voruebergehend entlassen werden
sollte, ist ebenfalls Vorsorge getroffen worden. Er erhaelt dann vom
Staate Michigan Arbeitslosenunterstuetzung und in einem Jahr zusaetzliche
Unterstuetzungsleistungen seiner Firma, mit der die Automobilarbeitergewerkschaft vor kurzem einen Tarifvertrag abschloss. Diese Leistungen
erhaelt er fuer die Dauer von 26 Wochen, und zwar von einer Woche nach
erfolgter Entlassung ab.
Nach diesen Vertragsbestimmungen werden den bei Ford Beschaeftigten
65$ ihres ueblichen Nettolohnes garantiert - fuer die Dauer von vier
Wochen der Lohn fuer eine 40-Stundenwoche (nach Abzug der Steuern) - und
fuer weitere 22 Wochen 60$ ihres Normallohnes. Fuer einen Arbeiter in
der Verdienstgruppe wie Mr. Brackett, belaeuft sich die Unterstuetzungssumme waehrend der ersten vier Wochen auf 53»48 Dollar, spaeter auf
49»37 Dollar. Tatsaechlich wuede sich Mr. Brackett etwas besser stehen,
denn er hat eine grosse Familie - eine Frau und vier Kinder - und der
Staat Michigan wuede ihm 26 Wochen lang woechentlich 54 Dollar zahlen.
Auf dieser Basis koennte Mr. Brackett, falls die Notwendigkeit an ihn
herantritt, sechs Monate lang seine laufenden Ausgaben decken.
Mr. Brackett und die meisten anderen Industriearbeiter sind finanziell gegen die ueblichen Wechselfaelle des Lebens gesichert. Im
Krankheits- oder Ungluecksfall, bei Entlassung oder wenn sie in den Ruhestand treten, ist ihnen ein bestimmtes Einkommen gesichert. Werden sie
einmal krank, so wird der Krankenhausaufenthalt und ein grosser Teil
der Arztkosten oh°ne weiteres erstattet. Sie koennen ihren Lohn nahezu
ausschliesslich fuer die Aufrechterhaltung eines relativ hohen Lebensstandards aufwenden.

- 8 -

�Dir Lebensstandard der Bracketts wuerde zweifellos jeden Industriearbeiter in einen kommunistischen Land in Erstaunen versetzen. Sie bewohnen ein zweistoeokiges Haus mit sechs Zimmern in den Vorort West Dearborn, einer typischen Siedlungsgegend von Industriearbeitern. Alle Haeuser
haben Vorgaerten und weitraeumige Einterhoefe. Ganz in der Naehe gibt es
einen grossen Kinderspielplatz sowie mehrere Schwimmbaeder.
In der Nachbarschaft der Familie Brackett wohnen Arbeiter, Inspektoren, technische Zeichner und Werkzeugingenieure. Sie arbeiten bc1. "Ford",
der"Great Lakes Steel Corporation", der "Detroit , Toledo and Ironton
Railroad" oder fuer verschiedene Werkzeugfabriken.
Bas Haus von Familie Braokett wurde vor dem zweiten Weltkrieg gebaut. Mr. Brackett erwarb es im Jahre 1950 fuer 12 000 Dollar. Von den
Erloes seines frueheren Hauses in Detroit konnte er gleich eine betraeohtliohe Anzahlung leisten. Die seinerzeit aufgenommene Hypothek in Hoehe
von 7500 Dollar, die ihm von der "Federal Housing Administration" gewaehrt
wurde, zahlt er nun in Monatsraten von 61,50 Dollar surueck.
Das Haus ist behaglich eingerichtet und wird durch Naturgas beheizt,
das in der Gegend von Detroit ausserordentlich billig ist. Zu den modernen
Errungenschaften der Bracketts gehoeren Telefon, Eisschrank, Waschautomat,
Staubsauger, Toaster, eine elektrische Kaffeemaschine und ein Grill.
Natuerlich haben sie auch ein Fernsehgeraet und mehrere Radios. Zu den
letzten Neuanschaffungen zaehlt ein Gas-Waeschetrockner und ein neuer
Gasherd. Sie wurden von Ruecklagen, sogenannten "Streikreserven" gekauft,
die nun, da das letzte Tarifabkommen zustandekam, ohne dass ein Streik
notwendig wurde, nicht laenger erforderlich sind.
Das Familienautomobil, ein 1953er Ford, wurde seinerzeit gekauft
und in Raten abbezahlt. Die letzte Rate ist inzwischen getilgt, daher
erklaeren sich auch die Neuanschaffungen, denn wie Mrs. Brackett erklaerti
"Wenn die Raten fuer den Wagen bezahlt sind, wird wieder etwas fuers Haus
angeschafft."
Die Bracketts sind viel mit dem Auto unterwegs. Herr Brackett faehrt
damit zur Arbeitsstaette, sie machen Sonntagsausfluege und Ferienreisen
mit dem Auto. Viele Industriearbeiter fahren mit ihrem Wagen zur Arbeit
und so kommt es, dass auf den Parkplaetzen der Fabriken taeglich Hunderttausende von Autos parken. Im Jahre 1956 will Brackett seinen Wagen gegen
einen neuen eintauschen, vorausgesetzt allerdings, dass er weiterhin
Ueberstunden arbeitet.
Die Bracketts haben ausser dem hohen Lebensstandard, den sie sich
leisten, ehrgeizige Plaene im Hinblick auf die Ausbildung ihrer Kinder.
Mary Elizabeth, die Aelteste, hat kuerzlich eines der 70, alljaehrlich
von der "Ford Motor Co." ausgesetzten Stipendien gewonnen und besucht
jetzt auf vier Jahre das "Bryn Mawr College" in Pennsylvanien. Selbst
ein grosser Teil ihrer Lebenshaltungskosten wird von der "Ford Co." bestritten. Die Bracketts haben vor, auch ihre drei anderen Kinder auf
die Hochschule zu schicken, auch wenn sie kein Stipendium erhalten.
Mit einem Jahreseinkommen von rund
ohne weiteres in der Lage, diese Plaene
sehr sparsam sind und zum anderen viele
die ihnen durch die Firma zugutekommen,
Ruecklagen weitgehend entfaellt.

5000 Dollar sind die Bracketts
zu schmieden, da sie einerseits
soziale Sicherungen geniessen,
wodurch die Notwendigkeit fuer

Mr. Brackett ist ein eifriger Arbeiter. Er fehlt fast nie und arbeitet
so viele Ueberstunden wie nur irgend moeglich, um Bein Einkommen zu erhoehen. Zuhause fuehrt er nahezu alle Reparaturarbeiten selbst aus. Ist
ihm dies nicht moeglioh, so bittet er einen Nachbarn darum, den er bei
naechster Gelegenheit wieder aushilft. Diese Art der Nachbarschaftshilfe

-9

�iat in Industriearbeitersiedlungen weit verbreitet.
Mrs. Brackett kauft in den sogenannten "Supermarkets" billig «in
und naeht alle Kleider fuer sich und die kleineren Kinder selbst}
ausserdem backt und waescht sie fuer die ganze Familie und kocht auch
selbst ein. Ratenkaeufe bleiben auf ein Minimum beschraenkt.
Die Bracketts gehen selten aus. Mr. Brackett ist in einem Kegelklub. Wenn Besuch eingeladen wird, unterhaelt man sich meist mit Kartenspielen. Bas Fernsehprogramm hat die Kinobesuche nahezu voellig ausgeschaltet. Waehrend der zwei Wochen bezahlten Urlaubs, die Mr. Brackett
zustehen, faehrt die ganze.Familie in Erholung.
Obwohl keine direkte Notwendigkeit besteht, legen die Bracketts
etwas Geld zurueck, das fuer Heuanschaffungen und die Ausbildung der
Kinder bestimmt ist. Die Lebensweise von Familie Brackett ist typisch
fuer die des amerikanischen Durchsohnittsbuergers im Arbeitnehmerverhaeltnis.
Aus: "US-News and World Report" - ein unabhaengiges, in Washington, B.C. gedrucktes
und woechentlioh erscheinendes Nachrichtenmagazin.
Copyright 1955 United States News Publishing
Corporation.

Qewerkschaftsfuehrer im Exil berichten ueber das Los der Arbeiterschaft in sowjetischen Satellitenstaaten
Im Exil befindliche Gewerkschaftsfuehrer aus kommunistisch beherrschten Laendern erklaerten Reportern kuerzlich, dass sie bestrebt seien,
die freie Welt ueber die wirkliche Lage der Arbeiter hinter dem "Eisernen Vorhang" laufend informiert zu halten. Die Exil-Gewerkschafter aus
sieben "annektierten" Laendern waren aus ihrem Pariser Hauptbuero nach
Rom gekommen, um sieh mit leitenden Funktionaeren der beiden groessten
freien Gewerkschaften Italiens, dem christlich-demokratischen und dem
sozialdemokratischen Gewerkschaftsbund zu treffen. Die Zusammenarbeit
fand die volle Unterstuetzung des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften.
Der Vorsitzende der Exilgewerkschafter und frueherer Sekretaer des
polnischen Gewerkschaftsbundes Franciszek Bialas, Konferenzvorsitzender,
betonte, dass seine Gruppe bestrebt ist, den unterdrueokten Menschen,
die unter kommunistischer Herrschaft leben, zu versichern, dass sie in
ihrer Opposition gegen den Kommunismus unterstuetzt werden. Trotz strenger Kontrollmassnahmen von Seiten der Kommunisten, so erklaerte er, sind
die im Exil lebenden Menschen in der Lage, mit den anti-kommunistisch
eingestellten Arbeitern in ihren Heimatlaendern eine staendige Verbindung aufrechtzuerhalten.
Er berichtete weiterhin, die Exilgewerkschafter haetten festgestellt,
dass die freien italienischen Arbeiter voelliges Verstaendnis fuer die
Probleme der "annektierten" Voelker zeigen. Giulio Pastore, der Generalsekretaer der christlich-demokratischen Gewerkschaftsorganisation habe
vor einiger Zeit auf einer in Rom stattfindenden Konferenz erklaertt
"Diktaturen, ganz gleich ob sie links- oder rechtsorientiert sind, lassen
die Gewerkschaften zu einem Instrument werden, das sie zur weiteren
Staerkung ihrer Macht missbrauchen. Dies bedeute, dass die Gewerkschaften unter dem Kommunismus sehr schnell jegliche Freiheit einbuessen, um

- 10 -

�die Rechte der Arbeiter zu schuetzen.
Der polnische Exil-Gewerkschaftsfuehrer erklaerte, die Konferenz
diene dazu, "unseren Bruedern in Italien und den Gewerkschaftern der
freien Welt die wahren Lebensbedingungen der Arbeiter hinter dem
'Eisernen Vorhang' zu schildern. Dies sollte alle freien Arbeiter vor
der Gefahr des Kommunismus warnen und zur Festigung unseres Prinzips
fuehren, dass Freiheit die Basis fuer uns alle ist." Die Konferenz
in Rom wende sich an die freie Presse und den Rundfunk, die besonders
geeignet seien, die Notwendigkeit einer Hilfeleistung herauszustellen,
um den Widerstand der unterdrueckten Voelker gegen das kommunistische
Regime zu staerken.
Eftimie Gherman, ein rumaenischer Gewerkschafter im Exil, wies
darauf hin, dass der Lebensstandard des rumaenischen Arbeiters noch
niemals so niedrig gewesen sei wie zum gegenwaertigen Zeitpunkt. Nur
wenige Arbeiter seien in der Lage, ihre Familie ausreichend zu versorgen und daher waeren Frauen und Kinder gezwungen, zu arbeiten, selbst
in so gefahrvollen Berufen wie im Kohlenbergbau. Ein Drittel der Arbeitskraefte in Rumaenien, so erklaerte Gherman, setze sich aus Frauen
und Kindern zusammen.
Harry Goldberg, der Vertreter der AFL/CIO in Italien, erinnerte
die Konferenzteilnehmer an das eine grosse Ziel des Kommunismus - die
Welteroberung. Er fuegte hinzu, dass der Kommunismus nicht seine Absichten, sondern lediglich «eine Taktiken aendere.
Goldberg verglich dann den Geist der Genfer Konferenz der Regierungschefs im Juli mit dem Verzoegerungsversuch Molotows auf der Aussenministerkonferenz im Oktober und warnte davor, sich irgendwelchen Illusionen hinzugeben.
Giulio Pastore, der Generalsekretaer der christlich-demokratischen
Gewerkschaftsorganisation Italiens, erklaerte auf der Konferenz, die
von den Exilgewerkschaften gelieferten Beweise stellten eine vernichtende Anklage gegen die politische Diktatur dar. Italio Viglianesi von der
sozialistischen Arbeiterorganisation betonte in seiner Rede die Unmoeglichkeit einer politischen Koexistenz. Seiner Meinung nach gaebe es
nur die Wahl zwischen Freiheit oder kommunistischer Diktatur. Der rumaenische Gewerkschafter Gherman betonte abschliessend, es koenne keine
gewerkschaftliche Zusammenarbeit mit den Kommunisten geben, da diese
darauf aus seien, die freien Gewerkschaften zu vernichten.
Quelle« Eigenbericht

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Die durchschnittliche Laenge der Arbeitswoche ist in den Vereinigten
Staaten waehrend der letzten Jahre immer mehr zurueckgegangen, ergibt
sich aus einer Analyse des "US-Amtes fuer Arbeitsstatistik". Die Zahl
der Arbeitsstunden pro Woche ist von im Durchschnitt 44 Stunden im Jahr
1947 auf 42 Arbeitsstunden im Jahre 1933 abgesunken.
In der Landwirtschaft verringerte sich die woechentliche Arbeitszeit im Durchschnitt von etwa 33 Stunden im Hai 1947 auf ungefaehr 30
Arbeitsstunden im Mai 1933» In der Industrie (ausser in der Landwirtschaft)
ging die durchschnittliche Arbeitswoche von mehr als 42 Stunden im
Jahre 1947 auf ungefaehr 41 Stunden im Jahre 1933 zurueok.

-, 11 -

�Seit 1947« so heisst es in dem Bericht, ist die 40-Stundenwoohe,
und in einigen Faellen sogar eine noch kuerzere Arbeitszeit, fuer eine
immer groesser werdende Zahl Arbeiter allgemein ueblich geworden.
Bereits 1947 arbeiteten etwa zwei Drittel aller Fabrikarbeiter nur
zwischen 35 und 40 Stunden pro Woche.
Bern Bericht zufolge haben sich seit dem zweiten Weltkrieg in der
Industrie (ausser der Fertigungsindustrie) bedeutende Veraenderungen in
der Arbeitsstundenstruktur ergeben. Diese bestanden einmal in der Erhoehung des Anteils solcher Arbeitskraefte, die zwischen 35 und 40
Stunden arbeiteten und zum anderen im Rueokgang der Ueberstundenarbeit.
Dieser Trend bildete sich in der gewerblichen Wirtschaft und den
Dienstleistungsindustrien "langsam aber stetig" heraus, waehrend er
in der Bauindustrie ziemlich sprunghaft verlief. Im Transport- und Nachrichtenwesen verlief dieser Wechsel zwischen 1949 und 1930 "krass und
dramatisch", und zwar dadurch, dass die Eisenbahner ihre Forderung auf
Einfuehrung der 40-Stundenwoche durchsetzten.

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen. Gewerkschaftsprobleme und alleemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem. Mehlemer Aue
Der Inhalt der ..Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 5

Mehlem, den 2. Maerz 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Vom Unternehmer finanzierte Pensions- und Gesundheitsprogramme in amerikanischen Tarifvertraegen

Seite

1

Strafrechtliche Verfolgung von Verstoessen gegen
die Arbeitsdisziplin in der UdSSR

Seite

8

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 12

Vom Unternehmer finanzierte Pensions- und Gesundheitsprogramme
in amerikanischen Tarifvertraegen
Bei einer Analyse der amerikanischen Tarifvertraege zeigt sich,
dass der amerikanische Arbeiter heute an langfristigen Sozialleistungen genauso stark interessiert ist wie an den unmittelbar zur Auszahlung gelangenden Loehnen.
In vielen Faellen haben die zusaetzlichen Sozialleistungen - wie
Pensionsplaene, Krankenversicherungsprogramme, zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzungsleistungen oder garantierte Jahreslohnplaene - noch
groessere Bedeutung erlangt als Lohnerhoehungen. Diese industriellen
Sozialprogramme stellen zweifello» die wichtigste Neuentwicklung auf
dem Gebiet des amerikanischen Gewerkschaftswesens der Nachkriegszeit
dar. Aus Zahlen des amerikanischen Arbeitsministeriums ergibt sich, dass
zu Beginn des Jahres 1954 mindestens 11 290 000 Arbeiter von Tarifvertraegen erfasst wurden, die wenigstens eine Form des Kranken- oder Lebensversicherungsschutzes oder eine Altersversorgung aufwiesen.
Obgleich die amerikanische Bundesregierung und die der Einzelstaaten heute auf dem Gebiet der Sozialfuersorge mehr leislenals je
zuvor, erachtete die organisierte Gewerkschaftsbewegung diese Leistungen
eine ganze Zeit lang als unzureichend. Die gewerkschaftlichen Forderungen auf Verbesserung des bundesstaatlichen Altersversorgungssystems und
der (von den Einzelstaaten verwalteten) Arbeitslosenunterstuetzungsplaene spielten eine gewichtige Rolle, als der Kongress diese Programme
im Jahre 1950 und 1954/55 liberalisierte.
- 1 -

�I
Zur gleichen Zeit unternahm die organisierte Gewerkschaftsbewegung
einen weiteren Versuch zur Loesung dieses Problems. Zwischen 1942 und
1945» als die Loehne auf Grund der Notstandsklausel "eingefroren" wurden, waren allerdings gewisse Verbesserungen der Wohlfahrtsleistungen
zulaessig. Tatsaechlich beguenstigte eine im Kriege vorgenommene Aenderung der bundesstaatlichen Koerperschaftssteuer die Durchfuehrung von
Wohlfahrtsplaenen seitens der einzelnen Firmen: Die Beitraege zu solchen
Fonds, die vom "Bureau of Internal Revenue" genehmigt sein mussten, konnten von der Steuer abgesetzt werden; in den letzten drei Kriegs jähren
wurden rund 8500 Wohlfahrtsplaene genehmigt.
Im Jahre 1946 wurde dann von den Gewerkschaften eine allgemeine
Kampagne fuer vom Unternehmer finanzierte Pensions- und Krankenversicherungsplaene gestartet. Angefuehrt von den "United Steelworkers of America"
(Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft) forderten die meisten CIO- und
viele AFL-Gewerkschaften fuer ihre Mitglieder eine vom Arbeitgeber getragene Altersversorgung. Zur gleichen Zeit setzten sich die "United Automobile Workers" (Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft) - CIO - fuer
vom Unternehmer finanzierte Krankenhausversicherungsplaene ein. AFL- und
CIO-Gewerkschaften setzten sich daraufhin ebenfalls fuer diese Idee ein.
Die Entscheidung eines Bundesarbeitsausschusses, dass Altersrenten und
sonstige Wohlfahrtsplaene ordnungsgemaesse Punkte fuer Tarifverhandlungen
seien, verstaerkten den Werbefeldzug der Gewerkschaften auf diesem Gebiet.
Ende 1946 wurden nur 1^- Millionen amerikanischer Arbeiter von Wohlfahrtsplaenen erfasst, die entweder von ihren Gewerkschaften oder gemaess
den getroffenen Tarifabkommen verwaltet werden. Die Zahl der auf dem
Tarifverhandlungsweg von Wohlfahrtsplaenen erfassten Arbeiter vergroesserte sich rasch, sie stieg von 3 Millionen Mitte 1948 auf 7»5 Millionen
1950 und auf ueber 11 Millionen zu Beginn des Jahres 1954» dem letzten
Zeitpunkt, fuer den zuverlaessiges Zahlenmaterial verfuegbar ist.
Die Nachkriegsjahre brachten ebenfalls eine beachtliche Zunahme der
ausschliesslich vom Management gefoerderten Wohlfahrtsplaene, d.h. von
Plaenen, die von den Unternehmern freiwillig aufgestellt wurden. Zu Beginn des Jahres 1954 wurden allein ueber 7 Millionen Arbeiter von tarifvertraglich vereinbarten Altersversorgungssystemen und weitere 6 Millionen in freiwilligen Fensionsplaenen der Privatindustrie und der Wirtschaft
beruecksichtigt.
Das "US-Arbeitsministerium" schaetzt, dass zu Beginn des Jahres
1954 etwa T&amp;fo aller in Tarifvertraegen erfassten Arbeiter zumindest Anspruch auf eine Leistungsart hatten. Die Zahl der Versicherungsplaene
erhoehte sich zwischen 1950 und 1954 um 55$» waehrend die Pensionsplaene
eine Zunahme um 40^6 zu verzeichnen hatten. Zur gleichen Zeit wurde ein
grosser Teil der bereits bestehenden Plaene erweitert. Insgesamt legten
etwa 38$ der im Jahre 1954 abgeschlossenen 1200 Tarifvertraege (die jeweils mindestens 1000 Arbeiter erfassen) entweder die verschiedensten
Versicherungsprogramme fest oder aber erweiterten sie.
Obgleich sich in dieser schnellen Ausbreitung der Sozialprogramme
die allgemeine Verbesserung der industriellen Beziehungen in den Vereinigten Staaten widerspiegelt, vollzog sich diese Entwicklung doch nicht
kampflos. Die Stahl-, Berg- und Automobilarbeiter fuehrten in den ersten
Nachkriegsjahren langwierige Streiks zur Durchsetzung der Rechte der
Arbeiter auf diese Sozialleistungen durch.
Diese Leistungen umfassen gewoehnlich u.a.: woechentliche Unfallund Krankengelder; Verguetung des Krankenhausaufenthalts; chirurgische
und medizinische Betreuung sowie Erstattung der Entbindungskosten, Unfallrenten, Sterbegelder, Hinterbliebenen- und Altersrenten oder Pensionen.
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�Obgleich die meisten Programme eine Krankenunfallversicherung und eine
Altersversorgung vorsehen, umfassen doch nicht alle beide Leistungen.
93 Prozent aller Arbeiter sind in einer Lebensversicherung; sie
ist die am meisten uebliche Leistungsform. Von Pensionsplaenen werden
etwa 63$ erfasst. Die uebrigen Leistungen gliedern sich wie folgt aufi
Erstattung der Krankenhauskosten 88$; chirurgische Behandlung 83$; Unfall- und Krankengelder 73$5 Versicherung gegen Unfalltod und Invaliditaet 54$ und Erstattung der Arztkosten 47$.
AItersversorgungsplaene sind dagegen seltener als sonstige Versicherungsprogramme. Dies ist vielleicht darauf zurueckzufuehren, dass
die Pensionsplaene gewoehnlich umfangreicher und kostspieliger sind als
eine Krankenversicherung und haeufig betraechtliche langfristige finanzielle Verpflichtungen mit sich bringen. Zudem ist der Unternehmer
im allgemeinen der alleinige Traeger der hierdurch entstehenden Kosten.
Ungefaehr 85$ aller Pensionsplaene werden ausschliesslich vom Unternehmer finanziert, im Vergleich zu nur 62$ der sonstigen Versicherungsplaene.
Die Kohlenbergbauindustrie war eine der ersten, die ein grosszuegiges Sozialversicherungsprogramm einfuehrte. Langwierige und schwierige
Verhandlungen zwischen Management und den "United Mine Workers" (Vereinigte Bergarbeitergewerkschaft) fuehrten im Jahre 1946 zur Gruendung
eines Wohlfahrtsfonds. Aus diesem erhaelt ein Bergarbeiter zusaetzlich
zu den bundesstaatlichen Sozialversicherungsleistungen eine Pension
von monatlich 100 Dollar. Um Anspruch auf diese Pension zu haben, muss
der Bergarbeiter mindestens 60 Jahre alt sein und 20 Dienstjahre abgeleistet haben. Der Fonds gewaehrt ebenfalls eine finanzielle Unterstuetzung an Koerperbehinderte, traegt die Krankenhauskosten fuer Unfallverletzte bei Bergwerksungluecken und zahlt Witwen- und Hinterbliebenenrenten sowie andere Unterstuetzungen. In den neun Jahren seines Bestehens
erhielten bisher insgesamt 951 769 Bergleute und ihre Familien Unterstuetzungsleistungen in einer üesamthoehe von 756 905 700 Dollar.
Der Plan der Bergarbeitergewerkschaft wird ausschliesslich vom
Arbeitgeber finanziert; fuer jede Tonne gefoerderter Braunkohle werden
40 Cent und fuer Jede Tonne Steinkohle 50 Cent an den Fonds abgefuehrt.
Der Fonds wird von drei Treuhaendern verwaltet. Einer vertritt die
Oeffentlichkeit, einer die Industrie und einer die Gewerkschaft.
In der Automobilindustrie war es das Jahr 1950, das eine starke
Zunahme der Sozialprogramme brachte. Die mit den verschiedenen Automobilproduzenten abgeschlossenen Tarifvertraege sahen fuer Arbeiter mit
25 Dienstjahren, wenn sie das 65. Lebensjahr erreichten, Pensionen bis
zu 125 Dollar monatlich vor, die Kosten trug dabei ausschliesslich der
Unternehmer. Die Finanzierung des Programms zur Deckung der Arzt- und
Krankenhauskosten wurde zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufgeteilt, ebenso die Beitraege fuer eine Lebensversicherung, die bei Erreichung des Pensionsalters ausgezahlt wird und fuer gewoehnlich zwischen
500 und 1000 Dollar betraegt. Im Falle der "Ford Motor Co." wurde ein
bereits bestehender Pensionsplan erweitert und in den 1950 abgeschlossenen Tarifvertrag uebernommen. Die im Jahre 1950 von der "Vereinigten
Automobilarbeitergewerkschaft" (UAW) ausgehandelten Tarifvertraege gelten fuer die Dauer von fuenf Jahren.
Im Jahre 1955 setzte die "Vereinigte Automobilarbeitergewerkschaft"
eine erhebliche Erweiterung ihrer mit den Autoraobilfirmen getroffenen
Sozialplaene durch. Die Bedeutung der neuen Rentenbestimmungen wurde
dabei allgemiif* weniger stark gewuerdigt als die in den gleichen Vertraegen enthaltenen Abschnitte ueber den "garantierten Jahreslohn".
Obgleich die verschiedenen Vertraege in den Einzelheiten oft stark

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�voneinander abweichen, war der Fordvertrag in seiner Art wegbereitend
fuer die Tarifverhandlungen mit anderen Autofirmen.
Nach der neuen Formel zur Festsetzung der Renten bei Ford werden
2,25 Dollar mit der Zahl der Dienstjahre multipliziert, um die Hoehe
der monatlichen Rentenzahlung festzulegen. Danach erhaelt ein Fordarbeiter mit 30 Dienstjahren, wenn er sich zur Ruhe setzt, 67,50 Dollar pro
Monat und zwar zusaetzlich zur bundesstaatlichen Altersrente. Zur Erbringung eines Rentenanspruches ist eine Mindestbeschaeftigungsdauer
von 10 Jahren erforderlich.
Jeder Arbeiter, der 40 Jahre alt ist und 10 Dienstjahre hat, besitzt ein verbuergtes Anrecht auf eine Pension. Diese "40 und 10"-Klausel
bildet die Grundlage fuer die spaeter zur Auszahlung gelangenden Renten,
auf die im Alter von 65 Jahren ehemalige Fordarbeiter, die das zuvor
erwaehnte Alter und die entsprechende Dienstzeit erreicht haben, Anspruch
haben. Die Formel fuer die Berechnung dieser Renten ist die gleiche»
2,25 Dollar mit der Zahl der Dienstjahre multipliziert ergeben die monatliche Rente.
Diese Bestimmung ueber das verbuergte Pensionsrecht, die inzwischen
in die meisten UAW-Vertraege aufgenommen worden ist, stellt hoechstwahrscheinlich den bedeutendsten Fortschritt dar, der 1955 in der Industrie
im Hinblick auf die Altersversorgung erreicht wurde. Das Fehlen verbuergter Pensionsrechte in den meisten von der Gewerkschaft ausgehandelten
Pensionsabkommen war bisher der Hauptanlass zu schaerfster Kritik an den
industriellen Rentenplaenen. Frueher kam ein Automobilarbeiter nur dann
in den Genuss einer von der Firma gezahlt'en Rente, wenn er bis zum Eintritt in den Ruhestand in der Automobilindustrie beschaeftigt war. Heute
bleiben ihm seine Pensionsrechte auch dann erhalten, wenn er das erforderliche Mindestlebens- und Dienstalter besitzt, selbst wenn er eine andere Taetigkeit ausserhalb der Automobilindustrie annimmt oder ganz aus
dem Arbeitsleben ausscheidet.
Bezueglich der Krankenversicherungsbestimmungen sieht der neue Vertrag die Beibehaltung des bisher ueblichen Programms vor, wobei Krankenhausaufenthalt und aerztliche Behandlung verguetet werden und Arbeitgeber
und Arbeitnehmer sich an den Beitragskosten beteiligen; einige Bestimmungen wurden erweitert. Die Krankenversicherungsbestimmungen erstrecken
sich auch auf die Ehefrau und die Kinder (unter 19 Jahren) des Arbeiters,
soweit sie unverheiratet sind.
Der Wohlfahrtsplan, den die "Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft"
mit der Konservenbuechsenindustrie im Jahre 1955 abschloss, sieht monatliche Rentenzahlungen in Hoehe von 2,50 Dollar fuer jedes Dienstjahr vor.
Ein Arbeiter mit 40jaehriger Dienstzeit wuerde beispielsweise eine Rente
von 100 Dollar im Monat erhalten, zuzueglich der Sozialrente in Hoehe von
108,50 Dollar, was einem Betrag von 208,50 Dollar entspricht. Das Einverstaendnis der Firma vorausgesetzt, ist es ausserdem moeglich, dass ein
Arbeiter bereits im Alter von 60 Jahren oder vor Erreichung des 65. Lebensjahres in den Ruhestand tritt. Er wuerde dann jedoch eine geringere
Rente erhalten bzw. die volle Rente wuerde erst nach Vollendung des 65.
Lebensjahres ausgezahlt. Die Rentenfonds werden ausschliesslich von der
Firma finanziert; ebenso gibt es keine obligatorische Versetzung in den
Ruhestand wegen Erreichung der Altersgrenze.
Die Wohlfahrtsplaene, die die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft
mit den Unternehmen der Stahlindustrie vereinbart hatte, werden im Jahre
1956 erneut ausgehandelt, und viele Beobachter rechnen damit, dass sie
den mit der Blechindustrie getroffenen Abmachungen aehneln werden.
Die zur Zeit bestehenden Wohlfahrtsprogramme mit den Stahlwerken

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�wurden im Jahre 1954 ausgehandelt und richten sich im allgemeinen nach
folgendem Muster: einem Arbeiter, der nach 30jaehriger Dienstzeit im
Alter von 65 Jahren in den Ruhestand tritt, wird ein Mindesteinkommen
von 140 Dollar monatlich garantiert, das sich aus einer von der Firma
gewaehrten Rente und den Leistungen der Sozialversicherung zusammensetzt.
Beschaeftigten mit 15- bis 30jaehriger Taetigkeit werden 110 Dollar pro
Monat garantiert, zuzueglich 2 Dollar monatlich fuer jedes die Dauer von
15 Jahren uebersteigende Dienstjähr. Bei der Berechnung der Rentenleistungen der Firma wird eine Sozialrente von monatlich 85 Dollar angenommen,
obgleich die Sozialversicherungsleistungen in den meisten Faellen hoeher
liegen.
Die Krankenversicherungsplaene der Stahlindustrie werden von den
Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam finanziert, im allgemeinen wird
ein Beitrag von 9 Cent pro Arbeitsstunde geleistet, der zur Haelfte vom
Unternehmer und zur Haelfte vom Arbeiter getragen wird. Da sich die Krankenversicherung auch auf die Familie des Arbeiters erstreckt, zahlen verheiratete Arbeiter in Anbetracht der zusaetzlichen Leistungen etwas mehr
als 4^ Cent pro Stunde und ledige Arbeiter etwas weniger.
Viele der frueheren Rentenplaene wurden gemeinsam von Arbeitgebern
und Arbeitnehmern finanziert. Inzwischen gehen die Bestrebungen jedoch
dahin, dass der Unternehmer allein die Kosten traegt. Etwa 85$ der mit
den Gewerkschaften ausgehandelten und zu Beginn des Jahres 1954 in Kraft
befindlichen Pensionaplaene wurden ausschliesslich vom Arbeitgeber finanziert. Diese Tendenz war bereits im Jahre 1950 ziemlich ausgepraegt;
schon damals machten 75$ der Plaene keine Zuschuesse seitens der Beschaef tigten erforderlich.
Die Frage, ob der Beschaeftigte einen Beitrag zu dem Rentenfonds
leisten sollte oder nicht, wurde zum ersten Mal anlaesslich des Bergarbeiterstreiks im Jahre 1948 akut und wurde 1949 anlaesslich des Streiks
in der Stahlindustrie einer eingehenden Fruefung unterzogen. Die Bemuehungen von Cyrus Ching, dem damaligen Leiter der bundesstaatlichen
Schlichtungsstelle, eine friedliche Loesung herbeizufuehren, scheiterten
gerade an diesem Punkt.
Der Untersuchungsausschuss des Praesidenten (Fact-Finding Board), der
das Prinzip der Beitragsfreiheit fuer den Beschaeftigten vertrat, fuehrte
als Argument an, dass die Sozialleistungen ohne weiteres den ProduktionsKosten zugeschlagen werden koennten und daher keine Beitragsieistungen
seitens der Beschaeftigten notwendig seien.
Durch die Anhaeufung umfangreicher Mittel in den Rentenfonds entstand eine neue wichtige Kapitalquelle fuer Investitionen. Ende 1954
verfuegten die amerikanischen Gesellschaften ueber Rentenfonds in Hoehe
von insgesamt 11,2 Milliarden Dollar, wie einem Bericht der "Wertpapierund Boersenkommission" (SEC) zu entnehmen ist. In dieser Summe sind die
stattlichen Pensionsfonds (schaetzungsweise 9»8 Milliarden Dollar), die
von Versicherungsgesellschaften und Banken verwaltet werden, nicht eingeschlossen. Aus dem SEC-Bericht ergibt sich, dass die Pensionsfonds der
Grossunternehmen in der Zeit von 1951 bis 1954 um mehr als 75$ angewachsen sind.
Dass die Rentenfonds der Grossunternehmen zu einer Hauptinvestitionsquelle geworden sind, zeigt die Aufgliederung der Anlagewerte. Nach dem
Stand von Ende 1954 ergibt sich, dass 6,02 Milliarden Dollar in Schuldverschreibungen von Aktiengesellschaften angelegt waren, 2,085 Milliarden
Dollar in Stammaktien, 2,001 Milliarden Dollar in Staatspapieren, 420
Millionen Dollar in Vorzugsaktien, waehrend kleinere Summen anderweitig
angelegt waren bzw. als Barbestaende gehalten wurden.

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�Die Einkuenfte aus Zinsen und Dividenden im Jahre 1954 deckten dabei
alle zur Auszahlung gelangenden Leistungen und saemtliche Auslagen, wie die
SEC berichtete. Die Einkuenfte beliefen sich auf 379 Millionen Dollar und
die aus den Pensionsfonds geleisteten Zahlungen auf insgesamt 318 Millionen Dollar.
Die Zunahme der Pensionsplaene wirft auch noch andere Fragen auf.
Mehrere private Forschungsgruppen haben verschiedene ausfuehrliche Abhandlungen ueber Pensionen und ihre Auswirkung auf die Wirtschaft verfasst. Eine der gruendlichsten Studien heisst "Industrial Pensions" von
John Dearing; sie wurde 1954 von der "Brookings.Institution" herausgegeben und basiert auf Ermittlungen dieses bekannten Institutes fuer Wirtschaftsforschung.
In seiner Analyse vermerkt Mr. Dearing anerkennend die Fortschritte
auf dem Gebiet der Altersversorgung in der Industrie und macht Vorschlaege fuer eine weitere Ausdehnung der Rentenversorgung. Nach seiner Ansicht
koennen die augenblicklich in der Industrie ueblichen Pensionen lediglich
eine zus.aetzliche Rolle bei der Loesung des nationalen Problems der Altersversorgung spielen. Er schaetzt, dass von einem Arbeitskraeftepotential von insgesamt etwa 68,5 Millionen im Jahre 196O nur etwa 22 Millionen oder 32$ berechtigte Hoffnung haben duerften, von dem bisherigen
System der Industrierenten erfasst zu werden.
Einer den wichtigsten Vorschlaege Mr. Dearings besteht darin, die
bundesstaatlichen Einkommensteuergesetze so abzuaendern, dass durch Einfuehrung von steuerfreien Betraegen fuer gewisse Einkommensparten Betraege fuer die Altersversorgung abgezweigt werden koennen, und zwar
genauso wie es den Unternehmen gestattet ist, die in Wohlfahrtsfonda
eingezahlten Betraege als Betriebsunkosten von der Steuer abzusetzen.
Mr. Dearing sagt u.a.: "Ein Pensionsplan, der auf den Namen des Arbeiters
abgeschlossen wird, erleichtert den Arbeitsplatzwechsel und ermoeglicht
es dem Arbeiter, sich einen gewissen Schutz gegen inflationistische
Kraefte zu verschaffen, da er an der Kapitalvermehrung teilhat. Dieses
System sollte ebenfalls dazu fuehren, ein groesseres Verantwortlichkeitsgefuehl des einzelnen insofern wiederherzustellen, als ihm hierdurch die
Moeglichkeit gegeben wird, den zu erwartenden Rentenbetrag in Beziehung
zu seiner Leistungskraft und seiner Sparbereitschaft in der Zeit, wo er
im Arbeitsprozess steht, zu setzen, ganz gleich, wo er seinen Arbeitsplatz
hat und von wie vielen Arbeitgebern er beschaeftigt wird."
Obgleich eigentlich alle von den Gewerkschaften mit der Industrie
vereinbarten Wohlfahrtsplaene irgendeine Form der Kranken- oder Unfallversicherung vorsehen, haben viele Amerikaner andere Formen zur Verringerung der Krankheits- oder Krankenhauskosten gesucht. Eine der populaersten ist der private Gruppenversicherungsplan. Diese Art der Versicherung kann sich auf die Kosten des Krankenhausaufenthalts oder die
aerztliche oder chirurgische Behandlung erstrecken oder auf beide Leistungen, je nach dem Ermessen des Policeninhabers.
Die am meisten verbreitete Form der Gruppenversicherungsabkommen
sind die "Blue Cross-Plaene. Diese werden von lokalen gemeinnuetzigen Organisationen aufgestellt und von der "American Hospital Association"
gebilligt. Ihr Zweck besteht darin, die Versicherungsteilnehmer dafuer
zu gewinnen, die Kosten der Krankenhausbetreuung auf der Basis einer
Gruppenvorauszahlung zu finanzieren. Die Leistungen erfolgen in den meisten
Faellen in Form einer Krankenhausbetreuung, weniger durch Barverguetung.
Alle Blaukreuzplaene decken die Kosten fuer Unterkunft und Verpflegung. Nach einem Normalplan kann ein Versicherter 21 Tage lang in der 2.
Klasse bei voller Kostendeckung in einem Krankenhaus liegen; fuer weitere
180 Tage hat er dann Anspruch auf den halben Leistungssatz, und zwar gilt

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�diese Regelung fuer jeden Krankheitsfall, der einen Krankenhausaufenthalt
erforderlich macht. Bei allen Plaenen sind die Operationssaal-, Kreissaalgebuehren usw. miteinbegriffen, ebenso die Anlegung von Verbaenden,
die Verabreichung von Medikamenten und die Durchfuehrung von Labortests.
Die meisten erstrecken sich auch auf besondere Diaetkost, Roentgenbestrahlung usw. Die Mitgliedschaft kann im allgemeinen beibehalten werden,
wenn das Mitglied den Wohnort wechselt. Die Monatsbeitraege in Washington,
D.C., betragen 1,70 Dollar fuer Einzelpersonen und 3.70 Dollar fuer Familien mit Kindern unter 19 Jahren (falls diese unverheiratet sind); in
vielen anderen Gebieten liegen die Beitragssaetze etwas niedriger.
Auch aerztliche und chirurgische Behandlung werden durch die Gruppenversicherungsplaene gewaehrt; einige von ihnen sind mit dem "Blue Cross"
verbunden. (Der umfangreichste Plan fuer chirurgische Betreuung ist der
des "Blue Shield".) Die Mitgliedsbeitraege liegen etwas niedriger als
die fuer die "Blue Cross"-Versicherung fuer Krankenhauskosten. Fuer den
in Washington, D.C., geltenden "Blue Shield"-Versicherungsplan werden
Beitraege in Hoehe von monatlich 1,00 Dollar fuer Einzelpersonen und 3*20
Dollar fuer Familien erhoben. Die Verguetungssaetze liegen fest. Bei
einer Bruchoperation werden beispielsweise 100 bis 140 Dollar gezahlt, bei
einer Staroperation 150 Dollar und bei Entbindungen 80 Dollar. Fuer Betaeubungsmittel, Roentgenbehandlung usw. werden zusaetzliche Leistungssaetze gewaehrt. Die auf Grund des Versicherungsabkommens gezahlten Betraege werden von den Chirurgen als volles Honorar anerkannt, es sei denn,
das Familieneinkommen uebersteigt 5500 Dollar im Jahr oder die versicherte
Einzelperson verdient mehr als 3000 Dollar im Jahr.
Es gibt noch weitere Formen von im voraus bezahlten Versicherungen,
die die Kosten fuer Krankenhauseufenthalt und chirurgische und aerztliche
Betreuung uebernehmen. Mehrere Millionen Amerikaner sind durch Versicherungen aerztlicher Verbaende gedeckt, und eine noch groessere Zahl hat Einzelversicherungen abgeschlossen.
Alles in allem sind jeweils etwa zwei von drei Amerikanern in Krankenversicherungen. Das "Health Insurance Council" schaetzt, dass es Mitte
1955 etwa 104 Millionen Krankenversicherte gab. Der Rat stellte ebenfalls die folgenden Zahlen ueber die Erfassung durch eine Krankenversicherung im Jahre 1954 zur Verfuegung:
Gesamtzahl der Personen mit Versicherungsschutz bei Krankenhausaufenthalt -- 101 493 000.
Von diesen waren nahezu 86 Millionen in einer Versicherung, die die
Kosten fuer chirurgische Behandlung uebernimmt.
Nahezu 39 Millionen Arbeiter - 60% des gesamten zivilen Arbeitspotentials - waren gegen Verdienstausfall durch Invaliditaet geschuetzt.
Die Leistungen auf Grund freiwilliger Krankenversicherungsplaene
verteilten sich wie folgt: 56% wurden von Versicherungsgesellschaften gezahlt, 39% von "Blue Cross" und "Blue Shield" und die uebrigen 5% entfallen auf verschiedene unabhaengige Plaene.
Obgleich diese Zahlen darauf hindeuten, dass ein hoher Prozentsatz
des amerikanischen Volkes irgendeine Form des Krankenversicherungsschutzes
geniesst, ist es offensichtlich, dass das Programm weit davon entfernt
ist, vollkommen zu sein. Im Jahre 1954 gaben die Amerikaner ueber 10
Milliarden.}fuer aerztliche Behandlung aus. Nur 25% dieser Summe wurde
durch irgendeine'Form der vorfinanzierten Krankenversicherung gedeckt.
Das bedeutet, dass die Amerikaner etwa 7»5 Milliarden Dollar aus eigener
Tasche fuer Arzt- und Krankenhauskosten, Zahnbehandlung, Kinderschwestern,
Arznei und sonstige aerztliche Hilfsmittel bezahlen mussten. Und wenn

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�man den Umfang des Schutzes in Betracht zieht, der durch die Krankenversicherungsvertraege gewaehrt wird, 80 stellt sich heraus, dass die Durchschnittsperson, die einer Versicherung zur Deckung der Kosten bei Krankenhausaufenthalt angehoerte, im Laufe des Jahres 1953 noch 19$ ihrer
Krankenhausrechnung aus eigenen Mitteln aufbringen musste und die "Durchschnittsperson", die durch eine Versicherung zur Deckung der Arztkosten
erfasst wurde, nur 46$ der entstandenen Unkosten ersetzt bekam.
Die amerikanische Bundesregierung zieht schon seit Jahren in Erwaegung, Krankenversicherungsmassnahmen zu treffen. Der Plan, der augenblicklich groesste Beachtung findet, ist ein "Rueckversicherungs"vorschlag, wobei die Regierung einen 100-Millionen-Dollarfonds bereitstellen wuerde, um einen Teil des Risikos zu tragen. Die Regierungsstelle
wuerde diesen Schutz auf private Versicherungsgesellschaften ausdehnen,
um eine umfassendere und billigere Deckung zu ermoeglichen.
Quelle» Eigenbericht

Strafrechtliche Verfolgung von Verstoessen gegen die Arbeitsdisziplin
in der UdSSR
In den letzten zwei bis drei Jahren hat die sowjetische Regierung
bei der Neuveroeffentlichung der Arbeits-Disziplinargesetze die Bestimmungen ueber die strafrechtliche Verfolgung von Verstoessen der Arbeiter
gegen ihre Arbeitsvertraege, wie unerlaubte Aufgabe des Arbeitsplatzes,
unentschuldigtes Fehlen, Zuspaetkommen oder Bummeln waehrend der Arbeit ausgelassen. Eine ausdrueckliche Aufhebung dieser Bestimmungen ist
jedoch bisher nicht oeffentlich bekanntgegeben worden. Wie zahlreiche
Hinweise erkennen lassen, werden diese Strafen nach wie vor verhaengt.
Somit ist das Vertragsverhaeltnis zwischen dem sowjetischen Arbeitgeber,
das heisst irgendeiner staatlichen Dienststelle oder Organisation, und
dem Arbeitnehmer - um mit dem Ausschuss fuer Strafmassnahmen bei der
Internationalen Arbeitsorganisation zu sprechen - nichts weiter als
"eine Form legalisierter Sklaverei, die der heutigen Vorstellung von
persoenlicher Wuerde und dem Recht des freien Menschen widerspricht."
Sowjetische Arbeitsvertraege
Die Arbeitsvertraege in der Sowjetunion werden muendlich oder
schriftlich abgeschlossen. Gewoehnlich sind es muendliche Vertraege, die
rechtswirksam sind, sobald sich die Leitung eines Unternehmens und der
neue Arbeiter hinsichtlich der zu verrichtenden Arbeit und des Arbeitsplatzes geeinigt haben. Schriftliche Arbeitsvertraege, wie sie fuer Arbeiter und Beamten besonderer Regierungsorgane abgeschlossen werden,
sind allmaehlich auch ueberall dort zur Regel geworden, wo die Annahme
der Arbeit durch den Arbeitnehmer einen Ortswechsel erfordert. Derartige
Vertraege gelten im allgemeinen fuer die Dauer von zwei oder mehr Jahren;
fuer Arbeitnehmer, die nach dem Hohen Norden oder anderen weit entfernten Gebieten gehen, mindestens drei Jahre. Fuer gewisse Saisonarbeiten
koennen kurzfristige Arbeitsvertraege abgeschlossen werden. Nach sowjetischem Recht untersteht der Arbeitnehmer nach Abschluss des Vertrages
saemtlichen Bestimmungen der Arbeits-Strafgesetze.
ßo darf beispielsweise kein Arbeitnehmer ohne Einverstaendnis der
Betriebsleitung seine Stelle aufgeben, gleichgueltig, ob er einen muendlichen oder schriftlichen Arbeitsvertrag abgeschlossen hat. Tatsaechlich
kann das Arbeitsverhältnis und die Verpflichtung zur Arbeit noch ueber
die kontraktlich festgelegte Zeit hinaus verlaengert werden. Wenn die
Betriebsleitung es ablehnt, einen Arbeiter nach Ablauf der kontraktlich
festgelegten Zeit freizugeben, so kann nach dem geltenden Recht "der
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�Fall dem Gericht uebergeben werden". Wenn dieses zugunsten des Arbeiters
entscheidet, so soll die Betriebsleitung angewiesen werden, den Arbeiter
innerhalb einer bestimmten Frist freizugeben, die "auf Grund der jeweiligen praktischen Erfordernisse" festzusetzen ist.
Das Einverstaendnis der Betriebsleitung zur Aufgabe der Arbeitsstelle ist fuer den Arbeitnehmer aeusserst wichtig, wenn er sicher gehen will,
dass er eine neue Stelle findet. Nach dem Erlass vom 20. Dezember 1938»
der noch heute in Kraft ist, duerfen Betriebe in der Sowjetunion "Arbeitnehmer nur bei Vorlage des Arbeitsbuches einstellen". Dieses Arbeitsbuch,
das bis zur Aufloesung des Arbeitsverhaeltnisses bei der Betriebsleitung
bleibt, soll nach dem Gesetz neben saemtlichen Personalangaben auch Eintragungen ueber Bildungsgang und berufliche Schulung, bisher bekleidete
Arbeitsstellen (mit genauen Daten ueber Arbeitsaufnahme und Ausscheiden),
Gruende fuer den Arbeitsplatzwechsel sowie saemtliche Auszeichnungen
fuer hervorragende Arbeit enthalten; Strafen werden in dem Buch jedoch
nicht vermerkt.
Absolventen von Fachschulen sowie von technischen und anderen hoeheren
Lehranstalten muessen die ihnen vom Staat zugewiesenen Arbeitsplaetze
annehmen und sind also auch den Bestimmungen der Arbeitsstrafordnung unterworfen. Im Rahmen des seit dem Jahre 1940 gueltigen Staatlichen Arbeitsreserveprogramms werden alle Absolventen der Fach- und Werkschulen
vom Staat auf vier Jahre dienstverpflichtet und muessen waehrend dieser
Zeit jede ihnen zugewiesene Stellung annehmen. Die Absolventen der 1955
eingerichteten Schulen fuer das Bedienungspersonal landwirtschaftlicher
Maschinen, deren Lehrgaenge von einem halben Jahr bis zu einem Jahr laufen, muessen eine zweijaehrige Dienstpflicht erfuellen. Bis 1955 waren
bereits ueber 7 Millionen junger Maenner und Frauen vom Staat auf bestimmte
Arbeitsplaetze verpflichtet worden. Und auch die Absolventen der hoeheren
technischen Lehranstalten und Universitaeten muessen mindestens drei Jahre auf den ihnen vom Staat zugewiesenen Arbeitsplaetzen verbleiben.
Strafen fuer Verstoesse gegen den Arbeitsvertrag
In den ersten zehn Jahren des Sowjetregimes gab es noch keine Strafbestimmungen gegen eigenmaechtige Aufgabe des Arbeitsplatzes oder unberechtigtes Fernbleiben von der Arbeit. Arbeiter, die sich derartige Verstoesse zuschulden kommen Hessen, wurden schlimmstenfalls entlassen.
Die ersten Strafbestimmungen brachte das Gesetz vom 13. September 1930»
durch das Arbeitern, die ohne Erlaubnis der Betriebsfuehrung den Arbeitsplatz aufgeben, das Recht auf Arbeitslosenunterstuetzung entzogen wurde
und das bestimmte, dass ihre Namen auf den von den Staatlichen Arbeitsaemtern gefuehrten Vermittlungslisten ganz unten aufzufuehren seien.
Ende der dreissiger Jahre, als die Fuenfjahresplaene auf vollen Touren
liefen und Arbeitsstellen leicht zu finden waren, trat ein Mangel an
Arbeitskraeften ein, und es zeigte sich, dass diese Strafbestimmungen
nicht ausreichten. Schaerfere Massnahmen waren daher notwendig. Infolgedessen wurden im Dezember 1938 zwei Erlasse herausgegeben, und zwar der
Erlass vom 20. Dezember 1938, mit dem die oben beschriebenen Arbeitsbuecher eingefuehrt wurden, und der Erlass vom 28. Dezember 1938, der bestimmte, dass "ein Arbeiter, der seine Stelle freiwillig aufgibt, das
Recht auf voruebergehende Krankenversicherungsleistungen verliert und
erst, wenn er ein halbes Jahr eine neue Stelle bekleidet hat, wieder in
den Genuas dieses Rechts kommt". Durch den gleichen Erlass wurde auch
die Urlaubswartezeit nach Neueinstellung von 5^ auf 11 Monate erhoeht.
Weiter bestimmte er: "Ein Arbeiter, der ohne stichhaltige Entschuldigung
zu spaet zur Arbeit kommt, oder zu frueh zum Essen oder nach Hause geht
oder bei der Arbeit troedelt, unterliegt den folgenden administrativen
Strafaassnahmen: Verwarnung oder Massregelung, Versetzung an eine schlechter bezahlte Stelle fuer einen Zeitraum bis zu drei Monaten oder Rueck3tufung."

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�Die schaerfsten sowjetischen Strafmassnahmen wurden jedoch erst zwei
Jahre spaeter eingefuehrt. Als erstes wurde durch das Gesetz vom 26.
Juni 1940 bestimmt, dass Arbeiter in staatlichen, genossenschaftlichen
und kommunalen Betrieben, die ihre Arbeit ohne Erlaubnis aufgeben, vor
Gericht gestellt und mit Haft von 2 bis 4 Monaten bestraft werden. Weiter
schreibt dieses Gesetz vor, dass Arbeiter, die ohne stichhaltige Entschuldigung der Arbeit fernbleiben, zu Arbeitsbesserung verurteilt werden, das heisst, dass sie wohl auf ihrem alten Arbeitsplatz weiterbeschaeftigt werden, aber bis zu 6 Monaten einen Lohnabzug von bis zu 25$
als Busse auferlegt bekommen. Zweitens bestimmte der Erlass vom 18. Januar 1941, dass die im Gesetz vom 26. Juni 1940 vorgesehenen Strafen fuer
Fehlen auch im Falle von Unpuenktlichkeit oder Fernbleiben vom Arbeitsplatz fuer mehr als 20 Minuten oder bei dreimal in einem Monat oder viermal in zwei aufeinanderfolgenden Monaten vorkommender Verspaetung von
weniger als 20 Minuten Anwendung finden sollen. Arbeiter, die betrunken
am Arbeitsplatz erscheinen, unterliegen gleichfalls diesen Strafen.
Nach dem Gesetz vom 19« Oktober 1940 unterliegen Angehoerige gewisser
Berufe, die sich der von einem Ministerium ausgesprochenen Dienstverpflichtung in einen anderen Betrieb oder in eine andere Gemeinde widersetzen, den gleichen Strafbestimmungen wie Personen, die ihre Arbeitsstellen ohne Einwilligung des Arbeitgebers aufgeben. Dieser Personenkreis
schliesst nach dem Gesetz "Ingenieure, Konstrukteure, Konstruktionsplaner,
Techniker, Meister, Zeichner, Buchhalter, Volkswirtschaftler, Finanzund Planungsarbeiter und Facharbeiter" ein.
Die gegenwaertige Handhabung der sowjetischen Arbeitsstrafgesetze
Eine Aufhebung der vorstehend aufgefuehrten Strafgesetze wurde bisher weder bekanntgegeben, noch ist in den juengsten Kommentaren zur sowjetischen Arbeitsgesetzgebung oder anderen uns zugaenglichen sowjetischen
Publikationen eine diesbezuegliche Aeusserung zu verzeichnen. In N.G.
Alexandrows Kommentar "Sowjetskoje Trudowoje Prawo" (Sowjetisches Arbeitsrecht), der 1954 in Moskau erschien, heisst es auf Seite 107, dass nach
dem Kriege gewisse Gesetze aufgehoben wurden, einschliesslich derjenigen
ueber Ueberstundenarbeit und deren Bezahlung anstelle von Urlaubsgewaehrung, sowie des kriegsbedingten Gesetzes zur Arbeitsmobilisierung vom
13. Februar 1942. Von einer Aufhebung der Strafbestimmungen bezueglich
der Aufgabe der Arbeitsstelle und des Fernbleibens vom Arbeitsplatz ist
jedoch nicht die Rede. Darueber hinaus wurden diese Gesetze im "Sprawotschnik Profsojusnowo Rabotnika" (Handbuch des Gewerkschaftsfunktionaers) von
1953 erneut veroeffentlicht, und zwar das Gesetz vom 26. Juni 1940(S. 274)
sowie der Erlass vom 18. Januar 1941 (S. 105-109). Das Gesetz vom 26. Juni
1940 wurde im Jahre 1953 in Auszuegen auch in dem Werk "Osnownyje Sakonodatjelnyje Akty 0 Trude Ratoschich i Slushaschtschich" (Grundlegende
legislative Massnahmen ueber die Taetigkeit der Arbeiter und Angestellten)
(S. 5) vom Staatsverlag fuer juristische Literatur veroeffentlicht.
Bei der Neuveroeffentlichung dieser Gesetze im Jahre 1953 wurden
in den sowjetischen Gesetzbuechern die Abschnitte ueber Strafen ohne
weiteren Kommentar ausgelassen. Derartige Auslassungen bedeuten nicht notwendigerweise eine Aufhebung der Gesetze. Vielleicht darf man daraus aber
auf eine Periode der versuchsweise gelockerten Handhabung oder Suspendierung
der strengen Strafmassnahmen schliessen. Um einen Sonderfall herauszugreifen: So ist zum Beispiel das Gesetz vom 19. Oktober 1940, das die
Dienstverpflichtung von Arbeitern an andere Orte vorsieht, im Handbuch
des Gewerkschaftsfunktionaers fuer 1953 vollkommen ausgelassen; es ist
jedoch nach dem 1954 erschienenen Buch ueber sowjetisches Arbeitsrecht
von N.G. Alexandrow noch in Kraft. Daran ist nichts Erstaunliches, denn
nach der seit 1942 ueblichen sowjetischen Praxis kann der Wortlaut geltender Gesetze auf besondere Anordnung "von der Veroeffentlichung ausgeschlossen
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�werden.
Ganz abgesehen davon, welche psychologischen oder wirtschaftlichen
Vorteile die Auslassung der Abschnitte ueber Strafen bei der Veroeffentlichung bestimmter Gesetze innerhalb der Sowjetunion haben mag, ist diese Tatsache fuer die sowjetischen Delegierten bei internationalen Konferenzen (beispielsweise den Sitzungen der UN-Ausschuesse oder der Internationalen Arbeitsorganisation) von grossem Nutzen, da sie auf diese
Weise leichter ihre Behauptungen unterstuetzen koennen, dass die Arbeiter in der kapitalistischen Welt "versklavt" seien, waehrend die Arbeiter in der Sowjetunion "frei" und "gluecklich" leben.
Obwohl die Sowjetregierung die Frage der Bestrafung bei Aufgabe der
Arbeitsstelle, Fehlen und Unpuenktlichkeit in Unklarheit laesst, zeigt
sich doch deutlich eine gewisse Besorgnis hinsichtlich des tatsaechlichen
Verhaltens der Arbeiter. In seinem Kommentar zur sowjetischen Arbeitsgesetzgebung von 1954 stellt N.G. Alexandrow (S. 221) in bezug auf Verstoesse gegen die Arbeitsdisziplin fest, dass "die Sowjetregierung einerseits die ungesetzlichen Ueberstunden, andererseits aber auch das Fernbleiben vom Arbeitsplatz, Unpuenktlichkeit, vorzeitiges Verlassen des
Arbeitsplatzes, Bummelei und so weiter als unzulaessig betrachtet". Auffaellig bei dieser Aufzaehlung ist, dass die Aufgabe der Arbeit ohne
Einverstaendnis der Betriebsleitung fehlt. Im gleichen Buch heisst es
(S. 297), dass "ein Verstoss gegen die Arbeitsdisziplin nach sowjetischem
Recht in der Regel ein Disziplinarvergehen darstellt, das durch Disziplinarstrafen zu ahnden ist. Nur einige besondere Faelle des Verstosses
gegen die Arbeitsdisziplin stellen eine Gefaehrdung des oeffentlichen
Interesses dar und gelten daher nach sowjetischem Recht als Verbrechen".
Das Buch gibt jedoch keinerlei Aufschluss darueber, ob zu diesen Ausnahmefaellen auch die unerlaubte Aufgabe des Arbeitsplatzes, Fehlen
und wiederholte Unpuenktlichkeit gehoeren, fuer die das Gesetz vom 26.
Juni 1940 und der Erlasa vom 18. Januar 1941 Strafen vorsehen.
Allerdings geht aus Mitteilungen in der sowjetischen Presse in den
Jahren 1954 und 1955 hervor, dass Fehlen und unerlaubte Aufgabe des
Arbeitsplatzes nach wie vor Handlungen sind, die gerichtlich verfolgt
werden muessen. Aus einem Bericht in dem Gewerkschaftsblatt "Trud" darf
man folgern, dass wiederholtes Fehlen, sofern die Betriebsleitung Anzeige
erstattet, gerichtlich geahndet wird, wenn auch Arbeiter, die mehrmals
fehlen, zunaechst nur geruegt werden«
"Abrasumow und Skibin (zwei Jugendliche) stellten sich zur Arbeit
ein, nachdem sie einen Tag gefeiert hatten. Da Sharinsky (der Abteilungsleiter) ueberzeugt war, dass ein Verweis sinnlos sei (da die beiden schon
oefter gefehlt hatten), forderte er Krysin (den Leiter des Werkes) auf,
den Fall dem Volksgericht vorzutragen. Krysin unterschrieb die erforderlichen Dokumente".
Die parteiamtliche Zeitschrift "Der Kommunist" veroeffentlichte
einen Artikel des sowjetischen Justizministers K. Gorschenin zur Frage
der unerlaubten Aufgabe des Arbeitsplatzes, in dem er sagt)
"Der Leiter einer der Bauverwaltungen gab den Auftrag, die gegen
M.A. Filatow erhobene Klage wegen unerlaubter Aufgabe des Arbeitsplatzes
an das Volksgericht zu ueberweisen."
Der Arbeiter wurde jedoch freigesprochen, da das Gericht feststellte, dass der Arbeitgeber gegen den Arbeitsvertrag Verstössen hatte,
indem er dem Arbeiter kein Quartier in dem Gemeinschaftswohnhaus besorgt
hatte. Mit Auffuehrung dieses Falles, durch den der Justizminister zeigen
will, dass die Betriebsleitung nicht berechtigt ist, die kontraktlich
verbuergten Rechte des Arbeiters zu verletzen, hat er unabsichtlich bestaetigt, dass Arbeiter, die ihren Arbeitsplatz ohne Erlaubnis aufgeben,
- 11 -

�strafrechtlich verfolgt werden.
Dass es auch heute noch im sowjetischen Regime derartige Strafen
gibt, beweist das folgende Zitat aus dem 1954 erschienenen Buch "Wtschom
sostoit kommunistitscheskoje Wospitanije Trudjaschtschichsja" (Worin
die kommunistische Erziehung der Arbeiter besteht) von S. Kowaljow

(S. 47)»
"Fehlen oder Unpuenktlichkeit bei der Arbeit und Verstoesse gegen
die Erzeugungsschlacht selbst durch einzelne Arbeiter schaedigen die
Arbeit aller Arbeiter in speziellen Industrieunternehmen, auf Kolchosen, Sowchosen sowie Maschinen- und Traktoren-Ausleihstationen auf das
schwerste. Die Erfahrung zeigt, dass ein Nachlassen im Kampf gegen mangelnde Disziplin das Fehlen und Zuspaetkommen sofort ansteigen laesst
und infolgedessen der Betrieb oder die Kolchose weniger gute Arbeit zu
leisten vermoegen."
Quelles "Monthly Labor Review",
Vol. 78, No 8

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Auf Grund des neuen Pensionsplanes der "Nationalen Seeleutegewerkschaft" (National Maritime Union) ist es jetzt Seeleuten im Falle der
Vollinvaliditaet moeglich, ohne Ruecksicht auf ihr Alter eine Rente zu
beziehen, vorausgesetzt, dass sie eine Mindestanwartschaft von 12 Jahren
nachweisen koennen. Waehrend sie bisher nur dann rentenberechtigt waren,
wenn 3ie das 55» Lebensjahr erreicht hatten, ist jetzt lediglich die Laenge der Dienstzeit entscheidend.
Ausserdem wurden in dem neuen Rentenplan auch noch einige andere
Qualifikationen geaendert. So ist es jetzt zum Beispiel nicht mehr erforderlich, dass der Betreffende eine bestimmte Zeit vor Eintritt der Invaliditaet beschaeftigt gewesen sein muss. Andere Pensionsplaene sehen zum
Beispiel vor, dass der Seemann vor Eintritt der Invaliditaet zumindest
fuer 90 Tage beschaeftigt gewesen sein muss. Auf Grund des neuen Abkommens sind drei verschiedene Arten von Rentenleistungen moeglich»
1. Die Auszahlung der normalen Fensions bei Erreichung des 65. Lebensjahres, vorausgesetzt, dass der Seemann eine Dienstzeit von 18 Jahren
nachweisen kann; die Rentenleistung betraegt hier 55 Dollar pro Monat,
zusaetzlich zur staatlichen Altersversorgung.
2. Verminderte Rentensaetze fuer solche Seeleute, die das 65. Lebensjahr erreichen, aber nur eine Dienstzeit zwischen 11 und 18 Jahren nachweisen koennen.
5. Pensionsleistungen fuer solche Seeleute, die zwischen dem 60. und
65. Lebensjahr in den Ruhestand treten und wenigstens 11 Dienstjähre
haben.
Die amerikanischen Erdoelgesellschaften haben die Loehne ihrer Arbeiter auf Grund gleichlautender Tarifabkommen um allgemein sechs Prozent oder mindestens 15 Cent pro Stunde - erhoeht, was etwa 26 Dollar und mehr
pro Monat entspricht. Zu denjenigen Gesellschaften, die die Loehne sowohl
fuer ihre gewerkschaftlich organisierten als auch nichtorganisierten Arbeitnehmer erhoehten, gehoeren die "Gulf Oil Corporation", "Esso Standard Oil Company", "Socony Mobil Oil Company" und die "Humble Oil and
Refining Company".

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht wcrijen.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 6

Mehlem, den 16. Maerz 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Reform der Arbeitsbedingungen im New Yorker Hafen

Seite

1

Disziplinarische Massnahmen der Gewerkschaften

Seite

5

Neue Grenzen der menschlichen Beziehungen

Seite

9

Gewerkschaftliche Kurznachricht

Seite 12

Reform der Arbeitsbedingungen im New Yorker Hafen
Die Arbeitsbedingungen im New Yorker Hafen haben sich vom Sommer
1954 bis zum Sommer 1955 erheblich verbessert, wie aus dem zweiten
Jahresbericht der Hafenkommission fuer den Hafen von New York*) hervorgeht. Die bei der Ausmerzung von Verbrechen und Korruption erzielten
Fortschritte sind weitgehend darauf zurueok zufuehren, dass die Kommission
die Arbeit im Hafen ihres Gelegenheitscharakters entkleidete, die Hafenarbeiter registrierte, ein neues Anheuerungsverfahren einfuehrte und
alles daransetzte, dass das Anheuern von Arbeitern am Pier nicht wieder
zur Regel wurde. Ein weiteres Mittel war die Handhabung der Lizenzierungsvollmachten durch die Kommission.
Eliminierung der Gelegenheitsarbeit im Hafen
Das Deberangebot an Hafenarbeitern war eine der Hauptursachen fuer
die im New Yorker Hafen herrschende Korruption und das Verbrecherunwesen.
Der Bedarf an Hafenarbeitern belaeuft sich im New Yorker Hafen auf
schaetzungsweise 25 000 bis 33 250 Mann. In den Jahreszeitraeumen vor
dem 30. September 1952 beziehungsweise 1953t Q8-s ist also vor Gruendung
*) Die Kommission besteht aus Vertretern der Staaten New York und
New Jersey und wurde auf Grund des Public Law 252 eingesetzt.

- 1 -

�der Kommission, wurden nach den Unterlagen des New Yorker Reederverbandes
'42 000 Mann als Hafenarbeiter entlohnt.
Zur Loesung des wichtigsten Problems, naemlich Angebot und Nachfrage
bei Arbeitskraeften im Gleichgewicht zu halten, stuetzte sich die Kommission auf zwei Bestimmungen des Gesetzes, auf Grund dessen sie errichtet
wurde. Auf Grund dieser Bestimmungen war die Kommission verpflichtet,
1.) jeden Bewerber zu registrieren, sofern er nicht auf Grund von Vorstrafen, seines Eintretens fuer den gewaltsamen Sturz der amerikanischen
Regierung oder der Tatsache, dass seine Gegenwart am Fier Frieden und
Sicherheit dort gefaehrden koennte, ungeeignet ist; und 2.) eine Mindestbeschaeftigungsdauer festzusetzen sowie alle halbe Jahre diejenigen Hafenarbeiter aus ihren Listen zu streichen, die dieses Mindestmass nicht
erfuellten.
Wie erfolgreich diese Massnahmen waren, zeigt die Tatsache, dass
die Zahl der fuer die Arbeit im Hafen in Frage kommenden Personen, das
heisst der bei der Kommission registrierten Hafenarbeiter, bis Mitte
1954 auf 34 469 und bis Juni 1955 auf 31 574 sank. Da die gesetzlich eingefuehrte Registrierungspflicht in diesem Zeitraum zunaechst zu einer
wesentlichen Zunahme der registrierten Hafenarbeiter fuehrte (vergleiche
weiter unten), ist der Rueckgang im Jahre 1955 in erster Linie auf den
ersten, im Januar 1955 begonnenen Angriff auf die Gelegenheitsarbeit im
Hafen zurueckzufuehren. Wie die Statistiken fuer jenen Zeitraum zeigen,
eTfuellten 16 393 der registrierten Arbeiter die Mindestforderung an regelmaessiger Arbeit nicht, das heisst 8 Tage Beschaeftigung oder achtmalige Nachfrage bei den Arbeitsvermittlungsstellen der Kommission pro Arbeitsmonat. All diesen Arbeitern wurde Gelegenheit gegeben, ihr Verhalten
zu begruenden, und 9336 von ihnen baten unter Hinweis auf besondere Umstaende darum, auch weiterhin auf den Registrierungslisten gefuehrt zu
werden. Bei Ueberpruefung dieser Faelle war die Kommission bemueht, diejenigen auf den Listen zu belassen, die in erster Linie auf die Hafenarbeit
als Erwerbsquelle angewiesen waren. Auf diese Weise konnte in 8790 Faellen
zugunsten solcher Personen entschieden werden.
Registrierung der Hafenarbeiter
Auf diese Weise wurden im Laufe des am 30. Juni 1955 endenden Geschaeftsjahres 7603 Arbeiter von den Listen der Kommission gestrichen.
Zu Beginn des Jahres hatte die Kommission 29 7^5 Hafenarbeiter staendig
und 4704 voruebergehend registriert, waehrend 122 abgelehnt worden waren.
Im Laufe des Jahres erhielten weitere 7063 Mann Dauerregistrierungskarten,
waehrend in 507 Faellen die Registrierung abgelehnt oder widerrufen wurde.
Fuer die absolute Abnahme der Zahl der registrierten Hafenarbeiter um insgesamt 2895 bis En.de des Geschaeftsjahres duerfte Saeumigkeit der voruebergehend Registrierten verantwortlich sein.
Die Kommission ueberprueft saemtliche Personen, die um Aufnahme in
die Listen der Hafenarbeiter nachsuchen, sehr sorgfaeltig. Da sie sich
darueber klar ist, welch schlechte Einfluesse Bewerber mit krimineller
Vergangenheit auf ihre Arbeitskollegen haben koennten, gruendet sie in
allen solchen Faellen ihre endgueltige Entscheidung ueber die Registrierung auf die Gesamtdauer der Taetigkeit des Bewerbers als Hafenarbeiter
unter entsprechender Beruecksichtigung etwaiger Anzeichen einer Besserung
und des Grades der Not, der er und seine Familie im Falle einer Ablehnung
ausgesetzt waeren. •
In den zwei Jahren ihres Bestehens hat die Kommission in 629 Faellen
die Registrierung von Bewerbern wegen krimineller Vergangenheit abgelehnt
oder widerrufen und in 288 Faellen die Registrierung nur nach vorheriger
Vernehmung der Bewerber vorgenommen. Um welche Verbrechen es sich in
diesen 917 Faellen handelte, geht aus nachfolgender Aufstellung hervort
- 2 -

�Die Registrierung wurde
abgelehnt oder
widerrufen
vorgenommen
Anzahl der Bewerber mit krimineller
Vergangenheit
Gesamtzahl der Gesetzesverstoesse
davon Verbrechen
Vergehen
Uebertretungen
Leichte Haftatrafen

629

268

3190
630
1402
407
751

1336
213
531
124
468

Dreissig Prozent der zu einer Vernehmung Vorgeladenen erschienen
nicht, obgleich man ihnen mitgeteilt hatte, dass ihr Nichterscheinen eine
Ablehnung der Registrierung zur Folge haben werde. Allerdings hat die
Kommission aus Gruenden der Billigkeit derartige Faelle wieder aufgegriffen, wenn der Bewerber innerhalb einer angemessenen Frist darum nachsuchte.
Neues Einstellungsverfahren
Ein weiterer Versuch der Kommission, die Probleme der "Ungewissheit
der Beachaeftigung der Hafenarbeiter und des Fortbestands der Ringvereine"
in Angriff zu nehmen, bestand in der Einfuehrung eines neuen Einstellungsverfahrens im April 1955» Damit ging die Kommission von der bis dahin geuebten Methode der "vorherigen Beglaubigung" ab und fuehrte stattdessen ein System der Gruppenausschreibung und Gruppeneinstellung ein.
Das Verfahren der "vorherigen Beglaubigung", das die Kommission im
Dezember 1953 einfuehrte, war anstelle des im Hafen ueblichen Schlangeetehena nach Arbeit getreten, bei dem die mehr oder weniger willkuerliche
Verteilung der Stellen durch die Anwerber Verbrechen und Korruption Vorschub leistete. Nach Einfuehrung der vorherigen Beglaubigungspflicht
mussten die Arbeitgeber der Kommission Namenslisten jener Arbeiter einreichen, die sie in der kommenden Woche beschaeftigen wollten. Die Kommission verglich diese Listen mit ihrem Gesamtregister der Hafenarbeiter
und beglaubigte sie. Beglaubigte Listen konnten dann von Woche zu Woche
verlaengert werden. Lediglich die Arbeiter, die sich um Gelegenheitsarbeit bewarben, mussten persoenlich im Vermittlungsbuero der Kommission
erscheinen. Der Erfolg dieses Systems der vorherigen Beglaubigung wurde
jedoch weitgehend dadurch zunichte gemacht, dass die Arbeitgeber es
den Anwerbern und Gewerkschaftsfunktionaeren gestatteten, weit mehr Personen auf die Listen zu setzen als sie tatsaechlich benoetigten. Auf diese
Weise wurde das mit Recht verrufene offene "Schlangestehen" durch ein
ebenso unerwuenschtes heimliches "Anstehen" ersetzt. Das entscheidende
Wort ueber Anstellung oder Nichtanstellung sprach die unabhaengige Allamerikanische Hafenarbeitergewerkschaft (International Longshoremen's
Association - ILA).
Infolgedessen schlug die Kommission ein System vor, bei dem die Arbeit gruppenweise ausgeschrieben und die Leute gruppenweise eingestellt
werden. Es dient dem Ziel, die Einstellung von Schauerteams, Hafenarbeitern, Kontrolleuren und Bueroangestellten durch die Arbeitsvermittlungsbueros der Kommission in der gesetzlich vorgeschriebenen Weise zu regeln,
und diese Vermittlungsbueros in Informationszentralen ueber den Arbeitsanfall im Hafen und verfuegbare Arbeitskraefte umzuwandeln. Die Arbeitgeber
lehnten diese Vorschlaege ab, und die Hafenarbeitergewerkschaft boykottierte eine fuer Oktober 1954 anberaumte oeffentliche Informationssitzung.
Die Kommission verschob weitere Massnahmen bis Januar 1955» da der New
Yorker Reeder- und Speditionsverband (New York Shipping Association) und

�die Hafenarbeitergewerkschaft gerade ueber einen neuen Kontrakt verhandelten. Zu diesem Zeitpunkt gab die Kommission bekannt, dass die Neuregelung ab Maerz 1955 in Kraft treten werde. Die Arbeitgeber wandten
sich erneut gegen diese Regelung. Sie Gewerkschaft lehnte es zunaechst
ab, ueberhaupt Stellung dazu zu nehmen und ging spaeter dazu ueber, Urabstimmungen ueber die Frage vorzunehmen. Unmittelbar vor Inkrafttreten
der Neuregelung ersuchte die Allamerikanische Hafenarbeitergewerkschaft
um Gelegenheit, ihren Standpunkt darzulegen. Die Hafenkommission verschob daraufhin die Inkraftsetzung der Neuregelung bis April 1955« Obgleich die Hafenarbeitergewerkschaft die neuen Einstellungsbestimmungen
spaeter vor Gericht anfocht*)i fuehrten die folgenden Beratungen dazu,
dass erstmals die Einstellungsverfahren fuer einen grossen Teil des Hafengebiets schriftlich festgelegt wurden, so dass es in Zukunft keinerlei Missverstaendnisse auf diesem Gebiet mehr geben kann. Diese formelle
Festlegung der Einstellungsverfahren, durch die die Kontrolle der Hafenarbeit durch die Gewerkschaft weitgehend beschnitten werden konnte, ohne
dass es darueber zu Streiks kam, wird von der Kommission als eine ihrer
wichtigsten Leistungen im zweiten Jahr ihres Bestehens angesehen.
Dieses neue System weist natuerlich gewisse Unterschiede bezueglich
der verschiedenen Arbeiten auf, doch gelten folgende grundlegenden Bestimmungen fuer staendige Schauergangs und Hafenarbeiter gleichermassem
1. Die Namen der staendigen Arbeiter werden der Kommission vom Verlader,
der sie anstellt, bekanntgegeben. 2. Die Namenslisten dieser Arbeiter
werden am Kopf des Piers und in dem zustaendigen Vermittlungsbuero der
Kommission ausgehaengt. 3- Arbeiter werden je nach Arbeitsanfall aus dem
auf der Liste aufgefuehrten Personenkreis am Pier ausgewaehlt und auf
Tagesbasis angestellt. 4* Verlader erstatten dem Vermittlungsbuero der
Kommission taeglich einen Bericht ueber die jeweiligen Einstellungen!
der auf dem schwarzen Brett ausgehaengt wird. Zum Monatsende muessen die
Verlader die Namen aller Arbeiter, die nicht regelmaessig beschaeftigt
wurden, von den Listen streichen. Regelmaessig arbeitende Gangs, die nicht
auf ihrem eigenen Pier arbeiten, sowie zusaetzliche Arbeitsgruppen werden
ebenso wie die Gelegenheits- oder Aushilfsarbeiter ueber das Vermittlungsbuero der Kommission eingestellt.

Andere Aufgaben der Kommission
Neben ihren Bemuehungen, die Einstellungsmethoden und das Arbeitsklima im New Yorker Hafen zu verbessern, hat die Kommission ihre Lizenzierungsbefugnis dazu benutzt, gewisse Normen zu entwickeln, denen die
Verladegesellschaften entsprechen muessen, um die fuer ihre Taetigkeit
im Hafen erforderliche Konzession zu erhalten. Es wird nicht nur ein hoher
Grad an Integritaet von der Leitung der Gesellschaft verlangt, sondern
auch eine einwandfreie Geschaeftsfuehrung, lueckenlose Buchfuehrung und
Rechnungslegung ueber saemtliche Ausgaben gefordert.
Ein weiterer Erfolg der Kommission war die Verschaerfung der Verbotsbestimmungen bezueglich Anheuerns von Gelegenheitsarbeitern am Pier,
das einen "besonderen Fluch" des New Yorker Hafens darstellte. Das Anheuern von Gelegenheitsarbeitern war nach Angaben der Kommission vor dem
Verbot das Monopol "von Maennern, die entweder die Ortsverbaende der Hafenarbeitergewerkschaft in der Hand hatten oder mit deren voller Zustimmung arbeiteten". Infolgedessen nahm die Kommission ganz energisch (wenn
auoh nur in Form eines Gutachtens) gegen die Vorschlaege Stellung, die
*) Die Entscheidung stand zur Zeit der Abfassung des zweiten Jahresberichts der Hafenkommission noch aus.

- 4-

�die Hafenarbeitergewerkschaft bei den Verhandlungen Ende des Jahres
1954 vorgebracht hatte und die darauf hinausliefen, das System des Anheuerns am Pier unter dem Deckmantel einer Vertragsklausel ueber die
Einfuehrung einer neuen besonderen Sparte von Hafenarbeitern wieder
einzufuehren. Die Kommission wies darauf hin, dass die Abschaffung des
frueheren Verfahrens des Anheuerns allen Hafenarbeitern zugute gekommen
sei, die sich ihren Unterhalt beim Auf- und Entladen von Lastwagen auf
den Piers verdienen; heute werden sie mit regulaeren Hafenarbeiterloehnen
eingestellt und haben Anspruch auf Sozialversicherungsleistungen und
Altersversicherung.
Quellet "Monthly Labor Review"
Vol. 78 No. 9

Disziplinarische Massnahmen der Gewerkschaften
Die Leitung eines Geschaeftsunternehmens oder einer Gewerkschaft
erfordert gewisse Machtbefugnisse, um die Beschaeftigten oder Hitglieder bei Verstoessen gegen die bestehenden Arbeits- oder Mitgliedsbestimmungen zurechtweisen zu koennen. Eine solche Autoritaet kann jedoch
auch missbraucht werden. Die amerikanischen Gewerkschaften sind schon
seit Jahren bemueht, den Machtmissbrauch der Vorarbeiter oder Werkmeister
einzudaemmen. An dem weitgehenden Einbau von Beschwerde- und Schlichtungsverfahrensbestimmungen in die Tarifvertraege mag man den Umfang
sehen, inwieweit Sicherheitsmassnahmen gegen ungerechtfertigte disziplinarische Methoden getroffen worden sind.
Worin besteht die Disziplin innerhalb einer Gewerkschaft? Welchen
Schutz besitzen Gewerkschaftsmitglieder gegen Autoritaetsmissbrauch
seitens der Gewerkschaftsfunktionaere? Um diese und andere Fragen bezueglich der internen gewerkschaftlichen Funktionen zu beantworten, hat Professor Philip Taft, ein bekannter Sachverstaendiger der gewerkschaftlichen
Entwicklung, eine Studie ausgearbeitet, die den Titel traegt: "Struktur
und Leitung der Gewerkschaften".
Die Behandlung, die ein Mitglied erfaehrt, wenn es mit den gewerkschaftlichen Bestimmungen oder den Funktionaeren seiner Gewerkschaft in
Konflikt geraet, oder wenn es sich ueber die Handlungsweise der Ortsgewerkschaft, der Gewerkschaftsvertreter oder ueber etwas beschwert, das
mit seiner Taetigkeit zusammenhaengt, kann als Masstab fuer die von den
Gewerkschaften ausgeuebten disziplinarischen Massnahmen dienen. Die Pruefung mehrerer Hundert Faelle dieser Art fuehrten Professor Taft zu der
Ansicht, dass sowohl die individuellen als auch die lokalen Machtbefugnisse innerhalb der Gewerkschaften strengeren Beschraenkungen unterliegen als in der Oeffentlichkeit allgemein. Dies kommt zum Teil daher, dass
die Gewerkschaften eine homogene Einheit mit fest abgegrenzten und umrissenen Zielen ist. Diese Einheit kann aber durch innere Spaltungen
ernsthaft beeintraechtigt werden.
Professor Taft beschreibt die Grundlage der Disziplin, deren sich
die Mitglieder unterordnen muessen, wie folgt«
Ausser d en Punkten, die die Ausuebung von Rechten innerhalb der
Gewerkschaft betreffen, muessen sich die Mitglieder nach Bestimmungen richten, die ihre berufliche Verhaltensweise vorschreiben.
Mit Zustimmung der Arbeitgeber haben die Gewerkschaften eine Vielzahl solcher Bedingungen erlassen. In manchen Faellen mag ein einzelner in der Lage sein, einen Vorteil daraus zu gewinnen: beispielsweise indem er Ueberstunden ableistet, wenn Ueberstundenarbeit verboten ist oder dass er unter Bedingungen arbeitet, die

- 5-

�den gewerkschaftlichen Prinzipien oder Praktiken zuwiderlaufen.
Dies ist lediglich eine der vielen Variationsmoeglichkeiten,
in denen eine Zuwiderhandlung gegen gewerkschaftliche Bestimmungen nicht nur moeglich ist, sondern wo der Zuwiderhandelnde sogar
einen Vorteil erzielen koennte. Die Gewerkschaften muessen nicht
nur danach trachten, eine solche heimliche Umgehung der von den
einfachen Mitgliedern festgelegten Standardvorschriften zu verhindern, sondern sie muessen auch dafuer sorgen, dass die mit dem
Arbeitgeber eingegangenen Verpflichtungen befolgt werden. Ohne
Verordnungen und die Befugnisse zu ihrer Durchfuehrung koennten
die Gewerkschaften weder ihren eigenen Standard aufrechterhalten,
noch koennten sie die Einhaltung von mit dem Unternehmer vereinbarten Bedingungen zur Auflage machen, wenn einer Minderheit
ihrer Mitglieder die Erfuellung dieser Bedingungen unbillig erscheint.
Die Disziplinarverfahren der Gewerkschaftsorganisationen sind so
beschaffen, dass sie der Gewerkschaft ein wirksames Arbeiten
gestatten. Prozesse und Strafen sind festgelegt worden, um Gehorsam zu erzwingen oder um eine Bestrafung durchzufu-ehren, wenn
die Mitglieder sich einer Verletzung ihrer Pflichten schuldig gemacht haben. Alle Gewerkschaften haben Berufungsgerichte eingesetzt, die die Beschluesse der Ortsgewerkschaften oder ihrer Untersuchungsausschuesse nochmals pruefen. In allen Gewerkschaftsorganisationen gibt es mehr als eine Berufungsinstanz, so dass ein Mitglied, falls es mit der Entscheidung der einen Stelle unzufrieden
ist, den Fall zur naechsten Instanz weiterleiten kann. Die Appellationsgerichte der Gewerkschaftsorganisationen bearbeiten viele
Faelle, in denen ueberhaupt keine Strafmassnahme zur Anwendung
Kommt. Das Appellationsgericht behandelt beispielsweise Zustaendigkeitsstreitigkeiten zwischen Ortsgewerkschaften, die Erhebung von
Umlagen oder Beitraegen, das Verhalten eines Vorsitzenden bei einer
Gewerkschaftsversammlung, die Abhaltung einer Wahl innerhalb der
Ortsgewerkschaft, und viele Punkte aehnlicher Art, die einem Appelationsgericht zur Bearbeitung uebertragen
werden koennen. Gewerkschaftsmitglieder koennen ebenfalls gegen Beschluesse von Funktionaeren, Entscheidungen der Ortsgewerkschaft oder Regelungen beruflicher Angelegenheiten Einspruch erheben. Bei Fragen bezueglich der
Senioritaet, der Mitgliedsbeitraege auf Grund von Gewerkschaftsvertraegen und unzureichender Erledigung von Beschwerden koennen hoehere
richterliche Instanzen der Gewerkschaftsbewegung in Anspruch genommen
werden.
Aus einer fluechtigen Pruefung von Art und Anzahl der Berufungen,
die alljaehrlich den Exekutivausschuessen oder den Leitern von
Gewerkschaftsorganisationen zugehen, kann mit aller Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass diese Gerichte ordentlich und gerecht
verwaltet werden. Es ist wohl kaum anzunehmen, dass die Gewerkschaftsmitglieder so ausgiebig von diesem Berufungsverfahren Gebrauch
machen wuerden, wenn sie glaubten, dass ein solcher Schritt vergeblich
waere. Professor Clyde Summers fand "218 Urteile, in die 86 verschiedene Gewerkschaften verwickelt waren.... in den gedruckten
Gerichtsunterlagen." Die amerikanische Musikergewerkschaft bearbeitete
im Jahre 1949 allein 1688 Faelle, das sind etwa achtmal soviel wie
die in den gesamten Gerichtsakten aufgefuehrten. Fuer eine allamerikanische Gewerkschaft ist es nichts Ungewoehnliches, im Jahr 100 Berufungen zu bearbeiten; der Durchschnitt liegt jedoch fuer gewoehnlich
hoeher. In jedem Jahr gehen oft mehrere Tausend Berufungen von Gewerkschaftsmitgliedern ein, die disziplinarische Fragen betreffen;
noch haeufiger beziehen sie sich jedoch auf wichtige Rechte der Mitmitglieder und der Ortsgewerkschaften. Die Mitglieder leiten zuweilen Streitigkeiten an die ordentlichen Gerichtshoefe weiter, der
Autor hat jedoch den Eindruck, dass die Gerichte in einigen Faellen

- 6-

�da9 Problem, dem sich die Gewerkschaft gegenuebersieht, nicht voll
zu schaetzen wissen.
Die gewerkschaftlichen Satzungen enthalten eine ganze Reihe unzulaessiger Handlungen, die durch Zurechtweisung, Geldstrafe, Suspendierung oder Ausschluss oder irgendeine kombinierte Form dieser
Disziplinarmassnahmen geahndet werden. Den Mitgliedern ist unter
anderem verboten, sich an einer Reihe von Aktionen zu beteiligen.
In manchen Faellen ist das widrige Verhalten ueberhaupt nicht extra
aufgefuehrt; es ist Mitgliedern beispielsweise nicht erlaubt, an
Aktionen teilzunehmen, die sich gegen die Interessen der Gewerkschaft
und ihrer Mitglieder richten. Andere Verbote, die sich haeufig in
gewerkschaftlichen Satzungen finden, erstrecken sich auft die Unterhaltung mit Aussenstehenden ueber geschaeftliche Angelegenheiten
der Gewerkschaft, Bestimmungen und Gesetze der Gewerkschaft oder
ihrer Unterabteilungen; die Nichtbefolgung der Weisungen von Funktionaeren; die Verleumdung eines Funktionaers oder eines Mitglieds;
die Verteilung gedruckten Materials unter die Mitglieder ohne Zustimmung der Gewerkschaftsfunktionaere; die Teilnahme an nichtgewerkschaftlichen Versammlungen, auf denen gewerkschaftliche Angelegenheiten eroertert werden, sowie die Begehung einer unehrenhaften Handlung, die der Gewerkschaftsbewegung oder der Gewerkschaft abtraeglich
ist.
Es waere jedoch eine Misäinterpretierung der ueblichen Handhabung
dieser Angelegenheiten seitens der Gewerkschaften, wenn man annehmen
wollte, dass die vorgebrachten Anklagen allgemeiner'Art seien.
Die Beschuldigung, die Gewerkschaft in schlechten Ruf gebracht zu
haben, ist beispielsweise recht allgemein gehalten. Solche Anschuldigungen sind jedoch gewoehnlich von einer Darlegung begleitet, in
der der spezielle Fall, in dem das Ansehen der Gewerkschaft geschaedigt wurde, genauestens geschildert wird. Die Mitglieder werden also
im allgemeinen nicht auf Grund vager Anschuldigungen zur Rechenschaft
gezogen, sondern auf Grund bestimmter Handlungen, die sie begangen
haben. Dies geht aus den Gerichtsakten und aus der Unterhaltung mit
zahlreichen leitenden Gewerkschaftsfunktionaeren hervor. Bestimmte
Verstoesse, die normalerweise zu der Arbeit und den Aufgaben der
jeweiligen Gewerkschaft gehoeren, werden ebenfalls aufgefuehrt.
Die "National Maritime Union" (amerikanische Seeleutegewerkschaft)
fuehrt beispielsweise bestimmte Verstoesse und die entsprechenden
Strafmassnahmen auf.
•
Anklagen und Prozesse auf lokaler Ebene sind nur die Anfangsmassnahmen
des Gf-richtssystems der amerikanischen Gewerkschaften, das dazu bestimmt
ist, die Rechte der einzelnen Mitglieder zu wahren. Die Mitglieder koennen
sich fuer gewoehnlich ohne weiteres an mehrere Gerichte wenden, die letzte
Instanz endet bei dem Gewerkschaftskongress oder einer Mitgliederabstimmung, wenn dies zu einer endgueltigen Urteilsfällung notwendig ist. Professor Taft aeusserte sich wie folgt ueber die Berufungen und die Schlussfolgerungen, die er aus den Faellen, die er pruefte, zog.
Die Berufungen umfassen, wie ich bereits ausfuehrlich berichtete,
die verschiedenartigsten Punkte. In groben Zuegen koennte man sie,
ihrer Ursache nach, einmal nach dem Verhaeltnis von Mitglied oder
Funktionaer 1) zu seiner Gewerkschaft und
2) zu seiner Taetigkeit
unterscheiden. Berufungen in der zweiten Kategorie koennen disziplinarische Bestrafung nach sich ziehen, und zwar fuer 1. Verletzung
der Arbeitsbestimmungen, 2. Weigerung, den Weisungen des gewerkschaftlichen Vertrauensmannes oder des geschaeftsfuehrenden Gewerkschafters Folge zu leisten bzw. Verstoss gegen die Mitgliedsbestimmungen. Andererseits richten sich Berufungen in dieser Kategorie
unter Umstaenden gegen das Versagen oder die Weigerung der oertlichen

- 7-

�J
Gewerkschaftafunktionaere oder der Gewerkschaft selbst, die Rechte
der Berufung einlegenden Person zu schuetzen. Dieser mag man unter
Umstaenden den rueckstaendigen Lohn nicht gezahlt haben, oder verweigerte ihr Senioritaet, Wiedereinsetzung, eine Vorzugsachicht
oder sonstige Arbeitsrechte. Die Weigerung der oertlichen Gewerkschaf tafunktionaere, die Angelegenheit zu regeln, sei es, weil sich
hinsichtlich der Interpretierung einer Vereinbarung oder eines
Rechts Widersprueche ergeben, koennen zu einer Berufung fuehren,
die tatsaechlich die Forderung eines Mitglieds an die allamerikanische Gewerkschaft darstellt, die Ortsgewerkschaft zur Durchfuehrung
bestimmter Gesetze zu ermaechtigen.
Die Faelle, die im Zusammenhang mit den Staatsbuergerrechten stehen,
sind verhaeltnismaessig selten, obgleich die allamerikanischen Gewerkschaften sich in die Angelegenheiten einer Ortsgewerkschaft
einschalten koennen, wenn die letztere durch Parteigaengertum zerrissen ist und hierdurch ihre Organisations- oder Tarifverhandlungstaetigkeit in Mitleidenschaft gezogen wurde. Auf dem weiten Gebiet
"Staatsbuergerrechte" kann Berufung eingelegt werden beit
1. Durchfuehrung von Wahlen,
2. Verhaltensweise auf Versammlungen,
3. der Abhaltung von Reden verschiedenster Art, 4- Klagen gegen
das willkuerliche Verhalten von oertlichen Gewerkschaf tsfunlctionaeren, 5« Parteilichen Spaltungen innerhalb der Gewerkschaft und
6. Zugehoerigkeit zur kommunistischen Partei oder einer ihrer Organisationen. Viele Gewerkschaften dulden keine Kommunisten in ihren
Reihen. Kommunisten sind im allgemeinen ziemlich aktive Mitglieder
und wenn ihre Parteizugehoerigkeit erkannt worden ist, so werden
sie aus der Gewerkschaft ausgeschlossen. Diese Regelung besteht in
vielen, wenn auch nicht in allen Gewerkschaften.
Hinsichtlich des bei den Berufungen zu bearbeitenden Materials
koennen verschiedene Schlussfolgerungen gezogen werden. Die erste
besteht darin, dass disziplinarische Massnahmen im allgemeinen
bei Zuwiderhandlung gegen gewerkschaftliche Bestimmungen getroffen
werden, und weniger bei solchen Paellen, wie der freien Rede oder
der Veroeffentlichung nicht genehmigten Materials. Puer Aussenstehende ist es schwierig, die Berechtigung dieser Strafmassnahmen zu
ermessen, aus den Informationen geht jedoch hervor, dass sie selten
3treng oder zu Unrecht erfolgen.
Die Berufungsfaelle enthuellen ebenfalls die Unterschiede, die zwischen den einzelnen Ortsgewerkschaften bestehen; ausserdem wird
offenbar, dass die Opposition sich nicht"nur haeufig Gehoer verschaffen kann, sondern daaa aie auch davon Gebrauch macht. Die Tatsache, dass haeufig der Wahlausgang oder das Verhalten und die Entscheidungen eines Punktionaers oder einer Ortsgewerkachaft angezweifelt werden, sind Zeichen dafuer, dass die Gewerkschaften es
nicht nur billigen, dass Meinungsverschiedenheiten bestehen und
ihnen offen Ausdruck verliehen wird, sondern dass auch Mitglieder,
wenn sie von diesen ihren Rechten Gebrauch machen, uneingeachraenkten Schutz geniessen.
Zuerst wird ein Beklagter von seinen Kollegen, die mit ihm zusammenarbeiten, verurteilt; sie zoegern haeufig, ihn mit einer Geldstrafe
zu belegen oder ihn gar aus der Gewerkschaft auszuschliesaen. Falls
ein Mitglied zu einer Geldstrafe verurteilt oder aus der Gewerkschaft
ausgeschlossen wurde, steht es ihm frei, mehrfach Berufung einzulegen; diejenigen, die seinen Fall erneut bearbeiten, haben fuer
gewoehnlich nicht nur ein Interesse daran, dass ein ordnungsgemaesses
Untersuchungsverfahren eingeleitet wird, sondern auch, dass der
Beklagte eine angemessene Strafe erhaelt. Die Gewerkschaften haben
verschiedentlich festgestellt, dass die Tendenz besteht, Mitglieder
- 8 -

�I
einer Ortsgewerkschaft eher mit einer zu milden als einer zu harten
Strafe zu belegen, obgleich letzteres ebenfalls nicht ausgeschlossen
ist.
Professor Taft weist den Vorschlag zurueck, dass die Regierung die Durohfuehrung gewerkschaftlicher Disziplinarmassnahmen ueberwachen sollte.
Im grossen und ganzen bestehen keine Anzeichen dafuer, dass die
Berufungsmaschinerie nicht wirksam arbeitet, oder dass sie nutzlos ist
oder durch Regierungsmassnahmen verbessert werden muesste. In Anbetracht
der speziellen und haeufig sehr komplizierten Probleme, die die Gewerkschaften zu behandeln haben, kann man auf Grund der vorhandenen Informationen sagen, dass ihre disziplinarischen Verfahren im allgemeinen gerecht und wirksam zur Durchfuehrung gelangen.
Quellet "Free Men at Work", No. 35

Neue Grenzen der menschlichen Beziehungen
In den Vereinigten Staaten und wahrscheinlich auch in anderen industrialisierten Laendern richtet sich die Aufmerksamkeit in steigendem
Masse auf den Arbeiter, und zwar nicht - wie so oft - als "Produktionseinheit" oder als "Raedchen einer riesigen Industriemaschinerie", sondern
als einem Einzelwesen, das mit persoenlichen Problemen belastet zur Arbeitsstelle geht und das auf die Vorgaenge im Betrieb oder in der Umgebung seines Arbeitsplatzes eine psychologische Reaktion zeigt. Der
groesste Teil der Arbeit auf diesem Gebiet, zumindest in den Vereinigten
Staaten, wurde vom Management unternommen bzw. gefoerdert, und zwar im
Rahmen eines allgemeineren Versuchs, die Beziehungen zwischen Arbeitern
und Vorgesetzten und unter den Arbeitern selbst zu verbessern (fuer
gewoehnlich als "human relations" bezeichnet).
Das Interesse am Arbeiter als Persoenlichkeit lenkt natuerlich auch
die Aufmerksamkeit des Psychologen auf ihn; infolgedessen hat sich in
juengster Zeit ein Spezialberuf,der "Industrie"-Psychologe herausgebildet. Obgleich sich im allgemeinen nur ein Grossunternehmen die Dienste
solcher hervorragend geschulten Kraefte leisten kann, und sei es auch nur
auf beratender Basis, so ist es doch bemerkenswert, dass in den letzten
Jahren ueber 100 Mitglieder der "American Psychiatric Association" berufliche Erfahrungen in der Industrie sammeln konnten. Die Aufgabe des Psychologen in der Industrie ist, mit einer grossen Ausnahme, der in der Privatpraxis sehr aehnlichi anstatt sich nur mit Einzelpersonen zu befassen,
die seine Hilfe in Anspruch nehmen, versucht er, die "menschliche Atmosphawre" eines ganzen Betriebes zu verbessern. Genau wie der Sicherheitsingenieur arbeitet der Psychologe im Werk, um Gefahrenpunkte zu ermitteln
und auszuschalten - nur mit dem Unterschied, daas seine Bemuehungen auf
das seelische Wohl ausgerichtet sind.
Nach Meinung des Psychologen ist das Versagen des Arbeiters am
Arbeitsplatz eher auf einen Mangel an richtiger persoenlicher Einstellung
als auf irgendeine andere Ursache zurueckzufuehren. Natuerlich liegt ••
im Interesse der Betriebsfuehrung, hier Abhilfe zu schaffen. Dies kann
auf folgende Weise geschehen: erstens durch die verschiedenartigsten
Auswahl- und Eignungstests, um die Intelligenz, die Handfertigkeiten und
die Interessen des Arbeiters festzustellen; zweitens durch die Anpassung
der Maschinen und der Umgebung des Arbeitsplatzes an die physischen
Leistungsgrenzen des Arbeiters bzw. die Gewaehrung der groesstmoeglichen
*/ "Industrial psychiatrist" entspricht unserem "Betriebspsychologen",
setzt in den USA aber ein vollkommenes medizinisches Studium voraus.

- 9-

�[

Erleichterungen und drittens, durch Eingehen auf die persoenlichen
Probleme des Arbeiters.
Die richtige Auswahl und der richtige Einsatz der Arbeiter bedeutet
einen entscheidenden Schritt auf dem Wege zur Erreichung guter innerbetrieblicher Beziehungen; auf diesem Gebiet kann der Psychologe jedoch
nur eine relativ geringe Unterstuetzung gewaehren. Sie ueblichen Stellenbewerbungs- oder Eignungsinterviews lassen kaum Rueckschluesse auf die
Intelligenz des Bewerbers zu und ein kompliziertes Pruefungsverfahren
wuerde -zudem seinen eigentlichen Zweck verfehlen. Die beste Hilfe, die
der Psychologe geben kann, besteht darin, die Interviewer auszubilden
und ihnen geeignetes Material fuer die erfolgreiche Durchfuehrung der
Interviews an die Hand zu geben.
Ausser den emotionellen Problemen, die den Arbeiter schon bei Arbeitsantritt bewegen und die ihn auch am Arbeitsplatz nicht loslassen,
gibt es noch andere Probleme, die sich aus der Taetigkeit selbst ergeben.
Ein grosser Teil der Arbeitsvorgaenge in der modernen Industrie wiederholt
sich staendig und erfordert haeufig weniger Geschicklichkeit als der
Arbeiter imstande ist auszuueben; oftmals ist das Produkt noch zu weit
von seiner endgueltigen Form entfernt, als dass der Arbeiter sich mit
seiner Leistung identifizieren koennte. Hierdurch, so sieht es der Psychologe, wird der Stolz auf sein handwerkliches Koennen geschmaelert und es
entsteht ein Gefuehl der Enttaeuschung. In vielen Faellen hat der Arbeiter das Gefuehl, dass er nur solange geduldet wird, bis eine neue Haschine erfunden ist, um ihn zu ersetzen. Ausserdem ist die Betriebsfuehrung fuer ihn einfach nur "sie"; zu gross, zu beschaeftigt und zu weit
entfernt, um sich um den einzelnen Arbeiter zu kuemmern.
Diese im Betrieb entstehenden psychologischen Probleme sind vielfach
in Kreisen des Management etwas spaet erkannt worden. Aber heute werden
immer mehr Werkmeister und leitende Angestellte in "human relations"
geschult. Die Probleme der Arbeitsmoral und der psychologischen Motivierung nehmen ihren Platz jetzt neben denen der Produktion und der Betriebsfuehrung ein. Man erkennt heute ebenfalls, dass ein gesundes Betriebsklima von dem Verstaendnis und der Puehrung der obersten Betriebsleitung abhaengig ist.
Die Bedingungen zur Schaffung eines gesunden Betriebsklimas erfordern, dass der Arbeiter in seiner Arbeit folgender Sinn findet:
1.

Sein eigenes Leben fuehren zu koennen.

2.

Mit Wuerde an der Aufgabe und den Entscheidungen teilzuhaben,
die seine Arbeit betreffen.

3&gt;

Das Bewusstsein, etwas zu sein, fuer etwas zu arbeiten, das
sich lohnt und Anerkennung zu finden.

4&gt;

Ein Gefuehl des schoepferischen Beitrags - selbst etwas zu
geben fuer das Wohlergehen seiner Mitmenschen.

Der Vorarbeiter oder der Werkmeister muss ausserdem noch das Gefuehl
haben, dass seine Stellung als Vorgesetzter anerkannt und gefoerdert
wird, er ueber die entsprechende Autoritaet und den Respekt verfuegt
sowie ein Teil der Betriebsfuehrung ist. Ausser den Bemuehungen, innerhalb
ihres Organisationsbereichs ein gesundes Betriebsklima zu schaffen,
muessen die leitenden Angestellten sehr darauf bedacht sein, dass ihre
persoenlichen Differenzen auf ein Mindestmass beschraenkt bleiben.
Die hervorstechendsten Probleme, die der gesunden Betriebsatmosphaere
entgegenstehen, haben ihre Ursache haeufig ausserhalb des Werkes und
- 10 -

�druecken sich in Fernbleiben von der Arbeit, Dnfaellen und Alkoholismus
'aus. Dies sind Probleme, die sich zumeist ohne weiteres erkennen lassen
und deren Kosten messbar sind. Dr. Nelson Plummer von der "New York
Telephone Co." berichtete beispielsweise kuerzlich, dass das durch
Krankheit bedingte Fernbleiben vom Dienst die Firma jaehrlich 10 Millionen Dollar kostet. Drei Viertel der Abwesenheitszeit entfallen dabei
auf ein Drittel der Arbeitnehmerschaft. Ein Vergleich der Beschaeftigten
mit einer niedrigen und einer hohen Abwesenheitsrate ergab nur geringe
Unterschiede hinsichtlich der Anfaelligkeit fuer organische Krankheiten,
jedoch erhebliche Unterschiede in bezug auf die Anfaelligkeit fuer
funktionelle Leiden oder Stoerungen des Gefuehlssinns, des Denkvermoegenj und des Verhaltens. Etwa 80 bis 90$ der Unfaelle sind menschlichem
Versagen bzw. psychologischen Gruenden zuzuschreiben. Menschen, die
durch grosse Sorgen dem Alkohol verfallen sind, stellen ein eigenes
Problem dar. Alkoholismus schafft ausser einem messbaren Ausfall an
Dienstleistungen statistisch nicht zu erfassende Fehlentscheidungen, verminderte Leistungsfaehigkeit und verursacht Schwierigkeiten mit den Mitarbeitern.
Die Arbeit des Psychologen kann sich bei der Behandlung von mit
Problemen behafteten Menschen oftmals sehr nuetzlich erweisen. Da dies
das eigentliche Betaetigungsfeld des Psychologen darstellt, koennte er
allerdings in den Fehler verfallen, bei der Behandlung einen Uebereifer zu entwickeln oder die falschen Leute zu behandeln.
Wenn der Betriebsleiter den Psychologen beauftragt, seine Beschaeftigten zu kurieren, so kann das bedeuten, dass er von ihm verlangt, sie
von ihren menschlichen Eigenheiten zu befreien. So mancher Betriebsfuehrer hat allerdings eine etwas merkwuerdige Vorstellung von der menschlichen Natur. Bei der Materialbearbeitung richtet sich der Entwurfsspezialist ganz nach der Beschaffenheit des jeweiligen Materials und regt
sich nicht auf, wenn Holz nicht feuerbestaendig ist oder Stahl nicht mit
Zimmermannswerkzeugen bearbeitet werden kann. Ein Betriebsleiter stellt
jedoch Organisationsplaene auf und entwickelt Personalpraktiken, die sich
lediglich bei Wesen seiner eigenen Vorstellungswelt bewaehren wuerden.
Ein Betriebsleiter sagte einmal zu mir» "Wenn wir doch nur Leute finden
koennten, denen Geld sehr viel bedeutet; wir koennten dann einen Anreizplan einfuehren, der sich wirklich lohnen wuerde." Er kam nicht auf die
Idee, die Wirksamkeit des Anreizplanes in Zweifel zu ziehen, sondern er
aergerte sich lediglich darueber, dass die Leute, seiner Meinung nach,
nicht richtig beschaffen sind. Im allgemeinen haben die Menschen eine
bestimmte Vorstellung davon wie andere sein sollten, und wenn die Plaene,
die sie auf diesen Ideen aufgebaut haben, fehlschlagen, so waeren sie nur
zu gluecklich, wenn ein Psychologe daherkaeme und die Leute entsprechend
"umformen"wuerde.
Schliesslich kann sich der in der Industrie taetige Psychologe durch
die "Gruppentherapie" als sehr nuetzlich erweisen, d.h. dadurch, dass
er Arbeitsgruppen zur Diskussion gemeinsamer oder innerhalb der Gruppe
bestehender Probleme oder Konflikte zusammenbringt und sie so einander
naeherbringt. Als Aussenstehender der Gruppe kann der Psychologe besonders dann, wenn er in der Lage ist, die richtigen Fragen zu stellen, Licht
in die bestehenden Spannungen bringen und eine Art der freien Diskussion
in die Wege leiten, die zu einem besseren Verstaendnis und besserer Zusammenarbeit beitraegt. Diese Form der Gruppentherapie hat sich bei vielen
Gruppen leitender Angestellter als besonders wertvoll erwiesen.
Obgleich in den Gewerkschaftspublikationen verhaeltnismaessig wenig
Kommentare ueber diese Entwicklung erschienen sind, hat ein auf dem Gebiet der Betriebsfuehrungspraktiken versierter Gewerkschaftssprecher die
Ziele und die Richtung dieser psychologischen Methoden sehr kritisch beurteilt. Sein Haupteinwand besteht offenbar darin, dass solche Methoden
zu eng auf die Beduerfnisse und Probleme, die von der Betriebsfuehrung
- 11 -

�definiert werden, bezogen sind und, soweit dies den einzelnen Arbeiter
betrifft, dasa sie der Rolle der Gewerkschaften und den Kollektivverhandlungen zu wenig Gewicht beimessen. In einem vor kurzem erschienenen
Artikel hat er die Psychologen und sonstige Personen, die sich mit dem
Studium der menschlichen Beziehungen befassen, dazu aufgefordert, solche
Studien 1. unbeeinflusst von den Problemen und der Logik des Management
durchzufahren} 2. die Rolle aller Institutionen, einschliesslich der
Gewerkschaften, zu studieren und
3« die Interessen des einzelnen und
der Gemeinschaft ohne Berücksichtigung der Erfordernisse bestimmter
Institutionen in Betracht zu ziehen.
Quellei

"Free Men at Work", No. 35

Erhoehung der Mindestlohngrenze beruehrt zwei Millionen Arbeitnehmer
Auf Grund des neuen Mindestlohngesetzea wurden am 1. Maerz 1956
die Stundenloehne von rund 2 Millionen Arbeitnehmern in den Vereinigten
Staaten automatisch auf 1 Dollar erhoeht. Die bisherige Mindestlohngrenze betrug 75 Cent.
In einer Stellungnahme zur jetzt vorgenommenen Erhoehung der Mindestlohngrenze erklaerte der Praesident der neuen "AFL-CI0"-Gewerk3chaft,
George Meany, unter anderem! "Natuerlich sind wir mit dieser Erhoehung
zufrieden, obgleich wir der Ansicht sind, dass die Mindesthoehe fuer
Stundenloehne 1,25 Dollar betragen sollte."

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann u n e i n geschränkt Gebrauch gemacht werejen.
Herausgeber:
A m t für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 7

Mehlem, den 30. Maerz 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H H I S

Wer a r b e i t e t heute i n den USA

Seite

1

2 1/2 Milli onen Amerikaner erhielten eine Lohnerhoehung

Seite

5

Wohin steuert die grosse neue US-Gewerkschaftsorganisation ...

Seite

6

Wer arbeitet heute in den USA
Die von einem fast ununterbrochenen Wirtschaftsboom gekennzeichneten
vergangenen 15 Jahre haben grosse und in verschiedener Hinsicht ueberraschende Veraenderungen in der Berufsstruktur der USA und den Arbeitsgewohnheiten von Millionen Amerikanern im Gefolge gehabt. Die wichtigste
ist zweifellos in der Tatsache zu sehen, dass das Wirtschaftsleben nicht
mehr in dem Masse wie frueher eine Domaene der Maenner ist. (Siehe auch
nachfolgende Uebersicht.) Waehrend naemlich 1940 das Verhaeltnis zwischen
maennlichen und weiblichen Arbeitskraeften etwa J«1 ausmachte, betraegt es
heute nur noch 2*1. Der Anteil der maennlichen Arbeitnehmer wird im Laufe
der Jahre noch weiter zurueckgehen, wenn die weiblichen Arbeitskraefte
weiterhin in dem Umfang in die Wirtschaft und Industrie stroemen wie bisher. Obwohl dieser Trend natuerlich schon seit Jahren offenkundig ist, so
hat sich doch in juengster Zeit die Zahl neuer Arbeitsplaetze fuer weibliche Arbeitnehmer bemerkenswert schnell erhoeht und zum anderen scheinen
die Frauen auch mehr an einem Arbeitsplatz in der Wirtschaft als an ihrer
Taetigkeit als Hausfrau interessiert zu sein.

- 1

�Veraenderungen in der Arbeitsplatzstruktur
Anzahl der Beschäftigtent

1940 - 47 520 000 heute = 64 165 000 Veränderung 1
+ 55 %

Art der Beschäftigten 1
Frauen
11
Männer
35
14-19jährige
3
alte Leute (über 65 Jahre) 2
andere (19-65 Jahre)
41

1940
970 000
550 000
545 000
090 000
885 000

20
43
4
3
56

Heute
728 000
437 000
468 000
221 000
476 000

Veränderung
+ 73 #
+ 22 %
+ 26 %
+ 54 #
+ 55 #

Art der Tätigkeit»
Fabriken
Bauwirtschaft
Transport, öffentl.
Versorgungseinrichtungen
Groß- U.Einzelhandel
Finanzinstitute
persönl.Dienstleistungen
Regierung (Bund, Einzelstaaten, Gemeinden)
Landwirtschaft
Bergbau
Selbständige, andere

10 780 000
1 294 000

16 984 000

+ 58 £

2 596 000

+ 85 i.

3 013 000
6 940 000

4 141 000
11 674 000
2 225 000
5 653 000

1 436 000

3 477 000
4 202 000
9 540 000
5

916 000
922 000

7 545 000
5 884 000
755 000
7 112 000

+
+
+
+

57 /»
6a io
55 %
63 58

+ 7 5 &lt;f&gt;

- 58 $
- 18 +

+ 20 #

In einer im Jahre 1947 von der US-Regierung durchgeführten Untersuchung wurde die Zunahme der Zahl der weiblichen Arbeitskräfte zwischen
1940 und 1950 auf rund 2,5 Millionen veranschlagt. Tatsächlich betrug
die Zunahme aber 5,6 Millionen. Seit 1950 hat sich die Zahl der weiblichen Beschäftigten aber noch um weitere 5&gt;1 Millionen erhöht.
Offensichtlich ist also "Nieten-Rosie", wie es viele Unternehmer und
Wirtschaftler erwarteten, bei der ersten zarten Brise der Nachkriegsrezession nicht an ihren eigenen Herd zurückgekehrt und ebenso könnten
sich wohl viele Familien, die während der Kriegsjahre sich daran gewöhnt hatten, m'it zwei Einkommen zu leben, nicht damit abfinden, künftig
nur noch mit dem Gehalt des Mannes auszukommen. Zum anderen aber hatten
die Unternehmer die Erfahrung während des Krieges gemacht, daß Frauen
durchaus in der Lage waren, auch viele solche Arbeitsplätze auszufüllen,
die sonst nur von Männern besetzt wurden.
Arbeitsplätze für Ältere
Was die Experten ebenfalls verwunderte, war die Arbeitswilligkeit
und -fähigkeit der älteren Leute. Wie aus der Übersicht hervorgeht, hat die
Zahl der Arbeitnehmer über 65 Jahren in den vergangenen 15 Jahren um 54$
zugenommen. Diese Zunahme vollzog sich dabei entgegen der allgemeinen
Annahme, daß auf Grund der verbesserten staatlichen Pensionsleistungen
und der bekannten Abneigung der Unternehmer, ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen, die Zahl der älteren Arbeitskräfte zurückgehen würde. In
einer bekannten, im Jahre 1945 durchgeführten Analyse wurde eine allgemeine Abnahme der Zahl der älteren und jüngeren Arbeitskräfte vorausgesagt. Dieser Voraussage lag die Annahme zugrunde, daß "im Zuge des allgemeinen Trends nach einem früheren Ruhestand und einer längeren Schulausbildung, der Anteil dieser Altersgruppen an der Gesamtbeschäftigtenzahl bfs 1950 stark zurückgehen wird".
Demgegenüber trat aber eine erhebliche anteilmäßige und ziffernmäßige Erhöhung sowohl der ganz jungen als auch der älteren Arbeitnehmer ein.
Wodurch wurden nun diese Voraussagen über den Haufen geworfen?
Der bedeutendste Faktor ist zweifellos der bis dahin noch nicht gekannte
- 2 -

�(
Umfang dea Y/irtschaftsbooms. Die Zahl der verfügbaren Arbeitsplätze war
in den Nachkriegsjahren weitaus größer, als man während des zweiten Weltkrieges noch geneigt war vorauszusagen, zumal seinerzeit noch erhebliche
Zweifel an der Verwirklichung des von Roosevelt angestrebten Zieles, der
Schaffung von 60 Millionen Arbeitsplätzen, bestanden. Dieses Ziel wurde
aber schon 1950 erreicht.
Obgleich in jüngster Zeit verschiedene Entlassungen in der Automobilindustrie und in der Bauwirtschaft vorgenommen wurden, haben viele
unternehmen immer noch erhebliche Schwierigkeiten, all die Arbeiter zu
bekommen, die sie benötigen.
Zu diesem Problem bemerkte ein bekannter Industrieller, der Aufsichtsratsvorsitzende der "United Steel Corporation", Roger M. Blough,
folgendesi "Es wird von Tag zu Tag schwieriger, aufzuzeigen, in welchem
Industriezweig oder Tätigkeitsfeld der Mangel an Arbeitskräften am größten
ist. Vorausblickend betrachtet, sagen wir für die nächsten 25 Jahre,
erscheint die Bereitstellung von geschulten Arbeitskräften immer schwieriger zu werden."
Mit anderen Worten, es ist für Arbeitsuchende, besonders aber für
solche mit Spezialkenntnissen und Erfahrungen, immer leichter geworden,
einen Arbeitsplatz zu finden. Wenn sie erst einmal eingestellt sind,
brauchen sie keine Furcht mehr vor Entlassung aus Altersgründen zu
haben. Viele Unternehmen ermutigen sogar ihre Arbeiter und Angestellten, auch über ihr Pensionsalter hinaus im Betrieb zu bleiben.
Der Mangel an ausgebildeten Technikern hat bei vielen Firmen schon
dazu geführt, Frauen für Ingenieurarbeiten und andere technische Arbeitsplätze einzustellen.
Mehr Geld und weniger Schweiß
In jüngster Zeit sind die Arbeitsplätze immer attraktiver geworden, so
daß viele, die sonst nicht gearbeitet hätten, ohne Zögern zugreifen.
Die "Knochenarbeit" ist heute selbst in den Schwerindustrien weitgehend
durch die Einführung von automatischen Maschinen auf ein Minimum reduziert
worden. Zum anderen ist die Bezahlung besser denn je, und durch die sogenannten "Lohnfransen", die heute in imner mehr Wirtschaftszweigen eine
Rolle spielen, erhalten die Arbeiter überdies längeren Urlaub, freie Kranken- und Lebensversicherung, sowie in einer ständig steigenden Zahl von
Betrieben eine Beteiligung am Gewinn.
Dieses sind einige der Versuchungen, denen sich die Frauen gegenübersehen, wenn sie erwägen, einen Arbeitsplatz anzunehmen. Zum anderen aber
ist ihr moderner Haushalt mit vielen arbeitsparenden Geräten ausgerüstet,
die es ihnen stärker als in der Vergangenheit ermöglichen, zur Arbeit zu
gehen, besonders natürlich dann, wenn sie keine Kinder haben.
Die Aufwaschmaschine säubert das Frühstücksgeschirr, wenn Mann und
Frau des Morgens auf dem Wege zur Arbeit sind; der kombinierte WaschTrockenautomat reinigt die schmutzige Wäschej die Klimaanlage hält den
Staub aus der Wohnung und damit die Räume sauber und die Einsteilvorrichtung am Elektroherd kann so eingestellt werden, daß der Braten gar ist,
wenn das Ehepaar abends nach Hause kommt. Die vielen Haushaltsgeräte tragen
ebenso dazu bei, daß die restlichen Verrichtungen im Haushalt beschleunigt
erledigt werden können.
Dieses ist der Rahmen, in dem die Prosperität dazu beiträgt, nicht
nur neue Arbeitsplätze zu schaffen, sondern sie auch attraktiv zu gestalten.
Die neuen Arbeitsplätze
Zu denjenigen Arbeitsplatzen, deren Zahl sich am stärksten vermehrte,

- 3-

�gehoeren die sogenannten "leichten" Berufe, die am besten durch das "schwache Geschlecht" oder solche Personen ausgefuellt werden koennen, die den
Zenit ihrer Leistungsfaehigkeit bereits ueberschritten haben.
Seit 1940 wurden mehr als 5 Millionen neue Arbeitsplaetze bei den Behoerden des Bundes, der Einzelstaaten und der Gemeinden geschaffen, in erster
Linie solche, die reine Bueroarbeit umfassen und insbesondere Stenographen,
Schreibkraefte, Lehrer, Wirtschaftler, Rechtsanwaelte und Verwaltungsfachleute umfassen. Auf 4,7 Millionen belaeuft sich die entsprechende Zahl neugeschaffener Arbeitsplaetze in Handelsbetrieben. Die Nachfrage nach Verkauf spersonal fuer den Einzelhandel ist stark angewachsen und ein ernstes
Problem dieses Unternehmerzweiges.
Eine sehnlich starke Zunahme verzeichnen auch die Banken, Spar- und
Versicherungsgesellschaften und andere unternehmen auf dem Finanzsektor,
die seit 1940 insgesamt eine Zunahme der Zahl ihrer Angestellten um 'yOfo
verzeichnen. Das bedeutet wiederum einen groesseren Bedarf an Stenotypistinnen, Buchhaltern und anderen Buerokraeften.
Rund 2,2 Millionen neue Arbeitsplaetze sind ferner seit 1940 in
Waeschereien, Schoenheits- und Friseursalons und anderen Dienstleistungsunternehmen hinzugekommen. Daher sind viele Arbeitsplaetze, die aus der
Prosperitaet heraus geboren wurden, besonders fuer Frauen und junge Maedchen geeignet.
Unerwartete Veraenderungen
Ein Teil dieser Entwicklungen ist von den Experten vor einigen Jahren
noch nicht erkannt worden. In einigen Industriezweigen blieb naemlich
d:.e Zahl neuer Arbeitsplaetze hinter den Erwartungen zurueck, die seinerzeit, bei der Festlegung des Roosevelt-Planes zur Schaffung von 60 Millionen Nachkriegsarbeitsplaetzen gehegt wurden, in anderen Industrien dagegen
liegt die Zahl neuer Arbeitsplaetze weit ueber den damaligen Schaetzungen.
Die Zahl der in den Fabriken beschaeftigten Arbeitnehme.' stimmt in
etwa mit den vor einigen Jahren getroffenen Voraussagen ueberein. Dagegen
ist die Entwicklung im Baugewerbe, in der Landwirtschaft sowie im Bergbau hinter den Erwartungen zurueckgeblieben. Der damalige US-Handelsminister, Henry A. Wallace, glaubte 1945 voraussagen zu koennen, dass bis
1950 immer noch rund 80 Millionen Farmer und Landarbeiter sowie rund 5,5
Millionen Bauarbeiter benoetigt wuerden.
Die Zahl der in der Landwirtschaft Taetigen blieb 1950 zwar nur um
rund eine halbe Million hinter der Voraussage zurueck, aber 1955 wuerden
im Durchschnitt weniger als 7 Millionen in der Landwirtschaft beschaeftigt.
Dem juengsten Bericht zufolge ist aber diese Beschaeftigtenziffer inzwischen
auf weniger als 6 Millionen zurueckgegangen.
Die Bauwirtschaft erzielte zwar neue Rekorde, aber diese wurden mit
weitaus weniger Arbeitskraeften erreicht. Die Zahl der Arbeitsplaetze in
der Bauwirtschaft betrug 1950 - also zu einem Zeitpunkt, in dem mehr
Baubeginne zu verzeichnen waren als in irgendeiner Periode zuvor und
danach - nur 2,3 Millionen, das sind 1,2 Millionen weniger als Wallace
seinerzeit schaetzte. Selbst heute ist die Zahl der Bauarbeiter, trotz
der gewaltigen Zunahme solcher Bauvorhaben wie Strassen-, Schulen-, Geschaefts-, Fabrik- und andere Neubauten, nicht groesser als 2,4 Millionen.
Viele neue Maschinen haben die Arbeit der Heere der ungelernten Arbeiter
uebernommen. Durch die Verwendung von Metallplatten zum Beispiel anstelle
der traditionellen Ziegel- oder Holzverschalungen koennen heute grosse Gebaeude schneller und mit weniger Arbeitskraeften errichtet werden.
Eine Untersuchung der amerikanischen Regierung ueber die Moeglichkeiten
zur Beschaeftigung von 60 Millionen Menschen bezifferte seinerzeit die
Zahl der Arbeitskraefte fuer den Bergbau, die Steinbrueche und Oelfelder

- 4-

�I
auf rund eine Hillion. Demgegenueber zaehlen diese Industriezweige beute
nur noch 750 000 Arbeitsplaetze.
Aus diesem Grunde wuerde die heutige Beschaeftigungsstruktur einige
Bestuerzung hervorrufen, wenn nicht unerwartet neue Arbeitsplaetze auf
anderen Sektoren geschaffen worden waeren. Die Fachleute unterschaetzten
auch damals die Zahl der in Kraftwerken, im Fernsprechwesen und anderen
oeffentlichen Versorgungsunternehmen Beschaeftigten sowie in Laeden, Banken und persoenlichen Diensten Taetigen.
Die Menschen finden heute deshalb Arbeitsplaetze in einer so grossen
Auswahl, weil die Verbraucher mehr Geld fuer Luxusgueter und besondere
Dienstleistungen sowie fuer Automobile, Bekleidung und Geraete jeder Art
aufwenden. Ein neuer Lebensstandard steht hinter diesen neuen Arbeitsplaetzen,
die Arbeitsmoeglichkeiten fuer viele Millionen, einschliesslich Frauen und
aeltere Leute, geschaffen haben.
(Aus "U.S. News &amp; World Report")

2 1/2 Millionen Amerikaner erhielten eine Lohnerhoehung
Am 1. Maerz dieses Jahres erhielten rund 2,1 Millionen amerikanische
Arbeitnehmer eine Lohnerhoehung, und zwar nicht wie allgemein ueblich auf
Grund von Tarifverhandlungen zwischen den Sozialpartnern, sondern durch
Gesetz. Denn mit diesem Tag trat das neue Mindestlohngesetz in Kraft, das
im Sommer vergangenen Jahres vom Kongress verabschiedet und Rechtsgueltigkeit durch die Unterschrift des Praesidenten erhielt. Durch dieses Gesetz
wird der Mindeststundenlohn von bisher 75 Cent auf 1,00 Dollar erhoeht.
Diese 2,1 Millionen Beschaeftigten fallen in Anbetracht einer Gesamtbeschaeftigtenzahl von ueber 63 Millionen kaum ins Gewicht, und zum anderen
verdienen die restlichen 61 Millionen Arbeitnehmer in den USA weit mehr
als einen Dollar pro Stunde. Im Januar zum Beispiel betrug der durchschnittliche Stundenlohn des Fabrikarbeiters 1,88 Dollar.
Da eine Erhoehung der Mindeststundenloehne fuer die ungelernten Berufe
auf einen Dollar aus diesem Grunde alles andere als sensationell ist, so
hat sich doch in der Vergangenheit gezeigt, dass die gesetzliche Festlegung
von Mindestloehnen immer soziale und wirtschaftliche Auswirkungen im Gefolge hatten, die weitaus groesser waren als die unmittelbare Erhoehung selbst.
Seit der ersten Festsetzung einer Mindestlohngrenze im Jahre 1938
(25 Cent) ist diese erheblich angestiegen. Auf Grund verschiedener, durch
das Gesetz festgelegter Bestimmungen, wurde das wirkliche Lohnminimum in
den meisten Industriezweigen auf 40 Cent gebracht. Die naechste Heraufsetzung der Mindestlohngrenze um 35 Cent erfolgte dann 1949«
Obwohl rund 30 Cent der Gesamterhoehungen der Nachkriegsjähre durch
die gestiegenen Lebenshaltungskosten wieder wettgemacht werden, so verzeichnen die Mindestlohnempfaenger doch immer noch einen nicht unerheblichen
Gewinn. Er betraegt - in reiner Kaufkraft ausgedrueckt - 45 Cent pro Stunde, 18 Dollar pro Woche oder 900 Dollar pro Jahr, wobei noch zu beruecksichtigen ist, dass diese Einkommensgruppen so gut wie keine Steuern
zu zahlen haben. (Fuer einen Dollar erhaelt man heute zum Beispiel 5 Brote,
18 Eier, zwei Paar Socken, zwei "Pockef'-Buecher oder zwei Kinokarten.)
Die Hauptnutzniesser der Mindestlohnerhoehung sind die Arbeiter in

�Saegewerken (besonders im Sueden), in Bonbonfabriken, Polstereien, Hemdenund Arbeitskleidungsfabriken sowie in Jutespinnereien.
Bas Gesetz ueber die Festsetzung von Hindestloehnen ist ein Bundesgesetz und bezieht sich auf solche Wirtschaftsunternehmen, die in zwei
oder mehr Bundesstaaten taetig sind. Solche Arbeitsplaetze und Betriebe
auf lokaler Basis wie etwa das Hauspersonal oder Einzelhandelsgeachaefte,
Waeschereien sowie verschiedene andere Typen von Farm- oder Forstarbeit
sind von dieser Regelung ausgeschlossen.
Trotzdem aber haben auch jedesmal diejenigen Arbeitnehmer von den Erhoehungen der Mindestlohngrenze profitiert, die nicht unter dieses "interstate"-Gesetz fielen. Seit 1949 - mit der Erhoehung des Mindestlohnniveaus
von 40 auf 75 Cent - haben viele Bundesstaaten ihre eigenen Gesetze auf
das Bundesgesetz ausgerichtet.
Ausserdem sind in den meisten Betrieben saemtliche Arbeitsplatzeinstufungen ein Teil der Gesamtlohnstruktur, und Erhoehungen in den unteren
Beschaeftigungsgraden ziehen automatisch Lohnaufbesserungen in den hoeheren
nach sich.
Selbst die auf Grund persoenlicher Abmachungen beschaeftigten Arbeitnehmer haben jeweils durch die Erhoehung der Mindestlohngrenze profitiert.
Hausangestellte zum Beispiel erhalten jetzt neben voller Verpflegung und
Erstattung der Fahrtkosten 7 Dollar fuer einen Achtstundentag, und in vielen Staedten haben sich die Verguetungssaetze fuer "baby-sitter" von 50
auf 75 Cent pro Stunde erhoeht.
Dieser allgemeine "Lohnruck nach oben" durch das Mindestlohngesetz
ist auch der eigentliche Zweck dieses ganzen Gesetzeswerkes. Es zielt nicht
nur darauf ab, die Arbeitnehmer zu schuetzen, sondern auch die Kaufkraft
- ein wichtiger Generator fuer das wirtschaftliche Wohlergehen - auf einem
hohen Niveau zu erhalten.
Durch die gegenwaertige Erhoehung zum Beispiel duerfte das Gesamtlohneinkommen des Landes pro Jahr um mehr als 5 Milliarden Dollar angehoben
werden, und zwar ganz abgesehen von den moeglichen Lohnerhoehungen, die
sich auf Grund von Tarifverhandlungen zwischen den Sozialpartnern ergeben
duerften.
Dennoch bleiben zwei Fragen offen: die Kosten und die Durchsetzung.
Die Lohnmehrkosten, die den Unternehmern entstehen, duerften dabei weitgehend durch eine weiter zunehmende Produktivitaet aufgefangen werden.
Im Industriedurchschnitt ergibt sich eine jaehrliche Mehrbelastung von
rund 3 Prozent.
Hinsichtlich der Durchsetzung des Gesetzes ist zu sagen, dass die
Abteilung "Loehne und Arbeitsstunden" des "US-Arbeitsministeriums" gegenwaertig damit beschaeftigt ist, die Zahl ihrer Inspektoren zu verdoppeln.
Das Ziel dieser Bemuehungen ist es, in jedem Jahr rund 75 000 der insgesamt 900 000 Betriebe, die dieser Ueberwachung unterliegen, zu ueberpruefen.
Quelle: Eigenbericht

John Herling:
Wohin steuert die grosse neue US-Gewerkschaft3organisation?
Die Fuehrer der 15 Millionen beitragzahlende Mitglieder umfassenden
amerikanischen Gewerkschaftsverbaende haben nun ihre Kraefte vereinigt, um

_ 6-

�auf Gedeih und Verderb eine einzige geschlossene Dachorganisation zu bilden - die AFL-CIO. Abgesehen von den religioesen Glaubensgemeinschaften
ist der neue Verband die groesste Mitgliederorganisation der Vereinigten
Staaten. Diese Tatsache hat manche Leute erschreckt, andere erfreut und
viele voellig unbeeindruckt gelassen.
Henry Riter III., der kuerzlich sein Amt als Praesidant der "National
Association of Manufacturers" (NAM - amerikanischer Fabrikantenverband)
niederlegte und in den Ruhestand trat, beschwoert ein furchterregendes Bild
der "Grossen Gewerkschaftsbewegung" herauf, die wie ein Koloss das wirtschaftliche, politische und soziale Leben des Landes regiert. Viele andere
Industrielle und Geschaeftsleute betrachten den Zusammenschluss zwar ebenso mit gemischten Gefuehlen, aber nur wenige aeussern ihre Befuerchtungen
laut in der Oeffentlichkeit. Ihr Kommentar heisst "abwarten und sehen, was
kommt".
Selbst die organisierte Arbeiterschaft befuerwortet den Zusammenschluss
nicht hundertprozentig. Abseitsstehender Zuschauer ist auch der "Sturmgott"
der amerikanischen Arbeiterbewegung, John L. Lewis, Vorsitzender der Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft. Er hat vor 20 Jahren den "CIO" aus der
"AFL" abgezweigt. Lewis mahnt die kleineren Gewerkschaften innerhalb des
neuen Verbandes (dem beizutreten, er keine Einladung erhielt), sich vor den
"Launen der fleischfressenden oder leicht kannibalischen Gewerkschaften in
acht zu nehmen, von denen es einige gibt."
AFL und CIO stimmten auf ihren letzten, noch getrennt durchgeführten
Kongressen im November vorigen Jahres mit ueberwaeltigender Mehrheit fuer
den Zusammenschluss. George Meany, der Vorsitzende der neuen AFL-CIO, verkuendete, dass dieser Zusammenschluss die Gewerkschaften in die Lage versetze, "einen groesseren und lebenswichtigeren Beitrag zur Gemeinschaft als
Ganzes und dem Wohlergehen und der Sicherheit unserer Nation zu leisten."
Jedoch waren nicht alle Gewerkschaftsfunktionaere und einfachen Mitglieder
so optimistisch.
Ein Vorsitzender einer allamerikanischen Gewerkschaft, Michael J. Quill,
der Leiter der Transportarbeitergewerkschaft (CIO), stimmte gegen den Zusammenschluss. Er lehnte das Amt eines Vorsitzenden innerhalb des neuen Verbandes ab und erklaerte dabei, er wuerde es nicht annehmen, selbst wenn es
"auf einem silbernen Tablett" angeboten wuerde. Dann erhob Dave Beck, Vorsitzender der AFL-TranBportleutegewerkschaft, lauten Protestr Ihm passe das
schnelle Tempo nicht, mit der das ganze "Merger-Projekt" durchgebracht worden
sei. Auf den Sitzungen des Fusionsausschusses aeusserte er jedoch kein
einziges abfaelliges Wort und stimmte schliesslich fuer den Zusammenschluss.
Tatsaechlich zeigten sich zu einem Zeitpunkt der Fusionsverhandlungen sogar
die gluehendsten Befuerworter des Zusammenschlusses besorgt und wollten die
ganze Angelegenheit wieder fallen lassen. In ihrem Benehmen erinnerten sie
dabei stark an einen werdenden Vater, den kurz vor dem "Ereignis" der Mut
verlaesst.
Doch trotz des ohrenbetaeubenden Laerms und der truebseligen Stimmung
ao mancher mit hitzigen Debatten verbrachten Nacht haben der AFL-Vorsitzende George Meany und der CIO-Vorsitzende Walter P. Reuther die aus ihren
leitenden Funktionaeren bestehenden "Kommandotruppen" sicher durch den
Organisationsbereich und ueber persoenliche Schwierigkeiten gefuehrt. Auf
jeder Konferenz wichen sie sorgfaeltig allen Fussangeln aus, die ihre Fusionsplaene rettungslos zum Scheitern gebracht haetten.
Es ist Tatsache, dass der lange und steinige Weg zum Zusammenschluss
nur ruckweise vonstatten ging, und zwar fast von dem Zeitpunkt an, als die
Teilung der AFL auf dem Kongress in Atlantic City im Jahre 1955 z u r Bildung
des CIO fuehrte. Dieser historische Kongress arehte sich in der Hauptsache
um Fragen, wie man die Industriezweige der Massenproduktion am besten organisieren koennte. Im Laufe der Jahre hatten die Facharbeitergewerkschaften,
die sich aus geschulten Handwerkern zusammensetzten, das Rueckgrat der

- 7-

�Gewerkschaftsbewegung gebildet. Der rasche technologische Fortschritt
brachte es jedoch mit sich, dass sich die traditionellen Grenzen zwischen
den einzelnen Handwerkszweigen verwischten. Es zeichnete sich ein steigender Druck in Richtung auf eine geschlossenere Form der Gewerkschaftsorganisation ab, die auf Industriezweige anstelle einer Vielzahl von Handwerkszweigen basiert. Das Ergebnis war die Bildung des CIO.
Einige Beobachter haben in diesem Zusammenhang immer behauptet, dass
die wirkliche Ursache seinerzeit ein Machtkampf innerhalb der AFL war. Was
Jedoch auch immer die weniger augenfaelligen Motive gewesen sein moegen,
der Streitpunkt Industrie- gegen Facharbeitergewerkschaften als Organisationsinstrument war das sichtbare und aeussere Symbol der Spaltung.
Die Spaltung der AFL setzte auf eindrucksvolle Weise Energien frei zum
Start der groessten Organisierungskampagne, die es je in der Geschichte
der Gewerkschaftsbewegung gegeben hat; sie brachte den Gewerkschaften eine
beispiellose politische Anerkennung und bereicherte das wirtschaftliche,
soziale und politische Leben des Landes um eine weitere Dimension.
George Meany blickt heute als erster Vorsitzender der groessten Gewerkschaftsorganisation der freien Welt auf die.vergangenen 20 Jahre mit einer
groesseren Gelassenheit zurueck, als er seinerzeit als Vorsitzender der
"New York State Federation of Labor" (AFL-Gewerkschaftsverband des Staates
New York) besass. "Das Ausscheiden vieler Gewerkschaftsorganisationen aus
der AFL, um den CIO zu bilden, hatte ein Gutes," so erklaert er heute.
"Ich kann Ihnen versichern, dass es manche Leute in der AFL zur Besinnung
brachte - und das ist erwiesen und nicht bloss Gerede. Von dieser Warte aus
gesehen, war es gut so.
Bis zu einem gewissen Grade ist der Wettbewerb zwischen den Gewerkschaften miteinander vielleicht ganz gut. Es kommt jedoch eine Zeit, wo
diese Konkurrenz destruktiv sein kann, wenn naemlich Wettbewerb und Rivalitaet denjenigen zum Vorteil gereichen kann - von denen es in diesem Lande
noch immer viele gibt -, die nicht an die Prinzipien und die Ideale der
Gewerkschaftsbewegung glauben. Wir in der AFL und dem CIO gelangten an einen
Punkt, wo wir nicht so sehr miteinander konkurrierten, um zu sehen, wer die
Interessen der Menschen, die wir vertreten, am besten wahrnehmen kann, sondern, um zu sehen, wer die Pro-Kopf-Abgabe - die Beitraege - bekommen wuerde. Das war alles. Ich sehe es nicht als Teil unseres Ziels an, gigantische
Konstruktionen zu errichten - nennen Sie sie Gewerkschaften oder was Sie
wollen -, die die Macht um ihrer selbst willen erlangen."
Obgleich der Einheitsgedanke vielen leitenden AFL- und CIO-Funktionaeren als ausgezeichneter politischer und wirtschaftlicher Schachzug erschien, und zwar nahezu seit Anbeginn der historischen Spaltung, erwiesen
sich private Emotionen, organisatorischer Stolz, die lebhafte Erinnerung des
Misstrauens und des Versagens jahrelang als ein zu grosses Hindernis, um
ueberwunden zu werden. Dann fand der Tod einen Aunweg.
Vor drei Jahren starben innerhalb von zwei Wochen nacheinander der
AFL-Vorsitzende William Green und der CIO-Vorsitzende Philip Murray. Das
Dahinscheiden dieser alten Kaempen beendete ein Kapitel Gewerkschaftsgeschichte. Als Meany die Nachfolge Greens antrat und Reuther das Amt Murrays uebernahm, setzten beide Maenner die "Gewerkschaftseinheit" an den Anfang ihrer
Tagesordnung.
Wie konnte man jedoch einen Wunsch Wirklichkeit werden lassen? Wie
konnte der Grundstein gelegt werden fuer den Zusammenschiuss der beiden Verbaende? Waehrend der darauffolgenden Monate wurde eine ganze Reihe ziemlich
rascher und ungewoehnlicher Massnahmen ergriffen. Der Entwurf der Schluesseldokumente war in der Hauptsache das glaenzende und sichtbare Werk von Arthur
Goldberg, dem Rechtsberater des CIO. Zuerst kam der Nichtabwerbungspakt,
der von den meisten AFL- und CIO-Gewerkschaften gebilligt wurde. Dies fuehrte
- 8 -

�zu der Vereinbarung ueber den Zusammenschluss, die just an dem Tag zustandekam, an dem der Hurrikan "Hazel" im Oktober 1954 Washington heimsuchte.
Daraufhin beauftragten die Exekutivvorstaende der beiden Gewerkschaftsverbaende die mit dem Statut beschaeftigten Gremien, ihre Arbeit in Angriff
zu nehmen. Nach monatelangem, quaelendem Abwaegen, das strukturelle Umschichtungen und Personalveraenderungen mit sich brachte, wurde schliesslich,
als Hoehepunkt des Ganzen, im Dezember vergangenen Jahres der Fusionskongres8 in der Zeughalle des 71. Regiments in New York City abgehalten.
Zum Zeichen des "neuen Beginns" fuer die amerikanische Gewerkschaftsbewegung zieht die AFL-CIO in ein huebsches neues Gebaeude in Washington - nur
einen Steinwurf vom Weissen Haus entfernt und ganz in der Naehe des wuerdigen Baues der US-Handelskammer. Urspruenglich war das neue Gewerkschaftsgebaeude, dessen Grundstein von Praesident Eisenhower im April vergangenen
Jahres gelegt wurde, ausschliesslich fuer die AFL bestimmt, nun jedoch werden die Inschriften "AFL" und "CIO" in die Marmorbioecke ueber dem Eingang
gemeisselt.
Um den Umfang dieses neuen Gewerkschaftsverbandes ganz ermessen zu
koennen, muss man sich den grundlegenden Faktor vergegenwaertigen, naemlich
dass das wirkliche Herz seiner wirtschaftlichen Macht in den 141 wesentlich
autonomen, souveraenen und separaten amerikanischen und allamerikanischen
Gewerkschaften liegt. Diese Organisationen (nicht der Dachverband) fuehren
die Tarifverhandlungen mit den Unternehmern, oftmals ueber die Ortsgewerkschaften. Sie besitzen eine finanzielle Unabhaengigkeit, und ihre Kassen
sind oft viel groesser als die des neuen Verbandes. Ihre Funktionaere werden nach ihren eigenen Satzungen gewaehlt. Die Vorsitzenden der autonomen
Organisationen - angefangen von den kleinen Handwerkerorganisationen, die
nicht mehr als 1000 Mitglieder zaehlen, bis zu den riesigen Arbeitskraeftereservoiren mit Hunderttausenden von Mitgliedern - sind eifersuechtig auf
ihre Rechte bedacht und ueberaus empfindlich, wenn es um den Schutz ihrer
Machtbereiche geht. Sie besitzen eine grosse Macht sowie einen betraechtlichen Einfluss und treffen ihre eigenen Entscheidungen. Der Zusammenschluas
vo"h AFL und CIO aendert nichts an dieser Tatsache.
Ebensowenig beeintraechtigt die Fusion den Status von etwa 57 einzeloder zwischenstaatlichen Gewerkschaften, die der AFL oder dem CIO nicht angegliedert sind, bzw. waren. Nach der letzten Aufstellung des US-Bueros fuer
Arbeitsstatistik belaeuft sich die Mitgliederzahl all dieser Gruppen auf
etwa 1 800 000. Am bekanntesten unter ihnen sind die "United Mine Workers"
(Vereinigte Bergarbeitergewerksohaft) und die Eisenbahnergewerkschaften fuer
das Fahrdienstpersonal. Die Vorsitzenden von zweien dieser Gewerkschaften,
der "Railroad Trainmen" (Zugfuehrer) und der Gewerkschaft "Firemen and Enginemen" (Heizer und Lokomotivfuehrer), waren offizielle Gaeste des Kongresses.
Ausserdem gibt es noch zahlreiche Gewerkschaften, die auf einen Einzelbetrieb, einen Einzelunternehmer oder einen einzelnen Ort beschraenkt sind.
Speziell solche kleinen Gewerkschaften duerften von dem magnetischen
Feld der staerkeren und groesseren Mitgliedergewerkschaften der AFL-CIO
angezogen werden. Andere wiederum werden sich unter Umstaenden den allamerikanischen Gewerkschaften anschliessen, weil sie sich durch Kollektivverhandlungen Vorteile versprechen. Solche Gruppen aeusserten bislang die Befuerchtung, dass sie sich in der "Windmuehle" der AFL- und CIO-Konkurrenz verfangen koennten.
Mindestens 47 der maechtigen einzelstaatlichen und allamerikanischen
Gewerkschaften haben ihren Hauptsitz nach Washington verlegt. (Die allamerikanischen Gewerkschaften umfassen auch Mitglieder ausserhalb der USLandesgrenzen - in Hawaii, Puerto Rico, Alaska und natuerlich auch Kanada.)
Innerhalb der letzten zwei Jahre hat Washington die Errichtung so vieler
neuer Gewerkschaftsbauten gesehen, dass ein Beobachter diese Erscheinung
als einen gewerkschaftlichen "Gebaeudekomplex" bezeichnet.

- 9-

�Bezueglich des Ursprungs der gewerkschaftlichen Macht sollte man auf
jeden Fall die allamerikanischen Gewerkschaften einer genauen Betrachtung
unterziehen.
Was nun glauben diese Gewerkschaften mit Hilfe der neuen Dachorganisation von dem, was sie allein nicht schaffen wuerden, zu erreichen? George
Meany fasst das Ziel des Zusammenschlusses in folgenden klaren und praegnanten Saetzen zusammen! "Durch die Zusammenfassung von 15 Millionen Gewerkschaftsmitgliedern in einer einzigen Gewerkschaftszentrale hoffen
wir, ein Instrument zu schaffen, das geeignet ist, sich bei der Verteidigung der Interessen der amerikanischen Arbeiter erfolgreich zu bewaehren
und die menschlichen Beduerfnisse mit den Erfordernissen des Geschaeftsund Finanzwesens im modernen Zeitalter auf eine Ebene zu bringen."
Meany weist besonders darauf hin, dass, waehrend die Einzelgewerkschaften sich hinreichend mit ihren eigenen internen Problemen besohaeftigen,
der Verband bestrebt ist, ein uebersichtliches Bild ueber die gesamte nationale Lage zu gewinnen und Plaene auszuarbeiten, die dem neuen Einfluss
entsprechen, den die Fusion unter Umstaenden zeitigen koennte.
Da das grosse Ereignis des Jahres 1956 die Praesidentschaftswahlkampagne
sein wird, erhebt sich die Frage: Was bedeutet die Verschmelzung von AFL
und CIO auf politischem Gebiet? Bedeutet das, die leitenden Gewerkschaftsfunktionaere, die 15 Millionen Arbeiter, die 141 einzelstaatlichen und allamerikanischen Gewerkschaften und die 77 000 Ortsgewerkschaften auf eine
Linie bringen und sie gewisse Kandidaten oder eine Partei oder einen im
voraus bestimmten Praesidentschaftskandidaten waehlen zu lassen?
Nichts ist weniger wahrscheinlich - obgleich man von der Gewerkschaftsbewegung erwartet, dass sie sich an den politischen Kampagnen des Jahres
1956 massgeblich beteiligen wird. Erstens erklaeren die Gewerkschaftsfuehrer,
dass sie eine solche Form der Disziplin nicht anwenden werden. Zweitens
wuerden sie, selbst wenn sie es versuchten, kein Glueck damit haben. Drittens
wuerden sie nicht wagen, es zu versuchen.
Selbst im Jahre 1952, als AFL und CIO beide den demokratischen Kandidaten Adlai Stevenson unterstuetzten, zeigten die Wahlergebnisse, dass der
von den Organisationen bekundete Enthusiasmus fuer Stevenson die Gewerkschaftsmitglieder und ihre Ehefrauen nicht davon abhielt, sich bei der Wahl
fuer den republikanischen Kandidaten, Dwight D. Eisenhower, zu entscheiden.
Die republikanischen Analytiker erklaerten, dass etwa 30$ der Gewerkschaftsmitglieder fuer Eisenhower stimmten. In seiner Rede auf dem vor kurzem stattgefundenen Fusions-Kongress pries Stevenson diese Unabhaengigkeit der Gewerkschaftsmitglieder bei ihrer Wahlentscheidung. "Die Arbeiterschaft ist
keine, einer strengen Disziplin unterstehende Wahlminderheit in diesem Land",
so erklaerte er. "Die Arbeiter waehlen nicht auf Befehl, sondern aus Ueberzeugung.... So verhaelt sich die Sache, und ich glaube, so sollte es auch
sein."
Welches ist nun die jetzige politische Haltung der Gewerkschaften?
Es ist keine ausgesprochene Haltung. Es ist eine ganze Serie politischer
Verhaltensweisen.
Meany gibt folgende Formulierung: "Die organisierte Gewerkschaftsbewegung in Amerika wird sich keiner bestimmten politischen Partei unterordnen. Sie wird aufgeschlossene und fortschrittliche Kandidaten aller
Parteien unterstuetzen. Sie wird den Arbeitern dieses Landes die Unterlagen
aller Kandidaten zur Kenntnis bringen. Sie wird alle Buerger dazu auffordern, sich einschreiben zu lassen und ihr Wahlrecht auszuueben. Auf diese
Weise koennen wir unser Ziel wirksam verfolgen, starke und vorurteilslose
Mehrheiten in den Kongress zu waehlen."
Um die politischen Interessen der AFL-CIO entsprechend zum Ausdruck
- 10 -

�zu bringen, werden die "Labor's League for Political Education" (Gewerkschaftaliga fuer politische Erziehung) der APL und das "Political Action
Committee" (Politische Aktionskomitee) des CIO vereinigt werden, um ihre
Arbeit als eine einzige Organisation weiterzufuehren. Dieses Buero in Washington ist jedoch nur ein kleiner Teil in der politischen Arbeit der Gewerkschaften. Die gleichen selbstaendigen nationalen und allamerikanischen Gewerkschaften, die eifersuechtig ueber ihre Identitaet und ihre Rechtsbefugnisse wachen, weigern sich ebenfalls, ihre politische Arbeit einer zentralen Gruppe
unterzuordnen. Organisationsstolz und die Notwendigkeit, speziellen Problemen
in verschiedenen Orten Rechnung tragen zu muessen, leisten der Verschiedenartigkeit Vorschub.
In Kalifornien beispielsweise hatte die organisierte Gewerkschaftsbewegung den Republikaner Earl Warren regulaer zum Gouverneur vorgeschlagen.
Als Warren zum Obersten Richter ernannt wurde, bemuehtesich Goodwin Knight,
sein republikanischer Nachfolger, energisch um die Unterstuetzung der Gewerkschaften und erhielt sie auch. Um die Bereitschaft der Gewerkschaften,
die Parteigrenzen zu ueberschreiten, besonders hervorzuheben, machten die
leitenden Funktionaere der AFL in Washington und auf der letzten Sitzung des
Chicagoer "Executiv-Rates" ziemlich viel Aufhebens um Knight.
Im AFL-Exekutivrat gelobten zumindest drei Mitglieder - William McFetridge
von der Gewerkschaft der "Building Service Employees", Maurice Hutcheson von
der Zimmerleutegewerkschaft und Dave Beck von der Transportleutegewerkschaft der Republikanischen Partei mehr als einmal die Treue.
Andererseits wurden in Michigan die maechtigen, von hervorragenden
Funktionaeren geleiteten CIO-Automobilarbeiter unter der Fuehrung von Walter
Reuther zu einem entscheidenden Faktor in der Demokratischen Partei. Dies
veranlasste den republikanischen Parteivorsitzenden des Bundesstaates, John
Feikins, zu bitteren Angriffen.
Die Gewerkschaftsfuehrer erkennen tatsaechlich das Vorhandensein von 48
besonderen politischen Situationen an - eine fuer jeden Staat -, und sie
erklaeren, dass sie nicht beabsichtigen, irgendeiner Partei besondere Zugestaendnisse zu machen. Die organisierte Gewerkschaftsbewegung duerfte es jedoch trotzdem schwer haben, einige politische Fuehrer von ihrer Parteilosigkeit zu ueberzeugen.
In diesem Zusammenhang wies Praesident Eisenhower auf dem Fusionskongress
besonders auf die Bedeutung demokratischer Verfahren in gewerkschaftlichen
Organisationen hin: "Das Recht der Minderheiten, die verschiedene soziale,
wirtschaftliche und politische Anschauungen haben, muss sorgsam gewahrt und
ihre Anschauungen genauestens wiedergegeben werden".
Zudem uebten mehrere bedeutende republikanische Sprecher waehrend und
kurz vor dem "Gruendungs-Kongress" scharfe Kritik an den Fuehrern der organisierten Gewerkschaftsbewegung. Senator Barry Goldwater aus Arizona, der
Leiter des "Republican Senate Campaign Committee" (Ausschuss republikanischer
Senatoren fuer Wahlfeldzuege) behauptete, dass "machthungrige Gewerkschaftsbosse" die politische Freiheit der Gewerkschaftsmitglieder bedrohen, indem
sie ihr Geld fuer politische Zwecke verausgabten, ohne dabei ihre eigentlichen
Anschauungen zu beruecksichtigen. Senator William F. Knowland aus Kalifornien,
der Oppositionsfuehrer im Senat, fragte, ob die Leitung der AFL-CIO "von denjenigen verschlungen wuerde, die darauf aus sind, die Gewerkschaftsorganisationen zu einer korrupten Clique auf nationaler Basis werden zu lassen."
Ein anderer republikanischer Senator war jedoch schnell zur Verteidigung
der Gewerkschaften bereit. "Von dem, was ich von der organisierten Gewerkschaftsbewegung weiss," so aeusserte Senator Clifford P. Case aus New Jersey,
"zweifle ich daran, ob es ueberhaupt irgendeine grosse Strategie gibt, die
darauf abzielt, die Kontrolle ueber die Regierung zu erlangen und uns alle
dazu zu zwingen, Beitraege zu zahlen und Streikplakate vor uns her zu tragen.
- 11 -

�Einige behaupten, dass der Zusammenschlugs zwischen AFL und CIO die Eroberung
der Demokratischen Partei bedeuten wird. Ich finde, man kann sich nur sehr
schwer vorstellen, dass ein amerikanischer Gewerkschafter sein sauer verdientes Geld dafuer aufwenden sollte, um die Wiederwahl von Senator Eastland (Miasissipi) oder Gouverneur Talmadge (Georgia) durchzusetzen.
Der republikanische Gouverneur Fred Hall aus Kansas, der in den mit
aller Schaerfe gefuehrten Vorwahlen zu den Gouverneurswahlen als republikanischer Kandidat die Unters tuetzung der Gewerkschaft suchte und auch erhielt,
machte kuerzlich die Republikanische Partei fuer alle Differenzen mit der
organisierten Gewerkschaftsbewegung verantwortlich.
Er behauptete, dass die G.O.P. bereits seit 25 Jahren mit der Gewerkschaftsbewegung in Streit liege. "Unsere Beziehungen haben augenblicklich
einen beklagenswerten Status erreicht," so erklaerte er. "Die republikanische Opposition zu der Reform des Taft-Hartley-Gesetzes", so fuegte er
hinzu, "ist einer der Gruende, weshalb die Republikanische Partei 1954 im
Kongress eine Niederlage erlitt."
Die gewerkschaftlichen Beifallskundgebungen, die Halls Bemerkungen
ausloesten, verstaerkten die Bedeutung dieser ernsten Bewertung der gegenwärtigen Situation durch George Meanyt "Die Opposition, der wir uns heute
gegenuebersehen, ist noch schlimmer als zu Zeiten der Unternehmerspione
und Rowdies, der Schwarzen Liste und des sogenannten "amerikanischen Plans".
Das Schlachtfeld ist nicht laenger die Fabrik oder gar die Streikkette. Es
hat sich in die Kongresshallen und die verfassungsgebenden Versammlungen der
Einzelstaaten verlagert. An diesen Fronten haben wir in den vergangenen Jahren eine Niederlage erlitten, einmal durch die Inkraftsetzung des Taft-HartleyGesetzes und anderer restriktiver Bundesgesetze und neuerdings durch die in
18 Staaten erfolgte Annahme der ihren Namen zu Unrecht fuehrenden "right-towork"-Gesetze. (right to work - das Recht auf Arbeit). Diese Gesetze stellen
geradezu eine Existenzbedrohung der Gewerkschaften dar, da sie auf die Vernichtung der gewerkschaftlichen Sicherheit abzielen."
Als Gouverneur Hall den "right-to-work"-Gesetzentwurf ablehnte, ging
er noch einen Schritt weiter als Meany. Er erklaerte, dass dieses Gesetz
"das Prinzip der TarifVerhandlungen zerstoert haben wuerde."
Trotz der allgemein anerkannten Bedeutung der Gewerkschaftsbewegung
auf politischem Gebiet behaupten starrkoepfige Gewerkschaftsfunktionaere,
dass Politiker und Unternehmer als erste zu der Einsicht gekommen sind, dass
nur eine zweckmaessige Organisation Fruechte zeitigt. Aus diesem Grunde verdient die Struktur der neuen AFL-CIO besondere Bedeutung.
An der Spitze der neuen Dachorganisation stehen der 6ljaehrige Vorsitzende George Meany und der 52jaehrige Hauptkassierer William F. Schnitzler.
Meany ist wahrscheinlich der bekannteste Klempner der Welt, waehrend Bill
Schnitzler, ein Baecker aus Newark (New Jersey), Vorsitzender der Baeckereiarbeiter-Gewerkschaft (AFL) und spaeter HauptKassierer der AFL war, ehe er
in der neuen Organisation das gleiche Amt uebernahm. (Schluss folgt)
(Aus : "Collier's")

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�)

Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 8

Mehlem, den 13. April 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Arbeitspotential und Lebensstandard in Puerto Rico

Seite

1

24 und 32 Stunden Arbeitszeit in Rotchina

Seite

9

"Westinghouse"-Streik nach 156 Tagen beigelegt

Seite 11

,Samuel Weiss und A.J. Jaffe:
Arbeitspotential und Lebensstandard in Puerto Rico
Das Commonwealth von Puerto Rico ist einmalig in
der politischen Geschichte Amerikas. Es wurde als "neue
Staatsform" bezeichnet. Dieses Commonwealth ist weder
eine Kolonie, noch ein Dominion im Sinne des britischen
Commonwealth, jedoch auch keine separate unabhaengige
Nation. Es ist ebenfalls kein Commonwealth wie es die
Philippinen einst waren und weder ein Mitgliedstaat der
Union, noch ein "incorporated territory", wie es frueher
die meisten Staaten der Union waren. Es besitzt praktisch
die gleiche Autonomie in lokalen Angelegenheiten wie ein
Staat der Union; die amerikanische Bundesregierung geniesst in Puerto Rico die gleiche Autoritaet wie in einem
Staat der Union, Puerto Rico leistet dem US-Schatzamt jedoch nur in ganz geringem Masse finanzielle Abgaben und
besitzt keine Wahlvertretung im Kongress.
Bis vor einigen Jahren war Puerto Rico noch ein typisches unterentwickeltes Land, das sich nicht wesentlich von den vielen heutigen
Gebieten dieser Art unterschied, die dringend wirtschaftlicher Hilfe
beduerfen. Die*Wirtschaft der Insel war in der Hauptsache Von der Erzeugung von Zuckerrohr abhaengig, das fuer den Export angebaut wurde.
Einige andere Frodukte wie Kaffee und Tabak wurden dagegen nur in geringen Mengen erzeugt. Von den wenigen einheimischen, hauptsaechlich
- 1 -

�handwerklichen Fertigungsbetrieben fielen nur solche, die Handarbeiten
herstellten, wirklich ins Gewicht. Da der groesste Teil des Ackerlandes
fuer den Anbau von Zuckerrohr genutzt wurde, musste ein hoher Prozentsatz der fuer die Versorgung der Bevoelkerung notwendigen Nahrungsmittel
importiert werden.
Der Mangel an fruchtbarem Ackerboden (nur etwa die Haelfte des Landes ist anbaufaehig) und die ausserordentlich hohe Bevoelkerungsdichte
(ueber 63O Personen pro 2,6 km2) Hessen die Landwirtschaft zu einer
ausserordentlich unbefriedigenden Basis fuer die Wirtschaft Puerto Ricos
werden. Auf Grund der herrschenden Verhaeltnisse waren die Menschen ziemlich arm und es zeigten sich alle Begleiterscheinungen der Armut, wie
Arbeitslosigkeit, Analphabetentum, eine hohe Sterblichkeitsrate, Wohnraummangel und so weiter.
Mitte der dreissiger Jahre beschaeftigte sich die Regierung von Puerto
Rixo sehr eingehend mit der Frage, wie man die Wirtschaftslage der Insel
verbessern koennte. In diese Zeit fielen dann auch verschiedene wichtige
Foerderungsmassnahmen, wie beispielsweise die starke Ausweitung der Wasserkraftwerke, der Bau einer Zementfabrik, die Erweiterung des Strassensystems und die Durchfuehrung verschiedener finanzieller Massnahmen zur
Unterstuetzung der wirtschaftlichen Entwicklung.
Ein wirkliches wirtschaftliches Entwicklungsprogramm wurde jedoch
erst im Jahre 1940 in Angriff genommen, als die Demokratische Volkspartei
(unter Leitung des jetzigen Gouverneurs Luis Munoz Marin) die Amtsgeschaefte uebernahm. Der zweite Weltkrieg foerderte und behinderte das
Programm zugleich. Projekte, die fuer die Kriegfuehrung der Vereinigten
Staaten von direktem Interesse waren, wurden weiterentwickelt, andere
wurden zurueckgestellt. Nach dem Krieg verstaerkte die Regierung dann
wieder ihre Bemuehungen zur reinen Wirtschaftsfoerderung.
Seit 1940 sind praktisch auf jedem sozial-wirtschaftlichen Gebiet
erhebliche Verbesserungen eingetreten. Gesundheitsfoerderung und die Anwendung moderner Methoden in der oeffentlichen Gesundheitsfuersorge
hatten im Zusammenwirken mit allgemeinen wirtschaftlichen Verbesserungen
ein Absinken der Sterberate von 18,4 pro Tausend im Jahre 1940 auf 7»7
pro Tausend im Jahre 1954 zur Folge. Zur gleichen Zeit stieg die Lebenserwartung von 46 Jahren im Jahre 1940 auf 61 im Jahre 1954 - das bedeutet ueber einen Zeitraum von 15 Jahren hinweg eine jaehrliche Zunahme um
ein Jahr.
. Die Zahl der Einschreibungen an den Bildungsinstituten in Puerto
Rico stieg von weniger als 300 000 im Jahre 1940 auf nahezu 600 000 im
Jahre 1954« Waehrend des gleichen Zeitraums erhoehten sich die Regierungsaufwendungen fuer Bildung und Erziehung von 7 auf 38 Millionen Dollar
pro Jahr.
Auf dem Gebiet des Wohnungsbaus wurden betraechtliche Fortschritte
durch die Beseitigung der Slums und die oeffentlichen Wohnbauprogramme
erreicht. Die Kraftwerke wurden erheblich erweitert« Zwischen 1940 und
1952 stieg die Elektrizitaetserzeugung von 174 Millionen auf 735 Millionen Kilowattstunden. Ebenso wurden auf dem Transport- und Nachrichtensektor sowie in der Wasserversorgung und Kanalisation grosse Fortschritte
erzielt.
Bevoelkerung und Arbeitskraefte
Auswirkung der Bevoelkerungsschwankungen. Zwischen 1940 und 1954 nahm
das Arbeitspotential im grossen und ganzen im gleichen Verhaeltnis wie
die Zahl der im arbeitsfaehigen Alter stehenden Bevoelkerung zu (i.e.
Angehoerige der Zivilbevoelkerung im Alter von 14 Jahren und darueber
ausschliesslich Anstaltsinsassen). Wie aus den folgenden Zahlen hervorgeht,

- 2 -

�bestand das Arbeitskraeftepotential im April 1940 zu 52% aus Puerto Ricanern im arbeitsfaehigen Alter; im April 1950 waren es 55»696; und im
April 1953
48,6%.
Bevoelkerung im arbeitsfaehigen Alter

Arbeitskraef
tepotential

April 1940

1 150 000

598 000

April 1950

1 293 000

719 000

April 1954

1 275 000

631 000

April 1955

1 327 000

644 000

Die Veraenderungen des Arbeitskraeftepotential3 und die Bevoelkerungsveraenderungen verliefen durch Auswanderung und Militaerpflicht
bedingt, nicht genau parallel. Da normalerweise viel mehr Maenner als
Frauen im Arbeitsleben stehen, hatten die Einberufungen zum Militaer
in den 50er Jahren eine Verringerung des Arbeitskraeftepotentials bei
einer gleichzeitigen leichten Zunahme der Erwachsenenbevoelkerung zur
Folge.
Die Zahl der Zivilpersonen im Alter von 14 Jahren und darueber stieg
in Puerto Rico zwischen April 1940 und April 1950 um 143 000 Personen an.
Waehrend dieses 10jaehrigen Zeitraums wanderten etwa 154 000 Personen
(zumeist im arbeitsfaehigen Alter) nach dem Festland ab; das sind etwa
13% der Bevoelkerung im arbeitsfaehigen Alter von 1940; seitdem betrug
die natuerliche Zunahme der Erwachsenenbevoelkerung nahezu 300 000 pro
Jahrzehnt oder 2^% pro Jahr.
Zwischen April 1950 und April 1954 ging die Zahl der im arbeitsfaehigen Alter stehenden Bevoelkerung von 1 293 000 auf schaetzungsweise
1 275 000 zurueck. Die Zahl der Personen ueber 14 Jahre, die zum Festland
abwanderten, betrug ungefaehr 160 000 oder etwa 12% der im Jahre 1950
in Puerto Rico lebenden Zahl; dies ist ein ungewoehnlich hoher Ausfall.
Ausserdem wurden etwa 36 000 Mann zum Militaerdienst eingezogen. Waehrend
dieser 4 Jahre stieg die Zahl der Erwachsenen jedoch auf 178 000 oder
um ueber 3% pro Jahr.
Die Geburtenrate. Im Vergleich zu den kontinentalen Vereinigten Staaten
verzeichnet Puerto Rico eine sich aus der hohen Geburtenziffer des vergangenen Jahrzehnts ergebende hohe Wachstumsrate seiner im arbeitsfaehigen Alter stehenden Bevoelkerung. Vor 1940 war die Sterbeziffer fuer die
heutigen Verhaeltnisse ebenfalls recht hoch (18,4 pro 1000 im Jahre
1940), waehrend der 40er Jahre fiel sie jedoch rapide. Im Jahre 1950
war sie noch immer ziemlich hoch, etwa 15 pro 1000; bis zum Jahre 1954
war sie jedoch auf 7,7 VTO 1000 abgesunken und unterschied sich somit
nicht wesentlich von der Sterberate auf dem Festland. Der ueberaus rasche
Rueckgang der Sterberate waehrend der 50er Jahre im Vergleich zu den
vorhergehenden 10 Jahren trug zu der erhoehten natuerlichen Wachstumsrate
der Bevoelkerung im arbeitsfaehigen Alter seit 1950 bei.
Waehrend der letzten 10 Jahre ist die Geburtenrate nicht stark genug
gesunken, um die kuenftige natuerliche Zunahme der Zivilbevoelkerung
im arbeitsfaehigen Alter wesentlich zu veraendern. Waehrend der Zeit von
1939 bis 1941 lag die Rate der Bevoelkerungszunahme bei etwa 184; 10
Jahre spaeter, zwischen 1949 und 1951» etwa bei 224 x ).
x) Im allgemeinen zeigt eine Rate von 100 an, dass Geburten- und Sterberate ungefaehr gleich sind; das heisst, dass sich waehrend einer Generation keine Bevoelkerungszunahme ergibt. Eine Rate von 220 bedeutet, dass
eine konstante Bevoelkerung sich im Laufe einer Generation um etwa 120^&gt;
vermehren wuerde, vorausgesetzt, dass die Geburts- und Sterberaten zu
allen Zeiten unveraendert bleiben.

- 3-

�Im Jahre 1953 und 1954 lag die Rate der Bevoelkerungszunahme etwa bei
220. Diese Rate deutet daraufhin, dass sich die Bevoelkerung von Puerto
Rico in deu. naechsten 25 bis 30 Jahren mehr als verdoppeln koennte. Ob
dies eintreten wird, ist allerdings schwer vorauszusagen, da sich gewisse
Aenderungen der Geburts- und Sterberaten ergeben werden.
Selbst wenn die Geburtenrate in Zukunft zurueckgehen und den Stand
der kontinentalen Vereinigten Staaten erreichen sollte (Bevoelkerungszuwaohsrate von 156 im Jahre 1952), so wird es viele Jahre dauern, bevor solche Rueckgaenge die natuerliche Zunahme der Bevoelkerung im arbeitsfaehigen Alter zahlenmaessig beeintraechtigen. Dies erklaert sich
aus der Tatsache, dass zwischen der Geburt und der Zeit, in der eine Person das arbeitsfaehige Alter erreicht, ein Zeitraum von 14 Jahren liegt.
Zur Zeit uebersteigt die Geburtenziffer die der Todesfaelle um 65 000
pro Jahr. In 14 Jahren wird der Ueberschuss noch immer etwa 60 000 pro
Jahr betragen, vorausgesetzt, dass keine Auswanderung erfolgt.
Auswanderung, eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Die kombinierten
Auswirkungen der frueheren hohen Geburtenraten und der niedrigeren Auswandererzahl machten sich besonders in der Zeit von April 1954 his Maerz
1955 bemerkbar. Die natuerliche Zunahme der Bevoelkerung im arbeitsfaehigen Alter belief sich in diesem Jahr auf etwa 52 000. Gleichzeitig liess
die Wirtschaftsflaute in den kontinentalen Vereinigten Staaten die Auswanderungsziffer auf etwa 16 000 Zivilisten ueber 14 Jahren zurueckgehen,
im Vergleich zu 36 000 in der Zeit von Maerz 1953 bis Maerz 1954» Ausserdem fuehrte die Verringerung der Streitkraefte dazu, dass etwa 16 000
mehr Maenner ins Zivilleben zurueckkehrten als man urspruenglich erwartet
hatte. Durch die groesseren Entlassungen aus den Streitkraeften wurde
der Verlust an Arbeitskraeften durch Auswanderung wieder ausgeglichen.
Der natuerliche BevoelkerungsZuwachs an arbeitsfaehigen Zivilpersonen betrug 52 000 und stieg bis 1. April 1955 auf ungefaehr 1 327 000. Dies bedeutet eine Zunahme von ungefaehr 4$ innerhalb eines Jahres. Waehrend
des gleichen Jahres stieg die arbeitsfaehige Bevoelkerung der kontinentalen Vereinigten Staaten um etwa 1$.
Innerhalb.eines Jahres wurde also auf Grund des Rueckganges der Auswanderungen der Abwanderungsverlust in den Jahren 1951 bis 1954 durch
die steigende Bevoelkerungsziffer in Puerto Rico mehr als ausgeglichen.
Am 1. April 1955 war die Bevoelkerung, die in den Arbeitsprozess eingeschaltet werden konnte, um etwa 34 000 Personen groesser als am 1. April
1950. Falls die Auswanderung auch weiterhin so stark eingeschraenkt bleiben sollte, waere die Zunahme des Arbeitskraeftepotentials so gewaltig,
dass die Schwierigkeiten in der Beschaffung ausreichender zusaetzlicher
Arbeitsplaetze erheblich vergroessert wuerden. Tatsaechlich waere eine
verstaerkte Auswanderung unerlaesslich fuer eine weitere wirtschaftliche
Entwicklung.
Industrielle Entwicklung
Regierungsmassnahmen. Das Kernstueck der Bemuehungen des Commonwealth
zur Verbesserung der Wirtschaftslage der Insel war das Programm "Operation
Bootstrap" ("Operation Schnuersenkel"), das die Foerderung der industriellen Entwicklung zum Ziele hatte. Die Regierung von Puerto Rico war sich
dabei der Tatsache bewusst, dass eine Produktivitaetssteigerung durch
industrielle Expansion einen wichtigen Faktor im Hinblick auf die Foerderung der puertoricanischen Wirtschaft darstellen wuerde - einer Wirtschaft, deren Rahmen von einer grossen Bevoelkerungsdichte, Mangel an
Naturvorkommen, staendiger Arbeitslosigkeit und einem verhaeltnismaessig
niedrigen Lebensstandard gebildet wird.
Zur Unterstuetzung einer solchen Industrialisierung und um neue Industrien auf die Insel zu ziehen, hat das Commonwealth verschiedene

-4 -

�wirtschaftliche Anreize, wie Steuerbefreiung, Bereitstellung industrieller Dienstleistungen, Bereitstellung von Fabrikgebaeuden und sonstige
Hilfsleistungen geschaffen. Als unmittelbares Ergebnis dieser Bemuehungen
konnten Ende des 2. Weltkrieges und April 1954 287 neue Fertigungsbetriebe ihre Taetigkeit aufnehmen. Im April 1954 beschaeftigten sie ungefaehr 23 000 Personen oder ein Drittel aller Beschaeftigten in der Fertigungsindustrie .
Im allgemeinen sind diese von der Regierung gefoerderten Werke wesentlich groesser als andere puertoricanische Fabriken; sie beschaeftigen durchschnittlich etwa 80 Arbeiter pro Werk, das ist nahezu das .Dreifache des Arbeitspotentials sonstiger Fabriken. Sie verwenden zum groessten
Teil moderne Maschinen und produzieren Gueter, die hinsichtlich Art und
Qualitaet den auf dem Festland erzeugten in nichts nachstehen. Hierzu gehoeren Bekleidung, elektronische Produkte, elektrische Rasierapparate,
Radioersatzteile sowie pharmazeutische Erzeugnisse. Da Puerto Rico zu den
Vereinigten Staaten gehoert, ruht kein Zoll auf den von Fuerto Rico nach
dem Festland ausgefuehrten Waren.
Puerto Ricos industrielles Entwicklungsprogramm hat innerhalb eines
verhaeltnismaessig kurzen Zeitraums eine Strukturveraenderung in der Fertigungsindustrie hervorgerufen. Im April 1946 waren beispielsweise noch
6 von 10 Arbeitern in Fabrikationsbetrieben der Nahrungsmittel- und Tabakindustrie taetig, waehrend es im April 1954 nur noch 4 von 10*) waren.
Die Bemuehungen der Regierung, die Industrie umzustellen, kommen ebenfalls in der Tatsache zum Ausdruck, dass im April 1954 nur 7$ der Arbeiter in von der Regierung gefoerderten Unternehmen mit der Herstellung
von Nahrungs- und Tabakwaren beschaeftigt waren.
Auf lange Sicht gesehen, duerfte der wichtigste Aspekt der Bemuehungen, die wirtschaftliche Entwicklung voranzutreiben, eine gezielte Durchfuehrung des Industrialisierungsprogramms sein. In dem Masse naemlich,
in dem neue und verhaeltnismaessig gute Arbeitsplaetze durch die Unteratuetzung der Regierung geschaffen werden, tendieren sie dazu, eine vielfaeltige Wirkung auszuloesen. Der Bedarf an Verbrauchsguetern, Wohnungen und so weiter ist in stetigem Steigen begriffen. Wenn dieser Trend
noch laengere Zeit anhaelt, wird eine wirtschaftliche Entwicklung im
grossen Stil stattfinden.
Die wechselnde Beschaeftigungsstruktur. Im April 1954 waren 36$
aller Beschaeftigten in Puerto Rico in der Landwirtschaft beschaeftigt,
im Vergleich zu 37$ im April 1950 und 45$ i m April 1940. Die Mehrzahl
dieser Werktaetigen arbeitete in den Zuckerrohrfeldern. Ausserhalb der
Saison arbeitete ein groesserer Teil dieser landwirtschaftlichen Hilfskraefte auf Kaffee- und Tabakfeldern.
Unter den nichtlandwirtschaftlichen Industriezweigen beschaeftigte
der Handel (Gross- und Einzelhandel) im April 1954 die meisten Arbeiter
und Angestellten, etwa 85 000 oder 15$ aller Erwerbstaetigen. Es folgte
die Fertigungsindustrie (ausser Heimarbeit) mit etwa 72 000 Beschaeftigten. Die drittgroesste Gruppe bildeten die verschiedenen Dienstleistungsindustrien, die insgesamt 63 000 Personen beschaeftigten.
Den auffaelligsten Wechsel gegenueber frueheren Zeiten stellt die
steigende Beschaeftigungsziffer in den besser zahlenden und produktiveren Industriezweigen dar. Im Gegensatz dazu steht der Beschaeftigtenrueckgang in den Industriezweigen mit niedrigerer Lohnskala. Besser verguetete
Taetigkeiten finden sich in der Bau-, der Fertigungsindustrie (ausser
) Diese Zahlen wurden Veroeffentlichungen des puertoricanischen Arbeitsministeriums, Buero fuer Arbeitsstatistik, entnommen.

�Heimarbeit) und dem Sektor "Transport", "Nachrichtenwesen" und "oeffentliche Dienste". Staatliche Angestellte, wie Lehrer, Feuerwehrleute,
Polizisten, Aerzte, Krankenschwestern und sonstige Bediensteten der
oeffentlichen Gesundheitspflege sowie Verwaltungsangestellte, gehoeren
ebenfalls zur Gruppe der "Besserbezahlten". Insgesamt stieg die Beschaeftigtenziffer dieser Gruppe in den Jahren 1950 his 1954 um etwa 13 000
an.
Die scnlechter bezahlten und weniger produktiven Arbeitsplaetze finden sich in der Landwirtschaft, in Heimarbeitsbetrieben, den kaufmaennischen Berufen (speziell dem Einzelhandel, zu dem auch fliegende Haendler,
Hausierer und so weiter gehoeren) und dem Dienstleistungsgewerbe (speziell hauswirtschaftliche Hilfskraefte). Die Beschaeftigtenziffer (einschliesslich helfender Familienangehoeriger ohne Bezahlung) in diesen
Industriezweigen ging von 1950 bis 1954 auf 93 000 zurueck. Der bedeutendste Rueckgang war in der Heimarbeitindustrie zu verzeichnen; hier fiel
die Beschaeftigtenzahl von 61 000 auf 25 000 oder von 10$ aller Beschaeftigten auf 4$.
Da die Zahl der Arbeitslosen waehrend dieses Zeitraums abnahm, obwohl
der Anteil der Arbeitslosen am Gesamtarbeitskraeftepotential der gleiche
blieb, scheint es, dass diese Personen nicht von solchen Arbeitsplaetzen
entlassen wurden, die allgemein gefragt sind. Wahrscheinlicher ist, dass
sie entweder in die besser zahlenden Industriezweige abwanderten, nach
den kontinentalen Vereinigten Staaten auswanderten oder aber Soldat wurden. Ausserdem kann angenommen werden, dass einige Frauen und aeltere
Maenner aus dem Arbeitsprozess ausschieden.
Veraenderungen der Arbeitslosenziffer. Im April 1940 betrug die
Arbeitslosenrate fuer Maenner etwa 16,2$. Bis April 1950 war sie auf
10,4$ gefallen und bis April 1954 auf 9»0$. Verschiedene Faktoren, unter
anderem auch die vom Commonwealth ausgehende Foerderung der wirtschaftlichen Entwicklung sowie die seit dem Ende des 2. Weltkrieges auf dem
Festland nahezu erreichte Vollbeschaeftigung und die hohe Auswanderungsziffer - trugen dazu bei, dass die Arbeitslosenrate der Maenner zurueckging.
Die Arbeitslosenrate der weiblichen Arbeitnehmer scheint sich in
den 50er Jahren kaum geaendert zu haben, sie schwankte zwischen 10 und
14$ und liess keinen bestimmten Trend erkennen*/. Nahezu saemtliche erwerbstaetigen Frauen sind in nichtlandwirtschaftlichen Berufen taetig.
Starke saisonale Schwankungen in der Arbeitslosenziffer treten immer
noch in den Zuckerrohrplantagen auf. Zwischen Februar und Mai oder Juni
wird das Zuckerrohr geschnitten und die Beschaeftigtenzahl erreicht dann
ihren Hoechststand. Waehrend dieser Monate sinkt die Arbeitslosenrate
in der Landwirtschaft auf etwa 5$- Ausserhalb der Saison liegt die Arbeitslosenziffer oftmals sogar bei 20$. In den nichtlandwirtschaftlichen
Berufen treten im Gegensatz dazu nur geringe saisonale Schwankungen auf
und die Arbeitslosenrate variiert nur zwischen 10 und 14$»
Trotz des Rueckgangs der Arbeitslosigkeit leidet Puerto Rico noch
immer unter chronischer Arbeitslosigkeit, von der im Durchschnitt ungefaehr 15$ der Arbeitskraefte betroffen werden. Dies ist eines der wesentlichsten Probleme des Commonwealth. Waehrend der vergangenen Jahre hat
sich der Bevoelkerungsdruck durch die in grossem Umfang erfolgte Auswanderung nach dem Festland erheblich verringert. Die hoechste Auswanderungsziffer wurde im Jahre 1953 mit 69 000 erreicht; im Jahre 1954
x) Diese Zahlen schliessen die mit Heimarbeit beschaeftigten Frauen aus,
da hier die Arbeitslosigkeit schwer messbar ist. Vergleichszahlen
fuer das Jahr 1940 liegen nicht vor.

�sank sie auf etwa 22 000.
Wenn ein derartiger Auswanderungshoechststand wie im Jahre 1953
in Zukunft nicht mehr erreicht werden sollte, so wird die Arbeitslosigkeit ein wahrscheinlich noch viel groesseres Ausmass annehmen als bisher, da die Zahl der Bevoelkerung im arbeitsfaehigen Alter stetig zunimmt und damit auch das Arbeitskraeftepotential. Die Wirtschaft sieht
sich augenblicklich vor die schwierige Aufgabe gestellt, genuegend zusaetzliche und verhaeltnismaessig gut bezahlte Arbeitsplaetze fuer die
zur Zeit Unterbeschaeftigten oder Arbeitslosen zu beschaffen. Der natuerliche Bevoelkerungsanstieg macht es, falls er nicht durch Auswanderung ausgeglichen werden kann, notwendig, dass pro Jahr etwa 2 bis 4$
zusaetzlicher neuer Arbeitsplaetze fuer das steigende Arbeitskraeftepotential zur Verfuegung gestellt werden.
Verbesserung des Lebensstandards
Durch die "Operation Schnuersenkel" konnten seit Ende des 2. Weltkriegs, unterstuetzt durch die starke Auswanderung, betraechtliche
wirtschaftliche Gewinne fuer die Einwohner Puerto Ricos erreicht werden. Die Auwanderung wirkte als Ausgleich der natuerlichen Bevoelkerungszunahme; dadurch brauchten die waehrend dieser Zeit erzielten wirtschaftlichen Gewinne nicht unter eine stetig wachsende Bevoelkerung aufgeteilt zu werden. Stattdessen gelangten sie jedes Jahr an die gleiche
Zahl Personen zur Verteilung, so dass im Durchschnitt gesehen jede Person ihren Lebensstandard verbessern konnte.
Als Folge hiervon stiegen die Einkuenfte von Einzelpersonen und
Familien im Laufe der letzten 15 Jahre weitaus schneller als die Preise
und setzte sie somit in die Lage, mehr Gueter und Dienstleistungen erwerben zu koennen und ihre materiellen Beduerfnisse in staerkerem Masse
als bisher zu befriedigen. Alle in den Hauptwirtschaftssektoren Taetigen
- Lohnempfaenger, Farmer und Geschaeftsleute - hatten an diesem wirtschaftlichen Fortschritt teil. Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen
in Puerto Rico ist heute hoeher als in den meisten suedamerikanischen
Laendern, obgleich es bei weitem noch nicht das Pro-Kopf-Einkommen der
am niedrigsten liegenden nordamerikanischen Festlandstaaten erreicht hat.
Hoeheres Familieneinkommen. Das Durchschnittseinkommen einer Arbeitnehmerfamilie in Puerto Rico stieg von 360 Dollar im Jahre 1941 auf
1081 Dollar im Jahre 1952 und auf 1180 Dollar im Jahre 1953x^• Das gestiegene Einkommen machte sich jedoch nicht ausschliesslich in Form einer
hoeheren Kaufkraft bemerkbar. Um einen 80,3prozentigen Anstieg der Lebenshaltungskosten zwischen 1941 und 1953 auszugleichen, haette die
durchschnittliche Arbeitnehmerfamilie ihr Einkommen von 36O Dollar auf
649 Dollar steigern muessen, um ihre Kaufkraft aufrechtzuerhalten.
Die Differenz zwischen diesem Ausgleichspunkt und dem tatsaechlichen
Durchschnitt des Jahres 1953 in Hoehe von 1180 Dollar stellt die Verbesserung des Realeinkommens dar. Diese Erhoehung betrug im Laufe des
12jaehrigen Zeitraums 82$. Auf Jahresbasis umgerechnet, belief sich die
Erhoehung des Realeinkommens auf etwas ueber 5$ pro Jahr. Angefangen
mit jedem beliebigen Jahr würde diese Wachstumsrate das Einkommen im
Laufe von 8 Jahren um 50$ erhoehen und es in ungefaehr 14 Jahren verdoppeln - ein bemerkenswert rascher Fortschritt.

Einschliesslich unregelmaessiger finanzieller Einkuenfte wie beispielsweise Erbschaften oder des Geldwerts von Nahrungsmitteln, die fuer
den eigenen Bedarf produziert wurden. Die Unterlagen fuer 1941 wurden der Publikation "Einkuenfte und Ausgaben der Lohnempfaenger in
Puerto Rico" des puertoricanischen Arbeitsministeriums entnommen;
die Zahlen fuer 195^ und 53 entstammen Einkommens- und Ausgabeuebersichten des puertoricanischen Arbeitsministeriums, Buero fuer Arbeitsstatistik.

- 7-

�Im Laufe der 12 Jahre von 1941 bis 1953 stieg der Prozentsatz der
Arbeitnehmerfamilien mit einem Jahreseinkommen von 1000 Dollar und
darueber von 2,9 auf 52,2 und derjenige der Arbeitnehmerfamilien mit
einem Einkommen unter 500 Dollar .verringerte sich von 80,9 auf 6,9«
Verwendung des Familieneinkommens. Das gestiegene Familieneinkommen hatte eine Verschiebung der Ausgabenstruktur zur Folge. Im Jahre
1952 (Zahlenmaterial ueber Ausgaben im Jahre 1953 ist noch nicht verfuegbar) gaben die Arbeitnehmerfamilien einen verhaeltnismaessig geringeren Teil ihres Einkommens fuer Nahrungsmittel und verhaeltnismaessig
mehr fuer Kleidung und Haushaltsgegenstaende (Moebel usw.) aus als im
Jahre 1941, wie sich aus der folgenden Tabelle ergibt«
Prozentsatz der Ausgabenverteilung
1952

1941

100,0

100,0

51,5

58,0

Miete

9,3

10,2

Einrichtungsgegenstaende

5,9

2,4

13,0

8,3

2,2

5,1

18,1

16,0

Gesamtauslagen
Nahrungsmittel

..

(einschl. alkoholischer Getraenke)

Bekleidung
Aerztl. Behandlung
Sonstiges

Obgleich der Einkommensanteil, der fuer Nahrungsmittel aufgewendet
wurde, zurueckging, ermoeglichte es die Einkommenssteigerung den Arbeitnehmerfamilien, mehr und bessere Nahrungsmittel zu kaufen und trotzdem noch genuegend Geld uebrig zu behalten, um sonstige Waren kaufen zu
koennen. Die Auslagen fuer aerztliche Betreuung sanken von 5,1 auf 2,2$,
und zwar auf Grund der erweiterten medizinischen und Gesundheitseinrichtungen in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg. Die Durchschnittsarbeitnehmerfamilie kaufte im Jahre 1952 2,7 mal so viel Textilien und 4,2 mal so viel
Moebel wie im Jahre 1941. Diese Aenderungen im Ausgabenschema zeigen deutlich, dass eine Besserung des Lebensstandards eingetreten ist.
Gestiegenes Pro-Kopf-Einkommen. In den vergangenen Jahren konnten
alle wichtigen Sektoren Puerto Ricos bedeutende Gewinne verzeichnen.
An Hand der vom Planungsausschuss Puerto Ricos zusammengestellten Zahlen stieg das Pro-Kopf-Einkommen von 233 Dollar im Jahr 1943/44 auf 431
Dollar im Jahr 1953/54» Waehrend des 10jaehrigen Zeitraums stiegen die
Lebenshaltungskosten um 37,7$; hieraus resultierte eine etwa 34prozentige
Erhoehung des Realeinkommens, das sind 3,1$ pro Jahr im Vergleich zu einer
85prozentigen Erhoehung des Geldeinkommens.
Diese Zahlen weisen darauf hin, dass sich das Einkommen der Arbeitnehmerfamilien (mit einer etwa 5Pr°zentigen Erhoehung des jaehrlichen
Realeinkommens zwischen 1941 und 1953) in etwas schnellerem Masse erhoehte als das Pro-Kopf-Einkommen fuer die Insel als Ganzes. Zwischen
1943 und 1944 und 1953 bis 1954 ergab sich jedoch keine wesentliche Aenderung der Verteilung des Einkommensschemas. Weder die Loehne noch die
Gewinne stiegen auf Kosten des anderen. Die Verguetung der Arbeitnehmer
stieg von 61,2 auf"62,6$ des Gesamteinkommens 5 der Anteil der Nettogeschaeftsgewinne stieg von 30,9 auf 32,6$; die Nettozinsertraege gingen
von 1,9 auf 0,8$ zurueck und das Renteneinkommen sank von 5,6 auf 4,0$.
Von 1939 bis 1949 war die Wachstumsrate des Pro-Kopf-Einkommens in
- 8 -

�Puerto Rico groesaer als in jedem uebrigen Land der westlichen Hemisphaere, fuer das Vergleichszahlen vorhanden sind. In konstanten Preisen gemessen, stieg das pro-Kopf-Einkommen von Puerto Rico waehrend dieses 10jaehrigen Zeitraums um 67$ im Vergleich zu 23$ in Kuba, 37$ in
den kontinentalen Vereinigten Staaten, 48$ in Kanada und 52$ in Mexiko.
Vergleich mit suedamerikanischen Laendern. Obwohl die juengsten in
Puerto Rico erreichten wirtschaftlichen Verbesserungen ausserordentlich
bemerkenswert waren, liegt das Durchschnittseinkommen und der durchschnittliche Lebensstandard doch noch immer erheblich unter demjenigen des
Festlandes. Im Jahre 1952 war das Pro-Kopf-Einkommen in Mississippi mit
826 Dollar (das niedrigste der Vereinigten Staaten) noch immer zweimal
so hoch wie das in Puerto Rico.
Im Vergleich zu den suedamerikanischen Laendern geht es Puerto Rico
jedoch ausgezeichnet. Im Jahre 1952 betrug das Bruttosozialprodukt pro
Kopf (das stets groesser ist als die im Durchschnitt an Einzelpersonen
geleisteten Einkommenszahlungen) 469 Dollar. Dies war hoeher als das
jedes suedamerikanischen Landes mit Ausnahme von Argentinien.

Argentinien

Pro Kopf
Pro Kopf
BruttosozialBruttosozialprodukt
produkt
(Preise d.Jhs.1952)
(Preise d.Jhs.1952)
Dollar
Dollar
Dominik. Republik
189
688
Guatemala

182

Nicaragua

168

Kuba

469
457
454

El Salvador

167

Panama

382

Paraguay

166

Uruguay

382

Honduras

134

Chile

335

Peru

118

Brasilien ..

278

Bolivien

109

Kolumbien ..

231

Ecuador

93

Costa Rica .

203

Haiti

Mexiko

199

Puerto Rico
Venezuela

..

62

Quellet Bericht ueber die wirtschaftliche Lage in Suedamerika,
Foreign Operations Administration, Office of Research, Statistics
and Reports, August 54, Tabelle 1.
Quellet "Monthly Labor Review ",
Dec 55, Vol. 78 No. 12

24 und 32 Stunden Arbeitszeit in Rotchina
Kommunistisches Magazin kritisiert Arbeitspraktiken in der Industrie
Ohne in den meisten Faellen eine Verguetung dafuer zu bekommen,
muessen die Industriearbeiter in Rotchina haeufig 24 und 32 Stunden
arbeiten. Dies geht aus dem rotchinesischen Magazin "Lao Tung" (Werktaetige) hervor, das sich in einem Artikel in einer der letzten Ausgaben
mit den Arbeitsverhaeltnissen und den Praktiken in der Industrie

- 9-

�auseinandersetzt. Wie das Magazin betont, "ist es allgemein an der
Tagesordnung, dass die Arbeiter zur Ableistung von Sonderschichten und
Ueberstunden angehalten" werden. Durch "diese Praktiken aber entstehen
dem "Staat", wie e8 weiter heisst, "grosse wirtschaftliche Verluste".
Desgleichen haetten sie einen "schlechten politischen Einfluss" im Gefolge und fuehrten haeufig zu schweren Unfaellen.
Der Artikel fuehrt dann weiter aus, dass die Arbeiter oft keine
Ueberstundenbezahlung erhielten und die abgeleistete Arbeitszeit als
"freiwillige Sonderschicht", "im voraus geleistete Arbeitszeit", "Nachholung verlorengegangener Arbeitszeit" und so weiter verbucht wuerde.
Der Artikel fuehrt dann einige konkrete Beispiele aus Industriebetrieben der Provinz Lianoningh an« "In der Pressluftwerkzeugfabrik in
Schenjang (Hukden) mussten Arbeiter, die auf Aushilfsposten beschaeftigt
wurden, fuenf -Tage und fuenf Naechte an ihren Arbeitsplaetzen bleiben;
in einem anderen extremen Fall wurden krank geschriebene Arbeiter zurueckgeholt und 32 Stunden ununterbrochen beschaeftigt. In Betriebsversammlungen wurde dann der "lobenswerte Geist" dieser Arbeiter, die an
ihrem Arbeitsplatz fuer zwei Tage und zwei Naechte geblieben waren, von
den Funktionaeren der "Brigaden" oeffentlich gefeiert."
"In dem Anschan-Stahlwalzwerk wurde der Gruppenleiter Chou Schou-Wen,
nachdem er bereits einen ganzen Tag anstrengend gearbeitet hatte, aufgefordert, noch weitere Ueberstunden in der Nachtschicht zu machen. Er
war aber bereits so erschoepft, dass er waehrend der Arbeit ausglitt und
mit einem Starkstromkabel in Beruehrung kam. Er wurde getoetet. Aehnlich
war es auch in der Werkzeugmaschinenfabrik in Schenjang, wo viele Arbeiter, die einen Tag und eine Nacht im Betrieb geblieben waren, bewusstlos umfielen, als sie sich damit abmuehten, schwere Lasten zu bewegen."
"In einem Werk in Huang-sche wurden die Arbeiter 24 Stunden lang
beschaeftigt. Wegen Uebermuedung waren sie dabei nicht mehr in der Lage,
sich voll auf ihre Arbeit zu konzentrieren, so dass in einer Nacht zwei
elektrische Bohrmaschinen und vier Beisszangen zu Bruch gingen."
Hinsichtlich der Nichtbezahlung von Ueberstunden heisst es dann in
dem Artikel des "Lao Tung" woertlich: "In der Maschinenreparaturwerkstatt des Tsai-tun-Bergwerkes in Panschi mussten die Arbeiter innerhalb
von sieben Monaten Ueberstunden in Hoehe von 2000 zusaetzlichen Arbeitstagen ableisten; anstelle von Bezahlung erfolgte hier die Verbuchung der
abgeleisteten Arbeitszeit als "Gutschrift fuer Urlaubstage". In der NEAbteilung der Dairen-Chemiemaschinenfabrik wurden die Ueberstunden als
"im voraus abgeleistete Arbeitszeit" eingetragen und auf der FuschunZeche des Lung Feng-Bergwerkes war es an der Tagesordnung, dass die Kumpels solange unter Tage bleiben mussten, bis sie ihr Tagessoll erfuellt
hatten. Die so entstandenen Ueberstunden wurden als "Ausgleich fuer
verlorengegangene Arbeitsstunden" verbucht.
In der NE-Metall-Verarbeitungsanlage der Fahrradfabrik in Schenjang
wurden die Arbeiter gezwungen, Ueberstunden "als freiwilligen Beitrag
der Gewerkschaften" oder als "Hilfe der Produktionsfront" abzuleisten.
Trotz dieses kritischen Artikels aber setzen die anderen Publikationen, wie die hauptamtliche kommunistische Parteizeitung "Jen Min Jih Pao"
und das offizielle Gewerkschaftsorgan ihre Bemuehungen taeglich fort,
die Arbeiter Rotchinas "zu neuen Anstrengungen" aufzurufen, damit der
erste Fuenfjahresplan "vorzeitig erfuellt wird".
Aehnlich ist auch der Tenor des Senders Peking, der am 28. Februar
1956 folgenden Aufruf verbreitetet "Das Zentralkomitee der Partei hat
uns aufgerufen, mehr zu produzieren und unsere Arbeit schneller, besser
und wirtschaftlicher zu tun.... Die allchinesische Gewerkschaft hat sich
- 10 -

�entschlossen, alle Arbeiter des Landes zu mobilisieren, damit sie dem
Ruf der Partei begeistert nachkommen und der erste Fuenfjahresplan vor
Ablauf der Zeit erfuellt werden kann und die Schaffenden diese Aktion
als ein Geschenk fuer den 8. National-Kongress der Kommunistischen Partei
Chinas betrachten."
Quellei Eigenbericht

"Westinghouse"-Streik nach 156 Tagen beigelegt
Nach einer Gesamtdauer von 156 Tagen konnte der Streik in den
dreissig Betrieben der "Westinghouse Corporation", an dem 45 000 Arbeiter
beteiligt waren, endgueltig durch einen Kompromiss zwischen der "Allamerikanischen Elektriker-Gewerkschaft" (AFL-CIO) und dem Unternehmen
beigelegt werden. Damit wurde der laengste Streik in den Vereinigten Staaten waehrend der vergangenen 20 Jahre beendet, nachdem der 75koepfige
Verhandlungsausschuss der Gewerkschaft mit grosser Mehrheit .dem Schlichtungsvorschlag zustimmte und den Vertrag in Gegenwart des Direktors der
staatlichen Schlichtungsbehoerde, Joseph F. Finnegan, und den Vertretern
des Unternehmens unterzeichnete.
Im Grunde wurde jetzt von den beiden Sozialpartnern der gleiche Vorschlag angenommen, den der Schlichtungsausschuss bereits vor zwei Wochen
unterbreitete, der aber seinerzeit von der Gewerkschaft abgelehnt worden
war.
Die zwei wichtigsten Punkte des ersten Schlichtervorschlags, die die
Ablehnung des Vermittlungsvorschlages durch die Gewerkschaften bewirkten,
war die Frage der Wiedereinstellung von 93 Arbeitern, die waehrend des
Streiks wegen Gewaltanwendung als Streikposten entlassen worden waren
sowie der Einbau einer Sicherheitsklausel in den Tarifvertrag, durch die
eine Umstellung von Praemienlohnarbeitern auf Stundenlohntarife verhindert werden soll.
In dem ersten Vermittlungsvorschlag hatte der Schlichtungsausschuss
die sofortige Wiedereinstellung von 57 Arbeitern vorgeschlagen, waehrend
36 andere Faelle einem Schiedsspruch unterworfen werden sollten. Die Gewerkschaft sah aber in dieser Loesung eine Verurteilung der betreffenden
Arbeiter.
Nach dem erzielten Kompromiss erhalten nun die 36 Arbeiter den Status "Beurlaubung auf unbestimmte Zeit, anstelle von "entlassen". Desgleichen sollen diese Faelle auf Betriebsebene entschieden werden.
Zu dem zweiten strittigen Punkt kam folgender Kompromiss zustande.
In dem neuen Tarifvertrag werden Bestimmungen aufgenommen, die der Gewerkschaft ein Hitspracherecht bei Arbeitsplatzumstellungen beziehungsweise .Neubewertungen geben. Desgleichen wurde die Anzahl derjenigen Arbeiter beschraenkt, auf die neue Produktionsstandards Anwendung finden
koennen.
Der neue Tarifvertrag, der rueckwirkend ab 15. Oktober vorigen
Jahres in Kraft tritt, sieht auch die Wiederaufnahme von TarifVerhandlungen im Jahre 1958 vor, wenn die Gewerkschaft um solche zusaetzlichen Arbeitslosen-VersiCherungsleistungen nachsuchen sollte, wie sie den Arbeitern der Autoindustrie im vergangenen Sommer gewaehrt wurden.
Ausserdem sieht der neue Fuenfjahres-Kontrakt jaehrliche Erhoehungen
- 11 -

�tder Stundenlohnsaetze fuer Facharbeiter zwischen fuenf und zwoelf Cent
vor sowie zusaetzliche Pensions- und Versicherungsleistungen. Nach Ansicht der Gesellschaft duerfte die Lohnerhoehung waehrend der fuenf Jahre im Durchschnitt 24 Cent betragen. Der bisherige Durchschnitts-Stundenlohn betrug 2,10 Dollar.
Der Vorsitzende der Gewerkschaft, James B. Carey, bezeichnete den
fuenf Monate dauernden Streik eine geschichtemachende Demonstration gewerkschaftlicher Solidaritaet und gewerkschaftlicher Entschlossenheit.
Durch die Aenderungen, so betonte er weiter, sollte unter anderem eine
neue und feste Basis fuer freundschaftliche und erfolgreiche Beziehungen
zwischen den Sozialpartnern geschaffen worden sein.
Der Vizepresident der "Westinghouse Company", Robert D. Blasier,
erklaerte zur Beilegung des Streiks unter anderemi "Wir hoffen und glauben, dass durch dieses Abkommen eine lange Periode des Arbeitsfriedens
gesichert ist...."
Nach Angaben des Unternehmens betrug der durch den Streik bedingte
Lohnausfall rund 90 Millionen Dollar. Die Umsatzverluste werden dagegen
auf 250 bis 300 Millionen Dollar beziffert.
Quelle« Eigenbericht

i

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werben.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 9

Hehlern, den 27- April 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Wohin steuert die grosse neue
US-Gewerkschaftsorganisation

Seite

1

Die Lohnlawine in den USA seit 194O

Seite

7

Mexikanische Gewerkschaften in der
antikommunistischen Front

Seite 11

John Herling:
Wohin steuert die grosse neue US-Gewerkschaftsorganisation? (Schluss)
Die neue Geweri:schaf tsorganisation besteht im wesentlichen aus
drei Spitzengremien:
1. Der Bundesausschuss, der aus den 6 Vizevorsitzenden sowie den
Herren Meany und Schnitzler besteht. 3 der Vizevorsitzenden kommen
von der AFL, 3 vom CIO, das Dreigespann aus der AFL besteht aus dem
67jaehrigen Vizepresidenten Matthew Woll, der seit langen Jahren einer
der fuehrenden politischen Koepfe der AFL war, Harry Bates, dem Presidenten der allamerikanischen Gewerkschaft der Maurer, Bauarbeiter und
Stukkateure, und George Harrison, dem Vorsitzenden der amerikanischen
Gewerkschaft der Angestellten im Transportgewerbe, der mit zu den besonnensten Gewerkschaftsfuehrern gehoert und ueber hervorragendes politisches Fingerspitzengefuehl verfuegt. Bei den Vertretern des CIO im
Bundesausschuss handelt es sich um Walther P. Reuther, den Vorsitzenden
der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft, James B. Carey, den Vorsitzenden der Gewerkschaft der Elektro-, Radio- und Maschinenmechaniker,
und David J. McDonald, den Vorsitzenden der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft.
2. Der Bundesvorstand besteht aus 27 Vizepresidenten (und den beiden Spitzenfunktionaeren). Er tritt jaehrlich mindestens dreimal zusammen. Die Mitgliederzahl dieses Gremiums verteilt sich auf AFL und CIO
im Verhaeltnis zu deren Gesamtmitgliederzahl zur Zeit des Zusammenschlusses.
Da 10 Millionen AFL-Mitgliedern 5 Millionen CIO-Mitglieder gegenueber-

�}
)

standen, betraegt das Verhaeltnis demnach zwei zu eins.
3. Der Vollzugsausschuss besteht aus den Mitgliedern des Bundesvorstandes und den Praesidenten aller angeschlossenen amerikanischen
und allamerikanischen Gewerkschaften und tagt einmal im.Jahr. In diesem
Zusammenhang sind noch 400 festangestellte Mitarbeiter zu nennen, die
von Washington aus in alle Teile des Landes entsandt werden, um dort
Forschungsaufgaben auszufuehren und organisatorische und gesetzgeberische Fragen zu bearbeiten.
Das sind die Vorschriften, wie sie in den Statuten auf dem Papier
festgelegt worden sind. Ob der neue Verband aber erfolgreiche Arbeit
leisten kann, das wird in hohem Masse von einem anderen Kraeftespiel abhaengen, ueber das jene schriftliche Urkunde nichts enthaelt.
Einige der kleineren Gewerkschaften sehen den neuen Mammutverband
nicht ohne Besorgnis. Sie sind sich schmerzvoll der Tatsache bewusst,
dass die 6 groessten Gewerkschaften eine groessere Gesamtmitgliedschaft
haben als 100 der kleineren Gewerkschaften zusammengenommen, und dass
es gerade die machtvollen Gewerkschaften sind, die, von kleineren Ausnahmen abgesehen, die Spitzenfunktionaere des neuen Verbandes stellen,
genau wie das schon innerhalb der AFL und des CIO der Fall war.
Woodruff Randolph, der Vorsitzende der allamerikanischen Buchdruckergewerkschaft (100 000 Mitglieder), hat dem Standpunkt der in der Minderheit befindlichen kleineren Gewerkschaft kuerzlich Ausdruck verliehen,
als er auf die Befuerchtungen hinwies, dass die neuen Statuten die Rechte
und die Handlungsfreiheit seiner Gewerkschaft, die zu den aeltesten des
Landes gehoert, bedrohe.
"Es gibt ein altes chinesisches Sprichwort", sagte Randolph, "dass
die grossen Fische die kleinen fressen und dass den kleinen Fischen nur
der Schlamm verbleibt. Wir wollen alles daransetzen, dass innerhalb der
Gewerkschaftsbewegung nicht das gleiche passiert."
George Q. Lynch, der Vorsitzende des Verbandes der Modelltischler,
einer alten Facharbeitergewerkschaft, deren 14 000 Mitglieder eine
Schlüsselstellung im amerikanischen Wirtschaftsleben einnehmen, bezeichnete gleichfalls die "ueblichen Allgemeinplaetze und Schlagworte ueber
die guten Seiten der Einigkeit und der Staerke, die aus der Groesse und
den gemeinsam ausgerichteten Bemuehungen erwachsen", als dummes Geschwaetz.
"Es gibt keine guten oder schlechten Seiten an einer grossen Gewerkschaftsbewegung, die nicht auch jedem grossen Unternehmen, jeder grossen
erzieherischen Institution, jeder grossen politischen Partei und jeder
grossen Sekte anhaften," fuehrte Lynch weiter aus. "Mit ;'er Groesse geht
eine Konzentration der Macht Hand in Hand und mit der Macht kommt auch
der Missbrauch; zu dieser Regel gibt es keine Ausnahme."
Schon vor dem Zusammenschluss hatte Lynch darauf hingewiesen, dass
die Gewerkschaften "mit oder ohne Zusammenschluss" unbedingt eine von
anstaendigen Gesichtspunkten bestimmte Opposition brauchen. "In den
letzten 20 Jahren gab es in keiner einzigen Frage eine wirkliche Diskussion und keine einzige ernste Auseinandersetzung um die Besetzung
eines wichtigen Postens. Das ist genauso schlecht fuer einen Gewerkschaftsverband wie es fuer den US-Kongress oder das britische Parlament schlecht
waere."
Es ist ja auch so, dass kaum einer glaubt, die neue Organisation
werde ein ruhiges Leben fuehren. Dazu ist ihr Interessen- und Taetigkeitsbereich viel zu weit gesteckt und dazu ist sie sich auch viel zu sehr
ihrer Verantwortung und, wie sie glaubt, ihrer grossen Entwicklungsmoeglichkeiten sowohl auf organisatorischem als auch politischem Gebiet
- 2 -

�bewusst. Allen voran ist der neue Verband bemueht, die bisher nichtbrganisierten Arbeiter in die Gewerkschaften zu ziehen, und zwar in einer
Art und Weiset die, wie man hofft, an die Hochzeiten der dreissiger Jahre erinnern wird, als CIO und AFL im guenstigen Klima des New Deal eine
Bluetezeit erlebten. Das Ziel, das man sich auf dem Kongress gesetzt hat,
bei dem der Zusammenschluss vollzogen wurde, heisstt Verdoppelung der
Mitgliederzahl auf JO Millionen. Gerade in diesem Zusammenhang hoffen die
dem CIO angeschlossenen Gewerkschaften eine besondere Rolle zu spielen.
Der Direktor fuer organisatorische Fragen, John W. Livingston, der vormals Vizevorsitzender der Vereinigten Gewerkschaft der Arbeiter in der
Automobil-, Flugzeug- und Landwirtschaftsmaschinenindustrie war, plant
den hierfuer noetigen Mitarbeiterstab aufzubauen und die notwendigen Geldmittel aufzutreiben.
Welche Industrien dabei in erster Linie erfasst werden sollen, wurde
klar zum Ausdruck gebracht. Reuther fuehrte sie auf dem Kongress an:
"Nehmen wir mal die chemische Industrie", so sagte er, "wir werden
zu DuPont gehen und ihm wie General Motors und anderen grossen Firmen
erklaeren« 'Jetzt gehts bei Ihnen los, wir werden die Arbeiterschaft
in Ihren Betrieben organisieren'". Gegenwaertig sind nur 200 000 von
600 000 Chemiearbeitern Gewerkschaftsmitglieder.
Die Textilindustrie. Die Mitgliederwerbung wird sich hier groesstenteils auf den Sueden konzentrieren, da eine ganze Reihe von Firmen ihren
Betrieb nach den Suedstaaten verlegt haben, um sich die dort gezahlten
geringeren Loehne zunutze zu machen. Die kombinierte gegenwaertige Mitgliederzahl der Textilarbeitergewerkschaften innerhalb des CIO und der
AFL belaeuft sich auf 382 000.
Das Baugewerbe. "Schauen Sie sich einmal in Amerika um," erklaerte
Reuther "und Sie werden sehen, wie viele Bauten von Arbeitern errichtet
werden, die nicht innerhalb der Gewerkschaft stehen."
Die Angestelltenberufe. Nur rund 200 000 von insgesamt 7»5 bi 3 8
Millionen ^ueroangestellten, und nur 500 000 von 8 Millionen Verkaeufern
sind gewerkschaftlich organisiert.
Einzelstaatliche und kommunale Verwaltung. Auf dem Kongress, der
den Zusammenschluss brachte, haben sich die Gewerkschaften verpflichtet,
auf eine Beseitigung derjenigen Gesetzesbestimmungen und Hindernisse hinzuarbeiten, die bisher eine gewerkschaftliche Organisation der Beschaeftigten im oeffentlichen Dienst unmoeglich gemacht haben.
Wie stellt sich die AFL-CIO nun ihre Mitgliederwerbung vor? Reuther
weist mit Nachdruck auf die Notwendigkeit eines gemeinsamen Vorgehens
hin«
"Sollen wir einen Werbefeldzug veranstalten, bei dem 36 Facharbeitergewerkschaf ten ihre Flugzettel verteilen, waehrend die Industriegewerkschaften am Fabriktor ihrerseits um Mitglieder werben? Nein, kann ich
nur sagen. Wenn wir schon eine einheitliche Gewerkschaftsbewegung haben,
dann muessen wir auch diese grundlegenden Probleme gemeinsam angehen."
Mehr als je zuvor wird sich das Augenmerk der Gewerkschaften auf die
Suedstaaten richten, jenes Gebiet, in dem die Industrialisierung am
raschesten voranschreitet. Der Prozentsatz der organisierten Arbeiter
ist im Sueden geringer als in jedem anderen Teil des Landes: nur jeder
sechste Arbeiter steht dort innerhalb der Gewerkschaftsbewegung. Daran
liess sich nicht ruetteln, solange die Industrie mehr oder weniger auf
den Norden und Westen des Landes beschraenkt war. Heute, da mehr und
mehr Betriebe im Sueden entstehen, moechte der neue Gewerkschaftsverband
das Schwergewicht seiner Arbeit gerade in dieses Gebiet verlegen.

- 3-

�Natuerlich bebchraenkt sich das Problem, die nicht gewerkschaftlich
organisierten Arbeiter fuer die Mitarbeit in den Gewerkschaften zu gewinnen, nicht auf ein bestimmtes Gebiet. Im Landesdurchschnitt sind nach
den jueng.-ten Feststellungen des US-Amtes fuer Arbeitsstatistik nur rund
35^ der Gesamtzahl der Maenner und Frauen, die in nichtlandwirtschaftlichen Berufen taetig sind, Gewerkschaftsmitglieder.
Die Werbung jener Arbeiter, die heute noch abseits stehen, wird viel
Geld verschlingen. Doch schon am Anfang sieht sich die Hauptkasse des
neuen Dachverbandes, was die Mittel fuer organisatorische Zwecke angeht,
vor einem grossen Manko.
Auf Grund der neuen Statuten erhaelt die Hauptkasse der AFL-CIO von
den angeschlossenen Gewerkschaften 4 Cent pro Mitglied und Monat. Wenn
man der Berechnung eine Gesamtmitgliederzahl von 15 Millionen zugrunde
legt, so gibt das eine Gesamteinnahme von jaehrlich rund 7»5 Millionen
Dollar. Dieser Betrag ist geringer als die Summe der bisherigen Einnahmen
der AFL und des CIO vor dem Zusammenschluss. Dies erklaert sich daraus,
dass der CIO frueher 10 Cent pro Mitglied erhob, waehrend die Umlage bei
der AFL 4 Cent betrug. So konnte der CIO, obwohl er nur halb so viel Mitglieder wie die AFL zaehlte, ein um 5Cfi hoeheres Einkommen verbuchen als
die AFL. Das Jahreseinkommen der beiden Geweikschaftsverbaende betrug
frueher zusammengerechnet 10,3 Millionen Dollar, also 3 Millionen mehr
als dem neuen Verband im ersten Jahr seines Bestehens zur Verfuegung stehen werden.
Somit muessen die Kassen der grossen Gewerkschaften zusaetzliche
Mittel fuer die Mitgliederwerbung bereitstellen. Die Mitgliedergewerkschaften des CIO haben bereits angekuendigt, dass sie 4 Millionen Dollar fuer
Mitgliederwerbung bereitstellen werden. Reuther beschwoert zur Zeit auch
die anderen Gewerkschaften wit seinen Forderungen, groessere Betraege
herauszuruecken, "damit wir eine grossangelegte Kampagne zur Mitgliederwerbung starten koennen."
"Die Geschichte zeigt, dass grosse Bewegungen sich nicht ohne weiteres auf der erreichten Hoehe halten koennen," argumentiert Reuther.
"Solche Bewegungen setzen, wenn sie erst einmal ihren Anfang genommen
haben, grosse emotionelle Kraefte frei. Sie bringen auch grosse dynamische Kraefte in Bewegung. Sie zeigen die Tendenz der Aufloesung von innen
her. Es gilt deshalb immer neue Wege zu finden, diese Kraefte aus sich
selbst heraus zu erneuern, um so eine neue Taetigkeitsgrundlage zu schaffen, neue Begeisterung zu entfachen und den geistigen Impetus zu erhalten,
auf dem eingeschlagenen Weg voranzuschreiten."
In oem neuen, durch den Zusammenschluss entstandenen Gewerkschaftsverband sieht Reuther den Ansatzpunkt, die amerikanische Gewerkschaftsbewegung auf eine noch breitere Grundlage zu stellen. Sind auch die anderen Spitzenfunktionaere seiner Auffassung? David J. McDonald, der Vorsitzende der V.reinigten Stahlarbeitergewerkschaft verweist stolz auf
die Vergangenheit, als seine Gewerkschaft unter der Fuehrung des verstorbenen Philip Murray vielen anderen Gewerkschaften innerhalb des CIO
geholfen hat, sich auf eigene Fuesse zu stellen und von da an ihren Weg
allein zu gehen. (Dabei darf man aber nie vergessen, dass die Geldmittel,
mit deren Hilfe die CIO-Aktion angekurbelt wurde, in erster Linie von
der Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft
unter John L. Lewis aufgebracht
wurden.) Die Frage lautet daher: Wird die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft heute das gleiche tun? Und wieviele der alten AFL-G;werkschaften
werden ihrerseits Gelder fuer einen geneinsamen Fonds zur Kitgliederwerbung bereitstellen?
Hier steht der neue Vorsitzende des GesamtgewerKschaftsverbandes,
George Meany, vor einer grossen Bewaehrunjsprobe. Gerade die Ausweitung
- 4 -

�der Organisation wird den Beweis dafuer liefern koennen, dass die Koeche,
die den Pudding des Zusammenschlusses gekocht haben, ihre Sache gut gemacht haben. Werden den Worten die Taten folgen? Die tiefgreifenden Auseinandersetzungen um Fragen der Zustaendigkeit, die waehrend der gesamten
Geschichte der AFL niemals voellig aufgehoert haben und die einstmals den
Konflikt ausloesten, der zur Spaltung der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung und Gruendung des CIO fuehrte, koennen in anderer Form von heute
auf morgen wieder ausbrechen.
Die neuen Statuten garantieren jeder allamerikanischen Gewerkschaft,
die durch den Zusammenschluss Teil der AFL-CIO wird, dass sie in ihren
Rechten und in der Organisationsfreiheit nicht beeintraechtigt wird.
Trotz der Warnungen vor einem moeglichen "Kannibalismus", die John L.
Lewis ausgesprochen hat, wird jeder einzelnen Gewerkschaft ausdruecklich
die Zusicherung gegeben, dass sie ihren Hitgliederstand wahren kann.
Sofern sich die Taetigkeitsbereiche zweier Gewerkschaften ueberschneiden,
wird ihnen ein Zusammenschluss nahegelegt. So im Falle der beiden Gewerkschaften in der Textilindustrie, von denen die eine dem CIO, die andere
der AFL angehoert. Das gleiche gilt fuer die drei Gewerkschaften der Papierindustrie, von denen zwei der AFL und eine dem CIO angeschlossen sind,
und auch fuer die beiden Gewerkschaften der Chemiearbeiter, deren eine dem
CIO und deren andere der AFL angehoert. Natuerlich muessen sie sich nicht
zu einem einzigen Verband zusammenschliessen, "freiwillig" soll dies geschehen, wie man allenthalben spricht.
Die Karten werden wohl erst dann auf den Tisch gelegt, wenn man an
zwei miteinander rivalisierende Gewerkschaften das Ansinnen stellt, gemeinsam die Arbeiterschaft eines Industriezweiges zu organisieren. Welche
Gewerkschaft soll nun wieviel neue Mitglieder erhalten? Lokalpatriotismus
und Prestige sind wichtige Begriffe, in den Gewerkschaften ebenso wie in
jedem Betrieb und Gewerbe - das gilt selbst fuers Theater. So bemerkte
vor Jahren einmal Samuel Gompers, der Gruender der AFL, bei einem Festessen, dass sein Freund Guilio Gatti-Casazza, der Direktor der New Yorker
Metropolitan-Oper, ganz in Gedanken versunken vor sich hinbruetete.
"Was ist denn los, Gatti?" fragte Gompers. - "Ach, ich habe Scherereien ueber Scherereien, meine Primadonnen liegen sich gegenseitig in den
Haaren" - "Wieviel Primadonnen hast du denn?" - "Acht", sagte Gatti "Nur acht?" bemerkte Gompers - "Hast du es leicht. Jeder Praesident einer
allamerikanischen Gewerkschaft ist eine Primadonna von eigenen Gnaden und
davon habe ich ein rundes Hundert innerhalb der AFL".
In der neuen AFL-CIO gibt es mindestens 141 solcher Praesidenten,
und es ist Meanys - und des Bundesvorstandes - Aufgabe, eine Atmosphaere
des gegenseitigen Vertrauens unter oftmals wahrlich sehr unguenstigen
Voraussetzungen zu schaffen. Da mag beispielsweise der Vorsitzende der
Stahlarbeitergewerkschaft, David J. McDonald, ein langjaehriger Gegenspieler Walther Reuthers innerhalb des CIO, eines Tages auf den Gedanken
kommen, dass es jetzt nicht mehr noetig sei, aus seinem Herzen eine
Moerdergrube zu machen. Andererseits, und das kann sich sehr positiv auswirken, wird McDonald in allen Dingen Reuther zu uebertreffen suchen.
Das mag dazu fuehren, dass sie sich gegenseitig in ihrer Hilfe fuer den
Feldzug zur Mitgliederwerbung unter der bisher nicht organisierten Arbeiterschaft auszustechen suchen, sei es durch Bereitstellung von groesseren
Geldbetraegen oder mehr Arbeitskraeften. Gegenseitiger Wettstreit ist
oftmals die Triebfeder einer raschen Entwicklung. Solch edler Wettstreit
hat aber wohl noch einige Monate Weile. McDonald wird in Kuerze einen
neuen Kollektivvertrag mit der Stahlindustrie auszuhandeln haben, dann
muss er auf dem naethsten Kongress seiner eigenen Gewerkschaften praesentieren, in der sich eine entschlossene Opposition zu regen beginnt.
Der Vorsitzende der allamerikanischen Transportleutegewerkschaft,
Dave Beck, wird sicherlich mit Nachdruck auf die Tatsache verweisen, dass

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�keine Organisation, die mit 1,25 Millionen Mitgliedern die groesste Gewerkschaft innerhalb der ehemaligen AFL war, etwa 10$ der Mitgliederumlage des neuen Verbandes aufbringt. Nun ist aber inzwischen der Teich
groesser geworden, und so ist Beck heute eben laengst kein so grosser
Frosch mehr wie in den Zeiten der alten AFL. Zwei weitere Gross-Gewerkschaften mit mehr als einer Million Mitgliedern - die Vereinigte Gewerkschaft der Arbeiter in der Automobil-, Flugzeug- und Landwirtschaftsmaschinenindustrie und die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft - werden
es Beck innerhalb der neuen AFL-CIO einigermassen schwierig machen, mit
seinem Gewicht jeden Widerstand zu brechen. Sie haben selbst einiges Gewicht aufzuweisen.
Hinzu kommt noch, dass Beck innerhalb seiner eigenen Gewerkschaften
mit mancherlei Schwierigkeiten zu kaempfen hat. Sie haengen zum Teil mit
der Person des Vizevorsitzenden James R. (Jimmy) Boffa zusammen. Beck
ist bemueht, sich das Vertrauen des Vorsitzenden der AFL-CIO, Meany, zu
erhalten, um so die Versuche Hoffas, seine ohnehin erschuetterte Position weiter zu schwaechen, leichter abwehren zu koennen. Beck muss sich
im Dezember 1956 seiner Gewerkschaft zur Wiederwahl stellen. Er wird
voraussichtlich auch wiedergewaehlt, aber Hoffa laesst ihn doch nie zur
Ruhe kommen.
In Becks Haltung spiegelt sich die Besorgnis der fuehrenden Maenner
in der Tranaportleutegewerkschaft ueber den Zusammenschluss von AFL und
CIO wider. Man fuerchtet, dass der Organisations- und Taetigkeitsbereich
eingeengt werden koennte. Die Transportleute-Gewerkschaft hat sich bisher konsequent nach einer Richtung entwickelt und verzeichnet in ihrer
ganzen Geschichte keinen Rueckgang ihrer Mitgliederzahl. Unmittelbar vor
dem Kongress der vereinigten AFL-CIO hatte sie ein gegenseitiges Hilfsabkommen mit zwei Gewerkschaften getroffen, die aus ihren frueheren Dachorganisationen ausgeschlossen worden warent mit der allamerikanischen Gewerkschaft der Hafenarbeiter, die von der AFL wegen der Duldung verbrecherischer Elemente in ihren Reihen ausgeschlossen worden war, und mit
der GGwerkschaft der Gruben- und Huettenarbeiter, die der CIO als kommunistisch beherrschte Organisation ausgeschlossen hatte. Die beiden Abmachungen loesten einen Sturm der Entruestung unter den anderen Gewerkschaften aus.
Ein weiteres noch schwelendes Problem, vor das sich die neue Organisation gestellt sieht, ist die Bekaempfung von Erpressertum und
Korruption. Die Statuten der AFL-CIO enthalten Vorschriften ueber ein
Verfahren, nach dem derartige Vorkommnisse untersucht werden sollen:
die Einbringung von Klagen, die Durchfuehrung des Verfahrens und die
Ergreifung von Massnahmen zur Abstellung erwiesener Misstaende. Ueber
die Bedeutung gerade dieser Frage sind sich Meany und Reuther voellig
einig. Im Jahre 1953 schloss die AFL unter Meany die vorstehend genannte
allamerikanische Hafenarbeitergewerkschaft aus. Im CIO spielte unter
Reuthers Fuehrung ein Ausschuss fuer moralisches Handeln eine bedeutende
Rolle als warnendes Organ bei irgendwelchen Uebertretungen. Die neue
Organisation hat ein aehnliches Gremium eingerichtet, das "ueber entsprechende Organe im Innern und Machtbefugnisse verfuegt, die es in die
Lage versetzen, die Durchfuehrung seiner Anweisungen zu erzwingen, um so
die Dachorganisation von jedem Makel der Korruption freizuhalten." An
der Spitze dieses Gremiums steht der als sehr tatkraeftig bekannte Vorsitzende der allamerikanischen Maschinistengewerkschaft, Albert J. Hayes.
Es ist sicherlich mit einer grossangelegten Aktion innerhalb der
AFL-CIO zu rechnen, die dem Zweck dienen soll, "die Arbeiterbewegung sauber zu halten". Fuehrende Gewerkschafter weisen darauf hin, dass dies
keine leichte Aufgabe sein wird, und dass das Zustandekommen eines einheitlichen Gewerkschaftsverbandes allein nicht die Gewaehr fuer einen
automatischen Prozess der Selbstreinigung bieten kann. Wer wuesste dies
besser als David Dubinsky, der Vorsitzende der allamerkanischen Gewerkschaft

- 6-

�I

der Damenoberbekleidungaarbeiter. Er hat Jahre hindurch einen hartnaeckigen Kampf gegen verbrecherische Elemente innerhalb der Gewerkschaften gefuehrt. Wie Reuther erblickt er im Kampf gegen das Verbrechertum "einen
Grund fuer staendige Wachsamkeit".
Der Druck von aussen wird den Bemuehungen der neuen Gewerkschaft,
jede Korruption in ihren eigenen Reihen zu unterbinden, zusaetzlichen
Auftrieb verschaffen. Gegenwaertig laeuft bereits in allen Teilen des
Landes eine Ueberpruefung von Stiftungen zur Foerderung der Volksgesundheit und anderer Wohlfahrtseinrichtungen durch Mitglieder des Senats.
Ein Onterausschuss des Senatsausschusses fuer Arbeit und soziale Fragen
mit dem Demokratischen Senator Paul Douglas an der Spitze hat es unternommen, den gesamten Fragenkomplex der Beziehungen zwischen den Sozialpartnern zu untersuchen. Douglas hat um Mitarbeit der fuehrenden Maenner
der Gewerkschaft gebeten und von ihnen die entsprechenden Zusicherungen
erhalten. Die Gewerkschafter sind ueberzeugt, dass sich bestenfalls eine
ganz kleine Zahl von Leuten aus ihren eigenen Reihen der in Rede stehenden Vergehen schuldig gemacht haben; sie wissen aber auch, dass die Gegner
der Gewerkschaften nur allzugern bereit sind, auf Grund solcher Vorkommnisse den Vorwurf der Korruption gegen alle Gewerkschaften zu erheben.
All dies scheint darauf hinzudeuten, dass der Zusammenschluss von
AFL-CIO das Interesse der Gewerkschaftsbewegung an den nationalen Fragen
sowohl auf wirtschaftlichem als auch auf politischem Gebiet nur verstaerken wird. Umgekehrt sind heute die Augen des ganzen Volkes wie noch
nie zuvor auf die Gewerkschaftsbewegung konzentriert, bereit, sich ein
Urteil ueber ihre neue Gestalt zu bilden.
Nach allem, was in den wenigen Wochen, die seit dem Gruendungskongress der neuen AFL-CIO vergangen sind, von den Gewerkschaften und ueber
die Gewerkschaften verlautete, wird sich am Charakter und an der Struktur
der organisierten Arbeiterbewegung kein rascher Wandel vollziehen. In der
Fuehrung wird wohl Einigkeit, nicht aber Konformitaet gegeben sein. Unter
den Gewerkschaftsmitgliedern selbst wird ein Gefuehl fuer die Gemeinsamkeit
der Zielsetzung vorhanden sein, waehrend man sich in der Frage, wie diese
Zielsetzung zu verwirklichen sei, sicherlich nur schwer einig werden duerfte. Mit kurzen Worten, weder der Glueckstraum noch der Alptraum, den manche Kreise von einer voellig einheitlichen Gewerkschaftsbewegung hegen, die
von einigen wenigen Maennern von einem einzigen zentralen Stellwerk aus
gelenkt wird, entspricht einfach nicht den Tatsachen, soweit es sich um
die Gewerkschaftsfuehrer handelt.
Der Zusammenschluss spiegelt jedoch eine weitere Zunahme des Einflusses der Gewerkschaften auf das politische und wirtschaftliche Leben
des Landes wider. Die Fuehrer der Gewerkschaften haben auf dem Kongress,
der den Zusammenschluss besiegelte, zum Ausdruck gebracht, dass sie die
unmittelbare Verantwortung fuer die Lenkung einer der wichtigsten Institutionen Amerikas, deren Taetigkeit sich auf kommunaler Ebene abspielt,
uebernehmen muessen. Ein Gewerkschaftsamt bringt somit wie jedes oeffentliche Amt unweigerlich eine Verpflichtung dem ganzen Volke gegenueber mit
sich.
Quelle:

Aus "Collier's"

Die Lohnlawine in den USA seit 1940
Vor 16 Jahren verdiente der amerikanische Fabrikarbeiter im Durchschnitt 66 Cent pro Stunde. Bergarbeiter erhielten 88 und Textilarbeiter
49 Cent. Heute dagegen betraegt der Durchschnittsstundenlohn fuer
Fabrikarbeiter 1,93 Dollar; Bergarbeiter verdienen 2,68 und Textilarbeiter

7
k

�1,42 Dollar. Die Einkuenfte sind heute also wesentlich hoeher als in der
"guten alten Zeit".
Auch in diesem Jahr werden die amerikanischen Arbeiter genau wie
in jedem anderem Nachkriegsjahr mit einer neuen Lohnerhoehungsrunde
rechnen koennen.
Die Stahlarbeiter, die gegenwaertig im Durchschnitt 2,47 Dollar pro
Stunde verdienen, sind eben dabei, neue Lohnforderungen aufzustellen, die
sie in den kommenden Wochen der Stahlindustrie praesentieren werden, und
in verschiedenen Industriezweigen sind den Arbeitern bereits ab 1. Januar dieses Jahres Lohnerhoehungen zugestanden worden. Sobald die alten
Vertraege abgelaufen sind, wird eine neue Lohnwelle einsetzen.
Hoehere und immer hoehere Lohnaaetze sind in den letzten Jahren zu
einer gewohnten Erscheinung in der amerikanischen Wirtschaft geworden;
und wenn man sich einmal die Lohnstruktur frueherer Jahre anschaut, so
ergeben sich einige wirklich erstaunliche Tatsachen.
Im Jahre 1940, also vor genau 16 Jahren, betrug zum Beispiel der
Durchschnittslohn eines Fabrikarbeiters 66 Cent pro Stunde; heute dagegen ist er nahezu dreimal so hoch, naemlich 1,95 Dollar.
Ein Stahlarbeiter, der augenblicklich 2,47 Dollar pro Stunde verdient, erhielt 1940 84 Cent in der Stunde, also rund ein Drittel seines
heutigen Lohnes. Aber die Stahlarbeiterloehne gehoerten schon seinerzeit
zu den Spitzenloehnen, denn im Vergleich dazu bekam beispielsweise ein
Waeschereiarbeiter damals im Durchschnitt 45 Cent pro Stunde, im Vergleich
zu den 1,02 Dollar, die er heute verdient.
Wie erheblich sich die Loehne in den einzelnen Wirtschaftszweigen
seit 1940 erhoehten, zeigt die folgende Uebersicht»
Loehne

damals
Durchschnittl.
Stundenlohn
1940

und

heute
Durchschnittl
Stundenlohn
heute

Bergarbeiter

88 Cent

2,68 Dollar

Stahlarbeiter

84 Cent

2,47 Dollar

Automobilarbeiter

Cent

2,33 Dollar

Cent

2,28 Dollar

Eisenbahnarbeiter

94
75
75

Cent

1,98 Dollar

Elektroarbeiter

72 Cent

1,95 Dollar

Einzelhandelsangestellte

55
49
45

Cent

1,49 Dollar

Cent

1,42 Dollar

Cent

1,02 Dollar

Bergarbeiter (Erz)

Textilarbeiter
Waeschereiarbeiter

Es gibt aber noch viele andere Beispiele, die in dieser Tabelle nicht
aufgezeigt wurden. Technische landwirtschaftliche Hilfskraefte zum Beispiel
erhielten im Jahre 1940 75 Cent pro Stunde, heute dagegen 2,05 Dollar;
Werftarbeiter, die 1940 einen Stundenlohn in Hoehe von 87 Cent bekamen,
verdienen heute 2,17 Dollar.
Der Stundenlohn fuer Arbeiter der Holzindustrie, der damals 51 Cent
betrug, erhoehte sich inzwischen auf 1,66 Dollar; Arbeiter in Moebeifabriken verzeichneten in der Zeit von 1941 bis heute eine Lohnerhoehung
- 8 -

�von 55 Cent auf 1,64 Dollar.
In der Glasindustrie erhielten die Arbeiter vor 16 Jahren durchschnittlich etwa 75 Cent pro Stunde, heute verdienen sie 1,92 Dollar.
Die Strumpfarbeiter verbesserten sich waehrend dieses Zeitraums von
55 Cent auf 1,50 Dollar pro Stunde, waehrend die Loehne in der Herrenbekleidungsindustrie von 59 Cent auf 1,65 Dollar stiegen.
Wenn diese Lohnerhoehungen in bezug zu den veraenderten Lebenshaltungskosten gebracht werden, sojergibt sich, dass der Durchschnittsarbeiter in diesen 16 Jahren seinen Lebensstandard erheblich verbessern konnte.
Denn obgleich auch die Lebenshaltungskosten waehrend dieses Zeitraums nahezu stetig angestiegen sind, so zogen sie doch weniger stark
an als die Lohnerhoehungen. Der offizielle Index zur Messung der Lebenshaltungskosten zeigt, dass die Lebenshaltungskosten heute knapp doppelt
so hoch liegen wie 1940.
Allerdings ist in diesem Zusammenhang noch zu beruecksichtigen, dass
die Fabrikarbeiter heute jedoch oftmals Einkommensteuer zu zahlen haben,
was im Jahre 1940 nicht der Fall war, so dass die Lohnerhoehungen hierdurch
noch um einiges vermindert werden.
Wenn man aber die Steuerabzuege zusammen mit den veraenderten Lebenshaltungskosten den Lohngewinnen gegenüberstellt, so ergibt sich, dass
der Durchschnittsarbeiter heute noch immer ueber eine Kaufkraft verfuegt,
die eineinhalbmal so gross ist wie vor 16 Jahren.
Mit anderen Worten: mit seinem jetzigen Wochenlohn kann der Arbeiter
im Durchschnitt eineinhalbmal so viel kaufen wie 1940. Er verfuegt heute
zwar ueber nahezu dreimal so viel Bargeld, aber seine Kaufkraft ist nicht
im gleichen Verhaeltnis gestiegen.
Die Aufwaertsspirale der Loehne ist seit 1940 kaum zum Stillstand
gekommen, lediglich das Tempo war gewissen Schwankungen unterworfen.
Ein Blick auf den Trend der Fabrikarbeiterloehne zeigt, was waehrend
dieses Zeitraums geschehen ist, der zwei Kriege und zwei Versuche einer
"Lohnstabilisierung" umfasst.
Im Jahre 1940 erhielt der amerikanische Fabrikarbeiter im Durchschnitt
5 Cent mehr als im Jahre 1939- In darauffolgenden Jahr, als das Verteidigungsprogramm allmaehlich auf volle Touren kam, trat eine Lohnerhoehung
um 7 Cent pro Stunde ein.
Im Jahre 1942 stieg dann der Arbeitslohn um 12 Cent pro Stunde, wodurch die Regierung, die eine Inflation befuerchtete, alarmiert wurde,
und schon Ende 1942 wurden die Loehne, Gehaeiter und Preise einer staatlichen Kontrolle unterworfen. Das "War Labor Board" wurde dabei ermaechtigt, Lohnerhoehungen ganz in seinem Ermessen stattzugeben oder zu verbieten.
Trotz dieser Kontrollen stieg der Durchschnittslohn des amerikanischen
Fabrikarbeiters in der Zeit von 1942 bis 1943 um 11 Cent an, was die Regierung veranlasste, noch schaerfere Massnahmen einzufuehren. Im Jahre
1944 belief sich die allgemeine Lohnerhoehung auf 6 Cent pro Stunde. Zwischen 1944 und 1945 war im allgemeinen keine Lohnerhoehung zu verzeichnen,
und zwar hauptsaechlich auf Grund der kuerzeren Arbeitswoche, die nach
Kriegsende eingefuehrt wurde.
Bei einigen der waehrend des Krieges gewaehrten Lohnerhoehungen
spiegeln sich vorgenommene Hoehereinstufungen von Arbeitsplaetzen wider.
Auch die Ableistung von Ueberstunden, die mit eineinhalbfacher Bezahlung

- 9-

�yerguetet wird, trug zur Erhoehung der Durchschnittseinkuenfte bei.
Nach dem zweiten Weltkrieg traten dann die Gewerkschaften wieder
aktiver auf den Plan und erreichten 1946 mittels grosser Streiks in vielen
Sohluesselindustrien Lohnerhoehungen von etwa 18 Cent pro Stunde.
Einige dieser Lohnerhoehungen wurden aber durch Einschraenkung der
Ueberstundenarbeit waehrend der Nachkriegszeit wieder ausgeglichen.
Von 1945 his 1946 erhielt der Fabrikarbeiter im Durchschnitt eineLohnerhoehung von 6 Cent pro Stunde, im Jahre 1947 waren es sogar 15 und
1948 11 Cent pro Stunde.
Im Jahre 1949 gaben sich einige Gewerkschaften ohne die Bewilligung
von Lohnerhoehungen zufrieden, obgleich sie die Annahme von Pensionsplaenen durchsetzten, durch die sich die Arbeitskosten fuer die Unternehmer erhoehten. Der Durchschnittsarbeiter erhielt in diesem Jahr eine
Lohnerhoehung von 5 Cent.
Fuer das Jahr 1950 ist eine Erhoehung des Fabrikarbeiterlohns um
6 Cent zu verzeichnen. Mit Ausbruch der Feindseligkeiten in Korea verlief
die Lohnbewegung dann aber steil nach oben. Und noch einmal bemuehte
sich die Regierung, Loehne und Preise unter Kontrolle zu bekommen.
Der Durchschnittslohn eines Fabrikarbeiters stieg im Jahre 1951
um 12,5 Cent, 1952 betrug die Erhoehung 8 Cent und 1953 10 Cent.
Die Rezession des Jahres 1954 wirkte allgemein hemmend auf die Forderungen der Gewerkschaften, so dass die Loehne nur um 4 Cent pro Stunde anstiegen. Im Jahre 1955 betrug die allgemeine Lohnerhoehung etwa
7 Cent.
Auch die dem Arbeiter zugestandenen zusaetzlichen Soaizlleistungen
haben sich seit dem Jahre 1940 betraechtlich erhoeht. Im Durchschnitt
erhaelt der Fabrikarbeiter heute etwa 30 bis 35 Cent an zusaetzlichen
Sozialleistungen pro Stunde.
Diese zusaetzlichen Sozialleistungen wurden zwar schon vor dem zweiten Weltkrieg dem Lohn hinzugefuegt, aber erst durch die Lohnkontrollen
waehrend der Kriegszeit traten diese "Extraleistungen" mehr und mehr in
den Vordergrund, zumal die Gewerkschaften in den Zeiten des Lohnstopps
hierin die einzige Moeglichkeit zur Verbesserung der sozialen Lage ihrer
Mitglieder sahen.
Der bezahlte Urlaub war eine der ersten zusaetzlichen Sozialleistungen. Im Laufe der Zeit wurde eine immer groessere Zahl von Feiertagen
verguetet und spaeter noch Lebens- und Krankenversicherungen sowie soniige Sozialleistungen in die Tarifvertraege mit aufgenommen. Anfaenglich
mussten die Arbeiter noch die Haelfte der Kosten tragen, inzwischen aber
hat sich immer mehr die Praxis herausgebildet, dass der Unternehmer fuer
die gesamten Kosten aufkommt.
Im Jahre 1949 wurde dann die Altersversorgung aktuell. Die Automobil- und die Stahlindustrie sowie andere Industriezweige gaben seinerzeit dem Druck der Gewerkschaften nach und erklaerten sich bereit, die
Leistungen der staatlichen Altersversorgung durch zusaetzliche private
Versicherungen zu ergaenzen.
Der "garantierte Jahreslohn" ist das juengste Kind der Gewerkschaften
auf diesem Gebiet. Die Automobilarbeitergewerkschaft machte hier im vergangenen Jahr den Anfang, indem sie vom Unternehmer finanzierte Arbeitslosenunterstuetzungsleistungen in ihren Tarifvertraegen durchsetzen konnte.
Und so wird es weiter gehen. Neue Vorschlaege bezueglioh zusaetzlicher
- 10 -

�Sozialleistungen gehen Hand in Hand mit Forderungen nach weiteren Lohnerhoehungen und die Lohnspirale waechst.

*

(Nachdruck nur dann gestattet, wenn Copyright-Freigabe vom
Amerika Dienst erteilt wird!)
Aus: "U.S. News &amp; World Report", ein
in Washington woechentlich erscheinendes Nachrichtenmagazin. Copyright 1956
United States News Publishing Corporation.

Marion Wilhelmt
Mexikanische Gewerkschaften in der antikommunistischen Front
Quellenangabe erforderlich!
Waehrend die Kommunisten in Guatemala unter der Regierung Arbenz
die Gewerkschaftsfuehrung an sich reissen konnten und auch in Chile und
Brasilien staendig Unruhen inszenieren, haben die mexikanischen Gewerkschaften in aller Ruhe die Fuehrung im Kampf gegen die kommunistische
Infiltration uebernommen.
Das wichtigste Instrument in diesem Kampf ist der starke Block der
Gewerkschaftseinheit" - der Bloque de Unidad Obrera -, der 93$ der organisierten Arbeiterschaft vertritt. Die Fuehrer dieser Gewerkschaftsunion sind alle entschiedene Gegner des Kommunismus, ein Beweis dafuer,
wie weit die mexikanischen Gewerkschaften sich heute von der einst rein
marxistisch beherrschten Organisation unter Vicente Lombardo Toledano
entfernt haben.
Lombardo ist auch heute noch das Sprachrohr Moskaus; die Arbeiter
Mexikos aber vertritt er nicht mehr. Sprecher der arbeitenden Bevoelkerung Mexikos ist heute Fidel Velasquez, der Mann, der die Gewerkschaftsbewegung zu einer starken Einheitsfront gegen den Kommunismus zusammenschweisste.
Der Bloque de Unidad Obrera wurde unter der Regierung Ruiz Cortines
als schlagkraeftige einheitliche Organisation der mexikanischen Arbeiterschaft innerhalb einer demokratischen Gesellschaft gebildet. Seine
Hauptstuetze ist der "Verband der Arbeiter Mexikos" mit Fidel Velasquez
an der Spitze. Dieser groesste mexikanische Gewerkschaftsverband zaehlt
1,5 Millionen Mitglieder. In ihm sind etwa 20 Gewerkschaften der Textilindustrie, des Transportgewerbes, der Handelsmarine, des Bauwesens, der
Fleischkonservenindustrie, des Hotel- und Gaststaettengewerbes, der Oelindustrie, der Zuckerindustrie und der staatlichen Elektrizitaetswerke
zusammengeschlossen.
Ausserdem gehoeren dem Block noch der "Bezirksverband der Mexikanischen Arbeiter", in dem vor allem Textilarbeiter organisiert sind, der
"Allgemeine Arbeiterverband" und drei grosse unabhaengige Gewerkschaften
der Eisenbahner, der Bergleute und Metallarbeiter und der Telephonbediensteten an.
Auf Anregung der Eisenbahnergewerkschaft, die seihst 21 ihrer Mitglieder wegen kommunistischer Agitation aus ihren Reihen ausgeschlossen
hatte, wurde innerhalb des Blocks ein Unterausschuss zur Bekaempfung des
Kommunismus gebildet- Die Eisenbahnarbeiter, bei denen frueher das
kommunistische Element vorherrschte, sind jetzt in einem starken Landesgewerkschaftsverband zusammengeschlossen.

11 -

�Auch die Bergarbeiter, bis 1949 eine stark kommunistisch beeinflusste
Gewerkschaft, haben sich von der kommunistischen Vorherrschaft befreit,
wenn die Kommunisten auch nach wie vor ihre Agitation innerhalb der Gewerkschaft fortsetzen.
Die Mehrheit der gewerkschaftlich organisierten Landarbeiter gehoert
dem "Nationalverband der Farmarbeiter" an, der ebenfalls dem Einheitsblock
angeschlossen ist; die uebrigen sind Mitglieder des "Verbandes der Arbeiter
Mexikos". Eine unbedeutende Gruppe, der "Allgemeine Verband der Landarbeiter", steht angeblich unter der Fuehrung Vicente Lombardos. Lombardo, ehemals Vorsitzender des "Verbandes der Arbeiter Mexikos", hat seit seinem
Ausschluss aus dieser Gewerkschaft vor 15 Jahren jeglichen Einfluss auf
die mexikanische Gewerkschaftsbewegung verloren, wenn man von zwei oder
drei unbedeutenden Gewerkschaftsgruppen absieht. Der von ihm gefuehrte'Verband der Arbeiter Lateinamerikas", ein Instrument der sowjetischen Politik,
verlor seine letzte starke Stuetze, den "Allgemeinen Arbeiterverband von
Guatemala", bei der antikommunistischen Revolution in Guatemala.
Der Kampf der Arbeiterschaft Mexikos geht heute um die endgueltige
Verwirklichung der Verfassung von 1917, deren Versprechungen zum Teil noch
nicht erfuellt wurden, unter anderem der Artikel ueber die Gewinnbeteiligung. Streikrecht und Arbeitsgerichte hingegen sind inzwischen feste Institutionen in Mexiko. Auch hinsichtlich der Loehne haben die mexikanischen
Arbeiter in den letzten Jahren staendige, wenn auch langsame Fortschritte
erzielt. Dies ist um so bemerkenswerter, als von den insgesamt 6 Millionen
Arbeitnehmern in Mexiko erst etwa ein Drittel gewerkschaftlich organisiert
ist.
Aus» "Christian Science Monitor"
- Quellenangabe erforderlich -

- 12 20 Api 5o

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werben.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem. Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen'' ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
IX -

10

Mehlem, den 1 1 . Mai

1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Der Aufschwung des Genossenschaftswesens
in den Vereinigten Staaten
Die amerikanische Bundes-Arbeitsaufsichtsbehoerde
(National Labor Relations Board)
18 000 Schlafwagenschaffner - eine fortschrittliche
Negergewerkschaft
Die Gewerkschaft der amerikanischen
Druckereiarbeiter
i

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Seite 11

Jerry Voorhis:
Der Aufschwung des Genossenschaftswesens in den Vereinigten Staaten
Aus "The American Federationist"
- Quellenangabe erforderlich 'Im Zeitalter konzentrierter politischer und wirtschaftlicher
Macht besteht die Gefahr, daß der einfache Mann sein Mitspracherecht
an Entscheidungen, die sein Leben betreffen, einbüßt. Geht dieses
Recht verloren, so ist es um Demokratie und Freiheit geschehen. Es
gibt ein Mittel, dieses Recht zu wahren, ein ganz altes Mittel,
dessen sich einfache Menschen zu allen Zeiten bedient haben. Bei
weiser, mutiger und entschlossener Anwendung bewährt es sich stets,
so auch augenblicklich in den Vereinigten Staaten.
Dieses Mittel ist der Zusammenschluß von Menschen nach der
Maxime "Eigene Probleme lassen sich nur dann lösen, wenn auch die
Probleme anderer gelöst werden."
Die Gewerkschaftsbewegung gründet sich auf dieses Prinzip. Es
ist dies die Art, wie rechtlich denkende Bürger Ruhe und Ordnung
innerhalb der Gemeinschaft aufrechterhalten. Es ist der Grund, weshalb sich Menschen aus vielen Bevölkerungsschichten zusammentun
und ihre Ersparnisse in Unternehmen investieren, die sie selbst
organisieren, besitzen, leiten und auf gemeinnütziger Basis betreiben« Die Genossenschaften.
Die Genossenschaften unterscheiden sich von anderen .Virtschaftsbetrieben in mancher Hinsicht.
Erstens« Jeder, der beim Aufbau des Unternehmens mithelfen will,
kann Eigentümer, Aktionär oder Mitglied werden. (Kommunisten ist

�jedoch der Beitritt nicht gestattet, weil die amerikanischen
Genossenschaften auf dem Standpunkt stehen, daß solchen Menschen nicht am Gedeihen solcher Unternehmen gelegen sein kann.)
Zweitens« Genossenschaften schütten nur beschränkte Gewinne
auf die Einlage aus, da sie nach dem Grundsatz verfahren, daß das
Geld für den Menschen, und nicht der Mensch für das Geld zu arbeiten hat.
Drittens: Die Mitglieder bestimmen in der Mitgliederversa-rmlung die Geschicke des Unternehmens. Jedes Mitglied ist
stimmberechtigt und hat nur eine Stimme, ganz gleich wieviel
Anteile es besitzt. Es ist wiederum der Mensch, der zählt, und
nicht das Geld.
Viertens: Im Gegensatz zu den normalen Wirtschaf tsuntemehmen werden die von den Genossenschaften erzielten Gewinne (abzüglich gewisser Rücklagen) den Kunden ausbezahlt, und zwar im
Verhältnis zu ihrer Beteiligung.
Außer den üblichen Steuern zahlen die Genossenschaften auch
noch für ihre Kapitalrücklagen und alles Geld, das sie nicht an
ihre Kunden zurückzahlen, Körperschaftssteuern.
Ziel genossenschaftlicher Betriebe ist es, einen bestimmten
Bedarf einer bestimmten Personengruppe zu decken. Heute finden
sich genossenschaftliche Betriebe in fast allen Wirtschaftszweigen und Lebensbereichen: Kinder kommen in Genossenschaftskrankenhäusern zur '.Veit, und Tote werden durch genossenschaftliche
Beerdigungsinstitute bestattet; die Farmer beziehen ihren Strom
von Elektrizitätsgenossenschaften.und zahlreiche Familien in
der Stadt sind zu Eigenheimbesitzern geworden, weil sie sich
einer Wohnungsbaugenossenschaft angeschlossen haben.
Agrargenossenschaften liefern Düngemittel bester Qualität,
und genossenschaftliche Ölraffinerien und Tankstellen machen
den großen Mineralölgesellschaften Konkurrenz. Einige der modernsten "Supermarkets" der USA - Großwarenhäuser mit Selbstbedienung - sind in der Hand von Genossenschaften. Der beste
Weg, um Geld zu sparen und zu borgen, ist die Beteiligung an
einer Kreditgenossenschaft.
Die meisten Genossenschaften verdanken ihre Existenz der
Entschlossenheit und dem Mut einiger tatkräftiger Menschen, die
bereit sind, um eines gemeinsamen Zieles willen auch einmal
ein beträchtliches Risiko auf sich zu nehmen. Betrachten wir
uns einige dieser Genossenschaften einmal näher.
Im Jahre 1935 waren nur 11$ der amerikanischen Farmbetriebe
an das Elektrizitätsnetz angeschlossen. Alle Bemühungen um eine
Elektrifizierung der Landbezirke schienen zum Scheitern verurteilt: die Elektrizitätsgesellschaften waren aus Rentabilitätsgründen desinteressiert. Sie behaupteten, die Farmer könnten
die Kosten hierfür nicht tragen. Als der Kongreß im Jahre 1935
den"Rural Electrification Act" annahm, rechneten die Befürworter
dieses Gesetzes damit, daß der größte Teil der hierdurch verfügbar gemachten Kredite an kommerzielle Unternehmen vergeben

- 2 -

�würde. Statt dessen stammten nahezu sämtliche Kreditanträge von
landwirtschaftlichen Slektrizitätsgenossenschaften, die sogleich
in allen Teilen des Landes gebildet wurden.
Die Genossenschaftsmitglieder bemühten sich nicht um Almosen der Regierung. Die Farmer erkannten einzig und allein, daß
sie elektrischen Strom für ihre Farmen haben mußten und nahmen
hohe Darlehen auf, um dieses Ziel zu erreichen. Sie haben das
geliehene Geld längst zurückgezahlt, meist vor dem Fälligkeitstermin. Die Regierung hat mit dem Programm zur Elektrifizierung
landwirtschaftlicher Gebiete sogar ein gutes Geschäft gemacht.
Über 90$ der amerikanischen Farmen haben heute elektrischen Strom,
nicht zuletzt dank der Genossenschaften, die den weitaus größten
Anteil an der Verwirklichung des Elektrifizierungsvorhabens bestritten haben. Heute gibt es 1000 landwirtschaftliche Elektrizitätagenossenschaften, die 4 500 000 Mitglieder mit Strom versorgen. Sie haben einen Umsatz von insgesamt 365 Millionen
Dollar - also 1 Million pro Tag.
Jahrelang zahlten die Farmer enorme Preise für Düngemittel.
Der Dünger, den sie kauften, war noch dazu mit unbrauchbaren Stoffen vermengt, die für den entsprechenden Boden gar nicht benötigt
wurden und nur das Gewicht erhöhten und die Transportkosten verteuerten. Dabei konnte die Düngeraittelindustrie noch nicht einmal die Nachfrage decken. Hochwertige Düngemittel gab es so gut
wie überhaupt nicht. So entschlossen sich die Farmer in den
Staaten Ohio und Indiana/ selbst Dünger herzustellen. Sie gründeten deshalb durch Einzahlung kleinerer Beträge Düngemittelgenossenschaften und betätigten sich selbst als Geschäftsleute.
Von Anfang an brachten sie außen an den Säcken eine genaue
Analyse des Düngers an, es hatte ja keinen Zweck, sich selbst
zu betrügen. Man produzierte so viel guten, hochwertigen Dünger
wie nur möglich, um die Knappheit zu beseitigen.
Inzwischen entwickelte sich daraus eine große vielfältige
Industrie» die Kunstdüngergenossenschaften haben in vielen Einzelstaaten einen Marktanteil von 15 bis 25 Prozent. Heute ist es
allgemein üblich, hochwertigen Dünger mit einer genauen Angabe der
chemischen Zusammensetzung zu liefern. Dies ist den Genossenschaften zu danken. Übrigens sind auch die Preise für Kunstdünger erheblich langsamer gestiegen als die anderer landwirtschaftlicher
Bedarfsgüter, und dies, obwohl der Düngemittelverbrauch heute
dreimal so hoch ist als vor zehn Jahren.
Das gleiche gilt für Mineralöl. Auch hier begann man mit der
Bildung kleiner Genossenschaften, die sich im Laufe weniger Jahre
zu großen Unternehmen entwickelt haben. Sie besitzen heute eigene
Ölquellen, Raffinerien, Ölleitungen und Tankstellen und versorgen
2,5 Millionen Mitglieder - meist Farmer - mit Mineralölprodukten.
So haben sich die Farmer ihre eigenen Genossenschaften aufgebaut,
die heute aus den ländlichen Gebieten der USA nicht mehr wegzudenken sind und ihre Mitglieder mit Kunstdünger, Lebensmitteln,
Saatgut, Kohle, Eisenwaren, Mineralölerzeugnissen und Haushaltawaren versorgen. Insgesamt bestehen rund J&gt;000 solcher Genossenschaften, und jede zweite Familie in den Farmgebieten der Vereinigten Staaten hat Anteilscheine einer oder mehrerer von ihnen.
In vielen Fällen werden sie auf rein örtlicher Basis betrieben.
Früher waren Kreditmittel für den einzelnen praktisch nur
um ffucherzinsen zu haben. Schon um das Jahr 1900 herum begann

- 3-

�man deshalb in den Vereinigten Staaten Kreditgenossenschaften
zu bilden. Der Grundgedanke ist ganz einfach. Menschen, die
etwa der gleichen Gewerkschaft angehören oder im selben Betrieb arbeiten, haben auf Jeden Fall zwei wirtschaftliche
Interessen gerneinsamt Erstens Sparrücklagen zu schaffen und
zweitens gegebenenfalls Kredit aufzunehmen. Wenn man nun ein«
große Zahl von Menschen dazu bringen kann, auch nur fünf Dollar
an eine gemeinsame Kasse einzuzahlen, dann entsteht damit «in
großes Kapital, aus dem man die gewünschten Kreditmittel entnehmen kann. Die Zinsen für eventuelle Kredite zahlt man somit
im Grunde an sich selbst.
Die Praxis gab diesen Überlegungen recht. Und so haben
neun Millionen Mitglieder von Kreditgenossenschaften Anteil«
im Gesamtwert von drei Milliarden Dollar erworben.
Wenn auch die Medizin in den letzten Jahrzehnten gewaltige
Fortschritte gemacht hat, so ist auch heute noch eine Arztrechnung für Familien mit durchschnittlichem Einkommen geradezu ein
Alptraum. Nur wenige Menschen können es sich leisten, alle jene
Mittel in Anspruch zu nehmen, die die moderne Medizin für ihre
Heilung zur Verfügung hat. Um hier Abhilfe zu schaffen, entstanden genossenschaftliche Krankenkassen, in denen sich eine
Gruppe von Menschen zur Zahlung monatlicher Beiträge verpflichtet, dafür aber das Geschäftsgebaren bestimmt. Aus den Beiträgen werden zum Teil Ärzte und Krankenpflegepersonal stundenweise
oder ganztägig fest engagiert. Im Laufe der Zeit haben sich ganz
verschiedene Formen der genossenschaftlichen Krankenversicherungen herausgebildet.
Zahlreiche Gewerkschaften haben ihre eigenen Krankendersicherungs- und Wohlfahrtskassen gegründet. Ein Teil der Gewerkschaften unterhält seit Jahren bereits ärztliche Betreuungsstellen für seine Mitglieder. Auch hier ist die Entwicklung
noch in vollem Gange. Das Ziel dieser Bemühungen ist es, sicherzustellen, daß alle Gewerkschaftsmitglieder eine möglichst umfassende ärztliche Betreuung mit dem Schwergewicht auf prophylaktische Fürsorge erhält. Dies läßt sich am besten durch
die ständige Gesundheitskontrolle erreichen. Bei derartigen
genossenschaftlichen Versicherungen bestehen die Versicherungsleistungen in der unmittelbaren ärztlichen Betreuung und nicht
in der Erstattung beziehungsweise teilweisen Erstattung von
Arztrechnungen*
Besondere Schwierigkeiten bereitete die Einführung des
genossenschaftlichen Wohnungsbaues, da hierzu gewaltige Geldmittel notwendig sind, ganz zu schweigen davon, daß gerade auf
diesem Gebiet nur wirkliche Fachleute erfolgreiche Arbeit leisten können. Die Entwicklung wurde allerdings dadurch begünstigt, daß sich größere Organisationen, die Gewerkschaften
zum Beispiel, hinter derartige Vorhaben stellten und sich an
der Mitgliederwerbung beteiligten. Ohne eine solche Mithilf«
lassen sich derartige Großvorhaben kaum durchführen. Ist aber «rat
einmal genügend Kapital vorhanden, haben sich tüchtige Fachleute
gefunden und besteht eine entsprechende Rückendeckung durch dl«
Mithilfe einer größeren Organisation, dann kann der genossenschaft-

4-

�1

genossenschaftliche Wohnungsbau zu einer erheblichen Verbilligung der Mieten, ja zur Einsparung von ein bis zwei Monatsmieten im Jahr führen. Millionen Familien haben so ein eigenes
Heim erwerben können, was ihnen andernfalls nie möglich gewesen
wäre •
Schließlich sind noch die Konsumgenossenschaften zu nennen.
Vor drei und vier Jahren noch war das Bild recht entmutigend.
Heute sind die kleinen, schlechtgeführten und finanzschwachen
Genossenschaften, wie man sie noch vor einem Jahrzehnt allenthalben fand, von der Bildfläche verschwunden. An ihre Stelle sind
Konsumläden getreten, die mit zu den größten und besten Kaufhäusern
der Vereinigten Staaten gehören, auch wenn ihr Gesamtanteil am
Einzelhandel noch relativ gering ist. Tüchtige Geschäftsführer,
ein entsprechendes Kapitalpolster, attraktive Läden und ein«
treue Mitgliedschaft sorgen dafür, daß diesen Läden trotz des
scharfen Wettbewerbs eine Zukunft beschieden sein wird. Die
an die Mitglieder ausgezahlten Vergütungen aus dem Gewinn entsprechen gegenwärtig dem Durchschnitt etwa eines Wocheneinkaufs
pro Jahr.
Zwischen den Genossenschaften und den Gewerkschaften besteht ein enger Zusammenhang. Dies gilt besonders für Westeuropa, wo die Gewerkschaften und die Genossenschaften oftmals
in ihrer Mitgliedschaft identisch sind.
Die genossenschaftlichen Wohnungsbauvorhaben, und zwar
die von der Vereinigten Gewerkschaft der Arbeiter in der Bekleidungsindustrie und der Internationalen Gewerkschaft der
Arbeiter der Damenbekleidungsindustrie haben in aller Welt
Beachtung gefunden. Die Gewerkschaften haben ihrerseits Hunderte von Kreditgenossenschaften ins Leben gerufen. Zahlreiche
der genossenschaftlichen Versicherungsgesellschaften auf Gegenseitigkeit stützen sich in erster Linie auf Gewerkschaftsmitglieder. Die größte Konsumgenossenschaft Amerikas hat einen
Gewerkschaftsführer als Generaldirektor. Diese Beispiele ließen
sich beliebig vermehren. Im übrigen haben die Genossenschaften
auch mit ihren eigenen Angestellten Tarifverträge abgeschlossen
und sind auch sonst bemüht, die Arbeitsbedingungen so günstig
wie möglich zu gestalten.
In den genossenschaftlichen Lagerhäusern und Herstellungsbetrieben herrscht heute ein gutes Einvernehmen zwischen Betriebsführung und Gefolgschaft. Überall zeichnet sich im Genossenschaftswesen die Tendenz ab, moderne und zeitgemäße Methoden der Betriebs- und Menschenführung einzuführen. Betriebe, in
denen früher ein ausgesprochen schlechtes Verhältnis zwischen
Betriebsführung und Belegschaft bestanden hat, betrauen heute
erstklassige Fachleute mit der Aufgabe, die Tarife und Arbeitsbedingungen festzulegen, weil man erkannt hat, daß ein auf dem
Genossenschaftsgedanken basierendes Verhältnis zu der gewerkschaftlich organisierten Belegschaft genauso wichtig ist wie
die genossenschaftlichen Beziehungen zu den Mitgliedern. Auf
Tagungen führender Männer genossenschaftlicher Unternehmungen
wird immer wieder auf die Tatsache hingewiesen, daß Lohnerhöhungen fast immer eine Steigerung der Arbeitsproduktivität
mit sich bringen, und daß überdurchschnittliche Löhne weit eher
eine Senkung als eine Erhöhung der Gesamtbetriebskosten bewirken.

- 5-

�Die landwirtschaftlichen Verbände haben die Genossenschaften stets tatkräftig unterstützt, sei es durch Geld
oder durch ihren Rat. Ähnliche Anstrengungen seitens der
Gewerkschaftsbewegung könnten für deren gesamte Mitgliedschaft erhebliche wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen.
Solche Bemühungen würden sich in zweifacher Hinsicht günstig
auswirken, sie brächten einmal erhebliche Einsparungen im
Familien-Budget mit sich und könnten zum anderen, durch die
Entstehung großer und leistungsfähiger Genossenschaften,
das Gesamtbild der Wirtschaft des Landes günstig beeinflussen.
Zweck der Genossenschaften ist es nicht, die Kontrolle über die Wirtschaft zu erlangen, sondern vielmehr
die Aufstiegsmöglichkeiten für den einzelnen zu verbessern
und die Vollbeschäftigung in einer wirklich freien Wirtschaft
sicherzustellen. Wenn es den Genossenschaften gelingt, ihren
Anteil am gesamten Handel von gegenwärtig 3 bis 4 Prozent
auf 10 bis 15 Prozent auszuweiten, dann würden sie diese
Aufgabe sicher voll erfüllen.
Die Genossenschaften haben in ihrer wirtschaftlichen
Betätigung nur ein einziges Zielt Ihre Mitglieder mit mehr
Waren- und Dienstleistungen zu geringeren Preisen zu versorgen. Diese Form der wirtschaftlichen Betätigung trägt mit
dazu bei, die Gefahr der Arbeitslosigkeit und einer Wirtschaftskrise zu bannen. Leistungsfähige Genossenschaften
können zum stabilisierenden Element der Wirtschaft werden
und zu echter wirtschaftlicher Freiheit und zu größerem
materiellen Wohlstand führen, der nicht nur ihren Mitgliedern, sondern dem ganzen Volk zugute kommen würde.

Aus "The American Federationist"
- Quellenangabe erforderlich -

* * * * *
Die amerikanische Bundes-Arbeitsaufsichtsbehoerde(National
Labor Relations Board)
Im Jahre 1935 *urde im "Wagner Act" den amerikanischen
Arbeitern das Recht auf Kollektivverhandlungen gesetzlich
garantiert und anerkannt. Gleichzeitig mit diesem Gesetz wurde
zu seiner Durchführung und zur Regelung der Beziehungen zwischen
den Sozialpartnern die Bundes-Arbeitsaufsichtsbehörde (National
Labor Relation3 Board - NLRB) eingesetzt, deren Befugnisse dann
später im Jahre 1947 im Gesetz über die Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten "National Labor Management Relations Act" (TaftHartley-Gesetz ) erweitert wurden.

- 6-

�Das "NLRB" hat die Aufgabe für die ordnungsgemäße Anwendung des Gesetzes vom Jahre 1947 Sorge zu tragen, dessen Zweck
in seiner Präambel zum Ausdruck gebracht wird, nämlich "die
legitimen Rechte sowohl der Arbeitnehmer wie der Arbeitgeber
in ihrem Verhältnis zur '.Virtschaft festzulegen, ordnungsgemäße und friedliche Verfahrensmethoden zu entwickeln, um gegenseitige Eingriffe in die legitimen Rechte beider Parteien
zu verhindern ... und die Rechte der Allgemeinheit in Verbindung mit Arbeitsstreitigkeiten, die sich auf die Wirtschaft
auswirken, zu schützen."
Tatsächlich sichert das Gesetz dem Arbeiter das Recht,
einer Gewerkschaft beizutreten und Kollektivverträge abzuschließen. Es untersagt den Arbeitgebern, die Arbeiter durch
Drohungen oder diskriminierande Methoden an der Ausübung dieses
Rechtes zu hindern. Durch die Einrichtung geheimer Wahlen verschafft es den Arbeitern ferner demokratische Institutionen,
mit denen sie sich Vertreter zum Abschluß von Kollektivverträgen mit den Arbeitgebern wählen können.
Daneben beschränkt das Gesetz aber auch die Gewerkschaften in bestimmten Tätigkeiten. Es verbietet unter anderem den
"closed shop", das heißt den Zwangsbeitritt zu einer Gewerkschaft, um in einem Betriebe arbeiten zu können, und erklärt
gewisse Arten eines mittelbaren Boykotts (secondary boycott)
und bestimmte Streiks für ungesetzlich, während es den Gewerkschaften andererseits das Recht zur Organisierung legaler Streiks bestätigt und die Aufstellung von Streikposten
in der Absicht zuläßt, um im Interesse ihrer wirtschaftlichen
Ziele die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Arbeitsstreitigkeiten zu lenken. Der eigentliche Zweck des Gesetzes
besteht darin, den Sozialpartnern die bestmöglichste Gelegenheit zu geben, auf gleicher Ebene zusammenzutreffen, um
auf friedlichem Wege in ehrenvoller Weise zu einer Beilegung
ihrer Streitigkeiten zu gelangen. Mittler und überparteiliche
Instanz bei der Erreichung dieses Zieles ist die BundesArbeitsaufSichtsbehörde.
Den organisatorischen Aufbau der Behörde hat das Gesetz
wie folgt geregelt. An ihrer Spitze steht ein Präsident und
ein vierköpfiger Lenkungsausschuß, die vom Präsidenten der
USA mit Zustimmung des Senats auf die Dauer von fünf Jahren
ernannt werden. Daneben sieht das Gesetz einen Generalarbeitsanwalt vor, der von den gleichen Instanzen ernannt wird und
dessen Amtsperiode vier Jahre beträgt. Er ist der Anwalt der
Behörde und die oberste Instanz für die Untersuchung von
Beschuldigungen und Beschwerden, und ihm steht ferner die
Erhebung der Anklage vor der Behörde zu. Ihm unterstehen
auch die 28 Außenstellen der Behörde.
Die Tätigkeit der Behörde richtet sich entweder auf die
Prüfung und Beilegung von Fällen, in denen Arbeiter wegen
ihres Glaubens, ihrer Rassezugehörigkeit oder ihrer Hautfarbe
diskriminiert wurden oder auf Fragen, die die 7/ahlen in den
Betriebsräten betreffen.
Die 3ehörde geht gegen alle Personen vor, die diskriminierende oder unerlaubte Methoden im Sinne des Gesetzes an-

�anwenden. Eine Entscheidung der Behörde erfolgt Jedoch nur auf
Antrag, der entweder von einem Arbeitgeber! einem Arbeitnehmer
oder einer Gewerkschaft bei der zuständigen regionalen Arbeitsaufsichtsbehörde als erster Instanz gestellt werden mu8.
Nach ordnungsmäßiger Einreichung der Beschwerde wird die
beschuldigte Partei von dieser in Kenntnis gesetzt und beide
Parteien zur schriftlichen Stellungnahme aufgefordert. Auf
Grund der Akten wird der Sachverhalt sodann von der regionalen Arbeitsaufsichtsbehörde geprüft, die den Fall dadurch zum
Abschluß bringt, daß sie entweder die beschwerdeführende Partei
zur Zurückziehung ihrer Beschwerde auffordert oder aber der
Beschwerde stattgibt oder sie ablehnt.
Falls es zu keiner Einigung der Parteien kommt, findet in
der Regel eine öffentliche Verhandlung statt. Auf Grund des
Beweismaterials verfaßt die Behörde einen Zwischenbericht,
in dem sie den Sachverhalt schildert und ihren Schiedsspruch
begründet.
Wenn innerhalb einer Frist von 20 Tagen von keiner der
beiden Parteien gegen den Schiedsspruch Einspruch erhoben
wird, wird er als Entscheidung der Arbeitsaufsichtsbehörde
rechtskräftig. Wird Einspruch erhoben, dann gelangt der Fall
vor die fünfköpfige Arbeitsaufsichtsbehörde in Washington
als zweiter Instanz zur Entscheidung, nachdem die Parteien
in mündlicher Verhandlung ihren Standpunkt nochmals dargelegt
haben.
Wenn die Entscheidung von einer der beiden Parteien nicht
anerkannt wird, beantragt die Arbeitsaufsichtsbehörde beim zuständigen Bundesgericht einen Vollstreckungsbeschluß, oder
aber die Partei, die sich mit der Entscheidung nicht zufrieden
gibt, ersucht das Gericht um eine Überprüfung der von der
Arbeitsaufsichtsbehörde getroffenen Entscheidung und beantragt deren Aufhebung. Ferner steht beiden Parteien das Recht
auf Berufung beim Obersten Bundesgericht der USA gegen Entscheidungen der Bundesarbeitsaufsichtsbehörde zu.
Die zweite Hauptaufgabe der Arbeitsaufsichtsbehörde besteht in der Durchführung von Betriebratswahlen. Sie werden
auf Antrag eines Arbeitgebers, der Belegschaften oder einer
Gewerkschaft abgehalten und müssen den Nachweis erbringen,
daß mindestens 30 Prozent der Belegschaft eine Vertretung
wünschen. Der Antrag wird bei der Arbeitsaufsichtsbehörde
des Bezirks gestellt, in dem der Betrieb seinen Sitz hat.
Die Betriebsratswahlen erfolgen nach dem demokratischen
Prinzip der Mehrheitsentscheidung und sind geheim. Wenn die
Mehrheit der abgegebenen Stimmen auf eine bestimmte Gewerkschaft fällt, wird deren Legitimation als ausschließliche
Vertretung der Arbeitnehmer des Betriebes von der obersten
Arbeitsaufsichtsbehörde bestätigt.
Ebenso kann die Behörde nach dem Gesetz auch Betriebsratswahlen durchführen, um einer Gewerkschaft diese Legitimation zu entziehen. In diesem Falle muß sie nachweisen, daß
30 Prozent der Belegschaft mit ihrem gegenwärtigen Betriebsrat unzufrieden soind. Auch bei dieser V/ahl entscheidet die
Mehrheit der abgegebenen Stimmen.

- 8 -

�Wenn sie die Behörde in Anspruch nimmt, muß eine Gewerkschaft dem Arbeitsminister sowie der Arbeitsaufsichtsbehörde
Abschriften ihrer Satzung mit ihren Ausführungsbestimmungen,
einen Bericht über ihren Jahreshaushalt und eidesstattliche
Erklärungen ihrer führenden Funktionäre darüber einreichen,
daß ihre Gewerkschaft weder kommunistisch ist noch daß sie
den Kommunismus unterstützt. In der Erfüllung ihrer Aufgaben
hat das "NLRB" eine sehr große Arbeitslast zu bewältigen, und
erst in den vergangenen drei Jahren war es ihr möglich, die
unzähligen im Laufe der Zeit aufgelaufenen Anträge aufzuarbeiten. In dem am 30«Juni 1955 abgelaufenen Finanzjahr zum
Beispiel befaßte es sich insgesamt mit 13 600 Fällen. Bei
7442 Eingaben handelte es sich um Anträge zur Abhaltung von
Betriebsratswahlen, während 6171 Eingaben sich mit Fällen
von unfairen Arbeitspraktiken befaßten.
Zahlreiche von der Arbeitsaufsichtsbehörde getroffene
Entscheidungen sind als Präzedenzfälle richtungweisend für
das Verhältnis zwischen den Sozialpartnern geworden. So
faßte die Behörde vor einiger Zeit den Beschluß, daß ein
Arbeitgeber zur Auskunft über seine finanziellen Verhältnisse verpflichtet ist, wenn er Lohnerhöhungen mit der Begründung verweigert, daß seine Mittel es nicht zuließen.
Sowohl von Arbeitgeber- wie von Arbeitnehmerseite ist
die Behörde verschiedentlich kritisiert worden. Man hat ihr
vorgeworfen, durch ihre Entscheidungen einseitig einen der
beiden Sozialpartner zu begünstigen. Eine Antwort auf diese
Kritik hat einmal ein Mitglied dieser Behörde, Philip Ray
Rodgers gegeben, der erklärte, daß die Behörde ihre Entscheidungen allein nach dem Gesetz trifft, und dieses "ist ein
vernünftiges und gerechtes Gesetz - ein Gesetz, daß in bemerkenswerter Weise einen Ausgleich zwischen mächtigen und
entgegengesetzten Interessen herstellt, indem es übermäßige
Forderungen in Schranken hält, doch keiner der beiden Parteien
Forderungen, soweit sie berechtigt sind, verweigert."

- Quellet Eigenbericht -

• * * * •
18 000 Schlafwagenschaffner - eine fortschrittliche
Negergewerkschaft
In den Statuten des neuen amerikanischen Gewerkschaftsverbandes "AFL-CIO" ist eines der wichtigsten Ziele dieser
neuen Organisation folgendermaßen definiert! "Alle Arbeiter
ohne Unterschied der Rasse, Hautfarbe oder Volksabstammung
sind zu ermutigen, alle Vorteile des gewerkschaftlichen Zusammenschlusses für sich in Anspruch zu nehmen".
In einer diesbezüglichen Resolution brachte die erste

-9 -

�Generalversammlung des neuen Verbandes ihre Entschlossenheit
zum Ausdruck, stets für die volle Gleichberechtigung aller
Amerikaner einzutreten. Sie ging noch einen Schritt weiter
und wählte zwei verdiente Neger-Gewerkschaftsfunktionäre zu
stellvertretenden Vorsitzenden und Mitgliedern des Vorstandes
dieses 16 Millionen Mitglieder zählenden großen amerikanischen
Gewerkschaftsverbandes.
Einer der auf diese Weise geehrten Funktionäre ist der
66jährige A. Philip Randolph, der seit der Gründung seiner
Gewerkschaft im Jahre 1925 den Vorsitz der "Bruderschaft der
Schlafwagenschaffner" führt. Bei dem zweiten, zusammen mit
ihm ausgezeichneten Negerfunktionär, handelt es sich um
Willard S. Townsend, den Vorsitzenden der Vereinigten
Transportarbeiter.
Randolph, eine imposante, würdevolle Erscheinung, beeindruckt jeden Gesprächspartner schon bei der ersten Begegnung
durch seinen großen persönlichen Charme. Wer ihn nur nach
seinem gepflegten Redestil und seiner gewinnenden, ruhigen
Art beurteilt, ahnt wenig von seiner Energie, die ihn im
ganzen Lande als kompromißlosen Vorkämpfer gegen die Rassendiskriminierung jeglicher Art bekanntgemacht hat.
Randolphs Leistungen und Verdienste sind ebenso mannigfaltig und außergewöhnlich wie seine berufliche Laufbahn. Er
begann als Zeitungsjunge, Warenhausverkäufer und EisenbahnAngestellter, war kurze Zeit Schauspieler, nahm in zahlreichen Schriften und Vorträgen zum amerikanischen Negerproblem
Stellung und erwarb sich als Gewerkschaftsfunktionär so allgemeine Anerkennung, daß er schließlich mehrfach als Repräsentant der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zu internationalen Konferenzen delegiert wurde. Seine Verdienste um die
Gewerkschaften würdigten Regierung und Öffentlichkeit mehrfach
durch ehrende Auszeichnungen. Mehr als jedem anderen einzelnen
Amerikaner hält man ihm seine entscheidende Einflußnahme in der
Frage der Rassentrennung innerhalb der amerikanischen Armee zugute, die zu ihrer Aufhebung führte. Beachtliche Erfolge erzielte er auch bei seinen Bemühungen um eine Angleichung der
Arbeitsbedingungen für Neger in der Privatindustrie.
Der bedeutendste Erfolg Randolphs war jedoch die offizielle
gewerkschaftliche Anerkennung der "Bruderschaft der Schlafwagenschaffner", die erst nach zwölfjährigem Widerstand der Eisenbahn-Gesellschaften erfolgte. Zum erstenmal kam es 1937 zur
Vereinbarung eines Kollektivvertrages, der die Unterschriften
der Arbeitgebervertreter und der Vertreter der Bruderschaft
trug. Auf Grund dieses Abkommens erhöhte sich das Monatsgehalt der Schlafwagenschaffner um 12 Dollar; niemals zuvor war
ihnen eine so beträchtliche Gehaltsaufbesserung gewährt worden.
Von diesem Wendepunkt an konnte die Bruderschaft der
Schlafwagenschaffner unter der Führung Randolphs von Jahr
zu Jahr neuen Boden gewinnen. Heute zählt diese Gewerkschaft
rund 18 000 Mitglieder. Besonders gute Beziehungen unterhält
sie zu der bekannten Pullman-Gesellschaft, mit der sie eines
der vorteilhaftesten Kollektivabkommen der gesamten Branche
zustandegebracht hat. Darüber hinaus ist sie Tarifpartner in

- 10 -

�41 Abkommen
linien, die
Bremser auf
stungen für

mit US-amerikanischen und kanadischen EisenbahnTarifgleichheit für Wagenschaffner und Schaffnerallen zugehörigen Strecken sowie gleiche Sozialleialle vorsehen.

Als Randolph 1925 die Leitung der neugegründeten Bruderschaft
übernahm, erhielt ein Schlafwagenschaffner einen Grundlohn von
67,50 Dollar für eine monatliche Dienstleistung von 300 bis 400
Arbeitsstunden. Heute erhält der gleiche Schaffner bei einer
festen Normdienstleistung von 205 Arbeitsstunden ein Anfangsgehalt von 304,18 Dollar.
Ebenso wichtig wie die wirtschaftlichen Verbesserungen war
für die Schlafwagenschaffner die Hebung ihres Ansehens in der
Öffentlichkeit, das heißt ihre völlige Gleichstellung als .Verktätige und Mitglieder der amerikanischen Gesellschaft. Im neugeschaffenen Gewerkschaftsverband AFL-CIO erhält Vizepräsident
Randolph erweiterte Aufgaben und vergrößerte Möglichkeiten für
seinen Einsatz zum Wohle seiner Mitmenschen. Dabei darf nicht
vergesseb werden, daß er zeit seines Lebens nicht nur den Kampf
um die Gleichstellung der Minderheiten in den USA im Auge hatte,
sondern gleichzeitig auch ein entschiedener Gegner des Kommunismus gewesen ist. In seinem Bericht über die Geschichte der
Bruderschaft der Schlafwagenschaffner verweist er mit Genugtuung darauf, daß seine Gewerkschaft stets an der Spitze der Auseinandersetzung mit den Kommunisten gestanden hat. Randolph
erklärt unter anderem«
"Im Einklang mit ihrer Praxis, Gewerkschaften und Negerbewegungen unter ihre Kontrolle zu bringen, haben die Kommunisten große Anstrengungen unternommen, um sich in der Bruderschaft der Schlafwagenschaffner festzusetzen. Die Bruderschaft
schlug diese Versuche jedoch zurück und verhinderte jegliche
nennenswerte kommunistische Infiltration. Unsere Gewerkschaft
setzte sich stets mit solcher Entschiedenheit'gegen den Kommunismus zur Wehr, da£ man sie als die wirksamste Abwehrkraft
unter den Negern Amerikas, wenn nicht der ganzen Welt, bezeichnen kann".

- Quelle« Eigenbericht # # # * #
Frank Carey:
Die Gewerkschaft der amerikanischen Druckereiarbeiter
Eine der angesehensten und ältesten Gewerkschaften Amerikas
ist die "International Typographical Union" (ITU), die Internationale Gewerkschaft der Druckereiarbeiter. Ihre Gründung erfolgte bereits vor mehr als 100 Jahren, nämlich am 2.Dezember
1850 anläßlich einer Konferenz in New York, zu der Delegierte
aus ganz USA eingeladen wurden. Sechs große Berufsorganisationen, nämlich die der Setzer von New York, Albany, Trenton,
Philadelphia, Baltimore und Louisville, waren dabei vertreten.
Formell verabschiedet wurden die Statuten der neuen Gewerkschaft
auf dem Kongreß in Cincinnati am 5.Mai 1852.

- 11 -

�\

Aber die Geschichte der Organisation der Druckereiarbeiter
reicht noch viel weiter zurück. Der erste erfolgreiche Streik
wurde von ihnen schon 1776 durchgeführt - in demselben Jahr
übrigens, in dem die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Unabhängigkeit proklamierten. Schauplatz des Streiks war die damals
noch recht kleine Stadt New York. Zehn Jahre später führten die
Setzer von Philadelphia einen erfolgreichen Lohnkampf durch.
Aber beide Male lösten sich die Gruppen, die den Streik organisiert hatten, nach der Erreichung ihrer Ziele wieder auf.
Die erste dauerhafte Organisation entstand, als die
New Yorker Setzer im Jahre 1795 die "Typographical Society"
gründeten. Vier Jahre später wurde sie neu organisiert und
erhielt den Namen des berühmten, 1790 verstorbenen Buchdruckers und Staatsmannes Benjamin Franklin. Ähnliche Verbände wurden 1815 in Boston, in Albany (der Hauptstadt des
Staates New York), in Bsltimore und in der Bundeshauptstadt
Washington gegründet. Diese Bewegung dehnte sich bald auch
auf andere Städte aus, und es entstanden richtige Hilfsorganisationen, die Sterbegelder, Krankenunterstützung, Arbeitslosengeld und Streikhilfe gewähren konnten. Zu der Konferenz»
in New York im Jahre 1850 kam es, weil die Druckereiarbeiter
schließlich einsahen, daß'man die Löhne und Arbeitsbedingungen auf nationaler Basis regeln müsse.

(Fortsetzung folgt)
- Quelle: Eigenbericht

* « # « »

- 12 -

«

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über ArbeitsbeziehunKen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung- Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werben.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem. Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen-' ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 11

Mehlem, den 8. Juni 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die Gewerkschaft der amerikanischen
Druckereiarbeiter (Schluss)

Seite

1

Die Lage der Arbeiter in Rot-China

Seite

2

US-Bergarbeitergewerkschaft baute zehn neue
Krankenhaeuser fuer Mitglieder
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 9
Seite 10

Frank Careyi
Die Gewerkschaft der amerikanischen Druckereiarbeiter (Schluss)
Schon von ihren ersten Anfaengen an kaempfte die neue Gewerkschaft
fuer hoehere Loehne, und zwar nicht nur fuer ihre eigenen Mitglieder,
sondern fuer alle Arbeiter. Bereits im Jahre 1865 forderte die Gewerkschaft in einer Resolution den Acht-Stunden-Tag - lange, bevor er allgemein durchgesetzt werden konnte. 1869 schlössen sich die kanadischen
Druckergewerkschaften der amerikanischen an, die hierauf ihren Namen
in "International Typographical Union" abaenderte (sie hatte zuerst
"National T.U." geheissen). Auf demselben Kongress wurde auch eine Resolution angenommen, in der "gleiche Bezahlung fuer gleiche Arbeitsleistung" und die Abschaffung aller Arbeitskraefte gefordert wurden.
1870 wurde Augusta Lewis - eine New Yorkerin - zur Schriftfuehrerin der
Gewerkschaft und damit als erste Frau zur Funktionaerin einer amerikanischen Gewerkschaft gewaehlt. Auf die "ITU" gehen auch die ersten Anregungen zur Schaffung der "American Federation of Labor" (1881 gegruendet) zurueck.
Eine vorbildliche Pionierleistung der ITU war die Errichtung ihres
Gewerkschaftsheimes fuer aeltere Mitglieder im Jahre 1892. Das Heim ist
heute eine der Sehenswuerdigkeiten der Stadt Colorado Springs, die wegen
ihrer landschaftlichen Schoenheit beruehmt ist. Die ersten Gebaeude dieses
Komplexes wurden auf einem Stueck Praerie erbaut, das zwei Buerger Philadelphias der Gewerkschaft geschenkt hatten. Zahlreiche Spenden im Gesamtbetrag von 15 889 Dollar, die der Gewerkschaft zugeflossen waren, ermoeglichten den Baubeginn. Heute besteht das Heim aus mehreren ansehnlichen Gebaeuden, die auf dem sogenannten "Nob Hill" inmitten eines
- 1 -

�wundervollen Farks liegen. Im Mittelpunkt der Anlage steht das Altershelm
der Gewerkschaft, das neben zahlreichen kleinen Wohnungen auch Gesellschaf tsraeume und eine grosse Bibliothek enthaelt. Die Patienten des Spitals, das 400 Betten besitzt, und des Sanatoriums auf dem Nob Hill geniessen die besondere Heilwirkung der Sonne und der Klaren Gebirgsluft
Colorados. Die Gewerkschaft beschaeftigt einen eigenen grossen Stab von
Aerzten und Krankenschwestern.
Die Sorge der ITU fuer ihre Mitglieder beginnt schon bei der Lehrlingsausbildung. In den Kontrakten mit den Arbeitgebern wird genau festgelegt, welche Kenntnisse den Lehrlingen in jedem Lehrjahr beigebracht
werden muessen. Kein Lehrling darf in einer Druckerei angestellt werden,
die nicht in der Lage ist, ihm die Taetigkeit in allen Sparten seines
kuenftigen Berufes zu ermoeglichen. Schon 1907 wurde eine Gewerkschaftskommission mit der Aufgabe betraut, einen genauen Lehrplan fuer Setzerlehrlinge auszuarbeiten. Das Resultat ihrer Arbeit war die Schaffung einer
Berufsschule in Chicago, die die Lehrlinge im ganzen Land mit Hilfe von
Korrespondenzicursen unterrichtete. Seit 1924 wird die Berufsschulbildung
fuer Setzerlehrlinge in den USA von Indianapolis aus geleitet und von den
ITÜ-Sektionen in allen Teilen Amerikas auf Grund vorbildlicher Lehrbuecher
der Gewerkschaft durchgefuehrt.
Das Zentralorgan der ITU - die eigentlich ein Dachverband mit zahlreichen Einzelgewerkschaften ist - ist das "Typographical Journal", das
monatlich erscheint und die rund 100 000 Mitglieder der ITU ueber alles
Wissenswerte informiert und immer wieder daran erinnert, dass ihre Staerke in der gewerkschaftlichen Einheit liegt. Denn nur diese Einheit hat
der ITU ihre Erfolge ermoeglichti 1900 betrug der Jahreslohn eines Setzers
nur 894 Dollar; heute erreicht er durchschnittlich eine Hoehe von 5000
Dollar pro Gewerkschaftsmitglied und gehoert zu den hoechsten Loehnen des
Landes. Unter der Leitung des Gewerkschaftsvorsitzenden Woodruff Randolpn befindet sich die ITU auch heute noch in der vordersten Front des
gewerkschaftlichen Kampfes, der mit dazu beigetragen hat, den Lebensstandard der amerikanischen Arbeiter zu einem der hoechsten der Welt zu machen.
Quellet

Eigenbericht

Die Lage der Arbeiter in Rot-China
Die grossangelegte Aktion zur Verstaatlichung von Industrie und Handel, die im kommunistischen China im Januar 1956 durchgefuehrt wurde,
hat fuer die Belegschaften dieser Betriebe zwei sehr unangenehme Auswirkungen gezeitigt. Sie brachte einmal eine allgemeine Lohnkuerzung und
eine Verringerung der Sozialleistungen mit sich, zum anderen eine Verschaerfung der Arbeitsdisziplin und die damit verbundene ruecksichtslose
Ausbeutung der Arbeitskraft. Mit anderen Worten, die Arbeitsbedingungen
haben sich verschlechtert und die Anforderungen an die Leistungsfaehigkeit
sind gestiegen.
In jedem "kapitalistischen" Lande haette allein schon der Gedanke
an eine derartige allgemeine Lohnkuerzung oder Ueberforderung der Arbeitskraft sofort schaerfste Gegenma3snahmen der Gewerkschaften hervorgerufen.
Man wuerde gegebenenfalls einen Streik ausrufen, um das Niveau der Loehne
und Sozialleistungen zu halten.
In Rot-China allerdings werden die rigorosen Massnahmen des kommunistischen Regimes gegen die Arbeiterschaft nicht nur vom Allchinesischen
Gewerkschaftsbund geduldet, sondern sogar noch aktiv unterstuetzt. Wie
bei allen Gewerkschaften in den Laendern des Sowjetblocks hat auch der
2 -

�Allchinesische Gewerkschaftsbund nur die eine Aufgabe, dem Staat, der in
Diktaturen mit dem Arbeitgeber identisch ist, zu dienen, und nicht der
Arbeiterschaft.
Der Vorsitzende des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes, Lai Jo-yu,
laesst darueber keinen Zweifel aufkommen, wenn er am 18. Dezember 1934
in der in Peking erscheinenden "Kung Jen Jih Pao" (Arbeiterzeitung)
schriebt ".... Zweck der Gewerkschaft ist es, auf die Erreichung des von
der (kommunistischen) Partei gesteckten Zieles hinzuarbeiten und die
Aufgaben und Entscheidungen der Partei durchzufuehren
Als Mittler
zwischen der Partei und den Massen und als Organ zur Schulung im kommunistischen Denken ist die Gewerkschaft .... fuer die Verwirklichung der
Politik und der Richtlinien der Partei unerlaesslich."
Die Zahl der Berufstaetigen in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben
(einschliesslich Buerokraefte) belief sich im Jahre 1955 auf schaetzungsweise 15 Millionen. Die Zahl der eigentlichen Industriearbeiter betrug
im Jahre 1955 wahrscheinlich nur 5 Millionen - eine sehr geringe Zahl
bei einer Gesamtbevoelkerung von nahezu 600 Millionen.
Etwa 80$ dieses Personenkreises, der fuer die Mitgliedschaft in den
Gewerkschaften in Frage kommt, gehoeren dem Allchinesischen Gewerkschaftsbund an, der auf Grund des Gewerkschaftsgesetzes vom Jahre 1950 z u m alleinigen Sprecher der organisierten Arbeiterschaft erklaert wurde. Dieses
Gesetz, das kurz nach der Eroberung Pekings durch die Kommunisten in
Kraft gesetzt wurde, besagt in Artikel 12, dass "das hoechste Fuehrungsorgan der Gewerkschaft in der Volksrepublik China der Allchinesische
Gewerkschaftsbund" ist. Und in Artikel 4 heisst es, dass "Organisationen,
die nicht dem Allchinesischen Gewerkschaftsbund angehoeren, nicht die
Bezeichnung Gewerkschaft fuehren duerfen."
Die Hsinhua-Agentur (die offizielle Nachrichten-Agentur Rot-Chinas)
veroeffentlichte am 25* April 1955 die letzten amtlichen Zahlen ueber
die Mitgliedschaft der Gewerkschaften. In der betreffenden Meldung heisst
est "Die Gesamtzahl der Gewerkschaftsmitglieder in der Chinesischen Volksrepublik stieg im Jahre 1954 auf 12,45 Millionen .... das entspricht einer
Zunahme von fast 1£ Millionen waehrend eines Jahres. Gegenwaertig bestehen im Lande 200 000 Ortsverbaende der Gewerkschaften. Dem Allchinesischen Gewerkschaftsbund sind 16 auf Landesebene organisierte Industriegewerkschaften angeschlossen, darunter Gewerkschaften der Arbeiter in der
Schwerindustrie, im Maschinenbau, im Kohlenbergbau, der Eisenbahner, der
Arbeiter im Transportgewerbe, bei der Post und im Fernmeldewesen, sowie
die Gewerkschaften der Seeleute, Verkaeufer, Erzieher, Landarbeiter, und
der Wasser- und Forstwirtschaft."
Der Apparat, mit dessen Hilfe die Kommunisten "die Ausfuehrung der
Gewerkschaftsarbeit im Sinne der Partei und der verbindlichen Richtlinien
sicherstellen", wurde im offiziellen Organ der Kommunistischen Partei
Chinas, der in Peking erscheinenden "Jen Min Jih Pao" (Volkszeitung) in
einem Leitartikel vom 10. September 1955 wie folgt beschriebeni "Die
fuehrende Rolle der Partei in der Gewerkschaftsbewegung wird durch Parteiorganisationen und Parteimitglieder innerhalb der Gewerkschaft gewaehrleistet.... Die wichtigste Aufgabe der Partei .... besteht in der Foerderung und Auswahl von Arbeitskadern und deren Zuteilung an die Gewerkschaften. Die Kader bestehen aus Personen, die ueber organisatorische Faehigkeiten verfuegen und der Partei treu ergeben sind. Die Vorsitzenden
der einzelnen Gewerkschaften muessen den Parteikadern angehoeren und die
Befaehigung zur Mitgliedschaft in den Parteikomitees nachweisen. Gleichzeitig sollten Aktivisten, die nicht der Partei angehoeren, aber die Parteianwartschaft besitzen und engen Kontakt mit den Massen unterhalten,
in leitende Stellungen der Gewerkschaftsfuehrung gewaehlt werden, um die
Verbindung zwischen der Partei und den Nichtparteimitgliedern zu staerken...
Die Parteiorganisationen sollten in regelmaessigen Abstaenden die Berichte

- 3-

�der Gewerkschaften ueberpruefen und eroertern... und darueber wachen,
dass die Entscheidungen und Anweisungen genau befolgt werden."
Die erstaunlich grosse Zahl von Aktivisten, die zur Ueberwachung der
Arbeiterschaft notwendig ist, wird aus einer Entscheidung bezueglioh der
"Verstaerkung der Aktivistenarbeit" ersichtlich, die vom Exekutivausschuss
des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes am 10. August 1955 angenommen wurde, und in der es heissts "Es haben sich in China 2,73 Millionen Gewerkschaftsaktivisten gefunden, das sind Personen, die selbst in der Produktion taetig sind und sich in ihrer Freizeit in den Dienst der Gewerkschaftsarbeit stellen, darunter Angehoerige der unteren Ortsausschusses,
der Betriebsausschuesse und der Arbeitsausschüsse der Gewerkschaften sowie auch Vorleute von Arbeitsgruppen." Da« Regime, das diese umfangreiche
Organisation den Arbeitern aufzwingt, ist das einer rigorosen Ausbeutung.
Die Chinesen arbeiten mit anderen Worten nur dafuer, die Stellung des
Staates zu verstaerken, nicht ihren eigenen Lebensstandard zu verbessern.
Dies brachte Li Fu-ch'un, der Stellvertretende Ministerpraesident
der Volksrepublik China, auf der zweiten Sitzung des Nationalen Volkskongresses im Juli 1955 in seinem Bericht ueber den ersten Fuenfjahresplan
unmissverstaendlich zum Ausdruckt "Der Aufbau der Schwerindustrie erfordert grosse langfristige Investitionen.... Deshalb muessen wir strengste
Sparsamkeit walten lassen, ... um alle verfuegbaren Geldreserven voll
auszuschoepfen und den Anforderungen des nationalen Aufbaus gerecht zu
werden und die notwendigen Reserven des Staates zu mehren... Wir koennen
deshalb die Ertraege einer steigenden Produktion und Arbeitsproduktivitaet
nicht fuer eine Hebung des Lebensstandards verwenden..."
Zum gleichen Thema heisst es im ersten Fuenfjahresplan 1 "Zwei Drittel
der wertmaessigen Steigerung der Produktion im Zeitabschnitt von 1952
bis 1957 muessen durch eine Steigerung der Arbeitsproduktivitaet erzielt
werden; eine Zunahme der Arbeitsproduktivitaet um jeweils 1j6 in den staatlichen Industrien wird innerhalb der naechsten fuenf Jahre einer Wertzunahme der Produktion um 182,82 Millionen Yuan (rund 80 Millionen Dollar
beziehungsweise 336 Millionen DM) entsprechen."
In der westlichen Welt wuerde die Arbeiterschaft auf eine derartige
Ausbeutung mit ihren traditionellen Waffen - Streik und Arbeitsniederlegung - antworten. In Rot-China allerdings sind diese Druckmittel der
Gewerkschaften ebenso wie in allen unter kommunistischer Herrschaft stehenden Laendern als Verstoesse gegen die Arbeitsdisziplin geaechtet und durch
Gesetz verboten.
Artikel 100 der Verfassung der Chinesischen Volksrepublik besagt,
dass "die Staatsbuerger der Chinesischen Volksrepublik verpflichtet sind,
die Verfassung und die Gesetze einzuhalten, und die Arbeitsdisziplin....
zu wahren." Artikel 2 des Gewerkschaftsgesetzes vom Jahre 1950 bestimmt,
dass die Arbeiter im Falle von Arbeitsstreitigkeiten die Produktion weiterfuehren und die Arbeitsdisziplin aufrechterhalten muessen. Deraus erklaert sich die Tatsache, dass alle Streikversuche und jede passive Resistenz seit der Machtuebernahme der Kommunisten im Jahre 1949 vom Staat
systematisch mit Gewalt unterdrueckt worden sind.
Justizminister Shih Liang umriss die Einstellung der rot-chinesischen
Regierung zum Streik am 5«' Oktober 1954 in einer Rundfunkansprache ueber
den Sender Peking wie folgt» "Die Bestrafung von Arbeitern aus der Industrie, dem Bergbau und dem Nachrichtenwesen, die sich an Streiks beteiligt haben oder denen es an dem notwendigen Arbeitseifer fehlte, hat eine
Staerkung der Arbeitsdisziplin mit sich gebracht. Dm diese Aktion unter
der Arbeiterschaft noch zu verstaerken, haben wir laengs der Bahnlinien
und Wasserstrassen Sondergerichte eingerichtet."
Zwischen 1918 und 1926 - noch bevor die Kommunisten, die schon immer

-4 -

�besonders aktiv innerhalb der chinesischen Gewerkschaftsbewegung waren,
durch ihre Hoerigkeit gegenueber den Anweisungen der Komintern Tod und
Vernichtung ueber die Arbeiterschaft in den Staaten brachten und damit
den Gewerkschaften groessten Abbruch taten - waren in China 1200 Streiks
zu verzeichnen, von denen rund 800 mit einem Erfolg der Streikenden endeten. Hsu Chin-chen, Mitglied des Sekretariats des Allchinesischen Gewerkscliaftsbundes, fuehrte zu dieser Frage vor dem 7- Gewerkschaftskongress im Mai 1953 aus, dass "zu jener Zeit alle Lohnkaempfe, die von den
Gewerkschaften gefuehrt wurden, eine politische Bedeutung besassen. Die
heutige Situation ist jedoch ganz anders.... Unter volksdemokratischen
Diktaturen haben die Aufgaben, die Funktionen und die Politik der Gewerkschaften einen grundlegenden Wandel durchgemacht."
Welch bittere Ironie in diesem "grundlegenden Wandel" fuer die
Arbeiterschaft liegt, laesst sich aus einem Leitartikel in der Pekinger
"Volkszeitung" vom November 1954 erseheni "Es gibt noch immer Menschen,
denen der Begriff der Arbeitsdisziplin unklar ist. Sie glauben, dass sie
(durch den Kommunismus) zu Herren der Wirtschaft geworden sind und heute
voellige Handlungsfreiheit besitzen. Dieser Standpunkt ist irrig. Unsere
Form der Arbeitsdisziplin... ist ein maechtiges Instrument zur Aufrechterhai tung der Produktion; langsames Arbeiten und die Nichtbefolgung von
Anweisungen ist Sabotage."
Am 10. September 1955 kommentierte die "Volkszeitung": "Im Interesse
der Arbeitsdisziplin muessen gegen eine kleine Anzahl von.Arbeitern und
Angestellten, die sich wiederholt Verstoesse gegen die Arbeitsdisziplin
zuschulden kommen lassen, Zwangsmassnahmen angewandt werden.... Solche
Angestellte und Arbeiter werden mit Disziplinarstrafen einschliesslich
der Entlassung bedroht."
Die Strafen, die im Falle von Verstoessen gegen die Arbeitsdisziplin
verhaengt werden, sind in den Beschaeftigungsbedingungen staatlicher
Unternehmen aufgefuehrti 1. Verwarnung, 2. Tadel, 3- schwerer Tadel,
4. Versetzung auf einen schlechter bezahlten Arbeitsplatz oder Rueckstufung und 5* Entlassung und gesetzliche Bestrafung. Arbeiter, die auf
Grund der gesetzlichen Bestimmungen abgeurteilt werden, koennen mit
Zwangsarbeit bestraft werden - mit "Erziehung zur Arbeit", wie ea im
Sprachgebrauch des kommunistischen Chinas heisst.
Die mildere Form der Bestrafung, die einfache Entlassung, ist im
Grunde genommen Kaum weniger schwerwiegend, da die von ihr betroffenen
Arbeiter auf Urund der bestehenden Bestimmungen kaum mehr in einem anderen Betrieb ankommen werden.
Die Beschaeftigungsbedingungen schreiben vor, dass Arbeiter bei
einer Neueinstellung ihr Arbeitsbuch vorlegen muessen, das Eintragungen
ueber ihre Fuehrung an frueheren Arbeitsplaetzen enthaelt. Findet sich
darin nun eine unguenstige Beurteilung, so Kann der entsprechende Arbeiter kaum einen neuen Arbeitsplatz finden und faellt damit automatisch
unter die Strafbedingungen fuer Kurzarbeiter und Bummelanten. Darueber
hinaus werden Arbeitslose zwangsweise im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmassnahmen eingesetzt, mit deren Hilfe die kommunistische Regierung die
grosse Zahl der Arbeitslosen in den Staedten zu verringern sucht. Im
Rahmen dieser Massnahmen kann auch die zwangsweise Umsiedlung arbeitsloser Industriearbeiter verfuegt werden. Im allgemeinen werden die Arbeitslosen jedoch zur Urbarmachung unfruchtbarer Gebiete oder zum industriellen Aufbau in abgelegenen Teilen des Landes herungezogen, sofern
man sie nicht einfach zu Zwangsarbeit verurteilt.
Die Arbeitsbestimmungen aus dem Jahr 1954 verfuegen ferner, dass
Arbeiter, die "ein Ueberinass an Ausschuss produzieren oder Eigentum,
Werkzeuge und Betriebsmittel beschaedigen, teilweise oder restlos fuer

- 5-

�den entstandenen Schaden haftbar gemacht werden. Die fuer diese Wiedergutmachung erforderlichen Geldbetraege, ueber deren Hoehe die Betriebsverwaltung (die kommunistische Betriebsfuehrung also) befindet, kann
vom Monatslohn des betreffenden Arbeiters einbehalten werden."
Der Vorsitzende des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes, Lai Jo-yu,
hat in einem Bericht an den Exekutivausschuss Einzelheiten darueber mitgeteilt, welche Massnahmen zur Aufrechterhaltung der Arbeitsdisziplin
angewandt werden. Lai Jo-yu erklaerte am 30. August 1955 nach einer Meldung der rotchinesischen Agentur Hsinhua in diesem Bericht woertlichi
"Einige Betriebe entliessen willkuerlich Arbeitskraefte oder schuechterten die Arbeiterschaft durch Androhung der Entlassung ein, andere Betriebe haben Arbeiter, die gegen die Arbeitsdisziplin Verstössen haben,
festgesetzt und im Personalbuero eingesperrt, damit sie in sich gehen und
sich bessern. In einigen Betrieben kam es zu Demonstrationen gegen Arbeiter, die bei der Ausfuehrung von Aufgaben im Dienste der Oeffentlichkeit
Unfaelle erlitten hatten; man forderte diese Arbeiter auf, ein Gestaendnis
darueber abzulegen, wie es zu ihrer Verletzung kam, wobei man ihnen lediglich gestattete, subjektive Ursachen und nicht den objektiven Hergang zu
berichten. An diesen Praktiken beteiligten 3ich auch Kader der Gewerkschaften."
Bis zum Jahre 1955 war es wohl allen chinesischen Arbeitern klar geworden, wie ratsam die strikte Einhaltung der Arbeitsdisziplin sei, und so
begann der Allchinesische Gewerkschaftsbund sich einer neuen Aufgabe zuzuwenden, wie sie fuer Gewerkschaften unter einer kommunistischen Diktatur typisch ist: Eine Kampagne fuer eine Forcierung des Arbeitstempos, die
die Kommunisten als "Arbeiter- oder sozialistischen Wettbewerb" bezeichnen.
Lai Jo-yu schrieb zu dieser Frage am 30. April in der in Peking erscheinenden "Kung Jen Jih Pao" (Arbeiterzeitung): "Nach der Gruendung der
chinesischen Volksrepublik machten die Gewerkschaften eine neue Entwicklung
durch.... Waehrend der vergangenen Jahre haben die Gewerkschaften die arbeitenden Massen in China systematisch dazu erzogen, ihre Einstellung zur
Arbeit zu aendern, die Arbeitsdisziplin gefestigt... und einen Wettstreit
unter den Massen propagiert. Durch solche Massnahmen war es der breiten
Masse moeglich ... einen Grad der Arbeitsproduktivitaet zu erreichen, wie
er in der Geschichte Chinas bisher einmalig ist."
Bei diesem sogenannten Wettstreit wird die Arbeitsleistung des besten
Arbeiters in qualitativer und quantitativer Hinsicht als Norm fuer die
ganze Arbeitsgruppe festgelegt. Es wird dann erwartet, dass die uebrigen
Arbeiter diese Norm erreichen und die Bestarbeiter eine neue hoehere Norm
aufstellen, die dann die uebrige Arbeitsgruppe wiederum einholen muss.
Arbeiter, die als Schrittmacher dieser Forcierung des Arbeitstempos aus
diesem Wettstreit hervorgehen, werden mit roten Fahnen und dem Titel
"Musterarbeiter" ausgezeichnet.
Die Rolle der Gewerkschaften bei dieser Kampagne zur Steigerung
des Arbeitstempos wurde von Lai Jo-yu am 18. Dezember 1954 in einem Artikel
der "Arbeiterzeitung" wie folgt umrissen: "Die Gewerkschaft hat die Aufgabe, die Anweisungen der Partei im Bereich der Produktion durchzufuehren...
sie muss deshalb den Wettstreit unter den Arbeitern organisieren, damit
langsame Arbeiter sich dem gesteigerten Tempo anpassen".
Der Vorstand des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes fuehrte ferner
aus: "Eben wegen dieser Ausrichtung der Gewerkschaftsarbeit auf die Produktion wurde im vergangenen Jahr und auch schon davor die innerhalb der
Gewerkschaftsorganisation bestehende Tendenz zum Oekonomismus wiederholt
kritisiert. Wenn wir dieser Tendenz nicht entgegentreten... wird es uns
nicht gelingen, (die Arbeiter) zur aktiven Teilnahme an den Arbeiterwettstreiten

- 6-

�zu bewegen. Dies erklaert sich daraus, dass der Oekonomismus eine nichtpolitische Tendenz ist.... und das Interesse der Masse zu foerdern sucht,
ohne dabei die Interessen des Staates zu beruecksichtigen."
Die Theorie des Oekonomismus besagt, dass sich die Arbeiterschaft
auf die Foerderung ihrer eigenen Interessen konzentrieren muesse; die
Bestrebungen zur Weiterentwicklung der kommunistischen Revolution wuerden
dadurch natuerlich erst an die zweite Stelle ruecken. Radio Peking wetterte am 8. Februar 1956 in einer Sendung gegen die "Arbeiterparteien und
die Sozialisten des rechten Fluegels, die eine sozialistische Demokratie
erstreben, die sich «uf die anti-marxistischen Lehren des Oekonomismus
stuetzt."
Was die Kommunisten in China unter dem Arbeiterwettstreit in der
Praxis verstehen, umriss Lai Jo-yu in der "Arbeiterzeitung" vom 20. Februar 1955« "Der Verlaengerung der Arbeitszeit sind keine Grenzen gesetzt.
Einzelne Arbeiter haben fortgesetzt 72 Wochenstunden in Sonderschichten und
Ueberstunden gearbeitet. Einzelne Fabriken haben von ihren Arbeitern verlangt, dass sie 10 Monate im Jahr selbst am Sonntag zur Arbeit erscheinen...
Die uebergrosse Beanspruchung fuehrte zu Erschoepfung und brachte ein Ansteigen der Zahl der Erkrankungen und Betriebsunfaelle mit sich. Es liegen
eine ganze Reihe von Berichten vor, nach denen Arbeiter infolge voelliger
Erschoepfung zusammenbrachen, Blutstuerze bekamen und starben. In einem
Betrieb, in dem in einem Jahr durch Sonderschichten und Ueberstundenarbeit
insgesamt 260 000 Arbeitsstunden zusaetzlich geleistet wurden, betrug der
Arbeitsausfall wegen Erkrankung fast ebensoviel, naemlich 220 000 Stunden.
Hinzu kommt, dass die Ueberbeanspruchung der Arbeiter ein Absinken der
Qualitaet der Erzeugnisse mit sich gebracht hat, so dass das Plansoll nicht
erreicht werden konnte".
Das volle Ausmass der geplanten verstaerkten Ausbeutung der Arbeiterschaft zeigte sich im Juli 1955» als der erste Fuenfjahresplan ueber die
Entwicklung der Volkswirtschaft der Chinesischen Volksrepublik auf der
Tagung des Nationalen Volkskongresses bekanntgegeben wurde. In dem Fuenfjahresplan heisst es, dass "der Wettstreit unter der Arbeiterschaft da3
regulaere und wirksame Mittel zur Steigerung der Produktivitaet der Arbeit
ist und noch erheblich verschaerft werden muss."
Dieser Gedanke wurde am 10. September 1955 ii einem Leitartikel der
Pekinger "Volkszeitung" noch weiter ausgefuehrt, in dem eine Revision der
Lohnskala im Sinne des Stueckzeit-Systems gefordert wird: "Lohnskalen,
die sich auf dem Grundsatz einer Entlohnung nach der geleisteten Arbeit
stuetzen, gestatten es den arbeitenden Massen, sich vom Standpunkt ihres
eigenen materiellen Interesses aus um eine Steigerung der Produktivitaet
zu bemuehen. Das ist das Gesetz der sozialistischen Wirtschaft. Aus diesem Grund muss das System der Entlohnung und Belohnung reorganisiert
werden. Die materielle Belohnung muss Hand in Hand gehen mit politischer
Erziehung, um (das politische Gewissen der Massen zu wecken und) ihre
Aktivitaet zu verstaerken."
Dass das Lohnniveau im rotchinesischen "Arbeiterparadies" niedriger
ist als in den freien Laendern Asiens, wird erhellt aus Zahlen, die die
chinesische Presse und fuehrende Maenner des Allchinesischen Gewerkschaftsbundes bekanntgaben. Auch die Behauptung der kommunistischen Machthaber
Chinas, dass die Produktion Ende des Jahres 1955 gegenueber dem Stand vom
Jahr 1952 um 62$ zugenommen hatte, waehrend die Loehne im gleichen Zeitabschnitt nur um ^^fo gestiegen sind, beweist, wie fragwuerdig der "Fortschritt" fuer den chinesischen Arbeiter ist.
Liu Ning-i, der Stellvertretende Vorsitzende des Allchinesischen
Gewerkschaftsbundes, erklaerte im August 1954 vor einer Delegation der
britischen Labour Party in Peking, dass der durchschnittliche Monatslohn

�der Industriearbeiter in China zwischen 50 000 und 60 000 Yuan betrage.
Das entspricht nach dem offiziellen Umrechnungskurs, der noch dazu in
der Praxis nicht gezahlt wird, da der Yuan gegenueber dem US-Dollar viel
zu hoch veranschlagt ist, rund 21 bis 25 Dollar, das sind rund 88 bis
105 DM. Ungelernte Arbeiter erhielten im Jahr 1954 sogar nur den Gegenwert von 42 bis 63 DM pro Monat.
Im freien China, in Formosa, erhalten ungelernte Arbeiter dagegen
den Gegenwert von 80 bis 109 DM und Industriearbeiter von rund 122 DM.
Der Durchschnittslohn der japanischen Fabrikarbeiter verschiedener Industrien betrug im Jahre 1954 rund 210 DM und stieg im Jahre 1955 aul&lt;
fast 225 DM.
Die "Volkszeitung" warnte am 10. September 1955 die Arbeiterschaft
in einem Leitartikel (»vor, dass "eine Hebung des materiellen Wohlstandes
und eine Verbesserung des kulturellen Lebens nicht zu bald, zu rasch
und in zu grossem Umfange gefordert werden duerfte." Umgekehrt, so fuehrte
die Zeitung weiter aus, "muessen die arbeitenden Massen in dem Geist
bestaerkt werden, den Kampf entschlossen zu fuehren, die Ansprueche zurueckzustecken und alle Schwierigkeiten zu ueberwinden."
Die wahre Bedeutung des kommunistischen Wortes vom "Zurueckstecken
der Ansprueche der arbeitenden Massen" wurde den Arbeitern in der Privatindustrie im kommunistischen China im Januar 1956 klar, als private
Unternehmen in Industrie und Handel in sogenannte "gemischte staatlichprivate Unternehmen" umgewandelt, das heisst also verstaatlicht wurden.
Dieses Vorgehen entsprach ganz offensichtlich nicht den Wuenschen
der Arbeiterschaft, denn die "Volkszeitung" sah sich am 17. Januar 1956
in einem Leitartikel gezwungen, der Arbeiterschaft gut zuzureden. In
sehr vorsichtiger Form versuchte man darin der Arbeiterschaft die Notwendigkeit von Lohnverkuerzungen in diesen Betrieben klar zu machen:
"Einige Arbeiter in der privaten Wirtschaft", so heisst es in dem Leitartikel, "befuerchten, dass sie nach der Umwandlung dieser Betriebe in
gemischt staatlich-private Unternehmen geringere Loehne und Sozialleistungen erhalten werden als bisher, und dass eine Verschaerfung der Arbeitsdisziplin bevorsteht. Aus diesem Grunde stehen sie der Umwandlung in
staatliche-private Gemeinschaftsunternehmen mit Skepsis gegenueber....
Es ist deshalb in erster Linie notwendig, ihnen klar zu machen, dass
die Loehne und Sozialleistungen in einigen Betrieben der Privatwirtschaft
zu hoch waren und dass dies eine Methode der Kapitalistischen Unternehmer
War, die Arbeiterschaft zu koedern. Eine vernuenftige Angleichung der
Loehne und der Sozialbetreuung ist deshalb heute unerlaesslich. Gleichzeitig gilt es, der Arbeiterschaft in der Privatwirtschaft zu erklaeren,
dass die gemeinschaftliche Fuehrung der Betriebe durch den Staat und die
Unternehmer.... eine staendige Steigerung der Produktivitaet und Verbesserung der Betriebsfuehrung mit sich bringen wird, so dass diese
Unternehmen fortan dem Staat weit besser zu dienen vermoe^en...."
Am Rande sei hier noch bemerkt, dass der Sender Peking seinen auslaendischen Hoerern zum gleichen Zeitpunkt glauben machen wollte," dass
es anlaesslich der Verstaatlichung der Privatindustrie zu begeisterten
Ovationen fuer das kommunistische Regime gekommen sei.
Radio Peking berichtete, dass von Begeisterung erfuellte Arbeiter
sich vor den oertlichen Gewerkschaftszentralen zusammenfanden, rote
Fahnen mit sich fuehrten und begeisterte Kundgebungen cbhielten.
Wenn die Arbeiterschaft in einem kapitalistischen Land unter aehnlichen Umstaenden vor den Gewerkschaftszentralen aufmarschierte, dann
wuerde dies mit Sicherheit dazu fuehren, dass die alten Loehne weiterbezahlt

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�und die Kuerzungen in der Sozialleistung rueckgaengig gemacht werden.
Im kommunistischen China, wo die Gewerkschaften lediglich das Werkzeug
des Staates sind, fuehrten diese Demonstrationen der Arbeiterschaft zu
folgender Resolution, die am 28. Februar 1956 ueber den Sender Peking an
die Arbeiterschaft des Landes gerichtet wurde:
"Das Zentralkomitee der Partei erwartet von uns, dass wir mehr produzieren und schneller, besser und wirtschaftlicher arbeiten... Der
Allchinesische Gewerkschaf'tsbund ist entschlossen, die Arbeiterschaft des
Landes zu mobilisieren, damit sie der Forderung des Zentralkomitees mit
Begeisterung nachkommt, und sie wird darueber hinaus den sozialistischen
Wettbewerb mit allen ihr zur Verfuegung stehenden Mitteln foerdern, damit
der erste Fuenfjahresplan noch vorzeitig erfuellt wird. Dieses tatkraeftige Mandeln soll das Geschenk der Gewerkschaften zum 8. Kongresa der
Kommunistischen Partei Chinas sein.
Quelle»

Eigenbericht

US-BerKarbeitergewerkschaft baute zehn neue Krankenhaeuser
fuer Mitglieder
Als erstes von insgesamt zehn neuen Krankenhaeusern, die von der
Gewerkschaft der Vereinigten Bergarbeiter (UMW) zur "eit im Kohlenrevier
des Appalachenplateaus gebaut werden, wurde kuerzlich das Hospital in
Middlesboro feierlich eingeweiht.
Die aus Geldern des Pensionsfonds gebauten Krankenhaeuser sollen
sowohl den Gewerkschaftsmitgliedern als auch ihren Angehoerigen kostenlos fuer saemtliche aerztlichen und chirurgischen Taetigkeiten zur Verfuegung gestellt werden. Darueber hinaus aber will man auch, soweit Betten vorhanden, den uebrigen Bewohnern der Staedte und Gemeinden, in denen die neuen Krankenhaeuser errichtet werden, Aufnahme und Behandlung
zu den ueblichen Saetzen gewaehren.
Die nach den modernsten Gesichtspunkten der Technik entworfenen Gebaeude sind in ihrer Kombination von Beton, Stahl und Glas nicht nur
ungemein zweckmaessig angelegt sondern sie wirken dazu auch noch nach
aussen hin sehr attraktiv.
Die zweifellos wichtigste Neuerung dieser zehn Krankenhaeuser liegt
jedoch auf verwaltungstechnischem Gebiet. Obgleich raeumlich sehr weit
auseinander gelegen - sechs Krankenhaeuser liegen in Kentucky, drei in
West-Virginia und eines in Virginia -, bilden sie eine einzige Verwaltungseinheit. Das heisst, die gesamte Planung und saemtliche mit der Verwaltung zusammenhaengenden Fragen, wie Einkauf, Lagerung und aehnliches,
werden zentral gesteuert. Ebenso der Einsatz und die Dispositionen ueber
Aerzte und Hilfspersonal. Da die Krankenhaeuser durch ein Fernschreibnetz
miteinander verbunden sind, kann zum Beispiel ein Spezialist sehr schnell
in dasjenige Krankenhaus gerufen werden, wo er dringend benoetigt wird,
oder aber es koennen auf diese Weise ploetzlich auftauchende medizinische
und andere Fragen ohne Zeitverlust zwischen den Aerzten geklaert werden.
Die grossen Krankenhaeuser in Williamson, Beckley und Harlan werden dabei
als "Stuetzpunkte" fungieren und ueber all diejenigen Einrichtungen verfuegen, die in den kleineren Krankenhaeusern nicht vorhanden sind.
Auch die Versorgung der einzelnen Krankenhaeuser erfolgt zentral.

- 9-

�Waehrend saemtliche eingekauften Waren in Williamson gelagert und von
dort aus verteilt werden, erfolgt die Belieferung der einzelnen Hospitaeler mit Arzneien von einer Zentralapotheke aus.
Ebenso will man auch die Fachkraefte einheitlich ausbilden. Eine
Schule fuer Krankenschwestern, in der Junge Maedchen in dreijaehrigen Kursen alles das erlernen sollen, was in der modernen Krankenpflege benoetigt
wird, soll in Harlan errichtet werden, wo sich bereits eine Schule fuer
ausgebildete Schwestern befindet.
Neu ist in den einzelnen Krankenhaeusem auch der organisatorische
Aufbau. So wird unter anderem nur eine Hauptkrankenkartei gefuehrt werden,
in der die Schwestern all das in die Krankenpapiere eintragen koennen,
was die Aerzte ueber Telefone, die an automatisch arbeitende Diktatgeraete
angeschlossen sind, hinsichtlich Diagnose oder Krankheitsverlauf aussagen.
Auch die Krankenpflege wird in den neuen Krankenhaeusem, die insgesamt 1040 Betten - zwischen 50 und 200 - haben werden, durch verschiedene moderne Einrichtungen erheblich erleichtert. So koennen die Schwestern
jederzeit, ohne ihren Raum verlassen zu muessen, ueber ein audio-visuales
System sich mit den Patienten verstaendigen, und zur Behandlung stehen
ihnen "Verbandskarren" zur Verfuegung, die taeglich mit allen fuer die
Krankenpflege, zur Behandlung oder Erneuerung der Yerbaende benoetigten
Sachen aufgefuellt werden und somit zeitraubende und anstrengende Caenge
fuer das Personal ersparen helfen.
Quelle: Eigenbericht

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Ein Unternehmer hat eine Tarifverhandlung mit der Gewerkschaft dann
nicht im Sinne von "Treu und Glauben" gefuehrt, wenn er die von der Gewerkschaft geforderte Lohnerhoehung mit dem Hinweis ablehnt, dass diese
wirtschaftlich nicht tragbar sei, und er gleichzeitig eine Einsichtnahme
in die Geschaeftsbuecher durch die Arbeitnehmerorganisation verweigert.
Diese Entscheidung faellte der Oberste Bundesgerichtshof der Vereinigten Staaten, der damit mit sechs zu drei Stimmen ein Urteil des
"National Labor Relations Board" (NLRB) bestaetigte, durch das der "Truitt
Manufacturing Company" in Greensboro (Nord-Karolina) auferlegt worden war,
der Gewerkschaft der Bruecken- und Eisenkonstruktionsarbeiter (BSOIW) die
entsprechenden Unterlagen ueber die wirtschaftliche Lage des Unternehmens
zugaengig zu machen.
Diese Entscheidung wurde vom NLRB gefaellt, nachdem die Truitt Company die von der Gewerkschaft geforderte Lohnerhoehung von 10 Cent pro
Stunde mit der Begruendung abgelehnt hatte, dass nur eine Erhoehung um
2,5 Cent wirtschaftlich tragbar sei und die Gewericschaft daraufhin eine
Einsichtnahme in die Geschaeftsbuecher forderte, die aber ebenfalls verweigert wurde.
Dieser Spruch des NLRB wurde dann spaeter durch den Appelationsgerichts
hof in Richmond (Virginia) aufgehoben und in dem Urteil betont, dass der
Abschnitt im Taft-HartleyrGesetz ueber "Treu und Glauben" bei Kollektivverhandlungen eine Einsichtnahme in die Geschaeftsbuecher nicht vorsehe.
In dem Urteil des Obersten Gerichtshofes wird allerdings ausdruecklich
betont, dass diese Entscheidung nicht allverbindlich sei. In der Urteilsbegruendung erklaerte der Richter Hugo L. Black im Namen der Mehrheit,

10

�&gt;
dass die wirtschaftlichen Moeglichkeiten des Unternehmens hinsichtlich
Lohnerhoehungen bei Tarifverhandlungen allgemein beruecksichtigt wuerden
und des oefteren schon Lohnforderungen der Arbeitnehmer auf Grund der
schwierigen wirtschaftlichen Lage zurueckgestellt worden seien. Desgleichen seien Faelle bekannt, in denen die Arbeiter und Angestellten freiwillig Lohnherabsetzungen auf Grund der schlechten finanziellen Lage des
Unternehmens beantragt haetten.
Aus diesem Grunde sei es bei in "Treu und Glauben" gefuehrten Kollektivverhandlungen auch durchaus erforderlich, dass die vorgebrachten Argumente aufrichtig seien. Wenn solch ein Argument wichtig genug sei, um
bei den TarifVerhandlungen zur Sprache zu Kommen, dann sei es auch wichtig genug, den Beweis dafuer zu erbringen.

Die zunehmende Bedeutung der industriellen Wohlfahrts- und Pensionsprogramme fuer die soziale Sicherheit der amerikanischen Arbeitnehmer
zeigt eine Studie auf, die vom Senatsunterausschuss fuer Arbeitsfragen
jetzt fertiggestellt wurde.
Danach werden zur Zeit rund 75 Millionen Amerikaner - das ist fast
die Haelfte der Bevoelkerung - von solchen ganz oder teilweise von den
Unternehmern finanzierten Flaenen erfasst. Im einzelnen sind es 2$ Millionen Arbeitnehmer mit etwa 46 Millionen Angehoerigen, die gegen Krankheit,
Unfall, Invaliditaet und (oder) Alter versichert sind.
Nach Angaben des Vorsitzenden des Senatsunterausschusses, Senator
Paul H. Douglas, werden jaehrlich in diese V rsicherungsfonds, die gegenwaertig eine Gesamthoehe von etwa 25 Milliarden Dollar aufweisen duerften,
rund 7 Milliarden Dollar eingezahlt. Die Gesamtzahl der zur Zeit in Kraft
befindlichen Plaene,. die saemtlich auf Grund von Kollektivverhandlungen
zwischen den Sozialpartnern geschaffen wurden und von denen die ueberwiegende Zahl nur Beitragsleistungen durch den Arbeitgeber vorsieht, liegt
nach Angaben von Senator Douglas bei etwa 500 000.
In einem kuerzlich veroeffentlichten Bericht hatte der gleiche Ausschuss schon gefordert, dass all diese Flaene durch bundes- und.einzelstaatliche Gesetze geschuetzt werden sollten. Nach Ansicht der Ausschussmitglieder sei dies deshalb notwendig, da, "obwohl die ueberwiegende
Mehrzahl dieser Fonds ordnungsgenaess und richtig verwaltet wird, in
einigen Faellen die Rechte und Anteile der Mitglieder in unverantwortlicher
Weise gefaehrdet werden." In anderen Faellen wiederum wuerden die Mittel
dieser"Fonds vergeudet" oder von "Skrupellosen als Jagdgruende" betrachtet.
Ausserdem wies der Ausschuss in seinem Bericht darauf hin, dass die
gesamte Verwaltung dieser Mittel auf Grund der gewaltigen Zunahme dieser
Programme seit Beendigung des letzten Krieges ungemein kompliziert geworden und teilweise nicht mehr mit den derzeitigen Gesetzen und staatlichen Kontrollen in Einklang zu bringen sei. Aus diesem Grunde solle
ein Gesetz geschaffen werden, das die oeffentliche Eintragung solcher
Programme zur Pflicht mache. Solche Fonds, die mehr als 100 Mitglieder
umfassen, sollten zudem zur Abgabe detaillierter Geschaeftsberichte und
- soweit erforderlich - zur regelmaessigen Buchpruefung verpflichtet werden.
In einer Stellungnahme zu den Vorschlaegen des Senatsunterausschusses erklaerte der 1. Vorsitzende des grossen amerikanischen Gewerkschaftsverbandes "AFL-CIO", George Meany, dass die unparteiische und objektive
Art, mit der der Ausschuss seine Untersuchung durchgefuehrt habe, volle
Anerkennung verdiene. Auch der Abschlussbericht sei konstruktiv und
- 11 -

�informativ. Meany forderte den Kongress auf, sich unverzueglich mit den
Empfehlungen des Ausschusses auseinanderzusetzen und ein entsprechendes
Gesetz zu verabschieden.

Einen neuen Weg in der medizinischen Betreuung ihrer Gewerkschaftsmitglieder ist jetzt die bekannte "Gewerkschaft der Damenoberbekleidungsarbeiter" ("International Ladies Garment Workers Union" - ILGW -) gegangen, indem sie eine Flotte von 12 motorisierten Ambulanzstationen ausruestete, die fuer den Einsatz in den Fabriken gedacht sind.
Diese fahrbaren Ambulanzen sind als Ergaenzung zu den insgesamt 17
sogenannten "health centers" (Gesundheitsbetreuungsstellen) der Gewerkschaft gedacht, die sich ge^enwaertig in den groessten amerikanischen
Staedten befinden und durch die rund drei Viertel der insgesamt 440 000
Mitglieder betreut werden. Sie sollen dabei in erster Linie in abgelegeneren Gebieten eingesetzt werden.
Die Gesamtkosten fuer die Ausruestung dieser "fliegenden" Ambulanzen
wurden vom ersten Vorsitzenden der ILGW, David Dubinsky, mit rund 500 000
Dollar veranschlagt. Die einzelnen Fahrzeuge will man genauso ausruesten
wie die Versuchseinheit, die bereits seit einem Jahr im Staate Pennsylvanien eingesetzt ist und die 55 000 Dollar kostete. Neben der medizinischen Betreuung der Gewerkschaftsmitglieder sollen sie auch in Katastrophen
und Notfaellen, wie erst kuerzlich bei den schweren Ueberflutungen und Orkanen in Pennsylvanien, Verwendung finden.
Die rund 10 Meter langen und 2,60 Meter breiten "Motorisierten Kliniken" enthalten neben einem Empfangs- und Behandlungsraum zwei UmKleidekabinen, je einen Roentgenraum sowie ein komplett eingerichtetes Laboratorium. Weiterhin sind die Fahrzeuge mit einer Klimaanlage, Behaeltern
fuer Kalt- und '.Varmwasser sowie zur Aufnahme der Abwaesser ausgeruestet.
Neben einem Arzt gehoeren eine ausgebildete Krankenschwe-ster und ein Techniker zur Besatzung.
Der Vorteil dieser motorisierten Kliniken besteht darin, dass sie
direkt zu den Arbeitern in die Fabrik fahren koennen, so dass in Vereinbarung mit den Unternehmen regelmaessig Reihenuntersuchungen durchgei'uehrt
werden koennen. Diese Reihenuntersuchungen, die neben der normalen Betreuung durchgefuehrt werden sollen, schlieasen ausser einer vollkommenen
Roentgenuntersuchung die Messung des Blutdruckes, die Anfertigung eines
Elektro-Kardiogramms sowie Ohren-, Nasen-, Augen- und Halsuntersuchungen
ein.
Es versteht sich am Rande, dass saemtliche Untersuchungen fuer die
Mitglieder der Damenoberbekleidungsgewerkschaft natuerlich kostenlos durchgefuehrt werden.

- 12 •. JUN &gt;•

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material Aber ArbeitsbeziehunKen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht wercjen.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlem, Mchlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 12

Mehlem, den 22. Juni 1956

I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der
Seite 1
privaten Arbeitslosenunterstuetzung
Seite

8

Die Freizeit als Faktor im Wirtschaftsleben
Seite 11
"Revidierter Garantierter Jahreslohn" in der Praxis
Seite 12
Gewerkschaftliche Kurznachrichten

ffohn V. HoConnel,
Professor der Soziologie an der Cornell-Universitaet, USA:
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der privaten Arbeitslosenunterstuetzung
Die Abkommen fuer einen "garantierten Jahreslohn", die im letzten
Sommer in der Autoindustrie realisiert wurden, unterscheiden sich erheblich von den urspruenglich von den Gewerkschaften vorgeschlagenen Plaenen.
Diese neuen, als zusaetzliche Arbeitslosenversicherung bezeichneten Plaene, bilden dabei eine gute Basis fuer eine Diskussion ueber den garantierten Jahreslohn in seiner derzeitigen Form. Bei den Leistungen aus der
zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung handelt es sich um variable Leistungen, die neben der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung aus einem vom
Arbeitgeber finanzierten und unter Treuhandverwaltung stehenden Fonds an
entlassene Arbeiter gewaehrt werden.
Die Plaene der Firmen "Ford", "General Motors" und der Automobilarbeitergewerkschaft sind in der Oeffentlichkeit des langen und breiten diskutiert worden. Doch gibt es auch noch andere Formen einer zusaetzlichen
Arbeitslosenversicherung wie zum Beispiel die Plaene, die von der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft mit den zwei groessten amerikanischen Konservendosenfabriken - der American und der Continental Can Company - ausgehandelt wurden sowie die Abkommen zwischen Tafelglasherstellern und
der Glas- und Keramikarbeitergewerkschaft. Ebenso hat die Gewerkschaft der
Damenoberbekleidungsarbeiter (ILGW) mit einer Gruppe von Industriebetrieben in Allentown (Pennsylvanien)
eine zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung in Hoehe von 2 Dollar taeglich fuer Arbeiter und Angestellte
mit sechsmonatiger Betriebszugehoerigkeit ausgehandelt.
- 1 -

�Gemeinsame Fonds oder individuelles Sparen
Der Plan der Glasarbeiter laeuft tatsaechlich auf nichts anderes als
auf ein Zwangssparen hinaus. Es ist nicht das erste Mal, dass Flaene fuer
individuelles Zwangssparen in den USA als Ersatz fuer Arbeitslosenunterstuetzungen ernsthaft vorgeschlagen wurden. Von Vertretern der Arbeitgeberverbaende sind sie dabei als eine "typisch amerikanische Methode zur Erreichung wirtschaftlicher Sicherheit" schon oft befuerwortet worden.
Die Kernfrage, welchem System der Vorzug zu geben ist, dreht sich dabei in
erster Linie darum, wie das Risiko am besten getragen werden kann. In den
Diskussionen ueber das im Jahre 1935 erlassene Sozialversicherungsgesetz
wurde das individuelle Sparen und die Einrichtung von Fonds zur Arbeitslosenunterstuetzung durch die einzelnen Arbeitgeber von denjenigen befuerwortet, die zwischen der Arbeitslosenversicherung und der Invaliditaetsversicherung eine Farallele zogen. Das Gesetz ueber die Sozialversicherung
sieht daher private Unterstuetzungskassen des Arbeitgebers und Massnahmen
zur Sicherung des Arbeitsplatzes vor, weil die Arbeitslosigkeit damals allgemein und ihr Ende nicht abzusehen war, und nur gemeinsame Fonds die geeignete Form fuer Arbeitslosenunterstuetzungen zu sein schienen. Die Frage,
gemeinsame Fonds oder individuelles Sparen der Betriebe, steht immer noch
zur Debatte - doch sie ist heute von geringerer Bedeutung als vor 20 Jahren,
da die vom Bund und den Einzelstaaten getragene Arbeitslosenversicherung
dem einzelnen ein Existenzminimum sichert. Trotz ihrer UnzulaenglichKeiten
bilden die staatlichen Massnahmen eine Grundlage, auf der sich eine zusaetzliche Arbeitslosenversicherung aufbauen laesst. Die Frage, ob diese zusaetzlichen Unterstuetzungen durch individuelles Sparen oder durch gemeinsame Fonds aufgebracht werden sollen, sollte man daher ruhig den beiden
Sozialpartnern ueberlassen. Die einzelnen Industriezweige moegen sich dabei fuer das eine oder das andere System entscheiden, je nach den Erfahrungen, die sie hinsichtlich der Beschaeftigungsschwankungen gemacht haben, wobei die Wuensche ihrer Belegschaften zu beruecksichtigen sind und
gewaehrleistet sein muss, dass die wirtschaftliche Sicherheit der Arbeiter
auf weite Sicht gesehen nicht gefaehrdet wird.
Individuelle Fonds sind als Mittel vorgeschlagen worden, um verschiedene Einwaende zu entkraeften, die gegen die zusaetzliche Arbeitslosenunters tuetzung in Form von gemeinsamen Unterstuetzungsfonds vorgebracht
wurden.
Die Vorzuege des individuellen Fonds werden damit begruendet, dass
sie
1. fuer diejenigen Angestellten und Arbeiter wirtschaftlich vorteilhafter sind, die schon laengere Zeit im Betrieb beschaeftigt sind und die
kaum mit einer Entlassung zu rechnen haben, und sie die Vorteile aufwiegen gegenueber den seit kuerzerer Zeit im Betrieb beschaeftigten Arbeitern und Angestellten, die aus der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung
unterstuetzt werden.
2. die Inanspruchnahme des Fonds sowohl im Falle der Arbeitsunfaehigkeit wie bei Eintritt der Arbeitslosigkeit gestatten.
3. dem einzelnen Arbeiter oder Angestellten einen Anspruch auf den
Arbeitgeberanteil gewaehren. Wenn, was wahrscheinlich ist, dieser. Anteil
mehr als ausreichend ist, um die Unterstuetzungsleistungen an die Arbeitslosen nach ihrem gegenwaertigen Stand zu finanzieren, kann sich der Arbeiter beziehungsweise dessen Familie den ueberschuessigen Betrag bei seinem
Ausscheiden aus dem Betrieb, bei seiner Pensionierung oder im Falle seines
Todes auszahlen lassen.
i

4* die formelle Genehmigung durch die Regierung des Einzelstaates
bei der Auszahlung von Unterstuetzungen nicht erforderlich machen, obwohl
der Anspruch neben der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung ausgezahlt
wird.
- 2 -

�.Verschiedene Aspekte der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung
Die Bedingungen fuer die Gewaehrung von Unterstuetzungen sind bei
der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung strenger als bei der staatlichen
Arbeitslosenversicherung. Die Bezugsberechtigung setzt die ununterbrochene
Be3Chaeftigung in einem einzigen Betrieb voraus, und die Beschaeftigungsdauer betraegt nach den zwischen der Automobilindustrie der Automobilarbeitergewerkschaft aufgestellten Plaenen ein Jahr, waehrend die von den
Konservendosenfabriken und der Stahlarbeitergewerkschaft aufgestellten
Flaene eine Beschaeftigungsdauer von drei Jahren voraussetzen. Zum Bezug zusaetzlicher Arbeitslosenunterstuetzungen fuer die Dtiuer einer Woche ist berechtigt, wer wenigstens zwei Wochen voll gearbeitet hat. Die
staatliche Arbeitslosenversicherung setzt dagegen mindestens 20 Wochen
Vollarbeit voraus, unabhaengig davon, wie oft der Unters tuetzungsempfaenger
in dieser Zeit seinen Arbeitsplatz gewechselt hat, und haeufig sind die
Voraussetzungen zum Bezug der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung auch
dann gegeben, wenn die Bedingungen ueber die Hoehe des Arbeitseinkommens
bei einer kuerzeren Arbeitszeit erfuellt werden. Die zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung wird nur gewaehrt, wenn der Verlust des Arbeitsplatzes
durch eine Handlung des Arbeitgebers bedingt ist und nicht auf Grund disziplinarischer Massnahmen erfolgte sowie ferner nicht die Folge war von
a) Streiks, Sitzstreiks, Betriebsstillegungen, der Besetzung eines
Werks durch Streikposten (unabhaengig davon, ob sie von der Belegschaft
selbst aufgestellt wurden oder nicht), oder gemeinsamer Aktionen in einem
oder mehreren Industriebetrieben, oder Streitigkeiten jeder Art, in die
Arbeiter oder Angestellte verwickelt werden, sei es innerhalb oder ausserhalb ihres Betriebes, oder
b) einem schuldhaften Verhalten des Antragstellers selbst; oder
die Folge war c) von kriegerischen oder feindlichen Handlungen seitens einer fremden Macht (nicht jedoch als Folge damit verbundener staatlicher Massnahmen oder Kontrollen) oder
d) von Sabotage oder Aufruhr, oder wenn
e) sie auf Grund hoeherer Gewalt erfolgten (Vertrag zwischen Ford
und der Automobilarbeitergewrrkschaft, Art. V., Abschn. 2/4.)
Die meisten Einzelstaaten nehmen dagegen in diesen Faellen (ausser
bei Streiks) unverzueglich beziehungsweise kurze Zeit nach Eintritt des
Versicherungsfalls die Zahlungen zur Arbeitslosenversicherung auf.
Obgleich die Automobilarbeitergewerkschaft vor Abschluss ihrer Verhandlungen mit den Automobilwerken in der Oeffentlichkeit klär zum Ausdruck brachte, dass sie mit ihren Forderungen nach einem garantierten
Jahreslohn den Zweck verfolgte, das Verlangen der Arbeitgeber nach zusaetzlichen Ausschliessungsgruenden bei der Gewaehrung der Arbeitslosenunterstuetzung zu neutralisieren, duerfte es verfehlt sein, anzunehmen,
dass die Arbeitgeber, es sei denn unter starkem Druck, jemals der Zahlung von Arbeitslosenunterstuetzungen zustimmen wuerden, wenn die Ursache der Arbeitslosigkeit allein auf ein Verschulden des Arbeiters oder
auf andere Gruende als Arbeitsmangel zurueckzufuehren ist. Durchaus annehmbar waere dagegen der Vorschlag, die Unterstuetzungen nach dem Vorbild
der staatlichen Sozialversicherungen zu leisten, wenn die Arbeitslosigkeit auf soziale Ursachen zurueckzufuehren ist, wie etwa bei Stoerungen
des Wirtschaftslebens durch Kriegseinfluesse. Veit schwerer laesst sich
die Forderung begruenden, die Arbeitgeber im Rahmen privater Programme
fuer Verluste aufkommen zu lassen, fuer die sie selbst in keiner Weise
verantwortlich sind.

- 3 -

�In den zwischen den Automobilarbeiter- und Stahlarbeitergewerkschafien und den Automobil- beziehungsweise Konservendosenfabriken vorgesehenen
Vertraegen werden die Unterstuetzungsleistungen auf 60 beziehungsweise
65 Prozent vom Einkommen nach Abzug der Steuern festgesetzt. Diese Formel
wirkt sich dabei dahingehend aus, die grossen Unterschiede in der Staffelung der Saetze, wie sie heute bei verschiedenen Systemen der Arbeitslosenunterstuetzung in den einzelnen Staaten bestehen, zu verringern, eine
Frage, die auch von den an den verschiedenen Plaenen beteiligten Werken
bcgruesst wird. Der Abschluss von Kollektivvertraegen mit Industriewerken,
die ueber mehrere Einzelstaaten verstreut sind, hat bereits die Unterschiede in der Staffelung der Lohnsaetze in der gleichen Industrie, wie
sie zwischen den Einzelstaaten bestanden, weitgehend vermindert. Die zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung verringert heute auch die Unterschiede der gestaffelten Unterstuetzungssaetze der Arbeitslosenversicherung, die zwischen den Einzelstaaten bestanden hatten.
In den Flaenen der Xonservendosenfabriken und der Stahlarbeiter sind
auch Familienunterstuetzungen vorgesehen. In die Plaene fuer die Arbeiter
der Automobilindustrie wurden diese Leistungen jedoch nicht aufgenommen,
statt dessen die Unterschiede in den gestaffelten Saetzen der Arbeitslosenversicherung zwischen den ledigen und verheirateten Arbeitern mit Familie in denjenigen Staaten verringert, die Familienunterstuetzungen oder
variable Hoechstsaetze gewaehren. Zum Beispiel werden durch die zusaetzliche Arbfitslosenunterstuetzung in Michigan die gestaffelten Unterstuetzungssaetze fuer ledige Fordarbeiter, die 1,75 Dollar in der Stunde
verdienen, gegenueber Arbeitern mit einer vierkoepfigen Familie um 40 Prozent verringert. Oder, um ein anderes Beispiel zu nennen, die gestaffelten
Unterstuetzungssaetze betragen bei ledigen Arbeitern, die einen Stundenlohn
von 2,18 Dollar erhalten, 6 Dollar gegenueber 14 Dollar fuer verheiratete
Arbeiter mit dem gleichen Stundenlohn.
Ob und in welcher Weise hohe Unterstuetzungssaetze einen Arbeitsanreiz bilden, laesst sich heute noch nicht genau beurteilen. Bisher ist das
Tatsachenmaterial noch zu gering, um Licht auf dieses Froblem werfen zu
koennen.
Die Forderung nach gleichen Sozialaufwendungen der Betriebe ist einer
der Hauptgrundsaetze, die die meisten Gewerkschaften gewoehnlich in den
Tarifverhandlungen stillschweigend voraussetzen. Die Anwendung dieses Prinzips in der Frage des garantierten Jahreslohns, der zusaetzlichen Arbeitslosenunterstuetzung oder der Altersversorgung bei so unterschiedlichen
Industriekonzernen wie Ford und General Motors einerseits und American Motors andererseits, ist durchaus nicht leicht gewesen. Doch wurde bei den
Verhandlungen ueber die zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung fuer die
Automobilindustrie dieser Zweck scheinbar ganz automatisch durch die folgenden Bestimmungen erreicht«
1. Die Zahlung gleicher Beitraege von 5 Cent pro Arbeiter und
Arbeitsstunde.
2. Waehrend der Dauer des Abkommens werden von saemtlichen Betrieben
entsprechend der Zahl ihrer Belegschaftsmitglieder die gleichen Beitragsraten gezahlt bis nach Ablauf von fast vier Jahren (in denen keine Unterstuetzung gezahlt wird) der Fonds auf eine Summe angewachsen ist, dass
sich weitere Beitragsleistungen eruebrigen.
3. Dxe Unterstuetzungsleistungen werden
der gleichen Formel berechnet, doch sind die
und die Gesamthoehe des Unterstuetzungsfonds
und richten sich je nach deren betrieblichen

fuer saemtliche Betriebe nach
Dauer der Beitragsleistungen
der Betriebe verschieden
Gegebenheiten.

Daher duerften, trotz der Gleichheit der Vertraege, die unterschiedlichen betrieblichen Gegebenheiten der einzelnen Firmen waehrend der

- 4-

�dreijaehrigen Laufzeit der Vertraege ueberhaupt keinen Einfluss auf die
Betriebskosten haben, desto staerker aber duerften sich die betrieblichen
Gegebenheiten der einzelnen Firmen im Laufe der Zeit auf ihre Beitragsleistungen auswirken.
Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der zusaetzlichen
Arbeitslosenunterstuetzung
Wie wird sich nun diese zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung in
wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht auswirken? Bezeichnenderweise sind
diese Plaene weder von den Arbeitgebern noch von der Fachwelt so kritisch
wie die im Jahre 1949 in Tarifverhandlungen zustande gebrachte Altersversorgung aufgenommen worden. Im allgemeinen waren die Beurteilungen ueber
die moeglichen Auswirkungen der zusaetzlichen Arbeitslosenunterstuetzung
auf verschiedene Teile der amerikanischen Wirtschaft trotz unterschiedlicher Auffassungen gewoehnlich sachlich und objektiv und boten keine Gelegenheit zu lebhaften Auseinandersetzungen.
Die Frage der wirtschaftlichen Auswirkungen wird natuerlich in hohem
Grade davon bestimmt, wie schnell die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung
auch in der uebrigen amerikanischen Wirtschaft Eingang findet und auf wie
viele Arbeiter und Industriezweige sie schliesslich ausgedehnt wird.
Schaetzungsweise werden heute etwas ueber eine Million Arbeiter von der
zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung erfasst. In drei Jahren werden
vielleicht die Haelfte oder drei Viertel aller gewerkschaftlich organisierten Arbeiter - soweit ihre Organisationen heute noch daran interessiert
sind - zum Bezug zusaetzlicher Arbeitslosenunterstuetzung berechtigt sein.
Bei folgenden Gewericschaften duerfte das der Fall sein« bei der Gewerkschaft der Automobilarbeiter, der Eisen- und Stahlarbeiter, der Glas- und
Keramikarbeiter, der Internationalen Gewerkschaft der Elektroarbeiter,
der Gewerkschaft ameriKanischer Seeleute, vermutlich auch bei der Internationalen Gewerkschaft der Transportarbeiter, der Internationalen Gewerkschaft der Arbeiter der Damenoberbekleidungsindustrie und der Internationalen Maschinistengewerkschaft mit insgesamt etwa 4,7 Millionen Mitgliedern. Auf Grund des kuerzlich mit der Firma "General Electric" auf 5
Jahre abgeschlossenen Tarifvertrages kann die Gewerkschaft der Elektroarbeiter in dieser Liste nicht aufgefuehrt werden.' Im Gegensatz zur privaten Altersversorgung duerfte jedoch die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung in der amerikanischen Wirtschaft im allgemeinen keine so schnelle
Verbreitung finden, weil sie nicht dringend notwendig ist, da die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung nicht wie die Altersversorgung mit
der Personalpolitik der Betriebe so eng verlcnuepft ist und weil die nicht
in Vrrbaenden zusammengeschlossene Arbeitgeberschaft kaum geneigt sein
duerfte, Beitraege fuer eine zusaetzliche Arbeitslosenversicherung zu zahlen. Anders als bei der Altersversorgung wird die weitere Entwicklung
voraussichtlich nur in verhaeltnismaessig beschraenktem Umfange erfolgen und in den naechsten drei Jahren duerfte die Zahl von 3 bis 5 Millionen
Arbeitern vermutlich nicht ueberschritten werden. Der staerkste Widerstand gegen eine Ausdehnung der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung
duerfte vermutlich von den Justiznunistern und den gesetzgebenden Koerpe-'schaften der E.nzelstaaten ausgehen, die sich weigern werden» eine Integrierung der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung in die staatliche
Arbeitslosenversicherung zu legalisieren, dann aber auch besteht in den
Gewerkschaften selbst Uneinigkeit in dieser Frage zwischen Gewerkschaftsmitgliedern, die bereits lange in ihrem Beruf taetig sind und solchen,
bei denen das nicht der Fall ist.
Die Frogramme der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzungen
Auf Grund der Erfahrungen, die bei der im Jahre 1949 eingeführten
und auf der staatlichen Alters- und Hinterbliebenenfuersorge aufgebauten
privaten Altersversorgung gesammelt wurden, nimmt man an, dass die im

- 5-

�Aufbau begriffene private Arbeitslosenversicherung zu einer Liberalisierung der staatlichen Arbeitslosenversicherung fuehren wird. In gewissem Masse scheinen die im vergangenen Jahr in mehr als 30 Einzelstaaten gezahlten hoeheren Unterstuetzungssaetze zum Teil auf die gewerkschaftlichen Forderungen auf Gewaehrung des garantierten Jahreslohnes zurueckzufuehren zu sein. Doch herrschte allgemeine Unzufriedenheit wegen verzoegerter Auszahlungen der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzungen, und dem Wunsche nach verbesserten Leistungen wurde von
lraesident Eisenhower auch formell Ausdruck gegeben, als er im Januar
1954 einen Ausbau und die Verbesserung der staatlichen Arbeitslosenversicherung forderte. Trotz dieser Einfluesse werden die Unternehmer im
allgemeinen jedoch gegenueber erhoehten Leistungen der staatlichen Arbeitslosenversicherung eher als gegenueber den Leistungen aus der Alters- und Hinterbliebenenversicherung aus finanziellen Gruenden Widerstand entgegensetzen, da die gesamten Kosten sowohl fuer die staatliche
wie fuer die private Arbeitslosenversicherung von ihnen allein aufgebracht
werden mue^.sen, waehrend bei der Alters- und Hinterbliebenenversicherung
die Haelfte der Bcitraege von den Arbeitnehmern getragen wird. Zahlreiche
Arbeitgeber werden nur dann erhoehten Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung zustimmen, wenn die Bedingungen verschaerft werd«n, die zum
Bezug der Unterstuetzung berechtigen, beziehungsweise nur unter der
Voraussetzung, dass eine andere Gegenleistung erfolgt. An dieser Einstellung gegenueber der staatlichen Arbeitslosenversicherung duerfte auch die
private Arbeitslosenversicherung nichts aendern.
Der Forderung der Gewerkschaften nach einer Revision der Gesetze
ueber die staatliche Arbeitslosenversicherung duerfte ebensowenig Erfolg
beschieden sein wie in der Vergangenheit. Ihre Schlappe anlaesslich der
vom "Congress of Industrial Organizations" (CIO) im November 1955 in
Ohio beantragten Abstimmung, in der die Erhoehung der Arbeitslosenunterstuetzung auf 50 Dollar woechentlich, die Erweiterung der Bezugsdauer auf
39 Wochen und der Einbau der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung in
die staatliche Arbeitslosenversicherung gefordert wurden, und in der sie
mit 2 zu 3 unterlagen, ist ein extremes Beispiel fuer den Widerstand,
auf den die Gewerkschaften bei ihrem Eintreten fuer eine erweiterte staatliche Arbeitslosenversicherung stossen. An der grundsaetzlichen Einstellung der Arbeitgeberverbaende sowohl wie der Gewerkschaften bei ihren Verhandlungen ueber Fragen der staatlichen Arbeitslosenversicherung, aus
denen die Arbeitgeberverbaende gewoehnlich als Sieger hervorgingen, wird
sich auch durch die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung nichts aendern.
In den gesetzgebenden Koerperschaften der Einzelstaaten ist der Einflussder
nicht in Verbaenden organisierten kleinen Unternehmer, Farmer und Angehoerigen der freien Berufen in den kleinen Staedten, die alle nur indirekt von der privaten zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung beruehrt
werden, sehr stark. Eine Revision der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung duerfte vermutlich nur durch einen Kompromiss zwischen ihrer
Einstellung einerseits und der der Grossbetriebe und der Gewerkschaften
anderseits Zustandekommen.

Die Auswirkungen auf die Beschaeftigungspolitik der Industriebetriebe
In diesem fruehen Entwicklungsstadium lassen sich die Auswirkungen
der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung auf die Beschaeftigungspolitik
der Industriebetriebe noch nicht vorausbestimmen. Professor Sumner H.
Slichter erklaerte in dieser Frage, dass cie Auswirkungen nur gering sein
wuerden, da die Einfluesse der Maerkte, von denen der Unternehmer in
seinen Handlungen bestimmt wird, verglichen mit der geringen Summe, die
er fuer die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung aufbringen muss, weit
staerker sind. Jedoch ist das Ansteigen der Ueberstundenarbeit im Industriebez.irk von Detroit das ganze vergangene Jahr hindurch ein, wenn
auch nicht voellig ueberzeugender, Beweis dafuer, dass man bemueht ist,

- 6-

�die Zahl der Arbeitskraefte in der Automobilindustrie im Hinblick auf
kuenftige, nach dem Inkrafttreten der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung eintretende moegliche Produktions-Einschraenkungen knapp zu
halten.
Durch die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung duerfte eine ganze
Reihe unrentabler Betriebe zur Liquidation gezwungen werden. Diese Auswirkung haengt aber weniger mit der Groesse eines Betriebes zusammen,
als mit der Leistungsfaehigkeit des Unternehmens oder mit dem temporaeren
Trend im gesamten Industriezweig. Die Statistik zeigt, dass in New York
der Beschaeftigungsstand der mittelgrossen Betriebe (weit geringer als
bei den kleinen Unternehmen) am wenigsten stabil ist. Daher wird sich
die zusaetzliche Aibeitslosenversicherung vermutlich weniger nachteilig fuer die kleinen Unternehmer auswirken als allgemein angenommen wurde. Die in dem zwischen der Automobilindustrie und der Automobilarbeitergewerkschaft abgeschlossenen Abkommen enthaltene Bestimmung, nach der
die Belegschaftsmitglieder jede ihnen von ihrem Betrieb angebotene Arbeit im Räume Detroit annehmen muessen, gewaehrleistet durch eine Verschiebung der Arbeitskraefte innerhalb des Betriebes die Stabilitaet des Beschaef tigungsstandes. Die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung duerfte,
wenn der Fonds seinen Hoechststand erreicht hat, dem Unternehmer finanziell einen bescheidenen Anreiz bieten, seinen Belegschaftsmitgliedern
ihre Arbeitsplaetze zu erhalten. Bis dahin muessen jedoch die finanziell
starken wie die finanziell schwachen Betriebe den gleichen Satz von 5
Cent pro Mann und Arbeitsstunde an die Fonds abfuehreh.
Das Verhaeltnis der Sozialpartner zueinander
Die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung koennte sich auch in bezug
auf einen der wichtigsten Grundsaetze der amerikanischen Gewerkschaftspolitik bedeutsam auswirken, das Senioritaetsprinzip. Die Industriegewerkschaften haben sich seit Jahren staendig darum bemueht, dem irinzip
der Senioritaet Geltung zu verschaffen und sein Anwendungsgebiet zu erweitern. Zwar wird heute auch bei der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung auf die Dauer der beruflichen Taetigkeit Gewicht gelegt, doch
ist der Wert der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung fuer die laenger
im Beruf stehenden Arbeiter immer noch umstritten, weil deren Arbeitsplaetze bereits weitgehend,infolge ihrer langen Berufstaetigkeit, gesichert sind. Wird eine zusaetzliche. entweder durch erhoehte Unterstuetzungssaetze oder durch eine Verlaengerung der Bezugsberechtigung
verbesserte Arbeitslosenversicherung nicht die Senioritaet der seit langem in ihrem Beruf beschaeftigten Arbeiter in ihrem Wert mindern?
Die geringere Bedeutung, die infolge der Einfuehrung der zusaetzlichen
Arbeitslosenversicherung der Seftioritaet als Grundlage zur Sicherung des
Arbeitsplatzes zukommt, spricht fuer eine Revision der Senioritaetsklauseln in den Tarifvertraegen, weil sie den Arbeitgebern beim Einsatz
und bei der Verteilung der Arbeitskraefte freiere Hand laesst. Wuerde es
zum Beispiel nicht moeglich sein, die die Senioritaet einschraenkenden
Bestimmungen bei voruebergehenden Arbeitseinstellungen abzuaendern, um den
Unternehmern die Weiterbeschaeftigung der tuechtigsten Arbeitskraefte
statt derjenigen zu gestatten, die auf eine laengere berufliche Taetigkeit zurueckblicken?
Personalpolitik
Die Bemuehungen der Personalabteilungen und der Abteilungen fuer
innerbetriebliche Schulung grosser Firmen, ihre Arbeiter gruppenweise
einzustellen und auszubilden, kann durch die Einfuehrung der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung einen maechtigen Antrieb erhalten. Die
Methode, Arbeitsgruppen zusammenzustellen, die nach ihrer Auswahl und
Ausbildung eine Elite darstellen, entstand aus der Notwendigkeit, eine

- 7-

�'f

bewegliche und vielseitig einsatzfaehige Belegschaft zu erhalten und Einsparungen bei der Ausbildungszeit und bei den Auswahlverfahren zu erzielen. Ein fester Arbeiterstamm, der auf das sorgfaeltigste ausgewaehlt
und mit den verschiedensten miteinander verwandten, die Arbeitsmoral
staerkenden Fertigkeiten ausgebildet ist, wird sich durch eine groessere
Wirtschaftlichkeit und Leistungsfaehigkeit des Betriebes bezahlt machen.

Folgen fuer das Wirtschaftsleben
Seit der grossen Wirtschaftskrise haben sich in bestimmten Kreisen
Eroerterungen einer grossen Beliebtheit erfreut, welchen Einfluss die
Kaufkraft - sei es positiv oder negativ - auf den Konjunkturzyklus ausuebt. So wurde behauptet, dass sich die volle Aus3choepfung der Produktionskapazitaet und die Vollbeschaeftigung nur dann aufrecht erhalten
Hessen, wenn genuegend Geld unter den Leuten sei, das sie ausgeben koennten. Doch bedeutet Kaufkraft nicht lediglich Geld in den Haenden der
Arbeiter. Sie ist Einkommen aller Art - Miet- und Pachteinnahmen, Zinsen, Geschaeftsgewinne sowohl wie Loehne und Gehaeiter. Auch bedeutet
Kaufkraft nicht lediglich den Besitz von Geld, das ausgegeben werden kann.
Zwischen finanziellen Einkuenften der verschiedensten Art und dem Stand
der Preise besteht ein bestimmtes Verhaeltnis. Die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung kann in einem beschraenkten Grade einen Beitrag zur
Wirtschaft leisten, doch darf kein Zweifel darueber bestehen, dass der
Konjunkturzyklus ein viel zu kompliziertes Problem ist, das sj.ch nicht
einfach durch eine Erhoehung der Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung loesen laesst.
Die geplante zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung wird die Fluessigmachung der verfuegbaren Reserven erfordern. In Zeiten eines allgemeinen Konjunkturrückgangs wird sich der zwangsweise erfolgte Verkauf von
Wertpapieren auf das Wirtschaftsleben depressiv auswirken und daher in
gewissem Grade die auf Grund der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung
erhoehte Kaufkraft wieder aufheben. Falls die aus der zusaetzlichen Arbeitslosenversicherung stammenden Reserven jedoch ausschliesslich in Staatspapieren angelegt werden, kann die Regierung durch Ankauf dieser Papiere
eine unmittelbar ruecklaeufige Entwicklung der Wirtschaft verhindern.
Quelle: "Monthly Labor Review"
Bd. 79, Nr. 3

David M. Potter»
Die Freizeit als Faktor im Wirtschaftsleben
Dieser Artikel, der in der amerikanischen Zeitschrift
"Challenge Magazine" erschienen ist, beschaef t.i gt
sich mit prinzipiellen Aspekten der Freizeit und
Freizeitgestaltung, so dass er seine Geltung im
wesentlichen auch dort beibehaelt, wo die Arbeitszeit von 40 Stunden noch nicht erreicht ist. Die
wirtschaftlichen Schlussfolgerungen des Autors verdienen Beachtung, auch wenn sie hier noch nicht in
vollem Umfang anwendbar sein moegen.
- Quellenangabe erforderlich Die Verlaengerung der Freizeit ist eine der wichtigsten Entwicklungen
im modernen Leben. Eine zweite Errungenschaft ist das Mehrangebot an
- 8

�JConsumguetern, und letzten Endes sind beide, die Fieizeitverlaengerung
wie die Konsumguetervermehrung, ein Produkt des technischen Fortschritts.
Das Wesen einer technischen Verbesserung besteht ja darin, dass sie entweder eine gesteigerte Produktion bei gleichem Arbeitsaufwand ermoeglicht
oder gleichbleibende Erzeugung bei reduzierter Arbeitszeit. Sie fuehrt
in der Praxis meist zu beiden: hoeherer Lebensstandard und vermehrte Freizeit sind, wie sich gezeigt hat, nur die zwei verschiedenen Aspekte der
gleichen Sache.
Dennoch gibt es wesentliche Unterschiede in der Art und Weise, wie
diese beiden Bestandteile des gleichen Ganzen in unserer Gesellschaftsordnung aufgeteilt werden. Das Einkommensniveau und damit der Lebensstandard haengen bekanntlich vom "Wirtschaftswert" des Betreffenden ab, denn
sein Lohn oder Gehalt spiegelt zumeist seine Erfahrung, seine Ausbildung,
seine Tuechtigkeit wider. So verdienen also manche Menschen mehr als andere und kommen dementsprechend zu einem groesseren Anteil an den verfuegbaren Waren als jene. Das war immer schon so, wenn auch in der Vergangenheit viel ausgepraegter als heute.
Waehrend also die direkte Entlohnung stets verschieden hoch war, ist
die indirekte Entlohnung in Form der Gewaehrung von Freizeit fuer jede
Taetigkeit ungefaehr gleich. Freizeit wird nicht auf Grund der wirtschaftlichen Bedeutung des Betreffenden tewaeni"t» sondern eher entsprechend dem
Alter und dem Geschlecht« Verbot vcn Kinderarbeit, Schutzbestimmungen fuer
Jugendliche, Mutterschaftsurlaub, Altersfuersorgeprogramme und so weiter
regulieren sie.
So beginnt heute das erwerbsfaehige Alter in der Regel spaeter und
endet frueher als vor etwa einem Jahrhundert. Rund 40 bis 50 Jahre seines
Lebens ist der Mensch heute berufstaetig, wobei seine Arbeitsbelastung,
in Arbeitszeit ausgedrueckt, ziemlich unveraendert bleibti jeweils 40, 44
oder 48 Stunden von den 168 Stunden, die eine Woche hat. Arbeitszeit und
Freizeit wechseln in einem regelmaessigen Rhythmus ab.
Auch die Frau hat an der neu errungenen Freizeit Anteil. Sofern sie
berufstaetig ist,, in der gleichen Weise wie ihre maennlichen Arbeitskollegen, sofern sie Hausfrau ist, vorwiegend durch arbeitsparende Geraete und
Erfindungen - von den Konserven ueber den Staubsauger bis zur Waschmaschine.
Was aber verblueffend erscheinen mag, ist die Tatsache, dass die Freizeit nicht etwa das Vorrecht einer privilegierten Klasse geblieben ist,
sondern jedermann gleich zugute kommt. Ja, es ist sogar so, dass diejenigen,
die wirtschaftlich und gesellschaftlich vielleicht am besten gestellt sind,
wie etwa fuehrende Geschäeftsleute und Angehoerige freier Berufe, am
wenigsten in den Genuas der verlaengerten Freizeit kommen. Dieses Paradoxon erklaert sich daraus, dass die Technik zwar dem manuellen Arbeiter
einen grossen Teil seiner Last abgenommen hat, nicht aber dem Rechtsanwalt, dem Arzt, dem Firmenchef, dem Funktionaer, die alle sehr haeufig
abends in ihrer Aktentasche noch eine erhebliche Portion Arbeit mit nach
Hause nehmen.
Bisher waren es zumeist die Soziologen, die sich mit den Problemen
der Freizeit und ihrer Gestaltung auseinandergesetzt haben. Die Wirtschaftswissenschaftler haben sich wenig mit ihr beschaeftigt - offenbar von
dem Gedanken ausgehend, dass Freizeit wesenhaft unproduktiv ist und daher
ausserhalb ihres Betrachtungsgebietes liegt. Bei naeherem Hinsehen erweist sich freilich, dass die Freiaeit auch mit der Wirtschaftswissenschaft sehr viel zu tun hat.
Beginnen wir einmal mit der Grundbedeutung von "Freizeit". Das Wort
hat an sich durchaus keinen positiven Aussagewert» es ist leere, "freie"
Zeit, ein negativer Zeitbegriff - Zeit, die nicht mit Arbeit erfuellt ist.
Es ist ein mehr oder minder langes Intervall, das mit irgendeiner Taetigkeit

�erfuellt «erden muss. Geschieht das nicht, dann kommt man zu einem der
unangenehmsten Gefuehle, denen ein Mensch ausgesetzt sein kann - der
Langeweile, der voelligen Leere.
Wie laesst sich nun die Freizeit ausfuellen? Hunderte Moeglichkeiten
stehen dafuer zur Verfuegung, darunter die verschiedensten Sportarten
und Spiele, ferner Reisen, kulturelle Darbietungen und so weiter. Aber
die Freizeit ergibt sich groesstenteils nur in schmalen Fortionen am Ende
eine? arbeiterfuellten Tages, und so wird ein grosser Teil in einer Weise
zugebracht, die wenig Anstrengung erforderti man liest Zeitungen oder
Zeitschriften, hoert Radio oder Schallplatten, sieht sich
eine Fernsehsendung an oder geht ins Kino.
Vom Standpunkt der Wirtschaft betrachtet, bedeutet das aber, dass
diese Freizeit, die als "unproduktiv" gilt, in Wirklichkeit einen Konsum
darstellt - nicht nur im Sinne eines Erwerbs von "Dienstleistungen" der
mitwirkenden Kuenstler und so weiter, sondern vor allem auch indirekt
durch die Wirkung der Werbeankuendigungen, Reklamesendungen, Inserate und
aehnlichem. Hit anderen Worten: durch die Verkuerzung der Arbeitswoche
haben die Menschen ihre wirtschaftliche Taetigkeit in der Weise verschoben, dass sie ihre Produktionszeit verkuerzt, ihre Konsumzeit hingegen
verlaengert haben.
Nun ist es natuerlich schwer, genau zu messen oder zu errechnen,
wieviel von der tatsaechlichen Konsumerhoehung auf das Konto der Freizeit
geht, in der konsumwerbende Parolen wirkten. Es laesst sich nicht feststellen, ob und in wie vielen Faellen es eine Kinowerbung oder ein Zeitschrifteninserat war, das den Ankauf einer neuen Couch oder eines Sommermantels veranlasste oder mitveranlasste. Wohl aber gibt es einige Konsumformen, die vollkommen von der Freizeit abhaengen, so dass auf diese Weise
die wirtschaftliche Bedeutung der Mussezeit klar nachgewiesen werden kann.
Diese Waren des echten Freizeitkonsums findet man vor allem auf dem
Gebiet von Sport und Spiel. Die Sportartikelerzeugung der Vereinigten
Staaten hat derzeit einen Jahresumsatz von rund zwei Milliarden Dollar,
der sich auf Angelgeraete, Jagdausruestungen, Aussenbordmotore, Golf- und
Tennisausruestungen und so weiter verteilt (dabei sind in dieser Summe
nicht die enormen Betraege inbegriffen, die fuer den Eintritt zu Sportveranstaltungen bezahlt werden).
Ein anderer eindeutiger "Freizeitartikel" ist das Reisen. Ganze Gebiete, ja zuweilen ganze Staaten, sehen im Fremdenverkehr ihre Haupteinnahmequelle. Allein die amerikanischen Touristen in Europa haben im vergangenen Jahr rund 750 Millionen Dollar ausgegeben - ein Viertel des Gesamtbetrages, den Europa aus seinen Exporten nach Kanada und den USA erzielte!
Ferner kann man die "Unterhaltungsindustrie" vom Konzert ueber Kino
bis Zirkus und "juke-box" als vollkommen von der Freizeit abhaengig ansehen. Sie bietet, nicht nur Schauspielern, Saengern, Artisten, Autoren und
Regisseuren eine Erwerbsquelle, sondern auch zahllosen Arbeitern und Angestellten in der Rundfunk-, Fernseh- und Filmindustrie.
Dabei wird hier unter anderem etwas deutlich, das wir von anderen
Lebensbereichen schon kennen« der schnelle Verschleias. Ein üchlagerlied,
ein sensationeller Film - sie sind unendlich kurzlebiger als in der Vergangenheit etwa eine Liebesmelodie oder ein gutes Theaterstueck. Sie
werden ebenso rasch "unmodern" wie ein Auto, das, jedermann kenntlich,
sein Baujahr ersehen laesst. Und uns allen ist auch die Klage gelaeufig,
dass Moebel, Haeuser oder Kleidungsstuecke heute nicht mehr so haltbar
sind wie zur Zeit unserer Grosseltern. Das ist nicht verwunderlich, denn
die Konsummoeglichkeit und der Verschleiss sind groesser, und man liebt

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�heute Wechsel und Aenderung - im persoenlichen Besitz wie in der Unterhaltung.
Schon aus diesen Andeutungen ist zu erkennen, welche Rolle die vermehrte Freizeit in der Gesamtwirtschaft spielt. Nichts aber kann die
ueberragende Wichtigkeit hinreichend deutlich machen, die die Freizeitverlaengerung fuer das amerikanische Wirtschaftssystem heute hat. In
einem Zeitpunkt, da die Gefahr besteht, dass das Gleichgewicht zwischen
Produktion und Konsum verloren geht und zur schwersten Bedrohung der
Wirtschaftsstruktur werden koennte, hat die Freizeitverlaengerung als
steuernder Ausgleich fuer den technischen Fortschritt gewirkt und wesentlich dazu beigetragen, Produktion und Konsum im Gleichgewicht zu halten.
In einer Zeit, da die Produktionskapazitaet den Konsum zu ueberholen
droht, weil ein Arbeiter mehr erzeugt als mehrere Verbraucher konsumieren
. koennen, hat die Freizeit ein neues Ventil geschaffent sie hat die "Erholungsproduktion" auf den Plan treten lassen, die uns dann "beliefert",
wenn wir unproduktiv sind. Wenn hoeherer Lebensstandard und vermehrte
Freizeit urspruenglich auch nur ein Nebenprodukt technischen Fortschritts
gewesen sein moegen, so sind sie heute wesentliche Faktoren bei der Aufrechterhai tung des modernen, hochtechnischen Wirtschaftssystems.
Aus "Challenge Magazine"
(Quellenangabe erforderlich)

"Revidierter Garantierter Jahreslohn" in der Praxis
Viele Tausend entlassener Automobilarbeiter haben in den letzten
Wochen mit Ungeduld und Erwartung den 1. Juni herbeigesehnt. Denn an
diesem Tag trat das sogenannte "Revidierte Garantierte Jahreslohn-Abkommen" in Kraft, das im letzten Sommer zwischen der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) und den Betrieben der Autoindustrie abgeschlossen wurde. Auf Grund dieses Abkommens erhalten sie naemlich zusaetzlich
zu der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung einen Ausgleichsbetrag,
der ihnen 65 Prozent ihres bisherigen Arbeitslohnes waehrend der ersten
vier und 60 Prozent waehrend der naebhsten 22 Wochen sichert.
Allerdings ist der Unterstuetzungsplan gegenwaertig noch nicht fuer
alle entlassenen Arbeiter wirksam geworden und auch die vorgesehenen Zusohuesse koennen noch nicht in der vorgesehenen Hoehe gezahlt werden, da
die Fonds, aus denen die zusaetzlichen Unterstuetzungen gezahlt werden,
nur erst zum Teil (22 96) aufgebaut sind. Diese Fonds werden bekanntlich
durch die Unternehmer gespeist, die 5 Cent pro geleistete Arbeitsstunde
hieran abfuehren. Erst nach vier Jahren werden diese Fonds die vorgesehene Hoehe erreicht haben.
Von den gegenwaertig rund 150 000 entlassenen Automobilarbeitern
werden daher nur diejenigen eine zusaetzliche Unterstuetzung erhalten,
die nach dem 2. Mai entlassen und seitdem auch noch nicht wieder eingestellt wurden. Massgebend fuer die Dauer der Unterstuetzung ist die Senioritaet des Arbeiters; die Anwartschaft ist dabei nach einem Jahr Besohaeftigung gegeben. Der groesste Teil der nach dem Produktionsrückgang Entlassenen waren jedoch Aushilfsarbeiter mit weniger als einem
Jahr Beschaeftigungsdauer.
Was wird nun aber ein jetzt entlassener Automobilarbeiter mit Anwartschaft auf zusaetzliche Arbeitslosenunterstuetzung an Leistungen zu
erwarten haben? Nach einer Uebersicht der Automobilarbeitergewerkschaft
kann ein Verheirateter mit zwei Kindern, der bisher einen Nettowochenlohn
von 72 Dollar hatte, mit Zusatzleistungen in Hoehe von 13 Dollar rechnen.
Insgesamt wuerde er also bei 33 Dollar an staatlicher Unterstuetzung 46
Dollar pro Woche erhalten. Nach 4 Wochen wuerden die 13 Dollar um ein

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�eringes gekuerzt, da dann fuer die naechaten 22 Wochen nicht mehr 65
ondern 60 Prozent des bisherigen Einkommens "garantiert" werden. Allgemein betrachtet, ist aber zu sagen, dass gegenwaertig noch alles im Fluss
ist und genaue Zahlen erst dann zur Verfuegung stehen werden, wenn die
ersten Schecks an die entlassenen Arbeiter ausgezahlt worden sind.
Quelle: Eigenbericht

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Ein ueber zwei Jahre laufender Tarifvertrag wurde jetzt zwischen
der "Western Union Telegraph Company" und den beiden Gewerkschaften abgeschlossen, die rund 34 000 Arbeiter und Angestellte in den Betrieben
der "Western Union" vertreten.
Auf Grund des neuen Kollektivvertrages werden saemtliche Arbeitnehmer
eine Aufbesserung der Stundenloehne um 13 Cent erhalten. Weitere 5 Cent
rueckwirkend vom 1. Januar dieses Jahres werden ferner solche Mitarbeiter
bekommen, deren Arbeitsplatz neu eingestuft wurde. Gleichzeitig wurden
die Pensionen von 60 auf 100 Dollar heraufgesetzt und die zusaetzlichen
Sozialleistungen erhoeht.
Der bisher gueltige Kontrakt zwischen der "Western Union" und den
beiden Gewerkschaftenfder "Commercial Telegraphers Union" (AFL-CIO) und
der unabhaengigen "American Communications Association"-Gewerkschaft,
war am 3 1 • Mai ausgelaufen.
Die "Commercial Telegraphers"-Gewerkschaft vertritt rund 30 000 und
die "Association" etwa 4000 Angestellte und Arbeiter der "We3tern Union".

Ein neuer Lohnanreizplan fuer im Stundenlohn Beschaeftigte, der fuer
die meisten der davon betroffenen Arbeiter hoehere Loehne bedeutet,
wurde zwischen der "Bethlehem Steel Company" und der "Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft" (USA) jetzt abgeschlossen.
Das neue Abkommen, das mit sofortiger Wirkung in Kraft tritt, hat
keinerlei Beziehung zu den derzeitigen Tarifverhandlungen in der Stahlindustrie, die gegenwaertig in New York zwischen der Stahlindustrie und
der Gewerkschaft gefuehrt werden.
Wie die Gesellschaft, der zweitgroesste Stahlerzeuger der USA, weiter betont, beabsichtigt sie im Laufe der Zeit mit Zustimmung der Gewerkschaft, saemtliche Lohnanreizplaene auf eine Standard-Stundenlohnbasis
umzustellen, wie es auch bereits in den anderen Betrieben der Stahlindustrie der Fall ist.
Waehrend der Uebergangszeit will das Unternehmen den in Frage kommenden Arbeitnehmern zu ihren Normalbezuegen einen Angleichungsbetrag
zahlen, der einen bestimmten Satz der Einkommen waehrend des ersten
Quartals 195^ ausmacht. Der Angleichungsfaktor betraegt auf der Basis
1 Cent pro Stunde dabei zwischen 1 und 5 Prozent des Stundengrundlohnes.
Rund 60 Prozent der insgesamt 80 000 Arbeitnehmer der "Bethlehem Steel
Company" werden nach Angaben der Stahlarbeitergewerkschaft durch Lohnanreizplaene erfasst, aber nicht alle diese Arbeiter werden durch das
neue Abkommen beruehrt werden.

- 12 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsproblcme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mchlcm, Mchlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
Ix

- 15

Mehlem, den 6. Juli 1956
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen und
ihre voraussichtliche V/ei terentwicklung in
den Vereinigten Staaten

Seite 1

Die Rolle der privaten Sozialprogramme bei
Tarif Verhandlungen
Größte Zahl an Gewerkschaftsmitgliedern im
Staate New York
'Todesstoß" für kommunistische
Elektroarbeitergewerkschaft

Seite 10

Transferierbare private Pensionspläne

Seite 10

Seite

7

Seite

9

Die Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen und ihre voraussichtliche
Weiterentwicklung in den Vereinigten Staaten
von John S. Bugas, Leiter der Abteilung Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen bei der Ford Motor Co.
Die Entstehung einer dem Mittelstand zuzurechnenden Schicht von Industriearbeitern in den USA gehört mit zu jenen unwägbaren Ereignissen,
die auf die weitere Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen
einen wesentlichen Einfluß ausüben dürften. Sie ist natürlich das Ergebnis verschiedener Faktoren: unseres Erbes der politischen Freiheit,
unseres umfassenden freien Erziehungssystems, der anhaltenden Prosperität
und des steigenden Lebensstandards. Die wichtigste Voraussetzung zu dieser
Entwicklung war das ständige und sich über einen langen Zeitraum hin
erstreckende Ansteigen der Produktivität in der Industrie. Der amerikanische Arbeiter unserer Tage hat ein lebhaftes Interesse an der Erhaltung der bestehenden Ordnung - ein offensichtliches Interesse, das er
in früheren Zeiten sicherlich nicht haben konnte.
Seit längerer Zeit hat sich die Industrie mit immer größerem Geschick darum bemüht, im ganzen Volk das Verständnis dafür zu wecken,
in welcher Weise unser Wirtschaftssystem zu einer Besserung des Loses
aller beiträgt. Das zunehmende Verständnis für diese Fragen wird den Arbeiter auch in der Erkenntnis bestärken, daß eigenes Geschick eng mit
dem Geschick seines Betriebes verknüpft ist.
Dies mag vielleicht wie eine etwas voreilige Folgerung klingen, bei
der der Wunsch der Vater des Gedankens ist; zahlreiche Anzeichen deuten
aber doch darauf hin, daß wir eine Zeit des Wachstums eines gesunden
Konservativismus und der Reife im wirtschaftlichen Denken der Industriearbeiter durchmachen. Dieser gleiche zunehmende Konservativismus findet
- 1 -

�sich auch auf Seiten der iiegierung, der Industrie und vielleicht sogar
der Gewerkschaften und liefert den bunten Hintergrund fuer die Weiterentwicklung der Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen in Amerika.
Die Uebernahme weitergehender Verantwortung
Im Jahre 1955 war eine erhebliche Abnahme der Faelle von Lohnstreitigkeiten, soweit es sich dabei um ausgedehnte und sich ueber einen laengeren Zeitraum erstreckende Auseinandersetzungen handelte, zu verzeichnen.
Es ist ganz bezeichnend, dass in einigen, allerdings etwas ungewoehnlichen
Faellen, Gewerkschaften und Arbeiter sogar freiwillig die in vergangenen
Auseinandersetzungen errungenen Vorteile in dem Bemuehen preisgaben, ihren
Betrieben eine bessere Wettbewerbsbasis zu schaffen. Was mir als Fachmann
fuer Fragen der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen besonders erfreulich
erscheint, sind nicht so sehr der Rueckgang der Zahl der Arbeitsstreitigkeiten und das Nachlassen der Schaerfe, mit der sie gefuehrt werden, als
vielmehr die Gruende, die zu dieser neuen Entwicklung fuehrten.
Der Arbeitsfriede an sich ist noch kein Zeichen fuer eine gesunde
Wirtschaft. Wenn er nur das Ergebnis eines Ausspielens uebermaechtiger
Staerke gegen Schwaeche ist, dann ist er sogar ein Symptom fuer das Bestehen einer hoechst gefaehrlichen Situation. Die in den USA zu verzeichnende Verbesserung der Arbeitgeber-Arboitnehmerbeziehungen ist aber zu
einem erheblichen Teil dem zunehmenden Verataendnis bei den Sozialpartnern
fuer die wirkliche Funktion von Xjllektivverhandlungen und Q er daraus erwachsenden Verantwortung zu danken. Sie ist ferner das Ergebnis des in
zunehmendem Masse auf beiden Seiten des Konferenztisches bewiesenen Verhandlungsgeschicks und der groesseren Einsicht in die Gesamtzusammenhaenge.
Sowohl die Gewerkschaften und Arbeitnehmer als auch die Unternehmer
haben sich offenbar sehr realistisch mit der Frage auseinandergesetzt, bis
zu welchem lunkt man gehen darf, ohne alles zu gefaehrden und den Boden der
Vernunft zu verlassen. Man war bemueht, jenen Punkt zu erkennen, von dem an
ein-Sieg nur ein Pyrrhus-Sieg waere - und zwar im voraus zu erkennen und
nicht erst hinterher. Man ist sich offenbar der Tatsache bewusst geworden,
dass eine Streikwelle das Ende der Prosperitaet bringen koennte, an deren
Fortdauer beiden Seiten gelegen ist. Wenn es darum ging, den harten Realitaeten am Verhandlungstisch ins Auge zu sehen, dann zeigte sich doch
mancher Gewerkschaftsführer bereit, aile Schlagworte beiseite zu lassen
und die Verhandlungen im Geiste der Verantwortung zu fuehren, und es verbreitete sich die Erkenntnis, dass die- Ruecksichtnahme auf das Interesse
des ganzen Volkes auf lange Sicht gesehen auch im eigenen Interesse liegt.
Zurueckhaltung seitens der Regierung
Viele Anzeichen deuten darauf hin, dass dieser Fortschritt in unmittelbarem Zusammenhang mit der neuen Politik der Bundesregierung steht,
ein Eingreifen in Arbeitsstreitigkeiten auf ein Mindestmass zu beschraenken. Wir von den Fordwerken haben immer die Auffassung vertreten, dass
sich ein noch so gut gemeintes Eingreifen der Regierung in Arbeitsstreitigkeiten im Sinne einer Vermeidung oder Beendigung von Streiks in jedem
Fall abtraeglich auf den Verlauf von Tarifverhandlungen auswirken muss.
Es bewirkt nur eine Verhaertung der Standpunkte, und es behindert die
Ausbildung des Gefuehls fuer die eigene Verantwortung und der Bereitschaft,
die Verantwortung fuer die Folgen eigener Handlung zu uebernehmen einschliesslich der Folgen von Fehlern in der Beurteilung der Lage. Die Ereignisse aus dem vergangenen Jahr duerften wohl als eine Bestaetigung
dessen gelten. Hier wurde der Beweis geliefert, dass ein Eingreifen der
Regierung sich praktisch von selbst verbietet, erhoeht es doch die Streikgefahr, statt sie zu vermindern.

- 2 -

�Die AFL-CIO
Der vor einigen Monaten erfolgte Zusammenschluss der beiden amerikanischen Gewerkschaftsverbaende AFL und CIO ..ird sich natuerlich auf die
weitere Entwicklung der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen auswirken.
Er kann beispielsweise zu einer verstaerkten Zusammenarbeit der sogenannten internationalen Gewerkschaften untereinander fuehren, die wiederum
deren Verhandlungsposition verbessern duerfte. Die Verschmelzung der beiden Verbaende laes3t ferner erkennen, dass sich das politische Bewusstsein innerhalb der Gewerkschaften mehr und mehr regt und seinen Niederschlag auch in der Gewerkschaftsarbeit findet; sie wird ferner voraussichtlich verstaerkte Bemuehungen ausloesen, alle bisher ausserhalb der Gewerkschaft stehenden Arbeiter zu organisieren.
Alles in allem duerfte sich der Zusammenschluss fuer die Gewerkschaften sehr guenstig auswirken und somit auch die Aussichten auf die
Wahrung des Arbeitsfriedens weiter verbessern. Als eine weitere Erscheinungsform der Zentralisierung von Fuehrerschaft und Macht sollte
man dem neuen Dachverband genauso viel Aufmerksamkeit widmen, wie man
bisher anderen Machtzentren innerhalb unserer Wirtschaft zuwandte. Der
Zusammenschluss musste die fuehrenden Maenner der Gewerkschaftsbewegung
- sofern sie die Lehren der Geschichte richtig begriffen haben - zur Vorsicht gemahnen und zu einer konservativen Einstellung veranlassen. Er
koennte alles in allem genommen dazu beitragen, dass es in Zukunft noch
seltener zu Anwendung von Kara^fmassnahmen kommen wird und auf diese Weise
eine groessere Stabilitaet in den vor uns liegenden Jahren bewirken. Die
Tatsache bleibt aber bestehen, dass grosse Macht eine grosse Versuchung
bedeutet, und die Oeffentlichkeit wird deshalb gut daran tun, die weitere
Entwicklung wachsam zu verfolgen.
Die Industrie muss im Augenblick sich ernster als je zuvor mit der
Frage auseinandersetzen, ob es nicht im Interesse des ganzen Volkes und
in ihrem eigenen liege, dass auch auf ihrer Seite des Verhandlungstisches
eine groessere Konzentration der Kraefte erfolge.
Die kuenftige Entwicklung der Wirtschaft
Die kuenftige wirtschaftliche Entwicklung ist ein weiterer Faktor,
der die Umweltbedingungen, unter denen Arbeitgeber-Arbeitnehmerverhandlungen gepflogen werden, entscheidend beeinflussen kann.Fast ausnahmslos
prophezeien uns unsere fuehrenden Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftler ein Jahrzehnt des raschen wirtschaftlichen Fortschritts mit
einer bis zu 50prozentigen Steigerung des Bruttosozialproduktes. Wenn auch
manche Industriezweige eine langsamere Entwicklung erfahren und gelegentlich Schwankungen auftreten duerften, so geht doch die Gesamtwirtschaft
einer weiteren Bluete entgegen, die auch eine weitere Hebung des Lebensstandards der amerikanischen Arbeiter in der Industrie mit 3ich bringen
wird. Das vor uns liegende Jahrzehnt wird voraussichtlich staendig von
einer angespannten Lage auf dem Arbeitsmarkt begleitet sein. Die Bevoelkerung und der Bedarf werden schneller wachsen als die Gesamtzahl der
Schaffenden. Wenn diese Voraussetzungen eintreten, wird sich die Industrie
voraussichtlich sehr eifrig darum bemuehen muessen, die vorhandenen
Arbeitskraftreserven so zweckmaessig wie nur moeglich einzusetzen und die
Produktivitaet noch erheblich zu steigern, um der Nachfrage gerecht werden
zu koennen. Wir sind noch lange von jenem Zeitalter entfernt, in dem - sofern es ueberhaupt hereinbricht - der technische Fortschritt und die durch
ihn erzielte Froduktivitaetssteigerung so gross sein werden, dass wir uns
ernste Gedanken darueber machen muessen, wie wir die verfuegbaren Arbeitsstunden aufteilen sollen.

-3 "

�Der weitere Weg
Somit werden sich die Leiter der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen
in der Industrie, so wie die Dinge sich heute - im Jahre 1956 - abzeichnen,
in Zukunft wohl auf laengere Zeit in ihrer Arbeit auf eine Situation einstellen muessen, die von folgenden Pakten und Gesichtspunkten bestimmt
sein wirdi Fortdauernde Prosperitaet und hoher Beschaeftigungsstand;
immer staerkerer Rueckgriff auf die Technik, um den Beduerfnisaen einer
wachsenden Bevoelkerung gerecht werden zu koennen; und, so darf man wohl
hoffen, eine vernuenftigere und verantwortungsbewusstere Gewerkschaftsfuehrung im Verein mit einer Beibehaltung der aeusserst erfolgreichen
Regierungspolitik der strikten Beschraenkung von Eingriffen in Kollektivverhandlungen.
Die Hauptrichtung, in die sich der Druck seitens der Gewerkschaften
auswirken duerfte, laesst sich relativ leicht bestimmen, weil die Gewerkschaftsarbeit groesstenteils ihre konsequente Fortfuehrung finden
wird. Man darf wohl annehmen, dass die Gewerkschaften zusaetzliche soziale Forderungen geltend machen werden: Verbesserung der Sozialleistungen und irhoehung der sozialen Sicherheit innerhalb der naechsten zwei
oder drei Jahre. In der darauffolgenden Zeit, beginnend etwa 1958t wird
man im Laufe der naechsten Serie von Tarifverhandlungen mit der Automobilindustrie damit rechnen duerfen, dass die Bestrebungen JLT Erreichung
einer weiteren Verkuerzung der Arbeitszeit an Staerke gewinnen werden,
da sowohl die AFL als auch der CIO ihr Interesse an dieser Frage bereits
bekundet haben.
Die Betriebsfuehrung muss sich bewusst sein, dass sie die Verantwortung dafuer traegt, dass die Fruechte der steigenden Produk*tivitaet
unserer Industrie in fairer Weise unter allen interessierten Teilen unserer Gesellschaft verteilt werden, und dass die Basis fuer eine weitere
Expansion und fuer die Staerke unserer Wirtschaft unangetastet bleibt.
Man wird unter anderem auch weiterhin tatkraeftig auf eine Ausweitung
der Arbeitslosenversicherung in der einen oder anderen Form draengen.
Wir von den Fordwerken sind der Auffassung, dass unsere Form der Arbeitslosenversicherung ihren Zweck voll erfuellt, und dass sie sowohl im Interesse der Arbeitnehmer als auch der Firma liegt. Sie unterscheidet sich
grundsaetzlich von den Plaenen der Gewerkschaft bezueglich des garantierten Jahreslohnes. Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass die Arbeitslosenversicherung bei Ford nur eine beschraenkte Zahlungsverpflichtung mit genau vorher bestimmbaren Hoechstaufwendungen vorsieht, dass sie
sich an die staatliche Arbeitslosenversicherung anschliesst und diese
ergaenzt, dass sie finanziell gesichert ist, dass sie in ihren Auswirkungen einer Depression entgegenwirkt, und dass sie unseren gesamten Geschaeftsgang nicht mehr und nicht weniger beeinflusst wie jede andere Erhoehung der Arbeitskosten um 5 Cent.
Wir begruessen diese Form der Versicherung auch deshalb, weil wir
glauben, dass sie die soziale Sicherheit unserer Arbeitnehmer sowohl in
materieller als auch in psychologischer Hinsicht erheblich festigt und
auf diese Art und Weise zu einer Verbreitung jenes Optimismus beitraegt,
der zu dem weiteren Fortschritt und dem Anhalten der Prosperitaet ao notwendig ist.
Angesichts dieser Tatsache sehen wir mit einiger Verwunderung die
Bemuehungen von Organisationen in den verschiedenen Einzelstaaten, die
darauf abzielen, eine Einbeziehung der privaten Arbeitslosenzusatzversicherung in das staatliche Arbeitslosenversicherungssystem zu hintertreiben und somit zu verhindern, dass die Arbeitslosenversicherung ihrer
Aufgabe voll gerecht wird. Die Plaene ueber die private Arbeitslosenversicherung werden faelschlicher Weise so interpretiert, dass sie gerade

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�,jene Bedingungen heraufbeschwoeren, die man durch sie vermeiden moechte.
Im einzelnen hoert man folgende Einwaendei
"Die Einbeziehung wird es uns gestatten, die Kosten fuer unser staatliches Arbeitslosenversicherungssystem auf andere Arbeitgeber abzuwaelzen."
Das ist keineswegs der Fall. Unsere Arbeiter werden der staatlichen Arbeitslosenversicherung nicht laenger auf der Tasche liegen als zuvor.
Unsere eigene, auf Erfahrung beruhende Veranschlagung, die gegenwaertig
noch erheblich unter dem Hoechstsatz liegt, wird auch weiterhin die Hoehe
der Aufwendungen im Rahmen unserer Arbeitslosenversicherung bestimmen und
bietet die Gewaehr dafuer, dass auch wir selbst an einem Fortbestand der
derzeitigen Verhaeltnisse interessiert bleiben.
"Der Anreiz zur Arbeit wird erlahmen". Auch diese Auffassung ist irrig.
Einer der wichtigsten Grundsaetze, um dessentwillen wir sogar bereit waren, es gegebenenfalls zu einem Streik kommen zu lassen, war der, dass
die zusaetzliche Arbeitslosenversicherung keinen voelligen Ausgleich zwischen regulaerem Lohn und Arbeitslosenunterstuetzung bringen darf, damit
der Anreiz, wieder einen festen Arbeitsplatz zu erlangen, erhalten bleibt.
Es wurden auch andere Einwaende laut, die sich unserer Ansicht nach
auf ein Missverstaendnis unserer Arbeitslosenzusatzversicherung stuetzen,
und einen Versuch darstellen, abtraegliche Auswirkungen auszumalen, die
kuenftige Plaene der privaten Arbeitslosenversicherung zeitigen koennten die die Arbeitslosenversicherung bei Ford aber nicht gezeitigt hat. So
uebersieht man haeufig, dass die Ablehnung eines Antrags auf Arbeitslosenunterstuetzung aus der staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung zwangslaeufig die Ablehnung eines Antrags auf Unterstuetzung aus der Zusatzversicherung nach sich zieht.
Wir sind fe3t davon ueberzeugt, dass man schlecht beraten waere und
kurzsichtig handelte, wenn man die Einbeziehung von Arbeitslosenzusatzversicherungen der Art, wie wir sie geschaffen haben, in die allgemeine
Arbeitslosenversicherung verhindern wuerde. Die ganze Wirtschaft haette unter einem solchen Schritt zu leiden. Wir gehen mit den Gegnern der Einbeziehung darin ueberein, dass eine restlose und unbegrenzte Ergaenzung
der Unterstuetzung aus der staatlichen Arbeitslosenversicherung sowohl die
staatliche Arbeitslosenversicherung schaedigen als auch dem Interesse der
gesamten Oeffentlichkeit zuwiderlaufen werde. Dieser Grundsatz findet in
vielen Einzelbestimmungen der Arbeitslosenzusatzversicherung bei Ford
'einen Niederschlag. Weder die Abschaffung der privaten Arbeitslosenversicherung noch eine Trennung ihrer Leistungen von denen der staatlichen
Versicherung bietet eine Loesung. Eine gesunde und realistische Loesung
besteht darin, dass der Gesetzgeber genaue Kriterien fuer die Einbeziehung
der privaten Arbeitslosenzusatzversicherung in die staatliche Arbeitslosenversicherung aufstellt, die jeglichen Missbrauch in Zukunft ausschliessen. Es waere ein schwerer Fehler, die Entwicklung mehr oder weniger
zweckmaessiger Formen der Zusatzversicherung zu beguenstigen, die sich
nicht eng an das staatliche Arbeitslosenversicherungssystem anschliessen
und die automatisch in demselben Masse an Wert verlören, als die staatliche Arbeitslosenversicherung ihre Leistungen erhoeht.
Gerade die eifrigsten Verfechter der strengen Trennung zwischen privater Arbeitslosenzusatzversicherung und der eigentlichen Arbeitslosenversicherung schenken letzterem Punkt viel zu wenig Beachtung. Vor knapp
einem Jahr war man in Wirtschaftsicreisen ziemlich uebereinstimmend zu der
Auffassung gelangt, dass die Unterstuetzung von Arbeitslosen ohne Berücksichtigung der Leistungen der bestehenden Arbeitslosenversicherung die
staatliche Arbeitslosenversicherung gefaehrden, den Unternehmern nicht
uebersehbare Lasten aufbuerden, Mammutverwaltungen schaffen und auch anderweitig sehr nachtraegliche Auswirkungen zeitigen wuerde. Es war von groesster
'Dichtigkeit, dass kein derartiger Praezedenzfall geschaffen wuerde. Wir

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�teilten diese Auffassung und gestalteten daher unsere Arbeitslosenzusatzversicherung so, dass diese Gefahr vermieden wurde.
Es wirkt deshalb sehr befremdend, dass in der Fublizistik zu diesen
Fragen, soweit sie auf eine Verhinderung der Einbeziehung der Zusatzversicherung in die staatliche Arbeitslosenversicherung abzielt, immer wieder
das Argument zu finden ist, dass die Unternehmer, sofern sie ihren Arbeitern im Falle einer Ausstellung eine Unterstuetzung gewaehren wollen,
dies durchaus von sich aus tun sollen, sich dabei aber nicht auf die
staatliche Arbeitslosenversicherung stuetzen duerfen und sich zu diesem
Zweck ein eigenes, voellig anderes und restlos unabhaengiges System der
Arbeitslosenversicherung schaffen muessten. Solche Praezedenzfaelle waeren
heute genauso schaedlich wie sie es vor einem Jahr gewesen waeren. Ein
Praezedenzfall hat deshalb nicht weniger Gewicht, weil er nicht auf das
staatliche Arbeitslosenversicherungssystem ausgerichtet ist.
Welche Haltung empfiehlt sich fuer die Betriebsfuehrung?
Die Anforderungen, die sich aus dieser Entwicklung fuer die Leiter
der Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen und ihre Mitarbeiter ergeben,
koennen eine gewisse Verlagerung des Schwerpunktes ihrer Arbeit und auch
eine Umorganisation innerhalb der zustaendigen Bueros bedingen.
Erstens« Die Zeiten, in denen wir uns ebenso wie die gesamte Betriebsfuehrung in unserer Arbeit auf unser Fingerspitzengefuehl verlassen konnten,
sind vorbei. In den meisten Betrieben werden seit langem schon Fachleute
mit der Entwicklung und Durchfuehrung von Maasnahmen betraut, wie sie im
Betrieb aus dem Verhaeltnis Arbeitnehmer-Arbeitgeber erwachsen. In demselben Masse, in dem die Gewerkschaften ihre Sache sowohl am Verhandlungstisch
als auch vor der Oeffentlichkeit mit zunehmendem Geschick vertreten, muessen auch die Betriebsfuehrungen Fachkraefte und Forschungseinrichtungen
zur Verfuegung haben, um die Haltung der Arbeitgeber in diesen Fragen klar
herauszuarbeiten und ihren Standpunkt zu verfechten. Je zivilisierter und
vernuenftiger sich das Verhaeltnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer
gestaltet, um so groesserer Bedeutung kommt der Vorausplanung und der
Forschung bei der Erarbeitung von Entscheidungen innerhalb der Betriebsfuehrung zu und um so wichtiger wird auch die geachickte und von vernuenftigen Argumenten untermauerte Darstellung der eigenen Sache am Verhandlungstisch.
Zweitens» Angesichts des immer weitergehenden Ausbaus der freiwilligen Sozialleistungen der Betriebe werden sich die Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen auch auf die immer kompliziertere Aufgabe der Durchfuehrung
der diesbezueglichen Abmachungen erstrecken muessen.
Drittens: Auf Unternehmerseite muss man sich mehr als bisher mit der
Frage auseinandersetzen, auf welche Weise sich ein Gegengewicht fuer die
politische Aktivitaet der Gewerkschaften finden laesst.
Viertens: Es gilt, schoepferische neue Methoden zu finden, um den
menschlichen Problemen und Wuenschen der Arbeitnehmer in einer Form gerecht zu werden, die im Einklang mit den Erfordernissen des Betriebes
steht.
Fuenftensi In unserer Zeit des raschen technischen Fortschritts
muessen sich die Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen auch immer mehr auf
Fragen der Ausbildung, Erziehung und Beschaffung von Arbeitskraeften
erstrecken.
Abschliessend moechte ich noch einen Hinweis geben, den Leiter der
Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen und ihre Mitarbeiter an der Schwelle
des vor uns liegenden Jahrzehnts beherzigen sollten.

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�I

Es kann kein Zweifel darueber bestehen, dass die arbeitende Bevoelkerung
in den Vereinigten Staaten aus dem industriellen Fortschritt unmittelbaren und reichen Nutzen gezogen hat. Die Industrie hat von sich aus dafuer gesorgt, dass die gesteigerten Ertraege auch der Arbeiterschaft zugute kommen. Die Industrie ist auch keineswegs der Auffassung, dass wir
bereits am Ende des Weges zum sozialen Fortschritt angelangt seien. Der
industrielle Fortschritt steckt noch immer in den Kinderschuhen. Ein weiteres Voranschreiten auf diesem Weg wird fuer uns alle gewinnbringend sein.
Die amerikanischen Arbeiter koennen darauf zaehlen, dass ihr Lebensstandard ueber lange Jahre hinweg weiter steigen wird. Wer moechte bezweifeln,
dass wir in 10, 20 oder 30 Jahren Schritt fuer Schritt ein immer hoeheres
Einkommen und eine groessere soziale Sicherheit erlangen werden?
Jene Maenner in der Betriebsfuehrung, die fuer Fragen der Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen zustaendig sind, duerfen keineswegs in
eine negative Haltung des Nein-Sagens und des Sichentgegenstemmens gegen
die Entwicklung verfallen. Wir duerfen nicht den "Kampf gegen die Gewerkschaften" zu unserer Parole machen. Die Vernunft und nicht die Gewalt
sollte das bestimmende Element bei Tarifverhandlungen sein. Wir sollten
in Verhandlungen mit einer klaren Vorstellung davon eintreten, was wir wollen und was wir nicht wollen. Wir sollten uns ebenso viel Gedanken darum
machen, wie weit wir zu gehen beabsichtigen, als darum, von welchem Punkt
an wir kaempfen werden, um die Stellung zu halten. Wir sollten all unsere
schoepferische Phantasie aufwenden, um das Los unserer Arbeiterschaft zu
verbessern, und wir sollten allen Ideen und Erkenntnissen, von welcher
Seite sie auch kommen moegen, aufgeschlossen gegenuebertreten. Wenn eine
Idee aus den Reihen der Gewerkschaften kommt, so bedeutet das fuer uns
keineswegs, dass sie deshalb nicht gut sein kann. Unsere Haltung sollte
auf der Ueberzeugung beruhen, dass wir dem sozialen Fortschritt dann am
besten dienen, wenn wir unseren Betrieb und die Wirtschaft gesund, leistungsfaehig und gewinnbringend erhalten.
Quellei "Monthly Labor Review", Vol. 79 No. 4

Die Rolle der privaten Sozialprogramme bei Tarifverhandlunpien
Waehrend sich das Interesse der Gewerkschaften bei Lohnverhandlungen
frueher in erster Linie auf die Erhoehung der Loehne und Gehaeiter konzentrierte, sind es heute die sogenannten "fringe benefits", die zusaetzlichen Sozialleistungen oder "Lohnfransen", die bei den Verhandlungen
zwischen den Sozialpartnern eine immer groessere Rolle spielen. Dies trifft
in besonderem Masse fuer die amerikanischen Gewerkschaften zu, die in den
Nachkriegsjahren auf diesem Gebiet eine sehr grosse Aktivitaet entfalteten
und eine Reihe von Sozialprogrammen wie Kranken-, Alters- und Invaliditaetsversicherungen sowie zusaetzliche Leistungen bei Erwerbslosigkeit
("garantierter Jahreslohn") in ihren abgeschlossenen Kollektivvertraegen
durchbringen konnten. Anfang 1954 wurden, wie aus einer Studie des "Amtes
fuer Arbeitsstatistik" im US-Arboitsministerium zu entnehmen ist, rund
11 Killionen Arbeitnehmer (das sind mehr als Zweidrittel aller durch Gewerkschaf tsvertraege erfassten Werktaetigen) von Sozialprogiammen aller
Art beruehrt. Gegenueber 1950 bedeutet das eine Zunahme um 55 Prozent.
Dieser Vergleich zeigt schon, welch grosse Bedeutung die freiwilligen Sozialprogramme heute bei den Tarifverhandlungen in den USA spielen
und wie erheblich die Zunahme derartiger Plaene in den vergangenen Jahren
gewesen ist. Aber noch ein anderer Trend ist in diesem Zusammenhang von
besonderem Interesse» die immer' groesser werdende Zahl solcher Irogramme,
die ausschliesslich vom Unternehmer finanziert werden. So wurden - wie
aus der gleichen Studie hervorgeht - 1954 bereits 62 irozent aller Krankenversicherungsplaene allein von den Arbeitgebern finanziert.

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�Die bedeutendste Rolle unter den derzeitigen Sozialprogrammen nehmen die
Krankenversicherungsplaene ein, die, als erste eingefuehrt, heute rund
93 Prozent aller Arbeitnehmer erfassen. Ihrer Bedeutung nach folgen dann
Krankenhaus(88$)-, 0perationskosten(83$)-, Unfall-Krankheits(73$)-, Lebens-Invaliditaets(54)- und Arzneikosten-Versicherungen (47$). Von Bedeutung ist hier noch die Tatsache, dass die verschiedenen Programme in
den vergangenen Jahren weitgehend liberalisiert und auch teilweise auf
die Familienmitglieder der Arbeitnehmer ausgedehnt wurden. Hund 70 Prozent der Arbeitnehmer werden heute von derartigen Plaenen erfasst. Etwa
die Haelfte von ihnen traegt dabei zusammen mit dem Arbeitgeber (im Verhaeltnis 50*50) die Versicherungskosten, waehrend bei 38 Prozent der Unternehmer allein die Kosten traegt. Zu den juengsten Bestrebungen der
Gewerkschaften auf diesem Gebiet gehoert auch die Ausdehnung dieser Versicherungsleistungen auf die Pensionaere. Den juengsten Ziffern zufolge
duerften heute etwa Zweidrittel der im Ruhestand lebenden Arbeitnehmer
bereits von diesen Plaenen erfasst werden.
Einen sehr guten üeberblick ueber den derzeitigen Stand der verschiedenartigsten Sozialprogramme, ihre Gliederung sowie die Art und die
Dauer der einzelnen Leistungen gibt eine Uebersicht, die kuerzlich vom
"Amt fuer Arbeitsstatistik" im US-Arbeitsministerium herausgegeben wurde
und der 100 bedeutende Kollektivvertraege zugrunde liegen.
Arzneikostenversicherung;
Von den 100 Plaenen sehen 31 Maximalleistungen zwischen 100 und 250 Dollar
pro Krankheitsfall vor, 9 Zuwendungen ueber 250 Dollar, 3 einen Jahresmaximalbetrag, waehrend 5 keine Maximumgrenze festlegen und 43 keine
Deckung aufweisen.
Unfall- und Krankenversicherung;
21 Plaene umfassen hier Zahlungen zwischen 18 und 40 Dollar pro Woche
fuer einen Zeitraum zwischen 13 und 26 Wochen pro Krankeitsfall; 38 legen
die Einkuenfte als Leistungsbasis zugrunde; 22 gruenden die Leistungen
auf andere Faktoren und 19 sehen keine Deckung vor.
OperationskostenverSicherung»
91 Plaene sehen eine Maximalkostenerstattung zwischen 50 und 350 Dollar
vor, 79 vergueten dabei die Leistungen unabhaengig davon, ob die Operation
im Krankenhaus oder an einem anderen Ort durchgefuehrt wurde, ein Ilan
sieht die Deckung saemtlicher Kosten vor, waehrend 6 keine Deckung vorsehen.
Krankenhausversicherung»
In 60 Plaenen werden hier Maximal-Tagessaetze zwischen 5 und 15 Dollar
verguetet, 59 davon sehen dabei die Zahlung der Maximalleistung fuer
einen Zeitraum zwischen 31 und 120 Tagen vor, wobei der haeufigste Satz
31 Tage betraegt; 32 Plaene gestatten die Unterbringung im Krankenhaus in
halbprivaten Stationen fuer einen Zeitraum zwischen 21 und 120 Tagen,
waehrend 2 die Laen^e der Krankenhaus Zahlungen von der Senioritaet des
Arbeitnehmers abhaengig machen. Ein Flan sieht schliesslich die Erstattung saemtlicher Ausgaben ohne zeitliche Begrenzung vor, und 4 weisen
keine Deckung auf.
Entbindungskosten und Wochengelder»
62 der 100 zu dieser Uebersicht herangezogenen Sozialplaene sehen
Leistungen fuer Entbindungskosten (im Krankenhaus) in Hoehe zwischen 50

- ß-

�und 840 Dollar vor, 75 gewähren zusätzliche Operationskosten (50 his
125 Dollar), 8 Pauschalleistungen (50 bis 150 Dollar), einer deckt sämtliche entstehenden Entbindungskosten, während 4 keine Leistungen in
diesem Fall vorsehen.
Unfall- und Invaliditätsversicherung
34 Pläne sehen bei Betriebsunfällen mit tödlichem Ausgang Zahlungen
zwischen 1000 und 5000 Dollar sowie Leistungen zwischen 500 und 2500
Dollar bei Beschädigung oder Verlust einzelner Körperteile und zwischen 1000 und 5000 Dollar bei Verlust mehrerer vor, 13 legen den Leistungen die Einkünfte und 6 die Seniorität, die Art der Beschäftigung,
das Alter und die Einkünfte, zugrunde, während 47 keine Unfall- und
Invaliditätsdeckung enthalten.
Lebensversicherung;
23 der Pläne nehmen die Einkünfte des Versicherten als Leistungsbasis,
wobei die Vergütungen zwischen 12 000 und 13 000 Dollar betragen; 52
sehen Leistungen zwischen 400 und 5000 Dollar vor, 7 legen die Beschäftigungsdauer zugrunde, 6 das Lebensalter und die Einkünfte, und 12
solche Faktoren wie Alter, Seniorität, Einkommen, Geschlecht und Zugehörigkeit zur Gewerkschaft.
Wer sind nun die Träger der Versicherungskosten? Wie aus der Übersicht
hervorgeht, sehen 64 der 100 Pläne die alleinige Finanzierung durch den
Unternehmer vor, während 36 gemeinsam von Unternehmer und Arbeitnehmer
finanziert werden. 49 der Pläne, die auch die Familienangehörigen der
Arbeitnehmer umschließen, werden allein durch den Unternehmer finanziert, während bei 31 die Kosten gemeinsam getragen werden. In 17 der
Fälle ist der Arbeitnehmer der alleinige Kostenträger. Von den Plänen,
die auch Leistungen für Pensionäre vorsehen, werden 28 von den Unternehmen allein finanziert, 24 gemeinsam und nur 3 durch die Arbeitnehmer.
Anwartschaft:
Bei 16 der für die Untersuchung herangezogenen 100 Pläne tritt der
Versicherungsschutz sofort oder am ersten Tag des nächsten Monats ein;
bei 42 Plänen liegt der Versicherungsbeginn zwischen 30 Tagen und einem
Jahr; 23 sehen eine verschiedene Länge der Beschäftigungsdauer zur
Erringung der Anwartschaft in den einzelnen Sozialprogrammen vor, und 19
legen andere Faktoren zur Erringung der Anwartschaft zugrunde.
Quelle: Eigenbericht

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Größte Zahl an Gewerkschaftsmitgliedern im Staate New York
Der Staat New York weist von allen amerikanischen Bundesstaaten die
größte Zahl gewerkschaftlich organisierter Arbeitnehmer auf, obwohl
er hinsichtlich der Gesamtzahl aller Arbeiter und Angestellten erst
an 15- Stelle rangiert. Dies geht aus einem Artikel des Gewerkschaftsblattes "Labors Daily" hervor, der sich auf eine Untersuchung des
"Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung" ("National Bureau of
Economic Research") über die Mitgliederbewegung in den amerikanischen
Gewerkschaften zwischen 1939 und 1953 stützt.
Danach entfallen mehr als 2/3 der Mitgliederzugänge während der vergangenen 14 Jahre allein auf zehn Bundesstarten, nämlich New York,
Pennsylvanien, Kalifornien, Illinois, Ohio, Michigan, New Jersey,
Indiana, Massachusetts und Missouri. Von diesen zehn Staaten wies

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�Michigan mit fast 4OO/0 den stärksten prozentuellen Anstieg auf. Die
Zahl der organisierten Arbeitnehmer stieg hier von 269 000 im Jahre
1939 auf 1,062 Millionen im Jahr 1953 an, während im Staate New York
eine Zunahme von 959 000 auf 2,051 Millionen (113»9/0 Gewerkschaftsmitglieder zu verzeichnen war.
Wie aus der Studie weiter hervorgeht, betrug die Gesamtzahl der
Gewerkschaftsmitglieder in den Vereinigten Staaten im Jahre 1953
16,217 Millionen gegenüber 6,518 Millionen im Jahre 1939»
Quelle: Eigenbericht

"Todesstoß" für kommunistische Elektroarbeitergewerkschaft
Ihre Auflösung in den stark industrialisierten Gebieten von New York
und New Jersey hat die ehemals sehr mächtige und wegen ihrer kommunistischen Durchsetzung 1949 aus dem CIO ausgeschlossene "Vereinigte
Elektroarbeitergewerkschaft" (UEWU} beschlossen. In der Bekanntmachung
der Gewerkschaftsführung wird den rund 18 000 Mitgliedern der Gewerkschaft empfohlen, sich der "International Union of Electrical Workers"
(HIE) anzuschließen.
Die IUE-Gewerkschaft wurde im Jahre 1949 als Gegenorganisation zu der
kommunistisch beherrschten Elektroarbeitergewerkschaft gegründet.
Unter der Führung ihres ersten Vorsitzenden James B. Carey entwickelte
sie sich sehr schnell aus kleinen Anfängen heraus zu einer großen
Gewerkschaft mit gegenwärtig rund 364 000 Mitgliedern. Die Mitgliederzahl der kommunistisch beherrschten "UE)VU"-Gewerkschaft ging im
gleichen Zeitraum bis auf etwa 60 000 zurück.
Carey bezeichnete den Auflösungsbeschluß der Gewerkschaftsvorsitzenden in New York und New Jersey als den "Todesstoß" für die "UEWU"Gewerkschaft.
Einen weiteren schweren Schlag erlitt die UEWU-Gewerkschaft in der
vergangenen Woche, als 13 Ortsverbände in anderen Distrikten des
Staates New York beschlossen, sich der "International Association
of Machinists" anzuschließen. Diese 13 Ortsverbände zählen rund
8000 Mitglieder.
Quelle: Eigenbericht

Transferierbare private Pensionspläne
Ein Nachteil der vielen in den letzten Jahren in die Tarifverträge
eingebauten privaten Pensionspläne war die Unmöglichkeit der Versicherungsberechtigten, ihre Ansprüche auch bei einem Arbeitsplatzwechsel aufrechtzuerhalten. Die meisten dieser Pläne, die zum
größten Teil allein vom Unternehmer finanziert werden, sind nämlich
auf betrieblicher Basis aufgebaut. Aus diesem Grunde war es das besondere Bestreben der Gewerkschaften in den vergangenen Jahren
gewesen, mehrere solcher Pläne in einem zentralen, möglichst industrieweiten Fonds zusammenzulegen, damit die Arbeitnehmer bei einem
Wechsel des Arbeitsplatzes ihre oft nicht unerheblichen Ansprüche
beibehalten.
Einen neuen Erfolg in dieser Richtung konnte jetzt die "Gewerkschaft
der Arbeiter der Konservenindustrie (eine Tochtergewerkschaft der
"Brotherhood of Teamsters") für rund 1500 Arbeiter durch Abschluß
eines neuen Tarifvertrages mit der "McNeill and Libby Company"
durchsetzen, wodurch den Arbeitnehmern ihre Pensionsansprüche

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�gesichert bleiben, solange sie Gewerkschaftsmitglied sind.
Auf Grund des neuen Vertrages wird das Unternehmen 10 Cent pro Stunde
und Arbeitnehmer an einen zentralen Pensionsfonds abführen, der von
der Finanzabteilung der "Transportarbeitergewerkschaft" verwaltet
werden wird. Nach Abzug von 1 Prozent für Verwaltungsunkosten wird
dann die Restsumme im Rahmen eines Gruppenversicherungskontraktes
der "Prudential Insurance Company of America" zugeführt werden. Der
Plan selbst steht unter Aufsicht von 14 Treuhändern - je sieben aus
Gewerkschafts- und Unternehmerkreisen.
Wie aus Gewerkschaftskreisen weiter verlautet, soll der jetzt neu
abgeschlossene sogenannte "Mobile Pension-Plan" als Muster für die
bevorstehenden weiteren Kollektivverhandlungen dienen, damit nach
erfolgreichem Abschluß rund 300 000 ihrer Mitglieder in den Genu3
von transferierbaren Pensionsansprüchen kommen können.
Der erste Pensionsplan dieser Art wurde in den USA von der "Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft" (UMW) ausgehandelt. Er ermöglicht
einen Transfer der privaten Pensionsansprüche eines Arbeiters bei
Arbeitsplatzwechsel, und zwar solange er in der Kohlenindustrie tätig
ist.
Quelle: Eigenbericht

Angestelltengehälter stärker als Industriearbeiterlöhne angestiegen
Der durchschnittliche Wochenverdienst der Büroangestellten ist in
den letzten Jahren schneller als der der Fabrikarbeiter gestiegen,
geht aus einer Übersicht des "Amtes für Arbeitsstatistik" im USArbeitsministerium hervor.
Als Grund für die stärkere Zunahme der Einkünfte bei den Büroangestellten, die in den letzten fünf Jahren um 27 Prozent gegenüber nur
19»6 Prozent bei den Fabrikarbeitern anstiegen, führt das Amt die
große Nachfrage nach Bürofachkräften und Hilfspersonal an.
Eine Stenotypistin verdient gegenwärtig in New York 63 Dollar pro
Woche gegenüber 49»50 Dollar im Jahre 1951» Bei Sekretärinnen liegt
der durchschnittliche Wochenverdienst heute bei 78,5° Dollar, was
eine Zunahme von 14 Dollar in den vergangenen fünf Jahren bedeutet.
Bei reinen Schreibkräften beträgt der Wochenverdienst, wie aus der
Übersicht des Amtes für Arbeitsstatistik weiter zu ersehen ist,
53t50 Dollar gegenüber 41 Dollar im Jahre 1951«
Quelle: Eigenbericht
Sieben.jahres-"No Strike"-Kontrakt
Ein bemerkenswerter Tarifvertrag, der eine "Nichtscreikklausel" enthält
und eine Laufzeit von sieben Jahren vorsieht, wurde jetzt von vier
Ortsverbänden der "Transportleute-Gewerkschaft" (international
Brotherhood of Teamsters) mit der "Coca Cola Bottling Company" in
New York abgeschlossen.
Das neue Abkommen, von dem rund 1500 Arbeitnehmer erfaßt werden, sieht
die Beilegung aller auftauchenden Arbeitsstreitigkeiten einschließlich
der Meinungsverschiedenheiten über Lohnerhöhungen durch Schiedsverfahren vor.
...
_.
, ...
n
Quelle: Eigenbericht
Bemerkenswerter Tarifvertrag in der Textilindustrie
Zwischen der Textilarbeitergewerkschaft (AFL-CIO) und der "American
Viscose Corporation" wurde jetzt Übereinstimmung über einen neuen
Tarifvertrag mit dreijähriger Laufzeit erzielt, der eine Erhöhung
sämtlicher Löhne und Gehälter um 4 Prozent sowie verbesserte Pensionsleistungen ab 1. Juni 1957 vorsieht.
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�Bemerkenswert an dem neuen Vertrag, der noch der Zustimmung der
großen Tarifkommission der Gewerkschaft bedarf, um rechtskräftig
zu werden, ist die beträchtliche Erhöhung der Pensionsleistungen
sowie die Tatsache, daß die Arbeitnehmer in Zukunft keinerlei Beiträge für die Altersversicherung mehr zu zahlen brauchen. Diese
beiden Punkte des Vertrages sollen rückwirkend vom 1. Januar 1956
an in Kraft treten.
Wie das Unternehmen und die Gewerkschaft in einer gemeinsamen Erklärung über die Erhöhung der Altersrenten und die Übernahme der
Pensionsleistungen durch die Gesellschaft betonen, entspricht diese
Regelung einer Lohnerhöhung um 11 Cent pro Stunde für 1956.
Die Rentenleistungen für die 1176 Pensionäre des Unternehmens, die
dem Pensionsfonds angehören, sollen bereits ab 1. Juni dieses Jahres
erhöht werden. Die vorgesehenen vier Prozent Lohnerhöhungen belaufen
sich zwischen fünf und neun Cent pro Stunde, so daß der Durchschnittsstundenlohn ab 1. Juni 1957 1,86 Dollar betragen wird.
Quelle! Eigenbericht

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�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht wercjen.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlcm, Mchlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 14

Mehlem, den 1. August 1956
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Umstellung auf Automation im Grossbetrieb

Seite 1

Amerikas Gewerkschaften bilden ihren Funktionaersnachwuchs selbst heran

Seite 10

Der Begriff der Froduktivitaet in der
amerikanischen Industrie

Seite 12

Der Lebensstandard der Stahlarbeiter

Seite 13

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

Seite 15

Die Umstellung auf Automation im Großbetrieb
Exakte Vorausplanung bezüglich aller technischen Fragen und auf
dem Gebiet der Personalpolitik sowie eine geschickte Wahl des Zeitpunktes bei gebührender Berücksichtigung der allgemeinen Wirtschafts- und
Geschäftslage des Unternehmens haben es zwei amerikanische Firmen ermöglicht, große Teile ihres Betriebes auf vollautomatische Verfahren
umzustellen, ohne daß es dabei zu nennenswerten Anpassungsschwierigkeiten kam. Die Art und Weise, wie dieser Übergang bewerkstelligt wurde,
ist Gegenstand zweier getrennter Untersuchungen, die das "Amt für
Arbeitsstatistik" im "US-Außenministerium" in Zusammenarbeit mit diesen
Betrieben durchgeführt hat. E B handelt sich dabei einmal um eine große
Herstellerfirma von Rundfunk- und Fernsehgeräten, die die 55er-Modelle
ihrer Fernsehapparate erstmals mit gedruckten Schaltbildern bestückte
und gleichzeitig zur teilautomatisierten Fertigmontage überging, und
zum anderen um die Zentralverwaltung einer großen Versicherungsgesellschaft, die eine elektronische Großrechenanlage installierte, um die
bisher mit Hilfe von Lochkarten bewältigte Betriebsbuchhaltung zu führen.
Diese beiden Einzelfälle sind sehr aufschlußreich, wenn sie sich
auch nicht verallgemeinern lassen. Auch lassen sich aus den beiden Untersuchungen keine allgemeinen Schlüsse auf die Auswirkungen automatischer
Produktionsverfahren auf den Arbeitsmarkt ziehen.
Was die Beschäftigungslage angeht, so hat der Übergang zum automatischen Verfahren in diesen Betrieben jedoch einige bemerkenswerte Aufschlüsse gebracht. So wurden zahlreiche neue Arbeitsplätze geschaffen,
deren Besetzung, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen", nur eine sehr
kurzfristige Umschulung unmittelbar am Arbeitsplatz erforderte. Neue
- 1 -

�Abteilungen wurden eingerichtet, um die Verwendung automatischer
Ausrüstungen vorauszuplanen, solche Anlagen zu installieren und nach
Inbetriebnahme für ihre Wartung zu sorgen. Zum Teil bedingte die
Automatisierung die Einstellung von Personal mit Spezialkenntnissen,
die bisher für die entsprechenden Arbeiten nicht erforderlich waren.
In keiner der beiden Firmen haben die Maschinen Arbeiter von ihren
Arbeitsplätzen verdrängt, die mit Aufgaben betraut waren, die ein
hohes Maß an Urteilskraft erfordern. Die Automatisierung brachte
darüber hinaus keineswegs die völlige Ausschaltung jeder Handarbeit.
Das betreffende Werk der Radio- und Fernsehindust.rie gelangte zu
der Erkenntnis, daß die menschliche Arbeitskraft überall dort unentbehrlich sei, wo diffizile Handgriffe zu leisten sind und wo zerbrechliche Stoffe verwendet werden. Bei dieser Firma brachte die
Übertragung größerer Verantwortung im Verein mit einigen (nicht
genannten) Veränderungen der Arbeitsbedingungen nach der Umstellung
auf automatische Produktionsverfahren Lohnerhöhungen für die Arbeitskräfte an den Automaten mit sich. Der erhöhte Ausstoß, das Ergebnis
einer Steigerung der Produktivität, dürfte dazu führen, daß eine
eventuelle Verringerung der Beschäftigungszahl in gewissen Abteilungen durch Vergrößerung anderer Abteilungen ausgeglichen wird. Bei
der Versicherungsfirma zeigte sich eine ähnliche Auswirkung der
Automatisierung auf die Löhne: Die Arbeitskräfte, denen die Ausübung der neuen Funktionen übertragen war, haben heute im Durchschnitt
ein höheres Jahresgehalt als diejenigen Arbeitskräfte, die die vergleichbaren Betriebsvorgänge früher nach dem herkömmlichen Verfahren
bewältigt hatten.
Allerdings war ein Rückgang des Anfalls an Arbeiten zu verzeichnen, die bisher von ungelernten Kräften bewältigt wurden. Gerade die
Frauen, die einen großen Prozentsatz der Belegschaft beider Firmen
stellen und im allgemeinen mit jenen Aufgaben betraut waren, die sich
auf automatische Maschinen übertragen lassen, wurden von der Umstellung am stärksten betroffen.
Gewisse Erscheinungen traten bei beiden Betrieben gleichermaßen
auf. In beiden Betrieben besteht die Arbeit zu einem großen Teil aus
Routine und sich stets wiederholenden Arbeitsgängen, die in erster
Linie von Frauen ausgeführt werden. Die neuen Anlagen wurden im Zeitraum mehrerer Jahre und im Rahmen von langfristigen Programmen installiert, die eine Verbesserung der Wettbewerbstätigkeit (sowohl hinsichtlich der Qualität als auch des Leistungsstandes) zum Ziel haben. Die
Automatisierung soll es diesen Betrieben ermöglichen, mit der allgemeinen Wirtschaftsausweitung Schritt zu halten und die hohe Fluktuationsrate unter den weiblichen Beschäftigten zu senken. Beide Firmen
tragen sich mit dem Gedanken einer noch weitergehenden Automatisierung,
wollen dabei allerdings erst die Ergebnisse der ersten Phase der Umstellung abwarten und die so gesammelten Erfahrungen berücksichtigen.
In der Unterrichtung ihrer Belegschaften über den geplanten Übergang
zu automatischen Methoden noch vor Inangriffnahme der betrieblichen
Umstellung gingen die beiden Firmen verschiedene Wege. Die diesbezügliche Mitteilung der Versicherungsgesellschaft an ihre Mitarbeiter
enthielt wesentlich detailliertere Angaben als die entsprechende Ankündigung der Rundfunkapparatebaufirma. Die Versicherungsgesellschaft
unterrichtete sämtliche Mitarbeiter bis in Details über ihre Pläne
zur Aufstellung einer Elektronenrechen- und Buchungsanlage. Die Rundfunk-Herstellerfirma informierte lediglich die Werkmeister und Gewerkschaftsfunktionäre über diesen Schritt; die übrigen Betriebsangehörigen erfuhren von diesen Plänen nur gerüchteweise und aus zweiter Hand. Die Versicherungsfirma hat von Anfang an darauf hingewiesen, daß der Übergang zu automatischen Maschinen keine Entlassungen

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�Entlassungen oder Rückstufungen nach 3ich ziehen wird.
Die bei der Versicherungsgesellschaft betroffenen Angestellten
waren nicht gewerkschaftlich organisiert. Bei der Herstellungsfirma
von Rundfunk- und Fernsehgeräten zeigten sich die Vertreter der Gewerkschaften in erster Linie daran interessiert, ihren Mitgliedern
durch höhere Löhne und verbesserte Sozialleistungen einen Anteil an
den Gewinnen aus der gesteigerten Produktion zu sichern.
Die Automatisierung in einem Werk des Hochfrequenzapparatebaus
Die erste Untersuchung betrifft eine der größten amerikanischen
Herstellerfirmen für Rundfunk-, Fernseh- und Tonwiedergnbegeräte. Die
in diesem Betrieb anfallende Arbeit ergibt sich größtenteils aus der
Konstruktion und Herstellung verschiedener Modelle der genannten Geräte
sowie aus der relativ geringen Fertigung von Funkausrüstungen für militärische Zwecke. Das Werk bezieht sämtliche Teile von Zulieferfirmen,
montiert sie und setzt die fertigen Chassis dann in die im Werk hergestellten Gehäuse ein. Die bisher angewandten Montagemethoden erforderten den Umgang mit Hunderten von Einzelteilen und die Verlötung unzähliger Verdrahtungen.
Montage am Fließband mit einer weitgehenden Spezialisierung
hatten bisher das Produktionsprogramm in der Fernsehabteilung bestimmt.
Die Einzelteile wurden nach ihrer Prüfung auf die Lagerregale entlang
dem Fließband verteilt. Zuvor wurden sämtliche Metallteile, wie Röhrensockel und so weiter, auf dem Chassis vernietet und die komplizierten
Verdrahtungen zwischen den einzelnen Montageelementen hergestellt. An
jeder Seite eines rund 100 Meter langen Tisches waren die Arbeiter,
meist Frauen, mit Werkzeugen beschäftigt, wobei sie im großen und ganzen
immer nur die gleichen Handgriffe auszuführen hatten: Verdrahten, Verlöten und Einsetzen von Teilen in die dafür vorgesehenen Fassungen und
so weiter. Die fertiggestellten und restlos bestückten Chassis gingen
dann über Transportbänder zu einem Fließband, wo nur noch die Röhren
eingesteckt wurden. Im Anschluß daran wurden die fertigen Chassis geprüft und in die Gehäuse eingebaut. Die fertigen Apparate wurden nach
einem letzten praktischen Test verpackt und zum Versand gebracht. Noch
vor wenigen Jahren mußten nahezu 60$ der direkten Arbeitszeit, die die
Herstellung eines Fernsehgerätes erfordert, auf die Herstellung der
Verdrahtung und die Montage der Einzelteile verwendet werden.
Die Gesellschaft ging 1952 erstmals dazu über, gedruckte Schaltbilder, die auf photo-chemischem Wege hergestellt werden, iffl Rundfunk
zu verwenden, und zwar in der Fertigung eines 5-Röhren-Koffergerätes.
Diese gedruckten Schaltbilder machen die so mühsame Verdrahtung überflüssig. Die Montageteile werden in das Chassis eingesetzt und dann die
gesamte Unterseite des Chassis in flüssige Lötmasse getaucht. Im Jahre
1954 ging die Gesellschaft dazu über, gedruckte Schaltbilder auch bei
dem 55er-Modell zu verwenden und bei denen des Jahres 1956 sind im
Durchschnitt 75 bis 80$ aller Verdrahtungen auf photo-chemischem Wege
auf die Isoliermassen aufgetragen. Im Jahre 1953 begann die Firma,
ihren Maschinenpark auf eine automatische Montage der Bauelemente umzustellen. Im nächsten Jahr schon wurde eine Maschine installiert, die
sechs Chassis pro Minute automatisch zu bestücken vermochte. Eine in
der Zwischenzeit installierte Maschine schafft zwölf Chassis pro
Minute. Seit 1953 ist es durch andere Verbesserungen möglich, Bauelemente ganz verschiedener Größe zu verwenden. Diese Vervollkommnung der
Fertigungsmethoden brachte eine große Leistungssteigerung und eine Verbesserung der Qualität der hergestellten Apparate mit sich.

- 3

�Nachdem die gedruckten Schaltbilder bearbeitet und bestückt worden
sind, laufen sie nach dem neuen Produktionsverfahren zur Fertigmontage,
wo am Fließband die letzten 20 bis 25/ij der Verdrahtung ausgeführt, die
noch fehlenden Teile eingesetzt, die fertigen Schaltbilder auf das
Chassis aufgesetzt und die Bildröhren eingebaut werden.
Der Übergang zu dem neuen Fertigungsprozeß führte zu einer
Verringerung der Zahl der mit der Hand zu leistenden Arbeitsgänge,
brachte jedoch keine völlige Ausschaltung der Handarbeit. Das Vernieten der Fassungen und Sockel, das Einsetzen der Röhren, der Einbau
ins Gehäuse, die technische Prüfung und Abstimmung sowie das Verpacken
wurden nur indirekt von dieser Entwicklung berührt. Diese Arbeiten
werden auch weiterhin größtenteils von der Hand erledigt. Die Umstellung in der Montage brachte es mit sich, daß die Zahl der Handverdrahter und Montagekräfte - größtenteils Frauen - verringert wurde.
Der Übergang bedingte andererseits die Neueinstellung von Wartungspersonal für die Maschinen, das allerdings keiner besonderen
Fertigkeiten bedurfte. Deshalb war für diese Gruppe, abgesehen von
einer zweiwöchigen Schulung, keine zusätzliche Ausbildung notwendig.
Mehrere neue maschinelle Arbeitsgänge wurden eingeführt, für die etwas besser bezahlte Arbeitsplätze sowie einige höher qualifizierte
Positionen neu geschaffen werden mußten. So verdoppelte sich beispielsweise die Zahl der gelernten Montagearbeiter, die mit Entwicklungsarbeiten, Reparaturen und der Wartung von Maschinen betraut waren.
Das gleiche gilt für die technischen Angestellten in derFertigung;
die Zahl der Maschinisten und Elektrotechniker hat sich mehr als verdoppelt und auch das Zahlenverhältnis zwischen Ingenieuren und Arbeiternin der Produktion hat sich zugunsten ersterer vorschoben.
Einige Arbeitsplätze für ungelerntes Personal wurden überflüssig,
dennoch wurde nach Mitteilung der Betriebsleitung niemand im Zusammenhang mit der Betriebsumstellung entlassen. Einige Arbeiter mußten den
Arbeitsplatz wechseln und wurden der Endmontage, der Prüfstelle, der
Versandabteilung und so weiter zugeteilt, soweit sie nicht an den
neuen automatischen Maschinen weiterbeschäftigt werden konnten. Da
die Verwendung gedruckter Schaltbilder gewöhnlich zu einer Verringerung des Gewichtes der Fernsehapparate führte, konnte die Zahl der
Frauen der Versandabteilung vergrößert werden.
Die Löhne für die Arbeiter an den automatischen Maschinen stiegen um 5 bis 15$ gegenüber den Sätzen für ungelernte Montagearbeiter,
da die Umstellung zum Teil eine Veränderung der Arbeitsbedingungen
und größere Verantwortung mit sich brachte. Für die Arbeiter, die die
gedruckten Schaltbilder soweit fertigstellen, daß sie der automatischen Montageanlage zugeführt werden können, wird gegebenenfalls eine
Leistungszulage gewährt, ebenso wie für einige Arbeiter am Endmontageband. Für die übrigen Arbeiter wurde eine auf Gruppenbasis zu berechnende Leistungszulage eingeführt. Die Arbeiter an den automatischen
Bestückungsmaschinen blieben von der Leistungszulage ausgeschlossen.
Etwa zwei Wochen vor der Umstellung auf die neuen Produktionsverfahren berief der Direktor für Produktionsfragen die Vorarbeiter zu
sich, um sie über die bevorstehenden Änderungen zu informieren. Auch
die Gewerkschaftsfunktionäre wurden im voraus davon unterrichtet,
welche Maßnahmen die Betriebsführung zur Modernisierung der Produktionsverfahren einzuführen beabsichtigt. Die übrigen Betriebsangehörigen erfuhren von den geplanten Änderungen nur indirekt.
Die bei dieser Firma gesammelten Erfahrungen deuten darauf hin,
daß sich der Übergang auf automatische Produktionsverfahren ohne größere

- 4-

�Schwierigkeiten bewerkstelligen läßt, sofern das Verhältnis zwischen
Gewerkschaft und Betriebsführung gut ist. Der gegenwärtig gültige
Tarifvertrag, der Ende des Jahres 1954 - also drei Monate nach der
Umstellung - in Kraft trat, enthält keinerlei ausdrücklich auf die
Umstellung bezügliche Bestimmungen. Nach den gegenwärtig gültigen
Arbeitsverträgen fallen Veränderungaam Arbeitsplatz, die auf :rund
der technischen Entwicklung notwendig werden, unter die allgemeinen
Bestimmungen bezüglich technischer Veränderungen. Das gleiche gilt
übrigens auch für die früheren diesbezüglichen Verträge. Neugeschaffene
Arbeitsplätze wurden am Schwarzen Brett bekanntgegeben und die Bewerber
durch die Werkmeister unter Berücksichtigung der Zeit der Betriebszugehörigkeit und der persönlichen Eignung ausgewählt. Männliche Betriebsangehörige wurden im allgemeinen stärker berücksichtigt als Frauen.
Der Übergang wurde dadurch wesentlich erleichtert, daß die neuen
Maschinen zu dem gleichen Zeitpunkt installiert wurden, zu dem die
neuen Modelle aufgelegt wurden und die Gesamtbelegschaft ohnehin zunahm. Die Gesellschaft plant gegenwärtig, zusätzlich zu den bereits
aufgestellten vier automatischen Fertigungsanlagen zwei weitere anzuschaffen.
Die Automatisierung bei einer Lebensversicherungs^esellschaft
Die zweite Untersuchung betraf eine große Lebensversicherungsgesellschaft, die nebenher auch noch verschiedene andere Risiken versichert. Der Arbeitsanfall in diesem Betrieb wächst ständig und erfordert dementsprechend ein immer größeres Maß an routinemäßigen
Büroarbeiten. Seit 15 Jahren hat die Firma Schwierigkeiten, geeignete
Arbeitskräfte in genügender Zahl zu finden. Ein großer Teil der Angestellten in der Zentrale bestand aus Absolventinnen der Mittelschulen,
die meist nur kurze Zeit bei der Firma verblieben, so daß innerhalb
von fünf Jahren die Zahl der Neueinstellungen ebenso hoch war wie die
Gesamtzahl der Betriebsangehörigen, das heißt also, daß theoretisch
die gesamte Belegschaft innerhalb dieses Zeitraums erneuert werden
mußte. In mehreren Abteilungen wurden Schüler und Studenten stundenweise beschäftigt.
In den ersten Nachkriegs jähren arbeitete die Gesellschaft noch
mit den herkömmlichen Büromaschinen. Im Jahre 1954 installierte sie
für die Arbeiten, die die Klassifizierungsbüros der Abteilung X zu
bewältigen haben, eine große Elektronenrechenanlage. Abteilung X
beschäftigte rund 800 Mitarbeiter, von deren 198 auf die Klassifizierung entfallen. Die Automatisierung sollte es unter anderem ermöglichen, einen großen Teil der Angestellten dieser Abteilung für
andere Arbeiten frei zu bekommen. Die Klassifizierungsbüros verwalten sämtliche in Krnft befindliche Policen und haben im I.;onat
rund 850 000 Buchungen vorzunehmen. Die Mitrirbeiter erhalten die
Arbeitsunterlagen von anderen Büros in Torrn von Lochkarten. Ihre
Aufgabe ist es, alle darin enthaltenen Angaben zu sortieren, zu klassifizieren und die entsprechenden Rechenarbeiten auszuführen. Diese Arbeiten wurden mit Hilfe von 125 Kollerithmaschinen (die Lochmaschinen
nicht gezählt) ausgeführt, für die eine Jahrestniete von rund 235 000
Dollar aufzuwenden war. Der Durchschnittslohn der Arbeiter an diesen
Maschinen, die monatlich etwa 3,25 Millionen Lochkarten bearbeiten,
betrug (siehe Tabelle) rund 3700 Dollar. Die Arbeiten erforderten
einen häufigen Austausch der Kartensätze und den Unterhalt einer
großen Registratur.
Die Aufstellung der Elektronenrechenanlage ermöglichte eine
rund 50/&lt;&gt;ige Kosteneinsparung in den Klassif izierunysbüros, das

- 5-

�entspricht 9&gt;° der Gesamtbetriebskosten der Abteilung X. Die Arbeiten
in der Klassifizierung konnten nunmehr von 21 Hollerithmaschinen mit
85 Arbeitskräften mit einem Durchschnittslohn von jährlich 4200 Dollar
bewältigt werden. Die Mieten für die Hollerithmaschinen verringerten
sich auf 19 000 Dollar. Durch die Umstellung wurden 170 qin Bürofläche
frei. Eine weitere Ersparnis wurde dadurch erzielt, daß nach der Umstellung J,5 Millionen Lochkarten im Monat weniger benötigt wurden.
Alle wichtigen Angaben über die rund 850 000 Versicherungspolicen
wurden in 71 Magnetbändern gespeichert. Die Firma schaffte insgesamt
1000 Magnetbänder an, die ja noch dazu den Vorteil bieten, daß sie
nach der Löschung wieder verwendet werden können. Die Notwendigkeit
der Aufrechterhaltung einer Registratur zur Verwahrung der Aktenvorgänge entfiel von nun an. Den Einsparungen steht auf der anderen
Seite der Aufwand für die Miete für die Elektronenrecherunaschine
gegenüber, sowie die Wartungskosten und Zeitverluste (etwa 4/J)» die
durch Betriebsstörungen in der Rechenanlage bedingt waren. Die Gesellschaft rechnet damit, daß sich die Investition in rund vier Jahren amortisieren wird.
Die durch Installierung der Großrechenanlage ermöglichte Verringerung der Zahl der Bürokräfte erstreckte sich größtenteils auf
Abteilungen, deren Arbeitsanfall im wesentlichen aus einer einfachen
routinemäßigen Wiederholung ein und desselben Arbeitsgsnges besteht
und sich damit am besten für die Übertragung an vollautomatischen
Maschinen eignen. Unberührt hiervon blieben alle übrigen Angestellten,
deren Arbeit berufliche Erfahrung und eigenes Urteilsvermögen voraussetzt. Die Firmenleitung wies darauf hin, daß die Verringerung des Arbeitsanfalles gerade für ungelernte Bürokräfte die Schaffung zahlreicher Arbeitsplätze bedingte, die eben jene höheren Qualifikationen
voraussetzen. Auch in den übrigen Abteilungen des Betriebes brachte
die Installierung der Elektronenrechenanlage keinerlei Verringerung
der Arbeitsplätze mit sich, die Erfahrung und Urteilsfähigkeit erfordern.
Die Versicherungsgesellschaft versuchte durch eine umfassende
Vorausplanung, allen personellen und technischen Veränderungen, die
durch die Umstellung bedingt waren, gerecht zu werden. Die von der
Umstellung berührten Betriebsangehörigen wurden im voraus von den
bevorstehenden Veränderungen in Kenntnis gesetzt und dabei besonders auf die in der Klassifizierung notwendig werdenden personellen
Veränderungen sowie auf die dadurch bedingte Einführung anderer Arbeitsmethoden hingewiesen. Die einzelnen Angestellten wurden in persoenlichenAussprachen mit Angehörigen der Betriebsführung gefragt,
ob sie die Versetzung in eine andere Betriebsabteilung oder an einen
bestimmten Arbeitsplatz wünschten. Abgesehen von der normalen Arbeitsfluktuation ließen sich für sämtliche Betriebsangehörige andere Arbeitsplätze innerhalb der Gesellschaft finden, gibt es doch allein in der
Zentrale 15 andere Büros, in denen Hollerithmaschinen verwendet werden.
Bei Fertigstellung der Untersuchung, die diesen Ausführungen zugrunde
liegt, war die personelle Umstellung des Betriebes noch nicht restlos abgeschlossen. Die Betriebsführung war aber darauf bedacht, daß
die Einführung verbesserter technischer Methoden nicht zur Entlassung
oder Rückstufung von Mitarbeitern führte.
Ein leitender Angestellter der Abteilung X unterhielt schon lange
vor der Betriebsumstellung engsten Kontakt mit dem Personalbüro, um
alle auftauchenden Personalfragen, besonders was die Versetzung von
Belegschaftsangehörigen auf andere Arbeitsplätze angeht, im voraus
zu klären. Im April 1954» kurz vor der Umstellung, berief der Abteilungsleiter sämtliche Angehörige der Klassifizierungsabteilung zu einer

- 6-

�D h R

ZAHL

Durchschnittl.
Jahreslohn

urspruengl.
freigestellAibeitskraefte ten Arbeitsd.Klaasifizie- kraef te
rungsbueros
inaenni. weibl.

inaenni. weibl.

a.d.Elektronenrechenmaschine weiter
verwendeten
Arbeitskraefte
maennl. weibl.

Arbeitskraefte
in den Klassifizierungsbueros
nach der Umstellung ' /
maennl. weibl.

Dollar
2500
2800
3000
3200
3400
36002)
3700
4000
4300
4600
5000
5400
5800
6700
7200
7600
8100
8500
9000 u. nehr

V

4
6
35
35
52

30
28

34

3
4
9
3

9
1

16
8
12

11

1

7

3

1

1
1
1

3
1
2

1

1
1

Zusammen

. 9

4
5
5

1

1
1

1

1

1

8
18

1

1

3

1

2
1
1
2
1

3
1

5
9
5
2

5
2

3

2
1
2

2
2
2

1

2

1

189

126

7

12

8

14

71

1)

Einschliesslich 56 Arbeitskraeften, die mit Aufgaben betraut
sind, die nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Elektronenrechenanlage stehen und 9 Mitarbeitern der Arbeitsplanungsgruppe.

2)
Technisches Personal

- 7

�zwanglosen Aussprache zu sich, hei der er die Installierung der
Großrechenanlage sowie die Gründe für diesen Schritt bekanntgab
und seinen Mitarbeitern versicherte, daß der Betrieb nach wie vor
an dem alten Grundsatz festhalten werde, daß die Einführung neuer
Arbeitsmethoden für die einzelnen Betriebsangehörigen keine Entlassung oder gehaltliche Rückstufung mit sich bringen darf. Die
Tatsache, daß viele Mitarbeiter der Firma vor der Notwendigkeit
stehen würden, ihren Arbeitsplatz mit einem anderen zu vertauschen,
erregte selbstverständlich große Besorgnis unter der Belegschaft;
dennoch war die allgemeine Reaktion günstig und ließ großes Interesse und Verständnis erkennen.
Während des eigentlichen Erprobungszeitraums vom Juni bis
Oktober 1954» in der Zeit also, in der die neue Elektronenrechenund Buchungsmaschine in der Datenverarbeitung getestet wurde,
brachten die werkseigenen Publikationen, die an die Mitarbeiter
in der Zentrale und in den Außenstellen verteilt wurden, laufend
Berichte über alle mit der Umstellung zusammenhängenden Fragen.
In diesen Artikeln wurden die Möglichkeiten und Grenzen der Verwendung von Elektrohenanlagen aufgezeigt, die notwendigen personellen Veränderungen in den Klassifizierungsbüros bekanntgegeben
und immer mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß kein Betriebsangehöriger im Zuge der Umstellung seinen Arbeitsplatz verlieren werde.
Um das nötige Bedienungspersonal für die neue Elektronenanlage heranzubilden, wurden acht besonders tüchtige Mitarbeiter zu
ein- bis sechsmonatigen Lehrgängen im Betrieb der Herstellungsfirma
der Rechenanlage entsandt. Die übrigen für den Betrieb der Großrechenanlage benötigten Mitarbeiter wurden an Ort und Stelle ausgebildet,
wobei man sich auf die Erfahrungen mit der Ausbildung der erwähnten
acht Betriebsangehörigen für die Schlüsselpositionen in dieser Abteilung stützen konnte. Bei dieser Auswahl war die Betriebsleitung
darauf bedacht, so weitgehend wie nur möglich Angestellte zu berücksichtigen, die bereits früher in der Klassifizierung gearbeitet haben.
Für einige der in diesem Zusammenhang neugeschaffenen Arbeitsplätze
waren allerdings Qualifikationen erforderlich, die keiner der bisherigen Mitarbeiter aufzuweisen hatte. Als Kriterien für die Auswahl des
Bedienungspersonals für die Elektronenrechen- und Buchungsanlage
wurden gewertet: Bisherige Erfahrung, mathematische Begabung und
akademische Vorbildung (die allerdings nur als wünschenswert und
nicht als absolut notwendige Voraussetzung angesehen wurde). Von dem
insgesamt 20 Mann starken Bedienungspersonal wurden 9 aus der Klassifizierung, 5 aus anderen Büros der Abteilung X, 5 v o n anderen Abteilungen der Firma ausgewählt. Ihnen wurde ein Hochfrequenzingenieur
beigegeben, der bisher nicht Betriebsangehöriger war. Für die Elektronenrechen- und Buchungsanlage werden somit an Personal benötigt:
1 Abteilungsleiter (Fachingenieur)
2 Automatenführer und 2 Hilfsautomatenführer (männlich)
für den Betrieb der Rechenanlage in zwei Schichten
1 Magnetband-Bibliothekarin
1 Vormann für die Betreuung der Zusatzgeräte
1 Gruppenleiterin für die Tabellierer
1 Obertabelliererin
1 Hilfstabellierer
3 Tabelliererlehrlinge (männlich)
1 Locherin
1 Lochkarten- und Bandverwalter
1 Arbeitsverteiler
1 Oberkontrolleurin
1 Kontrolleurin
2 Hilfskontrolleurinnen
- 8

�Diejenigen Angestellten, die nicht fuer die Weiterverwendung in
der Klassifizierung in Frage kamen, wurden nach einer persönlichen
Rücksprache mit der Betriebsführung und eingehender Überprüfung
ihrer sachlichen und persönlichen Eignung in andere Abteilungen
versetzt. Bei der persönlichen Aussprache hatte jeder Betriebsangehörige Gelegenheit, irgendwelche Wünsche bezüglich seines neuen
Arbeitsplatzes zu äußern. Eine niedriger bezahlte Stellung wurde
in keinem Falle als Ersatz angetragen. Jeder wurde auf einen Arbeitsplatz versetzt, den er nach kurzer Ausbildung an Ort und Stelle ohne
Schwierigkeiten ausfüllen konnte, wobei die Abteilungsleiter der für
die Weiterbeschäftigung in Frage kommenden Abteilungen vor der Versetzung konsultiert wurden» Sie erhielten Gelegenheit zu einer Aussprache mit dem betreffenden Mitarbeiter und zeigten sich bisher
von den Leistungen der neuzugeteilten Arbeitskräfte voll befriedigt.
Innerhalb der Klassifizierungsbüros hatten si6h sechs Gruppenleiter im Laufe der ^eit großes Geschick im Umgang mit dem Personal
erworben. Vier von ihnen, die großes Interesse für eine Weiterbeschäftigung an der Elektronenanlage bekundet hatten, verblieben in
der Klassifizierung: Drei gehören zum eigentlichen Bedienungspersonal der Rechenanlage und der vierte ist mit Fragen der Arbeitsplanung
für die Anlage befaßt. Von den beiden verbleibenden Gruppenleitern
nahm der eine einen gleichwertigen Arbeitsplatz in einer anderen
Abteilung an, und der andere übernahm einen besser bezahlten, allerdings untergeordneten Posten.
Der Arbeitsstab, der mit der Planung der Umstellung auf automatisches Verfahren der Datenverarbeitung beauftragt war, bestand ursprünglich aus 14 Personen. Bis zum Juni 1956 wurden allerdings 10 Angehörige dieser Abteilung in die neugeschaffene Abteilung für elektronische Anlegen versetzt.
Diese Abteilung war am 1. Januar 1955 neu geschaffen worden, um
die Verwendungsmöglichkeit von elektronischen Rechen- und Buchungsanlagen zu studieren und gewissermaßen ein Reservoir an Fschkräften
für die Bedienung solcher Maschinen heranzubilden. Der Leiter dieser
Abteilung stand an der Spitze der Studiengruppe, die vor Jahren die
Verwendbarkeit von Elektronenanlagen für die Aufgaben der Gesellschaft
untersucht hatte, und deren Empfehlungen schließlich zur Aufstellung
der ersten derartigen Anlage führten. Das achtköpfige Stammpersonal
dieser Abteilung hatte bereits eine gewisse Erfahrung auf diesem Gebiet aufzuweisen. Später wurde die Abteilung um 21 Personen, darunter
8 Bürokräfte, erweitert. Die übrigen 13 hatte man auf Grund ihrer
früheren Erfahrungen in der Bewältigung besonderer Aufgaben innerhalb
des Betriebes ausgewählt.
Im Juni 1955 wurden die Personalakten der Zentrale mit dem Ziel
überprüft, alle Personen festzustellen, die ebentuell auf Grund ihrer
Erfahrungen und ihres Bildungsganges in der Abteilung für elektronische
Anlagen verwendet werden könnten. Diese Überprüfung ergab zunächst einmal, daß mehr als 250 Betriebsangehörige eventuell für eine solche Tätigkeit in Frage kämen. Eine abermalige Überprüfung führte dann bis zum
September 1955 zur Auswahl von 30 Personen, die aus allen Abteilungen
des Betriebes herausgezogen wurden. Als Kriterien für diese Auswahl
galten (in der hier zitierten Reihenfolge): Erfahrung innerhalb des
Betriebes, Betriebszugehörigkeit und Lernfähigkeit. Von den 60 Angehörigen der Abteilung für elektronische Anlagen verfügt der weitaus
größte Teil heute über besondere Fertigkeiten auf dem Gebiet der
Programmierung, der Vorpusplanung des Einsatzes elektronischer Betriebsmittel und anderer innerbetrieblicher Vorgänge. Einige unter
ihnen werden demnächst eine Sonderausbildung mit dem Ziel durchmachen,
später selbst als Automatenführer für noch zu beschaffende Elektronen-

- 9-

�und-buchungsmaschinen eingesetzt zu werden.
Bis gegen Ende 1954 war sich die Firma restlos darüber klar
geworden, daß sich Elektronenrechen- und-buchungsanlagen für die im
Versicherungswesen anfallenden Aufgrben besonders eignen. Bald schon
wurde dann die erste derartige Anlage aufgestellt. Die Umstellung
wurde durch mehrere Faktoren begünstigt: 1. Die allgemeine Ausweitung
der Geschäftstätigkeit des Unternehmens, die eine Betriebserweiterung
erforderlich machte. 2. Die relativ hohe Arbeitsfluktuation, die von
einer Verknappung besonders an weiblichen Bürokräften in der Zentrale
begleitet war. 3« Die große Ähnlichkeit im Arbeitsanfall der verschiedenen Abteilungen innerhalb des Betriebes, die einer Versetzung von
Arbeitskräften entgegenkam.
Die Betriebsleitung ist gegenwärtig dabei, 22 innerbetriebliche
Vorgänge im Rahmen eines auf drei bis fünf Jahre veranschlagten Programms auf die Möglichkeit zur Automatisierung zu untersuchen. Nach
ihren Schätzungen sind ein bis eineinhalb Jahre dazu nötig, die Pläne
für eine Umstellung eines bestimmten Arbeitsgpnges auszuarbeiten und
weitere ein bis fünf Jahre, um diese Umstellung vorzunehmen und den
Betrieb sich soweit einspielen zu lassen, daß keinerlei größere Pannen
mehr auftreten können.
Quelle: "Monthly Labor Review"
Vol. 79, No. 1
* * * * *

Amerikas Gewerkschaften bilden ihren Funktionaersnachwuchs selbst heran
Immer mehr Lehrgaenge und Seminare zur Schulung und Weiterbildung von
Gewerkschaftsfunktionaeren und einfachen Mitgliedern fuehren die amerikanischen Gewerkschaftoalljaehrlich durch. Diese Programme, die als Ferienkurse waehrend der Urlaubszeit in den Sommermonaten begannen, haben sich
zu einer feststehenden Einrichtung mit umfassenden Lehrplaenen waehrend der
Monate vom Fruehjahr bis in den spaeten Herbst hinein entwickelt. Allein
im Jahre 1955 wurden in den verschiedenen Teilen des Landes ueber 100 derartige Lehrgaenge durchgefuehrt.
Eines der umfassendsten Bildungsprogramme hat die Vereinigte Stahlarbeitergewerkschaft von Amerika (USA) mit 33 Seminaren und Lehrgaengen an 25
Universitaeten in verschiedenen Einzelstaaten geboten. Ueber 6000 Gewerkschaf tsfunktionaere, Betriebsfunktionaere und Schlichter haben an diesen
Lehrgaen en teilgenommen. Weitere 15 000 Mitglieder haben die Gelegenheit
zur Weiterbildung an den von einigen Universitaeten eingerichteten besonderen Kursen wahrgenommen.
Auf diesen Schulen und Lehrgaengen der Gewerkschaften, die gewoehnlich
ein bis zwei lochen dauern, wird ein reichhaltiger Lehrplan, je nach den
besonderen Beduerfnissen der veranstaltenden Gewerkschaft;geboten. So mag
das Schwergewicht einmal auf der Heranbildung von Betriebsvertrauensleuten,
auf Zeitstudien, Gewerkschaftsverwaltung, Gemeindearbeit und Politik liegen.
Ein andermal werden Arbeitsrecht, internationale Beziehungen, Frauenfragen
oder Presse und Publizistik im Mittelpunkt stehen.
Die Lehrplaene sind keineswegs immer auf die reine Gewerkschaftssphaere
beschraenkt; in den meisten Faellen stehen auch Fragen von umfassenderem,
allgemeinem Interesse auf dem Programm. So wurden in einem Gewerkschaftsseminar an der Staatlichen Universitaet von Pennsylvanien Themen wie die

- 10 -

�•
Erziehung des einzelnen unter besonderer Beruecksichtigung der kulturellen
Paktoren oder die Auswirkungen der technisch-wissenschaftlichen Entwicklung,
insbesondere der Atomforschung, auf den einzelnen und die Gemeinschaft behandelt.
Die Ausbildung von Gewerkschaftsfunktionaeren ist heute von wesentlich
groesserer Bedeutung als vor 20 oder 30 Jahren. Grundvoraussetzung ist natuerlich nach wie vor, dass der Gewerkschafter benau orientiert ist, wie
hoehere Loehne, kuerzere Arbeitszeit und bessere Arbeitsbedingungen zu erreichen sind. Inzwischen ist aber eine Fuelle neuer Aufgaben und Probleme
hinzugekommen.
Ein Gewerkschafter von heute muss mit der Arbeitsgesetzgebung und
Einzelentscheidungen der Arbeitsgerichte, soweit sie den von ihm vertretenen Industriezweig betreffen, vertraut sein. Er muss die wirtschaftlichen
Verhaeltnisse kennen, Einsicht in die Produktionsmethoden haben und ueber
Produktionskosten Bescheid wissen. Schon heute muss er sich Gedanken darueber
machen, welch tiefgreifende wirtschaftliche und soziale Folgen etwa durch
die Automatisierung heraufbeschworen werden koennen. Kurz, er muss von vielen Dingen etwas wissen, von der Aushandlung von Kollektivvertraegen bis
zur Rolle der Gewerkschaften in der Weltpolitik.
So ist es nur natuerlich, dass sich die von den Gewerkschaften gebotenen Kurse und Seminare zur Weiterbildung bei all jenen, die den Beruf
des Geweikschaftsfunktionaers erwaehlt haben oder erwaehlen wollen, eines
zunehmenden Interesses erfreuen, und dass die Besucherzahlen staendig
steigen. Manche Kursteilnehmer bestreiten die Kosten aus eigener Tasche,
andere werden von den Gewerkschaften zur Teilnahme ausgewaehlt und erhalten
saemtliche Auslagen verguetet. Nach welchen Gesichtspunkten und auf welche
Weise diese Auswahl vor sich geht, ist aus einer Untersuchung ersichtlich,
die in Lakeport im Staate Michigan in einem von der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft organisierten Lehrgang durchgefuehrt wurde.
Danach war jeder sechste Teilnehmer an einem Lehrgang aus den Reihen
der Mitgliedschaft vorgeschlagen und gewaehlt worden. Jeweils ein gleicher
Prozentsatz von Kursteilnehmern ist auf folgende Weise bestimmt worden:
1. Namhaftwachung durch hoehere Gewerkschaftsfunktionaere.
2. Automatische Entsendung auf Grund der Tatsache, da3s der Betreffende einen bestimmten Posten bekleidet, etwa den des Vorsitzenden eines
Verhandlungs- oder Bildungsausschusses.
3- Auf T.rund verdienstvoller praktischer Gewerkschaftsarbeit und des
guten Abschneidens auf frueheren Schulungskursen.
Weiter zeigte die Untersuchung, dass die Kursteilnehmer meistens
reifere Leute mit guter Vorbildung im Alter zwischen 30 und 40 Jahren waren, die in der Gewerkschaft taetig sind und sich das fuer die Uebernahme
groesserer Aufgaben und verantwortungsvollerer Posten in der Gewerkschaft
noetige Wissen aneignen wollen.
Quellei Eigenbericht

- 11 -

�Walter K. Bailey,
Praesident der Warner &amp; Swasey Company, Cleveland (Ohio)i
Der Begriff der Produktivitaet in der amerikanischen Industrie
Wenn wir Amerikaner von der Produktivitaet der Industrie sprechen,
so verbinden wir diesen Begriff stets mit Produktions Steigerung, Verbesserungen oder neuen Erfindungen. Wir nehmen es als selbstverstaendlich an, dass jedes Produkt bald schon besser, billiger und in groesseren
Mengen hergestellt werden wird.
Dies scheint mir eine ausgesprochen amerikanische Haltung zu sein.
Wir glauben, dass sich Gueter und Dienstleistungen in unbegrenzter Menge
und Mannigfaltigkeit erzeugen lassen. Voraussetzung ist nur, dass sie
zu einem Preise hergestellt werden, der fuer eine moeglichst grosse Zahl
von Konsumenten erschwinglich ist.
Unserer Meinung nach sind die Absatzmaerkte praktisch unbegrenzt
ausweitungsfaehig, waehrend doch in Europa die Ansicht vorherrscht, dass
der Markt fuer jedes Produkt ganz bestimmte Grenzen hat und dass sich die
verschiedenen Hersteller der entsprechenden Ware in ihn teilen muessen.
Die amerikanischen Fabrikanten wetteifern staendig miteinander,
immer mehr Menschen immer bessere Waren zu immer niedrigeren Preisen anzubieten. Das bedeutet aber nichts anderes, als dass unser gesamtes Wirtschaftssystem darauf abgestellt ist, den Lebensstandard des ganzen Volkes zu heben.
Dies erreichen wir durch staendige Erhoehung der Produktivitaet.
Sollte ich definieren, was Produktivitaet ist, so wuerde ich sie als
"die pro Zeit- oder Energieeinheit des Arbeiters erzeugte Produktionsmenge oder erzielte Wertsteigerung" bezeichnen. Wir haben uns laengst
daran gewoehnt, das Wort "Produktivitaet" im Geist mit dem V/ort "gesteigert" zu verbinden.
In der Werkzeugmaschinenindustrie zum Beispiel bemessen wir die
Produktivitaet einer neuen Werkzeugmaschine nach der Steigerung des
Ausstosses pro Arbeiter und Arbeitsstunde. Das heisst, wir erwarten von
einer neuen Maschine stets, dass sie pro Stunde mehr erzeugt als die
alte.
Man kann das Produktionsvolumen erhoehen, indem man mehr Arbeiter
einstellt oder laenger arbeitet; die Produktivitaet jedoch kann nur dadurch gesteigert werden, dass die Erzeugung pro Mann und Stunde erhoeht
wird.
Bis zu einem gewissen Grade ist dies durch intensivere Arbeit zu
erreichen. Intensivierung der Arbeit aber ist sicherlich nicht die Loesung. Natuerlich kann ein Farmarbeiter zweimal B O schnell Kartoffeln
hacken wie ein anderer; die wirkliche Steigerung der Produktivitaet
aber brachte erst die motorisierte Kartoffelhackmaschine.
Wir haben die Produktivitaet in den Vereinigten Staaten durch Forschungsarbeit, durch neue Erfindungen und durch die Erschliessung von
Kraftquellen gesteigert - ausgehend von der 'Vasserkraft und der tierischen Kraft ueber die Dampfkraft bis zur Verwendung von Erdoelprodukten und der Elektrizitaet. Eine weitere Steigerung der Produktivitaet
brachte die Verwendung immer besserer Maschinen und Ausruestungen sowie
eine Verbesserung der Produktionsplanung.
Wir Amerikaner neigen dazu, all diese Dinge als Selbatverstaendlichkeiten hinzunehmen; aber schliesslich ist das alles ja nicht wie von
ungefaehr geschehen. Die Sache begann in England mit einem Maschinenbauer
- 12 -

�namens Wilkinson, dem es gelang, einen Kolben in einen Zylinder so genau
ednzuschleifen, dass er Dampf nicht ausliess. Dieser Kolben erst ermoeglichte James Watt den Bau der ersten Dampfmaschine. Das war der Beginn der
Werkzeugmaschinenindustrie.
Durch die Werkzeugmaschinen lernte der Mensch, Metall so genau zu
schneiden und zu formen, dass die Verwendung genormter Maschinenteile
moeglich wurde. Ohne dieses Prinzip der Normung oder Austauschbarkeit von
Maschinenteilen waere die Produktivitaet, wie wir sie heute kennen, absolut unmoeglich.
Die Bedeutung der Austauschbarkeit von Einzelteilen ist ueberhaupt
nicht zu ueberschaetzen. Mir scheint es sehr bedauerlich, dass unsere
amerikanischen Geschichtsbuecher in diesem Zusammenhang nur von Eli
Whitney als dem Erfinder der Baumwoll-Egreniermaschine berichten, die natuerlich fuer die Landwirtschaft eine ganz grosse Sache war.
Eli Whitneys wirklich grosse Leistung fuer unser heutiges Leben aber
war, dass er als erster den Beweis erbrachte, dass saemtliche Teile eines
Gewehrs auf der Basis der Austauschbarkeit, das heisst normiert, hergestellt werden koennen. Er machte dem amerikanischen Kongress den Vorschlag,
10 000 Flinten aus restlos genormten Teilen herzustellen, so dass sich
fuer jedes schadhaft gewordene Teil sofort ein Ersatzteil verwenden liesse.
Diese Erfindung, die uebrigens aus einem militaerischen Beduerfnis erwuchs,
hat Amerika den Weg zu immer groesserer Steigerung der Produktivitaet eroeffnet.
In den Voreinigten Staaten hat man dieses Prinzip der Steigerung der
Produktivitaet so weit entwickelt wie nirgends sonst auf der Welt, und
dies ist ein Verdienst unserer freien Wettbewerbswirtschaft. "Wenn wir
die Menge der erzeugten Waren steigern koennen, dann koennen wir die Kosten
senken", argumentierten und argumentieren unsere Fabrikanten.
Unsere Industriellen sind ataendig bestrebt, neue und bessere Waren
herzustellen und neue und bessere Produktionsmethoden zu entwickeln. So
wurden Forschung, Entwicklung und neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der
Technik zur eigentlichen Grundlage der Aufwaertsentwicklung unserer gesamten Wirtschaft.
(Nachdruck nicht gestattet)
Quelle: Eigenbericht

Der Lebensstandard der Stahlarbeiter
Allenthalben hoert man heute vom Jedermanns-Kapitalismus in den
Vereinigten Staaten, und vieles stand auch schon darueber zu lesen, was
der Jedermanns-Kapitalismus sei. Vom rein menschlichen her interessiert
aber auch» wer ist nun eigentlich der Jedermanns-Kapitalist und wie lebt
er?
Betrachten wir einmal das Leben des Stahlarbeiters James Edward
Barnes, der seit 1953 als Giesser bei den Fairless-Werken in Morrisville
im Staate Pennsylvanien, einem Zweigbetrieb der United Steel Corporation,
beschaeftigt ist. Er ist ein typischer Vertreter eben jener in den Vereinigten Staaten im Entstehen begriffenen neuen sozialen Schicht der Jedermanns-Kapitalisten.
Er verdient 6000 Dollar im Jahr, eine Summe, die ausreicht, um die
wirtschaftliche Existenz der Familie zu sichern und ihm, gleich Millionen
- 13 -

�seiner Landaleute, eine Lebensfuehrung gestattet, die ihn in jene neue
«soziale Klasse einreiht.
Die Vermoegenswerte, ueber die diese neue Gesellschaftsklasse verfuegt, und die ihre wirtschaftliche Grundlage bilden, setzen sich zusammen aus Lebensversicherungen, Sparkonten, Anspruechen auf Altersversorgung und einer kleineren Zahl von Industrieaktien, wie sie fast jeder
Amerikaner heute besitzt.
Waehrend noch um die Jahrhundertwende die amerikanische Wirtschaft
zum groessten Teil von einigen wenigen Grossbanken finanziert wurde, sind
es heute gerade die Ersparnisse der "kleinen Leute", die in Form von
Investitionen in die amerikanische Industrie fliessen und die Voraussetzung fuer die staendige Steigerung der Produktion und des Einkommens
der am Produktionsprozess Beteiligten schaffen.
Der Anteil am Besitz des Industrievermoegens macht den einzelnen
zum Kapitalisten, und auf Grund seiner Ansprueche auf diesen Besitz und
seines Einkommens gehoert auch der Eisengiesser Barnes zu der grossen
Schicht dieser kleinen Kapitalisten, die sich im Verlauf der letzten Jahre in den USA herausgebildet hat.
Die Lebensfuehrung der Familie wird von der Arbeitsleistung des
Familienoberhauptes bestimmt. Mit seiner Haende Arbeit verschafft Barnes
seiner Familie, die ausser ihm und seiner Frau noch aus einem Sohn und
zwei Toechtern besteht, ein sorgenfreies Leben, und sein Fleiss sichert
ihre Zukunft.
Ed, wie ihn seine Freunde nennen, kann sich bei seinem Verdienst
auch ein Eigenheim leisten. Er entschied sich fuer ein Fertighaus aus
Sperrholzteilen, wie es von der United Steel Homes Inc. hergestellt wird.
Der Bau ging sehr rasch, stand das Haus doch an einem Tage fertig montiert an Ort und Stelle. Es enthaelt fuenf Raeume und ist mit allem modernen Komfort ausgestattet, von der elektrischen Waschmaschine mit
Trockenschleuder bis zur Garage fuer das Familienauto. Moderne Kuechengeraete - Tellerspuelmaschine, Mixer, Abfallwolf im Spuelbecken und Backrohr - erleichtern Mrs. Barnes die Haushaltfuehrung. Das Fertighaus kostete ohne Baugrund 12 000 Dollar, die in monatlichen Raten Schritt fuer
Schritt getilgt werden. Hierfuer muss Mr. Barnes zur Zeit noch 17$ seines
gesamten Lohnes aufwenden.
Im uebrigen verteilt sich das Einkommen auf folgende Posten« 29$
fuer Lebensmittel, 2$ fuer Walser und Strom, 5$ fuer Versicherungen und
Gewerkschaftsbeitraege, 7$ fuer Einkommensteuer, 14$ fuer den Unterhalt
des Autos, 6$ fuer Bekleidung, 10$ fuer Erholung sowie persoenliche Beduerfnisse und 2$ fuer verschiedene Nebenausgaben. Die verbleibenden
10$ des Einkommens werden als Ersparnisse zurueckgelegt.
Das Leben der Familie Barnes verlaeuft in ruhigen und friedlichen
Bahnen und unterscheidet sich in nichts von dem von Millionen anderer
Amerikaner. Die Abende und das zweitaegige Wochenende verbringt Barnes
im Kreise seiner Familie. Zahlreiche Arbeiten verrichtet der Hausherr
in Haus und Garten selbst. Er maeht den Rasen und hilft seinen Kindern
bei ihren Schularbeiten. Die Teilnahme am Leben der Gemeinde ist fuer die
Familie ebenso selbütverdtaendlich wie der sonntaegliche Kirchgang. Den
Urlaub verbringt man gemeinsam in den nahegelegenen Bergen, wo sich Gelegenheit zum Fischen und Schwimmen bietet. (Nachdruck nicht gestattet)
Quelle: Eigenbericht

- 14 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Die Lohnstruktur in der chemischen Industrie der USA
Die hoechsten Stundenloehne in der chemischen Industrie der Vereinigten Staaten werden in dem texanischen Golfgebiet und die niedrigsten in den Suedostgebieten der USA gezahlt. Die organisierten Arbeiter
dieses Industriezweiges verdienen dabei im Durchschnitt 17 Cent mehr
als die gewerkschaftlich nicht erfassten. Diese Angaben sind in der Juniausgabe von "Facts and Trends", einer Monatszeitschrift, enthalten, die
von der Gewerkschaft der Oel-, Chemie- und Atomarbeiter herausgegeben wird.
Die grossen Unterschiede in der Lohnstruktur werden in dem Bericht
auf verschiedene Faktoren zurueckgefuehrt. Die hoechsten Stundenloehne in
Hoehe von 2,36 Dollar, die im texanischen Golfgebiet gezahlt werden, resultieren zum Beispiel aus der Tatsache, dass hier die chemischen Werke
in sehr enger Beziehung zu der benachbarten Oelindustrie stehen, die allgemein ein sehr hohes Lohnniveau aufweist. In Charleston (West-Virginia),
wo die zweithoechsten Stundenloehne in der chemischen Industrie gezahlt
werden (2,34 Dollar), ist es die Konzentrierung vieler chemischer Unternehmen, die alle sehr hohe Loehne zahlen, die hier die hohen Lohnsaetze
bedingt. Da es sich dabei in der Regel um bluehende und sehr wohlhabende
Betriebe handelt, ist dieses Gebiet auch das einzige der gesamten Vereinigten Staaten, in dem die Loehne der nicht organisierten Arbeiter hoeher sind als die der gewerkschaftlich organisierten.
In den Suedostgebieten der USA, die das niedrigste Lohnniveau aufweisen, liegt der Durchschnittsstundenlohn bei 1,76 Dollar. Die gewerkschaftlich organisierten Arbeiter erhalten dort im Durchschnitt 1,80
Dollar und die nicht organisierten 1,70 Dollar pro Stunde.
Auch die Groease der einzelnen chemischen Betriebe hat auf die Lohngestaltung einen Einfluss, wie aus der gleichen Uebersicht hervorgeht.
Die Werke an der Texas-Golfkueste, die eine durchschnittliche Beschaeftigtenzahl von 1016 Arbeitern aufweisen, zahlen im Durchschnitt Stundenloehne in Hoehe von 2,36 Dollar, waehrend im Charleston-Gebiet, wo die
durchschnittliche Beschaeftigtenzahl bei 1477 liegt, der Stundenlohn im
Durchschnitt 2,34 Dollar betraegt. In den Suedoststaaten jedoch, die mit
1,75 Dollar die niedrigsten Chemiearbeiterloehne der USA aufweisen,
betraegt die durchschnittliche Zahl der Betriebaangehoerigen 262.

"... erscheinen 13 Dollar so viel wie 1000"
Ein Name und ein Scheck ueber 13,93 Dollar werden zweifellos spaeter
noch haeufig als ein Markstein in der Geschichte der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung zitiert werden. Bei dem Namen handelt es sich um den
Autoarbeiter Anthony Mannino und bei dem Scheck um die erste Ueberweisung
der zusaetzlichen Arbeitslosenunterstuetzung ueberhaupt, die die arbeitslosen amerikanischen Automobilarbeiter jetzt auf Grund des im Vorjahr zwischen der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) und den Unternehmen der Autoindustrie ausgehandelten sogenannten "revidierten garantierten Jahreslohnes" erhalten.
Mannino, der seit dem 4. Mai arbeitslos ist, bekommt also jetzt
neben der normalen staatlichen Arbeitslosenunterstuetzung in Hoehe von
33 Dollar pro Woche einen Zuschuss, der aus einem Fonds gezahlt wird, in
den die Unternehmer 5 Cent pro Arbeiter und geleisteter Arbeitsstunde
einzahlen. Damit belaeuft sich seine gesamte Unterstuetzung in der Woche
auf 46,93 Dollar, was 65 Prozent seines bisherigen Lohnes entspricht.
- 15 -

�Bis zu seiner Entlassung war Mannino, der jetzt 29 Jahre alt ist,
als Montagearbeiter am Fliessband des "Jefferson Kercheval"-Y&lt;erkes der
"Chrysler Corporation" in Detroit beschaeftigt. Sein Stundenlohn betrug
2,11 Dollar. Zu dem Scheck meinte er: "Diese Summe ist zwar nicht sehr
hoch und zweifellos werden spaeter einmal, wenn die Gewerkschaft den
Unterstuetzungsplan weiter ausgebaut hat, die Schecks groesser ausfallen,
aber wenn man ohne Arbeit ist, dann erscheinen einem diese 13 Dollar
wie 1000."

Durchschnittswochenlohn der Industriearbeiter leicht zurueckgegangen
Der durchschnittliche Wochenlohn des amerikanischen Industriearbeiters ging zwischen April und Mai infolge einer kuerzeren Arbeitswoche
um 46 Cent zurueck, berichtet das "US-Arbeitsministerium" in seinem
juengsten Lagebericht ueber die Entwicklung am amerikanischen Arbeitsmarkt.
Das Durchschnitts-Wochenlohneinkommen eines Arbeiters mit drei Familienangehoerigen belief sich im Mai auf 71»95 Dollar, waehrend ein
Arbeitnehmer ohne Pamilienangehoerige es auf 64,62 Dollar brachte. Trotz
dieses Rueckganges jedoch bedeuten beide Ziffern einen Hoechststand fuer
Mai, sie liegen gegenueber dem gleichen Monat des Vorjahres um rund 2,5
Prozent hoeher.

Mit Beginn dieser Ausgabe erscheinen
die "Internationalen Arbeitsmitteilungen"
jeweils am 1. eines Monats.
Die Hedaktion

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werben.
Herausgeber:
Amt für Arbeitsinformationen
Mehlcm, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
IX

' 1^

Mehlem, den 1. September 1956
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Die Automatisierung und ihre Forderungen an das
Ausbildungswesen
Die Rolle der Gewerkschaften beim Aufbau einer
besseren Welt
Aussichten im Jahre 1956 für den Neuabschluß von
Tarifverträgen
"Revidierter garantierter Jahreslohn" auf
individueller Basis
Henry Ford II. ruft Mitarbeiter auf, sich aktiv an
der Wahl zu beteiligen
Wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen für
Studenten und Arbeiter
Ein interessantes "union shop"-Abkommen

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Dael Wolfe, Mitglied der Amerikanischen Gesellschaft
zur Förderung der Wissenschaften 1
Die Automatisierung und ihre Forderungen an das Ausbildungswesen
In den Diskussionen über die Automatisierung wird uns häufig
eine Zukunft ausgemalt, in der bei der Verarbeitung der Werkstoffe
nicht nur die physische Arbeit von Maschinen geleistet wird, sondern auch der Transport der teilweise fertiggestellten Erzeugnisse
maschinell erfolgt, die verschiedenen Arbeitsprozesse auf automatischem Wege kontrolliert sowie programmiert und Fehler korrigiert
werden, die im Verlauf des gesamten Produktionsprozesses vorkommen.
Diese Ausblicke haben sowohl Begeisterung hervorgerufen wie Befürchtungen erweckt - Begeisterung über die zu erwartende hohe Produktivität und Furcht vor den Folgen, die sich sowohl für die Arbeiter wie
für die Gesellschaft insgesamt ergeben können.
Trotz der Tatsache, daß die Wurzeln der Automatisierung auf
frühere technische Entwicklungen zurückgehen, wird sie doch auf
Grund der Anwendung im großen Maßstab den Charakter zahlreicher
Industrien stark verändern. Einzelne Arbeitsprozesse werden durch
automatische Kontrollsyateme miteinander verbunden werden, die die
Erzeugnisse überprüfen, Stücke minderer Qualität ausscheiden, fehlerfreie Stücke an die Maschine weiterleiten, die den nächsten
Arbeitsvorgang durchführt, das Endprodukt verpacken, die geleistete
- 1

�Arbeit registrieren, und Fehler, die aich in verschiedenen Teilen
des technischen Prozesses ereignen, durch eine Wiederholung des
Produktionsprozesses korrigieren. Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß solche automatisch« Betriebe eine beträchtliche
Umschichtung im Bedarf an menschlichen Arbeitskräften bewirken
werden.
Doch ebenso sicher ist, daß sich diese Umschichtungen nur
graduell vollziehen werden. Eine gewisse Zeit wird notwendig
sein, um die entsprechenden automatischen Geräte zu entwickeln.
Selbst wenn die Umstellungen der Fabriken auf automatische Maschinen auf weite Sicht gesehen die Produktionskosten senken
werden, die für die Errichtung neuer oder den Umbau bereits vorhandener Produktionsstätten notwendig sind, werden es die hohen
Kapitalinvestitionen im allgemeinen verhindern, daß eine Umstellung der konventionellen Unternehmen auf automatischen Betrieb in großem Umfange erfolgt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Arbeitsvorgänge, die sich für eine solche Umstellung
schlecht eignen; und selbst wenn wir mit einem starken Anwachsen der Automatisierung rechnen, so ist doch anzunehmen, daß
zahlreiche Tätigkeiten auch weiterhin in der herkömmlichen Art
bewältigt werden. Schließlich werden auch die von den begeisterten Propheten der Automatisierung vorausgesehenen Veränderungen
den Widerstand der Arbeiterschaft und der in unserer Gesellschaft
vorhandenen konservativen Kräfte zu überwinden haben. Aus diesen
verschiedenen Gründen müssen wir eher mit allmählichen als plötzlichen Veränderungen rechnen, und wir können uns daher überlegen
und uns in gewissem Grade ausrechnen, was für Folgen diese Veränderungen bezüglich des Bedarfs an Arbeitskräften haben werden
und welche Konsequenzen wir in erzieherischer Hinsicht daraus
ziehen müssen.
Die Automatisierung wird den Bedarf an Ingenieuren, technischem Personal und Facharbeitern, die imstande sind, die automatischen Kontrollvorrichtungen zu konstruieren, zu bauen und
zu bedienen, steigern. Dementsprechend wird durch die Automatisierung der Bedarf an Arbeitern reduziert werden, die heute
noch für den innerbetrieblichen Materialtransport, für einfache
Kontroll- und Überwachungsarbeiten und zur Bedienung einfacher
Maschinen benötigt werden. Die steigende Kachfrage nach gründlich
ausgebildeten Facharbeitern und der sinkende Bedarf an Personal,
das keine speziellen Fachkenntnisse besitzt, sind Teil einer
Entwicklung, die sich bereits seit Jahrzehnten vollzieht.
Offensichtlich wird die Automatisierung nicht den plötzlichen und unmittelbaren Verlust von Arbeitsplätzen größeren
Ausmaßes zur Folge haben. Vielmehr glaube ich, daß sich die
Umstellung der Fabriken auf automatischen Betrieb ohne erhebliche Erschütterungen auf dem Arbeitsmarkt durchführen läßt,
und in der Zeit des Übergangs kann die Anwerbung der Arbeitskräfte für die neuen Betriebe schrittweise erfolgen, je nach
dem Tempo, in dem alte durch neue Fabriken ersetzt werden.
Mit der Entwicklung der Automatisierung ist jedoch ein Rückgang in der Zahl der Arbeitskräfte zu erwarten, die eine bestimmte
Arbeit verrichten, während die Zahl derjenigen ansteigen wird,
die eine andere Tätigkeit ausüben; überraschende mit Entlassungen größeren Ausmaßes verbundene Veränderungen dürften jedoch

- 2 -

�nicht stattfinden. Daß die Entwicklung stetig verlaufen wird,
wird durch die Tatsache illustriert, daß noch im Jahre 1900 auf
250 Industriearbeiter ein Ingenieur entfiel, während heute auf
50 Arbeiter ein Ingenieur kommt. Die Automatisierung bietet die Aussicht, daß die weitere Entwicklung eine ähnliche Tendenz aufweisen
wird. Im Hinblick auf die in der Bevölkerungszahl erfolgenden
Veränderungen und bei der Aufstellung von Erziehungs- und Ausbildungsplänen kann man mit gutem Grund annehmen, daß dies der
Fall sein wird.
Das auffälligste Merkmal in der Bevölkerungsentwicklung der
Vereinigten Staaten ist die hohe Zahl der Geburten, die während
und unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg anzusteigen begann und
die unvermindert anhält. Die Bevölkerung vermehrt sich so schnell,
daß sich bei den Überprüfungen früherer Schätzungen stets höhere
Zahlen ergeben als ursprünglich angenommen wurde. Nach den vom
Statistischen Bundesamt (am 20.Oktober 1955) veröffentlichten
Schätzungen ist mit aller Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß die
Vereinigten Staaten im Jahre 1960 eine Bevölkerungszahl von etwa
178 Millionen und 1970 von vielleicht 205 Millionen aufweisen
werden. Ohne Zweifel wird eine so starke Bevölkerung mehr Güter
als unsere heutige Bevölkerung konsumieren. Außerdem wird bei den
wachsenden Erkenntnissen der Medizin über die Möglichkeiten einer
Verlängerung der Lebensdauer ein beträchtlicher Prozentsatz der
Bevölkerung die normale Zeitspanne, die sie im Arbeitsprozeß steht,
überschritten haben. Man muß daher damit rechnen, daß sich sowohl
die Gesamtzahl der Bevölkerung erhöhen und auch die Zahl der aus
dem Arbeitsprozeß ausgeschiedenen Bevölkerungsteile anwachsen wird.
Wenn wir außerdem neben der Tatsache einer steigenden Bevölkerung
noch ferner berücksichtigen, daß auch der Verbrauch pro Kopf der
Bevölkerung ständig steigt, können wir mit gutem Grund annehmen,
daß im Vergleich zu heute der Bedarf an Gütern und Dienstleistungen in 10 oder 20 Jahren erheblich höher sein wird. Diese Entwicklungsmöglichkeiten bestärken uns in dem Glauben, daß der Bedarf an Arbeitskräften in Zukunft ständig beträchtlich größer sein
wird als heute.
Andererseits steigt die Produktivität nach wie vor um drei
Prozent jährlich an. Eine bestimmte Anzahl von Arbeitskräften ist
also imstande, wesentlich mehr Güter zu produzieren als noch vor
wehigen Jahren. Beim Anhslten dieser Entwicklung wird eine bestimmte Zahl von Arbeitern im Jahre 1970 50 Prozent mehr Güter
produzieren als im Jahre 1955«
Vorausgesetzt, daß alle übrigen Umstände die gleichen bleiben,
verringert die Steigerung der Produktivität den Bedarf an Arbeitern,
während die steigende Bevölkerungszahl und der steigende Konsum-den
Bedarf an Arbeitskräften,erhöhen. Die tatsächliche Auswirkung dieser
Entwicklung wird für die einzelnen Berufsgruppen verschieden sein.
So ist zum Beispiel die Produktivität der landwirtschaftlichen Arbeiter so gestiegen, daß wir heute mit viel weniger Farmern auskommen können als zuvor. Um ein weiteres Beispiel anzuführen 1
Die steigende Kinderzahl und unsere erhöhten Erwartungen, die wir
heute in die Erziehung setzen, haben den Bedarf an Lehrern wesentlich erhöht, und dieser Bedarf wird noch weiter steigen, wenn es
uns nicht gelingt, bessere Methoden zu entwickeln, die es einem
Lehrer ermöglichen, eine größere Anzahl von Schülern zu betreuen
als es bisher allgemein für wünschenswert gehalten wurde.

- 3-

�Der Mangel an Arbeitskräften ist verschiedener Art und auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Es besteht ein ernster Mangel an
hochqualifizierten Kräften auf fast allen Arbeitsgebieten. Doch den
hat es immer gegeben. "An der Spitze ist immer Platz", ist eine alte
Weisheit. Ein Arbeitgeber weiß hochbefähigte Arbeitskräfte immer zu
schätzen und ist bereit, sie in Positionen zu berufen, die außerordentliches Können verlangen.
Ein zweiter Mangel besteht an Männern und Frauen, deren Hauptinteresse sich auf die theoretischen Wissenschaften richtet. Es wird
allgemein behauptet, daß die Vereinigten Staaten zwar zahlreiche hervorragende Ingenieure, doch nur wenige Pioniere auf dem Gebiet der
Grundlagenforschung hervorgebracht haben; daß sie zwar bei der praktischen Verwertung wissenschaftlicher Entdeckungen mit an erster
Stelle stehen, daß sie aber an den Entdeckungen selbst keinen direkten Anteil gehabt haben. Wahrscheinlich werden wir der Grundlagenforschung in Zukunft erhöhte Bedeutung beimessen müssen, denn die
europäischen Laboratorien haben in den vergangenen beiden Jahrzehnten beträchtliche Verluste erlitten und aus Europa hört man, daß
sich auch dort, ebenso wie in Amerika, junge Wissenschaftler in
wachsender Zahl lieber der angewandten als der Grundlagenforschung
oder dem Lehrberuf zuwenden wollen.
Dritten? besteht ein Mangel an Arbeitskräften, die in neuentwickelten Arbeitsgebieten über Erfahrungen verfügen. In den letzten
Jahren fehlten uns Fachkräfte für Fremdsprachen und solche, die die
Gebräuche anderer Länder kennen; es bestand ein Mangel an Hochfrequenz ingenieuren und an Männern und Frauen, die sich auf dem weiten
Felde der Kernenergie auskennen. In Zukunft werden vermutlich auch
auf dem Gebiet der Automatisierung Arbeitskräfte fehlen. Doch dürften diese Löcher gestopft werden, wenn erst einige Erfahrungen gesammelt und entsprechende Ausbildungsprogramme erfolgreich besucht
worden sind; in den Anfangsstadien einer Entwicklung muß stets mit
einem Mangel an Arbeitskräften gerechnet werden.
Schließlich besteht ein Mangel an Arbeitskräften in solchen
Industriezweigen, die wegen der geringen Vorteile, die sie bieten,
nur eine geringe Anziehungskraft besitzen. Bei dem im allgemeinen
starken Bedarf an Arbeitskräften haben diejenigen Berufe am wenigsten Aussicht, Arbeiter zu bekommen, bei denen die Arbeitsbedingungen am ungünstigsten sind.
Die in der Industrie und in der Bevölkerung sich vollziehenden
Entwicklungen könnten theoretisch in einigen Industrien zu einem
Mangel an Arbeitskräften und in anderen zu einem Überschuß führen.
Tatsächlich gibt es aber keinen Überschuß von erheblicher Bedeutung.
Eine Arbeitslosigkeit geringen Ausmaßes ist vorhanden, und der Arbeitsmarkt ist in einigen Teilen des Landes nicht so stark angespannt
wie in anderen; im großen*und ganzen jedoch ist die Zahl der Arbeiter,
die infolge der in der Industrie oder der Bevölkerung erfolgten Veränderungen ihre Arbeitsplätze verloren haben, nur gering.
Dieser Umstand ist zum großen Teil darauf zurückzuführen, daß
der amerikanische Arbeiter sich nicht scheut, in einen anderen Beruf
überzuwechseln. Die große Bereitwilligkeit, in einem anderen Beruf
zu arbeiten, ist eine der Ursachen, daß sich die amerikanischen Arbeiter in der Vergangenheit so leicht den durch die Technik bewirkten Veränderungen angepaßt haben. Sie ist vermutlich einer der wichtigsten Faktoren der schnellen Veränderungen unserer Technik und
unserer hohen Produktivität.

-4 -

�Diese Mobilität ist ein charakteristisches Merkmal sowohl der
Wissenschaftler, der Ingenieure und anderer gehobener technischer
Berufe, wie auch der niederen Berufsarten. Die dramatische Entwicklung
der Kerntechnik ist ein Beispiel aus jüngster Zeit. In den zehn Jahren,
seit in Alamogordo die erste Atombombe zur Explosion gebracht wurde,
haben die reichlich zur Verfügung stehenden Geldmittel zusammen mit
der Bereitwilligkeit zahlreicher Wissenschaftler und Ingenieure, auf
dieses interessante neue Gebiet überzuwechseln, zu den gewaltigen
und einzigartigen Fortschritten beigetragen - Fortschritten, die sich
nicht nur auf die Herstellung von Bomben beschränken, sondern die sich
auch auf das in schneller Entwicklung befindliche Gebiet der friedlichen
Verwendung der Atomenergie erstrecken.
Im Hinblick auf die weitere Entwicklung der Automatisierung besteht
kein Grund zur Befürchtung, daß dieses leichte Überwechseln von einem
Beruf zum anderen aufhören wird, für die amerikanische Arbeiterschaft
charakteristisch zu sein. Zahlreiche neue Arbeitsplätze werden geschaffen und andere überflüssig werden, und mit der Besetzung dieser neuen
Arbeitsplätze brauchen wir nicht zu warten, bis von den Universitäten
geschulte Kräfte entlassen werden, die sich auf die Automatisierung
spezialisiert haben, noch ist es notwendig, sämtliche Arbeiter aus
Berufen, die überflüssig geworden sind, zu pensionieren. Die berufliche Mobilität der amerikanischen Arbeiterschaft bietet Gewähr dafür,
daß die Anpassungen reibungslos vonstatten gehen werden.
Als Grundlage für eine Diskussion werden nachstehend sieben
verschiedene Entwicklungstendenzen kurz aufgeführt, aus denen Folgerungen gezogen werden müssen:
1. Wie die Entwicklung gezeigt hat, ist der Prozentsatz derjenigen
Arbeitskräfte, die in solchen Berufen beschäftigt sind, die eine akademische, eine Fachschul- oder eine hochspezialisierte Ausbildung verlangen, in ständigem Anstieg begriffen. Die weitere Entwicklung der
Automatisierung dürfte diese Tendenz nur noch verstärken und jedenfalls nicht grundsätzlich verändern. Es muß daher damit gerechnet werden, daß künftig in jeder Generation sogar ein noch höherer Prozentsatz an Arbeitskräften für technische und wissenschaftliche Berufe
sowie für leitende Positionen in der Wirtschaft und vielleicht für
weitere hochspezialisierte Arbeitsgebiete ausgebildet werden muß.
2. Die Bevölkerungsentwicklung weist eindeutig darauf hin, daß
der Bedarf an Lehrpersonal steigen wird - ein Bedarf, der den heutigen weit übersteigen dürfte, wenn die Lehrmethoden nicht grundlegend geändert werden, um die Anzahl der für eine bestimmte Schülerzahl notwendigen Lehrkräfte zu verringern. Um das gegenwärtig bestehende zahlenmäßige Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern in
den Grundschulen und höheren Schulen aufrecht zu erhalten, wären
in den nächsten zehn Jahren über die Hälfte aller Absolventen sämtlicher amerikanischen Hochschulen und Universitäten erforderlich.
Um das gegenwärtige Verhältnis an den Hochschulen und Universitäten
aufrecht zu erhalten, müßte die Zahl der Fakultäten in den nächsten
fünfzehn Jahren verdoppelt werden.
3. Infolge der Verschiebungen in der Zahl der von den verschiedenen Industriezweigen benötigten Arbeitskräfte und des ständig
steigenden Bedarfs an hochspezialisierten Facharbeitern wächst
die Verantwortung der Schulen, ihren Schülern eine so gute Erziehung
und Fachausbildung zu geben, wie nur irgend möglich.

- 5-

�4. Das Tempo, in dem neue technische Gebiete erschlossen werden,
setzt die Fähigkeit voraus, neue Probleme zu erkennen und sich neuen
Bedingungen anzupassen. Die Universitäten und Fachschulen haben daher
die Pflicht, die geistige Beweglichkeit und berufliche Mobilität
ihrer Schüler im Unterricht zu berücksichtigen.
5. Die Entwicklung der Automatisierung, der steigende Bedarf an
Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern, und die Tatsache, daß
auch andere Gebiete - wie die Wirtschaft und die Psychologie - immer
mehr Verwendung für tüchtige Mathematiker und Statistiker haben, steigert ferner den Wunsch zahlreicher Arbeiter, sich gründliche Kenntnisse in der Mathematik anzueignen, die die Grundlage für Wissenschaft
und Technik bildet. Das Studium der Mathematik, das eine Vielfalt beruflicher Möglichkeiten erschließt, und die Schulung im mathematischen
Denken in früher Jugend bedeuten, daß sich alle Schulgattungen mit dem
Problem auseinandersetzen müssen, wie sie den Mathematikunterricht verbessern können.
6. Wegen der Wichtigkeit, die in sozialer und in technischer Hinsicht den Fortschritten sowohl in der Grundlagenforschung wie in der
theoretischen Wissenschaft zukommt, gewinnen diejenigen Arbeitskräfte
steigende Bedeutung, die für eine schöpferische Tätigkeit auf dem Gebiet der Forschung die nötigen Voraussetzungen mitbringen. Sowohl unsere Schulen selbst wie auch das geistige Klima, das in ihnen herrscht,
könnten mehr als zuvor für die Entwicklung dieser Voraussetzungen förderlich sein und diejenigen ermutigen, sich der Forschung oder der
Wissenschaft zu widmen, die dazu qualifiziert sind.
7. Der wirtschaftliche Wettbewerb wirft das soziale Problem auf,
wie dieee hochqualifizierten Kräfte auf die verschiedenen Arbeitsgebiete verteilt werden sollen. Die Lösung dieses Problems schließt
auch die Frage der Berufsberatung, der verschiedenen Möglichkeiten,
Stipendien zu erhalten, die Anstellungsmöglichkeiten, die Frage des
Gehalts und sämtliche Faktoren ein, die bei einer Berufswahl im allgemeinen berücksichtigt werden. Die Wahrung der persönlichen Freiheit
einerseits und der optimale Einsatz der Intelligenz andererseits
schaffen ein Problem, dessen Lösung sich die besten Pädagogen und
Soziologen angelegen lassen sein sollten.
Quelle: Eigenbericht
# # * »
Jacob S. Potofsky, 1. Vorsitzender der Vereinigten TextilarbeiterGewerkschaft:
Aus: "AFL-CIO Federationist "
- Quellenangabe erforderlich Die Rolle der Gewerkschaften beim Aufbau einer besseren Welt
Das Ziel der Gewerkschaftsbewegung ist die Schaffung friedlicher
und freiheitlicher Verhältnisse und die Steigerung des Lebensstandards
der arbeitenden Klassen in der ganzen Welt. Im Internationalen Bund
Freier Gewerkschaften haben wir uns brüderlich zusammengeschlossen,
um uns der Aufgabe zu widmen, die Menschheit bei der Erreichung der
Ziele zu unterstützen, die der Schaffung der Gewerkschaftsbewegungen
im 20. Jahrhundert zugrunde lagen. Als freie Menschen versuchen wir,

- 6-

�den Unterdrückten zu helfen. Wir, denen es gelungen ist, eine mächtige
Gewerkschaftsbewegung ins Leben zu rufen, ergreifen jede Gelegenheit,
um die Arbeiter in allen Teilen der Welt bei der Errichtung ähnlich
starker Gewerkschaften zu unterstützen.
Der Beitrag der freien Gewerkschaften zur Erreichung eines
höheren Lebensstandards für die Bevölkerung Nordamerikas ist bekannt.
Wir begrüßen jede Entwicklung, die zur Bildung starker freier Gewerkschaften in anderen Teilen der Welt führt, damit sich auch dort die
Arbeiter eines Friedens in Freiheit und Sicherheit erfreuen können.
Wir wissen nur zu gut, daß ohne Freiheit und Sicherheit jeder Friede
ohne Sinn ist.
Damit will ich keineswegs behaupten, daß wir in den USA das
goldene Zeitalter erreicht haben. Immer noch gehören Millionen von
Arbeitern keiner Gewerkschaft an, sie genießen die Vorteile nicht,
die ihnen die Gewerkschaft bietet, und die Möglichkeiten zur Verbesserung ihrer eigenen materiellen und geistigen Lebensbedingungen
und der ihrer Kinder werden ihnen vorenthalten. Das ist einer der
Gründe, weshalb der Zusammenschluß zwischen den beiden großen amerikanischen Gewerkschaftsverbänden, der "American Federation of Labor"
und des "Congress of Industrial Organizations" von der amerikanischen
Arbeiterschaft begrüßt wurde.
Unser Ziel ist, die Gewerkschaften zusammenzuschließen, sie zu
festigen und ihre Arbeit wirksamer zu gestalten. Wir sehen darin eine
günstige Gelegenheit, die Gewerkschaftsbewegung auch auf Millionen
unorganisierter Arbeiter auszudehnen.
Der Zusammenschluß der beiden Gewerkschaftsverbände erfolgte
nicht nur im Interesse der Gewerkschaftsmitglieder, sondern auch im
Interesse der entsprechenden Organisationen, in denen wir tätig
sind. Die Gewerkschaften identifizieren sich mit den Interessen
der gesamten Arbeiterschaft und bemühen sich, die Interessen aller
Arbeiter nach besten Kräften zu vertreten. Die Arbeit der Gewerkschaften betrifft Fragen und Probleme nationaler und internationaler Natur, die uns alle angehen.
Als erstes Ergebnis des Zusammenschlusses soll eine gewaltige
Werbekampagne einsetzen, um denjenigen Arbeitern, die sich gegenüber mächtigen Industriegruppen in schwacher Position befinden,
Sprecher zur Verfügung zu stellen, die ihnen helfen werden* ihre
soziale Lage zu verbessern.
Auf diesem Gebiet haben wir noch große Aufgaben zu lösen.
Wenn wir um uns blicken, sehen wir betrübliche Dinge, wie Diktaturen, Hungersnöte, Analphabetentum und unbeschreibliche Armut,
In weiten Gebieten der Erde leben unzählige Millionen, deren tägliche Nahrung aus nur einer Handvoll Reis oder Korn besteht, die
ein elendes und menschenunwürdiges Dasein führen und die an der
Zukunft verzweifeln. Diese Menschen streben nach vielen Dingen,
die für uns eine Selbstverständlichkeit sind. Auch die Einführung
demokratischer Methoden in der Politik und ihre nationale Unabhängigkeit liegt ihnen sehr am Herzen.
Gerade die enttäuschten Hoffnungen dieser Millionen von
Männern, Frauen und- Kindern sind es gewesen, auf denen die totalitären Diktaturen ihre Herrschaft errichten konnten, die sie jetzt
auch auf die übrige freie .Veit auszudehnen versuchen.

- 7-

�Was ist nun unsere Haltung gegenüber diesen Fragen? Die freien
Gewerkschaften haben neben anderen eine Lösung für diese Probleme,
diese besteht in der Verwendung der Atomenergie zum Wohle der Menschheit - ihre Nutzbarmachung, nicht um menschliches Leben zu vernichten,
sondern zum Wohle der Menschen und des menschlichen Fortschritts.
Vor einigen Monaten hielt der Internationale Bund Freier Gewerkschaften eine Konferenz über die friedlichen Verwendungsmöglichkeiten
der Atomenergie ab. Die Konferenz forderte großzügige finanzielle
und technische Hilfe für die wirtschaftlich unterentwickelten Gebiete,
um dort Atomindustrien aufzubauen, die friedlichen Aufgaben und der
Hebung des Lebensstandards dieser Länder dienen sollten.
Wenn wir uns vorstellen, daß wir durch die Spaltung des Atoms
Wüsten in fruchtbares Ackerland, reißende Ströme in schiffbare Flüsse
verwandeln, daß wir unbegrenzten Wohlstand in Gebieten erzeugen können,
in denen heute unbeschreibliches Elend und Not herrschen - wie es vor
allem in den unterentwickelten Ländern der Fall ist -, dann rufen wir
die Welt auf, diese Aufgaben kühn, energisch und mit Phantasie in
Angriff zu nehmen und die Schatten zu vertreiben, die über uns schweben
und die uns bedrücken und die die echten Grundlagen unserer demskratischen Institutionen untergraben.
Ein bloßes Überleben der Menschheit betrachten die freien Gewerkschaften als ein unzureichendes Ziel. Wenn bloßes Überleben unser
Hauptziel wäre, gäbe es keine Gewerkschaftsbewegung. Es gibt sie, weil
wir uns ein besseres Leben vorstellten; weil wir ständig dem Volke
Ziele wiesen, die unerreichbar erschienen, haben wir Fortschritte
gemacht und unsere Ziele erreicht - den Achtstundentag, ein Sozialprogramm, das die Menschen gegen Krankheit und im Alter sichert,
den garantierten Jahreslohn und vor allem die Anerkennung des Prinzips
von der Würde des arbeitenden Menschen.
Auf dem eingeschlagenen Wege müssen wir fortschreiten. Wir
müssen die große Friedensorganisation der Vereinten Nationen und ihre
Sonderorganisationen stärken. Wir müssen nach wie vor stark in der
Verteidigung sein. Diese Stärke ist zur Erhaltung des Friedens notwendig.
Ebenso müssen wir auch die Stärke der freien Gewerkschaften
aufrecht erhalten. Freie Gewerkschaften bedeuten eine freie Welt.
Die freien Arbeiter der Welt sind die Verpflichtung eingegangen,
eine bessere und friedliche Welt aufzubauen. Die Verwüstungen des
Krieges und die Folgen der Wirtschaftsdepression haben wir überwunden und Neues geschaffen. Den Diktaturen haben wir Widerstand
geleistet und die Demokratien gestärkt. Der Menschheit haben wir
eine Freiheitscharta und Ideale geschenkt, nach denen sie ihr
Leben ausrichten kann und die wir überall in der Welt verbreiten
wollen. Wir Angehörige der amerikanischen Gewerkschaften haben uns
die Aufgabe gestellt, diese Ziele noch in unserer Zeit zu verwirklichen.
(Aus: "AFL-CIO Ameri can Federationist")
- Quellenangabe erforderlich -

- 8 -

�Guy Farmer,
ehemaliger Vorsitzender der amerikanischen Bundesarbeitsaufsichtsbehörde:
Aussichten im Jahre 1956 für den Neuabschluß von Tarifverträgen
(Auszüge aus einer Rede, gehalten auf der Sonderkonferenz der Amerikanischen Gesellschaft für Betriebsführung- American Management Association - in Chicago;
Bei der Frage, welche Möglichkeiten sich in diesem Jahr für den
Neuabschluß von Tarifverträgen bieten, müssen wir zunächst einen Blick
in die Vergangenheit werfen. Dabei bilden eine Reihe im Jahre 1955
abgeschlossener Verträge, die eine Kündigung für die Dauer von zwei,
drei oder fünf Jahren ausschließen, einen wichtigen Faktor.
Sowohl in der Automobilindustrie und zahlreichen größeren Betrieben der Autozubehörindustrie, den großen Werken der Elektroindustrie, der Landwirtschaftsmaschinen- und der Tafelglasindustrie
als auch in wichtigen Zweigen der Bauindustrie und im Fernlastverkehr
sind daher keine neuen Tarifverhandlungen zu erwarten.
Alle diese Verträge sehen automatische Lohnerhöhungen im Laufe
des Jahres 1956 vor - ab Juni um 2,5 Prozent in der Automobilindustrie,
im Herbst um 3 Prozent bei General Electric und Westinghouse und so
weiter. Im Durchschnitt betragen diese Lohnerhöhungen 6 Cent pro Stunde.
In der Tafelglasindustrie beträgt die Lohnerhöhung 5 Cent, die nach
Vereinbarung der beiden Vertragspartner entweder zugunsten des Fonds
für die zusätzliche Arbeitslosenunterstützung, für sonstige Sozialleistungen oder aber für eine allgemeine Erhöhung der Löhne verwendet
werden sollen. Verschiedene im Fernlastverkehr und in der Bauindustrie
abgeschlossene Verträge sehen für das Jahr 1956 sogar die automatische
Erhöhung der Löhne um 10 Cent vor.
In gewöhnlichen Zeiten könnte man damit rechnen, daß Lohnerhöhungen in der Automobil-, der Landwirtschaftsmaschinen- und der Elektroindustrie um 6 Cent pro Stunde gleichzeitig die Grundlage und äußerste
Grenze für alle übrigen Lohnverhandlungen in diesem Jahr bilden würden anders gesagt, daß sie bei den Lohnverhandlungen im Jahre 1956 als
"Muster" dienen würden.
Ich brauche Ihnen aber nicht erst zu sagen, daß wir in keinen gewöhnlichen Zeiten leben. Die wichtigsten Lohnverhandlungen im Jahre 1956
fanden zuerst in der Ölindustrie statt, und die Gewerkschaften nahmen
den Vorschlag der Gesellschaften an, die Löhne um 6 Prozent, das heißt
um 15 Cent pro Stunde,zu erhöhen. Den Verhandlungen in der Ölindustrie
folgten solche mit verschiedenen Firmen der Flugzeugindustrie, deren
Ergebnis eine Steigerung der Löhne um 6 Cent pro Stunde war. An der
Westküste vereinbarten die North American Aviation Company mit der Automobilarbeitergewerkschaft und die Douglaswerke mit der Gewerkschaft der
Maschinisten Lohnerhöhungen, die sich zwischen 7 und 15 Cent pro Stunde
bewegen, durchschnittlich also 11 Cent betragen. Die Convairwerke einigten sich mit der Maschinistengewerkschaft auf Lohnsteigerungen von
4 bis 6 Prozent.
Nach amtlichen Schätzungen betrug die Steigerung sämtlicher auf
Grund neu abgeschlossener Tarifverträge vereinbarter Löhne im ersten
Quartal 1956 durchschnittlich 8,7 Cent pro Stunde; dies entspricht

- 9-

�genau der Steigerung im vierten Quartal des Jahres 1955 und liegt
höher als in jedem anderen Quartal des Jahres 1955« *m April war
die Steigerung im Durchschnitt sogar noch höher. Damit ist der
Beweis erbracht, daß sich die in der Automobilindustrie aufgeschobenen Lohnerhöhungen keineswegs auf die Erhöhung der Löhne in anderen Industriezweigen nachteilig auswirken.
Von ausschlaggebender Bedeutung für den Abschluß neuer Tarifverträge in der gesamten amerikanischen Industrie sind natürlich
die Lohnbewegungen in der Stahlindustrie. In den eisen- und stahlerzeugenden Industrien laufen die wichtigsten Tarifverträge Ende
Juni ab. Das gleiche ist der Fall mit den Verträgen, die zwischen
den großen Hüttenbetrieben für Nichteisenmetalle - zum Beispiel
zwischen Kennecott Copper und Anaconda und den Gewerkschaften der
Berg- und Hüttenarbeiter und der Bauarbeiter - abgeschlossen wurden.
Die Verträge mit den großen Aluminiumgesellschaften laufen im Juli
ab. Und für August sind Verhandlungen zwischen einigen der größten Stahl- und Aluminiumverwertungsgesellschaften wie Timken
Roller Bearing und der Gewerkschaft der Eisen- und Stahlarbeiter,
Tale and Towne, der California Metal Trades Association sowie zahlreichen weiteren Gesellschaften und der Gewerkschaft der Maschinisten vorgesehen.
Im September läuft der Tarifvertrag in der Braunkohlenindustrie
ab, und Ende September sollen zwischen der Konservenindustrie und
der Stahlarbeitergewerkschaft, die im vergangenen Jahr ein Abkommen
über zusätzliche Leistungen zur Arbeitslosenunterstützung abgeschlossen hatten, neue Lohnverhandlungen stattfinden.
Diese Verhandlungen werden sämtlich vom Ergebnis der kommenden
Tarifverhandlungen in der Stahlindustrie stark beeinflußt werden.
Außerhalb der unmittelbaren Einflußsphäre der Stahlindustrie stehen
weitere wichtige Tarifverhandlungen im Sommer und Herbst bevor.
Im Juni sollen neue Lohnverhandlungen mit der Papierindustrie
der Westküste stattfinden. Die Tarifverträge mit der Konservenindustrie laufen im September ab,und Verhandlungen über einen neuen
Tarif sind jederzeit zu erwarten. Das gleiche gilt für die vier
großen Gummikonzerne. Und schließlich kann auch über die mit den
Eisenbahnergewerkschaften abgeschlossenen Tarifverträgen jederzeit
neu verhandelt werden.
Wenn man die statistischen Angaben nur unter allgemeinen Gesichtspunkten betrachtet, sieht es so aus, als ob die Verhandlungspartner von dem hohen Roß heruntersteigen müßten, auf dem sie in
den letzten
Monaten gesessen haben. Die Wirtschaftstätigkeit
ist nach ihrer stetigen Aufwärtsentwicklung im Jahre 1955 im allgemeinen etwas zurückgegangen. Es sind Arbeiter entlassen worden, und
die Rate der Neueinstellungen ist niedriger als im vergangenen Jahr.
Das Geld ist knapp, und fast alle Industriezweige haben Sorgen, weil
die hohen Selbstkosten die Verbraucherpreise unter .Umständen anheben
könnten.
Hinzu kommt, daß in diesem Jahr die Löhne in der Autonobilund der Elektroindustrie automatisch um 6 Cent steigen werden und
dabei ziemlich weit unter dem Stand der übrigen kürzlich ausgehandelten Lohnerhöhungen liegen werden, und es ist zu erwarten,
daß die Verhandlungen über einen angemessenen Lohnanteil im Jahre
1956 erheblich schwieriger sein werden als im Vorjahr.

- 10 -

�Doch der Schein mag trügen. Es ist wohl richtig, daß die Wirtschaft in diesem Jahr nicht eine gleiche, alle Geschäftsbereiche
mit einbeziehende Hochkonjunktur erlebt wie 1955« Heute weht der
Wind aus einer anderen Richtung, würden die Männer der Wirtschaft
sagen. Doch es ergibt sich, daß gerade in denjenigen Industriezweigen, die am wenigsten an der Konjunktur teilhaben, wie die
Automobilindustrie und die Autozubehörindustrie, keine TarifVerhandlungen stattfinden werden. Dagegen werden zwei der von der
Konjunktur am meisten begünstigten Industriezweige, die Stahlund Papierindustrie - die in ihrer Kapazität voll ausgelastet
waren - mit der unverminderten Auslastung ihrer Kapazität rechnen
können. Im allgemeinen läßt sich sagen, daß die im Jahre 1956 für
die Wirtschaft entscheidenden Verhandlungen von Industrien geführt
werden dürften, die auf vollen Touren arbeiten.
Eines ist sowohl für Unternehmer als auch für Gewerkschaften
in diesem Wahljahr sicher. Vorausgesetzt, daß sich keine neue internationale Krise ernsteren Ausmaßes entwickelt, sind Eingriffe in die
Verhandlungen von außen nicht zu erwarten. Die Bundesregierung wird
sich lediglich darauf beschränken, unparteiisch zu vermitteln und
sich um einen echten Ausgleich der Interessen zu bemühen.
Diese Politik ist von der Regierung Eisenhower ständig verfolgt worden, und ich bin überzeugt, daß ihr Einfluß auf die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern in den vergangenen drei Jahren sehr konstruktiv gewesen ist. Die Politik der
Nichteinmischung in Arbeitskonflikte ist verschiedentlich einer
harten Probe ausgesetzt gewesen. Die erste war der Streik im Düsenmotorenwerk Evendale der General Electric Company in Ohio im Jahre
1953« Die zweite war der sieben Wochen dauernde Streik in den NorthAmerican-Aviation-Werken im Jahre 1953» Die dritte war der Streik,
der vor kurzem bei Westinghouse stattfand.
In all diesen Fällen beschloß die Regierung, und meiner Ansicht
nach mit Recht, daß den nationalen Interessen am besten gedient sei,
wenn sie sich jedes Eingreifens enthalte t obwohl durch die Streiks
die Produktion von Rüstungsmaterial direkt beeinflußt war.
Vermutlich würde ein sich auf die gesamte amerikanische Stahlindustrie erstreckender Streik diese Politik auf eine noch härtere
Belastungsprobe stellen, da er sich schließlich auf das gesamte Verteidigungsprogramm auswirken würde. Doch gerade die Tatsache, daß
die Regierung bisher an ihrer Politik der Nichteinmischung festgehalten hat, bietet eine gewisse Gewähr dafür, daß mit einem Streik
der Stahlarbeiter von längerer Dauer nicht zu rechnen ist.
Im März hielt der Ausschuß für Lohnfragen der Stahlarbeitergewerkschaft in Chicago eine Sitzung ab, auf der das Programm für die
kommenden TarifVerhandlungen festgelegt wurde. Aus den Berichten
über die Sitzung ist zu ersehen, daß die Stahlarbeiter in den diesjährigen Verhandlungen vier Dinge erreichen wollen:
1. Die Gewährung zusätzlicher Arbeitslosenunterstützungen nach
dem Vorbild der zwischen den Stahlarbeitern und den American Can und
Continental Can im vorigen Jahr abgeschlossenen Abkommen.
2. Eine "substantielle" Erhöhung der Löhne, eine Forderung, die
periodisch jedes Jahr wiederkehrt. Nach alter Tradition legt sich
die Stahlarbeitergewerkschaft niemals auf bestimmte Zahlen fest,
wenn sie in den Verhandlungen i'nre Forderungen 'bekanntgibt. Die

- 11 -

�Die TarifVerhandlungen in zahlreichen anderen Industriezweigen würden
reibungsloser vonstatten gehen, wenn auch dort die Gewerkschaften die
gleichen Methoden anwenden würden.
3. Fordert die Gewerkschaft eine Anzahl von Verbesserungen auf
dem Gebiet der Sozialversicherung, insbesondere eine Herabsetzung der
Arbeitnehmerbeiträge, die heute 4,5 Cent pro Stunde betragen sowie
eine Erhöhung der gegenwärtig 40 Dollar in der Woche betragenden Kranken- und Unfallversicherung.
4. Schließlich - und es ist interessant, daß diese Forderung bei
dem Ausschuß, der das Programm aufstellte, den stärksten Widerhall
fand - verlangt die Gewerkschaft, daß Arbeitnehmer für Sam3tagsarbeit
50 i» und für Sonntagsarbeit 100 f&gt; Lohnaufschlag erhalten.
Ich bilde mir nicht ein, die Einstellung der Stahlgesellschaften
zu diesen Fragen zu kennen. Man kann sich aber schwer einen Kompromiß
vorstellen, der für beide Seiten befriedigend ist, zumal in einer Zeit,
in der die Stahlindustrie hundertprozentig ausgelastet ist. Vorstellbar
wäre eine Lösung, bei der sich beide Parteien darauf beschränken würden,
das Problem erst einmal während der Laufzeit des nächsten Tarifvertrages eingehend zu studieren. Erwähnen möchte ich hierbei, daß bestimmte
Überlegungen darüber angestellt wurden, ob die Stahlfirmen sich nicht
bereit erklären könnten, über ihr erst 1957 ablaufendes Abkommen über
die Altersversorgung bereits früher neu zu verhandeln, und, statt höhere
Prämien für Wochenendarbeit zu zahlen, ihre Sozialleistungen den im
letzten Jahr in der Automobilindustrie abgeschlossenen Verträgen anzugleichen.
Jedenfalls wird die Frage der privaten Altersversorgung auch bei
den in diesem Sommer und Herbst in anderen Industriezweigen stattfindenden Tarifverhandlungen eine große Rolle spielen. Im vergangenen Jahr
errangen die Automobilarbeiter einen großen Erfolg, als sie in den Plänen zur Altersversorgung, bei denen die Arbeitnehmer nicht beitragspflichtig sind, den Gedanken eines anerkannten Rechts (Erwerb eines
dauernden Rechtsanspruchs) durchsetzten. In den Tarifverträgen mit
Ford und General Motors besitzen die Arbeitnehmer einen anerkannten
Rechtsanspruch auf Altersversorgung, wenn sie 40 Jahre alt und 10 Jahre
im gleichen Betrieb beschäftigt sind. In den Verträgen mit American
Motors sind solche Altersgrenzen nicht enthalten.
Ferner ist zu erwarten, daß die Gewerkschaften sehr stark darauf
drängen werden, daß die private Altersversorgung von der staatlichen
Sozialversicherung getrennt wird; daß die zum Bezug der Altersversorgung erforderlichen Berufsjahre wegfallen; daß die Arbeitnehmerbeiträge
zur Altersversorgung, wo diese noch geleistet werden müssen, nicht mehr
länger zu zahlen sind und jede Altersgrenze beim Ausscheiden aus dem
Berufsleben infolge voller Arbeitsunfähigkeit beseitigt wird. Es ist
interessant festzustellen, daß ein Aufgeben der Altersgrenze beim Ausscheiden aus dem Berufsleben infolge voller Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich nur geringe Kosten verursachen wird. Eine vor kurzem von der
Universität Princeton veröffentlichte Studie zeigt, daß nur eine Person
von 10 000 Beschäftigten unter 50 Jahren dauernd und voll arbeitsunfähig
ist. Andererseits kann sich die Beseitigung der Höchstgrenze der Berufsjahre für die Altersversorgung auch als sehr kostspielig auswirken.
In dem Tarifabkommen mit Ford vom Jahre 1955, in dem die Grenze der
Berufsjahre aufgegeben wurde, wurden im Januar 248 Anträge auf Altersversorgung genehmigt. Unter diesen konnten 136 Antragsteller auf eine

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�Berufstätigkeit von über 30 Jahren zurückblicken. Der älteste hatte
49 Jahre im Beruf gestanden, und er wird im Rahmen der Altersversorgung der Firma Ford monatlich 110,25 Dollar erhalten; dazu kommt die staatliche Sozialversicherung.
Ich bin gefragt worden, in welchem Maße das zustandekommende
Tarifabkommen in der Stahlindustrie den im Jahre 1956 stattfindenden
TarifVerhandlungen anderer Industriezweige als Muster dienen könnte.
Zweifellos wird sein Einfluß groß sein. Doch den Unternehmern in ihrer Gesamtheit, die sich auf die in diesem Sommer und Herbst stattfindenden Tarifverhandlungen vorbereiten, dürfte sich vermutlich
gerade in diesem Jahr, wenn überhaupt jemals, die Gelegenheit bieten,
sich bei den Verhandlungen nicht nach einem Vorbild richten zu müssen,
allein schon wegen der unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse, von
denen ich bereits gesprochen habe und die jedes starre Festhalten
an dem von den führenden Industrien gegebenen Muster besonders riskant
machen.
Dann aber sind die Verhandlungsziele der verschiedenen Gewerkschaften untereinander verschieden - sie lassen sich in kein einheitliches Schema pressen, wie es sonst der Fall war. Die Gewährung von
zusätzlichen privaten Arbeitslosenunterstützungen wird auch weiter ein
ernsthaftes Verhandlungsprojekt der Automobil- und der Stahlarbeiter
sein. Für andere Gewerkschaften ist sie unwichtig oder wird von ihnen
lediglich als Druckmittel benutzt, um von den Unternehmern andere
Konzessionen zu erzwingen. Die Gewerkschaft der Konservenarbeiter
und der entsprechenden Zulieferindustrien sowie verschiedene andere
Gewerkschaften drängen energisch auf eine Verkürzung der Arbeitszeit.
Andererseits sprechen die Gummiarbeiter in Akron bereits wieder davon,
daß die Arbeitswoche wieder von 36 auf 40 Stunden heraufgesetzt werden
müßte.
Der einsichtige und praktisch denkende Unternehmer hat zuletzt
doch begriffen, daß es für das Wohl und das ständige Waahstum seines
Betriebes wesentlich ist, einen Modus vivendi zu finden, der es ihm
gestattet, mit der Gewerkschaft und seiner Belegschaft offen und ehrlich zu verhandeln, während er gleichzeitig selbst nach freiem Gutdünken seine Entscheidungen im Betrieb trifft, sein Unternehmen leistungsfähig erhält und einwandfrei leitet. Diese Einsicht brachte ihn
dazu, sich mehr um diejenigen Bestimmungen seines Tarifabkommens zu
kümmern, die nicht ausgesprochen wirtschaftlicher Natur sind und die
die Beziehungen zwischen der Gewerkschaft und der Betriebsführung
betreffen - Bestimmungen über das Beschwerdeverfahren im Betrieb, die
Verantwortungsbefugnisse der Betriebsführung, über die Anschaffung
neuer Maschinen und über neue Produktionsmethoden.
Eine stärkere Konzentrierung auf die Bestimmungen nichtwirtschaftlicher Natur, deren Ziel es ist, eine vernünftige Basis für das Zusammenleben von Unternehmer und Gewerkschaft abzugeben, ein Modus vivendi,
bei dem die Rechte und Zuständigkeiten der Betriebsführung und der Gewerkschaft in einem richtigen Verhältnis zueinander stehen, wird auf
lange Sicht gesehen sowohl den Interessen des Unternehmers wie der
Gewerkschaften am besten dienen und sicherstellen, daß das Wirtschaftsleben der USA gesund bleibt.

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�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
"Revidierter garantierter Jahreslohn" auf individueller Basis
Ein neuartiger Typ eines zusätzlichen Arbeitslosenunterstützungsplanes wurde jetzt vom Amt für Arbeitslosenunterstützung des Staates
Ohio gebilligt. Der von der "Eaton llanufacturing Company" in Cleveland
aufgestellte Plan, der in seinen Grundzügen den im vergangenen Jahr
zwischen der Automobilarbeitergewerkschaft und den Großunternehmen
der Autoindustrie ausgehandelten Abkommen über zusätzliche Unterstützungsleistungen bei Entlassung ähnelt, sieht die Errichtung
eines aus Unternehmerbeiträgen finanzierten Trustfonds vor, in
dessen Rahmen jeder Angestellte über ein eigenes Gutschriftkonto
verfügt. Für jede von ihm geleistete Arbeitsstunde werden ihm dabei
3 1/2 Cent auf sein Konto überwiesen. Der anlaufende Gesamtbetrag
des Kontos verbleibt in der Verfügungsgewalt des Inhabers.
Im Falle von Entlassung oder bei vorübergehender Arbeitslosigkeit kann der Arbeitnehmer dann Geld von seinem Konto abziehen. Bei
Aufkündigung des Arbeitsverhältnisses kann er den Gesamtbetrag seines Kontos abheben, und bei Todesfall geht das angesammelte Vermögen
auf seine Angehörigen über.
Der am 1. Juli 1955 unterzeichnete Kontrakt sieht die Aufnahme
der Zahlungen durch den Unternehmer vom 1. Juli dieses Jahres an vor.
Jeder Mitarbeiter des Unternehmens, der am 1. Juli 1955 eine Seniorität von über einem Jahr besaß, ist teilnahmeberechtigt.
Der Vorteil dieses Einkommenssicherungsplanes ist gegenüber den
viel diskutierten sogenannten "garantierten Jahreslohnplänen" im
Staate Ohio der, daß die Leistungen aus dem Fonds nicht von der staatlichen Arbeitslosenunterstützung abgezogen werden.
Da der Unternehmer hier, weil es sich um Individualzuschüsse
handelt, auch für die in den Fonds eingezahlten Beträge - genauso,
wie für die gezahlten Löhne - Arbeitslosenversicherungsabgaben entrichten muß, kommen die Leistungen dem Begünstigten in voller Höhe
zugute, ganz im Gegensatz zu den "garantierten Jahreslohnplänen",
bei denen die Beträge in einen Zentralfonds abgeführt werden, ohne
daß der Unternehmer dafür Arbeitslosenversicherungsbeiträge zu leisten hat. Aus diesem Grunde hat der Staat Ohio entschieden, daß die
aus diesen Fonds gezahlten Beträge von der staatlichen Arbeitslosenunterstützung abzusetzen sind. Dadurch sind die sogenannten "garantierten Jahreslohnpläne" in Ohio nicht durchführbar, obgleich sie
von anderen Bundesstaaten anerkannt werden.
Nach Ansicht offizieller Vertreter des Staates Ohio dürfte dieser neue Plan weitreichende Auswirkungen auf dem Labor-ManagementSektor haben und auch in anderen Bundesstaaten zur Bildung ähnlicher
Pläne führen.
* # »
Henry Ford II. ruft Mitarbeiter auf, sich aktiv an der Wahl zu beteiligen
In einem Brief an sämtliche Mitarbeiter des Unternehmens fordert
der Präsident der "Ford Motor Company", Henry Ford II., die Belegschaft
auf, sich an den kommenden Präsidentschaftswahlen aktiv zu beteiligen
und die "Partei ihrer Wahl" finanziell zu unterstützen.
Henry Ford begründet seine Aufforderung und seinen ungewöhnlichen
Appell mit folgenden Argumenten: "Das Recht, einen Präsidenten zu wählen und in einem der kritischen Zeitpunkte der Weltgeschichte zu ent-

- 14 -

�entscheiden, welche Partei mit der Regierungsverantwortung betraut
werden soll, legt allen Mitbürgern eine ernste Verantwortung auf.
Jeder muß hierbei wissen, um was es geht. Es ist unsere Pflicht,
uns aktiv und bewußt mit den einzelnen Kandidaten zu beschäftigen
und die von ihnen vertretene politische Auffassung kritisch zu würdigen. Aber die bloße Informierung, damit wir unsere Stimme bewußt
abgeben können, sollte nicht die einzige Aufgabe als Staatsbürger
sein. Der Einsatz, um den es geht, ist zu groß, als daß wir abseits
stehen könnten. Wenn wir einer Partei und ihrem Kandidaten vertrauen,
dann sollten wir auch die Partei und den Mann mit all unseren Kräften
unterstützen.
Sowohl die Republikanische als auch die Demokratische Partei brauchen Unterstützung, damit sie ihre Ansichten der breiten Öffentlichkeit
darlegen können. Sie benötigen willige und interessierte Mitarbeiter,
die-Kraft und Zeit dafür einsetzen können, Millionen Amerikaner zur
Ausübung ihres Wahlrechts zu ermutigen. Beide Parteien müssen Gelder
aufbringen, um die Kosten für die Wahlkampagne im Radio, Fernsehen
und in anderen Formen der Propaganda bestreiten zu können.
Ich fordere hiermit alle Mitarbeiter der 'Ford Motor Company'
auf, sich selbst und der gesamten Nation während der nächsten Wochen
zu dienen, indem sie zumindest einen Teil ihrer verfügbaren Zeit der
Partei ihrer Wahl zur Verfügung stellen. Desgleichen fordere ich Sie
auf, Ihre Partei mit Geldmitteln jeder Höhe und in dem Ihnen möglichen
Rahmen zu unterstützen. Der eigentliche Betrag Ihrer Wahlspende ist
dabei weniger bedeutend als Ihre Bereitschaft, zu dokumentieren, wo
Ihr Standort zu den wichtigsten politischen Gegenwartsfragen ist.
Die beiden großen Parteien in unserem politischen System sind
das Bollwerk 'einer Nation, der Unteilbarkeit und der Freiheit und
Gerechtigkeit für alle'. Sie verdienen die Unterstützung von allen
von uns - jeder nach seinen Möglichkeiten und seiner politischen
Überzeugung."
* * *
Wirtschaftswissenschaftliche Vorlesungen für Studenten und Arbeiter
Der Yeshiva-Universität von New York ist von der Sidney-Hillman-Stiftung ein besonderer Zuschuß gewährt worden, um einen Lehrauftrag für Wirtschaftswissenschaften erteilen zu können, wie in
einer gemeinsamen Erklärung der Universität, der Stiftung und der
Gewerkschaft der Vereinigten Bekleidungsarbeiter Amerikas bekanntgegeben wurde.
Die von der Sidney-Hillman-Stiftung 1955 ins Leben gerufene
öffentliche Vorlesungsreihe sollte es den führenden Universitäten
der Vereinigten Staaten ermöglichen, bedeutende Persönlichkeiten
und Universitätslehrer für Vorlesungen vor Studenten und der breiteren Öffentlichkeit zu gewinnen. Die Tätigkeit der Lehrkräfte im
Rahmen der Stipendien der Hillman-Stiftung schließt auch das Abhalten von Seminaren sowie das Beraten von einzelnen Studenten ein.
Die in Form von zwei Kursen stattfindenden Vorlesungen an der
Yeshiva-Universität werden von Dr. Robert Lekachman, außerordentlicher Professor für Wirtschaftswissenschaften am Barnard-College,
abgehalten werden. Der erste Kurs, der im September beginnt, befaßt
sich mit einem "Vergleich der Wirtschaftssysteme", während der Frühjahrskurs "Die Wirtschaftsgeschichte Amerikas" behandelt.

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�Die Yeshiva-Universität in New York wurde 1886 gegründet, zählt
rund 2000 eingeschriebene Studenten und verfügt über ungefähr 150
Lehrkräfte. Der Direktor der Universität ist Samuel Belkin, der die
gemeinsame Erklärung mit unterzeichnete.
* * •

Ein interessantes "union shop"-Abkommen
Einen besonderen organisatorischen Erfolg konnte die "Vereinigte
Automobilarbeitergewerkschaft"(UAW) auf Grund eines Abkommens mit der
"Waterbury Companies Ine," verzeichnen, durch den das Unternehmen der
Einführung eines vollständigen "union shop" unter der Vorbedingung
zustimmte, daß ein Teil der gewerkschaftlichen Aufnahmegebühren und
Mitgliederbeiträge für Wohlfahrtseinrichtungen zur Verfügung gestellt
wird.
Vorgesehen ist in diesem Abkommen, wie das Gewerkschaftsblatt
"Labors Daily" berichtet, daß ein Teil der einkommenden Aufnahme- und
Mitgliederbeiträge in den nächsten zwei Jahren einem Krankenhaus für
körperlich behinderte Kinder zugeführt wird, während gleichzeitig in
diesem Zeitraum der Gewerkschaft der "union shop" erhalten bleibt.
Zum Abschluß dieses außergewöhnlichen Vertrages kam es so: die
UAW-Gewerkschaft verhandelte mit dem Unternehmen über die Einführung
des vollständigen "union shop". Die "Waterbury Companies" lehnten
den "union shop" in'der von der Gewerkschaft vorgeschlagenen Form
ab und legten ihrerseits einen Kompromißvorschlag vor. Dieser sah
unter anderem vor, daß diejenigen Beschäftigten des Unternehmens,
die bei Abschluß des Vertrages nicht der Gewerkschaft angehören,
der Gewerkschaft nicht beizutreten brauchen. Das Unternehmen begründete diesen Vorschlag mit dem Hinweis, daß einige seiner Mitarbeiter aus prinzipiellen Erwägungen nicht bereit seien, Beiträge
an eine Gewerkschaft zu zahlen.
Daraufhin brachte die Gewerkschaft einen Gegenvorschlag ein,
der vorsah, daß solche Mitarbeiter des Betriebes, die keine Gewerkschaftsbeiträge zu zahlen wünschen, aber ihre Zustimmung zum
regelmäßigen Abzug eines Betrages in Höhe des Gewerkschaftsbeitrages geben, Gewerkschaftsmitglieder werden und die von ihnen geleisteten Beträge dem Kinderkrankenhaus zugeführt werden.
Von diesem Abkommen werden rund 350 Arbeitnehmer erfaßt. Die
monatliche Höhe der Beiträge beläuft sich auf 2,50 Dollar.

* * •

- 16 -

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeltsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
A | n t f ü r Arbeltsinformationen
USIS Press Division
Meblem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.
IX

"

Mehlem.den 1. Oktober 1956
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S

Steigendes Lohnniveau in den USA

Seite

1

Die amerikanische Streikstatistik im Jahre 1955

Seite

4

Facharbeiter für ein neues Industriezeitalter

Seite

11

Gewerkschaftliche Kurznachrichten!
Pensionserhöhungen für US-Eisenbahner

Seite

14

für vier Jahre sichergestellt

Seite

15

Trend zu langfristigen Kollektivverträgen

Seite

15

Gewerkschaftsverband AFL-CIO kein Monopol

Seite

16

Hohe Streikziffern im Juli

Seite

16

Arbeitsfriede im New Yorker Transportgewerbe

Steigendes Lohnniveau in den USA
Das Lohnniveau in den Vereinigten Staaten ist bereits in diesem
Jahr erheblich angestiegen und wird auch noch weiter ansteigen. Es
besteht somit keine Gefahr, daß die Aufwärtsentwicklung, die seit
1954 anhält, eine Unterbrechung erfährt. Das Ausmaß der Steigerung
läßt sich bereits heute aus der Tatsache ersehen, daß eine Reihe von
großen Firmen mit rund 2,7 Millionen Betriebsangehörigen Tarifverträge
mit den Gewerkschaften abgeschlossen haben, in denen stufenweise Lohnerhöhungen noch im Verlaufe dieses Jahres vorgesehen sind. Diese Abmachungen betreffen vor allem die Automobil- und Landwirtschaftsmaschinenindustrie, den Elektroapparatebau, die Flachglasindustrie,
den Bitumenkohlenbergbau, das Straßentransportgewerbe, die Atomindustrie und das Baugewerbe.
Abgesehen vom Kohlenbergbau haben diese Verträge eine Laufzeit
von 3 bis 5 Jahren mit festgelegten jährlichen Lohnerhöhungen und
in vielen Fällen vierteljährlicher Angleichung an die Lebenshaltungskosten. Die für 1956 vertraglich vorgesehenen Lohnerhöhungen belaufen
sich im Bitumenkohlenbergbau auf durchschnittlich 10 Cent pro Stunde,
im Straßentransportgewerbe auf 8 Cent, in der Atomenergieindustrie
auf 7 Cent, in der Automobil- und Landwirtschaftsmaschinenindustrie
sowie im Elektroapparatebau auf 6 Cent und in der Flachglasindustrie
schließlich auf 5 Cent.
1 -

�Im Laufe von 22 Jahren hat sich der Stundenlohn für Fabrikarbeiter im Durchschnitt um 32Cy£ auf 1,85 Dollar erhöht (einschließlich Nachtzuschläge, aber ohne bberstundenzuschläge). Ein Ende dieser Aufwärtsentwicklung ist vorläufig noch nicht abzusehen.
Der Abschluß langfristiger Tarifverträge, die jährliche Lohnerhöhungen in vorher festgesetzter Höhe vorsehen, ist ein verhältnismäßig neues Moment bei den Kollektivverhandlungen.
Der Stundenlohn in den Fertigungsindustrien ist seit 1948
durchschnittlich um 39 Cent angestiegen. Im gleichen Zeitraum haben
sich die Stundenlöhne in der Automobilindustrie allein auf Grund der
in den Tarifverträgen vorgesehenen jährlichen Erhöhungen und der Angleichung an die steigenden Lebenshaltungskosten um insgesamt 63 Cent,
in der stahlerzeugenden Industrie um 60 Cent, im Elektroapparatebau
um 59,5 Cent erhöht.
Die Gesamtzunahme der durchschnittlichen Stundenlöhne betrug
jedoch im gleichen Zeitraum in der Automobilindustrie nahezu 73 Cent
und in der Stahlindustrie 88,5 Cent, das heißt sie sind über die ausgehandelten Erhöhungen hinaus angestiegen. Die Erhöhung des Stundenlohns im Elektroapparatebau ist andererseits aber um 5415 Cent hinter
der vertraglich vorgesehenen jährlichen Steigerung zurückgeblieben.
Diese. Differenz zwischen den bezahlten Stundenlöhnen in den
genannten Industrien und der vertraglich vorgesehenen jährlichen
Erhöhung ist, zumindest zu einem Teil, auf eine Zunahme der Zahl
der hochqualifizierten und daher besser bezahlten Positionen, die
größere Häufigkeit von Nachtschichten und die Erhöhung der Zuschläge
für Nachtarbeit, die Versetzung von Arbeitern auf besser bezahlte
Arbeitsplätze im Zuge der Produktionssteigerungen in der Autoindustrie und in anderen Wirtschaftszweigen und die Gewährung von Arbeitsanreizen und Prämien - vor allem in der Stahlindustrie - zurückzuführen.
In denjenigen Industrien, in denen die Löhne von Jahr zu Jahr
ausgehandelt werden, spiegeln Lohnerhöhungen meist eine Zunahme der
Geschäftstätigkeit wider. In Zeiten der Hochkonjunktur, so 1955» ist
es durchaus möglich, daß die ausgehandelten Löhne die eingebauten
alljährlichen Erhöhungen übersteigen; umgekehrt kann ein Rückgang des
Geschäfts dahin führen, daß die Löhne hinter den erwarteten Erhöhungen zurückbleiben.
Theoretisch sollen die eingebauten jährlichen Erhöhungen der
Entwicklung der Produktivität entsprechen, wobei die erhöhte Produktivität die höheren Lohnkosten aufwiegen muß. Die Arbeitsproduktivität stieg in den Jahren von 1947 bis 1953 im Durchschnitt um
3 bis 5,6/j, und in den Jahren 1954 und 1955 um schätzungsweise 5/^
jährlich an.
Nach Ansicht des "Bundesamtes für Arbeitsstatistik" ist allerdings ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Löhnen und Produktivität nur schwer festzustellen. Das auslösende Moment bei Lohnerhöhungen ist vielmehr wirtschaftliche Prosperität bei hohem Beschäftigungsstand. In Zeiten einer Flaute oder aber in Industrien, die einen
Rückgang der Geschäftstätigkeit zu verzeichnen haben, dürfte es für
die Arbeiter sehr schwer sein, Lohnerhöhungen durchzusetzen, selbst
wenn die Löhne in anderen Industriezweigen ansteigen sollten.

- 2 -

�Der Lebenshaltungskostenindex ist in den vergangenen drei Jahren
bei einer maximalen Schwankung von knapp 2)o stabil geblieben. Die Löhne
dagegen, zum Beispiel in der verarbeitenden Industrie, sind im gleichen
Zeitraum um über IC70 angestiegen. Das heißt, jede Erhöhung der Löhne
brachte eine echte Erhöhung der Kaufkraft der Arbeiter.
Die Stabilität der Einzelhandelspreise während der letzten drei
Jahre ist weitgehend auf den ständigen Rückgang der Preise für Lebensmittel und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse seit 1950 zurückzuführen. Durch diese Preissenkungen wurden die anziehenden Kosten für
Mieten und Dienstleistungen fast völlig ausgeglichen.
Es gibt aber auch Stimmen, die ausdrücklich vor einer Kopplung
von Produktivität und Löhnen warnen. So gibt Dr. Jules Backmann, Professor der Wirtschaftswissenschaften an der New Yorker Universität,
zu bedenken, daß man bei den eingebauten vorher festgesetzten jährlichen Lohnerhöhungen von der durchaus nicht in jedem Falle, zutreffenden Annahme ausgehe, die Produktivität steige konstant weiter.
Es ist ein fragwürdiges Unternehmen, so folgert Professor Backmann, einheitliche jährliche Lohnsteigerungen vornehmen zu wollen,
bei denen man sich auf die einheitliche Steigerung der Produktivität
stützt, die in Wirklichkeit aber gar nicht gegeben ist, sondern lediglich dadurch vorgetäuscht wird, daß beide Trends oftmals über eine
Reihe von Jahren hinweg in dieselbe Richtung verlaufen und etwa dieselbe Größenordnung aufweisen. Eine wirklich enge Relation zwischen
Löhnen und Produktivität über kürzere Zeiträume hinweg ist aber zu
leugnen.
Dies läßt sich an einigen Abweichungen in der Lohn-ProduktivitätsRelation, wie sie in einer freien //irtschaft häufig vorkommen, leicht
beweisen.
Im Jahre 1949 blieb eine allgemeine Lohnerhöhung in den Hauptindustriezweigen aus, während andererseits im vergangenen Jahr Lohnerhöhungen ausgehandelt wurden, die im allgemeinen über die Produktivitätszuwachsrate hinausgingen.
Die Verfechter langfristiger Lohnabkommen weisen darauf hin, daß
sie eine ungehinderte Produktion und Planung auf lange Sicht ermöglichen und damit zur Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen Stabilität
beitragen. Nach Ansicht des Präsidenten der "Southern Coal Producers'
Association" sind langfristige Tarifverträge Ausdruck eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen den Sozialpartnern und werden mit zunehmendem
Verständnis für die Lohnpolitik und dem immer stärkeren Übergang von
Privatbesitz zur Verwaltung des Betriebes durch Fachleute in wachsendem Umfange in der Industrie Anwendung finden.
Die ersten langfristigen Lohnabkommen in der Automobilindustrie
wurden 1948 bei "General Motors" als "stabilisierender Faktor nicht
nur für den eigenen Betrieb, sondern für die Gesamtwirtschaft der
Vereinigten Staaten" eingeführt. Dieses Abkommen erstreckte sich auf
zwei Jahre und sah eine jährliche Lohnerhöhung um 3 Cent pro Stunde
"zur Hebung des Lebensstandards der Arbeiter" sowie eine - zu jener
Zeit ganz neuartige - Angleichung an die Lebenshaltungskosten "zum
Schutze der Arbeiter vor den ansteigenden Verbraucherpreisen" vor.
Diese jährliche Lohnerhöhung bei "General Motors" soll die steigende Produktivität widerspiegeln und ist von 3 Cent pro Stunde auf

- 3-

�4,5 und zur Zeit 6 Cent pro Stunde angestiegen. Sie entspricht in etwa
dem durchschnittlichen Anstieg der Produktivität von 2 bis 3$ im Laufe
der letzten 40 Jahre. Die Gewerkschaften erklärten sich als Gegenleistung für die Lohnerhöhungen bereit, die durch diese entstehenden
höheren Lohnkosten durch entsprechende erhöhte Arbeitsproduktivität
auszugleichen - ein Punkt, dem manche andere Betriebe, die ähnliche
Kontrakte abschlössen, übersehen haben.
"General Electric" unterzeichneten den ersten langfristigen Tarifvertrag mit stufenweisen Lohnerhöhungen und regelmäßigen Angleichungen
an die Lebenshaltungskosten in der zweiten Hälfte des Jahres 1955«
Der Vertrag hat eine Laufzeit von 5 Jahren, bis i960 also, und sieht
eine Lohnerhöhung von 3$, mindestens aber um 4,5 Cent je Stunde, in
den Jahren 1955, 1956 und 1957 vor.
Langfristige Lohnabkommen ermöglichen Arbeitgebern wie Arbeitnehmern eine Planung auf lange Sicht. Dem Unternehmer geben sie die
Gewißheit, daß er während der Laufzeit des Vertrages vor etwaigen
Arbeitseinstellungen wegen erneuter Lohnforderung sicher sein kann.
Dem Verbraucher garantieren sie eine reibungslose und regelmäßige
Versorgung mit den Waren und Dienstleistungen, die er von der Wirtschaft erwartet.
(Aus "Nations Business")
Copyright - 1 956

N. J. Herlihy und Herbert T. Moede, Amerikanisches Bundesamt für
Arbeitsstatistik:
Die amerikanische Streikstatistik im Jahre 1955
Die günstige Wirtschaftslage im Verein mit einer wesentlich verstärkten Gewerkschaftsaktivität in TarifVerhandlungen bildeten die
Ursache für die Zunahme der Streiks im Jahr 1955« Die Zahl der Arbeitsniederlegungen lag um 25$ über der des Jahres 1954, war aber
dennoch erheblich niedriger als in anderen Jahren starker Streiktätigkeit. Desgleichen lag auch die Zahl der in diese Streiks verwickelten Arbeiter und Angestellten sowie der durch Streiks verlorengegangenen Arbeitsstunden höher als im Jahr 1954, wobei der Arbeitszeitausfall größer war als 1951 und 1954, im übrigen aber geringer
als in den Nachkriegsjähren.
Im Verlauf des Berichtsjahres brachen 4320 Streiks aus, an denen
sich insgesamt 2,6 Millionen Arbeiter und Angestellte beteiligten.
Diese Streiks hatten zusammen mit den Arbeitsniederlegungen, die sich
aus dem Jahre 1954 bis in das Jahr 1955 hinein fortsetzten, den Verlust von insgesamt 28,2 Millionen Arbeitstagen zur Folge, das sind
0,25 i&lt;&gt; der gesamten im Verlauf des Jahres geleisteten Arbeitstage.
Die Streiks, die im Jahr 1955 beigelegt wurden, dauerten im Durchschnitt 18,5 Tage, das heißt, sie waren, abgesehen von 1951, kürzer
als in den sonstigen Nachkriegsjähren.
Die größere Zahl von Kollektivverhandlungen ist nicht nur auf
den erhöhten Beschäftigungsstand und die steigende Produktion zurückzuführen (wobei die Beschäftigung in nicht-landwirtschaftlichen Betrieben

-4 -

�gegenüber 1954 um 2,3^ und das Bruttosozialprodukt um 6,2$ stiegen),
sondern auch auf die Tatsache, daß eine Reihe langfristiger Tarifverträge ausliefen. Die wichtigeren Tarifverträge aus dem Jahr 1955
brachten - und dies ist geradezu typisch für sie - Löhne und Sozialleistungen, die über dem im Jahr 1954 ausgehandelten Niveau liegen.
In zahlreichen Industriezweigen wurden die neuen Tarifverträge
ohne Streiks oder mit nur ganz kurzfristigen Unterbrechungen der
Arbeit ausgehandelt. So kam es bei den Auseinandersetzungen in der
Stahl- und Automobilindustrie oftmals zu einer Regelung strittiger
Fragen noch ehe ein Tag über den durch solche Meinungsverschiedenheiten ausgelösten Streik vergangen war. Auch die Streiks, die sich
auf ganze Industriezweige erstreckten, dauerten nicht länger als
1 bis 2 Tage. Die Notstandsbestimmungen des Taft-Hartley-Gesetzes
wurden in keinem Fall angewandt. Allerdings wurden gemäß den Bestimmungen des Eisenbahnarbeitergesetzes fünf Dringlichkeitsausschüsse eingerichtet.
Wenn auch die TarifVerhandlungen im allgemeinen einen ruhigen
und ungestörten Verlauf nahmen, so kam es doch in einigen Fällen
zu bemerksnwert heftigen Auseinandersetzungen. Der 47tägige Streik,
zu dem es im Zusammenhang mit Lohnverhandlungen der Gewerkschaften
mit Unternehmen aus der NE-Metallbranche kam, führte zur Schließung von 3 der 4 größten Betriebe und hatte damit schon fast den
Charakter eines allgemeinen Streiks der Arbeiter in dieser Sparte.
Im Verlauf des Sommers waren ferner 3 große Firmen in der Landwirtschaf tsmaschinenindustri« durch getrennte Streiks ihrer Belegschaften
zu einer zeitweiligen Schließung ihrer Betriebe gezwungen.
Die Großstreiks
Einige wenige Streiks hatten die Schließung beziehungsweise
teilweise Schließung von Großbetrieben über einen größeren Zeitraum
hinweg zur Folge. Von den Großstreiks (das heißt Arbeitsniederlegungen durch 10 000 oder mehr Arbeiter), die im Jahr 1955 beendet
werden konnten, dauerten 3 länger als 50 Tage: Die Auseinandersetzungen zwischen der "Amerikanischen Gewerkschaft für das Fernmeldewesen" und der"Southern Bell Telephone und Telegraph Co." (72 Tage);
der Streik von 10 AFL-Gewerkschaften, die als Interessenvertreter der
Eisenbahnbediensteten mit Ausnahme des Zug- und Betriebspersonals
handelten, bei der "Louisville and Nashville Railroad" (58 Tage);
und der Streik von Mitgliedern der Gewerkschaft der Amerikanischen
Textilarbeiter (CIO) in der Textilindustrie in den Neuenglandstaaten, der der längste größere Streik im Jahr 1955 überhaupt war (in
einigen Fabriken 90 Tage). Bei letzterem konnte allerdings eine Reihe
von Meinungsverschiedenheiten bereits in den ersten Tagen des Streiks
beigelegt werden. Bei der "Westinghouse Electric Corporation" traten
54 000 Mitglieder der "Internationalen Gewerkschaft der Elektro-,
Radio- und Maschinenmechaniker" und der unabhängigen Gewerkschaft
der Elektroarbeiter in den Ausstand. Dieser Streik, der am 17. Oktober 1955 begann und bis Jahresschluß noch nicht beendet war, erfaßte
insgesamt 70 000 Arbeitskräfte. Die Durchschnittsdauer der Großstreiks,
die im Verlauf des Jahres 1955 beigelegt werden konnten, betrug 23,2
Kalendertage. An diesen Streiks, die den Verlust von 12,3 Millionen
Arbeitstagen verursachten, beteiligten sich 1,2 Millionen Lohn- und
Gehaltsempfänger; damit entfallen auf sie zwei Fünftel der Gesamtzahl der Streikenden und der verlorenen Arbeitstage des Jahres 1955.

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�Die wichtigsten Streitfragen
Auseinandersetzungen um Löhne und Sozialleistungen waren 1955
wie in allen bisherigen Nachkriegsjähren die Ursache für den größten Teil der Arbeitsniederlegungen; auf sie entfallen rund die Hälfte
aller Arbeitseinstellungen, mehr als zwei Drittel aller Streikenden
und zwei Drittel der Arbeitszeiteinbußen. Zusammen mit Streitigkeiten
um die Vertretungsbefugnisse der Gewerkschaften waren sie die Ursache
von weiteren 16$ des Arbeitszeitverlustes, während auf Streitfragen
um das Vertretungsrecht allein 10$ des Arbeitszeitverlustes entfallen.
Bei 18 von insgesamt 26 Großstreiks ging es ausschließlich um Löhne,
Arbeitszeit und Sozialleistungen. In zwei weiteren Fällen waren diese
Streitfragen noch mit Auseinandersetzungen um das Vertretungsrecht
gekoppelt, während das Vertretungsrecht allein (insbesondere die Stärkung der Position der Gewerkschaften bei Kollektivverhandlungen) das
auslösende Moment zweier solcher Streiks bildete.
Die meisten Streiks, die aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus
geführt wurden, drehten sich um Lohnfragen. Zusätzliche Sozialleistungen standen oft gleichfalls im Mittelpunkt und waren in einigen Fällen
sogar die Hauptursache für die Auseinandersetzungen. So wurde beispielsweise der 58 Tage lange Streik bei der "Louisville and Nashville Railroad" durch Meinungsverschiedenheiten ausgelöst, die sich
im Zusammenhang mit der betrieblichen Krankenversicherung und anderen Sozialleistungen ergeben hatten. Sechs Tarifverträge, die im
Anschluß an Großstreiks abgeschlossen worden sind, brachten die
Einrichtung einer zusätzlichen, betrieblichen Arbeitslosenhilfe,
ohne daß es über diese Frage zu ernsthaften Auseinandersetzungen gekommen wäre. Die meisten sogenannten wirtschaftlichen Streiks wurden
um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen geführt; nur bei einer kleinen Anzahl von Streiks, so beim Ausstand der Textilarbeiter in Neuengland, waren beabsichtigte Kürzungen der Löhne und Sozialleistungen
das auslösende Moment.
Um das Vertretungsrecht der Gewerkschaften
Das Vertretungsrecht beziehungsweise die Position der Gewerkschaften in Tarifverhandlungen (und umgekehrt die Rechte der Betriebsführung) stand bei zwei der Großstreiks dieses Jahres im Mittelpunkt, nämlich in dem Streik bei der "Bell Telephone and Telegraph Co." und der "Westinghouse Electric Corporation". Auf sie entfallen rund 18$ des gesamten Arbeitszeitverlustes durch Streiks in
diesem Jahr. Der langwierige und schwer überschaubare Streik bei
Westinghouse entwickelte sich aus den Meinungsverschiedenheiten über
die Wiederaufnahme der Kollektiv-Verhandlungen nach Beginn der zweiten
Hälfte der Laufzeit des Vertrages, der bis Oktober 1956 gelten sollte.
Gegenstand der Auseinandersetzungen waren die Laufzeit des Vertrages,
der Umfang der Lohnsteigerungen, die von der Gesellschaft geplanten
Zeitstudien (einschließlich der Methoden, die bei der Milderung von
Härten anzuwenden seien, die sich aus den Folgen der genannten Untersuchungen ergeben könnten) und eine Änderung im Verfahren der Lohnauszahlung. Bereits im August und September war es über der Frage
der Zeitstudien zu einem Streik gekommen. Er wurde durch eine Vereinbarung zwischen der Betriebsleitung und der Gewerkschaft beigelegt,
derzufolge die Frage der Zeitstudien im Rahmen späterer Verhandlungen
auf Landesebene behandelt werden sollte. Je länger sich die Arbeitsniederlegung in den Westinghouse-Betrieben im ganzen Land hinzog, und

- 6-

�sie zog sich bis ins Jahr 1956, umso schwieriger wurde es, diese
Meinungsverschiedenheiten beizulegen und die Frage nach der Behandlung jener Streikenden zu lösen, die unter der Beschuldigung gewaltsamer Handlungen entlassen worden waren.
Die viertägige Arbeitsniederlegung bei der "Caterpillar Tractor
Co." im August 1955 wurde durch Lohnstreitigkeiten und Fragen des
Union Shop ausgelöst - jene Form der Bindung eines Betriebs an die
Gewerkschaft, die nur die Beschäftigung organisierter Arbeiter zuläßt. In einer Reihe kleinerer, dafür aber relativ länger und gelegentlich mit besonderer Erbitterung geführter Streiks kam nur
unter großen Anstrengungen eine Einigung über die Anerkennung der
Gewerkschaft oder über die Frage des Union Shop zustande; auch hier
spielten in einigen Fällen Lohnforderungen mit eine Rolle. Die Anerkennung der Vertretungsbefugnis der Gewerkschaft war der wichtigste
strittige Punkt in dem ein Jahr währenden Streik bei der "Buffalo
Arms Corporation" in Akron (N.Y.), der im Juni 1955 zu Ende ging,
und im 32tägigen Streik im Werk St. Joseph (Michigan) der "Whirlpool Corporation". Um die gleiche Frage ging es auch in dem Hotelstreik in Miami, der im April begann und sich bis ins Jahr 1956
hinzog, desgleichen bei dem 76 Tage dauernden Streik der "Berne
Hat Co.", einer Hutfabrik in Baltimore (Maryland), der mit dem
Konkurs der Firma endete.
Der Streit um den Union Shop bildete im Falle des 129 Tage
langen erbitterten Streiks der Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft in den Werken der "Perfect Circle Corporation" in
Indiana das größte Hindernis für eine Einigung; auch hier standen
Lohnfragen mit zur Debatte. Auch der 127 Tage dauernde Streik bei
der "W. T. Smith Lumber Co." in Alabama und die 22tägige Arbeitsniederlegung bei der "New York Air Brake Co." in Watertown (N.Y.)
hatten ihre Ursache in Auseinandersetzungen um die Frage des
Union Shop.
Fragen der Sicherheit am Arbeitsplatz, Arbeitsbedingungen,
Personalpolitik und Überforderung der Arbeiter sowie Proteste gegen
richterliche Verfügungen oder Verwaltungsmaßnahmen staatlicher Stellen
haben im Verlauf des Jahres 1955 in etwas geringerem Maße als in vorausgegangenen Jahren Anlaß zu Streiks gegeben. Auf sie entfallen etwa ein
Fünftel aller Streiks und Streikenden, dagegen nur ein Zehntel aller
durch Streiks verlorenen Arbeitsstunden. Sie lösten vier Großstreiks
mit über 10 000 beteiligten Arbeitern aus, von denen aber nur 2 einen
ganzen Tag dauerten; bei dem einen, bei der "Chrysler Corporation"
in Detroit im April 1955 ging es um die Entlassung eines Mitarbeiters,
und im Falle des Streiks der Schauerleute an der Westküste war der
Prozeß gegen"Harry Bridges" der Anlaß. Die beiden anderen Großstreiks
dauerten je 8 Tage; der eine Streik erfolgte als Protest gegen Maßnahmen der Hafenkommission der Staaten New York und New Jersey und
der andere betraf das Werk der "Westinghouse Electric Corporation"
in East Pittsburgh.
Inner- und zwischengewerkschaftliche Streitigkeiten (die sich
auf Rivalitäten der Gewerkschaften untereinander, Auseinandersetzungen
über Fragen der Zuständigkeit und Sympathie-Streiks erstreckten) entsprachen der üblichen Praxis und machten nur einen relativ geringen
Prozentsatz aller Streiks im Berichtszeitraum aus. Auf sie entfallen
I/o der Gesamtzahl der Streiks und "\/ö des Arbeitszeitverlustes. Diese
Zahlen decken sich im wesentlichen mit denen des Jahres 1954.

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�Wo wurde gestreikt?
Die Streikentwicklung im Jahre 1955 war insofern etwas ungewöhnlich,
als zwei der längsten und größten Streiks im Süden des Landes
zu verzeichnen waren. Die langwierigen Arbeitsniederlegungen bei der
"Louisville and Nashville Railroad" und der "Southern Bell Telephone"
zu Beginn des Jahres ließen die Zahl verlorener Arbeitsstunden in den
meisten Südost-Staaten relativ hoch ansteigen, wobei Georgia und
Tennessee die größten Arbeitszeitverluste seit 1946 meldeten.
Die Arbeitszeitverluste in Florida erreichten auf Grund des
Telephon-Streiks und de langwährenden Arbeitsniederlegungen im
Hotelgewerbe in Miami und in den Phosphatgruben einen absoluten
Höchststand. Auf diese 3 Streiks entfallen vier Fünftel des gesamten
Arbeitszeitverlustes von 885 000 Arbeitstagen im Staat Florida.
Auch im Staat Maine erreichten die Arbeitszeitverluste infolge
des Textilarbeiterstreiks eine Rekordhöhe. Desgleichen hat der Streik
in der NE-Metallindustrie ein Ansteigen der Zahl der verlorenen Arbeitstage im Staat Nevada auf einen bisherigen Höchststand bewirkt und auch
in Arizona dazu geführt, daß diese Zahl im Berichtszeitraum höher lag
als in den vorausgegangenen Jahren.
Auch in diesem Jahr entfällt der größte Anteil an den Arbeitszeitverlusten auf die hochindustrialisierten Staaten. Pennsylvanien stand
1955 ebenso wie schon 1954 in dieser Hinsicht an der Spitze, entfielen
doch 11,9$ sämtlicher durch Streiks verlorenen Arbeitsstunden auf diesen Staat. Bemerkenswert dabei ist, daß über die Hälfte des in diesem
Staat eingetretenen Arbeitszeitverlustes dem eintägigen Streik in der
Rohstahlindustrie und den 3 Streiks in den Werken der "Westinghouse
Electric Corporation" zuzuschreiben sind. In Ohio entfällt mehr als
die Hälfte der Arbeitszeiteinbuße auf 10 Streiks, in denen jeweils
mehr als 50 000 Arbeitstage verlorengingen. Ohio rangierte mit einem
Anteil von S,1c/&gt; am Gesamtarbeitszeitverlust unmittelbar hinter Pennsylvanien.
In welchen Industrien wurde gestreikt?
Die allgemeine Zunahme der Streiktätigkeit erstreckte sich auf
fast sämtliche Industriezweige. Das Baugewerbe stellte hinsichtlich
des allgemeinen Trends die bemerkenswerteste Ausnahme dar. Aber auch
in der Holz- und Gummiindustrie sowie im Handel gingen 1955 weniger
Arbeitsstunden durch Streiks verloren als 1954. Die Zahl der Streiks
und der verlorenen Arbeitsstunden stieg in den Fertigungsindustrien
um etwa 4O/0; in den übrigen Industrien lag die Zahl der Streiks
um &amp;fo und die der Arbeitszeitverluste um b^&gt; höher als im vorausgegangenen Jahr.
Im Baugewerbe sind der Rückgang der Zahl der streikenden Arbeiter
und die niedrigeren Arbeitszeitverluste darauf zurückzuführen, daß es
gegenüber den Vorjahren zu weniger Großstreiks kam. Im Jahr 1955 waren
nur 2 größere Streiks mit insgesamt 28 000 beteiligten Arbeitern zu
verzeichnen gegenüber 7 Streiks mit 141 000 Streikenden im Vorjahr.
Der Arbeitszeitverlust in den Sägemühlen und holzverarbeitenden
Betrieben wies im Jahr 1955 den geringsten Stand in der Nachkriegszeit auf. Auch im Handel waren die Arbeitszeitverluste durch Streiks

- 8 -

�wesentlich niedriger als 1954, zur Zeit der Streiks der Warenhausangestellten in Pittsburgh. Trotz der Zunahme der Streiks in der
gummiverarheitenden Industrie war hier ein Rückgang der Zahl der
verlorenen Arbeitstage zu verzeichnen. Lediglich in einem einzigen
Fall hatten mehr als 10 000 Lohn- und Gehaltsempfänger die Arbeit
niedergelegt, und zwar im Streik bei den "US Rubber Co:'. Diese Tatsache erklärt ein Absinken der Arbeitszeitverluste auf weniger als
ein Drittel des Standes von 1954, als zwei relativ lange Großstreika
die Zahl der verlorenen Arbeitsstunden auf den höchsten Stand in den
letzten Jahren hatten ansteigen lassen.
In zwei Zweigen der Fertigungsindustrien kurzlebiger Verbrauchsgüter, in der Textilindustrie sowie in der Leder- und Lederverarbeitungsindustrie, nahm der Arbeitsausfall gegenüber 1954 insbesondere
auf Grund des Textilstreiks in den Heuenglandstaaten und des 26tägigen
Streiks von 23 000 Arbeitern und Angestellten der "International Shoe
Co." und der "Brown Shoe Co." erheblich zu. Auf den letztgenannten
Streik, der mit einer Vereinbarung über die erste allgemeine Lohnerhöhung bei diesen Firmen seit 1952 endete, entfällt etwa die Hälfte
des Arbeitszeitverlustes, der in der Leder- und lederverarbeitenden
Industrie im Jahr 1955 zu verzeichnen war.
Eine unverhältnismäßig starke Zunahme der Streiktätigkeit in
der chemischen Industrie ließ den Arbeitszeitverlust in dieser Branche
auf nahezu das Vierfache der Höhe des Jahres 1954 steigen, ohne daß
Jedoch der bisherige Höchststand der Nachkriegs jähre erreicht wurde.
Etwa 60$ der Arbeitsausfälle sind dabei auf acht Lohnstreiks zurückzuführen .
Auf die drei Streiks bei der "Westinghouse Electric Corporation"
entfällt der größte Anteil an der Zunahme der Streikenden und des
Arbeitsverlustes im elektrischen Apparatebau, der im Berichtszeitraum den höchsten Stand seit 1946 erreichte. Die Auseinandersetzungen bei Westinghouse sind im Verein mit den drei Großstreiks in
der Landwirtschaftsmaschinenindustrie auch für das Ansteigen der
Streiktätigkeit in der Maschinenindustrie verantwortlich. In den
Gesamtzahlen für die letztgenannte Industrie sind auch die Streiks
in den Werken der "Ex-Cell-o Corporation" in Ohio und Michigan,
bei der "Maytag Co." in Iowa und der "Avco Manufacturing Co." in
Indiana enthalten, an denen relativ wenig Arbeiter teilnahmen, die
sich dafür aber ziemlich lange hinzogen. Einige Großstreiks, zu denen
es im Verlauf von TarifVerhandlungen gekommen war, führten dazu, daß
die Zahl der Streikenden in der Transportausrüstungsindustrie auf
rund das Vierfache der Vergleichszahl vom Jahre 1954 stieg. In ähnlicher Weise brachte die kurze Arbeitseinstellung im Zusammenhang
mit den auf Landesebene geführten Tarifverhandlungen in der Rohstahlindustrie sowie ein Streik bei der "Tennessee Coal und Iron Co.",
der durch Forderungen der Eisenbahnangestellten dieser Firma aus
dem Tarifvertrag ausgelöst wurde, die Gesamtzahl der Streikteilnehmer in der Rohmetallindustrie auf einen höheren Stand als 1954,
ohne daß jedoch der Höchststand vom Jahr 1952 erreicht wurde.
Im Apparate- und Instrumentenbau entfällt mehr als die Hälfte
der Gesamtzahl der Streikenden und des Verlustes an Arbeitsstunden
auf zwei Streiks: den fünf Wochen langen Streik bei "Sperry Gyroscope
Co." und den 92 Tage währenden Streik von 3000 Mitarbeitern der

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�Arma Division der "American Bosch Corporation". Der Verlust an
Arbeitsstunden war in diesem Industriezweig höher als in den übrigen
der Nachkriegszeit.
Im Transportgewerbe, im Fernmeldewesen und in den öffentlichen
Versorgungsbetrieben hat sich gegenüber dem Jahr 1954 kaum etwas
verändert. Allerdings entfallen sieben der Großstreiks des Jahres 1955
auf diesen Wirtschaftssektor,wobei der Arbeitszeitverlust mit 0,47$
der Gesamtzahl der in diesen Betrieben geleisteten Arbeitsstunden
den höchsten Stand seit 1947 erreichte. Die zwei längsten und in
der Öffentlichkeit meist beachteten Streiks in diesem Sektor waren
der bei der "Southern Bell Telephone and Telegraph Co." und bei der
"Loui3ville and Nashville Railroad Co.". Im Straßentransportgewerbe
kam es zu zwei großen Streiks; der eine erstreckte sich über Neuengland und andere östliche Staaten und dauerte 44 Tage, der andere
betraf 12 Staaten des Westens und dauerte 24 Tage. Beide führten zum
Abschluß langfristiger Tarifverträge, mit denen Lohnunterschiede
innerhalb der betreffenden Gebiete ausgeglichen, die Arbeitszeit
herabgesetzt und die Löhne und Sozialleistungen erhöht wurden. Mitglieder dreier Telephonarbeitergewerkschaften bestreikten die "Pacific
Telephone and Telegraph Corporation" etwa zwei Wochen lang. Bei zwei
weiteren Streiks an der Ost- beziehungsweise Westküste legten über
10 000 Hafenarbeiter die Arbeit nieder.
Im Bergbau nahm die Zahl der Streiks, der davon betroffenen
Arbeiter und der verlorenen Arbeitsstunden gegenüber 1954 ebenfalls
zu, wobei die Zahl der Streikenden die relativ geringste Zunahme
aufwies. Im Vergleich zu den meisten Nachkriegsjähren war die
Streiktätigkeit im Kohlenbergbau gering, wobei allerdings die Zahl
der Arbeitsniederlegungen im Bitumenbergbau etwas höher lag als 1954«
Im Erzbergbau kam es 1955 zu einer größeren Zahl von Auseinandersetzungen und, bedingt durch drei Großstreiks im NE-Erzbergbau sowie
weitere drei kleinere langwierige Streiks, zu erhöhten Arbeitszeiteinbußen. Ein Streik von 1700 Arbeitern und Angestellten der Kupferminen in Michigan dauerte 112 Tage und zog sich von Mai bis in den
August hinein. Sechzehn Gesellschaften im Coeur d1Alene-Gebiet in
Idaho wurden 161 Tage lang bestreikt. Einige hundert Bergleute einer
Zinkgesellschaft in New Jersey stellten am 22. August 1955 die Arbeit
ein und setzten ihren Streik bis in das Jahr 1956 hinein fort. Ein
122 Tage währender Streik in den Phosphatgruben in Florida bewirkte
einen Anstieg der Zahl der verlorenen Arbeitsstunden im NE-Bergbau
über das Maß von 1954 hinaus.
Im Dienstleistungsgewerbe verfünffachte sich die Zahl der verlorenen Arbeitsstunden in erster Linie in Auswirkung des Hotelstreiks
in Miami.
Welche Gewerkschaften streikten?
Etwas mehr als die Hälfte aller Streiks wurde von Mitgliedgewerkschaften der "American Federation of Labor" (AFL) geführt;
der Anteil der AFL-Mitglieder an den Streikenden lag bei 23$ und
am Arbeitsausfall bei rund 34$. Etwa ein Viertel dieser Streiks
entfallen auf das Baugewerbe. Mitgliedgewerkschaften des "Congress
of Industrial Organization" (CIO) bestritten fast ein Drittel sämtlicher Streiks im Berichtsjahr, wobei drei Fünftel der Streikenden
und zwei Fünftel des Arbeitszeitverlustes auf ihre Mitglieder entfallen.
Der Schwerpunkt der Streiktätigkeit der unabhängigen Gewerkschaften lag wie in früheren Jahren im Bitumenkohlenbergbau, wo
- 10 -

�ea zu kurzen und örtlich begrenzten Arbeitsniederlegungen durch ihre
Mitglieder kam. Zusammengerechnet entfiel auf die unabhängigen Gewerkschaften ein geringer Anteil an der Gesamtzahl der streikenden Arbeiter und verlorengegangenen Arbeitsstunden als in den meisten Nachkriegsjahren.
Bei den Großstreiks beläuft sich der Anteil der Mitgliedgewerkschaften der AFL und CIO auf $Ofi aller streikenden und der
verlorengegangenen Arbeitszeit. Unabhängige Gewerkschaften beteiligten sich oftmals an Streiks von Mitgliedgewerkschaften der
AFL oder CIO, während die beiden Hafenarbeiterstreiks von einer unabhängigen Gewerkschaft allein geführt wurden. In dem langwierigen
Streik bei Westinghouse wurden etwa 15/° der Streikenden von der
unabhängigen Elektroarbeitergewerkschaft vertreten.

Quelle: "Monthley Labor Review"
Vol. 79 Nr. 5

Rocco C. Siciliano, Unterstaatssekretär im US-Arbeitsministerium:
Facharbeiter für ein neues Industriezeitalter
Ein neues Industriezeitalter steht vor der Tür. Wissenschaftler
und Techniker entwickeln neue und aufsehenerregende Geräte und Maschinen und die Industrie entfaltet sich nach allen Richtungen hin.
Im Zuge dieser Entwicklung tauchen große neue Probleme für die Menschheit auf. Eines unter ihnen, die Ausbildung und Schulung von Fachkräften für diese neue industrielle Welt, möchte ich hier im folgenden erörtern.
In den Vereinigten Staaten, deren Geschichte so viele umwälzende
Veränderungen des wirtschaftlichen und technischen Lebens aufweist,
ist man bemüht, sich rechtzeitig auf die neue Entwicklung einzustelllen.
Den Erziehern, die den Nachwuchs an Fachkräften heranbilden sollen,
erwachsen hieraus besondere Aufgaben. Denn wir müssen uns darüber
klar sein, daß Forschung, Technik und fachliches Können nicht nur
für den weiteren Fortschritt, sondern für den Forthestand unserer
Kultur und Gesellschaft überhaupt von größter Bedeutung sind.
Die rasche technische Entwicklung dürfte aller Voraussicht nach
die Entstehung neuer Industrien begünstigen. Heute bereits befassen
sich über 1000 Firmen in den USA mit der Fabrikation automatischer
Kontrollgeräte. Noch größere Erwartungen darf man aber vielleicht
hinsichtlich des Entstehend zahlreicher bisher unbekannter Sparten
im Dienstleistungsgewerbe hegen. Der Aufschwung der Automobilindustrie löste die Nachfrage nach Hunderttausenden von Auto-Schlossern,
Tankwarten und Autoverkäufern aus. Die Verbreitung von Rundfunk und
Fernsehen führten zum Entstehen des Radiohandels und -reparaturgewerbes. Und so darf man wohl mit Recht annehmen, daß weitere technische Neuerungen ähnliche Auswirkungen zeitigen werden.
Im allgemeinen wurden technische Veränderungen in den Vereinigten
Staaten stets freudig begrüßt; denn wir wissen, daß eine größere Produktivität uns allen mehr und bessere Güter, höhere Einkommen und
damit einen höheren Lebensstandard bringt. Andererseits aber können
technische Neuerungen auch ernste wirtschaftliche und soziale Probleme
auf werfen. '.Vie wir aus Erfahrung wissen, führt die Aufstellung arbeitszeitsparender Maschinen oftmals zur Entlassung von Arbeitskräften. Es
- 11

�ist ganz natürlich, daß Veränderungen wie die Einführung neuer
Arbeitsverfahren, neuer Werkzeuge, Apparate, Rohstoffe und neuer
Produkte ihre entsprechenden Auswirkungen auf eine ganze Reihe
von Berufen haben. Die ümorganisierung des Betriebes, die dem einen
neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnet, mag für den anderen den Verlust
des Arbeitsplatzes bedeuten, da sein Können und seine Fähigkeiten
plötzlich nicht mehr gefragt sind. In einer freien Wirtschaft sind
derartige Verluste der unumgängliche Preis des Fortschritts. Andererseits sollten wir alles tun, um die nachteiligen Auswirkungen
für den einzelnen so weit wie möglich einzuschränken.
Zum Glück sind sich heute Betriebsführer, Gewerkschaftler
und Regierung darüber klar, daß bei allen technischen Neuerungen
nicht nur die finanzielle und technische Seite sondern auch die
menschlichen Aspekte in Betracht zu ziehen sind. Ist das Verhältnis
zwischen den Sozialpartnern gut, so wird man sich bemühen, die ungünstigen Auswirkungen auf die Arbeiterschaft möglichst im voraus.zu
erkennen und durch sorgfältige Planung und Einteilung den Verlust
von Arbeitsplätzen auf ein Mindestmaß herabzudrücken«
Es hat übrigens ganz den Anschein, als ob es sehr viel schwieriger sein wird, die für Bau, Pflege und Bedienung der neuen technischen Ausrüstungen erforderlichen Fachkräfte zu stellen als die
Arbeitskräfte wieder unterzubringen, die durch die neue Entwicklung
von ihrem Arbeitsplatz verdrängt werden. Im neuen Industriezeitalter
werden wir mit ziemlicher Sicherheit höher qualifizierte Arbeitskräfte benötigen. Präsident Eisenhower hat erst kürzlich aus führenden Bürgern des Landes einen Ausschuß zur Förderung wissenschaftlichen
und technischen Nachwuchses gebildet, der sich um die Heranbildung
der hochqualifizierten technischen Facharbeiter kümmern soll. Dieses
Problem besteht nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern in
allen Ländern.
Die Automatisierung, bei der elektronische Geräte, die Programmierung, die Instrumentierung und andere Präzisionsarbeiten
eine bedeutsame Rolle spielen, dürfte zwangsläufig viele neue
Arbeitsplätze, vor allem für Techniker, schaffen. Diese Spezialisten,
die gleich nach den Wissenschaftlern und Ingenieuren rangieren, sollen
die Routinearbeiten übernehmen, so daß erstere sich auf die schöpferische Arbeit konzentrieren können. Da Techniker eine geringere Ausbildung als Wissenschaftler oder Ingenieure benötigen, lassen sie
sich rascher und in größerer Zahl heranbilden. Für Facharbeiter besteht kaum die Gefahr, daß sie durch die fortschreitende Automatisierung brotlos werden. Manche Anzeichen deuten darauf hin, daß die
Betriebe, die sich auf Automatisierung umstellen, sogar mehr Facharbeiter bereits vorhandener Sparten benötigen als bisher. So war
zum Beispiel ein großes Motorenwerk, das heute komplette Motorblöcke
in vollautomatischer Produktion herstellt, nicht in der Lage, die
nötige Anzahl gelernter Arbeitskräfte zur Erstellung und Pflege der
erforderlichen neuen Ausrüstungen zu bekommen. Die Firma sah sich
deshalb gezwungen, ihr Lehrlingsausbildungsprogramm entsprechend
auszubauen. Es scheint also möglich, daß die Nachfrage nach Elektrikern, Einrichtern, Werkzeugmachern, Maschinenschlossern und vielen
anderen Facharbeitern nicht nur proportional zur allgemeinen Zunahme
der Beschäftigungsziffer, sondern sogar darüber hinaus ansteigen wird.
Das bedeutet, daß die Lehrlingsausbildung und die Berufsförderung
der Gesellen in verstärktem Maße weiterbetrieben werden müssen.

- 12 -

�Außerdem müssen wir die möglichen indirekten Auswirkungen der
Automatisierung auf die Anforderungen an das fachliche Können der
Arbeiterschaft berücksichtigen. Mit steigender Produktivität pflegt
auch das Einkommen je Kopf der Bevölkerung zu steigen und dies wiederum führt zu einer verstärkten Nachfrage nach Gütern des gehobenen
Bedarfs, die meist nur von verhältnismäßig hochqualifizierten Fachkräften hergestellt werden können. Somit wird auch als indirekte
Auswirkung einer steigenden industriellen Produktivität der Bedarf
an Facharbeitern weiter steigen.
Die Verantwortung für die Ausbildung und eventuelle Umschulung
der Arbeitskräfte liegt in erster Linie bei den Firmen selbst. Denn
nur sie können beurteilen, woran es fehlt. Die für den Bau, die Bedienung und die Wertung der neuen Ausrüstungen erforderlichen Arbeitskräfte sind nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden.
Die Kosten für die Ausbildung dieser hochqualifizierten Arbeitskräfte werden aber durch die vermindertai Herstellungskosten im vollautomatischen Betrieb voll aufgewogen. Wesentlich dabei ist vor
allem, den künftigen Bedarf an Arbeitskräften richtig abzuschätzen
und mit ihrer Ausbildung bereits vor Installierung der neuen Ausrüstung zu beginnen. Für die Unternehmer dürfte es sich empfehlen,
die hierbei gewonnenen Erfahrungen untereinander auszutauschen.
Die Schulen und Colleges sollten heute schon ihre Lehrpläne
auf diese künftigen Entwicklungen abstimmen und Lehrgänge einrichten, die auf die neue Art der Lehrlings- und Gesellenausbildung
hinführen. Mathematik, Physik und Chemie sind in den Vordergrund
zu stellen und die hierfür begabten Schüler müssen besonders gefördert werden. Auch die Berufsberatung muß ausgebaut und verbessert
werden, um sicherzustellen, daß junge Menschen eine ihren Fähigkeiten
entsprechende Ausbildung und Stellung erhalten.
Das US-Arbeitsministerium ist an den Auswirkungen der Automatisierung auf die Gesamtwirtschaft des Landes und das Wohl der
Arbeiterschaft außerordentlich interessiert. So werden gegenwärtig
von dem ihm unterstehenden Bundesamt für Arbeitsstatistik eine
Reihe von Untersuchungen in Betrieben durchgeführt, die in irgendeiner Form bereits die Automatisierung eingeführt haben. Auf diese
Weise soll möglichst viel Material über die mit der Planung, Einrichtung und Bedienung der neuen Geräte verbundenen Umstände zusammengetragen werden. Aus zwei bereits abgeschlossenen Untersuchungen
geht hervor, daß durch sorgfältige Planung und echte Sorge um das
Wohl der Arbeitnehmer die gefürchteten nachteiligen Folgen, insbesondere größere Entlassungen, vermieden werden konnten.
Die bisherigen Erfahrungen zeigen deutlich, daß neben einer
sorgfältigen Planung eine langfristige Ausbildungs- und Schulungsarbeit dem Übergang zum automatischen Betrieb vorangehen muß. Unter
Berücksichtigung dieser Erkenntnis hat der Bundesausschuß für das
Lehrlingswesen in Zusammenarbeit mit den zuständigen staatlichen
Stellen folgende Richtlinien und Unterlagen für erfolgversprechende
Schulungsprogramme zusammengestellt:
1. Das Mindestalter für Lehrlinge sollte mindestens 16 Jahre
betragen.
2. Eine Zusammenstellung der Arbeitsverfahren, in die der
Lehrling unmittelbar am Arbeitsplatz eingeführt werden soll.

- 13 -

�3. Regelmäßiger Unterricht in jenen technischen Fächern, die
mit der Arbeit des Lehrlings in Zusammenhang stehen. Die
Mindestzahl der Unterrichtsstunden im Jahr wird mit 144
angegeben.
4. Eine progressiv ansteigende Lohntabelle.
5. Sachgemäße Überwachung der Ausbildung am Arbeitsplatz sowie
Bereitstellung der zur Schulung von Lehrlingen geeigneten
Einrichtungen.
6. Regelmäßige Überwachung der von den Lehrlingen sowohl auf
praktischem als auch auf theoretischem Gebiet erzielten
Fortschritte und Führung von Beurteilungsbogen.
7. Pflege der Zusammenarbeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer .
8. Anerkennung und Würdigung der erfolgreich abgeschlossenen
Lehre.

Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Pensionserhöhungen für US-Eisenbahner
Präsident Eisenhower unterzeichnete kürzlich ein Gesetz, das
eine zehnprozentige Pensionserhöhung an aus dem Dienst ausgeschiedene Bahnarbeiter vorsieht. Das Gesetz tritt rückwirkend mit dem
1. Juli 1956 in Kraft.
Eisenhower sagte bei der Unterzeichnung der Gesetzesvorlage,
er sei davon überzeugt, daß der US-Senatsausschuß für Arbeit und
öffentliche Wohlfahrt sowie die Eisenbahnergewerkschaften in der
nächsten Sitzungsperiode des US-Kongresses zufriedenstellende Vorschläge zur Deckung der durch die zehnprozentige Erhöhung der Ruhestandsgelder entstehenden Mehrausgaben machen würden.
Das BundesSozialprogramm für Bahnarbeiter und deren Familien,
das durch das Ruhestandsgesetz der Eisenbahner ermöglicht wurde,
unterscheidet sich von dem allgemeinen und obligatorischen Bundessozialprogramm dadurch, daß seine Beiträge urtd Leistungen entschieden höher liegen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen zum Beispiel
je 6,25?o Beitrag auf Einkommen bis zu 350 Dollar pro Monat, während
der Beitrag für das obligatorische Bundessozialprogramm je 2$ von
der Lohnsumme ausmacht.
Bereits jetzt weist das Ruhestandsgeldsystem der Eisenbahner ein
Defizit auf, und man erwartet, daß die durch das neue Gesetz zusätzlich entstehenden Kosten noch einmal 83 Mio. Dollar pro Jahr betragen
und das Gesamtdefizit auf 169 Mio. Dollar pro Jahr steigern werden.
Die Höchstzahlungen auf Grund des neuen Gesetzes kommen insgesamt
298 000 pensionierten Bahnarbeitern zugute, deren Monatsbezüge sich
damit von durchschnittlich 104,4 Dollar auf durchschnittlich 114,7
Dollar erhöhen. Witwen und sonstige Hinterbliebene, die bereits im
Rahmen der allgemeinen und obligatorischen Sozialgesetzgebung Unterstützung empfangen, bleiben von dieser Maßnahme ausgeschlossen.

- 14 -

�Arbeitsfriede im New Yorker Transportgewerbe für vier Jahre
sichergestellt
Der New Yorker Ortsverband der Transportarbeitergewerkschaft
stimmte mit einem Verhältnis von nahezu 2:1 für Gesamt-Lohnerhöhungen von 18,5 Cent pro Stunde. Man hofft, daß der Lohnvertrag, der
von den Beauftragten der 10 000 gewerkschaftlich organisierten Lastwagenfahrer und 1250 Arbeitgebern für einen Zeitraum
von vier Jahren ausgehandelt und unterzeichnet wurde, den Arbeitsfrieden im New Yorker Transportgewerbe für diese Zeit sicherstellt.
Bei der Wahl stimmten 1356 Stimmberechtigte für und 756 gegen den
am 1. September 1956 in Kraft tretenden Vierjahresvertrag.
Der Gesamtbetrag der Erhöhung-um 18,5 Cent pro Stunde setzt
sich aus folgenden Einzelposten zusammen: 9 Cent an direkter Lohnerhöhung, 5»5 Cent an Zuschüssen für einen Pensions- und 4 Cent für
einen ärztlichen Betreuungsplan. Im übrigen konnten bei den Vertragsverhandlungen auch für die Arbeitnehmer günstigere Senioritäts- und Urlaubsbedingungen erzielt werden.
Der jetzt eingeführte Tarif sieht Stundenlöhne von 1,97 bis
2,41 Dollar vor. Das bedeutet, daß ein Zugmaschinenfahrer auf Grund
der neuen Bedingungen mindestens 100 Dollar pro 40-Stunden-Woche
verdient und einen Anspruch auf Pensionszahlungen in Höhe von 100
Dollar pro Monat erwirbt.
Die neuen Abmachungen enthalten unter anderem auch einen Passus
wonach neue Lohnverhandlungen frühestens 1958 wieder aufgenommen
werden können.

Trend zu langfristigen Kollektivverträgen
In den Vereinigten Staaten ist mehr und mehr der Zug zur Unterzeichnung langfristiger Kollektivverträge wahrzunehmen, was sich
zugunsten beider Tarifpartner auswirken dürfte. Die Arbeitgeber
können langfristig planen und größere Projekte in Angriff nehmen,
und die Arbeitnehmer wissen ebenfalls, was ihnen in absehbarer Zeit
an Lohnerhöhungen und außerordentlichen Zulagen zasteht und können
auf diese Weise gleichfalls eine wirtschaftlichere Planung treiben.
Ein derartiger Kollektivvertrag, dessen Laufzeit drei Jahre beträgt, ist vor einigen Tagen wieder von der Unabhängigen Stahlarbeitergewerkschaft und der Weirton Company in West-Virginia abgeschlossen worden. Der Vertrag sieht unter anderem vor, daß die StundenLöhne sowohl für produktive als auch für unproduktive Arbeitskräfte
in den nächsten drei Jahren um je 10 Cent je Jahr angehoben werden.
Die Abmachungen wurden rückwirkend mit dem 1. Juli in Kraft gesetzt
und betreffen 11 000 Arbeiter.
Die Weirton Company, ein Stahlwerk, war von dem letzten Stahlstreik in den Vereinigten Staaten nicht betroffen. Das Unternehmen
ist überhaupt seit mehr als 23 Jahren sowohl von Streiks als auch
von Arbeitsniederlegungen infolge von Arbeitsstreitigkeiten verschont
geblieben.

- 15 -

�Gewerkschaftsverband AFL-CIO kein Monopol
Der Vorsitzende der Vereinigten Stahlarbeitergewerkschaft, David
McDonald, wies in einer Radioansprache den Gedanken als falsch zurück,
daß mit dem Zusammenschluß der beiden großen amerikanischen Gewerkschaften American Federation of Labor (AFL) und Congress of Industrial Organizations (CIO) ein Monopol geschaffen worden sei.
McDonald sprach über den von dem Ortsverband Chicago der AFL unterhaltenen Sender WCFL.
Der Vorsitzende der Stahlarbeitergewerkschaft erklärte bei
dieser Gelegenheit, daß es sich bei der AFL-CIO um eine Vereinigung
von 141 autonomen Gewerkschaften mit insgesamt 60 000 Ortsverbänden
handele. Die einzelnen Gewerkschaften würden frei von zentraler Weisung Kollektiwerhandlungen führen und Verträge abschließen, während
der Dachverband AFL-CIO weder Streiks ausrufen noch in die Maßnahmen
der angeschlossenen Gewerkschaften eingreifen könne.
Die AFL-CIO wolle dazu beitragen, sagte McDonald ferner, den
Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen neuen Auftrieb zu verleihen und
den Nöten und Wünschen der breiten Masse allgemeinverbindlichen Ausdruck zu geben. Die AFL-CIO sei nicht zuletzt eine Organisation mit
der Aufgabe, die Korruption zu bekämpfen und die Arbeitsstreitigkeiten auf friedliche Weise beizulegen.

Hohe Streikziffern im Juli
Die Zahl der im Ausstand befindlichen Arbeitskräfte war im
Juli 1956 rund dreimal so hoch wie im Juni 1956, und zwar in erster
Linie auf Grund des Stahlarbeiterstreika, geht aus einer Mitteilung
des US-Arbeitsministeriums hervor.
Der gleichen Quelle zufolge befanden sich in diesem Monat insgesamt 710 000 Arbeitnehmer im Streik gegenüber 235 000 im Juni und
776 000 im Vergleichsmonat des Vorjahres. Die höchste Anzahl Streikender in einem der Nachkriegs jähre wurde mit 866 000 im Jahr 1952
registriert.
Die Zahl der durch Streik verlorengegangenen Arbeitstage war
im Juli die höchste in allen Nachkriegsjähren. Sie betrug - ebenfalls
als Folge des Stahlstreiks - 13 600 000. Der bisher höchste Ausfall
an Arbeitstagen wurde im Jahre 1952 registriert, als ebenfalls ein
Stahlstreik stattfand.

- 16 17. SEP SS - 06 16«- 7.4 H

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiten in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
für Arbeitsinformationen
Amt
United States Information Service
Mehlem, Mehlemer Aue, Tel. 3457
Der Inhalt der „Arbeitsmittellungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 17

Mehlem, den 1.November 1956
INHALTSVERZEICHNIS

Kollektiwerhandlungswesen und Gewerkschaften

Seite

1

Arbeitshygiene im Zeitalter der Automatisierung

Seite

9

Seite

13

Die Unterstützungsleistungen eines Wohlfahrtsfonds ... Seite

15

Niedrigste Unfallrate im Juni

15

Versicherungsschutz und Versicherungsleistung
für die Eisenbahner

Seite

H. M. Douty, US-Bundesamt für Arbeitsstatistik:
Kollektivverhandlungswesen und Gewerkschaften
Zwischen Kollektivverhandlungen und dem Status der Lohn- und
Gehaltsempfänger innerhalb der Wirtschaft besteht ein enger Zusammenhang. Der amerikanische Publizist Bronsilaw Malinowski hat in
seinem Buch "Freedom and Civilization" (Freiheit und Kultur) die
Feststellung getroffen, daß die Entwicklung der Gesellschaft "nicht
durch irgendeine Gemeinschaft als Ganzes und auch nicht durch den
Einzelmenschen bestimmt wird, sondern durch kleinere organisierte
Gruppen, das heißt Institutionen, die so organisiert und festgefügt sind, daß sie die Gemeinschaft formen." Die Gewerkschaftsbewegung ist jene institutionelle Form, durch die Lohn- und Gehaltsempfänger versuchen, die ihnen in den einzelnen Firmen und Industriezweigen gebotenen Arbeitsbedingungen mitzubestimmen.
Die Gewerkschaften haben im Laufe ihrer Geschichte manchen
Wandel durchgemacht und unterscheiden sich heute in vieler Hinsicht
ganz wesentlich von den Arbeitnehmerverbänden, wie sie noch vor

1

�25 Jahren bestanden haben. Hier sei nur auf das gewaltige Anwachsen
der Kitgliederzahl und den damit verbundenen Machtzuwachs hingewiesen. Macht aber wirft unfehlbar die Frage nach ihrem Gebrauch auf.
Die grundlegenden Ideen, die die wichtigsten und stärksten Gruppen
innerhalb der Gewerkschaftsbewegung bestimmen, haben sich in den
letzten Jahrzehnten zum Teil wohl als Folge des MRChtzuwachses und
zum Teil auch bedingt durch die wirtschaftliche und politische Weiterentwicklung ganz beträchtlich gewandelt.
Stärke und Einfluß der Gewerkschaften
Es gibt im Grunde genommen keinen Maßstab, mit dem man die
wahre Stärke der Gewerkschaftsbewegung messen könnte; einen gewissen
Ansatzpunkt bietet der Mitgliederstand. Die Gesamtmitgliedszahl der
Gewerkschaften in USA stieg von 3»2 Millionen im Jahr 1929 auf
schätzungsweise 17 Millionen Anfang 1955» das heißt sie hat in den
letzten 25 Jahren um mehr als 500/" zugenommen. Im gleichen Zeitraum
erhöhte sich die Beschäftigtenzahl in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben von rund 31 auf 48,3 Millionen, das heißt um 56^» In diesen
Betrieben war im Jahre 1929 jeder zehnte und im Jahre 1954 jeder
dritte Arbeiter gewerkschaftlich organisiert.
Ein weiterer Hinweis auf die tatsächliche Stärke der Gewerkschaften läßt sich daraus gewinnen, inwieweit die Arbeiterschaft
in den Schlüsselsektoren der .Virtschaft gewerkschaftlich organisiert ist. Im Jahre 1929 gehörte mehr als die Hälfte aller Mitglieder zwei Industriezweigen an: Dem Baugewerbe und dem Transport- und Fernmeldewesen. In der letzteren Gruppe lag der Schwerpunkt bei den Eisenbahnen und im Güternahverkehr. In der Fertigungsindustrie stellten die Bekleidungsindustrie und das Druckereigewerbe
den größten Anteil an Gewerkschaftsmitgliedern. Im Bergbau waren
lediglich die Kumpels in den Kohlengruben in nennenswertem Maße
gewerkschaftlich organisiert. Hier ist der Gegensatz zwischen 1929
und 1955 besonders drastisch. 1955 standen die in der Produktion
beschäftigten Arbeiter in den wichtigen Zweigen der Fertigungsindustrien größtenteils innerhalb der Gewerkschaften,und auch in
den übrigen Industrien bestanden starke Gewerkschaftsorganisationen.
In den Angestelltenberufen halten sich' die Bürokräfte und festbezahlten Angehörigen akademischer Berufe weitgehend den Gewerkschaften fern. Auch in einigen Sektoren der Fertigungsindustrie, so beispielsweise in der baumwoll- und kunstfaserverarbeitenden Industrie
sowie vielfach im Einzelhandel, in der Finanzwirtschaft, in vielen
Zweigen des Dienstleistungsgewerbes und des öffentlichen Dienstes
waren die Gewerkschaften im Jahre 1955 noch relativ schwach.
Die Arbeiterbewegung stellt sowohl hinsichtlich ihrer absoluten
Mitgliederzahl als auch im Hinblick auf das Verhältnis der Zahl der
Gewerkschaftsmitglieder zu der Gesamtzahl der Arbeitskräfte in nichtlandwirtschaftlichen Betrieben und die Schwerpunktsbildung in den
wichtigsten Industriezweigen eine ganz bedeutsame Kraft im amerikanischen Wirtschaftsleben dar. Der Einfluß der Gewerkschaften - sei
es am Verhandlungstisch, bei der Schlichtung von Arbeitsstreitigkeiten,
bei der Organisierung von Streiks und auch am Arbeitsplatz selbst wirkt sich auf die Arbeitsbedingungen von Millionen von Lohn- und
Gehaltsempfängern in vielen Wirtschaftssektoren aus. Dieser Einfluß
erstreckt sich indirekt weit über das eigentliche Tätigkeitsgebiet
der Gewerkschaften und den Verhandlungsbereich bei Auseinandersetzungen zwischen den Sozialpartnern hinaus.

- 2

�Betriebsführunp und Gewerkschaft
Bei der Führung eines Unternehmens tauchen ganz zwangsläufig
immer wieder neue Probleme nuf, für die es Lösungen zu finden gilt.
Dabei werden, grob gesagt, zwei Arten von Entscheidungen zu treffen sein: Erstens: Entscheidungen bezüglich der generellen Führung
des Unternehmens, so beispielsweise Fragen der Kapitalbeschaffung,
der Lohnpolitik und der Preisgestaltung; und zweitens: Entscheidungen mehr oder weniger administrativen Charakters, wie sie die
tägliche Arbeit des Betriebes mit sich bringt. In Firmen aller
Größenordnungen verteilen sich diese Entscheidungen fast immer und es kann gar nicht anders sein - auf eine ganze Reihe von leitenden Angestellten.
Zweck jedes Wirtschaftsuntemehmcns ist es, Waren oder Dienstleistungen zu produzieren, die die Verbraucher zu kaufen wünschen.
Der Preis muß debei so gehalten sein, daß er einmal die Kosten
deckt und zum anderen einen normalen Ertrag sicherstellt. Alle
Entscheidungen der Betriebsführung müssen auf diese Forderungen
abgestellt sein, da sonst die wirtschaftliche Existenz des Betriebes gefährdet wird. Diese Entscheidungen erstrecken sich aber
auch auf eine Menge von Angelegenheiten, die die Arbeiterschaft
des betreffenden Betriebes unmittelbar mitbetreffen, so beispielsweise auf Löhne, Arbeitszeit, Gestaltung des Arbeitsplatzes, Betriebssicherheit, technische Neuerungen und Personalpolitik. Gerade
die Personalpolitik einer Firma und ihre Handhabung sind für das
persönliche Wohlergehen des Arbeiters und auch für seine Leistungen
im Betrieb von entscheidender Bedeutung.
Die grundlegende Aufgabe der Gewerkschaften ist es nun, als
Mittler zwischen den Sozialpartnern dafür zu sorgen, daß alle jene
Entscheidungen, die das Wohl und die soziale Stellung des Arbeiters unmittelbar berühren, nicht vom Unternehmer beziehungsweise
der Betriebsleitung allein, sondern gemeinsam mit den Betroffenen
gefällt werden.
Kollektivverhandlungen sind das Mittel, dessen sich die Gewerkschaft bei der Lösung dieser Aufgabe bedient. Die Ergebnisse
solcher Kollektivverhandlungen finden gewöhnlich ihren Niederschlag
in den Tarifverträgen, mit denen die Beschäftigungsnormen für das
entsprechende Unternehmen für einen bestimmten Zeitraum - die Laufzeit des Vertrages - aufgestellt werden. Sie bilden den Rahmen,
innerhalb dessen die von Tag zu Tag notwendig werdenden Entscheidungen bezüglich der Betriebsangehörigen getroffen werden können.
Die Gewerkschaften versuchen an sich nicht, in Kollektivverhandlungen ein System von Regeln bezüglich der Stellung und Behandlung der Arbeitnehmer zu schaffen. Jedes Unternehmen, ganz gleichgültig wie groß es sein mag, steht angesichts der Streuung der Verantwortlichkeit innerhalb der Betriebsleitung vor der Notwendigkeit,
mehr oder weniger allgemein gehaltene Regeln und Verfahren für
die Menschenführung im Betrieb aufzustellen. Die Gewerkschaft hat,
zumindest im ursprünglichen Sinne, nichts anderes zu tun, als diese
Regeln, die die Betriebsführung aus der praktischen Arbeit heraus
entwickelt hat, auf eine feste Formel zu bringen und ein Verfahren
für die Behandlung von Beschwerden zu schaffen, die sich aus der
Handhabung dieser Bestimmungen ergeben können. Darüber hinaus wird
die Gewerkschaft von Zeit zu Zeit versuchen, diese Arbeitsregeln die Arbeitsbedingungen - zu verbessern und gegebenenfalls durch

- 5-

�neue und für die Arbeiter und Angestellten günstigere Regeln zu ersetzen. So hat beispielsweise die heute weitverbreitete Gepflogenheit,
Arbeitern eine gewisse Mindeststundenzahl zu vergüten, wenn sie sich
an ihrem Arbeitsplatz einfinden und es an Arbeit für sie fehlt, ihren
Ursprung größtenteils in Kollektivverträgen.
Die Bedeutung, die die Formulierung solcher Regeln und ein Mitspracherecht in ihrer Handhabung für den einzelnen Arbeiter hat,
wächst mit der Größe der Firma. Im Januar 1951 gab es in den Vereinigten Staaten über 4 Millionen Firmen, von denen etwa 3200 das sind noch nicht einmal 0,1$ der Gesamtzahl - mehr als 1000
Arbeitskräfte beschäftigten. Der Anteil dieser Firmen an der Gesamtzahl der Lohn- und Gehaltsempfänger beläuft sich aber auf 37/a«
Die Tatsache, daß ein so hoher Prozentsatz der Arbeitskräfte
auf relativ wenige Großbetriebe entfällt, ist eine der Ursachen für
das Wachstum der Gewerkschaften. In Großfirmen hört ganz zwangsläufig der persönliche Kontakt zwischen Betriebsführung und Belegschaft auf. Die Streuung der verantwortlichen Funktionen innerhalb
des Betriebes auf einen großen Personenkreis, insbesondere auch
der Entscheiduhgsbefugnisse über Angelegenheiten, die die Belegschaft unmittelbar betreffen, verleiht Fragen von Recht und Billigkeit eine besondere Schärfe. Bei den Arbeitnehmern hat sich angesichts dieser Sachlage die Tendenz herausgebildet, ihre Rechte
kollektiv und nicht einzeln zu verfechten und ihre vereinte Stärke
dafür zu benutzen, faire Arbeitsbedingungen auszuhandeln.
Das Verfahren der Kollektivverhandlungen
Kollektivverhandlungen sind das Mittel, durch das die Entscheidungen, die das Beschäftigungsverhältnis der Arbeiter und Angestellten angehen, in gemeinsamen Erörterungen zwischen den Unternehmern
beziehungsweise deren Vertretern und den Vertretern der organisierten Arbeiterschaft getroffen werden. Kommt es zu keiner Einigung
über die Regelung des Verhältnisses zwischen den beiden Verhandlungspartnern, so einigt man sich meist auf die Anrufung einer
Schieds- und Schlichtungsinstanz. Kommt es dennoch zu keiner
Einigung, nimmt die Arbeiterschaft gegebenenfalls ihre Zuflucht
zum Streik, der entweder mit einem Nachgeben einer der beiden
streitenden Parteien oder aber mit einem Kompromiß in den Streitfragen endet. Der Streik oder die Aussperrung sind Kampfmaßnahmen, die bei Kollektivverhandlungen nur im äußersten Fall angewandt werden.
Unabhängig von der Größe des Betriebes beziehungsweise der
Zahl der betroffenen Werke oder Unternehmen ist des Verfahren der
Kollektivverhandlungen im wesentlichen das gleiche. Die Arbeitsbedingungen werden in solchen Verhandlungen beziehungsweise durch
die daraus resultierenden Abmachungen gewöhnlich für einen gewissen Zeitraum festgelegt. Sowohl auf Unternehmer- als auch auf
Gewerkschaftsseite wird auf Grund der gegebenen Sachlage und der
jeweiligen Beurteilung der derzeitigen wirtschaftlichen Situation
und der künftigen Entwicklung im allgemeinen und des Betriebes
im besonderen verhandelt.
Kollektivverhandlungen bergen die Gefahr, daß die Gewerkschaft
sich selbst oder den Unternehmer ruiniert, dann nämlich, wenn sie
versucht, Löhne oder Arbeitsbedingungen herauszuhandeln, die angesichts der gegebenen wirtschaftlichen Situation untragbar sind.

-4 -

�Solche Fälle hat es gegeben, sie sind aber keineswegs als typisch
anzusprechen. Bei den meisten Arbeitgeber- Arbeitnehmerverhandlungen verhalten sich beide Seiten durchaus realistisch und sind
sich der Grenzen, innerhalb derer eine Einigung möglich ist,
von vornherein bewußt. Daß dies so ist, geht allein schon aus
der Tatsache hervor, daß die meisten Kollektivverträge ohne vorhergehende Streiks Zustandekommen. Die Unternehmer werden nur einer
sehr wichtigen sozialen Funktion gerecht, wenn sie Forderungen
der Gewerkschaften ablehnen, die auf eine Gefährdung der Existenz
der Firma oder auch nur eine erhebliche Einschränkung ihrer Handlungsfähigkeit in dem entsprechenden Geschäftsbereich hinauslaufen. Umgekehrt sind die Kollektivverhandlungen ein ausgezeichnetes Mittel, im Unternehmer das Bewußtsein der Notwendigkeit
einer scharfen Kalkulation sowie ständiger technischer Neuerungen
in jeder Form wach zu erhalten.
Eine Abgrenzung dessen, was in den Bereich der Kollektivverhandlungen fällt, ist schwer möglich. Die geschichtliche Entwicklung zeigt, daß es dabei um vLöhne, Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen" geht, wenngleich nicht feststeht, was diese drei
Begriffe in einzelnen alles einschließen. Die betriebliche
Altersversicherung hätte beispielsweise noch vor wenigen Jahren
sicher nicht
zum Bereich der Kollektivverhandlungen gehört.
Der Bereich der Kollektivverhandlungen
Im folgenden sei der Versuch unternommen, die wichtigsten
Bereiche von Kollektivverhandlungen zu umreißen und ein Bild
davon zu geben, worum es geht.
1. Löhne und Sozialleistungen
Ist die Arbeiterschaft eines Betriebes nicht organisiert,
liegt die Entscheidung über die Höhe der Löhne allein bei der
Betriebsleitung. Diese Entscheidung wird dann unter Berücksichtigung der Grenzen getroffen, die durch innere und äußere Einflüsse gezogen sind und die Lohnposition der Firma bestimmen.
Die Betriebsführung wird im allgemeinen in ihrer Lohnpolitik
auf den jeweiligen Arbeitsmarkt Rücksicht nehmen, und Fragen
der Arbeitsmoral und die Wünsche der Belegschaft, soweit diese
überhaupt genau feststellbar sind, mit in ihre Berechnungen
einbeziehen. Die umorganisierte Arbeiterschaft hat jedoch von direkten Vorstellungen einzelner abgesehen - kein Sprachrohr, das ihr gestattet, ihre Ansichten über Fragen der Lohnpolitik der Betriebsführung darzulegen.
Allen Entscheidungen der Betriebsführung bezüglich der
Löhne kommt im Hinblick auf die Auswirkungen der Löhne auf
die Gestehungskosten größte Bedeutung zu. Von mindestens ebenso großer Wichtigkeit sind sie für die Angestellten und Arbeiter selbst, da ja Löhne und Gehälter in den meisten Fällen ihre
einzige Einkommensquelle darstellen. Die Gewerkschaften haben
nun die Aufgabe, den Arbeitern über ihre Vertreter Gelegenheit
zu verschaffen, die Forderung nach einem entsprechenden Anteil
an den Erträgen des Unternehmens bei der Betriebsführung geltend
zu machen und gegebenenfalls durchzusetzen. Erst die Organisierung der Arbeiterschaft ermöglicht die Anmeldung solcher
Forderungen, die aber durch eine entsprechende Analyse der
Gesamtloge und durch Darlegung sonstiger Gesichtspunkte untermauert sein müssen. Überredung oder gegebenenfalls der Hinweis

- 5-

�auf die Möglichkeit eines kollektiven Fernbleibens der Belegschaft
von der Arbeit sind die Mittel, mit denen diese Forderungen verwirklicht beziehungsweise durchgesetzt werden.
Es ist wohl ohne weiteres ersichtlich, daS diese Form der
Beteiligung der Arbeiterschaft an der Festsetzung ihrer Löhne
zahlreiche Konsequenzen nach sich zieht und sich auf viele Gebiete erstreckt. So erhebt sich beispielsweise die Frage, wie
eine allgemeine Lohnerhöhung oder auch Lohnsenkung auf die einzelnen Arbeiter innerhalb des Betriebs verteilt werden soll.
Eine Lohnerhöhung kann aber auch in der Weise erfolgen, daß
die Löhne nur um ein Geringes heraufgesetzt, dafür aber gleichzeitig andere Sozialleistungen, die den allgemeinen Betriebsunkosten zuzurechnen sind, erhöht werden. Dabei handelt es sich
um eine gekoppelte Erhöhung von Lohn- und Sozialleistungen "Package Deal" genannt -,eine Regelung, die gerade in der Zeit
nach dem zweiten Weltkrieg immer häufiger angewendet wurde. So
ist es beispielsweise undenkbar, daß die betriebliche Unfall-,
Kranken- und Altersversicherung in den letzten Jahren einen so
gewaltigen Aufschwung genommen hätte, wenn solche Sozialleistun£en nicht zum festen Bestandteil von TarifVerhandlungen geworden
wären. Ein weiteres Beispiel aus der jüngsten Zeit ist die Einführung einer privaten Arbeitslosenzusatzversicherung in der
Automobilindustrie sowie in einigen anderen Wirtschaftszweigen.
Die Konzeption von "Löhnen und Gehältern" ist um vieles komplizierter geworden seit die Gewerkschaften den Versuch unternommen
heben, der Arbeiterschaft durch Maßnahmen, die auf der Kostenseite des Betriebs zu verbuchen sind, einen größeren Anteil an
den zur Verfügung stehenden Waren und Dienstleistungen (durch
höhere Löhne nämlich und Leistungsprämien), mehr Freizeit zum
Genießen des durch ein höheres Realeinkommen gewährleisteten
besseren Lebensstandards (bezahlte Feiertage und erweiterte
Urlaubsgelegenheiten) und größere Sicherheit gegen unverschuldete
Not (Altersversorgung) zu verschaffen.
Neben der Frage nach der reinen Lohnhöhe ergeben sich in
der täglichen Praxis aber auch noch andere Probleme bezüglich
der Durchführung der Lohnpolitik. Zu ihrer Lösung werden im
Rahmen der Kollektivverhandlungen zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern eine große Zahl von Regeln festgelegt.
2. Arbeitsbedingungen
Es besteht keine eindeutige Trennung von den "Löhnen"
(einschließlich der zusätzlichen Sozialleistungen) und den
"Arbeitsbedingungen". Viele dieser Arbeitsbedingungen betreffen
in einer oder anderer Form die Höhe des Arbeitsentgeltes. Zum
Teil aber sind sie ihrem Charakter nach völlig außerhalb des
Bereichs rein wirtschaftlicher Fragen.
Schon immer war die Definition des Begriffs Arbeitszeit
neben den reinen Lohnfragen eines der dringendsten Anliegen
bei Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern.
Arbeitszeit und Löhne stehen selbstverständlich in einem ganz
engen Zusammenhang,und so ist es ganz natürlich, da 1 sie oftmals gemeinsam erörtert werden. Im Wirtschaftsleben unserer
Tage ist der Begriff Arbeitszeit sehr vielfältig . Er erstreckt
sich nicht nur auf die Zahl der täglich und wöchentlich zu

- 6-

�zu leistenden Arbeitsstunden sowie auf Arbeitsbeginn und -ende,
sondern auch auf Fragen wie Überstunden, Spätschichten, Sonntagsund Feiertagsarbeit, Mittagszeit und auf Verrichtungen, die nichts
mit der eigentlichen Produktion zu tun haben, so beispielsweise
Pausen, Arbeitsvorbereitung, Säuberung des Arbeitsplatzes, Wechsel
der Berufskleidung und Weg zur Arbeitsstätte.
Ein weiteres Gebiet sind die vielfältigen Regeln zur Gewährung
der Betriebssicherheit. Hierher gehören ferner Fragen wie Feierschichten und Wiederaufnahme der Arbeit, Beförderung, Arbeitsdisziplin, Versetzungen auf andere Arbeitsplätze innerhalb des Betriebes und Entlassung. Um ein reibungsloses Arbeiten des Betriebes
sicherzustellen, ist eine allgemeine Regelung dieser Fragen unerlässlich und um des Betriebsklimas willen müssen diese Regeln und
ihre Handhabung im Einklang mit Recht und Billigkeit stehen. So
ist beispielsweise die Betriebsführung zur Aufrechterhaltung der
Arbeitsmoral gezwungen, mit Disziplinarmaßnahmen gegen Belegschafts
angehörige vorzugehen, die sich von der Arbeit drücken, die Sicherheitsvorschriften verletzen, sich aufsässig gegen ihre Vorgesetzten
verhalten oder unkollegial handeln. Solche Maßnahmen werden sich
aber nur dann fördernd auf das Betriebsklima auswirken, wenn dabei
von allgemein anerkannten Regeln ausgegangen wird. Ist ein Betrieb
etwa gezwungen, Feierschichten einzuführen, so erhebt sich die
Frage, welche Arbeiter aus der Belegschaft davon betroffen werden
sollen. Diese Dinge werden oftmals von der Öffentlichkeit kaum
beachtet, für die Arbeiter im Betrieb aber sind sie eine ständige
Sorge,und so erwachsen den Gewerkschaften und Arbeitgebern bei
Kollektivverhandlungen oftmals größte Schwierigkeiten bei dem
Versuch, eine praktisch durchführbare Regelung für all diese
Fragen zu treffen.
Viele Fragen der Lohnpolitik und ihrer Handhabung - die
Festsetzung der Löhne für neugeschaffene Arbeitsplätze, Neueinstufung bei Änderung der Tätigkeit, Beförderung beziehungsweise
Aufbesserung der Löhne, Gewährung von Arbeitsanreizen und Leistungslöhnen und so weiter - werden in zunehmendem Maße auf dem
Weg über Kollektivverhandlungen von beiden Sozialpartnern gemeinschaftlich entschieden.
5. Arbeitskonflikte
Im Zusammenhang mit der Durchführung der
Personalpolitik
kommt es unvermeidlich immer wieder zu teils begründeten und teils
unbegründeten Meinungsverschiedenheiten und Auseinandersetzungen.
Deshalb ist die Festlegung eines zweckmäßigen Verfahrens zur Beilegung solcher Meinungsverschiedenheiten unerläßlich. Die meisten
Tarifverträge enthalten deshalb Bestimmungen über die Auslegung
des Vertrages, die von den beteiligten Parteien überprüft und
beigelegt werden können. In der Praxis ist es so, da2 sich die
meisten Arbeitsstreitigkeiten mit Hilfe dieses Verfahrens aus
der Welt schaffen lassen. Sollte es zu keiner Einigung kommen,
so sehen die meisten Tarifverträge die Anrufung eines unparteiischen Schlichters vor. Meist läßt sich so selbst bei ernsten
und schweren Meinungsverschiedenheiten der Ausbruch eines Streiks
verhindern. Auf Grund der guten Erfahrungen mit dem Schiedsverfahren wurden in der jüngsten Zeit in die Tarifverträge häufig
sogenannte Nicht-Streikbestimmungen eingebaut, die Streiks für
die Laufzeit des Vertrages ausschließen.

-7 -

�Kollektivverhandlungen haben dem Arbeiter ein Mitspracherecht
bei der Pestsetzung der Löhne und Arbeitsbedingungen und, über die
sogenannten Streitverfahren, zum Teil auch bezüglich der praktischen
Durchführung der Arbeitsregeln gegeben.
Kollektivverhandlungen und die soziale Stellung des Arbeiters
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß die Gewerkschaftsbewegung, und das ist ihr historisches Verdienst, die Stellung des
Arbeiters innerhalb der Gesellschaft verbessert hat. Betriebsangehörige sind nicht mehr wie zur Zeit unmittelbar nach der industriellen Revolution anonyme Größen, sondern haben ihren Status
als respektierte Einzelwesen wiedergewonnen, und zwar auf dem Weg
über die Selbstorganisierung. Sie haben ein Mitspracherecht bei
der Festlegung der Arbeitsregeln innerhalb des Betriebes und sind
sicher vor willkürlichen Maßnahmen, die ihren Status als Belegschaftsangehörige beeinträchtigen könnten.
Der Einfluß der organisierten Arbeiterschaft auf Arbeit und
Beschäftigung sowie auf die Einstellung auch der Unternehmer zu
diesen Fragen geht weit über die eigentliche Gewerkschaftsarbeit
hinaus. In den letzten Jahren hat sich auch auf seiten des Unternehmertums ein immer stärkeres Verantwortungsgefühl für ihre Mitarbeiter als Menschen herausgebildet, das sie dazu veranlaßte,
sich eingehend mit jenen Faktoren zu befassen, die die Einstellung
des arbeitenden Menschen gegenüber seiner Arbeit und dem Betrieb
beeinflussen. Das Wissen um diese Dinge erst erlaubt der Betriebsführung, ein Betriebsklima zu schaffen, das: die Arbeit befriedigender und die menschlichen Bestrebungen produktiver gestalten
hilft.
Was hier über die Bedeutung der Kollektiwerhandlungen für die
Festlegung des sozialen Status der Arbeiter gesagt wurde, darf aber
nicht dahingehend ausgelegt werden, daß das Unternehmertum beziehungsweise die Betriebsführung, sei es nun in Betrieben mit organisierter
oder nichtorganisierter Arbeiterschaft, heute eine geringere Verantwortung gegenüber der Arbeiterschaft und der Gesamtheit trage.
Und noch ein letzter Punkt: Gewerkschaften und TarifVerhandlungen sind Mittel, nicht Selbstzweck. Sie dienen dem Ziele,
den Lohn- und Gehaltsempfängern ein Mitsprecherecht bei den Entscheidungen zu verschaffen, die ihren Status und ihr Wohlergehen
innerhalb der Wirtschaft betreffen. Wie andere Institutionen können auch die Gewerkschaften Fehler begehen; sie laufen dann Gefahr, daß sie ihrer eigentlichen Verantwortung nicht mehr gerecht
werden. Für die Gewerkschaften ergibt sich somit die Notwendigkeit,
auf die Auffassungen ihrer Mitglieder Rücksicht zu nehmen und ihnen
Gehör zu verschaffen. Schon im Interesse der Arbeiterschaft müssen
die Gewerkschaften ihre Macht bei Kollektivverhandlungen dazu benutzen, wirtschaftliche Normen und Arbeitsbedingungen zu schaffen,
die den Betrieben genügend Spielraum für eine ordnungsgemäße Führung der Geschäfte lassen und ein gesundes Wachstum der Wirtschaft
gewährleisten.
Quelle: Monthly Labor Review,
Vol 79 No. 6

�Arbeitshygiene im Zeitalter der Automatisierung
Automatisierung ist nicht nur eine Umschreibung
für neue technische Verfahren zur mechanischen
Verrichtung von Arbeiten in unseren '.Verkstätten
und Büros. Automatisierung bedeutet auch eine
neue Lebensform mit spezifischen biosozialen und
technischen Wertbegriffen. Sie wird sowohl das
Leben und die Arbeit der Menschen als auch die
Lehrpläne unserer Schulen verändern und unseren
Lebensstandard auf neue Höhen führen. Der vorliegende Artikel, der einem Referat von Dr. C.
Richard '.Valmer, Direktor der "Industrial Hygiene
Foundation" entnommen ist, beschäftigt sich mit
den neuen Aufgaben, die der Arbeitshygiene in den
Industriebetrieben durch die Automatisierung erwachsen.
Die Bedeutung der Gesundheitsüberwachung im Betrieb
Der Gesundheitszustand eines Menschen wird weitgehend durch
seine Anpassung an die Umwelt bestimmt. V/enn diese Umwelt sich verändert, empfindet der Mensch ein gewisses Unbehagen. Ein solches
psychisches Unbehagen auf Seiten der Arbeitnehmer ist im Zeitalter
der Automatisierung eines der unweigerlich auftauchenden menschlichen Probleme, die in engem Zusammenhang mit der Gesundheit und
dem Wohlbefinden der Arbeiter stehen. Andere Aspekte der Automatisierung werden sich sogar noch unmittelbar auf das physisc'ne
Wohlbefinden des Arbeiters auswirken. Die Gesamtsumme aller physischen und psychischen Faktoren bestimmt dann erst den Allgemeinzustand eines Menschen.
Diese Dinge zu erkennen und in ihre Planungen einzubeziehen,
ist für die Industrie ebenso wichtig wie die Konstruktions- und
Baupläne oder die Untersuchungen hinsichtlich der wirtschaftlichen
Möglichkeiten eines eventuellen Übergangs zur Automatisierung eines
Betriebes. Arbeiter und Angestellte bilden seit je den wichtigsten
Aktivposten eines Unternehmens, und dies wird sich auch im Zeitalter der Automatisierung nicht ändern. Man wird den Arbeitern und
Angestellten noch mehr Verantwortung als bisher übertragen. Da
mehr technisches Personal zur Pflege und Instandhaltung der komplizierten Maschinen und zum Betrieb der automatischen Apparate
benötigt wird, wird der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften
steigen und folglich eine bessere Ausbildung und Schulung der
Arbeiter eine Grundvoraussetzung werden. Die leitenden Angestellten
werden bedeutsame Entscheidungen zu treffen haben, wobei etwaige
Irrtümer und Fehler sich in Zukunft als weit kostspieliger als
bisher erweisen werden.
Hinzu kommt, daß in einem automatisierten Unternehmen für
jeden Arbeitsplatz eine höhere Kapitalinvestition erforderlich ist.
So betrug zum Beispiel im Jahre 1954 die Kapitalinvestition je
Arbeitsplatz in der chemischen Industrie, die bereits in hohem
Grede automatisiert ist, das Doppelte der entsprechenden Aufwendungen in der gesamten Industrie, nämlich 26 G00 Dollar; in einigen
Fabriken ist sie noch erheblich höher. In den Kraftwerken, die
nahezu vollautomatisch arbeiten, übersteigt die Kapitalinvestition
Je Arbeitsplatz den Betrag von 106 000 Dollar.

- 9-

�In einem automatisierten Betrieb ist also die Gesundheit der
Arbeitnehmerschaft für den Betrieb von sehr viel größerer Bedeutung als bisher. Denn die Erkrankung eines Arbeiters bedeutet
nicht nur eine Störung der Produktion während seiner Abwesenheit,
sondern führt auch zu einem Absinken seiner Leistungsfähigkeit,
wenn er sich bei Anwesenheit am Arbeitsplatz nicht wohl fühlt.
Vorbeugende medizinische Maßnahmen
In jedem Unternehmen hat sich die vorbeugende Medizin noch
immer als das beste Mittel zur Erhaltung der Gesundheit der Arbeitnehmer erwiesen. Dabei geht es um das gesamte Befinden des
Arbeiters auf körperlichem wie auf seelischem Gebiet, und zwar
sowohl im Betrieb als auch zu Hause. Durch die neuzeitlichen
Methoden zur Gestaltung des Arbeitsplatzes ist es möglich geworden, Betriebsunfälle und Berufskrankheiten weitgehend zu reduzieren. Wie eine der "Stiftung für Industrie-Hygiene" angeschlossene Firma berichtet, sind die Betriebsunfälle bei ihr in den
letzten fünf Jahren um 6y/ö zurückgegangen. Das ist keine Ausnahme.
Und die Automatisierung wird Betriebsunfälle und Berufskrankheiten
noch weiter zurückdrängen." Neunzig Prozent der Arbeitsausfälle
entfallen auf andere Krankheiten und Unfälle außerhalb des Betriebes.
Selbst das umfassendste arbeitshygienische Programm wird ein
Unternehmen immer noch weniger kosten als Arbeitsausfälle infolge
Krankheit mit den daraus resultierenden höheren Betriebskosten
durch Einsatz von weniger oder gar nicht geschultem Personal, Verschlechterung der Qualität der Erzeugnisse, höhere Invalidenrenten
und steigende Aufwendungen für Beiträge zur Krankenkasse sowie vieles andere mehr. Die betriebsärztliche Betreuung der Arbeitnehmer
bedeutet keinen Eingriff in die Arbeit der freien Ärzteschaft. Im
Gegenteil, im Rahmen dieser Betreuung werden häufig Schäden und
Krankheiten festgestellt, die andernfalls gar nicht bemerkt und
behandelt worden wären, und diese Fälle werden stets dem Hausarzt
überwiesen.
Arbeitshygiene im automatisierten Betrieb
Wir wollen einmal die arbeitshygienischen Maßnahmen, wie wir
sie bereits in vielen großen Firmen finden, betrachten und dabei
untersuchen, inwieweit sie den Gegebenheiten eines vollautomatisierten Unternehmens entsprechen, welche Änderungen eventuell vorzunehmen und wie diese durchzuführen sind. Allerdings ist dabei zu
beachten, daß wir vorläufig nur über sehr geringe Erfahrungen
hinsichtlich der besonderen Anforderungen an die Arbeitshygiene
verfügen.
ümweltbedingungen
In einem vorbildlichen Betrieb wird die Luft ständig auf
etwaige Verunreinigungen untersucht, und alle Betriebe, in denen
die Arbeiter durch Staub, giftige Dämpfe oder Gase bedroht sind,
unterstehen der laufenden Überwachung der Industriehygieniker.
Etwaige gesundheitsschädigende Eigenschaften aller im Fabrikationsprozeß verwendeten Rohstoffe werden durch biologische Tests
ermittelt. Der Betriebsarzt ist über alle in seinem Werk möglichen
Gefahren für die Gesundheit der Arbeiter genau unterrichtet. Bei
der Konstruktion der Maschinen und der Einrichtung des Lüftungssystems und der Klimaanlage wird streng auf die Einhaltung der
für die Gesundheit des Menschen erforderlichen Normen geachtet.

- 10

�Ebenso wird größte Sorgfalt darauf verwendet, Lärmschäden zu vermeiden und ein optimales Wärmeklima zu schaffen. Wo schädliche Einflüsse nicht ganz ausgeschaltet werden können, sind Schutzkleidung
und Schutzausrüstung für jeden Arbeiter eine Selbstverständlichkeit.
Mit der Automatisierung werden sich viele derartige Probleme
von selbst lösen. Die Arbeiter werden keinerlei giftigen Beimengungen in der Luft mehr ausgesetzt sein, da der Fabrikationsproze2 unter Abschluß von der Außenwelt vor sich geht. Die im Steuerraum tätigen Arbeiter sind von den Räumen, in denen die eigentliche
Fabrikation vor sich geht, vollkommen isoliert, so daß Lüftung,
Temperatur, Feuchtigkeitsgrad und Lärm für sie unerheblich werden.
Auch der Umgang der Arbeiter mit den Rohstoffen entfällt bei der
Automatisierung weitgehend, so daß die Verwendung von Materialien
möglich wird, die bisher wegen der Gefahr chronischer Vergiftung
der Arbeiter nicht benützt werden konnten.
Wenn auch die Automatisierung diese Gefahrenmomente weitgehend
reduziert, da die Arbeiter nicht mehr wie bisher tagtäglich mit giftigen Stoffen zu tun haben, besteht doch nach wie vor die Gefahr
schwerer gesundheitlicher Schädigungen infolge Unterbrechungen im
Fließbandbetrieb oder durch, den Kontakt mit giftigen Substanzen
bei Reparaturarbeiten. In derartigen Fällen ist eine sofortige
Spezialbehandlung erforderlich.
Auch wird es nach wie vor notwendig bleiben, neuartige Erzeugnisse, ehe sie auf den Markt gelangen oder möglichst schon
im Entwicklungsstadium, auf etwaige Giftstoffe zu untersuchen.
Sofern gesundheitsschädigende Eigenschaften nicht ganz ausgeschaltet werden können, müssen besondere Vorschriften für den
Umgang und den Gebrauch derartiger Artikel erlassen werden.
Unfallverhütung
Die Automatisierung wird im allgemeinen zur Steigerung der
Betriebssicherheit führen. In einem vollautomatisierten Betrieb
kommen die Arbeiter hur selten, wenn überhaupt, mit den Maschinen
in Berührung. Auch die Beschickung der Maschinen mit schweren
Materialien wird durch Automaten erfolgen, so daß es nicht mehr
zu körperlicher Überanstrengung und zu Verletzungen, wie Quetschungen und so weiter,kommen kann. In den vollautomatisierten
Abteilungen der "Ford Motor Company" ist beispielsweise die Zahl
der Erkrankungen an Leistenbrüchen um 85,5, zurückgegangen.
Neue Aufgaben der betriebsärztlichen Betreuung
Wichtigste Voraussetzung für eine, sorgfältige Gesundheitsüberwachung in der Industrie ist die Untersuchung durch den Arzt.
Die Gesundheitsbetreuung beginnt mit einer eingehenden Untersuchung
vor Zuweisung des Arbeitsplatzes und schließt regelmäßige Kontrolluntersuchungen und notfalls besondere Einzeluntersuchungen ein.
Die erste eingehende Untersuchung soll nicht nur etwa vorhandene
körperliche Schäden aufdecken, die bei rechtzeitiger Entdeckung
behandelt und ausgeglichen werden können, sie soll auch die geistigseelischen Fähigkeiten des Arbeitnehmers ermitteln, so daß jeder
Arbeiter den seinen körperlichen Fähigkeiten und geistigem Können
entsprechenden Arbeitsplatz erhält.
Die anatomischen oder physiologischen Voraussetzungen, die zur
Arbeit im automatisierten Betrieb erfüllt werden müssen, können
sich natürlich ändern. Sicherlich wird die rein physische Kraft
eine geringere Rolle spielen, so daß es möglich sein wird, zahl- 11 -

�zahlreiche körperbehinderte und ältere Personen wieder in den
Produktionsprozeß einzuschalten.
Regelmäßige KontrollunterBuchungen
Besondere Aufmerksamkeit wird man in Zukunft dem Problem der
Gesundheitsschädigung infolge nervöser Überlastung durch den Beruf
schenken müssen. Bisher haben die Betriebsärzte die auffälligsten
Symptome nervlicher Überbeanspruchung, wie Herzkrankheiten, Hypertonie und Magengeschwüre, meist unter den "Managern" gesucht.
Im Zeitalter der Automatisierung wird die Zahl der hochqualifizierten und akademisch gebildeten Arbeitskräfte erheblich ansteigen. Durch die regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen während der
Anfangsstadien der Automatisierung können die Werksärzte sehr
wertvolles Material über die Belastungen sammeln, denen die Arbeiter gerade in den automatisierten Betrieben ausgesetzt sind. Diese
Untersuchungen bieten die Möglichkeit, hinsichtlich der sich ständig
wandelnden Probleme auf dem Gebiet der Arbeitshygiene auf dem laufenden zu bleiben und die vorbeugende Medizin immer weiter auszubauen.
Der Arbeiter wird in Zukunft keine schmutzigen und schweren
Arbeiten unter unerfreulichen Bedingungen mehr leisten müssen;
die monotonen Verrichtungen, wie sie zum Beispiel in den hochspezialisierten Fabriken am Fließband üblich sind, werden fortfallen.
Andererseits muß er bereit sein, die Anforderungen auf sich zu
nehmen, die höher qualifizierte Aufgpben, wie Unterhalt und Pflege
der Maschinen oder AufSichtsarbeiten, mit sich bringen. Dies wird
sich für manche als eine große Belastung erweisen; doch wird vielen
Arbeitern der Übergang durch Umschulung und Fortbildungslehrgänge
zu erleichtern sein.
Medizinische Aufklärung und Beratung
Eine weitere Aufgabe wird den Betriebsärzten auch aus der
Notwendigkeit erwachsen, die Arbeiter und Angestellten über Unfallverhütung im häuslichen Bereich, Ernährungsfragen und allgemeine
Hygiene aufzuklären, um Krankheiten überhaupt und Unfälle auch
außerhalb des Betriebs zu reduzieren.
Mit der zunehmenden Bedeutung der vorbeugenden Medizin ist
es unbedingt notwendig, daß die medizinischen Fakultäten sich
eingehender mit den Problemen der Arbeitshygiene und der betriebsärztlichen Betreuung der Arbeitnehmer beschäftigen und die zukünftigen Werksärzte auf ihre Aufgaben bei der Durchführung entsprechender Programme in den Betrieben vorbereiten.
"Human Engineering"
Im, Zeitalter der Automatisierung werden sämtliche Mediziner,
Werksärzte wie freiberufliche Ärzte, sich sehr viel eingehender
mit dem Problem der Kräftebeanspruchung durch den Beruf und der
konstitutionellen Leistungsfähigkeit des Menschen beschäftigen
müssen. Die automatischen Maschinen müssen entsprechend den
physiologischen Fähigkeiten des Menschen konstruiert werden.
Zusammenfassung
Die Automatisierung wird dem Menschen einen besseren Platz
in der technischen Welt unserer Tage verschaffen. Der Arbeitsplatz
wird zweifellos sicherer, ungefährlicher und gesünder sein, und

- 12 -

�viele Gefahren wird man vollkommen ausschalten können. Neu auftauchende medizinische Probleme lassen sich lösen, wenn man sich
an die Grundsätze der vorbeugenden Medizin hält und dabei die
Kenntnisse und Methoden der Fachleute auf allen einschlägigen
Gebieten berücksichtigt.
IJuel'e: Monthly

Labor Review
Vol. 79 No. 7

Versicherungsschutz und Versicherungsleistung für die Eisenbahner
Seit Bestehen der staatlichen Alters- und Arbeitslosenversicherung, die im Rahmen des umfangreichen Sozialgesetzwerkes der
Regierung Roosevelt im Jahre 1955 vom US-Kongreß verabschiedet
wurde, haben die Angestellten und Arbeiter der amerikanischen
Eisenbahngesellschaften sowie ihre Familien Unterstützungsleistungen in einer Gesamthöhe von mehr als 5 Milliarden Dollar erhalten. Von dieser Gesamtsumme entfallen auf die Altersversorgung
3,7 Mrd. Dollar, auf die Hinterbliebenenrenten 663 Mio. Dollar,
auf die Arbeitslosenunterstützung 654 Mio. Dollrr und auf Krankengeld- und Geburtenbeihilfen 280 Mio. Dollar.
Diese Zahlen sind in dem letzten Geschäftsbericht des "US.
Railroad Retirement Board" (Verwaltungsbehörde für die Altersversicherung der Eisenbahner) enthalten, der sich nicht nur mit den
finanziellen Leistungen im Geschäftsjahr 1954/55 befaßt, sondern
auch einen interessanten Überblick über die Entwicklung der einzelnen Sozialversicherungssparten und der Versicherungsleistungen seit
1937 gibt.
Bekanntlich sahen die 1935 vom Kongreß verabschiedeten und
1937 revidierten Sozialgesetze zuerst nur Rentenleistungen für
solche Arbeitnehmer vor, die das 65. Lebensjahr erreicht hatten
oder Invalide waren. Später, und zwar im Jahre 1939» wurde dann
die Arbeitslosenversicherung mit einbezogen und 194&amp; der Versicherungsschutz auch auf die zeitweilig nicht Arbeitsfähigen (auf
Grund von Krankheit, Unfall oder Mutterschaft) ausgedehnt. Desgleichen wurden damals die Pensionsleistungen auch auf die Familienmitglieder des Versicherten (Frau, abhängige Kinder oder
Eltern) erweitert.
Während im ersten Jahr der Leistungsaufnahme (1937/38) insgesamt 117 000 Eisenbahner 83 Mio. Dollar an Pensionen erhielten,
waren es im Finanzjahr 1954/55» wie aus der Aufstellung des
"Retirement Board" hervorgeht, über eine Million Versicherte,
die zusammen 755 Mio. Dollar an Renten oder Arbeitslosenunterstützung
erhielten. Von dieser Summe entfielen allein 550 Mio. Dollar auf
Alters- und Hinterbliebenenrenten.
Aber nicht nur die Zahl der Versicherten hat seit der Einführung
der Altersversicherung ständig zugenommen, auch die Leistungssätze
haben sich in diesem Zeitraum bedeutend erhöht. Wä'hrend der durchschnittliche monatliche Unterstützungssatz 1937/38 65 Dollar (nach
Erreichung des vollen Pensionsalters) betrug, machte er im FinanzJahr 1954/55 110 Dollar aus. Diese erhebliche Zunahme ist einerseits durch die beträchtliche Ausweitung des Programms seit 1937
- 13 -

�und andererseits durch die höheren Durchschnittseinkommen der Versicherten bedingt. Von den 1937 in die staatliche Altersversorgung
überführten 48 500 Eisenbahner sind heute, wie aus der Übersicht
weiter hervorgeht, noch 3200 am Leben. Ihre monatliche Durchschnittsrente beträgt 79.17 Dollar.
Eine weitere Erhöhung der Versorgungsleistungen ist am 7« August
dieses Jahres eingetreten, als Präsident Eisenhower das vom Kongreß
verabschiedete verbesserte Rentengesetz unterschrieb, durch das die
Einkünfte von rund 400 000 der insgesamt 65O 000 Versorgungsberechtigten des "Railroad Retirement Board" um 10/S erhöht werden.
Auch die Leistungen aus der 1947 aufgenommenen HinterbliebenenVersicherung haben sich ähnlich wie die Rentenleistungen in den letzten
8 Jahren erheblich erhöht. Sie lagen 1955 um 57 Dollar über den Sätzen
von 1947 (24 Dollar gegenüber 1950). Die höchste Unterstützungssumme, die im Rahmen dieser Versicherung ausgezahlt wurde, belief
sich auf 200 Dollar (195C - 108 Dollar).
VJas für die beiden eben erwähnten Versicherungsarten gesagt
wurde, trifft auch weitgehend für die Arbeitslosenversicherung zu.
Gegenüber den durchschnittlichen wöchentlichen Unterstützungsleistungen im Jahre 1939/40 lagen die Sätze im Finanzjahr 1954/55 rund
viermal so hoch. Die höchste Zahl der Arbeitslosenunterstützung
empfangenden Eisenbahner wurde mit 47O 000 1949/50 verzeichnet,
die niedrigste mit 5000 im Kriegsjahr 1943/44«
'«Veniger Schwankungen unterworfen dagegen war die Zahl der
Krankengeld empfangenden Eisenbahner. Der Spitze von 151 000 (1948/49)
steht das Tief von 130 000 im Jahre 1951/52 gegenüber. Desgleichen
blieb die Zahl der Wochenbeihilfen für weibliche Arbeitnehmer in
all den Jahren ziemlich konstant. Sie bewegte sich bei rund 4000
pro Jahr.
Zum Schluß noch einige Hinweise über die verschiedenen Sozialleistungen, wie sie im "Railroad Retirement Act of 1937" festgelegt
wurden.
Danach erhalten die bei den amerikanischen Eisenbahngesellschaften angestellten Arbeitnehmer eine Altersrente, wenn sie
1) das 65. Lebensjahr erreicht und eine Mindestdienstzeit von
10 Jahren nachweisen;
2) 60 Jahre alt sind und 30 Jahre tätig waren;
3) Vollinvalide sind.
Die Rentenhöhe errechnet sich nach der Zahl der Dienstjahre und
des Durchschnittsverdienstes des Versicherten, der bis zum 30. Juni
1954 bis zu einer Höhe von 300 Dollar (Versicherungspflichtgrenze)
und danach bis zu 350 Dollar pro Monat in Anrechnung gebracht wird.
Der höchste Rentensatz, für den eine Dienstzeit seit 1. Januar 1937
bis Juni 1954 erforderlich ist, beträgt dabei 165,60 Dollar monatlich.
Die Mittel für die Altersversicherung werden durch gleichhohe
Beiträge von Arbeitnehmern und Arbeitgebern aufgebracht, die zusammen
6,25/^ der Gesamtlohnsumme (bis zu 350 Dollar im Monat) abzuführen
haben. Die Arbeitslosenversicherung dagegen wird ausschließlich von
den Unternehmern finanziert.

- 14 -

�Beide Programme werden durch das "Railroad Retirement Board"
verwaltet, das 1935 durch Gesetz geschaffen wurde. Es setzt sich
aus drei vom Präsidenten ernannten Mitgliedern zusammen.
Quelle: Eigenbericht

Die Unterstützungsleistungen eines Wohlfahrtsfonds
Welch eine Bedeutung die privaten, in der Regel ausschließlich
vom Unternehmer finanzierten Wohlfahrtspläne in den Vereinigten Staaten heute auf sozialpolitischem Gebiet erreicht haben, zeigt eine
Aufstellung der Maschinistengewerkschaft über die im vergangenen Jahr
an ihre Mitglieder ausgezahlten Unterstützungsleistungen.
Danach erhielten die 6220 anspruchsberechtigten Mitglieder
des Gewerkschaftsbezirkes 9 (St. Louis) 1955 insgesamt 1 300 242
Dollar ausgezahlt. Für bisher noch nicht angemeldete Forderungen
wurden ferner noch 310 471 Dollar bereitgestellt.
Der Wohlfahrtsplan dieser Gewerkschaft umfaßt insgesamt
15 022 Mitglieder, die in 90 Prozent der insgesamt 1290 Betriebe
dieses Gebietes beschäftigt sind.
Y/ie aus der übersieht weiter hervorgeht, wurden im vergangenen
Jahr für die Verwaltung des V/öhlfahrtsfonds nur 1 ,88 Prozent des gesamten Fondskapitals aufgewendet. Das dürfte, nach Ansicht der- Treuhänder, die diesen Bericht zusammenstellten, der niedrigste Satz in
den gesamten USA sein.
Vom besonderen Interesse ist auch die Gliederung der verschiedenen Leistungen, die durch den Fonds im vergangenen Jahr aufgebracht
wurden. Danach wurden 1955 261 895 Dollar für Unfall- und Krankheitsbeihilfen bereitgestellt, 610 790 Dollar für Krankenhausaufenthalt,
224 594 Dollar für Operationskosten und 122 000 Dollar für Lebensversicherungen ausgegeben. Der Rest verteilt sich auf verschiedene
Leistungen.
Quelle: Eigenbericht

Niedrigste Unfallrate im Juni
Die bisher niedrigste Unfallrate überhaupt wurde in der amerikanischen Fertigungsindustrie im Juni dieses Jahres erzielt. Auf
jede Million geleisteter Arbeitsstunden kamen dabei nur 12 Unfälle,
wie das Amt für Arbeitsstatistik im US-Arbeitsministerium in seiner
jüngsten Übersicht über die Unfallhäufigkeit in der amerikanischen
Industrie mitteilte.
Die Durchschnittsrate für das zweite Vierteljahr 1956 verminderte
sich damit auf 11,9 Unfälle je eine Million Arbeitsstunden und ist
dadurch ebenfalls die niedrigste, die bisher in diesem Monat verzeichnet wurde. Obwohl auch für die ersten seChs Monate dieses Jahres

- 15 -

�eine Durchschnittsrate von nur 11,9 Prozent festgestellt wurde, liegt
diese im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres etwas höher.
Wie aus der Übersicht weiter zu entnehmen ist, lag die industrielle Unfallrate am 1. Juli dieses Jahres bei 106 von insgesamt
155 Industriezweigen entweder auf oder unter dem Vorjahrsniveau.
Bei 38 dieser Branchen ging die Unfallhäufigkeitsrate dabei gegenüber dem ersten Halbjahr 1955 UI&amp; einen vollen Punkt oder mehr zurück. Nur aus 29 Industriezweigen wurden im Vergleich zu 1955 erheblich höhere Unfallraten gemeldet.
Die größten Fortschritte in der Unfallbekämpfung wurden in diesem
Jahr bisher von der Sperrholzindustrie verzeichnet, die einen Rückgang der Unfallhäufigkeit von 31,1 Unfälle auf je eine Million Arbeitsstunden im Jahre 1955 auf 22,6 im ersten Halbjahr 1956 aufweist. Ebenso eindrucksvoll ist auch der Rückgang in der Druckund Flüssigkeitsgasindustrie, wo eine Abnahme von 13 auf 5,4 eintrat.
Zu den 19 Industriezweigen (im Vorjahr 14) mit einer extrem
niedrigen Unfallrate (unter fünf) gehören dem Bericht des US-Arbeitsministeriums nach insbesondere die Chemifaserindustrie, die Hersteller
von Nachrichtengeräten aller Art, die Fabriken zur Herstellung synthetischen Kautschuks, die Flugzeug-, Radioröhren- und die AutoelektroZubehörindustrie.
Quelle: Eigenbericht

- 16 -

I I OCT • • • 0 1 1 0 t • 7 . 4 U

�Internationale

ARBEITSMITTEILUNGEN
Die folgenden Artikel stellen Auszüge aus der amerikanischen Presse und anderen Quellen dar.
Dieses Bulletin enthält Material über Arbeitsbeziehungen, Gewerkschaftsprobleme und allgemeine
Probleme des Arbeiters in der modernen Gesellschaftsordnung. Von diesem Material kann uneingeschränkt Gebrauch gemacht werden.
Herausgeber:
A m t f f l r Arbeitsinformatlonen
USIS Press Division
Mehlem, Mehlemer Aue
Der Inhalt der „Arbeitsmitteilungen" ist nicht als offizielle Meinung oder Stellungnahme irgendeiner Dienststelle der Regierung der Vereinigten Staaten aufzufassen.

IX - 18

Mehlem, den 1. Dezember 1956
INHALTSVERZEICHNIS

U.S.-Senat8ausachuß untersuchte private Wohlfahrtsund Pensionspläne

Seite

1

Lebensansprüche und Lebensstandard der arbeitenden
Bevölkerung in den amerikanischen Städten

Seite

7

Neue wichtige Lohnabkommen in der ÜS-Industrie....

Seite

15

Bergarbeiter-Sozialfonds legte Leistungsbericht
vor

Seite

16

Arbeitszeit nach Wunsch

Seite

16

Gewerkschaftliche Kurznachrichten

U.S.-SenatsauBschuß untersuchte private Wohlfahrts- und Pensionapläne
Ein Bundesgesetz, das die Unternehmer zur Erteilung von Auskünften
über die private betriebliche Sozial- und Altersversicherung verpflichtet
und so die berechtigten Intereaaen der veraicherten Arbeiter wahren hilft,
wurde vom 0nterau8achuß dea Ü.S.-Senata für SozialverBicherungafragen
in einem Bericht an den Senat gefordert. Dieaer Bericht faßt die Ergebnisse einer zweijährigen Unterauchung zusammen, in der geklärt werden
8ollte, wie die private betriebliche Sozial- und Alteraveraicherung
gehandhabt wird. Der Unterauaschuß betont in seinem Bericht mehrmala,
daß die meiaten derartigen Veraicherungapläne Zeugni8 für daa Verantwortung8bewußt8ein der Unternehmer ablegen und in Übereinstimmung mit
den Grundsätzen von Recht und Billigkeit verwaltet werden. Der Unterausschuß wies aber auch darauf hin, daß kaum damit zu rechnen aei, daß
die featgeatellten Mißbräuche, Schwierigkeiten und Schwächen von den
entsprechenden Betrieben von sich aua abge8tellt werden.
Umfang der Versicherung
Ende 1954 waren rund 75 Millionen Menschen - 29 Millionen Arbeiter
mit ihren rund 46 Millionen Angehörigen - in der einen oder anderen Form

�durch eine betriebliche Sozial- und Alteraversicherung gedeckt.
Wie groß der Personenkreis ist, der bei den verschiedenen Sparten
der betrieblichen Sozialversicherung erfaßt wird, ist aus der nachstehenden Tabelle ersichtlich:
Arbeitnehmer
Zahl
(in Mill.)

Prozents.
sämtlicher
Werktätiger

Angehörige
(in Mill.)

Insgesamt

Sozialversicherung:
Lebens- und Sterbegeldversicherung

29,5

Unfalltod- und
Invaliditätsvers.

14,0

Vorübergehende
Invaliditätsvers.

23,2

43,6

Krankenhauskostenversicherung

31,3

59,0

44,3

75,,6

Operationskostenversicherung

28,3

53,0

39,0

67,3

Arztkostenvers.

17,3

52,0

21,4

38:,7

Altersvers.

12,5

23,0

55,0

1,1

30,,6

^^

14,,0
23,,2

Seit 1940 und vor allem seit 1945 hat die Zahl dieser privaten
Wohlfahrts- und Altersrentenversicherungspläne ganz erheblich zugenommen. Etwa 60';'o der von der Altersversicherung und etwa 40% der
von der Sozialversicherung in ihren verschiedenen Formen erfaßten
Arbeitnehmer verdanken diesen zusätzlichen Versicherungsschutz den
von Unternehmern und Gewerkschaften gemeinsam ausgehandelten Tarifverträgen.
Im Jahre 1954 beliefen sich die Unternehmerbeiträge zu allen
derartigen Versicherungsprogrammen auf insgesamt 4,5 Milliarden
Dollar, die Beiträge der Arbeitnehmer auf insgesamt 2,3 Milliarden.
Die Reserven der betrieblichen Altersversicherungen bewegten sich
zwischen 20 und 25 Milliarden Dollar.
Umfang der Untersuchung
Die Untersuchung des Senatsausschusses wurde durch Präsident
Eisenhower in seiner Kongreßbotschaft vom 11. Januar 1954 ausgelöst
und begann im Mai 1954 mit einer eingehenden Oberprüfung von 29 privaten Versicherungsplänen, die durch Kollektivverträge geschaffen
worden waren und von beiden Sozialpartnern gemeinsam verwaltet werden.
Das bei den Informationssitzungen vom März und April 1955 gesammelte
Material und die in den ersten Stadien der Untersuchung gesammelten
Erfahrungen veranlaßten den Ausschuß, seine Untersuchungen auch auf
die Altersversicherung und die von jeweils nur einem der beiden

- 2 -

�Sozialpartner verwalteten Sozialprogramme auszudehnen sowie außerdem
industrieweite und auch andere Arten von Versicherungsplänen zu untersuchen.
Die Überprüfung erstreckte sich auf Sozial- und Altersversicherungsprogramme in der Stahl- und Automobilindustrie, im Kohlenbergbau, in der Bekleidungsindustrie, in der Elektroindustrie und
im Kraftwagentransportgewerbe.
Verschiedene Bundesbehörden wurden ferner um Auskunft ersucht,
inwieweit sie auf Grund bestehender Bundesgesetze eine Aufsichtsbefugnis über betriebliche Sozial- und Altersversicherungen ausüben.
Die einschlägigen Gesetze des Bundes und der Einzelstaaten wurden
daraufhin untersucht, inwieweit sie auf private Sozial- und Altersversicherungen anwendbar sind und eine ordnungsgemäße treuhänderische
Verwaltung, versicherungsstatistisch gerechtfertigte Geschäftspraktiken und den Schutz der Arbeitnehmer sicherstellen.
Der Ausschuß untersuchte ferner eine Reihe derartiger Versicherungen auf ihre Organisationsform, wobei drei Typen - vom Betrieb
verwaltete, von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gemeinsam verwaltete
und von den Gewerkschaften verwaltete Versicherungen - zu unterscheiden sind. Das weiteren wurde das Geschäftsgebaren von Versicherungsgesellschaften und Banken überprüft, die als Träger und Verwalter
von Gruppenversicherungen und Altersversicherungsfonds auftreten.
Darüber hinaus interviewten die Mitarbeiter des Unterausschusses
zahlreiche Vertreter der Industrie, der Gewerkschaften, des Versicherungs- und Bankwesens sowie anderer Wirtschaftszweige.
Folgerungen
Der Unterausschuß kam zu dem Schluß, daß die immer größere
Verbreitung solcher privater Sozial-, Kranken- und Altersversicherungen
und die Frage nach der Verwendung dieser steuerfreien Gelder der Regierung eine große Verantwortung aufbürde. Sie müsse deshalb für eine
ordentliche Verwaltung dieser Versicherungsfonds Sorge tragen und
die Rechte und Interessen sowohl der Versicherungsnehmer als auch der
Öffentlichkeit schützen.
Der Unterausschuß zeigte sich nicht überrascht, daß die Untersuchungen Anbetracht der großen in den Fonds angesammelten Summen und
wegen des Fehlens einer entsprechenden Aufsicht Beweise dafür brachte,
daß eine kleine Minderheit skrupelloser Menschen sich derartige Geldmittel aneignete, und daß eklatante Formen des Mißbrauchs aufgedeckt
wurden.
Daß die größte Zahl derartiger Programme korrekt verwaltet wird,
stellt keinerlei Entschuldigung für die festgestellten Mißbräuche, Unregelmäßigkeiten und anderen Unzulänglichkeiten dar. Die Tatsache, daß
es überhaupt zu Veruntreuungen und Betrügereien hat kommen können, zeigt,
daß das gegenwärtige Fehlen entsprechender Kontrollen Mißbräuche begünstigt."
Auf Grund seiner Untersuchungen gelangte der Unterausschuß ferner
zu dem Schluß, daß "diese Arbeitgeber-Arbeitnehmerversicherungen ...
wirklich im Einklang mit der gegenwärtigen Gesetzgebung auf der Basis
verwaltet werden, daß die vom Betrieb geleisteten Beiträge ihrem
Wesen nach Teil des Arbeitsentgeltes sind oder, um es einmal anders
zu fassen ..., daß die Lohnkosten für den einzelnen Arbeitnehmer
größer sind als die an ihn ausbezahlte Lohnsumme ... Nach unseren
Untersuchungsergebnissen hat man aber daraus nicht die Folgerung
gezogen, daß die Arbeitnehmer demgemäß auch ein Anrecht haben, zu
erfahren, welche Kosten das Programm verursacht, wie die Mittel
verausgabt, die Rücklagen sichergestellt und die ganzen Programme
verwaltet werden ..."

- 5-

�Bei zahlreichen der schlimmsten Mißbrauche, die der Unterausschuß in der Verwaltung solcher Versicherungsfonds feststellte, ist
die Ursache in gewissen Versicherungspraktiken zu suchen: hohe
Kommissionen, übermäßige Verwaltungsgebühren, hohe Rückstellungen
seitens der Versicherungsgesellschaften, ungleichmäßige Behandlung
der Versicherungsnehmer und skrupelloses Geschäftsgebaren der Versicherungsmakler und -agenten.
Mittel aus der Sozial- und Altersversicherung wurden auch durch
eine unfähige Verwaltung zum Teil vorsätzlich und zum Teil fahrlässig verschwendet. In vielen Fällen wurden versicherungsmathematische Grundsätze und die Frage nach der Anlagemöglichkeit dieser
Gelder nicht genügend beachtet, Dinge, ohne die sich eine solche
Versicherung niemals mit Erfolg betreiben läßt.
Empfehlungen
Gesetzliche Offenlegungspflicht
Der Unterausschuß kam zu der Auffassung, daß der Erlaß eines
Bundesgesetzes über die Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse betrieblicher Sozial- und Altersversicherungen notwendig sei.
In dem Bericht des Ausschusses heißt es unter anderem: "Erstes Ziel
ist die Sicherstellung der Stabilität privater Sozial- und Altersversicherungen nicht nur für die Gegenwart, sondern auf lange Sicht,
ohne daß sie dadurch ihres freiwilligen Charakters entkleidet oder
aus den Kollektivverträgen herausgelöst werden."
Zu diesem Zweck untersuchte der Unterausschuß, welche Möglichkeiten für einen Schutz der Rechte der Versicherungsnehmer gegeben
sind. Er nannte drei solche Möglichkeiten:
1. Eine Regelung durch neue einzelstaatliche Gesetze}
2. eine gesetzliche Auflage, die es den betreffenden Verwaltungen
zur Pflicht macht, ihre Bücher regelmäßig "überprüfen zu lassen und
sämtlichen Versicherungsnehmern Bericht zu erstatten; und
J. eine vollkommene Überwachung aller einschlägigen Versicherungsfonds durch die Bundesregierung.
Was den ersten Lösungsvorschlag angeht, gelangte der Unterausschuß zu der Ansicht, daß nicht damit zu rechnen sei, daß sämtliche
48 Staaten innerhalb absehbarer Zeit einheitliche Gesetze erlassen
würden, die die Interessen und Rechte dieser Versicherungsnehmer
zu schützen geeignet sind.
Eine amtliche Registrierung aller derartiger Versicherungsfonds
bei einer Bundesaufsichtsbehörde und eine regelmäßige Berichterstattung an diese wurde als der einfachste Weg bezeichnet, die gegebenen Mißstände abzustellen, wobei es den Einzelstaaten überlassen
bliebe, den Aufgabenbereich der Treuhandverwaltung abzustecken und
im übrigen verschärfte Versicherungsbestimmungen zu erlassen und
durchzuführen.
Der Unterausschuß schlägt deshalb ein Bundesgesetz über die
Registrierung, Berichterstattung und Offenlegung vor, unter das
sämtliche Formen der privaten Sozial- und Altersversicherung fallen
sollen. Nach dem Vorschlag des Unterausschusses sollte das Gesetz

-4 -

�zunächst auf drei Jahre begrenzt sein. Die Aufsichtsbehörde würde
nach diesem Vorschlag dem Kongreß nach Abschluß der ersten beiden
Jahre ihrer Tätigkeit einen Bericht über die gesammelten Erfahrungen
unterbreiten, der auch Empfehlungen über die Beibehaltung, Vereinfachung oder Modifizierung des entsprechenden Gesetzes enthalten
soll, so daß der Kongreß noch vor Auslaufen des Gesetzes entsprechende Maßnahmen ergreifen kann.
Nach dem Gesetz wären sämtliche Sozial- und Altersversicherungen,
an denen 25 oder mehr Arbeiter und Angestellte beteiligt sind, verpflichtet, sich innerhalb 90 Tage nach Inkrafttreten beziehungsweise der
Neueinrichtung registrieren zu lassen. Bei der Registrierung sind Auskünfte über Größe und Art der Versicherung und darüber, ob sie auf
Grund von Kollektiwereinbarungen eingerichtet wurde, zu erteilen.
Bei allen derartigen Versicherungen mit mehr als 100 Versicherungsnehmern, gleichgültig, ob es sich um die Privatversicherung eines einzelnen Betriebs, um Versicherungen, die auf einer gemeinsamen Basis
mit anderen derartigen Versicherungen betrieben werden (etwa über eine
gemeinsame Zentrale oder Verwaltung) oder um gewerkschaftlich verwaltete Versicherungsfonds handelt, werden detaillierte Jahresberichte
über die Finanzlage mit Angaben über Zahlungseingänge, Ausgaben, Leistungen und Rückstellungen sowie über die Beitragseingänge seitens
der Arbeitgeber und Arbeitnehmer gefordert. Diese Jahresberichte sollen
sich "auf eine Buchprüfung gemäß den allgemein anerkannten Normen für
Rechnungsprüfungen stützen, den Versicherungsnehmern zugängig gemacht
werden und von einem staatlich bestellten Bücherrevisor beglaubigt sein."
Versicherungen mit mehr als 25, aber weniger als 100 Versicherungsnehmern würden nach dem Gesetz gezwungen sein, der Aufsichtsbehörde
im Jahr einmal oder in noch größeren Zeitabständen, so wie diese dies
zur Erreichung der Zielsetzungen des Gesetzes für notwendig erachtet,
Bericht zu erstatten.
Zusätzlich zu den Informationen über das Finanzgebaren sollte
den Jahresberichten auch eine Namensliste sämtlicher Treuhänder und
Verwaltungsbediensteter mit Angaben darüber angeschlossen werden, ob
sie als Vertreter der Betriebsführung, der Belegschaft oder Gewerkschaften bestellt sind. Desgleichen soll der Bericht eine Aufstellung über die bezahlten Löhne und Vergütungen enthalten, aus der zu
entnehmen ist, welche Beträge für welche Zwecke und an wen ausbezahlt wurden.
Sofern die betriebliche Versicherung über eine private Versicherungsgesellschaft abgewickelt wird, sollen in dem Bericht auch
Angaben über Tarife, entrichtete Beiträge, Gesamtforderungen und
Dividenden enthalten sein, sowie Ausgaben über Kommissionen und
Vergütungen, die an Vermittler und Agenten ausgezahlt wurden.
Für Sozialversicherungen und Treuhand-Altersversicherungen
wären folgende Informationen zu fordern:
1. Höhe der angesammelten Gelder und Art ihrer Anlage mit
Angaben über die ursprünglich investierten Beträge beziehungsweise
des gegenwärtigen '.Vertes der entsprechenden Investitionen sowie eine
Aufschlüsselung der Gesamtinvestitionen, aus der der Prozentsatz
jeder einzelnen Investition aus den angesammelten Mitteln des Fonds
hervorgeht;

- 5-

�2. ähnliche Angaben wie unter 1. im Falle von Investitionen in
Wertpapieren oder Immobilien, sofern diese 5?o der angesammelten
Mittel übersteigen; und
3. ursprüngliche Aufwendungen, derzeitiger Wert und Prozentsatz
der hierfür verwendeten Mittel des Gesamtfonds im Falle von Investitionen in Wertpapieren oder Immobilien eines der Beteiligten.
Von Altersversicherungen, die aus einem Fonds bestritten werden,
sind in dem Bericht Angaben über Art und Rechtsgrundlage des Fonds,
die Gesamthöhe der von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern geleisteten
Beiträge, die bisherigen und derzeitigen Verbindlichkeiten aus
fälligen Leistungen, die versicherungsmathematischen Grundlagen
sowie die Zahl der erfaßten Arbeitnehmer - sowohl der noch berufstätigen als auch der bereits pensionierten - zu machen. Im Falle
einer Pauschalversicherung bei einem gewerblichen Versicherungsunternehmen müßte der Bericht Angaben bezüglich der angesammelten
Reserven sowie über Art und Rechtsgrundlage der Finanzierung und so
weiter geben.
Im Falle einer Altersversorgung, die nicht Versicherungscharakter trägt und nicht durch regelmäßige Beiträge aufgebracht wird, soll
Auskunft über die während des Berichtszeitraums geleisteten Zahlungen
an pensionierte ehemalige Mitarbeiter, die Zahl der pensionierten
Personen, Höhe der Rückstellungen in der Bilanz, statistische Grundlage vertraglicher Verbindlichkeiten und die Finanzlage der Gesellschaft beziehungsweise des Arbeitgebers während des letzten Finanzjahres erteilt werden.
Bei Verwirklichung dieser Empfehlungen ist mit einem Eingang
von schätzungsweise 40 000 Jahresberichten zu rechnen, eine Zahl,
in der Betriebe aus fast allen Sektoren der Wirtschaft eingeschlossen wären und die sich von der einzusetzenden Aufsichtsbehörde durchaus bewältigen ließe.
Der Unterausschuß weist in seinen Empfehlungen nachdrücklich
darauf hin, daß die Angaben aus den Jahresberichten auch den Versicherungsnehmern zugänglich gemacht werden. Die Jahresberichte sollten
bei der Aufsichtsbehörde zur freien Einsichtnahme aufgelegt und
darüber hinaus in zusammengefaßter Form allen Versicherungsnehmern
persönlich überreicht oder durch die Post zugestellt werden.
Strafbestimmungen
Nach Auffassung des Unterausschusses sind strenge Strafbestimmungen notwendig, um "gesetzwidrige und vorsätzliche Abzweigung
von Mitteln aus solchen Sozialversicherungsfonds"sowie auch "vorsätzliche Verletzung oder Nichtbeachtung der Bestimmungen des Gesetzes oder vorsätzliche falsche Erklärungen, Darstellung oder Auslassungen sachdienlicher Informationen" ahnden zu können.
Die Aufsichtsbehörde
Der Unterausschuß hat sich nicht klar darüber ausgesprochen,
welche Behörde als Aufsichtsbehörde fungieren solle, scheint es
aber für das günstigste zu halten, die "Bundeseffekten-Börsenaufsichtsbehörde im Hinblick auf ihren organisatorischen Aufbau und

- 6-

�ihre anerkannten Erfolge in der Verwaltung von Gesetzesbestimmungen,
die eine Offenlegung fordern",mit dieser Aufgabe zu betrauen.
Er stellte aber auch eine Übertragung dieser Befugnisse an das
Arbeitsministerium, das Ministerium für
Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialfragen, die Bundessteuerverwaltung oder an
eine neu zu schaffende Behörde zur Diskussion.
Beirat
Der Unterausschuß unterbreitete ferner eine Empfehlung ütjer
die Schaffung eines aus 13 Personen zu bildenden Beirates, der
der Aufsichtsbehörde bei der Verwaltung des Gesetzes zur Seite
stehen solle. Im einzelnen würden dem Beirat angehören: 3 Arbeitnehmer-Vertreter, 2 Arbeitgeber-Vertreter, ein Vertreter des
Versicherungsgewerbes, ein Vertreter des Bankwesens, 3 Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben sowie kraft ihres Amtes
der Arbeitsminister, der Minister für Gesundheits-, Erziehungsund Sozialfragen und der Leiter der Bundessteuerverwaltung.

(Aus "Monthly Labor Review")
Vol. 79 Wo. 7

» • • • «
Faith M. Williams, Mitarbeiter der Abteilung Wirtschaftsfragen im
Bundesamt für Arbeitsstatistik
Lebensansprüche und Lebensstandard der arbeitenden Bevölkerung
in den amerikanischen Städten
Der erhebliche Anstieg der Einkommen der Lohn- und Gehaltsempfänger in den amerikanischen Großstädten seit Ende der drei-_
ßiger Jahre und der damit verbundene große Wandel in den Verbrauchergewohnheiten sind seit langem schon Gegenstand eingehender
Untersuchungen und Analysen. Bis in die jüngste Zeit hinein allerdings hat es an einem Maßstab für die Beurteilung ihres spezifischen Einflusses auf die Kaufgewohnheiten gefehlt. Eine eingehende
Untersuchung der Ausgaben von Lohn- und Gehaltsempfängern in den
Großstädten im Jahre 1950» deren Auswertung inzwischen vorliegt,
gestattet nunmehr einen Vergleich der Aufwendungen in jenem Jahr
mit denen aus der Zeit von 1934/36. Hieraus lassen sich wiederum
Schlüsse auf den Wandel der Lebensansprüche sowie auf die Löhne
und Beschäftigungsbedingungen ziehen.
Ursachen und Auswirkungen des Anstiegs des Arbeitsverdienstes
Im Durchschnitt lagen die Gesamtarbeitsverdienste und damit
auch die Kaufkraft der Lohn- und Gehaltsempfänger in den Städten
im Jahre 1954 etwa doppelt so hoch wie 1939« Bei Familien, die
in ihrem Unterhalt ausschließlich auf Arbeitsverdienste angewiesen
sind, lag die Kaufkraft 1954 sogar noch etwas über dem Doppelten
der Vergleichszahl von 1939« Somit konnten die Lohn- und Gehaltsempfänger insgesamt eine erhebliche Steigerung ihres tatsächlichen
Lebensstandards verzeichnen.

- 7-

�Hinzu kommt noch eine Verkürzung der Arbeitszeit; arbeitet doch
heute der größte Teil der städtischen Bevölkerung fünf Tage in der
Woche. Die Mehrzahl der Arbeiter hat Anspruch auf eine Woche bezahlten Urlaub, ein erheblicher Prozentsatz sogar auf zwei oder mehrere
Wochen. Der Anstieg des Lebensstandards in der Gruppe der Lohn- und
Gehaltsempfänger brachte diesem Personenkreis nicht nur zahlreiche
Annehmlichkeiten ein, sondern wirkte sich auch sehr günstig auf den
Gesundheitszustand aus.
Dieser Anstieg der Arbeitsverdienste seit Ende der dreißiger
Jahre hat verschiedene Ursachen. Zu Beginn des Vergleichszeitraums
wurden die Arbeitsverdienste noch stark durch schwankende Beschäftigungszeiten beeinträchtigt. Im Jahre 1939 waren durchschnittlich
17 afi sämtlicher Arbeitskräfte arbeitslos oder im Rahmen der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Regierung beschäftigt. Nach 1950 ist die
Arbeitslosigkeit nie über einen Jahresdurchschnitt von 5 i° hinausgegangen, und die Regierung brauchte keinerlei derartige Notstandsprogramme einzurichten. Dabei hat der prozentuale Anteil der Arbeitskräfte an der Gesamtbevölkerung inzwischen sogar noch zugenommen, da die Nachfrage nach Arbeitskräften sowohl für ganztägige als
auch stundenweise Beschäftigung einen größeren Prozentsatz an Jugendlichen unter 19 und an Frauen über 35 zum Eintritt ins Berufsleben
veranlaßt hat. Eine weitere Ursache liegt darin, daß eine Verlagerung
in der Güternachfrage im Verein mit dem technischen Fortschritt eine
Umschichtung in der Beschäftigtenzahl in den verschiedenen Wirtschaftsgruppen ausgelöst hat, in deren Verlauf ein weit größerer Prozentsatz
von Arbeitskräften nach Industrien mit höheren Lohnsätzen abwanderte.
Ohne diese Verschiebung in der Verteilung der Arbeitskräfte auf die
verschiedenen Wirtschaftsgruppen in der Zeit von 1939 bis 1954 wäre
der Durchschnittslohn 1954 um mindestens 5$ hinter dem tatsächlich
erreichten Satz zurückgeblieben.
Die Stundenlöhne sind in diesem Zeitabschnitt weit stärker gestiegen als die Preise, die die arbeitende Bevölkerung für 'Aaren
und Dienstleistungen bezahlen muß. Die Zunahme der Kaufkraft des
Nettowochenlohns eines verheirateten Arbeiters mit zwei Kindern in
der Fertigungsindustrie gegenüber 1939 betrug im Jahre 1955 bei
Berücksichtigung des Anstiegs der Verbraucherpreise, der Bundessteuern und -abgaben sowie der Aufwendungen für Sozialversicherung

55£.
Diese erhöhte Kaufkraft ist die Folge der bemerkenswerten Steigerung der Produktivität in der gesamten Wirtschaft. Das Bundesamt
für Arbeitsstatistik vertritt die Auffassung, daß die technische
Entwicklung als eine der Hauptursachen für die rund dreißigprozentige
Steigerung des Warenausstoßes pro Arbeiter und Stunde von 1939 bis
1953 anzusehen ist. Nach seinen Schätzungen stieg die Produktivität
in den Jahren 1954 und 1955 Um weitere 10$. Sofern die Entwicklung
nicht durch einen Krieg in eine andere Richtung gedrängt wird, ist
mit einer weiteren Zunahme des Ausstoßes pro Mann und Stunde zu
rechnen, die zwar nicht so groß sein dürfte wie 1954/55» aber doch
mindestens dem Durchschnitt der Jahre von 1939 bis 1953 entsprechen
wird.
Es erhebt sich die Frage, ob die zu erwartende Steigerung der
Produktivitätsrate der arbeitenden Bevölkerung mehr Freizeit bringen
oder sich lediglich dahingehend auswirken wird, daß noch mehr Waren
und Dienstleistungen gekauft werden. Aus dem Zahlenmaterial des

- 8

�Bundesamtes für Arbeitsstatistik über die Verlagerung der Verbraucherkäufe geht hervor, daß Lohn- und Gehaltsempfänger in der ersten
Hälfte des Jahres 1950 einen mindest ebenso hohen Anteil ihres Einkommens für den Erwerb von Waren und Dienstleistungen aufgewendet
haben wie während der dreißiger Jahre, wobei zu berücksichtigen ist,
daß ihre Arbeitsverdienste im allgemeinen höher lagen.
George Meany, der erste Vorsitzende des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes AFL-CIO,hat einmal darauf hingewiesen, daß die Gewerkschaften bis zum Jahre 1980 eine Herabsetzung der Arbeitszeit
auf wöchentlich 30 Stunden erstreben. Bei Kollektivverhandlungen
haben die Gewerkschaften in der Nachkriegszeit wohl die Forderungen
der Arbeiterschaft nach längerem bezahlten Urlaub geltend gemacht,
im allgemeinen aber mehr Nachdruck auf eine Erhöhung des Nettoeinkommens als auf eine Reduzierung der Arbeitsstunden auf weniger
als 40 Stunden pro Woche gelegt.
Der Wandel der Lebensansprüche
Die erhöhten Lebensansprüche gegenüber 1939 sind auf eine
Vielzahl von Veränderungen auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet
zurückzuführen und haben ihrerseits wiederum die Wirtschaft und die
sozialen Verhältnisse beeinflußt. Die rasch voranschreitende technische Entwicklung hat dem Verbraucher nicht nur viele neue Gebrauchsgüter beschert, sondern auch dazu geführt, daß viele Waren, die früher
nur begüterten Schichten erschwinglich waren,nunmehr auch von Lohnund Gehaltsempfängern erworben werden können. Mit zunehmender Verbreitung der Bildung auch unter der Masse der Werktätigen erwachte
auch in diesen Kreisen der Wunsch nach besseren Wohnverhältnissen.
Die Lebensansprüche des Arbeiters wurden ferner von der in den
dreißiger Jahren allmählich wieder einsetzenden Landflucht beeinflußt. Die Landarbeiter, die bis dahin in verhältnismäßig strenger
Isolation gelebt hatten, begannen in zunehmender Zahl aus den Agrargebieten nach den Städten abzuwandern, die ein höheres Durchschnittseinkommen und ganz andere Verbrauchergewohnheiten aufwiesen. Darüber
hinaus brachte es der zweite Weltkrieg mit sich, daß viele Frauen
erstmals in Fabriken und Büros arbeiteten, dort die Lebensgewohnheiten anderer Menschen kennenlernten und daraufhin ihre eigenen
Lebensgepflogenheiten änderten, in der '//eise nämlich, daß sie selbst
höhere Ansprüche bezüglich der Ernährung, Kleidung sowie des Wohnens
und der Ausstattung des Haushalts zu stellen begannen.
Der Anstieg des durchschnittlichen Realeinkommens der städtischen Familien, die ihren Lebensunterhalt aus dem Arbeitsverdienst
bestreiten, hat die Lebensansprüche, die Vorstellung nämlich davon,
was und wieviel an Verbrauchsgütern zum "normalen" Leben nötig ist,
heraufgeschraubt. Der Zusammenhang zwischen höheren Reallöhnen und
höheren Lebensansprüchen und deren Auswirkungen auf den Sparwillen
geht aus einer Untersuchung über die Spartätigkeit in den Vereinigten
Staaten von 1897 bis 1952 hervor, die Dorothy S. Brady unter dem
Titel "Family Savings in Relation to Changes in the Level of Distribution of Income"*)(Die Spartätigkeit und ihre Zusammenhänge mit den

1}
Enthalten in "Studies in Income and Wealth", Band 15, National
Bureau of Economic Research, New York, 1952.

-9 -

�Veränderungen der Einkommenshöhe und -Verteilung) veröffentlichte.
Aus dieser Arbeit geht hervor, daß in den 55 Jahren von 1897 bis
1952, in denen sich das verfügbare Personaleinkommen pro Kopf (ausgedrückt in Dollars konstanter Kaufkraft) nahezu verdreifacht hat, ein
ständig steigendes Nominal-, oder Realeinkommen pro Haushaltmitglied
die Voraussetzung für jegliche Spartätigkeit war. Anders ausgedrückt
war in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts ein ständig steigender
"Realverbrauch" die Bedingung für eine Fortführung der Spartätigkeit.
Die Lebensansprüche - unsere Vorstellungen davon, was der Verbraucher an Waren und Dienstleistungen beanspruchen, was er in seiner
Freizeit unternehmen und welche Arbeitsbedingungen er fordern kann gehörten in den Vereinigten Staaten stets zu den Faktoren, die die
Dynamik der Wirtschaft mitbestimmten. Die Auswirkungen eines Anstieges der Lebensansprüche auf die Gesamtwirtschaft wurden nie so deutlich wie in der letzten Nachkriegszeit. Schon Anfang 1946 ließ sich
ganz klar erkennen, daß sich die Lebensansprüche in den USA seit
der Wirtschaftskrise und in der Folgezeit - nicht zuletzt in den
Kriegsjahren - erheblich gewandelt hatten. Im Verlauf dieses Zeitabschnittes, in dem es vielen Familien aus verschiedenen, jeweils
zeitbedingten Gründen heraus unmöglich war, die erstrebten Verbrauchsgüter zu erwerben, haben sich neue »Vertmaßstäbe herausgebildet.
Ende 1949 zeigte sich dann, daß sich die meisten amerikanischen
Familien nicht nur höhere Lebensansprüche zu eigen gemacht hatten,
sondern auch andere Vorstellungen darüber, welche finanzielle Risiken tragbar seien. Trotz einer starken Zunahme der Arbeitslosigkeit
und eines Absinkens des Personaleinkommens lagen in diesem Jahr die
Verbraucherausgaben in gegenwärtigen Dollars ausgedrückt ebenso hoch
wie 1948 und in konstanten Dollars ausgedrückt sogar noch etwas höher.
Zahlreiche Familien machten ihre Ersparnisse flüssig oder stellten
mindestens die Spartätigkeit ein, um jenen Lebensstandard beibehalten
zu können, an den sie sich inzwischen gewöhnt hatten. Sie ließen
sich dabei offenbar von dem Vertrauen leiten, daß die Wirtschaftsflaute nur von vorübergehender Dauer sein werde. Nach dem Ausbruch
des Koreakrieges im Jahre 1950 kam es verschiedentlich zu Angstkäufen, die durch die noch sehr lebendige Erinnerung an die Warenverknappung während des zweiten Weltkrieges ausgelöst worden war.
Die Befürchtungen einiger Wirtschaftler, daß sich eine ausreichende
Verteidigungsproduktion bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung einer
den hohen Ansprüchen genügenden Verbrauchsgüterproduktion
nicht
sicherstellen lasse, erwiesen sich als gegenstandslos. So konnte
sich der Absatz an Verbrauchsgütern und Dienstleistungen pro Kopf
der Bevölkerung seit 1950 ständig auf großer Höhe halten. Im Jahr
1955 lag er etwa 13/° über dem des Jahres 1949»
Die Arbeitsverdienste der Lohn- und Gehaltsempfänger haben
nicht in dem Maße zugenommen, das nötig wäre, um den tatsächlichen
Verbrauch dieser Bevölkerungsgruppe restlos mit den gesteigerten
Lebensansprüchen in Einklang zu bringen. Es sieht im Augenblick auch
gar nicht so aus, als ob dies bald der Fall sein werde. Es entspricht
aber durchaus den amerikanischen Gepflogenheiten, daß die Lebensansprüche der einzelnen Bevölkerungskreise etwas höher liegen als
der tatsächliche Verbrauch in den unteren Schichten der entsprechenden Einkommensgruppen. In der Frühzeit der Kolonisation wurde den
Angehörigen der handwerklichen Berufe der Kauf "extravaganter"
Kleider durch Gesetz untersagt. Mit Einsetzen der raschen wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung im späten 17• und 18. Jahrhundert wurden

- 10 -

�diese Gesetze widerrufen oder nicht mehr angewandt. Man bestärkte
die Menschen in der Auffassung, daß auch die Söhne und Töchter
weniger begüterter Familien nach einer Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage streben sollen. Die Unterschiede hinsichtlich
der Verbrauchergewohnheiten, wie sie zwischen den verschiedenen
Berufsgruppen bestehen, verwischten sich mit der allmählichen
Nivellierung der Löhne und der zunehmenden Verbreitung der Bildung
auch unter der arbeitenden Bevölkerung. In den letzten beiden
Jahrzehnten, in denen ein allgemeiner Anstieg des Einkommens
zu verzeichnen war, stieg die Nachfrage nach Dienstleistungen
noch weit mehr als die Nachfrage nach Gütern. Insbesondere war
ein verstärkter Andrang zu den Schulen sowie eine erhöhte Inanspruchnahme von Ärzten zu verzeichnen. So erklärt sich auch, daß
die Zahl der Beschäftigten im Dienstleistungsgewerbe seit 1940
erheblich mehr zunahm als in den Verbrauchsgüterindustrien. Dennoch
besteht netürlich nach wie vor ein großer Bedarf an Waren, die für
eine gesunde und gesellschaftlich erstrebenswerte Lebensführung
in den Städten als notwendig erachtet werden; das beste Beispiel
dürfte hier der Wunsch nach einer Verbesserung der Wohnverhältnisse sein.
Der Wandel des Lebensstandards
Wenden wir uns zunächst einmal den beiden Untersuchungen über
die Wirtschaftsrechnung von Arbeiterfamilien in Großstädten zu.
Die Verlagerung der Schwerpunkte bei den Verbraucherkäufen städtischer Lohn- und Gehaltsempfänger in der Zeit von 1934 bis in die
jüngste Zeit hinein läßt sich aus den Zahlen ablesen, die das
Bundesamt für Arbeitsstatistik von 1934/36 und 1950 bezüglich der
Haushaltausgaben in dieser Bevölkerungsgruppe zusammengetragen hat.
(siehe Tafel i ) . Weitere Vergleichszahlen stehen leider nicht zur
Verfügung, da solche Ermittlungen nicht regelmäßig durchgeführt
werden. Im Jahre 1950 waren die Verbraucherpreise im Durchschnitt
um 75$ höher als 1934/36. Die Lebensmittelpreise wiesen dabei
die größte Zunahme auf, gefolgt von Bekleidung und Wohnungseinrichtungen. Die geringste Zunahme wiesen die Mieten auf, in erster Linie wegen der Beibehaltung der Mietpreiskontrollen bis in
das Jahr 1950 hinein. Die Familienausgaben 1934/36 wurden unter
Heranziehung des Lebenshaltungskostenindex, des heutigen Verbraucherpreisindex, des Bundesamtes für Arbeitsstatistik auf den Dollarwert von 1950 umgerechnet.
Vergleiche zwischen den Angaben von 1934/36 und 1950 unterliegen
gewissen Einschränkungen, die größtenteils auf die vorstehend aufgezeigten Unterschiede hinsichtlich der Lage auf dem Arbeitsmarkt
zurückzuführen sind. Die erstere Untersuchung lief gegen Ende 1934
an, zu einer Zeit also, als etwa ein Fünftel der Gesamtzahl der
Arbeitskräfte entweder arbeitslos oder im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen eingesetzt war. Die Untersuchungen der Jahre
1934/36 dienten dem Zweck, eine neue Basis für die Aufstellung
des damaligen Lebenshaltungskostenindex zu gewinnen, mit dem Ziel,
die unregelmäßigen Ausgaben der nur im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsprogrammen beschäftigten Arbeiter sowie überhaupt aller unregelmäßig beschäftigten Arbeitskräfte, deren Käufe in keiner //eise
als typisch für langfristige Verbrauchergewohnheiten angesehen
werden können, auszuschließen. Die Untersuchung wurde deshalb auf
jene Einkommensschichten begrenzt, die als typisch für den Personenkreis der Lohn- und Gehaltsempfänger gelten durften. Diese Beschränkung des Personenkreises brachte es mit sich, daß bei der

- 11

�Umfrage in erster Linie Arbeiter und Angestellte berücksichtigt
wurden, die im Durchschnitt älter und weit regelmäßiger beschäftigt waren als die große Masse der Gehalts- und Lohnempfänger
der Jahre 1934/36.
Die Lohn- und Gehaltsempfänger, die bei der Untersuchung des
Jahres 195C herausgegriffen wurden, stellten einen echten repräsentativen Querschnitt aus dieser Bevölkerungsgruppe dar. Die Untersuchung erstreckt sich auf ein Jahr, in dem anfangs eine erhebliche
Arbeitslosigkeit und gegen Ende - bedingt durch den Ausbruch des
Koreakrieges - in vielen Gebieten eine echte Verknappung der Ar*beitskräfte zu verzeichnen war. Dabei wurden im Gegensatz zu den
Untersuchungen der Jahre 1934/36 auch Familien, die irgendwelche
Zuschüsse oder"Beihilfen aus öffentlichen Mitteln erhielten, in
die Befragung einbezogen; sie fallen ohnehin nicht besonders ins
Gewicht, da sie nur einen geringen Prozentsatz der Gesamtzahl
ausmachen. Man hatte somit einen repräsentativen Querschnitt aus
allen Schichten der arbeitenden Bevölkerung in den Städten für
diese Untersuchung herangezogen, um ein möglichst wirklichkeitsnahes Ergebnis zu erzielen. Trotz der Unterschiede hinsichtlich
der bei den Umfragen von 1934/36 und 1950 benutzten Querschnitte
gewährt ein Vergleich der Einkünfte (abzüglich Steuern) und Ausgaben aus den beiden Untersuchungszeiträumen wichtige Aufschlüsse
über den Wandel der Lebensansprüche und des Lebensstandards.
Ein Wandel ist auch in der Zusammensetzung der Familienausgaben eingetreten. Nach Umrechnung der 1934/36 ermittelten Ausgaben
auf das Preisniveau von 1950 zeigt eine Gegenüberstellung, daß die
Gesamtkäufe an der für den unmittelbaren Verbrauch bestimmten Waren
und Dienstleistungen bei der im Jahre 1950 befragten Gruppe um fast
60 'fr höher lagen als bei dem 1934/36 erfaßten Personenkreis. Die
Abweichungen auf der Ausgabenseite verteilen sich auf die einzelnen
Gruppen von Waren und Dienstleistungen in einer Weise, die den bereits seit langem offenkundigen Verbraucherneigungen entspricht,
wobei sich allerdings das Bild durch Preisänderungen und andere
Faktoren, die das Wirtschaftsklima in der zweiten Hälfte des Jahres 1950 beeinflußt haben, etwas verschiebt.
Diese Verschiebungen sind in Tafel II der Größenordnung nach
aufgeführt. Am auffälligsten ist der Anstieg der Aufwendungen für
Eigenheime. In scharfem Gegensatz hierzu sind im Falle der Wohnauslagen und der kleineren Ausgaben für Beheizung, Beleuchtung
und A'asser nur relativ geringe Abweichungen eingetreten, ein Umstand, der sich vielleicht aus der Tatsache erklärt, daß sich der
Anteil der Mietwohnungen, bei denen letztere Dienstleistungen
nicht pauschal mit der Miete abgegolten werden, erheblich verringert hat.
Die weit größeren Aufwendungen für Anzahlungen zum Erwerb von
Eigenheimen beziehungsweise die Tilgung von Hypotheken auf Eigenheime im Jahre 1950 erklären sich zum Teil aus der Tatsache, daß
der Prozentsatz der Eigenheimbesitzer erheblich angestiegen ist,
betrug er doch 1934/36 nur 30, 1950 jedoch 45$. Hinzu kommt,
daß Mitte der dreißiger Jahre zahlreiche Familien, deren Hausbesitz mit Hypotheken belastet war, keine Tilgungszahlungen leisten
konnten. Im Erhebungszeitraum 1934/36 entrichteten nur knapp zwei
Drittel der Eigentümer belasteter Eigenheime über die Zinszahlungen
hinaus Tilgungsraten oder leisteten irgendwelche Anzahlungen auf
ein neues Eigenheim.

- 12 -

�T A F E L

I

Durchschnittliche Wirtschaftsrechnung von Haushaltungen von
Lohn- und Gehaltsempfängern gemäß den Untersuchungen au3
den Jahren 1954/36 und 1950
1954/36
Zahl der erfaßten Haushalte

14 469

5 994

3,6

3,3

Personen je Haushalt
Durchschnittseinnahmen

1950

Untersuchungen in Dollars von 1950

Bruttoarbeitseinkommen

2 661

4 299

Bruttoarbeitseink. abzügl.
Steuern

2 659

4 005

4

ü

2 663

4 038

Andere Einkommen
Gesamteinkünfte (abzügl.
Steuern)

Durchschnittsausgaben für
Waren u. Dienstleistungen insges. 2 564

4 076

Nahrungsmittel und Getränke

1 030

1 335

Kleidung

309

473

Reine Wohnauslagen (Miete,
Hypothekenzinsen, Grundsteuern u. Instandsetzung)

356

448

Heizung u. Beleuchtung,Wasser

158

153

80

167

119

281

150

457

Andere Verkehrsausgaben

57

81

Gesundheitspflege

88

213

Persönliche Ausgaben

55

93

Erholung u. Unterhaltung

67

191

Lesestoff

27

36

Bildung

11

19

Tabakwaren

46

80

Wohnungsunterhalt
Wohnungseinrichtung u. Hausgeräte
Kraftfahrzeuge, Erwerb u.
Unterhalt

Versch. Waren u. Dienstleistungen

49

(wie Beerdigungskosten, Alimente uswJ 11
Geschenke und Zuwendungen

74

Personenversicherungen

149

Überschuß bzw. Verbindlichkeiten

- 124

Aufwendung f. Hypothekentilgung
u. Anzahlung f. Eigenheime
Ausgaben-Einnahmenausgleich

+ 37
0
13

136
183
-192
+ 211
- 165

�T A F E L

II
Veränderung der Durchschnittsausgaben der
Lohn- und Gehaltsempfänger im Jahr 1950
gegenüber 1934/36 (Zu- oder Abnahme in
Prozent von 1936)

Waren und Dienstleistungen

Zu- oder Abnahme

Hypothekentilgung und Anzahlung
für Eigenheime

470

Verschiedene 7/aren und Dienstleistungen

345

Kraftfahrzeug, Erwerb und Erhalt
Erholung und Unterhaltung

205
185

Gesundheitspflege

142

Wohnungseinrichtung und Hausgerät

136

Wohnungsunterhalt

109

Geschenke und Zuwendungen

84

Tabakwaren

74

Bildung

73

Persönliche Ausgaben

69

Laufende Gesamtausgaben für
Waren und Dienstleistungen

59

Kleidung

53

Wohnung (Miete, Heizung, Beleuchtung,
Wasser, Hypothekentilgung, Anzahlung
für Eigenheime, Hypothekenzinsen,
Instandsetzung)

47

Andere Verkehrsausgaben

42

Lesestoff

33

Nahrungsmittel und Getränke

30

Reine Wohnauslagen (Miete, Hypothekenzinsen, Grundsteuern und Instandsetzung)

26

Personenversicherungen
Heizung, Beleuchtung und Wasser

23
3r2

(Fortsetzung in der Januarausgabe 1957)

- 14 -

�Gewerkschaftliche Kurznachrichten
Neue wichtige Lohnabkommen in der US-Industrie
Nachdem die großen Industriezweige wie die Stahl- und Gummiindustrie im Sommer die neue Runde der Lohnerhöhungen eröffneten,
haben in den vergangenen Wochen zahlreiche Tarifvertragsverhandlungen stattgefunden, die alle mit zum Teil erheblichen Aufbesserungen der Löhne und Sozialleistungen endeten. Auch in der
letzten Zeit
wurden wieder zahlreiche Neuabschlüsse in den verschiedensten Wirtschaftszweigen bekannt.
Werftarbeiter erhalten 18 Cent mehr
Ein wichtiges Tarifabkommen, das zweifellos als Grundlage für
weitere Abkommen in der Schiffsbauindustrie dienen wird, wurde zwischen der Werftarbeitergewerkschaft und der "Todd Shipyards Corporation" abgeschlossen. Der Vertrag, der eine Laufzeit von drei Jahren
hat, sieht dabei eine Stundenlohnerhöhung für Facharbeiter um 18 Cent
rückwirkend vom 4. September 1956 und eine weitere Erhöhung um neun
Cent ab 1. August 1957 vor. Damit beträgt der gegenwärtige Durchschnittsstundenlohn der Werftarbeiter 2,45 Dollar. An zusätzlichen
Sozialleistungen gewährt der neue Vertrag eine Krankenhausversicherung,
einen zusätzlich bezahlten Feiertag sowie Urlaubsgeld.
10 Cent Stundenlohnerhöhung für 600 000 Textilarbeiter
Eine Erhöhung der durchschnittlichen Stundenlohnsätze für rund
600 000, zum größten Teil nichtorganisierte Textilarbeiter gaben
jetzt drei große Textilkonzerne bekannt, die zusammen über 153 Textilfabriken in den Südstaaten verfügen. Während "J.P. Stevens and
Company" bereits mitteilte, daß es sich hierbei um eine Anhebung
der Stundenlöhne um 10 Cent handele, erklärten die beiden anderen
Unternehmen, daß sie nähere Einzelheiten erst nach Festlegung der
neuen Sätze bekanntgeben würden. Es kann aber damit gerechnet werden, daß sich beide Firmen dem allgemeinen gegenwärtigen Lohnniveau
anpassen werden.
Nach Bekanntwerden der neuen Lohnerhöhung durch die drei Textilkonzerne hat die Textilarbeitergewerkschaft der AFL-CIO, die rund
35 000 Arbeitnehmer in Baumwollspinnereien der Südstaaten vertritt,
den organisierten Betrieben bereits mitgeteilt, daß sie in Kürze
neue Lohnverhandlungen aufnehmen wolle.
Fleiachpacker erhalten 25 Cent mehr - Auch im Fernmeldewesen
Lohnerhöhungen
Der zehntägige Streik zweier Gewerkschaften der Fleischkonservenindustrie, an dem rund 25 000 Arbeitnehmer der "Swift and Company"
in 26 Bundesstaaten teilnahmen, endete mit dem Abschluß eines neuen
Tarifvertrages, der sich über drei Jahre erstrecken wird. Neben einer
Anzahl von neuen zusätzlichen Sozialleistungen werden die Fleischpacker eine Stundenlohnerhöhung um 25 Cent erhalten. Die Forderung
der Gewerkschaft nach Einführung des "union shop" wurde dagegen
abgelehnt.
Auch die "Bell Telephone Company" hat in den vergangenen Wochen
insgesamt sieben neue Tarifverträge mit der Gewerkschaft der Angehörigen des Fernmeldewesens abgeschlossen, durch die rund 50 000
Arbeitnehmer berührt werden. Die Lohnerhöhung beträgt hier rund
10 Cent die Stunde.

- 15 -

�Bergarbeiter-Sozialfonds legte Leistungsbericht vor
Die Gesamtguthaben des Wohlfahrtsfonds der "Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft von Amerika" (UMW), einer der ältesten in den USA
und der größte private Sozialfonds der Welt, betrugen am Ende des
Finanzjahres 1955/56 (30. Juni) 130,1 Mio. Dollar. Gegenüber dem
gleichen Zeitpunkt des Vorjahres bedeutet das eine Zunahme von mehr
als 26 Millionen Dollar. Die Gesamteinnahmen des Fonds im abgelaufenen
Finanzjahr beliefen sich, wie aus dem jetzt veröffentlichten Geschäftsbericht weiter zu entnehmen ist, auf insgesamt 154»2 Mio. Dollar,
während die Ausgaben eine Höhe von 127,6 Mio. Dollar erreichten.
In dieser Summe sind Leistungen an die 206 919 Unterstützungsempfänger des Fonds in Höhe von 123,9 Mio. Dollar (97»1^ der Gesamtaufwendungen) enthalten; der Rest von 2,9/= verteilt sich auf Verwaltungskosten und den Unterhalt der zehn Gesundheitszentren des Fonds.
Wie aus der Übersicht weiter zu ersehen ist, beliefen sich die
Pensionszahlungen im abgelaufenen Finanzjahr allein auf 73»1 Mio.
Dollar. Am 30. Juni waren es insgesamt 61 546 Pensionäre, die monatliche Rentenleistungen in Höhe von 100 Dollar zusätzlich zur staatlichen Altersversorgung erhielten. Das Durchschnittsalter dieser ehemaligen Bergarbeiter, die im Durchschnitt 32,3 Jahre unter Tage gearbeitet haben, beträgt 63,8 Jahre.
Der nächste größere Ausgabeposten im Finanzjahr 1955/56 mit
47»5 Mio. Dollar erstreckt sich auf Krankenversicherungsleistungen
für insgesamt 89 513 Versicherte; darunter sind Krankenhauskosten
für über 1,5 Mio. Tage enthalten. An Bestattungskosten und Hinterbliebenenzuwendungen wurden aus dem Fonds 1955/56 insgesamt 3,1 Mio.
Dollar ausgegeben, während 69 807 Dollar als Familienbeihilfen für
im vergangenen Jahr tödlich verunglückte Bergleute bereitgestellt
wurden.
In den zehn Jahren seines Bestehens hat der Wohlfahrtsfonds
der "Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft" bisher Unterstützungsleistungen in einer Gesamthöhe von 880,8 Mio. Dollar an 972 004 Mitglieder des Fonds ausgezahlt. Die Gesamteinnahmen in diesem Zeitraum
betrugen 1,03 Milliarden Dollar.
*
Arbeitszeit nach Wunsch
Die Gewerkschaften würden im Jahre 1970 den Schwerpunkt bei den
Tarifverhandlungen mit den Unternehmern auf die Festsetzung von flexiblen
Beschäftigungsplänen legen, die sich entweder auf eine durchgehende Arbeitszeit von acht Tagen mit anschließenden sechs Ruhetagen oder eine
Normalarbeitszeit mit zwei Monaten Urlaub im Jahr oder aber einer täglichen Teilarbeitszeit (vor- oder nachmittags) erstrecken würden.
Dieses erklärte Dr. Clark Kerr, Rektor der Universität Kalifornien
und früherer Direktor des "Instituts für Arbeitsfragen". Er wies in diesem Zusammenhang darauf hin, daß sich die durchschnittliche Länge der
Arbeitswoche in den Vereinigten Staaten in der Vergangenheit während
einer Zehnjahresperiode um rund drei Stunden verringerte und diese Rate
wahrscheinlich auf etwa 2,5 Stunden zurückgehen wird, wenn sich die
Gewerkschaften bei den Kollektivverhandlungen mehr um eine Erhöhung
des Lebensstandards ihrer Mitglieder als um eine Verkürzung der Arbeitszeit bemühen würden.
(Quelle: Eigenbericht)
* * « * *
- 16 -

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                <text>Internationale Arbeitsmitteilungen 1956 (Jahrgang)</text>
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                    <text>AMERIKA-DIENST

Sonderausgaben 1955

I.

Eisenhower;

Botschaft lieber die Lage der Kation

I,

Eisenhower;

Botschaft lieber die US-Aussenhandels-

politik

6. I.

lo. I.

I#

Dulles

I.

Eisenhower

II,

Eisenhower; Jahresbericht ueber die wirtschaftliche
Lage der Vereinigten Staaten
2o. I.
Dulles fordert schnellere Ratifizierung des Verteidi-.
gungsabkommens mit National-China
7» II»

II.

umreisst Friedenskonzeption des ,7estens
legt neuen HaAshalt vor

11. I.
17. I.

II.

Dulles

ueber die amerikanische Aussenpolitik

II.

Lodge; Die Welt muss abruesten

19. II»

II»

Eisenhower fordert beschleunigtes Strassenbauprogramm

22. II.

II,

Conent; Die Tradition des amerikanischen Buergeri-Soldaten 22.1

II.

Konferenz des Jlanilapakt-Rates in Bangkok eroeffnet

III. Dulles
III.
III.
III»

16. II.

23. II.

berichtet ueber seine Ostasienreise

8. III.

Eisenhower; USA werden weiterhin aktiv an europaeischer
Verteidigung teilnehmen
lo. III.
Botschafter Patterson zur Eroeffnung der Kernreaktorschule in Ghikago
13. III
Gruenther;

Un;ere und unserer Partner Sicherheit sind

unloesbar miteinander verbunden

21. III

IV.

Ridgway; US-Generaele machen keine Poltik

28. III

I^»"

Dulles; Erklaerung zu den Pariser Vertraegen vor dem
Aussenpolitischen Senatsausschuss

IV.

Dulles;

Grundsaetze der Aussenpolitik

IV.1

Eisenhower empfiehlt Beitritt zur Internationalen Zollund Handelsorganisation

29. III
1. IV»

14. IV.

IV.

Key;

Zehn Jahre Zusammenarbeit zum Wohle der I-enschheit 15.IV,

IV»

Eisenhower legt neues Auslandhilfsprogramm vor

IV.

Stassen umreisst Abruestungspolitik der USA

21. IV1

V.

Dulles zum Gesetz ueber die gemeinsame Sicherheit

5« V.

V.

Murphy; Die Asienpolitik de» USA

5. V.

V.

Freiheit
Stassen;

6. V.

Berlin auch weiterhin das grosse Symbol der

2o. n

�A.

1 8 . V«

D u l l e s "berichtet lieber d i e j u e n g s t e n

Entvioklungea

i n Europa

1 7 . V.

A»

25. V.

Herbert Hoover jr.:
tiven Sicherheit

A»

25. V,

Dulles: Kommunisten sind sich der Staerke der freien
Welt bewusst (Zum Gemeinsamen Sicherheit sprograinm T"isenhowers)

25. V«

General Gruenther vor der Auslandspresse in Bad godesberg

26. V.

Lewis L. Strausss Wir haben unsere Zukunft selbst in
der Hand

24. V.

visenho.ver schlaegt Atomreaktorprogramm fuer freie Nationen vor

11. VI.

A»
A.

1. VI»"
8.VI.

A. 15. VI» '
A» 22. VI«

A, 29. VI.
A. 29. VI. '
.&amp; A. 29. VI.

A. 13. VII.
A. 2o. VII»
A» 2o» VII.

Wir glauben an das Prinzip der kollek23. V.

Eisenhower / Sondersitzung der UNO in San Franzisko:
"., unser Ziel wird weiterhin der Frieden sein."

2o» VI.

Dulles / Sondersitzung der M O in Sanfranzisko

24. VI.

Robert Murphy: Deutschland in der freien Welt
25. VI.
Sechster HalbJahresbericht des US-Amtes fuer Auslandslinie ( Battle Act / Mutual Defense Assistance Control )
II. Halbjahr 1954
Harold E. Stassen: Der Frieden erfordert staendiges Handeln

8. VII.

Eisenhower / Brief an den Kongress : Die UNO wird in
Genf nicht verge sen

15« VII.

-lisenhov/er umreisst die amerikanischen Ziele auf der
Genfer Konferenz (Rundfunk- &amp; Fernsehansprache)

15» VII.

A. 2o. VII. '

Eisenhower / Eroeffnungsansprache auf der Genfier Konfeferenz: Den Weg zum Frieden suchen
18. VII»

A. 28. VII.

Eisenhower / Schlussansprache auf der Genfer Konferenz

22. VII»

A. 28. VII.

Eisenhower berichtet ueber die Genfer Konferenz (Rundfunk und Fernsehanprache

25. VII.

A. lo. VIII»v Eisenhower / Botschaft: Die Atomkonferenz - ein Versprochen fuer die Zukunft
A. lo. VIII•' Walter S. Robertson:

Konferenz ueber Sued- &amp; Suedostasien _-.TT

— — — — — —

*. 24. VIII.

8. VIII»
o» vili»

Ei~enho"rer vor Anwaltskammer in Phil»delphia: Ueber die
amerikanische Konzeption vom Frieden
24. VIII.

A. 31# VIII." Dulles: USA bereit, zur Loesun" des arabisch-israelischen Problems beizutragen

26. VIII.

A. 31» VIII»^ Lodge vor der UNO : erlaeutert Preesident Eisenhowers
Abruestun^svorschlag

29. VIII.

�A«

7« IX."

Stassen; Frieden nur durch Beendigung des V/ettruestens

W. 21. IX.v

Kalijarvi:Die amerikanische Antitrustgesetzgebung und

2. I

der Welthandel

16. IX

A. 28. IX.

Dulles vor der TJN-Vollversamralung: US-Aussenpolitik

22. IX

A.

Jacob Blaustein: USA bemuehen sich weiterhin um die
Loesung des Fluechtlingsproblems
4« X.
Stassen: Die von den USA in der Abruestugg verfolgten
Ziele
7. X.
Dulles erwartet Aera der friedlichen Veraenderungen
lo. X.

5« X.

A. 12. X. °
A. 12. X.v
A. 19« X.

Eric A. Johnston vor dem Forum der NYHT ueber Nahostfragen
18. X.

A. 26. X. »

John C. Hollister: Vorschlag zur Errichtung eines
Zentrums der Kernforschung in Asien

2o. X.

A. 26. X. *

Lodge: Die Abruestungsfrage vor den Vereinten Nationen 21. X.

A. 26. X. '-

Stassen: Die UN - ein wesentliches Werkzeug des Friedens 23.X

A. 26. X.

John J. IlcCloy: Z]am fuenften Jahrestag der Einweihung
der Berliner Freiheitsglock

A.

2. XI•' Dulles

24. X.

zur Eroeffnung der Genfer Konferenz

27. X.

A. 17. XI.

Dulles: Stellungnahme zu den Ausfuehrungen Molotows

9» XI

A. 17. XI.

Dulles umreisst den Standpunkt der USA zur Abruestungsfrage
lo. XI
Entschliessungsentwurf der Westmaechte zur Abruestungsfrage
lo. XI
Dulles bietet Ausweitung des Eisenhowerplanea der

A. 17. XI.
A» 17» XI.»

"offenen Himmel" an
' A. 23. XI. " Dulles ueber Genf

11. XI

18. XI

A. 14. XII. Dulles umreisst Probleme der US-Aussenpoltik
8. XI
W» 14« XII. Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung (Hintergrundmaterial)
A» 7« XII. Lodge fordert Annahme des Luftinspektionsplans Eisenhowers
5» XI

�A M E R I K A

D I E x N S T

PRÄSIDENT EISENHOWERS BOTSCHAFT ÜBER DIE
LAGE DER NATION

WASHINGTON — (Amerika Dienst) — Nachstehend übermitteln wir Ihnen den vollen Wortlaut der von Präsident Eisenhower am 6. Januar 1955 vor beiden Häusern
des amerikanischen Kongresses verlesenen traditionellen "Botschaft über die Lage der Nation" (State of
the Union Message^ In dieser Botschaft, die programmatischen Charakter hat, gibt der amerikanische Präsident ein umfassendes Bild der politischen und wirtschaftlichen Lage der Vereinigten Staaten und geht in
der Folge auf die weltpolitische Situation ein.
"Darf ich zuerst meine herzlichen Grüße an den 84. Kongreß richten. Wir werden vieles gemeinsam zu erledigen haben.
Ich bin sicher, daß wir es vollbringen werden - und daß wir
dies in Harmonie und gutem Willen tun.
Ich glaube, daß es gleich zu Anfang an Platze ist, an die
fundamentale Grundlage unseres nationalen Lebens zu erinnern:
an unsere gemeinsame Überzeugung, daß jedes menschliche Wesen
von Gott mit Würde und Wert und mit unveräußerlichen Rechten
ausgestattet ist. Dieser Glaube, und die sich daraus ergebende
Folgerung - daß die Menschen frei sein müssen, um wachsen und
sich entwickeln zu können - formt die Interessen und das Streben jedes Amerikaners.
Aus dieser tiefen Überzeugung haben sich drei Hauptziele
und -Zwecke unserer Bundesregierung entwickelt»
Erstens, die Gerechtigkeit und Freiheit im eigenen Lande
aufrechtzuerhalten und sie für andere zu vertreten, damit wir
wirksam für einen dauerhaften Frieden arbeiten können«
zweitens, dazu beizutragen, unsere Wirtschaft stark und
expansiv zu erhalten, zur Stützung unserer internationalen
Stärke und um jedem Bürger bessere Arbeitsmöglichkeiten, höheren Lebensstandard und bessere Chancen zu sichern; und
drittens, uns mit den menschlichen Problemen unserem Volkes zu befassen, damit jeder Amerikaner die Möglichkeit haben
soll, ein gesundes, produktives und lohnenswertes Leben zu
führen.
Freiheit
- 1 -

�*

"AMERIKA DIENST"

12. Januar

1955

Freiheit, Gerechtigkeit und den Frieden zu unterstützen,
steht an erster Stelle unserer Regierungsaufgaben.
Es ist von höchster Wichtigkeit, daß jeder von uns die wahre
Natur des Kampfes begreift, der gegenwärtig in der Welt stattfindet.
Es ist nicht nur ein Kampf von Wirtschaftstheorien oder von
Regierungsformen oder der militärischen Stärke. Es geht vielmehr
um die wahre Bestimmung des Menschen- Entweder ist der Mensch ein
Geschöpf Gottes, der der Psalmist als ein solches charakterisierte,
da8 'um ein weniges geringer als ein Engel ist', das mit Herrlichkeit und Ehre ausgestattet ist, das 'Gewalt über die Werke seines
Schöpfers' hat; oder der Mensch ist ein seelenloses,lebendes,zu
versklavendes Maschinenwesen, das zur Verherrlichung des Staates
benutzt und verschlissen wird.
Es ist ein Kampf, der bis an die Wurzeln des menschlichen
Geistes geht und der den ganzen Bereich des menschlichen Schicksals überschattet. Dieser so kostbare, so mit letzten Sinngehalten
ausgestattete Preis ist das wahre Objekt der miteinander ringenden
Kräfte in der Welt.
Im vergangenen Jahr hat es Fortschritte gegeben, die zur Hofnung sowohl in bezug auf die Fortdauer des Friedens als auch den
schließlichen Sieg der Freiheit und Gerechtigkeit in der Welt berechtigen. Die freien Nationen sind heute zusammen stärker als
zu irgendeiner Zeit in den vergangenen Jahren.
Genau so wie sich die Nationen der westlichen Hemisphäre
auf den historischen Konferenzen von Caracas und Rio fest gegen
den imperialistischen Kommunismus zusammengeschlossen und ihre
wirtschaftlichen Verbindungen gestärkt haben, so haben die freien
Nationen auch anderswo neue Bande der Einheit geschmiedet. Die
kürzlichen Abkommen zwischen der Türkei und Pakistan haben die
Grundlage für eine wachsende Stärke im mittleren Osten gelegt.
Mit unserer verständnisvollen Unterstützung haben Ägypten und
Großbritannien, Jugoslawien und Italien, Großbritannien und Persien ihre gefährlichen Meinungsverschiedenheiten beigelegt. Die
Sicherheit im Mittelmeerraum ist durch ein BündniB zwischen
Griechenland, der Türkei und Jugoslawien gesteigert worden. In
Westeuropa haben Abkommen den Weg für eine Einheit geebnet, welche an die Stelle der Uneinigkeit der Vergangenheit treten soll,
die Europas wirtschaftliche und militärische Lebenskraft unterminierte. Die Verteidigung des Westens scheint nun auch endlich
ein freies demokratisches Deutschland einzuschließen, das als
gleichberechtigter Partner den Gremien der NATO angehört. In
Asien und im Pazifik ergänzt der noch zu ratifizierende ManilaPakt unsere Verträge mit Australien, Neuseeland, den Philippinen,
Korea und Japan und den in Aussicht genommenen Vertrag mit der
Republik China. Diese Pakte sind eine ernste Warnung, daß eine
zukünftige militärische Aggression und Subversion gegen die freien
Nationen Asiens
auf eine einheitliche Reaktion stoßen wird. Die
Pazifik-Charta, die ebenfalls in Manila angenommen wurde, ist ein
Meilenstein in der Entwicklung der menschlichen Freiheit und
- 2

�"AMERIKA DIENST"

12. Januar 1955

und Selbstregierung im pazifischen Raum.
Unter den Auspizien der Vereinten Nationen bahnt sich ein
hoffnungsvoller Fortschritt hinsichtlich unseres Planes zur friedlichen Verwendung der Atomenergie an.
Schließlich herrscht heute Frieden in der Welt. Es ist aber,
darüber müssen wir uns klar sein, ein unsicherer Friede. Und doch
schöpft die ganze Menschheit Hoffnung aus der einfachen Tatsache,
daß es auf der Welt seit einer beachtenswerten Zeit kein richtiges Kampfgebiet von größerer Bedeutung gegeben hat. Diese Tatsache veranlaßt uns, um so wirkungsvoller mit den anderen Nationen
zusammenzuartaeiten, was dem Wohl der Freiheit und der Würde jedes
Menschen auf der Welt zugutekommt.
Diese Entwicklungen sind in der Tat erfreulich, und wir hoffen auf ein Anhalten dieser Tendenz. Aber ein ernüchterndes Faktum bleibt noch übrig.
Die massiven militärischen Machtmittel und ehrgeizigen Pläne
des sowjetisch-kommunitischen Blocks schaffen noch immer Unbehagen in der Welt.
Wir alle sind uns der Tatsache voll bewußt, daß sich die
sowjetischen Kommunisten weiterhin auf die militärische Macht,
auf die Stärke ihrer Waffen, auf ihre gegenwärtige Ablehnung einer
realistischen Rüstungsbeschränkung und auf ihre anhaltenden Bemühungen verlassen, die an ihrer Peripherie befindlichen freien
Nationen zu beherrschen oder sie einzuschüchtern. In ihrer ständig wachsenden Macht ist auch eine größer werdende Stärke an
nuklearen Waffen eingeschlossen. Diese Macht, welche mit den zum
Ausdruck gebrachten Absichten der kommunistischen Führer, die
Welt kommunistisch zu machen, Hand in Hand geht, ist die Drohung,
der wir heute gegenüberstehen.
Um unsere Nationen und Völker vor der Katastrophe einer
atomaren Massenvernichtung zu bewahren, müssen die freien Nationen eine ausreichende militärische Stärke aufrechterhalten, um
die Kommunisten von der Nutzlosigkeit eines aggressiven Vorgehens
zur Erreichung ihrer Ziele zu überzeugen. Wenn die kommunistischen
Herrscher begreifen, daß die amerikanische Antwort auf eine Aggression prompt und entscheidend sein wird - daß wir niemals einen
Frieden auf Kosten der Ehre oder des Glaubens erkaufen werden -,
werden sie auf wirksame Weise davon abgeschreckt, ein militärisches
Abenteuer zu beginnen, das ihr eigenes Volk und viele andere Völker in den Abgrund stürzen würde. Das bedeutet natürlich nur, daß
ein Stillstand in der Welt eingetreten ist. Aber während dieses
Stillstandes kann und muß jeder von uns seine hohe Pflicht darin
erblicken, auf jede nur ehrenvolle Weise für eine Fortdauer des
Friedens einzutreten.
Die militärische Drohung ist nur eine Gefahr für unsere Freiheit und Sicherheit. Wir müssen nicht nur eine Aggression verhindern; wir müssen auch die Anstrengungen der Kommunisten vereiteln,
ihre Ziele durch Subversion zu erreichen. Zu diesem Zweck müssen

- 3 -

�"AMERIKA DIENST"

12. Januar

1955

müssen die freien Nationen ihren Zusammenhalt, ihre innere Sicherheit, ihre politische und wirtschaftliche Lebenskraft und ihren
Glauben an die Freiheit aufrechterhalten und verstärken.
In einer solchen Welt ist Amerikas Kurs klar:
Wir müssen unermüdlich arbeiten, um den Frieden gerechter
und dauerhafter zu machen.
Wir müssen die kollektive Verteidigung im Rahmen der Charta
der Vereinten Nationen stärken und uns mit ausreichender militär
rischer Stärke und Produktionskapazität gürten, um den Ausweg zum
Krieg zu versperren und die Lebensinteressen unserer Nation zu
schützen.
Wir müssen fortfahren, die Vereinten Nationen zu unterstützen
und zu stärken. In diesem Augenblick befindet sich der Generalsekretär der Vereinten Nationen im Auftrage der UN-Vollversammlung
in Rotchina, um eine Mission durchzuführen, die allen Amerikanern
außerordentlich am Herzen liegt: nämlich die Freilassung unserer
amerikanischen Flieger, die wir nie vergessen dürfen, und aller
anderen UN-Gefangenen zu erreichen, die zu Unrecht von dem kommunistischen Regime zurückgehalten werden.
Wir müssen auch die Anstrengungen ermutigen, die in den
Vereinten Nationen gemacht werden, um die Rüstungen zu begrenzen
und die Kräfte des Atoms friedlichen Zwecken nutzbar zu machen.
Wir müssen den internationalen Handel und die Auslandsinvestierungen ausweiten und befreundete Nationen unterstützen, deren
größte Bemühungen noch immer nicht ausreichen, eine für die Sicherheit der freien Welt notwendige Stärke zu erringen.
Wir müssen zu Verhandlungen bereit sein, wo immer diese der
Sache eines gerechten und sicheren Friedens dienen, der sich die
USA und andere freie Nationen verschrieben haben.
In bezug auf alle diese Dinge müssen wir mit Hilfe eines
aktiven, wirkungsvollen Informationsprogramms diese Völker der
Welt über unsere Maßnahmen und Zielsetzungen wahrheitsgetreu unterrichten. Dieses Problem ist in den vergangenen Monaten mit neuer
Energie angepackt worden. Ich ersuche den Kongreß, den großen Vorteilen, die unserem Land durch die erfolgreiche Durchführung dieses
Programms erwachsen, die stärkste Beachtung zu schenken.
Wir müssen unser Studienaustauschprogramm fortsetzen. Dieser
Austausch von Erkenntnissen und Erfahrungen zwischen unseren Bürgern und jenen der freien Nationen ist ein wichtiger Faktor in der
Pflege und Aufrechterhaltung einer echten Partnerschaft unter den
freien Völkern.
Um diese vielfältigen Bemühungen voranzutreiben, muß sich
der Kongreß während seiner gegenwärtigen Sitzungsperiode mit Bewilligungen, legislativen Maßnahmen und Verträgen befassen. Heute
mächte ich besonders unsere Programme erwähnen.

Der

�••AMERIKA DIENST"

12. Januar

1955

Der wirtschaftliche Portschritt, den zählreiche freie Völker
in Jüngster Zeit erringen konnten, ist sehr ermutigend. In immer
größeren Gebieten ist eine Steigerung der Produktivität und eine
Erhöhung der Produktion an Gütern und Dienstleistungen festzustellen. Der Wille, den Lebensstandard aller Menschen zu erhöhen, wird
immer stärker. Dieser Portschritt ist für unser ganzes Volk von
großer Bedeutung. Er verspricht uns Verbündete, die stark sind
und auf sich selbst vertrauen; er verspricht uns einen expandierenden Markt für die Produktion unserer Gruben, Fabriken und Farmen.
Wir können aber nur dann hoffen, daß dieser Fortschritt
weiter andauert, wenn wir in unserem Bemühen nicht nachlassen.
Der Handel und der Strom des zur Erschließung der Arbeitsreserven
und materiellen Hilfsquellen jeden Volkes benötigten Kapitals
wird noch immer durch Schranken behindert. Ein kluger Abbau dieser
Schranken ist eines der langfristigen Ziele unserer Außenhandelspolitik - einer Politik, die einen evolutionären und selektiven
Charakter trägt und uns selbst und anderen Völkern großen Nutzen
verspricht.
Wir müssen gewisse Zollschranken, die den Handel behindern,
Schritt für Schritt abbauen. Ein derartiges Vorgehen sollte
selbstverständlich von einem ähnlichen Abbau der Handelsschranken
seitens anderer Staaten begleitet sein, damit wir auf dem Wege
zu größerem wirtschaftlichen Wohlstand für alle stetig voranschreiten können. Wir müssen die Zollverfahren weiter vereinfachen. Wir
müssen die Kapitalbewegung erleichtern und unsere technische Hilfe
für wirtschaftlich unterentwickelte Gebiete fortsetzen, sei es
auf direktem Wege oder über die Vereinten Nationen, um ihre Unabhängigkeit zu stärken und ihren Lebensstandard zu heben. Die freien
Völker müssen für sich allein und in gegenseitiger Zusammenarbeit
entsprechende Maßnahmen treffen, um die der privaten Initiative
innewohnenden Kräfte weiter zu erschließen. In unserem eigenen
Lande haben diese Kräfte zu Stärke und Prosperität geführt; einmal
freigesetzt, werden diese Kräfte in den andern Ländern gleichfalls
zu einer Steigerung des Einkommens führen, und damit die Bewohner
dieser Länder wiederum in die Lage versetzen, die Produkte der
amerikanischen Industrie und Landwirtschaft zu kaufen.

Am 10. Januar werde ich in einer Sonderbotschaft eingehende
Empfehlungen bezüglich der legislativen Maßnahmen unterbreiten,
die zur Durchführung unserer Außenhandelspolitik erforderlich sind.
Unsere vielfältigen Bemühungen zur Schaffung einer besseren
Welt schließen die Aufrechterhaltung unserer militärischen Stärke
ein. Dies ist ein großes Unterfangen. Die großen Programme zur
Gewährleistung der nationalen Sicherheit verschlingen zwei Drittel
des gesamten Bundeshaushalt.« Über 4 Millionen Amerikaner - Soldaten und Zivilisten - stehen auf den Sold- und Lohnlisten der USVerteidigungskräfte. In den abgelaufenen zwei Jahren wurden durch
Vermeidung von Überschneidungen und Überbesetzung, durch eine Verschärfung der Kontrollen in der Beschaffung und Lagerung und durch
eine Beschränkung auf wirklich notwendige Dinge in unserem Verteidigung sprogramm viele Milliarden Dollar eingespart. Ich möchte

�"AMERIKA DIENST"

12. Januar

1955

möchte hier einige der wesentlichen Grundsätze dieses weitgespannten Programms umreißen.
1. Eine realistische Beschränkung der Rüstung und die Aufrechterhaltung eines dauerhaften und gerechten Friedens bleiben
nach wie vor Ziel unserer Politik. Wir unterhalten starke militärische Streitkräfte, weil es gegenwärtig keine Alternative
gibt - Streitkräfte, die nur der Abschreckung und der Verteidigung dienen, die aber im Falle eines Angriffes mit zerschmetternder Gewalt sofort zurückzuschlagen vermögen.
2. Wir müssen der Tatsache eingedenk bleiben, daß wir,
wollten wir uns allein auf eine Waffe verlassen oder uns nur
auf eine Form der Kriegsführung vorbereiten, einen Feind praktisch herausfordern, sich auf eine andere Taktik zu verlegen. Wir
müssen deshalb innerhalb unserer Streitkräfte für jene Ausgewogenheit und Elastizität sorgen, die unseren Absichten und Zielsetzungen entsprechen.
3. Sollen unsere bewaffneten Streitkräfte mit den Errungenschaften der Wissenschaft Schritt halten können, muß unsere militSrische Planung elastisch genug sein, um sich der neuen Waffen
und Methoden zu bedienen, die in immer rascherer Folge das Ergebnis unserer Forschungs- und Entwicklungsprogramme sind. Der neue
Militärhaushalt legt daher besonderen Nachdruck auf moderne Flugzeuge für Luft- und Seestreitkräfte sowie für die Einheiten der
Marine-Infanterie und erkannt neuen Waffen, speziell solchen von
rasch wirksamer und vernichtender Kampfkraft, größere Bedeutung
zu. Er strebt eine fortlaufende Modernisierung der Armee an. Er
gewährleistet die Aufrechterhaltung wirksamer, in der Verteidigung
schlagkräftiger Streitkräfte als das wichtigste Abschreckungsmittel gegen eine offene Aggression. Er beschleunigt das inneramerikanische Verteidigungsprograjnm und den Aufbau einsatzbereiter
militärischer Reservestreitkräfte. Er setzt ein energisches
Bevorratungsprogramm strategisch wichtiger und unentbehrlicher
Materialien sowie die Stirkung unserer Mobilisierungsbasis fort.
Der Haushalt sieht ferner die strategische Konzentrierung unserer
Stärke durch die Umgruppierung gewisser Truppenverbände vor. Für
gewisse Kategorien der Streitkräfte bestimmt er eine Reduzierung,
für andere eine Verstärkung der Verbände, um sie den militärischen
Gegebenheiten unserer Zeit anzupassen. Die Herausarbeitung dieser
Schwerpunkte in unserer Verteidigungsplanung ist nach langen und
sorgfältigen Studien unter meiner persönlichen Leitung geschehen.
Nach meiner Auffassung wird dadurch die Verteidigung unseres Landes auf einen Stand gebracht, der den nationalen Erfordernissen
genau entspricht.
4. Wir müssen, bis eine internationale Vereinbarung über die
Begrenzung der Rüstung getroffen ist, unsere Vorräte an nuklearen
Waffen für unsere Land-, See- und Luftstreitkräfte laufend modernisieren und erweitern, gleichzeitig aber uns auch künftig um
weitere ermutigende Fortschritte in der friedlichen Verwendung
der Atomenergie bemühen.
Und 5. müssen wir für die Durchführung dieser kostspieligen
Programme das äußerste an Leistung und Schöpferischer Kraft

�"AMERIKA DIENST"

12. Januar

1955

Kraft verlangen. Wir müssen unserem Volk nicht nur die Gewißheit
ausreichenden Schutzes,, sondern auch eines Verteidigungswerkes
geben, das von Jahr zu Jahr fortgesetzt werden kann, bis die Drohung der Aggression verschwunden ist.
Um diese Art bewaffneter Stärke zu erhalten und ihre Wirksamkeit zu erhöhen, muß ich den Kongreß dringend darum ersuchen, in
dieser Sitzungsperiode eine Anzahl wichtiger Maßnahmen zu verabschieden.
Die erste betrifft das Gesetz über die Auslesedienstpflicht,
das am 30. Juni dieses Jahres erlischt. Für die absehbare Zukunft
müssen unsere aktiven Streitkräfte zahlenmäßig viel stärker sein,
als dies mit Freiwilligen-Meldungen zu erreichen wäre. Wir müssen
daher die gesetzlichen Vollmachten verlängern, um Leute für zwei
Jahre zum Wehrdienst heranzuziehen.
Die zweite dieser Maßnahmen betrifft den raschen Abgang
unserer erfahrensten Soldaten. Dieser rasche Personalwechsel stellt
eine ernsthafte Gefährdung der Einsatzbereitschaft unserer bewaffneten Streitkräfte dar und ist außerordentlich kostspielig. Um
einer größeren Zahl unserer gut geschulten Soldaten einen Anreiz
zu geben, die Uniform weiter zu tragen, werde ich am 13. dieses
Monats eine Reihe von Maßnahmen vorschlagen, die dazu dienen sollen, die militärische Laufbahn erstrebenswerter zu machen. Dazu
gehören unter anderem eine angemessenere ärztliche Betreuung der
Angehörigen, 'ine Erhöhung der Hinterbliebenenrenten, mehr und
bessere Wohnvngen sowie eine gestaffelte Angleichung der Besoldung und and-'rer Zuwendungen.
Als drittes werde ich - ebenfalls am 13« Januar - ein Programm
zur Reorganisation und zum Ausbau der zivilen Komponenten unserer
bewaffneten Streitkräfte unterbreiten. Es handelt sich hier um
ein umfangreiches Programm mit dem Ziel, die Männer im wehrdienstfähigen Alter wirksamer einzusetzen. Da dieses Programm weitgehend
eine gerechte und faire Heranziehung zur militärischen Ausbildung
und Dienstleistung gewährleisten wird, ist es für die ehemaligen
Kriegsteilnehmer von besonderer Bedeutung. Dieses Programm, das
mit der traditionellen Verteidigungspolitik unseres Landes in Einklang steht, dient dazu, starke zivile Reserven zu schaffen und
zu erhalten,«die notfalls sofort für den aktiven Militärdienst eingesetzt werden können, anstatt ständig ein stehendes Heer in einer
die unmittelbaren Erfordernisse des Landes übersteigenden Stärke
zu unterhalten.
Die Erhaltung einer wirksamen Verteidigungsmacht erfordert
die Beibehaltung unserer unnachgiebigen Politik gegenüber aller
umstürzlerischen Tätigkeit im inneren unseres Landes. Auf diesem
Gebiet haben wir in den vergangenen beiden Jahren ausgezeichnete
Fortschritte gemacht. Die laufenden Untersuchungen des Bundeskriminalamtes (FBI) sind durch eine neue interne Sicherheitsabteilung innerhalb des Justizministeriums wirkungsvoll intensiviert worden. Die Sicherungsmaßnahmen des Bundesamtes für Einwanderungs- und Naturalisierungsfragen sind ebenfalls wieder eingeführt worden; in allen Zweigen des Regierungsapparates ist das
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das Sicherheitssystem zum Schutze des Landes verbessert und ausgebaut worden; das Justizministerium und das Bundeskriminalamt
haben durch die Beschlüsse des 83. Kongresses neue wirkungsvolle
Rechtsmittel in die Hand bekommen.
Wir werden auch in Zukunft jegliche Subversive Tätigkeit
der Kommunisten aufspüren und unterbinden. Dabei aber werden
wir sorgfältig darauf achten, unsere Traditionen und die grundlegenden Rechte unserer Staatsbürger zu wahren.
Auch unser Zivilverteidigungsprogramm ist ein Element von
entscheidender Bedeutung für den Schutz unseres Landes. Beim Aufbau der zivilen Verteidigungsorganisation entwickeln wir Methoden
zur Zusammenarbeit mit den Gouverneuren der Einzelstaaten, mit
Bürgermeistern und freiwilligen Bürgervereinigungen sowie den
einzelnen Bundesstellen. Welche Bedeutung dieser Zivilverteidigung in Kriegszeiten zukommt, liegt auf der Hand} die unverzügliche Hilfe, die diese Organisation im vergangenen Jahr in Katastrophengebieten leistete, erwies, welche Bedeutung sie auch
in Friedenszeiten besitzt.
Ferner stellen eine zur schnellen Ausweitung fähige Industrie
und die rasche Verfügbarkeit der wichtigsten Rohstoffe und Anlagen
in Zeiten eines Notstandes die unerlässliche Voraussetzungen für
unsere Verteidigung dar. Ich empfehle daher eine Verlängerung des
Gesetzes über die Verteidigungsproduktion sowie des Titels II des
ersten Gesetzes über die Kriegsvollmachten aus dem Jahre 1941 um
weitere zwei Jahre. Dies sind die Eckpfeiler, auf denen unser Programm für den Ausbau und die Aufrechterhaltung einer angemessenen
Mobilisierungsbasis ruht.
An dieser Stelle möchte ich noch folgende Bemerkung einflechten.
Unsere Bemühungen um den Frieden und die Freiheit machen es
selbstverständlich, daß wir, die wir in Positionen öffentlichen
Vertrauens stehen, uns über unsere Eigen- und Gruppeninteressen
hinwegsetzen und unsere Parteisympathien, unseren menschlichen
Stolz und unsere Vorurteile dem Allgemeinwohl unterordnen. Wir
müssen unermüdlich in gemeinsamer Zielstrebigkeit die materiellen
und geistigen Grundlagen dieses Landes der Freiheit und der freien
Sationen in allen Teilen der Welt festigen. Wie nie zuvor in der
Geschichte besteht heute die Notwendigkeit, daß alle Stellen der
amerikanische Regierung ohne zögern zusammenarbeiten.
Gegenwärtig werden die Exekutive und Legislative von zwei verschiedenen politischen Parteien getragen. Damit werden beide politische Parteien ihre Prüfung vor dem amerikanischen Volke zu
bestehen haben.
In einer weniger gefährlichen Zeit hat die Teilung der Regierungsverantwortung zwischen unseren großen Parteien oftmals
zu einer lähmenden Unentschlossenheit geführt. Dies darf heute
nicht wieder geschehen. Wir müssen unter allen Umständen verhüten,
daß der Wille zum Frieden und zur Erhaltung der internationalen
Sicherheit gelähmt wird.
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Was die seit eh und je überparteilich behandelten politischen
Fragen angeht, die militärische Sicherheit und die Außenpolitik,
so kann ich Ihnen berichten, daß ich von den verantwortlichen Parteipolitikern dieses Kongresses bereits die ausdrückliche Versicherung vorbehaltloser Zusammenarbeit erhalten habe. Und doch erfordert die Stärke unseres Landes mehr als die Aufrechterhaltung
einer rein militärischen Macht und die erfolgreiche Führung der
Außenpolitik. Diese lebenswichtigen Fragen sind ihrerseits abhängig
von aufeinander abgestimmten und energischen Maßnahmen in einer
Anzahl verwandter Programme.
Daher wende ich mich an den 84. Kongreß, um zu sagen: Auf
allen für die Stärke der Vereinigten Staaten grundlegenden politischen Sektoren werden, soweit ich dafür garantieren kann, Beziehungen zwischen der Exekutive und Legislative dieses Staates
geschaffen werden, welche auf Zusammenarbeit und eine konstruktive
Politik abzielen. Wir wollen das Allgemeinwohl zu dem Maßstab machen, an dem wir alle großen Streitfragen messen.
Unsere Bemühungen, unsere Freiheit zu verteidigen und einen
gerechten Frieden zu sichern, sind natürlich untrennbar mit dem
zweiten großen Ziele dieser Regierung verbunden, einen Beitrag
zur Aufrechterhaltung einer starken, expandierenden Wirtschaft
zu leisten - einer Wirtschaft, die frei und tatfreudig ist, immer
neue Möglichkeiten erschließt, dem Verdienst eine gerechte Belohnung gewährt und eine echte, weiten Kreisen zugängliche Prosperität schafft.
In den vergangenen zwei Jahren haben zahlreiche wichtige Regierungsmaßnahmen dazu beigetragen, unsere Wirtschaft den Bedingungen anzugleichen, wie sie im Frieden bestehen; diese sowie weitere
Maßnahmen schufen ein Klima für eine neue Ausdehnung unserer Wirtschaft. Lohn-, Preis- und Rohstoffkontrollen wurden aufgehoben.
Steuerreformen förderten die Kaufkraft und erhöhten die Zahl der
Beschäftigten. Die Bundesausgaben wurden stark reduziert und ermöglichten Steuerkürzungen in größtem Ausmaße. Zusammen mit einer
elastischen Geldpolitik und der Steuerung der Staatsschuld trugen
diese Maßnahmen dazu bei, die Inflation aufzuhalten und den Wert
des Dollars zu stabilisieren. Ein Programm der Zusammenarbeit und
Partnerschaft wurde auf dem Gebiet der Erschließung der Rohstoffquellen eingeleitet.
Die Gesetze der Sozial- und der Arbeitslosenversicherung wurden
erweitert und ihre Leistungen erhöht. Neue Gesetze waren der Auftakt zu einer langfristigen Politik des Ausgleichs zwischen- der
landwirtschaftlichen Produktion und dem Markt für landwirtschaftliche
Erzeugnisse. Erweiterte Schiffsbau- und Bevorratungsprogramme stärkten einige der wichtigsten Sektoren unserer Wirtschaft und verbesserten gleichzeitig unsere Mobilisationsbasis. Auf Grund eines umfassenden neuen Wohnungsbaugesetzes wurden große Fortschritte auf
einem Gebiet erzielt, das für unsere wirtschaftliche Stärke von
fundamentaler Bedeutung ist. Dieses Gesetz schloß die Lücken, die
die alten Gesetze für unehrliche Machenschaften offengelassen hatten.
Viele dieser Programme beginnen sich erst jetzt auf die Wirtschaft
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Wirtschaft im allgemeinen und auf besondere Gebiete und Industrien
im ganzen Lande auszuwirken.
Pas Jahr 1954 ist eines der wirtschaftlich erfolgreichsten
Jahre in unserer Geschichte gewesen. Die Geschäftstätigkeit hat
erneut einen kräftigen Aufschwung genommen. Die Produktion steigt,
die Beschäftigungsziffer ist hoch. Gegen Ende des vergangenen Jahwes waren die Löhne der Industriearbeiterschaft im Durchschnitt
höher als je zuvor. Nach Abzug der Steuern hat das Personaleinkommen seinen höchsten Stand erreicht. In gleichem Maße stieg der
Konsum. Die Bautätigkeit erreicht neue Höhepunkte. Im Auslande
herrscht eine starke Nachfrage nach unseren Gütern. Die Ausgaben
der Bundesstaaten und der Gemeinden für öffentliche Arbeiten sind
im steigen. Die Spareinlagen sind hoch und Kredite stehen in ausreichendem Maße zur Verfügung.
Damit liegt heute der Übergang zu einer Friedenswirtschaft
zum großen Teile hinter uns. Die Wirtschaftsaussichten sind gut.
Die von mir aufgeführten zahlreichen verheißungsvollen
Paktoren sind zwar keine Garantie für eine andauernde wirtschaftliche Expansion, sie gewähren uns jedoch eine starke Position, von
der aus wir das Wachstum unserer Wirtschaft vorantreiben können.
Wenn wir als Volk klug handeln, kann sich unser Bruttosozialprodukt in den nächsten zehn Jahren von seinem heutigen Stand von
etwa 360 auf 500 Milliarden Dollar im Jahr •- gemessen an einer
stabilen Kaufkraft des Dollars - erhöhen.
In meiner Haushaltsbotschaft am 17. Januar, dem Wirtschaftsbericht am 20. dieses Monats und in verschiedenen Sonderbotschaften werde ich im einzelnen auf die wichtigsten Programme eingehen,
die einer Förderung unserer Wirtschaft und dem Schutze der Stabilität der amerikanischen Währung dienen sollen. Heute werde ich
mich nur ganz allgemein mit diesen Programmen befassen.
Wirtschaftliches Arbeiten und Sparsamkeit der Regierung sind
auch heute noch eine wesentliche Voraussetzung für einen steten
Fortschritt im Hinblick auf eine Ausgleichung des Haushaltes. Auf
der Ausgabenseite des am 9» Januar 1953 vorgelegten Haushaltsplanes wurden Abstriche in Höhe von 10 Milliarden Dollar vorgenommen.
Die Aufwendungen dieses Jahres lagen um 6 1/2 Milliarden unter den
Ausgaben des vorhergegangenen Jahres. Im laufenden Finanzjahr
betragen die Regierungsausgaben 4 1/2 Milliarden Dollar weniger
als in dem am 30. Juni 1954 abgeschlossenen Haushaltsjahr» Die
neuen Ausgabeanweisungen der Regierung lagen unter dem Ausgabeplafond des Haushaltes, so daß die über die Jahre akkumulierten
Verbindlichkeiten der Regierung reduziert werden konnten.
Im vergangenen Jahr führten wir eine größere Steuersenkung
durch und zum ersten Male seit 75 Jahren eine grundlegende Revision der Bundessteuergesetze. Es ist jetzt klar, daß Aufwendungen
für die Landesverteidigung und andere wesentliche Regierungskosten
auf einem Stand bleiben müssen, der weitere Steuersenkungen in diesem Jahr ausschließt. Obwohl also aus diesem Grunde die Verbrauchsund Körperschaftssteüer in der augenblicklichen Höhe beibehalten
werden, werden weitere Steuersenkungen dann statthaft sein, wenn
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wenn sie auf Grund niedrigerer Aufwendungen und erhöhter Staatseinnahmen infolge einer allgemeinen Wirtschaftsausweitung gerechtfertigt erscheinen. Ich bin durchaus zuversichtlich, daß derartige
Senkungen im Laufe des nächsten Jahres verfügt werden können.
Von grundlegender Bedeutung für eine Expansion unserer Wirt»schaft sind die Rohstoffe und Energien, die wir aus unseren Bodenschätzen, Kohle- und Ölvorkommen, dem Boden und den Wäldern und
unseren Wasserreserven gewinnen. In diesem Zusammenhang bin ich
der Auffassung, daß wir drei Prinzipien beachten müssen:
1. Wir müssen die natürlichen Hilfsquellen von Generation zu
Generation mit Klugheit nutzen und schützen; 2. wir müssen an
der Tradition festhalten, daß die Erschließung dieser Hilfsquellen
bei fairen gesetzlichen Bestimmungen einschließlich entsprechender Verordnungen zu ihrer Erhaltung in erster Linie Sache des privaten Bürgers ist; und 3« müssen wir die Erschließung dieser Hilfsquellen als ein Gemeinschaftsunternehmen betrachten - ein Gemeinschaftsunternehmen, bei dem die Beteiligung der Bürger und der
einzelstaatlichen und kommunalen Behörden ebenso wichtig ist wie
eine Mitarbeit der Bundesregierung.
Liese Politik der Partnerschaft und der Zusammenarbeit zeitigt
gute Ergebnisse, die sich im Hinblick auf unsere Wasserwirtschaft
besonders bemerkbar machen. Erstens wurden dadurch örtliche Gremien
der öffentlichen Hand und private Bürger ermutigt, den Bau eigener Kraftwerke zu planen. Lie immer größer werdende Zahl der an das
Bundesamt für Energiewirtschaft gerichteten Gesuche um Durchführung von Vermessungen und Ausarbeitung von Plänen für Kraftwerke,
besonders im Stromgebiet des Columbia-Flusses, sind ein deutlicher
Beweis für den Anklang, den diese Politik bei der Bevölkerung
gefunden hat.
Zweitens sind sowohl die Bundesregierung als auch örtliche und
private Organisationen dadurch angeregt worden, ihre Kraftwerkprojekte zu koordinieren. Dies ist darum wichtig, weil die Wasserkraftwerke der Bundesregierung nur einen kleinen Teil des Energiebedarfs unseres Landes zu decken vermögen. Derartige gemeinsame Projekte wie »Priest Rapids' im Staate Washington, das Projekt am Coosa-Pluß in Alabama und 'Markham Ferry' in Oklahoma i
sind bereits vom Kongreß bewilligt worden. Auch in diesem Jahr
wird die Regierung den Bau ähnlicher Projekte, die nachweislich
notwendig sind, unterstützen.
Drittens muß die Bundesregierung ihren Verpflichtungen als
Partner nachkommen, indem sie Projekte übernimmt, deren Ausmaß
und Komplexität dies erfordern, wenn sie erfolgreich sein sollen.
Gemäß diesem Grundsatz ersuche ich den Kongreß nochmals dringend,
den Bau der Talsperre am Oberlauf des Colorado-Flusses zu genehmigen, die dazu dienen soll, die für die zukünftige Entwicklung
des Westens so kostbaren Wasserreserven zu erhalten und besser
zu nutzen.
Darüber hinaus werde ich im Haushaltsvorschlag für 1956 die
Bereitstellung von Mitteln für die Inangriffnahme von sechs neuen
Wiederurbarmachungsprojekten und für über dreißig Vorhaben verschiedenen Ausmaßes des Pionierkorps empfehlen. Daneben werden die
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die Arbeiten an laufenden Projekten und die Untersuchungen über
die Erschließung neuer Hilfsquellen weitergeführt.
Wenngleich die Inangriffnahme dieser Probleme auf der Basis
der Partnerschaft ermutigende Ergebnisse zeitigt, so hängt ein
restloser Erfolg dennoch von einer das ganze Gebiet der Vereinigten Staaten umfassenden Wasserwirtschaftspolitik ab, die "fest in
entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen verankert sein muß. Ein
derartiges Programm wird gegenwärtig ausgearbeitet und nach seiner
Fertigstellung dem Kongreß unterbreitet werden.
Im Interesse einer zweckmäßigen Bewirtschaftung, Erschließung
und Verwendung unserer Wasserreserven werden wir auch weiterhin
Fragen der Fischerei, der Wildhege, der Pflege der Nationalparks
sowie der Bewirtschaftung der Staatsforsten und öffentlichen
Ländereien .
i erhöhte Aufmerksamkeit schenken. Wir werden
ferner eine geordnete Erschließung der Mineralvorkommen unseres
Landes fördern.
Weiter ist ein modernes und leistungsfähiges Straßennetz
erforderlich, um den Bedürfnissen unserer ständig wachsenden
Bevölkerung, unserer expandierenden Wirtschaft und unserer nationalen Sicherheit gerecht werden zu können.
Wir intensivieren jetzt unser Programm für die Verbesserung
der Autostraßen, so schnell dies bei den gegenwärtigen Gesetzen
und Veroidnungen der Einzelstaaten und des Bundes möglich ist. Jedoch wird dies allein nicht genügen, um ein ausreichendes Autostraßennetz für unsere Bevölkerung zu gewährleisten. Auf meine
Empfehlung hin ist dieses Problem auf der Konferenz der Staatsgouverneure und in einem aus führenden Bürgern zusammengesetzten
Sonderberatungsausschuß für das Straßenbauwesen sorgfältig erörtert worden. Ich habe die Empfehlungen der Gouverneurskonferenz
erhalten und werde in Kürze die Ansichten des Beratungsausschusses
hören. Unter Berücksichtigung dieser Berichte werde ich dem Kongreß am 27. Januar ausführliche Empfehlungen hierüber unterbreiten,
die unseren dringendsten Bedürfnissen im Hinblick auf den Straßenbau in den USA Rechnung tragen.
In der weiteren Erkenntnis der Bedeutung, die die Transportverhältnisse für unsere wirtschaftliche Stärke und Sicherheit
besitzt, ist ein Kabinettsausschuß der Regierung gegenwärtig
mit der sorgfältigen Überprüfung der bestehenden Vorschriften
und Richtlinien des Bundestransportwesens beschäftigt, um ihre
Zulänglichkeit für die Erfordernisse des Verkehrs zu prüfen.
Dieses ist die erste derartige umfassende Überprüfung, die in
unserer Zeit von der Regierung direkt vorgenommen worden ist.
Wir untersuchen nicht nur die wesentlichen Probleme, denen sich
die verschiedenen Transportbranchen gegenübersehen, sondern wir
prüfen auch genau die Wechselbeziehungen, die auf dem Verkehrssektor zwischen dem privaten und staatlichen Bedarf bestehen.
Unsere gesetzlichen Empfehlungen zielen auf eine Korrektur der
Mängel ab, die wir möglicherweise feststellen.
Für die Arbeiten der öffentlichen Hand sind äußerst umfangreiche Projekte vorgesehen. Für die Erschließung von Boden-, Wasser-

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Wasser- und anderen Reserven, für Flußregulierungen sowie Verbesserungen von Navigation und Hafenanlagen, den Bau von Straßen,
Schulen, städtischen Wasserversorgungs- sowie Müllverwertungsanlagen für Abfälle von Haushaltungen und der Industrie werden im
Jahr 1955 über 12 Milliarden Dollar aufgewendet werden. Viele der
für diese Dienste verantwortlichen Bundes-, Staats- und Kommunalbehörden leisten, jede auf ihrem Sachgebiet, beste Arbeit. Aber
die Projekte der öffentlichen Hand stehen untereinander in enger
Beziehung und nehmen beträchtlichen Einfluß auf die Entwicklung
des Landes.
überdies können die in Zeiten drohender Wirtschaftsabschwächung eine wertvolle Stützkraft darstellen. Um dies zu erreichen,
verlangt eine wirksame Planung und Durchführung der Vorhaben der
öffentlichen Hand sowohl die Abstimmung der Tätigkeit des Bundes
als auch die Zusammenarbeit mit den Regierungen der Bundesstaaten
und der Gemeindebehörden.
Der Bundeswirtschaftsrat hat durch sein Planungsreferat für
öffentliche Vorhaben während des vergangenen Jahres wesentliche
Portschritte im Hinblick auf eine wirksame Gestaltung dieser Abstimmung und Zusammenarbeit machen können. Angesichts dieser
Anfangserfolge, und um diese Koordinierung noch weiter zu treiben
und kontinuierlicher zu gestalten, werde ich den Kongreß um die
Bewilligung von Mitteln zur Schaffung eines Koordinationsamtes
für öffentliche Vorhaben innerhalb des Präsidialamtes ersuchen-.
Ein außerordentlich wichtiges Element in unserer expandierenden Wirtschaft ist eine stabile, blühende und freie Landwirtschaft. Die Probleme unserer Landwirtschaft haben sich in vielen
Jahren langsam entwickelt und lassen sich nicht über Nacht lösen.
Dennoch darf man auf Grund der Maßnahmen der Regierung während
des vergangenen Jahres hoffen, daß ein besseres Gleichgewicht
zwischen Produktion und Märkten hergestellt werden konnte und
unsere Farmer damit ein erhöhtes und stabileres Einkommen erwarten dürfen.
Dank einer aktiven Verwaltung und neuer gesetzlicher Regelungen des 83. Kongresses können die überschüssigen Agrarprodukte
nun dem Verbrauch zugänglich gemacht werden. Von Februar 1953
bis November 1954 konnte der Bestand der von der Regierung verwalteten überschüssigen Agrarprodukte dadurch verringert werden,
daß Güter im Werte von über 2,3 Milliarden Dollar dem Verbrauch
zugeführt wurden. Dieser Betrag kommt etwa sieben Prozent des
Wertes der landwirtschaftlichen Jahresproduktion gleich. Der
Binnenkonsum hat nach wie vor einen hohen Stand, und die Ausfuhr
landwirtschaftlicher Produkte dürfte höher liegen als im vorigen
Jahr. Infolge der größeren Flexibilität, die uns das Landwirtschaftsgesetz des Jahres 1954 brachte, kann der restriktive
Charakter der Anbauquoten nunmehr gemildert werden.
Auf diese Weise hat sich die landwirtschaftliche Produktion
allmählich der Marktlage angepaßt, die Märkte wurden erweitert
und Vorräte dem Konsum zugeführt. Wir dürfen nunmehr einer Zeit
entgegensehen, in der jene die Preise für landwirtschaftliche
Produkte drückenden Einflüsse in ihrer Wirksamkeit beschränkt, die
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die Aufwendungen der Regierung für überschüssige Agrarprodukte
reduziert und die Eingriffe der Bundesbehörden in das Leben und
die Pläne des amerikanischen Farmers immer weniger fühlbar werden. Die landwirtschaftlichen Programme wurden so umgearbeitet,
daß sie eine bessere Ausgeglichenheit, größere Stabilität und
gesunde, dauerhafte Prosperität sichern. Wir gehen den rechten
Weg. Ich empfehle daher dem Kongreß dringend, auf diesem einmal
eingeschlagenen Pfad entschlossen fortzuschreiten.
Wir müssen uns jedoch eingehender mit den Nöten derjenigen
Farmer befassen, die ein kleineres Einkommen haben. 28 Prozent
der amerikanischen Farmer haben ein Netto-Bareinkommen von weniger
als 1 000 Dollar jährlich. Im vergangenen Jahr wurden auf meine
Anregung hin eingehende Untersuchungen über die Probleme dieser
Farmer angestellt. Ich werde später eingehende Empfehlungen unterbreiten, durch die die dringlichsten Probleme dieses Teiles unserer Bevölkerung behoben werden können.
Da Dürrezeiten für die Landwirtschaft nach wie vor ein großes Problem darstellen, werde ich der Legislative empfehlen, die
Katastrophenhilfsprogramme der Bundesregierung auszubauen. Die
entsprechenden gesetzgeberischen Maßnahmen werden bessere Methoden
zur Ermittlung des Umfangs der erforderlichen Hilfe und zur besseren Angleichung der verschiedenen Programme an die jeweiligen örtlichen Gegebenheiten, sowie eine gerechtere Aufteilung der Kosten
zwischen den Einzelstaaten und der Bundesregierung vorsehen.
Eine unerläßliche Voraussetzung für die Erhaltung unserer wirtschaftlichen Stärke ist das Gedeihen der kleinen Betriebe. Die
Schaffung des Amtes zur Förderung der Kleinbetriebe und die kürzlich erlassenen Steuergesetze, die die Errichtung von Kleinbetrieben erleichtern, sind nur zwei der vielen wichtigen Maßnahmen, die
wir im Interesse unserer Kleinunternehmer ergriffen haben. Ich
empfehle daher eine Verlängerung des 1953 vom Kongreß beschlossenen •Small Business Act', - Gesetz zur Förderung der Kleinbetriebe - das am 11. Juni dieses Jahres abläuft.
Ich komme nunmehr zur dritten großen Aufgabe, die sich die
Regierung gestellt hat - die Sorge um Gesundheit, Leistungskraft
und Wohlbefinden des Volkes.
Jeder Bürger unseres Landes hat den Wunsch, seine ihm von
Gott gegebenen Talente und Fähigkeiten voll zu entfalten und die
ihm gemäß unseren religiösen und politischen Traditionen zustehende
Anerkennung und Achtung zu genießen. Die Amerikaner verlangen auch
in materieller Hinsicht einen guten Lebensstandard - das heißt, sie
wollen nicht nur Besitz ansammeln, sondern ihre berechtigten Ansprüche auf Verhältnisse zufriedenstellen, die es ihren Angehörigen ermöglichen, ein sinnvolles und glückliches Leben zu führen.
Unser Volk hat es sich daher zur Pflicht gemacht, jedem Bürger
die Möglichkeit zu schaffen und zu erhalten, ein lobenswertes
Leben zu führen. Ebenso haben es sich die Amerikaner zur Pflicht
gemacht, Unglück und Not ihrer Mitmenschen zu lindern.
Die meisten Angehörigen unseres Volkes können ihre Wünsche
am besten durch eigene Initiative und eigenes Handeln, ohne Eingreifen des Staates erfüllen. Die Regierung befolgt daher zwei
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zwei einfache Regeln: 1. Die Bundesregierung soll nur dann wichtige Aufgaben übernehmen, wenn diese auf andere Weise nicht entsprechend zu lösen sind; und 2. soll die Regierung bei der Erfüllung dieser Aufgaben nicht die Selbstachtung, die Freiheit und
Initiative des Einzelnen verletzten oder beeinträchtigen. Solange
diese beiden Regeln befolgt werden, kann die Regierung ihren
Verpflichtungen uneingeschränkt nachkommen, ohne dadurch das Volk
in Abhängigkeit zu bringen oder eine übermächtige Bürokratie zu
schaffen.
Was dieses Aufgabengebiet der Regierung angeht, wurden im
Laufe der beiden letzten Jahre bemerkenswerte Portschritte erzielt.
Die Altersversicherung und die Hinterbliebenenrenten wurden auf
weitere zehn Millionen Menschen ausgedehnt, und die Versicherungssätze beträchtlich erhöht. Durch den Erlaß entsprechender Gesetze
wurden weitere vier Millionen Amerikaner in die Arbeitslosenversicherung einbezogen. Da die Lebenshaltungskosten stabil gehalten
und den inflationistischen Tendenzen Einhalt geboten werden konnte,
ist es gelungen, den vollen Wert der Renten und Ersparnisse zu
sichern. Mit Hilfe eines umfassenden Bauprogramms schaffen wir
für die große Mehrheit unseres Volkes gute Wohnungen zu erschwinglichen Mieten. Gemeinsam mit den Einzelstaaten errichten wir
Stätten zur beruflichen Umschulung, mehr Kliniken, Krankenhäuser
und Erholungsheime für Patienten, die an chronischen Krankheiten
leiden. Desgleichen haben wir gemeinsam mit den Einzelstaaten das
Programm zur Wiedereingliederung der Körperbehinderten in den
Produktionsprozeß weitgehend und mit Erfolg ausgebaut und diesen
damit zu einem sinnvollen und nützlichen Leben verholfen, Soweit
das in den Aufgabenbereich der Bundesregierung fällt, haben wir
durch die Abschaffung diskriminierender Praktiken auf Grund der
Rasse oder Hautfarbe epochemachende Portschritte erzielt.
Wir alle dürfen auf das in den letzten beiden Jahren Erreichte
stolz sein. Aber noch bleibt der Bundesregierung Wichtiges zu
tun.
Als Teil unserer Bemühungen, anständige, solide und gesunde
Wohnungen für Familien mit niedrigem Einkommen zu beschaffen,
müssen wir das vom 83. Kongreß genehmigte Wohnungsbauprogramm
durchführen. In jedem der zwei nächsten Haushaltsjahre müssen
wir ferner die Befugnis zum Abschluß von Kontrakten zum Bau von
35 000 weiteren Wohnungseinheiten im Rahmen eines festen öffentlichen Wohnungsbauprogramms erteilen. Mit diesem Programm kommen
wir den dringendsten Verpflichtungen der Bundesregierung bis zum
Haushaltsjahr 1958 bei der Planung und Durchführung des öffentlichen Wohnungsbaus nach. Bis dahin wird die private Bauwirtschaft, unterstützt durch das Wohnungsbaugesetz von 1954, Gelegenheit gehabt haben, ihre Aufgabe voll zu erfüllen, für die
Familien mit niederem Einkommen angemessene Wohnungen zu beschaffen.
Die Gesundheit unseres Volkes ist eines unserer kostbarsten
Güter. Krankheiten, die sich vermeiden lassen, müssen vermieden
werden, und von unseren Kenntnissen, die wir über die Bekämpfung
von Krankheiten und Arbeitsunfähigkeit besitzen, muß voll Gebrauch

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Gebrauch gemacht werden. Denn sonst würde uns als Volk die Schuld
treffen, nicht nur nicht das menschliche Leiden gelindert, sondern auch unsere nationale Kraft vergeudet zu haben.
Die in der ärztlichen Betreuung erzielten Portschritte kommen nicht genügend den Bürgern unseres Landes zugute. Es ist
klar, daß unser Volk größere Anstrengungen machen muß, um das
Ausmaß von Unfällen und Krankheiten zu reduzieren. Wir stehen
zwei grundsätzlichen Problemen gegenüber, nämlich erstens, den
hohen und immer noch steigenden Kosten deB Gesundheitsdienstes,
und zweitens, den ernsten Unzulänglichkeiten und Mängeln, die
in diesem Dienste vorhanden sind.
Am 24. Januar werde ich in einer Sonderbotschaft an den
Kongreß ein koordiniertes Programm zur Stärkung und Verbesserung
des bestehenden Gesundheitsdienstes vorschlagen. In diesem Programm werde ich wiederum eine verstaatlichte Krankenfüraorge
ablehnen. Ich werde dabei die Verantwortlichkeit hervorheben,
die der Einzelne und die örtlichen Behörden zu tragen haben.
Im Rahmen dieses Programms wird die Bundesregierung weder Befehle erteilen, noch die Richtung weisen, sondern lediglich ein
hilfreicher Partner sein. In diesem Rahmen kann das Programm
umfangreich sein.
Meine Empfehlungen werden eine Bundeskrankenrückversicherungs
anstalt enthalten, um die Entwicklung von weiteren und besseren
freiwilligen Krankenversicherungen privater Organisationen zu
fördern. Ich werde ferner Maßnahmen zur Verbesserung der ärztlichen Betreuung jener Gruppe unserer Mitbürger empfehlen, die weil sie sich in einer Notlage befinden - aus öffentlichen Mitteln des Bundes und der Bundesstaaten unterstützt werden. Diese
beiden Vorschläge sollen dazu beitragen, einem größeren Kreis
unserer Mitbürger zu helfen, die Kosten des Gesundheitsdienstes
zu decken.
Um die Mängel im Gesundheitsdienst zu beseitigen, werde ich
empfehlen:
Neue Maßnahmen, die die Schaffung der notwendigen Einrichtungen für das Gesundheitswesen erleichtern und dazu beitragen
sollen, den Mangel an ausgebildetem Personal im Gesundheitsdienst
zu beheben; energische Schritte zur Bekämpfung der Not und der
Belastung, die der Nation durch die Fürsorge für die Geisteskranken erwachsen} verbesserte Fürsorge für verkrüppelte Kinder
sowie für Mütter und Kinder im allgemeinen} einen besseren Schutz
des Verbrauchers im Rahmen der bestehenden Lebens-» und Arzneimittelgesetze} und schließlich energische Programme zur Bekämpfung
der ständig wachsenden Verschmutzung unserer Binnenwässer und
der zunehmenden Verschmutzung der Luft•
Diese Maßnahmen stellen in ihrer Gesamtheit ein umfangreiches
Programm dar, das eine erhebliche Verbesserung des Gesundheitsstandes unseres ganzen Volkes verspricht.
Die

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Die Erweiterung uns°rer Sozialversicherung im vergangenen Jahr
zusammen mit unserem neuen Programm einer verbesserten ärztlichen
Betreuung für öffentliche Wohlfahrtsempfänger lassen eine Abänderung der Bestimmungen über den Bundesanteil bei den Leistungen
der Altersversorgung notwendig erscheinen. Ich empfehle die Modifizierung der Bestimmungen für Fälle, in denen solche Leistungen zukünftig Unterstützungen ergänzen würden, die im Rahmen der Altersversorgung und der Hinterbliebenenfürsorge gewährt werden.
Eines der unveräußerlichen Rechte, die jeder Mensch von Kindheit an besitzt, ist das Recht auf Bildung. In unserer Gesellschaft
hat dieses Recht eine besondere Bedeutung, denn die Erziehung und
Bildung aller unserer Bürger ist eine Grundvoraussetzung für die
Erhaltung und Stärkung der freien Institutionen Amerikas.
Wir sehen uns heute schweren pädagogischen Problemen gegenüber. Eine wirksame und aktuelle Analyse dieser Probleme sowie
Vorschläge für ihre Lösung werden von den Konferenzen der einzelnen
Bundesstaaten sowie auf der Konferenz im Weißen Haus vorbereitet,
die dieses Jahr zum Abschluß kommen soll.
Jedoch haben solche Faktoren wie das rasche Anwachsen der Bevölkerung, die Erweiterung der Verantwortungsbereiche der Schulen,
ein zahlenmäßig stärkerer und zeitmäßig verlängerter Schulbesuch
zu einer Schulraumnot von bisher noch nicht dagewesenem Ausmaß
geführt. Diese Schulraumnot ist ein Problem, das unser ganzes
Volk angeht. Wir müssen jetzt unverzüglich positive Maßnahmen
treffen.
Ohne in irgendeiner Weise die Verantwortungsbereiche der Einzelstaaten, Gemeinden, Landgemeinden oder Familien einschränken
zu wollen, kann und muß die Bundesregierung ein wirksamer Helfer
bei der Erörterung dieser Probleme sein. Ich werde dem Kongreß am
15. Februar eine Sonderbotschaft unterbreiten, in der ein positives
Programm zur Bekämpfung der Schulraumnot entwickelt werden wird.
Um die Staaten in die Lage zu versetzen, ihren Aufgaben besser
und fristgemäßer gerecht zu werden, müssen wir ihnen helfen, ihre
Möglichkeiten zur Verhütung und Bekämpfung der Jugendkriminalität
auszuweiten. Ich werde entsprechende gesetzgeberische Maßnahmen
des Bundes vorschlagen, um die Einzelstaaten in ihren Bemühungen
zu unterstützen, zu einem gemeinsamen Vorgehen in der Behandlung
dieses in allen Teilen des Landes gegebenen Problems zu gelangen.
Ich werde des weiteren die tatkräftigen Bemühungen der Regierung
unterstützen, die internationale Kontrolle de3 Rauschgifthandels
zu verbessern und in Zusammenarbeit mit den Behörden der Einzelstaaten und der Gemeinden die Rauschgiftsucht in unserem Lande zu
bekämpfen.
Ich möchte nunmehr auf weitere Angelegenheiten zu sprechen
kommen, die für das gesamte Volk und insbesondere für die Arbeitnehmer von Bedeutung sind.
Während des vergangenen Jahres haben gewisse Fluktuierungen
in der Industrie und die Rückkehr zu einer friedensmäßigen Wirtschaft an verschiedenen Orten und in einigen Industriezweigen zu
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zu Arbeitslosigkeit und anderen Schwierigkeiten geführt. Diesen
Problemen gilt unser besonderes Augenmerk. Die Arbeitsmöglichkeitenwaren für die überwiegende Mehrheit unserer arbeitenden
Bevölkerung im vergangenen Jahr durchaus gut. Darüber hinaus sind
die Einkünfte und Ersparnisse unserer arbeitenden Bevölkerung
hinsichtlich ihrer Kaufkraft nicht mehr länger einer Wertminderung
ausgesetzt. Auf Grund der vom Geiste der Zusammenarbeit getragenen Beziehungen zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern wurden im
Jahr 1954 weniger Arbeitstage durch Streiks verloren als in irgendeinem anderen Jahr während des letzten Jahrzehnts.
Die Situation der Arbeitnehmer kann durch verschiedene legislative Maßnahmen noch weit hoffnungsvoller gestaltet werden.
1. In den vergangenen fünf Jahren haben wir eine Ausweitung
der Wirtschaft erlebt, die eine Erhöhung der Mindest löhne im
Bundesdienst rechtfertigt. Im Lichte der gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnisse empfehle ich ihre Steigerung auf 90 Cent pro
Stunde. Ich empfehle ferner, daß der Schutz eines garantierten
Mindestlohns auch auf andere Personen, die von der gegenwärtigen
Regelung ausgeschlossen sind, ausgedehnt wird.
2. Ich wiederhole meine bereits im vergangenen Jahr vorgebrachte Empfehlung bezüglich einer Abänderung des Gesetzes über
die Arbeitgeber-Arbeitnehmerbeziehungen vom Jahre 1947, damit
es den grundlegenden Zielen dieser gesetzgeberischen Maßnahme
noch besser zu dienen vermag. Ich lenke die Aufmerksamkeit des
Kongresses besonders auf jene Zusatzartikel, die das Recht der
aus wirtschaftlichen Gründen in den Streik getretenen Arbeitnehmer behandeln, ihre Interessenvertretung durch Abstimmung, zu
benennen. Ich verweise ferner auf die Notwendigkeit, die nach
dem Gesetz gegebene Verpflichtung zur Abgabe einer Erklärung darüber, daß keinerlei kommunistische Bindungen bestehen, auf alle
Betroffenen auszudehnen.
3. Die Regierung wird weitere wichtige Gesetzesvorschläge
unterbreiten, die unter anderem Unfallverhütungsmaßnahmen im
Betrieb, die Sozialversicherung der Schauerleute und Hafenarbeiter und die 'Achtstundengesetze' betreffen, die auf Kontraktfirmen der Bundesregierung Anwendung finden. Wir werden ferner
gesetzgeberische Maßnahmen bezüglich der Invaliditätsversicherung
außerhalb des Berufs und bezüglich der Arbeitslosenversicherung
im Distrikt Columbia unterbreiten.
Bei der Fürsorge um den Menschen muß die Bundesregierung sich
besonders um die in ihren Diensten stehenden Personen bemühen.
Am 11. Januar werde ich eine Gehaltsanpassung für Zivilangestellte
des Bundes, mit Ausnahme der Postangestellten, in Vorschlag
bringen, um bestehende Ungleichheiten zu beseitigen und die Gehälter aufzubessern, sowie die Gründung einer freiwilligen Krankenversicherung auf Leistungsbasis für Bundesangestellte und ihre
Angehörigen empfehlen.
In Übereinstimmung mit dem vom 83. Kongreß verabschiedeten
Gesetz über Gruppen-Lebensversicherungen sollte dieser Schutz
unter Zugrundelegung des Prinzips der Gruppenversicherung gewährt
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gewährt und von privaten Institutionen erworben werden desgleichen
werde ich am 11. Januar eine neue Gehalts- und Lohnordhung sowie
eine Gehalts- und Lohnerhöhung für Postangestellte unterbreiten.
Als Teil dieses'Programmes, und um das große jährliche Defizit
des Postbetriebes auszugleichen, werde ich erneut um eine Erhöhung der Posttarife und -Gebühren ersuchen. Ich erneuere
meine Bitte, die Pestsetzung der Posttarife und -Gebühren einer
unabhängigen, unparteiischen Behörde zu überlassen.
Des weiteren werden angemessene Ausbildungsprogramme gefordert, um Beamte des Bundesdienstes mit dem für einen verbesserten
öffentlichen Dienst notwendigen Rüstzeug zu versehen, sowie Verbesserungen der Gesetze, die die im Auslande für die Bundesregierung tätigen Angestellten betreffen.
^
Die im Falle der Hinterbliebenen-, Invaliditäts- und Altersversorgungsleistungen für Bundesbedienstete und Angehörige der
Streitkräfte erforderlichen Verbesserungen wurden durch den Ausschuß für Fragen der Pensionierung der Bundesbediensteten eingehend erörtert. Die Vorschläge des Ausschusses würden die Leistungen für die im ständigen Bundesdienst stehenden Personen erheblich verbessern und erweitern; ich selbst heiße ihre weitgesteckten Ziele gut. Sämtliche Bundesbedienstete sollten, genau
wie in der privaten Industrie, in die Beitragspflicht zur Altersund Hinterbliebenenversicherung einbezogen werden. Für die Berufssoldaten wäre der Schutz einer Alters- und Hinterbliebenenversicherung eine wichtige und seit langem notwendige Ergänzung insbesondere ihrer gegenwärtig sehr ungleichmäßigen und unzureichenden Hinterbliebenenversorgung. Das Pensionssystem der bewaffneten
Streitkräfte sollte getrennt davon und in der alten Form beibehalten werden. Im Falle des Pensionssystems für Zivilangestellte
werden gewisse Angleichungen notwendig sein, um auch hier den
mit der Alters- und Hinterbliebenenversicherung gewährten zusätzlichen Schutz wirksam werden zu lassen. Diese Systeme sind jedoch
ein fester Bestandteil unserer gesamten Sozialversicherung und
sollten getrennt und unabhängig voneinander beibehalten werden.
Ich fordere den Kongreß ferner auf, der längst überfälligen
Erhöhung der Gehälter der Angehörigen des Kongresses und des
BundesJustizwesens zuzustimmen, damit sie eine Höhe erreichen,
die der Verantwortung entspricht, die diese Menschen zu tragen
haben.
Da wir an jedem einzelnen Bürger unseres Landes interessiert
sind, müssen wir uns noch mit einigen weiteren Fragen beschäftigen.
Wir müssen unseren indianischen Bürgern auch weiterhin helfen,
ihr Los zu verbessern und ihren vollen Beitrag zum Leben unseres
Volkes zu leisten.
Vor zwei Jahren machte ich den Kongreß auf gewisse durch
die bestehenden Einwanderungsgesetze bedingte Ungerechtigkeiten
aufmerksam. Durch eine humane Handhabung der Bestimmungen seitens
der Verwaltung tut das Justizministerium alles im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften mögliche, um Härten zu vermeiden. So ist
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ist man dazu übergegangen, Vergangenheit und Lebensumstände der
Ausländer vor ihrer Ankunft in den USA zu klären, und mit Ausnahme
von Gesetzesbrechern werden Ausländer, die auf ihre Einreise in
die USA oder auf ihre Ausweisung warten, nicht sehr inhaftiert.
Gewisse gesetzliche Vorschriften machen jedoch Maßnahmen hinsichtlich von Ausländern erforderlich, die in einigen Fällen ungerecht,
in anderen diskriminierender Natur sind.Diese Bestimmungen sollten
in der kommenden Sitzungsperiode des Kongresses koorigiert werden.
Da sich die verwickelten Probleme bezüglich Alaskas allmählich ihrer Lösung nähern, sollte dieses Gebiet darauf rechnen
dürfen, den Status eines Einzelstaates zu erreichen. Inzwischen
sollte es keinerlei Grund geben, Hawaii die Zulassung als Staat
der Union weiter vorzuenthalten. Ich empfehle abermals dringend,
diesen Schritt zu billigen.
In dreifacher Hinsicht bietet sich uns eine glänzende Gelegenheit, unsere feste Überzeugung unter Beweis zu stellen, daß jedem Bürger das Stimmrecht zusteht. Erstens empfehle ich abermals
dringend, den Einzelstaäten einen Verfassungszusatz über die Herabsetzung des Wahlmindestalters für Bundeswahlen vorzulegen. Zweitens
wiederhole ich meine Forderung, den Grundsatz der Selbstverwaltung
auch auf die Bürger des •District of Columbia1 auszudehnen und ihnen das Stimmrecht zuzubilligen. Drittens empfehle ich erneut,
daß wir gemeinsam mit den Einzelstaaten vorgehen, um den im Dienste
der Nation in überseeischen Gebieten tätigen Bürgern unseres Landes ihr Stimmrecht zu erhalten.
Da wir entschlossen sind, all jenen, die ihrer höchsten Bürgerpflicht genügten, die Treue zu halten, überprüfen wir zur Zeit
das Programm zur Versorgung der ehemaligen Kriegsteilnehmer und
der Hinterbliebenen, Wir werden Untersuchungen darüber anstellen,
wie weit und welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um den auf zwei
Jahre zum Wehrdienst eingezogenen Männern die Wiedereingliederung
in das zivile Leben zu erleichtern.
Bei der Förderung der vielen Lebensbereiche, die unserer
Kultur Bestand verleihen und Lebenskraft geben, sollte die Bundesregierung mehr tun, um die Wichtigkeit der Künste und anderen kulturellen Tätigkeiten offiziell anzuerkennen. Ich werde die Gründung eines Bundesbeirates für Kunst innerhalb des Ministeriums für
Gesundheit, Erziehung und Soziale Fragen beantragen, der die Bundesregierung darüber beraten soll, wie künstlerische Betätigung
und Kunstverständnis am besten gefördert werden können. Ich werde
ferner die Schaffung von Verdienstauszeichnungen vorschlagen, damit wir jene Bürger Amerikas ehren können, die einen wesentlichen
Beitrag zur Förderung unserer Kultur leisten.
Jeder Bürger erwartet zu Recht eine wirtschaftliche und sparsame Verwaltung der von mir heute dargelegten vielen Regierungsprogramme. Ich empfehle die Verlängerung des Gesetzes über die
Neuordnung der Exekutive sowie des Gesetzes über die Gründung der
Kommission über die Beziehungen zwischen den Verwaltungen in den
Vereinigten Staaten. Beide Gesetze laufen in diesem Frühjahr ab.
Auf diese Weise würde der Kongreß .eine Garantie dafür bieten, daß

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daß die in jüngster Zeit gemachten guten Fortschritte bei der Neuordnung des Aufbaues der Regierung und des Verwaltungsapparates
auch in Zukunft anhalten werden. In diesem Zusammenhang sei gesagt, daß wir den Berichten der Kommission über die Organisation
der Exekutive, die dem Kongreß in Kürze zugehen werden, mit großem Interesse entgegensehen. Ich bin gewiß, daß diese unter Anleitung des ehemaligen Präsidenten Herbert Hoover in Zusammenarbeit mit mehr als 200 hervorragenden amerikanischen Bürgern durchgeführten Studien von besonderem Wert sein werden, den Weg für ein
rationelleres und wirtschaftlicheres Arbeiten des Regierungsapparates zu ebnen.
Und nunmehr kehre ich zum Ausgangspunkt meiner Ausführungen
zurück - zum Glauben unseres Volkes.
Die vorstehend umrissenen Programme werden meiner Meinung
nach all seinen Bedürfnissen, seinen Interessen und Wünschen
vollauf gerecht. Welche Verpflichtungen uns daraus erwachsen,
ist klar - nämlich»
Wir müssen uns ernsthaft, geduldig und Gläubig um Frieden,
Freiheit, und Gerechtigkeit in aller Welt bemühen;
Wir müssen unsere Wirtschaft stark und unabhängig erhalten,
damit die Bürger unseres Landes ein erfüllteres, glücklicheres
Leben führen können;
wir müssen unsere Regierung nicht nur durch Worte, sondern
durch Taten in ihrem Entschluß bestärken, daß jeder Bürger die
Möglichkeit haben soll, seine Fähigkeiten voll zu entfalten.
Wenn wir all dies tun, so liegt eine Zukunft, reich an Möglichkeiten und Verheißungen, vor uns. Diese Zukunft ist uns gewiß,
wenn wir heute die Geduld, den Mut und den Glauben an das Morgen
lebendig erhalten - den tiefen Glauben der Millionen Menschen, die
in der Vergangenheit diese unsere Nation schufen und erhielten.
Vor einem Jahrzehnt, inmitten Tod und Verzweiflung der
Schlachtfelder Europas, sah ich den Mut und die Entschlossenheit,
fühlte ich die Begeisterung der Jugend Amerikas. In diesen jungen
Männern sah ich die Verkörperung des strahlenden Vertrauens und
des unwiderstehlichen Tatendrangs Amerikas, In ihnen sah ich auch
ein andächtig-frommes- Amerika, das sich äemütig dem Willen Gottes
beugt.
Und so weiß ich aus tiefstem Herzen - und ich bin fest überzeugt, ganz Amerika teilt dieses Wissen -, daß ungeachtet aller
Ängste, die unsere geteilte Welt beherrschen, unser Glaube und die
Sache, an die wir alle glauben, dereinst den Sieg davontragen werden.
•

* » * #

�BOTSCHAFT PRÄSIDENT EISENHOWERS ÜBER DIE US-AUSSENHANDELSPOLITIK
WASHINGTON — (Amerika Dienst) — Präsident
Eisenhower unterbreitete dem Kongreß am 10. Januar
1955 in einer detaillierten Botschaft seine Empfehlungen zur amerikanischen Außenhandelspolitik.
Die Botschaft des Präsidenten hat folgenden
Wortlaut».
"Ich übermittle dem Kongreß hiermit meine Empfehlungen, die
darauf abzielen, die amerikanische Außenhandelspolitik weiter
auszubauen. Obwohl diese Vorschläge zu einem großen Teil auf der
Sonderbotschaft an den Kongreß vom 30. März 1954 basieren, so
sind sie doch das Ergebnis neuer Überlegungen.
Das wohlbegründete Selbstinteresse und das Wissen um die
Verantwortung, die wir als eine führende Nation innerhalb der
freien Welt tragen, erfordern ein Außenhandelsprogramm, das zur
Förderung der Wirtschaft der freien Welt durch eine umfassendere
Erschließung aller Möglichkeiten beiträgt, die Kräfte des freien
Unternehmertums und wettbewerbsfähigere Märkte zur vollen Entfaltung gelangen zu lassen. Schon unser eigenes Interesse verlangt ein solche« Programm, denn erstens ist die.wirtschaftliche
Stabilität unserer Verbündeten für unsere eigene Sicherheit
unerlässlich. Zweitens ist die Entwicklung der Wirtschaft in den
rueckstÄJddigen Gebieten zur Ausgleichung der internationalen
Instabilität infolge der erhöhten Verwundbarkeit dieser Gebiete
gegen eine kommunistische Infiltration und Unterwanderung unbedingt erforderlich und drittens würde ein vergrößertes Volumen
der Weltproduktion und des Welthandels mit eine Garantie dafür
bieten, daß unsere eigene Wirtschaft sich weiter expandiert und
der Lebensstandard in unserem eigenen Volke steigt.
"In dem die Welt umspannenden Ringen zwischen den Kräften
der Freiheit und.denen des Kommunismus haben wirftl£-2*l£lr'
Klarheit erkannt, daß die Sicherheit einer jeden einzelnen Nation
in der freien Welt von der Sicherheit aller anderen freien Nationen abhängig ist. Das Ausmaß dieser Sicherheit ist seinerseits
wieder von der wirtschaftlichen Stärke aller freien Nationen
abhängig, denn ohne wirtschaftliche Stärke können sie die militärischen Einrichtungen und Anlagen, die zur Abschreckung einer
bewaffneten kommunistischen Aggression notwendig sind, nicht
unterhalten. Wirtschaftliche Stärke ist in gleicher Weise unerläßlich, damit sich diese Staaten selbst gegen eine kommunistische Subversion im Innern sichern können.
In
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In Jedem Land der freien Äelt ist die wirtschaftliche
Stärke abhängig sowohl von einer regen Wirtschaftstätigkeit
im Inland als auch von einem lebhaften internationalen Handel.
Kein Volk kann wirtschaftlich völlig autark sein. Die einzelnen
Länder müssen von anderen kaufen, und um ihre Importe bezahlen
zu können, müssen sie selbst nach Warenabsatz trachten. Pur die
Sicherheit der Vereinigten Staaten und der übrigen freien .Welt
ist es notwendig, daß die USA die Initiative ergreifen, um ein
so hohes Handelsniveau zu erreichen, das allen Ländern die
wirtschaftliche Stärke gibt, von der die Freiheit und Sicherheit
aller abhängt.
Ein derartiges hohes Handelsniveau kann durch spezifische
Maßnahmen, wie sie hinsichtlich der Handelsschranken in dieser
Botschaft empfohlen werden, sowie durch Ausweitung des Kapitalverkehrs unter den Nationen der freien Welt, durch Konvertierbarmachung der Währungen, durch einen erweiterten Austausch technischer Informationen sowie Ausweitung des internationalen Reiseverkehrs gefördert werden.
In militärischer Hinsicht ist die Stärke unseres Landes durch
die Militärbündnisse der freien Nationen erhöht worden. Diese
Allianz der freien Welt wird nur dann stärker zusammengeschweißt
werden, wenn sie sich auf einem blühenden und gegenseitigen Handel
sowie gemeinsamen Ideä.en, Interessen und gemeinsamem Wollen aufbaut. Gegenseitiger Handel ist nicht nur gewinnbringend, sondern
auch bindender und dauerhafter als kostspielige Zuwendungen und
andere Formen der Unterstützung.
Zahlreiche, vom wirtschaftlichen Standpunkt aus abzulehnende,
künstlich errichtete Schranken gegen gewinnbringende Handelsbeziehungen und den freien Strom von Investitionen behindern die
Nationen der freien Welt heute noch an der vollen Entfaltung
ihres Wirtschaftspotentials. Welthandel und internationale Investitionen haben noch nicht den für die Produktion, den Arbeitseinsatz und das (Volks-)Einkommen erforderlichen Umfang erreicht.
Für große Gebiete besteht noch immer keine Konvertierbarkeit der
Währungen.
*ir und unsere Freunde,im Ausland müssen gemeinsam auf eine
Senkung der ungerechtfertigten Schranken füe-Handel und Investitionen hinarbeiten und wir müssen das auf der Basis der Gegenseitigkeit tun, damit die Vorteile allen yugutekommen.
Eine derartige Maßnahme würde unsere eigene Wirtschaft
stärken und dazu beitragen, unserem Volke einen steigenden Lebensstandard zu sichern, indem sie unserer Landwirtschaft, unserer
Industrie und unserem Bergbau neue Märkte erschließt.
Las hier von mir empfohlene Programm ist gemässigt, es sieht
eine Schrittweise Entwicklung vor und beruht auf Gegenseitigkeit.
Radikale oder plötzliche Senkungen des Zolltarifs würden nicht im
Interesse der Vereinigten Staaten liegen und würden uns nicht das
Ziel erreichen lassen, das wir uns gesetzt haben. Ein gemäßigtes
Programm kann jedoch zu der Sicherheit und dem Wohl der Vereinigten
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBBIT

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Vereinigten Staaten wie der übrigen freien Welt unermesslich
beitragen.
Ich beantrage eine dreijährige Verlängerung der Befugnisse
des Präsidenten, mit anderen Nationen Verhandlungen über einen
schrittweisen, selektiven und gegenseitigen Zollabbau zu führen.
Diese Ermächtigung würde Verhandlungen über eine Beseitigung der
Schranken gestatten, die gegenwartig die Märkte für unsere Waren
in der ganzen Welt einengen. Ich werde alle Länder, mit denen
wir Handel treiben, auffordern, in ihren Beziehungen untereinander ähnliche Maßnahmen zu ergreifen.
Die Verlängerung des Gesetzes über gegenseitige Handelsabkommen um drei Jahre müsste, un er Berücksichtigung der gegenwärtigen Gefahren und der Rücktrittsklauseln, zu folgendem ermächtigen* 1« Senkung der Zolltarife bestimmter Güter bis zu 5$
jährlich und über einen Zeitraum von drei Jahren auf dem "ft'ege
über multilaterale und gegenseitige Verhandlungen}; 2.Senkung
aller Zollsätze von mehr als 505t des Warenwertes auf diesen
Satz innerhalb von drei Jahren auf dem Wege über Multilaterale
und gegenseitige Verhandlungen? 3. Senkung aller am 1.Januar 1945
in Kraft befindlichen Zollsätze bei solchen Waren, die gegenwärtig überhaupt nicht oder nur in geringer Menge importiert
werden, innerhalb von drei Jahren bis zur Hälfte.
Das al lgemeine Zoll- und Handelsabkommen.
Seit etwa sieben Jahren bemühen sich die Vereinigten Staaten
in Zusammenarbeit mit allen grösseren Handelsnationen der freien
Welt um einen Abbau der Handelsschranken. In dieser gemeinsamen
Anstrengung haben wir uns des allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens bedient. Durch die Anwendung der Vorschriften dieses
Abkommens hat die Regierung der Vereinigten Staaten versucht,
Zweck und Bestimmungen des Gesetzes über den Abbau der Handelsschranken (Trade Agreements Act) zu erfüllen.
Die Vereinigten Staaten überarbeiten gegenwärtig zusammen
mit 33 anderen handeltreibenden Nationen die Bestimmungen dieses
Abkommens mit dem Ziele, es zu einem einfacheren, wirksameren
Instrument für die Entwicklung eines stabilen Welthandelssystems
zu machen. Wenn die gegenwärtig laufenden Verhandlungen über die
Revision der Bestimmungen bezüglich der Organisation des allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens zufriedenstellend abgeschlossen sind, wird der Kongreß die Ergebnisse zwecks Billigung zugeleitet erhalten.
Zollverwaltung und Zollverfahren.
Beachtliche Portschritte wurden dabei erzielt, den Importhandel von unnötigen zolltechnischen Verwaltungsmaßnahmen zu
befreien. Aber es bleibt noch eine ganze Menge auf den drei Gebieten zu tun, die ich bereits im vorigen Jahr in meiner Botschaft über die Außenhandelspolitik besonders erwähnte* 1) Ver-

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l) Vereinfachung des Klassifizierungsverfahrens, der Warenkategorien und der Zollsätze; 2) eine Verbesserung des Verfahrens zur
Werttaxierungj und 3) die weitere Verbesserung des Zollerhebungsverfahrens.
Der Kongreß traf im vergangenen Jahr eine Maßnahme, die einer
wesentlichen Fortschritt zur Vereinfachung des Zollverfahrens
brachte, als er das Gesetz über die Vereinfachung des Zollverfahr«
verabschiedete und damit die Bundeszollkommission anwies, die bei
der Klassifizierung der Importgüter auftretenden Schwierigkeiten
einer genauen Prüfung zu unterziehen. Der für den 15. März zu erwartende Zwischenbericht dieser Kommission sollte dem Kongreß eine
wesentliche Hilfe bei der Entscheidung darüber sein, ob weitere
gesetzgeberische Maßnahmen zu treffen sind oder bis zur ünterbreitung des Schlußberichtes gewartet werden soll.
Die Unsicherheit und die Verwirrung, die das komplizierte
System der Werttaxierung der eingeführten Güter mit sich bringt,
führen zu nicht wünschenswerten Verzögerungen in der Festsetzung
der Zölle. Ich fordere den Kongreß auf, die gesetzgeberischen Maßnahmen zur Änderung dieser Situation wohlwollend in Erwägung zu
ziehen.
Verbesserungen in der Handhabung der Zölle setzen ständige
diesbezügliche Bemühungen voraus, wie der Kongreß bereits bei der
Verabschiedung der Zollvereinfachungsgesetze aus den Jahren 1953
und 1954 festgestellt hat. Das Finanzministerium wird in seinem
Jahresbericht an den Kongreß die noch verbleibenden Anlässe für
Verzögerungen oder Schwierigkeiten in der Zollabfertigung von
eingeführten Waren aufführen und weitere technische Verbesserungs
vorschlage zur Vereinfachung unseres Zollverfahrens unterbreiten.
Amerikanische AuslandsinvestitJonen.
Die gesamte freie Welt braucht Kapital; Amerika kann hier
den größten Anteil stellen. In diesem Lichte gesehen, muss der
Kapitalfluss von den USA nach dem Ausland gefördert werden, und
zwar in einer Weise, daß die Investitionen von privaten Unternehmern, nicht aber von der Regierung vorgenommen werden.
Eine lebhaftere Investitionstaetigkeit amerikanischen Privatkapitals im Ausland, speziell in den unterentwickelten Gebieten, könnte viel zu einer Ausweitung des beiderseitigen internationalen Handels beitragen. Die unterentwickelten Länder würden dann in die Lage versetzt, die von ihnen so dringend benötigten Anlagegüter leichter zu erhalten, um zu einem gesunden Wachstum der Wirtschaft und einem hoeheren Lebensstandard zu gelangen.
Dies wäre am besten geeignet, den falschen, aber verlockenden
Versprechungen der Kommunisten den Boden zu entziehen.
Um die Kapitalinvestitionen im Ausland zu erleichtern, empfehle ich die Verabschiedung von gesetzgeberischen Maßnahmen,
durch die für Einkommen aus ausländischen Tochtergesellschaften
oder Niederlassungen ein vierzehnprozentiger Steuernachlass auf
die regulären Sätze der Körperschaftssteuer gewährt und die Einkommensteuerzahlung aus Einkünften aus Niederlassungen im Auslanc

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Ausland solange gestundet werden kann, bis diese Einkünfte aus
dem betreffenden Land tatsächlich ausgeführt werden.
Ich schlage ferner vor, die Möglichkeiten zu einer weiteren
Anwendung von Steuerabkommen - womöglich bei gleichzeitiger Anerkennung der steuerlichen Konzessionen, die andere Staaten dem
Auslandskapital einräumen - eingehend zu untersuchen. Bei Einbau
von entsprechenden Sicherheitsbestimmungen könnte man eine Aufrechnung von im Ausland zur Einkommensteuer bezahlten Beträgen, auf
deren Abführung für eine begrenzte Anlaufzeit verzichtet wird,
in Erwägung ziehen, genau so wie wir gegenwärtig auch erlassene
Steuern stunden. Damit würde., den ausländischen Steuergesetzen,
die die Gründung neuer Unternehmen fördern sollen, größte Wirksamkeit verliehen.
Als eine weitere Maßnahme zur Förderung der Investitionstätigkeit im Ausland empfehle ich dem Kongreß, zu gegebener Zeit
der Mitgliedschaft der Vereinigten Staaten in dem geplanten internationalen Finanzierungsinstitut, das der Weltbank angeschlossen
werden soll, seine Zustimmung zu geben. Dieses Institut soll die
private Investitionstätigkeit in weniger entwickelten Gebieten
durch Gewährung von Anleihen ohne Regierungsgarantie fördern.
Diese Organisation wird keine Aktien ankaufen, jedoch RisikoKapital durch Übernahme von Schuldverschreibungen und anderen
Obligationen zur Verfügung stellen. Sie wird in ihre Tätigkeit
jene Gebiete einbeziehen, die bisher von keiner bestehenden Institution berücksichtigt wurden.
Die Regierung wird auch weiterhin dafür Sorge tragen, daß
unsere diplomatischen Vertreter im Ausland die Voraussetzungen
für ein Klima schaffen, das der Konzeption der Privatinvestierungen günstig ist. Wir werden uns auch in Zukunft bemühen, neue
Möglichkeiten zur Ausweitung der Kapitalinvestitionen im Ausland
zu erschließen.
Man muß sich dabei allerdings darüber im klaren sein, daß
das amerikanische Privatunternehmertum, das Kapital im Ausland
investiert, selbstverständlich mit entsprechenden Vergünstigungen
rechnet. Dies ist aber letzten Endes nur dadurch zu erreichen,
daß wir bereit sind, mehr Güter und Dienstleistungen im Ausland
zu erwerben, um die für diese immer umfangreicher werdenden Käufe erforderlichen Dollar zu beschaffen. Dies ist ein weiterer
zwingender Grunä für eine faire und vorausblickende Handelspolitik
unsererseits.
Technische Zusammenarbeit
Die Vereinigten Staaten verfügen über einen gewaltigen
Wissens- und Erfahrungsschatz auf technisch-praktischem und
wissenschaftlichem Gebiet, dessen die unterentwickelten Gebiete
der Welt dringend bedürfen. Es ist Pflicht der USA, diesen Schatz
an technischen und wissenschaftlichen Arbeitsweisen und Methoden
den anderen Völkern zugänglich zu machen. Der Fluß dieser für f
friedliche Zwecke der Forschung und Technik bestimmten Informationen muß weiterhin unbehindert bleiben.
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

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Die Beteiligung der Vereinigten Staaten an Programmen der technischen Zusammenarbeit muß weiter gefördert werden. Diese Programme
sollten jedoch mehr die Vermittlung dieses Erfah ungs chatzes als
die Bereitstellung großer Summen betreffen. Tn meiner Budget-Botschaft in der kommenden W che werde ich den ong e
m die Bereitstellung der notwendigen Summen zur Unterstützung der multilateralen UNO-Programme zur technischen Zusamme-'arbei.1 e-suchen. Auch
die bilateralen Pro ramme der USA sollten tatkräftig vorangetrieben
werden.
Internationaler Reiseverkehr
Die Vereinigten Staaten haiton weiterhin an dem iiel eines
unbehinderten Reiseverkehrs durch die gesamt" Weit fe . Eine
Förderung und Unterstützung der Au landsre's n isi außerordentlich
wichtig, einmal weg n ihrer kul urellen und sozialen Bedeutung in
der freien Welt, zum arideren wegen des wirts haft : IC en Nutzens.
Das Reisen amerikan:sehe Burger im Ausland stellt für v ele Länder
eine wichtige Dol arquelle dar. Die Regierung wir! weiterhin nach
Mitteln und Wegen suchen, um den internationalen Reiseverkehr zu
erleichtern, und zu diesem Zweck m t privaten Reisebüros zusammenarbeiten. Eine legislative Maßnahme, die sich auf diesem Gebiet
günstig auswirken würdes ist die Erhöhung der Zollfrei-Grenze für
die von amerikanischen Bürgern im Ausland erworbenen Gegenstände
von gegenwärtig 500 Dollar im halben Jahr auf 1 000 Dollar. Ich
empfehle die Inkraftsetzung eines solchen Gesetzes.
Handelsmessen
Seit vielen Jahren hat das Ausland den internationalen Handelsmessen große Bedeutung zuerkannt, und die meisten handeltreibenden
Nationen haben die handelsfördernden Aspekte ihrer industriellen
Ausstellungsgüter auf zahlreichen Messen durch einen zentralen
Ausstellungsstand unterstützt, der die erzielten industriellen
Fortschritte und Leistungen der Nation herausstellen soll.
Beispielsweise sind die Stände der Sowjetunion und ihrer
Satelliten gut geplant gewesen und wurden in kostspieligen Gebäuden
untergebracht. Damit sollte der Eindruck erweckt werden, daß die
UdSSR in großem Umfange für friedliche Zwecke produziert und für
die Arbeiter ein Paradies schafft.

Die Vereinigten Staaten, die über ein größeres Außenhandelsvolumen verfügen als jede andere Nation, sind bis vor kurzem wegen
ihres Fernbleibens von diesen Handelsmessen aufgefallen. Amerikanische Messebesucher und -Teilnehmer haben auf das Unterlassen ihrer
Regierung hingewiesen, für unser System des freien Marktes eine angemessene Aufklärungsarbeit durchzuführen und sich für eine wirksame Zusammenarbeit zur Förderung des internationalen Handels einzusetzen.
Infolgedessen habe ich ein Programm für internationale Handelsmessen unter der Leitung des Handelsministeriums in Angriff genommen.
Seit Anlaufen dieses Programms im August vorigen Jahres ist die
Teilnahme der USA an elf derartigen Messen, die noch vor dem 30.
Juni dieses Jahres abgehalten werden sollen, genehmigt worden. In
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
12. Januar 1955
In der zweiten Hälfte des Jahres sind 16 weitere Messen für
Ausstellungszwecke in Aussicht genommen. Die erste Messe, auf der
die Vereinigten Staaten mit einer zentralen Ausstellung vertreten
waren, war die am 7. Dezember 1954 in Bangkok eröffnete. Hier
erhielten wir den ersten Preis. Über 100 amerikanische Firmen
waren an dieser Ausstellung beteiligt.
Ich werde den Kongreß um die Bewilligung weiterer Mittel
zur Fortführung dieses Programms ersuchen.
Konvertierbarkeit der Währungen
Die Konvertierbarkeit der Währungen ist eine Grundvoraussetzung für eine ständige Ausweitung des Welthandels- und Investitionsvolumens. Eine freie Konvertierbarkeit ist in den Jahren nach dem
Kriege auf Grund kriegsbedingter Störungen, Inflation und anderer
wirtschaftlicher Schwierigkeiten innerhalb vieler Länder, die zu
einer unausgeglichenen internationalen Handels- und Zahlungsbilanz führten, nicht möglich gewesen. Es werden jedoch, vor allem
von den westeuropäischen Ländern, kontinuierliche Fortschritte
in bezug auf unser gemeinsames Ziel gemacht, die freie Konvertierbarkeit der Währungen wiederherzustellen. Mit diesem Außenhandelsprogramm, das hiermit unterbreitet wird, leisten wir einen
wichtigen Beitrag zur Verwirklichung der Konvertierbarkeit.
Landwirtschaft
Keine andere Bevölkerungsgruppe Amerikas ist an einem
gesunden und zunehmenden Außenhandel mehr interessiert als die
Farmer. Ein Viertel bis ein Drittel der Ernte der wichtigsten
landwirtschaftlichen Erzeugnisse wie Weizen, Baumwolle und Tabak
muß im Ausland: abgesetzt werden, um das Einkommen der Farmer auf
einem hohen Stand zu halten.
Alle im Interesse der Landwirtschaft aufgestellten Programme
können daher nur erfolgreich sein, wenn sie mit unserer Außenhandelspolitik in Einklang stehen. Wir müssen uns über die Auswirkungen aller Agrarprogramme auf unsere Wirtschaftsbeziehungen mit
dem Ausland vollkommen im klaren sein, um sicherzustellen, daß
sie auf Jahre hinaus zur Entwicklung gesunder, expandierender Auslandsmärkte beitragen.
Schlußfolgerung
Die Empfehlungen, die ich Ihnen soeben unterbreitete, sind
sämtlich Teile eines auf ein Ziel abgestellten Gesamtprogramms.
Jede einzelne soll ihr Teil zum Gesamtplan beitragen. Jede fördert die Sicherheit unseres Landes, indem sie die Stärke und die
wirtschaftliche Selbsterhaltung unserer Verbündeten erhöht."jede
einzelne trägt zu unserer wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung und
zur Hebung des Lebensstandards unseres Volkes bei".
*

*

*

* *

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�A M E R I K A

D I E N S T

DULLEN UMREISST FRIEDENSKQNZEPTIQN DES BESTENS
NE'ft YORK. - (Amerika Dienst) - Der amerikanische
Außenminister John Foster Dulles hielt am.11.Januar
1955 auf einem anläßlich der 100.Wiederkehr des
Gründungstages der "Young Women's Christian Association" (Christlicher Verein Junger Frauen) gegebenen
Essen eine Ansprache, in der er die westliche Konzeption eines "wahren Friedens" umriß. Die Ansprache des Außenministers hat folgenden Wortlaut:
Ich möchte heute zu Ihnen über den Frieden sprechen. "Frieden"
ist eines der schönsten und ehrenhaftesten Worte unserer Sprache*
Dieses Wort ist jedoch durch die kommunistische Propaganda so beschmutzt und befleckt worden, daß es im Munde der Kommunisten
heute kaum noch zu erkennen ist.
Es wird Zeit, daß wir dieses Wort seinem unverdienten Schicksal entreissen und den wahren Frieden in aller Welt proklamieren.
Frieden ist ein Wort, das eine hohe Bedeutung hat. Es besagt, daß man ohne Gewalttat und kriegerische Handlungen lebt.
Es bedeutet jedoch auch die innere Ruhe, die jene erfüllt, die
dem Pfad des Glücks folgen und ihre gottgegebene Möglichkeiten
für Körper, Geist und Seele entwickeln können.
Für die orthodoxen Kommunisten stellt der Friede auf der
anderen Seite eine negative wertlose Konzeption dar. Er bedeutet
den Zustand einer mit Gewalt herbeigeführten Gleichförmigkeit, ]
in der alle Menschen dasselbe denken und glauben und dabei in
Übereinstimmung mit den von ihren Herrschern aufgestellten Prinzipien handeln müssen, von Herrschern, die - wie sie es nennen die Diktatur des Proletariats manifestieren.
Wenn dieses System der Gleichschaltung überall in der Welt
Gültigkeit erlangen kann, so lautet ihr Gedankengang, dann wird
es keine Kriege mehr geben. So bemühen sie sich im Namen des Friedens um eine Ausweitung ihrer Macht in der ganzen Welt.
Eines ist über diese Art von Frieden klar: Die internationalen Kommunisten können ihn nicht verwirklichen, wenn sie nicht
zuvor zum Krieg Zuflucht nehmen. Dies haben sie auch zugegeben.
Natürlich greifen sie zu Mitteln der Propaganda, zu subversiven
Aktionen und zu Drohungen, um andere Nationen weich zu machen;
sie hoffen dabei, daß sich diese Länder ihnen widerstandslos ergeben. Sie haben aber auch vorausgesehen, daß viele dieser Länder ihre Herrschaft niemals freiwillig akzeptieren werden. So
stellte Lenin die These auf, der auch Stalin beipflichtete, daß
_ 1_

�"AiuLfiliU DlÄlilöT"

19» Januar 1955

daß 'eine Reihe von schrecklichen Zusammenstößen zwischen der
Sowjetspublik und den bourgeoisen Staaten unvermeidlich sein
wird'.
Die fanatischen Kommunisten glauben, daß das Endziel eine total gleichgeschaltete Welt - diese schrecklichen Mittel
rechtfertigt. Und solche Staatsmänner, die einem primitiven
Machtstreben fröhnen, halten es für statthaft, ihre ehrgeizigen
Pläne in ein derartig doktrinäres Gewand zu kleiden.
Wenn wir auch das kommunistische Lager vom Frieden sprechen
hören, müssen wir immer hinter diesen Reden die wahre Natur des
kommunistischen Systems erblicken. Es ist nicht ein System des
Friedens sondern eines der Gewalt, denn nur die Gewalt kann die
Ziele der menschlichen Seele niederhalten. Der Einzelne strebt
danach, das zu tun, was ihn, nicht aber seinen Herrn befriedigt.
Er will die schützende Liebe, die die Familieneinheit zusammenhält, stärken und sichern. Er will mit der höheren Macht Zwiesprache halten, mit einer Macht, die die Menschen seit Anbeginn
als Gott verehrt haben, und er möchte das Bewußtsein besitzen,
daß er den göttlichen Geboten Rechnung trägt. Nur unter Anwendung
von Zwangsmitteln kann er ein System akzeptieren, das die Liebe
zur Familie, zum Vaterland, zu Gott ablehnt und den Menschen als
reines Objekt betrachtet. Und doch ist es gerade diese falsche
Konzeption des 'Friedens'1, mit der die Kommunisten ihr schwerstes Propagandageschütz laden.
Die gottesfürchtigen Völker wollen den Frieden. Aber sie
wollen ihn durch die Nutzbarmachung und nicht durch die Unterdrückung der besten Eigenschaften des Menschen anstreben. Sie
sind sich dessen bewußt, daß die menschliche Gesellschaft gewisse Verhaltensregeln braucht, die die Harmonie fördern. Aber
sie haben auch herausgefunden, daß die Quelle dieser Maßstäbe
im wesentlichen die Moral oder das Naturrecht ist, das göttlichen Ursprungs ist, und sie wissen ferner, daß jene Regeln
hauptsächlich durch die freiwillig erfolgte Unterwerfung unter
das Moralgesetz und nicht durch die willkürliche Anordnung eines
Polizeistaates sanktioniert werden.
Natürlich ist es außerordentlich schwierig, den Frieden und
die Freiheit zu bewahren. Trotzdem brauchen wir hierbei nicht
ohne Hoffnung zu sein. Jedes Jahr hält reiche Ernte an Ereignissen, die zeigen, daß unsere Zielsetzungen nicht das menschliche
Vermögen übersteigen, sie zu verwirklichen.
Im vergangenen Jahr hat es viele dem Frieden dienende Ereignisse gegeben. Eines davon war die Beilegung des Suez-Konflikt
zwischen Großbritannien und Ägypten. Ich befand mich vor zwei
Jahren dort. Ein Kriegsausbruch stand nahe bevor. In der Tat
hatten beide Seiten mit einer derartigen Möglichkeit gerechnet.
Trotzdem haben die für Mäßigung eintretenden Ratgeber die Oberhand behalten. Man schlug den Weg geduldiger Verhandlungen ein
und gelangte schließlich zu einer Lösung, die Konzessionen von
beiden Parteien mit sich brachte. Aber heute herrscht dort Frieden in seiner wahrsten Bedeutung, und wir können hoffen, daß dieses Beispiel einen wohltuenden Einfluß auf das ganze unruhige Gebiet des Nahen Ostens ausüben wird.
Ein

�üiiMLhlK^ LiLMST"

19. Januar 1955

Ein ähnlicher Friede kam zwischen Italien und Jugoslawien
in bezug auf Triest zustande. Auch hier schienen tief verwurzelte Nationalgefühle in einem Ausmaß aufeinanderzuprallen, das
keine friedliche Lösung zuließ. Es wurde sogar ein Punkt erreicht, wo beide Parteien Truppen in Richtung auf die Gefahrenzone in Marsch setzten, aber wieder wurde von den Möglichkeiten
der Verhandlung und der Diplomatie Gebrauch gemacht. Jede Seite
legte Mäßigung an den Tag und machte Zugeständnisse mit dem Ergebnis, daß ein wahrer Friede geschaffen werden konnte. Wir sind
zu der Hoffnung berechtigt, daß auch dieser Friede seinen Einfluß
geltend machen wird, um den südosteuropäischen Raum dahin zu bringen, Einheit und Stärke an die Stelle der durch Uneinigkeit hervorgerufenen Schwäche zu setzen. Die Manila-Konferenz vom vergangenen September brachte kolonial und antikolonial eingestellte Länder zusammen. Und doch ging aus dieser Konferenz die Pazifik-Charta hervor, in der die westlichen Nationen gemeinsam
mit den Nationen des Ostens in aufrüttelnder Sprache das Grundrecht aller Völker auf Selbstregierung und Unabhängigkeit proklamierten.
Während des vergangenen Jahres wurde ebenfalls ein neuer
Beginn gemacht, um die nationalen Meinungsverschiedenheiten zu
beenden, die Westeuropa seit Generationen das Leben schwer gemacht
und immer wieder zu Kriegen geführt haben. Diese Kriege haben an
Umfang und Intensität immer mehr zugenommen. Sie haben die menschliche, materielle und moralische Stärke Europas derartig erschöpft,
daß die westliche Kultur zum ersten Mal durch ein atheistisches
System ernsthaft herausgefordert werden kann.
Es ist in der Tat eine erschütternde Tatsache, daß Westeuropa, seit langem die Wiege der christlichen Kultur, so lange
Zeit den größten Schauplatz von Kriegen abgegeben hat.
Um dieser Lage ein Ende zu bereiten, wurde die Europäische
Verteidigungsgemeinschaft konzipiert. Diese würde jene Streitkräfte endgültig zusammengeschmolzen haben, die sich - getrennt feindlich gegenüberstanden. Als die Annahme dieses Projekts scheiterte, wurde die gleiche Zielsetzung auf den gegenwärtigen Plan
für eine Westeuropäische Union übertragen.
Es gibt einige, die dieses Projekt lediglich als ein Mittel
zur Wiederbewaffnung der Deutschen behandeln. Dies ist eine Herabminderung, die fast schon der Absurdität nahekommt. Natürlich
haben die Deutschen, wie alle Völker mit Selbstachtung, das
Recht und die Pflicht, zum internationalen Frieden und zur Sicherheit beizutragen. Dies ist jedoch nur eine Begleiterscheinung
der großen Konzeption, die Länder Westeuropas in ein so enges
und dauerndes Verhältnis zueinander zu bringen, daß es undenkbar
ist, sie könnten einander wieder bekämpfen. Worum es wirklich
geht, ist dies: Sollen die Völker Europas eine politische Struktur schaffen, die besser ist als das, was der schlimmste Gefahrenherd der Welt war?
Natürlich stoßen die neuen Vereinbarungen auf Widerstand.
Das ist immer der Fall, wenn große Taten vollbracht worden sind.
Der

�"jmiERIiU l)lhi\i&amp;I"

19. Januar 1955

Der Plan, die amerikanischen Staaten zu einem Staatenbund zusammenzuschließen, traf auf Opposition, und in verschiedenen
Staaten sprach sich nur eine geringe und unsichere Mehrheit
für die Annahme dieses Planes aus. So wird es auch in Europa
sein. Aber wir können mit Recht hoffen, daß diese große Friedenstat durch den unerläßlichen Beitrag Prankreichs und Deutschlands an Toleranz, Zurückhaltung und Einsicht zum Abschluß gebracht werden wird.
Die Vereinten Nationen haben im vergangenen Jahr eine bemerkenswerte Rolle gespielt, um im Sinne ihrer Charta als ein
"zentrales Forum die Handlungen der Nationen in Einklang zu
bringen". Wir sehen der Rückkehr des UNO-Generalsekretärs aus
China und seinem Bericht über das Ergebnis seiner Mission mit
großem Interesse entgegen, einer Mission, bei der es in entscheidender Weise um Fragen der Menschlichkeit und Gerechtigkeit ging. Die Vereinigten Staaten tragen ihr Teil zu einer
friedlichen Regelung dieser Frage bei, indem sie das biblische
Gebot beachten, den Zorn zu zügeln.
Ich könnte die Beweise für die Fähigkeit der Menschen,
einen wahren Frieden zu schaffen, beliebig fortsetzen. Das
letzte Jahr war reich an solchen Beweisen. Es ist jedoch nicht
notwendig, sie zu katalogisieren. Sie wissen so sehr wie ich,
daß der Friede in der wirklich hohen Bedeutung dieses Wortes
tatsächlich in Reichweite der Menschheit ist. Der begrenzende
Faktor ist nicht die Unmöglichkeit, sondern das Fehlen eines
zielstrebigen^ Bemühens und Opfers, das das Mögliche zum Wirklichen werden lassen könnte.
Die nackte Tatsache ist, daß, wenn sich die Menschheit
auch durch die Jahrhunderte hindurch nach Frieden gesehnt hat,
sie sich doch nur selten auf ernstnafte, kluge und ausdauernde
Weise für dieses Ziel eingesetzt hat. Es ist wirklich bestürzend, wenn man dem, was die Menschen in Kriegszeiten zur Erringung des Sieges tun, das gegenüberstellt, was sie in Friedenszeiten zur Verhinderung eines neuen Krieges unternehmen.
In Kriegszeiten steht die Nation geeint da und jeder erwachsene Bürger ist bereit, seiner Pflicht nachzukommen. Dann
scheint kein Opfer, nicht einmal das des eigenen Lebens, zu
hoch. In Friedenszeiten jedoch denken die Menschen, daß es genüge, die Aufgabe ein paar Berufspolitikern zu übertragen und
dabei zu hoffen, und vielleicht auch zu beten, daß sie ihre
Aufgabe lösen werden. Ich will nicht den Wert jener Hoffnungen
und Gebete verringern. Sie stärken jene außerordentlich, die
die schwere Bürde tragen. Aber in jedem Lande besteht die außerordentliche Notwendigkeit nach einer größeren Bereitschaft,
die nationalen Opfer zu bringen, die für den Frieden erforderlich sein können.
Es wird niemals einen dauerhaften Frieden geben, solange
die Menschen und Nationen ihre größten Anstrengungen und opfervollsten Bemühungen in den Dienst des Krieges stellen.
In den Vereinigten Staaten besteht ein starker Drang nach

- 4-

�"^MERIiU LIMST"

19. Januar 1955

nach Frieden. Wir haben die Kämpfe in Korea beendet. Zusammen
mit anderen Nationen helfen wir als Partner bei der Entwicklung
eines kollektiven Sicherheitssystems in der ganzen freien Welt.
Wir werden, wie ich hoffe, eine vernünftige Wirtschaftspolitik
führen, wie sie Präsident Eisenhower am Montag empfohlen hat.
Wir werden unsere guten Dienste anbieten, um in anderen Gebieten genau solche und zahlreiche andere Friedensmaßnahmen
zu fördern, wie ich sie gerade erwähnt habe. Vielleicht hat
eine Nation niemals zuvor so viel für den Frieden getan. Von
der Vergangenheit aus beurteilt, haben wir in dieser Hinsicht
gute Leistungen aufzuweisen. Aber die Vergangenheit bietet
keine geeignete Richtschnur. Es herrscht noch immer zu viel
Selbstgefälligkeit. Den Frieden zu gewinnen, heißt einen verzweifelten Kampf gegen einen Feind, das System des Krieges,
zu führen, ein System, das bisher noch niemals entscheidend
besiegt worden ist. Heute wird jenes System in Wahrheit von
einer Militärmacht unterstützt, wie sie in diesem Umfang noch
niemals zuvor existiert hat.
Dieser Kampf um den Frieden kann nicht durch Pazifismus,
Neutralismus oder durch Schwäche gewonnen werden. Diese Methoden
sind angewandt worden und haben versagt. Nur der Wille und die
Fähigkeit, für wertvollere Rechte als für einen würdelosen Frieden zu kämpfen, können vor einer Aggression abschrecken.
Der Frieden kann aber auch nicht durch Grausamkeit oder
Intoleranz, weder innerhalb noch außerhalb der USA, gewonnen
werden. Den Frieden muß man wie einen Feldzug planen, in dem
zahlreiche Faktoren gegeneinander abgewogen werden. Es ist
ein Feldzug, in dem es notwendig sein mag, sich einzusetzen,
selbst wenn der Erfolg unwahrscheinlich ist, und es auch notwendig sein mag, gelegentlich Rückschläge hinzunehmen. Ja, um vor
einem Krieg abzuschrecken und den Frieden zu retten, müssen
wir vielleicht bereit sein zu kämpfen, wenn es notwendig sein
sollte, und über Hilfsquellen verfügen und Alliierte gewinnen,
um sicherzustellen, daß ein Aggressor auch bestimmt geschlagen
würde.
Alles in allem sollten die wirklich den Frieden anstrebenden Nationen in der Lage sein, die individuelle und kollektive
Unterstützung ihrer Völker zu gewinnen.
Ich weiß, die Schaffung eines waren Friedens ist ein
ernsthaftes Anliegen der "Young Women's Christian Association".
Sie haben während Ihres jetzt hundertjährigen Bestehens an
Stärke und Kraft gewonnen. Aber die vor Ihnen liegenden Aufgaben bleiben gewaltig und sind noch dringender geworden.
Ich bin daher dankbar, die Gelegenheit erhalten zu haben,
Ihnen diese kurze Botschaft vorzutragen - eine Botschaft der
Hoffnung, aber auch eine Botschaft der außerordentlichen
Dringlichkeit.
* * * * *

- 5 -

�l A M E R I K A

D I E N S T

EISENHOWER LEGT NEUEN HAUSHALT VOR

WASHINGTON — (Amerika Dienst) — Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut des Begleitbriefes
zu der Haushaltsbotschaft, die Präsident Eisenhower
dem US-Kongreß am 17. Januar 1955 unterbreitet hat.

An den Kongreß der Vereinigten Staaten,
Ich unterbreite Ihnen heute den Haushaltsvorschlag der
US-Regierung für das am 1. Juli 1955 beginnende Haushaltsjahr
1956.
Der erste Teil meiner Haushaltsbotschaft bringt eine Zusammenfassung der Gesamtveranschlagungen und umreißt unsere
Vorhaben und Pläne für das nächste Jahr, insbesondere insoweit
sie in irgendeinem Zusammenhang mit der Finanzlage des Bundes
stehen. Der zweite Teil besteht aus zusammenfassenden Übersichtstafeln und enthält ferner meine Haushaltsempfehlungen für
jeden einzelnen größeren Bereich der Regierungstätigkeit.
Das abgelaufene Jahr war, was die Staatseinnahmen und
-ausgaben angeht, im wesentlichen von der Tatsache bestimmt,
daß wir erfolgreich von einer nach kriegswirtschaftlichen Gesichtspunkten orientierten auf eine nach friedenswirtschaftlichen Gesichtspunkten orientierten Wirtschaft übergingen eine wahrhaft bedeutsame Leistung. Dank einer zweckmäßigen
Finanzpolitik waren die unvermeidlichen negativen Auswirkungen
dieser Umstellung - so viel Schwierigkeiten sie auch für einige
gebracht haben mögen - im ganzen gesehen nicht sehr ernst.
Die steigende Prosperität unseres Landes beruht auf festen
Grundlagen und ist frei von jeglichen künstlichen "Spritzen",
wie sie Krieg und Inflation darstellen. Der Friede allerdings,
in dem wir leben, ist ein unsicherer Friede und wir müssen
deshalb ständig auf der Wacht sein. Zusammen mit den anderen
freien Völkern der Welt müssen wir fortfahren, unser System
der Verteidigung zu stärken. Wir müssen versuchen, uns für
eine lange Zeit der Unsicherheit, die noch vor uns liegt, zu
stärken und gleichzeitig unsere Prosperität Schritt für Schritt
auszuweiten und das allgemeine Wohl zu verbessern.
Die
- 1 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar

1955

Die Haushaltsvorlage für 1956 basiert auf diesen Erwägungen.
Die Gesamtausgaben werden niedriger sein, obwohl ich gleichzeitig auf bestimmten Teilgebieten, denen besondere Bedeutung im
Hinblick auf das Allgemeinwohl zukommt, etwas größere Ausgaben
empfehle. Der Ausgabenhaushalt für das Finanzjahr 1956 wird auf
insgesamt auf 62,4 Milliarden Dollar geschätzt, das sind 1,1
Milliarden Dollar weniger als im laufenden Jahr. Alle Regierungszweige werden auch weiterhin das ganze Jahr über auf eine weitere
Reduzierung der Ausgaben durch Einschränkung ihrer Tätigkeit auf
nicht vordringlichen Gebieten und durch Steigerung ihrer Leistungen
in wichtigen Bereichen hinarbeiten.
Wir müssen den Ausgabenhaushalt auch weiterhin auf jenem
hohen Niveau halten, das um der Wahrung der nationalen Sicherheit
willen notwendig ist. Unsere Wirtschaft ist stark und entwickelt
sich gut, dennoch dürfen wir unsere wirtschaftliche Stärke nicht
durch inflationistische Defizite in Gefahr bringen. Ich habe deshalb dem Kongreß die Beibehaltung der gegenwärtigen Sätze der Verbrauchs- und Körperschaftssteuern, die an sich nach den gegenwärtigen gesetzlichen Bestimmungen am 1. April 1955 herabgesetzt
werden sollten, für ein weiteres Jahr empfohlen. Sofern diese
Empfehlungen angenommen werden, und wenn sich die Lage auf dem
Arbeitsmarkt und die Produktion so entwickelt, wie dies im Augenblick zu erwarten ist, können wir mit einer Steigerung der Haushaltseinnahmen um eine Milliarde Dollar gegenüber den Einnahmen
von 1955 rechnen, so daß sich die Gesamteinnahmen im Haushaltsjahr
1956 auf 60 Milliarden Dollar belaufen dürften.
Unter Zugrundelegung dieser Schätzwerte für die Ausgaben und
Einnahmen läßt sich das Haushaltsdefizit, das gegenwärtig für das
Finanzjahr 1955 auf 4,5 Milliarden Dollar geschätzt wird, im
Haushaltsjahr 1956 voraussichtlich auf 2,4 Milliarden reduzieren.
Wir schreiten demnach auf dem Weg zu einem ausgeglichenen Staatshaushalt voran.
Drei wichtige Erwägungen in bezug auf die amerikanische Politik waren bei der Ausarbeitung des Haushaltsvoranschlags für
das Finanzjahr 1956 maßgebend:
Erstens müssen wir unser unschätzbar kostbares Erbe politischer und persönlicher Freiheit gegen Angriffe von außen und
Untergrabung von innen her schützen und bewahren. Mit unseren
bisherigen Anstrengungen haben wir ermutigende Ergebnisse erreichen können - Einstellung offener bewaffneter Auseinandersetzungen,
Abschluß neuer und stärkerer Bündnisse und ein gewisses Nachlassen
der internationalen Spannungen. Die zunehmende Stärke der Vereinigten Staaten und der ihnen befreundeten Länder ist einer der
Hauptfaktoren für eine Verbesserung der Friedensaussichten. Wir
müssen diese Stärke weiter erhöhen. Wir müssen gleichzeitig unsere
Freiheit im Innern dadurch zu erhalten suchen, daß wir den herkömmlichen Unternehmungsgeist des amerikanischen Volkes fördern.
Wir wollen der Privatinitiative mehr Spielraum geben, indem wir
weiterhin staatliche Lenkungsmaßnahmen dort abbauen, wo der Fortschritt durch privates Vorgehen gesicherter erscheint, und wo nur
- 2 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UNS ARBEIT

26. Januar 1955

nur irgend möglich auf der Grundlage der Partnerschaft an Vorhaben
herangehen, die ohne staatliche Mitwirkung nicht durchgeführt
werden können. Auf diese Weise wird es der Nation möglich, einen
größeren Teil des Einkommens nach eigenem Belieben zu verwenden.
Zweitens muß die Regierung ihren Teil dazu beitragen, das
allgemeine Wohl und das Wachstum der Wirtschaft durch konstruktive Maßnahmen zu fördern, jedoch nur dort, wo das Volk nicht
von sich aus die erforderlichen Schritte zu unternehmen vermag.
Diese Schritte sollten so weitgehend wie nur irgend^möglich zusammen mit den einzelstaatlichen und kommunalen Verwaltungen
sowie der Privatwirtschaft getan werden. Wir müssen unseren Teil
dazu beitragen, in unserem System des freien Unternehmertums solche
Bedingungen zu sichern, die eine Beibehaltung der hohen Beschäftigtenziffer, die Schaffung neuer Arbeitsplätze und eine Erhöhung
des Lebensstandards ermöglichen. Wir müssen dem Einzelnen noch
mehr Chancen geben, um so zum Wachstum unserer Wirtschaft beizutragen und in den Genuß der Früchte der Produktivität zu kommen.
Drittens müssen wir finanziell stark bleiben. Die Erhaltung
des Dollarwertes ist eine für uns alle überaus wichtige Angelegenheit. Sicher würde niemand eine Sondersteuer befürworten« die
von den Witwen und Waisen, den Rentnern und der arbeitenden Bevölkerung mit begrenztem Einkommensfixum zu erheben wäre«, Dennoch
wirkt eine Inflation wie eine solche Steuer und trifft gerade diese Schichten am härtesten. Der jetzigen Regierung ist es gelungen,
den Dollar zu stabilisieren und in der Durchführung ihrer konstruktiven Maßnahmen auf jeder Ebene Sparsamkeit walten zu lassen.
Eine Verminderung der Ausgaben im Verein mit einem gerechten
Steuersystem einer wirksamen Finanz- und einer vorsichtigen
Schuldenpolitik werden dazu beitragen, stabile Lebenshaltungskosten zu gewährleisten - und damit unseren Errungenschaften der
vergangenen zwei Jahre weitere hinzuzufügen.
Aufgeschlossenheit gegenüber den Problemen, die die Förderung des Allgemeinwohls mit sich bringt» und Zurückhaltung in der
Verwendung öffentlicher Gelder waren die bestimmenden Faktoren
bei der Ausarbeitung dieses Haushaltsvoranschlages. Unsere Entschlossenheit, weiterhin auf einen ausgeglichenen Haushalt hinzuarbeiten, ist die Voraussetzung für die Disziplin, ohne die eine
kluge und erfolgreiche Handhabung der öffentlichen Angelegenheiten
nicht denkbar ist.
Neue Bewilligungen zur Deckung der Staatsausgaben
Meine Empfehlung hinsichtlich der Bewilligungen und anderer
neuer übertragbarer Ausgabemittel für das Haushaltsjahr 1956 sieht
1,3 Milliarden Dollar mehr vor als der Haushaltsvoranschlag für
das Finanzjahr 1955, in erster Linie wegen der neuen Erfordernisse
unserer Streitkräfte. Im Vergleich zu dem Voranschlag für 1952
liegt sie jedoch um 32,8 Milliarden Dollar, zu 1953 um 21,7 Milliai
den und zu 1954 um 4,2 Milliarden niedriger.
Haushaltsjahr:
- 3 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Haushaltsjahr:

26. Januar 1955

veranschlagte Ausgabemittel (in Mrd. Dollar)

1952

91,4

1953
1
954

80,3
72,2 wie am 9 . Tanuaix 1055- veranschlagt, 62,8 tatsächlich- ausgegeben
57,3 (geschätzt)

1955
19

56

58,6

Die von mir im Interesse unserer großen nationalen Sicherheitsprogramme empfohlenen neuen übertragbaren Ausgabemittel zur
Deckung des Staatshalts liegen um 2,4 Millionen Dollar über denen des Haushaltsjahres 1955. Ich schlage eine Herabsetzung der
Gesamtsumme der neuen übertragbaren Ausgabemittel für sämtliche
übrigen Regierungsprogramme vor, doch empfehle ich im Rahmen
dieses Gesamtbetrages Erhöhungen, so sie sich erforderlich erweisen.
Die Verminderung der übertragbaren Ausgabemittel für unsere
großen nationalen Sicherheitsprogramme im Jahre 1955 gegenüber
denen für das Haushaltsjahr 1954 gesetzlich festgesetzten konnte
teilweise deshalb erfolgen, weil unsere militärischen Streitkräfte
ihre Versorgungsmethoden verbesserten, was eine stärkere Heranziehung der vorhandenen Reserven und eine Verminderung der erheblichen nicht verwendeten Mittel zur Folge hatte. Die angesammelten
nichtverwendeten Überschüsse aus Mitteln, die allen Regierungsbehörden in den letzten Jahren bewilligt wurden, sind auf einen
tragbaren Stand zurückgegangen, wobei in Zukunft sich dieser
Trend in einem langsameren Tempo vollziehen dürfte als im Haushaltsjahr 1955.
Die von mir empfohlenen neuen übertragbaren Ausgabemittel für
das Jahr 1956 liegen sowohl unter den veranschlagten Staatseinnahmen als auch unter den für dieses Jahr geschätzten Ausgaben. Indem wir den Stand der neuen übertragbaren Ausgabemittel niedriger
als die veranschlagten Staatseinnahmen halten, können wir unserem
Ziel eines ausgeglichenen Staatshaushalts näher kommen. Ebenso
können wir, solange die Gesamtsumme der neuen übertragbaren
Ausgabemittel unter den Ausgaben liegt, auch weiter auf dem Wege
einer Senkung der Staatsausgaben fortfahren.
Staatsausgaben
Im Haushaltsjahr 1956 werden die Staatsausgaben mit 11,9
Milliarden Dollar niedriger veranschlagt, als die tatsächlichen
Ausgaben im Finanzjahr 1953. Die statistischen Unterlagen beweisen, daß die Regierung im Jahre 1954 ihre Ausgaben gegenüber
dem Jahre 1953 um 6,5 Milliarden Dollar und gegenüber der am
9. Januar 1953 für das Jahr 1954 veranschlagten Summen um 10,1
Milliarden Dollar gesenkt hat. Darüber hinaus sieht jetzt der
Voranschlag für 1955 eine Senkung von 4,3 Milliarden Dollar
_ 4 .

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar

1955

Dollar vor und für 1956 eine weitere Ausgaben-Senkung., in Höhe
von 1,1 Milliarden Dollar. Erst sechs Monate des Haushaltsjahres
1955 haben wir hinter uns und 5 1/2 Monate des Haushaltsjahres
liegen bis zum Beginn des Haushaltsjahres 1956 vor uns. Wir werden uns auch weiter bemühen, unsere Leistung zu steigern und die
Gesamtsummen der Haushaltsvoranschläge für diese Jahre auch in
Zukunft weiter verringern.
Im Haushaltsjahr 1952 beliefen sich die Ausgaben auf 65,4
Milliarden Dollar,
1953 auf 74,3 Milliarden,
1954 nach dem Voranschlag vom 9. Januar 1953 auf 77,9 Milliarden Dollar, während die Ausgaben tatsächlich nur 67,8 Milliarden
Dollar betrugen.
Für 1955 werden 63,5 Milliarden und
für 1956 62,4 Milliarden Dollar veranschlagt.
Der größte Teil unseres Staatshaushalts wird von den harten
Erfordernissen unserer nationalen Verteidigung bestimmt,und es
sind in der Hauptsache diese Erfordernisse, die uns daran hindern,
unsere Staatsausgaben jetzt in einem noch schnelleren Tempo-zu
senken. Weitere Portschritte in der Senkung der Ausgaben können nur
dann erzielt werden, wenn es gelingt, die Leistungsfähigkeit der
Verwaltung zu steigern und bessere Wege und Mittel zu finden, um
die Dinge zu erledigen, die getan werden müssen. Künftige Einsparungen werden aber durchaus schwieriger sein als die bisher
erreichten. Trotzdem erwarten wir aber, die Verwaltungskosten auch
weiterhin zu senken.
Größere Landessicherheit
Die Ausgaben für größere Programme für die Landessicherheit
im Haushaltsjahr 1956 werden auf 40,5 Milliarden Dollar geschätzt,
das sind 65 Prozent des Gesamtbudgets. In diesem Betrag sind die
Kosten für neue gesetzgeberische Maßnahmen enthalten. Ich schlage
hiermit vor, einen schlagkräftigen Militärreservedienst einzurichten und das Berufssoldatentum auszubauen. Der vorliegende
Haushaltsplan sieht höhere Ausgaben des Verteidigungsministeriums
für die Luftwaffe vor als je zuvor in Priedenszeiten veranlagt
wurden. Neue Waffen für Verteidigungs- und Vergeltungsmaßnahmen
werden entwickelt und in immer größeren Mengen hergestellt. Die
Stärkung unserer Landesverteidigung genießt die höchste Dringlichkeitsstufe. Da das produzierte Kriegsmaterial nicht im Kampf
verbraucht wird, kommt der Großteil des in unseren Fabriken hergestellten Kriegsmaterials unserer Verteidigungskapazität zugute.
Dank dieser Ausgaben für Verteidigungszwecke nimmt unsere militärische Stärke stetig zu. Nie zuvor in der Geschichte waren wir
in Priedenszeiten so gut auf eine eventuelle Verteidigung unseres
Landes vorbereitet.
Wir werden etwa die gleiche Menge an militärischen Ausrüstungsgütern wie in den Jahren 1954 und 1955 an befreundete Nationen

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar

1955

Nationen liefern. Neue Atomkraftwerke werden in Betrieb genommen
werden,und für die Verwendung der Atomenergie zu friedlichen
Zwecken wird mehr als in allen vorhergehenden Jahren ausgegeben
werden. Der Dollarwert unserer Vorräte an strategischem Material
soll 78 Prozent des MindestProgramms erreichen gegenüber 58 Prozent im Jahre 1954.
Internationale Fragen und Verpflichtungen

Unsere internationalen Programme sind eng mit unserer nationalen Sicherheit verknüpft. Die Führung unserer Außenpolitik ist
von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung des Friedens. Im
Rahmen der wirtschaftlichen Maßnahmen des Programms für gemeinsame
Sicherheit haben wir wesentlich zur Stärkung unserer befreundeten
Nationen beigetragen. Einige Länder bedürfen dringend der Weiterführung dieser Hilfsmaßnahmen. Die Nettoausgaben für internationale
Programme und Verpflichtungen werden auf 1,3 Milliarden Dollar
geschätzt, das sind 88 Millionen Dollar weniger als im Haushaltsjahr 1955.

Wenn wir unsere Verteidigung stark halten und gemeinsam mit
unseren Verbündeten am Ausbau ihrer Verteidigung arbeiten, werden
wir etwaige Aggressionsabsichten gegen unsere Freiheit zunichtemachen. Gleichzeitig müssen wir die ewigen Kraftquellen unseres
Landes bewahren - unseren Glauben an die Kraft freier Menschen,
die Tatkraft des Einzelnen und das System des freien Wettbewerbs.
Handel und Arbeitskrqftreserven
Die Bemühungen der Regierung ,sich überall dort aus wirtschaftlichen Erwerbstätigkeiten zurückzuziehen, wo dieses möglich
ist, haben gute Fortschritte gemacht. Neben dem Verkauf der "Inland
Waterways Corporation" an private Unternehmer und der Auflösung
der "Reconstruction Finance Korporation" haben wir bereits eine
Anzahl von Werken des Verteidigungsministeriums für die Verarbeitung von Schrott und die Herstellung von Farbe, Bekleidungsartikel
und Chlor verkauft oder aufgelöst. Die großen Überholungsarbeiten
an Luftwaffengeräten werden in immer weiterem Umfang, d.h. nahezu
fast zur Hälfte, von Privatfirmen ausgeführt. Der größte Teil der
Werke zur Herstellung von synthetischem Gummi wurde an Privatfirmen verkauft, vorbehaltlich der Zustimmung des Kongresses. Diese
Maßnahmen dienen nicht nur der Stärkung der Privatwirtschaft, sondern tragen auch in vielen Fällen zu einer Reduzierung der Staatsausgaben bei, während gleichzeitig die Steuereinnahmen für Städte,
Kreise und Staaten sowie die Bundesregierung zunehmen.
Im abgelaufenen Jahr wurden gesetzgeberische Maßnahmen in
Kraft gesetzt, die es privaten Kreditgebern gestatten, Gelder für
Hypotheken zu günstigeren Bedingungen abzugeben, so daß eine weit
größere Zahl von Privatpersonen die Möglichkeit zum Erwerb eines
Eigenheimes gewinnt. Kommunalen Stellen wird ein Anreiz geboten,
mit Unterstützung auch privater Geldgeber umfangreiche Maßnahmen
zur städtebaulichen Neuordnung in Angriff zu nehmen. Es wurden
ferner entsprechende Bestimmungen für eine Ausdehnung der Arbeitslosenversicherung auf weitere 4 Millionen Beschäftigte ausgearbei-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar

1955

Für das kommende Jahr empfehle ich die Inangriffnahme eines
10-Jahres-Programmszur Modernisierung des binnenstaatlichen
Straßensystems in Zusammenarbeit von staatlichen und kommunalen
Behörden. Ich schlage ferner vor, die Luftfahrtforschung weiter
auszubauen, den Flugsicherungsdienst zu erweitern und den Schiffsbau zu fördern. Diese Maßnahmen sind sowohl für unsere nationale
Sicherheit als auch für die weitere Wirtschaftsexpansion von Bedeutung. Ich bin der festen Auffassung, daß diejenigen Kreise, die
unmittelbar von den Regierungsausgaben profitieren, auch einen
möglichst hohen Anteil an diesen Ausgaben tragen sollten. Das
Prinzip, daß derjenige, der irgendwelche Dienste in Anspruch nimmt,
auch einen entsprechenden Beitrag zu ihrem Unterhalt zu bieten hat,
sollte künftig in verstärktem Maße angewandt werden. Ich habe dem
Kongreß eine Erhöhung der Postgebühren empfohlen, damit das Postwesen in naher Zukunft zu einer wirtschaftlich arbeitenden Institution wird. Mit der Inkraftsetzung der entsprechenden gesetzgeberischen Maßnahmen werden die gesamten Nettoausgaben für die wirtschaftlichen Unternehmungen und für Personal im Finanzjahr 1956
voraussichtlich 2,2 Milliarden Dollar betragen, das sind 264
Millionen Dollar weniger als 1955.
Die natürlichen Hilfsquellen unseres Landes
Es gehört mit zu den wichtigsten Grundsätzen meiner Regierung,
die Einzelstaaten und die kommunalen Behörden in immer stärkerem
Maße zu einer Beteiligung an unserem langfristigen Entwicklungsvorhaben zu ermutigen. So sind beispielsweise der Staat New York
und die kanadische Provinz Ontario gegenwärtig dabei, die Wasserkräfte des St. Lorenzstroms ohne irgendwelche Bundesbeihilfen zu
erschließen. Auf Grund der im vergangenen Jahr erlassenen gesetzlichen Bestimmungen wurden das Markham-Ferry-Projekt in Oklahoma
und das Bauvorhaben an den Priest-Stromschnellen im Staate
Washington - beides umfassende Maßnahmen zur Erschließung der
Wasserkräfte - von staatlichen oder kommunalen Stellen in Angriff
genommen; hierbei wurden nur kleinere Bundesbeihilfen gewährt, da
im Rahmen dieser Arbeiten auch eine Flußregulierung vorgenommen
werden soll, für die an sich der Bund aufzukommen hat. Der neue
Haushaltsvorschlag sieht die Inangriffnahme mehrerer neuer Bauvorhaben unter ähnlicher Beteiligung einzelstaatlicher und kommunaler Stellen vor. Auf diese Weise können wir die Entwicklung unserer nationalen Hilfsquellen ohne größere Belastung des Bundeshaushalts vorantreiben. Für die Entwicklung der natürlichen Hilfsquellen unseres Landes sind im gegenwärtigen Haushaltsvorschlag
953 Millionen Dollar vorgesehen, das sind 180 Millionen Dollar
weniger als im Haushaltsjahr 1955.
Landwirtschaft
Auf Grund der im vergangenen Sommer erlassenen neuen Farmgesetze wird eine weitere Lockerung der staatlichen Lenkung und
Kontrolle hinsichtlich der landwirtschaftlichen Betriebe in den
kommenden Jahren möglich sein. Die in diesen Gesetzen vorgesehenen
flexiblen Subventionsmaßnahmen werden zu einem erhöhten Konsum
von Farmerzeugnissen im In- und Ausland beitragen und werden die

- 7-

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar

1955

die Regierungsausgaben für Aufkauf und Lagerung überschüssiger
Mengen vermindern. Die im vergangenen Jahr erlassenen Gesetze
haben auch zu einer stärkeren Beteiligung des Privatkapitals bei
der Finanzierung von Darlehen an Farmer geführt. Durch die vermehrte Aufnahme von privaten Krediten mit Ausfallbürgschaft ist
die Nachfrage nach unmittelbar von der Regierung gewährten Darlehen für den Erwerb von Farmland und für die Boden- und Wasserkonservierung zurückgegangen. Durch die neue Gesetzgebung zum
Schutz der Wasserscheide ist eine feste Grundlage zu einer stärkeren
Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und den Einzelstaaten
und Kommunen im Rahmen des Programms zur Verhütung von Hochwasserschäden an den Oberläufen der Flüsse geschaffen worden. Darüber
hinaus wurde den Farmern durch den Ausbau der landwirtschaftlichen Forschungs- und Aufklärungsarbeit besseres Rüstzeug an die
Hand gegeben, mit etwa auftauchenden Problemen selbst fertig zu
werden. Diese Maßnahmen geben den Farmern eine größere Unabhängigkeit von der Regierung, ermutigen sie, bei der Angleichung der
landwirtschaftlichen Erzeugung an die Nachfrage eine stärkere
eigene Initiative zu entwickeln und schaffen Verhältnisse, die
es den Farmern ermöglichen, auch ohne Eingreifen seitens der Regierung ihr Verdienstniveau zu halten. Die Gesetze über eine
flexible Subventionspolitik werden die Ausgaben im Fiskaljahr
1956 nicht stark berühren. Die Kosten für Landwirtschaftsprogramme
im Jahre 1956 werden auf 2,3 Milliarden Dollar geschätzt, das
sind 871 Millionen Dollar weniger als im Jahre 1955» Diese Ermäßigung ist vornehmlich auf die infolge der Beschränkung der Anbauflächen und des verstärkten Verkaufs voraussichtlich zu erwartenden geringeren Ausgaben für landwirtschaftliche Preisstützen
zurückzuführen.
Fürsorge, Gesundheits- und Erziehung,owesen
Auch unsere Politik der Zusammenarbeit mit den einzelstaatlichen Regierungen und den Kommunalverwaltungen sowie mit der
Privatwirtschaft hat es uns ermöglicht, wesentlich zum allgemeinen
Wohl beizutragen. Unsere umfassenden Hilfsprogramme zur beruflichen Umschulung sowie für den Bau gemeinnütziger Hospitäler und
Ambulatorien werden die Regierungen der Einzelstaaten, die Kommunen und das Privatkapital zu einer verstärkten Aktivität auf diesen
Gebieten anregen. Die Einbeziehung weiterer 10 Millionen Menschen
in die Alters- und Hinterbliebenenversicherung und die im vergangenen Jahr gesetzlich erfolgte Erhöhung der Beiträge und Leistungen stehen im Einklang mit unserem traditionellen Vertrauen auf
die eigene Kraft und werden die Abhängigkeit von Almosen verringern. Der vorliegende Haushaltsplan enthält auch Voranschläge für
die Programme zur Verbesserung des Gesundheitswesens, die ich in
einer Sonderbotschaft umreißen werde. Die Erhöhung der für einige
Programme, so vor allem für das öffentliche Gesundheitswesen und
die berufliche Umschulung, vorgesehenen Beträge wird durch die
Kürzung auf anderen Gebieten ausgeglichen. Die Gesamtaufwendungen
für Fürsorge, Gesundheits- und Erziehungswesen werden für das Finanzjahr 1956 auf 2,3 Milliarden Dollar geschätzt, das ist annähernd
das gleiche wie für Dienst- und Sozialleistungen für ehemalige
Kriegsteilnehmer.

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar

1955

Die Ausgaben für Sozialleistungen an ehemalige Kriegsteilnehmer werden auch weiterhin ansteigen infolge der wachsenden
Zahl anspruchsberechtigter ehemaliger Kriegsteilnehmer, die
gegenwärtig auf 21 Millionen in zivilen Berufen Tätige geschätzt
werden. Die im vorigen Jahr erlassenen Gesetze sehen eine Erhöhung
der Ausgleichs- und Pensionssätze für unsere ehemaligen männlichen
und weiblichen Kriegsteilnehmer vor. Ich habe kürzlich eine Proklamation über den Ablauf der für die Geltendmachung weiterer Ansprüche seitens ehemaliger Koreakämpfer gesetzten Frist erlassen.
Die Nettoaufwendungen für die Hilfsprogramme an ehemalige Kriegsteilnehmer werden auf 4,6 Milliarden Dollar geschätzt, das sind
rund 200 Millionen Dollar mehr als im Jahr 1955.
Zinsendienst und Verwaltungsausgaben
Die Ausgaben für den Zinsendienst werden auf 6,4 Milliarden
Dollar geschätzt, das sind 180 Millionen Dollar weniger als 1955»
Auf dem Gebiet der allgemeinen Regierungsausgaben empfehle ich
eine Erhöhung unserer Anforderungen für die Steuereinbeziehungsbehörden und die Verwaltungsstellen von RegierungBeigentum als
einen weiteren Schritt zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit dieser
Organe. Ich befürworte ferner eine Stärkung unserer Gesetzesvollzugsorgane, insbesondere des Bundeskriminalamtes. Abschließend
sei noch bemerkt, daß die Regierung als Arbeitgeber ihre Beiträge
zu der Pensionskasse für den Bundesdienst wieder aufnehmen sollte.
Bei Verwirklichung dieser Empfehlungen und einer entsprechenden
Zunahme der Zahlungen im Falle gerechtfertigter Ansprüche werden
die Ausgaben für allgemeine Verwaltungsausgaben im Finanzjahr
1956 um 344 Millionen Dollar auf insgesamt 1,6 Milliarden Dollar
steigen.
Aufschlüsselung der Ausgaben
Die vorstehend erörterten Haushaltsausgaben lassen sich in
vier Kategorien unterteilen, um eine Übersicht darüber zu erlangen, wozu die Steuereinnahmen verwendet werden und um aufzuzeigen,
auf welche einzelne Posten sich das Gesamtbudget verteilt. Diese
vier Hauptkategorien sind 1. die Aufwendungen für die Staatsverwaltung, 2. Zinsendienst 3. Zweckausgaben und 4. die Verteidigungsausgaben .
Der Nettostaatshaushalt
(in Milliarden Dollar)
Finanzjahr
Staatsverwaltung
Zinsendienst
Zweckausgaben
Verteidigung

1951

1.9
5,7
11,5
25,6

1952
2,2
5,9
12,2
46,0

1953
2,3
6,6
13,4
52,0.

- 9-

1954
1,9
6,5
11,6
47,9

1955
1,9
6,6
13,3
41,7

1956
2,3
6,4
12,0
41,5

£
4
10
19
67
Sonstiges

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
Sonstiges
(Rücklagen und
Ausgleichsmittel
Insgesamt

1951

1952

1953

0,7
44,1

65,4

74,3

26. Januar 1955
1954

1955

0,1

0,3

67,8

63,5

1956

£

62,4

100

Die Ausgaben für die Staatsverwaltung waren lange Jahre hindurch infolge der hohen Anforderungen für die Verteidigung und
der Vielschichtigkeit unserer Programme im Inneren und im Ausland ein nicht mehr übersehbarer Komplex. Die Aufwendungen für
die Aufrechterhaltung des Regierungsapparates werden für das
Finanzjahr 1956 auf 2,3 Milliarden oder 4 Prozent der Nettoausgaben veranschlagt. In dieser Summe sind sämtliche Verwaltungsausgaben, die Aufwendungen für Reparatur, Unterhalt und Betrieb
der zivilen Anlagen der Regierung und für sämtliche anderen
regelmäßigen Funktionen enthalten.
Die Schwankungen, wie sie in den Kosten für die Staatsverwaltung zum Ausdruck kommen, sind in erster Linie auf die Beiträge zurückzuführen, die die Bundesregierung an die Pensionskasse für den Bundesdienst leistet. Im Haushaltsjahr 1953 bezifferten sich diese Beiträge auf 321 Millionen Dollar und für
1956 werden 216 Millionen Dollar vorgeschlagen. Bis der eingehende Prüfungsbericht über sämtliche Pensionskassen des Bundes
durch eine Sonderkommission vorliegt, werden in den Jahren 1954
und 1955 keine Beiträge geleistet. Erhöhte Mittel wurden auch
für verschiedene Bundesvorhaben zur Verfügung gestellt, bei denen
die Arbeiten lange Zeit im Rückstand sind.
Fallende Zinssätze in den vergangenen zwölf Monaten zusammen
mit einer Änderung der Zahlungsterrine im Zinsendienst berechtigten zur Annahme eines geringeren Zinsendienstes im Finanzjahr
1956.
Die Verteidigungsausgaben, die Zweidrittel der Gesamtausgaben ausmachen, umfassen sowohl die Heimatverteidigung als auch
die gemeinsame überseeische Verteidigung. Der für das Haushaltsjahr 1956 vorgesehene Gesamtbetrag setzt sich aus 40,5 Milliarden Dollar für die großen nationalen Sicherheitsprogramme und aus
1 Milliarde Dollar für wirtschaftliche und technische Hilfsleistungen im Rahmen des Programms für gemeinsame Sicherheit vor.
Ferner beziehen sich zahlreiche kleinere Posten, die in andere
Teile des Haushalts verstreut sind, und die nicht unter diese
Kategorie fallen, mehr oder weniger auf die Verteidigung, wie zum
Beispiel der Küstenschutz und die Bundesbehörde für die Registrierung und Klassifizierung Dienstpflichtiger.
Steuerpolitik
Im vergangenen Jahr haben wir in der Senkung der Steuerlasten und der Verbesserung des Steuersystems große Fortschritte
erzielt. Insgesamt beliefen sich die Steuersenkungen auf 7,4
Milliarden Dollar. In der Geschichte der Vereinigten Staaten war
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1955

war es die größte Steuersenkung, die jemals in einem Jahr durchgeführt wurde. Sie wurde nur auf Grund großer Abstriche an den
Regierungsausgaben ermöglicht. Die Einkommensteuertabelle wurde
revidiert, um Härten für Millionen von Einzelpersonen zu beseitigen und um Steuern zu senken, die die wirtschaftliche Entwicklung hemmten.
Wenn diese Steuersenkungen nicht erfolgt wären, hätte im
laufenden Haushaltsjahr der Staatshaushalt ausgeglichen werden
können. Es erwies sich jedoch als wünschenswert, die Bevölkerung
an den Vorteilen der großen Ausgabensenkungen teilhaben zu lassen.
Dadurch wurde sie in die Lage versetzt, überschüssige Mittel,
die zurückgehalten worden waren, nach Durchführung der Steuersenkungen für sich selbst zu verbrauchen.
Im Hinblick auf das vermutliche Defizit können wir uns weitere Verluste in den Staatseinkünften infolge von Steuersenkungen
in diesem Jahr nicht leisten. Nach den bestehenden Gesetzen würde
die Körperschaftssteuer am 1. April automatisch von 52 auf 47
Prozent gesenkt werden, was bei NichtVerlängerung des Gesetzes
einen Steuerausfall von etwa 2 Milliarden im ganzen Jahr bedeuten
würde. Nach dem bestehenden Gesetz würden auch die Verbrauchssteuern auf Branntwein, Tabak, Benzin und Automobile am 1. April
automatisch gesenkt werden, was Steuerausfälle in Höhe von
1 Milliarde Dollar zur Folge haben würde, wenn vom Kongreß für
ihre Verlängerung keine entsprechenden Gesetze erlassen werden.
Ganz unabhängig von etwaigen Änderungen der Steuersätze werden
im Haushaltsjahr 1956 (im Vergleich zu 1955) nach dem bestehenden
Gesetz automatisch fast 2 Milliarden Dollar weniger Steuern eingehen. Der Hauptgrund dafür liegt in dem Abschluß des vor 5 Jahren
gebilligten Planes, nach dem die Zahlungen der Körperschaftssteuer
in späteren Haushaltsjahren geleistet werden können. Glücklicherweise dürften diese Ausfälle im Jahre 1956 durch erhöhte Steuereinnahmen, die auf die wirtschaftliche Expansion der Vereinigten Staaten zurückzuführen sind,mehr als wettgemacht werden.
Zur Aufrechterhaltung unseres bestehenden Steueraufkommens
habe ich in meiner Botschaft über die Lage der Nation im Kongreß
empfohlen, die bestehenden Sätze der Verbrauchs- und Körperschaftssteuern auf ein Jahr zu verlängern. Denn jede andere Politik würde
erstens zu unzulänglichen Ausgaben für die nationale Sicherheit
oder zweitens zu einer inflationistischen Staatsverschuldung führen.
Das Finanzministerium hat im vergangenen Jahr laufend Änderungen der Steuergesetzgebung in Erwägung gezogen, die in den Empfehlungen zur Änderung der Steuergesetze im vergangenen Jahr nicht
enthalten waren. Sobald das Ministerium zu endgültigen Folgerungen
gelangt, wird es diese dem Kongreß unterbreiten.
Ich habe den Finanzminister auch angewiesen, jeweils von
Fall zu Fall Empfehlungen für andere Änderungen in den Steuergesetzen vorzuschlagen, sofern sich dies als notwendig erweist, um
jedermann dazu zu bringen, seinen gerechten Anteil an der Steuerlast zu tragen.
Die

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar

1955

Die gegenwärtige Steuerbelastung von nahezu ein Viertel des
Volkseinkommens stellt ein ernstes Hindernis für das dynamische
Wachstum unserer Wirtschaft auf lange Sicht dar, das so notwendig
für die künftige Entwicklung ist. Es gilt Mittel bereitzustellen,
um noch mehr und noch bessere Berufsaussichten nicht nur für jene
Bürger zu schaffen, die heute bereits im Arbeitsprozeß stehen,
sondern auch für die Millionen junger Menschen, die in künftigen
Jahren in das arbeitsfähige Alter kommen. Der Anreiz weiterer
Steuersenkungen ist hier notwendig und er sollte gewährt werden,
sobald sich dies nur irgendwie aus den Umständen rechtfertigen
läßt.
Wir müssen ständig entsprechende Vorkehrungen zur Wahrung
der Sicherheit des Landes treffen und für die Beibehaltung der
wichtigsten Regierungsstellen Sorge tragen; wir können deshalb
weitere Steuersenkungen nur dann vornehmen, wenn entsprechende
Einsparungen bei den Regierungsausgaben zu erwarten sind,oder
wenn die Einnahmen auf Grund einer Expansion der Wirtschaft
«Zeigen.
Steuersenkungen bleiben jedoch nach wie vor eines der wichtigsten Ziele meiner Regierung,und unsere Politik ist darauf gerichtet, sowohl eine Einsparung in den Ausgaben als auch eine
entsprechende Ausweitung der Wirtschaft zu gewährleisten, die
ihrerseits die Voraussetzung zu einer derartigen Steuersenkung
bilden.
Ich hoffe, daß derartige Steuersenkungen im nächsten Jahr
vertretbar werden. Wenn dies der Fall ist, dann werde ich eine
Steuersenkung empfehlen, um alle Steuerzahler in gerechter Weise
an diesen Erleichterungen teilhaben zu lassen, dazu die Steuerlast des Einzelnen zu verringern und damit einen Anreiz für weitere Anstrengungen und Investitionen zu bieten.
Schuldenverwaltung
Die Schuldenpolitik des vergangenen Jahres war auf die Geldpolitik des Federal-Reserve-Bankensystems abgestellt und diente
dem Zweck, die zur Aufrechterhaltung einer auf vollen Touren
laufenden Wirtschaft erforderlichen Mittel und Kredite in ausreichendem Maße zu beschaffen. Das Finanzministerium nahm angesichts
der im Jahre 1954 gegebenen besonderen Umstände davon Abstand,
langfristige Obligationen herauszugeben, die auf dem Kapitalmarkt
jene langfristigen Mittel aufsaugen würden, die so den Regierungen
der Einzelstaaten und den Gemeinden für die Beschaffung von Wohnraum die Expansion der Wirtschaft und den Bau von neuen Schulen,
Straßen und Krankenhäusern verfügbar sind. Gleichzeitig wurde das
Staatsschuldenwesen, auf dem Weg über
den Austausch von fälligen
Papieren gegen mittelfristige Obligationen weiter verbese rt. In
jedem einzelnen Fall eines größeren Finanzierungsvorhabe. -, seitens
des Finanzministeriums wurden im Jahre 1954 - mit Ausnahme der
Kreditaufnahme durch Ausgaben von Schuldverschreibungen auf zu erwartende Steuereinkünfte - Kreditgebern die Möglichkeit eingeräumt,
Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr
zu erwerben. Dies führte zu einer erheblichen Verringerung der
kurzfristigen Verbindlichkeit.

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

26. Januar 1955

Am 31. Dezember 1954 belief sich die gesetzlich begrenzte
Staatsschuld auf 278,3 Milliarden Dollar. Wir hoffen es möglich
zu machen, in diesem Haushaltsjahr innerhalb des gegenwärtigen,
im August vorigen Jahres vom Kongreß festgesetzten Plafonds von
281 Milliarden Dollar auszukommen. Die über 275 Milliarden
Dollar hinausgehende Erhöhung, wie sie der Kongreß vorgesehen
hat, ist jedoch nur vorübergehender Art. Die gesetzliche Grenze
wird am 30. Juni 1955 auf 175 Milliarden Dollar zurückgehen.
Wir erwarten, daß die hohen Steuereinkommen in der zweiten Hälfte
dieses Finanzjahres es uns möglich machen werden, die Staatsschuld bis zum 30. Juni 1955 auf diese Höhe zu reduzieren.
Zu Beginn des neuen Haushaltsjahres im Juli 1955 wird die
Höhe der Schuld bereits nahe an die gesetzliche Grenze heranreichen. Nach dem derzeitigen quartalsmäßigen Steuererhebungssystem
werden die Ausgaben in den ersten sechs Monaten des Finanzjahres
1956 die Einnahmen um rund 8 Milliarden Dollar übersteigen. Daher
wird es innerhalb dieses Zeitraumes nicht möglich sein, die Staatsausgaben zu begleichen, ohne die 275-Milliarden-Grenze zu überschreiten.
Wir sind uns darüber klar, daß die gesetzliche Schuldengrenze
als Ausdruck der festen Entschlossenheit, den Staatshaushalt
gesund zu halten, ihren eindeutigen Wert besitzt. Bei den derzeitigen Aufwendungen für die nationale Sicherheit waren wir
noch nicht in der Lage, ein ausgewogenes Budget zu erreichen,
wenn wir auch wesentliche Fortschritte in dieser Richtung erzielt
haben. Daher bleibt mir nichts anderes übrig, als den Kongreß
abermals um Erhöhung der Schuldengrenze zu bitten.
Im Laufe der beiden letzten Jahre haben wir bewiesen, daß
ein freies demokratisches Staatswesen sich ohne ernsthafte wirtschaftliche Störungen von der Kriegswirtschaft auf die Friedenswirtschaft umstellen kann. Ein wesentlicher Faktor hierbei war
das Vertrauen des Volkes in die Fähigkeit der Regierung, ihre
Finanzpolitik bewußt und verantwortungsvoll zu führen.
Die Tatsache, daß wir uns eine klug planende Finanzpolitik
zum Ziele gesetzt hatten, hat sich in Form eines allgemeinen Wohlstandes bezahlt gemacht und macht sich auch weiterhin bezahlt.
Wir haben die Ausgaben gesenkt und die erdrückende Steuerlast
gemindert. Wir haben die Struktur der Staatsschuld verbessert und
ein günstiges Klima für eine gesunde Geldpolitik geschaffen. Wir
haben die Privatinitiative gefördert, indem wir begonnen haben,
die Regierung aus der Konkurrenz mit der Privatwirtschaft auszuschalten. Wir haben im Wohnungsbau und im Schutz gegen persönliches Unglück Fortschritte erzielt. Wir sind dabei, die natürlichen
Hilfsquellen unseres Landes in Zusammenarbeit mit den einzelstaatlichen und kommunalen Verwaltungen sowie durch Privatinitiative
auszuwerten. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, einen hohen Beschäftigtenstand zu gewährleisten und ihn weiter zu erhöhen, eine
zunehmende Wirtschaftsblüte und eine stabile Währung zu garantieren*
Die Regierung wird auch weiterhin die äußerste Sorgfalt in

�A M E R I K A

D I E N S T

JAHRESBERICHT VES .tfiÄSILENTEN Lüfi USA
DWIGHT D. EISENHOWER ÜBER SIS ÄlfiTSCHAiTLICHE SITUATION
SSfi VEREINIGTEN S T A A T M
WASHINGTON - (Amerika Dienst) - Im folgenden bringen wir Auszüge aus der Wirtschaft8botschaft, die Präsident Eisenhower dem amerikanischen Kongreß am 20.Januar 1955 übermittelt
hat.
Verpflichtungen der Bundesregierung
Die wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung und ihr
künftiges Programm beruhen auf gewissen Grundvoraussetzungen. Zunächst sind wettbewerbsfähige Märkte statt staatlicher Direktiven in der Regel als die wirksamsten Mittel für
die Sicherung des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage anzusehen.
Zweitens hat eine freie Wirtschaft zahlreiche Möglichkeiten, neue Arbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten zu
schaffen, wenn das Vertrauen in die Zukunft der Wirtschaft
bei den Geldgebern, Arbeitern, Geschäftsleuten, Farmern und
Verbrauchern gleichermaßen vorhanden ist.
Drittens schafft die Bundesregierung günstige Bedingungen für die wirtschaftliche Aktivität, wenn sie die Privatinitiative fördert, monopolistische Tendenzen - gleichgültig
ob in Wirtschafts- oder Gewerkschaftskreisen - beschneidet,
eine Einflußnahme auf den privaten Sektor der Wirtschaft
vermeidet und so viele Arbeiten und Aufträge wie nur irgend
möglich von privaten Unternehmen ausführen läßt.
Viertens schafft die Bundesregierung eine Atmosphäre
des Vertrauens, wenn sie inflationistische und deflationistische Tendenzen weitgehend unterbindet und sich dabei
vor allem indirekt wirkender Mittel wie der Beeinflussung
des Verhaltens der Einzelnen bedient, statt direkte Zontrollen über Volk, Industrie und Märkte auszuüben.
Fünftens leistet die Bundesregierung einen Beitrag zum
Wachstum der Wirtschaft, wenn sie Seite an Seite mit den
Einzelstaaten an der Förderung der wissenschaftlichen Forschung und der Durchführung öffentlicher Vorhaben wie Bau
von Straßen, Krankenhäusern, Hafenanlagen und Bildungsstätten mitwirkt, die ein wesentlicher Faktor für die Ausweitung der privaten Wirtschaft sind.
Sechstens
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�"üi^HIiU LIüaST" - »lüTSChü^T Uüb ahJb.IT
2. Februar 1955
Sechstens stärkt die Bundesregierung die Fundamente der
Wirtschaft, wenn sie mehr Möglichkeiten für die weniger begüterten Bürger schafft und, in Zusammenarbeit mit den einzelstaatlichen und kommunalen Behörden, dem Einzelnen hilft, mit
Nöten wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Alter und Notwohnung
fertig zu werden.
Dies sind elementare und voneinander untrennbare wirtschaftliche Grundsätze. Sie bilden die Basis einer Politik,
die, wird sie mit Ausdauer verfolgt, uns dem Ziel eines stetig wachsenden Volkseinkommens näherbringen wird, an dem alle
gleichermaßen teilhaben können, die zu seinem Wachstum beitragen; das sich in steigender Kaufkraft breitester Kreise
ausdrückt und das Rahmenwerk eines Wirtschaftssystems darstellt, das stark und human in einem ist und sowohl größeren
materiellen Reichtum als auch eine allgemeine Hebung des Lebensstandards herbeiführen kann.
Wege zu wirtschaftlichem Wachstum
Die Wachstumsmöglichkeiten innerhalb der amerikanischen
Wirtschaft
Die amerikanische Wirtschaft hat neue Arbeitsplätze geschaffen und wahre Produktionswunder vollbracht. Sie müßte
in der Lage sein, dies in gleichem oder sogar noch stärkerem
Ausmaß in Zukunft zu tun. Unsere Bevölkerungszahl nimmt rapide
zu, das Bildungsniveau steigt, die Arbeitstechnik wird immer
besser, das Nationaleinkommen verteilt sich auf breite Volksschichten, die Verbraucherschaft ist bestrebt, ihren Lebensstandard weiter zu erhöhen, die Geschäftswelt bemüht sich um
die Errichtung neuer und die Erweiterung alter Unternehmen,
die Industrie verfügt über immer mehr und bessere Produktionsmittel, Forschung und Technik eröffnen ständig neue Möglichkeiten, und unsere allgemeine Politik unterstützt generell
Unternehmungsgeist und den Mut zum Neuen. Da so viele günstige Faktoren im Spiel sind, ist es durchaus logisch, mit einer
rasch sich ausweitenden Wirtschaft zu rechnen.
Eine wirtschaftsmathematische Berechnung unter Zugrundelegung einer Anzahl technischer Voraussetzungen, deren wichtigste die Beibehaltung des jährlichen Produktivitätszuwachses ist, wie er in jüngster Zeit durchschnittlich zu verzeichnen war, zeigt, daß unser Land innerhalb von zehn Jahren seine Produktion von gegenwärtig 360 Milliarden Dollar
auf 500 Milliarden Dollar jährlich oder darüber zu steigern
vermag, wobei diesen Zahlenangaben die Kaufkraft zugrundegelegt ist, die der Dollar heute besitzt. Natürlich sind uns
für künftige Leistungen durch die Vergangenheit keine Grenzen gesetzt. Ebensowenig dürften wir zulassen, daß durch
Rechenexperimente die grundlegende Tatsache überschattet
wird, daß eine Wirtschaft nur zusammen mit dem ganzen Volk
gedeihen kann. Die Zukunft unserer Wirtschaft hängt davon ab,
ob wir den großen Reichtum des amerikanischen Volkes an Wissen,
Können, Energie und Zuversicht auch voll zu nutzen verstehen.
Es

�"•nau&amp;ijki D A L U S ! " -ftiETbCh^i;!üttu AK3J.IT
2. Februar 1955
Es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, daß wir einer
glanzvollen wirtschaftlichen Zukunft entgegengehen, aber sie
ist ans nicht unbedingt sicher. Nur durch kluge Verwaltung
aller unserer Güter werden wir sie erlangen. In Zukunft werden
ebenso wie in der Vergangenheit die Steigerung der Produktivität und die Schaffung von immer mehr volkswirtschaftlich wichtigen Arbeitsplätzen der eigentliche Kern wirtschaftlicher Expansion sein. Die Produktionsmittel der Landwirtschaft, Industrie, des Bergbaus wie auch in den Büros müssen quantitativ
und qualitativ verbessert werden. Arbeitsmethoden, Material
und Betriebsführung müssen zu erhöhten Leistungen führen, und
das Können und die Arbeitsmoral müssen ein noch höheres Niveau
erreichen, so daß die pro Arbeitsstunde erreichte Produktion
gesteigert werden kann. Und solange nicht genügend zufriedenstellende Arbeitsmöglichkeit=n für jene vorhanden sind,
die ihre Arbeitskraft wirksam einsetzen wollen, und solange
nicht die menschliche Arbeitskraft überhaupt in steigendem
Maße Dienstleistung und der Produktion von Gütern zugutekommt,
die den allgemeinen Lebensstandard heben, ist es nicht ausgeschlossen, daß die von ns erreichte Erhöhung der Produktivität einfach verzettelt w rd.
Maßnahmen des Jah. es 1954 zur Festigung der Wirtschaft
Im Laufe des verflossenen Jahres hat die Regierung viele
Maßnahmen sowohl gesetzgeberischer als auch verwaltungsmäßiger Natur erlassen, um die Expansivkraft unserer Wirtschaft
zu erhöhen. Diese Maßnahmen sind Ausdruck der in diesem Bericht dargelegten wirtschaftlichen Grundsätze. Diese Aktionen
haben dazu beigetragen, das Vertrauen des amerikanischen Volkes zu stärken.
Steuer- und währungstechnische Maßnahmen
Die wirksamsten und durchgreifendsten Maßnahmen waren
Steuer- und währungstechnischer Natur. Die Kürzung der militärischen und anderer Aufwendungen machte es möglich, sowohl
die Steuern als auch das Defizit des Bundeshaushalts stark zu
senken. Gleichzeitig ließen die Bundeszentralbanken wissen,
daß sie beabsichtigen, Kredite in angemessener Höhe und zu
mäßigen Zinsen bereitzustellen, solange dadurch eine Ausweitung der Wirtschaft ohne Inflation ermöglicht werden könne.
Diese Steuer- und währungstechnischen Maßnahmen haben bei den
Verbrauchern und in der Geschäftswelt eine positive Einstellung
zur Wirtschaft ausgelöst. Sie stärkten die Erwartungen auf
Besserung der Wirtschaftslage, auf stabile Preise im Rahmen
des Vernünftigen, auf sparsame Haushaltsführung der Regierung
sowie auf künftige Steuersenkungen. Somit bewirkten sie die
Beibehaltung eines hohen Standes der privaten Aufwendungen
für Verbrauchsgüter und schufen die Voraussetzungen für eine
erfolgreiche Anwendung anderer Regierungsmaßnahmen zur Förderung einer Wirtschaftsexpansion auf lange Sicht.
Ausbau
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2. Februar 1955

Ausbau der Möglichkeiten des freien Wettbewerbs
Die jüngsten Maßnahmen von Kongreß und Regierung haben
den Umfang der Privatunternehmen erweitert und klare Verhältnisse geschaffen. Von großer Bedeutung für die Zukunft ist das
neue Gesetz, durch das die Atomenergie-Kommission ermächtigt
wurde, bei gebührender Berücksichtigung des öffentlichen Interesses, Lizenzen zur Verwendung besonderen kernreaktiven
Materials durch Kernreaktoren in Privatbesitz zu vergeben.
Das gleiche Gesetz bietet einen erweiterten Patentschutz für
private Erfindungen auf dem Gebiet der Atomenergie. Wenn wir
die Privatwirtschaft ebenfalls zur Entwicklung der Atomkraft
und anderen Verwendungsmöglichkeiten der Atomenergie zulassen,
werden wir dadurch die Vorteile, die unser Volk bereits aus
dieser neuen Energiequelle genießt, wesentlich vergrößern
können.
Die Regierung hat auch insofern Fortschritte erzielt,
als sie die Trennungslinie zwischen Privatwirtschaft und Unternehmen der öffentlichen Hand erneut festgelegt hat. Es
wurden Vorkehrungen getroffen, zahlreiche Unternehmen, die
für die öffentliche Hand unrentabel oder von zweifelhaftem
Nutzen waren,aufzugeben. Gleichzeitig hat die Regierung ihre
Verträge mit Privatfirmen c:ber die erforderlichen Dienstleistungen und Anlagen erweitert und vermehrt - statt dies in
eigener Regie zu erledigen, wodurch dem Steuerzahler häufig
höhere Kosten entstanden. Um die wirtschaftliche Erschließung
unserer Wasserkräfte zu beschleunigen, dabei aber die Beteiligung des Bundes an Unternehmen, deren Durchführung anderen
Stellen allein nicht möglich ist, zu reduzieren, wurde der
Grundsatz der Partnerschaft zwischen Bund und örtlichen Stellen - öffentlichen oder Privatunternehmen - eingeführt.
Durch zahlreiche Gesetzesänderungen wurde die Initiative
der Wettbewerbswirtschaft gefördert. So hat das jüngste Steuergesetz die Abschreibungsmöglichkeiten erweitert, den Zeitraum, in dem Verluste steuerlich abgesetzt werden können, und
die nachträgliche Verbuchung von Gewinn zur Selbstinvestition
verlängert sowie den Aktionären eine begrenzte Steuerfreiheit
für erhaltene Dividenden gewährt. Alle diese Maßnahmen sollten
zur Entwicklung der Geschäftsunternehmen, insbesondere der
mittleren oder kleinen, beitragen, und es ihnen ermöglichen,
neue Arbeitsplätze zu guten Löhnen zu schaffen. Gleichzeitig
wurden Gesetze zur Lockerung der bundesamtlichen Kontrollen
über die Landwirtschaft erlassen. Die Einführung elastischer
Preissubventionen für die wichtigsten landwirtschaftlichen
Erzeugnisse und die Angleichung der Paritätsklausel an die
heutigen Verhältnisse werden unseren landwirtschaftlichen Betrieben die Angleichung an die veränderten Marktverhältnisse
erleichtern und damit die Zukunftsaussichten der Farmer verbessern.
Festigung der wirtschaftlichen Bande mit anderen Ländern
Obgleich die Entscheidung über wichtige Vorschläge zur
Änderung unserer Außenhandelspolitik auf dieses Jahr verschoben wurde, sind auch im Jahre 1954 bereits einige konstrukti-

�H

*iuiEEIKxi DIENST" - iiIRTöOhAiT UKL ARBAIT
2. Februar 1955
konstruktive Maßnahmen zur Förderung des internationalen Handels und der Auslandsinvestitionen erlassen worden. Für viele
Waren wurden die staatlichen Ausfuhrkontrollen bei Lieferung
an befreundete Länder aufgehoben. Die Kreditbefugnis: der Export-Import-Bank wurde von 4»5 Milliarden Dollar auf 5 Milliarden Dollar erhöht, und zur Erleichterung des Außenhandels wurde
ein neues Export-Kreditprogramm eingeführt. Die Schaffung einheitlicher und vernünftiger Normen für die Anwendung des Gesetzes
über die Bevorzugung amerikanischer Firmen bei öffentlichen Ausschreibungen wurde in Angriff genommen. Um den Handel zu erleichtern, wurde die Handhabung der Zollvorschriften verbessert.
Zum Zwecke der Ausweitung privater AuslandsInvestitionen
hat das Amt für Auslandshilfe die Prämie für staatliche Bürgschaften gegen Enteignung oder Nichtkonvertierbarkeit der
Gelder auf die Hälfte herabgesetzt. Ein weiterer Schritt in
Richtung auf das gleiche Ziel war die Aufhebung der allgemeinen Beschränkung hinsichtlich der Höhe, bis zu der im Ausland
entrichtete Steuern auf die in den USA zu leistende Einkommensteuer angerechnet werden können sowie die den Aktionären anerkannter Investitionsgesellschaften gewährte Erlaubnis, für mehr
als die Hälfte ihrer Auslandsinvestitionen die im Ausland bewilligten Steuerkredite in Anspruch zu nehmen.
Schaffung der Grundlage zur Sicherung des Einzelnen und
der Familie
Infolge der Regierungsmaßnahmen des vergangenen Jahres
sind heute viele Menschen eher imstande, ihr Wohnungsproblem
sowie die infolge Alter oder Arbeitslosigkeit auftretenden
Schwierigkeiten zu meistern. Über 10 Millionen Männer und
Frauen wurden in das System der Alters- und Hinterbliebenenversicherung einbezogen. Die Beiträge zur Sozialversicherung
wurden heraufgesetzt bei gleichzeitiger Erhöhung der Leistungssätze in der Altersversicherung und der erlaubten Verdienstgrenze. Gleichzeitig wurden die Renten- und Kriegsversehrtenentschädigungssätze für ehemalige Kriegsteilnehmer heraufgesetzt.
Die Arbeitslosenversicherung, die in den Zuständigkeitsbereich des Bundes und der Einzelstaaten fällt, wurde ebenfalls
ausgebaut. Sie wurde auf über 1,3 Millionen Arbeiter kleinerer
Betriebe und auf 2,3 Millionen Bundesangestellte ausgedehnt.
Damit erhöhte sich die Gesamtzahl der von der Arbeitslosenversicherung erfaßten Personen auf etwa 40 Millionen. Auch
wurden die nach dem Gesetz über die Arbeitslosenversicherung
für den Distrikt Columbia zu zahlenden Unterstützungsbeträge
sowie die Dauer der Versicherungsleistungen erhöht. Ein Sonderausgleichsfonds wurde geschaffen, um sicherzustellen, daß
keine Verzögerungen in der Auszahlung der Arbeitslosenversicherung bei denjenigen Bundesstaaten eintritt, deren Reserven bereits erschöpft sind. Zur Lösung akuter Personalprobleme
wurden Bestimmungen erlassen, die den Bundesstaaten für Zwecke
der Berufsausbildung höhere Zuschüsse gewähren.
Ferner wurden wichtige Maßnahmen zur Förderung des Erwerbs
von Eigenheimen, zur Erhaltung des Landschaftsbildes in der

�"AJuExtliU LI^üJST" - WIBISChüFT UMxi ^E-BEIT
2. Februar 1955
Aussichten unserer Wirtschaft. Dieser Überblick soll dazu beitragen, die nächsten von der Regierung . zu treffenden Maßnahmen :estzulegen, die darauf hinzielen, eine stetige und
befriedigende Entwicklung unserer Wirtschaft zu fördern. Ein
Programmfür die von der Regierung vorgeschlagenen Maßnahmen
wird im dritten und Schlußkapitel dieses Berichts entwickelt.
Starke wirtschaftliche Bande mit anderen Ländern
Die Außenhandelspolitik der Vereinigten Staaten kann ein
machtvolles Instrument zur Stärkung unserer eigenen Sicherheit
und der der freien Welt sein. Die Nationen der freien Welt
hängen wirtschaftlich voneinander ab und keine kann es sich
leisten, aus dem engen Blickwinkel ihrer eigenen Interessen
heraus oder unter primärer Berücksichtigung von Sonderinteressen einzelner Industrien oder Gruppen zu handeln. Mehr
als je zuvor müssen die ständigen Interessen für unsere
eigene nationale Sicherheit und für das Allgemeinwohl allen
anderen Erwägungen vorangehen.
Es liegt im Interesse einer jeden Nation, sich mit den
Hemmnissen zu beschäftigen, die den internationalen Handel
und die Investierungen hinter die steigende Produktion und
die erhöhten Einkommen zurückfallen lassen. Unser eigenes
nationales Interesse verlangt klar und deutlich eine Politik,
die die Grundsätze der Wettbewerbswirtschaft, die gemeinsam
mit der Freiheit unser Volk so reich gemacht hat, auch auf
internationalem Gebiet anwendet. Der kommunistischen Ideologie vom allmächtigen Staat, der über die gesamten Produktionsmittel verfügt und der jede wirtschaftliche Aktivität bestimmt, stellen die Vereinigten Staaten die Ideale von der
Freiheit des Individuums, des Privateigentums, der Privatwirtschaft und der offenen Märkte entgegen. Wir müssen daran
festhalten, daß, auf lange Sicht gesehen, die übrigen Länder
sich wahrscheinlich weit lieber für die liberalen Ideale entscheiden werden. Wir tun alles, was nur in unserer Macht
steht, um sie darin zu bestärken, gemeinsam mit uns an den
Segnungen des internationalen Handels teilzuhaben. Daher wird
unserevHandels- und Investitionspolitik davon bestimmt, die
Solidarität innerhalb der freien Welt nach Möglichkeit zu
stärken.
Die weiten Gesichtspunkte, die die Arbeit der Kommission
für Außenhandelspolitik kennzeichnen, sind die Richtschnur für
diese Empfehlungen an den Kongreß, der entscheiden soll, daß
die dem Handel auferlegten Hemmnisse beseitigt, Auslandsinvestitionen gefördert und den unterentwickelten Gebieten technische Unterstützung gewährt werfen. Diese Maßnahmen werden nicht
nur dazu beitragen, die Weltproduktion zu steigern und den
Welthandel auszuweiten, sondern sie werden auch zu der Steigerung des Lebensstandards unseres eigenen Volkes einen Beitrag
liefern.

Die

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2. Februar 1955

Die Beseitigung der Handelsschranken
Die freie Welt ist darum bemüht, die Handelsschranken
durch das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen (GATT), das
gegenwärtig von den beteiligten Staaten neu. ausgehandelt wird,
zu verringern. Da dieses Abkommen mit zu den Mitteln gehört,
mit deren Hilfe die Vereinigten Staaten die Zielsetzungen des
Gesetzes über den Abbau der Handelsschranken (Trade Agreements
Act) zu verwirklichen suchten, sind die gegenwärtigen Verhandlungen für urs sehr wichtig. Sobald die Verhandlungen über das
neue Zoll-- und Handelsabkommen zu einem befriedigenden Abschluß gekommen sind, wird es dem Kongreß zur Billigung unterbreitet werden.
Es ist von größter Wichtigkeit, daß wir an einer allmählichen und diffe.enzie ten Herabsetzung der Zölle auf dem erprobten Weg inttrnationaler Verhandlungen weiterarbeiten.
Deshalb wurde dem Kongreß die Verlängerung des Gesetzes über
die Handelsabkommen i uf wei e e drei Jahre und eine dahingehende Änderung vorgeschlagen, daß der Präsident ermächtigt
wird, 1. die gegenwärtigen Zollsätze auf einzelne Verbrauchsgüter in den drei Jahren der Gültigkeit jährlich bis zu 5 Prozent zu senken; 2. die Zölle auf Waren, die gegenwärtig in
sehr geringen Mengen eingeführt werden, in noch stärkerem Maße
zu senken und 3. sämtliche [Olltarife von mehr als 50 Prozent
des Warenwertes auf diesen Satz herabzusetzen. Die Bestimmungen des Gesetzes über Rücktritt und C-efahrenfälle sollten beibehalten werden, um unbillige Härten, die sich aus der Durchführung der vorgeschlagenen Maßnahmen ergeben könnten, zu vermeiden oder doch zu mildern.
Unseie Zollverfahren führten oft zu Interpretationsstreitigkeiten und verursachten oftmals Verzögerungen, die unnötige
und unerwünschte Belastungen für den Handel mit sich bringen.
In der letzten Zeit wurde die Zollverwaltung jedoch weit wirksamer gestaltet, wenngleich vom Standpunkt der Wirtschaft noch
viel zu tun übrigbleibt. Ein Interimsbericht der Zollkommission
über Methoden zur Vereinfachung der Warenkategorien und der in
den Zollgesetzen verfügten Tarife wird in Kürze veröffentlicht
werden und sicher ein eingehendes Studium verdienen. Darüber
hinaus sollte der Kongreß Richtlinien für die Bewertung eingeführter Waren erlassen, die einfach, klar und zweckdienlich
in der Handhabung sind.
Schließlich wird der Kongreß ersucht, die Freigrenze für
die Einfuhr ausländischer Waren durch amerikanische Touristen,
die sich bis zu sechs Monate im Ausland aufgehalten haben,
heraufzusetzen. Abgesehen von den wirtschaftlichen Auswirkungen,
würde eine derartige Förderung des Touristenwesens sehr zur
Verbesserung unserer Beziehungen zu anderen Ländern beitragen.
Die Förderung von Auslandsinvestitionen
Wir können unsere eigene Volkswirtschaft und die der Länder der freien Welt dadurch festigen, daß wir den Kapitalstrom
in jene Staaten verstärken, die das Kapital produktiv und zur
Entwicklung ihrer Wirtschaft verwenden können. Die Ausweitung
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2. Februar 1955
Ausweitung der Auslandsinvestitionen würde zum rascheren Ausbau der Industrien in Ländern beitragen, deren Produktion umgekehrt mithelfen kann, unseren zunehmenden Bedarf an Rohstoffen und anderen Gütern zu decken. Durch Steigerung unserer
Ausfuhren würde dies auch dazu beitragen, die allgemeine Prosperität in unserem Lande zu festigen. In erster Linie aber
würde es eine überzeugende Demonstration unseres Wunsches nach
einer wirtschaftlichen Partnerschaft mit jenen Ländern darstellen, die eine Ausweitung des Volumens ihrer Volkswirtschaft erstreben.
Den wirtschaftlich unterentwickelten Ländern in verschiedenen Gebieten unserer Erde in zweckmäßiger Weise zu helfen,
gehört mit zu den großen Aufgaben unserer Zeit. Die Vielschichtigkeit dieser Aufgabe wird deutlich an jenen Paktoren, die
in diesen Gebieten anzutreffen sind: große Menschenmassen auf
beschränktem Raum, ungenügende Erziehungseinrichtungen, starker Mangel an Eigenkapital, das Fehlen von betriebswirtschaftlich erfahrenen Kräften in der Wirtschaft, das Veraltetsein
des Transportwesens, eine zu geringe Stromerzeugung und den
Anforderungen nicht gewachsene Behörden. Diese Länder können
unsere Hilfe und die Unterstützung anderer Staaten dazu benutzen, ihre gesamten sozialen Einrichtungen auf eine solide
Grundlage zu stellen,und sie werden so begreifen lernen, welche Entwicklungsmöglichkeiten den freien Völkern offenstehen.
Unsere Hilfe wird in steigendem Maße in Form von technischer
Unterstützung gewährt, wobei amerikanische Spezialisten mit
Fachkräften aus dem betreffenden Lande zusammenarbeiten, um
dessen Produktion zu heben und sein Erziehungs- und Gesundheitswesen zu verbessern. Hilfe in Form von Waren und Dienstleistungen wird jenen Staaten gewährt, deren wirtschaftliche
Stärke bei einer normalen Handels- und Investitionstätigkeit
nicht in jenem Maße zunehmen würde, wie dies im Hinblick auf
die Sicherheit der freien Welt erforderlich scheint.
Das technische Hilfsprogramm und die anderen Hilfsmaßnahmen für die wirtschaftlich unterentwickelten Gebiete sollten weiter asugebaut werden. Noch wichtiger ist, auf lange
Sicht, daß noch weit mehr privates Investitionskapital ins
Ausländ gebracht wird. Wir sollten Investitionen in allen
jenen Ländern fördern, die, aus dem Wunsch heraus, die Entwicklung ihrer Wirtschaft zu beschleunigen, günstige Bedingungen für solche Investitionen geschaffen haben. Ein Zustrom
privaten amerikanischen Kapitals kann in vielen Fällen eine
katalytische Wirkung haben: die Produktion und das Einkommen
würden steigen und somit einen größeren Verbrauch und steigende Ersparnisse gestatten, die ihrerseits wieder die Investitionstätigkeit aus dem eigenen Lande ansteigen ließen - und
so würde dies immer weitere Kreise ziehen. Wenn auch die Export-Import-Bank voraussichtlich ihr Kreditprogramm ausweiten
wird, so kann die Bundesregierung doch auch auf andere Weise
dazu beitragen, daß die amerikanische Investitionstätigkeit
im Ausland zunimmt.
Wie die Kommission für Außenhandelspolitik bereits in
ihren Empfehlungen ausgeführt hat, sollte der Satz der Körperschaftssteuer im Falle von Einkommen, das aus einer Ge-

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2. Februar 1955
Geschäftstätigkeit im Ausland resultiert, um 14 Prozent gesenkt
' werden, so daß er dem Satz entspricht, der auf Handelsgesellschaften angewandt wird, die innerhalb der westlichen Hemisphäre
tätig sind. Unsere derzeitige Steuergesetzgebung bestimmt,
daß Einkommen aus ausländischen Quellen in den Vereinigten
Staaten in dem Maße zu besteuern ist, in dem es im Ausland
nicht versteuert wird. Daraus ergeben sich zwei Polgen.
Erstens arbeiten amerikanische Firmen, die in fremden Ländern mit niedrigen Steuern tätig sind, unter ungünstigeren
Bedingungen als einheimische Firmen jenes Landes oder Firmen
aus Ländern, die im Ausland erzielte Einkommen nur sehr niedrig
besteuern. Zweitens können Länder, die amerikanisches Kapital
hereinzuholen suchen, die Gewährung günstiger Steuersätze kaum
mehr als Anreiz verwenden. Ja, unsere gegenwärtige Steuerpolitik kann ein Land, in dem bereits amerikanisches Kapital investiert wurde, veranlassen, seine Steuern auf das Einkommen
von Handelsgesellschaften zu erhöhen. Die vorgeschlagene Senkung des Satzes würde mit dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Firmen in anderen Ländern zu verbessern.
Den amerikanischen Firmen mit Hiederlassungen im Ausland
sollte ebenfalls gestattet werden, die Steuern für das Einkommen der Filialunternehmen sc lange zurückzubehalten, bis
der Einkommensbetrag vom Ausland in die USA transferiert ist.
Damit wird die ungerechtfertigte unterschiedliche Behandlung
der durch Filialen einerseits und Tochtergesellschaften andererseits getätigten Operationen beseitigt.
Diese Änderungen in der Steuergesetzgebung sollten wir
dadurch ergänzen, daß wir auch in Zukunft gemeinsam mit anderen Ländern den Nutzen des Steuervertrages als eine Methode
zur Erreichung eines für Auslandsinvestitionen günstigen Klimas anwenden. Geeignete Sicherheitsvorkehrungen vorausgesetzt,
sollten wir bereit sein, Einkommensteuern,auf deren Einziehung
ein anderes Land für die Dauer einer bestimmten Anlaufzeit
verzichtet, in voller Höhe zu stunden. Diese Änderung würde
den Gesetzen anderer Länder, die auf eine Stimulierung der
Initiative zur Geschäftseröffnung abzielen, größere Wirkungskraft verleihen.
Eine weitere Maßnahme, die als Anreiz zu Auslandsinvestitionen dienen könnte, ist die Errichtung einer internationalen
Finanzierungsgesellschaft, die der Weltbank anzuschließen wäre.
Diese Gesellschaft würde ihr Stammkapital von denjenigen Ländern erhalten, die heute der Weltbank angeschlossen sind. Im
Gegensatz zur Weltbank würde es dieser Gesellschaft zu gestatten sein, ohne irgendwelche staatliche Garantien, Investitionen in neuen kapitalarmen Privatunternehmen vorzunehmen.
In ihrer geplanten Form würde diese Gesellschaft nur bis zur
Gründung an einem neuen Unternehmen beteiligt sein»nicht über
einen längeren Zeitraum. Sie würde,sich auch nicht an der Leitung der unter ihrer Mitwirkung ins Leben gerufenen Unternehmen beteiligen. Durch die auf rein geschäftlicher Basis erfolgende Bereitstellung des erforderlichen Anfangkapitals, würde
die Gesellschaft zur Ausweitung privater Auslandsinvestitionen
beitragen. Ihr internationaler Charakter und ihr Ansehen in der
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2. Februar 1955

der ganzen Welt würden es den Bürgern der anderen Länder wahrscheinlich erleichtern, ein für Investitionen in ihrem Lande
günstiges Klima zu schaffen. In Anbetracht der vielversprechenden Möglichkeiten dieser geplanten Gesellschaft werde ich den
Kongreß ersuchen, zu gegebener Zeit einen durch die Vereinigten
Staaten zu leistenden Zuschuß zu ihrem Stammkapital zu bewilligen.
Alles in allem werden sich diese Vorschläge zur Ausweitung
des internationalen Warenverkehrs und zur Erhöhung der Auslandsinvestitionen günstig auf unsere Wirtschaft auswirken. Sie werden zu einer erhöhten Auswertung unserer eigenen Hilfsquellen
beitragen, eine reichere Auswahl der den amerikanischen Verbrauchern verfügbaren Waren und Dienstleistungen ermöglichen
und unsere Absatzmärkte im Ausland vergrößern.
Der Handel der Vereinigten Staaten mit anderen Ländern
Die wichtigste Veränderung im amerikanischen Außenhandel
in den ersten Monaten 1954 gegenüber dem gleichen Zeitraum des
Vorjahres war eih Rückgang der Importe an Handelswaren um
8 Prozent bei einem Ansteigen der Exporte um 3 Prozent, wobei
jedoch Lieferungen von Militärgütern im Rahmen der Auslandshilfsprogramme nicht berücksichtigt sind. In den ersten neun
Monaten ist ferner ein Rückgang der Militärlieferungen um
27 Prozent zu verzeichnen.
Wie aus der Statistik über nichtmilitärische Güter ersichtlich ist, stieg bei Handelswaren der Export nach dem
westeuropäischen Kontinent um 13 Prozent, nach Lateinamerika
um 7 Prozent. Auf der anderen Seite gingen die amerikanischen
Lieferungen an Kananda um annähern 10 Prozent zurück. Im Handelsverkehr mit allen Partnerländern der Vereinigten Staaten
ist gleichzeitig ein leichtes Absinken der amerikanischen Importe zu verzeichnen»
Langfristige Investitionen der Vereinigten Staaten im
Ausland"
Die Summe langfristiger Auslandsinvestitionen privater
amerikanischer Geldgeber lag 1954 höher als im vorangegangenen Jahr» Die Investierungen in Niederlassungen oder Tochtergesellschaften amerikanischer Unternehmen im Ausland lagen
etwa so hoch wie im Jahre 1953, während hinsichtlich des Erwerbs ausländischer Aktien und Obligationen sowie langfristiger Bankanleihen t^orte'feuille-Iavestitionen) gegenüber der
passiven Bilanz vom Jahre 1953 eine aktive im Jahre 1954 erzielt werden konnte. Insgesamt belief sich im Jahr 1954 das
im Ausland investierte amerikanische Kapital auf nicht ganz eine
Milliarde Dollar. Im Laufe des Jahres erhielten private amerikanische Geldgeber aus dem Ausland schätzungsweise 1,7 Milliarden Dollar an Zinsen, Dividenden und Reingewinn. Hierzu ist zu
bemerken, daß alle diese Zahlenangaben die Netto-Investitionen
und -Einkünfte bezeichnen. Zur Neu-Investition in ausländischen Tochtergesellschaften amerikanischer Firmen angelegte
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2. Februar 1955

angelegte Gewinne, die seit 1950 jährlich etwa 800 Millionen
Dollar ausmachen, wurden dabei nicht berücksichtigt.
Der größte Anteil der im Ausland direkt vorgenommenen
amerikanischen Investitionen ging-wiederum nach Kanada. Jedoch waren auch die Investitionen/Lateinamerika und "anderen"
Gebieten, vor allem in den Ländern des Mittleren Ostens,
recht beachtlich. Sie wurden vor allem in der Erdöl- und Fertigwaren-Industrie placiert.
Amerikanische Geldgeber erhöhten im Jahre 1954 ihre
Portefeuille-Investitionen in Kanada sowie den Erwerb von
Obligationen internationaler Institutionen, während hinsichtlich der Portefeuille-Investitionen in anderen Gebieten ein
Rückgang zu verzeichnen war.
Direkte Investitionen des Auslandes in den Vereinigten
Staaten sowie der Erwerb amerikanischer Wertpapiere (wobei
US-Staatspapiere nicht berücksichtigt sind) werden für das
vergangene Jahr auf 200 Millionen Dollar geschätzt.
Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten
In der Exportbilanz der Vereinigten Staaten für Waren
und Dienstleistungen ist zwischen den Jahren 1953 und 1954,
- rechnet man die Militärhi]felieferungen zu den amerikanischen Exporten hinzu und behandelt man militärische Ausgaben
der USA im Ausland als amerikanische Importe - kein nennenswerter Unterschied zu verzeichnen. Auf Grund von vorläufigen,
Ende November vorliegenden Statistiken ist jedoch damit zu
rechnen, daß die Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten, bei
Nichtberücksichtigung der Militärhilfe-Güter, jedoch unter
Berücksichtigung der militärischen Aufwendungen der USA im
Ausland, für das Jahr 1954 einen Aktivsaldo von etwa 900
Millionen Dollar aufweisen wird. Hier ist allerdings ein
Gegensatz gegenüber der Bilanz von 1953 zu verzeichnen. Die
reine Ausfuhr amerikanischen Kapitals im Verein rai^mflitärischen Geldzuwendungen gleicht das gegenwärtige Defizit anderer Länder im Jahre 1954 gegenüber den Vereinigten Staaten
mehr als aus«
So hat die freie Welt auch weiterhin sich um den Aufbau
wirtschaftlicher und finanzieller Stärke bemüht und sich dabei auf die Kürzung der amerikanischen Wirtschaftshilfe (einschließlich der Kredite) im Verlauf der letzten Jahre sowie auf
die leichte WirtschaftsabSchwächung in den Vereinigten Staaten
selbst in den Jahren 1953/54 eingestellt. Die Gold- und
Dollarreserven des Auslandes konnten weiter erhöht werden,
und am Ende des Jahres lagen die Reserven um nahezu 10 Milliarden Dollar höher als sechs Jahre zuvor.
Die seit 1947 vorgegangenen Veränderungen in der laufenden Zahlungsbilanz zwischen den Vereinigten Staaten und ihren
wichtigsten Handelspartnern zeigen, welcher Fortschritt in
der Herstellung eines Gleichgewichts im Handel mit den Ver- 12 -

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2. Februar 1955

Vereinigten Staaten erzielt worden ist. Im Jahre 1947 betrug
das Defizit der übrigen Länder in ihrer Zahlungsbilanz mit den
Vereinigten Staaten 10,8 Milliarden Dollar, ein Betrag, der
weit über dem Wert aller von den Vereinigten Staaten importierten Waren und Dienstleistungen lag. Im einzelnen betrug das
Defizit Westeuropas mit Ausnahme Großbritanniens 4,2 Milliarden
Dollar, das des Sterlingblocks 1,9 Milliarden Dollar, Kanadas
1,2 Milliarden Dollar und Lateinamerikas 2 Milliarden Dollar.
Als 1953 die Welt annähernd einen Ausgleich in ihrer Zahlungsbilanz mit den USA erreicht hatte, konnte sowohl das kontinentale Westeuropa als auch der Sterlingblock ein Aktivsaldo verzeichnen, während Lateinamerika noch immer ein leichtes Defizit und Kanada ein Defizit von nahezu einer Milliarde Dollar
auswiesen.
Die vorläufigen Daten für das Jahr 1954 lassen ein Ansteigen des Aktivsaldos des Sterlinggebietes, ein Absinken
für das kontinentale Westeuropa, einen leichten Rückgang des
Defizits Kanadas und eine geringe Erhöhung des Defizits Lateinamerikas in der laufenden Zahlungsbilanz mit den Vereinigten
Staaten erkennen. Jedoch wurde auch weiterhin langfristiges amerikanisches Kapital in wesentlichem Ausmaß in Kanada und Lateinamerika investiert, was deren gegenwärtige Passivsaldi weitgehend aufhebt»
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�A M E R I K A

D I E N S T

DULLES FORDERT SCHNELLE RATIFIZIERUNG DES
VERTEIDIGUNGSABKOMMENS MIT NATIONALCHINA

WASHINGTON — (Amerika Dienst) — Der amerikanische
Außenminister John Foster Dulles sprach sich am 7.
Februar 1955 erneut nachdrücklich für eine schnelle
Ratifikation des gegenseitigen Verteidigungsabkommens
mit Nationalchina aus. Dulles, der als erster auf
einer Geheimsitzung des Außenpolitischen Ausschusses
des US-Senats zu dem Abkommen Stellung nahm, umriß
in einer vorbereiteten Erklärung die amerikanische
Politik gegenüber Nationalchina. Die später bekanntgegebene Erklärung hat folgenden Wortlaut:

"Die Republik China und die Vereinigten Staaten haben ein
gegenseitiges Verteidigungsabkommen unterzeichnet, das gegenwärtig dem Senat zur Beratung und Ratifikation vorliegt.
Bevor ich auf den Text des Vertrages eingehe, möchte ich
die grundsätzlichen Erwägungen umreißen, die ihm zugrundeliegen.
Die Vereinigten Staaten haben zusammen mit anderen befreundeten und freien Ländemdes westlichen Pazifik ein System der
gegenseitigen Sicherheit entwickelt. Im Jahre 1952 wurden Sicherheitsabkommen mit den Philippinen, mit Australien und Neuseeland und mit Japan abgeschlossen. 1953 wurde ein Sicherheitsabkommen mit der Republik Korea und 1954 wurde de.r Manila-Pakt
unterzeichnet.
Die Erwägungen, die für den Abschluß dieser Verträge maßgebend waren, forderten in gleicher Weise auch den Abschluß
eines Sicherheitsabkommens mit der Republik China. Das Gebiet
der Republik China bildet ein wichtiges Glied in der sogenannten
'Insel-Kette', die am westlichen Rande des Pazifik liegt. Die
Regierung dieser Republik ist ferner in hohem Maße antikommunistisch und ein Verbündeter von erwiesener Loyalität.
Die Omission der Republik China begann unter diesen Umständen eine immer größere Bedeutung zu erhalten. Es wurde
angenommen, daß der Grund hierfür darin bestand, daß die Vereinigten Staaten sich die Möglichkeit offen halten wollten,
Formosa und die Pescadores als Tauschobjekt gegenüber Rotchina
im Rahmen einer allgemeinen Lösung in diesem Raum zu benutzen.
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Derartige

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Derartige unwürdige Mutmaßungen schädigten die Moral und das
Prestige der Republik China sowie die Integrität und Ehre der
Vereinigten Staaten selbst. Der Anschein einer Diskriminierung
der Republik China dürfte nicht fortdauern, da sonst die moralischen und politischen Maßstäbe, die wir aufrechterhalten müssen,
beeinträchtigt worden wären.
Die Republik China hat im Dezember 1953 ein Sicherheitsabkommen vorgeschlagen. Damals war ich der Ansicht, daß ein Abkommen im Prinzip erwünscht sei, daß jedoch auf Grund bestehender
besonderer Paktoren eine sorgfältige Untersuchung erforderlich
sein würde. In erster Linie handelte es sich hierbei um die Tatsache, daß die Feindseligkeiten zwischen der Republik China und
dem kommunistischen Regime in China fortdauerten, das de facto
die Kontrolle über das chinesische Festland ausübt.
Diese Untersuchungen wurden durchgeführt, und auf diplomatischem Wege fand ein Gedankenaustausch statt. Im September 1954
besuchte ich im Anschluß an die Manila-Konferenz Formosa und
sprach mit Präsident Tschiang Kai-scheck über das Abkommen und
die damit verbundenen besonderen Probleme.
Nach meiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten wurde beschlossen, die Arbeiten aktiv fortzusetzen, und im Oktober 1954
ersuchte ich in diesem Zusammenhang den Unterstaatssekretär für
Fernostfragen im US-Außenministerium, Walter S. Robertson, zu
weiteren Erörterungen mit den chinesischen Behörden nach Formosa
zu reisen. Im Anschluß hieran wurden in Washington, vor allem
mit seiner Exellenz dem chinesischen Außenminister Yeh Kung-ch'ao,
Verhandlungen geführt. Der Außenminister und ich setzten am 23.
November 1954 unsere Initialen unter das Vertragswerk und unterzeichneten den Vertrag am 2. Dezember 1954 hier in Washington.
In diesen Fragen ist eine enge Zusammenarbeit auf überparteilicher Basis mit dem außenpolitischen Ausschuß und insbesondere
mit seinem gegenwärtigen Vorsitzenden, dem früheren Vorsitzenden
und den Mitgliedern des Unterausschusses für Fernostfragen gepflegt worden. Diese Zusammenarbeit erstreckte sich nicht nur
auf hiermit zusammenhängende grundsätzliche Fragen sondern auch
auf die Bestimmungen des Vertrages selbst.
Ich möchte diese Bedingungen hier aufführen.
Der Vertrag besteht aus einer Präambel und zehn Hauptartikeln.
Die Präambel stimmt im wesentlichen mit der unseres Vertrages mit den Philippinen und anderer Verträge im pazifischen Gebiet überein.
Artikel I ist im wesentlichen mit dem ersten Artikel des
Vertrages mit den Philippinen und den des Anzus-Paktes identisch.
Er besagt, daß die Vertragschließenden ihre internationalen
Streitfragen durch friedliche Mittel und in Übereinstimmung mit
ihren Verpflichtungen im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen
beilegen, und daß sie sich in ihren internationalen Beziehungen
der Drohung oder der Anwendung von Gewalt, wie sie in irgendeiner
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"AMERIKA DIENST"

irgendeiner Weise gegen die Ziele der Vereinten Nationen verstoßen würde, enthalten wollen.
Artikel II schließt in den Vertrag das Prinzip der Vandenberg-Resoltuion (Senatsresolution im 80. US-Kongreß) ein. Die
Vertragschließenden verpflichten sich durch Selbsthilfe und gegenseitige Unterstützung ihre Fähigkeit, einem bewaffneten Angriff Widerstand leisten zu können, zu erhalten und auszubauen.
Die steigende Notwendigkeit für eine Kapazität, sowohl inneren
Umsturzversuchen als auch einem Angriff von außen begegnen zu
können, die im Manilapakt zum Ausdruck kam, ist im Artikel II.
des China-Vertrages ebenfalls festgehalten. Er spricht von
'subversiven kommunistischen Tätigkeiten, die von innen und
außen gegen die territoriale Integrität und politische Stabilität
gerichtet werden.'
Artikel III gleicht dem entsprechenden Artikel des südostasiatischen kollektiven Verteidigungspaktes, indem er die
Vertragschließenden verpflichtet, ihre freien Institutionen zu
stärken und zur Förderung des wirtschaftlichen Fortschrittes
und des sozialen Wohlergehens zusammenzuarbeiten.
Unter Artikel IV sind Beratungen hinsichtlich der Durchführung des Vertrages vorgesehen.
Artikel V ist im wesentlichen mit Artikel IV des PhilippinenVertrages und Artikel IV des Anzus-Paktes identisch. Er besagt,
daß jeder Vertragspartner anerkennt, daß jeder Angriff im westpazifischen Gebiet gegen die Territorien eines der Vertragschließenden eine Gefahr für ihn selbst darstellen würde und daß
jeder Vertragspartner in Übereinstimmung mit seinen verfassungsmäßigen Bestimmungen handeln würde, um der gemeinsamen Gefahr
zu begegnen. Wie bei anderen Verträgen und in gleichlautenden
Worten sieht dieser Artikel vor, daß dem Sicherheitsrat sofort
über alle Maßnahmen zur Begegnung eines Angriffes Bericht erstattet wird und alle solchen Maßnahmen eingestellt werden, wenn der
Sicherheitsrat die notwendigen Schritte unternommen hat.
Artikel VI legt im einzelnen die in Artikel II und V genannten Territorien fest, die sind:
'Seitens der Republik China, Formosa und die Pescadores;
seitens der Vereinigten Staaten, die Inselterritorien im Westpazifik unter amerikanischer Oberhoheit.' Er sieht weiter vor,
daß Artikel II und V auf solche anderen Territorien anwendbar
sind, wie sie durch gegenseitiges Abkommen festgelegt werden. Wir
sind der Ansicht, daß ein Abkommen zur Ausweitung des Anwendungsgebietes des chinesischen Verteidigungspaktes auf zusätzliche
Territorien praktisch eine Änderung des Vertrages darstellen würde
und dem Kongreß zur Beratung und Zustimmung vorgelegt werden
sollte.
Artikel VII gibt den Vereinigten Staaten das Recht, solche
Land-, Luft- und Seestreitkräfte auf und um Formosa und die
Pescadores abzustellen, wie sie - durch gegenseitiges Abkommen
festgelegt - für deren Verteidigung notwendig sein mögen. Er
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Er macht eine solche Abstellung nicht zu einer automatischen
Angelegenheit oder zur Pflicht. Eine ähnliche Bestimmung ist
in Artikel IV des Korea-Vertrages enthalten.
Artikel VIII, im wesentlichen mit Artikel VI des Philippinen
und des Anzus-Paktes übereinstimmend, stellt klar, daß die Verpflichtungen der Vertragschließenden im Rahmen des Vertrages in
keiner Weise ihre Verpflichtungen im Rahmen der Charta der Vereinten Nationen berühren, und erkennt die Hauptverantwortung der
Vereinten Nationen für die Aufrechterhaltung des Weltfriedens
und der Weltsicherheit an.
Artikel IX fordert, daß der Vertrag dem verfassungsmäßigen
Verfahren entsprechend ratifiziert werden muß, bevor er in Kraft
tritt.
Artikel X sieht vor, daß der Vertrag auf unbegrenzte Zeit
in Kraft bleiben soll, daß jedoch jeder Vertragschließende ihn
mit einjähriger Frist kündigen kann. Im wesentlichen gleiche
Bedingungen sind in unseren Verträgen mit Korea und den Philippinen enthalten.
Zusammengefaßt soll der Vertrag folgendes erreichen:
Er würde die chinesischen Kommunisten unter Ausschaltung
der Möglichkeit einer falschen Interpretation in Kenntnis setzen,
daß die Vereinigten Staaten einen bewaffneten Angriff auf Formosa
und die Pescadores als eine Gefahr für den eigenen Frieden und
die eigene Sicherheit ansehen und handeln würden, um der Gefahr
zu begegnen - wobei dieses Handeln in Übereinstimmung mit unseren
verfassungsmäßigen Bestimmungen stehen muß.
Er würde der Republik China und der Welt eine feste Zusicherung geben, daß Formosa und die Pescadores kein Tauschobjekt
im Rahmen irgendeines fernöstlichen 'Kuhhandels' mit den chinesischen Kommunisten sind.
Zusammen mit den Verträgen, die bereits von den Vereinigten
Staaten abgeschlossen worden sind und auf die ich oben Bezug genommen habe, rundet dieses Abkommen das Sicherheitssystem im westlichen Pazifik ab.
Es wäre theoretisch vorzuziehen, wenn dieses Abrunden durch
einen multilateralen Regionalpakt geschehen würde. Dies kann
vielleicht als eine zukünftige Entwicklung kommen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist es jedoch nicht durchführbar, und in der
Zwischenzeit müssen wir innerhalb der Grenzen des praktisch Möglichen handeln.
Nach der Unterzeichnung des Abkommens fand am 10. Dezember
1954 zwischen dem chinesischen Außenminister und mir ein Notenwechsel statt. Dieser sollte sicherstellen, daß unsere beiden Regierungen im Hinblick auf die gegenwärtige unruhige Lage in diesem Raum in Harmonie und Übereinstimmung handeln werden. Es wurde
vereinbart, daß offensive militärische Operationen einer der beiden Vertragspartner von dem unter der Kontrolle der Republik China
stehenden Gebiet aus nur nach gemeinsamer Übereinstimmung geführt
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9. Februar 1955

geführt werden würden. Dies ist offensichtlich ein vernünftiges
und kluges Übereinkommen, da eine einseitige Aktion offensiven
Charakters eines der Vertragspartner unter Umständen dem anderen
schwere Lasten aufbürden könnte. Daher wird keiner unter Mißachtung des anderen handeln.
Es wurde ferner vereinbart, daß militärische Einheiten und
Einrichtungen, die aus gemeinsamen Anstrengungen und Beiträgen
hervorgegangen sind, nicht aus dem Vertragsgebiet entfernt werden
dürfen, soweit dies die Verteidigungsmöglichkeit wesentlich
verringern würde, es sei denn, daß hierüber gegenseitiges Einverständnis erzielt würde. Dies bedeutet zum Beispiel daß, wenn
die Vereinigten Staaten den Streitkräften auf Formosa Versorgungsgüter und Ausrüstungen zur Verfügung gestellt oder zur Ausbildung, Aufrechterhaltung und Ausrüstung bewaffneter Streitkräfte beigetragen haben, die hieraus resultierende Kampfstärke
nicht ohne unsere Zustimmung von Pormosa auf andere Gebiete verlagert werden wird. Andernfalls könnten die Vereinigten Staaten
gezwungen sein, ständig das zu ersetzen, was ursprünglich für
die Verteidigung Pormosas bestimmt war.
Die auf diese Weise zum Ausdruck gebrachte Übereinstimmung
ist angesichts der gegenwärtigen Situation von Bedeutung und auch
vernünftig. Sie stellt eine Art von Vereinbarung dar, wie sie
zwischen Freunden und Verbündeten, die einer gemeinsamen Gefahr
gegenüberstehen, üblich ist. Sie beeinträchtigt in keiner Weise
die souveräne Gleichberechtigung der Vertragspartner.
Seit dieses Abkommen dem Senat zugeleitet wurde, hat der
Kongreß das Gesetz Summer 4 verabschiedet, durch das der Präsident ermächtigt wird, die bewaffneten Streitkräfte der Vereinigten Staaten im Zusammenhang mit Pormosa und den Pescadores einzusetzen. Den Grund zu dem Ersuchen des Präsidenten um die Gewährung dieser Vollmacht bildete die Aktivität der chinesischen
Kommunisten. Diese wiederum schien in einem gewissen Zusammenhang
mit den Entscheidungen der Vereinigten Staaten zu stehen, die durch
diesen Vertrag wie auch durch den vom Senat vergangene Woche gebilligten Manila-Pakt in feierlicher Form bekräftigt werden.
Seit 1949 hatte vor der chinesischen Küste verhältnismäßige
Ruhe geherrscht, bis die Rotchinesen am J&gt;. September 1954 ein
schweres Artilleriefeuer auf die Insel Quemoy eröffneten. Diese
Beschießung fand genau drei Tage vor der Eröffnung der Manilakonferenz statt, die zu der Unterzeichnung des Manilapaktes führte.
Als es damals bekannt wurde, daß die USA die Absicht hatten,
diesen gegenseitigen Verteidigungsvertrag mit der Republik China
auszuhandeln, verschärften die chinesischen Kommunisten ihre
antiamerikanischen Maßnahmen. Sie gaben die Verurteilung der
amerikanischen Flieger zu Gefängnisstrafen bekannt. In der Tat
fiel diese Ankündigung genau auf den gleichen Tag, an dem der
Sicherheitsvertrag vom Außenministerium der Republik China und
von mir paraphiert wurde. In der Folge sind die militärischen
Maßnahmen der Rotchinesen in der Straße von Formosa in starkem
Maße intensiviert worden; dies sollte nach den rotchinesischen
Propaganda-Ankündigungen die Absicht darstellen, zur Eroberung
Pormosas alle ihnen zu Gebote stehenden Machtmittel einzusetzen.

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9. Februar 1955

Am 24. Januar erklärte der rotchinesische Ministerpräsident
und Außenminister: 'Das chinesische Volk muß Taiwan (Formosa) befreien
und die Vereinigten Staaten müssen ...alle ihre bewaffneten
Streitkräfte von Taiwan (Formosa) und der Straße von Taiwan
(Formosa) zurückziehen.'
Die Feindseligkeiten in diesem Raum schienen die Aufrechtörhaltung des internationalen Friedens und der internationalen
Sicherheit möglicherweise so zu gefährden, daß am 28. Januar 1955
der Vertreter Neuseelands die Aufmerksamkeit des Weltsicherheitsrats auf die dortige Lage lenkte, und am 31» Januar 1955 lud der
Rat den Vertreter der rotchinesischen Regierung zur Teilnahme
an der Erörterung dieses Punktes ein. Am 3. Februar 1955 lehnte
der rotchinesische Ministerpräsident und Außenminister diese
Einladung ab. Hierbei bezeichnete er den vorliegenden Verteidigungspakt als eine 'Aggression' und verlangte erneut, daß die
Vereinigten Staaten 'ihre sämtlichen bewaffneten Streitkräfte
von Taiwan (Formosa) und der Straße von Taiwan (Formosa) zurückziehen' .
Ich bezweifle, ob die Rotchinesen wirklich einen Krieg gegen die Vereinigten Staaten führen wollen, es sei denn, die USA
würden von diesem Vertrag Abstand und alles, was dieser Verzicht,
bedeutete, in Kauf nehmen. Jedoch ziehe ich nicht die Absicht
der Rotchinesen in Zweifel, unsere Entschlossenheit zu prüfen.
Zweifelsohne haben sie dabei die Hoffnung, wir wollten den Frieden
so ernsthaft und glühend, daß wir uns angesichts ihrer Drohungen
zurückziehen werden.
Es ist wahr, daß wir den Frieden wollen und daß wir ihn aus
tiefstem Herzen herbeisehnen. Aber wir wollen den Frieden nicht
um den Preis unserer Sicherheit und unserer Ehre, Und die Erfahrung zeigt ja auch, daß alle, die auf diese Weise den Frieden
zu erlangen versuchen, die schließliche Gefahr des Krieges nur
vergrößern. Sie ermutigen den Angreifer zu immer größeren Forderungen, so daß am Ende keine andere Alternative bleibt als der
Kampf.
Unter den von den chinesischen Kommunisten selbst und vorsätzlich geschaffenen Umständen wäre das Versäumnis, diesen Vertrag zu ratifizieren, von den schwerwiegendsten Konsequenzen. Es
würde augenblicklich die gesamte Position der nichtkommunistischen
Welt im westlichen Pazfik und in Südostasien in Gefahr bringen.
Es würde die aggressiven Handlungen des internationalen Kommunismus überall anspornen und die Interessen der freien Völker
auf der ganzen Welt - einschließlich der Interessen der Vereinigten Staaten selbst - ernstlich verletzen.
Meiner Ansicht nach ist es undenkbar, einen derartigen Weg
einzuschlagen. Angesichts der kommunistischen Maßnahmen, unsere
Absichten auf die Probe zu stellen, und angesichts ihrer drohenden
Sprache sollten die USA die Ruhe bewahren, aber dabei in der Sache

�"AMERIKA DIENST"

9. Februar

1955

Sache fest bleiben. Es ist zumindest möglich, daß die Verabschiedung des Gesetzes Nummer 4 und die Ratifizierung des vorliegenden
Vertrages, zusammen eine Situation herbeiführen, in der sich die
gegenwärtige kriegerische Einstellung der Rotchinesen legen
wird.
Die Vollmacht des Kongresses für den Präsidenten und die
Ratifizierung des Vertrages sind zwei sich ergänzende Maßnahmen.
Angesichts der von den Rotchinesen geschaffenen Umstände genügt
weder die eine noch die andere dieser beiden Maßnahmen allein.
Daher ersuche ich nun den Senat, unverzüglich seine Zustimmung zur Ratifikation des gegenseitigen Verteidigungspaktes mit
der Republik China zu geben."

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�A M E R I K A

D I E N S T

DULLES ÜBER DIE ZIELE DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK

NEW YORK — (Amerika Dienst) — Nachstehend
übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer
Rede des US-Außenministers John Poster Dulles,
die er am 16. Februar 1955 vor der Gesellschaft für Außenpolitik in New York gehalten
hat:
"Ich freue mich, wieder einmal vor der Gesellschaft für
Außenpolitik sprechen zu dürfen. Vor 35 Jahren hielt ich meine
erste Rede vor Ihrer Gesellschaft, so daß meine heutige Ansprache in gewisser Weise ein Jubiläum darstellt. Ich kenne Ihre
Arbeit sehr gut. Sie leisten eine gute Arbeit, und ich bin froh,
daß sie fortgesetzt wird, um auf diese Weise den amerikanischen
Bürgern ein besseres Wissen über die Außenpolitik der USA zu
vermitteln.
Das große Ziel der amerikanischen Außenpolitik ist es, die
Bevölkerung der USA in den Stand zu setzen, sich der Segnungen
der Freiheit in Frieden zu erfreuen. Unter den gegenwärtigen
Verhältnissen in der Welt können wir dieses Ziel nicht erreichen,
wenn wir an uns allein denken. Wir müssen anderen Völkern helfen,
frei zu sein. Auf diese Weise verbindet sich vernünftiges Eigeninteresse mit hohen Grundsätzen und führt uns dazu, für andere
das zu tun, was wir, wären die Verhältnisse umgekehrt, von
ihnen für uns wünschen würden.
Unsere Aufgabe ist nicht leicht und kann auch nicht ohne
Opfer und Risiken gelöst werden. Stürmische Winde wehen aus
Moskau und Peking.
In Moskau hat der sowjetische Außenminister Molotow eine
aus 17 000 Worten bestehende Schmährede gegen die Westmächte
gehalten. In Peking greift der rotchinesische Außenminister
Tschu die Vereinigten Staaten scharf an und droht, alle zu
seiner Verfügung stehenden Machtmittel zur Eroberung Formosas
anzuwenden.
Tag für Tag fällt dem Präeidenten und dem Kongreß die Loi'.
schwere Verantwortung zu, schwerwiegende Entscheidungen zu treffen, die den Unterschied zwischen Krieg und Frieden ausmachen
können.
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Wir

�"AMERIKA DIENST"

16. Februar

1955

Wir alle würden es gern erleben, daß der Friede endgültig
gesichert ist. Wir sehnen uns nach irgendeiner einfachen und bestimmten Formel, die uns unserer gegenwärtigen sorgenvollen Aufgabe entheben könnte. Aber vielleicht machen wir nun die notwendige Erfahrung, daß es nicht leicht ist, den Frieden zu gewinnen.
Zweimal sind in unserer Generation Anstrengungen gemacht worden, den Frieden durch umfassende Vereinbarungen zur Abschaffung
des Krieges zu sichern. Der Pakt von Paris aus dem Jahre 1928 bindet über 60 Nationen, den Krieg als ein Mittel der internationalen
Politik zu ächten; aber kurz nach seinem Zustandekommen kämpften
die Nationen in Europa, Asien und Afrika.
Die Charta der Vereinten Nationen von 1945 verpflichtet
60 länder dazu, sich bei ihren internationalen Beziehungen der
Androhung oder der Anwendung von Gewalt zu enthalten. Es hat aber
eine bewaffnete Aggression in Korea gegeben, die von der Sowjetunion unterstützt wurde. Später wurde Rotchina für schuldig befunden, in Korea eine bewaffnete Aggression durchgeführt zu haben.
Es ist gut, daß die Menschheit durch gewichtige Erklärungen
ihren Haß gegenüber dem Krieg und ihre Entschlossenheit demonstriert, den Krieg zu ächten. Idealismus ist unerläßlich. Es wäre
jedoch gefährlich anzunehmen, daß Verträge oder feierliche Verpflichtungen allein uns der schweren Aufgabe entheben würden, die
wir in dem Ringen um den Frieden übernehmen.
Vertragliche Verpflichtungen, so ernst sie auch sein mögen, .
werden mächtige und ehrgeizige Herrscher, die den Zwang des Moralgesetzes nicht kennen und dem Willen ihrer Völker nicht verantwortlich sind, niemals im Zaume halten. Gegenüber solchen Despoten
muß es andere und weitergehende Zwangsmittel geben.
Das Ringen geht also weiter. Wir dürfen nicht nachlassen,
weil der Augenblick des Nachlassens der Augenblick der Gefahr ist.
Vertragliche Verpflichtungen müssen durch ein Ziel gestützt werden,
das immer aufrecht erhalten wird, durch einen Verstand, der immer
wach ist, und durch eine immer bereite Macht, mit deren Hilfe
wir die Aggressoren bestrafen können, so daß sich eine Aggression
nicht bezahlt machen wird.
Wenn immer die Verfechter des Friedens über diese Fähigkeiten
nicht mehr zu verfügen scheinen, ist der Friede in Gefahr. Solange
diese Fähigkeiten andererseits für jeden ersichtlich sind, können
wir gute Hoffnung haben, daß der Kampf für den Frieden gewonnen
werden wird.
Diese Hoffnung ist um so gerechtfertigter, als die modernen
Waffen eine so ungeheure Vernichtungskraft besitzen. Diese Tatsache ist erschreckend. Aber gerade weil sie so erschreckend ist,
bedeutet das, daß selbst der Rücksichtsloseste zögern wird, bevor
er Schritte unternimmt, die diese modernen Waffen ins Spiel bringen
würden.
Gegenwärtig machen die Sowjets und Rotchinesen alle Anstrengungen, die Absichten der freien Nationen zu ergründen. Aber wir

�"AMERIKA DIENST"

16. Februar 1955

wir brauchen darüber nicht besorgt und verzagt zu sein, denn das
Ergebnis dieser Sondierungsversuche sollte die Despoten nur zurückhalten.
In Europa scheint es keinen Rückzug von dem grundlegenden
Entschluß zu geben, die Westeuropäische Union zu schaffen und auf
düese Weise der Uneinigkeit Westeuropas ein Ende zu bereiten. Jene
Uneinigkeit und Schwäche durch Einheit und Stärke zu ersetzen,
wird der größte Einzelbeitrag sein, der für die Sache des Friedens
geleistet werden könnte.
In Westeuropa gibt es über 200 Millionen hochzivilisierter
Menschen. Alle zusammen besitzen sie die geistigen und materiellen Hilfsquellen, um glücklich und sicher zu sein, wenn sie
nur im Geiste einig und fest zusammengeschlossen sind, um gemeinsam zu arbeiten.
Wenn diese Einigkeit zustandegekommen ist, werden große Dinge
daraus resultieren.
Westeuropa wird dann nicht nur die Stärke besitzen, seine
eigenen inneren und äußeren Probleme zu lösen, sondern wird eine
mächtige Kraft zur Erhaltung des Weltfriedens sein.
Im Fernen Osten haben die Vereinigten Staaten dem Wunsch der
anderen entsprochen, sich mit ihnen zu vereinigen, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Im Verlauf der letzten vier Jahre haben
die Vereinigten Staaten Sicherheitsverträge mit Korea, Japan, der
Republik China auf Formosa, den Philippinen, Australien und Neuseeland geschlossen. Wir haben uns ferner dem Acht-Mächte-ManilaPakt zur Sicherheit Südostasiens angeschlossen.
Die Gesamtheit dieser Verträge ist ein gemeinsames Sicherheitssystem, das sich von den Aleuten im Norden in einem großen
Bogen bis zum südlichen Pazifik erstreckt. Damit wurde ein Verteidigungsbollwerk für die Freiheit in jenem Teile der Welt geschaffen.
Was auf diesem Wege von so vielen Nationen erreicht wurde,
ist beachtlich. Aber von gleich großer Wichtigkeit ist die Art
und Weise, in der die Vereinigten Staaten ihren Anteil, vor allem
in der jüngsten Vergangenheit, erfüllt haben.
Als der Kongreß im Januar zusammentrat, hatte die Demokratische Partei die Mehrheit. Damit ergabt i sich, daß der Südostasienpakt und der Beistandspakt mit Nationalchina bei ihrer Vorlage im Kongreß von einem republikanischen Präsidenten einem von
der Demokratischen Partei beherrschten Parlament überwiesen wurden.
Das gleiche trifft für das Ersuchen Präsident Eisenhowers an den
Kongreß zu, ihm die Vollmacht für den Einsatz der bewaffneten
Streitkräfte der Vereinigten Staaten im Gebiet der Insel Formosa
zu erteilen.
Dennoch wurden die beiden Verträge ratifiziert, und auch der
Kongreß erteilt die entsprechende Vollmacht. Dies geschah prompt
und praktisch einmütig. •
Diese
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16. Februar 1955

Diese Maßnahmen sind ein Beweis für die Einigkeit des Volkes und für seine Bereitschaft zu tatkräftigem Handeln, das in
unserer Welt von Heute so notwendig ist. Allzu oft führen derartige repräsentative Schritte zu einem solchen Parteihader
und zu solchen Verzögerungen, daß feindliche Kräfte zu dem
Glauben verleitet werden, die Demokratie sei im tiefsten Kern
untüchtig. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat das Gegenteil bewiesen. Die Farteimeinung wurde restlos dem Wohl des
Staates untergeordnet, so daß Maßnahmen von großer Tragweite
wohl mit Bedacht aber auch mit großem Nachdruck getroffen
werden konnten.
Hierfür kann das Volk der Führung und den Mitgliedern
beider Kongreßparteien dankbar sein. Ich weiß wohl, wie sehr
man von mir erwartet, daß ich Walter F. George ein besonderes
Lob zolle, der als Vorsitzender des außenpolitischen Senatsausschusses im Zusammenhang mit den von mir hier berührten
drei Schritten den größten Einzelanteil an der Last der Verantwortung getragen hat.
Wir können als Amerikaner alle stolz auf diese Demonstration nationaler Einigkeit und Stärke sein. Aus diesem Grunde
können die freien Menschen in aller Welt der Zukunft mit größerer Hoffnung und neuem Vertrauen entgegenblicken.
Während so in den Vereinigten Staaten kürzlich die Stärke
der repräsentativen Regierungsform aufgezeigt worden ist, fand
in Moskau eine außergewöhnliche Demonstration despotischer Verwirrung statt. Der Ministerpräsident des sowjetischen Staates
wurde vor eine Sitzung des Obersten Sowjets im Kreml zitiert
und dort öffentlich gedemütigt, indem er der Verlesung seiner
Abdankung und seines Schuldbekenntnisses durch einen Dritten
zuhören mußte.
Mit diesem kommunistischen Schuldspruch brauchen wir uns
nicht auseinanderzusetzen. Aber die volle Tragweite dessen,
was geschehen ist, läßt sich noch nicht absehen, und vielleicht
hat das wahre Drama noch gar nicht begonnen.
Ohne Zweifel können wir einen elementaren, persönlichen
Kampf um die Macht beobachten. Aber man kann auch die großen
Linien eines grundsätzlichen politischen Unterschiedes erkennen. Es muß wohl solche geben, denen hauptsächlich an der Wohlfahrt, der Sicherheit und der Größe der Sowjetunion und ihres
Volkes liegt. Und es gibt andere, die wollen, daß die Sowjetunion und ihre Macht in erster Linie als ein Werkzeug des
internationalen Kommunismus dienen, und als ein Mittel, dessen
weltweite Ambitiorf^u befriedigen. Diese beiden Endziele,
das eine durch den Staat und das andere durch die Partei symbolisiert, stimmen nicht immer überein.
Für uns scheint es, als ob Partei und Staat in der Sowjetunion gewöhnlich nicht auseinanderzuhalten sind, da viele Männer in doppelter Eigenschaft arbeiten. Aber Lenin und Stalin
haben immer wieder den Unterschied zwischen beiden Sphären betont. «Die Partei1, so sagte Stalin, 'kann und darf nicht mit
der Macht des Staates identifiziert werden'.
m.
Wir

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16. Februar 1955

Wir dürfen diesen Unterschied nicht aus dem Auge verlieren.
Es kann die Zeit kommen - und ich glaube, sie wird kommen -,
da Russen von Format die Sicherheit ihrer Nation und die Wohlfahrt ihres Volkes patriotisch vor alles andere stellen werden.
Sie werden dann nicht willens sein, diese Sicherheit und die
Wohlfahrt ihres Volkes den globalen Bemühungen des internationalen Kommunismus unterzuordnen. Falls sich ihre Ansichten
durchsetzen, dann ließe sich wirklich eine Basis für erfolgversprechende Verhandlungen und praktisch durchführbare Übereinkommen zwischen den Vereinigten Staaten und dem neuen
Rußland finden. Dann könnte die historische Freundschaft
zwischen unseren beiden Staaten und Völkern neu belebt werden.
Ich darf mich nunmehr der Behandlung einiger der großen
Probleme zuwenden, die sich aus den vorstehend von mir erwähnten Verträgen im Fernen Osten - dem Sicherheitspakt mit Nationalchina und dem Vertrag von Manila - ergeben.
Die Vereinigten Staaten haben sich zur Verteidigung Formosas und der Pescadores fest verpflichtet. Diese Inseln wurden
im Jahre 1895 in das Kaiserreich Japan eingegliedert. Sie blieben ein halbes Jahrhundert hindurch im Besitze Japans, bis sie
nach der japanischen Niederlage im letzten Krieg abgetreten
wurden. Der Sieg über Japan wurde im wesentlichen durch die
Anstrengungen und Opfer der Vereinigten Staaten erzielt.
Diese Inseln bilden einen wichtigen Teil des Westpazifischen Verteidigungssystems, das ich vorhin aufgezeichnet habe.^
Die Bevölkerung dieser Inseln bittet dringend um unsere Hilfe.
Somit sind Formosa und die Pescadores mit gutem Grund
zu einem Anliegen der USA geworden.
Im Jahre 1945 wurde unserem langjährigen Verbündeten,
der Republik China, die Regierungsgewalt über diese Inseln
übertragen. Als 1950 die Aggression gegen Korea begann, gab
Präsident Truman der amerikanischen Pazifikflotte den Befehl,
Formosa gegen jeden etwaigen Angriff der chinesischen Kommunisten zu verteidigen. Nunmehr ist dieser Beschluß in unserem
gegenseitigen Verteidigungsvertrag mit der Republik China
verankert worden.
Es ict wichtig, zu unterstreichen, daß der Vertrag, abgesehen von dem Territorium der Vereinigten Staaten, lediglich
Formosa und die Pescadores und einen bewaffneten Angriff auf
diese Inseln einschließt. Die Vollmacht des Kongresses soll
Formosa und die Pescadores sichern und sie vor jedem bewaffneten Angriff schützen sowie hiermit in Zusammenhang stehende
Positionen und Territorien sichern und schützen, soweit dies
nach dem Ermessen des Präsidenten 'erforderlich oder angebracht
sein würde, um die Verteidigung Formosas und der Pescadores zu
gewährleisten'.
Der Präsident setzte unsere bewaffneten Streitkräfte nicht
ein, um Nationalchina dabei zu unterstützen, die rund 300 km
nördlich von Formosa gelegene Tachen-Inseln und die Inseln
Yushan und Pishan zu halten. Diese Inseln hatten für die Verteidigung Formosas und der Pescadores so gut wie keine Bedeutung.
Wir halfen Nationalchina bei der Evakuierung dieser Inseln und

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16. Februar 1955

und der Umgruppierung seiner Streitkräfte, damit eine blutige
und unnötige Auseinandersetzung vermieden wird, welche die
Öffentlichkeit nur gereizt haben würde. Damit haben Nationalchina und die Vereinigten Staaten einen wesentlichen Beitrag
zur Erhaltung des Friedens geleistet.
Es ist vorgeschlagen worden, Nationalchina sollte noch weiter gehen und die an der chinesischen Küste gelegenen Stützpunkte den chinesischen Kommunisten übergeben, welche diese Positionen zur Durchführung der von ihnen angekündigten Offensive
gegen Formosa benötigen.
Es erscheint fraglich, ob damit einmal der Sache des Friedens und zum anderen der Sache der Freiheit gedient würde.
Die chinesischen Kommunisten waren diejenigen, die als
erste in diesem Gebiet Gewalt angekündigt haben. Sie haben
bereits formell ihre Absicht bekundet, Formosa mit Gewalt in
ihren Besitz zu bringen. Wenn die Nationalchinesen den chinesischen Kommunisten den Gefallen täten und es ihnen leichter
machten, Formosa zu erobern, sollten diese dann hierzu weniger
imstande sein? Ich bezweifle es.
Die Vereinigten Staaten haben keinerlei Verpflichtung und
keinerlei Grund, die Küstenpositionen als solche zu verteidigen.
Das grundlegende Ziel ist es, sicherzustellen, daß Formosa und
die Pescadores nicht mit Gewalt von den chinesischen Kommunisten
überrannt werden. Außenminister Tschu erklärt jedoch, daß sie
alle ihre Kräfte aufbieten werden, um von Formosa Besitz zu ergreifen, und daß sie die Inseln im Küstengebiet als ein Mittel
zur Erreichung dieses Ziels behandeln. Als die Nationalchinesen
die Tachen-Inseln freiwillig räumten, kommentierten die chinesischen Kommunisten: 'Die Befreiung dieser Inseln hat unserer
Volksarmee im Hinblick auf die Befreiung von Formosa eine günstige Position eingebracht.'
Damit haben die chinesischen Kommunisten die Küstenpositionen mit der Verteidigung von Formosa in Verbindung gebracht.
Dies ist die Tatsache, die, wie Präsident Eisenhower in seiner
Formosa-Botschaft an den Kongreß erklärte, 'uns zwingt, in engem Zusammenhang stehende geographische Gegebenheiten in Rechnung
zu stellen*. Dementsprechend werden wir vor sich etwa ergebenden
Aktionen der chinesischen Kommunisten auf der Hut sein, wobei wir
für uns selbst jede Initiative zu kriegsähnlichen Handlungen
von uns weisen.
Man darf kaum erwarten, daß die chinesischen Kommunisten
ihre Ambitionen aufgeben. Aber werden sie vielleicht nicht doch
ihre Anstrengungen aufgeben, diese Ziele mit Gewalt zu erreichen?
Ein solcher Verzicht auf Gewalt ist eines der Grundprinzipien der Vereinten Nationen, und die USA haben gehofft, und
hoffen noch immer, daß die Vereinten Nationen in der Lage sein
werden, eine Beendigung der gegenwärtigen Feindseligkeiten herbeizuführen. Präsident Eisenhower hat in seiner Botschaft an den
Kongreß über dieses Problem klar zum Ausdruck gebracht, daß die
USA Maßnahmen der Vereinten Nationen begrüßen würden, die zu
einer Beendigung
aer

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16. Februar 1955

der aktiven Feindseligkeiten in diesem Gebiet führen könnten.
Die Neuseeländische Regierung hat die Angelegenheit vor den Sicher
heitsrat gebracht, und die Vereinigten Staaten haben im Interesse
des Friedens selbst zugestimmt, die chinesischen Kommunisten zum
Sicherheitsrat einzuladen, um dieses Problem zu erörtern.
Im Jahre 1950 nahm Rotchina eine Einladung des Sicherheitsrates bei der Behandlung des Koreaproblems an. Diesmal jedoch
lehnten die chinesischen Kommunisten die Einladung ab.
Wir hoffen aufrichtig, daß dieser Entscheid der chinesischen
Kommunisten nicht unwiderruflich ist und sie sich den Grundsätzen,
auf denen sich die Vereinten Nationen aufbauen, unterwerfen und
nicht durch Gewaltanwendungen die Vereinigten Staaten herausfordern, ihre Verteidigungspflichten zu erfüllen. Wie dem auch sei,
wir sind der Überzeugung, daß die Haltung Rotchinas gegenüber dem
Sicherheitsrat der Vereinten Nationen nicht die Verantwortlichkeit
dieses Gremiums beendet, welches gemäß den Bestimmungen der Charta
in erster Linie dafür zuständig ist, daß der internationale Frieden und die internationale Sicherheit aufrechterhalten werden.
Darüber hinaus sollte man nicht gedankenlos von der Annahme
ausgehen, daß man der Sache des Friedens und der Sicherheit lediglich durch einseitige fortgesetzte Konzessionen der nichtkommunistischen Nationen gegenüber den kommunistischen Staaten dient.
Eine der großen Gefahren in Asien ist die Furcht vieler
nichtkommunistischer Völker, die Vereinigten Staaten seien nicht
fest entschlossen genug, hinter ihnen zu stehen. Diese Furcht
hat bereits den Punkt erreicht, wo sie eine Gefahr wird. Wir nahmen in Korea einen Waffenstillstand an, den die Kommunisten
triumphierend aber in völliger Verdrehung der Tatsachen als
'Sieg' darstellten. Wir haben gegen den Waffenstillstand in Indochina, der Ausdruck der Niederlage der Streitkräfte der französischen Union bei Dien Bien Phu war, keinen Einspruch erhoben.
Wir haben bei der Evakuierung der Tachen-Inseln geholfen. Die
Gründe hierfür waren jedes Mal zwingend, und doch wurde der
kommunistische Machtbereich jedes Mal um einige Quadratkilometer
größer.
Wenn die nichtkommunistischen Asiaten jemals das Gefühl
bekommen, daß ihre westlichen Verbündeten geneigt sind, sich
zurückzuziehen, sobald der Kommunismus den Frieden bedroht,
dann würde das gesamte Ge.iet sehr bald nicht mehr zu verteidigen
sein.
So wie die Lage jetzt ist, würde weder der Sache der Freiheit
noch der Sicherheit der Vereinigten Staaten oder dem Weltfrieden
und der internationalen Sicherheit gedient sein, wenn der Glaube
der freien asiatischen Völker an unsere Stärke und unsere Bereitschaft unterminiert würde, diese Stärke zur Abwehr jener einzusetzen, die mit Gewalt die Freiheit bedrohen. Das amerikanische
Volk hat durch den Kongreß seine eigene Entschlossenheit gezeigt.
Dies ist ein Gebot, das die Regierung als gesund akzeptiert und
das sie gewissenhaft ausführen wird.
Lassen

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16. Februar 1955

Lassen Sie mich nun zu Südostasien übergehen. In wenigen
Stunden werde ich nach Bangkok reisen, um an der ersten Konferenz
des im Rahmen des Manila-Paktes für die Sicherheit Südostasiens
geschaffenen Rates teilzunehmen.
Wir werden uns in Bangkok mit der Frage der Organisation
dieses Rates befassen. Wir werden ferner mit der Behandlung
der drei wesentlichen Probleme beginnen, die dem Rat übertragen
wurden, nämlich der militärischen Sicherheit, der Sicherung gegen
eine Subversion von Außen und der Frage des wirtschaftlichen
Wohlstands. Ich kann nicht voraussagen, welche Entscheidungen
man treffen wird, aber ich bin zuversichtlich, daß unsere Zusammenkunft die Vorteile einer Zusammenarbeit zwischen Ost und West aufweisen wird.
Manche Asiaten hegen noch die Befürchtung, die aus der Erfahrung früherer kolonialer Beziehungen resultiert, daß eine enge
Bindung an die Westmächte zu ihrer schließlichen Beherrschung
durch diese Mächte führen wird. Es ist von wesentlicher Bedeutung,
daß diese Befürchtungen zerstreut werden.
Ein wichtiger Schritt, der der Erreichung dieses Zieles
diente, erfolgte in Manila, als acht Mächte hier auf Anregung von
Präsident Magsaysay die Pazifik-Charta unterzeichneten. Darin
verpflichteten wir uns, dem Recht der Völker auf Selbstbestimmung
zu dienen und allen jenen Ländern zur Unabhängigkeit zu verhelfen,
die dies wünschen und in der Lage sind, auch die daraus erwachsene
Verantwortung auf sich zu nehmen. Wir kamen ferner überein, auf
wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet zusammenzuarbeiten, um so auf eine Erhöhung des Lebensstandards hinzuwirken und
dem wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zu dienen.
Worte sind jedoch nicht genug. Es ist vielmehr notwendig,
diese Warte mit dem Atem des Lebens zu erfüllen, Das wird, wie
ich hoffe, in Bangkok geschehen. Die Delegationen, die dort zusammenkommen, werden sich als gleichberechtigte Partner gegenüberstehen. Wir werden meiner Auffassung nach Mittel und Wege finden, das Risiko eines bewaffneten Angriffs gegen das Gebiet der
Vertragsmächte und die Gefahr irgendwelcher von außen gelenkter
Umsturzversuche zu verringern. Wir werden ferner damit beginnen,
wirtschaftliche Fragen zu überprüfen. Diese können niemals Gegenstand sensationeller und ins Auge fallender Lösungen sein; sie
lassen sich aber durch ständige, gewissenhafte und rücksichtsvolle Bemühungen günstig beeinflussen.
Unsere erste Aufgabe ist es, uns mit den grundsätzlichen
Dingen zu befassen. Dies tun wir auch bereits, insbesondere auf
dem fundamentalen Gebiet der Erziehung. Amerikanische Universitäten und Hochschulen arbeiten mit asiatischen Bildungsstätten in
Tailand, auf den Philippinen und in Pakistan zusammen. Zahlreiche
amerikanische Fachleute arbeiten in Asien an wirtschaftlichen,
erzieherischen und medizinischen Aufgaben, und ihre Zahl vergrößert sich ständig. Unsere Zusammenarbeit gebinnt auch bereits
die ersten Erfolge zu zeitigen, die sich in besserer Ernährung und
einem besseren Gesundheitszustand messen lassen, und wir unternehme
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unternehmen gemeinsam die ersten Schritte, den Handel auszuweiten, die private Investitionstätigkeit zu steigern und den Lebensstandard zu heben.
Auf diese Weise können wir den Glauben der Menschen an die
Freiheit rechtfertigen.
Es sollte wirklich keine Spaltung zwischen den westlichen
und den asiatischen Nationen geben. Unsere Vorstellung von der
Natur des Menschen hat ihre Ursprünge in Asien, wo sich Ost und
West trafen. Wir glauben, daß alle Menschen Geschöpfe und Kinder
eines allmächtigen Gottes sind und daß er jeden einzelnen mit
dem Recht ausgestattet hat, sich nach den Geboten seiner persönlichen Vernunft und seines Gewissens zu entwickeln.
Dieser religiöse Glaube, der, auf das Gebiet der Politik
übertragen, in der Magna Charta, der französischen Deklaration
der Menschenrechte und unserer eigenen Unabhängigkeitserklärung
zum Ausdruck kam, stellte, wie Lincoln von unserer Unabhängigkeitserklärung sagte, nichts Exklusives dar sondern sollte
•nicht nur der Bevölkerung dieses Landes Freiheit, sondern auch
der Welt Hoffnung für alle künftigen Zeiten* geben.
Wir sind uns ferner bewußt, daß eine wirtschaftliche wie
auch eine politische Grundlage vorhanden sein muß, wenn die
Freiheit des Menschen eine Realität werden soll. Die Armen und
Hilflosen können nicht wirklich frei sein. Wir erkennen daher
an, daß die wirtschaftlichen Werte unerläßlich sind, um die
von uns verehrten moralischen und politischen Werte Wirklichkeit
werden zu lassen.
Eine solche Philosophie unterscheidet sich in der Tat
sehr von der des sowjetischen Kommunismus.
Der sowjetische Kommunismus lehnt den Grundsatz von der
Gleichheit aller Menschen ab und setzt an seine Stelle das
Prinzip des Klassenkampfes.
Er verneint die Fähigkeit des Menschen, sich selbst zu regieren, und beruft sich auf den Grundsatz der Diktatur, der
sogenannten Diktatur des Proletariats.
Er verleugnet das Nationalbewußtsein, es sei denn, man
kann es als Schlagwort dazu verwenden, um zwischen den Osten
und Westen einen Keil zu treiben und den Weg dafür zu ebenen,
daß andere Völker in den Machtbereich des internationalen Kommunismus fallen.
Er predigt ein neues Dogma der Segregation. Die Menschen
Asiens, so wird dort gesagt, müssen von den Menschen des Westens getrennt werden. Die neuen Staaten Asiens dürfen sich
nicht mit anderen Staaten vereinigen.
Der Gedanke, der hinter all dem Steht, ist offenkundig. Die
sowjetischen und chinesischen Kommunisten wissen, daß ihre vereinte Macht die eurasische Landmasse beherrschen kann. Wenn die
anderen Nationen in Europa und Asien für sich allein stehen,
dann werden sie nicht in der Lage sein, dieser eisernen Umklammerung

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16. Februar 1955

Umklammerung durch den internationalen Kommunismus zu widerstehen.
Auf der Berliner Konferenz im vergangenen Jahr verwarf
Molotow die NATO und schlug statt dessen ein europäisches Sicherheitssystem vor, das die Vereinigten Staaten ausschließen würde.
Jetzt wenden sich die sowjetischen und chinesischen Kommunisten
gegen den Manila-Pakt, weil er Südostasien die notwendige Stärke
zum Widerstand gegen eine kommunistische Aggression geben kann.
Die Bangkok-Konferenz wird es den freien Nationen des Westens und des Ostens ermöglichen, mit einer Demonstration von
entscheidender Bedeutung zu beginnen. Sie können zeigen, daß sie
sich durch den Zusammenschluß als souveräne Gleichberechtigte
gegenseitig zu Unabhängigkeit, Sicherheit und Wohlstand verhelfen
können.
Dieses Ergebnis steht mit den hohen Idealen in Einklang,
auf denen die amerikanische Nation gegründet wurde. Das hat das
amerikanische Volk in seiner ganzen Geschichte angestrebt. Die
amerikanische Delegation geht daher voll Vertrauen nach Bangkok,
weil wir wissen, daß unsere Mission durch den nationalen Glauben
und die nationalen Zielsetzungen gestärkt wird."

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

HENRY CAEOT LODGE JR. : DIE WELT MUSS ABRÜSTEN
NEW YORK, UN - (Amerika Dienst) - Der
UN-Chefdelegierte der Vereinigten Staaten,
Botschafter Henry Cabot Lodge Jr., gab am.
19.Februar 1955* kurz vor seiner Abreise zu
den Fünf-Mächte-Abrüstungsbesprechungen in
London, die am 25.Februar 1955 beginnen, dem
Reporter des International News Service (INS),
Pierre Huss, ein Interview, das wir nachstehend im Wortlaut wiedergeben:
1. Frage: Sind Sie der Meinung, daß die Lage der Vereinigten Staaten so gesund ist, daß man ihnen ohne weiteres
das Recht zum Gebrauch der Wasserstoff- und Atombombe zum
Zwecke der Selbstverteidigung zugestehen darf, wenn man an
die provokativen Drohungen und Behauptungen Molotows hinsichtlich der Überlegenheit der sowjetischen Atomwaffen denkt?
Antwort: Wir haben wiederholt festgestellt, daß wir niemals Atomwaffen oder überhaupt irgendwelche Waffen außer im
Falle der Verteidigung gegen den Aggressor anwenden werden.
Wir dürfen aber trotz unserer fortgesetzten Friedensbemühungen nicht das Recht aufgeben - selbst, wenn wir davon keinen
Gebrauch machen würden - jede nur mögliche Waffe gegen den
Aggressor anzuwenden, solange die Sowjets nicht ihre Zustimmung zu einem narrensicheren Abrüstungsplan gegeben haben,
der alle Waffen betrifft, Atomwaffen und alle anderen. Das ist
die Wahrheit. Und sie ist unabhängig vom Vergleich der sowjetischen mit unserer eigenen Atomproduktion. Übrigens dürfte
Molotow ganz bestimmt keine unvoreingenommene Autorität auf
diesem Gebiete sein. Zur Abrüstung gehören zwei. Ganz genau
wie auch zwei zum Frieden gehören. Wenn es an gegenseitigem
Vertrauen mangelt, wie das bei uns und der Sowjetunion der
Fall ist, gibt es keine sichere Abrüstung, es sei denn, der
Abrüstungsplan bietet ein narrensicheres hundertprozentiges
System der Überwachung. Das heißt, jede Seite rüstet vor den
Augen der anderen ab. Und jeder Schritt in dieser Richtung muß
von der anderen SeitJe eingesehen werden können. Das ist einer
der Hauptpunkte, dessen Erreichung wir seit vier Jahren trotz
der sowjetischen Obstruktion zum Ziele haben. Im letzten Herbst
faßte die Generalversammlung der Vereinten Nationen den einstimmigen Entschluß, daß jeglicher Abrüstungsplan in einer
Weise ausgeführt werden müsse, daß kein Staat Ursache haben
dürfe, Beeinträchtigung seiner Sicherheit zu fürchten. Es
wird interessant sein, die sowjetische Haltung zu sehen, wenn
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23. Februar 1955

wenn wir in London wieder über dieses Problem konferieren
werden.
2. Frage: Glauben Sie, daß sich die Haltung der Sowjetunion nun, da Nikita Chruschtschew und Bulganin an der Spitze
stehen, geändert hat?
Antwort: Vielleicht erfahre ich das in London. Seit dem
Wechsel in der Sowjetregierung haben wir im letzten Monat einige ziemlich wilde Reden von Moskau gehört; dennoch möchte ich
nicht den Versuch machen, eine Interpretation der Bedeutung
dieser Reden zu geben. Noch vor dem jüngsten Wechsel in Moskau
schien die Sowjetregierung bei der letzten Generalversammlung
der Vereinten Nationen im Herbst ihre sture Haltung hinsichtlich
einiger Schlüsselprobleme etwas gemildert zu haben. Beispielsweise hatte sie jahrelang darauf bestanden, daß die Atomwaffen,
welche unsere Hauptverteidigungswaffen darstellen, ohne jegliche
Sicherungen der beiderseitigen Ausführung verboten werden müßten,
bevor man an die teduzierung der gewöhnlichen Waffen wie Gewehre,
Geschütze und Panzer gehen könne, die die Stärke der Sowjetunion bilden. Ebenso hatten sie bis zum letzten Herbst darauf bestanden, daß jeder versprechen müsse. - und zwar ohne irgendwelche Sicherungen für die Durchführbarkeit des Abrüstungsplanes
zu gewährleisten - niemals Atomwaffen zu benutzen. Selbstverständlich mußten wir unter solchen Bedingungen unsere Zustimmung
versagen. Es hat jetzt den Anschein als haben die Sowjets ihr
stures Festhalten an diesen zwei unannehmbaren Punkten aufgegeben. Ich sage ausdrücklich nur, " B S hat den Anschein", weil
sie sich im Augenblick der Erklärungen in der öffentlichen Debatte sehr unklar ausgedrückt haben. Der eigentliche Wert der
Gespräche in privater Atmosphäre, die nun in London stattfinden
werden, ist, daß sie einem eine bessere Chance geben, die wahre
Position der Sowjets zu erkennen und nicht nur jene, die sie
propagandistisch einnehmen.
3. Frage: Was kann Ihrer Ansicht nach durch eine Teilnahme
an der Londoner Konferenz gewonnen werden in Anbetracht der Tatsache, daß es doch recht zweifelhaft ist, ob die Sowjets im Hinblick auf eine Rüstungskontrolle unter Einbeziehung der Atomwaffen irgendwelche Zugeständnisse machen werden?
Antwort: Erstens müssen wir erst sehen, ob die möglichen
sowjetischen Zugeständnisse, von denen ich eben sprach, echt
sind oder nicht. Dazu ist es natürlich nötig, daß man über konkrete, praktische Fragen diskutiert und nicht über allgemeine
Dinge.
Zweitens gibt es noch eine Reihe weiterer wesentlicher Fragen in der Abrüstungsangelegenheit, in denen die Sowjets und wir
heute so wenig übereinstimmen wie eh und je. Wir werden uns über
diese ganze Angelegenheit auseinandersetzen, um zu sehen, ob
sich ihre Haltung in irgendeinem Punkt geändert hat.
Drittens dürfen wir angesichts der verheerenden Auswirkungen eines modernen Krieges niemals die Hoffnung aufgeben. Vielleicht erkennen die Sowjets die Gefahr, die ihnen selbst droht,
und lassen endlich von ihrer hartnäckigen Obstruktionspolitik
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23. Februar 1955

gegenüber den Abrüstungsfragen ab. Sie mögen sagen, das sei bei
den fortgesetzten, von einer grundsätzlichen Haltung bestimmten Feindseligkeiten seitens der Kommunisten gegenüber der freien
Welt höchst unwahrscheinlich. Wir dürfen jedoch niemals sagen,
es sei unmöglich.
Wenn wir nun in gutem Glauben zu diesen Besprechungen
fahren, so werden wir als Resultat nicht nur eine neue Lesart
der sowjetischen Absichten mit nach Hause nehmen. Wir werden
dann gleichzeitig der übrigen freien Welt bewiesen haben, daß
Amerika wirklich den Frieden und die Abrüstung wünscht - wenn
ein Friede mit Gerechtigkeit und eine Abrüstung in aller Offene
heit.und Sicherheit erreicht werden kann. Bei jedem Zusammentreffen erfährt die Welt mit großer Deutlichkeit, wer der wahre
Schuldige am Stagnieren der Abrüstungsgespräche ist.
4. Frage: Obwohl in der Öffentlichkeit der Wunsch nach
einer dauerhaften Waffenruhe in der Formosastraße vorherrscht,
scheint man andererseits in den Vereinigten Staaten doch sehr
zu befürchten, daß der Westen die Kommunisten zu "befriedigen"
sucht, indem er ihnen die chinesischen Küsteninseln Happen für
Happen überläßt. Was sagen Sie zu dieser Meinung?
Antwort: Es besteht auf seiten der Vereinigten Staaten
nicht die Absicht, die Kommunisten zu "befriedigen", indem man
ihnen irgendwelche "Happen" oder anderes überläßt. Ich glaube
im übrigen gar nicht, daß sich die Frage überhaupt in dieser
Form präsentiert. Die Evakuierung der Tacheninseln war ein
rein militärischer Zug; Präsident Eisenhower war zu dem Schluß
gekommen, daß ihr militärischer Wert für die Verteidigung von
Formosa und der Pescadoren viel geringer wäre als die Kosten
für ihre Verteidigung. So haben wir nun einen stärkeren Verteidigungsgürtel rings um Formosa als vor einer Woche. Was den
Rest der der Küste vorgelagerten Inseln betrifft, so werden Sie
sich erinnern, daß Außenminister Dulles in dieser Woche auf die
Offenheit hinwies, mit der die Rot-Chinesen diese Inseln als
Sprungbrett für die gewaltsame Eroberung Formosas betrachten.
Auf den Vorschlag eingehend, die Nationalchinesen sollten noch
weitere Inseln an die Kommunisten abtreten, sagte er dann wörtlich» "Es ist zu bezweifeln, ob dies wirklich der Sache des
Friedens oder der Sache der Freiheit dienen würde."
Wir könnten Frieden haben - auch ohne irgendwelche Schlichtungsaktionen - , wenn die Kommunisten die notwendige Vernunft
aufbringen würden, um dies zu ermöglichen. Der größte Schritt
vorwärts in dieser Richtung könnte für die Kommunisten, wie
Außenminister Dulles es ausdrückt* "die Aufgabe ihrer Bemühungen
sein, die Verwirklichung ihrer Ziele durch Anwendung von Gewalt
zu erreichen."
5. Frage; Sind Sie auf Grund Ihres engen Kontaktes mit
den alliierten Diplomaten bei den Vereinten Nationen der Auffassung, daß die UN zusammen mit den Vereinigten Staaten Maßnahmen ergreifen würden, wenn die Kommunisten mit Gewalt die
Linie um Formosa und die Pesiadoren-Gruppe angreifen, die von
Präsident Eisenhower festgelegt und durch den Kongreß gebilligt
wurde?
_ •* _
Antwort:

�"AMERIKA DIENST"

23. Februar 1955

Antwort: Natürlich ist es nicht meine Aufgabe, für andere
Regierungen in einer Angelegenheit dieser Art - oder in irgendeiner anderen Angelegenheit - zu sprechen. Darüber hinaus ist
es unmöglich, Fragen wie diese mit äußerster Genauigkeit zu beantworten, weil damit die Erörterung einer Menge Ereignisse
verbunden ist, die sich erst in der Zukunft ergeben werden.
Aber ich bin der Ansicht, daß es zwischen den Vereinigten
Staaten und ihren Verbündeten bei den Vereinten Nationen zu
einer engen Zusammenarbeit sowohl in der Formosa-Angelegenheit als auch in anderen fernöstlichen Fragen gekommen ist,
und ich habe die zuversichtliche Hoffnung, daß diese Zusammenarbeit bei gutem und bei stürmischen Wetter weiterhin bestehen
kann.
6. Frage: Gibt es einen Unterschied zwischen der gegenwärtigen Situation und der im Jahre 1950, als die UN-Mitglieder
zögerten, den USA Militärhilfe für Korea zu geben?
Antwort: Im Zusammenhang mit der militärischen Hilfe für
Korea durch Mitglieder der Vereinten Nationen sollten folgende
Tatsachen beachtet werden: Der Beitrag der UN Mitglieder, mit
Ausnahme der Vereinigten Staaten, bestand aus zwei Divisionen.
Es würde natürlich besser gewesen sein, wenn es sechs statt
nur zwei Divisionen gewesen wären. Zwei Divisionen würden zu
Weltkriegspreisen 600 Millionen Dollar im Jahr kosten, was bei
einem Vergleich mit den 13 Millionen Dollar, die von den Vereinigten Staaten jährlich an die Vereinten Nationen gezahlt
werden, nicht ungünstig erscheint. In der viel ernsteren Berechnung nach dem Verlust* Menschenleben würde dies 17 000 Verwundete und 3000 Tote bedeuten, die sonst auf die Liste der
amerikanischen Ausfälle gekommen wären.
Ein sehr bedeutsamer Grund, warum UN-Mitglieder während
der Kampfhandlungen in Korea nicht mehr Truppen zur Verfügung
stellten, war die zur Zeit prinzipielle Weigerung der US-Regierung, Angebote von Truppenkontingenten solcher Regierungen
anzunehmen, die nicht für ihre eigene taktische Unterstützung
sorgen konnten, dazu gehört die Dollar-Finanzierung, Schiffstransport, automatische Waffen und maschinelle Ausrüstung. Es
gibt viele Länder in der Welt, die wertvolle Truppenverbände
mit einer hohen Kampfkraft zur Verfügung stellen können, aber
nicht in der Lage sind, selbst für Nachschub und Ausrüstung
aufzukommen. Die prinzipielle Weigerung war also fehl am Platze
und ist deshalb nicht beibehalten worden. Ich bin sicher, daß
in einem zukünftigen Notfall, ähnlich wie dem in Korea, die
UN-Unterstützung wesentlich besser sein würde. Wenn wir 1950
nicht an diesem Grundsatz gebunden gewesen wären, würden wir,
glaube ich, sechs statt zwei Divisionen von den anderen Mitgliedern der Vereinten Nationen erhalten haben.
7. Frage: Was sagen Sie zu der Auffassung vieler Amerikaner, daß die chinesischen Kommunisten im Begriff sind, Asien
in der "Frosch-Sprung-Taktik" zu gewinnen, und dabei Situationen provozieren, die die UN zu Erörterungen zwingen und zur
gleichen Zeit den Eindruck erwecken, daß die Rotchinesen damit

�23. Februar 1955

"AMERIKA DIENST"

damit ihren Fuß wieder weiter über die Türschwelle der UN
geschoben haben?
Antwort: Ich bin der Auffassung, daß Rot-China seinen
Fuß überhaupt schon auf die Türschwelle der UN gesetzt hat.
Seit ich US-Chef-Delegierter bin, ist die Zulassung RotChinas 25mal zur Sprache gekommen und wir haben sie jedesmal
abgelehnt - jedesmal mit einer eindrucksvolleren Stimmenzahl
und eindrucksvolleren Begründungen -, so erst kürzlich wieder
im Sicherheitsrat vor zwei Wochen mit 10 Stimmen gegen die
eine der Sowjets.
Die Frage, ob sie in Asien gewinnen oder nicht, ist eine
andere Angelegenheit. Von dort, wo ich sitze, sieht es für mich
nicht so aus, als ob die Kommunisten ihr Ziel erreichten. Ich
glaube, daß jetzt immer mehr Asiaten zu der Einsicht gelangen,
daß man nicht unparteiisch zwischen Kommunismus und Freiheit
stehen kann, und daß die schlimmste Art von kolonialer Tyrannei
in unserer Zeit der Kommunismus ist. Natürlich werden wir den
kommunistisch-imperialistischen Bestrebungen in Asien oder irgendwo anders entgegentreten.
8. Frage: Was, abgesehen von einem US-Veto, könnte die
baldige Aufnahme Rotchinas in die Vereinten Nationen verhindern?
Antwort: Das Haupthindernis für eine Aufnahme Rotchinas
in die UN ist nicht das Veto. Es ist die unglaubliche Haltung
Rotchinas. Ich glaube nicht, daß ein Einspruch der Vereinigten
Staaten notwendig wird. Ich glaube vielmehr, eine überwiegende
Mehrheit der Mitglieder wird gegen eine Aufnahme Rotchinas stimmen und zwar aus dem einfachen Grunde, weil Rotchina sich als
überführter Aggressor ohne Reue erwiesen hat, und somit eine
Haltung an den Tag legte,die es für eine Zulassung zur UN
disqualifiziert»
9» Frage: Halten Sie zu gegebener Zeit einen Wandel in
der Haltung der Vereinigten Staaten in bezug auf die Aufnahme
Rotchinas in die Vereinten Nationen für möglich, insbesondere
dann, wenn die chinesischen Kommunisten die amerikanischen
Flieger freilassen und sich mit einem Feuereinstellungsabkommen in der Formosastraße, wie dies vom Westen vorgeschlagen
wurde, einverstanden erklären?
Antwort: Ich sehe keinerlei Anzeichen eines grundlegenden Wandels in der Haltung Rotchinas und ohne solch einen grundlegenden Wandel ist auch eine Revision der westlichen Haltung
Rotchina gegenüber undenkbar.
10. Frage: Glauben Sie, daß die Vereinigten Staaten in
zwei Jahren, wenn die Amtszeit Präsident Eisenhowers abgelaufen ist und ein anderer Mann den Stuhl im Weißen Haus einnimmt, im Falle Rotchinas und in anderen asiatischen Fragen
nachgiebiger sein werden?
Antwort: Ich hoffe und glaube sehr, daß die politische
Haltung, die wir der kommunistischen Tyrannei in Asien gegen-

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�23. Februar 1955

"AMERIKA DIENST"

gegenüber einnehmen, in jeder Hinsicht 'bi-partisan"ist. Aber es
besteht kein Zweifel, daß die Festigkeit und Weisheit, die Präsident Eisenhower angesichts des kommunistischen Drucks an den
Tag gelegt hat, uns dazu befähigt, unseren festen Standpunkt zu
beziehen und nunmehr damit beginnen zu können, die Lage der
freien Welt - ohne Krieg in Asien - zu konsolidieren. Es ist
unendlich wichtig, im Weißen Haus einen Mann zu haben, der aus
Erfahrung jedem möglichen kommunistischen Manöver zu begegnen
weiß. Ich glaube, das amerikanische Volk weiß genau, welch bedeutenden Aktivposten Dwight D. Eisenhower in einer so gefahrvollen Zeit wie der unseren darstellt, und ich glaube, es wird
darauf bestehen, ihn noch weitere vier Jahre als unseren Präsidenten im Amt zu halten.
11. Frage: Was wird für die Freilassung unserer Flieger
getan?
Antwort: Ich hoffe noch immer, daß der Besuch des UNOGeneralsekretärs Hammarskjöld in Peking die Vorarbeiten für
die Freilassung unserer Flieger geleistet hat. Ich glaube, daß
wir bald sichtbare Anzeichen dafür bekommen werden, obgleich
bis heute noch nichts geschehen ist. Aber die USA werden, wie
Außenminister Dulles äagte, in diesem Falle nicht ewig darauf
warten bis auf dem Wege über die Vereinten Nationen ein Fortschritt zu verzeichnen ist. Wir werden nicht ruhen, bis diese
Männer wieder sicher zu Hause sind.
Wir müssen daran denken, daß es hierbei nicht darum geht,
unserer Entrüstung Luft zu machen, sondern darum, unsere Leute
sicher nach Hause zurückzubringen. Das heißt weder Beschwichtigungspolitik, noch heißt es durch jeden Reifen springen zu
müssen, den die Rotchinesen uns in Form eines neuen seltsamen
Vorschlags hinhalten. Die Situation verlangt Takt und Geduld.
Eine ganze Reihe Amerikaner, die längere Zeit Gefangene der
Rotchinesen waren, sind heute zu Hause, weil wir die nötige
Geduld aufbrachten. Ihr INS-Korrespondent Donald Dixon ist
einer von ihnen.
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�A M E R I K A

D I E N S T

EISENHOWER FORDERT BESCHLEUNIGTES STRASSENBAUPROGRAMM

WASHINGTON — (Amerika Dienst) — Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Botschaft
des amerikanischen Präsidenten Dwight D. Eisenhower vom 22. Februar 1955 an den US-Kongreß, in
der er diesem sein neues Straßenbauprogramm zur
Billigung unterbreitet, das für die Verbesserung
und den Ausbau des Straßennetzes der Vereinigten
Staaten im Laufe der nächsten zehn Jahre eine
Summe von 101 Milliarden Dollar vorsieht.

"Der Fortbestand unserer nationalen Einheit liegt im
freien Austausch der Gedanken, und in der leichten Beförderung
von Menschen und Gütern. Endlos ist der Strom der Nachrichten
in unserer Republik, vergleichbar dem Strom des Personen- und
Güterverkehrs, der kreuz und quer auf einem riesigen Straßennetz über das Land rollt und dieses schließlich über unsere
Grenzen hinweg im Norden und Süden mit freundlichen Nachbarn
verbindet.
In ihrem Zusammenwirken machen die verbindenden Kräfte
unserer Kommunikations- und Verkehrssysteme die eigentliche
Dynamik unserer - im wahrsten Sinne des Wortes - Vereinigten
Staaten aus. Das Autostraßennetz ist ein gigantisches Unter
nehmen, Gegenstand der größten Kapitalinvestitionen. Generationen haben daran gearbeitet. Es umfaßt 3 366 000 Meilen (5»4
Millionen Kilometer) Straßen, die von 58 Millionen Motorfahrzeugen befahren werden. Kaum zu berechnen sind die Kosten seiner Instandhaltung, bei der jeder siebente Amerikaner seinen
Lebensunterhalt und den seiner Familie verdient. Und doch,
aufs ganze gesehen reicht dieses Verkehrsnetz für die wachsenden Bedürfnisse der Nation noch nicht hin.
In dieser Erkenntnis begannen die Gouverneure der Staaten
im Juli letzten Jahres auf meine Anfrage hin die bestehenden
Probleme zu untersuchen und zugleich die Methoden zu eruieren,
mittels derer die Bundesregierung den Staaten bei ihrer Lösung
behilflich sein könne. Ich ernannte im September das "Beratungskomitee des Präsidenten für ein nationales Straßenbauprogramm"
unter Leitung von Lucius D. Clay. Zweck dieses Komitees ist die
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�"AMERIKA DIENST

23- Februar

1955

ie Zusammenarbeit mit den Gouverneuren und der Ent.vurf eines
z r Vorlage beim Kongreß bestimmten Plan s. Zur gleiche» Zeit
wurde ein Komitee gegründet, das sich aus Vertretern der einzelnen Ministerien und Ämter der Bundesregierung zusammensetzt, und
das mit den bt den anderen Gruppen zusammenar
~t Alle drei
stellten die unausweichliche Notwendigkeit für ein rasche• und
wirksames Handeln fest,
1. Mehr als 36 000 Menschen kommen jährlich durch Verkehrsunfäile ums Leben, mehr als eine Million wird verletzt. Für diejenigen Familien, in d ;.e der Unfalltod infolge schlechten Straßenzu andes eine Lücke gerissen hat, kann der Wert der Verhütung dieses Todesfalles überhaupt nicht in Geld ausgedrückt
werden- Doch zuverlässige:, Schätzungen zufolge, kosten die
Straßenui fälle die Nation über 4,3 Milliarden Dollar
2 Die derzeitige Beschaffenheit der Straßen steigert die
Unterhaltungskosten der Fahrz uge wie aus Schätzungen hervorgeht, um etwa 1 Cent pro Meile (1,6 km). Bei dem heutigen Verkehr mach das im ganzen mehr als fünf Milliarden Dollar im Jahre
aus. Diese Kos:en werden nicht v n den Wagenbesitzern allein
getragen. Sie erhöhen die allgeme nen öffentlichen Ausgaben;
gesteigerte Straßen :ansportkosten machen sich auf jeder Stufe
der Ware1' verte ilung bemerkbar und werden schließlich vom Verbraucher g&lt; tragen.
3» Im Falle eines Atombombenangriffs auf unsere wichtigsten
Großstädte muß das Straßennetz eine ras he Evakuierung der Hauptangriff ge ete . d e Mobilisierung der V rteidigungskräfte
sowie die Aufr c terhaltung der lebenswichtigen wirtschaftlichen
Prozesse ermöglichen. Mit dem zur Zeit in den lebenswichtigen
Gebieten bestehenden Straßennetz aber würde es bereits wenige
Stunder. nach einem "ngriff zu bedrohlichen Verkehrsstockungen
kommen.
4. Unser Bruttosozialprodukt, das im Jahre 1954 etwa 357
Milliarden Dollar betrug wird s ch 1965 auf über 500 Milliarden
Dollar belaufen; zum gleichen Zei punkt wird unsere Bevölkerung
auf über 180 Millionen angestiegen sein und, nach anderen Schätzungen, in 81 Millionen Kraftwagen
302 Milliarden Fahrkilometer
im Jahre auf unseren Straßen zurücklegen. Wenn wir das derzeitige
Tempo zur Verbesserung und zum Ausba unseres Straßennetzes nicht
steigern, so sind die Verkehrsstockungen, wie wir sie heute erleben, nur ein schwaches Abbild dessen, was wir in zehn Jahren zu
erwarten haben.
Die Behebung dieser Mißstände ist Aufgabe und Pflicht unseres gesamten Verwaltungsappai ates. Das Straßenbauwesen ist ein
öffentliches Unternehmen. Als Besitzer und Unternehmer sind die
verschiedenen Regierungsdienststellen dafür verantwortlich, daß
das Straßennetz das Gedeihen der nationalen Wirtschaft fördert
und dem einzelnen Benutzer die besten Dienste leistet. Was die
Bundesregierung angeht, so sind ihre Ausgaben für den Ausbau
und Unterhalt der Straßen darüber hinaus eine Art Rückerstellung
der vom Verkehrsteilnehmer für die Benutzung der Straßen bezahlten
Steuern.
- 2 Mit

�23. Februar 1955

"AMERIKA DIENST"

Mit der Bewilligung zweier Finanzhilfsprogramme der Bundesregierung, die gemeinsam mit den Einzelstaaten, den lokalen Behörden und dem Bundesamt für Straßenbau ausgearbeitet wurden, hat
der Kongreß das staatliche Interesse an den Hauptverkehrsstraßen
des ganzen Landes bestätigt. Das Finanz-Hilfsprogramm für Straßen
erster Ordnung umfaßte am 1. Juli 1954 375 051 Kilometer der die
wichtigsten Städte, die Sitze der Kreisverwaltungen, Häfen, Industriezentren und andere Verkehrszentren miteinander verbindenden Straßen.
Im Jahre 1944 hat der Kongreß das Finanz-Hilfsprogramm der
Bundesregierung für Straßen zweiter Ordnung bestätigt, das am
1. Juli 1954 insgesamt 772 755 Straßenkilometer umfaßte, die
als Verbindungswege vom landwirtschaftlichen Erzeuger zum Verbraucher bezeichnet werden - d.h. wichtige Zubringerstraßen,
die die Farmen, Fabriken, Verteilungszentren und die kleineren
Gemeinden mit dem Straßennetz erster Ordnung verbinden.
Da gewisse Abschnitte dieses Straßennetzes erster Ordnung,
vom Standpunkt des nationalen Interesses aus gesehen, wichtiger
sind als andere, genehmigte der Kongreß 1944 den Bau eines besonderen Straßennetzes mit einer Gesamtlänge von höchstens
64 000 km, das durch möglichst direkte Verbindungswege die wichtigsten hauptstädtischen Gebiete, Großstädte und Industriezentren
miteinander verbinden, der Landesverteidigung dienen und durch
transkontinentale Straßen eine bessere Verbindung nach Kanada
und der Republik Mexiko herstellen soll.
Dieses bundesstaatliche Straßennetz, dessen Länge nur
1,2 i» des Gesamtnetzes der Vereinigten Staaten beträgt, verbindet
42 einzelstaatliche Hauptstädte und 90 # aller großen Städte
mit mehr als 50 000 Einwohnern miteinander. Über 1/7 des Gesamtverkehrs und 1/5 des Verkehrs in ländlichen Gebieten entfallen
auf dieses Netz; es dient zu 6Q # der städtischen und zu
40 i&lt;&gt; der ländlichen Bevölkerung. Bis heute sind annähernd
60 000 km routenmäßig festgelegt. Das derzeitige Finanzhilfeprogramm der Bundesregierung für Straßen erster Ordnung umfaßt
auch dieses Straßennetz mit seiner Gesamtkilometerlänge.
Neben diesen genannten Straßennetzen ist die Bundesregierung
für Bau und Unterhalt von Straßen, die Gebiete in Bundesbesitz
- das ist mehr als ein Fünftel des Gesamtgebiets der USA - durchkreuzen oder erschließen, der Hauptverantwortliche und in vielen
Fällen der Alleinverantwortliche.
Von allen hier genannten Straßennetzen steht das interstaatliche Straßennetz bei der Planung an erster Stelle. Bei
dem derzeitigen Tempo des Straßenbaus aber dürfte das interstaatliche Straßennetz noch nicht einmal in fünfzig Jahren eine auch
nur annähernd angemessene Ausdehnung und Qualität erreicht haben.
Die einzelstaatlichen Straßenbauämter können den diesbezüglichen Anforderungen einfach nicht gerecht werden. Der Erwerb des
für alle erforderlichen Zufahrtstraßen nötigen Grund und Bodens,
die zur Überwindung der Niveauunterschiede nötigen Bauten, Verlegung und Umleitung der bereits bestehenden Straßen - all dies
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�"AMERIKA DIENST"
23. Februar 1955
dies übersteigt in dem ex forderliche. Umfang und im Rahmen eines
geschlossenen Netzes .Lhre gemeinsame Leist ngsfäh gkeit.
Wenn wir heute wirklich ein Verkehr Stockungen förderndes,
den Sicherheits- und Transport nforderungen n ht genügendes
Straßennetz haben, wie können wir es er essern, damit es in
zehn Jahren den Anforderungen der Nation entaprieht?
Eine realistische Antwort hierauf muß sich auf eine Untersuchung aller Phasen der Finanzierung des Straßenbaues stützen,
zu denen auch die Untersuchung der Kostenfrage für d e Fertigstellung der verschiedenen Ferns raßennetze gehört
le sie
vom Bundesamt für Straßenbau in Zusammenarbeit mit dem Straßenbauämtern der Einzelstaaten und den Kommunalbehorden durchgeführt worden ist. Diese Untersuchung, die nach We sung des 83.
Kongresses auf Grund des Gesetzes von 954 über die Finanzhilfe
des Bundes für den Straßenbau vorgenommen wurde, i
die umfassendste ihrer Art überhaupt.
Ihre Schätzungen hinsichtlich der dringendsten Erfordernisse
zeigen, daß ein über 10 Jahre verteiltes Bauprogramm z r Modernisierung aller unserer Straßen in Stadt und Land Aufwendungen von
sämtlichen zuständigen Regierungsstellen in einer Höhe von insgesamt 101 Milliarden Dollar erfordern.
Nach der vorläufigen Schätzung sind die erforderlichen Summen für den Ausbau des Straßennetzes im Rahmen des 10-JahresProgramms wie folgt aufzustellen:
23 Milliarden Dollar
Interstaatliche Straßen
(Stadtgebiete 11, Landbezirke
12 Milliarden)
Unter das Finanzhilfe-Gesetz des Bundes
fallende Straßen erster Ordnung
30 Milliarden Dollar
(Stadtgebiete 10, Landbezirke
20 Milliarden)
Unter das Finanzhilfe-Gesetz des Bundes
fallende Straßen zweiter Ordnung
(nur Landbezirke)
15 Milliarden Dollar
Sonstige Straßenbauvorhaben
33 Milliarden Dollar
(Stadtgebiete 16, Landbezirke 17 Milliarden
101 Milliarden Dollar
Insgesamt: (Stadtbezirke 37,
Landbezirke 64 Milliarden
Dollar)
Die Gouverneurskonferenz und der Beratungsausschuß des Präsidenten sind sich darin einig, daß der Bundesante 1 für die
Durchführung des erforderlichen Bauprogramms auf 30% der Gesamtsumme festgesetzt und die Finanzierung des restlichen Teiles den
staatlichen und kommunalen Behörden überlassen wird.
Neben den bereits bestehenden Verpflichtungen hinsichtlich
der Unterhaltung unseres Straßennetzes von 5»485 Millionen Kilometern fällt es nun offensichtlich auch unter die Zuständigkeit
der Bundesregierung, die Straßenverbindungen zwischen den Einzelstaaten sowie die wichtigsten Durchgangsstraßen auszubauen.
Der

�23. Februar 1955

"AMERIKA DIENST"

Der Beratungsausschuß empfiehlt in seinem Bericht:
1. daß die Bundesregierung finanziell den Hauptanteil an
dem Ausbau eines modernen interstaatlichen Straßennetzes trägt,
eines Projekts, das bis 1964 abgeschlossen sein und die wichtigsten Durchgangs- und Anschlußstraßen umfassen soll; innerhalb
des 1o-Jahres-Programms werden hierfür die jährlichen Aufwendungen etwa 2,5 Milliarden Dollar betragen;
2. daß die finanziellen Leistungen des Bundes für den Ausbau der Landstraßen erster und zweiter Ordnung, die gegenwärtig
525 Millionen Dollar pro Jahr gemäß dem 1954 gebilligten Gesetz
betragen, weiterlaufen;
3. daß weiterhin Bundesmittel für jenen Teil der unter das
Bundeshilfe-Gesetz fallenden Straßen in Stadtbezirken gewährt
werden, die nicht zum interstaatlichen System gehören und für
die gegenwärtig 75 Millionen Dollar jährlich verfügbar sind;
4. daß auch in Zukunft Bundesmittel für Ausbau und Unterhalt
von Porstwegen und -Straßen in der gegenwärtigen Höhe von 22,5
Millionen Dollar pro Jahr bewilligt werden.
Auf Grund dieser Vorschläge würden die Aufwendungen des
Bundes im Rahmen dieses 1O-Jahres-Programms betragen:
(in Milliarden Dollar)
Zwischenstaatliches Straßennetz
Bundesmittel für Straßen erster und
zweiter Ordnung im Rahmen des FinanzHilfe-Gesetzes
Bundesmittel für Straßen in Stadtbezirken
im Rahmen des Finanzhilfe-Gesetzes
Forstwege und -Straßen

25»000
5,250
750
225

Insgesamt: 31»225
Der Ausbau des erforderlichen Straßennetzes in den Territorien und die Unterhaltung und der Ausbau der Straßen in den
großen National-Parks, den Indianer-Reservaten und anderen, im
Besitz der öffentlichen Hand befindlichen Ländereien in den Vereinigten Staaten werden auch weiterhin im Haushalt unter diesen
Sonderposten laufen.
Ein gesundes Straßenbauprogramm des Bundes muß und kann
meiner Ansicht nach auf eigenen Füßen stehen, was bedeutet, daß
die Straßenbenützer die für Unterhalt und Neubau erforderlichen
Summen aufbringen. Die Finanzierung des interstaatlichen sowie
des vom Bund zu finanzierenden Straßennetzes muß auf der geplanten
Verwendung der stetig steigenden Einnahmen aus den Benzin- und
Mineralölsteuern basieren« Beträge , die sich in begrenztem Umfang
durch Autobahngebühren noch erhöhen.
T .

�23. Februar 1955

"AMERIKA DIENST"

Ich neige zu der Ansicht, daß es gesünder ist, dieses Programm mit besonderen Staatsanleihen zu finanzieren; diese Auflage würde dann auch durch die oben erwähnten Einkünfte, die
ja schließlich in der Zeit der zweckentsprechenden Nutzung der
Straßen eingehen und für nichts anderes bestimmt sind, abgedeckt werden, nicht aber durch eine Ausweitung der staatlichen
Verpflichtungen auf Grund der allgemeinen Steuereinkünfte.
Dem Kongreß geht jetzt zur weiteren Verwendung der Bericht
des Beratungsausschusses zu, den dieser dem Präsidenten über
das Programm zum Ausbau des Straßennetzes im gesamten Gebiet
der USA vorgelegt hat. Diese Untersuchung des gesamten Problems
des Straßenverkehrs und die Vorlage einer in allen Details ausgearbeiteten Lösung stellt eine genaue Analyse der wichtigsten
Einzelfaktoren einer höchst komplexen Situation dar. Darüber
hinaus wird der Kongreß das Ergebnis der Untersuchung des Bundesamtes für Straßenbau zur Verfügung haben, die dieses auf Weisung des 83» Kongresses angestellt hat.
Diese beiden Dokumente ergeben zusammen eine erschöpfende
Untersuchung und Prüfung des gesamten amerikanischen Straßennetzes, seiner Probleme sowie der Möglichkeiten, vorhandenen
Mißständen abzuhelfen. Es ist unvermeidlich, daß der ganze Umfang dieses Straßenbauvorhabens eine Vielzahl von Vorschlägen
mit sich brachte, die nunmehr auf ein das ganze Land berücksichtigendes Programm abgestimmt werden müssen. Die Berichte
dürften jedoch dazu beitragen, die Dringlichkeit des Problems
jedem deutlich zu machen - nämlich die Billigung eines allgemeinen Programms, das uns ein modernes, sicheres Straßennetz
schafft, und die Realisierung der Vorteile, die uns promptes
und gründliches Handeln einbringen. Das alles schafft eine solide
Grundlage für ein gesundes Programm."

* * * * *

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�Man hat mich gebeten, heute abend anläßlich der Jahres
feier des Geburtstages von George Washington hier vor amerikanischen Offizieren zu sprechen. Da George Washington der Gründer
der amerikanischen Armee war, wenden sich meine Gedanken selbstverständlich den Ursprüngen der Streitkräfte der Vereinigten
Staaten zu und der Entwicklung unserer militärischen Tradition;
und deshalb möchte ich heute über dieses Thema zu Ihnen sprechen.
Vielleicht wurde ich bei der Wahl dieses Themas auch davon bestimmt, daß in den letzten Monaten die Frage der Struktur einer
Armee im Verein mit ihrem Verhältnis zu einem demokratiscnen Staat
häufig in der Presse und insbesondere hier in Deutschland er
örtert worden ist, und weil ich schon von vielen gefragt werden
bin, wie denn wir dies hielten. Wie Sie wissen, wird die Bundesrepublik sich voraussichtlich bald der Aufgabe gegenübersehens
eine Armee, eine Flotte und Luftstreitkräfte aufzubauen. Wie die
Führer aller Parteien erklärten, wird man im wesentlichen von
vorne anfangen, und deshalb ist vorgeschlagen worden, eine neue
Organisation im Geist unserer Zeit zu schaffen. Sie werden mit
Interesse diesen Prozeß verfolgen und sehen, wie die Bundesrepublik Deutschland durch gesetzgeberische Maßnahmen und durch administrative Schritte das jahrhundertealte Problem des Verhältnisses zwischen dem Soldaten und dem Bürger zu lösen sucht.
Ich möchte Sie daher bitten, gemeinsam mit mir heute abend
Fragen zu erörtern, die Ihnen sicher geläufig sind - nämlich
die Entwicklung unserer eigenen militärischen Tradition, die ich
hier die Tradition des amerikanis chen Bürger-Soldaten nennen
möchte. Sie ist das Ergebnis unserer besonderen geographischen
Lage und unserer Geschichte, die so ganz anders ist als die' der
europäischen Völker.
Die

�"AMERIKA DIENST"

23. Februar 1955

Die Teilnahme am Militärdienst ist etwas, was immer wieder
das Interesse der Öffentlichkeit erregt, In Amerika sah sich
jeder von Anfang an dem Problem gegenüber, Haus und Herd wie
auch seinen persönlichen Lebensstil vor der Einwirkung feindlicher Kräfte zu schützen. Aus dieser Situation heraus entstand
der Begriff des Bürgersoldaten. In der Kolonialzeit fand diese
Idee ihre Verkörperung in dem "Minute-Man", dem Mann der Bürgerwehr
der bereit-war, das einfache Prinzip der Verteidigung von Haus
und Hof um einen Schritt weiter zu führen und zur Verteidigung
der Freiheit gegen fremde Unterdrückung in den Kampf zu ziehen.
Die amerikanischen Armeen waren so von Anfang an Bürgerarmeen.
Sie bestanden nicht aus großen Einheiten und Berufssoldaten,
sondern aus Bürgern, die man eilig zum Dienst für ihr Land zu
den Waffen gerufen hatte. Dieses Prinzip, das auch im Sezessionskrieg Geltung hatte, ist heute noch ebenso wirksam. Im Gegensatz
zu den europäischen Staaten - vielleicht mit Ausnahme des Inselreiches England - bestand in den letzten 200 Jahren für Amerika
nicht die Notwendigkeit, ein großes stehendes Heer zu unterhalten.
Obgleich Amerika angesichts der jüngsten Entwicklungen der Technik und Politik große Umstellungen vornehmen mußte, besteht die
Tradition des amerikanischen Bürger-Soldaten nach wie vor. Was
ist nun das Wesen dieser Tradition?
Zunächst einmal verkörpert sie sich in den Kontrollbefugnissen des Kongresses über die gesamten Streitkräfte. Ich darf
Ihnen hier vielleicht einiges aus dem Werk "Introduction to
American Government" von Ogg und Rey, einer Einführung in das
amerikanische Staatswesen, zitieren: "Wenn auch die Väter der
Verfassung eifrig bemüht waren, Vorsorge für die Verteidigung
zu treffen, so hatten sie doch keinerlei Absicht, einer alles
überschattenden und vielleicht anmaßenden Armee oder der Legalisierung einer Militärdiktatur den Weg zu bereiten... Sie
erreichten ihr Ziel..., indem sie die Befugnisse des Kongresses
und des Präsidenten in Fragen von Landesverteidigung und Krieg
so definierten, daß kein Raum für ein Supremat der Militärs
gegeben war. Der Kongreß allein ist ermächtigt, Armeen aufzustellen und zu unterhalten, Vorkehrungen für ihre Führung zu treffen,
und Krieg zu erklären; der Präsident ist der oberste Befehlshaber aller bewaffneten Streitkräfte sowohl im Frieden als auch
im Krieg".
In Zusammenhang mit der Kontrolle des Kongresses über die
Bewilligungen für die Streitkräfte besagt eine wichtige Bestimmung
in Artikel I, Abschnitt 8 der Verfassung, daß "Geldmittel für
die Aufstellung und den Unterhalt von Streitkräften in keinem
Falle für länger als zwei Jahre bewilligt werden dürfen".
Zweck dieser Bestimmung ist es, eine Umgehung der finanziellen Kontrolle durch den Kongreß zu verhüten, wie dies beispielsweis
der Fall sein könnte, wenn der Kongreß in einer Legislaturperiode
eine so hohe Summe Geldes bewilligte, daß die Streitkräfte über
die Zeit mehrerer Kongreßwahlen hinweg ausreichend mit Geldmitteln eingedeckt wären. In unserer Zeit der riesigen Haushaltsbeträge ist diese Gefahr praktisch nicht mehr vorstellbar; für die
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�"AMERIKA DIENST"

23. Februar 1955

die Begründer
der Union aber war sie vorhanden.
Her Kongreß befaßt sich auf Grund seiner Uberwachungsfunktionen mit vielen Einzelheiten der Führung der Streitkräfte. Wie
die vorstehend bereits erwähnten Autoren es so treffend zum Ausdruck brachten, ist es "im großen und ganzen Sache des Kongresses
abgesehen davon, daß er den obersten Befehlshaber mit den für
den Krieg erforderlichen Machtbefugnissen und den Mitteln ausstattet -, die Führung des Krieges zu überwachen und zu überprüfen, ohne dabei aber zu versuchen, in die operative Kriegführung
einzugreifen." Im Laufe der amerikanischen Geschichte hat der
Kongreß nicht immer die freiwillige Zurückhaltung geübt, wie sie
in den Worten »»... ohne zu versuchen, in die operative Kriegführung einzugreifen" zum Ausdruck kommt. Die Kongreßausschüsse aus
der Zeit des Sezessionskrieges sind ein Musterbeispiel dafür, wie
der Kongreß sich zuweilen eindeutig Übergriffe auf die Funktionen
der Exekutive erlaubte und damit das Funktionieren der Exekutivvorgänge beim Vorliegen eines nationalen Notstandes in Gefahr
brachte. Es ist immer problematisch, die Kontrolle seitens des
Kongresses mit der Verantwortlichkeit der Exekutive im Gleichgewicht zu halten.
Während des Krieges genoß ich, der ehemalige Wissenschaftler, den Vorzug, mit einer ganzen Reihe von Offizieren der Armee,
der Marine und der Luftstreitkräfte zusammenzuarbeiten. Dabei hatt
ich oft Gelegenheit, ihren Unterhaltungen über Fragen der Organisation, insbesondere der künftigen Organisation, zuzuhören. Nachdem der Krieg zu Ende war und Vorschläge für einen Zusammenschluß
der drei Waffengattungen unter einem Verteidigungsministerium in
weiten Kreisen erörtert wurden, hatte ich abermals Gelegenheit,
die Ansicht verschiedener Offiziere hierzu kennenzulernen. In
diesem Zusammenhang hat mich eines ganz besonders beeindruckt,
nämlich die fast einhellig vertretene Auffassung, daß man nicht
eine kleine Personengruppe schaffen dürfe, die auf Jahre hinaus
ihren Sitz in Washington habe, um von dort aus das künftige Geschick der amerikanischen Streitkräfte zu planen. Denn man war der
Ansicht, daß es einer solchen Gruppe berufsmäßiger militärischer
Organisatoren und "Planer" möglich werden könnte, den zivilen
Sektor der Exekutive zu beherrschen und aus militärischen Erwägungen heraus Entscheidungen ungebührlich zu beeinflussen, die
grundsätzlich in den Händen des Kongresses und d er Exekutive
ruhen müssen. Deshalb wurde eine Beibehaltung des Verfahrens
befürchtet, das s i e alle so gut kennen und das so vielen europäischen Beobachtern seltsam erscheinen mag. Ich meine damit
die Tatsache, daß ein Offizier Kommandeur einer im Kriegseinsatz
stehenden Truppe sein kann, später den Posten des Leiters der
Abteilung für chemische Kriegführung übernimmt, dann an die Spitze
der Personalabteilung im Pentagon berufen wird und schließlich
wieder als Kommandeur zur Truppe zurückkehrt.
Dieses System, bei dem die verschiedensten Aufgabengebiete
durchlaufen werden,scheint mir mit zu den wichtigsten Traditionen
des amerikanischen Militärs zu gehören.
Auch

�"AMERIKA DIENST"

23. Februar

1955

Auch die hier versammelten Reserveoffiziere sind Teil dieser
Tradition des Bürger-Soldaten. Sie kommen aus allen Schichten und
allen Teilen des Landes. Nach den jüngsten Zahlenangaben sind
fast 3/4 der gegenwärtig im aktiven Dienst stehenden Offiziere
keine Berufssoldaten, sondern haben lediglich das Reserveoffizierspatent. Auf Grund dieses Sachverhaltes haben wir Amerikaner das
Problem, wie es sich aus der Existenz einer Kaste von Berufssoldaten ergibt, nicht kennengelernt. Ganz im Gegenteil, unsere
Streitkräfte haben sogar mitgeholfen, die Errichtung sozialer
Schranken zu verhindern. Die Beförderung zum Offizier setzt persönliche Eignung und Erfahrung des betreffenden voraus. Ein großer
Prozentsatz der Offiziere wird aus den Lehrgängen ausgewählt,
die das Reserveoffizier-Ausbildungskorps an 350 Colleges und Universitäten im gesamten Gebiet der Vereinigten Staaten durchführt.
Hier leisten junge Männer, während sie sich auf das Leben in einer
Demokratie vorbereiten, wöchentlich eine gewisse Anzahl von Ausbildungsstunden für die Laufbahn des Reserveoffiziers. Gleichzeitig lernen sie die Demokratie verstehen, achten und verteidigen.
Selbstverständlich nimmt nur ein kleiner Prozentsatz der
jungen Menschen an diesen Reserveoffiziers-Ausbildungskursen an
den Universitäten und Colleges teil. Die große Mehrzahl der Angehörigen eines jeden Jahrgangs hat damit zu rechnen, regulär eingezogen zu werden und zwei Jahre Wehrdienst in den Streitkräften
abzuleisten. Jeder gesunde junge Mann muß in den Vereinigten
Staaten heute bereit sein, entweder als Offizier zu dienen oder
eingezogen zu werden. Eine Einberufung in Friedenszeiten ist für
uns Amerikaner etwas Neues. Ich erinnere mich noch sehr gut an
die Aussprachen in den Jahren 1950/51» die ich als Präsident
der Harvard-Universität mit Studenten über die Wiedereinführung
eines Wehrdienstgesetzes hatte. Abgesehen von den wenigen jungen
Leuten, die sich von vornherein für den Soldatenberuf entschlossen haben, ist die Jugend natürlich nur ungern bereit, zwei Jahre
ihres Lebens dem Militärdienst zu widmen. Deshalb ging es in den
Fragen, die man an mich, einen Befürworter des Wehrdienstgesetzes,
richtete, um die Notwendigkeit derartig drastischer Maßnahmen in
den Vereinigten Staaten. Aber angesichts der ganzen Weltlage war
es 1950, zu einer Zeit also, da der Korea-Krieg voll im Gange war,
nicht schwer, die Notwendigkeit solcher Maßnahmen klar zu machen.
Als die amerikanische Jugend erst einmal diese Notwendigkeit erkannt hatte, war sie auch bereit und willens, ihr Teil zu tun»
Dasselbe gilt auch heute, obgleich gegenwärtig in keinem Teil der
Welt US-Streitkräfte in aktivem Einsatz stehen. Die Wehrpflicht
besteht jedoch nach wie vor, und die Jugend leistet ihr auch
Folge, warum wohl? Weil sie die Notwendigkeit zur Verteidigung
der freien Welt in dieser Zeit der Spannungen klar erkannt hat.
Zahlreiche junge Männer aus den Vereinigten Staaten sind heute
hier in Deutschland, um dieses Land und Europa vor einem möglichen
sowjetischen Angriff zu schützen. Weder sie selbst noch ihre Angehörigen sind von der Tatsache,so weit von der Heimat entfernt
in Übersee Dienst tun zu müssen, besonders entzückt; als Bürger
aber folgen sie dem Ruf, weil sie sich der gegebenen Gefahr bewußt sind. In nicht allzu ferner Zeit schon werden diese Ihrem

�"AMERIKA DIENST"

23. Februar 1955

Ihrem Befehl unterstellten jungen Amerikaner hier in Deutschland
Schulter an Schulter neben jungen Deutschen stehen. Mit Aufhebung
des Besatzungsstatuts und Aufnahme der Bundesrepublik in die
Nordatlantikpakt-Organisation hat auch die deutsche Jugend Gelegenheit, ihren Teil zum Aufbau des Verteidigungswalls gegen eine
Aggression beizutragen. Ich darf Sie vielleicht daran erinnern,
daß es nicht der Fehler der Deutschen ist, über drei Jahre lang
unbewaffnet abseits zu stehen, während ihr Land von jungen Männern
aus anderen Ländern beschützt wurde; ich möchte aber diesen Gedanken hier nicht noch weiter führen, da ich dann auf Fragen der
Weltpolitik zu sprechen kommen müßte. Ich möchte mich vielmehr
an die Berufssoldaten unter meiner Zuhörerschaft wenden, um durch
meinen Gruß an sie der rühmlichen Tradition der Offiziersschulen
der Vereinigten Staaten meine Achtung zu bekunden.
Unsere Tradition der Bürger-Soldaten spiegelt sich in dem
Geist, von dem die Absolventen der Kriegsschule Westpoint durchdrungen sind - unsere Berufssoldaten, die ihre Offizierskameraden
voll anerkennen und akzeptieren. Wir haben zahlreiche Beispiele
von Offizieren, die innerhalb der Armee zu hohen Positionen aufrückten, ohne je eine Militärakademie absolviert zu haben. Sie
erinnern sich vielleicht, daß mehrere USAREUR-Kommandeure aus
der Zeit vor General Hoge keine Westpoint-Leute waren. General
Huebner war sogar vom einfachen Soldaten zum Generalleutnant aufgestiegen. Die Karriere dieser Männer ist für diejenigen, die
nicht auf dem Wege über Westpoint die Militärlaufbahn einschlagen,
ein Beweis dafür, daß es schon im Geist des amerikanischen Offizierskorps liegt, die Zuständigkeit des Zivilisten von besonderen
Fähigkeiten und besonderem Fachwissen anzuerkennen. Dieser Geist
spielte während des zweiten Weltkriegs eine gewaltige Rolle. Seitdem die Wissenschaft einen stetig wachsenden Einfluß auf die moderne Kriegführung gewonnen hat, sind Anerkennung und Wert-jchätzun
der gemeinsamen Leistung und Zusammenarbeit als eine persönliche
Grundhaltung lebenswichtig geworden.
All diese Dinge zeigen also, daß die gesamte Tradition der
Vereinigten Staaten nicht nur für die Erhaltung der Demokratie
und Freiheit im eigenen Lande, nicht nur für die Schlagkraft der
Streitkräfte selbst und den einzelnen Soldaten wichtig ist, sondern ebenso dafür, auch in Zukunft den größtmöglichsten Nutzen
aus Technik und Wissenschaft zu ziehen. Andernfalls wäre keine
Garantie dafür gegeben, daß auch in unserer Zeit die Armee eine
wirklich verläßliche Streitmacht darstellt.

* * # * *

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�Die Ansprache des amerikanischen Außenministers hat folgenden Wortlaut:
"Ich bin stolz darauf, die Vereinigten Staaten von Nordamerika auf dieser historischen Konferenz zu vertreten. In einem
für uns neuen Rahmen suchen wir hier eine bei uns schon Tradition gewordene Politik fortzusetzen.
Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten stützt sich in
ihrem Kern schon immer auf zwei Grundsätze.
Der erste von ihnen ist der, daß wir unserem eigenen Volke
die Segnungen der Freiheit in Frieden zukommen lassen wollen.
Der zweite besagt, daß wir uns selbst die Freiheit nur dann
sichern können, wenn andere sie auch besitzen. Die Freiheit kann
nur in einer Umgebung gedeihen, die ihrem Wachstum förderlich
ist.
Unser Volk hat sich diesen Grundsätzen verschrieben, noch
ehe unser Staat geboren war. Unsere Unabhängigkeitserklärung hat
das unveräußerliche Recht aller Menschen auf Leben, Freiheit und
auf das Streben nach Glück verkündet. Diese Erklärung bedeutete,
wie Präsident Lincoln später gezeigt hat, Freiheit nicht nur für
die Menschen in unserem Lande, sondern eine Hoffnung für die Welt
bis in alle Zukunft.
Diese These hat seitdem unsere internationalen Beziehungen
beherrscht.
Der
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�"AMERIKA DIENST"

23. Februar 1955

Der erste wichtige Ausdruck unserer Außenpolitik war die
Monroe-Doktrin. Darin haben wir erklärt, wir würden eine Gefahr
für unseren eigenen Frieden und unsere Sicherheit darin sehen,
wenn die europäischen Despoten, die sich damals mit dem Zaren
Alexander an der Spitze zu einem Bündnis mit aggressiven Absichten zusammengeschlossen hatten, ihr System in die amerikanisc
Hemisphäre vortragen sollten, um die neugewonnene Unabhängigkeit
unserer Schwesterrepubliken zu zermalmen. Aus unserer MonroeDoktrin ist dann der Pakt von Rio und die Organisation der amerikanischen Staaten erwachsen.
Der zweite wichtige Ausdruck unserer Außenpolitik betraf
Asien. In dem Maße, wie unser eigenes Volk seine pazifischen
Küsten besiedelte, wuchs unser Interesse an China und den Pazifikinseln, und unsere Politik entwickelte sich dementsprechend.
Wir betrachteten es als unseren Auftrag, den Philippinen die
Unabhängigkeit zu bringen, ein Ziel, das wir jetzt glücklich
erreicht haben. Bezüglich Chinas haben wir ein internationales
Abkommen durchgesetzt, das diesem Land die territoriale Integrität und die politische Unabhängigkeit zusicherte, und wir übernahmen die Führung bei der Abschaffung des Systems, das fremden
Staaten in China Exterritorialitätsrechte zuerkannte. Diese unsere Politik findet heute ihren Ausdruck in einer Reihe von
gemeinsamen Sicherheitsverträgen mit den freien Staaten des
Westpazifiks.
Der dritte wichtige Ausdruck unserer Außenpolitik bezog
sich auf Europa. Nacheinander haben der erste und der zweite
Weltkrieg sowie die sowjetisch-kommunistische Drohung die Freiheit der Anliegerstaaten des Atlantik gefährdet. Wir haben an
jenen Kriegen teilgenommen, und nach dem Siege haben wir wirtschaftlichen Beistand geleistet. So haben wir den Völkern Westeuropas bei der Bewahrung ihrer Freiheit entscheidend geholfen.
Diese unsere Politik findet heute Ausdruck im Nordatlantikpakt
und seinen verschiedenen Organen.
Heute wenden die Vereinigten Staaten ihre Aufmerksamkeit'
Südostasien zu. Geographisch ist das etwas Neues für uns. Wenn
wir dies tun, so folgen wir unseren historischen Prinzipien,
die wir verwirklicht wissen wollen.
Die Wissenschaft hat die Entfernungen schrumpfen lassen,
und somit glauben wir uns durch ein Gefühl der Schicksalsgemeinschaft immer enger mit anderen verbunden. Deshalb ist der ManilaPakt, der uns zusammenführt, ein Vertrag zur Sicherung der Unabhängigkeit, der Unversehrtheit und des Wohlstandes befreundeter, freier Völker.
Es trifft sich gut, daß wir hier in Thailand zusammenkommen,
bedeutet dieser Name doch 'Land der Freien'. Möge unser Handeln
hier von solcher Art sein, daß dieses glückliche Land, in dem
wir uns treffen, und all jene Länder, die unser Pakt betrifft,
auf immer 'Länder der Freien' sind.
Wir

�23. Februar 1955

"AMERIKA DIENST"

Wir wollen auch daran denken, daß alles, was wir hier tun,
um unseren Vertrag durch Worte zu beleben, weit über das Vertragsgebiet hinaus wirken wird. Unser Handeln und unser Beispiel können mithelfen, die in der Charta der Vereinten Nationen und in
unserer Pazifik-Charta manifestierten Erwartungen Wirklichkeit
werden zu lassen, daß nämlich die Aufstiegschancen der Menschen
nicht mehr durch geographische Tatsachen, durch Rasse, Stand oder
Glauben irgendwelche Beschränkungen erfahren, sondern daß, wie
es nur recht und billig ist, die Fesseln der Gefangenschaft, der
Ungerechtigkeit und der willkürlichen Bevorrechtung gesprengt
und alle Menschen frei werden."
Die Konferenz des Manilapakt-Rates wird drei Tage dauern.
Auf ihr sollen die Mittel und Wege zur Durchführung der kollektiven Verteidigungsmaßnahmen festgelegt werden, über die man
sich bei der Unterzeichnung des Manilapaktes im vergangenen September geeinigt hatte. Ferner soll das Problem erörtert werden,
wie der Wohlstand des südostasiatischen Raumes durch den Wirtschaftsverkehr gefördert werden kann. Ein weiterer Punkt wird die
Errichtung eines ständigen Hauptquartiers für die Manilapakt-Organisation sein.
Die Teilnahmer der Konferenz sind: Außenminister Dulles (USA),
Außenminister Eden (Großbritannien), Botschafter Bonnet (Frankreich), Ministerpräsident Mohammed Ali (Pakistan), Außenminister
Prinz Wan (Thailand), Außenminister Garcia (Philippinen), Außenminister Casey (Australien) und Außenminister MacDonald (Neuseeland) .
*

* * * *

- 3 -

�Überall stieß ich auf unheilvolle Anzeichen intensiver
Versuche der Kommunisten, sich in Terror, Verlockung und politischer Wühlarbeit zu üben. Aber ich fand ebenso den leiden
schaftlichen Wunsch der freien Völker, diese ihre Freiheit
zu bewahren.
Dieser Wunsch wird sich aber nur dann durchsetzen können,
wenn sich diejenigen, die die Freiheit lieben, zur gemeinsamen Hilfeleistung zusammenschließen. So haben sich die Vereinigten Staaten unter voller Berücksichtigung der Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen Beistandspakten angeschlossen, die solche friedliebenden Länder wie die Republik
Korea, Japan, Formosa, die Philippinen, Süd-Vietnam, Laos,
Kambodscha, Thailand, die Vereinigten Malaienstaaten, Pakistan,
Australien und Neuseeland umfassen.
Einer von diesen Verträgen, der Acht-Mächte-Manilapakt
für Südostasien (SEATO), ist soeben in Kraft getreten, und
ich ging nach Bangkok, um an der ersten Zusammenkunft des
SEATO-Rates teilzunehmen.
Es_

�"AMERIKA DIENST"

9. März 1955

Es paßte vortrefflich, daß diese erste Konferenz in der
Hauptstadt von Thailand abgehalten wurde, denn das Wort
"Thailand" bedeutet "Land der Freien". Außerdem wurde Asiens
neue Rolle in der Weltpolitik eindrucksvoll herausgestellt,
da zum ersten Mal in der Geschichte der Außenminister Großebritanniens und der Außenminister der Vereinigten Staaten um
die halbe Welt reisten, um an der Konferenz in Thailand teilzunehmen.
Der Manila-Pakt bezweckt im wesentlichen dreierlei:
erstens: Schutz gegen offene bewaffnete Aggression; zweitens:
Schutz gegen umstürzlerische Tätigkeit; und drittens: Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse.
In der militärischen Verteidigung werden wir uns weitgehend auf schnell bewegliche alliierte Streitkräfte verlassen, die gegen einen Angreifer antreten können, wann und
wo immer dies notwendig sein sollte. Dieses militärische Potential wird nach unserer Auffassung als Abschreckungsmittel gegen eine Aggression wirken. Wir brauchen keine großen örtlich
gebundenen Streitkräfte überall in der Welt aufzubauen, und
der amerikanische Beitrag wird sich hauptsächlich auf Seeund Luftstreitkräfte konzentrieren.
Ich habe in Bangkok darauf hingewiesen, daß die Front
Rotchinas aus militärischen Überlegungen heraus als Ganzes
gesehen werden müßte, denn der Entschluß zu einer offenen
Aggression seitens Rotchinas könnte vielleicht bedeuten, daß
es zu einem großangelegten Krieg in Asien gewillt ist. In diesem Falle müßte Rotchina die Verteidigungspakte der Vereinigten Staaten mit der Republik Korea und der chinesischen Republik sowie die gemäß diesen Verträgen bereitgehaltenen Streitkräfte in Rechnung stellen. Auf diese Weise sähen sich die
chinesischen Kommunisten im Falle einer allgemeinen kriegerischen Auseinandersetzung Streitkräften im Süden, im Mittelabschnitt und im Norden gegenüber, woraus ihnen Aufgaben erwüchsen, die ihre ohnehin gespannte Transportlage noch weiter
verschärfen würde.
Die verbündeten Nationen verfügen in diesem Gebiet gemeinsam über starke militärische Kräfte. Insbesondere die Vereinigten Staaten besitzen dort See- und Luftstreitkräfte, die jetzt
mit schlagkräftigen, hochentwickelten neuen Waffen ausgerüstet
sind, die militärische Ziele vollkommen zerstören können, ohne
die benachbarten Wohngebiete zu gefährden.
Nach eingehender Überprüfung aller militärischen Faktoren
ist unser Manilapakt-Rat zu der Überzeugung gelangt, daß die
verfügbaren militärischen Kräfte durchaus die Hoffnung rechtfertigen, daß sie ausreichen werden, eine offene bewaffnete
Aggression gegen das Vertragsgebiet abzuschrecken.
Unsere militärischen Berater in Bangkok haben ihre gemeinsame Arbeit begonnen, unsere Streitkräfte auf die größtmögliche
Schlagkraft abzustimmen. Man rechnet mit einer zweiten Konferenz
der militärischen Sachverständigen im Laufe des nächsten Monats
in Manila. Auf diese Weise können Informationen über die Stärke
der verfügbaren Truppen ausgetauscht und die entsprechenden stra-

�•'AMERIKA DIENST

9. März 1955

strategischen Pläne festgelegt werden. Auch können auf diesen
Sitzungen Pläne für gemeinsame militärische Manöver ausgearbeitet werden.
Sodann griffen wir die Frage der subversiven Tätigkeit
auf, die zur Zeit vielleicht die größte Gefahr für dieses Gebiet darstellt. Diese Gefahr wird meiner Ansicht nac.i in dem
Maße abnehmen, in dem sich die Erkenntnis durchsetzt, daß
die im Vertrag zusammengeschlossenen Nationen militärisch
stark genug und entschlossen sind, eine offene bewaffnete
Aggression niederzuschlagen.
Als Beispiel für den zwischen direkter und indirekter
Aggression bestehenden Zusammenhang darf ich vielleicht die
derzeitige Situation in Laos erwähnen. In zwei Provinzen
dieses Landes sind regierungsfeindliche Elemente tätig, die
von den chinesischen und den Vietminh-Kommunisten unterstützt werden. Die Regierung von Laos bemüht sich um die
Wiederherstellung der Ordnung in diesem Gebiet ihres Landes.
Loch fürchtet sie, sich einem Angriff der Kommunisten von
außen auszusetzen, wenn sie gegen die Kommunisten im Inland
vorgeht. Ich hoffe, diese Befürchtungen haben sich gelegt,
indem diese Länder erkennen, daß der Manila-Pakt zu ihrem
Schutz gedacht ist.
Auch in anderen Ländern wird von außen her die Wühltätigkeit im Innern des Staates gefördert. Lamit fertig zu
werden, ist in jedem Falle zunächst einmal die Aufgabe der
davon betroffenen Staaten selbst. Jedoch können sich die
Länder beispielsweise oftmals durch den Austausch von Informationen über die Betätigung und den Aufenthalt kommunistischer Agitatoren unterstützen. Ebenso können Staaten,
die bereits erfolgreich mit dem Problem fertig geworden
sind,anderen, weniger erfahrenen Ländern, mit Rat z w Se te
stehen. Lies tat die philippinische Delegation in Bangkok.
Sie berichtete, wie die philippinische Regierung energisch
gegen die von den Kommunisten inspirierte Revolte der söge
nannten Huks vorgegangen ist.
Man kam überein, Zusammenkünfte von Fachleuten abzuhalten, um den Austausch von Ansichten und Meinungen über
die Probleme der Wühlarbeit zu fördern.
In Bangkok befaßten wir uns ferner mit der dritten im
Vertrag verankerten Aufgabe, die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse zu bessern. Dieses Problem gliedert sich
in zwei Teile. Da ist zunächst die Frage der Bestreitung
der Kosten für wirksamere Sicherheitsstreitkräfte.
Ich

�"AMERIKA DIENST"

9. März

1955

Ich habe bereits gesagt, daß der Manilapakt-Rat nicht versucht, gewaltige neue militärische Anstrengungen zu unternehmen.
Aber wir brauchen angemessene nationale Streitkräfte, die gut
ausgerüstet und loyal sind und die Autorität der Regierung in
dem gesamten ihr unterstehenden Gebiet stützen und im Falle eines
Angriffes von außen die erste Verteidigung übernehmen können.
Aber selbst diese stärkemäßig begrenzten Streitkräfte bedeuten eine wirtschaftliche Belastung, die einige der Länder ohne
Hilfestellung von anderer Seite einfach nicht tragen können.
So werden die Starken den Schwachen helfen, indem sie bis zu
einem gewissen Grade militärische Ausrüstungen und finanzielle
Mittel bereitstellen. Für das laufende Haushaltsjahr hat der
amerikanische Kongreß für diesen Zweck bereits Gelder bewilligt,
und die Regierung ersucht um eine erneute Bewilligung von diesbezüglichen Mitteln für das kommende Haushaltjähr. Es wird also
den Ländern, die mit uns militärische Verpflichtungen eingehen,
besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Eine zweite Phase des wirtschaftlichen Problems ist die
allgemeine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in diesem
Raum. Das erfordert die Inangriffnahme von großangelegten Projekten. Die Industrialisierung müßte beschleunigt werden. Es müßten
bessere Straßen, mehr Bewässerungs- und bessere Hafenanlagen gebaut
werden. Ein besonderes Bedürfnis besteht nach einem umfangreicheren Austausch von Waren und Dienstleistungen beispielsweise zwischen den Ländern Süd- und Südostasiens und des westlichen Pazifik.
Japan mit seinem hohen Industriepotential und seinem Bedarf an
Nahrungsmitteln und Rohstoffen ist ein wichtiger Faktor in dieser
ganzen Entwicklung.
Dieses Problem der Hebung des wirtschaftlichen Niveaus reicht
über den vom Manila-Pakt unmittelbar erfaßten Raum hinaus. Das
Vertragsgebiet ist kein wirtschaftlich autarker Raum und kann es
niemals sein. Der größte Teil seines Handels spielt sich mit Partnern außerhalb dieses Gebietes ab. Es müssen Programme zur Entwicklung der wirtschaftlichen Möglichkeiten aller freien asiatischen Länder auf breiter Basis geschaffen werden. Die Teilnahmer
des Staatenpaktes werden ihre Probleme unter diesem Gesichtspunkt
prüfen.

Auf der Konferenz in Bangkok nahm ich die Gelegenheit wahr,
um erneut den Wunsch Präsident Eisenhowers zu unterstreichen,
die Atomenergie zum Wohle der Menschheit zu verwenden und die große
Masse an ihren Segnungen teilhaben zu lassen. Wir geben uns nicht
damit zufrieden, daß Atomgeschosse sozusagen als herkömmliche Kriegs&lt;
waffen angesehen werden, während die großen Möglichkeiten für eine
Besserung des menschlichen Loses in friedlicher Entwicklung noch
in keiner Weise ausgeschöpft sind. Ich sprach von unseren Programmen zur wissenschaftlichen Weiterbildung auf diesem Gebiet,
und ich ließ eine besondere Einladung an die Manilapakt-Staaten
ergehen, Vertreter nach den Vereinigten Staaten zu entsenden,
um hier mit der friedlichen Verwendung der Atomenergie vertraut
zu werden. Die Reaktion auf diese Einladung wird, so glaube ich,
sehr positiv sein.

�"AMERIKA DIENST"

9. März

1955

Der Manilapakt ist nicht nur Ausdruck eines in vernünftigen
Grenzen gehaltenen Eigeninteresses, sondern gleichzeitig die Verkörperung hoher Ideale. Sie sind in der Pazifik-Charta enthalten,
die von Präsident Magsaysay angeregt und mit dem Vertrag von Manila
unterzeichnet wurde. Die Charta befaßt sich mit der politischen
Unabhänigkeit, dem wirtschaftlichen Fortschritt und dem sozialen
Wohlstand.
Drei der asiatischen Unterzeichnerstaaten der Pazifik-Charta,
Pakistan, die Philippinen und Thailand, werden voraussichtlich
in Kürze mit anderen asiatischen Ländern eine sogenannte 'afrikanisch-asiatische Konferenz' abhalten. Aus diesem Grunde entsandten
die auf der Konferenz in Bangkok versammelten Minister bereits
eine Glückwunschadresse an diese afro-asiatische Konferenz, und
wir gaben unserer Hoffnung Ausdruck, daß diese Konferenz die in
der Pazifik-Charta in so hoher Weise dargestellten Ideale unterstützen und bekräftigen werde.
In dieser von mir hier dargelegten realistischen Weise wurde
der Vertrag von Manila zu einer lebendigen Einrichtung gemacht.
Einem möglichen Aggressor wurde damit der Weg erschwert.
Nach Abschluß der Konferenz von Bangkok flog ich nach Rangoon,
wo ich mit den Politikern Burmas zusammentraf.
Burma ist eines jener Länder, die erst in jüngster Zeit ihre
Unabhängigkeit erkämpften, und Regierung und Volk sind fest entschlossen, diese auch aufrechtzuerhalten. Sie sind der Überzeugung, daß das am besten dadurch zu erreichen ist, daß sie sich
allen regionalen Sicherheitssystemen fernhalten. Ich weiß, daß
das ganze amerikanische Volk hofft, daß dieser ihrer Politik
Erfolg beschieden sein möge. Burmas Ringen um seine Unabhängigkeit
hätte die uneingeschränkte moralische Unterstützung unseres Landes,
und wir wünschen, daß diese Unabhängigkeit erhalten bleiben möge.
Ich konferierte offen und frei mit dem Präsidenten der Republil
Burma und dem Ministerpräsidenten U Nu sowie mit anderen Mitgliedern der Regierung. Auf diese Weise kamen wir zu einem besseren
Verständnis für die Politik des anderen. Diese Gespräche haben
sich gelohnt. Wie immer unter freien Nationen bedurfte es nicht
unbedingt einer hundertprozentigen Übereinstimmung, wohl aber der
gegenseitigen Achtung.
Von Burma aus flog ich dann nach Laos, Kambodscha und dem
freien Vietnam. Diese drei Staaten sind an sich keine Mitglieder
des Manila-Paktes, ihr Territorium ist jedoch in den Vertrag mit
einbezogen. In jedem dieser Länder traf ich mit Politikern zusammen, die sich durch ihr Können und ihre patriotische Hingabe an
die Sache der Unabhängigkeit ihres L*ändes auszeichneten. Sie
haben die Bedrohung ihrer Unabhängigkeit, die aus der vom Weltkommunismus geschürten Wühltätigkeit erwächst, voll erkannt.
Ich habe bereits von der Aufgabe gesprochen, die Subversion
in zwei Provinzen von Laos zu unterbinden.
In
- 5 -

�In Kambodscha ist der König - der Ex-König inzwischen ein leidenschaftlicher Patriot. Seine Abdankung ist, meiner
Meinung nach, auf den Wunsch zurückzuführen, seinem Volk
einen besseren Weg zur Wahrung der Freiheit zu erschließen,
die er so heiß für es erstrebt.
Den größten Problemen sieht sich der freie Staat Vietnam
gegenüber. Er hat die Aufgabe, einen eigenen gut funktionierenden Regierungsapparat aufzubauen, der an die Stelle der französischen Verwaltungsorgane tritt. Diese Aufgabe, die ohnehin
schon schwierig genug ist, wird gegenwärtig noch durch drei
ungewöhnliche Probleme erschwert.
Da ist zunächst einmal das Problem der Aufnahme und NeuAnsiedlung der Flüchtlinge aus dem Norden. Wie in allen Gebieten, in die der internationale Kommunismus eindringt,
so weichen auch hier alle diejenigen, die die Freiheit lieben, und die fliehen, wenn es ihnen möglich ist. Bisher sind
rund 600 000 Menschen aus Nordvietnam geflohen, und nach PB»endigung dieser Massenabwanderung dürfte ihre Zahl rund eine
Million betragen. Es ist keine leichte Aufgabe für Südvietnam,
diese Menschen aufzunehmen, handelt es sich doch um notleidende und völlig mittellose Personen, die nicht mehr besitzen,
als das, was sie auf dem Rücken davonschleppen konnten. Sie
brauchen dringend Unterstützung.

Eine eindrucksvolle Reaktion auf die Not dieser Menschen
ist das 'Werk der Brüderlichkeit1, eine private Aktion der
Junioren-Handelskammer der Philippinen. Im Rahmen dieser Aktion
werden philippinische Ärzte und Krankenschwestern in einem
24-stündigem Turnus zur Arbeit in den Flüchtlingslagern eingesetzt. Es ist ein erhebendes Erlebnis zu sehen, wie das
philippinische Volk, das erst vor kurzem seine politische
Unabhängigkeit erreichte, bereits dem jüngsten Mitglied in
den Reihen der freien Nationen Hilfe gewährt.
Ein zweiten Problem, dem sich die Regierung des freien
Vietnam gegenübersieht, entsteht dadurch, daß verschiedene religiöse Gruppen, die sogenannten 'Sekten', bisher politisch
praktisch autonom waren, indem sie eigene Polizeikräfte unterhielten, selbst Steuern einzogen und weitgehend unabhängig von
der zentralen Regierung existierten.
Wenn Vietnam seine Unabhängigkeit, und die von allen, einschließlich der Sekten, gewünschte Religionsfreiheit wahren
will, muß die Loyalität gegenüber der zentralen Regierung gestärkt werden. Aus vorliegenden Berichten geht hervor, daß die
Sekten noch immer nicht der freien Regierung Vietnams die ihr
gebührende Loyalität entgegenbringen. Ich hoffe, daß die Liebe
zum Vaterland alle religiösen Gruppen und Sekten im freien Vietnam veranlassen wird, sich zusammenzuschließen. Denn nur als ein
einiges Volk werden sie der kommunistischen Gefahr begegnen können.
Das dritte und größte Problem stellen natürlich die Kommunisten im Norden dar. Gemäß den Waffenstillstandsbedingungen
hätten sie ihre Truppen bereits aus dem Süden des Landes zurückziehen müssen. Stattdessen haben viele ihrer Soldaten dort lediglich die Uniform mit Zivilkleidung vertauscht und sind in der
Bevölkerung untergetaucht, wo sie nun eine Quelle künftiger Unruhen bilden. Die kommunistische Propaganda dort ist stark, und
außerdem steht die Bevölkerung des freien Südens ständig unter
dem furchtbaren Druck einer bewaffneten Aggression aus dem Norden.
Um einer solchen Aggression begegnen zu können, werden zur Zeit
einheimische Streitkräfte ausgebildet. Die beste Gewähr für die
Sicherheit des Landes aber ist der Manila-Pakt und seine abschrekkende Wirkung.
- 6 -

�"AMERIKA DIENST"

9. März 1955

Pur Juli dieses Jahres sind angesichts der für 1956 angesetzten Wahlen zur Vereinigung Vietnams Verhandlungen zwischen Südund Nordvietnam vorgesehen. Auf Grund der Bestimmungen des Waffenstillstandsabkommens müssen diese Wahlen frei sein. Es kann kaum
Zweifel darüber bestehen, daß der größte Teil der Bevölkerung
Vietnams tatsächlich den Zusammenschluß unter einer wirklich unabhängigen und demokratischen Regierung wünschen wird, im Norden
herrscht große Unzufriedenheit mit dem kommunistischen Despotismus.
Den vielen, die schon nach dem Süden geflohen sind, um dort die
Freiheit zu finden, stehen noch viel mehr der Menschen gegenüber,
die sich nach Freiheit sehnen. Auch die wirtschaftlichen Verhältnisse im Norden sind beklagenswert schlecht, und in vielen Gegenden ist die Bevölkerung dem verhungern nahe.
Es wird jedoch schwierig sein, im Norden Verhältnisse zu
schaffen, die eine wirklich freie Entscheidung erlauben.
In Nordkorea und der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands
weigern sich die Kommunisten hartnäckig, die freien Wahlen zuzulassen, die die Wiedervereinigung bringen würden. Wir hoffen, daß
sich die kommunistischen Vietminh nicht an dieses Vorbild halten.
Ich war tief beeindruckt von Ministerpräsident Diem. Er ist
ein echter Patriot; sein ganzes Wirken gilt der Schaffung politischer Unabhängigkeit und der Sicherung politischer und religiöser
Freiheit für sein Volk. Er hat jetzt ein Programm für eine Landreform aufgestellt. Wird es wirksam durchgeführt, so leistet es
einen Beitrag zur Wiederansiedlung der Flüchtlinge und gibt gleichzeitig dem Land ein gesünderes Agrarsystem. Ich bin überzeugt, daß
seine Regierung die Unterstützung verdient, die ihr die Vereinigten Staaten gewähren, um eine schlagkräftige, loyale Streitmacht
und gesündere wirtschaftliche Verhältnisse zu schaffen.
Ich besuchte Manila sowohl auf der Hin- als auch auf der
Rückreise. Beide Male sprach ich mit Präsident Magsaysay. tjedes
Mal, wenn ich mit ihm zusammentreffe, bin ich zutiefst von seiner
klaren Erkenntnis des Problems des Kommunismus beeindruckt. Er
hat der antikommunistischen Einstellung der Vereinigten Staaten
in Asien seine volle moralische Unterstützung gewährt. Die
Philippinis che Republik erweist sich als ein verlässlicher und
tatkräftiger Verbündeter.
Auf der Rückreise konferierte ich in Manila einen Tag lang
mit den amerikanischen Botschaftern in den Staaten dieses Gebietes.
Die diplomatischen Vertreter der Vereinigten Staaten waren aus
fünfzehn Ländern nach Manila gekommen, um an einer Regionalkonferenz teilzunehmen. Wir erörterten gemeinsam die Politik der Vereinigten Staaten im asiatischen Raum. Die Konferenz dauerte bei
meiner Abreise noch an und ist sowohl für uns, die wir hauptsächlich in Washington arbeiten, als auch für jene, die in den Außenstellen tätig sind, von großem Wert gewesen.
In diesem Zusammenhang möchte ich den Angehörigen des Auswärtigen Dienstes und anderen Vertretern der Vereinigten Staaten in
dem von mir besuchten Gebiet meinen Dank und meine Hochachtung
aussprechen. Oftmals arbeiten sie unter schwierigsten physischen
Bedingungen. Sie leisten ihre Arbeit, ohne sich zu beklagen und
- 7 -

�9. März 1955
«AMERIKA DIENST"
und mit großer Hingabe im Dienste ihres Vaterlandes. Sie stehen
in vorderster Front in der Verteidigung gegen eine von außen
drohende Gefahr, die vielleicht die größte ist, der unser Volk
jemals gegenübergestellt war. Sie verdienen die Achtung und den
Dank des amerikanischen Volkes.
Zuletzt besuchte ich Formosa, wo ich mit Präsident TschiangKai-schek, Außenminister George Teh und anderen Mitgliedern des
Kabinetts verhandelte. Dort tauschte ich die Ratifikationsurkunden aus, wodurch der Vertrag über die gemeinsame Verteidigung
Formosas und der Pescadoren - oder, um die chinesischen Namen
zu gebrauchen, von Taiwan und Penghu - offiziell in Kraft trat.
Dieser feierliche Akt fand statt unter dem 'Jubel der im Verhandlungssaal Anwesenden und der vielen Tausenden, die auf den
Straßen Spalier bildeten. Sie sehen in dem Vertrag - ebenso wie
Auslandschinesen, mit denen ich sprach - ein Zeichen dafür, daß,
soweit die Vereinigten Staaten die Gewähr übernehmen können,
es stets ein freies China geben wird.
Nachdem der Vertrag somit in Kraft getreten war, hielten
wir die erste beratende Sitzung gemäß Artikel IV des Vertrages
über die Verwirklichung des Paktes ab. An dieser Sitzung nahmen
Admiral Carney, der Chef der US-Seekriegsführung, sowie Admiral
Stump, der Oberbefehlshaber der amerikanischen Seestreitkräfte
im Pazifik, teil. Sie blieben auch noch, als ich die Sitzung
verlassen hatte, um an weiteren Konferenzen mit den militärischen Beratern des Präsidenten der Republik China teilzunehmen.
Erlauben Sie mir, eindeutig klarzustellen, daß wir es hier
mit zwei ganz verschiedenen Dingen zu tun haben - erstens der
politischen Entscheidung, was zu verteidigen ist, und zweitens
der Entscheidung darüber, auf welche Weise die Verteidigung erfolgen soll.
Die politische Entscheidung darüber, was zu ver+°i.digen
ist, wurde bereits getroffen. Sie hat ihren Niederschlag gefunden in dem Vertrag sowie in dem Gesetz, mit dem der Kongreß
den Präsidenten ermächtigte, die bewaffneten Streitkräfte der
Vereinigten Staaten im Gebiet von Pormosa einzusetzen. Die
Entscheidung lautet also, Formosa und die Pescadoren zu verteidigen. Allerdings läßt das Gesetz Raum für eine elastische Verteidigung, die nicht unbedingt auf eine statische Verteidigung
Formosas und der Pescadoren selbst beschränkt ist. Wie diese
elastische Verteidigung durchzuführen wäre, wird der Präsident
entscheiden, je nachdem welchen Wert er gewissen Küstenpositionen für die Verteidigung Formosas beimißt und um welchen
Preis diese Positionen gehalten werden können. Bei Beurteilung
dieser Frage werden die im Vertrag zur gemeinsamen Verteidigung
vorgesehenen militärischen Beratungen zugrunde gelegt werden.
Wir hoffen, daß die gegenwärtigen militärischen Operationen
der chinesischen Kommunisten nicht das erste Stadium eines Angriffs gegen Formosa und die Pescadoren darstellen. Wir hoffen,
daß man zur Einstellung der Kampfhandlungen gelangen wird. Wir
wissen, daß mit uns beffeundete Staaten von sich aus bemüht sind,
diese Hoffnungen Wirklichkeit werden zu lassen. Auch die Vereinten Nationen befassen sich, aus dem Wunsch heraus, den Frieden
zu erhalten, mit dieser Frage. Bisher blieb diesen Bemühungen

�"AMERIKA DIENST"

9. März 1955

Bemühungen der Erfolg versagt. Die chinesischen Kommunisten
scheinen entschlossen, den Versuch einer Eroberung Formosas
zu unternehmen.
Die Reaktion der Vereinigten Staaten wird sowohl für
Formosa als auch für sämtliche Staaten in Südostasien und
im Pazifischen Raum von Bedeutung sein.
Tief beeindruckt vom Geist und von der Zielstrebigkeit
der Regierungen und Völker, mit denen ich in Kontakt kam,
kehre ich aus Asien zurück. Sie alle wünschen ihre Freiheit
und ihre Unabhängigkeit zu wahren. Die Vaterlandsliebe allein
aber vermag nicht alles. Es ist nicht leicht für die kleinen
Völker, die Tür an Tür mit Rotchina leben, ihr Selbstvertrauen zu bewahren. Rotchinas nahezu unbegrenztes Menschenpotential
wäre ohne weiteres ausreichend, das gesamte Gebiet zu beherrschen und rasch einzuverleiben, wenn dem nicht das von uns
errichtete gegenseitige Sicherheitssystem entgegenstünde.
Dieses System wird aber nicht standhalten, wenn wir es bei
Worten bewenden lassen. Die abschreckende Macht als Antwort
auf eine militärische Herausforderung auch zum Einsatz zu
bringen, sind wesentliche Faktoren.
Die chinesischen Kommunisten scheinen entschlossen zu
sein, eine solche Herausforderung zu wagen. Gleichzeitig versuchen sie beständig, unsere Schlagkraft geringer hinzustellen,
als sie wirklich ist, und unsere Entschlossenheit in Zweifel
zu stellen. Sie brüsten sich damit, daß sie im Jahre 1950
in Korea die Streitkräfte der Vereinigten Staaten zum Rückzug von Jalu gezwungen und einen großen Sieg errungen hätten.
Sie brüsten sich ihres Sieges über die französischen Streitkräfte in Indochina und deuten unser damaliges Abseitsstehenfälschlicherweise als Willensschwäche. Als wir kürzlich den
Nationalchinesen halfen, die Tachen-Inseln und andere, dem
Festland vorgelagerte Inselgruppen zu räumen, nahmen die
Rotchinesen diese Tatsache als einen großen 'Sieg' für sich
in Anspruch. Unrechtmäßigerweise halten sie noch immer unsere
Flieger und andere amerikanische Bürger zurück.
Die Rotchinesen stellen in ihrer Propaganda die Vereinigten Staaten als einen 'papierenen Tiger' hin. Sie erzählen den
kleinen Völkern, die sie bedrohen, daß die Vereinigten Staaten
immer Gründe finden werden, sich zu drücken, wenn sie sich
brutaler und kompromißloser Gewalt gegenübersähen, und daß
das kommunistische China mit Sicherheit der Sieger sein werde.
Die Vereinigten Staaten haben im Interesse des Friedens
große Opfer gebracht und haben sich große Zurückhaltung auferlegt. Dieser Tatsache brauchen wir uns nicht zu schämen.
Nein, darauf können wir stolz sein. Aber wir dürfen nie vergessen, daß die freien Nationen im westlichen Pazifik und in Südostasien ihre Freiheit schnell verlieren, wenn sie zu der Überzeugung gelangen, daß unsere Friedensliebe Frieden um jeden
Preis bedeutet. Wir müssen es im Notfalle ganz klar machen,
daß wir willens sind, fest zu bleiben und, wenn notwendig, der
feindlichen Macht mit der uns zur Verfügung stehenden größeren
Macht gegenüberzutreten.

�* "AMERIKA DIENST"

9. März 1955

Der Kongreß tat einen wesentlichen Schritt in der richtigen Richtung, als er auf Ersuchen des Präsidenten die gemeinsame Resolution annahm, durch die der Präsident praktisch ermächtigt wurde, die Streitkräfte der Vereinigten
Staaten zur Verteidigung Pormosas und in dem Maße, wie dies
nach seinem Ermessen für diese Verteidigung erforderlich ist,
auch zum Schutze angrenzender Gebiete einzusetzen, soweit
diese sich in den Händen befreundeter Staaten befind*3".
Diese überparteiliche, fast einstimmig gebilligte Maßnahme
hat einen größeren Beitrag geleistet als irgend ein anderer
Schritt in der jüngsten Vergangenheit, um bei unseren asiatischen Freunden das Vertrauen in uns zu wecken. Ich bin
der festen Überzeugung, daß dieses Vertrauen nicht enttäuscht
werden wird.
Wir sind mächtig. Wir dienen einer gerechten Sache. Ich
zweifle nicht daran, daß wir den Mut haben, diese Macht zur
Verteidigung dieser gerechten Sache einzusetzen.
Wenn das ganz klar gestellt ist, dann, so meine ich,
sind Frieden und Freiheit gesichert.

* # * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

EISENHOWER: USA WERDEN WEITERHIN AKTIV AN
EUROPÄISCHER VERTEIDIGUNG TEILNEHMEN
WASHINGTON - (AD) - Nachstehend
übermitteln wir Ihnen den Wortlaut
einer Botschaft des US-Präsidenten
Dwight D. Eisenhower, die dieser am
10.März 1955 an die sieben Mitgliedstaaten der Westeuropäischen Union Großbritannien, Prankreich, Belgien,
die Bundesrepublik, Italien, Holland
und Luxemburg - gerichtet hat, und in
der er die amerikanische Politik im
Rahmen der Pariser Verträge klarstellte.
M

Zu dem Zeitpunkt, als der Vertrag zur Schaffung einer
Europäischen Verteidigungsgemeinschaft erörtert wurde, machte
ich gewisse Prinzipien öffentlich bekannt, die der Politik und
den Maßnahmen der Vereinigten Staaten in bezug auf Westeuropa
zugrunde liegen würden, falls der Vertrag ratifiziert werden
sollte. Nun hat sich als Ersatz für jene Gemeinschaft ein Plan
für eine Westeuropäische Union herauskristallisiert. Offensichtlich werden diese Union und die damit zusammenhängenden,
in Paris am 23«Oktober 1954 unterzeichneten Vereinbarungen nach
ihrem Inkrafttreten den lebenswichtigen Interessen nicht nur
der Mitgliedstaaten der Westeuropäischen Union sondern auch
der Völker der freien Welt, einschließlich der Vereinigten
Staaten, dienen. Zweimal sind die USA in Kriege hineingezogen
worden, die ihren Ursprung in Europa hatten, und heute unterhalten sie dort Streitkräfte, um mitzuhelfen, die Möglichkeit
eines dritten Krieges zu verringern. Es liegt im Interesse
der USA zur Verringerung derartiger Gefahren beizutragen.
Zu diesem Zweck sind die USA Verpflichtungen im Rahmen des
Nordatlantikpaktes eingegangen. Dieser Vertrag stimmt mit den
grundlegenden Sicherheitsinteressen der USA überein, und die
von den Vereinigten Staaten im Rahmen dieses Vertrages eingegangenen Verpflichtungen werden eingehalten werden.
Die Mitgliedstaaten bemühen sich, die atlantische Allianz
zu einer dauerhaften Verbindung freier Völker zu machen, in der
alle Mitglieder ihre Anstrengungen für den Frieden, den Wohlstand und die Freiheit vereinigen können. Der Erfolg dieser
Verbindung wird in großem Umfang durch das Maß praktischer Zusammenarbeit bestimmt, das innerhalb der europäischen Nationen
selbst verwirklicht wird. Die Westeuropäische Union und die

�"AMERIKÜ

DIENST"

16. März 1955

die damit zusammenhängenden Abmachungen, über die man sich in
Paris geeinigt hat, sollen diese Zusammenarbeit sicherstellen,
und damit eine dauerhafte Basis für die Konsolidierung der
atlantischen Verbindung als Ganzes schaffen.
Es ist meine Überzeugung, daß die vorgesehenen Vereinbarungen, wenn sie in Kraft treten:
Einen Fortschritt auf dem Wege zur Einigung Westeuropas
herbeiführen und jene Länder eng zusammenbringen werden, deren
Meinungsverschiedenheiten in der Vergangenheit wiederholt zu
Kriegen geführt und die menschliche, materielle und moralische
Stärke Europas ernsthaft erschöpft haben;
äie Souveränität der deutschen Bundesrepublik wiederherstellen werden, eine Souveränität, die ihr nun zehn Jahre vorenthalten worden ist. Während dieser Zeit haben Regierung und
Bevölkerung der deutschen Bundesrepublik bewiesen, daß sie
imstande sind, ihren Verpflichtungen als ein souveränes Mitglied
der freien und friedlichen Weltgemeinschaft auf würdige und
ehrenvolle Weise nachzukommen;
eine Garantie gegen den Militarismus darstellen werden,
indem sie die Rüstungshöhe durch eine geeignete Instanz der
Westeuropäischen Union kontrollieren;
den Kern einer Einheit inmitten der Nordatlantikpaktorganisation schaffen werden, wodurch die Annahme praktischer Verteidigungsmaßnahmen gestattet wird, die eine gute Aussicht bieten, daß jeder feindliche Angriff bereits an der Schwelle abgewiesen werden könnte;
der deutschen Bundesrepublik die Möglichkeit geben, im
Einklang mit dem Geist der Nordatlantikorganisation, ihren
angemessenen, abgewogenen Beitrag für den internationalen
Frieden und die internationale Sicherheit zu leisten;
durch Maßnahmen des Nordatlantikpaies eine engere Integration der Streitkräfte der Mitgliedstaaten in Europa sicherstellen und dadurch die Gewähr geben, daß diese Kräfte nicht
für nationalistische Angriffsbestrebungen oder für irgendeinen
anderen Zweck als die vom Notdatlantikpakt verfolgten Sicherheitsbemühungen verwendet werden.
Um die Bemühungen zur Schaffung einer wirksamen Verteidigung Westeuropas zu erleichtern, hat der amerikanische Außenminister am 29«September 1954 in London die Bedingungen angedeutet, unter denen die USA zur Abgabe einer Deklaration über
ihre Politik bereit sein könnten, einer Deklaration, die jener
ähnelt, welche zur Zeit der Erörterung des früheren Planes
einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft abgegeben worden
ist. Ich bestätige gern, daß es - wenn die Pariser Verträge
ratifiziert worden und in Kraft getreten sind - die Politik
der USA sein wird:
1) Bei den verschiedenen, im Rahmen der Nordatlantikpaktorganisation getroffenen grundlegenden Abmachungen weiterhin
aktiv mitzuarbeiten und mit anderen NATO-Mitgliedstaaten über
Prägen gemeinsamen Interesses zu beraten, einschließlich der
Truppenstärke der entsprechenden NATO-Länder, die dem Alliier-

�16. März 1955

"AMERIKA DIENST"

Alliierten Oberbefehlshaber in Europa zur Verfügung gestellt
werden soll;
2) falls es gewünscht wird, mit der Rüstungskontrollinat»nz
der Westeuropäischen Union im Hinblick auf eine Unterstützung
bei der Erreichung ihres Zieles zu beraten, die Rüstungen zu
kontrollieren und ungerechtfertigte militärische Vorbereitungen
innerhalb der Mitglieder der Union zu verhindern;
3) in Europa, einschließlich Deutschlands, weiterhin solche
Einheiten ihrer Streitkräfte zu stationieren, die notwendig und
angemessen sein mögen, um einen gerechten Anteil an den für die
gemeinsame Verteidigung des Nordatlantikraumes nötigen Streitkräften zu leisten, solange eine Bedrohung für dieses Gebiet besteht, und solche Truppen in Übereinstimmung mit der für die'
Verteidigung dieses Raumes vereinbarten Nordatlantikstrategif
weiterhin umzugruppieren,
4) an der Entwicklung einer möglichst engen Integration der
Streitkräfte, die in Westeuropa der NATO unterstellt worden sind,
darunter jener von der deutschen Bundesrepublik bereitgestellten
Verbände, mitzuarbeiten. Diese Zusammenarbeit geschieht in Übereinstimmung mit den von den militärischen Gremien und Oberbefehlshabern der Nordatlantikpaktorganisation aufgestellten und angenommenen Pläne auf Grund der von dem Nordatlantikrat am 22.Oktober
1954 gebilligten Empfehlung;
5) weiterhin auf dem Wege zur Schaffung einer atlantischen
Sicherheit mitzuarbeiten, indem sie vom Kongreß genehmigte Informationen hinsichtlich der militärischen Anwendung neuer Waffen
und Techniken weitergeben und dadurch die gemeinsame Verteidigung stärken;
6) in Übereinstimmung mit ihrer Politik, die freien Nationen
Europas zu einem Höchstmaß an Zusammenarbeit zu ermutigen, und in
Anerkennung des Beitrags, den der erweiterte Brüsseler Pakt für
den Prieden und die Stabilität in Europa leisten wird, jede Maßnahme - von welcher Seite sie auch kommen mag -, die die Integrität oder Einheit der Westeuropäischen Union gefährdet, als eine
Bedrohung für die Sicherheit der Mitgliedstaaten des Nordatlantikpaktes anzusehen, als eine Bedrohung, die gemäß Artikel IV jenes
Vertrages eine Konsultation erfordert.
In Übereinstimmung mit dem grundlegenden Interesse der USA
am Nordatlantikpakt, wie es zum Zeitpunkt seiner Ratifizierung
zum Ausdruck gekommen ist, wurde der Vertrag als für unbegrenzte
Zeit gültig, statt auf bestimmte Jahre befristet, angesehen. Die
Vereinigten Staaten weisen besonders auf die Tatsache hin, daß
es als in völligem Gegensatz zu den amerikanischen Sicherheitsinteressen stehend erscheinen würde, gäben sie ihre Partnerschaft
im Nordatlantikvertrag auf, wenn auf dem europäischen Kontinent
der feste Einheitskern gebildet worden ist, den die Pariser Verträge schaffen werden."
*

* * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

BOTSCHAFTER PATTERSON ZUR ERÖFFNUNG DER
KERNREAKTORSCHULE IN CHIKAGO
CHICAGO - (AD) - Der amerikanische Sonderbeauftragte für die diplomatischen Verhandlungen über die Beteiligung der USA an
einer internationalen Behörde zur friedlichen Verwendung der Atomenergie, Botschafter
Morehead Patterson, sprach am 13.März 1955
zur Eröffnung der Schule für Kernphysik und
Kerntechnik in Chikago. An dem ersten Lehrgang der im Rahmen des von Präsident Eisenhower vorgeschlagenen "Atome-für-den-FriedenwProgramms geschaffenen Ausbildungsstätte für
Atomwissenschaftler und -techniker aus aller
Welt nehmen 31 Vertreter aus 19 Nationen teil.
Botschafter Pattersons Ausführungen hatten
folgenden Wortlaut:
"Der heutige Tag wird lange Zeit im Gedächtnis der Völker
weiterleben. Er ist der Markstein für den Beginn eines weitreichenden, ständigen Programms für den internationalen Austausch
von Lehrern und Wissenschaftlern, um auf diese Weise das Wissen
um das Atom zum Wohl der Menschheit und für eine bessere Zukunft
nutzbar zu machen.
Sie, meine Zuhörer, die Sie aus allen Teilen der Welt
hierher gekommen sind, sind wahrhaft echte Pioniere in diesem
für die künftige geschichtliche Entwicklung so bedeutsamen
Programm für eine friedliche Zusammenarbeit der Völker. Vertreter von 19 Ländern sind bereit, hier an der Schule für
Kernphysik und Kerntechnik ein in seiner Art bisher einmaliges und fruchtbares Unternehmen zu beginnen.
Jeder von Ihnen gibt lebendiges Zeugnis von dem Wunsch,
der im Kerzen aller Völker brennt: einander zu helfen, einen
besseren Gesundheitsstandard, mehr Sicherheit und bessere
soziale Verhältnisse zu gewinnen. Durch Ihre Studien hier
werden Sie Gelegenheit haben, dazu einen wichtigen Beitrag im
Interesse Ihres eigenen Landes und Volkes und aller übrigen
Länder und Völker zu leisten.
Mit der Eröffnung dieser Schule hat sich die Hoffnung
verwirklicht, daß der moderne Mensch lernen kann, Angst und
Mißverständnis ebenso zu überwinden, wie er gelernt hat und
auch heute noch lernt, die unendlichen Geheimnisse der Natur
zu ergründen und die Erkenntnisse daraus zum Wohl aller anzuwenden.
- 1 Diese

�"AMERIKA DIENST"

16. März 1955

Diese Kernreaktor-Schule ist auch ein höchst bemerkenswerter Fortschritt auf dem Wege zu internationaler Zusammenarbeit.
Eines der größten Hindernisse für eine raschere Entwicklung der
Möglichkeiten für die Anwendung der Atomenergie zu friedlichen
Zwecken war bisher, daß zu wenig Wissenschaftler und Ingenieure
mit dem kernreaktiven Material umgehen konnten. Wir können beispielsweise keine Atomkraftwerke bauen, ehe wir nicht über das
für den Betrieb erforderliche ausgebildete Personal verfügen.
Wir müssen daher vielen Menschen aus der ganzen Welt Gelegenheit geben, das notwendige Wissen zu erwerben, Menschen, die
die Probleme erfassen und wissen, was erforderlich ist, um sicher
und wirksam mit kernreaktivem Material arbeiten zu können. In
den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Kanada gibt es schon
eine große Anzahl von Reaktor-Ingenieuren und -Technikern, aber
auch andere Länder verfügen über eine begrenzte Zahl solcher
Spezialisten. Es müssen jedoch viel mehr werden, besonders dort,
wo es derartige technische Experten überhaupt noch nicht gibt.
Und genau das wollen wir mit dieser Schule und diesem Kursus
erreichen.
Die Schule als Stätte des Austausches von Fachwissen zum
Wohl der ganzen Menschheit ist typisch dafür, auf welche Weise
das amerikanische Volk seinem tiefwurzelnden und ehrlichen Haß
gegen den Krieg und seiner Friedensliebe Ausdruck zu geben wünscht.
Die Geschichte hat gezeigt, wie die amerikanische Zivilisation
und Kultur in Friedenszeiten blüht und gedeiht. Krieg - und
besonders Krieg im zwanzigsten Jahrhundert - muß zwangsläufig
jene Art der Wirtschaftsreglementierung mit sich bringen, die
die besten und produktivsten Werte amerikanischen Lebens zerstört.
Aus diesen ganz simplen Gründen ist die Nutzbarmachung der
Atomenergie für friedliche Zwecke ein natürlicher und unvermeidlicher Schritt für das amerikanische Volk. Und dies ist, wiederum'
aus dem gleichen Grund, ein Fortschritt, den das amerikanische
Volk gerne mit den befreundeten Völkern teilen möchte. Ähnlich
leicht und natürlich - wenngleich zugegebenermaßen naiv - war für
das amerikanische Volk auch die rasche Abrüstung kurz nach Beendigung des ersten und zweiten Weltkrieges. Welches andere Land
hätte in zehn Monaten acht Millionen Mann demobilisieren können?
Auch war es für das amerikanische Volk ein natürliches und leichtes Angebot, auf seine vernichtendste Kriegswaffe - die Atombombe - zu verzichten und die Atomenergie internationaler Kontrolle zu unterstellen. Trotz der Tatsache, daß die Vereinigten
Staaten das Monopol für diese Waffe besaßen, war die einzige Bedingung, die gestellt wurde, die Schaffung eines absolut sicheren
Systems von Kontrollen und Garantien. Das waren für die Vereinigten Staaten leichte, ohne Zaudern getroffene Entscheidungen.
Schwierig und unangenehm wurde es erst, als man sich dafür entscheiden mußte, ständig auf alles vorbereitet zu sein. Wenn auch
jetzt das Atom einen in erster Linie friedlichen Aspekt bekommt,
so dürfen wir doch unsere Verteidigungsstärke nicht auf Kosten
echter Sicherheit schwächen.
1

�"AMERIKA DIENST"

16. März

1955

Der in seiner Art bisher einmalige Kursus, den Sie hier beginnen, ist auch die natürliche Folge eines anderen denkwürdigen
Ereignisses. Am 8. Dezember 1953 gab der Präsident der Vereinigten
Staaten der Welt eine Botschaft der Hoffnung - einen breitangelegten Plan zur Nutzbarmachung der Atomenergie für friedliche
Zwecke. Präsident Eisenhower erklärte:
'Es genügt nicht, wenn man diese Waffe den Soldaten aus der
Hand nimmt. Sie muß in die Hände derer gelegt werden, die wissen,
wie man sie ihres militärischen Charakters entkleidet und sie in
den Dienst des Friedens stellt.
Die Vereinigten Staaten wissen, daß die furchtbarste aller
zerstörerischen Kräfte, die Atomenergie, zu einer großen, dem Wohl
der gesamten Menschheit dienenden Gabe werden kann, wenn es gelingt, die erschreckende Tendenz zu einem immer stärkeren Ausbau
von Atomwaffen in ihr Gegenteil zu verkehren'.
Der Präsident schlug daher vor, die Segnungen der Atomenergie allen Menschen zugute kommen zu lassen und sie nicht auf ein
paar Länder zu beschränken, die gewissermaßen durch eine besondere
Gunst des Himmels zu atomtechnischem Fachwissen gelangt waren.
Die vom Präsidenten verkündeten Gedanken hatten eine starke
Wirkung. Sie erregten die Phantasie der Menschen in der ganzen
Welt und erzeugten eine Welle der Begeisterung, die selbst eine
kalte Dusche von den Russen nicht zu dämpfen vermochte. Einige
allerdings reagierten darauf mit Zynismus und Pessimismus.
Die Begeisterung war so groß, daß viele zu einer Überschätzung
der Dinge neigten und darüber die praktischen Schwierigkeiten bei
der Auswertung der Atomkraft als Energiequelle vergaßen. Manche
Leute meinten, daß schon in ganz kurzer Zeit - vielleicht im
nächsten Monat oder im nächsten Jahr - das goldene Zeitalter der
Segnungen der Atomenergie anbrechen werde. Wir alle - Männer der
Wirtschaft, der Wissenschaft und die für die Entwicklung der Atomenergie zu friedlichen Zwecken Verantwortlichen - haben in gewissem Grade zu diesem übermäßigen Optimismus der Öffentlichkeit
hinsichtlich der Frage, wieviel wir vom Atom zu»erwarten haben
und wie bald, beigetragen. Gelegentlich wetteifern wir geradezu
miteinander, wer im Ausmalen der über Nacht erfolgten Verwandlung
des gesamten menschlichen Daseins dirch die Atomkraft den kühnsten
Sprung in die Zukunft zu tun vermag. Und man könnte vielleicht mit
einem gewissen Recht sagen, daß dieser Traum durchaus nicht so
falsch ist.
Aber nicht nur die freie Welt beschäftigt sich mit den Möglichkeiten der Auswertung der Atomkraft für friedliche Zwecke.
Was haben zum Beispiel die Russen hierzu zu sagen? Erlauben Sie
mir, einiges aus einem kürzlich in der sowjetischen Zeitschrift
'Neue Generation' erschienenen Artikel zu zitieren:
'Die Verwendung der Atomenergie für friedliche Zwecke wird
es ermöglichen, viele Mängel der Natur zu beheben... So könnte
z.B. das Turgai-Tor gesprengt werden, um den Weg nach Sibirien
frei zu machen'. Weitere Projekte, von denen in diesem Artikel die
- 3 -

�"AMERIKA DIENST"

16. März 1955

die Rede ist, 'die Bewässerung von Wüsten wie die Sahara, der Bau
eines Riesenkraftwerks in der Straße von Gibraltar, die Anlage
eines Dammes in der Bering-Straße, der mit einer Reihe anderer Anlagen zu verbinden wäre, um die warmen Strömungen aus dem Pazifischen Ozean zur Erwärmung der Gebiete jenseits des Polarkreises
nach dem Nordpolarmeer abzuleiten'. Der Artikel läßt durchblicken,
daß all dies sofort geschehen könnte, weist aber darauf hin, daß
diese 'welterschütternden Pläne erst nach Abschaffung des kapitalistischen Systems zu verwirklichen sind'. Soviel wir wissen, steht
weder die Verwirklichung dieser welterschütternden Pläne noch das
Ende des Kapitalismus unmittelbar bevor.
Soweit zu den Optimisten!
Nun zu den Pessimisten.
Ein angesehener Politiker eines Landes meint, daß wir jede
Hoffnung aufgeben sollten, jemals sämtliche mit der Atomenergie
zusammenhängenden Probleme zu lösen; daß wir die Uhr zurückstel
len und die Vereinigten Staaten 'alle ihre Atombomben in die Tiefen der Antarktis versenken und ein neues Leben frei von Furcht
beginnen sollten". Das würde natürlich der Entwicklung der Atomenergie für friedliche Zwecke endgültig ein Ende setzen, da die
kernreaktiven Ausgangsstoffe, die wir in der Antarktis versenken
würden, die gleichen sind, die wir in den Atomkraftwerken brauchen.
Der Weg, den die Vereinigten Staaten augenblicklich verfolgen,
führt nicht zu welterschütternden Plänen, die gar nicht zu verwirklichen sind, er führt auch nicht zu jener Form der Verzweiflung, die wegen der möglichen Gefahren jeden Fortschrittsglauben
aufgibt. Wir versuchen, im positiven Sinne und im Bereich des
praktisch Möglichen Schritt für Schritt unser Ziel, die Atomenergie in den Dienst der Menschheit zu stellen, zu erreichen. Wir
hoffen und wissen, daß jedes Jahr uns gegenüber dem vergangenen
Jahr weiterbringen wird.
Ich bin fest davon überzeugt, daß die Atomenergie unbegrenzte
Möglichkeiten zum Wohle der Menschheit birgt. Wenn wir uns eingehender mit diesen Problemen beschäftigen und ein freierer Informationsaustausch zwischen den einzelnen Ländern erfolgt, so
wie er sich beispielhaft in dieser Schule hier manifestiert, dann
werden wir in kürzerer Zeit zu greifbaren Ergebnissen gelangen.
Jedes Zukunftsversprechen besitzt drei Dimensionen, deren eine die
Zeit ist.
Wenn die Menschen glauben, all dies sei eine leichte Aufgabe,
die im Handumdrehen zu erledigen ist, dann wird es nur Enttäuschungen, ja womöglich gar Desillusionierung und Verzweiflung
geben.
Es ist einfach unmöglich, die Sahara in einem Jahr in ein
blühendes Land zu verwandeln.
Und das Antlitz der Erde läßt sich nicht so verändern,
daß die Region am Nordpol im Jahr darauf bereits in ein Tropenparadies verwandelt wäre.
Wir

�16. März 1955

"AMERIKA DIENST"

Wir müssen uns darüber klar sein, daß noch viel Kraft und
Material eingesetzt werden müssen, ehe wir die im Atom schlummernden Möglichkeiten voll ausschöpfen können; und daß selbst, wenn wir
so»weit sind, damit noch nicht sämtliche Probleme der Welt gelöst
sind.
Die Haltung läßt sich wohl am besten mit dem alten Sprichwort charakterisieren: Man soll den zweiten Schritt nicht vor
dem ersten tun.
In der Erörterung über die Verwendungsmöglichkeiten der Atom-'
kraft hat für die Öffentlichkeit bisher der Gesichtspunkt die
größte Rolle gespielt, wie groß die Aussichten auf die Erschließung billiger und ergiebiger Energiequellen zur Stromerzeugung
bei Verwendung kernreaktiven Materials sind.
So viele Länder benötigen neue Brennstoffquellen, und der
Bedarf an elektrischer Energie steigt so schnell in der ganzen
Welt, daß sich ein großer Teil unserer Hoffnungen, die wir in das
Atom setzen, auf dieses Gebiet konzentriert. Ein gut Teil der
Zeit wird in der Meilerschule bestimmten Aspekten dieses Themas
gewidmet sein.
Die von ihnen vertretenen Länder hoffen, aus der Entwicklung
zuverlässiger und rentabler Kraftwerke zahlreiche Vorteile zu
ziehen, wenn sie atomaren Brennstoff sobald als möglich verwenden. Dabei wird für jedes Land der Zeitplan, nach dem die Entwicklung vor sich geht, variieren. In jedem Jahr steigt in ihren Ländern der Bedarf an elektrischer Kraft rapide an. Man hat mir zum
Beispiel gesagt, daß er in Portugal jährlich um 20 Prozent steigt.
Gleichzeitig reichen die herkömmlichen Energiereserven feste und flüssige Brennstoffe sowie Wasserkraft - im allgemeinen
heute nicht mehr aus und lassen sich nur unter Schwierigkeiten
weiter ausbauen.
Lassen Sie mich für einen Augenblick in Details gehen: In
Prankreich und Belgien werden die festen Brennstoffe, die bisher
wichtigsten Energiequellen dieser Länder, in der Gewinnung teurer,
und es bestehen nur geringe Möglichkeiten auf eine schnelle Ausweitung der Produktion. Die vor kurzem in Prankreich entdeckten
Ölvorkommen sind in der Tat vielversprechend, doch werden sie
vermutlich für andere Zwecke als für die Erzeugung von Energie verwendet werden.
In der Schweiz, in Schweden, in Portugal und Griechenland
sind die Möglichkeiten zur Anlage von Wasserkraftwerken voll ausgeschöpft, und es gibt so gut wie keine Produktion flüssiger oder
fester Brennstoffe.
Portugal ist in der glücklichen Lage, über reiche Uranlager
zu verfügen. In Spanien mit seinen beschränkten Quellen an Wasserkraft und festen Brennstoffen erwarten wir besonders schnell steigende Nachfragen nach elektrischer Energie.
Was Asien anbetrifft, so sind Japans Quellen an Wasserkraft
und festen Brennstoffen heute bereits gänzlich unzureichend für
- 5 -

�"AMERIKA DIENST"

16. März 1955

für seine hochindustrialisierte Wirtschaft, öl wird im Lande
nicht gewonnen.
Auf den Philippinen besteht heute schon ein großer Mangel
an elektrischer Energie, der die industrielle Entwicklung des
Landes behindert.
Um seinen Bedarf an Energie decken zu können, ist Thailand
vollständig auf die Einfuhr von Brennstoffen angewiesen.
In Pakistan vermag die heimische Brennstoffproduktion nur
etwa ein Viertel des gegenwärtigen Verbrauchs zu decken.
Auf Grund seiner fast unbeschränkten Rohölvorkommen befindet
sich Indonesien in einer glücklicheren Lage als einige seiner
Nachbarn. Loch würde seine zahlreiche Bevölkerung besonders aus
den Verwendungsmöglichkeiten der Atomenergie auf dem Gebiete de»
Gesundheitswesens und der Landwirtschaft Vorteil ziehen.
Israel hat bisher innerhalb seiner Grenzen weder flüssige
noch feste Brennstoffvorkommen besessen.
Australien verfügt über umfangreiche Quellen fester Brennstoffe. Doch würde sein Programm für die Ausweitung seiner Wirtschaft aus der Nutzbarmachung der Atomenergie für friedliche
Zwecke wesentliche Vorteile ziehen, besonders da Australien über
große Uranvorkommen verfügt.
Gegenwärtig wird eine Reihe von friedlichen Verwendungsmöglichkeiten des Atoms entwickelt, die in höchstem Maße geeignet
scheinen, Ägypten bei der Lösung seiner spezifischen Wirtschaftlichen Probleme zu helfen. Ich meine hier insbesondere die Verwendung von Radioindikatoren für Zwecke der landwirtschaftlichen
Forschung und die gegenwärtig durchgeführten Versuche zur Entwicklung wirtschaftlich rentabler technischer Verfahren für die
Umwandlung von Salzwasser in Süßwasser.
Ich möchte mich nun der westlichen Hemisphäre zuwenden.
Von allen Ländern, die Vertreter zu diesem Lehrgang entsandt
haben, verfügt gegenwärtig nur Mexiko innerhalb seiner Staatsgrenzen über ausreichend erschlossene Energiequellen; alle vier
Öiaa^tn-— Argentinien, Brasilien, Guatemala und Mexiko - sind um
die Expansion ihrer Industrie bemüht, und gerade hier kann das
Atom einen erheblichen Beitrag leisten.
Ich glaube, man kann mit Recht behaupten, daß jeder Einzelne
von Ihnen nach seiner Rückkehr in die Heimat dort eine ganze
Reihe von Vorhaben, und sei es auch vorerst noch im Planungsstadium, vorfinden wird, auf die sich das Wissen und die Kenntnisse,
die Ihnen hier während des Lehrgangs vermittelt werden sollen,
unmittelbar und nutzbringend anwenden lassen.
An welchem Punkt wir heute hinsichtlich der Ausnutzung der
Atomkräfte angelangt sind, läßt sich meiner Meinung nach am
besten an Hand eines Vergleichs zwischen der Entwicklung der
Luftfahrt in den ersten Jahren unseres Jahrhunderts und dem gegenwärtigen Entwicklungsstadium der Atomtechnik illustrieren. E n d e

�"AMERIKA DIENST"

16. März 1955

Ende der zwanziger Jahre wurde die Welt, wie sich viele unter
Ihnen erinnern werden, von einer Welle der Begeisterung über die
Wohltat erfaßt, die der Menschheit aus dem friedlichen Einsatz des
Plugzeugs erwachsen werde. Bis zu jenem Zeitpunkt war die Entwicklung der Luftfahrt in erster Linie auf militärische Gesichtspunkte abgestellt. Der Verwendung des Flugzeugs als Verkehrsmittel
hatte man verhältnismäßig geringe Aufmerksamkeit geschenkt.
Plötzlich schien die Welt von der Vision einer gewaltigen Aufwärtsentwicklung der zivilen Luftfahrt in Bann geschlagen. Welchen
Ausdruck fand diese Begeisterung damals?
In den Zeitschriften wimmelte es von Artikeln über die
Pliegerei, und in Trinksprüchen und Pestreden zeichnete man in
den leuchtendsten Farben das Bild einer Welt, in der jedermann
in seinem eigenen Plugzeug zur Arbeit flog. Auf dem Gebiet der
Stadtplanung, so weissagte man damals, würden überbevölkerte
Wohnbezirke bald der Vergangenheit angehören, da man von nun an
jeden beliebigen Ort in Kürze erreichen könne. Die Belegschaft
eines Betriebes könnte ruhig 100 bis 200 Kilometer vom Arbeitsort entfernt wohnen, und dennoch werde jeder Arbeiter im eigenen
Flugzeug mühelos und pünktlich an seinem Arbeitsplatz erscheinen.
Damals gründete man auch durch Fusion einer ganzen Reihe von
kleineren Unternehmen eine große amerikanische Fluggesellschaft,
die alsbald damit begann, in der Nähe, aller Großstädte Flugplätze
zu erwerben, um diesen Zukunftstraum in Kürze zur Wirklichkeit
werden zu lassen.
Der Fortschritt auf dem Gebiet der Zivilluftfahrt war ohne
Zweifel eine eindrucksvolle Leistung. Wir alle haben von dieser
Entwicklung profitiert, obwohl sich doch nur sehr wenige unter
uns täglich per Plugzeug zur Arbeitsstätte bringen lassen, und
es wird sich wohl kaum einer einfallen lassen, per Fallschirm zu
einer Abendeinladung zu erscheinen. Noch immer sind Eisenbahnen,
Schiffe und Autobusse die wichtigsten Massenverkehrsmittel, und
die Zahl der Autos übertrifft die der Flugzeuge um ein Vielfaches.
Es gibt einen einfachen Grund dafür, daß die Pläne der zwanziger Jahre bis heute nur zum Teil verwirklicht worden sind: mit
der Luftfahrt wurde eine neue Dimension dem Komplex der Fortbewegungsmöglichkeiten hinzugefügt. Fliegen an und für sich ist
nicht gefährlich. Die Gefahr setzt erst mit dem Moment ein, in
dem der Motor aussetzt und man nicht mehr weiterfliegen kann.
Seitdem die Brüder Wright ihren ersten Flug unternommen haben,
haben sich die Erfindungen auf zwei Gebiete konzentriert. Einmal
darauf, Flugzeuge zu bauen, die sicherer und zuverlässiger flogen,
und zum anderen auf die Ausbildung des technischen Personals der Piloten wie des Bodenpersonals. Wir haben große Portschritte
in dieser Richtung erzielt. Nach 50 Jahren ständiger Versuche und
Verbesserungen ist das Fliegen heute so sicher, daß unsere großen
Luftverkehrsgesellschaften jedes Jahr Millionen von Meilen ohne
Unfälle zurücklegen. Sie haben das Sicherheitsproblem genau so
gelöst, wie Sie und alle anderen die Probleme lösen werden, die
mit der ungefährlichen Anwendung der Atomkraft in Zusammenhang
stehen. Aber auch damals benötigte man Zeit.
In

�"AMERIKA DIENST"

16. März 1955

In den ersten Jahren des ...Mocfcjorfluges, von 1903 bis 1937 wurde
die Pluggeschwindigkeit jährlich um 18 Stundenkilometer erhöht.
Mit anderen Worten: jeder Pilot flog im neuen Jahr 18 Kilometer
schneller als im vorangegangenen.
Während der nächsten 10 Jahre, in die die Zeit des zweiten
Weltkrieges fällt, erhöhte sich die Pluggeschwindigkeit jährlich
um rund 40 Stundenkilometer. Mit der Entwicklung von Düsenmotoren
ist die Geschwindigkeitssteigerung auf 250 Stundenkilometer im
Jahr hochgeschnellt. Einige unserer Piloten haben bereits Geschwindigkeitsspitzen von 2 500 Kilometern erreicht, und bis jetzt ist
noch gar kein Ende abzusehen.
Ohne behaupten zu wollen, daß die ständigen Entwicklungen auf
dem Gebiete der Atomenergie unsere Erfahrungen auf dem Gebiete der
Luftfahrt verdoppeln werden, glaube ich, daß es nur realistisch
ist, wenn man einsieht, daß wir jetzt einen ähnlichen Entwicklungsprozeß wie damals durchmachen werden - langsam, versuchsweise am
Anfang, schneller und verlässlicher, je mehr wir mit den Problemen
vertraut werden und wissen, mit welchen technischen Mitteln wir
sie am besten lösen können.
Wir werden vieles durch die Atomenergie gewinnen. Aber es
wäre unvernünftig anzunehmen, daß wir diese Revolution über Nacht
vollenden könnten. Ich habe volles Vertrauen, daß wir den Willen
und die Fähigkeit aufbringen werden, diese vielen Probleme zu
lösen. In der Tat bietet eine Gelegenheit wie die heutige hier die
beste Versicherung, daß das Denken von Fachleuten aller Nationen
auf die sofortige und wirksame Lösung dieser Probleme gerichtet
werden kann, sofern sie im Bereich des Menschenmöglichen liegen.
Aus einer solchen Zusammenarbeit kann nur Gutes entstehen. Wir
haben in den vergangenen Monaten gute Fortschritte in der internationalen Zusammenarbeit zur friedlichen Anwendung der Atomenergie gemacht. Wir sind weiter auf dem Weg vorangeschritten,
der zur Gründung einer internationalen Atomenergie-Behörde führen
soll, wie sie von Präsident Eisenhower vorgeschlagen wurde.
Der Entwurf für ein Statut einer solchen Kommission ist bereits
ausgearbeitet worden und ist gegenwärtig Gegenstand von Verhandlungen. In diesem Entwurf sind verschiedene konstruktive Vorschläge aufgenommen worden, die während der langen und nützlichen
Debatte der Vollversammlung der Vereinten Nationen zu diesem
Thema gemacht wurden. Es würde verfrüht sein, heute in eine Diskussion über Details dieser Kommission einzugehen. Es steht fest,
daß eine internationale Kommission zur friedlichen Nutzung der
Atomenergie bald entstehen wird. Ich hoffe, daß sich möglichst
viele von Ihnen an der Arbeit der Kommission beteiligen werden.
Die Eröffnung der Atommeilerschule ist ein weiterer Schritt
vorwärts auf dem Wege zu einer internationalen Zusammenarbeit, um
die Verwendung der Atomenergie zu friedlichen Zwecken auf eine
möglichst breite Basis zu stellen. Dem gleichen Ziele dient auch
die für den August 1955 geplante Atom-Konferenz in Genf.
Von besonderer Bedeutung bei dieser Schule ist ihre internationale Zusammensetzung mit Vertretern aus allen Teilen der Welt.
Ein kurzer Überblick über die Beteiligung zeigt folgendes Bild:
Vom
Q

�16. März 1955
"AMERIKA DIENST
Vom afrikanischen Kontinent sind ägyptische Vertreter
anwesend; auch Australien ist vertreten. Aus dem Orient, aus
Japan, Pakistan, Israel, Thailand, von den Philippinen und
aus Indonesien sind Wissenschaftler zugegen. Europa ist durch
Belgien, Prankreich, Griechenland, Portugal, Spanien, Schweden
und die Schweiz vertreten. Und vom amerikanischen Kontinent
kommen Gäste aus Guatemala, Mexiko, Argentinien und Brasilien
zu uns.
Wir wollen uns nunmehr kurz den Lehrgängen selbst zuwenden, die hier besucht werden. Sie machen es noch deutlicher,
wie wichtig der Austausch von technischem Fach- und Grundlagenwissen über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus zur
Förderung der Atomforschung ist. Sie werden sich mit Reaktorphysik, Reaktortechnik, Metallurgie der für den Reaktorenbau
verwendeten Materialien, Chemie der seltenen Erden, der Erforschung der Trennungsgänge, Instrumentenkunde, Fernbedienung, praktischer Reaktorfcechnik, Analysen, qualitativen
Analysen und einem metallurgischen Praktikum befassen.
Damit sollten wir wirklich einen guten Start für die Ausbildung von Fachkräften in allen Teilen der Welt gemacht haben.
Mit dieser Schule und mit der internationalen Zusammensetzung der Hörerschaft haben wir einen wirklichen Schritt
vorwärts auf dem Wege zu einer internationalen Zusammenarbeit
getan, um die Kräfte des Atoms für den Frieden zu gewinnen.
Jene Botschaft der Hoffnung, die der Präsident der Vereinigten
Staaten vor etwas mehr als einem Jahr der Menschheit vor den
Vereinten Nationen überbrachte, ist heute eine Realität geworden. Und mehr noch wird in der Zukunft getan werden.
Wenn wir in den vor uns liegenden Zeiten eine internationale Atomenergie-Behörde haben werden, v.ie sie dem Präsidenten
vorschwebt, dann hoffe ich, daß alle im Besitz von Fachwissen
über das Atom befindlichen Nationen, einschließlich der UdSSR,
Angehörige aller anderen Länder einladen werden, auf der Basis
der Gegenseitigkeit an ihrem Ausbildungsprogramm teilzuhaben.
Die internationale Behörde wird vielleicht von sich aus Ausbildungslehrgänge veranstalten; Jedenfalls kann sie einen
wesentlichen Beitrag dazu leisten, daß das technische Fachwissen über das Atom jedem Staat zugänglich ist.
Ich beglückwünsche die Mcmenergiekom.iission der Vereinigten Staaten zu ihrem Weitblick, den sie mit der Gründung dieser
Schule bewiesen hat. Ich beglückwünsche den Lehrkörper dieser
Schule zu den sorgfältigen Vorbereitungen, die, dessen bin ich
gewiß, die Gewähr dafür bieten, daß die Lehrgänge ein voller
Erfolg werden. Und ich beglückwünsche ganz besonders Sie, die
Sie aus dem Auslande hierher gekommen sind und in Ihre Heimatländer als Pioniere dieser großen Aufgabe zurückkehren werden.
Ihre Anwesenheit ist der lebhafte Ausdruck der in allen Teilen
der Welt geforderten positiven Maßnahmen, um sicherzustellen,
daß die Menschheit dieses Planeten nicht untergeht - daß sie
weiterlebt trotz der Möglichkeit größter Zerstörungen durch
die Anwendung eben gerade dieser .Atomenergie zu ausschließlich
kriegerischen Zwecken. Ich glaube, es ist die durchaus berech-

�"AMERIKA IIENST"

16. März 1955

berechtigte Hoffnung der Welt, daß die Verwendung der Atomenergie zur Zerstörung in einem Weltkrieg in dem Maße immer
unwahrscheinlicher wird, in dem sich die Anwendung der Atomenergie zu friedlichen Zwecken immer mehr durchsetzt und die
Energiewirtschaft der Welt immer mehr von ihr abhängig wird.
In diesem Sinne käme der Entwicklung der Atomenergie eine
Bedeutung zu, die weit über den rein wirtschaftlichen Gesichtspunkt hinausginge, unter dem man dieses Projekt heute allgemein sieht. In diesem Sinne aber werden auch Sie sich auf
Grund Ihrer schrittmachenden Bemühungen auf diesem Gebiete
in Ihren Heimatländern jenen Lohn verdienen, der dem wahren
Freund des Friedens winkt. Sie werden dann in jener beneidenswerten Position sein, einen Beitrag dazu leisten zu können,
daß wir uns unseres Lebens in größerer Sicherheit, bei gesteigertem wirtschaftlichen und gesundheitlichen Standard erfreuen können. Las ist eine wirkliche Hoffnung. Vom Austausch
von Fachwissen und Gedanken profitiert die ganze Menschheit.
Liesem Ziele hat sich das amerikanische Volk durch seine Maßnahmen auf dem Gebiet der Nutzung der Atomenergie zu friedlichen Zwecken verschrieben."

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�A M E R I K A

D I E N S T

GENERAL GRUENTHER: UNSERE UND UNSERER PARTNER
SICHERHEIT SIND UNLÖSBAR MITEINANDER VERBUNDEN
WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die General Alfred M. Gruenther,
der Oberbefehlshaber der Alliierten Streitkräfte in Europa am 21.März vor dem Amerikanischen Werberat in Washington gehalten
hat.
Am 12.März 1954 sagte der damalige Vorsitzende des Ministerrats der Sowjetunion, Malenkow, vor den 1327 Mitgliedern
des Obersten Sowjet ein neuer Weltkrieg müsse "im Hinblick auf
die modernen Mittel des Krieges den Untergang der Weltzivili-sation" bedeuten.
Vor 6 Wochen, am 8.Februar, erklärte Außenminister Molotow
in einer bemerkenswerten Ansprache vor demselben Kreis, in je
nem Teil seiner Rede, der den Polgen eines eventuellen Atomkriegs gewidmet war, wörtlich:
"Untergehen wird nicht die 'Weltzivilisation*, wie sehr
sie auch durch eine neue Aggression zu Schaden kommen mag;
untergehen wird jenes durch und durch verrottete Gesellschaftssystem mit seiner ^ . blutgetränkten imperialistischen Grundlage, mit dem es zu Ende geht und das wegen seiner Aggressivität verurteilt und wegen seiner Ausbeutung der Werktätigen
und der geknechteten Völker abgelehnt wird."
Man sieht Stalins Geist förmlich neben Molotow stehen,
als er diese Schmährede hielt.
Dieses Zitat enthält zwei Punkte, die einer eingehenden
Prüfung unterzogen werden sollen. Zunächst findet sich hier
der Hinweis auf einen innerhalb von knapp 11 Monaten erfolgten radikalen Umschwung der sowjetischen Haltung hinsichtlich der Gefahren eines möglichen Atomkrieges. Perner läßt
sich daran die Tatsache ablesen, daß die Sowjets eine sehr
geringe Meinung von den Mitgliedern de» Amerikanischen Werberates besitzen, denn von Ihnen hängt in hohem Maße unser
System der freien Wettbewerbswirtschaft ab, das Herr Molotow
als ein "Gesellschaftssystem mit seiner i t blutgetränkten
Grundlage" nennt.
Dieses System steht unter dem Bannfluch der Sowjets.
Solange ihm Erfolg beschieden ist, wird ein grundsätzlicher
Gegensatz zwischen den beiden Ideologien bestehen bleiben".
Das
1 -

�"AMERIKA DIENST"

23. März 1955

Das ist die Problemstellung, der wir uns in der freien Welt
heute gegenübersehen. Das ist die Krise, für die es eine
Lösung zu finden gilt. Sie, meine Zuhörer, tragen genau wie
ähnliche führende Wirtschaftsgremien eine hohe Verantwortung
hierbei.
Um der Bedrohung durch den Sowjetimperialismus zu begegnen, kam General Eisenhower Anfang 1951 nach Europa, um ein
Verteidigungssystem aufzubauen, das sich von der Nordspitze
Norwegens bis zur Ostgrenze der Türkei über rund 6V2 Tausend
Kilometer erstreckt.
Zweck meiner Ansprache hier soll es sein, Ihnen einen
Überblick über den Portschritt zu geben, den wir hinsichtlich
dieser Verteidigung und einer Reihe unserer Probleme erzielen
konnten und Ihnen die Hoffnung zu zeigen, die wir für die Zukunft haben.
Als General Eisenhower am 7.Januar 1951 in Paris eintraf,
war die moralische Widerstandskraft der Völker der freien Welt
auf einen Tiefpunkt gesunken. Die Streitkräfte der Vereinten
Nationen in Korea hatten eine Reihe von Rückschlägen hinnehmen
müssen, und der Ausgang des Peldzuges war noch sehr zweifelhaft. In Europa hatten die Völker endlich begriffen, daß der
Sowjetimperialismus wieder im Vormarsch begriffen war.
General Eisenhower gelangte zu der Feststellung, daß
nicht nur die ihm zur Verfügung stehenden Streitkräfte in
Europa völlig ungenügend waren, sondern daß - und dies war
das schlimmste - noch nicht einmal eine gemeinsame Konzeption
zur Verteidigung Europas bestand.
Es freut mich, Ihnen sagen zu können, daß unsere Streitmacht heute zahlenmäßig 3 bis 4 mal so stark ist wie damals.
Unsere Abschnittskommandos in Oslo, Pöntaiheblßau, Neapel und
Malta verfügen heute über einen guteingerichteten Apparat.
Jedes einzelne von ihnen hält einen gründlich ausgearbeiteten Kriegsplan für den Notfall bereit, der Teil der strate
gischen Gesamtplanung ist. Diese Pläne können gegebenenfalls
zu jeder Sekunde kurzfristig verwirklicht werden, falls es
gilt, einer Aggressionshandlung zu begegnen.
Wir sind wahrscheinlich immer noch nicht stark genug,
einen Angriff auf breitester Front von Anfang an erfolgreich
zu überstehen. Diese Tatsache ist jedoch nicht so entmutigend
wie es den Anschein haben mag. Es hätte wahrscheinlich ein
Wunder geschehen müssen, wenn unsere Stärke innerhalb so
kurzer Zeit von dem ursprünglich niedrigen Stand auf einen
so hohen Stand hätte., gebracht werden können. Es freut mich,
Ihnen sagen zu können, daß der Fortschritt, den wir in 4 Jahren erzielten, wesentlich größer ist, als wir zu dem Zeitpunkt zu hoffen wagten, da wir in jenen trüben Tagen des beginnenden Jahres 1951 versuchten, die zukünftige Entwicklung
vorauszusagen.
Die Verteidigungsstreitkräfte, die wir aufgebaut haben,
würden sich bereits heute vollauf bewähren und einen Angreifer
zur
- 2 -

�»AMERIKA DIENST"
23. März 1955
zur Aasschöpfung sämtlicher Kräfte zwingen. Damit haben wir
eine gute Sicherheit gegen einen sogenannten Zufalls- oder
Gelegenheitskrieg.
Aber das allein genügt natürlich noch nicht. Aus diesem
Grunde haben wir der uns übergeordneten politischen Instanz,
dem Nordatlantikrat, die Empfehlung unterbreitet, die militärische Stärke weiter auszubauen, besonders durch einen deutschen Beitrag. Die Vertreter der Signatarstaaten des Nordatlantikpaktes traten am 23.Oktober 1954 in Paris zusammen, wo
sie die Pariser Verträge unterzeichneten, welche die vertraglichen Voraussetzungen für einen solchen Beitrag Deutschlands
schufen. Diese Abmachungen liegen gegenwärtig den Parlamenten
der Mitgliedstaaten zur Ratifizierung vor »^Westdeutschland und
die französische Nationalversammlung habenT^ereits gebilligt.
Die Debatte im französischen Senat wird übermorgen (am 23.März)
beginnen. Ich bin der Auffassung, daß die Aussichten für eine
Ratifizierung seitens Frankreichs durchaus gut sind und daß
die Erwartung, das Ratifikationsverfahren werde in Prankreich
bis zum Ende dieser Woche beendet sein, durchaus nicht unbe
gründet ist.
Nach Ratifizierung der Pariser Verträge wird die Bundesrepublik Deutschland der 15.Mitgliedstaat der Nordatlantikpakt-Organisation. Ihr militärischer Beitrag wird aus 1300
Maschinen der taktischen Luftstreitkräfte, 12 deutschen Divisionen und einigen kleineren Einheiten der Seestreitkräfte
bestehen, die vor allem in der Ostsee eingesetzt werden sollen.
Wenn die Aufstellung der deutschen Streitkräfte erfolgt ist,
und das wird etwa drei bis $ier Jahre nach der Vertragsratifizierung sein, wird unsere militärische Stärke erheblich zu^
genommen haben. Das Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte
in Europa ist der Auffassung, daß wir dann durchaus gute Aussichten haben werden, Europa unter Einschluß von Westdeutschland mit Erfolg auch gegen einen auf breiter Front erfolgenden Angriff zu verteidigen. Natürlich werden Sie sich die
Frage stellen, "wie kann dieser verhältnismäßig kleine Beitrag
Deutschlands einen so großen Unterschied ausmachen?" Das ist
eine ganz richtige Frage angesichts der Tatsache, daß die
Sowjets gegenwärtig eine Streitmacht von etwa vier und einer
halben Million Mann unterhalten und daß ihr 175 Divisionen,
20 000 einsatzbereite Flugzeuge und etwa 350 U-Boote zur Verfügung stehen, um nur eine Waffengattung der sowjetischen
Kriegsmarine zu nennen. Dazu müssen noch die Land- und Luftstreitkräfte der Satellitenstaaten gerechnet werden, deren
Einsatzbereitschaft unterschiedlich ist.
Es trifft zu, daß der Beitrag Deutschlands durchaus nicht
den Vorteil aufwiegen wird, in dem sich die Sowjets hinsichtlich herkömmlicher Waffen und Streitkräfte befinden. Ich habe
nämlich bisher noch nicht den Umstand erwähnt, daß sich unsere
Strategie auf den Einsatz von Atomwaffen gegen einen Angreifer
gründet. Mit diesem Potential an Atomwaffen planen wir den
großen Nachteil im Hinblick auf die herkömmlichen Waffen und
Streitkräfte wettzumachen.
Der

�"AMERIKA DIENST"
23. März 1955
Der Beitrag Deutschlands wird den ganzen Unterschied zwischen einer zweitrangigen Strategie und einer viel wünschenswerteren Strategie der weit vorgeschobenen Verteidigung ausmachen, die uns in die Lage versetzt, unsere Verteidigungslinien viel weiter im Osten aufzubauen. Unser Plan ist es, einen
Schild aus alliierten Land- und Luftstreitkräften aufzubauen,
der stark genug ist, um einen angreifenden Gegner dazu zu
zwingen, sich auf einzelne Durchbruchsunternehmen zu konzentrieren. Solche Konzentrationen wären gegenüber Angriffen
mit unseren neuen Atomwaffen außerordentlich verwundbar. Ich w.
darf noch einmal kurz zusammenfassen: In drei bis vier Jahren nachdem der deutsche Beitrag sich auswirkt, und unter der Voraussetzung, daß Atomwaffen zur Zurückweisung eines Angriffes zum
Einsatz kommen - werden wir eine gute Gewähr dafür haben, daß
Europa mit Erfolg verteidigt werden kann»
Es ist nur natürlich, daß Sie fragen: "Das ist ja alles
schön und gut in drei oder vier Jahren. Aber Sie haben ja schon
gesagt, daß wir jetzt wahrscheinlich nicht stark genug sind,
um uns einer großangelegten Aggression zu widersetzen. Bedeutet
das nicht, daß wir uns während der nächsten drei oder vier Jahre
in tödlicher Gefahr befinden?" Es gibt keine klar umrissene
Antwort auf eine solche Frage. Aber es gibt gewisse Beobachtungen, die diesen Fragenkomplex etwas erhellen.
Bei dem heutigen Stand der technischen Entwicklung in
der Luftfahrt ist die offensive Luftmacht der defensiven gegenüber sehr im Vorteil. Diese Tatsache gilt auch für LangStreckenflugzeuge, ich brauche hier nur auf die amerikanische:
B-47 hinzuweisen. Vor etwas mehr als einem Jahr flog eine Maschine dieses Typs von den Vereinigten Staaten nach England in
vier Stunden und 34 Minuten. Bis jetzt gibt es noch keine Abwehrwaffe gegen dieses Flugzeug, auch heute nicht, am 21.März
1955. Die Sowjets haben £eine und wir selber auch nicht.
Ferner erhält die amerikanische Luftwaffe jetzt schon Maschinen des Typs B-52 aus der laufenden Produktion, die in ihrer
Leistungsfähigkeit der B-47 noch weit überlegen sind.
All das bedeutet, daß wir im Besitze überwältigend starker Vergeltungs-Luftstreitkräfte sind, für den Fall, daß der
Krieg heute ausbrechen sollte. Selbst wenn man im pessimistischen Sinne annehmen wollte, daß es den Sowjets gelingen könnte, Europa zum Teil oder auch ganz zu überrennen, so würden
sie trotzdem auf Grund unserer großen Luftüberlegenheit zurückgeschlagen werden. Beachten Sie bitte, daß ich nicht gesagt habe, daß wir "gewinnen" würden. Es ist mir vollkommen
klar, daß es, sollte heute ein neuer Weltkrieg ausbrechen,
etwas wie einen "Sieger" nicht geben würde. Fest steht aber,
daß die Sowjets geschlagen würden.
Ich habe volles Verständnis dafür, daß das nur ein
schwacher Trost für die Völker Europas wäre, die dabei überrannt würden und die ihre Hoffnung bestenfalls auf einen
neuen harten Befreiungsprozeß setzen könnten. Aber vom Standpunkt des sowjetischen Dberkömmändos - vom Standpunkt der
sowjetischen Militärplanung - ist dieses verheerende Mittel
in unserer Hand heute ein starkes Abschreckungsmittel gegen
den Krieg.
Bei

�23. März 1955
"AMERIKA DIENST"
Bei dieser Gelegenheit möchte ich klar herausstellen,
daß die der NATO angeschlossenen Nationen zwei Ziele auf dem
militärischen Gebiet verfolgen: Erstens genügend_ militärische Streitkräfte zur Verfügung zu haben, um ein Überrennen
Europas zu verhindern, und zweitens - im Falle einer auf
breitester Fron-JÄrorgetragenen Angriffs - den Feind zu schlagen.
Ich habe bereits gesagt, daß wir beim gegenwärtigen Stand der
Dinge die zweite Mission, den Feind zu schlagen, erfüllen
könnten. Aber ich habe auch erwähnt, daß wir wahrscheinlich
nicht stark genug sein werden, der ersten Aufgabe gerecht
zu werden. In drei bis vier Jahren sollten wir mit Hilfe des
deutschen Verteidigungsbeittages und mit unseren neuen Waffen in der Lage sein, auch der ersten Aufgabe gerecht zu
werden.
Es ist mir ein Bedürfnis, Sie nachdrücklich darauf hinzuweisen, daß wir den kalten Krieg erfolgreich führen können,
wenn wir Streitkräfte aufbauen, die ausreichen, um ein Überrennen Europas zu verhindern. Aus diesem Grunde ist es besonders notwendig, eine schlagkräftige Land- und Luftmacht,
unterstützt von Seestreitkräften, zu besitzen.
Als General Eisenhower noch Oberbefehlshaber der
Alliierten Streitkräfte in Europa war, hat er wiederholt
betont, daß militärische Stärke allein die Sicherheit nicht
gewährleisten könne, sondern nur ein Zusammenwirken aller
militärischen, wirtschaftlichen und geistigen Kräfte. Es
dürfte Ihnen, meine Zuhörer, ganz klar sein, daß, hätten wir
durch den Aufbau unserer militärischen Stärke unsere wirtschaftliche Lage verschlechtert, unsere Fortschritte auf
militärischem Gebiet umsonst gewesen wären. Ich möchte auf
diesen Punkt nicht weiter eingehen. Ich darf aber einige
Beobachtungen über die geistige und psychologische Seite der
Anstrengungen hier anführen.
Im Juli 1945 kam ich als Stellvertreter General Clarks
in Wien mit vielen sowjetischen Beamten in Berührung. Einen
sah ich besonders oft, er bekleidete meine Stellung bei den
Sowjets, er war Stellvertreter Koniews. Er war Generaloberst,
42 Jahre alt, ein außerordentlich fähiger Offizier und
darüber hinaus ein überzeugter Kommunist. Er glaubte mit
jeder Faser des Herzens an jene unheilvolle Doktrin. Da wir
zu der Zeit Freunde waren, führten wir viele Gespräche,auch
über weltanschauliche Fragen. Ich möchte sagen, daß sich
seine Hauptthese über unser System mit folgenden Worten zusammenfassen läßt:
"Ihr koflfliicfcii von einer sogenannten Demokratie. Ihr seid
stolz .darauf, wieviel Freiheit ihr habt. Mit der Zeit aber
werdet ihr merken, daß gerade diese Freiheit der springende
Punkt ist. Ihr wendet euch an euer Volk und verlangt von ihm,
es solle an der Wahlurne Entscheidungen über Dinge treffen,
von denen es nichts versteht. Ebenso gut könntet ihr über die
Frage Ist die Theorie Einsteins zutreffend?" abstimmen
lassen. Über derartige Dinge kann die Masse eben keine wohlbegründete Meinung haben. Wir in der Sowjetunion aber behandeln solche Dinge auf andere Art. Wir suchen kluge Leute aus,

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�"AMERIKA DIENST"

23. März 1955

aus, die uns regieren sollen und von den Stimmen der Wähler
unabhängig sind. Diese Leute sagen dem Volk, was es tun soll;
sie fragen das Volk nicht- Ihr neigt dazu, unsere sowjetische
Regierungsform zynisch zu verspotten. Doch in der komplizierten modernen Zeit, die bald für uns alle anbricht, wird der
Tag kommen, wo ihr voller Neid auf unser System blicken werdet.
Ihr werdet dann erfahren, daß eure Demokratie in Krisenzeiten
unfähig ist, zu handeln."
Seine zweite Hauptthese war die, wenn eine Staatsführung
überhaupt wirksam arbeiten solle, so müsse das Volk zur Treue
gegenüber der Staatsführung erzogen sein. In der Sowjetunion
geschehe das durch Schulungskurse, die schon in früher Jugend
beginnen.
Es ist bezeichnend, daß dieser Offizier vor etwas mehr
als Jahresfrist in der Sowjetunion zum Leiter der Politischen
Hauptverwaltung im Verteidigungsministerium ernannt wurde.
Seine Aufgabe ist die politische Schulung der jungen Leute
innerhalb der Streitkräfte. Bei diesen jungen Leuten handelt
es sich um alljährlich etwa zwei Millionen Rekruten, Diesem
Offizier steht ein großer Stab von akademisch geschulten
Kräften zur Seite» Die Schulung reicht hinab bis zu den
kleinsten Einheiten. Wie ich diesen Offizier kenne, werden
er und seine Helfer auf diesem Gebiet ganze Arbeit leisten.
Ich möchte auf keinen Fall den Eindruck erwecken, ich
sei der Auffassung, wir sollten uns eine sowjetische Lösung
zu eigen machen. Und ich betreite die Theorie, daß die öffent
liehe Meinung in den demokratischen Ländern der freien Welt
nicht fähig sei, sich ernsthaft mit Sicherheitsproblemen auseinanderzusetzen. Ich bringe diese Dinge zur Sprache, weil
wir in einem Konflikt mit einer totalen Diktatur stehen, die
als die stärkste der Weltgeschichte anzusprechen ist. Sie
steht unter der Leitung ganz weniger Männer. Wir mit unserer
Vorstellung von Demokratie und Freiheit werden es mit großen
Schwierigkeiten zu tun bekommen. Der kalte Krieg kann noch
lange dauern. Es gibt Anzeichen dafür, die auf eine beginnende
Ermattung hindeuten. Dem gilt es zu widerstehen. Wir sehen
eine Zeit vor uns, die unsere ganze Hingabe fordert - Hingabe
an unser Vaterland und an die Sache der Freiheit.
Ich bin fest davon überzeugt, daß unsere Sicherheit und
die unserer Partner, die gleich uns die Freiheit genießen, unlösbar miteinander verknüpft sind. Allein ein kollektives
Sicherheitssystem kann uns Ruhe verschaffen. Gerade das bietet uns die NATO. Ein Bündnis ist jedoch ein Gebilde, dessen
dauernd störungsfreies Arbeiten nur schwer zu sichern ist.
Allgemein kann man sagen, bei verdrießlichen Fehlschlägen und
Erschwernissen arbeitet es langsam.
Lassen Sie mich dies durch ein Beispiel veranschaulichen.
Als General Eisenhower nach Europa kam, stellte er fest, daß
wir nur fünfzehn NATO-Flugplätze hatten. Es war einfach, zu
der Entscheidung zu gelangen, mehr zu bauen. Aber die Ausarbeitung einer Formel durch die Finanzminister, welchen Anteil
jedes Land aufbringen sollte, war ein überaus kompliziertes Un-

�"AMERIKA DIENST"

23. März 1955

Unterfangen* erörterten sie diese Frage doch beinahe 15 Monate
lang. Niemand verlor die Geduld, als man aber zu freiwilligen
Beiträgen aufforderte, da raffte sich keiner zu einem Angebot
auf. Dennoch kann ich Ihnen sagen, daß wir statt der 15 Flugplätze jetzt etwa 125 haben. Jeden Tag gelingt uns die Lösung
ähnlicher Fragen. Natürlich hätte eine Diktatur diese Frage
der lastenverteilung binnen kurzem gelöst. Unsere Art und
Weise ist schwerfälliger. Denkt man soweit, so darf man aber
auch nicht übersehen, daß diese Art und Weise einen höheren
Grad der Intelligenz und des Verständnisses bei den Bündnispartnern erfordert.
Die Bürde der Führerschaft fällt in ihrer ganzen Schwere
den Vereinigten Staaten zu. Ob es uns recht ist oder nicht,
unsere Weltmachtstellung hat uns mancherlei Verantwortung auferlegt.
Dann und wannhört man,in Europa bestehe starke Amerikafeindlichkeit. Die gibt es zwar, aber ich würde sie nicht als
bedrohlich ansehen. Ein gewisser Zweifel an unserer Klugheit
- wenn man will, kann man ihn Amerikaskepsis nennen - ist allerdings bei vielen unserer nüchtern denkenden europäischen
Freunden vorhanden. Alle unsere Partner sehen ein, daß die
Vereinigten Staaten groß geworden sind, weil sie nicht bereit
waren, sich von Schwierigkeiten abschrecken zu lassen. Diese
Unbekümmertheit ist aber vielleicht nicht - meiner Meinung
nach sogar bestimmt nicht - jene Eigenschaft, deren es bedarf,
wenn man zu einem Bündnis das beitragen will, was Präsident
Eisenhower "gute Partnerschaft" nennt.
Was können wir nun tun? Wie können wir jenes Fingerspitzengefühl, - jene Klugheit - in weiten Volksschichten
wecken? Natürlich habe ich keine Antwort auf diese Frage
bei der Hand. Vor vielen Jahren sagte Will Rogers, er hätte
eine Lösung des Problems der U-Boot-Abwehr. Sein Rezept lau
tete: "Alles, was ihr zu tun braucht,ist, das Meer zum Kochen
bringen. Dann müssen die U-Boote an die Oberfläche. Und dann
erledigt ihr sie." Als ein Zuhörer fragte: "Schön, Will,
aber wie in aller Welt bringt man das Meer zum Kochen?" erwiderte er: "Hm, ich habe nur den allgemeinen Grundsatz darge
legt, die Ausarbeitung der Einzelheiten ist eure Sache."
Sie, meine Herren, haben alle große Erfolge gehabt mit
Verkaufseinfällen. Ich bin dessen gewiß, Sie können diese
Frage lösen. Ich bin besonders beeindruckt durch die großartige Leistung, die der Amerikanische Werberat in der Unterrichtung der Bevölkerung über Fragen, wie das Schulprogramm,
in der zur Förderung des Absatzes von Bundesanleihen und während der Sammelaktion für den Kreuzzug für die Freiheit entfaltet hat. Ich hoffe, Sie werden imstande sein, ein Programm
zur Entwicklung jenes Fingerspitzengefühls in ihre Tätigkeit
einzubeziehen, das die Voraussetzung für ein reibungsloses
Funktionieren von Bündnissen ist. Ganz von selbst wird es
nicht gehen. Ideale Verhältnisse für gedeihliche Bündnisse
bestehen nur dann, wenn die Furcht groß ist- Diese Furcht beginnt sich zu legen.

�"AMERIKA DIENST"

23. März 1955

Ich weiß, daß Sie an einem Beitrag interessiert sind,
den die Privatwirtschaft kürzlich zur Unterrichtung der
Öffentlichkeit in Europa über das Wesen der NATO geleistet
hat. Die "United Aircraft Corporation" läßt zur Zeit sechs
ganzseitige Anzeigen in etwa achttägigem Abstand in 25 führenden Zeitungen, von Ankara bis Oslo, erscheinen. Die Anzeigen
sprechen von der NATO. Die erste von ihnen ist schon erschienen,
und die bisherigen Berichte deuten auf eine günstige Aufnahme
hin. Mr. Streibert läßt mich wissen, das US-fnfflrmatiönsamt'
unterhalte ein Büro für Fragen der Zusammenarbeit mit privaten
Gruppen, das gerne bereit sei, an der Ausarbeitung solcher
Vorhaben mit Rat und Tat mitzuwirken.
Ich habe mich heute Abend hier natürlich in erster Linie
mit Europa und der Nordatlantikpakt-Organisation befaßt; aber
all dem liegt doch das Prinzip der kollektiven Sicherheit zugrunde. Das ist ein weltumfassendes Problem, und es ist die
einzige Methode, um der Bedrohung durch die totalitären Diktaturen zu begegnen.
Ich bin nicht sicher, ob Sie sich schon einmal Gedanken
über die großen Bemühungen der Sowjets gemacht haben, die
Nordatlantikpakt-Organisation zu verunglimpfen. Wenn es keinen
anderen Grund zu der Annahme gäbe, daß die Organisation eine
wichtige Rolle zu erfüllen hat, so sollte allein schon die Tatsache, daß die Zerschlagung der NATO eines der Hauptziele der
sowjetischen Außenpolitik ist, Beweis genug für ihre Daseinsberechtigung sein.
Die Sowjets wenden unerhörte Summen an Geld. für ihre
Propagandatätigkeit sowohl im Innern ihres Landes als auch
im Auslande auf. Fachleute schätzen, daß die Sowjetunion für
die Störung der nach Rußland ausgestrahlten Radiosendungen und das trifft besonders für Radio Freies Europa zu - mehr
Geld aufwendet, als die gesamte freie Welt für ihre Informationsprogramme. Wir müssen gewißlich auf diesem Gebiet noch
aktiver werden, und ich bin sicher, daß Sie uns dabei helfen
können.
Es besteht eine gewisse Tendenz, die Stärke der Sowjets
zu überschätzen. Ich kann Ihnen versichern, daß sie nicht alle
zwei Meter groß sind, und ich bin auch vollkommen sicher, daß
es nicht nur kluge Russen gibt. Während der Tagung des
Obersten Sowjet vom 8.Februar traten die meisten sowjetischen
Schwierigkeiten zum ersten Mal vor aller Welt hervor. Ein
russischer Bürger muß noch immer 1600 Rubel für einen guten
Anzug oder ein gutes Kleidungsstück zahlen. Wenn man bedenkt,
daß ein Tischler nur 800 Rubel im Monat verdient, wird einem
die Bedeutung dieser Zahl klar. Malenkow erklärte 1953, daß
er diesen Zustand bessern würde, aber Chruschtschow hat bereits bekanntgegeben, daß der Schwerindustrie noch weiter der
Vorrang gegeben werden müßte. Wenn man all die Plus- und Minuspunkte in Erwägung zieht, glaube ich sagen zu können, daß die
Zeit, trotz unserer Schwierigkeiten, für uns arbeitet.
Es wäre eine Tragödie, würden wir jetzt müde werden und

�23. März 1955

• "AMERIKA DIENST"

und auf dem letzten Stück Weges straucheln, gerade jetzt,
wo unsere Anstrengungen Früchte zu tragen beginnen.
Es ist unsere Aufgabe, einen dritten Weltkrieg zu verhindern. Ich bin trotz aller nüchterner Erwägungen zuversichtlich, daß es uns gelingen wird, dieses Ziel zu erreichen,
Ich glaube, daß wir, wenn wir mit unseren Alliierten in
Weisheit, Geduld und Verständnis zusammenarbeiten, den Problemen des kalten Krieges mit ruhiger Überlegenheit und
klarer Zielsetzung Herr werden können« Das ist der einzige
Weg, der den Fortbestand der freien Völker sichert.

* * * * *

- 9 -

�A M E R I K A

GENERAL RIDGWAY:

D I E N S T

US-GENERÄLE MACHEN KEINE POLITIK

CHAPEL HILL, N.C. - (AD) - Nachstehend geben wir Ihnen den Wortlaut
einer Ansprache des Stabschefs der
amerikanischen Armee General Rddgway,
die er am 28.März 1955 in Chapel Hill,
im Staate North Carolina gehalten hat.

"Als Studenten der mit Recht berühmten Universität von
Nordkarolina sind Sie, wie ich mit Bestimmtheit glaube, zutiefst an der nationalen wie an der weltpolitischen Entwicklung interessiert. Darüber hinaus sind Sie als junge
Staatsbürger wie wir alle mit den die Zukunft unserer Nation betreffenden lebenswichtigen Problemen verbunden. Sie
sind sich bewußt, daß die Weltereignisse einen tiefen Einfluß auf die Grundzüge Ihres Lebens ausüben.
Daher wende ich mich an diesem Abend an Sie, um mit
allem Ernst über die Hauptfragen der Außenpolitik zu reden.
Ich denke, ich werde meine Ausführungen mit der Erörterung
eines bestimmten Aspekts der internationalen Beziehungen
beginnen und zwar mit ihrer Ablösung durch militärische
Operationen, mit anderen Worten durch den Krieg, eine Entwicklung, die wir fortgesetzt mit allen Mitteln - ausgenommen der Preisgabe unserer Grundprinzipien - zu verhindern suchen.
Von diesem Punkte ausgehend, werde ich darlegen, daß
der Soldat der Assistent des Staatsmannes ist. Später werde
ich mich einem anderen Thema zuwenden, das Ihr Interesse finden dürfte, der Rolle der Armee im Kriege.
In der Weltfamilie der souveränen Nationen ist es nur
natürlich, daß verschiedene Völker in Verfolgung ihrer nationalen Ziele miteinander in Konflikt geraten. Es wird Zeiten
geben, da eine Nation oder eine Gruppe von Nationen einen Kurs
verfolgt, der für friedliche Nachbarn eine schwere Bedrohung
darstellt.
Las Festhalten an den Prinzipien der souveränen Gleichheit der Nationen macht es für die Pamilie der Völker oft
schwierig, eines ihrer Mitglieder in dem Augenblick zu kontrollieren, da eben dieses Mitglied eine Politik der Gegenströmung oder der Bedrohung anderer Völker zu verfolgen sucht.
1 _
Man

�"AMERIKA DIENST"

6. April 1955

Man kann nicht sagen, daß kein Fortschritt in der Entwicklung zur Beschränkung solcher Aktionen erreicht worden wäre.
Es gibt einen internationalen Gesetzeskörper, dessen Verletzung wenigstens eine Sanktion, nämlich die Ablehnung
durch die Weltmeinung, nach sich zieht. Als nächstes können
dann auch politische und wirtschaftliche Sanktionen verhängt werden. Und schließlich besteht als letzte Maßnahme
die Möglichkeit des Zwanges oder des Krieges.
Es hat eine Zeit gegeben, in der selbst der Krieg mit
allen Mitteln in seiner Wirkung noch so beschränkt war, daß
man ihn tatsächlich die beiden direkt betroffenen Nationen
unter sich austragen lassen konnte. Wie dem auch sei, diese
Zeiten sind längst vorüber. Sie sind vorüber, weil es heute
eine Anzahl neuer Paktoren gibt, die nicht alle nur militärischen Charakter haben, obwohl auch die militärischen Faktoren unter ihnen von großer Bedeutung sind. Die vielschichtigen politischen, ökonomischen und finanziellen Beziehungen,
die darin verwoben sind, haben nicht weniger Einfluß genommen als die technischen Fortschritte des Transportwesens,
der Waffen und der Bedeutung, die ihre Lieferung zum richtigen Zielort besitzt.
Die ganze Welt ist heute näher aneinander gerückt. Immer
weniger Zeit nimmt die Beförderung von einem Ort zum anderen
in Anspruch. Alle Informationen können der gesamten Bevölkerung
unmittelbar mitgeteilt werden. Die Meinungen und die Aktionen
von Menschen, die eine halbe Welt von uns entfernt leben,
können unsere eigenen Aktionen sehr schnell beeinflussen, und
dieser Einfluß kann sich in unserem gesamten Lebensstil bemerkbar machen.
Die Wirkungen eines umfassenden Krieges in unserer Zeit
werden in allen Aspekten des nationalen Lebens spürbar. Und
das nicht nur, während die Kriege sich über Jahre hinziehen,
sondern noch Jahrzehnte, nachdem die Feindseligkeiten längst
eingestellt sind. Und weil der Krieg an Anstrengung und Aufgabe von Wohlstand so viel von uns verlangt, nimmt er auch
großen Raum in unserem Denken ein.
Kein Mensch von gesundem Verstand kann sich heute einen
Krieg wünschen, kann glauben, daß ein globaler Krieg die Mensch«• heit nicht mit Problemen von noch größeren Schwierigkeiten konfrontieren würde, als wir sie heutzutage haben. Aber die Geschichte zeigt, daß es immef dann Krieg gegeben hat, wenn eine
Nation oder die Regierung dieser Nation des Glaubens ist, daß
die verbleibenden Alternativen noch ungünstiger seien.
Diese ins Auge gefaßten Alternativen könnten unter Umständen die Aufgabe gewisser moralischer Prinzipien und feststehender Einrichtungen bedeuten; die ständige Akzeptierung
einer gegensätzlich gearteten politischen, wirtschaftlichen
oder strategischen Situation; den Verlust eines politischen,
wirtschaftlichen oder strategischen Vorteils; oder auch, im
Falle einer totalitaristischen Regierung, die Gefahr einer
drastischen Beschränkung oder Eindämmung der Macht der herr- 2 -

�"AMERIKA DIENST"

6. April 1955

herrschenden Clique. Mit anderen Worten, der Krieg ist lediglich ein Mittel zur Durchsetzung nationaler Bestrebungen unter
Gewaltanwendung, zu dem man gewöhnlich nur dann Zuflucht
nimmt, wenn alle anderen Methoden versagen.
Bei all dem ergibt sich, daß bei jeder demokratischen
Nation, und damit selbstverständlich auch bei den Vereinigten
Staaten, ein wesentlicher, ausschlaggebender Faktor der ist,
daß der militärische Sachverständige beratende und ausführende Punktion ausübt, sich jedoch nicht mit der Planung und Verteidigung einer bestimmten Richtung befaßt, indem er sich
auf die Grundlagen der nationalen Politik beruft, die von den
zivilen Stellen der Regierung festgelegt und von der Nation
in ihrer Gesamtheit verfolgt wird. Dies ist die einzig richtige Abgrenzung der Verantwortungsbereiche. Wenn man in Betracht zieht, daß der Krieg ein Mittel zur Durchsetzung nationaler Belange unter Gewaltanwendung ist, muß man also sagen,
daß er zur Erreichung politischer Ziele geführt wird. Er ist
also ein militärischer Weg mit politischem Endziel.
Da das Mittel, mit dem ein Ende erreicht werden kann,
zur Verfügung stehen muß und daher eine wichtige Rolle spielt,
ist es durchaus folgerichtig, daß der Mann, der die politische Richtung bestimmt, sich an den militärischen Experten
wendet, um eine unparteiische Meinung zu hören und sich sachlich über die militärischen Möglichkeiten zu informieren. In
diesem Zusammenhang möchte ich besonders auf die außerordentliche Bedeutung des technischen Beraters unserer Zeit hinweisen. In der Geschichte unseres Landes gibt es einen Abschnitt, in dem das gesamte menschliche Wissen im Vergleich
zu der Materie, die heute verarbeitet wird, äußerst gering
war. Im 18.Jahrhundert - also noch vor verhältnismäßig kurzer Zeit - konnte sich ein einsichtsvoller Mann mit vernünf
tigen Lebenszielen durchaus mit einer Vielzahl an Gedankengängen auf den verschiedensten Gebieten befassen. Unsere Ge*» •!,
schichte ist reich an bemerkenswerten Beispielen für solche
vielseitigen Persönlichkeiten, -ffefferson,Franklin und
viele andere» Sicherlich werden Sie sich an noch andere Männer dieser Zeit erinnern, die sich durch Leistungen auf
mehreren Gebieten wie der Architektur, der Medizin, der Politik, der Rechtswissenschaften, der Kriegsführung, des Handels, der Philosophie oder der Naturwissenschaften auszeichneten.
Mit der erstaunlichen Zunahme an Umfang und Tiefe der
wissenschaftlichen Erkenntnisse, zu denen die Menschen seitdem auf jedem Porschungssektor gelangt sind, hat sich die Lage verändert. Selbst der am besten Informierte und Aufnahmefähigste kann nicht mehr erwarten, daß es ihm gelingt, in
Einzelheiten einen beträchtlichen Abschnitt dessen zu meistern,
was die Welt heute weiß. Das hat zu der Situation geführt, die
meines Erachtens allgemein erkannt wird - das Sich^Verlassen
auf die Experten eines jeden Gebietes. In Anbetracht der Ergebnisse von Maßnahmen, an deren Ausarbeitung Sachverständige
maßgebend beteiligt waren, müssen wir uns über eine Reihe von
Punkten hinsichtlich der Experten vergewissern.

�"AMERIKA DJBff BT"

6. April 1955

1) Müssen sie natürlich die besten Eigenschaften besitzen,
die es überhaupt geben kann, so daß der von ihnen gegebene
Rat sachlich so korrekt wie möglich sein kann.
2) Müssen sie in jedem Falle, damit die bestmögliche Beurteilung der Situation erzielt werde, in Angelegenheiten, für
die sie zuständig sind, zu den Beratungen herangezogen werden
und zwar bevor und nicht nachdem schwerwiegende Entscheidungen
getroffen worden sind.
3) Muß ihr Gebiet genau umgrenzt und ihre Rolle von allen,
die mit ihnen zu tun haben, in diesem Sinne verstanden werden.
Wie Sie bereits gefolgert haben werden, habe ich auf einige
weitere Beobachtungen in bezug auf die militärischen Berater
angespielt. Die Verantwortung eines Militärsachverständigen
liegt in der militärischen Natur seines Berufes.
Es ist seine höchste Verantwortung, der vorgesetzten Zivilbehörde seinen ehrlichen sachverständigen Rat zu geben. Gibt man
ihm weniger als das Minimum dessen, was er als notwendig erachtet, um seine Aufgabe erfüllen zu können so muß er seine Meinung
mit all den vom militärischen Standpunkt her gesehenen möglichen
Konsequenzen ehrlich und furchtlos seinen Vorgesetzten mitteilen»
Aber wie immer die ultimative Entscheidung ausfallen mag, es
ist seine Pflicht, mit dem, was ihm zur Verfügung steht, das
äußerst Mögliche zu tun. Mitunter mag die Rolle des Militärberaters von der Öffentlichkeit mißverstanden werden. Nehmen wir
an, daß der Vollzug einer Maßnahme von hoher militärischer Bedeutung von den Behörden, die den politischen Kurs bestimmen,
geraten wird. Zu dem Zeitpunkt muß der Experte, der allein die
militärische Seite einer Aktion in Betracht zieht, die militärischen Notwendigkeiten vertreten, um diese Aktion erfolgreich
abschließen zu können. Er würde darüber hinaus seine Pflichten
vernachlässigen, wenn er zu in Erwägung gezogenen oder bereits
im Gange befindlichen Maßnahmen von militärischer Bedeutung nicht
seine Meinung und Ansichten äußern würde. Mit anderen Worten
muß der Militärsachverständige jede militärische Maßnahme im
Verfolg einer bestimmten Aktion im Lichte der militärischen Gesamtlage sehen.
Indem er dies tut, soll er jedoch keinerlei Urteil oder
Empfehlungen darüber abgeben, ob der vorgesehene politische
Kurs selbst wünschenswert ist. Die Aufnahme eines bestimmten
Kurses hängt notwendigerweise von vielen Paktoren ab: vom
politischen, wirtschaftlichen, finanziellen, soziologischen,
psychologischen, die außerhalb des militärischen Fachbereiches
liegen. Es sind dies Paktoren, hinsichtlich deren der Berufssoldat weder als Experte urteilen noch als Träger eines öffentlichen Amtes handeln kann, Bereiche, die jenseits seiner beruflichen Verantwortlichkeit liegen.
Gleichzeitig ist es von grundlegender Bedeutung, daß die
militärische Potenz einer Nation ein wesentliches Element darstellt, das ihren Staatsmännern ermöglicht, ihre Ziele auf
friedlichem Wege zu erreichen. Es trägt dazu bei, eine starke
Ausgangsstellung für Verhandlungen zu schaffen. Ein starkes

�"AMERIKA DIENST"

6. April 1955

starkes Wirtschaftspotential und eine entsprechende militärische Position vereinigen sich, um der diplomatischen Meinung
einer Nation Gewicht zu verleihen. Um wirklich Erfolg zu haben,
muß also der Staatsmann seine Handlungen danach einrichten, in
welchem Maße seine Nation in der Lage ist, diesen Handlungen
militärischen Nachdruck zu verleihen, ebenso wie er auch die
vielen anderen Paktoren, die die Stärke seiner Politik ausmachen, berücksichtigen muß.' •
Der militärisch Verantwortliche ist für seinen Teil nicht
nur hinsichtlich der Ausrüstung mit Material und dem Nachschub
an Reserven vom Staatsmann abhängig, sondern auch hinsichtlich
des internationalen Klimas, in dem er erfolgreich seine Auf
gaben erfüllen kann.
In weniger als einem halben Jahrhundert haben wir erleben
müssen, wie sich ein Zwei-Nationen-Konflikt in einen Massen
krieg verwandelte, in den die halbe Welt verwickelt war. Das
Gegeneinanderkriegführen von Staatengruppen würde in unserer
Zeit bei jedem größeren Konflikt, der sich anbahnen könnte,
wohl* die normale Porm der Kriegführung werden.
Es wäre närrisch zu behaupten, daß Koalitionen keine besonderen Probleme im Gefolge hätten, aber diese Probleme können durch die großen Vorteile eines Sich-Zusammenschließens
mehr als ausgeglichen werden. Ich möchte fast sagen, daß diese besonderen Probleme immer mehr an Bedeutung verlieren, je
dringlicher die gemeinsame Gefahr die Notwendigkeit einer
Zusammenarbeit erscheinen läßt. Die Probleme scheinen immer
am größten zu sein, wenn die Gefahr am geringsten ist.
Als Beispiel lassen Sie mich die .Operationen der Streitkräfte der Vereinten Nationen in Korea nennen. Obgleich die
Streitkräfte sieh keineswegs aus Angehörigen aller UN-Mitgliedstaaten zusammensetzten, repräsentierten sie doch eine gemeinsame, internationale militärische Anstrengung, deren Wert
erst im Laufe der Geschichte voll erkennbar werden wird.
Einen noch besseren Beweis liefert, wie ich glaube, die
Gründung und der Portschritt der Nordatlantikpaktorganisation,
die nach dem Vorbild des im Jahre 1948' geschlossenen Vertrages
von Rio de Janeiro aufgebaut wurde, dessen potentieller Nutzen
für die westliche Hemisphäre von lebenswichtiger Bedeutung ist.
Seit ihrer Schaffung ist die NATO zu einem bedeutsamen strategischen Paktor geworden. Ihr untersteht eine internationale
Streitmacht, sie verfügt über eine eingespielte Kommandostruk
tur, ist in der Lenkung des bestehenden Apparates zur Zusammenarbeit und Koordinierung erfahren, greift auf teilweise stan
dardisiertes Material zurück und hat für den Ernstfall Pläne
für eine gemeinsame Aktion aller beteiligten Nationen bereit.
Aus diesem Grunde ist die Nordatlantikpaktorganisation ein
außerordentlich wichtiges Abschreckungsmittel gegen eine mögliche Aggression.
Derartige Organisationen wie die NATO gründen sich auf
internationale militärische Abkommen, und diese wiederum bauen
sich auf internationalen politischen Übereinkommen auf. Damit

�6. April 1955

"AMERIKA DIENST"

Damit wird der Politiker zum Pionier, der es den Soldaten
ermöglicht, jene Organisation zu schaffen, mit der er - sollte
es sich je als notwendig erweisen - die vom Politiker festgelegten Grundsätze ausführt. Aus diesem Grunde darf man im Soldaten so etwas wie die rechte Hand des Politikers sehen. Aus meinen
Worten dürfte ersichtlich geworden sein, wie wichtig es ist, daß
zwischen dem Politiker und dem Soldaten in allen Phasen der Formulierung der Außenpolitik eine kontinuierliche und enge Zusammenarbeit herrscht. Sie sind wirklich Partner im tiefsten Sinne
dieses Wortes. Und was bei ihrer Zusammenarbeit herauskommt,
das bestimmt in weitem Maße den Erfolg oder Mißerfolg der von
der Nation eingeschlagenen Politik.
Indem er den ihm zukommenden Platz als einer der Mitsprecher
bei der Formulierung der von unserem Lande zu führenden Politik
einnimmt - nicht nur zu Zeiten der Gefahr, sondern auch in Zeiten des Planens und Ausschauens, die der Akzeptierung der Politik
vorausgehen - vergrößert er seinen Wirkungsbereich im Dienste
seines Volkes.
Ein Verständnis der Rolle militärischer Faktoren in der Politik unseres landes - und dieses Verständnis ist in den Vereinigten Staaten seit Ausbruch des zweiten Weltkrieges vor nunmehr
fast 15 Jahren immer tiefer geworden - hilft unseren Politikern,
die Nation jene oft schwierigen und gefährlichen Wege zu Frieden
und Freiheit zu führen, zu dem Ziele, das uns ein so großes und
ernstes Anliegen ist.
Bis wir dieses Ziel erreicht haben, wird unser Leben weitgehend von militärischen Überlegungen bestimmt werden. Mit einer
von ihnen muß ich mich ständig'befassen und sie soll das zweite
Thema meiner Ausführungen sein: die Rolle der Armee. Einfach ausgedrückt existiert die Armee hauptsächlich zu dem Zweck: erfolgreich im Kampfe, siegreich im Kriege zu sein. Sie hat natürlich
noch eine wichtige sekundäre Bestimmung: Krieg zu verhindern.
Diese zweite Aufgabe läßt sich allerdings nur so weit verwirklichen,
als sie jederzeit bereit ist, ihre erste Aufgabe zu erfüllen.
Die Armee ist in erster Linie für sofortige und langanhaltende Landoperationen organisiert, ausgebildet und ausgerüstet.
Die beiden Hauptzwecke solcher Operationen - feindliche Landstreitkräfte zu vernichten und Landstriche zu erobern, zu besetzen
und zu verteidigen - sind gleichzeitig die Hauptaufgaben der
Armee. Zur erfolgreichen Durchführung dieser Aufgaben müssen
jedoch umfangreiche Vorarbeiten geleistet werden. Dazu gehören:
1) Die Ausarbeitung von Plänen und Maßnahmen für die Organisation, Ausrüstung, Ausbildung und den Einsatz von Landstreitkräften in oder über Divisionsstärke.
2) Hilfsstreitkräfte zur Verteidigung der Vereinigten Staaten
gegen Luftangriffe zur Verfügung zu stellen, was die Organisation,
Ausbildung und Ausrüstung von motorisierten und ortsfesten Heeresflakartillerie-Einheiten einschließt.
3) Streitkräfte für die Besetzung auswärtigen Territoriums und
zur Bildung von Militärregierungen bis zur Übergabe der Verantwortung an andere Behörden zur Verfügung zu stellen.
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�"AMERIKA DIENST"

6. April 1955

4) Die Einrichtung eines Abwehrdienstes mit der Aufgabe möglichst umfangreiche, verlässliche und neue Informationen über
alle ihn betreffenden Fragen zu ermitteln.
5) Die Unterstützung der Panama-Kanal-Verwaltung sowie anderer
Fluß- oder Hafenprojekte in den Vereinigten Staaten, ihrer Territorien und Besitzungen sowie von Privatunternehmen in Übereinstimmung mit dem Gesetz und nach Maßgabe höherer Stellen.
Eine weitere Aufgabe der Armee, die eine Zusammenarbeit mit
den anderen Waffengattungen erfordert, ist die Organisierung und
Ausrüstung von Truppen für gemeinsame amphibische Operationen
und Luftlandeunternehmen sowie ihre Ausbildung nach den amerikanischen Richtlinien und Vorschriften. Diese Punktion schließt
die Aufgabe mit ein, Taktiken, Techniken und Ausrüstungen zu ent- •
wickeln, die für die Armee bei der Durchführung von amphibischen
Operationen brauchbar sind, und ferner - in Zusammenarbeit mit
den Seestreitkräften, der Luftwaffe und dem Marine-Infanteriekorps - die Grundsätze, Richtlinien und Ausrüstungen herauszubringen, die die Armee und das Marine-Infanteriekorps für gemeinsame Luftlandeunternehmen benötigen - ein Gebiet, an dem die Armee
ein sehr großes Interesse hat.
Die Aufgaben der Armee, die ich soeben erwähnt habe, sind
kein reiner Selbstzweck, sie dienen der Unterstützung der nationalen Politik und werden durch die Natur des Krieges formuliert.
Der Krieg wird in drei Elementen ausgetragen - auf dem Lande,
auf dem Wasser und in der Luft - und die bewaffneten Streitkräfte,
die in diesen Elementen operieren, sind alle drei gleichermaßen
wichtig und hängen alle gegenseitig voneinander ab, doch muß jede
der drei Waffengattungen durch Überwindung jeglichen Widerstandes
die Kontrolle in.dem Element gewinnen, in dem sie operiert. Das
letzte Ziel der gemeinsamen Anstrengungen ist die Kontrolle über
Land und Bevölkerung.
Wir können uns nunmehr wieder der Aufgabe zuwenden, die Ihre
Armee zu erfüllen hat. Diese Aufgabe besteht, wie bereits gesagt,
darin, den Kampf auf dem Lande zu gewinnen.
Die Geschichte der Armee beweist, wie erfolgreich und hervorragend sie ihre Aufgabe erfüllt hat. Sie hat wiederholt zahlenmäßig überlegene feindliche Landstreitkräfte geschlagen. Sie
ist stets ein Treuer und ergebener Diener des amerikanischen
Volkes gewesen.
Sie wird auch weiter alle Anstrengungen machen, um auch in
der Zukunft erfolgreich zu sein. Durch Maßnahmen zur Steigerung
ihrer Beweglichkeit und Feuerkraft,zur Verbesserung der Geschmeidigkeit in der Taktik und der Organisation, zur Erlangung eines 3
ständigen Zustroms an für die Führung hochqualifiziertem Nachwuches sucht die Armee den Forderungen der Zukunft zu entsprechen,
Forderungen, die uns alle angehen.
Die Armee glaubt unerschütterlich an Amerika - an das amerikanische Volk und seine Staatsmänner, deren Geist, Mut und Ausdauer.
Gestärkt durch diesen Glauben sehen wir der Zukunft mit grenzenlosem Vertrauen und der festen Entschlossenheit entgegen, unser
Äußerstes beizutragen, um das uns von Gott bestimmte Schicksal
zu erfüllen.
* * * * *
- 7 -

�A M E R I K A

D I E N S T

DULLES-ERKLÄRUNG ZU DEN PARISER VERTRÄGEN VOR
DEM AUSSENPOLITISCHEN SENATSAUSSCHUSS
WASHINGTON - (AD) -«-Der amerikanische
Außenminister John Poster Dulles gab am
29.März 1955 vor dem außenpolitischen Ausschuß des US-Senats eine längere Erklärung
zu den Pariser Verträgen ab, in der er die
Ratifikation der Dokumente durch den Senat
forderte. Der amerikanische Senat muß dem
Protokoll über die Beendigung des Besatzungsregimes in der Bundesrepublik Deutschland
und dem Protokoll über die Aufnahme der Bundesrepublik in die Nordatlantikpaktorganisation zustimmen.
Die Erklärung des US-Außenministers hat
folgenden Wortlaut:
"Die Ihrem Ausschuß vorliegenden Dokumente werden, wenn
sie in Kraft getreten sind, die Grundlage für ein neues Europa legen. Sie können eine Einheit und Sicherheit in Europa er
wirken, auf die die Vereinigten Staaten seit langem gehofft
haben, und in Verfolg derer Verwirklichung die USA große Opfer
gebracht haben.
Die beiden Weltkriege dieses Jahrhunderts ließen klar er™
kennen, daß die westliche Kultur nicht fortbestehen kann, wenn
die Nationen Westeuropas sich weiterhin bekriegen. Sie haben
in ihren Kriegen schon soviel Gut und Blut gegeben, daß sie
in ihrer Stärke schwer beeinträchtigt wurden. Infolgedessen
ist es heute einem atheistischen System, das menschliche Wesen bedroht, von despotischen Herrschern als beseelte Stücke
der Materie zur Konformität gezwungen zu werden, möglich, die
westliche Kultur mit ihrer Hingabe an die menschliche Freiheit
und Würde ernsthaft in Frage zu stellen»
Westeuropa, die alte Wiege der westlichen Kultur und des
Christentums, hat heute eine vielleicht letzte Chance, als
ein Ort der menschlichen Wohlfahrt fortzubestehen. Diese letzte Chance liegt in den Ihnen vorliegenden Dokumenten.
Diese Dokumente werden die folgenden konkreten Ergebnisse
zeitigen:
Erstens: Sie werden die Souveränität der Bundesrepublik
Deutschland wiederherstellen - eine Souveränität, die Deutschland bei der Kapitulation vor fast zehn Jahren genommen wurde
und ihm nicht länger mit Recht vorenthalten werden kann;
Zweitens:
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�"AMERIKA DIENST"

6. April 1955

Zweitens: Sie werden eine dauerhafte Einheit der sieben westeuropäischen Länder - Belgien, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, die Niederlande und Großbritannien auf der Grundlage des Brüsseler Paktes von 1948 schmieden,
der ergänzt und erweitert wurde, um ihn damit zum Vertrag
über die Westeuropäische Union zu machen;
Drittens: Sie werden ein System militärischer Begrenzungen und Kontrollen einführen, das eine hohe Sicherheit
vor einer Militarisierung bieten wird;
Viertens: Sie werden die Bundesrepublik Deutschland in
den Nordatlantikpakt bringen, diesem damit ein weiteres wesentliches Element der Stärke geben und eine wirkungsvolle Verteidigung Westeuropas durch eine Strategie der weitvorgeschobenen Verteidigung ermöglichen;
Fünftens: Sie werden, durch einen Beschluß des Nordatlantikrates, eine enge Integration der bewaffneten Streitkräfte der Mitgliedstaaten in Europa sicherstellen und damit
eine Garantie schaffen, daß diese Streitkräfte nicht für eine
nationalistische Aggression oder für andere als in dem Vertragswerk vorgesehene Sicherheitszwecke eingesetzt werden.
Als Gesamtes ergibt sich aus dem Vorhergehenden ein
Westeuropa, das ein großes Ausmaß an Einheit und kontrollierter Stärke besitzen und durch diese Einheit und Stärke in der
Lage sein wird, in hohem Maße zu seiner eigenen Wohlfahrt und
der anderer beizutragen.
Sie werden sich erinnern, daß ursprünglich angestrebt
wurde, eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft zu gründen,
die aus sechs Kontinentalmächten - Belgien, Frankreich,
Deutschland, Italien, Luxemburg und den Niederlanden - bestehen sollte. Dieser Plan wurde im Jahre 1950 von dem französischen Verteidigungsminister vorgeschlagen und fand nach
langen Verhandlungen im Jahre 1952 seinen Niederschlag in
drei Verträgen - einem-Vertrag über die Gründung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, einer Konvention über die
Wiederherstellung der Souveränität der Bundesrepublik Deutschland (oft als 'Bonner Konvention' bezeichnet) und einem Protokoll über die Einbeziehung Westdeutschlands in das Vertragsgebiet des Nordatlantikpaktes.
Die Vereinigten Staaten haken an den beiden letztgenannten Verträgen beteiligt, und im Juli 1952 hat sich der (amerikanische) Senat für ihre Ratifikation ausgesprochen und ihnen
zugestimmt. Diese Maßnahme der Vereinigten Staaten wurde jedoch gegenstandslos, da der Vertrag über die Gründung der
Europäischen Verteidigungsgemeinschaft am 30.August 1954 von
der französischen Nationalversammlung abgelehnt wurde.
Diese Möglichkeit voraussehend, hat der amerikanische
Senat am 30.Juli 1954 mit 88 gegen 0 Stimmen eine Resolution
angenommen, die den Wunsch des Senats zum Ausdruck bringt,
'die Souveränität Deutschlands wiederherzustellen und dieses
Land in die Lage zu versetzen, zu der Erhaltung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit beizutragen'. Der
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�"AMERIKA DIENST"

6- März 1955

Der Präsident wurde ersucht, dementsprechende Maßnahmen zu
ergreifen.
Diese Zusammenarbeit zwischen der Exekutive und dem
Senat und die einstimmige Zustimmung des Senats versetzten
den Präsidenten und mich in seinem Namen in die Lage, der
ernsten Situation wirksam entgegenzutreten, die 31 Tage später eintrat, als die Europäische Verteidigungsgemeinschaft
endgültig abgelehnt wurde.
Die Europäische Verteidigungsgemeinschaft war eine
europäische Konzeption, die ein europäisches Problem lösen
sollte. Es war daher wünschenswert, daß die Initiative zur
Ausarbeitung einer Ersatzlösung von den europäischen Ländern
ausgehen würde. Glücklicherweise blieb diese Initiative nicht
aus.
Mr. Eden, inzwischen Sir Anthony Eden, der britische
Außenminister, konferierte mit den Regierungen der Signatarstaaten des Vertrages über die Gründung der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, um festzustellen, ob der Vertrag von
Brüssel aus dem Jahre- 1948 den Rahmen für eine Ersatzlösung
bieten könne. Gleichzeitig flog ich nach Europa, um mich mit
Bundeskanzler Dr. Adenauer und Mr. Eden zu besprechen. Obwohl
die Beratungen von Mr. Eden noch nicht abgeschlossen waren,
berechtigten die Aussichten doch zur Einberufung einer Konferenz der Vertreter der am meisten betroffenen Regierungen.
Demgemäß trafen die sechs Unterzeichner-Staaten des EVG-Verträges und das Vereinigte Königreich, die Vereinigten Staaten
und Kanada in London im September des Jahres 1954 zusammen.
Die Hauptaufgabe der Londoner Konferenz war es, eine
akzeptable Basis für einen Zusammenschluß Deutschlands mit
den freien Völkern und für einen deutschen Beitrag zur Verteidigung des Westens zu finden. Nach den Verträgen aus dem
Jahre 1952 sollte die Bundesrepublik nur indirekt über die
Mitgliedschaft in der EVG mit der Nordatlantikpaktorganisation
verbunden sein. In London entschlossen wir uns, die Vollmitgliedschaft der Bundesrepublik in der NATO anzustreben. Hierzu mußte allerdings noch die Beibehaltung jener Charakteristika
der EVG kommen, durch die der Rüstungssektor der alleinigen
nationalen Zuständigkeit entzogen werden sollte. Dies geschah
durch eine Erweiterung der Organisation des Brüsseler FünfMächte-Paktes, sodaß auch die Bundesrepublik Deutschland und
Italien einbezogen werden konnten, und in der Weise, daß man
jener Organisation die Kontrolle über die Rüstung der kontinentaleuropäischen Mitgliedstaaten einräumte. Es war von entscheidender Bedeutung, daß diese Kontrolle nicht hemmend auf
die Schaffung ausreichender Verteidigungsstreitkräfte durch
die NATO wirkte. So kamen wir in London überein, daß die Höhe
des Beitrages der Mitgliedstaaten des Brüsseler Paktes zu den
Streitkräften unter dem NATO-Oberbefehlshaber in Europa (Saceur),
innerhalb gewisser Grenzen, durch die NATO festgesetzt werden
solle.
Die Signatarstaaten des Brüsseler Paktes stimmten ihrerseits zu, in Friedenszeiten auf dem europäischen Kontinent
keine Rüstungen über das Maß hinaus zft unterhalten, das für
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�"AMERIKA DIENST"
6. April 1955
für die Streitkräfte, die sie zur Erfüllung des Defensivzieles
der Nordatlantikpaktorganisation bereitstellen würden, sowie
für die gleichfalls der Begrenzung durch den Rat der Westeuropäischen Union unterstellten Polizeikräfte notwendig ist. Sie
kamen ferner überein, einen Apparat für die Überprüfung dieser
festgesetzten Höchstgrenzen für die Rüstungen und zur Behandlung etwaiger Verstöße gegen diese Begrenzungen aufzubauen.
Darüberhinaus sah man vor, die politischen und wirtschaftlichen
Punktionen der Organisation des Vertrages von Brüssel aufzubauen,
um so eine breitere Basis für eine engere Zusammenarbeit der
Mitgliedstaaten zu schaffen.
Die Annahme dieser Verträge wurde wesentlich durch weitere
Zusagen der Bundesrepublik Deutschland und des Vereinigten Königreiches erleichtert. Die Bundesrepublik erklärte sich freiwillig bereit, das Recht auf Herstellung von Waffen zur Massenvernichtung, also atomarer, biologischer und chemischer Waffen,
aufzugeben und keine ferngelenkten Geschoise, Kriegsschiffe
größerer Tonnagen, U-Boote und Langstreckenbomber, es sei denn
auf ausdrückliches Ersuchen des Alliierten Oberbefehlshabers
in Europa und mit der Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglie=
der des Rates des Brüsseler Paktes, zu produzieren»
Die britische Regierung erklärte sich bereit, auf dem europäischen Kontinent Land- und Luftstreitkräfte in einer Stärke
zu belassen, die der gegenwärtig Saceur unterstellten entspricht,
und sie nicht gegen die Wünsche der Mehrheit der Brüsseler Paktmächte abzuziehen. Diese britische Zusage stellte ein historisches Abgehen vom";der traditionellen Politik dar.
Schließlich kamen die Vereinigten Staaten, Großbritannien,
Frankreich und die Bundesrepublik überein, daß das Besatzungsregime in Westdeutschland durch die Bonner Konvention beendet
werden sollte, die ergänzt wurde, um den seit ihrer Unterzeich
nung im Jahre 1952 eingetretenen Entwicklungen Rechnung zu
tragen. Die im Prinzip auf der Londoner Konferenz erreichten
Abkommen mußten in ihren Einzelheiten ausgearbeitet und in
eine entsprechende Form gebracht werden. Eine weitere Konferenz
trat daher Ende Oktober in Paris zusammen, um die neuen Texte
zu überprüfen und sie zu unterzeichnen. Sie wurden tatsächlich
in Paris am 23.Oktober unterzeichnet.
Gleichzeitig wurde ein französisch-deutsches Abkommen über
die Saar unterzeichnet. Die französische Regierung hat es seit
langem als notwendig erachtet, daß ein derartiges Abkommen Teil
der Gesamtvereinbarungen über die Beziehungen Deutschlands mit
dem Westen ist. Die Erörterung dieser Präge erstreckte sich über
mehrere Jahre. Aber erst am letzten Tage unseres Treffens in
Paris wurde schließlich ein Übereinkommen zwischen Bundeskanzler
Adenauer und Ministerpräsident Mendes-Prance erreicht. Das Abkommen sieht vor, daß die Saar bis zum Abschluß eines Friedensvertrages mit Deutschland einen europäischen Status erhalten
soll. Ein europäischer Hochkommissar, der dem Ministerrat der
Westeuropäischen Union verantwortlich ist, wird die Durchführung des Abkommens überwachen und für außenpolitische und Verteidigungsfragen zuständig sein.
Die

�6. iprJiOl 1955
"AMERIKA DIENST"
Die Währungs- und Zollunion zwischen Frankreich und der
Saar bleibt bestehen. Aber Deutschland wird schließlich in
Handelsfragen eine Stellung erhalten, die der Prankreichs
gleichartig ist. Die vertraglichen Abmachungen müssen der
Saarbevölkerung vorgelegt werden, die sich dazu in einer
Volksabstimmung äußern muß* Das Abkommen enthält Bestimmungen,
die sicherstellen sollen, daß die Volksabstimmung den Saarländern die Möglichkeit eines freien Ausdruckes ihres Willens
gibt.
Die französische Regierung und die Regierung der Bundesrepublik Deutschland sind übereingekommen, die Vereinigten
Staaten und das Vereinigte Königreich um eine Garantie des
Saarabkommens zu bitten. Diese Garantie stellte eine Willenserklärung dar, in der wir unsere allgemeine Bereitschaft darlegten, das von mir genannte Abkommen zu unterstützen. Wir
würden keine vertraglichen Verpflichtungen damit übernehmen.
Das Saarabkommen ist eines der wichtigsten Nebenergebnisse des Planes über die Errichtung einer Westeuropäischen
Union. Wie die Beilegung des Streites um Triest so verspricht
auch diese Lösung, einen explosiven Gefahrenherd in Güte aus
der Welt zu schaffen.
Sämtliche in Paris unterzeichneten Abmachungen liegen
gegenwärtig dem Senat zur Einsicht vor. Die meisten von ihnen
sehen keine direkte Beteiligung der Vereinigten Staaten vor
oder sind rein administrativen Charakters. Zwei der Verträge
erfordern jedoch zu ihrer Ratifizierung die Befürwortung und
Billigung des Senats. Es sind dies das Protokoll zur Änderung
der Bonner Konvention, das die Souveränität der Bundesrepublik
Deutschland,wiederherstellt, und das Protokoll über den Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Nordatlantikpakt.
Die in diesen beiden Verträgen getroffenen Vereinbarungen
enthalten im wesentlichen dieselben Verpflichtungen für die
Vereinigten Staaten wie jene, die der Senat im Jahre 1952 in
bezug auf die ursprüngliche Bonner Konvention und das NATOZusatzprotokoll gebilligt hatte.
Die Änderungen der Bonner Konvention wurden vorgenommen,
um diese dem derzeitigen Stand der Dinge anzupassen und den
Status der Gleichberechtigung, der der Bundesrepublik zuerkannt
wird, noch klarer herauszuarbeiten. Die Verpflichtungen der
Vereinigten Staaten erfahren keine Erweiterung.
Die bestehenden Rechte der Alliierten Mächte hinsichtlich
Berlins und Deutschlands als Ganzem, das heißt unser Status
gegenüber der Sowjetunion, sind wie unter dem ersten Vertrag
voll gewahrt. Wir behalten ferner das Recht, in Übereinstimmung mit der Regierung der Bundesrepublik in Deutschland Truppen zu stationieren. Sie gab ihre Zustimmung in Paris, die
inzwischen die parlamentarische Billigung erfahren hat. Der
Wortlaut dieses Abkommens wurde dem Senat zur Unterrichtung
zugeleitet.
Die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die Nordatlantikpaktorganisation bringt für die Vereinigten Staaten
keine neuen Verpflichtungen über jene hinaus, die wir mit der

�6. April 1955

"AMERIKA DIENST

der Unterzeichnung des vom Senat im Jahre 1952 gebilligten
Zusatzprotokolls zum Nordatlantikpakt bereits übernommen haben.
In beiden Fällen wird der Schutz der Nordatlantikpaktorganisation auf die Bundesrepublik ausgedehnt, die ihrerseits entsprechende Verantwortlichkeiten übernimmt.
Als wesentlichen Beitrag zu dem Gesamtergebnis hat der
Präsident eine Erklärung abgegeben, in der er der Politik der
aktiven und kontinuierlichen Beteiligung seitens der Vereinigten Staaten an dem von der Nordatlantikpaktorganisation dargestellten atlantischen Sicherheitssystem Ausdruck verlieh.
Dies geschah nach Konsultation mit den führenden Abgeordneten beider Häuser des Kongresses. Die Erklärung bekräftigt unser Interesse an der NATO und unsere Entschlossenheit,
uns weiterhin aktiv an den Vereinbarungen zu beteiligen, die
in deren Rahmen abgeschlossen wurden. Diese Erklärung enthielt
im besonderen eine Zusicherung, die sich auf den Wortlaut der
Senatsresolution Nummer 99 aus dem Jahre 1951 stützt, daß die
USA 'solange in Europa einschließlich Deutschlands Einheiten
ihrer bewaffneten Streitkräfte belassen werden, wie dies notwendig und praktisch erscheint, um damit ihren angemessenen
Anteil zu den für die gemeinsame Verteidigung des nordatlantischen Gebietes benötigten Streitkräften beizutragen, solange
eine Bedrohung für dieses Gebiet besteht'. Die Erklärung bekräftigt erneut die Auffassung der Vereinigten Staaten, daß
der Nordatlantikpakt von unbegrenzter Dauer ist; betont unsere
Absicht, mit der NATO und dem Rat der Westeuropäischen Union
in bezug auf Stärke der Streitkräfte und Rüstungskontrollen
zusammenzuarbeiten und wiederholt unsere Bereitschaft, wie vom
Kongreß gebilligt, Informationen über den Einsatz neuer Waffen
zur Verfügung zu'stellen.
Meine Erklärung in London, die die amerikanische Politik
in dieser Hinsicht darlegte, und auf die eine erneute Darlegung
der britischen Politik durch Sir Anthony Eden folgte, bildete
den Wendepunkt in einer Konferenz, die bis dahin keine klare
Richtschnur hatte.
Meine Erklärung, die größtenteils in die Ihnen vorliegende
Schlußakte der londoner Konferenz eingearbeitet wurde, machte
es klar, daß derartige Versicherungen des Präsidenten, wenn
sie abgegeben werden, nur politische Grundsatzerklärungen
darstellen, die weder als Verträge noch in dem Sinne bindend
sind, daß künftige Präsidenten durch sie juristisch gebunden
wären. Diese Versicherungen umreißen jedoch politische Grundsätze, die durch Zusammenarbeit beider Parteien während einer
ganzen Reihe von Jahren entwickelt worden sind. Sie spiegeln
das wider, was augenblicklich als das grundlegende und dauerhafte Interesse der Vereinigten Staaten an der Einheit Europas
und an der Sicherheit im' atlantischen Raum angesehen werden
darf. Sie werden, darauf vertraue ich, auch weiterhin unseren
nationalen Interessen dienen.
Ich glaube, daß die Ihnen vorliegenden Abmachungen den
Wünschen des Senats, wie sie in seiner Resolution vom 30.Juli
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�6. April 1955

"AMERIKA DIENST"

30.Juli 1954 zum Ausdruck kamen, getreulich entsprechen. Sie
werden die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland wiederherstellen und sie werden diese in die Lage versetzen, zur Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit in der Welt beizutragen. Diese Ergebnisse werden, das sei ferner vermerkt,
innerhalb des größeren Rahmens der westeuropäischen Einheit
erzielt, die einerseits die Stärke gewährleistet und andererseits eine weitgehende Gewähr dafür bietet, daß jene Stärke
nicht mißbraucht wird.
Die notwendigen gesetzgeberischen Maßnahmen zur Ratifizierung der Verträge von Paris wurden von zehn der fünfzehn
beteiligten Nationen, einschließlich Frankreichs, der Bundesrepublik Deutschland, Großbritanniens und sieben anderen Länder abgeschlossen. In keinem Falle wurden bei der Billigung
der Abkommen irgendwelche Einschränkungen geltend gemacht.
Fünf Parlamente müssen noch darüber beraten, und zwar in Belgien, Dänemark, Luxemburg, den Niederlanden und den Vereinigten
Staaten. Allem Anschein nach wird der Ratifizierungsprozeß in
Europa in Kürze abgeschlossen sein.
Die jetzt in greifbare Nähe gerückte Verwirklichung der
Verträge zu einem frühen Termin liegt besonders im Interesse
der Vereinigten Staaten. Ja, jede ernsthafte Verzögerung wäre
den Interessen der USA sehr abträglich.
Im Jahre 1952 ratifizierte der Senat der Vereinigten
Staaten, ehe Frankreich die entsprechenden Schritte unternommen hatte, das dann die Verträge niemals guthieß. Diesmal
schien es für die USA ein Gebot der Klugheit, nicht wieder in
der ersten Linie zu stehen. Diese anfängliche bewußte Verzögerung auf Seiten der Vereinigten Staaten macht nunmehr eine
unverzügliche Beschlußfassung erst recht unumgänglich.
Der Präsident legte dem Senat am 15»November 1954 die
einschlägigen Dokumente vor, und ich vertraue darauf, daß
der Senat sich jetzt in der Lage sieht, die seiner Zustimmung
bedürfenden Verträge unverzüglich zu billigen."

*

* * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

GRUNDSÄTZE DER AUSSENPOLITIK
Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Rede des amerikanischen Außenministers
John Foster Dulles, die dieser am I.April 1955
in Washington anläßlich des 5.Jahres-Banketts
ehemaliger Absolventen jesuitischer Ordensschulen
gehalten hat«
Dies ist eine Zusammenkunft hochgebildeter Menschen.
Es ist eine Gelegenheit, bei der es erlaubt sein mag, Grundsätzliches auszusprechen, doch soll dies, wie ich Ihnen versichern kann, nicht nur eine rein akademische Übung werden.
Jede Handlung eines Volkes sollte stets gewisse Grundsätze reflektieren. Deshalb haben diejenigen, die die Verantwortung für solche Handlungen tragen, auch die Verantwortung sich zu vergewissern, daß das, was sie tun, mehr
ist als nur ein Erfordernis des Augenblicks.
Aber nicht immer sind die einzuhaltenden Richtlinien
klar und einfach. Oft scheinen sie sogar im Widerspruch zueinander zu stehen. Vielleicht ist es in diesem Zusammenhang von Interesse, wenn ich einige der Probleme andeute,
die sich denen entgegenstellen, die mit Aufrichtigkeit und
Vernunft versuchen, einen Kompaß zu finden, der ihnen die
Richtung anzeigt. Lassen Sie mich als erstes den Problemkomplex Frieden gegen Freiheit erwähnen.
Frieden ist ein Ziel, das die Menschen immer erstrebt
haben. Es ist ein Ziel, an das wir besonders jetzt zur
Osterzeit denken, während der wir die Auferstehung des
Friedensfürsten feierlich begehen. Es ist kaum möglich,
die Schrecken des Krieges oder die Sehnsucht der Menschheit
nach Frieden zu übertreiben. Kriege waren früher gewöhnlich
in ihrem Ausmaß begrenzt, und sie fanden unter Bedingungen
statt, die der Zivilbevölkerung die meisten ihrer gräßlichen
Konsequenzen ersparten. Ich selbst kann mich noch an die
Zeit erinnern, in der Privatbesitz im Kriegsfalle unantastbar war; in der die Unterbrechung des Handelsverkehrs auf
gewisse Häfen beschränkt blieb, die einer strengen Blockade
unterlagen, oder auf das Verbot der Ein- und Ausfuhr von
kriegswichtigen Gütern, unter denen man damals nur Waffen
verstand. Als junger Mann nahm ich ancder Zweiten Haager
Friedenskonferenz von 1907 teil, auf der Abkommen ausgearbeitet wurden, die die Anwendung der neuen technischen Er-'

�AMERIKA DIENST"

13. April 1955

Errungenschaften jener Zeit im Kriegsfalle verhindern sollten. So suchte man beispielsweise den Abwurf von Explosivkörpern aus Ballons zu verbieten.
Der erste und der zweite Weltkrieg haben gezeigt, daß
der moderne Krieg ein "totaler" Krieg ist, und daß es die
gesamte Bevölkerung ist, und nicht nur die Soldaten selbst,
die unter seinen grausamen Auswirkungen zu leiden haben.
Darüber hinaus wissen wir, daß Krieg mehr denn je zwangsweise mit Feindschaft, Vergewaltigung der menschlichen Persönlichkeit, Grausamkeit, Rachsucht und mutwilliger Verdrehung
der Wahrheit verbunden ist.
Heute besteht in der gesamten Welt ein steigendes Bedürfnis nach Schutz vor der Not, der Agonie des Leibes und
der Seele, der Massenvernichtung des Lebens und des Besitzes,
die der moderne Krieg über den Menschen bringt.
Es gibt allerdings auch noch einen anderen Aspekt dieser
Angelegenheit. Der Friede übhnte nur ein Deckmantel sein, unter
dessen Schutz Böswillige ihre teuflischen Verbrechen begehen.
Während der letzten Jahre haben die kommunistischen Machthaber durch ihre Propaganda versucht, aus der Friedensliebe
und der Angst vor dem Kriege Kapital zu schlagen, indem sie
diese dazu benützten, um ihre Herrschaft über die gesamte
Menschheit auszubreiten. Durch propagandistische Machinationen, wie die Stockholmer "Friedenspetition", haben sie versucht, die Völker der freien Welt von den notwendigen Maßnahmen zur Verteidigung ihrer Sicherheit abzulenken und in der
gesamten freien Welt das allgemeine Verlangen nach einem
Frieden um jeden Preis zu erwecken.
Dieser Plan ist außerordentlich geschickt angelegt. Die
Führer der Kommunisten wissen genau, daß der Kommunismus mit
seinen Welteroberungsplänen leichtes Spiel haben würde, wenn
der Pazifismus sich bei den Völkern der freien Welt als vorherrschende Strömung durchsetzen würde. In diesem Falle könnten sie die freien Völker vor die in ihrem Sinne durchaus erfolgversprechende Wahl zwischen Frieden und Unterwerfung stellen, und wenn tatsächlich der Friede das absolute Ziel ist,
dann wird eine Unterwerfung unvermeidlich.
Wir sollten uns in diesem Zusammenhang die Tatsache vor
Augen halten, daß die moderne Entwicklung nicht nur den Krieg,
sondern auch seine Folgen - Rückzug und Unterwerfung - schrecklicher gemacht hat. Die moderne Kriegführung könnte heute
einen Großteil des Lebens auf unserem Planeten zerstören. Ebenso möglich ist es aber, daß ein aus Feigheit für den Preis der
eigenen Grundsätze eingehandelter Friede viele der geistigen
Werte der Menschen auf diesem Planeten zerstören könnte. Der
Friede könnte unter bestimmten Bedingungen zu einer Degradierung der Menschheit und einem geistigen Verfall führen, der
ihre moralische und geistige Urteilsfähigkeit auslöschen würde.
Die Auswirkungen der "Gehirnwäsche" sind uns in einzelnen

�13. April 1955

"AMERIKA DIENST"

einzelnen Fällen bekannt. Sie führt dazu, daß Menschen ihren
bis dahin ängstlich gehüteten Glauben aufgeben und Dinge akzeptieren, die sie bei klarem Denkwermögen als falsch verwerfen
würden. Nicht selten haben sich Menschen, die eine solche Gehirnwäsche durchgemacht haben, aus voller Überzeugung zu Handlungen an irgendwelchen Orten bekannt, an denen sie zu der besagten Zeit physisch gar nicht anwesend sein konnten.
Es gibt heute Methoden, die eine grundlegende Wandlung des
menschlichen Geistes ermöglichen. Und diese Methoden können
sogar auf die Massen angewandt werden. Gewisse Lügen werden
pausenlos, ohne Unterbrechung, dem Gewissen derer eingehämmert,
deren Geist terrorisiert, deren Denken gelähmt und deren Körper von Unterernährung geschwächt ist. Das Ergebnis ist, daß
diese Menschen anomal werden.
Man kann nur davor zurückschrecken, den Frieden um einen
Preis einhandeln zu wollen, der auf menschliche Wesen die
Herrschaft jener ausdehnt, die da glauben, daß der Mensch in
Wirklichkeit nicht mehr sei als ein Stück beseelter Materie,
und daß er, um Harmonie und Konformität zu sichern, jeder moralischen und intellektuellen Urteilskraft beraubt werden
sollte. Der Mensch steht, so lesen wir in der Heiligen Schrift,
nur um ein weniges den Engeln nach. Soll er nunmehr, wenn überhaupt, nur ein wenig höher sein als das Haustier, dessen Zweck
es ist, seinem menschlichen Herren zu dienen?
Der Mensch befindet sich in einer Zwickmühle, ob und wann
er sich nun jenen Übergriffen gewaltsam widersetzen soll, die
ihm Bedingungen aufzwingen, die den Gesetzen der Moral und der
Auffassung zuwiderlaufen, daß des Menschen Werden und Bestimmung in Gott liegen.
Ein zweites Dilemma, dem wir uns gegenübersehen, ist eines,
das ich als das "Dilemma der Landkarten und Völker" bezeichnen
möchte. Landkarten haben etwas außerordentlich Faszinierendes
und üben einen tiefen Einfluß aus. Sie verleiten zur Eroberung,
zu Lösungen, die niemals echte Lösungen sind.
Bis vor wenigen Jahren hat man die Amerikaner gelehrt,
Landkarten in der Merkator Projektion zu sehen. Die Karten
zeigten den nordamerikanischen Kontinent isoliert von der
westlichen Welt durch große weite Ozeane. George Washington
sprach in seiner Abschiedsrede von "unserer abgesonderten
und abgelegenen Lage". Diese Konzeption, ursprünglich gültig,
hatte den größten Teil unseres nationalen Lebens beherrscht.
Heute sehen wir uns einer Welt gegenüber, in der die Luft das
Medium der Kommunikation ist. Aber Luft läßt sich allein auf
Landkarten nicht darstellen. Es ist eine unsichtbare Hülle, die
die Welt ohne Bruch und Lücke umschließt, und die Landkarten
bedürfen der Ergänzung kluger Imagination. Dabei können ein
wenig die Polarkarten helfen. Sie helfen uns verstehen, daß
unter modernen Transportbedingungen Entfernungen, die weit
schienen, in der Tat klein sind.
Unter den augenblicklichen Umständen haben die Aufteilungen in Land und Wasser, Wüsten und Gebirge, Flüsse und Ebenen
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�"AMERIKA DIENST

13. April 1955

Ebenen viel von ihrer Bedeutung verloren. Mehr als je zuvor
sind die Menschen eine Familie geworden. Nichtsdestoweniger
ist es noch immer notwendig,Linien, Grenzen zu ziehen. Es
gibt nationale Grenzen, die bedeutungsvoll sind, aber selbst
ihre Bedeutung ist nicht unwandelbar. Das beste Beispiel dafür ist Europa. Die Landkarte Europas sieht heute zwar noch
genau so aus wie vor wenigen Wochen. Aber welch eine gewaltige
Umwandlung vollzieht sich in Westeuropa. Freilich wird es weiterhin Nationen geben, aber eine Zusammenarbeit bahnt sich an,
die den Grenzlinien viel von ihrer früheren, abschreckenden
Bedeutung nimmt. Ein neues Westeuropa wird geboren und keine
Landkarte kann das Ende jahrhundertealter Gegnerschaften festhalten.
Der 38.Breitengrad in Korea wurde berühmt als die Grenze
zwischen dem freien und dem von den Kommunisten beherrschten
Teil des Landes. Doch bezeichnete diese Trennungslinie nicht
die Scheidung des koreanischen Volkes hinsichtlich seines
Trachtens and Denkens. Ich erinnere mich an eine Korea-Reise
im Jahre 1950, als ich in Seoul vor einer Versammläng von
Tausenden von Flüchtlingen gesprochen habe. Sie waren aus dem
Norden geflüchtet und hatten den 38.Breitengrad auf ihrem Weg
nach dem Süden überschritten in der Hoffnung, dort die von
ihnen so heiß ersehnte Religionsfreiheit zu finden.
In Vietnam hat man eine Grenzlinie längs des 17.Breitengrades gezogen. Wiederum wurde sie von Hunderttausenden von
Flüchtlingen auf ihrer Flucht nach Süden überquert. Auch hier
war die Sehnsucht nach Religionsfreiheit die treibende Kraft.
Und man sollte vor allem nicht vergessen, daß auf jeden,
dem die Flucht vor dem Kommunismus gelingt, noch viele andere
kommen, die nicht innerhalb jener Grenzen eingepfercht bleiben
wollen, die die Staatsmänner in der Hoffnung zogen, dadurch
ihre Probleme zu lösen.
In der heutigen Welt, in der sich der Verkehr auch die
Luft erobert hat, in der Zeit und Raum fast aufgehoben scheinen, bleiben geographische Tatsachen eben doch Tatsachen.
Aber Lösungen nach geographischen Gesichtspunkten fallen selten auch mit menschlich befriedigenden Lösungen zusammen.
Deshalb können wir die Teilung der Welt nicht als etwas Endgültiges anerkennen. Aus dem Verhältnis zwischen Teil und
Ganzem erwächst ein anderes Problem der heutigen Zeit.
Es ist in den meisten Fällen einfach, eine Lösung zu finden, wenn nur ein Teil eines Problems bekannt ist. Nach meinen
Erfahrungen sind diejenigen, die politischen Problemen gegenüber eine besonders positive Haltung einnehmen, nur deswegen
so optimistisch, weil ihnen nur ein Teil der für das Problem
wichtigen Faktoren bekannt ist. Und diejenigen, die besonders
strenge Urteile abgeben, tun dies aus demselben Grunde. Wenn
man die ganze Tragweite eines Problems kennt, wird es äußerst
schwierig, zu einer Lösung zu kommen, und man wird sich vor
leichtfertigen Urteilen hüten. Toleranz ist zu einer Lebensnotwendigkeit geworden.

�"AMERIKA DIENST"

13. April 1955

Es gibt heute kaum ein internationales Problem, das sich
für eine einfache und sichere Lösung gewissermaßen anbietet.
Diejenigen, die sich vor allem mit europäischen Fragen befassen, sind nur zu leicht bereit, alle asiatischen Probleme als
unwichtig abzutun und sich mit jeder Lösung zufrieden zu geben,
solange sie Europa nicht schadet. Diejenigen aber, die sich vornehmlich mit asiatischen Problemen beschäftigen, sind oft unangenehm berührt, wenn sie hören müssen, daß die Lösung der asiatischen Probleme nicht ohne Berücksichtigung der Situation in
Europa durchgeführt werden kann.
Tatsächlich wirkt sich heute jedes in irgendeinem Teil
der Welt auftretende Problem in fast allen übrigen Teilen der
Welt aus. So wie es kein offen auf der Hand liegendes Problem
mehr gibt, kennen wir auch keine einfachen Lösungen mehr. Eine
in Indochina zu befolgende Politik muß womöglich im Lichte
ihrer Auswirkungen auf Europa, den Vorderen Orient oder Moskau
beurteilt werden; oder umgekehrt.
Ich habe den Eindruck, daß es leichter war, Entscheidungen
zu treffen, ehe die Welt zu dieser Einheit verschmolzen war.
Die Streitfragen waren oder schienen doch einfach. Sie ließen
sich auch ohne weiteres erklären. Heute ist fast jedes Problem
sehr vielschichtig, so daß es schwierig geworden ist, die Gründe für eine einmal getroffene Entscheidung und die zahlreichen
Paktoren, die bei dieser Entscheidung zu berücksichtigen waren,
überzeugend darzulegen.
Es gibt eine Denkungsart, die zuweilen "Kirchturmspolitik"
genannt wird. Wem ein Problem auf den Nägeln brennt oder wer
nur Teile des Problems kennt, wird schnell mit einer einleuchtenden Lösung bei der Hand sein. Wer aber die Materie tiefer
kennt, der findet dann vielleicht, daß die "einleuchtende"
Lösung überhaupt keine Lösung ist. Aus einem gewissen Blickwinkel heraus mag selbst eine Waage im Gleichgewicht sich
scheinbar nach einer Seite hin neigen. Sieht man sie aber
vom richtigen Standort aus, dann wird man erkennen, daß sie
in Wirklichkeit im Gleichgewicht ist oder sich sogar nach der
anderen Seite neigt.
Die Notwendigkeit, viele Faktoren gegeneinander abzuwägen, hat einige recht unerwünschte Folgeerscheinungen. Ich
habe schon auf die Tatsache hingewiesen, daß es dadurch sehr
schwierig wird, eine wirklich passende Erklärung für irgendwelche Entscheidungen zu finden. In vielen Fällen verlieren
Entscheidungen auch jene Dynamik, deren sie bedürfen, um
wirkungsvoll zu sein. Die Quelle allen Handelns ist oftmals
das Bewußtsein der Gewißheit. Unglücklicherweise haben die,
die am besten informiert sind, diese Gewißheit nicht immer.
Die großen Taten der Geschichte wurden in erster Linie
von Menschen mit tiefen Überzeugungen und einem dynamischen
Glauben vollbracht. Sie waren gewiß, im Recht zu sein.
Es scheint, als könne absolute Gewißheit heute nur im
geistigen Bereich gewonnen werden, während das Vertrauen zu
schwinden droht, sobald ethische Prinzipien praktisch ange-

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�13. April 1955

"AMERIKA DIENST

angewendet werden sollen. Gewißheit ist im irdischen Bereich
nicht leicht zu finden. Zumindest wenn die Tatsachen bekannt
sind. Die Sehnsucht nach größerer Gewißheit und Exaktheit,als
dies mit der Vielschichtigkeit der Dinge vereinbar ist, begünstigt lediglich doktrinäres und fanatisches Denken und führt
schließlich nur zu Enttäuschungen. Vielleicht wäre es gut, wenn
der Fanatismus in weltlichen Dingen verschwände.
Daneben besteht noch das Dilemma, das man als den Gegensatz zwischen dem Geistigen und dem Materiellen bezeichnen
könnte.
Es gibt Menschen, die glauben, daß moralische Erwägungen die Außenpolitik einer Nation nicht beeinflussen dürfen;
daß moralische Erwägungen für den Einzelnen durchaus angebracht
sind, nicht aber für ein Kollektiv. Gemeinwesen, so wird argumentiert, sollten sich nur von materiellen Überlegungen leiten
lassen.
Es ist, glaube ich, eine alte Wahrheit, daß diejenigen, die
als Vertreter und Treuhänder anderer handeln, nicht die gleiche
Freiheit besitzen, wie der Einzelne, der nur über sein eigenes
leben und seinen eigenen Besitz verfügt. So steht es den
Direktoren einer Gesellschaft im allgemeinen nicht frei, über
den Besitz der Gesellschaft für wohltätige Zwecke zu verfügen,
wenn dies nicht zu Gunsten der Gesellschaft geschieht. Bis zu
einem gewissen Grade, glaube ich, gelten die gleichen Grundsätze auch für diejenigen, die Treuhänder einer Nation sind.
Tatsächlich ist es ja im allgemeinen so, daß die Mitglieder der Regierung eines Landes lediglich für das unmittelbare
und augenblickliche Interesse der von ihnen vertretenen Nationen arbeiten. Aus diesem Grunde werden Schenkungen von Regierungen im allgemeinen mit Mißtrauen betrachtet, in der Annahme, daß Regierungen ihre Steuergelder nur gegen ein Quid
pro Quo vergeben.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat, wie ich glauben
möchte, in dieser Beziehung eine von allen anderen Beispielen
abweichende Tradition aufzuweisen. Unsere Nation entstand in
einem Experiment mit der Freiheit. In den Institutionen
unseres Landes manifestiert sich die Überzeugung unserer
Gründerväter, daß alle Menschen von ihrem Schöpfer mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet wurden und daß ihnen das sittliche Gesetz gewisse Pflichten auferlegt. Nach ihrer Überzeugaig sollten die vom Menschen errichteten Institutionen in
erster Linie den Menschen dazu verhelfen, die ihnen von Gott
verliehenen Fähigkeiten zu entfalten, und unsere Nation sollte
durch Tat und Vorbild den Menschen in aller Welt helfen, den
Weg zu einem besseren und reicheren Leben zu finden.
Diesen Traum hat unsere Nation Wirklichkeit werden lassen.
Hier ist ein Reich der geistigen und wirtschaftlichen Kräfte
entstanden, wie es die Welt zuvor noch nicht gesehen hat. Doch
war dies Reich nicht allein uns vorbehalten, vielmehr stand
die Überzeugung von der Weltmission unseres Landes im Mittelpunkt unseres Denkens. Millionen Einwanderer aus anderen Ländern wurden mit offenen Armen empfangen, um gemeinsam mit den
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13. April 1955

AMERIKA DIENST"

den Gründervätern und ihren Erben die Möglichkeiten dieses
Reiches auszuschöpfen. Wir haben unser geschichtliches Experiment in aller Öffentlichkeit ausgeführt, so daß alle Menschen
Zeuge sein und unserem Beispiel folgen konnten, sofern sie
dies wollten. Mit der Gründung von Schulen und Hospitälern,
oft genug mit Hilfe der Kirchen, wurden Amerikas Ideale in
die Welt hinausgetragen. Denjenigen Völkern, die unserem Beispiel folgten und selbst ein Gemeinwesen größerer Freiheit
für den Menschen schaffen wollten, haben wir mit Rat und Tat
zur Seite gestanden.
So ging es an die hundert Jahre und länger. Dann aber,
mit unserer zunehmenden materiellen Macht, schien unsere
geistige Kraft zu schwinden. Allem Anschein nach ging es uns
nun weniger darum, zum Wohle der gesamten Menschheit ein Experi
ment durchzuführen als vielmehr darum, für uns selbst materielle Vorteile einzuheimsen. Unser Ideal schien zu schwinden, der
Glaube an unsere Sendung zu versiegen.
Wir hatten die schwerste Probe zu bestehen, auf die ein
Volk gestellt werden kann: die Feuerprobe materiellen Wohlstands. Jesus hat gesagt, die Güter dieser Welt sollen denen
zuteil werden, die zuerst nach dem Reiche Gottes und seiner
Gerechtigkeit trachten. Doch wenn das geschieht, dann kommt
die große Probe. Denn, wie Jesus uns gewarnt hat, die Güter
dieser Welt können leicht zu dem Rost werden, der die Seelen
der Menschen zersetzt.
Das ist ein altvertrautes Schema. Menschen, die einem
höheren Wesen gegenüber ein Gefühl der Verpflichtung verspüren,
streben hier danach, seinen Willen zu vollführen. Auf Grund
ihres Glaubens haben sie Macht, Tugend und schlichte Weisheit.
Sie bauen nicht nur für das Heute, sondern auch für das Morgen,
nicht nur für sich selbst, sondern für die Menschheit. Eine
darauf gegründete Gesellschaft wird, wenn die Natur sie begünstigt, Wohlstand und Luxus für viele hervorbringen. Wenn
sich aber diese Begleiterscheinungen einstellen, so scheinen
sie etwas so Gutes zu sein, daß sie zu dem alleingenügenden
Ziele aufrücken.
So ist eine Zeit gekommen, wo sich unser Volk von dem
schöpferischen Ringen um ein fernes Ziel ablenken ließ, wo es
sich um Erwerb und Bewahrung von Gütern dieser Welt mühte.
Lebensgewohnheiten und Bräuche, die man ursprünglich ersonnen
hatte, um einem Glauben Ausdruck zu geben, mögen aus dem noch
fortbestehenden Glauben nicht genug Lebenskraft gesogen haben.
Ich meine jedoch, daß man mit Recht sagen kann, unsere Nation
habe seit dem Ende des zweiten Weltkriegs den Glauben wiedergewonnen, in dem sie gegründet worden ist, und Werke wie jene
wiederaufgenommen, die man in der Vergangenheit "das große
amerikanische Experiment" genannt hat.
Gemeinsam mit sechzig anderen Nationen haben wir uns
aktiv im Rahmen der Vereinten Nationen um den Frieden bemüht.
Wir haben zahlreiche freie Völker moralisch, militärisch und
materiell unterstützt. Mit über vierzig Staaten haben wir be-

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�13. April 1955

AMERIKA DIENST

besondere gegenseitige Sicherheitsabmachungen abgeschlossen.
Diese Maßnahmen bilden unseren Beitrag zur Schaffung einer
Welt, die sicherer und in der die Freiheit der Menschen weniger gefährdet ist. Dieses grundsätzliche Interesse ist das
gemeinsame Band, das uns mit den übrigen freien Nationen verbindet. Unser Einfluß reicht in alle Teile der Welt - und
diesen Einfluß versuchen wir, soweit als menschenmöglich, im
Interesse der Gerechtigkeit und nicht im Interesse unserer
eigenen Machterweiterung zum Tragen zu bringen.
Zweifellos haben wir Fehler begangen. Im allgemeinen
wird man sagen dürfen, daß unsere Nation in der Geschichte
eine Rolle gespielt hat, die man als ehrenvoll betrachten
wird. Es ist eine Rolle, die wir nicht hätten übernehmen
können, wenn nicht diejenigen, in deren Händen die Regierungsgewalt lag, überzeugt gewesen wären, daß sie über die materiellen Überlegungen moralische Erwägungen zu stellen hätten.
Ich habe hier einige der Probleme und Fragenkomplexe aufgezeigt, denen sich die politisch Verantwortlichen gegenübersehen. Ich habe es dabei bewußt vermieden, dogmatisch zu sein.
Vielmehr habe ich versucht, Sie zu weiterem Denken anzuregen.
Ich möchte jedoch mit folgender allgemeiner Bemerkung schließen:
Mir scheint, ein Staat in unserer Lage sollte eine kontinuierliche und berechenbare Politik betreiben. Wir stellen
eine große Macht in der Welt dar - in geistiger, ethischer
und materieller Hinsicht. Andere Völker, die frei sind und
frei bleiben wollen, wollen im allgemeinen ihre Politik mit
der unseren koordinieren. Ich spreche jetzt nicht von einer
ins Einzelne gehenden Koordinierung. Was Einzelheiten anbetrifft, so wird es fast immer Meinungsverschiedenheiten geben.
Das ist ganz unvermeidlich, denn Meinungsverschiedenheiten sind
eine Begleiterscheinung der Freiheit. Nur der Despotismus erzeugt absolute Übereinstimmung der Meinungen. Ich nehme hier
vielmehr auf jene Grundharmonie Bezug, wie sie zwischen jenen
herrscht, die das Gefühl eines gemeinsamen Schicksals haben
und sich selbst und anderen helfen wollen.
In großen Teilen der freien Welt besteht heute eine gewisse Übereinstimmung. Sie verbindet im Geiste der Partnerschaft die Angehörigen der verschiedensten Rassen, Glaubensbekenntnisse und Nationalitäten. Aber diese Harmonie, um
die so viele ringen, wird niemals vollkommen werden und uns
erhalten bleiben, wenn die Vereinigten Staaten nicht eine verläßliche und kontinuierliche Politik betreiben.
Es gibt weite Kreise, die es in bestimmten Fällen gerne
sehen würden, wenn die Vereinigten Staaten ihrem Prinzip, ihnen
bei der Lösung ihrer besonderen Probleme behilflich zu sein,
untreu würden. Das geschieht jedoch selten. Darauf ist ein großer Teil der oberflächlichen Kritik zurückzuführen, mit der
wir im Ausland bedacht werden. Ich glaube aber, daß sich die
Vereinigten Staaten trotz dieser leichten Unzufriedenheit mit
ihrer Haltung, einer tiefen und weltweiten Achtung erfreuen, da
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"AMERIKA DIENST"

da sie, abgesehen von gelegentlichen Versäumnissen, im allge-r
meinen gewisse Prinzipien mit allem Nachdruck vertreten und
einem Kurs folgen, der im ganzen gesehen beständig und folgerichtig ist. Ohne ihn würde es keine Harmonie und kein Gefühl der Sicherheit geben, wie es zwischen freien Völkern
herrschen sollte.
Es ist ganz klar, daß für eine beständige und berechenbare Politik eine breitere Grundlage nötig ist, als sie durch
die jeweiligen Anschauungen der gerade in der Regierung befindlichen Partei gegeben wird. Unsere Politik muß einerseits die uneingeschränkte Billigung unseres eigenen Volkes
finden und andererseits die Interessen anderer Nationen
respektieren. Es scheint, daß sich für einen solchen Zweck
nur Prinzipien eignen, die den Moralgesetzen nicht zuwider
laufen. Nicht nur der Glaube unseres tief religiösen Volkes
sondern auch ein in vernünftigen Grenzen gehaltenes Eigeninteresse verlangen, daß die Moralgesetze nicht nur die
Handlung des Einzelnen sondern auch die Politik unseres
Staates bestimmen.

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�A M E R I K A

D I E N S T

PRÄSIDENT EISENHOWER EMPFIEHLT BEITRITT ZUR
INTERNATIONALEN ZOLL- UND HANDELSORGANISATION

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Botschaft Präsident Eisenhowers vom 14.April
1955, in der er den amerikanischen Kongreß
um die Ermächtigung ersucht, den Beitritt
der Vereinigten Staaten zur Internationalen
Zoll- und Handelsorganisation zu erklären.
An den Kongreß der Vereinigten Staaten,
Die Regierung der Vereinigten Staaten ist beständig bemüht, die geistigen, politischen, militärischen und wirtschaftlichen Bindungen zwischen den freien Völkern zu stärken. Durch Festigung dieser Bindungen tragen wir dazu bei,
unseren eigenen Lebensstil zu wahren, den Lebensstandard
anderer Völker zu heben, und den um der Sicherheit der freien Welt willen erforderlichen höheren Produktionsstand herbeizuführen. Im Hinblick auf diese Ziele empfahl ich dem
Kongreß in meiner Botschaft vom 10.Januar 1955» entsprechende Gesetze zu erlassen, um eine gesunde Ausweitung des Handels zu fördern und einen verstärkten Strom des für die Expansion der Volkswirtschaften anderer Länder erforderlichen
Privatkapitals einzuleiten.
Im Sinne dieser Ziele haben die Vereinigten Staaten in
den letzten 7 Jahren an jener multilateralen Handelsvereinbarung teilgenommen, die unter der Bezeichnung "Allgemeines
Zoll- und Handelsabkommen" bekannt ist. Dieser für die amerikanische Außenhandelspolitik so entscheidende Schritt wurde
im Einklang mit den Befugnissen vollzogen, die der Kongreß
dem Präsidenten im Rahmen der Gesetzgebung über den Abschluß
zweiseitiger Handelsabkommen übertragen hatte. Nach einer
mehrmonatigen eingehenden Überprüfung der im Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommen festgelegten Richtlinien für den
Außenhandel haben sich die Vereinigten Staaten und 33 weitere Signatarmächte im vergangenen Monat auf eine teilweise
Revision dieser Richtlinien geeinigt. Es wurde auch ein
neuer Vertrag entworfen, der die Schaffung einer unkomplizierten internationalen Organisation vorsieht, die die Ee- 1 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20- April 1955

die Bezeichnung "Internationale Zoll- und Handelsorganisation"
(Organization for Trade Cooperation - OTC) erhalten und das Allgemeine" Zoll- und Handelsabkommen verwalten soll.
Ich darf hier noch einmal kurz auf die Umstände verweisen,
die den Anlaß zum Abschluß des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens und zur Teilnahme der Vereinigten Staaten an ihm gegeben
haben. Ich möchte auch darauf hinweisen, welche Vorteile es uns
eingebracht hat - Vorteile, die die Weiterführung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens und eine Mitgliedschaft der Vereinigten Staaten in der neuen internationalen Zoll- und Handelsorganisation rechtfertigen.
Die wirtschaftlichen und politischen Schwierigkeiten, die
durch den II. Weltkrieg hervorgerufen worden waren, gefährdeten
in der unmittelbaren Nachkriegszeit das Wiederaufleben eines gesunden und expandierenden Welthandels. Zahlreiche Länder konnten
nichts exportieren und hatten auch nicht die Mittel, Produkte
anderer Länder zu kaufen. Der weitgehende Rückgriff auf Importbeschränkungen und auf diskriminierende bilaterale Handelsabmachungen drohte zu einer Rückkehr zum wirtschaftlichen Isolationismus und zu einem staatlich gelenkten und stark eingeengten
Außenhandel zu führen. Es bedurfte großer, im Geist der Zusammenarbeit unternommenen Bemühungen, um nichtgerechtfertigte Handelsbeschränkungen allmählich zu beseitigen und eine Reihe von Kriterien aufzurichten, die sich gleichermaßen für die Völker der
freien Welt als auch für das Wiederaufleben des Welthandels als
segensreich erweisen sollten.
Angesichts dieser weltpolitischen Lage handelten die Vereinigten Staaten und eine Reihe befreundeter Nationen untereinander eine Reihe von Zollabkommen aus. Sie vereinbarten ferner
verschiedene Grundsätze und Richtlinien für den Handel, um so
die eingeräumten Zollvergünstigungen zu schützen. Ali diese Zollabmachungen und Richtlinien für den Handel wurden in einer multilateralen Vereinbarung zusammengefaßt, dem "Allgemeinen Zollund Handelsabkommen."
Die genannten Richtlinien für den Handel bestehen im wesentlichen aus Bestimmungen, die die Vereinigten Staaten seit 1934
schon in ihren bilateralen Handelsabkommen zu verwirklichen suchten, mit denen wir den Schutz der im Rahmen solcher Abmachungen
ausgehandelten Zollvergünstigungen erstrebten. Sie sehen beispielsweise vor, daß Zollerleichterungen nicht durch die Einführung
anderer restriktiver Maßnahmen null und nichtig gemacht werden
dürfen; daß die Einfuhren keinerlei mengenmäßigen Beschränkungen
unterworfen werden sollen; daß Handelsbeschränkungen, sofern sie
dennoch angewandt werden, ohne Unterschied auf alle anderen Staaten angewandt werden müssen; und daß Erleichterungen, die man
einem Staat gewährt, auch auf die gleichen Produkte anderer Staaten gemäß dem unbedingten Prinzip der Meistbegünstigung, angewandt
werden sollten.
Um
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. April 1955

Um das notwendige Maß an Flexibilität zu gewährleisten, das
im Hinblick auf die ganz verschiedenartigen Bedürfnisse der Teilnehmerstaaten erforderlich ist, sieht das Allgemeine Zoll- und
Handelsabkommen verschiedene Ausnahmen bezüglich der grundsätzlichen Regelung vor. Unter gewissen Umständen kann einzelnen Ländern ein Abweichen von diesen grundsätzlichen Richtlinien gestattet werden. Die Vereinigten Staaten haben die Erlaubnis zu einem
solchen Abweichen im Falle des Imports von landwirtschaftlichen
Produkten erhalten, da in den USA auf diesem Gebiet feste Regierungsprogramme bestehen.
Das Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen hat durch die Festsetzung von Richtlinien für den Außenhandel und durch die in seinem Rahmen geführten Zollverhandlungen sehr zur Erreichung jenes
Ziels beigetragen, dessentwillen es einst geschlossen wurde:
Eine geordnete Expansion des Welthandels. 34 Länder mit einem
Gesamtanteil von vier Fünfteln am Welthandel beteiligen sich gegenwärtig an diesem Versuch zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit.
Der Welthandel hat in raschem Tempo zugenommen, und für zahlreiche Länder gilt, daß der Außenhandel heute einen weit höheren
Prozentsatz der Gesamtgüterproduktion aufnimmt als in den Vorkriegsjahren.
Die Vereinigten Staaten haben aus der Teilnahme an den multilateralen Wirtschaftsverhandlungen im Rahmen des Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommens vor allem einen wichtigen Vorteil
genossen: Wir haben auf diesem Wege weit mehr Zollbegünstigungen
auf unsere Exportwaren erhalten können, als uns zweiseitige Verhandlungen je eingebracht hätten. Unser Land konnte als Teilnehmer an dieser multilateralen Vereinbarung Vorteile ziehen, die
andere Staaten in Verhandlungen nicht zugestanden hätten, die
also nur durch dieses multilaterale Unternehmen zu erreichen
waren.
Wie wertvoll die Verhandlungen über derartige multilaterale
Handelsvereinbarungen für die Vereinigten Staaten sind, läßt
sich in etwa an der Tatsache ermessen, daß es uns möglich war,
Begünstigungen für rund 50 Prozent unserer gesamten wertmäßigen
Ausfuhren auszuhandeln.
Ein weiterer Vorteil, der den Vereinigten Staaten aus der
Teilnahme am Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen erwuchs, ist
im Verlauf der letzten beiden Jahre offenbar geworden. Die Richtlinien für den Handel gestatten anderen Ländern, sofern sie
eine unausgeglichene Handelsbilanz haben, die Einschränkungen
von Dollar-Einfuhren; da sich aber die Zahlungsposition jener
Länder inzwischen erheblich gebessert hat, ist es uns gelungen,
sie von der Notwendigkeit eines Abbaues solcher Beschränkungen
zu überzeugen. .Zwischen 1953 und dem Beginn des Jahres 1955 haben 10 westeuropäische Staaten die quantitativen Beschränkungen
auf Dollareinfuhren bis zu 60 Prozent der Gesamthöhe ihrer derartigen Importe aufgehoben. In den ersten Monaten dieses Jahres
wurden weitere Beschränkungen beseitigt. Bestünde das Allgemeine
Zoll- und Handelsabkommen nicht, dann wäre es weit schwieriger,
diese Länder von der Notwendigkeit eines Abbaues solcher Einfuhrbeschränkungen zu überzeugen.
Eine
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. April 1955

Eine restlose Inanspruchnahme der für unsere Exporte seit 1948
ausgehandelten Zollvergünstigungen rückt deshalb nunmehr in nächste: Nähe. Es ist das Ziel meiner Regierung, die im Allgemeinen
Zoll- und Handelsabkommen vorgesehene Konsultation mit dem Ziel
zu betreiben, die Einhaltung dieser Verpflichtungen zum Nutzen
unseres Außenhandels sobald als möglich zu verwirklichen.
Neben der allgemeinen Lockerung der Beschränkungen für
Dollar-Importe, die inzwischen durchgeführt worden ist, gelang
es uns auch, andere Länder zur Aufhebung diskriminierender Einfuhrbeschränkungen für bestimmte Dollargüter zu bewegen. Die Regierung der Vereinigten Staaten hat auf die Unvereinbarkeit zwischen derartigen diskriminierenden Maßnahmen und den Grundsätzen
des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens hingewiesen und in diesem Sinne Protest erhoben. Gewisse diskriminierende Bestimmungen
gegen Importe aus den USA wurden daraufhin aufgehoben, zum Beispiel bei Kohle, Äpfeln, Zigaretten, Holz, Kartoffeln, Textilien,
Autos, Tabak, Erdöl, Wolle und Filmen.
Ein weiterer wichtiger Beitrag des Allgemeinen Zoll- und
Handelsabkommens zur Ausweitung des Handelsvolumens ist die Garantie gegen Globalerhöhungen von Zollsätzen auf den Exportmärkten. Unsere Exporteure können daher ihre Absatzpläne für Märkte
in Übersee auf der Basis einer klareren Situation hinsichtlich
der Zollsätze zur Durchführung bringen. In Übereinstimmung mit
den Handelsgepflogenheiten können die Partnerstaaten natürlich
in Einzelfällen, in denen die einheimische Industrie ernstlich
geschädigt würde, die Zollsätze erhöhen.
Das revidierte Allgemeine Zoll- und Handelsabkommen ist von
der amerikanischen Regierung gründlich studiert worden. Ich persönlich glaube, daß es eine allgemeine Verbesserung und Konsolidierung erfahren hat. Es schützt die rechtmäßigen Interessen der
Vereinigten Staaten und schafft eine feste Grundlage für eine
organische Ausweitung des Handels unter den freien Nationen
der Welt. Die für die Vereinigten Staaten bestehende Notwendigkeit
die Einfuhr von landwirtschaftlichen Produkten, für die die USRegierung eigene Programme ausgearbeitet hat, zu drosseln, wird
voll anerkannt. Für das Recht der USA, die rechtmäßigen Interessen ihrer Industrien und ihrer Arbeiterschaft zu schützen, ist
eindeutig Sorge getragen. Die Handelsvorschriften hinsichtlich
einer Verhängung von diskriminierenden Importkontrollen wurden
verschärft, ein Umstand, der die Anstrengungen zur Beseitigung
und Verhinderung diskriminierender Restriktionen gegen amerikanische Exportgüter noch unterstützen dürfte. Der Geist, in dem
die Teilnehmerstaaten an die Aufgabe der Überprüfung und Revidierung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens herangingen,
war ermutigend und stellt vielleicht die beste Garantie für die
Lebenskraft dieser Institution dar.
Auf Grund siebenjähriger Erfahrungen kamen die Vereinigten
Staaten und die anderen Teilnehmer-Länder überein, daß die organisatorischen Bestimmungen des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens abgeändert werden müßten, um einen ständigen Apparat zur
Ausarbeitung und Überwachung der Handelsverfahren und ein Forum
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�"AMERIKA DIENST"- WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. April 1955

Forum für die Diskussion der gemeinsamen Handelsprobleme zu
schaffen. Nach der gegenwärtigen Gliederung obliegt die Lösung
dieser Fragen hauptsächlich den Delegierten zu den Jahreskonferenzen des GATT. Die Teilnehmerstaaten hatten daher vorgeschlagen, eine Internationale Zoll- und Handelsorganisation
(OTC) zu bilden, um eine wirksamere Planung und Überwachung
der Handelsverfahren und der damit zusammenhängenden Fragen
zu gewährleisten.
Die Internationale Zoll- und Handelsorganisation (OTC)
wird auf Grund einer Sondervereinbarung der Teilnehmerstaaten
errichtet. Neben der Funktion, das Abkommen durchzusetzen,
stellt sie ein Organ dar, durch das die Vorbereitungen zu Handelsbesprechungen erleichtert werden könnten. Sie würde ferner
als ein Forum zur Diskussion von Handelsangelegenheiten dienen
und es ermöglichen, für die verschiedensten Probleme in bezug
auf die Handelspraxis eine für alle Beteiligten befriedigende
Lösung zu finden. Die Organisation soll keine supranationalen
Befugnisse besitzen. Sie selbst füktfat keine Handelsbesprechungen; dies ist vielmehr Sache der Länder, die an solchen Verhandlungen interessiert sind und die auch den Rahmen dafür bestimmen.
Die Delegation der Vereinigten Staaten, die ebenfalls an
der Revidierung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens mitarbeitete, hatte die besondere Anweisung, alle Bemühungen zu
einer Ausweitung der Funktionen der neuen Organisation auf andere denn auf rein handelstechnische Gebiete zurückzuweisen.
Ein Maßstab für den Erfolg der Verhandlungen, wie er sich von
den Vereinigten Staaten aus gesehen darstellt, ist die Tatsache,
daß die vorgeschlagene Internationale Zoll- und Handelsorganisation auf diese Weise in ihren Funktionen innerhalb gewisser Grenzen festgelegt ist. Meiner Ansicht nach wird ihre Wirksamkeit
gerade durch den Umstand noch erhöht, daß sie einen derartigen
festumrissenen und begrenzten Aufgabenbereich besitzt.
Ich halte die Gründe für eine Mitgliedschaft der Vereinigten Staaten in der geplanten Organisation für sehr zwingend.
Mit unserem Beitritt würden wir der freien Welt unser aktives
Interesse an der Förderung des Handels unter den freien Nationen demonstrieren. Wir würden den Beweis für unseren Wunsch
erbringen, in Handelsdingen ebenso unserer Bereitschaft zur'
Zusammenarbeit Ausdruck zu geben, wie wir es auf militärischem
Gebiet hinsichtlich der Regionalpakte wie der Nordatlantikpaktorganisation, und auf währungs- und finanztechnischem Gebiet hinsichtlich des Internationalen Währungsfonds und der
Weltbank bereits getan haben. Wir würden somit im Kampf gegen
die Herrschaftsbestrebungen des Kommunismus weiterhin zusammenarbeiten, um die allgemeine Sicherheit und den Wohlstand aller
Länder zu erhöhen.
Ein solches Vorgehen könnte den vernünftigen Eigeninteressen der Vereinigten Staaten nur dienlich sein. Als Mitglied
dieser Organisation könnten wir wirksamer auf die Beseitigung
diskriminierender Restriktionsbestimmungen gegen unsere Exportgüter hinarbeiten. Wir könnten dazu beitragen, Bedingungen zu

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�"AMERIKA LIENST" •*- WIRTSCHAFT UNL ARBEIT

20. April 1955

zu schaffen, die für eine Konvertierbarkeit der Währungen
günstiger sind. Wir könnten die Ausweitung der Überseemärkte
zur Erhöhung des Absatzes unserer Bergbau-, Agrar- und Fertigprodukte fördern. Wir könnten dazu beitragen, daß sich
günstigere Verhältnisse für den internationalen Kapitalmarkt
entwickeln, da speziell in den wirtschaftlich unterentwickelten
Gebieten der ganzen freien Weit Kapital so dringend zur Ausweitung der Produktion benötigt wird.
Bin Abseitsstehen der Vereinigten Staaten bei der Schaffung der Internationalen Zoll- und Handelsorganisation würde
in der ganzen freien Welt als ein Mangel an aufrichtigem Interesse seitens der USA an den Bestrebungen zur allgemeinen
Ausweitung des Welthandels ausgelegt werden. Ein solches Verhalten bedeutete einen ernsten Rückschlag für den Aufschwung,
den jetzt die Bemühungen um die Erreichung dieses Zieles erhalten haben. Es wäre ein schwerer Schlag gegen die sich anbahnende Entwicklung gemeinsamer Maßnahmen zur Verteidigung
der freien Welt. Es würde zur Verhängung von Handelsrestriktionen auf Seiten der anderen Länder führen, was eine Verminderung der internationalen Handelstätigkeit zur Folge hätte
und den amerikanischen Export weit zurückwerfen würde. Es
könnte zu einer neuen regionalen Blockbildung der Völker
kommen. Es erübrigt sich wohl, darauf hinzuweisen, daß alle
diese Entwicklungen nur den Kommunisten zum Vorteil gereichen
würden.
Deshalb sollten nach meiner Ansicht die Vereinigten Staaten mit den anderen Ländern der freien Welt zusammengehen, um
unsere Handelsprobleme auf kooperativer Basis zu lösen.
Ich unterbreite hiermit Kopien des Vertragsentwurfs über
die Schaffung einer Internationalen Zoll- und Handelsorganisation und empfehle, daß der Kongreß die gesetzliche Vollmacht zur Mitgliedschaft der Vereinigten Staaten in dieser
Organisation erteilen möge.

Lwight L. Eisenhower

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�A M E R I K A

D I

N S T

ZEHN JAHRE ZUSAMMENARBEIT ZUM WOHLE DER MENSCHHEIT

Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer
Rede, die der Unterstaatssekretär im US-Außenministerium für Angelegenheiten internationaler Organisationen, David McKendry Key,am 15. April 1955 vor
den Mitgliedern der Amerikanischen Gesellschaft für
die Vereinten Nationen in Trenton (New Jersey) gehalten hat.

TRENTON — (AD) — Diese Versammlung bietet willkommene Gelegenheit, die Leistungen der Vereinten Nationen in der Vergangenheft zu überprüfen und einen Blick auf die vor ihr liegenden
Aufgaben, der Zukunft zu tun.
In etwa zwei Monaten wird in San Francisco, der Geburtsstätte der Vereinten Nationen, eine Gedenkwoche in Würdigung
der zehnjährigen Wiederkehr des Tages veranstaltet, an dem die
Charta dieser Organisation unterzeichnet wurde. Auf einer Reihe
von Sitzungen wird den Mitgliedern der Vereinten Nationen Gelegenheit geboten werden, Rechenschaft über die Leistungen der
Organisation zu geben. Die Stadt San Francisco hat sich freundlicherweise bereit erklärt, den Vereinten Nationen anläßlich
dieses denkwürdigen Jahrestages Gastfreundschaft zu gewähren.
Die UN-Vollversammlung, hat die Einladung im vergangenen Dezember einstimmig angenommen und das Sekretariat der Vereinten Nationen trifft gegenwärtig die notwendigen Vorbereitungen. Die
Vereinigten Staaten werden an diesen Sitzungen durch eine Delegation vertreten sein, die vofe Außenminister John Foster Dulles
sowie Botschafter Henry Cabot Lodge geführt wird.
Wenn wir unsere Gedanken auf dieses bedeutsame Treffen wenden, so wollen wir gleichzeitig der wichtigen Rolle gedenken,
die nichtstaatliche Organisationen bei der Beratung unserer
Delegation anläßlich der vor 10 Jahren in San Francisco erfolgten Gründung der Vereinten Nationen gespielt haben.
Ich freue mich, sagen zu dürfen, daß vom Sekretariat der
Vereinten Nationen entsprechende Vorkehrungen getroffen werden,
um durch Hinzuziehung von Vertretern der nichtstaatlichen Organisationen diesen Feierlichkeiten einen so weiten und repräsen- 1 -

�"AMERIKA DIENST"

27. April 1955

repräsentativen Rahmen wie nur eben möglich zu geben.
Die im historischen Opernhaus von San Francisco stattfindenden Sitzungen werden einen neuen Meilenstein in der Entwicklung der Vereinten Nationen seit ihrer Gründung darstellen. Trotz
aller Schwierigkeiten, die der Errichtung des in der Charta der
Vereinten Nationen vorgesehenen festgefügten und arbeitsfähigen
Apparats entgegenstanden und angesichts internationaler Probleme,
die man bei der Abfassung der Charta nicht voraussehen konnte,
ist es gelungen, eine straffe Organisation aufzubauen. Das Wachstum und das unverminderte tatkräftige Wirken der Vereinten Nationen haben in den vergangenen 10 Jahren den Glauben ihrer Gründer gerechtfertigt.

Eines der wichtigsten unvorhergesehenen Ereignisse, vor das
sich die Vereinten Nationen schon in den ersten Jahren nach ihrer
Gründung gestellt sahen, war der Eintritt der Menschheit in das
Atomzeitalter. In der Zeit, die zwischen der Unterzeichnung der
Charta von San Francisco im Juni 1945 und ihrem Inkrafttreten
vier Monate später im Oktober des gleichen Jahres verging, lernte
der Mensch erstmals die destruktiven Möglichkeiten dießer neuen
Macht kennen. In den folgenden 10 Jahren Bind die Vereinten Nationen vor die immer dringlicher werdende Notwendigkeit gestellt
worden, diese Kraft unter Kontrolle zu stellen und zum Wohl der
Zivilisation einzusetzen, statt zuzusehen, wie sie für Zwecke der
Zerstörung verwendet wird.
Die Vereinten Nationen haben diese Forderung erkannt und
sind bemüht, Mittel und Wege zu finden, dieser Aufgabe gerecht
zu werden. Sie setzen sich mit aller Kraft für die Schaffung
einer internationalen Atombehörde im Rahmen der Vereinten Nationen zur friedlichen Ausnutzung der Atomenergie ein. Außerdem wird
im August dieses Jahres in Genf eine internationale Konferenz
führender Kernphysiker darüber stattfinden, wie die Segnungen
der Atomenergie der ganzen Menschheit zugänglich gemacht werden
können. Was aber die politische Kontrolle der Atomenergie betrifft,
so ringen die Vereinten Nationen nach wie vor mit dem Problem
einer die allgemeine Sicherheit nicht gefährdenden Abrüstung und
der Eliminierung der Atomenergie als Werkzeug der Zerstörung. Botschafter Wadsworth, der an sich heute gleichfalls zu Ihnen hätte
sprechen sollen, ist leider verhindert, weil er zur Zeit die Vereinigten Staaten in London auf den Sitzungen des Unterausschusses
für Abrüstungsfragen vertritt.

Wenn man die Vereinten Nationen und ihre zehnjährige Geschichte betrachtet, dann sollte man gewisse Unterschiede nicht außer
acht lassen, die zwischen der Organisation, wie sie in der Charta
in Aussicht genommen war, und der tatsächlichen Organisation, wie
sie heute auf Grund praktischer Erfahrungen aussieht, bestehen.
In dem ganzen letzten Jahrzehnt haben Tausende von Männern und
Frauen, denen der Frieden am Herzen liegt, sich darum gemüht,
die in der Charta vorgezeichneten Pläne in die Wirklichkeit, zu
übertragen. Dabei gewannen sie die Erkenntnis, daß im Laufe der
Zeit immer wieder Abänderungen an den Plänen vorgenommen werden
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�"AMERIKA DIENST"

27. April 1955

werden mußten, um den Stoff, mit dem sie es zu tun hatten und den
Baugrund, auf den sie angewiesen waren, einander anzugleichen.
Infolgedessen haben sich die Vereinten Nationen in mancher
Hinsicht anders entwickelt als ihre Gründer das ursprünglich
beabsichtigt hatten. Wäre die Charta in ihren Bestimmungen starr
gewesen, dann hätten die friedliebenden Länder sich in der Tat
unüberwindlichen Hindernissen gegenüber gesehen. Zum Glück erwies
sich die Charta als "elastisch" genug, um unvorhergesehenen
Schwierigkeiten auf verschiedene Art und Weise zu begegnen.
Die Vereinten Nationen sind heute ein arbeitsfähiger und lebenskräftiger Organismus, der die Probe gefahrvoller Zeiten bestanden
und die Fähigkeit zu weiterem Wachstum bewiesen hat.
Ich möchte Ihnen heute vor Augen führen, mit wieviel Erfindungsgabe die freien Völker ans Werk gegangen sind, um im Geiste
der Charta mit den schweren Problemen der Nachkriegszeit fertig
werden zu können. Die entscheidende Feuerprobe für die Vereinten Nationen war der brutale Überraschungsangriff der Kommunisten
gegen die Republik Korea im Jahre 1950. Dies trieb die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen zu einer improvisierten aber erfolgreichen Verteidigung der zum Schlachtfeld gewordenen Republik.
Uns allen ist dieses wichtige Blatt in der Geschichte der Vereinten Nationen bekannt. Der Korea-Krieg forderte hohe Opfer an Gut
und Blut, er hat aber auch gezeigt, daß die Vereinten Nationen
als Organisation bereit und willens sind, moralischen und militärischen Herausforderungen zu begegnen.
In Korea sind die Vereinten Nationen der direkten und offenen
Herausforderung einer kommunistischen Aggression - die auch von
allen als solche klar erkannt wurde - entgegengetreten. Zur gleichen Zeit mußte die freie Welt auch noch verschiedene Versuche
des Weltkommunismus abwehren, nichtkommunistische Völker und
Staaten von innen heraus zu zersetzen. Es wurden jedoch Mittel
und Wege gefunden, diese Machenschaften zunichte zu machen, und
Bedingungen zu schaffen, die jeden möglichen Aggressor warnen
oder abschrecken müssen.
Die Vereinten Nationen haben - dank der ihrer Charta eigenen
Flexibilität - bei der Lösung dieser Probleme eine wichtige Rolle
gespielt. Während der letzten zehn Jahre wurden eine Reihe von
regionalen Körperschaften und Sonderorganisationen ins Leben gerufen und mehrere multilaterale Abkommen geschlossen, die alle
die Verwirklichung der grundsätzlichen Ziele der Charta der Vereinten Nationen zum Ziele haben, nämlich Frieden, Sicherheit und
Wohlstand.
Wenden wir uns zuerst den regionalen Körperschaften zu,
die zum Zwecke einer kollektiven Verteidigung geschaffen wurden.
Dies wäre nicht notwendig gewesen, wenn sich die Großmächte in
der Frage der Aufstellung einer Streitmacht der Vereinten Nationen
zur Sicherung des Friedens und zur Abwehr von Aggressionen geeinigt hätten. Die Sowjetunion, hat jedoch, wie Sie alle wissen,
schon sehr frühzeitig ihre mangelnde Bereitschaft bekundet, eine
Organisation der Vereinten Nationen zu schaffen, die in der Lage

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Lage wäre, eine Aggression zu verhindern oder niederzuschlagen.
Während die Sowjetunion in den ersten Jahren des Bestehens der
Vereinten Nationen bei den Diskussionen im Militärausschuß des
UN-Sicherheitsrates ihre Obstruktionspolitik fortsetzten drohten
sie mit Aggression und unterstützten sie, hetzten zum Umsturz
und legten ihren osteuropäischen Satelliten schwere Ketten an.
Dieses Verhalten bedeutete für die Vereinigten Staaten und andere
Länder der freien Welt eine ernste Bedrohung ihrer Sicherheit. Um
dieser Bedrohung Herr zu werden, wurde die Nordatlantikpaktorganisation (NATO) geschaffen, eine kollektive Verteidigungsorganisation von der Art, wie sie die Charta der Vereinten Nationen gestattet.
Die NATO hat bereits wertvolle Beiträge zur Erreichung der
Ziele der Vereinten Nationen geleistet, indem sie Bedingungen
schuf, die die Aggressionsgefahr eindämmten, die allgemeine Sicherheit förderten und die internationalen Spannungen lockerten.
Da nunmehr die Ratifizierung der Abkommen, die die Schaffung der
Westeuropäischen Union zum Ziele haben, gesichert scheint, wird
schon in Kürze auf dem europäischen Kontinent eine neue Bastion
gegen die kommunistische Expansion errichtet werden. Die erbitterte Opposition der Sowjets und ihre verzweifelten und unablässigen wiederholten Versuche, die Schaffung eines einigen Europas
zu verhindern, unterstreichen nur die Bedeutung dieser Entwicklung
als Sicherung gegen die sowjetische Expansionspolitik.
Die NATO und die Westeuropäische Union sind als Reaktion
auf die unvorhergesehenen Bedingungen ins Leben gerufen worden,
die der sogenannte Kalte Krieg geschaffen hat. Sie stellen jedoch nicht die ersten Organisationen dieser Art dar. Bereits
vor der Schaffung der Vereinten Nationen bestand in der westlichen
Hemisphäre eine Organisation der in Artikel 52 der Charta der
Vereinten Nationen erwähnten Art. Artikel 52 lautet: "Die Charta
schließt die Existenz von regionalen Bündnissen oder Organen, die
sich für die Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und
der internationalen Sicherheit nach Maßgabe regionaler Gegebenheiten einsetzen, nicht aus..." Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die Vereinigung der amerikanischen Republiken (Organization of American States), die jahrelang die kollektive Verteidigungskraft und die gemeinsame Sicherheit in der amerikanischen
Hemisphäre gewährleistet hat.
Ich habe dieses Beispiel für alle diejenigen angeführt, die
fürchten, daß defensive RegjLönalorganisationen die Autorität der
Vereinten Nationen verringern oder als Zeichen der Unzulänglichkeit der Vereinten Nationen gewertet werden könnten. Ganz im
Gegenteil bringt die Charta klar zum Ausdruck, daß die Vereinten
Nationen solche Organisationen oder Abmachungen in erster Linie
heranziehen, die zur Aufrechterhaltung des Friedens unter den Völkern beitragen. Die Charta sieht zum Beispiel vor, daß die Mitgliedstaaten von regionalen Einrichtungen oder Organen im Rahmen dieser
Organisationen "alle Anstrengungen machen, eine friedliche Beilegung lokaler Unstimmigkeiten zu erreichen", noch ehe sie die
umstrittenen Fragen vor den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
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Nationen bringen. Die Charta sieht weiter vor, daß der Sicherheitsrat die Beilegung von Streitigkeiten auf diese Art fördern soll.
Verschiedene gefährliche Streitfragen zwischen den amerikanischen
Republiken konnten so durch die Vermittlung der Vereinigung der
amerikanischen Republiken zufriedenstellend geschlichtet werden.
Das jüngste Beispiel - es liegt nur einige Monate zurück - war
das sofortige und wohlüberlegte Eingreifen im Falle Costa Rica.
Der Manila-Pakt, der erst kürzlich unter Beteiligung•der
Vereinigten Staaten zustande kam und als ein solches regionales
Bündnis anzusehen ist, dient dem Zweck, der offensichtlichen
Gefahr für die Sicherheit und Interessen der südostasiatischen
Staaten zu begegnen. Er soll als Warnung für alle diejenigen
dienen, die Aggressionspläne hegen. Er bringt außerdem zum Ausdruck, daß alle Paktstaaten im Falle eines Angriffs Widerstand
leisten und daß sie eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten ihrer Länder nicht dulden werden. Abkommen dieser Art stärken
die Position der Vereinten Nationen.
Diese kollektiven Verteidigungsorganisationen sind in erster
Linie dafür gedacht, der Drohung einer militärischen Aggression
entgegenzutreten. Jedoch haben uns die üblen Erfahrungen, die wir
seit der Gründung der Vereinten Nationen machen mußten, gelehrt,
daß wir auch auf eine andere und heimtückischere Form der Aggression vorbereitet sein müssen. Damit meine ich die Aggression
durch Subversion und Infiltrationsmethoden, von denen die Kommunisten wiederholt Gebrauch gemacht haben. Wir haben die traurigen
Ergebnisse solcher Methoden an einem Land wie der Tschechoslowakei
selbst beobachten können, dem der Kommunismus gegen den Willen
des Volkes aufgezwungen worden ist, ohne jegliche offene Aggression. Wir haben die schweren kommunistischen Bedrohungen in
einem Land wie Griechenland erlebt, die nur durch das sofortige
Eingreifen der Vereinten Nationen und der Vereinigten Staaten
sowie die heroischen Anstrengungen des griechischen Volkes angewendet werden konnte.
Sowohl die Vereinigung der amerikanischen Republiken als
auchcdie Unterzeichnerstaaten des Manila-Paktes haben daß Bestehen dieser gefährlichen kommunistischen Taktik erkannt. In
der Erklärung von Caracas wird die Forderung erhoben, daß die
amerikanischen Republiken den Erfahrungsaustausch untereinander
pflegen und geeignete Maßnahmen treffen sollen, um eine Beherrschung oder Kontrolle der politischen Einrichtungen in irgendeiner der amerikanischen Republiken durch den internationalen
Kommunismus zu verhüten. Sie sieht auch noch andrere Maßnahmen
zur Eindämmung des kommunistischen Einflusses in unserer Erdhälfte vor. Der Manila-Pakt bekennt sich zu den gleichen Zielen.
Diese Erklärungen sind ein eindeutiger Beweis des Willens der
freien Völker, Aggression durch Subversion zu unterbinden.
Ich will mich nun einer anderen Form der regionalen Vereinbarungen zuwenden, die einen ähnlichen Zweck verfolgt, nämlich
durch Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem Gebiet den Ursachen der
Unsicherheit und Unruhe zu Leibe zu rücken. Solche Übereinkünfte
sind sowohl innerhalb als au'ch außerhalb des Gefüges der Vereinten .
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Vereinten Nationen getroffen worden, und sie ergänzen sich heute
gegenseitig. Die Charta sieht beide Formen der Zusammenarbeit vor.
Innerhalb der Vereinten Nationen wurden durch den Wirtschaftsund Sozialrat die Wirtschaftskommissionen für Europa, für Lateinamerika sowie für Asien und den Fernen Osten ins Leben gerufen.
Aufgabe dieser Kommissionen ist es, die wirtschaftlichen Verhältnisse zu studieren und Empfehlungen auszuarbeiten, wie durch Belebung von Handel, Industrie und Landwirtschaft»steigender Lebensstandard und allgemeiner Wohlstand erreicht werden können,
"die eine unerlässliche Voraussetzung für friedliche, und freundschaftliche Beziehungen zwischen den Völkern sind". Es ist zu
beachten, daß es nicht Aufgabe dieser Kommissionen sein soll, in
den Ablauf der Dinge handelnd einzugreifen. Sie haben vielmehr
die wesentliche Aufgabe zu erfüllen, die jeweiligen Sachverhalte
festzustellen, die ein Eingreifen geboten erscheinen lassen.
Außerhalb der Vereinten Nationen könnte ich die Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Europa (OEEC) nennei, die
im Jahre 1947 gegründet wurde, um die notwendigen Voraussetzungen
für die Beschleunigung des wirtschaftlichen Wiederaufbaus Europas
zu schaffen. Seitdem hat diese Organisation unablässig den Ausbau der lebenswichtigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit innerhalb der europäischen Völkergemeinschaft angespornt und vorangetrieben. Ohne ihre:' Mithilfe wären die Ziele der NATO auf den
Gebieten der Politik und der Sicherheit gefährdet gewesen. Im
Fernen Osten haben die technischen Hilfsprogramme der Vereinigten
Staaten zum Fortschritt und zur Stabilisierung der Wirtschaft
beigetragen. Präsident Eisenhower hat eben erst erklärt, er wolle
den Kongreß kommende Woche davon unterrichten, daß "die Vereinigten Staaten bereit sind, ihre Zusammenarbeit mit den freien Völkern Süd- und Ostasiens zu vertiefen, um die Bemühung, dieser
Staaten hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung und der
Hebung des Lebensstandards zu unterstützen." Wir sind nicht die
einzigen, die diesem hochwichtigen Gebiet Hilfe bringen. Großbritannien hat den Colombo-Plan ins Werk gesetzt, nach dem sich
die Staaten dieses Gebiets gegenseitige Unterstützung bei der
Hebung ihres Lebensstandards zusichern und so den Kommunisten
auf ihre trügerischen Versprechungen eine positive Antwort geben.
Wenn man, um mit Botschafter Lodge zu sprechen, regionale
Verteidigungsorganisationen als Reaktion auf das Vorgehen der
Kommunisten geschaffen hat, so könnte man auch sagen, die regionale wirtschaftliche Zusammenarbeit habe sich als Reaktion auf
die wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten der modernen
Welt entfaltet. Die Wirtschaftskommissionen der Vereinten Nationen
und die freiwilligen technischen und wirtschaftlichen Hilfsprogramme - Maßnahmen, die sowohl durch die Vereinten Nationen als
auch von verschiedenen Staaten unabhängig von der UN getroffen
werden - tragen zur Milderung der internationalen Spannung bei
und leisten damit auch einen wichtigen Beitrag zur Erreichung
der Ziele der Charta.
Im
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Im Zusammenhang mit der progressiven Entwicklung der regionalen Seiten einer internationalen Zusammenarbeit steht auch
das, was die Sonderorganisationen der Vereinten Nationen im
Laufe des letzten Jahrzehnts geleistet haben. Wie Sic wissen,
ist die Schaffung dieser Organisationen in der Charta der Vereinten Nationen nicht ausdrücklich vorgesehen. Vielmehr wurden
sie durch Vereinbarungen zwischen den Regierungen geschaffen
und durch den in der Charta vorgesehenen Wirtschafts- und Sozialrat mit den Vereinten Nationen in Beziehung gebracht. Zur Zeit
bestehen zehn dieser Sonderorganisationen. Zahlreiche Regierungen haben ihre Arbeit kraftvoll unterstützt. Infolgedessen haben wir nun ein aufeinander abgestimmtes System von Sonderorganisationen auf den Gebieten der Wirtschaft, des sozialen Lebens,
der Kultur, des Bildungswesens, der Gesundheitspflege und der
Technik. Die Arbeit dieser Stellen ergänzt die von den Vereinten
Nationen geförderten Pläne für die wirtschaftliche Entwicklung
und die Verbesserung der sozialen Verhältnisse und trägt so zur
Sicherung der wirtschaftlichen und politischen Stabilität bei.
Diese Arbeit trägt nicht immer eine dramatische Note und mag
deshalb in der Öffentlichkeit nicht immer gleich große Beachtung
finden. Die bleibenden und weitreichenden Leistungen der Sonderorganisationen sprechen für sich selbst.
Die Vereinigten Staaten haben die Gründung und Entwicklung
der Sonderorganisationen gefördert. Als Volk haben wir einen
tiefen Glauben an den Grundsatz, daß man anderen helfen solle,
, sich selbst zu helfen. Wir glauben daran, daß man Wissen mit an»
deren teilen solle, und meinen, dieser Vorgang helfe dem Gedenken
ebenso wie dem Nehmenden. Als Staat haben wir Erfahrungen in der
Methodik zweiseitiger und mehrseitiger Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem, technischem und kulturellem Gebiete. Wir vertrauten
fest darauf, daß allen beteiligten Völkern große Vorteile erwachsen müßten, wenn solche Vorhaben unter dem Schutz und Schirm
der Vereinten Nationen und auf der dauerhaften Grundlage einer
echten Zusammenarbeit durchgeführt werden könnten. Von Anfang
an haben wir deshalb diese Vorhaben in großzügiger Weise unterstützt.
.
Unser Vertrauen war nicht fehl am Platze. Von Jahr zu Jahr
ist die Zahl der Teilnehmerstaaten - Mitglieder und Nichtmitglieder der Vereinten Nationen - gestiegen; es steigerte sich sowohl
der finanzielle Beitrag der Staaten zum Budget der Sonderorganisationen als auch die Zuwendungen in Inlandswährung seitens derjenigen Ländler, die direkte Nutznießer der technischen Hilfsprogramme der Vereinten Nationen sind.
Was bedeutet diese Art der Zusammenarbeit für das Wohl der
Menschheit und damit zugleich auch für die grundlegende Stabilität und Sicherheit der Welt? Ich möchte dies an uand des Beispiels
eines bestimmten Gebietes näher erläutern. Es ist eine ermutigende
Tatsache, daß die Nahrungsmittelerzeugung im freien Asien heute
besser ist als zu irgendeinem Zeitpunkt in den vergangenen fünfzig
Jahren. Die Fortschritte in der Nahrungsmittelproduktion waren
enorm. Sie sind weitgehend eine Folge der diesen Staaten von der
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der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten
Nationen (FAO) und von den Vereinigten Staaten gewährten technischen Hilfe für landwirtschaftliche Programme.
Diese Verbesserung der Ernährungsläge schafft erst die
Voraussetzung für den Aufbau der Industrie. Und all das geschieht
zu einer Zeit, da sich die. skrupellosen Führer des Kommunismus
zu dem Eingeständnis eines weitgehenden Zusammenbruchs der Lebensmitte lerzeugung und landwirtschaftlichen Produktion in den von
ihnen beherrschten und nach ihrem System regierten Ländern gezwungen sehen. In dem riesigen Gebiet, das das freie Asien und
den südwestlichen Pazifik umfaßt, leben rund 766 Millionen Menschen - das ist etwa die Hälfte der Bevölkerung der freien Welt
oder rund ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung. Und doch beläuft sich der wertmäßige Anteil der Produktion dieser Länder auf
nur 75 Milliarden Dollar oder weniger als 10 Prozent der Welterzeugung. Wenn der Frieden ganz oder in einem ausreichenden
Maße erhalten bleibt, dann läßt sich in diesem Gebiet in den
nächsten acht Jahren eine Produktionsausweitung um 30$ erreichen,
die eine wesentliche Erhöhung des Lebensstandards für die Einwohner dieses Raumes und eine zusätzliche Wirtschaftskraft von
großer Bedeutung zur Folge haben würde. Das Bruttosozialprodukt
dieses Gebietes könnte dann bei 100 Milliarden Dollar liegen.
Als Ursache der hier angeführten gesunden und ermutigenden
Fortschritte lassen sich eine ganze Reihe gemeinschaftlicher Bemühungen nennen: die mit den Vereinigten Staaten im Rahmen der
gegenseitigen Wirtschaftshilfe abgeschlossenen Abkommen; private
Entwicklungsvorhaben; das Wirken der Sonderorganisationen der
Vereinten Nationen; freiwillige UN-Programme, wie beispielsweise
der Kinderhilfsfonds und das erweiterte technische Hilfsprogramm;
und freiwillige regionale Abkommen,wie etwa der Colombo-Plan.
Diese verschiedenen Unternehmen ergänzen einander und stehen
nicht etwa miteinander im Wettbewerb. Dank ihrer ist die Zusammenarbeit zum Wohle aller zu einer neuen Kraft im Bereich der internationalen Beziehungen geworden.
Abschließend möchte ich noch einige zusätzliche Bemerkungen
über die Vereinten Nationen aus der Perspektive der Vergangenheit
als auch der Zukunft machen. Die Vereinten Nationen sind eine
lebenswichtige und daher stets wachsende und vielen Änderungen
unterworfene Organisation.Sie haben ihre Lebenskraft bewiesen;
viele Nationen und viele Menschen in vielen Ländern gehören heute
zu ihren treuen Anhängern. Es besteht jede Hoffnung, daß diese
Entwicklung anhält, die zu jedem Zeitpunkt ein getreues Spiegelbild sowohl der Weisheit und des Fortschritts als auch der Unzulänglichkeiten des Menschen sein wird.

Ich meine schon, daß die Vereinten Nationen am 10. Jahrestag ihrer Gründung mit Stolz auf ihre Leistungen und Fortschritte
zurückschauen können. Die Vereinten Nationen sind keine vollkommene
Organisation und werden niemals das Goldene Zeitalter bringen.
Sie bieten uns jedoch die Grundlage für eine kollektive Sicherheit.
Sie haben eine wichtige Rolle bei der Erhaltung des Friedens zu

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zu spielen. Sie sind ein Forum, vor dem die Vereinigten Staaten
ihre Ansicht darlegen können. Dort können wir die kommunistischen
Machenschaften vor den Schranken der Weltmeinung bloßstellen.
Die Vereinten Nationen sind wesentlich daran beteiligt, die
grundlegenden Ursachen von Kriegen aus der Welt zu schaffen,
indem sie einen Beitrag zur Verbesserung der wirtschaftlichen
und sozialen Verhältnisse leisten. Sie haben in Zeiten bisher
unbekannter Schwierigkeiten in den internationalen Beziehungen
unerschütterlich an ihren Grundsätzen festgehalten. Sie haben
ihren mäßigenden Einfluß auf die entzweienden Kräfte des Kalten
Krieges ausgeübt. Sie bieten uns willkommene Gelegenheit die
Gleichheit zwischen unseren Interessen und denen anderer Völker
sowohl mit Worten als auch mit Taten zu demonstrieren.
Jeder Mitgliedstaat darf mit vollem Recht die Frage erheben,
ob die Vereinten Nationen auch seinen nationalen Interessen dienen. Ich bin der festen Überzeugung, daß Sie, die Sie die Vereinten Nationen kennen, mit mir einer Meinung sind, daß sie den
Interessen der Vereinigten Staaten förderlich sind - und in hohem
Maß%j sogar.
Als Teilnehmer dieses Programmes möchte ich Ihnen sagen,
daß das Verständnis des Wesens der Vereinten Nationen, ihrer Ziele,
ihrer Leistungsfähigkeit und ihrer Grenzen mit zu den Voraussetzungen dafür zählt, daß die große Unterstützung, deren sich die
UN in unserem Lande erfreuen, auch weiterhin anhält und in Zukunft noch anwächst. Nur mit einem solchen Wissen können wir die
Leistungen der Vereinten Nationen fair würdigen und in konstruktive Weise beurteilen. Außenminister Dulles hat einmal gesagt,
daß jene, welche die Vereinten Nationen am besten kennen, auch die
höchste Meinung von ihnen haben; die wenigen, die sich abfällig
über die UN äußerten, wüßten im allgemeinen nichts über sie.
Ich trete nachdrücklich dafür ein, daß wir keine Gelegenheit
vorübergehen lassen, um das Verständnis der Öffentlichkeit für
die UN und das Wissen um ihre Tätigkeit zu erweitern. Damit würden wir eine Garantie dafür schaffen, daß diese große Institution
jene Unterstützung erhält, die für ihren Fortbestand und ihre
Wirksamkeit unerläßlich ist.
* * * * #

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�A M E R I K A

D I E N S T

PRÄSIDENT EISENHOWER LEGT DEM KONGRESS DAS
NEUE AUSLANDSHILFEPROGRAMM VOR
3,5 Milliarden Dollar für Auslandshilfe gefordert
WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Empfehlung Präsident Eisenhowers an dem amerikanischen Kongreß vom 20.April 1955, in
der er um die Bewilligung von 3 530 000 000
Dollar für das Auslandshilfeprogramm der
USA in dem am I.Juli 1955 beginnenden Haushaltsjahr ersucht. Der größte Teil der Mittel ist für die Länder des freien Asiens
bestimmt.
Die Betschaft des Präsidenten, in der
er die Notwendigkeit einer Hilfe an "bestimmte Länder der freien Welt" eingehend
begründet, hat folgenden Wortlaut:
"Ich empfehle, daß der Kongreß dem in dieser Botschaft
dargelegten Programm für gemeinsame Sicherheit für das am
30.Juni 1956 endende Haushaltsjahr seine Zustimmung gibt.
Dieses Programm trägt den weitgehend verbesserten Bedingungen in Europa und dem dringendsten Bedarf in Asien Rechnung.
Es fördert private Auslandsinvestitionen und das private Unternehmertum im Ausland, begünstigt eine Erhöhung unserer gemeinsamen Anstrengungen, und legt, wo immer dies möglich ist,
den Nachdruck stärker auf Anleihen als auf Schenkungen. Ich
halte das Programm für einen unerläßlichen Bestandteil einer .
realistischen und vernünftigen Politik. .
Das feste unverrückbare Ziel dieser Politik ist ein gerechter, glücklicher und dauerhafter Friede. Auf dieser Grundposition basieren unsere weitgespannten Maßnahmen im Rahmen des
Programms für gemeinsame Sicherheit in bezug auf unseren Außenhandel, unsere militärischen Bündnisse, unseren Informationsaustausch sowie die Bereitstellung von Fachleuten und unsere
Partnerschaft mit den freien Nationen. Diese Partnerschaft
basiert auf der gegenseitigen Abhängigkeit von Wirtschaft
und Verteidigung und auch in dem Verständnis und der Achtung
der einzelnen Partner für die kulturellen und nationalen Zielsetzungen der anderen.
Die
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. April 1955

Die in dieser Botschaft enthaltenen Empfehlungen sind
eine wesentliche Ergänzung des Auslandshilfeprogramms, das
in meiner Botschaft vom 10.Januar 1955 in seinen Grundzügen
dargelegt wurde. Dieses Programm soll die wirtschaftliche
Stärke und die Sicherheit der freien Welt durch eine gesunde
Ausweitung des Handels unter den freien Nationen und durch
einen verstärkten Fluß von Investitionskapital, besonders nach
den unterentwickelten Gebieten, fördern. Der Abbau der Handelsschranken in der freien Welt ist ein entscheidend wichtiger Teil
für die erfolgreiche Durchführung unserer nationalen Politik
der Sicherheit und des Friedens.
Wir müssen jedoch erkennen, daß verschiedene Länder der
freien Welt, bedingt durch die Kriegsfolgen und das Fortbestehen der Kriegsdrohung oder den niedrigen Entwicklungsstand
ihrer Wirtschaft, der Unterstützung bedürfen, um sie in die
Lage zu versetzen, stabile Verhältnisse im Inneren und die erforderliche Verteidigungsstärke zu schaffen. Das Programm
für gemeinsame Sicherheit wurde zu dem Zweck geschaffen, im
nationalen Interesse und um der Sache des Friedens willen, sich
mit diesen spezifischen Problemen zu befassen. Das Programm
rechtfertigt sich aus seinem bereits erwiesenen Wert heraus.
Sein stärkster Erfolg zeigt sich heute am besten in Westeuropa. Die freien Völker in diesem Gebiet haben einen neuen
Produktionshöchststand, ein größeres Außenhandelsvolumen, eine
günstigere Beschäftigungslage und einen steigenden Lebensstandard erreicht. Sie haben starke Verteidigungsstreitkräfte aufgestellt, die heute, wenngleich noch in mancher Hinsicht unzureichend, schon ein wichtiges Abschreckungsmittel gegen eine
Aggression darstellen und die Verteidigungsstärke der freien
Welt entscheidend erhöht haben. Ihre eigenen nationalen Bemühungen und die Zusammenarbeit untereinander waren die wichtigste
Voraussetzung für den Erfolg. Ein Gutteil des Erfolges ist jedoch dem Programm für gemeinsame Sicherheit und seinem Vorläufer, dem Europäischen Wiederaufbauprogramm, zuzuschreiben.
Das Programm, das ich Ihnen hiermit für das Finanzjahr
1956 empfehle, sieht für die ursprünglichen Marshall-PlanLänder in Westeuropa keine Wirtschaftshilfe vor. Diese Staaten
sind in der Lage, die gegenwärtig für den Aufbau des Verteidigungswerks gesteckten Ziele ohne eine derartige Unterstützung
zu erreichen. Bei ständiger Nachprüfung werden die auf Grund
früherer Bewilligungen fälligen Waffenlieferungen auch weiterhin vorgenommen werden, um zu gewährleisten, daß die jüngsten
Entwicklungen auf waffentechnischem Gebiet und in den strategischen Konzeptionen berücksichtigt werden. Unser erster Beitrag für die Ausrüstung deutscher Streitkräfte ist finanziell
durch entsprechende Maßnahmen des Kongresses bereits gesichert.
In Spanien und Jugoslawien, die nicht in den MarshallPlan einbezogen waren, können Verteidigungsprogramme nur dann
erfolgreich durchgeführt werden, wenn die wirtschaftliche Basis
eine weitere Konsolidierung und Stärkung erfährt. Es sind neue
Bewilligungen erforderlich, um unsere Zusammenarbeit mit diesen
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
20. April 1955
diesen Ländern fortzusetzen. Ähnlich verlangt auch die Sonderstellung der Stadt Berlin die Weiterführung der Unterstützung
für diesen Vorposten der Freiheit.
Jedoch geht jetzt die eigentliche Bedrohung der Sicherheit
und politischen Stabilität in der Welt von Asien aus. Der weitaus überwiegende Teil der vom Kongreß erbetenen Beträge wird
verwendet werden, um dieser Bedrohung zu begegnen. Innerhalb
eines riesigen Gebietes des freien Asiens, das sich von der Republik Korea und Japan bis zum Mittleren Osten erstreckt, leben
770 Millionen Menschen, das ist ein Drittel der gesamten Weltbevölkerung. Die meisten von ihnen sind Bürger von Staaten, die
vor nicht allzu langer Zeit ihre Unabhängigkeit erhalten haben.
Einige von ihnen sind kürzlich in einem Krieg gegen die Kommunisten verwickelt gewesen. Sie alle sind bedroht. Kapital ist
sehr knapp. Die technischen und verwaltungsmäßigen Kenntnisse
sind begrenzt. Innerhalb dieses Gebietes jedoch warten riesige
Rohstoffquellen und fruchtbare Landstriche darauf, entwickelt
und genutzt zu werden.
Nunmehr ist der Zeitpunkt für eine beschleunigte wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder gekommen. Die Hauptverantwortung
hierfür müssen notwendigerweise die betreffenden Länder selber
tragen. Bestenfalls kann das ausländische Kapital wie auch die
Auslandshilfe nur den Prozeß einleiten oder fördern, starke Volks
wirtschaften zu schaffen. In dieser Hinsicht haben die Vereinigte
Staaten die Fähigkeit, den Wunsch und das Interesse, bei dem Bemühen, dem freien Asien freundschaftliche Hilfe zu gewähren, die
Führung zu übernehmen.
Beispielsweise können wir bei der Bereitstellung und Mobilisierung von Kapital für nützliche und konstruktive Entwicklungen
behilflich sein. Wir können unsere eigene so erfolgreiche Privatindustrie dazu ermutigen, sich mit den Völkern des freien Asiens
zusammenzutun und ihnen so die Wege für den Aufbau ihrer privaten
Industrie
ebnen. Wir können hinsichtlich der Methoden, durch
welche sich eine freie Nation auf die Initiative von unabhängigen
Farmern stützt, um ständige Fortschritte auf dem Wege zu einem
höheren Lebensstandard zu erzielen, und die im Gegensatz zu den
steigenden Mißerfolgen der kollektiven Agrarwirtschaft stehen,
Ratschläge erteilen.
Es steht fest, daß die meisten Nationen des freien Asiens es
vorziehen, in gemeinsamen Anstrengungen und mit Hilfe des beratenden Ausschusses der Golombo-Plan-Staaten, der im Jahre 1950
zur Förderung der gemeinsamen wirtschaftlichen Entwicklung gegründet worden war, dieses Ziel zu erreichen. Wir begrüßen diese
Initiative. Als Mitgliedstaat des Ausschusses werden wir in unserer Arbeit fortfahren, die gemeinsamen Anstrengungen zu verstärken.
Die verschiedenartige Natur der jeweiligen nationalen Gegebenheiten erfordert, daß unsere Zusammenarbeit vor allem
bilateral ist. Einige Staaten gehören dem Manila-Pakt an und

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
20. April 1955
und die Verpflichtungen, die sie unter diesem Pakt eingegangen sind, verursachen besondere wirtschaftliche Probleme. Die
Mehrzahl der Staaten sind Mitglieder des Colombo-Planes. Die
industrielle Kapazität der meisten Staaten, abgesehen von
Japan, ist sehr gering.
Die Mittel, um deren Bewilligung hier ersucht wird,
schließen größere Summen zur Förderung unserer gemeinsamen
Ziele in diesem Räume ein. Nach meinem Ermessen sind diese
Mittel am besten angelegt, wenn 200 Millionen Dollar für
einen Sonderfonds des Präsidenten zur Förderung der Wirtschaft in Asien abgezweigt werden, wobei der Kongreß ein
Rahmengesetz zu ihrer Verwendung in Form von Anleihen und
Schenkungen schaffen sollte, das anpassungsfähig genmg ist,
um den wechselnden Gegebenheiten zu entsprechen und konstruktive Möglichkeiten auszunutzen.
Um eine Garantie für die wirklich wirksamste Verwendung
dieser Mittel zu schaffen, sollte die Bewilligung sich über
mehrere Jahre erstrecken. Eine kluge und wirtschaftliche
Anlage dieser Mittel ist dabei unter Zeitdruck nicht möglich.
Kleine, fest umrissene jährliche Aufwendungen aus diesem
200-Millionen-Dollar-Fonds können sich in vielen Fällen als
die beste Methode erweisen.
Auf Grund der andauernden Aggressions- und Subversionsdrohungen in Asien ist ein großer Teil der für die Verteidigungsund direkte Militärhilfe geforderten Beträge dazu bestimmt, die
Verteidigungsstreitkräfte unserer dortigen Alliierten aufzubauen und zu erhalten. Dies schließt die beträchtlichen Kosten
für die Aufrechterhaltung und Verstärkung der Verteidigungskräfte der nationalchinesischen Regierung auf Formosa ein und
berücksichtigt die für Korea benötigten militärischen Ausrüstungen und Versorgungsgüter.
Die in jüngster Zeit in Persien erreichte Stabilisierung
der Verhältnisse hat die kommunistische Bedrohung wesentlich
verringert und den Weg für die Nutzung der Ölquellen freigelegt.
Diese Ölquellen werden der persischen Nation schließlich Einkünfte verschaffen, durch die die weitere Entwicklung des Landes voranschreiten kann und dem persischen Volk neue Möglichkeiten eröffnet werden. Bis aber die Einkünfte des Landes aus
diesen Ölquellen für die Bewältigung dieser Aufgaben ausreichen,
muß für Persien eine begrenzte Verteidigungs- und Wirtschaftshilfe bereitgestellt werden.
Im Nahen Osten machen unsere starken NATO-Verbündeten,
Griechenland und die Türkei, bedeutungsvolle Fortschritte.
Doch keiner von beiden kann allein für die umfangreichen
Streitkräfte aufkommen, die sie zu ihrer eigenen Verteidigung
und für die Ziele der NATO-Streitkräfte in jenem Gebiet unterhalten. Ihr Vorangehen bei der Förderung von Sicherheitsvereinbarungen auf dem Balkan und die kraftvollen Bemühungen der
Türkei zur Verteidigung des Mittleren Ostens, steigern die
Notwendigkeit einer weiteren Unterstützung ihrer Anstrengungen.
Der Beschluß des Iraks, sich mit der Türkei zu einer defensiven Sicherheitsgemeinschaft' zusammenzüschlief.
eine
- 4 -'
itcre günstige

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. April 1955

günstige Entwicklung dar.
Die noch andauernde Spannung zwischen den arabischen Staaten und Israel hemmt die Völker aller Länder des Nahen Ostens.
Wir sollten auch weiterhin mit den Regierungen und den Völkern
beider Seiten zusammenwirken, um ihre wirtschaftliche Lage zu
Verbessern und ihre Fortschritte auf dem Wege zu einem dauerhaften Frieden zu beschleunigen. Unsere Zusammenarbeit beginnt
Früchte zu tragen, vor allem trifft dies für den Ausbau der
Wasserwirtschaft zu. Derartige Entwicklungen im Gebiet von
Palästina können uns in der Beseitigung der gegenwärtigen Ursachen der Spannung ein gut Stück weiterbringen.
Hinsichtlich des afrikanischen Kontinents ist unsere Zusammenarbeit auf lange Sicht von besonderer Bedeutung. Dieser
Kontinent und seine natürlichen Hilfsquellen, der Fortschritt
seiner Völker und ihre Beziehungen zu der freien Welt sind von
wachsender Bedeutung.uDie für dieses Gebiet angeforderten Mittel sollen dazu dienen»Wohlfahrt und Entwicklung der afrikanischen Völker zu fördern.
Für Lateinamerika empfehle ich eine Intensivierung unseres Programmes für technische Zusammenarbeit. Vor etwas mehr
als einem Jahrzehnt lief die technische Zusammenarbeit zum
ersten Male in diesem Räume an. In vielen unserer Schwesterrepubliken hat sich der hohe Wert dieser Programme erwiesen.
Kein internationales Programm hat jemals einen so großen Widerhall und Unterstützung gefunden. Diese Programme waren nicht
nur für die wirtschaftliche Entwicklung vieler freier Nationen
unerläßlich, sondern sie reflektieren auch den tiefen humanitären Geist des amerikanischen Volkes.
Die Programme für technische Zusammenarbeit haben die Bemühungen anderer amerikanischer Staaten um eine Stärkung und
Ausweitung ihrer Volkswirtschaft wesentlich unterstützt. Diese
Bemühungen erfuhren weiterhin eine Förderung durch unseren
äußerst umfangreichen interamerikanischen Handel, die erheblichen Investitionen von Privatkapital, die erweiterte Kredit
Vergebung durch die Export- Import-Bank und die von der Weltbank erteilten Kredite. Als Folge davon hat Lateinamerika
einen bemerkenswerten Grad an wirtschaftlicher Entwicklung
erreicht. Neben den Programmen der technischen Zusammenarbeit
für Lateinamerika empfehle ich die Fortsetzung unserer beschei
denen Beitragsleistung zur Organisation der amerikanischen Staaten sowie eine weitere wirtschaftliche Unterstützung Guatemalas
und Boliviens, um der dort herrschenden kritischen Lage Rechnung zu tragen.
Unsere Programme auf nationaler Ebene sind in keiner Weise
ein Ersatz für Maßnahmen der Vereinten Nationen auf den entsprechenden Gebieten. Die Vereinten Nationen leisten mit jeder
Maßnahme, die zur Lösung eines menschlichen Problems führt,
einen Beitrag zur Verbesserung der Friedensaussichten der ganzen Welt. Deshalb empfehle ich mit Nachdruck, daß das technische Hilfeprogramm, an dem 60 Staaten beteiligt sind und das
von den Vereinten Nationen und ihren Sonderorganisationen durchgeführt wird, weiterhin in ausreichendem Maße unterstützt wird.

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20. April 1955

Der Kinderhilfsfonds der Vereinten Nationen hat Erstaunliches
und Bedeutsames geleistet. Wir haben unseren vollen Beitrag
geleistet, um diese Arbeit zu ermöglichen. Wir sollten damit
fortfahren.
Menschen, die oft unter größter Gefahr der totalitären
Unterdrückung entronnen sind, und Flüchtlinge, die durch Krieg
und andere Katastrophen ihre Heimat verloren haben, verdienen
auch im Haushaltsjahr 1956 weitere Unterstützung durch Programme, die von den Vereinigten Staaten, den Vereinten Nationen
und dem zwischenstaatlichen Ausschuß für die Auswanderung aus
Europa (ICEM) verwaltet werden.
Einzigartig, am wenigsten kostspielig und dabei am segensreichsten, ist die im Rahmen dieses Programms geleistete Beteiligung von 47 freiwilligen Organisationen - die viele Millionen unserer Bürger repräsentieren - an Werken der Nächstenliebe.
Diese Organisationen leisten eine überaus wirksame Arbeit, indem sie den Flüchtlingen und Vertriebenen helfen und sie darin
unterstützen, sich eine neue Existenz aufzubauen. Sie verteilen von Mensch zu Mensch große Mengen Lebensmittel. Aber gewisse Mittel für den Transport der Lebensmittel sowie für Versorgungsgüter, die sie aus ihren eigenen Reserven nicht beschaffen können, sind erforderlich und sollten bewilligt
werden.
Für das Haushaltsjahr 1956 empfehle ich dem Kongreß die
Bewilligung von insgesamt 3530 Millionen Dollar für das Programm für gemeinsame Sicherheit, wie dies bereits in der Haushaltsbotschaft unterbreitet wurde. Von dieser Summe sollen
712,5 Millionen Dollar für Wirtschaftsprogramme, einschließlich 172 Millionen Dollar für die Fortführung der Programme
für technische Zusammenarbeit, 175,5 Millionen Dollar für Sonderprogramme, 165 Millionen Dollar für wirtschaftliche Entwicklungsprojekte und 200 Millionen Dollar für den Sonderfonds
des Präsidenten aufgewandt werden. 100 Millionen Dollar sind
für unvorhergesehene Ausgaben in aller Welt vorgesehen. Ich ersuche um die Bewilligung von 1000,3 Millionen Dollar für die
Verteidigungsunterstützung, die sowohl wirtschaftlichen als
auch militärischen Zwecken dient, indem sie die Verteidigungsanstrengungen jener Länder, besonders in Asien, ergänzt, die
eine über ihre finanziellen Kräfte hinausgehende Aufgabe zu
erfüllen haben. 1717,2 Millionen Dollar sind für militärische Unterstützung und direkte Hilfe an die bewaffneten Streitkräfte vorgesehen. Hierin mit inbegriffen sind 500 Millionen
Dollar zum Ausgleich der für die gegenwärtigen Programme für
militärische Hilfe zu erwartenden Ausfälle mit Hilfe des Ergänzungsgesetzes zum Bewilligungsgesetz 1955.
Das Amt für Auslandshilfe hat seine Fähigkeit bewiesen,
das gemeinsame Sicherheitsprogramm wirksam und wirtschaftlich
durchzuführen. Eine Reihe fähiger Männer und Frauen haben sich
erfolgreich der Durchführung des Programms unter der direkten
Anleitung des Präsidenten gewidmet.
Der

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
20. April 1955
Der Kongreß hat in dem Gesetz über die gemeinsame Sicherheit aus dem Jahre 1954 die Auflösung des Amts für Auslandshilfe zum 30.Juni dieses Jahres verfügt. Wie ich es in meinem
Schreiben an den Außenminister vom 15.April bereits angedeutet
habe, werde ich einen Erlaß herausgeben, der mit Wirkung vom
30.Juni 1955 in Kraft tritt und die Aufgaben des Amtes für
Auslandshilfe dem Außenministerium unterstellen wird, mit
Ausnahme bestimmter militärischer Eelange, die dem Verteidigungsministerium übertragen werden.
Diese Übertragung der Funktionen auf permanente Zweige der
Regierung ist ein Zeichen dafür, welche Bedeutung dieses Programm als fester Bestandteil unserer Außenpolitik besitzt.
Bei der Verwirklichung des Programms werden die Möglichkeiten
aller Zweige der Exekutive ausgeschöpft werden, wo immer dies
angebracht ist, und sie wird im größtmöglichen Ausmaß auf
Kontraktbasis erfolgen. Es ist jedoch notwendig, daß die Zuständigkeit für die nichtmilitärischen Maßnahmen weiterhin in
einer Hand liegt. Ihre Wirksamkeit würde ernsthaft beeinträchtigt werden, wollte man diese Verantwortung auf mehrere Behörden verteilen. Die Reorganisation wird die Punktion des Instituts für interamerikanische Angelegenheiten fortsetzen
und gemeinsame Programme zur Förderung der Wohlfahrt der
Völker anderer amerikanischer Republiken durchführen.
Für die Kontinuität des Programms und die Anpassung des
Apparates des Außenministeriums an die neuen Aufgaben nach dem
30.Juni1955 wird eine gewisse Übergangszeit erforderlich sein.
Ich empfehle daher, daß in das Gesetz für gemeinsame Sicherheit
von 1955 weitgehende Vollmachten für eine nmorganisation innerhalb eines Zeitraums von 6 Monaten nach dem 30.Juni 1955 eingearbeitet werden.
Das Amt für Internationale Zusammenarbeit (ICA) wird eine
neue halbautonome Behörde innerhalb des US Außenministeriums
sein, Ihr Leiter wird direkt dem Außenminister unterstehen und
im Namen desselben alle Maßnahmen, die unter den Auspizien des
Außenministeriums im Rahmen des Programms für gemeinsame Sicherheit getroffen werden, überwachen und leiten.
Diese Verantwortung wird erfordern, daß die ICA ermächtigt wird, innerhalb der vom Außenminister in großen Zügen
festgelegten Politik, die für die eigene Arbeit erforderlichen
Entscheidungen zu treffen und durchzuführen. Sie wird gleichfalls erfordern, daß der Leiter der ICA sowohl in Washington
als auch im Ausland einen eigenen Stab an Mitarbeitern erhält.
Ihm wird es obliegen dafür Sorge zu tragen, daß vom Außenminister geeignete politische Richtlinien an die ICA gegeben
werden, und innerhalb dieser Richtlinien wird er die zur Durchführung dieser Politik erforderlichen Anweisungen an die
Außenstellen ergehen lassen.

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. April 1955

Auf Grund unserer Erfahrungen aus den vergangenen zwei
Jahren kann man sagen, daß drei Viertel der für das Programm
für gemeinsame Sicherheit bewilligten Gelder unverzüglich in
den Vereinigten Staaten für Waren, Dienstleistungen, Maschinen
und andere: Güter verausgabt werden. Insoweit sich das mit
einer wirksamen Durchführung unserer Politik in Übersee vereinen läßt, gehören hierzu auch Lebensmittel, Baumwolle, Kohle
und andere Güter, bei denen unser Produktionsvolumen oder die
bei uns vorhandenen Vorräte am ehesten den Erfordernissen entsprechen. Rund 350 Millionen Dollar sollen im Finanzjahr 1955
für landwirtschaftliche Erzeugnisse ausgegeben werden. Hierunter
fällt auch eine bedeutende Ausfuhr von überschüssigen landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Die Lieferungen im Rahmen des Programms für gemeinsame Sicherheit werden zusätzlich aber in
Übereinstimmung mit dem Verkauf von überschüssigen Agrarerzeugnissen gegen ausländische Währungen gemäß den Bestimmungen
des Gesetzes zur Förderung des Handels mit Agrarprodukten und
zur Untertsützung der Landwirtschaft durchgeführt.
Die restlichen 25 Prozent des zur Verfügung stehenden Betrages werden in Übersee so ausgegeben werden, daß sie direkt
zur Erfüllung des gemeinsamen Sicherheitsprogramms beitragen.
Die Off-Shore-Aufträge unterstützen zum Beispiel die Schaffung
einer angemessenen Grundlage für die Verteidigungsproduktion
in den wichtigsten Ländern der freien Welt. Außerdem werden
diese Ausgaben indirekt zur Stärkung anderer Nationen beitragen,
die dann mit diesen Dollarbeträgen andere Bedarfsgüter in den
Vereinigten Staaten kaufen können.
Ich empfehle daher, daß die Vollmachten, wie sie das gegenwärtige Gesetz für gemeinsame Sicherheit vorsieht, beibehalten
werden, damit bei Eintreten unvorhergesehener Ereignisse, die
Geldmittel, die für ein bestimmtes geographisches Gebiet oder
einen bestimmten Zweck vorgesehen waren, umgeleitet werden
können. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß
es sehr wünschenswert ist, die Vollmachten flexibel zu halten,
um sich neuen Situationen anpassen, neue: Gefahren überwinden
oder günstige Entwicklungen ausnutzen zu können.
Die vom Kongreß im vergangenen Jahr gebilligten neuen
Verfahren ermöglichen nunmehr die größtmögliche Zusammenfassung
des einheimischen Beschaffungsprogramms für die amerikanischen
und die verbündeten Streitkräfte, eine größere Elastizität bei
der Auslieferung der für unsere Alliierten bestimmten militärischen Güter und weitgehend vereinfachte Beschaffungs- und Verrechnungsvereinbarungen. Nach den neuen Verfahren beschaffen
die militärischen Dienststellen im Rahmen ihrer normalen Beschaffungsfunktionen die meisten Güter für dieses Programm,
wobei die militärischen Hilfsfonds für die Bezahlung der
Dienstleistungen bei der Auslieferung bis zu diesem Zeitpunkt
reserviert bleiben.

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�"AMERIKA DIENST"

- WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. April 1955

Unter dem zur Zeit bestehenden Gesetz bleiben die hierfür
reservierten Militärhilfsfonds für Verpflichtungen und Ausgaben
bis zum 30. Juni 1957 verfügbar. Um die derzeitigen Vereinbarungen weiter zu verbessern, empfehle ich, daß die laufenden und die
vorgeschlagenen Militärhilfsfonds solange verfügbar gemacht werden, bis sie verausgabt sind, so wie es jetzt bei den meisten der
dem Verteidigungsministerium eingeräumten Bewilligungen für Beschaff dngsaufträge gehandhabt wird.
Abschließend möchte ich-erneut die Entscheidend wichtige Rolle
des Programms für gemeinsame Sicherheit betonen. Das Programm für
den Verband der freien asiatischen Länder ist von allen dafür kompetenten Stellen der Regierung gründlichst überprüft worden und
mir vom Rat für die Gestaltung der amerikanischen Außenhandelspolitik und dem nationalen Sicherheitsrat nach weiterem eingehenden Studium empfohlen, worden.
Wir machen erneute und intensivierte Anstrengungen, um eine
erfolgreiche grundlegende Politik in der Abrüstungsfrage zu entwickeln, und wir werden diese Bemühungen fortsetzen. Aber bis ein
Erfolg über jeden Zweifel hinaus sicher ist, machen die günstigsten Aussichten für die Erhaltung des Friedens und die dringenden
Forderungen der Sicherheit die Fortsetzung unserer nationalen und
gemeinsamen Verteidigungsprogramme erforderlich.
Die anderen freien Nationen brauchen die Hilfe der USA,
und die USA wiederum benötigen ihre Unterstützung, wenn wir alle
Sicher sein wollen. Es handelt sich hier um einen klaren Fall
eines eng verflochtenen Eigeninteresses. Die notwendigen Ausgaben zur Ausrüstung und Aufrechterhaltung der amerikanischen
Luft-, Land- und Seestreitkräfte an strategisch wichtigen Punkten
außerhalb unserer Landesgrenzen sind niemals als Hilfe bezeichnet
worden. Die notwendigen Ausgaben, um anderen mit uns verbündeten
freien Nationen die Ausrüstung und Aufrechterhaltung wichtiger
Streitkräfte an denselben strategischen Punkten außerhalb unserer
Landesgrenzen zu ermöglichen, sollte ebenfalls nicht als Hilfe
bezeichnet werden. Hier handelt es sich in Wirklichkeit um Ausgaben im Rahmen unserer Verteidigungsabkommen, die die Sicherheit
der USA und anderer freier Nationen in der wünschenswertesten und
derzeitig einzig möglichen Weise sicherstellen.
Unsere Wirtschaft kann nicht stark sein und sich kontinuierlich ausweiten, ohne die Entwicklung gesunder Wirtschaftsverhältnisse bei anderen freien Nationen und ohne eine fortlaufende
Erweiterung des internationalen Handels. Genau so wenig können
wir in unserer Freiheit sicher leben, wenn wir nicht auch überall
sonst auf der Welt an der Schaffung von Verhältnissen mitwirken,
in denen die Freiheit gedeihen kann, indem wir die Zustände beseitigen, die dem Tatalitarismus als Nährboden dienen: Armut,
Analphabetentum, Hunger und Krankheit. Auch können wir nicht auf
einen dauerhaften Frieden hoffen, ehe nicht die
materiellen
Ziele und die Hoffnung der Menschen auf Freiheit,Fortkommen und
Entwicklung als erstrangig und den materiellen Ansprüchen, die der
Kommunismus seinen Zwecken vorspannt, als weitaus überlegen anerkannt werden.
Abgesehen

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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

20. April 1955

Abgesehen von allen hierbei durch den Kommunismus in den Weg
gelegten Hindernissen und Schwierigkeiten ist dies ein langfristiger Prozeß. Geduld, Ideenreichtum und Hingabe sind für die
Lösung grundsätzlicher und in ihrem Ursprung uralter menschlicher Probleme genau so notwendig wie der schöpferische Einsatz
des Wissens, der Geschicklichkeit und der materiellen Hilfsmittel«
In diesem Geist soll das Programm für die gemeinsame Sicherheit
allen freien Völkern zum Segen gereichen".

*

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*

�A M E R I K A

D I E N S T

STASSEN UMREISST ABRÜSTUNGSPOLITIK DER USA

WASHINGTON — (AD) — Nachstehend übermitteln wir Innen
den Wortlaut einer Rede, die der Sonderbeauftragte Präsident Eisenhowers für Abrüstungsfragen, Harold Stassen,
am 21. April 1955 in Washington vor amerikanischen Redakteuren gehalten hat und in der er einen Überblick über
die grundlegende Politik der USA in der Abrüstungsfrage
gab.

"Ich habe eine neue Aufgabe übernommen und benötige ihre
Unterstützung. Seit einer Anzahl von Jahren ist die gefährlichste
Aufrüstung in der Geschichte der Menschheit im Gange. Sie wurde
nach dem Beginn der Aggression in Korea intensiviert und hält
auch heute noch an.
Es sind Waffen entworfen und gebaut worden, die eine solch
erstaunliche Gewalt besitzen, daß eine einzige Staffe 1 moderner
Bomber auf einem Flug eine Zerstörungskraft mit sich führen kann,
die größer ist als sämtliche Bomben, die von allen Fl ugzeugen
auf beiden Seiten bei allen ihren Flügen während des zweiten
Weltkrieges abgeworfen wurden.
Die Vereinigten Staaten haben nicht allein Kennt m s von
diesen Waffen. Ein zusammengeballtes Zentrum politisc her und militärischer Macht ist in Moskau geschaffen worden und scheint die
größten Armeen in Nichtkriegszeiten, die jemals von einem Punkt
aus beherrscht wurden, unter seiner Befehlsgewalt zu haben. Die
Sowjetunion, Osteuropa und das chinesische Festland h aben zusammen
gegenwärtig über sieben Millionen Mann unter Waffen stehen.
Moderne Waffen aus der Luft bilden das stärkste Abschrekkungsmittel gegen jeden Aggressionszug dieser gewa"1 tigen Armeen
innerhalb der eurasischen Landmasse, wo mehr als z J± Drittel
der gesamten Weltbevölkerung leben. In diesem Sinne s ind die modernen Waffen unter den gegenwärtigen Verhältnissen i n der Welt
in demselben Maße ein Friedensfaktor wie eine Quelle der Kriegsgefahr.
Die Tatsache, daß die Großmächte heute die Mitte 1 in der
Hand haben, andere Staaten vernichten zu können und d aß sie selbst
der Gefahr der Vernichtung durch andere ausgesetzt si nd, sucht
ihresgleichen in der Geschichte der Erde. Alle Anzeic hen deuten
darauf hin, daß diese Fähigkeit, andere zu vernichten und diese
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�"AMERIKA DIENST"

27. April 1955

diese eigene Verwundbarkeit aller großen Staaten in der Zukunft
noch stärker werden, wenn das Aufstapeln von Waffen anhält.
Dies ist der schwarze Hintergrund, vor dem ich mit meinen
Bemühungen einsetze,,eine grundlegende Politik der Vereinigten
Staaten in der Frage der Abrüstung und entsprechende Vorschläge
an den Präsidenten auszuarbeiten.
Ich stelle die Schwierigkeiten nicht geringer hin, als sie
tatsächlich sind. Meine im Krieg und im Frieden gemachten Erfahrungen haben weitgehend dazu beigetragen, daß ich mir über Ausmaß
und Wesen der zu überwindenden Hindernisse nur allzu klar bin.
Aber für die Vereinigten Staaten, für das russische Volk und für
die gesamte Menschheit steht so viel auf dem Spiel, daß wir Erfolg
haben müssen. Ich bin tief von dem Glauben durchdrungen, daß dieses
unser Volk mit Gottes Hilfe, ehe es zu spät ist, eine Lösung finden
kann, die besser ist als dieses bittere Wettrüsten - eine Lösung,
durch die unsere Kultur vor der Geißel eines dritten Weltkrieges,
eines Atomkrieges bewahrt wird, und daß es uns gelingen wird, das
Einverständnis der Welt zu dieser Lösung zu erreichen.
Es ist völlig klar, sollte aber jenen, die die Freiheit lieben,
immer und immer wieder vor Augen gehalten werden, daß die Antwort
niemals die allgemeine Abrüstung unsererseits, d.h. die einseitige
Schwächung sein darf. Die Folgen isolierter Schwächemomente unsererseits wären besonders verheerend zu einem Zeitpunkt, an dem die
Gegenseite auf Grund ihrer Ideologie die Auslöschung der Freiheit,
die Gottesleugnung und die unbarmherzige Herrschaft des Staates
über den einzelnen und die Persönlichkeit des Menschen auf ihre
Banner geschrieben hat.
Es ist eine Erschreckende Tatsache, daß die Welt bisher noch
keinen Weg zur Schaffung eines dauerhaften Friedens gefunden hat.
Abrüstungsvorschläge, Abkommen zur Begrenzung der Rüstung, Verträge über die Herabsetzung der Streitkräfte hat es zu allen Zeiten gegeben, und stets wurden sie von Krieg und immer neuen Kriegen überschattet.
Durch diese sich über Jahrhunderte hinziehenden Fehlschläge
werden unsere gegenwärtigen Bemühungen nicht von vornherein zum
Scheitern verurteilt. Nie zuvor bestanden so einzigartige Voraussetzungen wie heute. Noch nie zuvor hat die Menschheit die Folgen
eines Krieges in ihrem ganzen Ausmaß wie jetzt vor Augen gehabt.
Diese noch nie dagewesenen Umstände allein fordern nicht nur
zwingend einen Erfolg, sie liefern auch die günstigsten Aussichten
dafür, ihn schließlich zu erringen.
Auch ist die Vergangenheit nicht ganz so trübe wie ein Verallgemeinern vergeblicher Anstrengungen es erscheinen lassen mag.
So war beispielsweise das Rush-Bagot Abkommen zwischen den
USA und Kanada aus dem Jahre 1817» durch das die Marinestreitkräfte
beider Signatarstaaten auf den großen Seen auf je drei Schiffe
gleicher Tonnage und Armierung beschränkt wurden, ein auffallender
Erfolg. Dieses Rüstungsabkommen, das vom damaligen amtierenden
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�"AMERIKA DIENST"

27. April 1955

amtierenden US-Außenminister Richard Rush und dem damaligen britischen Gesandten in Washington, Sir Charles Bagot, nach den
kriegerischen Auseinandersetzungen des Jahres 1812 unterzeichnet
worden ist, leitete die Errichtung der längsten unbefestigten
friedlichen Grenze in der Welt ein, die der mehr als 4 500 Kilometer langen Grenzen zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada.
Beide Völker sind in den Genuß der Früchte jener Politik gelangt.
Beide Völker hätten heute einen niedrigeren Lebensstandard, fühlten
sich nicht so sicher und nähmen eine viel schwächere Position ein,
wenn nicht jene segensreiche Vereinbarung getroffen worden wäre.
Unsere historischen Forschungen haben auch viele andere interessante Dinge zutage gefördert, so zum Beispiel Aufzeichnungen
darüber, daß die chinesischen Staaten im Jan^ss-Tal bereits im
Jahre 600 vor Christi Geburt, das heißt vor zweieinhalb Jahrtausenden, nachdem sie verschiedene Kriege gegeneinander geführt
hatten, eine Abrüstungsliga gründeten und damit ein Jahrhundert
des Friedens schufen.
Wenn auch die Richtigkeit der allgemein in der Welt verbreiteten Ansicht über die Fehler der Vergangenheit nicht abgestritten
wird,so wird doch andererseits von vielen, wenn auch begrenzten
Erfolgen berichtet.
Darüber hinaus besitzen wir einige Aktivposten von außergewöhnlichem Wert, die uns bei diesem erneuten Vorstoß zur Lösung
des bis dato unlösbaren internationalen Problems große Dienste
leisten werden. Darf ich Ihre Aufmerksamkeit insbesondere auf sechs
dieser günstigen Umstände lenken.
Zu allererst würde ich die Tatsache nennen, daß gegenwärtig
durch die Entscheidung unseres Volkes ein Mann an der Spitze unserer Nation steht, der über erstaunliche Führungseigenschaften
und einmalige militärische Erfahrungen verfügt und von einer tiefen Friedensliebe erfüllt ist - Präsident Dwight D. Eisenhower.
Auch in abgelegenen Gegenden der Welt habe ich eine hohe und noch
zunehmende Wertschätzung der Persönlichkeit unseres Präsidenten,
ein starkes Interesse an seinen Ansichten und eine Würdigung seiner
Haltung gefunden. Aus nächster Nähe habe ich in vielen schwierigen
Augenblicken seine Beherrschung, seine Auffassungsgabe und seine
große Treue gegenüber grundsätzlich wichtigen Zielen erlebt. Es
kann keinem Zweifel unterliegen, daß unser Volk fest hinter dem
beharrlichen Suchen nach dauerhaftem Frieden steht, einem Suchen,
das gekennzeichnet wird durch lange, stets wiederholte Bemühungen
der Regierung der Vereinigten Staaten, auf dem Wege über die Vereinten Nationen zu festen Abrüstungsvereinbarungen zu gelangen.
Wenn wir diesem Problem zu Leibe gehen, so ist ein zweites
bedeutungsvolles Plus der Umstand, daß unser Volk mit seinen hervorragenden Streitkräften, mit seiner sehr leistungsfähigen anpassungsfähigen Wirtschaft, mit seiner Facharbeiterschaft, seinem
tüchtigen Unternehmertum und seinen befähigten Farmern sowie der
Vielzahl seiner glänzenden Wissenschaftler der gesamten Welt gezeigt hat, daß man es auf dem Gebiet der Rüstung nicht hintanstellen
kann. Wir wollen von einer Position der Stärke aus verhandeln - einer
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�"AMERIKA DIENST"

27. April 1955

einer Stärke, wie sie heute tatsächlich und potentiell auf unbegrenzte Zeit vorhanden ist. Wir sind uns völlig klar darüber,
daß niemand einen modernen Krieg gewinnen kann, aber wir vertrauen auch darauf, daß wir weder jetzt noch jemals einen modernen Krieg verlieren würden.
Als drittes möchte ich die Tatsache nennen, daß unsere beiden führenden politischen Parteien ein außergewöhnlich großes
Verständnis und Geschick in der Führung der Außenpolitik entwickelt
haben, die in der Gestalt des Außenministers, John Poster Dulles,
und des Vorsitzenden des außenpolitischen Senatsausschusses, Senator George, zur Zeit ihre eindrucksvollsten Repräsentanten gefunden hat.
Diese gezeigten Fähigkeiten und die enge Zusammenarbeit
spielten eine wichtige Rolle bei der Beendigung des Korea-Krieges, der den Explosivstoff in sich barg, sich zu einem Weltkonflikt auszuweiten. In weniger als zwanzig Jahren, in denen die von
hoher Staatskunst zeugenden gemeinsamen Bemühungen des verstorbenen Senators Arthur Vandenberg und des früheren Außenministers
George C. Marshall unter der Präsidentschaft Harry S. Trumans
hervortraten, wurde eine potentielle Schwäche im System unserer
politischen Parteien zu einem Fundament unserer Stärke umgeschmiedet. Reden und Taten, die eine weniger umfassende Einsicht und
verschiedene Wertmaßstäbe in beiden Parteien widerspiegeln, werden sich auch in Zukunft auf außenpolitischem Gebiet störend
auswirken. Aber die so wesentliche Tradition, daß beide Parteien
hinsichtlich der Außenpolitischen Probleme im nationalen Interesse
zusammenarbeiten, ist fest gegründet und wird von der Öffentlichkeit weitestgehend unterstützt. Ich glaube nicht, daß dieses
Prinzip in kommenden Jahren gebrochen werden wird.
Viertens möchte ich betonen, daß die Zusammenarbeit der
freien Länder durch Programme wirtschaftlicher, militärischer
und technischer Art bereits ein bemerkenswertes Ausmaß an Erfolg
gezeitigt hat. Die Gesamtproduktion Westeuropas wird in diesem
Jahr einen Rekordstand von umgerechnet 200 Milliarden Dollar
erreichen. Der Marshall-Plan hat sich als ein bleibender Erfolg
erwiesen. Alles in allem gesehen,ist die Bevölkerung der freien
Welt heute besser ernährt und gekleidet als je zuvor. Viele
ernste Probleme sind noch ungelöst, und viel bleibt noch zu tun,
besonders im Landbogen des freien Asiens. Aber das Kraftmoment
des Fortschritts und die bereits erzielten wesentlichen Erfolge
bereiten den Boden für eine ganz außergewöhnliche Anstrengung,
die Produktionsquellen in Zukunft immer mehr für die Bedürfnisse
und nicht die Verängstigung der Menschheit, für die Erhaltung
und nicht die Vernichtung der Jugend in Anspruch zu nehmen.
Eine sehr wichtige Erklärung über die Politik in unseren Beziehungen zu der Welt war in dem Schreiben Präsident Eisenhowers
an Außenminister Dulles vom 15- April enthalten, in dem die Schaffung eines ständigen Amtes für internationale Zusammenarbeit als
eine halbautonome Organisation innerhalb des Außenministeriums
vorgesehen wurde, das die Programme verwalten soll, die jetzt von
dem zeitweilig eingerichteten Amt für Auslandshilfe durchgeführt
werden. Der Präsident erklärte, man sei allgemein zu der Erkenntnis

�"AMERIKA DIENST"

27- April 1955

Erkenntnis gekommen, daß für die Art der internationalen Zusammenarbeit zur Entwicklung wirtschaftlicher und militärischer Stärke,
wie sie in diesen Programmen vorgesehen ist, eine auf lange Sicht
geplante, kontinuierliche Basis ein integraler Bestandteil unserer Politik ist. Ich bin der Überzeugung, daß eine große Mehrheit der Mitglieder des Kongresses wie auch beider politischen
Parteien mit dieser von dem Präsidenten dargelegten Politik übereinstimmen wird. Es handelt sich hier um eine Politik, die entwickelt zu sehen, ich im nationalen Interesse schon lange gewünscht habe, ehe ich in den Dienst der Bundesregierung trat.

In all den Jahren während des vorübergehenden Bestehens
der von mir geleiteten Organisation und jedes Mal, wenn wir an
der Lösung von Problemen arbeiteten, von denen wir wußten, daß
sie nur durch langandauernde Bemühungen bereinigt werden könnten,
habe ich immer mehr die Überzeugung von der Notwendigkeit einer
Politik auf lange Sicht gewonnen. Der Erfolg des Programmes und
die daraus resultierende Sicherheit sowie die sich daraus ergebenden wirtschaftlichen Dividenden - nicht nur für andere Völker
sondern auch für die USA - werden allmählich immer mehr verstanden. Dies wird besonders deutlich, wenn ein Vergleich mit der
wirtschaftlichen Lage und der Sicherheit nach dem ersten Weltkrieg angestellt wird, als kein derartiges Programm bestand.
In keiner anderen Weise können weniger als ein Prozent der amerikanischen Gesamtproduktion und weniger als fünf Prozent unseres
Budgets mit vergleichbarem Erfolg verwendet werden.
Ein fünfter günstiger Paktor spiegelt sich in den zahllosen
Hinweisen wider, daß die vielen Millionen Menschen in der Sowjetunion den Frieden ebenso wünschen wie die freien Völker. Ihre
Regierungsform läßt die Ansichten des Volkes zwar weit weniger
bedeutsam werden, aber das Gewicht einer mächtigen öffentlichen
Meinung ist dennoch von einiger Wichtigkeit.
Ich habe eine lebhafte Erinnerung an meinen Besuch der Sowjetunion!»" der in diesem Monat acht Jahre zurückliegt. Ich entsinne
mich eines Gesprächs mit einem Arbeiter an der Werkzeugmaschine
in dem mächtigen Stahlwerk in Swerdlowsk, tief im Herzen des
weiten Rußland,.im Uralgebiet. Es war ein großer, pelzbemützter
Russe mit schmalem Gesicht. Ich bemerkte ihn, als wir die gewaltige Maschinenhalle des Werkes durchschritten. Auf den ersten
Blick erkannte ich richtig die große Werkzeugmaschine, an der er
arbeitete. Sie stammte von der 'Niles Tool Company' in Hamilton
(Ohio). Er war mit dem Einrichten der Präzisionsschneidkanten beschäftigt. In unseren sich anschließenden Gesprächen mit Hilfe
des Dolmetschers, in deren Verlauf ich auch sein Zuhause, seine
Frau und seine drei 19» 13 und 11 Jahre alten Töchter kennenlernte, erzählte er mir von der bäuerlichen Abkunft der Familie,
von den Problemen, mit denen sie zu tun hatten, von ihrer Arbeit
und dann von ihrer Hoffnung, mehr an Kleidung, an Wohnraum, an
Glück zu erlangen, und 'Frieden' setzte er hinzu, 'ohne Frieden
können wir nichts bekommen'.
Ich bin überzeugt, daß viele Millionen sowjetischer Bürger
auch weiterhin diese Ansicht vertreten.
.,
Als

�27. April 1955

"AMERIKA DIENST"

Als sechstes würde ich das Bestehen der Vereinten Nationen
mit ihren vorhandenen Poren und ihren Arbeitsausschüssen aufzählen, die eine bedeutsame Möglichkeit für die Erörterung von
Vorschlägen daf-stellen. Die Vereinten Nationen haben den 'Atomefür-den-Frieden'-Plan Präsident Eisenhowers nachhaltig unterstützt
und dazu beigetragen, ihn in Gang zu bringen. Heute studieren
Wissenschaftler aus 21 Nationen an der von der amerikanischen
Atomenergie-Kommission geleiteten Schule für Kernwissenschaften
und -technik am Argonne-Laboratorium in Chicago die friedlichen
Anwendungsmöglichkeiten der Atomenergie. Im August tritt die internationale Konferenz über friedliche Verwendung der Atomenergie
in Genf zusammen. Dieser friedliche Vorstoß kann sich als von
entscheidender Natur erweisen. Die Konferenz wurde von der Vollversammlung der Vereinten Nationen als ein erstes Ergebnis der
'Atome-für-den-Frieden'- Rede des Präsidenten vom 8. Dezember
1953 gebilligt.
Doch lassen Sie mich diese Erörterung der Aktivposten beenden und statt dessen zu einer Untersuchung von zweien der zahlreichen Passiva übergehen.
Meiner Ansicht nach stellt der Zynismus - in offener, verborgener oder resignierender Form - eines der stärksten Handikaps dar. Unsere Nation kann niemals ein schwieriges Problem lösen,
wenn das Volk die Sache als aussichtslos ansieht. Nichts wirkt
lähmender auf konstruktives Handeln innerhalb einer freien Nation
als die lastende Schwere des Zynismus. In den ungünstigsten Umständen kann man nur durch unerbittliche Entschlossenheit, durch
niemals wankende Hoffnung, durch tiefen Glauben irgend etwas
erreichen. Es ist sehr leicht, in der Frage der Abrüstung eine
defaitistische Haltung einzunehmen. Und es fällt schwer, irgendjemandem daraus einen Vorwurf zu machen, daß er geneigt ist, alle
Bemühungen in dieser Richtung aufzugeben. Wenn aber in dieser
Frage der Defaitismus die herrschende Einstellung wird, so wird
damit allein bereits ein Mißlingen heraufbeschworen. Ich kann heute
noch nicht im einzelnen darlegen, durch welche Maßnahmen hier ein
Erfolg zu erzielen ist, aber ich betone ausdrücklich, daß wir in
dieser Frage einen Erfolg erreichen müssen. Ich verspreche hier,
dieses schwierige Problem durch konzentriertes und hingebungsvolles, unermüdliches und inständiges Streben zu erforschen und nach
seiner Lösung zu suchen. Ich kann hier darauf verweisen, daß in
vielen anderen kritischen Momenten der Geschichte die Pessimisten
erklärten, es gäbe keine Lösung, daß aber das Volk sich nicht von
seinem guten Glauben abbringen ließ, und daß dann doch Lösungen
gefunden wurden. Ja, als diese unsere Nation geboren wurde, meinten die Spötter, die Vereinigten Staaten von Amerika könnten nicht
auf diese Weise geschaffen werden. Hören Sie, was Josiah Tucker
im Jahre 1787 schrieb:
'Was die künftige Größe Amerikas und sein Werden als eine
aufstrebende Großmacht unter einem einzigen Oberhaupt - sei es
nun als eine Republik oder als Monarchie - angeht, so handelt es
sich hier um eine der nutzlosesten und unwirklichsten Vorstellungen, die je dem Gehirn eines Menschen, ja selbst eines Romanciers,
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�"AMERIKA DIENST"

27. April 1955

Romanciers, entsprangen. Die wechselseitigen Antipathien und die
Interessengegensätze unter den Amerikanern, ihre unterschiedlichen
Auffassungen vom Staat, von Gebräuchen und Sitten deuten darauf
hin, daß sie keinen Kristallisationspunkt für die Schaffung einer
Union finden und zu keinem gemeinsamen Wollen gelangen werden. Sie
werden nie zu einem festgefügten Staatsgebilde unter keiner noch
so gearteten Regierung werden; ein gespaltenes Volk bis ans Ende
der Zeit, mißtrauisch und argwöhnisch untereinander, so werden
sie durch natürliche Grenzen, durch weite Meeresbuchten, große
Ströme, Seen und Gebirgsketten in kleine und kleinste Staatsgebilde oder Fürstentümer unterteilt werden.'
In Englands dunkelster Stunde, sagten die Zyniker, daß der
Staat sie nicht überstehen könne. Die Engländer ließen jedoch
die Hoffnung nicht sinken und so wurde es unter Führung jenes
Mannes, dessen Geist nicht niederzuzwingen war, Sir Winston Churchill, ihre größte Stunde.
Daher richte ich heute an Sie die Bitte, daß jeder von Ihnen
auf seine Weise dafür Sorgen möge, daß das machtvolle Instrument,
das sie in Händen haben, wohl stets und realistisch die Schwierigkeiten darlegen, nicht aber die Quellen des Zynismus nähren soll,
die in dieser Frage von lebenswichtiger Bedeutung so leicht zum
Übersprudeln zu bringen sind, sondern diesen Zynismus bekämpfen
muß.
Das zweite große Hindernis, auf das ich Ihre Aufmerksamkeit
lenken möchte, ist der organisierte Kampf der kommunistischen
Untergrundbewegung in der freien Welt. Diese versteckten Kommunisten stellen eine ständige Bedrohung in zwei Richtungen dar, weil
sie gleichzeitig sowohl die Menschen der freien Welt als auch die
Herrscher im Kreml irreführen möchten. Soll es uns gelingen, eine
durchführbare Abrüstungspolitik auszuarbeiten und einen sicheren
Weg zum Frieden zu finden, so müssen sowohl die Menschen der
freien Welt als auch die Regierung der UdSSR die Tatsachen voll
und ganz verstehen lernen. Zur Zeit aber sind die getarnten Kommunisten in der freien Welt bestrebt^ die Menschen glauben zu machen,
daß wir dem Frieden näher kommen, wenn die Vereinigten Staaten
ihrer Schlagkraft an modernen Waffen beraubt werden. Tatsächlich
wäre das eine Falltür, die uns in den furchtbarsten Krieg und
das vernichtendste Jahrhundert des Kampfes und der Sklaverei führen würde.
Diese verkappten Kommunisten bereiten gegenwärtig eine sogenannte Weltfriedenskonferenz vor, die im Mai in Helsinki stattfinden soll. Sie bemühen sich eifrig, von bekannten Persönlichkeiten, die selbst keine Kommunisten sind, irgendwelche für ihre
Propagandazwecke geeigneten Erklärungen zu erhalten. In ihren Berichten nach Moskau werden ihre Erfolge zweifellos in den leuchtendsten Farben geschildert. Darin liegt nun die Zweischneidigkeit der
Gefahr ihrer Tätigkeit. Sie erschweren nicht nur in der freien
Welt das richtige Verständnis der Tatsachen, sie mögen vielmehr
auch das Politbüro in Moskau dazu verleiten, sich eine falsche
Vorstellung davon zu machen, was in künftigen Jahren in der freien
Welt passieren werde, wenn kein Übereinkommen in der Frage der
Abrüstung erzielt wird.
B
n
So

�27. April

"AMERIKA DIENST"

1955

So bin ich überzeugt, daß es beispielsweise niemals zum Koreakrieg gekommen wäre, wenn die Sowjetunion richtig informiert gewesen wäre und somit die Reaktion der Vereinigten Staaten und
der freien Welt richtig eingeschätzt hätte.
Bei der Überwindung dieses zweiten Hindernisses können Sie
ebenfalls große Hilfe leisten. Sie selbst werden am besten die
Mittel und Wege beurteilen können, die dabei zu befolgen sind.
Ein Vorschlag ist, daß es nützlich wäre, durch weite Verbreitung
und laufende Berichterstattung die Methoden bloßzustellen, die
die Kommunisten beim Einspannen von Nichtkommunisten anwenden,
vor allem von Nichtkommunisten, deren Position im wissenschaftlichen, literarischen oder öffentlichen Leben für sie besonders
wertvoll ist. Von dieser Seite erhalten die Kommunisten zahlreiche Erklärungen, die ihre Propagandalinie unterstützen und
stärken.
Die Suche nach einer vernünftigen Antwort auf das alles überschattende Dilemma der Welt - die Notwendigkeit einer modernen
Rüstung und die Gefahr, die sich aus dieser Rüstung ergibt wird Zeit beanspruchen. Darf ich Sie in aller Form darum bitten,
alle Versuche zu vermeiden, vorschnelle Schlüsse zu ziehen oder
Dinge sensationell zu veröffentlichen, die angeblich durchgesickert sind.
Sind Sie bereit, auf Ihre Weise dazu beizutragen, die HabenSeite zu vergrößern und die Soll-Seite zu verkleinern? Wollen Sie
dazu beitragen, den Glauben der Menschheit zu stärken und nicht
ihre Verzweiflung zu vergrößern? Die Welt stellt uns vor Umstände
so ernster Natur, daß ich hoffen möchte, die freie Presse wird
eine besondere Konzeption ihrer Verantwortung entwickeln.
Wenn Sie bei dieser Aufgabe mit mir zusammenarbeiten, dann
sind Sie auch berechtigt, zu wissen - und ich möchte Ihnen dies
ausdrücklich sagen -, daß ich einen Ehrgeiz habe und nur einen
einzigen. Und dieser Ehrgeiz ist, diese Verantwortung, die mir
Präsident Eisenhower übertragen hat, erfolgreich zu tragen und
in aller Bescheidenheit in etwa dem informellen Titel gerecht
zu werden, den mir die freie Presse bei der Übernahme meiner
Aufgabe gegeben hat."

* * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

DULIES-ERKLÄRUNG ZUM GESETZ ÜBER DIE GEMEINSAME SICHERHEIT

WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Erklärung, die der amerikanische Außenminister John Poster Dulles am 5.Mai
1955 vor dem außenpolitischen Ausschuß
des US-Senats zur Unterstützung des Gesetzes über die gemeinsame Sicherheit
abgegeben hat.

"Vor etwa einem Jahrzehnt haben die Vereinigten Staaten
mit einem Programm begonnen, das in der Weltgeschichte einzigartig ist. Die USA haben sich in ihrem eigenen Interesse entschlossen, einen beträchtlichen Teil ihrer Hilfsquellen dazu
zu verwenden, anderen freien Nationen zu helfen, die wirtschaftliche Gesundheit und die militärische Stärke zu schaffen,
die zur Erhaltung ihrer Freiheit notwendig ist. Dieses Programm
mit seinen verschiedenen damit in Verbindung stehenden Teilprogrammen, ist als das gemeinsame Sicherheitsprogramm bekannt
geworden.
Im Laufe der Jahre hat dieses einzigartige Experiment in
den internationalen Beziehungen viele Wandlungen durchgemacht
- Wandlungen in bezug auf die Betonung, in bezug auf Zusntze
und Abstriche, sowie Wandlungen in der Organisation und der
Verwaltung. In diesem Jahr werden neue Änderungen vorgeschlagen, um das Programm den sich wandelnden Bedingungen anzupassen und die bessere Erreichung der erwünschten Ziele sicherzustellen.
Der Präsident hat seine Absicht bekanntgegeben, die
Funktionen des US-Amtes für Auslandshilfe (FOA) dem Außenministerium mit Ausnahme gewisser militärischer Aufgaben, die
vom Verteidigungsministerium in enger Zusammenarbeit mit dem
State Department wahrgenommen werden, am 30.Juni 1955 zu unterstellen. Bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt sind die Aufgaben dieses außerordentlich wichtigen Zweiges unserer Außenpolitik unabhängig für sich und mit großem Können von Harold E. Stassen
und seiner Organisation wahrgenommen worden. Hoffentlich wird
es möglich sein, diese Funktionen nach ihrer Übernahme durch
das State Department mit gleicher Wirksamkeit weiterzuführen.
In

�"AMERIKA DIENST

11. Mai 1955

In seiner kürzlichen Botschaft an den Kongreß hat Präsident
Eisenhower einen umfassenden Überblick über das geplante Programm gegeben.
Die Gesamthöhe der beantragten Mittel beläuft sich auf
3,53 Milliarden Dollar. Von diesem Betrag sollen ungefähr die
Hälfte oder 1 717,2 Millionen Dollar direkt für die Aufrechterhaltung und den Aufbau der Streitkräfte der Alliierten verwendet werden. Zusätzlich zu dieser Hälfte der GesamtaufWendungen ist ein weiteres Viertel, das sind 1 000,3 Millionen Dollar,
für die sogenannte *Verteidigungsunterstützung* bestimmt. Hiermit soll solchen Ländern wirtschaftliche Hilfe gewährt werden,
denen es sonst nicht möglich ist, die Lasten so großer Verteidigungseinrichtungen zu tragen, wie dies wünschenswert erscheint.
Militärische Einrichtungen sind nicht nur wirtschaftlich
unproduktiv sondern zehren auch weitgehend von der Produktivität eines Volkes. Die Lage einiger Nationen ist so, daß es für
wünschenswert gehalten wird, wenn diese stärkere militärische
Einrichtungen besitzen, als dies ihre wirtschaftliche Lage gegenwärtig zuläßt.
Durch diese direkte militärische Unterstützung und die
Verteidigungshilfe können weit mehr Streitkräfte für die Verteidigung der freien Welt verfügbar gemacht werden, als wenn
wir den gleichen Betrag für unsere eigenen Streitkräfte ausgeben würden.
Die vorgenannten Formen der Hilfeleistung nehmen rund
75 Prozent der gesamten beantragten Mittel in Anspruch. Die
verbleibenden 25 Prozent oder 812,5 Millionen Dollar sind für
Programme bestimmt, die nicht unmittelbar mit militärischen
Aufgaben in Zusammenhang stehen. Die wichtigsten Posten sind:
337 Millionen Dollar für die Wirtschaftshilfe an Asien, wobei
200 Millionen für regionale Entwicklungsvorhaben bestimmt sind.
Ferner sind 172 Millionen Dollar für Programme der technischen
Zusammenarbeit und 100 Millionen Dollar für einen Sonderfonds
des Präsidenten vorgesehen.
Die Verteilung dieses einen Viertels der Mittel, das nicht
unmittelbar für die militärischen Streitkräfte zu verwenden
ist, erfolgt, geographisch gesehen, folgendermaßen» 21 Millionen
Dollar für Europa, hauptsächlich für Berlin; 52,5 Millionen
Dollar für die übrigen amerikanischen Republiken; 179 Millionen
Dollar für den Mittleren Osten; 337,5 Millionen Dollar für Asien
und 222,5 Millionen Dollar für regional nicht gebundene Programme, einschließlich der multilateralen Programme und des
Sonderfonds des Präsidenten.
Dieses Programm ist ein wichtiger Teil unserer allgemeinen
Politik, mit der wir versuchen, jene Machthaber, die jetzt dem
internationalen Kommunismus anhängen, von der Nutzlosigkeit der
die Errichtung der Weltherrschaft anstrebenden Politik zu überzeugen. Vielleicht läßt sich hieraue eine neue Politik entwickeln,
die darauf ausgerichtet ist, die berechtigten Ansprüche ihrer
Völker zu erfüllen.
Ich

�"AMERIKA DIENST"

11. Mai 1955

Ich glaube, die gotnze Welt lebt heute in einer gewissen
Erwartung. Eine Anzahl kleiner, aber vielleicht doch bedeutender Anzeichen läßt darauf schließen, daß der Zeitpunkt näherzurücken scheint, an dem diejenigen, die die Freiheit zu untergraben suchen, tatsächlich ihren Auslandsbeziehungen eine tolerantere Basis geben. Die Entwicklung im Falle Österreichs ist
möglicherweise ein Zeichen für eine Meinungsänderung, die sich
eventuell auch auf anderen Gebieten bemerkbar machen wird.
Ich möchte damit niaht sagen, daß ich glaube, wir hätten
unsere Ziele erreicht. Es gibt immer noch Licht- und Schattenseiten. Auch zweifle ich nicht daran, daß die internationalen
Kommunisten glauben, jede neue von ihnen jetzt eingeschlagene
Politik sei ein Teil jenes klassischen Planes, den Lenin mit
den Worten beschreibt, 'wir werden uns vielleicht im Zickzack
zu bewegen und manchmal rückwärts zu gehen, manchmal den früher
gewählten Weg aufzugeben und es auf anderen Wegen zu versuchen
haben' und von dem Stalin sagt, daß er 'ein Hin- und Hermanövrieren der Reserven im Hinblick auf einen ordentlichen Rückzug,
wenn der Feind stark ist, einschließt.' Dennoch verspüre- ich
ein gewisses Gefühl der Ermutigung, weil heute die Taktik der
internationalen Kommunisten die Vermutung nahelegt, daß sie erkennen, daß die freie Welt tatsächlich 'stark' ist, und daß
sie wirklich einige der einst gewählten Wege aufgeben müssen.
Das wesentliche ist, daß wir die Politik weiter befolgen,
die diese Stärke - und damit größere Sicherheit sowie neue
Möglichkeiten - gezeigt hat. Es würde ein schwerer Irrtum sein,
wenn wir in unseren gemeinsamen Sicherheitsbemühungen gerade
in dem Augenblick nachlassen würden, in dem sie die gewünschten
Früchte zu tragen scheinen. Welche Erfolge oder Fehlschläge wir
auch in nächster Zeit in unseren Beziehungen mit dem internationalen kommunistischen Block haben werden, so können wir doch
dessen sicher sein, daß unsere Aussichten auf Frieden und Freiheit auch weiterhin und noch auf viele Jahre hinaus von der Ge
samtstärke abhängen werden, die die freien Völker schaffen und
erhalten können.
In den vergangenen Jahren ist ein großer Teil der vom
Kongreß im Rahmen des Programms für gemeinsame Sicherheit bewilligten Militär und Wirtschaftshilfe den Nationen des freien
Europa zur Verfügung gestellt worden, Der Erfolg dieses Programms
ist am besten an der bemerkenswerten Entwicklung der Wirtschaftskraft, der politischen Stabilität und der militärischen Stärke
dieser Nationen abzulesen. Die NATO ist ein gut eingespielter
Apparat; die Entwicklung zu einem geeinten Europa macht Fortschritte; Produktion und Handel wurden ausgeweitet und der Lebensstandard ist gestiegen. Aber noch immer steht Europa vor
ernsten Problemen, und wir sind nach wie vor an der Lösung dieser Probleme interessiert. Dennoch haben sich die Verhältnisse
in Europa ganz bedeutend gebessert, und vielleicht ist das der
Grund, daß wir unsere Aufmerksamkeit jetzt mehr auf Asien richten
und seine Bedürfnisse besser erkennen. Dies wird bei der Planung
des Programms für gemeinsame Sicherheit für das kommende Jahr
entsprechend berücksichtigt werden.
..

�11. Mai 1955

"AMERIKA DIENST"

Über die Fortführung und in einigen Fällen die Steigerung
der gegenwärtigen Programme in den freien Ländern Asiens, insbesondere der technischen Hilfsprogramme, hinaus, hat der
Präsident einen Sonderfonds beantragt, um ihn nach seinem Ermessen in Ost- und Südasien verwenden zu können.
Der internationale Kommunismus setzt alles daran, seinen
Einfluß in den asiatischen Ländern auszudehnen, denen die wirtschaftliche Stärke fehlt, um ausreichende Verteidigungseinrichtungen unterhalten zu können sowie die notwendige Grundlage für
die politische Stabilität und eine ständige Verbesserung des
Lebensstandards zu schaffen.
Durch den Manila-Pakt und andere Verteidigungsabkommen
haben wir die Kommunisten hinsichtlich der Gefahr gewarnt, die
für sie aus weiteren bewaffneten Aggressionen in diesem Gebiet
entstehen würden. Aber dies ist nicht alles, was wir tun können
und tun sollen. Wir wissen, daß Nationen, die wirtschaftlich
schwach sind, Schwierigkeiten haben, politisch stark und sicher
zu werden.
Wir sind der Überzeugung, daß eine Zunahme der wirtschaftlichen Stärke in den freien asiatischen Ländern ein weiterer
wirksamer Schutz gegen den Kommunismus sein kann. Der Sonderfonds Präsident Eisenhowers für das freie Asien ist dazu be
stimmt, die Entwicklung der wirtschaftlichen Stärke und Zusammenarbeit in diesem Gebiet anzuregen.
Seit einiger Zeit schon sind die freien asiatischen Länder alljährlich auf einer Konferenz unter der Leitung des beratenden Ausschusses des Colombo-Plans für kooperative wirtschaftliche Entwicklung in Süd- und Südostasien, allgemein als
ColoirbD-Plan bekannt, zusammengekommen. Auf diesen Zusammen
künften haben diese Länder offen die ihnen bei der Wirtschaft liehen Entwicklung gegenübertretenden Schwierigkeiten und Probleme diskutiert und gemeinsam nach Wegen gesucht, wie sie
dieser Probleme mit ihren eigenen Hilfsmitteln Herr werden
können. Diese Form der Konsultation und Initiative mit ihrer
nachdrücklichen Betonung der Selbsthilfe sollte fortgeführt
und erweitert werden. Aus derartigen kooperativen Foren können
sehr wohl Ideen entspringen, die das Gebiet politisch und wirtschaftlich stärken werden. Wir haben in der Vergangenheit gemeinsam mit unseren asiatischen Freunden an diesen Sitzungen
teilgenommen und hoffen dies auch in Zukunft weiter zu tun.
Ich möchte jedoch klarstellen, daß die USA die Kontrolle über
die Verwendung des Fonds beibehalten werden, genau so wie sie
das im Falle der Länder-Programme tun.
Will man irgendeinen Teil eines integriertem Programms
zu gesonderter Begutachtung herausnehmen, dann besteht immer
die Gefahr, daß man hierdurch den Anschein erweckt, als seien
die übrigen Teile des Programms nicht so wichtig und verdienten weniger Begeisterung und Unterstützung. Da ich nicht den
Versuch unternehmen will, den Wert jedes einzelnen Teiles dieses gemeinsamen Sicherheitsprogramms zu erörtern, hoffe ich,
daß Sie meine Bemerkungen nicht so auslegen werden. Ich nehme
- 4 -

�11. Mai 1955
"AMERIKA DIENST"
nehme an, daß Sie im Verlauf der jetzigen Stellungnahme den
Wunsch haben werden, jeden Aspekt des Programms zu beleuchten,
indem Sie viele informierte Zeugen befragen.
Ich selbst bin kein Fachmann für alle Detailfragen.
Ich habe jedoch ein zuversichtliches umfassendes Urteil in
bezug auf den Wert, den diese Programme im allgemeinen für
die USA darstellen. Meiner Ansicht nach haben diese Programme
für gemeinsame Sicherheit bemerkenswerte Erfolge bei der Herbeiführung von Bedingungen erzielt und erzielen sie noch, die,
wie ich meine, die beste Garantie für den Frieden und die
Freiheit auf der Welt sind. Ich glaube, daß der Preis, den
wir für dieses Ergebnis zahlen, hinsichtlich der erreichbaren
Resultate ein vernünftiger ist.
Es ist gelegentlich gesagt worden, daß unsere Überlegenheit auf dem Gebiet moderner Waffen die Notwendigkeit für
alliierte Unterstützung verringert habe. Dies ist eine gefährliche Fehlkalkulation. Wir brauchen die Unterstützung anderer
freier Nationen genau so wie sie uns brauchen. Diese Völker,
ihr Gebiet, ihre Farmen und Fabriken, ihre Bergwerke und ihr
wissenschaftliches und technisches Können sind unbezahlbare
Posten auf der Habenseite der freien Welt. Unter kommunistischer Kontrolle aber würden diese menschlichen und materiellen
Hilfsquellen eingespannt und gegen uns verwandt werden.
Zu wiederholten Malen habe ich den Umstand besonders betont, daß wir uns nicht auf eine einzige Waffenart oder eine
spezielle Technik verlassen dürfen, daß unser Vorsprung auf
technischem Gebiet durch andere militärische und nichtmilitärische Mittel der Verteidigung noch untermauert werden muß.
Eine Überlegenheit auf dem Gebiet der modernen Waffen ist nicht
das Ergebnis irgendwelcher Zauberkraft, und es gibt auch keine
automatische Gewähr dafür, daß sie für ewig andauern wird. Sie
ist vielmehr Teilausdruck unseres allgemeinen Standes der Technik und eine Resultante mannigfaltigen Könnens, vieler Arten
von Bodenschätzen, Laboratorien und Fertigungsstätten, ausgebildeter Soldaten sowie Stützpunkten und anderen Anlagen, die
zu einem großen Teil von unseren Freunden und Verbündeten freiwillig zur Verfügung gestellt werden. Die Aufrechterhaltung
einer technischen Überlegenheit hängt zu einem großen Teil
davon ab, was in anderen Ländern geschieht und wie diese sich
hinsichtlich des Einsatzes ihrer menschlichen und materiellen
Hilfsquellen entscheiden.
Es gibt Leute, die das Programm für gemeinsame Sicherheit
als einen sinnlosen Versuch, sich Freundschaft zu erkaufen,
bezeichnet haben. Wenn dies der wahre Zweck des Programms
wäre, dann wäre es wirklich sinnlos. Freundschaft kann man nicht
erkaufen. Die große Mehrheit der freien Völker der Welt steht
den Vereinigten Staaten ohnedies bereits freundschaftlich gegenüber. Der wahre Zweck des Programms ist es, unsere Kraft zu
investieren. Wir wollen unsere Freunde so stark wie möglich
machen, damit sie sich besser Schützern und wirksamer zu unserer
gemeinsamen Sicherheit, unserem gemeinsamen Fortschritt bei der
Errichtung einer stabileren und friedlicheren Welt beitragen
können.
-r

�11. Mai 1955

"AMERIKA DIENST"

In den letzten zehn Jahren haben die freien Nationen freiwillig ein Partnerschaftsverhältnis geschaffen, bei dem sie
alle gut gefahren sind.
Die Vereinigten Staaten haben hierzu einen wesentlichen
Beitrag geleistet. Niemals, zu keiner Minute, haben wir versucht, unsere Macht zu erweitern. Wir waren einzig und allein
daran interessiert, allen Menschen in allen Teilen der Welt
zu helfen, die an die Freiheit des Menschen glaubten und selbst
bereit waren, dafür zu kämpfen und Opfer zu bringen, um diese
Freiheit zu sichern. Was das amerikanische Volk in den vergangenen zehn Jahren geleistet hat, steht meines Erachtens einmalig in der Geschichte da. Was vollbracht wurde, berechtigt zu
guten Hoffnungen für die Zukunft. Diese Erwartungen knüpfen
sich weitgehend an die Tatsache, daß die Menschen heute zu der
Erkenntnis gekommen sind, daß Frieden und Gerechtigkeit Ziele
sind, für die man ständig kämpfen und Opfer bringen muß, und
daß sie nicht Ziele sind, die durch irgendeine andere sporadische Maßnahme gesichert werden können. In der Vergangenheit
schloß man nach Kriegen fast immer Verträge ab, die von den
Menschen dahingehend interpretiert wurden, daß sie eine Gewähr
für die Aufrechterhaltung des Friedens böten. Darum ließ die
Wachsamkeit nach und die Menschen kümmerten sich ausschließlich
um ihre persönlichen Angelegenheiten. Dieses Mal sind wir wachsam geblieben und haben gearbeitet und gekämpft - zuweilen mit
Erfolg, zuweilen ohne, aber stets mit fester Entschlossenheit.
Und diese Entschlossenheit brauchen wir heute so nötig
wie eh und je. Sie findet einen wesentlichen Ausdruck in dem
Ihnen vorliegenden Programm für gemeinsame Sicherheit."

- 6-

�A M E R I K A

D I E N S T

DIE ASIENPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN

PITTSBURGH — (AD) — Nachstehend geben wir Ihnen den Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretärs im US-Außenministerium, Robert Murphy, die dieser am 5- Mai 1955 vor der.
Gesellschaft für Außenpolitik in Pittsburgh gehalten hat. Robert Murphy beleuchtete im Rahmen
seiner Ausführungen die Situation in Asien und
nahm insbesondere Stellung zu Fragen der amerikanischen Asienpolitik.

Sehr verehrte Pestversammlung,
Es ist mir eine aufrichtige Freude, heute unter Ihnen weizu
dürfen. Sie haben diese Zusammenkunft unter das Thema
len
"Asien und wir" gestellt. Es gibt wohl kaum ein Thema, das im
Hinblick auf die weltpolitischen Probleme, denen wir uns gegenübersehen, zeitgemäßer und angebrachter wäre. Es gibt kein Gebiet, in dem die Amerika gestellten Aufgaben komplexer und deshalb schwieriger zu ijsen sind als in Asien. Es gibt auch kein Gebiet, in dem die Vereinigten Staaten ein größeres Interesse an
der erfolgreichen Regelung der gegebenen strittigen Fragen haben,
Daß Amerika der Aufgabe gewachsen ist, darüber gibt es meines
Erachtens keine Zweifel. Die Vereinigten Staaten können die
Prüfung in Asien nur bestehen, wenn sich ihre Politik auf die
Weisheit, das Einfühlungsvermögen und das geduldige Ringen um
Verständnis des ganzen amerikanischen Volkes stützen kann.
Vielleicht ist eine Darlegung der Grundelemente der Politik der
Regierung der Vereinigten Staaten in Asien am ehesten iafcu angetan, bei Ihnen die Gewißheit wachzurufen, daß Ihre Regierung,
in Zusammenarbeit mit den Regierungen anderer befreundeter Nationen, die ihr in Asien gestellte Aufgabe in realistischer
und wirksamer Weise anpackt.
Es gibt eine Anekdote über einen asiatischen Potentaten,
der gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts lebte. Er war eifrig

�"AMERIKA DIENST"

11. Mai 1955

eifrig bemüht, seine Verbündeten und Gegner mit der Stärke seiner Streitkräfte zu beeindrucken. Er erklärte, daß er am Neujahrstage eine Parade seiner gesamten Armee von 30 000 Mann abnehmen und ihr Neujahrsgeschenk entgegennehmen werde. Las war
ein glänzendes Ereignis, dem das gesamte diplomatische Korps
beiwohnte. Jedermann wußte, daß die Armee des Souverän nur etwa
5 000 Mann stark sei und fragte sich, woher er die restlichen
25 000 Mann nehmen wolle. Die Parade war erstklassig. Zunächst
defilierten Kavallerieschwadronen mit Küraß und Helmbusch ä la
Napoleon III. vor den Zuschauern. Hieran schlössen sich die Ulanen an, gefolgt von einer Kompanie Infanterie, die ganz ohne
Zweifel die Helme der New Yorker Feuerwehr trug. Und so ging eB
immer weiter, und noch lange ehe die dreißigtausend Mann vorbeimarschiert waren, kam die Wahrheit, obwohl an der Spitze jeder
Kolonne ein neuer Oberst gestanden hatte, ans Tageslicht: die
fünftausend Mann der Armee waren, mit jeweiligem Uniformwechsel,
sechs Mal im Kreise herummarschiert.
Die Stellung der Vereinigten Staaten ist der Position dieses asiatischen Potentaten aus der Zeit der Jahrhundertwende
diametral entgegengesetzt. Er versuchte vergeblich, andere durch
Macht und Stärke zu beeindrucken, die er nicht besaß. Er war
ein Bluffer, Er war in der Tat ein Koloß auf tönernen Füßen.
Wir haben die Kraft, das überlegene Menschenpotential, die industrielle und wirtschaftliche Macht, reiche Hilfsquellen, die
militärische Stärke und sowohl herkömmliche als auch modernste
Waffen als Abschreckungsmittel. Dieses Stärkepotential und
die engste Verbindung mit den freien Nationen der Welt, die
ebenfalls ein entsprechendes Potential aufzuweisen haben, versetzt uns in die
Iigc, das aufzubringen, was Präsident bisenhower gefordert hat: den Mut zur Gedulde Und "wir brauchen
nicht so schnell in Rage zu geraten", wie Außenminister Dulles
es ausdrückte.
Wir haben jetzt Grund zu der Annahme, daß wir der Zukunft
zuversichtlich entgegensehen dürfen. Auf der Schlußsitzung der
kürzlich abgehaltenen Konferenz von Bandung fühlten sich die
chinesischen Kommunisten durch die Person Tschu En-lais bemüßigt, in aller Öffentlichkeit ein Angebot zu Verhandlungen
mit den Vereinigten Staaten über Fragen zu machen, die zu einer
gespannten Atmosphäre und einer gefährlichen Situation im Fernen Osten geführt haben. Tschu führte aus, das chinesische Volk
hege gegen das amerikanische Volk keine feindlichen Gefühle
und wünsche keinen Krieg. Es dürfte wohl bedeutsam sein, daß
dieser Vorschlag in Gegenwart der Vertreter von 2Q in Bandung
versammelten afro-asiatischen Staaten gemacht wurde. Denn dort
fand Rotchina mit seinem offen verkündeten Programm einer gewalt
samen Annektion Formosas keine Gegenliebeo Statt dessen sah es
sich der mit Nachdruck vertretenen Meinung der anwesenden freien
Völker gegenüber, die sich für den Frieden und gegen jede
Aggression und Subversion aussprachen,, Es ist möglich, daß die
Kommunisten zu der Erkenntnis gekommen sind, eine Politik, die
sich auf Gewalt begründe, liege nicht in ihrem Interesse. Die
jüngsten sowjetischen Fühler im Hinblick auf eine Befreiung
Österreichs stützen diese Annahme.
Prüfstein

�"AMERIKA DIENST"

11. Mai 1955

Prüfstein für die Aufrichtigkeit des rotchinesischen Vorschlages wird das Zustandekommen eines Waffenstillstands im Gebiet um Pormosa sein. Unsere größte und unmittelbarste Sorge
gilt der Frage, ob uns ein Krieg aufgezwungen wird. Die Interessen der Vereinigten Staaten wiegen in dieser Angelegenheit schwer,
haben sie doch eine vertragliche Verpflichtung zur Verteidigung
Pormosas übernommen, die durch eine mit überwältigender Mehrheit
vom Kongreß angenommene Resolution gestützt wird. Aus diesem
Grund ist eine Feuereinstellung in der Straße von Pormosa eine
unerläßliche Voraussetzung für die Verhinderung eines Krieges.
Die kommunistische Kriegsdrohung lastet schwer auf dem Gebiet um Pormosa. Rotchina unterhält auch weiterhin ein riesiges
stehendes Heer auf dem Formosa gegenüberliegenden Festland.
Rotchina vergrößert seine Luftmacht immer mehr, und es hat eine
wilde Propagandakampagne gestartet, daß es Formosa durch Gewalt
an sich reißen werde. Die Rotchinesen haben wiederholt Feuerüberfälle mit schwere Artillerie auf die dem chinesischen Festland vorgelagerten Inseln durchgeführt. Diese Angriffe sind deshalb wichtig, weil die Kommunisten erklärten, die Inseln seien
das Sprungbrett für eine spätere Offensive gegen Formosa.
Wir werden natürlich in keine Verhandlungen eintreten, die
sich auf das Territorium oder die Rechte der Republik China
beziehen, es sei denn in Zusammenarbeit mit der Regierung dieses Staates. Wir sind jedoch gewillt, festzustellen, ob der rotchinesische Vorschlag ehrlich gemeint ist.
Diese Bereitschaft, alle nur möglichen Wege für eine Entspannung der Weltlage zu erforschen, ist schon eine Tradition
der amerikanischen Diplomatie geworden. Sie ruht in der Stärke
und entspringt nicht etwa einer Schwäche. Sie gründet sich auf
die Kenntnis von der Furchtbarkeit des Krieges und der Abscheu
vor ihm. Ihr Ziel ist die Herstellung eines dauerhaften Weltfriedens - eines Friedens, für den es, um mit den Worten des Präsidenten zu sprechen, heute keine Alternative gibt.
Bevor ich mich einer näheren Darlegung der Grundelemente
der amerikanischen Asienpolitik zuwende, möchte ich betonen,
was ja den meisten von Ihnen ohnehin klar sein dürfte, daß es
grundfalsch ist, sich Asien als etwas Einheitliches vorzustellen.
Dieses Gebiet zieht sich in einem weiten Bogen von den Provinzen
Sowjetrußlands am Pazifik über Japan, China bis nach Hinterindien
und dem angrenzenden Inselarchipel und weiter über Ceylon, Pa
kistan und Indien an die Grenze des Vorderen Orients. Asien ist
kein einheitliches Ganze, schließt es doch eine Vielzahl von
Rassen, Kulturen, Glaubensbekenntnissen und Traditionen ein.
Seit Beginn der Menschheitsgeschichte hat es in Asien Wanderungen gegeben, so daß völkische Minderheiten nichts Ungewöhnliches
sind. Im Gegensatz zu Japan und Korea, wo man nur eine Sprache
spricht und die Bevölkerung homogen ist, gibt es Staaten wie
Indien, in denen über 12 Hauptsprachen und dazu noch ungezählte
Dialekte gesprochen werden. Die Wirtschaftsstrukturen sind oftmals grundverschieden und reichen von dem hochindustrialisierten
und auf Handel abgestimmten System Japans bis zu den verhältnismäßig einfachen Agrarwirtschaften, die man in vielen der anderen

�11. Mai 1955

"AMERIKA DIENST"

anderen asiatischen Ländern findet. Die politische Haltung der
asiatischen Völker ist gleichfalls nicht einheitlich, sie ist
vielmehr durch eine fTneäriheitllßhkeit Ja sogar durch tiefverwurzelte Meinungsverschiedenheiten gekennzeichnet. Gewisse Länder
müssen von brandstifterischen Aggressionsmaßnahmen abgehalten
werden. Andere wiederum sind so entschlossen, einen unabhängigen
neutralen Kurs zu steuern, daß sie es ablehnen, die von uns für
notwendig erachteten defensiven Mindesterfordernisse zu erfüllen.
Unter den freien Nationen dieses Gebietes gibt es nicht einmal
ein allgemein anerkanntes System der diplomatischen Anerkennung.
Dies trifft besonders für die Präge der diplomatischen Anerkennung
Rotchinas und der Regierung der Republik China auf Formosa zu.
Diese Uneinheitlichkeit Asiens, diese auf allen Gebieten
anzutreffende Heterogenität, ist eine Tatsache, mit der man sich
bisweilen nur schwer abfindet, mit der man aber bei der Formulierung einer Politik stets rechnen muß. Die amerikanische Asienpolitik hat letztlich natürlich, wie überhaupt die gesamte Außenpolitik, das Ziel, Sicherheit und Wohl des amerikanischen Volkes
zu wahren und zu fördern. In Asien wird das in erster Linie durch
die Unterstützung der uns befreundeten Nationen erreicht, mit
der wir sie in die Lage versetz er ihre eigene Stärke so zu entwickeln, daß sie ihre Unabhängigkeit gegen alle Bemühungen, sie
zu untergraben, verteidigen können. In praxi ist unsere Politik
in Asien sehr vielschichtig, um so den jeweils herrschenden Verhältnissen gerecht werden zu können. In diesem Sinne ist die
amerikanische Asienpolitik in Wirklichkeit eine Kombination aus
vielen situationsbedingten politischen Einzelmaßnahmen, die aber
alle darauf gerichtet sind, die Entwicklung einer nationalen Unabhängigkeit, die Besserung der wirtschaftlichen Bedingungen, die
aufgeschlossene Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten und
den Frieden zu fördern.
Nachdem ich •Ms .'Mannigfaltigkeit und Vielgestaltigkeit des
Kontinents Asien bereits besonders herausgestellt habe, erlauben
Sie mir, daß ich Ihnen diese Mannigfaltigkeit am Beispiel eines
Faktors, der wegen seiner Einheitlichkeit im scheinbaren Widerspruch zu dem vorher Gesagten stehen mag, noch weiter verdeutliche. Mit diesem Faktor meine ich den Nationalismus, eine Kraft,
die ganz Asien erfaßt und den Lauf der Dinge in der jüngeren Zeit
doch wesentlich beeinflußt hat. Die Rücksichtnahme auf die nationalen Gefühle spielt bei unseren Verhandlungen mit allen asiatischen Nationen, eine besondere Rolle, selbst wenn wir mit ihnen
sehr freundschaftliche Beziehungen unterhalten. Rücksichten auf
das Nationalgefühl waren während unserer Verhandlungen mit Japan
über das Sicherheitsabkommen maßgebend, da dieses Abkommen die
Stationierung amerikanischer Truppen auf dem Boden eines stolzen
und leicht zu verletzenden Volkes vorsah. Der Nationalismus ist
die treibende Kraft, die hinter der Entschlossenheit der Koreaner
steht, ihre Halbinsel wieder zu vereinigen und die Südkoreaner
zu großartigen Leistungen anspornte, als ihre Heimat von Norden
her überfallen wurde. Nationalismus ist ferner, wenn auch auf
andere Art, der Grund für das Zögern verschiedener asiatischer
Nationen, Hilfe von den Vereinigten Staaten anzunehmen. Er charakterisiert die Politik der uns freundlich gesinnten Regierung
_ 4_

�"AMERIKA DIENST"

11. Mai 1955

Regierung des vietnamesischen Premierministers Diem. Auf den Nationalismus ist zum Teil sogar der Aufstieg Ho Tschi-minhs in
seiner Maske als Befreier Vietnams zurückzuführen. Nationalismus liegt der entschlossenen Neutralität Indiens zugrunde.
Diese mächtige nationalistische Bewegung ist mit einer oft
extrem feindlichen Haltung gegenüber jeglichem Kolonialismus
verknüpft. Eine Tatsache, die die Kommunisten mit großem Geschick auszunutzen verstanden. Dennoch ist es eine Haltung oder, wenn Sie wollen, eine Art Neurose - , für die die Vereinigten Staaten mehr Verständnis als vielleicht alle anderen
großen Nationen der Welt aufbringen können. Denn historisch gesehen ist es noch gar nicht so lange her, daß wir uns selbst
mit Waffengewalt von der Tyrannei befreit haben. Auf Grund unserer eigenen Geschichte erkannten wir, daß die Erreichung der
Unabhängigkeit allein nicht genügt. Mit der Monroe-Doktrin
brachten wir zum Ausdruck, daß wir keine weitere europäische
Kolonisierung dulden oder die Einführung despotischer politischer Systeme in der westlichen Hemisphäre zulassen würden eine wahrhaft kühne Doktrin in der damaligen Zeit, wenn man bedenkt, daß wir erst ungefähr fünfzig Jahre später in der Lage
waren, sie tatsächlich durchsetzen zu können.
Unsere traditionelle Opposition gegenüber Absolutismus
und Imperialismus hat starke Bande zu vielen asiatischen Völkern geschaffen. Und unser Verhalten war ein Beweis dafür, daß
es uns damit ernst war. Wir haben uns gegen die Aufteilung
Chinas durch die europäischen Monarchien gewandt; wir haben
die Filipinos davon überzeugen können, daß das oberste Ziel der
amerikanischen Verwaltung die Erlangung ihrer Unabhängigkeit
war; wir haben unsere Stimme gegen die Übergriffe der Vorkriegsregime in Asien erhoben und haben uns gegen die Versuche Japans
gewandt, seine Herrschaft über China auszudehnen. Wir verzichteten freiwillig auf unsere territorialen Sonderrechte in China
und machten die Befreiung Koreas zu einem der Ziele des zweiten
Weltkrieges. Wir haben lange Zeit eine gleichbleibende Haltung
in dieser Frage eingenommen. Als das Jahr 1945 kam, blickten
viele asiatische Nationen, die sich endlich von der Zwielichtigkeit des Kolonialismus befreit hatten, nach Amerika, von dem
sie Hilfe und Führung erwarteten. In den nun folgenden zehn
Jahren sind unsere Beziehungen mit A.s-'en in ein viel komplizierteres Stadium eingetreten, zum Teil deshalb, weil sie
umfassender und wesentlicher geworden sind. Vor dem zweiten
Weltkrieg unterhielten wir mit 6 asiatischen Ländern diplomatische Beziehungen, heute mit 26. Unsere wirtschaftlichen und
technischen sowie unsere militärischen Hilfsprogramme, die gemeinsame Mitgliedschaft in internationalen Organisationen,
wie den Vereinten Nationen und ihren Unterorganisationen, unsere ineinandergreifenden wirtschaftlichen Interessen waren Momente, die uns jedes Jahr in einen noch engeren Kontakt mit den
Völkern Asiens gebracht haben.
Einige Asiaten mögen unsere Motive mit Mißtrauen betrachten,
aber es gibt genug Gründe, die zu der Annahme berechtigen, daß
die Mehrzahl der Völker Asiens unsere Absichten richtig versteht.
- 5 Auf

�"AMERIKA DIENST"

11. Mai 1955

Auf mancherlei Weise war die Konferenz von Bandung, auf der 29
afrikanische und asiatische Nationen zum ersten Mal zusammentrafen, um Angelegenheiten von gemeinsamen Interesse und Pläne
für den gemeinsamen Fortschritt zu besprechen, eine erfrischende
Bestätigung dieses Vertrauens. Ich darf wohl annehmen, daß Ihnen
allen die Bekenntnisse dieses Vertrauens und die klare Verurteilung des Kommunismus, wie sie von den Repräsentanten des Irans,
Iraks, Pakistans, der Türkei, Ceylons, Thailands und der Philippinen in scharfen Erklärungen auf der Bandung-Konferenz abgegeben
wurden, bekannt sind. Diese eindringlichen Reden waren offensichtlich aufrichtige Manifestationen des Nationalismus und der Entschlossenheit, die Prinzipien der Freiheit und Unabhängigkeit
zu verteidigen. Sie wurden von der freien Presse ausführlich behandelt und fanden ein warmes Echo in der gesamten freien Welt.
Es dürfte beachtenswert sein, daß die kommunistische Welt weder
über Presse noch über Radio gegenüber ihren versklavten Völkern
etwas darüber verlauten ließ.
Es besteht kein Zweifel, daß diese Reden von besonderer Bedeutung für das Schlußkommunique waren, das von einer noch schwach
vorhandenen Furcht vor dem westlichen Imperialismus gekennzeichnet
ist, zur gleichen Zeit aber zum Ausdruck bringt, daß die Konferenz
übereingekommen wäre, "daß Kolonialpolitik in allen ihren Manifestationen ein Übel ist, das schnellstens beseitigt werden muß."
Die Konferenz hat damit die neuen Kolonialisierungsversuche des
Kommunismus ebenso verurteilt wie die älteren Versuche im 19.
Jahrhundert. In dem Kommunique wurde weiter das Prinzip der
"Respektierung des Rechts jeder Nation, sich aus eigener Anstrengung oder gemeinsam mit anderen Nationen in Übereinstimmung mit
der Charta der Vereinten Nationen zu verteidigen", anerkannt.
Mit dieser Erklärung bekannte man sich zum Prinzip der kollektiven
Sicherheit, das die Grundlage für viele unserer Anstrengungen in
Asien und in anderen Teilen der Welt bildet, nämlich dem Problem
der Aggression zu begegnen. Hier kann man von einem wirklichen
Erfolg sprechen.
Und noch ein anderer Auszug aus diesem interessanten Schlußkommunique ist erwähnenswert, in dem unter dem Titel "Wirtschaftliche Zusammenarbeit" die Verdienste der Vereinigten Staaten mit
folgenden Worten gewürdigt werden* "... Es wurde weiter anerkannt,
daß die Unterstützung, die auf Grund v^a internationalen oder
bilateralen Abkommen von anderen Nationen an bestimmte Teilnehmerländer geleistet wurde, wesentlich zur erfolgreichen Durchführung
ihrer Aufbauprogramme beigetragen hat..."
Die Teilnehmerstaaten brachten damitt zum Ausdruck, daß wirtschaftliche Hilfsprogramme des Auslandes
beispielsweise die
der Vereinigten Staaten willkommene und konstruktive internationale Hilfeleistungen darstellen.
Die Bedeutung dieser Resolutionen erhöht sich noch dadurch,
daß sie einstimmig durch die Konferenzteilnehmer angenommen wurden.
Ich glaube sagen zu dürfen, daß sie ein Beweis dafür sind, wie eng
unsere Politik mit dem Geist von Bandung verwandt ist. Wie ich
bereits vorher ausgeführt habe, hegt Amerika seit der Geburtsstunde
seiner

�"AMERIKA DIENST"

*

11. Mai 1955

seiner Freiheit eine tiefe Abneigung gegen jegliche Art von Kolonialismus. Die Förderung nationaler Bestrebungen ist lediglich
eine logische Folge dieser Haltung, der wir in unserer Asienpolitik wie überhaupt stets gefolgt sind.
Das jüngste Beispiel der Förderung nationaler Bestrebungen
war die Unterstützung der freien vietnamesischen Regierung im
Ringen um Unabhängigkeit in einer Zeit größer Spannungen an
diesem Vorposten der Freiheit. Zusammen mit unserem Verbündeten
Frankreich versuchen wir alles, um der vietnamesischen Regierung
bei der Lösung ihrer Probleme zu helfen. Die gegenwärtige Regierung unter Premierminister Diem sieht sich vor die fast übermenschliche Aufgabe gestellt, eine Regierung in einem Lande zu
bilden, das eben erst seine Unabhängigkeit erhalten hat, nur an
eine Kolonialverwaltung gewöhnt ist und auf Grund der Genfer
Abkommen durch eine Demarkationslinie geteilt wurde. Nordvietnam
ist von kommunistischen Truppen unter Führung Ho Tschi-minhs
besetzt. Die Regierung Südvietnams mußte einmal Unterkunft und
Verpflegung für 500 000 Flüchtlinge bereitstellen, die vor dem
kommunistischen Terror geflohen waren, zum anderen eine durch
den Krieg zerstörte Wirtschaft wiederaufbauen, und hatte überdies die Aufgabe zu bewältigen, Ruhe und Ordnung in den von
den Vietminh-Truppen erst kürzlich geräumten Gebieten, die heute
noch von deren Geheimagenten durchsetzt sind, wiederherzustellen
und eine regierungstreue Armee aufzustellen. Schon die Lösung
eines dieser Probleme wäre für eine junge unabhängige und unerfahrene Regierung eine ungeheure Aufgabe gewesen. Das freie Vietnam mußte jedoch noch mit einem weiteren Problem fertig werden,
dessen Ursache zwei politisch-religiöse Sekten waren, die gewohnt
waren, in ihren Interessengebieten völlige Autonomie auszuüben;
sie besaßen eigene Truppen, und eine dieser Gruppen, nämlich die
cangsterähnliche Bande der "Binh Xuyen", hatte sogar die Polizei
von Saigon in der Hand.
In seinem eigenen Lande, in den Vereinigten Staaten und in
vielen freien Ländern Asiens, gewinnt Premierminister Diem immer
mehr den Ruf eines mutigen Nationalisten, der versucht, der gewaltigen Schwierigkeiten Herr zu werden und seinem Volk die Einheit und Unabhängigkeit zu geben. Der furchtlose Kampf der
Vietnamesen um ihre Zukunft und ihre Bemühungen um nationale Interessen und Ziele verdienen die ständige Unterstützung der Vereinigten Staaten und der gesamten freien Welt. Die Vereinigten
Staaten haben während aller Aufstände und sonstigen Belastungsproben ihre freundschaftliche Unterstützung der legalen Regierung
Vietnams mit Premierminister Ngo Dinh Diem an der Spitze aufrechterhalten. Diese Unterstützung ist nur eine Fortführung unserer
geschichtlich begründeten Politik der Unterstützung aller Völker
der Welt in ihren Bemühungen um Freiheit und Unabhängigkeit.
Ich habe bereits darauf verwiesen, daß das nach Beendigung
der Konferenz von Bandung herausgegebene Kommunique für den Grundsatz der kollektiven Sicherheit eintritt, auf dem ein guter Teil
unserer Bemühungen in Asien beruht. In der Praxis gestaltet sich
die Verwirklichung dfieses Grundsatzes in Asien sehr schwierig, denn
bisher sind die dortigen Verhältnisse der Schaffung von Vereinbarungen über die kollektive Sicherheit nicht techt förderlich gewesen.
- 7 Neugebildete

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"AMERIKA DIENST"

Neugebildete Staaten sind gewöhnlich vorsichtig' in der Übernahme
von Verpflichtungen gegenüber Mächten, die einst ihre Kolonialherren waren oder mit dieser Herrschaft in Eerbindung gebracht
werden. Es sind freilich Fortschritte zu verzeichnen. Die Vereinigten Staaten haben mit Japan, Korea und den Philippinen
zweiseitige Verteidigungsverträge und ein dreiseitiges Abkommen
mit Australien und Neuseeland geschlossen. Erst in jüngster Zeit
ist ein zweiseitiger Vertrag mit der Republik China unterzeichnet und ratifiziert worden.
In der Zeit, in der diese verschiedenen Bündnisse entstanden, trat ein Ereignis ein, das Asien schwer erschütterte. Es
war die Teilung Vietnams nach der Niederlage der dortigen freien
Streitkräfte, die ihren dramatischen Höhepunkt in der Kapitulation von Dien Bien Phu fand. Die Notwendigkeit, das Prinzip der
gemeinsamen Sicherheit zu verwirklichen, trat allen Beteiligten
klar vor Augen. Ein Ergebnis dieser Erkenntnis war die AchtMächte-Konferenz in Manila im vorigen Kerbst sowie der Pakt von
Manila und die Pazifik-Charta, die beide dort verkündet wurden.
Der Pakt verbindet, wie Sie wissen, acht asiatische und nichtasiatische Mächte Südostasiens gegen offene Angriffe von außen
und gegen umstürzlerische Tätigkeit von innen, er wirft einen
schützenden Mantel über die neuen Staaten Laos, Kambodscha und
Südvietnam.
Die Konferenz der Signatarmächte des Manila-Paktes im
Februar zu Bangkok war ein erster Versuch, dem Gebilde Leben
einzuhauchen. Man kam dahin überein, daß nicht nur bezüglich
der militärischen Bestimmungen des Vertrages etwas unternommen
werden müßte, sondern daß Sachverständige in Kürze zusammentreten sollten, um Mittel und Wege zu erörtern, wie sich die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse innerhalb des gesamten
Vertragsgebietes bessern ließen.
Auf der anderen Seite der asiatischen Landmasse ist ein nördlicher Riegel zur Verteidigung des Mittleren Ostens im Werden
ein aus der Initiative der dortigen Völker erwachsenes Unternehmen, das rasch Fortschritte macht. Beispielsweise haben die Türkei und Pakistan zur Erörterung gemeinsamer Verteidigungsprobleme ein Abkommen geschlossen. Später kam es zu einem Verteidigungspakt zwischen der Türkei und dem Irav, während Pakistan zum Beitritt aufgefordert wurde. Die Vereinigten Staaten selbst sind
mit der Türkei, mit Pakistan und dem Irak zu Abmachungen über
militärische Hilfe gelangt, auch haben wir ein älteres, weiter^
laugendes Abkommen mit dem Iran. Ferner besteht eine Verbindung
zwischen diesen Verteidigungsvorkehrungen im Mittleren Osten und
zwei anderen Verteidigungsbündnissen in Europa. Es gibt den Balkanpakt, den ^ie Vereinigten Staaten gefördert haben, als Militärbündnis zwischen Griechenland, Jugoslawien und der Türkei. Grie-:
chenland und die Türkei sind, wie ich Ihnen kaum ins Gedächtnis
zurückzurufen brauche, getreue Mitglieder der NATO. Schließlich
ist Pakistan noch Mitglied der Manilapakt-Organisation.
Das Problem der wirtschaftlichen Entwicklung nahm auf der
Tagesordnung der Konferenz von Bandung eine bevorzugte Stelle ein.
Einer der wichtigsten Faktoren im Leben der asiatischen Völker ist

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ist die Überzeugung, die Asiaten müßten ebenso wie die Menschen des
Westens in steigendem Maße an dem ständig steigenden Lebensstandard teilhaben, der durch ihren technischen und industriellen Portschritt ermöglicht wird. Das hat die amerikanische Regierung längst
erkannt, und sie hat konstruktive Maßnahmen ergriffen. Dessen wurden
sich die Kommunisten vor kurzem bewußt. Sanftmütig sprechen sie von
wirtschaftlichem Aufstieg, und in Ländern, wo Hunger und Armut oft
seit Menschengedenken Grundtatsachen des Lebens sind, oder wo der
Absatz der landeseigenen Produkte auf den Auslandsmärkten ein lebenswichtiges Bedürfnis für das Wohlergehen des Volkes ist, finden
ihre neuesten Annäherungsversuche ein Echo. Ceylon mögen sie den
Ankauf von Kautschuk, Burma die Abnahme von Reis, Indien den Bau
eines modernen Stahlwerks, das die Inder freilich bezahlen müssen,
versprechen,damit diese Völker die Wunder industrieller Produktion
unter dem Kommunismus schätzen lernen und daraus Nutzen ziehen
können.
Das Verlangen der asiatischen Völker nach Besserung der wirtschaftlichen und sozialen Zustände ist einer der zentralen Punkte,
der ausschlaggebend bei der Entscheidung dieser Nationen über ihre
zukünftige politische Einstellung sein wird. Daher sind die Programme der amerikanischen Regierung über eine wirtschaftliche und
technische Hilfe in Asien darauf abgestimmt, die asiatischen Nationen beim Aufbau einer Verteidigung gegen einen Aggressor zu
unterstützen.
Die Hilfe der Vereinigten Staaten gegenüber Asien ist nicht
nur darauf angelegt, die kommunistischen Gesten in jenem Gebiet
zu parieren. Wir wollen uns nicht an einem Wettstreit beteiligen,
bei dem es darum geht, wer sich am meisten beliebt machen kann.
Zunächst einmal sind die Gesten der Kommunisten bezüglich technischer Hilfeleistung an nichtindustrialisierte Gebiete in der Hauptsache auf Propagandawirkung berechnet. Was aber wichtiger ist, die
Bemühungen der Vereinigten Staaten, freien Völkern bei ihrer Erstarkung zu helfen, sind als positives Handeln anzusehen; sie sind
an sich gut und sie würden auch unter anderen Verhältnissen das
Rechte sein. Wir arbeiten nicht nur gegen etwas, wir sind für die
Freiheit, für die Würde des einzelnen und für bessere Lebensverhältnisse überall.
Wenn man über das Problem nachdenkt, wie die wirtschaftliche
Entwicklung in Asien gefördert werden könne, dann darf man einen
hochwichtigen Punkt nicht übersehen: Im Gegensatz zu Europa, wo
es in erster Linie nur um eine-' Wiederaufrichtung und Wiederbelebung
einer schon bestehenden Wirtschaft ging, muß die wirtschaftliche
Entwicklung in vielen Teilen Asiens ganz von vorn beginnen. Unsere
Vorhaben dort müssen weitgehend auf die Verbreitung elementarer
technischer Fertigkeiten gerichtet sein, ohne die sich die Entwicklungspläne nicht erfolgreich durchführen lassen. Dementsprechend
sind unsere Vorhaben zur wirtschaftlichen Entwicklung in Asien auf
langfristige Planung abgestellt, während unserer Wiederaufbaubemühungen in Europa für verhältnismäßig kurze Frist gedacht waren
und mehr den Charakter von Notstandsmaßnahmen trugen. Wir wollen
uns bei diesen Bemühungen der bestehenden regionalen Organisationen,
wie des Colombo-Plans, bedienen. Neben unserer unmittelbaren

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unmittelbaren Unterstützung versuchen wir den asiatischen Ländern
bei der Ausbeutung ihres gegenseitigen Handels und des Wasserverkehrs mit anderen Ländern der freien Welt zu helfen. Als Teil dieses Vorhabens haben wir eine Erweiterung der Mitgliedschaft in
dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) befürwortet und
unsere Bemühungen zur Aufhebung von Beschränkungen des internationalen Handels gesteigert. Unsere Hilfe kann natürlich nur eine Ergänzung und Anregung der auf raschere wirtschaftliche Entwicklung
und eine Erhöhung des besseren Lebensstandards gerichteten Bemühungen jener Länder selbst sein.
In dem von mir hier aufgezeigten Rahmen unseres Handelns haben
wir bereits bedeutende Portschritte erzielt. Beispielsweise hat das
US-Amt für Auslandshilfe (FOA) die Philippinen erfolgreich bei ihren Bemühungen unterstützt, ihre Reiserzeugung wesentlich zu steigern. In Indonesien fördert unsere Unterstützung die Bekämpfung
der Malaria, einer Geißel der Menschheit in den Tropen, und die
Steigerung und Verbesserung der Reiserzeugung. Als Beitrag des
Amtes für Auslandshilfe zur Entwicklung Indiens wird ein Teil der
dortigen Verkaufserlöse für die diesem Lande gewährte Hilfe, zusammen mit Geldern privater und internationaler Banken, zur Finanzierung einer neugegründeten industriellen Kredit- und Investmentgesellschaft abgezweigt; durch Förderung der privaten Industrie in
Indien wird diese Gesellschaft größere einheimische Kapitalquellen
für weitere Entwicklungsvorhaben erschließen helfen. Im Iran kommt
amerikanischen und iranischen Fachleuten, die bei Vorhaben des
Amtes für Auslandshilfe im Rahmen der technischen Hilfe zusammenarbeiten, das Verdienst zu, eine Zunahme der Bevölkerung durch
beträchtliche Verminderung der Häufigkeit der Malariaepidemien in
die Wege geleitet und die landwirtschaftliche Produktion durch
Verbesserung des
Saatgutes und Einführung zweckmäßiger Tierzuchtverfahren gesteigert zu haben.
Das sind nur ein paar Beispiele jener Art wirtschaftlicher
Entwicklungsvorhaben, an denen wir heute in Asien beteiligt sind.
Angesichts aller jener wunderbaren Fertigkeiten und angesichts
jener schöpferischen Phantasie, die den Vereinigten Staaten eine
so große Produktionskraft' eingebracht haben, brauchen wir auf dem
Gebiete der wirtschaftlichen Entwicklung Asiens den wetteifernden
Einfluß der kommunistischen Staaten nicht zu fürchten.
Und nun lassen Sie mich kurz die Eckpfeiler unserer Asienpolitik umreißen: Ermutigung berechtigter nationaler Bestrebungen,
kollektive Sicherung gegen Angriffe von außen und von innen, wirtschaftliche und militärische Hilfe für die mit uns verbündeten
freien Völker. Diese Politik soll unsere internationale Sicherheit
und das wohlverstandene Interesse unseres eigenen Volkes fördern.
Wir erwarten nicht, daß der Weg glatt sein werde. Viele Fallstricke und Zufälligkeiten liegen vor uns. Wegen der Verschiedenheit
der Staatsformen und der Völker, mit denen wir es in Asien zu tun
haben, sind Meinungsverschiedenheiten unvermeidlich. Es gehört jedoch zum Wesen guter Bündnisse zwischen freien Völkern, daß man
im Rahmen gegenseitigen Vertrauens und des Aufeinander-AngewiesenSeins verschiedener Meinung sein kann.
Vor
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"AMERIKA DIENST"

Vor ein paar Jahren erschien ein Buch von Edmond Taylor mit
dem fesselnden Titel,"Richer by Asia" (Reicher durch Asien). Ich
weiß nicht, ob Sie sich daran erinnern, es berichtete jedenfalls
von des Verfassers Gefühlen der Erregung und der Entdeckerfreude
beim Eindringen in die Kulturen und das Denken des Orients,als
sich der ganze prächtig bunte Teppich dieser Welt vor ihm entfaltete. Ich glaube, die Amerikaner sind heute landauf und landab
von den gleichen Gefühlen der Erregung und der Entdeckerfreude
beherrscht. Während Stärke und Unabhängigkeit unserer neuen Verbündeten in einer älteren Welt wachsen ... während die Bande des
Handels , der Kultur sowie der gemeinsamen Sicherheit noch enger
werden ».. während wir den erregenden Ruf eines in Bewegung geratenen Kontinents an uns folgen... werden unser eigenes großes
Land und die gesamte freie Welt durch Asien an Geist, Sicherheit
und Freiheit bereichert werden.

* * *

* *

�A M E R I K A

D I E N S T

HAROLD E. STASSEN: BERLIN AUCH WEITERHIN DAS GROSSE
SYMBOL DER FREIHEIT
WASHINGTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen Auszüge aus der Erklärung, die der Leiter des US-Amtes für Auslandshilfe, Harold E.Stassen, am 6.Mai 1955
vor dem außenpolitischen Ausschuß des amerikanischen Senats zur Begründung des Antrags
auf Bewilligung der Mittel für das Auslandshilfeprogramm im Haushaltsjahr 1956 abgab.
In der dem Kongreß am 20.April übermittelten Botschaft
ersuchte Präsident Eisenhower um die Ausgabevollmacht und die
Bewilligung von Mitteln in Höhe von 3,53 Milliarden Dollar
zwecks Durchführung des Programms für gemeinsame Sicherheit
im Haushaltsjahr 1956. Wie der Präsident in seiner Botschaft
ausführte und Außenminister Dulles in seiner vor diesem Ausschuß abgegebenen Erklärung betonte, stellt dieses auf das
feste und unabänderliche Ziel eines gerechten und dauerhaften
Friedens in Wohlstand gerichtete Programm einen unentbehrlichen Teil einer realistischen und weitblickenden Politik der
Vereinigten Staaten dar.
Ehe ich auf die Einzelheiten des Programms eingehe,
möchte ich die grundsätzlichen Überlegungen erläutern, auf
denen es beruht, und auf die Aspekte unserer nationalen
Politik hinweisen, denen es dient.
Es ist eine grundlegende und nicht abzuleugnende Tatsache,
daß die Sicherheit der Vereinigten Staaten davon abhängt, daß
sie starke Verbündete in allen Ländern der Welt besitzen, und
daß diese Sicherheit nicht in der Isolierung erreicht werden
kann. Mit unserem Programm versuchen wir, das militärische
Potential unserer Verbündeten durch die Lieferung von Waffen,
militärischen Versorgungsgütern und die Stellung von Ausbildern
zu stärken, die jede wirklich wirksame militärische Organisation benötigt.
Militärische Stärke muß jedoch auf einer entsprechenden
und gesunden wirtschaftlichen Basis beruhen. Zahlreiche bedeutende Staaten der ganzen Welt, die an unseren gemeinsamen
Verteidigungsbemühungen teilhaben, ermangeln einer solchen
Basis. Mit diesem Programm wird daher um die Bewilligung der

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'
11. Mai 1955
der Mittel ersucht, die für einen Beitrag zur Unterstützung
wirksamer militärischer Anstrengungen unserer Verbündeten
sowie für die günstige wirtschaftliche Weiterentwicklung erforderlich sind.
Das Programm berücksichtigt ferner die Tatsache, daß
sich die Bedrohung durch den gemeinsamen Feind der Freiheit,
den internationalen Kommunismus, nicht allein in Form einer
potentiellen militärischen Aggression ausdrückt. Ebenso gefährlich ist die durch eine infolge wirtschaftlicher Schwäche
und der sich daraus ergebenden politischen Unstabilität bedingte Bedrohung einer Machtergreifung durch einen inneren
Umsturz. Die Mehrheit der Völker der freien Welt und ihre
Regierungen sind heute in einem alles umfassenden Kampf gegen diese Verhältnisse verwickelt. Falls sie in diesem Kampf
unterliegen sollten, werden die Chancen für den Frieden und
die Sicherheit in der Welt ernsthaft gefährdet sein. Das
Programm für gemeinsame Sicherheit kann durch die Förderung
der wirtschaftlichen Entwicklung in den rückständigen Gebieten und der technischen Zusammenarbeit in starkem Maße dazu
beitragen, den Ausgang dieses Kampfes zu bestimmen.
In seiner kürzlich dem Kongreß unterbreiteten Botschaft
hat der Präsident die wesentlichsten Elemente des Programms
für gemeinsame Sicherheit dargelegt. Es wird ständig auf
die Notwendigkeit der Befriedigung der direkten militärischen
Bedürfnisse für unsere gemeinsame Verteidigung hingewiesen
und ein Betrag von 1 717,2 Millionen Dollar für diesen Zweck
angesetzt.
Um die wirtschaftliche Stärke zu erreichen, die für die
Fortführung der Verteidigungsanstrengungen unserer Verbündeten notwendig ist, werden weitere 1 000»3 Millionen Dollar
als Verteidigungshilfe hauptsächlich für die asiatischen
Länder beantragt.
Ein weiterer Schwerpunkt ist das Programm zur technischen
Zusammenarbeit, das heute in 60 Ländern und Territorien der
ganzen freien Welt durchgeführt wird. Dieses auf weite Sicht
abgestellte und erfolgreiche Programm ist von einzigartiger
Bedeutung für die Außenpolitik der amerikanischen Regierung
und ist zugleich ein Ausdruck des starken humanitären Geistes,
der das amerikanische Volk beseel*« Für diesen Posten, einschließlich eines weiteren Beitrags für das technische Hilfeprogramm der Vereinten Nationen, werden 172 Millionen Dollar
angefordert. Zwischen 63 berühmten amerikanischen Universitäten und führenden ausländischen Hochschulen bestehen zur
Zeit 63 vertragliche Abmachungen über eine konstruktive Zusammenarbeit. Diese hat sich als besonders wirksam und be
deutungsvoll erwiesen. Eine Anzahl freier Nationen in den
wirtschaftlich weniger entwickelten Gebieten Asiens, des
Nahen Ostens und Afrikas sowie Mittel- und Südamerikas benötigen besondere wirtschaftliche Unterstützung, um die eige
nen beträchtlichen Anstrengungen zur Stärkung ihrer Wirtschaft
fortsetzen zu können, die eine Hebung des erschreckend niedrigen Lebensstandards ihrer Völker gewährleisten und damit
die grundlegenden Ursachen politischer Instabilität beseitigen
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beseitigen würde. Wenn diese Länder auch keine direkten militärischen Abmachungen mit den Vereinigten Staaten getroffen haben, so sind sie doch entschlossen, ihre Freiheit und Unabhängigkeit gegenüber anderen Mächten zu wahren. Daß diese Anstrengungen erfolgreich verlaufen, liegt im Interesse unseresLandes; es werden daher 165 Millionen Dollar für die Wirtschaftshilfe zur Unterstützung dieser Bemühungen beantragt.
Für den Präsidialfonds zur Förderung der wirtschaftlichen
Entwicklung Asiens werden 200 Millionen Dollar beantragt, ein
Programm auf lange Sicht, das eine wesentliche Stütze der zukünftigen Wirtschaftsentwicklung sein soll, die sich in diesem
Gebiet vollziehen muß, wenn die freien Nationen Asiens ihre
Rolle als wirksamer Partner im Kampf um den Frieden und den
Wohlstand in allen Teilen der Welt erfüllen sollen.
175,5 Millionen Dollar werden für die Durchführung von
Sonderprogrammen beantragt, einschließlich der Beiträge zum
Kinderhilfsfonds der Vereinten Nationen, zur Unterstützung und
Umsiedlung der Flüchtlinge aus Palästina, und weiterer multilateraler Programme zur Unterstützung von Flüchtlingen und Vertriebenen in der ganzen Welt, sowie zur Bezahlung von Schiffsfrachten und anderen notwendigen Ausgaben, die im Zusammenhang
mit den Hilfeleistungen seitens freiwilliger amerikanischer
Hilfsorganisationen entstehen.
100 Millionen Dollar werden zur Schaffung eines Sonderfonds
für den Präsidenten beantragt, aus dem unvorhergesehene und
plötzlich entstehende Bedürfnisse militärischer oder wirtschaftlicher Natur in der ganzen Welt ohne Rückgriff auf andere bereits für vordringliche Bedürfnisse veranschlagte Mittel aus
dem regulären Programm für gemeinsame Sicherheit befriedigt
werden können.
Im laufenden Jahr und in dem für das Haushaltsjahr 1956
vorgeschlagenen Programm erfolgte eine grundsätzliche Verlagerung des Schwergewichts von den hochentwickelten und industrialisierten Gebieten der Welt nach anderen besonders gefährdeten
Gebieten.
Es ist uns ein Vergnügen berichten zu können, daß keine
weitere Wirtschaftshilfe für die europäischen, ursprünglich aus
dem Marshallplan unterstützten Land?-»* beantragt zu werden braucht.
Der Grad der wirtschaftlichen Erholung, den diese Länder seit
den dunklen Tagen des Jahres 1948 erreicht haben, ist für die
ganze Welt der deutliche Beweis für die Fortschritte, die im
Rahmen eines Systems freier Institutionen und nationaler Selbstbestimmung möglich sind. Die Vereinigten Staaten können tatsächlich stolz auf den entscheidenden Beitrag sein, den sie zur Lösung dieser lebenswichtigen Aufgabe geleistet haben.
Drei Schlüsselgebiete in Europa, Spanien, Jugoslawien und
die Stadt Berlin, benötigen im Haushaltsjahr 1956 auch weiterhin Verteidigungshilfe oder direkte militärische Unterstützung.
Zur Unterstützung der militärischen und der damit verbundenen
wirtschaftlichen Bemühungen Jugoslawiens, eines Landes, dessen
dauerndes Heraushalten aus dem sowjetischen Machtbereich für
das übrige Europa von Wichtigkeit ist, werden 40,5 Mill.Dollar

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40,5 Mill.Dollar beantragt. Für Spanien, das kürzlich den Vereinigten Staaten das Recht auf die Verwendung von wertvollem
Gelände zum Bau militärischer Anlagen gestattet hat, werden
28 Millionen Dollar zur Gewährung der notwendigen wirtschaftlichen und technischen Hilfe beantragt. Nach den mit der spanischen Regierung getroffenen Abmachungen wird ein großer Teil
des gesammelten Erlöses aus dem Verkauf von Gütern, die von
den Vereinigten Staaten im Rahmen dieses Programms geliefert
wurden, direkt zur Deckung der Bau- und Unterhaltungskosten
der amerikanischen Einrichtungen in diesem Gebiet verwendet
werden.
Die Stadt Berlin gilt in Europa auch weiterhin als das bedeutendste Symbol für die Segnungen der Freiheit gegenüber der
kommunistischen Gewaltherrschaft. Zur Unterstützung der von den
Alliierten gemeinsam kontrollierten Gebiete, unter denen Berlin
die wichtigste Vorpostenstellung einnimmt, werden im kommenden
Jahr 21 Millionen Dollar beantragt.
Obwohl die wirtschaftliche Erholung Europas alle vor wenigen Jahren gehegten Erwartungen noch übertraf, haben die Länder dieses Kontinents doch nicht den für ein kontinuierliches
Wachstum und eine fortschreitende Entwicklung notwendigen Stand
ihrer Produktivität erreicht. Mittel in Höhe von 5,5 Millionen
Dollar werden daher zur Fortsetzung des technischen Hilfeprogramms beantragt. Es ist unmöglich, nach so kurzer Zeit den
Einfluß abzuschätzen, den Programme dieser Art auf die Lösung
grundlegender wirtschaftlicher und sozialer Probleme ausüben.
Ich bin jedoch überzeugt, daß das wachsende Verständnis für die
Mittel und Wege, mit deren Hilfe die großen wirtschaftlichen
und sozialen Fortschritte im Rahmen unseres Systems der freien
Institutionen erreicht werden, eine wichtige Rolle spielt bei
der Abwendung drohender kommunistischer Umsturzversuche und
der Gefahr einer Beherrschung des europäischen Kontinents
durch die Sowjets. Mit besonderem Interesse haben wir von Ereignissen Kenntnis genommen, wie den Betriebsratswahlen in
italienischen Fabriken im vergangenen Monat, bei denen in einigen Betrieben 63 Prozent der Stimmen auf die freien Gewerkschaften entfielen, während die von den Kommunisten beherrschten Gewerkschaften vor einem Jahr noch bei ähnlichen Wahlen über die
Hälfte der Stimmen erhalten hatten.. .
Am stärksten ist die Sicherheit und Stabilität der Welt
heute in Asien bedroht. Wie ich bereits ausführte, wird der
überwiegende Teil der Mittel, um die der Kongreß für das Haushaltsjahr 1956 ersucht wird, zur Abwendung der Bedrohung in
diesem Gebiet benötigt, das unser stärkstes Anliegen ist hinsichtlich der Bedürftigkeit, der Bedrohung und seiner möglichen
Bedeutung für den Erfolg oder Mißerfolg der freien Welt.
Asien ist heute der Raum, auf den sich der kommunistische
Druck am stärksten konzentriert, und das Gebiet, dessen künftige Entscheidung für Knechtschaft und Kommunismus oder Freiheit und Unabhängigkeit den Ausschlag in dem lang anhaltenden
Kampfe zwischen den Mächten der Freiheit und der Unterdrückung
geben wird. Zusätzlich zu der direkten militärischen Hilfe in

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in Form von Waffenlieferungen und Bereitstellung von Ausbildungspersonal werden im Rahmen des Programms für gemeinsame
Sicherheit Mittel in Höhe von 1 317 '500 000 Dollar beantragt,
die zur Befriedigung der allgemeinen Verteidigungsbedürfnisse
sowie der unmittelbaren militärischen Bedürfnisse von asiatischen Lande»bestimmt sind, welche unter der ständigen Bedrohung
durch eine offene kommunistische Aggression oder einen inneren
Umsturz stehen. Der größte Teil dieser Mittel soll für Programme in Korea, Formosa, Kambodscha, Laos und Vietnam verwendet
werden, in Ländern also, die sich in einer äußerst kritischen
Lage befinden. In diesem Betrag sind Mittel für ähnliche Unterstützungsprojekte für Pakistan, Thailand und die Philippinen
enthalten, die eine entschlossene und tapfere Haltung auf der
Seite der Mächte der Freiheit gegenüber den Kräften der Aggression eingenommen haben und Mitglieder der Manila-Pakt-Organisation sind.
Darüber hinaus werden auch Gelder zur Fortführung wirtschaftlicher Hilfeprogramme in anderen Ländern Südasiens, besonders in Indien, benötigt. Indien mit seinen 370 Millionen
Menschen hat eine in der Geschichte bisher einmalige Anstrengung unternommen, um einen erfolgreichen Kampf gegen Seuchen,
Armut, Analphabetentum und allgemeine wirtschaftliche Schwierigkeiten unter der Leitung einer demokratischen Regierung
zu führen. Ganz Asien und die ganze Welt verfolgen gespannt
Indiens großes Bemühen und vergleichen es mit den Fortschritten,
die der große Nachbar im Osten unter dem totalitären Regime gemacht zu haben für sich in Anspruch nimmt. Die vor kurzem in
Andhra abgehaltenen Wahlen, bei denen die Kommunisten überraschend völlig geschlagen wurden, können als Beispiel wirklichen
Fortschritts bezeichnet werden. Wenn dieser Fortschritt anhalten
soll, muß jedoch die wirtschaftliche Entwicklung weiter vorangetrieben werden, und es wird deshalb vorgeschlagen, daß die
Vereinigten Staaten auch in Zukunft in begrenztem, aber doch
bedeutsamem Ausmaß diese Entwicklung fördern. Im laufenden
Haushaltsjahr hat Indien im Rahmen des Programms für gemeinsame Sicherheit in Form von Anleihen einen prozentual größeren Anteil der für Asien bereitgestellten Mittel erhalten als
irgendein anderes Land. Man erwartet, daß auch im Finanzjahr
1956 ein wesentlicher Teil der Wirtschaftshilfe auf ähnliche
Weise zur Verfügung gestellt werden kann.
Ein neues wichtiges Element in dem für das kommende Jahr
vorgeschlagenen gemeinsamen Sicherheitsprogramm bildet der
Sonderfonds des Präsidenten für die wirtschaftliche Entwicklung Asiens, der unter dem Gesichtspunkt geschaffen wurde, die
dringendsten Bedürfnisse des freien Asiens im Hinblick auf
eine geordnete und auf weite Sicht geplante wirtschaftliche
Entwicklung zu decken. Das freie Asien beherbergt 770 Millionen Menschen, also ein Drittel der gesamten Bevölkerung der
Welt. In diesem Gebiet befinden sich riesige Rohstoffvorkommen
und fruchtbare landwirtschaftliche Anbaugebiete, jedoch tritt
die wirtschaftliche Rückständigkeit überall offen zutage.
Die beschleunigte Entwicklung der Länder in diesem Raum
wird in hohem Maße von ihren eigenen Anstrengungen abhängen.

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11. Mai 1955

abhängen. Andere Nationen können und sollen sie aber dabei
unterstützen. Die Vereinigten Staaten sind in der Lage und
auch daran interessiert, diesen Ländern freundschaftliche
Hilfe angedeihen zu lassen
Der Präsident hat um die Bewilligung von 200 Millionen
Dollar für dieses Sonderprogramm ersucht, die über Jahre
hinaus einem festen Verwendungszweck zugeführt werden. Es ist
wichtig, daß wir innerhalb dieses Programms sehr überlegt und
mit großer Sorgfalt vorgehen, um sicherzustellen, daß durch
unsere Investitionen schließlich ein Optimum an Erfolg erzielt
wird. Wir müssen uns selbst und auch den asiatischen Ländern
genügend Zeit lassen, über Schatte zu beraten und zu entscheiden, die die Entwicklung dieser Gebiete durch Abkommen
über wirtschaftliche Zusammenarbeit fördern würden im Sinne
des Beratenden Ausschusses der Mitgliedstaaten des ColomboPlanes. Beharrlichkeit, Geduld, Behutsamkeit und Verständnis
in Verbindung mit einem raschen, zweckmäßigen Handeln sind
der Schlüssel zum Erfolg dieses Programms.
Während des letzten Jahres konnten auf politischem Gebiet
recht beträchtliche Erfolge im Mittleren Osten erzielt werden.
Der persische ölkonflikt wurde beigelegt. Ägypten und Großbritannien erzielten ein Übereinkommen in der Suezkanal-Frage.
Auf Initiative der Länder des Mittleren Ostens wurde das Fundament zur Schaffung eines Verteidigungspaktes der MittelostStaaten gelegt. Trotzdem gibt es noch viele schwerwiegende
Probleme, die beseitigt werden müssen, wenn Stabilität und
Sicherheit auch in Zukunft gewährleistet sein sollen.
Auch für Griechenland und die Türkei, die als zuverlässige Partner der Atlantik-Pakt-Organisation (NATO) angehören,
sieht das gemeinsame Sicherheitsprogramm Unterstützungen vor.
Beide Länder unterhalten militärische Streitkräfte in einer
Stärke, wie sie im Rahmen des Verteidigungswerks der NATO
für notwendig erachtet wurde. Beide Länder haben außerdem
aus eigener Initiative Schritte unternommen, um die Sicherheitsabkommen für den Balkanraum besser auszubauen. Die Türkei hat
darüber hinaus erste Maßnahmen zur Errichtung einer Verteidigungsorganisation für den Mittleren Osten getroffen. Beide
Länder haben in den letzten Jahren großartige wirtschaftliche
Portschritte erzielt, so daß sie nunmehr weniger auf Hilfeleistungen der Vereinigten Staaten angewiesen sind. Sie werden jedoch auch weiterhin Unterstützung benötigen, wenn sie
das Entwicklungstempo beibehalten wollen, das erforderlich
ist, um die militärischen Streitkräfte zu unterhalten und
gleichzeitig der Bevölkerung einen angemessenen Lebensstandard
zu sichern....
Außer einer Zusammenarbeit auf technischem Gebiet, der
Lieferung von militärischen Ausrüstungsgegenständen und einer
direkten Truppenausbildungshilfe sieht das Programm für gemeinsame Sicherheit im kommenden Finanzjahr einen Betrag von
130 Millionen Dollar für Verteidigungshilfe und direkte militärische Unterstützung für Griechenland, die Türkei und den
Iran vor.
Leider

�11. Mai 1955

"AMERIKA DIENST"

Leider bestehen zwischen den arabischen Staaten und
Israel noch kritische Spannungen, obgleich wir in der konstruktiven Haltung, die kürzlich beide Seiten in den Verhandlungen über eine Lösung der internationalen Probleme hinsichtlich einer Bewässerung des Jordan-Tales eingenommen haben,
ein Anzeichen für eine Verbesserung der Beziehungen zu sehen
glauben.
Für den Nahen Osten und Afrika sind 73 Millionen Dollar
vorgesehen, um dort den dringendsten wirtschaftlichen Bedürfnissen im kommenden Finanzjahr abzuhelfen, und weitere
65 Millionen Dollar sind zur allgemeinen Unterstützung und
Wiederansiedlung von Flüchtlingen aus Palästina bestimmt,
wenn wir uns dahin überzeugen können, daß diese Hilfe einen
sichtbaren Beitrag zur Lösung dieses tragischen Problems zu
leisten vermag.
Eines der kritischsten Probleme, denen die freie Welt
heute gegenübersteht, betrifft die Versorgung und Betreuung
der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den Ländern hinter dem
Eisernen Vorhang. In den vergangenen zehn Jahren sind in den
gemeinsamen Bemühungen der freien Nationen, die Zahl der Heimatlosen zu verringern und Bedürftigen eine Überbrückungshilfe und Schutz zu gewähren, erhebliche Fortschritte zu verzeichnen gewesen. Inzwischen bitten neue Flüchtlinge und
Vertriebene aus kommunistischen Gebieten um Asyl und Unterstützung der freien Welt, in die sie oft unter Einsatz ihres
Lebens fliehen. Die Vereinigten Staaten haben die tiefe Besorgnis, die das amerikanische Volk in dieser Hinsicht erfaßt
hat, durch eine direkte Unterstützung der bestehenden multilateralen Organisationen zum Ausdruck gebracht. Zur Erfüllung
der verschiedenartigen Teilaufgaben, die sich aus dem Problem
ergeben, wird der Kongreß um die Bewilligung von zweckgebundenen Mitteln ersucht, damit die Vereinigten Staaten ihre
führende Rolle auf diesem Gebiete im Wege ihres eigenen Fluchtlingsprogrammes, des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Auswanderung aus Europa und des auf eine dauerhafte Lösung der
Flüchtlingsfrage abzielenden Programmes des Hochkommissars
für das Flüchtlingswesen der Vereinten Nationen, das von der
Vollversammlung der Vereinten Nationen im vergangenen Jahre
gebilligt wurde, erfüllen können.
*

* * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

DULLES BERICHTET ÜBER DIE JÜNGSTEN
ENTWICKLUNGEN IN EUROPA

WASHINGTON — (AD) — In einer Rundfunk- und
Fernsehansprache, die am 17. Mai 1955 aus den
Amtsräumen des Präsidenten im Weißen Haus übertragen wurde,und bei der Präsident Eisenhower
sowie zahlreiche Mitglieder seines Kabinetts
persönlich zugegen waren, gab der amerikanische
Außenminister John Foster Dulles einen umfassenden Bericht über die jüngsten Ereignisse in
Europa. Die Ausführungen des US-Außenministers,
in denen dieser hauptsächlich auf die letzte Tagung des NATO-Rates in Paris, die Unterzeichnung
des österreichischen Staatsvertrages in Wien und
die Aussichten für Vier-Mächte-Besprechungen
einging,und in deren Verlauf Präsident Eisenhower verschiedentlich Fragen an seinen'Außenminister stellte, haben folgenden Wortlaut:

Der Präsident; Mr. Dulles, es ist gut, daß Sie hier sind
und uns etwas über die bedeutsamen Ereignisse berichten können,
die während Ihres Besuches in Europa stattfanden.
Sie sind sich dessen bewußt, daß Ihr Bericht in diesem
Raum über die Fernsehkameras dem gesamten amerikanischen Volk
übermittelt wird. Ich darf annehmen, daß Sie über die Einzelheiten Ihrer Reise hinaus uns etwas über die sich anbahnenden
Entwicklungen auf internationalem Gebiet, so wie Sie es sehen,
und die Aussichten für einen echten Fortschritt in unserer unermüdlichen Suche nach Frieden mitteilen werden.
Außenminister Dulles; Mr. Präsident, ich freue mich, Gelege nnTTT~zlTTäTen~j Ihnen und meinen Mitarbeitern im Kabinett
und - wie Sie schon sagten - auch dem amerikanischen Volk darüber berichten zu können, was sich vor allem in dieser vergangenen Woche ereignet hat, einer Woche, die so angefüllt war mit
Geschehnissen, daß ich kaum weiß, wo ich beginnen soll; aber
Sie könnten...
Präsident Eisenhower; Nun, Mr. Dulles, ich glaube, es
wäre gut, wenn wir zwei Jahre zurückgehen. Damals, wie Sie und

�"AMERIKA DIENST"

18. Mai

1955

und Ihre Kollegen im Kongreß aus beiden Parteien sich erinnern
werden, entwickelte die Regierung jene Politik, die sie zu verfolgen gedachte, und dieser Politik lag der Glaube, die Überzeugung zugrunde, daß wir nur durch kooperative, in der freien Welt
geschaffene Stärke wirklich der Drohung gewachsen sein würden, die
die kommunistische Diktatur für alle freien Menschen bedeutet.
Wir waren der Ansicht, wie Sie wissen, daß ehe nicht Westeuropa geeinigt, ehe nicht deutsche Streitkräfte der Nordatlantikpaktorganisation angehörten und ehe wir nicht ein gewisses
Vertrauen in die Worte der Russen haben konnten, ein Vertrauen,
das durch Taten anstatt durch Beteuerungen gerechtfertigt wird daß es vorher wenig Sinn haben würde, mit ihnen Verhandlungen zu
führen.
Sie werden sich weiter erinnern, daß Sie und ich schließlich
entschieden, daß ich in diesem Sinne eine Erklärung abgeben sollte,
was ich am 16. April 1953 auch tat. Wir kamen damals überein, daß,
wenn wir durch derartige von mir soeben erwähnte Schritte an den
Punkt gelangen könnten, von dem aus wir eine reale Basis für einen
Start hätten, und 3ei es auch nur mit einer schwachen Hoffnung
auf einen wirklichen Portschritt, daß wir dann zwischen uns und
mit den Sowjets ein neues Verhältnis schaffen könnten, das wenigstens eine gewisse Hoffnung auf einen Portschritt in Richtung
auf dieses große Ziel des Friedens - das ja der große Traum einea
jeden Amerikaners ist - erlauben würde.
Ich glaube, daß Sie die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit
und Ihrer soeben beendeten Europareise vor diesem Hintergrund in
Beziehung setzen könnten, um uns über das Geschehen, so wie Sie
es sehen, zu berichten.
Außenminister Dulles; "Mr. Präsident, sicher erinnereich
mich an die Rede, auf die Sie sich beziehen. Sie war für uns im
State Department in den mehr als zwei Jahren, die seitdem vergangen sind, eine Art Evangelium. Und das, was in der letzten Woche
geschah, ist in weitem Maße eine Verwirklichung jener Dinge, auf
die wir hofften und die wir zu jener Zeit planten. Und ich glaube,
daß man jetzt sagen kann, daß diese Geschehnisse wirklich einen
Wendepunkt im Ablauf der Geschichte bedeuten können.
Der von Ihnen an erster Stelle genannte Komplex, dem Sie damals allergrößte Bedeutung beimaßen, betraf diese Konsolidierung
Westeuropas und die Eingliederung der Bundesrepublik Deutschland
in die Nordatlantikpakt-Organisation als ein freier und unabhängiger Staat.
Sie, und wahrscheinlich auch viele der Zuhörer dieser Fernsehsendung, werden sich daran erinnern, daß ich auf einer Sitzung
des Kabinetts über die im Oktober des vergangenen Jahres erfolgte
Unterzeichnung der Verträge berichtete, durch die das erreicht
wurde. Aber wie wir aus bitterer Erfahrung wissen, so besteht
oftmals ein himmelweiter Unterschied zwischen der Unterzeichnung,
der Ratifizierung und der Inkraftsetzung von Verträgen. Und in
diesem Falle mußten wir erst schwere Kämpfe bestehen, ehe die
Verträge unter Dach und pach gebracht waren, denn die Sowjetunion
ließ nichts unversucht, um die Ratifizierung zu hintertreiben - und
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und wir mußten die Ratifizierung von fünfzehn Ländern erhalten,
von denen einige sogar ein Zweikammersystem besitzen. Hätte
eines dieser Länder die Ratifizierung verweigert, dann wäre das
ganze Gebäude zusammengebrochen. Die Sowjetunion drohte und machte
Versprechungen und benutzte den Apparat der kommunistischen Parteien in diesen Ländern, um jedem zu drohen, der für die Verträge
stimmte, daß er nicht wiedergewählt würde. Das war ein Recht harter Kampf, den die Mächte der Freiheit gewannen. Die Sowjetunion
erlitt dabei die nach meiner Meinung bestimmt größte diplomatische Niederlage seit dem Kriege.
Und die Verträge traten vor nunmehr genau zwölf Tagen in
Kraft. Sie, beziehungsweise die Ratifikationsurkunden, wurden
am Montag vergangener Woche hinterlegt, als wir in Paris tagten.
Wir begingen dort die Verwirklichung dessen, was wir einst geplant hatten: Eine Tagung der Westeuropäischen Union und eine
NATO-Konferenz, in die Deutschland in Person seines großen Kanzlers Adenauer einzog, jenes Mannes, den Sie so gut kennen und den
wir alle so sehr bewundern. Es war ein bedeutsamer und historischer Augenblick, als er jenen Saal betrat.
Wir alle hatten kurze Ansprachen vorbereitet, die wir nach
Adenauers Einzug verlasen. Nach uns sprach Adenauer selbst mit
großer Würde und staatsmännischem Können, und als er geendet
hatte, brach der NATO-Ministerrat in spontanen Applaus aus,
meines Wissens das erste Mal in seiner ganzen Geschichte. Der
Ministerrat ist eine sehr würdevolle und förmliche Versammlung,
und es war dies, wie schon gesagt, meines Wissens eine bisher
einmalige Reaktion. Wir alle fühlten die Größe des Augenblicks,
als die freie Bundesrepublik Deutschland ihren Sitz einnahm.
Wenn auch schon die Buchstaben 'F* und 'G' im Alphabet aufeinanderfolgen und allein schon deshalb Prankreich und Deutschland
im Rate Seite an Seite sitzen, so ist es doch erhebend, diese
beiden Länder dort nebeneinander als Verbündete vereint zu sehen.
Man fühlt deutlich, daß hier ein neues Blatt der europäischen Geschichte aufgeschlagen worden ist und daß der Traum, den so viele
Menschen so lange Jahre hindurch gehegt haben, der Traum eines
Vereinten Europas, endlich beginnt, wahr zu werden.
Wie Sie wissen, hat die abendländische Kulturwelt während
der letzten hundert Jahre und auch früher schon mit ihrem unablässigen Kriegführen beinahe Selbstmord begangen. Sie hat sich
ausgeblutet an Menschen und Werten, doch ich glaube, man ist
nunmehr dahin gelangt, die Dinge so zu ordnen, daß der Kultur
des Abendlandes eine neue Zeitspanne zum Leben beschert ist, und
daß sie zu ihrem eigenen Besten und zum Wohle der ganzen Menschheit weiter an Kraft gewinnen wird.
Das haben wir in Europa sich ereignen sehen.
Und Sie, Mr. Präsident, haben gesagt, diese Einheitlichkeit
der Ziele und des Handelns müßten wir habenj nun, ich glaube,
sie ist jetzt Tatsache geworden.

Ich

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Ich bin jetzt in Europa gewesen, und wir haben uns meist mit
europäischen Problemen befaßt, aber ich habe nie das eine aus den
Augen verloren, daß wir es nicht nur mit Problemen in Europa zu
tun haben, sondern auch mit solchen in Asien, und ich habe die
Gelegenheit der NATO-Ratstagung wahrgenommen, um mit den dort
Versammelten auch über unsere Probleme in Asien zu reden, weil
nämlich das Verständnis für die Hintergründe unserer Asienpolitik dort weitgehend fehlt.
Zu den Ministern dort habe ich dann gesagt: Wenn Sie die
Vereinigten Staaten, so wie sie sich in Europa geltend machen,
schätzen, dann sollten Sie auch für unser Handeln in Asien Verständnis haben, denn dort tun wir genau dasselbe, was wir hier
tun. Und was tun wir also? Wir verteidigen die Freiheit, wo es
freie Menschen gibt, die ihre eigene Freiheit verteidigen wollen.
Wir glauben, daß wir ihnen auf dem Wege der gemeinsamen Sicherheit dabei helfen können. Wir glauben, daß wir unseren Freunden
und Verbündeten die Treue wahren müssen."
Und ich sagte weiter: Sie scheinen diese Politik doch zu
schätzen, wenn Sie in Europa angewandt wird, und Sie sollten
erkennen, daß es die gleiche Politik ist, die unser Vorgehen in
Asien bedingt, weil, so sagte ich, wir nicht zwei verschiedene
Gesichter haben. Wir sind einfach eine Nation. Und der Grund für
dieses unser Vorgehen in Europa ist, daß wir an diese Dinge
glauben, und weil wir daran glauben, werden wir in Asien ebenso
vorgehen".
Der Präsident: Das ist sehr schön gesagt.
Außenminister Dulles: Ich glaube, da begannen meine Zuhöre r~zlIH5e"greTFerrj vielleicht zum ersten Mal zu begreifen, was
eigentlich hinter unserer Politik in Asien steht.
Und dann nahm ich die Gelegenheit wahr und habe lange mit
dem französischen Ministerpräsidenten Edgar Faure und dem Außenminister Antoine Pinay über die Lage in Indochina gesprochen;
der britische Außenminister Harold MacMillan
war bei diesen
Besprechungen zeitweise ebenfalls ^anwesend.
Das war alles nicht einfach, wir hatten viel zu tun in diesen Tagen. Meist fanden die Besprechungen abends statt. Drei oder
vier dieser Besprechungen dauerten bis ein Uhr nachts oder noch
länger.
Was ich bei diesen Besprechungen besonders herausstellte,
war, daß wir uns über die Tatsache klar sein müssen, daß Vietnam
jetzt eine freie Nation ist, zumindest der Südteil des Landes,
und daß es keine Marionettenregierung hat. Es hat keine Regierung, der wir einfach Befehle erteilen und sagen können, was
sie zu tun oder zu lassen hat. Würde es sich um eine Regierung
dieser Art handeln, so dürften wir sie nicht unterstützen, denn
eine derartige Regierung würde sich dort nicht lange halten können.
Das freie Vietnam ist nur mit einer Regierung zu halten, die
nationale Ziele verfolgt und damit eine eigene Aufgabe zu erfüllen
hat, die den Wünschen des eigenen Volkes nachkommt und die, was

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was dies betrifft, keine Befehle von draußen annimmt, sei es
von Paris oder Cannes oder von Washington. Wir mußten dann unsere politischen Maßnahmen dahingehend koordinieren, daß die
Tatsache, daß es sich hier um ein wirklich freies und unabhängiges Land handelt, ihre Anerkennung findet.
Wir besprachen dies sowie die sich daraus ergebenden verschiedenen Folgerungen und Auswirkungen praktisch an jedem der
vier Tage, die ich in Paris war, stundenlang, und ich glaube,
daß wir zu einem besseren Verständnis gelangt sind und daß jetzt
mehr Chancen für eine nach gesunden Richtlinien vorgenommene
Koordinierung der französischen Politik mit der unseren bestehen,
als es bisher der Fall gewesen ist.
Die Regierung des Ministerpräsidenten Diem, die vor ein
paar Wochen auf schwachen Füßen zu stehen schien, hat, so
glaube ich, ihre Position nach harter Erfahrung wieder voll
stabilisiert, und ich meine auch, daß sie nun von innen und
außen mehr Unterstützung genießt; denn je zuvor; und so sehe
ich der weiteren Entwicklung der Situation mit mehr Hoffnung
entgegen als bisher.
Als eine Art Nebenergebnis dieser Reise, die vor allem der
Regelung europäischer Fragen dienen sollte, erzielten wir meiner Ansicht nach erhebliche Fortschritte sowohl in bezug auf
unsere Chinapolitik als auch in bezug auf Vietnam.
Und dann kam das, was meiner Ansicht nach in gewissem Sinne
als der Höhepunkt dieser Reise gelten muß, nämlich die Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrages.
Die Vereinigten Staaten haben wahrlich eine lange, lange
Zeit auf dieses Ziel hingearbeitet. Ich persönlich begann damit,
1947 in Moskau, wo ich als Berater von George C. Marshall,
dem damaligen amerikanischen Außenminister, fungierte. Und man
sagte mir - Mr. Hoover gab mir gerade eben die Zahlen, die
er im Außenministerium ausgegraben hat -, daß wir in diesen
acht Jahren nicht weniger als 379 Sitzungen - so viele waren
es wohl, nicht wahr, Mr. Hoover? - in dem einen oder anderen
Rahmen mit den sowjetischen Vertretern über diesen österreichischen Staatsvertrag abgehalten haben. Und nicht selten waren
wir dem Ziel, ihn durchzubringen, so nahe, daß wir meinten,
im nächsten Augenblick müsse es so w&lt;=it sein, aber dieser Augenblick schien aus einer Unzahl von Augenblicken zu bestehen.
Der Präsident; Das beweist wieder einmal, daß man hier
eben nicht so schnell den Mut verlieren darf, nicht wahr?
Außenminister Pullest Wir blieben hartnäckig, und plötzlich stellte sich heraus, daß die eigentliche Schwierigkeit
darin lag, daß sich die Sowjetunion nicht zu einem^Abzug der
Truppen der Roten Armee aus der sowjetischen Zone Österreichs
entschließen konnte. Auf der im vergangenen Jahre in Berlin
abgehaltenen Außenministerkonferenz einigten wir uns im wesentlichen über alle Bestimmungen des österreichischen Staatsvertrages*, und da sagten dann die Sowjets in letzter Minute "wir
werden den Vertrag unterzeichnen, aber nur unter der Bedingung,
daß wir unsere Truppen dort auf unbestimmte Zeit belassen können"
Nun,
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"AMERIKA DIENST"

Nun, das wäre natürlich überhaupt kein wirklich wirksamer
Vertrag gewesen.
Aus diesem Grunde lehnten wir den Vorschlag ab und beharrten
auf unserem Standpunkt. Die Österreicher übrigens haben dabei ihre
Nerven durchaus nicht verloren. Sie gaben keinen Schritt nach,
denn sie wußten, daß ihre Unabhängigkeit nichts wert wäre, solange die Rote Armee noch in ihrem Lande stünde.
Völlig überraschend, wie ein Blitz aus heiterem Himmel,
kam dann vor einigen Wochen die Erklärung der Sowjets, sie seien
willens, ihre Truppen aus Österreich abzuziehen.Ich bin der Meinung, daß bisher niemand die Tragweite, die ganze Tragweite dieses Entschlusses genau erkennen kann. Es handelt sich hierbei
eben um einen jener Umschwünge, die auftreten. Man stemmt sich
ununterbrochen gegen etwas und läßt nicht nach und plötzlich
gibt es Luft. Diese Atempause kam und scheint nach so vielen
Jahren der Arbeit die Verwirklichung des österreichischen Staatsvertrages möglich gemacht zu haben.
Nun, bei dem Vertrag gab es verschiedene Punkte, die noch
ungeklärt waren und bei denen wir noch Verbesserungen vornehmen
wollten. Und so haben sich, während ich in Paris war, die Botschafter in Wien an die Arbeit gemacht, um die letzten Einzelheiten des Vertrages auszuarbeiten. Besonders bei den wirtschaftlichen Bestimmungen gab es einiges, was wir sehr gern geändert
haben wollten, während die Russen sich jedoch sehr darauf versteiften.
Ich erklärte, daß ich erst dann nach Wien gehen würde,
wenn all diese Punkte geklärt seien und zwar in einer nach meiner Ansicht für die Vereinigten Staaten einigermaßen befriedigenden Weise. Das waren meine Pläne. Sie, Mr. Präsident, stellten
mir ja Ihr Plugzeug zur Verfügung und das war für mich wirklieh
isehr angenehm und schön.
Der Präsident: Ja, es ist schon eine gute Maschine.
Außenminister Dulles; Eigentlich sollte ich das Plugzeug
schon am Donnerstag nehmen, um nach Wien zu fliegen; aber ich
hielt es noch nicht für an der Zeit, und so haben wir die Reise
verschoben. Ich sagte, ich würde nicht eher nach Wien gehen,
als bis die Botschafter sich über diesen Vertrag in seiner endgültigen Form geeinigt hätten, denn ich wußte, wenn ich erst
in Wien war, dann saß ich fest, und daher habe ich die Reise
einfach hinausgezögert.
Dann am Freitag war schließlich alles abgeschlossen, und
ich erhielt die Nachricht, daß man sich in Wien geeinigt hätte;
und so trat ich am Freitagnachmittag meinen Flug nach Wien an.
Am Samstag hatten wir - das heißt die vier Besatzungsmächte und
die Österreicher - ein Fünf-Mächte-Treffen, bei dem wir die Einzelheiten des Protokolls und dergleichen Fragen für die Unterzeichnung des Vertrages am Sonntag endgültig festlegten.
Dann am Sonntag, so etwa um elf Uhr glaube ich, fand die
Unterzeichnung des Vertrages statt. Und das war wahrhaftig ein
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18. Mai 1955

ein Ereignis, das diejenigen, die es erlebten, wohl kaum je vergessen werden.
Die Freude des österreichischen Volkes, das so lange gewartet hatte, war unermeßlich - denn die Besetzung ihres Landes
reicht ja zurück bis in Hitlers Zeiten...
Der Präsident; Ja.
Außenminister Dulles: Seit 1938, siebzehn Jahre lang, haben sie auf ihre Befreiung gewartet; und was mich ganz besonders
berührte, als ich durch die Straßen fuhr, war die Freude der
älteren Leute, vor allem jener, die noch die Freiheit der früheren Zeit gekannt und diese siebzehn Jahre Besetzung erlebt hatten,
und die nun endlich ihre Befreiung gekommen sahen.
Die Menschen der älteren Generation standen da und waren
von überschäumender Freude erfüllt. Da standen sie nun, mit ihren vom Alter gezeichneten Gesichtern, und es wurde einem das
Herz warm bei dem Gedanken, daß wir hatten mithelfen können,
diesen Geist der Freude zu schaffen, von dem das ganze österreichische Volk, besonders aber die Bevölkerung der sowjetischen
Besatzungszone, beseelt war.
Viele Leute versuchen nun heute, mysteriöse Gründe für die
Kursänderung der Sowjets zu finden. Natürlich handelt es sich
hier um ein Ereignis, das genau durchdacht werden muß, wie wir
das auch tun. Wie Sie, Mr. Präsident, wissen, prüfen wir diese
Tatsache sehr, sehr eingehend, um ihre ganze Tragweite zu erkennen. Aber es gibt gewisse Folgeerscheinungen dieses Kurswechsels,
deren wir in bezug auf uns selbst durchaus sicher sein und die
uns mit großer Genugtuung erfüllen können.
Zunächst ist es seit 1945 - als Sie, Mr. Präsident, vom
Westen her die Befreiung Europas vollzogen und die Sowjets vom
Osten her einmarschierten - das erste Mal, daß die Rote Armee
kehrt gemacht hat und zurückmarschiert.
Es ist also das erste Mal, daß sich ein Teil der Roten
Armee zurückzieht.
Das muß aber nun gewiß eine gewaltige Wirkung in den anderen
Ländern ausüben, wo die sowjetischen Truppen als Besatzung stehen.
Und daraus wird bei jenen Völkern ein Wunsch erwachsen, ein immer stärkerer Wunsch, die gleiche Freiheit von jener Art Besatzung zu erhalten, die die Österreicher erduldet haben.
Und schließlich wird diese Freude über die Freiheit, die
sich bei dem österreichischen Volke deutlich zeigte, weiter
übertragen werden, und sie wird sich sicher über die Nachbarländer hin ausbreiten. Die Tschechoslowakei und Ungarn werden
zum ersten Male eine offene Tür zur Freiheit sehen. Diese Dinge
müssen ihre Wirkung zeitigen. Und in der Sowjetunion weiß man
natürlich, daß sie ihre Wirkung ausüben werden. Nun, die Sowjets
haben das alles schon vor langer Zeit bedacht, als sie ihre
Besatzungszone in Österreich festlegten. Sie, meine Zuhörer,
erinnern sich wohl, daß sie der Zone einen sonderbaren Umriß

�18. Mai 1955

"AMERIKA DIENST"

Umriß gegeben haben, damit sie sicher sein konnten, daß sie die
Grenzen nach der Tschechoslowakei und nach Ungarn versperrte.
Jetzt geben Sie das auf, und sie wissen, daß so etwas nicht
ohne Folgeerscheinungen bleibt, und daß die Völker der Satellitenstaaten auch für sich werden haben wollen, was die Österreicher,
wie sie sehen, bekommen. Auch sie wollen irgendwann einmal vor
Freude auf der Straße tanzen.
Die Sowjets nehmen die Folgen auf sich. Warum sie das tun,
wissen wir nicht sicher, wir können aber ziemlich sicher sein,
daß unsere Politik der Stärke und Festigkeit, die wir gemeinsam
mit den freien Ländern Europas verfolgten, sich allmählich bezahlt
macht. Die Österreicher können wohl als erste sagen, und alle, mit
denen ich sprach, sagten das auch: Dies sind die ersten Zinsen,
die uns die Schaffung der Westeuropäischen Union und die Aufnahme
Deutschlands in die NATO bringt".
Aber damals, als jene Dinge besprochen und ausgehandelt wurden, drohte die Sowjetunion, es würde Furchtbares geschehen,
wenn wir unsere Pläne wirklich durchführen sollten. Aber wir und
die freien Länder Europas haben sie ausgeführt, und heute können
wir feststellen, daß das Ergebnis nicht ein schreckliches Unglück
ist, sondern vielmehr zum ersten Mal eine konziliantere sowjetische Politik und eine Bereitschaft zur Folge hatte, den unter
ihrer Herrschaft lebenden Satellitenländern größere Freiheit und
Unabhängigkeit zu gewähren.
Und so glaube ich, daß wir wohl sagen dürfen, daß diese
Politik sich tatsächlich allmählich bezahlt macht - unsere Politik
der Stärke und Festigkeit und die von uns befolgten ethischen
Grundsätze.
Ich habe am Sonntag in Wien gesagt: Es ist nicht so wichtig,
Spekulationen darüber anzustellen, wer nun der Gewinner ist, die
Vereinigten Staaten oder die Sowjetunion. Was allein wichtig ist ,
so sagte ich, ist die Tatsache, daß vernünftige Prinzipien den
Sieg davontragen.
Und auf die Dauer werden diese ethischen Grundsätze Der Präsident: ' Sehr richtig'. .
Außenminister Dulles: Die hohen enthischen Grundsätze
den es sein, die den Sieg davontragen. Wenn wir uns hinter
stellen und sie unterstützen, werden wir automatisch mit an
Sieg teilhaben."
Der Präsident: Ganz gewiß'. .
Außenminister Dulles: Das ist es aber auch, was wir uns
stets erneut vor Augen halten müssen. Ich glaube, sagen zu dürfen,
daß wir uns immer mit.Entschlossenheit und Bestimmtheit und im
Glauben an die gerechte Sache für gesunde ethische Prinzipien eingesetzt haben, und wenn wir darin ohne Unterlaß weiter fortfahren,
werden sich die Dinge zu unseren Gunsten entwickeln, und ich glaube
auch, daß von diesem Standpunkt aus gesehen, die Zeit für uns arbeiten wird, und zwar so lange, wie wir uns in den Dienst dieser
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�"AMERIKA DIENST"

18. Mai 1955

dieser großen ethischen Grundsätze stellen.
Und jetzt möchte ich mich den Dingen zuwenden, von denen
ich weiß, daß sie alle interessieren, und an denen auch Sie ein
besonderes Interesse haben dürften, nämlich...
Der Präsident; Vier-Mächte-Besprechungen.
Außenminister Pullest Ja, Vier-Mächte-Besprechungen. Denn
wenn sie dieses Mal zustande kommen, dann werden Sie, Mr. Präsident, selbst daran beteiligt sein.
Als Sie, Mr. Präsident, die Ereignisse anfangs schilderten,
hatten Sie auf ihre Rede vom April 1953 verwiesen und gesagt, daß
es stets ein Grundsatz von Ihnen gewesen ist, nicht an Gesprächen
teilzunehmen, ehe nicht gewisse Dinge geschehen und Bedingungen
erfüllt seien, die die Geschlossenheit, die unwiderrufliche Geschlossenheit des Westens, die Freiheit Westdeutschlands als Mitgliedstaat des Nordatlantikpaktes zu einer in gewissem Sinne unumstößlichen Tatsache machten, und ehe nicht an die Stelle der
vagen Worte der Sowjetunion Taten getreten seien.
Diese Dinge sind nun eingetreten, und so sind sie zu der
Überzeugung gekommen, wie auch unsere Verbündeten und ein großer
Teil der öffentlichen Weltmeinung, daß die Zeit zur weiteren Prüfung der Absichten der Sowjets auf einer von den Regierungschefs
abgehaltenen Konferenz gekommen sei.
Natürlich weiß niemand besser als Sie, Mr. Präsident, daß
eine derartige Konferenz sowohl Gefahren als auch Chancen in sich
birgt. Die größte Gefahr liegt darin, daß die Hoffnungen so hoch
gespannt werden, daß sie nicht erfüllt werden können. In diesem
Fall würden zwei Dinge eintreten:
Entweder wird eine offene Enttäuschung und ein Gefühl der
Bestürzung unter der Bevölkerung eintreten und sich ein Gefühl
breitmachen, daß schließlich doch nichts getan werden kann und
daß - die einzige Alternative der Krieg ist, da die letzte gute
Chance wahrgenommen worden sei und zu einem Fehlschlag geführt
habe. Aber es gibt vielleicht noch eine Möglichkeit, nämlich,daß
in einem Versuch, diese Gefahr zu verhüten, auf einem Treffen der
Regierungschefs so etwas wie der Schein eines Einvernehmens unter
zweideutig verschwommenen Worten erreicht wird, wo es gar kein
wirkliches Einvernehmen gab und auch nicht geben würde.
Der Präsident: Mr. Dulles, ich glaube nicht, daß die Gefahr
noch so groß ist wie es einmal der Fall war, denn die bei mir eingehenden Briefe zeigen, daß sich das amerikanische Volk recht gut
darüber im klaren ist, was vorgeht. Es weiß, daß dies nur ein Anfang und nicht ein Abschluß ist. Und ich habe aus dem Tenor, der
den Ausführungen zugrundeliegt, die ich in unseren Zeitungen und
Kommentaren gelesen und auch sonst gehört habe, große Hoffnung und
großes Vertrauen geschöpft. Ich weiß, daß jetzt eine größere Reife
vorhanden ist, als wir es noch vor einigen Jahren erwartet hätten.
Außenminister Dulles: Nun, ich glaube, das amerikanische Volk
ist mit der Zeit in dieser Frage recht gewitzigt geworden, und es

�"AMERIKA DIENST"

18. Mai 1955

es wird sich nicht so leicht an der Nase herumführen lassen. Ich
glaube nicht, daß es seine Erwartungen allzu hoch spannt. Diese
Gefahr scheint mir eher in einigen anderen Ländern und nicht in
den USA zu bestehen.
Aber - Sie und ich - wir haben die Einladung zu diesem Treffen in Übereinstimmung mit unseren Verbündeten aufgesetzt in einer
Form, die meiner Meinung nach keinen Zweifel darüber läßt, daß eine
derartige Gefahr nicht besteht; denn, wie Sie sich wohl erinnern
werden, wurde der Zweck dieses Treffens so formuliert, daß wir
zusammenkommen wollen, um neue Wege zu suchen;, um eine neue Möglichkeit und neue Formen zur Lösung einiger dieser Probleme zu
finden, und daß sie nicht versuchen werden, diese Probleme allein
zu lösen.
Nun, die Regierungschefs, so bedeutend sie auch sein mögen,
werden nicht an drei oder vier Tagen zusammenkommen und eine grundlegende Lösung für einige dieser Probleme finden können, für die
so viele Jahre lang - ja, seit vielen Generationen - keine Lösung
möglich war.
Der Präsident: Nicht einmal Rom wurde an einem Tag erbaut.
Außenminister Dulles: Daher scheint es mir sehr wichtig, ganz
klar herauszustellen, wie dies in der Einladung geschehen ist, daß
das Treffen nur diesem Zweck dienen soll.
Der Präsident; Ja.
Außenminister Dulles: Nun, wir waren durchaus nicht sicher,
ob die Sowjets sich zu einem Treffen mit begrenzter Tagesordnung
bereitfinden würden. Aber am Sonnabend Abend gab ich in Wien ein
Essen, an dem der britische und der französische Außenminister
teilnahmen, und nach dem wir noch einige Stunden zusammensaßen
und über diese ganze Angelegenheit sprachen - wie an diese Frage
heranzugehen sei und über den begrenzten Rahmen eines solchen
Treffens. Und soweit ich das beurteilen konnte, haben die Sowjets
sich damit einverstanden erklärt, zumindest sagten sie das, es
dürfte dies auch zu Protokoll genommen sein.
Die übrigen Einzelheiten sind bis jetzt noch.nicht ausgearbeitet worden; im ganzen aber hat es den Anschein, als ob ein Treffen so wie Sie, Mr. Präsident, es wünschen,auch einem Treffen
sowjetischer Vorstellung entspricht, ich glaube, daß eine solche
Zusammenkunft ohne großes Risiko abgehalten werden kann und
vielleicht neue Möglichkeiten eröffnen wird.
Nun fragt sich jedermann, weshalb die Sowjets gewillt sein
mögen, ihre Praktiken zu ändern. Und ich habe mir darüber reichlich Gedanken gemacht.
Niemand kann dies wissen. Aber, Mr.
Präsident, ich habe mir überlegt, daß es in einem jeden unserer
wohlgeordneten Gemeinwesen eine Menge Leute gibt, die im Grunde
ihres Herzens nicht an die bestehenden Regeln, die bestehenden
Gesetze glauben, es jedoch für bequemer halten, sich zu fügen und
sich in diesen Dingen nicht immer halsstarrig zu zeigen. Und so
gibt es in jedem wohlgeordneten Gemeinwesen auch eine Menge Leute,
die Regelungen, Verordnungen und ähnliches befolgen, obgleich sie
selbst vielleicht nicht allzu sehr daran glauben. So mag es wohl
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�"AMERIKA DIENST"

18. Mai 1955

wohl auch zutreffen, daß die Sowjetunion nach den Erfahrungen,
die sie mit dem Versuch gemacht hat, sich allem gegenüber halsstarrig zu stellen, spüren mag, daß es bequemer wäre, wenn man
sich manchen der Regeln und Gebräuche der zivilisierten Welt
fügt. Ich glaube nicht einen Augenblick, die Sowjets wären
gläubig geworden oder hätten sich bekehren lassen, aber es kann
sein, daß sie glauben, sie kämen besser voran, wenn sie sich manchen Regeln und Gebräuchen fügten, die in einer zivilisierten
Gemeinschaft allgemeingültig sind.
Der Präsident: Sehr richtig.
Außenminister DuIIes: Ich glaube, daß dies eine Möglichkeit
ist, die zu ergründen, es sich zumindest lohnt. Und ich glaube
auch, daß dieses Treffen eine weitere Gelegenheit bieten wird,
sie zu ergründen, Es kann wenigstens neue Mittel und Wege zur Lösung mancher der großen Probleme aufzeigen - Probleme wie die
Wiedervereinigung Deutschlands, der Umfang der Rüstungen, die
Atomwaffen, die Satellitenstaaten, Probleme, die durch den internationalen Kommunismus hervorgerufen wurden, der wie eine Pest
in der ganzen Welt ist.
Wenn wir uns nun mehr Gedanken darüber machen können, wie
diese Probleme gelöst werden können, wie an ihre Lösung in einem
neuen Geist und mit neuen Absichten herangegangen werden kann,
dann, so glaube ich, kann etwas Gutes aus diesem Treffen herauskommen.
Und ich bin nun einmal überzeugt, daß wir mit neuem Vertrauen
in die Zukunft blicken können, weil diese von uns verfolgte opferreiche Politik vom amerikanischen Volk auf überparteilicher Grundlage unterstützt wurde und Früchte zu tragen beginnt.
Und ich glaube, daß wir auf dem richtigen Wege sind, wenn
wir an dieser Politik festhalten.
Gefährlich wäre es, wenn wir jetzt die Hände in den Schoß
legten und glaubten, diese Politik habe ihren Zweck erfüllt,
und wir könnten uns jetzt anderem zuwenden. Richtig ist vielmehr,
daß diese Politik sich bewährt hat und wir aus diesem Grunde daran
festhalten müssen.
Wenn wir dies tun, können wir, so meine ich, mit neuem Vertrauen der Zukunft entgegensehen.
Der Präsident? Kurz gesagt, wir wollen stark und wachsam
bleiben, aber wir werden die Hoffnung nicht fallen lassen, daß
doch ein neuer Morgen anbrechen wird. Denn selbst wenn die Sonne
aufgegangen ist, dauert es sehr lange, ehe sie im Zenit steht.
Ich danke Ihnen, Mr. Dulles. Es war wirklich ein seltenes
Vorrecht, daß wir einen so glänzenden Bericht über zwei so bedeutsame Wochen hören durften.
Dulles: Ich empfinde es als eine große Ehre, Mr. Präsident,
daß ich Gelegenheit hatte, zu Ihnen allen darüber zu sprechen.
* * * * *

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�HERBERT HOOVER JR.: WIR GLAUBEN AN DAS PRINZIP
DER KOLLEKTIVEN SICHERHEIT
LOS ANGELES - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Rede
des stellvertretenden Außenministers der
Vereinigten Staaten, Herbert Hoover jr.,
die dieser am 23.Mai 1955 anläßlich einer
Tagung des "Los Angeles World Affairs
Council" (Rat für Außenpolitik) gehalten
hat.
Mr. Hoover wies im Verlauf seiner Rede
darauf hin, daß die USA nach wie vor die
Politik des Aufbaus einer kollektiven
Stärke verfolgten, während jedoch gleichzeitig "jeder Weg für eine Lockerung der
internationalen Spannungen auf friedliche
Weise" erforscht würde.
In den vergangenen Monaten haben sich in der internationalen Politik verschiedene Entwicklungen vollzogen, die historische Bedeutung haben dürften. Ein solches Ereignis, und vielleicht das bedeutsamste, ist die Schaffung der V/esteuropäischen
Union nach Jahren geduldigen Mühens und die Aufnahme der Bundesrepublik Deutschland in die Nordatlantikpakt-Organisation
als gleichberechtigtes und vollstimmberechtigtes Mitglied.
Damit entstand ein beeindruckender Block freier Nationen, die
sich zum Zwecke der Verteidigung und zum Schutze ihrer Sicherheit zusammengeschlossen haben.
Als zweites Ereignis, das eine direkte Folge des ersten
ist, muß die plötzliche Bereitschaft der Sowjetunion genannt
werden, nach jahrelanger Hintertreibung angesichts der Entschlossenheit und Zusammenarbeit der Westmächte mit dem befreundeten Österreich den österreichischen Staatsvertrag abzuschließen.
Außenminister Dulles sagte hierzu, dies könne möglicherweise das Blatt der Geschichte wenden.
Diese Ereignisse traten nicht einfach ein - sie sind das
Ergebnis vernünftiger und realistischer Politik. Es bedurfte
sieben Jahre, um die Westeuropäische Union zu schaffen.. Zehn
Jahre brauchte man, um dahin zu gelangen, daß Österreich frei
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�"AMERIKA DIENST"

25. Mai 1955

frei und unabhängig werden konnte.
Die Tatsache, daß der österreichische Staatsvertrag zustande kam, ist m.E. nur daraus, zu erklären, daß die Sowjetunion aus taktischen Gründen eine Kursänderung ihrer Außenpolitik vorgenommen hat. Seit eh und je wurde die Unterzeichnung des Staatsvertrages durch die Weigerung der Sowjets verhindert, ihre Truppen aus Österreich abzuziehen. Und es gibt
wohl kaum einen Zweifel, daß die Änderungen in der sowjetischen Taktik auf die wachsende Einheit und Stärke Westeuropas
zurückzuführen sind.
Wir hoffen von ganzem Herzen, daß die Sache der Freiheit
noch weitere Gewinne verbuchen kann. Aber jetzt ist nicht die
Zeit, um jene Politik zu ändern, die solchen Hoffnungen überhaupt erst einmal Aussicht auf Verwirklichung gegeben haben.
Auf der anderen Seite des Globus steht vor allem die
Frage im Vordergrund, ob die Rotchinesen auch zu der Einsicht
gekommen sind, daß eine Politik des Friedens ihren Interessen
mehr dient als kriegsähnliche Maßnahmen und Drohungen. Vor
fast einem Monat erklärte Chou En-lai zum ersten Mai, er sei
willens, in direkte Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten
zu treten, um die im Fernen Osten bestehenden Spannungen zu
mildern.
Es ist bedeutsam wie dieser Vorschlag zum Schluß der
Konferenz von Bandung gemacht wurde. Es ist uns nicht bekannt,
welche Haltung Rotchina zunächst auf der Bandunger Konferenz
einnehmen wollte. Aber die Entwicklung, die die Konferenz genommen hat, zeigte doch, daß viele Teilnehmer sich der Gefahren des Kommunismus vollauf bewußt sind. So kam es denn auch,
daß eine große Zahl führender Politiker der freien Welt ihrer
scharfen Kritik über die Verhaltensweise der Kommunisten Ausdruck gaben, und viele von ihnen traten für die Konzeption
einer freien Welt ein. Als die Konferenz alle Formen der Kolonialherrschaft verdammte, war sie besonders darauf bedacht,
in die Verurteilung auch die kommunistische Kolonialherrschaft
miteinzuschließen. In einer solchen Atmosphäre mag es. Chou
En-lai durchaus klar geworden sein, daß er nur die Möglichkeit
hatte, eine friedliche und versöhnliche Haltung einzunehmen,
wenn er nicht die ungünstige Reaktion der anderen Konferenzteilnehmer auf sich nehmen wollte.
Immerhin möchten wir hoffen, daß dieser Vorschlag echt
ist, und daß die chinesischen Kommunisten nun in einer Stimmung
sind, die ein Nachlassen der Spannungen im Fernen Osten ermöglicht. Und so hat Außenminister Dulles gesagt: "Ob dieser
Vorschlag aufrichtig war oder nicht, das bleibt abzuwarten.
Vielleicht haben die chinesischen Kommunisten nur ein Propagandaspiel durchgeführt. Wir aber sind entschlossen, dahinterzukommen. Dabei werden wir freilich nicht vom Pfade der Redlichkeit und Ehre gegenüber dem uns verbündeten Nationalchina
abweichen". Die Vereinigten Staaten begrüßen nicht nur die
Möglichkeit einer friedlichen Regelung - das ist stets unsere
traditionelle Haltung gegenüber Weltproblemen gewesen - sondern
wir sind jederzeit bereit, die Wege zu ergründen, die zu einem

�"AMERIKA DIENST"

25. Mai 1955

einem ehrenhaften Frieden führen können. Wir begrüßen die
weitere, kürzlich von Chou En-lai getroffene Feststellung,
sein Regime könne gewillt sein, auf den Krieg zu verzichten
und sich bezüglich des Gebiets um Formosa auf friedliche Verfahren einzulassen.
Wenn sich herausstellt, daß die chinesischen Kommunisten
einen Wechsel ihrer Taktik vorgenommen haben, dann wird unsere
Außenpolitik nur um so mehr gerechtfertigt sein, denn in Asien
wie in Europa wird das durch die Kraft und Entschlossenheit
freier Völker, kommunistischen Drohungen zu widerstehen, bewirkt worden sein. Ohne jenen Widerstand würden weitere ausgedehnte Gebiete des Fernen Ostens schon längst unter kommunistischer Herrschaft stehen.
Grundsätzlich'ist unsere Politik in Europa und Asien dieselbe, aber es gibt Ähnlichkeiten und Verschiedenheiten zwischen
den beiden Umwelten.
Im Fernen Osten wie in Europa sind viele Völker sich immer
mehr des wahren Wesens des Kommunismus bewußt geworden. Diesen
freien Ländern ist es immer klarer geworden, welche Gefahr ein
offener kommunistischer Angriff bildet und auch, welche ständige Bedrohung ihrer freien Einrichtungen von der unter der
Oberfläche stattfindenden Unterwühlung ausgeht. Infolgedessen haben sie zu ihrer eigenen Verteidigung unter dem
Beistand der Vereinigten Staaten die Position militärischer
Stärke gewählt.
#
Im Fernen Osten haben die Philippinen, Thailand und Pakistan
sich mit den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich,
Australien und Neuseeland im Manila-Pakt zur Sicherung ihrer
selbst sowie Vietnams, Laos' und Kambodschas gegen Angriffe von
außen und Unterwühlung im Innern zusammengeschlossen. Es ist
besonders bedeutungsvoll, daß hier zum ersten Male in einem
Staatsvertrag die Unterwühlung förmlich als eine der starken
vom Kommunismus ausgehenden Bedrohungen anerkannt worden ist.
Außerdem haben die Vereinigten Staaten mit den Philippinen,
Japan, Korea und Nationalchina zweiseitige Verteidigungsverträge geschlossen. Mit Australien und Neuseeland haben wir ein
davon unabhängiges, ähnliches dreiseitiges Abkommen. Diese
Nationen bilden ein Bollwerk gegen kommunistische Pläne einer
aggressiven Ausbreitung in Ost- und Südostasien.
Die Verhältnisse im Fernen Osten haben sich in mehreren
wichtigen Hinsichten anders entwickelt als die in Europa. Dort
handelt es sich um ein weites Gebiet mit dürftigen Verkehrsmöglichkeiten. Es besteht Verschiedenheit der Sprache, des
religiösen Glaubens, der kulturellen Vergangenheit und der
völkischen Herkunft. Die volkswirtschaftlichen Verschiedenheiten reichen von der hohen Industrialisierung Japans bis
zu den einfachen landwirtschaftlichen Zuständen, die das Wesentliche vieler anderer Länder ausmachen. Das Ergebnis ist,
daß es in den politischen Haltungen und Zielen der Völker des
Fernen Ostens oft an Einheitlichkeit fehlt, und daß manchmal
tiefliegende Konflikte in vielen Grundfragen bestehen. m ,,
D
Weiter

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Weiter besteht der Ferne Osten, obwohl er auf alten Kulturen ruht, heute vielfach aus neuen Nationen, die früher unter
kolonialer Herrschaft standen. Seit dem Ende des Krieges haben
nicht weniger als acht der Völker jenes Gebietes ihre Unabhängigkeit errungen.
Schließlich aber haben die Verhältnisse im Fernen Osten
noch andere Seiten, die man berücksichtigen muß. Die Völker in
der Nähe des kommunistischen China haben au£ verschiedene Art
auf die Angriffsdrohungen reagiert, der sie "sich gegenübersehen.
Manche haben versucht, in der Neutralitätspolitik Sicherheit zu
finden, indem sie es vorzogen, sich im kalten Krieg auf keine
der beiden Seiten festzulegen. Ihr Recht zu einer solchen Entscheidung ziehen wir nicht in Zweifel. Aber wir haben das Gefühl,
ihre Stellungnahme sei ein Irrtum wegen der Illusion einer Sicherheit, die dadurch entsteht, und wegen der Verletzung der Grundpflicht der Völker, einander zu helfen.
Eine zweite Gruppe hat eine unserer Meinung nach vielleicht
realistischere Einstellung gegenüber der gemeinsamen Gefahr eingenommen und bereitwillig zusammengearbeitet, um zu Abmachungen
über eine kollektive Sicherheit zu gelangen. Ebenso wie wir
selbst, wünschen auch diese Nationen nicht, in aggressive militädsche Aktionen verwickelt zu werden.
Ich möchte kurz auf den politischen Kurs eingehen, den wir
zur Lösung der Probleme der vier voneinander rso gänzlich'
verschiedenen Gebiete Formosa, Japan, Vietnam und Burma eingeschlagen haben.
Im Fernen Osten ist das vom Kommunismus bedrohte Formosa
einer der Hauptgefabrenpunkte. Mit der.nationalchinesischen Republik haben wir unseren Vertrag abgeschlossen, weil sie uns ein
zuverlässiger Verbündeter in der Vergangenheit war und es auch
heute noch ist, und weil sie treu auf unserer Seite gekämpft hat.
Formosa ist außerdem von lebenswichtiger Bedeutung für die Verteidigung der gesamten pazifischen Gebiete.
Ein Verlust Formosas und der Pescadores würde mit ziemlicher Sicherheit den Verlust großer Teile des heute freien Asiens
an den Kommunismus bedeuten. Ein solcher Verlust wäre auch für
die übrigen freien Völker Asiens das Zeichen dafür, daß das gesamte Gebiet gegen den Kommunismus nicht zu halten ist.
Die nationalchinesische Regierung auf Formosa hat uns gebeten, ihr bei der Verteidigung gegen die wiederholte Gefahr einer kommunistischen Eroberung Hilfe zu leisten. Wir haben ihr
versichert, wir würden es nicht zulassen, daß Formosa in kommunistische Hände fällt.
In unserem Bündnisvertrag mit Nationalchina beschränktem
wir nnsere Verpflichtungen auf die Verteidigung Formosas und der
Pescadores. Seit 1895 sind diese Inseln nicht mehr in chinesischem
Besitz gewesen und waren vor diesem Zeitpunkt Jahrhunderte hindurch nur ein Randgebiet Chinas. In Übereinstimmung mit einem
während des zweiten Weltkrieges abgeschlossenen feierlichen Vertrage, der dann im Waffenstillstandsvertrag mit Japan bestätigt
wurde, wurden sie der nationalchinesischen Regierung in Besitz

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Besitz übergeben. Die Japaner haben von sich aus auf ihre
Rechte, Besitzansprüche und Interessen auf diesen Inseln
verzichtet.
Die der chinesischen Küste vorgelagerten Inseln Quemoy
und Matsu haben sich mit Ausnahme der Zeit der Besetzung durch
die Japaner während des Krieges lange im Besitz der Republik
China befunden. Die Situation für die Vereinigten Staaten in
bezug auf diese Inseln ist derart, daß wir in keiner Weise
rechtlich oder moralisch' zu ihrer Verteidigung vertraglich
verpflichtet sind. Sie wurden mit Absicht aus dem Vertragsbereich ausgeschlossen. Falls Rotchina jedoch versuchen sollte,
sich Formosa und der Pescadores mit Gewalt zu bemächtigen,
und falls ein Angriff gegen Quemoy und Matsu offensichtlich
ein Teil dieses Versuchs ist, dann würden die Vereinigten Staaten nicht untätig, beiseite stehen und einfach zulassen, daß
diese Positionen genommen werden. Eine Entscheidung hierüber
steht allein dem Präsidenten zu.
Es ist nicht ohne Bedeutung, daß die Rotchinesen niemals
zwischen diesen Küsteninseln und Pormosa sowie den Pescadores
einen Unterschied gemacht haben. Sie haben wiederholt verkündet, daß die Eroberung der gesamten Inseln ihre Absicht ist.
Verschiedene befreundete Nationen haben selbst die Initiative ergriffen und sind an die rotchinesische Regierung in
Peking herangetreten, um herauszufinden, ob eine Möglichkeit
für eine friedliche Regelung bestünde, auf Grund deren Rotchina
seine bekanntgegebene Absicht auf Eroberung Formosas und der
Pescadores aufgeben würde. Solche Vorschläge sind von den
Rotchinesen entrüstet abgelehnt worden.
Als ersten Schritt zu einer Verringerung der Spannungen
haben die Vereinigten Staaten eine Einstellung der Kampfhandlungen vorgeschlagen.
Wir wünschen im Pazifik ebenso den Frieden, wie wir ihn
im Atlantik wünschen. An Bevölkerung und Einfluß ist Kalifornien
heute New York ebenbürtig. Es ist kein uninteressantes Faktum,
daß der Präsident des Obersten Bundesgerichts der Vereinigten
Staaten, der Vizepräsident der Vereinigten Staaten und der
Führer der republikanischen Senatsfraktion sämtlich aus Kalifornien stammen. Unsere Interessen im Pazifik sind ebenso wichtig
wie unsere Interessen im Atlantik.
Lassen Sie mich bitte kurz auf unsere Politik in bezug
auf Japan eingehen.
Manche glauben, daß die Vereinigten Staaten Japan betreffend zu viel als selbstverständlich voraussetzen. Wir teilen diese Meinung nicht.
Die Japaner haben stets einen starken Nationalstolz gehabt.
Als Folge des zweiten Weltkrieges und der anschließenden Besetzung ihres Landes macht das japanische Volk eine Zeit tiefgreifender Wandlungen durch. Auf lange Zeit hinaus wird es auf
alles, was einer amerikanischen Einmischung ähnlich sieht,
empfindlich reagieren. Gleich anderen Völkern wird auch das

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das japanische Volk seine nationalen Entscheidungen nach
seinem Empfinden für das, was Japan zum Guten gereichen
könnte, treffen. Es gibt keine Gewähr dafür, daß Japans
Entscheidungen als souveräne Nation stets so ausfallen
werden, wie wir es uns wünschen. Mit der Steigerung seiner
Fähigkeiten, wirtschaftlich auf eigenen Füßen zu stehen und
sich militärisch selbst zu schützen, wird Japans Handlungsfreiheit in der Weltpolitik gleichfalls größer werden. Wir
sind jedoch überzeugt davon, daß die größte Gewähr dafür,
daß Japan eine Quelle der Stärke für die freien Nationen im
Fernen Osten sein wird, darin liegt, daß es stark und unabhängig wird und seine Selbstachtung wiedererlangt. Schwäche,
sei sie politisch, wirtschaftlich oder militärisch, würde nur
denjenigen Kräften zugutekommen, die Unordnung und Umsturz
herbeiführen. Wir vertrauen darauf, daß ein gesundes und
starkes Japan, das sich seiner Fähigkeiten, mit seinen eigenen
wirtschaftlichen und politischen Problemen fertig zu werden
bewußt ist, ein befreundeter Verbündeter sein wird, der standhaft die Sache des Friedens und der Freiheit verteidigen wird.
Japan hat eine Bevölkerung von 88 Millionen Menschen,
die auf einem kleineren Gebiet leben als beispielsweise
Kalifornien umfaßt. Da es über wenig natürliche Hilfsquellen
verfügt, muß es große Mengen an Lebensmitteln und Rohstoffen
einführen und andererseits seine Industrieprodukte ausführen.
Japans wirtschaftlicher Bestand hängt von diesen Tatsachen ab.
Seit 1950 wurde die japanische Wirtschaft weitgehend durch
die in Zusammenhang mit dem Krieg in Korea notwendigen Aufwendungen der Vereinigten Staaten für militärische Zwecke unterstützt. Dennoch ist der wirtschaftliche Spielraum sehr klein
geblieben. Falls diese Einnahmequelle in Zukunft noch unergiebiger wird - und zu dieser Annahme besteht aller Grund ~,
wird sich die finanzielle Situation Japans weiter verschlechtern.
Die Vereinigten Staaten scheuen keine Mühen, um Japan bei
der Ausweitung seines Handels mit anderen Teilen der Welt zu
unterstützen. Das trifft besonders auf Südostasien zu, wo die
Handelsbeziehungen Japans infolge des Krieges schwer gelitten
haben. Hier muß zu jeder Gelegenheit das Entstehen gesunder
wirtschaftlicher Beziehungen gefördert werden.
Japan hat sich nunmehr auf eine Zusammenarbeit mit den
Vereinigten Staaten und der freien Welt festgelegt. Wir sind
der Auffassung, daß Japan diesen Kurs als für sich vorteilhaft
erkennen wird.
Wir zielen darauf ab, daß Japan schließlich in noch größerem Umfange an den kollektiven Bemühungen der freien Nationen Asiens teilhaben kann. Japan leistet bereits einen beachtlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Wohlergehen des Fernen
Ostens.
Ein weiteres illustratives Beispiel der angewandten
Außenpolitik der Vereinigten Staaten ist die Unterstützung, die

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die wir dem vietnamesischen Ministerpräsidenten Eiern zuteil werden ließen. Als der Ministerpräsident
im Juni des vergangenen Jahres sein Amt antrat, wurde über das
Schicksal Vietnams in Genf beraten. Man kam dabei unter anderem überein, die nördliche Zone, das heißt das Gebiet nördlich
des 17.Breitengrades, unter die Kontrolle des kommunistischen
Vietminh zu stellen. Diese Entscheidung war eine schwerwiegende Belastung für die Regierung Diem. Sie wurde durch eine
Massenflucht von über 600 000 Menschen noch erschwert, die ihre
alte Heimat verließen und sich nach Süden begaben, um nicht
unter kommunistischer Herrschaft leben zu müssen. Es handelt
sich hierbei um eine der größten Massenauswanderungen der Weltgeschichte.
Trotz der furchtbaren Aufgabe, der sich Ministerpräsident
Diem gegenübergestellt sah, war er erfolgreich bei der Bildung
einer wirklich nationalen Regierung und ist nun dabei, Pläne
für die Abhaltung nationaler Wahlen aufzustellen, die über die
Regierungsform entscheiden werden, unter der die Vietnamesen
künftig leben werden. Wir geben uns nicht der Erwartung hin,
daß der Weg des Fortschritts leicht sein wird.
Die Vereinigten Staaten haben stets einer wahrhaft nationalen Sache, die frei und kraftvoll betrieben wird, starke
Sympathie entgegengebracht. Aus diesem Grunde haben wir die
Regierung des Ministerpräsidenten Diem unterstützt und werden
dies auch weiterhin tun.
In den Gesprächen, die Außenminister Dulles in Paris mit
den Vertretern der französischen und der britischen Regierung
geführt hat, wurde die Grundlage geschaffen für die Unterstützung dieser wachsenden nationalen Bewegung in Vietnam durch
den Westen. Aber unserer Unterstützung werden gewisse Grenzen
durch die Erkenntnis gezogen werden müssen, daß Regierung und
Bevölkerung des freien Vietnam entschlossen sind, ihren eigenen
Weg zu gehen und ihre eigene Politik zu verfolgen.
Die Regierung in Vietnam, die gegenwärtig damit beschäftigt
ist, in konstruktiver Weise eine unabhängige antikommunistische
Regierungsform zu entwickeln, ist in keinerlei Betracht eine
Marionettenregierung der Vereinigten Staaten oder irgendwelcher
westlichen Macht.
In Anerkennung dieser grundlegenden Tatsache, stellen wir
auch weiterhin unsere Unterstützung und Hilfe zu dem Zwecke zur
Verfügung, daß die nationalen Bestrebungen des freien Vietnam
Erfüllung finden.
Nun zu Burma. Vor einigen Monaten wurde der Ministerpräsident von Burma für eine Fernsehaufnähme interviewt. Dabei wurde
ihm die Frage vorgelegt, welches sein Hauptpunkt bei einer
konstruktiven Kritik an den Vereinigten Staaten sei. In seiner
Antwort erklärte er, er liebe es nicht, andere Nationen zu kritisieren, aber da er nun einmal darum gebeten worden sei, möchte er darauf hinweisen, daß ihm einige amerikanische Führer zu
viel redeten. Ich bin geneigt, dieser Beobachtung des Ministerpräsidenten zuzustimmen. Was er dabei im Sinne hatte, waren
selbstverständlich die allzu häufig voneinander abweichenden

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abweichenden Stimmen, die aus den Vereinigten Staaten laut
werden. Was jedoch die freundschaftlichen Beziehungen angeht,
die zwischen unseren beiden Ländern bestehen, so glaube ich,
daß nicht genug darüber gesagt worden ist, und zwar in weitem
Maße aus der angeborenen amerikanischen Neigung heraus, in der
Öffentlichkeit allzusehr die Punkte hervorzuheben, in denen
Differenzen bestehen, und die Punkte unbeachtet zu lassen,
in denen Übereinstimmung herrscht.
Als Burma seine Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte,
da erkannten die Vereinigten Staaten die neue Nation sogleich
an. Die Grundlagen der Freundschaft zwischen Burma und Amerika
waren schon viel früher geschaffen worden. Einzelne Amerikaner
waren in Burma Jahrzehnte hindurch im Bildungswesen, in der
Medizin und in technischen Berufen tätig gewesen. Ein Amerikaner bereitete schon vor rund hundert Jahren das erste burmesischenglische Wörterbuch vor. Und, wenn Sie mir einen persönlichen
Hinweis gestatten wollen, ich selbst erinnere mich ebenfalls,
daß mein Vater in seinen frühen Jahren als Bergingenieur die
Blei- und Zinkgruben in der Nähe von Lashio entwickeln half.
Es sollte daher niemandem überraschen, daß wir ein tiefes
und herzliches Verständnis besitzen für Burmas Wunsch, den
Frieden aufrechtzuerhalten und seine Unabhängigkeit zu bewahren.
Auch wir wissen, daß es keinen Frieden ohne Freiheit geben kann.
Als im vergangenen Februar Außenminister Dulles und Ministerpräsident U Nu in Rangun zusammenkamen, brachten sie ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, "alles in ihrer Macht Stehende zu
tun, um die Sache des Friedens mit Gerechtigkeit und Freiheit
zu fördern".
Andere grundlegende Ansichten, die wir gemeinsam haben,
sind unser Glaube an die Grundsätze der Charta der Vereinten
Nationen, unsere Achtung vor Vertragsverpflichtungen und internationalem Gesetz sowie unser Glaube an die Grundrechte des
Menschen und die Würde des Individuums.
Diese Grundsätze leiten uns bei unseren amtlichen und,
fürwahr, auch bei unseren persönlichen Beziehungen zu Burma.
Und in diesem selben Geiste werden wir auch weiterhin als
gleichberechtigte Partner mit Burma *n der Organisation der
Vereinten Nationen, beim Colombo-Plan und vor den übrigen
für die internationalen Beziehungen nutzbar gemachten Foren
zusammenarbeiten.
Es ist natürlich wahr, daß Burmas Verhalten auf die außenpolitische Drohung der Kommunisten in Asien sich von dem unsrigen unterscheidet, aber wir können die Gründe für diesen Standpunkt verstehen. Wir wollen gleichermaßen hoffen, daß Burma
auch unsere Einstellung versteht.
Unsere guten Beziehungen zu Burma sind ein Beweis dafür,
daß freie Nationen durchaus in der Lage sind, dieselben grundlegenden Ziele in Freundschaft zu verfolgen, auch wenn ihre
Methoden durchaus nicht die gleichen sind.
In meinem Vortrage habe ich die Grundziele unserer Fernostpolitik nachdrücklich betont. Eines von ihren wichtigsten
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wichtigsten ist es, ein umfassendes and kollektiv wirksames
Sicherheitssystem für diesen Raum zu bilden.
Wie ich bereits ausführte, nähern wir uns langsam aber
sicher diesem Ziel.
Es gibt noch eine höchst wichtige wirksame Kraft in Asien,
auf die ich bisher nur indirekt zu sprechen kam. Und zwar ist
dies der verständliche Wunsch der Menschen Asiens, einen höheren
Lebensstandard und einen stärkeren Grad wirtschaftlicher Unabhängigkeit zu erlangen.
Die kommunistischen Völker versuchen bereits, dieses
natürliche Streben der Asiaten nach einer Verbesserung der
wirtschaftlichen Verhältnisse auszunutzen. Wirtschaftlicher
Fortschritt, wie ihn das rotchinesische Regime zuwege bringt,
wird für einen unglaublich hohen preis an menschlichem Elend
und Sklaverei erkauft.
Die große Aufgabe im freien Asien ist es daher, die hartnäckigen Forderungen der Asiaten nach Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse mit der politischen Freiheit in Einklang
zu bringen. Was für uns dabei auf dem Spiele steht, ist klar.
Aber die Forderung nach wirtschaftlichem Fortschritt muß auf
Grund seines eigentlichen Wesens zuerst durch die Anstrengungen der Völker selbst in Angriff genommen werden.
Dies ist die Folgerung, die Präsident Eisenhower in seiner Vorlage zum gegenwärtigen Wirtschafts-Hilfeprogramm in
Asien zog. Die darin enthaltenen Beträge sind im Vergleich
zu unserem amerikanischen Gesamtbud^et nicht groß, aber durch
Konzentrierung auf die am meisten entscheidenden Grundbedürfnisse sind wir in der Lage, die wirkliche Grenze des Erfolges
zu bestimmen.
Viele freie Völker des Fernen Ostens sind zu der ständig
wachsenden Erkenntnis von den wirklichen Gefahren der kommunistischen Herrschaft gekommen. Gleichzeitig sind sie grundsätzlich gegen jede Fremdherrschaft oder fremden Einfluß.
Trotz vieler Schwierigkeiten war es stets unsere Politik,
ihnen dabei zu helfen, unabhängig zu werden und Selbstachtung
und Selbstvertrauen zu entwickeln. Diese Politik wird nur dann
erfolgreich sein, wenn wir ihre Ziele und ihre nationalen
Wünsche voll berücksichtigen.
Gleichzeitig ist diese Politik zum Scheitern verurteilt,
wenn wir versuchen, den Kommunismus auf dem Wege über die Befriedung zu bekämpfen. Wir sind der Meinung, daß wir uns nicht
auf eine Aggression einlassen dürfen, und daß unsere Hoffnung
auf Erreichung der Freiheit für Völker unter fremder Herrschaft
nicht durch Mittel der Gewalt verwirklicht werden darf. Wir
glauben an das Prinzip der kollektiven Sicherheit.
Wohl kein Volk der Welt sehnte sich jemals so nach
einem dauerhaften Frieden wie das der Vereinigten Staaten.
Stets haben wir uns dort hingezogen gefühlt, wo sich auch nur
eine Regung des Wunsches anderer Menschen bemerkbar machte,
gemeinsam mit uns nach diesem Ziel zu streben. Wie Präsident

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"AMERIKA DIENST"

Präsident Eisenhower und Außenminister Dulles schon mehrfach
bei verschiedenen Anlässen betont haben, nehmen wir sowohl
instinktfjäßig wie auch aus Pflichtgefühl jede Gelegenheit
wahr, die internationalen Spannungen auf friedlichem Wege
zu vermindern.
Aber sie haben auch darauf hingewiesen, daß wir dabei
von einer Position der Stärke und Entschlossenheit ausgehen
und der tatsächlichen Gegebenheiten, wie sie heute in der
Welt existieren, voll bewußt sein müssen.

*

*

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�DULLES: KOMMUNISTEN SIND SICH DER STÄRKE DER
FREIEN WELT BEWUSST

WASHINGTON — (AD) — Nachstehend übermitteln wir Ihnen
eine Erklärung, die der amerikanische Außenminister
John Poster Dulles am 25. Mai 1955 zum Gemeinsamen
Sicherheitsprogramm Präsident Eisenhowers, das für
das am 1. Juli beginnende Haushaltsjahr 3»53 Milliarden Dollar für Zwecke der Auslandshilfe vorsieht, vor
dem Außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses
abgab. Der Außenminister erklärte dabei, die Taktiken
der Kommunisten ließen vermuten, daß sie erkannt hätten, daß die freie Welt stark sei und sie daher einige
der von ihnen seiner Zeit eingeschlagenen Wege aufgeben
müßten.
Vor drei Wochen sprach ich zu Ihren Kollegen im Außenpolitischen Ausschuß des Senats, um Präsident Eisenhowers Ersuchen um Portführung der wesentlichen Elemente des Gemeinsamen
Sicherheitsprogramms im kommenden Jahr zu unterstützen. Während
dieses kurzen Zeitraumes von drei Wochen haben historische Ereignisse stattgefunden, - Ereignisse, die die Richtigkeit der
in diesem Programm enthaltenen Konzeptionen bestätigten.
In Paris fanden die erste Tagung der Westeuropäischen Union
und die Tagung des Natorates statt, woran auch die Bundesrepublik
teilnahm. Diese Konferenzen kennzeichneten die Verwirklichung
eines der wichtigen Ziele, die wir und unsere europäischen Verbündeten uns gesetzt hatten - die Errichtung der Bundesrepublik
Deutschland als ein freier, unabhängiger und souveräner Staat,
die Aufnahme dieses Staates in die Nordatlantikpaktorganisation
und die weitere Einigung und Stärkung Westeuropas.
Ein weiteres historisches Ereignis fand in Wien statt.
Dort wurde der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet.
Unsere Regierung hat lange auf dieses Ziel hingearbeitet. Es
bedurfte acht Jahre hartnäckiger Verhandlungen mit 379 Sitzungen, ehe die sowjetische Regierung einem Vertrage zustimmte,
der Österreich wirkliche Unabhängigkeit gibt. Ich habe diesem
Ausschuß bereits in einer Geheimsitzung über diese Ereignisse
in Paris und Wien berichtet. Diese Ereignisse hätten niemals
ohne die sich steigernde Wirkung unserer Anstrengungen auf dem
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Mai

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dem gesamten Gebiet der Gemeinsamen Sicherheit, wie sie in ihren
verschiedenen Phasen während dieses Nachkriegsjahrzehnts unternommen wurden, eintreten können.
Diese großen Ereignisse ermöglichen es mir, heute hier vor
Sie hinzutreten und mit erneuter Zuversicht auszusprechen, daß
dieses Programm wirklich funktioniert und die Energie, die Geduld
und das Geld wert ist, das die Vereinigten Staaten dafür aufgewendet haben.
Dieser Ausschuß hat viele Jahre hindurch große Sorgfalt und
Gewissenhaftigkeit auf dieses vielgestaltige Programm verwandt und emen sehr
bedeutenden Beitrag zu ihm geleistet. Sie verdienen hohe Anerkennung für das, was durch dieses Programm erreicht worden ist.
Wir haben an Teilen dieses Gemeinsamen Sicherheitsprogramms
nunmehr bereits über zehn Jahre lang gearbeitet. Es ist in seiner
Art einzigartig in der gesamten Weltgeschichte. Wir in den Vereinigten Staaten fällten die Entscheidung, daß es in unserem eigenen Interesse klug sein würde, einen bedeutenden Teil unserer
Kräfte dazu zu verwenden, den anderen freien Völkern beim Aufbau
einer gesunden Wirtschaft und einer militärischen Stärke zu helfen,
die für die Erhaltung ihrer Freiheit notwendig sind. Wir tun dies
ohne jeden Gedanken an eine Machtausweitung unsererseits.
Im Verlauf der Jahre ist dieses einzigartige Experiment auf
dem Gebiet der internationalen Beziehungen manchen Veränderungen
unterworfen gewesen - Veränderungen der Schwerpunktbildung, Zusätzen und Abstrichen, Veränderungen im organisatorischen Aufbau
und in der Verwaltung. In diesem Jahr sind neue Veränderungen vorgeschlagen worden, um das Programm den sich ändernden Gegebenheiten anzupassen und dadurch zu gewährleisten, daß die angestrebten
Ziele besser erreicht werden.
Der Präsident hat angekündigt, daß in der Verwaltung des
Programmes eine Änderung stattfinden wird. Bisher wurde das Programm vom Mr. Harold E. Stassen und seinen Mitarbeitern im Amt
für Auslandshilfe (FOA) im Inland wie im Ausland verwaltet. Der
Präsident hat bekanntgegeben, daß die Aufgaben und Geschäfte dieser Behörde am 30. Juni 1955 dem Außenministerium übertragen werden, mit Ausnahme bestimmter militärischer Aufgaben, die vom Verteidigungsministerium verwaltet werden. Ich möchte Mr. Stassen
und seinen Mitarbeitern meine hohe Anerkennung aussprechen für die
Art und Weise, in der ihre Arbeit zur Förderung der Interessen
unseres Landes beigetragen hat. Ich hoffe, daß es möglich sein
wird, dieses Programm, sobald die Verantwortung auf das Außenministerium übergeht, in wirksamer Form fortzuführen. Um dies zu
gewährleisten, will der Präsident dem Senat in Kürze ein hervorragendes ehemaliges Mitglied des Repräsentantenhauses - John B.
Hollister - für den Posten des Direktors des Amtes für internationale Zusammenarbeit, der dem Außenministerium eingefügten Nachfolgeorganisation der FOA, zur Bestätigung vorschlagen.
Der Gesamtbetrag der von Präsident Eisenhower zur Förderung
der Ziele des Gemeinsamen Sicherheitsprogramms im kommenden Jahre
angeforderten Mittel beläuft sich auf 3,53 Milliarden Dollar. Von
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Von diesem Betrag sollen ungefähr die Hälfte oder 1 717»2 Millionen Dollar direkt für die Unterhaltung und den Aufbau der militärischen Streitkräfte der Verbündeten verwendet werden. Zusätzlich zu dieser Hälfte des Gesamtbetrages sollen weitere
1 000,3 Millionen Dollar für die sogenannte "Verteidigungshilfe" verwendet werden, das bedeutet Wirtschaftshilfe an
Länder, die anders die Lasten so großer Verteidigungseinrichtungen, wie sie wünschenswert erscheinen, nicht tragen können.
Militärische Einrichtungen sind nicht nur wirtschaftlich
unproduktiv, sondern mindern auch die Leistungsfähigkeit eines
Volkes weitgehend. Die Lage einiger Länder ist so, daß es wünschenswert erscheint, wenn sie über größere militärische Einrichtungen verfügen, als ihre Volkswirtschaften sie gegenwärtig
tragen können.
Durch direkte Militärhilfe und Verteidigungshilfe werden
für die Verteidigung der freien Welt weit stärkere militärische
Streikräfte verfügbar gemacht, als dies mit den gleichen Mitteln
möglich wäre, wenn diese für unsere eigenen militärischen Einrichtungen verwendet würden.
Die beiden vorangegangenen Posten machen rund 77 Prozent
des beantragten Gesamtbetrages aus. Die restlichen 23 Prozent
oder 812,5 Millionen Dollar sind für Programme bestimmt, die
in keinem Zusammenhang mit militärischen Zwecken stehen. Die
Hauptposten sind: 337 Millionen Dollar für Wirtschaftshilfe
an Asien, wovon 200 Millionen Dollar für einen Sonderfonds für
regionale Entwicklungsvorhaben vorgesehen sind. Ferner sind
172 Millionen Dollar für technische Zusammenarbeit und 100 Millionen Dollar für einen Sonderfonds des Präsidenten eingesetzt worden
In geographischer Hinsicht ist die Verteilung der 23 Prozent,
die in keinem Zusammenhang mit militärischen Einrichtungen stehen,
wie folgt vorgesehen: 21 Millionen Dollar für Europa, hauptsächlich für Westberlin, 52 Millionen Dollar für die übrigen amerikanischen Republiken, 179 Millionen Dollar für den Mittleren
Osten, 337,5 Millionen Dollar für Asien und 22,5 Millionen
Dollar für nicht regional gebundene Programme, einschließlich
multilateraler Programme und dem Sonderfonds des Präsidenten.
In den vergangenen Jahren ging ein großer Teil an die Länder
des freien Europa. Der beste Maßstab für den Erfolg dieses Programmes ist die beachtliche Zunahme der wirtschaftlichen Vitalität, der politischen Stabilität und der militärischen Stärke in
diesen Ländern. Die NATO ist voll funktionsfähig, die europäische Einheit ist vorangeschritten, Produktion, Handel und Lebensstandard sind gestiegen. Europa steht immer noch zahlreichen
schweren Problemen gegenüber und unser Interesse an der erfolgreichen Lösung dieser Probleme bleibt unvermindert. Es ist jedoch eine erhebliche Verbesserung der Lage in Europa eingetreten.
Vielleicht aus diesem Grunde wenden wir nunmehr unseren Blick
stärker Asien zu und sehen dessen Nöte deutlicher. Das Gemeinsame
Sicherheitsprogramm für das kommende Jahr ist in diesem Sinne geplant worden.
Zusätzlich

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Zusätzlich zu der Weiterführung und in einigen Fällen Intensivierung der gegenwärtigen Programme - vor allem der technischen
Hilfeprogramme - in den freien Ländern Asiens, hat der Präsident
um einen Sonderfonds ersucht, den er nach seinem Ermessen für
Ost- und Südasien verwenden kann.
Der internationale Kommunismus übt einen starken Druck aus,
um seinen Einfluß in den asiatischen Ländern auszudehnen, die
nicht die wirtschaftliche Stärke besitzen, um angemessene Verteidigungseinrichtungen zu unterhalten und das für eine politische
Stabilität und eine ständig wachsende Verbesserung des Lebensstandards notwendige Fundament zu schaffen.
Mit dem Manila-Pakt und anderen Verteidigungsabkommen haben
wir den Kommunisten die Gefahr vor Augen geführt, die eine weitere bewaffnete Aggression in diesem Gebiet für sie mit sich
bringt. Aber das ist noch nicht alles, was wir tun können und tun
sollten. Wir wissen, daß es für Völker, die wirtschaftlich schwach
sind, schwierig ist, politisch stark zu werden und als Nation in
Sicherheit zu leben. Wir glauben, daß eine wachsende wirtschaftliche Stärke des freien Asiensein weiteres wirksames Bollwerk gegen den Kommunismus bilden kann. Der Sonderfonds des Präsidenten
für das freie Asien soll die Entwicklung einer wirtschaftlichen
Stärke und Zusammenarbeit in diesem Gebiet anregen und steigern.
Wir sind der Ansicht, daß die Verwendung dieses Fonds im Rahmen des Programms zwischen den USA und einzelnen Staaten des Fernen Ostens auf bilateraler Basis erfolgen sollte. Wir sind ferner
der Ansicht, daß es für uns wie für die Teilnehmerstaaten am
vorteilhaftesten sein würde, wenn diese Länder aus ihren eigenen
gemeinsamen Anstrengungen bei der Suche nach einer Lösung für ihre
eigenen Erschließungsprobleme Gewinn ziehen. Die Völker des freien
Asiens verfügen bereits in dem beratenden Ausschuß für den ColomboPlan zur kooperativen wirtschaftlichen Entwicklung in Süd- und
Südost-Asien über ein für diesen Zweck geeignetes Instrument.
Diese recht schwerfällige Bezeichnung wird häufig abgekürzt und
ist dann unter dem Namen "Colombo-Plan" bekannt. Es ist möglich,
daß eine weitere Entwicklung dieser Organisation, an der wir bereits gemeinsam mit unseren asiatischen Freunden beteiligt sind,
die Ideen hervorbringt und die Richtung weist, wie dieses Gebiet
sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht gestärkt werden kann.

In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Konferenz verweisen,
die kürzlich von Vertretern einer Reihe von Colombo-Plan-Ländern
in Simla in Indien abgehalten wurde. Diese Konferenz führte zahlreiche asiatische Länder zusammen und bedeutete bereits an sich
einen wesentlichen Schritt vorwärts. Die Konferenz erkannte an,
daß ein regionaler Versuch erwünscht und ein weiteres Studium
eines derartigen Versuches notwendig sei. Die Konferenz erkannte
ferner an, daß irgendeine regionale Mittlerorganisation keinen
Vorteil bringen und es von Nutzen sein würde, wenn die Vereinigten
Staaten jede Hilfe auf bilateraler Basis, die der Kongreß zu gewähren sich bereitfinden könnte, leisten würden. Diese Ansicht
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Ansicht steht selbstverständlich mit der unseren vollkommen in
Einklang.
Ich selbst bin hinsichtlich der Einzelheiten der Fragen, über
die ich hier spreche, kein Experte. Aber ich habe in bezug auf
den Wert, den diese Programme als Glanzes für die Vereinigten
Staaten haben, ein zuversichtliches Gesamturteil. Meiner Ansicht
nach führen diese gemeinsamen Sicherheitsprogramme zu einem
sichtbaren Erfolg, indem sie die Bedingungen herbeiführen, die
meines Erachtens die beste Garantie für Frieden und Freiheit in
der Welt bieten. Den Preis, den wir für dieses Ergebnis zahlen,
erachte ich gemessen an dem zu erreichenden Resultat als annehmbar.
Dieses Gemeinsame Sicherheitsprogramm wird auch weiterhin
einen wesentlichen Teil unserer Gesamtpolitik bilden, deren Ziel
es ist, den Machthabern, die gegenwärtig der Linie des internationalen Kommunismus folgen, die Nutzlosigkeit der auf die
Welteroberung gerichteten Politik vor Augen zu führen. In gleicher Weise hoffen wir, daß es einmal zu einer Politik kommen
möge, die den rechtmäßigen Bestrebungen der unterworfenen Völker
besser gerecht wird.
Die jüngsten Ereignisse in Europa, auf die ich eingangs Bezug
nahm, lassen vermuten, daß der Zeitpunkt näherrücken mag, da diejenigen, die nach der Unterjochung der Freiheit getrachtet haben,
in der Tat eine tolerantere Politik annehmen werden.
Hiermit möchte ich nicht implizieren, daß wir meiner Meinung
nach unsere Ziele erreicht haben. Neben den guten Seiten gibt es
noch immer schlechte. Es mag auch durchaus möglich sein, daß
die internationalen Kommunisten der Ansicht sind, irgendwelche
neuen, jetzt von ihnen angewandten politischen Maßnahmen entsprächen dem klassischen Rezept Lenins, der sagt, daß "wir
bei der Verfolgung unserer Ziele vielleicht manchmal einen Zickzackkurs einschlagen müssen, dabei ein Stück zurückgehen, ab und
an den vorher eingeschlagenen Weg verlassen und andere ausprobieren müssen". Nach Stalin bedeutet diese Taktik, *die Reserven
so einzusetzen, daß sie angesichts eines starken Feindes einen
geordneten Rückzug durchführen können". Nichtsdestoweniger fühle
ich mich doch irgendwie ermutigt, weil die Taktik des internationalen Kommunismus heute der Vermutung Raum läßt, daß die
Kommunisten eingesehen haben, die freie Welt ist wirklich "stark",
und daß sie daher einige der früher von ihnen verfolgten Wege
aufgegeben haben.
Ich habe von den Ereignissen der jüngsten Tage gesprochen.
Sie wurden von einer bemerkenswerten Umkehr vieler der politischen
Richtlinien.der sowjetischen Machthaber gekennzeichnet. Sie änderten ihre Haltung im Hinblick auf den österreichischen Staatsvertrag. Wenn die sowjetischen Truppen auf Grund dieses Vertrages jetzt aus dieser vorgeschobenen Position im Herzen Europas
abziehen, dann ist dies das erste Mal in Europa, daß die Rote
Armee den Rückmarsch in die Heimat anzutreten haben wird, seit
sie vor zehn Jahren ihre vorgeschobenen Stellungen bezogen hat.
Dann
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"AMERIKA DIENST"

Dann wäre hier die Pilgerfahrt der sowjetischen Führer nach
Belgrad zu nennen. Seit sieben Jahren - seit sich die jugoslawische Regierung nämlich vom sowjetischen Block getrennt hat - ist
sie ständig geschmäht und bedroht worden. Die Partei in Jugoslawien wurde von der kommunitischen Partei in der Sowjetunion als
der offenen Ketzerei schuldig ausgeschlossen. Jetzt gehen die
führenden Männer der Sowjetunion, die noch nie in Priedenszeiten
ihr Land verlassen haben, nach Belgrad, um ihren Frieden zu machen.
Die Unabhängigkeit wird belohnt und die Ketzerei verziehen. Dies
muß tiefgreifende Auswirkungen auf den ganzen sowjetischen Machtbereich haben.
Hinsichtlich^der Abrüstungsfrage hat die Sowjetunion in
der letzten Zeit ihre Meinung geändert. Ihr gegenwärtiger Standpunkt enthält vieles, was noch nicht klar oder für die USA nicht
annehmbar ist, aber zumindest erkennt die Sowjetunion bestimmte
Grundvoraussetzungen als gültig an, die sie vorher beharrlich
abgelehnt hat. Beispielsweise besteht die UdSSR nicht mehr länger
darauf, daß irgendeine Reduzierung der zahlenmäßigen Stärke der
Landstreitkräfte auf prozentualer Basis durchgeführt werden müsse,
was ihre gegenwärtige Überlegenheit auf diesem besonderen Gebiet
verewigen und faktisch verstärken würde.
Schließlich scheinen die führenden sowjetischen Staatsmänner
nun zu weiteren Gesprächen bereit zu sein, nachdem sie vorher
erklärt hatten, daß die Verwirklichung der Pariser Verträge ein
ernsthaftes Hindernis für derartige Verhandlungen sein würde.
Die Klagen der Moskauer "Prawda" gehen dahin, daß wir (der Westen)
anscheinend nicht gewillt sind, lange genug zu verhandeln.
Niemand kann genau sagen, was die Umkehr auf diesen vier Gebieten bedeutet, die sich im Ablauf weniger Wochen abgezeichnet
hat. Eine Interpretation ist sicherlich die, daß die Sowjets durch
diese Demonstration freundlicher Vernunft die freien Nationen in
ein Gefühl der Sicherheit wiegen wollen, das diese zur Aufgabe
von Maßnahmen bewegen würde, die es ihnen bisher ermöglicht haben,
sich gegenseitig bei der Bewahrung der Freiheit zu unterstützen.
Es gibt unter den freien Nationen einige, die von dieser Aussicht
verlockt werden. Die meisten schauen auf die Vereinigten Staaten,
um zu sehen, wie diese die jüngsten sowjetischen Schritte interpretieren. Wenn wir sie als Demonstration e ines grundsätzlichen
Wandels in der sowjetischen Haltung und als Anzeichen dafür betrachten, daß die Gefahr vorüber ist, dann werden sie sich dieser
Meinung rasch anschließen In diesem Falle würde viel von der
Solidarität und Stärke, die in den vergangenen Jahren aufgebaut
wurden, einem raschen Verfall entgegengehen.
Die Vereinigten Staaten begrüßen wärmstens alle neuen Möglichkeiten zur Sicherstellung eines gerechten und dauerhaften
Friedens, und werden sie auch vollständig und in guter Absicht
prüfen. Diesem Ziel hat sich unsere Nation verschrieben, und wir
werden auch keine Gelegenheit auslassen, diesem Ziel näherzukommen. Wir begrüßen die jüngsten Handlungen der Sowjets, die ein
größeres Maß an Toleranz sowie eine größere Bereitschaft zur
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�25. Mai 1955

"AMERIKA DIENST"

zur Freiheit und Unabhängigkeit vermuten lassen. Es würde jedoch
ein großer Fehler sein, anzunehmen, daß die Gefahren nun vorüber
sind, oder in solcher Weise zu handeln, daß andere denken könnten,
wir betrachteten die Gefahr als vorüber. Es könnte keinen schlimmeren Augenblick geben, als jetzt von der Politik abzugehen, die
das Gemeinsame Sicherheitsprogramm beinhaltet, und die uns dorthin gebracht hat, wo wir heute stehen.
Wir können hoffen, daß ein neuer Tag kommt; aber viel zu oft
sind die Menschen in ihr Verderben gelockt worden, indem sie eine
trügerische Morgenröte für eine echte hielten. Wir dürfen diesen
Fehler nicht machen. Lassen Sie uns das festhalten und bewahren,
was gut ist. Wie alles, was vom Menschen stammt, ist auch das
Programm für die Gemeinsame Sicherheit ohne Zweifel unvollkommen;
aber die Prinzipien, die es enthält, sind gewogen und für gut
befunden worden. Aus diesem Grunde ersuche ich den Kongreß, das
Programm fortzusetzen.
* * * # *

�LEWIS L.STRAUSS: WIR HABEN UNSERE ZUKUNFT
SELBST IN DER HAND

WASHINGTON — (AD) — Wortlaut einer Ansprache von Lewis Strauss, Vorsitzender
der US-Atomenergiekommission, die er am
24. Mai 1955 anläßlich des dritten Rockhurst-Jahresbanketts im Rockhurst-College
zu Kansas City in Anwesenheit von Erzbischof O'hara gehalten hat:

Eure Exzellenz, Herr Präsident van Ackeren, hochverehrte
Gäste, meine Damen und Herren!
In diesem Sommer sind es erst zehn Jahre, seitdem im Dämmerlicht eines frühen Morgens in der Wüste Neumexikos die erste
Atombombe zur Explosion gebracht wurde.
Schon ein halbes Jahrhundert zuvor war die Atomenergie mit
Gewißheit angekündigt, ja sogar berechnet worden, denn Einstein
hatte seine grundlegende Formel im Jahre 1905 niedergeschrieben.
Eine stetige, gesteuerte Kernspaltung war im Jahre 1942 in der
Fermischen Uranbatterie Tatsache geworden. Doch erst an jenem
Julimorgen des Jahres 1945 in Alamogordo wurde die schauerliche
Kraft des Atoms von Menschenhand entfesselt.
In den zehn Jahren, die seitdem verflossen sind, haben wir
nicht allein in der Weiterentwicklung der Zerstörungskraft der
Atomenergie für militärische Zwecke, sondern auch in der Erweiterung ihrer Anwendungsmöglichkeiten zum Wohle der Menschheit
große Fortschritte erlebt. Die feindselige Atmosphäre in der
Weltpolitik und die Bedrohung von seiten jener, die die Freiheit vernichten möchten, um ihre eigene gottlose, erbarmungslose
Lehre weiter zu verbreiten, haben uns gezwungen, Atomwaffen zu
entwickeln und einzulagern - ganz einfach zur Selbstverteidigung. Eine andere vernünftige Möglichkeit haben wir nicht. Unsere Sicherheit und unsere Hoffnung auf Vermeidung eines Krieges bemessen sich - so grausig dies klingt - nach der Menge und
der Wirksamkeit unserer Waffen.
Dennoch
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND 'RBEIT

8. Juni 1955

Dennoch wissen wir, daß Waffen allein die Kriegsfurcht nicht
bannen und den Völkern der Welt die Segnungen des Friedens nicht
bringen können« Gott, der uns erlaubt hat, einige der Geheimnisse
des Atoms zu entschleiern, kann nicht gewollt haben, daß dieses
Wissen der Menschheit nur zur Qual und Vernichtung gereichen
solle.
Deshalb haben wir in demselben Maße, wie wir unsere Kräfte
anspannen, um die Mittel zur Verteidigung unserer Lebensweise zu
schaffen, uns bemüht, die Energie der Kernspaltung in die Bereiche
wahrhaft menschlichen Strebens und echten Fortschritts zu lenken d.h. sie der Landwirtschaft dienstbar zu machen, um mehr und bessere Nahrungsmittel zu erzeugen und Einöden zu kultivieren, der
Medizin, um Krankheitsursachen zu entdecken und damit manche
Geißel der Menschheit unwirksam zu machen, und der Industrie,
um einen größeren Schatz an materiellen Gütern immer zahlreicheren Menschen überall in der Welt zukommen zu lassen.
Wir tun dies im Zeichen des Planes von Präsident Eisenhower,
den er den verzweifelnden Völkern der Welt in seiner denkwürdigen
Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 8. Dezember
1953 eröffnet hat. Man hat sich angewöhnt, bei diesem Plan von
"Atome-für-den-Frieden" zu sprechen.
Schon seit dem Vorschlag Baruchs im Jahre 1946 ist unsere
Haltung gegenüber anderen Völkern der Welt in der Frage der Atomenergie die aufrichtiger Selbstlosigkeit. Wir haben versucht, den
Einsatz von Atomenergie sowohl hier bei uns als auch in allen anderen Ländern nur auf friedliche Zwecke zu beschränken, und wir
haben uns damals unter dieser Bedingung erboten, das von uns Erarbeitete mit allen zu teilen.
Doch bis zur Rede des Präsidenten vor den Vereinten Nationen
vor nunmehr anderthalb, Jahren, und auch angesichts der in der darauffolgenden Zeit von uns erbrachten Beweise unserer Entschlossenheit, diesen Gedanken in die Wirklichkeit umzusetzen, waren all
unsere Versuche in dieser Hinsicht durch die Manöver der Sowjets
abgewiesen worden.
Der Vorschlag unter dem Leitwort "Atome-für-den-Frieden"
gab den Hoffnungen und dem Traum der Menschheit einen ungekannten
Auftrieb. Eben von einer vierwöchigen Reise durch einen Teil Westeuropas zurückgekehrt, habe ich dies erst kürzlich selbst bestätigt gefunden» Ich habe bemerkt, daß die von uns unternommenen
Schritte zur Durchführung des Vorhabens einer friedlichen Verwendung der Atomenergie zum Besten aller in den Herzen der Menschen,
ob hoch oder gering, einen gewaltigen Widerhall gefunden haben.
Die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in den
westeuropäischen Ländern im Gegensatz zu der Zeit vor wenigen Jahren ist so ausgeprägt, daß man auf keine Statistik zurückgreifen
braucht, um die Behauptung zu belegen, der Wohlstand gedeihe im
Frieden, nicht im Kriege.
Dieser Fortschritt und dieser Wohlstand sind möglich geworden,
weil abgesehen von dem wirtschaftlichen Beistand, den wir leisten
konnten, unser Militärpotential - in diesem Sinne jedoch nicht

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND AFBETT

8. Juni 1955

nicht Männer unter Waffen, sondern Atomwaffen und die Möglichkeit
ihres Einsatzes am entsprechenden Ort - den freien Völkern Westeuropas ein Bollwerk gegen kommunistische Angriffe geboten hat.
Diese Wehrkraft hat den freien Völkern ein Gefühl der Sicherheit
und eine Atempause gegeben, in der sie ihre Wirtschaft festigen
und ihre Industrie wieder aufbauen konnten. Diese Pause haben sie
gut genutzt. Dieser Wohlstand hat ihnen unter anderem auch die
Erfahrung eingebracht, die uns längst vertraut war,de-rämlich mit
besser werdender Lebenshaltung der Stromverbrauch pro Kopf der Bevölkerung stark ansteigt. Unter guten wirtschaftlichen Verhältnissen verwendet man elektrischen Strom bei immer zahlreicheren
Dingen, die der Bequemlichkeit dienen, und besonders zur Befreiung
von der Mühsal des Alltags.
Wenn Europa Elektrizität haben will, so muß es seinen Erdölbedarf fast ausschließlich durch Importe decken; und seine Kohlenvorräte sind vielfach minderwertig, auch schwinden sie immer mehr
dahin. Seine Wasserkraft ist fast völlig ausgelastet.
Das bedeutet, daß beinahe in allen Ländern weitblickende
Staatsmänner den unaufhaltsamen Anstieg des Strombedarfs und den
zunehmenden Verbrauch fester und flüssiger Brennstoffe voraussehen.
Beides wirkt dahin, daß in einer nicht allzu ferner Zeit eine
große Frage auftauchen wird. Diese Frage ist für sie viel akuter
als für uns. Wenn man nichts zur Lösung dieses Problems tun kann,
so werden über einen großen Teil Europas die Lichter trüb werden.
Das einzige, was man offensichtlich an diesem entscheidenden Wendepunkt der Menschheitsgeschichte tun kann, ist die Großerzeugung von Elektrizität aus Atomenergie. Das Verfahren ist
Ihnen sicherlich bekannt. Uran-235 und Plutonium haben die Eigentümlichkeit, sich zu spalten und dabei große Wärmemengen freizugeben. Diese Wärme kann genau so verwendet werden wie die Wärme
aus der chemischen Reaktion, die bei der Verbrennung von Kohle
oder Erdöl auftritt. Der große Vorteil atomarer Brennstoffe liegt
darin, daß ein Pfund Uran bei seiner Spaltung eine Energie freigibt, die etwa der aus zweieinhalb Millionen Pfund Kohle entspricht. In einem besonders konstruierten Atorriofen kann man mit
diesem Uran sogar während des Prozesses der Abgabe von Wärme weitere spaltbare Stoffe erzeugen. In dieser Hinsicht unterscheidet
es sich grundsätzlich von Kohle und Öl.
Überall in Europa fand ich große Aufgeschlossenheit für den
Gedanken einer Lösung der Energiekrise durch Kernspaltung. Nächst
der Erhaltung des Friedens findet diese Frage das Hauptinteresse
der Regierungen, und die Aufwendungen für Forschungs- und Entwicklungsprojekte sind verhältnismäßig sehr große Posten im Haushaltsplan der von mir besuchten Länder.
Auch ist erwähnenswert, daß diese Aufwendungen, mögen sie im
Vergleich mit den unsrigen für ähnliche Zwecke auch gering sein,
ganz unverhältnismäßig große Ergebnisse zeitigen können. Die Ursache dafür ist darin zu suchen, daß Arbeitskräfte und Baustoffe
in vielen dieser Länder billiger sind und weil der Anreiz zur Inangriffnahme entsprechender Projekte dort, wie schon gesagt, stärker ist als bei uns.
jn

�'"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Juni 1955

In Gebieten, wo die Stromkosten beträchtlich höher liegen als
bei uns, dürfte allerdings schon heute der Einsatz von Atomenergie
möglich sein, ohne daß man den sicheren Erfolg der Bemühungen
unserer Ingenieure und Forscher abzuwarten braucht, die die Kosten zu verringern suchen, indem sie die vorhandenen Verfahren
verfeinern oder ganz neue Wege zum Erfolg ergründen.
Und gerade wegen dieser materiellen Sorge um die Beschaffung
elektrischer Energie, deren die Völker zum Leben heute ebenso
dringend bedürfen wie der menschliche Körper der Nahrung, bedeutete unser Vorschlag, die Atomenergie friedlichen Zwecken dienstbar zu machen, für diese Staatsmänner eine so große Erleichterung.
Europa spürt - mag dies nun auf kühler Überlegung beruhen oder
nicht -,daß seine Kultur einen Atomkrieg nicht überdauern würde.
Die Möglichkeit einer Auslöschung von Kultur und Kunst in
Europa, die so viele Jahrhunderte des törichten Kriegführens der
Menschen mit schwächeren Waffen überdauert haben, bedrückt sie in
den Stunden des Wachseins und erfüllt ihre Träume mit Angst.
Eifrig griffen sie nach der Möglichkeit, die wir in Aussicht
stellten als ein Mittel, auf diesem Wege zum Verderben innezuhalten.
Die ablehnende Haltung der Sowjets gegenüber dem Plan des
Präsidenten - eine Haltung, die ihrer Weigerung im Jahre 1947
oder später, unsere damaligen Vorschläge anzunehmen, völlig
entspricht - hat diesen düsteren Vorahnungen noch mehr Gewicht
gegeben. Indem man sich mithin auf unsere Macht als einem Abschreckungsmittel gegen weitere Expansionsbestrebungen der Sowjets
verläßt, legt man in den meisten Ländern Europas vor allem Nachdruck auf die Verwendung der Atomenergie zum Wohle der Menschheit.
Dies trifft nicht ganz zu für Großbritannien, das, wie Sie wissen,
ein Atomwaffenprogramm hat. Die Energiewirtschaft ist nur eines
der Gebiete für eine segensreiche Verwendung der Atomkraft, wenngleich das vordringlichste. Andere, die auch in Europa Interesse
finden, sind der Einsatz radioaktiver Isotope in der Medizin,
Landwirtschaft und Industrie. Mehrere Länder haben die Projekte
auf diesen Gebieten schon weit vorangetrieben. Großbritannien
und Frankreich erzeugen Isotope nicht nur für eigene Zwecke, sondern auch für benachbarte Länder, und es gibt hochangesehene europäische Forschungseinrichtungen zur Bekämpfung von Krebs und anderen menschlichen Leiden, die mit diesen neuen "Werkzeugen"
arbeiten. Ich könnte hinzufügen, daß die Vereinigten Staaten schon
seit 1947 Isotope für medizinische Forschungs- und Behandlungszwecke
exportieren.
Es ist ein Glück für die Welt, daß es auf diesem Gebiete kein
Monopol gibt, daß weder wir es besitzen noch jemand sonst. Der
Genius der Entdeckung hat niemals ein Volk vor dem anderen begünstigt, und die Ideen zu Erfindungen und Entdeckungen, die der
Menschheit zum Segen gereichen, können in einem kleinen, dürftig
ausgestatteten Laboratorium in einem kleinen Lande ebenso geboren
werden wie in einem großen, reichen.
Nur
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Juni 1955

Nur eine Sache, die mir in Europa begegnete, hat mich bestürzt, und sie ist, wie Sie sehen werden, eine Folge der Angst
vor dem Atomkrieg. Es war dies der mehrfach wiederholte Vorschlag,
daß die Staaten, die Atomwaffen besitzen, sich darauf einigen
sollten, sie weder zu erproben noch zu benutzen. Das Vorkriegsabkommen gegen die Verwendung von Giftgas wurde gelegentlich als
Beispiel dessen genannt, was sich durch eine solche Vereinbarung
erzielen ließe.
Geht man dieser Meinung auf den Grund, so erweist sie sich
natürlich als Trugschluß. Denn im zweiten Weltkrieg hat nicht das
internationale Abkommen die Verwendung von Giftgas verhindert.
Wäre das Gas eine eindeutig wirksame Waffe gewesen, wer könnte
daran zweifeln, daß es von den gewissenlosen Angreifern, die den
letzten Krieg vom Zaun brachen und denen andere feierlich eingegangene: Verpflichtungen nicht das geringste galten, verwendet
worden wäre! Das Giftgas bot einem Angreifer eben einfach nicht
jene Vorteile, wie sie nunmehr anscheinend die Atomwaffen haben,
und einem Staat oder einer Gruppe von Staaten, bei denen feierliche Verträge sowieso nichts gelten, käme es auch in Zukunft
auf einen nochmaligen Abschluß und Bruch eines Vertrages nicht an.
Ein solcher Vertrag könnte allerdings einem Volke, das auf seinem
gegebenen Wort beharrte, sehr teuer zu stehen kommen, wenn auf
der Gegenseite ein Staat wäre, der Verträge als einen Gegenstand
zynischer, zweckbewußter Beflissenheit und darauf folgender einfacher, dreister Verletzung ansähe. Es wäre naiv, ja sogar
äußerst töricht, wenn man sich gerade jetzt auf eine solche
Verpflichtung einlassen wollte.
Das bedeutet nun nicht, daß ich keine Möglichkeit zur Schaffung so wirksamer Sicherungen sehe, wie sie erforderlich sind,
wenn wir zu einem solchen Ziel gelangen wollen. Das wäre dann allerdings etwas ganz anderes als ein simpler Vertrag darüber,
daß Atomwaffen nicht eingesetzt werden sollen. Ein bloßes Abkommen
dieser Art wäre eine Falle. Wir streben ein Abkommen mit zweckmäßigen, wirksamen Sicherungen an, und wir werden diese Bestrebungen zweifellos fortsetzen.
wir
für
die
aus

Unsere europäischen Freunde waren begierig zu erfahren, was
ihnen Neues über unsere Pläne zur Entwicklung der Atomenergie
friedliche Zwecke sagen könnten. Bei diesen Plänen rangiert
Entwicklung der Atomenergie für wirtschaftliche Zwecke weitan erster Stelle.

Im September vorigen Jahres wurden zu Shippingport in Pennsylvanien die Vorarbeiten für den Bau eines Kernreaktors aufgenommen,
der bis 1957 eine Stromleistung von mindestens 60 000 Kilowatt
für die Haushaltversorgung und für Industriezwecke im Räume Pittsburgh liefern dürfte. Dieses Bauvorhaben ist mit einem großen
Einsatz von Privatkapital verbunden, und es stellt das erste einer
ganzen Reihe solcher Unternehmungen dar, die schließlich alle
eine Kostensenkung für die Erzeugung von Atomenergie zum Ziele
haben.
Um

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Juni 1955

Um zu illustrieren, wie ultrakonservativ viele von uns in
ihrem Denken noch vor zweiundzwanzig Monaten waren, als wir noch
nicht so recht an ein Interesse des Privatkapitals für solche Projekte glaubten, möchte ich Ihnen kurz einiges über unsere Erfahrungen mit dem erst im Januar gestarteten Programm der Atomenergiekommission sagen, zu Demonstrationszwecken Kernreaktoren mit dem
Ziel der Stromerzeugung laufen zu lassen. Unsere europäischen
Freunde waren an den damit gemachten Erfahrungen stark interessiert.
Dieses Vorhaben wurde im Rahmen der Lizenzbestimmungen des
Atomenergiegesetzes vom Jahr 1954 in Angriff genommen. Das Gesetz
legt großen Nachdruck auf die Förderung der zivilen Entwicklung
der Atomenergie durch die Privatindustrie im Geiste der amerikanischen Freiheit wirtschaftlichen Schaffens, wodurch das bisherige
Staatsmonopol in der Nutzbarmachung der Atomenergie wesentlich gelockert wird.
Der Widerhall unseres Appells an die Industrie war ermutigend
und ging weit über unsere Erwartungen hinaus. Wir erhielten Vorschläge privater und öffentlicher Stellen, Atomkraftwerke mit einer
Gesamtleistung von mehr als 700 000 Kilowatt bei einem Gesamtkostenaufwand von 205 Millionen Dollar zu errichten. Am ermutigendsten
aber war der Umstand, daß diese Gruppen bereit sind, achtzig bis
neunzig Prozent der Baukosten aus eigener Tasche zu geben, obgleich
Atomkraftwerke beim heutigen Stande der Entwicklung sich wirtschaftlich noch nicht selbst tragen - das heißt, mit Kraftwerken herkömmlicher Art in den Vereinigten Staaten wirtschaftlich nicht konkurrieren können. Ja, eine der Firmen, 'Consolidated Edison' in New
York, ist sogar bereit, die Gesamtkosten für den Bau einer Reaktoranlage mit einer Leistung von 250 000 Kilowatt, nämlich etwa
55 Millionen Dollar, aufzubringen.
Die Atomkraft für den Frieden ist da, daran gibt es keinen
Zweifel mehr. Die amerikanische Wirtschaft hilft ihr vorwärts mit
all der Zuversicht und Findigkeit, die unsere Industriellen stets
ausgezeichnet hat.
Abgesehen von solchen Bauvorhaben wir der Anlage in Shippingport, Pennsylvanien, und den anderen, die zu dem Demonstrationsprogramm für Atomkraftwerke gehören, leistet auch die Armee einen
Beitrag durch ihre Arbeiten an einem ortsbeweglichen Kleinreaktor,
der nicht nur für militärische Zwecke aussichtsreiche Verwendungsmöglichkeiten bietet , sondern auch für kleine Gemeinden, die an
Atomenergie für zivile Zwecke interessiert sind.
Die Atomenergie zum Fahrzeugantrieb ist nun auch da - man
denke an das Unterseeboot 'Nautilus'.
Die Marine wird im Juli ein zweites Atom-Unterseeboot vom
Stapel lasßen, weitere sind in Auftrag gegeben. Gleichzeitig arbeiten wir an der Entwicklung der ersten Atomantriebsaggregate für
ein großes Schiff der Kriegsmarine.
Wieder eine andere Art Kernreaktor ist der Typ, der zu Forschungszwecken konstruiert wurde. Bei dem Bau und der Inbetriebnahme von Atomöfen dieser Art bieten wir anderen Ländern unsere

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"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8.

Juni 1955

unsere Hilfe an, und wir sehen dem Tag entgegen, an dem sie auf
dem Wege über die Atomkraft, Elektrizität und radioaktive Isotope
werden gewinnen können.
Aus diesem Grunde haben wir auch hundert Kilogramm Uran-235
als Reaktorbrennstoff zur Verfügung gestellt, um dem Ausland einen
Anreiz zum Reaktorenbau für Forschungszwecke zu geben. Es verdient
übrigens Beachtung, daß dieses Uran nicht das gleiche ist, das
für Atomwaffen Verwendung findet. Gemäß dem im August vorigen Jahres vom Kongreß beschlossenen Gesetz wird dieser Reaktorbrennstoff
Ländern zugänglich sein, die mit uns entsprechende Abkommen über
Zusammenarbeit schließen. Großbritannien hat gleichfalls zwanzig
Kilogramm bereitgestellt.
Das erste derartige Abkommen ist kürzlich mit der Türkei
ausgearbeitet worden,und Verhandlungen mit anderen befreundeten
Ländern sind im Gange. Wollen wir daher weiter an der Hoffnung
festhalten, daß es zu einem allumfassenden Abkommen unter der
Ägide der Vereinten Nationen kommen wird, was die Verwirklichung
des Vorschlags von Präsident Eisenhower bedeutet.
Wenn andere Völker an unserer Atomforschung und den Portschritten der Technik teilhaben sollen, dann müssen sie Wissenschaftler und Ingenieure haben, die mit diesen neuen und ganz speziellen Werkzeugen auch umgehen können. Hier helfen wir ebenfalls
den Plan in die Wirklichkeit umzusetzen, indem wir junge Leute aus
anderen Ländern aufnehmen und sie in unseren Laboratorien und
Lehrstätten ausbilden.
Auf unsere Anregung hin wird im August in Genf eine Konferenz
der Vereinten Nationen über die Verwendung der Atomenergie für
friedliche Zwecke stattfinden. Auf dieser Konferenz werden führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Technik von vielleicht
84 Ländern zusammenkommen, um sich gemeinsam über die Portschritte
auf dem Gebiete der Atomforschung und Atomtechnik außerhalb der
Rüstungssphäre zu informieren. Jedenfalls bietet' sie aussichtsreiche Möglichkeiten zu einer Förderung der internationalen Zusammenarbeit, und wir selbst werden uns wesentlich beteiligen.
Die US-Atomenergiekommission wird auf dem Konferenzgelände
einen Kernreaktor jenes Typs, der für Porschungszwecke verwendet
wird, aufbauen und praktisch vorführen. Vertreter anderer Länder
werden Gelegenheit haben, ihn zu besichtigen und seinen Steuerungsmechanismus zu betätigen. Auch viele andere interessante Dinge
aus Physik, Medizin und Industrie wird man dort finden.
Wenn wir auch in der Entwicklung der Atomenergie für friedliche Zwecke wichtige Portschritte machen - nicht nur für uns selbst
sondern für die ganze Menschheit -, so vollzieht sich doch diese
Arbeit im Schatten weltweiter Spannungen und des stets gegenwärtigen
Bewußtseins, daß der Krieg, wenn er käme, in seinen Auswirkungen
noch katastrophaler sein würde als je zuvor in der Geschichte.
Dieses Wissen muß unser ganzes Denken beherrschen.
Studenten und andere junge Leute haben mich oftmals gefragt,
ob ich denn im Grunde meines Herzens daran glaubte, daß wir die Segnungen des Atoms genießen werden, ehe seine Zerstörungskräfte über
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Juni 1955

über uns kommen, und was ich denn überhaupt an wesentlichen Gedanken zur geistigen Grundlage für das normale Leben in einer Welt
beitragen könnte, in der solche zerstörerische
Kräfte dem Menschen in die Hand gegeben sind.
Wir sollten nicht vergessen, daß es in der Zivilisationsgeschichte schon häufig kritische Augenblicke gegeben hat, wenn durch
eine Entdeckung von großer Tragweite die Möglichkeiten da waren,
entweder die Menschheit weiterzubringen oder sie zu vernichten.
In grauer Vorzeit entdeckte der Mensch, daß Feuer ihn wärmen,
aber ebenso sein Heim und seine Familie verschlingen konnte. Viel
später entdeckte er dann Explosivstoffe und erkannte, daß diese
ihn selbst oder seine Feinde töten könnten, daß sie aber auch andererseits in seinen Bergwerken und in der Industrie gute Dienste
leisten. Viele von uns, die wir hier versammelt sind, können sich
noch an die Entwicklung der ersten Flugzeuge erinnern, und zwar
sollten sie damals als Kriegswaffe, nicht als Beförderungsmittel
dienen.
Nun hat der Mensch die Atomenergie entdeckt, die ihm sowohl
zum Segen gereichen kann als auch furchtbares Leid über ihn zu
bringen vermag. Und wie schon bei den früheren Entdeckungen, so
steht auch hier - allerdings in riesenhaftem Maßstab - der Kraft
der Zerstörung eine ebensolche gewaltige Kraft segensreichen Aufbaus gegenüber.
Die Wahl liegt heute wie eh und je beim Menschen selbst.
Wir alle, meine Zuhörer, verdanken unsere Existenz mehr oder
weniger der Tatsache, daß unsere Vorfahren an vielen Wendepunkten
der Geschichte - unbesorgt ob der besonderen Ängste, die jeweils
ihre Zeit heimsuchten - aus dem Glauben Mut geschöpft und den
Glauben durch die Reihe der Geschlechter uns überliefert haben.
Und so leben wir denn heute, trotz menschlicher Grausamkeit und
des Vorhandenseins unbarmherziger Waffen. Aggression und Gewalt
sind nicht gleichbedeutend mit Stärke und Überleben. Nur der Glaube
ist wahrhaft und unbesiegbar stark und der Quell des Lebens.
In einer Welt neuer Kräfte und neuer Bedrohungen, einer
Welt, in der wir gezwungenermaßen wider eine Ideologie streiten,
die Wahrheit, Menschenwürde und Freiheit verachtet, ist der Glaube
die letzte Verteidigung - ein Glaube zunächst an uns selbst, an
unsere Festigkeit, an unsere Kaltblütigkeit in der Gefahr und an
unseren Mut, wenn er auf die Probe gestellt wird, und schließlich
ein Glaube an die letzte Zuflucht, nämlich eine allmächtige, gnädige Vorsehung. Immer wieder haben wir Beweise dafür erhalten,
daß Gott den Sieg der Wahrheit und das Weiterleben und Wohlergehen
des Menschen im Sinne hat.
Lassen Sie mich Ihnen versichern, daß ich nicht zu denen gehöre,
die da glauben, der Krieg sei notwendigerweise unvermeidlich, oder
daß er, wenn er käme - was Gott verhüten möge -, unser ganzes Kulturgut in radioaktive Asche verwandelt. Einmal lehrt mein Glaube
es mich anders. Ich glaube nicht, daß der Schöpfer den Menschen
so weit sich hat entwickeln lassen, nur damit er seine Gaben dazu

�"AMERIKA DIENST"

- WIRTSCHAFT UND ARBEIT

8. Juni 1955

dazu mißbrauche, in einem Atemzuge alle Werke des Menschen, die
Denkmäler seiner Kultur, das ganze geistige Gut aller Zeiten - ja,
alle Zeugnisse von Gottes steter liebe und Gnade zu vernichten.
Doch ich glaube auch, daß wir uns durch Untätigkeit nicht
retten können. Die Mächte des Bösen und der Gottlosigkeit hat es
immer gegeben,
_ _
und immer hat man ihnen widerstehen müssen. Und deshalb rüsten wir sogar, während wir eine Formel suchen, die eine friedliche Zukunft sichern soll.
Die Geschichte bietet uns einen Grund zum Glauben und zu der
zuversichtlichen Überzeugung, es sei die Absicht der Vorsehung,
daß die Freimachung der Kraft des Atoms auf dem Wege über den
Genius des Menschen ein Mehr an menschlichem Glück bewirken werde.
Der Glaube, der Berge versetzt, wird auch das Atom beherrschen.
Ich glaube, daß die segensreiche Verwendung der Kraft, die der
Allmächtige in den unsichtbaren Atomkern gelegt hat, über die
Kräfte der Vernichtung und des Bösen triumphieren wird.

# # # # *

�A M E R I K A

D I E N S T

DUILES: KOMMUNISTEN SIND SICH DER STÄRKE DER
FREIEN WELT BEWUSST

WASHINGTON.— (AD) — Nachstehend üb ermitteln wir Ihnen
eine Erklärung, die der amerikani sehe Außenminister
John Poster Dulles am 25« Mai 195 5 zum Gemeinsamen
Sicherheitsprogramm Präsident Eisenhowers, das für
das am 1. Juli beginnende Haushai tsjahr 3,53 Milliarden Dollar für Zwecke der Ausland shilfe vorsieht, vor
dem Außenpolitischen Ausschuß des Repräsentantenhauses
abgab. Der Außenminister erklärte dabei, die Taktiken
der Kommunisten ließen vermuten, daß sie erkannt hätten, daß die freie Welt stark sei und sie daher einige
der von ihnen seiner Zeit eingesc hlagenen Wege aufgeben
müßten.
Vor drei Wochen sprach ich zu Ihren Kollegen im Außenpolitischen Ausschuß des Senats, um Präsident Eisenhowers Ersuchen um Portführung der wesentlichen Elemente des Gemeinsamen
Sicherheitsprogramms im kommenden Jahr zu unterstützen. Während
dieses kurzen Zeitraumes von drei Wochen haben historische Ereignisse stattgefunden, - Ereignisse, die die Richtigkeit der
in diesem Programm enthaltenen Konzeptionen bestätigten.
In Paris fanden die erste Tagung der Westeuropäischen Union
und die Tagung des Natorates statt, woran auch die Bundesrepublik
teilnahm. Diese Konferenzen kennzeichneten die Verwirklichung
eines der wichtigen Ziele, die wir und unsere europäischen Verbündeten uns gesetzt hatten - die Errichtung der Bundesrepublik
Deutschland als ein freier, unabhängiger und souveräner Staat,
die Aufnahme dieses Staates in die Nordatlantikpaktorganisation
und die weitere Einigung und Stärkung Westeuropas.
Ein weiteres historisches Ereignis fand in Wien statt.
Dort wurde der österreichische Staatsvertrag unterzeichnet.
Unsere Regierung hat lange auf dieses Ziel hingearbeitet. Es
bedurfte acht Jahre hartnäckiger Verhandlungen mit 379 Sitzungen, ehe die sowjetische Regierung einem Vertrage zustimmte,
der Österreich wirkliche Unabhängigkeit gibt. Ich habe diesem
Ausschuß bereits in einer Geheimsitzung über diese Ereignisse
in Paris und Wien berichtet. Diese Ereignisse hätten niemals
ohne die sich steigernde Wirkung unserer Anstrengungen auf dem

�"AMERIKA DIENST"

25.

Mai

1955

dem gesamten Gebiet der Gemeinsamen Sicherheit, wie sie in ihren
verschiedenen Phasen während dieses NachkriegsJahrzehnts unternommen wurden, eintreten können.
Diese großen Ereignisse ermöglichen es mir, heute hier vor
Sie hinzutreten und mit erneuter Zuversicht auszusprechen, daß
dieses Programm wirklich funktioniert und die Energie, die Geduld
und das Geld wert ist, das die Vereinigten Staaten dafür aufgewendet haben.
Dieser Ausschuß hat viele Jahre hindurch große Sorgfalt und
Gewissenhaftigkeit auf dieses vielgestaltige pjrogramm verwandt und einen sehr
bedeutenden Beitrag zu ihm geleistet. Sie verdienen hohe Anerkennung für das, was durch dieses Programm erreicht worden ist.
Wir haben an Teilen dieses Gemeinsamen Sicherheitsprogramms
nunmehr bereits über zehn Jahre lang gearbeitet. Es ist in seiner
Art einzigartig in der gesamten Weltgeschichte. Wir in den Vereinigten Staaten fällten die Entscheidung, daß es in unserem eigenen Interesse klug sein würde, einen bedeutenden Teil unserer
Kräfte dazu zu verwenden, den anderen freien Völkern beim Aufbau
einer gesunden Wirtschaft und einer militärischen Stärke zu helfen,
die für die Erhaltung ihrer Freiheit notwendig sind. Wir tun dies
ohne jeden Gedanken an eine Machtausweitung unsererseits.
Im Verlauf der Jahre ist dieses einzigartige Experiment auf
dem Gebiet der internationalen Beziehungen manchen Veränderungen
unterworfen gewesen - Veränderungen der Schwerpunktbildung, Zusätzen und Abstrichen, Veränderungen im organisatorischen Aufbau
und in der Verwaltung. In diesem Jahr sind neue Veränderungen vorgeschlagen worden, um das Programm den sich ändernden Gegebenheiten anzupassen und dadurch zu gewährleisten, daß die angestrebten
Ziele besser erreicht werden.
Der Präsident hat angekündigt, daß in der Verwaltung des
Programmes eine Änderung stattfinden wird. Bisher wurde das Programm vom Mr. Harold E. Stassen und seinen Mitarbeitern im Amt
für Auslandshilfe (FOA) im Inland wie im Ausland verwaltet. Der
Präsident hat bekanntgegeben, daß die Aufgaben und Geschäfte dieser Behörde am 30. Juni 1955 dem Außenministerium übertragen werden, mit Ausnahme bestimmter militärischer Aufgaben, die vom Verteidigungsministerium verwaltet werden. Ich möchte Mr. Stassen
und seinen Mitarbeitern meine hohe Anerkennung aussprechen für die
Art und Weise, in der ihre Arbeit zur Förderung der Interessen
unseres Landes beigetragen hat. Ich hoffe, daß es möglich sein
wird, dieses Programm, sobald die Verantwortung auf das Außenministerium übergeht, in wirksamer Form fortzuführen. Um dies zu
gewährleisten, will der Präsident dem Senat in Kürze ein hervorragendes ehemaliges Mitglied des Repräsentantenhauses - John B.
Hollister - für den Posten des Direktors des Amtes für internationale Zusammenarbeit, der dem Außenministerium eingefügten Nachfolgeorganisation der FOA, zur Bestätigung vorschlagen.
Der Gesamtbetrag der von Präsident Eisenhower zur Förderung
der Ziele des Gemeinsamen Sicherheitsprogramms im kommenden Jahre
angeforderten Mittel beläuft sich auf 3,53 Milliarden Dollar. Von
- 2 -

�"AMERIKA DIENST"

25* Mai 1955

Von diesem Betrag sollen ungefähr die Hälfte oder 1 717,2 Millionen Dollar direkt für die Unterhaltung und den Aufbau der militärischen Streitkräfte der Verbündeten verwendet werden. Zusätzlich zu dieser Hälfte des Gesamtbetrages sollen weitere
1 000,3 Millionen Dollar für die sogenannte "Verteidigungshilfe" verwendet werden, das bedeutet Wirtschaftshilfe an
Länder, die anders die Lasten so großer Verteidigungseinrichtungen, wie sie wünschenswert erscheinen, nicht tragen können.
Militärische Einrichtungen sind nicht nur wirtschaftlich
unproduktiv, sondern mindern auch die Leistungsfähigkeit eines
Volkes weitgehend. Die Lage einiger Länder ist so, daß es wünschenswert erscheint, wenn sie über größere militärische Einrichtungen verfügen, als ihre Volkswirtschaften sie gegenwärtig
tragen können.
Durch direkte Militärhilfe und Verteidigungshilfe werden
für die Verteidigung der freien Welt weit stärkere militärische
Streikräfte verfügbar gemacht, als dies mit den gleichen Mitteln
möglich wäre, wenn diese für unsere eigenen militärischen Einrichtungen verwendet würden.
Die beiden vorangegangenen Posten machen rund 77 Prozent
des beantragten Gesamtbetrages aus. Die restlichen 23 Prozent
oder 812,5 Millionen Dollar sind für Programme bestimmt, die
in keinem Zusammenhang mit militärischen Zwecken stehen. Die
Hauptposten sind: 337 Millionen Dollar für Wirtschaftshilfe
an Asien, wovon 200 Millionen Dollar für einen Sonderfonds für
regionale Entwicklungsvorhaben vorgesehen sind. Ferner sind
172 Millionen Dollar für technische Zusammenarbeit und 100 Millionen Dollar für einen Sonderfonds des Präsidenten eingesetzt worden

In geographischer Hinsicht ist die Verteilung der 23 Prozent,
die in keinem Zusammenhang mit militärischen Einrichtungen stehen,
wie folgt vorgesehen: 21 Millionen Dollar für Europa, hauptsächlich für Westberlin, 52 Millionen Dollar für die übrigen amerikanischen Republiken, 179 Millionen Dollar für den Mittleren
Osten, 337,5 Millionen Dollar für Asien und 22,5 Millionen
Dollar für nicht regional gebundene Programme, einschließlich
multilateraler Programme und dem Sonderfonds des Präsidenten.
In den vergangenen Jahren ging ein großer Teil an die Länder
des freien Europa. Der beste Maßstab für den Erfolg dieses Programmes ist die beachtliche Zunahme der wirtschaftlichen Vitalität, der politischen Stabilität und der militärischen Stärke in
diesen Ländern. Die NATO ist voll funktionsfähig, die europäische Einheit ist vorangeschritten, Produktion, Handel und Lebensstandard sind gestiegen. Europa steht immer noch zahlreichen
schweren Problemen gegenüber und unser Interesse an der erfolgreichen Lösung dieser Probleme bleibt unvermindert. Es ist jedoch eine erhebliche Verbesserung der Lage in Europa eingetreten.
Vielleicht aus diesem Grunde wenden wir nunmehr unseren Blick
stärker Asien zu und sehen dessen Nöte deutlicher. Das Gemeinsame
Sicherheitsprogramm für das kommende Jahr ist in diesem Sinne geplant worden.
Zusätzlich

�25. Mai 1955

"AMERIKA DIENST"

Zusätzlich zu der Weiterführung und in einigen Fällen Intensivierung der gegenwärtigen Programme - vor allem der technischen
Hilfeprogramme - in den freien ländern Asiens, hat der Präsident
um einen Sonderfonds ersucht, den er nach seinem Ermessen für
Ost- und Südasien verwenden kann.
Der internationale Kommunismus übt einen starken Druck aus,
um seinen Einfluß in den asiatischen ländern auszudehnen, die
nicht die wirtschaftliche Stärke besitzen, um angemessene Verteidigungseinrichtungen zu unterhalten und das für eine politische
Stabilität und eine ständig wachsende Verbesserung des Lebensstandards notwendige Fundament zu schaffen.
Mit dem Manila-Pakt und anderen Verteidigungsabkommen haben
wir den Kommunisten die Gefahr vor Augen geführt, die eine weitere bewaffnete Aggression in diesem Gebiet für sie mit sich
bringt. Aber das ist noch nicht alles, was wir tun können und tun
sollten. Wir wissen, daß es für Völker, die wirtschaftlich schwach
sind, schwierig ist, politisch stark zu werden und als Nation in
Sicherheit zu leben. Wir glauben, daß eine wachsende wirtschaftliche Stärke des freien Asiensein weiteres wirksames Bollwerk gegen den Kommunismus bilden kann. Der Sonderfonds des Präsidenten
für das freie Asien soll die Entwicklung einer wirtschaftlichen
Stärke und Zusammenarbeit in diesem Gebiet anregen und steigern.
Wir sind der Ansicht, daß die Verwendung dieses Fonds im Rahmen des Programms zwischen den USA und einzelnen Staaten des Fernen Ostens auf bilateraler Basis erfolgen sollte. Wir sind ferner
der Ansicht, daß es für uns wie für die Teilnehmerstaaten am
vorteilhaftesten sein würde, wenn diese Länder aus ihren eigenen
gemeinsamen Anstrengungen bei der Suche nach einer Lösung für ihre
eigenen Erschließungsprobleme Gewinn ziehen. Die Völker des freien
Asiens verfügen bereits in dem beratenden Ausschuß für den ColomboPlan zur kooperativen wirtschaftlichen Entwicklung in Süd- und
Südost-Asien über ein für diesen Zweck geeignetes Instrument.
Diese recht schwerfällige Bezeichnung wird häufig abgekürzt und
ist dann unter dem Namen "Colombo-Plan" bekannt. Es ist möglich,
daß eine weitere Entwicklung dieser Organisation, an der wir bereits gemeinsam mit unseren asiatischen Freunden beteiligt sind,
die Ideen hervorbringt und die Richtung weist, wie dieses Gebiet
sowohl in wirtschaftlicher als auch in politischer Hinsicht gestärkt werden kann.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Konferenz verweisen,
die kürzlich von Vertretern einer Reihe von Colombo-Plan-Ländern
in Simla in Indien abgehalten wurde. Liese Konferenz führte zahlreiche asiatische Länder zusammen und bedeutete bereits an sich
einen wesentlichen Schritt vorwärts. Die Konferenz erkannte an,
daß ein regionaler Versuch erwünscht und ein weiteres Studium
eines derartigen Versuches notwendig sei. Die Konferenz erkannte
ferner an, daß irgendeine regionale Mittlerorganisation keinen
Vorteil bringen und es von Nutzen sein würde, wenn die Vereinigten
Staaten jede Hilfe auf bilateraler Basis, die der Kongreß zu gewähren sich bereitfinden könnte, leisten würden. Diese Ansicht
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�"AMERIKA DIENST"

25. Mai 1955

Ansicht steht selbstverständlich mit der unseren vollkommen in
Einklang.
Ich selbst bin hinsichtlich der Einzelheiten der Fragen, über
die ich hier spreche, kein Experte. Aber ich habe in bezug auf
den Wert, den diese Programme als Ganzes für die Vereinigten
Staaten haben, ein zuversichtliches Gesamturteil. Meiner Ansicht
nach führen diese gemeinsamen Sicherheitsprogramme zu einem
sichtbaren Erfolg, indem sie die Bedingungen herbeiführen, die
meines Erachtens die beste Garantie für Frieden und Freiheit in
der Welt bieten» Den Preis, den wir für dieses Ergebnis zahlen,
erachte ich gemessen an dem zu erreichenden Resultat als annehmbar.
Dieses Gemeinsame Sicherheitsprogramm wird auch weiterhin
einen wesentlichen Teil unserer Gesamtpolitik bilden, deren Ziel
es ist, den Machthabern, die gegenwärtig der Linie des internationalen Kommunismus folgen, die Nutzlosigkeit der auf die
Welteroberung gerichteten Politik vor Augen zu führen. In gleicher Weise hoffen wir, daß es einmal zu einer Politik kommen
möge, die den rechtmäßigen Bestrebungen der unterworfenen Völker
besser gerecht wird.
Die jüngsten Ereignisse in Europa, auf die ich eingangs Bezug
nahm, lassen vermuten, daß der Zeitpunkt näherrücken mag, da diejenigen, die nach der Unterjochung der Freiheit getrachtet haben,
in der Tat eine tolerantere Politik annehmen werden.
Hiermit möchte ich nicht implizieren, daß wir meiner Meinung
nach unsere Ziele erreicht haben. Neben den guten Seiten gibt es
noch immer schlechte. Es mag auch durchaus möglich sein, daß
die internationalen Kommunisten der Ansicht sind, irgendwelche
neuen, jetzt von ihnen angewandten politischen Maßnahmen entsprächen dem klassischen Rezept Lenins, der sagt, daß «wir
bei der Verfolgung unserer Ziele vielleicht manchmal einen Zickzackkurs einschlagen müssen, dabei ein Stück zurückgehen, ab und
an den vorher eingeschlagenen Weg verlassen und andere ausprobieren müssen". Nach Stalin bedeutet diese Taktik, *die Reserven
so einzusetzen, daß sie angesichts eines starken Feindes einen
geordneten Rückzug durchführen können". Nichtsdestoweniger fühle
ich mich doch irgendwie ermutigt, weil die Taktik des internationalen Kommunismus heute der Vermutung Raum läßt, daß die
Kommunisten eingesehen haben, die freie Welt ist wirklich "stark",
und daß sie daher einige der früher von ihnen verfolgten Wege
aufgegeben haben.
Ich habe von den Ereignissen der jüngsten Tage gesprochen.
Sie wurden von einer bemerkenswerten Umkehr vieler der politischen
Richtlinien der sowjetischen Machthaber gekennzeichnet. Sie änderten ihre Haltung im Hinblick auf den österreichischen Staatsvertrag. Wenn die sowjetischen Truppen auf Grund dieses Vertrages jetzt aus dieser vorgeschobenen Position im Herzen Europas
abziehen, dann ist dies das erste Mal in Europa, daß die Rote
Armee den Rückmarsch in die Heimat anzutreten haben wird, seit
sie vor zehn Jahren ihre vorgeschobenen Stellungen bezogen hat.
Dann

�"AMERIKA DIENST"

25. Mai 1955

Dann wäre hier die Pilgerfahrt der sowjetischen Führer nach
Belgrad zu nennen. Seit sieben Jahren - seit sich die jugoslawische Regierung nämlich vom sowjetischen Block getrennt hat - ist
sie ständig'geschmäht und bedroht worden. Die Partei in Jugoslawien wurde von der kommunitischen Partei in der Sowjetunion als
der offenen Ketzerei schuldig ausgeschlossen. Jetzt gehen die
führenden Männer der Sowjetunion, die noch nie in Priedenszeiten
ihr Land verlassen haben, nach Belgrad, um ihren Frieden zu machen.
Die Unabhängigkeit wird belohnt und die Ketzerei verziehen. Dies
muß tiefgreifende Auswirkungen auf den ganzen sowjetischen Machtbereich haben.
Hinsichtlich der Abrüstungsfrage hat die Sowjetunion in
der letzten Zeit ihre Meinung geändert. Ihr gegenwärtiger Standpunkt enthält vieles, was noch nicht klar oder für die USA nicht
annehmbar ist, aber zumindest erkennt die Sowjetunion bestimmte
Grundvoraussetzungen als gültig an, die sie vorher beharrlich
abgelehnt hat. Beispielsweise besteht die UdSSR nicht mehr länger
darauf, daß irgendeine Reduzierung der zahlenmäßigen Stärke der
Landstreitkräfte auf prozentualer Basis durchgeführt werden müsse,
was ihre gegenwärtige Überlegenheit auf diesem besonderen Gebiet
verewigen und faktisch verstärken würde.
Schließlich scheinen die führenden sowjetischen Staatsmänner
nun zu weiteren Gesprächen bereit zu sein, nachdem sie vorher
erklärt hatten, daß die Verwirklichung der Pariser Verträge ein
ernsthaftes Hindernis für derartige Verhandlungen sein würde.
Die Klagen der Moskauer "Prawda" gehen dahin, daß wir (der Westen)
anscheinend nicht gewillt sind, lange genug zu verhandeln.
Niemand kann genau sagen, was die Umkehr auf diesen vier Gebieten bedeutet, die sich im Ablauf weniger Wochen abgezeichnet
hat. Eine Interpretation ist sicherlich die, daß die Sowjets durch
diese Demonstration freundlicher Vernunft die freien Nationen in
ein Gefühl der Sicherheit wiegen wollen, das diese zur Aufgabe
von Maßnahmen bewegen würde, die es ihnen bisher ermöglicht haben,
sich gegenseitig bei der Bewahrung der Freiheit zu unterstützen.
Es gibt unter den freien Nationen einige, die von dieser Aussicht
verlockt werden. Die meisten schauen auf die Vereinigten Staaten,
um zu sehen, wie diese die jüngsten sowjetischen Schritte interpretieren. Wenn wir sie als Demonstration e ines grundsätzlichen
Wandels in der sowjetischen Haltung und als Anzeichen dafür betrachten, daß die Gefahr vorüber ist, dann werden sie sich dieser
Meinung rasch anschließen In diesem Falle würde viel von der
Solidarität und Stärke, die in den vergangenen Jahren aufgebaut
wurden, einem raschen Verfall entgegengehen.
Die Vereinigten Staaten begrüßen wärmstens alle neuen Möglichkeiten zur Sicherstellung eines gerechten und dauerhaften
Friedens, und werden sie auch vollständig und in guter Absicht
prüfen. Diesem Ziel hat sich unsere Nation verschrieben, und wir
werden auch keine Gelegenheit auslassen, diesem Ziel näherzukommen. Wir begrüßen die jüngsten Handlungen der Sowjets, die ein
größeres Maß an Toleranz sowie eine größere Bereitschaft zur

�25. Mai 1955

"AMERIKA DIENST"

zur Freiheit und Unabhängigkeit vermuten lassen. Es würde jedoch
ein großer Fehler sein, anzunehmen, daß die Gefahren nun vorüber
sind, oder in solcher Weise zu handeln, daß andere denken könnten,
wir betrachteten die Gefahr als vorüber. Es könnte keinen schlimmeren Augenblick geben, als jetzt von der Politik abzugehen, die
das Gemeinsame Sicherheitsprogramm beinhaltet, und die uns dorthin gebracht hat, wo wir heute stehen.
Wir können hoffen, daß ein neuer Tag kommt; aber viel zu oft
sind die Menschen in ihr Verderben gelockt worden, indem sie eine
trügerische Morgenröte für eine echte hielten. Wir dürfen diesen
Fehler nicht machen. Lassen Sie uns das festhalten und bewahren,
was gut ist. Wie alles, was vom Menschen stammt, ist auch das
Programm für die Gemeinsame Sicherheit ohne Zweifel unvollkommen;
aber die Prinzipien, die es enthält, sind gewogen und für gut
befunden worden. Aus diesem Grunde ersuche ich den Kongreß, das
Programm fortzusetzen.
*

*

*

- 7 -

*

*

�A M E R I K A

D I E N S T

GENERAL GRUENTHER VOR DER AUSLANDSPRESSE IN BAD GODESBERG
BAD GODESBERG — (AD) — Der Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa,
General Alfred M. Gruenther,hielt am
26. Mai 1955 eine Ansprache vor dem Verband
der Auslandspresse in Bad GodesBerg. Das
Stenogramm der Rede hat folgenden Wortlaut;
Meine Damen und Herren,
Ich wünschte, ich könnte heute auf deutsch zu Ihnen sprechen. Mit einem Großvater, der aus Bayern stammte, sollte ich
es fertigbringen können. Leider ist meine Aussprache als Bürger
von Nebraska so furchtbar, daß Sie sich vermutlich beleidigt
fühlen würden. Iöh bitte Sie also um Entschuldigung, wenn ich
englisch spreche, und zwar in der Mundart von Nebraska.
Für die anwesenden Amerikaner, die nicht perfekt deutsch
verstehen, möchte ich bemerken, daß ich gerade gesagt habe, ich
würde gerne deutsch sprechen, könne es aber leider nicht und
hoffe, man werde entschuldigen, wenn ich englisch mit NebraskaAkzent spreche.
Der Zweck meines heutigen Hierseins ist es, Ihnen einen
Überblick über unsere NATO-Organisation zu geben, Ihnen zu sagen, was wir zu vollbringen versuchen, und Ihnen einige unserer
Schwierigkeiten und einige unserer Hoffnungen aufzuzeigen. Sie,
Herr Vorsitzender, haben mich gebeten, über deutsche Probleme zu
sprechen. Aber ich möchte diese Probleme jedoch im Zusammenhang
mit der gesamten NATO-Verteidigungsorganisation behandeln. Die
freien Nationen haben sich im April 1949 entschlossen, eine
kollektive Sicherheitsorganisation ins Leben zu rufen, die den
europäischen Teil der freien Welt und selbstverständlich auch
die Vereinigten Staaten und Kanada einschließen sollte.
Im Januar 1951 kam General Eisenhower nach Europa, um dort
die militärische Verteidigung der NATO-Länder zu organisieren.
Seine Aufgabe bestand darin, die Verteidigung von der Nordspitze
Norwegens bis zur Ostgrenze der Türkei, auf einer Strecke von
rund 7 000 Kilometern, aufzubauen. Bei seiner Ankunft stellte
er fest, daß der Verteidigungsstand sehr ungenügend war. Aber
noch schlimmer war, daß die bei uns vorhandenen unzureichenden
Hilfsquellen nicht organisiert waren, um eine gemeinsame Strategie
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�1 . Juni 19-55

"AMERIKA DIENST"

Strategie zu verwirklichen. Damals gab es keinen gemeinsamen
Verteidigungsplan.
Ich kann Ihnen mitteilen, daß sich jene Lage beträchtlich
geändert hat. Wir haben nun ein funktionsfähiges Shape-Hauptquartier, dem vier große Hauptquartiere untergeordnet sind:
eines in Oslo für die Verteidigung Norwegens und Dänemarks; eines
in Fontainebleau für den wichtigen Mittelabschnitt; eines in
Neapel für die Verteidigung Italiens, Griechenlands und der Türkei;
und ein viertes auf Malta für die Verteidigung der Verbindungslinien im Mittelmeerraum.
Diese Hauptquartiere sind alle voll funktionsfähige Organisationen. Jedes von ihnen verfügt über einen Einsatzplan für den
Notfall, der jederzeit zur Durchführung gelangen könnte,und jeder
dieser Pläne ist seinerseits in die gemeinsame Verteidigungsstrategie integriert.
Die erste Frage, die hierbei auftaucht, ist: Es 'ist ja zwar
sehr schön, eine gemeinsame Verteidigungsstrategie zu haben und
Pläne zu besitzen, die verwirklicht werden können, aber welche
Wirkung würden diese Pläne haben? Sind in den vier Jahren genug
Fortschritte gemacht worden, um im Falle einer umfassenden Aggressionshandlung des Erfolges sicher zu sein? Die Antwort hierauf
lautet: Nein, wir sind noch nicht so weit. Wir haben gewaltige
Fortschritte erzielt. Unsere Streitkräfte sind, gemessen an dem
Stand von Anfang Januar 1951, um das Drei- bis Vierfache, angewachsen. Aber wenn man den niedrigen Stand der damaligen Verteidigung berücksichtigt, wäre es fast ein Wunder, wenn wir uns bereits nach vier Jahren in einer Position befinden würden, die es
uns ermöglicht, einer Macht Herr zu werden, die nach Kriegsende
nicht demobilisiert hat.
Aus diesem Grunde empfahl General Eisenhower, als er noch
Oberkommandierender war, den verantwortlichen Politikern, daß
ein deutscher Verteidigungsbeitrag geleistet würde. Dieser Beitrag begann eine Realität zu werden, als die NATO am 9. Mai Westdeutschland als 15. Mitglied aufnahm.
Wir sind der Auffassung, daß wir nach der Aufstellung der
deutschen Streitkräfte - der zwölf Di\~sionen, der dreizehnhundert Maschinen der taktischen Luftstreitkräfte und des Marinekontingentes - in der Lage sein werden, Westeuropa, einschließlich der Bundesrepublik Deutschland, gegen einen auf breiter Front
geführten Angriff verteidigen zu können. Wir sind der Meinung,
daß sie in drei bis vier Jahren voll einsatzfähig sein werden.
Wieviel Zeit verstreichen wird, ehe diese Streitkräfte einsatzbereit sein können, hängt weitgehend von dem deutschen Volk uhd
der deutschen Regierung ab. Ganz augenscheinlich hängt es von*
einer Vielzahl von Maßnahmen ab, die das deutsche Parlament noch
zu treffen hat - und hier können wir uns natürlich irren; wir
hoffen, daß wir den Zeitraum, der verstreichen wird, zu lang
eingeschätzt haben. Aber wir rechnen für unsere Planungen zunächst
mit der von mir soeben genannten Frist. Man muß vor allem erkennen,
daß wir nach dem Wirksamwerden des deutschen Verteidigungsbeitrages
in der Lage sein werden, eine auf breiter Front geführte Aggression
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�"AMERIKA DIENST"

1. Juni

1955

Aggression niederzuschlagen, und das entspricht der in unseren
Plänen etwa vorgesehene Stärke unserer Kampfkraft. Zweitens können wir, nachdem diese Streitkräfte verfügbar geworden sind, unsere Verteidigung weiter nach vorne verlagern, noch viel weiter,
als wir es im Augenblick können. Wir werden in der Lage sein,
ganz Westdeutschland zu verteidigen. Unsere erste Aufgabe, wie ich
schon ganz allgemein gesagt habe, ist die Verteidigung des gesamter
NATO-Raumes; und unsere zweite Aufgabe ist die Niederwerfung des
Gegners im Falle einer auf breiter Front geführten Aggression. Ich
möchte ausdrücklich betonen, daß diese beiden Aufgaben nicht notwendigerweise identisch miteinander sind, denn rein theoretisch
kann man einen Gegner durchaus von Süd-Dakota her vernichten, wobei
allerdings die Aufgabe der Verteidigung Europas gegen eine Invasior
nicht erfüllt würde.
Ich betone das besonders, denn es besteht ein Unterschied in
dem uns zur Verfügung stehenden Potential. Ich habe bereits gesagt,
daß wir nach dem gegenwärtigen Stand diesen ganzen Raum nicht gegen eine auf breiter Front erfolgende Invasion verteidigen können.
Aus diesem Grunde empfahlen wir einen deutschen Verteidigungsbeitrag. Ich habe darüber hinaus festgestellt, daß wir zur Verteidigung dieses Raumes in der Lage sind, sobald der deutsche Verteidigungsbeitrag wirksam geworden ist. Damit erhebt sich die Frage:
Werden wir uns nicht während der nächsten drei bis vier Jahre in
einer tödlichen Gefahr befinden, bis dieser deutsche Verteidigungsbeitrag wirksam wird? Die Antwort auf diese Frage liegt in unserer
Fähigkeit begründet, die zweitgenannte Aufgabe, zum gegenwärtigen
Zeitpunkt "den Gegner zu schlagen, auch wirklich zu erfüllen. Wir
sind gegenwärtig in der Lage, im Falle einer sich auf breiter Front
entfaltenden Aggression den Gegner zu vernichten, selbst wenn es
uns nicht ganz gelingen sollte, gewisse Gebiete vor einer Invasion
zu schützen. Dieser Umstand ist auf die Überlegenheit auf dem Gebiet der weitreichenden Luftmacht zurückzuführen.
Uns steht heute das beste Flugzeug der Welt in großer Zahl
zur Verfügung, die B-47, die eine amerikanische Maschine ist. Dieser Typ kann so weit und so schnell fliegen, daß es gegenwärtig
nichts dagegen gibt. Eine dieser Maschinen flog vor rund anderthalb
Jahren von Maine zu einem in England gelegenen Stützpunkt in vier
Stunden und 34 Minuten. Sie hatte hierbei etwas Rückenwind, aber
trotzdem war es ein sehr schneller Flug. Es gibt ein Flugzeug ähnlichen Typs, "Valiant" genannt, das sich in der britischen Luftwaffe sehr gut bewährt hat. Zu diesem Zeitpunkt der technischen
Entwicklung besitzt dieser Typ des Langstreckenflugzeugs einen ungeheuren Vorteil über die Verteidigung. Sollte jetzt ein Angriff
gegen unser Land stattfinden, so würde der angreifende Staat besieg
werden. Ich erkläre hier nicht, daß wir gewinnen werden, weil ich
davon überzeugt bin, jeder Krieg in unserem modernen Zeitalter wird
so schrecklich sein, daß die Anwendung des Begriffes "gewinnen"
unpassend ist.
Die Antwort auf die Frage, ob wir uns gegenwärtig in tödlicher
Gefahr befinden, lautet deshalb Nein, da ein Angreifer durch unsere
weitreichende Luftmacht besiegt würde. Diese sollte sich als ein
sehr wirksames Abschreckungsmittel erweisen.
In

�1 . Juni 1955

"AMERIKA DIENST"

In unserer militärischen Planung rechnen wir mit dem Zeitpunkt, an dem wir über den deutschen Beitrag verfügen werden, und
wir rechnen weiter damit, daß wir in der Lage sein werden, unsere
Überlegenheit zur Luft, auf dem Gebiet des Langstreckeneinsatzes
wie auch des Kurzstreckeneinsatzes aufrechtzuerhalten. Wir hoffen
so, eine Aggressionshandlung so kostspielig zu machen, daß sie
niemals stattfinden wird. Damit kommen wir zur Grundkonzeption
der NATO, die darin besteht, daß sie eine Verteidigungsorganisation, eine Organisation zur Verhütung des Krieges ist.
Es wird immer wieder eine gewisse Propaganda betrieben, daß
die NATO eine aggressive Organisation sei. Ich bin mit der NATO
seit ihrem Bestehen verbunden, und kann Ihnen versichern, daß
in unserem Hauptquartier niemals auch nur ein einziges Wort geschrieben worden ist, aus dem hervorginge, daß wir der Aggressor
sein würden.
In der Tat besteht unsere Hauptsorge darin, daß wir den ersten Angriff aufzufangen haben würden.
Unsere Organisation ist eine Verteidigungsorganisation,und
ich stelle das deshalb heraus, weil es in der vor uns liegenden
Zeitperiode von außerordentlicher Bedeutung sein wird, daß die
Völker der NATO - 440 Millionen Menschen - wirklich an die Ziele
und Intentionen der Organisation glauben. Sie müssen daran glauben, daß diese Organisation der Verhinderung des Krieges dient
und daß der Friede das oberste Ziel ist, das uns vorschwebt. Es
ist tief bedauerlich, daß wir, um den Frieden zu erhalten, militärische Macht aufbauen müssen, aber wir haben ohne diese Macht
zu verhandeln versucht und hierbei die Hälfte der freien Welt
im sowjetischen Dunkel verschwinden sehen. Ich glaube, daß die
freie Welt nun zu der Erkenntnis gekommen ist, daß sie sich einen
"Modus vivendi" nur aus einer Position der Stärke heraus sichern
kann, und dies ist der Grundgedanke, der hinter der Konzeption
der NATO steht.

Wir sehen der Eingliederung deutscher Streitkräfte in die
NATO mit großer Erwartung entgegen. Wir sehen dem Eintreffen
deutscher Offiziere entgegen, die in die Organisation des obersten Hauptquartiers der alliierten Streitkräfte in Europa aufgenommen und gleichzeitig in der Organisation Marschall Juins in
Fontainebleau arbeiten werden.
Damit sind wir bei der Frage der Organisation der NATO angelangt. An der Spitze steht ein politisches Gremium, der Nordatlantikrat, der die Grundzüge der von der NATO zu befolgenden Politik
festlegt. Hier ist Herr Blankenhorn Deutschlands ständiger Vertreter. Dieser Rat tagt in Permanenz - tatsächlich trat er auch
heute zusammen - und wird in seiner Arbeit durch das internationale
Sekretariat unterstützt. Was die militärische Seite angeht, so
besteht der Militärausschuß, in dem die höchsten Militärs der
15 Mitgliedstaaten der NATO vertreten sind - in Wirklichkeit sind
es jedoch nur 14, da Island über keine eigenen Streitkräfte verfügt. Es besteht dann noch eine Art geschäftsführender Ausschuß, de:
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�"AMERIKA DIENST"

1. Juni 1955

der ständige Militärausschuß, der einen Teil der Arbeit des
Militärausschusses übernimmt und sich aus je einem Vertreter
der Vereinigten Staaten, des Vereinigten Königreiches und Frankreichs zusammensetzt. Dieser Organisation unterstehen drei oberste
Hauptquartiere: für den Befehlsbereich Ärmelkanal; für den Befehlsbereich Nordatlantik unter Admiral Wright, der seinen Sitz in
Norfolk (Virginia) hat; und das oberste Hauptquartier der alliierten Streitkräfte in Europa - kurz Shape genannt - in Paris.
Shape ist ein internationales Hauptquartier, das rund 400 Offiziere zählt. Es ist als ein integriertes Hauptquartier aufgebaut,
in dem die Angehörigen ihren Treuee'id auf die NATO ablegen. Sie
vertreten keine nationalen Standpunkte.
Um Ihnen dies näher zu erläutern: Der Leiter der Personalabteilung ist ein Italiener, ein italienischer Admiral. Ihm stehen
in dieser Abteilung Offiziere aus rund sechs oder sieben Nationen
zur Verfügung. Er dient hier als ein alliierter Offizier, und
es würde für ihn völlig unkorrekt sein, herzukommen und zu sagen:
Ich mag diesen Plan nicht, weil er den Ansichten der italienischen
Regierung widerspricht. Dies zu sagen, würde für ihn unpassend
sein, und er sagt es auch niemals. Die strategische Abteilung
wird von einem Franzosen geleitet. In dieser Abteilung stehen
ihm rund 40 Offiziere aus 12 Nationen zur Seite. Die Abteilung
für das Nachschubwesen steht unter der Leitung eines Amerikaners.
Er hat rund 50 Offiziere zur Verfügung. Wir haben es uns seit
der Zeit General Eisenhowers zur besonderen Aufgabe gemacht - und
dies bis heute fortgesetzt -, sie alle von dem Gedanken zu beseelen, daß sie alliierte Offiziere sind.
Ich habe in deutschen Zeitungen festgestellt, daß von Zeit zu
Zeit Bemerkungen auftauchen, die mich zu dem Schluß haben kommen
lassen, daß sie diesen Aspekt der Organisation vielleicht mißverstanden haben. So hat sich die Frage erhoben: "Wie wird der deutsche Standpunkt zur Geltung gebracht werden?" Ein deutscher Standpunkt wird von den Angehörigen des Stabes des obersten Hauptquartiers der alliierten Streitkräfte in Europa nicht vertreten, denn
sie vertreten einen alliierten Standpunkt. Wir haben jedoch in
unserem Hauptquartier Vertreter der einzelnen NATO-Mitgliedstaaten. Sie gehören dem Stab nicht mit an und werden als die nationalen Vertreter der Streitkräfte bezeichnet. Sie unterbreiten
jeden nationalen Gesichtspunkt, den die Regierungen der Mitgliedstaaten vorzutragen wünschen. Wir beginnen dann mit der Ausarbeitung unserer Pläne. Wir können diese Ansichten akzeptieren oder
aber auch erklären, es gäbe bessere Mittel und Wege, um das Ziel
zu erreichen. Unsere Entscheidung ist nicht endgültig; es handelt
sich hierbei lediglich um eine Vorentscheidung des Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte in Europa, der ich bin. Dieser
von uns ausgearbeitete Plan wird dann dem Militärausschuß unterbreitet, der eine Entscheidung fällt, wenn es sich nicht um Fragen
von so großer Bedeutung handelt - wie im Falle von größeren strategischen Planungen -, daß eine Vorlage beim Nordatlantikrat gerechtfertigt ist, wo dann die Regierungen ihre Billigung erteilen.
Mit

�"AMERIKA DIENST"

1. Juni 1955

Mit anderen Worten: Die nationalen Interessen werden unserem
Stab auf der Ebene der nationalen militärischen Vertreter unterbreitet und dann, wenn unsere Planung Portschritte macht, im
Militärausschuß erörtert und schließlich, wenn dies erforderlich
ist, vom NATO-Rat diskutiert. Ich erwähne diesen Punkt nur, weil
ich die fundamentale Integrierungskonzeption dieser Organisation
hervorheben möchte, die eine Organisation der kollektiven Sicherheit darstellt. Unserer Ansicht nach muß dieses Sicherheitsproblem
zusammen und gemeinsam gelöst werden,oder es wird überhaupt nicht
gelöst. Kein Land, mag es das größte oder das kleinste sein, ist
in dieser Ära des Düsenantriebs und des Atoms alleine mächtig genug, um der Drohung zu begegnen, der wir jetzt gegenüberstehen.
Unsere einzige Chance, ihr zu begegnen, besteht darin, eine Einheit zu haben, die uns die Beilegung der nationalen Differenzen
ermöglicht, die in jeder Organisation zwangsläufig auftreten.
Ich möchte Ihnen ein Beispiel für diese Art nationaler Differenzen geben, das zugleich zeigen kann, wie sie gelöst werden.
Als General Eisenhower nach Europa kam, fand er, daß wir nur sehr
wenig Plugplätze hatten; er fand weiter, daß es in den Satellitengebieten eine große Zahl von Plugplätzen gab, und die Sowjetunion
besaß deren noch mehr. Es war nicht weiter schwierig, die Entscheidung zu fällen, mehr Flugplätze zu bauen - die Entscheidung selbst
machte keine Schwierigkeit. Die Schwierigkeit stellte sich ein,
als die Präge aufkam, wer denn nun für diese Plugplätze bezahlen
würde. Welchen prozentualen Anteil zum Beispiel würde Norwegen für
einen in Italien zu bauenden Plugplatz zu zahlen haben? Wieviel
sollte Prankreich für einen Plugplatz in Belgien zahlen? Sollte
das von der Bevölkerungszahl abhängen oder von der Zahl der Plugzeuge, vom Bruttosozialprodukt, von der Zahl der rothaarigen
Mädchen oder wovon? Es gab darauf einfach keine Antwort. Und die
Pinanzminister diskutierten das Problem 15 Monate hindurch, ohne
eine Antwort zu finden, weil es so etwas wie eine vollkommen
gerechte Lösung einfach nicht gibt. Jedes Land war der Ansicht,
daß das andere mehr zu zahlen hätte und war natürlich davon überzeugt, daß es selbst zu viel zahlt.» schließlich jedoch löste man
das Problem. Ich will nicht behaupten, daß es vollkommen richtig
gelöst wurde oder daß jedes Land den richtigen prozentualen Anteil
zahlt. Aber die Tatsache besteht, daß wir jetzt 130 Plugplätze
besitzen, während wir zu Beginn des Jahres 1951 nur 15 hatten.
Mit anderen Worten; als Menschen mit der richtigen Grundeinstellung im Dienst unserer Sache vereint zusammentraten, waren sie in
der Lage, zu einem gemeinsamen Verständnis zu kommen und eine
Lösung zu finden.
Jene erste Lösung hat uns bei den anderen Problemen, wie
dem Bau der für die Versorgung der Plugplätze mit Treibstoff
erforderlichen Pipelines, wesentlich geholfen. Hierbei ist man
verhältnismäßig schnell zu einer Lösung gekommen. Bei jeder Allianz
und gewiß bei dieser werden wir Enttäuschungen dieser Art begegnen.
Ich glaube nicht, daß wir wieder eine Verzögerung von 15 Monaten
bei irgendeiner Präge erleben werden, aber wir werden sie haben.
Und meiner Ansicht nach ist es für die vor uns liegende Zeit, wo
wir von falschen Friedensoffensiven umschmeichelt werden, außer-

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1. Juni 1955

außerordentlich wichtig, daß die Menschen verstehen, was wir zu
erreichen suchen, und daß sie der Organisation Vertrauen entgegenbringen. Dies ist nicht immer eine leichte Aufgabe, weil in zahlreichen Ländern wegen der Verteidigungslasten wichtige Sozialreformen hinausgeschoben werden mußten. Es besteht eine wirklich
echte Tendenz in der Anspannung nachzulassen, und dies könnte
natürlich eine ernsthafte Sache werden, obwohl es gegenwärtig
nicht ernsthaft ist. Der einzige Rachteil, den wir im Vergleich
zu dem autoritären Sowjetblock wirklich besitzen, ist unsere
Schwierigkeit, Einigkeit zu erzielen. Wenn wir auch in dieser Hinsieht gute Portschritte gemacht haben, so könnte es doch, wenn
wir nicht weiterhin die aktive Unterstützung der im NATO Raum
lebenden Völker besitzen, ein außerordentlich schwieriges Problem
darstellen.
Pur Deutschland ist die Nordatlantikpaktorganisation von
größter Bedeutung. Es tritt einer Organisation bei, die große
Fortschritte gemacht hat, die weit größer waren, als wir im Frühjahr 1951 für möglich hielten. Was aber noch wichtiger ist, ist
die Tatsache, daß sie der Beginn für die Konzeption eines Vereinten Europas ist, und ich bin gewiß, daß diese Konzeption immer
mehr Anhänger finden wird. Ich vertraue darauf, daß das deutsche
Volk seiner Verantwortung innerhalb dieser Organisation gerecht
werden und innerhalb ihres Apparates eine wichtige Rolle spielen
wird. Wie Ihnen bekannt, lebe ich in Prankreich, und ich möchte
ausdrücklich betonen, daß ich gleiches Vertrauen zum französischen
Volke habe. Seit Bestehen der Organisation ist die Annäherung zwischen Prankreich und Deutschland das größte Anliegen derer gewesen,
die in dieser Organisation eine verantwortliche Stelle innehatten.
Ich bin sehr befriedigt, wie sich die Annäherung entwickelt hat.
lassen Sie mich nur einige kleine Beispiele hierfür gebenj Marschall
Juin, der in Fontainebleau stationierte Befehlshaber, der für die
Verteidigung dieses Gebietes verantwortlich ist, ist der Offizier,
an den wir uns bei Problemen wenden, die Deutschland betreffen.
Wenn er und General Speidel,der der deutsche militärische Vertreter in Paris ist, zusammenkommen, dann arbeiten sie stets eng und
mit Erfolg zusammen. Es herrscht dabei immer eine sehr freundliche
Atmosphäre. Lassen Sie mich ein weiteres Beispiel geben: Vor zwei
Wochen fand die feierliche Hissung der deutschen Flagge im obersten Hauptquartier der alliierten Streitkräfte in Europa statt.
Diese Feierlichkeiten fielen auf den Jahrestag des Kriegsendes
in Europa, woraus sich leicht einige Probleme hätten ergeben
können. Wir gaben im Hauptquartier bekannt, daß am Montag morgen,
den 9« Mai, eine feierliche Plaggenhissung stattfinden würde.
Innerhalb weniger Stunden erfuhr ich, daß ein französischer Offizier, der im letzten Krieg schwer gelitten hatte, verkündet hatte,
er werde dieser Feierlichkeit nicht beiwohnen. Da die Teilnahme
freiwillig war, beachteten wir diesen Vorfall gar nicht weiter.
Aber es war doch interessant zu sehen, daß mein Auge, als ich mit
General Speidel und dem französischen Vertreter, General Lehr, aus
dem Gebäude heraustrat, als erstes auf den gleichen Offizier fiel,
der vor drei Tagen verkündet hatte, er werde der Feier fernbleiben.
Er kam freiwillig und nahm an dem sich anschließenden Frühstück tei;
das wir für General Speidel gaben, wobei seine Haltung ganz untade-

�"AMERIKA DIENST"

1. Juni 1955

Als die Filmstreifen von dieser Feierlichkeit in den französischen Kinos gezeigt wurden, schickten wir in fünf dieser Kinos
leute von uns, um das Publikum zu beobachten. In vier dieser fünf
Lichtspieltheater applaudierten die Zuschauer als die Flagge hochging, und in dem fünften Kino gab es auf selten des Publikums überhaupt keine Reaktion. Ich erwähne das lediglich, um zu bezeugen,
daß von meiner höheren Warte aus gesehen, es nur wenig sogenannte
antideutsche Stimmung in Frankreich gibt, daß die Deutschen und
die Franzosen meiner Meinung nach gut miteinander auskommen werden»
und daß wir im Hinblick auf die entscheidenden Ziele, die wir
haben - dessen bin ich sicher -, in der läge sein werden, dies
wichtige Problem zu lösen.
Ich habe während des Krieges gegen die Deutschen gekämpft,
Seite an Seite mit den Franzosen. Ich habe vor beiden eine große
Hechachtung und bin sehr glücklich darüber, die Situation sich in
dieser Weise entwickeln zu sehen.
Als General Eisenhower unser Hauptquartier schuf, versammelte
er die Offiziere um sich und erklärte ihnen, daß nach seiner Ansicht das charakteristische Merkmal eines alliierten Stabs-Offiziers in der Fähigkeit bestehe, ein freundliches lächeln zu zeigen,
Das war seine einfache Formel, festzustellen, daß nach seiner Ansicht, Freunde, die zusammenarbeiten, jedes Problem lösen können und dies ist seitdem das Motto unseres Hauptquartiers.
Ich bin jetzt seit 35 Jahren Soldat und bin noch nie in einem
Hauptquartier mit einer erfreulicheren Atmosphäre gewesen. Ich
möchte nicht sagen, daß wir das leistungsfähigste Hauptquartier
sind, denn als ich gestern ein Büro betrat, saßen dort ein Türke,
ein Franzose und ein Amerikaner zusammen, die sich mit Hilfe eines
Dolmetschers verständigen mußten. Das ist natürlich nicht sehr förderlich für die Arbeit. Aber was den Geist anbetrifft, und vom
Standpunkt der gegenseitigen Achtung und des gegenseitigen Verständnisses gesehen, stehen diese Offiziere hinter niemandem zurück. Ich bin überzeugt, daß, wenn es uns gelingt, das gleiche Gefühl, das unsere vierhundert Offiziere beseelt, auf die 440 Millionen Menschen der NATO-Länder zu übertragen, wir den Frieden erhalter
können und daß keine Macht, so bedrohlich sie auch sein mag, in der
Lage sein wird, uns zu überwinden. Ich danke Ihnen sehr für Ihre
höfliche Aufmerksamkeit.

*

* *

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�EISENHOWER SCHLÄGT ATOMREAKTORPROGRAMM FÜR
• FREIE NATIONEN VOR

UNIVERSITY PARK (PENNSYIVANIEN) — (AD) -- Präsident
Eisenhower hat in einer Rede vor der Universität von
Pennsylvanien am 11. Juni 1955 vorgeschlagen, daß die
USA den freien Nationen Atomreaktoren für Forschungszwecke, spaltbares Material und technische Ausbildung
für ihre Inbetriebnahme anbieten sollen. Der Präsident
hielt seine Ansprache zur Promotionsfeier der
Universität, die ihm den Ehrendoktor der Rechte verlieh.
Der Präsident der Universität ist Eisenhowers jüngster
Bruder,Dr. Milton Eisenhower. Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:

Redner bei Promotionsfeiern wenden sich traditionsgemäß
der Zukunft zu. Sie bemühen sich, zumindest in allgemeinen Worten,den Erfolg vorauszusagen, der die ehemaligen Studenten erwartet, die mit dem nötigen Ernst in ihrer beruflichen Arbeit
stehen - und natürlich den Ratschlägen des Redners folgen!
Der Mann, der bei.meiner Promotion sprach, sagte noch
nichts davon, daß ich der erste in einem halben Jahrhundert
sein sollte, der hier einen Ehrendoktorgrad erhält. Ich konnte
gewi'ß auch mit der größten Phantasie nicht voraussehen, daß die
Fakultät und die Treuhänder dieser Universität mich eines Tages einer Ehrenmitgliedschaft in der Klasse des Jahres 1955 der hundertsten Klasse dieser hervorragenden Lehranstalt - für
Wert erachten würden. Ich weiß diese Ehre zu schätzen und freue
mich, dadurch mit dieser Klasse in Verbindung zu kommen. Besonders dankbar bin ich meinem jüngsten Bruder - jüngere Brüder
pflegen im allgemeinen gegenüber ihren älteren Brüdern skeptisch
zu sein -, daß er keine Einwände erhob und die Ehrung persönlich
überreichte.
Zu Anfang dieser Woche kam ich mit meiner eigenen Klasse
des Jahres 1915 in Westpoint zusammen. Die meisten von uns waren grau geworden und auch mehr als nur ein bißchen kahl. Aber
diese Veränderungen wurden nach meiner Ansicht durch einen
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�"AMERIKA DIENST"

15. Juni 1955

einen Ausdruck der Klugheit etwas ausgeglichen, den wir vor
40 Jahren noch nicht besaßen. Ich bin sicher, daß wir es alle
als ein Privileg, als ein großes Privileg, betrachtet haben, in
einer Zeit großer Ereignisse und der ungeheuren Entwicklung
Amerikas zu leben. Wenn wir auch nicht davon sprachen, so bin
ich sicher, daß jeder von uns die jungen Leute der Klasse des
Jahres 1955 sowohl um ihre vor ihnen liegenden Möglichkeiten
und Entdeckungen als auch um ihre Jugend, ihre gewaltige Energie und ihren Idealismus beneidet hat. In diesem Gefühl werden
mir zweifellos Tausende von früheren Studenten zustimmen, wenn
sie Ihnen, den Mitgliedern dieser Klasse des Jahres 1955 applaudieren und Ihnen gratulieren.
Sie, die jungen Männer und Frauen, die Sie hier sitzen,
gehen in eine Welt hinaus, in der sich die menschliche Natur
wenig, wenn überhaupt, von der menschlichen Natur im Jahre 1915
oder des Zeitalters von Perikles unterscheidet. Die menschlichen
Beziehungen - die Kunst mit den Menschen auszukommen, die neben
einem arbeiten, und mit denen, die Tausende von Meilen entfernt
leben - ändern sich nicht wesentlich im Laufe der Jahrhunderte.
Aber das Zeitalter der Atomenergie mit seinen industriellen und wirtschaftlichen Aspekten wird mit dem Zeitalter der Dampfkraft wohl kaum mehr Ähnlichkeit haben, als ein Düsenflugzeug
mit den ersten altmodischen Sportflugzeugen. Die soziale Struktur des menschlichen Lebens mag tatsächlich in einer Weise gewandelt werden, daß sie kaum noch wiederzuerkennen ist, denn ich
bin der Ansicht, daß es fast als ein von der Geschichte der
Menschheit demonstrierter Lehrsatz erklärt werden kann, daß aus
der Anwendung einer neuen und großen Energiequelle verbunden
mit grenzenlosen Möglichkeiten neue und große menschliche Probleme erwachsen werden, die neue und große Lösungen von umfassend gebildeten, klug mitfühlenden und geistig inspirierten
Köpfen verlangen.
Ich hatte heute morgen das Privileg, auf dem Gelände dieser
Universität den ersten Atomreaktor seiner Art zu besichtigen,
der hier errichtet wurde. Diese Porschungseinrichtung wurde
durch die Voraussicht der Treuhänder dieser Universität ermöglicht, die den Bau finanzierten, wobei die amerikanische Atomenergiekommission lediglich den Atombrennstoff zur Verfügung
stellte. Innerhalb einiger Wochen wird also hier an der Universität von Pennsylvanien das Atom produktiv arbeiten - und hier
werden auch gleichzeitig die wirtschaftlichen und menschlichen
Probleme, die durch diese neue Energie entstehen, von den hervorragenden Wissenschaftlern dieser wissenschaftlichen Einrichtung studiert werden.
Die Atomenergie ist ein zu neues Gebiet für den Menschen,
als daß jemand ihre Grenzen umreißen oder ihre Entwicklung mit
Genauigkeit voraussagen könnte. Aber in zehn kurzen Jahren ist
der Vorhang weit genug gelüftet worden, um einen Ausblick zu
gestatten, der hinsichtlich des Atoms zu Hoffnungen berechtigt,
die die ungeheuere Furcht vor dem Atom durchaus aufwiegen.Das
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�15. Juni 1955

"AMERIKA DIENST"

Das Ausmaß des wirtschaftlichen und industriellen Wandels,
den wir erwarten dürfen, wird durch Schätzungen aufgezeigt, daß
die Weltvorräte an Uran, die potentiell verfügbar sind, das
Zwanzigfache der Energie der bekannten Weltvorräte an Kohle,
Erdöl und Erdgas zusammen betragen. Aber Energie ist nur eines
der Ergebnisse der Kernspaltung. Viele Techniker und Wissenschaftler sind der Ansicht, daß Strahlen und Radioisotope einen noch
viel größeren friedlichen Nutzen bringen werden. Sie öffnen bereits
neue Horizonte in der Medizin, in der Landwirtschaft und in den
industriellen Herstellungsprozessen.
f
Unsere Nation hat nicht den Wunsch nach einem Monopol in der
Kenntnis und praktischen Durchführung dieser Möglichkeiten. Wir
wollen die Welt daran teilhaben lassen - wie wir das immer getan
haben.
Darüber hinaus wissen wir, daß die menschlichen Talente, die
für den Portschritt der Wissenschaft wesentlich sind, nicht auf
dieses Land begrenzt sind. Überall in den freien Ländern gibt es
Männer und Frauen mit großen Fähigkeiten, die, wenn ihnen die
Möglichkeit gegeben wird, dazu beitragen können, die Grenzen des
Wissens zu erweitern, und die zum Frieden und Fortschritt der Völker aller Nationen das ihre zu leisten vermögen.
Der bisherige Fortschritt in der Kernphysik ist selbstverständlich nicht ausschließlich ein amerikanisches Verdienst.
Internationale gemeinsame Bemühungen durchbrachen die Schranken und ermöglichte! die Anwendung der Atomenergie durch den
Menschen. Um einen maximalen Fortschritt für die Zukunft zu sichern, müssen wir für eine fortgesetzte Partnerschaft der besten
Köpfe der Welt - auf dem Gebiet der Wissenschaft, der Technik,
der Erziehung, der Wirtschaft und der freien Berufe - arbeiten.
In Anerkennung dieser Tatsachen habe ich der Vollversammlung
der Vereinten Nationen am 8. Dezember 1953-vorgeschlagen, daß die
Regierungen einen Anfang machen und darin fortfahren, aus ihren
Vorräten an spaltbarem Material gemeinsame Beiträge zu einer
internationalen Atomenergiebehörde zu leisten. Ein Jahr später
haben die Vereinten Nationen die Resolution angenommen, in der
die Schaffung einer solchen internationalen Behörde empfohlen
wurde. Die Sowjetunion hat jedoch keine Bereitschaft gezeigt,
irgendeinen Teil ihrer atomaren Vorräte einer solchen Behörde
zur Verfügung zu stellen. Unser Angebot besteht immer noch. Aber
wir können nicht auf sowjetische Entscheidungen warten.
Wir haben mit Billigung des Kongresses bereits wesentliche
Fortschritte im Hinblick auf Abkommen mit befreundeten ausländischen Regierungen für eine'Beteiligung an der gemeinsamen Aufgabe,
die Nutzung des Atoms zu friedlichen Zwecken zu fördern, gemacht.
Abkommen mit den Philippinen, der Türkei, dem Libanon, Israel,
Italien, Spanien, der Schweiz, Dänemark, Kolumbien, Brasilien und
Argentinien sind dem Kongreß zugeleitet worden. Über andere Abkommen wird gegenwärtig verhandelt. Wir schreiten jetzt weiter zur
Tat.
Wir
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�"AMERIKA DIENST"

.

. 1 5 . Juni 1955

Wir haben zwei neue Programme entwickelt, die ich dem Kongreß vorlegen werde, in der Überzeugung, daß sie den Sinn unserer
Gesetzgebung und den Geist des amerikanischen Volkes widerspiegeln.
Erstens: Wir schlagen vor, Porschungsreaktoren den Völkern
der freien Nationen anzubieten, die sie wirkungsvoll verwenden
können, um sich das für.die friedliche Nutzung des Atoms erforderliche theoretische und praktische Wissen anzueignen. Die Vereinigten Staaten werden in dem Geist der Partnerschaft, der uns
bewegt, die Hälfte der Kosten tragen. Wir werden weiter den interessierten Nationen das spaltbare Material zur Verfügung stellen,
das zum Betrieb der Reaktoren notwendig ist.
Zweitens: Im Rahmen vernünftiger Sicherheitserwägungen schlagen wir vor, den Völkern solcher befreundeter Nationen, die bereit sind, ihre eigenen Mittel für Reaktoren zur Energiegewinnung zu investieren, Zutritt und Ausbildungsmöglichkeiten in den
technologischen Prozessen der Konstruktion und des Betriebs für
friedliche Zwecke zu gewähren.
*
Wenn die technischen und materiellen Hilfsquellen einer einzelnen Nation nicht als ausreichend erscheinen sollten, wirksamen
Nutzen aus einem Porschungsreaktor zu ziehen, würden wir eine
freiwillige Gruppierung der Hilfsquellen mehrerer Nationen innerhalb eines Gebietes unterstützen, um den gemeinsamen Erwerb und
die gemeinsame Inbetriebnahme eines solchen Reaktors zu ermöglichen.
Unsere Absicht ist es, die schöpferischen und erfinderischen
Talente, die in der freien Welt ruhen, zu wecken, sie zusammenzufassen und sie für die Verbesserung der Verhältnisse einzusetzen,
in denen die Menschen leben müssen.
Die im Rahmen dieses Programms erworbenen Porschungsreaktoren werden eine fruchtbare Saat des Portschritts sein, die in
den aufnahmebereiten Boden der freien Welt gelegt wird. Die Kosten für das amerikanische Volk werden nur klein sein gemessen
an den sicheren, faßbaren und unfaßbaren daraus resultierenden
Erfolgen.
Der zweite Vorschlag wird vor allem für die Gebiete der Welt,
in denen es an Kraftreserven fehlt, von unmittelbarem Interesse
sein, das heißt, in den Gebieten, in denen die Atomkraft bereits
heute wirtschaftlich rentabel sein könnte. Einigen dieser Länder
fehlt es jedoch an dem Wissen und der Erfahrung, die notwendig
sind, um einen',kommerziellen Kraftreaktor zu bauen und zu betreiben. Diese Kenntnisse und Erfahrungen können wir für konstruktive Zwecke ohne ein wirkliches Risiko für unsere nationale Sicherheit mit befreundeten Ländern teilen. Ein solches Mitteilen
ist in dem neuen Atomenergiegesetz ausdrücklich vorgesehen.
Zusammen sind diese beiden Vorschläge dazu angetan, im Rahmen der notwendigen Vorsicht, einige der Hindernisse beiseite
zu räumen, die den Portschritt der Atomwissenschaft gehindert
haben, und ihre friedliche Anwendung durch all jene zu ermöglichen,

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�15- Juni 1955

"AMERIKA DIENST"

ermöglichen, die sie in den Dienst der Menschheit stellen wollen.
Hier ist eine Einladung ausgesprochen - an Wissenschaftler und
Techniker, an Industrien und Regierungen - ihre Energien und
schöpferischen Talente zu vereinen, auf daß diese große, so unendlich vielversprechende Leistung des menschlichen Geistes ihre
Früchte tragen möge.
Das amerikanische Volk lehnt instinktiv den Gedanken ab,
daß seine größten wissenschaftlichen Erkenntnisse nur als Waffe
gebraucht werden können. Unser ständiger Fortschritt in ihren
friedlichen Anwendungen ist ein Beweis für diese Tatsache.
Während wir atombetriebene Kriegsschiffe bauen - weil wir
es tun müssen -, hegen wir den Wunsch und die Entschlossenheit,
atombetriebene Schiffe für den Frieden zu bauen. Und wir werden
sie bauen! Das erste atombetriebene Handelsschiff wird in jedem
Hafen, den es anläuft, eine lebendige Demonstration sein, daß
der Mensch diese unbegrenzte Energie für das normale, friedliche
und blühende Leben einspannen kann.
Während wir Bomben konstruieren, die große militärische
Ziele vernichten können - weil wir es tun müssen -, entwerfen
wir auch Generatoren, Kanäle und Reservoire der Atomenergie,
auf daß der Mensch aus dieser Gabe Nutzen ziehen möge, die ihm
der Schöpfer aller Dinge in die Hände gelegt hat. Und wir werden
diese Dinge bauen!
Die beiden Vorschläge, die ich hier umrissen habe, sind %das
Tor zu einer breiten Straße des Fortschrittes der Welt in der
friedlichen Verwendung der Atomenergie.
Diejenigen Angehörigen des russischen Volkes, die trotz
ihrer kommunistischen Herren immer noch eigene Gedanken haben,
und die immer noch die Achtung vor der Menschenwürde aufrechterhalten, sind von denselben Gefühlen bewegt wie wir.
Ich hoffe immer noch ernsthaft, daß sich die Sowjetunion
an den internationalen Bemühungen beteiligen wird, das Atom zum
Guten der Menschheit nutzbar zu machen. Aber ich habe ein so
unbegrenztes Vertrauen in die schöpferische Gabe des freien Geistes und in die Fähigkeit freier Menschen, daß ich weiß, daß wir,
mit oder ohne die Sowjetunion, ein reicheres Leben für die schaffen werden, die sich in diesem geschichtlichen Unterfangen vereinen.
Was die sozialen und politischen Probleme anbetrifft, die
mit dieser Entwicklung.einhergehen werden, so können ihre Umrisse
nur in etwa vorausgesehen werden. Ihre Evolution wird eine Aufgabe sein, mit der Sie, die Männer und Frauen, die heute von
der Universität abgehen. , vielleicht ihr ganzes Leben lang intensiv beschäftigt sein werden. Einige Fragen drängen sich unmittelbar von selbst auf.
Werden die tiefen Wünsche, die in der gewaltigen Anwendung
dieser Gedanken und all dem anderen technischen Fortschritt liegen,
die Oberhand behalten? Können sie die Absichten jener wenigen

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�"AMERIKA DIENST"

15. Juni 1955

wenigen böswilligen Menschen zunichte machen, die die Gewalt
über diese Energie dazu benutzen würden, um das Schicksal der
Menschheit in ihre Hand zu bekommen?
Bei dieser Frage geht es um so entscheidende Alternativen
wie Krieg und Frieden, Rüstung und Abrüstung, Leben und Tod.
Ein zweiter Fragenbereich ist etwas anderer Natur: In dem
Maße, in dem nukleare und andere technologische Errungenschaften
weiter entwickelt werden, wird die normale Lebenserwartung des
Menschen weiter ansteigen. Die Produktivität des Arbeiters pro
Stunde wird sich erhöhen. Wie soll er die längere Freizeit und
die gewonnenen Lebensjahre verbringen? Werden sie zur Erreichung der schöneren Hoffnungen des Menschen verwandt werden
oder zu seiner Degradierung auf den Stand eines gut ernährten,
gut gehaltenen Sklaven eines allmächtigen Staates?
Wenn wir diese Frage auch nur aufwerfen, so werden wir
eindringlich daran erinnert, daß wir in den vor uns liegenden
Tagen und Jahren auch mehr Philosophen und Theologen und nicht
nur Wissenschaftler und Techniker brauchen.
Diese beiden Fragen geben nur einen Hinweis auf die enormen
Probleme und Möglichkeiten, vor denen Ihre Generation stehen wird.
Viele andere Probleme werden sich mit dem wandelnden Bild in der
Landwirtschaft, in der Industrie und in der Kunst stellen. Die
Antworten können nur von umfassend gebildeten, klug mitfühlenden
und geistig inspirierten Köpfen gefunden werden, die das Ergebnis einer Allgemeinbildung sind, die die praktischen und technischen Aspekte mit den geistigen und kulturellen in richtiger
Weise vereint.
In diesem Lande legen wir sowohl auf die geistige als auch
auf die praktische Ausbildung Nachdruck. Aber nur zu oft handelt
es sich um eine geistige Erziehung für den einen und eine praktische Ausbildung für den anderen.
Was wir so notwendig brauchen, ist eine integrierte geistige und praktische Erziehung für die gleiche Person - für jeden jungen Amerikaner, der in der Lage ist, ihre Segnungen zu
genießen. Hand und Kopf und Herz sollen zusammenarbeiten. Sie
müssen zusammenarbeiten. Sie sollen zusammen geformt und entwickelt werden.
In dem Philadelphia der Kolonialzeit lebte ein Drucker,
der gleichzeitig ein Wissenschaftler war und der als der Weiseste seiner Tage gefeiert wurde - ein Baumeister der internationalen Verständigung und Freundschaft. Im Illinois des
neunzehnten Jahrhunderts lebte ein Eisenbahnbauer, der gleichzeitig ein Rechtsanwalt war, und der als ein Anwalt der Menschheit gefeiert wurde - ein Baumeister der Freiheit für alle Menschen. Trotz ihrer mangelnden formalen Schulbildung waren sie
gebildete Menschen. Die heutige Erziehung birgt für uns die Möglichkeiten von tausend Franklins und tausend Lincolns in einer

�"AMERIKA DIENST"

15. Juni 1955

einer Generation, während wir uns früher bereits glücklich
schätzten, einen zu besitzen.
Um etwas zu leisten, und manchmal in einem speziellen
Beruf oder in einer speziellen Fähigkeit sogar Weltruf zu gewinnen, sind Wissen und Ausbildung die Grundvoraussetzungen.
Aber um zu verstehen, wie eine Fähigkeit in die andere paßt
und wie ein Beruf in den andern greift und ihn ergänzt, wie
alle menschlichen Unterfangen des Körpers und des Geistes zu
einer in ungeheurem Maße aufeinander angewiesenen Gesellschaft
führen - um dieses Verständnis zu entwickeln, bedarf es unbedingt der Bildung.
In unserer heutigen Hochschulbildung gibt es, so glaube
ich, drei Hauptschwierigkeiten.
Erstens, lassen wir sie in ihren praktischen Aspekten einfach nicht einer genügenden Zahl von jungen Männern und Frauen
zuteil werden.
Zweitens, tun wir nicht so viel, wie wir tun sollten, um
denjenigen, die sich auf den vielen technischen Gebieten spezialisieren, eine allgemeine staatsbürgerliche Erziehung zuteil
werden zu lassen.
Drittens, haben wir es selbst in der geisteswissenschaftlichen Bildung zugelassen, daß sie zu stark spezialisiert worden ist und nicht mehr einen umfassenden befreienden Einfluß
auf den Geist, die Haltung und den Charakter aller Studenten
ausübt.
Was wir brauchen, ist eine Allgemeinbildung, die die geistigen und die praktischen Aspekte einschließt, und dem Studenten hilft, die soliden Grundlagen des Verständnisses zu erwerben - des Verstehens der sozialen Einrichtungen des Menschen,
der Kunst und Kultur der Menschheit und der physikalischen,
biologischen und geistigen Welt des Menschen, in der er lebt.
Es ist eine Erziehung, die jedem einzelnen Menschen dazu verhilft, zu verstehen, wie er eine wesentliche Tatsache in Beziehung setzen muß, wie er die Gesamtheit relevanter Tatsachen
begreifen kann, die eine gegebene Situation beeinflussen und
sie in die richtige Perspektive rücken kann und es ihm ermöglicht, kritisch, objektiv und mit moralischem Bewußtsein zu denken und Lösungen für diese Situationen und Probleme zu finden.
Ich möchte hier wiederholen: es ist diese Art von Erziehung
und Bildung, die wir in Amerika - und überall in der Welt - so
notwendig brauchen.
Die Völker dieser Erde teilen heute eine große Hoffnung.
Sie hegen alle einen gemeinsamen Traum eines dauerhaften Friedens in Freiheit und Gerechtigkeit. Aber die Verwirklichung dieses Traumes verlangt eine vielfältige Zusammenarbeit, die auf
einem mitfühlenden und wahrhaft gegenseitigen Verstehen beruht.
Dieses Verständnis wiederum hängt von einer Erziehung ab, die
diszipliniertes Denken hervorbringt.
**, .,,
0
Überall

�15. Juni 1955

"AMERIKA DIENST"

Überall in der Welt blüht das gegenseitige Mißtrauen auf
dem Boden der Unwissenheit und des Mißverstehens. Es kann nur
durch Wissen und Weisheit zerstreut werden.
Wenn wir Partner für den Frieden haben wollen, dann müssen
wir erst Partner in der mitfühlenden Anerkennung sein, daß die
ganze Menschheit gemeinsam die gleichen Hoffnungen und den gleichen Hunger spürt, gleiche Ideale und Ansprüche besitzt und
gleiche Ziele und gleiche Schwächen und einen gleichen Wunsch
nach wirtschaftlichem Portschritt hat. Alles, was uns trennt,
ist künstlich und zu überwinden. Das uns allen gemeinsame Menschliche ist von Gott geschaffen und bleibend.
Ich weiß, daß Sie, die heute Ihre Ausbildung an dieser großen Universität im hundertsten Jahre ihres Bestehens abschließen, diese Wahrheit erkennen. So wie Sie sie auf die Probleme
anwenden, auf die Sie stoßen werden - als produktive führende
Männer, als amerikanische Bürger, als Mitglieder der Gemeinschaft der freien Welt - werden Sie an persönlichem Gewicht gewinnen und in ihrer Bedeutung für den Beitrag zum Frieden der
Unabhängigkeit und dem Fortschritt der Menschheit wachsen.
* # * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

EISENHOWER: " . . . UNSER ZIEL WIRD WEITERHIN
DER FRIEDEN SEIN . . . "

SAN FRANCISCO — (AD) — Anläßlich der
Sondersitzung der Vereinten Nationen
zu ihrem zehnjährigen Bestehen hieß
Präsident Eisenhower am 20. Juni 1955
die Vertreter von 60 UN-Mitgliedstaaten willkommen, die sich in San Francisco versammelt haben.
Die Ansprache des US-Präsidenten hat
folgenden Wortlauts
Mein zweites Erscheinen vor den Vereinten Nationen
verschafft mir in meiner Eigenschaft als Staatsoberhaupt
der Vereinigten Staaten die hohe Ehre, gemeinsam mit Ihnen
eines historischen Datums zu gedenken, das für die gesamte
Menschheit bedeutungsvoll und von größter Tragweite ist.
Ich habe die Ehre, Ihnen eine Sonderbotschaft des
amerikanischen Kongreßes zu übermitteln. In der vergangenen
Woche hatte der Kongreß eine Resolution einstimmig angenommen, in der ich ersucht werde, allen hier Anwesenden
im Namen der Bevölkerung der Vereinigten Staaten unseren
tiefen Wunsch nach Frieden und unsere Hoffnung zum Ausdruck
zu bringen, daß sich alle Nationen zusammen mit den USA
erneut für den Frieden einsetzen werden.
Noch in dieser Woche wird zu Ihnen mein enger Freund
und Mitarbeiter, Außenminister John Foster Dulles, über
einzelne Faktoren der amerikanischen Außenpolitik sprechen,
wobei er mein vollstes Vertrauen und Einverständnis besitzt.
Aus diesem Grunde scheint es mir angebracht zu sein, daß
ich heute im wesentlichen über die unerschütterliche
Loyalität der USA zu den Vereinten Nationen sowie über die
Gründe für die unermüdliche amerikanische Unterstützung der
Vereinten Nationen spreche.
Vor zehn Jahren wurde in dieser Stadt und in diesem
Gebäude die Charta der Vereinten Nationen von ihren 50
Gründerstaaten unterzeichnet. In eine Welt, die verwüstet
war und sich noch immer im Kriege befand, aber hoffnungsund erwartungsvoll in eine neue Morgenröte blickte, wurde
eine internationale Organisation hineingestellt, die das
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�22. Juni 1955
"AMERIKA DIENST"
das oberste Instrument des Weltfriedens sein sollte.
Ihnen allen, deren Glaube, Geduld, Ausdauer und Klugheit
diese Organisation durch zehn Jahre hindurch gesteuert haben,
Jahre, die stürmisch, häufig entmutigend, bisweilen schrecklich,
aber häufig auch lohnend gewesen sind, möchte ich, im Namen
dieser Nation, unsere Anerkennung aussprechen.
Daß es bei den Versuchen, die internationalen Schwierigkeiten durch die Grundsätze der Charta zu lösen, auch Fehlschlage hinzunehmen gab, kann niemand in Abrede stellen. Daß
andererseits aber Siege errungen wurden, vermögen nur diejenigen nicht zu sehen, die sie nicht wahr haben wollen. Es ist
aber klar, daß die Misserfolge auch ohne die Vereinten Nationen
als Misserfolge in das Buch der Geschichte eingetragen worden
wären. Aber sicherlich wären die Siege ohne diese Organisation
nicht möglich gewesen, sondern hätten vielleicht als menschliche Katastrophen registriert werden müssen. Dies ist der Welt
erspart geblieben.
So überbringe ich zusammen mit den Geburtstagsglückwünschen erneut die Versicherung der Regierung der Vereinigten
Staaten, die Absichten und Ziele der Vereinten Nationen - wie
auch die Hoffnungen, von denen ihre Gründer beseelt waren weiterhin zu unterstützen.
Heute treten wir - gemeinsam - in ein zweites Lebensjahrzehnt. Wir sehen ihm mit dem Erfahrungsschatz aus den
ersten zehn Jahren, aber auch mit dem furchtbaren Wissen um
die Atomwaffen und mit der Erkenntnis entgegen, daß wir trotz
unermüdlichen Suchens noch zu keinem sicheren und dauerhaften
Frieden gelangt sind.
Wie der Sommer des Jahres 1945 ist auch der des Jahres
1955 eine Zeit großer Hoffnungen für die Welt. Wieder sind, wie
damals, die nerzen der Menschen bewegt von einer neuen Hingabe
an das große Werk, den Krieg ein für allemal aus der Welt zu
schaffen. Jeder von uns hier ist Zeuge, daß zu keinem Zeitpunkt
in diesen zehn Jahren so viele Nationen mit solcher Entschlossenheit wie heute einen ehrlichen und unermüdlichen Feldzug zur
Erringung eines gerechten und dauerhaften Friedens führen wollten. Wohl trifft es zu, daß niemand von uns unwiderlegliche Beweise zur Erhärtung dieses Empfindens vorbringen kann. Dennoch
werden, so meine ich, alle von uns bezeugen, daß die tiefempfundene Sehnsucht zahlloser Millionen nach materieller Sicherheit,
Gerechtigkeit und Frieden überall eine Antwort von ihren Regierungen zu verlangen scheint. Diese Hoffnungen haben die
Schwachen gestärkt, die Zweifelnden ermutigt, die Müden erquickt, die Vertrauenden in ihrer Überzeugung noch gefestigt.
Es hat fast den Anschein, als ob die Menschen mit gestärktem
Herzen, mit Glauben und Mut einen neuen Vorstoß auf das größte
Ziel der Menschheit unternehmen.
In einem Monat wird eine Viermächte-Konferenz der Regierungschefs stattfinden. Ob wir dort die ersten Entscheidungen
treffen können,- die zu einem Anfang im Abbau jenes schrecklichen
Apparates der Furcht und des Mißtrauens, und der seit dem Ende
des zweiten Weltkrieges entwickelten Waffen führen werden, kann
ich jetzt noch nicht sagen.
Ahp-r

�"AM5RIKA DI3NST"
.
22. Juni 19 55
Aber auf welcher Grundlage sich ein Srfolg aufbaut, läßt
sich in einfachen Worten sagen: Jeder Teilnehmer der Konferenz
muß getreu dem Geiste der Vereinten Nationen und den Grundsätzen
ihrer Charta handeln.
Ich kann Ihnen und allen Menschen der Erde, die meine Worte
hören oder lesen werden, versichern, daß sich die Vertreter der
. Vereinigten Staaten um eine solche Ergebenheit und Geistestreue
bemühen werden. Für uns gibt es keine Alternative, denn unser
Vertrauen auf die Charta der Vereinten Nationen entspricht einem
Glauben, der seine Wurzeln tief in unseren kulturellen, politischen und geistigen Traditionen hat.
Ein untrennbarer Bestandteil der Charta der Vereinten Natio&gt;nen ist der Glaube ihrer Urheber, daß der Mensch als physisches,
iritellektb ergabt es und geistiges Wesen gottgegebene Rechte hat,
die nur durch die Verpflichtung begrenzt werden, die gleichen
Rechte anderer nicht zu verletzen; daß Gerechtigkeit, Anständigkeit und Freiheit in einer geordneten Gesellschaft Begriffe sind,
die den Menschen über das wilde Tier erhoben haben, und daß es
ein Verbrechen gegen die ganze Menschheit ist, wenn man einem
Menschen die Möglichkeit, in ihrem Schutze zu leben, vorenthält.

Unser Staat wurde aus dem gleichen Glauben geboren, wuchs
darin heran und steht heute fest in dieser Überzeugung.
Die Charta sagt} Jedes Volk hat das ihm angeborene Recht,
unter einer selbstgewählten Regierungsform zu leben und in uneingeschränkter Freiheit jene Persönlichkeiten zu wählen, die diese
Regierung leiten.
In diesem Zusammenhang erklärt die Charta folgendes:
Jede Nation mit auswärtigen Besitzungen ist verpflichtet,
der Bevölkerung dieser Gebiete bei der Entwicklung freier politischer Institutionen zu helfen, so daß sie schließlich in die
Lage versetzt wird, selbständig ihren permanenten politischen
Status zu bestimmen.
Die lange Geschichte unserer Republik ist eine Dokumentation
der Selbstverpflichtung, diese Prinzipien auch in die Tat umzusetzen,
Die Charta erkennt an, daß nur solche Völker, die ungehinderten Zugang zu historischen und gegenwärtigen Tatsachen und Informationen haben, und die durch eine vorurteilslose Erziehung ihre
Bedeutung verstehen gelernt haben, wirklich eine selbständige Regierung aufbauen und ihre Existenz gewährleisten können. In unserer
Republik gilt in gleicher Weise der Grundsatz, daß jeder Bürger
ein Recht auf freien Zugang zu Wissen und Erziehung hat - wie er
auch der ganzen Menschheit zusteht.
Noch unter dem Eindruck des Krieges geschrieben, gibt die
Charta der starken Überzeugung Ausdruck, daß keine Nation das
Recht hat, mit aggressiver Gewalt gegen eine andere Nation vorzugehen. Ein solches Vorgehen oder auch nur eine Drohung in dieser
Hinsicht bedeutet eine Mißachtung aller moralischen Gesetze, die
die Menschheit auf ihrem langen Wege vom Dunkel zum Licht geleitet
haben. Die Verfasser haben klar erkannt, daß ein Weltkrieg heute
die Gefahr einer vollkommenen Zerstörung unserer Zivilisation in
sich trägt und für die überlebenden eine freudlose Existenz in
einer dunklen, verwüsteten Welt bedeuten würde.
_

�"AM3RIKA DIENST"
22. Juni 1955
In ähnlicher Weise erkannten sie an, daß die erste Verantwortung jeder Nation darin liegt, Vorkehrungen für ihre eigene
Verteidigung zu treffen, und daß sie bei der Ausführung dieser
Pflicht das eindeutige Recht besitzt, sich mit anderen gleichgesinnten Völkern zusammenzutun, um ihrer gemeinsamen Sicherheit
zu dienen. Aber diejenigen, die die Charta formulierten, betonten, daß es den vertragsschließenden Parteien bei der Bildung
solcher Vereinigungen im Rahmen der Vereinten Nationen obliegt,
die Welt durch feierliche Zusicherungen, die immer durch Taten
fundamentiert werden müssen, davon in Kenntnis zu setzen, daß
der einzige Zweck solcher Bündnisse die Verteidigung ist und
keine aggressiven Ziele damit verfolgt werden. Die amerikanische
Nation glaubt an diese in der Charta niedergelegten Wahrheiten.
Wir streben danach, im Sinne dieser Grundsätze zu leben. Daher
werden wir in den USA immer eine Regierung aufrechterhalten,
die für den einzelnen jene reichhaltigen wirtschaftlichen, intellektuellen und geistigen Möglichkeiten anerkennt und sie ständig
zu bewahren trachtet, Möglichkeiten, auf die er auf Grund seiner
Menschenrechte Anspruch hat.
In unseren Beziehungen zu allen anderen Nationen werden wir
deren souveränen und gleichberechtigten Status voll anerkennen.
Wir werden die gemeinsamen Probleme in einem Geist der Partnerschaft behandeln.
So weit dies unsere technischen und materiellen Möglichkeiten sowie unsere intellektuellen Fähigkeiten zulassen, und wo
immer unsere Unterstützung - einschließlich der Anwendung von
Atomenergie zu friedlichen Zwecken - Tonnöten oder gewünscht
wird, werden wir anderen auch weiterhin helfen, einen sich ständig erhöhenden Lebensstandard zu erreichen. Wir vertrauen darauf,
daß sie damit die Möglichkeiten erweitert haben, ihre kulturellen
und geistigen Hoffnungen erfüllen zu können.
Wir werden auch in Zukunft mit allen anderen Nationen zusammenarbeiten - besonders durch diese große Organisation, die
Vereinten Nationen -»damit anstelle der Kämpfe auf dem Schlachtfeld friedliche Verhandlungen treten» Auf diese Weise werden die
großen Rüstungen mit der Zeit gegenstandslos, die, selbst wenn
sie nur aus Sicherheitsgründen aufrecht erhalten werden, die Welt
mit ihrer entsetzlichen zerstörerischen Kraft in Angst und Schrek—
ken versetzen und die schöpferischen Kräfte des Menschen untragbar
belasten.
Wenn auf dem Gebiete der Abrüstung erst einmal einige Erfolge zu verzeichnen sind, dann hoffen wir, daß jede der sogenannten
Großmächte einen Teil der infolge der eingeschränkten Rüstung
entstehenden Einsparungen den Vereinten Nationen zur Förderung
des technischen und wirtschaftlichen Portschrittes weniger produktiver Gebiete zur Verfügung stellen werden.
Ein unerschütterlicher Glaube beseelte die Männer und
Prauen, die die große Charta entwarfen, für die Sie arbeiten.
Wir Amerikaner teilen diesen Glauben. Wir halten an der Hoffnung
fest, daß alle Nationen in ihren auswärtigen Beziehungen jene
Vorzüge des Verhaltens, der Gebräuche und Behandlung anderer
Staatsangehöriger beobachten werden, wie sie durch Tradition,
Vernunft und freundschaftliche Zielsetzungen sanktioniert

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�"AMERIKA DIENST"
22. Juni 1955
Ich glaube, wir und die Mehrzahl anderer Nationen haben eine
weitere Hoffnung gemeinsam« daß sich nämlich jede Regierung von
sich aus des Versuchs oder der Beihilfe bei Versuchen anderer
Nationen enthalten wird, mittels Umsturz, Zwang, Infiltration
oder Zerstörung anderer Regierungen oder wegen theoretischer,
religiöser oder ideologischer Unterschiede politische oder materielle Vorteile zu erringen.
Wie die übrige Welt so sind auch wir uns dessen bewußt,
daß die Friedenssehnsucht einer Nation nicht durch irgendein
Rüstungswettrennen verwirklicht werden kann. Die Waffen des
Friedens sind Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, gegenseitiges Verstehen
und Achtung für die anderen.
Aus diesem Glauben und diesen Motiven heraus werden die
Vereinigten Staaten jedes Steinchen beachten, das in das große
Bauwerk des Friedens eingefügt werden kann. Keine Maßnahme, und
mag sie noch so neuartig sein, werden wir ablehnen, die irgendwelche - und wenn auch nur schwache - Hoffnung auf einen gerechten und dauerhaften Frieden zuläßt.
Darf ich Ihnen hier die Worte Abraham Lincolns ins Gedächtnis rufen, die, wenn auch in anderem Zusammenhang gesagt, genau
auf das Problem zutreffen, das wir jetzt zu lösen suchen«
"....Die Dogmen der ruhigen Vergangenheit sind der stürmischen Gegenwart nicht mehr angemessen. Die jetzige Situation
ist voller Schwierigkeiten, und wir müssen an der Situation
wachsen. Da es in unserem Fall um etwas Neues geht, müssen wir
auch neu denken und neu handeln. Wir müssen uns frei machen.
Und dann werden wir unser Land retten."
Das Ziel unseres zweiten Jahrzehnts ist auch weiterhin
Frieden - aber es muß ein solcher Frieden sein, der die ganze
Welt zu einem neuen Denken und Handeln führt.
Dies kann nicht lediglich darin bestehen, die Kanonen zum
Schweigen zu bringen, sondern es muß eine neue beglückende Lebensform sein. Hierbei soll dem Menschen das Atom auf die umfassendste Weise helfen, das einstmals sein Mörder war. Es wird ein
Frieden sein, der Vertrauen und Zuversicht schafft, so daß alle
Menschen frei von der Furcht vor einem Kriege leben können. Die
Wissenschaftler werden dann die Freiheit erlangen, immer nur für
die Menschen, nicht gegen sie zu arbeiten. Wer kann bezweifeln,
daß in den nächsten zehn Jahren die Wissenschaft dieser Welt die
Krankheitsgeißeln zerschlagen und die Armut überwinden wird, so
daß die Menschheit Zeuge einer Erhöhung des Lebensstandards und
einer Ausweitung ihres kulturellen und geistigen Horizontes
werden wird. In diesem neuen Friedenszeitalter werden der Künstler, Lehrer und Philosoph, der Arbeiter, Bauer und Fabrikant und
der Wissenschaftler im wahrsten Sinne des Wortes für das gemeinsame Wohl zusammenarbeiten.
Diese Wünsche sind nicht neu. Sie sind so alt wie die Geschichte. Aber wenn wir uns heute an dem Ort treffen, an dem vor
zehn Jahren die Vereinten Nationen gegründet wurden, dann müssen
wir uns vor Augen halten, daß sie tatsächlich erreichbar und zu
verwirklichen sind. Das ist das Neue. An uns ist es, unseren
Glauben an die Ideale der Charta der Vereinten Nationen zu be-

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22. Juni 1955
bekräftigen. Darum sollten wir hier unsere Entschlossenheit erneuern, den alten Traum der Menschheit zu erfüllen, der die
Gründer dieser Organisation so beseelte«
So erfüllen wir eine edle Pflicht, und künftige Generationen werden in Ehrfurcht auf die Vereinten Nationen schauen und
ihr Werk ein gesegnetes nennen.

�A M E R I K A

D I E N S T

REDE DES US-AUSSENMINISTERS JOHN POSTER DULLES AUF DER
JUBILÄUMSTAGUNG DER VEREINTEN NATIONEN

SAN FRANCISCO - (AD) - Als letzter der
Außenminister der "Großen Vier" sprach am
24.Juni 1955 der amerikanische Außenminister
John Foster Dulles zu den anläßlich der
Jubiläumstagung der Vereinten Nationen in
San Francisco versammelten Delegierten.
Die Ansprache des US-Außenministers hat
folgenden Wortlaut:
Jubiläen können sowohl angenehme als auch nützliche
Gelegenheiten sein. Und diese Zusammenkunft ist ein Ereignis
solcher Art. Wir blicken zurück und erkennen, daß vieles gut
war. Wir blicken in die Zukunft und sehen viel Verheißungsvolles.
. Die Vereinten Nationen haben bereits bewiesen, daß der
eingeschlagene Weg der richtige ist. Ein Beweis dafür ist
schon allein die Anwesenheit von 37 Außenministern, die aus
allen Teilen der Welt nach San Francisco gekommen sind. Ein
weiterer Beweis.ist die Tatsache, daß sich seit der Gründung
kein Mitgliedstaat um seinen Austritt aus dieser Organisation
bemüht hat; und es existiert heute eine lange - viel zu
lange - Warteliste von qualifizierten Nationen, die Mitglieder 'werden wollen.
Diese Hochachtung vor den Vereinten Natio nen gründet sich
auf solide Leistungen.
»
Auf politischem Gebiet hat es Augenblicke des Triumphs
gegeben, beispielsweise als es Persien mit Unt erstützung der
Vereinten Nationen gelang, den Abzug der fremd en Truppen aus
dem Lande zu erreichen. Und dann im Falle Grie chenlands, als
die Vereinten Nationen, dem Land halfen, die Ge fahr eines
kommunistischen Umsturzes abzuwenden. Und vor allen Dingen
als die UN durch die Organisierung der kollekt iven Verteidigung zum Retter der Republik Korea wurden.
Was die Gebiete und Territorien ohne Selb stverwaltung
anbetrifft, so bemühen sich die Vereinten Nati onen über den
Treuhänderrat und andere Organisationen darum, das Los vieler
abhängiger Völker zu bessern und sie dem Ziel der Selbstverwaltung oder Unabhängigkeit näherzubringen.
Durch
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29. Juni 1955

Durch die Deklaration der Menschenrechte halten die Vereinten Nationen ein Ideal hoch, das in immer stärkerem Maße
zur Achtung vor dem Einzelmenschen und seinen geheiligten gottgegebenen Rechten führen wird.
Durch den Wirtschafts- und Sozialrat wird viel zur Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der
unterentwickelten Gebiete der Welt getan.
Wir leben im Atomzeitalter, und die Mitglieder der Vereinten Nationen finden sich als Antwort auf den mitreißenden
Vorschlag Präsident Eisenhowers zusammen, um eine internationale Behörde ins leben zu rufen, die das in den Dienst des
menschlichen Wohlergehens spannen will, was einst nur die
Waffe des Krieges war.
Aber über allen konkreten Maßnahmen steht der alles durchdringende moralische Einfluß, den die Vereinten Nationen ausüben. In Erfüllung der Worte Arthur H. Vandenbergs - ein'Name,
der hier niemals vergessen werden darf - ist die UN-Vollversammlung zu einem "Forum der Welt" geworden, das auf das Verhalten aller Nationen einen leitenden und erhellenden Einfluß ausübt.
Diese Erfolge machen es klar, warum die Vereinten Nationen
überall auf der Welt in so hohem Ansehen stehen. Wie Präsident
Eisenhower in seiner Begrüßungsansprache hier bereits ausgeführt hat, sind die USA stolz darauf, daß sie die Vereinten
Nationen auf ihren mannigfachen, dem Wohl aller dienenden Tätigkeitsgebieten loyal unterstützen.
Die Gründer dieser Organisation verfolgten in der Tat ein
hohes Ideal. Sie kamen, noch während der Krieg tobte, zusammen,
entschlossen, die Menschheit von der Geißel zukünftiger Kriege
zu befreien. Aber die Charta, die sie verfaßten, fordert nicht
einen Frieden um jeden Preis. Der Friede der Charta ist ein
Friede der Gerechtigkeit; es ist ein Frieden, der allen Nationen,
ob klein oder groß, das Recht auf wahre Unabhängigkeit zusichert;
es ist ein Frieden, der allen Menschen, auch den geringsten, das
gottgegebene Recht auf Freiheit zuspricht.
Um diese hohen Ziele zu erreichen, werden in der Charta
alle Nationen zur Zusammenarbeit aufgerufen. Zusammenarbeit
ist überhaupt die Grundlage, auf der sich die Charta aufbaut.
Keine Nation vermag mit einzelnen Bemühungen die Ziele der
Charta zu verwirklichen. Es bedarf gemeinsamer Anstrengungen,
um die Freiheit zu wahren. Ohne eine kollektive Stärke hätte
der Despotismus freie Bahn; die Rechte der Nationen würden mit
Füßen getreten und die Menschen versklavt.
Die Begründer der Vereinten Nationen iiaben die Charta mit
der Elastizität ausgestattet, die netwendig ist, um die Idee
der Zusammenarbeit, die unsere heutige unruhige Zeit fordert,
wachzuhalten. Einen sicheren Frieden haben wir auch heute noch
nicht errungen. Aber der Geist der Zusammenarbeit, der in der
Charta seinen Niederschlag gefunden hat, kann, wenn er in ehrlicher Absicht und mit schöpferischem Wollen in die Praxis umgesetzt wird, uns zum eigentlichen Ziel der Menschheit führen Frieden in Freiheit.
wir

�29. Juni 1955
"AMERIKA DIENST"
Wir alle wissen, daß die Vereinten Nationen auf bestimmten Gebieten in ihrer Arbeit stark behindert worden sind durch
den Gebrauch, oder besser Mißbrauch, des Vetorechts im Sicherheitsrat. Dadurch ist der Sicherheitsrat davon abgehalten worden, viele der Funktionen zu erfüllen, für die er eigentlich
vorgesehen war. Außerdem ist der Sicherheitsrat niemals so weit
gekommen, die Sicherheitsstreitkräfte aufzustellen, deren Oberbefehl er übernehmen sollte. Der Grund hierfür liegt einzig
darin, daß die Mitgliednationen sich nicht das genügende Vertrauen entgegengebracht haben, das eine Zusammenlegung ihrer
Streitkräfte ermöglicht hätte.
Glücklicherweise erkannten die Verfasser der Charta die
Beschränkungen, unter denen der Sicherheitsrat eventuell arbeiten müsse. Sie forderten von den Mitgliedern nicht, ihre
Zukunft auf dem starren Grundsatz "alles oder nichts" aufzubauen. Daher sahen sie Alternativlösungen vor. Artikel 51 der
Charta gestattet es gleichgesinnten Nationen mit gemeinsamen
Verteidigungsproblemen, sich im Rahmen der Charta 'zum Zwecke
ihrer kollektiven Sicherheit gegen eine Aggression zusammenzuschließen. Von dieser Bestimmung haben viele Nationen, die
zueinander Vertrauen hatten und sich durch das Bewußtsein
eines gemeinsamen Schicksals miteinander verbunden fühlten,
Gebrauch gemacht.
Die ersten Staaten, die ein solches Bündnis abschlössen,
waren die 21 amerikanischen Republiken. Während 150 Jahren
hatten sie eng zusammengearbeitet. Sie kannten sich gegenseitig und sie hatten Vertrauen zueinander. Aus diesem Grunde unterzeichneten sie im Jahre 1947 den Pakt von Rio de Janeiro.
Dieser Vertrag besagt, daß ein Angriff auf einen der 21 Staaten
als ein Angriff auf alle angesehen wird.
Andere Länder gingen ähnlich vor. Da ist zunächst der
Brüsseler Vertrag aus dem Jahre 1948, dem der Nordatlantikpakt
von 1949 und der Manila-Pakt von 1954 folgten. Jetzt bestehen
noch die londoner und Pariser Abmachungen des Jahres 1954, die
den Grundstein für eine Westeuropäische Union legen - eine
Vereinigung, von der Menschen guten Willens und Phantasie seit
langem geträumt haben, die sich aber bis jetzt einer Verwirklichung immer wieder entzog.
In all diesen Übereinkommen zur kollektiven Sicherheit
manifestiert sich der Grundgedanke der Charta der Vereinten
Nationen, ein Gedanke, der sich wiederum aus den Geboten aller
großen Religionen herleitet, daß nämlich die Menschen das
Recht und die Pflicht haben, einander zu helfen.
All diese Übereinkommen gewähren den an ihnen beteiligten
Nationen eine größere Sicherheit als sie allein je erreichen
könnten.
Und alle diese Übereinkommen verschaffen selbst den nicht
an ihnen Beteiligten größere Sicherheit. Es bedarf nicht einer
großen Aufrüstung, da eine Akkumulation des Kriegsmaterials dadurch verhindert wird, daß dieselbe Streitmacht, die die eine
Nation schützt, ebenso im Dienste der übrigen Nationen steht.
Auch werden die militärischen Streitkräfte und Anlagen eines

�"AMERIKA DIENST

29. Juni 1955

eines Bündnissystems gewöhnlich aufgeteilt und nicht der Befehlsgewalt einer einzelnen Nation unterstellt.
Ebenso wie auf innenpolitischem Gebiet ist auch auf dem
Gebiet der internationalen Politik die Aufteilung der Macht
der sicherste Schutz gegen ihren Mißbrauch. Wenn eine Gruppe
unabhängiger souveräner Staaten gemeinsam über ein Machtinstrument verfügt, so kann es nur dann wirksam benutzt werden, wenn
die beteiligten Länder sich über seine Verwendung einig sind.
Und diese Einigkeit ist nur zum Zwecke der kollektiven Selbstverteidigung zu erreichen.
Weil die kollektive Sicherheit den Erfordernissen und
größten Hoffnungen der Menschheit entspricht, haben sich zahlreiche Nationen zu ihr bekannt. Die Vereinigten Staaten, die
1914 und wiederum im Jahre 1939 Sicherheit in der Neutralität
gesucht haben, mußten durch harte Erfahrungen lernen, daß die
Sicherheit in kollektiven Maßnahmen liegt. Wir sind der Ansicht, daß die Macht, die wir besitzen, zum Schutz anderer verfügbar gemacht werden sollte, wie wir auch die Hilfe anderer für
unsere eigene Verteidigung suchen.
Die Vereinigten Staaten sind heute Partner in gemeinsamen
Sicherheitsverträgen, die uns kollektiv zur Verteidigung von
nicht weniger als 44 Ländern verpflichten. Wir sind stolz
darauf, diese vielfachen Bindungen des Vertrauens und der Zuversicht zu haben.
Diese Systeme stehen mit der Charta der Vereinten Nationen
in Übereinstimmung. Sie setzen das in der Charta verankerte
Ideal der gegenseitigen Verbundenheit in die Wirklichkeit um.
Sie arbeiten im Rahmen der Charta-Grundsätze und sie unterliegen dem Einfluß dieser Organisation. Durch diese Systeme ist
noch kein Land angegriffen und noch keine Nation bedroht worden.
Auch arbeiten sie keiner Nation entgegen, sofern diese nicht
ihre Hand begehrlich nach Territorien und Völkern ausstreckt,
die durch die kollektive Sicherheit geschützt werden.
Aus diesem evolutionären, von mir hier dargelegten Prozeß
ist manches Gute hervorgegangen.
Meine Vorredner haben sich wiederholt positiv zu den internationalen Entwicklungen, besonders der jüngsten Monate, geäußert. Die Waffen ruhen in Korea und Indochina; der österreichische Staatsvertrag wurde unterzeichnet; die Beziehungen zwischen Jugoslawien und der UdSSR haben sich gebessert; die Sowjetunion bemüht sich um die Herstellung diplomatischer und Handelsbeziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland; und zwischen der
Sowjetunion und Japan begannen Friedensverhandlungen.
Das sind in der Tat bedeutsame Entwicklungen. Aber in unserer Freude darüber sollten wir weder vergessen, warum.sie eingetreten sind, noch die Aufeinanderfolge jener Ereignisse übersehen, die uns dahin brachten, wo wir heute stehen. Wenn wir
das vergessen, dann haben wir auch den Schlüssel für eine Zukunft in Frieden und Wohlstand verloren.
Die bisherige Entwicklung ist darauf zurückzuführen, daß
sich bestimmte Nationen unerschütterlich für die Grundsätze der

�"AMERIKA DIENST"

.

29- Juni 1955

der Vereinten Nationen einsetzten, \ind das mit einer Entschlossenheit, die notfalls auch nicht vor Opfern an Gut und
Blut zurückschreckte. Heute gibt es keinen Krieg mehr in Korea.
Und warum ? Weil 16 Mitgliedstaaten dem Ruf der Vereinten
Nationen gefolgt sind und gegen'den Aggressor gekämpft haben,
der vom kommunistischen Norden nach Südkorea eingefallen und
nahe daran war, Südkorea zu überrennen. Nach drei Jahren erbitterten Kampfes waren die Aggressoren auf ihre Ausgangsstellungen
und sogar noch weiter zurückgeworfen worden. Hie Aggression
war zusammengebrochen, Jetzt, aber erst jetzt waren die Aggressoren bereit, einen Waffenstillstand zu schließen und dem Morden
ein Ende zu machen. Es ist in der Tat etwas seltsam, wenn man
jetzt hören muß, daß dieser eindeutige Erfolg des kollektiven
Sicherheitssystems als ein Beweis der Friedensliebe der Aggressoren und ihrer Verbündeten hingestellt wird. Wenn es nach
ihrem Willen gegangen wäre, würden wir heute den fünften Jahrestag des Ablebens der Vereinten Nationen begehen.
Heute herrscht Waffenstillstand in Indochina. über ihn
wurde vor einem Jahr in Genf verhandelt. Aber kurz vor der
Genfer Konferenz stellten mehrere Mitglieder der Vereinten
Nationen klar, daß eine Weiterführung der Kämpfe eine Bedrohungfür ganz Südostasien bedeutete und eine kollektive Verteidigung
im Rahmen der UN-Charta in Erwägung gezogen werden müßte.
Heute haben wir einen österreichischen Staatsvertr.ag.
Dieser Vertrag hätte schon vor Jahren unterzeichnet werden
können und sollen. Fast zehn Jahre lang wurde Österreich die
Freiheit vorenthalten, und seine Wirtschaft wurde von einer der
Besatzungsmächte ausgebeutet. In dieser Zeit harter Prüfungen
erhielt der Mut dieses Landes immer wieder neue Nahrung durch
den moralischen und materiellen Beistand befreundeter Mächte
und die Unterstützung seiner Hoffnungen durch die Vereinten
Nationen. Zusammenwirkend konnte dadurch schließlich für die
Gerechtigkeit der Sieg errungen werden.
Heute ist Jugcslawien nicht mehr das Ziel fortdauernder
Beschimpfungen.. Im Jahre 1948 setzte ein Kesseltreiben gegen
Jugoslawien ein, als es sich seiner nationalen Unabhängigkeit
versicherte und das fremde Joch abwarf. Während der folgenden
sieben Jahre erhielt Jugoslawien militärische und wirtschaftliche Unterstützung von Staaten, die in fast jeder Hinsicht
eine andere Regierungsform hatten, die- aber voll das Recht
Jugoslawiens auf Unabhängigkeit und Souveränität anerkannten.
Heute bemüht'sich die Sowjetunion um die Herstellung diplomatischer und wirtschaftlicher Beziehungen zu der Bundesrepublik
Deutschland. Diese Entwicklung kam nach vielen Jahren der Feindschaft, in denen die Bundesrepublik wirtschaftlich und hinsichtlich ihrer Sicherheit -von jenen Nationen unterstützt wurde, die
von dem Recht des deutschen Volkes überzeugt sind, in Unabhängigkeit und unter einer selbstgewählten Regierung zu leben.
Heute besteht die Möglichkeit zu einem Frieden zwischen der
Sowjetunion und Japan. In dem gleichen Raum, in dem wir 'heute
versammelt sind, haben vor vier Jahren 49 Nationen den Friedensvertrag mit Japan unterzeichnet, der ein Vertrag der Versöhnung

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Versöhnung war. Ich entsinne mich, wie von eben dieser Tribüne
herab dieser Friede von einigen erbittert angegriffen und abgelehnt wurde. Heute aber nimmt Japan, auf Grund dieses Vertrages von San Francisco, wieder einen ehrenvollen und würdigen
Platz in der Vö'lker£emeinsch'aft ein, so daß einige Nationen
heute friedliche Beziehungen mit Japan anstreben, die sie noch
vor vier Jahren weit von sich gewiesen hätten.
All diese Ereignisse haben ein gemeinsames Moment, das
Moment der Partnerschaft. Denn jene, die von der Gültigkeit
der Grundsätze unserer Charta überzeugt waren, haben sich gegenseitig und damit sich selbst geholfen.
Manche Leute sagen nun, daß all diese Dinge den Beginn
einer neuen Epoche bedeuten. Das ist wohl möglich, meine ich.
Die Vereinigten Staaten jedenfalls, dafür kann ich bürgen,
werden alles in ihren Kräften Stehehde tun, daß dies tatsächlich der Fall ist. Aber wir vergessen dabei nicht, wir dürfen
es nicht vergessen, daß manche derjenigen, die die Entwicklung
der jüngsten Zeit so freudig begrüßen die gleichen sind, die
jahrelang versuchten, diese Entwicklung zu unterbinden.
Es ist nicht das erste Mal, daß man Menschen aus der Not
eine Tugend machen sieht. Die Notwendigkeit, eine solche Tugend
zu entwickeln, entspringt unseren kraftvollen Anstrengungen,
alle Versuche, unsere Charta zu erschüttern, zu vereiteln.
Wenn wir diese Tugend weiter erhalten sehen wollen, dann denke
ich, daß es klug wäre, den Weg weiterzugehen, der zu ihr führte.
Standfestigkeit in bezug auf die Grundsätze und die Bereitschaft, Opfer für diese Prinzipien zu bringen, sind der Preis
des Guten, das wir gewonnen haben. Es wäre unvernünftig, wollte
man das Gute künftig zu einem geringeren Preis erwarten. Um
einen Frieden in Gerechtigkeit, einen Frieden, der die Souveränität der großen unjä kleinen Staaten garantiert, einen Frieden,
der den Menschen ohne Rücksicht auf Klassenzugehörigkeit respektiert - um einen derartigen Frieden zu erlangen, wird es notwendig sein, in den Anstrengungen, den Opfern und der Solidarität, die uns dahin gebracht hat, wo wir heute stehen, auch weiterhin nicht nachzulassen.
Viel ist bisher erreicht worden, aber viel, viel mehr bleibt
noch zu tun. Da ist das Problem der Wiedervereinigung Deutschlands. Seit 10 Jahren ist der eine Teil Deutschlands vom anderen
getrennt. Diese unnatürliche Teilung eines großen Volkes stellt
•eine schwere Ungerechtigkeit dar. Es ist ein Übel, das, wenn es
auf unabsehbare Zeit weiterbesteht, nur weitere Übel hervorbringen kann, die die Welt dann heimsuchen.
In Osteuropa gibt es Völker, die auf eine lange und stolze
Geschichte zurückblicken können und heute in Knechtschaft leben.
Sie wurden aus der Tyrannei befreit, nur um unter Verletzung
feierlicher internationaler Abmachungen einem neuen Despotismus
unterworfen zu werden.
In Asien haben wir das rotchinesische Regime, das in Korea
zum Aggressor wurde und deswegen von den Vereinten Nationen verurteilt worden ist. Es förderte die Aggression in Indochina und

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und hat Gewalt angewendet und Gewaltanwendung angedroht, um
seinen ehrgeizigen Zielen im Räume um Formosa näherzukommen.
Die jüngste Entwicklung, und hierin ist auch der Einfluß der
Konferenz von Bandung mit einbegriffen, gibt zu der Annahme
Anlaß, daß die unmittelbare Gefahr eines Krieges heute nicht
mehr so akut ist. Hoffen wir, daß es so ist. Aber die Lage
in Asien ist nach wie vor so, daß man ihr nicht gleichgültig
gegenüberstehen kann.
Auch dürfen wir nicht vergessen, daß es noch immer jene
gewaltige Maschinerie gibt, die wir als den internationalen
Kommunismus bezeichnen. Es ist dies eine weltweite Verschwörung
mit dem Ziel, eine Regierung zu errichten, die noch nie und in
keinem Lande je freiwillig von den Völkern gewählt wurde und
die praktisch jede Unabhängigkeit vernichtet. In Caracas stellte die Organisation der amerikanischen Staaten (OAS) im vergangenen Jahr fest, daß die Tätigkeit des internationalen
Kommunismus den Eingriff einer fremden Macht in die innenpolitischen Belange der Länder und eine Bedrohung des Friedens und
der Sicherheit der Welt darstelle. Diese Gefahr aber müsse beseitigt werden.
Schließlich bedarf noch das Problem, wie die erdrückende
Last der Aufrüstung zu mindern ist, dringend einer Lösung.
Jahrelang haben die Vereinigten Staaten und die mit ihnen
befreundeten Nationen sich bemüht, einen Weg zu finden, um
die ihnen durch die Charta gestellte Aufgabe zu erfüllen,
Zahl und Umfang der für Rüstungszwecke eingesetzten Arbeits-'
kräfte und wirtschaftlichen Hilfsquellen zu vermindern. Vor
nahezu zehn Jahren bereits machten die Vereinigten Staaten
einen Vorschlag, die Atomenergie zu internationalisieren. Wäre
dieser Vorschlag angenommen worden, so hätte damit das derzeitige Wettrüsten in diesen Waffen von so furchtbar zerstörerischer Kraft vermieden werden können.
Dieser in seiner Art bis dahin einmalige Vorschlag wurde
zu einer Zeit gemacht, in der die Vereinigten Staaten als einziges Land diese Waffe besaßen.Er wurde abgelehnt.
Dem Vorschlag folgten neue zur Kontrolle und Regelung der
Rüstung und zur Schaffung eines internationalen Organs zur
Überwachung eines echten Abrüstungsprogramms. Auch diese Vorschläge wurden verschmäht» Aber die Sowjetunion ließ vor kurzem
durchblicken, daß sie möglicherweise ernsthaft die Vorschläge
in Erwägung ziehen werde, die vor Monaten von anderen Mitgliedern des UN=Unterausschusses für Abrüstungsfragen gemacht worden waren. Wollen wir hoffen, daß diese Anzeichen sich in konkrete Maßnahmen umsetzen lassen, die Rüstungsbeschränkungen
ermöglichen, auf die man sich wirklich verlassen kann und die
keine Farce sind.
Dies sind einige der Probleme, denen wir in der Zukunft
gegenüberstehen werden. Es sind Probleme, die wir nicht lösen
können, wenn wir unsere Augen ihnen gegenüber verschließen oder
wenn wir schwach, unsicher oder uneinig sind. Es sind Probleme,
denen wir beikommen können, wenn wir Vertrauen auf die Prinzipien unserer Charta haben, wenn wir gemeinsam uns für ihre An-

�"AMERIKA DIENST"

29. Juni 1955

Anwendung einsetzen und wenn wir bereit sind, für die Zukunft
genau so zu arbeiten und Opfer zu bringen, wie wir es bisher
getan haben.
Die Vereinigten Staaten verlangen von keinem Land, was
sie nicht selber zu tun bereit sind» Jedes Land, das sich in
seiner Haltung, und in seinen Handlungsweisen in der internationalen Politik nach den Grundsätzen der Charta richtet, darf
der vollen Unterstützung der Vereinigten Staaten sicher sein.
Es sei zugegeben, daß die Probleme, denen wir.uns gegenübersehen, nicht leicht und schnell zu lösen sind. Ehrliche
Meinungsverschiedenheiten kann es viele geben. Aber das Bestehen schwieriger ungelöster Probleme muß nicht schon an sich
eine Gefahrenquelle und Ursache für Feindseligkeiten sein,
wenn die Nationen an die gemeinsame Arbeit im Geiste der Charta
der Vereinten Nationen herangehen.
Es gibt eine außergewöhnlich einfache Methode, um jenem
Zustand ein Ende zu bereiten, den man als den "Kalten Krieg"
bezeichnet: Einhaltung der Bestimmungen der Charta der Vereinten Nationen, Abstandnahme von der Anwendung von Gewalt
oder Gewaltandrohung in den internationalen Beziehungen und
von der Unterstützung und Lenkung von Umsturzversuchen gegen
die Institutionen anderer Länder.
Wir brauchen nicht sieben Punkte, um den Kalten Krieg
beizulegen, dazu bedarf es nur dieses einen Punktes.
In diesem Geiste werden wir nach Genf gehen, und wir
hoffen, daß auch andere diesen Geist mit uns gemeinsam haben
werden.
Wenn dem so ist, dann werden wir dort neue Verfahrensweisen entwickeln, oder wenigstens einen neuen Auftrieb bekommen, mit deren Hilfe wir einige der riesigen und hartnäckigen uns gegenüberstehenden Probleme lösen können.
Wir werden in Genf nicht als eine Art Weltdirektorium
fungieren, das sich das Recht nehmen würde, das Schicksal anderer zu bestimmen. Aus einer solchen Einstellung heraus
kommen keine guten Lösungen. Wir werden vielmehr versuchen, so
vorzugehen, daß alle direkt betroffenen Nationen ihre jeweiligen Ansichten und Rechte voll geltend machen können. Mit
anderen Worten, wir werden versuchen, in die Genfer Konferenz
jenen Geist hineinzutragen, der aus dieser denkwürdigen Versammlung von 60 Nationen entstanden ist. Die Gedanken und
Empfindungen, denen hier Ausdruck gegeben wurde, können Kraft,
Entschlossenheit und die Treue zu den von den Gründern der
Vereinten Nationen aufgestellten Grundsätzen aufs neue entfachen.
Abschließend kann ich nichts Besseres tun als das Bekenntnis zu wiederholen, das der Präsident der Vereinigten Staaten
am Montag hier an dieser Stelle abgelegt hat:
"Wie die übrige Welt, so sind auch wir uns dessen bewußt,
daß die Eriedenssehnsucht einer Nation nicht durch irgendein
Rüstungswettrennen verwirklicht werden kann. Die Waffen des

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2g. Juni 1955

des Friedens sind Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, gegenseitiges
Verstehen und Achtung für die anderen.
Aus diesem Glauben und diesen Motiven heraus werden
die Vereinigten Staaten jedes Steinchen beachten, das in
das große Bauwerk des Friedens eingefügt werden kann.
Keine Maßnahme, und mag sie noch so neuartig sein, werden
wir ablehnen, die irgendwelche - und wenn auch nur schwache Hoffnung auf einen gerechten und dauerhaften Frieden zuläßt."

* # * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

DEUTSCHLAND IN DER FREIEN WELT

BLOOMINGTON — (AD) •— Nachstehend übermitteln wir Ihnen
den Wortlaut einer Rede des stellvertretenden Staatssekretärs im US-Außenministerium, Robert Murphy, die dieser am
25. Juni 1955 anläßlich der Schlußsitzung der sechsten Jahreskonferenz für Außenpolitische Fragen an der Universität
von Indiana in Bloomington zum Thema "Deutschland in der
freien Welt" gehalten hat.

Es ist eine hohe Auszeichnung für mich, anläßlich dieser
im Zeitpunkt so richtig gewählten und instruktiven Konferenz
über Deutschland unter Ihnen weilen zu dürfen. Und eine noch
größere Freude bereitet mir mein Hiersein deshalb, weil ich so
meine Verbundenheit mit dem Herrn Vorsitzenden Doktor Wells;
erneuern kann. Es scheint nur natürlich und angebracht, daß
eine Konferenz über Deutschland uns jetzt hier zusammenführt,
denn Deutschland war es auch, dessentwegen wir damals zum ersten Mal zusammenkamen», Früher, während der militärischen Phase
der Besetzung, waren wir beide Berater unseres Freundes Lucius
Clay T Präsident Wells in kulturellen und ich in politischen
Fragen. Und Ihnen allen ist natürlich bekannt, daß damals Doktor Wells den Grundstein für unser erfolgreiches, auf weite
Sicht geplantes kulturelles Austauschprogramm mit Deutschland
legte.
Als er und ich noch Kollegen bei OMGUS waren, war das
"deutsche Problem" ganz offensichtlich eine Angelegenheit des
wirtschaftlichen, politischen und sozialen Wiederaufbaus. In
die gleiche Zeit unseres Aufenthaltes in Deutschland fiel jedoch
auch der erste ernste Zusammenstoß mit den Sowjets, als wir ihre
Blockade der Stadt Berlin mit der Luftbrücke beantworteten. Es
war durchaus möglich, in jener Episode - wenn "es damals auch nu"r
wenige taten - den ersten großen Auftakt zu dem zu erkennen,
was heute in etwas beschönigender Form Kalter Krieg genannt
wird. Seither sind hinsichtlich Entwicklung und Fortschritt in
Deutschland wie auch in den deutsch-amerikanischen Beziehungen
phänomenale Erfolge erzielt worden. Ungeachtet von Grad und Ausmaß des Fortschrittes aber gibt es noch immer - und wahrscheinlich auch weiterhin - "ein deutsches Problem", obgleich seine

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�"AMERIKA DIENST

29. Juni 1955

seine Paktoren sich seit 1948 beträchtlich geändert haben.
Die Teilnehmer dieser Konferenz, die sich glücklich schätzen
können, daß die Zusammenkunft unter der Schirmherrschaft dieser
bedeutenden Universität stattfindet, sind, was den Zeitpunkt dle'ser Aussprache und die Behandlung aktueller Fragen anbelangt,
wegen ihres Fingerspitzengefühls für diese Dinge zu beglückwünschen.
Deutschland nimmt auf der liste der politisch vordringlichen
Probleme einen der ersten Plätze ein. Wieder einmal steht es im
Brennpunkt der Weltpolitik und internationalen Spannungen. Deutschland, das selbst geteilt ist, ist das Symbol für die Teilung
Europas und tatsächlich sogar der ganzen Welt. Und die Teilung
macht Deutschland zu einer Quelle ernster Spannungen. Diese Rolle
hat sich Deutschland nicht selbst ausgesucht; sie wurde einem
darniederliegenden Deutschland durch die internationalen Verhältnisse aufgezwungen. Am Vorabend der Genfer Konferenz ist es ermutigend, zu sehen, wie rasch die Teilnehmer dieser Versammlung
die elementaren Faktoren der deutschen Situation ihrem Wesen
nach erkannt haben und ebenso darum wissen, daß die Lösung des
deutschen Problems von dem verantwortungsbewußten Verhalten der
Großmächte abhängig ist.
Wenn man versucht, die wesentlichen Dinge dieser Konferenz
hier in Bloomington, so wie ich sie sehe, zu beurteilen, dann
ist es schwierig, einen gemeinsamen Nenner für die Vielzahl der
geäußerten Ansichten zu finden. Ganz gewiß sind diese Meinungen
das Spiegelbild eines starken Interesses der Öffentlichkeit. Und
ihre Vielfalt wiederum zeigt, wie umstritten das Konferenzthema
selbst ist. In gewisser Hinsicht ist die Auseinandersetzung typisch. John J. McCloy sagte einmal, Deutschland sei ein Land,
das zu stark positiven oder stark negativen Reaktionen herausfordere," es aber kaum zulasse, daß man ihm jemals mit Gleichgültigkeit oder gemischten Gefühlen gegenüberstünde.
Diskussionen wie die Ihren geben Vertretern der Regierung
eine wunderbare Gelegenheit, sich ein Bild von den auf gründlichem Wissen basierenden Ansichten privater Sachkenner und
interessierter Laien zu machen. Eine Meinungsforschung dieser
Art ist immer wichtig; und zu einer Zeit, in der die Regierung
möglicherweise in eine entscheidende internationale Diskussion,
über ein höchst umstrittenes Thema eintritt, ist eine solche
Meinungsforschung sogar lebenswichtig. Es ist gleichermaßen
dankenswert und ermutigend, zu wissen, daß das amerikanische
Volk sich ein lebhaftes und aktives Interesse am deutschen Problem
bewahrt hat - und daß dieses Interesse durch die Würdigung der
Probleme charakterisiert wird, die von wesentlicher, ja vielleicht
sogar weltweiter Tragweite sind.
Ihre Diskussionen haben immer wieder die Notwendigkeit betont, daß an die Lösung der Probleme mit einem Blick für die
Zukunft - und nicht nur aus der Rückschau - herangegangen werden
müsse. In der Vergangenheit haben viele von uns häufig eine die

�29. Juni 1955

"AMERIKA DIENST"

die wahre Situation außer acht lassenden Neigung gezeigt, Deutschland im Lichte von Geschehnissen - guten wie bösen - zu sehen,
die ein für allemal erledigt sind. Das ist verständlich. Wir
müssen sogar eine Vollanalyse der Vergangenheit vornehmen, wenn
wir wirklichkeitsnahe sowohl hinsichtlich der gegenwärtigen als
auch der künftigen Zusamme nhänge urteilen wollen. Um jedoch an das
Thema Deutschland heute überhaupt herangehen zu können, müssen
wir uns bewußt sein, daß wir es mit einer ganzen Reihe von Einzelfakten zu tun haben.
Das erste Faktum dieser Art ist die deutsche Souveränität.
Sie bedeutet, daß die Bundesrepublik Deutschland wieder eine
eigene politische Rolle spielen kann. Daher ist es einfach ein
Gebot, daß wir sie nach ihren eigenen Handlungen, nicht aber
nach den Handlungen ihrer Vorgänger beurteilen. Ein gleichermaßen zwingendes Gebot ist es, daß wir der Bundesrepublik den
Status und das Ansehen zugestehen, das wir jedem anderen -souveränen Staat zuerkennen. Die Bundesrepublik ist nicht mehr länger
abhängig von der übrigen freien Welt. Sie steht jetzt auf eigenen
Füßen. Am 5. Mai dieses Jahres verzichteten die Vereinigten Staaten zusammen mit Großbritannien und Frankreich auf das Privileg
einer Besatzungsmacht, bei den internen Angelegenheiten der Bundesrepublik mitzureden. Wohl haben wir noch in einigen Dingen,
bei denen sich die Deutschen freiwillig damit einverstanden erklärt haben, die letzte Entscheidung, aber abgesehen davon steht
uns keinerlei Autorität über Deutschland mehr zu. Von nun an wird
die Bundesrepublik selbst handeln, und der Kurs ihrer Innen- und
Außenpolitik wird von ihrer gewählten Regierung bestimmt. Wir
haben uns dafür entschieden, dem neuen Deutschland Vertrauen entgegenzubringen, und wir haben genügend stichhaltige Beweise dafür, daß unser Vertrauen nicht fehl am Platze ist. Ohne den Rückhalt, wie er sich aus Instruktionen oder Ratschlägen unsererseits
ergäbe, hat Bundeskanzler Adenauer mit Festigkeit, Würde und
Klugheit auf die jüngsten sowjetischen Annäherungsversuche geantwortet. Ob und wann er nach Moskau geht, war und ist immer noch
ihm - und nur ihm allein •* überlassen. Aber was immer er tut,
dessen sind wir sicher, wird zum Besten nicht nur der Bundesrepublik gereichen, sondern im gemeinsamen Interesse aller freien
Nationen sein.
Die Freundschaft zwischen Deutschland und den Vereinigten
Staaten ist die zweite Tatsache, die bei einer Erörterung des
Deutschland-Problems nicht aus dem Auge verloren werden darf. Durch
die Westeuropäische Union ist Deutschland in ein Partnerschaftsverhältnis mit sechs, und durch seinen Beitritt zur Nordatlantikpakt-Organisatlon in Bündnisbeziehungen zu 15 westlichen* Staaten also nicht etwa nur. den USA - getreten. Diese Partnerschaft schafft
in gewisser Hinsicht neue Verhältnisse, die sich grundlegend von
den früheren unterscheiden. Zum ersten Mal in der Geschichte sind
die Vereinigten Staaten und viele andere Nationen durch ein umfassendes Vertragswerk mit Deutschland verbunden. Darüber hinaus
baut sich das neue Verhältnis zu Deutschland auf dem Grundsatz
der Mehrseitigkeit und Gegenseitigkeit auf und nicht mehr auf
der einseitigen und schützenden Vormundschaftsstellung, wie sie
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�"AMERIKA DIENST"

29. Juni 1955

sie im Besatzungsstatut begründet war. Dieses neue Verhältnis
brachte sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für die
Bundesrepublik Deutschland gewisse Rechte und Pflichten mit
sich.
Die Vereinigten Staaten beispielsweise sind verpflichtet,
die aktive Unterstützung des atlantischen Sicherheitssystems
fortzuführen, um das westliche Verteidigungssystem wirksam zu
machen. Sie sind auch durch die Drei-Mächte-Erklärung der USA,
Großbritanniens und Prankreichs aus dem Jahre 1950 gehalten,
einen "Angriff auf die Bundesrepublik oder West-Berlin oder
irgendeinen anderen Teil als einen Angriff auf sich selbst zu
betrachten". Diese Verpflichtungen hat Präsident Eisenhower
der Bundesrepublik und West-Berlin in einer förmlichen Erklärung bekräftigt.
Die Bundesrepublik ihrerseits ist gehalten, die gemäß
den Bestimmungen des Pariser Vertrages übernommenen Pflichten
zu erfüllen. Das bedeutet, wie Sie wissen, den Aufbau einer
schlagkräftigen Streitmacht als eines wesentlichen Bestandteils
der gemeinsamen Verteidigung der westlichen Nationen. Die Bedeutung eines deutschen Verteidigungsbeitrages ist nicht immer
voll erkannt worden - sowohl in Deutschland als auch in den
Vereinigten Staaten. Vielleicht ist es der Aufmerksamkeit vieler Leute entgangen, daß die Beteiligung Deutschlands für 3ie
Entwicklung eines den tatsächlichen Verhältnissen angepaßten
Systems der weit vorgeschobenen Verteidigung von entscheidender
Bedeutung ist. Deutschlands Beitrag und Deutschlands Mitarbeit
bedeuten größere Sicherheit vor allem für die Bundesrepublik,
aber auch für die westliche Welt. Die politischen und technischen
Schwierigkeiten und vor allem die psychologischen Probleme,
denen sich Jede um eine Anpassung der Gesellschaft und der
Wirtschaft an die Bedürfnisse der Verteidigung bemühte Regierung
gegenübersieht, werden allgemein verstanden. Wir sind aber
auch zutiefst beeindruckt und ermutigt durch die energischen
Bemühungen der Bundesregierung und der meisten politischen
Gruppen in Deutschland, eine Streitmacht zu schaffen, die d'er
straffen Kontrolle ziviler Instanzen untersteht. Es ist beruhigend zu wissen, daß die führenden Persönlichkeiten des
neuen Deutschlands unter allen Umständen entschlossen sind,
ein Wiedererstehen des alten Militarismus zu verhindern, durch
den das ganze Gebäude der Demokratie gefährdet werden würde.
Darüber hinaus werden die neuen deutschen Verteidigungsstreitkräfte ein Instrument im Dienste der kollektiven Sicherheit, nicht aber zur Verfolgung geheimer nationaler Ziele sein.
Umfang und Zweck dieser Streitmacht sind bekannt und klar definiert. Sie werden sich erinnern, daß Bundeskanzler Adenauer
in London, wo man die Grundlage für die Pariser Abkommen schuf,
freiwillig zwei Bedingungen auf sich nahm. Zunächst bestätigte
er eine bereits früher öffentlich abgegebene Erklärung, daß
Deutschland freiwillig auf das Recht verzichte, gewisse Arten
schwerer Waffen herzustellen. Dann verbürgte er sich dafür,
daß sein Land die im Vertrag über die Gründung der Europäischen
Verteidigungsgemeinschaft festgelegten Begrenzungen der Rüstun-

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29. Juni 1955

Rüstungen und der Land- und Luftstreitkräfte einhalten werde.
Des weiteren hat die Regierung der Bundesrepublik Deutschland
sich bereit erklärt, ihre Politik in Übereinstimmung mit den
Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen zu verfolgen,
niemals Gewalt anzuwenden, weder in ihren Bemühungen um die
Wiedervereinigung noch bei ihren Versuchen, eine Änderung der
gegenwärtigen Grenzen zu erreichen.
Die sich aus dem neuen Partnerschaftsverhältnis ergebenden
Rechte und Pflichten beschränken sich aber nicht nur auf das
militärische Gebiet. Es wird damit vielmehr bezweckt - was tiefere und dauerhaftere Auswirkungen haben wird -, allmählich neue
Gebiete der Zusammenarbeit zu erschließen, so daß sich unsere
Beziehungen immer mehr normalisieren und die Bande der Freundschaft zwischen unseren beiden Völkern immer fester geknüpft
werden. In einem gewissen Sinne ist 'das kein völlig neues Beginnen. Diese Entwicklung zu einer engeren Verbindung begann 1
bereits vor einiger Zeit. Unser Abkommen über den kulturellen
Austausch sowie der jüngst abgeschlossenen Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrag sind wichtige Meilensteine auf dem
Wege zu einer Normalisierung der Beziehungen. Denn tatsächlich
ist dieses neue Partnerschaftsverhältnis weT.t mehr als das
Ergebnis rechtsverbindlicher Dokumente, in denen die Rechte und
Pflichten beider Parteien aufgeführt sind. Es ist in Wahrheit
vielmehr Ausdruck eines Gefühls der Freundschaft zwischen unseren Völkern und Regierungen und Höhepunkt eines sich über die
vergangenen zehn Jahre erstreckenden Prozesses der Verständigung.
Die dritte Tatsache, die wir nicht vergessen dürfen, heißt:
Deutschland hat sich gewandelt. Die Bundesrepublik ist nicht
das Zweite Reich; sie ist nicht die Weimarer Republik; sie ist
nicht das Dritte Reich. Und sehr wahrscheinlich wird man das
Deutschland des Jahres 1960 auch nicht mit der Bundesrepublik
vergleichen können. Deutschland ist kein stagnierendes Land.
Es entwickelt sich, und zwar in raschem Tempo - und ich benutze
das Wort "entwickeln" in der Bedeutung des Reifens. Politisch,
wirtschaftlich und gesellschaftlich ist es weit von dem Deutschland der Weimarer Republik entfernt - ganz zu schweigen vom
Deutschland des Zweiten oder Dritten Reiches.
Gestatten Sie mir einige persönliche Bemerkungen. Ich erlebte selbst, mit welchen Schwierigkeiten die Weimarer Republik
zu kämpfen hatte. Ich war von 1921 bis 1925 als junger Konsul
in München. Damals kämpfte jene unter einem schlechten Stern
stehende Republik um ihr Dasein. Und schon damals war sie vom
Untergang gezeichnet. Die Weimarer Republik wurde das Opfer von
Inflation, Massenarbeitslosigkeit, Bitterkeit und Ressentiments
wegen des verlorenen ersten Weltkrieges und der starken Opposition der einflußreichen Gruppen des Landes, der Konservativen,
Imperialisten und Militaristen. Unruhen, gewaltsame Demonstra-'
tionen, Unzufriedenheit kennzeichneten jene Zeit. Ich war in
München, als Hitler seinen mißglückten Putsch versuchte - und
als er seine erzwungene Ruhepause in Landsberg dazu benutzte,
sein Buch "Mein Kampf" zu schreiben.
Die ganze Welt kennt den geradezu phänomenalen wirtschaftlichen Wiederaufstieg der Bundesrepublik« Und die Wahlen zum

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29. Juni 1955

zum Bundestag vom Jahre 1953 sowie die nachfolgenden Länderund Kommunalwahlen sollten selbst die größten Skeptiker von der
politischen Stabilität des neuen Deutschlands überzeugt haben.
Die radikalen Splittergruppen konnten im Bundestag nicht einen
einzigen Sitz gewinnen. Wie es sich gehört, gibt es auch eine
Opposition, in der aber - im Gegensatz zur Opposition der Weimarer Republik - treue Anhänger der demokratischen Grundsätze,
der Bürgerrechte und der Redefreiheit vereint sind.
Der wirtschaftliche Wohlstand, die politische Stabilität,
die Orientierung nach dem Westen hin und die Entschlossenheit,
den Frieden zu erhalten, dies sind die Garantien, die viele von
uns suchen, wenn sie dem Gedanken einer Wiederbewaffnung Deutschlands nähertreten. Wenn die Bemühungen der gegenwärtigen Regierung von Erfolg gekrönt sein werden - und es gibt nichts, was
auf das Gegenteil schließen ließe -»dann, wird es für die neu zu
schaffende Armee keine Möglichkeit geben, sich als Staat im
Staate abzukapseln. Die Bevölkerung der Bundesrepublik blickt
in die Zukunft und zeigt wenig Neigung, der Vergangenheit nachzuhängen. Aber sie hat ihre Lehren aus der Geschichte der Vorgänger der Bundesrepublik gezogen, die ihr gezeigt haben, wie man
es nicht machen soll.
Es liegt mir fern, unterstellen zu wollen, daß zwischen dem
Deutschland von heute und dem Deutschland von gestern überhaupt
keine Ähnlichkeit mehr besteht, doch sind die Unterschiede eindrucksvoll und grundsätzlicher Natur. Und noch ist der Prozeß
der Wandlung und des Aufstiegs nicht abgeschlossen. Die Deutschen
sind die ersten, die diesen Wandel zum Besseren bestimmten von
außerdeutschen Kreisen ausgegangenen und auf Deutschland wirksamen
Einflüssen zuschreiben. Unter diesen nennen sie die von General
Clay und seinen britischen und französischen Kollegen im Jahre
1948 veranlaßte Währungsreform, die Marshallplan-Hilfe, den
McCloy-Fonds und den kulturellen Austausch als die Faktoren,
die am meisten zu ihrem Wiederaufstieg und ihrem Wohlstand beigetragen haben. Daß sie so denken, erfüllt uns mit Genugtuung.
Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, daß die Wirksamkeit
der von uns bereitgestellten Hilfe in hohem Maße der klugen
und gewissenhaften Verwendung seitens der Deutschen sowie ihrem
elementaren Wunsch zu verdanken ist, auf zahlreichen wichtigen
Gebieten des öffentlichen Lebens echte und gründliche Reformen
durchzuführen.
Und da ist noch ein Element, vielleicht das dramatischste
und wahrhaft revolutionäre, das die veränderte Lage kennzeichnet.
Ich meine die allmähliche Wiederannäherung zwischen Frankreich
und Deutschland. Diese Entwicklung befindet sich verständlicherweise noch in einem Anfangsstadium. Doch hat sie bereits greifbare und sehr ermutigende Ergebnisse gezeitigt. Die Montan-Union
war der Anfang dessen, was,wie wir alle hoffen, eine Ära immer
engerer Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Nationen sein wird;
die Westeuropäische Union stellt einen weiteren wichtigen Schritt
auf dem Wege zu einem echten und dauernden Zusammenschluß dar.
Denn es ist zweifellos eine Binsenwahrheit, daß sich die euro-

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29. Juni 1955

europäische Einheit entweder auf die deutsch-französische Verständigung gründen muß - oder daß sie niemals geschaffen werden
wird.
Die vierte Tatsache, die überdies die drei anderen gelegentlich überschattet, ist die Teilung Deutschlands und das Gefahrenpotential, das sich bis zu einem gewissen Grad aus dieser Teilung
für Europa und die außereuropäischen Länder ergibt. Es ist dies
nicht das erste Mal, daß Deutschland eine Quelle der Spannungen in
Europa darstellt und das Gleichgewicht der Kräfte in der Welt bedroht. Früher aber war es Deutschland, das sich die Rolle des
Friedensstörers selbst gewählt hat. Heute ist Deutschland das
unglückliche Opfer äußerer Kräfte, oder, um es ohne Umschweife
zu sagen, ein Opfer sowjetischer Strategie und Taktik. In
Potsdam im Sommer 1945 bekannte sich unser Verbündeter aus der
Kriegszeit nur scheinbar zu dem Übereinkommen, daß das deutsche
Volk einheitlich behandelt und die vier Besatzungszonen als eine
wirtschaftliche Einheit angesehen werden sollen.
Die Tätigkeit des Alliierten Kontrollrats, der sich aus den
Militärgouverneuren der vier Besatzungszonen zusammensetzte, war
durch die Unnachgiebigkeit und das Veto der Sowjets bald gelähmt.
Die Sowjets legten gegen alle Maßnahmen, die aus Deutschland eine
•wirtschaftliche Einheit machen sollten, ihr Vet.o ein; sie verletzten das Potsdamer Abkommen.
Die Ziele, die wir bezüglich Deutschlands hatten, standen
von Anfang an nicht mit den sowjetischen Absichten im Einklang.
Schon ein Jahr nach Schaffung des Organs für eine Vier-MächteVerwaltung in Deutschland war es offensichtlich, daß die Westmächte ein Deutschland anstrebten, das auf eigenen Füßen zu stehen
vermochte, während die Sowjetunion an der Ausbeutung der deutschen
Industrie, der deutschen Landwirtschaft und der deutschen Arbeiterschaft zum Vorteil der UdSSR interessiert war. Das' Ziel des Kreml
bestand und besteht zweifellos auch heute darin, Gesamtdeutschland in den sowjetischen" Machtbereich einzubeziehen.
Im Laufe der zweiten Sitzungsperiode des Außenministerrates
der vier Besatzungsmächte in Paris im Sommer 1946 umriß Außenminister James F. Byrnes sehr deutlich den wahren Charakter der
Vier-Mächte-Kontrolle Deutschlands. Er erklärte, daß die Vereinigten Staaten nicht gewillt seien, die Verantwortung für die
Lähmung der Wirtschaft und die Leiden, die sich aus einer Fortsetzung der Verwaltung Deutschlands "in vier hermetisch abgeschlossenen Zonen" ergäben, mit zu übernehmen. Er forderte die
drei übrigen Mächte auf, ihre Besatzungszonen mit der amerikanischen Zone zu einer wirtschaftlichen Einheit zusammenzuschließen.
Im September 1946 hielt Außenminister Byrnes in Stuttgart eine
Rede, die in ganz Deutschland durch Rundfunk übertragen wurde und
die dem deutschen Volke Hoffnung und neuen Mut gab. In dieser Rede
entwickelte er ein konstruktives Wirtschaftsprogramm für Deutschland und .wies erneut darauf hin, daß nur ein drastisches im ganten
Lande einheitlich durchgeführtes Finanzreformprogramm eine zum
Ruin führende Inflation verhindern könne.
Das war ein Wendepunkt für Deutschland und für Europa, und
es war der Anfang vom Ende der Vier-Mächte-Verwaltung Deutsch-

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29- Juni 1955

Deutschlands. Die Westmächte führten nicht nur in ihren Zonen,
sondern auch in den westlichen Sektoren der Stadt Berlin die
Währungsreform durch. Die Sowjets antworteten mit der Blockade
- und unsere Erwiderung hierauf war die Duftbrücke.
Mit England, Frankreich und den Vereinigten Staaten als
Verwaltungsmächten beschritt Deutschland den Weg zur Unabhängigkeit und zum Wiederaufstieg. Am 21.September 1949 wurde die
Bundesrepublik Deutschland errichtet, die Militärregierung
wich der Zivilverwaltung der Alliierten Hochkommission. Die
Bundesrepublik hatte ihren Start in bewegten Zeiten, doch hielt
sie stetig Kurs auf Souveränität und Freiheit.
Nur wenige Tage später, am 7«Oktober, setzten die sowjetischen Behörden in der Ostzone durch militärischen Befehl
eine deutsche Marionettenregierung ein und verkündeten, daß
diese sogenannte "Deutsche Demokratische Republik", zu deren
Errichtung nicht einmal eine ordentliche Wahl abgehalten worden war, der legitime Sprecher des deutschen Volkes sei.
Deutschland war politisch, wirtschaftlich und territorial
geteilt. Der Eiserne Vorhang war heruntergelassen worden, der
17 Millionen Deutsche in der Sowjetzone von ihren Verwandten
und Freunden trennte und sie der Unterdrückung durch einen
sowjetisch-beherrschten Polizeistaat preisgab.
Seit dieser Zeit haben die Vereinigten Staaten unaufhörlich eine Politik verfolgt, deren Ziel stets die Wiedervereinigung Deutschlands auf friedlichem Wege war. Großbritannien und
Frankreich haben sich dem wiederholten Ersuchen unserer Regierung an die Sowjetunion angeschlossen, in eine Wiedervereinigung auf der Grundlage freier demokratischer Wahlen einzuwilligen. Bis zum heutigen Tage hat die Sowjetunion es stets
abgelehnt, einer Wiedervereinigung auf einer Basis zuzustimmen,
die für Deutschland und die drei westlichen Nationen annehmbar
gewesen wäre. Während die Vereinigten Staaten sich bemühten,
Mittel und Wege für eine friedliche Wiedervereinigung Deutschlands zu finden und für den Anschluß der Bundesrepublik an
den Westen eintraten, hat die Sowjetunion das Problem der
Wiedervereinigung als politische Eombe oder auch zeitweise
als politisches Tauschobjekt behandelt. Wir alle wissen, mit
welchen Mitteln die Sowjetunion bis zum bitteren Ende gegen
die Ratifizierung der Pariser Verträge kämpfte, wie sie mit
Drehungen und Versprechen versuchte, die Ratifizierung der
Verträge durch die Bundesrepublik zu verhindern. "Wenn Ihr
die Verträge ratifiziert", so wurde der Bundesrepublik bedeutet, "so werdet Ihr nie wieder mit Euren Brüdern aus der
Deutschen Demokratischen Republik vereint werden". "Lehnt die
Verträge ab, und der Weg zur Wiedervereinigung und zu freien
Wahlen ist offen", lautete die zweite Parole. Trotz dieses
Propaganda-Feuers hat die Bundesrepublik die Verträge ratifiziert und sich mit dem Westen zusammengeschlossen zum Zwecke
der gemeinsamen Verteidigung und im Interesse der Sicherheit
und des Wohlergehens der freien Welt.
Da die Ratifizierung der Verträge gleichbedeutend mit
ihrem Inkrafttreten war, hat die Weltöffentlichkeit aufmerk-

�"AMERIKA DIENST"

29- Juni 1955

aufmerksam gewisse Anzeichen für einen Kurswechsel der Sowjetunion verfolgt. Und man ergeht sich vielfach in Mutmaßungen
darüber, ob es eine Wandlung ihrer Taktik, ihrer Strategie
oder ihrer inneren Haltung ist. Die Nachgiebigkeit der Sowjets
im Falle des österreichischen Staatsvertrags nach den vielen
erfolglosen Verhandlungen hat die Hoffnung aufkommen lassen,
daß die Sowjets wirklich an einer Entspannung interessiert
sind. Außenminister Molotows Bemerkung anläßlich der Unterzeichnung des österreichischen .Staatsvertrages, die Sowjetunion werde die Neutralität Deutschlands und das Abrücken der
Bundesrepublik von den Pariser Verträgen als Preis für die Wiedervereinigung Deutschlands fordern, gab Anlaß zu neuen Mutmaßungen. "Können wir angesichts des so natürlichen und tiefverwurzelten Verlangens der Deutschen nach Wiedervereinigung",
so fragen sich viele, "von ihnen erwarten, daß sie das sowjetische Angebot ausschlagen?"
Die Antwort auf diese Frage lautet: ja, das können wir.
Lassen Sie mich an dieser Stelle die Antworten zitieren, die
Außenminister Dulles der Presse am 24.Mai gegeben hat, als man
ihn fragte, welche Politik unser Land in der Frage der Neutralität Deutschlands verfolge:
"Nach Ansicht der Vereinigten Staaten kann ein Land wie
Deutschland keine Neutralitätspolitik verfolgen. Bei einem kleinen Land wie Österreich mit 7 Millionen Einwohnern kann man gut
und gerne über Neutralität sprechen. Aber ich glaube nicht, daß
irgend jemand ernstlich glaubt, das 70-Millionen-Volk der
Deutschen sei dazu bestimmt, die Rolle eines neutralen Landes
zu übernehmen."
Wichtiger als unsere Stellungnahme hinsichtlich einer Neutralität Deutschlands ist die Frage, wie sich die Deutschen selbst,
nachdem nun die Bundesrepublik ein souveräner Staat ist, zu diesem Problem stellen. Denn es läßt sich nicht leugnen, daß die
deutsche Wiedervereinigung aufs engste mit dem so ernsten Problem
der Abrüstung verknüpft ist. So sagte der'deutsche Botschafter
in Amerika, Dr. Krekeler, erst neulich: "Wir wissen, daß eine
weltweite Beilegung der gegenwärtigen Spannungen zwischen West
und Ost die besten Aussichten auf eine Wiedervereinigung Deutschlands bietet." Und er fuhr fort: "Aber wir wissen auch, daß wir
eine Wiedervereinigung nicht zu einem Preis oder unter Bedingungen versuchen dürfen, die unsere Sicherheit gefährdet". Dr.Krekeler schloß seine Ausführungen mit den Worten: "Wir können daher
unmöglich Plänen zustimmen, die die Neutralisierung Deutschlands
vorsehen." Diese Rede hielt Dr.Krekeler unmittelbar nach seiner
Rückkehr von einer wichtigen Besprechung mit Bundeskanzler Adenauer.
Und Bundeskanzler Adenauer selbst formulierte auf einem Presseempfang, der ihm zu Ehren am 14.Juni in Washington gegeben wurde,
seine Politik wie folgt: "In den vergangenen Wochen war die Rede
davon, daß wir Deutschen bereit sein könnten, unsere Partnerschaft
mit dem Westen und die von uns übernommenen Verpflichtungen wieder
preiszugeben. Als Antwort darauf kann ich Ihnen nachdrücklichst versichern - Deutschland wird seine Verpflichtungen einhalten. Außerdem", so fuhr der Kanzler fort, "ist über die Frage der Neutralität
oder Neutralisierung gesprochen worden...Meiner Meinung nach würde
die Neutralität oder Neutralisierung Deutschlands es der Sowjetunion in verhältnismäßig kurzer Zeit erlauben, ihre Macht über ganz
Westeuropa auszudehnen. Ich glaube nicht, daß die USA dies wünschen würden."
- 9 Ich

�29. Juni 1955

"AMERIKA DIENST"

Ich glaube, immer weitere Kreise verstehen, welch weitreichende.. Folgen diese tragische Teilung Deutschlands hat. Es ist
unschwer zu erkennen, daß diese Teilung ein Element der Unsicherheit und Ungewißheit in die ganze Welt gebracht hat. Jeder von
uns kann verstehen, daß sie für viele Tausende deutscher Familien,
die grausam auseinandergerissen wurden, unendliches Leid bedeutete.
Und man braucht kein Psychologe zu sein, um voraussehen zu können,
daß fortgesetzte Teilung leicht nationalistische Gefühle und irredentistische Bestrebungen wachrufen kann. Aber es ist beruhigend
zu wissen, daß die Parteien, die Bundeskanzler Adenauer unterstützen, und die Mehrheit des deutschen Volkes nicht beabsichtigen,
das eine oder andere ihrer neuen Bündnisse mit dem Westen gegen
trügerische Versprechungen einzuhandeln.
Unsere eigene Haltung in der Frage der Wiedervereinigung
Deutschlands ist bereits klar definiert worden. Wir haben die
Deutschen in ihrer Entschlossenheit, einen auf der Zerstückelung
ihres Landes basierenden status quo nicht zu akzeptieren, voll
unterstützt.NIn der Tat haben wir Amerikaner niemals großen
Respekt vor der-Unumstößlichkeit dieses status quo gehabt. In
diesem Fall ist ein status quo sowohl aus politischen wie auc'h
aus menschlichen Gründen nicht akzeptabel. Für uns ist die Teilung Deutschlands weit mehr als nur das Symptom einer Krankheit,
die die ganze Welt befallen hat. Man kann nicht direkt sagen, daß
sie die Ursache ist, aber dieses unnatürliche Verhältnis trägt
dazu bei, daß die internationalen Spannungen anhalten und noch
intensiviert werden. Einsicht, Eigeninteresse und auch unsere
Sympathie für das deutsche Volk verlangen daher die Wiederherstellung der deutschen Einheit. Und wir werden in unseren Bemühungen fortfahren, gemeinsam mit der Bundesrepublik und unseren
westeuropäischen Alliierten eine Lösung für dieses Problem zu
finden.
Da die Teilung Deutschlands einer der Faktoren des derzeitigen Dilemmas der Weltpolitik ist und kein isoliertes Problem
darstellt, dürfte es unserer Überzeugung nach sehr wohl möglich
sein, daß eine Lösung eher im Zusammenhang mit der internationalen politischen Lage zu finden ist, als wenn wir es isoliert
behandeln.
Wir sind uns alle klar darüber, daß man in der ganzen Welt
Entspannung und dauernden Frieden wünscht. Wie Präsident Eisenhower bereits das Versprechen gegeben hat, werden wir alle unsere
Kräfte auf die Erreichung dieser Ziele konzentrieren. Doch werden
wir jeden Versuch zur Lockerung der Spannungen entschieden zurückweisen, der auf dem Fortbestand der zur Zeit in der Welt herrschenden Ungerechtigkeiten und Gefahren, einschließlich der Teilung Deutschlands, basiert. Wir sind vielmehr der Ansicht, daß
weder die Wiedervereinigung Deutschlands noch die Lösung irgendeiner anderen wichtigen Frage auf Kosten der Einheit und Stärke
des Westens erreicht werden soll oder kann. Nachlassen der Spannung bedeutet nicht Nachlassen in der Wachsamkeit oder in unseren
Bemühungen. Im Gegenteil, es bedeutet e'ine Fortsetzung der An- 10 -

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"AMERIKA DIENST"

Anstrengungen, bis wir genau wissen, ob die gegenwärtigen Manöver
der Sowjets ein Zeichen dafür sind, daß sie ihre Ziele geändert
haben - oder ob sie lediglich eine andere. Taktik betreiben.
Und was die Zukunft angeht - nun, prophezeien ist immer ein
undankbares Geschäft. Es gibt sicherlich stichhaltige Gründe dafür, daß man erwartet, die Bundesrepublik Deutschland werde auch
weiterhin ein zuverlässiger Partner und Verbündeter sein. Diese
Erwartung basiert auf der Entwicklung Deutschlands seit Kriegsende, dem Denken und Trachten des deutschen Volkes und den Fähigkeiten der führenden Persönlichkeiten Nachkriegsdeutschlands. Wir
haben allen Grund zu glauben, daß Deutschland - wenn man ihm eine
faire Chance gibt -.geleitet durch die weise Politik einer allmählichen Entwicklung auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet, wie der Bundeskanzler sie vertritt, zum Segen des deutschen
Volkes und der freien Welt auf dem bisherigen Wege des Erfolges
voranschreiten wird.
In diesen Wochen scheint eine Diskussion ohne Bezugnahme
auf die bevorstehende Konferenz der Regierungschefs in Genf unangebracht zu sein.Natürlich werden dort wichtige Fragen von
weittragender Bedeutung behandelt werden. Es besteht der Wunsch,
eine peinlich einzuhaltende Tagesordnung zu vermeiden. Zweifellos
wird eine ganze Reihe strittiger Fragen erörtert werden. Es wäre
überraschend, wenn das Deutschlandproblem nicht dazu gehörte.
Die bevorstehende Konferenz wird hoffentlich eine Art Prüfstein dafür sein, ob und wie weit die offensichtliche Wandlung
der russischen Haltung in jüngster Zeit echt ist. Vielleicht wird
die Konferenz uns die Absichten der Sowjets enthüllen, wenn
selbst die Gespräche sich darauf beschränken, zunächst einmal
die bestehenden Probleme klar herauszuarbeiten, um dann später
an ihre Lösung gehen zu können. Dies wird eine ganze Reihe von
Besprechungen auf verschiedenen Ebenen erfordern, die sich über
längere Zeit hinziehen dürften.
Was uns und unsere Verbündeten anbelangt, so treten wir
nunmehr, da die Einheit des Westens nicht mehr eine bloße Hoffnung, sondern Wirklichkeit ist, den Sowjets in Genf aus einer
sehr viel günstigeren und angenehmeren Position der Stärke gegenüber.
Wir können es uns leisten, sowohl Geduld zu zeigen als auch
mit Entschiedenheit aufzutreten. Wir haben es gelernt, in diesen
Dingen vorsichtig zu sein. Nach all diesen Jahren, in denen wir
unsere Erfahrungen sammeln konnten, wäre es außerordentlich unklug von uns, wollten wir uns zu unrealistischen Erwartungen verführen oder zu unbedachten Schlußfolgerungen oder gar Taten hinreißen lassen.
Vielleicht erinnern Sie sich einer außerordentlich interessanten Äußerung Bundeskanzler Adenauers, die dieser vorige Woche in
Harvard machte. Sie regt zum Nachdenken an. "Ich meine", sagte
unser hochverehrter Gast, "der Westen sollte bei den bevorstehenden
Konferenzen vor allem eines im Auge behalten: den Menschen im
- 11 -

�29. Juni 1955

"AMERIKA DIENST"

im Westen ist die Zeit wichtig, darum sind sie ungeduldig und
drängen auf sofortige und sichtbare Erfolge. Den Russen hingegen
gilt die Zeit nichts} sie sind lediglich am Raum, nicht an der
Zeit interessiert. Insofern sind sie bei Verhandlungen, die ihrem
Wesen nach höchst kompliziert sind, entschieden im Vorteil. Meiner
Meinung nach kann der Westen gar nicht genug Geduld haben."
Das ist ein kluger Rat. Wir werden ihn befolgen. Und lassen
Sie mich noch sagen, daß es ein beruhigendes Gefühl ist, Bundesgenossen wie Kanzler Adenauer zu haben, dessen staatsmännische
Fähigkeiten ein wesentlicher Paktor bei der Festigung unseres
Bündnisses mit der Bundesrepublik Deutschland sein werden.
* * * * *

- 12 -

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DER FRIEDEN ERFORDERT STÄNDIGES HANDELN
CHICAGO - (AD) - Im folgenden übermitteln wir den Wortlaut einer Rede, die
Harold E. Stassen, der Beauftragte Präsident Eisenhowers für Abrüstungsfragen,
am 8.Juli 1955 in Chicago vor dem Amerikanischen Lehrerverband gehalten hat.

Frau Präsident, verehrte Mitglieder und Gäste des
Amerikanischen Lehrerverbandes I
Der intelligente junge amerikanische Matrose von der Flotte
Admiral Halseys, der alle seine Kameraden verloren hatte und nun
ohne Beine und mit verbundenen Armen in seinem Bett im Lazarett
lag, sah mir fest in die Augen und fragte: "Herr FregattenKapitän, warum kann die Menschheit nicht den Weg zum Frieden
finden?"
Nie werde ich diese Szene, diese Worte vergessen. Immer
werde ich sie im Gedächtnis behalten - nicht nur wegen ihrer
momentanen intensiven Wirkung, sondern weil mir die gleiche
Empfindung in verschiedener Form, in vielen Sprachen und bei
den verschiedensten Anlässen in der ganzen Welt begegnet ist»
Ich denke an eine Polin, die müde und abgehärmt in den
Ruinen Warschaus stand und sagte: "Werden wir jetzt endlich
einem dauerhaften Frieden entgegengehen?"
Ich denke an das französische Waisenkind in der kleinen
Schule am Stadtrand von Paris: "Ich habe genug vom Krieg gesehen. Ob ich mein weiteres Leben in Frieden leben kann?"
Der russische Arbeiter an der Werkzeugmaschine in einer
Fabrik tief im Ural hat nur den einen Wunsch: "Ohne Frieden
kann nichts Gutes zustande kommen."
Und der deutsche Kriegsblinde in den Straßen von Berlin:
"Warum kann jetzt nicht wenigstens hundert Jahre Friede sein?"
Die Menschheit hat gerade jetzt in ihrer ganzen uns bekannten Geschichte die beste Gelegenheit, den Weg des Friedens
zu finden und auf ihm voranzuschreiten. Und die amerikanischen
Lehrer können hier in unserem Land mehr tun als die Angehörigen
irgendeines anderen Berufes, um die Friedensaussichten zu -verbessern.
Warum
- 1 -

�"AMERIKA DIENST"

13. Juli 1955

Warum sage ich das? Weil die Erhaltung des Friedens eine
nicht abreißende Folge von Entscheidungen und Handlungen verlangt,
die in unserer großen Demokratie nur vom ganzen Volk getragen
werden können, einem Volk, das in seinen Bildungsanstalten an das
Wissen und Verständnis der kulturellen Entwicklung der Menschheit
herangeführt und im Geist der Verständigung erzogen wird.
So nahm ich auch Ihre freundliche Einladung an, heute vor
Ihnen zu sprechen, um erstens den amerikanischen Lehrern meine
Hochachtung und Anerkennung aussprechen und Ihnen dann meine Ansichten zu den Grundprinzipien vortragen zu können, die das Verlangen nach Frieden, Freiheit, Sicherheit und wirtschaftlichen
Wohlstand mit sich bringt.
Die Rüstung steht natürlich in untrennbarer Beziehung zu
Frieden und Krieg. Rüstungen dienen dazu, den Frieden zu brechen
und kriegerische Auseinandersetzungen zu führen. Aber Rüstungen
dienen auch dazu, den Frieden zu erhalten und Kriege zu verhindern.
Viele Male in der Geschichte führte ein Wettrüsten schließlich
zu einem Massensterben und zur Vernichtung. Und in zahlreichen
anderen Fällen in der Geschichte erweckte die Schwäche der Rüstung
der einen Seite die Angriffslust der anderen Seite, was dann das
Ende des Friedens bedeutete.
Aber die Rüstungen sind allein niemals die einzige Ursache
des Krieges, und ihre Kontrolle und Begrenzung geben keine vollständige Garantie für den Frieden. Wachsende Spannungen zwischen
den Völkern über Meinungsverschiedenheiten in wirtschaftlichen
oder politischen Fragen führen häufig zur Intensivierung der
Rüstung. Zunehmende Waffenstärke wiederum vermehrt die internationalen Spannungen. Man sollte in den Rüstungen sowohl Ursache
als auch Wirkung sehen.
Der erstaunliche Fortschritt der Wissenschaft auf dem Gebiet
der Kernphysik hat eine neue und furchtbare Dimension in die Frage
von Frieden und Krieg gebracht.
Die Wissenschaft hat mit ihren Entdeckungen nunmehr den Punkt
erreicht, an dem eine einzige Bombe, die in einem kleinen zweioder viermotorigen Flugzeug transportiert werden kann, genügt,
um ein großes Gebiet völlig zu zerstören.
Die gleiche Menge kernreaktiven Materials, das zur Herstellung dieser einen Bombe nötig ist, würde genügen, den Lichtund Strombedarf einer großen Stadt für mehrere Jahre zu decken.
Das Wissen um die aufbauenden wie auch die vernichtenden
Kräfte der Atomenergie gewinnt in der ganzen Welt immer mehr an
Boden. Man kann dieses Wissen nicht einfach rückgängig machen
und leugnen. In vielen Gebieten in der ganzen Welt sind Vorkommen
des Erzes entdeckt worden, das das Ausgangsmaterial für die Gewinnung der Atomenergie bildet, und jedes Jahr werden neue Lagerstätten entdeckt.
Diese Fortschritte der Nuklearwissenschaft lassen
keit eines Krieges in einem noch grauenvolleren Lichte
als dies je der Fall gewesen ist. Aber so seltsam dies
so sind doch zur gleichen Zeit auch die Aussichten auf
erhaften Frieden günstiger geworden.

die Möglicherscheinen,
klingen mag,
einen dauZum

�"AMERIKA DIENST"
13. Juli 1955
Zum ersten Mal in der Geschichte müßten sich also die Völker und die führenden Politiker jedes Landes, wenn sie schon
den wahren Sachverhalt kennen, ohne Rücksicht auf die bei ihnen
herrschende Regierungsform darüber im klaren sein, daß sie sicherlich viel mehar durch einen von ihnen vom Zaune gebrochenen Krieg
zu verlieren denn zu gewinnen hätten. Gleichzeitig müssen sie erkennen, daß ihnen aus konzentrierten eigenen wirtschaftlichen
Anstrengungen größere Erfolge erwachsen werden als aus dem Versuch, sich die Besitztümer anderer Nationen mit Gewalt anzueignen.
Die Anwendung der Atomenergie zu friedlichen Zwecken hat
viele pessimistische Ankündigungen aus früheren Jahrzehnten ins
Reich der Utopie verwiesen. Die Vorhersage bezüglich einer die
ganze Welt umfassenden Lebensmittelknappheit ist nicht eingetroffen, weil die Ergebnisse der Atom- und Nahrungsmittelforschung zu einer Ausweitung der Produktionskapazität geführt
haben. Die Befürchtungen, daß eine. Verknappung an Kohle und
Erdöl eintreten könne, verlieren angesichts dieser neuen Energiequelle mit allen ihren friedlichen Nutzungsmöglichkeiten ihren
Schrecken.
Wie auf anderen Gebieten, so hat der Präsident der Vereinigten Staaten, Dwight D. Eisenhower, auch bei der Entwicklung von
Möglichkeiten zur friedlichen Verwendung der Atomenergie in beredter Weise und als leuchtendes Vorbild eine führende Rolle
übernommen. Seinem Initiativ-Vorschlag vor der Vollversammlung
der Vereinten Nationen am 8.Dezember 1953 folgten festumrissene
Pläne, wie man das Wissen und die Bereitschaft zur friedlichen
Nutzung dieser neuen Entdeckung verbreitern und vergrößern könne.
Einunddreißig Wissenschaftler aus 19 Nationen besuchen gegenwärtig einen Kursus über die friedliche Nutzung der Atomenergie,
der von der Atomenergiekommission in den Argonne-Laboratorien
in der Nähe von Chicago abgehalten wird. Des weiteren wurden
Abkommen mit 26 Ländern über eine Zusammenarbeit bei der Errichtung von Forschungsreaktoren zur Gewinnung von Atomenergie
zu friedlichen Zwecken abgeschlossen. Im nächsten Monat wird
in Genf eine internationale Konferenz über das gleiche Thema,
die friedliche Nutzung der Atomenergie, stattfinden.
Parallel zu dieser-Entwicklung hat der amerikanische Außenminister, John Poster Dulles, sich unermüdlich und mit großem
Geschick um eine internationale Entspannung und eine Verminderung
der Kriegsgefahr bemüht. Schritt für Schritt wurden mit einmütiger Unterstützung beider Parteien unter Führung von Senator Walter
George Abkommen über die Beendigung des Kriegszustandes in Korea, •
zur Förderung der kollektiven Sicherheit in Südostasien, zur
Befreiung Österreichs und zum Aufbau der Stärke der freien Welt
abgeschlossen.
In wenigen Tagen schon werden der Präsident und der Außenminister nach Genf abreisen, um dort an der Konferenz der Regierungschefs der Sowjetunion, Großbritanniens, Frankreichs und der
Vereinigten Staaten teilzunehmen. Sie werden begleitet von den
Hoffnungen und guten Wünschen aller Amerikaner und der ganzen
Menschheit.
Dieser Konferenz kommt große Bedeutung zu, aber die Menschen sollten sich der Tatsache bewußt sein, daß der Weg zum

�"AMERIKA DIENST"

13. Juli 1955

Niemand sollte die Schwierigkeiten und Gefahren unterschätzen.
Wir dürfen uns nicht in falscher Sicherheit wiegen.
Aber ebenso wenig dürfen wir uns einem Gefühl der Hoffnungslosigkeitoder dem Zynismus hingeben.
Die Lehrer unseres Landes sind von entscheidender Bedeutung
für die Vereinigten Staaten. Aber Jeder muß seinen Teil Verantwortung tragen. Journalisten, Schriftsteller, Juristen, Arbeiter,
Bankiers, Bauern, Mütter, Väter - sie alle müssen sich in ihrem
Denken dem Atomzeitalter anpassen und ihren Anteil an den Entscheidungen unseres Volkes vor Eintritt in das Zeitalter der Nutzung der Atomenergie zu friedlichen Zwecken selbst tragen.
Ein über alle Dinge informiertes Volk, das Säbelrasseln
und Muckertum gleichermaßen ablehnt und seinen Kurs beherrschten
Mutes und aufrechter Stärke verfolgt, wird die Chancen verbessern,
daß wir auf dem Weg des Friedens voranschreiten.
Wir wollen klug, ergeben, weise und unermüdlich gemeinsam
dafür arbeiten, um diese Chance zu ver£rößerh und diese Hoffnung in den Bereich der greifbaren Möglichkeit zu rücken.

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c; _

�A M E R I K A

D I E N S T

WIRTSCHAFTLICHE AKTIVITÄT DES SOWJETBLOCKS IN DEN
LÄNDERN DER FREIEN WELT

Sechster HalbJahresbericht des US-Amtes für Auslandshilfe
über die Durchführung des Gesetzes zur Überwachung der Gemeinsamen Verteidigungshilfe (Mutual Defense Assistance Control Act)
vom Jahre 1951
II. Halbjahr 1954

�INHALT
Seite
EINFÜHRUNG
Handelskontrollen im II. Halbjahr 1954
bei strategisch wichtigen Gütern ...
Kapitel I:
Die Wirtschaft als Waffe Moskaus
Das Dilemma der wirtschaftlichen
Entwicklung
•
Investitionen auf kommunistische Art
Äußeres Bild und Propaganda
Verschiedene Methoden
Das Musterbeispiel
Moskau operiert mit Versprechungen
Zusammenfassung
Kapitel II:

Das Gesicht des Ost-Westhandels
im Jahre 1954
Der Warenfluß von Ost nach West
und West nach Ost
Ausweitung der Handelsverbindungen
durch Verträge
Immer nur die gleichen Güter gefragt
Handelsflotte zu kaufen gesucht
Fleisch, Brot und Butter
' Was haben die Länder des Sowjetblocks
anzubieten ?
Risikoreiches Geschäft
.

1
4
5
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26

Kapitel III:

Moskaus Stimmen
Im Kreis herum

27
28

Kapitel

Schwierigkeiten im Ost-Westhandel
Kein Handel auf Gegenseitigkeit
Sowjetische Verschleierungstaktik
Getarnte Diskriminierung

30
31
32
32

IV:

Preismanipulationen

�Preismanipulationen
Hauptsorge der Kommunisten
Der Laufkunde
Auf und Ab
Unsicherheit nach dem
Vertragsabschluß
Fragwürdige Qualität
Kapitel

V:

Wandlungen im Wirtschaftskurs
der Satellitenländer
In der Sowjetunion
In den europäischen
Satellitenstaaten
Ungarn und der "Neue Kurs"

Schlußbemerkungen

Seite
33
33
34
35
36
36
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39
42
44
47

ANHANG
Begleitbrief
Tabelle. I
Tabelle II
4 Schaubilder

# # * * *

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Juni 1955

EINFÜHRUNG
Handelskontrollen im II. Halbjahr 1954 bei strategisch
wichtigen Gütern
Fünzehn Länder, in deren Händen 60 Prozent des Außenhandels
der freien Welt liegen, arbeiten seit 1949 im Rahmen eines Kontrollprogramms hinsichtlich der Ausfuhr strategisch wichtiger
Güter in den gesamten Sowjetblock eng zusammen. Während der II.
Jahreshälfte 1954 waren die bei weitem bedeutendsten Veränderungen
in diesem Programm in den Monaten Juli und August zu verzeichnen.
In dieser Zeit kamen die Regierungen dieser Staaten überein, eine
umfassende Revision ihrer Kontroll-Listen für Waren vorzunehmen,
die nicht in die UdSSR und ihre europäischen Satelliten-Länder
exportiert werden dürfen. Unberührt von dieser Revision blieben
die ausgedehnteren Kontrollen der freien Welt über die Ausfuhren
nach Rotchina.
Die Revisionen und ihre Begründungen - ebenso die langwierigen Verhandlungen, die zu ihnen führten - sind im 5» HalbJahresbericht über die Durchführung des "Mutual Defense Assistance
Gontrol Act" (MDAC)*der unter dem Titel "Die Revision der Bestimmungen für den Ost-West-Handel" (The Revision of Strategie
Trade Controls) am 23. November 1954 veröffentlicht wurde, erläutert. Genau gesagt, behandelte dieser Bericht zwar die ersten
6 Monate des Jahres 1954} die Berichtszeit würde aber bis in den
August hinein ausgedehnt, um die gesamten Revisionen in einer
einzigen Ausgabe zur Verfügung zu haben.
Der vorliegende Bericht beschäftigt sich mit dem Vorgehen
Moskaus hinsichtlich seiner wirtschaftlichen Beziehungen zur freien
Welt.
Aber auch einige weitere Entwicklungen im Rahmen des Kontrollprogramms sollen nicht unerwähnt bleiben. Die zusätzlichen Durchführungsmaßnahmen, über die man sich im Sommer 1954 einigte und
die im letzten MDAC-Bericht beschrieben wurden, sind inzwischen
verwirklicht worden. Wie erwartet, benötigten die einzelnen Länder eine gewisse Zeit, um die näheren Verordnungen und Ausführungsbestimmungen - im Einklang mit ihrer eigenen Gesetzgebung auszuarbeiten; aber bis Ende Januar 1955 waren die neuen Kontrollmaßnahmen im wesentlichen eingeführt.
Die Kontrollen über Warengesc-häfte (transaction controls)
sollen eine Umgehung der Exportkontrollen dadurch verhindern, daß
Verkäufe von Embargo-Waren ganz gleich ihrer Herkunft an die
Sowjetblock-Länder durch Angehörige freier Länder verboten werden.
Die Kontrollen über Umladung und Warentransit (transit controls)
sollen verhindern, daß Embargo-Waren, die angeblich von einem freien
Land für ein anderes freies Land bestimmt sind, in die SowjetblockLänder abgezweigt werden. Ein koordiniertes System von TransitKontrollen für alle beteiligten Länder trat am 16. Januar 1955 in
Kraft.

1 _
"Battle Act"

Mi!

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Juni 1955

Mit Hilfe dieser gemeinsamen Maßnahmen sind die Regierungen
der freien Welt jetzt besser als noch vor sechs Monaten in der
Lage, unzulässigen Handel zu bekämpfen.. Während die vorjährigen
(1954) Revisionen einerseits die Kontrollen in bezug auf dem
Handel mit strategisch wichtigen Gütern verschärften, lockerten
sie andererseits Einschränkungen auf anderen Gebieten, um den
Handel mit nichtkriegswichtigen Gütern zwischen der freien Welt
und dem Sowjetblock größere Freizügigkeit zu gewähren. Ein derartiger Güteraustausch, so dachte man, könnte nicht nur von materiellem Nutzen für die Bevölkerung beiderseits des Eisernen
Vorhangs sein, sondern auch möglicherweise dazu beitragen, politische Spannungen zu mindern.
Im letzten MDAC-Bericht S. 24 (Deutsche Ausgabe S. 30) erklärten wir: "Es blieb abzuwarten, ob diese Möglichkeiten einen
plötzlichen Aufschwung des Ost-West-Handels bewirken würden, da
dies, wie immer, weitgehend von der Bereitschaft und Fähigkeit
des sowjetischen Blocks abhing, im großen Stil mit zivilen Gütern
Handel zu treiben."
Hierzu ist zu sagen, daß seit August 1954, als die von den
freien Ländern aufgestellten Warenlisten revidiert wurden, der
Ost-West-Handel keinen besonderen Aufschwung nahm. Der Gesamthandel zwischen der freien Welt und den Sowjetblock-Ländern lag
1954 über dem Niveau des Jahres 1953, und zwar waren die Ausfuhren in die Sowjetblockländer um 24 Prozent, die Einfuhren
von dort um 7 Prozent höher. Liese Erhöhung bezog sich jedoch
hauptsächlich auf das erste Halbjahr 1954, während die Handelsbilanz im II. Halbjahr sich wieder mehr dem Stand von 1953
näherte. (Weitere Einzelheiten siehe Kapitel II).
In dieser Einführung dürfte eine Bemerkung über den Handel
mit Rotchina angebracht sein, da im Hauptteil des Berichts nicht
viel über die chinesischen Kommunisten gesagt werden wird. Aus den
verfügbaren Unterlagen geht hervor, daß die Handelsbilanz der
freien Welt mit Rotchina im zweiten Halbjahr 1954 fast den gleichen Dollarwert aufweist wie im ersten Halbjahr 1954. Berücksichtigt man jedoch das ganze Jahr, so ging der Handel im Vergleich zu 1953 leicht zurück. Die Schätzungen für 1954 zeigen,
daß der Wert der ausgetauschten Güter sich etwa auf dem Stand von
1952 hielt; dabei wies 1952 das niedrigste Handelsvolumen der
Nachkriegsjahre auf.
Die Ausfuhren der freien Welt nach Rotchina während der
letzten 5 Jahre (in Millionen US-Dollar):
1950
1951
1952
1953
1954 (geschätzt)
452,1
446,2
272,6
287,6
285,0
Die Einfuhren der freien Länder aus Rotchina im gleichen
Zeitraum:
534,7

524,7
Quelle:

365,0
434,1
371,2:
Amerikanisches Handelsministerium.
Die Beträge sind den Preisänderungen nicht
angeglichen.
2
Ein

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Juni 1955

Ein Land, das 1954 einen bemerkenswerten Anstieg im Handel
mit Rotchina zu verzeichnen hatte, war Japar. Die für das chinesische Festland bestimmten japanischen Ausfuhren beliefen sich
1952 auf 600 000 Dollar, 1953 uf 4,5 und 1954 auf etwa 19,0 Millionen Dollar. Die japanischen Einfuhren vom chinesischen Festland
bezifferten sich 1952 auf 15,0, 1953 auf 30,0 und 1954 auf 41,0
Millionen Dollar.
Japan gehört zu der Grippe der 15 Staaten, die ihre strategischen Handelskontrollen koordinieren. Die japanischen Ausfahren
nadh Rotchina setzten sich au^ den gleichen nichi/riegswichtigen
Waren zusammen wie diejenigen, die von den europaischen Mitgliedern dieser Gruppe ausgeführt wurden - Dung m.ttel, Textilien,
Arzneimittel und ähnliches. Das is 1954 geltende japanische
Embargo war wesentlich schärfer als das international festgesetzte; im Sommer des genannten Jahres glich Japan jedoch seine
Embargoliste dem internationalen Stand an.
Die wirtschaftlichen Probleme der
übervölkerten japanischen
Inseln sind in der Tat groß. Die Japaner müssen die Ausfuhren
erhöhen, um die umfangreichen Einfuhren, auf die sie angewiesen
sind, bezahlen zu können. Es überrascht nicht, daß die japanischen
Kaufleute in jeder Hinsicht größere Märkte erschließen wollen.Die
Mätfcte in kommunistischen Einflußbereich können jedoch nicht als
umfangreich und zuverlässig genug gelten, um das japanische Handelsdilemma lösen zu helfen. Japans Gesamtexport stieg in den
Jahren 1953 und 1954 von 1,275 Milliarden auf 1,63 Milliarden
Dollar an, aber die Gesamtimporte beliefen sich in beiden Jahren
auf 2,4 Milliarden Dollar.
Welche Lösungen gibt es also für Länder mit akuten Handelsproblemen, wie beispielsweise Japan sie hat? Die wirkliche Lösung
liegt in einer dynamischen, Jahr für Jahr zunehmenden Ausweitung
der Märkte in der freien Welt, einem stetigen Aufbau der wirtschaftlichen Stärke und der Verbesserung des Lebensstandards in
allen Erdteilen. Dies würde nicht nur Japan, sondern auch anderen
Ländern und den Menschen der ganzen Welt zum Nutzen gereichen.
Die weltweite Ausdehnung des wirtschaftlichen Wohlstands, zusammen
mit einer ständig zunehmenden Verwirklichung der Freiheit und
Würde des einzelnen - dies ist die Antwort auf die Dogmen der
Kommunisten. Sie ist die Hoffnung der Welt.
* * * * *

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Juni 1955

Kapitel I
DIE WIRTSCHAFT ALS WAFFE MOSKAUS
Sie pflästern die Straßen von Kabul
Die Stadt liegt hoch oben auf Einern Plateau des HindukuschGebirges, westlich des Khaibar-Passes. Sie ist die Hauptstadt
des alten Königreiches Afghanistan. Hier kommen Auto- und Kamelkarawanen mit Wolle, Seide, Teppichen, Häuten, Gewürzen und
Trockenfrüchten, um dagegen Baumwolle, Tee und Zucker einzutauschen. Afghanistan besitzt kein Eisenbahnnetz, und auf nur
fünf Straßen wickelt sich der gesamte Kraftverkehr ab. Mühevoll
bahnt sich der Güterverkehr seinen Weg über die Berge zu diesem
Handelszentrum, ähnlich wie in alter Zeit, als Afghanistan als
strategische "Beute" an den Eroberer Timur fiel.
Vor Hunderten von Jahren war das Land für seine reichen
Mineralvorkommen bekannt - zum Beispiel Gold, Blei, Kohle, Schwefel, Eisen, Antimon und Stickstoff. Seine Berge verfügen bestimmt auch heute noch über einen großen Reichtum an Erzen, aber
die Außenwelt erfährt hierüber kaum etwas und weiß tatsächlich
nur wenig von dem, was dort wirklich vorgeht.
Afghanistan war einstmals eine Art "Verbotenes" Königreich
und Ausländer fanden nur selten Aufnahme. In den letzten Jahren
hat die afghanische Regierung jedoch ein großes Interesse gezeigt,
den Kontakt mit dem Westen zu vertiefen. Sie nahm Schullehrer
aus den Vereinigten Staaten in ihre Dienste, und amerikanische
Ingenieure haben ein großzügiges Programm für die wirtschaftliche
Entwicklung ausgearbeitet. Ein bedeutendes Bewässerungs- und
Flußregulierungsprojekt, das mit amerikanischen Mitteln über
die Export-Import-Bank finanziert wird, ist bereits in Angriff
genommen * ) .
Vor kurzem sind nun andere Besucher mit Material und Ausrüstungsgegenständen erschienen; sie beaufsichtigen Straßenpflasterungsarbeiten in Kabul. Diese Ausländer kamen über die
Nordgrenze - von der UdSSR. Dies sind nicht die ersten sowjetischen Techniker, die aus der UdSSR/mach Afghanistan gekommen
sind. Im Jahre 1951 schickte Moskau Fachleute, um beim Bau
von Kraftstofflagern mitzuhelfen. Im September 1954 verkündete
Radio Moskau,daß dieses Projekt fertiggestellt worden sei, und
daß Afghanistan mit der UdSSR einen Vertrag über den Bau weiterer Kraftstofflager abgeschlossen habe.
Ebenfalls im Jahre 1954 schloß die Sowjetregierung mit
Afghanistan einen Vertrag, in dem sie sich verpflichtete, einen
Betrag in Höhe von 3,5 Millionen Dollar für den Bau von zwei
Getreidesilos, eines elektrischen Mühlenwerkes und einer Brot*) Die Maßnahmen zur technischen Unterstützung durch das USAmt für Auslandshilfe in Afghanistan und anderen Ländern für das
Halbjahr, das am 31«Dezember 1954 auslief, werden in dem Kongreßbericht des amerikanischen Präsidenten über'das Programm für
Gemeinsame Sicherheit beschrieben.

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Juni 1955

Brotfabrik zu investieren. Die Arbeiten sollen im Jahre 1956
abgeschlossen werden. Die Anleihe ist innerhalb von fünf Jahren
zurückzuzahlen, und zwar beginnend mit dem Jahre 1957. Die Sowjetregierung wird jährlich 3 Prozent Zinsen für das investierte
Kapital erhalten.
Außerdem gewährte die Tschechoslowakei Afghanistan einen
Kredit für die Errichtung von Industriewerken, zu denen auch eine
Zementfabrik, eine Lederfabrik und ein Textilwerk gehören.
Diese Anleihen sollen in Form afghanischer Landesprodukte
zurückgezahlt werden, und somit steht diese Rückzahlungsform
im Einklang mit den sowjetischen Plänen bezüglich einer Ausweitung des Handels zwischen Afghanistan und dem Sowjetblock und
einer eventuell verstärkten Abhängigkeit Afghanistans von diesem Handel.
Zum Thema dieses Kapitels;
Der Ost-Westhandel als solcher, das heißt Wert und Art der
Güter im Warenaustausch zwischen dem Sowjetblock und der freien
•Welt, wird in späteren Kapiteln behandelt. Aber der Warenaustausch ist natürlich nicht das einzige, was die Länder des
Sowjetblocks auf wirtschaftlichem Gebiet in den Ländern der
freien Welt unternehmen. Hauptzweck des vorliegenden Kapitels
ist es, eine kurze Übersicht über ihre anderen wirtschaftlichen
Aktionen in der freien Welt zu vermitteln.
Wir beschränken uns in diesem Kapitel hauptsächlich auf die
wirtschaftlichen Unternehmungen des Sowjetblocks in den nichteuropäischen Gebieten der freien Welt. Es ist nicht so, daß die
Kommunisten Westeuropa bei ihren wirtschaftlichen Aktionen im
Ausland vernachlässigten -• ganz gewiß nicht, obgleich sie in
einigen Ländern anscheinend auf der Stelle treten. Die Vorgänge
in den unterentwickelten Gebieten werden deshalb ausführlicher
behandelt, weil die Aktivität dort neueren Datums ist.
Das Dilemma der wirtschaftlichen Entwicklung
Man schätzt, daß die Kredite, die die Länder des Sowjetblocks gegenwärtig Afghanistan gewähren, sich auf etwas mehr als
10 Millionen Dollar belaufen und sich über mehrere Jahre verteilen. Nach westlichen Maßstäben sind dies kleine finanzielle Transaktionen, sie sind jedoch sowohl für Afghanistan als auch für
die kommunistischen "Unternehmer" von beträchtlicher wirtschaftlicher und politischer Bedeutung.
Die afghanische Regierung sieht sich einem Dilemma in der
wirtschaftlichen Entwicklung gegenüber, und sie steht dabei nicht
allein. Mit diesem allgemeinen Problem haben sehr junge oder sich
erst entwickelnde Volkswirtschaften in asiatischen, afrikanischen
und südamerikanischen Ländern zu kämpfen.
Um ihre Rohstoffvorkommen nutzbar zu machen, um die Landwirtschaft weiter zu entwickeln, ihre Produktionsanlagen zu

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Juni 1955

zu modernisieren, das Transport- und Nachrichtennetz zu erweitern, und ganz allgemein um den Lebensstandard zu heben und die
Volkswirtschaft zu stärken» benötigen diese Länder Investitionen
und technische Beratung aus dem Ausland. Die führenden Industriestaaten des Westens haben ein solches Stadium bereits in früheren Jahrhunderten durchgemacht. Die wirtschaftlich unterentwickelten Länder von heute können sich nicht nur an private Geldgeber
wenden, sondern auch an internationale Organisationen, deren Ziel
es ist, sie in dieser Aufwärtsentwicklung zu unterstützen. Da
aber jetzt viele Länder gleichzeitig aus dieser wirtschaftlichen
Vorstufe heraustreten, sind die Bedürfnisse groß und die Wege
zur Unterstützung oftmals zeitraubend und beschwerlich.
Jetzt präsentieren sich die kommunistischen Regierungen als
eine neue Quelle für eine eventuelle Hilfe bei der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Länder, die Hilfe von außen benötigen,
überlegen sich, was die Annahme der sowjetischen Angebote sie
letzten Endes kosten könnte. Sie halten einen Rückblick auf die
Geschichte des Kommunismus, um möglicherweise festzustellen,
ob irgendwelche Parallelen existieren, die vielleicht auf die
Absichten und die Zuverlässigkeit dieser neuen Finanziers schließen lassen.
Investitionen auf kommunistische Art
Leider bestehen keine direkten Parallelen, an Hand deren
sie ihre gegenwärtigen Abenteuer mit Investitionen von kommunistischer Seite einer genauen Prüfung unterziehen könnten.
Ein kurzer Rückblick auf die früheren wirtschaftlichen Auslandsunternehmungen der Sowjets in dieser Hinsicht kann jedoch ganz
nützlich sein.
Zuerst einmal wollen wir uns vergegenwärtigen, daß es erst
20 Jahre her sind, seit die Sowjetunion - wenn auch unter Vorbehalt - versuchte, Kapital ins Land zu bringen; sie tat dies
hauptsächlich durch Heranziehung ausländischer Fachleute und der
Anwendung technischer Verfahren - aus Amerika, Deutschland und
anderen industriell hochstehenden Ländern, um die Entwicklung vom
System des alten Rußland mit seinem wirtschaftlichen Feudalismus
über die Geburtswehen der industriellen Revolution hinweg bis zu
einem modernen Staat des 20. Jahrhunderts zu beschleunigen. Obgleich das Sowjetregime diese technische Hilfe aus dem Ausland
suchte, war die Führung so argwöhnisch gegenüber jeglichem Kontakt mit Ausländern, daß sie oftmals die Arbeit durch ihre scharfe
Überwachung regelrecht behinderte.
Die sowjetische Einstellung zu ausländischer Investitionstätigkeit tritt auch in anderer Weise deutlich hervor. Die offizielle kommunistische Propaganda hat ihre Meinung zu Investitionen
des Auslandes laufend in Wort und Bild zum Ausdruck gebracht,
indem sie ausländische Geldgeber als ein häßliches Symbol des
"aufgeblasenen und dekadenten Kapitalismus" charakterisierte.
Die aus solchen Investitionen erwachsenden Zinsen wurden als Ausdruck verbrecherischer Profitgier und als Vorbereitung auf eine

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Juni 1955

eine Ausbeutung des Volkes bezeichnet. Dieser propagandistische
Angriff auf die Finanztätigkeit nichtkommunistischer Länder und
ihrer Bürger im Ausland hat oftmals dazu gedient, die finanziellen Auslandstransaktionen der Kommunisten z-u verschleiern.
Investitionen der Kommunisten in ausländischen Verlagen,
Theatern und anderen Mitteln der Sowjetpropaganda sowie die
finanzielle Unterstützung der Parteitätigkeit im Ausland waren
selbst vor dem zweiten Weltkrieg gang und gäbe. Zudem gibt es in
den dreißiger Jahren Beweise dafür, daß durch Investitionen in
der Äußeren Mongolei die politische Beherrschung dieses Interessengebietes gefördert wurde - ein Manöver, das in Persien allerdings nicht gelang. Die Auslandsinvestition als Unternehmung des
sowjetischen Staates hat jedoch erst in den letzten Jahren weitverbreitet Anwendung gefunden.
Als Investition bezeichnet man das Verfahren, Geld beziehungsweise Ausrüstungen leihweise zur Verfügung zu stellen oder
Dienstleistungen zu erweisen in der Absicht, direktes Einkommen
zu erlangen oder Nutzen daraus zu ziehen. Die sowjetkommunistischen Investitionen im Ausland weisen einige besondere Charakteristika auf, die erwähnenswert sind.
Entgegen manchen Vorstellungen hindert die kommunistische
Lehre ihre Verfechter nicht daran, sich kapitalistischer Investitionsmethoden zu bedienen. Angehörige der Kommunistischen
Partei haben in einer Anzahl westeuropäischer Länder, beispielsweise in Belgien, Frankreich und „Italien, Geschäftsunternehmen
aufgezogen. Eines der meistzitierten Beispiele der jüngsten Zeit
sind hier die Praktiken der ... in kommunistischem Besitz befindlichen und unter kommunistischem Einfluß stehenden Handelsfirmen in Italien, die der UdSSR nicht nur zur Beschaffung benötigter Waren zu annehmbaren Preisen verhelfen, sondern auch
durch ihre Gewinnspannen eine wichtige Einnahmequelle der Kommunistischen Partei sind. (Die italienische Regierung gab bekannt,
daß sie jetzt gegen diese Firmen energischere Maßnahmen ergreifen
werde.)
Die Investitionen der Kommunisten sollen nicht nur
Einkünfte schaffen, sondern auch größere Gewinne auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet für die UdSSR und den internationalen Kommunismus erbringen. Sie werden ganz gewiß nicht in der
Absicht vorgenommen, eventuell ohne Gewinn zu arbeiten.
w

Ein zweites charakteristisches Merkmal der Investitionen der
Sowjet-Kommunisten ist der geringe Aufwand an eigenen Mitteln,
den solche Investierungen gewöhnlich bedingen. Unmittelbar nach
dem zweiten Weltkrieg bestand das Kapital, das die Sowjetregierung beispielsweise in den früheren Feindstaaten "investierte",
hauptsächlich und oftmals sogar ausschließlich aus solchen Werten,
die die UdSSR auf die eine oder andere Weise in dem Gastland
erworben oder beschlagnahmt hatte.
In Osteuropa bauten sich ganz erhebliche sowjetische "Investitionen" auf deutschen Kriegsvermögenswerten auf, die sich
die sowjetische Regierung auf legale oder illegale Weise in den
Satellitenstaaten und der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone
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Juni 1955

Besatzungszone Österreichs angeeignet hatte. Diese Kapitalwerte
waren beträchtlich. Schätzungen, die man beispielsweise im Jahre
1948 über deutsche Vermögenswerte allein in Ungarn anstellte,
beliefen sich schon auf 100 Millionen Dollar. In vielen Fällen
"investierte" die UdSSR diese Vermögenswerte nur, um die heute
sattsam bekannten "Gemischten Aktiengesellschaften" aufzubauen.
In diesen Unternehmen war die Betriebsführung, die dem Namen
nach jeweils dem betreffenden Land oblag, in Wirklichkeit stets
von sowjetischen Weisungen abhängig. Die Gewinne flössen zurück
nach Moskau, oftmals in einem Ausmaß, das den Fortschritt beziehungsweise eine künftige gesunde Entwicklung des Unternehmens
ernstlich gefährdete, obwohl diese Betriebe niemals irgendwelche
Rohstoffe oder Ausrüstungen aus der UdSSR erhalten hatten.
Im Fernen Osten war es der Sowjetregierung nach dem Einzug
sowjetischer Truppen in der Mandschurei und Nordkorea ein leichtes, ähnliche Vermögenswerte in ihren Besitz zu bringen, die den
Japanern gehört hatten.
Die sowjetischen Interessen sind ihrer Art nach erkennbar
und bezeichnend. Zu den Wirtschaftszweigen, die oft für Investitionen gewählt werden, gehören das Transportwesen, Kraftwerke,
Lagerhäuser und andere strategisch wichtige Sektoren der Wirtschaft . In China waren die Monate August und September des Jahres
1945 eine besonders rege Zeitspanne für die Gründung sowjetischkontrollierter Firmen und "Gemischter Aktiengesellschaften". Der
chinesisch-sowjetische Vertrag vom August 1945 gab der UdSSR
gleiche Rechte'bezüglich Besitz und Leitung der chinesischen
Changchun-Eisenbahngesellschaft und ihrer Zweigunternehmen;
außerdem wurde darin die Gründung von vier Gemischten Aktiengesellschaften in Dairen vorgesehen. Zur gleichen Zeit erlangte
die UdSSR die Kontrolle über die Betriebsführung der Maschinenwerke und der Werft in Dairen sowie der Shakoku-Eisenbahnweykstätten. Die urtter sowjetischer Kontrolle stehende Dalny-Bank
wurde mit der Ausgabe örtlicher Zahlungsmittel beauftragt, und
Berichten zufolge wurde der größte Teil des Außenhandels in Dairen
von der UdSSR abgewickelt.
Außer diesen Kapitalwerten in Dairen erlangte die UdSSR mittels Enteignung und durch Zwangsverkäufe russischer Emigranten
die ausschließliche Kontrolle über verschiedene Warenhäuser, Konzessionen betreffs Nutzung von Waldbeständen sowie über Kohlengruben und Werke der Leichtindustrie in der Mandschurei.
Es kann kaum ein Zweifel darüber bestehen, daß der Sowjetkommunismus ganz allgemein Investitionen im Ausland nicht nur als
Mittel wirtschaftlicher und politischer Infiltration erachtet, sondern auch als Mittel zum billigen Erwerb materieller Werte und
finanzieller Einkünfte aus dem Ausland sowie zur Zerstörung der
in diesen Gebieten bestehenden Bindungen zur freien Welt. In
Bulgarien, Ungarn, Rumänien und China hat die Sowjetregierung
kürzlich ihre Anteile, die sie an einigen der "Gemischten Aktiengesellschaften" besaß:, an die betreffenden Regierungen wieder

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Juni 1955

wieder verkauft. Ihren wirtschaftlichen Einfluß hat sie aber
durch Handelsvereinbarungen mit verschärften Bedingungen und
zentrale kommunistische Wirtschaftsplanung, die von Moskau gelenkt wird, beibehalten.
Äußeres Bild und Propaganda
Als Moskau sich im Jahre 1954 wirtschaftlich um Gebiete außerhalb Europas bemühte, erregte dies in der Öffentlichkeit viel
Aufsehen. Es war klar, daß dieses Vorgehen e i n ernstliche Kampagne bedeutete. Die Berichte dagegen neigten oft dazu, die Gunstbezeugungen zu übertreiben, die die Sowjetkommunisten den Objekten ihrer Aufmerksamkeit zollten.
Solange nicht jeder der unzähligen Berichte über einzelne
Projekte genau überprüft ist, dürfte es ein leichtes sein, den
Eindruck zu erwecken, daß sowjetkommunistische Unternehmungen
überall in Asien, Nordafrika und in Latein-Amerika gleichsam aus
dem Boden schießen. Wenn jemand ausschließlich auf die Mittel
kommunistischer Informationen angewiesen wäre und glauben würde,
was dort gesagt wurde, könnte der leicht zu dem Schluß kommen,
daß allein die Kommunisten diese unterentwickelten Länder als
gleichberechtigte Partner werten würden, ihnen zahlreiche Fachleute
zur Lösung ihrer Probleme schickten und aus einem Riesenreservoir
kommunistischen "guten Willens" und wirtschaftlichen Vermögens
alle Arten von Entwicklungshilfen anböten.
Der Eindruck übermäßiger wirtschaftlicher Betriebsamkeit
der Sowjets ist weder Zufall noch eine Folge nachlässiger Berichterstattung. Der Kommunismus und seine Wortführer sind unablässig am Werk, dafür Sorge zu tragen, daß jede sowjetische
Bekundung guten Willens oder wirtschaftlichen Vermögens der Welt
durch ein Vergrößerungsglas der Propaganda gezeigt wird.
Es ist wichtig, daß man in der freien Welt von ihren Anstrengungen nicht zu viel Aufhebens macht, denn dadurch würde
man den Kommunisten erst richtig in die Hände spielen; sie
hoffen, eine falsche Vorstellung von ihrer wirtschaftlichen
Stärke und ihren Absichten zu erwecken. Tatsächlich aber werden an vielen Stellen die sowjetischen Absichten mit
Skepsis beurteilt;
wird die Fähigkeit der Kommunisten, umfangreiche Beihilfen
zu gewähren - ohne die Weiterentwicklung ihrer eigenen
Wirtschaft ernstlich zu beeinträchtigen - ziemlich bezweifelt;
sind die von den Sowjetblock bis heute tatsächlich gemachten
Investierungen sehr klein im Verhältnis zu der Unterstützung,
die seit 1949 durch die Vereinten Nationen, die Vereinigten
Staaten und andere: Ländern der freien Welt in dieselben Gebiete geflossen ist.
Verschiedene

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Juni 1955

Verschiedene Methoden
, Vor einem Jahr schilderten wir in dem Kapitel "Trends im
'Ost-Westhandel" des 4. MDAC-Berichtes einige Methoden, mit- denen
der Sowjetblock versuchte, "außereuropäische Gebiete in seine Interessensphäre" einzubeziehen (S. 32 - 34). Bei der zusammenfassenden Darstellung der 1953 und 1954 entwickelten Tätigkeit
in nichteuropäischen Gebieten der freien Welt kann jetzt etwas •
mehr auf Einzelheiten eingegangen werden.
1. Investitionen
Viele Hilfsmaßnahmen dieser Art in unterentwickelten Gebieten, die etwa im Verlauf des letzten Jahres zu bemerken waren,
mögen als "Investition" oder Beihilfe zur Wirtschaftsentwicklung
bezeichnet werden, wie die bereits erwähnte Errichtung von Treibstofflagern in Afghanistan. Es gibt aber kaum irgendwelche Beispiele für nicht zurückzuzahlende Zuwendungen oder selbst Gelddarlehen an Regierungen der freien Welt; ausgenommen sind eine
Goldanleihe an Finnland und etliche Fälle von relativ kleinen
Beiträgen zur Linderung in Katastrophenfällen. Die "Investierungen" haben folgende Form:
Entsendung von Fachkräften als Berater bei der Durchführung
besonderer Projekte;
Bereitstellung von Anlagegütern oder Material zum Bau spezieller Anlagen;
Bereitstellung von Anlagegütern und Waren auf Kredit.
In späteren Abschnitten werden wir darauf zu sprechen kommen,
wie in fast allen Ländern die sowjetische Propaganda alle solche
Unternehmungen gewaltig übertreibt.
2. Reklame
Trotz ihrer meisterhaften Handhabung der politischen Propaganda befassten sich die Sowjetkommunisten lange Zeit weder in
der UdSSR noch im Auslande damit, für ihre Erzeugnisse Reklame zu
machen. Anscheinend haben sie .erst nach dem Kriege eine Vorstellung
Von den Vorteilen des Reklamewesens bekommen. Anschlagtafeln, Broschüren und ganzseitige Zeitungsannoncen gewinnen daheim und draußen immer mehr an Boden. Hierin spiegelt sich wahrscheinlich der
Einfluß der Tschechen, Ungarn und Ostdeutschen wider, die erfahrene Kaufleute von Weltruf waren, bevor sie hinter dem Eisernen
Vorhang abgeriegelt wurdSn. Innerhalb der letzten beiden Jahre
jedoch begann der Sowjetblock mehr Werbeschriften herauszugeben
und in ausländischen Zeitungen,zum Beispiel in Indien, Burma, Indonesien, Ägypten, Brasilien, Guatemala und der Dominikanischen
Republik, viel Raum für Inserate zu kaufen.
Eine der auffälligsten Bemühungen dieser Art aus jüngster
Zeit war eine ganzseitige Anzeige in der in Bombay erscheinenden
"Times of India" vom 22. März 1955« Darin kündigte die Handelsvertretung der UdSSR in Indien die Eröffnung von Ausstellungsräumen
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Juni 1955

Ausstellungsräumen für Maschinen und Fabrikausrüstungen an,
mit entsprechenden Zeichnungen samt einer Aufforderung an Kaufleute-, Industrielle und Ingenieure, die Ausstellung zu besuchen.
3. Handelsmessen
Das Ausstellen auf Handelsmessen war Schlager Nr. 1 im Reklamewesen des Sowjetblocks von 1954 und außerdem eine Angelegenheit, die jedenfalls den.Löwenanteil vom Budget des sowjetischen
Außenhandels verschlang. Die Absichten dieser Aktivität reichten
natürlich viel weiter, als nur.den Warenabsatz zu steigern.
Seit 1952 hat der Sowjetblock seine Teilnahme an internationalen Messen in der freien Welt ständig intensiviert.
In den Jahren 1953 und 1954 waren die Länder des Sowjetblocks
jeweils auf etwa 40 bis 50 Messen vertreten, im Vergleich zu einer
Teilnahme an 30 Messen im Jahre 1952 und je 5 in den Jahren 1951
und 1950. Tatsächlich war der Sowjetblock 1954 an fünf oder sechs
Ausstellungen weniger beteiligtr als. im Jahre 1953» jedoch hielten die Blockländer im einzelnen fünf zusätzliche Sonderausstellungen ihrer Erzeugnisse in Ländern der freien Welt ab (neben
den internationalen Messen). Tabelle I führt die internationalen
Messen auf, an denen die Länder des Sowjetblocks im Jahre 1954
teilnahmen.
Die UdSSR sandte im Jahre 1954, zusätzlich zu der Veranstaltung von Sonderausstellungen ihrer Erzeugnisse in Kopenhagen und
Neu-Delhi, Ausstellungsgegenstände auf 11 internationale Messen.
Der Sowjetblock als Ganzes steigerte seine Beteiligung an Messen
außerhalb Europas. Während im Jahre 1952 drei dieser Veranstaltungen, die 10 Prozent der Beteiligung des Blocks an Ausstellungen überhaupt entsprachen, auf außereuropäische Gebiete entfielen,
stellte der Block 1953 auf 9 solcher Messen (18 Prozent seiner
Gesamtbeteiligung an Ausstellungen) und im Jahre 1954 auf 13 solcher Messen (26 Prozent seiner Gesamtbeteiligung an Ausstellungen)
aus.
Beobachter der Stände des Sowjetblocks auf den Handelsmessen
im Jahre 1954 gelangten zu der Schlußfolgerung, daß die zur Schau
gestellten Artikel mehr dazu bestimmt waren,»Eindruck auf die
Massen zu machen, als Kaufinteressenten anzulocken. Die SowjetblockLänder lehnten es allgemein ab, ihre Waren Seite an Seite mit den
Erzeugnissen anderer Länder zur Schau zu stellen. Sie bestanden
darauf, sie in ihren eigenen Pavillons darzubieten, die ihnen mehr
Gelegenheit zu Propagandaaktionen boten.
Ein Beispiel dafür stellte ein Pavillon der Sowjetunion dar,
der auf einer der westeuropäischen Messen verwendet wurde und der
hinsichtlich seiner Aufmachung als typisch für die von der Sowjetunion gewählte Art der Schaustellung in den Ländern der freien Welt
angesehen werden kann.
Eine.farbig ausgeführte und illuminierte Reproduktion des
Roten Platzes in Moskau beherrschte den Eingang zu dem Pavillon.
An jeder Seite befanden sich Schaubilder, welche die Produktions-

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Juni 1955

Produktionssteigerung bei Mineralien und Stahl sowie in der
Energiewirtschaft zeigten. In großer Aufmachung wurden die angeblichen Ausgaben für das öffentliche Gesundheitswesen und die
körperliche Ertüchtigung in der UdSSR plakatiert. Ein Operationstisch und ein Röntgenapparat waren zu sehen. Auf den ausgestellten
Klavieren und Flügeln wurde leichte klassische Musik gespielt.
An der Wand darüber befand sich eine Photographie mit lächelnden,
medaillengeschmückten Helden, die einem Hauskonzert lauschten.
Das alles beherrschende Gesprächsthema schien die Frage der Ausbreitung einer Friedenswirtschaft zu sein, die dazu bestimmt sein
sollte, die Wünsche der Verbraucher zu befriedigen.
Die Aussteller des Sowjetblocks auf den Handelsmessen waren
im allgemeinen nicht in der Lage oder nicht willens, Auskunft
über Preise, Einzelheiten, Lieferfristen, Ersatzteilbeschaffung,
örtliche Vertreter und Händler zu geben. Ein großer Teil der
Ausstellungsartikel der Blockstaaten bestand aus Maschinen, die
wohl für ungeübte Augen, aber keineswegs für KaufInteressenten
eindrucksvoll waren. Die Länder des Blocks stellten sich zudem
mit den Gegenständen, die sie anboten, nicht auf die Märkte der
Länder ein, in denen sie ausstellten. Und es trat oft klar zutage, daß sie nicht darauf eingerichtet waren, viele von den Produkten, für die sie große Reklame machten, für den Export herzustellen. Auf der chinesischen Ausstellung landwirtschaftlicher
und industrieller Maschinen in Damaskus zum Beispiel lehnten die
chinesischen kommunistischen Aussteller es rundweg ab, Preise
anzugeben oder Verkaufsvertreter für diese Artikel namhaft zu
machen.
(Siehe Tabelle I)
4. HändeIsabkommen
In einem gewissen Sinne stellen die Handelsabkommen nur eine
andere Form der Reklame dar, wie Moskau sie zur Anwendung bringt.
Das Netz der Handelsabkommen hat sich im Jahre 1954 hauptsächlich in den außereuropäischen Gebieten ausgeweitet.
5. Austausch von Wirtschaftsmissionen
Das ganze Jahr 1954 hindurch breiteten die Russen den langen
roten Teppich aus für einen Strom von ausländischen Missionen.
Dem Austausch derartiger Missionen wurde unbedingter Vorrang zugestanden. Früher ergingen die meisten Einladungen des Kreml an
Arbeiterdelegationen (von denen einige weiter nichts als Vertreter
der kommunistischen Tarnorganisationen waren), aber im Jahre 1954
reichten die Besuchergruppen von Industriellen bis zu Künstlern.
Viele- der Gruppen befaßten sich mit Handels- oder anderen Wirtschaft sänge legenheiten.
Die Abordnungen, die im Zusammenhang mit den Handelsabkommen
ausgetauscht wurden, waren zum Teil offizielle Delegationen, zum
Teil private Geschäftsleute aus den Ländern der freien Welt. Zu
den anderen Gruppen, die sich neben den Handelsdelegationen mit
wirtschaftlichen Angelegenheiten befaßten, gehören Fachleute aus
der Landwirtschaft,dem Eisenbahntransportwesen und der Industrie.
Es

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Juni 1955
Es wäre falsch, den Hinweis zu unterlassen, daß Moskau in
vielen Fällen auch Gruppen und Personen einlädt, die keinerlei
Interesse an der Förderung des Kommunismus haben.
Die offizielle Sowjetpropaganda hat sich sehr bitter über
Besucher aus der freien Welt geäußert, die über Armut und wirtschaftliche Rückständigkeit, wie sie von ihnen beobachtet wurden,
berichtet haben» Und manche Besucher aus den sogenannten unter
entwickelten Gebieten sprachen sehr freimütig über derartige Verhältnisse in der Sowjetunion. Es ist nicht ausgeschlossen, daß
die Führer der Sowjetunion die Vorteile und Nachteile dieser
neuen Art der Fühlungnahme noch gegeneinander abwägen.
6. Ständige Handelsvertretungen
Neben dem Austausch von Delegationen hat der Sowjetblock
das Netz seiner ständigen Handelsniederlassungen*in der freien
Welt, vornehmlich in den nichteuropäischen Gebieten, weiter ausgedehnt. Das kommunistische China zum Beispiel eröffnete im März
1955 ein Handelsbüro in Kalimpong in Indien. Zu Beginn des Jahres
1954 errichtete die Sowjetzone Deutschlands eine ständige Handeismission in Kairo«. Bulgarien schickte im gleichen Jahr zum ersten Mal nach Alexandrien und Damaskus Beauftragte in Handelsfragen. Ungarn besitzt in Brasilien schon seit Dezember 1953 eine
ständige Handelsvertretung. Außerdem ist in einer Anzahl von
Handelsabkommen, die 1954 unterzeichnet wurden, die Errichtung
solcher Büros des Sowjet-Blocks vorgesehen. Da dies aber fast
immer eine einseitige Angelegenheit ist, ist sie als Mittel
wirtschaftlicher Durchdringung des außersowjetischen Bereichs
außerordentlich bedeutsam.
Das Musterbeispiel
Indien ist neben Afghanistan das einzige Land, in dem der
Sowjetblock alle Stufen dieser wirtschaftlichen Aktivität durchlaufen hat. Die Sowjetkommunisten sind, seit sie zur Macht kamen,
an Indien interessiert» Nichtsdestoweniger sind die gegenwärtigen
Bemühungen auf dem Sektor der Wirtschaft doch etwas Besonderes.
Ein in der Presse stark beachtetes Handelsabkommen mit der UdSSR
rückte - wie das so oft geschieht - das Werben des Sowjetblocks
erst so recht ins Scheinwerferlicht. Es handelt sich um ein Abkommen für die Dauer von fünf Jahren, abgeschlossen am 3. Dezember 1953 und begleitet von einem Briefwechsel, in dem die
Niederlassung einer ständigen sowjetischen Handelsmission in Indien vereinbart und ein recht unklares Angebot der Sowjets auf
technische Unterstützung offiziell angenommen wurde.
Die erste sichtbare Maßnahme zur Verwirklichung dieser
Klausel über technische Hilfe war aus der Nachricht zu entnehmen,
daß drei sowjetische Bergwerksingenieure nach Nordindien entsandt worden waren, um dort Studien über eine Industriediamantengrübe zu machen, das Gebiet kartographisch zu erfassen und den
Bedarf an weiteren Ausrüstungen zu ermitteln. Offensichtlich hat
die Sowjetunion das Angebot gemacht, für die gesamten Spesen der
Fachleute aufzukommen und sich die Bereitstellung von Bergwerks
maschinen mit der Lieferung von Industriediamanten, an denen es
im Sowjetblock mangelt, bezahlen zu lassen.
Es
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Juni

1955

Es gibt viele Beispiele für die vielseitige Betriebsamkeit
der Sowjets in Indien; so arbeiten zum Beispiel acht sowjetische
Techniker seit November 1954 im indischen Statistischen Institut.
Während der letzten Monate des Jahres 1954 tauchten in der
Presse immer wieder Gerüchte über Verhandlungen zwischen der
Sowjetunion und der indischen Regierung zwecks Errichtung eines
Stahlwerks auf. Das Interesse an dieser Meldung war besonders
groß, weil auch zwei oder drei westliche Nationen an den Vorarbeiten Indiens zur Erweiterung seiner Stahlkapazität beteiligt
waren.
Am 2. Februar 1955 unterzeichneten Indien und die UdSSR ein
Abkommen über die Ausarbeitung der Pläne für ein Stahlwerk und
dessen spätere Errichtung in Zentralindien durch die Sowjetunion.
Die Produktionskapazität des Werkes, das Ende 1959 vollendet sein
soll, beträgt eine Million Tonnen pro Jahr.
Die Baukosten werden auf etwa 200 Millionen Dollar geschätzt.
Die Russen wollen aller Wahrscheinlichkeit nach rund 90 Millionen
Dollar in Form von Maschinenlieferungen und technischer Hilfe in
dem Projekt investieren. Als Zinsleistungen werden sie jährlich
rund zweieinhalb Prozent ihrer Investitions-summe erhalten.. Indien
will die Anleihe im Laufe von zwölf Jahren zurückzahlen, beginnend mit dem Tage, an dem die ersten Maschinenausrüstungen aus
der Sowjetunion eintreffen.
Die Sowjetunion wird nach Anlaufen der vollen Produktion für
sechs Monate die Betriebsgarantie für das Werk übernehmen und
drei Jahre lang Techniker stellen.
Nach dem Abkommen ist Moskau verpflichtet, innerhalb von
neun Monaten detaillierte Pläne einzureichen, die von der indischen Regierung gebilligt werden müssen. Die Kosten für die von
der UdSSR zu liefernden Ausrüstungsgegenstände dürfen jedoch
die Grenze von 91,1 Millionen Dollar nur geringfügig übersteigen; sollten die Pläne abgelehnt werden, ist Indien verpfichtet,
der UdSSR sämtliche mit der Anfertigung der Entwürfe verbundenen
Auslagen zu ersetzen. Wenn die UdSSR irgendeiner Vertragsklausel nicht nachkommt, steht es Indien frei, das Abkommen zu
annullieren.
Moskau operiert mit Versprechungen
Der Rest der wirtschaftlichen Aktivität der Sowjets im Ausland besteht zum größten Teil aus Versprechungen und unbestätigten Berichten. Aber darüber sollte man nicht einfach hinwegsehen.
Manche dieser Versprechungen könnten doch noch eingelöst werden.
Und letzten Endes erwecken sie bei manchen die Vorstellung, die
UdSSR und ihre Satelliten seien echte und verlässliche Freunde
der unterentwickelten Gebiete.
Der sowjetische Handelsattache in Ägypten ließ verlauten,
daß die UdSSR bereit sei, ein vielseitiges Programm zur technischen Zusammenarbeit zu offerieren. Zuvor war in der ägyptischen Presse des langen und breiten ein angebliches Angebot der
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der Sowjets diskutiert worden, technische Hilfe beim Bau des
Assuan-Staudammes zu leisten; später zeigte sich jedoch, daß
nie ein solches Angebot gemacht worden war.
Gerüchteweise wurde von Verhandlungen über eine eventuelle
Wirtschaftshilfe der Sowjetzone Deutschlands an den Sudan gesprochen.
Die "Prawda" erklärte, die UdSSR gewähre Persien technische
Unterstützung. Über die Natur oder das Ausmaß dieser Hilfe wurde
nichts gesagt.
Die UdSSR machte Ceylon ziemlich unklar gehaltene Angebote
über technische und finanzielle Hilfe.
Die Regierung Rotchinas schlug Burma den Austausch von
Studenten und Technikern vor, um so den Aufbau einer Textilindustrie zu fördern.
Ein tschechoslowakischer Diplomat in Indonesien deutete an,
daß die Tschechoslowakei auf Anforderung Techniker zum Anlernen
und zur Ausbildung von Arbeitern für die indonesischen Industriewerke stellen würde. Ein indonesischer Staatsbeamter erklärte dem
Vernehmen nach, daß eine kommunistische Regierung zwei "hohe Darlehen" angeboten habe.
In diesem Zusammenhang ist das einzige andere Projekt in
Asien zu erwähnen, über das der Sowjetblock, wie man aus sicherer
Quelle weiß, im Jahre 1954 oder Anfang 1955 Verträge abgeschlossen hat. Am 3. Februar 1955 wurde bekanntgegeben, daß die indonesische Regierung eine Vereinbarung mit der Sowjetzone Deutschlands über den Kauf von Ausrüstungen für eine Zuckerfabrik unterzeichnet habe. Die Sowjetzone hatte demnach 50 Fachkräfte zu stellen, die beim Bau und Betrieb der Zuckerfabrik helfen sollten.
Es wurde bemerkt, daß die Anzahl der Fachkräfte für den genannten
Zweck recht hoch veranschlagt sei.
Das im August 1955 unterzeichnete ungarisch-argentinische
Handelsabkommen sieht technische Unterstützung für die Aufstellung und den Einbau aus Ungarn gelieferter Anlagegüter vor.
Radio Prag sprach von einer Alkoholbrennerei in Argentinien,
in der "fast 50 tschechische Spezialisten" gearbeitet hätten.
Argentinien und die UdSSR schlössen 1953 ein Handels- und
Kreditabkommen, das 1954 erneuert wurde. Es fand Beachtung in
der ganzen Weltpresse. Unter anderem sah es vor, daß die Sowjetunion einen Kredit von 30 Millionen Dollar einräumt. Im Jahre
1954 verbrachte eine argentinische Delegation zwei Monate in
Moskau, wo sie versuchte, Vereinbarungen über den Kauf von Anlagegütern im Rahmen dieses 30-Millionen-Dollar-Kredits zu erzielen. Sie kam mit leeren Händen zurück. Selbst Anfang 1955
schienen noch keine wesentlichen Bestimmungen aus dem Kreditabkommen praktisch wirksam geworden zu seih. Dies ist ein recht
seltsamer Fall in den Annalen des Außenhandels.
Zusammenfassun

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Juni 1955

Zusammenfassung
Handlungsweise und Maßnahmen, die wir in diesem Kapitel besprochen haben, lassen sich kurz folgendermaßen zusammenfassen:
Unterentwickelte Gebiete brauchen ausländisches Kapital zum
Aufbau ihrer Volkswirtschaft.
"Sie haben von den Staaten der freien Welt und von internationalen Organisationen beträchtliche Hilfe erhalten.
In den ]e tzten Jahren erklärten die Sowjets in ihrer Propaganda, daß sie bereit seien, Fachleute nach den unterentwickelten Ländern zu entsenden sowie Ausrüstungen und Kredite bereitzustellen. Die europäischen Satellitenstaaten
bliesen in das gleiche Hörn.
Im Jähre 1954 häuften sich die Gesten und verdienten größere
Aufmerksamkeit.
Einige Techniker und Ausrüstungen wurden nach Afghanistan
geschickt. In Indien ließen Verhandlungen über den Bau eines
Stahlwerks auf Kredit erkennen, daß sich Moskau näher mit
dem Gedanken der technischen Unterstützung befaßt.
Überall beschränkten sich die Gesten der Kommunisten zum
großen Teil noch auf Propaganda, Verspredhungen und Gerüchte.
Der Sowjetblock nahm in größerem Umfange an Handelsmessen und
anderen Formen der Verkaufswerbung teil. Den kommunistischen
Regierungen ist es gelungen, bei vielen den Eindruck zu erwecken, viel mehr zu tun, als sie tatsächlich unternehmen.
Obgleich der Sowjetblock wohl kaum ein großangelegtes Hilfsprogramm starten dürfte, so könnte er doch eine gewisse An•zahl von Fachpersonal und in begrenzter Meng*e auch Anlagegüter nach den unterentwickelten Gebieten senden, falls er
sich zu einer solchen Maßnahme um wirtschaftlicher oder politischer Vorteile willen einmal entschließen würde.
Die gesamte freie Welt - wirtschaftlich fortgeschrittene
Länder wie unterentwickelte Gebiete - dürften jedenfalls
mit skeptischen Augen die "Investitionen" und andere Operationen Moskaus auf dem Sektor der Wirtschaft verfolgen.

Kapitel II
DAS GESICHT DES OST-WESTHANDELS IM JAHRE 1954
Im Jahre 1954 fand der Ost-Westhandel in der ganzen Welt
lebhaftes Interesse. Es war das Jahr, in dem sich die Vom Kreml
beherrschten Länder für erweiterte Wirtschaftsbeziehungen mit der
freien Welt einsetzten, doch um der Wahrheit die Ehre zu geben,
muß gesagt werden, daß die Taten nicht mit den schönen Worten
Schritt hielten.
Gegenüber
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Juni 1955

Gegenüber dem Jahre 1953 nahm der Handel zwischen der freien
Welt und dem Sowjetblock in Europa und Asien wertmäßig um 15 Prozent zu, was nur eine geringe Steigerung bedeutet, die auf Grund
der allgemeinen Aufwärtsbewegung Ende 1953 sowieso zu erwarten
war. Der Warenfluß nach-den Ländern des Sowjetblocks erhöhte sich
um 24 Prozent, während die Warenlieferungen aus diesen Ländern
um 7 Prozent anstiegen.
Doch scheint dieser kurze Aufschwung im Ost-Westhandel
heute seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Rein gebietsmäßig gesehen, wie auch in bezug auf manche Waren", scheint sich eine
rückläufige Tendenz bemerkbar zu machen. In der zweiten Hälfte
des Jahres 1954 war der Warenfluß aus der gesamten freien Welt
nach den Sowjetblockländern schwächer als in der ersten Hälfte.
Die Anzeichen für einen möglichen Rückgang des beiderseitigen
Handels kommen nicht überraschend, wenn man daran erinnert, daß
die Steigerung im Jahre 1954 zum großen Teil auf eine Erholung
der UdSSR von dem abnormen Rückgang ihres Handels mit der freien
Welt Ende 1952 und Anfang 1953 zurückzuführen ist. Es besteht
Grund zu der Annahme, daß es für den Sowjetblock schwierig sein
dürfte, seinen Handel auf dem Stand des Jahres 1954 zu halten.
Der Warenfluß von Ost nach West und West nach Ost
Die Ausweitung des Handels zwischen den Ländern der freien
Welt und dem gesamten Sowjetblock im Jahre 1954 ist die Folge
erhöhter Ein- und Ausfuhren der UdSSR und ihrer europäischen
Satelliten, wodurch ein Ausgleich für den Rückgang im Handel
zwischen Rotchina und der freien Welt geschaffen wurde. Der gesamte Ost-Westhandel zwischen der freien Welt und sämtlichen Ländern des Sowjetblocks lag im*Jahre 1954 wertmäßig über dem der
Jahre 1950, 1952 oder 1953, doch wurde der Stand des Jahres 1951
oder der Rekordjähre 1948 und 1949 nicht erreicht. Da die Preise
inzwischen gewaltig angezogen haben, war der Warenaustausch im
Jahre 1954 im Verhältnis zum Handelsvolumen in den Rekordjähren
mengenmäßig geringer, als die Dollarwerte dies erkennen lassen.
In diesem Jahre war der Ost-Westhandel von der Erhöhung
der Einfuhren ^ ? Sowietblocks
- beherrscht. Das gilt besonders für die UdSSR, deren Einfuhren aus der freien Welt von
424 Millionen Dollar im Jahre 1953 auf 585 Millionen Dollar im
Jahre 1954 anstiegen und damit den höchsten Stand in den Nachkriegsjahren erreichten, während sich die Ausfuhren nach den
Ländern der freien Welt wertmäßig von 374 auf 470 Millionen
Dollar erhöhten. Auch in den osteuropäischen Satellitenländern
zogen die Einfuhren mehr an als das Exportgeschäft, doch trat
kein Außenhandelsdefizit wie bei der UdSSR auf.
Der sich auf etwa 115 Millionen Dollar belaufende Importüberhang, zu dem noch ein Einfuhrüberschuß in Höhe von 50 Millionen des Vorjahres hinzuzurechnen
ist, wurde überhaupt erst
durch besonders umfangreiche Goldverkäufe der UdSSR nach Westeuropa gegen Ende 1953 und Anfang 1954 möglich. )Lese GoLdexnorte reranlaßte verschiedene Beobachter zu der Frage , ob die UdSSR auch weiterhin .

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weiterhin Güter in einem Umfang im Westen kaufen könne, wie es zu
Beginn des Jahres 1954 der Fall war. Gegen Ende des Jahres machten sich Anzeichen eines Ausgleichs bemerkbar. Sowjetrußland
schränkte seine Einfuhren aus dem Westen ein, währenc1 das Exportgeschäft eine steigende Tendenz aufwies, so daß in der zweiten
Hälfte des Jahres 1954 die Außenhandelsbilanz der UdSSR mit den
Staaten der freien Welt ausgeglichen war. Um dieses Ziel zu
erreichen, mußte die UdSSR in der zweiten Hälfte des Jahres ihre
Einfuhren aus der freien Welt um etwa 100 Millionen Dollar vermindern.
Alles im allem erzielten die europäischen Satellitenländer
ebenso wie Rotchina während des Jahres 1954 im Ost-Westhandel
einen Ausfuhrüberschuß. Das ist bei diesen Ländern, im Gegensatz
zur UdSSR, nichts Ungewöhnliches. Dennoch zeigte sich in einzelnen Fällen während des Jahres 1954 ein großer Importüberhang.
Wie bereits in früheren Jahren, so kam es auch in diesem Jahr
mitunter vor, daß ein westliches Land seine Lieferungen vorübergehend einstellen mußte, weil der Östliche Handelspartner nicht
das vertraglich festgelegte Exportvolumen erreichte, das nötig
ist, um die Einfuhren zu bezahlen,und ein zu großes Defizit
erreichte.
Den größten Anteil an der Belebung des Handels zwischen der
freien Welt und den osteuropäischen Ländern im Zeitraum 1953/1954
entfiel auf außereuropäische Staaten. Am auffälligsten waren die
großen Ankäufe von Erzeugnissen wie Fleisch durch die UdSSR in
Argentinien und Uruguay.Der Sowjetblock baute seine Handelsbeziehungen mit Pakistan, Brasilien, Neuseeland, vermutlich auch
mit Australien und in geringerem Umfange mit Indien und Indonesien weiter aus. Wenn auch noch keine endgültigen Zahlen vorliegen und sämtliche Angaben für 1954 nur auf vorläufigen Schätzungen
beruhen, so besteht doch kein Zweifel, daß der Handel des Sowjetblocks mit nichteuropäischen Ländern gegen Ende des Jahres eine
rückläufige Tendenz zeigte. Der Grund hierfür dürfte teilweise
darin zu suchen sein, daß der Sowjetblock wahrscheinlich nicht
in der Lage oder willens war, mengenmäßig genügend Güter entsprechend der Nachfrage zu einem angemessenen Preise für den
Export in diese Länder freizugeben.
Auch Westeuropa war an der Steigerung des Ost-Westhandels
im Jahre 1954 beteiligt; hier war ebenfalls in der zweiten Hälfte
des Jahres im Außenhandel mit dem Sowjetblock noch ein Aufwärtstrend spürbar.
Die Vereinigten Staaten führten im Jahre 1954 aus den Ländern
des Sowjetblocks Güter im Werte von insgesamt 49 Millionen Dollar
ein - das entspricht etwa dem Stand des Jahres 1953 (46 Millionen). Polnischer Schinken stand als Einfuhrerzeugnis mit schätzungsweise 16,1 Millionen Dollar weit an erster Stelle. Einfuhren
an Fellen und Pelzwaren, die hauptsächlich aus der UdSSR stammten,
beliefen sich auf 9»5 Millionen Dollar und rangierten an zweiter
Stelle.
Diese

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Diese zwei Erzeugnisse machten mehr als die Hälfte der
Gesamtausfi.hr des Sowjetblocks nach den Vereinigten Staaten aus.
Die amerikanischen Exporte nach den Ländern des Sowjetblocks
lagen im Jahre 1954 wertmäßig etwas unter 6 Millionen Dollar,
wobei der größte Anteil auf Lebensmittellieferungen im Werte
von 2,5 Millionen Dollar entfiel, die im Rahmen des Hilfsprogramms des amerikanischen Präsidenten für die Opfer der Überschwemmui gskatastrophe in den Donauländern nach Ungarn, der
Tschechoslowakei und der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands
gingen. Die Ausfuhr von Altwaren aus Wollspinnstoffen erreichte
den Wert von 1,2 Millionen Dollar.
Ausweitung der Handelsverbindungen durch Verträge
Wie schon das Jahr zuvor, so stand auch 1954 im Zeichen des
Abschlusses neuer Verträge und des Wiederauflebens bereits erloschener Handelsabkommen. Das Netz der zweiseitigen Handelsabkommen zwischen der freien Welt und den Ländern des Sowjetblocks wurde auf diese Weise beträchtlich verdichtet. Der Abschluß neuer Abkommen bildet stets ein dankbares Thema für die
Zeitungen; der ihnen dabei gewidmete Raum hat aber übertriebene
Vorstellungen von der Entwicklung des Handels erweckt. Di« Erfahrungen haben gezeigt, daß ein Handelsabkommen keine Gewähr
dafür bietet, daß der Handel mit einer guten Bilanz geführt
werden kann.
Von den jüngsten der im Jahre 1954 zwischen den einzelnen
Handelspartnern des Sowjetblocks und der freien Welt abgeschlossenen beziehungsweise in Kraft befindlichen Handelsabkommen,
wurden 28 erstmalig abgeschlössen, das heißt zwischen den betreffenden Ländern haben früher keinerlei Handelsabmachungen bestanden. Ferner wurden verschiedene neue in der Liste nicht aufgeführte Abkommen geschlossen, in denen der Zahlungsmodus, nicht
aber die Lieferungstermine festgelegt sind.
Ebenso wie im Jahre 1953 war die Sowjetunion auch 1954
besonders bemüht, ihre Handelsbeziehungen durch neue Abkommen
zu erweitern. Rotchina besitzt heute Handelsverträge mit vier
nichtkommunistischen Ländern in Asien, von denen nur ein einziger
bereits 1954 in Kraft war. Auf die sowjetisch besetzte Zone
Deutschlands und Rumäniens entfielen 17 der neuen Abkommen.
Wie schon im Jahre 1953 zeigte sich beim Abschluß neuer
Ost-Westhandelsabkommen eine neuartige Entwicklung vor allem
darin, daß nunmehr auch nichteuropäische Länder in erhöhtem Maße
mit einbezogen wurden, obwohl die größte Zahl von Handelsverträgen auf Europa entfällt.
Viele der mit diesen nichteuropäischen Ländern abgeschlossenen Abkommen sind auffällig unklar gehalten. Jedoch wurde durch
sie die Aufmerksamkeit auf die kommunistischen Länder gelenkt,
so daß man sie als Teil der Kampagne betrachten darf, die Ansehen und Einfluß der Kommunisten steigern soll.
Immer

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Immer nur die gleichen Güter gefragt
Gegen Ende 1953 und zu Beginn des Jahres 1954 bildeten die
sowjetischen Käufe von Verbrauchsgütern eines der Hauptthemata,
um die sich die Erörterungen auf den Gebieten des Ost-Westhandels
bewegten.
Den großen, unzureichend versorgten Verbrauchermärkten der
Sowjetunion und einiger Satellitenländer galt oft das Hauptinteresse der am Ost-Westhandel Beteiligten, die für den Warenü'.erschuß der freien Welt neue Absatzgebiete suchten. Damals erweckte das Phänomen einer beträchtlich erweiterten Kauftätigkeit der Sowjetblock-Länder hinsichtlich Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Erzeugnissen der Leichtindustrie bei manchen den Glauben, daß sich nun endlich die Märkte des Sowjetblocks erschließen würden. Dieser in einigen Kreisen gehegte Optimismus fand
in der Propaganda kommunistischer Regierungen, xn der diese
Interesse am -Wohlergehen ihrer Völker bekundeten, sowie in der
ganz natürlichen Hoffnung der freien Menschen diesseits des
Eisernen Vorhangs weitere Nahrung, das harte L s der geknechteten
Bevölkerung der Länder des Sowjetblocks werde nun endlich etwas
gemildert werden.
Andererseits waren viele westliche Beobachter, die sich ähnlicher Perioden der sowjetischen Geschichte erinnerten, recht
skeptisch. Sie bezweifelten, daß die Bemühungen um Nahrungsmittel
und Spinnstoffe das Anzeichen für einen grundsätzlichen Wandel
in der sowjetischen Wirtschaftspolitik seien, der eine dauernde
Ausweitung des Ost-Westhandels mit sich bringen werde.
Gegen Ende 1954 war dieser Optimismus weitgehend verschwunden, und die Skepsis hatte sich beträchtlich verstärkt. Es wurde
offenbar, daß der Sowjetblock, wie schon früher, seinen Außenhandel wesentlich nach dem Gesichtspunkt betrieb, für seine
Grundstoff-Industrien Ausrüstungen und Rohstoffe zu beschaffen.
Dieses Anliegen wird aus vielen verschiedenen Aspekten der Außenhandelstätigkeit der Staaten des Sowjetblocks deutlich - aus den
Verhandlungen über gegenseitige Handelsabkommen, aus dem Tenor
der Erklärungen auf den Sitzungen der UN-Wirtschaftskommission
für Europa (ECE), aus der Auslands- und Inlandspropaganda und
aus dem tatsächlichen Export der Länder der freien Welt nach
dem sowjetisch-beherrschten Gebiet.
Ein Vertreter eines westeuropäischen Staates-, der im April
1954 der Sitzung des Handelsbeirats der UN-Wirtschaftskommission
für Europa (ECE) beiwohnte, hat seine Eindrücke über die Handelsinteressen der Sowjets folgendermaßen zusammengefaßt: Den Sowjets
liegt gar nichts an einer umfassenden Wiederbelebung des Ost-Westhandels; sie sind nur an bestimmten Gütern interessiert, etwa
an Kupfer, Elektromaschinen usw., die sie laut Plan benötigen;
um diese- Waren zu bekommen, sind sie bereit, auch andere Erzeugnisse zu kaufen und exn Minimum ihrer herkömmlichen Ausfuhrwaren zu exportieren«,
Wie
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Wie sehr sich das Interesse des Sowjetblocks auf industrielle
Ausrüstungen und Rohstoffe konzentriert, zeigt sich am deutlichsten aus der Werbearbeit der "Cofraci", einer privaten Organisation in Frankreich, die zusammen mit anderen europäischen Propagandagruppen aus der Moskauer Wirtschaftskonferenz von 1952
hervorgegangen ist. Solche Organisationen wollen vor allem Geschäftskreise ansprechen. Ein Aufsatz im Januar/Februar-Heft 1954
der Zeitschrift der "Cofraci" appellierte an die Franzosen,
ihren Handel mit Bulgarien und Rumänien weiter auszubauen. Zunächst werden die Importeure aufgefordert, sich um größere Abschlüsse für bulgarisches Getreide, Obst, Gemüse, Tabak und Eier
zu bemühen. Anschließend folgt eine lange Liste der "von Bulgarien gewünschten französischen Erzeugnisse":
Metallfräs- und Schneidemaschinen, Schmiedeeinrichtungen und
Pressen, Elektromaschinen,Bergbaumaschinen, Mühlenmaschinen,
Hütten- und Walzwerksmaschinen, Ausrüstungen für den innerbetrieblichen Transport, Pumpen und Kompressoren, Maschinen
für die chemische Industrie, die Nahrungsmittel- und Bauindustrie, Holzbearbeitungsmaschinen, ärztliche Instrumente
und Laboratoriumsgeräte, Lager, Eisen und Eisenlegierungen,
galvanisierte Stahlbleche, Weißblech, Stähle, Schweißelektroden, Aluminium (in Barren), Aluminiumhalbzeug, Nichteisenmetalle, NE-Erzeugnisse und NE-Legierungen, Kupfer, (in
Barren), Kupferhalbzeug und -draht, Stahl-Aluminium-Leiter,
chemische Erzeugnisse, Gerb- und Farbstoffe, Anilinfarben,
pharmazeutische Erzeugnisse, Superphosphate, feuerbeständige Stoffe, Magnesiumblöcke, Autoreifen, Raffiabast, Baumwollgarne, Wollgewebe.
Die Bemühungen zur Erweiterung des französischen Handels mit
Rumänien sind ähnlicher Art. Die "Cofraci" beschränkt sich aber
nicht nur auf die Befürwortung solcher Geschäfte. Sie spricht dann
vom Handel mit der Tschechoslowakei und drängt die Franzosen offen dazu, "Konzessionen" zu machen, damit sie den Güterverkehr
erweitern und aus der Tschechoslowakei Waren, wie "Steinkohlenteer, Koks; und Koksstaub, Bauholz und Holzschliff", beziehen
können. Der Artikel enthält die Warnung: "Die französische Regierung kann nicht hoffen, diese Erzeugnisse zu bekommen, ohne
daß sie ein paar Zugeständnisse macht. Es liegt im Interesse aller Industriellen, daß die Regierung dies tut, denn diese Konzessionen berühren die Ausfuhr solcher französischer Erzeugnisse,
die unter den'Battle Act»fallen, in erster Linie Aluminium".
Diese Methode, fortwährenden Druck auszuüben, um das multilaterale System der aus Sicherheitserwägungen geschaffenen Handelskontrollen zu zerstören, ist natürlich wohl bekannt.
Das Bild der Einfuhr des Sowjetblocks an Verbrauchsgütern
aus Europa in der Nachkriegszeit zeigt, daß der Nachdruck ständig
auf drei Hauptgruppen von Erzeugnissen liegt: Maschinen, Metallen und Metallerzeugnissen sowie Transportmitteln (vor allem solchen des Seeverkehrs).
Nur
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Nur wenige der Länder der freien Welt haben die Zahlen über
ihren Handel in Verbrauchsgütern im Jahre 1954 im einzelnen veröffentlicht. Auf Grund der vorliegenden bruchstückhaften Angaben
besteht aber aller Anlaß zu der Vermutung, daß die Maschinenkäufe des Sowjetblocks in der freien Welt nicht zurückgegangen
sind.
Handelsflotte zu kaufen gesucht
In dem vierten MDAG-Bericht (Seiten 32-33) ist beschrieben,
wie der Sowjetblock im Laufe des Jahres 1953 in der Absicht,
Schiffe zu kaufen, alle möglichen Werften abklapperte. Wenn sich
auch die Ausführung vieler Aufträge über mehrere Jahre hinziehen wird, zeigten doch schon die Lieferungen von Schiffen
im Jahre 1954, die auf Werften der freien Welt für den Sowjetblock gebaut worden waren, sehr deutlich die Wirkung des neu
erwachten sowjetischen Interesses am Erwerb einer Handelsflotte.
Aber die UdSSR verfügt heute erst über eine kleine Tankerflotte,
und das ist ein empfindlicher Engpaß. Die 15 Länder der freien
Welt, die in der Überwachung des Handels mit strategisch wichtigen Gütern zusammenarbeiten, verbieten den Verkauf von Tankern
an den Sowjetblock. In Kapitel IV wird auf die Vorkommnisse in
Dänemark näher eingegangen, als die Sowjetunion im Jahr 1954
die Dänen - allerdings erfolglos - dazu zwingen wollte, ihr zwei
Tanker zu verkaufen, und sogar die Verhandlungen über das Handelsabkommen abbrach, als sie erkannte, daß sie ihren Willen nicht
durchzusetzen vermochte. Es besteht kein Zweifel, daß die Handelsbeschränkungen der freien Welt ihre Wirkung auf die militärische Kapazität des Sowjetblocks nicht verfehlen.
Andererseits kann der Sowjetblock viele Arten von Frachtund Fischereischiffen sowie Seefahrzeugen, die nicht auf den Embargolisten der freien Welt aufgeführt sind, ohne weiteres erwerben.
Der Sowjetblock besitzt selbst Schiffswerften, jedoch haben
diese für den Bau von Schiffstypen, die den Forderungen der Wirtschaftsplaner zur Ausrüstung der Kriegs- und Handelsmarine genügen könnten, eine zu niedrige Kapazität; außerdem konzentrieren
sich die Werften auf Fahrzeuge zu militärischer Verwendung. Die
Sowjetunion und Polen sind die einzigen Länder des Blocks, die
über nennenswerte Flotten verfügen. Viele der Schiffe sind alt,
erreichen nur geringe Geschwindigkeiten und bedürfen dringend
der Instandsetzung. Diese Flotten würden, selbst zusammengenommen,
nicht ausreichen, um dem Gütertransportverkehr im Binnenhandel
des Blocks gerecht werden zu können - vom Ost-Westhandel ganz
zu schweigen. Beispielsweise ist die Tankerflotte Sowjetrußlands
von 163 000 Bruttoregistertonnen 1953 auf 218 000 Tonnen im Jahre
1954 angewachsen.
Im ersten Halbjahr 1954 erreichten die Lieferungen von Schiffen verschiedenen Typs aus Westeuropa (ohne Finnland) an den Sowjetblock einen Wert von 12 Millionen Dollar,' womit der Umfang
der Lieferungen im Werte von 8 Millionen Dollar während des ganzen
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ganzen vorangegangenen Jahres weit übertroffen wird. (Pinnland
ist der Hauptlieferant des Sowjetblocks für Schiffe; seine einschlägige Ausfuhr belief sich 1953 auf 46 Millionen Dollar und
1954 auf etwa 50 Millionen Dollar.) Bei einem beträchtlichen Teil
dieser Käufe handelte es sich um gebrauchte Fahrzeuge, die im
Sowjetblock sehr begehrt sind.
Zusätzlich zu den für 1954 bestimmten Lieferungen hat der
Sowjetblock eine große Anzahl neuer Schiffe nichtkriegswichtiger
Typen bei westeuropäischen Werften in Auftrag gegeben; die Lieferungen sind für 1955 oder später vorgesehen. Das Interesse
konzentriert sich dabei anscheinend auf Handelsschiffe, Kühlschiffe
Fischereifahrzeuge und Sonderfahrzeuge für den Hafenbetrieb.
Fleisch, Brot und Butter
Die europäischen Sowjetsatelliten kauften im Jahre 1954
weitaus mehr Nahrungsmittel im Westen als im Jahre zuvor. Diese
Aufwärtsbewegung schien gegen Ende des Jahres zu einem Stillstand
gekommen zu sein. Immer mehr Beweise ergaben sich dafür, daß es
sich bei den Käufen in vielen Fällen um einmalige Transaktionen
handelte. Die Landwirte der freien Welt begannen zu erkennen falls sie es nicht sowieso schon wußten -, daß es sich bei ihren
neuen Handelspartnern nicht um Dauerkunden handelte.
Aber wie dem auch sei, die Menge der Nahrungsmittel war jedenfalls ohne Rücksicht auf steigende oder sinkende Kauftendenz
im Vergleich zu der ungeheuer großen Zahl der zu ernährenden Bevölkerung sehr gering» Für ein paar wenige Bevorzugte mag der
Tisch reicher gedeckt gewesen sein, aber die große Masse dürfte
die Einfuhren kaum zu spüren bekommen haben.
In den meisten Monaten des Jahres 1954 war in der Sowjetunion Fleisch knapp, während es in anderen Sowjetblockländern
überhaupt rationiert war. Angesichts dieser Tatsache und dem
Vorhandensein eines Viehbestandes, der chronisch hinter dem
Plansoll zurückbleibt und außerdem in jämmerlicher Verfassung
ist, wandten sich die Kommunisten der freien Welt zu, um hier
eine weitere Versorgungsquelle zu finden. Bis zum Oktober des
Jahres 1954 hatte die Sowjetunion in Ländern der freien Welt
142 000 Tonnen Rindfleisch, Hammel- und Schweinefleisch aufgekauft oder entsprechende Verkaufskontrakte unterzeichnet.
Das ist mehr als das Siebenfache der Fleischmenge, die im Jahre
1953 in die UdSSR eingeführt wurde. Die größten Lieferanten
waren Neuseeland und Uruguay-, gefolgt von Argentinien, Dänemark
und Frankreich. Ankäufe von Fleisch wurden gleichfalls in Südafrika, Kenia, Kanada und Irland getätigt.
Infolge dieser Kauftätigkeit wurde die Sowjetunion während
des Jahres 1954 zum drittgrößten Einfuhrland für Fleisch. Darüber
hinaus schlössen.die Tschechoslowakei und die Behörden der sowjetisch-besetzten Zone Deutschlands Handelsabkommen mit Ländern
der freien Welt- über den Kauf von 5 000 Tonnen Fleisch.
Auch der Fischimport der Länder des Sowjetblocks nahm zu.
Dies darf aber wohl als einer der Versuche gelten, der Pleisch- 23 -

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Fleischverknappung Herr zu werden. Den Fischeinfuhren in Höhe von
176 OOO Tonnen in den ersten sechs Monaten des Jahres 1954 stehen
Importe in Höhe von 91 000 Tonnen im gleichen Zeitraum des Vorjahres und fast 214 000 Tonnen während des ganzen Jahres 1953
gegenüber. Hauptlieferanten waren Norwegen, Schweden, Holland, Island und Großbritannien. Für Island und Norwegen wurde der Sowjetblock zu einem sehr wichtigen Markt, da diese Länder hier von Januar, bis November 23 beziehungsweise 15 Prozent ihrer Fischexporte absetzen konnten.
Was die Einfuhr von Butter anbelangt, so stand die Sowjetunior
im Jahre 1954, ebenso wie schon im Jahre 1953» mit einem Import
von mindestens 28 500 Tonnen Butter an zweiter Stelle (allerdings
lagen bei Abfassung dieses Berichtes noch nicht die diesbezüglichen Angaben aller Länder vor). Die sowjetisch-besetzte Zone
Deutschlands bezog allein fast 19000 Tonnen Butter, das sind etwa
zwei Drittel der gesamten in die UdSSR eingeführten Menge. Andererseits stellte Polen, das im Jahre 1953 das zweitgrößte Importland unter den Satellitenstaaten der Sowjetunion gewesen war, offenbar seine Käufe ein. Gemäß den Unterlagen, die die Sowjetunion
der UN-Wirtschaftskommission für Europa (ECE) unterbreitet hat,
exportierte die UdSSR in der Saison 1953/54 fast die gesamte
eingeführte Butter wieder nach den Satellitenländern, und das
gleiche war für die Saison 1954/55 geplant.
Eine der interessantesten Wandlungen hinsichtlich der vom
Sowjetblock eingeführten Warenkategorien ist der neuerdings aufgenommene Import von Brotgetreide aus den Ländern der freien Welt,.
Das ist besonders bemerkenswert, da die osteuropäischen Länder
bisher die "klassischen" Ausfuhrländer für Brotgetreide waren.
Diese Verlagerungen im Getreidehandel des Sowjetblocks sollen im
nächsten Abschnitt behandelt werden.

Was haben die Länder des Sowjetblocks anzubieten?
Die Frage, was die UdSSR und ihre Satelliten ausführen können,
ist für diese Staaten ein permanenter Unsicherheitsfaktor. Bisher
exportierten s'ie hauptsächlich land- und forstwirtschaftliche Produkte sowie Bergbauerzeugnisse. Dennoch sind diese Güter bei den
Verantwortlichen für das großangelegte Programm zum Ausbau der
Schwerindustriej d er das wichtigste Wirtschaftsziel der sowjetischen Planer ist, besonders gesucht. Darüber hinaus kommt die
Landwirtschaft im kommunistischen Wirtschaftssystem sowieso zu
kurz. Gleichzeitig aber bietet dieses System auch keinen Anreiz
für die Produktion qualitativ hochwertiger Industriegüter, die
mit entsprechenden westlichen Erzeugnissen auf Märkten konkurrieren könnten, wo die letztgenannten verfügbar sind.
Dieses Dilemma hat bei den Planern des Außenhandels der UdSSR
seit der Verkündung ^es ersten Fünfjahresplanes im Jahre 1928
großes Kopfzerbrechen bereitet. Und auch die europäischen Satellitenstaaten leiden seit ihrer "Scwjetisierung" sehr darunter. In
den Satellitenländern wurde das Problem noch dadurch erschwert,
daß die Sowjetunion sich das "erste Anrecht" auf die Erzeugnisse

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Erzeugnisse dieser Staaten gesichert hat.
Aus diesem Grunde versiegen allmählich die Quellen, aus denen der Sowjetblock Güter für den Export nach den Ländern der
freien Welt geschöpft hat.
Das traditionelle Getreideexportgeschäft Osteuropas, einschließlich der UdSSR, geht immer mehr zurück. Die Ausfuhr von
Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Mais aus den europäischen
Satellitenländern der Sowjetunion sank von 2 875 000 Tonnen in
der Saison 1952/53 auf 1 256 000 Tonnen in der Saison 1953/54
(siehe Tabelle II); -und die Aussichten für die kommende Saison
sind nicht viel besser. Entgegen allen früheren Gepflogenheiten
steht Getreide heute nicht mehr auf den für den Handel mit dem
Westen bestimmten Exportlieten der Länder des Sowjetbloek«, die
diese auf den Sitzungen der UN-Wirtschaftskommission für Europa
(ECE) verteilen. Darüber hinaus wurden die eingegangenen Liefertermine für Getreide von den sowjetischen Satellitenstaaten
nicht immer eingehalten, oder in vielen Fällen wurde das Geschäft
völlig annulliert.
Ungarn, einst die Kornkammer Mitteleuropas, führte im Jahr
1954 große Mengen Getreide ein. Polen war 1952 zu einem GetreideImportland geworden, und Rumänien,selbst ein Getreideerzeugerland, hatte große Schwierigkeiten, seihen Verpflichtungen nachzukommen.
Gegen Ende des Jahres 1954 waren diese Länder gezwungen,
Getreide in großer Menge aus Westeuropa zu importieren und dabei
in einigen Fällen diese Käufe mit Krediten privater westeuropäischer Geldgeber zu finanzieren, da sie ihren Kredit bei den
Regierungen der westeuropäischen Länder bereits vielfach überzogen hatten.
. Weitere Informationen über die erhöhten Einfuhren von Getreide - insbesondere Brotgetreide - aus dem freien Westen nach
den ehemaligen "Kornkammern" hinter dem Eisernen Vorhang werden
erst zugänglich sein, wenn allgemein mehr Zahlen über den gesamten Handel vorliegen. Eventuell wird in einem späteren MDACBericht näher darauf eingegangen werden.
Polnische Kohle war gleichfalls seit jeher ein Exportartikel aus dem Raum des Sowjetblocks. Auch hier ging die Ausfuhr nach den Ländern diesseits des Eisernen Vorhangs stark
zurück, wobei die größte Schrumpfung des Exportvolumens noch
vor dem Jahre 1954 eintrat. Es lagen keine Anzeichen für eine
Wiederbelebung des Geschäftes in dem genannten Jahre vor.
Einige der Satellitenstaaten hatten Schwierigkeiten mit der
Kohleproduktion. Der Exportrückgang erklärt sich offenbar sowohl aus dem Absinken der Produktion als auch der erhöhten Nachfrage nach Kohle in Polen und anderen Ländern des Sowjetblocks.
An die Stelle von Getreide als dem bisherigen Exportartikel
Nummer 1 der europäischen Satellitenstaaten nach den Ländern der
freien Welt scheint nunmehr Erdöl aus der UdSSR und Rumänien

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Rumänien getreten zu sein. Für das Jahr 1954- halten sich beide
Güter wertmäßig etwa die Waage; jedoch scheint sich bei Erdöl
- zumindest im Augenblick - eine deutliche Aufwärtsentwicklung
abzuzeichnen. Mengenmäßig betrugen die Erdölexporte der Sowjetunion und Rumäniens im Jahre 1954 etwa 4,5 Millionen Tonnen,
während sie sich im Jahr zuvor auf 1,7 Millionen Tonnen beliefen. Zusätzliche Abnehmer wurden, zum Teil zum ersten Mal, in
Algerien, Ägypten, Israel, Argentinien, Indien und der Türkei
gefunden. Der größte Anteil des Erdölexports entfiel jedoch
auf Westeuropa, wo 5 Prozent des gesamten Erdölverbrauchs durch
Einfuhren aus der UdSSR und Rumänien gedeckt wurden. Bei gewissen Ländern lag der Prozentsatz höher; die mit Finnland und
Island im Jahre 1953 geschlossenen entsprechenden Handelsabkommen hatten bis 1954 dahin geführt, daß die UdSSR mit ihren i
Ausfuhren zu diesem Zeitpunkt fast den gesamten Erdölbedarf
dieser Länder deckte.
Risikoreiches Geschäft
Die vorstehend erwähnte Situation auf dem Erdölmarkt ist
nicht ohne Parallele. Es lassen sich auch andere Beispiele dafür anführen, daß die UdSSR bei einem bestimmten Erzeugnis zum
Hauptlieferanten oder wichtigsten Käufer im Außenhandel des einen
oder anderen Landes der freien Welt geworden ist. Das trifft
zumeist mehr für das Einfuhirgeschäft der UdSSR, weniger für den
Export der Sowjetunion zu. So kauften die Sowjets im Jahre 1954
insgesamt 43 Prozent der argentinischen Leinöl-Exporte sowie
27 Prozent der Butter-Exporte, 23 Prozent der isländischen
Fisch-Exporte und, im ersten Halbjahr 1954, etwa 50 Prozent der
Fleisch-Exporte Uruguays auf.
Wenn, wie etwa im Handel zwischen zwei Ländern der freien
Welt, prozentuale Angaben über den Anteil des einen an den Importen oder Exporten des anderen Landes gemacht werden, so ist
damit stets die Summe der zahlreichen, getrennt voneinander vorgenommenen Transaktionen verschiedener privater (und in heftigem Konkurrenzkampf stehender) Käufer und Verkäufer gemeint,
aus der nun die Gesamtmengen bestimmter Waren innerhalb des
Außenhandels des betreffenden Landes zu errechnen sind.
Wenn aber vom Handelsverkehr zwischen einem Land der freien
Welt und einem kommunistischen Staat die Rede ist, dann liegen
die Dinge anders. Auf kommunistischer Seite ersclheint in den HändeIssta
tistiken immer nur ein großer Importeur oder Exporteur, und zwar
das sowjetische Handelsministerium. Dieser einzige Handelspartner - die Regierung - hat somit auf das gesamte Handelsgeschäft
einen großen Einfluß. Wenn er seine Import- oder Exportpläne
ändert - entweder auf Grund nüchterner Berechnung oder der Erfordernisse einer neuen binnenwirtschaftlichen Situation -,
dann kann dieser Kurswechsel schwerwiegende Folgen haben» Bisweilen wurden durch ein plötzliches Auftauchen oder Abtreten
der UdSSR die Märkte der freien Welt stark erschüttert. So war
das unerwartete Wiedereintreten der Sowjetunion in das ManganGeschäft gegen Ende des Jahres 1953 und zu Beginn des Jahres
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Jahres 1954 möglicherweise einer der Gründe dafür, daß der Außenhandel Indiens mit Mangan im Jahre 1954 schwer gestört und gedrückt wurde.
Wenn ein. Land diesseits des Eisernen Vorhangs bei einem
bestimmten Erzeugnis ganz oder teilweise auf die UdSSR oder einen
Satellitenstaat als Lieferanten angewiesen ist, so können sich
aus einer plötzlichen Einstellung der Lieferungen schwerwiegende
Probleme ergeben. Und die bloße Androhung eines solchen Rücktritts vom Geschäft kann Gefahren heraufbeschwören, die sich politisch ausnutzen lassen.
Pur viele Länder ist dies mehr oder weniger eine latente
Schwierigkeit, die.im Hintergrund des Ost-Westhandels lauert,
nicht etwa eine akute Gefahr. Sie stellt im gegenwärtigen Augenblick lediglich eines der Probleme im Handel mit dem Sowjetblock
dar. Auf diese soll in Kapitel IV dieses Berichtes näher eingegangen werden.

KAPITEL III
MOSKAUS STIMMEN
"Die praktische Aufgabe kommunistischer
Politik besteht darin, einen gegen den anderen aufzuhetzen ... Wir Kommunisten müssen ein Land gegen das andere ausspielen."
(Lenin, 1920)
In den stürmischen drei Jahrzehnten seit Lenins Tod haben
gar manche Völker, die Frieden und freundschaftliche Beziehungen
über alle Grenzen hinweg suchten, oft genug diese kommunistische
Taktik des "ein Land gegen das andere" zu spüren bekommen. Ein
Gebiet.auf dem diese Taktik immer wieder angewendet wird, ist der
Ost-Westhandel.
Die Fernziele des Sowjetblocks in seinen Wirtschaftsbeziehungen zur freien Welt könnte man folgendermaßen zusammenfassen!
1. jede Gelegenheit ausnutzen, um zwischen den Völkern der
freien Welt Zwietracht zu säenj
2. der eigenen Wirtschaft, vor allem der Rüstungsindustrie,
Einfuhrgüter zuzuführen, durch die der Sowjetblock gestärkt
und immer unabhängiger von der freien Welt wird}
3. die Völker der freien Welt in Sicherheit wiegen, daß
sie sich auf den Sowjetblock als Abnehmer und Lieferanten
verlassen können, um desto leichter einen Druck auf sie
ausüben zu können.
Eine
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Eine Analyse der Moskauer Propaganda für den Ost-Westhandel
zeigt, daß folgende Themen immer wiederkehren:
Die Länder des Sowjetblocks sind stets an der Ausweitung des
Welthandels interessiert, sie treiben Handel ohne jegliche
Beschränkungen oder Verbote und ohne sich in die inneren
Angelegenheiten anderer Länder einzumischen.
Handel ist gleichbedeutend mit Frieden) Frieden ist gleich• bedeutend mit Handel.
Der Sowjetblock bietet große, stabile, krisenfreie Märkte,
während in der freien Welt Wirtschaftskrisen herrschen oder
drohen - und Handel mit dem Sowjetblock ist das Mittel zur
Erreichung einer stabilen Wirtschaft.
Handel mit dem Sowjetblock hilft nichtindustrialisierten Ländern beim Ausbau ihrer Wirtschaft, und dieser Handel sollte
an die Stelle der Wirtschaftsbeziehungen zu den Vereinigten
Staaten und zu Westeuropa treten.
Handelsbeschränkungen der freien Welt bei strategisch wichtigen Gütern verhindern die Ausweitung des Ost-Westhandels
und sind der Grund für seinen Tiefstand; diese Maßnahmen
sind nicht multilateraler Natur, sondern von den Vereinigten
Staaten aufgezwungen.
"Andere" Länder der freien Welt sind im Verkehr mit dem Sowjetblock weit großzügiger und tun einiges zur Ausweitung
dieses Handels, während "dein Vaterland nachhinkt".
Im Kreis herum
Durch eine derartige Propaganda sucht Moskau neben seinen
Fernzielen noch mancherlei anderes zu erreichen. Unter anderem
will es in allen handeltreibenden Nationen der freien Welt die
Wirtschaft gegen die von der Regierung erlassenen Handelsbeschränkungen bei strategisch wichtigen Gütern mobilisieren. Indem es
den Kaufleuten in jedem Land klarzumachen versucht, daß "andere"
Länder gewaltig durch den Ost-Westhandel profitieren, zielen die
Kommunisten darauf ab, Mißstimmung zu erzeugen und die Einigkeit
der freien Welt zu schwächen - im Sinne der Lehre Lenins, den
"einen gegen den anderen aufzuhetzen" -, aber auch, um gewisse
wirtschaftliche Ziele zu erreichen. Sie versuchen, sich rüstungswichtige Güter zu verschaffen. Sie versuchen weiter, verbesserte
Einkaufsbedingungen zu erreichen. Sie gehen dabei von dem Gedanken aus, zwischen den Geschäftsleuten der freien Welt eine Rivalität zu entfachen, damit sie ihnen in der Hoffnung, das Geschäft zu machen, Kredite gewähren, die Preise senken oder andere Zugeständnisse einräumen.
Vieles, was die kommunistischen Propagandisten in dem einen
Lande sagen, könnten sie unmöglich in einem anderen wiederholen;
denn diese Propaganda ist zu einem großen Teil auf ein bestimmtes
Land zugeschnitten und zur "Ausfuhr," über die Landesgrenzen ungeeignet.
So
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So verkündete Radio Moskau am 14. Oktober 1954 in einer Sendung für Westdeutschland: "Der gewinnbringende Handel mit dem
Osten mußte eingestellt werden ... Westdeutschlands traditioneller Handel mit dem Osten ist tot ... In keinem anderen europäischen Lande war es den Vereinigten Staaten möglich, den Handel
mit dem Osten zu beschränken."
In Großbritannien aber sagten die Kommunisten zur gleichen
Zeit etwas ganz anderes. Dort suchten sie den Gedanken zu verbreiten, die britischen Geschäftsleute hätten das Rennen um die
reichen Absatzmärkte jenseits des Eisernen Vorhangs gegen Westdeutschland verloren. So sagte Radio Moskau am 1. März 1955 in
einer Sendung für Großbritannien, die von den Westmächten für
strategisch wichtige Güter erlassenen Handelsbeschränkungen hätten den "Wettbewerb auf dem Weltmarkt verschärft", und infolgedessen sei "Großbritannien gezwungen, seine Stellung Westdeutschland zu überlassen ..." (Die Briten werden auf die ihnen von Japan drohende Gefahr verwiesen, und natürlich werden auch die
Japaner auf die britische Gefahr aufmerksam gemacht.)
Die für Westdeutschland bestimmte kommunistische These hätte
auch einem Dänen merkwürdig geklungen, der etwa eben eine Nummer
der dänischen kommunistischen Zeitung "Land og Polk" gelesen hat.
Am 9. Januar 1955 erklärte dieses Blatt, der deutsche Handel mit
dem Osten werde dazu führen, daß Hamburg Kopenhagen in der Bedeutung als Hafen überflügele. Die Schuld hieran war nach "Land
og Polk" darin zu suchen, daß Dänemark sich allzu strikt an die
Handelsbeschränkungen für rüstungswichtige Güter halte. Das
kommunistische Blatt schrieb hierzu, in Westdeutschland nähme
man die Beschränkungen "offenbar nicht so ernst."
Den Italienern sagt man, sie seien die letzten, die sich um
eine Steigerung ihres Handels mit dem Sowjetblock bemühten. Das
italienische Kommunistenblatt "L'Unita" erhob im Juni 1954 in
einem typischen Artikel wieder einmal den alten Vorwurf der Kommu-nisten, die Bundesrepublik Deutschland habe italienischen Schwefel nach Rumänien ausgeführt. In dem Artikel hieß es "schließlich
ziehen viele andere kapitalistische Länder, allen voran Großbritannien, großen Vorteil aus der Ausweitung ihres Handels ...
Warum sollten wir nicht ihrem Beispiel folgen?"
Wenn ein Land des Sowjetblocks eine Handelsdelegation aus
einem Lande der freien Welt empfängt oder mit diesem Land einen
Handelsvertrag abschließt, dann tun die kommunistischen Propagandisten in den anderen Ländern der freien Welt alles, um diese •
Nachricht weiterzuverbreiten - und reiben es jedem unter die Nase.
Nachdem eine Gruppe privater britischer Geschäftsleute im Februar
1954 Moskau besuchte hatte, erzählte man den Westdeutschen, daß
"England, ehemals das Land zahlreicher Entdeckungen, sich besonders hervorgetan habe ... Die Abgesandten der City of London haben sich nach Moskau aufgemacht und sind mit Aufträgen im Werte
von 20 Millionen Pfund zurückgekehrt." In derselben Sendung im
März 1954 hieß es, soeben habe man eine "sensationelle Nachricht"
aus Amerika erhalten. Tatsächlich-handelte es sich dabei um eine

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eine verhältnismäßig geringe Schwankung in der Stahlerzeugung.
Der Sprecher jedoch sagte: "Die schon so lange drohende Wirtschaftskrise ist da; sie wächst wie eine Lawine, die alles, was
ihr im Wege steht, mitreißt und vernichtet. Die Herren der Wall
Street stehen hilflos am Krankenbett des Kapitalismus."
Ein typisches Beispiel dafür, wie die Propagandisten über
die Unterzeichnung von Handelsverträgen berichten, war die Italien
sendung des Moskauer Rundfunks am 1. März 1954, in der ein verstärkter Ost-Westhandel als eines der Heilmittel für Italiens
wirtschaftliche Schwierigkeiten dargestellt wurde, und in der
es hieß: "Zahlreiche Länder haben diesen sowjetischen Vorschlag
angenommen, und mit Frankreich, Argentinien, Dänemark, Griechenland, Norwegen, Persien und anderen Ländern sind Handelsverträge
abgeschlossen worden."
Das Wiener kommunistische Blatt begann einen Artikel unter
der Überschrift "Ost-Westhandel - großes Geschäft für den Westen"
mit der Frage: " Will die Regierung warten, bis die andern uns
zuvorkommen?" In diesem Artikel wurden besonders Westdeutschlands Handelsbeziehungen mit dem Sowjetblock herausgestellt.
Für Westdeutschland aber wiederum verkündete ein kommunistischer Rundfunksender, daß "kürzlich in Moskau erfolgreiche
Verhandlungen mit Vertretern englischer und französischer Wirtschaftskreise stattgefunden haben".
Und den französischen Wirtschaftsleuten erzählte man, daß
andere Länder den Franzosen bereits weit voraus seien.
In seinen Sendungen in persischer Sprache weist der Moskauer
Rundfunk aufCeylons Handel mit dem kommunistischen China hin.
Die Sendungen nach den lateinamerikanischen Ländern schildern das
Handelsabkommen zwischen Argentinien und Sowjetrußland in den
leuchtendsten Farben. Und so geht es im Kreise herum, zwar mit
verschiedenen Worten, aber doch im Grunde überall nach der gleichen Melodie.
*

KAPITEL IV
SCHWIERIGKEITEN IM OST-WESTHANDEL
Kaufleute aus dem Westen können mit den Ländern des Sowjetblocks ohne weiteres Geschäfte tätigen. Sie können recht erfolgreich Handel mit kommunistischen Staaten treiben, und viele von
ihnen würden gerade auf diesem Gebiet gerne noch mehr tun - das
heißt, in noch größerem Umfang mit Gütern handeln, die nicht direkt zur militärischen Stärke beisteuern. Aber das Geschäft mit
den kommunistischen Staaten wird nicht so gehandhabt, wie es
normalerweise zwischen Wirtschaftsunternehmen der freien Welt
üblich ist. Es ist in mancher Hinsicht anders, und die Kaufleute
merken sehr bald, worin diese Unterschiede bestehen. Viele müssen

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müssen sogar erhebliches Lehrgeld zahlen. Durch einfaches Ignorieren der besonderen Probleme, denen sie sich gegenübersehen,
erreichen sie überhaupt nichts.
Was das Jahr 1954 besonders charakterisierte, war die Tatsache , daß sich immer weitere Kreise der Öffentlichkeit dieser
besonderen Probleme bewußt wurden. In der westeuropäischen Presse erschienen viele Artikel, die auf die Schwierigkeiten im Handel mit dem Sowjetblock besonders hinwiesen. Regierungsvertreter
fast jedes westeuropäischen Landes sprachen, auch wenn sie sich
gerade selbst um Ost-Westhandel mit Zivilgütern bemühten, ganz
offen über die verschiedenen Hindernisse, die der Sowjetblock
einem normalen Handelsverkehr in deri Weg legt. Auf den von der
UN-Wirtschaftskommission für Europa (ECE) veranlaßten Wirtschaftsberatungen im April 1954 wiesen Handelsfachleute des Westens wiederholt darauf hin, daß es den Sowjetblockländern offenbar nicht
möglich sei, ihren Kunden die gewünschten Warenmengen zu akzeptablen Preisen und in zufriedenstellender Qualität zu überlassen.
Diese immer mehr sich versteifende Tendenz, Klage über die
vorhandenen Schwierigkeiten zu führen, bewirkte beim Westen natürlich nicht, daß er nun etwa ein geringeres Interesse für Märkte
und Bezugsquellen zeigte, wie sie Osteuropa eventuell zu bieten
hat^ Immerhin hatte sie aber zur Folge, daß der von den Kommunisten so geförderte Mythos, jenseits des Eisernen Vorhangs befände
sich ein zuverlässiges, gewinnbringendes und befriedigendes Handelsreservoir, das nur auf Grund der selektiven Handelskontrollen
der freien Welt über die Ausfuhr strategisch wichtiger Güter nicht
angezapft werden könne, immer mehr verblaßte. Trotz der unaufhörlichen Bemühungen der kommunistischen Propagandisten (über die
bereits in Kapitel III gesprochen wurde) weicht dieser alte
Mythos in zunehmendem Maße der Erkenntnis, daß die Haupthindernisse für eine Ausweitung des Ost-Westhandels im großen Stil
ganz einfach die sowjetische Wirtschaftsstruktur und die Wirtschaftspolitik als solche sind.
Ein gut Teil der besonderen Probleme, denen sich die am OstWesthandel beteiligten Geschäftsleute gegenübersehen, ergeben
sich aus der Natur der sowjetischen Wirtschaft und der Tatsache,
daß der Handel voll und ganz vom Staat monopolistisch gelenkt
wird. *
Kein Handel auf Gegenseitigkeit
Im Handelsverkehr mit der freien Welt ist das sowjetische
System dadurch gekennzeichnet, daß ihm das normale Charakteristikum der Gegenseitigkeit fehlt. Ein sowjetischer Satellitenstaat wird stets versuchen, sich Vorteile zu verschaffen, die
er anderen Völkern und Staaten nicht zugestehen will. Beispielsweise gestattet er Geschäftsleuten und Händlern aus den Ländern
der freien Welt nicht, sich innerhalb seiner Grenzen niederzulassen, um etwa Fühlung mit eventuellen Kunden aufzunehmen oder
*"Wie der Kreml den Handel kontrolliert" wurde im 4. MDAC-Bericht
(Mai 1954] im Kapitel "Trends im Ost-West-Handel" beschrieben.

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oder Geschäftsbeziehungen zu pflegen oder aber die lokalen Marktverhältnisse zu beobachten. Die kommunistischen Regierungen jedoch unterhalten Handelsmissionen in allen Ländern der freien
Welt, an denen sie wegen ihres Außenhandels Interesse haben.
Seit kurzem spielt die UdSSR von Zeit zu Zeit in ganz spezieller
Absicht den Gastgeber für private Handelsdelegationen, die jedo*ch
von behördlicher sowjetischer Seite noch immer aufs sorgfältigste überprüft werden. Dem Geschäftsmann ist es in seinen
Wirtschaftsbeziehungen zu* Behörden der Satellitenstaaten noch
immer nicht möglich, auch hier den normalen Weg zu gehen, nämlich über eine Niederlassung oder einen Vertreter an Ort und
Stelle die Geschäfte abwickeln zu lassen und sich einfach ins
Flugzeug zu setzen, wenn er mit einem Kunden oder» mit Lieferanten persönlich über geschäftliche Dinge sprechen will.
Sowjetische Verschleierungstaktik
Dieses Sich-Abschließen gehört aber zur Verschleierungstaktik,
die der Sowjetkommunismus in allen Dingen walten läßt. Die wirtschaftliche Entwicklung der Märkte des Sowjetblocks wird wie ein
militärisches Geheimnis gehütet. Gespräche über Absatzsituation
und Geschäftsaussichten sind, ausgenommen bei ausdrücklich dazu
berechtigten hohen Funktionären, gesetzlich verboten. Die Regierungen des Sowjetblocks halten sich nicht an Praktiken, wie sie
in anderen Handelsländern üblich sind, beispielsweise Veröffentlichung von Daten über Geschäftsmöglichkeiten innerhalb des Landes zur Information ausländischer Geschäftsleute. Ebenso wenig
lassen sie etwas über die Ergebnisse ihrer Außenhandelstransaktionen bekannt werden. Ein Grund dafür mag sein, sich den Vorteil nicht entgehen zu lassen, daß die Geschäftsleute, die nur
auf Hörensagen angewiesen sind und den wahren Sachverhalt nicht
kennen, sich bei ihren Bemühungen, mit einer sowjetkommunistischen Regierung eventuell ins Geschäft zu kommen, gegenseitig
unterbieten. In den regelmäßig erscheinenden Außenhandelsbulletins des Statistischen Amtes der Vereinten Nationen findet man
Tabellen über die offizielle Handelsbilanz von 58 Ländern - jedoch nicht von der UdSSR und ihren Satelliten. Im Herbst 1954
lockerte die UdSSR ihre Verschleierungspolitik etwas, indem sie
der ECE Zahlen über ihren Handel mit Westeuropa zur Verfügung
stellte. Es war dies das erste Mal seit 1937, daß überhaupt derartige Daten bekanntgegeben wurden. Natürlich sind die Zahlen
sowieso aus den veröffentlichten Statistiken der westeuropäischen
Länder errechnet worden, aber diese Handlungsweise der Sowjets
war doch ermutigend, und die freie Welt kann hoffen, daß damit
der erste Schritt zu ähnlichen Aktionen getan wurde, die zu
einer allgemeinen Entspannung führen.
Getarnte Diskriminierung
Die Sowjetregierung hat oft behauptet, daß es in der UdSSR
keine Gesetze über Exportbeschränkung gäbe. Zugegeben, es sind
tatsächlich keinerlei Verordnungen und Vorschriften darüber veröffentlicht worden. Das ist aber auch nicht notwendig, da der
gesamte Außenhandel Sache des Staates ist. Die von Zeit zu Zeit
•

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Zeit von der Regierung aufgestellten Pläne lassen einfach x-beliebige Posten aus - und zwar weitaus mehr, als auf den Embargolisten des Westens aufgeführt sind -, die sie ausländischen Märkten
nicht anzubieten wünschen. Um rasch irgendwelche Änderungen herbeizuführen, bedarf es ja nur einer Geheimanweisung an die Behörden. So können selbst angesichts bestehender offizieller Handelsvereinbarungen oder Lieferkontrakte, Waren aus dem Sowjetblock
einem Handelspartner ohne jede öffentliche Ankündigung vorenthalten werden - was auch tatsächlich geschieht.
Als einzigerEinkäufer oder Verkäufer für die gesamte UdSSR
ist das sowjetische Ministerium für Handel in einer äußerst mächtigen Position, Handelspartner zu diskriminieren, die aus dem
einen oder anderen Grund nicht genehm sind. Es kann sehr leicht
mit Preismanipulationen beim Einkauf oder Verkauf in einer Weise
operieren, die dem anderen den Mut nimmt, Verkäufe oder Einkäufe
zu tätigen, an denen die Sowjetregierung selbst kein Interesse
mehr hat.
Preismanipulationen
Eine staatlich kontrollierte Wirtschaft wird in ihrem monopolistischen Handelsgebaren nicht von den sonst üblichen Erwägungen, wie Herstellungspreis und Inlandspreisindex, bestimmt.
Der Absatz von Waren im Ausland unter dem Selbstkostenpreis
wirkt sich für ein derartiges Unternehmen wirtschaftlich kaum
folgenschwer aus. Überdies sind solche Verkäufe allgemein üblich geworden, da es nicht mehr das Ziel solcher Exporttransaktionen ist, einen Profit zu erzielen, als vielmehr lediglich
Kaufkraft zu erwerben, um spezielle Güter aus dem Ausland beziehen zu können, oder aber um politisches Kapital daraus zu
schlagen.
Wenn der Sowjetblock Waren aus der freien Welt bezieht, so
haben die Einkaufspreise keinerlei bestimmenden Einfluß darauf,
zu welchem Preis diese Waren auf den Märkten hinter dem Eisernen
Vorhang angeboten werden. Man schätzt, daß die Butter, die die
UdSSS auf dem Weltmarkt für 45 Cent pro Pfund ersteht, für einen
Preis in Höhe von 3 Dollar (nach dem offiziellen Umrechnungskurs) in den staatlichen Magazinen verkauft wird. Ähnlich ist es
bei Orangen, die zu 2 1/2 Cent pro Stück importiert und zu 1,25
Dollar verkauft werden, oder bei Zucker, für den der kleine Mann
einen Dollar pro Pfund bezahlen muß und den die Regierung um
3,4 Cent pro Pfund erstanden hat.
Hauptsorge der Kommunisten
Die Hauptsorge der Kommunisten, die Länder der Sowjetblocks
immer enger aneinander zu ketten und sie zur Industrialisierung
zu zwingen, ist allgemein bekannt. Wie sich dies auf den Handel
auswirkt, wurde bereits besprechen. Die Fluktuation in den Getreideexporten, von der in Kapitel III die Rede ist, ist dafür
ein gutes Beispiel. Die Sowjetblockstaaten scheuen sich nicht
zuzugeben, daß der Handel innerhalb des Blocks Privilegien genießt. Und er hat auf Kosten des Ost-Westhandels eine enorme
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enorme Ausweitung erfahren. Im Falle der UdSSR nimmt der Handel
innerhalb des Blocks sogar 80 Prozent des gesamten Außenhandels
ein.
All dem liegen die Bemühungen der Sowjetkommunisten zugrunde,
sich von jedem nichtkommunistischen Einfluß wirtschaftlich und politisch frei zu machen - was nicht unbedingt bedeutet, daß sie auf
jeglichen Handel verzichten wollen, sondern vielmehr danach streben, ihn nach eigenen Wünschen zu gestalten. Und dieses Bemühen
stellt jeden von draußen, der versucht, ein dauerhaftes Marktschema im Handel mit den kommunistischen Ländern aufzubauen, vor
konkrete Probleme. Es hat viel dazu beigetragen, daß in Wirt-,
schaftskreisen die UdSSR ,den Ruf eines "Laufkunden" genießt.
Der Laufkunde
Der Präsident des Bundesverbandes der britischen Industrie
umriß vor kurzem die Haltung zahlreicher Geschäftsleute der freien
Welt in der Frage der Geschäftsbeziehungen mit den monopolistischen Sowjetorganisationen}
"Nur wenige von uns, vielleicht überhaupt niemand, würden
sich eine kostspielige neue Anlage anschaffen oder seinen
Betrieb erweitern, nur um mit Ländern ins Geschäft zu kommen, bei denen ganz einfach aus politischen Gründen Aufträge
möglicherweise nie wiederholt werden, gleichgültig, welcher
Preis gefordert wird und welchen tatsächlichen Wert die Ware
hat."
Die Gründe dafür, daß Aufträge vielleicht nur ein einziges
Mal erteilt werden, mögen wirtschaftlicher oder .politischer Natur sein - das Problem als solches ist jedoch für alle Industriellen der freien Welt dasselbe.
Die Sowjets zeigen außerordentlich -großes Interesse für den
Import von Maschinen. Dennoch handelt es sich dabei nur zu einem
geringen Teil um ein Dauergeschäft.. Der Exporteur diesseits des • .
Eisernen Vorhangs hat keine Möglichkeit, den sowjetischen Markt
zu beobachten und sich darüber zu informieren, ob seine Lieferung
unter die Aufträge zu zählen ist, die von den Sowjets so häufig
erteilt werden, ohne daß die Absicht bestünde, sie zu erneuern.
Zum Teil werden ausländische Maschinen nur importiert, um
sie nachbauen zu können. Sie werden an Forschungsinstitute geschickt, wo man sie sorgfältig untersucht und Kopien davon anfertigt, die dazu dienen, das Inlandsangebot für das betreffende
Stück zu erhöhen und die Abhängigkeit vom Ausland verringern
zu können. Internationale Patente respektieren Sowjetblock-Regierungen überhaupt nicht. Im Grunde sind die Forschungsinstitute
sogar zum Teil ein Ersatz für normale Außenhandelsbeziehungen.
Der ausländische Kaufmann, der sich auf Geschäfte mit Sowjetbehörden einläßt, hat gefunden, daß es unmöglich ist, dauerhafte
Handelsbeziehungen dadurch zu planen oder aufrechtzuerhalten, daß
er bereit ist, ihrem Bedarf an Waren, den er auf Grund seiner
Angebote zu decken vermag, tatsächlich gerecht zu werden.
Beispielsweise
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Juni 1955

Beispielsweise gaben sich Ende der zwanziger Jahre amerikanische Fabrikanten unter Aufwand von viel Geld und Material sehr
große Mühe, hochwertige Erzeugnisse zu liefern und den sowjetischen Käufern ihrer Traktoren und anderer landwirtschaftlichen
Maschinen auf jede nur erdenkliche Weise entgegenzukommen. Die
Bemühungen lohnten sich nicht. Nach 1931 strich die Sowjetregierung landwirtschaftliche Maschinen von ihrer Einfuhrliste, und
die Devisenquote für den Einkauf solcher Erzeugnisse wurde plötzlich gesperrt. Die amerikanischen Exporte landwirtschaftlicher Ma^
schinen nach der UdSSR gingen von 41 902 000 Dollar im Jahr 1930
und 37 887 000 im Jahr 1931 auf 119 900 im Jahr 1932, 109 000
im Jahr 1933 und 12 000 Dollar im Jahr 1934 zurück.
Auf und Ab
In den normalen Handelsbeziehungen zwischen zwei Ländern
ist es nichts Ungewöhnliches, wenn sich infolge der Veränderungen im Angebot oder im Warenpreis von einem Jahr zum andern
Schwankungen im Handelsvolumen bemerkbar machen. Die raschen
und abrupten Veränderungen, die den Handel mit der UdSSR charakterisieren, sind etwas anderes. Sie können nicht auf Grund von
Erörterungen der kommerziellen Situation, die zu verfolgen und
zu verstehen der Kaufmann durchaus in der Lage ist, vorausgesagt
werden. Eine neue, von der kommunistischen Partei weitergegebene
Entscheidung kann ein plötzliches Emporschnellen der Nachfrage
nach neuen Erzeugnissen auf einem Auslandsmarkt bewirken - aber
auch ebenso plötzlich feste Export-Import-Beziehungen zwischen
Geschäftspartnern der freien Welt auseinanderreißen. Nur zu oft
treten die sowjetkommunistischen Regierungen einmal oder auch wiederholt auf einzelnen Märkten als Käufer oder Verkäufer auf, ohne
daß ein offensichtlicher wirtschaftlicher Grund für ihr Verhalten
erkennbar ist.
So zog sich beispielsweise die UdSSR im Jahr 1947 von den
isländischen Auslandsmärkten zurück. Der Handel ging infolge des
geringeren Handelsvolumens wertmäßig von 9»7 Millionen Dollar
im Jahr 1947 auf 2 Millionen Dollar im Jahr 1949 zurück. Bis
1953 blieb die UdSSR den isländischen Märkten fern. In jenem Jahr
aber verlangte die offizielle sowjetische Politik, daß nach außen
hin für das Wohl des sowjetischen Verbrauchers Sorge getragen und
neues Interesse am Handel mit bestimmten Ländern gezeigt werde;
offenbar hatte Island vor den Augen der UdSSR Gnade gefunden,um nun wieder in Verfolgung der eigenen Interessen als ein Land
von zeitweiliger Bedeutung zu gelten.
Die UdSSR, die beispielsweise bei australischer Wolle stets
nur sporadisch als Käufer aufgetreten ist, war im Mai 1953 nach
zweieinhalbjähriger Abwesenheit wieder einmal auf dem australischen Wollmarkt zu finden. Die sowjetischen Angebote zeichneten
sich dadurch aus, daß sie wesentlich über den üblichen Preisen
und auch über den Angeboten lagen, die von den traditionellen
Kunden Australiens überhaupt gemacht werden konnten, wodurch der
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Juni 1955

der ganze Markt erheblich gestört wurde. Die Importe der UdSSR
aus Australien sind gleichermaßen plötzlich von 0,7 Millionen
Dollar im Jahr 1947 auf 31 Millionen im Jahr 1949 emporgeschnellt,
um 1952 auf 25 000 Dollar abzusinken und von Januar bis Oktober
1954 wieder auf 31 Millionen Dollar emporzuklettern.
In Mexiko gab die Sowjetunion vor einigen Jahren ihr Debüt
als namhafter Käufer einer Naturfaser, nämlich von "Henequen",
einer Sisalart. 1948 beliefen sich die mexikanischen HenequenExporte nach der UdSSR auf 10 Millionen Dollar. Ein Jahr später
sanken sie auf die Hälfte ab, um dann völlig aufzuhören.
Im Juli 1954 brach die Sowjetregierung die Verhandlungen
über ein Handelsabkommen mit Dänemark ab, und zwar deshalb,
weil sie darauf bestanden hatte, daß die dänische Regierung
ihre bereits getroffene Entscheidung rückgängig mache und sich
verpflichte, zwei Tanker für die UdSSR zu bauen. Die dänische
Regierung bezeichnete das sowjetische Ultimatum als ein politisch
motiviertes Verlangen.
Es gibt noch mehr Beispiele für ein solches Auf und Ab in
bestimmten Ländern. In einigen Fällen wurden abrupte einschneidende Veränderungen, beispielsweise der Abbruch der Handelsbeziehungen des Sowjetblocks mit Jugoslawien, aus politischen
Gründen vorgenommen, was man auch ganz offen zugab. Häufig wird
jedoch überhaupt keine Erklärung dazu gegeben.
Unsicherheit nach dem Vertragsabschluß
Das letzte Jahr hat mehrere auch in der Presse des langen
und breiten diskutierte Beispiele für die Unsicherheitsfaktoren
im Handel mit dem Sowjetblock gebracht.
Seit etwa 15» März 1955 wird in Zeitungsmeldungen immer wieder darüber berichtet, daß die Sowjetunion eine Anzahl an Länder
der freien Welt vergebene Orders annulliert habe. Spätere Berichte
lassen dagegen erkennen, daß einige dieser Aufträge später
wieder erteilt wurden.
In den letzten Jahren nach dem Kriege erweiterten finnische Fabrikanten von Fertighäusern ihre Produktionskapazität,
um der sowjetischen Nachfrage nach diesem Artikel gereSht werden zu können. Einer der Gründe für die optimistische Planung
dieser Industrie war das für fünf Jahre geschlossene Handelsabkommen zwischen der UdSSR und Finnland, in dem erstere sich verpflichtete, in den Jahren von 1950 bis 1955 jährlich 600 000 qm
Fertighäuser aus Finnland einzuführen. Im Januar 1955 drückten
jedoch sowjetische Unterhändler die Kaufquote für 1955 auf
250 000 qm herab, denen 750 000 qm für 1954 und je 900 000 qm
für 1952 und 1953 gegenüberstehen. Diese Entwicklung überläßt
diese wichtige Exportindustrie Finnlands einer völlig unsicheren
Zukunft.
Fragwürdige Qualität
Eines der größten Probleme im Ost-Westhandel ist die schlechte
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Juni 1955

schlechte Qualität zahlreicher Erzeugnisse der Sowjetblockländer.
Die diesseits des Eisernen Vorhangs geäußerten Klagen finden ihre
Bestätigung sogar bei den Kommunisten selbst. Sowohl in der UdSSR
als auch in den Satellitenstaaten haben hohe Funktionäre wiederholt bessere Qualität gefordert und sich kritisch über angebotenen Schund geäußert. Natürlich wurden solche Zugeständnisse nur
im internen Kreis gemacht.
Hier dürfte der Fall der sowjetzonalen Lastwagen interessieren. In einem Land diesseits des Eisernen Vorhangs waren im Juli
1954 zwei Vertreter eines volkseigenen Automobilwerkes der
deutschen Sowjetzone vor Gericht geladen worden, um sich zu
Beschwerden westlicher Käufer zu äußern. Diese Käufer verlangten
die gerichtliche Annullierung des über den Kauf von Fahrzeugen
abgeschlossenen Vertrages mit der Begründung, daß die Qualität
den Anforderungen in keiner Weise entspräche. Das folgende ist
ein Auszug aus der dem Gericht eingereichten Klage:
Der Lastwagen war vom 13. Februar bis 2. April 1954 in
Betrieb. Dann ging das Getriebegehäuse entzwei, und da
keine Ersatzteile dafür zu haben waren, konnten die Käufer
den Wagen bisher nicht mehr benutzen. Drei Tage nach Kauf
des Wagens war bereits das Relais kaputt, und die LadeKontrollampe funktionierte überhaupt nicht mehr richtig.
Das Relais fing an zu brennen und drohte, den ganzen Wagen
in Brand zu setzen. Es wurde ausgewechselt, aber dann fing
die Lichtmaschine an zu brennen. Kurze Zeit darauf brach
die Lenkung. Das Getriebegehäuse ging zum ersten Mal zu
Bruch. Die Gangschaltung funktionierte nicht mehr, die Beleuchtung nur sehr schlecht. Die Reifen gingen kaputt, da
sie nichts weiter waren als vulkanisierte alte Reifen, vermutlich noch solche aus dem Krieg. Die Handbremse ging entzwei, beide Scheibenwischermotoren brannten aus. Auf der
einen Wagenseite brachen sämtliche Radbolzen ab, und nacheinander brachen auch die Federböcke. Das Chassis des Lastwagens bog sich sichtbar durch. Am dritten Tag funktionierte
die Kippeinrichtung nicht mehr. Der Laderaum faßte 28 Prozent
weniger als angegeben.
Niemand würde annehmen, daß nun alle Exportwaren aus den
Ländern des Sowjetblocks nichts taugten. Aber leider bekommen
die Käufer von Erzeugnissen aus der Sowjetunion und deren Satellitenstaaten häufig für ihr gutes Geld nur minderwertige Ware und das trifft bei vielen Warenkategorien zu.
Vielleicht waren die Beschwerden über diesen schadhaften
Wagen gar keine Überraschung für die mitteldeutschen Behörden.
Denn einen Monat vorher war dieses Problem - wenn auch in Kurzfassung und etwas abgeschwächt - in der Zeitschrift "Kraftfahrzeug-Technik" behandelt worden: "Es ist allgemein bekannt, daß
unsere Fahrräder, Motorräder und Automobile nicht mehr den internationalen technischen Normen genügen."
KAPITEL V
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Juni 1955

KAPITEL V
WANDLUNGEN IM WIRTSCHAFTSKURS DER OSTBLOCKLÄNDER
«

Was geht hinter dem Eisernen Vorhang vor, und wie könnte
es sich auf den Ost-Westhandel auswirken?
Gelegentlich erscheinen amtliche Verlautbarungen in den Ländern des Sowjetblocks. Zum Teil waren es Berichte über die Produktionssteigerung, in anderen wieder wird auf die Notwendigkeit
erhöhter Anstrengungen in gewissen Sektoren der Wirtschaft hingewiesen. Die der Außenwelt bekannten Tatsachen, auf Grund deren
man diese Verlautbarungen beurteilen könnte, sind äußerst spärlich. Was sich dabei ergibt, ist häufig verwirrend und irreführend.
Nach Stalins Tod im März 1953 gab es eine Reihe amtlicher
Erklärungen,%die vielfach als Anzeichen einer "milderen" Politik
gedeutet wurden. Auf innenpolitischem Gebiet verkündete das
Sowjetregime 'einen neuen Kurs. In amtlichen Ansprachen und in
der sowjetischen Presse war viel von der Sorge für den Verbraucher die Rede. Auf außenpolitischem Gebiet schien man den Wunsch
zu haben, freundschaftlichere Beziehungen zur "kapitalistischen"
Welt zu schaffen, obgleich sich in die Gesten der Versöhnungsbereitschaft feindselige Worte und Handlungen mischten. Die
europäischen Satelliten folgten dem Vorbild der Sowjetunion, und
manchmal schienen sie den Kreml hinsichtlich des "neuen Kurses"
in ihrer eigenen Wirtschaft noch zu übertrumpfen.
Diese Ereignisse des Jahres 1953 und der ersten Monate des
Jahres 1954 sowie die sowjetische Wirtschaftsentwicklung in den
vorangegangenen Jahrzehnten wurden in dem vor Jahresfrist erschienenen vierten "MDAC-Bericht" unter dem Titel "TrencFs im
Ost-Westhandel" beschrieben. Dort -wurde dargelegt (Seite 17),
daß die Machthaber des Sowjetblocks "sich groß damit taten, daß
sie die Verbrauchsgüterversorgung des Volkes ohne grundsätzliche
Änderungen in ihrer auf Krieg eingestellten Wirtschaft verbessern
konnten."
Kürzlich ereigneten sich in der Sowjetunion einige Dinge, die
die Welt mit atemloser Spannung verfolgte. Zu Beginn des Jahres
1955 trat Malenkow von seinem Posten als Ministerpräsident zurück und bekannte sich unfähig, einen Plan zur Verbesserung der
landwirtschaftlichen Erzeugung durchzuführen.
Während des gleichen Zeitraums, und zwar sowohl vor als
auch nach Malenkows Rücktritt, trat die offizielle Propaganda für
eine Intensivierung der Schwerindustrie wieder in den Vordergrund,
und gewisse sowjetische Wirtschaftsfachleute, die eine Erhöhung der
Konsumgüterproduktion gefordert hatten, wurden gerügt. Auch dies
fand ein entsprechendes Echo in den europäischen Satellitenländern.
Und weil die verbraucherfreundlichen Gesten in die Zeit fielen,
als Malenkow sowjetischer .Ministerpräsident war, neigten manche
Beobachter in ihren Mutmaßungen über die Ereignisse des Jahres

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Juni 1955

Jahres 1955 dazu, Malenkow persönlich mit einer sogenannten
"milden" Politik, und seine Nachfolger mit einer "Rückkehr"
zu der "harten" Politik Stalins, nämlich der Konzentrierung aller
Kräfte auf die Schwerindustrie, gleichzusetzen.
Es ist hier nicht unsere Absicht, die Hintergründe des Machtkampfes im Kreml aufzuhellen. Jedoch im Hinblick darauf, daß
die Politik eines raschen Aufbaus der Schwerindustrie niemals
grundsätzlich aufgegeben worden ist, wäre es wohl etwas gewagt,
irgendwelche Einzelpersonen - sei es nun Malenkow, Bulganin oder
Chruschtschew - mit der Abkehr von der alten Politik oder einer
"Rückkehr" zu ihr gleichzusetzen.
Versucht man, die verschiedenen von den sowjetischen Führern gelegentlich gemachten Äußerungen zu deuten, so darf man
nicht vergessen, daß amtliche Verlautbarungen aller Art, zu
denen auch die Publikationen von Presse und Rundfunk gehören,
Teil einer sorgfältig geplanten Propaganda sind. Das bedeutet
nicht, daß alles, was man hört, unwahr wäre. Offizielle Erklärungen können natürlich eine Politik umreißen, die dann auch
tatsächlich verfolgt wird - sie brauchen es jedoch nicht. Sie
sind aber stets Teil eines Feldzuges zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu Zwecken, die nicht offen ausgesprochen werden.
Eine Änderung der "Linie" ist ein neues taktisches Manöver.
Dies wollen wir im Auge behalten, wenn wir nun einige Maßnahmen untersuchen, die in der Wirtschaft der Sowjetblockländer
durchgeführt wurden, während all dies Gerede vor sich ging.
Wir werden finden, daß in den Jahren von 1953 bis 1955
mehr beim alten blieb als geändert wurde.
Wir werden auch finden, daß ungeachtet der ziemlich gleichlautenden Reden die Verhältnisse in den Satellitenländern sehr
viel andere waren als in der Sowjetunion. Die Verhältnisse waren
andere, die Maßnahmen waren andere und die Ergebnisse schließlich
waren ebenfalls andere.
In der Sowjetunion
Zur Zeit von Stalins Tod im Jahre 1953 lag die Erzeugung
von Stahl, Kohle, Zement, Maschinen usw. weit über dem Stand
von 1940. In den ersten Nachkriegsjähren ergab sich das Bild
eines sehr raschen wirtschaftlichen Aufstiegs, teils deshalb,
weil die Wachstumsraten weitgehend die Wiederherstellung von
im Kriege zerstörten Anlagen zum Ausdruck brachten. Dieses Tempo
hielt jedoch nicht an, ja, seit 1950 sind die Wachstumsraten
sogar zurückgegangen. 1953 war es bereits klar, daß manche der
im fünften Fünfjahresplan für 1955 aufgestellten Planziele nicht
zu erreichen waren. Am bedeutsamsten war die mangelhafte Arbeitsproduktivität. Das bedeutete, daß man zur Erreichung des Produktionssolls für 1955 in der Industrie mehr Arbeitskräfte benötigen würde als in anderen Sektoren der Wirtschaft entbehrt
werden konnten, sofern es nicht gelang, das System produktiver
zu gestalten.
Die
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Juni 1955

Die größten Schwierigkeiten jedoch bestanden in der Landwirtschaft. Hier hatte während des Krieges ein beträchtlicher
Rückgang eingesetzt. Gesamtanbaufläche und Viehbestand erreichten erst 1951 die Vorkriegshöhe (1940). Und auch dann war der
Ertrag pro Flächeneinheit und Stück Vieh noch so gering, daß die
landwirtschaftliche Produktion sich erst 1952 den Vorkriegszahlen näherte. Im Jahre 1953 fiel sie dann erneut unter den Vorkriegsstand.
Inzwischen war die Bevölkerungszahl beträchtlich gestiegen.
Weder die Nahrungsmittelversorgung noch der Wohnungsbau hatten
mit diesem Anwachsen Schritt gehalten. Die Leichtindustrie (etwa
Textil- und Bekleidungsindustrie sowie Nahrungsmittelverarbeitung)
war im Vergleich zur Schwerindustrie vernachlässigt worden, und
die Versorgung durch den Einzelhandel war völlig unzureichend.
Das heißt, die Bevölkerung der Sowjetunion war trotz der Entwicklung der Schwerindustrie und ungeachtet der neuen Bedeutung
ihres Lande's als weltpolitischer Faktor in bezug auf Konsumgüter, speziell Kleidung, schlechter gestellt als Ende der dreißiger Jahre, als sie auch nicht auf Rosen gebettet war.
Der niedrige Konsum und die unbefriedigende Arbeitsleistung
in Industrie und Landwirtschaft sind eng miteinander verknüpft.
Die Sowjetherrscher sind eifrig dabei, ihr Volk mittels der alten
kapitalistischen Lockmittel, wie Stücklohn und Prämien, zu härterer Arbeit anzureizen. Aber weshalb sollte sich jemand ein
Bein ausreißen, um etwas mehr Geld zu verdienen, wenn er damit
kaum etwas kaufen kann?
Diese Probleme hatte man schon vor dem Tode Stalins erkannt
und studiert. Seine letzte größere Erklärung zur Wirtschaftspolitik enthält indirekte Hinweise auf einige der Reformen, die
in den Jahren 1953 und 1954 eingeführt wurden. Zweifellos hatte
sein Tod bestimmte Folgen für Zeitpunkt und Umfang ihrer Durchführung. Jedoch sind mit der Schwenkung der propagandistischen
Linie vom Jahre 1953,die erneut die Sorge um das Wohl des Verbrauchers herausstellen sollte, die Unterschiede in der praktischen Wirtschaftspolitik der Zeit vor und nach Stalins Tod stark
übertrieben worden. Die Hauptziele des Regimes waren dieselben
geblieben, und auch die Mittel zu ihrer Erreichung hatte man
nicht so radikal geändert, wie man gerne glauben machen wollte.
Im August 1953 sprach Malenkow ganz allgemein von besseren
Aussichten für den Verbraucher, jedoch wurde bis Ende Oktober
nichts Bestimmtes versprochen. Von diesem Zeitpunkt an wurde
das Plan-Soll für 1955 für den Einzelhandel, die Nahrungsmittelindustrie und andere Zweige der Leichtindustrie durch eine Anzahl
Erlasse von höchster Stelle erhöht, wobei diese Planziele viel
ausführlicher beschrieben wurden als in früheren Verlautbarungen.
Die Schilderungen ließen einem das Wasser im Munde zusammenlaufen,
aber die tatsächliche Produktionserhöhung war in den meisten
Fällen mäßig. Das Ganze wurde als ein Unternehmen von 2 bis 3
Jahren Dauer dargestellt, das offenbar im Jahre 1956 allmählich
abzuschließen wäre.
Andere
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Juni 1955

Andere Erlasse zielten darauf ab, der Landwirtschaft neuen
Auftrieb zu geben. Den Bauern wurden neue Anreize für eine Steigerung der Erträge sowohl in den Kolchosen als auf ihrem eigenen
kleinen Besitz geboten. Auch in der Organisation der sowjetischen
Landwirtschaft wurden einige Reformen vorgenommen.
Wie war all dies zu erreichen? Teils durch Erhöhung, der
staatlichen Investitionen in der Landwirtschaft und Leichtindustrie, teils durch Reformen im Ministerium für Handel und, was
wesentlicher war, durch eine erhoffte Steigerung der Produktivität der gesamten Wirtschaft. Anscheinend hoffte die Regierung,
letzteres durch eine Anzahl Maßnahmen zur Verbesserung der Betriebsführung in der Industrie zu erreichen. Auf Grund der starken Zentralisierung waren die Betriebsleiter durch Papierkrieg und
Beschränkungen aller Art stark belastet, und man glaubte anscheinend, eine gewisse Dezentralisierung werde den Werken ein erfolgreicheres Arbeiten ermöglichen. Eine stärkere Produktivität in
der. Landwirtschaft sollte durch Senkung der hohen Steuern und
• durch Erhöhung der niedrigen Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse angeregt werden.
Es darf nicht übersehen werden, daß Kürzungen der Plansolls
für die Produktion der Schwerindustrie in der Sowjetunion niemals
auch nur erwähnt wurden, während die3 Satellitenregierungen derartige Kürzungen wohl nannten.
Das ganze Jahr hindurch wurden in öffentlichen Reden die
Zuhörer immer wi-eder an die Bedeutung der Schwerindustrie durch
besondere Erklärungen erinnert - und die trifft selbst für die
Rede Malenköws vom August 1953 zu.
In der Praxis jedoch wich man im Jahr 1953 nur in einem einzigen Fall von dem damals vorherrschenden Kurs ab. Gegen Ende
des Jahres verzeichnete der Kleinhandel eine rasche Umsatzerhöhung.
Da dem keine entsprechende Steigerung der Produktion vorangegangen war, mußte diese Entwicklung die Folge des Abstoßens angehäufter Warenlager zu reduzierten Preisen sein; es handelte sich
hierbei also um eine Art kommunistischen "No'tverkauf s".
In der landwirtschaftlichen Erzeugung trat 1953 keinerlei
Anstieg beziehungsweise Verbesserung ein --sie sank sogar ab - ,
und die Wachstumsrate bei der Industrieproduktion war niedriger
als im Vorjahr.
1954 war jedoch in der gesamten Industrieproduktion ein
leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Für den
Kleinhandel trifft dies nicht zuj offensichtlich handelte es sich
bei diesem "Notverkauf" um eine einmalige Angelegenheit. Die Erzeugung landwirtschaftlicher Güter ließ noch immer zu wünschen
übrig, obgleich sie höher war als im Jahre 1953. Im Verlauf des
Jahres 1954 nahmen zwar die Investitionen in der Leichtindustrie
zu; sie stellten jedoch im Vergleich zur gesamten.Volkswirt schaft
nur einen sehr kleinen Bruchteil dar. Sowohl in der Schwer- als
auch in der Leichtindustrie zog die Produktion an.
Allerdings
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Juni 1955

Allerdings war diese Erhöhung in der Schwerindustrie größer als
in der Leichtindustrie. Mit anderen Worten, das Regime erreichte,
was es am eifrigsten anstrebte - nämlich eine gewisse Erhöhung
der Produktivität -, während der Verbraucher im Durchschnitt
kaum 'mehr als zuvor erhielt.
Die Versuche zur Wiederbelebung der Landwirtschaft wurden
auch 1955 fortgesetzt; der Haushaltsplan sah erhöhte Mittel für
die Landwirtschaft vor. Die 1954 eingeführten Maßnahmen zur
Dezentralisierung blieben in Kraft. Ende 1954 schlugen die offiziellen sowjetischen Organe wieder die alte Linie ein, indem
sie die Aufmerksamkeit mehr auf die Schwerindustrie und weniger
auf den Verbraucher lenkten. Der Haushalt für das Jahr 1955 wies
eine Erhöhung in den Zuwendungen an die Schwerindustrie und eine
Reduzierung der Ausgaben für die Leichtindustrie aus. Diesen Kurswechsel darf man aber nicht zu sehr in den Vordergrund stellen,
denn bei den Sowjets ist die Schwerindustrie in Wirklichkeit nie
zu kurz gekommen oder, gar geopfert worden, auch haben sie sich
niemals ausschließlich für den Verbraucher eingesetzt.
In den europäischen Satellitenstaaten
Die europäischen Satellitenstaaten folgten dem Kurswechsel
in der Propaganda der UdSSR in recht ähnlicher Weise. Dies gilt
sowohl für 1953 als auch für das Frühjahr 1955.
Die Umstände selbst waren jedoch andere. Für die Satellitenländer war der Kommunismus etwas verhältnismäßig Neues. Sie befanden sich erst in den Anfangsstadien des Umstellungsprozesses
von einer Verbraucherwirtschaft, wie sie in der freien Welt üblich ist, zum sowjetischen Typ der Kriegswirtschaft. In den Satellitenstaaten gestaltete sich die Anpassung an die neue Wirtschaftsform vor dem Jahre 1953 schwieriger als in der UdSSR.
Im großen und ganzen hatten die Satellitenstaaten mit denselben
Problemen zu kämpfen wie die Sowjetunion 1953 - das heißt mit
einer Schrumpfung der Wachstumsrate der industriellen Produktion
sowie Stagnation der landwirtschaftlichen Erzeugung. Jedoch waren die Auswirkungen in den Satellitenländern viel tiefergreifend. Die Maßnahmen, die man im Rahmen des "Neuen Kurses" während
des Jahres 1953 in den Satelliten ergriff, waren weit drastischer - wenn auch weniger erfolgreich.
Ehrgeizige, auf lange Sicht berechnete Pläne zur Industrialisierung waren seit 1950 in den osteuropäischen Ländern in Angriff genommen worden. Während des Korea-Krieges wurde das Tempo
in der Verwirklichung dieser Pläne wesentlich erhöht. Anzeichen
einer wirtschaftlichen Überbeanspruchung machten sich zuerst
1952 bemerkbar, 1953 verschlimmerte sich die Lage. Es wurde klar,
daß viele der Ziele, die man sich für die wirtschaftliche Entwicklung für das Jahr 1954 gesetzt hatte, unmöglich erreicht
werden konnten. So bestand der im Jahre 1953 eingeschlagene
"Neue Kurs" zu einem wesentlichen Teil darin, daß die wirtschaftlichen Plansolls für das Jahr 1954 auf eine in der Praxis erreichbare Norm reduziert wurden. Den Führern der Satellitenstaaten schien
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Juni 1955

schien es geratener, von einer Neuorientierung der Wirtschaft
im Interesse des Verbrauchers zu sprechen, anstatt einen Mißerfolg einzugestehen. (In einigen Fällen wurde der Mißerfolg dann
freilich zugegeben.) (Siehe auch Schaubild "Offizielle Zahlenangaben der Satellitenlähder über ihre industrielle Entwicklung')).
Wenn sich schon die sowjetische Landwirtschaft in einem beklagenswerten Zustand befand, so trat in der landwirtschaftlichen
Produktion der Satelliten eine akute Krise ein. Die Kommunisten
beseitigten die bisher übliche Bewirtschaftungsart und führten
an ihrer Stelle Produktionsgenossenschaften ein. Dennoch schritt
die Kollektivierung nur langsam voran.
Selbst in der Sowjetunion hatten sich die Kolchosen nicht
als sonderlich wirtschaftlich arbeitende Unternehmen erwiesen.
Aber dort konnten die Bauern wenigstens auf eine 20jährige Erfahrung auf diesem Gebiet zurückblicken. Sie hatten die Zeit der
dreißiger Jahre mitgemacht, als fast die gesamte landbesitzende
Bevölkerung der Sowjetunion auf einen Schlag enteignet wurde und
sich entweder einer Kolchose anschließen mußte oder als Zwangsarbeiter verpflichtet wurde. Ganze Herden wurden damals geschlachtet, die landwirtschaftliche Produktion sank rasch ab, so daß eine
große Hungersnot entstand.
Obgleich sich die Satellitenstaaten sehr um eine Anpassung
ihrer Landwirtschaftssysteme an das sowjetische Vorbild bemühten,
gingen sie nach einiger Zeit von der extremen Form der sofortigen
und umfassenden Kollektivierung zu einer allmählichen Umstellung
über. Das Endergebnis war jedoch ein Zustand allgemeiner Verwirrung und Unsicherheit. Die selbständigen Bauern fühlten sich
nicht gerade zu harten Arbeiten veranlaßt, denn wenn sie Erfolg
hatten, so beschworen sie nur Verfolgung und Enteignung herauf,
während die den Produktionsgenossenschaften angehörende Minderheit sich in ihren Rechten vergewaltigt fühlte und nur wenig
Interesse zeigte, für den Staat zu arbeiten. Infolgedessen sank
die landwirtschaftliche Produktion rasch ab.
Im Rahmen des "Neuen Kurses" verlagerten die kommunistischen
Regierungen wie auch die Sowjetunion den Schwerpunkt auf die Landwirtschaft. Die Investitionen in der Landwirtschaft wurden erhöht,
den Bauern wurden gewisse Zugeständnisse gemacht, die in manchen
Ländern sogar so weit gingen,daß die Bauern unter bestimmten Bedingungen aus den Produktionsgenossenschaften austreten durften.
Mit Beginn der Sowjetisierung begannen in den meisten osteuropäischen Ländern Konsum und Lebensstandard, die höher als in
der UdSSR gewesen waren,zu sinken, und diese Abwärtsentwicklung
wurde während der kommenden Jahre noch ausgeprägter. Lies wirkte
sich am schlimmsten für jene Länder aus, die bessere Zeiten gesehen hatten und denen erst in der jüngsten Vergangenheit der
Kommunismus aufgezwungen worden war.
Da die Verhältnisse in Industrie und Landwirtschaft in den
einzelnen Satellitenstaaten jeweils anders gelagert waren, mußten
auch unterschiedliche Maßnahmen zur Behebung der Schwierigkeiten
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Juni 1955.

Schwierigkeiten ergriffen werden. Ungarn darf wohl als Extremfall
bezeichnet werden, da dort die industriellen Mißerfolge und der
Widerstand der Bauernschaft am ausgeprägtesten waren. Die Maßnahmen, die man. im Rahmen des "Neuen Kurses" während des Jahres
1953 ergriff, wurden in Ungarn zuerst eingeführt und gingen dort
auch am weitesten. Ungarn war aber auch das einzige Land, das
den "Neuen Kurs" 1955 offiziell^widerrief. Polen ist das beste
Beispiel für das andere Extrem, da hier, wie auch in der Sowjetunion, sowohl die Umstellung auf den "Neuen Kurs", wie auch das
spätere Einschwenken auf den "alten Kurs", mit geringeren Änderungen der Wirtschaftsform und in langsamerem Tempo erfolgte. Wir
werden auf die Ereignisse in Ungarn noch besonders eingehen, da
an ihnen die Probleme der letzten zwei Jahre am besten verdeutlicht werden können. Das bedeutet jedoch nicht, daß Ungarn mit
seinen Erfahrungen allein dasteht. Die Entwicklung in Ungarn
trifft zum großen Teil auch auf die Tschechoslowakei und Rumänien
und in kleinerem Maßstab auch auf .die anderen Länder zu.
Ungarn und der "Neue Kurs"
Im Juli 1953 traten Ministerpräsident Imre Nagy und andere
hohe kommunistische Funktionäre mit Vorschlägen zur grundlegenden Reform der ungarischen Wirtschaft an die Öffentlichkeit, was
sie damit begründeten, daß die Ziele der bisherigen Industrialisierungsprogramme zu hoch gesteckt gewesen seien. Deshalb müsse
Ungarn das Schwergewicht seiner Anstrengungen auf den landwirtschaftlichen Sektor verlegen und Erzeugnisse der Schwerindustrie
aus anderen Ländern des Sowjetblocks einführen, bei denen die
Voraussetzungen für eine solche Produktion besser gegeben wären.
Gemäß dieser Auffassung wurde der Schwerindustrie ihre Vorrang
Stellung genommen; einige bereits angelaufene Projekte wurden sofort fallen gelassen. Bemüht, die Bauern zu intensiverer Arbeit
anzuspornen, verkündete die Regierung eine Steuersenkung, setzte
die Quote für Zwangsablieferungen herab, erhöhte die Preise für
landwirtschaftliche Erzeugnisse und billigte den Austritt aus den
Produktionsgenossenschaften. Diese letztgenannte Maßnahme darf
wohl als die extremste Auswirkung des "Neuen Kurses" angesehen
werden.
Von da an, herrschte eine ziemliche Verwirrung. Die Kommunisten der alten Garde Ungarns zeigten kein Verständnis für diese
neumodischen Ansichten und erzwangen es, daß man die Pflöcke ein
wenig zurücksteckte. Gleichzeitig war die dominierende Gruppe
unter Nagy noch immer mit der Durchführung ihres Programms beschäftigt und machte die "Links-Abweichler", die die Vorzüge der
neuen Politik nicht anerkennen wollten, für die wirtschaftlichen
Mißerfolge verantwortlich. Viele der Plansolls wurden 1954 schon
wieder revidiert* Neue Bauern-Gesetze wurden erlassen, die in
vielen Fällen die Bestimmungen der vorausgegangenen Gesetze
widerriefen.
Interessant war in dieser Hinsicht die Reaktion der Bauern.
Über die Hälfte der Kolchosenbauern traten aus den Produktionsgenossenschaften aus und kehrten zur Eigenbewirtschaftung zurück,
oowoni axe Bedingungen immer scnlechter wurden.
Bauern
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Juni 1955

Bauern, denen die Regierung die Strafen für Steuerrückstände
oder Nichterfüllung der Ablieferungssolls erlassen hatte, machten
sich auch weiterhin der gleichen Verstöße in dem Glauben schuldig,
daß sie die Regierung nunmehr an die Wand gedrückt hätten und
auch in Zukunft bei solchen Unregelmäßigkeiten straffrei ausgehen würden.
Die Arbeitsdisziplin in der Industrie sank ebenfalls. Im
allgemeinen ist man nicht nur an einer Steigerung der Produktion,
sondern auch an eine Erhöhung der jährlichen Wachstumsrate interessiert. Die Gesamtproduktion des Jahres 1954 lag jedoch noch
weit unter dem ohnehin schon sehr bescheidenen Plansoll. Nach
den Angaben der Regierung sank die Produktion in der Schwerindustrie sogar um 3,1 Prozent. Gleichzeitig schnellten jedoch die
Regierungsaufwendungen für Löhne in die Höhe, was zum Teil auf
eine amtlich nicht gebilligte Lohnerhöhung von seiten der Fabrikverwaltungen zurückzuführen war. Mit dieser Maßnahme hofften
diese Instanzen die Erfüllung der Solls zu gewährleisten. Absinken
der Produktivität bei gleichzeitiger Erhöhung der Löhne ergibt
jedoch eine allgemein unzureichende Leistung der Wirtschaft.
Die für die gesamte Wirtschaft wichtige Kohleerzeugung
lag 1954 um 650 000 Tonnen unter dem geplanten Soll, obwohl
mehr Arbeitskräfte als bisher in den Bergbau verpflichtet worden waren. Die Energieerzeugung stieg 1953 lediglich um 5 Prozent
und nicht, wie im Plan vorgesehen, um 10 Prozent.
Die Stahlerzeugung ist nach den statistischen Unterlagen
(enthielten nur Angaben über die Produktion von Siemens-MartinStahl, der jedoch den größten Teil der ungarischen Stahlerzeugung
ausmacht) um 4,1 Prozent unter den Stand von 1953 gesunken,
das heißt, die Produktion lag 12 Prozent rnter dem Plansoll.
In der Leichtindustrie war eine Produktionssceigerung um 10 Prozent zu verzeichnen, ein Ergebnis, das aber unter denen der Jahre
seit 1950 lag. Die Erträge der Weizen- und Roggenernte (Weizen
und Roggen sind die am meisten angebauten Getreidearten Ungarns)
gingen zurück. Obwohl die Anbaufläche um 6,9 Prozent größer
gewesen sein soll als 1953, soll der Ertrag pro Hektar um 22 Prozent gesunken sein. Schlechte Witterungsverhältnisse und das
Hochwasser der Donau waren zum Teil an dieser Mißernte schuld.
Darüber hinaus ist ein Teil der geringen Ernteerträge die Folge
von Einbringungsschwierigkeiten bei fast allen Getreidearten.
Und wie erging es nun dem Verbraucher, der ja eigentlich
von diesem "Neuen Kurs" profitieren sollte? Konsumwaren standen
in erhöhtem Maße zur Verfügung, obwohl die Plansolls auch hier
nicht erreicht worden sind. Die Einzelhandelsumsätze stiegen.
Am größten war die Erhöhung der Produktion bei Butter, Süßigkeiten, Radios und Fahrrädern. Diese Güter sind für den größten
Teil der Bevölkerung unerreichbar. Die Belieferung mit Brot gestaltete sich noch schlechter als zuvor. Die Wohnungsnot war
nach wie vor groß: nur 13 000 der 40 000 geplanten neuen Wohnungen waren bis zum 1. Oktober 1954 fertiggestellt worden.
Dies
- 45 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

Juni 1955

Dies sind alles mengenmäßige Daten} es ist jedoch völlig
unmöglich, auch nur ganz allgemein die Klagen über die Qualität
der Waren zu beschreiben, die in allen Zeitungen erschienen.
(Die Zeitungen üben Kritik an bestimmten Mißständen, bringen
aber niemals irgendeine allgemeine Kritik an der Regierung.)
Um es kurz und klar zu sagen, der "Neue Kurs" war in Ungarn
eine glatte Pleite. Er hat nicht nur bestehende Probleme nicht
gelöst, er hat vielmehr eine große Zahl neuer Probleme geschaffen.
In der ersten Märzwoche 1955 wurde denn auch Ministerpräsident Nagy gestürzt. Das Zentralkomitee der ungarischen Arbeiter(Kommunistischen) Partei brandmarkte ihn als "Rechtsabweichler",
der die wirtschaftliche Stärke Ungarns unterminiert hätte. Etwas
verwirrt stellte das Zentralkomitee fest, es habe die Absicht,
den Schwerpunkt der Planung wieder auf die Schwerindustrie zu
legen. JedDch schwenkte man nicht völlig auf die alte Linie ein,
denn noch hielt man an der Behauptung fest, die Industrialisierung,
wie sie vor 1953 durchgeführt worden sei, wäre übertrieben schnell
vorangetrieben worden, und die im Juni 1953 erlassenen Bestimmungen seien wohl richtig gewesen, wären nur falsch angewendet worden. Aus den Erklärungen des Zentralkomitees ging hervor, daß
man die Hauptlast der neuen Entwicklung durch die Wiederaufnahme
der Kollektivierung und die Rückkehr zu schärferen Abgabebestimmungen wieder auf den Bauern und Arbeiter abwälzen wollte. Das
Zentralkomitee schlug ferner eine Erhöhung der industriellen
Produktion um 5»7 Prozent für das Jahr 1955 vor. Damit war man
bei den eigentlich für die Jahre 1954 und 1955 vorgesehenen Solls
wieder angelangt.
*

- 46 -

�"AMERIKA' DI2NST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

Juni 1955

SCHLUSSBEMERKUHG5N
Dieser Bericht behandelt vornehmlich die wirtschaftlichen
Transaktionen des Sowjetblocks mit der freien Welt. Die Absicht
war nicht, neue Tatsachen aufzuzeigen, sondern einen Abriß und
ein Gesamtbild der diesbezüglichen Tätigkeit des Sowjetblocks zu
geben.'Er sollte dem Leser einen Begriff von den Wirtschaftsoperationen des Sowjetblocks im Auslande und den damit zusammenhängenden Problemen"vermitteln, denen die Regierung der Vereinigten Staaten sowie die Regierungen, und Wirtschaftler der freien
Welt sich gegenübersehen. Die fünf Kapitel dieses Berichtes sind
in Wahrheit nichts anderes als ein Teil "des weit umfangreicheren
Kapitels der Beziehungen zwischen der freien Welt und dem Sowjetblock» Der 5. MDAG-Bericht, "Die Revision der Bestimmungen für
den Ost-Westhandel" (Kontrolle über den Handel mit strategisch
wichtigen Gütern) beschäftigt sich mit einem anderen Teil dieses
Fragenkomplexes. Aber auch er umfaßt nicht das Ganze; Wirtschaftsverteidigung einschließlich der Kontrolle_ über den nandel
mit strategisch wichtigen Gütern stellt nur einen Aspekt der
gesamten Außenhandelspolitik der Vereinigten Staaten und der
freien Welt dar.
Eine Gesamtbeurteilung der Außenhandelspolitik überschreitet natürlich den Rahmen dieses Berichtes. Einige der letzten
Maßnahmen, die die Vereinigten Staaten auf diesem Gebiet ergriffen haben, sind in dem Bericht an den Kongreß zum Programm
für Gemeinsame Sicherheit für das am 31. Dezember 19 54 abgelaufene Halbjahr enthalten, den der amerikanische Präsident
dem Kongreß gab. Das Gesamtbild aber muß man sich vor Augen
halten, um die Fakten und Fiktionen in Verbindung»mit der
kommunistischen Außenhandelspolitik richtig zu sehen. Wenn diese Perspektive fehlt, besteht die Gefahr, den Problemen, denen
die freie Welt in ihren Wirtschaftsbeziehungen mit den Ländern
des Sowjetblocks gegenübersteht, entweder eine übertriebene Bedeutung beizumessen oder sie zu unterschätzen. Wie die Dinge
liegen, besteht weder Anlaß, sich unnötig Sorgen zu machen,
noch die Hand in den Schoß zu legen. Die amerikanische Regierung
verfolgt laufend die Auswirkungen der vom Sowjetblock in seinen
Wirtschaftsbeziehungen zur freien Welt ergriffenen Maßnahmen
und trägt ihnen voll und ganz Rechnung.
Nachstehend werden einige der Wichtigsten Auswirkungen und
Folgerungen aufgeführt, die sich aus den im Bericht dargelegten
Dingen ergeben*
Wie wir gesehen haben, war 1954 ein Jahr, in dem der OstWesthandel einen bescheidenen Aufschwung nahm und die Wirtschaftsbeziehungen durch den Abschluß neuer Handelsabkommen eine Ausweitung erfuhren. Die Einfuhren des Sowjetblocks stiegen rascher
an als seine Ausfuhren; allerdings gingen die Einfuhren gegen
Ende des Jahres allmählich zurück. Die Aussichten für einen nochmaligen allgemeinen Aufschwung des Ost-Westhandels im Jahre 1955
sind gering. Wenn die jüngste Entwicklung 'im Exportgeschäft des

- 47 -

�"AMERIKA DIENST"- WIBTSCHAFT UND ARBEIT

Juni 1955

des Sowjetblocks anhält, ist sogar mit einem Gesamtrückgang
des Ost-Westhandels zu rechnen.
Zum Teil ist die Ausweitung des Ost-Westhandels im Jahre
1954 auf die beträchtlich erhöhten Lebensmittelkäufe des So*
wjetblocks zurückzuführen. Die kommunistischen Regierungen hatten ihren Völkern gewisse Versprechungen gemacht. Die eigene
Produktion reichte nicht aus; die Landwirtschaft hatte unter
chronischen und akuten Schwierigkeiten zu leiden. Obwohl die
Lebensmitteleinfuhren sich auf verschiedene Auslandsmärkte
spürbar auswirkten, hatten sie auf den Lebensstandard der
Sowjetblockländer doch keinen tatsächlichen Einfluß. Die
russischen Fleischaufkäufe zum Beispiel - ein Gebiet, auf dem
mit die stärkste Einfuhrsteigerung zu verzeichnen war - hätten
nur für wenige Mahlzeiten im Jahr gereicht, wenn sie unter die
ganze Bevölkerung verteilt worden wären. Wie die Dinge lagen,
gelangte das Fleisch lediglich auf den Tisch der wenigen Privilegierten. Jedenfalls schien die Einfuhr von Verbrauchsgütern im
Laufe des Jahres zurückzugehen, und der sowjetische Verbraucher
steht mehr oder weniger dort, wo er vorher stand - er wird mit
einem Wust von'Propaganda gefüttert, hat aber wenig zu essen
oder anzuziehen.
Die Einkäufe aller Art, die der Sowjetblock im Jahre
1954 in der freien Welt tätigte, zeigten, daß die kommunistischen Länder nach wie vor und in erster Linie daran interessiert
sind, sich Investitionsgüter zu verschaffen, um ihre forcierte
Industrialisierung voranzutreiben. Um sich die geplante Handels-»
flotte zu verschaffen, kauften sie auch weiterhin bei den westliehen Schiffswerften zu günstigen Bedingungen alte und neue
Schiffe ein.
Moskau versuchte auf verschiedene Weise, die unterentwickelten Länder für den Gedanken zu gewinnen, "Wirtschaftspartner" des
Sowjetblocks zu werden. Obwohl die Taten weit hinter der Propaganda zurückblieben, bestand kein Zweifel, daß die Sowjets ein
echtes Interesse an diesen Gebieten hatten und durchaus ernste Absichten hegten. Es ist damit zu rechnen, daß das auch weiter so
bleiben wird. Die unterentwickelten Länder befinden sieh'hier in
einem echten Dilemma, weil sie auf Hilfe von außen angewiesen sind.
Die Geschäftsleute der freien Welt können mit den Ländern
des Sowjetblocks nicht in der Weise Geschäfte tätigen, wie dies
zwischen Geschäf tsunternehmen .der freien Welt normalerweise üblich
ist. Eines der hervorstechendsten Merkmale des Jahres 1954 war,
daß die Öffentlichkeit in zunehmend am, Maße erkannte, welchen
Problemen diejenigen gegenüberstehen, die mit Ländern des So*
wjetblocks Handel treiben.
Ein wesentliches Hindernis im Ost-Westhandel ist die Tatsache, daß die Sowjetblockländer nicht in der Lage sind, ihre
traditionellen Ausfuhrgüter, insbesondere die land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnisse, zuverlässig zu liefern. Sehr aufschlußreich sind hier die Getreideeinfuhren nach den Ländern
des Sowjetblocks, die eigentlich ihrer Tradition gemäß diese
Güter ausführen müßten. Eine weitere große Schwierigkeit im
- 48

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

Juni 1955

im Handel mit dem Sowjetblock ist dessen Forderung nach besonderen Konzessionen bei vielen Geschäften.
Diese Schwierigkeiten sind größtenteils auf den Charakter
des kommunistischen Wirtschaftssystems und seine Handelsformen
zurückzuführen. Um sich Rohstoffe zu beschaffen oder im Rahmen
ihrer Bemühungen zur wirtschaftlichen und politischen Durchdringung werden womöglich die UdSSR und ihre Satelliten in Zukunft
kleinere Mengen von Investitionsgütern an die Länder der freien
Welt verkaufen, zumindest aber werden sie dies als demonstrative
^este gegenüber den unterentwickelten Ländern tun. Bei den derzeitigen Plänen des Sowjetblocks sind jedoch keine größeren
Lieferungen zu erwarten, und wahrscheinlich waren die bisherigen
auch nur unter schweren Opfern seitens der europäischen Länder
des Sowjetblocks und Rotchinas möglich.
Bei einem Rückblick auf die Zeit von 1953 bis 1955 dürfte
folgende Schlußfolgerung am bedeutsamsten seinj Erotz mancherlei
Wandlungen im Gesamtbild des Ost-Westhandels ist auf dem Gebiet
der sowjetischen Außenhandelspolitik mehr beim Alten geblieben,
als geändert wurde und zwar sowohl nach innen als nach außen.
Überhaupt hat das vergangene Jahr -noch deutlicher gezeigt, daß
der Gütertausch für die Länder des Sowjetblocks nach wie vor
eng verbunden ist mit wirtschaftlichen und politischen Erwägungen der kommunistischen Regierungen, für die Handel nicht Selbstzweck ist, sondern lediglich ein Mittel zur Durchführung ihrer
oft aggressiven aufs Ganze gehenden Außenpolitik, eine Tatsache,
die in der freien Welt in steigendem Maße erkannt wird.

* * # # #

- 49 -

�BEGLEITBRIEF

An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Hiermit unterbreite ich den 6. Halbjahresbericht über die
Tätigkeit 'gemäß den Bestimmungen des Gesetzes für Gemeinsame
Verteidigungshilfe vom Jahre 1951.
Der Bericht umfaßt den Zeitraum von Juli bis Dezember 1954.
für eine richtige und angemessene Beurteilung der Auswirkungen
des Gesetzes war es jedoch notwendig, über die unmittelbaren
Probleme, wie sie sich aus den Sicherheitskontrollen der freien
Welt im Ost-Westhandel ergeben, noch hinaus zu gehen.
Zur Erläuterung -der Ziele und des Vorgehens Moskaus werden
daher im Bericht die jüngsten Entwicklungen im Außenhandels- und
Wirtschaftsgebaren der&lt;Länder des Sowjetblocks, insbesondere ihre
Aktivität in unterentwickelten Ländern und ihre Versuche zur wirtschaftlichen Durchdringung, einer besonderen Prüfung unterzogen.
Ferner werden die Bemühungen Moskaus geschildert, ein Land gegen
das andere auszuspielen, Zwietracht unter den freien Völkern zu
säen und die Handelskontrollen unwirksam zu machen. Es wird versucht,- diesen Dingen auf den Grund zu gehen und damit einige der
Schwierigkeiten herauszustellen, denen sich die Kaufleute der
freien Welt in ihren Geschäftsbeziehungen mit dem Sowjetblock gegenübersehen; wie sich gezeigt hat, ist die jüngste Entwicklung
im Ost-Westhandel zum Teil aus den wirtschaftlichen Verhältnissen
innerhalb der Sowj-etbl,ockländer zu erklären.
Obgleich solche Annäherungsversuche des Sowjetblocks stets
ein gefährliches Moment darstellen, ist es diesem bisher nicht
gelungen, einen Keil zwischen die in der Überwachung des Handels
mit strategisch wichtigen Gütern zusammenarbeitenden freien Nationen zu treiben. Diese Nationen,- die zum Handel mit zivilen
Gütern durchaus bereit sind, haben es nicht nur abgelehnt, strategisch wichtige Güter zu liefern, sondern haben ihre Kontrollmaßnahmen für den Handel mit kriegswichtigen Gütern sogar noch
verschärft.
Bei der Abfassung dieses Berichtes konnten sich meine Mitarbeiter weitgehend auf die Sachkenntnis anderer Dienststellen stützen, die auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Verteidigung wichtige
Aufgaben innehaben.
(gez.) Harold E. Stassen
. Direktor des Amtes für Auslandshilfe

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Schließt die Beteiligung des Sowjetblocks an der 37. Internationalen Automobil- und Fahrrad-Ausstellung vom 16. bis
27. Januar, ferner an der Internationalen Messe vom 24. April
bis 5. Mai und an der Messe für landwirtschaftliche Maschinen
vom 13. bis 20. Februar ein.

2/

Schließt die Beteiligung des Sowjetblocks an der Frankfurter
Frühjahrsmesse vom 7. bis 12. März und der Frankfurter Herbst'
messe vom 5« bis 9« September ein.

3/

Schließt die Beteiligung des Sowjetblocks an der Internationalen Ausstellung für Büromaschinen- und Büroeinrichtungen
vom 13. bis 24. Oktober, ferner am 41. Internationalen AutoSalon im Oktober sowie an der Internationalen Messe vom
22. Mai bis 7. Juni ein.

4/

Schließt die Beteiligung des Sowjetblocks an der 3« Britischen Nahrungsmittel-Messe vom 17. bis 18. September und an
der Internationalen Automobil-Ausstellung vom 20. bis 30.
Oktober ein.

5/

Schließt die Beteiligung des Sowjetblocks an der 62. Internationalen Industriemesse vom 30. März bis 8. April sowie an
der 63. Internationalen Industriemesse vom 7. bis 16. September ein.

6/

Schließt die Beteiligung des Sowjetblocks an der Wiener
Frühjahrsmesse vom 14. bis 21. März sowie an der Wiener
Herbstmesse vom 12. bis 19. September ein.

*

�TABELLE II
Getreideexporte aus den europäischen Satellitenstaaten der UdSSR nach
den Ländern der• freien We1t in den le tzten drei Ernte Jahren
(in Tonnen)

Jahr
Gerste
1951/52
1952/53
1953/54

UdSSR

Bulgarien

Rumänien

4 950

4 390

611 156
242 518
157 998

11 947

1 065 438
1 900 530
635 397

27 879
73 701
112 086

266 974
165 530
63 636

26 276
11 229
9 940

Ungarn

Polen

Insgesamt

32 917

642 269
242 518
202 862

96 850 2 292
30 678 21 674
34 888

1 459 433
2 192 113
846 007

21 773

Weizen
1951/52
1952/53
1953/54

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Roggen
1951/52
1952/53
1953/54

136 572
176 286
106 671

955
8 275
304

Hafer
1951/52
1952/53
1953/54

202 805
40 835
23 978

4- 350

Mais
1951/52
1952/53
1953/54

274 053
41 863
15 646

28 860 1 1 401
14 499 9 802*

49 152

6 297

19 021
19 598

99 816
72 341
424

27 903
515
30 206

*Tschechoslowakei
Alle fünf Getreidearten aus dem
leichen Gebiet insgesamt:
951/52
2" 924 495
1952/53
2 874 944
1953/54
1 255 636

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213 866
210 289
116 915

207 155
96 284
23 978

401 772
133 740
65 874

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EISENHOWER:

D I E N S T

DIE UNO WIRD IN GENF NICHT VERGESSEN

WASHINGTON - (AD) - In der Folge geben
wir Ihnen den Wortlaut eines Schreibens
Präsident- Eisenhowers an den amerikanischen
Kongreß vom 15.Juli 1955, mit dem er diesem
den neunten Jahresbericht über die Beteiligung der USA an der Arbeit der Vereinten
Nationen übermittelt hat.

"Ich übermittle hiermit gemäß dem Gesetz über die Beteiligung an den Yereinten Nationen den Neunten Jahresbericht über
die Tätigkeit der USA im Rahmen dieser Organisation, der das
Jahr 1954 betrifft.
Während zehn Jahren der Erprobung hat sich die UNO aus
einem Friedensplan zu einer lebendigen, funktionierenden Organisation entwickelt. Es war daher angebracht, daß eine eindrucksvolle Jubiläumsfeier aus Anlaß der Unterzeichnung der
Charta der Vereinten Nationen vor zehn Jahren kürzlich in
San Francisco stattgefunden hat, um die Aufmerksamkeit auf
die Leistungen und Grundsätze der UNO zu lenken.
Ich hatte den Vorzug, dieser JubiläumsVersammlung eine
Sonderbotschaft des Kongresses zu überbringen, in der im Namen
des amerikanischen Volkes unser tiefer Wunsch nach Frieden und
unsere Hoffnung zum Ausdruck gebracht wurde, daß alle Nationen
sich mit uns zusammen in einer erneuten Anstrengung um den
Frieden bemühen.
Von den zahlreichen Maßnahmen der UNO im Jahre 1954 sind
die folgenden für die Vereinigten Staaten von besonderer. Interesse, da sie sich zum Wohle der amerikanischen Außenpolitik
auswirkten.
1) Atomenergie für den Frieden
Das Atom hat für den friedlichen Fortschritt auf der Welt
ungezählte Möglichkeiten eröffnet. Ich kenne keinen besseren
Weg, um das Schicksal der Menschheit zu verbessern und ihre
Hoffnungen zu fördern, als in der Entwicklung des Atoms für
friedliche Ziele mit allem Nachdruck voranzuschreiten. Deshalb trat ich im Jahre 1953 vor die Vollversammlung, um alle
Nationen aufzufordern, ihre Erfindergabe und ihren Einfallsreichtum in einem Programm der internationalen Zusammenarbeit
auf diesem Gebiete einzusetzen.
Das
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Das Vertrauen des amerikanischen Volkes in die Bereitschaft
der Welt zur Lösung dieser Aufgabe ist nicht, enttäuscht worden.
Die in einer kurzen Zeitspanne erzielten Fortschritte waren
geradezu dramatisch.
Ich ermächtigte Botschafter Henry Cabot lodge jr. im Herbst
1954» der Vollversammlung die Absicht der Vereinigten Staaten bekannt zu geben, 100 kg spaltbaren Materials zur Verfügung zu stellen, um andere Nationen in ihren eigenen Programmen zu unterstützen.
' Am 4.Dezember 1954 nahm die Vollversammlung eine Resolution
an, die die Bezeichnung 'Internationale Zusammenarbeit zur Entwicklung der friedlichen Verwendung der Atomenergie* trägt. Diese
Resolution wurde mit historischer Einstimmigkeit - mit 60 gegen
null Stimmen - angenommen, nachdem sowjetische Abänderungsvorschläge abgelehnt worden waren.
Mit dieser Resolution trat die Vollversammlung für die-Er- •
richtung einer internationalen Atomenergiebehörde ein, um die
Zusammenfassung des Wissens und der Materialien auf dem Gebiet
des Atoms für friedliche Zwecke zu organisieren, und beschloß
die Abhaltung einer internationalen technischen Konferenz unter
den Auspizien der Vereinten Nationen, um die Möglichkeiten des
Atoms zu ergründen und Methoden für seine praktische Anwendung
zu entwickeln. Diese Konferenz - die sehr wohl zu dem weitestgehenden Austausch von wissenschaftlichen und technischen Informationen in der Geschichte führen mag - soll am 8.August in Genf
beginnen.
Die Maßnahmen der Vereinten Nationen auf diesem Gebiet ließen
das 'Atome—für-den-Frieden'-Projekt zu einem Instrument des konstruktiven internationalen Fortschrittes werden. Sie erinnerten
die Menschen in aller Welt daran, daß die Vereinigten Staaten ihr
Partner in ihrem Suchen nach Frieden und Wohlstand sind. Sie erneuerten weiter die Hoffnung auf eine echte Beteiligung der Sowjetunion - eine Hoffnung, die im Mittelpunkt des ursprünglichen Vorschlages stand. Wir werden die Beteiligung aller interessierten
Nationen bei diesen Bemühungen begrüßen. Aber wir werden die Räder
des Fortschritts nicht bremsen, wenn einige Nationen sich uns
nicht anschließen wollen.
2) Gefangene in Rotchina
Von all den wichtigen Fragen, mit denen sich die UNO im
Jahre 1954 befaßte, hat keine die Gefühle des amerikanischen
Volkes so sehr erregt wie der Fall der von den Rotchinesen zurückgehaltenen Soldaten. Mit einer historischen 47 zu 5 Abstimmung verurteilte die Vollversammlung die Festhaltung dieser Soldaten und wies Generalsekretär Hammarskjöld an, nichts unversucht
zu lassen, um ihre Freilassung zu erreichen. Der begrenzte Erfolg,
der bisher erzielt wurde, beweist folgendes: die Möglichkeiten
der Vereinten Nationen, die öffentliche Meinung der Welt aufzurufen; das diplomatische Geschick und die unermüdliche Ausdauer
von Generalsekretär Hammarskjöld bei einer überaus schwierigen
Aufgabe; die ständige Hilfsbdreitschaft.befreundeter Nationen,
die sich durch eine auf Spaltung gerichtete Propaganda nicht von
unserer Seite schrecken ließen, und - was keinesfalls am unwichtigsten ist - die Geduld und kluge Zurückhaltung unseres eigenen
Volkes. Mögen diese Qualitäten dazu beitragen, Rotchina davon
zu überzeugen, daß es die ungerechtfertigte
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ungerechtfertigte Haft aller überlebenden UNO-Gefangenen, welcher Nationalität sie auch immer seien, beenden sollte. Die fortgesetzte Qual dieser Männer und ihrer nächsten Angehörigen erregt das Mitgefühl der gesamten zivilisierten Welt.
3) Guatemala
Der Konflikt in Guatemala lag unserem Heimatlande näher als
irgendein anderer Vorfall, mit dem sich der Sicherheitsrat jemals befaßte. Im Juni 1954 begannen guatemaltekische Patrioten
eine bewaffnete Revolution, um eine Regierung abzusetzen, deren
kommunistische Beeinflußung immer deutlicher zutage trat, und
um eine freie Regierungsform wiederherzustellen.
Die pro-kommunistische Regierung machte unverzüglich von
ihrem Recht Gebrauch, vom Weltsicherheitsrat gehört zu werden.
Daraufhin trat der Rat zusammen. Der Vertreter Guatemalas verlangte, mit auffälliger sowjetischer Unterstützung, daß die
Vereinten Nationen intervenierten, um die Revolte zu beenden.
Der Vertreter der Vereinigten Staaten, Henry Cabot Lodge
jr., bestand darauf, daß sich die Sowjetunion 'aus den Angelegenheiten dieser Hemisphäre' heraushalte - was eine erneute Erklärung
der Monroe-Doktrin in zeitgemäßen Worten darstellte. Darüber
hinaus forderte er den Rat auf, die Behandlung der Lage in Guatemala und den benachbarten Staaten dem zuständigen regionalen
Gremium - der Organisation der amerikanischen Staaten - zu überlassen. Er wies darauf hin, daß das gesamte, in der Charta der
Vereinten Nationen sanktionierte System der regionalen Sicherheit gefährdet werden würde, wenn die Vereinten Nationen über
den Kopf verantwortlicher regionaler Organisationen hinweg in
lokale Auseinandersetzungen eingreifen sollten.
Heute ist Guatemala wieder sicher in die Gemeinschaft der
freien Nationen zurückgeführt. Eine Bedrohung durch den Weltkommunismus in unserer Hemisphäre ist erfolgreich aufgehalten
und überwunden worden.
4) Abrüstung und Sicherheit
Weder ein dauerhafter Friede noch eine wahre Verminderung
der internationalen Spannungen können erreicht werden wenn nicht
ein Fortschritt in der Frage der Abrüstung erzielt wird. Nachdem
die Möglichkeiten auf dem Gebiet des Atoms erschütternde Ausmaße
angenommen haben, ist die Abrüstung im wahrsten Sinne des Wortes
zu einem Problem des Überlebens für die gesamte Menschheit geworden.
Im Jahre 1954 traf ein von Kanada, Frankreich, Großbritannien,
den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gebildeter Unterausschuß zu seiner ersten Runde nicht-öffentlicher Konferenzen zusammen. In den fünf Wochen der Zusammenkünfte wurden dem sowjetischen Vertreter neu detaillierte Vorschläge unterbreitet.
Die Sowjets zeigten sich im September in der Vollversammlung
jedoch anscheinend geneigt, ihre starre Position aufzugeben und
geben ihre Zustimmung zu wenigstens einigen Prinzipien eines gesunden Programms bekannt. Dieser sowjetische Schritt und der
darauf folgende sowjetische Vorschlag vom Mai 1955 werden von

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von uns im Rahmen der allgemeinen Überprüfung der amerikanischen
Abrüstungspolitik, die gegenwärtig vorgenommen, sorgfältig erwogen.
Durch dieses ständige Sondieren auf dem Gebiet der Abrüstung, wie auch durch Empfehlungen zur Stärkung kollektiver
Maßnahmen gegen jede künftige Aggression und durch wachsamen
Einfluß auf die gefährlichen Gebiete in der Welt haben die
Vereinten Nationen im Jahre 1954 weiterhin der Sache des Friedens gedient.
5) Wirtschaftliche und soziale Maßnahmen
Die außerordentlichen Möglichkeiten des Atoms für friedliche Zwecke dürfen nicht den langsamen aber gesunden Fortschritt der Vereinten Nationen auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet überschatten.
Der bedeutsamste und weitestreichende neue Schritt im Jahre
1954 war die Billigung der Errichtung eines internationalen Finanzierungsinstitufe durch die Vollversammlung, eines Instituts,
das die Errichtung und Ausweitung von produktiven privaten Unternehmen in wirtschaftlich unterentwickelten Gebieten fördern soll.
Das Institut wird als eine Tochtergesellschaft der Weltbank errichtet werden und wird privaten Unternehmen Kapital zur Verfügung stellen, ohne daß Garantien von seiten der Regierungen
verlangt werden.
Die Arbeit der Vereinten Nationen zugunsten der Flüchtlinge
erhielt ebenfalls neuen Auftrieb durch eine Entscheidung der
Vollversammlung, durch die der UNO-Flüchtlingskommissar zur Beschaffung von Mitteln und zur Durchführung eines Vier-JahresProgramms ermächtigt wird, das eine endgültige Lösung für gewisse Flüchtlinge in Europa herbeiführen soll, von denen die
meisten seit dem zweiten Weltkrieg nicht mehr seßhaft geworden
sind und die durch andere Hilfsprogramme nicht erfaßt werden
können. Die USA haben diesen entscheidenden Schritt zur Lösung
eines schmerzlichen menschlichen Problems mit Nachdruck unterstützt.
Durch die Macht der Vereinten Nationen, die öffentliche
Meinung der Welt zu formen, waren wir im Jahre 1954 in der Lage,
das Unterdrückungssystem der Zwangsarbeit in den kommunistischen
Ländern in weitem Maße bloßzustellen. Der hervorragende Bericht
des ad hoc-Ausschusses der Vereinten Nationen über die Zwangsarbeit wurde zum ersten Mal offiziell vom Wirtschafts- und Sozialrat erörtert, der daraufhin die Anwendung von Zwangsarbeit für
politische und wirtschaftliche Zwecke verurteilte. Die Vertreterin
der USA, Frau Oswald B. Lord, konnte der Vollversammlung darüberhinaus neu ermittelte Tatsachen unterbreiten, die aufzeigten,
daß das Zwangsarbeitssystem mit sowjetischer Hilfe auch auf
Rot China ausgedehnt worden war.
Weitere wirtschaftliche und soziale Programme der Vereinten
Nationen und ihrer Sonderorganisationen - einschließlich der
technischen Hilfe, des Wiederaufbaus in Korea, der Hilfe für die
Palästinaflüchtlinge, des Kinderhilfsfonds, der Lebensmittelhilfe
und der Unterstützung auf dem Gebiet der Landwirtschaft und des

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des Arbeits-, Gesundheits™ und Erziehungswesens - haben immer
wieder dazu beigetragen, die Vereinten Nationen Millionen von
Menschen auf der ganzen Erde als eine lebendige, konstruktive
Kraft vor Augen zu führen. Den Sonderorganisationen der Vereinten Nationen, insbesondere der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und dem Erziehungs-,Wissenschafts- und Kulturrat
der Vereinten Nationen (UNESCO) wurde durch einen plötzlichen
Beitritt der Sowjetunion ein Tribut gezollt.
Was auch immer die Gründe für diesen Wandel in der Einstellung sein mögen, so begrüßen wir ihn als einen weiteren
Beweis für die Bedeutung und den Weltruf dieser Sonderorgani=
sationen und ebenso als eine Vermehrung der Punkte, in denen
die Regierenden der Sowjetunion - wenn sie wollen - die fruchtbare Zusammenarbeit mit der übrigen Welt ausweiten können.
Diese Entwicklung ist ein Aufruf an die Vereinigten Staaten,
ihre Wachsamkeit und ihre konstruktive Arbeit auf all diesen
Gebieten aufrechtzuerhalten, an denen die Sowjetunion schließlich doch noch ein Interesse gezeigt hat.
Die Vertreter der USA haben immer wieder von dem Forum
der Vereinten Nationen Gebrauch gemacht, um unsere Ideen und
Ideale vorzubringen und die Irrtümer des Kommunismus zu enthüllen.
All dies geschah, nachdem die USA im vorangegangenen Jahr
ihren Anteil an den Kosten der Vereinten Nationen gesenkt hatten
und während wir ein Programm ausarbeiteten, in dessen Rahmen
alle in wichtigen UNO-Ämtern arbeitenden Amerikaner in Obereinstimmung mit den Verfahrensweisen des Bundeskriminalamtes
(FBI) überprüft wurden.
Dies sind die Höhepunkte in einem Jahr der Bemühungen der
Vereinten Nationen um den Frieden. Die Geschehnisse dieses
Jahres werden in größerer Ausführlichkeit in dem beigefügten
Bericht aufgezeichnet.
Die Lebenskraft der Vereinten Nationen und die amerikanische Unterstützung der UNO ist noch niemals so notwendig gewesen wie gerade jetzt. Wir erleben eine Zeit, in der die Weltpolitik weitgehend in Fluß geraten ist. Es bestehen Anzeichen,
daß die Welt vielleicht in eine neue Phase der internationalen
Beziehungen eintritt. Zum ersten Male, seit die Charta der
Vereinten Nationen in Kraft getreten ist, werden die Regierungschefs der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Frankreichs und
der Sowjetunion zusammentreffen. Sie werden, so hoffe ich, in
der Lage sein, die hauptsächlichen trennenden Probleme aufzuzeigen und Methoden zu einem Versuch ihrer Lösung zu entwickeln.
Ich für meine Person werde zu diesen Besprechungen mit dem
vollen Bewußtsein der Möglichkeiten gehen, die die Vereinten
Nationen als Beitrag zum Weltfrieden bieten.
Wenn diese Besprechungen zu brauchbaren Übereinkommen in der
Behandlung internationaler Probleme führen, dann werden sie neue
Ausblicke auf weitere Abmachungen eröffnen. Dies kann nur bedeuten,
daß die Vereinten Nationen neue und weitergespannte Möglichkeiten
haben werden, die so geschaffenen Grundlagen auszubauen."
* * * * *

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�EISENHOWSR UMREISST DIE AMERIKANISCHEN ZIELE AUF DER
GENFER KONFERENZ

WASHINGTON — (AD) — Präsident Eisenhower hat
am Abend des 15» Juli 1955 in einer Rede, die
von allen amerikanischen Rundfunk- und Fernsehstationen übertragen wurde, seine Ziele und
Hoffnungen im Hinblick auf die Genfer Vierciächte&gt;
konferenz auf höchster Ebene umrissen. Die Rede
des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"In wenigen Minuten werde ich die Vereinigten Staaten zu
einer Reise verlassen, die in mancher Hinsicht für einen Präsidenten der USA beispiellos ist. Andere Präsidenten haben die
kontinentalen Grenzen unseres Landes in ihrer Eigenschaft als
Oberbefehlshaber der Streitkräfte in Kriegszeiten überschritten
oder an Konferenzen am Ende eines Krieges teilgenommen, um die •
Maßnahmen zu treffen, die den Frieden bringen würden.
Jetzt geht zum ersten Mal ein Präsident zu einer Konferenz
mit den Chefs anderer Regierungen, um den Krieg zu verhüten,
um zu sehen, ob wir nicht in dieser Zeit der Spannungen und Bedrückung Maßnahmen treffen können, die uns von dieser schrecklichen Geißel erlösen, die die Menschheit quält.
Nun ergeben sich natürlich eine Menge Schwierigkeiten, wenn
ein Präsident eine Zeitlang ins Ausland reist, vor allem während
der Sitzungsperiode des Kongresses. Der Präsident hat zahlreiche
konstitutionelle Pflichten, die er erfüllen muß. Ich kann diese
Reise nur auf Grund der großzügigen Zusammenarbeit der führenden
Politiker beider Parteien im Kongreß antreten, die ihre Arbeit
so verteilt haben, daß meine zeitweilige Abwesenheit die Geschäfte
der Regierung nicht stört. Ich meinerseits habe ihnen zugesagt,
daß ich Sonntag in einer Woche, am 24. Juli, zurück sein werde,
um meine normalen Pflichten wieder zu übernehmen.
Nun liegt es natürlich auf der Hand, daß wir in einer solchen Zeitspanne, die ich im Ausland zu verbringen in der Lage
bin, nicht die Einzelheiten der zahlreichen Probleme lösen können, die die Welt bedrücken. Ich reise aber dennoch um eines sehr
schwerwiegenden Zieles willen. Dieses Ziel ist, gemeinsam mit
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•

20. Juli 1955 *

mit meinen Kollegen den Geist zu ändern, der die zwischenstaatlichen Beziehungen in der Welt in den vergangenen zehn Jahren
charakterisiert hat.
Lassen Sie uns nun einen Augenblick über dieses Ziel nachdenken. Lassen Sie uns nur einige der Probleme aufzählen, die die
Welt bedrücken} das Problem der Rüstungen und der Lasten, die
die Menschen auf Grund der Notwendigkeit dieser Rüstungen tragen
müssen; das Problem der unterjochten Staaten - einst stolze Völker, denen ihre eigene, selbst frei gewählte Regierungsform unter
selbst freigewählten Persönlichkeiten, verwehrt wird; das Problem
der geteilten Länder - Menschen, die durch Blutsverwandschaft mit
einander verbunden sind und durch die Gewalt der Waffen in zwei
Lager gespalten wurden, von denen man erwarten muß, daß sie einander feindlich gegenüberstehen. Dann haben wir hier das Problem
der ausländischen Einmischung in die inneren Angelegenheiten
freier Regierungen, das Situationen zeitigt, die zur Subversion
führen, zu Schwierigkeiten uad Gegenbeschuldigungen und innerhalb
eines Landes manchmal zu Gegenrevolutionen.
Diese Probleme werden durch die zwischen den Regierungen
bestehenden Schwierigkeiten nun noch erheblich erschwert. Die
Probleme, von denen ich spreche, sind oft im Gefolge von Kriegen
und Konflikten aufgetreten. Aber außerdem sind die einzelnen
Regierungen durch ihre unterschiedlichen Zielsetzungen, ihre
voneinander abweichenden Ideologien, durch ihr gegenseitiges
Mißtrauen und die furcht und Unruhe, die daraus entstehen,
voneinander getrennt. Und aus dieser Furcht heraus rüsten sie
und setzen ihr Vertrauen für die Erhaltung des Friedens und ihren
Schutz auf diese Rüstungen. Diese Rüstungen aber schaffen ihrerseits wiederum größere Furcht und damit haben wir eine Kette der
Unruhe, des Verdachts und des Mißtrauens ohne Ende.
Dies sind die Tatsachen, denen sich die Welt heute gegenübersieht. Für sie gibt es natürlich keine einfache Lösung. In
der kurzen Zeit der Konferenzdauer kann es unmöglich gelingen,
alle diese langwierigen und mühseligen Verhandlungen, die einer
Lösung der Einzelheiten der Probleme vorangehen müssen, durchzuführen.
Viele der Nachkriegskonferenzen erhielten ihr Gepräge durch
eine zu große Aufmerksamkeit, die man den Details gab, durch die
Bemühung, an der Lösung der spezifischen Probleme zu arbeiten
anstatt den Geist und die Einstellung zu schaffen, mit denen man
'an ihre Lösung herangehen kann. Der Erfolg dieser Konferenzen
war daher gering. Allzuoft nur gaben diese Konferenzen nur den
Anlaß zur Ausbeutung nationalistischer Ambitionen oder wurden
zu einem Forum für die Propaganda, die die Konferenzteilnehmer
in der Welt zu verbreiten wünschten.
Wenn wir diese Entwicklung beträchten, dann könnten wir
fragen, 'warum wieder eine Konferenz?1 'Welche Hoffnung besteht,
daß sie einen Erfolg bringt?' Was die erste Frage anbetrifft, so

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so möchte ich Sie fragen, 'Wollen Sie nichts tun? Wollen wir
einfach sitzen bleiben und uns dem unausweichlichen Ende eines
solchen Wettrüstens oder der verstärkten Spannungen zutreiben
lassen?! Wir wollen den Frieden. Wir können diese ganze Situation nicht betrachten, ohne uns nicht zuvor darüber klar
zu werden, daß Pessimismus noch nie eine Schlacht gewonnen hat,
weder im Frieden noch im Kriege.
Als nächstes müssen wir begreifen, daß bei all diesen
Konferenzen ein Bestandteil gefehlt hat - und zwar der ehrliche
Wille zur Versöhnung, sich zu verstehen, tolerant zu sein und
auch den Gesichtspunkt des anderen zu sehen und nicht nur den
eigenen. Ich möchte sagen, wenn es uns gelingt, den Geist zu
ändern, in dem diese Konferenzen abgehalten werden, dann haben
wir den größten Schritt zum Frieden, zur künftigen Prosperität
und zur allgemeinen Beruhigung getan, der jemals in der Geschichte
der Menschheit unternommen wurde. Ich möchte Ihnen einige Gründe
dafür darlegen, daß wir auf dieses Unternehmen Hoffnung setzen
dürfen.
Erstens, die Völker der gesamten Welt wünschen Frieden und
zwar einen Frieden für die Menschen in aller Welt. Ich unterscheide hier einen Augenblick zwischen Völkern und Regierungen, denn
wir wissen, daß die große Masse der Männer und Frauen, die die
Weltbevölkerung bilden, nichu auf das Schlachtfeld ziehen wollen.
Sie wollen in Frieden leben - nicht in einem Frieden, in dem
lediglich die Kanonen schweigen, sondern in einem Frieden in
dem sie glücklich, ruhig und im Vertrauen darauf leben können,
daß ihre Kinder in einer Weit aufwachsen, auf die sie stolz sein
werden. Dieser gemeinsame Wunsch nach Frieden ist so etwas wie
eine gewaltige Kraft auf dieser Erde, auf die meiner Ansicht_ nach
alle politischen Führer der Welt allmählich zu reagieren beginnen. Sie müssen sie aberkennen.
Nun ein anderer Punkt: Haben Sie heute Morgen die Rede von
Ministerpräsident Bulganin in Moskau gelesen? Jedes Wort, von
dem was er sagte, stand im Einklang
mit dem was ich jetzt sage.
Er sprach von Versöhnung, Toleranz und Verständigung. Ich sage
Ihnen, - und ich sage dies zu der gesamten Welt - wenn die Worte,
die er sprach, ein ebenso wahres Spiegelbild der Herzen und Gedanken der Männer im Kreml sind, wie wir bestimmt glauben, daß
sie die Herzen und Gedanken aller Menschen in der Sowjetunion,
die Herzen und Gedanken aller Menschen in aller Welt widerspiegeln, dann wird es auf dieser kommenden Konferenz keine Schwierigkeiten zwischen der sowjetischen Delegation und unserer eigenen
geben.
Ich möchte noch einen anderen Punkt umreißen oder erwähnen,
der bei diesem Problem wichtig ist. Die freie Welt ist von der
kommunistischen Welt durch einen Eisernen Vorhang getrennt. Die
freie Welt hat einen wesentlichen Faktor gemeinsam. Wir werden
nicht durch Gewalt, sondern durch diesen großen Faktor zusammengehalten und dieser ist: Die freie Welt glaubt, ob sie nun der
einen oder der anderen Religion anhängt, an eine göttliche Macht.
Sie

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Sie glaubt an ein höchstes Wesen. Dies, meine Freunde, ist in
der gegenwärtigen Zeit ein überaus großer Paktor der Versöhnung
und des Friedens, weil jede dieser Religionen, jede einzelne von
ihnen, als eines ihrer grundlegenden Gebote die Worte, den Satz
hat, der unserer goldenen Regel entspricht: 'Sandle gegenüber
Deinem Nächsten so* wie Du wünschst, daß er Dir tue'. Das bedeutet, daß das Denken dieser Völker sich auf Vorstellungen des
Rechts, der Gerechtigkeit und der Hochachtung voreinander, der
Rücksicht auf den Mitmenschen gründet. Und dies bedeutet Frieden, denn nur im Frieden können solche Konzeptionen sich durchsetzen.
Dies heißt weiter, daß die Bevölkerung der freien Welt den
Krieg haßt, den Frieden wünscht und sich diesem Ziel völlig
verschrieben hat. Nun halten die USA wie auch die anderen freien
Länder Rüstungen aufrecht. Wir unterhalten Kriegsformationen und
alle modernen Waffen. Warum? Weil wir dies müssen. Solange der
Geist, der bisher in der Welt vorherrschte, weiterhin bestimmend
sein wird, können wir unsere Rechte, unsere Privilegien, unsere
Heimstätten, unsere Frauen und unsere Kinder nicht der Gefahr
aussetzen, der sich ein unbewaffnetes Land gegenübersehen würde.
Aber wir wünschen es eindeutig klarzustellen, daß diese
Rüstungen nicht die Form widerspiegeln, in der wir zu leben wünschen, sie reflektieren lediglich die Form, nach der wir unter
den gegenwärtigen Bedingungen zu leben gezwungen sind.
Nun ist es für ein Volk, dessen Religion fest in der Kultur
verankert ist, nur natürlich, sich in Augenblicken von schwerwiegender, ja vielleicht schicksalhafter Bedeutung, wie wir ihnen jetzt gegenüberstehen, an die göttliche Macht zu wenden, die
jeder in seinem eigenen Herzen trägt und an die er in seinem
eigenen Herzen glaubt, und diese Macht um Führung, Erleuchtung
und Hilfe zu bitten, das Rechte und Ehrenhafte zu tun. Ich bin
gewiß, daß heute abend die Menschen in diesem Lande und auch
in allen anderen Ländern der freien Welt, solche Gebete an Gott
richten. Dies ist eine gewaltige Kraft. Und das bringt mich auf
den Gedanken, daß wir durch Gebete auch ein sehr bestimmtes und
praktisches Resultat gerade in diesem Augenblick erzielen können.
Nehmen wir an, daß am kommenden Sonntag, den jede unserer Religionsgemeinschaften feiert, die USA, ihre 165 Millionen Menschen,
in die ihnen vertrauten Kirchen und Andachtsstätten gehen und in
übervollen Gotteshäusern, Gott um Hilfe bitten und auf diese
Weise der Welt die Aufrichtigkeit und Tiefe unseres Strebens nach
Frieden vor Augen führen.
Dies würde eine gewaltige Kraft sein.
Niemand könnte dann sagen, daß wir eine Rüstung aufrechterhalten, weil wir dies wollen - wir erhalten sie aufrecht, weil
wir dies müssen.
Mein

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Mein Freund, Außenminister Dulles, und ich gehen zu dieser
Konferenz in der ernsten Hoffnung, daß wir die Überzeugungen,
die Ansichten und die Bestrebungen, die die Ihren sind, treffend
und genau darlegen werden. Wir werden versöhnlich sein, weil
unser Land keine Eroberungen, kein Eigentum anderer erstrebt.
Wir werden tolerant sein, weil unser Land nicht anderen
seine Lebensform aufzuzwingen sucht. Wir werden fest sein in
dem Bewußtsein unserer geistigen und materiellen Stärke und
unserer Verteidigung des Rechten.
Aber wir werden allen die Hand der Freundschaft reichen,
die sie ehrlich ergreifen wollen und uns die gleichen Rechte
einräumen, das gleiche Verständnis entgegenbringen und die
gleichen Freiheiten geben, die wir ihnen gewähren.
Wir - der Außenminister und ich - werden dort gemeinsam
mit den anderen unser Bestes tun, um die Welt an den Anfang
eines neuen Weges zu bringen - eines Weges, der vielleicht lang
und schwierig sein mag, der uns aber, wenn wir ihn gläubig
beschreiten, zu einem besseren und reicheren Leben führen wird."
*

*

* * *

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�A M E R I K A

PRÄSIDENT EISENHOWER:

D I E N S T

DEN WEG ZUM FRIEDEN SUCHEN

GENF - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen im Wortlaut die Eröffnungsansprache des amerikanischen Präsidenten
vom 18.Juli 1955 anläßlich der ersten
Sitzung der Genfer Konferenz der Regierungschefs Frankreichs, Großbritanniens, der
Sowjetunion und der Vereinigten Staaten,
auf der US-Präsident Eisenhower den Vorsitz führte.
"Uns führt ein einfaches Ziel hier zusammen. Wir haben
uns eingefunden, um eine Basis der Anpassung zu finden, die
nicht nur das Leben der von uns vertretenen Nationen, sondern
aller Völker sicherer und glücklicher gestalten wird.
Wir sind hier aufgrund einer weltweiten Forderung zusammengekommen, die von Ministerpräsident Bulganin in seiner
Rede vom 15»Juli anerkannt wurde, daß die führenden Politiker
unserer großen Länder einen Weg zum Frieden finden müssen.
Wir dürfen nicht erwarten, daß wir hier in den wenigen
Stunden einiger weniger Tage all die Probleme der ganzen Welt
lösen können, die gelöst werden müssen. Wir vier, die wir hier
zusammengekommen sind, haben im übrigen auch nicht die Vollmacht anderer bekommen, daß wir dies auch nur versuchen dürften. Die Wurzeln vieler dieser Probleme liegen tief in Kriegen,
Konflikten und in der geschichtlichen Entwicklung begraben.
Sie werden sogar noch schwieriger durch die Unterschiede
in den Ideologien und Ambitionen der Regierungen. Ohne Zweifel
liegt es auf der Hand, daß in der kurzen Zeit, die den hier
zusammengekommenen Regierungschefs zur Verfügung steht, die
Gründe und Ursprünge dieser Probleme nicht ins einzelne zurückverfolgt und Abkommen ausgearbeitet werden können, die
mit voller Fairness gegenüber allen diese Probleme beseitigen
würden. Trotzdem können wir vielleicht einen neuen Geist wachrufen, der die zukünftige Lösung von Problemen möglich machen
wird, die im Bereiche unserer Verantwortung liegen. Von gleicher
Bedeutung ist, daß wir hier in Genf versuchen können, die ersten
Schritte auf einem neuen Wege zu einem gerechten und dauerhaften Frieden zu unternehmen.
Die Probleme, die uns betreffen, sind nicht von sich aus
unlösbar. Sie sind natürlich schwierig, ihre Lösung steht jedoch nicht jenseits menschlicher Weisheit. Sie scheinen unlösbar unter Bedingungen der Furcht, des Mißtrauens und gar der

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der Feindschaft, wo jeder Schritt danach bemessen wird, ob er
einem potentiellen Feind hilft oder ihm schadet. Wenn diese
Bindungen geändert werden können, dann kann viel getan werden.
Ich bin davon überzeugt, daß unsere Außenminister unter solchen
Umständen später in der Lage sein werden, von dem Punkt aus,
wo wir aufhören, weiterzuarbeiten, um entweder allein oder mit
Hilfe anderer Lösungen für unsere Probleme zu finden.
Ohne Zweifel hegen unsere Völker weltanschauliche Überzeugungen, die in mancher Hinsicht unvereinbar miteinander
sind. Nichts, was wir hier sagen oder tun können, wird diese
Tatsache ändern. Es ist jedoch nicht immer notwendig, daß Leute
das gleiche denken und das gleiche glauben, bevor sie zusammenarbeiten können. Das Entscheidende ist, daß keiner durch Gewalt
oder List versucht, seine Überzeugungen durchzusetzen und damit
sein System dem Unwilligen aufzuzwingen.
Der neue Weg, den wir hier auf dieser Konferenz suchen
sollten, kann nicht in der Weise gefunden werden, daß wir uns
nur in abstrakten Begriffen und Gemeinplätzen ausdrücken. Es
ist vielmehr angebracht, daß wir offen über konkrete Probleme
sprechen, die zu Spannungen zwischen uns führen, und daß wir
Wege erörtern, auf denen wir sie lösen können.
Darf ich hier als eine Art Vorspruch einige der Themen anführen, die wir meiner Meinung nach besprechen sollten.
Da ist zunächst einmal die Frage der Wiedervereinigung
Deutschlands und der Bildung einer aus freien Wahlen hervorgegangenen Gesamtdeutschen Regierung. Zehn Jahre sind seit dem
Waffenstillstand in Deutschland vergangen - und Deutschland ist
noch immer ein geteiltes Land. Diese Teilung stellt ein bitteres
Unrecht einem Volke gegenüber dar, das wie andere Völker ein
Recht darauf hat, ein gemeinsames Schicksal gemeinsam zu erfüllen.
So lange diese Teilung fortbesteht, wird sie eine wesentliche
Quelle der Unruhe in Europa darstellen. Unsere Friedensgespräche
haben nur wenig Gehalt, wenn wir gleichzeitig Verhältnisse fortbestehen lassen, die den Frieden gefährden. Wir vier hier tragen
gegenüber Deutschland eine besondere Verantwortung. Da nun einmal jede von uns hier getroffene Entscheidung nichtig wäre,
wenn sie nicht die Billigung der Mehrheit der Deutschen findet,
sollte dieses Problem ein zentrales Thema unserer Konferenz
bilden. Müssen wir da nicht Wege finden, um dieses Problem
pmnpt und gerecht zu lösen?
Im Interesse eines dauerhaften Friedens sollte die von uns
getroffene Lösung den legitimen Sicherheitsinteressen aller Betroffenen Rechnung tragen.. Das ist der Grund, weshalb wir darauf
bestehen, daß ein geeintes Deutschland freie Hand haben solle,
das ihm zukommende Recht auf eine kollektive Selbstverteidigung
nach eigenem Gutdünken auszuüben. Im gleichen Sinne sind wir bereit, den berechtigten Sicherheitsinteressen der Sowjetunion
Rechnung zu tragen. Die Pariser Abkommen enthalten manchen
Passus, der diesem Zweck dient. Wir sind jedoch durchaus bereit,
weitere Sicherheitsvorkehrungen auf Gegenseitigkeit zu erörtern,
soweit sie vernünftig und mit der Sicherheit aller Beteiligten
vereinbar sind.
.„

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Auf einer noch breiteren Basis steht das Problem, das
Recht der Völker zu respektieren, die Regierungsform zu wählen,
unter der sie zu leben wünschen; und die Rechte der Oberhoheit
und Selbst-Regierung jenen zurückzugeben, denen sie bisher vorenthalten worden sind. Das amerikanische Volk ist sich zutiefst
der Tatsache bewußt, daß gewisse Völker Osteuropas, viele davon
mit einer langen und stolzen nationalen Geschichte, noch immer
nicht in den Genuß dessen gekommen sind, wozu sich unsere Nationen in ihrer während des Krieges formulierten - und durch
andere aus der Kriegszeit stammende Vereinbarungen verankerten - Deklaration gemeinsam verpflichtet haben.
Da ist ferner das Problem des Nachrichtenverkehrs und
der Kontakte von Mensch zu Mensch, wie es zwischen unseren
Völkern besteht. Wir sagen es offen: Wir fürchten die Konsequenzen aus einer Situation, in der ganze Völker von der
Außenwelt abgeschnitten sind. Das amerikanische Volk wünscht
freundschaftliche Beziehungen zu den Völkern der Sowjetunion.
Es gibt nichts, was von Natur aus unsere Völker oder unsere
Nationen trennen würde. Es gibt keine territorialen Konfliktstoffe oder einen Konkurrenzneid auf dem Gebiet des Handels.
Geschichtlich gesehen haben unsere beiden Länder stets in Frieden miteinander gelebt. Aber es entwickelt sich eben nicht
leicht ein freundschaftliches Verstehen zwischen den Völkern,
wenn künstliche Barrieren, wie beispielsweise jetzt im Nachrichtenverkehr zwischen ihnen errichtet werden. Es ist an der
Zeit, daß alle Vorhänge der Kanonen, Gesetze oder Vorschriften
allmählich beseitigt werden. Aber dies kann nur in einer
Atmosphäre gegenseitiger Achtung und gegenseitigen Vertrauens
geschehen.
Da ist das Problem'des Weltkommunismus. Seit nunmehr 38
Jahren stört ex mit seinen Aktionen die Beziehungen zwischen der
Sowjetunion und anderen Völkern. Seine Aktionen beschränken sich
nicht auf Bemühungen, die Kraft des Wortes wirken zu lassen.
In der ganzen Welt versucht er, die auf der Basis eines Rechtsstaates eingesetzten Regierungen zu stürzen und Völker einer
Fremdherrschaft zu unterwerfen. Wir können das Mißtrauen, das
durch die Unterstützung solcher Aktionen geschaffen worden ist,
nicht einfach ignorieren. In meinem Volk, wie auch woanders,
schürt er nur das Mißtrauen und damit die internationalen
Spannungen.
Und schließlich ist da noch das alles überschattende
Problem der Rüstungen. Es entspricht direkt den bestehenden
Spannungen und dem Mißtrauen und ist gleichzeitig ihre Ursache.
Ganz im Gegensatz zu den grundlegenden Bestimmungen der Charta
der Vereinten Nationen wird heute infolge der Rüstungen ein
gut Teil der menschlichen Arbeit zu unproduktiven Zwecken aufgewendet. Wir alle wünschen diesem Zustand ein Ende 3BU bereiten.
Aber offensichtlich kann sich niemand aus Furcht vor einem Angriff dazu entschließen.
Heute tragen Überraschungsangriffe Zerstörungsmöglichkeiten
in sich, die über alles bisher bekannte hinausgehen. Aus diesem

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diesem Grunde erachtet es jeder von uns als lebensnotwendig,
die Mittel zu besitzen, um einen solchen Angriff zu verhindern.
Wir sollten uns daher vielleicht mit der Frage befassen, ob das
Problem der Begrenzung der Rüstungen nicht am besten auf dem
Wege angegangen werden könnte, daß man, als einen ersten Schritt,
verläßliche Möglichkeiten für eine Überwachung und Inspektion
der militärischen Einrichtungen schafft, um entsetzliche Überraschungen auszuschließen, gleichgültig, ob diese Überraschung
als plötzlicher Angriff kommt oder die Form geheimer Verstöße
gegen die gegenseitig anerkannten Begrenzungen annimmt. Auf
diesem Gebiet gibt es nichts wichtigeres, als daß wir gemeinsam
das zentrale und uns alle angehende Problem einer wirksamen gemeinsamen Inspektion erörtern. Ein solches System ist die Grundlage für eine echte Abrüstung.
Wenn wir uns mit dem Abrüstungsproblem befassen, dann dürfen
wir nicht die Tatsache aus dem Auge verlieren, daß die gegenwärtigen lasten für die teueren Rüstungen unseren Völkern nicht
nur den Weg zu einem höheren Lebensstandard verbauen, sondern
auch den Völkern der wirtschaftlich weniger entwickelten Gebiete
den Zugang zu den Hilfsquellen versperrt, die sie zur Verbesserung
ihres Daseins benötigen.
In diesen Gebieten lebt ein Großteil der Bevölkerung der
Erde und zahlreiche Nationen, die heute zum ersten Male ihre
politische Unabhängigkeit erwerben, Sie ringen mit der dringenden Aufgabe der Ausdehnung ihrer Wirtschaft. Normalerweise würden
sie von den weiterentwickelten Nationen der Welt Unterstützung,
besonders für wirtschaftliche Großprojekte erhalten. Jedoch wird
dieser normale Prozeß durch die Tatsache wesentlich aufgehalten,
daß die weiterentwickelten Industrieländer einen so hohen Prozentsatz ihrer Produktion für die Rüstung verwenden. Die Beschränkung der Rüstungen muß und soll sicherstellen, daß ein Teil der
Ersparnisse in die weniger entwickelten Gebiete der Welt zur
Unterstützung ihrer wirtschaftlichen Entwicklung fließen würde.
Darüberhinaus müssen wir die Entwicklung zur Anwendung der
Atomenergie für konstruktive Zwecke vorantreiben. Wir bedauern,
daß die Sowjetunion unseren Vorschlag vom Dezember 1953 niemals
angenommen hat, demzufolge sich alle Staaten, die Vorräte an
spaltbarem Material besitzen, zusammenfinden sollten, um zu
einer 'Atom-Weltbank* beizutragen. Damit so in ständig steigendem Maße anstelle eines Wettstreits zur Erfindung immer neuer
Mittel der Vernichtung der Menschheit eine Zusammenarbeit zum
Wohle der Menschheit treten kann. Wir glauben nach wie vor, daß
ein derartiger Schritt, sofern die Sowjetunion nach ihren Kräften zu diesem Vorhaben beitragen würde, die Weltlage verbessern
könnte.
Ich habe in dieser ersten Erklärung auf unserer Konferenz in
aller Kürze einige der Probleme angeschnitten, die mein eigenes
Denken und das Denken des amerikanischen Volkes erfüllen und für
deren Lösung wir vier weitgehend zuständig sind. Ich hoffe, daß
wir alle im Verlauf unserer Arbeit hier Vorschläge machen werden,
in welcher Weise wir diese Probleme einer Lösung näher bringen
können.
Es

�20. Juli 1955

"AMERIKA DIENST"

Es wäre vielleicht richtig, wenn jeder von uns seinerseits eine ähnliche Zusammenfassung des Standpunktes seines
Landes vortragen würde. Auf diese Weise kennen wir rasch den
Umfang jener Probleme absehen, die hier zu besprechen von
Vorteil wäre, und unsere Zeit dann entsprechend einteilen.
lassen Sie mich wiederholen. Ich vertraue darauf, daß wir
nicht hier sind, um lediglich unsere Meinungsverschiedenheiten
zu registrieren. Wir sind nicht hier, um den ermüdenden Ablauf
zu wiederholen, der während der vergangenen zehn Jahre die
meisten Verhandlungen zwischen uns gekennzeichnet hat. Wir
sind hier auf Grund der friedlichen Hoffnungen der Menschheit,
um die Art von Erörterungen zu beginnen, die unserer Diplomatie
einen neuen Geist einhauchen wird, und um unter den Bedingungen
günstiger Vorzeichen neue Verhandlungen zu eröffnen.
Auf diese Weise, und vielleicht nur auf diese Weise, kann
unsere gezwungenermaßen kurze Konferenz dazu dienen, die neuen
Kräfte zu schaffen und in Bewegung zu setzen, die nötig sind,
um uns wirklich auf den Weg zum Frieden zu bringen. Ich bin
sicher, daß dafür die ganze Menschheit inständig beten wird."

* * * * #

- 5-

�Herr Vorsitzender, meine Herren,
Ich begrüße und bezeuge auch meinerseits wärmstens den Geist
der Freundschaft und der guten Absicht, der die Erklärungen meiner beiden Vorredner (Eden und Bulganin) charakterisiert hat.
Ich hoffe jedoch, daß mein Schweigen im Hinblick auf gewisse
Erklärungen meines unmittelbaren-Vorredners (Bulganin, der auf
Rotchina und Formosa Bezug genommen hatte) auf keinen Fall als
Zustimmung meinerseits* interpretiert wird. Ich bin weit davon
entfernt.
Es scheint mir jedoch, daß es in diesen letzten Minuten
dieser Konferenz nicht notwendig ist, daß ich der Konferenz und
der Welt den Standpunkt der USA zu den wichtigen Fragen, die
wir erörtert haben, noch einmal darlege. Diese Fragen, so'hoffe
und glaube ich, sind bereits klargestellt worden. Daher scheint
es mir nicht besonders passend zu sein, wenn ich sie nochmals
in allen Einzelheiten wiederhole; ich werde mich vielmehr mit
einigen Betrachtungen unserer Arbeit der letzten Woche und dem
Ausdruck einiger Hoffnungen hinsichtlich unserer künftigen Arbeit begnügen.
Diese Konferenz war ein historisches Treffen. Alles in allem
war es eine gute Woche. Aber nur die Geschichte wird über die
wahre Bedeutung und den wirklichen Wert unserer Konferenz Aufschluß
geben. Es wird für die Bewertung dieser Konferenz entscheidend
sein, welchen Kurs unsere einzelnen Regierungen nach diesem Anfang
weiter verfolgen werden.
Wir haben offen über eine Anzahl der schwierigsten und'kompliziertesten Fragen gesprochen, die unsere einzelnen Völker und
praktisch die Völker der ganzen Welt angehen.
Wir sind nicht hierher gekommen, um endgültige Lösungen zu
erreichen. Wir kamen hierher, um zu sehen, ob wir zusammen den

�"AMERIKA DIENST"

28. Juli 1955

den Weg finden könnten, der zu Lösungen führen und die Aussichten
für den Weltfrieden heller gestalten würde.
In dieser letzten Stunde unserer Konferenz möchte ich sagen,
daß die Aussichten für einen dauerhaften Frieden in Gerechtigkeit,
Wohlstand und größerer Freiheit nach meiner Beurteilung heller sind.
Die Gefahren einer vernichtenden Tragödie des modernen Krieges sind
geringer geworden.
Die Arbeit unserer Außenminister wird - wenn sie sich um die
Durchführung unserer Direktiven bemühen - von großer Bedeutung sein,
vielleicht sogar wichtiger als das, was wir hier geleistet haben.
Ihre Aufgabe ist es, entsprechend der grundlegenden Politik ihrer
Regierungen, eine Einigung über Wege und Maßnahmen zu erreichen,
die wir hier nur in allgemeinen Begriffen erörtern konnten. Ich
weiß, daß wir alle Ihnen Erfolg wünschen.
Ich vertraue darauf, daß wir alle die notwendigen Maßnahmen
unterstützen werden, die unsere Regierungen nach Ansicht der Außenminister treffen müssen, wenn wir unsere Meinungsverschiedenheiten
in diesen Fragen lösen wollen.
Wenn unsere Völker in den vor uns liegenden Monaten und Jahren
ihr Wissen um einander und ihr Verständnis für einander vertiefen,
wie wir im Verlaufe dieser Woche unser Wissen um einander vergrößerten, dann wird dadurch eine weitere Einigung-zwischen unseren
Regierungen vielleicht gefördert. Möge dies in einem Geiste der Gerechtigkeit geschehen. Möge das Ergebnis besseres Wohlergehen, größere Freiheit und weniger Furcht oder Leiden oder Not für die Menschheit sein. Und möge es noch mehr an gutem Willen unter den Menschen
nach sich ziehen. Dann wird man sich wirklich immer an diese Tage
hier erinnern.
.Ich bin nach Genf gekommen, weil ich glaube, daß die Menschheit sich danach sehnt, von Kriegen und Kriegsgerüchten frei zu
sein. Ich bin hierher gekommen, weil ich fest an die anständigen
Gefühle und den gesunden Verstand der Völker glaube, die auf unserer Welt leben.
Diese Überzeugung ist nicht erschüttert, wenn ich heute abend
nach Hause zurückkehre, und ich werde darum beten, daß die Hoffnung
der Menschheit eines Tages Wirklichkeit wird."
*

* * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

EISENHOWER BERICHTET ÜBER GENFER KONFERENZ

WASHINGTON — .(AD) — Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer am 25. Juli 1955 von allen
amerikanischen Rundfunk- und Fernsehsendern übertragenen Ansprache Präsident. Eisenhowers, in der er zu
den Ergebnissen der Genfer Konferenz der vier Regierungschefs Stellung nahm.

"Guten Abend Freundet
Außenminister Dulles und ich sind mit unseren Mitarbeitern
zu der Viermächte-Konferenz* nach Genf gegangen, entschlossen,
das Streben des amerikanischen Volkes nach Frieden sowie nach
den Prinzipien, auf denen sich nach Ansicht unseres Landes der
Friede begründen sollte, so präzise, wie wir nur konnten, darzulegen.
Bei dieser Aufgabe fanden wir die Unterstützung beider
Parteien, ja nahezu die einmütige Unterstützung des Kongresses.
Diese Tatsache hat unsere Position während der Verhandlungen
wesentlich gestärkt. Unser aufrichtigster Dank richtet sich an
alle Ihre Abgeordneten und Senatoren im amerikanischen Kongreß.
Darüber hinaus erhielten wir während der letzten Woche von einzelnen#aus Ihren Reihen Tausende von Beifalls- und Unterstütz
zungstelegrammen. Zusammen mit diesen Telegrammen gingen ähnliche Depeschen von großen Organisationen, Kirchenverbänden
sowie Wirtschafts- und Gewerkschaftsorganisationen ein.
All dies zusammen trug dazu bei, in uns die Überzeugung
zu bestärken, daß wir nach bestem Wissen und Gewissen die Ansichten vertraten, die Sie durch uns vertreten haben wollten.
Nun schließt der Friede - das Streben nach dem Frieden - viele
komplizierte und verwickelte Fragen ein. Zum Beispiel:
Gerechtigkeit für alle Nationen, große wie kleine;
Freiheit und Sicherheit für alle diese Völker;
Wohlstand für ihre verschiedenen Volkswirtschaften und
einen wachsenden Lebensstandard in der Welt und schließlich
die Möglichkeit für alle von uns in Frieden und Sicherheit zu
leben.
Nun
- 1 -

�"AMERIKA DIENST"

28. Juli 1955

Nun gehen wir beim Studium derartiger Fragen natürlich nicht
unbekümmert zu Werke. Wir müssen bedächtig und vorsichtig vorgehen - sowohl wenn es sich darum handelt, irgendwelche Entschlüsse zu fassen als auch bei den später daraus resultierenden Maßnahmen. Wir können es uns nicht leisten., nachlässig oder selbstgefällig zu verfahren. Wir müssen aber hoffen, wir müssen Vertrauen
in uns selbst haben und an unsere gerechte Sache glauben. Wenn wir
dies nicht tun, dann gestatten wir unserem eigenen Pessimismus und
unserem mangelnden Glauben die edelsten Bestrebungen zUnichtezumachen, deren wir fähig sind.
Alle diese Fragen werden gerade wegen ihrer lebenswichtigen
Bedeutung von unserer Regierung in den kommenden Wochen erschöpfend
erwogen werden. Das Beste,was ich Ihnen heute abend vermitteln
kann, sind einige wenige persönliche Eindrücke und Ansichten, die
vielleicht von einigem Interesse- auch für Sie sein dürften und
die sicher auch irgendwelche Auswirkungen auf das Ergebnis und den
Fortgang gener Verhandlungen haben.werden.
Natürlich wäre es ein interessantes Thema, das man behandeln
könnte, wenn ich die Zeit dazu hätte, von den Persönlichkeiten
der verschiedenen Delegationen, den gegenseitigen Beziehungen
oder scheinbaren gegenseitigen Beziehungen sowie den grundsätzlichen Erwägungen zu sprechen, die diese Männer zu leiten schienen.
Das alles steht in der einen oder anderen Weise in Beziehung zu
dem Gesamtproblem. Aber ich möchte das jetzt nicht berücksichtigen
und mich statt dessen mit zwei allgemeinen Ansichten befassen, die,
dessen bin ich sicher, von allen Amerikanern geteilt werden:
Die erste ist, daß wir uns niemals zu der Illusion hinreißen lassen dürfen, eine Woche freundschaftlicher, ja sogar fruchtbarer Gespräche könne ein Problem völlig aus der Welt schaffen,
das aus der weiten, Ost und West bis heute trennenden Kluft entspringt. Eine Kluft so breit und tief, wie der Unterschied zwischen individueller Freiheit und Reglementierung, so breit und
tief wie die Kluft, die sich zwischen der Idee vom Menschen als
dem Ebenbild Gottes und der Idee vom Menschen als einem bloßen
Werkzeug des Staates auftut. Wenn wir also an diese Dinge denken,
dann könnten wir schon leicht entmutigt werden.
Tief beeindruckte mich aber auch die Tatsache, daß wir alle
uns davor hüten müssen, die Flinte ins Korn zu werfen, nur weil
unsere eigenen Vorschläge, unsere eigenen Auffassungen und Überzeugungen nicht immer gleich von der anderen Seite akzeptiert werden.
Am Abend vor meiner Abreise nach Genf sprach ich über den
Fernsehfunk zu Ihnen, um Ihnen unsere Absichten klar zu machen.
Ichagte Ihnen, daß wir in erster linie (nach Genf) gehen in
dem Bestreben, den Geist zu ändern, in dem diese großen Verhand=
lungen und Konferenzen bisher abgehalten wurden. Diese Ansprache
wurde auf Tonband aufgenommen, und ich möchte Ihnen gerne einen
Absatz daraus vorlesen.
Bezüglich
- 2 -

�"AMERIKA DIENST"

28. Juli 1955

Bezüglich unserer Ziele sagte ich folgendes: 'Wir sind uns
klar darüber, daß bei allen früheren Konferenzen etwas fehlte.
Dieses Etwas ist der aufrichtige Wille, einander näher zu kommen,
sich zu verstehen, tolerant zu sein, sowie sich zu bemühen, den
Standpunkt des anderen ebenso zu sehen wie den eigenen. Ich sage
Ihnen hiermit: Wenn wir den Geist ändern können, in dem diese Konferenzen abgehalten werden, dann haben wir den größten Schritt
auf dem Wege zu Frieden, zu künftigem Wohlstand und einer ruhigen
Zukunft getan, den die Menschheit im Laufe ihrer Geschichte je
erreicht hat.•
In der vergangenen Woche wurde ständig auf dieses Ziel hin
gearbeitet - in formellen Konferenzen und bei privaten Zusammen-,
künften. Und so herrscht jetzt ein besseres Verständnis, eine
engere Verbundenheit unter den Nationen der NATO.
Anscheinend erkennen wir alle immer klarer, daß ein bis zum
äußersten geführter Atomkrieg praktisch einem Selbstmord der
Menschheit gleichkommen könnte.
Man hat allgemein erkannt, daß sich Verhandlungen ohne Propaganda, Drohungen oder Beleidigungen führen lassen.
Und schließlich hat sich in der Welt die klare Erkenntnis
durchgesetzt, daß die Vereinigten Staaten zur Erreichung des
Friedens so weit wie nur irgend möglich gehen werden, solange
sich dies mit unseren Auffassungen von Anstand, Gerechtigkeit
und Recht vereinbaren läßt. Für dieses Ziel werden wir mit den
Sowjets und jedem anderen Volk zusammenarbeiten, solange die
Absichten aufrichtig und der Wunsch, voranzukommen, echt ist.
Im Verlauf dieser Diskussionen gab es eine Reihe von bestimmten Vorschlägen, von denen einige auf der offiziellen Tagesordnung standen. Diese Tagesordnung umfaßte die deutsche Wiedervereinigung und die europäische Sicherheit, die Abrüstung und
Verstärkung der Kontakte aller Art zwischen Ost und West.
Den meisten Sitzungen dieser Konferenz wurde eine große
Publizität zuteil.und selbst einige der auf diesen Konferenzen
gemachten speziellen Vorschläge wurden ebenfalls der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Jedenfalls kann ich Sie eines versichern:
Es wurden keinerlei Geheimabkommen getroffen, weder in stillschweigendem Einverständnis noch in schriftlicher Form. Alles liegt
Ihnen in den Protokollen vor.
Es kam außerhalb der Konferenz zu einer ganzen Anzahl von
inoffiziellen Begegnungen - Aussprachen mit wichtigen Angehörigen
anderer Delegationen und natürlich auch gerade mit der sowjetischen
Delegation.
In diesen Gesprächen wurden eine Reihe von Themen erörtert,
und wir, der Außenminister und ich, brachten bei solchen Gelegenheiten mehr als einmal die Auffassung, den Glauben und die Sorgen
des amerikanischen Volkes bezüglich solcher Fragen wie die osteuropäischen Satellitenstaaten und die Tätigkeit des Weltkommunismus zum Ausdruck. Wir legten unmißverständlich die amerikanische
Ansicht zu diesen Fragen dar.

�"AMERIKA DIENST"

28. Juli 1955

Nun gestatten Sie mir bitte*für einen Augenblick auf die
Prägen einzugehen, die auf der offiziellen Tagesordnung standen.
Es bereitete uns wohl keine Frage so viel Kopfzerbrechen
wie die der deutschen Wiedervereinigung und europäischen Sicherheit. Zunächst glaubten wir, daß sie beide getrennt voneinander
behandelt werden könnten? die amerikanische Delegation kam aber
dann zu dem Schluß, daß sie beide als ein Punkt zu betrachten
seien. Wir vertraten die Auffassung, daß Deutschland unter einer
von den Deutschen selbst in freien Wahlen bestimmten Regierung
und unter Bedingungen wiedervereinigt werden solle, die sowohl
den Völkern des Ostens als auch den Völkern des Westens eine
Gewähr für ihre Sicherheit bieten würden - also praktisch innerhalb eines Rahmens, der die gesamte europäische Sicherheit
gewährleistet.
Was die Abrüstung anbetrifft, so ist die amerikanische Regierung der Ansicht, daß ein wirksames Abrüstungssystem nur dann
erreicht werden kann, wenn ihm ein wirksames System gegenseitiger
und allgemeiner Inspektion zugrundeliegt, ein System, dem wir
vertrauen können,und bei dem jede Seite sicher ist, daß die andere auch tatsächlich sich an die Bestimmungai hält. Und auf Grund
dieser Ansicht haben wir zusammen mit den Franzosen und Engländern verschiedene Vorschläge vorgebracht. Einige waren globaler,
einige regionaler Natur, andere wieder trugen den Charakter von
Budgetfragen. Alle aber waren darauf abgestellt, diesem einen
Ziel, nämlich die Inspektion zur Grundlage der Abrüstungsvorschläge zu machen, näherzukommen.
Der eine Vorschlag betraf die Anfertigung von Luftaufnahmen
durch unbewaffnete Flugzeuge, und zwar durch die Sowjets einerseits und uns andererseits. Dabei sollte diese Inspektion so
gründlich durchgeführt werden, wie diese Art der Aufklärung es
eben zuläßt. Der Hauptzweck ist natürlich, Jedermann von der
Aufrichtigkeit des Westens in seinem Streben nach Frieden zu
überzeugen. Aber noch ein anderer Gedanke war dabei maßgebend:
venn es uns gelänge, voranzukommen und diese Art der Inspektion
zum Anfang eines allgemeinen Inspektionssystems zu machen, so
bestünde vielleicht die Möglichkeit, dieses zu einem noch umfassenderem Schema zu entwickeln und schließlich ein wirksames und
dauerhaftes Abrüstungssystem darauf aufzubauen.
Bezüglich einer Verstärkung der Kontakte wurden die verschiedensten Einzelheiten besprochen. So sprachen wir über einen
freieren Nachrichtenaustausch über die verschiedenen Vorhänge
hinweg. Wir sprachen über die Verbreitung von Büchern, und insbesondere über friedliche Handelsbeziehungen. Die Frage aber, die
uns in dieser Hinsicht am stärksten beschäftigte, war die Möglichkeit eines verstärkten Touristenverkehrs von einem Lande in
das andere, und zwar in einer Weise, die jedem Besucher die
größtmögliche Gelegenheit bietet, sich über Volk und Leben im
anderen Lande zu informieren. In dieser Frage nun wurde die größtmögliche Übereinstimmung erzielt. In der Tat, es herrschte hier
eine Einigkeit, die die Vertreter beider Seiten in ihren Worten
oftmals bekräftigten und begeistert vertraten.
„ ... .
m
D
ö
Tatsächlich

�"AMERIKA DIENST"

28. Juli 1955

Tatsächlich versicherte jede Seite immer wieder und ernsthaft der anderen, daß sie beabsichtige, in den beiderseitigen
Beziehungen einen neuen Geist der Versöhnlichkeit und der
Zusammenarbeit zu pflegen. Wir hoffen daher von ganzem Herzen,
daß diese Versicherungen auch getreulich in die Tat umgesetzt
werden.
Einen Beweis dafür, wie diese Versicherungen zu beurteilen
sind, werden natürlich bald Sprache und Terminologie geben, in
die die Reden und die diplomatischen Verhandlungen gekleidet
sind. Doch der eigentliche Prüfstein dürfte der kommende Oktober
sein; denn dann findet das nächste Treffen statt. Dies ist ein
Treffen der Außenminister. Sein Hauptzweck besteht darin, die
Folgerungen aus dieser Konferenz in bezug auf die nunmehr zu erörternden Themen sowie das einzuschlagende allgemeine Verfahren
zu ziehen, um die von uns in großen Zügen besprochenen Fragen in
wirksame und bestimmte Abmachungen zu verwandeln. Dies ist der
Zeitpunkt, zu dem eine wirkliche Versöhnung sowie Zugeständnisse
beider Seiten unbedingt notwendig sein werden.
Ich für meinen Teil erachte die Hindernisse, die auf dem
Weg zu einem sichereren und gerechten Frieden noch vor uns liegen, als keineswegs gering, und ich unterschätze die langwierige
und erschöpfende Arbeit, die aufgewandt werden muß, ehe wir wirkliche Ergebnisse erzielen können, durchaus nicht. Ich möchte die
Tatsache nicht vertuschen, daß wir alle noch Opfer bringen müssen
für das, was wir als den besten Weg zu unserer eigenen Sicherheit und zur Erhaltung jener uns teuren Güter erachten.
Eines aber weiß ich sicher, daß die Völker der Erde den
Frieden wünschen. Und sicher fühlten auch alle anderen, die in
Genf zugegen waren, dieses Sehnen der Menschheit. Daher ist es
auch sehr dringlich, daß wir jetzt konstruktive Schritte unternehmen und nicht lediglich die betrüblichen, die negativen Vorgänge der Vergangenheit erneut aufleben lassen.
Wir, alle von uns, jeder für sich wie auch gemeinsam als
Volk, haben nunmehr die vielleicht schwierigste Aufgabe, die
unserem Volke jemals in seiner Geschichte gestellt worden ist.
In gleicher Weise bietet sich uns jetzt die glänzendste Gelegenheit, die jemals Amerikaner hatten. Mögen diese Tatsachen
uns anspornen, und uns nicht schrecken.
Ich glaube, daß wir mit gläubiger Geduld und Geschicklichkeit, mit Mut und Toleranz und niemals nachlassender Wachsamkeit
und Klugheit den in Genf entzündeten Funken am Leben erhalten
können. Wenn wir hierbei Erfolg haben, dann werden wir das Licht
immer mehr verstärken, das uns eines Tages zu unserem Ziel einem gerechten und dauerhaften Frieden - führen wird. Ich
danke Ihnen. Gute Nacht."
*

* * * *

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�A M E R I K A

D I

N S T

PRÄSIDENT EISENHOWER: DIE ATOMKONFERENZ - EIN
VERSPRECHEN PUR DIE ZUKUNFT

GENF — (AD) — Anschließend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut einer Botschaft des amerikanischen Präsidenten,
Dwight D. Eisenhower, vom 8. August 1955, die er anläßlich der Eröffnung der, unter der Aegide der Vereinten
Nationen stehenden Genfer Internationalen"Atome-für-denFrieden^-Konferenz vom Vorsitzenden der US-Atomenergiekommission Lewis L. Strauss zur Verlesung bringen ließ.

Verehrte Konferenzteilnehmer;
Nehmen Sie bitte im Namen des amerikanischen Volkes meine
herzlichsten Grüße und aufrichtigen guten Wünsche für den Erfolg
dieser ersten internationalen Konferenz über die friedliche Nutzbarmachung der Atomenergie entgegen, die unter der Leitung der
Vereinten Nationen stattfindet. Sie, die zu den bedeutendsten
Kernforschern und Atomtechnikern der Welt gehören und in die
Geheimnisse der Atomenergie eindringen, wissen unzweifelhaft am
besten darüber Bescheid, wie das Atom darauf wartet, der treue
unermüdliche Diener des Menschen zu werden, wenn es dieser nur
gestattet.
Die Kenntnisse und Einsichten, die Sie besitzen, bieten große
Möglichkeiten und eine große Aufgabe. Sie haben Ihr Leben dem
Streben nach Wissen und Wahrheit geweiht. Sie werden von Ihren Völkern hochgeachtet, weil diese von Ihnen Mitteilungen über nüchterne,
klare wissenschaftliche Tatsachen erwarten.
Sie können den Völkern der Welt am besten die großen Möglichkeiten von den Segnungen des Atoms enthüllen. Sie sind hier in
Genf unter Bedingungen zusammengekommen, die diesem großen Ziel
förderlich sind.
Niemals zuvor hat es ein anderes wissenschaftliches Treffen
von derartigem Ausmaß und einer so großen Bedeutung gegeben. Alle
Völker der Welt sind hier vertreten. Es ist hier eine reiche Möglichkeit gegeben, die alten Verbindungen eines freien wissenschaftlichen Gedankenaustausches wiederherzustellen, der so lange Zeit
unterbrochen gewesen war. Das Wissen und Können, welches jeder
- 1 -

�"AMERIKA DIENST"

10. August 1955

jeder einzelne von Ihnen in seinem Vaterland erworben hat, um das
Atom friedlichen Zwecken dienstbar zu machen, wird hier in der
freundlichen Atmosphäre der gastfreundlichen Schweiz mit ihrer
langjährigen Freiheitstradition bekanntgemacht,und anderen mitgeteilt werden. Diese Atmosphäre gewinnt noch durch die Tatsache
an Bedeutung, daß die UNO-Resolution vom 4. Dezember vorigen Jah- •
res, die dieser Konferenz den Boden bereitete, das Aufgabengebiet
dieses Treffens auf wissenschaftliche und technische Angelegenheiten beschränkte. Es ist ausdrücklich unpolitischer Natur. Daher
sind Sie als freie Männer der Wissenschaft zusammengekommen, deren
Interesse lediglich darin besteht, das menschliche Wissen über diese
wunderbare Entdeckung zu bereichern und zu vertiefen.
Die Wissenschaft spricht viele Sprachen. Der Fortschritt auf
dem Gebiet der Atomwissenschaft ist das Werk der Menschen aus vielen Nationen gewesen. Das kommt daher, weil das Atom selbst unpolitisch ist. Es gehört keiner Nationalität an und anerkennt auch
keine landesgrenzen. Es ist weder moralisch noch unmoralisch, nur
der Mensch selbst kann es zu einer guten oder bösen Kraft machen.
Indem das Phänomen der Kernspaltung dem Menschen enthüllt worden
ist, liegt es noch immer bei dem Menschen, zu entscheiden, welchen
Nutzen man aus diesem Phänomen ziehen soll.
Ich hatte am 8.Dezember 1953 die Ehre, vor der Vollversammlung
der Vereinten Nationen über das Thema zu sprechen, mit dem sich diese Konferenz beschäftigt, die internationale Zusammenarbeit bei der
friedlichen Nutzbarmachung der Atomenergie.
Damals stellte ich fest und bekräftige es heute erneut, daß
die USA sich feierlich verpflichten und entschlossen sind, mitzuhelfen, um Mittel und Wege zu finden, damit die wunderbare Erfindungsgabe des Menschen nicht seiner Vernichtung dient, sondern
seinem Weiterbestand geweiht wird.
Diese vor 20 Monaten gegebene Verpflichtung hat bei uns Gesetzeskraft erlangt und ist als neues Atomenergiegesetz von 1954
vom amerikanischen Kongreß in unseren Statuten niedergelegt. Das
neue Gesetz stellt in klarer und eindeutiger Sprache fest, daß wir
uns unserer Verantwortung bewußt sind, im Geist der Zusammenarbeit
unsere Kenntnisse über die friedliche Nutzbarmachung der Atomwissenschaft mit anderen Nationen zu teilen. Um eine solche internationale Zusammenarbeit zu fördern, wurden die vorher bestehenden
Beschränkungen in Bezug auf eine freie und unabhängige Atomforschung
und -entwicklung auf Seiten der Privatindustrie durch das neue Ge- '
setz gelockert, wodurch der Weg in Richtung auf eine Zusammenarbeit
mit anderen weiter geebnet wurde.
Seit der Inkrafttretung unseres neuen Atomenergiegesetzes vor
einem Jahr haben wir uns auf vielerlei Weise und dabei immer im
Geiste eines guten Willens darum bemüht, seine Bestimmungen und
Zielsetzungen in die Tat umzusetzen. Das ist die Art und Weise,
wie wir unsere Verantwortung und die aller Nationen guten Willens
verstehen.
Wir appellieren nicht nur an die Regierungen, sich zusammen
mit uns an diesem Gemeinschaftswerk zu beteiligen. Wir hoffen auch,
daß die Kreise der Wirtschaft und die berufsständischen Organisa-

�"AMERIKA DIENST"
10. August 1955
Organisationen in der ganzen Welt sich dafür interessieren und
bei der Ausfindigmachung neuer Mittel und Wege über die praktische Nutzbarmachung dieser Wissenschaft Anregungen und Impulse
geben werden.
Jede der zivilisierten Nationen in der Welt gibt alljährlich
große Summen für Programme der Gesundheit, Erziehung und wirtschaftlichen Entwicklung aus. Sie tun das aus der Erkenntnis
heraus, daß Krankheit, Analphabetentum und fehlende wirtschaftliche Möglichkeiten die Brutstätten von Unruhen und Kriegen sind.
Jedes nur erreichbare wissenschaftliche Handwerkszeug wird
bei diesem Bemühen, angewendet.
Die Atomwissenschaft ist das neueste und vielversprechendste
Handwerkszeug überhaupt.
In Ihre fähigen Hände gelegt - davon bin ich überzeugt kann es für die Besserung des menschlichen Lebens wesentlich
beitragen."

*

* * * *

�A M E R I K A

D I

N S T

"DIE VEREINIGTEN STAATEN BLICKEN NACH SÜDUND SÜDOSTASIEN"

WASHINGTON ~ (AD) — Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der Unterstaatssekretär für Fern-Ost-Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Walter S. Robertson, am 8.
August 1955 vor der Jahreskonferenz der Akademie für
Außenpolitische Studien an der Jöhns-Hopkins-Universität anläßlich der "Konferenz über Süd- und Südostasien" gehalten hat.

Ich freue mich, daß Sie mir Gelegenheit zur Teilnahme an der
Jahreskonferenz der Akademie für Außenpolitische Studien der JohnsHopkins-Universität gegeben haben.
Das sehr zeitgemäße Thema der diesjährigen Konferenz, "Nationalismus und Portschritt in Süd- und Südostasien", ist für das USAußenministerium von großem Interesse. Es spricht aber auch mich
persönlich
ganz besonders an, da ja sehr viele der Probleme,
die Sie hier erörtern werden, in meinem Tätigkeitsbereich innerhalb des Außenministeriums fallen.
Es bereitet uns, die wir uns namens der Regierung um die Pflege
der Beziehungen zwischen Amerika und Asien bemühen, aufrichtige
Genugtuung,
eine Gruppe von hochangesehenen Frauen und Männern
in der wissenschaftlichen Welt zu wissen, die aus privater Initiative das gegenseitige Verständnis zwischen Asiaten und Amerikanern
zu mehren und die Beziehungen untereinander zu stärken suchen.
Man hat mich gebeten, zu dem Thema "Die Vereinigten Staaten
blicken nach Süd- und Südostasien" zu sprechen.
Wenn man als Amerikaner nach diesem unermeßlich weiten Gebiet
blickt, so wird man sofort, wie ich wohl nicht erst zu betonen
brauche, auch eine ganze Reihe von Problemen, Bestrebungen und Bewegungen gewahr. Einige der wichtigsten unter ihnen werden, wie
ich Ihrem Programm entnehme, auch auf dieser Jahreskonferenz zur
Debatte stehen: die Nachwirkungen des Kolonial-Imperialismus, die
Entstehung eines Nationalbewußtseins und die Verbreitung des Kommunismus.
Was
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�10. August 1955

"AMERIKA DIENST"

Was ich heute hier vor Ihnen ausführen werde, sollte im Zusammenhang mit jener einen, alles überlagernden Frage gesehen werden, auf die man im gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine schlüssige
Antwort geben kann. Diese Frage lautet: Ist die gegenwärtige
Periode des Entgegenkommens und der Aufhellung, die wir im Augenblick erleben, nur eine kurze Phase oder haben die Sowjets und
ihre kommunistischen Verbündeten nicht nur ihre Taktik sondern auch
auch ihren Sinn geändert?
Es gibt ein altes japanisches Sprichwort, das vielleicht
ganz gut hierher paßt. Es besagt in etwa, daß im Garten eine Tafel
stehe mit der Inschrift : Pflücken der Apfelblüten verboten; da
der Wind nun aber nicht lesen kann, fegt er die ganzen Blüten
von den Bäumen.
Während der gesamten zehn Jahre seit Ende des zweiten Weltkrieges gleicht das Verhalten der kommunistischen Machthaber dem
des Windes, der nicht lesen kann und deshalb die Apfelblüte vernichtet. Sie haben die Regeln und Verträge, denen gesetzliebende
Völker und Staaten gehorchen, ignoriert und durch ihr Vorgehen
viele Nationen ihrer Freiheit beraubt.
Nun kann der Wind plötzlich lesen. Was hat das zu bedeuten?
Hat der Wind plötzlich nachgelassen oder hat er seine Hauptrichtung geändert?
Noch kann man keine Antwort auf diese Fragen geben.
Obgleich für den amerikanischen Beobachter keine Frage in
Asien und insbesondere in Süd-Ostasien mehr Gewicht hat als die
der kommunistischen Drohungen mit Aggression und Umsturz, verstehen wir doch, daß die kommunistische Drohung für die meisten
Politiker und Völker dieses weiten Gebietes nur eine Angelegenheit
von sekundärer Bedeutung ist, und daß ihre Interessen und Gefühle
um solche Fragen wie "Kolonialpolitik", "Nationalismus" und "Neutralität", kreisen.
Warum ist dies der Fall? Um eine Antwort auf diese Frage
zu finden, müssen wir einen Blick auf die Geschichte dieser Länder werfen, die größtenteils erst in jüngster Zeit die Fremdherrschaft abgeschüttelt haben. Die Männer, die heute an der Spitze
dieser selbständig gewordenen Staaten in Asien stehen, sind in
fast jedem einzelnen Falle dieselben Männer, die den Kampf um
die Unabhängigkeit anführten. Ihr eigenes Leben und das ihrer
Landsleute war der Erringung der Freiheit von Kolonialherrschaft
geweiht. Ihr ganzes Denken war darauf ausgerichtet, die Kolonialmächte als das einzige Hindernis zur Befreiung und zum Fortschritt
ihres Landes anzusehen. Und sie hatten wenig Zeit und Neigung,
sich Sorgen über Gefahren von anderer Seite oder über andere Bedrohungen zu machen, die sich nicht unmittelbar auf ihren langwährenden und ihnen vertraut gewordenen Kampf für die Befreiung
von der Kolonialherrschaft bezogen. So ist es nur natürlich, daß
ihnen die Einsicht schwer fällt, daß das der alte Feind - der
Kolonial-Imperialismus des Westens - tot ist und daß sie sich
nunmehr gegen einen größeren tödlichen Feind zu wenden haben.
Diese
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�10. August 1955

"AMERIKA DIENST"

Diese ausschließliche Beschäftigung der Asiaten mit ihrem
eigenen Ringen um die Unabhängigkeit, führte dazu, daß diese Länder ein beachtliches Wissen über ihre früheren Kolonialherren erworben haben und dafür nur sehr wenig über ihre eigenen Nachbarn
wissen. Alle Asiaten sind im Prinzip gegen jedwede Kolonialherrschaft; aber nur sehr wenige haben mit wirklichem Interesse die
Entwicklungen anderer asiatischer Länder verfolgt, und noch weniger
haben Verständnis für die Bedürfnisse und Bestrebungen ihrer Nachbarn entwickelt, mit denen sie eigentlich engstens zusammenarbeiten
sollten. Deshalb ist das Gefühl für Einigkeit zu wenig entwickelt,
deshalb herrscht so geringes Verständnis für die Chancen, die die
kollektive Sicherheit für das freie Asien birgt, und deshalb auch
zeigt jedes einzelne Land die Neigung, sich völlig isoliert und
allein zu fühlen.
So sind also viele Asiaten in ihrem Denken noch immer ausschließlich mit dem Kolonial-Imperialismus beschäftigt, ein Wort,
das sie auf die Besetzung und Beherrschung ihrer Länder durch
Europäer anwenden. Was ist nun aus dem Kolonial-Imperialismus
geworden? Die Wahrheit ist, daß der westliche Kolonial-Imperialismus
vor vielen Jahren bereits in eine Periode des Niedergangs eingetreten ist, eines Niedergangs, der sowohl durch den wachsenden
Widerstand der Asiaten als auch durch eine Änderung der Einstellung der Kolonialmächte selbst ausgelöst wurde. Die Konzeption,
daß es durchaus an der Ordnung sei, wenn ein Volk über ein anderes
herrscht und es ausbeutet, wurde im Westen bereits während des
vergangenen Jahrhunderts stark angegriffen und verlor von da an
ständig an Boden. Etwa in den 30er Jahren dieses Jahrhunderts war
die Frage in den meisten Ländern die Kolonien besaßen, gar nicht
mehr so sehr, ob man den Kolonien die Unabhängigkeit gewähren solle,
sondern wann und wie man ihnen diese Unabhängigkeit geben könne.
Der zweite Weltkrieg, der für den Westen ganz eindeutig ein Kampf
zur Verteidigung der Freiheit des Menschen war, brachte das Ende
des Kolonial-Imperialismus' als eine mögliche Konzeption des Westens.
Ich möchte in diesem Zusammenhang mit Nachdruck darauf verweisen, daß die zahlreichen Länder, die ihre Freiheit in den vergangenen Jahren gewonnen haben, diesen Erfolg einmal der Tatsache
verdanken, daß die Freiheit der Wunsch des Volkes dieser Länder
war, und zum anderen dem Umstand, daß die ehemaligen Kolonialmächte
ihre Einstellung in dieser Frage geändert hatten. Ich kenne keinen
einzigen Fall, m dem der Kommunismus, sei es der Kommunismus im
Innern oder sei es kommunitische Hilfe von außen, eine maßgebliche
Rolle bei der Erringung der Unabhängigkeit eines Landes gespielt
hat. Ganz im Gegenteil, der Kommunismus hat die echte Unabhängigkeit
verschiedener Länder in Asien zunichte gemacht und bedroht alle
anderen Völker mit jedem nur ihm zu Gebote stehenden Mittel, angefangen von Umsturzversuchen über bewaffnete Revolten, bis zur
Aggression von außen her.
Die Länder des freien Asiens und die Männer, die an ihrer
Spitze stehen,
sehen sich vor gewaltige Aufgaben gestellt. All
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10. August 1955

All diese Völker leiden unter mehr oder wenige großer Armut
und unter dem Mangel an
Erziehungsgelegenheiten, die Volksgesundheit läßt überall viel zu wünschen übrig. Und was vielleicht
am wichtigsten ist, die große Mehrheit leidet unter einem Mangel
an Erfahrung in der Lösung organisatorischer Probleme. Der neue
Kclonial-Imperialismus sucht aus dieser Sachlage Kapital zu schlagen. An sich sind die Länder im ganzen Bereich des freien Asiens
keineswegs arm. Die meisten der neu entstandenen Staaten verfügen
über Rohstoffquellen, die bei entsprechender Nutzung Hunderten von
Millionen Menschen ein besseres Leben bieten können. Die meisten
führenden Männer Asiens haben die Bedürfnisse ihrer Völker klar
erkannt, und sie betrachten es als ihre Aufgabe, die ihnen so
teure nationale Freiheit zu wahren,und gleichzeitig ihre brachliegenden Rohstoffquellen zum Wohle all ihrer Landsleute zu erschließen. Dies ist eine Aufgabe von so großer Bedeutung und von
solchen Ausmaßen, daß sich die Völker Asiens fast verzweifelt
einzureden suchen, sie können ihre gesamte Energie auf diese
Aufgabe konzentrieren, und deshalb nur zögernd der Tatsache ins
Auge sehen, daß sie und ihre Arbeit von einem unerbittlichen Feind
bedroht sind, der sich ihre Vernichtung durch heimliche Mittel
und auch durch Gewalt zum Ziel gesetzt hat.
Welchen Platz nehmen die Kommunisten in diesem Bilde ein?
Das letzte Ziel des Weltkommunismus in Asien ist sehr leicht zu
ermitteln, ist es doch identisch mit den letzten Zielen des Weltkommunismus auch anderswo. Die Kommunisten versuchen durch umstürzlerische U triebe oder Gewalt eine ihnen günstige einheitliche
soziale Struktur zu schaffen, die es ihnen ermöglicht, einerseits
vorzugeben, jenen Staaten die ihnen zum Opfer fallen, die Unabhängigkeit zu bringen und dabei gerade jene Menschenrechte zu unterdrükken, die durch die Unabhängigkeit gefördert und gewährleistet würden. Diese einfache Wahrheit ist den Menschen in Osteuropa, auf
dem chinesischen Festland, in Nordkorea und in Ho Tschi Minhs Vietnam schmerzlich bewußt»und Millionen haben die Freiheit in der
Flucht nach den freien Ländern gesucht. Für diejenigen, die nunmehr in der Knechtschaft leben, kam die Erkenntnis der Wahrheit
über den Kommunismus in tragischer Weise zu spät.
Im freien Asien gewinnt diese Erkenntnis noch langsamer an
Boden. Lies ist zum Teil wohl darauf zurückzuführen, daß das wahre
Gesicht des Kommunismus nicht unmittelbar zu sehen und allgegenwärtig ist, zum Teil darauf, daß die zynischen Versprechungen der
Kommunisten bezüglich der Errungenschaften, die der Kommunismus
bringen wird, bei diesen Völkern , die durch das Ausmaß und die
Vielschichtigkeit ihrer Probleme entmutigt sind, Glauben finden,
und zum Teil auch auf das tief verwurzelte asiatische Mißtrauen
gegen den Westen, das man auch auf die westlichen Methoden des
Fortschritts durch harte Arbeit und durch Lernen aus Versuch und
Irrtum. Es besteht Grund zur Hoffnung, daß die führenden Politiker
Asiens in den letzten Jahren vieles gelernt haben, und daß der
Kommunismus seine Chance, den Sieg durch Umsturzversuche an sich
zu reißen, verspielt hat. In keinem Staat im freien Asien üben
die Kommunisten heute einen ernstzunehmenden Einfluß aus, wie die

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AMERIKA DIENST"

die Konferenz von Bandung eindeutig gezeigt hat.
Las freie Asien ist also ein großes Gebiet mit neu entstandenen Staaten, das unter einem Mangel an Kapital und technischer
Erfahrungen leidet und sich gleichzeitig eifrig bemüht, diese
Probleme mit unzureichenden Mitteln zu lösen. Sie sind noch immer
von Mißtrauen gegen jene Völker erfüllt, die als Repräsentanten
des alten und so klar durchschauten Kolonial-Imperialismus gelten,
und werden sich, wie es scheint, der Gefahren bewußt, die ihnen
von Seiten der Kommunisten drohen. Unsere Beziehungen zu diesen
Ländern sind ohne Parallele, weil wir in einem gewissen Sinn die
erster, moderne Nation sind, die ihre Unabhängigkeit in einem Aufstand gegen eine Kolonialmacht errungen hat, eine Tatsache, die
der Präsident von Indonesien anerkannte, als er in seiner Eröffnungsansprache zur Konferenz von Bandung auf das Gedicht Long
fellows über den Ritt des Paul Revere zitierte. Wir haben uns,
seit den Tagen unserer Revolution,gegen den Kolonial-Imperialismus
gewandt, wo immer wir dazu Gelegenheit fanden, angefangen von der
Aufstellung der Monroe-Doktrin bis zu unserem aufrechten Eintreten
für die Vier Freiheiten. Auf Grund dieser geschichtlichen Tatsachen
besaßen die Vereinigten Staaten in Asien im Jahre 1945 ein Prestige
und genossen eine Achtung, wie kein anderes Volk je zuvor. Wir haben
seit 1945 an Boden verloren, zum Teil deshalb, weil unsere Bemühungen, den vom Krieg heimgesuchten Ländern in Europa beim Wiederaufbau
zu helfen, von einigen Asiaten als ein Hinweis darauf gedeutet wurden, daß wir den europäischen Kolonial-Imperialismus unterstützten,
zum Teil auch weil es uns nicht gelungen ist, den Verlust des chinesischen Festlandes an die Kommunisten zu verhüten. Einr weiterer
Grund hierfür ist in der Tatsache zu sehen, daß die Kommunisten
und ihre Verbündeten eine Kampagne des Hasses gegen uns geführt
haben, die sich auf eine völlige Entstellung unserer Motive stützte.
Sie gingen dabei in der Weise vor, daß die uns ihre eigene Absicht
unterstellten, die Freiheit in Asien um irgendwelcher Vorteile
willen zu unterdrücken.
Die Wahrheit ist, daß unsere Hoffnungen in bezug auf Asien
heute noch die gleichen sind wie zu der Zeit nach dem Boxer-Aufstand, als wir allein es ablehnten, irgendwelche territorialen
oder anderen Privilegien von dem darniederliegenden China zu verlangen und vielmehr die Erträge aus unseren Schadenersatzansprüchen
auf die Erziehung junger Chinesen verwandten, um sie so in die
Lage zu versetzen, ihrem Vaterlande besser zu dienen. Was wir in
Asien anstreben, ist das gleiche, was wir überall zu erreichen
suchen: eine Welt, die aus unabhängigen und verantwortungsbewußten
demokratischen Ländern besteht, deren Regierungen sich der friedlichen Entwicklung ihres eigenen Landes und der Wohlfahrt und persönlichen Freiheit ihrer Bürger widmen. Wir handeln so, weil wir
einzig in einer solchen Welt jenes Leben führen können, das wir zu
führen wünschen. In diesem Bild ist kein Raum für Imperialismus
oder Kolonialherrschaft und wir müssen sie deshalb beide weiterhin
ablehnen.
Der Kolonial-Imperialismus im hergebrachten Sinn ist tot oder
liegt im Sterben. Der kommunistische Kolonial-Imperialismus dagegen
ist sehr aktiv und wird sich weiter ausbreiten, wenn man ihm nicht
Einhalt gebietet. Ein kurzer Blick auf die jüngste Geschichte wird
die Richtigkeit dieser Erklärung beweisen. Wieviele Länder haben

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haben seit 1918 ihre Unabhängigkeit von Ländern des Westens gewonnen? Indien, Pakistan, Burma, Ceylon, Indonesien, die Philippinen, Vietnam, Laos und Kambodscha - ganz zu schweigen von den
zahlreichen Ländern im Nahen Osten und Afrika.
Wieviele Länder haben umgekehrt ihre Freiheit, und zwar sowohl
ihre nationale als auch ihre persönliche Freiheit, in der gleichen
Zeit an den Kommunismus verloren? Estland, Lettland, Litauen, Polen,
die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Albanien, Ost-Deutschland,
Festland-China einschließlich Tibets und der Mongolei, Nordkoreas
und Nord-Vietnams.
Die Vereinigten Staaten haben die neuentstandenen Staaten
Asiens in der Gemeinschaft der Völker willkommen geheißen. Sie
haben verschiedene Hilfsprogramme durchgeführt, um ihnen in ihrem
Kampf um die Besserung ihres Loses zu helfen. Wir haben dabei nur
jedes Hilfswerk auf Regierungsebene weitergeführt, das private
amerikanische Bürger seit langem schon betrieben haben. Wir haben
dies getan, und wir werden dies auch weiterhin tun, weil wir die
Überzeugung hegen, daß diese Länder der Hilfe bedürfen, um jenen
Grad des materiellen Wohlstands und des sozialen Fortschritts zu
erreichen, der es ihnen gestatten wird, die Freiheit und Würde
des Menschen, die wir als entscheidend wichtig für die Sicherheit
der Welt erachten, selbst zu wahren. Wir unternahmen diese Schritte
nicht, weil uns die Furcht vor den Kommunisten dazu veranlaßte.
Unsere Einstellung zum Fortschritt in Asien ist positiv, nicht
negativ.
Es gibt nur einen Grund, warum wir es für notwendig erachten,
soviel Geld und Mühe auf die Verteidigung dieser Länder zu verwenden. Unsere Hilfsprogramme, unsere zweiseitigen Verteidigungsverträge, und unsere Unterstützung des Manila-Paktes dienen nicht,
wie die Kommunisten behaupten, dem Zweck, Asien unter unsere Macht
zu bekommen; sie sind vielmehr einzig darauf gerichtet, diesen
Nationen bei der Wahrung ihrer Unabhängigkeit und bei der Entwicklung einer sich selbsterhaltenen Wirtschaft zu helfen. Selbst die
größten Anstrengungen der Völker Asiens, ihre eigenen Länder zu
entwickeln, und eine noch so große amerikanische Wirtschaftshilfe
würden nicht ausreichen, den bewaffneten Kommunismus vom Überschreiten der Grenzen abzuhalten, wenn es an der notwendigen
Stärke für einen erfolgreichen Widerstand gebricht. Die Kommunisten
streben nach der Eroberung Asiens, und wahrlich nicht zum Wohl
seiher Völker.
Zusammenfassend sei gesagt, daß das freie Asien seinen langen
Kampf gegen den Kolonial-Imperialismus alter Prägung abgeschlossen
hat, oder gerade dabei ist, ihn zu beenden. Es steht nunmehr in
den frühen Stadien eines anderen Kampfes von gleichgroßer Wichtigkeit und noch größerer Vielschichtigkeit, den Kampf gegen die jahrhundertealte Armut, gegen die Rückständigkeit in technischer Hinsicht und gegen Krankheit. Es braucht in diesem Kampf die moralisch«
und materielle Unterstützung der westlichen Welt und der Vereinigtet
Staaten und wird diese auch erhalten. Dieser Kampf wird durch die

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die aggressive Gegenwart des Weltkommunismus unermesslich erschwert,
der immer wieder Asien mit seiner Propaganda über nichtvorhandene
Übergriffe auf die wahre Freiheit überschwemmt, und diese Lander
stets mit einer bewaffneten Aggression bedroht. Wenn auch in
jüngster Zeit, wie wir gesehen haben, der Wind - die kommunistische
Aggressionsdrohung - nachgelassen hat, und wenn auch die Kommunisten
laut den Wunsch verkündet haben, in Frieden mit ihren Nachbarn zu
leben, so ist doch die Zeit noch nicht reif, ein Urteil darüber
zu fällen, ob es sich hier um einen Wandel im Herzen oder nur um
eine andere Propagandataktik handelt. Wir müssen auf jeden Fall
fortfahren, die asiatischenVölker in ihrem Streben nach Würde
und Wohlstand zu unterstützen. Wir müssen sie ermutigen, an der
Entwicklung ihrer Kapazität zur Verteidigung ihrer Unabhängigkeit
weiterzuarbeiten und ihnen dabei helfen.

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�PRÄSIDENT EISENHOWER ÜBER DIE AMERIKANISCHE
KONZEPTION VOM FRIEDEN
PHILADELPHIA - (AD) - Präsident Eisenhower
hielt am 24.August 1955 auf der Siebenten
Jahresversammlung der amerikanischen Anwaltskammer in Philadelphia eine Rede, in der er
erneut die amerikanische Konzeption vom
Frieden umriß.
Im folgenden bringen wir den Wortlaut
seiner Ausführungen zu diesem Thema:
Das im Mittelpunkt unseres Lebens stehende entscheidende
Faktum ist die Existenz zweier großer "Weltanschauungen über
den Menschen und die Regierung. Diese beiden Philosophien
stehen miteinander im Wettstreit um die Freundschaft, Loyalität und die Unterstützung der Völker der Welt.
Auf der einen Seite steht unser Land zusammen mit jenen,
die die Verwirklichung menschlichen Strebens durch die Herrschaft von geschriebenen Gesetzen, die dann von Menschen verwaltet werden, zu erreichen suchen. Diese Gesetze wurzeln in
den Moralgesetzen, die den religiösen Glauben widerspiegeln,
daß der Mensch nach dem Bilde Gottes geschaffen sei und daß
der Leistungswille des freien Individuums die dynamische
Kraft im menschlichen Bereich darstelle.
Auf der anderen Seite stehen jene, die glauben - und zum
guten Teil sogar allen Ernstes glauben -, daß menschliches
Streben am ehesten unter einer Regierung durch Menschen verwirklicht werden kann, die durch Erlasse herrschen. Diese
Erlasse wurzeln in einer Ideologie, die den Glauben negiert,
daß der Mensch ein geistiges Wesen sei und die einen allmächtigen Staat als den wichtigsten Ausgangspuntk für Aufstieg und Fortschritt ansieht.
Die führenden Staaten beider Seiten stehen vor den Gerichtsschranken der Weltmeinung, Sie alle verfechten die Auffassung, daß sie mehr als alles andere einen dauerhaften Weltfrieden erstreben. Mit dieser Feststellung identifizieren sie
sich sämtlich mit einer tiefverwurzelten Sehnsucht der Menschheit. Aber das endgültige Urteil über sie - mag es auch erst
in vielen Jahren gefällt werden - wird in eben so hohem Maße
von dem Fortschritt im Bereich des Menschlichen innerhalb ihrer
eigenen Grenzen und von der gezeigten Fähigkeit abhängen, anderen
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24. August 1955

anderen auf ihrem "Weg voranzuhelfen, als auch von dem Maß an
Ruhe, das sie in ihren Beziehungen mit anderen Staaten erzielen
konnten.
Die Menschheit wünscht den Frieden, weil die Früchte des
Friedens mannigfaltig und reichhaltig sind, vor allem im Atomzeitalter, weil der Krieg die größten Hoffnungen der Menschheit
vernichten würde, und weil der Atomkrieg Selbstmord der Menschheit sein könnte.
Die Welt ist heute durch die neuerwachten Völker in Bewegung geraten. Zu Hunderten von Millionen streben sie nach der
Möglichkeit zu arbeiten, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln,
um ihr Selbstvertrauen zu beweisen und ihre geistigen Ideale und
Hoffnungen zu verwirklichen. Ihr Vormarsch darf und kann nicht
aufgehalten werden.
Diese Hunderte von Millionen Menschen bilden mit das
Tribunal, das über den Fall der miteinander ringenden Mächte
der Welt entscheiden muß.
Das System - oder die Gruppe von Systemen -, das auf die
wirksamste Weise seine ganzen Kräfte auf die Förderung des Friedens konzentriert und seine Fähigkeit unter Beweis stellt, dem
Wohl und dem Glück des einzelnen zu dienen, wird sich schließlich ihre Zustimmung und ihre treue Freundschaft sichern.
Sie von der amerikanischen Anwaltskammer werden eine entscheidende Rolle dabei spielen, die Sache der Freiheit würdig
zu vertreten.
Die vielen Tausende von Männern und Frauen, die Sie vertreten, widmen sich schon auf Grund ihres Berufes der Suche nach
der Wahrheit, damit Gerechtigkeit herrschen möge und die Menschenrechte gesichert sind, Hierdurch vertreten sie auch die Sache der
freien Welt vor den Schranken der Weltöffentlichkeit- Aber wir
müssen uns darüber klar sein, daß wir als Amerikaher die Aufgabe
haben, vor der Weltöffentlichkeit unsere Sache so beredt und
überzeugend darzulegen, wie es John Marshall vor mehr als hundert
Jahren in der Sache der amerikanischen Verfassung vor der amerikanischen Öffentlichkeit getan hat. Und Ihnen als Anwälten fällt
gerade in diesem Fall eine besondere Verantwortung zu.
In seinen Büchern und unzähligen Entscheidungen bewies John
Marshall die Angemessenheit und Anpassungsfähigkeit der Verfassung
an die Erfordernisse der Nation. Er war geduldig, unermüdlich,
verständnisvoll, logisch und ausdauernd. Er war - wie abgenutzt
dieser Ausdruck auch immer sein mag - ein Kreuzfahrer, sein Anliegen war die Interpretation der Verfassung, um geordnete Freiheit und ( Gerechtigkeit unter dem Gesetz zu erreichen, Amerika
muß heute in seinem Kreuzzug für den Frieden die Qualitäten John
Marshalls zur Geltung bringen. Friede und Sicherheit für alle
können erreicht werden - für die Furchtsamen, für die Unterdrückten, für die Schwachen und für die Starken«. Aber dies kann nur
geschehen, wenn wir kompromißlos für unsere Grundsätze und für
die großen Fragen mit der Inbrunst Marshalls, mit dem Eifer des
Kreuzfahrers, eintreten.
Wir

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"AMERIKA DIENST"
Wir dürfen uns den Frieden nicht als etwas Statisches in
den internationalen Beziehungen vorstellen. Das wäre kein
wahrer Friede, und in der Wirklichkeit könnte keine Art von
Frieden auf diese Weise erhalten bleiben. Der Wechsel ist das
Gesetz des Lebens, und wenn es keinen friedlichen Y/echsel gibt,
dann kann es nur den Wechsel mit Gewalt geben.
Unser Land verdankt seine innere Ruhe zum größten Teil
seiner Fähigkeit, diesen Wechsel auf friedlichem Wege zu vollziehen. Die einzige Ausnahme bildete der Fall, als dieser durch
neue humane Konzeptionen geforderte Wechsel auf einen nicht
gerechtfertigten Widerstand stieß.
Die Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika würden
die Nation von heute wohl kaum als das wiedererkennen, was sie
im Auge hatten; es haben sich große Wandlungen vollzogen. Aber
der Wechsel ging in friedlicher Weise vor sich und war ganz
spezieller Natur. Und stets stand er.in Einklang mit den Grundsätzen der Dokumente, die die Grundlage unseres nationalen Lebens bilden. Dadurch ist es auch möglich gewesen, das Gute, das
aus der Vergangenheit auf uns überkommen ist, zu erhalten, und
gleichzeitig den stets weiter gesteckten Zielen und steigenden
Erfordernissen gerecht zu werden. Dabei standen wir stets in
vorderster Front zusammen mit all jenen, die die Menschenwürde
achten, die die produktiven Kräfte ständig steigern und die
Früchte ihrer Mühe und Arbeit gerecht verteilen.
Dieser Art ist der Frieden, den wir suchen. Unser Programm
muß ebenso dynamisch, weitblickend und auf die internationalen
Probleme unserer Zeit anwendbar sein, wie sich die Verfassung
durch die Interpretation John Marshalls für die Förderung von
Freiheit, Gerechtigkeit und nationaler Stärke innerhalb Amerikas
als elastisch und wirksam erwies.
Das ist der Geist, in dem die amerikanische Delegation nach
Genf ging. Wir erklärten damals - und wir werden immer daran
festhalten -, daß es einen wahren Frieden nicht geben kann, wenn
damit die Akzeptierung eines Status quo verbunden ist, in dem
wir viele Nationen der Ungerechtigkeit ausgesetzt sehen, die
Unterdrückung der Menschen in gigantischem Maßstab erfolgt und
jede konstruktive Bemühung in vielen Gebieten durch die Furcht
gelähmt wird.
Wenn der Geist von Genf eine gesunde Atmosphäre für das
Streben nach Frieden schaffen soll, wenn dieser Geist echt und
nicht nur eine leere täuschende Maske sein soll, dann muß er
alle zu einer Beseitigung der bestehenden Ungerechtigkeiten und
einer Heilighaltung der menschlichen Rechte sowie zu einer Beendigung der auf weltweiter Basis unternommenen Subversionsversuche inspirieren. Ob ein derartiger Geist durch die vereinte
Intelligenz und das gemeinsame Verständnis der Menschen gedeihen,
oder ob de durch die Gier und Unnachgiebigkeit einiger weniger
absterben wird, kann nur die Zukunft lehren. Eines jedoch ist
sicher. Dieser Geist und die Ziele, die wir erstreben, hätten
niemals durch Gewalt geschaffen werden können, und auch nicht,
wenn die Menschen und Nationen einander mit angst- und haßerfüllten Herzen gegenüberstehen.
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AMERIKA DIENST"
In Genf suchten wir nach besten Kräften unser Teil zur
Entwicklung eines solchen Geistes beizutragen.
Genf heißt demnach für Amerika nicht Stagnation, sondern
neue Möglichkeiten - Möglichkeiten für unser Volk und die Völker aller Länder, ihre berechtigten Hoffnungen zu erfüllen.
Das ausschließliche Bemühen, einen Krieg zu vermeiden,
kann - wenn wir bei diesem einen Wunsch stehen bleiben - dazu
führen, daß Ungerechtigkeit und Unrecht unserer Tage in offenem
oder stillschweigendem Einvernehmen auch in Zukunft weiterbestehen. Wir dürfen uns nicht zu solch falschem Einvernehmen
verleiten lassen. Das hieße gegen unser eigenes Gewissen handeln.
Und in den Augen derer, die Unrecht leiden, würden wir zu Helfershelfern ihrer Unterdrücker. Und nach dem Urteil der Geschichte hätten wir die Freiheit der Menschen für das Linsengericht eines falschen Friedens verkauft. Und außerdem würden
wir mit Sicherheit künftige Konflikte heraufbeschwören.
Die Teilung Deutschlands kann durch keinerlei Argument,
das sich auf Grenzen, Sprache oder rassische Abstammung beruft,
gestützt werden.
Die Unterdrückung versklavter Länder darf nicht länger
durch die Behauptung gerechtfertigt werden, dies sei aus Gründen der Sicherheit nötig.
Einen internationalen politischen Apparat, der innerhalb
der Landesgrenzen souveräner Nationen auf einen politischen
und ideologischen Umsturz hinarbeitet, kann man nicht als eine
kulturelle Bewegung hinstellen.
Sehr wahrscheinlich ist die Ursache für diese und andere
Verletzungen der Rechte des Menschen und der Nationen in einer
Mischung aus Mißtrauen und Furcht zu suchen. Das ist zwar eine
Erklärung, aber keine Entschuldigung. Wenn wir anderen und uns
selbst Recht widerfahren lassen wollen, so können wir niemals
derartiges Unrecht als Teil des von uns erhofften und erstrebten Friedens hinnehmen.
Wir müssen fest bleiben, aber in freundschaftlichem Geiste.
Wir müssen tolerant, aber nicht selbstgefällig sein. Wir müssen
auch den'Standpunkt des anderen, ehrlich und objektiv betrachtet,
schnell erfassen können. Doch dürfen wir uns niemals mit Unrecht
gegenüber dem Schwachen, dem Untolücklichen, dem Benachteiligten einverstanden erklären, denn wir wissen nur allzu gut dies
eine: haben wir erst einmal die Verletzung des Grundsatzes der
Gerechtigkeit für alle hingenommen, so können wir keinen Anspruch mehr auf Gerechtigkeit für uns selbst als ein selbstverständliches Recht erheben.
Der Friede, den wir anstreben - das Frodukt der Verständigung, der Einmütigkeit und des Gesetzes unter den Nationen - ,
ist die Schaffung stabiler, auf Gerechtigkeit und Sicherheit gegründeter internationaler Verhältnisse, Dieser Friede wird die
Konzentration der menschlichen Energie - der individuellen wie
der zusammengefaßten - begünstigen und damit die menschlichen
Wertmaßstäbe auf allen Gebieten des materiellen, intellektuellen
und geistigen Lebens der Menschheit fördern.
Können

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�24. August 1955

"AMERIKA DIENST"

Können wir einen derartigen Frieden erreichen ? Ich glaube
ja. Zeitweise ma£ die Aufgabe hoffnungslos und weit über das
menschliche Vermögen hinausgehend erscheinen. Aber ist jemals
eine große Leistung in der Geschichte mit der Gewißheit ihres
Erfolges begonnen worden ? Unsere eigene Republik ist ein
beispielhafter Fall. Generationen hindurch herrschte in der
Welt eine fast einmütige Überzeugung, daß die Vereinigten
Staaten ein künstliches Gebilde seien, das nicht lange Bestand
haben könne.
Die Republik aber überlebte auch ihre gefährlichsten Jahre
- die Prüfungsjahre - dank der hingebungsvollen Arbeit einzelner und nicht, weil sie von vornherein über eine Garantie des
Erfolges verfügte oder einen von Hindernissen freien Weg vorfand.
Unser Eintreten für einen Frieden, der sich auf Gerechtigkeit stützt, ist genau so gesund wie der Einsatz John Marshalls
für die Verfassung und die Union. Und es wird genau so erfolgreich sein, wenn wir unser Anliegen vor den Schranken der Weltöffentlichkeit mit demselben Mut und derselben hingebungsvollen Überzeugung vertreten, mit denen Marshall seine Mission
auffaßte.
In unseren Gemeinden können wir, jeder nach seinen Möglichkeiten, das Verständnis für das fördern, was unsere Republik im Hinblick auf ihre Stärke, auf Verständnis und Hingabe
an die Grundsätze sein muß, wenn sie ihre führende Rolle im
Ringen um den Frieden erfüllen soll.
Bei der Suche nach Gerechtigkeit können wir unser System
zu einem immer ruhmvoller werdenden Beispiel für eine ordnungsgemäße Regierung machen, die mit allen Kräften für die Erhaltung
der menschlichen Freiheit und für die Wahrung der individuellen
Möglichkeiten und Verpflichtungen der Menschheit eintritt.
Aber wie nachdrücklich wir unsere persönlichen Meinungen
zu innerpolitischen Problemen auch vorbringen und vertreten
mögen, so bilden wir doch nach außen eine einheitliche Front
in allen Dingen, die die Freiheit und Sicherheit der Republik,
ihre Hingabe an einen gerechten und gedeihlichen Frieden angehen.
Und was das Wichtigste ist: wir, die wir uns der überwältigenden Errungenschaften bewußt sind, wie sie sich in der
Geschichte der Republik unter der Verfassung manifestieren,
die wir sicher sind, daß jedes menschliche Problem zu lösen ist,
wenn nur der Wille, die Ausdauer und die Kraft dazu vorhanden
sind - jeder von uns in Amerika kann helfen, eine neue und
auflodernde Hingabe an Gerechtigkeit und Freiheit, Wohlergehen
und Frieden unter allen Menschen zu wecken.
Und wir alle - Juristen und Laien gleichermaßen - sollten
uns dabei als würdige Erben im Geiste und im Beispiel John
Marshalls zeigen. Der Erfolg wird uns, wie ihm in seiner
großen Mission, sicher sein.
* * * * *

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�Eine meiner ersten Amtshandlungen als Aussenminister war
eine Reise nach dem Mittleren Osten. Ich hatte selbst den Wunsch,
dieses Gebiet zu sehen, das so reich ist an kulturellen und
religioesen Traditionen und das heute so von Streit und Zank und
Bitterkeit zerrissen ist. Im Fruehjahr 1953 habe ich Aegypten,
Israel, Jordanien, Syrien, den Libanon, den Irak und SaudiArabien besucht. Nach meiner Rueckkehr sprach ich ueber die Eindruecke,. die ich waehrend meiner Reise gesammelt hatte und ueber
die Hoffnungen, die ich an die Besprechungen knuepfte, welche ich
mit den fuehrenden Maennern und der Bevoelkerung dieses Gebietes
gefuehrt hatte.
Einige jener Hoffnungen sind Wirklichkeit geworden. Zu
jener Zeit stand die Frage der Suezkanal-Stuetzpunkte im Mittelpunkt der Gegensaetze und barg die Moeglichkeit von kriegerischen
Verwicklungen in sich. Heute ist dieses Problem nach geduldigen
Bemuehungen und im Geiste der Verstaendigung erfolgreich geloest
worden. Ein weiteres Problem, das damals die Gedanken zahlreicher
fuehrender Staatsmaenner im Mittleren Osten beschaeftigte, bestand
in der Sicherheit des Gebiets. Es war klar, dass eine wirksame
Verteidigung von kollektiven Massnahmen abhing und dass diese
Massnahmen, wenn sie verlaesslich sein sollten, ein natuerliches
Zusammenruecken von jenen Laendern erforderten, die angesichts
dessen, was eine gemeinsame Gefahr bedeuten koennte, von einem
Gefuehl des gemeinsamen Schicksals beseelt wurden. Auch hier h«.t
eine ermutigende Entwicklung stattgefunden.
Ein drittes Problem, dem Beachtung geschenkt werden musste,
war der Bedarf an Wasser zur Bewaesserung des Bodens. Ich erwaehnte in meinem Bericht die Moeglichkeit, dass die durch das
Jordantal fliessenden Pluesse dazu benutzt werden koennten, um

�"AM3RIKA DIENST"

31. August 1955

um dieses Tal zu einer Quelle des Lebens zu machen. Botschafter
Eric Johnson hat seither Besprechungen mit den Regierungen der
Laender gefuehrt, durch die sich das Jordantal hinzieht. Diese
haben eine ermutigende Bereitschaft gezeigt, das Prinzip koordinierter Abmachungen zur Nutzung der Wasserlaeufe zu akzeptieren. Botschafter Johnson befindet sich gegenwaertig zu seinem
vierten Besuch in den interessierten Laendern, um die kleinen
Meinungsverschiedenheiten zu beseitigen, die noch verblieben sind.
Wie Sie sehen, ist ein Anfang gemacht worden, um die Hindernisse zu beseitigen, die den Hoffnungen der Voelker des
Mittleren Ostens im Wege stehen. Es ist meine Hoffnung - und
von dieser Hoffnung moechte ich jetzt sprechen -, dass die Zeit
gekommen ist, in der es zweckmaessig ist, weitere Schritte zur
Stabilitaet, zur Ruhe und zum Fortschritt im Mittleren Osten zu
unternehmen.
Das arabisch-israelische Problem
Was sind nun die wesentlichen noch zu loesenden Probleme?
Es sind diejenigen, die von den Waffenstillstandsabkommen im
Jahre 1949» die die Kaempfe zwischen den Israelis und den Arabern
beendeten, nicht geloest worden sind. Bevor ich auf diese Fragen besonders eingehe, moechte ich vor allem Dank und Anerkennung dem zollen, was die Vereinten Nationen zur Wahrung der Ruhe
und im Dienst der Menschlichkeit in jenem Gebiet geleistet haben.
Trotz dieser unentbehrlichen Bemuehungen bleiben drei Fragen
uebrig, die vor allem eine Loesung dringend erforderlich machen.
Die erste betrifft das tragische Schicksal der 900 000
Fluechtlinge, die frueher in dem jetzt von Israel besetzten Gebiet gelebt haben.
Die zweite ist die Wolke der Furcht, die ueber der arabischen
und der israelischen Welt haengt. Die arabischen laender befuerchten, dass Israel sein Staatsgebiet mit gewaltsamen Mitteln
auf ihre Kosten zu vergroessern trachtet. Die Israelis wiederum
befuerchten, dass die Araber allmaehlich ueberlegene Kraefte zusammenziehen werden, di.e dazu verwendet werden koennten, sie
(die Israelis) in das Meer zu treiben. Ausserdem leidet Israel
unter den wirtschaftlichen Massnahmen, die zur Zeit gegen diesen
Staat ergriffen worden sind.
Die dritte Frage besteht darin, dass keine festen, dauerhaften Grenzen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten vorhanden sind.
Es gibt noch andere wichtige Probleme. Aber wenn diese drei
Hauptfragen geloest werden koennten, dann waere der Weg fuer die
Loesung der anderen frei. Diese drei Hauptfragen scheinen geloest werden zu koennen, und eine Loesung ist bestimmt notwendig.
Fast jede Woche fordern Grenzzwischenfaelle Menschenleben
und entflammen die bereits vorhandenen gefaehrlichen Gefuehle
des Hasses. Die Leiden der arabischen Fluechtlinge dauern schon

�"AMERIKA DIENST"

31. August 1955

schon fast ueber den Punkt des Ertragens hinaus an. Die Furcht,
die auf beiden Seiten um sich greift, fuehrt zu einer schweren
Belastung durch die Ruestung, die den wirtschaftlichen und sozialen Portschritt ernsthaft gefaehrdet. Die verantwortlichen
Maenner haben es schwer, ihr ganzes Augenmerk und ihre ganze
Kraft auf die positive Aufgabe zu richten, die Bedingungen fuer
einen gesunden Portschritt zu schaffen.
So ernst die Lage gegenwaertig ist, so besteht doch die Gefahr, dass sie sich noch verschaerfen kann, wenn keine Besserung
eintritt. Ein Uebel fuehrt zum anderen und es ist schwer,
zwischen Ursache und Wirkung zu unterscheiden. Die Atmosphaere
koennte, wenn sie sich verschlechtert, das klare Urteil trueben
und etwas verlockend erscheinen lassen, was in Wirklichkeit unverantwortlich ist.
Beide Seiten leiden schwer unter der gegenwaertigen Situation, und beide sind darum bemueht, eine gerechte und ausgleichende Loesung zu finden. Aber keine der beiden Seiten ist
in der Lage gewesen, eine solche zu finden.
Dies mag eine Situation sein, wo gemeinsame Preunde dem allgemeinen Wohl dienen koennten. Dies trifft besonders dann zu,
wenn das betreffende Gebiet selbst nicht alle Mittel zur Verfuegung hat, die fuer die sofortige Schaffung von umfassenden
Bedingungen der Sicherheit und des Wohlstandes erforderlich sind.
Die Vereinigten Staaten, die mit Israel und den arabischen
Laendern befreundet sind, haben die Lage genau und sorgfaeltig
geprueft und sind zu gewissen Schluessen gekommen, deren Bekanntgabe den Menschen guten Willens in jenem Gebiet zu neuen konstruktiven Bemuehungen verhelfen koennte. Ich spreche in dieser
Angelegenheit im Namen Praesident Eisenhowers.
I. Um die gegenwaertige Lage der 900 000 Pluechtlinge zu
beenden, ist es erforderlich, dass diese entwurzelten Menschen
in einem durchfuehrbaren Ausmass durch Wiedersesshaftmachung und
durch Repatriierung in die Lage versetzt werden, wieder ein Leben
der Wuerde und Selbstachtung zu fuehren. Um dies zu erreichen,
ist es erforderlich, mehr Kulturland zu schaffen, wo die Pluechtlinge ihre Heimat finden und ihren Lebensunterhalt durch ihrer
Haende Arbeit verdienen koennen. Gluecklicherweise gibt es
praktisch durchfuehrbare Bewaesserungsplaene, die dies ermoeglichen
koennen. Dies alles kostet Geld.
Israel muss einen Beitrag fuer die Pluechtlinge leisten. Es
ist jedoch moeglich, dass Israel ohne Hilfe nicht in der Lage
ist, zum gegenwaertigen Zeitpunkt einen ausreichenden Beitrag zu
leisten. Wenn dies der Pall ist, dann koennte eine internationale
Anleihe in Erwaegung gezogen werden, um es Israel zu ermoeglichen,
den Beitrag zu leisten, der angebracht ist, und der viele der
Pluechtlinge in die Lage versetzen wuerde, den Weg zu einem
besseren Leben zu finden.
Praesident

�"AMERIKA DIENST"

31. August 1955

Praesident Eisenhower wuerde eine wesentliche Beteiligung
der USA an einer Anleihe fuer diesen Zweck empfehlen. Er wuerde
weiter empfehlen, dass die USA zu der Verwirklichung von Flussregulierungs- und Bewaesserungsprojekten beitrage^ die direkt
oder indirekt die Neuansiedlung der Fluechtlinge erleichtern
wuerden.
Diese Projekte wuerden selbstverstaendlich noch weit mehr
bedeuten, als nur eine Hilfe fuer die Neuansiedlung von Fluechtlingen. Sie wuerden es der Bevoelkerung des ganzen Gebietes ermoeglichen, ein besseres Leben zu fuehren. Darueber hinaus
wuerde eine Loesung der Fluechtlingsfrage dazu beitragen, das
Problem der immer wiederkehrenden Zwischenfaelle zu beseitigen,
die die Siedlungen auf beiden Seiten der Grenze heimgesucht und
verbittert haben.
II. Das zweite Hauptproblem, das ich angefuehrt habe,ist
das der Furcht. Diese Furcht ist solcher Art, dass die Voelker
des Gebietes kaum in der Lage sind, fuer sich allein die Furcht
durch ein Gefuehl der Sicherheit zu ersetzen. Hier kann, wie
in vielen anderen Teilen der Welt, die Sicherheit nur durch
kollektive Massnahmen gewaehrleistet werden, die ihre entscheidende Macht auf die Abschreckung der Aggression ausrichten.
Praesident Eisenhower hat mich ermaechtigt mitzuteilen, das
er, unter Voraussetzung einer Loesung anderer damit zusammenhaengender Probleme, empfehlen wuerde, dass die Vereinigten
Staaten formelle vertragliche Verpflichtungen eingehen, um alle
Bemuehungen der einen oder der anderen Seite zu verhindern oder
zu vereiteln, die Grenzen zwischen Israel und seinen arabischen
Nachbarn mit Gewalt zu aendern. Ich gebe der Hoffnung Ausdruck,
dass andere Laender bereit sein wuerden, sich einer solchen
Sicherheitsgarantie anzuschliessen, und dass sie von den Vereinten Nationen verbuergt werden wuerde.
Dieses Gebiet koennte durch derartige kollektive Sicher—
heitsmassnahmen von den akuten Befuerchtungen befreit werden,
denen beide Seiten heute Ausdruck verleihen. Die nahe an den
Grenzen wohnenden Familien koennten von der nervenaufreibenden
Angst vor einem ploetzlichen gewaltsamen Tode befreit werden;
die Bevoelkerung jenes Gebietes, deren Lebensstandard ohnehin
viel zu niedrig ist, wuerde nicht mehr laenger die Lasten dessen
zu tragen haben, was ein Ruestungswettlauf, wenn nicht gar ein
Krieg, zu werden droht. Die fuehrenden Politiker jenes Gebietes
koennten sich dann konstruktiveren Aufgaben zuwenden.
III. Wenn die Grenzen garantiert werden sollen, wuerde es
den ueblichen Gepflogenheiten entsprechen, dass es zuvor zu
einem Abkommen ueber die Festlegung der Grenzen kommen wuerde;
dies ist das dritte Hauptproblem. Die bestehenden Grenzlinien,
die Israel und die arabischen Staaten voneinander trennen,
wurden durch die Waffenstillstandsabkommen von 1949 festgelegt.
Es war nicht beabsichtigt, dass sie in jeder Weise endgueltige
Grenzen sein sollten, zumindest teilweise trugen sie dem

�"AMERIKA DIENST"

31. August 1955

dem waehrend der Kaempfe bestehenden Frontverlauf Rechnung.
Die Aufgabe, endgueltige Grenzen festzulegen, ist zugegebenermassen schwierig.
Es gibt hier keine einzige und feste
Richtschnur, da beide der miteinander in Widerstreit befindlichen Ansprueche berechtigt zu sein scheinen. Das Problem wird
durch die Tatsache noch erschwert, dass selbst Wuestengebiete
eine von Gefuehlen bestimmte Bedeutung erlangt haben.
Zweifelsohne wuerden die umfassenden Vorzuege der hier dargelegten Massnahmen bei weitem jeden Nachteil solcher Berichtigungen aufwiegen, die notwendig sind, um die sich als Gefahrenpunkte erweisenden Waffenstillstands-Grenzlinien in eine Grenze der
Sicherheit zu verwandeln.
Trotz der sich widersprechenden Ansprueche und Gefuehle bin ich der Ansicht, dass ein Weg gefunden
werden kann, der den lebenswichtigen Interessen aller Parteien
Rechnung traegt. Die USA wuerden bereit sein, sich an der Suche
nach einer Loesung zu beteiligen, wenn die interessierten Staaten
dies wuenschen sollten.
IV. Wenn eine Einigung ueber diese Grundprobleme - Fluechtlinge, Furcht und Grenzen - erzielt werden kann, dann sollte es
auch moeglich sein, Loesungen fuer andere, hauptsaechlich wirtschaftliche Fragen zu finden, die gegenwaertig die Flammen der
Feindseligkeit und des Ressentiments entfachen.
Es sollte weiter moeglich sein, ein Uebereinkommen ueber
den Status von Jerusalem zu erreichen. Die Vereinigten Staaten
wuerden die Vereinten Nationen bei einer Ueberpruefung dieses
Problems unterstuetzen.
S chlu s s f o 1 ge ru ng en
Ich habe nicht versucht, alle die Probleme aufzuzaehlen,
deren Loesung wuenschenswert waere; noch habe ich versucht, im
einzelnen die Form zu umreissen, die eine Loesung irgendwelcher
dieser Probleme haben koennte.
Ich habe versucht zu zeigen,
dass die Moeglichkeiten fuer eine gewaltige Verbesserung der
Lage vorhanden sind und dass diese Moeglichkeiten von keinem
Staat verlangen, Massnahmen zu treffen, die gegen, seine Interessen Verstössen, ob diese Interessen nun im Hinblick auf
materielle Staerke oder im Hinblick auf das nationale Prestige
und die nationale Ehre gesehen werden. Ich habe weiter, so
hoffe ich, klar zum Ausdruck gebracht, dass die Regierung der
Vereinigten Staaten bereit ist, diese Moeglichkeiten durch
eigene Beitraege zu erweitern, wenn dies von den interessierten
Staaten gewuenscht wird.
Beide Seiten in diesem Kampfe besitzen eine grosse, ehrenvolle Vergangenheit, ein Erbe an reichen Beitragen zur menschlichen Kultur, beide haben den Fortschritt der Wissenschaft und
der Kuenste gefoerdert.
Jede Seite ist als hervorragender Vertreter einer der groessten Religionen der Welt anzusehen.
Beide
Seiten wuenschen ihrem Volke ein gutes Leben zu schaffen und an
den Fortschritten dieses Jahrhunderts teilzuhaben und zu ihnen

�".AMERIKA DIENST"

31. August 1955

ihnen beizutragen. Muessen wir nicht zu einer Zeit, in der
grosse Anstrengungen unternommen werden, um die Spannungen zu
mildern, die lange Zeit zwischen der sowjetischen und der westlichen Welt vorgeherrscht haben, hoffen, dass sich ein aehnlicher Geist im Mittleren Osten durchsetzt? Dies ist unser
Anliegen. Der Geist der Versoehnung und der guten Nachbarschaft
bringt den Voelkern und Nationen reichen Lohn. Wenn dieses
Handeln einige Buerden mit sich bringt, dann sind dies Lasten,
die die Vereinigten Staaten mit tragen wuerden, ebenso wie wir
an der Befriedigung Anteil haben wuerden, die alle Voelker empfänden, wenn das Glueck, die Zufriedenheit und der gute Wille den
Hass und das Elend bei den Voelkern vertreiben koennten, denen
wir eine hohe Achtung zollen und die wir ehren.
*****

�A M E R I K A

D I E N S T

LODGE ERLÄUTERT PRÄSIDENT EISENHOWERS
ABRÜSTUNGSVORS GHLAG
UN, NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut der Erklärung,
die der amerikanische Chefdelegierte bei den
Vereinten Nationen, Henry Cabot Lodge, vor
dem UN-Unterausschuß für Abrüstungsfragen
am 29.August 1955 abgab.

•Die Vereinigten Staaten heißen Sie zur Eröffnung der
31.Sitzung unseres Unterausschusses herzlich willkommen.
Und wir heißen Sie nicht zuletzt deshalb willkommen,
weil es hier um eine Sache von großer Bedeutung geht und
eine Gelegenheit, die wohl die größte ist, die der Unterausschuß je gehabt hat.
Diese Gelegenheit verdanken wir der Tatsache, daß unser
Treffen hier das erste seit der Genfer Konferenz der vier
Regierungschefs im Juli ist, an der Frankreich, die UdSSR,
Großbritannien und die Vereinigten Staaten teilgenommen
haben. Es war dies das erste derartige Treffen nach zehn
Jahren. Der praktische Wert dieses Genfer Treffens muß, wie
Präsident Eisenhower heute in Denver erklärte, hier nun zum
ersten Mal praktisch unter Beweis gestellt werden, wenn es
darum geht, eine Lösung für das Abrüstungsproblem zu finden.
Es gibt wohl kaum etwas noch Wichtigeres.
In Genf erklärte Präsident Eisenhower - und ich zitiere
hier wörtlich: "Ich schlage vor, daß wir einen realen Schritt
tun, daß wir sehr schnell mit einem Abkommen beginnen - was
uns anbetrifft, sofort. Diese Schritte wären:
Jeder soll jedem vollständige Pläne mit Angaben über
unsere militärischen Einrichtungen von A bis Z, von einem
Ende des Landes bis zum andern vorlegen; die Einrichtungen
sollen vorgewiesen, und jeder soll dem andern die Pläne zugänglich machen.
Weiter soltai innerhalb unserer Länder dem anderen Land
Möglichkeiten eingeräumt werden, Luftaufnahmen zu machen wir räumen ihnen Möglichkeiten in unserem Lande ein, ausreichende Möglichkeiten, um eine Luftaufklärung durchzuführen, bei der Sie alle Aufnahmen machen können, wie Sie wollen,
und
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�31. August 1955
»AMERIKA DIENST".
und die Sie zum Studium in Ihr eigenes Land mitnehmen können;
Sie wiederum sollen uns genau die gleichen Möglichkeiten einräumen, damit wir von uns aus diese Prüfungen vornehmen können.
Durch diesen Schritt wollen wir die Welt davon überzeugen, daß
wir gegenseitig Vorkehrungen treffen,um die Möglichkeit großer
Überraschungsangriffe auszuschließen-und die Gefahr zu verringern und die Spannung zu mindern. So würden wir ein umfassendes
und wirksames System der Kontrolle leichter erreichbar machen,
denn was ich Ihnen vorschlage,, wäre, seien Sie dessen versichert, nur ein Anfang."
Wir sind also der Ansicht, daß der eigentliche Kern des
Abrüstungsproblems die Inspizierung ist, daß es sich keine
Nation - weder die Vereinigten Staaten, noch die Sowjetunion,
noch irgendein anderes Land - leisten kann, seine Stärke im
Rahmen eines internationalen Abkommens zu reduzieren, so lange
kein Inspektionssystem geschaffen ist, das jede einzelne Klausel eines solchen Abkommens stützt und auf das sich die Menschheit verlassen kann.
Der Vorschlag Präsident Eisenhowers war getragen von der
ganzen Stärke, Aufrichtigkeit und Hoffnung der 160 Millionen
Amerikaner, für die der Präsident sprach. Er brachte seine
Überzeugung zum Ausdruck, daß Furcht und Mißtrauen jeden Fortschritt in der Frage der Inspizierung blockiert haben, und
daß dieses Mißtrauen nicht nur von einer Seite kam. Er "durchforschte Herz und Verstand" nach einem Vorschlag, der für beide
Seiten annehmbar wäre, und ganz speziell für jene beiden großen
Länder, die eine große Anzahl nuklearer Waffen besitzen, welche wiederum Furcht und Angst vor einem Überraschungs-Angriff
auslösen. Er glaubte, daß dann, wenn sich die Sowjetunion und
die Vereinigten Staaten innerhalb der Vereinten Nationen dazu
bereit finden könnten, es mit einem einfachen, praktisch durchführbaren, bedeutsamen und als Ausgangsbasis geeigneten Inspektionssystem zu versuchen, schon der entscheidende Schritt zu
einem umfassenden und weltweiten Programm zur.Begrenzung und
Reduzierung der Rüstungen und zur Sicherheit vor einem Weltkrieg getan wäre.
Lie Regierungschefs wiesen in Genf ihre Vertreter in diesem UN-Ausschuß an, die in Genf von jedem von ihnen gemachten
Vorschläge zu erwägen. Ich lege Ihnen aus diesem Grunde hiermit den Plan Präsident Eisenhowers mit dem vollständigen V/ortlaut vor, wie er ihn am 21.Juli in Genf vorgetragen hat. Der
Wortlaut ist beim Sekretariat erhältlich.
Der Begriff "Pläne" in dem Vorschlag Präsident Eisenhowers
schließt zunächst einmal die Identifizierung, Stärke, Organisation und Verteilung von militärischem Personal, Truppeneinheiten und Ausrüstungen aller wichtigen Land-, See- und Luftstreitkräfte ein, auch die Reservetruppen und die halbmilitärischen
Organisationen; zweitens eine vollständige Liste der militärischen Anlagen samt der Einrichtungen und Übungsplätze mit
Ortsangabe.
Keine Nation könnte natürlich solche Informationen geben,
ohne völlig sicher zu sein, daß die andere Seite das 'gleiche
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�"AMERIKA DIENST"

31. August 1955

gleiche tut. Es müssen wirksame Mittel und Wege zur Verifizierung der von den Teilnehmerstaaten gegebenen Berichte durch
Aufklärung aus der Luft, zu Lande und zu Wasser geschaffen
werden.
Im Falle der Zustimmung zur Herstellung von Luftaufnahmen,
wie dies im Plan des Präsidenten vorgesehen ist, würde jedes
Land eine unbeschränkte, aber vorher anzusagende Luftaufklärung
zulassen.
Um jedoch volle Sicherheit gegen einen Überraschungsangriff
zu schaffen, muß nach Ansicht der Vereinigten Staaten vor allem
Vorsorge getroffen werden, daß keines der beiden Länder das andere
mit seinen weitreichenden Waffen angreifen kann. Lies könnte durch
eine Inspektion und Überwachung der entsprechenden Streitkräfte,
der Hilfsverbände und durch Maßnahmen, die eine Ermittlung der
Angriffsvorbereitungen gewährleisten können, geschehen. Die
Vereinigten Staaten glauben ferner, daß der Austausch von Informationen gemäß dem Plan des US-Präsidenten Zug um Zug durchgeführt werden sollte, und zwar beginnend mit den weniger bedeutsamen bis zu denen über strategisch wichtige Punkte, die
jene einschließen, durch die die Möglichkeit einer Überraschung
ausgeschlossen wird.
Sie werden noch nähere Einzelheiten über die Methoden erhalten, mit denen die gegenseitige Luftbeobachtung durchgeführt
werden soll. Unter anderem wird jedes inspizierende Land seine
eigenen Flugzeuge und Geräte verwenden; das schließt Beobachtungsund Aufnahmegeräte sowie elektronische Beobachtungsmittel mit ein.
Für die Lauer des Fluges soll sich Personal des inspizierten Landes an Bord jedes Aufklärungsflugzeuges befinden.
Lie Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die auszutauschende Liste über die militärischen Einrichtungen einen
oder mehrere Flugplätze enthalten soll, die von den Besatzungen
der Beobachtungsflugzeuge benutzt werden können.
Ferner müßten ausreichende Nachrichtenverbindungen zur Verfügung stehen, wie dies für eine schnelle und direkte Berichterstattung der Beobachter an ihre Regierungen erforderlich ist.
Jede Regierung würde von sich aus Grenzübergangsstellen
für die Ein- und Ausreise des Personals und den Ein- und Ausflug
der Flugzeuge bezeichnen, um die Beobachter, Maschinen und das
Personal auf dem Wege von und zur Heimat abfertigen, und das dabei
eingesetzte Personal und die Geräte inspizieren zu können.
Jedes inspizierte Land wäre für die Flugsicherheit des
Beobachtungsflugzeuges verantwortlich.
Die Vereinigten Staaten sind durchaus bereit, eine Abhandlung darüber vorzulegen, wie all diese Arbeiten abzuwickeln sind.
Über die Einzelheiten kann man natürlich verhandeln. Wir würden
gern mit anderen Regierungen alle Gesichtspunkte dieses Planes
besprechen.
Die von mir hier gegebene Zusammenfassung kann nur im Zusammenhang mit einer solchen Abhandlung und als ein fester Bestandteil dieser gewertet werden.
Der

�"AMERIKA DIENST"

31. August 1955

Der von mir hier beschriebene Plan bedingt, daß die daran
beteiligten Nationen weitreichende Unternehmen beginnen müssen.
Das amerikanische Volk, dessen bin ich gewiß, wird gern seinen
Teil an einem gerechten Plan tragen, der wahrhaft zur Sicherheit
der Welt beiträgt und die Aussichten auf einen gerechten und
dauerhaften Frieden durch die Verkleinerung der Gefahr eines
Überraschungsangriffes wirklich verbessert und damit den Weg
frei macht für ein umfassendes Übereinkommen hinsichtlich der
Regulierung und Verkleinerung der Rüstungen.
Die Welt erwartet, daß dieser Ausschuß vor seiner Vertagung
irgend etwas hinsichtlich dieses wichtigen Planes unternimmt
und daß alle Anwesenden ihre Ansicht kundtun, an seiner Durchführung und Ausführung innerhalb des Hoheitsgebietes ihrer Regierungen auf der Basis der Gegenseitigkeit und Angemessenheit
mitzuwirken. Wir in den Vereinigten Staaten sind bereit, dieses
Projekt unverzüglich zwischen uns und der Sowjetunion in Kraft
treten zu lassen.
Wir werden den Vorschlag unterbreiten, die Abrüstungskommission und die Vollversammlung mögen in einfachen klaren
Worten ihre Unterstützung des Planes dartun und der von der
Kommission zu unterbreitende Bericht soll den Völkern der Welt,
die einen so hohen Einsatz in der Präge des Friedens oder Krieges
wagen, klar verständlich gemacht werden.
Wir sind bereit, weitere Maßnahmen zu unterbreiten, die
nach Ansicht der Vereinigten Staaten dazu angetan sind, die
Sehnsucht der Menschheit nach einer Entspannung zu erfüllen,
die^zu einem großen Teil das Ergebnis der enormen, sich ständig
erhöhenden Rüstungen ist.
Aus diesen Überlegungen heraus ernannte der Präsident der
Vereinigten Staaten einen verdienstvollen amerikanischen Bürger,
Mr. Harold E. Stassen, zum stellvertretenden amerikanischen
Delegierten. Ich heiße ihn hier in seiner offiziellen Eigenschaft, als Mitglied des amerikanischen Kabinetts und als langjährigen Freund, willkommen.
Herr Vorsitzender!
Diese Sitzung des Unterausschusses gibt
uns eine einmalige Gelegenheit, dem eigenen Volk und den anderen
Nationen dieser Erde einen Dienst zu leisten. Wenn wir alle diese Gelegenheit voll ausschöpfen, der wir uns gegenübersehen,
dann werden die Sitzungen dieses Unterausschusses als ein Meilenstein in die Geschichte des menschlichen Fortschrittes eingehen.

# * * * *

- 4 -

�A M E R I K A

STASSEN:

E N

S T

FRIEDEN NUR DURCH BEENDIGUNG DES
WETTRÜSTENS
BOSTON - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede, die der Sonderbeauftragte Präsident Eisenhowers für AbrüstungS'
fragen, Harold E. Staasen, am 2.September 1955
vor amerikanischen Kriegsteilnehmern in Boston
hielt.

Ich darf zunächst dem 56.Nationalkonvent des Verbandes
der Teilnehmer an Feldzügen im Ausland die herzlichen und
persönlichen Grüße Präsident Eisenhowers übermitteln, der
ja auch Mitglied Ihrer Organisation ist.
Die entsetzlichen Realitäten des modernen Krieges
werden heute in allen lagern mehr und mehr erkannt. Man hat
hiah zu der nüchternen und immer deutlicher werdenden Einsicht durchgerungen, daß in einem neuen Weltkrieg der Sieger
wie auch der Besiegte kaum noch zu unterscheidende Opfer
einer Zerstörung sein würden, deren Ausmaß die Menschheit
bisher weder gesehen noch erlebt hat.
Meiner Ansicht nach werden wir mit Sicherheit auf dem
Weg des Friedens weiterschreiten, wenn wir die nachstehenden
eng miteinander zusammenhängenden Grundsätze getreulich einhalten:
1. Es muß ein sicheres, durch Inspektion gewährleistetes Verfahren gefunden werden, um dem Rüstungswettrennen
ein Ende zu bereiten.
2. Alle Nationen, besonders die Großmächte, müssen sich
der Zurückhaltung und Geduld befleißigen.
3. Keine Nation darf versuchen, sich in selbstsüchtiger
Weise aus dem Wunsch einer anderen Nation, Krieg zu vermeiden,
Vorteile verschaffen zu wollen.
4. Die Vereinigten Staaten müssen zur eigenen Verteidigung eine angemessene Stärke beibehalten und dazu beitragen,
vor einer Aggressionshandlung seitens einer anderen Nation
abzuschrecken.
5^_
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�7. September 1955
"AMERIKA DIENST"
5. Alle Völker sollen die Chancen haben und kennen,
ihren Lebensstandard anter friedlichen Bedingungen und mit
friedlichen Mitteln, einschließlich der Nutzbarmachung der
Atomenergie, zu heben.
6. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten muß gesund
und stark bleiben und dabei die Lebensbedingungen unseres
Volkes ständig erweitern.
7. Wir müssen unseren Idealen von der Würde der Persönlichkeit, der menschlichen Freiheit und der geistigen Werte
in der Ehrfurcht Gottes treu bleiben.
8. Der Austausch von Wissen und von zivilen Gütern unter
den Völkern muß ebenso gefördert und erweitert werden wie das
Verstehen der kulturellen Errungenschaften des anderen.
9. Die Vereinten Nationen sollten im zweiten Jahrzehnt
ihres Bestehens noch stärker als bisher unterstützt werden.
10. Der Geist der Zusammenarbeit der verschiedenen Länder,
der Unterstützung des anderen zu gemeinsamen Nutzen, sollte sich
immer mehr durchsetzen.
11. Friedliche Methoden zur Beilegung von Unstimmigkeiten
zwischen einzelnen Nationen, wie unmittelbare Verhandlungen und
Schlichtung, sollten anstelle von Ultimaten, Kriegsdrohungen und
der furchtbaren Ultima ratio des Krieges selbst treten.
Ich bin überzeugt, daß eine strikte Befolgung dieser Grundsätze wesentlich zur Verminderung heftiger Spannungen beitragen
kann, so daß schließlich die Rüstungslasten, die zur Zeit die
Bemühungen der Völker um eine maximale Ausnutzung der durch die
Kernspaltung gegebenen Möglichkeiten eines friedlichen Fortschritts behindern, fortfallen dürften.
Die gleichen Stoffe, die der Atombombe ihre schreckenerregende Kraft verleihen, können der Menschheit auch erstaunlichen
Reichtum und neues Leben bringen. Schon heute hat man in der
friedlichen Nutzung der Atomenergie Bemerkenswertes erreicht.
Wie Sie alle wissen, wurzelt das internationale Programm zur
Nutzung der Atomenergie für friedliche Zwecke in dem historischen Vorschlag Präsident Eisenhowers, den er am 8.Dezember 1953
der Vollversammlung der Vereinten Nationen unterbreitete und in
dem er alle Nationen aufforderte, es den Vereinigten Staaten
gleichzutun und nach Mitteln und Wegen zu suchen, "damit die
wunderbare Erfindergabe des Menschen nicht zu seinen eigenen
Vernichtung führe, sondern vielmehr in den Dienst seines Lebens
gestellt werde."
Am 15.November 1954 gaben die Vereinigten Staaten getreu
dem Vorschlag des Präsidenten bekannt, daß die AtomenergieKommission 220 Pfund spaltbaren Materials zur Verwendung als
Brennstoff in Versuchsreaktoren durch solche Länder freigegeben
habe, die sich an dem Atomenergieprogramm beteiligen.
Seit diesem Zeitpunkt haben die Vereinigten Staaten mit
28 Nationen Abkommen über eine Zusammenarbeit beim Aufbau von
Forschungsreaktoren zu friedlichen Zwecken abgeschlossen.
Zwanzig

�7. September 1955

"AMERIKA DIENST"

Zwanzig Staaten haben 31 junge Wissenschaftler zum Studium
an das Argonne-LabOratorium in Chicago gesandt, wo sie Erfahrungen sammeln können, wie diese neue Energiequelle zu friedlichen
Zwecken genutzt werden kann.
Unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen wurde
kürzlich in Genf eine Konferenz von 1200 Wissenschaftlern aus
72 Ländern abgehalten, auf der Informationen und wissenschaftliche Abhandlungen über die friedliche Nutzung der Atomenergie
ausgetauscht, beziehungsweise erörtert wurden.
Solche Zusammenkünfte sind dem Fortschritt überaus förderlich, nicht nur, weil sie Gelegenheit zu einem konstruktiven
Informationsaustausch geben, sondern weil durch sie - was noch
viel wichtiger ist - sich Anregungen ergeben, dieyfür die ganze
Menschheit so wertvolle Initiative und den Genius des einzelnen
entwickeln und zu Wort kommen lassen.
Während die Vereinigten Staaten unter der mitreißenden
Führung von Präsident Eisenhower schon seit vielen Monaten mit
anderen Ländern zusammenarbeiten, um geeignete Mittel und Wege
für den internationalen Austausch von Informationen über die
friedliche Anwendung der Atomenergie zu entwickeln, haben die
Bemühungen hier in den Vereinigten Staaten selbst in ermutigender Weise Zeugnis abgelegt für die unbegrenzten Zukunftsmöglichkeiten des "friedlichen Atoms" im Alltagsleben.
Es ist eine simple Tatsache, daß wir es hier nicht mehr
mit einem Traumgespinst zu tun haben. Die Kernenergie und die
ihr verwandten Gebiete stellen ein sehr reales und heute schon
gültiges Versprechen für weiteren Fortschritt dar.
Radio-Isotope werden beispielsweise weitgehend in der
Diagnose sowie zum Aufspüren von Krankheitsursachen und zur
Therapie verwendet. In der Fabrikation und Forschung werden
sie gebraucht, um dünnste Schichten exakt zu messen, Verunreinigungen auf die Spur zu kommen und beispielsweise Abnützung
irgendwelcher Art festzustellen. Man schätzt, daß die amerikanische Industrie durch die Verwendung von Radio-Isotopen jährlich
etwa 100 Millionen Dollar einspart.
Erst vor einem Monat lief der erste mittels Atomenergie
auf kommerzieller Basis erzeugte elektrische Strom durch die
Überlandleitungen im Nordosten des Staates New York und versorgte die Industrie und die Bevölkerung dieses Gebietes mit
Licht und Energie. Amerikanische Firmen planen, im Laufe der
nächsten fünf Jahre sechs industrielle Atomkraftwerke mit
einer Gesamtkapazität von 765 000 Kilowatt zu bauen.
Unser Weg ist klar vorgezeichnet. Amerika muß geschlossen,
stark und wachsam, aber geduldig und das Erreichte bewahrend an
diese höchste Aufgabe des Menschen herangehen» Eine Zukunft
zu schmieden, in der Menschen und Völker in Frieden leben können.
Und ich vertraue darauf, daß dies, mit Gottes Hilfe, zu erreichen
ist.
* * *• * #

- 3 -

�A M E R I K A

D I E N S T

DIE AMERIKANISCHE ANTITRUSTGESETZGEBUNG UND DER
WELTHANDEL

WASHINGTON — (AD) — Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Rede über die Frage der
Auswirkungen der amerikanischen Antitrustgesetzgebung auf den Welthandel, die der stellvertretende
Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium, Thorsten V. Kalijarvi, am 16. September
vor dem Unterausschuß für Fragen der Antitrust- und
Monopolgesetzgebung, der dem Senatsausschuß für
Rechtswesen und Verfassungsrecht angeschlossen ist,
gehalten hat.
In meiner Eigenschaft als amtierender stellvertretender
Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im US-Außenministerium hat
man mich gebeten, hier vor Ihnen die Haltung des amerikanischen
Außenministeriums in der Frage des Zusammenhangs zwischen der
Antitrust-Politik einerseits und dem Außenhandel und den Auslandsinvestitionen andererseits zu referieren.
Eines der wichtigsten Ziele unserer Außenhandelspolitik
ist es, die expandierende Weltwirtschaft zu fördern. Wir sind
überzeugt, daß eine expandierende Weltwirtschaft auch die amerikanische Wirtschaft stärkt und gleichzeitig dazu beiträgt, der
Verwirklichung der Wünsche der anderen Völker, an den Vorteilen
und Segnungen der modernen industriellen Methoden und des industriellen Fortschritts teilzuhaben, näherzukommen. Die auf
diese Weise erreichte größere wirtschaftliche Stärke wiederum
bedeutet eine Erhöhung der Sicherheit der ganzen freien Welt.
Und somit steht eine expandierende Weltwirtschaft in direkter
Beziehung zu unserem wirtschaftlichen Wohlergehen und unserer
nationalen Sicherheit.
Und im Interesse der Erreichung dieses Grundzieles liegt
es auch, daß drei Maßnahmen, an denen der Ausschuß interessiert
ist, erwähnt werden, nämlich die Förderung des Welthandels, die
Begünstigung der privaten Investitionen im Ausland und unser
Eintreten für den Wettbewerb als der Alternative zur Karte 11- 1 -

�"AMERIKA DIENST» - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

21. September 1955

Kartellwirtschaft und zum Sozialismus» Wir sind überzeugt, daß dies
alles wichtige Schritte sind, um eine expandierende Weltwirtschaft
zu verwirklichen.
Der Kongreß hat dies auch in den verabschiedeten Gesetzen
hinreichend anerkannt. So hat er es in der Abänderungsbestimmung
zum Gesetz für Gemeinsame Sicherheit vom Jahre 1954 ausdrücklich
als die Politik der Vereinigten Staaten erklärt, "die Bemühungen
anderer freier Nationen zu fördern ..., die Privatinitiative und
den Wettbewerb zu unterstützen" und "monopolistischem Gebaren den
Boden zu entziehen." Der wesentliche Grundsatz dieser Politik ist,
die durch eigene Erfahrung gewonnene Überzeugung auch im Ausland zu
verbreiten, daß erst aus dem System des freien Wettbewerbs die dynamische Kraft für den wirtschaftlichen Portschritt erwächst. Die
in den besagten Abänderungsbestimmungen zum Ausdruck gebrachte Politik fußt auf der Erkenntnis, daß eine durch Beschränkung der
Privatinitiative gedrosselte Wirtschaft mit einem Schiff zu vergleichen ist, das ständig den ausgeworfenen Anker hinter sich her- .
schleppt. Private Vereinbarungen darüber," die Produktion zu begrenzen, die Preise zu halten, Firmen mit eigener Initiative zu diskriminieren, den technischen Fortschritt zu behindern, nicht leistungsfähige Produzenten im Geschäft zu halten, .stehen, wo immer
sie in der freien Welt auftreten, dem Fortschritt im Wege und arbeiten unseren Interessen entgegen.
Das amerikanische Außenministerium und andere zuständige Behörden der Exekutive suchen entsprechend dieser Kongreßpolitik
dem Ausland klar zu machen, wie unser Wirtschaftssystem des freien
Wettbewerbs arbeitet. Wir bestärken offizielle Vertreter des Auslandes und Privatpersonen in dem Wunsch, nach den Vereinigten Staaten zu kommen und an Ort und Stelle das amerikanische Wirtschaftssystem und die Antitrustgesetze zu studieren. Wir unterstützen andere länder in der Ausarbeitung von Antikartellgesetzen und ihrer
Durchführungsverordnungen. Im Bereich unserer Wirtschaftsbeziehungen
weisen wir immer wieder auf das Vorhandensein restriktiver Geschäftspraktiken hin, die die Exportmöglichkeiten anderer Länder
nach den Vereinigten Staaten oder die Erzielung anderer wirtschaftlicher Ziele beeinträchtigen. Wo immer dies möglich ist, bedienen
wir uns im Ausland bei der Vergebung von Aufträgen des Verfahrens
der öffentlichen Ausschreibung, und wir weisen andere Staaten und
internationale Behörden immer wieder darauf hin, nach diesem Grundsatz zu verfahren. Durch technische Hilfsprogramme betonen wir die
Notwendigkeit, um der Steigerung der Produktivität willen, die Beschränkungen in der Produktion wie im Handel zu beseitigen. Wir
unterstützen die amerikanische Geschäftswelt, führende Persönlichkeiten der Gewerkschaften und andere Kreise in ihren Bemühungen,
immer wieder auf die Vorteile einer Wirtschaft des freien Wettbewerbs hinzuweisen.
Die seit dem Ende des zweiten Weltkrieges erzielten Resultate
sind denn auch nicht unbedeutend. Vor dem Krieg wurden die Kartelle
im Ausland fast allgemein durch die Regierungen gestützt, tatsächlich
forderten ausländische Gesetze sogar häufig die Zugehörigkeit zu
einem Kartellverband. Im Frühjahr dieses Jahres jedoch stellte der
2 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

21. September 1955

der Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen (ECOSOC) mit
Genugtuung fest, daß "eine Anzahl von Regierungen-neue Maßnahmen
in Angriff genommen oder bestehende Vorschriften verschärft hat,
um restriktive Geschäftspraktiken oder deren gefährliche Auswirkungen zu verhindern, beziehungsweise unter Kontrolle zu bringen"
und daß sich immer mehr die Erkenntnis durchsetzt, "welche gefahrvollen Auswirkungen solche Praktiken auf die wirtschaftliche
Entwicklung, die Beschäftigungslage und den internationalen Handel
haben." Diese Meinung wird noch durch die Tatsache erhärtet, daß,
was hier nicht unerwähnt bleiben soll, in den meisten westeuropäischen Ländern jetzt Gesetze rechtskräftig sind, die restriktive
Geschäftspraktiken unter Kontrolle halten und daß, was noch wichtiger ist, die Durchführung solcher Gesetze in den meisten Fällen
energisch betrieben wird. Wenn die Geaetze dort auch nicht so umfassend sind wie unsere eigene Antitrustgesetzgebung, so ist man
doch allgemein bestrebt, ihre Wirksamkeit zu erhöhen. Die eindrucksvollste Entwicklung zeichnete sich in dieser Hinsicht wohl
mit der Einbeziehung strenger Bestimmungen zur Unterbindung von
Kartellen und Monopolen in dem Vertrag der Montan-Union abj diese
Bestimmungen ähneln viel eher den amerikanischen Antitrustgrundsätzen denn den herkömmlichen europäischen Konzeptionen von der
Regelung des Kartellwesens. Es besteht berechtigter Grund zu
der Annahme, daß diese Bestimmungen in der Praxis auch wirksam
vertreten werden und die Volkswirtschaften aller westeuropäischen
Länder davon profitieren.
In den letzten Jahren hat sich ein weiterer bemerkenswerter
Wandel vollzogen, der ebenfalls die Aufmerksamkeit des Ausschusses
verdient, und zwar die Änderung der offiziellen Haltung in Europa
zugunsten einer den freien Wettbewerb wirklich* fördernden Wirtschaftsform. In Großbritannien hat beispielsweise der MonopolAusschuß vor kurzem einen Bericht veröffentlicht, in dem das gesetzliche Verbot einer Anzahl restriktiver, in der britischen
Industrie allgemein üblicher Praktiken empfohlen wird. In Erläuterung dieses Berichts während der Parlamentsdebatte gab Mr.
Thorneycroft, der britische Handelsminister, folgende Erklärung,
die den Standpunkt der Konservativen in dieser Frage widerspiegelt:
"Aus diesen Gründen haben wir die von uns verfolgten Ziele
angestrebt, um die Hindernisse im Handel mit dem Ausland und im
Inland aus dem Wege zu räumen und Mißbräuche auf dem Gebiet des
Monopolwesens oder der Handelsrestriktionen zu verhindern. Wir
sind und bleiben die Partei des freien Unternehmertums und des
Wettbewerbs in einer Zeit, in der wir beider dringend bedürfen."
Ein weiteres Zeichen für die veränderte Einstellung zu dieser
Frage ist das zunehmende Interesse der Öffentlichkeit. Die Presse
widmet dem Problem größte Aufmerksamkeit und weite Kreise der öffent&lt;
lichkeit setzen sich für eine Steigerung der Produktivität ein. Die
Öffentlichkeit zeigte sich über restriktive Wirtschaftspraktiken,
die durch amtliche Untersuchungen aufgedeckt wurden, sehr beunruhigt. Ich möchte mich in diesem Zusammenhang auf ein Beispiel
beschränken. Bei einer im Jahre 1951 in Westdeutschland, durchgeführten Meinungsbefragung sprachen sich 37 # der.Befragten für freie

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT TOD ARBEIT

21. September 1955

freie Preisgestaltung, 47$ dagegen für Festpreise aus. Demgegenüber ergab eine zwei Jahre später im gleichen Gebiet und zum gleichen Thema durchgeführte Befragung 54$ für freie Wirtschaft und
nur 3196 dagegen. Angesichts dieser und anderer Tatsachen, die uns
immer wieder bekannt werden, sind wir zu der Überzeugung gelangt,
daß die Idee der freien Wettbewerbswirtschaft auch in anderen
Teilen der Erde immer mehr an Boden gewinnt.
An dieser Stelle scheint es mir von Interesse für den Ausschuß zu sein, auf vier wesentliche Gründe hinzuweisen, aus denen
das Ministerium unsere Politik der freien Wettbewerbswirtschaft
als wichtig für unsere Auslandsbeziehungen betrachtet.
Erstens ist das Ministerium der Ansicht, daß diese Politik
mit dazu beigetragen hat, eine weitere Ausdehnung internationaler
Kartelle zu verhindern. Diese Kartelle und ihre Folgeerscheinungen,
wie hohe Festpreise, Absinken der Investitionslust und eine eher
statische als dynamische Wirtschaft, wirken sich hemmend auf die
Weltwirtschaft aus. Die Vereinigten Staaten sind nicht nur einer
unter vielen Industriestaaten - das Volumen ihrer Gütererzeugung
allein ist ebenso groß wie das der übrigen Länder zusammen.
Ohne Beteiligung Amerikas ist eine wirksame Kartellisierung immer
weiterer Teilgebiete des Welthandels einfach nicht durchzuführen.
Es bedarf nicht vieler Worte, um klarzumachen, welche andere
Entwicklung der Welthandel genommen hätte, wenn die Vereinigten
Staaten sich zum Gedanken der internationalen Kartelle bekannt
hätten. Die freie Wettbewerbswirtschaft der Vereinigten Staaten
hat daher einen sehr gesunden Einfluß auf die Entwicklung eines
gut funktionierenden und sich ständig ausweitenden Welthandels
ausgeübt.
Zweitens trägt unsere Politik der freien Wettbewerbswirtschaft
wesentlich dazu bei, andere Länder zur Förderung des freien Wettbewerbs im eigenen Lande zu ermutigen. Wie ich bereits ausgeführt
habe, sind viele Maßnahmen unserer Regierung darauf gerichtet,
andere Länder zu einer Stärkung der Kräfte des freien Wettbewerbs
in ihrer eigenen Wirtschaft anzuregen. Es gibt aber keine bessere
Form der Anregung als eben das selbst zu praktizieren, was wir
predigen. Wenn sich zum Beispiel unsere Antitrustgesetzgebung
nicht auch auf das Gebiet des Außenhandels bezogen hätte, so
wäre unser Eintreten für eine freie Wettbewerbswirtschaft für
jene Länder, deren Wirtschaft mit dem Außenhandel lebt und stirbt,
ziemlich bedeutungslos gewesen.
Drittens gibt uns unsere Politik der freien Wettbewerbswirtschaft die Möglichkeit, unsere industriellen Unternehmungen und
unsere Handelsbeziehungen im Ausland zu schützen und zu fördern,
denn sie bildet die theoretische Grundlage für etwaige Vorstel»
lungen bei Regierungen anderer Länder bezüglich restriktiver Maßnahmen, die den amerikanischen Interessen entgegenstehen. Wohl
ist es richtig, daß derartige Schritte der Vereinigten Staaten
nicht immer erfolgreich sein werdenj doch haben wir eine sehr
viel stärkere Ausgangsposition in der Abwehr restriktiver Maßnahmen, die sich gegen unseren Handel mit dem Ausland und unsere
industriellen Unternehmungen im Ausland richten, wenn wir selbst

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21. September 1955

selbst uns derartiger Handlungen enthalten.
Tiertens ist das Ministerium der Ansicht, daß unsere Politik
der freien Wettbewerbswirtschaft mit zu dem Ansehen beiträgt, das
die amerikanische Industrie in der ganzen Welt genießt. Unsere
Antitrust-Gesetze und -politik sind den anderen Ländern ein Beweis
dafür, daß wir nicht auf ihre Ausbeutung abzielen, sondern daß
wir offen und anständig mit ihnen konkurrieren und den anderen
Völkern mehr oder bessere Güter und Dienstleistungen zu vernünftigeren Preisen bieten wollen. In diesem Geiste beteiligen wir uns
am Welthandel. Natürlich werden jene nicht alle, die unser Land und
unsere Wirtschaft der "kolonialen Ausbeutung" und des "wirtschaftlichen Imperialismus", und wie der ganze bekannte Rattenschwanz
der Verleumdung sonst noch heißt, beschuldigen. Gerade unsere Politik
des freien Wettbewerbs ist die beste Antwort auf derartige Beschuldigungen.
Lassen Sie mich nun einige der Probleme behandeln, die sich
bei der Durchsetzung unserer Antitrustgesetzgebung im Zusammenhang
mit der Außenpolitik ergeben. Als erstes wäre 'die Auswirkung unserer Antitrustgesetzgebung auf die Möglichkeiten zur Investition
amerikanischen Kapitals im Ausland zu nennen. Wie bereits erwähnt,
befürwortet das Außenministerium sehr stark eine möglichst rege
Investitionstätigkeit der amerikanischen Industrie im Ausland, da
sie ganz bedeutend zur Stärkung der Wirtschaft anderer freier Länder beiträgt. Es ist viel darüber gesagt und geschrieben worden,daß
die Antitrustgesetze oder die Art ihrer Handhabung sich angeblich
hindernd auf derartige Investitionen auswirken. Zum ersten wird behauptet, es bestehe eine gewisse Unsicherheit hinsichtlich des
Status der verschiedenen Formen von «Auslandsinvestitionen unter
den Antitrustgesetzen, und zweitens wird erklärt, die Antitrustgesetze wirkten sich auf die Auslandsinvestitionen, soweit diese
von ihnen berührt werden, im gegenteiligen Sinne aus. Zu Punkt Eins
hat das Außenministerium bei Darlegung seiner Stellungnahme vor
dem Nationalausschuß des Justizministers zur Untersuchung der
Antitrustgesetzgebung ausgeführt, daß "eine klärende Feststellung
bezüglich der Anwendung der Antitrustpolitik auf die Auslandsinvestitionen ein positives Mittel zur Beseitigung der bestehenden Unsicherheiten bei etwaigen Investoren sein werde." Das Ministerium
ist der Ansicht, daß die Analyse des Gesetzes, wie sie das Kapitel
über den Außenhandel in dem Bericht des Ausschusse« enthält, einen
wertvollen Beitrag zu dieser so dringend erforderlichen Klärung
darstellt.
Was den zweiten Einwand anbelangt, so sieht sich das Ministerium
nicht in der Lage,- eine definitive Stellungnahme abzugeben. Doch lassen Sie mich jene Faktoren nennen, die unserer Meinung nach bei jedem Versuch, sich ein richtiges Bild von den Vor- und Nachteilen
für die öffentlichkeit^zu machen, berücksichtigt werden müssen.
Zunächst hat das Ministerium beobachtet, daß die Antitrustgesetze sich in vielen Fällen auf die Form der Auslandsinvestitionen
durch amerikanische Firmen ausgewirkt haben. Es ist jedoch schwer,
irgendeinen bestimmten Fall herauszugreifen und zu behaupten, hier

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21. September 1955

hier haben die Antitrustgesetze eine Investition im Ausland verhindert, Der Grund hierfür ist darin zu suchen, daß bei jedem
größeren Investitionsvorhaben im Ausland eine Vielzahl von Dingen
zu berücksichtigen ist. So sind beispielsweise Paktoren in Betracht
zu ziehen, wie die Bereitschaft einer fremden Regierung, Investitionen ausländischer Firmen zuzulassen; die Beurteilung der Möglichkeiten, in einem weit entfernten Land und unter fremden Umweltbedingungen erfolgreich zu arbeiten; durch den Geldgeber; die konkurrierenden Investitionsmöglichkeiten in den Vereinigten Staaten
selbst; die Sicherheit des investierten Kapitals und die Konvertierbarkeit der Erträge; die Fähigkeit des Investors, im Ausland
so günstige Abmachungen zu treffen, daß sich die Investierung
lohnt; und schließlich steuerliche Vergünstigungen oder Belastungen.
Aus all diesen Gründen ist es in den meisten Fällen außerordentlich
schwierig, wenn nicht gar unmöglich, festzustellen, ob eine geplante
Auslandsinvestition tatsächlich wegen der Antitrustpolitik oder
-gesetze nicht zustandegekommen ist.

Zweitens ist die Frage zu entscheiden, ob im Sinne unserer
grundsätzlichen Ziele - der Forderung und Ausweitung der Wirtschaft
der freien Welt - Auslandsinvestitionen unter Bedingungen, die eine
Verletzung der jetzt in Kraft befindlichen Antitrustgesetze darstellen, von der amerikanischen Regierung gutgeheißen werden sollen.
Angenommen, eine amerikanische Firma wäre bereit, in ein ausländisches Industrieunternehmen Kapital nur unter der Bedingung zu investieren, daß dieses den Absatz seiner Erzeugnisse nur auf das
eigene Land beschränkt. Es erhebt sich dann die Frage, ob die Nachteile, die sich aus dieser Behinderung für den Außenhandel des betreffenden Landes und den der Vereinigten Staaten ergeben, den Beitrag selbst aufwiegen, den die Investition zur Binnenwirtschaft
des fremden Landes leisten kann, oder aber von ihm aufgewogen werden,
Drittens ist es wichtig, sich zu überlegen, was die Wirkung
im Auslande sein würde, wenn die Antitrustgesetze in der Weise geändert würden, daß sie den Geldgebern eine Geschäftspraxis gestatten, die nach den Antitrustgesetzen ^etzt verboten ist. In diesem
Zusammenhang dürfen wir nicht vergessen, wie sehr unsere Politik
des freien Wettbewerbs dazu beiträgt, das Ansehen der amerikanischen
Industrie im Auslande zu erhöhen. Änderungen unserer Politik des
freien Wettbewerbs könnten das allgemeine Klima auf den ausländischen Investitionsmärkten unmittelbar berühren. Ferner sind die
Kartell- und Monopolpraktiken mancher Länder eines der größten
Hemmnisse für Investitionen in diesen Gebieten. In diesem Zusammenhang hat Präsident Eisenhower im Einklang mit den von der Kommission
für Außenhandelspolitik gemachten Empfehlungen den Außenminister
angewiesen, "fremden Nationen gegenüber klar zum Ausdruck zu bringen
daß Gesetze oder in ihren Ländern geübte Geschäftspraktiken, die
restriktive Preis-, Produktions- und Absatzvereinbarungen fördern,
die Geneigtheit amerikanischer Geschäftsleute, Kapital im Auslande
zu investieren, einschränken und für andere Nationen die Vorteile
solcher Investitionen verringern werden." Es besteht kaum ein Zweifel, daß eine Legalisierung jetzt ungesetzlicher Geschäftspraktiken
die Stellung der Verfechter einer freien Wirtschaft im' Auslande

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21. September 1955

Auslände schwächen und unsere Arbeit, im Sinne der Anweisung des
Präsidenten, erschweren würde.
Diese Überlegungen müssen, unserer Auffassung nach, bei einer
Beurteilung der Wirkung, die die Antitrustgesetze auf amerikanische
Auslandsinvestitionen ausüben, wohl gegeneinander abgewogen werden.
Es ist klar, daß die Vorschläge, die bei der Behandlung dieses
Problems vorgebracht werden mögen, nicht nur im Lichte der hier'
skizzierten Faktoren, sondern auch noch unter einer Reihe anderer
Gesichtspunkte betrachtet werden müssen. Das Außenministerium ist
gern bereit, auf Wunsch des Ausschusses zu den einzelnen Vorschlägen, die sicherlich noch zu diesen Fragen gemacht werden, vom
Standpunkt der Außenpolitik Stellung zu nehmen.
Als nächstes wollen wir uns einem zweiten Fragenkomplex bei
der Verwirklichung der Antitrustgesetzgebung zuwenden. Es handelt
sich hierbei um jene besonders gelagerten Fälle, die "Zuständigkeitskonflikte" mit fremden Mächten mit sich bringen und unsere
Beziehungen zu anderen Regierungen belasten könnten. Zuständigkeitsfragen können sich dann ergeben, wenn Gesetze oder richterliche
Entscheidungen es den Unternehmen verbieten, in den betreffenden
Ländern Maßnahmen zu ergreifen, die sie nach den Gesetzen der Vereinigten Staaten zu treffen gezwungen sind. Dies wäre beispielsweise
der Fall, wenn eine ausländische Macht einem einheimischen Unternehmen untersagte, amerikanischen Gerichten irgendwelche Unterlagen
zu übergeben. Auf derartige Fälle, die relativ selten vorkommen,
lassen sich die bestehenden Schemata nicht anwenden, und so ist es
sehr schwer, eine allgemeine Formel für ihre Behandlung zu finden.
In der Praxis arbeiten das Außenministerium und das Justizministeriui
eng zusammen, um in jedem einzelnen Sonderfall eine angemessene
Lösung zu finden.
Wenn das Problem dazu angetan ist, unsere Beziehungen zu einer
anderen Macht zu belasten, so ist das Justizministerium immer sehr
darauf bedacht, durch eine entsprechende Wahl des Zeitpunktes und
Verfahrensweges mitzuhelfen, die Belastung der auswärtigen Beziehungen auf ein Mindestmaß zu beschränken.
Schließlich sollten wir hier der Vollständigkeit halber auch
nicht versäumen, jene Bemühungen zu erwähnen, die darauf gerichtet
sind, eine internationale Zusammenarbeit zur Ausschaltung restriktiver Handelspraktiken zu verwirklichen, sie finden auf jeden Fall
das Interesse des Ausschusses. Lassen Sie mich deshalb kurz jene
Erwägungen umreißen, die dabei von Bedeutung waren. Die Vorteile
einer solchen Zusammenarbeit, soweit sie sich eben erreichen läßt,
liegen auf der Hand. Rein theoretisch würde sie zumindest jene Konfliktstoffe in den zwischenstaatlichen Beziehungen, die aus der
Anwendung einseitiger Handelspraktiken erwachsen, auf ein Mindestmaß reduzieren und zu einer wirksameren Ausschaltung unerwünschter
Beschränkungen des Welthandels führen. Ein Vorschlag für ein internationales Abkommen auf diesem Gebiet wurde im Frühjahr dieses
Jahres auf der 19« Tagung des Wirtschafts- und Sozialrates der Vereinten Nationen erörtert. Dieses Abkommen sah die Errichtung einer
internationalen Behörde vor, die alle Fälle restriktiver Praktiken
im internationalen Handel untersuchen und den Mitgliedstaaten in
/

SB

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21. September 1955

in Fällen, wo ihr dies notwendig erscheint, Empfehlungen zur Unterbindung solcher Praktiken oder zur Ausschaltung ihrer abträglichen
Polgen unterbreiten sollte. Die Mitgliedstaaten sollten dann in
allen derartigen Fällen im Einklang mit der entsprechenden Landesgesetzgebung geeignete Schritte unternehmen.
,Die Vereinigten Staaten wandten sich gegen ein derartiges
Abkommen mit der Begründung, daß die noch bestehenden erheblichen
Unterschiede in der diesbezüglichen Politik und Praxis in den ver- •.
sehiedenen Ländern das Abkommen praktisch unwirksam machen müßten
uidisomit sein Zweck, die Unterbindung der den internationalen Handel beschränkenden restriktiven Geschäftspraktiken, nicht erreicht
würde. Wenn auch hinsichtlich der Vereinheitlichung der einschlägigen Gesetze in anderen Ländern ein ermutigender« Portschritt zu
verzeichnen war, so hat diese Entwicklung doch noch nicht jenes
Stadium erreicht, das die Gewähr dafür bietet, daß die von der
internationalen Behörde vorgeschlagenen Maßnahmen auf nationaler
Ebene wirkungsvoll ausgeführt würden. Die amerikanische Regierung
schlug dem Wirtschafts- und Sozialrat deshalb vor, daß man sich
im gegenwärtigen Zeitpunkt vielmehr um eine Entwicklung der ent•
sprechenden Maßnahmen auf nationaler Ebene bemühen sollte.

Wenn auch der vom Wirtschafts- und Sozialrat vorgeschlagene
Plan für eine internationale Zusammenarbeit undurchführbar ist, so
beharrt das Außenministerium doch auch weiterhin auf seiner Auffassung, daß eine Vertiefung einer weniger formellen Zusammenarbeit
zwischen den Regierungen zur Lösung gemeinsamer Probleme auf diesem Sektor von großer Bedeutung ist. Wir werden in dieser Auffassung noch durch viele Hinweise auf gleichlaufende Interessen anderer Staaten bestärkt. Wir glauben, daß nur dann ein Portschritt
erzielt werden kann, wenn man die Entwicklung in normalen Bahnen
verlaufen läßt. Dies wird, wie wir glauben, durch die Resolution
sichergestellt, die der Wirtschafts- und Sozialrat im Frühjahr gefaßt hat. In dieser Entschließung werden die Länder aufgefordert,
das Problem der restriktiven Handelspraktiken zu untersuchen und
entsprechende Maßnahmen zu einer Lösung zu ergreifen. Sie sieht
ferner vor, daß die einzelnen Länder ihre Erfahrungen auf diesem
Gebiet allen zugänglich machen. Wir glauben, daß es sich dabei
um erste Schritte handelt, die einfach unerlässlich sind und die
schließlich zu einer allgemeinen Annahme des Wettbewerbssystems
führen können. Wie Präsident Eisenhower im Januar in seiner Wirtschaftsbotschaft an den Kongreß ausführte, "verlangt unser eigenes
nationales Interesse klar und deutlich eine Pjolitik, die die Grundsätze der Wettbewerbswirtschaft, die unserem "Volk Prosperität und
die Freiheit gebracht haben, auch auf internationalem Gebiet anwendet,
Wenn ich nun zum Schluß komme, so brauche ich wohl kaum noch
darauf hinzuweisen, daß sich das Außenministerium hauptsächlich
die außenpolitischen Aspekte restriktiver Handelspraktiken ange&lt;=
legen sein läßt und daß es nicht das für die Verwirklichung der
Antitrustgesetze zuständige Ministerium ist. Für die technischen
Aspekte der Antitrustgesetzgebung und die Durchführung solcher
Gesetze sind andere Ministerien und Behörden zuständig.
* * * * *
Ö

r

"

�A M E R I K A

D I E N S T

DULLES UMREISST DIE US-AUSSENPOLITIK VOR
UN-VOLLVERSAMMLUNG
NEW YORK — (AD) — Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut der Rede, die der
amerikanische Außenminister John Poster
Dulles am 22. September 1955 vor der zehnten
UN-Vo11Versammlung in New York hielt.

Es ist für mich immer ein Vergnügen, zu dieser großen Versammlung zurückzukehren - einer Versammlung, die den Mittelpunkt
für die Nationen bildet, um ihre Handlungen miteinander abzustimmen. Heute ist dieses Vergnügen besondere^ Art, nicht nur wird
diese Sitzungsperiode ein Jahrzehnt der von den Vereinten Nationen unternommenen Anstrengungen zum Abschluß bringen, sondern •
es gibt auch willkommene Anzeichen dafür, daß das zweite Jahrzehnt praktisch eine größere Harmonie aufweisen wird als das
verflossene. Sicherlich liegt es in unserer Macht, diese Eintracht zu bewerkstelligen.
Wir können diese Zuversicht spüren,weil wir feststellen,
daß die Nationen dem moralischen Urteil dieser Organisation gegenüber immer empfänglicher werden. Diese Versammlung hier ist
ein Ort der Verständigung und daher der Hoffnung. Sie ist in
gleicher Weise ein Ort der Urteilsfindung. An dieser Stelle
erläutern, erklären und Verteidigen die Länder der Welt ihre
Außenpolitik. In diesem Verfahren werden die nationalen Ziele
dargelegt und häufig geändert, um sich den hier reflektierten
Ansichten anzupassen. Häufig trachtet man danach, die wahren
Absichten zu verbergen. Aber die Versammlung hat ein Mittel,
um die Wahrheit zu ergründen. Die Wahrnehmungen und die moralische Beurteilung der Zusammenkunft der Völker statten diese
Versammlung mit einer wirklichen Kraft aus. Keine Nation wird
leichtsinnigerweise die moralische Verurteilung unter Einschluß
all Maien riskieren, was eine derartige Verurteilung bedeutet.
Gerade diese Tatsache, daß sich die Stärke unserer Organisation zu einem großen Teil aus den moralischen Wertmaßstäben
herleitet, die sich hier herausbilden, zeigt, welche Bedeutung
der Präge der Mitgliedschaft zukommt. Sie zeigt, wie wichtig es
ist, daß hier alle jene in Frage kommenden Nationen vertreten
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1955

vertreten sind, die durch ihre Politik und ihr Verhalten ihre Hingabe an die Zielsetzungen und Grundsätze der Charta bewiesen haben.
Heute ist der Kreis der Mitglieder groß und bedeutsam. Aber
noch sind eine Reihe souveräner Staaten hier nicht vertreten. Die
meisten von ihnen weisen die von der Charta geforderten Qualifikationen auf. Sie lieben den Frieden und haben sich fähig und
willens erwiesen, die Verpflichtungen der Charta zu erfüllen. Ihre
Regierungen könnten hier wichtige Kreise der Weltmeinung zur Geltung bringen.
Die Aufnahme dieser Länder durch den Gebrauch des "Vetorechts"
zu verhindern, bedeutet nicht nur ein ernstes Unrecht ihnen gegenüber, sondern stellt auch gleichzeitig ein Unrecht gegenüber der
gesamten Organisation und allen ihren Mitgliedern dar.
Der Sicherheitsrat und die Vollversammlung werden auf dieser
10. Sitzungsperiode, wie ich hoffe, entsprechende Schritte unternehmen, daß diese Nationen die Mitgliedschaft erhalten. Somit würden die Vereinten Nationen zu Beginn des zweiten Jahrzehnts ihres
Bestehens besser gerüstet für ihre Aufgabe dastehen, der Menschheit
zu dienen.
Die zehnte Vollversammlung, zu der wir hier zusammengekommen
sind, muß sich mit der Frage der Einberufung einer Konferenz zur
Revision der Charta der Vereinten Nationen befassen. So will es
die Charta.
Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß eine solche
Konferenz abgehalten werden sollte. Sie sehen einen der dringlichsten Gründe für die Einberufung einer solchen Konferenz in dem
gegenwärtig bestehenden Veto-Recht, das hinsichtlich der Aufnahme
neuer Mitglieder in die UN ausgeübt werden kann, besonders, wenn
dieses Veto-Recht weiterhin mißbraucht wird.
Darüber hinaus scheinen epochale Entwicklungen auf dem Gebiete der Atomenergie und der Abrüstung es wünschenswert zu machen,
der Organisation auf diesen Gebieten größere Vollmachten einzuräumen. Beide Gebiete sind für das Fortbestehen der Menschheit von lebenswichtiger Bedeutung. Als die Charta entworfen wurde, kannte
niemand die entsetzlichen Möglichkeiten, die der Krieg mit Atomwaffen in sich birgt. Unsere gegenwärtige Charta stammt aus der Zeit
vor Anbruch des Ätomzeitalters.
Die Väter der Vereinten Nationen waren der Überzeugung, daß
die Charta der Vereinten Nationen nach zehn Jahren angesichts der
Erfahrung dieses ersten Jahrzehnts überprüft werden sollte. Ich
bin der Auffassung, daß sie recht hatten. Das bedeutet nicht etwa
notwendigerweise, daß einschneidende Veränderungen vorgenommen
werden müßten. Im ganzen gesehen hat sich die Charta als ein flexibles und arbeitsfähiges Dokument erwiesen. Aber es wird wohl nur
wenige geben, die da behaupten wollen, daß sie ein perfektes Statut'
ist, das nicht der Verbesserung bedürfe.
Die

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28. September 1955

Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß wir uns auf
dieser Sitzung im Prinzip auf die Einberufung einer Konferenz zur
Revision der Charta einigen und eine Vorbereitende Kommission einsetzen sollten, um Empfehlungen über Zeitpunkt, Ort, Gestalt und
Verfahren der allgemeinen Konferenz zur Revision der Charta auszuarbeiten und zu unterbreiten.
Ich möchte mich nun einigen Ereignissen zuwenden, die seit
Dezember vergangenen Jahres eingetreten sind, als die neunte Sitzungsperiode zu Ende ging. Alles in allem haben diese Entwicklungen wesentlich zur Förderung unserer in der Charta niedergelegten
Ziele - die Aufrechterhaltung von Frieden und Sicherheit in der
Welt im Einklang mit den Prinzipien der Gerechtigkeit und des
Völkerrechts - beigetragen. Ich werde nur von jenen Ereignissen
sprechen, an denen die Vereinigten Staaten, meist in Gemeinschaft
mit anderen Staaten, selbst beteiligt waren.
Wenn wir uns zunächst Europa zuwenden, so werden wir feststellen, daß die Bundesrepublik Deutschland durch die mit Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten abgeschlossenen
Verträge ein souveräner und freier Staat geworden ist. Gleichzei»
tig trat die Bundesrepublik dem Nordatlantikpakt und dem Brüsseler Pakt bei. Gleichzeitig wurde der Brüsselei* Pakt einer Revision
unterzogen, so daß zusammen mit dem Nordatlantikpakt ein wirksames
System zur Begrenzung, Kontrolle und Integration der bewaffneten
Streitkräfte entstand, das bisher in der Welt einmalig dastehen
dürfte. Dieses System gibt eine Garantie dafür, daß für den Bereich
Westeuropas die nationalen Streitkräfte nicht für aggressive oder
nationalistische Zwecke verwendet werden. Die Verträge bringen
nicht nur den Signatarmächten Sicherheit sondern auch den nichtbeteiligten Nationen. Mit ihnen wurde jenen Bedingungen ein Ende
gesetzt, die Europa zu einer Quelle immer wiederkehrender Kriege
machten, von denen sich die beiden letzten sogar zu Weltkriegen
ausweiteten, die alle gefährdeten.
Noch nie zuvor wurden kollektive Sicherheit und individuelle
Selbstbeschränkung in so fruchtbarer und umfassender Weise vereint.
Über das Resultat können alle diejenigen triumphieren, die an die
beiden Grundsätze unserer Charta glauben, nämlich daß Sicherheit
eine Kollektiv-Aufgabe ist und daß bewaffnete Streitkräfte nicht
eingesetzt werden dürfen, es sei denn, wenn dies im gemeinsamen Interesse liegt.
Als Folge dieser Entwicklungen in bezug auf Deutschland wurde
Österreich frei. Der österreichische Staatsvertrag, über den acht
Jahre verhandelt-worden ist, wurde im Mai dieses Jahres unterzeichnet und ist nunmehr in Kraft getreten. Er stellt die endliche
Erfüllung der in der Moskauer Deklaration vom November 1943 gegebenen Versprechungen sowie der Hoffnungen dar, die die UN-Vollversammlung auf ihrer 7. Sitzung zum Ausdruck brachte.
Es ist erwähnenswert, daß der österreichische Staatsvertrag,
der auch die Unterschrift der Sowjetunion trägt, die Befürwortung
der Aufnahme Österreichs in die Vereinten Nationen enthält.
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"AMERIKA DIENST"

Auf diese Entwicklung in der deutschen und der österreichischen
Frage folgten rasch neue Bemühungen Prankreichs, Großbritanniens,
der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten, um die Kriegsgefahr
zu vermindern und noch offene Probleme durch Verhandlungen zu lösen.
Im Mai schlugen die drei Westmächte vor, die Bemühungen in
zwei Phasen aufzuteilen. Die erste Phase sollte in einem Treffen
der Regierungschefs selbst bestehen, um einen neuen Anstoß für
eine zweite Phase zu geben, während der das wesentliche der Probleme
eingehend erörtert werden sollte.
Die erste Phase wurde mit der im Juli in Genf abgehaltenen
Konferenz der Regierungschefs abgeschlossen. Die Regierungschefs
brachten in klarer Weise den gemeinsamen Wunsch nach Frieden und
besseren Beziehungen zum Ausdruck. Sie kamen dabei insbesondere
überein, auf drei Gebieten weitere Anstrengungen zu unternehmen.
Dies sind:
Erstens europäische Sicherheit und Deutschland,
Zweitens Abrüstung und
drittens Entwicklung weiterer Kontakte zwischen Ost und West.
Wir treten nunmehr in die vereinbarte zweite Phase ein, in
der der "Geist von Genf" auf die Probe gestelltwerden wird. Ein
Unterausschuß der Vereinten Nationen befaßt sich gegenwärtig bereits mit den in Genf dargelegten Gedanken zur Abrüstung. Im kommenden Monat werden sich die Außenminister Frankreichs, Großbritanniens,
der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten in Genf treffen. Die
Westmächte werden, wo dies angebracht ist, die Bundesrepublik
Deutschland und ihre übrigen Partner in der NATO hinzuziehen.
Auf der bevorstehenden Konferenz werden wir uns vereinbarungsgemäß mit Vorrang mit den eng zusammenhängenden Problemen der Wiedervereinigung Deutschlands und der europäischen Sicherheit befassen. Dies entspricht der vorgesehenen Ordnung.
Das deutsche Volk ist seit nunmehr über zehn Jahren gewaltsam
geteilt. Die Verewigung dieser Teilung ist ein Verbrechen wider
die Natur.
Drei yiertel aller Deutschen leben in der Bundesrepublik,
und sie haben daß Glück, in Bundeskanzler Adenauer eine große
führende Persönlichkeit zu besitzen. Er tritt für ein geeintes
Deutschland ein, das in Frieden leben will und seine Aufgabe in
einer freundschaftlichen Zusammenarbeit mit seinen-Nachbarn er-,
blickt. Er ist entschlossen, Deutschlands legitime Sicherheitsbedürfnisse und die Gleichberechtigung als souveräner Staat
ohne eine Wiedergeburt des deutschen Militarismus zu verwirklichen.
Es wäre jedoch ein tragischer Fehlschluß, annehmen zu wollen,
daß die Ungerechtigkeit einer Teilung Deutschlands nunmehr, da
die Mehrheit der Deutschen sich diesen von Einsicht getragenen
Standpunkt zu eigen gemacht hat, ohne ernstes Risiko verewigt
werden kann.
Viele

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Viele Nationen sind der Auffassung, daß ihre eigene künftige
Sicherheit und der Weltfriede es dringend erforderlich machen, daß
Deutschland wiedervereint und in die Lage versetzt wird, wenn
es dies wünscht, den westeuropäischen Abkommen über die Begrenzung,
Kontrolle und Integration der bewaffneten Streitkräfte beizutreten,
damit diese niemals für aggressive Zwecke verwandt werden können.
Es gibt auch Nationen, die zu glauben vorgeben, daß ein
wiedervereintes Deutschland im Rahmen der NATO selbst unter diesen
Bedingungen eine Gefahr für ihre eigene Sicherheit darstellen würde.
Um diese Meinungsverschiedenheit zu überbrücken, sind die
Westmächte bereit, einen umfassenden Plan für die Sicherheit
Europas zu unterbreiten, der der Sowjetunion wesentliche zusätzliche Garantien böte.
Die Übereinstimmung, die zwischen dieser Haltung der Westmächte und der gleichen Einstellung der Bundesrepublik Deutschland
besteht, bietet eine einmalige Chance.
Es ist aber möglich, daß die von mir aufgezeigte Haltung
Deutschlands nicht für immer bestehen wird. Auch kann nicht angenommen werden, daß die Westmächte, einschließlich der Vereinigten
Staaten, immer bereit sein werden, ihre gegenwärtigen Zusagen
noch weiter auszudehnen, um der Besorgnis der Sowjetunion in der
Frage der europäischen Sicherheit entgegenzukommen.
Die Chance, die wir heute haben, ist so ungewöhnlich und so
voll konstruktiver Möglichkeiten, daß die Hoffnung durchaus berechtigt ist, die bevorstehende Außenministerkonferenz der vier Mächte
werde eine solide Grundlage für die Wiedervereinigung Deutschlands
im Rahmen eines europäischen Sicherheitssystems finden.
In Genf führte Präsident Eisenhower zwei Ursachen für die
internationale Spannung an, die nicht in die Tagesordnung der Konferenz aufgenommen worden sind. Die erste war. das Problem der
Respektierung des Rechts der Völker, die Regierungsform, unter der
sie zu leben wünschen, selbst zu wählen. Er erklärte zu dieser
Präge, daß "das amerikanische Volk sich sehr wohl bewußt ist,
daß gewisse Völker Osteuropas, von denen viele auf eine lange und
stolze Geschichte als Nation zurückblicken, noch nicht in den Genuß
der Erfüllung des Versprechens gekommen sind, das -unsere Regierungen noch im Kriege feierlich verkündet haben und das durch andere
Vereinbarungen aus der Kriegszeit untermauert worden ist".
Präsident Eisenhower schnitt auch das Problem des internationalen Kommunismus an. Er erklärte, daß seit 38 Jahren dieses Problem
die Beziehungen der Völker zur Sowjetunion trübt«, Es ist auch in
der Tat schwierig, zu wirklich herzlichen Beziehungen zwischen Regierungen zu gelangen, wenn die eine auf dem Wege subversiver Tätigkeit versucht, die andere zu stürzen.
Der sowjetische Regierungschef vertrat die Meinung, daß diese
Probleme kein geeigneter Verhandlungsgegenstand für die Genfer Konferenz seien. Dennoch wird sich die Aufmerksamkeit eines großen
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"AMERIKA DIENST"

großen Teiles der Welt weiterhin auf diese beiden Probleme richten. Was die Sowjetunion in dieser Hinsicht tatsächlich unternimmt,
wird für viele ein Barometer für die wahren Absichten der Sowjets
sein.
Wenn der Geist von Genf echt und nicht falsch ist, wenn er von
Dauer sein soll, und nicht nur im Augenblick vorherrscht, dann wird
er dazu führen, daß es keine unnatürlichen Ausdehnungen des nationalen Machtbereiches mehr geben wird, die den Geist def nationalen
Unabhängigkeit vernichten und allen politischen Offensiven ein
Ende setzen, die auf die Untergrabung freier Regierungen abzielen.
Wenn wir uns nunmehr von Europa abwenden und nach dieser
Hemisphäre der beiden Amerika blicken, so finden wir, daß die
Organisation der amerikanischen Staaten auch weiterhin dartut,
wie die Ziele und Grundsätze der Vereinten Nationen durch regionale Abmachungen über eine kollektive Selbstverteidigung verwirklicht werden können. Die Vollsitzungen der Organisation haben
das politische Verständnis und die Zusammenarbeit in wirtschaftlichen und sozialen Fragen vertieft. In den letzten 15 Monaten
hat die Organisation in drei Fällen - im Zusammenhang mit Guatemala, in der Costa Rica-Frage und nunmehr bezüglich der Grenzstreitigkeiten zwischen Ekuador und Peru - prompt und mit Erfolg
eingegriffen, um die internationale Ordnung aufrechtzuerhalten.
Sie hat dem Sicherheitsrat, so wie unsere Charta es verlangt, über
alle auf diesem Gebiet getroffenen Maßnahmen eingehend berichtet.
Im Nahen Osten ist die Lage weiterhin gespannt. Es ist
schwierig gewesen, die Unverletzlichkeit der Waffenstillstandslinien aufrechtzuerhalten, die 1948 unter der Ägide der .Vereinten
Nationen festgelegt ...
. wurden, um den Kämpfen zwischen den
Israelis und den Arabern ein Ende zu setzen. Die Vereinigten Staaten möchten all denen ihre Hochachtung aussprechen, die während
dieser unruhigen Zeit im Dienste der Vereinten Nationen gestanden
haben - im besonderen General B u m s aus Kanada und seinen Mitarbeitern.
Am 26. August dieses Jahres nahm ich selbst zu gewissen grundlegenden Aspekten jener Lage Stellung. Ich erklärte, wenn die Parteien eine stabile Regelung anstrehen, dann könnten sie meiner Meinung nach von außen Hilfe erhalten. Ich hatte dabei an eine finanzielle Unterstützung zur Lösung des arabischen Flüchtlingsproblems
sowie zur Bewältigung von Bewässerungsprogrammen gedacht, die der
in jenem Gebiet wohnenden Bevölkerung einen höheren Lebensstandard
ermöglichen würden. Ich sprach auch über die Bedeutung, dem ganzen
Gebiet eine größere:Sicherheit zu geben.
Ich sagte, daß es vielleicht eher möglich wäre, diesem Raum
Ordnung, Ruhe und Wohlergehen zu bringen, wenn andere Länder außerhalb dieses Gebietes ihre Bereitschaft klarstellen, zu diesen drei
wesentlichen Aspekten einer Lösung beizutragen.
Präsident Eisenhower ermächtigte mich zu der Erklärung, daß
er eine Beteiligung der Vereinigten Staaten an diesen Finanz- und
Sicherheitsverpflichtungen empfehlen würde, falls dies von den
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den direkt betroffenen Regierungen gewünscht wird, und unter der
Voraussetzung, daß die zu treffenden Maßnahmen - wenn immer möglich auf einer internationalen Basis, vorzugsweise unter den Auspizien
der Vereinten Nationen ergriffen werden.
Großbritannien schloß sich sofort den Vorschlägen der Vereinigten Staaten an. Auch eine Anzahl anderer Länder haben wissen
lassen, daß sie sie unterstützen.
Falls von den Ländern des Nahen Ostens eine günstige Antwort
kommt, würden viele Aspekte dieses Problems schließlich auch den
Vereinten Nationen zur Erkantnis gelangen, die dann auf einer
späteren Sitzung entsprechende Maßnahmen ergreifen könnten.
Im vergangenen Jahr erfuhr das Gebäude des Friedens im Fernen
Osten eine Festigung durch das Inkrafttreten des kollektiven südostasiatischen Verteidigungspaktes. Ende Februar fand in Bangkok
eine konstituierende Sitzung des Paktrates auf Ministerebene statt.
Dieser Sicherheitsvertrag ist einmalig. Hier hat sich in Ostasien zum ersten Mal eine beträchtliche Zahl von Ländern zur kollektiven Selbstverteidigung zusammengeschlossen. Insgesamt fanden sich
acht Signatarstaaten in diesem Pakt zusammen, der darüber hinaus
auch noch für Kambodscha, Laos und das freie Vietnam gilt.
Lieser Pakt bindet ferner auch Staaten des Westens und asiatische Länder enger aneinander. Lies wäre nicht möglich gewesen,
wenn sich nicht alle Partnerstaaten fest dem Prinzip der politischen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung verpflichtet hätten.
Liese Verpflichtung findet ihren Niederschlag sowohl in der Präambel des Vertrages als auch in der beigeschlossenen Pazifik-Charta,
die den Wunsch der Menschen überall auf der Welt, frei zu sein,
zum Ausdruck bringt.
Der Südostasienpakt sieht nicht die Errichtung einer zusammengefaßten militärischen Organisation vor, die der im Rahmen des
NATO-Paktes geschaffenen Vergleichbar wäre. Die Verhältnisse in
diesem Raum sind nicht so, daß sie die Schaffung einer stehenden
und an bestimmten Punkten stationierten Vertragsstreitmacht ohne
weiteres geBtatten. Man vertraut in erster Linie auf das Abkommen
der acht Signatarstaaten, jede bewaffnete Aggression innerhalb
des Vertragsraumes als eine gemeinsame Gefahr für jeden einzelnen
Vertragspartner anzusehen, die von jedem entsprechende Maßnahmen
erfordert. Liese Verpflichtung, davon sind wir überzeugt, wird
entscheidend zur Abschreckung einer Aggression beitragen.
Im chinesischen Raum ist die Situation etwas weniger bedrohlich als früher. Wir hoffen, daß die"chinesische Volksrepublik"dem
von der Weltöffentlichkeit zum Ausdruck gebrachten Willen entsprechen wird, daß bewaffnete Macht nicht zur Erreichung nationaler Ziele eingesetzt werden darf.
Die bisherigen Handlungen dieses kommunistischen Regimes sind
nicht gut gewesen. Es hatte die Streitkräfte der Vereinten Nationen
in Korea bekämpft, wofür es hier als Aggressor gebrandmarkt wurde.
Es annektierte Tibet durch Waffengewalt. Es verbündete sich mit

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"AMERIKA DIENST"

mit den kommunistischen Vietminh-Verbänden, die sich darum bemühten, Indochina mit Waffengewalt zu erobern. Dann wandte es seine
militärische Aufmerksamkeit nach Abschluß des Waffenstillstands in
Indochina dem Gebiet von Formosa zu. Es drohte, diesen Raum gewaltsam zu erobern und leitete aktive militärische Angriffsaktionen gegen die Formosa vorgelagerten Inseln und Verbindungswege
ein. Diese Angriffe, so erklärte es, seien der erste Schritt zur
Verwirklichung seines neuen Programms der militärischen Eroberung.
Dies stellte eine große Herausforderung der Grundsätze dar, denen
sich die USA auf Grund der UN-Charta verpflichtet haben. Es war
aber weiter eine direkte und spezielle Herausforderung an die
USA selbst. Wir haben besondere Verbindungen zu diesen Inseln eine Beziehung, die durch ein gegenseitiges Verteidigungsabkommen .
mit der Republik China in bezug auf Formosa und die Pescadores verstärkt worden ist.
In dieser Phase ersuchte Präsident Eisenhower am 24. Januar
1955 den amerikanischen Kongreß um die Vollmacht, amerikanische
Streitkräfte für die Verteidigung von Formosa und der Pescadores
sowie anderer damit in Zusammenhang stehender Gebiete, die er als
für Jene Verteidigung wichtig erachten sollte, einsetzen zu können.
Nach eingehender Erörterung im Repräsentantenhaus und im Senat der
USA wurde die gewünschte Vollmacht gegeben. Im Repräsentantenhaus
lautete das Abstimmungsergebnis 409 gegen 3 und im Senat 85 gegen
3 Stimmen. Die Vollmacht erlischt, sobald Frieden und Sicherheit
in diesem Gebiet durch die internationale Lage - durch Maßnahmen
der Vereinten Nationen oder auf andere Weise herbeigeführt - hinreichend gefestigt erscheinen.
Ich bin überzeugt, daß diese rechtzeitig erfolgte Warnung,
die mit der festen, praktisch einstimmigen Unterstützung des amerikanischen Volkes erteilt wurde, dazu beitrug, etwas zu verhindern,
was von seiten der chinesischen Kommunisten eine gefährliche Fehlrechnung hätte sein können.
Kurz danach fand die Bandung-Konferenz statt. Auf dieser Tagung machten die friedliebenden Länder - viele von ihnen Mitglieder
der Vereinten Nationen - den chinesischen Kommunisten erneut klar,
daß sie fest zu den Grundsätzen unserer Charta stehen würden, nach
der alle Staaten sich in ihren internationalen Beziehungen jeder
Gewaltandrohung enthalten sollen.
Von Bandung aus schlug Tschu En-lai direkte Verhandlungen mit
den Vereinigten Staaten vor, ein Vorschlag, der - wie ich sofort
zu verstehen gab - für die USA akzeptabel sei, solange nur beide
Länder interessierende Fragen behandelt würden, die nicht die
Rechte ihrer Vertragspartner berühren. Lieser Vorbehalt bezog sich,
was die USA angeht, vor allem auf die Republik China, der wir die
für einen alten Freund und Alliierten empfundene Loyalität entgegenbringen.
Kurze Zeit danach setzten die Rotchinesen vier und später die
anderen elf amerikanischen Flieger frei, die den Streitkräften der
Vereinten Nationen angehörten und die sie unter Verletzung der

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"AMERIKA DIENST"

der Bestimmungen des koreanischen Waffenstillstandsabkommens^ zurückgehalten hatten. Die Freilassung dieser Männer ist durch* eine
von der UN-Vollversammlung im Dezember angenommene Resolution angestrebt worden. Das Ergebnis rechtfertigte das Vertrauen, welches
die USA in die Vereinten Nationen setzten, sowie unsere Zurückhaltung, nicht mit unserer militärischen Macht zu drohen.
Vor rund 15 Monaten hatten die USA Verhandlungen mit der
"chinesischen Volksrepublik" in Genf begonnen mit dem Ziel, unsere Zivilisten freizubekommen. Als Ergebnis der von Tschu En-lai
in Bandung abgegebenen Erklärung und meiner Antwort wurden die
Gespräche im August dieses Jahres wiederaufgenommen, um erstens
die Freilassung der Zivilisten und dann andere praktische Angelegenheiten von direktem Interesse für beide Parteien zu erörtern.
Allen in den USA lebenden Chinesen, die in ihre Heimat zurückkehren wollen, steht es frei, dies zu tun. 2s war ihnen schon
immer freigestellt - einige wenige ausgenommen, die vorübergehend
auf Grund von aus dem koreanischen Krieg herrührenden Beschränkungen daran gehindert waren. Die "Volksrepublik China" hat nunmehr erklärt, daß alle Amerikaner auf dem chinesischen Festland
das Recht haben, zurückzukehren, und daß sie umgehend in die läge
versetzt werden, dieses Recht auszuüben.
Für diese günstige Entwicklung der Ereignisse, auf die ich
mich hier beziehe, gebührt vielen Dank. Der Generalsekretär der
Vereinten Nationen hat sich unermüdlich um die Freilassung der
dem UN-Oberkommando unterstellten amerikanischen Flieger bemüht.
Andere Regierungen und Persönlichkeiten haben in dieser und in
anderen Angelegenheiten ihre Unterstützung gewährt. Der Wille der
Weltöffentlichkeit hat so vielleicht einen weiteren Krieg verhindert, dessen Ausmaß nicht mit Sicherheit hätte begrenzt werden können.
Im vergangenen Jahr sprach ich von der Verwendung der Atomenergie für Zwecke des Friedens. Wir hatten eine Zeit enttäuschender Verhandlungen durchschritten, bei denen es uns darum ging,
die Teilnahme der Sowjetunion an dem Programm zu erreichen, da,.,
Ihnen am 8. Dezember 1953 durch Präsident Eisenhower unterbreitet
worden war. Wir hatten uns damals entschlossen, das genannte Programm trotz der negativen Haltung der Sowjetunion in Angriff zu
nehmen.

Im vergangenen September erwähnte ich vier Maßnahmen, die
wir sofort in Angriff zu nehmen versprachen. Seit dieser Zeit haben wir auf jedem dieser Gebiete gute Fortschritte erzielt.
Die Verhandlungen zur Schaffung einer internationalen Atomenergie-Behörde haben zur Ausarbeitung eines entsprechenden Entwurfs geführt. Eine internationale Konferenz über die friedliche
Nutzbarmachung der Atomenergie wurde im vergangenen Monat in Genf
mit außerordentlichem Erfolg abgehalten. Diese Konferenz war so
erfolgreich, daß die USA erneut die Abhaltung einer ähnlichen Konferenz vorschlagen warden, die in drei Jahren oder zu einem früherer
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28. September 1955

früheren Zeitpunkt stattfinden soll, falls die fortschreitende
Entwicklung der friedlichen Anwendung der Atomenergie dies rechtfertigt.
Der erste Lehrgang auf der Atomreaktorschule in dem Argonne
National Laboratory nähert sich seinem Ende und ein erweiterter
Kursus soll dann seinen Anfang nehmen.
Bekannte Ärzte und Chirurgen aus anderen Ländern besuchen
unsere Krankenhäuser und ForschungsBtätten, in denen die Kernenergie zur Heilung des Krebses und anderer Krankheiten verwendet wird.
Die Sowjetunion ist heute mehr zu einer Zusammenarbeit geneigt, und wir nehmen das kürzliche Angebot Ministerpräsident Bulganins mit Freude zur Kenntnis, der vorgeschlagenen internationalen
Behörde nach ihrer Schaffung spaltbares Material zur Verfügung
zu stellen.
Wie wir sehen, hat sich vieles ereignet, was dem Bild der
Hoffnung, das Präsident Eisenhower auf der achten UN-Vollversammlung vor uns entwarf, Wirklichkeit verleiht.
Die Vereinigten Staaten planen ferner in dieser Sitzungsperiode
noch die Schaffung eines internationalen technischen Fachgremiums
zur Untersuchung der Auswirkungen von Atomstrahlen auf die menschliche Gesundheit vorzuschlagen. Es soll aus hochqualifizierten
Wissenschaftlern gebildet werden, die sämtliche von den MitgliedStaaten der Vereinten Nationen oder deren Sonderorganisationen
zur Verfügung gestellten einschlägigen Informationen ordnen und
prüfen sowie veröffentlichen sollen.
Die Vereinigten Staaten sind zur Zeit dabei, diese Frage eingehend zu prüfen. Wir glauben, daß unter ausreichenden Sicherheitsvorkehrungen durchgeführte Kernversuche und die Entwicklung von
Methoden zur friedlichen Nutzung der Atomenergie Gesundheit und
Leben des Menschen nicht bedrohen. Dies ist allerdings eine Frage
von so allumfassender Bedeutung, daß wir es für richtig erachten,
wenn alle verfügbaren Angaben zusammengetragen und unter der
Ägide der Vereinten Nationen gesichtet werden.
Der Präsident der USA ergriff am 21. Juli diesen Jahres in
Genf die Initiative und machte einen weiteren wichtigen Vorschlag.
Sich mit der Abrüstungsfrage befassend, wandte er sich in jenem
Augenblick hauptsächlich an die Delegierten der Sowjetunion und
schlug vor, daß als ein Anfang jede unserer beiden Nationen der
anderen Informationen über ih^e militärischen Einrichtungen zur
Verfügung stellen sowie die Möglichkeiten für eine unbeschränkte
Luftaufklärung geben soll.
Die Logik dieses Vorschlags ist einfach und "klar. Eine Aggression in großem Stil ist unwahrscheinlich, wenn der Aggressor nicht
den Vorteil der Überraschung besitzt und nicht hoffen kann, einen
vernichtenden, weil unerwartet gekommenen Schlag zu führen. Aber
die Vorbereitung eines Angriffs von einem derartigen Ausmaß könnte
vor einer Luftaufklärung kaum verborgen bleiben.
_ .
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"AMERIKA DIENST"

Durch die Luftaufklärung würde natürlich nicht alles entdeckt
werden; sie allein würde auch kein endgültiges und umfassendes
Inspektionssystem darstellen. Durch eine solche Aufklärung würde
jedoch genug festgestellt werden, um.die größten Risiken auszuschließen. Damit würde die Tür zu weiteren Schritten im Hinblick
auf eine Inspektion und Abrüstung geöffnet werden, die wir alle und mit Nachdruck schließe ich die USA hierbei ein - ergriffen
sehen möchten.
Die „lange Erfahrung zeigt, daß eine Begrenzung der Rüstungen
praktisch nicht erreicht werden kann, wenn das Moment der Unsicherheit gegeben ist und Waffen Solglich nötig erscheinen. Eine Reduzierung der Rüstungen läßt sich nur vollziehen, wenn die Furcht
zerstreut ist, und Waffen weniger nötig erscheinen.
Ich glaube jeder hat sofort erkannt, daß, wenn die Vereinigten Staaten sowjetischen Flugzeugen das Überfliegen ihres Gebietes
gestatten würden, und wenn die Sowjetunion ihrerseits amerikanischen Maschinen das Überfliegen ihres Gebietes erlauben würde,
dies sehr zu dem Beweis beitrüge, daß keiner der beiden Staaten
aggressive Absichten gegenüber dem anderen verfolgt. Dann wäre
es, wie Präsident Eisenhower in seinem Appell in Senf feststellte,
auch leichter, zu einem umfassenden, exakten Inspektions- und Abrüstungssystem zu gelangen.
Das Wesen des vom Präsidenten vorgebrachten Vorschlages besteht darin, daß dieses System als ein Beginn das bewerkstelligen
würde, was man von einem ersten Schritt erwarten darf, nämlich weitere Schritte eher möglich zu machen.
Ich hoffe, daß die allgemeine Haltung dieser Vollversammlung
klar aufzeigen wird, daß dieser Anfang so einfach und so rasch wie
nur irgend möglich gemacht werden sollte. Auf einen solchen Beginn
kann und wird, wie ich fest glaube, ein wesentlicher Fortschritt
in der Verwirklichung des Zieles unserer Charta folgen, nämlich,
"die Abzweigung der menschlichen und wirtschaftlichen Kräfte der
Welt für Zwecke der Rüstung" zu verringern.
Dann können wir in realistischer Weise der Erfüllung eines
Wunsches entgegensehen, der den Herzen aller Menschen nahe liegt,
eines Wunsches, dem Präsident Eisenhower auf unserem letzten
Treffen in San Francisco Ausdruck verliehen hat, daß nämlich ein
größerer Teil der Hilfsquellen der Erde für echt konstruktive Aufgaben verwendet werden sollen, die besonders den unterentwickelten
Gebieten der Welt zugutekommen würden.
Es war vor zehn Jahren im August, daß die Kämpfe im zweiten
Weltkrieg beendet wurden.
Wir haben in dem darauf folgenden Jahrzehnt keinen weiteren
Weltkrieg erlebt. Das ist etwas, worüber wir aus tiefstem Herzen
dankbar sein können. Aber eines echten Friedens haben wir uns nicht
erfreuen können. Es hat lokal begrenzte Kriege gegeben. Freie Nationen sind beseitigt und überwältigt worden. Es ist zu einer Anhäufung von Waffenvorräten und zu einer Verhärtung der Standpunkte
gekommen, die jenen auferlegt worden sind, die sich gegenseitig als
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als mögliche Kriegsgegner betrachten.
Jene Phase mag nunmehr zu Ende gehen. Ich glaube, daß alle
vier Regierungschefs, die in Genf versammelt waren, dieses Ergebnis wünschten und daß jeder dazu beigetragen hat, es zu erreichen.
Die Folge davon ist, daß heute tatsächlich ein neuer Geist vorherrscht bei gleichzeitiger größerer Flexibilität und geringerer
Sprödigkeit in den internationalen Beziehungen.
Manche Kreise lassen es sich angelegen sein, Spekulationen
darüber anzustellen, welcher Staat bei dieser Entwicklung etwas
gewonnen und welcher etwas verloren hat.
Ich möchte hierzu bemerken, daß die ganze Welt einen Gewinn
davon haben wird, wenn der "Geist von Genf" Bestand hat. Die
"Konferenz auf höchster Ebene" muß, wenn sie Geschichte und nicht
nur Episode sein soll, die Türe zu einem Zeitabschnitt des friedlichen Wandels auftun.
Es wird kein Zeitalter der Ruhe und der Stagnation sein,
in dem Sinne, daß der Status quo mit seinen vielfältigen Ungerechtigkeiten als endgültig akzeptiert wird. Es wird eine Epoche
des Wandels sein, die ihre Belastungen und Prüfungen haben wird.
Aber die Völker und Regierungen werden dem Krieg und der Subversion als Mittel zur Erreichung ihrer Ziele abschwören.
Sie werden eine sich in Ordnung vollziehende Entwicklung«
im Hinblick auf die Verwirklichung legitimer nationaler Hoffnungen akzeptieren« Sie werden bessere wirtschaftliche Beziehungen
untereinander entwickeln und in immer steigendem Maße die Rechte
des Menschen und die grundlegenden Freiheiten Respektieren. Das
Bemühen der Menschheit wird dem gelten, was schöpferisch und segensreich ist.
Die Vereinten Nationen werden sich ebenfalls wandeln. Wenn c
der gute Wille und das gegenseitige Vertrauen vorhanden sind,,werden viele Bestimmungen der Charta eine neue Bedeutung und eine
neue Lebenskraft erhalten.
Lassen Sie uns gemeinsam darum bemüht sein, daß die nächsten
zehn Jahre als das heilsame Jahrzehnt eines wahren Friedens iin
die Geschichte eingehen werden.
*

*

*

• *

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*

�USA BEMÜHEN SICH WEITERHIN UM DIE LÖSUNG DES
FLÜCHTLINGSPROBLEMS

VEREINTE NATIONEN — (AD) — Nachstehend
übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer
Erklärung, die der stellvertretende amerikanische Delegierte bei den Vereinten Nationen Jacob Blaustein am 4. Oktober 1955
vor dem Sozial- und Kulturausschuß der UNVollversammlung zum Bericht des Hohen
Kommissars der Verei.nten Nationen für das
Flüchtlingswesen abgegeben hat.

Herr Vorsitzender,
die Frage der europäischen Flüchtlinge, soweit sich der
Auftrag an den Hohen Kommissar der Vereinten Nationen für das
Flüchtlingswesen auf sie erstreckt, hat in den vergangenen Jahren bereits mehrmals Ihre Aufmerksamkeit in Anspruch genommen.
Und in der Tat konnte sich kein anderes Thema besser zur Eröffnung unserer Diskussionen eignen. Denn die Auswirkungen unserer
Überlegungen und Entscheidungen in dieser Frage werden hier unmittelbar sichtbar und sind oft von entscheidendem Einfluß auf
das Leben derjenigen, um deren Schicksal es bei unseren Gesprächen geht. Dies gilt in besonderem Maße für die 77 000 Menschen,
die noch in Flüchtlingslagern leben, und jene 220 000 Flüchtlinge,
die unter das im vergangenen Jahr gebilligte Programm fallen,
Dauerlösungen zu finden und Nothilfemaßnahmen zu treffen. Menschliche Probleme, menschliche Sehnsüchte und die Grundrechte des
Menschen sind somit der Gegenstand unserer Arbeit hier in diesem Ausschuß, und wir tun gut daran, uns zu Beginn unserer Tätigkeit noch einmal ins Gedächtnis zurückzurufen, um welch
dringende Fragen es sich hierbei handelt.
Die Spannungen unserer Zeit&gt; finden darin ihren tragischen
Niederschlag, daß wir uns 10 Jähre nach. Ende des zweiten Weltkriegs
noch gezwungen sehen, ein neues Hilfspro_gramm für die europäischen Flüchtlinge in Angriff zu nehmen. Ich brauche wohl nicht
erst die schwierige Lage zu schildern, in der sich viele dieser
Menschen befinden. Dies hat der Herr Hohe Kommissar bereits im
vergangenen Jahre und auch in diesem Jahr wieder getan. Bei diesen Flüchtlingen handelt es sich um Menschen, die ihre Heimat
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5. Oktober 1955

Heimat unter dem Zwang der Verhältnisse und ohne eigene Schuld
verlassen mußten und die heute, nach so langer Zeit ,noch immer
nicht wieder seßhaft geworden sind, die nicht wissen, wie sie
ihren Lebensunterhalt bestreiten sollen, von Sorgen erfüllt und
ohne einen Ort auf der Welt, den sie wirklich als Heimat ansprechen
können.
Dabei sind viele von ihnen völlig gesund und voll arbeitsfähig. Sie sind nützliche Glieder der Gesellschaft, in welchem
Lande sie auch immer leben. Manche dieser Menschen sind aber auch
geistig und körperlich erschöpft, krank und alt, haben häufig
nur noch wenige Lebensjahre vor sich und haben einen Anspruch
darauf, vor Beunruhigungen geschützt zu werden.
Eine noch größere Zahl ist aber noch immer, wie bereits
früher dargelegt wurde, in Flüchtlingslagern untergebracht. Ich
habe die Lager aufgesucht und mit diesen Menschen gesprochen.
Ich sehe noch immer - und vielen unter Ihnen wird es sicherlich
genau so ergehen - das Bild vor mir, wie diese Menschen sich zu
Hunderten um uns drängten, um mit uns zu sprechen, uns danach zu
fragen, was aus ihnen werden soll, um ihre Forderung vorzubringen,
daß man sie bald aus den Lagern herausholen möge, uns um irgendeine bindende Zusicherung bezüglich ihrer Zukunft und um eine
Chance zu bitten, ein Leben führen zu dürfen, wie es der Würde
des Menschen entspricht und wie man es eben nur führen kann,
wenn man eine feste Heimstatt sein eigen nennt. Ich bin sicher,
daß wir alle noch weit mehr zu tun bereit sind, und zwar sofort
zu tun bereit sind, um hier Wandel zu schaffen, damit diese bedauernswerten Opfer des Krieges, der Revolution und der Unterdrückung Sicherheit und die Gelegenheit zum Aufbau einer geregelten Existenz finden.
Mit der Schaffung dieses Programms für eine dauerhafte Lösung,
an sich schon ein Hinweis auf die Dringlichkeit des Problems, wurde
bekundet, daß man bei den meisten Flüchtlingen weder eine Repatriierung noch eine Wiederseßhaftmachung als eine praktisch durchführbare
Lösung ansieht.
Der Wirtschafts- und Sozialrat hat vorgeschlagen, daß die
Aufnähmeländer auch weiterhin eine entsprechende Zahl der der Fürsorge des Hohen Kommissars unterstellten Flüchtlinge in ihre Einwanderungsquoten einbeziehen« Die Delegation der Vereinigten Staaten hat diese Empfehlung befürwortet. Der Herr Hohe Kommissar
schätzt, daß in der Zeit von 1955 bis 1958 etwa 60 000 bis 80 000
derartige Flüchtlinge entweder auf Grund eigener Initiative oder
durch entsprechende Bemühungen der Regierungen oder freiwilligen
Hilfsorganisationen die Möglichkeit zur Auswanderung oder Wiederansiedlung geboten werden kann. Diese Aktion würde zweifellos erheblich dazu beitragen, die Zahl derjenigen Flüchtlinge zu verringern, die noch weiterer Hilfe bedürfen.
Die vordringlichste Aufgabe des Hohen Kommissars ist es jedoch, Dauerlösungen für jene vielen Tausende von Menschen zu finden,
die in den Ländern, in denen sie sich gegenwärtig aufhalten, bleiben

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"AMERIKA DIENST"

1955

bleiben wollen, oder für die eine Auswanderung nicht möglich ist.
Das ist eine schwierige Aufgabe und die Regierung der Vereinigten
Staaten empfindet es dankbar, daß ihre Lösung zusammen mit einer
Reihe anderer Phasen des Programms der bewährten Führung Dr. van
Heuven Goedharts anvertraut ist, der sein Amt mit Hingabe und
Entschlossenheit verwaltet und den wir außerordentlich hoch achten.
In diesem Zusammenhang nimmt die Delegation der Vereinigten Staaten mit Freude von der engen Zusammenarbeit Kenntnis, die der Herr
Hohe Kommissar mit verschiedenen anderen staatlichen Stellen und
freiwilligen Organisationen, die sich mit Flüchtlingsfragen befassen, aufrechterhält. Wir hoffen, daß diese Zusammenarbeit
auch künftig bestehen bleibt.
Wie nicht anders zu erwarten, zeigten die Erfahrungen im
ersten Jahr dieses auf Dauerlösungen abzielenden Programms wie aus dem Bericht des Hohen Kommissars und des Exekutivausschuäses hervorgeht -, daß finanziellen und verwaltungstechnischen
Maßnahmen ganz besondere Bedeutung zukam. Immerhin konnten für das
Jahr 1955 Projekte, die einen Aufwand von 3 Millionen Dollar erfordern, vom Hohen Kommissar vorbereitet und vom Exekutivausschuß
gebilligt werden.
Abschnitt 66 des Berichtes des Exekutivausschusses gibt Aufschluß über die Art der Projekte , durch die Lösungen für die
Probleme der Wohnungsbeschaffung, der Berufsausbildung, der Krediterteilung, der Stellenberatung und Arbeitsvermittlung sowie
der Unterbringung der Flüchtlinge in der gewerblichen Wirtschaft,
der Landwirtschaft und in anderen Wirtschaftszweigen gefunden
werden sollen. Diese werden ergänzt durch verschiedene Sonderhilfen in den sogenannten "schwierigen" Fällen, von denen es, so
viel ich weiß, etwa 15 000 gibt, sowie in vielen anderen Fällen
durch ärztliche Betreuung, zusätzliche Mahlzeiten und Unterstützung bei besonderem Notstand. Den Vorrang haben dabei die
77 000 in Lagern lebenden Menschen, die "Vergessenen", wie der
Hohe Kommissar sie nennt; die Projekte selbst sollen dabei soweit
wie möglich auf dem Prinzip der "Selbsthilfe" basieren, was die
aktive Beteiligung der Flüchtlinge verlangt. Bei dieser Art der
Hilfe können wir sicher sein, daß die Flüchtlinge nützliche Mitglieder der Gemeinwesen ihrer neuen Heimat werden.
Schon im 12. Jahrhundert sagte Maimonides: "Übt Barmherzigkeit, indem ihr die Armut verhindert; helft dem weniger Glücklichen
entweder durch ein beachtliches Geschenk, durch Geld oder dadurch,
daß ihr ihn in einem Gewerbe unterweist oder ihm eine Existenz
schafft, so daß er auf ehrliche Art und Weise seinen Lebensunterhalt zu verdienen vermag und nicht gezwungen wird, den traurigen,
ihm dann einzig noch verbleibenden Weg zu gehen, nämlich die Hand
nach Almosen auszustrecken. Dann erst ist die letzte Sprosse auf
der goldenen Leiter der Barmherzigkeit erreicht."
Den größten Anteil an der Bürde, die aus der Fürsorge für
die Flüchtlinge entsteht, tragen Österreich, die Bundesrepublik
Deutschland, Griechenland und Italien, wo heute die meisten Flüchtlinge leben, und die Geldzuwendungen im Jahr 1955 waren auch in
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5. Oktober 1955

in erster Linie dazu bestimmt, Dauerlösungen für die Flüchtlinge
gerade in diesen Ländern zu finden. Diese Länder steuern außerdem
von sich aus Geldmittel bei und leisten anderweitig Hilfe bei der
Durchführung der verschiedenen Projekte, und ihre Anstrengungen
und Opfer sind wesentlicheEeiträge für eine Lösung dieser Probleme.
Zu Beginn seiner Ausführungen behandelte Dr. Goedhart einige
der bereits in Angriff genommenen Unternehmen. Die Vereinigten
Staaten sind mit der bisherigen Entwicklung des Programms durchaus
zufrieden. Bedauerlich ist allerdings der Umstand, daß infolge der
angespannten Finanzlage nicht noch mehr derartige Projekte zu Beginn dieses Jahres in Angriff genommen werden konnten* Das derzeitige Vierjähres-Programm der UN-Vollversammlung, das auf eine
Dauerlösung der Probleme abzielt, ist als ein letztmaliger internationaler Vorstoß zugunsten der Flüchtlinge im Rahmen des Gesamtprogramms gedacht.
Gemäß der Resolution der Vollversammlung wurden die beteiligten Regierungen von dem Hohen Kommissar für das Flüchtlingswesen
um die Zusicherung gebeten, daß sie für alle in ihrem Lande befindlichen Flüchtlinge, die nach Ablauf dieser vier Jahre noch der
Unterstützung bedürfen, die volle finanzielle Verantwortung übernehmen; nach Auffassung der Vereinigten Staaten haben sich die betreffenden Regierungen in ihren Antworten zur Annahme der in der
Resolution niedergelegten Bedingungen einverstanden erklärt.
Es wird noch größere Anstrengungen seitens des Hohen Kommissars
bedürfen, um eine weitgehende Bereinigung des Problems vor Ablauf
des Programms, das heißt, bis Ende 1958, zu gewährleisten. Für
1955 rechnete man mit 4,2 Millionen Dollar an Beiträgen, von seiten
der Regierungen. Aber selbst alle Beiträge und Zusicherungen zusammengenommen, einschließlich der rund eine Million Dollar aus nichtstaatJLichen Quellen, ermöglichten dem Exekutivausschuß lediglich
Projekte mit einem Gesamtkostenaufwand von 3 Millionen Dollar zu
bewilligen. Und da einige der Beiträge erst in letzter Zeit eingegangen sind, werden viele dieser Projekte im Laufe dieses Kalenderjahres noch nicht abgeschlossen werden können. Der augenblickliche
Mangel an Geldmitteln und die daraus resultierende Verzögerung
in der Durchführung des Programms bedeuten eine zusätzliche Belastung für den Hohen Kommissar in den noch verbleibenden drei
Jahren der Laufzeit des Programms. Es wird der vollen finanziellen
Unterstützung seitens der Mitglied- und Nichtmitgliedstaaten bedürfen, wenn das Ziel erreicht werden soll.
Die in diesem Jahre erzielten Fortschritte wurden weitgehend
durch die Beiträge eines Landes, und zwar der Niederlande, ermöglicht. Die Vereinigten Staaten möchten daher sowohl der Regierung
als auch dem Volk dieses Landes für die gezeigte Großherzigkeit
Dank und Anerkennung aussprechen. So waren ein Zuschuß der niederländischen Regierung in Höhe von 200 000 Dollar für besonders
schwierige Fälle sowie eine Spende des niederländischen Volkes
in Höhe von 933 700 Dollar praktisch die einzigen Mittel, die dem
Exekutivausschuß bei seiner ersten Sitzung zur unmittelbaren Verwendung zur'Verfügung standen. Wir können nicht erwarten, daß die
Niederlande zum Programm für das Jahr 1956 in ähnlich großzügiger
Weise beitragen, und ich möchte daher der Hoffnung Ausdruck verleihen
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�"AMERIKA DIENST"

5. Oktober 1955

verleihen, daß die Regierungen bei der Festlegung ihres Beitrags
für das kommende Jahr diesen Umstand berücksichtigen.
Als die Delegation der Vereinigten Staaten in der letzten
Vollversammlung gemeinsam mit anderen Ländern die Resolution
über ein Programm zur endgültigen Lösung dieses Problems einbrachte, erklärte sie, dem US-Kongreß eine Empfehlung unterbreiten zu wollen, einen beträchtlichen Beitrag zu diesem Programm
zu.bewilligen. Und ich bin heute in der glücklichen Lage, offiziell zu erklären, daß der Kongreß der Vereinigten Staaten für
diesen Flüchtlingsfonds im Jahre 1955 den Betrag von 1,2 Millionen Dollar bewilligt hat, der im Verhältnis 1:3'der Zuwendungen
sämtlicher anderer Regierungen freigegeben werden wird. Die
erste Zahlung wird dem Hohen Kommissar in Kürze überwiesen.
Die amerikanische Delegation hofft, daß die künftigen Beiträge
anderer Regierungen für das Jahr 1955 so hoch sein werden, daß
die Vereinigten Staaten den vom Kongreß bewilligten Betrag sobald wie möglich in voller Höhe zur Verfügung stellen können.
Ich bin ferner zur Abgabe folgender Erklärung ermächtigt:
Im Vertrauen darauf, daß auch andere Regierungen Beweise für ihr
dauerndes Interesse am Plüchtlingsfonds der Vereinten Nationen
liefern und ihn unterstützen werden, beabsichtigt die Regierung
der Vereinigten Staaten,den Kongreß um die Bewilligung von Mitteln
für einen weiteren wesentlichen Beitrag zu diesem Programm für
das Jahr 1956 zu ersuchen.
Vielleicht bin ich zu sehr auf den Plüchtlingsfonds und zu
wenig auf jene Schritte des Hohen Kommissars eingegangen, durch
die er die Rechtslage der Flüchtlinge und ihre Stellung gegenüber den Behörden zu verbessern suchte. Dies ist verständlich,
da. der ausgezeichnete Bericht des Herrn-Hohen Kommissars über
das Programm für eine dauerhafte Lösung der Vollversammlung zum
ersten Mal Gelegenheit gegeben hat, diese wichtigen im Interesse
der Humanität gemachten neuen Anstrengungen zu überprüfen. Ich
möchte jedoch meine Rede nicht schließen, ohne der Befriedigung
der Vereinigten Staaten über die Portschritte Ausdruck zu geben,
die auf dem Gebiet des rechtlichen und behördlichen Schutzes der
Flüchtlinge gemacht worden sind, eines Gebietes, für das der
Hohe Kommissar in erster Linie verantwortlich ist. Der Bericht
des Hohen Kommissars spiegelt die fortschrittlichen.Maßnahmen
wider, die. von verschiedenen Regierungen durchgeführt wurden,
um die Zuerkennung des Flüchtlingsstatus zu regeln, dem einzelnen Rechtshilfe zu gewähren und die Flüchtlinge zu assimilieren,
indem ihnen das Recht auf Arbeit, Wohnung, Erziehung, öffentliche Unterstützung und andere Leistungen eingeräumt wurde.
Diese Maßnahmen tragen sicherlich sämtlich zu einer endgültigen
Lösung dieses sehr verwickelten Problems bei. *
Ich möchte ferner zwei Mitgliedern dieses Ausschusses Madame Tsaldaris aus Griechenland und Herrn Friis aus Dänemark unsere Anerkennung für ihre Arbeit im Exekutivausschuß bei der
Entwicklung des Programms für eine dauerhafte Lösung des Flüchtlingsproblems aussprechen.
• Herr

�"AMERIKA DIENST"

5. Oktober 1955

Herr Vorsitzender, die geschichtliche Tradition der Vereinigten Staaten als Asylland und Zufluchtsstätte sind bekannt.
Uns Amerikanern ist diese Tradition sehr teuer. Denn die Zeit,
liiider wir oder unsere Vorväter in dieses Land kamen, liegt
tatsächlich nur wenige Generationen zurück. Eine halbe Million
Amerikaner sind Flüchtlinge aus der Nachkriegszeit. Und wir
halten es für beachtenswert, daß von dem Betrag von 6 Milliarden Dollar, den die Vereinigten Staaten seit dem zweiten Welt* kriege zur Lösung des Flüchtlingsproblems geleistet haben, fast
2 Milliarden freiwillig durch persönliche und individuelle Freigebigkeit des amerikanischen Volkes aufgebracht wurden.
Es ist mir eine besondere Freude, daß ich bei meiner ersten
Rede vor diesem Gremium der Vereinten Nationen, das Vertrauen
der Regierung der Vereinigten Staaten und des amerikanischen
Volkes in die Erfüllung dieser wichtigen humanitären Aufgabe
der Vereinten Nationen und ihre fortgesetzte Unterstützung
dieses Programms zum Ausdruck bringen durfte.

* * * '* *

�A M E R I K A

D I E N S T

ÜBERBLICK ÜBER DIE VON DEN USA IN
DER ABRÜSTUNGSFRAGE VERFOLGTEN ZIELE

VEREINTE NATIONEN - (AD) - Nachstehend
übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer
Rede, die dir Sonderbeauftragte des amerikanischen Präsidenten für Abrüstungsfragen,
Harold E. Stassen, am 7.Oktober 1955 auf der
Schlußsitzung des UN-Unterausschusses für
Abrüstungsfragen gehalten hat.
Der Unterausschuß der UN-Abrüstungskommission ist im
Begriff, eine kurze Sitzungspause einzulegen, die bis zum
Ende der bevorstehenden Konferenz der Außenminister der
vier Großmächte in Genf dauern wird. Diese Sitzungspause
bringt nur eine kurze Unterbrechung der eigentlichen Geschäftsarbeit des Unterausschusses. Sie sollte jedoch auf
keinen Fall eine Unterbrechung unserer Arbeit an jener großen Aufgabe darstellen, mit der wir hier betraut sind.
Es ist an der Zeit, daß das uns übergeordnete Gremium,
die Abrüstungskommission, die Ergebnisse unserer bisherigen
Arbeit überprüft. Es ist an der Zeit, daß diejenigen, die
die Vorbereitungen für eine weitere bedeutungsvolle Tagung
in Genf treffen, sich mit unseren Beratungen hier befassen.
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß wir
so bald wie nur irgendwie möglich nach der Genfer Konferenz
wieder zusammentreten sollten, um dann die Richtlinien auszuwerten, die dort gegeben werden. Wir glauben, daß dann schon
kurze Zeit darauf eine Vollsitzung der Abrüstungskommission
anberaumt werden könnte, und daß die UN-Vollversammlung, in
der alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen vertreten
sind, den Bericht der Abrüstungskommission so bald wie möglich nach der Übermittlung erörtern sollte.
Die außergewöhnliche Verantwortung, die auf diesem Unterausschuß ruht, duldet einfach keine unnötige Verzögerung.
Sie erlegt uns auch die Pflicht auf, die Rückwirkungen der
Haltung jedes einzelnen von uns auf alle übrigen gründlich
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�"AMERIKA DIENST"
12. Oktober 1955
gründlich und gebührend zu überdenken und zu verstehen. Ich
darf vielleicht sogar sagen, einer der ermutigendsten Ansatzpunkte in der Reihe der Zusammenkünfte hier war die Tatsache,
daß sich eine solche Einstellung herausgebildet hat.
In der Zeit zwischen den beiden Genfer Konferenzen haben
unsere Zusammenkünfte Gelegenheit für eine der ersten und
wichtigsten Bewährungsproben des Geistes von Genf gegeben.
Das ist es auch, was Botschafter Lodge zum Ausdruck bringen
wollte, als er uns am ersten Sitzungstage aufrief, die sich
hier bietende große Gelegenheit wahrzunehmen.
Am Ende meiner Ausführungen werde ich versuchen, einen
Überblick darüber zu geben, wie wir diese unsere Gelegenheit
genutzt haben. Zunächst möchte ich jedoch die Politik der Vereinigten Staaten und unseren eigenen Beitrag umreißen.
Präsident Eisenhowers Vorschlag
Wie Ihnen allen bekannt sein wird, hat Präsident Eisenhower
am 21.Juli in Genf einen neuen richtungweisenden Vorschlag gemacht. Dieser Vorschlag sieht einen Austausch von militärischen
Plänen und Informationen zwischen den Vereinigten Staaten und
der Sowjetunion vor, wobei die Angaben durch eine beiden Seiten
zu gestattende Luftaufklärung verifiziert werden sollen. Diese
Informationen würden einschließen: erstens Angaben über Art,
Stärke, Organisation und Stationierung des Personals, der Einheiten und der Ausrüstungen aller ins Gewicht fallenden Land-,
See- und Luftstreitkräfte, einschließlich der organisierten
Reserven und halbmilitärischen Verbände. Zweitens eine vollständige Liste aller Arsenale und militärischen Anlagen und
Einrichtungen mit genauen Ortsangaben.
Später gab ich einen Entwurf der amerikanischen Regierung
für die umgehende Verwirklichung' dieses Planes zu Protokoll.
Dieser Entwurf sieht unter anderem vor: eine ungehinderte, wenn
auch vorangemeldete gegenseitige Luftaufklärung mit optischen,
photographischen und elektronischen Hilfsmitteln, die ungehinderte Übermittlung von Nachrichten, die Anwesenheit von Angehörigen des zu inspizierenden Landes an Bord der für die Inspektion eingesetzten Flugzeuge, die Stationierung von Beobachtern in jedem Land, die bei der Bestätigung der Richtigkeit der
ausgetauschten Informationen mitwirken können, ferner Maßnahmen,
die eine gleichzeitige Übermittlung von Informationen über ein
und denselben Sektor der Rüstung durch alle Teilnehmerstaaten
gewährleisten. '
Die Vorschläge des Präsidenten sind im Grunde genommen so
einfach und so kühn, wie sie Inspiration, tiefe Menschlichkeit
und echtes Führertum oft zuwege bringen. Hinzu kommt noch das
Ergebnis langer Monate sorgfältigsten Studiums unter der Anleitung Präsident Eisenhowers.
In den vergangenen Wochen habe ich Ihnen, so hoffe ich
wenigstens, eine gewisse Vorstellung von den Erwartungen gege-'
ben, die wir in diesen Plan setzen. Lassen Sie mich bitte hier,
zur Aufnahme in das Schlußprotokoll, diese Erwartungen noch
einmal so kurz und bündig wie nur möglich zusammenfassen. Und
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�"AMERIKA DIENST"

12. Oktober 1955

Und dann werde ich zum ersten Male in diesen Zusammenkünften
auf noch etwas zu sprechen kommen, was wir zu tun beabsichtigen:
Erstens steht am Anfang die Forderung, den Frieden - einen
gerechten und dauerhaften Frieden - zu sichern. Das ist das große
Gebot des Atomzeitalters. Am 19.Oktober 1954 erklärte Präsident
Eisenhower, daß es "einfach keine Alternative zum Frieden gibt",
und jeder neue Tag läßt die Tatsache klarer hervortreten, daß
dies auch die wichtigste Schlußfolgerung in Genf war. Der Eisenhower-Plan wird allen, die sich daran beteiligen, schwerwiegende
Lasten aufbürden, und er wird weitreichende Felgen für sie haben.
Wenn diese Vorhaben jedoch der Sache des Friedens dienen, dann
wird sich das Volk der Vereinigten Staaten gerne daran beteiligen.
Zweitens haben uns unsere Untersuchungen gelehrt, daß in
der Vergangenheit zwei Entwicklungen vielleicht mehr als alles
andere den Anlaß zu Kriegen bildeten: einmal die unverantwortliche und geradezu selbstzerstörerische einseitige Abrüstung,
und zum anderen das Wettrüsten in der üblichen Form, das aus
Furcht der Völker voreinander und aus Mißtrauen geboren wird
und aus diesem lebt.
Drittens - und dies war besonders wichtig für unsere Überlegungen - haben wir erkannt, daß wir nicht mehr länger die
alleinigen Beherrscher des mächtigsten Kriegsinstrumentes sind.
Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft ist es nicht möglich,
für die Herstellung von Atomwaffen geeignetes spaltbares Material
dann nachzuweisen, wenn es erst einmal in entsprechende Behältnisse gepackt und an geheimen Orten gelagert wird. Solche geheimen Reserven aus der früheren und derzeitigen Produktion
können für die Herstellung von Waffen verwendet und zu einem
vernichtenden Überraschungsangriff mißbraucht werden. Alle hier
Anwesenden wie auch unsere Regierungen sind sich dieser Tatsache
heute bewußt.
Viertens: Angesichts dieser Situation und solange die
Wissenschaftler der Welt nicht von sich aus in der Lage sind,
entsprechendes zu unternehmen, um eine vollständige Erfassung
aller für nukleare Waffen geeigneten Materialien zu gewährleisten,
halten wir es zunächst einmal für das Beste, einen Weg zur Ausschaltung eines großangelegten Überraschungsangriffs zu finden.
Wir sind der Auffassung, daß eine Art von Überraschungsangriff
- in dem gegenwärtigen Zeitpunkt die einzige überhaupt, die die
Welt mit Zerstörung bedroht und in Furcht versetzt - ein Überraschungsangriff ist, in den die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten verwickdlt sind.
Fünftens sind wir der Überzeugung, daß von jenem Tag an,
an dem diese beiden Mächte sich entschließen, einander Zugang
zu ihren militärischen Anlagen zu gewähren und Aufschluß über
sie zu geben, die Sicherheit der gesamten Welt sich erhöhen
würde. Dann wird sich eine Atmosphäre größeren Vertrauens ausbreiten. Und in jener Atmosphäre wird die Welt dann ein System
der Abrüstung und Inspektion aufbauen, in das alle .Nationen Vertrauen setzen können - ein System, unter dem alle ihre Rüstung
und ihre bewaffneten Streitkräfte verringern, beschränken und
aufeinander abstimmen können.
Meine

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12. Oktober 1955
Meine Herrn, dies sind fünf realistische, schwierige und
dabei doch auch hoffnungsvolle Gesichtspunkte. Der EisenhowerPlan für eine Inspektion aus der Luft als eine Maßnahme zur
Gewährleistung des Friedens gründet sich weitgehend auf sie.
Die Vereinigten Staaten erkennen auch an, daß diese fünf
Gesichtspunkte jede einzelne Regierung, die hier in diesem
Unterausschuß vertreten ist, und darüber hinaus alle Völker der
Erde angehen. Wir haben folglich vorgeschlagen, daß eine Übereinkunft zwischen der Sowjetunion und den Vereinigten Staaten,
durch die dieser Vorschlag unverzüglich in die Tat umgesetzt
werden soll, auch in einer noch zu vereinbarenden Form eine
Zugehörigkeit und Teilnahme von dazu bestimmten Staaten auf der
Basis voller Gleichberechtigung unmittelbar nach Inkrafttreten
des Plans vorsieht.
Der Plan des Präsidenten' und die Inspektion
Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die Inspektion der Schlüssel zur Rüstungsbegrenzung ist. Kein Land - weder
die Vereinigten Staaten noch die Sowjetunion, noch irgendein
anderer Staat - kann seine militärische Stärke reduzieren, sofern nicht ein internationales Abkommen besteht, das allen Völkern die Möglichkeit einräumt, sich davon zu überzeugen, daß
diese Verpflichtungen auch von allen in der Praxis eingehalten
werden.
Die Vereinigten Staaten stehen mit dieser Überzeugung keineswegs allein da. Jede der hier vertretenen Regierungen ist, ebenso wie die hier nicht vertretenen Staaten, mit uns einer Auffassung.
Ein vernünftiges und vertrauenswürdiges Übereinkommen ist
nur dann möglich, wenn es durch ein System der Inspektion und
Berichterstattung gesichert ist, das ausreicht, jede Bestimmung
des Abkommens voll zu gewährleisten. Die Geschichte lehrt uns,
daß Abrüstungsverträge ohne eine hinreichende gegenseitige Inspizierung nur dazu geeignet sind, die Gefahr eines Krieges zu
erhöhen, anstatt die Aussichten auf den Frieden zu verbessern.
Der kanadische Außenminister Pearson erklärte am 24.März
1955: "Ohne irgendeine Form der Kontrolle und Inspektion, die
die Grundlage für unser Vertrauen schafft, daß ein einmal geschlossenes Abkommen auch tatsächlich eingehalten wird, wäre
jeder Abrüstungsvorschlag angesichts der gegenwärtigen Verhältnisse, die von Furcht und Spannung gekennzeichnet sind, nur ein*
grausamer und heuchlerischer Wahn, und er könnte deshalb nur aus
Propagandamotiven vorgebracht werden."
Außenminister Pinay versicherte der Vollversammlung vergangene Woche, daß "eine allgemeine und streng überwachte Abrüstung seit je eines der Ziele der französischen Außenpolitik
war."
Der britische Premierminister Eden erklärte am 21.Juli in
Genf: "Ich trete rückhaltlos für das Prinzip ein, das Präsident
Eisenhower hier verkündet hat - daß kein Abrüstungsplan annehmbar ist, der nicht ein System der Inspektion und Berichterstattung einschließt, das jeder Phase des Plans gerecht wird." TJ -,

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12. Oktober 1955
Und der Ministerpräsident der aweitffH der beiden großen
Mächte, die über die Atomkraft gebieten, hat ähnliche Ansichten geäußert. Lassen Sie mich zitieren, was Marschall Bulganin
am 4.August 1955 vor dem Obersten Sowjet bei der Erläuterung
des Vorschlags von Präsident Eisenhower erklärte: "Der Präsident
der Vereinigten Staaten bemerkte sehr richtig, daß jeder Abrüstungsplan auf die Präge von Kontrolle und Inspektion hinausläuft.
Die Völker der Erde, für die so viel vom Ergebnis unserer
Arbeit abhängt, können mit vollem Recht die Präge erheben, warum
es uns angesichts einer so großen Einmütigkeit nicht gelungen
ist, mit unserer Arbeit voranzukommen? Eine allgemeine Antwort
darauf ist, daß das Mißtrauen bisher jeden Port schritt der
Nationen im Bemühen um eine Übereinkunft derart behindert hat,
daß der Gedanke der Inspizierung keinerlei Auftrieb erfahren
konnte. Wir meinen, daß der Plan Präsident Eisenhowers geeignet
ist, die Konzeption der Rüstungsinspektion von allen häßlichen
Nebengedanken zu befreien. Er würde jenes internationale Ver- •
trauen wieder aufbauen helfen, das die Grundlage für jedes System
der wechselseitigen Inspektion und Kontrolle ist. Er würde nicht
nur eine wichtige Sicherung gegen einen großangelegten Überraschungsangriff darstellen, sondern auch ein zwar einfaches, aber
massives Mittel zur Erprobung der Inspektion überhaupt sein.
Meine Regierung ist der Ansicht, daß die sowjetischen Vorschläge vom 10.Mai über die Stationierung von Bodenbteobachtern
an gewissen wichtigen Punkten ihre Vorzüge haben, sofern diese
Inspektoren mit entsprechenden Vollmachten ausgestattet sind und
ihre Immunität gewährleistet wird. Wir glauben aber nicht, daß
bei Ausschluß einer Inspektion durch Luftaufklärung dieses System
genügend Sicherheit gegen einen Überraschungsangriff bieten würde.
Ebensowenig glauben wir, daß es ausreicht, um die Durchführung
eines umfassenden Programms der Begrenzung und Reduzierung der
Rüstung sicherzustellen. In den Vorschlägen vom 10.Mai vermissen wir Bestimmungen, die die Inspektion von Atomwerken und
der dazugehörigen' Industrieanlagen vorsehen.
Auf einer unsasr letzten Sitzungen unterbreitete Herr Sobolew
in offenbar teilweise revidierter Form den Vorschlag der Sowjetunion vom Jahre 1947. Ich halte es nur für fair, festzustellen,
daß die dabei zum Ausdruck gebrachten Gedanken noch immer den
Stempel des Zeitpunkts ihrer Entstehung tragen. Es würde uns
interessieren, zu erfahren, wie die Sowjetunion diese Konzeptionen den heutigen Gegebenheiten anzupassen gedenkt.
Auch auf unsere seit Jahren offenen Prägen hinsichtlich der
sowjetischen Einstellung zum Problem der Kontrolle haben wir trotz
der Vorschläge vom 10.Mai noch keine Antwort bekommen.
Wir wollen beispielsweise noch immer wissen, ob die Inspektoren zur Stelle sind und an die Arbeit gehen können, bevor irgendwelche Maßnahmen zur Rüstungsbegrenzung getroffen werden.
Wir hätten gerne mehr Einzelheiten über ihre Rechte und Vollmachten sowie darüber haben sollen, daß internationale Vereinbarungen auch tatsächlich das halten, was sie versprechen.
Ebenso wie Mr. Nutting, Monsieur Moch und Mr. Martin hätte
auch ich ganz gerne gewußt, welche Arten von Einrichtungen und

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und Rüstungen unter das fallen, was die Sowjetunion nur sehr
obenhin als "Kontrollobjekte" bezeichnete, das heißt also jene
Objekte, die inspiziert werden sollen. Diese Prägen sind von
großer Bedeutung, wenn Vereinbarungen erzielt werden sollen.
Sie sind sogar von größter Bedeutung, da die Wandlungen der
Kerntechnik und der ständig wachsende Vorrat an kernreaktivem
Material die Aufgabe der Inspektion noch erschweren.
Was ist zu tun?
In den Vereinigten Staaten und in anderen Ländern werden
gegenwärtig Untersuchungen durchgeführt, um diesem Problem durch
die Ausarbeitung von Inspektionsverfahren zu Leibe zu rücken.
Zweifellos ist auch die Sowjetunion dabei, eine Untersuchung
durchzuführen, in der eine realistische Beurteilung der neuen
Situation gebührend berücksichtigt wird.
In Genf erlebten wir die Anfänge einer neuen Ära sachlicher
Annäherung an das Problem, zweifellos in Erkenntnis der Grenzen
der wohl mehr ins Detail gehenden älteren Pläne, die noch weiterreichende Ziele darstellten als der Vorschlag zur Inspektion
jetzt gewährleisten könnte. Die von Premierminister Eden und
Ministerpräsident Faure vorgetragenen "Versuchsverfahren" sind
dazu angetan, Erfahrungen für die Inspektion überhaupt.zu
sammeln. Sie sind im Verlauf dieser Konferenzen vom Mr. Nutting
und Monsieur Moch verständnisvoll erläutert worden. Die Vereinigten Staaten sind der Ansicht, daß diese Methoden in jedem
Pall in dem eventuell anzunehmenden Plan berücksichtigt werden
sollten.
In den Vereinigten Staaten werden gegenwärtig Untersuchungen all dieser Angelegenheiten mit großer Energie und vordringlich betrieben.
Ich bin ermächtigt, hier einige Einzelheiten über diese
Untersuchungen bekanntzugeben.
Wie Sie wissen, hat Präsident Eisenhower eine intensive
Überprüfung der amerikanischen Politik in der Frage der Abrüstung angeordnet. Schon auf Grund unserer vorbereitenden
Untersuchungen erkannten der Präsident und die Regierung bald,
daß die bestehende Situation eine neue, fundamentale und umfassende Untersuchung von Fachleuten hinsichtlich der Methoden
einer internationalen Inspektion und Kontrolle erfordert, und
zwar durch die größten Autoritäten, die Amerika aufzuweisen hat.
Wir wählten deshalb hervorragende, hochgeachtete Männer aus,
die für die einzelnen Waffengattungen die Untersuchungen leiten.
Ich nenne Ihnen nun die Namen der Ausschußvorsitzenden für
die jeweiligen militärischen Sachgebiete und gebe gleichzeitig •
eine kurze Erläuterung des Aufgabenbereiches:
Der Vorsitzende für den Arbeitsstab Kernenergie, von dem
wir Bahnbrechendes erwarten, um den toten Punkt zu überwinden,
ist Dr. Ernest Lawrence, der Leiter des radiologischen Instituts
Livermore der Universität Kalifornien. Dr. Lawrence ist ein
großer Mitarbeiterstab, darunter einige der bekanntesten Kernphysiker Amerikas, beigegeben. Wie ich dem Unterausschuß be-

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bereits berichtete, ist diese Gruppe bereit, zu jedem gewünschten Zeitpunkt mit jeder Regierung oder jedem Wissenschaftler
jeden Yorschlag zu erörtern, der wirksame Mittel und Wege zur
Rechenschaftslegung über spaltbares, zur Atomwaffenherstellung
geeignetes Material und zur Peststellung eventuell verborgen gehaltener Atomwaffen aufzeigen könnte.
Die hochwichtige Aufgabe der Ausarbeitung weiterer Pläne
für eine Luftüberwachung und Berichterstattung wird unter Leitung
von General James H. Doolittle durchgeführt, der zur Zeit Vizepräsident und Aufsichtsrat der Shell-Ölgesellschaft ist.
Verantwortlich für die Methoden der Überwachung und Berichterstattung der Armee und Bodeneinheiten ist Generalleutnant
a.D. Walter B. Smith, zur Zeit Vizepräsident der American Machine
and Poundry Company, und geschäftsführender Vorsitzender dieses
Arbeitsstabs ist zur Zeit General a.D. Lucian K. Truscott.
Der Rektor der George-Washington-Universität, Vizeadmiral
a.D. Oswald S. Colclough, leitet den Arbeitsstab Plotten, Marineflugzeuge und ferngelenkte Geschosse.
Stahl bildet das Rückgrat der Rüstungsindustrie. Ein hervorragender Industrieller, Mr. Benjamin Fairless von der United Steel
Corporation, wurde daher mit der Leitung des Arbeitsstabs Stahlindustrie betraut.
Die Verantwortung über die Maßnahmen zur Überwachung und
Berichterstattung für die Elektrizitätswirtschaft und die Industrie im allgemeinen übernehmen der Präsident der Detroit
Edison Company, Walker L. Cisler, und seine Arbeitsgruppe.
Mit der Leitung der Untersuchungen über die Methoden der
Überwachung und Berichterstattung in Fragen des Staatshaushalts
und der Finanzen wurde ein hervorragender Wirtschaftsfachmann,
Dr. Harold Moulten von der Brookings Institution betraut. Im
Verlauf seiner Untersuchungen wird er seine Aufmerksamkeit insbesondere den Vorschlägen des französischen Ministerpräsidenten
Faure zuwenden.
. Kein System der Überwachung und Berichterstattung ist voll
arbeitsfähig, wenn es nicht über ein leistungsfähiges System der
Nachrichtenübermittlung, verfügt, dem im Atomzeitalter eine besondere und sehr schwierige Aufgabe zufällt.
Dr. James B. Fish von den Bell Telephone Laboratories und
ein Arbeitsstab von Fachleuten des Nachrichtenverkehrs sind mit
der Planung von Maßnahmen einer schnellen, ununterbrochenen und
zuverlässigen Nachrichtenübermittlung ohne fremde Einmischung
beauftragt worden, die bei der Durchführung einer internationalen
Überwachung und Berichterstattung notwendig ist.
Meine Kollegen und all diejenigen, die von meinen Ausführungen zu diesen großartigen Untersuchungen Kenntnis erhalten haben,
werden das Ausmaß der gegenwärtigen Überprüfung unserer grundsätzlichen Politik ermessen können.
Wir sind der Meinung, daß wir uns um der Unparteilichkeit
willen bezüglich unserer früheren Vorschläge zur Zeit Zurückhaltung aufzuerlegen haben, bis in der Frage der Überwachung'

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Überwachung Portschritte erzielt worden sind. Wir verwerfen oder
verleugnen weder unsere früheren Vorschläge, noch sind wir der
Ansicht, daß es angesichts des neu aufgetauchten Problems der
Überwachung, der neuen in Genf gemachten Vorschläge und der
sich ständig wandelnden politischen Lage realistisch oder
logisch wäre, auf diesen Vorschlägen als einem Ganzen zu bestehen.
Da wir gemeinsam zusammenarbeiten, um eine befriedigendere
Antwort auf das Problem der Überwachung zu finden, sind wir auf
das stärkste überzeugt davon, daß der Plan Präsident Eisenhowers
den Frieden garantieren würde.
Der Plan des Präsidenten und die Beschränkung der Rüstungen
Der Plan des Präsidenten soll kein Ersatz für ein allumfassendes Programm der Beschränkung und Verringerung der Rüstungen und der bewaffneten Streitkräfte sein. Vielmehr zielte er
darauf ab, dieses erst zu ermöglichen.
Der Plan für eine luftüberwachung im Interesse des Friedens
ist ein Tor, das den Weg zur Abrüstung öffnet.
In einer bemerkenswerten Ansprache über die Friedensaussichten ging der Präsident am 16.April 1955 auf einige der großen politischen Fragen ein, die die Welt heute in zwei Lager teilen
und denen wir auch heute noch gegenüberstehen. Dazu gab er die
folgende Erklärung ab:
"Da Fortschritte auf all diesen Gebieten (das heißt in den
politisch umstrittenen Fragen) das Vertrauen in der Welt stärken,
könnten wir gleichzeitig mit der nächsten großen Arbeit beginnen
der Verminderung der Rüstungsaufwendungen, die auf der Welt
lasten. Im Hinblick auf dieses Ziel, würden wir die feierlichsten
Verpflichtungen eingehen."
Als er in Genf seine Vorschläge für Maßnahmen gegen einen
überraschenden Großangriff darlegte, führte Präsident Eisenhower
im Verlauf seiner Rede aus:
"Meine Vorschläge würden, das versichere ich Ihnen, nur ein
Anfang sein....'
Die Vereinigten Staaten sind bereit, die Prüfung und Erprobung von zuverlässigen Systemen der Überwachung und
Berichterstattung fortzuführen und wenn diese Systeme sich als geeignet erweisen sollten, mit allen übrigen gemeinsam ihre Rüstung
in dem Maße herabzusetzen, wie das System gesicherte Ergebnisse
zeitigt."
Lassen Sie mich Ihnen und allen, die meine Worte erreichen
versichern, daß beim Vorliegen dieser Bedingungen - wenn man also
die internationalen Spannungen durch konkrete Handlungen Schritt'
für Schritt beseitigt und ein zuverlässiges Überwachungss/stem
gefunden hat - die Vereinigten Staaten bei einer VermijBlerung der
Rüstungen in vorderster Front stehen werden.
Es gibt keinen verborgenen Grund - etwa Überlegungen wirtschaftlicher Natur -, der uns zwingt, einen besonderen Stand der
Rüstung oder der bewaffneten Streitkräfte aufrechtzuerhalten.
Wir könnten sie auf ihrem gegenwärtigen Stand halten, wir könnten
sie bedeutend erhöhen, oder wir könnten sie wesentlich verringern.
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Um die Bereitschaft der Vereinigten Staaten zur Herabsetzung
ihrer Rüstungen und ihre Fähigkeit zu demonstrieren, dabei immer
noch den Wohlstand nicht nur ihrer eigenen Bürger sondern auch
den ihrer Freunde in anderen Teilen der Welt zu steigern, gab
ich am 19»September einen Überblick über die Stärke der amerikanischen Streitkräfte zu Protokoll, wie sie sich von Jahr zu Jahr
seit dem letzten Kriegsjahr entwickelt hat. Ich zeigte, daß
unsere Stärke von rund 11 V2 Millionen Mann im letzten Kriegsjahr auf 1 ty2 Millionen vor Ausbruch des Koreakrieges gesunken
war.
Beim Vorliegen der von mir aufgezeigten Bedingungen werden
wir, wie ich glaube, keine großen Schwierigkeiten haben, uns auf
einen entsprechenden Stand unserer Streitkräfte zu einigen. Ich
glaube jedoch, daß bei den Verhandlungen Faktoren zu berücksichtigen sind, die seit dem Jahr 1952 eine'wachsende Bedeutung gewonnen haben, und die sich - wie die Zunahme der Vorräte an
Atomwaffen - bei einer Überwachung nicht feststellen lassen.
Während dieser Sitzungen hat die amerikanische Delegation
von neuem versichert, daß ein allgemeines Abrüstungsabkommen
wesentliche Bestandteile der bewaffneten Streitkräfte einschließ- .
lieh der militärischen Stützpunkte einschließen sollte.
Das bezieht sich auch auf solche Stützpunkte, die die Vereinigten Staaten auf Wunsch und Verlangen anderer Länder im
Auslande unterhalten - sowie auf die Stützpunkte, die die
Sowjetunion sowohl im eigenen Lande wie im Auslande unterhält.
Derartige' Stützpunkte sind das Produkt der Zeit und der
Spannungen, in denen wir leben; wir unsererseits haben sie errichtet im Rahmen der Bemühungen der freien Welt, sich zu schützen und der Sache des Friedens zu dienen.
Wenn die Atmosphäre, aus der sie entstanden, sich verbessert, dann wird nach dem Gesetz der Logik mit dem geringeren
Zwang zur Verteidigung auch das Bedürfnis nach der Schaffung
derartiger Stützpunkte schwinden.
Mit Interesse haben wir die Verlautbarung der Sowjetunion
zur Kenntnis genommen, daß sie ihre Stützpunkte in Pakkala und
Port Arthur freigegeben und gewisse Einschränkungen bei ihren
bewaffneten Streitkräften vorgenommen hat. Doch haben wir bereits
darauf hingewiesen, und ich bestätige dies nochmals hier, daß
wir die Bedeutung derartiger Maßnahmen nicht richtig einzuschätzen vermögen, solange wir nicht offiziell über die Gesamtstärke
der sowjetischen Streitkräfte oder die Bedeutung des Stützpunktes Porkkala, etwa im Verhältnis zum Ausbau oder der Verkleinerung
anderer wichtiger sowjetischer Stützpunkte im Ostsee-Gebiet,
unterrichtet werden.
Ob nun die Vereinigten Staaten ihre Streitkräfte weiter
reduzieren oder sie in irgendeiner Weise in ihrer Zusammensetzung
verändern, oder ob früher oder später eine Einigung hinsichtlich
der Abrüstung erzielt wird, auf eines kann sich die Welt verlassen:
Die Vereinigten Staaten wünschen ein Verbot der Verwendung
von Atomwaffen oder irgendwelcher anderen Waffen oder bewaffneten
Streitkräfte - seien es Kanonen, Tanks, Flugzeuge, Gewehre oder

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oder was immer - zu irgendeinem anderen Zwecke als den in Übereinstimmung mit unseren unter der Charta der Vereinten Nationen
eingegangenen Verpflichtungen sowie zur Abwehr einer Aggression.
Wie sieht die nächste Zukunft aus?
Da wir nun zunächst unsere Beratungen beenden, können wir
meiner Ansicht nach doch einiges berichten, was zu Hoffnungen
berechtigt:
1) Wir haben auf unseren Sitzungen stets im Geist von Genf
gehandelt. Alle, die in den letzten Jahren an den Beratungen
des Ausschusses teilgenommen haben, können wohl bezeugen, daß
sich das Klima entschieden gebessert hat.
2) Man ist sich allgemein und eingestandenermaßen darüber
im klaren, daß die modernen Waffen für jedes Land die Gefahr der
vollkommenen Vernichtung mit sich bringen.
3) Wir alle sind uns darin einig, daß in bezug auf etwaige
Abrüstungspläne ein neues Moment von ungeheurer Bedeutung aufgetaucht ist - die Tatsache nämlich, daß bedeutende Mengen atomarer Waffen heimlich angesammelt werden können, ohne bei Inspektionen sogleich entdeckt zu werden.
4) Wir alle sind uns darin einig, daß es von erstrangiger
Bedeutung ist, ein Mittel zu finden, sich gegen Überraschungsangriffe, insbesondere Angriffe mit Atomwaffen, zu schützen.
5) In unseren Ansichten über eine Inspektion gab es eine
geringfügige, eine nur sehr geringfügige Annäherung: Wenn die
Sowjetunion den Gedanken einer Luftinspektion, sei es in Form
des von Präsident Eisenhower vorgeschlagenen Planes oder als
Teil eines umfassenden Systems der ständigen Überwachung, auch
nicht angenommen hat, so hat sie ihn zumindest auch nicht abgelehnt. Wir unsererseits sind durchaus bereit, in einen Inspektionsplan auch den Begriff der Bodenüberwachung etwa in dem von
der Sowjetunion entwickelten Sinne aufzunehmen. Auch die britische und die französische Delegation haben sehr wertvolle neue
Gedanken hinsichtlich der Inspektion vorgebracht.
6) Wir alle sind uns in dem Wunsche einig, letzten Endes
alle Waffen und alle bewaffneten Streitkräfte zu beschränken und
zu reduzieren.
Mir scheint, es dürfte einer Entwicklung in diesem Sinne
sehr förderlich sein, wenn die Sowjetunion sich unter anderem
dazu verstehen wollte:
1 . Sich der Logik ihrer eigenen Feststellungen hinsichtlich der Unberechenbarkeit der Kernwaffen zu beugen und mit uns
gemeinsam nach neuen Mitteln und Wegen zu suchen, die der Situation.gerecht werden.
2. Mit uns gemeinsam die besten Mittel und Wege zur Verhinderung von Überraschungsangriffen zu suchen und insbesondere
ihre Gedanken über den Plan des Präsidenten und eine Luftinspektion als Teil eines ständigen ÜberwachungsSystems zu entwickeln.

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3. Durch konkrete Maßnahmen auf allen übrigen Gebieten, in
denen noch Uneinigkeit besteht, zur politischen Entspannung der
Weltlage mit beizutragen.
Ich habe bei unseren Zusammenkünften mein Bestes getan, um
c£«n Zielen und Absichten des Volkes und des Präsidenten der Vereinigten Staaten gerecht zu werden. Vieles, was ich sagte, mag
unzulänglich gewesen sein oder durch das Auf und Ab der Diskussion
im Protokoll nicht so klar zum Ausdruck kommen. Damit die Unterlagen, die dem Bericht beigefügt werden, in bezug auf den Plan
des Präsidenten und unsere Politik vollständig sind, werde ich
heute ein Memorandum der amerikanischen Delegation über diesen
Plan vorlegen, den das Sekretariat allen Mitgliedern zur Kenntnis bringen wird.
Die Vereinigten Staaten sind überzeugt, daß die Abrüstungskommission, die Vollversammlung und die Völker der Welt die in
diesem Memorandum dargelegte Stellungnahme"billigen werden.
Meine Herren, zum Schluß darf ich allen meinen Kollegen und
unseren wackeren Mitarbeitern im Sekretariat dafür danken, daß
ich den Vorzug genießen durfte, mit ihnen gemeinsam einer Sache
zu dienen, die sich, des bin ich sicher, als ein fruchtbares
Unternehmen herausstellen wird.
Ich bin gewiß, daß wir alle und die Sache der Menschheit,
der wir dienen, letzten Endes siegen werden. Denn ein Mißlingen
unserer Bemühungen verbietet sich von selbst angesichts der
furchtbaren Alternativen in diesem unserem Atomzeitalter. Nie
zuvor sah sich die Menschheit vor so schicksalhafte äußerste
Entscheidungen gestellt: auf der einen Seite so absolute Verwüstung, wie der menschliche Verstand sie nicht zu fassen vermag,
auf der anderen Seite ein Ausblick in reichere Pülle des Lebens,
als der Mensch sich je träumen ließ«
Da kann es, bei Gott, keinen Zweifel geben, welchen Weg
die Völker wählen werden!

* * * * *

�DULLES ERWARTET "ÄRA DER FRIEDLICHEN VERÄNDERUNGEN"
MIAMI (Florida) — (AD) — Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Rede,
die US-Außenminister John Foster Dulles am
10. Oktober 1955 auf dem 37- Jahreskonvent
des amerikanischen Kriegsteilnehmerverbandes
"American Legion" in Miami gehalten hat.
Es ist eine Ehre und ein Privileg, zur Eröffnung Ihres Jahreskonvents zu sprechen. Gerade Sie waren in Zeiten der nationalen Gefahr bereit, Ihr Leben zu opfern, damit unser Land und
seine Prinzipien weiterleben konnten. Und in Friedenszeiten haben Sie durch Ihre Jahreskonvente und Ihre zahlreichen Ausschüsse
sowie Ihre Tätigkeit auf erzieherischem Gebiet den patriotischen Geist gepflegt.
Die Vaterlandsliebe ist eine große Tugend. Sie ist eine
Tugend, von der das Bestehen der freien Gemeinschaften abhängt.
Der Despotismus kann Opfer befehlen. Aber freie Gemeinschaften
können lediglich zu Opfern aufrufen, und der Maßstab für die
Antwort ist der Patriotismus.
Der Patriotismus aber kann zu einer Kraft des Bösen und
des Fanatismus pervertiert werden. In unserem Lande jedoch ist
der Patriotismus im allgemeinen von der Vernunft geleitet worden und hat darauf geachtet, daß unser eigenes Wohlergehen mit
dem der anderen gleichgesetzt wurde. Vielleicht liegt das daran,
daß die Menschen bei uns in Gottesfurcht gelebt und das Gebot
der Bibel beachtet haben, das besagt: "Was ihr wollt, das euch
die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch".
Tatsächlich sind seit den frühesten Tagen unserer nationalen Geschichte Patriotismus und Religion eng miteinander verbunden gewesen. George Washington sagte in seiner Abschiedsbotschaft: "Vergebens würde derjenige den Ruhm des Patriotismus
für sich beanspruchen", der nicht Religion und Moral als die
tragenden Säuler. unserer freien Gesellschaft annimmt.
Dieser Art Patriotismus kann kein rein selbstsüchtiges
Motiv zugrunde liegen. Er sucht den Völkern die Freiheit zu
bringen und strebt nach der Würde des Menschen. Er begrüßt
eine internationale Zusammenarbeit zur Erreichung dieser Ziele
und hat von solch einem Hand-in-Hand-Arbeiten nichts zu befürchten.
Man
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Man sollte sich nirgendwo mit dem Gedanken tragen, daß die
internationalen Ereignisse der jüngsten Zeit so etwa die Genfer
Konferenz auf höchster Ebene, die Vaterlandsliebe und die damit
verbundene Disziplin und Opferbereitschaft weniger notwendig gemacht haben.
Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges waren unsere freiheitlichen Institutionen noch immer Gegenstand heftiger Angriffe. Sie
haben diese Angriffe nicht nur überlebt, sie sind dadurch sogar
noch stärker gewordenc Der letzte erbitterte Angriff erfolgte
im vergangenen Frühjahr, als die Kommunisten verzweifelt versuchten, die Schaffung der westeuropäischen Einheit zu verhindern.
Nachdem diese Bemühungen gescheitert waren, haben die sowjetischen Machthaber ihr Verhalten radikal geändert. Zehn Jahre
lang war Unduldsamkeit der Grundakkord. Sie bedrohten alle als
Feinde, die nicht der kommunistischen Linie folgen und die kommunistische Disziplin anerkennen wollten, wie sie von Moskau aus
verlangt wurde.
Nunmehr scheint alles verwandelt. Heute ist es die Politik
der Sowjets, freundlich zu erscheinen und sich mit aller Welt
an einen Tisch zu setzen. Vielleicht haben die Russen ein Sprichwort, das wie das unsere besagt: "Kannst du Sie nicht überwältigen, schließe dich ihnen an".
Aber die Russen als diejenigen, die sich hier "anschließen",
schaffen neue Probleme - für uns und für sich selbst.
Innerhalb des Sowjetblocks läßt die Bevölkerung immer mehr
erkennen, daß sie auch von der Toleranz etwas spüren möchte,
die man anderen in so großzügiger Weise angedeihen läßt. Vielleicht ist ein solches Begehren dazu angetan, den Sowjetblock
mit der Zeit zu einer allseits respektierten Gruppe der Völkerfamilie zu machen.
Außerhalb des Sowjetblocks sind manche Türen, die gewöhnlich
verschlossen waren, jetzt geöffnet - oder zumindest angelehnt.
Und dies ist der Fall, noch ehe jemand etwas Genaues über den
eigentlichen Zweck des sowjetischen "New Look" wissen kann. •
Nach der Lehre des Sowjetkommunismus ist Rückzug und Zickzack-Kurs seit eh und je ein taktisches Manöver gewesen, um die
eigene Sache voranzubringen. So können wir nichts darüber aussagen, ob das, was sich jetzt abspielt, Ausdruck eines echten Gesinnungswandels oder aber nur ein Manöver ist. Wir müssen mit
Plänen aufwarten können, die beiden Möglichkeiten gerecht werden.
Sie dürfen nicht zum Scheitern bringen, was vielleicht die Wandlung sein könnte, auf die die ganze Welt sehnsüchtig'wartet .Andererseits
dürfen wir uns nicht einer möglicherweise tödlichen Gefahr aussetzen.
Unsere Politik stand vielleicht nie zuvor vor einer so
schwierigen und heiklen Aufgabe, Mit Klugheit allein ist es hier
nicht getan. Wir müssen vielmehr auf grundlegende Werte bauen.
Zum Glück verfügen wir über- solche grundlegenden positiven Werte,
sowohl auf materiellem als auch auf moralischem Gebiet. Diese

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Diese Werte sind nicht aggressiver Natur, doch üben sie einen
tiefgreifenden Einfluß auf die internationalen Angelegenheiten aus.
Lassen Sie mich einen kurzen Überblick über diese unsere Aktiv^
posten geben:
Wir haben eine produktive Wirtschaft. Unser Bruttosozialprodukt ist das größte in der Geschichte der Menschheit und. wird
gegenwärtig auf annähernd 400 Milliarden Dollar jährlich geschätzt.
Wieviel das ist, wird uns erst dann klar, wenn wir uns vor Augen
halten, daß es dreimal so groß ist wie das der Sowjetunion mit
ihrer so viel größeren Bevölkerungszahl.
Bedeutsamer noch als die Quantität ist die Zufriedenheit der
Menschen, die mit unserer Produktion einhergeht. Dies ist die
Folge des Prinzips der Freiwilligkeit. Kein Regierungsdekret zwingt
Männer und Frauen zu einer Arbeit, die ihnen zuwider ist. Und da
die Menschen Arbeit verrichten, die sie gerne tun, so suchen sie
sich gegenseitig zu überbieten und streben so nach Wettbewerb und
einer immer größeren Produktivität.
Es ist in gleicher Weise bedeutsam, daß das, was von unserer
Bevölkerung freiwillig produziert wird, nicht nur mengenmäßig gewaltig ist, sondern auch in weitestem Ausmaß verteilt wird, um
einen höheren Lebensstandard herbeizuführen.
Die Arbeit unter Zwang kann natürlich so eingesetzt werden,
daß sie einzelne ins Auge fallende Resultate hervorbringt. Die
Welt ist übersät mit Monumenten des Despotismus der Vergangenheit,
und auch heutzutage werden einige neue derartige Monumente errichtet. Aber die Bewunderung derartiger Gewaltleistungen darf nicht
das Mitleid mit dem menschlichen Elend, das sie verursachen, verdrängen.
Unsere Pflicht und unsere Chance ist es, der Welt das Beispiel einer Wirtschaft zu geben, die auf dem Prinzip der Freiwilligkeit in reichlichem Maße produziert und ihre Produkte in
fairer Weise verteilt. Dies tun wir und müssen wir weiterhin tun
und uns dabei ständig um weitere Verbesserungen bemühen.
Wir sind stark. Aus unserem Volkseinkommen wird ein Teil abgezweigt, um sicherzustellen, daß der Hort der Freiheit nicht eines
Tages ausgeraubt wird.
Wir zweigen nicht gerne menschliche Arbeitskraft für nichtproduktive Aufgaben ab, und wir müssen ein hohes Maß an Pflichtgefühl aufbringen, um, so wie wir es tun, mehr als ein Zehntel
unserer ganzen Produktion für die Verteidigung aufzuwenden. Die
amerikanische Regierung ist bemüht, internationale Bedingungen
zu schaffen, die es uns gestatten, diesen Beitrag für nichtproduktive Aufgaben ohne Gefahr zu verringern.
Wir haben aber keineswegs die Absicht, in dieser Hinsicht'
unvorsichtig zu verfahren.
Wir mußten unsere Rüstung im ersten Weltkrieg überstürzt
aufbauen, und haben sie später verschrottet.
Danny

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Dann, als der zweite Weltkrieg kam, bauten wir die bisher
größte Rüstung der Welt auf, um sie wiederum zu verschrotten.
Und als dann der Koreakrieg kam, mußten wir sie ein drittes
Mal aufbauen. Dieses Mal beabsichtigen wir nicht, uns zu entwaffnen,
solange wir nicht sichergehen, daß andere das gleiche tun.
Wir tun das nicht, weil das amerikanische Volk etwa militaristisch geworden wäre. Gefühlsmäßig ist das amerikanische Volk so
stark wie nur je gegen die Aufrechterhaltung militärischer Einrichtungen eingestellt. Wir tun es vielmehr, weil wir durch bittere
Erfahrungen gelernt haben. Die Sowjetunion selbst war es, die uns
in Korea gelehrt hat, daß Abrüstung, wenn sie sich als einseitig
herausstellt, nicht zum Frieden führt.
Wir würden nur allzu gerne unser Militärbudget reduzieren.
Doch vergessen wir nicht George Washingtons Rat, den er in seiner
Abschiedsbotschaft hinterließ, demzufolge die Staatsfinanzen zwar
in Ordnung zu halten seien, daß aber nichtsdestoweniger "rechtzeitige Ausgaben, um für die Gefahr gerüstet zu sein, weit größere
Ausgaben ersparen, wenn der Gefahr vorbereitet begegnet werden muß"*
Der Terror war schon stets ein Werkzeug der Despoten. Wenn
jene, die keinerlei moralische Skrupel kennen, waffenmäßig überlegen sind, so ist das stets gefährlich.
Aus diesem Grunde müssen wir im eigenen Interesse als auch im
Interesse aller freien Menschen diejenige Stärke aufrechterhalten,
die zur Absehreckung der Aggression erforderlich ist.
Wir haben Grundsätze. Mit unserer Produktivität und unserer
Stärke bezwecken wir nicht, die Welt durcheinander zu bringen.
Diese Kräfte sind durch strenge ethische Grundsätze gebändigt.
Wohl gibt es eine Philosophie, nach der Moral und Außenpolitik
miteinander unvereinbar sind. Das war niemals das amerikanische
Ideal, ist es ebenso heute nicht und wird es, das gebe Gott, auch
in Zukunft niemals sein.
Eine Diplomatie, die sich von der Moral distanziert, trennt
auch die Regierung vom Volk, unser Volk kann politische Maßnahmen
verstehen - und wird sie auch unterstützen -, die nach ethischen
Begriffen erklärt und verstanden werden können. -Eine Politik aber,
die nur auf sorgfältig errechneter Zweckmäßigkeit basiert, ließe
sich nie erklären und würde auch nie verstanden.
Ferner muß eine Nation in unserer Lage eine Politik verfolgen,
von der andere tänder den Eindruck haben können, daß sie fest umrissen und im voraus abzusehen ist. Das ist der Fall, wenn unsere
Politik auf Grundsätzen beruht. Das ist nicht der Fall, wenn unsere
Politik auf dem Flugsand selbstsüchtiger Berechnung basiert.
Als Beispiel der von uns vertretenen Grundsätze nenne ich
das Prinzip, daß zur Erreichung nationaler Ziele keine militärische
Gewalt aggressiv angewendet werden darf.
Stärke, insbesondere große Stärke, ist immer gefährlich, es
sei denn, daß sie selbstauferlegten Beschränkungen unterworfen ist.
Vor

�12. Oktober 1955
"AMERIKA DIENST"
Vor kurzem sind wir von den Rotchinesen, die unter Verletzung der koreanischen Waffenstillstandsbestimmungen 15 unserer
Flieger zurückhielten und ins Gefängnis warfen, ernstlich herausgefordert worden, obwohl es in unserer Macht stand, sofortige
und überwältigende Vergeltungsmaßnahmen durchzuführen, taten wir
es nicht, sondern vertrauten auf die Vereinten Nationen und den
von ihnen ausgeübten moralischen Druck. Heute nun befinden sich
alle 15 in Freiheit und sind in ihre Heimat zurückgekehrt.
Wir hoffen, daß die chinesischen Kommunisten dieses Prinzip
der "Entsagung jeglicher Gewaltanwendung" für sich akzeptieren
werden. Bisher haben sie weitgehend mit dem Schwert regiert.
Sie kamen durch eine gewaltsame Revolution an die Macht. Sie
marschierten in Korea ein, um gegen das UN-Oberkommando zu
kämpfen. Sie nahmen Tibet mit Gewalt. Sie verbündeten sich in
Indochina mit der Gewalt. Aber vielleicht beginnen sie jetzt einzusehen, daß ein Beharren auf der Gewaltanwendung sie mit Sicherheit in das Unglück stürzen wird.
Ein weiteres der von uns vertretenen Prinzipien ist, daß
die Produktivität nicht nur rein selbstsüchtigen Zwecken dient.
Wir wollen nicht eine Oase der materiellen Prosperität in einer
Wüste menschlichen Elends sein.
Während der vergangenen zehn Jahre hat unsere Regierung
fremden Staaten schätzungsweise 40 Milliarden Dollar in Form
von Zuwendungen oder Krediten für wirtschaftliche Maßnahmen zur
Verfügung gestellt.
Empfängerstaaten waren im wesentlichen jene unserer Verbündeten, die in hohem Maße unter dem Krieg zu leiden hatten,
oder die mit uns zusammen von einer gemeinsamen Gefahr bedroht
sind und eine gemeinsame Verteidigung aufbauen.
In der gleichen Zeit sind von der privaten Wirtschaft
schätzungsweise 12,5 Milliarden Dollar ins Ausland vergeben
worden, um bei der Entwicklung von Ländern verwendet zu wearden,
die ausländisches Kapital suchen und entsprechende Infrestitionsmöglichkeiten bieten.
So sind wir bemüht, unser großes Bruttosozialprodukt und
unsere große militärische Stärke in Übereinstimmung mit vernünftigen Grundsätzen anzuwenden.
Manche Völker würden es zuzeiten lieber sehen, wenn die
Vereinigten Staaten von ihren Grundsätzen abwichen, um ihnen
bei der Lösung unmittelbar anstehender Probleme zu helfen.
Sie mögen sich, wenn wir uns nicht dazu bereitfinden, zeitweilig von uns abwenden. Aber unter einer solchen oberflächlichen
Unzufriedenheit ist, wie mir scheinen will, ein Gefühl der Achtung für die Vereinigten Staaten spürbar, weil wir zumindest versuchen, nach unseren Grundsätzen zu leben. Sicherlich ist dies
um unseres eigenen Gefühls der Selbstachtung willen notwendig.
Wir leben in Partnerschaft. Die moderne Entwicklung auf dem
Gebiet des Verkehrs- und Nachrichtenwesens hat die Völker, physisch gesehen, viel enger zusammengeführt, so daß heute Dinge,
die den einen angehen, gleichzeitig viele angehen. Es war schon
immer falsch, nach dem Sprichwort zu handeln: "Jeder für sich,
und nach mir die Sintflut." Heute ist es noch töricht dazu.

�"AMERIKA DIENST"

12. Oktober 1955

In unseren Ländern sucht die Bevölkerung Sicherheit auf einer
kollektiven Basis, sie hat ihre Polizei, ihre Feuerwehr und andere
Einrichtungen zum Schutz des Bürgers. Durch Zusammenarbeit erreicht
sie damit einen höheren Grad der Sicherheit bei geringerem Kostenaufwand .
Die Zeit ist gekommen, da auch für die Nationen die Notwendigkeit besteht, sich auf einer solchen Basis des Gemeinwesens zu
vereinen.
Das Ideal wäre natürlich die Erlangung einer kollektiven
Sicherheit auf einer universalen Basis,. Das ist die Idee der Vereinten Nationen. Aber Glaube und Vertrauen existieren bis jetzt
noch nicht auf einer universalen Basis. Daher haben viele Nationen
ihre eigenen kollektiven Sicherheitsorganisationen geschaffen, wie
sie in der Charta der Vereinten Nationen gestattet sind.
Die Vereinigten Staaten sind gegenwärtig im Rahmen von Sicherheitsabkommen Partner von 44 Nationen. Dadurch soll ein Maß an
Sicherheit geschaffen werden, das kein einzelner, auch der Stärkste
nicht, auf rein nationaler Grundlage erreichen könnte.
Die sowjetischen Machthaber geben vor, diese Entwicklungen als
Gefahr zu betrachten. Sie befürworten - für andere - was sie
"Neutralität" nennen. Damit meinen sie, daß jedes Land so schwach
sein sollte, wie es unvermeidlich sein muß, wenn es auf sich alleine
gestellt ist.
Aber die sowjetischen Machthaber praktizieren - für sich
selbst - etwas, das völlig verschieden von dem ist, was sie anderen predigen. Sie haben sich mit Gewalt einen riesigen Herrschaftsbereich geschaffen. Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken
ist selbst ein Vielnationalitätenstaat und besteht aus 16 sogenannten Republiken, von denen mehrere einst unabhängige Nationen
waren.
Mehrere andere Länder sind ganz oder teilweise über die sowjetische kommunistische Partei oder durch die Rote Armee an den
Sowjetblock gekettet.
Es besteht eine enge Übereinstimmung mit dem kommunistischen
China, das seinerseits wieder mehrere andere Nationen vollkommen
oder teilweise beherrscht.
Der Sowjetblock stellt demnach eine Verschmelzung von rund
900 Millionen Menschen dar, die unter normalen Verhältnissen mehr
als 20 verschiedene nationale Einheiten bilden würden.
Die Vereinigten Staaten glauben nicht an die Möglichkeit
praktischer Neutralität. Sonderfälle ausgenommen, ist Neutralität
heutzutage ein veralteter Begriff. Es ist dasselbe, als wollte
man die Gemeinden auffordern, ihre Polizei abzuschaffen und es
jedem Bürger überlassen, sein Heim selbst mit dem Gewehr in der
Hand zu verteidigen.
Ebenso glauben wir nicht, daß Nationen oder Völker, die u
abhängig zu sein wünschen, unter die unerwünschte Herrschaft anderer gezwungen werden sollten, allein um einen monolithischen

�"AMERIKA DIENST"

12* Oktober 1955
i

monolithischen Machtblock zu bilden. Wir glauben nicht, daß eine
derartige künstliche Einheit von Dauer ist oder daß sie zu einer
echten Sicherheit führt.
Wir sind der Ansicht, daß Völker, die Vertrauen zueinander
haben, sich im Interesse ihrer gemeinsamen Sicherheit aus freien
Stücken zusammenschließen sollten.
Die Vereinigten Staaten leisten ihren Beitrag, um diese
modernen und richtungweisenden Praktiken zur Anwendung zu bringen,
durch die alle, denen die Freiheit teuer ist, mit größerer Sicherheit dieser Freiheit gewiss sein dürfen.
Wir haben Frieden. Und Friede ist das Ziel, das wir sehnlichst erstreben. Doch wollen wir niemals vergessen, daß der
Friede, den wir heute haben, und der Friede, den wir erhalten
wollen, nicht ein Frieden um jeden Preis ist. Es ist Friede in
Freiheit, errungen von jenen, die bereit waren, für ihn zu
kämpfen und zu sterben.
Im Winter vorigen Jahres, als im Gebiet von Formosa eine
Aggression drohte, hat der Kongreß geschlossen den Präsidenten
ermächtigt, zur Verteidigung der lebenswichtigen Interessen unseres Landes wie unseres Verbündeten in jenem Gebiet die Streitkräfte der Vereinigten Staaten einzusetzen.
Ich glaube, daß diese Maßnahme unermeßlich viel zur Erhaltung des Friedens beigetragen hat.
Vor zwei Jahren sprach ich vor Ihrem Jahreskonvent in
St. Louis. Im Zusammenhang mit der "Kunst des "Friedens" sagte
ich damals: "Wenn Ereignisse sich anzubahnen scheinen, die dazu
führen können, daß wir kämpfen müssen, so wollen wir unsere Absicht von vornherein klar zum Ausdruck bringen, denn dann wird
ein Kampf wahrscheinlich überflüssig". Die Maßnahme des Kongresses war eine Anwendung dieser Doktrin in der Praxis.
Der Friede, zumindest jene Form des Friedens, die zu gewinnen einzig erstrebenswert ist, erfordert eine unerschrockene
Geisteshaltung bei der Verteidigung der Freiheit und Gerechtigkeit. Ohne jenen Geist verlieren die Aggressoren jeglichen Maßstab, bis es schließlich aus lauter Verzweiflung zu Widerstand
und Krieg kommt.
Damit aber niemand das, was ich hier sage, auf irgendeine
Weise oder aus irgendeinem Grund mißverstehen oder falsch wieder
geben kann, möchte ich vor Ihnen erklären, was Sie alle wissen:
Keine Nation der Welt hätte sich mehr und noch umfassender dem
Frieden verschreiben können als die unsere.
Es war einer der großen Gewinne, der Genfer Konferenz auf
höchster Ebene, daß sie Präsident Eisenhower Gelegenheit gab,
die Friedensliebe unseres Volkes zu demonstrieren, die über jeden
Zweifel erhaben ist. Ich verweise hier besonders auf sein spontan vorgebrachtes Angebot, militärische Pläne mit der Sowjetunion
auszutauschen und ihr auf der Basis der Gegenseitigkeit die Erlaubnis zum überfliegen der Vereinigten Staaten zu erteilen. Das
war ein Angebot, das nur aus der Gelassenheit des Geistes der

�12. Oktober 1955

"AMERIKA DIENST"

der Friedensliebe unseres hochverehrten Präsidenten kommen konnte.
Und die Nation hat diesen Vorschlag voll und ganz unterstützt«.
Wir hoffen, daß die sowjetischen Machthaber dies akzeptieren
werden. Wenn sie dies in' ehrlicher Absicht tun, können wir vertrauensvoll zu den internationalen Maßnahmen für eine Reduzierung
und Kontrolle der Werkzeuge des Todes schreiten.
Präsident Eisenhowers jüngstes Angebot bildet eine Portsetzung anderer dramatischer Vorschläge, die für die Verwirklichung des Friedens gemacht wurden. Im Jahre 1946 bot Präsident
Truman an, unser damals bestehendes Monopol auf dem Gebiet der
Atomenergie zu internationalisieren. Im Dezember 1953 schlug
Präsident Eisenhower vor, daß spaltbares Material, damals für
Kriegszwecke bestimmt, der Arbeit für den Frieden dienstbar gemacht werden solle.
Auf diese Weise bekunden die Vereinigten Staaten ihre fried
liehen Absichten. Aber, wie Präsident Eisenhower unlängst erklärte,
»'dürfen wir vom Frieden nicht als einem statischen Zustand' im Weltgeschehen denken ... Und wenn es keinen friedlichen Wandel gibt,
dann muß es zu einer gewaltsamen Veränderung kommen". Und der
Präsident führte als Beispiel für solche eines Wandels bedürfen
den Situationen die Teilung Deutschlands und die Unterwerfung
der einstmals freien Staaten Osteuropas an.
Es gibt verschiedene Skeptiker, die daran zweifeln, daß
ein solcher Wandel auf friedlichem Wege herbeigeführt werden
kann. Die Geschichte rechtfertigt eine solche Überzeugung nicht.
Die vor kurzem erfolgte Befreiung Österreichs kam vor allem zustande, weil die Weltmeinung sie beharrlich als einen Akt elementarer Gerechtigkeit forderte. In der gleichen Weise wird die Meinung der Welt einen Zwang auf die Sowjetunion ausüben, den Griff
um Ostdeutschland zu lockern und eine Vereinigung Deutschlands zu
gestatten.
Ich glaube auch, das die Weltmeinung die Wiederherstellung
der nationalen Unabhängigkeit der unterdrückten Staaten Osteuropas
erzwingen wird. Die Unabhängigkeit muß aber auch für die abhängigen Länder kommen, deren Völker Unabhängigkeit wünschen und in
der Lage sind, sie aufrecht zu erhalten. Den weniger entwickelten
Gebieten sollte dabei geholfen werden, ihrer Bevölkerung ein bes
seres Leben zu geben.
Diese Veränderungen werden sich sicherlich vollziehen. Die
einzige Frage ist, wann und durch wen. Wir können und müssen
praktisch einer Ära friedlicher Veränderungen entgegenblicken.
Wir suchen nichts anderes als Frieden. Aber wir suchen nur einen
Frieden, der heilsam und schöpferisch wirkt.
Die Vereinigten Staaten hegen nicht den Wunsch und haben kein
Mandat erhalten, die Welt zu regieren. Viele Dinge werden auch
ohne unsere Hilfe den rechten Weg gehen und viele Dinge werden
den falschen Weg gehen, ohne daß wir etwas dagegen tun können.
Wir werden nicht immer in der Lage sein, andere vor dem zu bewahren, was wir als einen Fehler für sie erachten, und wir wissen,

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»AMERIKA DIENST"

wissen, daß wir manchmal Dinge tun, die nach Ansicht anderer falsch
sind. Aber eines können wir tun, nämlich ein Land sein, das für
das einsteht, wonach alle Menschen trachten.
Das war in der Tat die Mission unserer Nation seit ihrer
Gründung. Wie unsere Gründerväter sagten, "es scheint dem Volk
dieses Landes vorbehalten zu sein, durch sein Vorbild und Beispiel
zu zeigen", daß es den Menschen möglich ist, in voller Freiheit
einen gut funktionierenden Staat zu schaffen; und daß "ein Versagen
seinerseits ein allgemeines Unglück für die Menschheit" wäre. In
all den Jahren, die seit damals vergangen sind, hat unsere Nation
sich dieses Ideals würdig gezeigt. Und diese Mission ist auch heute
noch unsere Aufgabe.
Wenn wir als freies Land eine reiche Produktion haben; wenn
wir über die nötigen Verteidigungskräfte zur Abschreckung von
Aggressionen verfügen; wenn wir unsere militärische und wirtschaftliche Stärke in Übereinstimmung mit hohen sittlichen Prinzipien
einsetzen; wenn wir unsere brüderliche Hand all jenen reichen,
die sie aufrichtig ergreifen wollen; und wenn wir einen Frieden
erstreben, der alle Ungerechtigkeit ausrottet, dann können wir
vertrauensvoll in die Zukunft blicken. So entrichten wir Lebenden
durch unsere Vaterlandsliebe den Toten, die ihr Vaterland liebten,
unseren Tribut.
*

* * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

DI?, LAGE IM VORDEREN ORIENT

NEW YORK — (AD) — Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Ansprache, die der Sonderbotschafter Präsident Eisenhowers für den
Vorderen Orient, Eric A. Johnston, am 18. Oktober auf einem öffentlichen Diskussionsabend gehalten hat, der von der "New York Herald Tribüne"
veranstaltet wurde.

Ich bin heute morgen hier in New York eingetroffen, nachdem
ich zwei Monate lang-den Vorderen Orient bereist habe - zwei
Monate, während der ich so hart wie nie zuvor in meinem Leben
gearbeitet habe.
Es war dies mein vierter Besuch in diesem Gebiet seit Oktober 1953» als Präsident Eisenhower mich zum ersten Male gebeten
hatte, als sein persönlicher Vertreter dorthin zu reisen, um den
Regierungen von Libanon, Syrien, Jordanien und Israel einen Plan
für die Verteilung und Verwendung des Wassers im historischen
Jordantal zu unterbreiten.
In den Dürregebieten de s Vorderen Orients bedeutet Wasser
Leben - es kann aber auch To d bedeuten. Der Jordan fließt durch
Länder, die sich technisch g esehen im Kriegszustand befinden,
und in deren Grenzgebieten e ine so große Spannung herrscht, daß
man dort in des Wortes wahrs ter Bedeutung den Pinger dauernd am
Abzug hat. Im Grunde genomme n»bestand die mir übertragene Aufgäbe darin, durch friedliche Verhandlungen ein fast unvermeidbar erscheinendes Blutvergie ßen im Bereich dieses so kostbaren
und heißumstrittenen Stroms zu verhindern.
Ich möchte mir die Zeit sparen, n och einmal eine chronologische Übersicht über diese meine Reis en zu geben. Ich begnüge
mich vielmehr mit dem Hinweis, daß auf meiner ersten Reise vor
zwei Jahren allein schon der Vorschlag , daß man nach einer gemeinsamen Basis für eine Verteilung de s Wassers unter den drei
arabischen Staaten und Israel suchen s olle, in einigen von mir
besuchten Hauptstädtsi auf heftige Able hnung stieß. Man hat mich
nicht gerade aufgefordert, sofort wied er abzureisen, man hat mir
aber sehr eindeutig zu verstehen gegeb en, daß meine Bemühungen
einfach eine Zeitverschwendung seien. Irgendwie gelang es mir
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�»AMERIKA DIENST"

19. Oktober 1955

mir aber doch, die Türe offen zu halten und die betroffenen vier
Regierungen dazu zu bewegen, den Vorschlag einmal zu erwägen und
mich nach einem halben Jahr nochmals zu hören.
Die arabischen Staaten haben sogar mehr getan als sich die
Sache nur zu überlegen» Sie bildeten eine technische Kommission
aus Ingenieuren, die die Vorschläge in allen Details nachprüfen
sollten. Sie brachten ihrerseits einen Gegenvorschlag vor. Um sich
nicht ausstechen zu lassen, tat Israel ein Gleiches.
Auf meiner zweiten und dritten Reise wurden die in den verschiedenen Vorschlägen enthaltenen Grundgedanken in langwierigen
Verhandlungen mit den arabischen Staaten einerseits und Israel
andererseits in einen neuen Plan eingearbeitet. Das Ergebnis war
die Neufassung des "Jordantalplanes", über den ich in den abgelaufenen beiden Monaten im Vorderen Orient verhandelt habe.
Unmittelbar vor meiner Abreise am vergangenen Freitag schrieb
eine Beiruter Zeitung in einem Artikel über den Verlauf meiner
Verhandlungen: "Er ist sicherlich ein geduldiger Mensch".
Ich bin nicht sicher, daß dies als ein Kompliment gedacht war.
Nach zweijährigen-Verhandlungen hatte die Zeitung aber wohl ein
gewisses Recht, eine solche Bemerkung zu machen - nicht, weil ich
ein geduldiger Mensch bin, sondern weil ich einfach geduldig sein
mußte, wenn ich mit der übernommenen Aufgabe nur irgendwie zu Rande
kommen wollte.
Und was noch-wichtiger ist, auch die Regierung der Vereinigten
Staaten übte Geduld. Der Präsident und der Außenminister haben
mich mit bewundernswerter Nachsicht immer wieder ermutigt, angesichts von oft geradezu unüberwindlich scheinenden Schwierigkeiten, auszuharren. Präsident Eisenhower und Außenminister Dulles
hätten angesichts der anscheinend gegebenen Unnachgiebigkeit auf
geiten einiger der an dem Vorhaben beteiligten Regierungen,oft
genug allen Grund gehabt, unser Angebot, als Vermittler zu handeln
und wirtschaftliche Unterstützung zu gewähren, zurückzuziehen.
Der Tatsache, daß sie das nicht taten und daß sie die Vielschichtigkeit der Probleme erkannten, die es auf Seiten einiger Regierungen
im Gebiet des Vorderen Orients zu lösen galt, ist der erzielte Erfolg in mindestens ebenso hohem Maße zuzuschreiben, wie dem, was
ich zu tun in der Lage war.
Wir haben Portschritte erzielt - und zwar sehr bedeutende
Portschritte. Der Auftrag, den mir der Präsident erteilt hat,
wird voraussichtlich schon bald erfolgreich beendet werden können.
Geduld und eine beharrliche Bereitschaft zur Verständigung
haben dazu geführt, daß der anfangs fast allgemein abgelehnte
Jordanplan heute schon nahezu allgemeine Anerkennung findet.
Ich glaube, daß die amerikanische Politik im Mittleren'Osten
aus den von uns gemachten Erfahrungen praktischen Nutzen ziehen
kann«, Wir haben begriffen, welchen Wert der Beharrlichkeit in
einem Gebiet beizumessen ist, in dem sich die Dinge nach amerikanischem Geschmack allzu langsam entwickeln und wo die Bevölkerung
lieber nein sagt, wenn man sie zu einer schnellen Entscheidung
drängt.
.,

�"AMERIKA DIENST"

19- Oktober

1955

Als ich vor nur zwei Tagen aus dem Vorderen Orient abreiste,
bestand nicht der geringste Zweifel darüber, daß Israel und seine
arabischen Nachbarn - libanon, Syrien und Jordanien - den Jordanplan heute als die einzige logische und gerechte Lösung des
Problems der Entwicklung eines Flußsystems anerkennen, das in gewissem Sinne ihnen allen gehört.
Sie haben mir zu verstehen gegeben, daß sie im großen und
ganzen mit den technischen und konstruktiven Seiten des Planes einschließlich der Aufteilung des Wassers - einverstanden sind.
Sie glauben, daß sich die noch verbliebenen geringen Differenzen
leicht ausgleichen lassen werden. Ich bin überzeugt, daß das der
Pall is.t.
So sind wir nach zwei Jahren nun imstande gewesen, einen Plan
zu entwickeln, den sowohl die arabischen Staaten wie auch Israel
akzeptieren können, weil er beiden Parteien gerecht wird, durchführbar ist und sich mit ihren eigenen nationalen Interessen vereinbaren läßt. Vertreter sämtlicher vier Regierungen haben mir ver&lt;
sichert, daß sie das bereits Erreichte nicht wieder verlieren
wollen; sie haben mir erklärt, daß sie nicht im geringsten daran
dächten, den Plan abzulehnen.
Gewiß gibt es noch manche Dinge zu tun. Auf einer Sitzung,
die ich mit ihnen in Kairo hatte geschlossen die arabischen Länder
einen Zeitaufschub zu-verlangen, um das Projekt nochmals zu prüfen, bevor sie ihm ihre Zustimmung erteilen. Erst in den letzten
Wochen sind in zwei dieser Länder - in Libanon und Syrien - neue
Regierungen gebildet worden. Angesichts zahlreicher schwieriger
Probleme, denen sie in ihren eigenen Ländern gegenüberstehen,
glaubten sie, mehr Zeit zu benötigen, um einen Plan zur Grundlage
ihres Handelns zu machen, der so weitreichende und dauernde Polgen
mit sich bringe. Unter diesen Umständen halte ich ihren Wunsch
nach einem Zeitaufschub nicht für ungerechtfertigt, zumal mir
bedeutet wurde, daß alle drei arabischen Regierungen dem Plan
und seiner schließlichen Annahme günstig gegenüberstehen.
Die Einstellung Israels ist eine ähnliche.
So ist es klar, daß wir der Verwirklichung des Jordanplans
heute näher sind als jemals zuvor.
Tatsächlich ist der Plan bereits eine Realität, die sich
nicht aus der Welt schaffen läßt, und kein politisch begründeter Widerspruch kann es verdunkeln, daß er von Sachverständigen
der arabischen Staaten und Israels gutgeheißen worden ist. Es
ist eine praktische Tatsache, daß heute ein wohldurchdachter
Plan für die Aufteilung und Nutzbarmachung des Jordans und seiner Nebenflüsse zum allgemeinen Wohl der in dem ganzen Gebiet
lebenden Bevölkerung besteht.
Dies ist ein Ergebnis, das all die in den letzten zwei Jahren
gemachten Anstrengungen lohnt.
Trotz der zwischen ihnen bestehenden Spannungen und Reibungen
haben die drei arabischen Staaten und Israel heute tatsächlich
ihre gegenseitigen Interessen in diesem Stromgebiet anerkannt und
in dem Plan eine gemeinsame Grundlage für den Ausgleich dieser
Interessen gefunden.
_„

�"AMERIKA DIENST

19. Oktober 1955

Was aber an diesen Plänen noch bedeutsamer ist, enthüllt
der Umstand, daß sie im Bereich des täglichen Lebens als eine
Manifestation der konstruktiven Politik der Vereinigten Staaten im Orient gelten.
Destruktive Kräfte sind gegenwärtig in diesem Gebiet am
Werk. Überall lauert Gefahr - eine Gefahr, die von den Meistern
der finsteren Kunst der Unruhestiftung heraufbeschworen wird.
Die Sowjetunion scheint sich in ein neues Abenteuer eingelassen zu haben, durch das man die arabischen Völker in eine
Falle führen und aus den freien Völkern Satelliten des sowjetischen Rußlands machen will.
Es liegt offen auf der Hand, daß der Kreml die großen und
strategisch wichtigen Landmassen des Vorderen Orients unter
seine Kontrolle bringen will.
Wenn man die Voraussetzungen kennt, auf denen die Diktatur aufbaut, dann kann diese Tatsache nicht überraschen. Eine
Ausdehnung des Machtbereiches nach außen durch eine politische
Infiltration ist für das sowjetische System so typisch wie die
Wahlen für eine Demokratie. Neue Entwicklungen haben dazu beigetragen, daß sich das diesbezügliche Interesse der Sowjets gegenwärtig auf die arabische Welt konzentriert.
Asien, das einstmals ein fruchtbares Feld für die sowjetischen Expansionsbemühungen war, ist nunmehr zum ausschließlichen Aktionsfeld Chinas, dem neuen kommunistischen Koloß Asiens,
geworden. In Europa, das in der Vergangenheit das Hauptziel der
sowjetischen Ausdehnungspolitik gewesen war, hat der wirksame
Widerstand des Westens den Kommunisten den Weg verlegt.
Nichts also kann für die Sowjets natürlicher sein, als
daß sie die ganzen Energien ihrer.Expansionsbestrebungen auf
den Mittleren Orient und den an Erdschätzen reichen und von
vielen Sorgen heimgesuchten afrikanischen Kontinent konzentrieren.
Etwa die Hälfte aller Erdölvorkommen der Welt liegt in
arabischen Staaten. Die internationalen Luft fahrtVerbindungen
zwischen Europa und dem Fernen Osten gehen über arabische Länder. Ägypten hat die Hand am Pulse einer der wichtigsten Verkehrsadern zur See, dem Suez-Kanal.
Ägypten ist schon ein Teil jenes afrikanischen Kontinentes,
der reich an unerschlossenen natürlichen Hilfsquellen ist, an
der Schwelle zu großen neuen Umwälzungen steht und in dem es
jederzeit zu Unruhen ko'mmen kann. Im Süden Algiers, in BelgischKongo, befinden sich vielleicht die größten Uranvorkommen der
Welt.
Anzunehmen,daß die Sowjets die reich© materielle und politische Beute nicht sähen, die sich hier anbietet, wäre naiv.
Bisher hat man sich damit nicht befaßt, da man andernorts engagiert war. Das ist heute nicht mehr der Fall. Der Kampf um den
Vorderen Orient hat begonnen. .
Und nichts wäre falscher, als die Schritte der Sowjets in
der gleichen Weise zu beurteilen wie die unseren. Dei fcqmmu' - 4 -

�"AMERIKA DIENST"
'
19. Oktober 1955
kommunistische Staat kennt nicht die herkömmlichen moralischen Wertmaßstäbe. Er schafft sich eine eigene Wertskala,
die den jeweiligen Erfordernissen einer Situation angepaßt ist.
Dieser Umstand birgt für uns einen taktischen Nachteil in sich.
Das trifft ganz besonders für den Vorderen Orient zu, wo
das tiefe Regsentiment der arabischen Nationen gegen Israel
einen fruchtbaren Boden für die Agenten des Kremls geschaffen
hat. Der Westen trachtet danach, eine Entspannung herbeizuführen
und den Frieden zwischen Israel und seinen Nachbarn aufrechtzuerhalten. Die Agenten des Kommunismus suchen sich jede Furcht
zunutze zu machen, bestehende Spannungen zu erhöhen und das Vertrauen der arabischen Nationen zum Westen zu erschüttern.
Während der vergangenen zwei Monate habe ich im Vorderen
Orient genug gehört und gesehen, das meine Überzeugung rechtfertigt, daß die in jüngster Zeit seitens der Sowjetunion gemachten Annäherungsversuche an die Staaten dieses Gebietes
nicht nur Demonstrationen der Verbundenheit und der Hilfsbereitschaft sind, sondern vielmehr Anzeichen für eine von langer
Hand geplante Kampagne, um die Staaten dieses Gebietes für den
kommunistischen Machtbereich zu ködern. Hinter den peinlichen
Versprechungen der sowjetischen Diplomaten an die Völker dieses
Gebietes verbirgt sich unverkennbar ein Plan.
Ich befürchte ni'Jht, daß wir uns durch russische Unschuldsbeteuerungen in die Irre führen lassen. Unsere Hauptsorge, so
meine ich, muß es sein, den politischen Führern der Völker dieses Raumes klarzumachen, was sich hinter dieser sanften Miene
verbirgt.
Im Lichte dieser sowjetischen Machenschaften gesehen, gewinnt der Jordanplan eine neue Bedeutung.
Es handelt sich beim Jordanplan um ein Projekt, das den
Menschen zum Wohl gereichen soll. .Für Hunderttausende bedeutet
seine Verwirklichung ein neues Leben, für ganze Völker, die sich
jetzt abmühen, ihrem Lande mit seiner uralten Geschichte die
Errungenschaften des zwanzigsten Jahrhunderts zu bringen, neuen
Reichtum. Die spärlichen Hilfsquellen dieser Länder werden um
Tausende von Hektar bewässerten fruchtbaren Bodens bereichert
werden können. Neue Industrien werden entstehen, neue Handelamöglichkeiten sich erschließen, die Spannungen sich verringern.
Der Jordanplan verspricht ein besseres Leben, Wachstum und
Fortschritt. Er ist in sehr konkreter Form Ausdruck unserer
Freundschaft; er ist das Spiegelbild unserer Ziele für die
Völker und Nationen des Orients.
Ich hoffe zutiefst, daß sich diese Erwartung im Tal des
Jordans erfüllen wird.
*

*

*

* *

- 5-

�A M E R I K A

D I E N S T

US-VORSCHLAG ZUR ERRICHTUNG EINES ZENTRUMS DER
KERNFORSCHUNG IN ASIEN

Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut der Rede, die John C. Hollister, der
Leiter des US-Amtes für internationale Zusammenarbeit, am 20. Oktober 1955 in Singapur auf der Konferenz der Colomboplan-Staaten gehalten hat.

Herr Vorsitzender,
Seit fünf Jahren nehmen die Vereinigten Staaten an der
Jahreskonferenz des Beratenden Ausschusses teil. Wir sind stolz,
an einer gemeinsamen Aufgabe mitzuarbeiten, die sich auf die
Lösung der Probleme, den Fortschritt und die Möglichkeiten der
wirtschaftlichen Entwicklung dieses wichtigen Raumes konzentriert. Der uns vorliegende Bericht gibt einen kurzen Abriß
über die Beteiligung der Vereinigten Staaten an der Entwicklung
Asiens in den letzten fünf Jahren.
Anstatt mich jedoch des langen und breiten mit dem Bericht
zu befassen, möchte ich jetzt lieber über ein für uns alle wichtiges Problem und' darüber sprechen, was wir gemeinsam zu seiner
Lösung unternehmen können.
1. Ich möchte zu Ihnen über Atomenergie sprechen und erörtern, was wir im Rahmen des Colomboplanes unternehmen können,
um das Atom für den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt
in Asien nutzbar zu machen.
2. Die ganze Welt ist aufgerüttelt worden durch die große
Hoffnung, die eine Anwendung der Atomenergie zum Nutzen und
Wohl des Menschen in sich birgt. Wir' kennen noch nicht die vollen Möglichkeiten dieser gewaltigen Kraft, über die wir heute
gebieten, und wir können auch die einschneidenden Veränderungen
noch nicht voraussehen, die sie in unserem Leben herbeiführt.
Wir haben bereits allen Grund, Vertrauen zu den segensreichen
Möglichkeiten dieser Kraft zu haben - in der ärztlichen Diagnose
und in der Therapie, in der Landwirtschaft, Biologie, in der
Industrie und besonders auf dem Gebiet der Krafterzeugung. Wir
wissen durch die Genfer Atomkonferenz vom August dieses Jahres**
daß Wissenschaftler und Techniker aus vielen Nationen unver_ 1_

�26. Oktober 1955

"AMERIKA DIENST"

unvergleichliche Anstrengungen unternehmen, die Grenzen unseres
Wissens immer weiter zurückzudrängen. Wir sind gewiß, daß als
Folge des Meinungs- und Erfahrungsaustausches in Genf die bereits
erreichten ungeheuer raschen Fortschritte von der Entwicklung
der kommenden Jahre noch in den Schatten gestellt werden.
3. Auf der Genfer Konferenz erfuhren wir, daß in zwei bis
fünf Jahren die ersten großen Atomkraftwerke in Betrieb genommen
und beträchtliche Energiemengen erzeugt werden. Aus den dabei
gemachten praktischen Erfahrungen werden wir mehr über die Wirtschaftlichkeit der Kernkraft und über die Sicherheit und Zuverlässigkeit der verschiedenen Reaktortypen in den einzelnen
Kraftwerken lernen. Wir sind sicher, daß im Lauf der Jahre die
Kernenergie eine immer wichtigere Rolle spielen wird.
4. Die kernphysikalische Forschung,wie auch die praktische
Nutzbarmachung der Atomkraft, hat gewisse Charakteristika, die wir
nicht außer acht lassen dürfen, wenn wir beiden in unserem Leben
immer mehr Raum geben. Am wichtigsten ist hier die Komplexität
der Kernenergie, die nicht einem bestimmten Gebiet der Wissenschaft zuzuordnen ist, sondern die einen bestimmten Weg zur Anwendung vieler Wissenschaften darstellt. Auf dem Gebiet der
Reaktortechnik beispielsweise, gleichgültig, ob es sich um Forschungs- oder Leistungsreaktoren handelt, sind wir auf das
Wissen und Können von Chemikern, Ärzten, Mathematikern, Ingenieuren der verschiedensten Fachrichtungen, Hygienikern, Apparatebauern und vielen Technikern und anderem Fachpersonal angewiesen.
Es muß nicht nur eine ausreichende Zahl dieser Leute aus den verschiedensten Fachrichtungen zur Verfügung, stehen, sondern sie
müssen auch eng zusammenarbeiten, damit die Reaktoren so konstruiert und betrieben werden können, daß ein Höchstmaß an Sicherheit und Leistung gewährleistet ist.
5. Viele Gebiete der Wissenschaft und Sektoren der Industrie
spielen in die praktische Anwendung der Kernenergie herein. Zur
Atomtechnik gehört besonders die Verwendung von Isotopen, die
sich in der medizinischen Forschung und in der Therapie, in der
Agrarforschung, in der Biologie, in den industriellen ÜberwachungS'
und Herstellungsverfahren, in der Sterilisierung von Nahrungsmitteln und auf vielen anderen Gebieten als sehr nützlich erwiesen
haben. Diese Art der Anwendung der Kernenergie dürfte im Lauf
der Zeit durchaus mit der Krafterzeugung aus der gleichen Energiequelle konkurrieren können; aber die Kernenergie wird diese
bedeutungsvolle Rolle überhaupt nur dann spielen, wenn den Fachleuten aus allen einschlägigen Gebieten die Maschinen und Materialien ohne Schwierigkeiten zugänglich gemacht werden.
6. Ein weiteres besonderes Merkmal einer kerriphysikalischen
Forschungs- und Lehrstätte ist die sehr umfangreiche und kostspielige Ausrüstung, die hierfür erforderlich ist. Für viele
Bereiche der Grundlagenforschung und für die Ausbildung auf diesem Gebiet sind nicht nur Kernreaktoren notwendig, die wir gemeinhin als Instrument der Atomforschung anzusehen gelernt
haben, sondern auch Partikelbeschleuniger, die uns schon seit
- 2 -

�"AMERIKA DIENST"

26. Oktober 1955

seit längerer Zeit vertraut geworden sind.
Um ein umfassendes Forschungsprogramm durchführen zu können,
ist es notwendig, mehrere dieser Apparate an einem einzigen Institut zur Verfügung zu haben, damit man für die jeweiligen Aufgaben auch die zu ihrer Bewältigung am besten geeigneten Geräte
zur Verfügung hat. Darüber hinaus sind besondere Apparate und
entsprechende Laboratorien für den Umgang mit radioaktiven Stoffe
notwendig, die gleichfalls in unmittelbarer Nähe des Reaktors
zur Verfügung stehen müssen, um ein wirklich erfolgreiches Arbeiten zu gewährleisten.
7. Auf Grund dieser besonderen Erfordernisse ist es klar,
daß eine vernünftige und tiefschürfende Forschung und Ausbildung
sehr viel Kosten verursacht. In den Vereinigten Staaten erachtet
man es als notwendig, Atomforschungsvorhaben und die Programme
zur praktischen Verwertung der gewonnenen Erkenntnisse auf verschiedene regionale Institute zu verteilen, wo dann jeweils an
einem Ort Wissenschaftler aus*den verschiedensten Spezialgebieten gemeinsam sich der kostspieligen Laboratoriumseinrichtungen
und Apparate bedienen können.
8. Angesichts der Vielschichtigkeit von Atomforschungsvorhaben werden hierfür entsprechend ausgebildete Fachleute in großer
Zahl benötigt. Eines der wesentlichsten Hindernisse für eine
rasche Erschließung aller Möglichkeiten zur Nutzung der Atomenergie für friedliche Zwecke ist im Fehlen entsprechend ausgebildete
Fachleute zu suchen. An allen Orten mangelt es an Wissenschaftlern und Technikern,' die durch eine Sonderausbildung für den Umgang mit spaltbarem Material geschult sind, sowie an tüchtigen
Ingenieuren, die über den Bau und Betrieb von Anlagen Bescheid
wissen, bei denen atomare Brennstoffe Verwendung finden; es fehlt
ferner an Spezialisten, die in der Verwendung von Radioisotopen
über ausreichende Erfahrung verfügen und an wissenschaftlichem
Hilfspersonal, das all jene Arbeiten ausführen kann, die dieser
neue: Forschungszweig mit sich gebracht hat. Wir leben in einem
Zeitalter einer zunehmenden Abhängigkeit von der Wissenschaft
und Forschung. Kein Land kann hoffen, in den vollen Genuß der
Ergebnisse der Atomforschung zu gelangen, das nicht über eine
genügend große Zahl von geschultem Fachpersonal verfügt, das
sicher und erfolgreich mit spaltbarem Material umzugehen vermag.
Das gilt ebenso für die Vereinigten Staaten, wie auch für Asien.
In einer Erklärung, die der Vorsitzende der amerikanischen Atomenergie-Kommission, Admiral Strauss,, kürzlich vor der amerikanischen Kernforschungsgesellschaft abgegeben hat, heißt es,- daß
die Universitäten und Hochschulen der Vereinigten Staaten nur
etwa halb soviel Techniker und Ingenieure ausbilden können,
wie heute gebraucht werden. Die Frage der Ausbildung von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Technikern nimmt unsere Aufmerksamkeit in zunehmendem Maße in Anspruch, und wenn wir nicht heute
bereits entsprechende Maßnahmen ergreifen, dann wird sich der
Mangel an geeignetem Fachpersonal schon in wenigen Jahren als
hemmender Faktor erweisen.
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9. Aus diesem Grund auch hat Präsident Eisenhowers Programm
zur Nutzung der Atomenergie für friedliche Zwecke von Anfang an
klar herausgestellt, wie notwendig ein entsprechendes Studium und
das Sammeln von Erfahrungen sind. Die amerikanische Regierung hat
versucht, dieses Problem durch ein drei Phasen umfassendes Programm
zu lösen. Erstens: Wir haben in den Vereinigten Staaten Unterrichtskurse für ausländische Studenten auf dem Gebiet der Verwendung von Radioisotopen und der Reaktortechnik sowie auch in anderen, mit der Atomforschung in Zusammenhang stehenden Fächern
eingerichtet. Zweitens: Wir haben umfangreiche Fachbibliotheken
über Fragen der Kernforschung zusammengetragen und sie Universitäten in fast allen Ländern zur Verfügung gestellt. Drittens: Wir
haben eine ganze Reihe von zweiseitigen Abkommen mit anderen Ländern geschlossen, um diese zum Bau von Forschungsreaktoren anzuregen und ihnen dabei zu helfen. Diese Forschungsreaktoren sind
einerseits ein wichtiges Instrument für Arbeiten auf kernphysikalischem Gebiet und geben andererseits Ingenieuren und Technikern
Gelegenheit, jene Probleme kennenzulernen, denen sie sich auch beim
Betrieb von Reaktoren zur Energieierzeugung gegenübersehen werden.
10. Aber nicht nur wir haben Ausbildungskurse für Angehörige
fremder Staaten ausgeschrieben. Die Schaffung der Internationalen
Atomenergie-Behörde als einer Stelle, die die Erkenntnisse der
Kerntechnik in all ihren Aspekten allen interessierten Ländern
zugängig machen soll, wird von uns sehr begrüßt. Die AtomenergieBehörde soll auch die zentrale Stelle werden, durch die spaltbares
Material für Forschungs- und Lehrzwecke sowie für die Energieerzeugung verfügbar gemacht wird. Die Erfordernisse des neuen
Zeitalters der Atomenergie machen jedoch ein Vorgehen auf breitester Front nötig. Es gilt sowohl auf Landesbasis als auch auf
internationaler Ebene entsprechende Maßnahmen in Angriff zu nehmen.
Darüber hinaus brauchen wir auch regionale Programme. Die Segnungen
der Atomenergie werden der Welt solange nur in geringem Maße zugutekommen, wie es an einer ausreichenden Zahl von ausgebildeten
Fachleuten fehlt, die in allen Fragen der Kernenergie beschlagen
sind und es verstehen, diese nutzbar zu machen.
11. Die Frage, wo man solches hinreichend ausgebildetes Fachpersonal herbekommen kann, stellt uns, die wir hier versammelt
sind, vor eine besondere Aufgabe. Wenn Asien in vollem Maße in
den Genuß der Segnungen gelangen soll, die der Menschheit aus dem
Eintritt in das Atomzeitalter erwachsen können, dann muß diese
Aufgabe gelöst werden. Die Völker Asiens entwickelten ein lebhaftes Interesse daran, sie auf regionaler Basis zu lösen. Einer
der pakistanischen Delegierten zu der letzten Konferenz über die
Nutzung der Atomenergie zu friedlichen Zwecken schlug vor, die
Hilfsquellen Asiens in den Dienst der Lösung des Problems zu
stellen. Wenn es zu einer solchen gemeinsamen Bemühung der asiatischen Völker kommen soll, dann dürfte es das erste Nahziel
sein, so rasch wie möglich das nötige Fachpersonal heranzubilden.
Der logische Auftakt hierzu müßte darin bestehen, im Rahmen des
Colombo-Plans ein kernphysikalisches Lehr- und Forschungsinstitut
aufzubauen. Ich schlage vor,'ein solches regionales Institut zu
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zu errichten, und meine Regierung ist bereit, in größerem Umfang
zu seiner Schaffung beizutragen. Dieses Institut würde die bestehenden Einrichtungen für die Grundausbildung von Ingenieuren,
Chemikern und Physikern auf Hochschulebene ergänzen. Es könnte
Gelegenheit für Ausbildungs- und Forschungsprogramme auf dem Gebiete der Medizin, der Landwirtschaft, der Industrie und der praktischen Anwendung der neuen Verfahren der Kernforschung bieten.
Ein derartiges Institut würde die verschiedenen Laboratorien
und die wichtigsten Apparate, die für Porschungsaufgaben erforderlich sind, zusammenfassen und könnte auch Laboratorien für
den Umgang mit radioaktiven Stoffen und die wichtigsten ForschungS'
instrumente, wie Beschleuniger und Zyklotrone, beherbergen. Dieses
Institut könnte auch dazu beitragen, Lehrpersonal auf dem Gebiet
der Kernforschung und -technik für die Universitäten Asiens heranzubilden. Es scheint auch der geeignete Ort für die Errichtung
einer Krebsforschungsstätte zu sein. Es könnte darüber hinaus
zum Treffpunkt von Regierungsbeamten und Vertretern der Industrie
werden, um dort auf gemeinsamen Tagungen den Platz der Atomenergie
in der Regierungspolitik und in der Industrieplanung festzulegen.
Im Hinblick auf die Vielfalt seiner Einrichtungen könnte es zu
einer Stätte werden, wo Lernende aus den asiatischen Staaten
das im eigenen Land erworbene Wissen ergänzen.
12. In einer solchen Lehr- und Porschungsstätte könnten
Asiens Wissenschaftler auf zahlreichen Fachgebieten ihre Arbeiten
mit der notwendigen Ausrüstung durchführen und so den Anschluß
an die Entwicklung der Wissenschaft in der übrigen Welt gewinnen.
Sie könnten Radioisotope und andere Hilfsmittel der Atomforschung
beim Studium und bei der Behandlung von endemischen Krankheiten
und zur Steigerung der Ernteerträge der wichtigsten Peldfrüchte
verwenden» Wenn die Atomenergie ihren vollen Beitrag auf dem
Gebiet des Gesundheitswesens und der Wirtschaft Asiens leisten
soll, müssen Sie, die Sie Ihre Probleme und Möglichkeiten am ehesten beurteilen können, sich den besonderen Bedürfnissen und Gelegenheiten dieses großen Gebietes anpassen.
13« Wir sind der Ansicht, daß
eine solche Institution,
wenn sie sich kräftig entwickeln und den Bedürfnissen der asiatischen Welt auf diesem neuen Gebiet gerecht werden soll, auf
dem Interesse und der Unterstützung Asiens beruhen muß. Nach unserer Meinung müßte das Lehr- und Forschungszentrum für Studenten
aus dem asiatischen Raum geschaffen werden,und auch der Lehrkörper müßte zum größten Teil aus Wissenschaftlern aus diesem
Gebiet aufgebaut werden. Es müßte einer asiatischen Verwaltung
unterstehen und die Regierungen Asiens müßten es unterstützen.
Die Verantwortung für die Errichtung des Lehr- und Forschungsinstituts, für seine Weiterentwicklung und für die Auswahl des
Lehrkörpers würden die asiatischen Mitglieder des Colombo-Planes
zu tragen haben, und die Ergebnisse dieser Bemühungen würden
Asien zugute kommen.
H . Die Vereinigten Staaten würden als ihren Beitrag Geldmittel zur Finanzierung der -Ausbildung asiatischer Studenten und

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und zur Schaffung von Laboratoriumseinrichtungen und -ausrüstungen
für Forschungs- und Ausbildungszwecke zur Verfügung stellen. Insbesondere sind die Vereinigten Staaten bereit, diesem Lehr- und
Forschungszentrum als einen weiteren Beitrag, einen für Zwecke
der Ausbildung und Forschung geeigneten Kernreaktor zur Verfügung
zu stellen.
15. Wir glauben, daß die Vereinigten Staaten in wenigen Jahren
schon in der Lage sein werden, Leistungsreaktoren zu exportieren.
Wenn es wirklich dahin kommt und wenn die erforderlichen Sicherheiten gegeben werden können, dann würde der amerikanische Beitrag für das Lehr- und Forschungsinstitut auch die Lieferung eines
kleinen Leistungsreaktors einschließen. Hauptzweck dieses Leistungs
reaktors, der auch das Institut.mit elektrischem Strom versorgen
könnte, würde darin bestehen, den Schülern des Instituts Gelegenheit zu bieten, Erfahrungen in der Instandhaltung und im Betrieb
eines bestimmten Typs von Atomkraftwerken und seiner Hilfsanlagen
zu sammeln.
16. Mit Interesse und Dankbarkeit haben wir bemerkt, daß
die Regierung Kanadas der indischen Regierung einen Forschungsreaktor angeboten hat, über dessen Lieferung bereits verhandelt
wird. Wir glauben, daß die amerikanischen und kanadischen Angebote sich gegenseitig ergänzen und daß der Forschung daraus nun
zusätzliche Vorteile erwachsen werden. Das von den Vereinigten
Staaten vorgeschlagene Forschungszentrum.für den Kreis der am
Colombo-Plan beteiligten Staaten,sollte seine Aufgabe darin sehen,
Menschen,insbesondere aus solchen Ländern, die bisher keine eigene
Atomforschung betrieben haben, die hierfür erforderlichen technischen Erfahrungen und Fertigkeiten zu vermitteln. Wir stellen
uns das Forschungszentrum ferner als eine Stätte vor, in der
Techniker und Wissenschaftler aus den Ländern des Colombo-Planes
eine Ausbildung erhalten können, die sie dann befähigt, sich entweder im Bereich der Colombo-Plan-Staaten oder auch in anderen
Ländern weiter fortzubilden.
17. Wir hoffen, daß die Mitglieder des Colombo-Planes diesen
Vorschlag prüfen werden. Sollten sie dann unseren Vorschlägen
näherzutreten wünschen, so würde meine Regierung die zu ihrer
Verwirklichung notwendigen Schritte erwägen und sich auch mit
der Frage befassen, welcher Ort für das Forschungszentrum am
geeignetsten sei. Bei der Suche nach einem geeigneten Ort,
müßten bereits vorhandene örtliche Einrichtungen, günstige
Zugangs- und Verkehrsmöglichkeiten und andere einschlägige Faktoren berücksichtigt werden. Der Leitgedanke muß sein, daß das
Forschungszentrum allen Ländern des Colombo-Planes nach dem
Grundsatz der Gleichberechtigung voll und ganz zur Verfügung
steht.
18. Ein solches regionales Unterfangen könnte sich, wenn
es erst einmal erfolgreich zum Abschluß gebracht worden ist,
als ein bedeutender Meilenstein in den gemeinsamen Bemühungen
der Welt erweisen, sich auf -eine Zukunft vorzubereiten, in der
die Atomenergie zum Heile der Menschheit eine immer wichtigere
Rolle spielt.
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DIE ABRÜSTUNGSFRAGE VOR DEN VEREINTEN NATIONEN

VEREINTE NATIONEN — (AD) — Nachstehend
übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer
Erklärung, die der amerikanische Chefdelegierte bei den Vereinten Nationen, Henry
Cabot Lodge, am 21. Oktober vor der UNAbrüstungskommission in Antwort auf das
sowjetische Ersuchen um die Einberufung
einer Vollsitzung der Abrüstungskommission
abgegeben hat.
Die Vereinigten Staaten wünschen eine wirkliche Debatte
über die Abrüstungsfrage - eine Debatte, die vor dieser Kommission zu einem möglichst frühen^ Zeitpunkt abgehalten und eine
möglichst umfangreiche Erörterung des gesamten Fragenkomplexes
bringen soll.
Wir stimmen jedoch mit unseren Kollegen aus Peru, Neuseeland, Kanada, Großbritannien und Prankreich darin überein, daß
gegenwärtig nicht der geeignete Zeitpunkt hierfür ist. Die
Voraussetzungen für eine neue Erkenntnisse zutage fördernde
und für alle Teile nützliche Diskussion sind gegenwärtig nicht
gegeben.
Die Mitglieder der Kommission waren nicht in der Lage, den
Bericht . zu studieren. Es wird von uns erwartet, daß wir rund
3000 Seiten Text über 47 Tagungen des Unterausschusses erörtern.
Darüber hinaus steht ein Ereignis bevor, das ganz zwangsläufig
unsere Methode, an diese Probleme heranzugehen, ja sogar das
Problem selbst berühren muß - die Konferenz der Außenminister
in Genf.
Die Mitglieder des Unterausschusses und auch die der Kommission selbst wissen dies. Der sowjetische Vertreter weiß es
gleichfalls. Er machte auch keinerlei Einwände, als die Absicht
zur Sprache kam, erst nach der Tagung der Außenminister wieder
zusammenzukommen. Rein juristisch gesehen, ist Herr Sobolew
natürlich befugt, die Anberaumung einer Sitzung zu fordern. Ein
rein juristisches Vorgehen ist aber nicht notwendigerweise auch
die vernünftigste Art des Vorgehens. In diesem Fall läuft es
darauf hinaus, die Abrüstungskommission zu drängen, es ihren
Mitgliedern nur schwierig zu machen, das zusammengetragene
Unterlagenmaterial gebührend gegeneinander abzuwägen und die
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die Regierungen dabei zu behindern, irgendwelche Entscheidungen
zu treffen. Die Abrüstung berührt aber in unmittelbarer Weise
den Fortbestand aller Völker dieser Erde, und ihre Vertreter sollten deshalb die Möglichkeit erhalten, sich dieser Frage in der
gründlichsten Form anzunehmen.
Nun ist es für uns, Herr Vorsitzender, die wir die sogenannten Großmächte innerhalb der Vereinten Nationen vertreten,
die wir sogenannte: ständige Mitglieder des Sicherheitsrates sind
und auch im Unterausschuß der Abrüstungskommission sitzen, sehr
wichtig, uns daran zu erinnern, daß die meisten Menschen der
Erde in kleinen Staaten leben, oder zumindest in Ländern, die,
auch wenn sie hinsichtlich ihrer Flächenausdehnung oder Bevölkerungszahl nicht als klein bezeichnet werden können, nicht an
diesen besonderen Gremien beteiligt sind.
Für Menschen, die in jenen Ländern wohnen, ist der Friede
und auch die Abrüstung von ebenso entscheidender Bedeutung wie
für jeden anderen Staat.
Es ist deshalb unerläßlich, daß jeder Mitgliedstaat für die
Lösung der Abrüstungsfrage sein Bestes tut.
Aus diesem Grund wenden sidh die Vereinigten Staaten nunmehr,
so wie sie es auch immer tun werden, gegen jeden Versuch, die Mitglieder dieser Kommission und der Vollversammlung, die nicht
gleichzeitig auch dem Unterausschuß angehören, einfach zu überrennen.
Es wurde ein praktisch durchführbarer Zeitplan ausgearbeitet,
nach dem die Abrüstungskommission den Bericht des Unterausschusses
nach Beendigung der Außenministerkonferenz erörtern soll, um anschließend der Vollversammlung einen von der gesamten Kommission
erarbeiteten Bericht zu unterbreiten. Lies ist der ordentliche
Verfahrensweg, und wir sollten an dieser Ordnung festhalten.
Anders zu verfahren, hieße dieser Kommission mit Mißachtung zu
begegnen und sie zu einem reinen Instrument - einem Propagandainstrument - herabzuwürdigen.
Der sowjetische Vertreter hat in seiner Rede den Eindruck
zu erwecken versucht, daß die Vereinigten Staaten ihre bisherige
Stellung revidiert und sich vom Ziele der Abrüstung abgewandt
hätten. Ich glaube, daß es nur recht und billig ist, wenn ich. .
behaupte, daß das der Eindruck ist, den er hervorrufen wollte.
Er zieht diesen Schluß, ehe meine Kollegen im Ausschuß überhaupt
die Möglichkeit gehabt haben, den Bericht zu prüfen.
Lassen Sie mich daher sagen - und ich bitte ausdrücklich
darum, dies in das Protokoll aufzunehmen -, daß diese Schlußfolgerungen recht weit gehen - sie gehen in- der Tat schon viel
zu weit. Ich denke, ich würde es am ehesten wissen, wenn die
Vereinigten Staaten die Abrüstung aufgegeben hätten. Aber ich
weiß nicht nur, daß von einer Aufgabe dieses Zieles nicht die
Rede sein kann, ich weiß auch als Vertreter Präsident Eisenhowers,
für den ich hier spreche, daß es in der Welt keine Frage gibt,die
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die ihm mehr am Herzen liegt und die seine Gedanken mehr beschäftigt als die Frage der Abrüstung. Er hat mir wiederholt erklärt,
daß er jedes Abrüstungsprogramm gutheißen werde, das gerecht und
durchführbar ist und das ein zuverlässiges Inspektionssystem einbezieht.
Die Vereinigten Staaten haben ständige und auch greifbare
Beweise für ihre Absichten gegeben, in dem 3ie ihre bewaffneten
Streitkräfte von der Höchststärke von 12 302 830 Mann während
des Krieges auf 2 935 107 Mann bis zum 30. Juni dieses Jahres
verringerten. Eine weitere Verringerung der Streitkräfte um
75 000 Mann ist bis zum Juni 1956 vorgesehen.
Die entsprechenden Zahlen können Sie, Herr Vorsitzender,
für jedes einzelne Jahr dem vorliegenden Bericht entnehmen.
Weder in diesem noch in einem anderen Bericht werden Sie
aber Angaben über die Stärke der sowjetischen Streitkräfte finden,
sei es für dieses Jahr oder irgendein anderes.
Sie werden darin allerdings einen Bericht darüber finden,
daß die Sowjetunion ihre bewaffneten Streitkräfte verringert hat.
Und wenn Sie wissen wollen, von welchem Stand aus diese Verringerung erfolgen soll, so werden Sie in den Unterlagen keine diesbezüglichen Zahlen finden.
Nun, ich möchte es nicht meinem sowjetischen Kollegen gleichtun und versuchen, diese Debatte voranzutreiben, ehe Sie den
Bericht sorgsam geprüft haben. Ich beschränke mich deshalb auf
Dinge, die seit langer Zeit in der Öffentlichkeit eine Rolle
spielen.
Wenn die Vereinigten Staaten davon sprechen, daß sie eine
gewisse Reserve hinsichtlich bestimmter Positionen wahren wollen,
so sollte sich jedermann folgender Dinge erinnern:
Erstens haben verschiedene Länder seit mehreren Jahren große
Bestände von spaltbarem Material angesammelt. Dieses Material
läßt sich mit den uns heute bekannten wissenschaftlichen Mitteln
nicht nachweisen. Es hat heute einen solchen Umfang angenommen,
daß es, falls ein wesentlicher Teil davon für eine geheime Waffenherstellung verwandet wird, eine große Bedrohung darstellt. Das
ist ein neues Problem - neu gegenüber der Zeit,als die derzeitig
gebräuchlichen Abrüstungstheorien entwickelt wurden. Es setzt
jedem Abrüstungsprogramm neue Grenzen.
Zweitens verlangt diese Situation eine neue Überprüfung der
Frage der Inspektion. Die Vereinigten Staaten haben die Welt über
die von ihnen eingeleitete Prüfung dieses Fragenkomplexes unterrichtet. Vermutlich stellen die Sowjetunion und andere Länder
eine ähnliche Untersuchung an. Wir müssen eben bestimmen, welches
die Möglichkeiten für eine Inspektion sind, inwieweit sie einem
Abrüstungsprogramm förderlich ist.
Drittens haben nicht nur die Wissenschaft sondern auch die
derzeitige weltpolitische Lage - mit einem Wort die Tatsachen des
Lebens - dazu geführt, der Frage der Abrüstung mit einer gewissen
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gewissen Reserve zu begegnen. Ein ganz besonders augenfälliger
Anlaß zu einer solchen Reserve ist die einfache Tatsache, daß
die Mächte sich bisher noch nicht einmal hinsichtlich der ersten
diesbezüglichen Schritte einig werden konnten. Wenn die Vereinigten Staaten deshalb von einer Wahrung gewisser Positionen sprechen,
so ist es nur, um der Welt gegenüber aufrichtig zu sein. Es ist
besser, offen zu" sein, und zuzugeben, ein wie geringer Fortschritt
in den vergangenen Jahren erzielt werden konnte, als heuchlerisch
und mit politischer Raffinesse in Angelegenheiten zu verfahren,
die wie diese - um einmal auf das Wesentliche zu sprechen zu
kommen und nicht in rein technischen Erörterungen zu verweilen eine tief menschliche Frage und nicht Gegenstand politischer
Strategie sind. Und ganz selbstverständlich bedeutet eine Anerkennung der Wahrheit nicht eine Aufgabe des Ziels, sie ist
vielmehr wesentliche Voraussetzung, wenn wir dieses Ziel überhaupt jemals erreichen wollen.
Viertens waren die Vereinigten Staaten bemüht, Mittel und
Wege zu finden, um die bestehenden Hindernisse sowohl auf dem
Gebiet der Wissenschaften als auch dem der Weltpolitik zu beseitigen. Ich glaube, daß ich ohne nähere Ausführungen hier erklären darf, daß wir, während wir so handeln, nach Mitteln zur Sicherung des Friedens Ausschau halten.
:.:
Wir sind überzeugt, daß Präsident Eisenhowers Vorschlag
über eine Inspektion aus der Luft zur Sicherung des Friedens
gerade das ist, was hier vonnöten ist. Wir glauben, daß das
einfache Volk in allen Teilen der Erde, für das mit dem Frieden
alles auf dem Spiele steht, gleichfalls überzeugt ist, daß dieser Vorschlag das Risiko eines Krieges mit Atomwaffen nahezu
restlos ausschließt. Wir danken Mr. Martin (Kanada) für alles
das, was er im Laufe seiner bemerkenswerten Ausführungen Ausführungen, die sicher weitreichende Folgen haben werden und
die wir sehr zu schätzen wissen - zugunsten dieses Plans vorgebracht hat.
Die Vereinigten Staaten wollen die geleistete Arbeit des
Unterausschusses sicherlich nicht verkleinern oder ablehnen, sie
können sie jedoch auch nicht in Bausch und Bogen billigen. Wir
glauben, daß eine solche Haltung aufrichtig und realistisch ist,
jetzt, da wir uns einer neuen technischen Situation gegenübersehen, da neue Vorschläge in Genf vorgebracht werden und da sich
die politische Lage ständig weiterentwickelt.
Wir halten es für ein konstruktiveres Vorgehen, von dem
Versuch abzusehen, die Regierungen zu einer ganzen Reihe von
ins einzelne gehende Maßnahmen zu verpflichten, die ihre nationale
Sicherheit ganz entscheidend berühren, ohne ihnen dabei gleichzeitig durch eine hinreichende Inspektion das Mittel an die Hand
zu geben, sich zu vergewissern, daß diese Maßnahmen von allen in
gleicher Weise ausgeführt werden.
Wir

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Wir haben Ministerpräsident Bulganin bezüglich des Eisenhower-Plans gefragt Präsident Eisenhower hat zum Ausdruck gebracht, daß wir gewisse Teile der sowjetischen Vorschläge bezüglich von Bodenbeobachtern anzunehmen bereit sind. Wir haben
die Präge gestellt, ob die Sowjetunion einer Inspektion aus der
Luft als Teil des Plans des Präsidenten oder irgendeines anderen
Plans zustimmen würde. Der sowjetische Vertreter hat bisher noch
keine Antwort auf diese Präge gegeben.
Ich nehme an, Herr Vorsitzender, daß er hinsichtlich seiner
Position noch die Reserve wahren möchte.
Meine Herrn, Mr. Stassen, der die Vereinigten Staaten im
Unterausschuß vertrat, hat der amerikanischen Regierung berichtet,
daß eines der hoffnungsvollsten Zeichen der Tagungen des Unterausschusses in den Bemühungen auf seiten aller Regierungen zu
sehen sei," die gegenseitige Haltung zu verstehen. Es wäre traurig,
wenn dieser Geist wieder verloren ginge. Wir müssen in jenem Geist
bei allen unseren Beratungen verfahren und den ganzen Fragenkomplex mit dem ihm zukommenden Ernst behandeln.

* * * * *

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D I E N S T

DIE VEREINTEN NATIONEN - EIN WESENTLICHES WERKZEUG
DES FRIEDENS

NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut einer Rede
des Sonderbeauftragten des amerikanischen
Präsidenten für Abrüstungsfragen, Harold
E. Stassen, gehalten im Rahmen der UNFeierlichkeiten anläßlich des zehnten
Jahrestages des Inkrafttretens der Charta
der Vereinten Nationen.
Die Feier fand statt am 23.Oktober
1955 in der New Yorker Kathedrale "St.
John The Divine".

NEW YORK - (AD) - Als vor zehn Jahren Delegierte von
fünfzig Nationen in San Francisco zusammenkamen, um eine
Charta auszuarbeiten, waren es vor allem die tragischen Erfahrungen zweier Weltkriege und einer weltweiten Depression,
die sie bewegten.
In einer einzigen Generation hatten sie erlebt, wie
willkürliche Verschwendung, kalte Grausamkeit und gefühllose Unmenschlichkeit des Krieges der Menschheit einen furchtbaren Zoll' abverlangten.
Sie glaubten, daß ein Weg gefunden werden könne, eine
Wiederholung der Katastrophe zu verhindern, deren Urheber der
Mensch selbst war. Sie waren entschlossen, eine internationale
Organisation zu schaffen, die eine Wiederholung des Krieges
verhindern würde.
In Übereinstimmung mit diese m Gedanken lauteten die einführenden Worte der Charta folgen dermaßen: "Wir, die Völker
der Vereinten Nationen, sind ents chlossen, kommende Generationen vor der Geisel des Krieges zu bewahren ..."
Bezeichnenderweise waren zwe i Monate, bevor die erste
Atombombe explodierte, diese Wort e niedergeschrieben und die
Charta unterzeichnet worden. Hins ichtlich neuer Verwendungsmöglichkeiten der Atomenergie hat ten sich Haltung und Denken
der Delegierten, der Nationen, ja , der ganzen Menschheit, noch
nicht gewandelt.
Eine
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Eine eingehende Prüfung der noch einmal sorgfältig ausgeschöpften Möglichkeiten der Kernenergie drängt jedem denkenden
Menschen zwei grundsätzliche Schlußfolgerungen auf.
Erstens: ein großer Krieg zwischen irgendwelchen Nationen
würde das leben aller Völker beeinflussen.
Zweitens: wenn die universelle Hoffnung auf ständigen Frieden realisiert worden ist, werden alle Völker zu neuen Höhen konstruktiver Errungenschaften emporgehoben werden.
Gestatten Sie mir, daß ich mich kurz zu diesen völlig gegensätzlichen Alternativen äußere.
Ein Geschwader von Flugzeugen, von denen je eine eine Atombombe trägt, kann heute eine Explosivkraft freimachen, die jene
bei weitem übersteigt, welche von sämtlichen Flugzeugen bei
ihren sämtlichen Flügen auf beiden Seiten im Zweiten Weltkrieg
insgesamt getragen worden ist. Jede Hauptstadt in der ganzen
Welt würde durch nur eine einzige dieser Bomben ganz erheblich
am Lebensnerv getroffen werden.
Dasselbe spaltbare Material, das in solchen Bomben enthalten ist, könnte aber auch zur Erweiterung der Strom- und Energiebedürfnisse dieser Städte nutzbar gemacht werden.
Diese Alternativen, wenn auch sehr extrem aufgezeigt, kann
man nicht länger unbeachtet beiseite schieben.
Dann mag sich die Frage erheben, ob wohl die Vereinten
Nationen dem Menschen, der die Tragödie des Krieges zu vermeiden
sucht, als starke Anwaltschaft des Friedens dienen und der Zukunft das Siegel eines dauerhaften Friedens aufdrücken werden.
Einige Beobachter halten die Tatsache, daß die Vereinten
Nationen nach all den Prüfungen eines stürmischen Jahrzehnts
noch am Leben sind, für deren rühmliche Errungenschaft. Andere
wiederum betrachten die Tatsache, daß jede Nation Mitglied werden und keine ihren Austritt erklären will - zumindest nicht
für immer - für bemerkenswert.
Sicherlich bildet das Problem der Neuaufnahmen für zehn
Jahre einen der Hauptmängel. Mehr als ein Dutzend souveräner
Staaten, die nach den in der Charta festgesetzten Maßstäben
durchaus die erforderlichen Qualifikationen besitzen, sind
durch Mißbrauch des Vetorechts abgelehnt worden.
Doch ich meine, daß die Schwächen angesichts der Erfolgsberichte gar nicht ins Gewicht fallen, wenn auch die Vereinten
Nationen noch kein vollkommenes Instrument sind. In diesen zehn
Jahren haben die Vereinten Nationen immer und immer wieder bewiesen, daß sie mehr sind als ein "Defeattierklub", daß sie mit
außerordentlichem Erfolg große Probleme in die Hand zu nehmen
vermögen.
Sie haben zum Beispiel mehr als 100 Millionen Menschen geholfen, innerhalb dreier neugebildeter, unabhängiger Nationen
die Freiheit zu gewinnen.
Sie haben wirkungsvolle Programme zur Hebung des Lebensstandards, zur Ausweitung wirtschaftlicher Möglichkeiten in den
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"AMERIKA DIENST"
den weniger entwickelten Gebieten geschaffen.
In Korea hat es sich gezeigt, daß die Vereinten Nationen
in der Lage waren und immer sein werden, fest auf der Seite
einer kleinen Nation als Verteidiger zu stehen, um ein großes
Prinzip zu bewahren.
Das alles sind 1 keine Kleinigkeiten.
Und eine kurze Überprüfung der geschichtemachenden Ereignisse in den letzten zwei Jahren erbringt in der Schlußfolgerung
den Beweis, daß die Vereinten Nationen ein wirksames Instrument
zur Erhaltung des Friedens werden können.
Wie Sie wissen, wurde das internationale Programm "Atomefür-den-Frieden" während einer denkwürdigen Ansprache durch
Präsident Eisenhower vor der Vollversammlung der Vereinten
Nationen am 8.Dezember 1953 ins Leben gerufen.
Der Präsident leitete seine Bemerkungen mit der rhetorischen Frage ein: "Kann es überhaupt ein besser geeignetes Publikum als die Mitglieder der Vollversammlung der Vereinten
Nationen geben."
Er fuhr dann mit seiner geschichtemachenden Aufforderung
an alle Nationen fort, sich mit den Vereinigten Staaten in der
Ausführung eines wirkungsvollen Programms zu verbinden, dessen
Ziel es ist, das Atom seiner zerstörenden Fähigkeiten zu entkleiden, "einen Weg zu finden, auf dem des Menschen wunderbare
Erfindergabe nicht zu seiner Vernichtung gebraucht, sondern
seinem Leben geweiht" werden solle.
Von den Hauptstädten der ganzen Welt kam die enthusiastische Antwort, daß man dieses Ansinnen unterstützen und sich zu
eigen machen wolle. Den meisten Menschen schien es, als habe
ein Strahl der Hoffnung und der Vernunft damit begonnen, die
Schatten der Furcht und der Verzweiflung aufzulösen.
Aber es gab auch Pessimisten, die in umgekehrtem Verhältnis
zu ihrer Zahl übergroßen Lärm erzeugten. Sie gebrauchten Worte
wie "Vision", "Wunschtraum", "Idealisierung", "praktische Undurchführbarkeit". Sie unterstellten, daß wir uns anschickten,
eine Brücke zu überschreiten, die noch gar nicht gebaut war.
Negativistische Klageliedsinger sind gewöhnlich Hindernisse für neue Ideen und große Männer, und der Präsident hatte
es mit einem beträchtlichen Teil von konzentriertem Zynismus
aufzunehmen.
Bei einigen Gelegenheiten sagten die Sowjetführer "Nein".
Aber mit jedem Male verlor ihr "Nein" gegenüber dem letzten
an Schärfe. Inzwischen gingen die Vereinigten Staaten stetig
voran.
Präsident Eisenhower bestimmte, daß den "Atome-für-denFrieden" einfach nichts im Wege stehen dürfe.
Heute haben die Vereinigten Staaten mit 28 Ländern Verträge
über eine Zusammenarbeit zur Errichtung von Forschungsreaktoren
getroffen, die ausschließlich friedlichen Zwecken dienen sollen.
Es

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Es ist erst eine Woche her, daß an der Akademie für Kernwissenschaft und Kerntechnik des Argonne National Laboratory in
Chicago der erste Lehrgang für junge Wissenschaftler zu Ende
ging, die sich die friedliche Verwendung der Atomenergie als
Arbeitsgebiet gewählt haben. Die Teilnahme von dreißig jungen
Wissenschaftlern aus zwanzig verschiedenen Ländern an diesem
sehr intensiv betriebenen siebenmonatigen Lehrgang fällt unter
das Programm Präsident Eisenhowers, die Erkenntnisse„die aus der
friedlichen Nutzbarmachung der Kernenergie gewonnen werden, auch
anderen zugänglich zu machen.
Heute haben wir durch die vorzüglichen Ergebnisse der von
den Vereinten Nationen nach Genf einberufenen Konferenz über die
Verwendung der Atomenergie zu friedlichen Zwecken allen Grund,
unsere Hoffnungen bestätigt zu sehen; an dieser Konferenz nahmen
über 1400 Wissenschaftler aus 72 Ländern teil, um wissenschaftliche Arbeiten zu diskutieren, Schriften auszutauschen und an Hand
der Ausstellungen sich ein Bild von dem bereits Erreichten machen
zu können.
In nur zwei Jahren ist der Traum "Atome für den Frieden"
eine greifbare Wirklichkeit geworden."
Auch die Sowjets erklärten schließlich mit einem "Ja" ihre
Bereitwilligkeit, einer internationalen Atomenergie-Behörde
kernreaktives Material zur Verfügung zu stellen.
In der vergangenen Woche gaben die Sowjets in den Vereinten
Nationen ferner bekannt, daß sie der Bildung einer internationalen Behörde, die die Durchführung des ,,Atome-für-den-Frieden"Planes Präsident Eisenhowers überwachen soll, "bedingt" zustimmen würden.
Allerdings existieren noch einige Hindernisse,
aber die sowjetischen Führer haben mit eigenen Augen die erstaunlichen Fortschritte in der internationalen Zusammenarbeit in
allem, was die Verwendung der Atomenergie anbelangt, gesehen,
und ich glaube nicht, daß die noch vorhandenen Meinungsverschiedenheiten sich nicht aus der Welt schaffen lassen würden.
Ich bin überzeugt, daß sich als Ergebnis des Vorschlags
Präsident Eisenhowers zum Austausch militärischer Pläne und
der Nachprüfung solcher Angaben durch Luftaufklärung ein ähnlicher Fortschritt herauskristallisieren wird.
Wie jedes Werk der Inspiration, das aus tiefer Menschlichkeit und souveräner Führerschaft geboren wird, ist der Plan
Präsident Eisenhowers so einfach in seiner äußeren Form wie
weitreichend in seinen Folgerungen.
Jede Nation wird gleichzeitig - in aufeinanderfolgenden
Phasen - Pläne von allen militärischen Anlagen der anderen zur
Einsichtnahme zur Verfügung stellen.
Solche Informationen würden genaue Angaben über Waffengattungen, Stärke, Kommandostruktur und Stationierung des Personals,
der Einheiten und der Ausrüstung aller wichtigen Land-, See- und
Luftstreitkräfte einschließen, auch der regulären Reserven, sowie
eine vollständige Liste der militärischen Anlagen, Einrichtungen
und Bauten samt dem jeweiligen Standort.
Jeder

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"AMERIKA DIENST"
Jeder Nation soll es gestattet sein, unbewaffnete Aufklärungsflugzeuge nach jedem beliebigen Gebiet der anderen Macht
zu entsenden.
Dies bedeutet unbeschränkte, aber kontrollierbare Luftaufklärung mit optischen, photographischen und elektronischen
Geräten, Freiheit des Nachrichtenverkehrs, die Anwesenheit von
Vertretern des zu inspizierenden Landes an Bord des betreffenden Aufklärungsflugzeuges und den Einsatz von Beobachtern zu
Lande, um die Nachprüfung der Angaben zu erleichtern.
Jeder Beobachter, ob er nun zur Bodenbeobachtung oder zur
Luftaufklärung gehört, hätte über alles und jedes, was er wahrnimmt, Bericht zu erstatten, und es würden Luftaufnahmen in
beliebiger Zahl gemacht werden.
Auf diese Weise würde es möglich, durch die "Luftwachtposten" große Truppenmassierungen der Gegenseite festzustellen,
wodurch ein großer Überraschungsangriff vermieden werden kann.
Dieser Weg würde die Welt einer Phase menschlichen Bemühens
entgegenführsn, die man vielleicht als Vorspiel zu einem dauerhaften Frieden bezeichnen darf. Alle Nationen können vertrauensvoll eine realisierbare und von allen Teilen gebilligte Rüstungsbeschränkung abwarten, womit sie der Nutzbarmachung der Kernenergie zu friedlichen Zwecken- anstatt zur Herstellung von
Bomben - und damit zum Wohl aller den Weg ebnen.
Der gleiche erfinderische Geist, der uns das Atomzeitalter
gebracht hat, würde dann die Menschheit zu dem Zeitalter des
großen Fortschritts emportragen.
Der Unterausschuß der Vereinten Nationen hat vor kurzem
die vorbereitende Diskussion der Genfer Vorschläge Präsident
Eisenhowers sowie der Pläne und Vorschläge anderer Delegierter
beendet.
Die Sitzungen werden bis zum Abschluß der bevorstehenden
Viermächtekonferenz, die diese Woche in Genf beginnt, ausgesetzt.
Die Besprechungen in dem Unterausschuß geben in fünf Punkten
Anlaß zu der Annahme, daß die Verhandlungen einen hoffnungsvollen
Ausgang nehmen werden.
Erstens wurde klar erkannt, daß die Abrüstung nicht mehr
länger als ein eitler Traum oder als Propagandasprungbrett angesehen werden kann. Jede der Delegationen gab ihrer Überzeugung
Ausdruck, daß eine wechselseitige Verminderung der Rüstungen zu
erstreben sei.
Zweitens kam ganz klar und unverhohlen die gemeinsame Erkenntnis der Gefahr der Vernichtung durch moderne Waffen zum
Ausdruck.
Drittens war man sich einstimmig darüber einig, daß Atomwaffen sehr wohl vor den regelmäßigen Kontrollkommissionen verborgen gehalten werden könnten.
Viertens wurde allergrößter Wert auf die Suche nach Mitteln
gelegt, die Schutz vor einem Überraschungsangriff zu bieten imstande wären.
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Fünftens

�"AMERIKA DIENST"
•
26. Oktober 1955
Fünftens fährten konstruktive Überlegungen dazu, die verschiedenen Vorschläge zur Durchführung der entscheidenden Aufgabe der Überwachung zusammenzufassen und ohne irgend jemanden
zu verletzen, auf einen Nenner zu bringen.
In dieser Hinsicht hat der Präsident durch seine ernsthafte Antwort an Premierminister Bulganin eine weitere bedeutsame Initiative ergriffen, indem er die Bereitwilligkeit der Ver
einigten Staaten ankündigte, die Kontrollen aus der Luft, ähnlich der sowjetischen Vorschläge, durch Kontrollen auf dem Lande
zu ergänzen,
Mögen wir uns auch' noch so bemühen, vorwärts zu kommen,
die Zweifler werden natürlich darauf bestehen, daß wir unser
Ziel nie erreichen,und die Ungeduldigen werden sagen, unsere
Erfolge kämen zu langsam und seien zu geringfügig. Sie werden
unsere großen Anstrengungen verächtlich machen und konkrete
Erfolge bagatellisieren. Und, wie sich das so meistens trifft,
wenn ein großer Schritt vorwärts getan wurde, werden die
Pessimisten die Unternehmungslustigen lächerlich machen,und
die Krittler werden schnell etwa auszusetzen finden. Doch ich
bin der Überzeugung, daß diejenigen, die heute über die Vereinten Nationen spotten, ebenso unrecht haben, wie die, die
vor zweihundert Jahren über die Vereinigten Staaten spotteten.
Und ich glaube ebenso, daß das Prestige der Vereinten Nationen
wachsen und blühen kann, wie ich davon überzeugt bin, daß die
große Idee der menschlichen Freiheit in Gott, wie sie von den
Vereinigten Staaten bewahrt, gelebt und fortgeführt wird, einen
wesentlichen Bestandteil der geistigen Reife ausmachen wird,
die einem dauernden Frieden zugrundeliegen muß.
* # * # *

- 6 -

�A M E R I K A

D I E N S T

MCCLOT-REDE ZUR WIEDERKEHR DER EINWEIHUNG
DER BERLINER FREIHEITSGLOCKE
BERLIN - (AD ) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen de n Wortlaut einer Ansprache,
die der früh ere amerikanisc he Hochkcmmissar für Deut schland, John J . McCloy am
24.Oktober 1 955 im ;Schöneb erger Rathaus
anläßlich de s fünften Jahrestages der
Einweihung d er Berliner Ere iheitsglocke
gehalten hat und in der er auf die Verbundenheit des amerikanischen und des deutsehen Volkes in dem Willen zur Freiheit
hinwies.
Die Rede McCloys, der heute Präsident der
New Yorker "Chase National Bank" ist, hat
folgenden Wortlaut:
Dr. Suhr, Dr. Tillmans, Botschafter Conant, Bürger
der Stadt Berlin und Freunde!
Vor fünf Jahren hatte ich die Ehre, an dieser Stelle zu
stehen zusammen mit Lucius Clay und Ernst Reuter. Damals
wurde die Freiheitsglocke feierlich eingeweiht.
Nie werde ich den Geist dieser Stunde vergessen, jene
Hunderttausende von Männern und Frauen, die entschlossen
waren, frei zu sein. Anlaß zu dem Ereignis war der erfolgreiche Abschluß der Luftbrücke und die Abwehr des Versuchs,
die Freiheit dieser Stadt zu knebeln. Es war zugleich ein
Symbol des tiefen Interesses, daß die freien Bürger der Vereinigten Staaten allen denen entgegenbringen, die selbst um
ihre Freiheit ringen. Heute wie damals ist die Glocke ein
Wahrzeichen für die Kraft, die Dankbarkeit und die Hoffnung
aller freien Völker der Erde.
General Clay ist leider erkrankt, doch ist er zum Glück
auf dem Wege der Besserung, wenn er auch noch keine Reise
unternehmen kann. Als Hauptfigur in der Verteidigung dieser
Stadt und ihrer Freiheiten ist sein Name so unauslöschlich
in die Annalen Berlins eingetragen, daß sein Fehlen bei diesem feierlichen Akt besonders schmerzlich ist. Ich hatte Gelegenheit, General Clay kurz vor meiner Abreise zu sprechen
und weiß daher, wie tief er bedauert, heute nicht hier sein
zu können.
Ich
- 1 -

�26. Oktober 1955
"AMERIKA DIENST"
Ich habe nunmehr die Ehre, Ihnen eine Botschaft zu übermitteln, von jemandem, der sich ebenfalls glücklicherweise auf
dem Wege der Besserung befindet. Sie kommt aus Denver im Staate
Colorado und ihr Verfasser ist der Präsident der Vereinigten
Staaten. Wir alle kennen das Maß an sorgsamer Umsicht, mit der
seine Genesung behütet wird. Es ist bedeutungsvoll, für seine
Anteilnahme am "Kreuzzug für die Freiheit", daß er mit dennoch
eine Botschaft gesandt hat, damit ich sie Ihnen heute verlese:
"Ich sende meine persönlichen Grüße den Bürgern der Stadt
Berlin, deren unbezwinglicher Mut während der Blockade und
während so mancher anderer schwerer Erfahrungen den Völkern
der freien Welt so viel bedeutet hat. Die Standhaftigkeit der
Stadt und ihrer Bewohner hat immer den wärmsten,Widerhall hervorgerufen in den Herzen des amerikanischen Volkes.
Ich gebe Ihnen die Versicherung der fortdauernden Anteilnahme meines Landes an dem Wohlargehen der Stadt, und die Zusicherung unserer festen Unterstützung der Einheit Berlins und
des gesamten Deutschlands."
Erlauben Sie mir nun meinen persönlichen Dank und den
meiner Frau auszudrücken für die Einladung des Regierenden
Bürgermeisters Dr. Suhr und des Senats von Berlin, dieser Wiederkehr der Einweihung beizuwohnen. Es ist schön, wieder in
Berlin zu sein; wir beide fühlen uns hier sehr zu Hause. Da
Berlin eine Weltstadt ist, in der ein toleranter Geist herrscht,
glaube ich Sie bitten zu dürfen, mir mein schauderhaftes Deutsch
zu verzeihen. Ich hoffe, Sie werden den Geist verstehen, der
mich bewegt, wenn auch nicht unbedingt seine Ausdrucksweise.
Während der letzten zwanzig Jahre habe ich diese Stadt
häufig besucht. Ich war für kurze Zeit hier, als Berlin das
Zentrum der Nazi-Diktatur war. Ich kehrte zurück im Jahre 1945,
als die Ruinen noch rauchten und die Toten noch unbeerdigt dalagen. Ich'war hier in der Luftbrückenzeit und häufig in den
Jahren 1950 bis 1952. So habe ich, wie Sie auch, den Wiederaufstieg der Stadt bis zum heutigen Tage miterlebt. Wer von uns,
der 1945 hier war, hätte das Ausmaß des Aufstiegs voraussagen
können? Zwar sind hier nicht alle Prcduktions- und Wiederaufbaurekorde mancher westdeutscher Städte bereits erreicht.
Vergessen wir jedoch nicht, daß Berlin den Vorkriegsstand seiner Produktion nicht nur erzielt, sondern bereits überschritten
hat. Und wenn man an die vielen Hindernisse denkt, so kann man
das nur als ein Wunder bezeichnen, denn ich kann mich noch sehr
wohl der Zeit entsinnen, als der Stand der Produktion nur 17
Prozent der Vorkriegszeit betrug. Trotz der fortgesetzten Hemmnisse, die ihr diejenigen in den Weg legten, die jetzt den
Frieden und freien Handel predigen, hat sich die Stadt emporgearbeitet, und keine Stadt genießt in den Augen der Welt ein
höheres Maß an Ansehen als Berlin. Die Stadt, die einmal der
Mittelpunkt totalitärer und kriegerischer Macht war, ist zu
einem Weltsymbol geworden für Freiheit und den Widerstand gegen
den willkürlichen Angriff.
*

Diese Wandlung kam zustande in Jahren schwerster Sorgen.
Dennoch, am Maß der Geschichte gemessen, war diese Zeit kurz.
Die
n

�"AMERIKA DIENST"

26. Oktober 1955

Die Wandlung beweist, daß solche abstrakten Begriffe wie Freiheit, Standhaftigkeit und Mut Wirklichkeitswert haben, und daß
sie höchst konkrete Ergebnisse hervorzubringen vermögen. Es wird
viel vom "deutschen Wirtschaftswunder" geredet, doch gibt es noch
wesentlichere Dinge als materiellen Aufstieg. Ich meine den politischen Wiederaufbau, die soziale Neuordnung und die Genesung des
geistigen Lebens, die in dieser Stadt und in Yv'estdeutschland
stattgefunden haben. Dies alles sind wirkliche Erfolge. Sie wären aber nicht erreicht worden, noch hätte die Erholung der
Wirtschaft ein solches Ausmaß angenommen, hätte man Berlin verloren und hätten die Einwohner dieser Stadt nicht standgehalten
in den kritischen Jahren nach dem Kriege. Es gab einfach keine
Stabilität, weder in Westdeutschland noch in Westeuropa, wenn
Berlin damals nachgegeben hätte. Und dies ist eine Rolle, auf
die jede Stadt stolz sein kann.
Ich bin nicht mit der Absicht hergekommen, den Sowjets Vorwürfe zu machen für ihre bisherige Haltung gegenüber Völkern, die
unter ihrer 'Herrschaft stehen. Es sind Anzeichen dafür vorhanden,
daß sie dabei sind, ihre Methoden, wenn auch nicht ihre Ziele,
zu ändern. Aber selbst das ist begrüßenswert. Wir können wahrhaft
dafür dankbar sein, daß deutsche Kriegsgefangene, die bereits vor
Jahren hätten entlassen werden müssen, nun endlich in die Heimat
zurückkehren.
Ich möchte jedoch nicht allzulange bei dem verweilen, was
hinter uns liegt. Die Glocke schlägt für die Zukunft nicht minder als für die Vergangenheit. Was ich jedoch betonen möchte,
ist dies» der Mut und die Standhaftigkeit der Berliner und aller,
die vom gleichen Geist erfüllt sind, einschließlich jener hinter
dem Eisernen Vorhang, werden schließlich die Oberhand behalten.
Mut und Standhaftigkeit waren es, die uns dorthin gebracht haben,
wo wir heute sind. Und wenn wir in den nächsten fünf Jahren ebenso viele Fortschritte machen, wie in den vergangenen, dann wird
•die Wiedervereinigung Deutschlands und Berlins erreicht sein.
Dann werden sich die Hoffnungen der Polen, Tschechen, Ungarn,
Rumänen und Bulgaren erfüllt haben und Europa wird sich einer
wirklichen Sicherheit erfreuen..
Präsident Eisenhower hat in Genf auf das nachdrücklichste
klargemacht, daß der Westen bereit ist, Entgegenkommen mit gleicher Haltung zu erwidern. Nicht wir haben den Eisernen Vorhang
herabgelassen, und wir würden es daher mit Freuden begrüßen, wenn
er sich heben würde. Ich zweifle nicht daran, daß die Russen aus
eigenem Instinkt heraus freundschaftlicher Gefühle fähig sind.
Die Frage ist nur, ob ihre Führer zu Handlungen bereit sind, die
uns der Gerechtigkeit und dem Frieden näher bringen. Wir können
nur hoffen, daß die bevorstehenden Konferenzen wesentliche Fortschritte bringen werden, in der Erlösung der Völker, die heute
in Fesseln liegen. Ich bin jedoch davon fest überzeugt, daß dies
alles nur dann eintreten wird, wenn die freie Welt den Glauben
bewahrt und sich weigert, Kompromisse einzugehen in Fragen, die
die Freiheit betreffen. Es gibt manche Plätze auf der Welt, wo
die Bekundung dieses Glaubens wichtig ist, jedoch nirgends hat
sie so tiefe Bedeutung; wie in Berlin.
Wie

�"AMERIKA DIENST"

26. Oktober 1955

Wie ich höre, gibt es Stimmen, die die Fettigkeit der
Vereinigten Staaten gegenüber Berlin, Deutschland und Osteuropa
in Frage stellen möchten. Die Antwort kann hier nur kurz gegeben werden. Unsere Unterstützung der Freiheit und Einheit ist
fest und unerschütterlich und wird es bleiben. Die Botschaft
von Präsident Eisenhower, die ich Ihnen vor wenigen Minuten
vorgelesen habe, spricht für sich selbst.
Da ich hier nicht in offizieller Eigenschaft, sondern
als Privatmann zu Ihnen spreche, steht es mir nicht zu, politische Richtlinien der Regierung auszulegen. In gewissem Sinne
vertrete ich jedoch die Bürger der Vereinigten Staaten, die die
Freiheitserklärung unterzeichneten, die Glocke nach Berlin
sandten und den Sender Freies Europa unterstützen, der den Bewohnern der Satellitenstaaten Hoffnung bringt. Es waren ihrer
sechzehn Millionen Männer, Frauen und Jugendliche - und seit
jener Zeit sind weitere neun Millionen hinzugekommen. Fünfundzwanzig Millionen Menschen waren ergriffen von der Idee des
Widerstandes gegen die Willkür. Diese Menschen selber oder
ihre Vorfahren kamen nach Amerika aus allen Teilen der Welt,
die Mehrzahl jedoch aus Europa. Sie alle sind wirtschaftlich
vorangekommen durch die Freiheiten, die sie in Amerika genießen.
Sie sind von der Überzeugung erfüllt, daß der Begriff der Freiheit es war, der vor allem anderen ihr Land stark gemacht hat.
Aus diesem Seiet heraus wurde die Glocke nach Berlin gesandt, als Erinnerung an den Kampf dieser Stadt um ihre Freiheit, und als Ansporn zur Bewahrung dieser Freiheit in der
Zukunft. Daß so viele Menschen in den Vereinigten Staaten sich
dieser Bewegung zur Verfügung stellten, ist ebenso bedeutsam,
wie die Tatsache, daß vor fünf Jahren Hunderttausende von Berlinern den Platz und die Straßen vor diesem Rathaus füllten, um
der feierlichen Einweihung der Glocke beizuwohnen. Dieä Phänomen
bedeutet eine Einstimmigkeit der öffentlichen Meinung, eine Ziel'
strebigkeit, die nicht als Propaganda abgetan werden kann. Was
die Vereinigten Staaten betrifft, so bildet diese öffentliche
Meinung eine feste Grundlage, auf der die Regierungsvertreter
ihre politischen Maßnahmen stützen können und stützen werden,
Lucius Clay ging manches Risiko in dieser Stadt ein. In
den Jahren der Dunkelheit und des Zweifels hat er -hier manche
weittragende Entscheidung getroffen, und viele Amerikaner neben
ihm halfen mit an der Wiederaufrichtung der Stadt und ihres
wahren Geistes. Dies sind Tatsachen, die man nicht so leicht
vergessen oder beiseite schieben kann. Ganz gewiß ist es, daß
sie nicht aus der Welt zu schaffen sind durch das freundliche
Lächeln eines Diktators, oder auch zweier Diktatoren. In ganz
erheblichem Maße haben die Berliner die Haltung des amerikan
sehen Volkes hervorgerufen, dadurch daß sie dem Aggressor entgegentraten und das Risiko für ihre Handlungen auf sich nahmen.
Ich habe keine Vorstellung, was sich aus Genf alles ergeben
wird, noch aus irgendwelchen zukünftigen Genfer Konferenzen.
Wir können nur beurteilen, was bereits vorliegt. Ich bin jedoch
der festen Überzeugung, daß, wenn Berlin weiterhin den Mut und
die Entschlußkraft beweist, die es bisher gezeigt hat, Unter-.
«. ij. *.;

�26. Oktober $955

"AMERIKA DIENST"

Unterstützung nicht ausbleiben wird, und daß die Wiedervereinigung in Freiheit dadurch eine starke Forderung erfährt.
Berlin hat sich einen Ruf der Hochachtung und der moralischen Größe geschaffen, wie es ihn nie in der Zeit der größten
Vorkriegsblüte genossen hat. Nicht nur hat es bestätigt, daß
es nach wie vor eine Weltstadt ist, sondern hat darüber hinaus
seine Weltgeltung unermeßlich gestärkt. Indem es dies tat, hat
es jedoch eine große Verpflichtung auf sich genommen. Es steht
weit mehr auf dem Spiele als der eigene Ruf. Die beispielhafte
Standhaftigkeit Berlins ist heute notwendiger als je zuvor,
wenngleich es in diesen Wochen schwer sein mag, die Notwendigkeit dafür einzusehen, denn gewinnende Freundlichkeit kann gefährlicher sein als harter Druck, Die Haltung und Standhaftigkeit
der freien Völker der Welt und die Klarheit ihrer Ziele sind
heute ebenso wichtig als zur Zeit der Blockade.
Die Idee und das Prinzip der Freiheit wird heute auf weiten
Gebieten und unter mehr Völkern in Frage gestellt, als es selbst
im Jahre 1950 der Fall war. Alle diejenigen, die die Freiheit
suchen, werden beeinflußt werden von dem Geiste und der Haltung
der Berliner. Diesem Gedanken gab Berlins großer Bürgermeister
Ernst Reuter Ausdruck, als er vor fünf Jahren an dieser Stelle
sagte:
"Wir denken nicht nur als Deutsche an unsere eigenen Landsleute. Nicht nur Deutschland muß wieder in Freiheit geeinigt
werden, damit Europa und die Welt zum Frieden kommt, auch die
andern Länder hinter dem Eisernen Vorhang müssen zu dem unveräußerlichen Rechte der Freiheit zurückkehren, das den Menschen
erst zum Menschen macht."
Es entspricht der Situation, wenn wir den Jahrestag der
Glockenweihe als eine Erneuerung unserer Verpflichtungen betrachten. Der Westen muß standhaft und stark bleiben, nicht
etwa um den Krieg vorzubereiten, sondern um die Welt davon
zu überzeugen, daß wir nicht zu Kompromissen bereit sind, wenn
es um die Freiheit geht.
Zusammen haben wir in Berlin eine historische Leistung
vollbracht, zusammen müssen wir auf diesem Wege fortfahren,
bis Deutschland wiedervereinigt und alle Völker Europas frei
sind."
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�A M E R I K A

D I E N S T

DULLES ZUR ERÖFFNUNG DER GENFER KONFERENZ
GENF - (AD) - Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut einer Erklärung des amerikanischen Außenministers John Foster Dulles
vom 27.Oktober 1955 zur Eröffnung der Genfer
Außenministerkonferenz über die amerikanische
Einstellung zu den zur Debatte stehenden Fragen.
Wir treten hier unter einer schweren Last der Verantwortung zusammen. Im vergangenen Juli bekundeten unsere Regierungschefs hier ihren Wunsch nach einem dauerhaften Frieden und einer
Milderung der Spannungen. Die vier Regierungschefs konnten darin
Übereinstimmung erzielen, daß drei Fragen zur Erreichung dieser
Ziele gelöst werden müssen.
Gleichzeitig traten auf der Konferenz der Regierungschefs
aber auch die tiefen Meinungsverschiedenheiten in bezug auf den
richtigen Weg und die richtigen Mittel zur Erreichung dieser
Ziele eindeutig zutage.
Das Problem ist folgendes: Jede unserer Regierungen ist
sich klar darüber, daß die gegenwärtige Situation keine befriedigende Grundlage für einen sicheren Frieden bildet. Gleichzeitig hat jede ein Interesse daran, daß irgendwelche Änderungen
nicht ihre Sicherheit gefährden. Dies ist nur natürlich.
Die bestehenden Spannungen und das bestehende Mißtrauen
haben tiefe Wurzeln, die nicht so einfach beseitigt werden
können. Wir haben jedoch einen kritischen Punkt erreicht, von
dem aus wir entweder mit einer Reihe von gemeinsamen Maßnahmen
zur Wiederherstellung des Vertrauens voranschreiten müssen,
oder aber die Zukunft wird nicht nur wie die Vergangenheit sein,
sondern noch schlimmer, eine wesentliche Verschlechterung gegenüber der Vergangenheit bringen.
Die Art dieses Problems wird durch die drei Hauptpunkte
auf unserer Tagesordnung illustriert.
Nehmen wir zuerst das Deutschland-Problem. Alle erkennen
an, daß die Teilung Deutschlands ein schweres Unrecht und eine
Quelle der Unsicherheit darstellt. Wir haben alle darin übereingestimmt, daß Deutschland durch freie Wahlen wiedervereinigt
werden soll. Eine Verwirklichung der deutschen Wiedervereinigung zum gegenwärtigen Zeitpunkt setzt aber voraus, daß jeder
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�"AMERIKA DIENST"

2. November 1955

jeder von uns dahingehend zufriedengestellt wird, daß dieser
Schritt unsere Sicherheit nicht gefährdet. In Anerkennung dieser
Notwendigkeit sind die Vereinigten Staaten bereit, sich Garantien im Zusammenhang mit der deutschen Wiedervereinigung anzuschließen, die jedes etwaige Wiederaufleben eines deutschen
Militarismus ausschließen. Diese Garantien, so glauben wir, tragen allen berechtigten Sicherheitsinteressen, einschließlich
derer der Sowjetunion, ausreichend Rechnung und sollten es zulassen, daß umgehend mit der Verwirklichung der längst überfälligen Wiedervereinigung vorangeschritten wird.
Der zweite Punkt, die Abrüstung, wirft ein gleiches Problem auf. Alle erkennen an, daß der gegenwärtige Stand der Rüstungen für die einzelnen Länder eine schwere Last bedeutet und
reduziert werden sollte, nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen
sondern auch, weil eine der Sicherheit dienende Rüstung de facto
zum Kriege führen könnte. Es kann jedoch von keinem von uns erwartet werden, daß wir unser, militärisches Potential wesentlich
verringern, es sei denn gleichzeitig mit ähnlichen Reduzierungen
der anderen Länder. Daher hängt jeder Portschritt eindeutig davon ab, daß nicht nur ein Übereinkommen über die Reduzierung an
sich sondern auch eine Garantie gefunden wird, daß die vereinbarte Reduzierung wirklich durchgeführt wird. Andernfalls wird
niemand das Gefühl haben, daß er die vereinbarten Reduzierungen
sicher durchführen kann. Dies ist der Grund, warum die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Prankreich so großen Nachdruck
auf ein ausreichendes Überwachungs- und Kontrollsystem als
Voraussetzung für eine wirkliche Abrüstung gelegt haben. In der
Zwischenzeit könnte der Vorschlag Präsident Eisenhowers für
einen Austausch militärischer Informationen und eine Luftüberwachung eine für einen Portschritt auf diesem Gebiet förderliche
Atmosphäre schaffen.
Und was nun den dritten Punkt - Kontakte - anbetrifft, so
stimmen wir alle darin überein, daß größere Kontakte zwischen
uns der Forderung des gegenseitigen Verständnisses dienlich
wären. Wir können jedoch auch auf diesem Gebiet nicht auf einmal weitreichende Maßnahmen erwarten, die alle Sicherheitserwägungen außer acht lassen. Wir müssen zuerst solche Gebiete
in Angriff nehmen, die einmal die Sicherheit einer Seite nicht
ernsthaft gefährden und die zum anderen beiden Seiten Nutzen
bringen.
Die Vereinigten Staaten kommen auf diese Konferenz in dem
festen Wunsch, geduldig und aufrichtig alle möglichen Wege für
realistische Lösungen dieser Probleme zu erforschen. Wir hoffen,
daß dieser gleiche Geist auch von der anderen Seite gezeigt wird.
Wir werden verschiedene Vorschläge zu diesen Fragen vorbringen,
die den berechtigten sowjetischen Besorgnissen zu genügen suchen.
Unsere Vorschläge zielen darauf ab, die erforderlichen Veränderungen der gegenwärtigen Situation auf einer Grundlage zu ermöglichen, die die Sicherheit keines anderen gefährdet, sondern
vielmehr diese Sicherheit durch die Beseitigung der bestehenden
Quellen der Unsicherheit und der Spannungen wesentlich erhöht.
Wir

�"AMERIKA DIENST"

2. November 1955

Wir hoffen, daß die Sowjetunion diese Vorschläge so ernsthaft
und wohlwollend erwägen wird, wie sie dies unserer Ansicht
nach verdienen.
Die Hoffnung, die ich zum Ausdruck gebracht habe, ist die
Hoffnung Präsident Eisenhowers, dessen Gedanken mit uns sind,
und ich weiß Ihr Gedenken an ihn zutiefst zu würdigen. Selbst
seit seiner Erkrankung hat er zweimal mit mir die Probleme
eingehend erörtert, denen wir hier gegenüberstehen, und gestern
gab er eine Erklärung in bezug auf unsere Arbeit ab, von der
ich eine Abschrift hier als Konferenz-Dokument zirkulieren
lassen möchte.
Wir hier werden, das weiß ich, uns alle der Tatsache bewußt sein, daß, wie auch Präsident Eisenhower in seiner gestrigen von mir angeführten Erklärung sagte, die Entwicklung in
Genf weitgehend dazu beitragen werden, zu zeigen, ob der "Geist
von Genf" einen echten Wechsel darstellt und ob er wirklich den
friedlichen Portschritt zeitigen wird, nach dem sich die ganze
Welt sehnt.
* # * * *

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�A M E R I K A

D I E N S

WORTLAUT DER AUSFÜHRUNGEN AUSSENMINISTER DULLES' AUF DER
SITZUNG DER GENFER KONFERENZ VOM 9« NOVEMBER 1955

GENF — (AD) — Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Ausführungen des amerikanischen Außenministers John Foster Dulles
vom 9« November 1955 auf der neunten Sitzung
der Außenministerkonferenz, in denen er. als
erster der drei westlichen Außenminister zu
den Ausführungen Molotows vom Vortage Stellung
nahm.
Gestern gab Herr Molotow, der soeben aus Moskau z urückgekehrt ist, im Namen der Sowjetunion eine Erklärung ab. Diese
hatte so schwerwiegende Implikationen, daß ich um eine Vertagung unserer Sitzung bis heute ersuchte, um diese Erkl ärung
eingehend durchdenken zu können. Ich bin nunmehr in de r Lage,
den Ansichten meiner Regierung Ausdruck zu geben.
Meine erste Feststellung ist, daß die sowjetische Haltung
- wenn sie beibehalten wird - Verhältnisse zu einem Dauerzustand machen will, die eine ständige Gefahr für den Fr ieden
in Europa sind. Meine zweite Beobachtung ist, daß dies e Haltung
jeder Möglichkeit, Beziehungen des Vertrauens zur Sowj etunion
zu entwickeln, einen schweren Schlag versetzt. Herr Vo rsitzender, ich bitte um Ihre Erlaubnis, mich der Reihe nach mit diesen
Punkten auseinandersetzen zu dürfen.
Punkt eins: Die Sowjetunion erklärt in der kategorischsten
Form, daß die Sicherheit Europas am besten gewährleistet sei,
wenn die Teilung Deutschlands beibehalten wird, mindestens solange, bis Deutschland unter Bedingungen wiedervereinigt werden
kann, die Gesamtdeutschland sowjetisieren würden. Herr Molotow
lobte überschwenglich das von der Sowjetunion in der Ostzone
Deutschlands geschaffene Regime, die sogenannte "Deutsche Demokratische Republik" und sagte, daß es "eine große Zukunft" habe,
"weil es sich auf der großen Straße des Fortschritts bewege und
weil es starke und loyale Freunde besitze."
"Es

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�17. November 1955

"AMERIKA DIENST"

"Es ist unmöglich", so sagte er, "eine Wiedervereinigung
Deutschlands zu akzeptieren", die die "große Zukunft" dieses
sowjetisierten Teils von Deutschland in Gefahr bringen könnte.
Die Direktive jedoch, Herr Vorsitzender, die uns hier zusammenführte und uns hier leiten sollte, hat uns nicht den Auftrag
gegeben, ein Urteil über die relativen Verdienste der Sozialsysteme in der Bundesrepublik Deutschland und in der sogenannten
"Deutschen Demokratischen Republik" zu fällen. Sie hat uns beauftragt, Deutschland gemäß seinen "nationalen Interessen" wiederzuvereinen, so daß das deutsche Volk selbst darüber entscheiden
wird, unter welchem System es zu leben wünscht.
Das Problem jedoch, das zu studieren uns unsere Regierungschefs beauftragt haben, bestand darin, wie die europäische Sicherheit und die Wiedervereinigung Deutschlands gewährleistet werden
können, zwei Probleme, die, wie die vier Regierungschefs übereinstimmten, eng miteinander verbunden sind.
Es ist meiner Meinung nach eine faire Interpretation unserer Direktive, wenn wir feststellen, die vier Regierungschefs
haben anerkannt, daß die europäische Sicherheit gefährdet sei,
sofern es nicht zu einer Wiedervereinigung Deutschlands komme.
Dies ist auf jeden Fall die Auffassung der Regierung der Vereinigten Staaten.
Wie Präsident Eisenhower in seiner Rede zur Eröffnung der
Genfer Konferenz im Juli ausführte, fügt die Teilung Deutschlands, die bereits mehr als zehn Jahre andauert, einem Volk
"ein bitteres Unrecht" zu, "das wie andere Völker ein Recht
darauf hat, ein gemeinsames Schicksal gemeinsam zu erfüllen.
Solange diese Teilung fortbesteht, wird sie eine wesentliche
Quelle der Unruhe in Europa darstellen. Unsere Priedensgespräche
haben nur wenig Bedeutung, wenn wir gleichzeitig Verhältnisse
fortbestehen lassen, die den Frieden gefährden".
Und weil unsere Direktive ausdrücklich von uns verlangt,
den engen Zusammenhang zwischen der Wiedervereinigung Deutschlands und den Problemen der europäischen Sicherheit zu berücksichtigen, haben die Westmächte in loyaler Anlehnung an die
Direktive ein Sicherheitssystem vorgeschlagen, das sich auf
einem wiedervereinigten Deutschland begründet. Die von uns gemachten Vorschläge umfassen größere Sicherheiten, als je zuvor.
zur Erhaltung des Friedens ersonnen worden sind. Es gäbe dann
nicht nur bindende Maßnahmen, um sich jeglicher Aggression zu
enthalten, einem Aggressor den Beistand zu versagen und tatsächlich (Garantien gegen die Aggression überhaupt zu schaffen,
sondern es gäbe auch Sicherungen durch Menschen und Material,
die einmal in der Festsetzung eines bestimmten Kontingents der
Streitkräfte bestehen, zum anderen in wirksamen Kontrollen, die
eine Einhaltung der diesbezüglichen Abkommen gewährleisten
sollen. Es gäbe ausreichend zuverlässige Sicherungen gegen das
Wiedererstehen einer bedrohlichen militärischen Macht, an denen
die Sowjetunion, Polen und die Tschechoslowakei teilhätten. Es
gäbe neuartige und wirksame Bestimmungen, um Garantien gegen jede
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�"AMERIKA DIENST»

17. Nobember 1955

t

jede Möglichkeit eines Überraschungsangriffs zu schaffen.
Diese Bestimmungen, die auf einem wiedervereinigten Deutschland basieren,, würden Europa eine Sicherheit geben, wie Europa
sie seit Hunderten von Jahren nicht gekannt hat. Ja, die von uns
unterbreiteten Vorschläge waren offensichtlich so gut, daß die
Sowjetunion nach deren Studium ihrerseits ergänzende Sicherheitsvorschläge unterbreitete, die sich eng an die unseren anlehnten.
Jedoch gehen die Vorschläge der Sowjetunion in dieser Hinsicht wie überhaupt alle von der UdSSR unterbreiteten Pläne - von
der fortgesetzten Teilung Deutschlands aus.
Wie Präsident Eisenhower im vergangenen Juli immer wieder
betont hat, sind "die Sicherheit Europas und die Wiedervereinigung Deutschlands untrennbar miteinander verbunden". Europa
wird keine Sicherheit erhalten, wenn Deutschland nicht wiedervereinigt wird.
Ich erinnere mich, daß Herr Molotow am 31. Oktober 1939
nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges in einer Rede auf die Beziehungen zwischen Deutschland und den anderen westeuropäischen
Staaten während der vorangegangenen zwei Jahrzehnte einging
sowie auf das, was er "die Anstrengungen Deutschlands,die Fesseln
des Versailler Vertrages zu brechen", nannte. "Das ist der Grund",
so sagte er, "warum es schließlich zu dem gegenwärtigen Krieg
in Europa gekommen ist".
Der Versailler Vertrag hat Deutschland bestimmte Fesseln
auferlegt, doch gab es im Versailler Vertrag nichts, was dieser
Teilung Deutschlands durch Abtrennung der Sowjetzone mit 17 Millionen Deutschen an Grausamkeit und Ungerechtigkeit gleichkommt.
Welches Leid diese Teilung bedeutet, geht aus der Tatsache hervor, daß 2 704 680 Deutsche unter großen Opfern und Gefahren aus
der sowjetisch besetzten Zone nach Westdeutschland geflohen sind.
Allein im vergangenen Monat Oktober betrug die Zahl dieser Flüchtlinge 32 784.
Dieser Zustand, der zu so tragischen Ergebnissen geführt
hat, kann nicht ad infinitum beibehalten werden, ohne daß wir damit
ernste Gefahren heraufbeschwören.
Und doch bedeutet es, diese Gefahren zu verewigen, wenn sich
die Sowjetunion gezwungen sieht, die von mir erwähnten so umfassenden und soliden Sicherheitsvorschläge abzulehnen. Sicher
läßt sich eine bessere staatsmännische Entscheidung finden.
Wir legen daher der Sowjetregierung dringend nahe, diese
Ungerechtigkeit der Teilung Deutschlands, die eine ständige
Bedrohung der europäischen Sicherheit darstellt, nicht zu verewigen. Sollten uns nicht die Folgen des Versailler Vertrages
eine Lehre sein? Wir richten diese dringende Bitte an die Sowjetunion, und wir werden sie immer wieder stellen in der Hoffnung,
ja in der Erwartung, daß die Klugheit siegen werde, ehe es zu
spät ist.
Punkt

�"AMERIKA DIENST"

17. November 1955

Punkt zwei: Ich wende mich jetzt den Auswirkungen des sowjetischen Schrittes auf die internationalen Beziehungen im allgemeinen zu. Ich erinnere daran, daß Marschall Bulganin als Vorsitzender der Konferenz in seiner Eröffnungserklärung im Juli
sagte, daß die Aufgabe der Konferenz darin bestehe:,
"ein Nachlassen der internationalen Spannungen zu erzielen und ein Gefühl
des Vertrauens zwischen den Nationen zu schaffen." In seiner
Schlußansprache erklärte er, daß das, was in Genf geschehen ist,
"ein positives Kennzeichen für das Nachlassen der Spannungen in
den Beziehungen zwischen den Staaten und für die Wiederherstellung des notwendigen Vertrauens ist."
Die Regierungschefs mußten zahlreiche Gegensätze untereinander ausgleichen, ehe sie zu einem Schlußabkommen gelangten,wie es
in der Direktive an uns aufgezeigt ist. Doch stimmte man nach vielem Diskutieren schließlich darin überein, daß "zwischen der Wiedervereinigung Deutschlands und den Problemen der europäischen
Sicherheit eine enge Verbindung" besteht. Ferner bestätigten die
Regierungschefs erneut ihre gemeinsame Verantwortlichkeit "für
die Wiedervereinigung Deutschlands durch freie Wahlen, die in
Übereinstimmung mit den nationalen Interessen des deutschen
Volkes und den Interessen der europäischen Sicherheit durchgeführt werden sollten."
Die Regierung der Vereinigten Staaten war der Auffassung,
dieses feierliche Abkommen bedeutete zumindest, daß die Außenminister auf ihrer Zusammenkunft sowohl das europäische Sicherheitsproblem wie auch die Wiedervereinigung Deutschlands ernsthaft erörtern würden.
Eine solche Beratung wurde hinsichtlich des Problems der
europäischen Sicherheit durchgeführt. Man erreichte dabei weitgehende Übereinstimmung über die wichtigsten Faktoren, die eine
unerlässliche Voraussetzung für eine solche Sicherheit sind.
Diese Tatsache wurde sowohl von den Westmächten als auch von der
sowjetischen Delegation mit Befriedigung zur Kenntnis genommen.
Ich glaube, es wurde dabei demonstriert, daß um ein wiedervereinigtes Deutschland ein stabiler Rahmen eines europäischen
Sicherheitssystems gelegt werden kann.
Aber als wir uns dann mit der Wiedervereinigung Deutschlands
befaßten, lehnte die sowjetische Delegation eine Erörterung dieses
Problems ab, entgegen den ausdrücklichen Bestimmungen der Direktive
unter der wir arbeiten. Die sowjetische Delegation weigerte sich,
die Vorschläge der Westmächte, ihre ernsthaften und detaillierten
Vorschläge für eine Wiedervereinigung Deutschlands, zu erörtern.
Die sowjetische Delegation weigerte sich aber auch, ihrerseits
zu dem Problem der Wiedervereinigung Deutschlands irgendwelche
eigenen Vorschläge zu unterbreiten. Der sowjetische Plan für
einen "gesamtdeutschen Rat" gab nicht einmal vor, dem Rat irgendwelche Verantwortlichkeiten hinsichtlich der Wiedervereinigung
Deutschlands zu übertragen. Nein, er war vielmehr so angelegt,
daß er die Teilung Deutschlands verewigen sollte.
Die

�17. November 1955

"AMERIKA DIENST"

Die Regierung der Vereinigten Staaten ist der Auffassung,
daß die Weigerung der Regierung der Sowjetunion, die Wiedervereinigung Deutschlands auch nur ernsthaft zu erörtern, einen
schweren Bruch des Übereinkommens der vier Regierungschefs darstellt. Dies muß sich unvorteilhaft auf die gesamten Beziehungen
der Sowjetunion zu anderen Mächten, einschließlich der USA,
auswirken.
Ich wäre alles andere als freimütig, wenn ich - soweit es
die Vereinigten Staaten betrifft - nicht klarstellen würde, daß
das, was hier geschehen ist, genes Vertrauen weitgehend zerschlagen hat, das auf der Konferenz der Regierungschefs geschaffen worden war.
Es können selbstverständlich der Friede und ein beschränktes
Maß an arbeitsmäßigen Kontakten weiterbestehen, so wie dies zwischen Völkern der Fall ist, die keinerlei Vertrauen darauf haben,
daß Abmachungen zwischen ihnen - selbst wenn sie auf höchster
Ebene getroffen werden - auch tatsächlich eingehalten werden:
unter solchen Bedingungen müssen sich diese Beziehungen schwierig gestalten und können auch nur beschränkter Natur sein.
Lassen Sie mich das, was ich hier zum Ausdruck bringen will,
durch einen Hinweis auf das illustrieren, was uns auf dieser
Konferenz noch zu erörtern übrigbleibt. Wir haben die Anweisung, jetzt zur Diskussion des Problems der Abrüstung und der
Entwicklung von Kontakten zwischen Ost und West überzugehen.
Ich muß allerdings dazu sagen, wie sehr ich fürchte, daß diese
Erörterungen uns wenig nützen werden, wenn wir das Gefühl hegen,
daß wir keinerlei zuverlässige Abmachungen untereinander treffen
können.
Punkt drei: Herr Vorsitzender, die Völker der ganzen Welt
fassten neue Hoffnung, als die Regierungschefs im vergangenen
Juli in Genf eine Übereinstimmung erzielten. Doch wie Präsident
Eisenhower in seiner Schlußansprache auf dieser Konferenz erklärte, "wird erst die Geschichte den wahren Wert und die richtige Bedeutung dieser Konferenz beweisen. Was nunmehr nach diesem Beginn von seiten unserer Regierungen geschieht, wird entscheidend dafür sein, wie diese Konferenz zu beurteilen ist."
Und er fuhr fort, "die Arbeit unserer Außenminister bei ihren
Bemühungen, unsere Direktive durchzuführen, wird von großer
Bedeutung sein, vielleicht von einer größeren Bedeutung als das,
was wir hier getan haben."
i

Ich hege die große Befürchtung, daß das, was wir hier getan
haben oder um es noch genauer zu sagen, was hier trotz des klaren Wortlauts unserer Direktive nicht getan wurde, in der ganzen
Welt mit großer Enttäuschung und Sorge betrachtet werden wird.
Es ist weder der Wunsch noch die Absicht der Vereinigten
Staaten, soweit das in ihrer Macht steht, zu den Verhältnissen
zurückzukehren, die vor dem Treffen der vier Regierungschefs
im vergangenen Juli bestanden. Wir sind fest entschlossen,
mit allen in unserer Macht stehenden Mitteln für einen gerechten und dauerhaften Frieden einzutreten. Aber ich bedaure den

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17. November 1955

den Rückschlag, den wir hinsichtlich der Sicherheit Europas erlitten haben, und ich bedaure, daß der Geist von Genf durch die
Haltung der Sowjetunion Schaden genommen hat.
Wenn so viel, wie in diesem Falle, auf dem Spiele steht, dann
dürfen wir uns nicht gleich entmutigen lassen. Wir hoffen noch
immer, daß die Sowjetunion, wenn auch nicht gleich, so doch in
der nahen Zukunft, das Abkommen der vier Regierungschefs in loyaler
Weise erfüllen wird, nach dem Deutschland im Wege freier Wahlen
wiedervereinigt werden soll.
Wenn dieser Tag kommt, dann wird Europas Sicherheit gesichert
sein; dann wird der Geist von Genf einen Großteil jener Früchte
tragen, die er der Welt zu bieten schien.
* * * * *

�A M E R I K A

D I E N S T

DUL1ES UMREISST STANDPUNKT DER USA ZUR
ABRÜSTUNGSFRAGE

Nachstehend übermitteln wir Ihnen den
Wortlaut einer Rede des amerikanischen
Außenministers John Poster Dulles vom
10. November 1955, in der dieser auf
der Außenministerkonferenz in Genf den
Standpunkt der USA zur Abrüstungsfrage
klar umreißt.
Herr Vorsitzender,
trotz des Verlustes an Vertrauen, der durch die sowjetische Haltung zum Punkt eins herbeigeführt wurde,' beginnen
wir jetzt mit der Behandlung des zweiten Punktes dieser Direktive, nämlich der Abrüstung. Wir tun dies, weil die vier Regierungschefs uns dazu angewiesen haben und weil wir dieser
Anweisung loyal nachzukommen wünschen.
Die Regierung der Vereinigten Staaten geht an diesen Punkt,
wie auch an die anderen, im Sinne ihrer alles andere überragenden Zielsetzung eines gerechten und dauerhaften Friedens
heran.
Die Abrüstungsdirektive der Regierungschefs setzt drei
Aufgaben für die Außenminister fest: 1 . die Arbeit der Abrüstungskommission zur Kenntnis zu nehmen, 2. die von den vier
Regierungschefs unterbreiteten Ansichten und Vorschläge zu
berücksichtigen, 3« zu erwägen, ob die vier Regierungen irgendeine weitere nützliche Initiative auf dem Gebiete der Abrüstung
ergreifen können.
Die Regierungschefs haben uns nicht beauftragt, detailliert«
Verhandlungen über Abrüstungsvorschläge zu führen. Dies war offensichtlich klug. Unsere Konferenz ist nicht der geeignete
Zeitpunkt und Ort, sich auf komplizierte und technische Verhandlungen über dieses Thema einzulassen. Trotzdem sind unsere
Aufgaben immer noch wichtig.
Wollen wir uns nun als erstes kurz der Arbeit des Unterausschusses der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen
während der von ihm in der Zeit vom 29. August bis zu seiner
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17. November 1955

seiner Vertagung am 7. Oktober 1955 in New York abgehaltenen
Sitzungen zuwenden.
Es liegt auf der Hand, daß diese Sitzungen, die in einem
Geist der Zusammenarbeit durchgeführt wurden, nützlich waren.
Es ist ebenso klar, daß sie als vorbereitend und analysierend
angesehen werden müssen. Sie haben noch keine konkreten Ergebnisse gebracht.
Alle unsere Regierungen scheinen die Auswirkungen der beschleunigten Entwicklung der Atomwissenschaft in ihren friedlichen und militärischen Aspekten einer neuen Prüfung zu unterziehen,
um sowohl neue konstruktive Möglichkeiten als auch erhöhte Gefahren in Rechnung zu stellen. Nachdem diese Überprüfung abgeschlossen ist, darf man vernünftigerweise einen rascheren Portschritt in der Arbeit des Unterausschusses der Vereinten Nationen erhoffen.
Im Verlaufe seiner kürzlichen Sitzungen hat der Unterausschuß ausführlich die Vorschläge der vier Regierungschefs geprüft. Die Sowjetunion erklärte, daß sie den Genfer Vorschlag
Präsident Eisenhowers für die Luftaufklärung und den Austausch
militärischer Pläne weiterhin prüft. Die Vereinigten Staaten
brachten ihre Bereitschaft zum Ausdruck, in Übereinstimmung
mit dem Plan des Präsidenten die von Ministerpräsident Bulganin
vorgeschlagenen Inspektionsgruppen zu Lande zu akzeptieren.
Ich will jetzt die von Präsident Eisenhower ergriffene
Initiative näher erläutern. Dies gehört auch zu unserer zweiten
Aufgabe unter der uns gegebenen Direktive.
Als der Präsident seinen Vorschlag hier am 21. Juli unterbreitete, war sein Zweck einfach und klar. Er sollte zur Schaffung von Verhältnissen beitragen, die einen wahren Portschritt
zur Abrüstung ermöglichen würden.
Ein solcher Portschritt wird weitgehend von dem Wiederauflebenden Vertrauen in die friedlichen Absichten der Großmächte
abhängen. So habe ich im Herbst vor der Vollversammlung der
Vereinten Nationen erklärt: "Die lange, Erfahrung zeigt, daß
eine Begrenzung der Rüstungen praktisch nicht erreicht werden
kann, wenn das Moment der Unsicherheit gegeben ist und Waffen
folglich nötig erscheinen. Eine Reduzierung der Rüstungen läßt
sich nur vollziehen, wenn die Furcht zerstreut ist und Waffen
weniger nötig erscheinen."
Der Vorschlag für einen Austausch von militärischen Plänen
und eine Luftinspektion war dazu bestimmt, dieses Problem in Angriff zu nehmen, und eine gesunde Basis für die Inspektion und
Kontrolle sowie die Reduzierung der Rüstungen zu schaffend Eine
Aggression größeren Ausmaßes ist unwahrscheinlich, wenn der Aggressor nicht den Vorteil eines Überrschungsangriffes hat und hoffen
kann, einen Schlag zu führen, der vernichtend ist, weil er unerwartet kommt.
Die

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"AMERIKA DIENST"

Die Vorbereitung eines Angriffs von derartigen Ausmaßen
könnte jedoch gegenüber einer Inspektion aus der Luft kaum verborgen bleiben. Dies soll keineswegs heißen, daß eine Luftinspektion alles aufdecken würde oder daß eine Inspektion aus der Luft
ein vollkommenes Mittel der Kontrolle ist.
Eine Luftinspektion würde jedoch die Möglichkeit der Warnung
vor einem größeren Überraschungsangriff bieten. Darüber hinaus
würden zusätzliche Beobachtungsposten auf dem Lande, wie sie von
der Sowjetunion vorgeschlagen und von Präsident Eisenhower in
seinem Schreiben vom 11. Oktober akzeptiert wurden, diesen Schutz
erhöhen und verstärken.
Dieses kombinierte System würde einen entscheidenden ersten
Schritt zur Vermeidung der Möglichkeit eines größeren Überraschungsangriffs darstellen. Die Möglichkeit, den Status, die Stationierung und den Umfang der Streitkräfte und Rüstungen des anderen
Landes zu kennen, würde den überzeugenden Beweis dafür erbringen,
daß unsere zum Ausdruck gebrachten friedlichen Absichten ehrlich gemeint sind. Dies würde die Atmosphäre für Rüstungsbeschränkungen sofort günstiger gestalten.
Die Inspektion aus der Luft würde unser Problem nicht lösen.
Wie Präsident Eisenhower sagte, würde sie kein "Allheilmittel"
für das Abrüstungsproblem sein. Sie würde unsere Arbeit in dieser
Angelegenheit nicht zum Abschluß bringen. Aber sie würde einen
Anfang darstellen. Sie wäre ein erster Schritt, ein erster Schritt,
wie er in der Weltgeschichte noch nie da war, und der insbesondere diesem unserem Atomzeitalter gerecht würde. Er könnte das
Zeitalter des Wettrüstens beenden; er könnte den Beginn des Zeitalters der Reduzierung und Kontrolle der Rüstungen ankündigen.
Die Vereinigten Staaten sahen sich in der Lage, diesen Vorschlag zu unterbreiten, da unsere Ziele friedlich sind. Es ist
unsere feste und unwandelbare Absicht, niemals irgendeine Waffe
oder Rüstung anders anzuwenden als zur Verteidigung gegen einen
Aggressor und in Übereinstimmung mit den Bestimmungen der Charta
der Vereinten Nationen. Wir hoffen, daß sich die Sowjetunion
entschließen wird, diesen ersten Schritt zu akzeptieren.
Ich habe mit Interesse die Ausführungen verfolgt, die der
Leiter der sowjetischen Delegation soeben zu diesem Punkt machte.
Offensichtlich erfordern diese Ausführungen eine eingehendere
Prüfung als ich sie im gegebenen Augenblick vornehmen konnte.
Es ist jedoch mein erster Eindruck, daß die Sowjetunion den
Vorschlag von Präsident Eisenhower nicht als einen ersten Schritt
akzeptiert, sondern Präsident Eisenhowers'Konzeption einer Luftinspektion als einen möglichen späteren Schritt ansieht.
Es ist vorgebracht worden, daß - obwohl die Absichten Präsident Eisenhowers gut gemeint seien - er den Wert seines Vorschlages als einen Anfangsschritt falsch beurteilt habe. Es ist
jedoch weiterhin die Ansicht der Vereinigten Staaten, daß. der von
Präsident Eisenhower unterbreitete Vorschlag in der Tat dazu beitragen würde, die Atmosphäre eines größeren Vertrauens zu schaffen,
die ein wesentlicher Auftakt für ein von uns allen gewünschtes
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gewünschtes praktisches System der Kontrolle und Reduzierung der
Rüstungen ist.
Die Vereinigten Staaten wünschen aus ganzem Herzen, daß
eine solche Reduzierung und Kontrolle der Rüstungen unter angemessenen Sicherheitsgarantien erreicht wird.
Wir wünschen auch von ganzem Herzen, wesentliche Fortschritte
auf dem Wege zu unserem Ziel zu machen, die gegenwärtige Verwendung von menschlichen und wirtschaftlichen Hilfsquellen der Welt
für militärische Zwecke zu verringern. Die Aufrichtigkeit dieses
unseres Zieles wird durch die Geschichte der USA in bezug auf
.Rüstung und Streitkräfte deutlich gemacht. Unsere früheren Maßnahmen in dieser Beziehung sind der beste Beweis dafür, daß die
USA niemals übertrieben große Streitkräfte unterhalten werden.
Unsere Maßnahmen wurden in aller Öffentlichkeit getroffen.
Als der' zweite Weltkrieg zu Ende ging, überstiegen die
Streitkräfte der Vereinigten Staaten, einschließlich der Armee,
der Marine, der Luftstreitkräfte und des Marinekorps, zwölf
Millionen Mann. Mitte 1946 waren unsere Streitkräfte um insgesamt 70 Prozent drastisch auf 3»3 Millionen Mann reduziert. Bis
Mitte 1947 war diese Mannschaftsstärke erneut um die Hälfte gekürzt worden, so daß riie gesamten Streitkräfte nur noch 1,5 Millionen Mann umfaßten.
Erst als die Aggression in Korea stattfand, wurden unsere
Streitkräfte wesentlich verstärkt. Im Jahre 1952 hatten sie etwa
3,6 Millionen Mann erreicht. Nach dem Waffenstillstand in Korea
wurden sie erneut um etwa 700 000 Mann, also rund 20 Prozent,
•auf 2,9 Millionen reduziert. Unsere Ausgaben für militärische
Zwecke sind*der gleichen allgemeinen Entwicklung gefolgt.
Ich bin mir klar darüber, daß die Sowjetunion seit der
Genfer Konferenz auf höchster Ebene die Frage gestellt hat
und heute erneut stellt, ob ihre Annahme des Vorschlags von
Präsident Eisenhower tatsächlich zu einer Reduzierung.der Rüstungen führen würde oder nicht.
Das Verhalten der Vereinigten Staaten in der Vergangenheit,
die eindrucksvollen Tatsachen, die. ich gerade aufgezählt habe,
und die persönliche Versicherung Präsident Eisenhowers sollten
'als Antwort auf diese Frage genügen. Das amerikanische Volk und
seine Regierung ziehen es unbedingt vor, unsere ungeheure Produktionskapazität für konstruktive und friedliche Zwecke einzusetzen — zur Steigerung des Lebensstandards und für den Genuß
eines erfüllten Lebens. Nur ein starkes Gefühl für die Notwendigkeit der Verteidigung und eine Anerkennung der Pflicht und
Verantwortung führen uns dazu, materielle und menschliche .Hilfsquellen für militärische Zwecke einzusetzen.
Die Tatsache, daß wir im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht einseitig abrüsten, bedeutet daher keineswegs, daß wir eine militaristische Nation geworden sind. Ganz im Gegenteil, es bedeutet,- daß wir auf harte Weise gelernt haben, daß einseitige
Schwäche den Frieden nicht fördert. Deshalb werden wir so lange

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lange stark bleiben, bis die Sowjetunion durch ihre Handlungen
zur Wiederherstellung des Vertrauens beiträgt und sich Maßnahmen anschließt, die es gesund und klug erscheinen lassen, unsere
Rüstungen zu reduzieren.
Wenn sich die Sowjetunion jedoch an der Schaffung dieser
Verhältnisse beteiligen wird, dann gibt es keinen Zweifel, an
der Haltung der Vereinigten Staaten. Unsere Regierung strebt
auch weiterhin als ein Hauptziel ein umfassendes System zur
Reduzierung der Rüstungen im Rahmen einer wirksamen Inspektion
und Kontrolle an. Unter solchen Bedingungen werden wir uns an
Maßnahmen zur sofortigen gemeinsamen Verminderung der Rüstungslasten, der militärischen Ausgaben und des Umfangs der Streitkräfte beteiligen und werden mehr Hilfsquellen in den Dienst
des Wohlergehens der Menschheit stellen.
Unsere dritte Aufgabe unter diesem Punkt der Tagesordnung
ist es, zu erörtern, ob unsere Regierungen eine weitere nützliche Initiative auf diesem Gebiet ergreifen können. Nach unserer Ansicht sollten Verhandlungen und detaillierte Arbeiten
auf dem Gebiet der Abrüstung auch weiterhin in dem Unterausschuß
der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen durchgeführt
werden, wenn auch offensichtlich in einem späteren Stadium die
Zeit kommen wird, in der auch andere Nationen zu dieser Aufgabe
hinzugezogen werden sollten.
Wir, die Außenminister, können hier nach meiner Überzeugung am besten zu dem Erfolg dieser Verhandlungen beitragen, indem wir die Atmosphäre verbessern, in der sie geführt werden.
Wie ich bereits gesagt habe, würde die Annahme des Vorschlags Präsident Eisenhowers diesem Zweck dienen. Sie würde
uns in die Lage versetzen, einen sofortigen und praktischen
Schritt zu unternehmen und an den Kern des Abrüstungsproblems
heranzukommen - das Mißtrauen und die Furcht, die die wesentlichen Ursachen der internationalen Spannungen sind. Wie Präsident Eisenhower in seinem Schreiben an Ministerpräsident Bul-.
ganin vom 11. Oktober 1955 erklärte, war sein Vorschlag von
der Absicht getragen, "von beiden Seiten einen Nichtangriffsgeist zu zeigen und so eine neue Atmosphäre zu schaffen, die
viel von der gegenwärtigen Furcht und dem Mißtrauen zerstreuen
würde. Dies wäre an sich schon Wert, getan zu werden. Dies könnte,
so glaube ich, es eher ermöglichen, Fortschritte im Hinblick
auf umfassende Pläne für eine Inspektion, Kontrolle und Reduzierung der Rüstungen zu machen."
Unsere vier Regierungen können auch noch auf andere Weise
zu praktischen Ergebnissen beitragen. Die Verhandlungen des
Unterausschusses können eine echte Verminderung der Rüstungen
zustandebringen und die Aussichten auf den Frieden verbessern,
wenn sie tatsächlich als ernsthafte Verhandlungen und nicht zu
Propagandazwe-cken geführt werden. Zu diesem Zweck müssen die Besprechungen auf die Grundlage der Tatsachen des Atomzeitalters
gestellt werden. Sie müssen die entscheidenden Bedingungen für
eine echte Reduzierung der Rüstungen voll in Rechnung stellen.
Praktisch

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Praktisch heißt dies die Anerkennung der Tatsache, daß ein
Fortschritt in der Abrüstungsfrage von der Ausarbeitung eines
wirksamen Inspektions- und Kontrollsystems abhängt. Präsident
Eisenhower hat dies hier in der Sitzung vom 21. Juli unterstrichen. "Die Regierung der Vereinigten Staaten", so erklärte
er, "ist bereit, einem vernünftigen und verlässlichen Abkommen
beizutreten, das eine Reduzierung der Rüstungen ermöglicht."
Gleichzeitig wies er darauf hin, daß "ein einwandfreies und verlässliches Abkommen nur dann Zustandekommen kann, wenn es voll
und ganz von einem Inspektions- und Kontrollsystem gestützt wird,
das geeignet ist, jeden Teil des Abkommens zu erfassen. Die Geschichte lehrt uns", so sagte er weiter, "daß Abrüstungsverträge
ohne angemessene gegenseitige Inspektion die Gefahr des Krieges
vermehren und die Aussichten auf Frieden nicht größer machen."
Alle Mitglieder des Unterausschusses der UN-Abrüstungskommission haben darin übereingestimmt, daß die Inspektion und
die Kontrolle der entscheidende Punkt des Abrüstungsproblems
sind. So erklärte Ministerpräsident Bulganin am 4. August 1955
vor dem Obersten Sowjet, daß, "wie der Präsident der Vereinigten
Staaten richtig festgestellt hat, jeder Abrüstungsplan letztlich
auf die Frage der Kontrolle und der Inspektion hinausläuft. Diese
Problem der Inspektion ist überaus ernst, und wir müssen eine
für alle annehmbare Lösung dieser Frage finden".
Alle Mitglieder des Unterausschusses der Abrüstungskommission sind darüber einig, daß es kein gegenwärtig bekanntes Inspektions- und Kontrollsystem gibt, das die Abschaffung der nuklearen Waffen garantieren kann. Ein vernünftiges Abrüstungsprogramm muß - das ist offensichtlich - die gegenwärtige Situation realistisch in Rechnung stellen. Die Vereinigten Staaten
setzen ihre intensive Suche nach Methoden fort, die vielleicht
ein umfassend wirksames Inspektions- und Kontrollsystem für
nukleares Waffenmaterial als Teil eines allgemeinen Abrüstungsprogramms möglich machen. Wir sind der Ansicht, daß jedes Land
ähnliche wissenschaftliche Forschungen bei angemessener Konsultation der Regierungen untereinander fortsetzen sollte.
Wir könnten durchaus wirksame Mittel zur Kontrolle der künftigen Produktion von Ausgangsmaterialien für Atomwaffen, einschließlich der Nebenprodukte von Atomkraftreaktoren und ohne
Rücksicht auf die besonderen Probleme der vollen Rechnungslegung
für die frühere Produktion, finden. Dies wäre von höchster Bedeutung. Unser aller Ziel sollte es sein, die größtmögliche Kontrolle zu entwickeln, die wirksam und zuverlässig wäre. Die Ausbreitung von Atomwaffen ohne Kontrolle oder ausreichendes Verantwortungsbewußtsein könnte die Gefahr eines Atomkrieges wesentlich erhöhen. Es ist möglich, daß die neue internationale Atomenergie-Behörde, die in Kürze gemäß dem Beschluß der Vollversammlung der Vereinten Nationen errichtet werden soll, zur»Kontrolle
auf diesem Gebiet beitragen kann. Dies ist eine dringende Notwendigkeit.
Wenn

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Wenn dies erreicht werden könnte, dann würde dies den besten
gemeinsamen Interessen aller unserer Staaten und der anderen
Staaten der Welt dienen. Wir könnten dem Ziel eines gerechten
und dauerhaften Friedens näher kommen.
Wenn der richtige Geist herrscht, dann besteht Grund zur
Hoffnung auf ein gesundes Abkommen über die offene Kenntnis
der Rüstungen, eine Reduzierung und Begrenzung, die Ausweitung
der friedlichen Anwendung der Atomenergie und die Förderung des
Wohlergehens der Völker.
Eine solche Hoffnung ist jedoch nur gerechtfertigt, wenn wir
die fundamentalen wissenschaftlichen und militärischen Tatsachen
akzeptieren, wenn wir uns von propagandistischen Versuchen zurückhalten, echte friedliche Ziele zum Ausdruck bringen und uns in
einem ernsthaften Bemühen vereinen, zuverlässige Methoden der
Inspektion und Kontrolle zu entwickeln.

*

*

*

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D I E N S T

WESTMÄCHTE UNTERBREITEN ABRÜSTUNGSVORSCHLÄGE

GENF — (AD) — Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut eines Entschließungsentwurfs zum zweiten Punkt der Tagesordnung der Abrüstung -, den die westlichen Außenminister am 10. November 1955 auf der Genfer
A\ißenministerkonf erenz vorlegten.

1. Die vier Außenminister stellen fest, daß ihre Vertreter
im Unterausschuß, der Abrüstungskommission der Vereinten Nationen
im Zuge ihrer Bemühungen zur Schaffung eines zufriedenstellenden Abrüstungssystems der von den vier Regierungschefs am 27.
Juli 1955 in Genf erteilten Direktive gefolgt sind.
2. Sie nehmen Kenntnis von der Arbeit, die der Unterausschuß im Geiste der Konferenz der Regierungschefs auf seinen
New Yorker Sitzungen in der Zeit vom 29« August bis zum 7. Oktober 1955 geleistet hat, und bringen dem Unterausschuß ihre
Anerkennung für -seine Bemühungen zum Ausdruck.
3. Sie bringen zum Ausdruck, daß sie über folgendes Einigung erzielt haben:
a) den Verzicht auf die Anwendung.nuklearer Waffen und
aller anderen Waffen in einer Weise, die mit der Charta der
Vereinten Nationen nicht in Einklang steht;
b) die Notwendigkeit, zu Begrenzungen und Reduzierungen
der Rüstungen und der bewaffneten Streitkräfte zu gelangen;
c) die Notwendigkeit, die materiellen Hilfsquellen, die
durch die Abkommen auf dem Gebiete der Abrüstung frei würden,
sowohl in den Dienst der friedlichen wirtschaftlichen Entwicklung von Nationen zu stellen, um deren Wohlstand zu heben, als
sie auch zur Unterstützung weniger entwickelter Länder heranzuziehen;
d) die Tatsache, daß ein wirksames Inspektions- und Kontrollsystem der Kernpunkt eines jeden Abrüst&lt;ungsprogramms ist,
woraus sich die Notwendigkeit zur Schaffung eines Organs ergibt,
das für die Inspektion und Kontrolle der festgelegten Abrüstung3J
maßnahmen unter wirksamen Sicherheitsgarantien verantwortlich
ist;

*1
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"AMERIKA DIENST"

e) die Tatsache, daß es jenseits der Reichweite internationaler Kontrollen Möglichkeiten gibt, um diese Kontrollen zu
umgehen und die heimliche Herstellung atomarer und nuklearer
Waffen zu organisieren, selbst wenn ein formelles Abkommen
über eine internationale Kontrolle vorhanden ist;
f) die Notwendigkeit, daß jeder Staat - bei angemessenen
Konsultationen der Regierungen untereinander - seine wissenschaftliche Suche nach Methoden fortsetzt, die sich aus den fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnissen ergeben könnten, die ein
umfassend wirksames Inspektions- und Kontrollsystem der nuklearen
Waffenmaterialien als Teil eines alle Arten von Rüstungen einschließenden Abrüstungsprogramms möglich machen würden.
4y Sie erklären ihre Absicht, weiterhin Abmachungen über
ein umfassendes Abrüstungsprogramm anzustreben, das mit der
geringstmöglichen Abzweigung der menschlichen und wirtschaftlichen Hilfsquellen der Welt für die Rüstung dem Weltfrieden
und der Sicherheit dienen wird,
5. Sie erkennen an, daß Inspektion, Kontrolle, Begrenzung
und Reduzierung der Rüstungen am besten in einer Atmosphäre
erreicht werden können, die frei ist von Furcht und Mißtrauen.
6. Sie schlagen demgemäß vor, daß als ein Beitrag zu einer.
solchen Atmosphäre und als Einleitung für ein allgemeines Abrüstungsprogramm die interessierten Staaten:
A) sofort übereinkommen, zur Verhinderung eines Überraschungsangriffs baldigst zu verwirklichen:
I. einen Plan für den Austausch militärischer Informationen
und eine luftinspektion auf der Basis des Vorschlags des Präsidenten der Vereinigten Staaten vom 21. Juli 1955; und
II. einen Plan für die Errichtung von Kontrollposten an
Schlüsselpunkten, wie dies in den Vorschlägen des Vorsitzenden
des Ministerrats der UdSSR vom 21. Juli 1955 angeregt wurde;
B) weiter übereinkommen:
I. den Austausch und die' Veröffentlichung von Informationen
hinsichtlich der militärischen Ausgaben und Haushalte in die
Wege zu leiten, wie dies in den Vorschlägen des französischen
Ministerpräsidenten vom 22. Juli 1955 vorgesehen wurde; und
II. zu prüfen, wie eine praktische Erfahrung in bezug auf
das Problem der Inspektion und Kontrolle am besten gewonnen
werden kann, wie dies von dem britischen Premierminister am
21. Juli 1955 vorgeschlagen worden war.
7. Sie weisen ihre Vertreter bei der Abrüstungskommission
der Vereinten Nationen an, den Antrag zu stellen, daß ihr Unterausschuß zu einem baldigen Zeitpunkt erneut zusammentritt und
sich weiter um eine annehmbare Lösung des Abrüstungsproblems
bemüht.
*

* * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

DULLES BIETET AUSWEITUNG DES EISENHOWERPLANES DER
"OFFENEN HIMMEL" AN

GENF — (AD) —
Nachstehend übermitteln wir
Ihnen den Wortlaut der Rede des US-Außenministers John Foster Dulles vom 11. November 19 55, in der er in Genf erneut zum
Abrüstungsproblem Stellung nimmt und der
Bereitschaft der USA Ausdruck gibt, den ursprünglich für die USA und die UdSSR gedachten Plan Eisenhowers für den Austausch
militärischer Informationen und eine gegenseitige Luftinspektion auch auf andere
Staaten auszudehnen.

Herr Vorsitzender,
Ich möchte zuerst Bezug nehmen auf die Erklärungen
der sowjetischen Delegation bezüglich Präsident Eisenhowers
Vorschlag für einen Austausch von militärischen Plänen und
eine gegenseitige Luftinspektion.
Die sowjetische Delegation erklärt, daß "sich Präsident
Eisenhower ohne Zweifel von den besten Absichten leiten ließ",
Aber die sowjetische Delegation kommt zu dem Schluß, daß,
während Präsident Eisenhower dachte und erklärte, sein Vorschlag werde zu einer" Verringerung der Gefahr und einer Verminderung der Spannungen führen, die Sowjetunion zu der
Überzeugung gelangte, daß der Vorschlag sich gerade gegenteilig auswirken und die Gefahr und Spannung nur verstärken
würde.
Aufs wesentliche gesehen, erklärte die Sowjetunion, daß
Präsident Eisenhower wohl gute Absichten hege, daß er aber,
was die Frage von Krieg und Frieden angeht, ein schlechtes
Urteil habe. Dieser Behauptung können wir nicht zustimmen,
und wir glauben, daß der größte Teil der Welt ihr ebenfalls
nicht zustimmen wird. Es dürfte nicht leicht fallen, das
Urteilsvermögen eines Mannes zu schmälern, der als der militärische Führer der großen Koalition, die im Westen den
Sieg für die Freiheit gewann, in der ganzen Welt hohes'Ansehen errang.
Als Präsident Eisenhower dem Vorsitzenden Bulganin seit -

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17. November 1955

seinen Vorschlag unterbreitete, wurde dieser mit einer Welle
von Beifall in der ganzen Welt begrüßt. Überall auf der Welt
fühlten die Völker instinktiv, daß dieser Vorschlag, wenn er
angenommen würde, praktisch das Ende der Kriegsgefahr zwischen
unseren beiden Ländern bedeuten würde.
Ich glaube, daß dieser Instinkt der Völker der ganzen
Welt richtig war. Ich glaube dagegen nicht, daß sie durch die
von Herrn Molotow gestern vorgebrachten Argumente vom Gegenteil
überzeugt sein werden. Ich will diese Argumente Punkt für
Punkt durchgehen und zu ihnen Stellung nehmen.
1. Es wird erklärt, daß der Zusammenhang zwischen dem
Eisenhowervorschlag und der Abrüstung nicht klar zu ersehen
sei. Der Vorschlag wurde jedoch gerade als eine Einleitung zu
einem Programm für ein gegenseitig zuverlässiges System zur
Verringerung der Rüstungen unterbreitet.
2. Die sowjetische Delegation weist darauf 'hin, daß der
Eisenhowervorschlag sich lediglich auf das Gebiet der Sowjetunion
und der Vereinigten Staaten bezieht und sich nicht auf die Streitkräfte dieser beiden Staaten an anderen Orten oder auf die Streitkräfte unserer Verbündeten erstrecken würde.
Es entspricht den Tatsachen, daß sowohl die Sowjetunion
als auch die Vereinigten Staaten wesentliche Streitkräfte außerhalb ihres Hoheitsgebietes stationiert haben. Die Regierung der
Sowjetunion wird sicherlich nicht bestreiten, daß sie starke
Streitkräfte in Ostdeutschland, Polen9 Ungarn, Rumänien und anderen Ländern und Orten unterhält. Der Hauptteil der Streitkräfte der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten ist jedoch
innerhalb des Hoheitsgebietes dieser Länder stationiert. Der
überwältigende Teil de..' Streitkräfte ,. die unweigerlich bei
einem Angriff eingesetzt würden, befindet sich in beiden Ländern innerhalb des Hoheitsgebietes. Dieses ist also der Ort,
wo man beginnen muß. Dies ist der Raum innerhalb dessen ein sofortiger Anfang gemacht werden kann, da nicht die Entscheidung
zahlreicher souveräner Staaten notwendig wäre oder die Probleme
auftauchen würden, die sich bei der Aushandiung von Abkommen
mit etwa 40 Staaten ergeben.
Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens haben sich
bereits dem Eisenhowsr-lforschlag angeschlossen. Außerdem aber
wären die Vereinigten Staaten bereit, wenn der Eisenhower-Vorschlag von der Sowjetunion angenommen würde, ihrerseits unverzüglich mit anderen davon betroffenen souveränen Staaten und
mit der Sowjetunion in Verhandlungen über eine zweckmäßige auf
einer gegenseitigen und gerechten Basis fundierten Ausweitung
des Eisenhower-Vorschlags und der Bulganinschen Kontrollposten
in Übersee und bei den Streitkräften anderer Länder zu treten.
Selbstverständlich erkannte Pz-äsident Eisenhower mit aller
Klarheit, daß das, was er damals im Juli vorschlug, nur ein
erster Anfang sein würde. Ich erinnere an den Wortlaut- seiner
Formulierung;; "Was ich vorschlage, so versichere ich Ihnen^
würde lediglich ein beginn sein."
Aber

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17. November 1955

Aber es ist der Beginn, der erste bewußte Durchbruch, der
oft entscheidend ist. Wie Präsident Eisenhower betonte, würden
der Geist des Friedens sicherer regieren und Fortschritte in
der Abrüstung mit größerer Sicherheit erzielt werden, wenn gerade zwischen den beiden Ländern ein gegenseitiges Verständnis
und eine wechselseitige Offenheit best und an, die den größten Vorrat an Atomwaffen besitzen.
I

Gerade diesen ethischen Aspekt des Eisenhower-Vorschlags
aber scheint die Sowjetunion voll und ganz übersehen zu haben.
3. Es wird ferner der Einwand gegen die sogenannten "enormen Ausgaben" erhoben, die für die Durchführung der Luftaufnahmen
erforderlich seien.
Es ist wohl wahr, daß erhebliche Kosten entstehen würden
und daß Flugzeuge und technische Anlagen anstatt für Kriegszwecke
für Friedenszwecke abgezweigt werden müßten. Die Vereinigten
Staaten, das kann ich wohl sagen, sind dazu bereit. Ich kann
nicht glauben, daß sich ein anderes Land weigern sollte, einem
großen Friedensprojekt zuzustimmen, weil das eine Abzweigung von
Kriegsmaterial erforderlich machen würde.
4. Es wurde weiter behauptet, daß Präsident Eisenhowers
Vorschlag nicht die Errichtung von "Kontrollposten in Häfen,
Eisenbahn-Knotenpunkten" und ähnlichem vorsieht. Dieses Argument
überrascht mich, nachdem Ministerpräsident Bulganin das Schreiben Präsident Eisenhowers vom 11. Oktober erhalten hat, in dem
Präsident Eisenhower erklärte, und nun zitiere ich: "Ich habe
ihren Vorschlag, der sich auf die Stationierung von. Inspektionsteams an Schlüsselpunkten in unseren Ländern bezieht, nicht vergessen,, und wenn Sie der Ansicht sind, daß dies dazu beitragen
würde, den besseren Geist, auf den ich verwies, zu schaffen,
dann würden wir diesen Vorschlag auch annehmen."
5. Schließlich ist behauptet worden, daß der Eisenhower-Plan
die Kriegsgefahr vergrößern würde, weil er den Ländern Informationen über die militärischen Einrichtungen des jeweiligen
Staates geben und es damit einem Angreifer ermöglichen würde,
einen wirksamen Überraschungsangriff auszuführen.
Ich weiß, daß die Sowjetunion genügend Informationen über
die Vereinigten Staaten sowie über unsere militärischen und
industriellen Einrichtungen hat, und die Vereinigten Staaten
sind auch nicht völlig unwissend im Hinblick auf die Sowjetunion.
Wir beide, so darf ich wohl sagen, kennen genug, was angegriffen
werden könnte. Was fehlt, ist das Abschreckungsmittel für einen
Angriff, was aber gegeben wäre, wenn die Vorbereitungen für einen
Angriff entdeckt werden können, so daß der Angreifer nicht den
Vorteil der Überraschung hat. Auf diese Weise würde der Vorschlag
Eisenhowers mit Nachdruck für den Frieden wirken.
Wir übersehen nicht die Tatsache, daß die Sowjetunion - obwohl sie den Vorschlag Präsident Eisenhowers ablehnte, als er
ihn unterbreitete - durchblicken läßt, daß sie eine Konzeption
der Luftaufklärung als eine der Kontrollformen akzeptieren würde,
die - wie die Sowjetunion sich ausdrückte - "im abschließenden
Stadium der Verwirklichung der Maßnahmen zur Reduzierung der
_ 3 -

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17. November 1955

der Rüstungen und zum Verbot der Atomwaffen" erörtert werden
sollten. Wir sehen in dieser Erklärung der Sowjetunion einen
willkommenen Fortschritt gegenüber den früheren sowjetischen
Standpunkten. Dennoch sind wir überaus enttäuscht darüber, daß
die Sowjetunion jetzt den Vorschlag Präsident Eisenhowers als
einen Anfangsschritt zur Verminderung der Spannungen zwischen
unseren Ländern und zur Eröffnung für weitere Inspektions- und
Kontrollmaßnahmen sowie zu einer darauf basierenden Reduzierung
der. Rüstungen ablehnt.
Vielleicht stellt jedoch die Erklärung der sowjetischen
Delegation von gestern noch- nicht das letzte Wort der Sowjetunion
dar.
Ich möchte in diesem Zusammenhang an die zunächst negative
Reaktion der Sowjetunion auf Präsident Eisenhowers Atome-für-denFrieden-Vorschlag erinnern, den dieser im Dezember 1953 vor den
Vereinten Nationen machte. Ich erinnere ferner daran, daß die
Sowjetunion bis zum Juli 1955 so weit war, daß sie diesem Vorschlag im Prinzip zustimmte.
Ich hoffe immer noch, daß eine ähnliche Evolution des sowjetischen Denkens in bezug auf Präsident Eisenhowers Vorschlag über
den Austausch militärischer Pläne und die gegenseitige Luftaufklärung stattfindet, nur daß - so hoffe ich ebenfalls - dies nicht
so lange dauern wird, da die Zeit sehr drängt.
Ich wende mich nun dem Vorschlag zu, der gestern von der
Sowjetdelegation zur Abrüstungsfrage eingebracht wurde, ein Vorschlag, der im großen und ganzen ein Duplikat früher bereits bei
verschiedenen Gelegenheiten gemachter Vorschläge ist. Ich gehe
meinerseits auf diesen Vorschlag nur insoweit ein, als er das
Gebiet der Atomwaffen betrifft. Es sind hier vier Punkte zu erwähnen. Der eine ist, "daß als eine der ersten Maßnahmen für
die Durchführung des Programms einer Rüstungsreduzierung und des
Verbots von Atomwaffen, alle Staaten, die Atom- und Wasserstoffwaffen herstellen, sich feierlich verpflichten, keine weiteren
Tests mit diesen Waffen durchzuführen."
Darf ich hierzu sagen, daß die Vereinigten Staaten bereit
wären, entsprechenden Verboten in bezug auf Tests mit derartigen
Waffen zuzustimmen, sofern ein Abkommen zur Eliminierung oder
Begrenzung nuklearer Waffen unter zweckmäßigen Sicherheitsbestimmungen erzielt werden kann.
Dann sind hier zwei weitere, einander ziemlich gleichende
Punkte zu nennen, von denen der eine vorschlägt, daß die vier
Mächte sich verpflichten sollten, "nicht als erste Atom- oder
Wasserstoffbomben zu benutzen", und der andere besagt, daß sie
sich "verpflichten sollten, keine Atomwaffen zu verwenden."
Diese Vorschläge leiden an dem schweren Fehler, daß sie
lediglich Versprechungen darstellen.
Es ist ein Grundsatz der amerikanischen Politik, die Sicherheit der USA nicht lediglich von Versprechungen abhängig zu machen
oder von Abkommen, die sich als illusorisch erweisen könnten. Wir

�"AMERIKA DIENST"

17. November 1955

Wir erlebten diese Woche eine schwere Enttäuschung, als wir die
Erfüllung des sowjetischen Übereinkommens anstrebten, daß Deutschland auf Grund freier Wahlen wiedervereinigt werden soll.
Man darf wohl kaum erwarten, daß die Vereinigten Staaten sich
auf Verpflichtungen verlassen würden, die nicht zuverlässig sind
und für deren Durchführung keinerlei zuverlässige Kontrollen
vorgesehen sind.
Wir weisen weiter darauf hin, daß ein Krieg nur dann ausbrechen kann, wenn eine Nation das feierliche Versprechen gebrochen hat, das in der Charta der Vereinten Nationen und in
vielen anderen internationalen Abkommen enthalten ist, nämlich
in den internationalen Beziehungen von der Androhung oder Anwendung von Gewalt - wie dies den Bestimmungen der Charta zuwiderläuft - abzusehen. Wenn eine Nation dieses Versprechen bricht,
wie können wir dann wissen, ob sie sich an ihr Versprechen halten
wird, keine Atomwaffen einzusetzen oder sie nicht als erste
zu benützen? Die Vereinigten Staaten sind übereingekommen, keine
Gewalt gegen die Sowjetunion anzuwenden, wie dies eine Verletzung
der Charta der Vereinten Nationen darstellen würde. Aber wenn
die Sowjetunion nicht glaubt, daß wir dieses Versprechen halten,
warum wünscht sie dann noch weitere Versprechen und vice versa?
In bezug auf den Vorschlag, daß alle Atomwaffen abgeschafft
werden sollen, möchte ich die Aufmerksamkeit auf die eindrucksvolle Erklärung der Sowjetunion lenken, die in ihren Vorschlägen
vom 10. Mai enthalten ist, und in der gesagt wird, daß es keine
Sicherheit über die Abschaffung von Atomwaffen geben kann. Ich
machte hier diese Erklärung zitieren.
"Es bestehen Möglichkeiten, über die Reichweite internationaler Kontrollen hinaus diese Kontrolle zu umgehen und die geheime Herstellung von Atom- und Waöserstoffwaffen zu organisieren,
selbst wenn ein formelles Abkommen über eine internationale Kontrolle besteht. In einer solchen Situation kann die Sicherheit
der Signatarstaaten der internationalen Konvention nicht garantiert werden, da ein potentieller Aggressor die Möglichkeit
haben würde, Bestände an Atom- und Wasserstoffbomben für einen
atomaren Überraschungsangriff auf friedliebende Staaten anzusammeln.
Solange nicht eine Atmosphäre des Vertrauens in den Beziehungen der Staaten zueinander geschaffen ist, kann jedes
Abkommen über die Schaffung einer internationalen Rüstungskontrolle nur dazu dienen, die Wachsamkeit der Völker einzuschläfern. Es wird ein falsches Gefühl der Sicherheit schaffen,
während in Wirklichkeit die Gefahr der Atom- und Wasserstoffwaffenproduktion bestehen wird und damit die Drohung eines
Überraschungsangriffs und die Entfesselung eines Atomkrieges
mit all seinen für die Völker entsetzlichen Konsequenzen."
Es

�"AMERIKA DIENST"

17. November 1955

Es ist diese so eindringlich von der Sowjetunion geschilderte Gefahr, die das Problem schafft, mit dem wir hier alle
ringen. Dieses Problem wird, wie wir annehmen, erneut vor den
Abrüstungsunterausschuß der Vereinten Nationen gebracht werden.
Wir sind hier offensichtlich nicht in der Lage, das Problem zu
lösen, noch sind wir bereit, die Schlußfolgerungen vorwegzunehmen, zu denen die mit der Bearbeitung dieser Frage beschäftigten wissenschaftlichen Experten gelangen werden.
Ich möchte daran erinnern, daß wir in dem Vorschlag, den
die drei westlichen Mächte gestern unterbreitet haben, forderten,
"daß jeder Staat - bei angemessenen Konsultationen untereinander seine wissenschaftliche Suche nach Methoden fortsetzt, die sich
aus den fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnissen ergeben
könnten, und ein umfassend wirksames Inspektions- und Kontrollsystem der nuklearen Waffenmaterialien als Teil eines alle
Arten von Rüstungen einschließenden Abrüstungsprogramms möglich
machen würden."
Es kann vernünftigerweise nicht erwartet werden, daß wir
hier einem Verbot der Atomwaffen angesichts der Schwierigkeiten
und Gefahren zustimmen werden, auf die die Sowjetunion selbst
unsere Aufmerksamkeit gelenkt hat und die eine Situation schaffen, in der wir - nach den Worten der Sowjetunion - nicht sicher
sein können, "ehe eine Atmosphäre des Vertrauens in den Beziehunen zwischen den Staaten geschaffen ist". Wir können nur bedauern,
aß die Haltung der Sowjetunion auf dieser Konferenz - was "eine
Atmosphäre des Vertrauens" angeht - keinen Portschritt sondern
einen Rückschritt gebracht hat. Es ist mehr denn je unvermeidlich,
daß sich die Vereinigten Staaten eng an die von Präsident Eisenhower in seiner Rede vom vergangenen Juli aufgezeichnete Position halten:
»Was die Abrüstung anbetrifft, so ist die amerikanische
Regierung der Ansicht, daß ein wirksames Abrüstungssystem nur
dann erreicht werden kann,* wenn ihm ein wirksames System gegenseitiger Inspektion und allgemeiner Überwachung zugrundeliegt,
ein System, dem wir Vertrauen können und bei dem jede Seite
sicher ist, daß sich die andere auch tatsächlich an_ihre Verpflichtungen hält."
Ich habe die Gründe genannt ,* warum die Vereinigten Staaten
keine von der Sowjetunion unterbreiteten Abrüstungsvorschläge
in Erwägung ziehen können, die sich auf gegenseitiges Vertrauen
stützen, das gegenwärtig noch gar nicht existiert. Wir fordern
daher, daß die Sowjetunion in realistischer Weise diese Tatsache
akzeptiert und daß wir so schnell und umfassend wie möglich
durch den Unterausschuß der UN-Abrüstungskommission ein wirksames gegenseitiges System der Inspektion und der allgemeinen
Überwachung ausarbeiten. Dann würden wir tatsächlich eine Basis
für die Reduzierung der Rüstungen haben, die wir alle anstreben
und die es möglich machen würde, daß die Hilfsquellen der Welt
in größerem Ausmaß in den Dienst des Wohlergehens der Menschheit
gestellt werden.

§

* *

�DULLES UMREISST PROBLEME DER AMERIKANISCHEN AUSSENPOLITIK:
CHICAGO - (AD) - Nachstehend übermitteln
wir Ihnen den Wortlaut einer Rede, in der
der amerikanische Außenminister John Foster
Dulles am 8.Dezember 1955 in Chicago vor
Wirtschaftlern dßs Staates Illinois zu Problemen der amerikanischen Außenpolitik
Stellung nahm.
Wir befinden uns, so scheint es, hinsichtlich des Kampfes zwischen dem internationalen Kommunismus und der Freiheit
in einer neuen Phase.
Das erste Jahrzehnt nach Beendigung des Krieges war eine
Phase der Gewaltanwendung und der Drohung mit Gewalt. Damals
war der Nordteil von Persien durch die Sowjets militärisch besetzt, es gab den kommunistischen Guerillakrieg in Griechenland, die sowjetische Blockade Berlins, die kommunistische
Machtergreifung in der Tschechoslowakei durch Androhung eines
bewaffneten Einmarsches, den Krieg gegen Korea, den Krieg gegen Indochina, die kriegerischen Handlungen in der Straße von
Formosa und die Politik der Drohungen gegen Westeuropa, als
sich die deutsche Bundesrepublik den Westmächten anschluß.
Seit dem letzten Frühjahr hat es den Anschein, als hätte
diese Phase der Gewaltanwendung ihren Höhepunkt überschritten.
Wir sollten uns jedoch ins Gedächtnis zurückrufen, daß
eine der von Lenin aufgestellten und von Stalin ständig unterstrichenen Thesen die Notwendigkeit eines Zickzack-Kurses betonte. Wiederholt hat Stalin den Gedanken dargelegt, daß es
genauso wichtig sei zu wissen, wann man den Rückzug anzutreten habe, wann man angreifen müsse, und daß man, wenn ein Weg
blockiert sei, notwendigerweise einen anderen finden müsse.
Stalin ist tot. Aber dreißig Jahre lang waren seine
Schriften das kommunistische Glaubensbekenntnis, und der
Stalinismus übt faktisch, wenn auch nicht dem Namen nach,
noch immer einen mächtigen Einfluß in Rußland aus.
Daher müssen wir klugerweise nach der Voraussetzung
handeln, daß die gegenwärtige sowjetische Politik nicht
einen Wandel der grundlegenden Ziele sondern nur eine Änderung der Taktik darstellt.
Wir
- 1 -

�"AMERIKA DIENST"

14. Dezember 1955

Wir wünschen jedoch keineswegs das Wiederaufleben einer
Politik der Gewaltanwendung. Daher ist es nützlich, daß wir
uns klar vor Augen halten, welche Politik der freien Welt die
Sowjetunion veranlaßt hat, von ihrer Taktik der Gewaltanwendung und Einschüchterung abzugehen, da diese sich als unproduktiv herausgestellt hat.
Die freien Nationen haben zwei miteinander verbundene
politische Maßnahmen zur kollektiven Sicherheit ergriffen.
Die erste ist, eine eindeutige Warnung zu geben, daß jede
mit Waffengewalt geführte Aggression auf eine kollektive Gegenmaßnahme stoßen wird. Die zweite ist, bereit zu sein, dieser politischen Warnung mit der notwendigen abschreckanden
Kraft Nachdruck zu verleihen.
Das politische Warnsystem
Die erste größere politische Warnung an die Sowjetunion
fand ihren Ausdruck im Nordatlantikpakt, einem Produkt demokratisch-republikanischer Zusammenarbeit der Jahre 1948 und
1949.
Durch den Nordatlantikpakt gaben die Vertragspartner den
Sowjet-Machthabern zu verstehen, daß die Sowjets es bei einem
Angriff auf einen dieser Partner mit allen zu tun bekommen
würden. Wenn der deutsche Kaiser oder Hitler vorher gewußt
hätten, daß ihre Aggressionen mit Sicherheit die ganze Macht
der Vereinigten Staaten gegen sie ins Feld gerufen haben würden, dann hätten sie ihre Angriffskriege wahrscheinlich niemals begonnen. Beide aber haben sich verrechnet. Der Nordatlantikpakt läßt für solche irrtümlichen Annahmen keinerlei
Raum. Dies, so sagte Senator Vandenberg, war "die zweckmäßigste Abschreckungsmaßnahme gegen den Krieg, die die Klugheit
des Menschen bisher erfunden hat."
Aber der Nordatlantikpakt allein reichte nicht aus. Er
hätte zu dem Schluß führen können, daß wir den Geschehnissen
in anderen Teilen der Welt, vor allem in Asien, verhältnismäßig gleichgültig gegenüberständen. Und so haben die Kommunisten dann tatsächlich knapp ein Jahrj nachdem der Nordatlantikpakt in Kraft getreten war, die Republik Korea angegriffen.
Jetzt aber sind - wenn man von den südostasiatischen Ländern absieht, die sich für einen "Neutralismus" entschieden die Lücken in dem politischen Warnsystem geschlossen. Die
Vereinigten Staaten haben in Zusammenarbeit beider Parteien
gemeinsame Sicherheitsäbkommen mit den Philippinen, mit Japan,
der Republik Korea und der Republik China auf Pormosa geschlossen. Wir sind ferner dem Anzus-Pakt beigetreten, und wir haben
uns mit sieben anderen Staaten im südostasiatischen kollektiven
Verteidigungsabkommen vereint. Außerdem besteht der Balkanpakt
zwischen Jugoslawien, Griechenland und der Türkei und der Bagdadpakt, der den "nördlichen Gürtel", die Türkei, ^Persien, den Irak
und Pakistan, einschließt.
Alle

�"AMERIKA DIENST"

14. Dezember 1955

Alle diese Verträge sind so gehalten, daß sie mit dem, wie
es die Charta der Vereinten Nationen nennt, "angeborenen Recht
zur Selbstverteidigung" in Einklang stehen. Zusammen bilden sie
ein weltumspannendes politisches Warnungssystem. Dies soll die
Despoten von der irrigen Annahme abbringen, daß sie die Roten
Armeen dazu verwenden können, die schwächeren Nationen eine
nach der anderen zu unterwerfen.
Es ist jedoch nicht genug, ein politisches WarnungsSystem
zu besitzen. Dieses muß, wenn es eine wirksame Abschreckung bilden soll, entsprechend gestützt sein. Damit aber erhebt sich
ein schwieriges Problem.
"Da mehr als 20 Staaten an dem 32 000 Kilometer langen
Eisernen Vorhang liegen, ist es nicht möglich, statische Verteidigungsstreitkräfte aufzubauen, die jedes einzelne Land von
vornherein gegen jeden möglichen größeren und unvorhergesehenen
Angriff, den Rußland beginnen könnte restlos sichern. Auch nur
den Versuch unternehmen zu wollen, würde darauf hinauslaufen,
nirgends stark und überall bankrott zu sein. Das bedeutet jedoch nicht, daß wir unser eigenes Verteidigungsgebiet aufgeben sollen ... Glücklicherweise brauchen wir erst gar nicht
zwischen diesen beiden verhängnisvollen Alternativen zu wählen.
Es ist weder notwendig, unsere Stärke über die ganze Welt in
dem fruchtlosen Versuch zu verteilen, überall eine statische Verteidigung aufzubauen, noch haben wir es nötig, uns wie eine
Schnecke in unser Haus zurückzuziehen, in der vergeblichen .
Hoffnung, uns selbst gegen die gesamte übrige Welt verteidigen
zu können .... Was die Möglichkeit eines mit allen Mitteln geführten Angriffs durch die Sowjetunion selbst angeht, so gibt
es dagegen für uns und die anderen nur eine einzige wirksame
Form der Verteidigung. Das ist die Bereitschaft zum Gegenangriff, die das einzige letztlich wirksame Abschreckungsmittel
darstellt... Das Arsenal der Vergeltung sollte alle Formen
des Gegenangriffs bei gleichzeitiger größter Flexibilität einschließen. . . Auf diese Weise erhält die Konzeption der kollektiven Sicherheit einen vernünftigen und wirksamen Inhalt."
Was ich Ihnen eben hier vorgetragen habe, sind Worte,
die ich vor fünf Jahren, am 29.Dezember 1950, in einer Ansprache über das Thema "Wo stehen wir" vor Angehörigen der amerikanischen Gesellschaft für die Vereinten Nationen gesprochen
habe.
Jenes Programm ist inzwischen Wirklichkeit geworden. Wir
haben mit unseren Verbündeten gemeinsam ein machtvolles kollektives Verteidigungssystem aufgebaut, das sich in flexibler
Weise in jedem Ausmaß einsetzen läßt, das erforderlich erscheint,
um eine Aggression zu einem verlustreichen Unternehmen werden
zu lassen. Unsere Fähigkeit, zurückzuschlagen, muß erheblich
sein - und sie ist es auch -, um vor einer Aggression in jedweder Form abzuschrecken. Wenn wir jedoch gezwungen wären, von dieser unserer Fähigkeit Gebrauch zu machen, dann würden wir dabei
nicht wahllos vorgehen, sondern uns der gegebenen Situation anpassen.
"Um

�"AMERIKA DIENST"

14. Dezember 1955

"Um vor einer Aggression abzuschrecken, ist es von großer
Wichtigkeit, anpassungsfähig zu sein und über so viele Möglichkeiten zu verfügen, daß ganz verschiedene Formen des Zurückschiagens denkbar sind. In vielen Fällen würde ein offener Angriff kommunistischer Streitkräfte nur zum Beginn eines allgemeinen Krieges führen. Die freie Welt muß jedoch über die Mittel verfügen, die, falls dies als zweckmäßig erachtet, ein
wirkungsvolles Zurückschlagen auf selektiver Basis ermöglichen.
Sie darf sich nicht in eine Lage bringen, wo die einzig noch
verbleibende Möglichkeit die des allgemeinen Krieges ist. Das
entscheidende dabei ist, daß ein möglicher Aggressor von vornherein wissen muß, daß er für seine Aggression in einer Form
zur Rechenschaft gezogen werden kann und wird, die die Opfer
auf jeden Fall größer als den möglichen Gewinn scheinen lassen.
Dies macht ein System erforderlich, bei dem die Verteidigungsstärke der einzelnen Staaten durch eine bewegliche, abschreckende Verteidigungsmacht ergänzt wird. Die Methoden werden sich
je nach dem Charakter der verschiedenen Gebiete voneinander
unterscheiden."
Dies führte ich in einem Artikel aus, den ich vor zwei
Jahren in der Aprilnummer 1954 der Zeitschrift "Foreign Affairs"
veröffentlichte und der am 16.März 1954 als Presseverlautbarung
herausgegeben wurde.
Unsere gemeinsamen Sicherheitsvorkehrungen helfen allerorts die Verteidigungsstärke schaffen, die erforderlich ist,
um die internationale Ordnung gegenüber den auf einen Umsturz
abzielenden Taktiken zu bewahren und der Aggression einen
Widerstand zu bieten, der den zum Angriff antretenden, in
höchstem Maße beweglichen Truppen genügend Zeit gibt, an Ort
und Stelle zu gelangen.
Wir haben also eine kollektive Verteidigungspolitik, die
einerseits darauf berechnet ist, vor einer bewaffneten Aggression abzuschrecken und die uns andererseits die Möglichkeit
gibt, sie, wenn es sein muß, unbegrenzt fortzuführen.
Die beiden Elemente, von denen ich gesprochen habe - ein
politisches Warnsystem auf der einen und eine selektive Vergeltungsstärke auf der anderen Seite -, bilden zusammen eine
feste Grundlage für den Frieden. Wenn wir wollen, daß der Friede Bestand hat, müssen wir diese Grundlage intakt halten.
Wir mühen uns ernsthaft um ein zuverlässiges System der
Rüstungsbeschränkung. Solange uns jedoch in diesen Anstrengungen der Erfolg versagt ist, müssen wir und unsere Verbündeten
die Streitkräfte, Waffen und Ausrüstungen beibehalten, die
erforderlich sind, eine bewaffnete Aggression - möge sie nun
umfangreich oder geringfügig sein - abzuschrecken. Das ist der
unerläßliche Preis des Friedens.
Der Kampf um Gerechtigkeit
Aber wir wagen nicht, anzunehmen, daß die einzige Gefahr
die der bewaffneten Aggression sei, und daß wir - wenn wir vor
einer Aggression abschrecken können - in unseren Bemühungen
nachlassen dürfen.
Es

�"AMERIKA DIENST"

14. Dezember 1955

Es gibt noch immer schwerwiegende Ungerechtigkeiten, die
Abhilfe verlangen, und ernste Gefahren, die abgewendet werden
müssen.
Präsident Eisenhower wies in einer Rede im August dieses
Jahres darauf hin, daß "das ausschließliche Bestreben, den Krieg
zu vermeiden - wenn wir nur diesen einen Wunsch haben - zu der
offenen oder stillschweigend einbegriffenen Zustimmung führen
kann, gegenwärtige Ungerechtigkeiten oder Fehler für immer bestehen zu lassen. Einer solchen ungerechtfertigten Einstellung dürfen wir uns nicht anschließen. Wir würden damit unser eigenes Gewissen mit Gewalt zum schweigen bringen. In den Augen jener, die
unter der Ungerechtfertigkeit leiden, würden wir so zu den Verbündeten ihrer Unterdrücker. Und im Urteil der Geschichte hätten
wir die Freiheit von Menschen gegen das Linsengericht eines trügerischen Friedens verkauft. Darüber hinaus würde dies die Saat
für künftige Konflikte bedeuten."
Und der Präsident verwies ausdrücklich auf die Teilung
Deutschlands und die Unterwerfung verschiedener Länder als
Beispiele der Ungerechtigkeit, von der er sprach.
Wir werden nicht danach trachten, diese Ungerechtigkeiten
durch Gewaltanwendung unsererseits beizulegen. Aber wir können
und wollen dafür Sorge tragen, daß diese Ungerechtigkeiten stets
im Bewußtsein der Menschen bleiben, und damit die Weltmeinung
mobilisieren, die nach dem Grundsatz "steter Tropfen höhlt den
Stein" in ihrer Weise außerordentlich wirksam ist. Denn keine
Nation, wie mächtig sie auch sei, möchte auf sich die ständig
wachsende moralische Verdammung der Welt herabbeschwören.
Hierin liegt ein wesentlicher Grund für die Befreiung Österreichs. Im Mai dieses Jahres unterzeichnete die Sowjetunion nach
siebenjährigem Zögern den österreichischen Staatsvertrag, die
Rote Armee sog sich zurück und Österreich wurde befreit.
Wir sehen uns einem ähnlichen Problem im Falle der Wiedervereinigung Deutschlands gegenüber.
Die im Juli in Genf abgehaltene Konferenz der vier Regierungschefs waren dort ausdrücklich übereingekommen, "daß die Wiedervereinigung Deutschlands im Wege freier Wahlen zustandegebracht werden soll". Auf der zweiten Genfer Konferenz im vergangenen Monat
jedoch distanzierten sich die Sowjets von diesem Übereinkommen,
obwohl die Westmächte Vorschläge unterbreiteten, die eine Höchstgarantie dafür boten, daß ein wiedervereinigtes Deutschland die
Sicherheit der Sowjetunion und die seiner Nachbarn nicht wieder
gefährden werde. Die Sowjetunion war offensichtlich zu der Erkenntnis gekommen, daß freie gesamtdeutsche Wahlen mit einer Niederlage des von ihr in der Ostzone eingesetzten Marionettenregimes
enden würden. Dies würde sich dann auf den Kranz der Satellitenstaaten auswirken.
Daher hat die Sowjetunion hartnäckig den Standpunkt beibehalten, keinerlei Vorschläge hinsichtlich Deutschlands anzunehmen,
so vernünftig diese auch sein mögen, wenn damit dem deutschen Volk
eine Handhabe gegeben würde, sich der von den Sowjets ausgesuchten Machthaber in der Ostzone zu entledigen.
Daraus
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�"AMERIKA DIENST'1

14. Dezember 1955

Daraus ergibt sich, daß der Westen auch weiterhin durch
die Weltöffentlichkeit einen Druck dahingehend ausüben muß,
daß die derzeitige Ungerechtigkeit, durch die siebzehn Millionen Deutsche von dem großen Volkskörper ihrer Landsleute getrennt werden, beseitigt werde.
Westliche Einheit
Die länder Westeuropas müssen sich auch weiterhin um die
Verwirklichung ihrer eigenen Einheit bemühen, und zwar nicht nur
zu Verteidigungszwecken, sondern auch im Interesse ihres eigenen
Wohlergehens. Denn die Zersplitterung Westeuropas in der Vergangenheit und die ewigen Rivalitäten zwischen diesen Nationen waren
ja die Hauptursache der Kriege und der schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse.
Die Nordatlantikpakt-Organisation ist nicht nur zum Schutze
Europas sondern auch zur Entwicklung eines Gefühls der Zusammengehörigkeit und Verbundenheit von großem Nutzen. Auch ich werde daran teilnehmen, wenn ich nächste Yv'oche zusammen mit Minister
Humphrey und Minister Wilson zur Dezembertagung des NATOMinisterrats nach Paris fahre. Diese Tagungen geben den Außenministern, den Finanz- und den Verteidigungsministern die Möglichkeit, sich zu beraten und die Bande zwischen den 15 NATOMitgliedern fester zu knüpfen. Es sind starke Bande, die schon
manche Belastungsprobe bestanden haben. Die NATO ist mehr als
lediglich eine Organisation zur militärischen Verteidigung.
Denn ihre Mitglieder bemühen sich ständig und mit Erfolg darum,
Mittel und Wege zu finden, ihre enge Verbundenheit und ihre
herzlichen Beziehungen über die militärische Gemeinschaft
hinaus zu demonstrieren.
Es ist jedoch eine Einheit der kontinentaleuropäischen
Länder selbst auf einer sozusagen intimeren Grundlage erforderlich. Die sechs Nationen Prankreich, Deutschland, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg sind bereits an die Schaffung gemeinsamer Institutionen herangegangen, so vor allem der
Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Bei meiner letzten Europareise
konnte ich zu meiner Freude feststellen, daß die Entwicklung in
dieser Richtung einen neuen Auftrieb erfahren hat. Diese Bewegung muß in erster Linie von den betreffenden Völkern selbst getragen werden. Es handelt sich hier jedoch um eine Entwicklung,
an der die Vereinigten Staaten ein tiefes Interesse haben, und
dies zu fördern sie bei gegebener Gelegenheit durchaus bereit
sind.
Diese Bewegung muß im Laufe ihrer Entwicklung notwendigerweise einen starken Einfluß auf die osteuropäischen Länder ausüben. Wenn die westeuropäischen Länder dank ihrer Integration
eine wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung erleben werden, so
wird sich in den Satellitenländern der Drang nach unabhängigen
Regierungen verstärken, die den Bedürfnissen und Bestrebungen
der Bevölkerung Rechnung tragen.
Das mag uns dem Tag näher bringen, an dem die sowjetischen
Machthaber einsehen werden, daß eine dauernde Unterwerfung dieser osteuropäischen Völker eine überlebte, reaktionäre Politik
ist, die ihnen moralische und materielle Kosten auferlegt, Kosten,
die die scheinbaren Vorteile bei weitem übertreffen.
._.

�"AMERIKA DIENST"

14. Dezember 1955

Die weniger entwickelten Länder
Auch in den weniger entwickelten Gebieten der Welt stehen
wir neuen Aufgaben gegenüber. Dort leben hunderte Millionen
Menschen, die an Dingen Mangel leiden, die ihnen gehören könnten und gehören sollten.
Diese Gebiete sind stets ein Ziel des Sowjet-Kommunismus
gewesen.
Heute, wo die sowjetischen Führer daran gehindert werden,
ihren Einfluß gewaltsam auszudehnen, haben sie diese Gebiete
zum Ziel ihrer arglistigen Politik gemacht. Der sowjetischen
Bevölkerung mangelt es an vielen Gütern, die sie zum täglichen
Leben braucht. Insbesondere werden die Satellitenvölker ausgebeutet, und ihr Lebensstandard ist beträchtlich gesunken. Doch
während die sowjetischen Machthaber vorgeben, sich um das Wohl
derjenigen, die sie als "Kolonialvölker und abhängige Völker"
bezeichnen, zu sorgen, deren "Einschluß" in den kommunistischsowjetischen Machtbereich stets ein unverhülltes Ziel der
sowjetischen Politik gewesen ist, denken sie nicht daran,
diese Bedürfnisse zu befriedigen.
Die sowjetischen Machthaber haben als Exponenten einer
materialistischen Weltanschauung ihre pädagogischen Bemühungen auf die Ausbildung von Wissenschaftlern konzentriert.
Heute werden in der Sowjetunion neue Techniker in großer Zahl
ausgebildet. Diese Techniker stehen ihrer Regierung auch stets
zur Verfügung und führen alle Befehl« ihrer Regierung aus. Sie
sind also verfügbar, um als ein Symbol verlockender Versprechungen in andere Länder zu gehen.
Die Tatsache, daß sich der sowjetische Kommunismus heute
in diesem neuen Gewände darstellt, braucht uns nicht in panischen Setrecken zu versetzen» Wir brauchen nicht anzunehmen, wie
das verschiedentlich geschieht, daß die verantwortlichen Staatsmänner der asiatischen Länder sich nicht dieser Gefahren bewußt sind und sich von falschen Versprechungen leicht täuschen
lassen. Diese Staatsmänner verfügen tatsächlich über eine große
politische Erfahrung und haben dazu beigetragen, große politische Erfolge für ihre Länder zu erringen.
Doch die Völker der freien Welt, die technisch nicht hinreichend entwickelt sind, benötigen Hilfe, wie sie die entwickelteren Industrieländer den Ländern mit einer weniger entwickelten Wirtschaft in der Vergangenheit stets gewährt haben.
Der Fluß von Privatkapitel befriedigt teilweise dieses Bedürfnis. Aber die Regierung hat dabei doch auch eine wichtige
Rolle zu spielen. Wir haben ja auch seit Jahren ein von der Regierung durchgeführtes Programm für wirtschaftliche und technische Hilfe, die größtenteils den weniger entwickelten Gebieten zugute kommt. Das Programm wird getragen von einem ausgezeichneten Stab sich aufopfernder Männer und Frauen. Der Kongreß hat erhebliche Mittel zur Finanzierung dieses Programmes
und zur Leistung wirtschaftlicher Hilfe bereitgestellt, und
auch hier kommt ein guter Teil vor allen den weniger entwickelten Gebieten zugute. Wir werden den Kongreß im kommenden Jahr

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�"AMERIKA DIENST"

14. Dezember 1955

Jahr um die Bewilligung so vieler Mittel, wie sie nach unserer
Ansicht zu einer nützlichen Finanzierung des Programmes erforderlich sind, ersuchen, und wir haben die feste Zuversicht,
daß der Kongreß wie auch schon in den vergangenen Jahren in
einer unserer patriotischen Tradition würdigen Weise auf unser
Ersuchen eingehen wird. Wir werden auch bemüht sein, mehr
Flexibilität in das Programm zu bekommen als in den vergangenen Jahren.
Wir helfen aber auch in anderer Weise. So erkannten beispielsweise unsere Wissenschaftler mit Unterstützung der Wissenschaftler anderer freien Nationen die unerhörten Möglichkeiten, die
die Verwendung spaltbaren Materials in sich birgt. Uns gelang
es als ersten, das Atom zu spalten und die dabei freiwerdenden
Kräfte zu bändigen. Wir sind führend in der Entwicklung des von
Präsident Eisenhower verkündeten Programmes zur Nutzbarmachung
der Atomenergie für friedliche Zwecke.
Abei- die kommenden Jahre werden an uns und unser Volk große
Anforderungen stellen. Sie nur mit Unwillen zu akzeptieren, ist
nicht genug. Die Antwort liegt auch nicht allein in der Bereitstellung größerer öffentlicher Mittel. Eine wirklich positive
Reaktion erfordert das Neuerstehen des Pioniergeistes, der das
amerikanische Volk in der Vergangenheit belebte.
Wir müssen wieder zu dem Geist zurückkehren, der einstmals
unsere Missionäre, Ärzte, Pädagogen und Kaufleute beseelte, die
im vergangenen Jahrhundert in alle Teile der Welt hinauszogen,
um die Segnungen einer neuen Lebensart hinauszutragen. In den
meisten Fällen gingen sie nicht in die Ferne, um für sich Geld zu
gewinnen, obwohl die Aussicht auf materiellen Gewinn als Anreiz
wirkte. Was sie suchten und fanden, war die einzigartige Freude,
die die Frucht schöpferischen Tuns und Teilhaben-Lassens ist.
Es wäre in der Tat eine tragische Entwicklung, wenn unser
Volk, und insbesondere unsere Jugend, sich so sehr von materiellen Gesichtspunkten und von der Versuchung des Geldes locken
ließe, daß sie darüber das Gefühl für ihre Mission und für das
Schicksalhafte verlöre, das bisher unsere Nation von ihren Anfängen an kennzeichnete und sie groß gemacht hat.
Ich denke häufig an das Versprechen der Heiligen Schrift,
daß denjenigen, die in erster Linie das Reich Gottes suchen und
nach Rechtschaffenheit streben, auch materielle Güter zu Teil
werden sollen. Unser Volk war von den frühesten Anfängen an von
religiösen Idealen beseelt. Unsere Vorfahren glaubten an einen
göttlichen Schöpfer, der alle Menschen mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet hat.
Sie glaubten an ein ethisches Gesetz und an die in ihm verankerte: Konzeption von Gerechtigkeit, Liebe und Rechtschaffenheit. Sie hatten das Bewußtsein eines Missionsauftrages in der
Welt und hielten es für ihre Pflicht, den Menschen überall auf
der Erde zu helfen, das zu sein und zu tun, was Gott ihnen heißt.
Sie zeigten Weitblick und waren von einer großen Zielsetzung erfüllt.
Getrieben
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�"AMERIKA DIENST"

14. Dezember 1955

Getrieben von diesem Glauben haben sich seelische, geistige und wirtschaftliche Kräfte entwickelt, wie sie die Welt vorher nie gekannt hat. Diese Kräfte schlössen sich nicht ab. Im
Gegenteil, andere daran teilhaben zu lassen, war ein wichtiges
Moment. Millionen von Menschen aus anderen Ländern wurden mit
offenen Armen aufgenommen, um an den von den Gründervätern und
ihren Erben geschaffenen Möglichkeiten ebenfalls teilzunehmen.
Durch die Tätigkeit der Missionare und die Errichtung von Schulen und Kirchen wurden die Ideale Amerikas der ganzen Welt vermittelt. Unsere Regierung unterstützte diejenigen in der Welt
und stärkte ihre Zuversicht, die sich um die Ausbreitung der
menschlichen Freiheit bemühten.
Inzwischen steigerte sich auch der Wohlstand unseres
Landes. Doch müssen wir uns jetzt hüten, daß diese Nebenerscheinungen großer Bemühungen eine solche Bedeutung erhalten,
daß sie am Ende zum Selbstzweck werden.
Das ist die Gefahr, gegen die wir stets auf der Hut sein
müssen. Dies ist besonders heute der Fall, wo ein riesiger,
vom materialistischen Geist beherrschter Staat wie die Sowjetunion, deren Bemühungen zur gewaltsamen Ausdehnung ihres Machtbereiches durchkreuzt wurden, nunmehr kalt und grausam vorgeht,
um die Bestrebungen der Völker in weniger entwickelten Ländern
für die eigenen selbstsüchtigen Ziele nutzbar zu machen.
Was die Welt an diesem Wendepunkt wissen muß, ist, daß
unsere Nation beharrlich zu ihren historischen Idealen steht
und an ihrem traditionellen Weg festhält, die ideellen, geistigen und materiellen Früchte unserer freien Gesellschaft mit anderen zu teilen; daß sie den Unfreien hilft, frei zu werden,
und den Freien hilft, ihre Freiheit zu erhalten - nicht nur dem
Buchstaben nach, sondern frei im Sinne der Gleichheit der Chancen,
nach dem Glück zu streben im Geist der Unabhängigkeitserklärung
unseres Landes.
Und laßt uns niemals vergessen, daß nach den Worten Lincolns
diese Erklärung nicht nur für uns von Bedeutung war, sondern
daß vielmehr "diese Erklärung etwas enthielt, wodurch nicht
nur unserem Lande die Freiheit sondern der ganzen Welt Hoffnung
für alle kommenden Zeiten gegeben wurde. Hierin lag die Verheißung, daß, wenn die Zeit dafür reif sei, die Lasten von den
Schultern aller Menschen genommen und allen die gleichen Möglichkeiten gegeben werden sollten".
Dies war der Geist, in dem unsere Nation geboren wurde.
Möge es auch der Geist sein, in dem wir leben.

* * * * * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

AUSSENMINISTER DULLES ÜBER GENF
WASHINGTON - (AD) Nachstehend übermitteln wir Ihnen den Wortlaut
einer Rede, in der der US-Außenminister John
Poster Dulles dem amerikanischen Volk am 18.
November 1955 über Rundfunk- und Fernsehen über
die Genfer Außenministerkonferenz berichtete.
Während der vergangenen drei Wochen haben die Briten,
die Franzosen und wir mit den Russen in Genf verhandelt. Ich
bin gestern zurückgekehrt und habe dem Präsidenten ausführlich in einem Gespräch berichtet, das gestern abend begann
und heute morgen fortgesetzt wurde. Nunmehr will ich Ihnen
Bericht erstatten.
Ich nehme an, die meisten von Ihnen wissen, daß auf der
Genfer Konferenz keinerlei Abkommen erzielt wurden. Als Folge
davon bleiben zahlreiche Prägen offen. Heißt dies, daß der
sogenannte Geist von Genf tot ist? Bedeutet es, daß die
Kriegsgefahr sich vergrößert hat? Wird der sogenannte Kalte
Krieg mit voller Kraft wieder aufgenommen werden? Werden die
Vereinigten Staaten nunmehr ihre militärischen Pläne und
ihre Programme zur gemeinsamen Sicherheit grundlegend ändern müssen? Bedeutet dies das Ende der Verhandlungen mit
der Sowjetunion?
Ich werde versuchen, all diese Fragen zu beantworten.
Zunächst möchte ich Ihnen jedoch ins Gedächtnis zurückrufen,
wie diese jüngste Genfer Konferenz zustandegekommen ist.
Ich gehe bis zum letzten Frühjahr zurück. Bis dahin
hatte die Sowjetunion eine Politik der Drohung verfolgt.
Das war die politische Linie Stalins. Es sei möglich, so
glaubte er, die freien Nationen zu überrennen.
Nach Stalins Tod setzte sich dieser Trend eine Zeitlang fort. Die Sowjets bemühten sich in intensiver und
lärmender Form, Westdeutschland von den übrigen westeuropäischen Nationen fernzuhalten. Trotzdem trat die Bundesrepublik Deutschland im Mai dieses Jahres der NATO und dem
Brüsseler Pakt bei, aus dem die Westeuropäische Union erwuchs,
Diesem sowjetischen Mißerfolg folgte eine Änderung in
der sowjetischen Haltung. Die Nachfolger Stalins gaben zumindest nach außen hin ihrem Wunsche Ausdruck, Beziehungen
- 1 -

�"AMERIKA DIENST"

.23. November 1955

•

Beziehungen mit den freien Nationen auf der Basis des Zusammenlebens anzuknüpfen. Zu diesem Zweck haben sie wichtige Konzessionen gemacht.
Die Russen hatten sich zum Beispiel acht Jahre lang geweigert, den Vertrag zu unterzeichnen, der Österreich die Freiheit
geben würde. Im vergangenen Mai unterzeichneten sie diesen Vertrag und nahmen die Rote Armee aus Österreich zurück. Sie .schlössen Frieden mit Tito, der sieben Jahre lang das Ziel ihrer heftigsten Angriffe gewesen war, weil er Jugoslawien aus dem sowjetischen Block herausgelöst hatte. Sie mäßigten ihre Propaganda
und ihr ganzes Verhalten. Sie machten klar, daß sie sich zu Gesprächen mit den westlichen Nationen an einen Tisch setzen
möchten.
Die Vereinigten Staaten sind darauf eingegangen, wie sie
immer auf jede Aussicht - und sei sie noch so gering -, den
Frieden gerechter und dauerhafter zu gestalten, eingehen werden.
Diese Haltung wurde praktisch einmütig und auY einer Zweiparteien-Basis unterstützt. So schlössen sich die Vereinigten Staaten Großbritannien und Frankreich an, um'die sowjetischen Führer zu der.Konferenz auf höchster Ebene in Genf einzuladen. Dort
traf Präsident Eisenhower sechs Tage lang mit den Chefs der anderen drei Regierungen in dem Bemühen zusammen, eine bessere
Atmosphäre und neue Impulse für die Lösung der uns trennenden
Probleme zu schaffen.
* Jene Konferenz ließ den auf allen Seiten gehegten Wunsch
erkennen, der Bitterkeit und Härte ein Ende zu bereiten, die
einen Krieg herbeiführen könnten. Ein Krieg - darüber waren
sich alle klar - würde ein Unglück für alle bedeuten.
Darüber hinaus stimmten die Regierungschefs darin überein,
daß ihre Außenminister im Oktober zusammenkommen sollten, um
über das Problem der europäischen Sicherheit und der Wiedervereinigung Deutschlands, die Begrenzung der Rüstungen und den
Abbau der Schranken zwischen dem sowjetischen Block und der
freien Welt zu verhandeln.
Die drei westlichen Regierungschefs waren sich darüber im
klaren, daß der Wert der Konferenz auf höchster Ebene zum großen Teil von den darauffolgenden Ergebnissen bestimmt werden
würde. So erklärte Präsident Eisenhower in seiner Schlußansprache auf der Konferenz: "Aber nur die Geschichte wird über
die wahre Bedeutung und den wirklichen Wert unserer Konferenz
Aufschluß geben. Es wird für die Bewertung dieser Konferenz
entscheidend sein, welchen Kurs unsere einzelnen Regierungen
nach diesem Anfang weiter verfolgen werden."
Nach der Konferenz der Regierungschefs bereiteten sich
die USA in Zusammenarbeit mit Großbritannien, Frankreich und
der Bundesrepublik Deutschland gründlich auf diese bevorstehende Außenministerkonferenz vor.
Wir waren uns der Schwere der Probleme, denen wir gegenüberstanden, vollauf bewußt; Die Konferenz auf höchster Ebene
hatte große Meinungsverschiedenheiten im Hinblick auf die Frage
der deutschen Einheit und europäischen Sicherheit, die Abrüstung
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�23. November 1955

"AMERIKA DIENST"

Abrüstung und freiere Kontakte aufgezeigt. Um annehmbar zu sein,
mußten die Lösungen dieser Probleme die berechtigten Interessen
beider Seiten in Rechnung stellen, vor allem im Hinblick auf die
Sicherheit.
Unsere Vorbereitungen für die Konferenz berücksichtigten
diese grundlegende Tatsache. Die westlichen Vorschläge boten die
Basis für wahre Verhandlungen mit der Sowjetunion.
In meiner Eröffnungserklärung vor der Konferenz brachte
ich diesen gerade von mir unterstrichenen Standpunkt zum Ausdruck.
"Die Vereinigten Staaten", so sagte ich* "kommen auf diese Konferenz in dem festen Wunsch, geduldig und aufrichtig alle möglichen Wege für realistische Lösungen dieser Probleme zu erforschen. "
Trotz aller Bemühungen wurde kein besonderes Abkommen erzielt.
Die Erklärung hj^srfür ist meiner Ansicht nach, diese: die
Sowjetunion scheint in bezug auf die europäische Sicherheit, das
Abrüstungsproblem und die Kontaktaufnahme bestimmte Ergebnisse
zu wünschen. Sie ist jedoch bis jetzt nicht bereit, den zur
Erreichung dieser Ergebnisse erforderlichen Preis zu entrichten.
Und wenn ich von dem Preis spreche, so meine ich dies nicht im
Sinne von Geschäftemachen. Ich meine den Preis, der darin besteht, das zu tun, was an sich notwendig ist, um die Ergebnisse
zu erzielen, die wir - wie wir alle saften - wünschen. Lassen
Sie mich durch eine Schilderung der Vorgänge auf der Konferenz
erläutern, was ich meine.
Wir haben zuerst über die europäische Sicherheit und Deutschland verhandelt. Die Sowjetunion wünschte Sicherheit gegen ein
mögliches Wiederaufleben des deutschen Militarismus. Dies war
verständlich, wenn man berücksichtigt, welche Leiden die Russen
im zweiten Weltkrieg durch die deutschen Armeen erdulden mußten.
Die Westmächte waren in der Tat bereit, der Sowjetunion in dieser
Hinsicht entgegenzukommen.
Wir unterbreiteten Sicherheitsvorschläge, die ernst gemeint
und weitreichend waren. Vielleicht ist der beste Beweis für ihren
Wert die Tatsache, daß die sowjetische Delegation später Sicherheitsvorschläge machte, die viele von unseren Punkten enthielten.
Aber da gab es einen grundlegenden und entscheidenden Unterschied. Unsere Vorschläge basierten auf der Wiedervereinigung
Deutschlands. Wir glauben nicht, daß ein sicherer Friede in
Europa auf der Ungerechtigkeit eines gespaltenen Deutschlands
aufgebaut werden kann. Die 'sowjetischen Vorschläge gründeten sich
dagegen auf das Portbestehen des sowjetischen Marionettenregimes
in der deutschen Ostzone und die Teilung Deutschlands auf unbestimmte Zeit, zumindest solange, bis die sowjetische Kontrolle
auf ganz Deutschland ausgedehnt werden könnte.
Die Sowjetunion hatte auf der Konferenz der Regierungschefs
ausdrücklich versprochen, die Wiedervereinigung Deutschlands auf
Grund freier Wahlen zu erwägen, und hatte ausdrücklich die enge
Verbindung zwischen der Wiedervereinigung Deutschlands und der

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2 % November 1955

der europäischen Sicherheit anerkannt.
Wir bemühten uns redlich, aber vergebens, die sowjetische
Delegation dahin zu bringen, daß sie das Problem der Wiedervereinigung Deutschlands ernsthaft erörterte.
Als sich die Sowjetunion klar wurde, was dies einschloß,
wich sie aus. Wenn Deutschland durch freie Wahlen wiedervereinigt würde, dann würde dies ganz offensichtlich das Ende der
Marionettenregierung bedeuten, die die Sowjetunion in der
deutschen Ostzone eingesetzt hat. Dies wiederum würde fast.sicher
ernsthafte Auswirkungen auf die anderen Satellitenländer in
Osteuropa haben. Dort sehen sich die sowjetisch-kontrollierten
Regierungen einem wachsenden Druck gegenüber. Viele Kreise innerhalb der Satellitenländer glauben, der Geist von Genf bedeute,
daß sie ein Recht auf größere Toleranz und auf eine Regierung
haben, die den Ansprüchen und Hoffnungen der eigenen Nation mehr
entgegenkommt.
So vertrat die Sowjetunion den Standpunkt, daß sie - obwohl sie an dem Zustandekommen eines europäischen SicherheitBvertrages interessiert war - nicht bereit sein würde, hierfür
das deutsche Ostzonen-Regime zu opfern. Ungeachtet dessen, womit
sie sich auf der Konferenz der Regierungschefs einverstanden erklärt hatten,gaben die Sowjets bekannt, daß sie ihr Regime in
der deutschen Ostzone erhalten wollten, was im klaren Widerspruch
zu den glühenden Wünschen der Ostzonen-Bevölkerung selbst steht.
Einige hatten geglaubt, die Sowjetunion könnte bereit sein,
eine Wiedervereinigung Deutschlands durch freie Wahlen zuzulassen,
wenn sich ein'Wiedervereinigtes Deutschland nicht der Nordatlantikpaktorganisation anschließen würde. In Wirklichkeit jedoch
ließ die sowjetische Delegation keinen Zweifel daran, daß sie
selbst unter diesen Bedingungen nicht bereit sein würde, eine
Wiedervereinigung Deutschlands auf Grund freier Wahlen zuzulassen.
Wir sehen also, daß - obwohl die Sowjetunion ohne Zweifel
ein europäisches Sicherheitssystem wünscht, dem sie selber angehört - sie nicht zur Schaffung der grundlegenden Voraussetzung
bereit ist, nämlich einer Wiedervereinigung in Freiheit.
Das zweite Problem, das wir erörtern mußten, war die Begrenzung der Rüstungen. Die Hauptverantwortung für dieses Gebiet
liegt gegenwärtig bei dem Abrüstungsunterausschuß der Vereinten
Nationen. Die Außenminister waren jedoch angewiesen worden,
wenn möglich, hier zu helfen.
Beide Seiten zeigten den eifrigen Wunsch, eine Begrenzung
der Rüstungen zustandezubringen. Wir wünschen dies sowohl als
eine Unterstützung des Friedens, als auch, um es zu gestatten,
daß die wirtschaftlichen Hilfsquellen in größerem Ausmaß in
den Dienst der Menschheit gestellt werden. Die westlichen Nationen sind jedoch nicht bereit, einer Abrüstung zuzustimmen, wenn
sie nicht sicher sein können, daß beide Seiten das Abkommen auch
ausführen. Deshalb bestehen wir darauf, daß eine Abrüstung wirksam überwacht und kontrolliert wird.

In

�"AMERIKA DIENST"

23. November 1955

In diesem Jahrhundert haben die USA dreimal die Erfahrung
gemacht, daß eine einseitige Rüstungsschwäche praktisch nicht
den Frieden bewahren kann. Die USA haben jetzt nicht die Absicht,
ihre Existenz auf Grund von Versprechungen, die vielleicht nicht
eingehalten werden, aufs Spiel zu setzen.
Die USA wünschen jedoch wie kein zweites land eine gesicherte
Beschränkung der Rüstungen. Um dies der praktischen Durchführung
näher zu bringen, hatte Präsident Eisenhower auf der Genfer Konferenz der vier Regierungschefs der Sowjetunion vorgeschlagen,
die Pläne militärischer Einrichtungen auszutauschen, dann zu
ihrer Verifizierung eine Luftinspektion durchzuführen und dadurch
die Atmosphäre zu verbessern, indem man die Furcht vor den aggressiven Absichten jeder Seite aus dem Wege räumt. Diese Konzeption
Präsident Eisenhowers stieß bei den Sowjets auf Ablehnung, obwohl sie zum erstenmal die Tatsache anerkannten, daß die Luftinspektion zu einem Kontrollsystem gehört.
Aber die Sowjetunion miöst der Überwachung und der Kontrolle
nicht die Bedeutung bei, die wir ihr beimessen. Sie fuhr fort,
Abkommen zu fordern, selbst wenn es keine Möglichkeit gab, in
ausreichender Form zu überprüfen, ob diese Abkommen auch wirklich
erfüllt werden.
So war unsere Erörterung der Abrüstung ohne Ergebnisse. Wir
überließen eine weitere Entwicklung in dieser Frage dem Abrüstungsunterausschuß der Vereinten Nationen.
Es scheint, daß die Sowjetunion sich bis jetzt noch nicht in
der Lage sieht, eine Überwachung und Kontrolle zuzulassen, die
wenn sie ausreichend ist, einen Einblick in.ihre gegenwärtig
noch weitgehend auf Geheimhaltung begründete Gesellschaftsform
geben würde. So ist die Sowjetunion, während die auf der einen
Seite die sich aus einer Reduzierung der Rüstungen ergebenden
großen Segnungen wünscht, noch nicht bereit, sich auch den Garantien zu unterwerfen, die diese ermöglichen würden.
Der dritte und letzte Punkt unserer Tagesordnung war die
Entwicklung von Kontakten zwischen Ost und West. Die Westmächte
haben 17 Vorschläge konkreter Natur unterbreitet. Viele von
ihnen würden zu einem freieren Austausch von Ideen, Informationen und Nachrichten geführt haben. Alle diese Vorschläge
wurden von der sowjetischen Delegation abgelehnt. Sie wäre zu
Kontakten bereit gewesen, die sie in die Lage versetzen würde,
technische Kenntnisse von anderen Ländern zu sammeln. Sie war
bereit, Personen zu entsenden und zu empfangen, aber unter Bedingungen, die sie genau überwachen könnte. Aber sie reagierte
scharf gegen alles, was nach Beseitigung der Schranken für einen
freieren Austausch von Ideen aussah. Sie wandte sich heftig gegen
das Eindringen von Gedanken in den Sowjetblock, die im Widerspruch zu der offiziellen Doktrin der sowjetischen kommunistischen
Partei stehen könnten.
So erzielten wir keine Einigung über diesen Punkt. Der
Grund hierfür ist wiederum klar. Wir sind äer Ansicht, daß menschliche Kontakte nicht Regierungszwecken dienen, sondern daß sie es
den Mitgliedern der menschlichen Familie ermöglichen sollen, das

�"AMERIKA DIENST"

'

23. November

1955

das Verständnis füreinander und das Wissen voneinander zu haben,
das die Grundlage für einen dauerhaften Frieden ist. Aber nachdem
man eine Generation lang die Menschen fanatisch indoktriniert
hat, können sich die sowjetischen Machthaber kaum dazu überwinden,
die bestehenden Gedankenkontrollen zu lockern, um einen freieren
Kontakt mit der freien Welt zu erlauben.
Bei allen diesen in Genf behandelten Fragen versuchten wir
ernsthaft, mit der Sowjetunion zu verhandeln. Wir wünschten, wenn
irgend möglich konstruktive Abkommen zu erreichen. Aber wir waren
nicht bereit, Abkommen auf Kosten der Sicherheitsinteressen der
Vereinigten Staaten oder ihrer Partner zu erreichen, noch waren
wir gewillt, sogenannte "Abkommen" abzuschließen, die praktisch
bedeutungslos waren. Als sich die Sowjetunion nicht gewillt zeigte,
ernsthaft auf dieser Grundlage zu verhandeln, gingen wir ohne
Abkommen auseinander.
Es wäre ein Leichtes gewesen, irgendwelche Scheinabkommen
mit der Sowjetunion abzuschließen - diese wären aber ohne irgendwelchen realen Inhalt gewesen. Sie würden die Illusion eines gedanklichen Übereinkommens gegeben haben, wo ein solches praktisch
nicht existierte. Die drei Westmächte blieben gegenüber einer
derartigen Handlungsweise standhaft. Sie bewiesen damit ihr Vertrauen in ihre eigene Stärke und in die Standhaftigkeit ihrer
eigenen Völker. Daher wird diese Konferenz vielleicht die Aussichten für wirkliche Abkommen in der Zukunft verbessert haben.
Ich möchte nun zu der Beantwortung der Fragen kommen, die
ich zu Beginn gestellt habe:
Erstens: Bedeutet diese zweite Genfer Konferenz das Ende des
sogenannten Geistes von Genf?
Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, was man unter
dem Geist von Genf versteht. Manche waren der Ansicht, daß der
Geist von Genf irgendein Zauberelixier sei, das an sich schon
alle großen Weltprobleme lösen würde. Offensichtlich ist er das
nicht, und jede derartige Ansicht war zur Enttäuschung verurteilt.
Der Präsident und ich haben niemals diese Ansicht vertreten.
Wir haben immer vor einer solchen Auffassung gewarnt. Präsident
Eisenhower hat, bevor er nach Genf ging, erklärt, daß diese Konferenz einen Anfang und nicht ein Ende darstellen würde. In Genf
sagte er, daß der Wert der Konferenz nur danach beurteilt werden
könne,.was nachher geschieht. Nachdem er zurückgekehrt war, erklärte er dem amerikanischen Volk, daß die harte Bewährungsprobe
der Konferenz auf höchster Ebene beim Zusammentreffen der Außenminister beginnen würde.
Diese Probe - soweit sie durchgeführt wurde -• hat nun gezeigt, daß sich die sowjetischen Führer zumindest den Anschein
geben möchten, als ob sie an der Herstellung kooperativer Beziehungen mit den westlichen Nationen interessiert seien. Sie
hat aber auch bewiesen, daß sie bisher nicht bereit sind, die
unerlässlichen Voraussetzungen für einen sicheren Frieden zu
schaffen. Sie haben ferner dem Anwachsen eines jeden Vertrauens
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�%

"AMERIKA DIENST"

23- November 1955

Vertrauens einen schweren Schlag versetzt, das die freie Welt
den sowjetischen Versprechungen gerechtfertigterweise entgegenbringen kann. Sie taten dies mit ihrer Weigerung, in Verhandlungen über die Frage der deutschen Wiedervereinigung einzutreten, Verhandlungen, zu denen sie sich im Juli bereiterklärt
hatten.
Sie scheinen aber auch nicht mehr zu den früheren Drohungen
und Schmähungen zurückkehren zu wollen. In diesem Sinne lebt
der Geist von Genf noch weiter.
Zweitens: Hat der Ausgang der zweiten Genfer Konferenz die
Gefahr eines allgemeinen Krieges vergrößert?
Präsident Eisenhower hat gesagt, seiner Ansicht nach habe
es die Konferenz auf höchster Ebene weniger wahrscheinlich gemacht, daß es einen offenen Krieg zwischen unseren Ländern geben
würde. Auf der Außenministerkonferenz hat sich nichts ereignet,
was eine Revision dieser Ansicht erfordert. So bleibt dieser
Aspekt des Geistes von Genf ebenfalls weiter bestehen.
Drittens: Bedeuten die Ereignisse der vergangenen drei
Wochen, daß der Kalte Krieg wieder in voller Stärke aufleben
wird? Das Schlagwort "Kalter Krieg" ist sehr dehnbar.
Selbstverständlich bestehen scharfe Unterschiede zwischen
den Zielen der sowjetischen Regierung und unseren eigenen Zielen. Wir glauben an die Gerechtigkeit für alle, an das Recht der
Völker, frei zu sein, und an das Recht des einzelnen, seine ihm
von Gott gegebenen Fähigkeiten, zu denken und zu glauben, im
Einklang mit dem auszuüben, was Verstand und Gewissen diktieren.
Wir werden nicht aufhören, diese Ziele anzustreben, noch werden
wir jemals einen sogenannten Frieden suchen, der sie aufs Spiel
setzt.
Diese großen Zielsetzungen jedoch, die für unsere Nation
seit ihrem Entstehen charakteristisch waren, können und werden
von den USA ohne die Zuflucht zur Gewalt verfolgt werden und
ebenso ohne die Zuflucht zur Anwendung von Haß und Verdrehung
der Wahrheit, die die Charakteristika des Krieges darstellen.
Es ist unser Ziel, weiterhin die Freundschaft und das Verständnis des russischen Volkes als Ganzes anzustreben und die Wahrheit als das Instrument unserer nationalen Politik einzusetzen.
Der Kalte Krieg im Sinne eines friedlichen Wettbewerbes
wird unvermeidlich weitergehen. Der Geist von Genf konnte diese
Tatsache nicht ändern und hat sie nicht geändert. Darüber hinaus
müssen wir von der Annahme ausgehen, daß die Sowjetunion auch
weiterhin ihre Anstrengungen fortsetzen wird, mit allen Mitteln
außer dem Krieg ihrem System Geltung zu verschaffen, wie sie das
in der Vergangenheit getan hat.
Wir dürfen jedoch hoffen, daß dieser Wettbewerb nicht all
die gleiche Feindseligkeit und Animosität mit sich bringen wird,
die die Beziehungen zwischen unseren Ländern in der Vergangenheit
so vergiftet haben.
Viertens:

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23. November 1955

Viertens: Werden die USA nun ihre Programme für dj*» Verteidigung und gegenseitige Sicherheit in radikaler Weise revidieren müssen?
Die Antwort darauf ist neini Wir haben auf Grund der sowjetischen Versprechungen in unserer Wachsamkeit nicht nachgelassen,
und wir haben dies auch nicht nach der Genfer Konferenz der vier
Regierungschefs getan. Unsere Sicherheitsprogramme, die einen
zweiparteilichen Charakter haben, wurden zu dem Zweck aufgestellt,
einer Gefahr zu begegnen, solange sie anhalten mag. Wir befinden
uns hier auf einer Grundlage, die auf lange Sicht abgesteckt
worden ist. Unsere militärische Stärke muß auf das Potential des
Sowjetblocks abgestimmt sein und kann nicht auf das Lächeln oder
Stirnrunzeln der Sowjets hin geändert werden. Wir werden unsere
eigene militärische Stärke hur dann reduzieren, wenn die Sowjets
in eindeutiger Weise die ihre verringern. Daher verlangt das
Ergebnis der Genfer Konferenz von,uns nicht, daß wir den allgemeinen Umfang unserer Programme verändern. Ihr allgemeines Ausmaß
kann wie geplant beibehalten werden.
Unsere stetige Politik hat ihren Wert bewiesen. Wir sind
der Ansicht, daß man das, was sich als gut erwiesen hat, festhalten und stärken muß.
Fünftens: Bedeutet diese jüngste Genfer Konferenz das Ende
künftiger Verhandlungen mit der Sowjetunion?
Sie braucht kein Ende zu bedeuten, und weder der Präsident
noch ich sind der Ansicht, daß sie das Ende sein wird. Es wäre
natürlich töricht, neue Verhandlungen anzustreben, wenn alles
so bleibt, wie es gewesen ist, als diese jüngste Konferenz zu
Ende ging.
Wir wissen jedoch, daß sich die Bedingungen wandeln werden,
denn der Wandel ist das Gesetz des Lebens.
Auf dieser Genfer Konferenz mußte sich die Sowjetunion in
konkreter Weise über den Preis im klaren werden, den sie dafür
bezahlen mußte, um die größeren Ergebnisse zu erreichen, die
sie bezüglich der europäischen Sicherheit, der Abrüstung und
verstärkter Kontakte zwischen Ost und West nach ihren Erklärungen
erreichen wollte.
Bei dieser Gelegenheit wurden keine positiven Resultate erzielt. Aber ich erinnere daran, daß Präsident Eisenhower nach
seiner Rückkehr aus Genf erklärt hat, daß er "zutiefst von der
Notwendigkeit für uns alle beeindruckt war, eine Enttäuschung
zu vermeiden, nur weil unsere eigenen Vorschläge, unsere eigenen
Lösungsversuche und unsere eigenen Überzeugungen nicht immer
sofort von der anderen Seite akzeptiert werden." Er wies weiter
auf die Schwierigkeit hin, die breite und tiefe Kluft zwischen
der persönlichen Freiheit und der Reglementierung und zwischen
der Konzeption des nach dem Bilde Gottes geschaffenen Menschen
und der Konzeption des Menschen als einem bloßen Instrument des
Staates zu überbrücken.
Diese

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"AMERIKA DIENST

Diese Kluft hat so große Hindernisse geschaffen, d?R sie
auf dieser jüngsten Konferenz nicht überwunden werden konnten.
Das bedeutet jedoch nicht, daß unsere Anstrengungen auf der
Konferenz verschwendet waren. Die von uns vorgebrachten Vorschläge waren in ihren Grundlagen gesund und respektierten die berechtigten Interessen aller. W-enn es zu Lösungen kommt, so werden
diese den Prinzipien Rechnung tragen müssen, die wir anzuwenden
suchten.
Die Sowjets brüsten sich, realistisch zu sein. Sie haben in
der Vergangenheit gezeigt, daß sie ihre Politik den Tatsachen
und Realitäten anpassen werden, sobald sie diese erkannt haben.
Wir glauben, daß die freien Nationen durch Aufrechterhaltung
und Stärkung ihrer Einheit der Sowjetunion demonstrieren können,
daß Lösungen, wie die von uns vorgeschlagenen, in ihrem eigenen
Interesse sind und daß sie aus ihnen mehr Nutzen ziehen wird
als aus den örtlichen und vorübergehenden Vorteilen, denen sie
gegenwärtig eine überragende Bedeutung beizumessen scheint..
Die Sowjets werden ihre Politik natürlich nicht ändern,
wenn sie der Überzeugung sind, daß die freie Welt auseinanderfallen wird. Darum ist die Fortsetzung der gegenwärtigen Partnerschaft der unabhängigen Nationen unerläßlich für eine friedliche Lösung der gegenwärtigen Probleme.
Es ist von entscheidender Bedeutung, daß alle freien Nationen, einschließlich der USA, diese grundsätzliche Wahrheit
klar erkennen.
Ich bin glücklich, über diese Partnerschaft einen guten
Bericht unterbreiten zu können. Wir hatten vor Beginn der Genfer Konferenz in Paris eine nützliche Sitzung des NATO-Rates.
An ihr nahmen praktisch alle Außenminister der fünfzehn Mitgliedstaaten teil. Sie diente dazu, die durch den Rat repräsentierte
Einheit zu festigen.
Während meines Aufenthaltes in Europa führte ich auch mit
den führenden Männern der Bewegung zur Entwicklung einer noch
größeren Einheit Europas Besprechungen. Diese Bewegung wird
erneut aktiv. Ich machte in meinen Besprechungen klar, daß die
Initiative für weitere Schritte zur europäischen Integration
von den Europäern selbst ausgehen müsse, daß die Vereinigten
Staaten jedoch bereit und willens sind, die Verwirklichung dieser großen Idee zu unterstützen.
Ich besuchte Spanien, Italien und Jugoslawien. In jedem
dieser Länder führte ich umfassende und nützliche Besprechungen
über die internationale Lage. Dies hatte, so glaube ich, den
Erfolg, ein besseres -Verständnis und festere Bande der Freundschaft zu schaffen.
Eine sehr wichtige Tatsache ist schließlich; daß es.auf
der Genfer Konferenz zu den engsten persönlichen und arbeitsmäßigen Beziehungen zwischen dem britischen Außenminister MacMillan,
dem französischen Außenminister Pinay und mir gekommen ist. Wir

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"AMERIKA DIENST"

1955

Wir haben auch eng mit dem Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in allen diese betreffenden Punkte zusammengearbeitet.
Dieser Geist der Zusammengehörigkeit, der unsere gemeinsamen
Bemühungen um ein gemeinsames Ziel festigte, gehört zu den wichtigen Ergebnissen der Genfer Konferenz.
Die Erklärung, die ich Ihnen heute abend abgebe, erfolgte
nach einer umfassenden Konferenz mit Präsident Eisenhower. Er
ermächtigte mich, zu sagen, daß er voll und ganz die von mir
über die Genfer Konferenz abgegebene Beurteilung sowie ihre
Auswirkungen auf die amerikanische Politik teilt. Diese Beurteilung resultiert aus dem alles beherrschenden Lebensziel Präsident
Eisenhowers nach einem fairen, gerechten und dauerhaften Frieden
in der Welt, einem Ziel, das ich teile und das ich mit ihm zusammen zu verwirklichen trachte.
Und nun lassen Sie mich abschließend aus meinem Stenogramm
der Konferenz vorlesen, an der ich heute morgen in Gettysburg
teilgenommen habe. Als ich mich zum Gehen anschickte, wandte
sich der Präsident mir zu und sagte:
"Ich weiß, daß kein Rückschlag und kein Hindernis für einen
Portschritt jemals unsere Regierung und unser Volk von dem großen
Versuch abhalten werden, einen gerechten und dauerhaften Frieden
zu schaffen. Der Erfolg wird vielleicht lange auf sich warten
lassen. Aber es gibt keine irdische Kraft, die besser zur Erreichung dieses Zieles beitragen kann, wie die Stärke, die Macht und
der Geist der 165 Millionen freier Amerikaner. In seinem Streben
nach diesem großen Ziel wird dieses Land sich niemals einer Niederlage beugen".

# # * * *

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�» A M E R I K A

D I E N S T

DIE AMERIKANISCHE GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG
(Hintergrundmaterial)

Am 5. Dezember versammelten sich in New-York die Vertreter
von nahezu 16 der insgesamt 17 Millionen organisierten Arbeiter
der USA, um in aller Eorm den Zusammenschluß des amerikanischen
Gewerkschaftsverbandes "AFL-CIO" zu vollziehen. Etwa eine Million
Arbeitnehmer sind in den "unabhängigen" Gewerkschaften, vornehmlich der Bergbaugewerkschaft und den Eisenbahngewerkschaften, zusammengefaßt. Eine dieser Eisenbahnergewerkschaften dürfte sich
aber in Kürze der neuen Einheitsgewerkschaft anschließen.
Drei Millionen Frauen gehören der organisierten Arbeiterschaft an und 2,5 Millionen Gewerkschaftsmitglieder sind farbige.
Die 140 Gewerkschaften, die sich zu der neuen Einheitsgewerkschaft zusammenschlössen, gehen alle auf eine Handvoll Arbeitnehmerorganisationen mit insgesamt 138 000 Mitgliedern zurück. Diese bildeten im Jahre 1886 den amerikanischen Gewerkschaftsverband AFI. Unter der Führung von Samuel Gompers und
seiner Kollegen Adolph Strasser und Peter J. McGuire kämpfte
die "AFI" für bessere Arbeitsbedingungen, ohne dabei politische
Hintergedanken zu hegen, und formte sich immer mehr entsprechend
dem Vorbild der britischen Gewerkschaften.
Viele Kräfte haben die Gewerkschaftstradition in den USA
mitgestaltet. Kurz vor ihrer Gründung waren Teilverbände des
"Edlen Ordens der Ritter der Arbeit" ("Noble Order of the
Knights of Labor"), eine politisch eingestellte und weniger exklusive Organisation als die AFI, in den Gewerkschaftsverband übergetreten. In dem Maße, in dem die AFI an Boden gewann, verloren
die "Knights of Labor" an Einfluß. Zu Beginn des zwanzigsten
Jahrhunderts gehörten der "AFI" auch Industriegewerkschaften
aus dem Kohlen- und Erzbergbau an. Auch die Arbeiter der Bekleidungsindustrie hatten sich dort eine Vertretung geschaffen.
Namhafte Persönlichkeiten der AFI kamen aus der Evangelischen
Schule des Eugene V. Debs und der Marxistischen.Akademie des
Daniel Deleon. Die "Industriearbeiter der Welt" eine Gewerkschaft die sich auf den "revolutionären Syndikalismus" festgelegt hatte, erhoben sich gegen die harten Regeln der Kollektivverhandlungen. Allerdings konnte sie ihre starke Position nicht
sehr lange halten. Besondere Organisationen, wie die "Vereinigten Deutschen Gewerkschaften", die "Vereinigten Jüdischen Gewerkschaften" und der "Amerikanisch-Italienische Arbeitsrat", leiste- 1 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

H . Dezember 1955

leisteten einen wichtigen Beitrag dazu, die Einwanderer gewerkschaftlich zu erfassen.
Obwohl die Zahl der Mitglieder,von 1886 an bis zum Ende
des ersten Weltkrieges ständig wuchs- - zu diesem Zeitpunkt gab
es fünf Millionen in der AFI organisierte Arbeitnehmer -, waren
doch schwere strukturelle Mängel zu .verzeichnen. Zwei Versuche,
die Arbeiter in der Stahl- und Eisenindustrie zu organisieren,
wurden vereitelt. Auch die Arbeiter der anderen Massengüterindustrien, wie der Kraftfahrzeug-, Elektro- und Ölindustrie, blieben
außerhalb des Einflusses der Gewerkschaften. Sie hatten von allen
größeren Unternehmen nur im Bergbau und bei den Eisenbahnen Fuß
fassen können. Ungelernte Arbeiter und "Arbeitnehmer in Kleinbetrieben waren überhaupt ohne jede Vertretung. Die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder betrug im Jahre. 1932, als die Depression
ihren tiefsten Punkt erreicht hatte, nicht mehr als drei Millionen.
Als im Jahre 1933 die wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung
einsetzte, wurde das "Gesetz über .den industriellen Wiederaufbau"
erlassen, in dem das Recht der Arbeitnehmer zur Organisation und
zur Führung von Kollektivverhandlungen verankert wurde. Zwei Jahre
später kam dann das "Gesetz über die Beilegung von Arbeitsstreitigkeiten", das einen entsprechenden Rahmen schuf, durch den diese
Rechte garantiert wurden. Von nun an war es die Politik der Regierung, diesem Fragenkomplex besondere Aufmerksamkeit zu schenken.
In der Zwischenzeit hatten Hunderttausende von Industriearbeitern Ortsgewerkschaften gegründet, die nach einem Zusammenschluß auf Bundesebene strebten. Innerhalb der AFL kam es daher
zur Gründung des "Ausschusses für Industrieorganisationen" unter
John I. Lewis von der "Vereinigten Bergarbeitergewerkschaft",
Sidney Hillman.der "Vereinigten Gewerkschaft der Arbeiter der
Bekleidungsindustrie" und David Dubinsky von der kanadisch-amerikanischen Gewerkschaft der Arbeiter der Damenbekleidungsindustrie.
Auch Charles P. Howard von der Industriegewerkschaft Druck und
verschiedene andere Führer neuer Organisationen waren in dem
Ausschuß vertreten. In dem Maße, in dem dieser Ausschuß von den
Industriegewerkschaften als Führungsgremium angesehen wurde, entstand innerhalb der AFI eine Spaltung, die mit dem Ausschluß
der diesem Ausschuß angegliederten Verbände aus der AFI im Jahre
1937 endete. Die Spaltung war vor allem über der Frage entstanden,
ob man in den Massengüterindustrien die uneingeschränkte Bildung
von Industriegewerkschaften im Gegensatz zu den Facharbeiterver- .
bänden zulassen könne, Die kanadisch-amerikanische Gewerkschaft
der Damenbekleidungsindustrie verblieb in der AFL. Die ausgeschlossenen Verbände bildeten unverzüglich eine neue Gewerkschaft, den
"Congress of Industrial Organizations" (CIO)
Mit Unterstützung des "CIO" wuchs die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder in der Elektro-, Automobil und Gummiindustrie schnell
an. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurden diese dann auch von
der Industrie als Arbeitnehmerorganisationen anerkannt. Für die
Stahl- und Textilindustrie rief der "CIO" sofort Organisationskomitees ins Leben, die zumeist von alten verdienten Gewerkschaftlern aus dem Bergbau und der Bekleidungsindustrie betreut wurden.
Die

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

14. Dezember 1955

Die vielfach bereits bestehenden Ortsgewerkschaften schlössen
sich in den meisten Fällen mit den Organisationsausschüssen zusammen, aus denen dann selbständige Gewerkschaften erwuchsen.
Obwohl die Gewerkschaftsbewegung in den dreißiger Jahren vor allem
in den Massengüterindustrien an Boden gewann, das heißt also der
"CIO" sehr viele neue Mitglieder aufnehmen konnte, blieb die "AFL"
doch die stärkere der beiden Organisationen. Die Zahl aller gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer belief sich im Jahre 1939
auf insgesamt 9 Millionen.
Die meisten der alten, im"AFL" verbliebenen Verbände versuchten durch Änderung ihrer Satzungen und Aufnahmebedingungen
die Zahl ihrer Mitglieder zu erhöhen. Die Gewerkschaften der Transportarbeiter, Maschinisten, der Elektroindustrie und der Hotelangestellten, wiesen dann auch die gleiche Wachstumsrate wie die
Verbände des CIO auf. Dieser Prozeß hat in den letzten 20 Jahren
denn schließlich auch zur Beseitigung der Basis geführt, die zur
Spaltung führte.
Das Wachstum der Gewerkschaftsbewegung seit 1953 ist aus der
folgenden Gegenüberstellung der Mitgliederzahlen der zehn großen
Gewerkschaften für die Jahre 1929 und 1954/55 zu ersehen:
1929
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.

1954/55
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
9.
10.

Gewerkschaft
Mitglieder
Zimmerleute (AFL)
Bergleute (AFL)
Eisenbahner (unabh.)
Elektroarbeiter (AFL)
Vereinigte BekleitJungsgew. (unabh.)
Anstreicher (AFL)
Lokomotivheizer (unabh.')
Musiker (AFL)
Straßenbahnfahrer u. -Schaffner (AFL)
Eisenbahnangestellte (AFL)
Insgesamt:
3

Automobilarbeiter (CIO)
Transportarbeiter (AFL)
Stahlarbeiter (CIO)
Maschinisten (AFL)
Zimmerleute (AFL)
Elektroarbeiter (AFL)
Damenkonfektionsarbeiter (AFL)
Hotel- und Gaststättenangestellte (unabh.)
Bergarbeiter (unabh.)
Einfache Arbeiter (AFL)
Alle Gewerkschaften insgesamt
AFL
insgesamt
CIO
insgesamt
Unabhängig

in Tausend
322,0
262,2
183,9
142,0
110,0
108,1
107,2
100,0
99,7
96,9
650,0

1 240,0
1 160,0
1 100,0
850,0
800,0
625,0
440,0
410,0
400,0
400,0
17 000,0
11 000,0
5 000,0
1 000,0
Eine

�»AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

U . Dezember 1955

Eine Mitgliederzahl von etwa 400 000 weisen so alte Verbände
wie die AFL-Eisenbahn- und Dampfschiffahrtsangestellten-Gewerkschaft
sowie die der "CIO" angeschlossenen Gewerkschaften der Bekleidungsarbeiter und die neueren "CIO"-Verbände der Telefon-, Elektro- und
Radioarbeiter, die Gummi- und Textilarbeiter sowie die erst jüngst
gebildete Gewerkschaft der Cl-, Chemie- und Atomarbeiter auf.
Nach der Verschmelzung der beiden großen Verbände "AFI" und
"CIO" wird die Transportarbeitergewerkschaft zweifellos auch weiterhin wachsen. Diese ständig wachsende Organisation hatte einige Jahre
lang Kompetenzstreitigkeiten mit anderen Gewerkschaften, und die
Bestürzung war allgemein groß, als sie sich im Jahre 1954 weigerte,
die Vereinbarung über Nichtabwerbung von Mitgliedern anzuerkennen,
die praktisch sämtliche anderen der "AFL" und "CIO" angeschlossenen Verbände als ersten Schritt zur Vereinigung getroffen hatten.
In den letzten Jahren haben die Transportarbeiter Einzelabkommen
mit einigen der Konkurrenzgewerkschaften getroffen. Durch diese
"Pakte" wurden nicht nur die Kompetenzstreitigkeiten beigelegt,
sondern auch Vorkehrungen für gemeinsame Kampagnen zur gewerkschaftlichen Organisierung der noch nicht erfaßten Arbeiter getroffen.
Bisher wurde jedoch noch keine Verständigung darüber erzielt,
wie man eines der größten Probleme der Gewerkschaftsbewegung zu
lösen gedenke - nämlich die Organisierung der Arbeiter im gesamten
Handel. Sowohl die "AFL" als auch der "CIO" hatten ihre Gewerkschaften in dieser Branche; die der AFL angeschlossene Gewerkschaft
der Einzelhandelsangestellten war dabei auf Bundesebene die größere
der beiden, wogegen die entsprechende CIO-Gewerkschaft auf dem so
wichtigen Sektor des New Yorker Großhandels und der Warenhausangestellten führend war. Auch die Gewerkschaft der Transportarbeiter hat eine Anzahl Angehörige des Handels in ihren Reihen. Die
gewerkschaftliche Organisierung der ständig zunehmenden Zahl der
Arbeiter und Angestellten in diesem Gewerbe wird eine belanglose
Angelegenheit bleiben, solange die Kompetenzfragen hier nicht geklärt sind.
Die Gewerkschaft der öl-, Chemie- und Atomarbeiter, die dieses Jahr durch den Zusammenschluß einiger CIO-Verbände gegründet
wurde, wird der weiteren Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung
ebenfalls fördernd sein. In der Petroleumindustrie gibt es eine
Reihe "unabhängiger" Gewerkschaften, die der neue Verband aufzusaugen hofft, während große Teile der chemischen Industrie bisher
noch außerhalb der Gewerkschaften stehen. Der neue Verband, und
die bereits längere Zeit bestehende AFL-Gewerkschaft der Installateure gewinnen immer mehr Mitglieder in den Atombetrieben.
Die Gewerkschaften der öffentlichen Betriebe dürften auch
bald eine Zunahme ihrer Mitgliedschaft aufweisen. Die aktivste
Gewerkschaft auf diesem Gebiet ist der Verband der staatlichen,
Kreis- und städtischen Angestellten, der der AFL angeschlossen
ist. Die Bundesbeamten sind mit Ausnahme der Postangestellten
nicht allgemein organisiert, wenn auch die Arbeiter solcher
staatlichen Betriebe wie Marinewerften gewöhnlich den starken
AFL-Verbänden angehören. Was die Büroangestellten in Privatbetrieben anbelangt, so ist auch hier die gewerkschaftliche Organisierung
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT
14. Dezember 1955
Organisierung noch im Anfangsstadium, mit Ausnahme einiger weniger Großbetriebe, in denen die "CIO" ihre Industriegewerkschaften
hat. Auch eine Angestelltengewerkschaft der "AFI" hat in jüngster
Zeit ihre Mitgliederzahl vergrößern können.
Eine kürzlich durchgeführte Untersuchung, durch die festgestellt wurde, inwieweit die Belegschaften der einzelnen Industriezweige gewerkschaftlich organisiert sind, erbrachte folgendes
Ergebnis: Die Schwerst- und Schwerarbeiter (Fabrikarbeiter, Bergleute, Eisenbahner, Bauarbeiter und andere) gehören zu 70 fo den
Gewerkschaften an; in den großen Fertigungsindustrien (Auto-,
Flugzeug- und Stahlindustrie, Werften, Glashütten, Papierfabriken
und Herstellerfirmen elektrischer Geräte und andere) sind rund
80 $&gt; aller Arbeiter und unmittelbar in der Produktion Beschäftigten eingetragene Gewerkschaftsmitglieder. Von den 150 Unternehmen,
die 10 000 oder mehr Arbeiter beschäftigen, sind nur drei nicht
von Gewerkschaften erfaßt, während 80 bis 100 $ der Betriebsangehörigen der "großen zehn" amerikanischen Industriekonzerne, Betriebe mit mehr als 100 000 Beschäftigten, innerhalb der Gewerkschaftsbewegung stehen. Alles in allem sind rund 30 fo aller Lohnund Gehaltsempfänger Gewerkschaftsmitglieder.
Inwieweit die amerikanische Arbeiterschaft aus der Arbeit
der Gewerkschaften Nutzen zieht, läßt sich aus Schätzungen ablesen, die das amerikanische Arbeitsministerium kürzlich veröffentlichte. Es handelte sich um das Ergebnis von 306 Arbeitsplatz- und Lohnanalysen, die in elf Indus triezweigenc'durchgeführt
wurden. Sie haben gezeigt, daß die Durchschnittslöhne in Betrieben,
deren Arbeitsbedingungen durch vertragliche Abmachungen mit den
Gewerkschaften festgelegt sind, um 10 bis 20 fo höher liegen, als
in Betrieben, in denen dies nicht der Fall ist. Im Jahre 1955 wurden die Grundlöhne in allen jenen Fällen, in denen neue Tarifverträge von den Gewerkschaften ausgehandelt worden sind, um
10 fo heraufgesetzt. Aber es waren nicht einmal die höheren Löhne,
die vom Arbeitsministerium als das wichtigste Kriterium der unterschiedlichen Stellung der Angehörigen von Betrieben mit oder
ohne gewerkschaftliche Regelung der Arbeitsbedingungen angesprochen
wurden. "Solche höhere betriebliche Leistungen, die nicht im Lohn
enthalten sind, wie bezahlte Feiertage, verbesserte Gesundheitsfürsorge und andere soziale Leistungen sind in Betrieben mit
gewerkschaftlich festgesetzten Arbeitsbedingungen durchgehend
höher als in Betrieben, wo eine solche Regelung nicht besteht",
heißt es am Schluß des genannten Berichts.
Eine weitere Übersicht läßt erkennen, daß sich der Anteil
von Löhnen und Gehältern am Volkseinkommen (ausschließlich des
Einkommens der Landwirtschaft) von 58,2 f&gt; im Jahre 1929 auf 69,1 &lt;fo
im Jahre 1954 erhöht hat. Seit 1946 ist der Lohnindex um doppelt
so viel Punkte gestiegen wie der Index der Lebenshaltungskosten.
Im Jahre 1945 war nur eine halbe Million Arbeiter von betrieblichen oder anderweitigen zusätzlichen Alters- un'3 Krankenversicherungsplänen erfaßt, die als Ergänzung der staatlichen Altersund Hinterbliebenenversicherung gedacht sind. Heute fallen rund
zwölf Millionen Arbeiter unter eine solche zusätzliche Sozialversicherung, die vom Arbeitgeber finanziert wird. Dies ist das
Ergebnis der Entschlossenheit von Gewerkschaften wie der Vereinigten Eergarbeitergewerkschaft und der Gewerkschaften der Automobil- 5 -

�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

14. Dezember 1955

Automobil und Stahlindustrie, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit verkündet hatten, daß sie die soziale Sicherheit ihrer Mitglieder in gleichem Maße wie Lohnfragen als "Angelegenheit der
Gewerkschaft" ansehen. Mehr als sieben Millionen Arbeiter fallen
unter alle drei Formen der Sozialversicherung, und weiter vier
Millionen unter die Krankenversicherung. Von 1954 an verstärkten
sich die Bestrebungen, die Krankenversicherung auch auf die Angehörigen der Arbeiter auszudehnen, und heute genießen rund fünf
Millionen Familien diesen Schutz. In mehr als 70 # aller KollektivVerträgen sind Bestimmungen über eine oder mehrere Formen der Sozialversicherung enthalten, und 98 $ der Verträge sehen bezahlten
Urlaub und bezahlte Feiertage vor.
Die Stabilisierung des Verhältnisses zwischen den Sozialpartnern, wie sie ihren Ausdruck in Kollektiv-Verhandlungen über
Altersversorgung und Krankenversicherung findet, spiegelt sich auch
in dem steigenden Prozentsatz von Verträgen wider, die Bestimmungen
über "gewerkschaftliche Sozialleistungen" enthalten. Das Arbeitsministerium schätzt, daß 80 $ aller derartigen Verträge heute in
der einen oder anderen Form die Anerkennung des Prinzips der"gewerkschaftlich geregelten Arbeitsbedingungen im Betrieb" durch den
Arbeitgeber einschließen.
Die Forderungen der Gewerkschaften nach größerer sozialer
Sicherheit, die besonders in der Nachkriegszeit immer lauter wurden, sind 1955 auf den "garantierten Jahreslohn" ausgedehnt worden.
Bei über einer Million Arbeiter etwa, hauptsächlich in der Automobilindustrie, ist diese Forderung bereits in den Tarifverträgen
verankert, und in den nächsten Jahren dürfte sie auch in der Dauergüterindustrie Eingang finden. Die Gewerkschaftsführer sind jedoch
der Ansicht, daß dieses Ziel in anderen Fertigungsindustrien und
in den meisten Dienstleistungsbetrieben sowie bei kleineren Unternehmen billiger, nämlich einfach durch eine Verkürzung der 40-Stunden-Woche erzielt werden kann. Hinter dieser Sorge um den garantierten Jahreslohn und eine verkürzte Arbeitszeit steht die Ungewißheit der Gewerkschaften, welchen Einfluß die steigende Automatisierung der Industrie auf die Beschäftigung ihrer Mitglieder
haben wird.
Dieses Bestehen auf eine Sicherung des Lebensstandards während
der Nachkriegszeit, der in den vorangegangenen zehn Jahren durch
das starke Anwachsen der Gewerkschaften und die beträchtlichen
Lohnerhöhungen erschaffen wurde, hat einen deutlichen Einfluß
auf die Form und den Umfang der Kollektivverträge gehabt. Traditionell kleine Unternehmer wie Betriebe des Bau- und Druckereigewerbes sowie der Konfektion haben sich bei Kollektivverhandlungen mit den Gewerkschaften in lokalen Verbänden zusammengeschlossen. Nur im Bergbau und bei den Eisenbahnen wurden teilweise industrieweite Abkommen geschlossen.In der Massengüterindustrie dagegen hat jeder Betrieb getrennt verhandelt, und gelegentlich sind sogar Sonderabkommen mit einzelnen großen Werken
abgeschlossen worden, deren Laufzeit in der Regel ein Jahr betrug.
Als sich jedochoeine Industrie nach der anderen die Gewerkschaften
anerkannte und die Erinnerung an die bitteren Kämpfe in den dreißiger Jahren schwand, haben sich beide Sozialpartner darauf eingestellt, Verpflichtungen von längerer Dauer zu übernehmen. Wo

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14. Dezember 1955

Wo heute Abkommen mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr abgeschlossen werden, enthalten sie automatisch entweder Lohnerhöhungen, eine gleitende Lohnskala oder eine Bestimmung, daß über die
Lohnklauseln des Vertrages jedes Jahr neu verhandelt werden muß oder aber sie stellen eine Verbindung dieser Vorschriften dar. So
ist das wirklich Erreichte gesichert und die Unternehmer in der
Lage vorauszuplanen, ohne wesentliche Störungen befürchten zu
müssen.
Gleichzeitig hat sich die Tendenz bemerkbar gemacht, die Lohnverhandlungen mit größeren Unternehmerverbänden durchzuführen.
In einem Gewerbe wie der Bauindustrie und im Straßentransportwesen
geht mit dem Anwachsen der Zahl der Gewerkschaftsmitglieder die
Anzahl der Sonderabkommen ständig zurück. Im Januar 1955 handelten
die Transportarbeiter für 13 Staaten des Mittelwestens mit 12 000
Transportunternehmen, die 180 000 Fahrer und Hilfspersonal beschäftigen, einen Manteltarifvertrag aus, der 200 örtliche Einzelabkommen ablöste. Nachdem zwischen "Ford" und der "Vereinigten Automobilarbeitergewerkschaft" Übereinstimmung über den "garantierten
Jahreslohn" erzielt worden war, erklärte der Leiter der Fordwerke,
daß er ernsthaft erwäge, seinen Konkurrenten Verhandlungen mit
der Gewerkschaft auf Bundesebene vorzuschlagen.
Die sogenannten "Besprechungen über die Wiedervereinigung"
begannen kurze Zeit nachdem sich die Gewerkschaft gespalten hatte,
"doch wurden Jahre lang nur geringe Fortschritte erzielt, da Präsident William Green von der "AFL" auf einer "organischen Einheit"
bestand, während Präsident Philip Murray vom "CIO" verlangte, daß
dem Zusammenschluß eine Periode "gemeinsamer Aktionen" der beiden
Gewerkschaftsverbände vorausgehen müsse. Als im Jahre 1954 George
Meany und Walter Reuther an die Spitze der "AFL" und des "CIO"
gelangten, wurde ein Nichtabwerbungsabkommen abgeschlossen. Der
Wettbewerb um Mitglieder, der anfangs zweifellos zum Wachstum
verschiedener angeschlossener Gewerkschaften beider Gewerkschaftsverbände beigetragen hatte, hatte sich damals als unproduktiv
erwiesen, und beide Organisationen bemühten sich, ihm ein Ende
zu setzen. Ende 1954 hatten sich der Unterausschuß der beiden
Organisationen über die grundsätzlichen Fragen eines Abkommens
über die "organische Einheit" geeinigt, und im Frühjahr 1955
wurde von den beiden Gewerkschaftsvorständen ein Satzungsentwurf
genehmigt.
Der zusammengeschlossene Gewerkschaftsbund AFL-CIO hat nicht
die Absicht, die Werbung von Gewerkschaftsmitgliedern künftig der
Initiative der einzelnen Gewerkschaften allein zu überlassen.
Einer seiner drei leitenden festangestellten Funktionäre wird
zum Organisationsleiter bestimmt. Der erste Inhaber dieses Amtes
ist der Vizepräsident der Gewerkschaft der Vereinigten Automobilarbeiter (UAW) Walter P. Reuther. Er wird unterstützt von zwei
regionalen Organisationsleitern, die beide fest angestellt und
aus den Reihen der beiden alten Verbände ernannt werden. Sie und
ihre Mitarbeiter werden denjenigen Gewerkschaften zur Verfügung
stehen, die eine Unterstützung benötigen. Die Arbeit der Organisationsabteilung und sämtlicher übrigen Hauptabteilungen des
neuen Gewerkschaftsbundes werden vom Präsidenten, dem Schatzmeister
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�"AMERIKA DIENST" - WIRTSCHAFT UND ARBEIT

14. Dezember 1955

Schatzmeister sowie vier Punktionären aus verschiedenen Verwaltungsebenen des Gewerkschaftsbundes überwacht. Zusammen mit sechs
ersten Vizepräsidenten bilden der Präsident und der Schatzmeister
den Bundesvorstand, der alle acht Wochen einmal zusammentritt. Ein
noch wichtigeres für die Politik des Gewerkschaftsbundes entscheidendes Gremium ist der Bundesausschuß, der sich aus den beiden gewählten Punktionären und den 27 Vizepräsidenten der "API" und
des "CIO" zusammensetzt. Anfänglich sollen zehn dieser Vizepräsidenten aus den Reihen des "CIO" und 17 aus der "AFL" bestimmt werden. Der Bundesausschuß tritt alle drei Monate zusammen. Der erweiterte. Bundesausschuß , der von den Mitgliedern des Bundesausschusses und einem Vertreter jeder angeschlossenen Einzelgewerkschaft gebildet wird, tritt einmal im Jahr zusammen. Die oberste
Körperschaft, der Bundeskongreß, in dem jede Gewerkschaft im Verhältnis der Zahl ihrer Mitglieder vertreten ist, wird alle zwei
Jahre einberufen.
Die ursprüngliche Streitfrage, der Gegensatz zwischen Facharbeitergewerkschaften und Industriegewerkschaften, wegen der sich
die AFL und der CIO vor 20 Jahren gespaltet hatten, wird durch
folgende in der Satzung enthaltene Bestimmung beseitigt: "Beide,
die Facharbeiter- wie die Industriegewerkschaften sind gleichwertige
und notwendige Mittel der Gewerkschaftsorganisation, und jede
amerikanische und amerikanisch-kanadische Gewerkschaft hat das
Recht auf den Schutz und die Aufrechterhaltung ihrer Selbständigkeit, ihrer Integrität und ihrer Jurisdiktion". Ein weiterer Abschnitt der Satzung bestimmt, daß die angeschlossenen Gewerkschaften" ermutigt werden sollen,nach Rücksprache mit den zuständigen
Funktionären des Gewerkschaftsbundes Konflikte und bestehende
Doppelgleisigkeiten in der Organisation und Jurisdiktion auf dem
Wege gegenseitiger Verständigung, des Zusammenschlusses sowie
durch andere Maßnahmen zu beseitigen.
Übereinstimmung wurde ferner darüber erzielt, das "Politische
Aktionskomitee" des "CIO" und die "Liga für Politische Erziehung
des Arbeiters", eine Organisation der "AFL" zu vereinigen. Das neue
"AFL-CIO"-Komitee für Politische Erziehung wird technisch ebenso
wie die "Liga für Politische Erziehung" der "AFL" und das "Politische
Aktionskomitee" der "CIO" als halbautonome Körperschaft arbeiten,
die über ihren eigenen Haushalt verfügt. Doch ist der Gewerkschaftsbund selbst verantwortlich für die Wirtschafts- und Sozialpolitik,
und er fällt die Entscheidungen über die Haltung der Gewerkschaften
zu den großen Fragen der amerikanischen Politik. Die angeschlossenen
Gewerkschaften, behalten auch wenn sie die Arbeit des neuen Komitees für Politische Erziehung unterstützen, nach wie vor die Kontrolle über ihre eigenen Ausgaben für politische Zwecke sowie ihr
Recht, die Arbeit des "Komitees für Politische Erziehung" auf dem
Gebiet der Erziehung und bei den Wahlen zu ergänzen.

Einen Monat vor Zusammentritt des AFL-CIO-Kongresses über die
Wiedervereinigung erklärte George Meany, daß die beiden Gewerkschaft!
verbände AFL-CIO "alle Mittel, die uns als Bürger zur Verfügung

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H . Dezember 1955

Verfügung stehen" anwenden werden, um auf Wahlen und auf die Gesetzgebung Einfluß zu nehmen. "Der Gewerkschaftsbund wird liberale
und fortschrittliche Kandidaten sämtlicher politischer Parteien
unterstützen. Er wird den amerikanischen Arbeiter über die politische Vergangenheit sämtlicher Kandidaten aufklären. Er wird versuchen, die Bürger zu bewegen, sich in die Wahlregister eintragen
zu lassen und ihre Stimme abzugeben."
Meany prophezeite, daß ein immer wichtig werdender Aspekt
der gewerkschaftlichen Tätigkeit politische Aktionen sein werden.
In welchem Grade diese Voraussage erfolgreich verwirklicht werden
würde, hänge von der Bedeutung ab, die der Politik von den angeschlossenen amerikanischen Gewerkschaften beigemessen werde und
von der Energie der einzelstaatlichen und örtlichen Gewerkschaftsausschüsse der "AFL-CIO" und ihren"Komitees für Politische Erziehung1
Den einzelnen Organisationen der beiden alten Gewerkschaftsverbände in den Einzelstaaten und den Städten wird zwei Jahre Zeit
gelassen, um ihren Zusammenschluß durchzuführen. In zahlreichen
Staaten dürften diese Zusammenschlüsse bald erfolgen, während
andere voraussichtlich ein oder zwei Jahre dazu benötigen dürften.

* # # * *

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�A M E R I K A

D I E N S T

LODGE FORDERT ANNAHME DES LUFTINSPEKTIONSPLANS
EISENHOWERS
NEW YORK - (AD) - Nachstehend übermittein wir Ihn en den Wortlaut einer
Erklärung, die Botschafter Henry
Cabot Lodge jun ., US-Chef-Delegierter
bei den Vereint en Nationen, am 5« Dezember 1955 vor dem Politischen Ausschuß der UN-Vo llversammlung abgab
und diesen dami t aufforderte, seine
Zustimmung zum "Plan der offenen Himmel", dem Lufti nspektionsplan Präsident Eisenhower s, zu geben.
In den Nachmittagsstunden des 21. Juli 1955 blickte der
Präsident der Vereinigten Staaten, der sich in Genf mit den
Regierungschefs Prankreichs, Großbritanniens und der Sowjetunion zu einer Sitzung zusammengefunden hatte, über den Konferenztisch direkt auf die Sowjetdelegation und sprach die folgenden Worte:
"Ich habe Herz und Verstand durchforscht", erklärte er,
"was ich hier vorbringen könnte und was jeden von der großen
Aufrichtigkeit zu überzeugen vermöchte, mit der die Vereinigten
Staaten an dieses Abrüstungsproblem herangehen.
Ich möchte mich für einen Augenblick hauptsächlich an
die Delegierten der Sowjetunion wenden, da unsere beiden Länder zugegebenermaßen neue und furchtbare Waffen in Mengen besitzen, die die FJurcht und die Gefahr eines Überraschungsangriffs in anderen Teilen der Welt - oder auch gegenseitig heraufbeschwören. Ich schlage deshalb vor, daß wir einen praktisch zu verwirklichenden Schritt tun, daß wir mit einem Abkommen beginnen, sehr schnell, ja was uns selbst anbelangt sofort. Dazu gehört: Jeder soll jedem eine vollständige Blaupause (Blueprint) der militärischen Einrichtungen, von A bis
Z und von einer Landesgrenze bis zur anderen,vorlegen, die Einrichtungen zugänglich machen und einander die Pläne zur Verfügung stellen.
Weiter sollen - innerhalb unserer Länder - dem anderen
Land Möglichkeiten eingeräumt werde.n, Luftaufnahmen zu machen;
wir geben ihnen in unserem Lande Gelegenheit - und zwar ausreichende Gelegenheit -, Lufterkundungen durchzuführen und

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und alle gewünschten Aufnahmen, die Sie zum Studium in Ihr eigenes Land mitnehmen können, zu machen; Sie räumen uns genau die
gleichen Möglichkeiten ein,und wir nehmen die gleichen Prüfungen vor. Durch diesen Schritt wollen wir die Welt davon überzeugen, daß wir, was uns beide betrifft, uns gegen die Möglichkeiten eines großen Überraschungsangriffes schützen und damit
die Gefahr verringern und die Spannung herabsetzen.
Auch würden wir dadurch leichter erreichen, zu einem umfassenden und wirksamen System der Kontrolle und Abrüstung zu kommen, denn was ich ihnen hier vorschlage, wäre, seien Sie dessen
versichert, nur ein Anfang."
Die Völker der Welt, die alles daran setzen, den katastrophalen Atomkrieg zu verhindern, sahen in dem Vorschlag Präsident
Eisenhowers etwas, das mit einem Schlag den toten Punkt in der
Abrüstungsdebatte, auf dem diese angelangt war, überwinden konnte
und eine Sicherung gegen jenen großen Überraschungsangriff bot,
der geeignet wäre, den Untergang der Menschheit einzuleiten.
Lassen Sie mich Ihnen erklären, wie der Plan Präsident
Eisenhowers praktisch aussehen würde: Zu den auszutauschenden
Informationen gehörten zunächst Identifizierung, Stärke, Befehlsstruktur und die Stationierung von Mannschaften, Einheiten und
Ausrüstungen aller wichtigen Waffengattungen zu Lande, zu Wasser
und in der Luft; zweitens eine vollständige Liste von militärischen Bauten, Einrichtungen und Anlagen mit Angabe des Ortes.
Entsprechende Informationen würden gleichzeitig von jedem Teil-*
nehmerland zur Verfügung gestellt. Dabei müßte die ungehinderte
.Nachrichtenübermittlung für das Inspektionspersonal garantiert
werden.
Das Kernstück des Planes ist eine uneingeschränkte, aber
überwachte gegenseitige Luftinspektion durch visuelle, photographische und elektronische Mittel. Vertreter des Landes, das
inspiziert werden soll, können sich dabei an Bord des Plugzeuges
befinden.
Die moderne Luftaufklärung hat phänomenale Möglichkeiten.
Zwei gewöhnliche Düsenaufklärer können in nur zwei Stunden ein
Terrain von fast 800 km Tiefe und nahezu 4400 km Länge photographieren, das wäre das Gebiet zwischen New York und Los Angeles.
Auf diese Weise kann ein Land von der Größe der Vereinigten Staaten oder der Sowjetunion Punkt für Punkt innerhalb von
sechs Monaten genau aufgenommen werden. Die Informationen können Woche für 7/oche auf den neuesten Stand gebracht werden.
Auch bei Nacht und in widrigem Wetter sind überaus genaue Ergebnisse möglich.
Die Kosten eines solchen Unternehmens sind gering im Vergleich zu den Segnungen, die es bewirken würde. Dabei würden die
Ausgaben innerhalb eines Jahres nicht höher sein als die für
zwei bis drei Tage des zweiten Weltkrieges. Und wenn wir in diesen Preis das unendliche Leid, die gescheiterten Zukunftshoffnungen, die Toten und das zerbrochene Lebensglück, die ein neuer
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7. Dezember

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neuer Krieg mit sich bringen würde, miteinrechnen, dann dürften
uns dafür keine Ausgaben zu hoch sein.
Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, diesen Plan
auch auf andere Nationen und überseeische Stützpunkte auszudehnen, vorausgesetzt, daß die in Frage kommenden Nationen damit
einverstanden sind. Wir haben ferner zugestimmt, daß diese Klausel dem Bulganinvorschlag für eine Bodeninspektion hinzugefügt
wird.
Die Vereinigten Staaten bedauern, daß die Sowjetunion dem
Eisenhowerplan noch immer ihre Zustimmung versagt. Wir geben
aber die Hoffnung nicht auf, daß fortgesetzte Verhandlungen
letztlieh doch zur Anerkennung des Wertes dieses Vorschlages
führen werden.
Anschließend geben wir die Gründe, die zur Aufstellung
des Planes führten:
Hauptpunkte der Inspektion und Kontrolle
Die Inspektion ist dem internationalen Übereinkommen gemäß
das Kriterium des Abrüstungsproblems.
Und zwar die Inspektion, die bestätigt, daß die Abkommen
im einzelnen auch ordnungsgemäß durchgeführt werden.
Eine Abrüstung ohne ausreichende Kontrolle und Überwachung,
wie das in Deutschland und Japan in den Jahren zwischen dem .
ersten und dem zweiten Weltkrieg der Fall war, ist nicht mehr
als ein weltkriegschwangeres Fiasko.
Präsident Eisenhower erklärte in Genf, daß "kein brauchbares und zuverlässiges Abkommen Zustandekommen kann, ohne daß
dies einen vollständigen Plan für ein wirksames Inspektionsund Informationssystem, das jedem Punkt des Abkommens gerecht
wird, einschließt. Die Geschichte hat uns gelehrt, daß Abrüstungsabkommen ohne eine wirksame gegenseitige Inspektion, die
Friedensaussichten nicht nur nicht verbessern, sondern die
Kriegsgefahr erhöhen".
Andere Teilnehmer dieser Genfer Konferenz auf höchster
Ebene haben sich in ähnlicher Weise zu diesen Fragen geäußert.
Und Marschall Bulganin war es, der das ganze Problem in kürzeste Form brachte, als er am 14. August 1955 dem Obersten
Sowjet berichtete: "Jeder Abrüstungsplan ist im Grunde genommen
eine Frage der Kontrolle und Inspektion."
Die Sowjetunion aber meint mit Inspektion und Kontrolle
nicht das gleiche wir wir. Sie stimmt jener zeitlich vorverlegten dauernden und gründlichen Inspektion nicht zu, der sich
zu unterziehen die anderen Mitgliedernationen des UN-Unterausschusses für Abrüstungsfragen bereit erklärt haben und die
notwendig ist, damit die Länder die Rüstungsausgaben verringern
und die Atomenergie ausschließlich der friedlichen Verwendung
zuführen können.
Die

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"AMERIKA DIENST"

Die verschiedene Auffassung dieses Punktes ist es, die
seit 1946 die Sowjetunion von der überwiegenden Mehrheit der
UN-Mitgliedstaaten trennt und in Sachen der Abrüstung zu keinem
Agreement kommen läßt. In der Zwischenzeit aber hat sdch das
Problem nur verhärtet und an Dringlichkeit zugenommen.
Seit einem Jahrzehnt werden nukleare Waffen hergestellt,
ohne jegliche internationale Kontrolle. Während all dieser Zeit
konnten Atomwaffen insgeheim gestapelt werden. Die verräterische
Radioaktivität spaltbaren Materials läßt sich über den Kontrollbereich augenblicklich bekannter Meßgeräte hinaus in Behältern
abschirmen.
Mit dem anwachsenden Arsenal an Atomwaffen wächst die Gefahr. Da jede Kalkulation mit jedem weiteren Jahre größeren
Irrtümern unterworfen ist, hat sich die Menge der heimlich gestapelten Atomwaffen vergrößert. Die für Irrtümer eingeräumte
Spanne wächst solange, bis sie mit der Zeit den kritischen Punkt
erreicht. Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen.
Dies sind die wissenschaftlichen Grundlagen des Eisenhowerplanes. Das heißt, daß alle früheren Pläne für eine Atomwaffenkontrolle, die sich auf Kontrolle der Gesamtproduktion solcher
Waffen beschränken, unrealistisch sind.
Die augenblickliche Situation erfordert zwei Dinge: Eine
gründliche Überarbeitung des Inspektionsproblems und einige
radikal neue Konzeptionen, so daß die Welt Zuversicht, Vertrauen
und Zeit gewinnt, sich mit diesem Problem auseinanderzusetzen.
Der Präsident tat einen ersten Schritt, in dem er eine
Reihe unserer besten Physiker, Militärexperten, Industriellen
und Wissenschaftler mobilisierte, die sich unter der Leitung
von Harold E. Stassen mit allen Aspekten dieses Problems zu
befassen haben. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, .
daß derartige Studien Thema entsprechender Beratungen aller beteiligten Regierungen sein sollten.
Um der zweiten bedeutenden Voraussetzung für eine erhöhte
internationale Sicherheit gerecht zu werden, und als Beweis für
die amerikanische Aufrichtigkeit, unterbreitete der Präsident
dann seine Vorschläge.
Der Plan einer luftinspektion zur Wahrung des Friedens ist
in erster Linie zur Sicherung gegen große Überraschungsangriffe
geschaffen worden. Seit wir uns nicht länger über alle nukleare
Munition auf dem laufenden halten können, liegt der Brennpunkt
des Problems wesentlich mehr bei der Kontrolle der Möglichkeit,
sie im Kriege zur Anwendung zu bringen.
Wenn es uns gelingt, einen Überraschungsangriff weitgehend
auszuschalten, beseitigen wir möglicherweise jede Kriegsgefahr.
In ihren Vorschlägen vom 10. Mai erkennt auch die Sowjetunion
sehr klar die Gefahr von Vorratsbergen in dieser Situation der
technologischen Weiterentwicklung. Sie behauptet ferner, sich
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�7. Dezember 1955

"AMERIKA DIENST"

sich auch der größer gewordenen Notwendigkeit, gegen Überraschungsangriffe auf der Hut sein zu müssen, bewußt zu sein.
Die sowjetischen Vorschläge vom 10. Mai enthalten folgende
Sätze:
"... Es gibt Möglichkeiten über die Reichweite internationaler Kontrolle hinaus, um diese Kontrolle zu umgehen und die
heimliche Herstellung von Atom- und Wasserstoffwaffen nicht erkennen zu lassen, selbst dann, wenn auch ein formales Abkommen
über eine internationale Kontrolle besteht. In einer solchen
Situation kann die Sicherheit der Staaten, die die internationale Konvention unterzeichnet haben, nicht garantiert werden,
da einem Land mit Angriffsabsichten die Möglichkeit offenstehen
würde, Vorräte an Atom- und Wasserstoffbomben für einen Überraschungsangriff auf friedliebende Staaten anzulegen."
Aber die Sowjetunion verschreibt kein neues Rezept, das
dieser klaren Diagnose entsprechen würde. Statt dessen fährt
sie fort, Abrüstungsmaßnahmen zu fordern, die nicht mit der
einzigen Inspektionsart, die sie gestatten würde, in Einklang
zu bringen sind.
Trotz wiederholter Anfragen von Mitgliedern des Unterausschusses gab die Sowjetunion nicht die Zusicherung, daß Inspektoren bereits in den betreffenden Gebieten und zur Durchführung
ihrer Aufgaben bereit sein würden, ehe die Abrüstung erfolge.
Sie weigert sich, im einzelnen zu definieren, welche Objekte
von den Inspektoren überprüft werden dürften. Sie würde Luftinspektionen ganz am Ende des Abrüstungsprogramms gestatten.
Diese sowjetischen Vorschläge sind völlig unzureichend,
um einen Schutz gegen Überraschungsangriffe zu gewährleisten.
Noch sind sie ein ausreichender Beitrag für ein umfassendes
Programm zur Begrenzung der Rüstung.
Nachdem wir die verwirrenden und sich widersprechenden
Vorkommnisse des vergangenen Jahres geprüft haben - ein Jahr
voll abwechselnder Hoffnung und Enttäuschung für den Rest von
uns -, kommt über den sowjetischen Standpunkt hinsichtlich der
Inspektion folgendes heraus:
Die sowjetische Regierung weiß genauso gut wie jede andere,
wie illusorisch die Aussicht auf ein absolutes Verbot von Material für Atomwaffen unter den gegenwärtigen Bedingungen ist.
Trotzdem will sie jedes Land für ein Programm verpflichten,
das von lebenswichtiger Bedeutung für seine nationale Sicherheit ist, aber keinerlei Möglichkeit schafft, sich zu vergewissern,
daß die Bestimmungen eines Abkommens von allen gleichmäßig
durchgeführt werden.
Weiterhin die Vernichtung von nuklearen Waffen, als ein
sofort zu verwirklichendes Ziel, von der V/arte unumgänglicher
wissenschaftlicher Tatsachen aus gesehen, zu fordern, heißt so
viel wie das wesentlichste Prinzip zu übergehen, nämlich, daß
jedes Abrüstungsprogramm in seiner Durchführung durch wirksame
Kontrolle unterstützt werden muß. Wir können uns nicht zu dieser
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7. Dezember 1955

dieser Heuchelei und obskuren Methode hergeben. Eine neue Lösung muß gefunden werden, die den Tatsachen gerecht wird.
Herr Vorsitzender, sicherlich erinnern sich die meisten
von Ihnen an die Geschichte über Fürst Potemkin, dem Günstling
Katharinas der Großen von Rußland, der vor einer Reise der Zarin
zur Besichtigung ihrer Domänen entlang der Fahrtroute ganze
Scheindörfer aufbauen ließ, um den Eindruck zu erwecken, unter
seinem Regime seien ungeheure Reichtümer entstanden. Die Zarin
und ihre Begleitung wurden in aller Eile durch diese Gebiete
durchgeschleust, so daß ihnen keine Zeit für einen Blick hinter
die falschen Fassaden blieb.
Herr Vorsitzender, wir wollen keine Illusionen akzeptieren.
Wir wollen keine Potemkinschen Dörfer in der Abrüstung.
Herr Kusnetzow ist offensichtlich aufgebracht, weil die
läge der Vereinigten Staaten sich weiterentwickelt und nicht
statisch ist. Wir würden Sie gerne in der Überzeugung wissen,
daß die Vereinigten Staaten weniger eifrig auf Abrüstung bedacht
sind, weil sie einige Reserven hinsichtlich einiger der Ideen
besitzen, die wir zu diesen Diskussionen in der Vergangenheit
beigesteuert haben.
Es ist wahr, daß wir im Lichte .wechselnder politischer und
wissenschaftlicher Bedingungen alte Theorien vertreten. Ja, wir
glauben daran, daß bei eventuellen Abmachungen über den Umfang
der Streitkräfte oder über die Reduzierung der herkömmlichen
Rüstung die Frage zu berücksichtigen sein wird, was hinsichtlich
der Atomwaffen getan werden kann. In diesem so komplexen, bewegten und gefährlichen Bereich können wir es uns nicht leisten,
doktrinär zu sein. Jedes Land hat die positive Verpflichtung,
seine Politik dauernd zu prüfen und zu revidieren. Wir glauben,
daß dies eine redliche und folgerichtige Handlungsweise ist.
Doch wenn diese politische Selbstprüfung die Wandlung missen
läßt, lassen Sie uns sehen, inwieweit dies auf die Sowjetunion
zutrifft. Von 1946 bis 1954 forderte die Sowjetunion faktisch
das Verbot und die Abschaffung der Atomwaffen, und zwar auf dem
Boden einer bloßen Erklärung, wobei die Möglichkeit einer Inspektion an zweiter Stelle rangierte. "Weg mit der Bombe, Vertrauen
zu den Russen", war ihre Devise. Aber eine Abrüstung kann nicht
mit Vertrauen allein bewerkstelligt werden. Sie muß überwacht
werden durch rigorose, unablässige und gegenseitige Inspektion
und zwar unter Wahrung strenger, vorher vereinbarter Maßstäbe.
Im Oktober 1954 überraschte der verstorbene Herr Wyschinski
die Vollversammlung mit einem scheinbaren Wechsel der sowjeti- •
sehen Position. Er sagte, daß sein Land die englisch-französischen Vorschläge vom 11. Juni 1954, die eine wirkliche Kontrolle
von Anfang an und in j'eder Phase eines fortschreitenden Abrüstungsprogramms vorsahen, als "Verhandlungsgrundlage" akzeptieren würden.
Aber die Sowjetunion könne nicht sagen, ob diese Inspektion zeitweilig aussetzend oder ununterbrochen, permanent oder periodisch
sein würde, auch nicht, ob sie von Anfang an durchgeführt werden
könnte. Die Londoner Konferenz vom Jahre 1955 stand unter dem
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7. Dezember 1955

dem Zeichen mysteriöser Vn'andluhgen in der Haltung der russischen
Regierung. Die sowjetische Position hinsichtlich der Abrüstung
befand sich offensichtlich im Flusse. Im Februar eröffnete Herr
Gromyko uns den bemerkenswerten Vorschlag einer direkten Vernichtung aller Atomwaffen, und zwar ohne Kontrolle und ohne ir£endeine Maßnahme, die Herstellung von Kernwaffen praktisch zu stoppen. Dieses Schema hatte keinerlei Beziehung zu der Idee des
Herrn Wyschinski. Das war keine Abrüstung, sondern in Wirklichkeit ein versteckter Vorschlag für ein Atomwaffen-Rennen nur
inszeniert, um den Russen einen Start auf gleicher Höhe zu ermöglichen.
Acht Wochen lang rätselten die anderen Mitglieder des Unterausschusses daran herum, was wohl wirklich dahinter stecken könnte. Dann, Mitte März, schwenkte die Sowjetunion plötzlich wieder
zurück auf die Position Wyschinskis, wobei Gromykos Vorschläge
jedoch weder aufgegeben noch bestätigt wurden. Statt dessen wur-.'
de uns gesagt, daß sie so etwas wie eine "unabhängige Bedeutung"
hätten. Soweit wir wissen, haben sie dies heute noch. Aber was
sie hinsichtlich unserer gegenwärtigen Diskussion oder der wirklichen Abrüstung bedeuten, wissen wir nicht. Dann, über Nacht,
nahm die Sowjetunion am 10.Mai eine Position ein, von der uns
gesagt wird, daß sie die gegenwärtige sei. Ostentativ nahm sie
einige westliche Vorschläge an, die sie noch zwei oder drei
Tage zuvor heftig angegriffen hatte. Doch zu der Kernfrage der
Inspektion gab sie und gibt auch heute noch keine brauchbaren
Einzelheiten darüber, welche Objekte sie zu inspizieren erlauben
würde und welche Rechte, welche Pflichten und welchen Immunitätsschutz die Inspektoren haben würden, oder wann sie mit ihren
aufgaben beginnen könnten. Sie hat noch nicht genau erklärt,ob die
Kontrollteams ambulant arbeiten oder fest stationiert sein würden.
Sie hat noch nicht dargelegt, wie die Inspektoren einen wirksamen
Schutz gegen Überraschungsangriffe aufbauen könnten, wenn sie an
stationäre Kontrollposten gebunden wären.
So, Herr Vorsitzender, hat es bei allem verwirrenden Hin und
Her der sowjetischen Ideen, da sehr wenig Fortschritte gegeben,
wo sie am meisten benötigt werden, nämlich in der lebenswichtigen
Frage der Inspektion und Kontrolle. Die Vereinigten Staaten halten fest an der Überzeugung, daß eine radikale Inspektion notwendig ist. Aber sie sind immer bereit, neue Verfahren zu prüfen,
die den Tatsachen gerecht werden.
Mein schwedischer Kollege, Herr Sandler, brachte kürzlich
die Hoffnung zum Ausdruck, daß unsere, von ihm so benannte "reservierte Haltung" eine Frage von einleitenden Maßnahmen sei,
"die vorgeschlagen wurden, um die Durchführung des Hauptteils der
Abrüstung in der vorgesehenen Zeit zu erleichtern."
Ich versichere ihm gern, daß dies genau der Fall ist. .
Selbst wenn wirkungsvolle Kontrollverfahren gefunden werden
können, wäre es möglich, daß internationales Mißtrauen ihre Anwendung blockiert. Die anderen im Unterausschuß vertretenen Staaten
sehen die Lage ebenso. In ihren Vorschlägen vom 10.Mai erklärt
die Sowjetunion: "Die notwendigen Bedingungen zur Schaffung eines
Kontrollsystems, dem alle Staaten vertrauen und das den Anforderungen der internationalen Sicherheit in jeder Weise gerecht wird,

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wird, bestehen zur Zeit nicht."
Die Lösung des Problems liegt nicht darin, daß alle Versuche zur Errichtung einer wirksamen Kontrolle aufgegeben werden. Sie liegt vielmehr darin, daß man an den Kern des Problems
herangeht, um zu versuchen, durch vertrauensstärkende Maßnahmen
ein Abkommen zu erzielen und Bedingungen für eine fruchtbarere
Abrüstungsdiskussion zu schaffen. Präsident Eisenhower erklärte
in Genf, "... die Vereinigten Staaten sind bereit, in dem Studium und der Prüfung zuverlässiger Inspektions- und Informationssysteme fortzufahren und, wenn ein System sich als zweckmäßig
erweist, gemeinsam mit allen anderen die Rüstung soweit zu begrenzen, daß das System sichere Resultate bringen wird."
Der Plan des Präsidenten sollte kein Ersatz für ein allgemeines Programm zur Begrenzung und zur Herabsetzung der Rüstungen und bewaffneten Streitkräfte sein. Vielmehr wurde er gefaßt, um eines zu erreichen.
Die Resolution, die wir zusammen mit unsern Kollegen von
Großbritannien, von Frankreich und Kanada unterstützt haben,
demonstriert klar die Bedeutung und Vordringlichkeit, die wir
diesem Ziel beimessen.
Der Plan des Präsidenten würde praktische Erfahrung mit
vielen Kontrollmaßnahmen, die zur Überwachung eines Abrüstungsabkommens notwendig sind, enthalten. Und was noch wichtiger ist,
er würde jenes internationale Vertrauen fördern, das für solch
ein Abkommen unentbehrlich ist.
Die Vereinigten Staaten fühlen sich zu dieser Sache verpflichtet, und sie wünschen ernstlich und suchen angestrengt
nach einem vernünftigen, fortschrittlichen und durchführbaren
Modus für die Verminderung der Rüstungsausgaben, der Waffen,
der Ausrüstungen und der bewaffneten Streitkräfte unter einer
wirksamen internationalen Inspektion und Kontrolle.
Sie sind der Auffassung, daß diese Reduzierungen so beschaffen und daß die Inspektions- und Durchführungsmechanismen
so wirkungsvoll sein müssen, daß nirgendwo mehr in der Vif"e 11
eine Nation in der Lage ist, einen erfolgreichen Überraschungsangriff gegen irgendeine andere Nation irgendwo in der Welt
durchzuführen. Zu gleicher Zeit muß aber auch jede Nation so
stark sein, um die internationale Sicherheit schützen, ihren
internationalen Verpflichtungen nachkommen und räuberische
Pläne durchkreuzen zu können.
Der Eisenhower-Plan würde prompt und direkt zur Erreichung
all dieser Ziele führen.
Die Vereinigten Staaten glauben weiterhin, daß, wenn ein
Abkommen zur Beseitigung oder Begrenzung von Atomwaffen im Rahmen eines wirkungsvollen Abrüstungssystems und unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen erreicht werden könnte, auch
entsprechende Einschränkungen der Versuche mit solchen Waffen
miteinbezogen sein sollten.
Die Vereinigten Staaten meinen, daß ein allgemeines Abrüstungsabkommen auf breiter Basis angelegt sein und sowohl
Armeestärke wie auch Militärstützpunkte einbeschließen sollte.
o
Dieses

�"AMERIKA DIENST"

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Dieses würde sich auch auf solche Stützpunkte beziehen, die auf
Wunsch und Ersuchen anderer Länder zur Verfügung der Vereinigten Staaten im Ausland angelegt worden sind. Es würde sich ebenso auf die Stützpunkte der Sowjetunion im In- und Ausland beziehen, obwohl die Sowjetunion verkündet, längst keine Stützpunkte mehr im Ausland zu haben, und darauf besteht, daß ihre
militärischen Einrichtungen in anderen Ländern als innerstaatliche Einrichtungen angesehen werden.
Sie werden in dem Dokument konkrete Beweise für die Bereitwilligkeit der Vereinigten Staaten zur Abrüstung finden, wobei
der Wohlstand seiner eigenen Bürger wie auch der seiner Freunde
anderswo in der Welt nicht nur stabil bleibt sondern tatsächlich
weiter zunimmt. Das Dokument enthält die Zahlenangaben über die
Verteidigungsstärke der Vereinigten Staaten aus den Jahresstatistiken seit Ende des Krieges. Ihre Truppenstärke von zwölf
und einer halben Million Soldaten im letzten Jahr des zweiten
Weltkriegs haben die Vereinigten Staaten auf anderthalb Millionen vor dem koreanischen Krieg reduziert.
Sie werden in dem Dokument keinerlei Vergleichszahlen der
sowjetischen Streitkräfte finden. Sie werden daher auch keinerlei Maßstab haben, mit dem sie die von den Sowjets kürzlich berichteten Effektiv-Reduzierungen beurteilen könnten.
Ob die Yereinigten Staaten nun ihre Streitkräfte noch weiter
reduzieren oder in irgendeiner Form ihre Zusammensetzung ändern,
ob das Abrüstungsabkommen früher oder später kommt, die Welt möge
einer Tatsache gewiß sein: Die Vereinigten Staaten werden atomare
oder irgendwelche anderen Waffen - mögen es Kanonen, Tanks, Flugzeuge, Gewehre oder was sonst auch immer sein - nicht zur Anwendung
bringen, es sei denn in Übereinstimmung mit der Charta der Vereinten Nationen und zur Verteidigung gegen einen Angriff.
Eisenhowers Konzeption ist ebenso einfach wie kühn. Die
Vereinigten Staaten anerkennen bereitwilligst den Wunsch jeder
Regierung, die Bedeutung dieser Konzeption mit allergrößter Sorgfalt abzuwägen. Jedoch müssen wir uns alle darüber klar sein, daß
die Lösung des Problems um so schwieriger wird, je länger man
seine Inangriffnahme hinauszögert-.
Die Sowjetunion hat durch Herrn Molotow in Genf, durch Herrn
Sobolew in der Abrüstungskommission und durch Herrn Kusnetzow
ihre Einwendungen zu jenem Plan zum Ausdruck gebracht.
Welcher Art sind nun diese Einwendungen?
Zunächst sagt die Sowjetunion, der Plan des Präsidenten habe
mit Abrüstung nichts zu tun. Tatsache ist, daß der Vorschlag, als
erste Phase der Abrüstung gedacht war, nachdem neun Jahre Verhandlungen über andere Methoden keine Lösung gebracht hatten. Die
Resolution, die am 2.Dezember von Großbritannien, von Frankreich,
Kanada und den Vereinigten Staaten eingebracht wurde, enthält
die Bekanntgabe unseres Entschlusses, ein baldiges Übereinkommen
über die Vorschläge des Präsidenten als auch über ausreichende
Sicherheitsmaßnahmen für die Durchführung eines Abrüstungsplans,
insofern sie im Augenblick realisierbar sind, zustande zu bringen.
Wir

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�7. Dezember 19-55
"AMERIKA DIENST
Wir werden in unseren Bemühungen um ein umfassendes Abkommen
fortfahren.
Zweitens hat die Sowjet-Delegation in Genf den Einwand erhoben, der Plan sei nur auf die Territorien der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beschränkt. Dies aber ist tatsächlich der
logische Ausgangspunkt. Diese beiden Länder verfügen über ein
Übergewicht an nuklearen Waffen, deren Einsatz in einem Kriege
die Welt fürchtet. Sie unterhalten auch den größten Teil ihrer
Streitkräfte innerhalb ihrer eigenen Grenzen.
Der Präsident sprach, als er seine Vorschläge an die Sowjetunion machte, nur für sein eigenes Land. Aber wir sind bereit,
sowohl mit anderen beteiligten souveränen Staaten als auch mit
der Sowjetunion über die Ausweitung des Eisenhower-Plans und des
Bulganin-Planes für Bodenbeobachtungsstationen auf Überseebasen
und die Streitkräfte anderer Länder zu verhandeln. Es sind souveräne Staaten. Die Entscheidung, sich dazu zu äußern, liegt
bei ihnen. Meine Vermutung ist, daß sie ihre Zustimmung geben
werden.
Drittens sagt die Sowjetunion, der Plan bringe "enorme
Ausgaben" mit sich. Ich habe mich schon mit diesem Punkt befaßt,
und es ist absolut richtig, daß mit einigen Ausgaben gerechnet
werden muß. Wir können sie aufbringen und wir glauben, daß
die Sowjetunion sie auch aufbringen kann. Es ist dies eine geringfügige Prämie auf die Versicherung gegen den Krieg.
Viertens beanstandete die Sowjetunion zu unserer
Verwunderung in Genf wieder, daß der Plan keine Bodeninspektion an Schlüsselpositionen vorsehe. Tatsache ist, daß
Präsident Eisenhower Herrn Bulganin in seinem Brief vom 11.
Oktober erklärte, "... ich habe Ihren Vorschlag bezüglich der
Stationierung von Kontrollteams an Schlüsselpositionen in unsern Ländern nicht vergessen, und wenn Sie das Gefühl haben,
dies würde dazu beitragen, die bessere Atmosphäre zu schaffen,
für die ich mich selber ausgesprochen habe, so würden wir auch
das akzeptieren können."
Schließlich haben Herr Molotow in Genf und Herr Chruschtschew
in Indien behauptet, daß der Eisenhowerplan die Kriegsgefahr erhöhen würde, weil durch ifcP jedem Land militärische Informationen über den anderen zugängig gemacht würden, die möglicherweise
für einen Überraschungsangriff verwertet werden könnten. Tatsache ist aber, wie Außenminister Dulles in Genf betonte, daß ein
Mangel an Informationen Feindseligkeiten nicht unterbindet. Was
fehlt, ist ein Abschreckungsmittel gegen Angriffe, das sich durch
die Annahme dieses Planes ergeben und den Angreifer des Vorteils
der Überraschung berauben würde.
Dieses sind im einzelnen die russischen Argumente gegen die
Vorschläge Präsident Eisenhowers. In aller Aufrichtigkeit, sie
erscheinen nicht gerade eindrucksvoll - noch unwiderlegbar. Das
ist gut so; denn die Aussichten würden in der Tat düster sein,
wenn wir sie als das letzte sowjetische Wort anzunehmen hätten.
Die Aussichten würden aber weitaus freundlicher sein, wenn
die Sowjetunion folgende Fragen beantworten würde:
1

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1. Wann wird sich die Sowjetunion unserer Politik der
Offenheit anschließen, durch die die Welt beruhigt und die
Sache der Abrüstung gefördert würde?
2. Warum spricht sich die Sowjetunion auch weiterhin für
das Verbot atomarer Waffen als Nahziel aus, wenn sie der Welt
so eindeutig gesagt hat, daß dieses unmöglich ist?
3. Warum will die Sowjetunion, daß sich die Länder zu einer
Reihe von ihre nationale Sicherheit im besonderen Maße berührenden Maßnahmen verpflichten, ohne daß Mittel für eine Inspektion und Kontrolle geschaffen werden, um festzustellen, daß sie
auch von allen im gleichen Umfang durchgeführt werden?
4* Warum ist die Sowjetunion nicht willens, wenn sie wirklich wegen eines möglichen Angriffs aus dem Westen besorgt ist,
einem praktischen Sofort-Programm beizutreten, durch das Überraschungsangriffe von beiden Seiten geächtet würden?
Wenn es das sowjetische Ziel ist, die Verteidigungsanstrengungen des Westens mit einem Lächeln einzulullen und die Auflösung der westlichen Allianz, die als Antwort auf die sowjetische Nachkriegspolitik und die sowjetischen Handlungen geschaffen wurde, zu fördern, dann würde ein besonderes Abrüstungsprogramm, das eine Inspektion nicht beinhaltet, diesen Absichten dienen. Aber wir sind nicht geneigt, anzunehmen, daß dieses
die Antwort auf unsere Fragen ist. Meine Herren, geben Sie uns
klare Antworten} die Welt bedient sie.
Was sollte getan werden?
Trotz der jüngsten enttäuschenden Entwicklungen sind die
Vereinigten Staaten nicht bereit, trübsinnige melancholische
Schlüsse über die sowjetische Politik zu akzeptieren.
Wir hoffen immer noch, daß auf Grund weiterer Überlegungen
und Diskussionen die Sowjetunion einsehen wird, daß der Eisenhower-Plan in ihrem eigenen und im Interesse der Welt ist.
Wir freuen uns, feststellen zu können, daß zumindest bei
einigen Punkten Übereinstimmung erzielt wurde. Wir sind uns
alle darüber klar, daß man heute erhebliche Mengen atomaren
Materials verbergen kann. Wir sind uns alle einig darin, daß
der Verhütung von Überraschungsangriffen erneut größte Aufmerksamkeit geschenkt werden muß.
Wir stellen fest, daß die Sowjetunion, nachdem sie sich
zehn Jahre lang geweigert hat, einer Luftinspektion zuzustimmen,
nun geneigt ist, ihre Einwilligung zu geben, zumindest "im
Endstadium" eines Abrüstungsprogramms. Wir hoffen, daß sie zustimmen wird, daß eine solche Inspektion, wie sie Präsident
Eisenhower vorgeschlagen hat, als Anfangsmaßnahme erfolgen sollte, nämlich dann, wenn es am notwendigsten ist, die Spannung
zu verringern und den Weg frei zu machen für weitere Maßnahmen
für die Durchführung von Inspektion und Rüstungs-Kontrolle.
Es wäre nicht das erste Mal, daß die Sowjetunion auf neue
Vorschläge lediglich deswegen negativ reagiert, um ihre Denkweise
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�"AMERIKA DIENST"

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Denkweise der vorwärtsschreitenden Entwicklung anzupassen.
Wir erinnern uns der positiven V^endung ihrer Ansichten hinsichtlich des Atome-für-den-Frieden-Plans.
Die Vereinigten Staaten hoffen, daß der Delegierte der
Sowjetunion.
das Forum der UN-Vollversammlung wählen wird,
um einen Fortschritt der sowjetischen Denkweise bezüglich dieses Problems kundzutun. Wir glauben, daß sich die Vollversammlung für die im Vorschlag Präsident Eisenhowers enthaltenen
Grundsätze wie auch für die konstruktiven Vorschläge der britischen, französischen und sowjetischen Regierung entscheiden
wird.
Herr Vorsitzender, ich komme zum Schluß:
Am 26.November dieses Jahres erklärte Herr Chruschtschew
in einer Rede: "Stellen Sie sich vor", so wird berichtet, daß
er sagte, "sowjetische Flugzeuge überfliegen die Vereinigten
Staaten" und "US-Flugzeuge überfliegen die Sowjetunion".
Herr Chruschtschew schien diese Vorstellung für phantastisch zu halten.
Wir Amerikaner finden dies gar nicht. Wir glauben, daß es
vielen anderen genauso geht.
Wir glauben, daß diese Vision von "Wächtern des Friedens",
die einander in "den offenen Himmeln" begegnen, etwas ist,
was Millionen Menschen in allen Ländern sich sehr gut vorstellen können.
Dieses Bild wird dasselbe Gefühl der Sicherheit erzeugen
wie der Anblick eines Polizisten auf seinem üblichen Rundgang.
Wir hoffen, daß auch die sowjetischen Führer so viel Vcrstellungsvermögen und so viel staatsmännische Kunst besitzen, um
dies zu erkennen.
Wir hoffen schließlich, daß dieser Ausschuß diesen Luftinspektionsplan befürworten und daß diese Befürwortung seine
baldige Inkraftsetzung zur Folge haben wird. Der Tag, an dem
diese "Wächter des Friedens" zu ihren ersten Flügen starten,
wird bestimmt der glanzvollste Tag in der Geschichte der
Vereinten Nationen sein.

* * * * *

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&lt;p&gt;A. 11. V.&lt;br /&gt;Dulles zum Gesetz über die gemeinsame Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 11. V.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Murphy: Die Asienpolitik der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 11. V.&lt;br /&gt;Stassen: Berlin auch weiterhin das große Symbol der Freiheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 18. V.&lt;br /&gt;Dulles berichtet über die jüngsten Entwicklungen in Europa&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 25. V.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Herbert Hoover Jr.: Wir glauben an das Prinzip der kollektiven Sicherheit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 25. V.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Dulles: Kommunisten sind sich der Stärke der freien Welt bewusst (Zum Gemeinsamen Sicherheitsprogramm Eisenhowers)&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;A. 1. VI.&lt;br /&gt;General Gruenther vor der Auslandspresse in Bad Godesberg&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 8. VI.&amp;nbsp;&lt;br /&gt;Lewis L. Strauss: Wir haben unsere Zukunft selbst in der Hand&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 15. VI.&lt;br /&gt;Eisenhower schlägt Atomreaktorprogramm für freie Nationen vor&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 22. VI.&lt;br /&gt;Eisenhower / Sondersitzung der UNO in San Francisco: ".. unser Ziel wird weiterhin der Frieden sein"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 29. VI.&lt;br /&gt;Dulles / Sondersitzung der UNO in San Francisco&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;/p&gt;&#13;
&lt;p&gt;A. 29. VI.&lt;br /&gt;Robert Murphy: Deutschland in der freien Welt&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 29. VI.&lt;br /&gt;Sechster Halbjahresbericht des US-Amtes für Auslandshilfe (Battle Act / Mutual Defense Assistance Control) II. Halbjahr 1954&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 13. VII.&lt;br /&gt;Harold E. Stassen: Der Frieden erfordert ständiges Handeln&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 20. VII.&lt;br /&gt;Eisenhower / Brief an den Kongress: Die UNO wird in Genf nicht vergessen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 20. VII.&lt;br /&gt;Eisenhower umreißt die amerikanischen Ziele auf der Genfer Konferenz (Rundfunk- und Fernsehansprache)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 20. VII.&lt;br /&gt;EIsenhower / Eröffnungsansprache auf der Genfer Konferenz: Den Weg zum Frieden suchen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 28. VII.&lt;br /&gt;Eisenhower / Schlussansprache auf der Genfer Konferenz&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 28. VII.&lt;br /&gt;Eisenhower berichtet über die Genfer Konferenz (Rundfunk und Fernsehansprache)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 10. VIII.&lt;br /&gt;Eisenhower / Botschaft: Die Atomkonferenz - ein Versprechen für die Zukunft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 10. VIII.&lt;br /&gt;Walter S. Robertson: Konferenz über Süd- und Südostasien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 24. VIII.&lt;br /&gt;Eisenhower vor Anwaltskammer in Philadelphia: Über die amerikanische Konzeption von Frieden&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 31. VIII.&lt;br /&gt;Lodge vor der UNO: erläutert Präsident Eisenhowers Abrüstungsvorschlag&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 7. IX.&lt;br /&gt;Stassen: Frieden nur durch Beendigung des Wettrüstens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;W. 21. IX.&lt;br /&gt;Kalijarvi: Die amerikanische Antitrust-Gesetzgebung und der Welthandel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 28. IX.&lt;br /&gt;Dulles vor der UN-Vollversammlung: US-Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 5. X.&lt;br /&gt;Jacob Blaustein: USA bemühen sich weiterhin um die Lösung des Flüchtlingsproblems&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 12. X.&lt;br /&gt;Stassen: Die von den USA in der Abrüstung verfolgten Ziele&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 12. X.&lt;br /&gt;Dulles erwartet Aera der friedlichen Veränderungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 19. X.&lt;br /&gt;Eric A. Johnston vor dem Forum der NYHT übre Nahostfragen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 26. X.&lt;br /&gt;John C. Hollister: Vorschlag zur Errichtung eines Zentrums der Kernforschung in Asien&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 26. X.&lt;br /&gt;Stassen: Die UN - ein wesentliches Werkzeug des Friedens&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 26. X.&lt;br /&gt;John J. McCloy: Zum fünften Jahrestag der Einweihung der Berliner Freiheitsglock&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 2. XI.&lt;br /&gt;Dulles zur Eröffnung der Genfer Konferenz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 17. XI.&lt;br /&gt;Dulles: Stellungnahme zu den Ausführungen Molotows&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 17. XI.&lt;br /&gt;Dulles umreißt den Standpunkt der USA zur Abrüstungsfrage&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 17. XI.&lt;br /&gt;Entschließungsentwurf der Westmächte zur Abrüstungsfrage&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 17. XI.&lt;br /&gt;Dulles bietet Ausweitung des Eisenhowerplanes der "offenen Himmel" an&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 23. XI.&lt;br /&gt;Dulles über Genf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 14. XII.&lt;br /&gt;Dulles umreißt Probleme der US-Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;W. 14. XII.&lt;br /&gt;Die amerikanische Gewerkschaftsbewegung (Hintergrundmaterial)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;A. 7. XII.&lt;br /&gt;Lodge fordert Annahme des Luftinspektionsplans Eisenhowers&lt;/p&gt;&#13;
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